Puja - 32 Schritte

Aus Yogawiki

Puja - 32 Schritte (Sanskrit: द्वात्रिंशद्-उपचार-पूजा dvātriṃśad-upacāra-pūjā) ist eine ausführliche Lernübersicht zur Verehrung der Gottheit durch Einladung, Bewirtung, Schmuck, Licht, Gebet und Hingabe. Sie führt durch 32 benannte Stationen und verknüpft jede mit einer eigenen Erklärung. Die Gottheit wird als geliebter, höchst geehrter Gast empfangen; die äußeren Gaben lassen die innere Bhakti konkret werden.

Zur Zählung: Die hier verwendete 32er-Folge ist eine redaktionelle Lernordnung, keine für alle Hindu-Traditionen verbindliche antike Einheits-Paddhati. Überlieferte Listen von fünf, sechzehn, zweiunddreißig oder vierundsechzig Upacharas unterscheiden sich in Auswahl und Zählweise. Die bei Drik Panchang dargestellte 32-teilige Varalakshmi-Puja enthält beispielsweise besondere Fadenhandlungen und weitere andere Positionen. Sie belegt eine konkrete 32er-Praxis, aber nicht die Identität mit der folgenden Lernliste.

Wie diese Übersicht verwendet wird

Wer eine bestimmte Puja vollzieht, wählt zuerst deren zusammenhängende Anleitung und Gottheitsform. Die folgenden Artikel erklären dann, was die einzelnen Handlungen bedeuten. Sie helfen beim Vorbereiten, beim bewussten Mitfeiern und beim Verständnis verschiedener Traditionsfassungen. Eine Ganesha-, Lakshmi-, Shiva- oder Vishnu-Puja verwendet ihre eigenen Namen, Verse und gegebenenfalls besondere Materialien. Die in den Einzelartikeln gegebenen Rezitationen sind jeweils als Beispiel und mit ihrer Quelle bezeichnet. Eine Strophe an Lakshmi wird nicht wortlos in eine Ganesha-Puja eingefügt. Wo ein Beispiel nur ein Auszug ist, steht dies ausdrücklich dabei. Die deutsche Bedeutung ermöglicht es, die Handlung auch beim Zuhören innerlich mitzuvollziehen.

Was vor den 32 Schritten geschehen kann

Zum vollständigen Rahmen können das Reinigen und Herrichten des Platzes, eigenes Bad oder Achamana, die Verehrung von Guru und Ganesha, Atemsammlung, Sankalpa, Kalasha-Bereitung, Punyahavachana und Nyasa gehören. Nicht jede Puja enthält alle diese Vorbereitungen. Sie werden in dieser Liste nicht nachträglich in die Zahl 32 hineingezwungen. Vor Beginn werden die tatsächlichen Gaben in passender Reihenfolge bereitgestellt. Wasser für den Vorrat, gebrauchte Flüssigkeit und zum Verzehr bestimmte Speisen bleiben unterscheidbar. Ein Bild, das kein Wasser verträgt, erhält die dafür vorgesehene symbolische Bewirtung.

Die 32 Schritte im Zusammenhang

Nr. Bezeichnung Bedeutung und Einzelartikel
1 Dhyana Dhyana – die Gottheit im Ritual vergegenwärtigen
Die Gottheit gesammelt vergegenwärtigen.
2 Avahana Avahana – Einladung der göttlichen Gegenwart
Die Gegenwart am vorbereiteten Verehrungsort willkommen heißen.
3 Asana Asana – der Gottheit einen Sitz anbieten
Einen ehrenvollen Sitz anbieten.
4 Padya Padya – Wasser für die Füße der Gottheit
Wasser zum symbolischen Waschen der Füße darbringen.
5 Arghya Arghya – ehrerbietige Wassergabe
Eine besondere Ehrengabe aus Wasser darbringen; nicht mit Mundwasser gleichsetzen.
6 Achamana / Achamaniya Achamaniya – Schluckwasser für die Gottheit
Hier: Schluckwasser für die Gottheit. Das eigene Achamana ist ein anderer Bestandteil.
7 Madhuparka Madhuparka – süße Ehrenspeise für den göttlichen Gast
Eine süße Ehrenspeise nach der gewählten Rezeptur anbieten.
8 Panchamrita Snana Panchamrita Snana – Bad mit fünf Nektaren
Das Bad mit fünf traditionellen Zutaten; als Bad vom Madhuparka unterscheiden.
9 Snana / Abhisheka Snana – das rituelle Bad der Gottheit
Das reine Wasserbad abschließen. Abhisheka erklärt das Übergießen auch in weiteren Zusammenhängen.
10 Plotha / Plota Plota – das Bildnis nach dem Bad trocknen
Das Bildnis trocknen. Angavastra ist dagegen ein Ober- oder Schultertuch.
11 Vastra Vastra – Gewänder als Darbringung
Gewand beziehungsweise Gewandpaar darbringen.
12 Yagnopaveetha / Yajnopavita Yajnopavita – heilige Schnur als Puja-Gabe
Die heilige Schnur als Puja-Gabe. Kanthasutra bezeichnet eine andere, gesondert erläuterte Halsgabe.
13 Abharana Abharana – Schmuck der Gottheit darbringen
Schmuckstücke anbieten; Alankara bezeichnet das umfassendere Schmücken.
14 Gandha Gandha – Duft und Sandelholz als Verehrungsgabe
Duft beziehungsweise Sandelpaste anbieten.
15 Saubhagya Dravya Saubhagya Dravya – glückverheißende Gaben für die Göttin
Glückverheißende Göttinnengaben nach der jeweiligen Tradition.
16 Akshata Akshata – ungebrochener Reis als Ritualgabe
Ungebrochene Reiskörner als rituelle Gabe.
17 Pushpa Pushpa – Blüten als Verehrungsgabe
Blüten oder eine passende Blumengabe anbieten.
18 Anga Pujana Anga Puja – die Glieder der Gottheit verehren
Die Glieder der Gottheit in einer festgelegten Litanei verehren.
19 Ashtottara Shatanamavali Ashtottarashata Namavali – Verehrung mit 108 Namen
Eine zusammenhängende Folge von 108 Namen rezitieren.
20 Dhupa Dhupa – Räucherwerk als Darbringung
Räucherwerk darbringen.
21 Deepa / Dipa Dipa – die Lichtgabe der Puja
Das Licht als Upachara zeigen.
22 Naivedya Naivedya – Speisen der Gottheit darbringen
Speisen anbieten; gegebenenfalls mit den zugehörigen Prana-Gaben.
23 Paneeya / Paniya Paniya – Trinkwasser zur Speisedarbringung
Trinkwasser zur Bewirtung anbieten; danach erforderliches Mund- und Handwasser unterscheiden.
24 Tambula Tambula – Betelgabe als Abschluss der Bewirtung
Die besondere Betelgabe nach der Speise anbieten.
25 Dakshina Dakshina – Ehrengabe und Dank an die Ritualtragenden
Ehrengabe und Dank in der vorgesehenen Form aussprechen beziehungsweise übergeben.
26 Karpoora Niranjanam / Arati Karpura Nirajana – feierliche Kampferlichtgabe
Kampferlichtgabe als besondere Lichtverehrung. Arati kann auch andere Lichter verwenden.
27 Mantrapushpa Mantrapushpa – Blütengabe und vedischer Schlussgesang
Den jeweiligen Schlussgesang mit einer Blütengabe verbinden.
28 Pradakshina Pradakshina – ehrerbietige Umrundung
Die vorgesehene Umrundung ausführen; Zahl und Weg sind traditionsabhängig.
29 Namaskara / Pranam Namaskara – ehrerbietiger Gruß und Verneigung
Ehrerbietig grüßen und sich verneigen. Pranama erläutert die Körperformen.
30 Stotra / Prarthana Stotra – Lobgesang innerhalb des Rituals
Lobgesang und Gebet. Prarthana erläutert die ausdrückliche Bitte.
31 Kshamapana Kshamapana – um Vergebung und Vollendung bitten
Um Vergebung und Vollendung des unvollkommen Ausgeführten bitten.
32 Samarpana / Visarjana Samarpana – die Früchte des Rituals hingeben
Die Früchte hingeben; eine erforderliche Visarjana folgt nach der Regel des Verehrungsortes.

Der innere Weg durch die Puja

Vergegenwärtigen und willkommen heißen – Schritte 1 bis 6: Die Aufmerksamkeit sammelt sich. Der göttliche Gast erhält einen Sitz und die ersten Wassergaben. Aus einer Vorstellung wird eine bewusst gepflegte Beziehung.

Baden und schmücken – Schritte 7 bis 19: Die süße Ehrengabe, das Bad, Gewänder, Duft und Blüten entfalten Fürsorge. Die Glieder- und Namensverehrung lässt die geliebte Gestalt in vielen Einzelheiten gegenwärtig werden. Das Zählen dient der Aufmerksamkeit und wird nicht zum eigentlichen Ziel der Andacht.

Bewirten und ehren – Schritte 20 bis 27: Rauch, Licht, Speise und Wasser werden dargebracht. Die Feier gewinnt ihren gemeinschaftlichen Höhepunkt in der Lichtverehrung und den Schlussgesängen. Dakshina erinnert an die Menschen, die den rituellen Dienst tragen.

Verneigen und hingeben – Schritte 28 bis 32: Umrundung, Gruß, Gebet und Vergebungsbitte führen zum Loslassen der Früchte. Samarpana richtet den Blick vom gelungenen Vollzug auf Hingabe. Eine zeitweilig angerufene Gegenwart wird anschließend in der vorgeschriebenen Form verabschiedet.

Begriffe, die sorgfältig unterschieden werden

  • Achamana und Achamaniya: eigene Reinigung durch Wasserschlucken gegenüber dem Wasserangebot an die Gottheit.
  • Madhuparka und Panchamrita: süße Ehrenspeise gegenüber einer fünfteiligen Badgabe; Zusammensetzung und Verwendung stammen aus der jeweiligen Fassung.
  • Plota, Angavastra und Vastra: Trockentuch, Ober- beziehungsweise Schultertuch und Gewandgabe.
  • Yajnopavita und Kanthasutra: heilige Schnur gegenüber Halsgabe beziehungsweise Halsschmuck, insbesondere in einer Göttinnen-Puja.
  • Dipa, Karpura Nirajana und Arati: Licht-Upachara, besondere Kampferlichtgabe und umfassenderer Lichtzeremonie-Zusammenhang.
  • Samarpana und Visarjana: Hingabe des Getanen gegenüber Verabschiedung der zeitweilig angerufenen Gegenwart. Eine dauerhaft geweihte Tempel-Murti wird nicht am Ende jeder Puja wie ein vorübergehend angerufener Kalasha behandelt.

Kumkum wird nicht pauschal mit chemischem Zinnober gleichgesetzt. Zahl und Form der Umrundungen richten sich nach der verehrten Gestalt und Tradition. Namaskara setzt keine für jeden Menschen mögliche volle Niederwerfung voraus.

Nach der Puja und weitere Ausgestaltungen

Zum Abschluss gehören je nach Fassung Friedensgebete, Segen, Empfang und Verteilung von Prasad sowie das geordnete Behandeln von Wasser, Blüten und Geräten. Die fürsorgliche Haltung darf sich dabei fortsetzen. Wer die Puja gemeinsam vorbereitet und aufräumt, vollzieht ebenfalls einen Dienst. Weitere Ausgestaltungen sind Glockenverehrung, Schirm, Wedel, Fächer, Spiegel, Musik und Tanz oder eine besondere Pushpanjali. Ein Homa besitzt darüber hinaus eine eigene Feuerordnung, erläutert in Bestandteile von Homa, Yajna und Havan.

Die Übersicht ist traditionsübergreifend zum Lernen angelegt. Wer die besondere Praxis von Yoga Vidya verstehen möchte, findet dafür die gesonderte Sammlung Bestandteile der Yoga Vidya Rituale. Die allgemeinen Artikel ergänzen diese durch weitere Quellen und Begriffsunterscheidungen.

Ritualbeispiele und Quellen

Weitere Ritualbestandteile

Bestandteile von Homa, Yajna und Havan · Bestandteile der Yoga Vidya Rituale

Die 32 Puja-Schritte
Dhyana – die Gottheit im Ritual vergegenwärtigen · Avahana – Einladung der göttlichen Gegenwart · Asana – der Gottheit einen Sitz anbieten · Padya – Wasser für die Füße der Gottheit · Arghya – ehrerbietige Wassergabe · Achamaniya – Schluckwasser für die Gottheit · Madhuparka – süße Ehrenspeise für den göttlichen Gast · Panchamrita Snana – Bad mit fünf Nektaren · Snana – das rituelle Bad der Gottheit · Plota – das Bildnis nach dem Bad trocknen · Vastra – Gewänder als Darbringung · Yajnopavita – heilige Schnur als Puja-Gabe · Abharana – Schmuck der Gottheit darbringen · Gandha – Duft und Sandelholz als Verehrungsgabe · Saubhagya Dravya – glückverheißende Gaben für die Göttin · Akshata – ungebrochener Reis als Ritualgabe · Pushpa – Blüten als Verehrungsgabe · Anga Puja – die Glieder der Gottheit verehren · Ashtottarashata Namavali – Verehrung mit 108 Namen · Dhupa – Räucherwerk als Darbringung · Dipa – die Lichtgabe der Puja · Naivedya – Speisen der Gottheit darbringen · Paniya – Trinkwasser zur Speisedarbringung · Tambula – Betelgabe als Abschluss der Bewirtung · Dakshina – Ehrengabe und Dank an die Ritualtragenden · Karpura Nirajana – feierliche Kampferlichtgabe · Mantrapushpa – Blütengabe und vedischer Schlussgesang · Pradakshina – ehrerbietige Umrundung · Namaskara – ehrerbietiger Gruß und Verneigung · Stotra – Lobgesang innerhalb des Rituals · Kshamapana – um Vergebung und Vollendung bitten · Samarpana – die Früchte des Rituals hingeben

Weitere Begriffe und Feuerbestandteile
Abhisheka – rituelles Übergießen und Weihen · Angavastra – Ober- und Schultertuch als Gabe · Kanthasutra – Halsschmuck der Göttin · Pranama – sich in Hingabe verneigen · Prarthana – Gebet und persönliche Bitte im Ritual · Visarjana – Verabschiedung der angerufenen Gegenwart · Arati – gemeinschaftliche Lichtverehrung · Achamana – rituelles Wasserschlucken der ausführenden Person · Alankara – das göttliche Bild schmücken · Pushpanjali – die gemeinsame Blütengabe · Upachara – Formen liebevoller Darbringung · Sankalpa – traditioneller Ritualvorsatz mit Zeit, Ort und Anliegen · Purnahuti – die volle Schlussgabe einer Yajna · Agnimukha – Vorbereitung und Eröffnung des Feueropfers · Sthandila und Rekha – Feuerplatz und rituelle Linien · Agni Sthapana – das Ritualfeuer einsetzen · Paristarana – Darbha um das Feuer auslegen · Patra Sadana – die Opfergeräte bereitstellen · Pranita und Prokshani – die Wassergefäße des Homa · Ajya Samskara – Ghee für das Feueropfer bereiten · Paridhi – Begrenzungshölzer des Feueropfers · Parishechana – Wasser um das Opferfeuer geben · Samidhadhana – geeignete Hölzer ins Feuer geben · Aghara – die eröffnenden Ghee-Ströme · Ajyabhaga – Ghee-Anteile für Agni und Soma · Ahuti – Mantra und Feuerdarbringung verbinden · Vyahriti Ahuti – Gaben mit den heiligen Weltenrufen · Svishtakrit – Agni um die Vollendung des Opfers bitten · Jayadi – ergänzende Gaben für das Gelingen des Rituals · Prayashchitta – rituelle Berichtigung und Wiedergutmachung · Vasordhara – der zusammenhängende Ghee-Strom · Agnyupasthana – das Feuer abschließend verehren · Anujna und Brahma Varana – Zustimmung und Ritualverantwortung · Kalasha Sthapana – das heilige Wassergefäß aufstellen · Punyahavachana – Reinheit und Wohlergehen feierlich zusprechen · Nyasa – Mantra und göttliche Gegenwart im Körper verorten · Ghanta – die Ritualglocke erklingen lassen · Rajopachara – königliche Ehrengaben in der Puja · Bestandteile von Homa, Yajna und Havan