Samarpana – die Früchte des Rituals hingeben

Aus Yogawiki

Samarpana – die Früchte des Rituals hingeben (Sanskrit: समर्पण samarpaṇa) bedeutet Darbringen, Übergeben oder Widmen. Als Abschluss einer Puja oder eines Homa bezeichnet es besonders die Übergabe der Handlung und ihrer Früchte an das Göttliche. Das Wort kann aber auch bei jeder einzelnen Gabe im Verb samarpayāmi, „ich bringe dar“, erscheinen.

Stellung und Abgrenzung

In Puja - 32 Schritte bildet die Schlusswidmung den 32. Lernschritt. Eine gegebenenfalls folgende Visarjana ist davon zu unterscheiden: Samarpana widmet das Getane; Visarjana beendet eine bestimmte zeitweilige Anrufung. Beides kann am Schluss vorkommen, ist aber nicht dieselbe Handlung. Die Widmung geschieht mit ruhiger Aufmerksamkeit, häufig nach der Bitte um Vergebung. Dafür ist keine große neue materielle Gabe erforderlich. Eine Blüte oder wenig Wasser kann in der jeweiligen Tradition die Übergabe begleiten.

Überlieferte Schlusswidmung

Ein in vielen Puja-Abschlüssen verwendeter Vers weitet die Hingabe auf das gesamte Leben aus:

Traditionelle Narayana-Widmung
kāyena vācā manasendriyair vā
buddhyātmanā vā prakṛteḥ svabhāvāt |
karomi yad yat sakalaṃ parasmai
nārāyaṇāyeti samarpayāmi ||

कायेन वाचा मनसेन्द्रियैर् वा
बुद्ध्यात्मना वा प्रकृतेः स्वभावात् ।
करोमि यद् यत् सकलं परस्मै
नारायणायेति समर्पयामि ॥

Bedeutung: Was immer ich mit Körper, Sprache, Geist und Sinnen, mit Verstand und Selbst oder aus der Eigenart meiner Natur tue: All dies bringe ich dem höchsten Narayana dar.

Die vier Zeilen werden zusammenhängend gesprochen. Anschließend bleibt ein stiller Moment. In anderen Traditionen wird die Widmung ausdrücklich an Shiva, Devi oder den eigenen Ishta Devata gerichtet; solche Fassungen werden als eigene Überlieferungsform benannt.

Bhava und Alltag

Samarpana schließt die Handlung ab, ohne ihre Früchte krampfhaft festzuhalten. Bhagavad Gita 9.27 fordert dazu auf, Handeln, Essen, Opfern und Geben als Darbringung zu verstehen. Daraus ergibt sich eine Brücke zum Alltag: Die Feier mündet in verantwortliches Handeln, das sich nicht allein um die eigene Anerkennung dreht. Die Widmung hebt einen zuvor ausgesprochenen Sankalpa nicht auf. Das Anliegen bleibt wahrgenommen, wird aber in eine Haltung des Vertrauens gestellt. Danach folgen je nach Praxis Verabschiedung, Segensworte und Prasad-Verteilung. Das Aufräumen kann als Fortsetzung desselben Dienstes geschehen.

Ritualbeispiele und Quellen

Weitere Ritualbestandteile

Puja - 32 Schritte · Bestandteile von Homa, Yajna und Havan · Bestandteile der Yoga Vidya Rituale

Die 32 Puja-Schritte
Dhyana – die Gottheit im Ritual vergegenwärtigen · Avahana – Einladung der göttlichen Gegenwart · Asana – der Gottheit einen Sitz anbieten · Padya – Wasser für die Füße der Gottheit · Arghya – ehrerbietige Wassergabe · Achamaniya – Schluckwasser für die Gottheit · Madhuparka – süße Ehrenspeise für den göttlichen Gast · Panchamrita Snana – Bad mit fünf Nektaren · Snana – das rituelle Bad der Gottheit · Plota – das Bildnis nach dem Bad trocknen · Vastra – Gewänder als Darbringung · Yajnopavita – heilige Schnur als Puja-Gabe · Abharana – Schmuck der Gottheit darbringen · Gandha – Duft und Sandelholz als Verehrungsgabe · Saubhagya Dravya – glückverheißende Gaben für die Göttin · Akshata – ungebrochener Reis als Ritualgabe · Pushpa – Blüten als Verehrungsgabe · Anga Puja – die Glieder der Gottheit verehren · Ashtottarashata Namavali – Verehrung mit 108 Namen · Dhupa – Räucherwerk als Darbringung · Dipa – die Lichtgabe der Puja · Naivedya – Speisen der Gottheit darbringen · Paniya – Trinkwasser zur Speisedarbringung · Tambula – Betelgabe als Abschluss der Bewirtung · Dakshina – Ehrengabe und Dank an die Ritualtragenden · Karpura Nirajana – feierliche Kampferlichtgabe · Mantrapushpa – Blütengabe und vedischer Schlussgesang · Pradakshina – ehrerbietige Umrundung · Namaskara – ehrerbietiger Gruß und Verneigung · Stotra – Lobgesang innerhalb des Rituals · Kshamapana – um Vergebung und Vollendung bitten

Weitere Begriffe und Feuerbestandteile
Abhisheka – rituelles Übergießen und Weihen · Angavastra – Ober- und Schultertuch als Gabe · Kanthasutra – Halsschmuck der Göttin · Pranama – sich in Hingabe verneigen · Prarthana – Gebet und persönliche Bitte im Ritual · Visarjana – Verabschiedung der angerufenen Gegenwart · Arati – gemeinschaftliche Lichtverehrung · Achamana – rituelles Wasserschlucken der ausführenden Person · Alankara – das göttliche Bild schmücken · Pushpanjali – die gemeinsame Blütengabe · Upachara – Formen liebevoller Darbringung · Sankalpa – traditioneller Ritualvorsatz mit Zeit, Ort und Anliegen · Purnahuti – die volle Schlussgabe einer Yajna · Agnimukha – Vorbereitung und Eröffnung des Feueropfers · Sthandila und Rekha – Feuerplatz und rituelle Linien · Agni Sthapana – das Ritualfeuer einsetzen · Paristarana – Darbha um das Feuer auslegen · Patra Sadana – die Opfergeräte bereitstellen · Pranita und Prokshani – die Wassergefäße des Homa · Ajya Samskara – Ghee für das Feueropfer bereiten · Paridhi – Begrenzungshölzer des Feueropfers · Parishechana – Wasser um das Opferfeuer geben · Samidhadhana – geeignete Hölzer ins Feuer geben · Aghara – die eröffnenden Ghee-Ströme · Ajyabhaga – Ghee-Anteile für Agni und Soma · Ahuti – Mantra und Feuerdarbringung verbinden · Vyahriti Ahuti – Gaben mit den heiligen Weltenrufen · Svishtakrit – Agni um die Vollendung des Opfers bitten · Jayadi – ergänzende Gaben für das Gelingen des Rituals · Prayashchitta – rituelle Berichtigung und Wiedergutmachung · Vasordhara – der zusammenhängende Ghee-Strom · Agnyupasthana – das Feuer abschließend verehren · Anujna und Brahma Varana – Zustimmung und Ritualverantwortung · Kalasha Sthapana – das heilige Wassergefäß aufstellen · Punyahavachana – Reinheit und Wohlergehen feierlich zusprechen · Nyasa – Mantra und göttliche Gegenwart im Körper verorten · Ghanta – die Ritualglocke erklingen lassen · Rajopachara – königliche Ehrengaben in der Puja · Puja - 32 Schritte · Bestandteile von Homa, Yajna und Havan