Avahana – Einladung der göttlichen Gegenwart

Aus Yogawiki

Avahana – Einladung der göttlichen Gegenwart (Sanskrit: आवाहन āvāhana) bezeichnet die feierliche Einladung einer Gottheit in den für ihre Verehrung bereiteten Ort. Dieser kann eine Murti, ein Kalasha, ein Yantra oder im Homa das geheiligte Feuer sein. Die Einladung eröffnet eine Begegnung, die mit Upacharas ausgestaltet wird.

Bedeutung und Stellung

In Puja - 32 Schritte folgt die Einladung auf Dhyana, vor dem Anbieten des Sitzes. Die Gottheit wird dabei nicht als räumlich begrenztes Wesen verstanden, das vorher an einem anderen Ort gefangen wäre. Die Handlung macht ihre Gegenwart für diese konkrete Verehrung bewusst. In verschiedenen Agama- und Tantra-Traditionen bestehen unterschiedliche Vorstellungen von der Verbindung zwischen Bild, Mantra und Gottheit. Avahana ist von einer dauerhaften Prana Pratishtha zu unterscheiden. Die Einweihung eines Tempelbildes ist eine eigenständige Zeremonie; eine häusliche Einladung vollzieht sie nicht jedes Mal neu.

Praktische Ausführung

Das Bild steht bereits sauber und sicher am Altar. Nach der Meditation richtet man sich ihm zu und spricht die Einladung. Im Ganesha-Beispiel werden die vorgesehenen kleinen Duft-, Reis- und Blütengaben vor dem Bild bereitgelegt. Eine bestimmte Mudra wird nur übernommen, wenn sie zur benutzten Fassung gehört. Das Puja Sangraha verbindet Meditation und Einladung in einer kurzen Formel:

Ganesha-Einladung; Worttrennung für das Lesen
oṃ bhūr bhuvaḥ suvaḥ | śrī-mahāgaṇapataye namaḥ | dhyāyāmi | āvāhayāmi | sthāpayāmi | gandhākṣata-puṣpāṇi samarpayāmi |

ॐ भूर् भुवः सुवः । श्री-महागणपतये नमः । ध्यायामि । आवाहयामि । स्थापयामि । गन्धाक्षत-पुष्पाणि समर्पयामि ।

Bedeutung: Om, Erde, Zwischenraum und Himmelswelt. Verehrung dem großen Ganapati. Ich vergegenwärtige dich, lade dich ein und gebe dir hier deinen Platz. Ich bringe Duft, ungebrochenen Reis und Blüten dar.

Die Bedeutung von dhyāyāmi ist „ich meditiere über“, die von āvāhayāmi „ich lade herbei“. Nach der Einladung folgt die Sitzgabe. Die Gemeinschaft kann den Namen der Gottheit gemeinsam wiederholen, wenn die Leitung das vorsieht.

Innere Haltung und Abschluss

Die Einladung verwandelt das Vorbereiten des Altars in gastfreundliche Hinwendung. Man gibt der Verehrung Zeit und Raum, statt unmittelbar Gaben abzuarbeiten. Eine passende Betrachtung lautet: „Sei in meinem Denken, Sprechen und Handeln willkommen.“ Ob zum Schluss eine Visarjana stattfindet, richtet sich nach dem Verehrungsort. Eine zeitweilig angerufene Gegenwart wird anders verabschiedet als eine dauerhaft geweihte Tempel-Murti. Deshalb dürfen Einladung und Verabschiedung nicht unabhängig voneinander aus verschiedenen Handbüchern zusammengesetzt werden.

Ritualbeispiele und Quellen

Weitere Ritualbestandteile

Puja - 32 Schritte · Bestandteile von Homa, Yajna und Havan · Bestandteile der Yoga Vidya Rituale

Die 32 Puja-Schritte
Dhyana – die Gottheit im Ritual vergegenwärtigen · Asana – der Gottheit einen Sitz anbieten · Padya – Wasser für die Füße der Gottheit · Arghya – ehrerbietige Wassergabe · Achamaniya – Schluckwasser für die Gottheit · Madhuparka – süße Ehrenspeise für den göttlichen Gast · Panchamrita Snana – Bad mit fünf Nektaren · Snana – das rituelle Bad der Gottheit · Plota – das Bildnis nach dem Bad trocknen · Vastra – Gewänder als Darbringung · Yajnopavita – heilige Schnur als Puja-Gabe · Abharana – Schmuck der Gottheit darbringen · Gandha – Duft und Sandelholz als Verehrungsgabe · Saubhagya Dravya – glückverheißende Gaben für die Göttin · Akshata – ungebrochener Reis als Ritualgabe · Pushpa – Blüten als Verehrungsgabe · Anga Puja – die Glieder der Gottheit verehren · Ashtottarashata Namavali – Verehrung mit 108 Namen · Dhupa – Räucherwerk als Darbringung · Dipa – die Lichtgabe der Puja · Naivedya – Speisen der Gottheit darbringen · Paniya – Trinkwasser zur Speisedarbringung · Tambula – Betelgabe als Abschluss der Bewirtung · Dakshina – Ehrengabe und Dank an die Ritualtragenden · Karpura Nirajana – feierliche Kampferlichtgabe · Mantrapushpa – Blütengabe und vedischer Schlussgesang · Pradakshina – ehrerbietige Umrundung · Namaskara – ehrerbietiger Gruß und Verneigung · Stotra – Lobgesang innerhalb des Rituals · Kshamapana – um Vergebung und Vollendung bitten · Samarpana – die Früchte des Rituals hingeben

Weitere Begriffe und Feuerbestandteile
Abhisheka – rituelles Übergießen und Weihen · Angavastra – Ober- und Schultertuch als Gabe · Kanthasutra – Halsschmuck der Göttin · Pranama – sich in Hingabe verneigen · Prarthana – Gebet und persönliche Bitte im Ritual · Visarjana – Verabschiedung der angerufenen Gegenwart · Arati – gemeinschaftliche Lichtverehrung · Achamana – rituelles Wasserschlucken der ausführenden Person · Alankara – das göttliche Bild schmücken · Pushpanjali – die gemeinsame Blütengabe · Upachara – Formen liebevoller Darbringung · Sankalpa – traditioneller Ritualvorsatz mit Zeit, Ort und Anliegen · Purnahuti – die volle Schlussgabe einer Yajna · Agnimukha – Vorbereitung und Eröffnung des Feueropfers · Sthandila und Rekha – Feuerplatz und rituelle Linien · Agni Sthapana – das Ritualfeuer einsetzen · Paristarana – Darbha um das Feuer auslegen · Patra Sadana – die Opfergeräte bereitstellen · Pranita und Prokshani – die Wassergefäße des Homa · Ajya Samskara – Ghee für das Feueropfer bereiten · Paridhi – Begrenzungshölzer des Feueropfers · Parishechana – Wasser um das Opferfeuer geben · Samidhadhana – geeignete Hölzer ins Feuer geben · Aghara – die eröffnenden Ghee-Ströme · Ajyabhaga – Ghee-Anteile für Agni und Soma · Ahuti – Mantra und Feuerdarbringung verbinden · Vyahriti Ahuti – Gaben mit den heiligen Weltenrufen · Svishtakrit – Agni um die Vollendung des Opfers bitten · Jayadi – ergänzende Gaben für das Gelingen des Rituals · Prayashchitta – rituelle Berichtigung und Wiedergutmachung · Vasordhara – der zusammenhängende Ghee-Strom · Agnyupasthana – das Feuer abschließend verehren · Anujna und Brahma Varana – Zustimmung und Ritualverantwortung · Kalasha Sthapana – das heilige Wassergefäß aufstellen · Punyahavachana – Reinheit und Wohlergehen feierlich zusprechen · Nyasa – Mantra und göttliche Gegenwart im Körper verorten · Ghanta – die Ritualglocke erklingen lassen · Rajopachara – königliche Ehrengaben in der Puja · Puja - 32 Schritte · Bestandteile von Homa, Yajna und Havan