Kalasha Sthapana – das heilige Wassergefäß aufstellen
Kalasha Sthapana – das heilige Wassergefäß aufstellen (Sanskrit: कलश-स्थापन kalaśa-sthāpana) ist das Aufstellen und rituelle Bereiten eines Wassergefäßes als Träger göttlicher Gegenwart. Ein Kalasha oder Kumbha kann bei einer Puja, einem Homa, einem Vrata oder einer Weihe verwendet werden. Welche Gottheit darin angerufen wird und wie das Gefäß geschmückt ist, bestimmt die konkrete Feier.
Vorbereitung und Ausführung
Ein sauberes, standsicheres Gefäß wird an seinem vorgesehenen Platz aufgestellt und mit reinem Wasser gefüllt. Blätter, Kokosnuss, Faden, Stoff, Reisunterlage oder Münzen gehören nur dann dazu, wenn die gewählte Fassung sie vorsieht. Das Gefäß ist mehr als ein dekorativer Krug: Seine Aufstellung, Anrufung, Verehrung und spätere Auflösung bilden einen Zusammenhang. Im Homa Sangraha folgen auf die Bereitung Betrachtungen über die im Gefäß gegenwärtigen göttlichen und kosmischen Kräfte. Die Flussanrufung verbindet das vorhandene Wasser mit den verehrten heiligen Strömen:
Flussanrufung; traditionelle Namensfolge
gaṅge ca yamune caiva godāvari sarasvati |
narmade sindhu kāveri jale’smin sannidhiṃ kuru ||
गङ्गे च यमुने चैव गोदावरि सरस्वति ।
नर्मदे सिन्धु कावेरि जलेऽस्मिन् सन्निधिं कुरु ॥
Bedeutung: Ganga und Yamuna, Godavari und Sarasvati, Narmada, Sindhu und Kaveri: Seid in diesem Wasser gegenwärtig.
Die einzelnen Flüsse werden angerufen; der Singular kuru steht in der überlieferten Anredeformel. Man kann das Gefäß nach der Paddhati berühren oder die vorgesehene Geste darüber ausführen. Die Hand wird nicht allein zur Darstellung einer Geste in Trinkwasser eingetaucht. Danach folgen Einladung und die vorgesehenen Upacharas.
Gottheit, Funktion und Varianten
Bei einer Varuna-Verehrung wird Varuna als Herr der Wasser angerufen. Bei einer Devi-Puja kann der Kalasha zum Verehrungsort der Göttin gehören. Andere Feiern haben mehrere beschriftete oder räumlich zugeordnete Gefäße. Daraus folgt keine allgemeine Regel, alle Kalashas stets mit demselben Mantra zu behandeln. Punyahavachana verwendet geweihtes Wasser für einen besonderen Reinigungs- und Segenszusammenhang. Pranita und Prokshani bezeichnen dagegen bestimmte Funktionen innerhalb des Feueropfers. Eine umfangreiche Kalasha-Puja und das bloße Bereitstellen eines Besprengungsgefäßes sind verschiedene Handlungen.
Bhava und Abschluss
Das Gefäß kann als Bild von Fülle und aufnahmebereiter Sammlung betrachtet werden. Die verehrten Flüsse erinnern an den größeren Lebenszusammenhang, aus dem jede Wassergabe stammt. Eine innere Anregung lautet: „Möge ich klar und empfangsbereit sein.“ Am Schluss wird die zeitweilig angerufene Gegenwart gemäß dem begonnenen Ritus verabschiedet. Danach wird das Wasser für den vorgesehenen Segen, Abhisheka oder eine geeignete Weitergabe verwendet. Wasser mit ungeeigneten Zusätzen oder länger stehendem Pflanzenschmuck wird nicht als Trinkwasser behandelt.
Ritualbeispiele und Quellen
- Weiterführende Ritualartikel und verwandte Fassungen: Shiva-Puja mit fünf Kalashas und Parivara an Shivaratri gemäß Puja Sangraha · Varalakshmi Vrata mit vollständiger Puja · Große Tripurasundari Puja · Wasserweihe und Flussanrufung bei Yoga Vidya
- Srirama Ramanuja Achari: Homa Sangraha, Ausgabe 18. August 2015; Ritualfassung mit Bezug auf den Krishna Yajurveda: Homa Sangraha, Kalasha Puja; S. 10–11.
- Pandit Sri Ram Sivan: Puja Sangraha, Ausgabe 18. Januar 2025: Puja Sangraha, Kalasha Puja; Flussanrufung.
Weitere Ritualbestandteile
Puja - 32 Schritte · Bestandteile von Homa, Yajna und Havan · Bestandteile der Yoga Vidya Rituale
Die 32 Puja-Schritte
Dhyana – die Gottheit im Ritual vergegenwärtigen · Avahana – Einladung der göttlichen Gegenwart · Asana – der Gottheit einen Sitz anbieten · Padya – Wasser für die Füße der Gottheit · Arghya – ehrerbietige Wassergabe · Achamaniya – Schluckwasser für die Gottheit · Madhuparka – süße Ehrenspeise für den göttlichen Gast · Panchamrita Snana – Bad mit fünf Nektaren · Snana – das rituelle Bad der Gottheit · Plota – das Bildnis nach dem Bad trocknen · Vastra – Gewänder als Darbringung · Yajnopavita – heilige Schnur als Puja-Gabe · Abharana – Schmuck der Gottheit darbringen · Gandha – Duft und Sandelholz als Verehrungsgabe · Saubhagya Dravya – glückverheißende Gaben für die Göttin · Akshata – ungebrochener Reis als Ritualgabe · Pushpa – Blüten als Verehrungsgabe · Anga Puja – die Glieder der Gottheit verehren · Ashtottarashata Namavali – Verehrung mit 108 Namen · Dhupa – Räucherwerk als Darbringung · Dipa – die Lichtgabe der Puja · Naivedya – Speisen der Gottheit darbringen · Paniya – Trinkwasser zur Speisedarbringung · Tambula – Betelgabe als Abschluss der Bewirtung · Dakshina – Ehrengabe und Dank an die Ritualtragenden · Karpura Nirajana – feierliche Kampferlichtgabe · Mantrapushpa – Blütengabe und vedischer Schlussgesang · Pradakshina – ehrerbietige Umrundung · Namaskara – ehrerbietiger Gruß und Verneigung · Stotra – Lobgesang innerhalb des Rituals · Kshamapana – um Vergebung und Vollendung bitten · Samarpana – die Früchte des Rituals hingeben
Weitere Begriffe und Feuerbestandteile
Abhisheka – rituelles Übergießen und Weihen · Angavastra – Ober- und Schultertuch als Gabe · Kanthasutra – Halsschmuck der Göttin · Pranama – sich in Hingabe verneigen · Prarthana – Gebet und persönliche Bitte im Ritual · Visarjana – Verabschiedung der angerufenen Gegenwart · Arati – gemeinschaftliche Lichtverehrung · Achamana – rituelles Wasserschlucken der ausführenden Person · Alankara – das göttliche Bild schmücken · Pushpanjali – die gemeinsame Blütengabe · Upachara – Formen liebevoller Darbringung · Sankalpa – traditioneller Ritualvorsatz mit Zeit, Ort und Anliegen · Purnahuti – die volle Schlussgabe einer Yajna · Agnimukha – Vorbereitung und Eröffnung des Feueropfers · Sthandila und Rekha – Feuerplatz und rituelle Linien · Agni Sthapana – das Ritualfeuer einsetzen · Paristarana – Darbha um das Feuer auslegen · Patra Sadana – die Opfergeräte bereitstellen · Pranita und Prokshani – die Wassergefäße des Homa · Ajya Samskara – Ghee für das Feueropfer bereiten · Paridhi – Begrenzungshölzer des Feueropfers · Parishechana – Wasser um das Opferfeuer geben · Samidhadhana – geeignete Hölzer ins Feuer geben · Aghara – die eröffnenden Ghee-Ströme · Ajyabhaga – Ghee-Anteile für Agni und Soma · Ahuti – Mantra und Feuerdarbringung verbinden · Vyahriti Ahuti – Gaben mit den heiligen Weltenrufen · Svishtakrit – Agni um die Vollendung des Opfers bitten · Jayadi – ergänzende Gaben für das Gelingen des Rituals · Prayashchitta – rituelle Berichtigung und Wiedergutmachung · Vasordhara – der zusammenhängende Ghee-Strom · Agnyupasthana – das Feuer abschließend verehren · Anujna und Brahma Varana – Zustimmung und Ritualverantwortung · Punyahavachana – Reinheit und Wohlergehen feierlich zusprechen · Nyasa – Mantra und göttliche Gegenwart im Körper verorten · Ghanta – die Ritualglocke erklingen lassen · Rajopachara – königliche Ehrengaben in der Puja · Puja - 32 Schritte · Bestandteile von Homa, Yajna und Havan