Dhyana – die Gottheit im Ritual vergegenwärtigen
Dhyana – die Gottheit im Ritual vergegenwärtigen (Sanskrit: ध्यान dhyāna) ist die gesammelte Vergegenwärtigung der Gottheit vor und während ihrer Verehrung. Im Hindu Dharma kann sie durch ein überliefertes Bildwort, stilles Schauen auf eine Murti oder innere Meditation geschehen. Die betende Person tritt aus der Zerstreuung in eine persönliche Beziehung zu Ganesha, Shiva, Vishnu oder einer Gestalt der Devi.
Bedeutung und Platz im Ritual
In Puja - 32 Schritte eröffnet Dhyana die Reihe; die Vorbereitung des Platzes, die eigene Reinigung und ein Sankalpa können bereits vorausgehen. In längeren Pujas steht eine weitere Meditation unmittelbar vor der Hauptverehrung. Im Homa wird die verehrte Gestalt auch im Feuer vergegenwärtigt. Dhyana und Avahana gehören zusammen: Zuerst richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Gottheit; anschließend wird ihre Gegenwart im gewählten Verehrungsort willkommen geheißen.
Ausführung und Beispiel
Die ausführende Person sitzt ruhig vor dem vorbereiteten Altar. Die Augen können zunächst auf dem Bild ruhen und sich dann schließen. Ein Dhyana-Vers wird langsam gesprochen; Attribute werden in der angegebenen Reihenfolge betrachtet. Nicht jeder Mensch bildet innere Bilder gleich deutlich. Das bewusste Erinnern an die Bedeutung eines Namens ist ebenfalls ein tragfähiger Zugang. Das folgende Ganesha-Beispiel aus dem Puja Sangraha nennt Gesicht, Ohren, Leib und die beiden Gegenstände in seinen Händen:
Beispiel einer Rezitation
eka-dantaṃ śūrpa-karṇaṃ gaja-vaktraṃ mahodaram |
pāśāṅkuśa-dharaṃ devaṃ dhyāyet siddhi-vināyakam ||
एक-दन्तं शूर्प-कर्णं गज-वक्त्रं महोदरम् ।
पाशाङ्कुश-धरं देवं ध्यायेत् सिद्धि-विनायकम् ॥
Bedeutung: Man meditiere über Siddhi-Vinayaka: den Einzähnigen mit Ohren wie Schwingen eines Worfelkorbes, Elefantengesicht und großem Bauch, den Gott, der Schlinge und Elefantenstachel hält.
Danach folgt die Einladung. Eine Blüte kann für die anschließende Darbringung bereitgehalten werden; ihre Gabe ist keine notwendige Bedingung dafür, dass die Meditation stattfindet.
Innere Haltung und Varianten
Die Bildmerkmale vermitteln eine bestimmte Beziehung: Ganeshas großer Leib umfasst die Vielgestaltigkeit des Lebens, während seine Werkzeuge an Führung und Befreiung aus Verstrickungen erinnern. Solche Betrachtung unterstützt Bhakti und Aufmerksamkeit; sie ist kein Wettbewerb in bildhafter Vorstellungskraft. Ein persönlicher Meditationssatz kann lauten: „Ich werde still und wende mich dir zu.“ Er ist eine Anregung, kein überlieferter Mantra. Lange Dhyana-Texte gehören zur jeweiligen Gottheit und werden nicht beliebig vertauscht. Eine Shri Vidya-Meditation mit Nyasa und Bija-Mantras setzt ihre eigene Unterweisung voraus. Die allgemeine Beschreibung hier ersetzt diese nicht.
Ritualbeispiele und Quellen
- Weiterführende Ritualartikel und verwandte Fassungen: Große Ganesha Puja · Große Krishna Puja · Kleine Guru Puja · Dhyana – Meditation innerhalb des Rituals bei Yoga Vidya
- Pandit Sri Ram Sivan: Puja Sangraha, Ausgabe 18. Januar 2025: Puja Sangraha, Sarva Karyeshu Purvanga, Ganesha-Dhyana; S. 8; auch S. 31.
Weitere Ritualbestandteile
Puja - 32 Schritte · Bestandteile von Homa, Yajna und Havan · Bestandteile der Yoga Vidya Rituale
Die 32 Puja-Schritte
Avahana – Einladung der göttlichen Gegenwart · Asana – der Gottheit einen Sitz anbieten · Padya – Wasser für die Füße der Gottheit · Arghya – ehrerbietige Wassergabe · Achamaniya – Schluckwasser für die Gottheit · Madhuparka – süße Ehrenspeise für den göttlichen Gast · Panchamrita Snana – Bad mit fünf Nektaren · Snana – das rituelle Bad der Gottheit · Plota – das Bildnis nach dem Bad trocknen · Vastra – Gewänder als Darbringung · Yajnopavita – heilige Schnur als Puja-Gabe · Abharana – Schmuck der Gottheit darbringen · Gandha – Duft und Sandelholz als Verehrungsgabe · Saubhagya Dravya – glückverheißende Gaben für die Göttin · Akshata – ungebrochener Reis als Ritualgabe · Pushpa – Blüten als Verehrungsgabe · Anga Puja – die Glieder der Gottheit verehren · Ashtottarashata Namavali – Verehrung mit 108 Namen · Dhupa – Räucherwerk als Darbringung · Dipa – die Lichtgabe der Puja · Naivedya – Speisen der Gottheit darbringen · Paniya – Trinkwasser zur Speisedarbringung · Tambula – Betelgabe als Abschluss der Bewirtung · Dakshina – Ehrengabe und Dank an die Ritualtragenden · Karpura Nirajana – feierliche Kampferlichtgabe · Mantrapushpa – Blütengabe und vedischer Schlussgesang · Pradakshina – ehrerbietige Umrundung · Namaskara – ehrerbietiger Gruß und Verneigung · Stotra – Lobgesang innerhalb des Rituals · Kshamapana – um Vergebung und Vollendung bitten · Samarpana – die Früchte des Rituals hingeben
Weitere Begriffe und Feuerbestandteile
Abhisheka – rituelles Übergießen und Weihen · Angavastra – Ober- und Schultertuch als Gabe · Kanthasutra – Halsschmuck der Göttin · Pranama – sich in Hingabe verneigen · Prarthana – Gebet und persönliche Bitte im Ritual · Visarjana – Verabschiedung der angerufenen Gegenwart · Arati – gemeinschaftliche Lichtverehrung · Achamana – rituelles Wasserschlucken der ausführenden Person · Alankara – das göttliche Bild schmücken · Pushpanjali – die gemeinsame Blütengabe · Upachara – Formen liebevoller Darbringung · Sankalpa – traditioneller Ritualvorsatz mit Zeit, Ort und Anliegen · Purnahuti – die volle Schlussgabe einer Yajna · Agnimukha – Vorbereitung und Eröffnung des Feueropfers · Sthandila und Rekha – Feuerplatz und rituelle Linien · Agni Sthapana – das Ritualfeuer einsetzen · Paristarana – Darbha um das Feuer auslegen · Patra Sadana – die Opfergeräte bereitstellen · Pranita und Prokshani – die Wassergefäße des Homa · Ajya Samskara – Ghee für das Feueropfer bereiten · Paridhi – Begrenzungshölzer des Feueropfers · Parishechana – Wasser um das Opferfeuer geben · Samidhadhana – geeignete Hölzer ins Feuer geben · Aghara – die eröffnenden Ghee-Ströme · Ajyabhaga – Ghee-Anteile für Agni und Soma · Ahuti – Mantra und Feuerdarbringung verbinden · Vyahriti Ahuti – Gaben mit den heiligen Weltenrufen · Svishtakrit – Agni um die Vollendung des Opfers bitten · Jayadi – ergänzende Gaben für das Gelingen des Rituals · Prayashchitta – rituelle Berichtigung und Wiedergutmachung · Vasordhara – der zusammenhängende Ghee-Strom · Agnyupasthana – das Feuer abschließend verehren · Anujna und Brahma Varana – Zustimmung und Ritualverantwortung · Kalasha Sthapana – das heilige Wassergefäß aufstellen · Punyahavachana – Reinheit und Wohlergehen feierlich zusprechen · Nyasa – Mantra und göttliche Gegenwart im Körper verorten · Ghanta – die Ritualglocke erklingen lassen · Rajopachara – königliche Ehrengaben in der Puja · Puja - 32 Schritte · Bestandteile von Homa, Yajna und Havan