Abhisheka – rituelles Übergießen und Weihen

Aus Yogawiki

Abhisheka – rituelles Übergießen und Weihen (Sanskrit: अभिषेक abhiṣeka) ist das rituelle Übergießen mit Wasser oder anderen vorgeschriebenen Flüssigkeiten. In der Gottheitsverehrung wird es häufig als Bad einer Murti oder eines Shiva Linga ausgeführt. Der Begriff reicht jedoch weiter: Auch Weihen und Inthronisationen können Abhisheka heißen.

Unterschied zum Snana

Snana bezeichnet das Bad. Abhisheka hebt das Übergießen und seine rituelle Bedeutung hervor. In einer Puja können beide Wörter dieselbe Badhandlung betreffen; bei einer Königsweihe oder einer tantrischen Einweihung ist Abhisheka hingegen mehr als der neunte Schritt einer Puja. In Puja - 32 Schritte gehört diese Erklärung zum Badbereich. Die vorbereitende Selbstreinigung, das Panchamrita-Bad und ein selbstständiges Rudrabhisheka haben jeweils ihre eigenen Abläufe.

Beispiel eines Shiva-Bades

Eine geeignete Murti oder ein Linga steht in einem Auffanggefäß. Wenig reines Wasser wird gleichmäßig darübergegossen. Währenddessen kann in einer schlichten Namensverehrung das Shiva-Mantra wiederholt werden:

Hauptmantra als Begleitung eines einfachen Bades
oṃ namaḥ śivāya |

ॐ नमः शिवाय ।

Bedeutung: Om, Verehrung Shiva.

Diese schlichte Begleitung wird als Beispiel einer häuslichen Verehrung erklärt. Ein nach einer bestimmten Schule ausgeführtes Rudrabhisheka verwendet den dafür vorgesehenen vollständigen Rudram-Text und seine überlieferte Rezitation. Man ersetzt ihn nicht unbemerkt durch wenige Wiederholungen und behält dennoch denselben Vollständigkeitsanspruch. Milch (bzw. Pflanzenmilch), Ghee (bzw. Pflanzenöl) und andere Badgaben werden nur verwendet, wenn sie zur Fassung und zum Material passen; pflanzliche Ersetzungen sind als Anpassung kenntlich. Nach klebrigen Gaben folgt klares Wasser, danach das Trocknen.

Bedeutung und Weiterführung

Die fließende Gabe kann Hingabe, Reinigung und den ununterbrochenen Strom der Aufmerksamkeit vergegenwärtigen. Der Schwerpunkt liegt im liebevollen Dienst, nicht in einer möglichst großen Flüssigkeitsmenge. Eine innere Anregung lautet: „Meine Aufmerksamkeit darf stetig werden wie dieser Strom.“ Das aufgefangene Wasser wird nach der Tradition behandelt. Es ist nur dann als trinkbares Tirtha geeignet, wenn Gefäß, Bildmaterial, Zutaten und Hygiene dafür geeignet sind. Ein Bild aus Papier oder unbekannten bemalten Materialien erhält ein symbolisches Bad.

Ritualbeispiele und Quellen

Weitere Ritualbestandteile

Puja - 32 Schritte · Bestandteile von Homa, Yajna und Havan · Bestandteile der Yoga Vidya Rituale

Die 32 Puja-Schritte
Dhyana – die Gottheit im Ritual vergegenwärtigen · Avahana – Einladung der göttlichen Gegenwart · Asana – der Gottheit einen Sitz anbieten · Padya – Wasser für die Füße der Gottheit · Arghya – ehrerbietige Wassergabe · Achamaniya – Schluckwasser für die Gottheit · Madhuparka – süße Ehrenspeise für den göttlichen Gast · Panchamrita Snana – Bad mit fünf Nektaren · Snana – das rituelle Bad der Gottheit · Plota – das Bildnis nach dem Bad trocknen · Vastra – Gewänder als Darbringung · Yajnopavita – heilige Schnur als Puja-Gabe · Abharana – Schmuck der Gottheit darbringen · Gandha – Duft und Sandelholz als Verehrungsgabe · Saubhagya Dravya – glückverheißende Gaben für die Göttin · Akshata – ungebrochener Reis als Ritualgabe · Pushpa – Blüten als Verehrungsgabe · Anga Puja – die Glieder der Gottheit verehren · Ashtottarashata Namavali – Verehrung mit 108 Namen · Dhupa – Räucherwerk als Darbringung · Dipa – die Lichtgabe der Puja · Naivedya – Speisen der Gottheit darbringen · Paniya – Trinkwasser zur Speisedarbringung · Tambula – Betelgabe als Abschluss der Bewirtung · Dakshina – Ehrengabe und Dank an die Ritualtragenden · Karpura Nirajana – feierliche Kampferlichtgabe · Mantrapushpa – Blütengabe und vedischer Schlussgesang · Pradakshina – ehrerbietige Umrundung · Namaskara – ehrerbietiger Gruß und Verneigung · Stotra – Lobgesang innerhalb des Rituals · Kshamapana – um Vergebung und Vollendung bitten · Samarpana – die Früchte des Rituals hingeben

Weitere Begriffe und Feuerbestandteile
Angavastra – Ober- und Schultertuch als Gabe · Kanthasutra – Halsschmuck der Göttin · Pranama – sich in Hingabe verneigen · Prarthana – Gebet und persönliche Bitte im Ritual · Visarjana – Verabschiedung der angerufenen Gegenwart · Arati – gemeinschaftliche Lichtverehrung · Achamana – rituelles Wasserschlucken der ausführenden Person · Alankara – das göttliche Bild schmücken · Pushpanjali – die gemeinsame Blütengabe · Upachara – Formen liebevoller Darbringung · Sankalpa – traditioneller Ritualvorsatz mit Zeit, Ort und Anliegen · Purnahuti – die volle Schlussgabe einer Yajna · Agnimukha – Vorbereitung und Eröffnung des Feueropfers · Sthandila und Rekha – Feuerplatz und rituelle Linien · Agni Sthapana – das Ritualfeuer einsetzen · Paristarana – Darbha um das Feuer auslegen · Patra Sadana – die Opfergeräte bereitstellen · Pranita und Prokshani – die Wassergefäße des Homa · Ajya Samskara – Ghee für das Feueropfer bereiten · Paridhi – Begrenzungshölzer des Feueropfers · Parishechana – Wasser um das Opferfeuer geben · Samidhadhana – geeignete Hölzer ins Feuer geben · Aghara – die eröffnenden Ghee-Ströme · Ajyabhaga – Ghee-Anteile für Agni und Soma · Ahuti – Mantra und Feuerdarbringung verbinden · Vyahriti Ahuti – Gaben mit den heiligen Weltenrufen · Svishtakrit – Agni um die Vollendung des Opfers bitten · Jayadi – ergänzende Gaben für das Gelingen des Rituals · Prayashchitta – rituelle Berichtigung und Wiedergutmachung · Vasordhara – der zusammenhängende Ghee-Strom · Agnyupasthana – das Feuer abschließend verehren · Anujna und Brahma Varana – Zustimmung und Ritualverantwortung · Kalasha Sthapana – das heilige Wassergefäß aufstellen · Punyahavachana – Reinheit und Wohlergehen feierlich zusprechen · Nyasa – Mantra und göttliche Gegenwart im Körper verorten · Ghanta – die Ritualglocke erklingen lassen · Rajopachara – königliche Ehrengaben in der Puja · Puja - 32 Schritte · Bestandteile von Homa, Yajna und Havan