Pradakshina – ehrerbietige Umrundung
Pradakshina – ehrerbietige Umrundung (Sanskrit: प्रदक्षिणा pradakṣiṇā) ist die Umrundung eines verehrten Mittelpunktes, bei der dieser im üblichen Deva-Ritus zur rechten Seite bleibt. Sie bringt zum Ausdruck, dass das eigene Leben sich am Heiligen orientieren darf. Altäre, Tempel, heilige Berge oder ein rituelles Feuer können je nach Praxis umrundet werden.
Stellung und verschiedene Formen
In Puja - 32 Schritte steht Pradakshina nach Mantrapushpa und vor der Verneigung. Die konkrete Zahl der Umrundungen stammt aus der jeweiligen Anleitung. Drei Runden sind in manchen Fassungen vorgesehen, aber keine allgemeine Pflicht für jede Gottheit und jeden Ort. Bei bestimmten Shiva-Heiligtümern bestehen besondere Regeln hinsichtlich des Abflusses des Linga und einer unvollständigen Umrundung. Tempelregeln werden daher nicht durch eine allgemeine Forderung „immer vollständig im Uhrzeigersinn“ ersetzt.
Beispiel einer Rezitation
Ein verbreiteter Vers aus Puja-Handbüchern lautet:
Traditionelle Deutung der reinigenden Umrundung
yāni kāni ca pāpāni janmāntara-kṛtāni ca |
tāni tāni vinaśyanti pradakṣiṇa-pade pade ||
यानि कानि च पापानि जन्मान्तर-कृतानि च ।
तानि तानि विनश्यन्ति प्रदक्षिण-पदे पदे ॥
Bedeutung: Welche Verfehlungen auch immer begangen wurden, auch in anderen Geburten: Sie vergehen mit jedem Schritt der Pradakshina.
Die Strophe wird im Geist von Reue und Neuausrichtung verstanden. Sie ist kein Ersatz dafür, einen tatsächlich verursachten Schaden wiedergutzumachen. Die Person geht langsam und mit sicherem Abstand um den vorgesehenen Mittelpunkt. Bei einer Feuerstelle führt der Weg außerhalb der heißen und mit Geräten belegten Zone entlang.
Symbolische Ausführung und innere Haltung
Wo keine sichere Umrundung möglich ist, kennen manche Pujas eine symbolische Geste mit Blüten oder eine Drehung am eigenen Platz. Die Varalakshmi-Fassung beschreibt eine symbolische Umrundung mit Blüten. Eine solche Form wird als Variante benannt; niemand muss aus räumlichen Gründen zwischen Flammen und Opfergeräten hindurchgehen. Die Bewegung verbindet Körper und Aufmerksamkeit. Eine freie Meditation lautet: „Mein Handeln möchte einen guten Mittelpunkt haben.“ Danach folgt die Verneigung. Wer aus gesundheitlichen Gründen sitzen bleibt, kann die Ausrichtung innerlich mitvollziehen.
Ritualbeispiele und Quellen
- Weiterführende Ritualartikel und verwandte Fassungen: Varalakshmi Vrata mit vollständiger Puja · Große Hochzeitsfeier Vivaha mit Puja und Homa · Arunachala Giripradakshina – Shiva in einer stillen Bergumrundung verehren · Pradakshina – rituelle Umrundung bei Yoga Vidya
- Pandit Sri Ram Sivan: Puja Sangraha, Ausgabe 18. Januar 2025: Puja Sangraha, Pradakshina-Verse in den Gottheitspujas.
- Drik Panchang: Varalakshmi Puja Vidhi; dort eine besondere, anders gezählte 32-teilige Varalakshmi-Puja: Varalakshmi Puja Vidhi, Schritt 26, Pradakshina.
Weitere Ritualbestandteile
Puja - 32 Schritte · Bestandteile von Homa, Yajna und Havan · Bestandteile der Yoga Vidya Rituale
Die 32 Puja-Schritte
Dhyana – die Gottheit im Ritual vergegenwärtigen · Avahana – Einladung der göttlichen Gegenwart · Asana – der Gottheit einen Sitz anbieten · Padya – Wasser für die Füße der Gottheit · Arghya – ehrerbietige Wassergabe · Achamaniya – Schluckwasser für die Gottheit · Madhuparka – süße Ehrenspeise für den göttlichen Gast · Panchamrita Snana – Bad mit fünf Nektaren · Snana – das rituelle Bad der Gottheit · Plota – das Bildnis nach dem Bad trocknen · Vastra – Gewänder als Darbringung · Yajnopavita – heilige Schnur als Puja-Gabe · Abharana – Schmuck der Gottheit darbringen · Gandha – Duft und Sandelholz als Verehrungsgabe · Saubhagya Dravya – glückverheißende Gaben für die Göttin · Akshata – ungebrochener Reis als Ritualgabe · Pushpa – Blüten als Verehrungsgabe · Anga Puja – die Glieder der Gottheit verehren · Ashtottarashata Namavali – Verehrung mit 108 Namen · Dhupa – Räucherwerk als Darbringung · Dipa – die Lichtgabe der Puja · Naivedya – Speisen der Gottheit darbringen · Paniya – Trinkwasser zur Speisedarbringung · Tambula – Betelgabe als Abschluss der Bewirtung · Dakshina – Ehrengabe und Dank an die Ritualtragenden · Karpura Nirajana – feierliche Kampferlichtgabe · Mantrapushpa – Blütengabe und vedischer Schlussgesang · Namaskara – ehrerbietiger Gruß und Verneigung · Stotra – Lobgesang innerhalb des Rituals · Kshamapana – um Vergebung und Vollendung bitten · Samarpana – die Früchte des Rituals hingeben
Weitere Begriffe und Feuerbestandteile
Abhisheka – rituelles Übergießen und Weihen · Angavastra – Ober- und Schultertuch als Gabe · Kanthasutra – Halsschmuck der Göttin · Pranama – sich in Hingabe verneigen · Prarthana – Gebet und persönliche Bitte im Ritual · Visarjana – Verabschiedung der angerufenen Gegenwart · Arati – gemeinschaftliche Lichtverehrung · Achamana – rituelles Wasserschlucken der ausführenden Person · Alankara – das göttliche Bild schmücken · Pushpanjali – die gemeinsame Blütengabe · Upachara – Formen liebevoller Darbringung · Sankalpa – traditioneller Ritualvorsatz mit Zeit, Ort und Anliegen · Purnahuti – die volle Schlussgabe einer Yajna · Agnimukha – Vorbereitung und Eröffnung des Feueropfers · Sthandila und Rekha – Feuerplatz und rituelle Linien · Agni Sthapana – das Ritualfeuer einsetzen · Paristarana – Darbha um das Feuer auslegen · Patra Sadana – die Opfergeräte bereitstellen · Pranita und Prokshani – die Wassergefäße des Homa · Ajya Samskara – Ghee für das Feueropfer bereiten · Paridhi – Begrenzungshölzer des Feueropfers · Parishechana – Wasser um das Opferfeuer geben · Samidhadhana – geeignete Hölzer ins Feuer geben · Aghara – die eröffnenden Ghee-Ströme · Ajyabhaga – Ghee-Anteile für Agni und Soma · Ahuti – Mantra und Feuerdarbringung verbinden · Vyahriti Ahuti – Gaben mit den heiligen Weltenrufen · Svishtakrit – Agni um die Vollendung des Opfers bitten · Jayadi – ergänzende Gaben für das Gelingen des Rituals · Prayashchitta – rituelle Berichtigung und Wiedergutmachung · Vasordhara – der zusammenhängende Ghee-Strom · Agnyupasthana – das Feuer abschließend verehren · Anujna und Brahma Varana – Zustimmung und Ritualverantwortung · Kalasha Sthapana – das heilige Wassergefäß aufstellen · Punyahavachana – Reinheit und Wohlergehen feierlich zusprechen · Nyasa – Mantra und göttliche Gegenwart im Körper verorten · Ghanta – die Ritualglocke erklingen lassen · Rajopachara – königliche Ehrengaben in der Puja · Puja - 32 Schritte · Bestandteile von Homa, Yajna und Havan