Prarthana – Gebet und persönliche Bitte im Ritual

Aus Yogawiki

Prarthana – Gebet und persönliche Bitte im Ritual (Sanskrit: प्रार्थना prārthanā) ist das bittende oder vertrauensvolle Ansprechen des Göttlichen. Es kann fest überliefert oder in eigenen Worten formuliert sein. Im Ritual verbindet es die äußeren Handlungen mit dem tatsächlichen Anliegen der beteiligten Menschen.

Platz und Abgrenzung

In Puja - 32 Schritte steht Prarthana gemeinsam mit Lobgesang im Schlussbereich. Ein Gebet kann ebenso zu Beginn oder vor einer besonderen Darbringung gesprochen werden. Sankalpa legt fest, welches Ritual mit welchem Anliegen ausgeführt wird. Prarthana ist die persönliche oder gemeinschaftliche Hinwendung, in der dieses Anliegen ausgesprochen und dem Göttlichen anvertraut wird.

Beispiel einer Bitte an Agni

Ein vedischer Schlussvers, auch in der Isha Upanishad überliefert, bittet um gute Führung:

Isha Upanishad 18; Rigveda 1.189.1
agne naya supathā rāye asmān
viśvāni deva vayunāni vidvān |
yuyodhy asmaj juhurāṇam eno
bhūyiṣṭhāṃ te nama-uktiṃ vidhema ||

अग्ने नय सुपथा राये अस्मान्
विश्वानि देव वयुनानि विद्वान् ।
युयोध्य् अस्मज् जुहुराणम् एनो
भूयिष्ठां ते नम-उक्तिं विधेम ॥

Bedeutung: Agni, führe uns auf gutem Weg zum Gedeihen, du Gott, der alle Wege und Ordnungen kennt. Halte die krumme Verfehlung von uns fern. Wir bringen dir reichlich Worte der Verehrung dar.

Die Person kann mit gefalteten Händen stehen oder sitzen. Nach der überlieferten Strophe darf eine verständliche Bitte in der eigenen Sprache folgen, sofern der Rahmen der Feier dies vorsieht. Sie wird als eigenes Gebet kenntlich und nicht nachträglich als alter Sanskrittext ausgegeben.

Bhava und gemeinsames Beten

Prarthana kann um Heil, Kraft, Einsicht, Versöhnung oder das Wohlergehen aller Wesen bitten. Ein Gebet hält das Anliegen offen für einen guten, verantwortbaren Weg; es muss nicht den eigenen Wunsch mit göttlichem Willen gleichsetzen. In einer Gruppe werden persönliche Anliegen nur mit Zustimmung öffentlich genannt. Die Leitung kann eine allgemeine Form wählen: „Für alle, die heute Unterstützung brauchen.“ Die anschließende Stille erlaubt auch Menschen ohne sichere Sanskritkenntnisse mitzufeiern. Danach kann Samarpana die Bitte in eine Haltung der Hingabe überführen.

Ritualbeispiele und Quellen

Weitere Ritualbestandteile

Puja - 32 Schritte · Bestandteile von Homa, Yajna und Havan · Bestandteile der Yoga Vidya Rituale

Die 32 Puja-Schritte
Dhyana – die Gottheit im Ritual vergegenwärtigen · Avahana – Einladung der göttlichen Gegenwart · Asana – der Gottheit einen Sitz anbieten · Padya – Wasser für die Füße der Gottheit · Arghya – ehrerbietige Wassergabe · Achamaniya – Schluckwasser für die Gottheit · Madhuparka – süße Ehrenspeise für den göttlichen Gast · Panchamrita Snana – Bad mit fünf Nektaren · Snana – das rituelle Bad der Gottheit · Plota – das Bildnis nach dem Bad trocknen · Vastra – Gewänder als Darbringung · Yajnopavita – heilige Schnur als Puja-Gabe · Abharana – Schmuck der Gottheit darbringen · Gandha – Duft und Sandelholz als Verehrungsgabe · Saubhagya Dravya – glückverheißende Gaben für die Göttin · Akshata – ungebrochener Reis als Ritualgabe · Pushpa – Blüten als Verehrungsgabe · Anga Puja – die Glieder der Gottheit verehren · Ashtottarashata Namavali – Verehrung mit 108 Namen · Dhupa – Räucherwerk als Darbringung · Dipa – die Lichtgabe der Puja · Naivedya – Speisen der Gottheit darbringen · Paniya – Trinkwasser zur Speisedarbringung · Tambula – Betelgabe als Abschluss der Bewirtung · Dakshina – Ehrengabe und Dank an die Ritualtragenden · Karpura Nirajana – feierliche Kampferlichtgabe · Mantrapushpa – Blütengabe und vedischer Schlussgesang · Pradakshina – ehrerbietige Umrundung · Namaskara – ehrerbietiger Gruß und Verneigung · Stotra – Lobgesang innerhalb des Rituals · Kshamapana – um Vergebung und Vollendung bitten · Samarpana – die Früchte des Rituals hingeben

Weitere Begriffe und Feuerbestandteile
Abhisheka – rituelles Übergießen und Weihen · Angavastra – Ober- und Schultertuch als Gabe · Kanthasutra – Halsschmuck der Göttin · Pranama – sich in Hingabe verneigen · Visarjana – Verabschiedung der angerufenen Gegenwart · Arati – gemeinschaftliche Lichtverehrung · Achamana – rituelles Wasserschlucken der ausführenden Person · Alankara – das göttliche Bild schmücken · Pushpanjali – die gemeinsame Blütengabe · Upachara – Formen liebevoller Darbringung · Sankalpa – traditioneller Ritualvorsatz mit Zeit, Ort und Anliegen · Purnahuti – die volle Schlussgabe einer Yajna · Agnimukha – Vorbereitung und Eröffnung des Feueropfers · Sthandila und Rekha – Feuerplatz und rituelle Linien · Agni Sthapana – das Ritualfeuer einsetzen · Paristarana – Darbha um das Feuer auslegen · Patra Sadana – die Opfergeräte bereitstellen · Pranita und Prokshani – die Wassergefäße des Homa · Ajya Samskara – Ghee für das Feueropfer bereiten · Paridhi – Begrenzungshölzer des Feueropfers · Parishechana – Wasser um das Opferfeuer geben · Samidhadhana – geeignete Hölzer ins Feuer geben · Aghara – die eröffnenden Ghee-Ströme · Ajyabhaga – Ghee-Anteile für Agni und Soma · Ahuti – Mantra und Feuerdarbringung verbinden · Vyahriti Ahuti – Gaben mit den heiligen Weltenrufen · Svishtakrit – Agni um die Vollendung des Opfers bitten · Jayadi – ergänzende Gaben für das Gelingen des Rituals · Prayashchitta – rituelle Berichtigung und Wiedergutmachung · Vasordhara – der zusammenhängende Ghee-Strom · Agnyupasthana – das Feuer abschließend verehren · Anujna und Brahma Varana – Zustimmung und Ritualverantwortung · Kalasha Sthapana – das heilige Wassergefäß aufstellen · Punyahavachana – Reinheit und Wohlergehen feierlich zusprechen · Nyasa – Mantra und göttliche Gegenwart im Körper verorten · Ghanta – die Ritualglocke erklingen lassen · Rajopachara – königliche Ehrengaben in der Puja · Puja - 32 Schritte · Bestandteile von Homa, Yajna und Havan