Mantramahodadhi 108 Inspirierende Verse und Mantras
Mantramahodadhi 108 Inspirierende Verse und Mantras erschließt einen Weg durch Mahīdharas „großen Ozean der Mantras“: vom dankbaren Gedenken an den Guru über die Heiligung des Körpers und die lebendige Gegenwart der Gottheiten bis zur Erkenntnis des höchsten Selbst. Die 108 ausgewählten Stellen lassen die eigene Stimme des Werkes hören. Sie sprechen vom Japa, von der sammelnden Kraft des Dhyana, von Hingabe und von einer Puja, in der auch Denken, Atem und Sinnesleben zur Gabe werden.
Zur Mantramahodadhi-Ausgabe: Hauptartikel · Deutsche Übersetzung · Sanskrit IAST · Sanskrit Devanagari · Leseführer zu den 25 Taraṅgas · 108 inspirierende Verse und Mantras · Frühere IAST-Auswahl · Frühere Devanagari-Auswahl
Das Besondere dieses Tantra-Kompendiums liegt in seiner Verbindung von Genauigkeit und Weite. Eine Blume verweist auf Turiya, das „Vierte“ jenseits von Wachen, Traum und Tiefschlaf; ein Licht soll innen und außen erhellen, und der eigene Körper wird als heiliger Sitz vergegenwärtigt. Kali, Tara, Tripurasundari, Ganesha, Hanuman, Vishnu und Shiva begegnen in unverwechselbaren Gestalten. Am Ende mahnt Mahīdhara, sich nicht in wunschgerichteten Anwendungen zu verlieren: Verehrung soll das innere Wesen läutern und zur Selbsterkenntnis führen.
Für Aspiranten des Yoga lädt diese Auswahl zum langsamen Lesen ein. Eine einzige Stelle kann eine Zeit der Meditation begleiten: Was bedeutet es, die Übung darzubringen? Wie wird aus einer Handlung bewusste Hingabe? Was verändert sich, wenn Erkenntnis und Mitgefühl zum Maßstab der Praxis werden?

Zur Auswahl und zum Lesen
Die folgenden 108 unterschiedlichen Stellen stammen aus 23 der 25 Taraṅgas. Sie umfassen vollständige nummerierte Verse oder zusammenhängende Versgruppen. Die thematische Reihenfolge führt von Guru und täglicher Praxis über die Gottheitsmeditationen zur inneren Verehrung und Befreiung. Die Quellenangaben beziehen sich auf die Verszählung der für diese Ausgabe benutzten Sanskritausgabe mit Mahīdharas Kommentar Naukā. Eine nummerierte Einheit kann dort mehr oder weniger als einen gewöhnlichen Shloka umfassen.
Die deutschen Texte folgen der Übersetzung und wurden am Sanskrit geprüft. Sätze, die über eine Versgrenze hinausgehen, werden zusammenhängend wiedergegeben. Eckige Klammern bezeichnen zum Verständnis nötige Ergänzungen. Erläuterungen stehen getrennt; Aussagen der Naukā werden als Kommentar ausgewiesen. Schwierige Drucklesungen werden bei den betroffenen Stellen genannt. Die Auswahl ist keine kritische Neuedition.
Die historischen Ritualanweisungen werden als Text des Werkes übersetzt. Sie sind nicht sämtlich als heutige Selbstpraxis zu verstehen. Besondere Nyasa-Ordnungen, Mantraaktivierungen und initiationsgebundene Vidyas setzen Unterweisung und gegebenenfalls Diksha voraus. Religiöse Wirkungsverheißungen werden als solche gelesen. Die fortlaufende deutsche Gesamtausgabe enthält bei problematischen Anwendungen auch ausdrücklich nichtanleitende Inhaltswiedergaben; sie ist deshalb keine uneingeschränkt wörtliche Vollübersetzung.
Nach der Auswahl folgt ein eigener Abschnitt mit Mantras, Bijas und einem Verzeichnis wichtiger chiffrierter Mantraformen. Er unterscheidet ausgeschriebenen Grundtext, bloße Benennung und ausdrücklich belegte Auflösungen aus der Naukā.
Guru, Überlieferung und der Beginn des Tages
Die Praxis beginnt mit Erinnerung und Dankbarkeit. Mahīdhara verbindet das Gedenken an den Guru mit der Reinigung des Raumes, der Ausrichtung des kommenden Tages und der Erkenntnis einer tiefen Einheit von Lehrer, Gottheit und Selbst.
1. Mit Verneigung beginnen
Nachdem ich mich vor Lakshmi-Nṛhari, Mahāgaṇapati und dem Guru verneigt und zahlreiche Tantras eingesehen habe, werde ich den Mantramahodadhi darlegen.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 1, Vers 1.
Erläuterung: Schon der erste Vers verbindet Guru, Ganesha und Lakshmi-Narasimha mit dem Studium vieler Tantra-Schriften. Hingabe und sorgfältiges Lernen gehören hier zusammen.
2. Die Lotusfüße des Guru am Morgen
Am Morgen soll man aufstehen und am Scheitel die Lotusfüße des Guru meditieren. Nachdem man die notwendigen Verrichtungen erledigt hat, soll man zum Baden an das Flussufer gehen.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 1, Vers 2.
3. Mantra durch Unterweisung empfangen
Nun werden die Mantras Taras gepriesen, die Vollendung schenken. Durch die Unterweisung des Gurus erkannt, führen sie die Menschen auf Erden zur Erfüllung.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 4, Vers 1.
4. Den Raum der Verehrung bereiten
Ich erläutere die Ordnung der täglichen Verehrung, die allen Gottheiten gemeinsam ist. Der Verständige stehe zur Brahma-Muhurta auf und vollziehe Reinigung und die weiteren notwendigen Verrichtungen. Er lege ein reines Gewand an, vollziehe das Mantra-Bad, betrete den Raum der Gottheit und reinige ihn. Nach der glückverheißenden Arati entferne er die bereits verwendeten Opfergaben. Er bringe eine Handvoll Blumen sowie Mittel zur Zahnreinigung und Wasser zum Mundspülen dar.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 21, Vers 1–3.
Erläuterung: Die Gaben zur Zahnreinigung und zum Mundspülen gelten der Gottheit, die im Ritual als lebendige Gegenwart empfangen wird.
5. Guru, Gottheit und Selbst
Nach der Verneigung setze man sich auf einen reinen Sitz und vergegenwärtige den Guru: auf einem weißen Lotus über dem Scheitel sitzend, freundlich, mit zwei Armen und zwei Augen. „Ich bin Brahman, von der Natur des Seins, ewig frei, dem Leid nicht unterworfen.“ So soll man sich die Einheit von Guru, Gottheit und Selbst vergegenwärtigen und ihn verehren.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 21, Vers 4–5.
Erläuterung: Die Einheit von Guru, Gottheit und Selbst steht ausdrücklich im Grundtext. Advaita und persönliche Verehrung schließen einander in dieser Stelle nicht aus.
6. Den kommenden Tag dem Göttlichen widmen
O ursprünglicher Gott, der du das Bewusstsein der drei Welten bist, Vishnu, Herr der Shri! Auf deinen Auftrag hin bin ich am Morgen aufgestanden; dir zur Freude werde ich meinen Weg durch das weltliche Leben fortsetzen. Ich kenne Dharma, und doch wende ich mich ihm nicht zu; ich kenne Adharma, und doch wende ich mich nicht davon ab. Wie ich von einer im Herzen gegenwärtigen göttlichen Macht bestimmt werde, so handle ich. Mit diesen beiden Versen bete der Verständige zu seiner erwählten Gottheit. Bei einer anderen Gottheit ist die Anrede „Shri-Natha Vishnu“ entsprechend anzupassen.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 21, Vers 6–8.
Erläuterung: Der zweite Vers benennt die Spannung zwischen Einsicht und Handeln. Im Gebet wird sie vor die Gottheit gebracht; daraus folgt keine Aufhebung persönlicher Verantwortung. Die erlaubte Anpassung betrifft die Anrede dieses Gebets, nicht beliebige Änderungen an Bija-Mantras.
7. Inneres und äußeres Bad
Dann gehe man zum Baden und vergegenwärtige dabei Namen, Eigenschaften und die weiteren Merkmale der Gottheit. Die Verständigen lehren zwei Arten des Bades: das innere und das äußere.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 21, Vers 9.
8. Reinigung im Licht der Gottheit
Man vergegenwärtige die Gottheit über dem Scheitel, leuchtend wie zehn Millionen Sonnen, mit ihrem Schmuck und ihren Waffen. Durch den reinen Wasserstrom von ihren Füßen, der durch die Öffnung am Scheitel in den eigenen Körper eintritt, wird die innere Verfehlung fortgewaschen; so wird der Mensch rein. Nach diesem inneren Bad bade der Verständige nach vedischer Weise und vergegenwärtige im Wasser das Aghamarshana-Sukta.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 21, Vers 10–12.
9. Vom Gottesdienst zur Ehrung des Guru
„Gott der Götter, Herr der Welt, der du das Ersehnte gewährst: Erfülle all meine Anliegen und Wünsche, Geliebter der Kameshvari!“ Nach Wiederholung des Grundmantra, Feueropfer und Verabschiedung der Gottheit gehe man zum Guru, verehre ihn mit Damana und erfreue ihn durch Gaben.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 23, Vers 35–36.
10. Die Bescheidenheit des Verfassers
Im letzten Taraṅga wurden die sechs Ritualhandlungen der Reihe nach dargelegt. So enthält dieser Mantraozean fünfundzwanzig Wellen. Sie sollen von den Gelehrten geprüft und verbessert werden; meine Kühnheit möge man verzeihen, wie ein Vater die Unbesonnenheit seiner eigenen Kinder verzeiht.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 25, Vers 119–120.
Der Körper als heiliger Raum
Im Nyasa und in der inneren Reinigung wird der Körper in die Verehrung einbezogen. Elemente, Lebenskräfte und göttliche Gestalten bilden einen zusammenhängenden Meditationsraum.
11. Kundalini und die Rückkehr zu Brahman
Gesammelt meditiere man über die im Muladhara gegenwärtige Göttin Kundalini, die höchste Gottheit: fein wie eine Lotusfaser und leuchtend wie ein Blitz. Man lasse sie aus dem Muladhara aufsteigen und im Herzlotus ankommen. Auf dem Weg der Sushumna nehme man den Jiva aus dem Herzlotus auf und vergegenwärtige ihn sich, einer kleinen Lampenflamme gleich, als zum Brahmarandhra gelangt. Mit dem Hamsa-Mantra vereinige der Sadhaka den Jiva mit Brahman.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 1, Vers 10–12.
Erläuterung: Die Naukā verweist auf Unterweisung durch den Guru und nennt für Menschen ohne entsprechende Yoga-Praxis die geistige Vergegenwärtigung. Das Bild schildert eine besondere tantrische Innenpraxis.
12. Die fünf Elemente im Körper
Er vergegenwärtige sich die Gesamtheit der Elemente, die von den Füßen bis zum Brahmarandhra gegenwärtig sind, jeweils mit ihrer eigenen Farbe, ihrem Bija und ihrer Gestalt. Das Verfahren wird nun beschrieben. Von den Füßen bis zu den Knien vergegenwärtige man sich den Bereich der Erde: viereckig, mit einem Vajra versehen, mit dem Erd-Bija ausgestattet und von goldener Farbe. Von den Knien bis zum Nabel vergegenwärtige man sich den Bereich des Wassers: einem Halbmond gleich, mit zwei Lotussen bezeichnet, mit dem Va-Bija verbunden und weiß leuchtend. Vom Nabel bis zum Herzen vergegenwärtige man sich den Bereich des Feuers: dreieckig, mit einem Svastika versehen, mit dem Ra-Bija verbunden und rot. Vom Herzen bis zur Mitte zwischen den Augenbrauen vergegenwärtige man sich den Bereich des Windes: rund, mit sechs Punkten bezeichnet, mit dem Bija Yaṃ verbunden und rauchfarben. Von der Mitte zwischen den Augenbrauen bis zum Brahmarandhra betrachte man den Bereich des Raumes: rund, klar und anmutig, mit dem Bija Haṃ verbunden.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 1, Vers 13–18.
13. Handeln und Wahrnehmen einbeziehen
Füße, Hände, Ausscheidungsorgan, Geschlechtsorgan und Sprache sind der Reihe nach in den Bereichen von der Erde an zu meditieren, verbunden mit den ihnen eigenen Tätigkeiten: Gehen, Greifen und den weiteren. Geruchssinn, Geschmackssinn, Auge, Tastsinn und Gehör sind der Reihe nach in den Bereichen von der Erde an zu meditieren, verbunden mit den Eigenschaften, beginnend mit dem Geruch.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 1, Vers 19–20.
Erläuterung: Der Ausdruck für die Tätigkeiten ist im Druck ungewöhnlich; die Wiedergabe folgt den ausdrücklich genannten Beispielen Gehen und Greifen und der Erklärung der Naukā.
14. Gottheiten, Kalas und Lebenskräfte
Brahma, Vishnu, Shiva, Ishana und Sadashiva werden als die Herren genannt, die in den Elementen von der Erde an gegenwärtig sind; man soll sie in den jeweiligen Elementbereichen meditieren. Nivritti, Pratishtha, Vidya, als vierte Shanti und Shantyatita sind die fünf Kalas, die den Elementen von der Erde an zugeordnet und zu meditieren sind. Samana, Udana und Vyana sowie Apana und Prana sind die fünf Lebenswinde. Man meditiere sie der Reihe nach in den Elementbereichen, beginnend mit der Erde.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 1, Vers 21–23.
15. Die Elemente in ihren Ursprung zurückführen
Nachdem man die Elemente so betrachtet hat, soll man sie eines nach dem anderen auflösen: die Erde im Wasser, das Wasser im Feuer, das Feuer im Wind und diesen im Raum. Nachdem man den Raum im Ich-Prinzip und auch das Ich-Prinzip im großen Prinzip, Mahat, aufgelöst hat, soll man Mahat in Prakriti und Maya im Selbst auflösen.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 1, Vers 24–25.
16. Aus der Einheit ins verkörperte Leben
Aus dem Bewusstsein soll man die Elemente, beginnend mit dem Raum, wieder hervorgehen lassen. Mit dem Mantra „Ich bin Das“ soll man das Selbst in den Herzlotus führen. Nachdem man den durch Verbindung mit dem Höchsten nektarhaften Jiva aufgenommen und im Herzlotus eingesetzt hat, soll man Kundalini als in den Muladhara gelangt vergegenwärtigen.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 1, Vers 33–34.
17. Der Körper wird zum heiligen Sitz
Dann soll man mit dem vollständigen Wurzelmantra den umfassenden Nyasa vom Scheitel bis zu den Füßen vollziehen und die Gottheiten des heiligen Sitzes einsetzen.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 1, Vers 49.
18. Ein weiter Raum für die göttliche Gegenwart
[Die Gottheiten des Sitzes sind:] Manduka, sodann Kalagni-Rudra zusammen mit Adhara-Shakti, Kurma, die Erde, der Nektarozean, Shvetadvipa und die göttlichen Bäume, der Edelsteinpalast, der goldene Sitz, Dharma, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und göttliche Macht sowie diese vier, beginnend mit Dharma, jeweils mit der verneinenden Vorsilbe. Dharma und die übrigen zuvor genannten Kräfte gelten als die Füße des Sitzes, die anderen als seine Glieder. In der Mitte befinden sich Ananta und der Lotus der Wirklichkeit, dessen Wurzelknolle aus Seligkeit besteht. Sein Stängel ist Bewusstsein; seine Staubfäden bestehen aus den Entfaltungen, seine Blätter aus Prakriti, und sein Blütenboden ist aus den fünfzig Lauten gebildet. Dann folgen die drei Kreise von Sonne, Mond und Feuer; danach Sattva, Rajas und Tamas, das Selbst zusammen mit dem inneren Selbst, weiter das höchste Selbst und das Erkenntnisselbst, die beiden Prinzipien Maya und Kala, das Erkenntnisprinzip und das höchste Prinzip. Damit sind die Gottheiten des heiligen Sitzes genannt.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 1, Vers 50–55.
Erläuterung: Die Gegensätze zu Dharma, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und Macht sind ebenfalls in den Sitz einbezogen. Der Lotus verbindet Bewusstsein, Seligkeit, Natur und die Laute der Matrika.
19. Pranashakti, die Kraft des Lebens
Auf diesem Sitz, der der Körper selbst ist, meditiere man über die lebenspendende Göttin, erfüllt vom Selbstbewusstsein frischer Jugend und geschmückt mit vollen Brüsten. Man meditiere über die dreiaugige Göttin Pranashakti von roter Farbe. In ihren Händen trägt sie Schlinge, Bogen, eine blutgefüllte Schädelschale, Elefantenhaken, Pfeile und Dreizack. Sie befindet sich auf einem roten Lotus in einem Boot auf dem roten Meer.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 1, Vers 60–61.
Erläuterung: Die Naukā erklärt das rote Meer als Blutmeer. Die kraftvolle Bildsprache gehört zur historischen Visualisation der lebenspendenden Shakti.
20. Die Kräfte des heiligen Sitzes vergegenwärtigen
Durch den Nyasa der Pitha-Gottheiten stelle man den heiligen Sitz im Körper her. Der Verständige setze Manduka im Adhara ein, dann im Svadhishthana Kalagnirudra, am Nabel die Schildkröte und danach im Herzen [die Folge] von Adhara-Shakti bis zum goldenen Sitz. An rechter Schulter, linker Schulter, linkem Oberschenkel und rechtem Oberschenkel setze man der Reihe nach Dharma, Wissen, Entsagung und Souveränität ein. An Mund, linker Seite, Nabel und rechter Seite setze man Adharma und die weiteren [Gegenkräfte] ein; danach im Herzen Ananta und den Lotus. Im Lotus [setze man] Sonne, Mond und Feuer sowie ihre jeweiligen, mit Lauten beginnenden Kalas ein; ferner die drei Gunas als Grundlagen der Tattvas, jeweils mit dem Anfangslaut ihres Namens. Dort setze man die drei Atman-[Formen] mit ihrem jeweiligen Anfangslaut ein, dazu die vierte mit Para am Anfang; danach Maya-Tattva, Kala-Tattva und Vidya-Tattva. Auch Para-Tattva setze man ein, jeweils mit dem Anfangslaut des Namens. Nach dem Nyasa der eigenen Pitha-Shaktis setze man den eigenen Pitha-Mantra ein. Man setze Ananta und die weiteren Gottheiten im Herzen ein, eine über der anderen; die Verständigen erklären jeweils die vorangehende zur Grundlage der folgenden.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 21, Vers 158–165.
Erläuterung: Die Naukā erläutert die vier Selbstbezeichnungen als Atman, Antaratman, Paramatman und Jnanatman. Die detaillierte Körperzuordnung setzt die betreffende Nyasa-Unterweisung voraus.
Japa, Aufmerksamkeit und Beständigkeit
Japa erhält seine Gestalt durch Sammlung, Vertrauen und Verlässlichkeit. Der Text beschreibt besondere Observanzen und setzt zugleich einen bemerkenswerten Akzent: Hingabe kann eine ungünstige formale Mantraklassifikation überwiegen.
21. Die Hand auf dem Herzen
Nachdem man Pranashakti so mit ihren fünf Umhüllungen verehrt hat, lege der Einsichtige die Hand auf das Herz. In Meditation wiederhole er dreimal ihren Mantra.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 1, Vers 69.
22. Dem gewählten Mantra dienen
Die Verfahren des Mantrabades und die weiteren Vorschriften werde ich dort darlegen. Nachdem der Einsichtige Bharati auf diese Weise verehrt hat, soll er sich den gewählten Mantras widmen. Vishnu, Shiva, Ganesha, Surya und Durga sind die fünf Gottheiten. Wer Vollendung erstrebt, soll sie mit ihren jeweiligen Mantras gemäß der überlieferten Vorschrift verehren.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 1, Vers 101–102.
23. Leises und geistiges Japa
Bis zum Mittag soll man leises oder geistiges Japa üben. Man soll nachts für das Opfer geeignete reine Nahrung essen, dreimal täglich baden und auf Einölen verzichten.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 1, Vers 106.
Erläuterung: Dies sind Regeln einer besonderen Purashcharana-Observanz. Die geistige und die leise Wiederholung werden ausdrücklich unterschieden; der ganze Tagesplan ist keine allgemeine Verpflichtung für heutige Aspiranten.
Begleitvideo von Yoga Vidya: „Japa – der Weg zu Gott“. Es vertieft das Thema Mantra-Hingabe; es ist keine Rezitation des Mantramahodadhi.
24. Während des Japa gesammelt bleiben
Während des Japa lasse der Einsichtige Zerstreutheit, Trägheit, Ausspucken, Zorn und das Ausstrecken der Beine, andere Gespräche und das Umherblicken nach anderen.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 1, Vers 107.
25. Vertrauen und Verlässlichkeit
Man soll sich an das Schlafen auf dem Boden, an Brahmacharya, an die dreimal tägliche Gottesverehrung, an die anlassbezogene Verehrung, an den Lobpreis der Gottheit und an Vertrauen halten. Tag für Tag dieselbe Anzahl, niemals weniger oder mehr. Nachdem das Japa auf diese Weise abgeschlossen ist, soll man am Ende ein Homa mit einem Zehntel dieser Zahl vollziehen.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 1, Vers 109–110.
Erläuterung: Der Text verbindet Vertrauen mit einer festgelegten täglichen Wiederholungszahl. Die anschließende Homa-Zählung gehört zur beschriebenen Purashcharana-Ordnung.
26. Nyasa und Mantrawiederholung verbinden
So ist die Shaiva-Mudra der sechs Angas gelehrt. Danach vollziehe man den Laut-Nyasa; denn ohne Nyasa, heißt es, bleiben die Mantras selbst nach ihrer Wiederholung ohne Frucht.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 21, Vers 157.
Erläuterung: Die strenge Aussage über Nyasa gilt innerhalb der hier gelehrten Ritualordnung. Sie ist kein pauschales Urteil über andere Japa-Traditionen.
27. Die besondere Kraft der Hingabe
Wer einem Mantra besondere Hingabe entgegenbringt, erlangt durch ihn Vollendung, selbst wenn er in das feindliche Feld gefallen ist.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 24, Vers 74.
Erläuterung: Das „feindliche Feld“ gehört zur zuvor behandelten rechnerischen Eignungsprüfung von Mantras. Mahīdhara räumt hier besonderer Bhakti Vorrang vor einer ungünstigen Klassifikation ein.
28. Kurze und lange Mantras
Bija-Mantras, Mantras und die weiteren Mala-Mantras: Dreifach wird die Gesamtheit der Mantras von den kundigen Kennern der Agamas eingeteilt. Bija-Mantras reichen bis zu zehn Lauten; danach [heißen sie] Mantras bis zwanzig. Die mit mehr als zwanzig Lauten gelten als Mala-Mantras.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 24, Vers 75–76.
Erläuterung: „Bija-Mantra“ bezeichnet hier ausdrücklich auch Folgen bis zu zehn Lauten. Die technische Definition ist weiter als der heute oft gebräuchliche Sinn eines einzelnen Keimlauts.
29. Die bleibende Bedeutung regelmäßigen Japa
Oder man wiederhole [den Mantra] an einem zum Meer fließenden Fluss während einer Mond- oder Sonnenfinsternis vom Beginn bis zum Ende und bringe ein Homa im Umfang eines Zehntels dar. Nach der Speisung von Brahmanen erlangt man [nach der Verheißung] die Vollendung verschiedener Mantras. Auch demjenigen, der beständig dem Japa hingegeben ist, werden die Mantras bald wirksam.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 24, Vers 130–131.
30. Textkenntnis, Mitgefühl und Sammlung
Nach dem Bad und den täglichen Pflichten wähle man zehn Brahmanen: mit beherrschten Sinnen, gutem Verhalten, aus angesehener Familie und wahrhaftig, gelehrt, der Chandi-Rezitation zugewandt, mit Schamgefühl und Mitgefühl. [Man ehre sie] nach der Madhuparka-Ordnung und durch Gaben von Kleidung, Gold und Weiterem. Für den Japa gebe man ihnen Sitz und Gebetskette sowie Nahrung. Sie sollen opfergeeignete Speise essen und ihren Geist auf den Sinn des Mantras richten, auf dem Boden schlafen und reinen Geistes den im Markandeya-Purana gelehrten Chandika-Lobpreis jeweils zehnmal rezitieren.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 18, Vers 173–176.
Erläuterung: Die Auswahl der Rezitierenden verbindet Textkenntnis mit Wahrhaftigkeit und Mitgefühl. Die Herkunftsanforderung gehört zur historischen Sozialordnung, nicht zu einer heutigen Bewertung spiritueller Befähigung.
Die Göttin in ihren vielen Gestalten
Die folgenden Bilder zeigen die Vielfalt der Devi: hell und dunkel, sanft und erschreckend, musikalisch, nährend und befreiend. Ihre konkreten Attribute werden bewahrt. Gerade dadurch bleibt die Eigenart der jeweiligen Dhyana-Verse sichtbar.

31. Sarasvati als lebendige Sprache
Ich verehre die dreiaugige Göttin der Sprache, deren Körperglieder aus den fünfzig Lauten gebildet sind. Sie trägt die Mondsichel und ist reinweiß wie eine Wasserlilie. Sie zeigt die Gesten der Wunschgewährung und Furchtlosigkeit und hält ein Buch und eine Gebetskette.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 1, Vers 81.
32. Kali: Furchtlosigkeit und Vergänglichkeit
Ich verehre die Göttin Kalika: In ihren Händen trägt sie ein frisch abgetrenntes Haupt und ein Schwert und zeigt die Gesten der Furchtlosigkeit und der Gewährung von Gaben. Ihr Antlitz ist furchterregend; sie ist mit einer Girlande von Köpfen geschmückt und trägt ihr Haar offen. Aus den Mundwinkeln fließt Blut. Sie wohnt auf dem Verbrennungsplatz und trägt Leichname als Ohrschmuck. Ihr Körper ist dunkel; aus den Händen von Leichnamen ist ihr Gürtel gebildet.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 3, Vers 9.
Erläuterung: Das Bild verbindet Vergänglichkeit und Schrecken mit Schutz und Segen. Eine persönliche Betrachtung von Furchtlosigkeit ist eine heutige Anregung; sie ersetzt nicht die konkrete Ikonographie des Verses.
33. Verehrung verlangt einen respektvollen Umgang
Wer als Verehrer Kalis das eigene Heil sucht, soll das Herabsetzen und Schlagen von Frauen, Hinterlist und verletzende Worte meiden.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 3, Vers 22.
Erläuterung: Hier wird Göttinnenverehrung an eine ausdrückliche ethische Forderung gebunden. Ahimsa und achtsames Sprechen geben der Hingabe eine Gestalt im Alltag.
34. In Kali die Vielfalt des Göttlichen verehren
Wer Kalika verehrt, der Wohlgeborene, hat damit [gleichsam] Opfer wie das Ashvamedha vollzogen, Gaben gespendet und Tapas geübt. Wer Kali beständig verehrt, hat damit Brahma, Vishnu, Shiva, Gauri, Lakshmi und Ganapati, die Sonne und alle Gottheiten verehrt.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 3, Vers 36–37.
Erläuterung: Die Aussage ist ein religiöser Lobpreis: Die eigene Verehrung wird als umfassend beschrieben, nicht als Aufforderung zur Abwertung anderer Gottesgestalten.
35. Tara, die Mutter der drei Welten
[Man meditiere] sie auf einem weißen Lotus, der in den die ganze Welt erfüllenden Wassern erstrahlt: blauglänzend, mit glänzenden Händen, die Messer, Schwert, Schädelschale und blauen Lotus tragen; ihr Körper ist mit vorzüglichen Schlangen geschmückt, die Gürtel, Ohrringe, Halskette, Armreifen, Oberarmschmuck und Fußreifen bilden; ihre drei Augen sind rötlich. Sie erscheint mit einem großen rötlichbraunen Haarknoten, hervorleuchtender Zunge und einem von Fangzähnen erschreckenden Gesicht. Sie trägt ein vorzügliches Tigerfell um die Hüften und einen Stirnschmuck aus weißem Knochen. Akshobhya schmückt ihr Haupt; ihr Lotusgesicht lächelt. So vergegenwärtige man sich Tara, die auf dem Herzen eines Leichnams sitzt, mit festen Brüsten, die Mutter der drei Welten.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 4, Vers 39–40.
Erläuterung: Die Naukā erklärt Akshobhya hier als den Seher des Mantras. Das lächelnde Lotusgesicht steht in derselben Meditation neben den furchterregenden Attributen.
36. Tara im Glanz des Herbstmondes
Ich verehre die dreiäugige Tara um umfassende Fülle willen: weiß gekleidet, leuchtend wie der Herbstmond, mit schönem Schmuck und der Mondsichel als Stirnzier; in ihren lotosgleichen Händen trägt sie Schneidemesser und Schädelschale.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 5, Vers 10.
37. Shabari im heiligen Garten
Man vergegenwärtige sich [die Göttin] auf einer Höhe des Goldberges, in einem von vielerlei Bäumen verschönerten Garten, auf einem Altar inmitten eines Edelsteinpavillons. Ich vergegenwärtige mir Shabari: schön mit einem aus Gunja-Samen gefertigten Halsband, an den Ohren Pfauenfedern tragend; in beiden Händen hält sie Bogen und Pfeil, und ihre Hüften umgibt ein Bastgewand.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 6, Vers 43–44.
Erläuterung: Der Goldberg wird in der Naukā als Meru erklärt. Garten, Juwelenpavillon und Waldschmuck prägen diese besondere Meditationsgestalt.
38. Varahi trägt die Erde
Man meditiere über Varahi: wolkendunkel, mit anmutigen Brüsten, von drei Augen erleuchtet, mit Ebergesicht und Mondschmuck. Schön erscheint die Erde auf ihrem Hauer. In ihren Lotushänden trägt sie Schwert, Schild, Schlinge und Haken. Sie reitet auf einem edlen Pferd und ist herrlich geschmückt.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 10, Vers 39.
Erläuterung: Die Druckform für das Reittier ist auffällig; „edles Pferd“ folgt dem Zusammenhang der beigefügten Erklärung. Achala wird von der Naukā als Erde erläutert.
39. Bandi und die Sehnsucht nach Befreiung
Ich verehre Bandī, um aus der Bindung an das Werden befreit zu werden: Ihr Glanz gleicht einer wasserreichen Wolke; in ihren Händen trägt sie einen Lotus und ein Gefäß mit Unsterblichkeitstrank; Götterfrauen dienen ihren Lotusfüßen.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 6, Vers 89.
Erläuterung: Der Vers spricht von der Bindung an das Werden. Spätere Verse behandeln auch äußere Gefangenschaft; diese beiden Ebenen sind zu unterscheiden.
40. Matangi im Spiel der Vina
Ich verehre Matangi, die Herrliche: Ihr Körper ist dunkel wie eine Wolke; sie sitzt auf einem Edelsteinsitz, hört den Worten eines Papageis zu, trägt rote Gewänder, ist vom Trinken berauscht, ruht auf einem Lotus und spielt die Laute.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 7, Vers 70.
Erläuterung: Der Rausch gehört zum überlieferten Bild der Göttin. Er ist keine Voraussetzung, die hier für heutige Japa-Praxis empfohlen wird.
41. Bala im Licht des neuen Tages
Ich meditiere auf Bala, auf einem roten Lotus ruhend: in rote Gewänder gekleidet, mit der Mondsichel geschmückt, der aufgehenden Sonne gleichend, dreiäugig; ihre Hände tragen ein Buch und eine Gebetskette und zeigen Furchtlosigkeit und die Gewährung von Gaben.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 8, Vers 15.
42. Bala: Ihr Wesen ist Bewusstsein
Man soll Bala vergegenwärtigen: In ihren Händen trägt sie die Geste der Erklärung, einen Nektarkrug, ein Buch und eine Gebetskette. Ihr Wesen ist Bewusstsein; sie leuchtet wie der Herbstmond, und ihre Glieder sind mit Perlen geschmückt.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 8, Vers 54.
Erläuterung: Die Beschreibung gehört zur Meditation des dritten Bija. Bewusstsein, Lehre und Mantrawiederholung werden in einer Gottesgestalt verbunden.
43. Matangis lächelnde Gegenwart
Ich verehre Matangi, mit Rubinschmuck geziert und lächelndem Gesicht, deren Gewand wie ein blauer Lotus strahlt. Ihre Lotusfüße sind mit schönem rotem Lack bestrichen; mit ihren Augen leuchtet sie. Vertieft in das Spiel der Vina wird sie von den Göttern verehrt. Dunkel wie das Gefieder eines Papageis trägt sie den Mond auf dem Scheitel und hat den Mund voller Betel.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 8, Vers 119.
Erläuterung: Die gedruckte Augenbeschreibung ist verkürzt; eine andernorts geläufige Dreiaugigkeit wird deshalb nicht stillschweigend hinzugefügt.
44. Annapurna und der tanzende Shiva
Annapurneshvari soll meditiert werden: Sie gleicht glühendem Gold, trägt den Mond im Kopfschmuck und strahlt im Glanz ihrer Edelsteine. Verschiedene Gewänder schmücken sie. Sie hat drei Augen und wird von Bhumi und Rama begleitet. Sie hält einen Schöpflöffel und ein goldenes Gefäß, ist schön und vollbrüstig und freut sich beim Anblick des tanzenden Shiva.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 9, Vers 7.
45. Bhumi und Shri unter dem Wunschbaum
Man vergegenwärtige sich Bhumi und Shri: Unter dem Wunschbaum sitzen sie auf einer Juwelenplattform, reich mit Gewändern und Schmuck ausgestattet, in der gewünschten linken und rechten Anordnung, verehrt von den Göttern und den großen Weisen.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 9, Vers 70.

46. Sundari im Shrichakra
Man vergegenwärtige sich Sundari im Shrichakra, den tragenden Grund der drei Welten. Ihr Glanz gleicht zehntausend aufgehenden Sonnen; sie hat drei Augen und leuchtet in rotem Gewand. Ihr Körper erstrahlt in vielerlei Schmuck, der junge Mond krönt ihr Haupt. Freudig trägt sie in den Händen Zuckerrohrbogen, Haken, Blumenpfeil und Schlinge.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 11, Vers 51.
47. Drei Shaktis im inneren Dreieck
Man vergegenwärtige sich Kameshvari, Rudras Shakti, strahlend wie hundert Herbstmonde, in den Händen Buch, Furchtlosigkeit, Wunschgewährung und Rosenkranz tragend. Vajreshvari ist Vishnus Shakti, glänzend wie die aufgehende Sonne; ihre Hände leuchten mit Zuckerrohrbogen, Wunschgewährung, Furchtlosigkeit und Blumenpfeilen. Bhagamala ist Brahmas Shakti, glänzend wie geschmolzenes Gold; mit ihren Händen trägt sie Jnana-Mudra, Wunschgewährung, Schlinge und Haken.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 12, Vers 128–130.
48. Ganga als Bhagirathi
Die Übenden sollen über Bhagirathi meditieren: schön wie ein erblühter reiner weißer Lotus, ihrem Wesen nach Krishna, Isha und Vidhi. Sie hält Krug und Lotus, gewährt Ersehntes und Furchtlosigkeit und trägt weiße Gewänder. Ihr Antlitz ist heiter, der Mond schmückt ihr Haupt; alle Flussgottheiten dienen ihr. Als Vernichterin des Unheils reitet sie auf dem Makara.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 16, Vers 116.
Erläuterung: Krishna, Isha und Vidhi bezeichnen hier Vishnu, Shiva und Brahma. Die Ganga erscheint als göttliche Gegenwart, in der diese Gestalten zusammengehören.
Ganesha, Hanuman, Vishnu, Shiva und die Lehrer
Furchtlosigkeit, Mitgefühl, Schönheit und Lehre begegnen in unterschiedlichen Gottesgestalten. Hanuman ist ganz in Rama versunken; Shiva erscheint auch als liebevoller Vater.
49. Ganeshas freundliches, segnendes Antlitz
Zwischen den Brauen, an Kehle, Herz, Nabel, Geschlechtsorgan und Füßen soll man die Laute des Mantras der Reihe nach einsetzen; nachdem man den ganzen Körper damit durchdrungen hat, soll man den Herrn vergegenwärtigen. Man soll Ganesha meditieren: Er strahlt wie die aufgehende Sonne; in seinen Lotushänden hält er Schlinge und Stachel und zeigt die Gesten der Furchtlosigkeit und des Segens. Er hat ein Elefantengesicht, trägt rote Gewänder, nimmt alles Leid hinweg, ist freundlich und durch seinen gesamten Schmuck anmutig.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 2, Vers 5–6.
Begleitvortrag von Yoga Vidya über Hanuman. Der anschließende Vers gibt Mahīdharas eigene Meditationsbeschreibung wieder.
50. Hanuman, ganz in Rama versunken
Ich meditiere den Sohn des Windes: Er strahlt wie zehntausend aufgehende Sonnen, erschüttert die drei Welten und ist schön. Seine Lotusfüße werden von Sugriva und der ganzen Schar der Vanaras verehrt. Schon durch seinen Ruf versetzt er sämtliche Rakshasas in Schrecken. Dieser Herr ist ganz in die Erinnerung an die Lotusfüße des herrlichen Rama versunken.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 13, Vers 8.
Erläuterung: Hanumans Kraft erhält ihre Richtung durch die Erinnerung an Rama. Im Zentrum des Bildes steht eine ungeteilte Beziehung zur verehrten Gottheit.
51. Nrihari schenkt Furchtlosigkeit
Ich verehre Nrihari: Sonne, Mond und Feuer sind seine Augen; er strahlt wie der Mond nach dem Ende der Regenwolken. In seinen Händen trägt er die Geste der Furchtlosigkeit, das Chakra, den Pinaka-Bogen und die Geste der Segensgewährung. Er trägt den Mond.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 14, Vers 5.
Erläuterung: Pinaka und Mondsichel stehen ausdrücklich im Vers. Das Werk zeigt eine besondere Narasimha-Gestalt; die Attribute werden nicht durch ein geläufigeres Bild ersetzt.
52. Narasimhas Mitgefühl
Möge Nrikesarin Heilvolles entfalten: Er gleicht tausend Monden, ist voller Mitgefühl, und seine Augen bewegen sich freudig zum Anblick von Lakshmis Gesicht. Ringsum ist er von den zehn Avataras umgeben.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 14, Vers 45.
53. Krishnas Flötenspiel in Vrindavana
Man vergegenwärtige sich Govinda unter dem Wunschbaum im Wald von Vrinda: Auf einem edelsteinbesetzten Thron, auf einem roten achtblättrigen Lotus, weilt der Ungeborene, geschmückt mit einem gelben Gewand. Er gleicht einer Regenwolke, trägt vielerlei Schmuck und ist von Kühen, Hirten und Hirtinnen umgeben. Schön wie der Liebesgott, von Weisen begleitet, lässt er die Flöte erklingen.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 14, Vers 58.
54. Der spielende Krishna
Ich verehre Hari, fünfjährig und in Vraja umherlaufend: Seine Schönheit bezaubert die himmlischen Frauen. Er ist Yashodas Sohn, dessen Spiel die Frauen betrachten, geschmückt mit Fußspangen und anderen Schmuckstücken.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 14, Vers 100.
55. Surya als Licht der Welt
Ich verehre Surya, den Ozean der Vorzüge: Er weilt auf einem roten Lotus, hat drei Augen und verkörpert die Dreiheit der Veden. Seine Hände zeigen Gnadengewährung und Furchtlosigkeit und halten zwei Lotusblüten. Er glänzt wie Koralle, trägt Armspangen, Halsketten und Reifen; an seinen Ohren leuchten Ohrringe. Er bewirkt das Entstehen, Vergehen und Erhalten der Welt.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 15, Vers 19.
56. Vyasa, heiterer Hüter des Wissens
Zur Vollendung vergegenwärtige man sich Vyasa, dessen Handfläche mit der Lehrgeste leuchtet. Er sitzt auf einem vortrefflichen Yoga-Sitz; die andere Hand ruht auf dem linken Knie. Er ist ein Schatz guten Wissens, von Brahmanen umgeben, heiteren Geistes; sein Körper strahlt wie ein Lotus. Als Sohn Parasharas ist er von überaus heiligem Wandel.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 15, Vers 103.
57. Mrityunjaya im Strom des Nektars
Ich verehre den dreiäugigen Mrityunjaya zusammen mit Girija: Er sitzt auf einem Lotus. Aus zwei Krügen, die ein Paar seiner Lotushände hält, schöpft er mit einem weiteren Händepaar Wasser und übergießt sein Haupt; zwei Hände mit Krügen ruhen in seinem Schoß. Weitere Hände halten Gebetskette und Antilope. Sein Leib ist vom Nektar benetzt, der aus dem Mond auf seinem Haupt strömt.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 16, Vers 19.
Erläuterung: Die Naukā erläutert die acht Hände und die verschiedenen Krugpositionen. Nektar und Mondglanz gehören zur Bildsprache der Überwindung des Todes.
58. Mahesha, mit Amba vereint
Ich verehre den höchsten Mahesha: Er gleicht dem Berg Kailasa, hat drei Augen, fünf Gesichter und zehn Arme und ist mit Amba vereint. Sein Hals ist blau, seine Schmuckstücke sind Schlangenkönige; er ist in ein Tigerfell gehüllt. Seine Hände tragen Gebetskette und Wassergefäß und zeigen Gnadengewährung und Furchtlosigkeit. Er trägt die Mondsichel, und seine Haarflechten leuchten vom Wasser der Ganga.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 16, Vers 76.
59. Shiva in liebevoller Zuwendung zu seinen Kindern
Möge er uns schützen: Mit dem rechten Arm streichelt er das Antlitz des elefantenköpfigen Sohnes auf seinem rechten Schoß, mit dem anderen Guha, der im Schoß der Bergestochter auf seinem linken Schenkel sitzt. Das andere Händepaar gewährt Ersehntes und Furchtlosigkeit. Er leuchtet wie der Mond, wird von den drei Welten verehrt, ist blaukehlig und dreiäugig.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 19, Vers 82.
Feuer, Erde und die Weite der Welt
Der heilige Raum reicht über die einzelne Bildgestalt hinaus. Agni, Berge, Meer, Wind, Erde und Himmel werden in die Vergegenwärtigung einbezogen.

60. Äußeres Feuer und inneres Bewusstsein
Man vergegenwärtige seine Einheit mit dem Feuer des höchsten Selbst und auch mit dem Verdauungsfeuer. Durch das Feuer-Bija verbinde man es mit Bewusstsein.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 1, Vers 120.
Erläuterung: Mit „es“ ist das für das Homa vorbereitete Feuer gemeint. Äußeres Opferfeuer, leibliche Lebenskraft und das Feuer des höchsten Selbst werden miteinander verbunden.
61. Das leuchtende Feuer verehren
Nachdem man die Jvalini-Mudra gezeigt hat, soll man aufstehen, die Hände zur Anjali-Geste zusammenlegen und mit dem folgenden versförmigen Mantra vor das Opferfeuer treten. Ich verehre das hell entflammte Feuer, Jatavedas, den Verzehrer der Opfergaben, golden leuchtend, makellos, auflodernd und nach allen Seiten gewandt.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 1, Vers 128–129.
62. Berg und Ozean vergegenwärtigen
Man vergegenwärtige sich den Berg: vom Glanz vieler Juwelen überstrahlt, mit Bäumen, Wasser und Gold versehen, von Tigern und anderen Tieren belebt und mit Gipfeln ausgestattet. Den Ozean stelle man sich vor, reich an Fischen, Schildkröten und anderen [Lebewesen], mit neun Arten von Juwelen, wolkendunkel und voller Wellen.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 9, Vers 114–115.
Erläuterung: Die Drucklesung bei den Meereswesen ist sprachlich auffällig; die Übersetzung folgt dem Zusammenhang von Fischen und Schildkröten. Diese Naturbilder gehören zur Meditation großer kosmischer Mächte.
63. Prana als Leben des Universums
Man vergegenwärtige sich den Wind: vom Staub verdunkelt, der von der Erde aufsteigt, Erde und Himmel verhüllend, als Prana das Leben des gesamten Universums tragend.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 9, Vers 117.
64. Erde und Himmel als tragender Raum
Der Mantraübende soll hier über die Erde meditieren, die Grundlage der Welt, reich an Flüssen, Bergen, Bäumen und gedeihenden Dörfern. Man meditiere über den makellosen Himmel, ausgestattet mit Sonne und den übrigen Himmelskörpern, den Sternbildern und dem Rad der Zeit, der den Lebewesen Raum und Halt gewährt.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 9, Vers 118–119.
Gebete der Puja: Gegenwart und Darbringung
Die Gebete des 22. Taraṅga erschließen die innere Bedeutung äußerer Gaben. Duft, Blume, Wasser und Licht sprechen von Ananda, Erkenntnis und der Nähe der Gottheit.
65. Die Mutter, die dem Wohl aller Wesen zugewandt ist
O Mutter, die du im großen Lotuswald weilst, Verkörperung der ursächlichen Wonne, dem Wohl aller Wesen zugewandt: Komm, komm, höchste Göttin! Nachdem man die mit dem verehrten Licht beziehungsweise Bewusstsein verbundene Blumenhandvoll im königlichen Shrichakra niedergelegt hat, spreche man die beiden Verse. O Herrin der Götter, die du durch Hingabe leicht zugänglich bist und von allen deinen Gottheitenkreisen umgeben wirst: Solange ich dich verehren werde, bleibe ganz fest gegenwärtig.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 11, Vers 103–105.
Erläuterung: Die mittlere Verszeile ist im Druck sprachlich unsicher; die Übersetzung gibt ihren rituellen Zusammenhang wieder. Die Anrufungen davor und danach sind eindeutig: Wohl aller Wesen, Hingabe und beständige Gegenwart der Göttin.
66. Durch liebende Hingabe gegenwärtig
Man stelle die Gottheit mit der Samsthapini-Mudra auf und spreche nach dem Grundmantra den Vers: „Dies ist die Bildgestalt deiner Größe. In ihr stelle ich dich auf, o allgegenwärtiger Herr, durch liebende Hingabe herbeigezogen, wie eine Lampe.“ Bei Bhavani und den weiteren Gottheiten sind die Verse zur Herbeirufung und den folgenden Handlungen entsprechend anzupassen.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 22, Vers 44–45.
Erläuterung: Die Puja verbindet Bildgestalt und innere Beziehung. Der Text nennt ausdrücklich die anziehende Kraft liebender Hingabe.
67. Dem inneren Lenker einen Sitz bereiten
Den Grundmantra und den Vers sprechend, bereite man den Sitz und lasse die Gottheit Platz nehmen: „O Gott, dir, dem inneren Lenker aller Wesen, der du im eigenen Selbst gegenwärtig bist, bereite ich den heilsamen, höchsten, reinen Sitz, der aus allen Bijas besteht. Auf diesem vorzüglichen Sitz, o Gott, der du aus den Lauten bestehst, sitze in Wohlbefinden und sei fest gegenwärtig, o Herr. Sei gnädig, höchster Herr!“ Danach vollziehe man die Vergegenwärtigung mit der zugehörigen Mudra, dem Grundmantra und dem folgenden Vers.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 22, Vers 46–48.
Erläuterung: „Aus den Lauten bestehend“ folgt dem Bija-Zusammenhang; das Sanskritwort für Laut kann zugleich das Unvergängliche bezeichnen.
68. Die Kraft der göttlichen Bildgestalt
„Diese Kraft der Bildgestalt ist von dir nicht verschieden, o Herr der Götter. Sei in ihr gegenwärtig, du, dessen Anliegen die Gnade für seine Verehrer ist!“
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 22, Vers 49.
69. Auch das Unvollkommene darbringen
Den Grundmantra und den Vers sprechend, festige man [die Gegenwart] mit der zugehörigen Mudra: „Auf dein Geheiß, o Herr der Götter, Ozean des Mitgefühls und der Tugenden, halte ich dich, der du allein in der Seligkeit des Selbst erfüllt bist, hier fest, o Vater und Guru.“ Mit der Mudra stelle man die Zugewandtheit her und spreche Grundmantra und Vers: „Was durch Unwissenheit, Unruhe des Geistes oder Unzulänglichkeit der Mittel an meinem Vollzug unvollständig bleibt – auch dem sei zugewandt!“
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 22, Vers 50–52.
Erläuterung: Das Gebet lässt menschliche Unvollkommenheit ausdrücklich zu Wort kommen. Die Bitte gilt der göttlichen Zugewandtheit auch dort, wo Wissen, Sammlung oder Mittel fehlen.
70. Ein Blick, der Nektar regnen lässt
Mit dem Grundmantra, dem Vers und der Gebetsmudra vollziehe man die Verehrung: „Mit deinem Blick, der Nektar regnen lässt, erfülle den Opferplatz und bleibe in der Bildgestalt fest gegenwärtig bis zum Abschluss des Opfers, o Maheshvara!“ Der Verständige setze die sechs Angas an der Gottheit ein: [Dies heißt] Sakalikarana.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 22, Vers 53–54.
71. Vom eigenen göttlichen Licht umgeben
Den Grundmantra und den Vers sprechend, vollziehe man die Umhüllung mit der zugehörigen Mudra: „O Unmanifestes, dem Zugriff von Sprache, Geist, Auge und Ohr fern, von unermesslichem Glanz, sei ringsum rasch von der Hülle deines eigenen Lichtes umgeben!“ Mit der Go-Mudra vollziehe man die Vergegenwärtigung als Nektar und stelle die höchste Gestalt her.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 22, Vers 55–56.
72. Willkommen, höchster Herr
Nach der Mahamudra vollziehe man die Begrüßung, den Geist auf die Gottheit gerichtet, mit Grundmantra und Vers: „Dich, dessen Schau die Götter um der Erfüllung ihrer Anliegen willen ersehnen, dich, den höchsten Herrn, heiße ich willkommen: Willkommen, willkommen sei dir!“
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 22, Vers 57–58.
73. Mein Leben hat Frucht getragen
Dann vollziehe man das freudige Willkommen mit Grundmantra und Vers: „Ich bin erfüllt und von Gnade beschenkt; mein Leben hat Frucht getragen. Du bist gekommen, Herr der Götter! Nochmals sei dir dieses herzliche Willkommen!“ In das Wasser für die Füße gebe man Shyamaka, Vishnukranta, Lotus und Durva.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 22, Vers 59–60.
74. Die drei Leiden überwinden
„Ich bereite dir die göttliche Arghya-Gabe, welche die drei Leiden aufhebt, von höchster Seligkeit geprägt und von den drei Leiden frei ist.“
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 22, Vers 66.
Erläuterung: Die drei Leiden umfassen in der traditionellen Einteilung innere, äußere und überpersönliche Bedrängnisse. Das Gebet deutet eine äußere Gabe durch die Seligkeit der Gottheit.
75. Der vollkommenen Seligkeit eine Gabe reichen
„Dir, der du von jeder Trübung frei und von vollkommener Seligkeit bist, bereite ich dieses Madhuparka, o Gott. Sei mir gnädig!“
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 22, Vers 68.
76. Reinigung durch Gottesgedenken
Wiederum gebe man Mundspülwasser und spreche Grundmantra und den weiteren Vers: „Durch bloßes Gedenken an dich erlangt selbst jemand mit Speiseresten oder Unreinheit Reinheit; dir sei dieses erneute Mundspülwasser.“ Auch nach Bad, Gewand, heiliger Schnur und Speisegabe ist es vorgeschrieben.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 22, Vers 69–70.
77. Eine schlichte Gabe in Liebe
Fehlen Padya und die weiteren Gaben, bringe man ungebrochene Reiskörner dar und vergegenwärtige die fehlenden Dinge. Danach gebe der Verständige Duftöl und spreche Grundmantra und Vers: „Nimm dieses Öl in Liebe an, o großherziger Herr der Welt, reines Selbst in allen Welten! Ich gebe dir das vorzügliche Öl.“
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 22, Vers 71–72.
Erläuterung: Das Sanskritwort für Öl bedeutet zugleich Liebe und Zuneigung. Die Übersetzung bewahrt dieses Wortspiel.
78. Das Bad im Ozean der Erkenntnis
Nach dem Einreiben mit Kurkuma und Weiterem bade man die Gottheit, Grundmantra und Vers sprechend: „Dir, dessen eigene Gestalt im Ozean der Erkenntnis höchster Seligkeit ruht, bereite ich dieses Bad mit allen Haupt- und Nebenteilen, o Herr!“ Dann gieße man mit der Muschel tausendmal, hundertmal oder entsprechend dem eigenen Vermögen duftendes Wasser über den Herrn, den Mantra vergegenwärtigend. Danach gebe man Unter- und Obergewand mit dem Grundmantra und den beiden folgenden Versen.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 22, Vers 73–75.
79. Maya und unverhüllte Erkenntnis
„Dir, dessen eigene verborgene, gewaltige Strahlkraft vom bunten Tuch der Maya verhüllt ist – o unverhüllte Erkenntnis –, bereite ich ein Gewand.“ „Dir, dem höchsten Herrn, auf den gestützt Mahamaya die Welt immerfort bezaubert, bereite ich das Obergewand.“
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 22, Vers 76–77.
Erläuterung: Das Gewand wird einer Wirklichkeit dargebracht, die selbst unverhüllte Erkenntnis ist. Der äußere Gegenstand erhält so einen kontemplativen Sinn.
80. Der Duft höchster Seligkeit
„Nimm gnädig diesen vorzüglichen Duft an, der die Himmelsrichtungen mit dem Wohlgeruch höchster Seligkeit erfüllt, o höchster Herr!“
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 22, Vers 83.
81. Eine Blume aus dem Wald des Vierten
Dann zeige man mit kleinem Finger und Daumen die Gandha-Mudra. Grundmantra und Vers sprechend, bringe man verschiedene Blumen dar: „Nimm diese vorzügliche Blume an: im Wald des Vierten gewachsen, durch mannigfaltige Vorzüge entzückend, von kräftigem Wohlgeruch!“
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 22, Vers 84–85.
Erläuterung: Das „Vierte“, Turiya, verweist über Wachen, Traum und Tiefschlaf hinaus. Selbst eine Blumengabe kann im Text zum Bild innerer Erkenntnis werden.
82. Ein Licht für innen und außen
[Es folgen] Berührung mit dem linken Mittelfinger und das Sprechen von Grundmantra und Vers: „Die hell leuchtende große Lampe, die überall das Dunkel vertreibt – dieses Licht innen und außen, diese Leuchte möge angenommen werden!“ An die Stelle des Wortes „Räucherwerk“ tritt „Licht“; durch Verbindung von Mittelfinger und Daumen [bilde man] die Lichtmudra und zeige [das Licht]; seine Darbringung erfolgt auf Augenhöhe. Bei mehreren Dochten gilt eine ungerade Anzahl als angemessen.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 22, Vers 116–118.
Innere Verehrung und die Möglichkeiten des Alltags
Die Puja wird im Herzen vollzogen, in den Tageslauf eingebettet und bei fehlenden Mitteln vereinfacht. Der Text kennt auch Krankheit und Bedrängnis: Hinwendung bleibt möglich, wenn der äußere Aufwand kleiner werden muss.
83. Die Gottheit im eigenen Inneren willkommen heißen
So meditiere man auf dem aus dem eigenen Körper bestehenden heiligen Sitz seine erwählte Gottheit. Nach dem Zeigen der jeweiligen Mudras vollziehe man die innere Verehrung. Ganz auf die Gottheit ausgerichtet, verehre man sie mit diesem Mantra: „Willkommen, Herr der Götter! Sei gegenwärtig, Keshava! Nimm die innere Verehrung an, die ihrem Sinn entsprechend ausgestaltet ist.“ Bei einer anderen Gottheit ist anstelle des Wortes „Keshava“ die entsprechende Anpassung vorzunehmen.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 21, Vers 166–168.
84. Nach der inneren Puja still verweilen
Nachdem er so innerlich verehrt hat, verweile der Kundige einen Augenblick mit ganz auf die Gottheit gerichtetem Geist und wiederhole dann den Grundmantra hundertachtmal. Er bringe das Japa der Gottheit dar und bereite das besondere Arghya. Nun wird die Weise der äußeren Verehrung erläutert.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 21, Vers 169–170.
Erläuterung: Die Zahl 108 steht hier ausdrücklich im Grundtext. Nach der inneren Puja folgen stilles Verweilen, Japa und seine Darbringung.
85. Das ganze innere Leben zur Darbringung machen
Nachdem er Betel dargebracht hat, zeige er Schirm und Wedel. Ganz auf die Gottheit ausgerichtet spreche er die folgenden viereinhalb Verse: „Die Erkenntniskraft mit ihren Prägungen ist als Spiegel und glückverheißende Gaben bereitet; die vielfältige Bewegung des Geistes ist dir als Tanz gestaltet. Klänge sind als Gesang und als verschiedene klingende Instrumente bereitet; frische Lotusblüten habe ich als Schirme für dich gestaltet, o Herr. Sushumna ist als Banner, Prana und die weiteren Lebenskräfte als Wedel, das Ichbewusstsein als Elefant und die Bewegungskraft als Wagen bereitet. Die Sinne sind als Pferde gestaltet, mit Klang und den anderen Sinnesgegenständen als Weg; der Geist als Zügel und die Erkenntniskraft als Wagenlenker. Alles Weitere ist ebenso als dein Zubehör bereitet.“ Nach diesen Versen wiederhole man, die Aufmerksamkeit auf nichts anderes gerichtet, den Grundmantra nach den eigenen Möglichkeiten und bringe das Japa mit einem Mantra dar, während man Arghya-Wasser in die rechte Hand der Gottheit gibt.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 22, Vers 145–151.
Erläuterung: Die Bewegungen des Geistes werden als Tanz, die Lebenskräfte als Dienste und die Sinne als Pferde vergegenwärtigt. Innere Puja schließt das menschliche Erleben in die Hingabe ein.
86. Das Japa der Gnade anvertrauen
„Du Hüter des Geheimsten vom Geheimen, nimm das von uns vollzogene Japa an! Durch deine Gnade möge mir Vollendung zuteilwerden, o Gott: das Ruhen in dir.“ Dieser Mantra in Versform ist für die Darbringung des Japa gelehrt. Nachdem man Arghya mit abgewandter [Gefäßöffnung] gegeben hat, verehre man die Muschel mit Blumen.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 22, Vers 152–153.
87. Mich und alles Meine darbringen
Nach vollständiger Niederwerfung vor dem Herrn vollziehe man Umkreisungen der Gottheit. Für Vishnu, Shiva, Shakti, Ganesha und die Sonne gelten der Reihe nach die Zahlen vier, ein Halbkreis, eins, drei und sieben, zur Erlangung aller Vollendung. Nach dem Lobpreis bringe man sich mit dem Brahmarpana genannten Mantra selbst dar. Man spreche: „Was bisher aufgrund der Zuständigkeit von Lebensatem, Erkenntniskraft, Körper und seinen Verrichtungen in den Zuständen des Wachens, Träumens und Tiefschlafs mit dem Geist, mit Sprache, Händen, Füßen, Bauch und Geschlechtsorgan gedacht, gesprochen oder getan wurde“. Nach „das alles“ spreche man: „sei eine Darbringung an Brahman“, gefolgt von der Opfer-Schlussformel. „Mich und alles, was mein ist, bringe ich dir, Hari, dar.“ Es folgt die heilige Silbe, verbunden mit „Das“ und „Sein“. Dies nennen die Kundigen den Brahmarpana-Mantra, der mit Om beginnt und zweiundachtzig Laute umfasst, zur Hingabe des Selbst an die Gottheit. Mit der Samhara-Mudra führe man die Gottheit in das eigene Herz zurück. Bei einer anderen Gottheit ersetzen die Kundigen den Namen Hari entsprechend.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 22, Vers 154–160.
Erläuterung: Der Grundtext gibt die Brahmarpana-Formel mit eingeschobenen Lautanweisungen. Die Übersetzung unterscheidet deshalb Gebetsinhalt und Sprechvorschrift. Die Umkreisungszahlen und die Opfer-Schlussformel werden anhand der Naukā aufgelöst; dies ist keine vollständig ausgeschriebene Grundtextformel.
88. Verehrung und tägliches Leben verbinden
Nachdem man den Herrn der Götter so verehrt hat, vollziehe man Brahmayajna. Danach widme man sich Erwerb und Erhaltung des Lebensunterhalts und bade zur Mittagszeit. [Es folgen] die zuvor erläuterten Smarta- und tantrischen [Verrichtungen], Sandhya und Tarpana. Nachdem man die Gottheit wie zuvor verehrt hat, vollziehe man Vaishvadeva und die weiteren Riten. Nachdem er Brahmanen und die eigenen Kinder gespeist hat, esse er die geheiligte Gabe der Gottheit. Nach Achamana und Gottesgedenken höre der Verständige ein Purana. Nachdem er Sandhya und Homa vollzogen und die Gottheit wie zuvor verehrt hat, lege er sich nach einer kleinen Mahlzeit auf ein reines Lager und gedenke dabei der Gottheit.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 22, Vers 161–164.
Erläuterung: Die Naukā erklärt Brahmayajna hier als Veda-Studium und die Sorge um den Lebensunterhalt als Erwerb und Bewahrung. Gottesgedenken begleitet im beschriebenen Tageslauf auch Essen und Einschlafen.
89. Im möglichen Maß beständig bleiben
Wer so, rechtschaffen lebend, die Gottheit zu den drei Tageszeiten verehrt, wird – von Hari beschützt – niemals von Feinden und Leiden bedrängt. Ist man zur dreimaligen Verehrung nicht imstande, geschehe sie zweimal oder auch nur einmal. An Festtagen wie Sankranti verehre man die Gottheit besonders. Man verehre mit zehn oder auch fünf Diensten. Wer es selbst nicht vermag, lasse die Puja vollziehen oder gebe die Mittel zur Verehrung.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 22, Vers 165–167.
Erläuterung: Die erste Aussage ist eine religiöse Heilsverheißung. Die folgenden Verse erkennen ausdrücklich unterschiedliche zeitliche und materielle Möglichkeiten an.
90. Innere Puja bei fehlenden Mitteln und in Bedrängnis
Wer auch nichts geben kann, schaue einem Verehrenden zu, den Geist ganz darauf gerichtet. [Die besonderen Formen heißen:] Sadhanabhavini, Trasi, Daurbodhi und Sautaki sowie Aturi. Diese fünf Arten der Puja werden nun nacheinander erläutert. Was beim Fehlen der für die Verehrung benötigten Gegenstände allein im Geist geschieht oder als Verehrung nur mit Wasser vollzogen wird, heißt Sadhanabhavini. Wer in Angst ist, verehre die Gottheit mit den gerade verfügbaren Gaben oder auch innerlich. Dies heißt Trasi und gilt als vollumfänglich wirksam. Kinder, Alte, Frauen und Unkundige [werden hier als] solche mit begrenztem Verständnis bezeichnet; die von ihnen vollzogene Verehrung des Höchsten nach dem jeweiligen Verständnis nennen die Kundigen Daurbodhi. Wer sich in einer Sutaka-Periode befindet, bade und vollziehe seine Sandhya innerlich.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 22, Vers 168–172.
Erläuterung: Die pauschale Einordnung von Frauen, alten Menschen und Kindern spiegelt eine historische soziale Hierarchie. Sie ist kein Urteil dieser Ausgabe über deren spirituelle Befähigung. Sutaka bezeichnet rituelle Einschränkungen nach Geburt oder Todesfall.
91. Die Hinwendung zum Göttlichen in Krankheit
Wer eine bestimmte Erfüllung erstrebt, verehre innerlich; wer wunschlos ist, vollziehe alles. Damit ist Sautaki erläutert. Bei Aturi, der Verehrung in Krankheit, soll man wegen der Erkrankung weder baden noch die äußere Puja vollziehen. Man betrachte die Gestalt der Gottheit oder die Sonnenscheibe, wiederhole den Grundmantra einmal und bringe dabei eine Blume dar. Wenn die Krankheit vorüber ist, bade man, verehre Gurus und Brahmanen und bitte sie: „Möge mir aus der Unterbrechung der Puja kein Fehler erwachsen.“ Nachdem man ihren Segen empfangen hat, verehre man den Herrn der Götter wieder wie zuvor. Damit ist Aturi erläutert. So lauten die fünf von Narada gelehrten Formen der Puja.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 22, Vers 173–176.
Erläuterung: Der Abschnitt beschreibt eine Erleichterung bei Krankheit. Die Betrachtung der Sonnenscheibe ist eine historische Vorschrift, keine Empfehlung, direkt in die Sonne zu schauen. Ein verehrtes Bild kann die Hinwendung unterstützen.
92. Mit Vertrauen für die Verehrung sorgen
Wer alle Mittel selbst mit Vertrauen bereitstellt und die Gottheit in vollkommener Ausrichtung verehrt, erlangt die ganze Frucht. Bei der Verehrung mit von anderen gegebenen Mitteln erhält man die halbe Frucht. Deshalb bringe man die Mittel selbst zusammen und vollziehe die Verehrung.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 22, Vers 177–178.
Erläuterung: Die traditionelle Abstufung würdigt den eigenen Einsatz. Sie hebt die zuvor zugelassenen Vereinfachungen bei fehlenden Mitteln nicht auf.
93. Lass Freude in mir entstehen
„Verehrung dir, o Ashoka, der du den Kummer von Kamas Gemahlin vertreibst! Nimm mir die Qual des Kummers und lass stets Freude in mir entstehen!“
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 23, Vers 6.
94. Die Bitte um läuternde Hingabe
Erneut den Herrn der Götter verehrend, bete man mit diesem Mantra: „Ohne die Angemessenheit zu bedenken, habe ich mit unstetem Geist dich in deiner Mantragestalt empfangen und verehrt, o Herr. Beseitige darum restlos die Erschütterung meines Geistes! Das Unheil sei abgewehrt, beständiges Heil möge entstehen. Läuternde Hingabe an dich möge mir zuteilwerden und mein Wohlergehen entfalten!“
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 24, Vers 66–68.
Erläuterung: Das Gebet steht bei der rituellen Rückgabe eines als unpassend beurteilten Mantras. Es ist daher zunächst eine Bitte in einer besonderen Situation, keine allgemeine Aufforderung, ein empfangenes Mantra aufzugeben.
Von wunschgerichteter Praxis zur Befreiung
Im Schlusskapitel benennt Mahīdhara die Grenze bloßer Wunscherfüllung. Upasana soll zur Läuterung und Erkenntnis führen. Die letzten Stellen verbinden diesen Weg mit seinem persönlichen Gotteslob und seinem Wunsch nach Wohlergehen.
95. Die Grenzen wunschgerichteter Rituale
So ist die Ordnung der sechs Handlungen zur Zufriedenheit der Mantrakundigen erläutert. Nach sorgfältiger Ausführung der Nyasas und Herstellung des Selbstschutzes soll eine auf ein bestimmtes Ergebnis gerichtete Handlung vollzogen werden; andernfalls drohe Überwältigung. Wer jedoch solche wunschgerichteten Handlungen ausführt, seien sie heilsam oder unheilsam, dem kann der Mantra zum Gegner werden. Darum soll man sich ihnen nicht ganz verschreiben. Zur Befriedigung derjenigen, deren Geist an Sinnesgegenständen hängt, ist [dies] erläutert: das von früheren Lehrern genannte wunschgerichtete Handeln; es führt nicht zum [höchsten] Heil. Wer daran gebunden ist, erhält eine Frucht, die darauf begrenzt bleibt.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 25, Vers 72–75.
Erläuterung: Diese Mahnung folgt unmittelbar auf die sechs historischen Ritualhandlungen, darunter aggressive Anwendungen. Mahīdhara selbst warnt vor der Bindung an begrenzte Ergebnisse; Sadhana soll über solche Zielsetzungen hinausführen.
96. Ohne eigennütziges Begehren verehren
Denen, die Gott wunschlos verehren, werden alle ersehnten Vollendungen zuteil. Die bei den einzelnen Mantras zur Erlangung von Glück beschriebenen Anwendungen – man gebe die Anhaftung an sie auf und verehre die Gottheit ohne eigennütziges Begehren.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 25, Vers 76.
Erläuterung: Die Stelle fordert ausdrücklich dazu auf, Anhaftung an die bei einzelnen Mantras beschriebenen Anwendungen aufzugeben. Wunschlose Verehrung ist hier die Richtung der Vertiefung.
97. Handlung, Verehrung und Erkenntnis
Im Veda werden drei Bereiche gelehrt: Handlung, Verehrung und Erkenntnis. Die ersten beiden legen die Mittel dar; im dritten wird das zu erreichende Ziel genannt.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 25, Vers 77.
98. Das innere Wesen läutern
Darum vollziehe man das im Veda Gelehrte und verehre die Gottheiten. Ist dadurch das innere Organ geläutert, erlangt man die höchste Erkenntnis.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 25, Vers 78.
Erläuterung: Mit dem inneren Organ ist Antahkarana gemeint, das Denken, Empfinden und Erkennen umfasst. Verehrung wird auf Erkenntnis hin verstanden.
99. Das Selbst als Brahman erkennen
Wer erkennt: „Das bewusste individuelle Selbst, das in den Verband von Wirkungen und Ursachen eingegangen ist, ist nichts anderes als das vollständige Brahman“, wird frei. Wer einen menschlichen Körper erlangt hat und die Gottheiten verehrt, sich aber nicht aus Samsara befreit, wird hier als mit schwerer Verfehlung belastet bezeichnet.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 25, Vers 79–80.
Erläuterung: Die Naukā erläutert die Erkenntnis mit Aussagen der Upanishaden. Die scharfe Mahnung im zweiten Vers bezieht sie auf unterlassene Bemühung um Erkenntnis; sie dient nicht der Abwertung leidender Menschen.
100. Nach Selbsterkenntnis streben
Darum sollen die vorzüglichen Menschen nach Selbsterkenntnis streben: durch Handlungen, Gottesverehrung und das Schwinden der inneren Gegner, beginnend mit Begierde.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 25, Vers 81.
Erläuterung: Die Naukā nennt als innere Gegner besonders Begierde, Zorn und Gier. Der Weg zur Selbsterkenntnis hat damit auch eine ethische Seite.
101. Auch nach Siddhi weiter nach Erkenntnis streben
Anmut, Gesundheit, innere Tiefe und das Fehlen von Zorn und Gier: Wenn der Mantrakundige diese und ähnliche Zeichen wahrnimmt, erkenne er daran die Vollendung des Mantra und die Gnade der Gottheit. Danach verstärke er sein Bemühen im Japa, um Erkenntnis zu erlangen.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 25, Vers 99–100.
Erläuterung: Der Text zählt auch außergewöhnliche Erfahrungen zu den Siddhi-Zeichen. Diese Auswahl hebt seine ebenfalls ausdrücklich genannten inneren Eigenschaften hervor. Erkenntnis bleibt das Ziel; die Sanskritlesung fordert verstärktes Bemühen im Japa.
102. Erkenntnis schenkt Erfüllung
Wer Erkenntnis erlangt hat, ist erfüllt und wird aus Samsara befreit, indem er das eigene Selbst als das höchste, vom Vedanta gelehrte Brahman erkennt.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 25, Vers 101.
103. Ein höchstes Selbst in vielen Gottesgestalten
Ich verehre dieses höchste Selbst, den alldurchdringenden Herrn, der in den Gestalten vielfältiger Gottheiten den Menschen das Ersehnte gewährt.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 25, Vers 102.
104. Vergänglichkeit erkennen und sich dem Göttlichen zuwenden
Sein Sohn hieß Phanubhatta und war ein Verehrer Ramas. Dessen Sohn war Mahidhara; er erkannte, wie wenig Bestand das weltliche Dasein besitzt. Nachdem er sein Heimatland verlassen hatte, ging er in die Stadt Varanasi. Während er Narahari verehrte, verfasste er dieses Tantra-Werk.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 25, Vers 122–123.
Erläuterung: Der einleitende „Sohn“ ist im vorausgehenden Vers auf den Vorfahren Ratnakara bezogen. Mahīdharas eigener Lebensweg wird hier mit Vairagya und der Verehrung Naraharis verbunden.
105. Den wesentlichen Gehalt der Mantras zusammenführen
Nachdem zahlreiche Agama-Schriften eingesehen worden waren, [erging die Bitte um das Werk] von seinem Sohn namens Kalyana und von anderen hervorragenden Brahmanen, ausgezeichneten Weisen. Sie wünschten, den gesamten wesentlichen Gehalt der Mantras in einem einzigen Werk vereint zu finden. Auf ihre Bitte hin [verfasste er] nach seinem Verständnis dieses Werk namens Mantramahodadhi.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 25, Vers 124–125.
Erläuterung: Der Titel bezeichnet ein Werk, das den wesentlichen Gehalt vieler Überlieferungen zusammenführen will. Das erklärt die große Vielfalt seiner Mantras und Gottheitsmeditationen.
106. Allen Wesen Wohl wünschen
Mögen ihre Geschlechter ununterbrochen fortbestehen; mögen sie ihrem eigenen Dharma ergeben sein. Mögen alle Gutes erfahren und sich von Feindseligkeit abwenden. Hari, der Herr der Welt, möge allen Wohl gewähren. Mögen sie dieses Werk weitertragen, solange Veda, Sonne und Mond bestehen.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 25, Vers 126–127.
107. Narasimha möge Freude schenken
Narasimha, der große Gott, der die große Bedrängnis der Götter vernichtet, der Höchste mit Mahalakshmi, von den Scharen der Götter verehrt, möge mir Freude schenken.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 25, Vers 128.
Erläuterung: Mahadeva, „großer Gott“, ist hier ein Beiname Narasimhas. Die Übersetzung der gedrängten Verbindungen folgt der Naukā.
108. Ein Segen aus Kashi
Vishvesha, Girija, Bindumadhava, Manikarnika, Bhairava, Jahnavi und Dandapani mögen mein Wohlergehen mehren.
Quelle: Mantramahodadhi, Taraṅga 25, Vers 131.
Erläuterung: Die Namen vereinen Shiva, Devi, Vishnu und die heiligen Gegenwarten von Varanasi. Heil und Wohlergehen stehen am Ende dieser Auswahl.
Wichtige Mantras
Der Mantramahodadhi lehrt Mantra nicht nur als gesprochenen Satz. Manche Formeln stehen vollständig im Grundtext, andere werden durch ihren Anfang bezeichnet, wieder andere durch traditionelle Lautnamen verschlüsselt. Die folgende Sammlung enthält 80 Einträge mit belegten Formeln oder Bija-Angaben und anschließend 24 Nachweise weiterer Mantragruppen. Mehrere Einträge können demselben Ritualzusammenhang angehören; die Sammlung beansprucht kein vollständiges Register jeder Mantravariante des Werkes.
So sind die Angaben zu lesen: „Grundtext“ bezeichnet Mahīdharas Verse. „Naukā-Auflösung“ bezeichnet eine im eigenen Kommentar ausdrücklich erläuterte Lautfolge, nicht eine im Grundtext ausgeschriebene Formel. Bei bloßer Benennung oder unaufgelösten Chiffren wird nur die Bezeichnung angegeben. IAST und Devanagari geben jeweils dieselbe Lesefassung wieder; das Devanagari wurde aus dem kontrollierten IAST abgeleitet. Ein Bija erhält keine erfundene wörtliche Übersetzung.
Die Sammlung dokumentiert die Überlieferung. Besondere Vidyas, Nyasa, Aktivierungen und Rahmungen setzen die jeweils vorgesehene Unterweisung voraus; das Vorliegen einer gedruckten Formel ersetzt keine Diksha. Die Zulassung angepasster Gottheitsanreden in 21.8, 21.168 und 22.45 erlaubt keine beliebige Veränderung von Bija-Folgen. Für eine tägliche Praxis bleibt die verlässlich empfangene, vertraute Mantraform maßgeblich.
Grundsilben und innere Reinigung
Pranava
Fundstelle: Mantramahodadhi 1.99; auch 1.122. Textstatus: Naukā-Auflösung von Tara beziehungsweise Dhruva.
IAST:
oṃ
Devanagari:
ॐ
Bedeutung und Funktion: Die heilige Grundsilbe Om; hier bei Lautrahmung und Feuerbereitung. Sie wird nicht eigenmächtig anderen Formeln vorangestellt.
Hamsa in der Vergegenwärtigung des Lebens
Fundstelle: Mantramahodadhi 1.71, im Zusammenhang mit 1.70–76. Textstatus: Naukā-Auflösung der Bezeichnung Ajapa.
IAST:
haṃsaḥ
Devanagari:
हंसः
Bedeutung und Funktion: Bezug auf Prana und das individuelle Selbst bei der Pranapratishtha. Die Silbe wird hier nicht in eine zusätzliche Atemtechnik umgedeutet.
Soham
Fundstelle: Mantramahodadhi 1.33. Textstatus: Im Grundtext ausgeschrieben.
IAST:
so’haṃ
Devanagari:
सोऽहं
Bedeutung und Funktion: „Ich bin Das.“ Rückführung des Selbst in den Herzlotus nach der inneren Elementauflösung.
Wind-Bija
Fundstelle: Mantramahodadhi 1.17. Textstatus: Im Grundtext als Bija ausgeschrieben.
IAST:
yaṃ
Devanagari:
यं
Bedeutung und Funktion: Vayu, das Windelement; der Vers verbindet den Laut mit dem innerlich vergegenwärtigten Elementbereich.
Wasser und Nektar
Fundstelle: Mantramahodadhi 1.31; ferner 15.39 und 19.71. Textstatus: Naukā-Auflösung des Nektar-Bija.
IAST:
vaṃ
Devanagari:
वं
Bedeutung und Funktion: Inneres Überfluten beziehungsweise Besprechen von Wasser als Nektar. Ein Bija ist hier keine wörtlich übersetzbare Aussage.
Erd-Bija
Fundstelle: Mantramahodadhi 1.31. Textstatus: Naukā-Auflösung des Erd-Bija.
IAST:
laṃ
Devanagari:
लं
Bedeutung und Funktion: Verdichtung des innerlich neu entstehenden Körpers. Die Fundstelle gehört zur Bhutashuddhi.
Raum-Bija
Fundstelle: Mantramahodadhi 1.18; zum inneren Neuaufbau 1.32. Textstatus: In 1.18 ausgeschrieben; zu 1.32 Naukā-Auflösung.
IAST:
haṃ
Devanagari:
हं
Bedeutung und Funktion: Vergegenwärtigung des Raumes; beim inneren Neuaufbau werden die Körperglieder wieder ausgebildet.
Ganesha und der heilige Sitz
Vakratunda
Fundstelle: Mantramahodadhi 2.1–2; Naukā zu 2.4–5. Textstatus: Naukā-Auflösung der Grundtextchiffren.
IAST:
vakratuṇḍāya huṃ
Devanagari:
वक्रतुण्डाय हुं
Bedeutung und Funktion: Ganesha: „Dem mit dem gekrümmten Rüssel“; das abschließende Bija bleibt unübersetzt. Zum Mantra gehören die im Kapitel gelehrten Nyasa- und Dhyana-Ordnungen.
Zur Schreibung: Die kommentierte Druckform hum/हुम् wird wie in der bisherigen Ausgabe als Bija-Schreibung huṃ/हुं wiedergegeben; diese Normalisierung ist keine zusätzlich eingefügte Silbe.
Bija und Shakti des Vakratunda-Mantras
Fundstelle: Mantramahodadhi 2.3. Textstatus: Beide Laute im Grundtext genannt.
IAST:
vaṃ · yaṃ
Devanagari:
वं · यं
Bedeutung und Funktion: Vaṃ wird als Bija, Yaṃ als Shakti bezeichnet. Der Punkt trennt zwei Angaben und ist kein Bestandteil einer zusammenhängenden Rezitationsformel.
Lotussitz aller Shaktis
Fundstelle: Mantramahodadhi 2.10–12. Textstatus: Ausgeschriebene Formel der Naukā.
IAST:
gaṃ sarvaśaktikamalāsanāya namaḥ
Devanagari:
गं सर्वशक्तिकमलासनाय नमः
Bedeutung und Funktion: Verehrung dem Lotussitz aller Shaktis im Ganesha-Ritual. Dies ist ein Pitha-Mantra, kein Ersatz für den dort gelehrten Wurzelmantra.
Ganesha-Bija mit La
Fundstelle: Mantramahodadhi 2.134. Textstatus: Naukā-Auflösung.
IAST:
glaṃ
Devanagari:
ग्लं
Bedeutung und Funktion: Ein weiteres im Ganesha-Kapitel erklärtes Bija. Seine besondere Lautgestalt wird nicht zum geläufigeren Gaṃ vereinheitlicht.
Shakti, Kali, Shrividya und Chandika
Kali-Bija
Fundstelle: Mantramahodadhi 3.45; ferner 18.7. Textstatus: Naukā-Auflösung der Lautchiffren.
IAST:
krīṃ
Devanagari:
क्रीं
Bedeutung und Funktion: Kali beziehungsweise Kalaratri. Die Zuordnung wird dokumentiert; aus der Silbe wird keine freie Praxisfolge hergestellt.
Das ausdrücklich genannte Bija der Tripurasundari
Fundstelle: Mantramahodadhi 11.7. Textstatus: Im Grundtext ausgeschrieben.
IAST:
aiṃ
Devanagari:
ऐं
Bedeutung und Funktion: Bija im Viniyoga der Tripurasundari-Vidya. Es ist nicht die gesamte Shrividya-Formel.
Shakti-Bija der Shrividya-Zuordnung
Fundstelle: Mantramahodadhi 11.7. Textstatus: Naukā-Auflösung von Bhṛgu mit au und Visarga.
IAST:
sauḥ
Devanagari:
सौः
Bedeutung und Funktion: Shakti innerhalb der dort gelehrten Zuordnung. Es wird kein fehlender Teil der Gesamtvidya stillschweigend ergänzt.
Shri-Bija
Fundstelle: Mantramahodadhi 12.50; auch Naukā zu 16.6. Textstatus: Naukā-Auflösung.
IAST:
śrīṃ
Devanagari:
श्रीं
Bedeutung und Funktion: Bezug auf Shri beziehungsweise Lakshmi. In 16.6 wird Rama als Bija der betreffenden Mrityunjaya-Zuordnung erläutert.
Maya-Bija
Fundstelle: Mantramahodadhi 16.6. Textstatus: Naukā-Auflösung.
IAST:
hrīṃ
Devanagari:
ह्रीं
Bedeutung und Funktion: Maya als Shakti in der dortigen Mrityunjaya-Zuordnung. Die konkrete Funktion ergibt sich aus dem jeweiligen Ritualzusammenhang.
Neunsilbige Chandika-Vidya
Fundstelle: Mantramahodadhi 18.105–106. Textstatus: Naukā-Auflösung der chiffrierten Grundtextfolge.
IAST:
aiṃ hrīṃ klīṃ cāmuṇḍāyai vicce
Devanagari:
ऐं ह्रीं क्लीं चामुण्डायै विच्चे
Bedeutung und Funktion: Chandika beziehungsweise Chamunda; zentrale Navarna-Vidya dieses Abschnitts. Die Bijas und der Schlusslaut werden nicht wörtlich übersetzt. Die hier belegte Form enthält kein zusätzliches Om.
Lautfolge zur Chandika-Verehrung
Fundstelle: Mantramahodadhi 18.113. Textstatus: In der Naukā ausgeschrieben.
IAST:
oṃ aiṃ hrīṃ klīṃ namaḥ
Devanagari:
ॐ ऐं ह्रीं क्लीं नमः
Bedeutung und Funktion: Zur vorbereitenden Verehrungsordnung der Chandika. Diese Folge ist von der neunsilbigen Hauptvidya zu unterscheiden.
Vishnu, Narasimha und Krishna
Narasimha-Bija
Fundstelle: Mantramahodadhi 14.2. Textstatus: Naukā-Auflösung.
IAST:
kṣrauṃ
Devanagari:
क्ष्रौं
Bedeutung und Funktion: Einsilbiger Mantra Naraharis, den der Grundtext als Wunschbaum preist. Gemeint ist eine religiöse Verheißung.
Der Geliebte der Gopis
Fundstelle: Mantramahodadhi 14.52. Textstatus: In der Naukā ausgeschrieben.
IAST:
gopījanavallabhāya svāhā
Devanagari:
गोपीजनवल्लभाय स्वाहा
Bedeutung und Funktion: Krishna: „Dem Geliebten der Gopis“, mit Opferabschluss. Der Grundtext beschreibt die Formel durch ihre Bausteine.
Hrishikesha
Fundstelle: Mantramahodadhi 14.78. Textstatus: In der Naukā ausgeschrieben.
IAST:
klīṃ hṛṣīkeśāya namaḥ
Devanagari:
क्लीं हृषीकेशाय नमः
Bedeutung und Funktion: Verehrung Hrishikeshas, des Herrn der Sinne, mit vorangestelltem Bija.
Gopala-Bija
Fundstelle: Mantramahodadhi 14.90. Textstatus: Naukā identifiziert die im Grundtext beschriebene Silbe.
IAST:
klīṃ
Devanagari:
क्लीं
Bedeutung und Funktion: Gopala. Der dort folgende Beeinflussungszweck bleibt eine historische Anwendung und wird nicht als heutige Praxis empfohlen.
Krishna und Govinda
Fundstelle: Mantramahodadhi 14.91. Textstatus: In der Naukā ausgeschrieben.
IAST:
śrīṃ hrīṃ klīṃ kṛṣṇāya govindāya svāhā
Devanagari:
श्रीं ह्रीं क्लीं कृष्णाय गोविन्दाय स्वाहा
Bedeutung und Funktion: Anrufung Krishnas als Govinda, mit drei Bijas und Opferabschluss. Die Bijas bleiben unübersetzt.
Rukminis Geliebter
Fundstelle: Mantramahodadhi 14.94. Textstatus: In der Naukā ausgeschrieben.
IAST:
oṃ namo bhagavate rukmiṇīvallabhāya svāhā
Devanagari:
ॐ नमो भगवते रुक्मिणीवल्लभाय स्वाहा
Bedeutung und Funktion: „Verehrung dem erhabenen Geliebten Rukminis“, mit Opferabschluss. Der zugehörige Dhyana zeigt göttliche Nähe in gegenseitiger Umarmung.
Govallabha
Fundstelle: Mantramahodadhi 14.99. Textstatus: In der Naukā ausgeschrieben.
IAST:
klīṃ govallabhāya svāhā
Devanagari:
क्लीं गोवल्लभाय स्वाहा
Bedeutung und Funktion: Krishna als Govallabha, mit Bija und Opferabschluss; das folgende Meditationsbild zeigt ihn als spielendes Kind.
Krishna zwischen zwei Bijas
Fundstelle: Mantramahodadhi 14.104. Textstatus: In der Naukā ausgeschrieben.
IAST:
klīṃ kṛṣṇa klīṃ
Devanagari:
क्लीं कृष्ण क्लीं
Bedeutung und Funktion: Die Anrede „Krishna“ wird von demselben Bija eingerahmt. Kein Om oder weiterer Abschluss wird hinzugefügt.
Zuflucht bei Krishna und Kinderwunsch
Fundstelle: Mantramahodadhi 14.112. Textstatus: In der Naukā ausgeschriebener Gebetsvers.
IAST:
devakīsuta govinda vāsudeva jagatpate |
dehi me tanayaṃ kṛṣṇa tvām ahaṃ śaraṇaṃ gataḥ ||
Devanagari:
देवकीसुत गोविन्द वासुदेव जगत्पते ।
देहि मे तनयं कृष्ण त्वाम् अहं शरणं गतः ॥
Bedeutung und Funktion: „Sohn Devakis, Govinda, Vasudeva, Herr der Welt! Schenke mir einen Sohn, Krishna; bei dir habe ich Zuflucht genommen.“ Der Text verbindet einen konkreten Wunsch mit Sharanagati, dem Nehmen von Zuflucht.
Shiva und Mrityunjaya
Kurzer Mrityunjaya-Mantra
Fundstelle: Mantramahodadhi 15.108. Textstatus: Naukā-Auflösung.
IAST:
oṃ jūṃ saḥ
Devanagari:
ॐ जूं सः
Bedeutung und Funktion: Die kurze Mrityunjaya-Form steht am Ende des 15. Taraṅga. Ihre historische Schutzfunktion ist keine medizinische Wirkungszusage.
Vedischer Tryambaka-Mantra
Fundstelle: Mantramahodadhi 16.3. Textstatus: Im Grundtext durch den Anfang benannt, in der Naukā ausgeschrieben.
IAST:
tryambakaṃ yajāmahe sugandhiṃ puṣṭivardhanam |
urvārukam iva bandhanān mṛtyor mukṣīya māmṛtāt ||
Devanagari:
त्र्यम्बकं यजामहे सुगन्धिं पुष्टिवर्धनम् ।
उर्वारुकम् इव बन्धनान् मृत्योर् मुक्षीय मामृतात् ॥
Bedeutung und Funktion: „Wir verehren den Dreiäugigen, den Duftenden, der das Gedeihen mehrt. Wie eine Gurkenfrucht von ihrer Bindung möge ich vom Tod gelöst werden, nicht von der Unsterblichkeit.“ Die umfassendere Mahamrityunjaya-Rahmung von 16.2–4 ist damit nicht vollständig wiedergegeben.
Rudra
Fundstelle: Mantramahodadhi 16.49–50. Textstatus: Ausgeschriebene Auflösung in der Naukā.
IAST:
oṃ namo bhagavate rudrāya
Devanagari:
ॐ नमो भगवते रुद्राय
Bedeutung und Funktion: „Om, Verehrung dem erhabenen Rudra.“ Die Stelle leitet eine weitere Shiva-Mantraform ein.
Hara
Fundstelle: Mantramahodadhi 19.76. Textstatus: Naukā-Auflösung.
IAST:
oṃ namo harāya
Devanagari:
ॐ नमो हराय
Bedeutung und Funktion: Verehrung Hara, eines Namens Shivas; eine der im betreffenden Ritual genannten Namensformeln.
Maheshvara
Fundstelle: Mantramahodadhi 19.76. Textstatus: Naukā-Auflösung.
IAST:
oṃ namo maheśvarāya
Devanagari:
ॐ नमो महेश्वराय
Bedeutung und Funktion: Verehrung Maheshvara, des großen Herrn. Die Formel wird getrennt von der Hara-Anrufung dokumentiert.
Sechssilbige Shiva-Anrufung
Fundstelle: Mantramahodadhi 19.112. Textstatus: In der Naukā ausdrücklich genannt.
IAST:
oṃ namaḥ śivāya
Devanagari:
ॐ नमः शिवाय
Bedeutung und Funktion: „Om, Verehrung Shiva.“ Der Bezug ist die im Kapitel erläuterte Shiva-Verehrung.
Surya, Lehrer und weitere Gottheiten
Surya und Aditya
Fundstelle: Mantramahodadhi 15.1–2. Textstatus: In der Naukā ausgeschrieben.
IAST:
oṃ hrīṃ ghṛṇiḥ sūrya āditya śrīṃ
Devanagari:
ॐ ह्रीं घृणिः सूर्य आदित्य श्रीं
Bedeutung und Funktion: Anrufung des leuchtenden Surya als Aditya, gerahmt von heiligen Lauten. Die Form ghṛṇiḥ wird nach der vorliegenden Kommentarfassung bewahrt.
Brihaspati
Fundstelle: Mantramahodadhi 15.89. Textstatus: In der Naukā ausgeschrieben.
IAST:
bṛṃ bṛhaspataye namaḥ
Devanagari:
बृं बृहस्पतये नमः
Bedeutung und Funktion: Verehrung Brihaspati, mit vorangestelltem Bija. Der Text ordnet Mantra und Meditationsgestalt einander zu.
Vedavyasa
Fundstelle: Mantramahodadhi 15.101. Textstatus: In der Naukā ausgeschrieben.
IAST:
vyāṃ vedavyāsāya namaḥ
Devanagari:
व्यां वेदव्यासाय नमः
Bedeutung und Funktion: Verehrung Vyasa, mit vorangestelltem Bija. Der zugehörige Dhyana preist den heiteren Lehrer als Schatz des Wissens.
Brahma beim Feueropfer
Fundstelle: Mantramahodadhi 1.161. Textstatus: Naukā-Auflösung.
IAST:
oṃ namo brahmaṇe
Devanagari:
ॐ नमो ब्रह्मणे
Bedeutung und Funktion: Verehrung Brahma in der Ordnung des Homa.
König der Vögel
Fundstelle: Mantramahodadhi 14.83. Textstatus: Naukā-Auflösung des Abschlusses.
IAST:
pakṣirājāya svāhā
Devanagari:
पक्षिराजाय स्वाहा
Bedeutung und Funktion: Garuda: „Dem König der Vögel“, mit Opferabschluss. Die Schutz- und Heilverheißungen des Abschnitts sind historische Textaussagen.
Kartaviryarjuna, kurze Form
Fundstelle: Mantramahodadhi 17.42. Textstatus: In der Naukā ausgeschrieben.
IAST:
oṃ namaḥ kārtavīryārjunāya huṃ phaṭ svāhā
Devanagari:
ॐ नमः कार्तवीर्यार्जुनाय हुं फट् स्वाहा
Bedeutung und Funktion: Verehrung Kartaviryarjuna mit den angegebenen Abschlusslauten. Die besondere Ritualpraxis setzt ihre Überlieferung voraus.
Kartaviryarjuna als Bhagavan
Fundstelle: Mantramahodadhi 17.44. Textstatus: In der Naukā ausgeschrieben.
IAST:
oṃ namo bhagavate kārtavīryārjunāya huṃ phaṭ svāhā
Devanagari:
ॐ नमो भगवते कार्तवीर्यार्जुनाय हुं फट् स्वाहा
Bedeutung und Funktion: Verehrung des erhabenen Kartaviryarjuna. Der Zusatz bhagavate unterscheidet diese Form von der vorangehenden.
Erde, Ganga, Kashi und Festverehrung
Verehrung der Erde
Fundstelle: Mantramahodadhi 19.67. Textstatus: Naukā-Auflösung.
IAST:
hlāṃ pṛthivyai namaḥ
Devanagari:
ह्लां पृथिव्यै नमः
Bedeutung und Funktion: Prithivi: „Verehrung der Erde“, mit vorangestelltem Bija.
Ganga als Shivā und Nārāyaṇī
Fundstelle: Mantramahodadhi 16.114. Textstatus: In der Naukā ausgeschrieben.
IAST:
oṃ namaḥ śivāyai nārāyaṇyai daśaharāyai gaṅgāyai svāhā
Devanagari:
ॐ नमः शिवायै नारायण्यै दशहरायै गङ्गायै स्वाहा
Bedeutung und Funktion: Verehrung Ganga, mit den weiblichen Anreden Shivā, Nārāyaṇī und Dashaharā. Die grammatische Form śivāyai ist nicht die männliche Shiva-Anrufung śivāya.
Kurze Anrufung der Ganga
Fundstelle: Mantramahodadhi 16.126. Textstatus: In der Naukā ausgeschrieben.
IAST:
oṃ hili hili mili mili gaṅge devi namaḥ
Devanagari:
ॐ हिलि हिलि मिलि मिलि गङ्गे देवि नमः
Bedeutung und Funktion: Anrufung der Göttin Ganga. Die Lautpaare werden bewahrt und nicht mit erfundenen Wortbedeutungen versehen.
Manikarnika
Fundstelle: Mantramahodadhi 16.135. Textstatus: In der Naukā ausgeschrieben.
IAST:
oṃ maṃ maṇikarṇike praṇavāsike namaḥ
Devanagari:
ॐ मं मणिकर्णिके प्रणवासिके नमः
Bedeutung und Funktion: Verehrung Manikarnika, der im Pranava Wohnenden, mit Bija. Die Anrufung gehört zur Sakralwelt von Varanasi.
Kama
Fundstelle: Mantramahodadhi 23.7. Textstatus: In der Naukā ausgeschrieben.
IAST:
klīṃ kāmadevāya namaḥ
Devanagari:
क्लीं कामदेवाय नमः
Bedeutung und Funktion: Verehrung Kamadeva im Festzusammenhang, mit vorangestelltem Bija.
Rati
Fundstelle: Mantramahodadhi 23.8. Textstatus: In der Naukā ausgeschrieben.
IAST:
hrīṃ ratyai namaḥ
Devanagari:
ह्रीं रत्यै नमः
Bedeutung und Funktion: Verehrung Rati im selben Festzusammenhang, mit vorangestelltem Bija.
Rituelle Geräte und Schutzabschlüsse
Sudarshana-Astra
Fundstelle: Mantramahodadhi 21.78. Textstatus: In der Naukā ausgeschrieben.
IAST:
oṃ namaḥ sudarśanāya astrāya phaṭ
Devanagari:
ॐ नमः सुदर्शनाय अस्त्राय फट्
Bedeutung und Funktion: Verehrung Sudarshana als rituelle Schutzwaffe. Der Abschluss phaṭ wird nicht wörtlich übersetzt.
Panchajanya, das Muschelhorn
Fundstelle: Mantramahodadhi 22.7. Textstatus: In der Naukā ausgeschrieben.
IAST:
oṃ klīṃ mahājalacarāya huṃ phaṭ svāhā pāñcajanyāya namaḥ
Devanagari:
ॐ क्लीं महाजलचराय हुं फट् स्वाहा पाञ्चजन्याय नमः
Bedeutung und Funktion: Anrufung des großen Wasserwesens und Verehrung Panchajanyas. Die Formel gilt dem geheiligten Muschelgefäß der Puja.
Kavacha und Astra
Fundstelle: Mantramahodadhi 21.19. Textstatus: Naukā-Auflösung der beiden Funktionsnamen.
IAST:
huṃ · phaṭ
Devanagari:
हुं · फट्
Bedeutung und Funktion: Huṃ bezeichnet hier Kavacha, den Schutzpanzer; Phaṭ bezeichnet Astra, den Waffenabschluss. Dies sind zwei gesonderte Zuordnungen, keine zusammengesetzte neue Formel.
Agni und die tägliche innere Verehrung
Verehrung des leuchtenden Feuers
Fundstelle: Mantramahodadhi 1.129. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
agniṃ prajvalitaṃ vande jātavedaṃ hutāśanam |
suvarṇavarṇam amalaṃ samiddhaṃ viśvatomukham ||
Devanagari:
अग्निं प्रज्वलितं वन्दे जातवेदं हुताशनम् ।
सुवर्णवर्णम् अमलं समिद्धं विश्वतोमुखम् ॥
Bedeutung und Funktion: Agni; 1.128 nennt den folgenden Lobpreis ausdrücklich einen Mantra in Versform. Das Feuer wird als golden, makellos und allseitig gegenwärtig verehrt.
Den Tag Vishnu widmen
Fundstelle: Mantramahodadhi 21.6. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
trailokyacaitanyamayādideva śrīnāthaviṣṇo bhavadājñayaiva |
prātaḥ samutthāya tavapriyārthaṃ saṃsārayātrām anuvartayiṣye ||
Devanagari:
त्रैलोक्यचैतन्यमयादिदेव श्रीनाथविष्णो भवदाज्ञयैव ।
प्रातः समुत्थाय तवप्रियार्थं संसारयात्राम् अनुवर्तयिष्ये ॥
Bedeutung und Funktion: Vishnu als Herr der Shri: Der kommende Lebensweg wird der Gottheit zur Freude gewidmet. Nach 21.8 kann die Anrede der eigenen Gottheit angepasst werden.
Die Spannung zwischen Wissen und Handeln
Fundstelle: Mantramahodadhi 21.7. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
jānāmi dharmaṃ na ca me pravṛttir jānāmy adharmaṃ na ca me nivṛttiḥ |
kenāpi devena hṛdisthitena yathā niyukto 'smi tathā karomi ||
Devanagari:
जानामि धर्मं न च मे प्रवृत्तिर् जानाम्य् अधर्मं न च मे निवृत्तिः ।
केनापि देवेन हृदिस्थितेन यथा नियुक्तो ऽस्मि तथा करोमि ॥
Bedeutung und Funktion: Gebet an die erwählte Gottheit im Herzen. Der Vers bekennt das Zurückbleiben des Handelns hinter der Einsicht; 21.8 ordnet ihn dem morgendlichen Gebet zu.
Willkommen zur inneren Puja
Fundstelle: Mantramahodadhi 21.167b–168a. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
svāgataṃ devadeveśa sannidhau bhava keśava |
gṛhāṇa mānasīṃ pūjāṃ yathārthaparibhāvitām ||
Devanagari:
स्वागतं देवदेवेश सन्निधौ भव केशव ।
गृहाण मानसीं पूजां यथार्थपरिभाविताम् ॥
Bedeutung und Funktion: Vishnu als Keshava: „Willkommen, Herr der Götter! Sei gegenwärtig, Keshava. Nimm die innere Verehrung an, die ihrem Sinn entsprechend ausgestaltet ist.“ 21.168b erlaubt die Anpassung der Anrede bei anderer Gottheit.
Gebete an die Göttin im Shrichakra
Komm, Mutter, zum Wohl aller Wesen
Fundstelle: Mantramahodadhi 11.103. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
mahāpadmavanāntaḥsthe kāraṇānandavigrahe |
sarvabhūtahite mātar ehy ehi parameśvari ||
Devanagari:
महापद्मवनान्तःस्थे कारणानन्दविग्रहे ।
सर्वभूतहिते मातर् एह्य् एहि परमेश्वरि ॥
Bedeutung und Funktion: Tripurasundari: Anrufung der Mutter im großen Lotuswald, Verkörperung ursächlicher Wonne und dem Wohl aller Wesen zugewandt.
Durch Hingabe leicht zugänglich
Fundstelle: Mantramahodadhi 11.105. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
deveśi bhaktisulabhe sarvāvaraṇasaṃyute |
yāvat tvāṃ pūjayiṣyāmi tāvat tvaṃ susthirā bhava ||
Devanagari:
देवेशि भक्तिसुलभे सर्वावरणसंयुते ।
यावत् त्वां पूजयिष्यामि तावत् त्वं सुस्थिरा भव ॥
Bedeutung und Funktion: Devi mit ihren Gottheitenkreisen: Bitte um beständige Gegenwart während der Verehrung. Die Formel betont ausdrücklich Bhakti.
Gebete beim Empfangen der Gottheit
Aufstellung der Bildgestalt
Fundstelle: Mantramahodadhi 22.44b–45a. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
taveyaṃ mahimāmūrtis tasyāṃ tvāṃ sarvaga prabho |
bhaktisnehasamākṛṣṭaṃ dīpavat sthāpayāmy aham ||
Devanagari:
तवेयं महिमामूर्तिस् तस्यां त्वां सर्वग प्रभो ।
भक्तिस्नेहसमाकृष्टं दीपवत् स्थापयाम्य् अहम् ॥
Bedeutung und Funktion: Der allgegenwärtige Herr wird, durch liebende Hingabe herbeigezogen, in der Bildgestalt wie eine Lampe aufgestellt. 22.45b erlaubt die Anpassung der Anrede für Bhavani und andere Gottheiten.
Den Sitz bereiten
Fundstelle: Mantramahodadhi 22.46b–48a. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
sarvāntaryāmiṇe deva sarvabījamayaṃ śubham |
svātmasthāya paraṃ śuddham āsanaṃ kalpayāmy aham |
asmin varāsane deva sukhāsīno’kṣarātmaka |
pratiṣṭhito bhaveśa tvaṃ prasīda parameśvara ||
Devanagari:
सर्वान्तर्यामिणे देव सर्वबीजमयं शुभम् ।
स्वात्मस्थाय परं शुद्धम् आसनं कल्पयाम्य् अहम् ।
अस्मिन् वरासने देव सुखासीनोऽक्षरात्मक ।
प्रतिष्ठितो भवेश त्वं प्रसीद परमेश्वर ॥
Bedeutung und Funktion: Dem inneren Lenker aller Wesen wird ein reiner, aus Bijas bestehender Sitz bereitet. Die Anrufung bittet um Wohlbefinden, feste Gegenwart und Gnade.
Gegenwart in der Bildgestalt
Fundstelle: Mantramahodadhi 22.49. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
ananyā tava deveśa mūrtiśaktir iyaṃ prabho |
sānnidhyaṃ kuru tasyāṃ tvaṃ bhaktānugrahatatparaḥ ||
Devanagari:
अनन्या तव देवेश मूर्तिशक्तिर् इयं प्रभो ।
सान्निध्यं कुरु तस्यां त्वं भक्तानुग्रहतत्परः ॥
Bedeutung und Funktion: „Diese Kraft der Bildgestalt ist von dir nicht verschieden. Sei in ihr gegenwärtig, du, dessen Anliegen die Gnade für seine Verehrer ist!“
Die Gegenwart festigen
Fundstelle: Mantramahodadhi 22.50b–51a. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
ājñayā tava deveśa kṛpāmbhodhe guṇāmbudhe |
ātmānandaikatṛptaṃ tvāṃ niruṇadhmi pitar guro ||
Devanagari:
आज्ञया तव देवेश कृपाम्भोधे गुणाम्बुधे ।
आत्मानन्दैकतृप्तं त्वां निरुणध्मि पितर् गुरो ॥
Bedeutung und Funktion: Anrede als Ozean des Mitgefühls und der Tugenden, Vater und Guru. Die Gottheit wird als in der Seligkeit des Selbst erfüllt angesprochen.
Zuwendung zum Unvollkommenen
Fundstelle: Mantramahodadhi 22.52. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
ajñānād durmanastvād vā vaikalyāt sādhanasya ca |
yad apūrṇaṃ bhavet kṛtyaṃ tad apy abhimukho bhava ||
Devanagari:
अज्ञानाद् दुर्मनस्त्वाद् वा वैकल्यात् साधनस्य च ।
यद् अपूर्णं भवेत् कृत्यं तद् अप्य् अभिमुखो भव ॥
Bedeutung und Funktion: Bitte, auch dem durch Unwissenheit, geistige Unruhe oder fehlende Mittel unvollkommenen Vollzug zugewandt zu bleiben.
Den Opferplatz mit Nektar erfüllen
Fundstelle: Mantramahodadhi 22.53b–54a. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
dṛśāpīyūṣavarṣiṇyā pūrayan yajñaviṣṭaram |
mūrtau vā yajñasaṃpūrteḥ sthiro bhava maheśvara ||
Devanagari:
दृशापीयूषवर्षिण्या पूरयन् यज्ञविष्टरम् ।
मूर्तौ वा यज्ञसंपूर्तेः स्थिरो भव महेश्वर ॥
Bedeutung und Funktion: Maheshvara: Der nektarspendende Blick soll den Opferplatz erfüllen; die Gegenwart möge bis zum Abschluss bestehen bleiben.
Umhüllung durch göttliches Licht
Fundstelle: Mantramahodadhi 22.55b–56a. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
avyaktavāṅmanascakṣuḥśrotradūrāmitadyute |
svatejaḥpañjareṇāśu veṣṭito bhava sarvataḥ ||
Devanagari:
अव्यक्तवाङ्मनस्चक्षुःश्रोत्रदूरामितद्युते ।
स्वतेजःपञ्जरेणाशु वेष्टितो भव सर्वतः ॥
Bedeutung und Funktion: Die unmanifestierte, den Sinnen nicht vollständig zugängliche Gottheit wird um die Umhüllung mit ihrem eigenen Licht gebeten.
Willkommen
Fundstelle: Mantramahodadhi 22.58. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
yasya darśanam icchanti devāḥ svābhīṣṭasiddhaye |
tasmai te parameśāya svāgataṃ svāgataṃ ca te ||
Devanagari:
यस्य दर्शनम् इच्छन्ति देवाः स्वाभीष्टसिद्धये ।
तस्मै ते परमेशाय स्वागतं स्वागतं च ते ॥
Bedeutung und Funktion: Doppelte Begrüßung des höchsten Herrn, dessen Schau auch die Götter ersehnen.
Freudiges Willkommen
Fundstelle: Mantramahodadhi 22.59b–60a. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
kṛtārtho’nugṛhīto’smi saphalaṃ jīvitaṃ mama |
āgato devadeveśa susvāgatam idaṃ punaḥ ||
Devanagari:
कृतार्थोऽनुगृहीतोऽस्मि सफलं जीवितं मम ।
आगतो देवदेवेश सुस्वागतम् इदं पुनः ॥
Bedeutung und Funktion: „Ich bin erfüllt und von Gnade beschenkt; mein Leben hat Frucht getragen. Du bist gekommen, Herr der Götter. Nochmals sei dir dieses herzliche Willkommen!“
Gebete zu den Gaben der Puja
Wasser zum Mundspülen
Fundstelle: Mantramahodadhi 22.63b–64a. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
vedānām api vedāya devānāṃ devatātmane |
ācāmaṃ kalpayāmīśa śuddhānāṃ śuddhihetave ||
Devanagari:
वेदानाम् अपि वेदाय देवानां देवतात्मने ।
आचामं कल्पयामीश शुद्धानां शुद्धिहेतवे ॥
Bedeutung und Funktion: Der Gottheit als Wissen der Veden, göttlichem Wesen der Götter und Ursprung der Reinheit wird Mundspülwasser dargebracht.
Arghya
Fundstelle: Mantramahodadhi 22.66. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
tāpatrayaharaṃ divyaṃ paramānandalakṣaṇam |
tāpatrayavinirmuktaṃ tavārghyaṃ kalpayāmy aham ||
Devanagari:
तापत्रयहरं दिव्यं परमानन्दलक्षणम् ।
तापत्रयविनिर्मुक्तं तवार्घ्यं कल्पयाम्य् अहम् ॥
Bedeutung und Funktion: Darbringung der göttlichen Arghya-Gabe, welche die drei Leiden aufhebt und von höchster Seligkeit geprägt ist.
Madhuparka
Fundstelle: Mantramahodadhi 22.68. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
sarvakāluṣyahīnāya paripūrṇasukhātmane |
madhuparkam idaṃ deva kalpayāmi prasīda me ||
Devanagari:
सर्वकालुष्यहीनाय परिपूर्णसुखात्मने ।
मधुपर्कम् इदं देव कल्पयामि प्रसीद मे ॥
Bedeutung und Funktion: Der von jeder Trübung freien, vollkommenen Seligkeit wird Madhuparka bereitet; das Gebet bittet um Gnade.
Erneutes Mundspülwasser
Fundstelle: Mantramahodadhi 22.69b–70a. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
ucchiṣṭo’py aśucir vāpi yasya smaraṇamātrataḥ |
śuddhim āpnoti tasmai te punarācamanīyakam ||
Devanagari:
उच्छिष्टोऽप्य् अशुचिर् वापि यस्य स्मरणमात्रतः ।
शुद्धिम् आप्नोति तस्मै ते पुनराचमनीयकम् ॥
Bedeutung und Funktion: Die Gottheit wird als diejenige angesprochen, durch deren bloßes Gedenken Reinheit erlangt wird.
Öl und Liebe
Fundstelle: Mantramahodadhi 22.72. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
snehaṃ gṛhāṇa snehena lokanātha mahāśaya |
sarvalokeṣu śuddhātman dadāmi sneham uttamam ||
Devanagari:
स्नेहं गृहाण स्नेहेन लोकनाथ महाशय ।
सर्वलोकेषु शुद्धात्मन् ददामि स्नेहम् उत्तमम् ॥
Bedeutung und Funktion: „Nimm dieses Öl in Liebe an.“ Sneha bezeichnet sowohl Öl als auch Liebe; die Formel verbindet äußere Salbung und Zuneigung.
Bad der Gottheit
Fundstelle: Mantramahodadhi 22.73b–74a. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
paramānandabodhābdhinimagnanijamūrtaye |
sāṅgopāṅgam idaṃ snānaṃ kalpayāmy aham īśa te ||
Devanagari:
परमानन्दबोधाब्धिनिमग्ननिजमूर्तये ।
साङ्गोपाङ्गम् इदं स्नानं कल्पयाम्य् अहम् ईश ते ॥
Bedeutung und Funktion: Der im Ozean von Erkenntnis und höchster Seligkeit ruhenden göttlichen Gestalt wird ein vollständiges Bad bereitet.
Gewand
Fundstelle: Mantramahodadhi 22.76. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
māyācitrapaṭacchannanijaguhyorutejase |
nirāvaraṇavijñānavāsas te kalpayāmy aham ||
Devanagari:
मायाचित्रपटच्छन्ननिजगुह्योरुतेजसे ।
निरावरणविज्ञानवासस् ते कल्पयाम्य् अहम् ॥
Bedeutung und Funktion: Die durch Maya verhüllte und zugleich unverhüllte Erkenntnis wird mit einem Gewand geehrt.
Obergewand
Fundstelle: Mantramahodadhi 22.77. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
yam āśritya mahāmāyā jagatsammohinī sadā |
tasmai te parameśāya kalpayāmy uttarīyakam ||
Devanagari:
यम् आश्रित्य महामाया जगत्सम्मोहिनी सदा ।
तस्मै ते परमेशाय कल्पयाम्य् उत्तरीयकम् ॥
Bedeutung und Funktion: Darbringung an den höchsten Herrn, auf den gestützt Mahamaya die Welt bezaubert.
Heilige Schnur
Fundstelle: Mantramahodadhi 22.79b–80a. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
yasya śaktitrayeṇedaṃ samprotaṃ nikhilaṃ jagat |
yajñasūtrāya tasmai te yajñasūtraṃ prakalpaye ||
Devanagari:
यस्य शक्तित्रयेणेदं सम्प्रोतं निखिलं जगत् ।
यज्ञसूत्राय तस्मै ते यज्ञसूत्रं प्रकल्पये ॥
Bedeutung und Funktion: Der Gottheit, durch deren dreifache Kraft die Welt zusammengefädelt ist, wird die heilige Schnur dargebracht.
Schmuck
Fundstelle: Mantramahodadhi 22.80b–81a. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
svabhāvasundarāṅgāya nānāśaktyāśrayāya te |
bhūṣaṇāni vicitrāṇi kalpayāmy amarārcitam ||
Devanagari:
स्वभावसुन्दराङ्गाय नानाशक्त्याश्रयाय ते ।
भूषणानि विचित्राणि कल्पयाम्य् अमरार्चितम् ॥
Bedeutung und Funktion: Darbringung mannigfaltigen Schmucks an die von Natur aus schöne Gottheit, die Grundlage vieler Kräfte.
Duft
Fundstelle: Mantramahodadhi 22.83. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
paramānandasaurabhyaparipūrṇadigantaram |
gṛhāṇa paramaṃ gandhaṃ kṛpayā parameśvara ||
Devanagari:
परमानन्दसौरभ्यपरिपूर्णदिगन्तरम् ।
गृहाण परमं गन्धं कृपया परमेश्वर ॥
Bedeutung und Funktion: Bitte um Annahme des Duftes, der die Himmelsrichtungen mit dem Wohlgeruch höchster Seligkeit erfüllt.
Blume
Fundstelle: Mantramahodadhi 22.85. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
turīyavanasaṃbhūtaṃ nānāguṇamanoharam |
amandasaurabhaṃ puṣpaṃ gṛhyatām idam uttamam ||
Devanagari:
तुरीयवनसंभूतं नानागुणमनोहरम् ।
अमन्दसौरभं पुष्पं गृह्यताम् इदम् उत्तमम् ॥
Bedeutung und Funktion: Die Blume wird als im Wald des „Vierten“, Turiya, gewachsen beschrieben: äußere Gabe und innere Betrachtung begegnen einander.
Räucherwerk
Fundstelle: Mantramahodadhi 22.111. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
vanaspatirasotpeto gandhāḍhyaḥ sumanoharaḥ |
āghreyaḥ sarvadevānāṃ dhūpo’yaṃ pratigṛhyatām ||
Devanagari:
वनस्पतिरसोत्पेतो गन्धाढ्यः सुमनोहरः ।
आघ्रेयः सर्वदेवानां धूपोऽयं प्रतिगृह्यताम् ॥
Bedeutung und Funktion: Duftender, lieblicher Rauch aus Baumharz wird allen Gottheiten zur Annahme dargebracht.
Licht
Fundstelle: Mantramahodadhi 22.116b–117a. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
suprakāśo mahādīpaḥ sarvatas timirāpahaḥ |
sabāhyābhyantaraṃ jyotirdīpo’yaṃ pratigṛhyatām ||
Devanagari:
सुप्रकाशो महादीपः सर्वतस् तिमिरापहः ।
सबाह्याभ्यन्तरं ज्योतिर्दीपोऽयं प्रतिगृह्यताम् ॥
Bedeutung und Funktion: Darbringung der hellen Leuchte, die das Dunkel vertreibt: Licht im Inneren und im Äußeren.
Darbringung des Japa und Festgebete
Das Japa darbringen
Fundstelle: Mantramahodadhi 22.152. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
guhyātiguhyagoptā tvaṃ gṛhāṇāsmatkṛtaṃ japam |
siddhir bhavatu me deva tvatprasādāt tvayi sthitiḥ ||
Devanagari:
गुह्यातिगुह्यगोप्ता त्वं गृहाणास्मत्कृतं जपम् ।
सिद्धिर् भवतु मे देव त्वत्प्रसादात् त्वयि स्थितिः ॥
Bedeutung und Funktion: Die Gottheit als Hüter des Geheimsten wird gebeten, das Japa anzunehmen. Vollendung und das Ruhen in ihr werden ihrer Gnade anvertraut. 22.153 bezeichnet diesen Vers ausdrücklich als Mantra.
Ashoka: Lass Freude entstehen
Fundstelle: Mantramahodadhi 23.6. Textstatus: Ausgeschriebenes Gebet des Grundtextes.
IAST:
aśokāya namas tubhyaṃ kāmastrīśokanāśana |
śokārtiṃ hara me nityam ānandaṃ janayasva me ||
Devanagari:
अशोकाय नमस् तुभ्यं कामस्त्रीशोकनाशन ।
शोकार्तिं हर मे नित्यम् आनन्दं जनयस्व मे ॥
Bedeutung und Funktion: Anrufung Ashokas im Damanaka-Festzusammenhang: Kummer möge weichen, Freude entstehen. Die Formel steht im Zusammenhang von Pflanzenverehrung, Kama und Rati.
Weitere Mantranamen und chiffrierte Vidyas
Die IAST- und Devanagari-Angaben in dieser Übersicht sind ausdrücklich Bezeichnungen, keine ausgeschriebenen Mantras. Sie machen die große Vielfalt des Werkes auffindbar, ohne fehlende Silben zu ergänzen. Die vollständigen Grundtextpassagen stehen in Mantramahodadhi Sanskrit IAST und Mantramahodadhi Sanskrit Devanagari.
| Gottheit oder Thema | Bezeichnung in IAST und Devanagari | Fundstelle | Funktion und Textstatus |
|---|---|---|---|
| Pranapratishtha | prāṇapratiṣṭhā प्राणप्रतिष्ठा |
1.35–76 | Lebenskraft, Gottheit und Körper; darunter die in 1.76 beschriebene siebensilbige Folge. Lautanweisungen und einzelne ausgeschriebene Sätze; keine durchgängig ausgeschriebene Gesamtformel. |
| Dakshina-Kali | dakṣiṇakālī दक्षिणकाली |
3.2–4 | Zweiundzwanzigsilbige Kali-Vidya. Chiffren und ausdrücklich genannte Wortteile. Die volle Folge wird hier nicht rekonstruiert. |
| Tara, Ekajata und Nilasarasvati | tārā · ekajaṭā · nīlasarasvatī तारा · एकजटा · नीलसरस्वती |
4.2–6 | Verwandte Tara-Vidyas; 4.3–4 unterscheiden sie durch Weglassen bestimmter Bijas. Überwiegend Lautchiffren; die Namen sind keine Rezitationsformel. |
| Acht Tara-Vidyas | tārāvidyā ताराविद्या |
5.1–8 | Mehrere durch ihre göttlichen Verehrer bezeichnete Formen. Chiffrierte Varianten einer vorausgesetzten Vidya. |
| Chinnamasta | chinnamastā छिन्नमस्ता |
6.1–4 | Mantra und rituelle Zuordnung der Göttin. Lautchiffren und Wortbausteine. |
| Renuka-Shabari | reṇukā · śabarī रेणुका · शबरी |
6.40–42 | Göttin der folgenden Wald- und Bergmeditation. Mantrabildung in Lautangaben; keine hier neu zusammengesetzte Formel. |
| Svayamvara | svayaṃvara स्वयंवर |
6.52–55 | Parvati bei der Gattenwahl; die anschließenden Beeinflussungsziele sind historisch einzuordnen. Besondere Vidya mit Mantrabausteinen. |
| Bandi | bandī बन्दी |
6.87–88; 6.94–96 | Lösung von Bindung und später von äußerer Gefangenschaft. Mehrere Mantraangaben; fallbezogene Namenseinsetzungen und Chiffren bleiben erhalten. |
| Dhumavati | dhūmāvatī धूमावती |
7.40–42 | Besondere Göttinnenverehrung, auch mit aggressiven Ritualzielen. Bija- und Namensbausteine, keine moderne allgemeine Praxisempfehlung. |
| Matangi | mātaṅgī मातङ्गी |
7.66–69; 8.100–103 | Göttin der Sprache und Musik in verschiedenen Vidya-Formen. Gemischte Wortangaben und Chiffren; verschiedene Formen werden nicht verschmolzen. |
| Bala | bālā बाला |
8.2–4; Varianten 8.80–99 | Drei Bijas, ihre Zuordnung und weitere Mantraformen. Die Anfangsfolge wird durch Lautchiffren angegeben. Keine stillschweigende Ergänzung aus einer geläufigen modernen Bala-Formel. |
| Tripura-Gayatri | tripurāgāyatrī त्रिपुरागायत्री |
8.78 | Gayatri-Form im Bala-Zusammenhang. Gemischt ausgeschrieben und chiffriert; die schwierige Druckverbindung wird nicht zu einer sicheren Rezitationsfassung erklärt. |
| Annapurna | annapūrṇā अन्नपूर्णा |
9.1–4; Varianten 9.22–29 | Nährende Göttin; mehrere Mantraformen. Bausteine und Chiffren; Wortvarianten werden nicht vereinheitlicht. |
| Pratyangira | pratyaṅgirā प्रत्यङ्गिरा |
9.84–88; 9.100–105 | Abwehr von Kritya; anschließend langer Mala-Mantra. Schutz- und aggressive Abwehrformeln mit chiffrierten Teilen. Keine selbst konstruierte Vollfassung. |
| Bagalamukhi | bagalāmukhī बगलामुखी |
10.1–5 | Stambhana, das Hemmen beziehungsweise Stillstellen. Wortteile und Lautchiffren; manipulative Zielsetzung wird dokumentiert, nicht empfohlen. |
| Svapnavarahi | svapnavārāhī स्वप्नवाराही |
10.35–38 | Varahi im Zusammenhang mit Traumoffenbarung. Mantrabausteine und rituelle Zuordnung. |
| Vartali | vārtālī वार्ताली |
10.66–72 | Lange Vidya im Varahi-Zusammenhang. Chiffrierte und ausgeschriebene Bestandteile; die Naukā erläutert die Silbenzahl als 114. |
| Shrividya | śrīvidyā श्रीविद्या |
11.3–7 | Tripurasundari, Kuta-Gruppen und sechzehnsilbig benannte Vidya. Lautchiffren, Rahmungen und rituelle Zählweise. Die einzeln oben belegten Bijas ergeben für sich keine vollständige Shrividya. |
| Nitya-Vidyas | nityāvidyā नित्याविद्या |
12.1–33 | Mantras der Nitya-Göttinnen im Shrichakra. Mehrere chiffrierte Formeln; keine Sammelformel aus ihren Namen. |
| Gopalasundari | gopālasundarī गोपालसुन्दरी |
12.154–157 | Verbindung von Krishna-Anreden und Shrividya-Kutas. Verschränkte, unterweisungsgebundene Vidya; die Naukā nennt 43 Silben. |
| Hanuman | hanumān हनुमान् |
13.1–7; 13.54–79; 13.80–88 | Zwölfsilbige Anfangsform, langer Mala-Mantra und weitere Kurzformen. Bija-Chiffren, Namensbestandteile und Befehlswörter. Die lange Formel enthält auch aggressive Bitten; sie wird nicht als allgemeines Gebet neu zusammengestellt. |
| Mahamrityunjaya | mahāmṛtyuñjaya महामृत्युञ्जय |
16.2–6 | Umfassende Mrityunjaya-Form mit vedischem Tryambaka-Mantra. Der Grundtext benennt den vedischen Vers durch seinen Anfang und beschreibt Rahmungen. Die oben zitierte Naukā-Ausschreibung des vedischen Verses ist nur ein Bestandteil. |
| Kalaratri | kālarātrī कालरात्री |
18.1–7 | Lange Göttinnenvidya mit Schutz-, Unterwerfungs- und Schädigungsabsichten. Gemischte Formel; die aggressiven Teile werden historisch dokumentiert, nicht als Übung empfohlen. |
| Brahmarpana | brahmārpaṇa ब्रह्मार्पण |
22.154–160 | Hingabe des eigenen Selbst und aller Handlungen an die Gottheit. Gebetsstücke mit eingeschobenen Sprech- und Lautanweisungen; keine durchgängig ausgeschriebene Grundtextformel. Die deutsche Wiedergabe steht in Auswahlstelle 87. |
Nicht jede Formel dient demselben spirituellen Ziel. Das Werk behandelt auch Vashikarana, Stambhana, Ucchatana und Marana. Solche historischen Versuche der Beeinflussung oder Schädigung werden hier nicht als heutige Praxis empfohlen. Mahīdharas eigene Mahnung in 25.72–81 bildet den entscheidenden Gegenakzent: Anhaftung an begrenzte Ergebnisse soll einer Verehrung weichen, die das innere Wesen läutert und Jnana ermöglicht.
Die Auswahl vertiefen
Wer einzelne Stellen genauer verfolgen möchte, kann ihre Fundstelle in der fortlaufenden deutschen Fassung nachlesen und mit IAST oder Devanagari vergleichen. Der Leseführer erläutert den Zusammenhang jedes Taraṅga; der Hauptartikel führt in Geschichte, Lehre und Praxisbegriffe ein. Die früheren Sanskrit-Auswahlseiten bleiben als anders angeordnete Begleitlektüre erhalten. Sie sind keine Sanskrit-Parallelausgabe genau dieser 108 Stellen.
Für die persönliche Betrachtung kann eine kleine Folge genügen: morgens das Gedenken an den Guru aus 21.4–5, vor der Übung die Einladung zur inneren Puja aus 21.167–168, nach dem Japa das Darbringungsgebet aus 22.152 und zum Abschluss die Erinnerung an wunschlose Verehrung aus 25.76. Diese Zusammenstellung ist eine heutige Leseanregung, keine im Werk vorgeschriebene neue Ritualfolge. Wer bereits ein Mantra empfangen hat, kann die Lektüre mit seiner vertrauten Sadhana verbinden.
Siehe auch
- Mantramahodadhi
- Mantramahodadhi Uebersetzung
- Mantramahodadhi Sanskrit IAST
- Mantramahodadhi Sanskrit Devanagari
- Mantramahodadhi Die 25 Tarangas
- Sharada Tilaka Tantra und Prapanchasara Tantra – weitere Zugänge zu Mantra, Gottheitsmeditation und Ritualsystematik
- Kularnava Tantra – Guru, Einweihung und spirituelle Disziplin
- Parashurama Kalpasutra und Nityotsava – weitere Lektüre zur überlieferten Puja-Ordnung
- Yogini Hridaya und Nitya Shodashikarnava – Vertiefung der Shrividya-Thematik
- Dakshinamurti Samhita, Kama Kala Vilasa und Varivasyarahasya
- Tantraloka und Rudrayamala Tantra
- Mantra, Japa, Guru, Diksha, Nyasa, Dhyana, Puja, Homa, Bhakti und Moksha
Die Verweise laden zum thematischen Vergleich ein. Sie behaupten keine ungeprüfte direkte historische Abhängigkeit zwischen den genannten Schriften und dem Mantramahodadhi.
Textgrundlage und Nachweise
Grundlage ist Mahīdharas Mantramahodadhi mit seinem eigenen Sanskritkommentar Naukā und Sudhakar Malaviyas Hindi-Erklärung Aritra, nach dem Digitalisat im Internet Archive. Die Taraṅga- und Versangaben der Auswahl und der Mantrasammlung folgen dieser Ausgabe. Grundtext, Sanskritkommentar und Hindi-Erklärung sind voneinander zu unterscheiden. Formeln, die hier als Naukā-Auflösung erscheinen, werden ausdrücklich dieser Kommentarebene zugeordnet; aus dem Hindi-Kommentar wird keine zusätzliche Grundtextformel eingefügt.
Die vorhandene Gesamterschließung umfasst alle 25 Taraṅgas mit 3.344 nummerierten Einheiten. In Taraṅga 10 ist die Drucknummer 55 doppelt vergeben; die Ausgabe unterscheidet 55a und 55b. Nach 56 folgt 58. Diese Zählungsbesonderheit wird nicht durch erfundene Verse ausgeglichen. Die 108 Auswahlstellen dieser Seite sind anhand der vorhandenen, am Druck bearbeiteten Sanskritdaten kontrolliert; einzelne schwierige Lesungen sind in den Erläuterungen kenntlich gemacht. Die Auswahl umfasst 216 vollständige nummerierte Einheiten, ohne Überschneidungen zwischen den 108 Stellen.
Die vollständigen Stellenangaben bei jedem Text ermöglichen das Nachlesen im jeweiligen Kapitel. Erläuterungen zu Wirkungsverheißungen, heutige Leseanregungen und historische Einordnungen gehören zur Redaktion. Sie sind keine zusätzlichen Verse Mahīdharas. Die Devanagari-Angaben der Mantrasammlung sind Umschriften ihrer geprüften IAST-Lesefassungen, keine unabhängige Edition. Bei Vakratunda wird die Normalisierung der Bija-Endung ausdrücklich genannt.
Die Begleitbilder sind vorhandene Dateien des Yoga-Vidya-Wikis. Die Videos „Japa – der Weg zu Gott“ und „Hanuman – Affengott – Indien Lexikon“ stammen vom Kanal „Yoga Vortrag – Yoga Vidya“ und wurden über die Seiten Japa beziehungsweise Hanuman zugeordnet. Sie dienen der heutigen Einführung und sind keine historischen Textzeugen.
Seminare und gemeinsame Praxis
Das gemeinsame Studium indischer Schriften und eine verlässlich angeleitete Praxis können helfen, Mantra, Meditation und Bhakti im eigenen Leben zu vertiefen. Die folgenden Yoga-Vidya-Feeds zeigen Angebote zu verwandten Themen; sie sind kein Nachweis, dass ein bestimmtes Seminar die besonderen Einweihungen des Mantramahodadhi vermittelt.
Kundalini Yoga
- 06.11.2026 - 08.11.2026 Kundalini Yoga Einführung
Gründliche Einführung in die Theorie und Praxis des Kundalini Yoga, Yoga der Energie. Die praktischen Übungen des Kundalini Yoga umfassen Pranayama (…- Arjuna Wingen
- 13.11.2026 - 15.11.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe
Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…- Manuel Hirning
Indische Schriften
- 26.12.2026 - 02.01.2027 Indische Rituale Ausbildung
Du interessierst dich für indische Rituale? Du hast die einzigartige Gelegenheit, in dieser Rituale Ausbildung bei Yoga Vidya die kleine Puja, große P…- Sukadev Bretz, Shankari Winkelbauer
- 01.01.2027 - 10.01.2027 Yogalehrer Weiterbildung Intensiv A1 - Jnana Yoga und Vedanta
Kompakte, vielseitige Weiterbildung für Yogalehrer rund um Jnana Yoga und Vedanta.
Tauche tief ein ins Jnana Yoga und Vedanta, studiere die indischen S…- Vedamurti Dr Olaf Schönert
Chakras
- 20.11.2026 - 22.11.2026 Heilreise durch die Chakren
Tauche ein in eine transformative Reise durch die sieben Hauptchakren und erfahre, wie du deine Energiezentren aktivieren, ausbalancieren und für dein …- Nese Niekrens, Gajendra Sebastian Niekrens
- 26.12.2026 - 01.01.2027 Kundalini Yoga Intensiv Praxis - Live Online
Intensives Praktizieren der im Mittelstufen-Seminar gelernten Übungen für noch tiefere Erfahrung und Erweiterung des Bewusstseins ohne viel Theorie. L…- Sukadev Bretz, Shaktipriya Vogt, Radharani Birkner
Energiearbeit
- 04.11.2026 - 04.11.2026 Einführung in die Chakratherapie - Online Workshop
Uhrzeit: 18 - 21 Uhr
Ein Chakra ist ein feinstoffliches Kraftzentrum des Körpers, welches wichtige Körperfunktionen steuert und bestimmten Organen zug…- Beate Menkarski
- 06.11.2026 - 08.11.2026 Kundalini Yoga Einführung
Gründliche Einführung in die Theorie und Praxis des Kundalini Yoga, Yoga der Energie. Die praktischen Übungen des Kundalini Yoga umfassen Pranayama (…- Arjuna Wingen
Mit Hingabe üben, für Erkenntnis offen bleiben
Mahīdharas Ozean ist weit: Er enthält filigrane Ritualordnungen, leuchtende Gottesbilder und auch die widersprüchlichen Wünsche menschlichen Lebens. Seine Schlusslehre gibt eine Richtung vor. Anhaftung an begrenzte Ergebnisse soll schwinden; Verehrung soll das innere Wesen läutern; Erkenntnis soll zur Befreiung führen. Darum kann das Lesen immer wieder zu einer einfachen Frage zurückkehren: Wird meine Praxis aufmerksamer, hingebungsvoller und freier von Zorn und Gier?
Vertiefung kann gerade im Vertrauten wachsen. In 21.169 folgt auf die innere Verehrung zunächst ein Augenblick gesammelten Verweilens. In 22.152 wird die eigene Wiederholung der göttlichen Gnade anvertraut. Und in 25.102 verneigt sich Mahīdhara vor dem einen höchsten Selbst, das in vielen Gottesgestalten begegnet. So können Japa, Dhyana und Selbsterkenntnis einander vertiefen: mit Dankbarkeit für die Überlieferung, mit Beständigkeit im Vertrauten und mit einem Herzen, das dem Wohl anderer zugewandt bleibt.
Zur Mantramahodadhi-Ausgabe: Hauptartikel · Deutsche Übersetzung · Sanskrit IAST · Sanskrit Devanagari · Leseführer zu den 25 Taraṅgas · 108 inspirierende Verse und Mantras · Frühere IAST-Auswahl · Frühere Devanagari-Auswahl