Mantramahodadhi Uebersetzung

Aus Yogawiki

Mantramahodadhi – Deutsche Übersetzung führt durch Mahīdharas 25 „Wellen“ der Mantra-Lehre. Der Weg beginnt mit der Verehrung des Guru, entfaltet Japa, Nyasa, Dhyana und Puja und mündet in die Frage nach befreiender Selbsterkenntnis. Dabei wird das Göttliche in vielen Gestalten erfahrbar: als segnender Ganesha, als nährende Annapurna, als kraftvoller Hanuman und als das eine höchste Selbst. Diese deutsche Fassung lädt dazu ein, den Zusammenhang von sorgfältiger Übung, lebendiger Hingabe und Erkenntnis zu entdecken.

Zur Mantramahodadhi-Ausgabe: Hauptartikel · Deutsche Übersetzung · Sanskrit IAST · Sanskrit Devanagari · Leseführer zu den 25 Taraṅgas · 108 inspirierende Verse und Mantras · Frühere IAST-Auswahl · Frühere Devanagari-Auswahl

Textumfang: Alle 25 Taraṅgas mit 3.344 nummerierten Einheiten und den Kapitelkolophonen. Die Druckzählung bleibt erhalten; Besonderheiten und unsichere Lesungen sind erläutert. Bei einzelnen problematischen Ritualanwendungen bietet die deutsche Fassung ausdrücklich gekennzeichnete, nichtanleitende Inhaltswiedergaben. Sie ist daher keine ausnahmslos wörtliche Vollübersetzung.

Ein Zugang zur Lektüre

Lies zunächst einen kurzen Abschnitt und lass seine Aussage nachklingen. Besonders zugänglich sind das Ganesha-Dhyana in 2.6, das Morgengebet in 21.6–8 und die Darbringung des Japa in 22.152. Wer die Grundrichtung des Werkes verstehen möchte, kann früh die Schlusslehre 25.73–81 hinzunehmen. Der Leseführer hilft bei der Orientierung; die 108 ausgewählten Stellen bieten einen thematischen Einstieg.

Die Übersetzung folgt den Versnummern des Sanskritdrucks. Manche Sätze gehen über eine Versgrenze hinaus; lies in solchen Fällen die folgende Nummer mit. Erläuterungen stehen getrennt vom übersetzten Text. Besondere Ritualvorschriften werden aus ihrem historischen Zusammenhang heraus verständlich; heutige Anregungen werden als solche benannt.

Wichtige Begriffe für die Lektüre

Vertraute Sanskritbegriffe bleiben erhalten, weil sie bestimmte Seiten der Praxis benennen. Diese kurze Orientierung hilft beim Lesen:

Begriff Verständliche Bedeutung im Werk
Sadhana Der spirituelle Übungsweg; hier besonders die überlieferte Verehrung einer Gottheit mit Mantra und Meditation.
Japa Wiederholung eines Mantras. Der Text unterscheidet unter anderem leise und geistige Wiederholung (1.106).
Dhyana Gesammelte Meditation; in vielen Abschnitten die innere Vergegenwärtigung einer genau beschriebenen Gottesgestalt.
Nyasa Rituelles Zuordnen von Lauten, Mantras oder göttlichen Kräften zu Körperstellen. Der Körper wird in die Verehrung einbezogen.
Puja und Homa Verehrung durch Darbringungen und Gebete beziehungsweise Darbringung im geweihten Feuer. Beide sind mit innerer Ausrichtung verbunden.
Bija „Keim“: ein tragender Mantralaut oder eine besondere Lautfolge. Bijas haben nicht notwendig eine wörtlich übersetzbare Bedeutung.
Ishta Devata Die persönlich verehrte Gottheit, auf die sich die eigene Hingabe richtet.
Siddhi und Moksha Siddhi bezeichnet Vollendung oder einen besonderen Mantra-Erfolg; Moksha die Befreiung aus Samsara. Mahīdharas Schlusslehre richtet den Blick über begrenzte Ergebnisse hinaus auf Erkenntnis (25.73–81; 25.100–101).
Antahkarana und Atman Antahkarana ist das innere Instrument des Denkens, Fühlens und Erkennens; Atman das Selbst. Die Läuterung des inneren Instruments bereitet im Schlussabschnitt die Erkenntnis des Selbst als Brahman vor (25.78–79).

Taraṅga 1 – Grundlagen der Mantra-Verehrung

Mahīdhara beginnt mit der Verneigung vor Gottheit und Guru. Er beschreibt die Vorbereitung des Menschen auf die Gottesverehrung, die Reinigung der Elemente und die Vergegenwärtigung der Lebenskräfte. Die Verehrung der Laute führt zur Mantra-Sadhana.

Verehrung und Eintritt in den heiligen Raum

Der Tag beginnt mit dem Gedenken an den Guru. Reinigung, Türverehrung und Sammlung bereiten die Begegnung mit der Gottheit vor.

Japa als gesammelte Hinwendung.

1.1

Nachdem ich mich vor Lakshmi-Nṛhari, Mahāgaṇapati und dem Guru verneigt und zahlreiche Tantras eingesehen habe, werde ich den Mantramahodadhi darlegen.

1.2

Am Morgen soll man aufstehen und am Scheitel die Lotusfüße des Guru meditieren. Nachdem man die notwendigen Verrichtungen erledigt hat, soll man zum Baden an das Flussufer gehen.

1.3

Nach dem Bad gemäß der vedischen Vorschrift soll man das Mantrabad vollziehen. Nachdem man die Smārta-Sandhyā und die Mantra-Sandhyā verrichtet hat, soll man die Gottheit betrachten.

1.4

Dann soll man zum Eingang des Hauses gehen und die Verehrung der Tür vollziehen. Man besprenge die Tür mit dem durch das Astra-Mantra geweihten Wasser und verehre oberhalb Ganesha.

1.5

Auf der rechten Seite verehre man Mahalakshmi, auf der linken Sarasvati. Wiederum rechts verehre man Vighna, außerdem Ganga und Yamuna.

Erläuterung zur Stelle: Vighna steht hier im Zusammenhang der Türgottheiten. Die wiederholte Nennung der Flussgöttinnen in 1.5–6 wird beibehalten; sie wird nicht stillschweigend bereinigt.

1.6

Wiederum links verehre man Kshetrapala sowie den Himmelsstrom und Yamuna. Dann verehre man rechts Dhatar und links Vidhatar.

Erläuterung zur Stelle: Der „Himmelsstrom“, Svaḥsindhu, bezeichnet Ganga. Dhatar und Vidhatar sind göttliche Ordner und Bewahrer.

1.7

Ebenso verehre man die beiden Schätze Shankha und Padma und anschließend die Türhüter. Nachdem man so die Türverehrung vollzogen hat, trete man in den Raum der Gottesverehrung ein.

Erläuterung zur Stelle: Der Satz führt in 1.8 weiter. Shankha und Padma sind personifizierte göttliche Schätze, nicht lediglich Muschel und Lotus als Gegenstände.

Bhutashuddhi – die innere Reinigung

Die folgende innere Handlung verbindet Kundalini, die fünf Elemente und Bewusstsein. Sie gehört zu einer unterwiesenen Ritualpraxis. Ihre Atemzählungen sind keine allgemeine Übungsempfehlung.

1.8

Man nehme auf dem Asana Platz und verneige sich vor Ganesha, dem Guru und der Gottheit. Mit Tara, dem Pranava, ordne man den Atem durch Einatmen, Anhalten und Ausatmen.

Erläuterung zur Stelle: Tāra ist hier eine Bezeichnung für Om. Der Vers leitet eine überlieferte Atemregel ein, keine allgemeine Empfehlung für selbstständige Atemexperimente.

1.9

Die zugehörigen Zahlen sind der Reihe nach zweiunddreißig, vierundsechzig und sechzehn. Um zur Verehrung der Gottheit befähigt zu werden, vollziehe man Bhutashuddhi, die Reinigung der Elemente.

Erläuterung zur Stelle: Naukā bezieht die Zahlen auf Wiederholungen des Pranava während der drei Atemphasen. Diese historische Zählung wird dokumentiert; sie ist keine für alle geeignete Übungsdosierung.

1.10

Gesammelt meditiere man über die im Muladhara gegenwärtige Göttin Kundalini, die höchste Gottheit: fein wie eine Lotusfaser und leuchtend wie ein Blitz.

1.11

Man lasse sie aus dem Muladhara aufsteigen und im Herzlotus ankommen. Auf dem Weg der Sushumna nehme man den Jiva aus dem Herzlotus auf …

Erläuterung zur Stelle: Der Satz wird in 1.12 abgeschlossen. Naukā verweist ausdrücklich auf die Unterweisung durch den Guru und nennt für diejenigen, denen die entsprechende Yoga-Praxis fehlt, die geistige Vergegenwärtigung.

1.12

… und vergegenwärtige ihn sich, einer kleinen Lampenflamme gleich, als zum Brahmarandhra gelangt. Mit dem Hamsa-Mantra vereinige der Sadhaka den Jiva mit Brahman.

1.13

Er vergegenwärtige sich die Gesamtheit der Elemente, die von den Füßen bis zum Brahmarandhra gegenwärtig sind, jeweils mit ihrer eigenen Farbe, ihrem Bija und ihrer Gestalt. Das Verfahren wird nun beschrieben.

1.14

Von den Füßen bis zu den Knien vergegenwärtige man sich den Bereich der Erde: viereckig, mit einem Vajra versehen, mit dem Erd-Bija ausgestattet und von goldener Farbe.

1.15

Von den Knien bis zum Nabel vergegenwärtige man sich den Bereich des Wassers: einem Halbmond gleich, mit zwei Lotussen bezeichnet, mit dem Va-Bija verbunden und weiß leuchtend.

1.16

Vom Nabel bis zum Herzen vergegenwärtige man sich den Bereich des Feuers: dreieckig, mit einem Svastika versehen, mit dem Ra-Bija verbunden und rot.

1.17

Vom Herzen bis zur Mitte zwischen den Augenbrauen vergegenwärtige man sich den Bereich des Windes: rund, mit sechs Punkten bezeichnet, mit dem Bija Yaṃ verbunden und rauchfarben.

1.18

Von der Mitte zwischen den Augenbrauen bis zum Brahmarandhra betrachte man den Bereich des Raumes: rund, klar und anmutig, mit dem Bija Haṃ verbunden.

1.19

Füße, Hände, Ausscheidungsorgan, Geschlechtsorgan und Sprache sind der Reihe nach in den Bereichen von der Erde an zu meditieren, verbunden mit den ihnen eigenen Tätigkeiten: Gehen, Greifen und den weiteren.

Erläuterung zur Stelle: Der Druck liest „svakīyaviparyayaiḥ“, wörtlich etwa „mit ihren eigenen Umkehrungen/Veränderungen“. Die Übersetzung „Tätigkeiten“ folgt den unmittelbar genannten Beispielen gamana und grahaṇa sowie der Zuordnung in Naukā; die ungewöhnliche Sanskritlesung bleibt erhalten.

1.20

Geruchssinn, Geschmackssinn, Auge, Tastsinn und Gehör sind der Reihe nach in den Bereichen von der Erde an zu meditieren, verbunden mit den Eigenschaften, beginnend mit dem Geruch.

1.21

Brahma, Vishnu, Shiva, Ishana und Sadashiva werden als die Herren genannt, die in den Elementen von der Erde an gegenwärtig sind; man soll sie in den jeweiligen Elementbereichen meditieren.

1.22

Nivritti, Pratishtha, Vidya, als vierte Shanti und Shantyatita sind die fünf Kalas, die den Elementen von der Erde an zugeordnet und zu meditieren sind.

1.23

Samana, Udana und Vyana sowie Apana und Prana sind die fünf Lebenswinde. Man meditiere sie der Reihe nach in den Elementbereichen, beginnend mit der Erde.

1.24

Nachdem man die Elemente so betrachtet hat, soll man sie eines nach dem anderen auflösen: die Erde im Wasser, das Wasser im Feuer, das Feuer im Wind und diesen im Raum.

1.25

Nachdem man den Raum im Ich-Prinzip und auch das Ich-Prinzip im großen Prinzip, Mahat, aufgelöst hat, soll man Mahat in Prakriti und Maya im Selbst auflösen.

1.26

Nachdem man ganz zu reinem Sein und Bewusstsein geworden ist, stelle man sich die Gestalt des Papa-Purusha vor: schwarz, daumengroß und in der rechten Bauchseite befindlich.

Erläuterung zur Stelle: Papa-Purusha personifiziert die Verfehlungen. Der Sanskrit-Grundtext nennt die rechte Seite; die Hindi-Erklärung nennt abweichend die linke. Die Übersetzung folgt dem Grundtext.

1.27

Sein Kopf ist die Tötung eines Brahmanen, seine Arme sind der Golddiebstahl, sein Herz ist das Trinken berauschenden Getränks und seine Hüftgegend ist die Verletzung des Ehebettes des Guru.

Erläuterung zur Stelle: Der Vers greift einen historischen Katalog schwerer Verfehlungen auf. Er wird als Aussage des Werkes wiedergegeben, nicht als heutige Rangordnung des Wertes menschlichen Lebens.

1.28

Seine beiden Füße bestehen im Umgang mit Übeltätern, seine Körperhaare in den geringeren Verfehlungen. Er trägt Schwert und Schild, ist böse, blickt nach unten und ist überaus schwer zu ertragen.

1.29

Während er sich das Wind-Bija vergegenwärtigt, fülle der Mantraübende den Atem und lasse diese Gestalt zusammen mit dem eigenen Körper austrocknen. Mit dem Feuer-Bija lasse er sie verbrennen.

Erläuterung zur Stelle: Die Austrocknung und Verbrennung gehören zur inneren rituellen Vorstellung; der Vers fordert keine körperliche Verbrennung.

1.30

Das Feuer-Bija wird während des Atemanhaltens wiederholt. Danach bringe man die aus dem Papa-Purusha entstandene Asche nach außen und atme mit dem Wind-Bija aus.

1.31

Mit dem Nektar-Bija überflute der Einsichtige die aus dem Körper hervorgegangene Asche. Mit dem Erd-Bija verdichte er sie zu etwas, das einem goldenen Ei gleicht …

1.32

… von der Beschaffenheit eines ganz reinen Spiegels. Während er das Bija des Raumes wiederholt, bilde der Einsichtige die Glieder vom Scheitel bis zu den Füßen neu.

1.33

Aus dem Bewusstsein soll man die Elemente, beginnend mit dem Raum, wieder hervorgehen lassen. Mit dem Mantra „So’ham“ soll man das Selbst in den Herzlotus führen.

1.34

Nachdem man den durch Verbindung mit dem Höchsten nektarhaften Jiva aufgenommen und im Herzlotus eingesetzt hat, soll man Kundalini als in den Muladhara gelangt vergegenwärtigen.

Pranapratishtha und Nyasa

Prana wird als göttliche Lebenskraft vergegenwärtigt. Nyasa verbindet Körper, Laut und Gottheit. Die im Grundtext verwendeten Lautchiffren bleiben von ausgeschriebenen Mantras unterscheidbar.

1.35

Nachdem man so Bhutashuddhi vollzogen hat, nehme man die Einsetzung der Lebenskräfte vor. Die Rishis des Pranapratishtha-Mantras sind Aja, Isha und Padmaja.

Erläuterung zur Stelle: Die Namen bezeichnen hier Vishnu, Shiva und Brahma. Die Zuordnungen des Mantras gehören zum anschließenden Nyasa.

1.36

Als Chandas werden Rig, Yajus und Saman genannt; die Gottheit ist Pranashakti. Pasha ist das Bija, Trapa die Shakti; die Anwendung gilt der Einsetzung der Lebenskräfte.

Erläuterung zur Stelle: Der Vers verwendet verschlüsselte Bija-Bezeichnungen. Die Syntax des ersten Halbverses ist gedrängt; gemeint sind die drei vedischen Textformen, nicht ein gewöhnliches einzelnes Versmaß.

1.37

Man ordne die Rishis dem Kopf, die Chandas dem Mund, die Gottheit dem Herzen, das Bija dem verborgenen Körperbereich und die Shakti den Füßen zu. Danach vollziehe man den sechsgliedrigen Nyasa.

1.38

Dem Herzen werden die Ka-Gruppe und die mit dem Raum beginnende Reihe zugeordnet; dem Kopf die Ca-Gruppe und die mit dem Klang beginnende Reihe. Der Shikha gelten die Ta-Gruppe mit retroflexem ṭ und die Reihe vom Gehör an; der Körperhülle die dentale Ta-Gruppe und die Reihe von der Sprache an.

1.39

Dem Auge werden die Pa-Gruppe und die Reihe vom Auszusprechenden an zugeordnet; dem Astra die Ya-Gruppe mit den inneren Vermögen. Mit „ātmane“ setze man diese Mantras als Glieder im Herzen und an den übrigen Stellen ein.

Erläuterung zur Stelle: „vinyased dhṛdayādiṣu“ gibt die im Druck sichtbare Verbindung wieder; aufgelöst ist „vinyaset hṛdayādiṣu“ gemeint. Astra bezeichnet hier den rituellen Schutzabschluss.

1.40

Die Laute jeder Gruppe spreche man in dieser Reihenfolge aus: den fünften, den ersten, danach den zweiten und den vierten, schließlich den dritten.

1.41

Auch bei der Ya-Gruppe verfahre man so. Danach sind der Reihe nach Nabhas, Shveta, Antima, Bhrigu und Vimala auszusprechen, die Laute jeweils mit Bindu.

Erläuterung zur Stelle: Die Benennungen im zweiten Teil sind Lautchiffren. Sie werden hier nicht aus bloßer Vermutung zu einer Mantraformel ergänzt.

1.42

Mit der „Reihe vom Raum an“ sind Raum, Wind, Feuer, Wasser und Erde gemeint. Die „Reihe vom Klang an“ bezeichnet Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch.

1.43

Die „Reihe vom Gehör an“ umfasst Gehör, Haut, Auge, Zunge und Geruchssinn. Die „Reihe von der Sprache an“ umfasst Sprache, Hände, Füße, Ausscheidungsorgan und Geschlechtsorgan.

1.44

Die „Reihe vom Auszusprechenden an“ umfasst das Auszusprechende, Ergreifen, Gehen, Ausscheiden und Lust. Buddhi, Manas und Ahamkara, zusammen mit Chitta, …

1.45

… werden als die inneren Vermögen bezeichnet. Damit ist der sechsgliedrige Nyasa erklärt. Vom Nabel bis zu den Füßen ordne man das Pasha-Bija zu.

1.46

Vom Herzen bis zum Nabel ordne man Shakti zu, vom Kopf bis zum Herzen Shrini. Man vollziehe den Nyasa für Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark und Samen …

Erläuterung zur Stelle: Shakti und Shrini sind hier Bija-Bezeichnungen. Der Satz über die Körperbestandteile wird in 1.47 fortgeführt.

1.47

… im Herzen, mit „ātmane“ am Ende und mit den sieben Lauten von Ya an am Anfang. Für Ojas steht Akasha, verbunden mit Satya, voran; für Prana steht Kha voran …

Erläuterung zur Stelle: Die knappe Formulierung „hṛdayāntāni“ wird hier mit Naukā auf den Nyasa im Herzen bezogen. Die Lautchiffren bleiben als solche erkennbar; sie sind keine zusätzlich ausgeschriebenen Grundtextmantras.

1.48

… und für den Jiva stehe Bhrigu am Anfang. Diese setze man vom Herzbereich aus ein. Alle Anfangslaute, beginnend mit Ya, sollen mit dem Mondzeichen geschmückt sein.

Erläuterung zur Stelle: Das Mondzeichen bezeichnet hier die Nasalierung der Lautformeln; Naukā erläutert sie durch Anusvara.

1.49

Dann soll man mit dem vollständigen Wurzelmantra den umfassenden Nyasa vom Scheitel bis zu den Füßen vollziehen und die Gottheiten des heiligen Sitzes einsetzen.

Der Körper als göttlicher Sitz

Der heilige Sitz umfasst Erde und Himmel, Dharma, Erkenntnis und die Kräfte der Natur. Der Körper erscheint als Ort der Puja und als Träger bewusster Hingabe.

1.50

[Die Gottheiten des Sitzes sind:] Manduka, sodann Kalagni-Rudra zusammen mit Adhara-Shakti, Kurma, die Erde, der Nektarozean, Shvetadvipa und die göttlichen Bäume …

Erläuterung zur Stelle: Der Druck trennt „kālāgnī rudra“. Naukā identifiziert damit Kalagni-Rudra; die ungewöhnliche Form des gedruckten Grundtextes bleibt in der Sanskritfassung erhalten.

1.51

… der Edelsteinpalast, der goldene Sitz, Dharma, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und göttliche Macht sowie diese vier, beginnend mit Dharma, jeweils mit der verneinenden Vorsilbe.

Erläuterung zur Stelle: Gemeint sind außerdem Adharma, Unwissenheit, Bindung und Machtlosigkeit. Der heilige Sitz bildet auch die Gegensätze der bedingten Erfahrung ab.

1.52

Dharma und die übrigen zuvor genannten Kräfte gelten als die Füße des Sitzes, die anderen als seine Glieder. In der Mitte befinden sich Ananta und der Lotus der Wirklichkeit, dessen Wurzelknolle aus Seligkeit besteht.

1.53

Sein Stängel ist Bewusstsein; seine Staubfäden bestehen aus den Entfaltungen, seine Blätter aus Prakriti, und sein Blütenboden ist aus den fünfzig Lauten gebildet.

1.54

Dann folgen die drei Kreise von Sonne, Mond und Feuer; danach Sattva, Rajas und Tamas, das Selbst zusammen mit dem inneren Selbst …

1.55

… weiter das höchste Selbst und das Erkenntnisselbst, die beiden Prinzipien Maya und Kala, das Erkenntnisprinzip und das höchste Prinzip. Damit sind die Gottheiten des heiligen Sitzes genannt.

1.56

Bei der Verehrung aller Gottheiten soll man diese auf dem heiligen Sitz verehren. Die Orte ihres Nyasa im Körper und bei der äußeren Verehrung …

1.57

… werden im Taraṅga über die Puja dargelegt. Ihre Namen werden mit dem jeweiligen Anfangslaut samt Mondzeichen verbunden. Sodann sind die acht Shaktis des Sitzes der Pranashakti zu verehren …

1.58

… auf den Blättern des Herzlotus; die neunte aber auf seinem Blütenboden. Sie heißen Jaya, dann Vijaya, Ajita und Aparajita …

1.59

… Nitya, Vilasini, Dogdhri, Aghora und als letzte Mangala. Nachdem man die drei Bijas, beginnend mit Pasha, ausgesprochen hat, weise man den Sitz zu.

1.60

Auf diesem Sitz, der der Körper selbst ist, meditiere man über die lebenspendende Göttin, erfüllt vom Selbstbewusstsein frischer Jugend und geschmückt mit vollen Brüsten.

Pranashakti und ihre Verehrung

Die lebenspendende Shakti erhält eine anschauliche Gestalt. Die Verehrung umfasst weitere Gottheiten und die Hüter der Richtungen.

1.61

Man meditiere über die dreiaugige Göttin Pranashakti von roter Farbe. In ihren Händen trägt sie Schlinge, Bogen, eine blutgefüllte Schädelschale, Elefantenhaken, Pfeile und Dreizack. Sie befindet sich auf einem roten Lotus in einem Boot auf dem roten Meer.

Erläuterung zur Stelle: Naukā versteht das rote Meer als Meer aus Blut. Die sechs Attribute gehören zur historischen Gottheitsvisualisation.

1.62

Nachdem man so im Sechseck innerhalb des achtblättrigen Lotus meditiert hat, verehre man jene [Gottheiten]. In den Ecken des Ostens, des Südwestens und des Nordwestens verehre man Brahma, Vishnu und Shiva.

Erläuterung zur Stelle: Die gedruckte Richtungszusammenziehung „prāgrakṣo’nvāyukoṇeṣu“ ist sprachlich auffällig. Die Zuordnung zu Osten, Rakshas-Richtung und Vayu-Richtung ergibt sich aus den benannten Richtungen; die Lesung wird nicht zu einer unmarkierten glatten Sanskritform umgeschrieben.

1.63

In den Ecken von Agni, Varuna und Shiva verehre man Vani, Lakshmi und die Tochter des Himalaya. Auf den Staubfäden verehre man die sechs Glieder, auf den Blättern die acht Mütter.

Erläuterung zur Stelle: Die drei Richtungen sind Südosten, Westen und Nordosten. Vani ist Sarasvati, die Tochter des Himalaya ist Parvati.

1.64

Brahmi, Maheshvari, Kaumari, Vaishnavi, Varahi, Indrani und als siebte Chamunda werden genannt.

1.65

Die achte ist Mahalakshmi. Sie werden die Mütter des Universums genannt. Bei der Gottesverehrung gilt die Richtung zwischen dem Verehrenden und der verehrten Gottheit als Osten.

1.66

Die Richtungshüter, beginnend mit Indra, sind jeweils in ihrer eigenen Richtung zu verehren: Indra, Krishanu, Kinasha, Nirriti, Varuna, Anila …

Erläuterung zur Stelle: Krishanu bezeichnet Agni, Kinasha Yama und Anila Vayu. Nach Naukā gilt für diese Richtungshüter ihre bekannte räumliche Zuordnung.

1.67

… Soma und der Ishana Genannte, unten Ananta und oben der Viergesichtige. Danach sind in den Richtungen von Indra und den übrigen die Waffen der Richtungshüter zu verehren.

Erläuterung zur Stelle: Der Viergesichtige ist Brahma.

1.68

Vajra, Speer, Stab und Schwert, Schlinge, Elefantenhaken und Keule, Dreizack, Diskus und Lotus sind die Waffen beziehungsweise Attribute der zehn Richtungshüter.

1.69

Nachdem man Pranashakti so mit ihren fünf Umhüllungen verehrt hat, lege der Einsichtige die Hand auf das Herz. In Meditation wiederhole er dreimal ihren Mantra.

1.70

Nun werde ich die Erschließung dieses Mantras darlegen, die den Meditierenden erfreut. Man spreche Pasha, Maya und Shrini aus, danach die sieben Laute von Ya an, versehen mit dem Mondzeichen …

1.71

… Nabhas, mit Tara verbunden, den siebensilbigen Mantra und dann Ajapa. [Es folgt:] „Meine Lebenskräfte sind hier als Lebenskräfte; mein Jiva ist hier gegenwärtig.“

Erläuterung zur Stelle: Die Chiffren des Grundtextes bleiben in der Übersetzung erhalten. Der siebensilbige Mantra wird in 1.76 näher beschrieben; Ajapa wird in Naukā als Haṃsaḥ erklärt.

1.72

Nach „alle meine Sinne“ spreche man „meine Sprache und mein Geist“. Nach den Wörtern „Auge, Gehör und Geruchssinn“ spreche man „die Lebenskräfte hier“ …

1.73

… dann „herbeigekommen, glücklich“ und anschließend „mögen sie lange verweilen“. Man spreche Vahnijaya aus und wiederhole am Ende den siebensilbigen Mantra.

Erläuterung zur Stelle: Vahnijaya, „Gattin des Feuers“, bezeichnet Svaha. 1.70–73 enthalten Anweisungen zur Zusammensetzung; eine ausgeschriebene Gesamtformel aus einem Kommentar wird hier nicht als zusätzlicher Grundtext ausgegeben.

1.74

Dieser Pranapratishtha-Mantra ist für die Einsetzung der Lebenskräfte überliefert. Vor dem Wort „mama“, „mein“, spreche man die mit Pasha beginnende Folge.

1.75

Wer die Einsetzung der Lebenskräfte in Yantras, Bildgestalten oder Ähnlichem vollzieht, soll anstelle von „mein“ den jeweiligen Namen in der Genitivform nennen.

1.76

Meru, Hamsa und Akasha erhalten Bindu; Bhrigu erhält Visarga, und dann folgt Maya. Von Tara umschlossen gilt dies als siebensilbiger Mantra.

Erläuterung zur Stelle: Der Vers zählt Lautchiffren auf. Eine aufgelöste Form aus Naukā wäre als Kommentarauflösung zu kennzeichnen, nicht als ausgeschriebener Wortlaut dieses Verses.

Matrika – die göttliche Kraft der Laute

Die Sanskritlaute werden als Matrika verehrt. Sarasvati verbindet Sprache, Erkenntnis und die Heiligung des Körpers.

1.77

Nachdem man so die Lebenskräfte eingesetzt hat, vollziehe man den Matrika-Nyasa. Die Laute von A bis Ksha werden Matrika genannt.

1.78

Ihr Rishi ist Prajapati, ihr Chandas wird Gayatri genannt; ihre Gottheit ist Sarasvati, ihre Anwendung dient der Erlangung des Ganzen. Die Konsonanten gelten als Bijas, die Vokale als Shaktis.

Erläuterung zur Stelle: Dieser nummerierte Vers umfasst im Druck drei Halbverse.

1.79

Der vortreffliche Sadhaka ordne den Rishi und die weiteren Zuordnungen dem Kopf, dem Mund und dem Herzen zu. Mit den fünf Lautgruppen und der mit Ya beginnenden Gruppe vollziehe er die sechs Glieder …

1.80

… wobei die Gruppen zwischen den kurzen und langen, mit dem Mondzeichen versehenen Vokalen stehen, unter Ausschluss der als „geschlechtslos“ bezeichneten Laute; sie tragen Anusvara und die zugehörigen Abschlussformeln. Man meditiere die Göttin im Herzlotus.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt die ausgeschlossenen Laute als die vokalischen ṛ, ṝ, ḷ und ḹ. Die sogenannten Jati-Abschlüsse gehören zu den Mantragliedern, etwa dem Herz-Mantra; „jāti“ meint hier keine gesellschaftliche Kaste.

1.81

Ich verehre die dreiaugige Göttin der Sprache, deren Körperglieder aus den fünfzig Lauten gebildet sind. Sie trägt die Mondsichel und ist reinweiß wie eine Wasserlilie. Sie zeigt die Gesten der Wunschgewährung und Furchtlosigkeit und hält ein Buch und eine Gebetskette.

1.82

Nachdem man so meditiert hat, verehre man auf dem Sitz die zuvor genannten Gottheiten. Darüber verehre man die neun Shaktis des Sitzes der Sarasvati.

1.83

Medha, Prajna, Prabha, Vidya, Shri, Dhriti, Smriti, Buddhi und Vidyeshvari werden die Shaktis des Matrika-Sitzes genannt.

Erläuterung zur Stelle: Die Namen erinnern unter anderem an geistige Aufnahmefähigkeit, Weisheit, Licht, Wissen, Glück, Festigkeit, Erinnerung und Unterscheidungskraft. Es sind zugleich Eigennamen der verehrten Kräfte.

1.84

Viyat, Bhrigu mit Manu verbunden und mit Visarga versehen, sodann „mātṛkāyogapīṭhāya“, mit der Verneigung am Ende: Dies ist der Mantra zur Zuweisung des Sitzes.

Erläuterung zur Stelle: Die erste Vershälfte ist eine verschlüsselte Lautanweisung. Naukā löst sie auf; die Übersetzung bewahrt die Ebene des Grundtextes.

1.85

Man vergegenwärtige ihre Gestalt und verehre Vani mit ihrem Wurzelmantra. Zuerst verehre man die Glieder; im zweiten Kreis verehre man die Vokale …

1.86

… jeweils zu zweit. Im dritten [verehre man] die Lautgruppen, im vierten die Kräfte dieser Gruppen: Vyapini, Palini, Pavani und Kledini …

1.87

… Dharini, Malini, sodann Dhamsini und Shankhini. Diese heißen die Kräfte der Lautgruppen. Im fünften Kreis [verehre man] die acht Mütter.

Erläuterung zur Stelle: Der Grundtextdruck liest dhaṃsinī; die verbreitete ähnliche Namensform Haṃsinī wird nicht stillschweigend eingesetzt.

1.88

Im sechsten [verehre man] die Gottheiten von Shakra an, im siebten die mit dem Vajra beginnenden Attribute. Nachdem man die Herrin der Götter so verehrt hat, setze man die Laute in den eigenen Körper ein.

1.89

Man ordne die Vokale der Stirn, dem Umfang des Gesichts, den Augen, Ohren, Nasenöffnungen und Wangen, den Lippen und Zahnreihen, dem Scheitel und dem Mund zu.

1.90

Der Einsichtige ordne die Ka- und Ca-Gruppe den Gelenkstellen der beiden Arme samt ihren Enden zu, entsprechend die retroflexe und die dentale Ta-Gruppe den beiden Beinen. An beiden Seiten und am Rücken …

1.91

… am Nabel und am Bauch [ordne er] die Pa-Gruppe zu. Nachdem er die vier Laute von Ya an im Herzen, an den Schultern und im Nackenbereich eingesetzt hat, setze er die sechs Laute von Sha an ein …

1.92

… vom Herzen aus in beiden Händen und Füßen, im Bauch und im Mund. Nachdem man so den Schöpfungs-Nyasa vollzogen hat, vollziehe man den Erhaltungs-Nyasa.

1.93

Rishi und Chandas sind die zuvor genannten; die Gottheit ist die Bewahrerin des Universums. Mit ungeteilter Aufmerksamkeit meditiere man die Göttin, die auf dem Schoß ihres Geliebten sitzt.

1.94

Zu meditieren ist Shiva, der in seinen Händen ein junges Reh, die Geste der Wunschgewährung, das Wissen [in Buchgestalt] und die Gebetskette trägt. Er hält die Göttin der Sprache auf dem Schoß, deren Hände mit Gebetskette und Wissen [in Buchgestalt] erstrahlen.

Erläuterung zur Stelle: Vidyā wird in der Bildbeschreibung als Buch verstanden. Naukā unterscheidet die Attribute Shivas von den beiden Attributen der Göttin.

1.95

Nachdem man so meditiert hat, ordne man die Laute von Ḍa an den Körperstellen zu, beginnend beim Knöchel bis zum Knie. Dies wird Erhaltungs-Nyasa genannt.

Erläuterung zur Stelle: Der Vers beschreibt eine bestimmte Reihenfolge der Körperstellen, nicht einfach eine neue alphabetische Reihe. Die ausführliche Zuordnung wird in der modernen Erklärung ausgeschrieben.

1.96

Beim sogenannten Auflösungs-Nyasa sind Rishi und Chandas wie zuvor. Als Gottheit gilt Sharada, die Vernichterin der Gegner.

Erläuterung zur Stelle: Die Gegnervernichtung ist eine historische Aussage des Textes; sie wird nicht ohne Kennzeichnung zu einem rein innerpsychischen Bild umgedeutet.

1.97

Ich verehre die dreiaugige Göttin der Sprache, die Gebetskette, Beil, Reh und Buch in ihren Händen hält. Sie trägt den Mond auf dem Haupt, neigt sich unter der Fülle ihrer Brüste und sitzt auf einem roten Lotus.

1.98

Nachdem man so meditiert hat, setze man die Laute in umgekehrter Reihenfolge ein, von Ksha bis A. Beim Schöpfungs-Nyasa enden sie auf Visarga, beim Erhaltungs-Nyasa auf Visarga und Bindu …

1.99

… beim Auflösungs-Nyasa auf Bindu. Die Verehrung ihrer Glieder geschieht wie zuvor. Überall sind die Laute mit der Verneigung am Ende einzusetzen oder von Tara umschlossen.

1.100

Danach vollziehe man den Schöpfungs-Nyasa und den Erhaltungs-Nyasa erneut mit Sorgfalt. Weitere Matrika-Nyasas werden im Taraṅga über die Puja behandelt.

Japa und Purashcharana

Nach den vorbereitenden Handlungen wendet sich der Text der regelmäßigen Mantra-Praxis zu. Er beschreibt die besonderen Bedingungen eines Purashcharana.

1.101

Die Verfahren des Mantrabades und die weiteren Vorschriften werde ich dort darlegen. Nachdem der Einsichtige Bharati auf diese Weise verehrt hat, soll er sich den gewählten Mantras widmen.

1.102

Vishnu, Shiva, Ganesha, Surya und Durga sind die fünf Gottheiten. Wer Vollendung erstrebt, soll sie mit ihren jeweiligen Mantras gemäß der überlieferten Vorschrift verehren.

1.103

Zu Beginn vollziehe man Purashcharana, um die Gottheit günstig zu stimmen, an einem Tirtha oder einem anderen einsamen Ort, nachdem man den Boden dafür in Besitz genommen hat.

Erläuterung zur Stelle: Vaśīkartuṃ bedeutet wörtlich „unter den eigenen Einfluss bringen“. Die Übersetzung „günstig stimmen“ gibt hier den auf die Gottheit bezogenen Ritualzweck wieder; der Ausdruck wird nicht als bloße zweckfreie Hingabe ausgegeben.

1.104

Man teile diesen Boden in neun Felder. In die Felder von Osten an zeichne man die sieben Lautgruppen sowie La und Ksha; in die Mitte die Vokale.

1.105

In dem Feld, in dem sich der Anfangslaut des Ortsnamens befindet, nehme man Platz und übe Japa, nicht an einem anderen, als leidbringend geltenden Platz.

Erläuterung zur Stelle: Die Bewertung eines Platzes durch Lautzuordnung gehört zum historischen Ritualsystem. Sie ist keine allgemeine Aussage, dass heutige Meditation außerhalb eines solchen Feldes schädlich wäre.

1.106

Bis zum Mittag soll man leises oder geistiges Japa üben. Man soll nachts für das Opfer geeignete reine Nahrung essen, dreimal täglich baden und auf Einölen verzichten.

Erläuterung zur Stelle: Der Druck hat eine auffällige Verbindung bei upāṃśu/atha; die Lesefassung gibt upāṃśv atha wieder. Naukā unterscheidet leise und geistige Wiederholung. Die drei Bäder beziehen sich auf den Tagesablauf, nicht auf drei Bäder während der Nacht.

1.107

Während des Japa lasse der Einsichtige Zerstreutheit, Trägheit, Ausspucken, Zorn und das Ausstrecken der Beine, andere Gespräche und das Umherblicken nach anderen.

1.108

Er meide stets das Gespräch mit Frauen und Shudras, Verleumdung, Betel, Schlaf am Tag, die Annahme von Geschenken, Tanz und Gesang sowie Unaufrichtigkeit.

Erläuterung zur Stelle: Die sozialen Ausschlüsse spiegeln den historischen, männlich und standesbezogen bestimmten Ritualrahmen. Sie sind keine heutigen Yoga-Vidya-Normen. Auch die Verbote von Gesang und Tanz beziehen sich auf diese besondere Observanz, nicht auf einen allgemeinen Ausschluss von Kirtan oder religiösem Tanz.

1.109

Man soll sich an das Schlafen auf dem Boden, an Brahmacharya, an die dreimal tägliche Gottesverehrung, an die anlassbezogene Verehrung, an den Lobpreis der Gottheit und an Vertrauen halten.

1.110

Tag für Tag dieselbe Anzahl, niemals weniger oder mehr. Nachdem das Japa auf diese Weise abgeschlossen ist, soll man am Ende ein Homa mit einem Zehntel dieser Zahl vollziehen.

Erläuterung zur Stelle: Die vergrößerte Kontrolle des Druckes ergibt tāvan naiva. Damit steht die Negation bereits im Grundtext; eine Ergänzung von „nicht“ ist nicht erforderlich.

Vorbereitung des Homa

Das Homa wird als Teil der Mantra-Sadhana eingeführt. Die Vorschriften beschreiben einen historischen Ritualrahmen.

1.111

[Das Homa geschehe] mit den Stoffen, die in der jeweiligen Ritualvorschrift genannt werden. Sein Verfahren wird nun dargelegt. Nachdem der Mantrakundige Pranayama und den sechsgliedrigen Nyasa mit dem Wurzelmantra vollzogen hat …

1.112

… vollziehe er an der Feuergrube oder dem Opferplatz vier Weihehandlungen: Betrachten mit dem Wurzelmantra, Besprengen mit dem Astra-Mantra, Berühren beziehungsweise Schlagen mit Kusha-Gras …

1.113

… und Begießen aus der geschlossenen Hand mit dem Schutzmantra. Im Inneren zeichne er ein Yantra aus Feuerdreieck, Sechseck, achtblättrigem Lotus und dem viereckigen äußeren Gehäuse.

1.114

In die Mitte zeichne man Maya, von Tara umschlossen. Man verehre den heiligen Sitz von Manduka bis zum höchsten Prinzip und seine Shaktis, beginnend mit Jaya.

1.115

„Verneigung vor dem Wesen des Yoga-Sitzes von Vagishi und Vagishvara.“ Mit Maya am Anfang ist dies der Mantra ihres Sitzes. Mit ihm weise man ihnen den Sitz zu.

1.116

Man verehre beide mit Tara und Maya sowie mit den Darbringungen von Duft an. Bei einem Vaishnava-Homa verehre man dagegen Lakshmi und Narayana.

1.117

Dann lasse man das Feuer, das mittels eines Sonnensteins, durch Reibhölzer oder aus dem Haus eines vedisch Gelehrten gewonnen wurde, in einem durch ein weiteres Gefäß abgedeckten Gefäß herbeibringen.

1.118

Mit dem Astra-Mantra nehme man das Gefäß auf und öffne es mit dem Schutzmantra. Mit dem Astra-Mantra sondere man dann im Südwesten den Kravyad-Anteil aus.

Erläuterung zur Stelle: Kravyad ist die „fleischverzehrende“ Gestalt des Feuers. Es handelt sich hier um eine rituelle Unterscheidung des herbeigebrachten Feuers.

1.119

Mit dem Wurzelmantra stelle man das Feuer vor sich hin und vollziehe die zuvor genannten Weihehandlungen, beginnend mit dem Betrachten; das Besprengen geschehe mit wenig Wasser.

1.120

Man vergegenwärtige seine Einheit mit dem Feuer des höchsten Selbst und auch mit dem Verdauungsfeuer. Durch das Feuer-Bija verbinde man es mit Bewusstsein.

1.121

Der Mantrakundige bespreche das Feuer mit Tara, erfülle es durch Sudha und die Dhenu-Mudra mit Nektar und schütze es mit dem Astra-Mantra.

1.122

Mit der Avagunthini-Mudra und dem Kavacha-Mantra umhülle man es. Dann führe man das Feuer über der Feuergrube im Kreis, während man dreimal Dhruva ausspricht.

Erläuterung zur Stelle: Naukā versteht Dhruva hier als Pranava, Om.

1.123

Man vergegenwärtige sie auf dem Lager, nach ihrem Bad am Ende der Menstruationszeit, mit einer blauen Wasserlilie, in Vereinigung mit dem Gott. In ihrem Yoni-Bereich …

Erläuterung zur Stelle: Die Stelle beschreibt die symbolische Vorstellung des göttlichen Paares beim Einsetzen des Feuers. Sie wird als historische Ritualvorstellung wiedergegeben, nicht als Aufforderung zu einer sexuellen Handlung.

1.124

… setze man das Feuer sich gegenüber ein, in der Vorstellung, es sei der Same des Herrn. Die Knie berühren dabei den Boden; man spricht den Wurzelmantra und den neunsilbigen Mantra.

1.125

Gagana, verbunden mit Repha, Ardhesha und Indu, dann „vahnicai“ und „tanyāya“, mit Hridaya als Abschluss: Dies ist der neunsilbige Mantra beim Einsetzen des Feuers.

Erläuterung zur Stelle: Die über die Halbversgrenze verteilten Teile vahnicai und tanyāya bilden vahnicaitanyāya, „dem Feuerbewusstsein“. Naukā erläutert den Abschluss Hridaya als namaḥ. Die Form wird als Lautanweisung des Grundtextes wiedergegeben.

1.126

Nachdem man Göttin und Gott Wasser zum rituellen Schluck gereicht hat, entfache man das Feuer mit dem vierundzwanzigsilbigen Mantra und durch die entsprechenden Handlungen des Erhitzens und weiteren Versorgens.

1.127

„Citpiṅgala“, zweimal „hana“, zweimal „daha“, zweimal „paca“, dann „sarvajñājñāpaya svāhā“: Dies ist der vierundzwanzigsilbige Mantra.

Erläuterung zur Stelle: Die Imperative bedeuten „schlage“, „verbrenne“, „gare“. Hier stehen sie im Zusammenhang der Entfachung des Opferfeuers. Die Silbenzahl wird im Sanskrit durch die Zahlwörter „Veden“ und „Arme“ ausgedrückt.

1.128

Nachdem man die Jvalini-Mudra gezeigt hat, soll man aufstehen, die Hände zur Anjali-Geste zusammenlegen und mit dem folgenden versförmigen Mantra vor das Opferfeuer treten.

1.129

Ich verehre das hell entflammte Feuer, Jatavedas, den Verzehrer der Opfergaben, golden leuchtend, makellos, auflodernd und nach allen Seiten gewandt.

Verehrung und Speisung des Opferfeuers

Die Gottesverehrung setzt sich in der sorgfältigen Behandlung des Feuers und der Opfergeräte fort. Mantras, Zuordnungen und Darbringungen bilden einen zusammenhängenden Ritus.

1.130

Nun vollziehe man den Nyasa des Agni-Mantras. Sein Verfahren wird dargelegt: Nach „vaiśvānara“ folgt „jāta“, daran „veda“, danach „ihāvaha“ …

1.131

… nach „lohitākṣa“ folgt „sarvakarmāṇi“, zuletzt „sādhaya“. Der Mantra endet mit Vahnipriya und umfasst sechsundzwanzig Silben.

Erläuterung zur Stelle: Zusammen bedeutet der Anruf: „Vaishvanara, Jatavedas, bringe hierher! Rotäugiger, vollbringe alle Handlungen! Svaha.“ Vahnipriya bezeichnet Svaha.

1.132

Sein Rishi ist Bhrigu, sein Chandas Gayatra und seine Gottheit Pavaka, das Feuer. Raṃ ist das Bija, das Ṭha-Paar die Shakti; seine Anwendung ist das Homa.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt das Ṭha-Paar als Svaha. Es ist eine überlieferte Lautchiffre, keine wörtliche Übersetzung.

1.133

Am Geschlechtsorgan, am Ausscheidungsorgan, am Scheitel, am Mund, an der Nase, an den Augen und am ganzen Körper ordne man die Feuerzungen zu: jeweils mit ihrem eigenen Bija, mit dem Namen im Dativ und mit „namaḥ“.

Erläuterung zur Stelle: Das grammatische Kürzel ṅe bezeichnet die Dativendung.

1.134

Hiranya, Gagana, Rakta, Krishna, dazu Suprabha, Bahurupa und Atirakta gelten als die Zungen des Feuers.

1.135

Die Laute von Sa an in umgekehrter Reihenfolge, verbunden mit Dipika, Anala und Vayu sowie mit Indu, bilden die sieben Bijas der sieben Feuerzungen.

Erläuterung zur Stelle: Die verschlüsselte Bija-Bildung wird übersetzt, nicht spekulativ um eine vermeintlich vollständige Lautfolge ergänzt.

1.136

Götter, Ahnen, Gandharvas, Yakshas, Nagas, Pishachas und Rakshasas sind die Gottheiten der Feuerzungen. Man ordne sie den entsprechenden Stellen zu.

1.137

Zwischen Nyasa und Verehrung ist die Reihenfolge von Bahurupa und Atirakta vertauscht. Atirikta ist an den Augen einzusetzen, Bahurupika am ganzen Körper.

Erläuterung zur Stelle: Der Druck wechselt hier von Atirakta zu Atirikta; diese Namensabweichung wird beibehalten.

1.138

„Sahasrārciṣe“ gehört zum Herzen, „svastipūrṇāya“ zum Kopf. „Uttiṣṭha puruṣāya“ wird als Mantra der Shikha genannt.

1.139

„Dhūma“, gefolgt von „vyāpine“, gehört zum Schutzpanzer; „saptajihvāya“ zu den Augen; „dhanurdharāya“ zum Astra. So vollziehe man die sechs Glieder.

1.140

Man ordne die acht Gestalten des Feuers dem Scheitel, der linken Schulter, der linken Seite und Hüfte, dem Geschlechtsorgan sowie wiederum der rechten Hüfte, Seite und Schulter zu.

1.141

Ihnen gehen Tara und das Wort „agnaye“ voran; ihre Namen stehen im Dativ und werden mit „namaḥ“ verbunden. [Die Gestalten heißen:] Jatavedas, Saptajihva und Havyavahana …

1.142

… ferner Ashvodaraja, Vaishvanara, Kaumaratejas, Vishvamukha und Devamukha.

1.143

Dann setze man im eigenen Körper den Sitz des goldsamigen Feuers ein, wie beschrieben von Manduka an bis zum Feuerkreis.

1.144

Pita, Shveta, Aruna, Krishna, Dhumra, Tivra, Sphulingini, Ruchira und Jvalini sind die Shaktis des Feuersitzes.

1.145

Das Bija, dann „vahnyāsanāya“ und Hridaya als Abschluss bilden den Mantra des Sitzes. Nachdem man den Nyasa bis einschließlich des Sitzes so vollzogen hat, vergegenwärtige man sich das Feuer im Körper.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt Hridaya hier als den Abschluss namaḥ.

1.146

Ich preise Agni, dreiaugig, mit rötlichem Körper, ganz weißem Gewand und goldener Girlande. Seine Hände zeigen Wunschgewährung und Furchtlosigkeit und tragen Svastika und Speer. Er sitzt auf einem Lotus und ist mit reichem Schmuck versehen.

1.147

Nachdem man so meditiert hat, vollziehe man vorschriftsgemäß die geistige Verehrung des Feuers. Dann umsprenge man mit Wasser die Feuergrube oder den Opferplatz.

1.148

… und umlege das Feuer mit Darbha-Gräsern, deren Spitzen nach Osten beziehungsweise Norden weisen. Im Westen, Süden und Norden lege man der Reihe nach die drei Einfassungshölzer nieder.

1.149

Die Hölzer stammen von Palasha oder Bilva. Auf ihnen verehre man Brahma, Vishnu und Shiva. Nachdem man im Feuer dessen Sitz verehrt hat, rufe man Agni aus dem eigenen Herzen herbei.

1.150

… mit Duft und den übrigen Gaben. So verehre der Gelübdetreue das Feuer. In den sechs Ecken und in der Mitte verehre man die Zungen und ihre Gottheiten.

1.151

In den Ecken von Ishana bis Vayu verehre man die sechs Zungen von Hiranya bis Atirakta, in der Mitte aber Bahurupini.

1.152

Auf den Staubfäden geschehe die Verehrung der Glieder, auf den acht Blättern die der Gestalten. An den Blattenden befinden sich die acht Mütter und vor ihnen die Bhairavas.

1.153

Im äußeren Erdgehäuse [verehre man] Shakra und die übrigen, zusammen mit ihren Waffen von Vajra an. So verehre man das Feuer mit seinen sieben Umhüllungen.

1.154

Asitanga, Ruru, Chanda, Krodha, der Unmatta Genannte, Kapali, Bhishana und Samhara sind die acht Bhairavas.

1.155

Links breite man Kusha-Gras aus und lege darauf die Geräte: das Pranita- und das Prokshani-Gefäß, den Ghee-Topf, den Sruva und die Sruc …

Erläuterung zur Stelle: Sruva und Sruc sind unterschiedliche Opferlöffel; Pranita und Prokshani dienen dem Ritualwasser.

1.156

… diese mit der Öffnung nach unten; dazu die Homa-Stoffe, Ghee, Kusha-Gras, fünf Palasha-Brennhölzer und alles weitere Benötigte.

1.157

Nachdem man zwei Pavitra-Grasringe hergestellt hat, besprenge man die Geräte mit reinem Wasser und dem Wurzelmantra. Dann stelle man sie aufrecht und fülle das Pranita-Gefäß mit Wasser.

1.158

Mit dem Tirtha-Mantra und der Haken-Mudra rufe der Einsichtige die heiligen Gewässer darin an. Man lege die beiden Pavitras und ungebrochene Reiskörner hinein und vollziehe das reinigende Durchziehen.

1.159

Dann stelle man das Gefäß im Norden ab und gieße davon Wasser in das Prokshani-Gefäß. Die Gesamtheit der für das Homa bestimmten Stoffe besprenge man mit Wasser, das über die Pavitras geführt wurde …

1.160

… mit dem Wurzelmantra, der zugehörigen Gayatri oder dem Herz-Mantra. Im Süden bereite man einen Sitz und rufe darauf Brahma an.

1.161

Die acht Siddhis von Anima an sind die Gottheiten von Brahmas Sitz. Tara und Hridaya voran, dann Brahma im Dativ: Dies ist der Mantra seiner Verehrung.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt die Formel als oṃ namo brahmaṇe. Das ist eine ausdrücklich benannte Kommentarauflösung der Chiffren.

1.162

Man nehme Sruc und Sruva in beide Hände und erwärme sie dreimal mit der Öffnung nach unten. Dann halte man sie mit der linken Hand und reinige sie mit Darbha-Gras in der rechten.

1.163

Man besprenge sie mit dem Wasser des Prokshani-Gefäßes und erwärme sie erneut wie zuvor. Das zur Reinigung verwendete Darbha-Gras lege man ins Feuer; den beiden Geräten ordne man die drei Shaktis zu.

1.164

Die Namen Iccha, Jnana und Kriya werden im Dativ mit „namaḥ“ verbunden. Vorangestellt wird Vyoma, verbunden mit den drei langen Vokalen und Indu, an den drei Stellen.

Erläuterung zur Stelle: Die drei Shaktis sind Wille, Erkenntnis und Handlung. Naukā erklärt die drei langen Vokale als ā, ī und ū.

1.165

Mit dem Herz-Mantra setze man Shakti in die Sruc und Shambhu in den Sruva ein. Danach umwickle man beide mit drei Fäden und verehre sie mit Blumen und weiteren Gaben …

1.166

… und lege sie rechts auf Kusha-Gras. Damit ist ihre Weihe beschrieben. In den mit dem Astra-Mantra besprengten Ghee-Topf gebe man Ghee.

1.167

Mit dem Wurzelmantra weihe man es durch Betrachten und die übrigen Weihehandlungen. Mit der Kuh-Mudra mache man es nektarhaft; danach vollziehe man die sechs Weihehandlungen.

1.168

Man nehme Glut aus der Feuergrube und stelle [den Topf] auf die im Nordwesten befindliche Glut. Mit dem Herz-Mantra: Dies wird Erhitzen genannt. Zwei entzündete Darbha-Halme …

1.169

Nachdem man [die entzündeten Halme] in das Ghee getaucht hat, gebe man sie mit dem Herz-Mantra ins Feuer: [Dies ist] die Reinigung.

Erläuterung zur Stelle: Diese nummerierte Einheit besteht im verwendeten Druck aus einem Halbvers. Ihr erster Satzteil schließt an 1.168 an.

1.170

Mit zwei brennenden Darbha-Halmen und dem Schutzmantra umkreise man das Ghee; dies wird Abhidyotana genannt. Drei brennende Darbha-Halme im Ghee …

1.171

… zeige man mit dem Astra-Mantra beim Uddyota. Dann nehme man das Ghee-Gefäß, vereinige jene Glut wieder mit dem Feuer und berühre Wasser.

1.172

Mit Daumen und Ringfinger nehme man zwei Darbha-Halme und lasse mit dem Astra-Mantra dreimal Ghee zum Feuer hin fließen. Dies heißt Utpavana.

1.173

Entsprechend heißt das Ausgießen des Ghee mit dem Herz-Mantra zum eigenen Körper hin Samplava. Bei Nirajana und den weiteren Weihehandlungen gebe man die Darbha-Halme ins Feuer.

1.174

Zwei verknotete Darbha-Halme lege man in die Mitte des Ghee. Man vergegenwärtige sich die linke und rechte Seite und denke an die drei Nadis. Der Einsichtige nehme Ghee von rechts, von links und aus der Mitte …

Erläuterung zur Stelle: Die Nummer 174 umfasst im Druck drei Halbverse. Naukā nennt die drei Nadis Ida, Pingala und Sushumna.

1.175

Mit „agnaye“, gefolgt von Agnipriya, und mit „somāya svāhā“ opfere man den beiden Augen des Feuers. Beim dritten Auge opfere man mit „agnīṣomābhyāṃ svāhā“.

Erläuterung zur Stelle: Agnipriya bezeichnet Svaha. Naukā ordnet die erste Gabe dem rechten, die zweite dem linken Auge zu.

1.176

Den Rest der Opfergabe lasse man an der Stelle niederfallen, an der die Gabe aufgenommen wurde. Wiederum nehme man mit dem Herz-Mantra Ghee von der rechten Seite und opfere es in den Mund …

1.177

… mit „agnaye sviṣṭakṛte“. Dies gilt als das Öffnen des Auges. Bei einem Vishnu-Mantra, mit Ausnahme Narasimhas, verehre man die beiden Augen.

Erläuterung zur Stelle: Die im Druck gedrängte Verbindung viṣṇuṃ mantrenetradvayam ist syntaktisch auffällig; die Unterscheidung zweier beziehungsweise dreier Feueraugen ist durch den Kontext und Naukā gestützt.

1.178

Bei Narasimha [und den weiteren hier gemeinten] Gottheiten werden die drei Augen des Feuers genannt. Mit den großen Vyahritis, einzeln und zusammen, [bringe man] vier Gaben dar.

1.179

Danach bringe man drei Opfergaben mit dem Feuer-Mantra dar. Jede einzelne Weihe vollziehe man mit acht Ghee-Gaben.

1.180

„Om, an diesem Feuer vollziehe ich diesen Samskara“, gefolgt von Agnivallabha: Während man den Mantra so wiederholt, [vollziehe man] Garbhadhana und danach Pumsavana …

Erläuterung zur Stelle: Die Lebensriten werden am personifizierten Feuer vollzogen. Agnivallabha bezeichnet Svaha. In die Formel wird der Name der jeweiligen Weihehandlung eingesetzt.

1.181

… Simantonnayana und Jatakarma. Danach vollziehe man für das Feuer fünf Opfergaben mit Brennhölzern als Abtrennung seiner Nabelschnur.

1.182

Mit dem Namen der Gottheit vollziehe man wie zuvor die Namengebung des Feuers. Nach der Namengebung lasse man seine Eltern in das eigene Herz eingehen.

Erläuterung zur Stelle: Naukā nennt Vagishi und Vagisha als die Eltern des personifizierten Feuers.

1.183

[Es folgen] die erste Nahrung, die erste Haarschur, die Einführung in die Unterweisung und die Eheschließung. Die Samskaras reichen [gewöhnlich] bis zur Heirat; bei grausamen Ritualhandlungen bis zum Tod.

Erläuterung zur Stelle: Der letzte Zusatz dokumentiert die Einbindung solcher Riten in historisch schädigende Anwendungen. Er wird nicht als heutige Praxis empfohlen.

1.184

Je eine Opfergabe bringe man den Zungen, Gliedern und Gestalten des Feuers dar, ferner Indra und den übrigen sowie Vajra und den übrigen Attributen, jeweils mit dem Ṭha-Paar als Abschluss.

Erläuterung zur Stelle: Das Ṭha-Paar bezeichnet Svaha. Der Vers hat dviṭhāntaiḥ, nicht eine Anweisung zur Dativendung.

1.185

Mit dem Sruva gebe der Einsichtige viermal Ghee in die Sruc. Er bedecke sie mit dem Sruva und halte beide mit seinen beiden Händen.

1.186

Stehend halte man die Griffenden der beiden Geräte am Nabel und lege vorne eine Blume auf. Dann halte der Einsichtige die Griffenden bis zur linken Brust; mit dem Feuer-Mantra …

1.187

… mit Vauṣaṭ am Ende opfere er aufmerksam für Wohlergehen und Gedeihen. Danach [opfere man] mit dem in zehn Teile gegliederten Mahaganesha-Mantra …

Erläuterung zur Stelle: Der Druck liest sāṃpatyartham; die Bedeutung ist auf sampad, Wohlergehen beziehungsweise Wohlstand, bezogen. Es ist keine Vorschrift zur Erlangung von Nachkommenschaft.

1.188

… und viermal mit dem vollständigen Mantra eine Ghee-Gabe. Die sechs Bijas, jeweils mit den vorhergehenden verbunden, sowie [drei Gruppen von] fünf, fünf …

Erläuterung zur Stelle: Die Aufzählung der Gruppengrößen reicht in 1.189 hinein. Die genaue Form jeder Teilformel wird hier nicht zusätzlich rekonstruiert.

1.189

… sieben und fünf: So ist die Gliederung dieses Mantras überliefert. Tara, Lakshmi, Girisuta, Kama, Bhu und Gananayaka …

1.190

… dann „gaṇapati“ im Dativ, nach „vara“ „varada“, nach „sarva“ „janam“, dann „me“ und nach „vaśa“ „mānaya“ …

1.191

… mit Svaha am Ende: Dies ist der achtundzwanzigsilbige Mantra des Mahaganapati. Nachdem man so die Weihe des Feuers vollzogen hat, verehre man den Sitz der Gottheit.

1.192

Dorthin rufe man die gewählte Gottheit, zeige die Mudras von Avahana an und [opfere] sodann in den Mund der Gottheit, die die Gestalt des Feuers angenommen hat …

1.193

… mit dem Wurzelmantra fünfundzwanzig Ghee-Gaben. Dadurch geschieht die Vereinigung des Mundes des Feuers mit dem der Gottheit.

Erläuterung zur Stelle: Die Zahl wird im Grundtext durch „fünf“ und „Augen“ bezeichnet; Naukā erklärt sie als fünfundzwanzig.

1.194

Um anschließend die Verbindung der Nadis von Feuer und Gottheit zu vollenden, bringe man mit dem Wurzelmantra elf Ghee-Gaben dar.

Erläuterung zur Stelle: Die Zahl elf wird durch die Rudras bezeichnet.

1.195

Den Umhüllungen der gewählten Gottheit bringe man je eine Gabe dar. Danach opfere man mit dem Wurzelmantra zehnmal Ghee.

1.196

Dann opfere man mit den in der Ritualvorschrift genannten Stoffen ein Zehntel der Japa-Zahl. Nach Abschluss des Homa vollziehe man mit ungeteilter Aufmerksamkeit die volle Schlussgabe.

1.197

Mit dem vom Homa verbliebenen Ghee fülle der Einsichtige die Sruc. Vorne lege man eine Blume und eine Frucht auf und bedecke sie wieder mit dem Sruva.

1.198

Stehend opfere man mit dem Wurzelmantra, der auf Vauṣaṭ endet, ins Feuer. Mit dem entsprechenden Opferstoff bringe man auch den Umhüllungen jeweils eine besondere Gabe dar.

1.199

Man entlasse die Gottheit in das eigene Herz und opfere den Zungen, Gliedern und Gestalten des Feuers. Nachdem man mit den Vyahritis geopfert hat, besprenge man mit dem Wasser des Prokshani-Gefäßes.

1.200

Mit einem bittenden Mantra verneige man sich und entlasse ihn ins Herz: „O Feuer, o große Kraft, Vollbringer aller Handlungen …“

1.201

… wenn eine weitere Ritualhandlung bevorsteht, schenke wiederum deine zugewandte Gegenwart!“ Die beiden Pavitras lege man ins Feuer; das Pranita-Wasser gieße man auf die Erde.

1.202

Nachdem man Vidhi entlassen hat, gebe man die Einfassungshölzer zusammen mit dem Kusha-Gras ins Feuer. Nach dem so vollendeten Homa erquicke man die Gottheit mit Wasser.

Erläuterung zur Stelle: Vidhi bezeichnet Brahma.

1.203

Nach der Anrufung [erfolge die Wassergabe] in einem Zehntel [der Homa-Zahl]; aus der Zahl der Tarpana-Gaben ergibt sich die Besprengung. „Tarpayāmi namaḥ“, mit dem Namen der gewählten Gottheit im Akkusativ davor …

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert die stufenweise Verminderung um jeweils ein Zehntel. Diese Zahlenbeziehung ist Kommentarerklärung zum gedrängten Grundtext.

1.204

… wird an das Ende des Wurzelmantras gesetzt; bei der Besprengung lautet das Wort „siñcāmi“. Danach versorge man die trefflichen Zweimalgeborenen mit vielfältigen Speisen.

1.205

Man verehre sie als Gestalten der gewählten Gottheit und gebe ihnen Dakshina. Durch die Ehrung der Brahmanen gelangt das Unvollständige der Menschen zur Vollständigkeit.

Erläuterung zur Stelle: Die historische Ritualvorschrift verbindet den Abschluss der Verehrung mit Speisung und Gabe. Ihre gesellschaftliche Zuordnung ist keine heutige Aussage über den unterschiedlichen Wert von Menschen.

1.206

Die Gottheiten werden gnädig gestimmt, und die Wünsche erfüllen sich.

Erläuterung zur Stelle: Diese letzte nummerierte Einheit des Taraṅga besteht aus einem Halbvers.

Kolophon

So endet im Mantramahodadhi, verfasst von Shri Mahidhara, die erste Welle namens ‚Darlegung der Reinigung der Elemente und weiterer Grundlagen‘.

Taraṅga 2 – Ganesha und seine Mantras

Ganesha erscheint als der Herr, der Hindernisse überwindet und den Beginn der Sadhana begleitet. Mahīdhara beschreibt unterschiedliche Mantras, Meditationen und Verehrungsformen. Die historischen Wirkversprechen gehören zur Aussage des Werkes; sie sind keine Zusicherung materiellen Erfolgs.

Vakratunda – Mantra, Dhyana und Verehrung

2.1

Ich werde die Mantras Ganeshas darlegen, die alle ersehnten Ziele gewähren. [Die Lautfolge beginnt mit:] Jala, Chakrin verbunden mit Vahni, und Kamika versehen mit Karna und Indra.

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers ist die Einleitung des Taraṅga und gehört im Druck zur Nummer 1. Die anschließenden Namen sind Chiffren für die Mantrabildung.

2.2

[Es folgen] Daraka verbunden mit dem langen Vokal, Vayu und zuletzt Kavacha. Dieser sechssilbige König der Mantras schenkt den Verehrenden die Erfüllung des Ersehnten.

Erläuterung zur Stelle: Naukā löst die Folge als vakratuṇḍāya huṃ auf. Dies ist eine durch den Kommentar belegte Auflösung, nicht eine im Grundtext ausgeschriebene Formel.

2.3

Als sein Rishi wird Bhargava genannt, als Chandas Anushtubh. Die Gottheit ist Vighnesha; Vaṃ ist das Bija, Yaṃ die Shakti.

2.4

Mit den sechs Lauten, jeweils mit dem Mondzeichen, dem Pranava voran und „namaḥ“ am Ende, verbunden mit den jeweiligen Abschlussformeln, vollziehe man den vortrefflichen sechsgliedrigen Nyasa.

2.5

Zwischen den Brauen, an Kehle, Herz, Nabel, Geschlechtsorgan und Füßen soll man die Laute des Mantras der Reihe nach einsetzen; nachdem man den ganzen Körper damit durchdrungen hat, soll man den Herrn vergegenwärtigen.

2.6

Man soll Ganesha meditieren: Er strahlt wie die aufgehende Sonne; in seinen Lotushänden hält er Schlinge und Stachel und zeigt die Gesten der Furchtlosigkeit und des Segens. Er hat ein Elefantengesicht, trägt rote Gewänder, nimmt alles Leid hinweg, ist freundlich und durch seinen gesamten Schmuck anmutig.

2.7

Man wiederhole den Mantra sechshunderttausendmal. Zur Vollendung des Mantras bringe man mit den acht Opferstoffen ein Zehntel dieser Zahl als Homa dar und speise reine Brahmanen.

Erläuterung zur Stelle: Die Zahl sechs wird durch die Jahreszeiten bezeichnet. Dies ist eine besondere historische Purashcharana-Vorschrift, keine allgemeine Mindestanforderung an heutiges Japa.

2.8

Zuckerrohr, geröstetes Getreidemehl, Bananen, flachgedrückte Reiskörner, Sesam, Modaka-Süßigkeiten, Kokosnüsse und gepuffte Körner werden als die acht Opferstoffe genannt.

2.9

Man verehre den Sitz von Adhara-Shakti an bis zum höchsten Prinzip. Dort sind in den acht Richtungen und in der Mitte die neun Shaktis zu verehren …

2.10

… Tivra, Chalini, Nanda, Bhogada, Kamarupini, Ugra, Tejovati, Satya und als neunte Vighnanashini.

2.11

Dies sind die Shaktis des Sitzes für die Mantras Vinayakas. Nach „sarvaśaktikamala“ folgt „lāsanāya“, mit Hridaya als Abschluss …

Erläuterung zur Stelle: Die Trennung kamala/lāsanāya ist auffällig. Naukā bietet die zusammenhängende Sitzformel mit sarvaśaktikamalāsanāya; die Lautteilung des Verses wird nicht mit einer zusätzlichen vollständigen Formel verwechselt.

2.12

… als Mantra des Sitzes, mit seinem Bija am Anfang. Nachdem man damit den Sitz dargeboten hat, vergegenwärtige man die Gestalt mit dem Wurzelmantra.

2.13

In diese Gestalt rufe man Ganesha und verehre ihn durch die Darbringungen von Asana an. Nachdem man den Herrn mit Blumen verehrt hat, vollziehe man die Verehrung seiner Umhüllungen.

2.14

In den Ecken von Südosten an verehre man Herz, Kopf, Shikha und Schutzpanzer; davor die Augen. In den Richtungen verehre der Einsichtige das Astra.

2.15

In der zweiten Umhüllung sind von Osten an acht Shaktis zu verehren: als erste Vidya, dann Vidhatri, Bhogada und Vighnaghatini …

2.16

… Nidhipradipa, Papaghni, Punya und schließlich Shashiprabha. An den Spitzen der Lotusblätter [verehre man] Vakratunda, Ekadamshtra und Mahodara …

2.17

… Gajasya, Lambodara, Vikata, Vighnaraja und Dhumravarna. Vor diesen [verehre man] Shakra und die übrigen mit ihren Waffen.

2.18

So ist Gananayaka mit seinen fünf Umhüllungen zu verehren. Zur Vollendung des Mantras ist das zuvor genannte Purashcharana auszuführen.

2.19

Wenn der Mantra vollendet ist, vollziehe man folgende auf Wünsche gerichtete Anwendungen. Der dem Brahmacharya hingegebene Mantraübende wiederhole ihn zwölftausendmal …

Erläuterung zur Stelle: Die Zahl zwölf wird durch die Sonnen bezeichnet. Die folgenden Wirkversprechen werden als Aussagen des historischen Textes wiedergegeben, nicht als überprüfte Erfolgsgarantien.

2.20

Innerhalb von sechs Monaten beseitigt [diese Praxis], so heißt es, gewiss die Armut. Vom vierten Mondtag bis zum folgenden vierten Mondtag wiederhole man [den Mantra] zehntausendmal …

2.21

… und bringe jeden Tag aufmerksam hundertacht Opfergaben dar. Wer ganz der Hingabe zugewandt ist, erlangt nach sechs Monaten die zuvor genannte Frucht.

2.22

Durch Homa mit in Ghee getränkten gepufften Körnern werde man reich an Besitz. Mit flachgedrücktem Reis, Kokosnüssen oder Pfeffer tausend [Gaben] …

2.23

… täglich darbringend, erwerbe man nach einem Monat Vermögen. Mit den acht Opferstoffen, denen Kümmel, Salz und Pfeffer beigegeben sind, tausend [Gaben] …

2.24

… täglich darbringend, werde man nach einem halben Monat vermögend wie Kubera. Vierhundert und weitere vierundvierzig, Tag für Tag …

2.25

… [Wassergaben] bringe man mit dem Wurzelmantra dar; nach einem Mandala erlange man das Ersehnte. Nun werde ich einen weiteren Mantra darlegen, der den Sadhakas einen Schatz gewährt.

Erläuterung zur Stelle: Mandala bezeichnet hier eine längere festgelegte Praxisperiode; Naukā erläutert eine Größenordnung von etwa fünfzig Tagen. Die Wendung zum nächsten Mantra gehört bereits zur zweiten Hälfte von 2.25.

Weitere Vakratunda-Mantras

Die Zusammenstellung erläutert Mantrabildung und Lautgruppen. Verschlüsselte Silben werden nicht durch frei erschlossene Rezitationsformeln ersetzt.

2.26

„Rāyaspoṣa“, Bhrigu mit Ya, „daditā“, Mesha und Satvata, beide mit Drish; dann „do ratnadhātumān rakṣo“, Gagana und Rati …

Erläuterung zur Stelle: Mesha, Satvata und Drish sind hier Lautchiffren. Die Zusammensetzung des Mantras wird übersetzt; eine selbst rekonstruierte Rezitationsformel wird nicht hinzugefügt.

2.27

… mit Sadya verbunden; dann „bala“, Sharngin, Kha, „no“ und der sechssilbige Mantra: Dieser einunddreißigsilbige Mantra gewährt das Ersehnte.

Erläuterung zur Stelle: „Der sechssilbige Mantra“ verweist auf die bereits beschriebene Formel. Die chiffreartige Darstellung bleibt von einer Kommentarauflösung unterschieden.

2.28

Mit den aus dem Mantra genommenen Lauten, der Reihe nach in Gruppen von fünf, drei, acht, vier, fünf und sechs, wird der sechsgliedrige Nyasa angegeben.

2.29

Rishi und weitere Zuordnungen, Verehrung und Anwendungen sind wie zuvor; dieser Mantra schenkt Schätze. [Ein weiterer Mantra beginnt mit:] Bhanu, mit Padmanabha verbunden, und Medha, mit Sadya verbunden.

Erläuterung zur Stelle: Der zweite Halbvers beginnt eine neue Lautanweisung. Die Namen werden als Lautchiffren behandelt, nicht als gewöhnlicher Sanskritsatz über Gottheiten.

2.30

La und Ka auf Ananta, Vayu und Pavakamohini: Dieser sechssilbige Mantra wird gelehrt und gewährt den Verehrenden das Ersehnte.

Ucchishta-Ganesha – besondere Formen der Verehrung

Der neue Abschnitt beginnt in der zweiten Hälfte von 2.31. Die Ucchishta-Observanz gehört zu einem besonderen tantrischen Zusammenhang. Sie ist von einer einfachen, allgemein zugänglichen Ganesha-Verehrung zu unterscheiden.

2.31

Seine gesamte Verehrung wird wie zuvor beschrieben. [Ein weiterer Mantra beginnt mit:] Lakuli, dann Bhrigu und Ta mit Drish, sodann Lohita mit Drish …

Erläuterung zur Stelle: Die Bezeichnung dṛś ist eine Lautchiffre. Die Lesung „daśama“ des ungeprüften Vorentwurfs wurde am Druck korrigiert.

2.32

… Vaka mit langem Vokal, Ca mit Akshi, „likhe“ und schließlich Shiras. Dies ist ein neunsilbiger Mantra; als sein Rishi wird Kankola genannt.

Erläuterung zur Stelle: Die gedruckte Verbindung sākṣir likhen ist ungewöhnlich. Naukā erklärt Ca mit dem i-Laut und anschließend likhe; Shiras bezeichnet den Abschluss Svaha. Die Übersetzung folgt dieser ausdrücklich benannten Kommentarhilfe.

2.33

Das Chandas ist Viraj, die Gottheit Ucchishta-Nayaka. Mit zwei, drei, dann zwei und zwei Lauten sowie dem vollständigen Mantra …

2.34

… vollziehe man seinen fünfgliedrigen Nyasa und meditiere den Mondsichelträger: Ich preise Ucchishta-Ganesha, vierarmig, mit rotem Körper und drei Augen, Schlinge, Haken, Modaka-Schale und Stoßzahn in den Händen, auf einem Lotus sitzend, in ekstatischer Begeisterung.

Erläuterung zur Stelle: Die Nummer 34 umfasst im Druck einen einleitenden Halbvers und anschließend einen längeren Dhyana-Vers. Die wechselnde Verslänge wird bewahrt.

2.35

Man wiederhole den Mantra hunderttausendmal und opfere ein Zehntel mit Sesam. Auf dem zuvor genannten Sitz verehre man Ucchishta-Vighnapa nach der Vorschrift.

2.36

Zuerst verehre man die Glieder, dann in den Richtungen die Mütter von Brahmi an: Brahmi, Maheshvari, Kaumari, die hohe Vaishnavi …

2.37

… Varahi und Indrani, Chamunda zusammen mit Rama. In den zehn Richtungen verehre man die mit Vakratunda beginnenden Gestalten.

Erläuterung zur Stelle: Rama bezeichnet hier Lakshmi.

2.38

Vakratunda, Ekadamshtra, der Lambodara Genannte, Vikata, Dhumravarna, Vighnaraj und Gajanana …

2.39

… Vinayaka, Ganapati und als letzter Hastidanta. In zwei [weiteren] Umhüllungen verehre man Indra und die übrigen sowie Vajra und die übrigen Attribute.

2.40

Wenn der Mantra so vollendet ist, ist der Mantraübende befähigt, Anwendungen auszuführen. Man fertige eine daumengroße Gestalt aus Kapi oder Sitabhanu an …

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt Kapi als rotes Sandelholz und Sitabhanu als weißes Arka-Holz. Diese Deutung gehört zum Kommentar.

2.41

… eine schöne Ganesha-Gestalt mit den beschriebenen Merkmalen. Nach ihrer vorschriftsgemäßen Einsetzung bade man sie mit Honig.

2.42

Beginnend mit dem vierzehnten Mondtag der dunklen Hälfte bis zum vierzehnten der hellen Hälfte bringe man ihm Milchspeise mit Rohzucker dar und wiederhole den Mantra.

2.43

Täglich bringe man tausend Opfergaben mit in Ghee getränktem Sesam dar. Dabei meditiere man „Ich bin Ganesha“, im Ucchishta-Zustand, unbekleidet und zurückgezogen.

Erläuterung zur Stelle: Ucchishta bezeichnet hier einen rituell unreinen Zustand im Zusammenhang des Essens. Dies ist eine besondere tantrische Observanz, keine allgemeine Empfehlung für heutige Yoga-Aspiranten.

2.44

Nach einem halben Monat erlange ein Königssohn oder auch ein anderer Mensch Herrschaft. Eine so verehrte Gestalt aus Töpferton verleihe eine gute Herrschaft.

Erläuterung zur Stelle: Das ist ein historisches Wirkversprechen des Werkes, keine verifizierte Vorhersage.

2.45

Eine Gestalt aus Erde eines Ameisenhügels verleihe Gewinn und die ersehnten Ergebnisse; eine aus Rohzucker Glück. Einer Gestalt aus Salz wird die Aufstörung von Feinden zugeschrieben.

Erläuterung zur Stelle: Die letzte Funktion ist eine historische feindbezogene Aussage. Sie wird nicht als heutige Übungsanregung ausgearbeitet.

2.46

Der Vers schreibt bestimmten Gestalt- und Opferanwendungen Feindvernichtung beziehungsweise die Unterwerfung anderer zu.

Erläuterung zur Stelle: Nichtanleitende Inhaltswiedergabe anstelle einer wörtlichen deutschen Übersetzung: Der Grundtext nennt eine Gestalt aus Neemholz und eine Opfergabe als Mittel aggressiver beziehungsweise manipulativer Zwecke.

2.47

Der Vers verbindet eine besondere nächtliche Observanz mit der Unterwerfung von Feinden und nennt anschließend eine Anwendung zur Erzeugung von Feindschaft.

Erläuterung zur Stelle: Nichtanleitende Inhaltswiedergabe anstelle einer wörtlichen deutschen Durchführungsvorschrift. Die Anwendungen werden historisch dokumentiert, nicht empfohlen.

2.48

Bei Glücksspiel, Streit und Kampf soll dieser Mantra, wiederholt, Sieg bringen. Kubera sei durch das Japa dieses Mantras zur Herrschaft über die Schätze gelangt.

Erläuterung zur Stelle: Die Verbindung zu Kubera gehört zur religiösen Begründung des Textes, nicht zu einer historischen Biografie.

2.49

Der Herr der Affen und Vibhishana erlangten ein von Feinden freies Königreich. Mit rotem Gewand und roter Körperbemalung versehen, wiederhole man [den Mantra], nachdem man den Betel ausgespuckt hat.

Erläuterung zur Stelle: Die beiden Gestalten verweisen auf den Erzählkreis des Ramayana. Die zweite Hälfte beschreibt die besondere historische Observanz, keine allgemeine Yoga-Praxis.

2.50

Oder man wiederhole [den Mantra], während man einen ihm dargebrachten Modaka isst, Fleisch oder eine Frucht; mit dem jeweiligen Stoff bringe man auch die Bali-Gabe dar.

Erläuterung zur Stelle: Die Speisevorschriften gehören zu dieser besonderen historischen Ucchishta-Praxis. Sie werden nicht als heutige Ernährungs- oder Übungsempfehlung formuliert.

Bali-Mantra und weitere Mantraformen

Die Wort- und Lautanweisungen verweisen mehrfach auf zuvor beschriebene Formen. Deshalb sollte man die Stellen im Zusammenhang lesen.

2.51

[Für den Bali-Mantra werden genannt:] Smriti mit Indu, ebenso Akasha; Srishti und La mit Manu und Indu, entsprechend Panchantaka und Shiva; „ucchiṣṭaga“ und [Umakanta] mit Bhaga …

Erläuterung zur Stelle: Die Satzkonstruktion setzt sich in 2.52 fort. Die Namen sind Lautchiffren; ihre Erläuterung im Kommentar ist vom Grundtext zu unterscheiden.

2.52

… Umakanta; anschließend die Lautfolge „śāyama“, „hāyakṣāyā“, Ya mit Bindu und „baliḥ“. So wird dieser neunzehnsilbige Mantra der Bali-Gabe angegeben.

Erläuterung zur Stelle: 2.51–52 enthalten eine verschränkte Anweisung zur Bildung der Formel, keinen gewöhnlichen Sanskritsatz. Die Worttrennung dient der Lesbarkeit; sie ersetzt keine eigenständige Rezitationsfassung.

2.53

Der neunsilbige Mantra, ergänzt durch Dhruva, Maya und das Bija Sharngins mit Indu, wird als zwölfsilbiger Mantra gelehrt. Alles Weitere ist wie beim neunsilbigen.

2.54

Der neunsilbige Mantra wird, mit Tara oder Ganesha am Anfang, zu einem zehnsilbigen in zwei Formen. Seine Verehrung ist beschrieben; alles Weitere ist wie beim neunsilbigen.

2.55

Dhruva, Hridaya, „ucchiṣṭagaṇeśāya“ und jene neun Silben ergeben einen neunzehnsilbigen Mantra. Rishi und die übrigen Zuordnungen sind wie zuvor.

2.56

Mit aus dem Mantra entnommenen Lautgruppen von drei, sieben, zwei, drei, zwei und zwei vollziehe der Einsichtige den Nyasa der Glieder; die Verehrung ist wie zuvor.

Erläuterung zur Stelle: Akṣi, „Auge“, bezeichnet hier die Zahl zwei. Die sechs Gruppen ergeben zusammen die neunzehn Silben.

2.57

Tara, „namo bhagavate“, Jhintisha, Chaturanana, „daṃṣṭrāya“, dann „hasti“, „khāya“ und „lambodarāya“ …

Erläuterung zur Stelle: Dies ist der Beginn einer verschlüsselten Mantrabildung; die folgende Stelle setzt sie fort.

2.58

… „ucchiṣṭa“, Ma, Viyat und der lange Vokal, „ātmane“, Pasha, Ankusha, Para, Sharngin mit Indu, zweimal Medha mit Bhaga und Vahnikamini …

Erläuterung zur Stelle: Die Lautanweisung führt zu der in 2.59 gezählten Formel. Ihre Namen werden hier als Chiffren bewahrt; sie sind nicht als zusätzliche Gottheiten einer Erzählung zu lesen.

2.59

… bilden den siebenunddreißigsilbigen Mantra Ucchishta-Gananathas. Der Rishi heißt Ganaka, das Chandas wird Gayatri genannt.

Erläuterung zur Stelle: Adri und Guṇa dienen als Zahlwörter; die Stelle bezeichnet 37 Mantrasilben.

2.60

Die Gottheit ist Ucchishta-Ganapa; man wiederhole den Mantra im Ucchishta-Zustand. Der Nyasa seiner Glieder wird mit Lautgruppen von sieben, zehn, fünf, sieben, vier und vier gebildet.

Erläuterung zur Stelle: Die Zahlwörter Dig, Bana, Abdhi und Yuga bezeichnen hier zehn, fünf, vier und vier. Ucchishta gehört zu der besonderen Observanz dieses Abschnitts.

Meditation und historische Anwendungen

Die Meditation zeigt die Verbindung der Gottheit mit ihrer Shakti. Die folgenden historischen Wirkversprechen reichen von Wohlstand bis zur Beeinflussung anderer. Aggressive und manipulative Anwendungen werden in der deutschen Fassung ausdrücklich als nichtanleitende Inhaltswiedergaben gekennzeichnet.

2.61

Ich nehme Zuflucht zu Ucchishta, dem Sohn der Mutter, der Pfeil, Bogen, Schlinge und Haken in seinen Händen hält, auf einem roten Lotus sitzt und in Liebesvereinigung mit seiner unbekleideten Gattin ist.

Erläuterung zur Stelle: Dies ist die historische Gottheitsvisualisation des Verses, keine Aufforderung an Leser zu einer sexuellen Ritualhandlung.

2.62

Man wiederhole [den Mantra] hunderttausendmal und bringe mit Ghee ein Zehntel als Homa dar. Auf dem zuvor genannten Sitz verehre man den Herrn wie zuvor zur Erfüllung des eigenen Ersehnten.

2.63

Vom achten bis zum vierzehnten Mondtag der dunklen Hälfte wiederhole man den Mantra täglich eintausendachtmal und opfere ein Zehntel dieser Zahl.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt das durch bhūta bezeichnete Ende als den vierzehnten Mondtag der dunklen Hälfte.

2.64

Auch Tarpana bringe man dar. So schenke dieser Mantra Vollendung: Besitz, Getreide, Söhne und Enkel, Glück und unvergleichlichen Ruhm.

Erläuterung zur Stelle: Dies sind die im Text genannten historischen Wunschziele, keine für jeden Menschen verbindlichen Lebensziele.

2.65

An einem günstigen Tag fertige man eine Gestalt Ganeshas aus Neemholz. Nach der Pranapratishtha wiederhole man vor ihr den Mantra.

2.66

Der Vers nennt als Ziel die Unterwerfung eines anderen und leitet danach eine Anwendung mit Flusswasser ein.

Erläuterung zur Stelle: Nichtanleitende Inhaltswiedergabe anstelle einer wörtlichen deutschen Übersetzung: Das manipulative Ziel und die Ritualvoraussetzungen werden dokumentiert, aber nicht zur modernen Durchführung ausgearbeitet.

2.67

Der Vers verbindet die vorausgehende Wasseranwendung mit dem Besuch einer Herrscherversammlung und dem Versprechen, durch Sehen und Gesehenwerden andere unmittelbar unter den eigenen Einfluss zu bringen.

Erläuterung zur Stelle: Nichtanleitende Inhaltswiedergabe einer manipulativen Anwendung.

2.68

Der Vers nennt eine Darbringung giftiger Dhatura-Blüten mit dem Ziel, Herrscher und andere Menschen zu beeinflussen.

Erläuterung zur Stelle: Nichtanleitende Inhaltswiedergabe statt einer wörtlichen deutschen Durchführungsvorschrift. Die historische Verbindung von Giftpflanze und Vaśīkaraṇa wird benannt; es wird keine Anwendung empfohlen.

2.69

Der Vers beginnt eine Anwendung, die eine bestimmte Frau durch Mantrawiederholung und die Aufstellung einer Ganesha-Gestalt herbeiziehen soll.

Erläuterung zur Stelle: Nichtanleitende Inhaltswiedergabe anstelle einer wörtlichen deutschen Durchführungsvorschrift. Der historische Ritualzweck wird dokumentiert, nicht als heutige Praxis empfohlen.

2.70

Die erste Hälfte verspricht das Herbeikommen der Frau aus der Ferne. Anschließend beginnt ein neuer Ritus mit einer aus weißem Arka oder Neem gefertigten Gestalt, in der die Lebenskraft eingesetzt wird.

Erläuterung zur Stelle: Nichtanleitende Inhaltswiedergabe anstelle einer wörtlichen deutschen Durchführungsvorschrift. Der historische Ritualzweck wird dokumentiert, nicht als heutige Praxis empfohlen. Naukā erklärt dhṛtāsukām durch die vollzogene Pranapratishtha.

2.71

Am vierten Mondtag verehre man [die Gestalt] nachts mit roten Blumen und Sandel. Nach tausend Wiederholungen lege man die Gestalt nachts an einem Flussufer nieder.

Erläuterung zur Stelle: Der Satz gehört zur historischen Traumpraxis, deren Ziel der folgende Halbvers nennt.

2.72

Ganadhipa offenbare ihm im Traum die gewünschte Angelegenheit. Die zweite Hälfte nennt eine Opferanwendung zur Vertreibung von Feinden.

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers ist übersetzt; die aggressive Anwendung der zweiten Hälfte wird nichtanleitend zusammengefasst.

2.73

Der Vers nennt eine todbringende Anwendung gegen einen Feind und anschließend einen Ritus zur Vertreibung aus einem Haus.

Erläuterung zur Stelle: Nichtanleitende Inhaltswiedergabe anstelle einer wörtlichen deutschen Durchführungsvorschrift. Der historische Ritualzweck wird dokumentiert, nicht als heutige Praxis empfohlen.

2.74

Zunächst wird eine Anwendung mit menschlichen Gebeinen zur Erlangung einer jungen Frau behauptet; dann beginnt die Beschreibung eines weiteren auf eine Frau gerichteten Bildrituals.

Erläuterung zur Stelle: Nichtanleitende Inhaltswiedergabe anstelle einer wörtlichen deutschen Durchführungsvorschrift. Der historische Ritualzweck wird dokumentiert, nicht als heutige Praxis empfohlen.

2.75

Der Vers führt das Bildritual fort: Eine bezeichnete Figur wird rituell bearbeitet und vergraben.

Erläuterung zur Stelle: Nichtanleitende Inhaltswiedergabe anstelle einer wörtlichen deutschen Durchführungsvorschrift. Der historische Ritualzweck wird dokumentiert, nicht als heutige Praxis empfohlen.

2.76

Die Handlung soll die betroffene Frau verwirren; ihre Aufhebung soll Erleichterung bringen. Danach wird das Bildritual auf einen Feind übertragen.

Erläuterung zur Stelle: Nichtanleitende Inhaltswiedergabe anstelle einer wörtlichen deutschen Durchführungsvorschrift. Der historische Ritualzweck wird dokumentiert, nicht als heutige Praxis empfohlen.

2.77

Die Fortsetzung schreibt dem gegen einen Feind gerichteten Bildritual eine vertreibende Wirkung innerhalb eines halben Monats zu.

Erläuterung zur Stelle: Nichtanleitende Inhaltswiedergabe anstelle einer wörtlichen deutschen Durchführungsvorschrift. Der historische Ritualzweck wird dokumentiert, nicht als heutige Praxis empfohlen.

2.78

Wenn eine schwierige Lage eingetreten ist, [nehme man] eine Ganesha-Gestalt aus weißem Arka- oder Neemholz, die mit Blumen und rotem Sandel sorgfältig verehrt worden ist …

2.79

… und vergrabe sie, in einem Gefäß mit berauschendem Getränk befindlich, an einer eine Elle tiefen Stelle. Dort sitzend wiederhole der Mantrapraktizierende den Mantra bei Nacht und bei Tag.

Erläuterung zur Stelle: Dies beschreibt eine besondere historische Ritualhandlung, keine allgemeine Empfehlung für Japa.

2.80

Binnen einer Woche verschwänden alle schrecklichen Bedrängnisse; Feinde gerieten unter die eigene Macht, und der Reichtum nehme zu.

Erläuterung zur Stelle: Die Aussagen sind Wirkversprechen des Textes. Sie werden nicht als gesicherte Wirkungen bestätigt.

2.81

Der Vers beginnt eine weitere Anwendung gegen eine als „schlecht“ bezeichnete Frau und nennt dabei Körperausscheidungen sowie Material für eine Ritualfigur.

Erläuterung zur Stelle: Nichtanleitende Inhaltswiedergabe anstelle einer wörtlichen deutschen Durchführungsvorschrift. Der historische Ritualzweck wird dokumentiert, nicht als heutige Praxis empfohlen. Die abwertende Bezeichnung gehört zur Perspektive des historischen Textes.

2.82

Der Vers setzt die Herstellung, Verehrung und Vergrabung der Ritualfigur fort.

Erläuterung zur Stelle: Nichtanleitende Inhaltswiedergabe anstelle einer wörtlichen deutschen Durchführungsvorschrift. Der historische Ritualzweck wird dokumentiert, nicht als heutige Praxis empfohlen.

2.83

Ein anschließendes Feueropfer soll nach Aussage des Textes die Frau in Körper, Sprache und Denken unterwerfen.

Erläuterung zur Stelle: Nichtanleitende Inhaltswiedergabe anstelle einer wörtlichen deutschen Durchführungsvorschrift. Der historische Ritualzweck wird dokumentiert, nicht als heutige Praxis empfohlen. Hayamāra bezeichnet hier Oleander; die Stelle ist keine Empfehlung zur Verwendung dieser Giftpflanze.

Übertragung und Vertraulichkeit

Nach einer weiteren Mantraform hebt Mahīdhara die Herkunft vom Guru und die Prüfung des Schülers hervor (2.87–88).

2.84

Solche und ähnliche Anwendungen sollen auch mit dem neunsilbigen Mantra vollzogen werden können. [Ein weiterer Mantra beginnt mit:] Tara, „hastimukhāya“, sodann „lambodara“ mit der Dativendung …

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht bereits am Ende der vorhergehenden Druckseite. Innerhalb der Nummer 84 beginnt ein neuer Mantra; die Verszählung wird nicht an der Zwischenüberschrift geteilt.

2.85

… nach „ucchiṣṭa“: „mahātma“ mit der Dativendung; Pasha, Ankusha, Shiva, Atmabhu, Maya, Varman, „ghe ghe“, „ucchiṣṭāya“ und Dahanangana.

Erläuterung zur Stelle: Die Namen dienen überwiegend der verschlüsselten Lautangabe. Die deutsche Fassung bewahrt die Unterscheidung zwischen angeführten Wortteilen und Chiffren.

2.86

Der Mantra hat zweiunddreißig Silben; seine Verehrung gilt als die zuvor beschriebene. Der Nyasa der Glieder wird mit Gruppen von sechs, fünf, sieben, sechs, sechs und zwei Lauten angegeben.

Erläuterung zur Stelle: Die sechs Zahlgruppen ergeben zusammen die 32 Silben des Mantras.

2.87

Bei den Mantras Ucchishta-Rajavaktras erfolgt keine Prüfung durch das Siddha- und die weiteren Chakras oder hinsichtlich Monat und ähnlicher Bedingungen. Vom Guru empfangen, verleihen sie Vollendung.

Erläuterung zur Stelle: Śodhana bezeichnet hier die besondere Eignungsprüfung eines Mantras, nicht eine pauschale Aufhebung von Reinheit, ethischer Verantwortung oder Unterweisung.

2.88

Diese Mantras sind stets vertraulich zu bewahren und nicht beliebig bekanntzumachen. Man übergebe sie einem geprüften Schüler, dem eigenen Sohn.

Erläuterung zur Stelle: Die Stelle betont die Verantwortung der Übertragung. Für heutige Aspiranten liegt darin ein Anlass, besondere Ritualmantras nicht mit allgemein zugänglichen Gebetsmantras gleichzusetzen.

Shakti-Vinayaka – Sammlung und Gegenwart

Mit aufmerksamem Geist den Herrn vergegenwärtigen: Diese Aufforderung in 2.91 benennt eine innere Voraussetzung der Meditation. Die folgende Gestalt verbindet Licht, Kraft und die Gegenwart der göttlichen Gefährtin.

2.89

Maya; Panchantaka und Hutashana, mit Trimurti und Chandra verbunden: Mit Tara am Anfang und dem Shakti-Bija am Ende ist sein Mantra viersilbig.

Erläuterung zur Stelle: Beginn des Shakti-Vinayaka-Abschnitts. Die Zuordnung der verschlüsselten Laute erläutert Naukā; der Grundtext wird nicht um eine frei rekonstruierte Formel erweitert.

2.90

Sein Rishi ist Bhargava, das Chandas Viraj, die Gottheit Shakti-Ganadhipa. Maya und das zweite [Bija] werden als Shakti und Bija bezeichnet.

Erläuterung zur Stelle: Die knappe Schlusskonstruktion wird mit Naukā aufgelöst: Maya ist die Shakti, die zweite Bija-Silbe das Bija.

2.91

Nach dem sechsgliedrigen Nyasa mit dem zweiten [Bija], verbunden mit den sechs langen Vokalen und Tara am Anfang, vergegenwärtige man sich den Herrn mit aufmerksam gesammeltem Geist.

Erläuterung zur Stelle: Die Aufforderung sāvadhānena manasā, „mit aufmerksamem Geist“, benennt ausdrücklich die innere Qualität der Verehrung.

2.92

Ich preise Ganesha, der Stoßzahn, Haken, Schlinge und Gebetskette in den Händen und einen Modaka mit dem Rüssel hält, mit seiner Gattin vereint, reich mit goldenem Schmuck geschmückt und strahlend wie die aufgehende Sonne.

Erläuterung zur Stelle: Die vier Versglieder des längeren Metrums werden durch Zeilenumbrüche kenntlich gemacht. Puṣkara bezeichnet hier die Rüsselspitze.

2.93

Nachdem man so meditiert hat, wiederhole man [den Mantra] vierhunderttausendmal. Ein Zehntel davon opfere man mit honigbestrichenen Kuchen ins Feuer; auch mit Tarpana erfreue man ihn.

2.94

Man verehre auf dem zuvor beschriebenen Sitz die Gliedergottheiten in den Staubfäden, auf den Blütenblättern Vakratunda und die übrigen und an den Spitzen der Blütenblätter Brahmi und die anderen …

2.95

… und die Hüter der Himmelsrichtungen mit ihren Waffen. So gelange der Mantra zur Vollendung. Man bringe mit Ghee versehene Speise als Feueropfer dar; innerhalb eines Jahres werde man reich an Nahrung.

Erläuterung zur Stelle: Der letzte Halbvers beginnt die Aufzählung besonderer Wirkversprechen. Er spricht vom Erlangen von Nahrung, nicht von der Beherrschung der Welt.

2.96

Der Vers verbindet bestimmte Feueropfer mit Wohlstand und der Gunst eines Herrschers; weitere Gaben werden mit der Beeinflussung anderer verknüpft.

Erläuterung zur Stelle: Nichtanleitende Inhaltswiedergabe anstelle einer wörtlichen deutschen Durchführungsvorschrift. Der historische Ritualzweck wird dokumentiert, nicht als heutige Praxis empfohlen. Naukā erklärt paramānna als Milchreis.

2.97

Der Vers nennt Reichtum als Ziel und führt anschließend Anwendungen zur Beherrschung einer Frau beziehungsweise eines Herrschers an.

Erläuterung zur Stelle: Nichtanleitende Inhaltswiedergabe anstelle einer wörtlichen deutschen Durchführungsvorschrift. Der historische Ritualzweck wird dokumentiert, nicht als heutige Praxis empfohlen.

Lakshmi-Ganesha – Fülle und Furchtlosigkeit

Die Verbindung mit Lakshmi wird in einer reich ausgestalteten Meditation sichtbar. Goldglanz, Lotus und die Furchtlosigkeitsgeste prägen das Bild.

2.98

Tara, Rama, Khanta mit Chandra; „saumya“, Samirana, „gaṇapati“ mit der Dativendung, Toya, „vara varada“ und „sarva“ …

Erläuterung zur Stelle: Beginn der verschlüsselten Bildung des Lakshmi-Ganesha-Mantras. Die mit ḍ bezeichnete Endung wird aus dem Kommentar als Dativ verstanden.

2.99

… „janaṃ me vaśam“, der lange A-Laut, Vayu und Pavakakamini. Dieser Mantra hat achtundzwanzig Silben und verleiht Reichtum und Gedeihen.

Erläuterung zur Stelle: Die ausgeschriebenen Wörter enthalten die Vorstellung, andere unter den eigenen Einfluss zu bringen. Die Formel wird historisch erschlossen, nicht als Empfehlung zur Manipulation angeboten.

2.100

Antaryamin ist der Rishi, Gayatri das Chandas, Lakshmi-Vinayaka die Gottheit des Mantras. Rama ist das Bija, Vasupriya die Shakti. Mit den Bija-Lauten Ramas und Ganeshas, verbunden mit langen Vokalen, [vollziehe man] den sechsgliedrigen Nyasa.

Erläuterung zur Stelle: Die Drucknummer 100 umfasst drei Halbverse.

2.101

Ich preise Lakshmi-Ganesha, goldglänzend und dreiäugig, der Stoßzahn und Furchtlosigkeitsgeste, Diskus und Muschelhorn zeigt, an der Rüsselspitze einen goldenen Krug trägt und von der Tochter des Ozeans umarmt wird, die einen Lotus hält.

Erläuterung zur Stelle: Abdhiputri, „Tochter des Ozeans“, bezeichnet Lakshmi. Naukā erläutert den goldenen Krug an der Rüsselspitze; kara kann sowohl Hand als auch Elefantenrüssel bedeuten.

2.102

Man wiederhole den Mantra vierhunderttausendmal und bringe ein Zehntel davon mit Zweigen des Bilva-Baums als Feueropfer dar. Man verehre ihn auf dem zuvor beschriebenen Sitz.

2.103

Zuerst verehre man die Glieder [der Gottheit], dann diese acht Shaktis: Balaka, Vimala, danach Kamala, Vanamalika …

Erläuterung zur Stelle: Die grammatisch normalisierte Lesung śaktīr aṣṭāv imā folgt der auch in Rais Sanskritfassung überlieferten Wortfolge. Die acht Namen setzen sich in 2.104 fort.

2.104

… Vibhishika, Malika, Shankari und Vasubalika. Die beiden Schätze Shankha und Padma sind rechts und links an den Seiten zu verehren.

2.105

Außen herum verehre man die Weltenhüter und ihre Waffen. Wenn der Mantra auf diese Weise zur Vollendung gelangt ist, ist der Mantrapraktizierende befähigt, die Anwendungen auszuführen.

Erläuterung zur Stelle: Das Werk ordnet die Anwendungen einer vorausgehenden geregelten Sadhana unter. Für heutige Leser ist dies ein Hinweis auf den überlieferten Zusammenhang von Vorbereitung, Konzentration und Ritual.

2.106

Im Wasser bis zur Brust stehend, meditiere der Mantrapraktizierende [die Gottheit] in der Sonnenscheibe. Wer auf diese Weise dreihunderttausend Wiederholungen vollzieht, dem entstehe Zuwachs an Reichtum.

Erläuterung zur Stelle: Die Stelle beschreibt einen besonderen historischen Übungsrahmen und ein Wirkversprechen; sie ist keine allgemeine Anleitung für heutiges Japa.

2.107

Unter einem Bilva-Baum sitzend und ebenso oft wiederholend, erlange man dasselbe Ergebnis. Mit in Ghee getränkten Reiskörnern in einem durch Ashoka-Holz genährten Feuer …

2.108

Die Fortsetzung nennt die Beherrschung der Welt und eines Herrschers als Ziele verschiedener Feueropfer. Ein Opfer mit Milchreis soll Lakshmi, das Glück des Wohlstands, bringen.

Erläuterung zur Stelle: Die manipulativen Anwendungen werden nichtanleitend zusammengefasst. Die Schlussaussage über Lakshmi ist übersetzt.

Trailokyamohana-Ganesha

Der Name bezeichnet Ganesha als den, der die drei Welten bezaubert. Die vielarmige Gestalt wird gemeinsam mit ihrer Shakti meditiert.

2.109

„Vakra“, zuletzt der Na-Laut [ṇ] mit Karna und Indu; „ḍekadaṃṣṭrāya“, Manmatha, Maya, Rama, Gajamukha; nach „gaṇapa“: Bhagi und Hari …

Erläuterung zur Stelle: Beginn des Trailokyamohana-Ganesha-Mantras. Die verschlüsselten Lautbestandteile werden als Chiffren wiedergegeben; die Bildung ist über drei Verse verteilt.

2.110

… „vara“, Vala, Agni und Satya, Jala mit aufgesetztem Repha, Sthira, Mesha mit Indu; „me“, nach „vaśa“: „mānaya“ und Ushabudhapriya …

Erläuterung zur Stelle: Die gedruckte Verbindung am Schluss ist eine gedrängte Lautanweisung. Die von Naukā ausgeschriebene Formel ist als Kommentarauflösung zu behandeln.

2.111

… so entsteht dieser dreiunddreißigsilbige Mantra Trailokyamohana. Sein Rishi ist Ganaka, das Chandas Gayatri; seine Gottheit wiederum …

2.112

… ist Ganesha, der die drei Welten bezaubert und seinen Verehrern Vollendung schenkt. Der sechsgliedrige Nyasa erfolgt mit [Lautgruppen von] zwölf, vier, fünf, vier, sechs und zwei.

Erläuterung zur Stelle: Bhakta bezeichnet den hingebungsvollen Verehrer. Die anschließenden Zahlwörter ergeben zusammen 33 Mantrasilben.

2.113

Keule und Zitronatzitrone, Bogen, Dreizack und Diskus, Lotus und Wasserlilie, Schlinge, Getreideähre und Stoßzahn in den Händen haltend, mit einem an seiner Rüsselspitze glänzenden Juwelenkrug, mit seiner eigenen Gattin auf dem Schoß …

Erläuterung zur Stelle: Die Meditation erstreckt sich über 2.113–114. Naukā erklärt dhānyāgra als Reisrispe; die lange Aufzählung gehört zur vielarmigen Gottheitsgestalt.

2.114

… deren Hände durch einen Lotus und eine Fülle von Schmuck glänzen, von dieser schlanken Gefährtin eng umfangen: Ihn verehre ich, mit dem Antlitz des Elefantenkönigs, mit dem Mond im Haar, dreiäugig, die Welt bezaubernd und von rotem Glanz.

Erläuterung zur Stelle: Die Gottheitsmeditation erstreckt sich über zwei nummerierte Verse und verbindet die Verehrung Ganeshas mit der Gegenwart seiner Shakti.

2.115

Man wiederhole den Mantra vierhunderttausendmal, opfere ein Zehntel davon mit den acht Opferstoffen und verehre Gananayaka auf dem zuvor genannten Sitz.

2.116

Die Verehrung der Glieder ist wie zuvor beschrieben. Auf den Blütenblättern verehre man die Shaktis: Vama, Jyeshtha, Raudri und Kali mit „kala“ davor [Kalakali] …

2.117

… die Vikarini genannte, mit „bala“ davor [Balavikarini], ebenso Pramathani [Balapramathani], die Sarvabhutadamani genannte und Manonmani.

Erläuterung zur Stelle: Die Namen sind über die Versgrenze verteilt. Zusammen mit 2.116 ergeben sich acht Shaktis; die ergänzten Namensbestandteile stehen in eckigen Klammern.

2.118

In den Himmelsrichtungen [verehre man] Pramoda, Sumukha, Durmukha und Vighnanashaka; auch die Mütter mit langen [Vokalen] am Anfang, Indra und die übrigen sowie ihre Waffen sind zu verehren.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert dīrghādyā durch mit langen Vokalen eingeleitete Anrufungen der Matrikas, etwa Brahmi und Maheshvari.

2.119

Ist der Mantra so vollendet, vollziehe man Anwendungen zur Erlangung des Ersehnten. Die zweite Hälfte nennt die Beeinflussung von Herrschern und Ministern als Opferzweck.

Erläuterung zur Stelle: Die erste Hälfte ist übersetzt; die manipulative Anwendung wird nichtanleitend zusammengefasst.

2.120

Der Vers ordnet verschiedenen Opferhölzern die Beeinflussung von Brahmanen, Herrschern und weiteren gesellschaftlichen Gruppen zu.

Erläuterung zur Stelle: Nichtanleitende Inhaltswiedergabe anstelle einer wörtlichen deutschen Durchführungsvorschrift. Der historische Ritualzweck wird dokumentiert, nicht als heutige Praxis empfohlen. Die Aufzählung spiegelt historische soziale Rangordnungen; ihre gedrängten Gruppenbezeichnungen werden nicht zu einer modernen Einteilung ausgeweitet.

2.121

Honig [als Opfergabe] soll Gold verschaffen, Kuhmilch den Erwerb von Kühen, Quarkreis Gedeihen, Ghee Nahrung und Wohlstand, Vetasa Wasser.

Erläuterung zur Stelle: Der Text führt traditionelle Opfer-Wirkungs-Zuordnungen an; die Liste ist keine Zusicherung solcher Ergebnisse.

Haridra-Ganesha und Kapitelabschluss

Kurkuma, gelbes Gewand und goldener Sitz geben der Meditation ihre Farbe. Die folgenden Stellen enthalten auch Stambhana- und historische Fruchtbarkeitsanwendungen; ihre Wirkversprechen werden nicht als Tatsachen bestätigt.

2.122

Tara, Varman, Ganesha, Bhu; „haridrāgaṇa“, Lohita, Ashadhi, „ye“, „vara vara“, Satya, „sarvajana“ und Tarjani …

Erläuterung zur Stelle: Beginn des zweiunddreißigsilbigen Haridra-Ganesha-Mantras. Die Lautchiffren werden nicht stillschweigend als gewöhnliche Wörter übersetzt.

2.123

… „hṛdayaṃ“, zweimal „stambhaya“ und die Geliebte des Svarnaretas. Der Mantra ist zweiunddreißigsilbig; Madana wird als Rishi genannt.

Erläuterung zur Stelle: „Stambhaya“ ist ein auf Festhalten oder Stillstellen zielender Imperativ. Die Formel gehört zur historischen Stambhana-Praxis, nicht zu einer allgemeinen Empfehlung für zwischenmenschlichen Umgang.

2.124

Das Chandas ist Anushtubh, die Gottheit Haridra-Gananayaka. Der Nyasa der Glieder wird mit Lautgruppen von vier, acht, fünf, sieben, sechs und zwei angegeben.

2.125

Ich preise Ratri-Ganesha, der Schlinge, Haken, Modaka und einen Stoßzahn in den Händen hält, auf einem goldenen Sitz ruht, einem Stück Kurkuma gleicht, drei Augen hat und ein gelbes Gewand trägt.

Erläuterung zur Stelle: Der Druck nennt hier rātrigaṇeśa. Im Zusammenhang steht die Meditation auf Haridra-Ganesha; die abweichende Benennung wird nicht stillschweigend beseitigt.

2.126

Nach vierhunderttausend Wiederholungen bringe man abschließend ein Zehntel davon mit Reis, vermischt mit Kurkumapulver, als Feueropfer dar und speise auch Brahmanen.

2.127

Auf dem zuvor genannten Sitz verehre man [ihn] mit den Gliedergottheiten, Müttern und Richtungsgottheiten. So verehrt und im Mantra vollendet, möge er die Herzenswünsche gewähren.

Erläuterung zur Stelle: Diśādhava bezeichnet die Herren der Himmelsrichtungen. Der Vers schließt die Verehrungsordnung mit einem traditionellen Erfüllungsversprechen.

2.128

Am vierten Mondtag der hellen Monatshälfte salbe man den Körper mit von einem Mädchen gemahlener Kurkuma, bade im Wasser und verehre Gananayaka.

Erläuterung zur Stelle: Die Handlung gehört zu der besonderen historischen Observanz des folgenden Abschnitts.

2.129

Nach dem Tarpana wiederhole man vor ihm [den Mantra] eintausendachtmal. Nach hundert Opfergaben mit Ghee-Kuchen speise man Brahmacharins …

2.130

… und auch Mädchen. Nachdem man den Guru zufriedengestellt hat, erlange man das Gewünschte. Mit geröstetem Getreide [als Opfergabe] erlange man eine Braut; auch ein Mädchen erlange einen Bräutigam.

Erläuterung zur Stelle: Naukā zieht kumārīḥ, „Mädchen“, zum Verb „speisen“ im vorhergehenden Vers. Die Heiratswünsche spiegeln den historischen Lebensrahmen des Textes.

2.131

Die Stelle beginnt eine historische Fruchtbarkeitsanwendung: Eine kinderlose Frau soll nach dem Menstruationsbad Ganesha verehren und eine besondere Zubereitung herstellen.

Erläuterung zur Stelle: Nichtanleitende Inhaltswiedergabe einer historischen Heil- und Fruchtbarkeitsbehauptung. Die Rezeptur wird nicht zur Einnahme empfohlen.

2.132

Die Fortsetzung verbindet Mantrawiederholung und die Speisung junger Menschen mit der Einnahme jener Zubereitung. Sie verspricht die Geburt eines Sohnes, der ein „Ozean guter Eigenschaften“ sei.

Erläuterung zur Stelle: Nichtanleitende Inhaltswiedergabe; die behauptete Fruchtbarkeitswirkung wird nicht als medizinisch gesichert dargestellt.

2.133

Der verehrte Mantra soll Sprache und Feinde zum Stillstand bringen sowie Bedrängnisse durch Wasser, Feuer, Diebe, Löwen und Waffen abwehren.

Erläuterung zur Stelle: Die Stelle verbindet Stambhana mit traditionellen Schutzversprechen. Daraus folgt keine tatsächliche Unverletzbarkeit.

2.134

Sharngin, auf Mamsa stehend und mit Indu versehen, wird als Bija des Herrn Ganesha, der Haridra heißt, angegeben. Die Verehrung dieses Mantras ist wie zuvor beschrieben.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt Sharngin als ga und Mamsa als la; damit ist das Bija glaṃ erläutert. Diese ausdrücklich ausgewiesene Kommentarauflösung ist keine freie Rekonstruktion.

2.135

Diese Mantras Ganeshas sind dargelegt worden. Wer das Ersehnte sucht, soll sie vertraulich bewahren; keinesfalls sollen sie Übelgesinnten mitgeteilt werden.

Erläuterung zur Stelle: Der Kapitelabschluss betont erneut verantwortliche Übertragung. Er lädt zu einer Haltung des Respekts ein, ohne die besonderen Mantras zu einer allgemeinen Selbstpraxis zu erklären.

Kolophon des zweiten Taraṅga

Damit endet im von Shri Mahidhara verfassten Mantramahodadhi der zweite Taraṅga namens „Darlegung der Ganesha-Mantras“.

Abgrenzung zum Kommentar: Der anschließend im Druck stehende eigene Kolophon der Naukā gehört zu Mahīdharas Kommentar und wird hier nicht dem Grundtext zugerechnet.

Taraṅga 3 – Kali und Sumukhi – Hingabe, Sprache und Göttinnenverehrung

Kali wird als erschreckende und zugleich Schutz gewährende Göttin vergegenwärtigt. Ihre Verehrung verbindet Mantra, Nyasa und Dhyana mit einem vielfältigen Kreis von Göttinnen. Mahīdhara fordert ausdrücklich respektvolles Verhalten gegenüber Frauen und den Verzicht auf Hinterlist und verletzende Rede (3.22). Später folgt Sumukhi, deren Gegenwart im Herzenslotus des Verehrers meditiert wird (3.53).

Kali-Mantra und innere Vorbereitung

Die Göttin wird durch die Bildung ihres Mantras, die Zuordnung der Laute zum Körper und die Meditation vergegenwärtigt.

3.1

Nun werde ich die Mantras Kalis darlegen, die unmittelbar Vollendung der Sprache schenken. Durch ihre Verehrung erlangen die Menschen auf Erden alles Ersehnte.

Erläuterung zur Stelle: Vaksiddhi bezeichnet die besondere Vollendung oder Wirkmacht der Sprache. Der Vers formuliert ein religiöses Wirkversprechen.

3.2

Dreimal Krodhisha, verbunden mit Vahni, Vamakshi und Vidhu; zweimal Varaha, verbunden mit Vamakarna und Chandra …

Erläuterung zur Stelle: Beginn einer verschlüsselten Mantrabildung. Die Namen bezeichnen Laute; sie sind hier keine erzählende Aufzählung von Gottheiten.

3.3

… zweimal Maya, „dakṣiṇe“, Srishti mit langem Vokal, Kriya mit Drish, Chakrin mit Jhintisha und die zuvor genannten sieben Bija-Laute …

3.4

… mit Vahnipriya als Abschluss gilt dieser Mantra als zweiundzwanzigsilbig. Hier soll nicht einmal in Gedanken die Prüfung nach Siddha, Sadhya und den weiteren [Eignungskategorien] vorgenommen werden.

Erläuterung zur Stelle: Gemeint ist eine bestimmte Mantra-Eignungsprüfung. Die Aussage hebt nicht generell Unterweisung oder verantwortliches Handeln auf.

3.5

Es bedarf keiner außerordentlichen Anstrengung im Zusammenhang mit Purashcharana: Schon durch das Gedenken an die Königin der Vidyas erlange man die acht Siddhis.

Erläuterung zur Stelle: Der Vers preist die Macht der Vidya. Dass anschließend dennoch Nyasa, Meditation und Purashcharana beschrieben werden, zeigt den Unterschied zwischen Lobpreis und detaillierter Ritualordnung.

3.6

Bhairava ist sein Rishi, Ushnih das Chandas, Kali die Gottheit. Maya ist das Bija; das lange Varman wird von den Weisen als Shakti bezeichnet.

3.7

Mit dem ersten Bija der Vidya, verbunden mit den sechs langen Vokalen, wird ihr Nyasa der Glieder angegeben. Die Matrika teile man fünffach, in Gruppen von jeweils zehn Lauten …

3.8

… und setze sie als Mantrapraktizierender in Herz, beide Arme und beide Füße ein. Nachdem man mit dem Mantra den den ganzen Körper umfassenden Nyasa vollzogen hat, meditiere man Kalika im eigenen Geist.

Kalikas Gestalt und der Kreis ihrer Verehrung

Die furchterregenden Attribute stehen neben den Gesten der Furchtlosigkeit und des Segens. Der Text entfaltet eine konkrete religiöse Bildsprache.

3.9

Ich verehre die Göttin Kalika: In ihren Händen trägt sie ein frisch abgetrenntes Haupt und ein Schwert und zeigt die Gesten der Furchtlosigkeit und der Gewährung von Gaben. Ihr Antlitz ist furchterregend; sie ist mit einer Girlande von Köpfen geschmückt und trägt ihr Haar offen. Aus den Mundwinkeln fließt Blut. Sie wohnt auf dem Verbrennungsplatz und trägt Leichname als Ohrschmuck. Ihr Körper ist dunkel; aus den Händen von Leichnamen ist ihr Gürtel gebildet.

Erläuterung zur Stelle: Schutz- und Segensgesten stehen neben erschreckenden Attributen. Naukā erklärt sṛkkyasṛkpravahām als Blutstrom aus den Mundwinkeln. Eine Betrachtung von Vergänglichkeit, Furcht und göttlichem Schutz ist eine heutige Deutung, keine zusätzliche Übersetzung.

3.10

Nachdem man so meditiert hat, wiederhole man [den Mantra] hunderttausendmal und opfere ein Zehntel davon mit Karavira-Blüten. Nun wird das Yantra der Verehrung beschrieben.

Erläuterung zur Stelle: Karavira ist Oleander. Die historische Opferangabe wird dokumentiert; sie ist keine Empfehlung zur Verwendung dieser giftigen Pflanze.

3.11

Zuerst zeichne man ein Sechseck, dann drei Dreiecke, einen achtblättrigen Lotus und außen die Umfriedung. Dort vollziehe man die Verehrung.

3.12

Die Jaya genannte, Vijaya, danach Ajita und Aparajita, Nitya, Vilasini, Dogdhri, Aghora und Mangala …

3.13

… sind die Shaktis des Sitzes. Der Pitha-Mantra beginnt mit Maya; auf „kālikāyogapīṭha“ folgt „ātmane“, und Hridaya bildet seinen Abschluss.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert Hridaya hier als namaḥ. Der Vers beschreibt die Bildung des Pitha-Mantras, nicht eine gewöhnliche Aussage über einen anatomischen Sitz.

3.14

Auf diesem Sitz verehre man die Göttin, die auf Shiva in Leichengestalt steht, in die Wonne Mahakalas versunken und in den Himmelsrichtungen von Schakalinnen umgeben.

Erläuterung zur Stelle: Śivā bezeichnet hier Schakalinnen. Das Bild gehört zur überlieferten Kali-Ikonographie; es wird nicht zu einer allgemeinen körperlichen Übungsanweisung umgedeutet.

3.15

Zuerst verehre man die Glieder [der Gottheit], dann auf den sechs Blütenblättern Kali, Kapalini, Kulla, Kurukulla, Virodhini …

3.16

… und Viprachitta. Danach verehre man in den neun Ecken Ugra, Ugraprabha, Dipta, Nila, Ghana und Balaka …

Erläuterung zur Stelle: Die Aufzählung setzt sich in 3.17 fort; ghana-balākike wird als die beiden Namen Ghana und Balaka gelesen.

3.17

… Matra, Mudra und Mitra. Auf den Blütenblättern sind die Mütter zu verehren: auf den acht Blütenblättern des Lotus Brahmi, Narayani …

3.18

… Maheshvari, Chamunda, Kaumari, Aparajita, Varahi und Narasimhi. Ferner [verehre man] in der Umfriedung die folgenden [Bhairava-Gestalten] …

Erläuterung zur Stelle: Der Satz geht in die anschließende Namensfolge über. Die Zuordnung der Bhairava-Namen wird in Naukā erläutert.

3.19

… Bhairavi mit „mahā“ davor, mit „siṃha“ davor und mit „dhūmra“ davor, ferner die mit Bhima und Unmatta beginnenden sowie Vashikarana-Bhairavi …

Erläuterung zur Stelle: Der Grundtext verwendet hier auffällige feminine Formen. Naukā löst die Namen als Mahabhairava, Simhabhairava, Dhumrabhairava, Bhimabhairava und Unmattabhairava auf. Diese Kommentarhilfe bleibt vom Wortlaut unterschieden.

3.20

… und die mit „mohana“ beginnende [Gestalt]. Dann verehre man Shakra und die übrigen sowie ihre Waffen. Auf diese Weise verehrt, wird Kali für die Mantrapraktizierenden zur vollendeten [Vidya].

Erläuterung zur Stelle: Naukā nennt Mohanabhairava. Siddhā beschreibt hier die rituell verwirklichte Wirksamkeit der Verehrung.

Verantwortung und besondere historische Anwendungen

Die ethische Mahnung in 3.22 steht vor einem Abschnitt über besondere Ritualwirkungen. Diese Verschiedenheit soll beim Lesen erkennbar bleiben: Ethische Orientierung, Lobpreis und historische Durchführungsvorschrift sind nicht dasselbe.

3.21

Danach vollziehe man die von Mahabhairava gelehrten Anwendungen zum eigenen Nutzen und zum Nutzen anderer, die rasche Vollendung verleihen sollen.

3.22

Wer als Verehrer Kalis das eigene Heil sucht, soll das Herabsetzen und Schlagen von Frauen, Hinterlist und verletzende Worte meiden.

Erläuterung zur Stelle: Die Kali-Verehrung wird hier mit einer konkreten ethischen Verpflichtung verbunden. Eine heutige Praxisanregung kann daran anknüpfen: Hingabe soll sich auch in respektvollem Handeln und Sprechen zeigen.

3.23

Wer den „Sitz der Liebe“ einer schönen Frau betrachtet und den Mantra zehntausendmal wiederholt, soll bald Vachaspati gleichkommen.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt madanāvāsa als das weibliche Geschlechtsorgan. Die Stelle beschreibt eine besondere sexuelle Ritualsymbolik; Vachaspati steht hier für die Vollendung der Rede.

3.24

Wer unbekleidet, mit offenem Haar, nachts auf dem Verbrennungsplatz zehntausend Wiederholungen vollzieht, dem sollen alle Wünsche erfüllt werden.

Erläuterung zur Stelle: Historische Observanz und Wirkversprechen, keine allgemeine Empfehlung für heutiges Japa.

3.25

Wer unbekleidet auf dem Verbrennungsplatz auf die Herzgegend eines Leichnams steigt und mit tausend Arka-Blüten, die mit dem eigenen Samen bestrichen sind …

Erläuterung zur Stelle: Der Satz geht in 3.26 weiter. Die Passage dokumentiert eine besondere historische Shava-Praxis; sie wird nicht als Selbstpraxis empfohlen.

3.26

… die Göttin mit Hingabe verehrt und jeweils einzeln den Mantra wiederholt, der soll schon nach kurzer Zeit Herrschaft über die Erde erlangen.

Erläuterung zur Stelle: Das Herrschaftsversprechen gehört zum historischen Text und ist keine bestätigte Wirkung.

3.27

Wer über eine Frau meditiert, deren Geschlechtsorgan von Menstruationsblut bedeckt ist, und zehntausend Wiederholungen vollzieht, der bezaubere die Menschen gewiss durch schöne Dichtkunst.

Erläuterung zur Stelle: Dies ist eine textnahe Wiedergabe einer besonderen tantrischen Ritualvorstellung, keine allgemeine Meditationsanleitung.

3.28

[Man meditiere] sie auf dem großen Sitz mit dreimal fünf Ecken, auf dem Herzen eines Leichnams, im Liebesspiel mit dem Gott Mahakala …

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt mārayuddha, wörtlich „Kampf der Liebe“, als sexuelle Vereinigung. Die Gottheitsvisualisation setzt sich im folgenden Vers fort.

3.29

… mit lächelndem Gesicht. Wer so über sie meditiert, selbst die Liebesvereinigung vollzieht und dabei tausendmal wiederholt, soll Shankara gleichwerden.

Erläuterung zur Stelle: Der Vers beschreibt einen besonderen tantrischen Ritus. Die Aussage wird historisch wiedergegeben, nicht als allgemeiner Weg oder als garantierte Verwirklichung ausgegeben.

3.30

Wer Fleisch von Katze und Schaf, von Kamel und Büffel mitsamt Knochen, Haaren und Haut als Bali darbringt …

Erläuterung zur Stelle: Historische Tieropferpassage; keine Empfehlung zur Durchführung.

3.31

… um Mitternacht an den als Bhuta und Ashtami bezeichneten Mondtagen, dem sollen die Lebewesen untertan werden; mit Wissen, Wohlstand, Ruhm und Söhnen gedeihe er lange im Glück.

Erläuterung zur Stelle: Die über die Versgrenze fortgesetzte Aussage enthält ein Herrschafts- und Wohlstandsversprechen. Die Mondtagsbezeichnung wird ohne zusätzliche Ritualauflösung bewahrt.

3.32

Wer tagsüber, von opfergeeigneter Speise lebend, im Gedenken an die Göttin und nachts in der Liebesvereinigung insgesamt hunderttausend Wiederholungen vollzieht, soll ein Herrscher der Erde werden.

Erläuterung zur Stelle: Die besondere Ritualobservanz wird von einer heutigen einfachen Mantrapraxis unterschieden.

3.33

Mit roten Lotusblüten als Feueropfer soll der Mantrapraktizierende den Hüter des Reichtums an Besitz übertreffen; mit Bilva-Blättern Herrschaft, mit roten Blumen Einfluss über andere erlangen.

Erläuterung zur Stelle: Der letzte Ausdruck vaśīkṛti bezeichnet hier ein manipulatives Ritualziel. Die Zuordnungen sind historische Wirkversprechen.

3.34

Wer Kalika mit dem Blut von Büffeln und anderen [Tieren] Tarpana darbringt, dem sollen bald alle Siddhis zur Hand sein.

Erläuterung zur Stelle: Dokumentation einer historischen Blutopferpassage, keine Empfehlung.

3.35

Der Mantrakundige, der auf einem Leichnam sitzend den Mantra hunderttausendmal wiederholt, dessen Mantra soll unmittelbar vollendet sein und alle gewünschten Früchte verleihen.

Erläuterung zur Stelle: Der Vers gehört zur besonderen Shava-Sadhana und wird nicht als allgemeine Übungsanleitung verstanden.

Umfassende Hingabe und weitere Kali-Mantras

Das Lob der Göttin verbindet ihre Verehrung mit der Verehrung aller Gottheiten. Anschließend werden mehrere kürzere und längere Mantraformen erläutert.

3.36

Wer Kalika verehrt, der Wohlgeborene, hat damit [gleichsam] Opfer wie das Ashvamedha vollzogen, Gaben gespendet und Tapas geübt.

Erläuterung zur Stelle: Der Vers ist ein Lob der Kali-Verehrung: Ihr wird der religiöse Wert großer Opfer, Freigebigkeit und Askese zugesprochen.

3.37

Wer Kali beständig verehrt, hat damit Brahma, Vishnu, Shiva, Gauri, Lakshmi und Ganapati, die Sonne und alle Gottheiten verehrt.

Erläuterung zur Stelle: Die eigene Gottheitsverehrung wird als umfassend gepriesen. Für die spirituelle Betrachtung eröffnet das eine Verbindung von konzentrierter Hingabe und Achtung vor göttlicher Vielfalt.

3.38

Nun werden die unterschiedlichen Kali-Mantras genannt, die Vollendung schenken: zweimal Maya, zweimal Kurcha, dreimal Kara mit Shanti und Vidhu …

3.39

… „dakṣiṇe kālike“ und die vorherigen Bija-Laute in umgekehrter Reihenfolge. Mit Tara am Anfang hat [der Mantra] einundzwanzig Silben; die Verehrung ist wie zuvor.

3.40

Auf einem Leichnam am Fuß eines Bilva-Baums oder ebenso eines Banyan-Baums sitzend, soll man nach hunderttausend Wiederholungen dieses Mantras Herr über alle Siddhis werden.

Erläuterung zur Stelle: Besondere historische Observanz und religiöses Wirkversprechen.

3.41

Man spreche Kali, Kurcha, Hrillekha, „dakṣiṇe kālike“, nochmals die drei Bija-Laute und Vahnivadhu. Der Mantra hat vierzehn Silben.

Erläuterung zur Stelle: Kali, Kurcha und Hrillekha bezeichnen hier Bijas; Vahnivadhu bezeichnet nach Naukā den Abschluss Svaha.

3.42

Die Verehrung dieses Mantras wird von den Mantrakundigen wie zuvor angegeben. Besonders soll er zum Heranziehen von Menschen, Göttern und anderen befähigen.

Erläuterung zur Stelle: Ākarṣaṇa bezeichnet eine besondere historische Ritualfunktion, keine Zusicherung einer tatsächlichen Macht über andere.

3.43

Zweimal Kurcha, dreimal [das Bija] Kalis, zweimal Maya, „dakṣiṇe kālike“, die vorherigen Bijas und Svaha: [Dies ist] ein Mantra zur Unterwerfung.

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf der vorhergehenden Druckseite. Das manipulative Ziel wird benannt; die Chiffren werden nicht zusätzlich zu einer Rezitationsanleitung entfaltet.

3.44

Im König der Mantras lasse man die nochmals genannten sieben Bijas weg. So entsteht ein fünfzehnsilbiger großer Mantra; seine Verehrung gilt als die zuvor beschriebene.

3.45

Brahma und Repha, mit Vamanetra und Chandra verbunden, gelten als der einsilbige Mantra Mahakalis, der alle Siddhis verleiht.

Erläuterung zur Stelle: Die Stelle beschreibt ein Bija in Lautchiffren. Naukā erläutert die entsprechende Verbindung als krīṃ.

3.46

Das Bija, Chakrin mit langem Vokal, Pinakin mit Netra, Krodhisha mit Bhaga und Svaha: So wird der sechssilbige Mantra angegeben.

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf der vorhergehenden Druckseite. Naukā erläutert die Chiffren als Bestandteile der Anrufung Kalikas.

3.47

Kali, Kurcha und Lajja werden als dreisilbiger Mantra gelehrt. Mit Huṃ und Phaṭ am Ende ist er fünfsilbig; mit Svaha als weiterem Abschluss siebensilbig.

Erläuterung zur Stelle: Kali, Kurcha und Lajja sind hier Bija-Bezeichnungen. Die Schreibweise phaḍ im Sanskrit folgt dem Sandhi vor antaḥ.

3.48

Die Verehrung dieser [Mantras] ist von Narada und anderen wie zuvor beschrieben worden. Diese Kali-Mantras gelten als wirksam im Zurückhalten und im Gewähren von Gnade.

Erläuterung zur Stelle: Nigraha und Anugraha bezeichnen einschränkende beziehungsweise begünstigende Macht; der Zusammenhang umfasst auch besondere Ritualwirkungen.

Sumukhi im Herzenslotus

Sumukhi wird als besonders verborgene Vidya eingeführt. Die Meditation verbindet ihre äußere Gestalt mit ihrer Gegenwart im Herzen des Verehrers.

3.49

Nun werde ich die höchste, sehr verborgen gehaltene Vidya Sumukhi darlegen. Hat der kundige Lehrer sie erlangt, grämt er sich nicht mehr über Getanes und Ungetanes.

3.50

Karna, Dyuti mit Nayana, Shvetesha auf Jara; Lakshmi mit langem Vokal und Indu, Nandin mit langem Vokal, Kriya mit Drish …

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf der vorhergehenden Seite. Die Lautanweisung bildet den Beginn des Sumukhi-Mantras.

3.51

… Mesha mit Madhava, Karna mit Bhrigu, Tandri mit Indhika; „khi devi ma“, der lange Viyat-Laut, „piśācini“ und Himadrija …

Erläuterung zur Stelle: Die Wortverbindungen sind Mantrabildungsanweisungen. Die angegebenen Namen dürfen nicht als ein gewöhnlicher zusammenhängender Sanskritsatz gelesen werden.

3.52

… dreimal Nandaja mit Visarga. Der Mantra hat zweiundzwanzig Silben. Bhairava, Gayatri und Sumukhi gelten der Reihe nach als Rishi, Chandas und Gottheit.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert ausdrücklich die Reihenfolge von Rishi, Metrum und Gottheit.

3.53

Mit Lautgruppen von sieben, drei, zwei, sechs, eins und drei setze man die Glieder des Mantras ein und meditiere Sumukhi, die im Herzenslotus des Verehrers wohnt.

Erläuterung zur Stelle: Muni, Rama, Chandra und Vahni dienen als Zahlwörter. Die sechs Gruppen ergeben zusammen 22 Silben. Die Herzenslotus-Aussage verbindet die Ritualordnung ausdrücklich mit innerer Vergegenwärtigung.

3.54

Möge denen stets Wohlergehen zuteilwerden, die über Shri Sumukhi meditieren: Ihr Busen ist mit einer Kette aus Gunja-Samen geschmückt; sie strahlt in jugendlicher Schönheit. Freudig hält sie in ihren Händen die schöne menschliche Schädelschale und die schlanke Schwertklinge. Roter Schmuck, rote Gewänder und rote Salbung lassen ihren Körper leuchten; sie sitzt auf einem Leichnam.

Erläuterung zur Stelle: Das religiöse Bild enthält zugleich Schönheit und die Gegenwart des Todes. Naukā ordnet das Schwert der rechten, die Schädelschale der linken Hand zu.

3.55

Zur Vollendung des Mantras wiederhole man ihn hunderttausendmal und bringe ein Zehntel davon mit Kimshuka-Blüten oder geeigneten Opferzweigen als Feueropfer dar.

3.56

Man verehre die Göttin auf dem Kali-Sitz: mit einer fünfwinkligen Mitte, acht Blütenblättern, einem sechzehnblättrigen Lotus, einem Kreis und der äußeren Umfriedung.

Erläuterung zur Stelle: Die gedrängte Beschreibung nennt die ineinander angeordneten Bereiche des Verehrungsdiagramms.

3.57

Mit dem Wurzelmantra vergegenwärtige man die Gestalt und bereite Fußwasser und die übrigen Darbringungen. [Man verehre] Chandra, Chandranana, Charumukhi, Chamikaraprabha …

3.58

… und Chatura in den fünf Ecken, die Gliedergottheiten in den Staubfäden, Brahmi und die übrigen auf den acht Blütenblättern, Kala und die anderen im sechzehnteiligen Kreis …

3.59

… Kala, Kalanidhi, Kali, Kamala, Kriya, Kripa, Kula, Kulina, Kalyani, Kumari und Kalabhashini …

3.60

… die Karala genannte, Kishori, Komala, Kulabhushana und Kalpada. In der Umfriedung sind Indra und die übrigen sowie ihre Waffen zu verehren.

Ucchishta-Observanz und Abschluss

Die folgenden Vorschriften gehören zu einer besonderen rituellen Überlieferung. Aggressive, manipulative und gesundheitlich problematische Anwendungen werden als solche gekennzeichnet.

3.61

Ist der Mantra so durch Japa und die weiteren [Handlungen] vollendet, vollziehe man die auf Wünsche gerichteten Anwendungen. Nach dem Essen von Reis wiederhole man den Mantra, ohne Achamana vollzogen zu haben, mit ungeteilter Aufmerksamkeit …

Erläuterung zur Stelle: Die Stelle verbindet ananyadhīḥ, ungeteilte Aufmerksamkeit, mit einer besonderen Ucchishta-Observanz. Diese Essensvorschrift ist keine allgemeine Regel für Japa.

3.62

… zehntausendmal im Ucchishta-Zustand: Wer dies tut, soll zu einem Sitz des Wohlergehens werden. Fortwährend bringe man Bali mit eben solcher übriggebliebener Speise dar.

Erläuterung zur Stelle: Bhakta bezeichnet hier gekochte Speise, nicht den Verehrer. Das Wort Ucchishta kennzeichnet die besondere rituelle Stellung der Speisereste.

3.63

Der Vers nennt ein Feueropfer mit bestimmten Körnergaben, das Herrscher und Minister augenblicklich unter den eigenen Einfluss bringen soll.

Erläuterung zur Stelle: Nichtanleitende Inhaltswiedergabe statt einer wörtlichen deutschen Durchführungsvorschrift. Die historische Anwendung wird dokumentiert, nicht empfohlen.

3.64

Bestimmten Fleischopfern schreibt der Vers die Beherrschung der Lehrschriften und Zuwachs an Reichtum zu; ein Milchreisopfer soll Erkenntnis beziehungsweise Gelehrsamkeit vermitteln.

Erläuterung zur Stelle: Historische Opfer-Wirkungs-Zuordnungen, keine nachgewiesenen Wirkungen und keine Empfehlung für Tieropfer.

3.65

Der Vers beschreibt eine besondere Opferanwendung mit dem Ziel, andere Menschen dem eigenen Willen zu unterwerfen.

Erläuterung zur Stelle: Nichtanleitende Inhaltswiedergabe statt einer wörtlichen deutschen Durchführungsvorschrift. Die historische Anwendung wird dokumentiert, nicht empfohlen.

3.66

Mit Betelblättern, verbunden mit Honig und Ghee, [soll man] großen Wohlstand [erlangen]. Danach beginnt eine weitere Opferanwendung mit Fleisch und anderen Zutaten …

Erläuterung zur Stelle: Der erste Satz ist übersetzt; die in 3.67 fortgesetzte manipulative Fleischopferanwendung wird nichtanleitend zusammengefasst.

3.67

… die Frauen heranziehen soll. Einer weiteren Opfergabe wird dieselbe Wirkung zusammen mit dem Erwerb von Wissen zugeschrieben.

Erläuterung zur Stelle: Nichtanleitende Inhaltswiedergabe statt einer wörtlichen deutschen Durchführungsvorschrift. Die historische Anwendung wird dokumentiert, nicht empfohlen.

3.68

Der Vers beschreibt ein aggressives Ritual im Leichenfeuer, dem die rasche Tötung von Feinden zugeschrieben wird.

Erläuterung zur Stelle: Nichtanleitende Inhaltswiedergabe statt einer wörtlichen deutschen Durchführungsvorschrift. Die historische Anwendung wird dokumentiert, nicht empfohlen. Naukā erklärt Unmatta als Dhatura und chada als Vogelfedern.

3.69

Der Vers nennt Rituale zur Erzeugung von Feindschaft und zur Herbeiführung einer Fehlgeburt.

Erläuterung zur Stelle: Nichtanleitende Inhaltswiedergabe statt einer wörtlichen deutschen Durchführungsvorschrift. Die historische Anwendung wird dokumentiert, nicht empfohlen. Die gegen Schwangere gerichtete Aussage wird als schädigender Ritualzweck benannt; daraus wird keine Handlungsempfehlung abgeleitet.

3.70

Der Vers schreibt einer über einen Monat fortgesetzten Opferhandlung die Wirkung zu, auch einer kinderlosen Frau einen Sohn zu verschaffen.

Erläuterung zur Stelle: Nichtanleitende Inhaltswiedergabe einer historischen Fruchtbarkeitsbehauptung. Sie ist keine medizinisch gesicherte Aussage.

3.71

Der Vers nennt eine Blumengabe zum Glück einer unglücklichen Frau und anschließend zur Heranziehung von Frauen.

Erläuterung zur Stelle: Nichtanleitende Inhaltswiedergabe statt einer wörtlichen deutschen Durchführungsvorschrift. Die historische Anwendung wird dokumentiert, nicht empfohlen.

3.72

Wer in einem menschenleeren Haus, im Wald, an der Stätte der Toten oder an einer Wegkreuzung Bali darbringt und eintausendacht Wiederholungen vollzieht …

Erläuterung zur Stelle: Der Satz setzt sich im folgenden Vers fort. Er beschreibt die besondere historische Observanz der Sumukhi-Verehrung.

3.73

… und dabei im Ucchishta-Zustand ist, dem werde die Göttin bald unmittelbar sichtbar. Wo keine Zahl für das Homa genannt wurde, sind zehntausend [Gaben] anzusetzen.

Erläuterung zur Stelle: Die Erscheinung der Göttin ist ein religiöses Wirkversprechen des Textes.

3.74

Auf dem Vama-Weg erfüllt Sumukhi rasch die Wünsche. Nach dem Essen ist ihre [Vidya] im Ucchishta-Zustand zu wiederholen, um das eigene Ersehnte zu erlangen.

Erläuterung zur Stelle: Vamamarga bezeichnet hier einen besonderen tantrischen Ritualweg; die Aussage ist nicht auf jede Form von Göttinnenverehrung zu übertragen.

3.75

Keine andere Göttin schenke so rasch Frucht wie Sumukhi: Schon durch die Wiederholung ihres Mantras gelängen die Herzenswünsche.

Erläuterung zur Stelle: Der Abschluss ist ein Lobpreis der Göttin, keine überprüfte Erfolgsgarantie.

Kolophon des Taraṅga 3

Damit endet im von Shri Mahidhara verfassten Mantramahodadhi der dritte Taraṅga: die Darlegung der Mantras Kalis und Sumukhis.

Textgrundlage dieses Taraṅga: Sanskrit-Grundtext der verwendeten Ausgabe, gedruckte Seiten 76–95 / PDF-Seiten 126–145. Naukā und die Hindi-Erklärung bleiben vom Grundtext getrennt.

Taraṅga 4 – Tara – geistige Klarheit und göttliche Gegenwart

Tara erscheint als machtvolle Göttin der rettenden und klärenden Gegenwart. Ihre Verehrung verbindet Mantra, Nyasa, Dhyana und Puja. Der Körper wird mit Lauten, göttlichen Kräften, Chakras und heiligen Orten in Beziehung gesetzt. Die Bitte, geistige Stumpfheit zu zerschneiden (4.102), steht neben ausführlichen Ritualvorschriften und historischen Wirkungsversprechen.

Tara-Mantra und Vorbereitung

Die Bildung des Mantras wird durch Lautchiffren beschrieben. Die anschließenden Zuordnungen führen zur rituellen Vergegenwärtigung der Göttin.

4.1

Nun werden die Mantras Taras gepriesen, die Vollendung schenken. Durch die Unterweisung des Gurus erkannt, führen sie die Menschen auf Erden zur Erfüllung.

4.2

Apyayini mit Ratrisha, Viyat verbunden mit Agni, Indu und Shanti; Hari, geschmückt mit Pavaka, Govinda und Chandramas …

Erläuterung zur Stelle: Die Namen dienen der verschlüsselten Bildung des Tara-Mantras. Der Satz setzt sich in 4.3 fort.

4.3

… Kha mit Arghisha und Shashanka sowie Astra: [Dies ist] der fünfsilbige Mantra. Ohne das erste Bija wurde diese [Vidya] von den Früheren Ekajata genannt.

4.4

Ohne das erste und das letzte Bija heißt sie Nilasarasvati. Alle [diese Formen] sind Tara. Der Rishi dieses Mantras trägt den Namen Akshobhya.

4.5

Brihati wird als Chandas, Tara als Gottheit genannt. Das zweite und das vierte [Bija] sind der Reihe nach Bija und Shakti, die Vollendung schenken.

4.6

Oder Krodha wird als Bija und Astra als Shakti angegeben. Mit dem zweiten [Bija], verbunden mit den sechs langen Vokalen, wird der sechsgliedrige Nyasa vollzogen.

4.7

Dann vollziehe man den sechsfachen Nyasa, um das Sein in der Gottheit zu verwirklichen. Er ist einem hingebungsvollen Schüler zu übergeben, nicht einem Übelgesinnten.

Erläuterung zur Stelle: Devatābhāva bezeichnet die Vergegenwärtigung beziehungsweise Verwirklichung der göttlichen Seinsweise. Die folgende Körperordnung gehört zu einer überlieferten und unterwiesenen Praxis.

4.8

Man setze die Rudras, beginnend mit Shrikantha, an den für die Matrika genannten Stellen ein; ihren Namen gehen die Matrika-Laute und davor Maya, das dritte [Bija] und Krodha voraus …

Nyasa von Lauten, Himmelskräften und göttlichen Gestalten

Die rituelle Zuordnung wird schrittweise über den Körper entfaltet. Sie ist eine besondere überlieferte Praxis und kein allgemeines Übungsprogramm.

4.9

… verbunden mit der Dativendung und Namaḥ. Dies wird als erster Nyasa gelehrt. [Man vergegenwärtige sich] die auf einem Leichensitz ruhende, blauglänzende, dreiäugige [Göttin] …

4.10

… mit der Mondsichel im Haar und mit vielfältigem Schmuck versehen, und vollziehe den Nyasa im Gedenken an sie. Als Zweites vollziehe man den Planeten-Nyasa, indem man [die Gottheiten] vergegenwärtigt.

4.11

Man setze den roten Surya ins Herz ein, eingeleitet von den drei Bijas und den Vokalen; ebenso den weißen Soma, eingeleitet von der Ya-Gruppe, in die beiden Augenbrauen …

4.12

… den rotglänzenden Mangala, eingeleitet von der Ka-Gruppe, in die drei Augen. Der Kundige setze den dunklen Budha mit der Ca-Gruppe in die Brust ein …

4.13

… den gelben Brihaspati mit der Ṭa-Gruppe in die Halsgrube und den weißen Bhargava mit der Ta-Gruppe in das Zäpfchen …

Erläuterung zur Stelle: Die Ṭa-Gruppe enthält die retroflexen, die Ta-Gruppe die dentalen Laute. Bhargava bezeichnet hier Shukra, die Venus.

4.14

… den blauen Shanaishchara mit der Pa-Gruppe in die Nabelgegend. Nachdem man über den rauchfarbenen Rahu meditiert hat, setze man ihn mit der Śa-Gruppe in das Gesicht ein …

4.15

… ferner den rauchfarbenen Ketu mit La und Ksha in den Nabel. So wird der Planeten-Nyasa, jeweils eingeleitet von den drei Bijas, gelehrt.

Erläuterung zur Stelle: Die Zuordnungen gehören zur tantrischen Körperkosmologie, nicht zu astronomischen Positionen im Körper.

4.16

Als Drittes vollziehe man sorgfältig den Nyasa der Weltenhüter, eingeleitet von den drei Bijas, beginnend mit Maya, zur Erlangung aller Vollendungen …

4.17

… am eigenen Kopf, von der Stirn aus, in den zehn Richtungen und nach oben: [Man setze] die Richtungsherren ein, denen die kurzen und langen [Vokale] und die acht Lautgruppen, beginnend mit Ka, vorausgehen.

Erläuterung zur Stelle: Die gedrängte Richtungsangabe wird entsprechend dem Wortlaut bewahrt. Es handelt sich um eine Nyasa-Ordnung am Kopf.

4.18

Als Viertes vollziehe man den Shiva-Shakti genannten Nyasa. Man setze die sechs Shivas, mit ihren Shaktis vereint und von den drei Bijas eingeleitet, ein …

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf der vorhergehenden Druckseite.

Chakras, Shaktis und heilige Orte

Die Verbindung von Körper, Gottheiten und heiligen Stätten macht den Leib zum Ort der Verehrung.

4.19

… in die Chakras, beginnend mit Adhara, jeweils mit den Lauten des Chakras davor: Brahma, verbunden mit Dakini und geschmückt mit den Lauten von Va bis Sa …

4.20

… setze man in das vierblättrige Muladhara ein. Shri Vishnu, verbunden mit Rakini und eingeleitet von den Lauten Ba bis La …

4.21

… setze man in das sechblättrige Svadhishthana-Chakra an der Geschlechtswurzel ein. Rudra, verbunden mit Lakini und eingeleitet von den Lauten Ḍa bis Pha …

4.22

… setze man in das zehnblättrige Manipura-Chakra am Nabel ein. Ishvara, verbunden mit Kakini und eingeleitet von den Lauten Ka bis Ṭha …

4.23

… setze man in das zwölfblättrige Anahata am Herzen ein. Sadashiva und Shakini, eingeleitet von den sechzehn Vokalen …

4.24

… setze man in das sechzehnblättrige Vishuddha am Hals ein. Im Ajna-Chakra rezitiere man [die Anrufung] Parashivas, mit Hakini vereint …

4.25

… eingeleitet von den Lauten La und Ksha, im schönen [Chakra], das zwischen den Augenbrauen liegt. Als Fünftes vollziehe man den mit Tara beginnenden Nyasa zur Erfüllung alles Ersehnten.

Erläuterung zur Stelle: Der Grundtext nennt la-kṣa; die Hindi-Erläuterung notiert daneben ha als Variante. Die IAST-Fassung bewahrt die Lesung des Grundtextes. Die gedruckte Verbindung saṃsthiteti ist sprachlich auffällig; der Zusammenhang bezeichnet das Chakra zwischen den Augenbrauen.

4.26

Nachdem man die acht Lautgruppen, jeweils eingeleitet von einem Vokalpaar und verbunden mit den Bijas, vorangestellt hat, sind die acht Gestalten, beginnend mit Tara, einzusetzen …

4.27

… Tara, Ugra, Mahogra, Vajra, Kali, Sarasvati, Kameshvari und Chamunda: Diese acht gelten als Tarikas.

4.28

Man setze sie der Reihe nach in Brahmarandhra, Stirn, Augenbrauenmitte, Halsgegend, Herz, Nabel, Geschlechtswurzel und Muladhara ein.

4.29

Dann vollziehe man den sechsten, Pitha genannten Nyasa, der alle Vollendungen schenkt: Den Kamarupa genannten [Sitz] setze man in Adhara ein, mit den kurzen [Vokalen] und Bija-Lauten davor …

4.30

… den Sitz Jalandhara, eingeleitet von den langen [Vokalen], ins Herz. Der Verständige setze den Purnagiri genannten [Sitz] mit der Ka-Gruppe in die Stirn ein …

4.31

… Uddiyana mit der Ca-Gruppe an den Haaransatz; gesammelt setze man den Sitz Varanasi mit der Ṭa-Gruppe in die Augenbrauen ein …

4.32

… Avanti mit der Ta-Gruppe in die beiden Augen und den Sitz Mayapuri mit der Pa-Gruppe in das Gesicht …

4.33

… den Sitz Mathura mit der Ya-Gruppe in den Hals und den Sitz Ayodhya mit der Śa-Gruppe und den weiteren [Lauten] in den Nabel …

4.34

… als zehnten den Sitz Kanchipuri in die Hüften. So sind die sechs Nyasa-Formen Taras dargelegt, die das Ersehnte schenken sollen.

Erläuterung zur Stelle: Die heiligen Orte werden in dieser Ritualvorstellung im Körper gegenwärtig. Die sechs Nyasa-Arten enthalten unterschiedliche Zahlen von Einzelzuordnungen.

Meditation auf Tara und besondere Observanzen

Die Gestalt der Göttin verbindet furchterregende Attribute mit Schönheit und spiritueller Macht. 4.43 fordert ausdrücklich, Frauen keinen Hass entgegenzubringen.

4.35

Man setze die herrliche Ekajata in das Herz, Tarini in den Kopf, Vajrodaka in die Shikha und Ugratara in den Schutzpanzer ein …

4.36

… Mahaparisara in die Augen und Pinglograikajata in das Waffenglied. Diese [Anrufungen], eingeleitet von Maya mit den sechs langen Vokalen, sind im sechsgliedrigen Nyasa einzusetzen.

4.37

Nachdem man [die Laute] sorgfältig zuerst auf die Finger, beginnend mit dem Daumen, gesetzt hat, vollziehe man mit Zeige- und Mittelfinger dreimal das Klatschen …

4.38

… und grenze mit der Schnipp-Mudra die Himmelsrichtungen ab, während man der Gottheit gedenkt. Mit der von Tara umschlossenen Vidya vollziehe man den umfassenden Nyasa siebenmal. Dann meditiere man Ugra-Tara, die unmittelbar Vollendung der Sprache schenkt.

Erläuterung zur Stelle: Die Nummer 38 umfasst drei Halbverse. Tara bezeichnet in der Verbindung tārapuṭā die Umrahmung durch Om; der letzte Halbvers leitet die Gottheitsmeditation ein.

4.39

[Man meditiere] sie auf einem weißen Lotus, der in den die ganze Welt erfüllenden Wassern erstrahlt: blauglänzend, mit glänzenden Händen, die Messer, Schwert, Schädelschale und blauen Lotus tragen; ihr Körper ist mit vorzüglichen Schlangen geschmückt, die Gürtel, Ohrringe, Halskette, Armreifen, Oberarmschmuck und Fußreifen bilden; ihre drei Augen sind rötlich …

Erläuterung zur Stelle: Die Dhyana-Beschreibung setzt sich in 4.40 fort. Die Sanskritlesung wurde aus der bereits am Scan bearbeiteten Auswahl übernommen.

4.40

… mit einem großen rötlichbraunen Haarknoten, hervorleuchtender Zunge und einem von Fangzähnen erschreckenden Gesicht. Sie trägt ein vorzügliches Tigerfell um die Hüften und einen Stirnschmuck aus weißem Knochen. Akshobhya schmückt ihr Haupt; ihr Lotusgesicht lächelt. So vergegenwärtige man sich Tara, die auf dem Herzen eines Leichnams sitzt, mit festen Brüsten, die Mutter der drei Welten.

Erläuterung zur Stelle: Naukā deutet Akshobhya hier als den Seher des Mantras, der ihr Haupt schmückt. Das lächelnde Gesicht steht im selben Bild wie die furchterregenden Attribute.

4.41

So meditierend und vielerlei Speisen, Quark und Honig, Madhu-Essenz und Betel zu sich nehmend, wiederhole man [den Mantra] vierhunderttausendmal.

Erläuterung zur Stelle: Madhusāra wird im Ritualzusammenhang als berauschendes Getränk verstanden. Die Stelle beschreibt eine besondere Observanz, keine allgemeine Ernährungsregel für Japa.

4.42

Ein Zehntel davon opfere man mit roten Lotusblüten, vermischt mit Milch und Ghee. Nachdem man die „große Muschel“ am Japa-Ort aufgestellt hat, vollziehe man die Mantrawiederholung.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt mahāśaṅkha hier als Schädelschale. Die wörtliche Bezeichnung wird deshalb nicht als gewöhnliches Muschelhorn missverstanden.

4.43

Während er eine Frau ansieht, berührt oder zu ihr geht, bringe er in tiefer Nacht die Bali-Gabe dar. Gegen Frauen soll kein Hass gehegt werden; stets soll man sie sorgsam verehren.

Erläuterung zur Stelle: Die erste Vershälfte gehört zur besonderen rituellen Observanz. Gacchan, „hingehend“, kann in diesem Zusammenhang auch sexuelle Annäherung bezeichnen. Subhruvām, wörtlich „der Schönbrauigen“, bezeichnet Frauen. Der zweite Halbvers verlangt ausdrücklich, Hass gegen sie zu meiden.

4.44

Für das Japa gibt es keine zeitliche Festlegung; man wiederhole stets, jedoch nicht stehend: auf dem Verbrennungsplatz, in einem leeren Haus oder an einer menschenleeren Gottesstätte …

Erläuterung zur Stelle: Die Negation bei sthitaḥ wird als Ausschluss des Stehens verstanden. Die Ortsangaben gehören zum besonderen Ritualkontext.

4.45

… auf einem Berg oder mitten im Wald, wobei der Mantrakundige einen Leichnam als Sitz benutzt: den eines im Kampf Getöteten oder den eines sechsmonatigen Kindes …

Erläuterung zur Stelle: Historische Beschreibung einer Shava-Observanz, keine Empfehlung. Der Satz setzt sich in 4.46 fort; es wird keine Aufforderung zur Tötung formuliert.

4.46

… und die Vidya zur Vollendung bringt. Rasch soll sie wirksam werden. [Als Kräfte des Sitzes werden genannt:] Medha, Prajna, Prabha, Vidya, Dhi, Dhriti, Smriti und Buddhi …

Erläuterung zur Stelle: Der zweite Halbvers beginnt eine neue Aufzählung; die Versnummer wird deshalb nicht mit einem einzigen Thema gleichgesetzt.

Pitha, Verehrung und vorbereitende Mantras

Die Vorbereitung der Puja umfasst Reinigung und die Bildung der dafür vorgesehenen Mantras.

4.47

… und Vidyeshvari: So werden die neun Shaktis des Sitzes genannt. [Der Pitha-Mantra beginnt mit:] Bhrigu mit Bindu, Meghavartman und Sarasvati …

Erläuterung zur Stelle: Die Lautanweisung ist gedrängt. Naukā erläutert die Formel aus den einzelnen Lautbestandteilen; diese Kommentarauflösung wird nicht stillschweigend zum Grundtext.

4.48

… „yogapīṭhātmane“ und Harda. So wird der Mantra des Sitzes angegeben.

Erläuterung zur Stelle: Die Nummer 48 umfasst nur einen Halbvers; er beendet die in 4.47 begonnene Mantra-Anweisung.

4.49

Nachdem man damit den Sitz dargebracht hat, vergegenwärtige man die Gestalt mit dem Wurzelmantra und verehre die Göttin vorschriftsgemäß. Nun wird diese Ordnung beschrieben.

4.50

Tara, Maya, Bhaga, Brahma, „jaṭe“, Surya und Kha mit langem Vokal; „yakṣādhipataye“, Tandri, „mopanītaṃ baliṃ“, dann …

Erläuterung zur Stelle: Beginn der Lautanweisung für den täglichen Bali-Mantra. Die Wortteile werden als solche wiedergegeben.

4.51

… zweimal „gṛhṇa“, Shiva und Svaha: Dies wird als Bali-Mantra angegeben. Damit bringe man täglich um Mitternacht an einer Wegkreuzung Bali dar.

4.52

Die Darbringung von Wasser und die übrigen Handlungen vollziehe man mit den Mantras in entsprechender Hinwendung. Dhruva, „vajrodake“, Varman und Phaṭ: Mit diesen sieben Silben erfolgt das Aufnehmen des Wassers.

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht am Ende der vorhergehenden Druckseite.

4.53

Maya, mit Tara am Anfang und Vahnijaya am Ende, wird für das Waschen der Füße genannt. [Es folgen:] Tara, Maya, Bhrigu mit Karna und die Laute „viśuddhadharma“ …

4.54

… „sarvapāpaniśāmyāśe“, Shveta, Jala mit Netra, „kalpān apanaya svāhā“: Der Mantra hat sechsundzwanzig Silben.

Erläuterung zur Stelle: Die Stelle enthält angeschnittene Wortfolgen einer Formel. Naukā bietet die zusammenhängende Achamana-Formel; die Übersetzung bewahrt die Mantrabildung des Grundtextes.

4.55

Damit vollziehe man Achamana. [Eine weitere Formel beginnt mit:] Dhruva, „maṇidhari“, „vajriṇi“, Mrityu mit Akshi, „khari“ und Rati mit Netra …

4.56

… nach „sarva“: Va, Vaka mit Indu, nach „kariṇi“ Shiras und Adhi-Kha, Astra und Vahnipriya. Der Mantra hat dreiundzwanzig Silben.

Erläuterung zur Stelle: Die Grundtextanweisung wird als Folge von Lauten und Chiffren wiedergegeben; die zusätzliche Silbe va wird bewahrt. Keine eigenständige Rekonstruktion der fertigen Formel.

4.57

Mit diesem Mantra binde der Mantrakundige die Shikha. [Eine weitere Formel besteht aus:] Pranava, zweimal „rakṣa“, langem Varman, Astra und zweimal Ṭha.

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf der vorhergehenden Seite. Die nächste Stelle nennt die Funktion der neuen Formel.

4.58

Mit diesem neunsilbigen Mantra reinige man den Boden. [Für die folgende Formel setze man] nach Tara die Wortfolge „sarvavighnān utsāraya“, dann …

4.59

… Huṃ Phaṭ Svaha. Dieser dreizehnsilbige Mantra dient der Abwehr von Hindernissen. Nachdem man damit die Hindernisse entfernt hat, vollziehe man die Reinigung der Elemente.

Innere Reinigung und Bereitung des Arghya

Bhutashuddhi beschreibt eine innere Verwandlung durch Feuer, Wind und Nektar. Danach folgt die besondere Arghya-Bereitung.

4.60

Man betrachte das Maya-Bija am Nabel, leuchtend wie eine Hibiskusblüte. Mit dem daraus hervorgehenden Feuer verbrenne man [in der Vorstellung] den Körper mitsamt der eigenen Verfehlung.

Erläuterung zur Stelle: Bhutashuddhi beschreibt eine innere rituelle Visualisation, keine reale Verbrennung des Körpers.

4.61

Der Mantrakundige betrachte das goldglänzende Tara-Bija im Herzen. Mit dem daraus hervorgehenden Wind lasse man die Asche der Verfehlung zur Erde fallen.

4.62

Nachdem man an der Stirn das vierte Bija meditiert hat, weiß wie Mond und Kunda-Blüte, bilde man mit dem daraus hervorgehenden Nektar den Körper neu, der Gottheit ähnlich.

Erläuterung zur Stelle: Die Folge Feuer, Wind und Nektar verbindet Reinigung und Erneuerung. Eine heutige Betrachtung kann darin einen Anstoß zu bewusster Neuorientierung sehen; diese Deutung ergänzt nicht die Ritualvorschrift.

4.63

Durch diese Reinigung der Elemente erlange man Ähnlichkeit mit der Göttin. [Der folgende Mantra beginnt mit:] Tara, „pavitravajra“, „bhūme“ und Viyat mit Arghisha und Indu …

4.64

… und Vahnipriya. Dieser elfsilbige Mantra wird zur Anrufung des Bodens gelehrt. [Für den folgenden Mantra:] Tara, Ananta, Bhrigu mit Karna, Balin mit Padmanabha …

4.65

… „khe vajrarekhe“, das Krodha genannte Bija und Pavakavallabha. Mit diesem zwölfsilbigen Mantra gestalte man das glückverheißende Mandala.

4.66

Tara, „yathāgatā“, Nidra mit Drish, „ṣeka“, Bhrigu und Visha; [Visha] mit langem Vokal, Smriti und Ra mit Akshi, Mahakala mit Bhaga …

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert die zusammengezogene Form smṛtirau als Smriti und Repha. Die Anweisung bleibt als Lautbildung erkennbar, ohne eine eigene Rezitationsformel zu konstruieren.

4.67

… Krodha und Astra: Dieser vierzehnsilbige Mantra dient der Reinigung von Blumen und anderem. Tara, Pasha, Para und Svaha bilden einen fünfsilbigen [Mantra] zur Reinigung des Scheiterhaufens.

Erläuterung zur Stelle: Citaśodhana bezeichnet im Wortlaut die rituelle Reinigung einer Leichenstätte beziehungsweise eines Scheiterhaufens. Die Stelle gehört zur besonderen historischen Ritualumgebung.

4.68

Zehn Mantras sind dargelegt. Nun wird das Bereitstellen des Arghya beschrieben: Nachdem man mit Mamsa und Toya, beide mit Indu, den Boden gereinigt hat, [zeichne man] die Umfriedung …

4.69

… und einen mit einem Dreieck verbundenen Kreis; so gestalte man das Mandala mit dem Mandala-Mantra. Dort verehre man Adhara-Shakti, die Schildkröte und den Herrn der Schlangen.

4.70

Dort stelle man den Träger auf, mit Maya, eingeleitet von Tara und ergänzt durch Astra. Nach der Verehrung des Feuermandalas stelle man die große Muschel auf.

Erläuterung zur Stelle: Mahashankha meint nach Naukā in diesem Abschnitt eine menschliche Schädelschale.

4.71

[Man stelle sie auf,] nachdem sie mit Vihayas, verbunden mit Vamakarna und Indu und mit Phaṭ als Abschluss, ausgespült wurde; dabei spreche man Bhrigu mit Dandin, Trimurti und Indu.

Erläuterung zur Stelle: Die Lautchiffren beschreiben die für Reinigung und Aufstellung verwendeten Bijas. Naukā erläutert die Schädelschale ausdrücklich als Gefäß dieses Ritus.

4.72

Dann verehre man die große Muschel mit der Rezitation der vier Mantras. [Der erste besteht aus:] Maya mit den drei langen Vokalen, „kālī“, Srishti und Pa mit langem Vokal …

4.73

… Mamsa mit Pratishtha, Pavana und Hridaya. Dies ist der erste, elfsilbige Mantra zur Verehrung der großen Muschel.

4.74

Hamsa mit Hari und Bhujangesha, verbunden mit den drei langen Vokalen und Indu; nach „tāriṇi“ folgt „kapālāya“, mit Namaḥ als Abschluss. [Dies ist] der zwölfsilbige [zweite Mantra].

4.75

Kha mit den drei langen Vokalen und Bindu, Mesha mit Vamadrish, „lokapālāya“ und Hridaya: Dies ist der dritte, elfsilbige [Mantra].

Erläuterung zur Stelle: Hier besteht eine Lesungsdifferenz: Der Grundtext hat lokapālāya, während Naukā die Formel als nīlakapālāya ausschreibt. Die IAST-Fassung bewahrt den Grundtext und verschmilzt die beiden Fassungen nicht.

4.76

Maya, das Stri-Bija, Kha mit Arghi und Indu; „svarga“, der erste [Laut] von Kha, „pālāya“, „sarvādhārāya“, „sarva“ und „sarvodrava“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Bildung des vierten Mantras erstreckt sich über drei Verse. Naukā erläutert svarga sowie den k-Laut am Beginn von kapāla. Der Hauptdruck hat sarvodrava, die Rai-Ausgabe sarvodbhava; hier wird die Hauptquelle bewahrt.

4.77

… und „sarvaśuddhimaya“, jeweils mit Dativendung; nach „sarvāsura“: „rudhirāru“, Rati mit langem Vokal und Vayu, „śubhra“, Anila und „surā“ …

Erläuterung zur Stelle: Ṅe bezeichnet die Dativendung. Rati und Vayu dienen als Lautchiffren innerhalb der Wortbildung.

4.78

… „bhājanāya“, Satya mit Bhaga, „vīkapālāya“ und Hrid: Dies ist der vierte Mantra zur Verehrung der großen Muschel; er hat sechsundfünfzig Silben.

Erläuterung zur Stelle: Satya mit Bhaga bildet nach Naukā de; zusammen mit dem folgenden vī entsteht devī. Der Grundtext wird nicht durch eine bereits aufgelöste Formel ersetzt.

4.79

Nachdem man darin das Sonnenmandala verehrt hat, fülle man mit dem Wurzelmantra Wasser ein und betrachte es als Nektar. Man gebe Duftstoff, Blumen und unversehrte Reiskörner hinzu.

4.80

Nach dem Zeigen der Trikhanda-Mudra verehre man das Mondmandala. [Es folgt die Lautanweisung:] Vak, Shakti, Padma und Gagana, verbunden mit Repha, Anugraha und Bindu …

Erläuterung zur Stelle: Vak, Shakti, Padma und Gagana sind hier Namen von Mantralautelementen.

4.81

… der Wurzelmantra, Viyat, verbunden mit Hamsa, Manu und Visarga, Varaha mit Dipika und Indu: Der Mantra ist elfsilbig.

Erläuterung zur Stelle: Die zusammengesetzte Chiffrenfolge beschreibt die Bildung einer Formel; sie wird nicht zu einer frei rekonstruierten Rezitationsformel erweitert.

4.82

Mit diesem [Mantra] bespreche der gesammelte Mantrapraktizierende das Wasser achtmal. Nachdem er unter [Rezitation von] Maya Madira hinzugefügt hat, zeige er die Shankha- und Yoni-Mudra.

Erläuterung zur Stelle: Mantrayet bedeutet hier das Besprechen mit dem Mantra, nicht zwingend ein Besprengen. Madira ist ein berauschendes Getränk. Die anschließenden ausführlichen Mudra-Erklärungen im Druck stehen unter der Trennlinie und gehören zum Kommentar, nicht zum Grundtext.

Tarpana und der Kreis der Gottheiten

Die Verehrung schließt Anandabhairava, Ganesha, Batuka, Kshetrapa, Yoginis und weitere Gottheiten ein.

4.83

Darin stelle man sich [das Yantra aus] Kreis, acht und sechs Ecken vor und vergegenwärtige sich die Göttin in der zuvor beschriebenen Gestalt. Nachdem man sie verehrt hat, bringe man ihr mit dem Wurzelmantra das Tarpana dar.

4.84

Mit Zeigefinger, Mittelfinger, Ringfinger und kleinem Finger, jeweils zusammen mit dem Daumen, [vollziehe man] viermal [das Tarpana] für Maheshvari im Wasser der großen Muschel.

Erläuterung zur Stelle: Die Finger werden nacheinander mit dem Daumen verbunden. Mahashankha bezeichnet hier weiterhin die im Kommentar erläuterte Schädelschale.

4.85

Kha mit Repha, Manu und Bindu, ebenso [Kha] mit Bhrigu, Manu und Indu: Mit [dieser Formel], der Dhruva vorangeht und die mit Namaḥ endet, bringe man Anandabhairava das Tarpana dar.

Erläuterung zur Stelle: Der Grundtext gibt eine Lautanweisung; Naukā erläutert Manu hier als den au-Laut. Keine freie Rekonstruktion der Rezitationsformel.

4.86

Dann besprenge man mit diesem Arghya-Wasser die Gegenstände der Verehrung. Nach dem Zeigen der Yoni-Mudra verneige man sich vor der göttlichen Tarini.

4.87

Das Verfahren beim Arghya, das alle Siddhis gewähren soll, ist dargelegt. Auf dem zuvor genannten Sitz, in einem Lotus mit sechseckigem Mittelpunkt, verehre man …

Erläuterung zur Stelle: Die gedruckte Wortfolge vidhānam adhye ist sprachlich auffällig. Der Zusammenhang ist der Abschluss der Arghya-Bereitung; eine sichere Emendation wird nicht vorgetäuscht.

4.88

… die Göttin mit schönen Gaben, [im Lotus,] den eine reizvolle Umfriedung umgibt. An den vier Seiten dieser Umfriedung verehre man Ganesha und die anderen.

4.89

Im Osten verehre man Ganesha: In seinen Händen trägt er Schlinge, Elefantenhaken, Schädelschale und Dreizack; er ist mit vielerlei Schmuck versehen.

4.90

Im Süden verehre man den schönen Batuka, der in beiden Händen Schädelschale und Dreizack hält, Schlangen als Schmuck trägt und von einer Schar Leichen umgeben ist.

4.91

Im Westen verehre man den schwarzen, unbekleideten, furchterregenden Kshetrapa, der Schwert, Dreizack, Schädelschale und Trommel in seinen Händen hält.

4.92

Im Norden verehre man die Yoginis: Sie tragen Schädelschale, Trommel, Schlinge und Linga in den Händen, Eingeweide als Schmuck und rote Gewänder.

Erläuterung zur Stelle: Der Druck wechselt zwischen einer singularischen und einer pluralischen Form. Die Übersetzung folgt dem abschließenden yoginīḥ. Antrākalpa bezeichnet Schmuck aus Eingeweiden, nicht eine schwarze Körperfarbe.

4.93

Auf dem Haupt der Göttin verehre man Akshobhya. Der glückverheißende Mantra des Rishi [lautet in der Bildungsanweisung]: „akṣobhya vajrapuṣpaṃ pratīccha“ und Analavallabha.

Erläuterung zur Stelle: Akshobhya bedeutet „der Unerschütterliche“. Die hier genannte Gottheit gehört zum konkreten Tara-Ritual; aus der Namensgleichheit allein wird keine historische Abhängigkeit abgeleitet.

4.94

[Dies ist] der Mantra zur Verehrung Akshobhyas. In den sechs Ecken [verehre man] die sechs Glieder; ferner Vairochana, Amitabha und den Padmanabha Genannten …

4.95

… sowie Shankha, der Pandura heißt, auf den Lotusblättern der Hauptrichtungen. Lamika, Mamika, Pandura und Taraka …

Erläuterung zur Stelle: Naukā verbindet Śaṅkha und Pāṇḍura in der zugehörigen Anrufung zu Śaṅkhapāṇḍura. So ergeben sich vier Gottheiten für die vier Hauptrichtungen.

4.96

… verehre man auf den Lotusblättern der Zwischenrichtungen, um das Gewünschte zu erlangen. Den Namen im Vokativ gehe jeweils ihr Anfangslaut mit Bindu voraus …

4.97

… und sie enden mit „vajrapuṣpaṃ pratīccha“ und Agnipriya; am Anfang steht Pranava. So sind die Mantras zur Verehrung Vairochanas und der anderen gelehrt.

4.98

An den vier Toren der Umfriedung verehre man Padmantaka und Yamantaka, sodann Vighnantaka und Narantaka.

Erläuterung zur Stelle: Der Druck hat die verkürzte Form caturdvārṣu; sie wird nicht stillschweigend zu caturdvāreṣu erweitert.

4.99

Danach verehre man Shakra und die übrigen [Richtungshüter], den Vajra und die übrigen [Waffen]. Wer die Göttin auf diese Weise verehrt, erlangt Gelehrsamkeit und außerordentlichen Reichtum …

Bali-Mantras und historische Anwendungen

Der Themenwechsel beginnt im zweiten Halbvers von 4.100. Nichtanleitende Inhaltswiedergaben werden ausdrücklich als solche bezeichnet.

4.100

… Söhne und Enkel, Glück, Ruhm und Einfluss auf Menschen. [Es beginnt die Bildung eines weiteren Mantras:] Tara, Maya, „śrīmadekajaṭe nīlasarasvati“ …

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF-Seite 173, der zweite auf Seite 175. Zwischen den Halbversen wechselt das Thema zum zweiundfünfzigsilbigen Bali-Mantra. Das Wirkungsversprechen wird als Aussage des historischen Textes wiedergegeben.

4.101

… „mahogratāre“, „de“, Bala mit Netra, zweimal Gadin; „sarvabhūtapiśāca“, Kurma, Agni mit langem Vokal, „merusān“ und „grasa“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Stelle wechselt zwischen gesprochenen Wörtern und Lautchiffren. Naukā erläutert diese Folge zur Bildung der Anrufung; die vorliegende Übertragung bewahrt die Grundtextanweisung und ergänzt keine eigene Formel.

4.102

… „gra“ und Bhrigu, „mama jāḍyaṃ“, zweimal „chedaya“, Rama; abgeschlossen durch Maya, Astra und Agnipriya: Dieser Mantra hat zweiundfünfzig Laute.

Erläuterung zur Stelle: Mama jāḍyaṃ chedaya bedeutet: „Zerschneide meine geistige Stumpfheit.“ Das ist ein konkreter Anknüpfungspunkt für die spirituelle Deutung der Tara-Verehrung als Bitte um geistige Klarheit.

4.103

Mit diesem [Mantra] bringe man der Göttin täglich am Ende der täglichen Puja eine Bali-Gabe dar. Wenn der Mantra auf diese Weise zur Vollendung gebracht ist, führe der Mantrapraktizierende die besonderen Anwendungen aus.

4.104

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Text beschreibt eine Behandlung der Zunge eines Neugeborenen mit einer aufgetragenen Mantraformel und verbindet sie im folgenden Vers mit einer späteren dichterischen Begabung.

Erläuterung zur Stelle: Die historische Anwendung am Neugeborenen wird nicht als heutige Praxis empfohlen. Die deutsche Fassung gibt hier bewusst keine Durchführungsvorschrift wieder.

4.105

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die vorherige Anwendung wird mit zwei möglichen Schreibmitteln ergänzt. Für das Kind wird nach Vollendung des achten Lebensjahres der Rang eines großen Dichters versprochen.

Erläuterung zur Stelle: Fortsetzung der historischen Anwendung aus 4.104. Das Versprechen ist eine Aussage des Werkes, keine überprüfte Wirkung.

4.106

[Der so Begabte sei] von anderen nicht zu besiegen und von Scharen von Königen mit Reichtum geehrt. [Eine andere Anwendung:] Bei einer Finsternis hole man ein im Wasser eines Teiches treibendes Stück Holz herbei …

4.107

… fertige daraus ein Schreibgerät und schreibe damit unter Verwendung von Öl, Honig und Amrita den Mantra auf ein Lotusblatt; umgebe ihn mit den Buchstaben der Matrika.

Erläuterung zur Stelle: Kīlaka bezeichnet hier einen kleinen Stift; Naukā erläutert ihn als lekhanī, Schreibgerät. Amṛta wird dort als sudhā paraphrasiert. Die Rezeptangabe wird nicht zu einer modernen Materialempfehlung ausgebaut.

4.108

Nachdem man das Blatt in einer viereckigen, mit einem Rand versehenen Feuergrube eingegraben und dort das Feuer eingerichtet hat, opfere man mit diesem Mantra …

4.109

… tausend rote Lotusblumen, die mit Kuhmilch und Wasser benetzt sind. Am Ende des Homa bringe man aus verschiedenen Speisen und auch Früchten eine Bali-Gabe dar …

4.110

… vorschriftsgemäß mit dem Bali-Mantra. Nun wird der Bali-Mantra dargelegt: Tara, zweimal Padma, Tandri und Viyat mit langem Vokal, sowie Lohita …

Erläuterung zur Stelle: Der zweite Halbvers beginnt eine verschlüsselte Mantrabildung; die genaue Zuordnung der langen Vokale wird hier nicht spekulativ aufgelöst.

4.111

… Atri, auf Visha und Bhaga stehend; man spreche das Wort „padmāvatī“; Anila mit Jhintisha und Svaha: [Dies ist] der sechzehnsilbige Mantra der Bali-Gabe.

4.112

Dann bringe man auch um Mitternacht die Bali-Gabe mit dem zuvor genannten Mantra dar. Wenn dies vollzogen ist, werde man ein König unter den Dichtern, von Gelehrten nicht zu besiegen.

Erläuterung zur Stelle: Die dichterische Unübertrefflichkeit ist ein traditionelles Wirkungsversprechen.

4.113

[Man werde] ein Wohnort von Bharati und Lakshmi und fähig, die Menschen zu erfreuen. Nichtanleitende Inhaltswiedergabe des zweiten Halbverses: Es folgt eine Stirnzeichen-Anwendung mit einer hundertfach besprochenen Substanz.

Erläuterung zur Stelle: Der zweite Halbvers gehört zur manipulativen Wirkungsabsicht des folgenden Verses. Naukā erklärt alika als Stirn.

4.114

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Dem Stirnzeichen wird zugeschrieben, andere beim Anblick augenblicklich wie Diener abhängig zu machen. Anschließend beginnt eine aggressive Anwendung mit einem Gegenstand von einer Leichenstätte.

Erläuterung zur Stelle: Die Fremdbestimmung anderer wird als historisches Ritualziel dokumentiert und nicht zu einem Ideal heutiger Sadhana erklärt.

4.115

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Gegenstand wird rituell vorbereitet, mit dem Wurzelmantra besprochen und gegen das Haus eines Feindes eingesetzt.

Erläuterung zur Stelle: Aggressive Ritualanwendung; keine Durchführungsempfehlung.

4.116

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Text verspricht die Vertreibung von Gegnern samt ihren Familien innerhalb einer Woche. Er beginnt danach eine weitere feindschädigende Anwendung mit einer auf einen menschlichen Knochen geschriebenen Formel.

Erläuterung zur Stelle: Die Stelle gehört zu Uccāṭana. Die historische Behauptung wird weder bestätigt noch als moderne Praxis vermittelt.

4.117

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine weitere Rezitations- und Platzierungsvorschrift soll den Feind nach Ablauf einer festgelegten Zeit aus seinem Haus beziehungsweise seiner Stellung verdrängen.

Erläuterung zur Stelle: Bhraṃśaka bezeichnet das Zu-Fall-Bringen beziehungsweise die Verdrängung. Die Stelle setzt die aggressive Anwendung aus 4.116 fort.

Yantra und Schlusslob der Tara

Nach dem ersten Halbvers beginnt die Yantra-Beschreibung. Die Schlussverse verbinden Erkenntnis und Befreiung mit weltlichen Wirkungsversprechen.

4.118

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe des ersten Halbverses: Es folgen schädigende Einsatzzwecke gegen die Ernte und die Leistungsfähigkeit von Pferden. [Dann beginnt die Beschreibung eines Yantras:] In die Mitte eines Sechsecks schreibe man den Wurzelmantra zusammen mit [dem Namen] der betreffenden Person; [gestalte] einen Lotus, dessen Staubfäden die Vokale und dessen Blätter die acht mit Ka beginnenden Gruppen tragen und der außen von einer Umfriedung umgeben ist.

Erläuterung zur Stelle: Diese Nummer umfasst nach einem abschließenden Anushtubh-Halbvers eine vollständige längere Strophe. Die Zählung wird bewahrt.

4.119

Dieses Yantra schreibe man auf Birkenrinde mit einer aus Lack gewonnenen Flüssigkeit, umhülle es mit gelbem Stoff und binde es mit gelbem Faden fest.

4.120

Um den Hals von Kindern gebunden, soll [das Yantra] vor der Furcht vor Geistern schützen; am linken Arm von Frauen soll es Söhne verleihen und eheliches Glück bewirken.

Erläuterung zur Stelle: Historische Schutz- und Fruchtbarkeitsvorstellungen. Die Aussage wird als Behauptung des Textes übersetzt, nicht als heutige Empfehlung zum Anbringen von Gegenständen am Hals eines Kindes.

4.121

Am rechten Arm von Männern gebunden, soll es Schutz verleihen, den Mittellosen Reichtum, den nach Erkenntnis Verlangenden Erkenntnis und den Königen Sieg.

4.122

Nachdem in alter Zeit die großen Rishis Gautama und andere dieses Yantra getragen hatten, erlangten sie die Vollendung der Befreiung; die Herrscher der Erde erlangten die Oberherrschaft.

Erläuterung zur Stelle: Der Vers verbindet weltliche Zielsetzungen mit Moksha. Er berichtet eine traditionelle Autoritätserzählung und keine historisch unabhängig belegte Wirkung.

4.123

Wozu viele Worte? Dieses [Yantra] gewährt den Menschen das Ersehnte: Wohlstand, dichterische Begabung, königliche Anerkennung, Ruhm, Lebensdauer und Gesundheit.

Erläuterung zur Stelle: Lobpreis mit Wirkungsversprechen; keine medizinische Aussage der Redaktion.

4.124

Keine Gottheit gleicht Tara, die alle Siddhis gewährt. Darum soll derjenige, der im Kali-Zeitalter die ersehnte Vollendung sucht, ihre Verehrung im Verborgenen bewahren.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert die Geheimhaltung als Zurückhaltung mit der Behauptung: „Ich bin ihr Verehrer.“ Für heutige Aspiranten lässt sich daran die Anregung anschließen, Praxis ohne Selbstdarstellung zu vertiefen; das ist eine heutige Auslegung, keine zusätzliche Ritualvorschrift.

Kolophon des Taraṅga 4

Damit endet im von Shri Mahidhara verfassten Mantramahodadhi der vierte Taraṅga, genannt „Darlegung des Tara-Mantras“.

Textgrundlage dieses Taraṅga: Sanskrit-Grundtext der verwendeten Ausgabe, gedruckte Seiten 96–129 / PDF-Seiten 146–179. Naukā und die Hindi-Erklärung bleiben vom Grundtext getrennt.

Taraṅga 5 – Tara-Formen, Nila-Sarasvati und der Kreis der Shaktis

Weitere Formen der Tara-Verehrung erschließen die Göttin als Ekajata, Nila Sarasvati und Königin der Vidyas. Die Vergegenwärtigung im Herzenslotus (5.9) verbindet sich mit der Verehrung eines vielgestaltigen Kreises göttlicher Kräfte. Drei Meditationsformen stellen Schöpfung, Erhaltung und Auflösung dar (5.74–81). Gelehrsamkeit und Meisterschaft der Rede gehören zu den wiederkehrenden Zielen.

Acht Tara-Vidyas und ihre göttlichen Zuordnungen

Brahma, Vishnu und Narayana erscheinen als Verehrer bestimmter Tara-Mantraformen. Die Aussagen gehören zur traditionellen Herkunfts- und Autoritätsdarstellung.

5.1

Nun werden die verschiedenen Tara-Formen gelehrt, die rasch Siddhi verleihen sollen. [Die erste Mantrabildung beginnt mit:] Kamika, versehen mit Vahni, Vamakshi und Bindu; Bhuvaneshvari …

Erläuterung zur Stelle: Die zweite Vershälfte beginnt eine Lautanweisung. Die Gottheitennamen fungieren hier teilweise als Bezeichnungen von Mantraelementen.

5.2

… [nochmals] Bhuvaneshi, Varma und Rudra, mit Phaṭ am Schluss und Pranava am Anfang: [Dies ist] die siebensilbige Mahavidya, die von Virinchi verehrt wurde.

Erläuterung zur Stelle: Virinchi ist Brahma. Die Aussage bezeichnet die traditionelle göttliche Zuordnung dieser Mantraform.

5.3

Vak-Shakti, Kamala und Kama, Hamsa mit Anugraha und Visarga, Varma, „ugratāre“, Varma und Astra: [Dies ist] die zwölfsilbige, von Vishnu verehrte [Vidya].

5.4

Tara, Varma, Shiva und Kama, Bhrigu mit Manu und Visarga, Varma und Astra: Dies ist die siebensilbige, Siddhi verleihende [Vidya], die Vishnu verehrt.

5.5

Wenn bei diesen beiden [Vidyas] im fünften Bija dem Sa ein Ha vorangeht und ein Ra nachfolgt, dann heißt dieses Vidya-Paar das von Chaturmukha verehrte.

Erläuterung zur Stelle: Chaturmukha, „der Viergesichtige“, bezeichnet Brahma. Der Vers gibt eine Abwandlung zweier zuvor genannter Formeln an; keine neue Formel wird frei ergänzt.

5.6

Tara, Maya, Varma, Maya, Varma und Astra: [Dies ist] die sechssilbige [Vidya]. [Eine weitere beginnt mit:] Hari mit Agni, Trimurti und Indu, die von Varma umschlossene Adrija …

5.7

… und Astra am Ende: Diese [Formel] ist fünfsilbig. Damit sind die beiden Ekajata-[Vidyas] dargelegt. [Es folgen:] Repha mit Shanti und Indu, der auf Na folgende [Laut], Varma, Astra, Kama und Vagbhava …

Erläuterung zur Stelle: Ṇānta ist eine Lautchiffre; die Übersetzung erklärt sie nicht als zusätzlichen Gottheitsnamen.

5.8

… [als] die fünfsilbige, von Narayana verehrte [Vidya], die alle Siddhis verleiht. Der Rishi dieser acht Vidyas ist Shakti, der Sohn Vasishthas.

Erläuterung zur Stelle: Shakti bezeichnet hier den männlichen Rishi Śakti, nicht die Göttin oder die allgemeine göttliche Kraft.

Tara im Herzenslotus

Nach dem Nyasa wird die Göttin im eigenen Herzen meditiert. Die mondgleiche weiße Gestalt verbindet Schönheit und kraftvolle Attribute.

5.9

Als Versmaß und Gottheit werden Gayatri und Tara genannt. Nachdem man den Nyasa wie zuvor vollzogen hat, meditiere man auf Tara im Lotus des Herzens.

Erläuterung zur Stelle: Die Herzensmeditation ist ausdrücklich im Grundtext belegt: Die Göttin wird nicht nur auf einem äußeren Bild oder Yantra verehrt, sondern im eigenen Herzen vergegenwärtigt.

5.10

Ich verehre die dreiäugige Tara um umfassende Fülle willen: weiß gekleidet, leuchtend wie der Herbstmond, mit schönem Schmuck und der Mondsichel als Stirnzier; in ihren lotosgleichen Händen trägt sie Schneidemesser und Schädelschale.

Erläuterung zur Stelle: Die helle, mondgleiche Erscheinung steht neben den kraftvollen Attributen. Der Vers ist eine Meditation, keine abstrakte Definition der Göttin.

5.11

Japa, Puja und alles Weitere vollziehe man für sie wie zuvor. Durch Homa mit honigvermischter Milchspeise werde man zu einem Schatz des Wissens.

5.12

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Text ordnet verschiedene Farben der Göttin unterschiedlichen Ritualzielen zu: Rot der Beeinflussung, Gold der Lähmung, eine im Druck als sita bezeichnete Farbe der Tötung, Rauchfarbe der Vertreibung und Weiß der Befriedung.

Erläuterung zur Stelle: Die Drucklesung sitām bei Māraṇa ist auffällig, da im letzten Glied śvetām ebenfalls „weiß“ bedeutet. Es wird keine vermeintlich selbstverständlich schwarze Farbe stillschweigend eingesetzt. Aggressive Ziele werden nicht empfohlen.

5.13

Wozu hier viele Worte? Diese zur Vollendung gebrachten Vidyas erfüllen den Menschen in dieser Welt gewiss jeden Herzenswunsch.

Erläuterung zur Stelle: Traditioneller Lobpreis der Mantrapraxis; die Redaktion macht sich die uneingeschränkte Wirksamkeitsbehauptung nicht zu eigen.

Ekajata und Nila-Sarasvati

Weitere Mantraformen führen zur Göttin der Sprache und zu ihren besonderen Meditationsgestalten.

5.14

Maya und Hrid, „bhagavaty ekajaṭe mama“, Jala und Sthira, die auf Vahni sitzt, „puṣpaṃ pratīccha“ und Analavallabha …

Erläuterung zur Stelle: Die Formelbildung enthält die Bitte an die Göttin, die Blume anzunehmen. Jala, Sthira und Vahni dienen hier der Lautbildung.

5.15

… [ergeben] mit Tara am Anfang einen zweiundzwanzigsilbigen Mantra, der alle Siddhis verleiht. Rishi ist Patanjali, das Versmaß Gayatri und Ekajata wiederum …

Erläuterung zur Stelle: Der Text nennt Patanjali als Mantra-Rishi. Er erklärt hier nicht, ob damit der Verfasser des Yoga-Sutra gemeint ist; eine solche Identifizierung wird nicht behauptet.

5.16

… die Gottheit. Mit Maya, versehen mit den sechs langen Vokalen, vollziehe man den sechsgliedrigen Nyasa. Meditation, Verehrung und Anwendungen führe man wie beim zuvor genannten Mantra aus.

5.17

Rama, Maya, die beiden auf Vyapini stehenden und mit Visarga versehenen Hamsa-Laute, Varma, Astra, „nīla“, Bhrigu, „rasvatyai“ und das doppelte Ṭha werden genannt …

Erläuterung zur Stelle: Die im Druck zusammengezogene Folge nīlabhṛgurasvatyai bildet nach Naukā nīlasarasvatyai. Grundtextanweisung und aufgelöste Formel werden auseinandergehalten.

5.18

… [als] vierzehnsilbiger, mit Pranava beginnender und alle Siddhis verleihender Mantra. Rishi, Versmaß und Gottheit sind Brahma, Gayatri und Nila-Sarasvati.

5.19

Die Glieder werden mit den im Mantra vorkommenden Lautgruppen [in den Zahlen] Netra, Chandra, Indu, Netra, Anga und Netra zugeordnet. Sodann meditiere man auf die Göttin, die alle ersehnten Vollendungen verleiht.

Erläuterung zur Stelle: Die Zahlwörter stehen nach Naukā für 2, 1, 1, 2, 6 und 2. Zusammen ergeben sie die vierzehn Laute des Mantras.

5.20

Freudig verehre ich Nila-Sarasvati, die Herrin: In ihren Händen hält sie Glocke, [abgetrennten] Kopf, Dreizack und Schwert; sie trägt die Mondsichel als Schmuck und zertritt unter ihrem Fuß den Pashu.

Erläuterung zur Stelle: Paśu heißt „Tier“ und kann in tantrischer Sprache den gebundenen Menschen bezeichnen. Der Vers verwendet eine kraftvolle göttliche Bildsprache. Eine Deutung als Überwindung innerer Gebundenheit ist eine spirituelle Lesart; sie ersetzt nicht den wörtlichen Bildgehalt.

5.21

Japa, Puja und alles Weitere sind für sie wie zuvor gelehrt. Diese zur Vollendung gebrachte Vidya soll den Menschen insbesondere Sieg im Wortstreit verleihen.

5.22

Maya, mit Ananta verbunden; Varma und Hrid; danach Tara mit Dativendung, wiederum dieselbe [Tara], diesmal mit dem Wort „mahā“ davor; zuletzt Bhrigu, Brahma und Anala …

Erläuterung zur Stelle: Die Wortfügung ist Teil einer über mehrere Verse reichenden Mantrabildung. Naukā erläutert dabei tārayai und mahātārayai.

5.23

… „dustaraṃ“, zweimal „tāraya“, zweimal „tara“ und das doppelte Ṭha. Mit Tara am Anfang ist [die Vidya] zweiunddreißigsilbig. Ihre Verehrung gilt als dieselbe wie zuvor.

Erläuterung zur Stelle: Tāraya bedeutet „Lass hinübergelangen!“; dustara bezeichnet das schwer zu Überquerende. Der Wortlaut greift das Motiv der rettenden Überfahrt auf.

Vidyarajni – die Königin der Vidyas

Die zur Vollendung gebrachte Verehrung wird ausdrücklich mit Bhoga und Moksha, Weltgenuss und Befreiung, verbunden.

5.24

Nun will ich die Königin der Vidyas darlegen, die selbst für den Herrn der Götter schwer zu erlangen ist. Menschen, die sie empfangen haben und sich ihrer Verehrung widmen, verwirklichen das von ihnen Ersehnte.

5.25

Vak, Maya, Shri, Manojanman und Hamsa mit Anugraha und Bindu; Kama, Shakti und das Vag-Bija; der auf Pha folgende [Laut], verbunden mit La, Ardhisha und Bindu …

Erläuterung zur Stelle: Es beginnt die verschlüsselte Bildung der Vidyarajni. Die Namen werden als Lautanweisungen bewahrt.

5.26

… das Stri-Bija, „nīla tāre“, Sarasvati in der Anredeform; zweimal Atri mit Repha, der Reihe nach verbunden mit Shesha und Vamakshi …

5.27

… beide mit Anusvara, das Kama-Bija, der auf Pha folgende [Laut] mit Mamsa-Ardha und Bindu; Sarga, Bhrigu, Vak, Hrillekha, Rama, Kama, sodann zweimal Sau …

Erläuterung zur Stelle: Die im Druck eng verbundene Chiffrenfolge māṃsārdha wird nicht zu einer spekulativen Lautform aufgelöst.

5.28

… mit Visarga am Ende, Bhuvaneshani und Svaha: [Dies ist] die zweiunddreißigsilbige [Formel]. Sie ist als Mahavidya bekannt; verehrt gewährt sie Genuss und Befreiung.

Erläuterung zur Stelle: Bhoga und Moksha werden ausdrücklich gemeinsam genannt. Die spirituelle Zielrichtung wird nicht auf weltliche Erfolge reduziert.

5.29

Rishi, Versmaß und Gottheit sind Brahma, Anushtubh und Sarasvati. Die Gliederzuordnung erfolgt mit den aus dem Mantra entnommenen Lautgruppen zu fünf, fünf, acht, fünf, fünf und vier [Lauten].

Erläuterung zur Stelle: Iṣu, „Pfeile“, steht als Zahlwort für fünf, yuga für vier. Zusammen ergeben die sechs Gruppen zweiunddreißig Laute.

5.30

Ich verehre jene dreiäugige Nila-Sarasvati: Sie sitzt auf einer Leiche, ist reich mit Schlangen geschmückt, hält Schneidemesser, Schädelschale, Trinkschale und Dreizack in den Händen und trägt eine Girlande menschlicher Köpfe.

Erläuterung zur Stelle: Die ersten beiden Zeilen stehen auf PDF-Seite 188, die beiden letzten auf Seite 189. Die furchterregende Gestalt gehört zur überlieferten Meditation; eine psychologische Deutung ersetzt nicht ihre religiöse Bildsprache.

5.31

Vierhunderttausendmal wiederhole man die Vidya; mit Süßem verbundenen Kimshuka-Blüten bringe man ein Zehntel dieser Zahl als Feueropfer dar, voller Vertrauen und ohne Nachlässigkeit.

Erläuterung zur Stelle: Die hohe Zählung gehört zum überlieferten Purashcharana. Für heutige Aspiranten ist vor allem die ausdrücklich genannte Haltung – Shraddha und beharrliche Aufmerksamkeit – ein verständlicher Anknüpfungspunkt; die Zahl ist keine allgemeine Anfängerempfehlung.

Yantra und Verehrung von außen nach innen

Die geometrische Ordnung führt durch mehrere Kreise von Gottheiten und Kräften. Guru, Ganesha, Bhairava und die Mütter gehören zu diesem Zusammenhang.

5.32

Auf dem zuvor genannten Sitz verehre man [die Göttin] nach dem nun beschriebenen Verfahren: Zuerst [zeichne man] ein Dreieck, ein Sechseck sowie einen acht- und einen sechzehnblättrigen [Lotus] …

5.33

… dann einen zweiunddreißigblättrigen Lotus und danach einen vierundsechzigblättrigen; außen herum [zeichne man] eine viereckige Umfriedung mit drei Linien.

5.34

Nachdem man das Yantra so gezeichnet hat, beginne man die Verehrung von außen. In der südöstlichen Ecke des Vierecks verehre man Vighnesha.

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF-Seite 189. Vighnesha ist Ganesha.

5.35

Im Nordwesten [verehre man] Kshetrapala, im Nordosten Bhairava, im Südwesten alle Yoginis und auf der linken Seite den Guru.

Erläuterung zur Stelle: Die Guru-Verehrung ist hier in den vollständigen Gottheitenkreis der Puja eingebettet.

5.36

Auf der ersten Linie der Umfriedung sind Anima und Laghima, Mahima und Ishita zu verehren, [ferner] Vashita und Kamapurani …

5.37

… Garima und Prapti: Diese sind der Reihe nach in den Richtungen von Osten an zu verehren. Auf der zweiten Linie der Umfriedung [folgen] die Bhairavas …

Erläuterung zur Stelle: Die genannten Siddhis erscheinen als zu verehrende Kräfte. Der Abschnitt ist keine Methode zum Erwerb von außergewöhnlichen körperlichen Fähigkeiten.

5.38

… Asitanga, Ruru, Chanda, Krodha, Unmatta, Kapalin, Bhishana und Samhara: Diese gelten als die acht Bhairavas.

5.39

Auf der dritten Linie der Umfriedung [verehre man] wiederum die Mütter: Brahmi und Maheshvari, Kaumari und Vaishnavi …

5.40

… Varahi und Indranika sowie Chamunda, die als siebte gilt, und Mahalakshmi. Diese sind der Reihe nach in den Richtungen von Osten an zu verehren.

Vierundsechzig Shaktis und weitere Göttinnenkreise

Die Namen werden vollständig aufgeführt. Bei Zählungsfragen bleiben Grundtext und erklärende Ergänzung unterscheidbar.

5.41

Nachdem man so den ersten Kreis verehrt hat, zeige man die Yoni-Mudra. Auf dem vierundsechzigblättrigen Lotus verehre man ebenso viele Shaktis:

5.42

Kuleshi, Kulananda, Vagishi und Bhairavi; Uma, Shri, Shantaya, Chanda, Dhumra, Kali und Karalini;

Erläuterung zur Stelle: Śāntayā ist die gedruckte Namensform; sie wird nicht stillschweigend zu Śāntā verkürzt.

5.43

Mahalakshmi, Kankali, Rudrakali, Sarasvati, Vagvadini und Nakuli, Bhadrakali und Shashiprabha;

5.44

Pratyangira, Siddhalakshmi, Amriteshi und Chandika; Khechari, Bhuchari, Siddha, Kamakshi, Hingula und Bala;

5.45

Jaya, Vijaya, Ajita, Nitya und Aparajita; Vilasini, Ghora, Chitra, Mugdha und Dhaneshvari;

5.46

Someshvari, Mahachanda, Vidya, Hamsi, Vinayika; Vedagarbha, Bhima, Ugra, Vaidya und Sadgati;

5.47

Ugreshvari, Chandragarbha, Jyotsna, Satya, Yashovati; Kulika, Kamini, Kamya, Jnanavati und Dakini;

5.48

Rakini, Lakini, Kakini, Shakini und Hakini: [Dies sind] die vierundsechzig Shaktis, die Siddhi verleihen.

5.49

Nach der Verehrung des zweiten Kreises zeige man die Khechari-Mudra. In dem zweiunddreißigblättrigen [Lotus] sind folgende Shaktis zu verehren:

5.50

Kirata, Yogini, Vira, Vetala, Yakshini, Hara; Urdhvakeshi, Matangi, Mohini und Vamshavardhini;

5.51

Malini, Lalita, Duti, Manoja, Padmini, Dhara; Varvari, Chhatrahasta, Raktanetra und Vicharchika;

5.52

Matrika, Duradarshi, Kshetreshi, Rangini, Nati; Shanti, Dipta, Vajrahasta, Dhumra, Shveta und Sumangala.

Erläuterung zur Stelle: In 5.50–52 ergeben sich bei dieser Namensaufteilung einunddreißig Namen, obwohl 5.49 einen zweiunddreißigblättrigen Lotus voraussetzt. Ein fehlender Name wird nicht erfunden oder aus der folgenden Liste übernommen.

5.53

Nachdem man den dritten Kreis verehrt hat, zeige man die Bija-Mudra. Danach sind auf den sechzehn Blättern die sechzehn Shaktis zu verehren:

5.54

Mugdha, Shri, Kurukulla, Tripura, Totala, Kriya; Rati, Priti, Bala, Sumukhi und Shyamalavila;

Erläuterung zur Stelle: Die zusammenhängende Druckform śyāmalāvilā wird hier als ein Name gelesen, wie auch in der Namensliste der Hindi-Erklärung. So ergibt sich zusammen mit 5.55 die angekündigte Zahl von sechzehn.

5.55

Pishachi, Vidari, Shitala, Vajrayogini und Sarveshvari. Nachdem man [sie] verehrt hat, zeige man die Srini-Mudra.

Erläuterung zur Stelle: Srini bezeichnet den Elefantenhaken; gemeint ist die entsprechende Mudra.

Die acht Sarasvati-Gestalten

Die verschiedenen Gestalten werden jeweils mit eigenen Mantras verehrt. Die Bildung der Mantras bleibt als Lautanweisung des Grundtextes erhalten.

5.56

Auf dem achtblättrigen [Lotus] verehre man die acht Sarasvati-Gestalten jeweils mit ihrem eigenen Mantra. [Der erste beginnt mit:] Tara, Hrid, Lohita und Satya, verbunden mit Vaikuntha und Ananta …

5.57

… Bhrigu, „naiśabdarūpe“, Vak, Maya und Kama, zweimal „vada“, „vāgvādini“ und Agnikanta: Der Mantra hat vierundzwanzig Laute.

Erläuterung zur Stelle: Die genaue Wortgliederung vor śabdarūpe ist im Grundtext chiffriert; Naukā löst die Gesamtfolge als padmāsane śabdarūpe auf. Die Kommentarfassung wird nicht stillschweigend als Wortlaut des Grundtextes eingesetzt.

5.58

Mit diesem Mantra verehre man Vagishvari auf dem östlichen Blatt. [Für den folgenden Mantra:] Bhuvaneshvari, verbunden mit Varaha, Hamsa, Chakrin und Indra …

5.59

… zweimal „vada“, „citreśvari“, das Vag-Bija und Analapriya. Mit dem zwölfsilbigen Mantra verehre man Chitreshvari im Südosten.

5.60

Das Vag-Bija, „kulaje“, Vak, „sarasvati“ und Analangana: Mit diesem elfsilbigen Mantra verehre man Kulaja im Süden.

5.61

Vak, Maya, Śrīṃ, zweimal „vada“, „kīrtīśvari“ und Vasupriya: Mit diesem dreizehnsilbigen [Mantra] verehre man im Südwesten die Herrin des Ruhmes.

Erläuterung zur Stelle: Der Grundtext endet mit der Form kīrtināyikā; sinngemäß ist die zuvor angerufene Göttin gemeint.

5.62

Vak, Maya, nach „antarikṣa“ [das Wort] „sarasvati“ und das doppelte Ṭha: Mit dem elfsilbigen [Mantra] verehre man im Westen Antariksha-Sarasvati.

5.63

Yoni, verbunden mit Varaha, Hamsa, Chandisha, Janardana, Krishanu und Indu; sodann Manu, verbunden mit Lakulin, Bhrigu, Vahni und Indu …

Erläuterung zur Stelle: Die Bildung des Mantras der Ghata-Sarasvati beginnt. Die langen Zusammensetzungen sind Lautchiffren.

5.64

… Shanti mit Aruna, Bhrigu, Shikhin, Anila und Indu; Vak, Maya, Shri, die Iṣu-Bijas, Śrīṃ, nach „ghaṭa“ [das Wort] „sarasvatīṃ“ …

Erläuterung zur Stelle: Iṣu, „Pfeile“, bezeichnet hier nach Naukā die fünf Bana-Bijas. Sie werden nicht spekulativ aus der Chiffre rekonstruiert.

5.65

… „ghaṭa“, je zweimal „vada“ und „tara“, „rudrājñā“ mit der Instrumentalendung, „mama abhilāṣa“, zweimal „kuru“ und die Geliebte Krishnavartmans …

Erläuterung zur Stelle: Die Wortfolge enthält die Bitte: „Erfülle meinen Wunsch!“ Krishnavartman bezeichnet das Feuer; seine „Geliebte“ ist hier eine Mantrachiffre.

5.66

Mit dem dreiundvierzigsilbigen [Mantra] verehre man im Nordwesten Ghata-Sarasvati. [Die nächste Formel beginnt mit:] Ardhisha, verbunden mit Bhudhara, Indra und Bindu; Vaiṃ und zweimal „vada“ …

Erläuterung zur Stelle: Guṇa-veda ergibt in der hier verwendeten Zahlenschreibung 43. Der Themenwechsel beginnt in der zweiten Vershälfte.

5.67

… Trīṃ Hūṃ Phaṭ. Mit dem neunsilbigen [Mantra] verehre man Nila im Norden. [Es folgen:] das Vag-Bija, sodann Nakulin, verbunden mit Adhara und Bindu …

Erläuterung zur Stelle: Der zweite Halbvers beginnt den Mantra der Kini-Sarasvati.

5.68

… Akasha mit Shanti und Chandra, zweimal „kiṇi“, Jala mit Drish sowie zweimal Kurma mit Bhaga. Mit diesem neunsilbigen [Mantra] verehre man …

5.69

… im Nordosten die Kini genannte Sarasvati. Nach der Verehrung des fünften Kreises zeige man die Kshobha-Mudra.

Die inneren Kreise und der Abschluss der Puja

Dakini und die übrigen fünf Göttinnen, Para, Bala und Bhairavi führen die Verehrung nach innen.

5.70

Im Sechseck verehre man die sechs zuvor genannten [Göttinnen], Dakini und die übrigen. Bei der Verehrung des sechsten Kreises zeige man die Dravini-Mudra.

5.71

Im Dreieck sind Para, Bala und Bhairavi zu verehren. Bei der Verehrung des siebten Kreises vollziehe man die Akarshini-Mudra.

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF-Seite 197. Die ausführlichen Mudra-Erklärungen unter der Trennlinie gehören zur Naukā und werden hier nicht als Grundtext aufgenommen.

5.72

Wer Tareshi auf diese Weise verehrt, soll das im Herzen Ersehnte erlangen. Ganesha und Kshetrapala, der Yogini und Bhairava …

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF-Seite 198. Die dazwischenliegenden ausführlichen Hindi-Erklärungen und Formellisten gehören nicht zum fortlaufenden Sanskrit-Grundtext.

5.73

… und auch Tara bringe man täglich an einer Wegkreuzung eine Bali-Gabe dar: Fleisch, schwarze Bohnen, gekochten Reis, Gemüse, Ghee, Milchspeise, Kuchen und Ähnliches.

Erläuterung zur Stelle: Historische Vorschrift einer besonderen Bali-Praxis. Die Übersetzung beschreibt die überlieferte Gabe und erklärt sie nicht zur allgemeinen Ernährungsempfehlung für Yoga-Aspiranten.

Drei Meditationsformen: Schöpfung, Erhaltung und Auflösung

Die Gunas Sattva, Rajas und Tamas bestimmen unterschiedliche Erscheinungsweisen der Göttin. Der Text verbindet sie mit kosmischen Funktionen.

5.74

Die Stoffe der Bali-Gabe sind genannt; dadurch gewährt sie das Ersehnte. Ihre Meditation beschreibe ich nun in drei Formen, entsprechend den Unterschieden der Gunas, beginnend mit Sattva.

5.75

[Man meditiere auf sie,] weiß gekleidet, auf einem Schwan sitzend und mit Perlenschmuck geziert, mit vier Gesichtern und acht Armen, in denen sie Wassergefäß und Lotus trägt …

5.76

… die Gesten des Segens und der Furchtlosigkeit, Schlinge und Speer, Rosenkranz und Blumengirlande. Im Ozean des Klanges meditiere man auf sie. Dies wird Meditation der Schöpfung genannt.

Erläuterung zur Stelle: Śabdapāthonidhi, „Ozean des Klanges“, verbindet die Meditationsgestalt ausdrücklich mit Sprache beziehungsweise Klang. Der Abschnitt ist der sattvischen Form zugeordnet.

5.77

[Man meditiere auf sie,] rot gekleidet, auf einem roten Löwenthron sitzend und mit Gold geschmückt, mit einem Gesicht und vier Armen, in denen sie der Reihe nach hält …

5.78

… Rosenkranz, Trinkschale, die Geste der Furchtlosigkeit und die vortreffliche Segensgeste. Man meditiere auf sie auf der weißen Insel. Dies gilt als Meditation der Erhaltung.

Erläuterung zur Stelle: Die hier rajasisch genannte Form steht für Sthiti, Erhaltung. Die drei Gunas werden in diesem Abschnitt mit Schöpfung, Erhaltung und Auflösung verbunden.

5.79

[Man meditiere auf sie,] schwarz gekleidet, in einem Boot und mit Knochenschmuck geziert, mit neun Gesichtern und achtzehn Armen, in denen sie die Segensgeste zeigt …

5.80

… [ferner] Furchtlosigkeit, Axt, Schöpflöffel, Schwert, Pashupata-Waffe, Pflug, Bhindi-Waffe, Spieß, Keule, Schneidemesser, Speer und die dreispitzige [Waffe] …

Erläuterung zur Stelle: Einige Gegenstandsbezeichnungen bleiben als historische Waffennamen stehen. Die Liste gehört zur Meditation einer göttlichen Gestalt, nicht zu einer Anleitung für Gewalt.

5.81

… die Waffe der Auflösung, Vajra und Schlinge, Khatvanga und Keule. Man meditiere auf sie im roten Ozean. So ist die Meditation der Auflösung.

5.82

Der Mantrapraktizierende meditiere entsprechend den furchterregenden oder friedlichen Ritualzielen [auf die jeweilige Gestalt]. Wenn der Mantra so zur Vollendung gebracht ist, werde er in der Rede einem Vachaspati gleich.

Erläuterung zur Stelle: Vachaspati ist der „Herr der Rede“. Die Zuordnung zu aggressiven Ritualzielen wird historisch dokumentiert; für heutige Aspiranten ist sie keine Praxisempfehlung.

Historische Anwendungen und Schluss

Anwendungen an Kindern, Einnahmevorschriften und besondere Leichenstättenrituale werden ausdrücklich als historische Inhalte eingeordnet. Die heitere Meditation in 5.92 zeigt eine weitere Gestalt der Göttin.

5.83

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Text beschreibt das Auftragen einer Mantraformel auf die Zunge eines Neugeborenen und verbindet die Anwendung mit späterer Gelehrsamkeit.

Erläuterung zur Stelle: Die historische Anwendung an einem Neugeborenen wird nicht als heutige Praxis empfohlen. Die deutsche Fassung gibt bewusst keine Durchführungsvorschrift.

5.84

[Das so behandelte Kind] soll im achten Lebensjahr alle Shastras kennen. Nichtanleitende Inhaltswiedergabe des zweiten Halbverses: Es beginnt eine weitere Anwendung mit einer besprochenen Pflanze, die am Hals eines Kindes befestigt wird.

Erläuterung zur Stelle: Die Vershälften verbinden zwei verschiedene historische Anwendungen. Die behauptete Wirkung ist nicht als nachgewiesen dargestellt.

5.85

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Anwendung wird mit einer Bali-Gabe verbunden. Der späteren Einnahme der Pflanze wird im zwölften Lebensjahr die Fähigkeit zur Dichtkunst zugeschrieben.

Erläuterung zur Stelle: Historisches Wirkungsversprechen; keine Einnahmeempfehlung.

5.86

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine weitere Anwendung verbindet die Einnahme eines besprochenen Pflanzenöls mit einer Finsternis und verspricht die Meisterschaft der Rede.

Erläuterung zur Stelle: Die medizinisch nicht geprüfte Rezept- und Einnahmevorschrift wird nicht als Selbstpraxis vermittelt.

5.87

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Text beschreibt Japa an einer Kreuzung oder Leichenstätte auf einem Leichnam, unter Aufgabe von Scham und Furcht und mit völlig auf die Vidya gerichtetem Geist.

Erläuterung zur Stelle: Die Shava-Sadhana gehört zu einer besonderen historischen Ritualwelt und wird nicht als allgemeine Meditation empfohlen.

5.88

Ganz dem Japa hingegeben, hört er um Mitternacht diese Worte: „Werde ein Meister der Wissensgebiete! Erlange alle Vollendung!“

Erläuterung zur Stelle: Fortsetzung der historischen Shava-Sadhana. Der Text schildert eine zugesagte übernatürliche Erfahrung; eine solche Erfahrung wird nicht als notwendiges Merkmal spiritueller Reife dargestellt.

5.89

Nachdem man zwei achtjährige Kinder aus einer Gelehrtenfamilie hat Platz nehmen lassen, lege man die Hände auf ihre Köpfe und rezitiere den Mantra.

Erläuterung zur Stelle: Die Handlung steht im Kontext des anschließenden Wunderberichts. Sie ist kein Ersatz für Lernen und Unterricht.

5.90

Die beiden diskutieren dann mit den Argumenten von Vedanta und Nyaya. Wer neugierig ist, möge dieses Wunder der Vidya gewiss sehen!

Erläuterung zur Stelle: Der Vers formuliert ein traditionsinternes Wirkungsversprechen. Er belegt das hohe Ansehen philosophischer Gelehrsamkeit in diesem Zusammenhang, nicht die tatsächliche Wirksamkeit eines Lernwunders.

5.91

Nachdem man an einem einsamen Ort in einem Bananenhain einen schönen Altar errichtet hat, setze man sich dort nieder und wiederhole die Vidya nach der Vorschrift zwölfhunderttausendmal.

Erläuterung zur Stelle: Arka als Zahlwort steht für zwölf; arkalakṣam sind zwölf Lakhs, also 1.200.000 Wiederholungen. Diese Zahl wird nicht als allgemeine Empfehlung für Anfänger übernommen.

5.92

[Man meditiere auf die Göttin,] auf einer von einer Dienerin bewegten Schaukel sitzend, mit sanft lächelndem Gesicht, in einem Hain von Punnaga, Champaka, Ashoka und Bananenpflanzen.

Erläuterung zur Stelle: Nach den furchterregenden Gestalten zeigt dieser Vers eine heitere, anmutige Erscheinung der Göttin. Auch diese Vielfalt gehört zum Charakter des Werkes.

5.93

Während man so auf die erhabene Göttin meditiert, bringe man am Ende des Japa die Bali-Gabe dar. Wer so handelt, erlangt dem Text zufolge bald alles Ersehnte.

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF-Seite 204.

5.94

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine besondere Observanz auf der Leichenstätte, mit abgelegter Kleidung und gelöstem Haar, verbindet zehntausend Mantrawiederholungen an einem bestimmten Tag der dunklen Monatshälfte mit dem Versprechen von Vak-Siddhi.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert kṛṣṇabhūtāha als den vierzehnten Tag der dunklen Monatshälfte. Die Observanz wird historisch eingeordnet und nicht als heutige Selbstpraxis empfohlen.

5.95

Wer Wissen, Glück, Reichtum, Gedeihen, Lebensdauer, Ruhm, Kraft, Frauen und Schönheit begehrt, soll Tara beständig verehren.

Erläuterung zur Stelle: Der Schlussvers nennt die Wünsche eines historisch überwiegend männlich gedachten Ritualadressaten. Eine heutige spirituelle Auslegung kann Beständigkeit und Wissensstreben aufgreifen, ohne Menschen zum Gegenstand eines Erwerbsversprechens zu machen.

Kolophon des Taraṅga 5

Damit endet im von Shri Mahidhara verfassten Mantramahodadhi der fünfte Taraṅga, [im Kolophon des verwendeten Drucks] genannt „Darlegung des Kali-Mantras“.

Anmerkung zum Kolophon: Die verwendete Ausgabe druckt hier kālīmantrakathanam, obwohl der fünfte Taraṅga Tara und ihre Formen behandelt. Dieselbe Bezeichnung steht im Naukā-Kolophon. Die Unstimmigkeit wird nicht stillschweigend durch tārāmantrakathanam ersetzt. Sie ist kein Beleg dafür, dass der Kapitelinhalt eigentlich Kali behandelt.

Textgrundlage dieses Taraṅga: Sanskrit-Grundtext der verwendeten Ausgabe, gedruckte Seiten 130–155 / PDF-Seiten 180–205. Naukā und die Hindi-Erklärung bleiben vom Grundtext getrennt.

Taraṅga 6 – Chinnamasta, Renuka-Shabari und weitere Göttinnenwege

Die Shakti tritt in sehr unterschiedlichen Meditationsgestalten hervor: als kraftvolle Chinnamasta, als Renuka-Shabari mit Bogen und Pfeil, als Parvati bei ihrer Gattenwahl, als Madhumati in einem Hain und als befreiende Bandī. Mantra, Nyasa, Dhyana, Japa und Puja bilden jeweils einen zusammenhängenden Verehrungsweg. Die historischen Wünsche reichen von Wohlstand und dichterischer Begabung bis zur Befreiung aus Bindung. Wo das Werk die Beeinflussung anderer anstrebt, wird dies ausdrücklich eingeordnet.

Chinnamasta: Mantra, Nyasa und Meditation

Das eindringliche Bild der Göttin ist Teil einer überlieferten religiösen Ikonographie. Es ist keine Aufforderung zur körperlichen Selbstverletzung.

6.1

Ich will den Mantra Chinnamastas darlegen, der rasche Vollendung bewirken soll. [Seine Bildung beginnt mit:] Padmasana, zweimal Shiva und Bhautika, mit dem Mond geschmückt …

Erläuterung zur Stelle: Gottheitennamen und andere Bezeichnungen dienen hier als Lautchiffren. Die Formeln werden nicht aus anderen Chinnamasta-Traditionen ergänzt.

6.2

… „vajravairocanī“, Sadagati mit Padmanabha; abgeschlossen mit zweimal Maya, Astra und Vahnipriya und mit Pranava am Anfang …

6.3

… [ergibt sich] dieser siebzehnsilbige Mantra. Als sein Rishi gilt Bhairava; das Versmaß ist Samrat und die Gottheit Chinnamasta, die Herrin der Welt.

6.4

„Āṃ khaḍgāya“ wird dem Herzen zugeordnet, „īṃ khaḍgāya“ dem Haupt; „oṃ vajrāya“ wird für den Haarschopf gelehrt, „aiṃ pāśāya“ für die Körperrüstung …

Erläuterung zur Stelle: Es handelt sich um die Bildung der Nyasa-Formeln. Die Ergänzungen des folgenden Verses gehören ebenfalls dazu; die einzelnen Teilfolgen sind daher keine vollständig wiedergegebenen selbständigen Mantras.

6.5

… „oṃ aṅkuśāya“ für die Augen, Visarga mit „vasurakṣa“ und zweimal Maya für das Waffenglied. Die Gliedermantras beginnen mit Pranava und enden, wie gelehrt, mit Svaha. Nachdem man [sie] so zugeordnet hat, vergegenwärtige man sich die Göttin.

Erläuterung zur Stelle: Die Nummer umfasst drei Halbverse. Die technische Bestimmung der Formeln wird im Grundtext bewahrt; Naukā erläutert Einzelheiten der Gliedermantras.

6.6

Ich verehre Shri Chinnamasta inmitten der Sonnenscheibe: In ihrer linken Hand hält sie ihren eigenen abgeschlagenen Kopf mit zerstreutem Haar und weit geöffnetem Mund, der das aus ihrem Hals strömende eigene Blut trinkt. Sie steht über Rati und Smara, die in Liebesvereinigung versunken sind, und ist von Freude erfüllt beim Anblick ihrer beiden Gefährtinnen Dakini und Varnini.

Erläuterung zur Stelle: Der Vers beschreibt eine göttliche Meditationsgestalt. Seine drastische Bildsprache darf weder als Handlungsempfehlung gelesen noch durch eine unbelegte, angeblich wörtliche „Ego“-Übersetzung ersetzt werden. Eine heutige Deutung als Überschreiten des Festhaltens an der eigenen Person ist eine Auslegung.

Verehrung und Kreise der Chinnamasta

Die Mantra-Praxis wird in eine geordnete Puja eingebettet.

6.7

Nach dieser Meditation wiederhole man [den Mantra] vierhunderttausendmal. Ein Zehntel davon bringe man als Feueropfer mit Palasha- oder Bilva-Blüten beziehungsweise -Früchten dar.

6.8

Auf dem Sitz, der von Adhara-Shakti bis zum höchsten Tattva verehrt worden ist, [verehre man] Jaya, Vijaya, Ajita und Aparajita …

6.9

… Nitya, Vilasini als sechste, Dogdhri, Ghora und Mangala. Diese neun Shaktis des Sitzes sind in den Richtungen und in der Mitte zu verehren.

6.10

„sarvabuddhiprade varṇanīye“, „sarva“, Bhrigu mit Drish, „dhiprade ḍākinīye“, Tara, „vajra“ und [der folgende Laut] mit Bhautika …

Erläuterung zur Stelle: Die über zwei Verse verteilte Lautanweisung bildet eine Anrufung. Sarvabuddhiprade heißt „Du, die alle Einsicht verleiht“. Der Text verschlüsselt Teile der Wörter, weshalb die Übersetzung keine frei ergänzte Rezitationsformel druckt.

6.11

… Khadgisha, „rocanīye“, Bhaga, „hehi“, mit Namaḥ am Ende und Tara am Anfang: Dieser Pitha-Mantra gilt als vierunddreißigsilbig.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert die aus den Chiffren gebildete Anrufung unter anderem mit „ehi ehi“, „Komm, komm!“ Die Grundtextanweisung bleibt von dieser Kommentarausführung getrennt.

6.12

Nachdem man mit diesem [Mantra] den Sitz dargebracht hat, verehre man dort die Göttin im Zentrum [des Yantras aus] Dreieck, umgebendem Sechseck, Lotus und Umfriedung.

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF-Seite 209; der zweite auf Seite 210. Die Hindi-Erläuterung und die gezeichnete Figur dazwischen sind kein zusätzlicher Grundtext.

6.13

Beginnend mit dem äußeren Kreis verehre man in umgekehrter Reihenfolge [nach innen]. Außerhalb der Umfriedung verehre man Vajra und die übrigen [Waffen].

6.14

Innerhalb davon verehre man den Götterkönig und die übrigen Herren der Himmelsrichtungen. Dann verehre man an den vier Toren der Umfriedung die Torhüter:

6.15

die Karala und Vikarala Genannten, Atikala als dritten und Mahakala als vierten. Sodann [folgen] auf den Blättern die acht Shaktis:

6.16

Ekalinga, Yogini, Dakini, Bhairavi, Mahabhairavi, Indrakshi und Tvaritangi als siebte …

Erläuterung zur Stelle: Die Druckverbindung mahābhairavīkendrākṣī ist auffällig. Die zugehörige Namensliste der Erläuterung nennt Indrakshi; die Sanskritfassung bewahrt die gedruckte Verbindung.

6.17

… und Samharini als achte. Im Sechseck [verehre man] die Gestalten der sechs Glieder; im Dreieck Chinnamasta, und zu ihren beiden Seiten das Paar der Gefährtinnen …

6.18

… die Dakini und Varnini heißen, mit Tara und Vak [in den Anrufungen]. Wenn der Mantra durch diese Puja und die übrigen Handlungen zur Vollendung gebracht ist, soll der Mantrapraktizierende seine Wünsche …

Wirkungsversprechen und besondere historische Anwendungen

Die Opferzuordnungen reichen von Wohlstand und Redegewandtheit bis zu aggressiven Ritualzielen. Letztere werden als historische Inhalte dokumentiert.

6.19

… selbst die schwer zu erfüllenden, durch ihre Gnade sogleich alle verwirklichen. Durch Shri-Blüten erlange man Wohlstand, durch deren [Früchte] das selbst Ersehnte …

Erläuterung zur Stelle: Der Hauptdruck liest tatkalam; die ergänzende Rai-Ausgabe liest tatphalam. Der Zusammenhang der Opferstoffe legt eine verderbte Form für „durch deren Früchte“ nahe; diese Deutung steht in der Übersetzung in Klammern.

6.20

… durch Malati-Blüten Vollendung der Rede, durch Homa mit Champaka-Blüten Glück. Nichtanleitende Inhaltswiedergabe des zweiten Halbverses: Es beginnt eine tierische Opfergabe, mit der im folgenden Vers die Unterwerfung von Herrschern verbunden wird.

6.21

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der vorigen Anwendung wird nach einem Monat Macht über alle Herrscher zugeschrieben. Danach folgt ein weiteres Homa mit einer großen Zahl weißer Karavira-Blüten.

Erläuterung zur Stelle: Der Karavira-Ritus ist mit dem Gesundheitsversprechen in 6.22 verbunden; er wird nicht als medizinische oder häusliche Praxis empfohlen.

6.22

[Der so Praktizierende] soll die Gesamtheit der Krankheiten überwinden und hundert Jahre glücklich leben. Nichtanleitende Inhaltswiedergabe des zweiten Halbverses: Eine Abwandlung mit roten Blüten soll Minister und Könige gefügig machen.

Erläuterung zur Stelle: Historisches Gesundheits- und Machtversprechen; keine bestätigte Wirkung und keine moderne Praxisanleitung.

6.23

Mit Udumbara- und Palasha-Früchten soll man Wohlstand erlangen, mit Schakalfleisch ebenfalls diesen, mit Milchspeise dichterische Begabung.

Erläuterung zur Stelle: Die Aufzählung dokumentiert traditionelle Entsprechungen zwischen Opferstoff und gewünschter Wirkung. Sie ist keine Empfehlung, diese Stoffe einzusetzen.

6.24

Mit Bandhuka-Blüten soll man eine Ehefrau, mit Karnikara-Blüten das Ersehnte erlangen. Nichtanleitende Inhaltswiedergabe des zweiten Halbverses: Ein weiteres Homa wird zur Beeinflussung aller Menschen beschrieben.

6.25

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Verschiedene körperliche und tierische Stoffe werden mit Anziehung, Wunscherfüllung und Lähmung verbunden; für die Lähmung wird auch eine pflanzliche Opfergabe genannt.

Erläuterung zur Stelle: Historische Anwendungen von Akarshana und Stambhana; die Stoff- und Handlungsangaben werden nicht zu einer Durchführungsvorschrift ausgebaut.

6.26

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Zwei aggressive Feueranwendungen sollen den Tod eines Feindes bewirken.

Erläuterung zur Stelle: Māraṇa beziehungsweise Abhicāra. Die deutsche Fassung dokumentiert den Zweck, ohne eine schädigungsorientierte Ritualanleitung wiederzugeben.

6.27

Beim Spiel, im Wald, am Tor des Königs, im Kampf und in Bedrängnis durch Feinde erlange der Mantrapraktizierende Sieg, wenn er auf die Göttin meditiert und den Mantra wiederholt.

Erläuterung zur Stelle: Ein historisches Schutz- und Siegesversprechen. Für die heutige Deutung lässt sich daran die Sammlung in schwierigen Situationen anknüpfen; ein äußerer Sieg wird damit nicht zugesichert.

6.28

Für Weltgenuss und Befreiung meditiere man auf ihre weiße Gestalt. Nichtanleitende Inhaltswiedergabe des übrigen Verses: Blaurot, Rot, Rauchfarbe und Gold werden Vertreibung, Beeinflussung, Tötung und Lähmung zugeordnet.

Erläuterung zur Stelle: Die friedlichen und aggressiven Zwecke werden im Original nebeneinander genannt. Diese Unterscheidung bleibt in der Erschließung sichtbar.

6.29

Nachts bringe man ihr für die Vollendung eine Bali-Gabe mit Madira und anderem dar. Nun wird eine geheimzuhaltende Anwendung gelehrt, die alle Siddhis verleihen soll.

Erläuterung zur Stelle: Madira bezeichnet ein berauschendes Getränk. Die folgende Anwendung gehört zu einer besonderen initiationsgebundenen Ritualwelt.

6.30

Am Bhuta-Tag der dunklen Monatshälfte, um Mitternacht in tiefer Dunkelheit, bade man, trage rote Kleidung, einen roten Kranz und rote Salbung …

Erläuterung zur Stelle: Bhūta steht hier für den vierzehnten Mondtag. Die Passage beschreibt die Vorbereitung des besonderen Ritus aus 6.31 ff.; sie ist keine allgemeine Meditationsempfehlung.

6.31

… und verehre eine herbeigeführte Frau als Verkörperung Chinnamastas: schön, in der Blüte ihrer Jugend und mit fünf Männern verkehrend.

Erläuterung zur Stelle: Die Stelle beschreibt eine historisch besondere tantrische Rollenbestimmung. Die Frau wird als Gestalt der Göttin verehrt. Daraus wird keine Empfehlung abgeleitet, eine solche Zeremonie ohne Überlieferungskontext nachzustellen.

6.32

[Man verehre sie] lächelnd, mit gelöstem Haar und durch Schmuckgaben erfreut. Nachdem man sie unbekleidet verehrt hat, wiederhole man den Mantra zehntausendmal.

Erläuterung zur Stelle: Fortsetzung des besonderen Ritus aus 6.30–31. Die Stelle schildert eine historische Form der Göttinnenverehrung an einer Frau; sie wird nicht als heutige Selbstpraxis empfohlen.

6.33

Nachdem man die Bali-Gabe dargebracht, die Nacht verbracht und die durch ein Geldgeschenk erfreute Frau verabschiedet hat, bewirte man Brahmanen mit verschiedenen Speisen und betrachte sie dabei als Gottheiten.

6.34

Durch dieses Verfahren soll man Wohlstand, Söhne, Enkel, Ruhm, Glück, eine Frau, ein langes Leben, Dharma und anderes Ersehntes erlangen.

Erläuterung zur Stelle: Die Aufzählung bewahrt die historischen Wunschvorstellungen des Textes. Sie begründet keine Verfügung über andere Menschen.

6.35

In jener Nacht soll der Mantra-Praktizierende, der nach der Vidya verlangt, die Observanz vollziehen. Bei anderen Wünschen suche er sie auf, während er den Mantra wiederholt.

Erläuterung zur Stelle: Vrata bezieht sich hier auf die gerade beschriebene besondere Observanz, nicht auf eine allgemeine tägliche Übung.

6.36

Wozu viele Worte? Schon durch das Erkennen dieser Vidya sollen Kenntnis der Shastras, das Schwinden von Verfehlungen und alles Glück gewiss entstehen.

Erläuterung zur Stelle: Das starke Versprechen gehört zum Lobpreis der Vidya. Vijñāna bezeichnet hier ihr Erkennen beziehungsweise Verstehen; eine ausgearbeitete Erkenntnislehre wird in diesem Vers nicht entfaltet.

6.37

Bei Tagesanbruch erwacht, setze man sich auf dem Lager auf und wiederhole [den Mantra] hundertmal. Innerhalb von sechs Monaten soll der Mantrapraktizierende an dichterischer Begabung selbst den Kavi übertreffen.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert Kavi als Shukracharya. Die regelmäßige Übung am Morgen ist ausdrücklich genannt; das Übertreffen eines göttlichen Lehrers ist ein traditioneller Lobpreis.

Weitere Mantraformen und Übergang zu Renuka-Shabari

Die Vidyas werden mit eigenen Lautanweisungen erschlossen; unklare Chiffren bleiben kenntlich.

6.38

Die Vidya ist von Shiva verriegelt worden; ihre Entriegelung wird nun beschrieben. Der Mantrapraktizierende wiederhole Maya, von Tara umschlossen, hundertachtmal …

Erläuterung zur Stelle: Kīlana und Utkīlana bezeichnen die traditionelle Vorstellung einer rituellen Versiegelung und Öffnung des Mantras. Die Stelle ist kein Ersatz für die im Werk vorausgesetzte Übertragung.

6.39

… am Anfang und ebenso am Ende des Mantras; dann soll sie Vollendung verleihen. Dieses Verfahren ist vom Mantrapraktizierenden, der Siddhi sucht, gewiss geheimzuhalten.

6.40

Damit ist Chinnamasta dargelegt, die im Kali-Zeitalter rasch das Ersehnte gewähren soll. Nun wird die ebenso beschaffene Renuka-Shabari-Vidya gelehrt.

Erläuterung zur Stelle: Der Vers markiert den Übergang zu einer weiteren Göttinnenpraxis innerhalb desselben Taraṅga.

6.41

Pranava, Kamala, Maya, Srini und Adhara mit Indu [bilden] die fünfsilbige Mahavidya. Als ihr Rishi gilt Bhairava.

6.42

Das Versmaß ist Pankti; als Gottheit wird die Renuka genannte Shabari gelehrt. Mit den fünf einzelnen Lauten und mit dem gesamten [Mantra] vollziehe man die Gliederzuordnung.

Erläuterung zur Stelle: Die fünf Einzellaute und die Gesamtform ergeben die sechs Glieder des Nyasa.

Renuka-Shabari in der Meditation

Die Göttin erscheint in einer Landschaft des goldenen Berges, mit Bogen, Pfeil und Waldschmuck.

6.43

Man vergegenwärtige sich [die Göttin] auf einer Höhe des Goldberges, in einem von vielerlei Bäumen verschönerten Garten, auf einem Altar inmitten eines Edelsteinpavillons.

Erläuterung zur Stelle: Hemadri wird in Naukā als Meru erklärt. Der heilige Landschaftsraum ist Teil der Meditation.

6.44

Ich vergegenwärtige mir Shabari: schön mit einem aus Gunja-Samen gefertigten Halsband, an den Ohren Pfauenfedern tragend; in beiden Händen hält sie Bogen und Pfeil, und ihre Hüften umgibt ein Bastgewand.

6.45

Nach dieser Meditation wiederhole man [den Mantra] fünfhunderttausendmal. Ein Zehntel dieser Zahl bringe man als Feueropfer mit Bilva-Früchten in einem mit deren Holz entzündeten Feuer dar.

6.46

Man verehre [sie] auf dem zuvor genannten Sitz. Der erste Kreis besteht aus den sechs Gliedern; im zweiten Kreis sind die acht Shaktis Shabaris zu verehren:

6.47

Hunkari, Khechari, Chandasya und Chedani, Kshepana, Stri, Hunkari und als achte Kshemakari.

Erläuterung zur Stelle: Hunkari erscheint in dieser Drucklesung zweimal. Die Wiederholung wird bewahrt und nicht durch einen erfundenen Göttinnennamen ersetzt.

6.48

Im dritten [Kreis verehre man] die zehn Richtungshüter, im vierten Vajra und die übrigen [Waffen]. Den so zur Vollendung gebrachten Mantra setze man sachgemäß für das beabsichtigte Werk ein.

6.49

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe des ersten Gliedes: Eine bestimmte Blütengabe soll Menschen gefügig machen. Weitere Zuordnungen verbinden Zuckerrohrstücke mit Reichtum, Panchagavya mit Kühen und Ashoka-Blüten mit Kindern.

Erläuterung zur Stelle: Die Schrift ordnet verschiedene Opferstoffe verschiedenen Wünschen zu. Panchagavya wird hier historisch genannt; daraus folgt keine Einnahmeempfehlung.

6.50

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe des ersten Halbverses: Ein weiteres Homa soll die Frau eines Königs gefügig machen. [Danach:] Durch Speisegaben soll man Nahrung erlangen, durch Madhuka [Blüten] alles Ersehnte.

Erläuterung zur Stelle: Die manipulative Anwendung wird nicht als Ausdruck spiritueller Reife oder als heutige Praxis dargestellt.

6.51

Damit ist die Shabari-Vidya dargelegt, die im Kali-Zeitalter rasche Vollendung gewähren soll. Nun wird die glückverheißende Svayamvara-Kala zum Erlangen einer Heirat gelehrt.

Svayamvara: Parvati bei der Gattenwahl

Das Meditationsbild zeigt Scheu, Lächeln und die Wahl Shivas. Die anschließenden Beeinflussungsversprechen werden von einer heutigen Haltung gegenseitiger Achtung unterschieden.

6.52

Tara, Maya, zweimal „yogini“, zweimal „yogeśvari“, „yoga“, Nidra, „yaṅkari“ und „sakalasthāvara“ …

Erläuterung zur Stelle: Nidra ist hier eine Lautchiffre; Naukā erklärt daraus das Wort bhayaṅkari. Die Anweisung wird nicht ohne Kennzeichnung in einen fertig ausgeschriebenen Mantra verwandelt.

6.53

… danach spreche man „jaṅgamasya mukhaṃ hṛdayaṃ mama“, „vaśam ākarṣayākarṣa“, Pavana und Vahnisundari.

Erläuterung zur Stelle: Die Anrufung enthält die historische Bitte, Mund und Herz anderer in den eigenen Einfluss zu ziehen. Diese manipulative Zielrichtung wird kenntlich gemacht und nicht als heutige Beziehungspraxis empfohlen.

6.54

Der Rishi dieser fünfzigsilbigen Vidya ist Pitamaha; das Versmaß Atijagati, die Göttin die Bergestochter Svayamvara.

Erläuterung zur Stelle: Pitamaha bezeichnet Brahma, die Bergestochter Parvati. Svayamvara ist hier der Name ihrer auf die Gattenwahl bezogenen Erscheinungsform.

6.55

„jagattraya“ gilt für das Herz, „trailokya“ für das Haupt, „uraga“ für den Haarschopf und „sarvarāja“ für die Rüstung …

Erläuterung zur Stelle: Die Wortteile gehören zur Bildung der sechs Nyasa-Anrufungen; sie sind keine vollständigen selbständigen Mantras.

6.56

… „sarvastrīpuruṣa“ für die Augen und „sarva“ für das Waffenglied. [Die Anrufungen] beginnen mit Tara und Maya und enden mit dem Wort „vaśyamohinyai“ …

6.57

… so sind die sechs Gliedermantras bezeichnet. Mit dem Wurzelmantra vollziehe man den umfassenden Nyasa. Man meditiere auf die Göttin, die herangekommen ist, um Mahadeva als Gatten zu wählen.

Erläuterung zur Stelle: Das eigentliche Dhyana stellt Parvatis Gattenwahl dar. Diese erzählerische Gestalt ist von den beeinflussenden Ritualzielen im vorherigen Mantrawortlaut zu unterscheiden.

6.58

Ich verehre die Bergestochter: Als sie Shambhu erblickt, erfüllt von einer Schönheit, die die Welt bezaubert, wird sie von Scheu ergriffen und lächelt; mit den Händen ihrer Gefährtin trägt sie eine Madhuka-Blumengirlande.

Erläuterung zur Stelle: Die Verbindung svasakhīkarābhyām ist wörtlich „mit den Händen ihrer Gefährtin“. Die Stelle wird als Darstellung der von einer Gefährtin begleiteten Gattenwahl übersetzt, ohne das Bild zu einer Manipulationsanleitung umzudeuten.

6.59

Nach dieser Meditation wiederhole man [den Mantra] vierhunderttausendmal und bringe ein Zehntel davon als Feueropfer mit Milchspeise dar. Man verehre [die Göttin] auf dem zuvor genannten Sitz.

6.60

[Man zeichne] Dreieck, Viereck, Sechseck, einen achtblättrigen und einen zehnblättrigen [Lotus], dann [einen weiteren] zehnblättrigen, einen sechzehnblättrigen, einen zweiunddreißigblättrigen und schließlich einen vierundsechzigblättrigen.

Erläuterung zur Stelle: Die Zeichnungsfolge verwendet Zahlenchiffren. Die gedruckte Verbindung aṅgakoṇādala ist gedrängt; der achtblättrige Lotus ist durch die folgende Verehrungsanweisung 6.63 bestätigt.

6.61

[Dann folgen] drei Kreise und eine Umfriedung mit vier Toren. So gestalte man das Yantra der Verehrung und verehre darin diese [Göttin].

6.62

Nachdem man Parvati im Dreieck verehrt hat, verehre man im Viereck diese [Göttinnen]: Medha, Vidya, Lakshmi und als vierte Mahalakshmi.

6.63

In den sechs Ecken [verehre man] die sechs Glieder, im achtblättrigen [Lotus] die Vokale. In den beiden zehnblättrigen [Kreisen verehre man] die Gottheiten Indra und die übrigen sowie ihre Waffen.

Erläuterung zur Stelle: Die beiden zehnblättrigen Kreise werden den Richtungshütern und ihren Waffen zugeordnet.

6.64

Mit dem Shri-Bija, dem Tara vorangeht und das mit Namaḥ endet, verehre man Rama im sechzehnblättrigen [Lotus]; im zweiunddreißigblättrigen [verehrt man] Shiva mit Pasha, Maya und Ankusha.

Erläuterung zur Stelle: Śivā ist hier die Göttin. Die Druckform steht im Nominativ, während der Satz eine Verehrungsanweisung fortsetzt. Die Übersetzung folgt diesem Zusammenhang.

6.65

Im vierundsechzigblättrigen [Lotus] verehre man Tripura mit Shri, Maya und Madana; in den drei Kreisen Mahalakshmi, Bhavani und den mit Blumenpfeilen Bewaffneten.

Erläuterung zur Stelle: Puṣpasāyaka bezeichnet Kama. Die drei Kreise sind jeweils einer der genannten Gottheiten zugeordnet.

6.66

An den vier Toren des Vierecks verehre man Vighnesha, Kshetresha, Bhairava und die Yoginis. So [verläuft] die Verehrung der neun Kreise.

6.67

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Wer die Göttin so verehrt, soll dem Text zufolge alle Menschen seinem Einfluss unterwerfen können. Es folgt eine besondere Opfergabe, mit der im nächsten Vers das Erlangen einer gewünschten Braut verbunden wird.

Erläuterung zur Stelle: Die mit „Selbstwahl“ verbundene Göttinnenverehrung enthält hier zugleich ein historisches Beeinflussungsziel. Dieser Unterschied wird nicht beschönigt.

6.68

[Der Praktizierende] soll die gewünschte Braut, verbunden mit Reichtum und Ansehen, erlangen. Damit ist Svayamvara dargelegt; nun wird Madhumati gelehrt.

Erläuterung zur Stelle: Die Aussage bewahrt ein historisches Heiratsversprechen. Sie ist keine Empfehlung, die freie Entscheidung eines anderen Menschen zu umgehen.

Madhumati: Ruhe, Schönheit und Wissensfülle

Die Göttin sitzt in einem Hain auf Kailasa. Ihr Bild verbindet Natur, kostbaren Glanz und die Erfüllung von Zielen.

6.69

Narayana mit Bindu, Hrillekha, Ankusha und Manmatha, langes Varma, Dhruva und Vahnipreyasi: [Dies ist] der achtsilbige [Mantra].

6.70

Rishi, Versmaß und Gottheit sind Madhucchandas, Trishtubh und Madhumati. Mit den fünf Bijas ordne man die fünf Glieder zu …

6.71

… und das Waffenglied mit Tara, das mit Svaha endet. Dann vergegenwärtige sich der Kundige die Göttin in einem Hain auf Kailasa, erfüllt von vielerlei Bäumen und Kletterpflanzen:

6.72

Ich verehre Madhumati, die alle Ziele verwirklicht: In ihren beiden Händen trägt sie ein Betelblatt und einen blauen Lotus; sie sitzt auf einem goldenen, mit Edelsteinen besetzten Sitz und wird von Scharen von Götterfrauen und Naga-Frauen bedient.

Erläuterung zur Stelle: Ahilatā wird von Naukā als Nagavalli, die Betelpflanze, erläutert. Die klare Benennung ihrer Attribute lässt die ruhige Meditationsgestalt hervortreten.

6.73

Nachdem man [den Mantra] achthunderttausendmal wiederholt hat, opfere man ein Zehntel davon mit Bilva-Blättern. Man verehre [die Göttin] auf dem Sitz mit allen Shaktis, beginnend mit Jaya.

6.74

Im Lotusmittelpunkt [verehre man] die sechs Glieder, auf den acht Blättern die Shaktis: Nidra, Chhaya, Kshama, Trishna, Kanti, Arya, Shruti und Smriti.

Erläuterung zur Stelle: Die Namen bezeichnen unter anderem Schlaf, Schatten, Geduld, Verlangen, Glanz, Würde, Hören beziehungsweise Überlieferung und Erinnerung. Es sind hier personifizierte Kräfte innerhalb der Puja.

6.75

Am Ende verehre man Shakra und die übrigen [Richtungshüter] sowie ihre Waffen, um Glück zu erlangen. Wer der Göttin so dient, soll eine Stätte der Fülle gewinnen.

6.76

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine besondere Opfergabe soll Könige gefügig machen. Weitere Gaben werden mit vielfältigen Genüssen beziehungsweise dem Erlangen einer schönen Frau verbunden.

Erläuterung zur Stelle: Die wörtliche Bezeichnung vāmalocanā, „die Schönäugige“, ist Teil des historisch männlichen Wunschhorizonts.

6.77

Damodara mit Bindu ist ein anderer Mantra Madhumatis. Seine Verehrung erfolgt wie zuvor; auf die Göttin meditiere man als Kumari.

Erläuterung zur Stelle: Damodara bezeichnet hier einen Laut, nicht eine zusätzliche Vishnu-Verehrung. Kumari ist die jugendliche beziehungsweise jungfräuliche Erscheinungsform der Göttin.

6.78

Wer [eine halbe Koti, das heißt fünf Millionen] Wiederholungen vollzieht, soll in den Wissensgebieten zur Meisterschaft gelangen. Diese andere [Vidya], der Madhumati vergleichbar, gewährt vielfältige Genüsse und Glück.

Erläuterung zur Stelle: Der Hauptdruck ist an beiden Halbversen gestört: koṭirddhajapam und ramānādyā. Die ergänzende Rai-Ausgabe bietet im ersten Halbvers eine Lesung mit ardha, „Hälfte“, und im zweiten samānānyā, „eine andere, vergleichbare“. Die Übersetzung folgt diesen verständlicheren Lesungen; sie konstruiert hieraus keine zusätzliche Rama-Mantraeinleitung.

Pramada und Pramoda

Segen und Furchtlosigkeit prägen Pramadas Meditationsbild.

6.79

Maya, Shura auf Vahni, „made“ und Pavakasundari: So ist der sechssilbige Mantra gelehrt; als Rishi wird Shakti genannt.

Erläuterung zur Stelle: Es beginnt die Pramada-Vidya. Shakti bezeichnet auch hier den Rishi.

6.80

Als Versmaß wird Gayatri gelehrt, als Gottheit die Pramada Genannte. Die sechs Glieder ordne man mit Maya zu, versehen mit den sechs langen Vokalen.

6.81

Ich verehre Pramada: schön mit Armreifen und anderem Schmuck, in beiden Händen die Gesten des Segens und der Furchtlosigkeit zeigend, ihre Füße von Indra und den übrigen Göttern verehrt, leuchtend wie reines Gold.

Erläuterung zur Stelle: Samkrandana wird von Naukā als Indra erklärt. Der Vers hebt Segen, Furchtlosigkeit und Schönheit hervor.

6.82

Man wiederhole den Mantra sechshunderttausendmal und opfere ein Zehntel davon mit geklärter Butter. Auf dem zuvor genannten Sitz verehre man [die Göttin] zusammen mit den sechs Gliedern, den Richtungshütern und ihren Waffen.

6.83

In einem einsamen Wald wiederhole man [den Mantra] nachts zehntausend- beziehungsweise hunderttausendmal; nach tausend Opfergaben aus Milchspeise begebe man sich zur Ruhe.

Erläuterung zur Stelle: Der Grundtext nennt nebeneinander ayuta und niyuta; die beiden Zahlen werden beibehalten. Eine allgemeine heutige Übungsempfehlung wird daraus nicht abgeleitet.

6.84

Wer einundzwanzig Tage lang nachts so verfährt, dem soll die Göttin sichtbar erscheinen und dem Mantra-Praktizierenden das Gewünschte gewähren.

Erläuterung zur Stelle: Dies ist das traditionelle Erscheinungs- und Erfüllungsversprechen der Vidya.

6.85

Maya, „pramode“ und das Paar Ṭha bilden den vorzüglichen sechssilbigen Mantra. Von der Bestimmung des Rishi bis zur Verehrung gilt das für Pramada Gelehrte.

6.86

An einem einsamen Flussufer, in einem aus Sandelholzpaste gefertigten Mandala, vollziehe man den genannten Japa und das Feueropfer; dann werde man gewiss Pramoda sehen.

Erläuterung zur Stelle: Die Gewissheit gehört zum Wortlaut des religiösen Versprechens, nicht zu einer empirischen Zusicherung.

Bandī: Befreiung aus Bindung

Vers 6.89 spricht von der Bindung an das Werden; spätere Verse behandeln konkret die Befreiung eines gefangenen Freundes. Die beiden Bedeutungsebenen bleiben unterscheidbar.

6.87

Tara, zweimal „hili“, „Bandidevi“ im Dativ und Namaḥ am Ende bilden den elfsilbigen Mantra. Rishi und Versmaß sind wiederum Bhairava und Trishtubh.

6.88

Bandī [ist die Gottheit]; damit sind Rishi und die weiteren Zuordnungen genannt. Nachdem man die Glieder mit einer [Silbe] und dann paarweise zugeordnet hat, vergegenwärtige man sich Bandī auf einem Edelsteinthron.

6.89

Ich verehre Bandī, um aus der Bindung an das Werden befreit zu werden: Ihr Glanz gleicht einer wasserreichen Wolke; in ihren Händen trägt sie einen Lotus und ein Gefäß mit Unsterblichkeitstrank; Götterfrauen dienen ihren Lotusfüßen.

Erläuterung zur Stelle: Bhavabandha weitet das Thema über äußere Gefangenschaft hinaus auf die Bindung an das bedingte Dasein. Naukā erklärt pīyūṣakarīra als Gefäß mit Amrita. Gerade dieser Vers eignet sich zur Betrachtung des Wunsches nach innerer Freiheit.

6.90

Der Mantra-Praktizierende wiederhole [den Mantra] zweihunderttausendmal. Nachdem er ein Zehntel davon mit Milchspeise geopfert hat, verehre er [die Göttin] auf dem zuvor genannten Sitz zur Befreiung aus Bindung.

6.91

Die Verehrung der Glieder erfolgt in den Staubfäden; die Shaktis befinden sich in der Mitte der Blätter: Kali, Tara, Bhagavati, die Krishna Genannte und auch Shitala …

6.92

… Tripura, Matrika und Lakshmi; ferner [verehrt man] die Richtungshüter und ihre Waffen. So verehrt soll Bandī den Menschen das Ersehnte gewähren.

6.93

Bis zum Ablauf von einundzwanzig Tagen wiederhole der Mantra-Praktizierende täglich zehntausendmal [den Mantra], dem Brahmacharya hingegeben und mit einer vorausgehenden Verehrung Ganeshas.

6.94

Wenn so verfahren wird, soll ein im Gefängnis Gebundener Befreiung erlangen. [Für eine andere Anwendung] zeichne man auf einen Kuchen ein Viereck mit Ṭha im Inneren.

Erläuterung zur Stelle: Der zweite Halbvers beginnt einen weiteren historischen Ritus. Sein äußeres Befreiungsversprechen ist von der spirituellen Befreiung in 6.89 zu unterscheiden.

6.95

[Man schreibe] mit geklärter Butter den Namen des Betreffenden und in den Richtungen das Maya-Bija. Mit dem achtzehnsilbigen Mantra umgebe man das Viereck.

6.96

Vagbija, Bhuvaneshani, Rama, „bandi“ und Keshava, dann „amuṣyabandham“, „mokṣam“, zweimal „kuru“ und das Paar Ṭha [bilden den Mantra].

Erläuterung zur Stelle: Die gedruckte Wortgliederung amuṣyabandhaṃ … mokṣaṃ wird bewahrt. Naukā erläutert die Anrufung als Bitte um Lösung der Bindung des jeweils bezeichneten Menschen; die Chiffren werden nicht frei rekonstruiert.

6.97

Dieser achtzehnsilbige Mantra soll rasch von Bindung befreien. Nachdem man auf jenem Kuchen Bandī zusammen mit ihren Verehrungskreisen verehrt hat …

6.98

… gebe man ihn dem Freund, der sich im Gefängnis befindet. Dieser soll sich reinigen, Schweigen bewahren und den Kuchen essen.

Erläuterung zur Stelle: Der Text beschreibt ein historisches religiöses Hoffnungsritual für einen gefangenen Freund. Daraus folgt keine Zusicherung einer tatsächlichen Haftentlassung.

6.99

Wenn er verzehrt ist, soll der Gebundene rasch aus seiner Fessel befreit werden. Damit ist Bandī dargelegt, die durch das Gedenken [an sie] Befreiung aus Bindung schenkt.

Erläuterung zur Stelle: Zum Kapitelabschluss rückt das Gedenken an die Göttin in den Vordergrund. Die Übersetzung gibt den religiösen Anspruch wieder und unterscheidet ihn von überprüfbaren äußeren Wirkungen.

Kolophon des Taraṅga 6

Damit endet im von Shri Mahidhara verfassten Mantramahodadhi der sechste Taraṅga, genannt „Darlegung der Mantras Chinnamastas und weiterer [Göttinnen]“.

Textgrundlage dieses Taraṅga: Sanskrit-Grundtext der verwendeten Ausgabe, gedruckte Seiten 156–182 / PDF-Seiten 206–232. Naukā und die Hindi-Erklärung bleiben vom Grundtext getrennt.

Taraṅga 7 – Yakshinis, Varahi, Dhumavati, Shitala, Svapneshvari und Matangi

Der siebte Taraṅga führt von den baumbewohnenden Yakshinis über Varahi und Dhumavati zu Shitala, der Traumgöttin Svapneshvari, der musikalischen Matangi sowie Baneshi und Kameshi. Einige Meditationsbilder sind friedlich und schön, andere bewusst erschreckend. Die Übersetzung bewahrt diese Vielfalt. Besondere Erscheinungsrituale, Heilungsversprechen und aggressive Anwendungen werden historisch eingeordnet. Spirituell zugängliche Motive sind Sammlung, die Hinwendung zum Göttlichen, die Bitte um Furchtlosigkeit und das Anvertrauen eines Herzensanliegens.

Vata-Yakshini: die Göttin im Banyanbaum

Der Baum und die Naturattribute prägen das erste Meditationsbild.

7.1

Nun werde ich zur Erfüllung alles Ersehnten die Vata-Yakshini darlegen. [Der Mantra beginnt mit] Padmanabha, Viyat und Vayu auf Jhintisha, dann Viyat mit dem Auge.

Erläuterung zur Stelle: Die zweite Vershälfte verwendet Lautchiffren. Sie wird nicht durch eine frei erschlossene Mantraform ersetzt.

7.2

[Es folgen] „yakṣi yakṣi mahāyakṣi“, „vaṭa“, Toya mit Nasika, „kṣanivāsini“, „śīghraṃ me sarvasaukhyam“ und zweimal „kuru“.

Erläuterung zur Stelle: Die Anrufung erbittet von der im Banyanbaum wohnenden Yakshini alles Glück. Der Grundtext verschränkt ausgeschriebene Wörter und Lautchiffren.

7.3

[Den Abschluss bildet] Svaha. Dieser zweiunddreißigsilbige Mantra schenkt alle Fülle. Der Rishi ist Vishravas, das Versmaß Anushtubh, die Göttin Yakshini.

7.4

Mit [Gruppen von] drei, vier, vier, acht, sieben und sechs [Silben] ordne man die sechs Glieder zu. Die Mantrasilben setze man auf den Körper.

Erläuterung zur Stelle: Vahni, Shruti, Veda, Vasu und Rasa dienen als Zahlbezeichnungen; die Gruppen ergeben zusammen 32.

7.5

[Die Silben werden gesetzt] auf den Kopf, die beiden Augen, den Mund, paarweise auf Nase, Ohren und Schultern, auf die beiden Brüste, die beiden Seiten, auf Herz, Nabel, Geschlechtsteil und Bauch …

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert die paarweise Zuordnung und erklärt śiva hier als Geschlechtsteil.

7.6

… auf Hüfte, Oberschenkel, Nabel, Unterschenkel, Knie, Handgelenke, Hände und Scheitel. Nach diesem Nyasa meditiere man auf die Göttin im Banyanbaum.

7.7

[Ich meditiere auf] Vata-Yakshini, geschmückt mit rotem Sandelholz und Gewändern, deren Körperglanz einer wasserreichen Wolke gleicht, mit den Augen einer liebesbewegten Gazelle; in ihren Händen hält sie eine Betelnuss und ein Blatt der Betelranke.

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF-Seite 234, der zweite auf 235. Die Naturattribute gehören zum konkreten Meditationsbild. Der Hauptdruck hat sajalatoyatulya; das Wolkenbild der Übersetzung entspricht der erklärenden Tradition, wobei toyada („Wolke“) statt toya („Wasser“) zu erwarten wäre.

7.8

Man wiederhole den Mantra zweihunderttausendmal und opfere ein Zehntel davon mit Bandhuka-Blüten. Dann verehre man die Göttin auf ihrem Sitz. Die Kräfte des Sitzes werden nun genannt:

7.9

Kamada, Manada, Nakta, Madhura, Madhuranana, Narmada, Bhogada, Nanda und Pranada sind die Kräfte des Sitzes.

7.10

„manoharāya yakṣiṇyā yogapīṭhāya“, [abgeschlossen mit] Hrit, ist der Mantra des Sitzes. Dort verehre man die Göttin Vata-Yakshini.

Erläuterung zur Stelle: Sinngemäß gilt die Verehrung dem bezaubernden Yogasitz der Yakshini. Hrit ist hier eine Abschlusschiffre.

7.11

Im Lotusmittelpunkt [verehre man] die sechs Glieder, dann die auf den Blättern Befindlichen: Sunanda, Chandrika, Hasa, Sulapa, Madavihvala …

7.12

… Amoda, Pramoda und Vasuda: dies sind die acht Shaktis. Nachdem man Indra und die übrigen [Richtungshüter] sowie Vajra und die übrigen [Waffen] verehrt hat, erlangt man Glück.

Historische Erscheinungsrituale und weitere Yakshinis

Diese Vorschriften gehören zu speziellen Sadhana-Traditionen und enthalten besondere Wirkungsversprechen.

7.13

Ein so verehrter Mantra wird für die Anwendungen wirksam. Man gehe in einen menschenleeren Wald und wiederhole ihn unter einem Banyanbaum.

7.14

Täglich wiederhole man ihn nachts tausendmal, die Sinne beherrschend. Am siebten Tag fertige man ein Mandala aus Sandelholzpaste …

7.15

… stelle dort eine Lampe mit geklärter Butter auf und verehre darin Vata-Yakshini. Vor ihr wiederhole man gesammelt den Mantra bis Mitternacht.

7.16

Dann hört der Mantra-Praktizierende das Klingen von Fußringen und Gesang. Sobald er es hört, wiederhole er den Mantra und gedenke ihrer ohne Furcht.

Erläuterung zur Stelle: Der Vers gehört zur traditionellen Schilderung einer erwarteten Erscheinung; er macht keine überprüfbare Zusage eines solchen Erlebnisses.

7.17

Darauf erblickt er die Göttin unmittelbar, nach Liebesvereinigung verlangend. Durch die Erfüllung ihres Verlangens gewährt sie dem Praktizierenden das Ersehnte.

Erläuterung zur Stelle: Die erotische Erscheinung ist ein Motiv der historischen Yakshini-Sadhana. Der Text schildert hier keine allgemeine Meditationsübung.

7.18

Wozu viele Worte? Vata-Yakshini erfüllt alles Ersehnte. [Ein weiterer Mantra besteht aus] zweimal Padma, „yakṣiṇi“ und dreimal Gagana mit Chandra …

7.19

… und endet mit Vaishvanarapriya. Er gilt als zehnsilbiger Mantra. Der Rishi ist der zuvor genannte, das Versmaß Pankti, die Göttin Yakshini.

7.20

Mit [Gruppen von] eins, eins, drei, drei und zwei [Silben] erfolgt die Zuordnung der Glieder. Man vergegenwärtige sich [die Göttin] in einem Champaka-Hain auf einem Edelsteinthron …

Erläuterung zur Stelle: Die gedruckte Zahlenverbindung ist sprachlich gedrängt. Die fünf Gruppen ergeben zehn; sie werden nicht zu sechs erfundenen Gruppen ergänzt.

7.21

Ich verehre jene Yakshini, die alles Glück schenkt: goldglänzend und schön mit Edelsteinschmuck, mit zwei Gewändern in der Farbe der Hibiskusblüte bekleidet, deren Füßen von allen vier Seiten Scharen von Dienerinnen dienen.

7.22

Nach dieser Meditation wiederhole man [den Mantra] hunderttausendmal und opfere ein Zehntel davon mit Hibiskusblüten. Auf dem zuvor genannten Sitz verehre man sie wie vorher.

7.23

Krodhisha und Vahni, verbunden mit Manu und Bindu, „madanamekhale“, am Ende Hridaya und Agnipriya, mit Tara zu Beginn: [Dies ist] der zwölfsilbige [Mantra].

7.24

Die gesamte Verehrung erfolgt wie zuvor; diese [Göttin] ist jedoch Mekhala-Yakshini. Vierzehn Tage lang, unter einem Madhuka-Baum …

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert den Baum ausdrücklich als Madhuka.

7.25

… wiederhole man [den Mantra] täglich zehntausendmal und vollziehe tausend Feueropfer mit honigbestrichenen Madhuka-Blüten sowie mit Holz dieses Baumes im Opferfeuer.

7.26

Wenn so verfahren wird, soll die zufriedengestellte Göttin eine glückbringende Augensalbe gewähren; mit ihr bestrichenen Augen soll der Praktizierende einen in der Erde verborgenen Schatz sehen.

Erläuterung zur Stelle: Dies dokumentiert ein traditionelles Schatzfindungsmotiv, keine belegte Wirkung einer Augensalbe.

7.27

Pranava, Vag, „viśāle“, Maya, Padma, Manobhava und das Paar Ṭha am Ende: Dies ist der zehnsilbige Mantra der Vishala-Yakshini.

7.28

Von der Bestimmung des Rishi bis zur Puja gilt das zuvor Gelehrte. Rein unter einem Tamarindenbaum sitzend wiederhole man den Mantra hunderttausendmal.

7.29

Ein Zehntel davon opfere man mit Lotusblüten. Dadurch zufriedengestellt, gewährt sie einen Saft beziehungsweise ein Elixier, durch das jener ein krankheitsfreies Leben erlangen soll.

Erläuterung zur Stelle: Die Heil- und Lebensverheißung gehört zur historischen Yakshini-Überlieferung; sie ist keine medizinische Wirkungsaussage.

Varahi: Schutz und aggressive Ritualziele

Die Verehrung wird hier ausdrücklich auf die Bezwingung von Feinden ausgerichtet.

7.30

Vag; Chandrashekhara, Sharngin und Pinakisha auf Manu; dreimal Langalin mit Indu; langes Varma und Shuchipriya [bilden den Mantra].

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF-Seite 240. Die Auflösung der Lautchiffren wird nicht spekulativ ergänzt.

7.31

Der Rishi dieses achtsilbigen, Feinde vernichtenden Mantras ist Kapila; sein Versmaß ist Anushtubh, als Gottheit wird Varahi-Vartali genannt.

7.32

Mit Silbengruppen von zwei, eins, eins, eins, eins und zwei erfolgt die Zuordnung der Glieder. Im Geist meditiere man auf Varahi, die Feinde bezwingt.

7.33

Möge die dreiäugige Varahi, blitzend im Glanz, in ihren Lotushänden Schlinge, Speer, Hammer und Elefantenhaken haltend, durch die aus ihren Augen hervorbrechenden Feuer unsere Schar von Feinden vernichten.

Erläuterung zur Stelle: Der Vers enthält ausdrücklich ein aggressives Bittgebet. „Feinde“ wird nicht nachträglich als bloße innere Schwäche übersetzt; eine solche heutige Umdeutung wäre als eigene Interpretation zu kennzeichnen.

7.34

Nachdem man [den Mantra] achthunderttausendmal wiederholt hat, opfere man am Ende ein Zehntel davon mit Bilva-Blättern, Oleanderblüten, Amalaki-Früchten, Bhringaraja und Kusha-Gras.

Erläuterung zur Stelle: Die Stoffe werden als historische Opfergaben genannt, nicht als Nahrung oder Heilmittel.

7.35

Man verehre [sie] auf dem zuvor genannten Sitz mit den sechs Gliedern, den Richtungshütern und ihren Waffen. Wer als Praktizierender den so vollendeten Mantra zur Bezwingung eines Feindes wiederholt …

Erläuterung zur Stelle: Im Druck steht chatranigrahe; der Zusammenhang und der folgende Vers zeigen die Bedeutung „Feindbezwingung“.

7.36

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Text verbindet die Feindbezwingung mit einer gewaltsamen Visualisierung: Die Göttin zieht den Feind heran, bindet ihn und schlägt ihn auf den Kopf. Dazu wird eine besondere Wiederholungszahl vorgeschrieben.

7.37

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Es folgt ein schädigender Ritus mit einem besonderen Feueropfer. Die dabei entstandene Asche soll in Wasserstellen eingebracht werden.

Erläuterung zur Stelle: Der historische Text richtet die Anwendung gegen andere Menschen. Die praktische Durchführung wird hier nicht als Anleitung wiedergegeben.

7.38

Die feindlichen Trinker jenes Wassers sollen gewiss auseinandergebracht werden oder ihren Ort verlassen, untereinander von Hass erfüllt.

Erläuterung zur Stelle: Die Aussage dokumentiert das Ziel der vorangehenden aggressiven Anwendung; sie ist weder eine Empfehlung noch eine Wirksamkeitsbestätigung.

7.39

Damit ist Varahi dargelegt, die für Mantra-Praktizierende schon durch das Gedenken an sie zur Feindbezwingung fähig sein soll. Nun wird Dhumavati gelehrt.

Dhumavati: das Göttliche in einer erschreckenden Gestalt

Die Meditationsbeschreibung bezieht Hunger, Unruhe und Mangel ein. Die Ritualziele bleiben von einer heutigen Betrachtung der Vergänglichkeit unterscheidbar.

7.40

Dreimal Satvata mit Ardhi, dabei die ersten beiden mit Chandrashekhara; Vaikuntha mit Ananta; Jala und Hari mit Netra [bilden den Mantra].

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF-Seite 242. Lautchiffren bleiben als solche stehen.

7.41

Dieser achtsilbige, mit Vahnijaya endende Mantra dient der Feindvernichtung. Rishi, Versmaß und Gottheit sind Pippalada, Nichrit und Jyeshtha.

7.42

Die Gliederzuordnung geschieht mit den sechs Silben, denen die beiden ersten Bijas vorangestellt sind. Auf der Leichenstätte befindlich meditiere man auf Jyeshtha, die auf einer Krähe sitzt.

7.43

Der Praktizierende meditiere auf Dhumavati: überaus groß, in schmutzige Gewänder gekleidet, alle Menschen erschreckend, betrübt; mit drei rauen Augen, großen Zähnen und einem sonnenrunden Bauch, unruhig; schweißbedeckt, von Hunger geplagt, schwarz und von äußerst rauem Glanz, mit offenem Haar und stets dem Streit zugetan.

Erläuterung zur Stelle: Das herbe Bild konfrontiert mit Mangel, Unruhe und Vergänglichkeit. Diese leserbezogene Betrachtung ersetzt nicht die konkrete, hier ausdrücklich erschreckende Ikonographie.

7.44

Nach dieser Meditation wiederhole man [den Mantra] hunderttausendmal auf der Leichenstätte, unbekleidet und nur nachts essend. Ein Zehntel davon bringe man als Feueropfer mit Sesam dar.

Erläuterung zur Stelle: Dies ist eine besondere historische Observanz, keine allgemeine Empfehlung für heutige Aspiranten.

7.45

Auf dem zuvor genannten Sitz verehre man Jyeshtha zur Vernichtung des Feindes; in den Staubfäden die sechs Glieder, auf den Blättern die acht Shaktis …

7.46

… Kshudha, Trishna, Rati, Nidra, Nirriti, Durgati, Rusha und Akshama. Danach [verehre man] die Gottheiten Indra und die übrigen sowie ihre Waffen.

Erläuterung zur Stelle: Die Namen umfassen Hunger, Durst, Lust, Schlaf, Verderben, Unglück, Zorn und Ungeduld. Der Kreis der Göttin schließt leidvolle Erfahrungen ausdrücklich ein.

7.47

Nachdem man Jyeshtha so verehrt hat, wird man einer, dessen Mantra vollendet ist. Nach dem Fasten am vierzehnten Tag der dunklen Monatshälfte, unbekleidet und mit offenem Haar …

7.48

… wiederhole man täglich [den Mantra] in einem leeren Haus, auf einer Leichenstätte, im Wald oder auf einem Berg, ohne Furcht auf die Göttin meditierend und nachts essend.

7.49

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine besondere Wiederholungszahl soll den Feind rasch vernichten. Der Text knüpft dieses Ergebnis an ein nächtliches Feueropfer mit bestimmten Zutaten.

Karnapishachini und die Suche nach verborgenem Wissen

Das Werk schildert eine orakelhafte Mitteilung ins Ohr.

7.50

Tara, Maya, „karṇapiśā“, Kurma und Dhantima mit Drish, „karṇe me“, Vidhi, Dandin und Ira sowie das Paar Ṭha: [Dies ergibt] den sechzehnsilbigen [Mantra].

Erläuterung zur Stelle: Die Lautchiffren bilden eine Anrufung der Karnapishachini; der Sinn des ausgeschriebenen Abschnitts ist „in mein Ohr“.

7.51

Rishi und weitere Zuordnungen des Mantras sind wie zuvor; die Gottheit ist jedoch Pishachini. Für die Gliederzuordnung des Mantras gelten Silbengruppen von eins, eins, sechs, drei, drei und zwei.

Erläuterung zur Stelle: Die sechs Zahlengruppen ergeben 16. Naukā erklärt aṅga als sechs und agni sowie rāma jeweils als drei; die zusätzliche Rai-Ausgabe bestätigt die zusammengesetzte Lesung.

7.52

Wir verehren jene Karnapishachini, auf einem Scheiterhaufen sitzend, mit einer Girlande von Menschenschädeln und Knochenschmuck geziert, in ihren Lotushänden einen Leichnam mit menschlichen Eingeweiden haltend, in schlechte Gewänder gekleidet.

Erläuterung zur Stelle: Die gedrängte Verbindung pretāṃ narāntrair dadhatīm bleibt im Druck sprachlich auffällig. Die Übersetzung gibt die erkennbaren Bestandteile des furchterregenden religiösen Bildes wieder.

7.53

Auf der Leichenstätte oder auf einem Leichnam befindlich wiederhole man gesammelt [den Mantra] hunderttausendmal. Ein Zehntel davon opfere man im Feuer mit ausgewählten Bibhitaka-Holzstücken.

Erläuterung zur Stelle: Die Stelle dokumentiert eine besondere historische Leichenstättenpraxis.

7.54

Man verehre [sie] auf dem zuvor genannten Sitz mit den sechs Gliedern, den Göttern und ihren Waffen. Nach der Vollendung des Mantras vollziehe man Japa unter einem Badari-Baum …

7.55

… in unreinem Zustand, hunderttausendmal. Dadurch zufriedengestellt, soll Pishachini ins Ohr mitteilen, was im Geist eines anderen vorgeht, und was künftig geschehen wird.

Erläuterung zur Stelle: Dies ist ein historisches Divinationsversprechen, kein Nachweis von Gedankenlesen oder Zukunftswissen.

Shitala: Hoffnung auf Heilung

Die historische Verehrung der Göttin ist von medizinischen Behandlungsaussagen zu unterscheiden.

7.56

Dhruva, Shiva, Rama, „śītalāyai“ und Harda bilden den neunsilbigen [Mantra]. Rishi, Versmaß und Gottheit sind Upamanyu, Brihati und Shitala. Mit den Bijas Shivas und Lakshmis, versehen mit den sechs langen Vokalen, erfolgt die Zuordnung der sechs Glieder.

Erläuterung zur Stelle: Diese nummerierte Einheit hat drei Halbverse. Shiva ist hier die weibliche Lautchiffre Śivā.

7.57

Ich verehre die erhabene Shitala zur Vernichtung aller Krankheiten: nur mit den Himmelsrichtungen bekleidet, in ihren beiden Händen Besen und Worfelkorb haltend, wolkengleich, mit roter Körperbemalung und einer Girlande.

Erläuterung zur Stelle: Die Göttin verkörpert im historischen Kult Hoffnung auf Heilung. Der Vers ist ein Gebet, keine medizinische Wirksamkeitszusage.

7.58

Man wiederhole den Mantra zehntausendmal und opfere tausendmal mit Milchspeise, auf dem Sitz wie zuvor. Diese [Göttin] gilt als Vernichterin von Pusteln.

7.59

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Text verbindet Japa in Wasser und eine anschließende Reinigung mit dem Versprechen, heftige Pusteln augenblicklich verschwinden zu lassen.

Erläuterung zur Stelle: Das ist eine historische Krankheitsvorstellung und keine geeignete Behandlungsempfehlung.

Svapneshvari: das Herzensanliegen der Göttin anvertrauen

Weißes Gewand, Mondglanz, Segen und Furchtlosigkeit kennzeichnen das Meditationsbild.

7.60

Pranava, Kamala, „svapneśvari kāryaṃ ca me vada“ und Svaha bilden den dreizehnsilbigen Mantra. Rishi und die weiteren Zuordnungen sind wie zuvor.

Erläuterung zur Stelle: Der ausgeschriebene Gebetsteil lautet sinngemäß: „Herrin des Traumes, sage mir, was zu tun ist.“ Das ca verbindet im Grundtext die Mantrabestandteile und ist nicht eigenmächtig in eine rekonstruierte Rezitationsfassung einzufügen.

7.61

Nachdem man die Glieder des Mantras mit Silbengruppen von zwei, vier, zwei, eins, zwei und zwei zugeordnet hat, meditiere man zur Erfüllung des Ersehnten auf die Göttin Svapneshi.

7.62

Ich verneige mich vor Svapneshvari, reich geschmückt, auf einem goldenen Sitz ruhend, in weiße Gewänder gekleidet und strahlend wie der Herbstmond; ihre vier Hände zeigen Segen und Furchtlosigkeit und tragen zwei Lotusse.

7.63

Man wiederhole [den Mantra] hunderttausendmal und opfere ein Zehntel davon mit Bilva-Blättern. Auf dem zuvor genannten Sitz verehre man [sie] mit den sechs Gliedern, den Göttern und ihren Waffen.

7.64

Nachdem man nachts die Herrin der Götter verehrt hat, wiederhole man [den Mantra] zehntausendmal vor ihr. Unter Wahrung des Brahmacharya schlafe man auf dem Boden, auf Tierhäuten, die über Darbha-Gras liegen.

7.65

Man teile der Göttin sein Herzensanliegen mit; sie soll im Traum gewiss Antwort geben. Nachdem so die Yakshinis und die übrigen [Göttinnen] dargelegt sind, wird nun Matangi gelehrt.

Erläuterung zur Stelle: Der Text verbindet die Traumbitte ausdrücklich mit einem persönlichen Herzensanliegen. Die zugesicherte Antwort gehört zu seinem religiösen Wirkungsversprechen.

Matangi: Klang, Musik und Göttinnenverehrung

Die Göttin hört einem Papagei zu und spielt die Laute. Ihr Verehrungskreis wird ausführlich entfaltet.

7.66

Tara, Maya, Vag, Lakshmi, Hrit, Nidra, Smriti und Lantima; Hari mit Netra; „ucchiṣṭacāṇḍāla“ und Kriya mit Netra [bilden den Beginn des Mantras].

7.67

[Es folgen] „śrīmātaṅgeśvari“, „sarva“, Shulin, „na“, Lanta, „śam“, „kari“ und Vahnipriya. Dieser Mantra hat zweiunddreißig Silben.

Erläuterung zur Stelle: Die Lautanweisung bleibt vom ausgeschriebenen Mantra unterschieden.

7.68

Als sein Rishi wird Matanga genannt, als Versmaß Anushtubh; die Gottheit ist Matangi, ausgerichtet auf das Unterwerfen aller Menschen.

Erläuterung zur Stelle: Das historische Beeinflussungsziel wird offen übersetzt. Es ist keine heutige Empfehlung zum Umgang mit anderen Menschen.

7.69

Mit Silbengruppen von vier, sechs, sechs, sechs, acht und zwei ordne man die Glieder dieses Mantras zu und vergegenwärtige sich die Göttin.

Erläuterung zur Stelle: Aṅga und nayana dienen hier als Zahlwörter für sechs und zwei. Die Gruppen ergeben zusammen 32.

7.70

Ich verehre Matangi, die Herrliche: Ihr Körper ist dunkel wie eine Wolke; sie sitzt auf einem Edelsteinsitz, hört den Worten eines Papageis zu, trägt rote Gewänder, ist vom Trinken berauscht, ruht auf einem Lotus und spielt die Laute.

Erläuterung zur Stelle: Die musikalische Göttin verbindet Klang, Hören und Schönheit. Der Rausch gehört zum historischen Bild; er wird nicht als Voraussetzung heutiger Mantra-Praxis empfohlen.

7.71

Der Japa umfasst zehntausend Wiederholungen, das Feueropfer tausend Gaben mit honigbestrichenen Madhuka-Blüten. Auf dem Sitz verehre man [sie] nach dem nun folgenden Verfahren.

7.72

Nachdem man den Sitz aus Dreieck, achtblättrigem [Lotus], Kreis, sechzehn [Blättern], acht [Blättern] und Viereck gestaltet hat, verehre man darin die Kräfte des Sitzes, die Wünsche gewähren.

Erläuterung zur Stelle: Die gedrängte Figurenfolge wird durch die folgenden Verse erläutert: Zwei achtblättrige Kreise und ein sechzehnblättriger Kreis werden unterschieden. Die letzte Verbindung ist im Druck sprachlich unklar; ihr erkennbarer Sinn ist das Gewähren des Ersehnten.

7.73

Vibhuti, Unnati, Kanti, Srishti, Kirti, Sannati, Vyushti, Utkrishti und Riddhi werden genannt, jeweils mit Matangi am Ende.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert mātaṅgyantāḥ als Ergänzung „Matangi“ zu den einzelnen Namen. Die Namensfolge des Grundtextes wird vollständig bewahrt.

7.74

Am Ende von „sarvaśaktikam“ [füge man] „lāsanāya“ und Hridaya an; voraus gehen Tara, Maya, Vag und Rama. Der Mantra des Sitzes hat sechzehn Silben.

Erläuterung zur Stelle: Die ungewöhnliche Worttrennung dient der Bildung von sarvaśaktikamalāsanāya: „dem Lotussitz aller Kräfte“. Sie bleibt als Textverfahren erkennbar.

7.75

Nachdem man damit einen Sitz dargebracht hat, bereite man das Wasser für die Füße und die übrigen Gaben. Nach der Blumenverehrung mit dem Grundmantra vollziehe man die Verehrung der umgebenden Kreise.

7.76

In den drei Ecken verehre man Rati, Priti und Manobhava; in den Staubfäden die sechs Glieder und in der Mitte der Blätter die Mütter.

7.77

Im zweiten achtblättrigen [Lotus] sind die Bhairavas, beginnend mit Asitanga, zu verehren. Im sechzehnblättrigen dagegen Vama, Jyeshtha, Raudri, Prashantika …

7.78

… Shraddha, Maheshvari und als siebte Kriyashakti; Sulakshmi, Srishti, Mohini, Pramatha und Shvasini …

7.79

… Vidyullata, Vicchitti, Sundari zusammen mit Nanda und als sechzehnte Nandabuddhi: Sie sind sorgsam zu verehren.

Erläuterung zur Stelle: Die Folge sundarī nandayā wird in der Hindi-Erklärung als ein Name Nandasundari zusammengefasst; damit ergeben sich die angekündigten sechzehn Göttinnen. Die Wortgestalt des Grundtextes wird bewahrt.

7.80

Im Viereck, in den vier Richtungen, [verehre man] Matangi, Lakshmi und Siddhi, jeweils mit „Maha“ beginnend, und wiederum von der Feuerecke an …

Erläuterung zur Stelle: Der Grundtext nennt hier nur drei Namen für vier Richtungen. Die Hindi-Erklärung ergänzt Mahadevi als vierte; diese Ergänzung wird nicht mit dem Grundtext vermischt.

7.81

… Vighnesha, Durga, Batuka und Kshetresha, danach die Richtungshüter und Vajra samt den übrigen [Waffen]. So soll man Vollendung erlangen.

7.82

Bei allen Gottheiten der umgebenden Kreise setze man Dhruva, Bhavani, Vagbija und Rama an den Anfang und das Wort Matangi an das Ende.

Historische Anwendungen der Matangi-Vidya

Wunscherfüllung steht neben Beeinflussungs- und Schädigungsritualen. Die problematischen Vorschriften werden nicht als moderne Praxis aufbereitet.

7.83

Durch ein Feueropfer mit Jasminblüten soll Genuss, mit Bilva-Blättern oder -Früchten Königsherrschaft erlangt werden. Nichtanleitende Inhaltswiedergabe des Schlusses: Eine weitere Opfergabe soll Lebewesen gefügig machen.

7.84

Mit Amrita-Stücken wird das Verschwinden von Krankheit, mit Nimba [ebenfalls] und mit Reis Wohlstand verbunden. Nichtanleitende Inhaltswiedergabe des Weiteren: Weitere Opferzuordnungen betreffen Heranziehung, Wissen und das Erlangen von Wasser.

Erläuterung zur Stelle: Die syntaktische Zuordnung um nimbaiḥ und vidyā ist im Druck gedrängt. Naukā erklärt amṛtākhaṇḍa als Guduchi-Stücke; die Stelle ist keine Heilmittelempfehlung.

7.85

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Bestimmte Opfermischungen werden zur Feindvernichtung und zur Erstarrung anderer Menschen eingesetzt. Dazwischen nennt der Text ein Nahrungsopfer zur Erlangung von Nahrung.

7.86

Roter Sandel, Karchura, Mamsi, Safran, Rochana, Sandelholz, Aloeholz und Kampfer werden als die acht Duftstoffe genannt.

7.87

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein Opfer dieser Stoffe soll dem Mantra-Praktizierenden die Welt unterwerfen. Eine daraus bereitete Stirnmarkierung wird mit Beliebtheit bei den Menschen verbunden.

7.88

Durch ein Feueropfer mit Bananen soll alles Ersehnte erlangt werden. Wozu viele Worte? Verehrt schenkt Matangi den Menschen die Erfüllung ihrer Wünsche.

7.89

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine aus bestimmten Stoffen geformte Figur dient in einem nächtlichen Feueropfer dem Ziel der Unterwerfung.

7.90

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine weitere Figurenanwendung soll eine Frau gefügig machen. Im zweiten Halbvers beginnt eine andere Beeinflussungspraktik unter Verwendung eines Tierkörpers.

7.91

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Text beschreibt die Verbrennung des zuvor genannten Gegenstands und die rituelle Behandlung der Asche. Wer sie erhält, soll sich wie ein Diener verhalten.

Erläuterung zur Stelle: Die Vorschrift gehört zu historischen Manipulationsritualen und wird nicht zur Anwendung empfohlen.

Baneshi und ihre Kräfte

Fünf Bijas verbinden sich mit fünf Göttinnenkräften und einer geordneten Puja.

7.92

Das erste Bija besteht aus Satya mit Agni, Ananta und Indu. Das zweite entsteht daraus, indem an die Stelle Anantas Shanti tritt.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert die Verbindungen der Bijas; eine frei ergänzte Rezitationsfassung wird nicht daraus hergestellt.

7.93

Das dritte Bija wird als Brahma, versehen mit Indra, Shanti und Bindu, gelehrt; das vierte als Bhudhara mit Vasudhardhisha und Chandra.

7.94

Das fünfte ist Hamsa mit Sarga. Der Mantra besteht aus fünf Bijas. Der Rishi ist Sammohana, das Versmaß Gayatri; die Gottheit wiederum …

7.95

… Baneshi. Die sechs Glieder werden mit dem Mantra in umgekehrter Silbenfolge zugeordnet. Auf Scheitel, Fuß, Mund, Geschlechtsteil und Herz [setzt man] fünf Gottheiten …

7.96

… jeweils mit einem der fünf Bijas beginnend: Dravini, Kshobhini, Vashikarani, Akarshani und als fünfte Sammohini.

7.97

Möge Baneshi unsere Wünsche erfüllen: leuchtend wie die aufgehende Sonne, in rote Gewänder gekleidet, ihre Glieder mit vielerlei Edelsteinen geschmückt, in den Händen Schlinge, Elefantenhaken, Bogen und Pfeil tragend.

7.98

Nach dieser Meditation wiederhole man [den Mantra] fünfhunderttausendmal. Nachdem man ein Zehntel davon geopfert hat, verehre man die Göttin Baneshvari nach dem vorgeschriebenen Verfahren.

7.99

Mohini, Kshobhini, Trasi, Stambhini, Akarshini, Dravini, Ahladini, Klinna und Kledini sind die Kräfte des Sitzes.

7.100

„bāṇeśī yogapīṭhāya namaḥ“, dem der Grundmantra vorangeht, ist der [Sitz-]Mantra. Nachdem der Praktizierende damit den Sitz dargebracht hat, verehre er darauf die Göttin.

7.101

Zuerst erfolgt der Nyasa der sechs Glieder. In den Richtungen und unten [verehrt man] die mit Dravini beginnenden [Göttinnen]. Auf den Blättern befinden sich Anangarupa und Anangamadana …

7.102

… Anangamanmatha, Anangakusuma, ferner die Anangamadana Genannte, Anangashishira und Anangamekhala …

Erläuterung zur Stelle: Die Verbindung madanā parā / anaṅgākhyā wird als Anangamadana verstanden. Dadurch wiederholt sich der bereits in 7.101 genannte Name; die Wiederholung des Hauptdrucks bleibt kenntlich.

7.103

… und Anangadipika: diese acht, ferner Shakra und die übrigen [Richtungshüter] sowie ihre Waffen. Den so vollendeten Mantra wende der Praktizierende für gewünschte Ziele an.

7.104

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein mehrtägiges Feueropfer mit einer besonderen Blütengabe soll alle Lebewesen dem Einfluss des Praktizierenden unterwerfen.

7.105

Durch ein Feueropfer mit geröstetem Getreide und Dickmilch soll der Praktizierende eine Braut gewinnen; ebenso soll eine junge Frau innerhalb zweier Monate einen Bräutigam finden.

Erläuterung zur Stelle: Der Vers formuliert ein historisches Heiratsversprechen für beide Geschlechter. Eine heutige spirituelle Einordnung achtet die freie Entscheidung beider Partner.

7.106

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein Mann soll einer Frau nach einer vergüteten Opferhandlung eine rituell behandelte Speise übergeben. Der folgende Vers nennt als Ziel die Beeinflussung ihres Partners.

7.107

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe des ersten Halbverses: Die Frau soll dadurch ihren Geliebten gefügig machen. Der zweite Halbvers verheißt durch ein Opfer duftender Blumen den gewünschten Reichtum.

Kameshi und der Abschluss des Taraṅga

Die Göttin erscheint mit Schlinge, Haken, Zuckerrohrbogen und Pfeilen im Glanz der aufgehenden Sonne.

7.108

Maya, Manmatha, Vagbija, blūṃ und strīṃ bilden den fünfsilbigen Mantra. Rishi und Versmaß sind wie zuvor; als Gottheit gilt Kameshi.

7.109

Ich verneige mich vor der bezaubernden Kameshvari, mit Edelsteinen bedeckt und in rote Gewänder gekleidet, strahlend wie die aufgehende Sonne; in ihren Händen trägt sie Schlinge und Elefantenhaken, einen Zuckerrohrbogen und Pfeile.

Erläuterung zur Stelle: Die gedruckte Verbindung vor ikṣurasāra ist gedrängt; das Bild von Schlinge, Haken, Zuckerrohrbogen und Pfeilen wird auch durch Naukā bestätigt.

7.110

Nachdem man diese [Vidya] fünfhunderttausendmal wiederholt hat, opfere man fünfzigtausendmal mit Palasha-Blüten. Auf dem zuvor genannten Sitz verehre man sie.

7.111

Nachdem man zuerst die Glieder verehrt hat, [verehre man] in den Richtungen und in der Mitte Manobhava, Makaradhvaja, Kandarpa, Manmatha und Kamadeva.

Erläuterung zur Stelle: Naukā ordnet Kamadeva der Mitte zu. Es handelt sich um fünf Gestalten beziehungsweise Namen des Liebesgottes.

7.112

Danach [verehre man] die mit Anangarupa beginnenden [Göttinnen], Indra und die übrigen sowie außen ihre Waffen. Wenn sein Mantra auf diese Weise vollendet ist, vollziehe der Praktizierende die zuvor genannte Anwendung.

Erläuterung zur Stelle: Yoga bedeutet an dieser Stelle nach Naukā prayoga, rituelle Anwendung. Es bezeichnet hier nicht die heutige allgemeine Yogapraxis.

Kolophon des Taraṅga 7

Damit endet im von Shri Mahidhara verfassten Mantramahodadhi der siebte Taraṅga, genannt „Darlegung der Mantras der Yakshinis und weiterer [Göttinnen]“.

Textgrundlage dieses Taraṅga: Sanskrit-Grundtext der verwendeten Ausgabe, gedruckte Seiten 183–211 / PDF-Seiten 233–261; anschließende Hindi-Erklärung auf PDF-Seite 262. Naukā und die Hindi-Erklärung bleiben vom Grundtext getrennt.

Taraṅga 8 – Bala und Laghushyama – Bewusstsein, Übertragung und heilige Musik

Der achte Taraṅga entfaltet die Verehrung von Bala und Laghushyama, einer Gestalt Matangis. Neben Mantra, Nyasa und Yantra stehen klare Aussagen zur inneren Praxis: Bala ist von der Natur des Bewusstseins (8.54), die Gottheit soll als vom eigenen Selbst ungetrennt vergegenwärtigt werden (8.55), und die Verehrung soll in respektvolles Verhalten gegenüber Frauen münden (8.144). Die Übertragung durch den eigenen Guru wird ausdrücklich vorausgesetzt.

Bala und ihr Mantra

Die Mantrabeschreibung arbeitet mit traditionellen Lautchiffren.

8.1

Nun werde ich Bala darlegen. Wer ihr als Mantra-Praktizierender dient, wird rasch durch Wissen zu einem Brihaspati und durch Reichtum zu einem Kubera.

Erläuterung zur Stelle: Der Vergleich mit dem göttlichen Lehrer und dem Gott des Reichtums hebt die beiden traditionellen Ziele Wissen und Fülle hervor.

8.2

Damodara mit Chandra wird als erstes, als Vagbija, gelehrt. Vidhi mit Vasava, Shanti und Indu ist das nächste, Kama genannte [Bija].

8.3

Bhrigu mit Sankarshana und Visarga wird als drittes gelehrt. Bala wird als aus drei Bijas bestehend bezeichnet, die drei Welten bezaubernd.

8.4

Als Rishi und Versmaß gelten der Reihe nach Dakshinamurti und Pankti; die Gottheit ist Tripura-Bala. Das mittlere und das letzte [Mantraglied] sind Shakti beziehungsweise Bija.

8.5

Das erste [Bija] setze man auf den Körperbereich vom Nabel bis zu den Füßen, das nächste vom Herzen bis zum Nabel, das dritte vom Scheitel bis zum Herzen, in dieser Reihenfolge.

8.6

Das erste [Bija setze man] in die linke Hand, das zweite in die rechte, das nächste in beide. Dann setze man die drei Bijas auf Scheitel, Geschlechtsteil und Brust.

8.7

Beim Navayoni genannten Nyasa setze man den Mantra neunmal: auf die beiden Ohren und das Kinn, auf die beiden Schläfen und den Lotus des Gesichts …

8.8

… auf die beiden Augen und die Nase, auf die beiden Schultern und den Bauch; auf die Ellbogen und den Nabel, auf die Knie und die Spitze des Geschlechtsteils …

8.9

… auf die beiden Füße und das Geschlechtsteil, auf die Seiten und das Herz, auf die Brüste und den Halsbereich. Man beginne jeweils mit der linken Körperseite.

8.10

Rati mit Vagbhava zu Beginn setze man auf das Geschlechtsteil, Priti mit dem letzten [Bija] zu Beginn auf das Herz, Manobhava mit dem Kama-Bija zu Beginn zwischen die Augenbrauen.

8.11

Dann setze man auf dieselben [Stellen] drei [Göttinnen], jeweils mit Vag, dem letzten [Bija] und Kama zu Beginn: Amriteshi, Yogeshi und als dritte Vishvayoni.

Erläuterung zur Stelle: Der Grundtext nennt Vag, letztes Bija und Kama in dieser Reihenfolge; die anschließende Hindi-Erklärung ordnet die letzten beiden anders. Die Reihenfolge des Grundtextes wird nicht stillschweigend verändert.

8.12

Auf Scheitel, Gesicht, Herz, Geschlechtsteil und Füße setze man die mit Manobhava beginnenden Gestalten des Liebesgottes, jeweils mit einem der fünf Bijas Kameshis zu Beginn.

8.13

Auf Kopf, Füße, Gesicht, Geschlechtsteil und Herz setze man der Reihe nach die fünf Gottheiten, beginnend mit Dravini, jeweils mit einem Bija Baneshis vorangestellt.

Erläuterung zur Stelle: Die gedruckte Verbindung śiraḥpanmukha ist verkürzt; Naukā bestätigt die Stellen Kopf, Füße, Gesicht, Geschlechtsteil und Herz.

8.14

Mit Kama, zwischen dem dritten [Bija] und Vag stehend und mit den sechs langen Vokalen versehen, erfolgt die Zuordnung der sechs Glieder. Danach vergegenwärtige man sich die Göttin.

Meditationsbild und Verehrungsraum

Dhyana, Japa und Yantra bilden eine zusammenhängende Praxis.

8.15

Ich meditiere auf Bala, auf einem roten Lotus ruhend: in rote Gewänder gekleidet, mit der Mondsichel geschmückt, der aufgehenden Sonne gleichend, dreiäugig; ihre Hände tragen ein Buch und eine Gebetskette und zeigen Furchtlosigkeit und die Gewährung von Gaben.

Erläuterung zur Stelle: Vidyā bezeichnet im Meditationsbild das Buch beziehungsweise die verkörperte Lehre. Wissen, Japa, Furchtlosigkeit und Segen begegnen hier in einer einzigen Gestalt.

8.16

Man wiederhole den Mantra dreihunderttausendmal; ein Zehntel davon opfere man mit Kimshuka- oder Oleanderblüten, versehen mit Süßem.

Erläuterung zur Stelle: Die Pflanzen werden als historische Opfergaben genannt.

8.17

Der Verständige zeichne zur Verehrung ein Yantra aus neun Yonis, außen von einem achtblättrigen [Lotus] und nochmals von einer Umfriedung umgeben.

8.18

In die mittlere Yoni [setze man] das dritte [Bija], in die acht Yonis Manmatha; in die Staubfäden die Vokale und auf die Blätter die Lautgruppen, sie verehrend.

8.19

An den Blattspitzen [zeichne man] Dreizacke; der Lotus ist von der Matrika umgeben. In dem so gezeichneten Yantra verehre man die Kräfte des Sitzes.

Erläuterung zur Stelle: Matrika meint hier die Folge der Sanskritlaute als sakrale Lautgestalt.

8.20

[Diese sind] Iccha, Jnana, Kriya, Kamini, Kamadayini, Rati, Ratipriya, Ananda und als letzte Manonmani.

Erläuterung zur Stelle: Die ersten drei Namen bezeichnen Willen, Wissen und Handeln: zentrale Kräfte innerhalb der shaktischen Verehrung.

8.21

Nachdem man diese Kräfte des Sitzes verehrt hat, bringe man jenen Sitz mit dem Mantra dar: das dritte [Bija], dem Vyoma vorangeht, und die Wörter „sadāśiva mahā“ …

8.22

… „preta padmāsana“ im Dativ, mit Namaḥ am Ende: Der Sitz-Mantra hat sechzehn Silben. Danach, wenn die Gestalt mithilfe des Grundmantras vorgestellt ist …

8.23

… rufe man die Göttin herbei und verehre sie mit verschiedenartigen Gaben. Nachdem man die Göttin in der mittleren Yoni verehrt hat, [verehre man] im Dreieck die mit Rati beginnenden [Kräfte] …

8.24

… Rati in der linken Ecke, Priti in der rechten, Manobhava vorn. Innerhalb der Yoni verehre man die Glieder, beginnend mit der Feuerecke.

8.25

Außerhalb der mittleren Yoni, in den Richtungen von Osten an und vorn, [verehre man] auch die Liebesgottgestalten; ebenso die Pfeilgöttinnen und in den acht Yonis die Shaktis.

8.26

[Diese sind] Subhaga, danach Bhaga, als dritte Bhagasarpini, Bhagamali, ferner Ananga und als nächste Anangakusuma …

Erläuterung zur Stelle: Die Lautverbindung anaṅgādyākusumā erklärt den Namen als „Kusuma mit Ananga am Anfang“.

8.27

… Anangamekhala und Anangamadana: dies sind die acht Shaktis. In den Lotusstaubfäden befinden sich die mit Brahmi beginnenden [Mütter], auf den Blättern die Bhairavas.

8.28

Die Mütter sind mit langen [Vokalen] zu Beginn zu verehren, die acht Bhairavas mit kurzen. An den Blattspitzen [verehre man] acht Pithas, als erstes das Kamarupa genannte …

8.29

… Malaya, Kollagiri, Chauhara, Kulantaka, Jalandhara, Audyana und als achtes Kottapitha.

Erläuterung zur Stelle: Die Ortsnamen werden nach diesem Druck wiedergegeben; abweichende moderne Gleichsetzungen werden nicht vorausgesetzt.

8.30

In der Umfriedung verehre man in den zehn Richtungen Hetuka, Tripurantaka, Vetala, Agnijihva, Kalantaka und Kapalin …

8.31

… Ekapada, Bhimarupa, Malaya und Hatakeshvara. Shakra und die übrigen [Richtungshüter] verehre man mit ihren Waffen in den jeweiligen Richtungen.

8.32

Außerhalb davon verehre man in den Richtungen Batuka, Yogini, Kshetrapala und Ganesha, in den Zwischenrichtungen die Vasus, die Sonnen, die Shivas, danach …

8.33

… die Bhutas. Wer Bala so verehrt, soll Herr über Reichtum und Wissen werden. Nichtanleitende Inhaltswiedergabe des zweiten Halbverses: Bestimmte Opfergaben sollen Frauen beziehungsweise Könige gefügig machen.

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF-Seite 270; Seite 271 enthält die erläuternde Ausführung, nicht zusätzliche Grundtextverse.

Historische Anwendungen

Wunsch- und Machtverheißungen werden als historische Textaussagen eingeordnet.

8.34

Durch ein Feueropfer mit Blüten von Nandyavarta, Rajavriksha, Kunda, Patala und Champaka oder mit Bilva-Früchten soll dauerhafter Wohlstand entstehen.

8.35

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Besondere Opfer mit Guduchi beziehungsweise Durva und Milch sollen vor vorzeitigem Tod bewahren und ein krankheitsfreies Leben gewähren.

Erläuterung zur Stelle: Die Stelle dokumentiert religiöse Schutz- und Heilungsversprechen, keine medizinisch belegten Wirkungen.

8.36

Durch Opfer mit Kampfer, Aloeholz und Guggulu soll man Wissen und dichterische Begabung erlangen. Nichtanleitende Inhaltswiedergabe des zweiten Halbverses: Eine besondere Blütengabe soll führende Brahmanen gefügig machen.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt candra als Kampfer und pura als Guggulu.

8.37

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Verschiedene Blütenopfer werden jeweils mit der Beeinflussung von Kshatriyas, Königsfrauen, Vaishyas und Shudras verbunden.

Erläuterung zur Stelle: Die Aufzählung spiegelt die historische soziale Gliederung und den Wunsch nach Einfluss über ihre Gruppen.

8.38

Mit Palasha-Blüten wird Vollendung der Rede, mit einem Speiseopfer das Erlangen von Nahrung verbunden. Nichtanleitende Inhaltswiedergabe des zweiten Halbverses: Ein weiteres Nahrungsopfer soll Krankheiten überwinden.

8.39

Roter Sandel, Kampfer, Karchura, Aloeholz, Rochana, Sandel, Safran und Mamsi werden der Reihe nach in [den folgenden] Mengenanteilen zusammengestellt …

8.40

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Vers nennt die Mengenverhältnisse für die zuvor aufgezählten Stoffe und einen nächtlichen Ritus auf der Leichenstätte zur Vorbereitung einer Stirnmarkierung.

Erläuterung zur Stelle: Der Zusammenhang ist ein Beeinflussungsritual. Die praktische Rezeptur wird nicht als moderne Anleitung wiedergegeben.

8.41

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Mischung soll von einer Kumari verrieben, mit dem Mantra behandelt und als Stirnmarkierung verwendet werden. Ihr Anblick soll Menschen gefügig machen.

8.42

[Dies soll auch für] Wesen wie Elefanten und Löwen, Rakshasas und Shakinis [gelten]. Für diese Anwendungen werden nun der Reihe nach Meditationen zur Vollendung beschrieben.

8.43

Zur Erlangung von Wohlstand vergegenwärtige man sich Bala goldgleich, auf einem Lotussitz ruhend, mit Zitronatzitrone und Lotus in den Händen.

8.44

Zur Erlangung von Erkenntnis vergegenwärtige man sich im Brahmarandhra [die Göttin]: Sie zeigt Segen und Furchtlosigkeit, trägt einen Krug mit Unsterblichkeitstrank und ein Buch und lässt Nektar strömen.

Erläuterung zur Stelle: Der Ort am Scheitel und das strömende Amrita machen das Meditationsbild zu einer inneren Vergegenwärtigung von Wissen und göttlicher Lebenskraft.

8.45

Zum Schwinden von Krankheit vergegenwärtige man sich die gütige Göttin in weißen Gewändern, mondgleich, deren Glieder die Laute von A bis Ksha bilden.

Erläuterung zur Stelle: Die Göttin erscheint als Verkörperung des gesamten Lautalphabets. Das Heilungsziel ist eine Aussage des historischen Textes.

8.46

Zur Vollendung der Beeinflussung meditiere man auf die heitere, rötliche Göttin, Schlinge und Elefantenhaken tragend und mit Edelsteinschmuck geziert.

Erläuterung zur Stelle: Das Ziel vaśīkaraṇa wird ausdrücklich benannt und nicht als bloße Selbstbeherrschung umgedeutet.

Dhyana zu den drei Bijas

Der Text verbindet die Klangpraxis mit unterschiedlichen Meditationsbildern.

8.47

Nun erläutere ich die Japa- und Meditationsweise jedes einzelnen Mantras, die Art der Aufhebung des Fluches und auch die Dipini-Formeln der Bijas.

Erläuterung zur Stelle: Dīpinī bezeichnet eine „entzündende“ beziehungsweise belebende Mantraformel innerhalb dieser Überlieferung.

8.48

Zur Vollendung im Bereich der Sprache vergegenwärtige man sich Bala: Ihre Hände glänzen mit Buch, Gebetskette, schönem Schädelgefäß und Mudra; ihr Glanz gleicht der Kunda-Blüte, und ihre Glieder sind mit Perlenschmuck geziert.

Erläuterung zur Stelle: Die Grundtextlesung sukapāla wird als schönes Schädelgefäß bewahrt. Naukā nennt für die rechte Seite Gebetskette und Jnana-Mudra; diese Erklärung ist vom Vers zu unterscheiden.

8.49

Nach dieser Meditation [wiederhole man] Vagbhava dreihunderttausendmal, in weiße Gewänder gehüllt, den Körper mit weißem Sandel bestrichen und mit Perlenschmuck versehen …

8.50

Wer [so] Japa vollzogen hat und mit frischen Palasha-Blüten, die mit Süßem bestrichen sind, ein Homa im Umfang eines Zehntels darbringt, wird [dem Vers zufolge] ein Dichter, den junge Frauen lieben.

8.51

Man verehre sie unter dem Wunschbaum, auf einem Sitz aus leuchtenden Juwelen ruhend, mit vor Verzückung rollenden Augen. In ihren Händen trägt sie Zitronatzitrone, Schädelschale, Pfeil und Bogen sowie Schlinge und Haken; ihre Farbe ist rot.

Erläuterung zur Stelle: Naukā ordnet Zitronatzitrone, Pfeil und Haken den rechten, Schädelschale, Bogen und Schlinge den linken Händen zu. Die Göttin wird hier sechsarmig beschrieben.

8.52

Wer nach dieser Meditation auf die Göttin das mittlere Bija dreihunderttausendmal wiederholt, in rote Gewänder gekleidet, mit rotem Schmuck und roter Körperbemalung …

8.53

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein anschließendes Blütenopfer wird mit dem Versprechen verbunden, die Bewohner der drei Welten augenblicklich gefügig zu machen.

8.54

Man soll Bala vergegenwärtigen: In ihren Händen trägt sie die Geste der Erklärung, einen Nektarkrug, ein Buch und eine Gebetskette. Ihr Wesen ist Bewusstsein; sie leuchtet wie der Herbstmond, und ihre Glieder sind mit Perlen geschmückt.

Erläuterung zur Stelle: Das Dhyana gehört zum dritten Bija. Cidrūpiṇī benennt die Göttin ausdrücklich als von der Natur des Bewusstseins. Buch, Erklärungsgeste und Gebetskette verbinden Wissen und Mantra-Praxis.

8.55

Nach dieser Meditation wiederhole der Verständige das letzte Bija dreihunderttausendmal. In weiße Gewänder gekleidet und mit weißer Salbe versehen, vergegenwärtige er sich die Gottheit als vom eigenen Selbst ungetrennt.

Erläuterung zur Stelle: Ātmābhinna bedeutet hier Nichtgetrenntheit vom Selbst. Die Meditation wird ausdrücklich über die Vorstellung einer nur äußeren Gottheit hinausgeführt.

8.56

Nachdem man ein Zehntel davon mit sandelbestrichenen Malati-Blüten geopfert hat, soll man bald zu einer Stätte von Wohlstand, Wissen und gutem Ruf werden.

Aktivierung und Übertragung

Die Vidya wird als übertragene, rituell aktivierte Praxis behandelt.

8.57

Diese Vidya ist von der Göttin mit einem Fluch belegt und versiegelt; deshalb gewährt sie [so] keine Vollendung. Erst nach der Aufhebung des Fluches und der Entsiegelung vollziehe man Japa.

Erläuterung zur Stelle: Die Aussage gehört zur traditionellen Lehre von der rituellen Aktivierung eines Mantras. Sie setzt Einweisung voraus und ist keine Aussage über die Unwirksamkeit jeder schlichten Andacht.

8.58

Mit dem ersten Bija verbinde man Varaha, Bhrigu und Pavaka. Vor dem mittleren [Bija stehen] Nabhas und Hamsa, [am Ende] des mittleren Pavaka …

Erläuterung zur Stelle: Der Druck madhyamā ist verkürzt; Naukā erklärt die Stellung Pavakas am Ende des mittleren Mantrateils.

8.59

… und beim dritten der Reihe nach Kha am Anfang und Dhumaketana am Ende. Wenn man so hundertmal wiederholt hat, ist die Vidya vom Fluch frei und schenkt Frucht.

8.60

Wenn man beim ersten und beim letzten Bija den Repha nicht hinzufügt, ist dies eine andere Art der Fluchaufhebung, die von den Kundigen gelehrt wird.

8.61

Das erste, nochmals das erste, das dritte, Kama, nochmals Kama, dann Vagbhava, das letzte, nochmals das letzte und Ananga: So wird der neunsilbige Mantra gelehrt.

8.62

Hundertmal wiederholt soll dieser den Fluch Balas aufheben. Die wiederholten Mantras Chetani und Ahladini bewirken die Entsiegelung.

8.63

Der Chetani-Mantra besteht aus drei Vokalen: Adhara, Shanti und Anugraha. Kama mit Tara am Anfang und Hridaya am Ende ist der Ahladini-Mantra.

8.64

Ebenso belebe man zuerst die drei Bijas durch drei entzündende Mantras und wiederhole sie dann zur Vollendung des Ersehnten.

8.65

Zweimal „vada“, Ambu mit langem [Vokal], Smriti und Bala [mit den entsprechenden Vokalverbindungen], Satya mit Netra, ebenso „na“ und Vag: Dies ist die neunsilbige Dipini.

Erläuterung zur Stelle: Die Verbindung bālāvantagau ist im Druck gedrängt. Naukā erläutert Smriti und Bala als auf Ananta stehend. Die Chiffren werden nicht eigenmächtig zu einer neuen Rezitationsform ergänzt.

8.66

„klinne kledini“, Vaikuntha, langes Kha, Antima auf Sadya, Nidra mit Chandra und „kuru“: [Dies ist] die elfsilbige Dipini des mittleren [Bija].

Erläuterung zur Stelle: Śiva ist hier die Zahlenchiffre elf; Naukā erläutert die Lautverbindungen gesondert.

8.67

Tara und „mokṣaṃ kuru“ am Ende bilden die fünfsilbige Dipini des letzten [Bija]. Ohne Dipini wird Bala, selbst wenn sie verehrt wird, nicht vollendet.

Erläuterung zur Stelle: Der ausgeschriebene Gebetsteil bedeutet „Bewirke Befreiung“. Die zweite Aussage bezieht sich auf Siddhi innerhalb dieses spezifischen Mantraverfahrens.

8.68

Dieses Geheimnis soll einem Undankbaren, einem Betrüger oder einem Hinterlistigen nicht mitgeteilt werden. Es soll einem Geprüften gegeben werden; andernfalls fällt die Verfehlung auf den Gebenden.

Erläuterung zur Stelle: Die Stelle belegt die Bedeutung von Prüfung und verantwortlicher Übertragung. Sie ist keine Aufforderung zur Geringschätzung anderer, sondern eine Regel innerhalb des historischen Lehrer-Schüler-Verhältnisses.

8.69

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Zwei unterschiedliche Reihenfolgen der drei Bijas werden mit dem Aufwühlen von Feinden beziehungsweise der Unterwerfung der drei Welten verbunden.

Befreiung und die drei Guru-Ströme

Der eigene Lehrer verbindet die Übung mit ihrer lebendigen Überlieferung.

8.70

Zur Befreiung wiederhole man beherrscht die Bijas in der Reihenfolge Kama, letztes [Bija] und Vani. Bei der Verehrung Balas verehre man die Gurus in ihren drei Gruppen.

Erläuterung zur Stelle: Hier wird ausdrücklich Mukti als Ziel genannt. Die folgende Guru-Verehrung verankert die Praxis in einer Überlieferung.

8.71

Die drei [Gruppen] heißen Divyaugha, Siddhaugha und Manavaugha. [Zur ersten gehören] Paraprakasha, Parameshana, Parashiva …

8.72

… Kameshvara, danach Moksha, als sechster Kama und zuletzt Amrita. Diese sieben gehören dem göttlichen Überlieferungsstrom an; ihren Namen wird jeweils Ananda angefügt.

8.73

Ishana, Tatpurusha, Ghora, Vamadeva und Sadyojata: Diese fünf gelten den Kundigen als die dem Siddha-Strom Angehörenden.

Erläuterung zur Stelle: Die Namen entsprechen Shiva-Gestalten und werden hier als Guru-Reihe verehrt.

8.74

Den menschlichen Überlieferungsstrom soll man aus der Tradition des eigenen Gurus kennenlernen. In dem aus neun Yonis bestehenden Yantra schreibe man, von der mittleren Yoni ausgehend …

Erläuterung zur Stelle: Dieser klare Verweis zeigt, warum eine allgemeine Schrift die konkrete Überlieferung des eigenen Lehrers nicht vollständig ersetzen soll.

8.75

… als vortrefflicher Praktizierender die Bijas dreimal im Uhrzeigersinn. Auf die acht Blätter schreibe man jeweils drei Silben der Gayatri.

8.76

Außen umgebe man [dies] mit der Matrika, und außerhalb davon [zeichne man] zwei gegeneinander versetzte Umfriedungen, in deren Ecken das Kama-Bija leuchtet.

8.77

Dieses Yantra heißt Traipura. Nach Japa und der Weihe durch Sampata soll es, am Arm getragen, Reichtum, Ruhm, Glück und Nachkommen gewähren.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt Sampata hier als die Verbindung mit dem Rest der Opferbutter. Der Vers nennt eine traditionelle Schutz- und Glückserwartung.

8.78

Nach Kama [folgen] „tripurā devi vidmahe“, [die Lautanweisung] Ka-Visha mit Bhaga, Baka auf Khadgisha, Agni mit Netra und „dhīmahi“ …

Erläuterung zur Stelle: Der Vers gibt die Tripura-Gayatri teils ausgeschrieben, teils in Lautchiffren an. Die gedruckte Folge kāviṣambhagi ist gedrängt; Naukā erläutert viṣa mit bhaga als Vokalverbindung. Der Kommentar bleibt vom Grundtext unterschieden.

8.79

… „tan naḥ klinne“, „pracoda“ und „yāt“ am Ende. So wird von den Kundigen die Traipuri-Gayatri gelehrt, von Göttern verehrt und alle Vollendungen gewährend.

Vierzehn Varianten der Bala-Vidya

Die Chiffren und überlieferten Silbenzahlen bleiben kenntlich.

8.80

Nun werde ich die in den Agamas geheimgehaltenen Varianten Balas darlegen. Maya, Kama und das dritte [Bija] auf Ambara bilden einen dreisilbigen Mantra.

8.81

Der Bala-Mantra in vorwärts- und rückläufiger Folge hat sechs Silben. Bala, von Shri, Kama und Hrillekha eingerahmt, [bildet] einen neunsilbigen [Mantra].

8.82

Bala, gefolgt von „bālātripure“ und Svaha, ergibt zehn Silben. [Eine weitere Form beginnt mit] Vag, Kama, Vyoma mit Bhu und Bindu, Manu und langem Bhudhara …

8.83

… Pinakin, „tripure siddhiṃ dehi“ und Hrit: [Diese Form] hat vierzehn Silben. [Die nächste beginnt mit] Maya, Lakshmi und Manojanman, danach „tripurā“ und „bhārati“ …

Erläuterung zur Stelle: Der ausgeschriebene Gebetsteil der ersten Form bedeutet „Tripura, gewähre Vollendung“. Manu bezeichnet in der Silbenzählung vierzehn.

8.84

… „kavitvaṃ dehi“ und dem Paar Ṭha. Dieser Mantra gilt als sechzehnsilbig. [Eine weitere Form beginnt mit] Kamala, Parvati und Kama, dann „tripurā“ und „mālati“ …

Erläuterung zur Stelle: „Kavitvaṃ dehi“ bedeutet „Gewähre dichterische Begabung“.

8.85

… danach „mahyaṃ sukhaṃ dehi svāhā“: [Dies ergibt] siebzehn Silben. [Die nächste Form beginnt mit] Shanti, verbunden mit Bhrigu, Brahma, Kriya und Vahni sowie mit Ratri …

8.86

Dahana, Antya, Mahakala, Bhujanga und Purushottama, verbunden mit Manu, Ardhisha und Indu, werden als zweites Bija gelehrt.

8.87

Vagbija, „tripure sarvaṃ vāñchitaṃ dehi“, danach Hrit und Vahnipriya: Dieser Mantra wird als siebzehnsilbig gelehrt.

Erläuterung zur Stelle: Der ausgeschriebene Gebetsteil bittet Tripura, alles Ersehnte zu gewähren.

8.88

Dreimal Hrillekha, „prauḍhatripure“, Ananta, „rogyam aiśvaryaṃ dehi“ und die Geliebte des Feuers: [Dies ist] der achtzehnsilbige Mantra.

Erläuterung zur Stelle: Ananta ist hier die Lautchiffre für ā; mit dem folgenden rogya ergibt sich die Bitte um Gesundheit und Wohlergehen. Die Druckzeile trennt ai-śvaryam; die Zeilentrennung wird sichtbar bewahrt.

8.89

Maya, Rama und Manmatha, danach „tripuramadane sarvaṃ śubhaṃ sādhaya“, mit der Geliebten des Feuers am Ende: [Diese Form] hat achtzehn Silben.

Erläuterung zur Stelle: Die Bitte lautet sinngemäß: „Tripuramadana, verwirkliche alles Gute.“

8.90

Hrillekha, Kamala und Ananga; nach „bālā“ das Wort „tripura“ mit „mada“, dann „vidyāṃ kuru“, Hrit und Vahnivallabha …

8.91

… bilden diesen zwanzigsilbigen Mantra. [Die nächste Form beginnt mit] Maya, Padma und Manobhava; danach spreche man „parāpare tripure sarvam īpsitam“ …

8.92

… „sādhaya“, mit Analakanta am Ende: [Diese Form] hat zwanzig Silben. [Die nächste beginnt mit] zweimal Kama, zweimal Rama, Maya und dem Wort „tripurā“ …

8.93

… „lalite“, danach „madīpsī“ mit „tām“ am Ende, das Wort „yoṣitam“, „dehi vāñchitam“, „kuru“ und Jvalanakamini.

Erläuterung zur Stelle: Die zerlegte Wortangabe zielt nach Naukā auf madīpsitāṃ yoṣitam: die von mir gewünschte Frau. Es handelt sich um ein historisches Wunschgebet, nicht um eine heutige Anleitung zur Beeinflussung anderer.

8.94

Dieser achtundzwanzigsilbige Mantra gewährt die gewünschte Geliebte. [Für eine weitere Form] spreche man jeweils dreimal Kama, Padma und Adriputri.

Erläuterung zur Stelle: Adriputri, „Tochter des Berges“, bezeichnet hier die Göttin beziehungsweise ihr Maya-Bija.

8.95

… nach „tripurā“ „sundari“, „sarvaṃ jagat“, zweimal Ina, „vaśaṃ“, zweimal „kuru“, „mahyaṃ balaṃ dehi“ und Analangana.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt die zweimalige Lautchiffre Ina als mama. Die Bitte zielt auf Unterwerfung der Welt und eigene Macht; daraus wird keine moderne Übungsanweisung.

8.96

Dieser Mantra wird als fünfunddreißigsilbig und als alles Ersehnte gewährend gelehrt. Als Rishi dieser vierzehn Mantras wird genannt …

Erläuterung zur Stelle: Bāṇa und guṇa ergeben hier die Silbenzahl 35. Die Reihe umfasst vierzehn Varianten; sie ist keine frei erweiterte moderne Mantrasammlung.

8.97

… Dakshinamurti; als Versmaß wird Gayatri genannt. Die Gottheit ist Tripura Bala. Der sechsgliedrige Nyasa entspricht dem der Matrika.

8.98

Hier meditiere man zur Erfüllung alles Ersehnten über Tripura Bala: In ihren Händen trägt sie Schlinge und Haken, Buch und Gebetskette. Alle Unsterblichen verehren sie. Sie ist rot, hat drei Augen und trägt den Mond als Scheitelschmuck.

Erläuterung zur Stelle: Das Meditationsbild verbindet Wissen und Japa mit den traditionellen Attributen göttlicher Macht.

8.99

Man wiederhole [den Mantra] hunderttausendmal. Das Homa mit Hayari-Blüten beträgt ein Zehntel davon. Die Puja findet auf dem zuvor beschriebenen Pitha statt, mit den Angas, Rati und den übrigen [Kräften], den Pfeilen …

Erläuterung zur Stelle: Hayari bezeichnet hier Karavira, Oleander; dies ist eine historische Ritualangabe, keine Empfehlung zur Verwendung der giftigen Pflanze.

Laghushyama und Nyasa

Wollen, Erkennen und Handeln erscheinen als Kräfte der Göttin.

8.100

… den Müttern, den Herren der Himmelsrichtungen und ihren Waffen. Die Anwendungen gelten wie zuvor. Nun werde ich Laghushyama darlegen, die schon durch das Gedenken das Ersehnte gewährt.

8.101

Vagbija, Hridaya, Karna, Ekanetra mit Netra, Vrisha auf Mukunda, Kurma verbunden mit Länge und Indu …

Erläuterung zur Stelle: Der Mantra wird durch Lautchiffren angegeben; die ausgeschriebenen Wörter folgen im nächsten Vers.

8.102

… langes Nandin, „li mātaṅgi“, nach „sarva“ „vaśaṅkari“, und Vaishvanarapriya am Ende: Dieser Mantra hat zwanzig Silben.

8.103

Als sein Seher wird Madana genannt, als Versmaß Nichrid-Gayatri. Die Göttin ist Laghushyama, das Bija Vag und Vahnivallabha …

8.104

… wird als Shakti bezeichnet. Seine Anwendung dient der Verwirklichung alles Ersehnten. Rati mit vorangestelltem Vag [setze man] auf den Kopf, Priti mit vorangestellter Maya ins Herz …

8.105

… und Manobhava mit vorangestelltem Kama setze der Mantraübende auf die Füße. Der Reihe nach setze man Ichchhashakti, Jnanashakti und Kriyashakti …

Erläuterung zur Stelle: Wollen, Erkennen und Handeln werden als Kräfte der Göttin im Körper vergegenwärtigt. Die heutige Betrachtung kann daran anknüpfen, ohne den überlieferten Nyasa eigenmächtig zu ersetzen.

8.106

… mit den jeweils vorangestellten Bijas Vag, Maya und Kama auf Mund, Kehle und Shiva. [Dann folgen die Pfeile] Dravana, Shoshana, Tapana, der Mohana genannte …

Erläuterung zur Stelle: Shiva bezeichnet in dieser Körperzuordnung nach Naukā das Linga. Die Pfeilnamen bedeuten unter anderem Schmelzen, Austrocknen, Erhitzen und Betören.

8.107

… und Unmadana. Man setze die fünf, jeweils mit dem zugehörigen Baneshi-Bija beginnend, der Reihe nach auf Kopf, Mund, Herz, Geschlecht und Füße. Danach vollziehe man den sechsgliedrigen [Nyasa] …

Erläuterung zur Stelle: Unmadana bedeutet das Verrücktmachen beziehungsweise heftige Erregen. Hier werden die Namen als überlieferte Ritualkräfte dokumentiert.

8.108

… mit den im Mantra stehenden Silbengruppen von drei, drei, drei, drei, sechs und zwei Silben. Die acht Mütter, Brahmi und die übrigen, erhalten [jeweils] „kanyā“ am Ende und die Dativendung mit „namaḥ“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Zahlen werden durch Rama, Agni, Guna, Rama, Anga und Netra ausgedrückt. Die nächste Anweisung setzt den Satz fort.

8.109

… mit den langen Vokalen vorangestellt und den acht [Konsonanten] von Ksha an in umgekehrter Reihenfolge, jeweils mit langem [A]. Man setze sie auf Kopf, linke Schulter, linke Seite und Nabel …

Erläuterung zur Stelle: Die knappe Sanskritanweisung verbindet die Matrika-Reihe mit den acht Müttern; die Reihenfolge wird in Naukā einzeln erläutert.

8.110

… auf rechte Seite, rechte Schulter, Nacken und Herz. Die acht Siddhis, mit Tara und Vag am Anfang und „kanyā“ am Ende …

8.111

… werden in der Dativform mit „namaḥ“ verbunden und auf Kopf, Stirn, Brauen, Kehle, Herz, Nabel, Grundlage und Spitze des Linga gesetzt.

Erläuterung zur Stelle: Die gedrängte Druckform kālikacilliyu ist sprachlich auffällig. Naukā erklärt alika als Stirn und cillī als Braue; die Körperfolge wird entsprechend wiedergegeben.

8.112

Anima, Mahima, Laghima, Garima, Ishita, Vashita, Prakamya und Prapti: Dies sind die acht Siddhis.

Erläuterung zur Stelle: Gemeint sind Kleinheit, Größe, Leichtigkeit, Schwere, Herrschaft, Verfügungsgewalt, freie Wunscherfüllung und Erlangen. Sie erscheinen hier als verehrte Kräfte innerhalb des Nyasa.

8.113

Die acht wohlgesinnten Apsarasen setze man als Kanyas, jeweils mit Kama am Anfang, auf Kopf, Stirn, beide Augen, Mund, beide Ohren und Nacken.

8.114

Genannt werden Urvashi, Menaka, Rambha, Ghritachi, Punjakasthala, Sukeshi, Manjughosha und Maharangavati.

8.115

[Dann folgen] die Kanyas der Yakshas, Gandharvas, Siddhas, Menschen, Nagas, Vidyadharas, Kimpurushas und Pishachas …

Erläuterung zur Stelle: Die grammatisch wechselnde Aufzählung wird ihrem Zusammenhang nach als Liste von acht Gruppen wiedergegeben.

8.116

… die man der Reihe nach auf beide Schultern, das Herz, beide Brüste, den Bauch, das Geschlecht und den Bereich der Grundlage setze, mit Madana am Anfang und „namaḥ“ am Ende.

8.117

Die Silben des Grundmantras, jeweils mit Bindu, Tara vorangestellt und „namaḥ“ hinzugefügt, setze man auf die Gelenke und Enden der Arme und Beine.

Matangi: das Göttliche in der Musik

Die Göttin spielt die Vina; auch die Instrumentengruppen werden verehrt.

8.118

Nachdem man diese Nyasas vollzogen hat, vergegenwärtige man sich Matangi auf ihrem Sitz, inmitten eines Juwelenpalastes auf einer Insel im Ozean des Weines.

Erläuterung zur Stelle: Surā bedeutet hier berauschender Trank. Das kosmische Meditationsbild wird als solches übersetzt; es ist keine allgemeine Aufforderung zum Alkoholkonsum.

8.119

Ich verehre Matangi, mit Rubinschmuck geziert und lächelndem Gesicht, deren Gewand wie ein blauer Lotus strahlt. Ihre Lotusfüße sind mit schönem rotem Lack bestrichen; mit ihren Augen leuchtet sie. Vertieft in das Spiel der Vina wird sie von den Göttern verehrt. Dunkel wie das Gefieder eines Papageis trägt sie den Mond auf dem Scheitel und hat den Mund voller Betel.

Erläuterung zur Stelle: Der Grunddruck liest netrayollāsinīm; die vorausgehende und folgende Tradition beschreibt die Göttin als dreiäugig. Hier wird der tatsächlich gedruckte Ausdruck übersetzt, ohne das fehlende Element stillschweigend einzusetzen.

8.120

Man wiederhole [den Mantra] hunderttausendmal und opfere zehntausendmal mit schönen Madhuka-Blüten. Auf dem für Matangi gelehrten Pitha verehre man Laghushyama …

8.121

… vorschriftsmäßig in einem Yantra mit Dreieck, Fünfeck, acht Blütenblättern und sechzehn Blütenblättern, umgeben von einer Umfriedung mit vier Toren.

8.122

Vor der Göttin und zu ihren beiden Seiten verehre man die drei [Kräfte], deren erste Rati ist. Ichchha-, Jnana- und Kriyashakti [verehre man] in den drei Ecken, beginnend mit der vorderen …

8.123

… die Pfeile in den fünf Ecken, die Anga-Gottheiten in den Staubfäden, Brahmi und die übrigen auf den acht Blättern und Anima und die übrigen an den Blattspitzen.

8.124

Auf den sechzehn Blättern verehre man Urvashi und die übrigen sowie die Kanyas. Bei der Verehrung Ratis und der übrigen vollziehe man die Anwendungen wie beim Nyasa.

Die 64 Yoginis

Die vier Namenreihen gehören zur überlieferten äußeren Puja.

8.125

In den vier Richtungen der Umfriedung verehre man die Yoginis: Gajanana, Simhamukhi, Gridhrasya, Kakatundika …

Erläuterung zur Stelle: Es folgt eine Liste von 64 Yoginis, in vier Gruppen zu je sechzehn. Viele Namen beschreiben Tiergesichter oder furchterregende Gestalten.

8.126

… Ushtragriva, Hayagriva, Varahi, Sharabhanana, Ulukika, Shivarava, Mayuri, Vikatanana …

8.127

… Ashtavakra, Kotarakshi, Kubja und Vikatalochana. Diese sechzehn Yoginis soll man alle in der östlichen Richtung verehren.

Erläuterung zur Stelle: Die Namen werden als Eigennamen beibehalten; samarcayed bezeichnet die Verehrung.

8.128

Shushkodari, Lalajjihva, Shvadamshtra, Vanaranana, Rikshakshi, Kekarakshi, Brihattunda, Surapriya …

8.129

… Kapalahasta, Raktakshi, Shuki, Shyeni, Kapotika, Pashahasta, Dandahasta und Prachanda: Diese sechzehn …

8.130

… sind in der Richtung Kinashas [im Süden] zu verehren. Im Westen [folgen] Chandavikrama, Shishughni, Papahantri, Kali, Rudhirapayini …

8.131

… Vasadhaya, Garbhabhaksha, Shavahasta, Antramalini, Sthulakeshi, Brihatkukshi, Sarpasya, Pretavahana …

Erläuterung zur Stelle: Namen wie „Fötenverschlingerin“, „Darmbekränzte“ und „die einen Totengeist als Fahrzeug hat“ gehören zur erschreckenden Ikonographie dieses historischen Yogini-Kreises. Sie sind keine ethischen Handlungsaufforderungen.

8.132

… Dantashukakara, Kraunchi und Mrigashirsha: Diese sechzehn sind zu verehren. Im Norden sind es ebenfalls sechzehn: Vrishanana …

8.133

… Vyattasya, Dhumanihshvasa, Vyomaikacharana, Urdhvadrik, Tapani, Shoshani, Drishti, Kotari, Sthulanasika …

8.134

… Vidyutprabha, Balakasya, Marjari, Kataputana, Attattahasa und Kamakshi. Diese sind zu verehren und gewähren das Ersehnte.

8.135

Schon wenn ihre Namen gehört werden, schwinden Bhutas und Shakinis. In den Ecken der Umfriedung, mit der Feuer-Richtung beginnend, verehre man der Reihe nach …

Erläuterung zur Stelle: Gemeint ist eine traditionelle Abwehr- und Schutzvorstellung.

8.136

… mit den jeweils eigenen Mantras Batuka, Ganesha, Kshetrapala und Durga. Außerhalb davon verehre man Indra und die übrigen sowie Vajra und die übrigen [Waffen].

8.137

In den vier Richtungen der Umfriedung verehre man die vier Arten von Musikinstrumenten: die Tata genannten, Vitata, Ghana und Sushira.

Erläuterung zur Stelle: Dies sind Saiteninstrumente, bespannte Schlaginstrumente, feste Schlaginstrumente und Blasinstrumente. Die Musik ist hier ausdrücklich Teil des heiligen Verehrungsraumes.

8.138

Wer so Laghushyama mit zwölf Avaranas verehrt, wird binnen kurzem zum Gefäß aller Güter.

Erläuterung zur Stelle: Der Druck schließt mit sa naḥ; der gemeinte Bezug ist der verehrende Mensch. Avaranas sind hier die aufeinander bezogenen Verehrungskreise.

Gayatri und abschließende Lehre

Der Taraṅga endet mit der Verpflichtung, Frauen wie die Göttin zu ehren.

8.139

Vani, „śukapriyā“ in der Dativform, „vidmahe“, Minaketana, „kāmeśvarī dhīmahi“, „tan naḥ śyāmā pracodayāt“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Matangi-Gayatri wird durch ausgeschriebene Wörter und Bija-Bezeichnungen angegeben. Die Schlussbitte bedeutet: „Möge Shyama uns anregen.“

8.140

… dies ist die gelehrte Matangi-Gayatri, die alle Vollendungen gewährt. Mit ihr besprenge man bei ihrer Verehrung die Opfergegenstände.

Erläuterung zur Stelle: Der Grunddruck hat die auffällige Verbindung syās samarcane; sinngemäß ist die Verehrung dieser Göttin gemeint.

8.141

Hier gelten die Anwendungen, die beim Matangi-Mantra beschrieben wurden. Nichtanleitende Inhaltswiedergabe des folgenden Verszusammenhangs: Könige, Fürstensöhne und von Leidenschaft bewegte schöne Frauen …

8.142

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: … sollen den Verehrerinnen oder Verehrern dienstbar werden. Shakinis, Preta-Geister und Bhutas sollen ihnen nichts anhaben können.

Erläuterung zur Stelle: Der Halbvers verheißt Dienstbarkeit mit Gedanken, Worten und Körper. Diese Machtverheißung wird historisch dokumentiert, nicht als heutiges Beziehungsziel empfohlen.

8.143

Wozu hier noch viele Worte? Diese Göttin gewährt alles Ersehnte. Schon durch das Gedenken ihres Mantras soll ein Mensch den Göttern ähnlich werden.

8.144

Männer, die die Göttin verehren, sollen Frauen niemals herabsetzen. Wer das vom Herzen Ersehnte sucht, soll sie wie die Göttin ehren.

Erläuterung zur Stelle: Die Ehrung der Göttin soll sich im Verhalten gegenüber Frauen bewähren. Für heutige Aspiranten ist dies ein klarer Anknüpfungspunkt für Respekt und achtsamen Umgang im Alltag.

Kolophon des Taraṅga 8

So endet im von Shri Mahidhara verfassten Mantramahodadhi der achte Taraṅga: Darlegung von Bala und Laghushyama.

Textgrundlage dieses Taraṅga: Sanskrit-Grundtext der verwendeten Ausgabe, Sanskrit-Grundtext der verwendeten Ausgabe, PDF-Seiten 263–298, gedruckte Seiten 213–248. Der gesonderte Kolophon der Naukā wird nicht als Bestandteil des Grundtextes aufgenommen.. Naukā und die Hindi-Erklärung bleiben vom Grundtext getrennt.

Taraṅga 9 – Annapurna, Gauri, Lakshmi und Pratyangira – Nahrung, Fülle und Schutz

Der neunte Taraṅga beginnt mit Annapurna, der Göttin der Nahrung. Ihr freudiges Meditationsbild verbindet das Schenken von Speise mit dem Anblick des tanzenden Shiva. Es folgen Gauri, Jyeshthalakshmi, Bhumi und Shri sowie Kubera. Der letzte Teil behandelt Pratyangira und Schutz- beziehungsweise Schädigungsrituale. Die weite Spannweite des Kapitels verlangt Unterscheidung: Dankbarkeit, Verehrung und Sammlung können heutige Aspiranten unmittelbar ansprechen; die Beeinflussung und Schädigung anderer Menschen wird hier historisch dokumentiert.

Annapurna: Nahrung als Gabe des Göttlichen

Die Göttin erscheint mit Schöpflöffel und goldenem Gefäß.

9.1

Ich werde den Mantra der Annapurneshvari darlegen, der das Ersehnte gewährt. Durch ihre Verehrung erlangte Kubera rasch die Herrschaft über die Schätze …

9.2

… die Freundschaft Shambhus, die Herrschaft über eine Himmelsrichtung und die Herrschaft über Kailasa. [Der Mantra beginnt mit] Vedadi, Girija, Padma, Manmatha, Hridaya und „bhaga“ …

9.3

… „vati māheśvari“, danach „annapūrṇe“ und Dahanangana. Diese Vidya wird als zwanzigsilbig gelehrt; ihr Seher ist Druhina.

Erläuterung zur Stelle: Der Wortlaut bhagavati wird im Grundtext über die Versgrenze verteilt. Die Bija-Bezeichnungen bleiben als solche stehen.

9.4

Das Versmaß ist Kriti, als Gottheit wird Annapurneshi genannt. Mit dem Hrillekha-Bija, verbunden mit den sechs langen [Vokalen], vollziehe man den sechsgliedrigen Nyasa.

9.5

Auf die neun Stellen Mund, beide Nasenöffnungen, beide Augen, beide Ohren, Geschlecht und After setze man die neun Wortgruppen. Ihre Silbenzahlen werden nun angegeben.

Erläuterung zur Stelle: Andhu, wörtlich eine Vertiefung oder ein Brunnen, bezeichnet hier das Geschlecht; die Stelle entfaltet einen Nyasa der neun Körperöffnungen.

9.6

Die Silbenzahlen der Wortgruppen werden durch Bhumi, Chandra, Arka, Akshi, Veda, Abdhi, Yuga und Bahu bezeichnet. Danach meditiere man über die Herrin der Götter.

Erläuterung zur Stelle: Die gedruckte Zahlenchiffrenfolge ist gegenüber den angekündigten neun Gruppen verkürzt. Die Erläuterung der Ausgabe gibt 1, 1, 1, 1, 2, 4, 4, 4, 2 an; diese neun Zahlen ergeben 20. Der Grundtext wird nicht stillschweigend aufgefüllt.

9.7

Annapurneshvari soll meditiert werden: Sie gleicht glühendem Gold, trägt den Mond im Kopfschmuck und strahlt im Glanz ihrer Edelsteine. Verschiedene Gewänder schmücken sie. Sie hat drei Augen und wird von Bhumi und Rama begleitet. Sie hält einen Schöpflöffel und ein goldenes Gefäß, ist schön und vollbrüstig und freut sich beim Anblick des tanzenden Shiva.

Erläuterung zur Stelle: Naukā ordnet den Schöpflöffel der rechten und das goldene Gefäß der linken Hand zu. Nahrung, freigebiges Schenken und Freude am tanzenden Shiva sind im Meditationsbild verbunden.

9.8

Japa umfasst hunderttausend [Wiederholungen], das Homa zehntausend [Gaben] von Charu mit Ghee. Die Puja wird auf einem Pitha gelehrt, das mit den neun Kräften Jaya und den übrigen ausgestattet ist.

9.9

In einem Yantra mit Dreieck, vier Blättern, acht Blättern und sechzehn Blättern sowie einer Umfriedung bereite man mit Maya den Sitz.

Shiva, Varaha, Narayana, Bhumi und Shri

Die Verehrung Annapurnas verbindet mehrere Gottheiten in einem gemeinsamen Ritualraum.

9.10

In den drei Ecken, mit der Feuer-Ecke beginnend, verehre man Shiva, Varaha und Madhava mit ihren jeweils eigenen Mantras. Diese Mantras werden nun gelehrt.

9.11

Pranava, Gagana mit Manu und Chandra, Hridaya, „śiva“ und Maruta: Dies ist der siebensilbige Shiva-Mantra zur Verehrung Shivas.

9.12

Tara, „namo bhagavate varāha“, Vasu verbunden mit Ardhisha, „pāya bhūr bhuvaḥ“, danach „svaḥ“, dann Shura, Kamika und „ye“ …

9.13

… und „bhūpatitvaṃ me dehi dadāpaya“, [zuletzt] Shuchipriya. Dieser dreiunddreißigsilbige Mantra wird für die Verehrung Varahas gelehrt.

Erläuterung zur Stelle: Der ausgeschriebene Gebetsteil erbittet Herrschaft über die Erde. Die historische Zielsetzung wird nicht zu einer modernen Meditationsabsicht umgedeutet.

9.14

Pranava, Hridaya und „nārāyaṇāya“: [Dies ist] der achtsilbige Mantra zur Verehrung Narayanas. Danach verehre man die sechs Angas …

9.15

… Dhara auf der linken Seite mit ihrem eigenen Mantra und ebenso Shri auf der rechten. Nach den Worten „annaṃ mahy annam“ [folgen] „me dehi“ und die Silben „annādhipa“ …

Erläuterung zur Stelle: Die gedruckte Folge mahy annam ist sprachlich auffällig. Naukā erläutert die Bitte als „Gib mir Nahrung“. Die Chiffrenanweisung wird von dieser Auslegung unterschieden.

9.16

… „taye mamānnam“, nach Prana „dāpaya“ und Analasundari. Der zweiundzwanzigsilbige Mantra für Bhumi wird vom Bhumi-[Bija] eingerahmt.

Erläuterung zur Stelle: Der Grunddruck liest prāṇānte; Naukā gibt den Gebetsteil pradāpaya an. Die lokale Textabweichung bleibt kenntlich.

9.17

Bei ihrer [Lakshmis] Verehrung wird [derselbe Mantra] von Lakshmi eingerahmt. Smriti, mit Manu und Chandra verbunden, ist das Bija der Erde; Baka, mit Vahni, Shanti und Bindu verbunden, dasjenige Shris.

9.18

Die vier Shaktis verehre man im Viereck, jeweils mit einem der vier Bijas am Mantraanfang vorangestellt: Para, Bhuvaneshvari …

9.19

… Kamala und Subhaga. Brahmi und die übrigen befinden sich auf den acht Blättern. Im sechzehnteiligen [Lotus folgen] Amrita, Manada, Tushti, Pushti …

9.20

… Priti, Rati, Hri, Shri, Svadha und Svaha: zehn [Kräfte]. Danach Jyotsna, Haimavati, Chhaya, Purnima zusammen mit Nitya …

9.21

… und Amavasya: Sie sind zu verehren, jeweils mit den verbleibenden Silben des Mantras vorangestellt. In der Umfriedung stehen die Weltenhüter und vor ihnen ihre Waffen.

Weitere Annapurna-Mantras

Der Text unterscheidet Varianten und zugehörige Nyasa-Gruppen.

9.22

Wenn dieser Mantra durch Japa und die übrigen [Vollzüge] zur Vollendung gelangt ist, wird der Mantraübende in seinen Schätzen Kubera gleich und von den Menschen geehrt.

9.23

Ohne die Bijas Rama und Kama hat dieser [Mantra] achtzehn Silben. Der Anga-[Nyasa] wird mit Gruppen von zwei, zwei, vier, vier, vier und zwei Silben gelehrt.

9.24

Im zuvor gelehrten Mantra spreche man nach vierzehn Silben „mamābhimatam annam“ und zweimal „dehi“. Damit ergibt sich ein [Mantra] mit einunddreißig Silben.

Erläuterung zur Stelle: Manu steht für vierzehn; eka und guṇa ergeben 31. Die Bitte lautet sinngemäß: „Gib mir, gib mir die von mir gewünschte Nahrung.“

9.25

Der Anga-Nyasa wird mit Gruppen von vier, sechs, vier, sieben, vier und sechs Silben gebildet. [Ein weiterer Mantra beginnt mit] Pranava, Kamala, Shakti und „namo bhagavati“ …

9.26

… „prasannapārijāteśvari annapūrṇe“ und Analangana. Der aus vierundzwanzig Silben bestehende Mantra verwirklicht alles Ersehnte.

9.27

Der sechsgliedrige Nyasa [erfolgt] mit drei, zwei, vier, neun, vier und zwei Silben. [Eine weitere Form beginnt mit] Tara, Shri, Shakti, Hridaya, „bhaga“, Ambhas und Kamika mit Drik …

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht am Ende von PDF-Seite 307, der zweite am Anfang von 308. Die Zahlenfolge ergibt 24.

9.28

Man spreche „māheśvari prasanne“, das Wort „varade“, „annapūrṇe“ und Agnipatni. [Diese Form] hat fünfundzwanzig Silben.

9.29

Mit drei, sechs, vier, sechs, vier und zwei Silben wird der sechsgliedrige Nyasa vollzogen. Bei diesen vier Mantras ist alles Übrige wie zuvor.

Gauri Trailokyamohini

Die schöne Gestalt der Göttin steht neben historischen Beeinflussungsabsichten.

9.30

Nun wird der die drei Welten bezaubernde Gauri-Mantra gelehrt. Nach Maya und „namo“ [folgen] „brahmaśrīrājite rājapūjite“ …

Erläuterung zur Stelle: Die folgende Formel gehört zu einer historischen Tradition der Beeinflussung. Ihre Chiffren werden dokumentiert, nicht zu einem modernen Anwendungsritual ausgebaut.

9.31

Man spreche „jaya vijaye gauri gāndhāri“, „tribhu“, Toya, Mesha, „vaśaṅkari“, „sarva“ und La mit Sa und Drik …

Erläuterung zur Stelle: Die gedrängte letzte Chiffre bezeichnet nach Naukā lo. Sie wird hier als Lautanweisung belassen.

9.32

… „kavaśaṅkari“, nach „sarvastrīpuruṣa“ „vaśaṅkari“, zweimal „su“, zweimal „du“, zweimal „dhe“, zweimal „vā“ und Haravallabha …

9.33

… mit Svaha am Ende: Dieser Mantrakönig wird als einundsechzigsilbig gelehrt. Der Seher ist Aja, das Versmaß Nichrit und die Gottheit Gauri Trailokyamohini …

9.34

… Bija und Shakti sind der Reihe nach Maya und das Wort Svaha. Mit vierzehn, zehn, acht, acht, zehn und elf Silben …

9.35

… verbunden mit Maya und den langen [Vokalen], vollziehe man den sechsgliedrigen Nyasa. Nachdem man mit dem Grundmantra den ganzen Körper durchdrungen hat, meditiere man über Trailokyamohini.

9.36

Möge Shiva [die Göttin] uns Freude schenken: Ihre Lotusfüße werden von den Scharen der Götter verehrt. Sie leuchtet rötlich und trägt die junge Mondsichel auf dem Scheitel. Gewand, Salbung und Blumengirlande sind rot; sie hält den Haken zusammen mit der Schlinge.

9.37

Man wiederhole den Mantra zehntausendmal und opfere tausendmal mit Ghee verbundenen Milchreis. Auf dem zuvor genannten Pitha verehre man Girija.

9.38

Nachdem man in den Staubfäden die Angas verehrt hat, verehre man Brahmi und die übrigen in der Mitte der Blätter, [danach] die Weltenherren und außerhalb davon ihre Waffen.

9.39

Die so verehrte Göttin soll Glück und Fülle gewähren. Nichtanleitende Inhaltswiedergabe des folgenden Zusammenhangs: Die folgenden Verse nennen unterschiedliche Opferstoffe …

9.40

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: … und verbinden ein dreitägiges Homa mit der Behauptung, die gesellschaftlichen Gruppen, beginnend mit den Brahmanen, gefügig machen zu können.

Erläuterung zur Stelle: Die Verse 39b–40 gehören zur historischen Vaśīkaraṇa-Lehre und werden nicht als heutige Praxis empfohlen.

9.41

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Vorstellung der Göttin in der Sonnenscheibe wird mit Japa und Homa verbunden; als Ziel nennt der Text die Unterwerfung der Welt.

9.42

Nabhas mit Hamsa und Anala, auf E stehend und mit Shashanka verbunden; Toya mit Vayu, Agni, Karna und Indu; dazu „rājamukhi“ …

9.43

… „rājādhimukhi“, nach „vaśya“ „mukhi“, Maya, Rama, Atmabhu, „devi devi mahādevi devādhidevi“ und „sarva“ …

9.44

… und „janasya“, danach „mukhaṃ mama vaśaṃ“, zweimal „kuru“ und Vahnipriya am Ende: Der Mantra gilt als achtundvierzigsilbig.

Erläuterung zur Stelle: Die ausgeschriebene Bitte betrifft die Beeinflussung anderer Menschen; ihre historische Funktion wird dokumentiert.

9.45

Seher, Versmaß und Gottheit werden wie zuvor gelehrt. Für das Herz sind elf Silben genannt; für den Kopf sollen es sieben sein …

9.46

… für Shikha und Panzer jeweils vier Silben, für die Augen fünf und für Astra siebzehn Silben. Dhyana, Japa und das Übrige sind wie zuvor.

9.47

Die Anga-Mantras gelten als mit Bhuvaneshi und den langen [Vokalen] beginnend. Wenn sein Mantra so vollendet ist, ist der Mantraübende befähigt, die besonderen Anwendungen auszuführen.

Historische Vaśīkaraṇa-Anwendungen

Die Anwendungen werden als nichtanleitende Inhaltswiedergaben erschlossen.

9.48

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Bei Japa, Homa und Tarpana zur Beeinflussung einer Person sieht der Text die Personalisierung des Mantras durch deren Namen vor.

9.49

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein mehrtägiges Ritual verbindet geweihte Opferbutter mit der behaupteten Beeinflussung einer anderen Person durch deren Einnahme.

Erläuterung zur Stelle: Eine solche heimliche oder fremdbestimmende Anwendung widerspricht einer heutigen Praxis, die die Selbstbestimmung anderer achtet.

9.50

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Text beschreibt die Herstellung, rituelle Belebung und Vergrabung einer Stellvertreterfigur der zu beeinflussenden Person, verbunden mit ihrem Geburtsgestirn.

9.51

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Über der Figur wird eine mehrtägige nächtliche Feuerzeremonie mit bestimmten Opfergaben vorgeschrieben.

9.52

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Nach Abschluss der Opferfolge soll die Figur an einem Flussufer vergraben werden. Der Text behauptet als Ergebnis die vollständige Dienstbarkeit der betroffenen Person.

Jyeshthalakshmi

Die Göttin wird im Glanz der aufgehenden Sonne vergegenwärtigt.

9.53

Nun wird der große Jyeshthalakshmi-Mantra gelehrt, der Reichtum wachsen lässt: Vagbija, Bhuvaneshani, Shri, Ananta und „dhalakṣmi“ …

Erläuterung zur Stelle: Ananta bezeichnet den vor dem ausgeschriebenen Wortteil stehenden Vokal. Die gedruckte Verbindung wird als Chiffrenangabe bewahrt.

9.54

… „svayambhuvam“, Shambhujaya, „jyeṣṭhāyai“ und Hridaya am Ende. Der Mantra hat siebzehn Silben; als sein Seher wird Brahma genannt.

9.55

Das Versmaß ist Ashti, die Gottheit Jyeshthalakshmi; Shakti und Bija sind Shri und Maya. Nachdem man die Hände mit dem Grundmantra verehrt hat, vollziehe man den Anga-[Nyasa] …

9.56

… mit den aus dem Mantra stammenden Gruppen von drei, vier, vier, einer, drei und zwei Silben. Die acht Wortgruppen setze man auf Kopf, Mitte der Brauen, Mund …

9.57

… Herz, Nabel, Grundlage, Knie und Füße. Die Silbenzahlen dieser Wortgruppen sind eins, eins, eins, vier, vier, eins, drei und zwei.

9.58

Über Shri Jyeshthalakshmi soll man meditieren: Sie gleicht der aufgehenden Sonne, lächelt und trägt rotes Gewand und rote Salbung. Ihre Hände halten einen schönen Krug, ein Gefäß voller Schätze, Haken und Schlinge. Sie sitzt auf einem Lotus, hat Lotusaugen und feste Brüste; sie ist ein Ozean der Schönheit und gewährt die Früchte aller Wünsche.

9.59

Man wiederhole [den Mantra] hunderttausendmal und opfere ein Zehntel davon mit Ghee bestrichenem Milchreis. Auf dem nun zu beschreibenden Pitha verehre man Mahashri.

9.60

Lohitakshi, Virupa, Karali, Nilalohita, Sampada, Varuni, Pushti, Amogha und Vishvamohini …

9.61

… werden als die Kräfte ihres Pitha gelehrt. Man verehre sie in den Richtungen und in der Mitte. Mit der nun folgenden Gayatri biete man ihr den Sitz dar.

9.62

Pranava, „raktajyeṣṭhāyai“, danach das Wort „vidmahe“; auf „nīlajyeṣṭhā“ folgt „dhai“, dann das Wort „dhīmahi“ …

Erläuterung zur Stelle: Die gedruckte Verbindung paścāddhai ist auffällig. Die Erläuterung versteht nīlajyeṣṭhāyai. Die vollständig ausgeschriebene Kommentarfassung wird nicht stillschweigend zum Grundtext gemacht.

9.63

… nachdem man „tan no lakṣmīḥ“ gesprochen hat, spreche man „codayāt“. So wird diese Gayatri gelehrt. In den Staubfäden [vollziehe man] die Verehrung der Angas …

Erläuterung zur Stelle: Die Schlussbitte erbittet Lakshmis Anregung beziehungsweise geistige Führung.

9.64

… in der Mitte der Blätter [die Verehrung] der Mütter und außen die der Weltenherren und ihrer Waffen. Der so durch Japa und die übrigen Vollzüge vollendete Mantra soll das Ersehnte gewähren.

Annada, Bhumi und Shri

Die Bitte um Nahrung verbindet Erde und göttliche Fülle.

9.65

Nun werde ich die Sadhana des Annada-Mantras darlegen, der zuvor im Verehrungskreis Annapurnas zur Verehrung von Bhumi und Shri als zweiundzwanzigsilbig gelehrt wurde.

Erläuterung zur Stelle: Die Zahlenform dvyamākṣaraḥ im Grunddruck ist auffällig; Naukā erläutert ausdrücklich 22 Silben.

9.66

Er soll mit Tara, Bhu und Shri eingerahmt wiederholt werden. Sein Seher ist Chaturmukha, das Versmaß heißt Nichrit, und die Gottheiten sind Vasudha und Shri.

9.67

Als Bija wird das Bhumi-Bija genannt, als Shakti das Shri-Bija. „annaṃ mahi“ [gehört] zum Herzen, „annaṃ me dehi“ zum Kopf …

9.68

… „annādhipataye“ zur Shikha; „mamānnaṃ pradāpaya“ wird für den Panzer genannt und Svaha für Astra. Die Anga-Mantras beginnen mit Dhruva …

9.69

… und enden, wie gelehrt, mit Bhumi- und Shri-Bija samt den sechs langen [Vokalen]. [Der Nyasa ist] ohne Augen[-Glied]. Die beiden [Göttinnen] vergegenwärtige man sich auf einer goldenen Insel im Milchozean …

Erläuterung zur Stelle: Die gedruckte Verbindung apa-dugdhābdhau ist am Wortanschluss auffällig; dugdhābdhau bedeutet eindeutig „im Milchozean“. Der Anga-Nyasa umfasst hier fünf Glieder, da das Augen-Glied entfällt.

9.70

Man vergegenwärtige sich Bhumi und Shri: Unter dem Wunschbaum sitzen sie auf einer Juwelenplattform, reich mit Gewändern und Schmuck ausgestattet, in der gewünschten linken und rechten Anordnung, verehrt von den Göttern und den großen Weisen.

9.71

Man wiederhole den Mantra hunderttausendmal; nachdem man ein Zehntel davon mit in Ghee getränkter Speise geopfert hat, verehre man Vasudha und Shri auf dem Vaishnava-Pitha.

9.72

Die Pitha-Kräfte sind Vimala, Utkarshini, Jnana, Kriya, Yoga, Prahvi, Satya, Ishana und Anugraha.

Erläuterung zur Stelle: Die redaktionelle Zwischenüberschrift der Druckausgabe spricht von acht Kräften; die Versliste enthält neun. Die Liste des Grundtextes bleibt maßgeblich.

9.73

Tara, „namo bhagavate viṣṇave“, die Silben „sarva“, das Wort „bhūtātmasaṃyoga“, dann „yogapadma“ …

9.74

… „pīṭhātmane namaḥ“ am Ende: So wird der Mantra des Pitha gelehrt. Mit [diesem] am Ende biete man den Sitz dar; mit dem Grundmantra [vollziehe man] Anrufung und das Weitere.

9.75

Nachdem man die Angas verehrt hat, verehre man in den Richtungen Erde, Feuer, Wasser und Wind, und in den Zwischenrichtungen Vivriti, Pratishtha, Vidya und Shanti.

Erläuterung zur Stelle: Der Grunddruck liest Vivriti; die Hindi-Erklärung nennt Nivritti. Die abweichenden Namen werden nicht stillschweigend vereinheitlicht.

9.76

[Es folgen] die acht Shaktis: Balaka, Vimala, Kamala, Vanamala, Vibhisha, Malika und Shankari …

9.77

… als achte Vasumalika. Man verehre sie in den Richtungen, mit Osten beginnend. Shakra und die übrigen, mit ihren Waffen versehen, verehre man in ihren jeweiligen Richtungen.

9.78

Wer so Dhara und Lakshmi mit ihrem Gefolge durch Japa und die weiteren Vollzüge verehrt, erlangt eine große Fülle an Nahrung.

Erläuterung zur Stelle: Saparivāra bezieht sich hier auf das Gefolge der Gottheiten, nicht zwingend auf eine gemeinsame Übung mit der eigenen Familie.

9.79

Um Fülle zu erlangen, opfere man mit Ghee bestrichenem Sesam, Bilva-Holz, Milchreis mit Ghee sowie Früchten und Blättern des Bilva-Baumes.

Kubera

Der Herr der Schätze erscheint freundlich lächelnd.

9.80

Wer diesen großen Mantra wiederholt, soll täglich zehn Opfergaben mit dem Kubera-Mantra und Brennholz vom Vata-Baum darbringen.

9.81

Tara, „vaiśravaṇāya“ und Agnipriya am Ende: [Dies ist] der achtsilbige Mantra.

Erläuterung zur Stelle: Dieser nummerierte Eintrag besteht aus einem Halbvers.

9.82

Zur Zeit des Homa vergegenwärtige man sich Kubera inmitten des Feuers, einen mit Reichtümern gefüllten goldenen Krug sowie ein Juwelenkästchen …

9.83

… in den beiden Händen tragend, mit kurzen Händen und Füßen und rundem Bauch, unter dem Vata-Baum auf einem Juwelensitz sitzend, mit freundlich lächelndem Gesicht.

Pratyangira und die Abwehr von Kritya

Der Text behandelt Schutz vor einem als fremder Schadenszauber gedeuteten Einfluss.

9.84

Der Mantraübende, der so geopfert hat, übertrifft durch seine Fülle selbst den Herrn der Schätze. Nun werde ich Pratyangira darlegen, die den von anderen bewirkten Schadenszauber zerschmettert.

Erläuterung zur Stelle: Der Themenwechsel erfolgt mitten im nummerierten Vers.

9.85

Marut mit langem [Vokal] und Indu, Brahma, Mam auf Lohita; dann spreche man „yanti no’ryaḥ“ und „krūrāṃ kṛtyām“ …

Erläuterung zur Stelle: Es handelt sich um die chiffrierte Darstellung einer gegen Kritya gerichteten Formel. Die zusammengezogenen Lautangaben sind keine gewöhnliche fortlaufende Sanskritprosa.

9.86

… danach „vadhūm iva“, „tān“, Brahma, am Ende langes Na; „apa nirṇudas“ und zuletzt „pratyak kartāram ṛcchatu“ …

Erläuterung zur Stelle: Der ausgeschriebene Schluss besagt, dass [der Schadenszauber] zu seinem Urheber zurückkehren soll. Die Druckform tān ist gegenüber dem erläuterten tām auffällig.

9.87

… von Tara und Maya eingerahmt, ergibt einen Mantra mit siebenunddreißig Silben. Brahma ist der Seher, Anushtubh das Versmaß, als Göttin wird Pratyangira genannt.

9.88

Bija und Shakti sind Tara und Maya; die Anwendung dient der Vernichtung von Kritya. Mit acht, vier, vier, vier, fünf …

9.89

… und acht Silben aus dem Mantra, versehen mit Parvati und den langen [Vokalen], Pranava vorangestellt und den jeweiligen Jati-[Schlussformeln] verbunden, bilde man die sechs Angas.

Erläuterung zur Stelle: Die Gruppen ergeben 33 Silben des inneren Formeltextes; der zuvor genannte Umfang von 37 zählt die vier einrahmenden Bijas mit.

9.90

Die vierzehn Wortgruppen, ebenfalls mit Tara und Maya eingerahmt, setze der Mantraübende der Reihe nach auf Kopf, Brauenmitte, Mund, Kehle, beide Arme, Herz, Nabel, beide Oberschenkel, beide Knie und beide Füße.

Erläuterung zur Stelle: Die Druckausgabe setzt die Nummer 90 nach dem zweiten Halbvers. Der anschließende unnummerierte Halbvers vervollständigt die Anweisung und wird hier unter derselben Nummer mitgeführt.

9.91

Man meditiere über Pratyangira: Die Himmelsrichtungen sind ihr Gewand, ihr Haar ist gelöst, ihre Farbe gleicht einer dunklen Wolke. Sie hält Schild und Schwert und trägt Schlangen als Schmuck. Ihr Gesicht ist durch die Fangzähne furchterregend; sie verschlingt die feindliche Schar und wird von Shankaras Glanz angetrieben.

Erläuterung zur Stelle: Āśāmbarā bedeutet unbekleidet beziehungsweise von den Himmelsrichtungen bekleidet. Die aggressive Bildsprache gehört zur historischen Schutzgöttin.

9.92

So meditierend wiederhole man den Mantra zehntausendmal; danach bringe man im Umfang eines Zehntels Opfergaben aus Apamarga sowie Senf, Ghee und Opferspeise dar.

Erläuterung zur Stelle: Die gedruckte Verbindung nach apāmārgaiḥ ist gedrängt; rāji bezeichnet Senf. Der Vers gehört zur historischen Schutzzeremonie.

9.93

Auf dem Sitz Annapurnas verehre man [sie] mit Angas, Weltenherren und Waffen. Der Mantraübende, dessen Mantra so vollendet ist, wiederhole bei den besonderen Anwendungen hundertmal …

9.94

… und opfere hundertmal; mit zehn Mantras bringe er Bali in den Richtungen dar. [Die Formel beginnt:] „Was an Übel durch eine böse Tat hier von Osten zu mir gelangt ist …“

9.95

Man spreche „indras taṃ deva“, danach „rājā“, „bhañjayatu“, „añjayatu“ und „mohayatu“.

Erläuterung zur Stelle: Die Formel richtet die zerstörenden beziehungsweise verwirrenden Verben gegen das herangetragene Übel. Die Stelle steht im historischen Kritya-Abwehrzusammenhang.

9.96

Danach [spreche man] „nāśayatu“, „mārayatu“, „baliṃ tasmai prayacchatu“, „kṛtaṃ mama“ und „śivaṃ mama“ …

Erläuterung zur Stelle: Der Wortlaut enthält ausdrücklich das Verb „töten“. Er wird als historischer Formelbestand dokumentiert und nicht als heutiges Gebet gegen Menschen empfohlen.

9.97

… „śāntiḥ svastyayanaṃ cāstu“: So wird der Bali-Mantra gelehrt. Mit Pranava am Anfang hat er achtundsechzig Silben; mit ihm bringe man Bali dar.

Erläuterung zur Stelle: Der Schluss bittet um Frieden und Wohlergehen für den Verehrer. Er steht neben der aggressiven Abwehrsprache der vorausgehenden Zeilen.

9.98

In diesem Mantra setze man an die Stelle des Wortes „Osten“ die Wörter für die Feuer-Richtung und die weiteren Richtungen; anstelle von „Indra“ lese man entsprechend „Agni“ und die übrigen.

9.99

So ergeben sich zehn Mantras, mit denen man Bali in der jeweiligen Richtung darbringe. Wenn dies so ausgeführt wird, soll der von Feinden bewirkte Schadenszauber rasch verschwinden.

Der Pratyangira-Malamantra

Die lange Formel ist durch ausgesprochene und chiffrierte Bestandteile dargestellt.

9.100

Nun wird die Vollendung des Pratyangira-Malamantras gelehrt. Tara, Maya, Nabhas, „kṛṣṇavāsase“ und die Silben „śata“ …

9.101

… das Wort „sahasrahiṃsini“, danach „sahasravadane“, „mahābale“ und „aparājite“ …

9.102

… „pratyaṅgire parasainya parakarma“, Jala mit Drik, „dhvaṃsini paramantrotsādini“ und das Wort „sarva“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Formel richtet sich gegen fremde Heere, fremde Ritualhandlungen und fremde Mantras. Die Chiffre Jala mit Drik ergänzt die folgende Wortbildung.

9.103

… nach „bhūta“ „damani“, dann „sarvadevān“, zweimal „bandha“, „sarvavidyāḥ“ mit „chindhi“ und zweimal „kṣobhaya“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Verben bezeichnen Binden, Zerschneiden und Aufwühlen. Die Abwehrsprache wird nicht in eine harmlose moderne Affirmation umgeschrieben.

9.104

… nach „parayantrāṇi“ lese man zweimal „sphoṭaya“; nach „sarva“ „śṛṅkhalāḥ“, zweimal „troṭaya“ und „jvalat“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Anweisung nennt ausdrücklich die zweimalige Wiederholung von sphoṭaya und troṭaya.

9.105

… „jvālājihve“, nach „karāla“ „vadane“, „pratyaṃgire“, Maya und „namaḥ“ am Ende: Dieser Mantra hat einhundertfünfundzwanzig Silben.

Erläuterung zur Stelle: Die Zahl wird durch śara und sūrya ausgedrückt und von Naukā als 125 erläutert.

9.106

Seher und die übrigen Angaben wurden zuvor genannt. Mit Maya vollziehe man den sechsgliedrigen Nyasa. Man meditiere über die Göttin Pratyangira, die alle Feinde vernichtet.

9.107

Möge diese Pratyangira den von Feinden gegen euch bewirkten Abhichara vernichten: Sie reitet auf einem Löwen, ist tiefschwarz und trägt eine furchterregende Gestalt, die den drei Welten Angst einflößt. Ihr Mund flammend, mit einem Paar neuer Gewänder bekleidet, strahlt sie wie ein blauer Edelstein. In ihren beiden Händen hält sie Dreizack und Schwert; ganz dem Schutz ihrer Verehrer gewidmet, ist sie darin unübertrefflich.

9.108

Man wiederhole den Mantra zehntausendmal und bringe tausend Opfergaben von Sesam und Senf dar. Nachdem der Mantra vollendet ist, wiederhole ihn der Mantraübende für besondere Anwendungen hundertmal.

9.109

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Als von Grahas oder Bhutas betroffen geltende Menschen sollen mit Mantrawasser besprengt werden. Der Text verbindet dies mit der Aufhebung fremder Yantra-, Mantra- und anderer Ritualhandlungen.

Erläuterung zur Stelle: Dies dokumentiert eine historische Besessenheits- und Schutzvorstellung; daraus folgt keine Aussage über die Behandlung von Erkrankungen.

Die sechs großen Naturmächte

Berg, Ozean, Feuer, Wind, Erde und Himmel werden als Gottheiten vergegenwärtigt.

9.110

Ich werde einen sechzehnsilbigen Mantra darlegen, der Widersacher bezwingt: Pranava, Keshava mit Indu, die fünf Anfänge der Lautklassen jeweils mit Indu …

9.111

… Viyat mit Chandra, Ranta mit Sadyojata und Shashanka, Maya, Atri mit Karna und Chandra, Bhrigu mit Sarga, Varma und Phat …

Erläuterung zur Stelle: Der Druck verbindet rānta und sadyojātaḥ gedrängt. Die Lautchiffren werden nicht durch eine spekulative Rezitationsform ersetzt.

9.112

… mit Svaha am Ende: Dieser sechzehnsilbige Mantra vernichtet Feinde. Vidhatri ist der Seher, Ashti das Versmaß; [die Gottheiten sind] Berg, Ozean, Feuer und Wind …

Erläuterung zur Stelle: Die Gottheitenliste setzt sich im folgenden Vers mit Erde und Raum fort.

9.113

… Erde und Raum. Die Gottheiten werden jeweils mit „Maha“ vorangestellt genannt. Hum ist das Bija, Parvati die Shakti; mit Maya vollziehe man den sechsgliedrigen Nyasa.

Erläuterung zur Stelle: Mit dem vorausgehenden Vers ergibt sich die Reihe Mahaparvata, Mahasamudra, Mahagni, Mahavayu, Mahadhara und Mahakasha.

9.114

Man vergegenwärtige sich den Berg: vom Glanz vieler Juwelen überstrahlt, mit Bäumen, Wasser und Gold versehen, von Tigern und anderen Tieren belebt und mit Gipfeln ausgestattet.

9.115

Den Ozean stelle man sich vor, reich an Fischen, Schildkröten und anderen [Lebewesen], mit neun Arten von Juwelen, wolkendunkel und voller Wellen.

Erläuterung zur Stelle: Der Grunddruck hat bījāḍhyam; dem Zusammenhang nach sind die im Meer lebenden Wesen gemeint. Akūpāra bezeichnet den Ozean.

9.116

Zur Bezwingung von Feinden vergegenwärtige man sich Mahavahni, das große gelbe Feuer, wunderbar, die drei Welten mit Flammen durchdringend.

9.117

Man vergegenwärtige sich den Wind: vom Staub verdunkelt, der von der Erde aufsteigt, Erde und Himmel verhüllend, als Prana das Leben des gesamten Universums tragend.

Erläuterung zur Stelle: Die lebensspendende Kraft des Prana wird hier ausdrücklich genannt, steht aber innerhalb einer historischen Ritualbeschreibung.

9.118

Der Mantraübende soll hier über die Erde meditieren, die Grundlage der Welt, reich an Flüssen, Bergen, Bäumen und gedeihenden Dörfern.

Erläuterung zur Stelle: Die Verbindung phalitagrāma ist im Druck gedrängt; die Aussage schildert die bewohnte, vielfältige Erde.

9.119

Man meditiere über den makellosen Himmel, ausgestattet mit Sonne und den übrigen Himmelskörpern, den Sternbildern und dem Rad der Zeit, der den Lebewesen Raum und Halt gewährt.

9.120

Nachdem man so über die sechs Gottheiten meditiert hat, wiederhole man den Mantra sechzehntausendmal. Mit sechs Opferstoffen vollziehe man ein Homa im Umfang eines Zehntels.

9.121

Reiskörner, enthülster Reis, Ghee, Senf, Gerste und Sesam: Nachdem man mit diesen zu den jeweiligen Anteilen geopfert hat, verehre man [die Gottheiten] auf dem zuvor genannten Pitha …

9.122

… mit den Angas, Richtungshütern, Vajra und den übrigen [Waffen]. So soll der Mantra vollendet werden. Wer durch Feinde bedrängt wird, soll ihn zur Aufhebung dieser Bedrängnis einsetzen.

Aggressive Anwendungen und abschließende Reinigung

Der Text lehrt ausdrücklich Māraṇa und schließt mit einer Reinigungs- beziehungsweise Sühneanweisung. Diese Anwendungen sind keine moderne Praxisempfehlung.

9.123

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der erste Laut wird als gewaltiger Berg im Osten vorgestellt, der sich gegen den Feind bewegt und auf ihn herabzufallen droht.

9.124

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ka wird im Westen als furchterregender Ozean mit aufgewühlten Wellen visualisiert, der die gesamte Erdoberfläche überflutet.

9.125

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der folgende Laut erscheint im Süden als Feuer der Weltauflösung, dessen Flammen den Himmel füllen und die Welt verbrennen.

9.126

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der erste Laut der dritten Konsonantenklasse wird im Norden als Sturm am Ende eines Weltzeitalters vorgestellt, der die drei Welten erschüttert.

9.127

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die ersten Laute der vierten und fünften Konsonantenklasse werden als Erde und Himmel vorgestellt, die die feindliche Gruppe bedrängen.

9.128

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die beiden folgenden Laute werden mit der Blockierung der Atmung und der Bedrängnis des Feindes verbunden.

9.129

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die drei mit Maya beginnenden Laute werden als Verschließen von Augen, Ohren und Mund des Feindes vorgestellt.

9.130

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Vorstellung verbindet Varma und Astra mit einem Feuer, das vom unteren Körperbereich des Feindes aufsteigt und dessen Körper verbrennt.

9.131

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die wiederholte Verbindung dieser Lautvisualisationen mit Japa wird mit der ausdrücklichen Behauptung verknüpft, einen Feind töten zu können.

Erläuterung zur Stelle: Die Stelle gehört zu Māraṇa. Die behauptete Wirkung ist weder nachgewiesen noch eine spirituelle Empfehlung dieser Ausgabe.

9.132

Wer eine solche Handlung ausführt, soll sich durch Pranayama, Japa und die übrigen [Reinigungen] reinigen und zum eigenen Schutz Hari gedenken.

Erläuterung zur Stelle: Naukā bezeichnet die Stelle ausdrücklich als Sühneanweisung für denjenigen, der Māraṇa vollzieht. Sie wird nicht als nachträgliche Rechtfertigung von Schädigung verstanden.

Kolophon des Taraṅga 9

So endet im von Shri Mahidhara verfassten Mantramahodadhi der neunte Taraṅga mit dem Namen „Darlegung der Mantras Annapurnas und weiterer Gottheiten“.

Textgrundlage dieses Taraṅga: Sanskrit-Grundtext der verwendeten Ausgabe, Sanskrit-Grundtext, PDF-Seiten 299–333, gedruckte Seiten 249–283. 9.27 überspannt eine Seitengrenze; 9.81 ist ein Halbvers, 9.90 enthält einen zusätzlichen, nach der Versnummer gedruckten Halbvers. Naukā und Hindi-Erklärung bleiben vom Grundtext getrennt.. Naukā und die Hindi-Erklärung bleiben vom Grundtext getrennt.

Taraṅga 10 – Bagalamukhi, Svapnavarahi und Vartali

Der zehnte Taraṅga erschließt mehrere machtvolle Formen der Devi. Seine Meditationsbilder verbinden Glanz und Schönheit mit schreckenerregenden Attributen. Zugleich überliefert das Kapitel zahlreiche historische Stambhana- und Abhicara-Anwendungen. Diese dürfen nicht mit den heutigen Anregungen zu Japa, Hingabe und innerer Sammlung verwechselt werden. Ein wichtiger innerer Abschluss der Puja erscheint in 10.105: Nach Verehrung, Lobpreis und Verneigung wird die Gottheit in das eigene Selbst zurückgenommen.

Bagalamukhi – Mantra und Meditation

Die Laute des Mantras werden teils ausdrücklich genannt, teils chiffriert bezeichnet.

10.1

Nun werde ich Bagalamukhi darlegen, die Feinde zum Stillstand bringt. [Der Mantra beginnt mit] Pranava, Gagana verbunden mit Prithvi, Shanti und Bindu, „baga“ …

10.2

… „lāmukhi“, Gadī mit Aksha, „sarvaduṣṭānāṃ vā“, Halin mit Indu, das Wort „mukha“, dann „stambhaya jihvāṃ kīlaya“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Formel enthält die Aufforderung, Rede und Zunge der als feindlich geltenden Personen zu hemmen. Ihre chiffrierte Gestalt wird beibehalten.

10.3

… „buddhiṃ vināśaya“, danach das Bija, Tara und Agnisundari. Der Mantra hat sechsunddreißig Silben; sein Seher ist Narada.

Erläuterung zur Stelle: Der ausgeschriebene Gebetsteil fordert ausdrücklich die Zerstörung der Einsicht beziehungsweise des Verstandes [der Gegner]. Er wird nicht als Empfehlung für heutige Beziehungen verstanden.

10.4

Das Versmaß ist als Brihati zu verstehen; die Gottheit ist Bagalamukhi. Der Anga-Nyasa [erfolgt] mit zwei, fünf, fünf, neun, fünf und zehn Silben.

Erläuterung zur Stelle: Die Zahlenchiffren ergeben 36 Silben; Akshi bezeichnet in dieser Reihe fünf, wie Naukā ausdrücklich erläutert.

10.5

Man vergegenwärtige sich Bagalamukhi, die die drei Welten zum Stillstand bringt: Sie sitzt auf einem goldenen Sitz, hat drei Augen und leuchtet in gelbem Gewand. Ihr Körper glänzt wie Gold; sie trägt den Mond als Krone und eine schöne Champaka-Girlande. Ihre Hände halten Hammer, Schlinge, Vajra und Zunge, ihr Körper ist mit Schmuck bedeckt.

Erläuterung zur Stelle: Naukā ordnet Hammer und Vajra den rechten, Schlinge und die Zunge des Gegners den linken Händen zu. Diese Ikonographie ist eine historische Darstellung von Stambhana.

10.6

Nachdem man so meditiert hat, wiederhole man [den Mantra] hunderttausendmal und opfere zehntausendmal mit Champaka-Blüten. Man verehre sie auf dem zuvor beschriebenen Pitha.

10.7

Mit Sandel, Agaru, Chandra und den übrigen [Stoffen] zeichne man zur Verehrung das Yantra: mit Dreieck, sechs Blättern, acht Ecken, sechzehn Speichen und einer Umfriedung.

Erläuterung zur Stelle: Der Grunddruck nennt ṣaḍdala und aṣṭāsra; die folgende Verehrungsanweisung spricht von sechs Ecken und acht Blättern. Diese geometrische Abweichung bleibt sichtbar.

10.8

In der Mitte verehre man die Göttin, in den Ecken die Gunas Sattva und die übrigen. In den sechs Ecken [verehre man] die sechs Angas; die Mütter zusammen mit den Bhairavas …

10.9

… sind im achtblättrigen Lotus zu verehren. Im sechzehnteiligen [Kreis] verehre man diese: Mangala, Stambhini, Jrimbhini, Mohini …

10.10

… Vashya, Achala, Balaka, Bhudhara, die Kalmasha genannte, Dhatri, Kalana, Kalakarshini und Bhramika …

10.11

… Mandagamana, Bhogastha und Bhavika, die als sechzehnte gilt. In den vier Richtungen der Umfriedung, mit Osten beginnend, verehre man der Reihe nach …

10.12

… Ganesha, Batuka, Yogini und Kshetrapala; danach außen Indra und die übrigen, versehen mit ihren eigenen Waffen.

10.13

Der Mantraübende, dessen Mantra so vollendet ist, soll Gottheiten und andere [Wesen] zum Stillstand bringen können. Er trägt gelbe Kleidung, sitzt auf einem entsprechenden [gelben Sitz] und trägt gelbe Girlanden und Salbung …

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF-Seite 336, der zweite auf 338; 337 enthält die dazwischen gedruckte Erläuterung.

10.14

… verehrt die Göttin mit gelben Blüten, wiederholt [den Mantra] mit einer aus Haridra gefertigten Gebetskette und meditiert über die gelbe Bhagavati. Für die besonderen Anwendungen wiederhole er zehntausendmal.

Erläuterung zur Stelle: Die wiederkehrende Farbe Gelb verbindet Gewand, Blumen, Salbung, Mala und Meditationsbild zu einer einheitlichen Ritualgestaltung.

Historische Anwendungen von Stambhana

Schädigende oder medizinisch unhaltbare Anwendungen werden als solche gekennzeichnet.

10.15

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Zwei Arten von Homa werden mit der Behauptung verbunden, Menschen gefügig zu machen oder anzuziehen.

10.16

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Weitere Opferstoffe werden zur Erzeugung von Feindschaft und zur Lähmung von Gegnern vorgeschrieben.

10.17

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein nächtliches Feuer am Verbrennungsplatz wird mit der Vernichtung von Feinden verbunden.

Erläuterung zur Stelle: Die Anwendung gehört zur historischen Schädigungsritualistik.

10.18

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein weiteres Ritual am Scheiterhaufen nennt Tiermaterialien und andere Stoffe zur Vertreibung von Feinden.

10.19

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein Homa mit Pflanzen und Speisen wird mit der Behauptung verbunden, alle Krankheiten schon durch den Anblick des Praktizierenden zu stillen.

Erläuterung zur Stelle: Eine historische Heilverheißung, keine belegte medizinische Wirkung.

10.20

Auf einem Berggipfel, in einem großen Wald, an einem Zusammenfluss oder in einem Shiva-Heiligtum wiederhole man, dem Gelübde der Enthaltsamkeit verpflichtet, [den Mantra] hunderttausendmal zur Erlangung aller Vollendungen.

10.21

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Text beschreibt ein mit Mantra behandeltes Milchgetränk und behauptet dessen Wirksamkeit gegen Vergiftung.

Erläuterung zur Stelle: Dies ist keine verlässliche Behandlung einer Vergiftung.

10.22

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Text beschreibt ein Paar mit dem Mantra geweihter Holzsandalen …

10.23

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: … und verspricht damit eine augenblickliche Reise über hundert Yojanas. Anschließend beginnt die Beschreibung einer quecksilber- und mineralhaltigen Salbe …

10.24

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: … deren Mantraweihe und Auftragen auf den Körper angeblich Unsichtbarkeit bewirken. „Welches Wunder soll ich noch zeigen?“ schließt der Vers.

Erläuterung zur Stelle: Die Stoffe und Wirkungsbehauptungen werden historisch dokumentiert; eine Anwendung wird nicht empfohlen.

10.25

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Es beginnt die Beschreibung eines personalisierten Yantras zur Hemmung eines Gegners unter Verwendung giftiger und mineralischer Stoffe.

10.26

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das Yantra wird mit den übrigen Mantrasilben und einer Umfriedung versehen, rituell belebt und mit gelbem Faden umwickelt.

10.27

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine Tonfigur eines Stiers wird als Behälter des Yantras hergestellt.

Erläuterung zur Stelle: Die Druckform āmyat ist auffällig; gemeint ist Ton von der sich drehenden Töpferscheibe.

10.28

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die regelmäßige Verehrung der Figur soll Rede, Bewegung und Unternehmungen der Gegner hemmen.

10.29

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine weitere Yantra-Anwendung verwendet Materialien vom Leichenverbrennungsplatz.

10.30

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das vergrabene Yantra soll die Bewegung der Feinde hemmen. Eine anschließende Variante verwendet ein Leichentuch.

10.31

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine weitere Variante verbindet ein umwickeltes Yantra mit einem Frosch und behauptet, dadurch die Rede der Gegner hemmen zu können.

Erläuterung zur Stelle: Die Anwendung instrumentalisiert ein Tier und wird nicht als heutige Praxis empfohlen.

10.32

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein auf den Ort eines Gottesurteils bezogenes Yantra soll dessen Wirkung anhalten.

Erläuterung zur Stelle: Divya bezeichnet hier ein Gottesurteil beziehungsweise eine Ordalhandlung. Naukā erklärt Vṛṣā als Atarushaka.

10.33

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine weitere Anwendung betrifft das Wasser bei einem Gottesurteil und verbindet eine Pflanzenwurzel mit der behaupteten Hemmung dieses Wassers.

10.34

Wozu viele Worte? Der vom Praktizierenden richtig verehrte Mantra hemmt, [so behauptet der Text,] Bewegung, Verstand und weitere Fähigkeiten der Feinde; daran bestehe kein Zweifel.

Erläuterung zur Stelle: Die apodiktische Wirkungsaussage gehört zum Original. Diese Ausgabe übernimmt sie nicht als erwiesene Tatsache.

Svapnavarahi

Die ebergesichtige Göttin ist hier mit Traumoffenbarung verbunden.

10.35

Nun wird Svapnavarahi gelehrt, die Menschen gefügig macht: Vedadi-Bija, Maya, Hrit, Jala und Pavaka mit langen [Vokalen] …

10.36

… Kha mit Drik, Medha mit Sadya, „re svapnam“, zweimal Tha mit Sarga und Krishanuvallabha; [dies ist] der fünfzehnsilbige Mantra.

Erläuterung zur Stelle: Die Worttrennung kṛśānuvallabhānto ’yam bedeutet: „dieser, mit Krishanuvallabha endende [Mantra]“. Die chiffriert genannten Laute werden nicht frei ergänzt.

10.37

Ishvara, Jagati und Svapnavarahi sind Seher, Versmaß und Gottheit. Tara ist das Bija, Hrillekha die Shakti, und die beiden Tha gelten als Kilaka.

10.38

Mit zwei, fünf, zwei, zwei, zwei und zwei Silben des Mantras [vollziehe man] den Anga-Nyasa. Nachdem man die Mantrasilben auf Füße, Geschlecht, Hüften, Kehle, Wangen, Augen, Ohren und Nase gesetzt hat, meditiere man über die höchste Gottheit.

Erläuterung zur Stelle: Dieser nummerierte Eintrag umfasst drei Halbverse. Naukā nennt zusätzlich den Kopf und erläutert an Geschlecht, Kehle und Kopf jeweils einen Laut, an den übrigen Stellen zwei.

10.39

Man meditiere über Varahi: wolkendunkel, mit anmutigen Brüsten, von drei Augen erleuchtet, mit Ebergesicht und Mondschmuck. Schön erscheint die Erde auf ihrem Hauer. In ihren Lotushänden trägt sie Schwert, Schild, Schlinge und Haken. Sie reitet auf einem edlen Pferd und ist herrlich geschmückt.

Erläuterung zur Stelle: Der Grunddruck liest dhayavara; dem Sinn und der Ikonographie der vorliegenden Erklärung nach ist hayavara, ein edles Pferd, gemeint. Naukā erläutert Achala hier als die Erde.

10.40

Man wiederhole [den Mantra] hunderttausendmal und opfere im Umfang eines Zehntels mit blauen Lotusblüten und gutem Sesam. Auf dem zuvor gelehrten Pitha verehre man sie.

10.41

Nachdem man sie im Dreieck verehrt hat, [verehre man] in den sechs Ecken die Anga-Gottheiten und im sechzehnteiligen [Kreis] die folgenden sechzehn Shaktis …

10.42

… Uchchatani und ihre Herrin, Shoshani und Shoshanishvari, Marani und Maranishi, Bhishani und Bhishanishvari …

10.43

… Trasani und Trasanishi, Kampani und Kampanishvari, danach Ajnavivartini und Ajnavivartinishvari …

10.44

… Vastujateshvari und Sarvasampadanishvari. Diese sind mit Dativendung, Pranava am Anfang und „namaḥ“ verbunden zu verehren.

10.45

Im achtblättrigen Lotus verehre man die Mütter zusammen mit den Bhairavas, im zehnblättrigen [Kreis] die Weltenhüter und im zweiten [zehnblättrigen Kreis] die mit ihnen verbundenen Waffen.

10.46

Den so vollendeten Mantra verwende der Mantraübende für wunscherfüllende Handlungen. Er bringe Tarpaṇa mit Kokoswasser und auch mit Wasser von heiligen Badeplätzen dar.

Ehrung von Frauen und anschließende Beeinflussungsrituale

Der Text verbindet unterschiedliche Ziele; sie werden in der Erklärung auseinandergehalten.

10.47

Er ehre die jungen Frauen zur Erfüllung aller Wünsche und Ziele. Am achten Tag der dunklen Monatshälfte oder am Bhūta-Tag halte er ein Gelübde …

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers nennt die Ehrung von Frauen. Der zweite leitet eine historische Beeinflussungsanwendung ein; die Druckfolge aṣṭamīdharṣe ist sprachlich auffällig.

10.48

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Für die folgende Beeinflussungsanwendung werden Erde von mehreren Orten und eine giftige Pflanzenzubereitung genannt.

10.49

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine Figur soll rituell mit der Zielperson verbunden werden; anschließend beschreibt der Text ein mit Blut gezeichnetes Yantra auf einem Leichentuch.

10.50

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Yantra-Zeichnung verbindet Dreieck, Sechseck und Umfriedung; der Mantra wird von einer weiteren Formel umgeben.

10.51

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Formel richtet sich auf eine bestimmte Zielperson und fordert wiederholt Vertreibung, Austrocknung, Tötung und Einschüchterung.

10.52

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Formel setzt sich mit Vernichtungs-, Erschütterungs- und Unterwerfungsaufforderungen fort; mehrere Silben werden chiffriert benannt.

10.53

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Am Ende stehen Aufforderungen zur Erfüllung des Begehrten und „svāhā“. Der Text bezeichnet die Formel als siebenundsiebzigsilbigen Mantra.

10.54

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das umschriebene und geweihte Yantra wird mit der Figur verbunden und nach dem zuvor beschriebenen Verfahren verehrt.

10.55a

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Nächtlicher Japa in Abgeschiedenheit und erneute konzentrierte Verehrung schließen sich an.

Erläuterung zur Stelle: Der Grunddruck nummeriert diesen und den folgenden Vers beide mit 55. Zur Unterscheidung stehen hier 55a und 55b. Danach folgt im Druck 56 und anschließend 58; eine Nummer 57 ist nicht vorhanden.

10.55b

Ist dies getan, so sollen Männer, Frauen, Könige, königliche Günstlinge, Löwen, Elefanten und wilde Tiere gewiss gefügig werden.

Erläuterung zur Stelle: Historische Behauptung einer umfassenden Beeinflussungswirkung; keine moderne Praxisempfehlung. Im Grunddruck die zweite Nummer 55.

10.56

Nachdem er sein Anliegen im Geist betrachtet hat, lege sich der Gelübdehaltende an einem einsamen Ort schlafen. Die Göttin sage dem Mantraübenden im Traum, wie es kommen werde.

Erläuterung zur Stelle: Im Grunddruck Nummer 56, gefolgt von 58. Die Aussage gehört zur Tradition der Traumoffenbarung und ist keine verlässliche Zukunftsprognose.

Das große Yantra

Die Verehrung entfaltet sich in konzentrisch angeordneten Gottheitenkreisen.

10.58

Nun werde ich ihr großes Yantra darlegen, das den Menschen Vollendung gewähren soll. Man zeichne ein Dreieck, ein Sechseck, einen sechzehnteiligen und einen achtblättrigen [Kreis] …

10.59

… zwei zehnteilige [Kreise], eine fünfzehnteilige Figur und eine doppelte Umfriedung. Im Dreieck schreibe man ferner Vāgbhava innerhalb des Kāma-Bija.

10.60

In die sechs Ecken schreibe man Vāgbīja, Pāśa, Māyā, Sṛṇi, Śrī und das lange Kavaca. Danach [schreibe man] in den sechzehnblättrigen [Kreis] …

10.61

… die zuvor genannten sechzehn Shaktis. Im achtblättrigen [Kreis] setze man Brahmi und die übrigen zusammen mit den Bhairavas ein, im zehnteiligen [Kreis] der Reihe nach die Richtungshüter …

10.62

… jeweils mit ihrem eigenen Bija am Anfang. Nun wird die Bija-Gruppe genannt: Māṃsa, Rakta, Viṣa, Meru, Jala, Vāyu, Bhṛgu und Viyat.

Erläuterung zur Stelle: Hier sind die Wörter Chiffren für Laute, keine Liste darzubringender Stoffe.

10.63

Diese sind mit Śaśin verbunden; [es folgen] Pāśa und als letzte Māyā. Im zweiten zehnblättrigen [Kreis] zeichne man sorgfältig Vajra und die übrigen [Waffen].

10.64

Im fünfzehnblättrigen [Kreis] umgebe man die Laute des Grundmantras mit den Lauten der Gayatri. In die Ecken der doppelten Umfriedung schreibe man Vāgbhava-Bijas.

Erläuterung zur Stelle: Naukā bestimmt Gāyatrī hier als die vedische Gayatri.

10.65

Das auf Birkenrinde oder ähnlichem Material gezeichnete, durch Japa und Sampāta vollendete Yantra soll, am Arm oder anderswo getragen, Menschen Ruhm, Wohlstand und Glück schenken.

Erläuterung zur Stelle: Der Druck bietet japaṃ; der Satz beschreibt die rituelle Vollendung eines Amuletts. Die Wirkungen sind Verheißungen des Textes.

Vartali – Mantra und Gottesgestalt

Der Mantra steht in chiffrierter Form; der Dhyana-Vers 10.74 zeigt zugleich Furchtlosigkeit und Segen.

10.66

Wozu hier viele Worte? Varahi gewährt das Gewünschte. [Der nächste Mantra beginnt:] Bhūmi, von Vāgbīja eingerahmt, danach „namo bhagavati“ …

Erläuterung zur Stelle: Der Themenwechsel zum Vartali-Mantra liegt innerhalb dieses Verses.

10.67

… „vārtāli varā“, Gagana mit Dṛk, „vārāhi vā-rāhamukhi“; danach spreche man die zuvor genannte Dreiergruppe von Bijas.

10.68

„andhe andhini“, Hṛdaya; ebenso „rundhe rundhini“, Hṛt; danach „jambhe jambhini“, Hṛt; ferner „mohe mohini“, Hṛt …

Erläuterung zur Stelle: Hṛdaya und Hṛt sind hier Chiffren für namaḥ, wie Naukā erläutert.

10.69

… „stambhe stambhini“, nach Hārda wiederum die drei Bijas; [dann] „sarvaduṣṭapraduṣṭānāṃ sarveṣāṃ sarvavāk“ …

10.70

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Formel fordert die Hemmung von Geist, Augen, Gesicht, Bewegung und Zunge sowie rasche Gefügigkeit. Es folgen eine Bija-Dreiergruppe und vier Tha-Laute.

10.71

[Die vier Tha sind] mit Sarga versehen; es folgen Varma, „phaṭ svāhā“. Mit Pranava am Anfang hat der Mantra hundertvierzehn Silben. Seher und Versmaß sind Shiva und Atijagati.

Erläuterung zur Stelle: Naukā löst die Zahlchiffre ausdrücklich als 114 auf.

10.72

Vartali wird als Gottheit genannt. „Vārtālī“ gilt für das Herz, „Vārāhī“ für den Kopf und „Varāhamukhī“ für die Shikha.

10.73

„Andhe andhini“ wird für den Schutzpanzer genannt, „rundhe rundhini“ für die Augen und „jambhe jambhini“ für Astra. Danach meditiere man über die Gottheit.

10.74

Ich verehre die ebergesichtige Vartali mit drei Augen und rötlichem Gewand. Sie sitzt auf einem Leichensitz über der Mitte eines roten Lotus. Eine Schädelgirlande schmückt ihre Brust; ihr Glanz gleicht einem blauen Edelstein. Mit ihren Lotushänden hält sie Keule und Pflug und zeigt die Gesten der Furchtlosigkeit und der Gewährung von Gaben; ihre Brüste sind schön.

Erläuterung zur Stelle: Die schreckenerregenden Attribute stehen neben Abhaya und Vara: Furchtlosigkeit und Segen sind ausdrücklich Bestandteile des Meditationsbildes.

10.75

Man wiederhole diesen [Mantra] siebzehntausendmal und opfere im Umfang eines Zehntels mit Sesam und Bandhuka-Blüten, die mit süßen Stoffen versehen sind.

10.76

Nun werde ich das Verehrungs-Yantra mit den neun Shaktis, beginnend mit Japa, darlegen. Auf Gold, Silber, Kupfer, Birkenrinde oder Holz …

10.77

… zeichne man es mit Gorochana, Ratri, Chandra, Agaru und Kumkuma: Dreieck, Fünfeck, Sechseck, achtblättriger und hundertblättriger [Lotus] …

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert Rātri als Haridrā, Kurkuma; Yoni bezeichnet hier das Dreieck.

10.78

… [dazu] ein tausendblättriger [Lotus], von einer Erdfigur umgeben und mit Toren versehen. Man stelle sich dieses Pitha inmitten des Kailasa-Berges vor.

Erläuterung zur Stelle: Bhūbimba wird in Naukā als Viereck erklärt.

10.79

Dorthin lade man die Göttin ein und verehre sie mit erfreulichen Gaben: die Herrin der Götter in der Mitte des Dreiecks und ihre Angas an den mit der Feuerrichtung beginnenden [Stellen].

10.80

In den drei Ecken sind Vartali, Varahi und Varahamukhi zu verehren; danach in den fünf Ecken Andhini, Rundhini …

10.81

… Jambhini, Mohini und als fünfte Stambhini. In den sechs Ecken sind wiederum Dakini, Rakini …

10.82

… Lakini, Kakini, Shakini und Hakini zu verehren. An den beiden Seiten des Sechsecks ist das Paar Stambhini und Krodhini zu verehren.

10.83

Die erste [trägt] eine Keule und [zeigt] die Gewährung des ersehnten Segens; die andere trägt Schädelschale und Pflug. Vor dem Sechseck verehre man Chandocchanda, ihren vortrefflichen Sohn …

Erläuterung zur Stelle: Die Druckfolge lādyā ist auffällig; der Kommentar erläutert die erste Gestalt als Stambhini und die zweite als Krodhini.

10.84

… der in den Händen Dreizack, Schlange, Damaru und Schädelschale hält, einem Saphir gleicht, nackt ist und durch die Fülle seiner verfilzten Haare erstrahlt.

10.85

Auf den acht Blättern verehre man die acht Göttinnen, beginnend mit Vartali. Auf den hundert Blättern sind die Rudras, die Sonnengötter, die Vasus und die beiden Ashvins zu verehren …

10.86

… jeder dreimal; auf dem letzten Blatt aber Jambhini zusammen mit Stambhini. Vor dem Sechseck ist der Löwe zusammen mit dem Büffel zu verehren.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt: 11 Rudras, 12 Adityas, 8 Vasus und 2 Ashvins, jeweils auf drei Blättern, belegen 99 Blätter; das hundertste gehört dem Göttinnenpaar.

10.87

Im tausendblättrigen [Lotus] verehre man Varahi tausendfach. Aṅkuśa, „Vārāhī“ mit Dativendung und „namaḥ“ am Ende gelten als ihr Mantra.

10.88

An den Toren der Umfriedung verehre man Batuka, Kshetrapala, Yogini und Gananatha mit ihren jeweiligen Mantras.

10.89

Phānta mit Bindu, „Baṭuka“ mit Dativendung und Hṛt ergeben sieben Silben. Meru mit Śaśin, „kṣetrapālāya“ und „namaḥ“ …

10.90

… ergeben acht Silben. Vāyu mit Śeṣa und Candra, das Wort „yoginī“, „bhyo namaḥ“ am Ende: sieben Silben. Khānta mit Candra, „gaṇa“ …

10.91

… „pataye“ und Hṛt: acht Silben. So sind diese Mantras der Reihe nach gelehrt. Danach verehre man in den Himmelsrichtungen die Richtungshüter zusammen mit ihren Waffen.

Bali-Mantras und Mudras

Die abschließenden Opfergaben gelten Batuka, Kshetrapala, Yoginis und Ganesha.

10.92

Am Ende der Puja bringe man Batuka und den übrigen mit Bali-Mantras eine Opfergabe dar. Die für das Darbringen von Bali geeigneten Mantras, die alle Vollendungen gewähren sollen, werden nun genannt.

10.93

Nachdem man „ehyehi“ gesprochen hat, sage man „devīputra“, nach „baṭuka“ [dann] „nātha kapilajaṭābhārabhāsura“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Anrede ruft den Sohn der Göttin herbei und beschreibt ihn als strahlend durch seine Fülle brauner beziehungsweise rötlichbrauner Haarflechten.

10.94

… nach „trinetra jvālā“ [folgen] „mukha sarva“, Jala mit Dṛk, „ghnān“, zweimal „nāśaya“, [dann] „sarvopacārasahitaṃ balim“ …

Erläuterung zur Stelle: Die chiffrierte Wortfolge enthält die Bitte um Beseitigung aller Hindernisse und spricht von der mit sämtlichen Verehrungsgaben verbundenen Opfergabe.

10.95

… zweimal „gṛhṇa“ und Vahnipatni. Der Mantra hat fünfundfünfzig Silben. Mit ihm bringe man Batuka die Opfergabe voller Vertrauen dar.

10.96

Man spreche Meru mit den sechs langen [Vokalen], Varma, „sthāna kṣetra-pāleśa sarvakāmaṃ pūraya“ und Analavallabha.

Erläuterung zur Stelle: Die ausgesprochene Bitte lautet sinngemäß: „Herr und Hüter des Ortes beziehungsweise Bereichs, erfülle jedes Begehren.“ Die Laute bleiben in der chiffrierten Gestalt des Grundtextes.

10.97

Dieser Kshetrapala-Mantra gilt als dreiundzwanzigsilbig. Nun folgt der Mantra der Yoginis in Versform.

10.98

Ob oben im Weltenei, im Himmel und im Luftraum, auf der Erde oder im Ungeteilten; ob in der Unterwelt oder Atala, in Wasser und Wind, wo auch immer sie sich befinden; ob sie an heiligen Stätten, Pithas, Upapithas und anderen Orten Wohnung genommen haben: Mögen diese Göttinnen, erfreut durch Räucherwerk, Lichter und weitere Gaben sowie durch die Darbringung einer guten Opfergabe, uns stets schützen – sie, die von den Besten der Vīras verehrt werden.

Erläuterung zur Stelle: Die Orte werden umfassend aufgezählt: Der Schutzruf wendet sich an die Yoginis in allen Sphären. Die Druckfolge vātale lässt sich als vā + atale lesen.

10.99

Mit „yāṃ yoginībhyaḥ svāhā“ am Ende umfasst der Mantra einundneunzig Silben. Mit ihm bringe man den Yoginis vorschriftsgemäß die Opfergabe dar.

Erläuterung zur Stelle: Die Silbenzahl bezieht sich auf den vorangehenden Vers zusammen mit diesem Formelabschluss.

10.100

Śārṅgin mit drei langen [Vokalen] und Indu, [danach nochmals] mit Indu; die Laute „gaṇapata“, Māruta mit Bhagavān, Toya, nach „ravara“ dann „da sarva“ …

Erläuterung zur Stelle: Dieser und der folgende Vers geben den Ganesha-Bali-Mantra durch Lautchiffren und Wortstücke an.

10.101

… nach „janaṃ me vaśamāna“ [folgen] „ya“, „sarvo“, Lohita, langes Halin, „rasahitaṃ“, am Schluss „baliṃ“, zweimal „gṛhṇa“ und Śiras.

Erläuterung zur Stelle: Die Formel verbindet den Empfang einer Opfergabe mit einer Aufforderung zur Beeinflussung von Menschen. Diese Zielsetzung wird nicht als zeitgemäße Praxis empfohlen.

10.102

Dieser Ganesha-Bali-Mantra hat vierzig Silben. Nachdem man ihnen auf diese Weise die Opfergabe dargebracht hat, zeige man ihre jeweiligen Mudras.

10.103

Bei der Opfergabe an Batuka zeige man Daumen und Zeigefinger miteinander verbunden. Bei der Opfergabe an Kshetrapala gelten Daumen und Ringfinger der linken Hand [als zugehörige Mudra].

10.104

Bei der Opfergabe an Gananatha gilt der etwas gekrümmte Mittelfinger [als Mudra]; bei der Opfergabe an die Yoginis wiederum [verwendet man] Ringfinger, Mittelfinger und Daumen.

Rücknahme ins Selbst und weitere Anwendungen

Die innere Vollendung der Puja geht im Text weiteren wunscherfüllenden und aggressiven Anwendungen voraus.

10.105

Nachdem man so verehrt, gepriesen und sich verneigt hat, nehme man [die Gottheit] in sich selbst zurück. Wer den Mantra vollendet hat, führe die von Shiva gelehrten Anwendungen aus.

Erläuterung zur Stelle: Ātmany upasaṃharet beschreibt die Rücknahme in das eigene Selbst: Die äußere Verehrung erhält ausdrücklich einen inneren Abschluss.

10.106

Zur Erlangung des Gewünschten bringe man Homa mit Haridra, Sandel, Lack, Agaru, Pura und verschiedenen Fleischarten dar.

Erläuterung zur Stelle: Historische Opfervorschrift. Sie gehört zur Darstellung des Ritualsystems, nicht zu den heutigen Praxisanregungen dieses Artikels.

10.107

Bei einer Stambhana-Handlung vollziehe man Japa mit einer Haridra-Mala; bei einer guten beziehungsweise glückverheißenden Handlung mit Kristallperlen, Lotussamen oder Rudrakshas.

Erläuterung zur Stelle: Der Vers unterscheidet ausdrücklich hemmende und glückverheißende Anwendungen. Er ist daher für die Einordnung der unterschiedlichen Ritualziele wichtig.

10.108

Zur Erfüllung seines Begehrens bringe ein Mensch Varahi sorgfältig Tarpaṇa dar: aus goldenen oder anderen Gefäßen, mit berauschendem Getränk, Bandhuka-Blüten und Sesam.

10.109

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Zunächst wird ein Homa zur Hemmung genannt; anschließend beginnt eine Anwendung mit einer Mischung aus Speisen und Tierblut.

10.110

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Mischung wird als Opferfigur verehrt. Das Haus des Gegners mitsamt seinem Zubehör wird ihr symbolisch überantwortet.

10.111

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein über mehrere Nächte fortgesetztes blutbezogenes Feueropfer soll die gegen den Gegner gerichtete Anwendung vollenden.

Shakata-Yantra und Kapitelabschluss

Die historische Schädigungsritualistik wird dokumentiert, nicht empfohlen.

10.112

Ist dies getan, werde die Schar der Feinde von den Yogini-Scharen verschlungen, [so die Behauptung des Textes]. Nun wird das Shakata genannte Yantra der großen Göttin gelehrt.

Erläuterung zur Stelle: Der Themenwechsel liegt innerhalb des Verses. Die erste Hälfte schließt die vorangehende Schädigungsanwendung ab.

10.113

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das Shakata-Yantra verbindet den Namen der Zielperson mit mehreren Lautumfassungen und einer äußeren Umfriedung.

10.114

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Acht Vajras, Pranava, der Name der Zielperson und die beabsichtigte Einwirkung werden in die Zeichnung eingefügt.

10.115

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Weitere Bija- und Mantraumfassungen schließen die Zeichnung ab; der Grundtext nennt die Laute teilweise chiffriert.

10.116

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das Yantra soll auf einem Tongefäß gezeichnet, verehrt und im Haus eines Gegners eingesetzt werden.

10.117

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Anwendung verspricht, auch einen seit Jahrhunderten ansässigen Gegner rasch zu vertreiben. Eine weitere Variante verbindet das Yantra mit einem im Kampf gespielten Instrument.

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF-Seite 359, der zweite auf 360.

10.118

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Beim Klang des Instruments sollen die Gegner erschreckt fliehen. Eine weitere Variante verwendet das auf Stein gezeichnete Yantra.

10.119

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Unterschiedliche Platzierungen des Yantras werden mit Sprachhemmung, fieberartigem Leiden oder anderen Schädigungen der Gegner verbunden.

10.120

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine weitere Variante richtet sich nach dem Geburtsgestirn der Zielperson und soll Gegnern Leiden zufügen. Abschließend behauptet der Text, das vollendete Yantra verwirkliche jedes menschliche Begehren.

Kolophon des Taraṅga 10

So endet im Mantramahodadhi des ehrwürdigen Mahidhara der zehnte Taraṅga, genannt „Darlegung der Mantras von Bagala und weiteren [Göttinnen]“.

Textgrundlage dieses Taraṅga: Sanskrit-Grundtext der verwendeten Ausgabe, PDF-Seiten 334–360, gedruckte Seiten 284–310. Naukā und die Hindi-Erklärung bleiben vom Grundtext getrennt.

Taraṅga 11 – Shrividya und Tripurasundari

Ein modernes Begleitbild zur Verehrung von Shakti und Yantra; keine Abbildung eines bestimmten Ritualplans dieses Kapitels.

Shrividya erscheint als „Herrin der Mantras“, Tripurasundari als Ursprung und tragender Grund der Welten. Der Taraṅga verbindet die sorgfältige Übertragung an einen geprüften Schüler mit zahlreichen Nyasa-Formen, innerer Puja, Dhyana und der Einladung der Göttin in das Shrichakra. Besonders zugänglich sind die Bilder von Licht und Nektar in 11.17, die innere Verehrung in 11.84 sowie die Anrufungen der dem Wohl aller Wesen zugewandten und durch Bhakti zugänglichen Göttin in 11.103 und 11.105.

Übertragung und Mantraaufbau

Die chiffrierten Lautbeschreibungen werden bewahrt und nicht spekulativ zu neuen Formeln ergänzt.

11.1

Om. Nachdem ich mich vor dem Dreiäugigen, dem Geliebten der Kamala, dem Menschlöwen und dem Mondbekrönten verneigt habe, werde ich kurz Shrividya, die Herrin der Mantras, darlegen.

Erläuterung zur Stelle: Die Eingangsanrufung verbindet göttliche Namen mit der nun folgenden Shrividya-Darlegung.

11.2

Niemals gebe man sie einem Schüler weiter, der nicht geprüft wurde – sie, durch deren bloßes Aussprechen die Menge der Verfehlungen dahinschwindet.

Erläuterung zur Stelle: Der Vers verbindet eine hohe spirituelle Verheißung mit einer ausdrücklichen Bedingung der Übertragung.

11.3

Zu Beginn spreche man die drei Bijas Tara, Maya und Kamala. Das erste [Kuta besteht aus] Brahma, Jhintisha, Govinda, Dhara und Maya.

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF-Seite 361, der zweite auf 362. Die Lautchiffren werden als solche überliefert.

11.4

Das zweite [Kuta besteht aus] Akasha, Bhrigu, Chakrin, Agrya, Mamsa und Maya; das dritte Bija wird als Hamsa, Dhatri, Kshama und Maya gelehrt.

11.5

Die drei Bijas tragen der Reihe nach die Namen Vak, Kama und Shakti. Diese sechssilbige [Form] ist von Shri, Maya, Kama, Vak und Shakti eingerahmt.

Erläuterung zur Stelle: Kuta-Gruppen können in der hier verwendeten Mantrazählung als Einheiten gezählt werden. Deshalb ist die Zahl nicht einfach mit einer unkommentierten phonetischen Silbenzählung gleichzusetzen.

11.6

Die sechzehnsilbige Shrividya wird durch vielfältiges religiöses Verdienst erlangt. Ihr Seher ist Dakshinamurti; als Versmaß wird Pankti angegeben.

11.7

Die Gottheit ist die ehrwürdige Tripurasundari, der Ursprung der Welten. Das Bija ist aiṃ, Bhṛgu mit au ist die Shakti und das Kama-Bija das Kilaka.

Erläuterung zur Stelle: Bhṛgu mit au wird in Naukā als sauḥ erläutert. Die chiffrierte Gestalt des Grundtextes bleibt erhalten; aiṃ steht darin ausdrücklich.

Nyasa – Einsetzung im Körper

Die einzelnen Körperzuordnungen gehören zu einer überlieferten Ritualordnung.

11.8

Auf Scheitel, Mund, Herz, Geschlechtsbereich, Füße und Nabel setze man Seher und die weiteren [Mantra-Bestandteile]. Alle Nyasas vollziehe man mit Maya- und Shri-Bija am Anfang.

11.9

Auf Mittelfinger, Ringfinger, kleine Finger, Daumen und Zeigefinger sowie auf Innen- und Außenseiten beider Hände setze man diese [Laute] in zweifacher Reihenfolge …

Erläuterung zur Stelle: Die grammatisch verkürzte Druckfolge dvikramād imān wird durch die nachfolgende Lautbeschreibung und den Kommentar erläutert.

11.10

… die Laute Shrikantha, Ananta und sau, versehen mit Bindu beziehungsweise Sarga und mit „namaḥ“ am Schluss. Dies wird als Nyasa zur Reinigung der Hände bezeichnet.

11.11

Zuerst setze man Devyasana, danach der Reihe nach Chakrasana, Sarvamantrasana und Sadhyasiddhasana ein.

11.12

Mit Dativendung, „namaḥ“ am Ende und den Bijas [setze man sie] auf Füße, Unterschenkel, Knie und Geschlechtsbereich. Dem ersten Asana sind Maya, Kama und Shakti-Bija voranzustellen.

11.13

Dem zweiten sind die mit Viyat verbundenen Vak-, Kama- und Shakti-Bijas voranzustellen; dem nächsten [dieselben] mit „sa ha“ am Anfang.

11.14

Vor das vierte Asana setze man Maya, Kama und Phanta mit Mamsa, versehen mit Bhaga und Indra. Damit ist der Asana-Nyasa gelehrt.

Erläuterung zur Stelle: Die Lautbeschreibung bleibt chiffriert; die Erläuterung löst sie für die konkrete Ritualformel auf.

11.15

Danach vollziehe der Verständige den sechsfachen Anga-Nyasa der Reihe nach mit fünf, drei, einem, einem, einem und fünf Lauten des Mantras.

Licht, Nektar und rituelle Identifikation

Der Text führt die Vorstellung der Göttin mit der Wahrnehmung des eigenen Körpers zusammen.

11.16

Nachdem man die Grundvidya mit Pranava am Anfang und „namaḥ“ am Schluss gesprochen hat, setze man sie mit Mittel- und Ringfinger am Brahmarandhra ein.

11.17

Man vergegenwärtige sich die Spenderin großen Glücks in der Gestalt einer kleinen Lampenflamme: Aus ihren Lauten strömt Nektar, der den eigenen Körper durchflutet.

Erläuterung zur Stelle: Die innerlich vorgestellte Reinigung ist ein Meditationsmotiv. Hier werden Laut, Licht und die Empfindung des ganzen Körpers zusammengeführt.

11.18

Nachdem man am linken Ohr die Parasaubhagyadandini-Mudra gebildet hat, setze man entsprechend die Grundvidya auf der linken Seite vom Kopf bis zu den Füßen ein.

11.19

Mit der Trikhanda-Mudra setze man die Grundvidya auf die Stirn. Dabei betrachte man sich selbst so: „Ich bin der Schöpfer der gesamten Dreiwelt.“

Erläuterung zur Stelle: Eine rituelle Identifikation mit göttlicher Wirksamkeit, keine Aufforderung zu persönlicher Selbstüberhöhung.

11.20

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine „Ergreifen der Feindeszunge“ genannte Mudra wird mit dem Gedanken verbunden, alle Gegner zu bändigen, und mit einem Nyasa am Fußansatz.

11.21

Man setze [die Vidya] um das Gesicht herum ein, dann vom rechten bis zum linken Ohr und anschließend von der Kehle bis zum Gesicht.

11.22

Die von Tara eingerahmte Vidya setze man wiederum auf den ganzen Körper. Nachdem man vor dem Gesicht die Yoni-Mudra gebildet hat, verneige man sich vor Tripurasundari.

11.23

Mit Daumen und Ringfinger setze man die Vidya am Brahmarandhra, an der Handwurzel und auf der Stirn ein. Dieser Nyasa trägt den Namen Sammohana.

11.24

Diesen Nyasa habe ich als „die Welt gefügig machend“ bezeichnet. Während man sich an die Grundvidya erinnert, [betrachte man] die Welt als vom Glanz Sundaris gerötet …

Erläuterung zur Stelle: Die Druckform jagaddṛśyakara ist auffällig; Naukā bezeichnet die zuvor beschriebene Folge als jagadvaśīkaraṇanyāsa. Die rote Lichtvorstellung leitet zum folgenden Nyasa über.

11.25

… an Füßen, Unterschenkeln, Knien, Hüftbereichen, Geschlechtsbereich, Rücken, Nabelgegend, Seiten und Brüsten …

11.26

… Schultern, Ohren, Brahmarandhra, Mund, Augen, Ohren und Ohrmuscheln [setze man] jeweils einen Laut der Grundvidya ein.

Erläuterung zur Stelle: Die Aufzählung nennt karṇa zweimal. Diese Wiederholung des Grunddrucks wird nicht stillschweigend entfernt.

Die Sprachgöttinnen

Vashini und weitere Göttinnen werden mit Lautgruppen und Körperstellen verbunden.

11.27

Dies ist der gelehrte Samhara-Nyasa. Danach setze man die Sprachgöttinnen ein. Ich nenne ihre Bijas, Namen und die Stellen des Nyasa.

11.28

Ardhisha, versehen mit Agni, Bhudhara, Mamsa und Shashanka, ist das Bija. Vashini, versehen mit den sechzehn Vokalen und dem Bija, setze man auf den Kopf.

11.29

Maya verbunden mit Krodhisha und Mamsa wird als zweites Bija gelehrt. Kameshvari, versehen mit diesem Bija und der vorangestellten Ka-Gruppe, setze man auf die Stirn.

11.30

Mit Dirgha, Khadgisha, Ranta, Shanti und Bindu [gebildet ist das Bija]. Mohini, verbunden mit der Ca-Gruppe und diesem Bija, setze man zwischen die Brauen.

11.31

Ardhisha, auf Vayu und Mamsa stehend und mit Bindu versehen, ist das vierte [Bija]. Vimala setze man mit der Ṭa-Gruppe und dem Bija am Anfang auf die Kehle.

11.32

Vamanetra steht auf Shulin, Vaikuntha und Repha und ist mit Bindu versehen. Aruna, verbunden mit der Ta-Gruppe und dem Bija, setze man ins Herz.

11.33

Vamakarna ist mit Viyat, Hamsa, Mamsa, Bala, Anila und Indu verbunden. Jayini setze man mit der Pa-Gruppe und diesem Bija am Anfang am Nabel ein.

11.34

Dīpikā ist mit Pashin, Tandri, Repha, Vayu und Indu verbunden. Sarveshvari, der Ya-Gruppe und dem Bija vorangestellt, setze man im Muladhara ein.

11.35

Shanti steht auf Samvartaka, Mahakala und Repha und ist mit Indu verbunden. Kaulini, versehen mit der bei Śa beginnenden [Lautgruppe] und dem Bija, setze man von oben bis zu den Füßen ein.

11.36

Nach dem Namen spreche man das Wort „vāgdevatāyai“, gefolgt von Hārda. Damit ist der Nyasa der Sprachgöttinnen gelehrt. Nun vollziehe man den Srishti-Nyasa.

Schöpfung, Erhaltung und fünffacher Nyasa

Die angestrebte Angleichung an die Gottheit wird in 11.41 ausdrücklich benannt.

11.37

Am Brahmarandhra, auf der Stirn, an Augen, Ohren, Nasenöffnungen, Wangen, Zähnen, Lippen, Zunge, Mundhöhle und Rücken …

Erläuterung zur Stelle: Die Druckfolge jihvāsukha- ist auffällig; Naukā nennt die Zunge und anschließend die Mitte des Mundes als getrennte Stellen.

11.38

… am ganzen Körper, am Herzen, an Brüsten, Bauch und Geschlechtsorgan setze man jeweils einen Laut ein. Danach vollziehe man auf dem Scheitel mit dem ganzen [Mantra] den durchdringenden Nyasa.

11.39

Nachdem man so den Srishti-Nyasa ausgeführt hat, vollziehe man den Sthiti-Nyasa: an Daumen und Fingern der Hände, am Brahmarandhra, am Mund, am Herzen …

11.40

… vom Nabel bis zu den Füßen, von der Kehle bis zum Nabel, vom Brahmarandhra bis zur Kehle und an den fünf Zehen.

11.41

Nun werde ich den fünffachen Nyasa lehren, der alles Gewünschte verwirklichen soll. Er besteht aus fünf Durchgängen des Mantras; durch ihn gelangt man zur Gleichgestaltigkeit mit jenem [Göttlichen].

Erläuterung zur Stelle: Tadrūpatā bezeichnet hier die im Ritual angestrebte Angleichung an die Gottheit; sie bildet den inneren Sinn der umfangreichen Körperzuordnungen.

11.42

Auf Scheitel, Gesicht, Augen, Ohren, Nasenöffnungen, Wangen und Lippen, in der Mitte des Mundes, an den Zahnreihen und am Mund setze man der Reihe nach …

11.43

… jeweils einen Laut der Vidya ein: So ist der erste Nyasa gelehrt. An Shikha, Kopf, Stirn, Brauen, Nase und Mund [setze man] sechs Laute …

11.44

… und zehn an den Gelenken und Spitzen der Hände: Das ist der zweite. Wiederum setze man sechs [Laute] an Kopf, Stirn, Augen, Mund und Zunge ein …

11.45

… und zehn an Gelenken und Spitzen der Füße: Das ist der dritte. Der vierte erfolgt an den Stellen der Vokale; [der fünfte] an Stirn, Kehle, Herz …

11.46

… Nabel, Muladhara, Brahmarandhra, Mund, After, Adhara, Herz, Brahmarandhra, beiden Händen, beiden Füßen und Herz.

11.47

Nachdem man so den fünffachen [Nyasa] vollzogen hat, lasse man die von Pranava eingerahmte Vidya den ganzen Körper durchdringen. Mit „namaḥ“ am Schluss setze man sie ins Herz.

Nicht unerlässliche Nyasas und die Meditation der Göttin

Der Grundtext verzichtet ausdrücklich auf die ausführliche Beschreibung zusätzlicher Nyasas.

11.48

Wer Glück und Gunst ersehnt, vollziehe den sechsfachen Nyasa und weitere Nyasas. Sie werden hier aus Furcht vor zu großer Ausführlichkeit nicht beschrieben; sie sind auch nicht unerlässlich.

Erläuterung zur Stelle: Zwischen 11.47 und 11.48 enthält die Ausgabe eine umfangreiche Kommentardarlegung zu sechs Nyasa-Arten. Diese gehört nicht zu den nummerierten Grundversen und wird nicht als Grundtext eingefügt. Der Vers selbst relativiert ausdrücklich ihre Notwendigkeit.

11.49

Nachdem man den sechsfachen Anga-Nyasa und Atemzügelung vollzogen hat, zeige man die Mudras: Samkshobha, Dravana, Akarsha, Vashya, Unmada und Mahankusha …

11.50

… sowie die Khechari, Bija und Yoni genannten: neun der Göttin liebe Mudras. Danach meditiere man über Bhagavati, die ehrwürdige Tripurasundari.

11.51

Man vergegenwärtige sich Sundari im Shrichakra, den tragenden Grund der drei Welten. Ihr Glanz gleicht zehntausend aufgehenden Sonnen; sie hat drei Augen und leuchtet in rotem Gewand. Ihr Körper erstrahlt in vielerlei Schmuck, der junge Mond krönt ihr Haupt. Freudig trägt sie in den Händen Zuckerrohrbogen, Haken, Blumenpfeil und Schlinge.

Erläuterung zur Stelle: Die Göttin erscheint als tragender Grund der Welt und zugleich als zugängliche Meditationsgestalt. Die Beschreibung ist Grundtext, die genauere Zuordnung der Attribute zu den Händen Kommentar.

11.52

Man wiederhole den Mantra hunderttausendmal und bringe im Umfang eines Zehntels im verehrten Feuer Homa mit Hayamara-Blüten dar, die mit den drei süßen Stoffen versehen sind.

Erläuterung zur Stelle: Naukā identifiziert Hayamāra mit Karavīra. Die historische Stoffvorschrift ist kein Vorschlag zur häuslichen Selbstpraxis.

Shrichakra und Verehrungsgefäße

Gefäßunterlage, Gefäß und Wasser werden mit Feuer, Sonne und Mond verbunden.

11.53

Zur Vollendung der Verehrung werde ich die Gestaltung des Shrichakra darlegen. Nachdem man ein Dreieck mit einem Bindu in seiner Mitte gezeichnet hat, füge man einen achtteiligen [Kreis] hinzu …

11.54

… zwei zehnteilige [Kreise], einen vierzehnteiligen, einen achtteiligen und einen sechzehnteiligen [Bereich]. Das Yantra zeichne man umgeben von einer aus drei Linien bestehenden Umfriedung.

Erläuterung zur Stelle: Die knappe geometrische Beschreibung ist keine vollständige Konstruktionsanleitung. Manvasra wird in Naukā als vierzehnteilig erläutert.

11.55

Ich werde die dortige Verehrung darlegen, der das Aufstellen des Gefäßes vorausgeht. Mit der Hand auf der Seite der fließenden Nadi zeichne man vor sich das Yantra …

Erläuterung zur Stelle: Naukā bezieht die Wahl der rechten oder linken Hand auf die jeweils aktive Nadi.

11.56

… bestehend aus Dreieck, Sechseck, Kreis und Erdfigur. Mit Bala verehre man die Mitte, mit ihren Bijas die drei Ecken …

11.57

… und danach mit denselben [Bijas] in Vorwärts- und Rückwärtsfolge die sechs Ecken. In der Mitte stelle man die mit Astra gereinigte Gefäßunterlage auf.

11.58

Mit einem einunddreißigsilbigen Mantra verehre man diese Unterlage: Vahni mit drei langen [Vokalen] und Indra, [ferner] Ra, Bhanta, La, Vasha und Anila …

11.59

… verbunden mit Vamakarna und Indu; Ra mit Indu; „agnimaṇḍalā“, Vayu; „dharmaprada daśakalātmā“ mit Dativendung …

Erläuterung zur Stelle: Diese und die folgenden Verse zerlegen die Gefäßmantras in Lautchiffren und Wortbestandteile; daraus wird hier keine frei ergänzte Rezitationsformel gebildet.

11.60

… Vagbija, „kalaśādhārā“, Pavana und „namaḥ“. Der so gelehrte, mit Tara beginnende Mantra dient der Verehrung der Gefäßunterlage.

11.61

Darauf verehre man im Uhrzeigersinn die zehn Feuer-Kalas: Dhumrarchis, Ushma, Jvalini, Jvalini [mit langem ā] und Visphulingini …

Erläuterung zur Stelle: Jvalinī und Jvālinī sind im Druck verschiedene Namen und bleiben unterschieden.

11.62

… Sushri, Surupa, Kapila, Havyavaha und Kavyavaha. Mit den bei Ya beginnenden Lauten samt Bindu versehen, werden sie als die zehn Kalas des Feuers gelehrt.

11.63

Nach den Namen spreche man die Worte: „kalāśrīpādukāṃ pūjayāmi“ – „Ich verehre die ehrwürdigen Füße der Kala“. Danach vollziehe man ihre rituelle Belebung.

11.64

Ein goldenes oder anderes mit Astra gereinigtes Gefäß stelle man darauf. [Der nächste Mantra besteht aus] Viyat mit drei langen [Vokalen] und Indra, Ha, Mamsa, Vara und Anila …

11.65

… verbunden mit Ardhisha und Bindu; Kha mit Indu, „sūryamaṇḍalā“, Vayu, dann „vasuprada“, „dvādaśa“ und „kalātmane“ …

11.66

… Manmatha, „kalaśāya“ und „namaḥ“ am Schluss, Pranava am Anfang. Dieser dreißigsilbige Mantra gilt für die Verehrung des Kalasha.

11.67

Auf dem Kalasha verehre man die zwölf Sonnen-Kalas: Tapini, Tapini [mit langem ā], Dhumra, Marichi, Jvalini und Ruchi …

11.68

… Sushumna, Bhogada, Vishva, Bodhini, Dharini und Kshama. Sie sind mit Lautpaaren verbunden: der vorwärts laufenden, bei Ka beginnenden und der rückwärts laufenden, bei Bha beginnenden [Reihe].

11.69

Diese sind wie zuvor zu verehren. Der Mantrakenner fülle den Kalasha mit Wasser, während er die Matrika-Laute und die Grundvidya ausspricht.

11.70

Mit einem zweiunddreißigsilbigen Mantra verehre man das Wasser im Kalasha: Bhrigu mit drei langen [Vokalen] und Indra, Sa, Ma, La, Ambu, Agni und Vayu …

Erläuterung zur Stelle: Danta, „Zähne“, ist hier eine Zahlchiffre für 32, wie Naukā erläutert.

11.71

… verbunden mit Ardhisha und Indu; Hamsa mit Indu, dann „somamaṇḍalāya kāmaprada ṣoḍaśa“, und Kalatman mit Dativendung …

11.72

… das aus Bhrigu gebildete, mit Visarga versehene Mantra[zeichen], „kalaśāmṛta“ mit Dativendung. Dieser mit Tara beginnende und mit Hṛdaya endende Mantra dient der Verehrung des Wassers.

11.73

In diesem Wasser verehre man die sechzehn Mond-Kalas mit den Vokalen am Anfang: Amrita, Manada, Pusha, Tushti, Pushti, Rati, Dhriti …

11.74

… Shashini, Chandrika, Kanti, Jyotsna, Shri, Priti, Angada, Purna und Purnamrita. Ihre Verehrung erfolgt wie zuvor beschrieben.

Anandabhairava, Sudhadevi und innere Puja

Die äußeren Handlungen werden durch innere Vergegenwärtigung getragen.

11.75

Im Wasser verehre man Bhairava und Sudhadevi mit ihren eigenen Mantras. [Das erste Bija besteht aus] Sa, Ha, Ksha, Ma, La, Paniya, Vahni, Ardhisha und Bindu …

11.76

… danach „ānandabhairavā“, Vayu und „vauṣaṭ“: So gilt der Mantra. Beim zuvor genannten Bija werden Ha und Sa vertauscht; [dann folgt] „sudhā“ …

11.77

… „devyai vauṣaṭ“. Ihre beiden Mantras haben der Reihe nach zehn und sieben Silben. Danach zeige man Matsya-, Astra-, Kavaca- und Dhenu-Mudra.

11.78

Nachdem man mit Samrodhini [rituell] eingeschlossen hat, vollziehe man wiederum über dem Nektar im Gefäß Musala, die Chakra genannte [Mudra], Mahamudra und Yonimudra.

11.79

Nachdem man den Kalasha so aufgestellt hat, stelle man rechts davon die Muschel und das besondere Arghya auf, der Reihe nach wie zuvor.

11.80

Im Arghya stelle man sich ein Dreieck mit den drei, bei A, Ka und Tha beginnenden Gruppen von je sechzehn Lauten vor, in der Mitte durch Ha und Ksha geschmückt. Darin verehre man Bala.

11.81

Mit einem achtsilbigen Mantra verehre man die lichtgestaltige Göttin: Tara, Maya, Vyoman mit Indu, Bhrigu mit Sarga und mit Sadhara …

Erläuterung zur Stelle: Die gedruckte Lautbeschreibung sasadharaḥ wird im Kommentar durch die Verbindung mit au erläutert.

11.82

… Varaha mit Bindu und „svāhā“: So wird der achtsilbige Mantra überliefert. Nachdem man die Grundvidya dreimal wiederholt hat, vollziehe man die genannten Mudras.

11.83

Beim Aufstellen von Muschel und Arghya ist das Wort „Kalasha“ entsprechend zu ersetzen. Nachdem man die Gefäße so aufgestellt hat, nehme man Arghya-Wasser …

11.84

… und besprenge die Gegenstände der Verehrung und sich selbst, während man sich den Grundmantra vergegenwärtigt. Nachdem man die geistige Puja vollzogen hat, führe man die Pitha-Puja aus.

Erläuterung zur Stelle: Mānasī Pūjā, innere Verehrung, steht ausdrücklich vor der Verehrung des äußeren Sitzes. Beide Formen gehören im Text zusammen.

Der Pitha als kosmische Ordnung

Erde, Ozean, Edelsteininsel, Thron, Gottheiten und Bewusstseinsprinzipien bilden den vorgestellten heiligen Sitz.

11.85

Man verehre Manduka, Kalavahnisha, die zugrunde liegende Prakriti, Adharashakti, Kurma, Shesha, Varaha und die Erde.

11.86

[Man verehre] den Nektarozean, die Edelsteininsel, den goldenen Berg und den Nandana-Wald. Nachdem man die Wunschbäume geschaut hat, [vergegenwärtige man sich] inmitten [dieser] den Grund mannigfaltiger Wonne …

11.87

… den herrlichen Edelsteinpalast, die Edelsteinplattform, den Dharmaschirm und den Edelsteinthron. Man verehre dessen Füße als Dharma und die übrigen [Kräfte].

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert Dharmavāraṇa als Schirm; die Thronfüße sind Dharma, Erkenntnis, Nichtanhaften und Herrschaft.

11.88

Seine weiteren Teile [verehre man als] dieselben [Kräfte] mit verneinender Vorsilbe; danach die Wurzel der Wonne, den Stängel der Erkenntnis, die Lotusmitte und die Kreise von Sonne, Mond und Feuer …

Erläuterung zur Stelle: Die verneinte Reihe umfasst Adharma, Unwissenheit, Anhaften und Nicht-Herrschaft; sie erscheint in der rituellen Gesamtordnung, nicht als ethische Empfehlung.

11.89

… versehen mit den drei Bestandteilen Taras. Man verehre die Gunas mit ihren jeweiligen Anfangslauten, sodann das Selbst und das innere Selbst, versehen mit den drei Bestandteilen [des Pranava] …

11.90

… als drittes das höchste Selbst, ferner das Erkenntnisselbst mit Para am Anfang. Man verehre das Maya-Prinzip, das Kala-Prinzip und das Vidya-Prinzip …

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert Para hier als das Maya-Bija vor dem Namen des Erkenntnisselbst.

11.91

… das höchste Prinzip mit seinem Anfangslaut; danach Brahma, Vishnu und Shiva als Pretas, Ishvara als vierten und Sadashiva als fünften.

Erläuterung zur Stelle: Die fünf Gottheiten bilden in dieser Shakta-Sitzvorstellung die Grundlage der Göttin. Preta ist hier ein ikonographischer Fachausdruck innerhalb des Pancha-Preta-Sitzes.

11.92

Danach verehre man Sudharnavasana, Pretambujasana, Divyasana, Chakrasana und Sarvamantrasana …

11.93

… Sadhyasiddhasana und den ursprünglichen König der Chakras. Danach [verehre man] in den Richtungen die Pitha-Shaktis: Iccha, Jnana und Kriya …

11.94

… Kamini, Kamadayini, Rati, Ratipriya, Nanda und Manonmani. Sie zeigen mit ihren Händen die Gesten des Segens und der Furchtlosigkeit.

11.95

Danach verehre man den Herrn des Chakras mit dem Asana-Mantra: Vak, „parāyai“, dann Keshava, „parāyai“ und „parāparā“ …

11.96

… Balin mit Damodara, das dritte [Kuta], „sadāśiva mahāpreta padmāsanāya“, mit Hṛdaya am Ende.

Erläuterung zur Stelle: Der Mantra enthält die Verehrung des Lotus-Sitzes, dessen Grundlage Sadashiva als Mahapreta ist. Die Lautchiffren bleiben erhalten.

11.97

Dieser Asana genannte Mantra hat neunundzwanzig Silben. Nachdem man den Pitha so verehrt hat, bringe man eine Handvoll Blumen dar.

Blumengabe, Einladung und Hingabe

Die dem Wohl aller Wesen zugewandte Göttin wird um Gegenwart gebeten.

11.98

Man spreche „prakaṭa“, danach „gupta guptatara“, „sampradāya“, nach „kula“ Mesha mit Netra und dann „garbha“ …

11.99

… [die Wortstücke] „hasya“, „ati rahasya“, „parāpararahasya“, „saṃjñaka“, „śrīcakragata“ und „yoginīpādukā“ …

Erläuterung zur Stelle: Die über 11.98–100 laufende Formel nennt unterschiedliche Klassen der Yoginis des Shrichakra; der Kommentar schreibt die zusammenhängende Formel aus.

11.100

… mit „bhyo namaḥ“ am Schluss und Maya und Rama am Anfang. Der einundfünfzigsilbige Mantra dient dem Darbringen der Blumenhandvoll und soll alle Vollendungen schenken.

11.101

Nachdem man die Trikhanda-Mudra gebildet und Blumen in die zusammengelegten Hände genommen hat, meditiere man über die zuvor beschriebene Göttin und spreche die Grundvidya.

11.102

Das Bewusstsein [stelle man sich vor], vom Lotus des Herzens aus durch die Nasenöffnung hervorgetreten, auf dem Weg des Brahmarandhra in die Blumenhandvoll eingebracht …

Erläuterung zur Stelle: Der Vers beschreibt eine innere rituelle Vorstellung, keine körperlich messbare Wanderung des Bewusstseins.

11.103

O Mutter, die du im großen Lotuswald weilst, Verkörperung der ursächlichen Wonne, dem Wohl aller Wesen zugewandt: Komm, komm, höchste Göttin!

Erläuterung zur Stelle: Sarvabhūtahite richtet die Anrufung ausdrücklich auf das Wohl aller Wesen. Die eigene Verehrung erhält damit einen über das persönliche Begehren hinausreichenden Horizont.

11.104

Nachdem man die mit dem verehrten Licht beziehungsweise Bewusstsein verbundene Blumenhandvoll im königlichen Shrichakra niedergelegt hat, spreche man die beiden Verse.

Erläuterung zur Stelle: Die Druckfolge mahaḥ pūjābha- ist sprachlich unsicher. Der rituelle Zusammenhang ist das Einsetzen der zuvor innerlich vergegenwärtigten göttlichen Gegenwart in das Shrichakra. Die Wendung „beide Verse“ bezieht sich auf die Anrufung in 11.103 und 11.105.

11.105

O Herrin der Götter, die du durch Hingabe leicht zugänglich bist und von allen deinen Gottheitenkreisen umgeben wirst: Solange ich dich verehren werde, bleibe ganz fest gegenwärtig.

Erläuterung zur Stelle: Bhaktisulabhe betont die Zugänglichkeit durch Hingabe. Die genaue Ritualordnung und die Herzensbeziehung zur Göttin werden hier ausdrücklich verbunden.

Einsetzung und Übergang zur Verehrung des Gefolges

Der Kapitelabschluss bereitet die im zwölften Taraṅga folgende Verehrung der Gottheitenkreise vor.

11.106

Dies wird als Avahana, Einladung, bezeichnet. Danach vollziehe man die Einsetzung. Nachdem man den Bhairavi-Mantra gesprochen hat, [sage man:] „śrīmattripurasundari“ …

11.107

… „cakre ’smin kuru sānnidhyam“, mit „namaḥ“ am Schluss: Dies ist der Mantra für die Einsetzung. Man zeige die Sthapani-, Sannidhi- und Sannirodhana-Mudras.

Erläuterung zur Stelle: Die ausgeschriebene Bitte bedeutet: „O ehrwürdige Tripurasundari, sei in diesem Chakra gegenwärtig.“

11.108

Mit den jeweiligen Mudras vollziehe der Mantrakenner das Zuwenden [der Gottheit]. Er setze die sechs Angas auf ihren Körper; dies ist das Sakalikarana.

11.109

Nachdem man auch Verhüllung, Vernektarisierung und Paramikarana mit den zugehörigen Mudras verehrend vollzogen hat, verehre man [die Göttin] dreimal mit der Grundvidya.

11.110

Danach bereite man sorgfältig die Verehrungsgaben, beginnend mit dem Wasser für die Füße und endend mit Blumen, und bringe mit dem Grundmantra wiederum dreifaches Tarpana dar.

11.111

Nachdem er eine Blumenhandvoll dargebracht und vorschriftsgemäß über die Göttin meditiert hat, bitte der Mantraübende um Erlaubnis zur Verehrung ihres Gefolges.

Kolophon des Taraṅga 11

So endet im Mantramahodadhi des ehrwürdigen Mahidhara der elfte Taraṅga, genannt „Darlegung der Shrividya“.

Textgrundlage dieses Taraṅga: Sanskrit-Grundtext der verwendeten Ausgabe, PDF-Seiten 361–395, gedruckte Seiten 311–345. Naukā und die Hindi-Erklärung bleiben vom Grundtext getrennt.

Taraṅga 12 – Shrichakra, Nityas und Gopalasundari

Die Verehrung der Tripurasundari entfaltet sich in Gottheitenkreisen und führt von der Vielfalt der Kräfte zum Bindu als innerstem Zentrum. Der Taraṅga nennt fünfzehn Nityas, die sechzehnte Göttin in der Mitte, göttliche und menschliche Guru-Ströme und ausdrücklich auch weibliche Gurus. Die Verbindung von Krishna und Shrividya in Gopalasundari mündet in die Verheißung der Vereinigung mit Brahman.

Nityas und ihre Mantras

Die Lautchiffren werden bewahrt. Einzelne schwierige Drucklesungen sind lokal gekennzeichnet.

12.1

Nun werde ich die Verehrung des Gefolges der Shrividya darlegen. Wenn der Mantrakenner sie ausführt, erlangt er, [so die Verheißung,] mehr als das Gewünschte.

12.2

In der hellen Monatshälfte verehre man die sechzehn Nityas, beginnend mit Kameshvari; in der dunklen Monatshälfte beginne man mit Vichitra und ende mit Kameshvari.

12.3

Shodashi verehre man in der Mitte. Ich werde die Reihenfolge dieser Verehrung darlegen. Nachdem man jeweils einen Vokal ausgesprochen hat, spreche man den Mantra der betreffenden Nitya.

12.4

Nach den Namen Kameshvari und der übrigen spreche man „nityāśrīpādukāṃ“, „pūjayāmi“, „tarpayāmi“ und Hṛdaya und vollziehe so die Verehrung.

Erläuterung zur Stelle: Die Worte bedeuten: „Ich verehre und erfreue die ehrwürdigen Füße der Nitya.“ Hṛdaya bezeichnet den Formelabschluss namaḥ.

12.5

Man ordne [die Göttinnen] im Dreieck um den Bindu an, die letzte im Bindu. Mit der rechten Hand bringe man Blumen und weitere [Gaben] dar, mit der linken Wasser.

12.6

Einige Lehrer sagen hier, man solle das Wasser mit frischem Ingwer darbringen. Gegen den Uhrzeigersinn sind jeweils fünf [Nityas] an den Seiten des Dreiecks zu verehren.

Erläuterung zur Stelle: Der Text überliefert ausdrücklich eine Variante einiger Lehrer; sie wird nicht als einzig mögliche Vorschrift dargestellt.

12.7

Nun werden die Nitya-Mantras gelehrt, die als Spender aller gewünschten Vollendungen gelten: Bala, Tara, „namaḥ kāmeśvari“, Jādima mit langem Dṛk …

12.8

… „kāmaphalaprade“, nach „sarvasattva“ dann „śaṅkari“, nach „sarva“ die Laute „jagad“, [dann] „ati“, nach „kṣobhaṇa“ schließlich „kari“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Formel nennt Wunschgewährung und das Erschüttern beziehungsweise Beeinflussen der Welt. Die in Wortstücke zerlegte Überlieferungsform bleibt erhalten.

12.9

… dreimal Varma, die fünf Bana-Bijas und Kumarika in umgekehrter Reihenfolge. So ist der sechsundvierzigsilbige Kameshvari-Mantra gelehrt.

12.10

[Der nächste Mantra beginnt:] Vagbija, „bhaga“, Nidra mit Karna, dann „bhagini“, nach den Lauten „bhagodari“ [folgen] „bhagamāle bhagāvahe“ …

12.11

… „bhagaguhye“, nach „bhaga“ „yone“, „bhaganipātini“, nach „sarva“ und „bhaga“ „vaśaṅkari“, dann „bhaga“ …

12.12

… „rūpe“, das Wort „nitya“, „klinne“, und eine weitere Folge aus Bhaga-Wortstücken und Lautchiffren, die in die Aufforderung „me … ānaya“ mündet …

Erläuterung zur Stelle: Die Stelle reiht Mantra-Wortstücke und Lautchiffren aneinander. Die schwierige zweite Vershälfte wird nach dem Druck wiedergegeben; sie ist keine frei rekonstruierte vollständige Mantraformel.

12.13

… „da“, Repa beziehungsweise Pavaka mit Jhintisha, [ferner] „te“, die Laute „bhaga“, „klinne klinnadrave kledaya drāvaya“ und Keshava …

Erläuterung zur Stelle: Die Lauttrennung am Versanfang ist nicht sicher. Der Sanskritdruck wird beibehalten; eine rezitierfertige Rekonstruktion erfolgt nicht.

12.14

… „moghe“, nach „bhaga“ „vicce“, dann „kṣubha kṣobhaya sarva sattvān bhageśvari“; am Schluss Vak, „blūṃ jaṃ blūṃ“ und wiederum „bheṃ“ …

Erläuterung zur Stelle: Der ausgesprochene Teil verbindet die Göttinnenanrede mit einer Aufforderung zur Erregung aller Wesen; dies ist eine historische Formel, keine Empfehlung zur Beeinflussung anderer.

12.15

… „blūṃ moṃ blūṃ heṃ“, wiederum „blūṃ hoṃ klinne sarvāṇi“, die Laute „gāni me vaśamāna“, dann Maruta und „strī hara“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Wortstücke setzen die Unterwerfungsformel fort. Einzelne Druckformen werden nicht zu einem neuen Mantra vereinheitlicht.

12.16

… „bleṃ“ und Maya. Damit ist Bhagamalini als hundertsechsunddreißigsilbige [Formel] gelehrt. [Der nächste Mantra enthält:] „nityaklinne“, nach „madadrā“ Jala mit Padmanabha …

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF-Seite 400; der zweite auf 401. Die Zahl 136 wird durch Naukā bestätigt.

12.17

… Maya am Anfang und Agnipriya am Ende: Dies ist der elfsilbige Nityaklinna-Mantra. [Der nächste beginnt:] Banta mit Repha und Tara, von Ankusha eingerahmt …

Erläuterung zur Stelle: Die Druckfolge rephārdhatāra- ist nicht eindeutig; Naukā erklärt Repha zusammen mit Tara. Die Chiffrierung wird erhalten.

12.18

… die ersten vier Laute der Ca-Gruppe mit Vahni, Manu und Indu. Mit Tara am Anfang und Vahnipriya am Ende hat der Bherunda-Mantra zehn Silben.

12.19

Nach Maya [folgt] „vahnivāsinyai“, mit Pranava am Anfang und „namaḥ“ am Ende. Dieser Vahnivasini-Mantra wird als neunsilbig gelehrt.

12.20

Tara, Maya, Shikhin mit Vahni, Padmanabha und Indu; Bhrigu mit Visarga, „nityā klinne“ und danach „madadrave“ …

12.21

… mit „svāhā“ am Schluss: Dies ist der vierzehnsilbige Mahavidyeshvari-Mantra. [Als nächste Formel folgt] Shivaduti mit Dativendung, Maya am Anfang und Hṛdaya am Schluss …

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF-Seite 402, der zweite auf 403. Die Grundausgabe nennt die Göttin hier Mahāvidyeśvarī.

12.22

… so ist der siebensilbige Shivaduti-Mantra gelehrt, der alles Gewünschte schenken soll. [Die nächste Formel beginnt:] Tara, Para, Varma, „khe ca che kṣaḥ strī“, mit Vamakarna verbunden …

12.23

… Gagana mit Shashin, Meru mit Bhṛga und Adrija; mit „phaṭ“ am Schluss gilt dies als der zwölfsilbige Tvarita-Mantra.

Erläuterung zur Stelle: Die Druckform bhṛgayuta wird im Kommentar als Verbindung mit Bhṛgaṅga, ū, erläutert.

12.24

Damodara mit Bindu; Ka und La mit Shanti und Indu; Bhrigu mit Manu und Visarga: Dies ist die dreisilbige Kulasundari.

12.25

Bhairavi, mit Bala verbunden, vorn in vorwärts laufender und hinten in umgekehrter Reihenfolge; danach die fünf Bana-Bijas: So wird die vierzehnsilbige Nitya gelehrt.

12.26

Tara, Maya, Phanta und Repha mit Jhintisha und Shashin; Hamsa mit Antyardhisha und Bindu, Hrillekha, Ankusha und „nityam“ …

12.27

… „dadrave“, Varma und Sriṇi am Ende: So ist die vierzehnsilbige Nilapatakini gelehrt, die die gesamte Dreiwelt anziehen können soll.

Erläuterung zur Stelle: Die Wortgrenze nityam / dadrave liegt zwischen den Versen. Der Kommentar liest in der zusammenhängenden Formel nityamadadrave.

12.28

Varaha, Hamsa, Chandisha, Janardana und Krishanu, verbunden mit Padmanabha und Indu; „vijayāyai“ und „namaḥ“ am Ende …

12.29

… so ist der siebensilbige Vijaya-Mantra gelehrt, der alle Ziele schenken soll. [Die nächste Formel besteht aus] Bhrigu und Khadgisha mit Tara, Sarvamangala mit Dativendung …

12.30

… und „namaḥ“ am Ende: So ist der neunsilbige Sarvamangala-Mantra genannt. [Die nächste Formel beginnt:] Tara, „namo bhagavati jvālāmālini“ und danach …

12.31

… nach „devi“ „sarvabhūta“, nach „saṃhāra“ „kārike“, nach den Lauten „jātavedasi“ „jvalanti prajvalanti“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Anrede beschreibt Jvalamalini als flammende Göttin und Vollzieherin der Auflösung aller Wesen.

12.32

… zweimal „jvala“, danach „prajvala“, Kavaca, zweimal Pavaka und Varma und Astra am Ende. So wird die achtundvierzigsilbige Jvalamalini gelehrt.

12.33

Kurma, mit Krodhisha, Manu und Indu verbunden, ist der einsilbige Vichitra-Mantra. Damit sind die fünfzehn Nityas gelehrt.

Guru-Ströme und Lehrerinnen

Die Übertragung wird in die Mitte der Verehrung einbezogen; Frauen erscheinen ausdrücklich als Gurus.

12.34

In der Mitte verehre man mit der Grundvidya Shodashi, Tripurasundari. Zwischen Bindu und Dreieck verehre man die Gurus in drei Reihen.

Erläuterung zur Stelle: Die fünfzehn Nityas bilden den umgebenden Kreis; die sechzehnte, Tripurasundari, steht in der Mitte. Die Guru-Verehrung wird räumlich in dieses Zentrum einbezogen.

12.35

Die heilsamen [Gurus sind] dreifach [geordnet]: göttlicher Strom, Siddha-Strom und menschlicher Strom. Zuerst Paraprakasha, danach der Parashiva Genannte …

12.36

… Parashakti, Kaulesha, Shukladevi, Kuleshvara und Kameshvari: Diese sieben sind die höchsten Gurus des göttlichen Stroms.

12.37

Bhoga, Krida, Samaya und Sahaja: Diese vier werden als Gurus des Siddha-Stroms bezeichnet, die das Höhere und Niedere umfassen.

12.38

Gagana, Vishva, Vimala, Madana, Bhuvana, Lila, Svatma und Priya: Diese acht gelten als die weiteren, menschlichen [Gurus].

12.39

Die Namen der männlichen Gurus enden auf „Ānandanātha“. Bei den Frauen, die alle Vollendungen gewähren sollen, ist „Ambā“ anzufügen.

Erläuterung zur Stelle: Der Text nennt weibliche Gurus ausdrücklich als Trägerinnen der Übertragung und erläutert ihre Namensform.

12.40

Im göttlichen [Strom] sind Parashakti, Shukladevi und Kameshvari drei Frauen; im menschlichen [Strom] Priya und Lila.

Fünf Gottheitengruppen

Lakshmis, Koshas, Kalpalatas, Kamadhenus und Juwelengöttinnen bilden fünf Fünfergruppen.

12.41

Überall füge man am Ende „śrīpādukāṃ pūjayāmi“ an: „Ich verehre die ehrwürdigen Füße.“ Danach verehre man in den vier Richtungen um den Bindu die Gottheiten der Überlieferungsströme.

12.42

[Man verehre] den östlichen, südlichen, westlichen und nördlichen Überlieferungsstrom. Danach verehre man die fünf Fünfergruppen in den Himmelsrichtungen und in der Mitte.

12.43

Die erste [Gottheit] verehre man in der Mitte, die anderen vier in den Richtungen, mit Osten beginnend. In allen fünf Gruppen ist hier Shrividya als die erste genannt.

12.44

Shrividya, Lakshmi, als dritte Mahalakshmi, Trishakti und Sarvasamrajya werden als die fünf Lakshmis genannt.

12.45

Shrividya, Paramjyotis, Paranishkalashambhavi, Ajapa und Matrika gelten als diese fünf Koshas.

Erläuterung zur Stelle: Kośa bezeichnet hier eine benannte rituelle Fünfergruppe. Sie ist nicht mit den fünf aus Vedanta-Darstellungen bekannten Hüllen gleichzusetzen.

12.46

Shrividya, Tvarita, Parijateshvari, Triputa und Panchabaneshi sind diese fünf wunscherfüllenden Ranken.

12.47

Shrividya, Amritapitheshi, Sudhashri, Amriteshvari und Annapurna sind als diese fünf wunscherfüllenden Kühe bekannt.

12.48

Shrividya, Siddhalakshmi, Matangi, Bhuvaneshvari und Varahi: Dies gilt den Weisen als die Fünfergruppe der Juwelen.

12.49

Shrividya verehre man in der Mitte mit dem Grundmantra und ihren Angas. Die übrigen [verehre man] der Reihe nach in den vier Richtungen. Ich werde ihre Mantras in dieser Reihenfolge nennen.

12.50

Bakesha, auf Vahni ruhend, mit Vamanetra und Indu verbunden: Dies ist der einsilbige Lakshmi-Mantra. Mit ihm verehre man Lakshmi.

Erläuterung zur Stelle: Naukā löst die Chiffre als śrīṃ auf.

12.51

Tara, Padma, Shakti, Padma, „kamale kamalālaye“, zweimal „prasīda“, Lakshmi, Maya, Padma, Dhruva und „mahā“ …

Erläuterung zur Stelle: Die ausgeschriebenen Worte bitten: „Lotusgöttin, im Lotus Wohnende, sei gnädig, sei gnädig.“

12.52

… „lakṣmyai namaḥ“ am Ende: Dieser Mantra hat achtundzwanzig Silben. Mit ihm ist Mahalakshmi zu verehren, die südlich von Shrividya steht.

12.53

Lakshmi, Maya und Manojanman: So wird der dreisilbige Trishakti-Mantra gelehrt. Mit ihm ist Trishakti zu verehren, die im Westen steht.

Erläuterung zur Stelle: Trishakti wird im Westen des betreffenden Ritualkreises verehrt.

12.54

Bhrigu, Akasha und Kala, auf Maya ruhend und von Padmalaya eingerahmt: [Dies ist] die dreisilbige Sarvasamrajya. Man verehre sie im Norden.

12.55

Tara, Maya, danach „haṃsaḥ sohaṃ“, mit Vahnipriya am Ende: [Dies ist] der achtsilbige Paramjyotis-Mantra. Man verehre sie im Osten.

Erläuterung zur Stelle: Paraṃjyotis bedeutet „höchstes Licht“. Die Formel verbindet das Lichtmotiv mit Haṃsa und So’ham.

12.56

Tara, „para“, „niṣkala“ und „śāmbhavī“: [Diese Göttin] ist im Süden zu verehren. Nabhas mit Bindu und Bhrigu mit Visarga bilden die zweisilbige Ajapa im Westen.

12.57

Die Laute von A bis Ksha sind als Matrika gelehrt. [Die nächste Formel beginnt:] Pranava, Bhuvaneshi, „huṃ“, die Lautfolge „kheca chekṣaḥ“, und ferner …

Erläuterung zur Stelle: Die erste Hälfte schließt die Kosha-Gruppe ab; die zweite beginnt bereits den Tvarita-Mantra der nächsten Gruppe. Die gedruckte Verszählung wird bewahrt.

12.58

… „strīṃ huṃ“, Meru mit Jhintisha, Maya und Astra. Damit ist der zwölfsilbige Tvarita-Mantra gelehrt. Mit ihm verehre man sie vorn [im Osten].

12.59

Akasha, Hamsa, Krodhisha, Pinakisha, Hara und Adhara, mit Indu versehen und von Tara und Maya eingerahmt; dann „sarasvatī“ …

12.60

… mit Dativendung und Hṛd am Schluss: Dieser Mantra wird als elfsilbig gelehrt. Mit ihm verehre man Parijateshi im Süden.

Erläuterung zur Stelle: Die Silbenangabe des Grundtextes wird unverändert wiedergegeben; Naukā führt bei der aufgelösten Formel die Zählungen 11–15 an.

12.61

Rama, Maya und Manobhumi werden als die dreisilbige Triputa gelehrt. Man verehre sie im Westen, Baneshi hingegen im Norden.

12.62

„drāṃ drīṃ klīṃ blūṃ“ und Bhrigu mit Visarga: [Dies ist die] fünfsilbige [Baneshi-Formel]. Vak, Kama und Bhrigu mit Sau und Visarga [bilden] einen dreisilbigen Mantra …

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF-Seite 412, der zweite auf 413. Die gedruckte Wortfolge bhṛgusau bleibt erhalten; Naukā erläutert als dritten Laut sauḥ.

12.63

… der als Amritapitheshi gelehrt wird. Mit ihm verehre man sie im Osten. [Die nächste Formel besteht aus:] Nabhas, Bhrigu und Vahni mit Vamanetra, geschmückt mit Chandra …

12.64

… Bhuvaneshi mit dem Laut Sa, „śrīṃ“ und Bhuvaneshvari mit Kala. Damit ist der viersilbige Sudhashri-Mantra gelehrt. Man verehre sie im Süden.

12.65

Sa mit Anugraha und Visarga, Kama und Vak mit vorangestelltem Abhra: Mit diesem dreisilbigen Mantra verehre man Amriteshvari im Westen.

Erläuterung zur Stelle: Naukā deutet die drei Silben als sauḥ klīṃ haiṃ. Dies ist die ausdrückliche Kommentarauslegung, keine eigenständige Rekonstruktion.

12.66

Den zwanzigsilbigen Annapurna-[Mantra] habe ich im neunten Taraṅga gelehrt. Mit diesem Mantra verehre man im Norden die Nahrung spendende Göttin.

12.67

Vanibija, danach „klinne“, Kamabija, „madadrave kule“, die Laute Varaha, Hamsa und Ani, verbunden mit Au und Visarga …

12.68

… so wird der elfsilbige Siddhalakshmi-Mantra gelehrt. Mit ihm verehre man sie im Osten, Matangi dagegen im Süden.

12.69

Vak, Kama, „sauḥ“, wiederum Vani, Maya, Lakshmi, Dhruva und „namaḥ“; nach „bhagavā“ die Laute „ti“, „mātaṅgīśvari sarvajana“ …

Erläuterung zur Stelle: Der Vers zerlegt bhagavati an einer ungewöhnlichen Stelle. Die folgende historische Formel zielt unter anderem auf Beeinflussung anderer.

12.70

… man spreche „manohari sarvarājavaśaṅkari“ und nach „sarva“ und „mukharañji“ Mesha mit Netra …

12.71

… nach „sarvastrīpuruṣa“ spreche man „vaśaṅkari“; nach „sarvaduṣṭamṛga“ wieder das Wort „vaśaṅkari“; danach „sarvalokavaśaṃkari“, Maya, Rama, Angaja und Vak. Dieser Matangi-Mantra wird als dreiundsiebzigsilbig gelehrt.

Erläuterung zur Stelle: Die Druckausgabe fasst hier vier Halbverse unter der Nummer 71 zusammen. Die Unterwerfungsanreden sind historisch dokumentiert und keine Empfehlung für heutige Praxis.

12.72

Gagana, verbunden mit Vahni, Vamanetra und Indu, wird als Bhuvaneshi-Mantra gelehrt. Mit ihm verehre man sie im Westen.

Erläuterung zur Stelle: Naukā gibt den Laut hrīṃ an.

12.73

Im zehnten Taraṅga ist der hundertvierzehnsilbige Varahi-Mantra gelehrt. Mit ihm verehre man sie zur Linken der Göttin.

Erläuterung zur Stelle: Veda–Rudra ist eine rückläufig zu lesende Zahlchiffre: 4 und 11 ergeben 114. Die Auslegung wird von Naukā bestätigt.

Verehrung verschiedener religiöser Wege

Die hier genannten sechs Darshanas umfassen auch die buddhistische Überlieferung.

12.74

Nachdem man die Fünfergruppen so verehrt hat, verehre man die sechs Darshanas: das erste in der Mitte, vier in den vier Richtungen und das letzte vor sich.

12.75

[Dies sind] das shaivische, shaktische, brahmische, vaishnavische, solare und buddhistische Darshana. Nachdem man diese Darshanas so verehrt hat, vollziehe man mit dem Grundmantra dreimal Tarpana.

Erläuterung zur Stelle: Saugata bezeichnet die buddhistische Tradition. Die sechs hier genannten Darshanas sind nicht die übliche Liste der sechs brahmanischen Philosophiesysteme. Der Grundtext bezieht diese verschiedenen religiösen Wege in die Verehrung ein.

12.76

Mit Daumen und Ringfinger [vollziehe man Tarpana] für sie; die Blume dagegen reiche man mit der Jnana genannten Mudra. Diese gilt als die Verbindung von Daumen und Zeigefinger.

12.77

Nachdem man die im Bindu weilende ehrwürdige Tripurasundari so verehrt hat, vollziehe man mit ihrer Erlaubnis die Verehrung der Umkreise in rechter Weise.

Neun Umkreise des Shrichakra

Die Verehrung führt vom äußeren Erdquadrat durch die Gottheitenkreise zum Bindu.

12.78

Die Verehrung der neun Umkreise reicht vom Erdquadrat bis zum Bindu. Den Namen stelle man die Bijas Maya und Shri voran; am Ende füge man …

12.79

… überall die Worte „śrīpādukāṃ pūjayāmi“ an. Die Anga-Verehrung [erfolgt] im Südosten, Nordosten, Südwesten und Nordwesten, vor sich und in den Richtungen.

Erläuterung zur Stelle: Die sechs Positionen werden von Naukā den sechs Angas Herz, Kopf, Haarschopf, Schutzpanzer, Augen und Astra zugeordnet.

12.80

Auf der unteren Linie des Erdquadrats verehre man der Reihe nach, in den Himmelsrichtungen sowie oben und unten, die Siddhis: zuerst Anima, [dann] Mahima, Laghima und Ishita …

12.81

… Vashitvasiddhi, Prakamya, Bhukti, als achte Iccha, Prapti und die Sarvakama genannte: So sind zehn Siddhis gelehrt.

Erläuterung zur Stelle: Die übernatürlichen Vollkommenheiten erscheinen hier als personifizierte Göttinnen; ihre Namen umfassen Kleinheit, Größe, Leichtigkeit, Herrschaft, Verfügung, Wunschgewährung, Genuss, Wille, Erlangung und Erfüllung aller Wünsche.

12.82

Man stelle sie sich vor: schön, von der Farbe glühenden Goldes, Schlinge und Haken tragend, den Sadhakas eine Fülle von Edelsteinen schenkend.

12.83

Auf der mittleren Linie des Bhupura verehre man, im Westen beginnend, diese [Mütter]: Brahmi, Maheshvari, Kaumari und Vaishnavi …

12.84

… Varahi, Indrani, als siebte Chamunda und Mahalakshmi. Man meditiere über sie als mit allem Schmuck versehen …

12.85

… der Reihe nach Rosenkranz, Dreizack, Speer, Diskus, Keule, Donnerkeil, Stab und Lotus tragend, als Spenderinnen alles Ersehnten.

Erläuterung zur Stelle: Vidyā wird hier im Zusammenhang der Göttinnenattribute als Rosenkranz verstanden.

12.86

Auf dessen dritter Linie verehre man die zehn Mudras: Kshobhana, Dravana, Akarsha, Vashya, Unmada, Mahankusha …

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF-Seite 418, der zweite auf 419. Die Namen bezeichnen unter anderem Erschütterung, Verflüssigung, Anziehung und Beherrschung; ihre rituelle Nennung ist keine moderne Handlungsempfehlung.

12.87

… Khechari, Bija, Yoni und Trikhanda: So heißen sie. Nachdem man das Erdquadrat auf diese Weise verehrt hat, zeige man die Kshobha-Mudra.

12.88

Man bete: „Mögen diese manifesten Yoginis im Trailokyamohana-Chakra verehrt und erfreut sein und das Ersehnte schenken.“

12.89

Nachdem man mit dem Grundmantra eine Handvoll Blumen am Bindu dargebracht hat, verehre man den nächsten Umkreis: im sechzehnblättrigen [Lotus], vom Westen aus gegen den Uhrzeigersinn, diese [Göttinnen] der Reihe nach …

12.90

… zuerst Kamakarshinika, danach Buddhyakarshinika, Ahamkarakarshini und Shabdakarshinika …

Erläuterung zur Stelle: Die Namen beziehen die anziehende Kraft auf Verlangen, Unterscheidungsvermögen, Ichbewusstsein und Klang.

12.91

… ebenso Sparshakarshinika und Rupakarshinika, ferner Rasakarshinika und Gandhakarshinika …

Erläuterung zur Stelle: Die vier Namen beziehen sich auf Berührung, Form, Geschmack und Geruch.

12.92

… Chittakarshinika, ferner Dhairyakarshinika, Namakarshinika und Bijakarshinika …

Erläuterung zur Stelle: Die Namen nennen Geist, Standhaftigkeit, Name und Keimlaut beziehungsweise Keim.

12.93

… ferner Amritakarshini, Smrityakarshinika, Sharirakarshini und schließlich Atmakarshinika.

Erläuterung zur Stelle: Die Namen nennen Nektar beziehungsweise Unsterblichkeit, Erinnerung, Körper und Selbst. Die Reihenfolge wird aus dieser Ausgabe bewahrt.

12.94

Man spreche: „Mögen diese verborgenen Yoginis im Sarvashapuraka-Chakra, verbunden mit den sechzehn Vokalen, verehrt sein.“

Erläuterung zur Stelle: Sarvāśāpūraka bedeutet „alle Hoffnungen beziehungsweise Wünsche erfüllend“.

12.95

Bei der Verehrung des zweiten Umkreises zeige man die Dravini-Mudra. Im achtblättrigen [Lotus], verbunden mit den acht Lautgruppen von Ka an, sind sodann diese [Göttinnen] zu verehren …

12.96

… im Osten beginnend im Uhrzeigersinn, leuchtend wie Bandhuka-Blüten: zuerst Anangakusuma, als zweite Anangamekhala …

12.97

… ebenso Anangamadana, Anangamadanatura, Anangarekha, Anangavega und Anangankusha …

12.98

… und Anangamalini: Diese acht, deren Hände mit Schlinge und Haken leuchten, sind die Guptatara genannten Göttinnen im Sarvasamkshobhana-Chakra …

12.99

… „Mögen sie verehrt sein“ – nachdem man dies gesprochen hat, zeige man die Akarsha-Mudra. Im vierzehnteiligen [Umkreis], der durch die Laute von Ka bis Dha geschmückt ist, sind [die folgenden Göttinnen] zu verehren …

Erläuterung zur Stelle: Ḍha bezeichnet hier den retroflexen Laut ढ; die vierzehn Buchstaben reichen von क bis ढ.

12.100

… anmutig, rot wie Indragopa-Insekten, berauscht, geschmückt, Spiegel, Trinkschale, Schlinge und Haken tragend …

12.101

… im vierten Umkreis, im Westen beginnend gegen den Uhrzeigersinn: zuerst Sarvasamkshobhini, danach Sarvavidravini …

12.102

… ferner Sarvakarshinika, Sarvahladakari, Sarvasammohini und Sarvastambhanakarini …

12.103

… die Sarvajrimbhinika genannte, als achte Sarvavashankari, Sarvaranjinika und Sarvonmadinika …

12.104

… sodann Sarvarthasadhini, Sarvasampattipurani, ferner Sarvamantramayi und Sarvadvandvakshayankari.

Erläuterung zur Stelle: Die letzten beiden Namen bezeichnen die Göttin als „aus allen Mantras bestehend“ und als „alle Gegensatzpaare aufhebend“. Diese Namen sind Teil der rituellen Liste; der Vers entfaltet daraus noch keine eigenständige philosophische Lehre.

12.105

Nachdem man mit dem Grundmantra eine Blume dargebracht hat, zeige man die Vashya-Mudra. [Man bete:] „Diese Sampradaya genannten [Yoginis] im Sarvasaubhagyada-Chakra …

12.106

… mögen, verehrt und zufriedengestellt, mir Heilvolles schenken.“ Nachdem man so gebetet hat, [verehre man] im zehnteiligen [Umkreis], geschmückt mit den Lauten von Na bis Bha …

Erläuterung zur Stelle: Ṇa ist der retroflexe Laut ण. Mit ihm beginnt hier eine Folge von zehn Lauten.

12.107

… die zehn Yoginis, die wie Hibiskusblüten leuchten, mit strahlendem Edelsteinschmuck reich geschmückt sind und deren Hände mit Schlinge und Haken glänzen …

12.108

… im Westen beginnend gegen den Uhrzeigersinn, als Spenderinnen der vom Sadhaka gewünschten Vollendung: zuerst Sarvasiddhiprada, danach Sarvasampatprada …

12.109

… ferner Sarvapriyankari, Sarvamangalakarini, danach Sarvakamaprada und Sarvaduhkhavimocani …

12.110

… Sarvamrityuprashamani, Sarvavighnanivarini, ferner Sarvangasundari und Sarvasaubhagyadayini.

Erläuterung zur Stelle: Diese Namen preisen die Besänftigung des Todes, das Beseitigen von Hindernissen, Schönheit in allen Gliedern und die Gabe allen Glücks. Sie sind Anrufungsnamen, keine medizinischen Wirkungszusagen.

12.111

Nachdem man am Bindu eine Blume dargebracht hat, zeige man die Unmada-Mudra. [Man bete:] „Die im fünften, Sarvarthasadhaka genannten Chakra ringsum weilenden …

12.112

… Kula-Yoginis mögen verehrt sein und mir die gewünschte Vollendung schenken.“ Nachdem man so gebetet hat, verehre man [die Göttinnen] in dem mit den Lauten von Ma bis Ksha geschmückten …

12.113

… nächsten zehnteiligen [Umkreis]: Yoginis, die der aufgehenden Sonne gleichen und in ihren Lotushänden Jnana-Mudra, Beil, Schlinge und Wunschgewährung tragen …

12.114

… Sarvajna, Sarvashakti, Sarvaishvaryaphalaprada, danach Sarvajnanamayi und Sarvavyadhivinashini …

Erläuterung zur Stelle: Die Namen rühmen Allwissenheit, universale Kraft, Herrlichkeit, Erkenntnisfülle und Krankheitsbeseitigung. Die historische Heilssprache ersetzt keine Behandlung.

12.115

… Sarvadharasvarupa, ferner Sarvapapahara, die Göttin Sarvanandamayi und Sarvarakshasvarupini …

Erläuterung zur Stelle: Die Namen bedeuten sinngemäß: „Wesen des tragenden Grundes von allem“, „alles Unheil beziehungsweise alle Schuld Fortnehmende“, „ganz aus Glückseligkeit Bestehende“ und „Verkörperung allen Schutzes“.

12.116

… Sarvepsitarthaphalada – [man verehre sie] vom Westen aus gegen den Uhrzeigersinn. Nachdem man mit dem Grundmantra eine Blume dargebracht hat, führe man die Mahankusha-Mudra aus.

12.117

[Man bete:] „Mögen diese Nigarbhā-Yoginis im Sarvarakshakara-Chakra verehrt und erfreut sein und mir die ersehnten Früchte schenken.“

12.118

Nachdem man so gebetet hat, [verehre man] im achtteiligen [Umkreis die Göttinnen], die Granatapfelblüten gleichen, rote Gewänder tragen und deren Hände mit Bogen, Pfeil, Rosenkranz und Wunschgewährung leuchten …

12.119

… mit den acht Lautgruppen, beginnend mit A, am Anfang. Man verehre die früher gelehrten acht Gottheiten mit ihren vorangestellten Bijas, im Westen beginnend gegen den Uhrzeigersinn.

12.120

Vashini, Kaumari, Modini, Vimala, Aruna, Jayini, Sarveshi und Kaulini sind zuvor genannt worden.

Erläuterung zur Stelle: Die verwendete Ausgabe liest hier Kaumārī; die häufige anderweitige Namensform Kāmeśvarī wird nicht unmarkiert eingesetzt.

12.121

Man spreche: „Mögen die geheimen [Yoginis] im Sarvarogahara-Chakra von mir verehrt und erfreut sein“, und bringe eine Handvoll Blumen dar.

12.122

Man zeige die Khechari-Mudra und erfreue dann Sundari. Im Dreieck, geschmückt mit den als A, Ka und Tha bezeichneten Lauten, [verehre man] vom Westen aus …

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert die Lautgruppen, beginnend mit a, ka und tha. Daraus wird keine eigenständig entworfene Mantraformel gebildet.

12.123

… gesammelt und im Uhrzeigersinn in den vier Richtungen die Pfeile, den Bogen, die Schlinge und den Haken von Kamesha und Kameshvari.

Erläuterung zur Stelle: Kamesha und Kameshi bezeichnen hier das göttliche Paar.

12.124

[Den Waffenbezeichnungen sind] die Wörter Jambha, Moha, Vasha und Stambha sowie ihre Bijas voranzustellen. Vor den Pfeilen [stehen] die Pfeil-Bijas, [danach] Mina und Krishna mit Bindu …

12.125

… vor dem Bogen; vor der Schlinge setze man Pasha und Maya, vor dem Haken hingegen Ankusha. Man vergegenwärtige sich die Waffengottheiten …

12.126

… reich geschmückt mit vielerlei Edelsteinen, jeweils mit ihrer eigenen Waffe ausgestattet, mit Leibern wie Blitzgirlanden, anmutig bewegt vom Rausch der Jugend.

Das innerste Dreieck und der Bindu

Drei Shaktis und schließlich Tripurasundari stehen im Zentrum.

12.127

In den drei Winkeln, mit dem letzten beginnend, sind mit den drei vorangestellten Kutas Kameshvari, Vajreshi und als dritte Bhagamalini zu verehren.

12.128

Man vergegenwärtige sich Kameshvari, Rudras Shakti, strahlend wie hundert Herbstmonde, in den Händen Buch, Furchtlosigkeit, Wunschgewährung und Rosenkranz tragend.

12.129

Vajreshvari ist Vishnus Shakti, glänzend wie die aufgehende Sonne; ihre Hände leuchten mit Zuckerrohrbogen, Wunschgewährung, Furchtlosigkeit und Blumenpfeilen.

12.130

Bhagamala ist Brahmas Shakti, glänzend wie geschmolzenes Gold; mit ihren Händen trägt sie Jnana-Mudra, Wunschgewährung, Schlinge und Haken.

12.131

Nachdem man das Dreieck so verehrt hat, bringe man eine Handvoll Blumen dar. Dann zeige man die Bija-Mudra und bete so zu Sundari …

12.132

„Mögen die Ati-rahasya genannten Yoginis im Sarvasiddhiprada-Chakra, von mir verehrt, mir unablässig Heilvolles schenken.“

Erläuterung zur Stelle: Ati-rahasya bedeutet „überaus geheim“. Der Text stuft die Umkreise mit zunehmend innerlichen Geheimhaltungsbezeichnungen ab.

12.133

Danach verehre man am Bindu die ehrwürdige Tripurasundari, indem man die Grundvidya ausspricht und auf die zuvor gelehrte Weise meditiert.

Erläuterung zur Stelle: Die Versnummer ist im Grundtext als 313 verdruckt. Naukā, fortlaufender Zusammenhang und Folgevers sichern die Zuweisung 133; es liegt kein zusätzlicher Vers vor.

12.134

[Man bete:] „Möge die Parapararahasya genannte Yogini im Sarvanandamaya-Chakra, die alles Ersehnte gewährt, von mir verehrt sein.“

Erläuterung zur Stelle: Sarvānandamaya heißt „ganz aus Glückseligkeit bestehend“. Im innersten Zentrum begegnet die Verehrung der einen Tripurasundari.

12.135

Nachdem man die Yoni-Mudra gezeigt hat, vollziehe man dreimal Tarpana. Man bringe Räucherwerk, Licht und Speisegaben aus vielerlei Speisen dar.

Erläuterung zur Stelle: Naivedya bezeichnet die dargebrachte Speise.

Homa und Abschluss der Verehrung

Die äußeren Gaben werden mit Umwandlung, Verneigung und täglicher Disziplin verbunden.

12.136

Nachdem man das Feuer nach der zuvor beschriebenen Vorschrift verehrt und Sundari darin eingeladen hat, bringe man fünfundzwanzig Opfergaben dar.

12.137

Gesammelt bringe man mit dem nach dem Homa Übriggebliebenen Bali am Shrichakra dar, der Reihe nach in den Ecken Nordost, Südost, Südwest und Nordwest …

12.138

… für Batuka, die Yogini, Kshetresha und Gananatha. Man verehre sie mit ihren jeweiligen Mantras und Mudras, die zuvor genannt worden sind.

12.139

Nachdem man Umwandlung und Verneigung vollzogen hat, verehre man die Grundvidya. Wer mit beherrschten Sinnen auf diese Weise täglich die ehrwürdige Sundari verehrt …

Historische Anwendungen

Neben Wohlergehensverheißungen stehen Beeinflussungs- und Schädigungsrituale; diese werden ausdrücklich nicht als heutige Praxis empfohlen.

12.140

… mitsamt den neun Umkreisen, soll alle ersehnten Wünsche erlangen. Nun werden Anwendungen gelehrt, die dem Sadhaka die gewünschte Vollendung gewähren sollen.

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF-Seite 431, der zweite auf 432. Die folgenden Anwendungen werden als historische Verheißungen eingeordnet, nicht als nachgewiesene Wirkungen.

12.141

Durch neunhunderttausend Wiederholungen dieses [Mantras] soll ein Mensch Rudras Gestalt erlangen; durch Homa mit Mallika- und Malati-Blüten soll er Herrschaft über die Rede erreichen.

12.142

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Vers verbindet bestimmte Blütenopfer mit der Verzauberung der Welt und ein Duftstoffopfer mit einer Schönheit, die sogar Kama übertreffen soll.

Erläuterung zur Stelle: Die Blüten sind Karavira und Japa; die Duftstoffe Chandra (laut Naukā Kampfer), Kumkuma und Kasturi. Wegen des auf Beeinflussung zielenden Zusammenhangs wird daraus keine Praxisanleitung gemacht.

12.143

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Weitere Blütenopfer sollen die Welt unter Kontrolle bringen; Opfer mit geröstetem Korn werden mit Königsherrschaft, solche mit Honig mit dem Ende von Bedrängnissen verbunden.

12.144

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Zunächst nennt der Vers ein Opfer zur Zerstörung feindlicher Herrschaft. Danach leitet er eine Reihe von Opfern mit Sauermilch, Ghee, Milch und Honig ein, denen bestimmte Ergebnisse zugeschrieben werden …

Erläuterung zur Stelle: Die aggressive Anwendung nennt ein nächtliches Fleischopfer. Sie wird historisch dokumentiert, nicht zur Ausführung empfohlen.

12.145

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Reihe ordnet den zuvor genannten Opfergaben Gesundheit, Wohlstand, ein Dorf und Geld zu; Zucker wird mit Glück, Lotus mit Reichtum und Granatapfel mit der Unterwerfung von Königen verbunden.

12.146

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Vers ordnet verschiedenen Früchten die angebliche Unterwerfung von Kshatriyas, Vaishyas und Shudras zu. Er bezeugt damit sowohl magische Beeinflussungsabsichten als auch die soziale Hierarchie seines historischen Umfelds.

Erläuterung zur Stelle: Genannt werden Matulinga, Naranga und Kushmanda. Diese Kastenzuordnungen werden nicht als heutige Wertordnung übernommen.

12.147

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Weitere Fruchtopfer werden mit der Beherrschung von Universalherrschern, mit Wunscherfüllung und mit der Unterwerfung von Ministern verbunden.

12.148

Durch [Opfer mit] Kokosnüssen soll Wohlstand entstehen, durch Sesam die Erfüllung aller Wünsche, durch Guggulu das Ende des Leids und durch Zucker und Rohrzucker alles Ersehnte.

Erläuterung zur Stelle: Die Aussagen sind traditionelle Ritualverheißungen.

12.149

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Milchspeise wird mit Geld und Getreidefülle verbunden. Die zweite Vershälfte und die vorangehende Blumenanwendung versprechen die Unterwerfung von Lebewesen beziehungsweise der Erde durch umfangreiche Opfer.

Erläuterung zur Stelle: Cūta bezeichnet den Mangobaum. Die Beeinflussungsversprechen werden historisch dokumentiert.

12.150

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Auf eine zerstörerische Anwendung mit Salz und Senf folgt die Verheißung, durch ein Kampferopfer rasch Meisterschaft über die Rede zu erlangen.

12.151

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Karanja-Früchten wird die Beherrschung von Bhutas, Pretas und ähnlichen Wesen zugeschrieben; Bilva wird mit unvergleichlichem Wohlstand, Zuckerrohr mit Glück verbunden.

12.152

Durch Ghee-Homa soll das Gewünschte erlangt werden, durch Sesam und Reis Befriedung. Was soll vieles Reden, o Herrin der Götter: Alles von Menschen Ersehnte [gilt damit als] verwirklicht.

Erläuterung zur Stelle: Die Anrede Deveśi gehört zur überlieferten Darstellungsweise des Grundtextes. Die umfassende Wirksamkeitsaussage wird als solche, nicht als Tatsachenbeweis, übersetzt.

12.153

Zahlreiche Varianten entstehen in den drei mittleren Kutas durch das Einfügen anderer Laute. Sie werden hier aus Sorge vor einem zu großen Umfang des Werkes nicht dargestellt.

Erläuterung zur Stelle: Naukā führt anschließend zahlreiche Varianten aus. Sie werden nicht in den Grundtext übernommen.

Verantwortliche Weitergabe und Gopalasundari

Die Verbindung von Krishna-Anreden und Shrividya-Kutas bleibt eine initiationsgebundene Formel.

12.154

Einem ungeprüften Schüler darf diese [Vidya] niemals gegeben werden. Dem eigenen Sohn oder einem guten Schüler übergeben, soll sie das Ersehnte gewähren.

Erläuterung zur Stelle: Die Stelle betont die Verantwortung bei der Weitergabe initiationsgebundener Praxis.

12.155

Ich werde Gopalasundari lehren, die Genuss und Befreiung gewährt: Maya, Rama, Chitajanman, danach das Wort „kṛṣṇāya“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Druckform citajanmā ist auffällig; Naukā deutet hier das Kama-Bija klīṃ. Bhoga und Moksha werden ausdrücklich nebeneinandergestellt.

12.156

… nachdem man das erste, Vak genannte Kuta ausgesprochen hat, spreche man das Wort „govindāya“, danach das zweite Kuta, sodann „gopījana“ …

12.157

… mit „vallabhāya“ am Ende, dann spreche man das dritte Kuta. Mit „svāhā“ am Schluss gilt [die Formel] als dreiundvierzigsilbige Gopalasundari.

Erläuterung zur Stelle: Vahni–Yugma wird von Naukā als Zahlchiffre 43 ausgelegt. Die Formel verschränkt Krishna-Anreden mit den drei Kutas der Shrividya.

12.158

Als Rishis dieser Vidya werden zu Beginn Vidhatri und Anandabhairava genannt; das Metrum ist Devi-Gayatri. Die Gottheit [ist] der mit Sundari verbundene …

Erläuterung zur Stelle: Die Druckform vidhātrānanda- verbindet Vidhatri und Anandabhairava; Naukā und die folgende Viniyoga-Auslegung nennen diese beiden Seher.

12.159

… Gopala. Manmatha ist das Bija, Pavakavallabha die Shakti. Maya, Shri und Manmatha [bilden die Einsetzung im] Herzen; „kṛṣṇāya“ wird für den Kopf gelehrt.

12.160

„Govindāya“ [gehört zum] Haarschopf, „gopījana“ gilt als Kavaca, „vallabhāya“ als Augen[-Einsetzung]; Astra [wird] mit Pavakabharya [gebildet].

12.161

Man setze [die Laute] auf Scheitel, Stirn, Brauen, Augen, Ohren, Nasenlöcher und Mund, auf Kinn, Hals, Arme, Herz und Bauch …

12.162

… auf Nabel, Geschlechtsorgan, After, Oberschenkel, Knie, Unterschenkel, Knöchel und Füße – die Laute unter Auslassung der drei Kutas.

12.163

Dies ist der Schöpfungs-Nyasa. Der Erhaltungs[-Nyasa] beginnt am Herzen und endet an der [zuvor bezeichneten Endstelle]; der Auflösungs[-Nyasa] beginnt an den Füßen und endet am Scheitel. Danach vollziehe man nochmals Schöpfung und Erhaltung.

Erläuterung zur Stelle: Die Druckfolge sāntikaḥ ist mehrdeutig. Naukā bestimmt den Erhaltungs-Nyasa als hṛdādibāhvantaḥ, vom Herzen bis zu den Armen; diese Kommentarauslegung wird hier ausdrücklich getrennt vermerkt.

12.164

Nachdem man die zuvor beschriebenen Einsetzungen zur Handreinigung, zum Sitz und den Vagdevata-Nyasa vollzogen hat, setze man die drei Kutas auf Kopf, Mund und Herz.

Erläuterung zur Stelle: Die verdichtete Angabe kāsya-hṛd wird durch Naukā als mūrdha–mukha–hṛd, Kopf–Mund–Herz, erläutert.

12.165

Durch zweimaliges Durchlaufen der drei Kutas vollziehe man nochmals den sechsfachen Anga-Nyasa. Man meditiere über Hari, den Träger des ehrwürdigen Diskus, verbunden mit Kamala und Vasudha.

Meditation, Verehrung und Befreiung

Der Schluss nennt Vereinigung mit Brahman als letztes Ziel.

12.166

Man meditiere über Gopala, den Herrn: Im Milchozean, im Wald der Wunschbäume, im Inneren eines leuchtenden, mit Edelsteinen besetzten Pavillons sitzt er auf einem strahlenden heiligen Thron. In den Händen hält er Lotus, Diskus, Zuckerrohrbogen, Haken, Pfeil, Schlinge, Vina und eine schöne Flöte. Von Avani und Ma geschmückt, ist er von rotem Glanz; ringsum preisen ihn die Götter, Brahma voran.

Erläuterung zur Stelle: Der Druck trennt einzelne Komposita unregelmäßig. Avani und Ma werden von Naukā als Erde und Lakshmi erläutert. Für die Deutung der Attribute wird der Kommentar herangezogen; seine ergänzenden Mantras werden nicht in den Grundtext eingefügt.

12.167

Nachdem man so meditiert hat, wiederhole man [den Mantra] hunderttausendmal und bringe ein Zehntel davon mit flüssiger Milchspeise als Homa dar. Auf dem Vaishnava-Pitha verehre man Sundari-Hari.

12.168

Nachdem man zuerst die Angas verehrt hat, verehre man in den Himmelsrichtungen, im Osten beginnend, Vasudeva, Sankarshana, Pradyumna und Aniruddha.

12.169

In den Ecken, im Südosten beginnend, sind Shanti, Shri, Sarasvati und Rati zu verehren. In den Richtungen sind ferner Rukmini, Satyabhamika …

12.170

… Kalindi, die Jambavati Genannte, Mitravinda, Sunanda, Sulakshana und Nagnijiti [zu verehren]. Danach sind auch die Schatzmächte zu verehren …

Erläuterung zur Stelle: Die Ausgabe liest hier Sunandā, während Naukā zur gleichen Stelle Sundarī nennt. Der Unterschied wird bewahrt.

12.171

… Mahapadma, Padma, Shankha, Makara, Kacchapa, Mukunda, Kunda, Nila und Kharva: die neun Schatzmächte.

Erläuterung zur Stelle: Die Druckform śaṅkhau ist auffällig; im Neuner-Verzeichnis ist Shankha als ein Name gemeint.

12.172

Danach vollziehe man die bei Sundari gelehrte Verehrung der Umkreise. Zur Erlangung des Gewünschten [soll man] auch die dort genannten Anwendungen ausführen.

Erläuterung zur Stelle: Der Rückverweis umfasst auch historische Beeinflussungsrituale. Er wird als Textaussage dokumentiert, nicht als heutige Empfehlung übernommen.

12.173

Wer so täglich die ehrwürdige Gopalasundari verehrt, soll alle Wünsche erlangen und am Ende zur Vereinigung mit Brahman gelangen.

Erläuterung zur Stelle: Sāyujya bezeichnet hier die Vereinigung mit Brahman. Der Schluss geht ausdrücklich über weltliche Wunscherfüllung hinaus und öffnet den Blick auf Befreiung.

Kolophon des Taraṅga 12

So endet im Mantramahodadhi des ehrwürdigen Mahidhara der zwölfte Taraṅga, genannt „Verehrung der im Chakra weilenden Tripurasundari und der Gopalasundari“.

Textgrundlage dieses Taraṅga: Sanskrit-Grundtext der verwendeten Ausgabe, PDF-Seiten 398–441, gedruckte Seiten 348–391. Naukā und die Hindi-Erklärung bleiben vom Grundtext getrennt.

Taraṅga 13 – Hanuman – Kraft, Hingabe und Schutz

Yoga-Vidya-Vortrag über Hanuman als Begleitung zur Lektüre dieses Kapitels.

Hanuman erscheint als mächtiger Beschützer und als ganz auf Rama ausgerichteter Verehrer. Sein Meditationsbild in 13.8 verbindet Leuchtkraft mit dem unablässigen Gedenken an Ramas Lotusfüße; 13.89 zeigt ihn mit den Händen in Anjali. Neben Japa, Nyasa, Puja und Yantra stehen zahlreiche historische Heil-, Schutz- und Schädigungsanwendungen. Ihre Behauptungen werden als Textaussagen dokumentiert. Eine besonders hilfreiche Gegenrichtung eröffnet 13.94: Hanuman als Friedensstifter zwischen vormals Getrennten.

Mantra und Nyasa

Die verschlüsselten Lautangaben bleiben in ihrer überlieferten Form erhalten.

13.1

Nun werden Hanumans Mantras zur Erfüllung alles Ersehnten gelehrt: Varaha, verbunden mit Indrasvara und Indu; [danach] Ha, Sa, Pha und Ani …

Erläuterung zur Stelle: Die Folge hasaphānyaḥ verdichtet die Lautnamen Ha, Sa, Pha und Ani; Naukā erläutert Ani als r. Die Chiffren bleiben erhalten.

13.2

… verbunden mit Jhintisha und Bindu: Dies wird als zweites Bija gelehrt. Gadi, mit Phanta, Agni, Rudra und Indu verbunden, bildet das dritte.

13.3

Ha, Sa und Ra mit Manu und Chandra [bilden] das vierte; Ha, Sa, Kha, Pha und Ra mit Shiveccha [bilden] das fünfte; Ha und Sa mit Manu und Bindu das nächste.

Erläuterung zur Stelle: Die gedrängte Druckfolge hsau bezeichnet Ha und Sa; Naukā bestätigt diese beiden Laute.

13.4

Hanuman mit Dativendung, [danach] Harda: Dieser Mantra hat zwölf Silben. Sein Rishi ist Ramachandra; als Metrum wird Jagati gelehrt.

13.5

Hanuman ist die Gottheit, das sechste [Bija] ist das Bija, das zweite die Shakti. Die sechs Bijas bilden die sechs Angas. Auf Scheitel, Stirn, Augen und Mund …

13.6

… Hals, beide Arme, Herz, Bauch, Nabel, Geschlechtsorgan, beide Knie und beide Füße setze man die Laute der Reihe nach ein.

13.7

Die sechs Bijas und die beiden Wörter setze man der Reihe nach auf Scheitel, Stirn, Mund, Herz, Nabel, Oberschenkel, Unterschenkel und Füße ein.

Erläuterung zur Stelle: Die Druckform padadvandve wird nach Zusammenhang und Naukā als die beiden Wörter hanumate und namaḥ verstanden.

Hanuman in der Erinnerung an Rama

Meditation verbindet Stärke mit Hingabe.

13.8

Ich meditiere den Sohn des Windes: Er strahlt wie zehntausend aufgehende Sonnen, erschüttert die drei Welten und ist schön. Seine Lotusfüße werden von Sugriva und der ganzen Schar der Vanaras verehrt. Schon durch seinen Ruf versetzt er sämtliche Rakshasas in Schrecken. Dieser Herr ist ganz in die Erinnerung an die Lotusfüße des herrlichen Rama versunken.

Erläuterung zur Stelle: Hanumans Kraft ist in dieser Meditation ausdrücklich auf die Erinnerung an Rama ausgerichtet.

13.9

Nachdem man so meditiert hat, wiederhole man [den Mantra] mit beherrschtem Geist zwölftausendmal. Ein Zehntel davon bringe man als Homa mit Reis dar, verbunden mit Milch, Sauermilch und Ghee.

Erläuterung zur Stelle: Arka ist hier die Zahlchiffre zwölf. Die Druckfolge payodhy- verkürzt payo-dadhi; die drei Zusätze werden in der Edition so erläutert.

13.10

Auf einem mit Vimala und den übrigen [Pitha-Shaktis] versehenen Sitz ist Hanuman zu verehren. An den Staubfäden erfolge die Anga-Verehrung; auf den Blättern [verehre man] weitere, nach ihm benannte [Formen] …

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF-Seite 444, der zweite auf 445.

13.11

… Ramabhakta, Mahatejas, Kapiraja, Mahabala, Dronadriharaka und Merupithakarchanakaraka …

Erläuterung zur Stelle: Die Namen preisen Ramas Verehrer, großen Glanz, König der Affen, große Kraft, den Träger des Drona-Berges und den Verehrer des Meru-Sitzes.

13.12

… Dakshinashabhaskara und Sarvavighnanivaraka. Nachdem man diese Namen so verehrt hat, [verehre man] an den Blattspitzen die Vanaras …

Erläuterung zur Stelle: Die beiden letzten Namen bedeuten sinngemäß „Sonne der südlichen Himmelsrichtung“ und „Beseitiger aller Hindernisse“.

13.13

… Sugriva, Angada, Nila, Jambavant, Nala, Sushena, Dvivida und Mainda. Auch die Hüter der Himmelsrichtungen soll man verehren.

Historische Anwendungen

Heil- und Unverwundbarkeitsbehauptungen sind keine gesicherten Wirkungen. Manipulative und schädigende Anwendungen werden nichtanleitend erschlossen.

13.14

Ist der Mantra auf diese Weise vollendet, soll der Mantrakenner das für sich und andere Gewünschte verwirklichen. Nachdem er tausend Opfergaben mit Bananen, Bijapura- und Mangofrüchten dargebracht hat …

13.15

… bewirte er zweiundzwanzig im Brahmacharya lebende Brahmanen. Ist dies getan, [sollen] Bedrängnisse durch mächtige Geisterwesen, Gift, Diebe und dergleichen …

13.16

… in einem Augenblick verschwinden, ebenso feindliche Einflüsse, Grahas und Dämonen. Hundertachtmal mit dem Mantra besprochenes Wasser gilt als Gift beseitigend.

Erläuterung zur Stelle: Dies dokumentiert einen historischen Heil- und Schutzglauben. Bei einer Vergiftung ist unverzügliche medizinische Hilfe notwendig; die Ritualbehauptung ist kein Wirksamkeitsnachweis.

13.17

Wer zehn Tage lang nachts neunhundertmal den Mantra wiederholt, dessen Furcht vor Herrschern und Feinden soll verschwinden.

13.18

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Bei Fieber, das auf Abhicara oder Geisterwesen zurückgeführt wird, beschreibt der Text eine Behandlung des Kranken mit mantra-besprochenem Wasser oder Asche und einem zornigen rituellen Auftreten.

Erläuterung zur Stelle: Das Verb tāḍayet bezeichnet ein Schlagen beziehungsweise heftiges Besprengen; die Anwendung wird nicht als Behandlung empfohlen.

13.19

Nach drei Tagen soll der Mensch vom Fieber befreit sein und Wohlbefinden erlangen. Wenn er ein mit diesem Mantra besprochenes Heilmittel einnimmt, soll er gewiss gesund werden.

Erläuterung zur Stelle: Traditionelle Heilungsverheißung, keine gesicherte medizinische Aussage.

13.20

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein Krieger soll nach einem Mantra-Ritual unter fortwährender Rezitation in den Kampf ziehen. Mit besprochener Asche bestrichen, soll sein Körper von Waffenverbänden nicht verletzt werden.

Erläuterung zur Stelle: Die behauptete Unverwundbarkeit gehört zur historischen Schutzmagie und bietet keinen realen Schutz vor Waffen.

13.21

Waffenverletzungen, Wunden, Schwellungen und als Luta-Sphota bezeichnete Hauterscheinungen sollen bei Menschen rasch abtrocknen, wenn sie mit dreimal besprochener Asche berührt werden.

Erläuterung zur Stelle: Die Erkrankungsbezeichnung Luta-Sphota wird nicht auf eine bestimmte moderne Diagnose festgelegt. Die Stelle ist eine historische Heilbehauptung.

13.22

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Vers eröffnet ein mehrtägiges nächtliches Ritual mit Rezitation sowie einem Pflock und Asche; es wird im folgenden Vers gegen Gegner gerichtet.

13.23

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das Ritual soll an den Türen von Gegnern gegenseitige Feindschaft und deren Wegzug bewirken.

Erläuterung zur Stelle: Die zweite Vershälfte ist im Druck sprachlich beschädigt; die Zielrichtung vidveṣa, gegenseitige Feindschaft, ist eindeutig. Die Handlung wird nicht zur Nachahmung empfohlen.

13.24

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine heimlich in Nahrung oder andere Gaben eingebrachte, rituell behandelte Mischung soll den Empfänger wie einen Diener gefügig machen.

Erläuterung zur Stelle: Der historische Text beschreibt hier manipulative Beeinflussung ohne freie Zustimmung.

13.25

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Dieselbe Methode soll auch wilde Tiere beherrschen. Danach beginnt der Text die Beschreibung einer Hanuman-Figur aus einer bestimmten Baumwurzel …

13.26

… man fertige ein daumengroßes Bild Hanumans, vollziehe die Einsetzung der Lebenskräfte und verehre es mit Sindura …

13.27

… unter Rezitation des Mantras versenke man es an der Eingangstür des Hauses. [Bedrängnisse,] die durch Geisterwesen, Schadenszauber, Diebe, Feuer, Gift, Krankheit oder Herrscher entstehen …

Erläuterung zur Stelle: Der Text beschreibt ein historisches Schutzritual; es ersetzt keine sachlichen Schutzmaßnahmen.

13.28

… sollen in diesem Haus niemals auftreten. Täglich soll dieses Haus durch Vermögen, Kinder und dergleichen für lange Zeit gedeihen.

13.29

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Hier beginnt ein feindschädigendes Bildritual an einem Verbrennungsplatz, bei dem eine Figur eine bestimmte Person vertreten soll.

13.30

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die zuvor rituell belebte Figur wird unter namentlicher Feindanrufung zerstört; der Text verbindet dies mit entsprechenden aggressiven Formelteilen.

13.31

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Vers setzt das Schädigungsritual mit einer ausdrücklichen Tötungsaufforderung und weiteren Gesten fort und beendet es mit der Rückkehr nach Hause.

13.32

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Wiederholung soll sogar einen von Shiva geschützten Gegner töten. Anschließend beginnt eine weitere Homa-Anwendung mit demselben aggressiven Ziel.

13.33

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Text führt Ort, rituelles Erscheinungsbild und Bestandteile des zuvor begonnenen schädigenden Homa an, darunter pflanzliche und tierische Stoffe.

Erläuterung zur Stelle: Die gedruckten Kasusanschlüsse sind unregelmäßig. Die Passage wird sachlich als historischer Abhicara-Kontext dokumentiert.

13.34

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Materialliste und die nächtliche Ritualvorschrift werden fortgesetzt; der Vers nennt unter anderem Federn bestimmter Vögel und Brennhölzer.

13.35

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der erste Halbvers schließt die gegen einen Gegner gerichtete Tötungsverheißung ab. Der zweite beginnt ein weiteres nächtliches Rezitationsritual am Verbrennungsplatz.

13.36

Darauf soll ein Vetala aufstehen und das künftig Gute und Schlechte nennen; als Diener des Mantrakenners soll er alles Gesagte ausführen.

Erläuterung zur Stelle: Diese Erzählung gehört zum historischen Glauben an Geisterbeschwörung und Zukunftskunde.

13.37

Man zeichne Hanumans Bild auf die Erde [und schreibe] mit Spelzen den Mantra, den Namen der betroffenen Person im Akkusativ und „vimocaya vimocaya“: „Befreie, befreie!“ …

Erläuterung zur Stelle: Das anschließende Ritual zielt auf die Befreiung eines Gefangenen. Die Druckfolge tuṣair ist nicht eindeutig; die Handlung wird nicht als verlässlich wirksames Mittel behauptet.

13.38

… dann wische man alles mit der linken Hand weg und schreibe es erneut. Auf diese Weise schreibe und verwische man es hundertachtmal.

13.39

Ist dies geschehen, soll ein in fremder Gewalt befindlicher Mensch augenblicklich von seinen Fesseln frei werden. [Nichtanleitende Inhaltswiedergabe des zweiten Halbverses:] Entsprechende Schriftzusätze sollen auch für Entzweiung und verwandte Anwendungen verwendet werden.

Erläuterung zur Stelle: Die Druckform nigaḍakṣaṇāt ist gedrängt; Naukā erläutert die Befreiung aus Fesseln. Der Themenwechsel liegt innerhalb des nummerierten Verses.

13.40

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Vers ordnet weitere Homa-Stoffe der Unterwerfung und der Entzweiung zu.

Erläuterung zur Stelle: Die Druckfolge jīraker mṛdair ist unsicher; die genannten Stoffe werden nicht zu einer ausführbaren Vorschrift rekonstruiert.

13.41

Bei Fieber [wird Homa] mit Durva, Guduchi, Sauermilch, Milch oder Ghee [gelehrt], bei stechenden Schmerzen mit Kuberaksha und Eranda-Holz.

Erläuterung zur Stelle: Historische Ritualmedizin; der Vers begründet keine gesicherte Behandlung.

13.42

[Die Vorschrift nennt ferner] sorgfältig [dargebrachtes], mit Öl bestrichenes Nirgundi-Holz; für Glück [nennt sie] Sandelholz, Chandra, Rochana, Kardamom und Gewürznelken.

Erläuterung zur Stelle: Die Druckfolge daśavā ist unklar. Chandra wird in solchen Stofflisten als Kampfer verstanden; die unklare Angabe wird nicht zu einer Mengenanweisung ergänzt.

13.43

Mit duftenden Blüten [wird Homa] zur Erlangung von Gewändern, mit den jeweiligen Getreiden zu deren Erlangung [gelehrt]. [Nichtanleitende Inhaltswiedergabe des zweiten Halbverses:] Es folgt eine erneute gegen eine bestimmte Person gerichtete Tötungsanwendung.

13.44

Was soll vieles Reden? Bei Gift und Krankheit, bei Befriedung, Verblendung und Tötungszauber, im Streit, bei Stilllegung, bei Furcht vor [unheilvollen] Geisterwesen und in Bedrängnis …

Erläuterung zur Stelle: Die Druckfolge dhūtabhūtabhītau ist auffällig. Der Vers reiht heilsbezogene, abwehrende und schädigende Ziele unmittelbar aneinander.

13.45

… bei Unterwerfung, Krieg, am Königshof, in der Schlacht und in Gefahr durch Räuber soll dieser vollendete Mantra den Menschen gewiss die gewünschte Verwirklichung schenken.

Erläuterung zur Stelle: Die umfassende Wirksamkeitsverheißung wird als historischer Anspruch des Textes übersetzt.

Hanuman-Yantra

Das Kapitel ordnet Schrift, geometrische Form und Gottheitsgegenwart einander zu.

13.46

Ich werde Hanumans Yantra lehren, das alle Vollendungen gewähren soll. Zu zeichnen sind drei Ringe, versehen mit einer Schwanzform.

13.47

In die Mitte schreibe man den Namen der betreffenden Person, vom Pasha-Bija umgeben. Darüber zeichne man einen achtblättrigen [Lotus] und schreibe Varma auf die Blätter.

Erläuterung zur Stelle: Das Yantra steht im Zusammenhang der beschriebenen zielgerichteten Anwendungen. Die Darstellung dient der Texterschließung.

13.48

Außen zeichne man einen Kreis und außerhalb davon ein Quadrat. An die Enden der Quadratlinien zeichne man Dreizacke.

13.49

In die acht Vajras des Bhupura schreibe man sodann das Bija „hsauṃ“. Nachdem man in die Ecken Ankusha geschrieben hat, umgebe man [das Ganze] mit dem Mala-Mantra.

13.50

Das gesamte Yantra umgebe man mit drei Ringen. Auf Stoff, Stein, einer Tafel, einer Kupferplatte oder einer Wand …

13.51

… auf Birkenrinde oder einem Palmblatt zeichne man dieses Yantra mit Rochana, Nabhi und Kumkuma; dabei faste man und lebe im Brahmacharya.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt tyaktāśa als Fasten und Nābhi als Kasturi, Moschus.

13.52

Nachdem man die Lebenskräfte des Affen[-Gottes] eingesetzt hat, verehre man ihn nach der Vorschrift. Zur Abwendung allen Leids trage man dieses Yantra am eigenen Körper.

13.53

Getragen soll es Fieber, Seuchen und Abhicara abwehren, alle Bedrängnisse befrieden und auch bei Frauen und Kindern die Menschen für sich einnehmen.

Erläuterung zur Stelle: Historische Amulettverheißungen; der Text belegt einen Schutzglauben, keine medizinisch nachgewiesene Wirkung.

Der lange Mala-Mantra

Die Anrufung erinnert an Hanumans Taten und enthält Schutz-, Macht- und Schädigungsbitten. Die Wortstücke werden nicht spekulativ zu einer neuen Rezitationsfassung ergänzt.

13.54

Nun werde ich den Mala-Mantra lehren: Pranava, Vak, Haripriya, Maya mit den drei langen [Vokalen], die zuvor genannten fünf Kutas …

Erläuterung zur Stelle: Die beiden vorangehenden PDF-Seiten 453–454 sind eine doppelseitige Yantra-Abbildung. Ab PDF-Seite 455 beträgt der Abstand zur gedruckten Seitenzahl 52.

13.55

… Tara, „namo hanumate“, nach „prakaṭa“ „parākrama“, nach „ākrāntadiṅmaṇḍala“ die Lautteile „yaśovi“ und „tāna“ …

Erläuterung zur Stelle: Die anschließenden Verse zerlegen einen langen Anrufungsmantra in Wortstücke. Sie preisen Hanumans Taten und verbinden diese mit Schutz- und Machtbitten; eine stillschweigende Neufassung zu einer rezitierfertigen Formel erfolgt nicht.

13.56

… nach den Lauten „dhavalīkṛta“ „jagattritayavajra“, [dann] „dehajvaladagni“, nach „sūryakoṭi“ „samaprabha“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Anrufung spricht von den drei Welten, einem vajragleichen Körper und einem Glanz wie unzählige Sonnen.

13.57

… man spreche „tanūruha“ und „rudrāvatāra“, nach „laṅkāpurīdahana“ die Laute „udadhilaṅghana“ …

Erläuterung zur Stelle: Hanuman wird als Rudra-Verkörperung, Verbrenner der Stadt Lanka und Überspringer des Ozeans angerufen.

13.58

… nach „daśagrīvaśiraḥ“ das Wort „kṛtāntaka“, danach „sītāśvāsana“, nach „vāyu“ spreche man „suta“ …

Erläuterung zur Stelle: Die gedruckte Worttrennung ist unregelmäßig. Der Zusammenhang nennt Ravanas Ende, Sitas Tröstung und den Sohn des Windes.

13.59

… „añjanāgarbhasambhūta“, nach „śrīrāma“ „lakṣmaṇa“, nach „nandaka“ „ra“, dann „kapi“ und die Laute „sainyaprākāra“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Anrufung nennt den aus Anjanas Schoß Geborenen, den Rama und Lakshmana Erfreuenden und den schützenden Wall des Vanara-Heeres.

13.60

… die Laute „sugrīvasakhyakāra“, „raṇabālinibarhaṇakāraṇa“, nach „droṇaparva“ spreche man „totpāṭana“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Formel erinnert an Sugrivas Freundschaft, Balis Besiegung und das Herausheben des Drona-Berges.

13.61

… nach „aśokavanavi“ „dāraṇa“, nach „akṣakumārakacchedana“ das Wort „vana“, dann „rakṣākarasamūha“ …

Erläuterung zur Stelle: Genannt werden die Zerstörung des Ashoka-Hains und Akshakumaras Tod. Die Lesung rakṣākara wird im Kommentar in den Zusammenhang der Rakshasa-Scharen gestellt.

13.62

… nach „vibhañjana“ „brahmāstrabrahmaśaktigrasana“, nach „lakṣmaṇa“ wiederum das Wort „śaktibhedanivāraṇa“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Wortstücke beziehen sich auf das Überwinden göttlicher Waffen und die Abwendung von Lakshmanas Speerverletzung.

13.63

… nach „viśalyauṣadhi“ die Laute „samānayana“, nach „bālodita“ und „bhānu“ „maṇḍalagrasana“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Formel erinnert an das Herbeibringen des Heilmittels und Hanumans Verschlingen der Sonnenscheibe.

13.64

… „meghanāda“, nach „homa“ spreche man „vidhvaṃsana“, nach „indrajidvadhakārā“ „ṇa“, dann „sītārakṣaka“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Anrufung nennt die Zerstörung von Meghanadas Opfer, die Mitwirkung an Indrajits Tod und Sitas Schutz.

13.65

… nach den Lauten „rākṣasīsaṅgha“ „vidāraṇa“, dann „kumbha“ und nach „karṇādivadha“ das Wort „parāyaṇa“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Anrufung bezieht sich auf den Kampf gegen Rakshasa-Scharen und Kumbhakarna.

13.66

… nach „śrīrāmabhakti“ „tatpara“, dann „samudravyomadrumalaṅghana“ und „mahāsāmarthya“ …

Erläuterung zur Stelle: Der erste Ausdruck bedeutet „ganz der Hingabe an den ehrwürdigen Rama zugewandt“. Es folgen die Fähigkeit zum Überspringen von Meer, Luftraum und Bäumen und große Kraft.

13.67

… nach „mahātejaḥpuñjavi“ wiederum das Wort „rājamāna“, dann „svāmivacanasampādita“, nach „arjuna“ „saṃyuga“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Wortstücke preisen strahlenden Glanz und das Erfüllen des Wortes des Herrn; anschließend beginnt die Anrufung als Arjunas Schlachthelfer.

13.68

… nach „sahāya“ spreche man „kumāra brahmacārin“, dann „gambhīraśabda“, [die Lautteile] „udaya“ und das Wort „dakṣiṇāśā“ …

Erläuterung zur Stelle: Der chiffrierte Teil nach gambhīraśabda ist unsicher. Naukā löst die entsprechende Passage als gambhīraśabdodaya auf; die Übersetzung nennt diese Kommentarauslegung ausdrücklich.

13.69

… nach den Worten „mārtaṇḍa meru“ spreche man „parvata“, nach „pīṭhikārcana“ wiederum „sakala“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Anrufung preist Hanuman als Sonne der südlichen Richtung und nennt die Verehrung des Meru-Sitzes.

13.70

… „mantrāgamācārya mama sarvagrahavināśana sarvajvaroccāṭana sarvaviṣavināśana“ …

Erläuterung zur Stelle: Sinngemäß: „Lehrer der Mantras und Agamas, Beseitiger aller Grahas, Vertreiber allen Fiebers, Vernichter allen Gifts“. Es sind Anrufungen, keine medizinischen Wirkungsnachweise.

13.71

… man spreche „sarvāpattinivāraṇa sarvaduṣṭa“, [dann] „nibarhaṇa“, danach „sarvavyāghrādibhaya“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Anrufung bittet um Abwendung von Unglück, schädlichen Wesen und Furcht vor Tigern und dergleichen.

13.72

… „nivāraṇa sarvaśatrucchedana“, das Wort „mama“, „parasya ca tribhuvanapuṃstrīnapuṃsakātmakam“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Schutzanrufung geht hier in die Bitte um Macht über andere über.

13.73

… das Wort „sarvajīva“, danach „jātaṃ“, zweimal „vaśaya“, „mamājñākārakaṃ“ und danach zweimal „sampādya“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Formel verlangt die Unterwerfung aller Lebewesen und deren Gehorsam. Sie wird historisch dokumentiert, nicht empfohlen.

13.74

… man spreche „nānānāma“, „dheyān sarvān rājñaḥ“, nach „parivārān mama“ „sevakān“ und zweimal „kuru“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Anrufung setzt die Bitte fort, Herrscher und ihr Gefolge zu Dienern zu machen.

13.75

… nach „sarvaśastrāstravi“ „ṣāṇi“, zweimal „vidhvaṃsaya“, Maya mit den drei langen [Vokalen], dreimal „hā“ und zweimal „ehi“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Wortstücke nennen Waffen und Gifte sowie die Aufforderung, sie zu vernichten, und den Ruf „Komm!“.

13.76

… die fünf Kutas in umgekehrter Reihenfolge, „sarvaśatrūn“ und zweimal „hana“, nach „paradattā“ „lāni“, „parasainyāni“ und zweimal „kṣobhaya“ …

Erläuterung zur Stelle: Die aggressive Anrufung fordert die Tötung von Feinden und die Erschütterung gegnerischer Kräfte. Die Wortfolge paradattā-lāni ist im Druck unsicher.

13.77

… „mama sarvakāryajātaṃ“, danach zweimal „sādhaya“, nach „sarvaduṣṭadurjana“ „mukhāni“ und zweimal „kīlaya“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Anrufung bittet um Erledigung aller eigenen Angelegenheiten und um das Verschließen der Münder böser oder feindlich gesinnter Menschen.

13.78

… dreimal „ghe“, dreimal „hā“, dreimal Varma, danach dreimal „phaṭ“ und Vahnipriya am Ende: Dieser Mala genannte Mantra soll alles Ersehnte gewähren.

13.79

Der Mantra gilt als fünfhundertachtundachtzigsilbig. Wenn große Bedrängnisse hereinbrechen, soll die Erinnerung an ihn Leid vernichten.

Weitere Mantras und sechs Angas

Mehrere Kurzformen und unterschiedliche Rishi-Zuordnungen gehören zur Vielfalt der Überlieferung.

13.80

Wenn man vom zwölfsilbigen [Mantra] die letzten sechs Laute und ebenso den ersten weglässt, [entsteht] der aus fünf Kutas bestehende Mantra, der alles Ersehnte verwirklichen soll.

13.81

Der Rishi ist Rama, das Metrum Gayatri, die Gottheit Kapishvara. Die sechs Angas werden nach den Weisen aus den fünf Bijas und der gesamten [Formel] gebildet.

13.82

Ramaduta, nach „lakṣmaṇa“ „prāṇadātā“, Anjanasuta, Sitashokavinasha und Lankaprasadabhanjana …

Erläuterung zur Stelle: Diese fünf Namen preisen Ramas Boten, Lakshmanas Lebensretter, Anjanas Sohn, den Beseitiger von Sitas Trauer und den Zerstörer von Lankas Palast.

13.83

… zusammen mit Hanuman an erster Stelle, mit den Bijas vorangestellt und mit Dativendung versehen, sind als die sechs Anga-Mantras gelehrt. Meditation, Verehrung und das Weitere [erfolgen] wie zuvor.

13.84

Tara, Vak, Kamala und Maya mit den drei langen [Vokalen], [danach] die fünf Kutas: Dieser elfsilbige Mantra soll die gewünschte Vollendung gewähren.

13.85

Seine Verehrung [erfolgt] wie zuvor. Ein weiterer Mantra wird gelehrt: Hṛdaya, Bhagavan mit Dativendung, [danach] Anjaneya und Mahabala …

13.86

… ebenfalls [im Dativ], mit Vahnipriya am Schluss: Dieser Mantra hat achtzehn Silben. Sein Rishi ist Ishvara; Anushtubh wird als Metrum genannt.

13.87

Hanuman ist die Gottheit, „huṃ“ das Bija, Vahnivallabha die Shakti. Anjaneya, Rudramurti und Vayuputra …

13.88

… Agnigarbha, Ramaduta und Brahmastravinivarana: Nachdem man mit diesen [Namen] im Dativ die sechs Angas vollzogen hat, meditiere man über Kapishvara.

Furchtlosigkeit und Anjali

Ein zweites Meditationsbild stellt die gefalteten Hände vor dem Herzen heraus.

13.89

Verneigt euch hier vor dem wunderbaren König der Vanaras: Er leuchtet wie im Feuer erhitztes Gold, nimmt Furcht hinweg und hält die Hände vor dem Herzen in Anjali; sein Lotusgesicht erstrahlt durch den Schmuck der Ohrringe.

Erläuterung zur Stelle: Das Bild verbindet Furchtlosigkeit mit der Geste der Hingabe. Es ergänzt die kriegerischen Darstellungen des Kapitels um eine unmittelbar verständliche Andachtshaltung.

13.90

Man wiederhole den Mantra zehntausendmal und bringe ein Zehntel davon als Homa mit Sesam dar. Auf dem Vaishnava-Pitha verehre man den Führer der Vanaras wie zuvor.

Heilung, Versöhnung und Schutz

Neben historischen Heilverheißungen steht die ausdrückliche Möglichkeit, Frieden zwischen Gegnern zu stiften.

13.91

Wer seine Sinne beherrscht, nur nachts isst und täglich hundertachtmal rezitiert, soll nach drei Tagen von geringfügigen Krankheiten befreit werden.

Erläuterung zur Stelle: Historische Heilungsverheißung; keine Empfehlung, notwendige Behandlung aufzuschieben.

13.92

Zur Abwehr von Bhutas, Pretas, Pishachas und ähnlichen Wesen [soll man] ebenso verfahren; zur Beseitigung schwerer Krankheit aber täglich tausendmal rezitieren.

13.93

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Unter geregelter Ernährung und ausgedehntem Japa soll die Meditation auf Hanuman als Vernichter von Rakshasa-Scharen den Sieg über einen Feind bewirken.

Erläuterung zur Stelle: Der Grundtext liest cirāt, „nach längerer Zeit“, während die Hindi-Erklärung von rascher Wirkung spricht. Die Lesung des Grundtextes wird nicht stillschweigend geändert.

13.94

Wer den Vanara vergegenwärtigt, wie er Rama mit Sugriva zusammenführt, und diesen [Mantra] zehntausendmal wiederholt, soll Frieden zwischen zwei Gegnern stiften können.

Erläuterung zur Stelle: Die Stelle nennt ausdrücklich Versöhnung als Ritualziel. Für heutige Aspiranten lässt sich daraus eine klar getrennte Anregung ableiten: Hanumans verbindendes Handeln zum Vorbild eigener Friedensbereitschaft zu nehmen.

13.95

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Meditation auf Hanuman als Verbrenner Lankas wird mit einer Verheißung verbunden, die Dörfer von Feinden zu verbrennen.

Erläuterung zur Stelle: Diese aggressive Anwendung wird ausdrücklich nicht als spirituelle Selbstpraxis empfohlen.

13.96

Wer beim Aufbruch über Hanuman meditiert und auf der Reise den Mantra wiederholt, soll bald sein Vorhaben erfüllen und nach Hause zurückkehren.

13.97

Wer zu Hause Kapisha stets verehrt und dem Japa hingegeben ist, dessen Lebensdauer und Wohlergehen sollen wachsen und dessen Bedrängnisse verschwinden.

13.98

Der erinnerte Mantra soll vor Tigern, Räubern und dergleichen schützen, beim Einschlafen auch vor Dieben und schlechten Träumen.

Erläuterung zur Stelle: Die erste Zeile ist metrisch gedrängt; manuḥ bezeichnet den Mantra. Dhruvam kann „gewiss“ bedeuten; Naukā deutet es hier zusätzlich als Omkara.

Historische Körperbehandlung und Kriegsrituale

Die beschriebenen Eingriffe und Machtanwendungen sind keine heutigen Praxisempfehlungen.

13.99

Zweimal Pavana, verbunden mit Sadyojata, das Wort „hanū“, Mahakala mit Shashanka, Kamika, „phalaka“, Kriya …

Erläuterung zur Stelle: Hier beginnt ein vierundzwanzigsilbiger Mantra für eine historische Heilungsanwendung. Die Lautchiffren werden bewahrt.

13.100

… mit Netra, Nanta, Mina, Ga, Satvata und „gitāyurā“, Sha, Lohita und „rujāha“: [Dies ist] der vierundzwanzigsilbige Mantra.

Erläuterung zur Stelle: Mehrere Wortgrenzen dieses chiffrierten Verses sind unsicher. Die aufgelöste Formel des Kommentars wird nicht an die Stelle des Grundtextes gesetzt.

13.101

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Mantra soll Milzleiden beseitigen; Rishi und weitere Zuordnungen gelten wie zuvor. Der Vers beginnt eine körperbezogene Anwendung mit einem Blatt auf dem Bauch des Erkrankten.

13.102

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Auf das Blatt werden mehrfach gefalteter Stoff und ein Bambusstück gelegt, während Hanuman vergegenwärtigt wird.

13.103

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Vers beschreibt das Erhitzen eines Stabes in einem Feuer unter Mantra-Rezitation als Vorbereitung des folgenden Eingriffs.

Erläuterung zur Stelle: Historische Ritualanwendung; die Darstellung ist keine Empfehlung eines medizinischen Eingriffs.

13.104

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der auf dem Bauch liegende Bambus wird mit dem erhitzten Stab geschlagen. Der Text behauptet daraufhin augenblickliches Verschwinden des Milzleidens.

Erläuterung zur Stelle: Diese körperlich eingreifende historische Behandlung wird nicht empfohlen.

13.105

Auf einem schönen, schwanzförmig [gestalteten] Tuch zeichne man mit einer aus einer Kuckucksfeder gefertigten Schreibfeder und acht Duftstoffen das schöne Bild des Königs der Vanaras.

13.106

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: In das Bild wird der achtzehnsilbige Mantra samt dem Namen eines Gegners geschrieben; der Herrscher soll das rituell besprochene Tuch am Kopf tragen …

13.107

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Bereits der Anblick soll den Sieg über das feindliche Heer bewirken. Ein siegeswilliger König soll die entsprechende Darstellung auch auf eine Fahne setzen lassen.

13.108

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Für die Kriegsfahne wird ein Ritual während einer Finsternis mit Matrika-Rezitation und anschließendem Homa beschrieben.

13.109

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Opferregel wird fortgesetzt; beim Anblick der auf einem Elefanten getragenen Fahne sollen die Feinde fliehen.

Erläuterung zur Stelle: Auch hier ist die Druckform cirāt nicht gleichbedeutend mit dem häufig erwarteten acirāt, „bald“.

Schutz-Yantra und weitere Formeln

Die letzten Verse führen zum umfassenden traditionellen Schutzanspruch des Kapishvara zurück.

13.110

Nun werde ich Hanumans schutzgewährendes Yantra lehren. Man zeichne einen achtblättrigen Lotus, dessen Mitte den Namen der betreffenden Person enthält.

13.111

Nachdem man den achtsilbigen [Mantra] auf die Blätter geschrieben hat, umgebe man [das Yantra] mit dem Mala-Mantra; außen umgebe man es mit Maya und vollziehe die Einsetzung der Lebenskräfte.

13.112

[Es wird] mit einer goldenen Schreibfeder auf einem geeigneten Birkenblatt mit Rochana und Kumkuma geschrieben und mit Gold oder dergleichen umhüllt …

13.113

… das durch Sampata vollendete Yantra trage man am Arm oder am Kopf. [Sein Träger] soll im Kampf, bei Rechtsstreitigkeiten und beim Glücksspiel siegen …

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert durodara als Glücksspiel. Die Stelle beschreibt das traditionelle Amulettverständnis.

13.114

… von Grahas, Hindernissen, Gift, Waffen und Dieben nicht überwältigt werden und, alle Krankheiten abwendend, glücklich lange leben.

Erläuterung zur Stelle: Die Schutz- und Heilversprechen werden als historische Textaussagen wiedergegeben.

13.115

Viyat mit Agni, versehen mit den sechs langen [Vokalen] und von Tara eingerahmt: So ist der achtsilbige Mantra gelehrt. Nun wird dieser Mala-Mantra genannt …

13.116

… „vajrakāya vajratuṇḍa kapila“, dann „piṅgala ūrdhvakeśa mahāvarṇabala raktamukha“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Anrufung beschreibt vajraharten Körper und Mund, gelbbraune Farbe, aufgerichtetes Haar, große Kraft und ein rotes Gesicht. Die Lautgliederung mahāvarṇabala ist im Druck nicht völlig eindeutig.

13.117

… „taḍijjihva mahāraudradaṃṣṭrotkaṭa“, zweimal „kaha“, „karāline mahādṛḍhaprahārin“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Beschreibungen nennen eine Blitz-Zunge, schreckliche Zähne und sehr kraftvolles Zuschlagen.

13.118

… nach „laṅkeśvaravadhāya“ das Wort „mahāsetu“, nach „bandha“ „mahāśailapravāha gagane cara“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Formel erinnert an den Tod des Herrn von Lanka, den Brückenbau, das Tragen des großen Berges und das Wandeln im Luftraum.

13.119

… „ehyehi“, nach „bhagavan“ „mahābalaparākrama bhairavājñāpayehyehi“ und wiederum das Wort „mahāraudra“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Anrufung ruft „Komm, komm!“ und preist große Kraft und Tapferkeit. Die Verbindung bhairavājñāpaya bleibt in der überlieferten Form stehen.

13.120

… nach „dīrghapucchena“ „veṣṭya“, dann „vairiṇam“, zweimal „bhañjaya“, „huṃ phaṭ“; Pranava ist als Anfang gelehrt.

Erläuterung zur Stelle: Die Schlussaufforderung verlangt das Umschlingen und Zerschlagen eines Feindes mit dem langen Schwanz. Diese historische aggressive Formel wird nicht zur Praxis empfohlen.

13.121

Dieser hundertfünfundzwanzigsilbige Mala-Mantra soll alles Ersehnte gewähren. Im Krieg rezitiert, soll er Sieg schenken, bei Krankheit die Krankheit beseitigen.

Erläuterung zur Stelle: Die Wirksamkeitsaussage ist eine traditionelle Verheißung des Textes.

13.122

Für den achtsilbigen Mantra und den Mala-Mantra gelten Rishi und weitere Zuordnungen sowie die Verehrung wie zuvor. Was soll hier eine ausgedehnte Darlegung? Kapishvara soll alles gewähren.

Erläuterung zur Stelle: Die Wirksamkeitsaussage ist eine traditionelle Verheißung des Textes.

Kolophon des Taraṅga 13

So endet im Mantramahodadhi des ehrwürdigen Mahidhara der dreizehnte Taraṅga, genannt „Darlegung der Hanuman-Mantras“.

Textgrundlage dieses Taraṅga: Sanskrit-Grundtext der verwendeten Ausgabe, PDF-Seiten 442–468, gedruckte Seiten 392–416; PDF 453–454 enthalten eine zusätzliche Yantra-Doppelseite. Naukā und die Hindi-Erklärung bleiben vom Grundtext getrennt.

Taraṅga 14 – Narasimha, Krishna und Garuda – Schutz, Schönheit und Hingabe

Dieser Taraṅga erschließt Vishnu in sehr verschiedenen Erscheinungsweisen: als furchterregenden und zugleich mitfühlenden Narasimha, als flötenspielenden Krishna und in Verbindung mit seinem Träger Garuda. Die Meditationen zeigen Schutzkraft, liebevolle Nähe und kindliche Lebendigkeit. Zahlreiche historische Anwendungen verbinden diese Bilder mit Wunscherfüllung und Macht. Der Schluss richtet den Blick auf Bhakti und die Vereinigung mit Vishnu. Die chiffrierten Mantrabildungen werden als solche bewahrt; ausgeschriebene Formeln aus Naukā sind ausdrücklich als Kommentarauslegung bezeichnet.

Narasimhas Mantras und Meditation

Die löwenköpfige Erscheinung Vishnus verbindet Schutz und eine eindringliche göttliche Gegenwart.

14.1

Nun werde ich die Mantras Mahavishnus lehren, die alle Ziele verwirklichen sollen. Nachdem Brahma und die übrigen [Götter] sie verehrt hatten, erschufen sie die mannigfaltigen Geschöpfe.

14.2

Meru, verbunden mit Krishanu, Anugraha und Indu, ist Naraharis einsilbiger Mantra, ein Wunschbaum für die Menschen.

Erläuterung zur Stelle: Naukā löst diese Chiffre als kṣrauṃ auf.

14.3

Durch die Einrahmung mit Maya beziehungsweise Pranava wird [der Mantra] als dreisilbig gelehrt. Der Rishi ist Atri, das Metrum Gayatri, die Gottheit Nrikesari.

14.4

Mit dem um die sechs langen [Vokale] erweiterten Bija vollziehe man die sechs Angas. Die dreisilbige [Form entsteht] durch die Einrahmung mit Maya oder durch die Einrahmung mit Tara.

14.5

Ich verehre Nrihari: Sonne, Mond und Feuer sind seine Augen; er strahlt wie der Mond nach dem Ende der Regenwolken. In seinen Händen trägt er die Geste der Furchtlosigkeit, das Chakra, den Pinaka-Bogen und die Geste der Segensgewährung. Er trägt den Mond.

Erläuterung zur Stelle: Die auch mit Shiva verbundenen Attribute Pinaka und Mondsichel stehen ausdrücklich im Text und werden von Naukā bestätigt. Sie werden nicht durch ein vertrauteres Narasimha-Bild ersetzt.

14.6

Man wiederhole den Mantra hunderttausendmal, bringe ein Zehntel davon als Homa mit Ghee und Milchspeise dar und verehre [die Gottheit] auf einem mit Vimala und den übrigen [Shaktis] versehenen Pitha.

14.7

An den Staubfäden erfolge die Anga-Verehrung. Auf den in den Hauptrichtungen gelegenen Blättern verehre man Khageshvara, Shankara, Sheshanaga und Shatananda.

Erläuterung zur Stelle: Khageshvara ist Garuda; Naukā erklärt Shatananda hier als Brahma.

14.8

Auf den Eckblättern verehre der Sadhaka Shri, Hri, Dhriti und Pushti. Auf den zweiunddreißig Blättern verehre er ebenso viele Narasimha-Formen …

14.9

… Krishna, Rudra, Mahaghora, Bhima, Bhishana, Ujjvala, Karala, Vikarala, Daityanta und Madhusudana …

14.10

… Raktaksha, Pingalaksha, als dreizehnter Anjana, Diptatejas, Sughona und als sechzehnter Hanu …

Erläuterung zur Stelle: Añjana ist in der Aufzählung die dreizehnte Gestalt.

14.11

… Vishvaksha, Rakshasanta, Vishala, Dhumrakeshava, Hayagriva, Ghanasvara und ferner Meghanada …

Erläuterung zur Stelle: Dhūmrakeśava wird nach dem Sanskritdruck als ein Name gelesen. Die Hindi-Liste trennt an dieser Stelle abweichend.

14.12

… Meghavarna, Kumbhakarna, der Kritantaka Genannte, Tivratejas, Agnivarna, Mahogra und Vishvabhushana …

14.13

… Vighnakshama, Mahasena und Simha: So sind zweiunddreißig genannt. Im Quadrat verehre man Indra und die übrigen [Richtungshüter] sowie Vajra und die weiteren [Waffen].

Historische Wirkungsversprechen

Die Anwendungen dokumentieren auch Heil-, Zwangs- und Schädigungsvorstellungen. Sie sind keine modernen Praxisempfehlungen.

14.14

Der so vollendete Mantra soll für die Anwendungen geeignet sein. Wer mit achttausend Trieben der Shataparva …

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt Śataparvā als Durva-Gras.

14.15

… im Wasser Homa vollzieht, dessen Bedrängnisse sollen alle verschwinden. Dieses Homa soll großes Unheil beseitigen und den Menschen alles Ersehnte schenken.

14.16

Nachdem man vorschriftsgemäß ein Gefäß aufgestellt hat, rezitiere man achttausendmal und übergieße einen von Gift Betroffenen zur Beseitigung der Giftwirkung.

Erläuterung zur Stelle: Historische Heilungsanwendung; bei einer Vergiftung ist unverzügliche medizinische Hilfe erforderlich. Die Hindi-Erklärung nennt abweichend 1008, während der Sanskrit-Grundtext 8000 nennt.

14.17

Ein Mensch, der in einem von Räubern, Tigern und Schlangen erfüllten Wald wandert und diesen vorzüglichen Mantra wiederholt, soll keine Furcht erfahren.

14.18

Wenn nachts ein schlechter Traum gesehen worden ist, verbringe man den Rest der Nacht mit Mantra-Rezitation. Das Traumergebnis soll sich gewiss zum Guten wenden.

Erläuterung zur Stelle: Die syntaktisch gedrängte zweite Hälfte wird im Zusammenhang mit Naukā verstanden: Der schlechte Traum soll die Frucht eines guten Traums erhalten.

14.19

Der Mantra soll Krankheiten von Ohren, Augen, Kopf und Hals beseitigen; mit dem Mantra besprochene Asche soll auch durch Abhicara verursachte Bedrängnis abwenden.

Erläuterung zur Stelle: Dies ist eine historische Heil- und Abwehrbehauptung.

14.20

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: In einer Visualisation identifiziert sich der Praktizierende mit Nrihari und stellt sich den Gegner als Tierjunges vor, das in eine bestimmte Richtung fortgeworfen wird; dadurch soll der Gegner dorthin vertrieben werden.

14.21

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Gegner soll seine Familie verlassen und nicht zurückkehren. Der zweite Halbvers leitet zur Erinnerung an Narasimha bei einer Auseinandersetzung über.

Erläuterung zur Stelle: Die Schlussfolge svasya viniṣṭaye ist nicht eindeutig; eine darüber hinausgehende konkrete Erfolgsaussage wird nicht hinzugefügt.

14.22

Zur Beseitigung der aus Tötungszauber entstandenen Schuld soll man den Mantra zehntausendmal wiederholen. Mit Blüten, Früchten und Holz des Bilva-Baums …

Erläuterung zur Stelle: Mahīdhara spricht hier ausdrücklich von Schuld nach Māraṇa. Die Stelle erlaubt keine Darstellung der vorausgehenden Schädigung als ethisch gleichgültige spirituelle Technik.

14.23

… bringe man tausend Opfergaben ins Feuer dar, um das ersehnte Wohlergehen zu erlangen. In einem Feuer aus Putrajiva-Holz [opfere man] dessen Früchte zur Erlangung von Nachkommen.

Erläuterung zur Stelle: Die Druckfolge putrajīvendravahnau ist gedrängt; Naukā versteht ein mit Putrajiva-Holz entfachtes Feuer.

14.24

Wer ein Jahr lang Brahmi oder Vacha isst, die hundertmal mit dem Mantra besprochen worden sind, soll die erlangte Wissenschaft meistern.

Erläuterung zur Stelle: Die Druckfolge saṃvatsaraṃdan ist eine gedrängte Verbindung mit adan, „essend“. Die Stelle dokumentiert eine historische Pflanzen- und Ritualanwendung, keine Einnahmeempfehlung.

Mitgefühl und Lakshmi-Narasimha

Neben der furchterregenden Gestalt stehen der Ozean des Mitgefühls und die zugewandte Verbindung mit Lakshmi.

14.25

Was soll vieles Reden? Nrihari soll den Menschen jede ersehnte Frucht schenken. Nun wird [ein weiterer Mantra] Naraharis gelehrt, der Furcht nimmt und das Gewünschte verwirklichen soll.

14.26

Zweimal „jaya“, dann „śrīnṛsiṃha“: So ist der achtsilbige Mantra gelehrt. Sein Rishi ist Brahma, das Metrum Gayatri, die Gottheit Nrikesari.

Erläuterung zur Stelle: Jaya bedeutet „Sieg!“ oder als Verehrungsruf „Heil!“. Die ausgeschriebene Form ist jaya jaya śrīnṛsiṃha.

14.27

Netra ist die Shakti, Viyat das Bija, beide mit Chandra verbunden. Mit Viyat, versehen mit den langen [Vokalen] und Chandra, [vollziehe man] die sechs Angas.

14.28

O ehrwürdiger Nrikesarin, einziger Freund der Welt! Ehrwürdiger Nilakantha, Ozean des Mitgefühls, Herr des Saman! Du, dessen Augen Feuer, Mond und Sonne sind, der Pinaka in der Hand und den Mond als Scheitelzier trägt; Herr der Rama: Beschütze mich, o Vishnu!

Erläuterung zur Stelle: Auch dieser Vers verbindet Vishnu-Anreden mit Attributen Shivas. Karuṇārṇava, „Ozean des Mitgefühls“, gibt der mächtigen Gestalt eine ausdrücklich fürsorgliche Ausrichtung.

14.29

Nachdem man so meditiert hat, wiederhole man [den Mantra] achthunderttausendmal und bringe ein Zehntel davon als Homa mit Milchspeise ins Feuer dar. Seine Verehrung und das Weitere [erfolgen] wie zuvor.

Erläuterung zur Stelle: Die Druckform pūjādhy wird als pūjādi, „Verehrung und das Weitere“, verstanden.

14.30

Tara, Padma, Hrillekha, „jayalakṣmīpriyāya“ und nach „nityapramudita“ spreche man das Wort „cetase“ …

14.31

… „lakṣmīśritārdhadehāya“, Rama, Maya und das Wort „namaḥ“: [Dies ist] der einunddreißigsilbige Mantra. Sein Rishi ist Padmabhava.

Erläuterung zur Stelle: Die Anrufung beschreibt den stets freudigen Geist der Gottheit und Lakshmi, die eine Hälfte ihres Leibes einnimmt.

14.32

Atijagati wird als Metrum gelehrt, die Gottheit ist Shrinarakesari. Rama ist das Bija, Adrija die Shakti; mit dem Shri-Bija [vollziehe man] die sechs Angas.

14.33

Möge Narahari, der Blaukehlige, Freude schenken: Im Milchozean umgeben ihn, im Osten beginnend, die Götterscharen mit den Vasus an ihrer Spitze. Mit seinen Händen trägt er Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotus. Er ist dreiäugig und weiß, leuchtet unter dem Sonnenschirm der Hauben des Schlangenkönigs, ist mit gelbem Gewand geschmückt und wird von Lakshmi umarmt.

Erläuterung zur Stelle: Der Vers verbindet Schutzattribute mit dem Bild einer freudvollen, von Lakshmi umarmten Gottheit. Die weiße Farbe und die Anrede Nilakantha gehören zum Wortlaut.

14.34

Nachdem man so meditiert hat, wiederhole man [den Mantra] dreihundertsechzigtausendmal; mit honigbestrichenen Mallika-Blüten bringe man im Feuer …

14.35

… dreitausendsechshundert [Opfergaben dar]. Man verehre [die Gottheit] auf dem zuvor beschriebenen Pitha. Im ersten Umkreis [verehre man] die Angas, dann diese weiteren Shaktis …

Erläuterung zur Stelle: Der Grundtext nennt hier 3600 Homa-Gaben zu 360000 Wiederholungen; er wird nicht auf das sonst häufige Zehntelverhältnis korrigiert.

14.36

… Bhasvati, Bhaskari, Chinta, Dhriti, Unmilini, Rama, Kanti und Ruchi; [danach] Shakra und die übrigen [Richtungshüter] mit ihren Waffen.

14.37

Ist der Mantra so vollendet, soll der Mantrakenner zu Hemmung und Begünstigung fähig sein. Durch Homa mit Mallika-Blüten soll er die gewünschte Vollendung erlangen.

Erläuterung zur Stelle: Nigraha und Anugraha bezeichnen hier die beiden rituellen Wirkrichtungen des Begrenzens beziehungsweise Gewährens.

Die Avataras und die Bitte um Furchtlosigkeit

Narasimha wird im Kreis der Vishnu-Avataras vergegenwärtigt.

14.38

Pranava, Nriharis Bija, „namo bhagavate narasiṃhāya“, Tara und Bija; dann spreche man „matsya“ …

14.39

… „rūpāya“, Tara und Bija, die Laute „kūrmarūpāya“, Tara und Bija, „varāharūpāya“, Tara und Bija …

14.40

… nach „nṛsiṃharūpāya“ Tara und Bija, „vāmanarūpāya“, dreimal Tara und Bija; man spreche das Wort „rāmāya“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Anrufung verbindet Narasimha mit Vishnus Avataras. Die gedrängte Dreifachangabe wird ohne zusätzliche, nicht ausgeschriebene Avataranamen bewahrt.

14.41

… Tara und Bija, „kṛṣṇāya“, Tara und Bija, „kalkine“, zweimal „jaya“, danach „śālagrāma“ und Dirgha mit Netra …

14.42

… „vāsine divyasiṃhāya“, Svayambhu mit Dativendung, „puruṣāya namaḥ“, Tara und Bija: So ist der Mantra gelehrt …

Erläuterung zur Stelle: Die Formel grüßt den in Shalagrama Weilenden, den göttlichen Löwen, den Selbstentstandenen und den Purusha.

14.43

… Haris neunundneunzigsilbiger [Mantra]. Sein Rishi ist Atri, das Metrum Atijagati, die Gottheit Nrikesarin mitsamt den Avataras.

Erläuterung zur Stelle: Naukā bestätigt die Silbenzahl 99; die Verbindung mit zehn Avataras wird ausdrücklich erläutert.

14.44

Das Bija ist das zuvor gelehrte, die Shakti das erste [Wort]. Nachdem man mit dem Bija, versehen mit den sechs langen [Vokalen], die Angas vollzogen hat, meditiere man über den im Milchozean Weilenden.

Erläuterung zur Stelle: Naukā deutet die „erste“ Shakti als Omkara.

14.45

Möge Nrikesarin Heilvolles entfalten: Er gleicht tausend Monden, ist voller Mitgefühl, und seine Augen bewegen sich freudig zum Anblick von Lakshmis Gesicht. Ringsum ist er von den zehn Avataras umgeben.

Erläuterung zur Stelle: Dayālu, „mitfühlend“, steht ausdrücklich im Text. Diese Meditation ergänzt die furchterregenden Narasimha-Formen durch Sanftmut und zugewandte Freude.

14.46

Der Japa umfasst zehntausend [Wiederholungen], das Homa mit Milchspeise ein Zehntel davon. Auf dem zuvor beschriebenen Pitha verehre man zuerst die Angas …

14.47

… die zehn Avataras, mit Matsya beginnend, die Richtungshüter und auch die Waffen. Die Anwendungen dieses alle Vollendungen gewährenden Mantras gelten wie zuvor.

14.48

Tara, „namo bhagavate narasiṃhāya“, Hṛd, [die Lautteile] „tejas tejase“, „āvir āvirbhava“, danach „vajranakha“ …

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert den Beginn als namas tejastejase. Die Bitte āvir āvirbhava heißt sinngemäß „Werde offenbar, offenbare dich!“; der chiffrierte Vers wird nicht vollständig umgeschrieben.

14.49

… „vajradaṃṣṭra“, nach „karma“ „āśayān“, zweimal „randhaya“, „tamo“, zweimal „grasa“, Vahnis Gemahlin und dann „abhayam“ …

Erläuterung zur Stelle: Der ausgesprochene Teil ruft die Gottheit mit vajraharten Krallen und Zähnen an, bittet um Durchbrechen karmischer Ablagerungen, um Verschlingen der Dunkelheit und um Furchtlosigkeit.

14.50

… nach „ātmani“ „bhūyiṣṭhāḥ“, Tara und Bija: So gilt der Mantra als zweiundfünfzigsilbig. Shuka wird als Rishi genannt, das Metrum ist wie zuvor.

Erläuterung zur Stelle: Die gedruckte Zahlchiffre wird durch die ausgeschriebene Formel und die Hindi-Erklärung als 52 erläutert.

Gopala und Vrindavana

Die Meditation führt zu Krishna unter dem Wunschbaum, zum Flötenklang und zur Gemeinschaft der Hirten und Hirtinnen.

14.51

Die Gottheit ist Abhaya-Narasimha; das Weitere ist wie zuvor. Nun werden Gopalas Mantras gelehrt, die das Ersehnte verwirklichen sollen.

14.52

Nach „gopījana“ [folgen] „vallabhāya“ und Agnisundari. So ist der zehnsilbige Mantra gelehrt, der die Frucht des Wunsches gewähren soll.

Erläuterung zur Stelle: Naukā schreibt die Formel aus: gopījanavallabhāya svāhā. Die Anrede gilt Krishna als Geliebtem der Gopis.

14.53

Als Rishi, Metrum und Gottheit werden Narada, Virat und Krishna genannt. Als Bija und Shakti sind der Reihe nach Kama und Analapriya zu erkennen.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert Kama als klīṃ und Analapriya als svāhā.

14.54

„ācakrāya“ ist dem Herzen zugeordnet, „vicakrāya“ dem Haupt und „sucakrāya“ der Haarlocke; danach [folgt] „trailokyarakṣaṇa“ …

14.55

… „cakrāya“, dem Schutzpanzer zugeordnet, und nach dem Wort „asurāntaka“ „cakrāya“, der Waffe zugeordnet. So vollziehe man die fünf Angas dieses Mantras.

14.56

Nachdem man den Mantra dreimal auf den ganzen Körper aufgelegt hat, vollziehe man den Laut-Nyasa: auf dem Haupt, an den Augen, Ohren, Nasenöffnungen, am Mund, am Herzlotus …

14.57

… am Bauch, im Genitalbereich, an den Knien und Füßen lege man die Laute auf, jeweils von Tara umschlossen, mit Bindu versehen und mit „namaḥ“ verbunden.

14.58

Man vergegenwärtige sich Govinda unter dem Wunschbaum im Wald von Vrinda: Auf einem edelsteinbesetzten Thron, auf einem roten achtblättrigen Lotus, weilt der Ungeborene, geschmückt mit einem gelben Gewand. Er gleicht einer Regenwolke, trägt vielerlei Schmuck und ist von Kühen, Hirten und Hirtinnen umgeben. Schön wie der Liebesgott, von Weisen begleitet, lässt er die Flöte erklingen.

Erläuterung zur Stelle: Die Meditation verbindet göttliche Ungeborenheit mit einem lebendigen Bild von Schönheit, Musik und Gemeinschaft.

14.59

Nachdem man so meditiert hat, wiederhole man [den Mantra] hunderttausendmal und bringe ein Zehntel [dieser Zahl] an Lotusblüten als Feueropfer dar. Man verehre Nandas Sohn auf dem Vaishnava-Pitha.

14.60

In den Ecken, beginnend im Südosten, verehre man die vier Angas, mit dem Herzen beginnend, und in den Himmelsrichtungen die Waffe. Auf den Blättern verehre man die acht Königinnen …

14.61

… Rukmini, Satyabhama, die Tochter Nagnajits, Arkaja, Mitravinda, Lakshmana, Jambavati und Sushila.

Erläuterung zur Stelle: Naukā identifiziert Arkaja, die Sonnentochter, mit Kalindi. Die Namenfolge folgt dieser Ausgabe.

14.62

Die acht Königinnen glänzen wie Gold und tragen mannigfaltigen Schmuck und Girlanden. An den Blattspitzen [verehre man] Vasudeva, Devaki, Nanda, den Herrn der Hirten …

14.63

… Yashoda, Balabhadra, Subhadra, die Hirten und Hirtinnen. Danach verehre man Indra und die übrigen [Richtungshüter], ebenso den Vajra und die übrigen [Waffen].

Wünsche und historische Anwendungen

Die Textaussagen reichen von Wissen und Wohlstand bis zu Manipulation und Schädigung.

14.64

Ist der Mantra so vollendet, soll der Mantrakenner sein eigenes Anliegen verwirklichen. Zur Stillung von Fieber schreibt der Text ein Feueropfer mit Guduchi-Stücken vor.

Erläuterung zur Stelle: Historische Heilritualvorstellung, keine medizinische Wirksamkeitsaussage.

14.65

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Vers eröffnet ein Entzweiungsritual mit einer Krishna-Visualisation, die Feindschaft zwischen Baladeva und Rukmin aufgreift; als Opfermaterial werden Kugeln aus Kuhdung genannt.

Erläuterung zur Stelle: Dyūtāsakta bedeutet dem Würfelspiel zugewandt. Die Fortsetzung in 14.66 benennt die beabsichtigte Entzweiung befreundeter Menschen.

14.66

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das zuvor genannte Opfer soll zwei befreundete Menschen gegeneinander aufbringen. Anschließend beginnt ein weiteres feindbezogenes Ritual mit ölbestrichenen Opferhölzern.

14.67

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das nächtliche Opfer soll einen Feind ausschalten; es wird mit Mantrawiederholung und der folgenden furchterregenden Hari-Visualisation verbunden.

14.68

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Visualisation verbindet den Feind mit Kamsa, der von seinem erhöhten Sitz herabgezogen und getötet wird. Das Ritual verwendet astrologisch zugeordnetes Holz.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert das gedrängte Anfangskompositum durch Kamsas Sturz und Tod.

14.69

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe des ersten Halbverses: Das beschriebene Ritual soll selbst einen mächtigen Feind töten. Zweiter Halbvers: Zur Vollendung des Wissens wird ein Opfer von hunderttausend Palasha-Blüten genannt.

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers gehört zur aggressiven Ritualanwendung; der zweite wechselt zum Ziel der Wissensvollendung.

14.70

Nachdem ein Mensch täglich mit gheegetränkten Reiskörnern, weißen Blüten und weiteren [Gaben] geopfert hat, [trage er] am Ende von sieben Tagen die Asche an Stirn und Haupt …

Erläuterung zur Stelle: Der Folgesatz beschreibt historische Beeinflussungsmagie, keine heutige Praxisempfehlung.

14.71

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Abschluss des Ascherituals behauptet eine Macht über Frauen und Männer. Danach werden Blumen, Kleidung, Augensalbe, Betel oder Sandel als Träger einer weiteren Beeinflussung genannt.

Erläuterung zur Stelle: Yauvata bezeichnet eine Gruppe junger Frauen. Keine Empfehlung zur Manipulation anderer Menschen.

14.72

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Übergabe einer mantrisch besprochenen Gabe soll den Empfänger mitsamt Kindern, Tieren und Angehörigen unter fremden Einfluss bringen.

14.73

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das Bild Haris, der in Vrindavana mit den Gopis singt, wird mit einem Opfer verbunden, dem der Text weltumspannende Anziehungsmacht zuschreibt.

14.74

Wer auf Krishna im Rasa-Spiel meditiert und [den Mantra] zehntausendmal wiederholt, soll, ganz der Hingabe zugewandt, nach sechs Monaten das gewünschte Mädchen heiraten.

Erläuterung zur Stelle: Historisches Wunscherfüllungsversprechen. Heutige Hingabe achtet die Freiheit und Zustimmung des anderen Menschen.

14.75

Ein Mädchen, das tausendmal [den Mantra] wiederholt und dabei auf Hari am Kadamba-Baum meditiert, soll innerhalb eines Mandala den gewünschten Gatten erlangen.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert diesen Mandala-Zeitraum als 49 Tage; das Versprechen wird als Textaussage wiedergegeben.

14.76

Durch ein Feueropfer mit Blättern, Früchten oder Hölzern des Bilva-Baums, mit Süßem vermischt, oder mit zuckerbestreuten Lotusblüten soll man reich werden.

14.77

Was bedarf es hier vieler Worte? Krishna gewährt den Menschen alle Ziele. Nun lehre ich einen weiteren Mantra Govindas, der den Menschen das Ersehnte gewährt.

Hrishikesha und weitere Krishna-Mantras

Göttliche Schönheit, Lakshmis Nähe und geordnete Verehrung prägen die folgenden Meditationen.

14.78

Kama, Viyat mit Rechika, Pita mit Vamakshi, Chakrin auf Jhintisha, Baka mit Ananta und Marut …

Erläuterung zur Stelle: Chiffrierte Lautbildung; Naukā schreibt den resultierenden Mantra klīṃ hṛṣīkeśāya namaḥ aus.

14.79

… mit Hridaya am Ende: Dieser vorzügliche achtsilbige Mantra gewährt alles Ersehnte. Als sein Rishi wird Narada mit dem vorangestellten Namen Sammohana bezeichnet.

14.80

Gayatri wird als Metrum genannt, Trailokyamohana als Gottheit. Mit dem Kama-Bija, verbunden mit den sechs langen [Vokalen], vollziehe man den Anga-Nyasa.

14.81

Man vergegenwärtige sich Hari auf der hohen Schulter des Vogelkönigs, der am Fuß des Wunschbaumes weilt. In seinen Händen trägt er Blumenpfeil, Zuckerrohrbogen, Lotus, Schlinge, Stachelstock, Diskus, Muschel und Keule. Die aus dem Ozean Geborene umarmt seinen Leib. Er trägt vielerlei Schmuck, rote Salbung, Blumen und ein gelbes Gewand.

Erläuterung zur Stelle: Vogelkönig: Garuda; die aus dem Ozean Geborene: Lakshmi. Naukā erklärt die Anordnung der acht Attribute auf die Hände.

14.82

Nachdem man so meditiert hat, wiederhole man [den Mantra] zwölfhunderttausendmal. Zwölftausend Palasha-Blüten, mit den drei süßen Stoffen getränkt, bringe man im Feuer dar.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt sūryalakṣa als zwölf Lakhs. Das Homa umfasst hier zwölftausend, nicht das sonst häufige Zehntel.

14.83

Ebenso oft bringe man Wasserspenden dar und verehre [Hari] auf dem zuvor genannten Pitha. Garudas Verehrung [geschieht] mit „pakṣirājāya“ und dem Mantra ṭha ṭha.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert ṭhaṭha als svāhā: pakṣirājāya svāhā, „Dem König der Vögel, Svaha“.

14.84

Nachdem man die Krone am Haupt verehrt hat, verehre man die Ohrringe an den Ohren, den Diskus und die übrigen Waffen in den Händen sowie Shrivatsa und Kaustubha am Herzen …

14.85

… die Waldblumengirlande am Hals, das gelbe Gewand an der Hüfte und Shri an seiner linken Seite. Danach [folge] die Anga-Verehrung in den Himmels- und Zwischenrichtungen, beginnend im Südosten.

14.86

Man verehre vier Pfeile in den Himmelsrichtungen und den fünften in den Ecken. Zu verehren sind die mit Lakshmi beginnenden Shaktis, Shakra und die übrigen [Richtungshüter] sowie ihre Waffen.

14.87

Lakshmi, Sarasvati, Rati, als vierte Priti, Kirti, Kanti, Tushti und Pushti: Diese gelten als die mit Lakshmi beginnenden [Shaktis].

14.88

Wer täglich morgens hundert Wasserspenden mit Vijaya-Blüten darbringt, dessen Wunsch soll nach einem Monat in Erfüllung gehen.

Erläuterung zur Stelle: Der Pflanzenname wird ohne unsichere botanische Gleichsetzung bewahrt.

14.89

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Vers beschreibt ein Opfer mit Ghee und die Verabreichung rituell behandelter Speise, durch die eine Frau ihren Geliebten beeinflussen soll.

14.90

Auch das Kama-Bija ist [als Mantra] zu erkennen; seine Verehrung geschieht wie die des [vorigen] Mantras. Diesem vorzüglichen Mantra wird besonders eine betörende Wirkung auf Frauen zugeschrieben.

Erläuterung zur Stelle: Naukā bezeichnet klīṃ allein als Gopala-Mantra. Das Beeinflussungsversprechen ist historisch einzuordnen.

14.91

Rama, Bhavani und Kandarpa, „kṛṣṇāya“, Smriti mit O, „vindāya“ und am Ende Vahnis Gemahlin: So gilt der Mantra als zwölfsilbig.

Erläuterung zur Stelle: Naukā schreibt aus: śrīṃ hrīṃ klīṃ kṛṣṇāya govindāya svāhā.

14.92

Sein Rishi ist Brahma, sein Metrum Gayatri und seine Gottheit Krishna. Die Angas werden mit [Lautgruppen von] eins, eins, eins, drei, vier und zwei Lauten gelehrt.

Erläuterung zur Stelle: Die Zahlchiffren ergeben zwölf Silben: śrīṃ; hrīṃ; klīṃ; kṛṣṇāya; govindāya; svāhā.

14.93

Die Verehrung dieses Mantras wird wie zuvor beschrieben. Nun werde ich einen sechzehnsilbigen Mantra lehren, der die Welt bezaubern soll.

Rukminis Geliebter und das göttliche Kind

Krishna erscheint in gegenseitiger Umarmung und als spielender Sohn Yashodas.

14.94

Tara, Hrid, „bhagavate“, „rukmiṇīvallabha“ mit Dativendung und am Ende Dviṭha: Dieser [Mantra] ist sechzehnsilbig; sein Rishi ist Narada.

Erläuterung zur Stelle: Naukā schreibt aus: oṃ namo bhagavate rukmiṇīvallabhāya svāhā. Der Sanskritdruck zieht die Wortteile stark zusammen.

14.95

Das Metrum ist Anushtubh, die Gottheit Hari als Rukminis Geliebter. Mit einem, zwei, vier und sieben Lauten und [danach] allen Lauten werden die fünf Angas gelehrt.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert die letzte Gruppe als den gesamten Mantra; die gedruckte Zahlform ist gedrängt.

14.96

Verehrt Krishna zur Erfüllung des Ersehnten: Mit seinem eigenen Arm, der das Wunschjuwel trägt, umarmt er seine Geliebte; seine Gemahlin umarmt ihn mit der einen Lotus haltenden Hand. Er hält einen goldenen Stab, trägt vielerlei Schmuck und ein gelbes Gewand.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt ausdrücklich die gegenseitige Umarmung. Das Meditationsbild lässt göttliche Nähe als liebevolle Gegenseitigkeit erscheinen.

14.97

Man wiederhole [den Mantra] hunderttausendmal und vollziehe ein Feueropfer mit einem Zehntel [dieser Zahl] an Lotusblüten. Man verehre Hari mit den Angas, mit Narada und den übrigen [Begleitern], mit Vritrari und den übrigen [Richtungshütern] sowie Vajra und den übrigen [Waffen].

Erläuterung zur Stelle: Vritrari ist Indra, der Bezwinger Vritras.

14.98

[Man verehre] Narada, Parvata, Vishnu, Nishatha, Uddhava, Daruka, Vishvaksena und Shaineya in den Himmelsrichtungen und vorne den Sohn Vinatas.

Erläuterung zur Stelle: Vinatas Sohn ist Garuda; Shaineya bezeichnet Satyaki. Die Namenfolge, einschließlich Vishnu, entspricht der Vorlage.

14.99

Kama, „govallabha“ mit Dativendung und am Ende „svāhā“ ergeben den achtsilbigen Mantra. Gayatri, Krishna und Dhatar gelten als Metrum, Gottheit und Rishi. Mit Lautpaaren und mit dem gesamten [Mantra] wird die Vorschrift für die fünf Angas gelehrt.

Erläuterung zur Stelle: Naukā schreibt klīṃ govallabhāya svāhā aus; Dhatar wird als Brahma erklärt. Die Einheit 99 umfasst im Druck drei Halbverse.

14.100

Ich verehre Hari, fünfjährig und in Vraja umherlaufend: Seine Schönheit bezaubert die himmlischen Frauen. Er ist Yashodas Sohn, dessen Spiel die Frauen betrachten, geschmückt mit Fußspangen und anderen Schmuckstücken.

Erläuterung zur Stelle: Die Zusammensetzung im zweiten Versviertel ist gedrängt; Naukā versteht sie als „die Apsaras durch seine Schönheit bezaubernd“.

14.101

Man wiederhole [den Mantra] achthunderttausendmal und bringe achttausend Opfer mit guten Hölzern des Brahmavriksha dar. Danach [verehre man] die Angas in den [üblichen] Zwischenrichtungen …

Erläuterung zur Stelle: Naukā identifiziert Brahmavriksha als Palasha.

14.102

… Vasudeva, Sankarshana, Pradyumna und Aniruddha, ferner Rukmini, Satyabhama, Lakshmana und Jambavati …

14.103

… Sankrandana und die übrigen [Richtungshüter] sowie Vajra und die übrigen Waffen. Ist der Mantra so vollendet, soll der Mantrakenner zu einer Stätte des Wohlstands werden.

Erläuterung zur Stelle: Sankrandana bezeichnet Indra.

Fülle und Zuflucht

Wunschjuwel und Nahrung stehen neben der Bitte um Nachkommenschaft und der ausdrücklichen Zuflucht zu Krishna.

14.104

Das Wort „kṛṣṇa“, von Kama umschlossen, ist der viersilbige Mantra. Gayatri, Narada und Krishna sind Metrum, Rishi und Herr [der Formel].

Erläuterung zur Stelle: Naukā schreibt klīṃ kṛṣṇa klīṃ aus.

14.105

Mit Kama, verbunden mit den langen [Vokalen], vollziehe man den sechsfachen Anga-Nyasa. Man meditiere über Hari, der auf einem Lotus am Fuß des Wunschbaums weilt …

Erläuterung zur Stelle: Hari wird im Meditationsbild am Fuß des Wunschbaums auf einem Lotus vergegenwärtigt.

14.106

Ich möchte über den Herrn meditieren, den Scharen von Edelsteinen übergießen, die aus den überaus schönen jungen Blättern des Wunschbaumes hervorgehen. Er trägt ein goldglänzendes Gewand und genießt Dickmilch, frische Butter und Milchspeise.

Erläuterung zur Stelle: Die Fülle des Bildes gehört zur meditativen Vergegenwärtigung Krishnas; sie ist keine Behauptung über äußere materielle Vorgänge.

14.107

Man wiederhole den Mantra vierhunderttausendmal, opfere ein Zehntel [dieser Zahl] an Bilva-Früchten im Feuer und verehre die Angas wie zuvor.

14.108

In den Himmelsrichtungen verehre man die Schätze Mahapadma, Padma, Shankha, Makara, Kacchapa, Mukunda, Kunda und Nila.

14.109

Danach verehre man Indra und die übrigen [Richtungshüter] sowie Vajra und die übrigen [Waffen]. Der durch Japa und die weiteren [Handlungen] vollendete Mantra ist wie ein weiterer Schatz.

14.110

Auf diese Mantras [beziehe man] auch die beim zehnsilbigen [Mantra] beschriebenen Anwendungen und Mittel zur Vollendung. Nun lehre ich einen Krishna-Mantra im Anushtubh-Metrum, der einen Sohn gewähren soll.

14.111

Nach den Lauten „devakīsuta“ spreche man das Wort „govinda“, danach „vāsudeva“ und „jagatpati“ in der Anredeform …

14.112

… dann „dehi me tanayaṃ“, „kṛṣṇa tvām aham“ und „śaraṇaṃ gataḥ“. So ist der zweiunddreißigsilbige Mantra gelehrt.

Erläuterung zur Stelle: Naukā schreibt den Vers aus: devakīsuta govinda vāsudeva jagatpate / dehi me tanayaṃ kṛṣṇa tvām ahaṃ śaraṇaṃ gataḥ. Bedeutung: „Sohn Devakis, Govinda, Vasudeva, Herr der Welt! Schenke mir einen Sohn, Krishna; bei dir habe ich Zuflucht genommen.“

14.113

Narada wird als sein Rishi genannt und Anushtubh als Metrum. Die Gottheit ist Krishna als Sohnesspender. Die Angas [geschehen] mit den Versvierteln und mit dem ganzen [Mantra].

14.114

Man vergegenwärtige sich Vasudevas Sohn: Mit Vijaya auf dem Wagen stehend bringt er Söhne aus der Mitte des Ozeans herbei und übergibt sie dem Brahmanen.

Erläuterung zur Stelle: Naukā identifiziert Vijaya mit Arjuna. Die Meditation nimmt eine Erzählung von der Rückgewinnung verlorener Söhne auf.

14.115

Der Japa umfasst hunderttausend Wiederholungen, das Homa zehntausend [Gaben] von Sesam mit Süßem. Die Verehrung ist wie zuvor gelehrt. Der Mantra soll Menschen einen Sohn gewähren.

Erläuterung zur Stelle: Historisches Fruchtbarkeitsversprechen; kein Nachweis einer medizinischen Wirkung.

Garuda und die Überwindung von Gift

Der vedisch gedeutete Vogelkönig trägt die Gesten von Furchtlosigkeit und Gnade.

14.116

Nrisimha mit Madhava, Lohita, der Anfang des Veda und Krishanus Gemahlin: Dieser fünfsilbige Mantra gilt als vorzüglich gegen Gift.

Erläuterung zur Stelle: Chiffrierter Garuda-Mantra. Der Druck von nigamādimaḥ ist getrennt; die normale Wortform wird in der Transliteration verbunden. Historische Schutzvorstellung, keine Behandlungsempfehlung bei Vergiftungen.

14.117

Ananta, Pankti und Pakshindra sind Rishi, Metrum und Gottheit. Tara und Vahnipriya werden als Bija und Shakti des Mantras genannt.

Erläuterung zur Stelle: Pakshindra ist Garuda, der Herr der Vögel; Tara bezeichnet Om, Vahnipriya Svaha.

14.118

„jvala jvala mahāmati svāhā“ wird als Herz[mantra] gelehrt. Nach dem Wort „garuḍa“ [folgen] „cūḍānana“ und Shuchipriya …

Erläuterung zur Stelle: Der erste Teil lautet sinngemäß: „Flamme auf, flamme auf, großer Geist, Svaha!“ Naukā gibt garuḍacūḍānana svāhā als Hauptmantra.

14.119

… als Hauptmantra. Nach „garuḍa“ [folgt] „śikhe svāhā“ als Shikha-Mantra. Nachdem man die Laute „garuḍa“ gesprochen hat, sage man zweimal „prabhañjaya“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Laute des Wortes garuḍa werden vor den folgenden Wortstücken ausgesprochen.

14.120

… zweimal „prabhedaya“, dann je zweimal „vitrāsaya“ und „vimardaya“, danach „svāhā“: So ist der Kavacha-Mantra gelehrt.

Erläuterung zur Stelle: Die Imperative bezeichnen Zerbrechen, Spalten, Erschrecken und Zermalmen innerhalb der Schutzanrufung.

14.121

Nach „ugrarūpadhara“ [folgt] „sarvaviṣahara“, dann zweimal „bhīṣaya“, „sarva“ und „daha daha“ …

Erläuterung zur Stelle: Anrede: „Träger einer furchterregenden Gestalt, Beseitiger allen Giftes“. Die weiteren Wörter bedeuten „Schrecke!“ und „Verbrenne!“.

14.122

… „bhasmīkuru kuru svāhā“: So ist der Augenmantra gelehrt. Nach den Lauten „apratihata“ [folgt] „balāpratihata“ …

Erläuterung zur Stelle: Bhasmīkuru bedeutet „Mache zu Asche“. Die Worte gehören zum historischen rituellen Schutzvokabular.

14.123

… und nach „śāsana“ „huṃ phaṭ svāhā“: So ist der Waffenmantra gelehrt. Die Laute lege man an Füßen, Hüfte, Herz, Mund und Haupt auf.

14.124

Ich verehre den herrlichen König der Vögel: den Herrn, der wie geläutertes Gold glänzt und dessen Gliederschmuck aus Scharen mächtiger Schlangen besteht. Er soll das gesamte gefährliche Gift der Menschen, die seiner gedenken, augenblicklich stillen. An seiner Schnabelspitze bewegt sich eine Schlange; seine Hände zeigen Furchtlosigkeit und Gnadengewährung. Rein ist er, und seine Flügel lassen den Sama-Gesang erklingen.

Erläuterung zur Stelle: Die Giftstillung ist eine traditionelle Verheißung. Naukā verbindet den Flügelgesang ausdrücklich mit vedischen Saman-Gesängen.

14.125

Man wiederhole den Mantra fünfhunderttausendmal und opfere ein Zehntel [dieser Zahl] an Sesam. Auf dem Matrika-Lotus verehre man Garuda, dessen Gestalt der Veda ist.

14.126

„pakṣirāja“ mit Dativendung und „svāhā“ gilt als Pitha-Mantra. Nach der Anga-Verehrung in der Mitte des Lotusinneren verehre man auf den Blättern die Nagas …

14.127

… Ananta, Vasuki, als dritten Takshaka, ferner Karkotaka, Padma und Mahapadma …

14.128

… Shankhapala und Kulika, dazu Indra und die übrigen [Richtungshüter] mit dem Vajra [und ihren übrigen Waffen]. Ist der Mantra so vollendet, soll der Mantrakenner die beiden Arten von Gift beseitigen.

Erläuterung zur Stelle: Naukā unterscheidet Gift aus unbeweglichen und beweglichen Lebewesen, sthāvara und jaṅgama. Das ist historische Systematik, keine Handlungsanweisung für Vergiftungsnotfälle.

Hingabe und Vereinigung mit Vishnu

Die letzte Verheißung des Kapitels gilt sāyujya, der Vereinigung mit Shrinatha.

14.129

Wer beständig, ganz der Hingabe an Vishnu zugewandt, den Herrn der Vögel verehrt, soll alle Feinde überwinden, glücklich und mit Lebensgenüssen versehen …

14.130

… viele Jahre leben und von Herrschern geehrt werden. Am Ende seines leiblichen Lebens erlangt er jedoch die Vereinigung mit Shrinatha.

Erläuterung zur Stelle: Shrinatha bezeichnet Vishnu, den Gemahl Shris. Das Kapitel endet über diesseitige Schutz- und Wohlstandsziele hinaus mit sāyujya, der Vereinigung mit der verehrten Gottheit.

Kolophon des Taraṅga 14

So endet im Mantramahodadhi des ehrwürdigen Mahidhara der vierzehnte Taraṅga, genannt „Darlegung der Vishnu- und Garuda-Mantras“.

Anmerkung zum Kolophon: Der Grundtext-Kolophon druckt die verkürzte Form mantramahodhau. Naukās eigener Kolophon nennt das Kapitel viṣṇumantrakīrtana; er gehört nicht zum Grundtext.

Textgrundlage dieses Taraṅga: Sanskrit-Grundtext der verwendeten Ausgabe, PDF-Seiten 469–500, gedruckte Seiten 417–448. Naukā und die Hindi-Erklärung bleiben vom Grundtext getrennt.

Taraṅga 15 – Surya, Grahas und Vyasa – Licht, Lebensordnung und Wissen

Die Verehrung Suryas verbindet Licht, kosmischen Wandel und den Körper als heiligen Raum. Nyasa ordnet Mond, Sonne, Feuer und die Grahas dem Körper zu; wiederholt geht die geistige Verehrung der äußeren Handlung voraus. Es folgen Mangala mit einem ausführlichen historischen Gelübde, Brihaspati und Shukra als Lehrer sowie Vyasa als Verkörperung von Wissen und Auslegung. Die astrologischen und heilbezogenen Verheißungen werden als Aussagen der Überlieferung wiedergegeben. Für heutige Aspiranten sind vor allem Sammlung, regelmäßige Verehrung und Achtung vor dem vermittelten Wissen anschlussfähig.

Sonnenmantra und Körperweihung

Die Laute werden mit Körperorten und kosmischen Kräften verbunden.

15.1

Nun werde ich Ravis Mantra lehren, dem die Beseitigung von Krankheit und Armut zugeschrieben wird: Pranava, Bhuvaneshani und Medha mit Rechika …

Erläuterung zur Stelle: Die Wirksamkeit wird als traditionelle Verheißung wiedergegeben. Ravi bezeichnet die Sonne beziehungsweise die Sonnengottheit.

15.2

… Umakanta mit Akshi und Sarga, „sūrya“, „āditya“ und Indira: Der Mantra ist zehnsilbig. Als sein Rishi wird Devabhaga genannt.

Erläuterung zur Stelle: Die gedrängte Druckfolge devabhāga wird als Name gelesen. Naukā schreibt den Mantra oṃ hrīṃ ghṛṇiḥ sūrya āditya śrīṃ aus.

15.3

Gayatri wird als Metrum angegeben, der Herr des Tages als Gottheit. Maya ist das Bija, Rama die Shakti; die Anwendung dient der Verwirklichung des Ersehnten.

15.4

„satya“ gilt für das Herz, „brahma“ für das Haupt, „viṣṇu“ für die Haarlocke, „rudra“ für den Schutzpanzer und „agni“ für die Augen; „sarva“ wird für die Waffe gelehrt.

Erläuterung zur Stelle: Die Zuordnung zu sarva wird durch den Kommentar bestätigt.

15.5

Die Anga-Mantras enden mit „tejojvālamaṇe huṃ phaṭ svāhā“. Erneut vollziehe man die sechs Angas mit sechs Lauten, die zwischen Shiva und Shri stehen …

Erläuterung zur Stelle: Naukā versteht Shiva und Shri hier als die Bijas hrīṃ und śrīṃ, welche die jeweiligen Laute umschließen.

15.6

… und verehre mit den übrigen Lauten Bauch und Rücken, mit dem jeweiligen Namen im Dativ. Aditya, Ravi, Bhanu, Bhaskara und Surya …

Erläuterung zur Stelle: Die Namen werden grammatisch in den Dativ gesetzt; die Handlung gehört zum Nyasa.

15.7

… lege man auf Haupt, Mund, Herz, Genitalbereich und Füße auf, mit den fünf kurzen [Vokalen] beginnend, denen Sad vorangeht, und mit Dativendung und „namaḥ“.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt Sad als Omkara und nennt die fünf kurzen Vokale in umgekehrter Reihenfolge: ḷ, ṛ, u, i, a; die Wiedergabe folgt dieser konkreten Kommentarauslegung.

15.8

Die acht Laute, von Maya und Rama umschlossen, lege man auf Haupt, Mund, Hals, Herz, Bauch, Nabel, Genitalbereich und Füße auf.

15.9

Nachdem man die Vokale mit Bindu ausgesprochen hat, lege man das Mond-Mandala, mit Dativendung, vom Scheitel bis zum Hals auf und vergegenwärtige sich dabei den Mond.

15.10

Nachdem man die Verschlusslaute mit Bindu ausgesprochen hat, lege man das Sonnen-Mandala, mit Dativendung, vom Hals bis zum Nabel auf und meditiere dabei über den Lichtspender.

15.11

Man spreche die mit Ya beginnenden [Laute] mit Bindu und „vahnimaṇḍala“ im Dativ; vom Nabel bis zu den Füßen lege man [diese Laute] auf und vergegenwärtige sich das Feuer.

15.12

So ist die Auflegung der drei Mandalas gelehrt, welche Leuchtkraft gewähren soll. [Nun folgen] die Laute von A bis Ṭha und „somamaṇḍala“ mit Dativendung …

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt eine Folge von 28 Lauten und die Formel somamaṇḍalāya namaḥ.

15.13

… mit „namaḥ“ am Ende; der Mantrakenner lege [sie] vom Haupt bis zu den Füßen auf. [Danach] die Laute von Ḍa bis Ksha und „vahnimaṇḍala“ mit Dativendung …

Erläuterung zur Stelle: Naukā zählt für die zweite Folge 23 Laute.

15.14

… lege man mit Dativendung und „namaḥ“ vom Herzen bis zu den Füßen auf. Dieser aus Feuer und Soma bestehende Nyasa wird als Gewährer aller Vollendungen gelehrt.

15.15

Die Matrika-Laute mit Bindu, [danach] Ajapa und „puruṣātmane“, endend auf „namaḥ“, lege man über den ganzen Körper auf. Dies wird Hamsa-Nyasa genannt.

Erläuterung zur Stelle: Naukā nennt die 51 Matrika-Laute, danach haṃsaḥ puruṣātmane namaḥ. Ajapa ist hier eine Bezeichnung innerhalb der Hamsa-Praxis.

15.16

Nachdem man die Vokale in zwei Gruppen zu acht, die übrigen Laute in Gruppen zu fünf und [zuletzt] zu vier ausgesprochen hat, lege man die neun Grahas auf, beginnend mit Aditya …

Erläuterung zur Stelle: Die letzten beiden Gruppen umfassen je vier Laute; so erläutert Naukā die Verteilung auf neun Grahas.

15.17

… der Reihe nach am unteren Stützpunkt, am Genitalbereich, Nabel, Herz, Hals, in der Mitte des Mundes, zwischen den Augenbrauen, an der Stirn und am Brahmarandhra.

15.18

Nach dem Namen des Himmelswanderers spreche man „bhagavate namaḥ“. Danach vollziehe man erneut die drei Nyasas namens Hamsa, Agnishoma und Mandalatraya und mit dem Grundmantra die den ganzen Körper umfassende [Auflegung].

Erläuterung zur Stelle: Die Einheit 18 umfasst drei Halbverse. Himmelswanderer bezeichnet hier die zuvor genannten Grahas.

Meditation über Surya

Surya wird als Ozean der Vorzüge und als Kraft des Weltgeschehens vergegenwärtigt.

15.19

Ich verehre Surya, den Ozean der Vorzüge: Er weilt auf einem roten Lotus, hat drei Augen und verkörpert die Dreiheit der Veden. Seine Hände zeigen Gnadengewährung und Furchtlosigkeit und halten zwei Lotusblüten. Er glänzt wie Koralle, trägt Armspangen, Halsketten und Reifen; an seinen Ohren leuchten Ohrringe. Er bewirkt das Entstehen, Vergehen und Erhalten der Welt.

Erläuterung zur Stelle: Die drei Veden bezeichnen hier die traditionelle vedische Dreiheit; das Bild erschließt Surya als göttliche Kraft im kosmischen Wandel.

15.20

Nachdem man so meditiert hat, wiederhole man [den Mantra] eine Million Mal; mit einem Zehntel [dieser Zahl] an Lotusblüten oder Sesam vollziehe man das Homa. Man bringe Wasserspenden dar und bewirte Brahmanen.

15.21

Bei der Pitha-Verehrung verehre man die den acht Orten von Dharma und den übrigen [Eigenschaften] zugeordneten [Mächte]: Prabhuta, Vimala, Sara und Samaradhya in den Zwischenrichtungen, sodann …

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt, dass hier fünf Mächte die sonstigen acht Plätze von Dharma und den übrigen Eigenschaften einnehmen.

15.22

… Paramasukha in der Mitte. Ananta und die weiteren [Mächte] verehre man wie zuvor. Nachdem man Mond- und Feuer-Mandala genannt hat, verehre man das Sonnen-Mandala.

15.23

Danach [verehre man] in den acht Richtungen und in der Mitte diese neun Pitha-Shaktis: Dipta, Sukshma, Jaya, Bhadra, Vibhuti, Vimala …

15.24

… Amogha, Vidyuta und Sarvatomukhi sind die Pitha-Shaktis. Die Vokale, ohne die drei kurzen und die neutralen [Vokale], verbunden mit Vahni und Indu …

Erläuterung zur Stelle: Naukā nennt die Bija-Reihe rāṃ, rīṃ, rūṃ, raiṃ, rauṃ, raṃ, raḥ; die Zuordnung zu neun Shaktis bleibt im Druck erklärungsbedürftig. Keine zusätzlichen Bijas werden erfunden.

15.25

… sind die Bijas der Pitha-Shaktis; mit diesen am Anfang verehre man sie. Nach „brahmaviṣṇuśivātma“ [folgen] „kāya saurāya“ und die Lautangabe „yo smṛti“ …

Erläuterung zur Stelle: Chiffrierte Bildung des Pitha-Mantras; Naukā schreibt die Formel im Zusammenhang mit dem folgenden Vers aus.

15.26

… „pīṭhātmane namaḥ“, mit Tara vorangestellt: So gilt der Pitha-Mantra. Tara, Viyat mit Indu und der Schlusslaut der Ka-Gruppe, mit und ohne Bindu …

Erläuterung zur Stelle: Naukā gibt für das Pitha oṃ brahmaviṣṇuśivātmakāya saurāya yogapīṭhātmane namaḥ. Die zweite Hälfte beginnt die Formel zur Vergegenwärtigung der Gottheitsgestalt.

15.27

… „kholkāya“ und Hridaya: Dies ist der neunsilbige Mantra zur Bildung der Gottheitsgestalt. Nachdem man mit ihm die Gestalt vergegenwärtigt hat, verehre man den meditierten Herrn.

Erläuterung zur Stelle: Die chiffrierte Gesamtform wird nicht spekulativ vervollständigt; Hridaya wird von Naukā als namaḥ erläutert.

15.28

Nachdem man die sechs Angas wie zuvor verehrt hat, verehre man die acht Angas in den Richtungen. In der Mitte verehre man Aditya, [sodann] Ravi, Bhanu und Bhaskara …

15.29

… sowie Surya in den Richtungen, mit Sad und den fünf kurzen [Vokalen] am Anfang. In den Zwischenrichtungen [verehre man] Usha, Prajna, Prabha und Sandhya, jeweils mit ihrem Anfangslaut.

15.30

Auf den Richtungsblättern verehre man Brahmi und die übrigen [Mütter], an Mahalakshmis Stelle Aruna. In den Richtungen verehre man Soma, Budha, Guru und Shukra, jeweils mit ihrem Anfangslaut …

Erläuterung zur Stelle: Die Grahas entsprechen Mond, Merkur, Jupiter und Venus; Aruna ist Suryas Wagenlenker.

15.31

… in den Ecken Angaraka, Shani, Rahu und Ketu. Man verehre Indra und die übrigen [Richtungshüter] mit ihren Waffen sowie Ravis Begleiter.

Erläuterung zur Stelle: Angaraka ist Mars, Shani Saturn; Rahu und Ketu sind die beiden Mondknoten der indischen Astrologie.

Arghya und innere Verehrung

Geistige Gaben, Nektarvorstellung und äußere Wasserspende sind miteinander verbunden.

15.32

Ist der Mantra so vollendet, bringe man an diesem Tag Bhanu eine Arghya-Gabe dar. Nachdem man Pranayama, die sechs Angas und die zuvor gelehrten Nyasas vollzogen hat …

15.33

… verehre man Arka im eigenen Mandala mit geistigen Gaben. Ein schönes, aus gutem Kupfer gefertigtes Gefäß, das ein Prastha Wasser fasst …

Erläuterung zur Stelle: Das Kupfer-Kompositum ist im Druck sutāmraghaṭitam; Prastha wird von Naukā als 16 Pala erklärt.

15.34

… stelle man, mit rotem Sandel bestrichen, im Mandala auf. Während man die Matrika und den Grundmantra in umgekehrter Reihenfolge rezitiert, [fülle man es] mit Wasser …

15.35

… das man sich als aus dem Sonnen-Mandala hervorströmenden Nektar vorstellt. Während man den Grundmantra spricht, gebe man genau dreizehn Stoffe hinein …

Erläuterung zur Stelle: Die Nektarvorstellung ist ausdrücklich eine meditative Deutung, buddhi-vibhāvita.

15.36

… Sesam, enthülsten Reis, Darbha-Spitzen, Shali-Reis, Shyamaka, Senfsamen, rote Hayari-Blüten, Sandel und roten Sandel …

Erläuterung zur Stelle: Naukā identifiziert die roten Hayari-Blüten als Karavira. Die Stoffliste gehört zum historischen Ritual und ist keine Empfehlung zur Einnahme.

15.37

… Gorochana, Kumkuma, Jaya und Bambuskörner. Nachdem man im Wasser den Pitha verehrt hat, [verehre man] den äußeren Bhanu aus dem eigenen Mandala …

Erläuterung zur Stelle: Die Textzählung nennt dreizehn Stoffe; die zusammengezogene Aufzählung wird bewahrt.

15.38

… mit sämtlichen Gaben und ebenso seine Umkreise. Nach dreimaligem Pranayama vollziehe man den sechsfachen Anga-Nyasa.

Erläuterung zur Stelle: Die Druckform prāṇāmatrayam wird gemäß dem Zusammenhang als dreimaliger Pranayama verstanden.

15.39

Mit Sandel lege man das Nektar-Bija auf die rechte Handfläche und bedecke mit dieser das in der linken [Hand] gehaltene Arghya-Gefäß.

Erläuterung zur Stelle: Naukā nennt vaṃ als Sudha-Bija.

15.40

Mit 108 Wiederholungen des Grundmantras bespreche man das Wasser. Erneut verehre man ihn mit den fünf Gaben und dem Grundmantra.

15.41

Mit beiden Händen ergreife man das Gefäß und setze die Knie auf den Boden. Man hebe das Gefäß bis zum Haupt und richte die Aufmerksamkeit auf das Mandala …

Erläuterung zur Stelle: Diese historische Körper- und Blickhaltung ist keine Empfehlung, direkt in die Sonne zu schauen.

15.42

… und verehre dort im Geist Bhanu mit seinen Umkreisen. Während man auf Ravi im Mandala aus rotem Sandel meditiert, bringe man die Arghya-Gabe dar.

15.43

Danach bringe man dem im Mandala weilenden Bhanu eine Handvoll Blumen dar. Auf dem Sitz ruhend wiederhole man den Grundmantra 108-mal.

15.44

Wer jeden Morgen Vivasvat Arghya darbringt, soll Glück, Ruhm, Söhne, Wissen und Herrlichkeit erlangen.

Erläuterung zur Stelle: Vivasvat ist ein Name der Sonnengottheit. Die Aufzählung beschreibt die traditionelle Fruchtverheißung.

15.45

Ein Brahmane, der der Gayatri-Verehrung zugewandt ist, sich ganz der Sandhya-Verehrung widmet und den zehnsilbigen [Mantra] wiederholt, soll kein Leid erfahren.

Erläuterung zur Stelle: Der Text benennt eine besondere traditionelle Praxisrolle. Die Verheißung ist kein Versprechen eines leidfreien Lebens für heutige Übende.

Mangala, der Erdensohn

Die Marsverehrung gehört zur historischen astrologischen Ritualwelt.

15.46

Nun lehre ich den Mantra des Erdensohnes, der Söhne und Reichtum gewähren soll: Tara, Viyat mit langem [Vokal] und Bindu, erneut [Viyat] mit Chandra …

Erläuterung zur Stelle: Der Erdensohn ist Mangala, Mars. Die Lautchiffren werden nicht selbständig zu einer neuen Rezitationsfassung zusammengesetzt.

15.47

… Bhrigu mit Visarga und zweimal Chandisha, der Reihe nach mit Ratrisha und Visarga. Der Mantra wird als sechssilbig bezeichnet; er soll Wünsche erfüllen und Schulden beseitigen.

Erläuterung zur Stelle: Die Silbenfolge wird im Kommentar lautweise erläutert; die Fruchtverheißung betrifft traditionelle astrologische Ritualpraxis.

15.48

Der Rishi ist Virupa, das Metrum Gayatri und die Gottheit Dharatmaja. Mit den sechs Lauten des Mantras vollziehe der Sadhaka die sechs Angas.

15.49

Ich preise den Sohn der Erde: Er glänzt wie die Japa-Blüte, ist aus Shivas Schweiß entstanden und hält in seinen Lotushänden Keule, Dreizack und Speer und zeigt die Gnadengeste. Aus Avanti hervorgegangen sitzt er auf einem schönen Widder und trägt ein rotes Gewand.

15.50

Der Japa umfasst sechshunderttausend [Wiederholungen]; das Homa [geschieht] mit Khadira-Hölzern. Man verehre Bhauma auf dem Shaiva-Pitha und zuerst die Angas.

Erläuterung zur Stelle: Der Grundtextdruck setzt irrtümlich die Nummer 28; Naukā zählt korrekt 50. Die fortlaufende Zählung wird hier verwendet und die Druckabweichung dokumentiert.

15.51

In den einundzwanzig Feldern verehre man die mit Mangala beginnenden [Namensgestalten], außerhalb davon die Herren der Himmelsrichtungen und danach Kulisha und die übrigen [Waffen].

Erläuterung zur Stelle: Der Grundtextdruck setzt irrtümlich die Nummer 29; Naukā zählt 51. Kulisha ist der Vajra.

Das Mangala-Gelübde

Das traditionelle Vrata richtet sich an Frauen mit Kinderwunsch und später auch an Männer mit anderen Anliegen. Seine Versprechen werden nicht als gesicherte Wirkungen dargestellt.

15.52

Den durch Japa und die weiteren [Handlungen] so vollendeten [Mantra] wende man zur Verwirklichung des eigenen Wunsches an. Eine Frau, die einen Sohn wünscht, vollziehe sein Gelübde am Dienstag.

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht bereits auf PDF 514; die Nummer 52 folgt auf PDF 515. Historisches Vrata, keine Fruchtbarkeitsbehandlung.

15.53

Für seinen Beginn werden die Monate Margashirsha und Vaishakha empfohlen. Zur Zeit der Morgenröte stehe sie auf, mit gereinigtem Körper …

15.54

… schweigend reinige sie die Zähne mit einem Apamarga-Zweig. Nach dem Bad im Wasser eines Flusses oder dergleichen trage sie zwei rote Gewänder.

Erläuterung zur Stelle: Die Druckformen maunasaṃvinī und dhārya sind auffällig; die beschriebenen Handlungen sind im Zusammenhang eindeutig.

15.55

Gesammelt beschaffe sie rote Speisegaben, Blumen und Salbungen, rufe einen Brahmanen, der die Vorschrift kennt, und verehre Bhauma unter seiner Anweisung.

15.56

An einem mit dem Dung einer roten Kuh bestrichenen Ort, auf einem Sitz ruhend, lege sie die mit Mangala beginnenden Namen auf ihre eigenen Körperglieder auf.

15.57

Mangala lege sie auf die Füße auf, Bhumiputra auf die Knie, darüber Rinahartri und an der Hüfte Dhanaprada …

Erläuterung zur Stelle: Die Namen bedeuten unter anderem Erdensohn, Schuldenbeseitiger und Reichtumsspender; die Druckform pādyoḥ ist auffällig.

15.58

… Sthirasana im Genitalbereich, Mahakaya an der Brust und Sarvakarmavirodhaka am linken Arm …

15.59

… Lohita am rechten Arm, Lohitaksha am Hals und, als tugendhafte Frau, Samaganam Kripakara am Mund …

Erläuterung zur Stelle: Lohita heißt „der Rote“, Lohitaksha „der Rotäugige“; der folgende Name bezeichnet den Gnadenspender für die Sänger des Saman.

15.60

… Dharatmaja an den Nasenöffnungen, Kuja an den Augen, Bhauma an der Stirn, Bhutida zwischen den Brauen und Bhuminandana am Haupt …

15.61

… Angaraka an der Haarlocke und Yama am ganzen Körper; danach lege sie Sarvarogapaharaka auf beide Arme auf.

Erläuterung zur Stelle: Der letzte Name bedeutet „Beseitiger aller Krankheiten“ und gehört zur traditionellen Namensverehrung.

15.62

Vrishtikartri lege sie am Körper vom Haupt bis zu den Füßen auf und Vrishtihartri von den Füßen bis zum Haupt …

Erläuterung zur Stelle: Die Namen bezeichnen den Regenbewirker und den Regenbeseitiger.

15.63

… in den Richtungen den letzten [Namen], Sarvakamaphalaprada. Ara, Vakra und Bhumija [lege sie] auf Nabel, Brust und Haupt auf.

15.64

Nachdem sie ihren Körper so durch Nyasa geweiht hat, meditiere sie über den Sohn der Erde. Sie bereite Arghya vorschriftsgemäß und verehre [ihn] mit den Gaben.

15.65

In einem Dreieck mit einundzwanzig Feldern auf einem Kupfergefäß rufe sie den Sohn der Erde herbei, mit roten Blumen und Sandel …

15.66

… und verehre die Angas wie zuvor, in den einundzwanzig Feldern die mit Mangala beginnenden [Gestalten] und in den Dreiecken Vakra, Ara und Bhumija …

15.67

… außen die mit Brahmi beginnenden Mütter, Shakra und die übrigen [Richtungshüter] sowie ihre Waffen. Nach Räucherwerk und Licht biete sie eine Weizenspeise dar.

15.68

In ein mit Wasser gefülltes Kupfergefäß mit Duftstoff, Blumen und ungebrochenen Reiskörnern lege sie eine Frucht und bringe Bhauma mit den beiden Mantras Arghya dar …

Anrufungen und Lobpreis

Die Gebete verbinden Zuflucht, Bitte und Dank.

15.69

„Sohn der Erde, von großer Leuchtkraft, aus dem Schweiß des Pinakin geboren! Einen Sohn wünschend habe ich bei dir Zuflucht genommen. Nimm diese Arghya-Gabe an; Verehrung sei dir!“

Erläuterung zur Stelle: Pinakin bezeichnet Shiva als Träger des Bogens Pinaka.

15.70

„Du, der roter Koralle gleicht, der Japa-Blüte ähnlich ist, Sohn der Erde, mächtiger Armträger! Nimm diese Arghya-Gabe an; Verehrung sei dir!“

15.71

Dann verneige sie sich einundzwanzigmal mit den zuvor genannten Namen. Ebenso viele ehrende Umkreisungen sind für den Erdensohn zu vollziehen.

15.72

Danach zeichne sie mit Khadira-Kohle drei gleichmäßige Linien und wische sie mit dem linken Fuß fort, begleitet von diesen beiden Mantras …

15.73

„Zur Beseitigung von Leid und Unglück und um Nachkommenschaft durch einen Sohn zu erlangen, wische ich diese drei gezogenen Linien mit dem linken Fuß fort.“

Erläuterung zur Stelle: Die Schlussform pramārjy aham ist im Druck auffällig; der Sinn des rituellen Ausspruchs ist eindeutig.

15.74

„Zur Beseitigung von Schulden und Leid und zur Erfüllung des im Herzen Ersehnten wische ich die drei dunklen Linien fort, die aus drei Geburten hervorgegangen sind.“

Erläuterung zur Stelle: Die Linienhandlung ist historisch als rituelles Tilgen von Belastung zu verstehen; sie ersetzt weder tatsächliche Schuldenregelung noch verantwortliches Handeln.

15.75

Dann preise sie mit einer Handvoll Blumen den Sohn der Erde, über seine Lotusfüße meditierend, zur vollständigen Durchführung der Verehrung …

15.76

„Ich verneige mich vor Mangala, der aus dem Schoß der Erde hervorgegangen ist, dessen Glanz der Leuchtkraft des Blitzes gleicht, dem Jüngling mit dem Speer in der Hand.“

15.77

„Verehrung dir, dem Schuldenbeseitiger, dem Vernichter von Leid und Armut, dem am Himmel Leuchtenden, dem Bewirker allen Wohls!“

15.78

„Dem Sohn der Erde sei Verehrung, durch den Götter, Danavas, Gandharvas, Yakshas, Rakshasas und Schlangenwesen Glück erlangen!“

15.79

„Verehrung dem Sohn der Erde, der in rückläufiger Bewegung den Menschen Leid bringen soll und, verehrt, Glück und Wohlergehen!“

Erläuterung zur Stelle: Der Vers setzt eine astrologische Deutung der rückläufigen Marsbewegung voraus.

15.80

„Sei mir gnädig, Herr, Mangala, du Heilspender! Du, dessen Reittier der Widder ist, dessen Wesen Rudra ist: Schenke mir Söhne, Reichtum und Ruhm!“

Abschluss des Gelübdes und Angaraka-Gayatri

Guru-Ehrung und Gemeinschaft gehören zum rituellen Vollzug.

15.81

Nachdem sie so gepriesen und verehrt hat, empfange sie den Segen des Brahmanen. Dem Guru gebe sie eine Ehrengabe und esse die dargebrachte Speise.

15.82

So handle sie jeden Dienstag ein Jahr lang. Sie bringe Bhauma ein Sesam-Feueropfer dar und bewirte fünfzig Brahmanen.

15.83

Nachdem [die Gottheit] im Gefäß innerhalb des Mandala verehrt wurde, überreiche man dem Acharya ein goldenes Bild Maheyas, zur Erlangung von Söhnen und Wohlergehen.

Erläuterung zur Stelle: Maheya ist wiederum Mangala. Die grammatische Form maṇḍalastho ist im Kontext der weiblichen Ritualteilnehmerin auffällig; die Übersetzung vermeidet eine unbelegte Rollenfestlegung.

15.84

Eine Frau, die diesem Gelübde zugewandt ist, soll glückverheißende Söhne erlangen. Auch ein Mann kann das Gelübde zur Erlangung von Reichtum und zur Tilgung von Schulden vollziehen.

15.85

Ein Brahmane rezitiere auch den vedischen Mantra, der mit „agnir mūrdhā“ beginnt, sowie die Angaraka-Gayatri zur Erfüllung alles Ersehnten.

Erläuterung zur Stelle: Der vedische Mantra wird im Grundtext nur durch seinen Anfang bezeichnet, nicht ausgeschrieben.

15.86

Nach dem Wort „aṅgārakāya“ spreche man „vidmahe“, danach „śaktihastāya“ und „dhīmahi“ …

15.87

… sodann „tan no bhaumaḥ“, die Laute „praco“ und „dayāt“. Dies ist die Angaraka-Gayatri, deren Wiederholung das Ersehnte gewähren soll.

Erläuterung zur Stelle: Die ausdrücklich angegebenen Wortteile ergeben aṅgārakāya vidmahe śaktihastāya dhīmahi tan no bhaumaḥ pracodayāt. Sinngemäß: „Wir wollen Angaraka erkennen; über den Speerträger meditieren wir. Möge Bhauma uns anregen.“

Brihaspati, Lehrer der Götter

Wissen und Freigebigkeit prägen das Meditationsbild.

15.88

Die Verehrung Maheyas ist gelehrt; nun wird Gurus Mantra verkündet: Zweimal Khadgisha auf Bharbhuti, der erste davon mit Krura …

Erläuterung zur Stelle: Guru bezeichnet hier Brihaspati, Jupiter und Lehrer der Götter. Naukā erläutert die Lautchiffren.

15.89

… Nabhas, Bhrigu auf Lohita, Hari und Vayu mit Bhaga, endend auf Hridaya. Dieser Mantra ist achtsilbig; Brahma gilt als Rishi.

Erläuterung zur Stelle: Naukā schreibt bṛṃ bṛhaspataye namaḥ aus.

15.90

Das Metrum ist Anushtubh, die Gottheit der Lehrer der Götter, das Bija der erste [Lautkomplex]. Mit Va und Ra, verbunden mit den langen [Vokalen], bilde man die sechs Angas.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert als Bija bṛṃ und als Anga-Folge brāṃ, brīṃ usw.; die gedruckte Buchstabenbezeichnung varābhyām wird nicht stillschweigend korrigiert.

15.91

Ich verehre den goldglänzenden Lehrer der Götter, der den Ozean des Wissens durchmessen hat: Auf einem Markt sitzend lässt er aus seiner rechten Hand reine Mengen von Edelsteinen, Gold und Gewändern hervorgehen; die andere Hand legt er auf einen Haufen von Edelsteinen und weiteren Kostbarkeiten. Er trägt gelbe Salbung, Blumen und Gewänder und ist mit allem Schmuck geziert.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt aṣṭāpada hier als Gold und bestätigt die ungewöhnliche Marktszene. Die Lesung karanidadhatam ist grammatisch gedrängt.

15.92

Nachdem man achtzigtausendmal rezitiert und mit Speise oder Ghee geopfert hat, verehre man ihn auf dem Pitha von Dharma, Adharma und den weiteren [Mächten], mit den Angas und den Richtungs[gottheiten].

15.93

Ist der Mantra vollendet, vollziehe man Anwendungen zur Erlangung des Ersehnten. Nachdem man drei Tage lang mit gheegetränkter Gelbwurz und Kumkuma geopfert hat …

15.94

… [mit] hundertzwanzig [Gaben], soll der Mantrakenner Gewänder und Edelsteine erlangen. Bei Bedrängnis durch Feinde, Krankheit und dergleichen oder bei Streit unter Angehörigen …

Erläuterung zur Stelle: Die Verheißungen und Heilbezüge werden als historische Textaussagen bewahrt.

Shukra, Lehrer der Daityas

Die Lehrgeste tritt neben die Gabe von Kleidung und Reichtum.

15.95

… opfere man Pippala-Hölzer zu deren Beendigung. [Nun folgt:] Tara, „vastra“, Bhagin mit Surya, „dehi śukrāya“ und zweimal Ṭha.

Erläuterung zur Stelle: Die zweite Vershälfte beginnt den Shukra-Mantra; Naukā deutet Bhagin mit Surya als me und ṭhadvaya als svāhā.

15.96

Der elfsilbige Mantra soll Gold und Gewänder gewähren. Brahma ist der Rishi, Virat das Metrum und der von den Daityas Verehrte die Gottheit.

Erläuterung zur Stelle: Gemeint ist Shukra, Venus und Lehrer der Daityas.

15.97

Tara wird als Bija und Agnis Gemahlin als seine Shakti gelehrt. Mit Lautgruppen des Mantras von eins, zwei, eins, zwei, drei und zwei Lauten vollziehe man die sechs Angas. Dann meditiere man über den weißen Schatz des Wissens.

Erläuterung zur Stelle: Die Einheit 97 umfasst drei Halbverse. Die Gruppen ergeben elf Silben: oṃ, vastraṃ, me, dehi, śukrāya, svāhā.

15.98

Ich verehre Shukra, den von den vorzüglichsten Daityas Verehrten, mit lächelndem Gesicht und weißem Körperglanz: Er sitzt auf einem weißen Lotus an einem Marktplatz, trägt weiße Gewänder und Salbung. Mit seiner linken Hand schenkt er den Verehrern beständig Kleidung, Edelsteine und Gold; seine rechte Hand zeigt die Geste der Erläuterung.

Erläuterung zur Stelle: Die Vyakhyana-Mudra unterstreicht Shukras Rolle als Lehrer; das Meditationsbild verbindet Wissen und Freigebigkeit.

15.99

Man wiederhole den Mantra zehntausendmal und bringe ein Zehntel [dieser Zahl] an Ghee-Gaben dar. Man verehre ihn auf dem Pitha von Dharma und den übrigen [Mächten], danach die Angas und weiteren [Gottheiten] mit ihren Waffen.

15.100

Wer am Freitag einundzwanzigmal mit duftenden weißen Blüten opfert, soll Gewänder und Edelsteine erlangen.

Vyasa und der kurze Mrityunjaya-Mantra

Der Abschluss ehrt den Lehrer, die Fähigkeit zur Auslegung und das Vertrauen in göttlichen Schutz.

15.101

Bala mit Pavana, langem [Vokal] und Indu, Jala mit Jhintisha, Agni, „vyāsāya“ und Hridaya: Der Mantra gilt als achtsilbig.

Erläuterung zur Stelle: Naukā schreibt vyāṃ vedavyāsāya namaḥ aus, „Verehrung dem Vedavyasa“, mit vorangestelltem Bija.

15.102

Brahma und Anushtubh sind Rishi und Metrum; die Gottheit ist Satyavatis Sohn. Das erste [Bija] ist der Keim, „namaḥ“ die Shakti. Mit dem ersten [Bija], versehen mit den langen [Vokalen], [vollziehe man] die Angas.

15.103

Zur Vollendung vergegenwärtige man sich Vyasa, dessen Handfläche mit der Lehrgeste leuchtet. Er sitzt auf einem vortrefflichen Yoga-Sitz; die andere Hand ruht auf dem linken Knie. Er ist ein Schatz guten Wissens, von Brahmanen umgeben, heiteren Geistes; sein Körper strahlt wie ein Lotus. Als Sohn Parasharas ist er von überaus heiligem Wandel.

Erläuterung zur Stelle: Naukā bestätigt die Brahmanengruppe, den blauen Lotusglanz und die Sohnschaft Parasharas.

15.104

Man wiederhole [den Mantra] achttausendmal und vollziehe ein Homa mit Milchspeise. Auf dem zuvor genannten Pitha verehre man zuerst Vyasas Angas …

15.105

… in den Richtungen, beginnend im Osten, Paila, Vaishampayana, Jaimini und Sumantu; in den Ecken Shrishuka und Romaharshana …

15.106

… Ugrashravas und andere Weise, dazu Indra und die übrigen [Richtungshüter] mit ihren Waffen. Der Mantrakenner, dessen Mantra so vollendet ist, erlangt dichterische Begabung, gute Nachkommenschaft …

15.107

… die Fähigkeit zur Auslegung, Ruhm und reichen Wohlstand. Wer Vyasas Mantra wiederholt, umschlossen vom Mrityunjaya-[Mantra] …

15.108

… soll von allen Bedrängnissen befreit sein und die gewünschte Frucht erlangen. [Der Mrityunjaya-Mantra lautet in Chiffren:] Tara, Shulin mit Vamakarna und Bindu, [danach Sa] mit Visarga.

Erläuterung zur Stelle: Naukā löst die Chiffren als oṃ jūṃ saḥ auf.

15.109

Dieser dreisilbige Mantra Mrityunjayas soll den Tod beseitigen. Schon für sich allein wiederholt soll er den Menschen die Erfüllung des Ersehnten gewähren – um wie viel mehr der vorzügliche Vedavyasa-Mantra, wenn er von ihm umschlossen wird!

Erläuterung zur Stelle: Die Einheit 109 umfasst drei Halbverse. Todesüberwindung ist hier eine religiöse Verheißung, keine zugesicherte körperliche Unsterblichkeit.

Kolophon des Taraṅga 15

So endet im Mantramahodadhi des ehrwürdigen Mahidhara der fünfzehnte Taraṅga, genannt „Darlegung der Mantras von Surya und weiteren [Gottheiten], des kurzen Mrityunjaya und Vyasas“.

Anmerkung zum Kolophon: Die Grundtextnummern 50 und 51 sind im Druck irrtümlich als 28 und 29 gesetzt; die korrekte Folge steht in Naukā. Hier werden 50 und 51 mit ausdrücklichem Hinweis verwendet. 15.52 beginnt auf der vorhergehenden Druckseite; 15.18, 15.97 und 15.109 umfassen jeweils drei Halbverse.

Textgrundlage dieses Taraṅga: Sanskrit-Grundtext der verwendeten Ausgabe, PDF-Seiten 501–528, gedruckte Seiten 449–476. Naukā und die Hindi-Erklärung bleiben vom Grundtext getrennt.

Taraṅga 16 – Shiva, Kubera, Ganga und Manikarnika – Sammlung und Befreiung

Der sechzehnte Taraṅga entfaltet die Verehrung Shivas, insbesondere als Mrityunjaya. Dhyana, Nyasa, Japa und die gegliederte Puja greifen ineinander. Die Aufforderung, Shankara im eigenen Selbst zu meditieren, gibt der äußeren Ritualwelt eine ausdrücklich innere Mitte. Es folgen Kubera als Hüter der Fülle, Ganga als reinigende göttliche Gegenwart und Manikarnika mit einer abschließenden Verheißung der Befreiung. Einzelne vedische Mantras werden nur durch ihren Anfang bezeichnet; ihre im Kommentar ausgeschriebenen Formen bleiben vom Grundtext unterschieden.

Mrityunjaya und die Überwindung des Todes

Die religiösen Fruchtverheißungen sind keine Zusicherung körperlicher Unsterblichkeit.

16.1

Ich werde den großen Mrityunjaya [Mantra] lehren, der Unheil und Leiden abwehren soll. Nachdem Bhargava ihn von Shambhu erhalten hatte, belebte er die gestorbenen Daityas wieder.

Erläuterung zur Stelle: Der Beginn erzählt eine religiöse Überlieferung über Shukra, Bhargava; er behauptet keine nachgewiesene Wiederbelebung durch Mantrarezitation.

16.2

Tara, Kha mit Vyapini und Chandra, Tura, Chaturanana mit Arghisha und Bindu, Hamsa mit Sarga und „bhūr bhuvaḥ“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Druckverbindung candrayukturāś ist gedrängt; Naukā erläutert die eröffnenden Bijas als oṃ hauṃ oṃ jūṃ saḥ.

16.3

… Sa mit Bala und Sarga, der vedische Mantra „tryambakam“, „bhūr bhuvaḥ svaḥ“, Bhujangesha mit Tara, „jūṃ“ und Bhrigu mit Sarga …

Erläuterung zur Stelle: Der Grundtext nennt den vedischen Tryambaka-Mantra durch seinen Anfang. Naukā schreibt ihn aus: tryambakaṃ yajāmahe sugandhiṃ puṣṭivardhanam / urvārukam iva bandhanān mṛtyor mukṣīya māmṛtāt. Übersetzung: „Wir verehren den Dreiäugigen, den Duftenden, der das Gedeihen mehrt. Wie eine Gurkenfrucht von ihrer Bindung möge ich vom Tod gelöst werden, nicht von der Unsterblichkeit.“

16.4

… Akasha mit Manu und Bindu, endend auf Pranava: Dieser vorzügliche Mantra heißt Mahamrityunjaya und besteht aus fünfzig Lauten.

Erläuterung zur Stelle: Die vollständige Rahmung wird von Naukā erläutert; die Chiffren des Grundtextes bleiben erhalten.

16.5

Vamadeva, Kahola und Vasishtha sind seine Rishis. Als Metren werden von Rudra Pankti, Gayatri und Anushtubh genannt.

16.6

Sadashiva-Mahamrityunjaya-Rudra ist seine Gottheit; Maya ist die Shakti und Rama das Bija. Seine Anwendung dient der Verwirklichung des angestrebten Zieles.

Erläuterung zur Stelle: Maya bezeichnet hrīṃ, Rama śrīṃ; diese Zuordnung stammt ausdrücklich aus der Kommentarauslegung.

16.7

Rishi und die weiteren [Zuordnungen] lege man auf Haupt, Mund, Herz, Genitalbereich und Füße auf. Mit Gruppen von drei, vier, acht, neun, fünf und drei Lauten des Anushtubh …

Erläuterung zur Stelle: Die sechs Zahlen ergeben 32, die Silbenzahl des vedischen Kernverses.

16.8

… versehen mit Tara und den Worten „namo bhagavate rudrāya“, und mit den neun Anfangslauten des Grundmantras am Beginn, vollziehe man die sechs Angas.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt die Verknüpfung der Mantra-Abschnitte; keine freie Neuanordnung der Formel wird vorgenommen.

16.9

Am Ende des Herzmantras füge man nach „śūla“ „pāṇaye svāhā“ an. Nach „amṛta“ [folgen] „mūrtaye māṃ jīvaya“ als Ende des Hauptmantras.

Erläuterung zur Stelle: „amṛtamūrtaye māṃ jīvaya“ ruft die Verkörperung des Unsterblichen mit der Bitte an: „Belebe mich!“

16.10

Am Ende des Shikha-Mantras [folgen] „candraśirase jaṭine“ und Vahnivallabha. „tripurāntakāya hāṃ hrīṃ“ gilt als Mantra am Ende des Kavacha.

Erläuterung zur Stelle: Die Anreden gelten Shiva als Mondträger, Träger verfilzter Haare und Zerstörer Tripuras.

16.11

Nach dem Wort „tri“ spreche man „locanāya“, sodann „ṛgyajuḥsāmamantrāya“ als Laute des Augenmantras.

Erläuterung zur Stelle: Die Anrede gilt dem Dreiäugigen und demjenigen, dessen Mantra Rig, Yajus und Saman ist.

16.12

„agnitrayāya jvala jvala māṃ rakṣa rakṣa“, danach „aghorāstrāya“: Diese Formel gilt als Waffenmantra.

Erläuterung zur Stelle: Der ausgesprochene Teil bittet: „Flamme auf, flamme auf; schütze mich, schütze mich!“ Aghora bezeichnet die nicht-schreckliche beziehungsweise schützende Shiva-Form.

16.13

Die zweiunddreißig Laute, beginnend mit „tryambaka“, lege man auf die Körperglieder auf, mit „namaḥ“ am Ende und Bindu versehen, mit den neun Lauten, beginnend mit Tara, vorangestellt.

16.14

Man lege [sie] auf die nach Osten, Westen, Süden und Norden gerichteten Gesichter, auf Brust, Hals, Mund, Nabel, Herz, Rücken, Bauch, Genitalbereich und After auf …

16.15

… an Oberschenkelansatz und -mitte, an Knien und Knieumfängen, an Brustseiten, Flanken, Füßen, Händen, Nase und Haupt.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt für die paarigen Körperstellen jeweils zwei Auflegungen, für Nase und Haupt jeweils eine.

16.16

Dann lege man elf Wörter auf Haupt, Brauen, Augen, Mund, Wangen, Herz, Bauch und Genitalbereich auf …

16.17

… ferner auf Oberschenkel, Knie und Füße, der Reihe nach. Mit [Wortgruppen von] drei, vier, drei, fünf, vier, zwei, drei, zwei, drei und einem [Laut] …

16.18

… und drei Lauten ist die Wortgliederung der Reihe nach von den Kundigen zu verstehen. Nachdem man mit dem Grundmantra die den ganzen Körper umfassende [Auflegung] vollzogen hat, meditiere man über den Dreiäugigen.

Erläuterung zur Stelle: Die elf Gruppen ergeben 33 metrisch beziehungsweise rituell gezählte Einheiten, während 16.13 32 nennt. Die beiden Textangaben werden ohne stillschweigende Harmonisierung bewahrt.

Meditation und Entfaltung der Verehrung

Das Meditationsbild stellt Shiva als Quelle des Nektars dar.

16.19

Ich verehre den dreiäugigen Mrityunjaya zusammen mit Girija: Er sitzt auf einem Lotus. Aus zwei Krügen, die ein Paar seiner Lotushände hält, schöpft er mit einem weiteren Händepaar Wasser und übergießt sein Haupt; zwei Hände mit Krügen ruhen in seinem Schoß. Weitere Hände halten Gebetskette und Antilope. Sein Leib ist vom Nektar benetzt, der aus dem Mond auf seinem Haupt strömt.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert die acht Hände und die unterschiedlichen Krugpositionen. Die Lesung pīyūṣārdra folgt der klaren Bedeutung „vom Nektar benetzt“.

16.20

Nachdem man die Mudras namens Mushti, Saranga, Shakti, Linga und Panchamukha gezeigt hat, wiederhole man [den Mantra] hunderttausendmal; mit einem Zehntel davon …

16.21

… vollziehe man ein Feueropfer mit zehn Stoffen: Bilva-Frucht, Sesam, Milchspeise, Ghee, Milch, Dickmilch und als siebter Stoff Durva …

16.22

… sowie Hölzer von Vata, Palasha und Khadira, mit Süßem getränkt. Man verehre Shiva auf dem Shaiva-Pitha mit Vama und den übrigen Shaktis.

16.23

Vama, Jyeshtha, Raudri und Kali als vierte, [ferner] Kalavikarini und Balavikarini …

Erläuterung zur Stelle: Die beiden letzten Namen werden im Vers durch vorangestellte Namensbestandteile gebildet.

16.24

… Balapramathani, Sarvabhutadamani und Manonmani: Diese neun werden als Sharvas Pitha-Shaktis gelehrt.

16.25

Tara, „namo bhagavate“, das Wort „sakala“, sodann „guṇātmaśaktiyuktāya anantāya“ spreche man …

16.26

… und „yogapīṭhātmane“ mit „namaḥ“ am Ende: So ist der Pitha-Mantra gelehrt. Nachdem man auf dem Pitha eine Handvoll Blumen dargebracht hat, vergegenwärtige man mit dem Grundmantra die Gottheitsgestalt.

Erläuterung zur Stelle: Sinngemäß richtet sich die Formel an den Unendlichen, mit allen Eigenschaften und Wesenskräften verbunden, dessen Wesen der Yoga-Pitha ist.

16.27

Nach den Gaben, von Fußwasser bis zu Blumen, verehre man die Umkreise. Ishana verehre man in Shambhus Ecke mit dem Ishana-Mantra.

Erläuterung zur Stelle: Shambhus Ecke ist der Nordosten. Naukā nennt den vedischen Beginn īśānaḥ sarvavidyānām.

16.28

Tatpurusha, Aghora, als dritten Vamadeva und Sadyojata verehre man in den Himmelsrichtungen mit den jeweils zugehörigen vedisch gelehrten Mantras.

16.29

Bei Ishana und den übrigen [Formen verehre man] der Reihe nach die Kalas, beginnend mit Nivritti: Nivritti, Pratishtha, Vidya, als vierte Shanti …

16.30

… und als fünfte Shantyatita. Dann verehre man die sechs Angas sowie [die Gestalten] von Sonne, Mond, Erde, Wasser, Feuer, Wind, Raum und Opferndem …

16.31

… diese acht Gestalten sind der Reihe nach im dritten Umkreis zu verehren. Rama, Raka, Prabha, Jyotsna, Purna, Usha, Purani und Sudha …

16.32

… sind im vierten Umkreis zu verehrende Shaktis von weißem Glanz. Vishva, Vandya, Sita, Prahva, Sara, Sandhya, Shiva und Nisha …

16.33

… sind Shaktis von dunkler Gestalt, die im fünften Umkreis verehrt werden. Arya, Prajna, Prabha, Medha, Shanti, Kanti, Dhriti und Mati …

16.34

… sind die acht im sechsten Umkreis zu verehrenden [Shaktis] von rötlichem Glanz. Dhara, Uma, Pavani, Padma, Shanta, Amogha, Jaya und Amala …

Erläuterung zur Stelle: Die Druckverbindung śāntā moghā wird in der begleitenden Erklärung als śāntā, amoghā verstanden; die Namenliste bleibt als solche erkennbar.

16.35

… sind die im siebten Umkreis zu verehrenden Shaktis von goldenem Glanz. Ananta, der Sukshma Genannte und als dritter Shivottama …

16.36

… Ekanetra und Ekarudra, als sechster Trimurti, dann Shrikantha und Shikhandin sind im achten Umkreis zu verehren.

16.37

Danach, beginnend im Norden, verehre man Uma und Chandeshvara, Nandin und Mahakala, Ganesha und den Stier …

16.38

… sowie Bhringiriti und Skanda, die im neunten Umkreis weilen. Danach sind die Mütter, beginnend mit Brahmi, im zehnten Umkreis zu verehren …

Historische Anwendungen

Heilbezogene Verheißungen werden im Rahmen der überlieferten Ritualwelt wiedergegeben.

16.39

… ebenso Indra und die übrigen [Richtungshüter], Vajra und die übrigen [Waffen]. So soll der Mantra vollendet werden. Unter dem Geburts-Nakshatra, dem zehnten und dem einundzwanzigsten von dort …

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF 540, der zweite auf PDF 542; PDF 541 enthält nur die weitere Erklärung. Die astrophysischen Zuordnungen werden als historische Astrologie wiedergegeben.

16.40

… wer [dann] vier Finger breite Sudhavalli-Hölzer opfert, soll sämtliche Feinde mitsamt Krankheiten überwinden und mit Wohlstand versehen …

Erläuterung zur Stelle: Naukā identifiziert Sudhavalli mit Guduchi. Die Heil- und Siegesverheißung ist nicht als nachgewiesene Wirkung zu verstehen.

16.41

… als Sadhaka hundert Jahre mit Söhnen, Enkeln und weiteren [Angehörigen] Freude genießen. Ein Homa mit Shriphala-Hölzern wird für die Erlangung von Wohlstand genannt.

Erläuterung zur Stelle: Shriphala wird von Naukā als Bilva erläutert.

16.42

Mit Hölzern des Palasha-Baums [geschehe es] für geistliche Leuchtkraft, mit Vata-Hölzern für Reichtum und mit Khadira-Hölzern für Glanz.

16.43

Mit Sesam wird ein Opfer zur Beseitigung von Adharma, von Unrecht und Verfehlung, genannt. Nichtanleitende Inhaltswiedergabe des folgenden Ritualziels: Senf wird mit der Vernichtung eines Feindes verbunden. Ein Homa mit Milchspeise soll Glanz, Glück und Ruhm verleihen.

Erläuterung zur Stelle: Die Lesung lautet adharmanāśāya, „zur Beseitigung von Adharma“. Das Anfangs-a darf bei der Verbindung tilair adharmanāśāya nicht verloren gehen. Der anschließende feindschädigende Zweck ist keine Praxisempfehlung.

16.44

[Das Milchspeisenopfer soll] Schadenzauber und Tod beseitigen; mit Dickmilch [soll das Opfer] Erfolg in der Auseinandersetzung bringen. Die Homa-Zahl wird überall mit zehntausend angegeben.

Erläuterung zur Stelle: Saṃvāda kann Gespräch, Übereinstimmung oder Auseinandersetzung bezeichnen; der beabsichtigte Erfolg wird nicht enger festgelegt.

16.45

Durch 108 Opfergaben von je drei Durva-[Halmen] sollen Krankheiten vergehen. Wer an seinem Geburtstag mit Milchspeise, mit Süßem versehen, …

Erläuterung zur Stelle: Traditionelle Heilverheißung.

16.46

… opfert, dessen Wohlstand, Gesundheit und Ruhm sollen wachsen. Ein Feueropfer mit Guduchi- und Bakula-Hölzern soll bei Menschen …

16.47

… unter den drei Geburtssternen Krankheit und Tod beseitigen. Täglich wird ein Durva-Opfer zur Abwehr vorzeitigen Todes vorgeschrieben.

Erläuterung zur Stelle: Naukā versteht die drei Sterne als Geburts-Nakshatra, zehntes und einundzwanzigstes Nakshatra. Die Schutzbehauptung bleibt eine religiöse Verheißung.

16.48

Was bedarf es vieler Worte? Shiva gewährt den Menschen alles Ersehnte. [Ein Homa] mit Apamarga-Hölzern und gekochter Speise [wird] zur Beseitigung von Fieber [genannt] …

16.49

… ein einmonatiges Homa mit milchgetränkten Amrita-Stücken zur Erlangung von allem. [Ein weiterer Mantra:] Tara, Hrid, Bhagavan mit Dativendung und „rudrāya“: Er ist zehnsilbig.

Erläuterung zur Stelle: Naukā schreibt oṃ namo bhagavate rudrāya aus. Die erste Hälfte beendet die historischen Anwendungen; die zweite leitet einen neuen Rudra-Mantra ein.

16.50

Bodhayana ist der Rishi, Pankti das Metrum und Rudra seine Gottheit. Man vollziehe fünf Nyasas zur Verwirklichung des eigenen Rudra-Seins.

Erläuterung zur Stelle: Rudratva bezeichnet die rituelle Identifikation mit Rudra; hier ist die Wandlung des eigenen Selbstverständnisses ausdrücklich angesprochen.

16.51

Die im Yajurveda enthaltenen Mantras lege man auf einunddreißig Orte auf: „yā te rudra“ auf die Haarlocke, „asmin mahati“ auf das Haupt …

Erläuterung zur Stelle: Die folgenden Verse nennen vedische Mantras durch ihre Anfangswörter; sie sind keine ausgeschriebenen Rezitationsfassungen.

Vedische Anrufungen im tantrischen Zusammenhang

Incipits, also Textanfänge, werden nicht eigenmächtig zu vollständigen Grundtextzitaten erweitert.

16.52

… „sahasrāṇi“ auf die Stirn, „haṃsaḥ śuci“ auf die Brauen, „tryambakam“ auf die Augen und „namaḥ srutyāya“ auf die Ohren …

16.53

… „mā nas toke“ auf die Nase und „avatatya“ auf den Mund. Die beiden Verse, die mit „nīlagrīvāḥ“ beginnen, lege der Kundige auf den Hals auf.

16.54

Den Mantra „namaste astv āyudha“ lege man auf beide Schultern, „yā te hetiḥ“ auf die Arme und „ye tīrthāni“ auf die Hände auf.

16.55

Den Vers „sadyojātaṃ prapadyāmi“ lege man auf die Daumen auf, „vāmadevāya“ auf die Zeigefinger, „aghorebhyaḥ“ auf die Mittelfinger …

16.56

… „tatpuruṣāya“ auf die Ringfinger und „īśānaḥ“ auf die kleinen Finger. Den Mantra „namo vaḥ kirikebhyaḥ“ lege man auf das Herz auf.

Erläuterung zur Stelle: Die Vorlage druckt die Ringfingerbezeichnung verkürzt; der Bezug wird durch die geordnete Fünffingerfolge bestätigt.

16.57

„namo gaṇebhyaḥ“ lege der vorzügliche Sadhaka auf den Rücken auf, danach „namo hiraṇyabāhave“ auf beide Flanken …

16.58

… „hiraṇyagarbhaḥ“ auf den Nabel und „mīḍhuṣṭama“ auf die Hüften. Nachdem der Sadhaka den Mantra „ye bhūtānām“ auf den Genitalbereich gelegt hat …

16.59

… [lege er] den Vers „jātavedase“, mit Shiras verbunden, auf den Ausscheidungsbereich auf, „mā no mahāntam“ auf die Oberschenkel und „eṣa te“ auf die Knie.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert Shiras durch die zusätzliche Formel tāṃ agnivarṇām mit dem nachgestellten Durga-Shiras; der Grundtext selbst schreibt diese Erweiterung nicht aus.

16.60

„ye pathām“ lege man auf die Füße auf, „adhy avocata“ auf den Schutzpanzer und den Mantra „namo bilmine“ auf den ergänzenden Schutz.

16.61

„namo’stu nīlagrīvāya“ [lege] der Sadhaka auf das dritte Auge auf; mit dem Mantra „pramuñca dhanvan“ vollziehe er den Waffen-Nyasa.

16.62

So ist der erste Nyasa von einunddreißig Körperstellen gelehrt. Danach vollziehe man die Bindung der Richtungen mit dem Vers „ya etāvantaḥ“.

Erläuterung zur Stelle: Digbandha bezeichnet die rituelle Abgrenzung eines geschützten Raumes.

16.63

Dann lege man die Laute des Grundmantras auf Haupt, Nase, Stirn, Mund, Hals und Herz, danach auf die rechte und linke Hand …

16.64

… auf Nabel und Füße auf: Dies ist der zweite Nyasa an zehn Körperstellen. [Sodann] die Verse, beginnend mit „sadyojātam“, auf Füße, Oberschenkel, Herz, Mund und Haupt …

16.65

… auflegend spreche der Sadhaka nach jedem Vers „haṃsaṃ haṃsa“. Dies wird der dritte Nyasa genannt; durch seinen Vollzug soll man Shiva werden.

Erläuterung zur Stelle: Die gedruckte Verbindung vor haṃsa ist schwer lesbar; Naukā bestätigt die Wiederholung haṃsaṃ haṃsa. „Shiva werden“ bezeichnet hier ausdrücklich die rituelle Identifikation.

16.66

Nachdem man diese drei Nyasas vollzogen hat, bilde man den Samputa. Die Auflegung Vasavas und der übrigen [Richtungsgottheiten] in den Himmelsrichtungen wird Samputa genannt.

Erläuterung zur Stelle: Samputa bezeichnet hier eine rituelle Umschließung; Naukā verbindet sie mit der geschlossenen Anjali-Geste und der Verneigung.

16.67

Mit dem Mantra „trātāram indram“ lege man Indra im Osten auf, mit dem Vers „tvaṃ no agne“ Vahni und mit dem Vers „suga naḥ“ Yama …

16.68

… mit „asunvantam“ Nirriti, mit „tat tvā yāmi“ den Herrn des Wassers, mit „ā no niyudbhiḥ“ Vayu und mit dem Vers „vayaṃ soma“ den Mond …

16.69

… mit „tam īśānam“ Ishana, [jeweils] in den mit Südosten beginnenden Richtungen. Mit „asme rudrā“ [lege man] Vidhi nach oben und mit „syonā“ die Erde nach unten auf.

Erläuterung zur Stelle: Vidhi bezeichnet Brahma. Die Richtungsfolge des Verses schließt an den ausdrücklich genannten Osten an.

16.70

Wer diesen Samputa so vollzieht, soll frei von Schuld sein. Wenn Bedrängnisse durch Totengeister, Diebe und dergleichen ihn leuchtend erblicken …

16.71

… können sie ihn nicht überwältigen und fliehen weit fort. „mano jūtiḥ“ lege man auf den Genitalbereich und „abodhy agniḥ“ auf das Bauchfeuer auf …

Erläuterung zur Stelle: Der zweite Halbvers beginnt den vierten Nyasa; die Schutzschilderung ist eine traditionelle Verheißung.

16.72

… „mūrdhānam“ auf das Herz, den Vers „marmāṇi te“ auf den Mund und „jātavedāḥ“ auf das Haupt. Dies wird als vierter Nyasa gelehrt.

16.73

Für das Herz [gilt] der Shivasankalpa, für das Haupt das Purushasukta, für die Haarlocke „adbhyaḥ sambhūtaḥ“ und für den Schutzpanzer Pratishtha.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert die Schutzpanzerangabe durch den Beginn āśuḥ śiśānaḥ; die verdichtete Grundtextform wird nicht zu einem neuen Vollmantra erweitert.

16.74

„vibhrāṭ“ gilt für die Augen, das Shatarudriya für die Waffe. Dies ist der fünfte Nyasa; vollzogen soll er alles Ersehnte verwirklichen.

Shankara im eigenen Selbst

Die innere Meditation trägt die nachfolgende Verehrung.

16.75

Nachdem man so die Nyasas vollzogen und sich verneigt hat, meditiere man im eigenen Selbst über Shankara.

Erläuterung zur Stelle: Eine halbe Versnummer im Druck. Ātmani, „im eigenen Selbst“, gibt der umfangreichen Körperweihung ausdrücklich eine innere Ausrichtung.

16.76

Ich verehre den höchsten Mahesha: Er gleicht dem Berg Kailasa, hat drei Augen, fünf Gesichter und zehn Arme und ist mit Amba vereint. Sein Hals ist blau, seine Schmuckstücke sind Schlangenkönige; er ist in ein Tigerfell gehüllt. Seine Hände tragen Gebetskette und Wassergefäß und zeigen Gnadengewährung und Furchtlosigkeit. Er trägt die Mondsichel, und seine Haarflechten leuchten vom Wasser der Ganga.

16.77

Man wiederhole den Mantra eine Million Mal, opfere zehntausend Gaben von Milchspeise mit Ghee im Feuer und verehre [die Gottheit] auf dem zuvor beschriebenen Pitha.

Erläuterung zur Stelle: Das Homa-Verhältnis beträgt hier ein Hundertstel; die Zahl wird nicht auf das andernorts häufige Zehntel geändert.

16.78

Nun werde ich das Verehrungs-Yantra und ebenso die Gottheiten der Umkreise lehren: [Man zeichne] einen achtblättrigen [Lotus], einen sechzehnspeichigen und einen vierundzwanzigblättrigen …

16.79

… danach einen zweiunddreißigblättrigen und einen vierzigblättrigen [Lotus]. Außen zeichne man das Bhupura; darin verehre man Rudra.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert dantapatra durch 32 Blätter: „Zähne“ ist eine traditionelle Zahlchiffre.

16.80

Nachdem man ihn in der Mitte des Lotusinneren verehrt hat, verehre man Sadyojata und die übrigen [Formen] in den Richtungen und der Mitte, danach im achtteiligen [Umkreis] die acht Diener, beginnend mit Nandin …

Die Umkreise der Shiva-Puja

Gottheiten, Kräfte und kosmische Ordnungen werden im Mandala zusammengeführt.

16.81

… Nandin, der Mahakala Genannte, Ganesha, der Stier, Bhringiriti, Skanda, Uma und als achter Chandishvara.

16.82

Danach [folgen] die im sechzehnblättrigen zweiten Umkreis Weilenden: Ananta, Sukshma, Shiva, Ekapada und Ekarudra …

16.83

… danach Trimurti und Shrikantha; Vamadeva gilt als achter. [Es folgen] Jyeshtha, Shreshtha, Rudra, Kala und der Kalavikarana Genannte …

16.84

… Bala, Balavikarana und Balapramathana. Nachdem man diese verehrt hat, verehre man im dritten [Umkreis] die Gottheiten in der Zahl der Tattvas …

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert die hier gemeinte Tattva-Zahl als 24.

16.85

… die acht Siddhis, acht Mütter und acht Bhairavas. Danach [verehre man] im vierten Umkreis die Bhava-[Formen], Nagas, Könige und Berge …

16.86

Bhava, Sharva, Ishana, Pashupa, Rudra, Ugra, Bhima und Mahadeva: Dies wird als Shivas Achtzahl angeführt.

16.87

Ananta, Vasuki, Takshaka, Kuliraka, Karkotaka, Shankhapala, Kambala und Ashvatara …

16.88

… sind die Nagas. Vainya, Prithu, Haihaya, der Arjuna Genannte, Shakuntalas Sohn, Bharata, Nala und Rama bilden die Achtzahl der Könige.

Erläuterung zur Stelle: Die gedrängte Reihe kann historisch zusammengehörige Bezeichnungen als einzelne Ritualnamen zählen. Die im Text behauptete Achtzahl wird bewahrt; Vainya-Prithu und Shakuntalas Sohn Bharata werden nicht als sicher verschiedene historische Personen behauptet.

16.89

Himavat, Nishadha, Vindhya, Malyavat, Pariyatra, Malaya, Hemakuta und Gandhamadana …

16.90

… bilden die Achtzahl der Berge. Im fünften [Umkreis] verehre man vierzig Gottheiten: Vasava und die übrigen [Richtungshüter], ihre Shaktis und Waffen …

16.91

… die Reittiere und die Elefanten: So werden vierzig Gottheiten gezählt. Indra, Agni, Yama, Rakshas, Varuna, Anila, der Herr des [Reichtums] und Ishana sind die Richtungshüter. Shachi, Svaha und Varahaja …

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt fünf Gruppen zu je acht. Die gedruckte Verbindung bhādhipa ist unsicher; die begleitende Erklärung nennt Kubera. Einheit 91 umfasst drei Halbverse.

16.92

… Khadgini, Varuni, Vayavi, Kuberaja und Ishani werden als Shaktis gelehrt. Vajra, Speer, Stab, Schwert, Schlinge, Stachelstock, Keule und Dreizack sind die Waffen.

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF 554; Einheit 92 umfasst drei Halbverse.

16.93

Airavata, Ziegenbock, Büffel, Totengeist, Fisch, Antilope, Mensch und Stier sind der Reihe nach die Reittiere dieser Richtungshüter.

Erläuterung zur Stelle: Die Sanskritform pṛṣan wird im Zusammenhang als das gefleckte Antilopentier verstanden; die Deutung folgt der traditionellen Reittierreihe.

16.94

Airavata, Pundarika, Vamana, Kumuda, Anjana, Pushpadanta, Sarvabhauma und Supratika sind die Richtungselefanten.

16.95

Nachdem der Kundige die fünf Lotuskreise so verehrt hat, verehre er im Bhugriha erneut die Richtungshüter in ihren Richtungen. Dies gilt als sechster Umkreis.

16.96

Im Südosten des Bhugriha verehre man Virupaksha, Vishvarupa in der [Yatudhana zugeordneten südwestlichen] Richtung und im Nordwesten den Herrn der Wesen …

Erläuterung zur Stelle: Yātudhāna wird hier als Richtungsbezeichnung verstanden; die Folge nennt Südosten, Südwesten, Nordwesten und in 97 Nordosten.

16.97

… im Nordosten Urdhvalinga. Außerhalb des Bhusadana sind in den Richtungen die acht Nagas zu verehren. So hat die Verehrung sieben Umkreise.

16.98

Shesha, Takshaka, Ananta, Vasuki, Shankhapala, Mahapadma, Kambala und Karkotaka sind diese Schlangenwesen.

Erläuterung zur Stelle: Shesha und Ananta werden hier als verschiedene Ritualnamen aufgeführt, auch wenn andere Überlieferungen sie gleichsetzen.

16.99

Weiß, blau, kumkumafarben, gelb, schwarz und hell sind die Farben der mit Shesha beginnenden [Nagas]. Ihre Jati und ihre Hauben werde ich nennen.

Erläuterung zur Stelle: Für acht Nagas stehen hier nur sechs ausdrückliche Farbangaben. Die fehlende eindeutige Zuordnung wird nicht erfunden.

16.100

Als Brahmane, Vaishya, wiederum Brahmane, Kshatriya, Vaishya, Shudra und Shudra sind Shesha und die übrigen bei der Verehrung der Reihe nach von den Kundigen zu verstehen.

Erläuterung zur Stelle: Der Grundtext bietet in dieser Reihe sieben Zuordnungen für acht Nagas. Die historische Varna-Klassifizierung wird dokumentiert, ohne sie als moderne soziale Wertordnung zu übernehmen.

16.101

Ihre Hauben werden der Reihe nach mit zehn, fünf, zehn, sieben, sieben und fünf Hunderten sowie mit je dreihundert angegeben.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert: Shesha 1000, Takshaka 500, Ananta 1000, Vasuki und Shankhapala je 700, Mahapadma 500, Kambala und Karkotaka je 300.

16.102

So verehre man Mahadeva, nachdem der fünfgliedrige Nyasa vollzogen wurde. Wer sich der Wiederholung des zehnsilbigen [Mantras] widmet, soll bei der Verwirklichung seines Anliegens nicht ermatten.

16.103

Durch den Dienst an Shiva erlange man schöne Häuser, schöne Frauen mit anmutigen Augen und Reichtum bis zur Erfüllung der Wünsche.

Erläuterung zur Stelle: Eine historisch männlich und auf Wohlstand ausgerichtete Fruchtverheißung; keine allgemeingültige Bestimmung spiritueller Erfüllung.

16.104

Die für den früheren Mantra genannten Anwendungen führe man hier beim zehnsilbigen aus. Der Brahmane, der dem zehnsilbigen [Mantra] dient, wird beständig zu einem Rudra-Rezitierenden.

Kubera und die Fülle

Die überlieferten Wohlstandsverheißungen drücken Wünsche der historischen Ritualgemeinschaft aus.

16.105

Nun werde ich Kuberas Mantra lehren, der jede Fülle gewähren soll. Nach „yakṣāya“ spreche man „kuberāya“, danach „vai“ …

16.106

… „śravaṇāya“; nach „dhana“ [folgt] „dhānyādhipataye“, [dann] „dhana“, nach „dhānya“ „samṛddhiṃ me dehi dāpaya“ und das Ṭha-Paar.

Erläuterung zur Stelle: Das über die Versgrenze laufende vaiśravaṇāya ist ein Name Kuberas. Naukā schreibt die Formel mit dem Abschluss svāhā aus. Die Bitte gilt der Fülle an Vermögen und Getreide.

16.107

Der Mantra hat fünfunddreißig Silben. Sein Rishi ist Vishravas, sein Metrum Brihati, seine Gottheit der mit Shiva befreundete Herr des Reichtums.

16.108

Nachdem man mit drei, vier, fünf, acht, acht und sieben Silben aus dem Mantra den sechsfachen Nyasa vollzogen hat, vergegenwärtige man sich den Reichtumsspender in Alaka.

16.109

Verehre den Herrn der Schätze, der auf einem herrlichen, von Menschen getragenen Himmelswagen sitzt, smaragdgleich leuchtet und Shivas Freund ist. Mit Krone und weiterem Schmuck geziert, zeigt er die Geste des Gewährens und hält eine Keule; sein Bauch ist rund.

16.110

Man wiederhole den Mantra hunderttausendmal und opfere ein Zehntel [dieser Zahl] mit Sesam. Auf dem mit Dharma beginnenden Pitha verehre man die Angas, die Welthüter und ihre Waffen.

16.111

Zur Mehrung des Vermögens wiederhole man den Mantra zehntausendmal in einem Shiva-Heiligtum. Hunderttausendmal am Fuß eines Bilva-Baumes sitzend wiederholt, soll er Wohlstand gewähren.

Erläuterung zur Stelle: Eine traditionelle Fruchtverheißung, keine Zusicherung materiellen Erfolgs.

16.112

Zu Beginn Lakshmi, von Tara umschlossen; danach Rama, von Maya umschlossen; dann dieselbe, von Kama umschlossen; [darauf] Vitteshvara im Dativ und „namaḥ“.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert die Folge als oṃ śrīṃ oṃ hrīṃ śrīṃ hrīṃ klīṃ śrīṃ klīṃ vitteśvarāya namaḥ. Dies ist eine ausdrücklich kommentarbelegte Auflösung, keine freie Rekonstruktion.

16.113

Dieser sechzehnsilbige Mantra soll alle Armut beseitigen. Sein Anga-[Nyasa geschieht] mit drei, zwei, zwei, zwei, fünf und zwei Silben. Meditation, Verehrung und alles Weitere vollziehe man wie zuvor.

Erläuterung zur Stelle: Drei Halbverse. Die Zahlenwörter bezeichnen die sechs Silbengruppen des Nyasa.

Ganga, der göttliche Strom

Reinigung, heiteres Vertrauen und die Vielfalt des Lebens am Wasser prägen die Verehrung.

16.114

Nun lehre ich die Mantras des Götterstroms, der auf Shambhus Haupt weilt: Pranava, Hridaya, die Wörter Shiva und Narayani im Dativ, ebenso Dashahara und Ganga, [danach] Vahnijaya. [Der Mantra] hat zwanzig Silben …

Erläuterung zur Stelle: Drei Halbverse. Naukā schreibt oṃ namaḥ śivāyai nārāyaṇyai daśaharāyai gaṅgāyai svāhā aus.

16.115

… sein Rishi ist Vyasa, sein Metrum Kriti und seine Gottheit Ganga. Der sechsfach gegliederte Nyasa [erfolgt] mit drei, drei, vier, fünf, drei und zwei Silben.

16.116

Die Übenden sollen über Bhagirathi meditieren: schön wie ein erblühter reiner weißer Lotus, ihrem Wesen nach Krishna, Isha und Vidhi. Sie hält Krug und Lotus, gewährt Ersehntes und Furchtlosigkeit und trägt weiße Gewänder. Ihr Antlitz ist heiter, der Mond schmückt ihr Haupt; alle Flussgottheiten dienen ihr. Als Vernichterin des Unheils reitet sie auf dem Makara.

Erläuterung zur Stelle: Śoṇa wird neben den Flüssen genannt. Naukā bestätigt den Makara als Reittier.

16.117

Man wiederhole [den Mantra] hunderttausendmal und bringe ein Zehntel als Feueropfer mit gheegetränktem Sesam dar. Auf dem mit Jaya und den übrigen Shaktis verbundenen Pitha verehre man Bhagirathi.

16.118

In den Lotusfäden verehre man die Angas, auf den Blättern Rudra, Hari, Vidhi, Surya, Himachala, Mena, Bhagiratha und den Herrn der Wasser.

16.119

An den Blattspitzen verehre man Fische, Schildkröten, Frösche, Makaras, Hamsa-Vögel, Karandava-Enten, Chakravakas und Sarasa-Kraniche.

16.120

Im Quadrat verehre man die mit Shakra beginnenden [Richtungshüter] samt ihren Waffen. Der so zur Vollendung gebrachte Mantra soll den Mantraübenden das Ersehnte gewähren.

16.121

Besonders am zehnten Tag der hellen Monatshälfte des Jyeshtha soll der Kundige sie verehren. Zehn Brahmanen gebe er zehn Prastha Sesam.

16.122

Nach tausendfacher Wiederholung, Feueropfer und Fasten an diesem [Tag] soll der Mensch frei von Befleckung und mit allen Freuden auf Erden ausgestattet sein.

16.123

Tara, „namo bhagavati“, Vak, Gagana mit Sadrish, „hili“, [danach] Kriya, Tandri, Pinakisha, Visha und La, verbunden mit Sukshma …

Erläuterung zur Stelle: Eine Lautchiffrenfolge. Die kommentierte Auflösung lautet oṃ namo bhagavati aiṃ hili hili mili mili gaṅge māṃ pāvaya pāvaya svāhā: „Verehrung der Göttin … Ganga, reinige mich, reinige mich.“

16.124

… „gaṅge māṃ“, zweimal „pāvaya“ und am Ende Hutavahangana. Die siebenundzwanzigsilbige Vidya gilt als Tilgerin der Menge der Verfehlungen.

16.125

Mit drei, vier, neun, drei, neun und zwei Silben wird die Gliederung angegeben. Dieselbe [Vidya], unter Weglassung der ersten sieben Silben, wird als zwanzigsilbig bezeichnet.

Erläuterung zur Stelle: Die gedruckte Zahlenreihe ergibt 30 statt 27; die begleitende Hindi-Erklärung liest an der dritten Stelle sechs statt neun. Diese Abweichung wird nicht stillschweigend korrigiert.

16.126

Mit fünf, vier, drei, drei, drei und zwei Silben wird der sechsfach gegliederte [Nyasa dieser verkürzten Vidya] angegeben. [Ein weiterer] Mantra [lautet]: Tara, „hili“ und „mili“, beide doppelt, „gaṅge devi namo“.

Erläuterung zur Stelle: Naukā schreibt oṃ hili hili mili mili gaṅge devi namaḥ aus.

16.127

[Dieser Mantra] hat fünfzehn Silben. Sein [Nyasa erfolgt] mit den [angegebenen] Silbengruppen. [Ein weiterer beginnt:] Tara, Maya, Rama, Harda, danach „bhagavati“ …

Erläuterung zur Stelle: Die gedrängte Zahlenfolge wird nicht sicher aufgelöst. Die nachfolgende Formel läuft in 128 weiter.

16.128

… „gaṃ“, Smriti, Tri, Sadrish und Vayu, „te namo“, Varma und „phaṭ“ bilden den Mantra. Mit drei, zwei, vier, fünf, zwei und zwei Silben wird der sechsfach gegliederte [Nyasa] angegeben.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert den achtzehnsilbigen Mantra als oṃ hrīṃ śrīṃ namo bhagavati gaṅgadayite namo huṃ phaṭ. Die Chiffrenfolge ist im Druck gedrängt.

Manikarnika und Befreiung

Die letzte Verheißung richtet den Blick über äußere Ortsbedingungen hinaus auf das unvergängliche Brahman.

16.129

Für diese vier Mantras gilt die Verehrung wie zuvor. [Der Manikarnika-Mantra beginnt mit] Vak, Maya, Kamala, Kama, Vedadi und Visha mit Indu …

Erläuterung zur Stelle: Die erste Hälfte schließt die Ganga-Mantras ab; die zweite beginnt den Manikarnika-Mantra. Der im Druck eingefügte Zwischentitel ist kein Versbestandteil.

16.130

… „maṇikarṇi“, Bhagi und Brahma, Hridaya, von Dhruva umschlossen: [So lautet] der fünfzehnsilbige Mantra. Sein Rishi ist Vyasa, [sein Metrum] Atishakvari …

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert die Chiffren; eine ausgeschriebene Formel im Hindi-Kommentar lautet oṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ oṃ maṃ maṇikarṇike namaḥ oṃ. Die Form wird als Kommentarzeugnis kenntlich gemacht.

16.131

… das Metrum. Die Gottheit ist Shri Manikarni, die Glück und Söhne verleihen soll. Der sechsfach gegliederte Nyasa [erfolgt] mit einer, zwei, zwei, zwei, fünf und drei Silben.

16.132

Über Manikarnika ist zu meditieren: In der rechten Hand hält sie eine aus erblühten blauen Lotussen gebildete Girlande, in der anderen eine Zitronatzitrone; am Herzen trägt sie eine Girlande aus weißen Lotussen. Sie ist in weißes Leinen gekleidet, gleicht dem Herbstmond, hat drei Augen und gefaltete Hände. Sonnengleich strahlend blickt sie in die Richtung des Herrn der Wasser.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt die Richtung als Westen. Der Grundtext verbindet Attribute mehrerer Hände; eine nicht ausdrücklich genannte Gesamtzahl wird nicht ergänzt.

16.133

Man wiederhole den Mantra dreihunderttausendmal und bringe ein Zehntel als Feueropfer dar, mit weißen Lotussen, die mit den drei süßen Stoffen bestrichen sind. Man verehre sie ebenso wie Ganga.

16.134

Von Menschen wiederholt, soll dieser Mantra die Herrlichkeit der Befreiung gewähren, alles Glück, Nachkommenschaft, Wohlergehen und angesammelten Reichtum.

Erläuterung zur Stelle: Mokṣalakṣmī kann auch als „Befreiung und Wohlstand“ verstanden werden. Die Reihe verbindet religiöse Erlösung mit diesseitigen Wünschen.

16.135

Pranava, Ma mit Bindu, danach „maṇi“, dann „karṇike praṇa“, „vāsike“ und Hridaya: [So lautet] der vierzehnsilbige Mantra. Wie zuvor [ist] seine …

Erläuterung zur Stelle: Naukā schreibt oṃ maṃ maṇikarṇike praṇavāsike namaḥ aus. Die über die Wortgrenzen aufgeteilte Formel wird nicht als gewöhnlicher Prosasatz übersetzt.

16.136

… gesamte Verehrung zu vollziehen. Ein Verehrer Manikarnis soll auch dann, wenn er an einem ungünstigen Ort stirbt, zum fleckenlosen, unvergänglichen Brahman gelangen.

Erläuterung zur Stelle: Eine religiöse Befreiungsverheißung. Sie relativiert innerhalb der heiligen Ortsverehrung die bloße äußere Ortsgebundenheit.

Kolophon des Taraṅga 16

So endet im Mantramahodadhi des ehrwürdigen Mahidhara der sechzehnte Taraṅga, genannt „Darlegung der Mantras von Shiva und weiteren [Gottheiten]“.

Anmerkung zum Kolophon: 16.39 verbindet einen Halbvers auf PDF 540 mit dem Fortgang auf PDF 542; die dazwischenliegende Seite enthält Erläuterung. Mehrere Einheiten umfassen drei Halbverse. Unsichere Zahlen- und Namenfolgen sind unmittelbar an den betreffenden Stellen gekennzeichnet.

Textgrundlage dieses Taraṅga: Sanskrit-Grundtext der verwendeten Ausgabe, PDF-Seiten 530–568, gedruckte Seiten 478–516. Naukā und die Hindi-Erklärung bleiben vom Grundtext getrennt.

Taraṅga 17 – Kartaviryarjuna – Schutzverehrung, Mantras und Lampengabe

Kartaviryarjuna wird als Verkörperung des Sudarshana-Rades verehrt. Der Taraṅga verbindet Mantraformen, Nyasa, Dhyana, Yantra und ein ausführliches Lampenritual. Neben Schutzbitten stehen aggressive Anwendungen und historische Omen- und Ausschlusslehren. Diese werden dokumentiert, ohne sie heutigen Aspiranten zu empfehlen. Den Abschluss bildet eine bemerkenswerte Öffnung: Die tägliche Lampe im eigenen Haus darf nach den eigenen Möglichkeiten gepflegt werden. Unterschiedliche Gottheiten werden mit unterschiedlichen Formen der Hingabe verbunden.

Kartaviryarjuna und sein Hauptmantra

Der Text verortet die Gottheit in der Vishnu-Tradition.

17.1

Nun werde ich die geheim gehaltenen Mantras Kartaviryas lehren, die das Ersehnte gewähren sollen. Er ist die Verkörperung des Sudarshana-Rades auf der Erde.

17.2

Raudri mit Vahni und Tara, Lakshmi mit Ani, Indu und Shanti, Vedhas mit Dhara, Indu und Shanti, Nidra mit Ardhisha, Agni und Bindu …

Erläuterung zur Stelle: Lautchiffren zur Bildung eines Mantras. Die Namen sind hier zunächst technische Buchstabenbezeichnungen.

17.3

… Pasha, Maya, Ankusha, Padma, Varma und Astra; das Wort „kārtavī“, Repha mit Vayu als Sitz und Ananta, Vahnija bei Karna …

17.4

… Mesha mit langem [Vokal], Pavana und am Ende Hridaya: So wird der Mantra gelehrt. Er hat neunzehn Silben; mit Tara am Anfang hat er zwanzig.

Erläuterung zur Stelle: Die Chiffrenfolge erstreckt sich über 17.2–4. Keine aus bloßer Vermutung zusammengesetzte Formel wird ergänzt.

17.5

Sein Rishi ist Dattatreya, das genannte Metrum Anushtubh. Die Gottheit ist Kartaviryarjuna; Bija und Shakti sind Dhruva und Hrit.

Erläuterung zur Stelle: Dhruva bezeichnet hier oṃ, Hrit den Abschluss namaḥ, wie Naukā erläutert.

17.6

Mit dem ersten Bijapaar, dem Shesha vorausgeht, vollziehe der Kundige den Nyasa am Herzen; mit dem vierten [Bija], verbunden mit Shanti und Kama, den Anga-Nyasa am Kopf …

17.7

… mit Maya, verbunden mit Ardhisha sowie Vamakarna mit Indu, [den Nyasa] an der Haarlocke; mit Ankusha und Padma, beide mit Vak verbunden, den Schutzpanzer …

17.8

… mit Varma und Astra wird der Astra-[Nyasa] gelehrt; mit den übrigen Silben vollziehe man den umfassenden [Nyasa]. Am Herzen, Bauch, Nabel, Bauch, im verborgenen Bereich …

Erläuterung zur Stelle: Der Druck nennt jaṭhara zweimal. Die Stelle wird nicht stillschweigend geglättet.

17.9

… am rechten und linken Fuß, an den Schenkeln, Knien und Unterschenkeln bringe man die zehn Bijas an, jeweils zwischen zwei Pranavas.

17.10

Die neun übrigen Silben, mit Tara vorangestellt, [bringe man] am Kopf, an der Stirn, den Brauen, Ohren, Augen, der Nase, dem Mund, Hals und Schulterbereich [an].

Erläuterung zur Stelle: Die über die zusammengesetzten Körperbezeichnungen ausgedrückte Zählung ist im Druck gedrängt; keine zusätzlichen Silben werden erschlossen.

17.11

Nachdem man mit dem gesamten Mantra den umfassenden [Nyasa] am ganzen Körper vollzogen hat, meditiere man, ohne Zwiespalt, über Kartavirya, den Herrscher der Menschen, zur Erfüllung des Ersehnten.

Das Meditationsbild

Die tausend Arme stehen im Bild für außergewöhnliche Schutzmacht.

17.12

Möge König Shri Kartavirya schützen: mit dem Glanz tausend aufgehender Sonnen, von allen Erdenherrschern verehrt, in fünfhundert Händen Bogen und in ebenso vielen Pfeile tragend. Sein Hals ist von einer goldenen Girlande umgeben; er ist die Verkörperung von Haris Rad, sitzt auf einem Wagen und trägt rötlich leuchtende Gewänder.

17.13

Man wiederhole den Mantra hunderttausendmal und opfere ein Zehntel mit Sesam samt Reis sowie mit Milchspeise. Man verehre ihn auf dem Vishnu-Pitha …

17.14

… dem noch zu beschreibenden zehnblättrigen [Lotus], der von einem Bhupura umgeben ist. Nachdem man die Vaishnavi-Shaktis verehrt hat, rufe man den König dort herbei und verehre ihn.

17.15

In der Mitte und in den Ecken Ishanas, des Asura und des Windes verehre man die vier Angas, beginnend mit dem Herzen; danach Astra ringsum.

Erläuterung zur Stelle: Die Richtungsnamen bezeichnen Nordosten, Südwesten und Nordwesten.

17.16

Die Anga-Gestalten sind mondhell und tragen Schwert und Schild. In den sechs Ecken [verehre man] die sechs Angas, dann in den Haupt- und Zwischenrichtungen …

Erläuterung zur Stelle: Die Druckverbindung dharādheyāś ist auffällig; die Attribute Schwert, Schild und Mondglanz sind eindeutig.

17.17

… den Brecher des Übermuts der Diebe, den Brecher der Gewalt der Seuche, den Brecher des Übermuts der Feinde und den Brecher des Übermuts der Daityas …

17.18

… den Vernichter des Leidens, den Vernichter des Bösen und die Vernichter von Verfehlung und Krankheit. In den acht Richtungen, beginnend im Osten, sind die weiß leuchtenden acht Shaktis zu verehren …

17.19

… Kshemankari, Vashyakari, Shrikari, Yashaskari, Ayushkari, Prajnakari und Vidyakari …

Erläuterung zur Stelle: Die Namen stehen für Wohlergehen, Gefügigmachen, Glück, Ruhm, Leben, Einsicht und Wissen. Der historische Wunsch nach Gefügigmachen anderer ist keine moderne Praxisempfehlung.

17.20

… und als achte Dhanakari, die Reichtum Bewirkende. Danach [verehre man] die Welthüter mit ihren Waffen. Der so vollendete Mantra wird für die Anwendungen geeignet.

Yantra und ritueller Krug

Die äußere Ordnung setzt die zuvor erklärte Mantraordnung voraus.

17.21

Nun wird das Yantra für die Verehrung Kartaviryarjunas beschrieben.

Erläuterung zur Stelle: Ein einzelner Halbvers.

17.22

Man zeichne das zehnblättrige [Yantra] mit eigenem Bija, Madana, Shrutyadi und Vak in der Mitte; mit den zehn Bijas, denen Pranava vorangeht und die bis Varma reichen, und den übrigen Silben zwischen den Blättern. Es trägt die Ushman-Laute und Vokale in den Lotusfäden; die übrigen [Laute] umgeben es. Ein Erdquadrat mit den Elementlauten in seinen Ecken umschließt dieses Yantra des Erdenherrschers.

Erläuterung zur Stelle: Die Anordnung ist stark verkürzt; Naukā erläutert die einzelnen Lautgruppen. Dies ist keine zeichnerische Rekonstruktion des Diagramms.

17.23

Nachdem man das Yantra sorgfältig mit den acht Duftstoffen auf reinem Boden gezeichnet hat, stelle man dort einen Krug auf, rufe den König darin herbei und verehre ihn.

17.24

Mit beherrschten Sinnen berühre man den Krug und wiederhole den Mantra tausendmal. Mit seinem Wasser besprenge man einen geliebten Menschen zur Erfüllung seines Ersehnten.

Historische Wirkungsverheißungen

Die Anwendungen umfassen sowohl Schutzwünsche als auch aggressive und manipulative Ziele.

17.25

Der mit dem Krugwasser begossene Mensch soll Söhne, Ruhm, Beseitigung von Krankheit, langes Leben, Freude bei den Seinen, Vollendung der Rede und schöne Frauen erlangen.

Erläuterung zur Stelle: Historische Fruchtverheißung aus männlicher Perspektive; heilbezogene Aussagen sind keine medizinisch gesicherten Wirkungen.

17.26

In einem Dorf oder einer Stadt, die unter feindlicher Bedrängnis leidet, stelle man dieses Yantra zur Beseitigung der Feindesfurcht auf.

17.27

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Vers ordnet unterschiedlichen Opferstoffen aggressive Anwendungen zu: Töten eines Feindes, Lähmen, Erzeugen von Feindschaft und Gefügigmachen.

Erläuterung zur Stelle: Historische Abhicara-Passage; keine empfohlene Sadhana. Der Sanskrit-Grundtext bleibt dokumentiert.

17.28

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Es folgen Vertreibungsrituale und Angaben zur Präparation der zugehörigen Opferstoffe.

17.29

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Opfer mit Gerste werden mit Wohlstand, Sesam und Ghee mit dem Tilgen von Verfehlung verbunden; eine weitere Stoffkombination soll einen König gefügig machen.

17.30

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Verschiedene Opfer werden mit Wohlstand, mit dem Gefügigmachen von Frauen und mit der Besänftigung von Bhutas verbunden.

Erläuterung zur Stelle: Die erste Pflanzenbezeichnung ist im Druck auffällig. Naukā erklärt purāṇām als Guggulu. Die Manipulation anderer Menschen wird nicht empfohlen.

17.31

Wer Brennhölzer von Ashvattha, Udumbara, Plaksha, Vata und Bilva opfert, soll Söhne, Lebensdauer, Vermögen und Glück erlangen.

17.32

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Vers beschreibt Opfer zur Vernichtung von Dieben, zur Lähmung und zum Landgewinn.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt hema hier als Dhattura, nicht als Gold. Die letzte Stoffbezeichnung śānti ist nicht sicher aufgelöst.

17.33

Die Zahl der Feueropfer ist von den Mantrakundigen jeweils zwischen tausend und zehntausend festzusetzen, nach der Schwere oder Leichtigkeit des Vorhabens.

Erläuterung zur Stelle: Diese Bemessung bezieht sich auf die historischen Anwendungen des vorangegangenen Abschnitts.

Varianten und Auswahl des Mantras

Der Text unterscheidet Bijafolgen, Silbenzahlen und Metren.

17.34

Nun werden die Vollendung verleihenden Varianten der Mantras Kartaviryas genannt: „kārtavīryārjuna“ im Dativ, verbunden mit „namaḥ“ …

17.35

… mit dem eigenen Bija ist dieser zehnsilbig; die anderen haben neun oder elf Silben. Mit den ersten beiden Bijas wird der zweite Mantra gelehrt.

Erläuterung zur Stelle: Die Zählung navaśiva im Druck ist auffällig; Naukā zählt den ersten als zehn-, die Varianten als elfsilbig.

17.36

Mit dem eigenen [Bija] und Kama [entsteht] der dritte, mit dem eigenen und Bhu der vierte, mit dem eigenen und Pasha der fünfte, mit dem eigenen und Maya der sechste …

17.37

… mit dem eigenen und Ankusha der siebte, mit dem eigenen und Rama der achte, mit dem eigenen und Vagbhava der neunte und mit Varma und Astra der letzte.

17.38

Beim zweiten bis neunten können die beiden Bijas ihre Reihenfolge tauschen. Beim zehnten Mantra liegen die neun Silben zwischen Varma und Astra.

17.39

Unter diesen vorzüglichen Mantras diene man demjenigen, der einem entspricht. Beim ersten wird Viraj als Metrum genannt, bei den übrigen Trishtubh.

Erläuterung zur Stelle: „Der einem entspricht“ steht im Zusammenhang traditioneller Mantraprüfung; es ist keine Aufforderung zur beliebigen Selbstinitiation.

17.40

Diese zehn Mantras sind gelehrt worden. Wenn Pranava am Anfang steht, hat der erste elf Silben, die übrigen aber zwölf.

17.41

So gelten für die Verehrung der zwanzig Mantras die früheren Regeln. Bei den ersten [dieser erweiterten Formen] ist das Metrum Trishtubh, bei den übrigen gilt Jagati.

17.42

Mit dem Grundbija und den langen [Vokalen] vollziehe man ihren sechsfachen Nyasa. Tara, Hrit, „kārtavīryārjunāya“, Varma, Astra und Vahni bilden diesen vierzehnsilbigen Mantra. Seine Verehrung gilt wie zuvor.

Erläuterung zur Stelle: Drei Halbverse. Naukā schreibt oṃ namaḥ kārtavīryārjunāya huṃ phaṭ svāhā aus.

17.43

Mit einer, zwei, sieben, zwei und zwei Silben [vollziehe man] seinen fünfgliedrigen Nyasa. [Eine weitere Formel beginnt:] Tara, Hrit, Bhagavat im Dativ und ebenso Kartaviryarjuna …

17.44

… Varma, Astra und Agnipriya: Der Mantra wird als achtzehnsilbig gelehrt. Mit drei, vier, sieben, zwei und zwei Silben [vollziehe man] seinen fünfgliedrigen Nyasa.

Erläuterung zur Stelle: Naukā schreibt oṃ namo bhagavate kārtavīryārjunāya huṃ phaṭ svāhā aus.

17.45

[Ein weiterer beginnt:] „namo bhagavate śrī“, dann „kārtavīryārjunāya“, „sarvaduṣṭāntakāya“ und „tapobalaparākrama“ …

Erläuterung zur Stelle: Der aus mehreren Versen gebildete Mantra wird als zusammenhängende Anrufung in der Erläuterung am Ende erklärt.

17.46

… nach „paripālitasapta“ [folgt] „dvīpāya“, dann „sarvarā“, nach „janyacūḍāmaṇ“ [folgt] „ye“, danach „sarvaśaktimate“ …

Erläuterung zur Stelle: Der Vers zerlegt zusammengesetzte Wörter nach ihrer Mantrabildung; sarvarājanyacūḍāmaṇaye bedeutet „dem Kronjuwel aller Könige“.

17.47

… „sahasrabāhave“; am Ende schließt der große Mantra mit Varma und Astra. Als dreiundsechzigsilbig wird er gelehrt; schon durch Vergegenwärtigung soll er alle Hindernisse beseitigen.

Erläuterung zur Stelle: Die zusammenhängende Anrufung 17.45–47 verehrt Kartaviryarjuna als Vernichter alles Bösen, als Beschützer der sieben Erdteile durch die Kraft seiner Askese und seines Heldentums, als Kronjuwel aller Könige, als allmächtig und tausendarmig. Naukā schreibt sie vollständig aus.

17.48

„Weltherrscher unter den Königen“, „Held“, als drittes „Tapferer“, danach als viertes „Herr von Mahishmati“ …

17.49

… „durch Revas Wasser Erfreuter“ und „der den Zehnköpfigen im Gefängnis Bedrängende“: Mit diesen sechs [Namen, in entsprechender Form] geschieht der sechsfach gegliederte Nyasa.

Erläuterung zur Stelle: Die Namen stehen nach Naukā im Dativ. Der letzte bezieht sich auf Ravana, dessen zehn Gesichter den Namen Dashasya erklären.

17.50

Man meditiere über den besten der Könige: Von jungen Frauen mit Wasser besprengt, spielt er in den Wassern der Narmada und hält mit seinen Händen ihre Flut zurück.

17.51

Nachdem man so meditiert hat, wiederhole man den Mantra zehntausendmal. Alles Weitere geschieht wie zuvor; seine gesamte Verehrung wird entsprechend dem Vorangegangenen gelehrt.

Erinnerung, Wiederfinden und Gayatri

Die Vergegenwärtigung der Gottheit wird zum Mittelpunkt der Schutzbitte.

17.52

Nach den Silben „kārtavīryārjuno“ spreche man „nāma rājā“, nach „bāhusahasra“ das Wort „vān“, [danach] „tasya saṃ“ …

17.53

… nach „smaraṇād eva“ füge man „hṛtaṃ naṣṭaṃ ca“ und „labhyate“ hinzu. Dieser vorzügliche Mantra wird als zweiunddreißigsilbig bezeichnet.

Erläuterung zur Stelle: Naukā bietet den vollständigen Vers: kārtavīryārjuno nāma rājā bāhusahasravān / tasya saṃsmaraṇād eva hṛtaṃ naṣṭaṃ ca labhyate. Sinn: „Kartaviryarjuna heißt der König mit tausend Armen; durch seine Vergegenwärtigung soll Gestohlenes und Verlorenes wiedergefunden werden.“ Dies ist eine religiöse Verheißung.

17.54

Mit den [vier] Versvierteln und dem ganzen [Vers vollziehe man] den fünfgliedrigen Nyasa. Meditation und Weiteres geschehen wie zuvor. [Für die Gayatri] spreche man nach „kārtavīryāya“ das Wort „vidmahe“ …

Erläuterung zur Stelle: Die zweite Hälfte eröffnet eine neue Mantraform.

17.55

… nach „mahāvīryāya“ das Wort „dhīmahi“, nach „tan no’rjunaḥ pra“ das Wort „codayāt“.

Erläuterung zur Stelle: Naukā bestätigt: kārtavīryāya vidmahe mahāvīryāya dhīmahi tan no’rjunaḥ pracodayāt. „Wir erkennen Kartavirya; über den Kraftvollen meditieren wir. Möge Arjuna uns anregen.“

17.56

Dies ist die gelehrte Gayatri Arjunas. Man wiederhole sie zu Beginn der Anwendung. Bei denen, die nachts den Anushtubh-Mantra wiederholen, sollen Diebesscharen …

Beginn des Lampenrituals

Die ausführlichen astrologischen Zeitregeln gehören zur historischen Ritualwelt.

17.57

… weit vom Haus fliehen, ebenso durch Tarpana oder Rezitation. Nun werde ich die Lampenordnung lehren, die Kartavirya erfreut.

Erläuterung zur Stelle: Der Druck uccanād ist auffällig; der Zusammenhang spricht von Rezitation. Die zweite Hälfte eröffnet das Lampenritual.

17.58

In Vaishakha, Shravana, Margashirsha, Kartika, Ashvina, Pausha, Magha und Phalguna wird der Beginn des Lampenrituals empfohlen.

17.59

An einem Tithi, der nicht Rikta ist, an einem Wochentag außer Samstag und Dienstag, unter Hasta, den Uttara-[Mondhäusern], Ashvini, Raudra, Pushya, Vaishnava oder Vayu …

Erläuterung zur Stelle: Traditionelle Wahl günstiger Zeiten. Naukā erklärt Raudra als Ardra, Vaishnava als Shravana und Vayu als Svati; Rikta bezeichnet hier den vierten, neunten und vierzehnten Mondtag.

17.60

… unter Dvidaivata und Rohini wird der Beginn des Lampenrituals empfohlen; [ferner] beim letzten [Yoga], bei Vyatipata, Dhriti, Vriddhi und Sukarman …

Erläuterung zur Stelle: Dvidaivata ist nach Naukā Vishakha, der „letzte“ Yoga Vaidhriti. Yoga bezeichnet hier eine astrologische Zeitkonstellation, nicht die körperliche Yogapraxis.

17.61

… bei Priti, Harsha, Saubhagya, Shobhana und Ayushmat; bei einem Karana ohne Vishti, bei Finsternissen, günstigen Aufgängen und ähnlichen [Anlässen] …

17.62

… bei diesen Konstellationen gilt ein Beginn am Vormittag als günstig. Im Kartika, am siebten Tag der hellen Hälfte, ist [der Beginn] um Mitternacht besonders günstig …

17.63

… wenn dann Sonntag und das Mondhaus Shravana zusammenkommen, was selten ist. Bei höchst dringlichen Vorhaben gibt es keine Prüfung von Monat und dergleichen.

Erläuterung zur Stelle: Auch innerhalb der ausführlichen Zeitregeln sieht der Text ausdrücklich eine Ausnahme für dringliche Anliegen vor.

Vorbereitung und Aufstellung

Sammlung, Entschluss, Nyasa und äußere Ordnung sind verbunden.

17.64

Zuvor faste man, halte sich gesammelt und enthaltsam und schlafe auf dem Boden. Nach dem morgendlichen Bad [begebe man sich] auf reinen, mit Kuhdungwasser bestrichenen Boden …

17.65

… ordne den Atem, fasse den Entschluss und vollziehe die früher gelehrten Nyasas. Mit rotem Sandelholz und Reis zeichne man auf dem Boden ein Sechseck.

17.66

Innen schreibe man Smara; in die sechs Ecken schreibe man die sechs Silben des Mantraraja unter Auslassung des Kama-Bijas.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert Smara als klīṃ. Die Diagrammanweisung setzt die vorher erklärte Mantraordnung voraus.

17.67

Ankusha, Padma, Varma und Astra schreibe man in die Richtungen, beginnend im Osten; mit den neun Silben umschließe man [das Ganze] und außen wiederum mit einem Dreieck.

17.68

Auf das so gezeichnete Yantra stelle man ein Lampengefäß aus Gold oder Silber, in Ermangelung dessen aus Kupfer …

17.69

… [oder] ein Bronze- oder Tongefäß; ein eisernes ist das geringste und gehört zur Todesanwendung. Zur Befriedung [nehme man] eines aus Mungbohnenmehl, zur Einigung eines aus Weizenmehl.

Erläuterung zur Stelle: Die Zuordnung zu Todesritualen wird historisch dokumentiert, nicht als Praxis empfohlen.

17.70

Das Gefäß fertige man sorgfältig mit gleicher [Weite] am Boden und oben; es messe zwölf, zehn, acht, sechs, fünf oder vier Fingerbreiten …

17.71

… für tausend Pala Ghee [dient] ein Gefäß von hundert Pala, für zehntausend Pala Ghee eines von fünfhundert Pala …

Erläuterung zur Stelle: Pala ist eine historische Gewichtseinheit. Keine Umrechnung in vermeintlich überall identische moderne Maße wird vorgenommen.

17.72

… bei der Zahl fünfundsiebzig gilt ein Gefäß von sechzig Pala; für dreitausend Pala Ghee ein Gefäß von hundertfünfundzwanzig Pala …

Erläuterung zur Stelle: Die Zuordnung „fünfundsiebzig“ bleibt im Grundtext unklar. Naukā erklärt śarārka ausdrücklich als 125.

17.73

… bei zweitausend [Pala Ghee] hundertfünfzehn; weitere Größen werden für [die folgenden Mengen] angegeben. Entsprechend bemesse man [das Gefäß] in den übrigen Fällen.

Erläuterung zur Stelle: Die zweite Hälfte der Zahlenzuordnung ist syntaktisch gedrängt. Naukā erläutert eine weitere Gefäßgröße als 52 Pala. Die nicht sicher zuzuordnenden Zahlen werden nicht als praktische Maßtabelle rekonstruiert.

17.74

Für die tägliche Lampe gilt ein Gefäß von drei Pala und ein Pala Ghee. Nachdem man das Gefäß so aufgestellt hat, lege man Dochte aus Fäden hinein.

17.75

Einen, drei, fünf, sieben oder eine andere ungerade Zahl [von Dochten nehme man], hergestellt aus einer Fadenzahl von fünfzehn an bis tausend.

17.76

Darin gebe man durch ein reines Tuch gefiltertes Kuhghee, von tausend Pala an bis zu zehn, je nach Gewicht des Vorhabens.

Erläuterung zur Stelle: Die absteigende Größenreihe gehört zur historischen Ritualvorschrift.

17.77

Einen schönen Stab aus Gold oder ähnlichem [Material], sechzehn Fingerbreiten lang oder halb oder ein Viertel so lang, mit feiner Spitze und dickem Fuß …

17.78

… lege man auf der rechten Seite mit der Spitze im Gefäß. Vier Fingerbreiten südlich vom Gefäß entfernt …

Erläuterung zur Stelle: Die südliche Richtung bezieht sich auf die rituelle Anordnung der Gegenstände.

17.79

… stecke man ein geeignetes Messer mit der Spitze nach unten und der Schneide nach Süden [in den Boden]. Dort entzünde man die Lampe, nachdem man sich Ganeshas erinnert hat.

Erläuterung zur Stelle: Historische Ritualanweisung; die geistige Vergegenwärtigung Ganeshas geht dem Entzünden voraus.

17.80

Östlich der Lampe stelle man regelgemäß einen Krug auf, auf einem Sarvatobhadra-Mandala oder einem aus Reis geformten achtblättrigen Lotus.

17.81

Dort rufe der Einsichtige den Königsherrscher herbei und verehre ihn wie zuvor. Gesammelt nehme er Wasser und ungebrochene Reiskörner auf und fasse den Entschluss für die Lampe.

Der Entschlussmantra

Schutzbitten und aggressive Befehle stehen nebeneinander und werden entsprechend eingeordnet.

17.82

Nun wird der Mantra des Entschlusses für die Lampe genannt, mit [hundertzweiundfünfzig] Silben: Pranava, Pasha, Maya, Shikha sowie die Silben „kārtā“ …

Erläuterung zur Stelle: Naukā zählt 152 Silben. Die folgende lange Formel verbindet Anrufungen, Schutzbitten und aggressive Befehle; letztere werden nicht als moderne Gebetspraxis empfohlen.

17.83

… „vīryārjunāya māhiṣmatīnāthāya sahasrabāhave“; danach spreche man erneut „sahasra“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Anrufung gilt Kartaviryarjuna, dem Herrn von Mahishmati, dem Tausendarmigen.

17.84

… „kratudīkṣitahastāya dattātreyapriyāya ātreyāya“, nach „anasūyā“ dann „garbharatnāya“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Glieder benennen Opferweihe und Nähe zu Dattatreya. Die Anrufung übernimmt auch Dattatreya zugeordnete Bezeichnungen wie „Atri-Sohn“ und „Juwel aus Anasuyas Schoß“; sie wird nicht in eine eindeutige Biografie Kartaviryas umgedeutet.

17.85

… Nabhas mit Agni, Vamakarna und Indu, danach das Pasha-Paar; „nimm die Lampe an; diesen [Namen] schütze, schütze“ …

Erläuterung zur Stelle: Amuka ist ein einzusetzender Name. Die Chiffren werden nicht unabhängig von Naukā aufgelöst.

17.86

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Es folgen wiederholte Vernichtungs- und Tötungsbefehle gegen als böse oder feindlich Bezeichnete; danach werden weitere Bijas angegeben.

17.87

… Vahnijaya; danach [die Bitte], durch diese nach Westen gerichtete Lampenverehrung den genannten Menschen zu schützen und ihm eine Gabe zu gewähren …

Erläuterung zur Stelle: Die Druckverbindung dīpaparyeṇa ist auffällig; die Anrufung läuft über mehrere Verse. Keine sprachlich geglättete vollständige Mantraform wird daraus frei hergestellt.

17.88

… [das Ende] „nāya“, zweimal Akasha mit Vamanetra und Chandra, Shiva, Vedadi, Kama, Chamunda, „svāhā“, Tu und Pu mit Bindu …

Erläuterung zur Stelle: Die Formel setzt die technische Bijanomenklatur des Werkes voraus.

17.89

… Pranava und Agnipriya: Der Mantra hat hundertzweiundfünfzig Silben. Dattatreya wird als Rishi dieses Mala-Mantras genannt …

17.90

… sein Metrum ist ungemessen, seine Gottheit der Glück bringende Kartaviryarjuna. Mit Chamunda, verbunden mit den sechs langen [Vokalen], vollziehe man die sechs Angas.

Erläuterung zur Stelle: Naukā versteht Chamunda hier als das Bija bhrīṃ; die Formel ist nicht die gewöhnliche Chamunda-Namensanrufung.

17.91

Nachdem man über die Gottheit meditiert und den Mantra gesprochen hat, gieße man am Ende Wasser aus. Danach wiederhole man davor den neunsilbigen Mantra tausendmal.

17.92

Tara, Ananta mit Bindu, Maya, das eigene [Bija] mit Vamanetra, Kurma und Agni mit Shanti und Chandra, Vahninari, Ankusha und Dhruva [bilden ihn].

Erläuterung zur Stelle: Eine weitere ausdrücklich verschlüsselte Formel; keine spekulative Ergänzung.

17.93

Als Rishi gilt der frühere, das Metrum ist Anushtubh; alles Weitere wie zuvor. Nachdem man den Mantraraja tausendmal wiederholt hat, rezitiere man das Kavacha.

Erläuterung zur Stelle: Naukā verweist für das Kavacha auf den Hūṃḍāmara; es wird hier im Grundtext nicht ausgeschrieben.

Rede, Omen und rituelle Kontinuität

Die historischen Omen sind keine verlässlichen Prognosen; soziale Abwertungen werden nicht übernommen.

17.94

Wer die Lampengabe so vollzieht, soll alles Ersehnte erlangen. Beim Entzünden der Lampe vermeide man ungünstige Rede.

17.95

Dort gilt der Anblick eines Brahmanen als glückbringend, der von Shudras als mittelmäßig, der eines Mleccha als Vorzeichen von Tod oder Gefangenschaft.

Erläuterung zur Stelle: Historische diskriminierende Omenlehre. Die soziale Rangordnung und Abwertung Außenstehender werden ausdrücklich nicht als heutige spirituelle Werte übernommen.

17.96

Der Anblick von Maus und Katze gilt als ungünstig, der von Kuh und Pferd als glückbringend. Eine gerade Lampenflamme soll Vollendung, eine gekrümmte Verderben anzeigen.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt die beiden ersten Tierbezeichnungen als Maus und Katze. Die Omen sind historische Deutungen, keine verlässlichen Prognosen.

17.97

Eine geräuschvolle [Flamme] gilt als furchtbringend für den Vollziehenden, eine helle als glückbringend; eine schwarze als Anzeichen der Furcht vor Feinden, eine auswerfende als Anzeichen von Viehverlust.

17.98

Wenn bei der vollzogenen Lampe das Gefäß zufällig zerbrochen erscheint, soll der Opferherr binnen einer Monatshälfte in Yamas Reich gehen.

Erläuterung zur Stelle: Eine bedrohliche Omenbehauptung, keine Tatsache oder Vorhersage über die Lebenserwartung.

17.99

Wenn man einen anderen Docht einsetzt, soll sich die Erfüllung verzögern; wechselt man zu einer anderen Lampe, soll der Vollziehende sein Augenlicht verlieren.

Erläuterung zur Stelle: Die Drohung gehört zur Bindung an die rituelle Kontinuität und wird nicht als reale Folgewirkung bestätigt.

17.100

Bei Berührung durch Unreines [wird] Bedrängnis [befürchtet], beim Erlöschen der Lampe Diebesfurcht; bei Berührung durch Hund, Katze oder Maus Furcht vor dem Herrscher.

Erläuterung zur Stelle: Historische Reinheits- und Omenvorstellungen.

17.101

Eine zu Beginn einer Reise mit acht Pala [Ghee] bereitete Lampe soll alles Ersehnte gewähren. Deshalb ist die Lampe sorgfältig vor Störungen zu schützen.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt vasu als acht.

17.102

Bis zum Abschluss halte man Enthaltsamkeit und schlafe auf dem Boden. Selbst das Gespräch mit Frauen, Shudras, Ausgestoßenen und ähnlichen [Personengruppen] solle man meiden.

Erläuterung zur Stelle: Die historisch gruppenbezogene Ausschlussregel ist keine Empfehlung für heutige Aspiranten. Sammlung und zeitweilige Zurückgezogenheit lassen sich ohne Herabsetzung anderer Menschen pflegen.

Guru-Erlaubnis und Abschluss

Das aufwendige Ritual ist an autorisierte Anleitung gebunden.

17.103

Man wiederhole den Mantraraja und den neunsilbigen [Mantra] jeweils tausendmal und rezitiere täglich den Lobpreis, besonders in der Nacht.

17.104

Wer nachts vor der Lampe auf einem Bein steht und den führenden Mantra tausendmal wiederholt, soll das Ersehnte rasch erlangen.

Erläuterung zur Stelle: Historische asketische Ritualform; keine Anleitung zu einer für jeden geeigneten Alltagsübung.

17.105

Nach dem Abschluss an einem günstigen Tag bewirte man führende Brahmanen und begieße den Vollziehenden mit dem Krugwasser, während man den Mantra vergegenwärtigt.

17.106

Der Vollziehende gebe eine reichliche Ehrengabe zur Zufriedenstellung. Ist der Guru zufrieden, so soll der König, Kritaviryas Sohn, das Ersehnte gewähren.

17.107

Mit Erlaubnis des Gurus vollziehe man die Lampengabe an den Erdenherrscher selbst, oder man beauftrage den Guru, nachdem man ihn durch Juwelen und andere Gaben gewählt und geehrt hat.

17.108

Wer ohne Erlaubnis des Gurus die Lampe zur Erfüllung seines eigenen Anliegens [darbringt], soll im Gegenteil Schritt für Schritt Schaden erfahren.

Erläuterung zur Stelle: Der Vers unterstreicht die Bindung des komplexen Rituals an autorisierte Übertragung. Die Schadensdrohung wird als Aussage des Textes dokumentiert.

17.109

Der Guru soll die Ordnung der Lampengabe nicht Undankbaren und ähnlichen [Menschen] lehren. Ein Mantra, der Böswilligen mitgeteilt wird, soll dem Mitteilenden Leid bringen.

Erläuterung zur Stelle: Historische Übertragungsregel: Wissen wird an Verantwortlichkeit gebunden. Die Stelle rechtfertigt keine willkürliche Abhängigkeit von einem Lehrer.

17.110

Kuhghee gilt als das beste, Büffelghee als mittleres; Sesamöl wird entsprechend eingeordnet, Ghee von Ziegen und ähnlichen Tieren als geringer.

17.111

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Duftöl wird einer Anwendung bei Erkrankung im Mundbereich, Senföl einer Anwendung zur Vernichtung von Feinden zugeordnet.

Erläuterung zur Stelle: Die erste Drucklesung ist nicht ganz sicher; weder Heilwirkung noch Schädigungswirkung wird als Tatsache bestätigt.

17.112

Wenn nach einer Lampe mit tausend [Pala] die Erfüllung des Vorhabens nicht sichtbar wird, soll die Lampe dreimal regelgemäß vollzogen werden.

Erläuterung zur Stelle: Der Druck hat phalaiḥ statt des im Zusammenhang erwarteten palaiḥ. Die Maßeinheit wird in der Übersetzung sinngemäß in Klammern ergänzt.

Die einfache Lampe und die Vielfalt der Hingabe

Die Schlussverse eröffnen einen Zugang zu beständiger häuslicher Verehrung ohne den gesamten Aufwand des vorangegangenen Rituals.

17.113

Dann soll selbst das äußerst schwer Erreichbare gelingen, ohne Zweifel. Oder man vollziehe nach Möglichkeit eine Lampengabe im eigenen Haus …

Erläuterung zur Stelle: Die Gewissheitsformel gehört zur traditionellen Verheißung. Mit „nach Möglichkeit“ öffnet sich der Text anschließend zur schlichten häuslichen Verehrung.

17.114

… seine Hindernisse sollen samt allen Feinden weithin verschwinden. Beständig soll er Sieg, Söhne, Enkel, Vermögen und Ruhm erlangen.

17.115

Man pflege im Haus täglich nach Möglichkeit die Lampe, um Kartaviryarjuna zu erfreuen. Ein solcher Mensch soll das Ersehnte erlangen.

Erläuterung zur Stelle: Naukā betont, dass bei dieser täglichen Lampe die zuvor aufgeführten aufwendigen Gefäß- und Gheevorschriften nicht erforderlich sind. Die einfache häusliche Verehrung ist daher im Text selbst belegt.

17.116

Kartavirya liebt die Lampe; Martanda liebt die Verneigung. Mahavishnu liebt den Lobpreis, Ganesha die Tarpana-Spende.

Erläuterung zur Stelle: Martanda ist die Sonne. Diese Vielfalt der Verehrungsformen wird im folgenden Vers mit Durga und Shiva fortgesetzt.

17.117

Durga liebt gewiss die Verehrung mit Gaben, Shiva den Abhisheka. Deshalb vollziehe man dies mit Achtung, um sie zu erfreuen.

Erläuterung zur Stelle: Der Abschluss würdigt verschiedene Ausdrucksformen der Hingabe: Licht, Verneigung, Lobpreis, Wasserspende, Puja und rituelles Begießen.

Kolophon des Taraṅga 17

So endet im Mantramahodadhi des ehrwürdigen Mahidhara der siebzehnte Taraṅga, genannt „Darlegung der Mantras Kartaviryarjunas“.

Anmerkung zum Kolophon: 17.21 ist ein Halbvers; 17.42 umfasst drei Halbverse. Zwischentitel im Druck, auch innerhalb nummerierter Einheiten, werden nicht als Sanskritversbestandteile behandelt. Einzelne unklare Zahlen- und Lautfolgen sind lokal gekennzeichnet.

Textgrundlage dieses Taraṅga: Sanskrit-Grundtext der verwendeten Ausgabe, PDF-Seiten 569–593, gedruckte Seiten 517–541. Naukā und die Hindi-Erklärung bleiben vom Grundtext getrennt.

Taraṅga 18 – Kalaratri und Chandi – Ritualmacht, Körperweihung und bewusste Rezitation

Der achtzehnte Taraṅga hat zwei deutlich verschiedene Schwerpunkte. Die Kalaratri-Verehrung umfasst intensive historische Anwendungen zum Beeinflussen und Schädigen; diese werden in der deutschen Erschließung ausdrücklich nichtanleitend zusammengefasst. Ab 18.105 folgt die Chandi-Verehrung mit dem Navarna Mantra, elf Formen des Nyasa, den Meditationen über Mahakali, Mahalakshmi und Mahasarasvati und der Rezitation der Durga Saptashati. Besonders aufschlussreich ist die Forderung, mit deutlicher Aussprache und gegenwärtigem Textsinn zu rezitieren. Den Abschluss bilden Gemeinschaftsrituale und Kumari Puja; ihre historischen sozialen Ausschlussregeln werden klar eingeordnet.

Kalaratri und ihre Mahavidya

Die Formel verbindet kosmische Göttinnenanrufung mit historisch aggressiven und manipulativen Zielen.

18.1

Nun werde ich Kalaratri lehren, die Vernichterin der Feindesscharen. [Die Mantrafolge beginnt:] Tara, Vak, Shakti, Kandarpa und Rama, dann „kāhneśvari“ …

Erläuterung zur Stelle: Der Text eröffnet eine starke, auch aggressive Ritualform. Die Chiffrenfolge wird nicht als einfache allgemein empfohlene Anrufung ausgegeben.

18.2

… „sarvajanamano“, dann „hari“, nach „sarvamukha“ „stambhani“, danach das Wort „sarvarājavaśaṅkari“ …

Erläuterung zur Stelle: Anrufungen als Bezauberin aller Menschen, als Hemmerin der Rede und als Bezwingerin von Königen. Historische manipulative Zielsetzungen.

18.3

… „sarvaduṣṭanirdalani“, „sarvastrīpuruṣākarṣiṇi“, danach „bandīśṛṅkhalās“ und zweimal „troṭaya“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Anrufung verbindet Vernichtung des Bösen und Anziehung von Frauen und Männern mit der Bitte, Gefangenenketten zu zerbrechen.

18.4

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Es folgen Befehle zum Brechen, Zermalmen und Lähmen von Feinden und Gegnern, verbunden mit einer Bezauberungswaffe.

Erläuterung zur Stelle: Der Grundtext zerlegt und zählt die wiederholten Befehlswörter.

18.5

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Formel setzt sich mit wiederholten Vertreibungs- und Unterwerfungsbefehlen fort; svāhā und zweimal dehi schließen sich an.

18.6

… „sarvaṃ kālarātri kāmini gaṇeśvari“; mit „namaḥ“ endet diese Mahavidya von hundertdreiunddreißig Silben.

Erläuterung zur Stelle: Die Anrufung erstreckt sich über 18.1–6. Naukā schreibt sie vollständig aus; sie bleibt aufgrund ihres aggressiven und manipulativen Inhalts historisch einzuordnen.

18.7

Der Rishi ist Daksha, das Metrum Atijagati. Die Gottheit ist Kalaratri, die in Alarka wohnt; als Bija wird dasjenige Kalikas genannt.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert das Bija als krīṃ. Die Ortsbezeichnung Alarka wird bewahrt.

18.8

Mayarajni ist die Shakti; die Anwendung gilt der Verwirklichung des eigenen Anliegens. Auf den fünf Fingern bringe man die fünf Bijas an, beginnend mit Tara.

18.9

Mit vierundzwanzig Silben [vollziehe man den Nyasa] am Herzen, mit fünfundzwanzig am Kopf, mit einundzwanzig an der Haarlocke, mit achtzehn den Schutzpanzer …

18.10

… mit sechsundzwanzig an den Augen und mit neunzehn Astra. Nachdem man die sechs Angas so vollzogen hat, meditiere man über die Verzauberin des Alls.

Erläuterung zur Stelle: Die Silbengruppen ergeben zusammen 133, entsprechend 18.6.

Meditationsbild und Mandala

Das Bild der Göttin und die Anordnung ihrer Kräfte gehören zusammen.

18.11

Ich nehme Zuflucht zu Kalaratri: Sie strahlt wie die aufgehende Sonne, trägt ihr Haar gelöst und hüllt ihren Leib in schwarze Gewänder. In ihren Lotushänden trägt sie Stab, Linga und die Welt und zeigt die Geste des Gewährens. Sie ist dreiäugig, leuchtet mit vielfältigem Schmuck und hat ein lächelndes Lotusantlitz. Götterscharen dienen ihr. Sie ist Maya und Königin; ihr Leib ist von den Pfeilen des Liebesgottes bewegt.

Erläuterung zur Stelle: Das Bild verbindet kosmische Macht, weibliche Souveränität und erotische Symbolik. Naukā erklärt bhuvana hier als das Weltei.

18.12

Man wiederhole den Mantra zehntausendmal und opfere ein Zehntel mit Sesam. Nachdem man die führenden Brahmanen mit [der hier genannten Gabe] zufriedengestellt hat, soll man Heil erlangen.

Erläuterung zur Stelle: Die Lesung payoruhair vā ist im Druck schwierig; payoruha bedeutet gewöhnlich Lotus. Die Art der Gabe lässt sich hier nicht sicher bestimmen und wird deshalb nicht als „Milch und Speisen“ ausgegeben.

18.13

Man verehre sie auf dem Kalika-Pitha. Für die Verehrung wird [folgendes] Yantra genannt: Bindu, Dreieck, Sechseck, Kreis, achtblättriger Lotus und Kreis …

18.14

… sechzehnblättriger Lotus, wieder ein Kreis und ein dreiliniges Erdquadrat mit vier Toren. Nachdem man dies hergestellt hat, verehre man die Göttin im Bindu.

18.15

Dieses Yantra schreibe man auf Birkenrinde oder auf eine Tafel von einem Milchsaftbaum; zur Befriedung mit den acht Duftstoffen und einem Schreibgerät aus Champaka.

18.16

Moschus, Aguru, Kampfer, Rochana, rotes Sandelholz, Kumkuma, Sandelholz und Moschus: Dies sind die acht Duftstoffe.

Erläuterung zur Stelle: Der Druck nennt Moschus zweimal. Die Dublette wird dokumentiert und nicht durch einen vermuteten anderen Stoff ersetzt.

18.17

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Für Gefügigmachen und Lähmen werden besondere Schreibstoffe und Schreibgeräte festgelegt.

18.18

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Vorschrift fährt mit Schreibstoffen für Lähmungs- und Tötungsrituale fort, darunter giftige Substanzen und Tierblut.

Erläuterung zur Stelle: Diese historischen Anwendungen werden weder empfohlen noch als wirksam bestätigt.

18.19

Auf dem so gezeichneten Yantra vollziehe man die Verehrung der Umkreise. Im Dreieck verehre man gegen den Uhrzeigersinn drei Gottheiten …

18.20

… Sammohini, Mohini und als dritte Vimohini. In den sechs Ecken, beginnend bei [der Richtung] des Feuers, verehre man danach die Angas.

18.21

Im Kreis sind die Vokale zu verehren, auf den acht Blättern die acht Mütter, im [nächsten] Kreis die Konsonanten von Ka bis Ksha; auf den sechzehn Blättern [die mit] Urvashi beginnenden [Gestalten] …

18.22

… Urvashi, Menaka, Rambha, Ghritachi, Manjughosha, Sahajanya, Sukeshi und als achte Tilottama …

18.23

… Gandharvi, Siddhakanya, Kinnari, Nagakanyaka, Vidyadhari, Kimpurusha, Yakshini und Pishachika.

Erläuterung zur Stelle: Die Reihe verbindet namentlich genannte Apsaras mit weiblichen Gestalten verschiedener übermenschlicher Wesenklassen.

18.24

Im nächsten Kreis verehre der Mantrakenner zehn Gottheiten: die fünf Bijas vom Anfang des Mantras, jeweils verbunden mit ihrer Gottheit …

Erläuterung zur Stelle: Naukā ordnet oṃ dem Paramatman, aiṃ Sarasvati, hrīṃ Gauri, klīṃ Kama und śrīṃ Rama zu.

18.25

… sowie die fünf Pfeile mit ihren jeweiligen Bijas: So sind zehn Gottheiten genannt. Innerhalb des Erdquadrats sind die acht Siddhis, beginnend mit Anima, zu verehren.

18.26

Auf den drei Linien des Erdquadrats sind neun Gottheiten zu verehren: die Dreiheit von Willenskraft, Handlungskraft und Erkenntniskraft …

18.27

… auf der ersten Linie; auf der zweiten Shiva, Aja und Ka; auf der dritten Linie die Dreiheit der Gunas, beginnend mit Sattva.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt die Göttertrias als Rudra, Vishnu und Brahma; die Gunas sind Sattva, Rajas und Tamas.

18.28

An den vier Toren, beginnend im Osten, verehre man Ganesha, Kshetrapala, Batuka und die Yoginis sowie Indra und die übrigen [Richtungshüter].

18.29

Nachdem man die äußere Verehrung so vollzogen hat, sind wiederum zwölf Göttinnen an den Seiten der [Haupt-]Göttin zu verehren, in jeder Richtung drei …

18.30

… zuerst Maya, dann Kalaratri, als dritte Vatavasini, [ferner] Ganeshvari, die Kahna Genannte, Vyapika und Alarkavasini …

18.31

… Mayarajni, Madanapriya, als achte Rati, Lakshmi und Kahneshvari: So werden zwölf Göttinnen genannt.

Erläuterung zur Stelle: Die Reihenfolge und die Angabe „als achte“ stimmen im Druck nicht ohne Weiteres überein; die zwölf Namen werden bewahrt, ohne die Nummerierung stillschweigend umzuschreiben.

18.32

Nachdem man die Verehrung bis zur Speisegabe vollzogen hat, bringe man ein Bali mit Fisch und Ähnlichem dar. So verehrt, soll Kalaratri das Ersehnte gewähren.

Erläuterung zur Stelle: Historische, nichtvegetarische Ritualgabe; keine allgemeine Yoga-Praxisempfehlung.

Historische Beeinflussungs- und Schädigungsrituale

Die deutsche Erschließung gibt diese Anwendungen nichtanleitend wieder; sie sind keine heutige Praxisempfehlung.

18.33

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein Vaśīkaraṇa-Ritual beginnt mit der Verehrung an einem Gewässer zu einer festgelegten Zeit.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.34

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Anrufung eines Blutegels enthält den Wunsch, Menschen gefügig zu machen; Lautfolge und Wiederholungen werden angegeben.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.35

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Text verbindet eine Nacht der Erinnerung an die Göttin mit der Beschaffung zweier Blutegel am folgenden Morgen.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.36

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Es folgt die Herstellung eines tierischen Ritualpulvers und eines präparierten Lampendochts.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.37

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein besonderes Lampengefäß und dessen Befüllung werden vorgeschrieben.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.38

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ölgewinnung und die Herkunft des Feuers für die Lampe werden rituell bestimmt.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.39

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Weitere Brennstoffe und die Aufstellung auf einem geometrischen Diagramm werden genannt.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.40

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Kalaratri wird in die vorbereitete Lampe gerufen und darin verehrt.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.41

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Göttin wird mit ihren Umkreisen verehrt; danach wird Lampenruß für eine rituelle Salbe gesammelt.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.42

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Ruß wird unter einer festgelegten Ausrichtung dreihundertmal mit dem folgenden Mantra besprochen.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.43

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die lange Salbenformel beginnt mit Bijas und der Anrufung Kahneshvaris; sie enthält den wiederholten Befehl, alle zu bezaubern.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.44

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Göttin wird als dunkel, dunkelfarbig und in dunkle Gewänder gekleidet angerufen; Anziehungs- und Unterwerfungsbefehle folgen.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.45

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Formel endet mit vier Bijas und wird als achtundfünfzigsilbiger Mantra zur Salbenbesprechung bezeichnet.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.46

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Gottheit wird aus der Lampe im eigenen Selbst gesammelt; anschließend wird die Salbe rituell weiterbearbeitet.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.47

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Text schreibt erneute Mantrawiederholung und ein Feueropfer mit festgelegter Anzahl vor.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.48

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Bewirtung eines Mädchens, eines Knaben und einer Frau wird mit einem Salbenzeichen verbunden.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.49

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Dem Salbenzeichen wird Macht über Männer, Frauen und Könige zugeschrieben; auch eine weitere Verabreichungsform wird genannt.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.50

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Text behauptet dauernde Unterwerfung eines berührten Menschen. Danach beendet er den Vaśīkaraṇa-Abschnitt und kündigt Stambhana an.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.51

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Für Stambhana wird ein beschriftetes Tuch mit besonderen Schreibstoffen vorbereitet.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.52

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein achtblättriges Diagramm verbindet den Namen eines Feindes mit vorgegebenen Bijas.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.53

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Weitere Wörter, Fäden und Dornen werden zur rituellen Bindung des Diagramms eingesetzt.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.54

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das eingewickelte Diagramm wird an einem besonderen Ort deponiert und mit einer rituellen Flüssigkeit behandelt.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.55

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Deponierung wird durch eine tausendfache Mantrawiederholung unter vorgeschriebener Ausrichtung abgeschlossen.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.56

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine besondere Gebetskette wird genannt; danach beginnt die Erklärung des Lähmungsmantras mit verschlüsselten Lautgruppen.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.57

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Formel ruft Kamakshi in Maya-Gestalt als Bezauberin an und enthält wiederholte Lähmungsbefehle.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.58

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Hemmungs- und Bezauberungsbefehle sowie weitere Bijavarianten werden hinzugefügt.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.59

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der als fünfzigsilbig bezeichnete Mantra endet mit Kahneshvari und einer dreifachen Schlussfolge; ihm wird die Lähmung von Feinden zugeschrieben.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.60

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Mohana-Abschnitt beginnt mit einer besonderen Schreibflüssigkeit und einem Bijadiagramm auf Birkenrinde.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.61

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Weitere Kreise werden mit festgelegten Zahlen von Kama-Bijas umgeben.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.62

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein zusätzlicher Bijakreis und ein Sechseck erweitern das Diagramm.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.63

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das Diagramm wird als Mittel der Bezauberung bezeichnet und mit einem zehnsilbigen Mantra verbunden.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.64

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der zehnsilbige Mohana-Mantra wird durch Namensform, Bijas und Pranava am Anfang bestimmt.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.65

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine mehrtägige Wiederholung und ein dazugehöriges Feueropfer werden vorgeschrieben.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.66

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Dem aus Opferasche gefertigten Stirnzeichen und dem Tragen des Yantras wird weltweite Bezauberungsmacht zugeschrieben.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.67

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Nach Mohana wird Akarshana, das Heranziehen einer Zielperson, eingeführt; besondere Zeiten und ein Vollzug im Wasser werden genannt.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.68

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die vorbereitende Rezitation im Wasser wird mit einer körperlichen Salbung im Haus verbunden.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.69

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine weibliche oder männliche Bildgestalt dient als Bezugspunkt der auf eine Person gerichteten Handlung.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.70

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Vor der Bildgestalt wird ein Anziehungsmantra gesprochen; seine Formel beginnt mit Pranava und der Verehrung Kalikas.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.71

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Lautchiffren, ein einzusetzender Personenname und wiederholte Befehle zum Heranziehen und raschen Herbeibringen bilden den Fortgang.

Erläuterung zur Stelle: Der Grundtext nennt in 70 und 72 vierzig Silben; die Hindi-Erklärung zählt dagegen 44. Die Abweichung wird nicht stillschweigend beseitigt.

18.72

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Bijas, Bhadrakali und der Schlussabschluss vervollständigen den als anziehungskräftig bezeichneten Mantra.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.73

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Rezitation wird mit der Verehrung der gezeichneten Bildgestalt verbunden.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.74

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Buchstaben der Matrika werden einzeln mit dem Zielnamen und einem Anziehungsbefehl verbunden.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.75

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Räucherwerk, Licht, Speisegabe und ein Feueropfer begleiten das auf Heranziehen gerichtete Ritual.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.76

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine aus schwarzen Baumwollfäden gefertigte Schnur wird für den nächsten Ritualschritt vorbereitet.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.77

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die geknüpfte und getragene Schnur soll eine Frau oder einen Mann rasch herbeiführen; der Text behauptet eine über deren eigenen Willen verfügende Wirkung.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.78

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Für die vermeintliche Herbeiführung werden unterschiedliche Fristen nach Aufenthaltsort genannt. Danach wird Uccāṭana, die Vertreibung, eingeführt.

Erläuterung zur Stelle: Historische aggressive oder manipulative Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.79

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Zeit, Ort, Haltung, Kleidung und Ausrichtung eines Vertreibungsrituals werden festgelegt.

Erläuterung zur Stelle: Historische aggressive oder manipulative Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.80

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine geknotete Schnur, eine festgelegte Wiederholungszahl und die Vergegenwärtigung der Gottheit begleiten die Handlung.

Erläuterung zur Stelle: Historische aggressive oder manipulative Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.81

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Vier Bijas werden durch traditionelle Lautchiffren beschrieben.

Erläuterung zur Stelle: Historische aggressive oder manipulative Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.82

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der folgende Mantra verbindet eine Kalaratri-Anrufung und den Zielnamen mit Vertreibungs- und Zerstörungsbefehlen.

Erläuterung zur Stelle: Historische aggressive oder manipulative Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.83

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der als sechsunddreißigsilbig bezeichnete Mantra endet mit weiteren Bijas und Kamakshi; er soll einen Feind rasch vertreiben.

Erläuterung zur Stelle: Historische aggressive oder manipulative Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.84

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Nach der Wiederholung folgen ein nächtliches Feueropfer und die Vorbereitung einer Gabe.

Erläuterung zur Stelle: Historische aggressive oder manipulative Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.85

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Gabe wird dargebracht; dem wiederholten Ritual wird zugeschrieben, einen Gegner aus der Gegend zu vertreiben.

Erläuterung zur Stelle: Historische aggressive oder manipulative Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.86

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Vidveṣaṇa wird eingeführt: Zwei Bildgestalten sollen die Personen vertreten, zwischen denen Feindschaft erzeugt werden soll.

Erläuterung zur Stelle: Historische aggressive oder manipulative Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.87

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine giftbezogene Schreibmischung und nächtliche Mantrawiederholung gehören zur Vorbereitung.

Erläuterung zur Stelle: Historische aggressive oder manipulative Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.88

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die verschlüsselte Mantrafolge beginnt mit Bijas und einer Anrufung der Göttin.

Erläuterung zur Stelle: Historische aggressive oder manipulative Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.89

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Zielnamen werden mit wiederholten Befehlen zum Erzeugen von Feindschaft, Hemmen und Brechen verbunden.

Erläuterung zur Stelle: Historische aggressive oder manipulative Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.90

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der als fünfzigsilbig bezeichnete Mantra endet mit weiteren Bijas und der Anrufung der Königin.

Erläuterung zur Stelle: Historische aggressive oder manipulative Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.91

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Nach der Rezitation werden die beiden Bildträger mit einer besonders hergestellten Schnur verbunden.

Erläuterung zur Stelle: Historische aggressive oder manipulative Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.92

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die verbundenen Bildträger werden deponiert. Das Ritual soll sogar zwischen einander zugetanen Menschen Feindschaft erzeugen.

Erläuterung zur Stelle: Historische aggressive oder manipulative Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.93

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Māraṇa wird gegen einen nichtbrahmanischen Feind zugelassen; für die Reinigung davon schreibt der Text 108 Wiederholungen des Grundmantras vor.

Erläuterung zur Stelle: Die historische Ausnahme für Brahmanen wird dokumentiert, aber weder das Schädigungsziel noch die soziale Ungleichbehandlung werden übernommen. Die vorgeschriebene Reinigung zeigt, dass die Handlung im Text selbst nicht folgenlos erscheint.

18.94

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein Tötungsritual beginnt mit der Entnahme von Erde an besonderen Orten zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Erläuterung zur Stelle: Historische aggressive oder manipulative Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.95

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Aus Erde und Pflanzenstoffen wird eine stellvertretende Figur hergestellt.

Erläuterung zur Stelle: Historische aggressive oder manipulative Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.96

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Figur erhält den Namen des Feindes und wird rituell belebt.

Erläuterung zur Stelle: Historische aggressive oder manipulative Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.97

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Figurenverehrung verwendet Stoffe aus dem Bestattungskontext, Öl und Tierblut.

Erläuterung zur Stelle: Historische aggressive oder manipulative Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.98

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Weitere Gaben sowie ein Māraṇa-Mantra werden mit Feueropfer und Figurenverehrung verbunden.

Erläuterung zur Stelle: Historische aggressive oder manipulative Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.99

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Tötungsmantra enthält Bijas, eine Göttinnenanrufung, den Zielnamen und einen wiederholten Tötungsbefehl.

Erläuterung zur Stelle: Historische aggressive oder manipulative Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.100

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der als dreiundzwanzigsilbig bezeichnete Mantra wird für die Verehrung und das Feueropfer bestimmt.

Erläuterung zur Stelle: Historische aggressive oder manipulative Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.101

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein abendliches Opfer mit scharfen beziehungsweise giftigen Stoffen und die Beschädigung der stellvertretenden Figur werden beschrieben.

Erläuterung zur Stelle: Historische aggressive oder manipulative Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.102

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Vernichtung der Figur und ein Schlussopfer sollen nach der Behauptung des Textes den Tod des Gegners bewirken.

Erläuterung zur Stelle: Historische aggressive oder manipulative Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.103

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Bei derartigen Handlungen wird eine vorangestellte Gabe an Bhairava verlangt und sicherer Erfolg behauptet.

Erläuterung zur Stelle: Historische aggressive oder manipulative Ritualanwendung; keine empfohlene Sadhana.

18.104

Wer als Mantrakenner eine solche Handlung vollzieht, soll zu seinem eigenen Schutz sorgfältig Narasimha oder Hara verehren.

Erläuterung zur Stelle: Der Abschluss stellt die aggressiven Anwendungen in einen Schutz- und Gefahrenzusammenhang. Dies wird nicht als Rechtfertigung ihrer heutigen Ausübung verstanden.

Chandi und der Navarna-Mantra

Ein neuer Abschnitt entfaltet die Verehrung der Göttin in ihren drei großen Gestalten.

18.105

Nun werde ich den neunsilbigen Mantra zur Verehrung Chandis lehren: Vak, Maya, Madana, die lange Lakshmi und Tandri mit Shruti und Indu …

Erläuterung zur Stelle: Ein neuer Abschnitt beginnt. Naukā erläutert die ersten Bijas als aiṃ hrīṃ klīṃ und den folgenden Namen als cāmuṇḍā.

18.106

… „ḍāyai“, Jala mit Sadrish und das Kurma-Paar mit Jhintisha: [Dies ist] der neunsilbige [Mantra]. Seine Rishis sind Brahma, Vishnu und Maheshvara.

Erläuterung zur Stelle: Die von Naukā erklärte Formel lautet aiṃ hrīṃ klīṃ cāmuṇḍāyai vicce. Sie ist als Navarna-Mantra überliefert; eine zusätzliche oṃ-Silbe gehört nicht zur hier genannten Neunsilbenform.

18.107

Die Weisen nennen als Metren Gayatri, Ushnih und Anushtubh. Als Göttinnen werden Kali, Lakshmi und Sarasvati genannt, jeweils mit „Maha“ vorangestellt.

18.108

Nanda, Shakambhari und Bhima gelten als Shaktis dieses Mantras. Raktadantika, Durga und Bhramari werden als seine Bijas bezeichnet.

Erläuterung zur Stelle: Die Zuordnung meint Göttinnengestalten als Kräfte und Keime der Gesamtformel, nicht einfach drei zusätzlich anzuhängende Lautbijas.

18.109

Feuer, Wind und Sonne sind seine Tattvas; seine Frucht entspringt den drei Veden. Als Viniyoga wird die Erfüllung aller erstrebten Anliegen genannt.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt Bhaga hier als Sonne.

18.110

Rishi, Metrum und Gottheit bringe man an Kopf, Mund und Herzen an; Shaktis und Bijas an den beiden Brüsten, die Tattvas wiederum am Herzen.

Elf Nyasas

Der Körper wird mit Lauten, göttlichen Kräften und Schutzbitten verbunden.

18.111

Danach vollziehe man elf Nyasas, die die erwünschte Frucht verleihen sollen. Als erster ist der Matrika-Nyasa nach der früher gelehrten Weise zu vollziehen …

18.112

… durch dessen Vollzug der Mensch Gleichgestaltigkeit mit der Gottheit erlangen soll. Danach vollziehe man den zweiten Nyasa, den Sarasvata genannten.

18.113

Die drei Bijas vom Anfang des Mantras, mit Tara voran und Hridaya am Ende, bringe man nacheinander auf den fünf Fingern an, beginnend beim kleinen Finger …

Erläuterung zur Stelle: Naukā schreibt die Folge oṃ aiṃ hrīṃ klīṃ namaḥ aus.

18.114

… dann in der Handmitte, auf dem Handrücken, am Handgelenk und Ellbogen. An den mit dem Herzen beginnenden Angas bringe man [die Formel] mit den zugehörigen Jatis an.

Erläuterung zur Stelle: Jāti bezeichnet hier die ritualtechnischen Abschlusssilben der Anga-Mantras.

18.115

Ist dieser Sarasvata-Nyasa vollzogen, soll geistige Trägheit schwinden. Danach vollziehe man den dritten Nyasa, verbunden mit der Schar der Mütter.

18.116

Mit Maya-Bija vorangestellt: „Brahmi schütze mich stets im Osten, Maheshvari im Südosten und Kaumari im Süden.“

18.117

„Vaishnavi schütze im Südwesten, Varahi im Westen; Indrani in der Feuerecke, Chamunda im Norden.“

Erläuterung zur Stelle: Der Druck hat pāvake koṇe, also Feuerecke/Südosten; die begleitende Erklärung nennt dagegen Nordwesten. Die Abweichung wird bewahrt.

18.118

„Im Nordosten [schütze] Mahalakshmi, oben Vyomeshvari, auf der Erde Saptadvipeshvari und unten Kameshvari.“

18.119

Wenn dieser dritte Nyasa vollzogen ist, soll man die drei Welten überwinden. Als vierten vollziehe man den Nyasa, verbunden mit Nandaja und den übrigen [Göttinnen].

18.120

„Nandaja, mit Lotus und Stachelstock geschmückt, schütze die Vorderseite. Raktadantika, die Schwert und Schale in den Händen hält, schütze rechts.“

18.121

„Am Rücken schütze Shakambhari, mit Blüten und jungen Blättern ausgestattet; Durga mit Bogen und Pfeil in den Händen schütze mich stets links.“

18.122

„Bhima mit Kopf und Schale in den Händen [schütze mich] vom Scheitel bis zu den Füßen, Bhramari mit ihrem vielfarbigen Glanz von den Füßen bis zum Scheitel.“

18.123

Der Mensch vollziehe den vierten Nyasa; er soll Alter und Tod vertreiben. Danach vollziehe man als fünften den vorzüglichen Brahma genannten Nyasa.

Erläuterung zur Stelle: Alter und Tod zu überwinden ist hier eine religiöse Verheißung, keine medizinische oder biologische Zusicherung.

18.124

„Von den Füßen bis zum Nabel schütze der ewige Brahma; vom Nabel bis zu Vishuddhi schütze stets Janardana.“

18.125

„Von Vishuddhi bis zum Brahmarandhra schütze der dreiäugige Rudra. Hamsa schütze beide Füße, Vainateya beide Hände.“

Erläuterung zur Stelle: Vainateya ist Garuda, Sohn Vinatas.

18.126

„Der Stier schütze beide Augen, Gajanana sämtliche Glieder; die beiden Körperbereiche schütze der aus Glückseligkeit bestehende Hari.“

Erläuterung zur Stelle: Parāparau bezeichnet die beiden gegensätzlichen beziehungsweise oberen und unteren Körperbereiche; die Zuordnung bleibt im Grundtext knapp.

18.127

Ist dieser fünfte Nyasa vollzogen, soll man alle Wünsche erlangen. Danach vollziehe man den sechsten Nyasa, verbunden mit Mahalakshmi und den weiteren [Göttinnen].

18.128

„Die Körpermitte schütze Mahalakshmi mit ihren achtzehn Armen; oben schütze Sarasvati, machtvoll mit acht Armen.“

18.129

„Unten schütze Mahakali mit zehn Armen; der Löwe schütze beide Hände, Hamsa beide Augen.“

18.130

„Yama auf dem göttlichen Büffel schütze beide Füße; Mahesha, verbunden mit Chandika, schütze alle meine Glieder.“

Erläuterung zur Stelle: Die gedruckte Verbindung maheśacaṇḍikāyuktaḥ wird als Mahesha mit Chandika verstanden.

18.131

Ist dieser sechste Nyasa vollzogen, soll der Mensch einen guten Weg erlangen. Als siebten vollziehe man den Nyasa der Silben des Grundmantras …

18.132

… am Brahmarandhra, an beiden Augen, beiden Ohren, beiden Nasenöffnungen, Mund und After: die Silben des Grundmantras mit Tara voran und „namaḥ“ verbunden.

18.133

So bringe man sie an; durch den siebten Nyasa soll Krankheit schwinden. Danach bringe man dieselben [Silben] vom After bis zum Brahmarandhra [in umgekehrter Folge] an.

Erläuterung zur Stelle: Die Heilwirkung ist eine traditionelle Verheißung, keine medizinisch gesicherte Wirkung. Die zweite Hälfte eröffnet den achten Nyasa.

18.134

Durch diesen achten Nyasa soll alles Leiden schwinden. Als neunten vollziehe man den Nyasa, dessen Wesen die Durchdringung durch den Mantra ist.

18.135

Vom Kopf bis zu den Füßen, von den Füßen bis zum Kopf, vorne, rechts, hinten und links bringe man [den Mantra] jeweils achtmal an.

18.136

Der mit dem Grundmantra vollzogene neunte Nyasa soll zur Erlangung der Gottheit führen. Danach vollziehe man als zehnten den vorzüglichen sechsfachen Anga-Nyasa.

18.137

Den Grundmantra mit den zugehörigen Abschlüssen bringe man an Herz und den weiteren [Angas] an. Durch diesen zehnten Nyasa sollen die drei Welten gefügig werden.

Erläuterung zur Stelle: Die Beherrschungsverheißung ist Teil der historischen Ritualsprache.

Lobpreis und Körperweihung

Der Grundtext nennt die bekannten Lobpreisverse durch ihre Anfänge.

18.138

Danach vollziehe man den elften [Nyasa], der die für die zehn Nyasas genannten Früchte verleihen soll. Nachdem man die fünf Verse beginnend mit „khaḍginī śūlinī“ gesprochen hat …

Erläuterung zur Stelle: Die Verse werden hier nur durch ihren Anfang bezeichnet. Die im Kommentar ausgeschriebenen Devi-Mahatmya-Zitate werden nicht als zusätzliche Verse des Grundtexts gezählt.

18.139

… meditiere man über das erste Bija als tiefdunkel und bringe es am ganzen Körper an. [Danach rezitiere man] die vier Verse beginnend mit „śūlena pāhi no devi“ …

18.140

… und bringe das zweite [Bija], der Sonne gleich, überall an. [Danach rezitiere man] die fünf Verse beginnend mit „sarvasvarūpe sarveśe“ …

18.141

… und bringe das dritte [Bija], kristallhell, am eigenen Körper an. Danach vollziehe man den sechsfachen Anga-Nyasa mit den aufgeteilten Silben des Grundmantras.

18.142

Mit je einer [der ersten drei Silben], mit vier, mit zwei und mit dem gesamten Mantra vollziehe der Einsichtige die sechs Angas.

Erläuterung zur Stelle: PDF 624 enthält die im Kommentar ausgeschriebenen Zitatverse; der Grundtext setzt hier fort.

18.143

An Haarlocke, Augen, Ohren, Nasenöffnungen, Mund und After bringe man die Mantrasilben an. Mit dem ganzen [Mantra] vollziehe man achtmal den umfassenden Nyasa.

Mahakali, Mahalakshmi und Mahasarasvati

Die drei Meditationsbilder gehören zum Devi-Mahatmya-Zusammenhang.

18.144

Ich verehre Mahakalika: Sie hält Schwert, Rad, Keule, Pfeil, Bogen, Eisenstange, Dreizack, Bhushundi, Kopf und Muschelhorn in den Händen. Sie ist dreiäugig und an allen Gliedern geschmückt. Als Hari schlief, pries sie der Lotusgeborene, damit Madhu und Kaitabha getötet würden. Sie leuchtet wie ein blauer Edelstein und besitzt je zehn Gesichter und Füße.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert auch zehn Arme; Bhushundi ist eine Waffenbezeichnung. Der Lotusgeborene ist Brahma. Das Bild gehört zum Devi-Mahatmya-Zusammenhang.

18.145

Ich verehre hier Mahalakshmi, die auf einem Lotus steht, korallenrot strahlt und den Büffeldämon zermalmt. In ihren Händen hält sie Gebetskette, Axt, Keule, Pfeil, Vajra, Lotus, Bogen, Wassergefäß, Stab, Speer, Schwert, Schild, Muschelhorn, Glocke, Weinbecher, Dreizack, Schlinge und Sudarshana-Rad.

Erläuterung zur Stelle: Diese achtzehnarmige Mahalakshmi ist die kämpferische Göttin des Devi-Mahatmya-Kontexts; sie wird nicht auf ein gewöhnliches zweihändiges Wohlstandsbild reduziert.

18.146

Ich verehre hier Mahasarasvati: In ihren Lotushänden trägt sie Glocke, Dreizack, Pflug, Muschelhorn, Keule, Rad, Bogen und Pfeil. Ihr Glanz gleicht dem kühlen Mond, der hinter den Wolken hervorleuchtet. Aus Gauris Leib hervorgegangen, ist sie die Grundlage der drei Welten und die Bezwingerin Shumbhas und weiterer Daityas.

18.147

Nachdem man so meditiert hat, wiederhole man [den Mantra] vierhunderttausendmal; ein Zehntel davon opfere man mit Milchreis im zuvor verehrten Feuer.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt Hemaretas als Agni.

Die Umkreise der Chandi-Verehrung

Auch Bewusstheit, Geduld, Vertrauen, Erinnerung und Mitgefühl erscheinen als göttliche Kräfte.

18.148

Danach verehre man die Göttin auf dem Pitha mit Jaya und den übrigen Shaktis, versehen mit einem vierundzwanzigblättrigen [Lotus], Kreis, Dreieck, Sechseck und achtblättrigem [Lotus].

Erläuterung zur Stelle: Tattva bezeichnet hier die Zahl 24, wie die folgende Erklärung des Diagramms bestätigt.

18.149

Nachdem man in der Mitte des Dreiecks über sie meditiert und sie mit dem Grundmantra verehrt hat, verehre man in der östlichen Ecke Vidhatri mit Sura …

Erläuterung zur Stelle: Der Druck hat surayā; eine erwartbare Namenskorrektur wird nicht stillschweigend vorgenommen. PDF 627 enthält Erläuterungen und das Diagramm.

18.150

… im Südwesten Vishnu mit Shri, im Nordwesten Shiva mit Uma. Im Norden und Süden verehre man der Reihe nach Löwen und Büffel.

18.151

In den sechs Ecken, beginnend im Osten, verehre man Nandaja, Raktadantika, Shakambhari, Durga, Bhima und Bhramari.

18.152

Die mit Nandaja beginnenden Shaktis verehre man mit den jeweiligen Anfangslauten, versehen mit Bindu und Nada, mit Tara voran und „namaḥ“ am Ende; ebenso die anschließend genannten [Shaktis].

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert die Namensmantras am Beispiel Nandajas und Brahmanis.

18.153

Auf den acht Blättern sind Brahmani, Maheshvari, Kaumari, Vaishnavi, Varahi und Narasimhi zu verehren …

18.154

… danach Aindri und Chamunda. Auf den vierundzwanzig Blättern [verehre man] diese: Vishnumaya, Chetana, Buddhi, Nidra, Kshudha …

Erläuterung zur Stelle: Die Namen bezeichnen Vishnus Maya, Bewusstheit, Einsicht, Schlaf und Hunger.

18.155

… Chaya, Shakti, Trishna, Kshanti, Jati, Lajja, Shanti, Shraddha, Kanti, Lakshmi, Dhriti, Vritti, Shruti und Smriti …

Erläuterung zur Stelle: Schatten, Kraft, Durst, Geduld, Geburt beziehungsweise Gattung, Schamgefühl, Frieden, Vertrauen, Schönheit, Glück, Standhaftigkeit, Lebensunterhalt, Hören beziehungsweise Offenbarung und Erinnerung erscheinen als göttliche Kräfte.

18.156

… Zufriedenheit, Gedeihen, Mitgefühl, Mutter und Verblendung, der Reihe nach als Shaktis. Außerhalb, an den Ecken des Erdquadrats, [verehre man] Ganesha, Kshetrapala …

Erläuterung zur Stelle: Śakti wird hier als Gattungsbezeichnung der Reihe verstanden; die vorherige Reihe ergibt damit 24 Gestalten. Der Sanskritdruck wiederholt das Wort am Ende.

18.157

… Batuka, die Yoginis sowie Indra und die weiteren [Richtungshüter]. Ist der Mantra so vollendet, soll der Mantrakenner zu einem Gefäß des Wohlergehens werden.

Die Saptashati mit Verständnis rezitieren

Deutliche Aussprache und Vergegenwärtigung des Sinnes werden ausdrücklich verlangt.

18.158

Wer täglich den im Markandeya-Purana gelehrten Chandi-Lobpreis liest und ihn, vom Grundmantra umschlossen, wiederholt, soll das Ersehnte erlangen.

Erläuterung zur Stelle: Gemeint ist die als Devi-Mahatmya beziehungsweise Durga-Saptashati bekannte Textüberlieferung.

18.159

In der hellen Hälfte des Ashvina, vom ersten Mondtag bis zum achten, wiederhole der Einsichtige [den Mantra] hunderttausendmal und vollziehe ein Feueropfer mit einem Zehntel [dieser Zahl].

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt agnitithi hier als Pratipad, den ersten Mondtag.

18.160

Täglich verehre man die Göttin und lese auch die Saptashati. Nachdem er die Brahmanen geehrt hat, soll der Mantrakenner bald sein erstrebtes Ziel erlangen.

18.161

Beim ersten Charitra der Saptashati ist der Rishi der Lotusgeborene; als Metrum wird Gayatri genannt, die Gottheit ist Mahakali …

18.162

… das Bija ist Vag[bija], das Tattva Feuer, die Anwendung dient Dharma. Beim mittleren Charitra wird Vishnu als Rishi genannt …

Erläuterung zur Stelle: Naukā ordnet das erste Charitra dem Madhu-Kaitabha-, das mittlere dem Mahishasura-Geschehen zu.

18.163

… das Metrum ist Ushnih, die Gottheit Mahalakshmi, das Bija Adrija, das Tattva Wind; die Anwendung wird zur Erlangung von Vermögen genannt.

Erläuterung zur Stelle: Adrija bezeichnet hier nach Naukā hrīṃ.

18.164

Für das letzte Charitra wird Shankara als Rishi gelehrt, Trishtubh als Metrum und Mahasarasvati als Gottheit …

Erläuterung zur Stelle: Das letzte Charitra betrifft insbesondere Shumbha und Nishumbha.

18.165

… Kama-Bija, Sonne als Tattva und Erfüllung von Wünschen als Anwendung. Nachdem man sich so an Rishi und die übrigen Zuordnungen erinnert und nach der früher gelehrten Weise meditiert hat …

18.166

… lese man den Chandi-Lobpreis mit Vergegenwärtigung seines Sinnes, mit deutlichen Wörtern und Silben. Am Ende meditiere man über Mahalakshmi und vollziehe den sechsfachen Anga-Nyasa …

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt ausdrücklich arthasmaraṇapūrvakam: Der Sinn soll beim Rezitieren gegenwärtig sein. Dies ist ein besonders klarer Beleg dafür, dass Mantrapraxis nicht auf mechanische Wiederholung reduziert wird.

18.167

… wiederhole den Grundmantra hundertachtmal und bringe [die Wiederholung] der Gottheit dar. Wer den Lobpreis so vollzieht, soll niemals verzagen.

Erläuterung zur Stelle: Die gedruckte Verbindung aṣṭaśatam wird in der begleitenden Erklärung als 108 verstanden.

18.168

Ein Mensch, der Chandika verehrt, soll reich an Vermögen, Getreide und Ruhm, mit Söhnen, Enkeln und Gesundheit versehen, viele Jahre leben.

Erläuterung zur Stelle: Traditionelle Fruchtverheißung; die Druckformen werden nicht als moderne Erfolgsgarantie gelesen.

Shatachandi als Gemeinschaftsritual

Das aufwendige Ritual antwortet auf individuelle und kollektive Nöte.

18.169

Nun werde ich zum Wohlergehen der Menschen die Ordnung der Shatachandi lehren. Bei Bedrängnis durch Herrscher, bei Hungersnot und Erdbeben …

18.170

… bei übermäßigem Regen und Dürre, Furcht vor einem fremden Heer und Verfall sollen alle Hindernisse durch den Vollzug der Shatachandi schwinden.

Erläuterung zur Stelle: Die Druckverbindung des ersten Viertels ist auffällig; Regenübermaß und Regenmangel sind im Zusammenhang deutlich.

18.171

[Als Früchte werden genannt:] das Schwinden von Krankheiten und Feinden, Fülle an Vermögen und Söhnen. Nahe einem Heiligtum Shankaras oder Bhavanis [errichte man] einen geeigneten …

18.172

… Pavillon mit Toren und Opferplattform, mit Fahnen und Torbögen. Darin lege man die Feuergrube im Westen oder in der Mitte an.

18.173

Nach dem Bad und den täglichen Pflichten wähle man zehn Brahmanen: mit beherrschten Sinnen, gutem Verhalten, aus angesehener Familie und wahrhaftig …

Erläuterung zur Stelle: Die Herkunftsanforderung gehört zur historischen Sozialordnung; Sinnesbeherrschung, gutes Verhalten und Wahrhaftigkeit werden davon unterscheidbar als persönliche Eigenschaften genannt.

18.174

… gelehrt, der Chandi-Rezitation zugewandt, mit Schamgefühl und Mitgefühl. [Man ehre sie] nach der Madhuparka-Ordnung und durch Gaben von Kleidung, Gold und Weiterem.

Erläuterung zur Stelle: Lajjā und dayā bezeichnen sittliche Scheu beziehungsweise Schamgefühl und Mitgefühl; die Auswahl der Rezitierenden verbindet Textkenntnis und Haltung.

18.175

Für den Japa gebe man ihnen Sitz und Gebetskette sowie Nahrung. Sie sollen opfergeeignete Speise essen und ihren Geist auf den Sinn des Mantras richten …

18.176

… auf dem Boden schlafen und reinen Geistes den im Markandeya-Purana gelehrten Chandika-Lobpreis jeweils zehnmal rezitieren.

Kumari Puja und ihre historischen Regeln

Die Verehrung der Göttin in Kindern steht neben sozialen und körperbezogenen Ausschlussregeln, die nicht als heutige Werte übernommen werden.

18.177

Den neunsilbigen Chandika-Mantra wiederhole jeder zehntausendmal. Der Opferherr verehre außerdem eine glückverheißende Gruppe von zehn Mädchen.

18.178

Er verehre Mädchen vom zweiten bis zum zehnten Lebensjahr; [ausgeschlossen werden] solche mit zusätzlichen oder fehlenden Gliedmaßen, mit gekrümmtem Rücken oder mit Wundmalen …

Erläuterung zur Stelle: Historische körperbezogene Ausschlusskriterien. Sie sind diskriminierend und keine Empfehlung für heutige Verehrung oder den Umgang mit Kindern.

18.179

… blinde, einäugige oder schielende, als unansehnlich bewertete, stark behaarte, von einer Dienerin geborene, kranke oder als schlecht geltende Mädchen solle man nicht verehren.

Erläuterung zur Stelle: Die historischen Abwertungen nach Körper, Gesundheit und Herkunft werden ausdrücklich nicht übernommen.

18.180

Eine Brahmanentochter verehre man zur Erfüllung aller Anliegen, eine Kshatriyatochter für Ruhm, eine Vaishyatochter für Vermögensgewinn und eine Shudratochter für Nachkommenschaft.

Erläuterung zur Stelle: Historische Varna-Zuordnungen, keine Wertung von Kindern oder Menschen für die Gegenwart.

18.181

Die Zweijährige wird Kumari genannt, die Dreijährige Trimurti, die Vierjährige Kalyani und die Fünfjährige Rohini.

18.182

Die Sechsjährige wird Kalika genannt, die Siebenjährige Chandika, die Achtjährige Shambhavi und die Neunjährige Durga.

18.183

Die Zehnjährige [heißt] Subhadra. Diese verehre man mit ihren jeweiligen Mantras. Bei der Einjährigen fehle das [entsprechende] Erfreutsein; Elfjährige sind ausgeschlossen.

Erläuterung zur Stelle: Die Altersreihe benennt neun Gestalten für zwei bis zehn Jahre, während 177 eine Gruppe von zehn Mädchen nennt. Die Differenz wird nicht durch eine erfundene zehnte Gestalt aufgefüllt.

Anrufungen der Göttin

Die Gebete betonen Mitgefühl, Frieden, Freude und das göttliche Wesen aller Lebewesen.

18.184

Für ihre Herbeirufung werden von Shankara gelehrte Mantras genannt: „Lakshmi, die aus den Mantrasilben besteht und die Gestalten der Mütter trägt …“

18.185

„… die ihrem Wesen nach die neun Durgas ist, rufe ich unmittelbar als Mädchen herbei.“ Nun lehre ich die Verehrungsmantras der mit Kumari beginnenden Mädchen.

18.186

„Von der Welt Verehrte, von der Welt Gepriesene, die du die Gestalt aller Götter trägst: Nimm die Verehrung an, Kaumari, Mutter der Welt. Verehrung sei dir!“

18.187

„Ich verehre die Göttin Trimurti: Tripura, die Grundlage der drei Städte, die Verkörperung des Wissens um die drei Lebensziele, von den drei Welten gepriesen.“

18.188

„Ich verehre Kalyani, die Göttin, die Heil hervorbringt: ihrem Wesen nach Zeit, jenseits der begrenzenden Teile, mit mitfühlendem Herzen, glückverheißend.“

18.189

„Ich verehre Rohini, Lakshmi: Grundlage der Kräfte wie Anima, deren Wesen die mit A beginnenden Silben bilden, mit unendlicher Kraft.“

18.190

„Ich verehre Kalika: frei wandelnd, glückverheißend und schön, von der Gestalt des Zeitrades, Wünsche gewährend und großzügig in ihrem Mitgefühl.“

18.191

„Ich verehre die große Göttin Chandika: von gewaltigem Heldentum, von gewaltiger Maya, Bezwingerin Chandas und Mundas, von gewaltiger Kraft.“

18.192

„Ich verehre die Göttin Shambhavi: immer Freude schenkend, friedvoll, von allen Göttern verehrt, das innere Wesen aller Lebewesen.“

18.193

„Bei schwer zugänglichem, kaum zu überwindendem Vorhaben, du, die den Ozean des Werdens zum Schwinden bringt: Stets verehre ich mit Hingabe Durga, die die Not der Bedrängten vernichtet.“

18.194

„Ich verehre die Göttin Subhadra: schön, goldfarben leuchtend, Glück und Wohlergehen schenkend, Mutter des Guten.“

18.195

Mit diesen im Purana gelehrten Mantras verehre man das gebadete Mädchen: mit Düften, Blumen, Speisen, Kleidung und Schmuck.

Erläuterung zur Stelle: Die Verehrung der Göttin in Kindern ist von den diskriminierenden Zulassungsregeln des historischen Textes zu unterscheiden.

18.196

Auf der Opferplattform, auf einem schön angelegten Sarvatobhadra-Mandala, stelle man regelgemäß einen Krug auf, rufe sie darin herbei und verehre sie.

18.197

Davor verehre man die Mädchen und die Brahmanen mit verschiedenen Diensten, ebenso die zuvor genannten Umkreise.

Feueropfer, Gaben und Abschluss

Der gemeinschaftliche Vollzug schließt mit Bewirtung und Segen.

18.198

Nachdem man dies vier Tage vollzogen hat, führe man am fünften das Homa aus: mit Milchreis, der mit den drei süßen Stoffen verbunden ist, sowie mit Weintrauben und Bananen …

18.199

… mit Zitronatzitronen, Zuckerrohrstücken, Kokosnüssen, Guggulu, Sesam, Muskatfrüchten, Mangos und anderen süßen Stoffen.

18.200

Bei zehn Durchgängen durch die Saptashati bringe man zu jedem Vers eine Opfergabe dar, dazu zehntausend [Gaben] mit dem Navarna im regelgemäß eingesetzten Feuer.

18.201

Nachdem man für die Umkreisgottheiten mit ihren Namensmantras geopfert und die Schlussgabe richtig dargebracht hat, verabschiede man Gottheiten und Feuer …

18.202

… die versammelten Brahmanen sollen den Opfernden mit den Krugwassern begießen. Jedem gebe man als Ehrengabe einen Nishka oder [eine Gabe] Gold.

Erläuterung zur Stelle: Abschließende Wasserweihe und Dakshina gehören zum Abschluss des beschriebenen Ritus.

18.203

Hundert Brahmanen bewirte man mit verschiedenen Speisen; nachdem man auch ihnen Ehrengaben gegeben hat, empfange man ihren Segen.

18.204

Durch diesen Vollzug sollen die Welt günstig gestimmt und alle Bedrängnisse beseitigt werden; man soll Herrschaft, Reichtum, Ruhm, Söhne und anderes Ersehntes erlangen.

Erläuterung zur Stelle: Historische Fruchtverheißung eines aufwendigen Gemeinschaftsrituals.

Sahasrachandi und verantwortliche Weitergabe

Die Schlussverse verbinden die große Ritualform mit ethischen Anforderungen an ihre Empfänger.

18.205

In zehnfachem Umfang führe man die Sahasrachandi-Ordnung aus. Man wähle hundert gelehrte Brahmanen von gutem Verhalten.

18.206

Jeder von ihnen soll zehn Chandi-Rezitationen vollziehen und den neunsilbigen [Mantra] jeweils zehntausendmal wiederholen.

18.207

Hundert geeignete Mädchen sind mit den zuvor genannten Mantras zu verehren. Nachdem man dies zehn Tage ausgeführt hat, vollziehe man sorgfältig das Homa …

18.208

… bei hundert Durchgängen der Saptashati regelgemäß zu jedem Vers [eine Gabe] und hunderttausend [Gaben] mit dem Navarna, mit den zuvor genannten Opferstoffen.

18.209

Nachdem man den Opferpriestern die Ehrengaben gegeben hat, bewirte man die zuvor genannten Brahmanen, tausend gute Menschen, die der Verehrung der Göttin hingegeben sind.

18.210

Wenn die Chandi-Ordnung so in tausendfachem Umfang vollzogen wird, soll den Menschen alles Ersehnte gelingen und die Flut des Leidens schwinden.

18.211

Seuche, Hungersnot, Krankheit und weitere große Bedrängnisse sollen schwinden. Diese Ordnung soll man nicht einem Böswilligen, Arglistigen, Dieb oder Feind seines Gurus mitteilen …

Erläuterung zur Stelle: Die Verheißungen betreffen kollektive Nöte; sie sind keine medizinisch oder gesellschaftlich gesicherten Folgen eines Rituals.

18.212

… einem guten, sinnesbeherrschten und gezügelten Menschen aber soll man diese vorzügliche Ordnung lehren. So erfreut, schützt Chandika den Sprechenden und den Hörenden.

Kolophon des Taraṅga 18

So endet im Mantramahodadhi des ehrwürdigen Mahidhara der achtzehnte Taraṅga, genannt „Darlegung der Kalaratri- und Chandi-Mantras, der Shatachandi und weiterer [Riten]“.

Anmerkung zum Kolophon: Die im Kommentar ausgeschriebenen Devi-Mahatmya-Zitate auf PDF 624 sind keine zusätzlichen Grundtextverse. PDF 601, 627 und 630 enthalten Erläuterungen; der Grundtext setzt danach in seiner fortlaufenden Nummerierung fort. Mehrere örtliche Druck- und Zählungsprobleme sind unmittelbar an den Stellen gekennzeichnet.

Textgrundlage dieses Taraṅga: Sanskrit-Grundtext der verwendeten Ausgabe, PDF-Seiten 594–640, gedruckte Seiten 542–588. Naukā und die Hindi-Erklärung bleiben vom Grundtext getrennt.

Taraṅga 19 – Weitere Gottheiten, Shiva-Linga und Asuri

Der neunzehnte Taraṅga verbindet sehr unterschiedliche Überlieferungsbereiche: die Hahnengestalt Charanayudha, Shastri, die Verehrung des irdenen Shiva-Linga, Yama, Chitragupta und Asuri. Neben aggressiven Anwendungen stehen eindringliche Aussagen über Bhakti und die Darbringung seiner selbst an Shiva.

Charanayudha, die Hahnengestalt

Die Gestalt wird mit Gauri verbunden. Die Anwendungen sind vielfach von Kampf und Beherrschung geprägt.

19.1

Nun wird die Ordnung des Charanayudha-Mantras dargelegt. Wer als Mantrakenner danach handelt, soll seine Anliegen verwirklichen.

Erläuterung zur Stelle: Caraṇāyudha, „dessen Waffen die Füße sind“, bezeichnet hier den Hahn, Kukkuṭa; das folgende Meditationsbild zeigt ihn auf Gauris Hand.

19.2

Tikshna mit Ardhisha und Indu, Vidhi mit Sadyojata sowie Pinakin mit Sukshma: Diese drei Silben spreche man erneut …

19.3

… Utkari mit langem [Vokal], danach das Maya-Bija; dann wieder die zuvor genannten drei Silben, zweimal wiederholt …

19.4

… Kurma mit Karna und langes Va: So wird sein Mantra gelehrt. Mit Pasha am Anfang und Ankusha-Bija am Ende hat er achtzehn Silben.

Erläuterung zur Stelle: Die Lautchiffren werden bewahrt; keine unabhängig rekonstruierte Formel wird als sicherer Grundtext ausgegeben.

19.5

Sein Rishi ist Maharudra, sein Metrum Atijagati, sein Bija Maya, seine Shakti Srini und seine Gottheit Charanayudha.

Erläuterung zur Stelle: Maya bezeichnet hrīṃ, Srini das Ankusha-Bija, wie Naukā erläutert.

19.6

Nachdem man mit vier, drei, zwei, drei, drei und drei Silben den sechsfachen Anga-Nyasa vollzogen hat, bringe man die Silben am Kopf, an der Stirn und an beiden Brauen an …

19.7

… an Augen, Ohren, Nasenöffnungen, Mund, Hals, Bauch, Nabel, Geschlechtsorgan, After, Knien und Füßen. Nach diesem Nyasa vergegenwärtige man sich den Herrn.

19.8

Möge der Hahn die Seinen schützen: Hals und Füße leuchten von allerlei Schmuck, sein Körper strahlt goldgleich. Gewandt bewegt er seine beiden Flügel; alle Götter verehren ihn. Er sitzt auf Gauris Lotushand, trägt einen roten Kamm, soll jedes Anliegen erfüllen und hat einen roten Schnabel und bewegliche Füße.

Erläuterung zur Stelle: Die Druckverbindung zur Flügelbewegung ist auffällig; die Bildaussage ist deutlich.

19.9

Nachdem man so meditiert hat, sitze man auf einer Bergspitze, an einem Flussufer, an einem baumlosen westlichen Ort oder in einem Heiligtum Shankaras …

19.10

… wiederhole [den Mantra] hunderttausendmal und vollziehe ein Zehntel als Feueropfer mit Sesam. Auf einem Shiva-Pitha verehre man den Rotgekrönten, der auf Gauris Hand sitzt.

19.11

Zuerst verehre man die Angas, dann auf den Blättern diese: Shambhu, Gauri, Ganapati, Kartikeya …

19.12

… Mandara, Parijata, Mahakala und den Pfau; an den Blattspitzen die mit dem Götterherrn beginnenden [Richtungshüter] mit ihren Waffen.

19.13

Nach diesem Vollzug ist der führende Mantra für die Anwendungen geeignet. Zu Beginn einer Anwendung soll er zehntausendzweihundertmal wiederholt werden.

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF 644; die Einheit setzt auf PDF 645 fort.

19.14

Mit dem Bali-Mantra bringe man eine Gabe von Joghurt, Milch, Honig, Kampfer und Zucker, verbunden mit Milchreis und Betel, dar.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt candra hier als Kampfer.

19.15

Zu Beginn und am Ende der Mahlzeit bringe der Einsichtige diese Gabe zur Erlangung von Wohlstand dar. Nachdem [so geopfert wurde], [erlangte] Kubera die Herrschaft über den Reichtum.

Erläuterung zur Stelle: Die letzte Druckform ist syntaktisch auffällig; der Zusammenhang stellt Kubera als Vorbild des erlangten Wohlstands dar.

19.16

Auch für Frieden und Gedeihen bringe man eben diese Gabe dar. Nun wird der Mantra für die genannten und noch zu nennenden Bali-Gaben gelehrt.

19.17

Shura mit Vamakarna und Indu, Carama mit Bindu und Adrija; dann zweimal „kukkuṭa“, [darauf] „ehy ehi imaṃ baliṃ“ …

Erläuterung zur Stelle: Sinn der ausdrücklichen Worte: „Hahn, Hahn, komm, komm, diese Gabe …“; die übrigen Teile sind Lautchiffren.

19.18

… zweimal „gṛhṇa“, „gṛhṇāpaya sarvān kāmāṃś ca dehi“, danach Vayu mit Chandra, Chakrin mit Karna und Indu und Girinandini …

Erläuterung zur Stelle: Die Bitte lautet sinngemäß: „Nimm an, nimm an, lass annehmen und gewähre alle Wünsche.“

19.19

… „yūṃ namaḥ kukkuṭāya“: Der Mantra hat vierzig Silben. Mit ihm bringe der Übende die bereits genannte und die noch folgende Gabe dar.

Erläuterung zur Stelle: Naukā bestätigt die Silbenzahl 40 und schreibt die Gesamtformel aus.

Historische aggressive Anwendungen

Die deutsche Darstellung dieser Passagen bleibt nichtanleitend.

19.20

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Unterschiedliche Speisegaben werden mit allgemeinem Gefügigmachen und der Beeinflussung eines Königs verbunden.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.21

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine weitere nächtliche Speisegabe wird für die manipulative Anwendung beschrieben.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.22

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die wiederholte Gabe soll Glück und Macht über die Welt verleihen; weitere Blüten und Blätter werden genannt.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.23

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine über mehrere Nächte ausgeführte Verehrung und Wiederholung wird auf einen bestimmten Menschen gerichtet.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.24

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Zielperson soll in Denken, Reden und Handeln dienstbar werden; anschließend nennt der Text eine Fleischgabe.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.25

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Handlung wird mit umfassender Unterwerfungsmacht und mit Bedrohungen durch Herrscher oder Gegner verbunden.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.26

Auch bei Not bringe man nach [dem vorgeschriebenen] Nyasa das Bali zur Erlangung von Wohlergehen dar. Diese Gabenordnung ist geheim zu halten und soll keinem Böswilligen mitgeteilt werden.

19.27

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein auf eine Person gerichtetes nächtliches Anziehungsritual wird mit besonderen äußeren Bedingungen und Wiederholungszahlen beschrieben.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.28

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das Ritual soll sogar eine entfernte Person herbeiziehen. Danach beginnt die Beschreibung einer weiteren Stoffzubereitung.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.29

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Zubereitung wird besprochen, erhitzt und mit Ganga-Wasser behandelt.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.30

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Einer Berührung mit der Zubereitung wird lähmende Wirkung zugeschrieben. Der folgende Halbvers beginnt ein weiteres Feuerritual.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.31

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das Feuerritual verwendet giftige Pflanzenstoffe.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.32

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Anwendung wird zugeschrieben, einen Feind aus seinem Aufenthaltsort zu vertreiben.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.33

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine längere Durchführung soll Flucht in ein anderes Land oder Tod bewirken. Danach beginnt ein stellvertretendes Figurenritual.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.34

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Figur wird rezitiert, behandelt und zerstückelt, um die Teilstücke rituell zu verbrennen.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.35

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Verbrennung wird mit dem behaupteten Töten oder Bezaubern des Feindes verbunden.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.36

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine weitere Figur aus astrologisch zugeordnetem Holz wird als Stellvertretung einer Zielperson belebt.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.37

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Beschädigung eines Figurenglieds soll nach der Behauptung des Textes das entsprechende Körperglied der Zielperson zerstören.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.38

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein neues Figurenrezept verwendet mit der Zielperson verbundene Stoffe.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.39

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Name und beabsichtigte Handlung werden an der Figur angebracht; es folgt ihre rituelle Belebung.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.40

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die behandelte Figur wird zerstückelt und im Bestattungskontext geopfert.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.41

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ausrichtung, Zeit und Brennstoff werden mit dem behaupteten Tod des Feindes verknüpft.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.42

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine weitere stellvertretende Feindesfigur wird mit einem beschrifteten Palmblatt verbunden.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.43

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das Palmblatt wird in der Figur angebracht, darüber ein mit rituell bestimmtem Wasser gefülltes Gefäß.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.44

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine weitere Namensbeschriftung und die dreimal tägliche Rezitation sollen die Beziehung zur Zielperson herstellen.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.45

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Handlung wird bis zum vermeintlichen Erscheinen des Gegners als Bild im Gefäß fortgesetzt; daran schließt die nächste Vorschrift an.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.46

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Beschädigung der stellvertretenden Figur soll Verletzung oder Tod des Feindes bewirken.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.47

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Bestimmte Verletzungen der Figur werden bestimmten Leiden der Zielperson zugeordnet.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.48

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein hölzerner Hahn wird rituell belebt und mit Meditation und Mantrawiederholung verbunden.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.49

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die verehrte Hahnengestalt wird bekleidet und auf einen Wagen gestellt; Krieger werden um sie aufgestellt.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.50

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Zug mit vier berittenen, gerüsteten und bewaffneten Kriegern wird für den Kampf gegen mächtige Feinde bestimmt.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.51

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Feinde sollen beim Anblick des von Kriegern begleiteten Hahns fliehen wie Elefanten vor einem Löwen.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.52

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Mit dem Mantra besprochene Speisen sollen den Empfänger dem Mantrakenner gefügig machen.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.53

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein besprochenes Stirnzeichen soll Menschen bereits beim Anblick gefügig machen.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder aggressive Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

Shastri und seine Verehrung

Die Quelle beschreibt eine reitende Gottheit und eine eigene Mantraüberlieferung.

19.54

Nun werde ich den Shastri-Mantra lehren, der den Verehrenden Fülle verleihen soll. Nachdem man „śāstāraṃ mṛgayā“ gesprochen hat, [folgen] „śrāntam aśvā“, Agni mit Ū …

Erläuterung zur Stelle: Ein neuer Gottheitenabschnitt beginnt. Naukā erläutert Shastri als besondere Gestalt aus Shivas Gefolge; die Formel steht als vollständiger Vers im Kommentar.

19.55

… „ḍhaṃ gaṇāvṛtam“, danach „pānīyārthaṃ vanade“, „tyaśāstre te raivate namaḥ“: So wird der Mantra gelehrt.

Erläuterung zur Stelle: Naukā bietet śāstāraṃ mṛgayāśrāntam aśvārūḍhaṃ gaṇāvṛtam / pānīyārthaṃ vanad etya śāstre te raivate namaḥ. Der Druck der mittleren Verbindung ist unsicher. Die sichere Bildaussage nennt den von der Jagd Ermüdeten, auf einem Pferd, von seinem Gefolge umgeben, auf der Suche nach Wasser.

19.56

[Der Mantra] hat zweiunddreißig Silben. Als Rishi wird Raivata genannt, als Metrum Pankti und als Gottheit Mahashastri, der alles Ersehnte gewähren soll.

19.57

Mit den vier Versvierteln und dem gesamten [Vers] vollziehe man den fünfgliedrigen Nyasa und vergegenwärtige den Herrn im eigenen Selbst. Nichtanleitende Inhaltswiedergabe des anschließenden Meditationsbildes: Der dreiäugige, stabtragende Shastri bindet eine Zielperson und wirft sie dem Übenden zu Füßen.

Erläuterung zur Stelle: Die nummerierte Einheit verbindet einen Anushtubh-Halbvers mit einem vierzeiligen Meditationsvers. Das innere Vergegenwärtigen steht hier neben einem ausdrücklich unterwerfenden Bild.

19.58

Man wiederhole den Mantra hunderttausendmal und opfere ein Zehntel mit Sesam. Man verehre ihn auf einem Shiva-Pitha; zuerst verehre man die Angas …

19.59

… auf den acht Blättern Goptri, Pingalaksha, Virasena, Shambhava, Trinetra und Shulin …

19.60

… Daksha und Bhimarupa sowie die Richtungshüter mit ihren Waffen. Der so vollendete Mantra soll dem Mantrakenner alles Ersehnte verleihen.

19.61

Mittags gebe man ihm, der Wasser verlangt, eine Handvoll Wasser; danach gebe man seinem mit Goptri beginnenden Gefolge acht Handvoll Wasser.

19.62

Durch das Wasser erfreut, soll Shastri samt Gefolge das Ersehnte gewähren. Nachts bringe man ihm eine mit der Gayatri besprochene Gabe dar.

19.63

Davor wiederhole der Einsichtige den Grundmantra 108-mal. [Für die Gayatri] spreche man nach „bhūtādhipāya“ das Wort „vidmahe“ …

19.64

… nach „mahādevāya“ das Wort „dhīmahi“, dann „tan naḥ śāstā pra“ und „codayāt“.

Erläuterung zur Stelle: Die aus der Wortanweisung erkennbare Formel lautet bhūtādhipāya vidmahe mahādevāya dhīmahi tan naḥ śāstā pracodayāt: „Wir erkennen den Herrn der Wesen; über den großen Gott meditieren wir. Möge Shastri uns anregen.“ Die Druckverbindung prayo ist auffällig.

19.65

Diese Gayatri Shastris wird als Geberin alles Ersehnten für die Menschen gelehrt. Nun wird die Ordnung des aus Erde geformten Lingas dargelegt.

Das irdene Shiva-Linga

Herstellung, Verehrung, Meditation und Abschluss bilden einen zusammenhängenden Ritus.

19.66

Nach dem Bad und den täglichen Pflichten begebe sich der Einsichtige auf reinen Boden, entferne [die obere Schicht] und bespreche [die Erde] mit dem sechssilbigen [Mantra].

Erläuterung zur Stelle: Die Anweisung betrifft die Aufnahme gereinigter Erde für das irdene Linga.

19.67

Akasha mit Prithivi und Shesha, versehen mit Bindu, danach „pṛthivī“ im Dativ und am Ende „namaḥ“: Dies ist die sechssilbige [Formel].

Erläuterung zur Stelle: Naukā löst sie als hlāṃ pṛthivyai namaḥ auf: „Verehrung der Erde“, mit vorangestelltem Bija.

19.68

Dann nehme man Erde auf, entferne die Steinchen und bewahre sie in einem gereinigten Gefäß für die tägliche Verehrung auf.

19.69

An einem günstigen Tag empfange der Mantrakenner vom guten Guru die Mantras Ganeshas und Kumaras sowie die sieben mit Hara beginnenden Mantras zur eigenen Vollendung.

19.70

Dann beginne man an einem günstigen Tag die Verehrung zur Erfüllung des Anliegens. Nach den täglichen Pflichten, gereinigt und nachdem man Vivasvat die Arghya-Spende gegeben hat …

Erläuterung zur Stelle: Vivasvat ist die Sonne.

19.71

… nehme man die Erde, besprenge sie mit Wasser, das mit Sudha besprochen wurde, forme eine Masse der gewünschten Größe und lege sie in ein Gefäß.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt die Wasserbesprechung mit dem als Nektar verstandenen Bija vaṃ.

19.72

Dann vergegenwärtige man sich die Zeit und das im Herzen getragene Anliegen [und fasse den Entschluss]: „Ich werde hier aus Erde geformte Lingas in der Zahl von so und so vielen verehren.“

19.73

Nach diesem Entschluss nehme der Einsichtige eine kleine Menge Erde aus der Masse und forme mit dem elfsilbigen Mantra Bala-Ganesha.

19.74

„Gaṇapati“ wird am Anfang und am Ende von den Bijas Maya, Ganesha und Bhu umschlossen; dies gilt als der elfsilbige Mantra Bala-Ganeshas.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert hrīṃ gaṃ glauṃ gaṇapataye glauṃ gaṃ hrīṃ.

19.75

Nachdem man Bala-Ganesha mit Lotushänden geformt hat, die Gewähren und Furchtlosigkeit ausdrücken, stelle man ihn auf das Pitha und forme danach die Lingas.

19.76

Mit dem Hara-Mantra nehme man etwas mehr als eine Aksha-Frucht an Erde; mit dem Maheshvara-Mantra forme man daraus ein geeignetes Linga.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt akṣa als Vibhitaka-Frucht und die Formeln als oṃ namo harāya und oṃ namo maheśvarāya.

19.77

Man forme das erdene Linga schön, größer als ein Daumen und höchstens eine Handspanne groß; nicht kleiner und nicht größer.

19.78

Mit dem Shulapani-Mantra stelle man das Linga auf das Pitha. Ebenso forme man sorgfältig die übrigen gemäß dem gefassten Entschluss.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert oṃ namaḥ śūlapāṇaye.

19.79

Aus der übrig gebliebenen Erde forme man Kumara mit seinem Mantra, stelle ihn ans Ende der Linga-Reihe und verehre ihn mit seinem eigenen Mantra.

19.80

Vak, Varma, Carama mit Karna und Bindu, Minaketana, [danach] „kumārāya namaḥ“: Dieser Guha-Mantra hat zehn Silben.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert die Bijas als aiṃ, kṣuṃ und klīṃ; Guha und Kumara sind Namen Skandas.

19.81

So rufe man mit Pinakins Mantra [Shiva] in jedes Linga herbei. Dann meditiere man über den im Linga weilenden, überaus heiteren Maheshvara.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert oṃ namaḥ pinākine.

Shiva im Kreis seiner Familie

Das Meditationsbild zeigt Shiva, Parvati, Ganesha und Guha in inniger Beziehung.

19.82

Möge er uns schützen: Mit dem rechten Arm streichelt er das Antlitz des elefantenköpfigen Sohnes auf seinem rechten Schoß, mit dem anderen Guha, der im Schoß der Bergestochter auf seinem linken Schenkel sitzt. Das andere Händepaar gewährt Ersehntes und Furchtlosigkeit. Er leuchtet wie der Mond, wird von den drei Welten verehrt, ist blaukehlig und dreiäugig.

Erläuterung zur Stelle: Das Meditationsbild zeigt Shiva als liebevollen Familienmittelpunkt mit Parvati, Ganesha und Skanda. Naukā bestätigt diese Zuordnung.

19.83

Nachdem man so meditiert hat, begieße man Shiva mit dem Pashupati-Mantra; mit dem Shiva-Mantra bringe man ihm Düfte und weitere [Gaben] dar.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert oṃ namaḥ paśupataye und oṃ namaḥ śivāya.

19.84

In den acht Richtungen, beginnend im Osten gegen den Uhrzeigersinn, verehre man Sharva, Bhava, Rudra, Ugra, Bhima und Pashupati …

19.85

… Mahadeva und Ishana, der Reihe nach als Gestalten von Erde und den weiteren [Prinzipien]: Erde, Wasser, Feuer, Wind, Raum, Opferherr, Mond und Sonne …

19.86

… entsprechen Sharva und den weiteren [Namen]. Danach verehre man Indra und die übrigen [Richtungshüter]; [es folgen] Räucherwerk, Licht, Speisegabe, Verneigung und Umwandlung …

19.87

… und Japa. Dann verabschiede man [Shiva] mit dem Mahadeva-Mantra. Die mit Hara beginnenden Mantras [sind] von mir mit Tara und Verneigung am Anfang sowie dem Namen im Dativ …

Erläuterung zur Stelle: Die Satzfortsetzung steht in 88. Naukā erklärt oṃ namo mahādevāya.

19.88

[Man verehre] jedes Linga so oder alle gemeinsam. Nachdem Ganaraja und Guha mit ihren jeweiligen Mantras verehrt wurden, verabschiede man sie.

Erläuterung zur Stelle: Der Übergang 87–88 ist im Grundtext sprachlich knapp. Ganaraja ist Ganesha, Guha Skanda; die sieben Formeln sind in Naukā zusammengefasst.

Verschiedene Meditationsbilder

Wissen, Eintracht und andere Anliegen werden unterschiedlichen göttlichen Gestalten zugeordnet.

19.89

Wer Vermögen, Söhne und Ähnliches ersehnt, verehre Shiva mit den zuvor beschriebenen Merkmalen. Wer Wissen ersehnt, vergegenwärtige [ihn] mit Axt, Gazelle, Gewährensgeste …

19.90

… die Erkenntnisgeste mit den Händen zeigend, am Fuß eines Banyanbaums sitzend. Zur Versöhnung zweier verfeindeter Menschen forme der Übende Lingas …

Erläuterung zur Stelle: Naukā identifiziert die wissensvermittelnde Gestalt als Dakshinamurti. Die zweite Hälfte betrifft Eintracht zwischen Menschen; sie enthält keine astrologische Zeitregel. Fortsetzung in 91; die eheliche Eintracht wird eigens in 92 behandelt.

19.91

… aus Erde, die von beiden Flussufern hergebracht wurde, und verehre sie. Dabei meditiere man über Harihara, der Muschel, Lotus, Schlange und Dreizack trägt …

Erläuterung zur Stelle: Nadītīradvaya bedeutet „beide Flussufer“. Die Stelle gehört zum vorausgehenden Wunsch nach Eintracht.

19.92

… der Saphir und Herbstmond gleicht und reichen Schmuck trägt. Für die Eintracht der Eheleute wird Ardhanarishvara vergegenwärtigt …

19.93

… der einen mit Nektar gefüllten Krug sowie Schlinge und Haken trägt. Bei Vertreibung, Tötungsritual und Entzweiung wird hingegen folgende Gestalt meditiert:

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers beschließt das friedliche Meditationsbild. Danach beginnt die historische aggressive Ritualgruppe.

19.94

An Kalis Lotushand gestützt, mit Scharen von Feinden auf dem Dreizack, mit einer Schädelgirlande um den Hals, alle durch seinen Ruf erschreckend.

Erläuterung zur Stelle: Historisches furchterregendes Meditationsbild; keine Empfehlung, gegen andere gerichtete Vorstellungen zu kultivieren. Rava bezeichnet den Laut beziehungsweise Ruf.

19.95

So wurden entsprechend den verschiedenen Wünschen verschiedene Meditationen gelehrt. Nach dem jeweiligen Anliegen soll man [Lingas] von tausend bis hunderttausend verehren.

Bhakti und die Früchte der Linga-Verehrung

Auch kindliches Spiel erscheint im Horizont der Gottesverehrung.

19.96

Durch die Verehrung von hunderttausend Erdlingas wird man auf Erden der Befreiung teilhaftig; durch die Verehrung von hunderttausend Lingas aus Rohrzucker soll man Herrscher werden.

Erläuterung zur Stelle: Traditionelle Fruchtverheißungen; Umfang und Materialien gehören zur Ritualgeschichte.

19.97

Eine ihrem Gatten treue Frau, die tausend Lingas aus Rohrzucker verehrt, soll ungetrübtes Eheglück erlangen und am Ende Parvati werden.

Erläuterung zur Stelle: Der Vers formuliert die Verheißung innerhalb seines historischen Ehe- und Frauenbildes.

19.98

Durch die Verehrung von Lingas aus frischer Butter soll man das Gewünschte erlangen. Entsprechend ist die Frucht bei [Lingas aus] Asche, Kuhdung und Sand.

19.99

Kinder spielen auf dem Boden, formen ein Linga aus Staub und verehren es zum Vergnügen; auch sie sollen Herrscher der Erde werden.

Erläuterung zur Stelle: Die Überhöhung des kindlichen Spiels zeigt, wie weit der Text die Wirksamkeit der Gottesverehrung fasst; sie ist keine weltliche Erfolgsgarantie.

19.100

Wer jeden Morgen drei Lingas aus Kuhdung mit Blättern von Brihati und Bilva verehrt und Rohrzucker als Speisegabe darbringt …

19.101

… und dies drei Monate lang vollzieht, soll beträchtlichen Reichtum erlangen. Wer elf Lingas aus Kuhdung verehrt …

19.102

… täglich morgens, mittags, abends und um Mitternacht, soll durch sechsmonatige Gottesverehrung alle Güter erlangen.

19.103

Wer täglich elf Lingas aus Reismehl verehrt, soll in einem einzigen Monat die gesamte Ansammlung seiner Verfehlungen verbrennen.

Erläuterung zur Stelle: Kalmaṣacaya bezeichnet eine Ansammlung von Verfehlungen oder Unreinheit.

19.104

Ein verehrtes Kristall-Linga vernichtet die Ansammlung von Verfehlungen. Das aus Udumbara Hervorgegangene erfüllt den Menschen alle Wünsche.

Erläuterung zur Stelle: Naukā versteht udumbarasamudbhava hier als kupfern; das Wort wird deshalb nicht stillschweigend als Holz einer Feigenbaumart übersetzt.

19.105

Ein aus der Reva stammendes [Linga] verleiht alle Vollendungen und beseitigt Leid. Die täglich, auf welche Weise auch immer vollzogene Linga-Verehrung gewährt das Gewünschte.

Erläuterung zur Stelle: Reva ist ein Name der Narmada. Der weite Ausdruck „auf welche Weise auch immer“ steht neben den ausführlichen Ritualregeln.

19.106

Wer die aus Kuhdung gebildete Shiva-Gestalt mit Neemblättern verehrt und über den zornigen Maheshvara meditiert, soll seine Feinde besiegen.

Erläuterung zur Stelle: Historische gegen Gegner gerichtete Anwendung, keine moderne Praxisempfehlung.

19.107

Wer täglich das Linga verehrt und ganz der Hingabe an Shiva zugewandt ist, dessen Ansammlung von Verfehlungen soll rasch vergehen, selbst wenn sie dem Meru gleicht.

Erläuterung zur Stelle: Die bildhafte Fruchtverheißung stellt Shiva-Bhakti in den Mittelpunkt; sie hebt ethische Verantwortung nicht auf.

19.108

Von zwei Menschen – einer schenkt einem Veda-Rezitator hunderttausend Milchkühe, der andere verehrt ein irdenes Linga – gilt der Linga-Verehrer als der Vorzüglichere.

Erläuterung zur Stelle: Ein Lob der zugänglichen Gottesverehrung in der Sprache ritueller Verdienstvergleiche.

19.109

Wer am vierzehnten oder achten Mondtag, bei Vollmond oder Neumond das Linga mit Milch badet, soll die Frucht einer Landschenkung erlangen.

Sich selbst Shiva darbringen

Der äußere Vollzug mündet ausdrücklich in Sammlung und Selbstdarbringung.

19.110

Nach dem Vollzug der Linga-Puja rezitiere man, im Geist darauf gesammelt, einen Lobpreis oder das Shatarudriya und bringe sich selbst Shiva dar.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert ausdrücklich svaṃ als den eigenen Atman beziehungsweise sich selbst. Äußere Verehrung mündet in Selbstdarbringung.

19.111

Entsprechend der Zahl der verehrten Lingas vollziehe man Homa, im Feuer mit gheegetränktem Sesam, mit Ghee oder Milchreis …

Erläuterung zur Stelle: Agnau bedeutet „im Feuer“; es ist keine zusätzliche Speise in der Stoffliste.

19.112

… unter Verwendung des Shiva-Mantras. Am Ende bewirte man hundert Brahmanen. Durch einen solchen Vollzug, heißt es, werden alle gewünschten Ziele gewiss erreicht.

Erläuterung zur Stelle: Traditionelle Ritualverheißung; Naukā nennt oṃ namaḥ śivāya.

Yama als Hüter der Ordnung

Der Herr des Todes erscheint als Richter, Ahnenherr und Schutzgottheit.

19.113

Pranava, Ankusha, Hrillekha, Pasha; Ka mit Bhautika und Mondpunkt; „vaivasvatāya“, nach „dharma“ das Wort „rāja“ und Prabhanjana …

Erläuterung zur Stelle: Beginn einer verschlüsselten Yama-Mantra-Angabe; die Bestandteile werden nicht eigenständig zu einem Mantra rekonstruiert.

19.114

… nach den Lauten „bhaktānugraha“: „kṛte namaḥ“. So wird der aus vierundzwanzig Lauten bestehende Mantra mit Shamana als Gottheit gelehrt.

Erläuterung zur Stelle: Shamana bezeichnet hier Yama, den Herrn des Todes; Naukā bietet eine ausgeschriebene Formel.

19.115

Nachdem man mit den in der Zahlenfolge drei, zwei, fünf, fünf, sieben, zwei angegebenen Lautgruppen den Anga-Nyasa des Mantras vollzogen hat, vergegenwärtige man Yama mit aufmerksamem Geist.

Erläuterung zur Stelle: Die verschlüsselte Zahlenfolge wird nach der unmittelbar folgenden Erklärung wiedergegeben.

19.116

Man meditiere über Yama, dessen Körper einer regenreichen Wolke gleicht, den Sohn der Sonne: heilsam in seiner Gestalt für Menschen mit verdienstvollem Tun, leidbringend für die Übeltäter; den ehrwürdigen Herrn der südlichen Richtung, auf einem Büffel, reich geschmückt, den Herrn von Samyamini und der Scharen der Ahnen, den Träger des Stabes.

Erläuterung zur Stelle: Yama erscheint als Hüter der südlichen Richtung und als Herr der Ahnen.

19.117

Dieser eingeübte Siddhamantra soll alle Nöte beseitigen, den Sturz in die Hölle verhindern und die Furcht vor Feinden vertreiben.

Chitragupta, der Schreiber der Taten

Das Bild verbindet das Bewusstsein der eigenen Taten mit einer Gnadenverheißung.

19.118

Pranava, Hrid, „vicitrāya“; nach „dharma“: „lekhakāya“; nach „yamavā“ spreche man das Wort „hitādhikāriṇe“ …

Erläuterung zur Stelle: Beginn der verschlüsselten Chitragupta-Formel. Die eigentümliche Worttrennung wird als solche bewahrt.

19.119

… Kshudha, Tantri, Kriya, Utkari, Vahni und Ya, mit Ardhesha verbunden, oben mit Yaminisha versehen; danach das Wort „janmasamṛt“ …

Erläuterung zur Stelle: Bija-Kodierung und undeutliche Wortgestalt; Naukā erläutert die folgende Wortgruppe als janmasampatpralayam. Keine ungesicherte rezitierbare Formel wird daraus hergestellt.

19.120

… „pralayaṃ“, zweimal „kathaya“, „svāhā“. Dieser achtunddreißigsilbige Mantra Chitraguptas soll die gesamte Fülle des Leids beseitigen.

19.121

Mit den im Mantra vorkommenden Lautgruppen vollziehe man die sechs Anga-Nyasas; dann vergegenwärtige man den Schreiber der Taten.

Erläuterung zur Stelle: Die komprimierte Zahlenfolge bezeichnet die Verteilung der Mantra-Silben beim Anga-Nyasa. Eine aus dieser Zählung neu zusammengesetzte Mantraformel wird hier nicht gebildet.

19.122

Ich verehre Chitragupta, Yamas Gefährten: strahlend mit seiner Krone, anmutig durch Gewänder und Schmuck, auf einem prächtigen Sitz, mit mondhellem Antlitz, der die schlechten und guten Taten der Menschen auf ein Blatt schreibt.

19.123

Den Menschen, die diesen Siddhamantra wiederholen, soll Chitragupta wohlgesinnt sein und ihre Verdienste zählen, niemals aber ihre Verfehlungen.

Erläuterung zur Stelle: Traditionelle Gnadenverheißung; sie ist keine Erlaubnis zu schädigendem Handeln.

Asuri und ihre historische Ritualordnung

Die verschlüsselte Formel wird nicht frei rekonstruiert; schädigende Anwendungen werden nicht empfohlen.

19.124

Ich werde nun die im Atharvaveda gelehrte Asuri mit ihrer Ritualordnung darlegen. „kaṭuke“, nach „kaṭuka“ das mit „patre“ endende [Wort], dann „subhage“ …

Erläuterung zur Stelle: Die Atharvaveda-Zuordnung ist die Aussage des Werkes; damit ist keine Identität mit einem bestimmten Vers der heute geläufigen Samhita nachgewiesen.

19.125

… Ananta, „āsuri“, Ka und Ra; dann „raktavāsase“, „atharvaṇasya duhite“ sowie Keshava, Adhi, Bhagi und Bali …

Erläuterung zur Stelle: Fortsetzung der verschlüsselten Asuri-Formel; keine spekulative Auflösung.

19.126

… nach „aghorakarma“: „kārike“, ferner „amukasya gatiṃ“, zweimal „daha“, Karna, „praviṣṭasya gudaṃ daha“ …

Erläuterung zur Stelle: Historisch aggressive Formel mit Platzhalter für eine Zielperson; nicht als heutige Praxis empfohlen.

19.127

… „daha suptasya“, Tantri und „no“, zweimal „daha“, „prabuddha“, ferner Bhrigu mit Vali, „hṛdayaṃ“, zweimal „daha“ und zweimal „hana“ …

Erläuterung zur Stelle: Fortsetzung der kodierten aggressiven Asuri-Formel; die Silben werden nicht spekulativ ergänzt.

19.128

… zweimal „paca“, nach „tāvat“: „daha“, „tāvat paca“, „yāvan me vaśam āyāti“, Varma, Astra und Vahnivallabha.

Erläuterung zur Stelle: Die Formel zielt auf Unterwerfung einer anderen Person; keine Praxisempfehlung.

19.129

Der mit Tara beginnende Asuri-Mantra hat hundertzehn Silben. Angiras ist der Rishi, Viraj das Versmaß; als [Gottheit] gilt Durga-Asuri …

19.130

… als Bija Pranava und als Shakti Pavakanayika. Für das Herz sind neun Laute, für den Kopf acht, für die Haarspitze sieben angegeben …

19.131

… für den Panzer acht, für die Augen elf, für die Waffe fünfundsechzig Laute. Bei allen Angas spreche der Übende zusätzlich „huṃ phaṭ svāhā“.

Erläuterung zur Stelle: Die Zahlen elf und fünfundsechzig werden in Naukā ausdrücklich erläutert.

19.132

Möge Asuri, die Tochter Atharvans, uns Freude bereiten: leuchtend wie der Herbstmond, auf einem Lotus, mit Gewährung, Furchtlosigkeit, Dreizack und Haken in ihren Händen, reich an kostbarem Schmuck und mit heiliger Schnur.

Erläuterung zur Stelle: Die Handattribute und die heilige Schnur werden im Kommentar erläutert.

19.133

Man wiederhole den Mantra zehntausendmal und opfere ein Zehntel davon mit gheegetränkten Senfkörnern ins Feuer. Dann gilt der Mantra als vollendet.

19.134

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die fünf Pflanzenteile der Asuri werden mit dem Mantra verbunden; Räucherung soll andere dem Anwender gefügig machen.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder schädigende Anwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

19.135

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein Feueropfer soll umfassende Beeinflussung bewirken; danach beginnt eine Anwendung mit einer stellvertretenden Figur.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder schädigende Anwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

19.136

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Figur wird zerteilt und verbrannt; bei einer weiblichen Zielperson wird eine andere Abfolge der Zerteilung angegeben.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder schädigende Anwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

19.137

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der wiederholte Vollzug soll sogar einen Feind lebenslang zum Diener des Mantrakenners machen.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder schädigende Anwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

19.138

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Bei der Beeinflussung einer Frau werden feminine Wortformen verlangt; anschließend beginnt ein gegen einen Feind gerichtetes Opfer.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder schädigende Anwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

19.139

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Mit einem Zielnamen verbundene Riten sollen Fieber beziehungsweise Geschwüre beim Gegner hervorrufen.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder schädigende Anwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

19.140

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein weiterer Ritus behauptet, die Augen eines Feindes zu zerstören; danach beginnt eine Anwendung zur Beeinflussung.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder schädigende Anwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

19.141

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Unterschiedliche Opferstoffe werden der behaupteten Beeinflussung von Brahmanen, Kshatriyas und Vaishyas zugeordnet.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder schädigende Anwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

19.142

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine weitere Zuordnung betrifft Shudras; anschließend wird das Auffinden eines Schatzes verheißen.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder schädigende Anwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

19.143

In einem mit Wasser gefüllten, mit Senfzweigen versehenen Krug rufe der Mantrakenner die Göttin herbei, verehre sie und spreche den Grundmantra hundertmal darüber.

19.144

Von einem damit rituell begossenen Menschen, heißt es, fliehen Unglück, Sorgen, Krankheiten und Bedrängnisse weit hinweg.

Erläuterung zur Stelle: Historische Heilsverheißung, keine Aussage über medizinische Wirksamkeit.

19.145

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine Mischung verschiedener Pflanzen- und Mineralstoffe wird für einen Beeinflussungsritus vorbereitet.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder schädigende Anwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

19.146

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das auf eine Zielperson angewendete Pulver soll gefügig machen. Danach beginnt ein weiteres Feueropfer.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder schädigende Anwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

19.147

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der beschriebene Vollzug soll den Feind zum „Gast im Haus des Sonnensohns“, also Yamas, machen: eine Umschreibung des Todes.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder schädigende Anwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

19.148

Was könnte ein erzürnter König tun, was sämtliche Feinde? Was könnte selbst der erzürnte Tod tun, wenn Asuri verehrt ist?

Erläuterung zur Stelle: Rhetorischer Lobpreis der Schutzmacht der Göttin, keine Unverletzlichkeitsgarantie.

Abschluss der Mantradarlegung

Mahidhara bezeichnet seine Darstellung als Zusammenführung vieler Schriften.

19.149

Nach Durchsicht vieler Schriften habe ich die höchst geheimen Mantras zum Wohl verständiger Menschen dargelegt. Von weiterer Ausführlichkeit wird abgesehen.

Erläuterung zur Stelle: Im Grundtext ist die Verszahl fehlerhaft als 139 gedruckt; Naukā zählt korrekt 149. Die Formen guptātamā und uparasyate werden drucknah bewahrt.

Kolophon des Taraṅga 19

So endet im Mantramahodadhi des ehrwürdigen Mahidhara der neunzehnte Taraṅga, genannt „Darlegung der Mantras von Tamrachuda, Kartavirya und Asuri und Weiterem“.

Anmerkung zum Kolophon: Der Kolophon nennt Kartavirya, obwohl dessen umfangreiche Behandlung im siebzehnten Taraṅga steht; die überlieferte Kapitelbezeichnung wird nicht stillschweigend an den Inhalt angepasst. Der letzte Vers trägt im Grundtext irrtümlich 139 statt 149; Naukā bestätigt 149.

Textgrundlage dieses Taraṅga: Sanskrit-Grundtext der verwendeten Ausgabe, PDF-Seiten 641–672, gedruckte Seiten 589–620. Naukā und die Hindi-Erklärung bleiben vom Grundtext getrennt.

Taraṅga 20 – Yantras, Schriftkräfte und Svarnakarshana-Bhairava

Der zwanzigste Taraṅga behandelt die Zeichnung, Beschriftung, Verehrung und Anwendung von Yantras. Viele Diagramme gehören zu historischer Beeinflussungs- und Schutzmagie. Der Text verbindet ihre Wirksamkeit mit der Verehrung der Lautgöttin Matrika, der Bhutalipi und Svarnakarshana-Bhairavas; geometrische Form und Mantrapraxis werden gemeinsam gedacht.

Vorbereitung und Eignung eines Yantras

Traumzeichen, Sammlung und Verehrung bilden den historischen Rahmen.

20.1

Nun werde ich die von Purari gelehrten Yantras darlegen. An einem günstigen Tag verehre der in sich gesammelte [Übende] seine erwählte Gottheit …

Erläuterung zur Stelle: Purari ist Shiva. Die Zuschreibung ist die traditionelle Aussage des Textes.

20.2

… schlafe drei Tage auf dem Boden, esse opfergeeignete Nahrung und widme sich dem Japa. „Dieses von mir zu zeichnende Yantra – ist es günstig? Wie ist es, o Herr?“ …

20.3

Nachdem er seine Gottheit so gefragt hat, verehre er sie täglich. In der Nacht des dritten Tages soll der Mensch einen Traum empfangen:

20.4

[Das Yantra ist] Siddha, Sadhya oder Susiddha – oder aber feindlich. Ein feindliches Yantra zeichne man nicht; dann zeichne man ein anderes.

Erläuterung zur Stelle: Es handelt sich um traditionelle Eignungskategorien, nicht um eine heutige diagnostische Methode.

20.5

Auch wenn der Traum ausbleibt, lasse der Verständige jenes beiseite und zeichne ein anderes. Nun wird die allen Yantras gemeinsame Vorgehensweise dargelegt.

Erläuterung zur Stelle: Das gedruckte taddhitvā ist eine auffällige Verbindung; gemeint ist das Beiseitelassen des ungeeigneten Yantras.

Gemeinsame Grundregeln

Schriftträger, Lautanordnung, Gayatri und rituelle Belebung werden erläutert.

20.6

Gebadet, in reinen Gewändern, mit Blumen und Sandel geschmückt, zeichne der Kundige das Yantra mit den angegebenen Stoffen auf dem bezeichneten Untergrund.

20.7

Der Name des Übenden steht im Genitiv über dem mittleren Bija; darunter steht das angestrebte [Ziel] im Akkusativ, an beiden Seiten je „kuru“.

Erläuterung zur Stelle: Naukā veranschaulicht dies mit einem Personennamen und iṣṭam, „das Gewünschte“.

20.8

Das mit Viyat und Bhrigu bezeichnete Bija schreibe man unter den mittleren Bereich; in die vier Ecken, beginnend im Nordosten, wiederum „haṃsaḥ so’ham“ …

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers ist drucktechnisch auffällig. Naukā erklärt haṃsauṃ als Lebensbija des Yantras; dies ist Kommentarauslegung, keine frei ergänzte Grundtextformel.

20.9

… die [Silben für] Augen und Ohren an den beiden Seiten, die Bijas der Richtungshüter in den Richtungen und jeweils drei Laute der Yantra-Gayatri in jeder Richtung.

20.10

Nach „yantrarājāya“: „vidmahe“, darauf „vara“, „pradāya dhīmahi“ und zuletzt „tanno yantraḥ pracodayāt“.

Erläuterung zur Stelle: Die zusammenhängende Yantra-Gayatri lautet nach dieser eindeutigen Wortfolge: yantrarājāya vidmahe varapradāya dhīmahi tanno yantraḥ pracodayāt. Ein zusätzliches oṃ steht hier nicht im Grundtext.

20.11

Dies ist die gelehrte Yantra-Gayatri, deren Gedenken alle gewünschten Vollendungen gewähren soll. Außen umgebe man alles mit dem Mantra der Prana-Pratishtha.

20.12

Ist kein Untergrund angegeben, zeichne man das Yantra auf Birkenrinde, Leinen oder ein Palmblatt, binde es zu einem kleinen Päckchen und umwickle es mit einem Faden.

20.13

Mit Lack überzogen bringe man es in Gold, Silber oder Kupfer unter; dann verehre man die Gottheit mit dem mittleren Bija oder mit der Matrika …

20.14

… vollziehe Japa und Homa, besprenge es mit Sampata und verwende es am Kopf, Arm oder Hals zur Erreichung des jeweiligen angestrebten Ziels.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erklärt Sampata hier als Besprengung mit dem beim Opfer verbleibenden Stoff.

Bhutalipi, die besondere Lautschrift

Der Grundtext verweist auf die Verehrung der Schriftkraft; Naukā führt die Lautliste aus.

20.15

Wer der Yantra-Verehrung zugewandt ist, soll die höchste Bhutalipi verehren; durch deren Verehrung soll die Vollendung aller Yantras entstehen.

Erläuterung zur Stelle: Die ausführliche Lautliste und die Verse aus dem Sharadatilaka auf PDF 676–677 stehen in Naukā, nicht im Grundtext. Sie werden deshalb nicht als zusätzliche Mantramahodadhi-Verse eingefügt.

Historische Beeinflussungs-Yantras

Diese Anwendungen werden deutsch nichtanleitend erschlossen.

20.16

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Nun wird ein schnell wirkendes Beeinflussungs-Yantra eingeführt; seine Zeichnung beginnt mit einem achtblättrigen Lotus auf einem gereinigten Metallgefäß.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.17

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Bestimmte Schreibstoffe, ein pflanzlicher Stift, ein Zielname im Zentrum und Lautgruppen in den Blättern werden vorgeschrieben.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.18

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein weiterer Lotus mit Vokalen und drei Kreise umgeben die Zeichnung; es folgt eine mehrtägige Verehrung.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.19

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Verehrung des Mohana-Yantras soll Herrscher, andere Männer und Frauen gefügig machen.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.20

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das in Metall gefasste und getragene Yantra wird als Mittel zur Beeinflussung von Herrschern und bösartigen Wesen gepriesen.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.21

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein zweites Diagramm umschließt den Zielnamen mit dem Maya-Bija und weiteren Bijas oberhalb und unterhalb.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.22

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein Bhupura aus zwei Linien umgibt es; Schriftträger und Schreibstoffe werden bezeichnet.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.23

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine Mischung mit Blut vom Ringfinger, Verehrung, Bewirtung von Mädchen, Brahmanen und Frauen sowie eine Bali-Gabe gehören zum Ritual.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.24

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Für die Beeinflussung werden rote Blumen, Nahrung und Fleisch genannt. Die nachfolgende Anwendung betrifft die Bedrohung durch Enteignung oder Gefangenschaft seitens eines Herrschers.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.25

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das getragene Yantra soll den Zorn eines Herrschers besänftigen, sodass er den Träger ehrt.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.26

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das vorhergehende Diagramm heißt Bijasamputa. Für das nächste wird eine Anordnung zweier Linien in Nord-Süd-Richtung begonnen.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.27

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Zielname wird von Tara und Padmalaya umschlossen; weitere Zeichen werden in die Endfelder eingetragen.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.28

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Drei weitere Felder erhalten Ksha mit Visarga im Zentrum und das Shri-Bija an den Seiten.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.29

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das auf Birkenrinde geschriebene Diagramm wird verbrannt und die Asche aufgefangen.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.30

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Verzehr der Asche wird mit der Beeinflussung eines Herrn verbunden. Danach beginnt ein sechseckiges Stambhana-Diagramm.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.31

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Ecken und Zwischenräume erhalten das Maya-Bija; Untergrund und Schreibstoffe werden angegeben.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.32

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Verehrung, Bija-Rezitation und das Tragen des Diagramms am Kopf werden miteinander verbunden.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.33

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das Divyastambhana-Yantra soll bei Feuer-, Wasser- und anderen Gottesurteilen vor Verletzung schützen und zum Sieg verhelfen.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.34

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das folgende Rajamohana-Diagramm umschließt den Zielnamen mit Maya und Sa mit Visarga.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.35

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die acht Blätter erhalten weitere Bija-Kombinationen; ein Quadrat umgibt den mittleren Bereich.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.36

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Zeichnung wird mit festgelegten Stoffen ausgeführt und wiederholt mit Verehrung und Maya-Japa verbunden.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.37

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das Rajamohana-Yantra soll den Zorn eines Königs beseitigen. Anschließend wird der Schutz vor einem erzürnten, nach dem Leben trachtenden Herrscher zum Thema.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

Mrityunjaya und Furchtlosigkeit

Der Schutzanspruch gehört zur religiösen Bildwelt des Werks.

20.38

Ich werde das Mrityunjaya-Yantra darlegen. Man zeichne einen zwölfblättrigen Lotus; im Quadrat seines Zentrums schreibe man den Namen samt Handlungswort …

20.39

… dieses vorzügliche Quadrat soll aus sieben Linien bestehen. In die zwölf Blätter, im Nordosten beginnend, [schreibe man] mit den nicht neutralen Vokalen verbundene …

Erläuterung zur Stelle: Die technisch „neutralen“ Vokale sind hier die vokalischen r- und l-Laute; die Anweisung ist keine moderne Kurzpraxis.

20.40

… Karna-Laute, umgebe den Lotus mit einem Quadrat und zeichne Dreizacke in dessen Ecken.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert Karna als La. Die Bild- und Lautordnung wird als historisches Ritual beschrieben.

20.41

Man zeichne dieses Yantra gesondert auf zwei Birkenrindenblätter, lege die beiden Zeichnungen als Hülle zusammen und stelle sie an einem Ort auf, nach Norden gewandt.

20.42

Darauf lege man einen Stein und wiederhole, darauf sitzend, die Matrika. Durch solchen Vollzug, heißt es, werde der Übende selbst vor Yama und allen Krankheiten furchtlos – um wie viel mehr gegenüber der Macht der Könige.

Erläuterung zur Stelle: Traditionelle Schutzverheißung; keine Zusage medizinischer Wirksamkeit oder körperlicher Unverletzlichkeit.

Weitere Yantras für Streit und soziale Einflussnahme

Der Text spiegelt konkrete Ängste und Machtverhältnisse seiner Zeit.

20.43

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein vierblättriger Lotus erhält den Zielnamen im Zentrum.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.44

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das mit Maya-Bijas versehene Diagramm wird als Vivadavijaya bezeichnet; es soll den Sieg im Streitgespräch bewirken.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.45

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die nächste Anwendung betrifft einen Schuldner, der die Forderung eines Gläubigers nicht erfüllen kann.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.46

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein sechseckiges Diagramm mit Zielname soll den Gläubiger beeinflussen.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.47

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Kama-Bijas, Kreis und Maya-Bijas werden angeordnet.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.48

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Weitere Umkreisung, mehrtägige Verehrung, Saptashati-Rezitation und Homa gehören zum Vollzug.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.49

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Nach Bewirtung eines Mädchens wird das Yantra getragen. Der Gläubiger soll daraufhin keine Zahlung mehr verlangen und sogar geben.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.50

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Wenn böswillige Personen im Umfeld eines Königs verleumden, wird das Dushtamohana-Yantra empfohlen.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.51

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein achtblättriger Lotus wird mit einem bluthaltigen Schreibstoff gezeichnet; Zentrum und Blätter erhalten Namen und Bijas.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.52

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Nach ritueller Belebung und Verehrung soll das Diagramm die Verleumder gefügig machen.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.53

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das nächste Diagramm beginnt mit einem Quadrat und einer kodierten Lautanordnung.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.54

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Acht Blätter erhalten in den Hauptrichtungen die Begriffe Roha, Rodha, Stambha und Kshobha.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.55

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Weitere Zeichen und der Zielname ergänzen das zwischen Schalen aufbewahrte Diagramm.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.56

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Duftstoffe, Blumen und Gaben an die Richtungshüter werden mit Erfolg in Rechtsstreit, Auseinandersetzung und am Königshof verbunden.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.57

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das Diagramm wird als siegbringend und ehrenmehrend bezeichnet. Anschließend beginnt ein Ganesha-Yantra zur lebenslangen Beherrschung eines Menschen.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.58

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Schreibstoffe, darunter Blut vom Ringfinger, werden für ein quadratisches Diagramm vorgeschrieben.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.59

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die ersten zwei Zeilen erhalten Maya und weitere Bijas sowie den Zielnamen.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.60

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Für die dritte und vierte Zeile werden zusätzliche Bija-Umschließungen bestimmt.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.61

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ganeshas Bija wird außerhalb des Quadrats angeordnet; die Südseite bleibt ausgenommen.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.62

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das Diagramm wird in einer aus schwarzer Erde geformten Ganesha-Figur untergebracht.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.63

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die fünf Gaben begleiten eine Anrufung Ganeshas als Gott der Götter und Führer der Scharen, den Götter und Asuras ehren.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.64

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Bitte verlangt lebenslange Verfügung über die Zielperson. Die Figur wird vergraben; der Text verheißt daraufhin deren Unterwerfung.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.65

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein weiteres, auf Herrscher gerichtetes Diagramm erhält vier Blätter, Zielname und Mantrawörter.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.66

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ajite wird in Nord- und Südblatt geschrieben; die Schriftstoffe werden genannt.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.67

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Mehrere Tage geregelter Verehrung, die Bewirtung eines Brahmanen und das Tragen am Arm gehören zur Anwendung.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.68

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das gefasste Yantra soll den König schon beim Anblick beeinflussen. Danach wird ein Diagramm mit dem Namen eines Dieners eingeführt.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.69

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Maya-Bijas und ein Milchprodukt gehören zum Ritus, der den Diener gehorsam machen soll.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.70

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein neues Diagramm soll einen böswilligen Herrscher beherrschen; der Zielname wird mit Bijas verbunden.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.71

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das Yantra kommt in das Herz einer stellvertretenden Figur, deren Material mit einer Spur der Zielperson verbunden wird.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.72

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Figur wird verehrt und vergraben; eine bluthaltige Bali-Gabe folgt.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.73

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Gaben an Mahakala und die Richtungshüter sollen den Herrscher unverzüglich gefügig machen.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

Lalita, Sundari und ehebezogene Wünsche

Glücksverheißungen stehen neben problematischen Ansprüchen auf Beherrschung anderer.

20.74

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das folgende Lalita-Yantra verheißt Frauen Glück, Wunscherfüllung und die Beeinflussung des Ehemanns.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.75

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein achtblättriger Lotus mit quadratischem Zentrum erhält drei Maya-Bijas.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.76

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Name des Ehemanns und weitere Bijas werden im Zentrum und in den Blättern angeordnet.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.77

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Zeitpunkt, Schreibstoffe, Orientierung und mehrtägige Verehrung sind festgelegt.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.78

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Zum Abschluss werden sieben verheiratete Frauen mit Kindern zu Ehren Lalitas bewirtet; das Diagramm wird in Metall gefasst getragen.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.79

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das Lalita-Yantra wird als Schönheit, Eheglück und Wohlstand verleihend sowie den Geliebten beeinflussend gepriesen.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.80

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein weiteres achtblättriges Diagramm umschließt den Namen mit Sa-Lauten; die Blätter erhalten Bijas.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.81

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Nach einem festgelegten Vollzug und der Bewirtung dreier Frauen soll das am Hals getragene Diagramm den Ehemann gefügig machen.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.82

Bhrigu, Akasha, Vidhi, Kshma, Kha und Vahni, mit Shanti und Mondpunkt versehen, schreibe man in das Zentrum und die Blätter eines achtteiligen Lotus …

Erläuterung zur Stelle: Kodierte Bija-Angabe zum Sundari-Yantra; die Auflösung steht in Naukā, nicht zusätzlich im Grundtext.

20.83

… mit Gorochana und Sandel auf Birkenrinde. Nach dreitägiger Verehrung wird es in Gold gefasst von einer Frau am Hals oder von einem Mann am Arm getragen …

20.84

… dieses Bija-Yantra wird als glückbringend und unglückbeseitigend bezeichnet. [Nun folgt ein anderes:] Man zeichne einen vierblättrigen Lotus auf Birkenrinde mit Sandel, der mit eigenem Blut vermischt ist …

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers beschließt das Sundari-Yantra, der zweite beginnt eine historisch manipulative Anwendung.

20.85

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Zielname und Krodha-Bija sowie Verehrung und Einlegen in Ghee werden als Mittel ritueller Anziehung beschrieben.

Erläuterung zur Stelle: Historische Beeinflussungsanwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.86

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein Tripura-Yantra verbindet den Zielnamen mit kodierten Bijas in einem Sechseck.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder schädigende Anwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.87

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Verehrung und Aufbewahrung in Ghee sollen die gewünschte Person herbeiziehen.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder schädigende Anwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.88

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein weiteres Diagramm auf Stein enthält Zielname und Erdbija.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder schädigende Anwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.89

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Verehrung und Vergraben zwischen Steinen sollen den Mund des Gegners im Streit verschließen.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder schädigende Anwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

Schutz vor Feuerfurcht

Die rituelle Schutzvorstellung ersetzt keine tatsächlichen Schutzmaßnahmen.

20.90

In einen Kreis schreibe man den Namen samt Handlung und Ziel; außerhalb des Kreises schreibe man in den Richtungen vier Va-Laute …

Erläuterung zur Stelle: Beginn des traditionell gegen Feuerfurcht gerichteten Yantras.

20.91

… von einem Quadrat umgeben: Dieses gut vollzogene, vorzügliche Yantra wird mit Gorochana und Sandel auf Birkenrinde geschrieben.

20.92

Dieses mit drei Metallen umschlossene Yantra soll, am Arm getragen oder im Haus aufgestellt, die Furcht vor Feuer abwenden.

Erläuterung zur Stelle: Traditionelle Schutzvorstellung; kein Ersatz für tatsächlichen Brandschutz.

Entzweiung, Tötungsritual und Vertreibung

Die schädigenden Anwendungen sind historische Dokumente, keine Praxisanleitung für Yoga-Aspiranten.

20.93

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein Vidveshana-Yantra verbindet den Zielnamen und einen Handlungsauftrag mit einem von Maya umschlossenen Laut.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder schädigende Anwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.94

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Schrift wird mit Blut der Gegenpartei verbunden; nächtliche Verehrung und eine Speisegabe folgen.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder schädigende Anwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.95

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine bluthaltige Gabe, die Bewirtung einer Frau und die Ablage an einem abgelegenen oder mit dem Tod verbundenen Ort werden vorgeschrieben.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder schädigende Anwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.96

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das vergrabene Vidveshana-Yantra soll Feindschaft erzeugen. Danach beginnt die Darstellung eines Marana-Yantras.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder schädigende Anwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.97

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein achtblättriger Lotus verbindet einen Zielnamen mit Varma und Astra; die Zeichen werden auf die Richtungsblätter verteilt.

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF 696, der zweite auf 697. Historischer Schädigungsritus, keine heutige Praxisempfehlung.

20.98

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Weitere Umschließungen und gefährliche oder mit dem Verbrennungsplatz verbundene Schreibstoffe werden genannt.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder schädigende Anwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.99

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das Diagramm wird auf einem menschlichen Schädel angebracht, mit Asche bedeckt und mit Feuer verbunden.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder schädigende Anwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.100

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Wiederholtes Erhitzen soll den Feind auszehren und in die andere Welt befördern: ein ausdrücklicher Tötungsanspruch.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder schädigende Anwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.101

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ein Uccatana-Yantra beginnt mit einem vierblättrigen Diagramm und einem Zielnamen.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder schädigende Anwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.102

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Rote Kleidung, roter Schmuck und rote Gaben kennzeichnen den Vollzug.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder schädigende Anwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.103

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Wiederholte Bewirtung und Beschenkung eines Mädchens begleiten das mehrtägige Ritual.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder schädigende Anwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

20.104

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Das zerteilte Diagramm wird mit Speiseresten verbunden und Krähen überlassen; dies soll den Gegner vertreiben.

Erläuterung zur Stelle: Historische manipulative oder schädigende Anwendung, keine heutige Praxisempfehlung.

Shantikara und weitere Schutzdiagramme

Die Lautordnung wird als Mittel der Befriedung verstanden.

20.105

An einem günstigen Tag schreibe man das Yantra mit Gorochana, Moschus, Kampfer und Safran, mit einem Jasminstift auf Birkenrinde.

Erläuterung zur Stelle: Beginn des Shantikara-Yantras; Beschreibung einer historischen Ritualform.

20.106

Man ziehe jeweils acht gleichmäßige Linien von Ost nach West und von Süd nach Nord; dadurch entstehen neunundvierzig Felder.

20.107

In die äußeren, den Richtungen zugeordneten Felder schreibe man vierundzwanzig Laute von A bis Ja, mit dem Mondpunkt versehen.

20.108

In die nächstinneren Reihen kommen sechzehn Laute von Jha bis Bha, weiter innen diejenigen von Ma bis Sa; in das verbleibende Feld Ha.

20.109

An den Linienenden zeichne man zweiunddreißig Dreizacke; zwischen den oberen und unteren Dreizacken schreibe man je sieben Hrillekhas.

Erläuterung zur Stelle: Rada, „Zähne“, bezeichnet in der Zahlensymbolik zweiunddreißig.

20.110

Nachdem man das Yantra so geschrieben hat, verehre man es drei Tage lang, rezitiere Chandi, bewirte Brahmanen und schlafe auf dem Boden.

20.111

Danach trage man es in drei Metalle gefasst am Arm oder Hals. Das Tragen soll Bedrängnisse, Zwietracht und schädigende Zauber zur Ruhe bringen.

Erläuterung zur Stelle: Traditionelle Shanti-Verheißung; der Text beschreibt eine rituelle Schutzvorstellung.

20.112

Nach der zuvor beschriebenen Weise zeichne man einen achtblättrigen Lotus, in der Mitte mit dem Namen; Bhrigu mit Visarga [steht] auch in den acht Blättern.

20.113

Wie zuvor verehrt und am Hals, Arm oder Kopf befestigt, soll es sogleich die Bedrängnis durch Shakinis, Bhutas, Vetalas und ergreifende Mächte abwenden.

Erläuterung zur Stelle: Die genannten Wesen gehören zur historischen religiösen Deutung von Bedrängnissen; der Vers stellt keine medizinische Diagnose dar.

20.114

Mit Dhattura-Saft wird auf einem Tuch vom Verbrennungsplatz, am achten oder vierzehnten Tag der dunklen Monatshälfte, ein ineinandergefügtes doppeltes Bhupura gezeichnet …

Erläuterung zur Stelle: Historisches Jvarahara-Ritual gegen Fieber. Die verwendete Pflanze und der Ritualstoff sind keine Heilmittelempfehlung.

20.115

… in die Zwischenräume und Ecken schreibe man sechzehn Ra-Laute, in die Richtungen [weitere Ra-Anordnungen] und den Namen in die Mitte.

Erläuterung zur Stelle: Die syntaktische Verbindung rephacatuṣkoṇayutam ist knapp; die Zeichnung der Druckausgabe erläutert die Anordnung.

20.116

Verehrt und am Verbrennungsplatz vergraben soll es Fieber stillen. [Als nächstes] zeichne man mit Duftstoffen auf Birkenrinde einen achtblättrigen Lotus …

Erläuterung zur Stelle: Der zweite Halbvers beginnt das Sarpabhayahara-Yantra gegen Schlangenfurcht.

20.117

… mit dem Namen im Zentrum und der Ajapa in den Blättern. Verehrt und am Arm getragen soll es die Furcht vor Schlangen abwenden.

Erläuterung zur Stelle: Naukā nennt haṃsa. Eine spirituelle Schutzvorstellung ist keine Zusage von Schutz vor Schlangenbissen.

Befreiung aus Gefangenschaft

Bandhamoksha meint hier eine konkrete äußere Befreiung.

20.118

Mit Gorochana, Sandel, Kampfer und Safran zeichne man einen sechzehnblättrigen Lotus: Vokale in den Blättern, Maya im Zentrum …

20.119

… darüber einen zweiunddreißigblättrigen Lotus mit Konsonanten in den Blättern, Ha und Ksha in den Haupt- und Zwischenrichtungen, umgeben vom Bhupura.

20.120

Dieses auf ein Bronzegefäß geschriebene, sieben Tage verehrte oder auf Birkenrinde geschriebene und getragene Yantra soll aus Gefangenschaft befreien.

Erläuterung zur Stelle: Bandhamoksha bezeichnet hier die Befreiung aus äußerer Haft, nicht automatisch die metaphysische Befreiung Moksha.

Matrika und Bhairava als Grundlage

Yantra-Praxis bleibt mit der Verehrung göttlicher Lautkräfte verbunden.

20.121

Wer die Vollendung aller zuvor beschriebenen Yantras wünscht, verehre die Göttin Matrika oder die höchste Bhutalipi …

20.122

… oder beim Schreiben Svarnakarshana-Bhairava. [Sein Mantra beginnt mit] Pranava, Vagbhava, Kama und Shakti, [die beiden Letzteren] mit den drei langen Vokalen verbunden …

Erläuterung zur Stelle: Mitten im nummerierten Vers beginnt die verschlüsselte Mantradarlegung.

20.123

… Bhrigu mit Visarga, Bhaya mit Punkt, „āpaduddhāraṇāya“, nach „ajāmala“: „baddhāya“, dann Lokeshvara im Dativ …

Erläuterung zur Stelle: Die Druckform ajāmala wird bewahrt; sie ist nicht stillschweigend durch eine bekannte andere Formel ersetzt.

20.124

… nach „svarṇākarṣaṇabhaira“: langes Bala und Prabhanjana; nach „mama dāridryavidveṣaṇāya“: Pranava und Rama …

20.125

… nach „mahābhairava“ im Dativ: Hridaya. So wird der Mantra mit achtundfünfzig Lauten gelehrt. Sein Seher ist der Viergesichtige …

Erläuterung zur Stelle: Der Viergesichtige ist Brahma. Die ausführlich ausgeschriebene Formel steht in Naukā.

20.126

… sein Versmaß Pankti, seine Gottheit Svarnakarshana-Bhairava. Mit den kodierten Lautgruppen wird der sechsfache [Nyasa] des Mantras angegeben.

Erläuterung zur Stelle: Die Zahlenkodierung im zweiten Halbvers ist drucktechnisch auffällig; Naukā erläutert Nanda als neun und Asha als zehn.

Meditation über Svarnakarshana-Bhairava

Der goldfarbene Bhairava erscheint mit der Göttin; der Abschluss verbindet Dhyana, Japa, Homa und Yantra.

20.127

Oder [vollziehe man] den sechsfachen Anga-Nyasa mit Kama und Shakti in sechs langen Vokalformen. Man meditiere über den goldspendenden Bhairava, auf einem Thron in einem Rubin-Pavillon inmitten eines Parijata-Hains.

20.128

Wir nehmen Zuflucht zu Svarnakarsha-Bhairava: Er hält in seinen Händen ein goldenes Gefäß, eine Damaru-Trommel, einen Dreizack und die Gewährensgeste; er ist dreiäugig, mit der Göttin vereint und von der Farbe glühenden Goldes.

Erläuterung zur Stelle: Der verkürzte Name svarṇākṛṣa wird drucknah bewahrt. Naukā erklärt gāṅgeyapātra als Goldgefäß.

20.129

Der Verständige wiederhole [den Mantra] hunderttausendmal und vollziehe mit einem Zehntel davon ein Milchreis-Homa. Auf dem Shaiva-Pitha verehre man die Gottheit mit den Angas, Richtungshütern und ihren Waffen.

20.130

Den vollendeten Mantra wiederhole man täglich dreihundertmal während eines Mandala. Armut weit von sich werfend, soll man dem Reichtumspender gleich werden.

Erläuterung zur Stelle: Naukā versteht Mandala hier als neunundvierzig Tage. Dhanada ist Kubera. Traditionelle Wohlstandsverheißung, keine materielle Erfolgsgarantie.

20.131

Ist der Mantra durch Japa und die weiteren [Vollzüge] vollendet, soll man durch die Yantras Vollendung erlangen. Gold soll im Haus zunehmen, und durch einen Feind soll keine Niederlage entstehen.

Kolophon des Taraṅga 20

So endet im Mantramahodadhi des ehrwürdigen Mahidhara der zwanzigste Taraṅga, genannt „Darlegung von Yantras, Mantras und Weiterem“.

Anmerkung zum Kolophon: Die Nummerierung enthält mehrere Halbverse und Verse mit zusätzlichen Halbversen. Der erste Halbvers von 97 steht auf PDF 696, der zweite auf 697. PDF 677 und 705 enthalten Erläuterungen; die dortigen Lautlisten und Zeichnungen sind keine zusätzlichen nummerierten Grundtextverse. Die Ausgabe erfasst den Wortlaut der Yantra-Anweisungen, nicht sämtliche Abbildungen der kommentierten Druckausgabe.

Textgrundlage dieses Taraṅga: Sanskrit-Grundtext der verwendeten Ausgabe, PDF-Seiten 673–706, gedruckte Seiten 621–654. Naukā und die Hindi-Erklärung bleiben vom Grundtext getrennt.

Taraṅga 21 – Tägliche Vorbereitung, Nyasa und innere Verehrung

„Japa – der Weg zu Gott“: ein Yoga-Vidya-Vortrag zur Vertiefung der eigenen Mantra-Praxis.

Der einundzwanzigste Taraṅga führt vom Erwachen zur inneren Puja. Guru-Gedenken, die Einheit von Guru, Gottheit und Selbst, äußere und innere Reinigung, die Verehrung des Eingangs und die Körperweihung bereiten die Vergegenwärtigung der Gottheit im eigenen Körper vor. Die reich entfaltete Ritualordnung mündet in stilles Verweilen, Japa und die Darbringung des Japa.

Den Tag bewusst beginnen

Äußere Vorbereitung und innere Ausrichtung gehören von Anfang an zusammen.

21.1

Ich erläutere die Ordnung der täglichen Verehrung, die allen Gottheiten gemeinsam ist. Der Verständige stehe zur Brahma-Muhurta auf und vollziehe Reinigung und die weiteren notwendigen Verrichtungen.

21.2

Er lege ein reines Gewand an, vollziehe das Mantra-Bad, betrete den Raum der Gottheit und reinige ihn.

21.3

Nach der glückverheißenden Arati entferne er die bereits verwendeten Opfergaben. Er bringe eine Handvoll Blumen sowie Mittel zur Zahnreinigung und Wasser zum Mundspülen dar.

Erläuterung zur Stelle: Zahnreinigung und Mundspülen werden hier der als lebendige Gegenwart verehrten Gottheit dargeboten.

Guru, Gottheit und Selbst

Die Verehrung wird ausdrücklich mit dem Bewusstsein der Einheit verbunden.

21.4

Nach der Verneigung setze man sich auf einen reinen Sitz und vergegenwärtige den Guru: auf einem weißen Lotus über dem Scheitel sitzend, freundlich, mit zwei Armen und zwei Augen.

21.5

„Ich bin Brahman, von der Natur des Seins, ewig frei, dem Leid nicht unterworfen.“ So soll man sich die Einheit von Guru, Gottheit und Selbst vergegenwärtigen und ihn verehren.

Erläuterung zur Stelle: Die Einheitsaussage ist ausdrücklich Textinhalt; sie ist keine nachträgliche moderne Deutung.

Ein Gebet für den ganzen Tag

Das weltliche Leben selbst wird in die Hingabe aufgenommen.

21.6

O ursprünglicher Gott, der du das Bewusstsein der drei Welten bist, Vishnu, Herr der Shri! Auf deinen Auftrag hin bin ich am Morgen aufgestanden; dir zur Freude werde ich meinen Weg durch das weltliche Leben fortsetzen.

21.7

Ich kenne Dharma, und doch wende ich mich ihm nicht zu; ich kenne Adharma, und doch wende ich mich nicht davon ab. Wie ich von einer im Herzen gegenwärtigen göttlichen Macht bestimmt werde, so handle ich.

Erläuterung zur Stelle: Das Gebet benennt die Spannung zwischen Einsicht und Handeln. Es wird hier als Bitte im Rahmen der täglichen Verehrung verwendet, nicht als Aufhebung persönlicher Verantwortung.

21.8

Mit diesen beiden Versen bete der Verständige zu seiner erwählten Gottheit. Bei einer anderen Gottheit ist die Anrede „Shri-Natha Vishnu“ entsprechend anzupassen.

Erläuterung zur Stelle: Naukā nennt für Shiva „Vishvesha Shambhu“ und für die Göttin „Bhavani Durga“. Die Erlaubnis betrifft dieses Gebet, nicht beliebige Veränderungen von Bija-Mantras.

21.9

Dann gehe man zum Baden und vergegenwärtige dabei Namen, Eigenschaften und die weiteren Merkmale der Gottheit. Die Verständigen lehren zwei Arten des Bades: das innere und das äußere.

Inneres und äußeres Bad

Die Licht- und Wasservisualisation begleitet die rituelle Reinigung.

21.10

Man vergegenwärtige die Gottheit über dem Scheitel, leuchtend wie zehn Millionen Sonnen, mit ihrem Schmuck und ihren Waffen. Durch den Wasserstrom von ihren Füßen …

21.11

… der rein durch die Öffnung am Scheitel in den eigenen Körper eintritt, wird die innere Verfehlung fortgewaschen; so wird der Mensch rein.

21.12

Nach diesem inneren Bad bade der Verständige nach vedischer Weise und vergegenwärtige im Wasser das Aghamarshana-Sukta.

21.13

Dann vollziehe man das Mantra-Bad; dessen Weise wird nun gelehrt. Nachdem man den Atem geregelt und mit dem Grundmantra den sechsfachen Anga-Nyasa vollzogen hat …

21.14

… rufe man mit der Srini-Mudra und drei Mantras die heiligen Wasser aus der Sonnenscheibe herbei; die drei Mantras werden in das Wasser geschrieben.

Erläuterung zur Stelle: Naukā identifiziert die Srini-Mudra als Ankusha-Mudra.

Die heiligen Wasser anrufen

Ganga und weitere Flüsse erscheinen als lebendige heilige Gegenwart.

21.15

Die heiligen Wasser im Innern des Weltalls werden von deinen Strahlen berührt, o Sonne. Kraft dieser Wahrheit gewähre mir heiliges Wasser, o Gott, Licht des Tages!

21.16

O Ganga und Yamuna, Godavari, Sarasvati, Narmada, Sindhu und Kaveri: Seid in diesem Wasser gegenwärtig!

Erläuterung zur Stelle: Ein ausdrücklich ausgeschriebenes Anrufungsgebet an die heiligen Flüsse.

21.17

Ich rufe dich hier zum Bad herbei, o schöne Göttin. Komm, Ganga, Verehrung sei dir, die du alle heiligen Wasser in dir vereinst!

21.18

Dann verbinde man sie mit dem Bija „vaṃ“ mit diesem Wasser. Der Verständige vergegenwärtige darin die Bereiche von Feuer, Sonne und Mond.

Erläuterung zur Stelle: Vergegenwärtigt werden die drei Lichtbereiche von Feuer, Sonne und Mond.

21.19

Dann bespreche man das Wasser zwölfmal mit diesem Mantra, umhülle es mit Kavacha und schütze es wiederum mit Astra.

Erläuterung zur Stelle: Ravi bezeichnet hier die Zahl zwölf, nicht den Sonntag. Naukā erläutert Kavacha als huṃ und Astra als phaṭ.

21.20

Nachdem man das Wasser elfmal mit dem Grundmantra besprochen hat, verneige man sich vor ihm mit dem folgenden Mantra und vergegenwärtige dabei die Gottheit im Geist:

Erläuterung zur Stelle: Isha steht hier für elf; Naukā erläutert die Zahl ausdrücklich.

21.21

[Vishnu ist] die Grundlage aller Wesen, von unvergleichlicher Strahlkraft. Ich verneige mich vor den Wassern, die seine Gestalt sind und aus ihm hervorgegangen sind.

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers ist grammatisch knapp und enthält den Genitiv viṣṇoḥ. Die Übersetzung ergänzt den im Zusammenhang vorausgesetzten Satzbezug.

21.22

Man tauche ins Wasser und vergegenwärtige dabei den Grundmantra und die Gottheit. Wieder aufgetaucht, besprenge man den Kopf siebenmal mit der Kalasha-Mudra.

21.23

Dann übergieße man den eigenen Körper mit dem Grundmantra und vier Mantras. Diese vier von Shankara gesprochenen Mantras werden nun aufgezeichnet:

Erläuterung zur Stelle: Die Zuschreibung an Shankara ist die traditionelle Aussage des Textes.

21.24

Mögen die göttlichen Wasser mich reinigen: die Mütter aller Wesen, die immer wieder der Same Prajapatis sind, wenn er das gesamte Weltall hervorbringen will.

21.25

Mögen die göttlichen Wasser mich reinigen, die durch ihre Berührung das als Unreinheit in allen Wesen gegenwärtige Unglück fortwaschen.

21.26

Das Unglück, das an meinen Haaren, am Scheitel, auf dem Kopf, an Stirn, Ohren und Augen haftet, mögen die Wasser beseitigen. Verehrung sei euch!

21.27

Mögen langes Leben, Gesundheit, Wohlergehen, das Schwinden der gegnerischen Partei, Glück, Zufriedenheit, Geduld, Vertrauen in das Heilige und Wissen entstehen. Verehrung sei euch!

Erläuterung zur Stelle: Das Gebet verbindet persönliche und geistige Güter mit dem historisch üblichen Wunsch nach Überwindung von Gegnern.

21.28

Nachdem man das Fußwasser eines Brahmanen und das Wasser der Shalagrama-Steine getrunken hat, bewege man [Wasser] mit der Muschel dreimal im Kreis und gieße es auf den eigenen Kopf.

Erläuterung zur Stelle: Historischer Umgang mit rituellem Wasser, keine hygienische oder gesundheitliche Empfehlung.

21.29

Dann vollziehe man in kurzer Form Tarpana für Götter, Menschen und Ahnen. Man wringe das Gewand aus, wasche es und lege die beiden Kleidungsstücke an.

Erläuterung zur Stelle: Die Verbindung sakthinī ist im Druck auffällig; Naukā erläutert sie mit ūrū, „Oberschenkel“. Die Kleidervorschrift ist daher in ihrem genauen Wortbezug nicht völlig eindeutig.

Anpassung an die eigenen Möglichkeiten

Der Text berücksichtigt das Fehlen eines heiligen Badeortes und körperliches Unvermögen.

21.30

Steht kein heiliger Badeort zur Verfügung, bade man zu Hause mit warmem Wasser. Dabei sollen nur wenige, dem Anlass entsprechende Mantras gesprochen werden.

Erläuterung zur Stelle: Eine ausdrückliche Anpassung an die verfügbaren äußeren Bedingungen.

21.31

Man nehme Wasser in die Hände und vollziehe darin Aghamarshana. Wer [zum Wasserbad] nicht imstande ist, vollziehe das Bad mit Asche, mit Staub von Kühen oder durch einen Mantra.

Erläuterung zur Stelle: Naukā nennt Krankheit als Beispiel für das Unvermögen zum Bad. Die Alternativen gehören zur historischen Ritualordnung; entscheidend ist die ausdrückliche Anerkennung unterschiedlicher Möglichkeiten.

Tilaka und Tripundra

Vaishnava- und Shaiva-Kennzeichnungen werden unterschieden.

21.32

Nach Achamana setze sich der Verständige auf einen Sitz und bringe mit den Namen Keshava und den weiteren [Vishnu-Namen] Tilaka an zwölf Stellen an …

21.33

… an Stirn, Bauch, Herz, Hals, rechter Seite und Schulter, dann an linker Seite, Schulter und Ohr, am Rücken und am oberen Rückenansatz.

Erläuterung zur Stelle: Die Körperstellenliste ist im Druck knapp und ergibt in dieser Wortgliederung nicht eindeutig zwölf Stellen. Sie wird nicht mit einer anderen Tradition vervollständigt.

21.34

An der Stirn zeichne man die Keule, am Herzen Nandaka, an beiden Armen Muschel und Diskus sowie am Kopf Sharnga und den Pfeil.

Erläuterung zur Stelle: Nandaka ist Vishnus Schwert, Sharnga sein Bogen.

21.35

So verfahre der Vaishnava. Der Shaiva bringe Tripundra an: Er nehme Asche aus dem Agnihotra mit dem Mantra „agnir iti“ …

Erläuterung zur Stelle: Der Grundtext zitiert nur den Anfang der Ascheformel; die weitere Ausführung steht in Naukā.

21.36

… bespreche sie mit dem Tryambaka-Mantra und bringe fünf Tripundra-Zeichen an, der Reihe nach mit den Namen [Tat]purusha, Aghora, Sadyo[jata], Vama[deva] und Isha[na] …

21.37

… an Stirn, Schultern, Bauch und Brust, oder mit den ihnen zugehörigen Versen. Nachdem man die Sandhya nach der eigenen vedischen Schule vollzogen hat, vollziehe man die Mantra-Sandhya.

Erläuterung zur Stelle: Die Druckform phala wird im Zusammenhang als bhāla, „Stirn“, verstanden.

Mantra-Sandhya

Atem, Wasser, Visualisation und Mantra verbinden sich.

21.38

Nach Pranayama und dem sechsfachen Anga-Nyasa nehme man Wasser in die Hand; nach dreifacher Wiederholung des Grundmantras vollziehe man Achamana, wiederum den Mantra dreimal sprechend.

21.39

Wiederum nehme man mit der rechten Hand Wasser, lege es in die linke und [besprenge] mit den herabtropfenden Tropfen siebenmal den Körper …

21.40

… zur Reinigung mit dem Grundmantra. Das verbleibende Wasser nehme man wieder in die rechte Hand und führe es zur Nase.

21.41

Man stelle sich vor, [die reinigende Kraft] durch Ida nach innen zu ziehen und das durch die fortgewaschenen Verfehlungen schwarz gefärbte [Wasser] durch Pingala auszuatmen …

Erläuterung zur Stelle: Die Nadi-Sprache gehört zur rituellen Visualisation; es geht nicht um das tatsächliche Einatmen von Wasser.

21.42

… und werfe es mit Astra auf den vor sich vorgestellten harten Stein. Dies ist Aghamarshana, das alle Verfehlungen beseitigen soll.

21.43

Wiederum nehme man Wasser mit beiden aneinandergelegten Händen und bringe Arghya dar, dreimal nach dem Grundmantra den sechzehnsilbigen Mantra sprechend …

21.44

… man sage „ravimaṇḍalasaṃsthāya devāyārghyaṃ kalpayāmi“ und bringe die Gabe dar. Dieser Mantra hat sechzehn Silben.

Erläuterung zur Stelle: Bedeutung: „Für die in der Sonnenscheibe gegenwärtige Gottheit bereite ich die Arghya-Gabe.“

21.45

Über seine in der Sonnenscheibe gegenwärtige erwählte Gottheit meditierend und den Geist auf sie gerichtet, wiederhole man die Mantra-Gayatri und den Grundmantra hundertachtmal …

21.46

… oder achtundzwanzigmal und vollziehe ebenso oft Tarpana im Wasser. Nachdem man dem Herrn des Tages Arghya gegeben hat, [nehme man] die heilige Gegenwart mit der Samhara-Mudra [zurück] …

Erläuterung zur Stelle: Die Wahlzahlen gehören zum überlieferten Tarpana-Rahmen.

21.47

… verabschiede [sie], verneige sich vor Sonne und Richtungshütern und gehe, einen Gotteslobpreis rezitierend, zum Opferplatz. Dort wasche man die Füße und vollziehe Achamana.

21.48

Nach dem Opfer in Garhapatya und den weiteren Feuern und ihrer Verehrung betrete man den Raum der Gottheit und vollziehe Achamana nach der Vorschrift.

Drei Formen des Achamana

Vaishnava-, Shaiva- und Shakta-Traditionen besitzen eigene Formeln.

21.49

Mit Keshava, Narayana und Madhava trinke man dreimal Wasser; mit Govinda und Vishnu wasche man die Hände; mit Madhusudana …

Erläuterung zur Stelle: Die Namen stehen in Anrufungsformeln, die Naukā jeweils mit oṃ und namaḥ ausschreibt.

21.50

… und Trivikrama [reinige man] die Lippen, mit Vamana und Shridhara das Gesicht, mit Hrishikesha die Hand und mit Padmanabha beide Füße.

21.51

Mit Damodara besprenge man den Kopf und setze Sankarshana und die weiteren [Namen] mit den Fingern an Mund und weiteren Stellen ein.

Erläuterung zur Stelle: Die Verbindung am Ende des zweiten Halbverses ist undeutlich; die folgenden Verse führen die Zuordnungen aus.

21.52

Am Mund Sankarshana, an beiden Nasenöffnungen Vasudeva und Pradyumna, an den Augen Aniruddha und Purushottama.

21.53

An den Ohren Adhokshaja und Narasimha, am Nabel Achyuta, am Herzen Janardana und am Kopf Upendra.

21.54

An beiden Schultern Hari und Vishnu: Dies ist das Vaishnava-Achamana. Die mit Keshava beginnenden Namen stehen im Dativ, mit Pranava am Anfang und namaḥ am Ende.

Erläuterung zur Stelle: Naukā liest an der zweiten Schulter Krishna; der Grundtextdruck bietet Vishnu. Die Abweichung bleibt sichtbar.

21.55

Am Mund und an der Nase [berühre man] mit dem Zeigefinger, an Augen und Ohren mit dem Ringfinger, am Nabel mit dem kleinen Finger; der Daumen wird überall dazugenommen.

21.56

Am Herzen berühre man mit der Handfläche, am Kopf und an den Schultern mit allen [Fingern]. Mit Atma-, Vidya- und Shiva-Tattva, jeweils mit svāhā endend, trinke man Wasser …

Erläuterung zur Stelle: Die zweite Vershälfte beginnt die Shaiva-Form des Achamana.

21.57

… in der Shaiva-Form mit hāṃ, hīṃ, hūṃ am Anfang; in der Shakta-Form mit dem Vag-Bija vorangestellt. Das Waschen und die weiteren Verrichtungen sowie das Berühren mit den Fingern erfolgen ohne Mantra.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert die unterschiedlichen Formeln; nicht sämtliche äußerlich ähnlichen Riten verwenden dieselbe Lautfolge.

Den Eingang verehren

Die Schwelle wird als Teil des heiligen Raumes verstanden.

21.58

Nach solchem Achamana verehre man den Eingang mit dem allgemeinen Arghya. [Man spreche] Tara, Kha mit Vahni und Visarga sowie „dvārārghyaṃ sādhayāmi“ …

Erläuterung zur Stelle: Beginn einer kodierten Formel zur Bereitung der Arghya-Gabe für den Eingang; sie wird nicht frei rekonstruiert.

21.59

… und wasche das Gefäß mit dem Astra-Mantra, fülle es mit Hrid, rufe die heiligen Wasser herbei und gebe mit Nigamadi Duftstoffe und Weiteres hinein.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert Hrid durch namaḥ und Nigamadi durch Pranava.

21.60

Nach dem Zeigen der Dhenu-Mudra bespreche man [das Wasser] mit dem Grundmantra. So ist die Ordnung des allgemeinen Arghya gelehrt; damit [verehre man] die genannten Eingangsgottheiten …

21.61

… und danach die Türhüter; ihre verschiedenen Gruppen werden genannt: Nanda, Sunanda, Chanda, Prachanda, Bala …

21.62

… Prabala, Bhadra und Subhadra gelten als die Vaishnava-[Türhüter]. Nandi, Mahakala, Ganesha und Vrishabha …

21.63

… Bhringiriti, Skanda, ferner Parvatisha und Chandeshvara sind die Shaiva-[Türhüter]; in der Shakta-Tradition werden die Mütter genannt.

21.64

Vakratunda, Ekadamshtra, Mahodara, Gajanana, Lambodara, Vikata und als siebter Vighnaraja …

21.65

… sowie Dhumaraja werden als Ganapatis Türhüter genannt. Indra, Yama, Varuna und Kubera, von Osten beginnend …

21.66

… Isha, Krishanu, Rakshas und als achter Vayu [bilden eine weitere Gruppe]. Nach dieser Verehrung des Eingangs wehre man die dreifachen Hindernisse ab.

Erläuterung zur Stelle: Die zweite Gruppe ergänzt die Zwischenrichtungen. Krishanu ist Agni, Rakshas bezeichnet hier den südwestlichen Richtungshüter.

21.67

Sich selbst als Shankara meditierend, wehre man himmlische [Hindernisse] mit dem Blick ab, solche im Luftraum mit Arghya-Wasser und solche auf der Erde mit Fersenstößen.

21.68

Weichen mögen jene Wesen, die auf der Erde verweilen. Jene Wesen, die Hindernisse bereiten, mögen auf Shivas Geheiß verschwinden!

Erläuterung zur Stelle: Rituelle Abwehrformel; bhūta bezeichnet hier störende Wesen, nicht Menschen einer bestimmten Gruppe.

21.69

Weichen mögen die Bhutas und Pishachas in alle Richtungen. Ohne Widerstreit mit irgendjemandem beginne ich das heilige Werk.

21.70

Indem man diese beiden Mantras spricht, wehre man sämtliche Hindernisse ab: [„Mögen sie] hinausgehen, um Raum zu geben“, [so gilt es] den Störungen …

Erläuterung zur Stelle: Die Schlussverbindung ist sprachlich knapp. Naukā erläutert viniryatām als „aus dem Haus hinausgehen“.

21.71

Die linke Körperseite etwas zurücknehmend, betrete man den Raum mit dem rechten Fuß und verehre Kshetrapala und Vidhatri in südwestlicher Richtung.

Sitz und Vorbereitung

Ein tragfähiger Sitz und die geordnete Bereitstellung der Gaben bereiten die Sammlung vor.

21.72

Man lege drei Darbha-Halme auf den Sitz aus Kusha, Fell und Stoff und spreche dabei Ananta, Vimala und Padma, jeweils verbunden mit „āsanāya namaḥ“.

Erläuterung zur Stelle: Die ausgeschriebenen Sitzformeln stehen in Naukā.

21.73

Einen Sitz aus Holz, Blättern, Bambus, Stein, Kuhdung, gewöhnlichem Gras oder Erde sowie einen unebenen, harten, Unbehagen bereitenden Sitz meide der Mantrakenner.

Erläuterung zur Stelle: Die Liste gehört zu dieser Ritualordnung; sie ist keine allgemeine Aussage, dass moderne Meditationssitze aus diesen Materialien ungeeignet wären.

21.74

Mit dem Mantra „pṛthvi tvayā“ setze man sich nach Osten oder Norden gewandt hin und nehme eine Haltung wie Svastika, Padma oder Vira ein.

Erläuterung zur Stelle: Der Grundtext zitiert nur den Mantraanfang. Pathoja, „im Wasser geboren“, bezeichnet hier den Lotus und damit Padmasana.

21.75

Die fünf Gefäße für Arghya, Padya, Achamaniya, Madhuparka und das erneute Achamana sowie Blumen und weitere Gaben stelle man zu seiner Rechten auf.

21.76

Links stelle man Wassergefäß, Fächer, Schirm, Spiegel und Wedel auf. Mit aneinandergelegten Händen verneige man sich links vor den Gurus und rechts vor Ganapati.

21.77

Nachdem man Astra in beide Hände eingesetzt hat, klatsche man dreimal und vollziehe mit Daumen und Zeigefinger das Verschließen der Richtungen, während man den Sudarshana-Mantra spricht.

21.78

Pranava, Hridaya, das Wort Sudarshana im Dativ, ferner „astrāya“ und „phaṭ“: So lautet der zwölfsilbige Mantra.

Erläuterung zur Stelle: Naukā schreibt ihn aus: oṃ namaḥ sudarśanāya astrāya phaṭ. Die Zählung folgt der im Text verwendeten rituellen Lautzählung.

Bhutashuddhi und Matrika

Die Körperweihung verbindet Elemente, Lebensgegenwart und Lautkräfte.

21.79

Nachdem er die Feuermauer errichtet hat, werde der Verständige zum Überwinder der Elemente. [Er vollziehe] Bhutashuddhi, Prana-Pratishtha und den Matrika-Nyasa …

21.80

… in seinen fünf gelehrten Formen. Danach vollziehe man einen weiteren Matrika-Nyasa: Der Shiva-Verehrer [denjenigen mit] Shrikantha und den Folgenden, der Vaishnava [denjenigen mit] Keshava und den Folgenden …

Erläuterung zur Stelle: Naukā bezieht die fünf Formen auf die bereits im ersten Taraṅga erläuterten Matrika-Nyasas.

21.81

… der Ganesha-Verehrer [denjenigen mit] Ganesha und den Folgenden, der Shakti-Verehrer die Matrika-Kalas. Sie werden nun der Reihe nach gelehrt, jeweils mit dem Nyasa des Rishi und der übrigen [Viniyoga-Bestandteile] beginnend.

Shrikantha-Matrika

Shiva und Shakti werden in Namenpaaren vergegenwärtigt.

21.82

Der Rishi ist Dakshinamurti, als Versmaß wird Gayatri angegeben, die Gottheit ist Hara mit der Bergtochter als seiner Hälfte; die Anwendung dient allen Vollendungen.

21.83

Die Konsonanten als Bijas setze man im verborgenen Bereich, die Vokale als Shaktis an den Füßen ein. Nachdem man den Anga-Nyasa mit Ha und Sa samt langen Vokalen vollzogen hat, vergegenwärtige man Shankara.

21.84

Man verehre Ardhanarishvara: In den Händen Schlinge, Haken, Gewährensgeste und Gebetskette, mit dem kühlen Mond als Scheitelschmuck, dreiäugig, rot und golden leuchtend.

Erläuterung zur Stelle: Naukā ordnet das Rot der Hara-Hälfte, das Gold der Göttinnenhälfte zu.

21.85

So Shambhu und Shakti meditierend, setze man sie an den Matrika-Stellen ein: ihre Namen im Dativ, mit namaḥ verbunden, davor das Bija hasauṃ und der Matrika-Laut.

Erläuterung zur Stelle: Die folgenden Namenpaare bilden die Shrikantha-Matrika. Die lautlichen und körperlichen Zuordnungen setzen den bereits erklärten Nyasa voraus.

21.86

Shrikantha mit Purnodari; Ananta mit Viraja; Sukshmesha mit Shalmali; Trimurti mit Lolakshi.

21.87

Amaresha mit Vartulakshi; Vardhisha mit Dirghaghona; Bharabhuti mit Dirghamukhi; Tithisha mit Gomukhi.

21.88

Sthanvisha mit Dirghajihva; Dhara mit Kumbhodari; Jhintisha mit Urdhvakeshi; Bhautika mit Vikritamukhi.

21.89

Sadyo[jata] mit Jvalamukhi; Anugraha mit Ulkamukhi; Akrura mit Shrimukhi; Mahasena mit Vidyamukhi.

21.90

Krodhisha mit Mahakali; Chandesha mit Sarasvati; Panchantaka mit Sarvasiddhi-Gauri.

21.91

Shivottamesha ist mit Trailokyavidya einzusetzen; Ekarudra mit Mantrashakti; Kurmesha mit Atmashakti.

Erläuterung zur Stelle: Vinyasyo ist ein Verbalausdruck: „ist einzusetzen“. Er bezeichnet keine zusätzliche Gottheit namens Vidyesha.

21.92

Ekanetra mit Bhutamatri; Chaturanana mit Lambodari; Ajesha mit Dravini.

21.93

Sarvesha mit Nagari; Somesha mit Khechari; Langalisha mit Manjari; Darakesha mit Rupini.

21.94

Ardhanarisha und Virini; Umakanta wiederum mit Kakodari; Ashadhi wird als mit Putana verbunden gelehrt.

Erläuterung zur Stelle: Punar yutaḥ bedeutet „wiederum verbunden“; Kakodari gehört zu Umakanta. Es wird keine zusätzliche Göttin namens Pura ergänzt.

21.95

Chandisha mit Bhadrakali; Mantresha mit Yogini; Minesha mit Shankhini; Meshesha mit Tarjani.

21.96

Lohita mit Kalaratri; Shikhisha mit Kubja; Chhagalanda mit Kapardini; Dvirandesha mit Vajra.

21.97

Mahakala mit Jaya; Balisha mit Sumukheshvari; Bhujanga mit Revati; Pinaki mit Madhavi.

21.98

Khadgisha mit Varuni; Bakesha mit Vayavi; Shveta mit Rakshovidarini; Bhrigu mit Sahaja.

21.99

Nakulisha mit Lakshmi; Shivesha mit Vyapini; Samvartaka mit Mahamaya. So ist die Shrikantha-Matrika gelehrt.

Erläuterung zur Stelle: Die Namenliste ist keine Grundlage für eine eigenständig rekonstruierte Initiationspraxis.

21.100

Wo in den Namen Shrikantha und den weiteren das Wort „Isha“ nicht ausgesprochen ist, soll es überall ergänzt werden; danach [spreche man den Namen] mit der Shakti [im Dativ Dual] und Hrid.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert die Paaranrufung mit dem Dativ Dual und namaḥ. Diese grammatische Regel betrifft die hier gelehrte Liste.

21.101

Bei den letzten zehn [Lauten], beginnend mit Ya, spreche man die Zusätze Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark, Samen, Lebensatem, Kraft und Zorn, jeweils mit „ātmabhyām“ am Ende.

Erläuterung zur Stelle: Die Zusatzbezeichnungen werden in Naukā an den Paarformeln erläutert.

Keshavadi-Matrika

Vishnus Gestalten sind mit göttlichen Kräften wie Mitgefühl, Einsicht und Vertrauen verbunden.

21.102

Für die Keshavadi-Matrika ist Sadhyanarayana der Rishi, Amrita-Gayatri das Versmaß und Lakshmi-Hari die Gottheit.

Erläuterung zur Stelle: Der Rishi-Name lautet im Grundtext Sadhyanarayana.

21.103

Mit den zweimal gesprochenen [Bijas von] Shakti, Shri und Kama vollziehe man die sechs Anga-Nyasas. [Ich verehre die Gottheit, die] Muschel, Diskus, Keule und Lotus sowie Krug, Spiegel, Lotus und Buch …

21.104

… trägt: Ich verehre Lakshmi-Hari, von der Farbe einer Wolke und des Blitzes. Nach solcher Meditation wiederhole man Shakti mit den von Shri und Kama umschlossenen Lauten …

Erläuterung zur Stelle: Naukā ordnet die Wolkenfarbe Hari und den Blitzglanz Lakshmi zu.

21.105

… die Namen Vishnus und seiner Shakti im Dativ Dual, mit Pranava am Anfang und namaḥ am Ende: Keshava mit Kirti; Narayana mit Kanti.

Erläuterung zur Stelle: Die grammatisch knappe erste Hälfte wird nach der unmittelbar ausgeschriebenen Kommentarbeispielformel verstanden.

21.106

Madhava mit Tushti; Govinda mit Pushti; Vishnu mit Dhriti; Madhusudana mit Shanti.

21.107

Trivikrama mit Kriya; Vamana mit Daya; Shridhara mit Medha; Hrishikesha mit Harsha.

Erläuterung zur Stelle: Diese Namen nennen unter anderem Tatkraft, Mitgefühl, Einsicht und Freude als göttliche Shaktis.

21.108

Padmanabha mit Shraddha; Damodara mit Lajja; Vasudeva mit Lakshmi; Sankarshana mit Sarasvati.

21.109

Pradyumna mit Priti; Aniruddha mit Rati; Chakri mit Jaya; Gadi mit Durga; Sharngi mit Prabha.

21.110

Khadgi mit Satya; Shankhi mit Chanda; Hali mit Vani; Musali mit Vilasini.

21.111

Shuli mit Vijaya; Pashi mit Viraja; Ankushi mit Vishva; Mukunda mit Vinda.

21.112

Nandaja mit Sunada; Nandi mit Satya; Nara mit Riddhi; Narakajit mit Samriddhi; Hari mit Shuddhi.

21.113

Krishna mit Buddhi; Satya mit Bhukti; Satvata mit Mati; Shauri mit Kshama; Shura mit Rama; Janardana mit Uma.

21.114

Bhudhara mit Kledini; Vishvamurti mit Klinna; Vaikuntha mit Vasudha; Purushottama mit Vasuda.

21.115

Bali mit Para; Balanuja mit Parayana; Bala mit Sukshma; Vrishaghna mit Sandhya; Vrisha mit Prajna.

21.116

Hamsa mit Prabha; Varaha mit Nisha; Vimala mit Medha; Narasimha mit Vidyuta.

Ganesha-Matrika

Auch Ganeshas Gestalten werden als göttliche Paare eingesetzt.

21.117

So ist die Keshavadi-Matrika gelehrt; die Verbindung mit Ya und den weiteren [Lauten] erfolgt wie zuvor. Für die Ganesha-Matrika wird Ganaka als Rishi genannt.

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF 729, der zweite auf 730; er eröffnet bereits den nächsten Nyasa.

21.118

Das Versmaß ist Nichrid-Gayatri, die Gottheit Shakti-Vinayaka. Nach dem Anga-Nyasa mit dem durch lange Vokale erweiterten [Bija] meditiere man über Gajanana.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert die Reihe gāṃ gīṃ gūṃ gaiṃ gauṃ gaḥ.

21.119

Ich verehre den roten, dreiäugigen Ganapa: mit Dreizack, Haken, Gewährungs- und Furchtlosigkeitsgeste in den Händen, umarmt von seiner Geliebten, die einen roten Lotus hält.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert guṇa hier als Dreizack.

21.120

Nach dieser Meditation vollziehe man den Nyasa mit dem eigenen Bija vor den Lauten: Vighnesha mit Hri; Vighnaraja mit Shri.

21.121

Vinayaka mit Pushti; Shivottama mit Shanti; Vighnakrit mit Svasti; Vighnahartri mit Sarasvati.

21.122

Gana mit Svaha; Ekadanta mit Sumedha; Dvidanta mit Kanti; Gajavaktra mit Kamini.

21.123

Niranjana mit Mohini; Kapardi mit Nati; Dirghajihva mit Parvati; Shankukarna mit Jvalini.

21.124

Vrishabhadhvaja mit Nanda; Suresha mit Gananayaka; Gajendra mit Kamarupini; Shurpakarna mit Uma.

Erläuterung zur Stelle: Die Paarbildung Suresha/Gananayaka ist sprachlich auffällig; die Kommentarliste bestätigt die Verbindung.

21.125

Trilochana mit Tejavati; Lambodara mit Satya; Mahananda mit Vighneshi; Chaturmurti mit Surupini.

21.126

Sadashiva mit Kamada; Amoda mit Madajihva; Durmukha mit Bhuti; Sumukha mit Bhautika.

21.127

Pramoda mit Sita; Ekapada mit Rama; Dvijihva mit Mahishi; Shura mit Bhanjini.

21.128

Vira mit Vikarna; Shanmukha mit Bhrikuti; Varada mit Lajja; Vamadeva mit Dirghaghona.

21.129

Vakratunda mit Dhanurdhara; Dvirada mit Yamini; Senani mit Ratri; Kamandha mit Gramani.

21.130

Matta mit Shashiprabha; Vimatta mit Lolalochana; Mattavahana mit Chanchala; Jati mit Dipti.

21.131

Mundi mit Subhaga; Khadgi mit Durbhaga; Varenya mit Shiva; Vrishaketana mit Bhaga.

21.132

Bhaktapriya mit Bhagini; Ganesha mit Bhogini; Meghanada mit Subhaga; Vyasi mit Kalaratri.

21.133

Ganeshvara mit Kalika: So ist die Vighnesha-Matrika gelehrt. Die Verbindung der mit Ya beginnenden Laute mit Haut und den weiteren [Körperbestandteilen] erfolgt wie zuvor.

Kala-Matrika und Sharada

Die Göttin trägt die vielfältigen Kräfte von Bewusstsein und Leben.

21.134

Für die mit Kalas verbundene Matrika gilt Prajapati als Rishi, Gayatri als Versmaß und die Sharada genannte [Göttin] als Gottheit.

21.135

Mit den zwischen kurzen und langen Vokalen stehenden Taras vollziehe man den sechsfachen Anga-Nyasa. [Ich verehre Sharada, die] Muschel, Diskus, Lotus, Axt, Schädel und Gebetskette …

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert die Attributliste der Göttin.

21.136

… Buch, Nektarkrug und Dreizack in ihren Händen trägt; mit weißen, gelben, schwarzen, weißen und roten, jeweils dreiäugigen …

Erläuterung zur Stelle: Die doppelte Farbnennung „weiß“ ist im Druck vorhanden; sie wird nicht frei durch eine andere Farbe ersetzt.

21.137

… fünf Gesichtern versehen und wie der Mond leuchtend: Ich verehre Sharada. Nach dieser Meditation vollziehe man den Nyasa mit Tara am Anfang und den Kalas im Dativ.

21.138

[Die Kalas sind:] Nivritti, Pratishtha, Vidya, Shanti, Indhika, Dipika, Rechika, Mochika und die Para Genannte …

21.139

… Sukshma, Sukshmamrita, Jnanamrita, Apyayani, Vyapini, Vyomarupa, Ananta, Srishti, Riddhika …

21.140

… Smriti, Medha, Kanti, Lakshmi, Dyuti, Sthira, Sthiti, Siddhi, Jara, Palini, Kshanti, Ishvarika, Rati …

21.141

… Kamika, Varada, Ahladini, Priti, Dirgha, Tikshna, Raudri, Bhaya, Nidra und Tandrika …

21.142

… Kshudha, Krodhini, Kriya, Utkari, Mrityu, Pita, Shveta, Aruna, Asita und Ananta.

Erläuterung zur Stelle: Der Druck und die anschließende ausgeschriebene Liste weichen beim vorletzten Farbnamen ab: Der Grundtext bietet asitā, die Erläuterung sitā. Samrityuka wird ebenfalls drucknah bewahrt.

Anga-Nyasa und Mudras

Die jeweiligen Ritualtraditionen bestimmen die Formeln und Gesten.

21.143

So ist die Kala-Matrika gelehrt; der jeweilige Verehrer vollziehe sie. Danach vollziehe er die für seinen Grundmantra im betreffenden Kalpa gelehrten Nyasas.

21.144

Rishi, Versmaß und Gottheit setze man an Kopf, Mund und Herz ein; das Bija im verborgenen Bereich, die Shakti an den Füßen und die Angas auch an den Händen.

21.145

An Daumen und den weiteren Fingern, an Handflächen und Handrücken spreche man „aṅguṣṭhābhyāṃ“, „tarjanībhyāṃ“ und die weiteren [Bezeichnungen], jeweils mit namaḥ und den entsprechenden Zusätzen.

21.146

Dann setze man die Angas mit ihren jeweiligen Jatis und eigenen Mudras am Herzen und den weiteren Stellen ein. Diese Jatis werden nun gelehrt:

Erläuterung zur Stelle: Jati bezeichnet hier die typischen Abschlusswörter der Nyasa-Formeln.

21.147

„hṛdayāya namaḥ“, „śirase svāhā“, ferner für die Haarspitze „śikhāyai vaṣaṭ“ und „kavacāya huṃ“ …

21.148

… „netratrayāya vauṣaṭ“ und „astrāya phaṭ“: So lautet die Sechsergruppe der Jatis. Bei einer zweiäugigen [Gottheit] spreche man „netrābhyāṃ vauṣaṭ“.

21.149

Beim fünffachen Anga-Nyasa entfällt die Augenformel. Nun werden die Mudras gelehrt: die vier ausgestreckten Finger vom Zeigefinger an, ohne den Daumen …

21.150

… [berühren] Herz und Kopf; die Faust mit freiem Daumen [berührt] die Haarspitze. Für den Panzer [wirken] die zehn Finger vom Schulterbereich bis zum Nabel.

21.151

Für die drei Augen dienen die drei Finger vom Zeigefinger an, für zwei Augen zwei. Mit ausgestreckten Händen klatsche der Verständige dreimal …

21.152

… und verschließe bei Astra die Richtungen, mit Zeigefinger und Daumen schnippend. Dies ist die Astra-Mudra; so sind die Anga-Mudras Vishnus gelehrt.

21.153

Am Herzen setze man drei Finger ein, am Kopf zwei vom Zeigefinger an, an der Haarspitze den Daumen, für den Panzer alle zehn Finger.

Erläuterung zur Stelle: Beginn der Shakta-Mudras. Die Druckform tuke wird in der Erläuterung auf den Kopf bezogen.

21.154

Die Augen-Mudra ist wie die Herz-Mudra, Astra wie zuvor: Dies sind die Shakta-Anga-Mudras. [Bei der Shaiva-Form] setze man die beiden zusammengeführten Fäuste mit herausgestreckten Daumen ans Herz …

21.155

… entsprechend, mit ausgestreckten Zeigefingern, an den Kopf; an der Haarspitze mit ausgestreckten Daumen und kleinen Fingern; ohne Daumen und Zeigefinger …

Erläuterung zur Stelle: Die elliptische Handbeschreibung wird durch Naukā erläutert; sie ist allein kein Ersatz für eine anschauliche traditionelle Unterweisung.

21.156

… dienen die getrennten Fäuste für den Panzer vom Schulterbereich bis zum Herzen; drei Finger vom Zeigefinger an für die Augen, Händeklatschen für Astra.

21.157

So ist die Shaiva-Mudra der sechs Angas gelehrt. Danach vollziehe man den Laut-Nyasa; denn ohne Nyasa, heißt es, bleiben die Mantras selbst nach ihrer Wiederholung ohne Frucht.

Erläuterung zur Stelle: Diese strenge Aussage gilt innerhalb der hier gelehrten tantrischen Ritualordnung; sie wird nicht als pauschales Urteil über jede andere Japa-Tradition ausgegeben.

Der Körper als heiliger Sitz

Der Pitha-Nyasa entfaltet die Grundlage der inneren Gottesverehrung.

21.158

Durch den Nyasa der Pitha-Gottheiten stelle man den heiligen Sitz im Körper her. Der Verständige setze Manduka im Adhara ein, dann im Svadhishthana …

21.159

… Kalagnirudra, am Nabel die Schildkröte und danach im Herzen [die Folge] von Adhara-Shakti bis zum goldenen Sitz.

21.160

An rechter Schulter, linker Schulter, linkem Oberschenkel und rechtem Oberschenkel setze man der Reihe nach Dharma, Wissen, Entsagung und Souveränität ein.

21.161

An Mund, linker Seite, Nabel und rechter Seite setze man Adharma und die weiteren [Gegenkräfte] ein; danach im Herzen Ananta und den Lotus.

Erläuterung zur Stelle: Die Gegengruppe entspricht Adharma, Nichtwissen, Bindung und Ohnmacht. Naukā deutet beide Gruppen als Teile des göttlichen Sitzes.

21.162

Im Lotus [setze man] Sonne, Mond und Feuer sowie ihre jeweiligen, mit Lauten beginnenden Kalas ein; ferner die drei Gunas als Grundlagen der Tattvas, jeweils mit dem Anfangslaut ihres Namens.

21.163

Dort setze man die drei Atman-[Formen] mit ihrem jeweiligen Anfangslaut ein, dazu die vierte mit Para am Anfang; danach Maya-Tattva, Kala-Tattva und Vidya-Tattva.

Erläuterung zur Stelle: Naukā nennt Atman, Antaratman und Paramatman sowie als viertes Jnanatman. Die knappe Wortverbindung des Grundtexts wird nicht zu einer anderen Tattva-Lehre erweitert.

21.164

Auch Para-Tattva setze man ein, jeweils mit dem Anfangslaut des Namens. Nach dem Nyasa der eigenen Pitha-Shaktis setze man den eigenen Pitha-Mantra ein.

21.165

Man setze Ananta und die weiteren Gottheiten im Herzen ein, eine über der anderen; die Verständigen erklären jeweils die vorangehende zur Grundlage der folgenden.

Innere Puja, Sammlung und Japa

Der Abschluss verbindet Begrüßung, geistige Darbringung, stilles Verweilen und Wiederholung.

21.166

So meditiere man auf dem aus dem eigenen Körper bestehenden heiligen Sitz seine erwählte Gottheit. Nach dem Zeigen der jeweiligen Mudras vollziehe man die innere Verehrung.

21.167

Ganz auf die Gottheit ausgerichtet, verehre man sie mit diesem Mantra: „Willkommen, Herr der Götter! Sei gegenwärtig, Keshava!“ …

21.168

… „Nimm die innere Verehrung an, die ihrem Sinn entsprechend ausgestaltet ist.“ Bei einer anderen Gottheit ist anstelle des Wortes „Keshava“ die entsprechende Anpassung vorzunehmen.

21.169

Nachdem er so innerlich verehrt hat, verweile der Kundige einen Augenblick mit ganz auf die Gottheit gerichtetem Geist und wiederhole dann den Grundmantra hundertachtmal.

21.170

Er bringe das Japa der Gottheit dar und bereite das besondere Arghya. Nun wird die Weise der äußeren Verehrung erläutert.

Kolophon des Taraṅga 21

So endet im Mantramahodadhi des ehrwürdigen Mahidhara der einundzwanzigste Taraṅga, genannt „Darlegung des Bades und weiterer Verrichtungen für die Gottheit“.

Anmerkung zum Kolophon: Die kommentierte Druckausgabe enthält ausführliche ausformulierte Nyasa-Listen, die nicht als zusätzliche Grundtextverse gezählt werden. Vers 117 ist auf PDF 729–730 verteilt. Die kurzen Grundtextlisten weisen einzelne sprachlich oder drucktechnisch schwierige Namenverbindungen auf; örtliche Unsicherheiten sind gekennzeichnet.

Textgrundlage dieses Taraṅga: Sanskrit-Grundtext der verwendeten Ausgabe, PDF-Seiten 707–743, gedruckte Seiten 655–691. Naukā und die Hindi-Erklärung bleiben vom Grundtext getrennt.

Taraṅga 22 – Äußere Puja und die Hingabe des ganzen Lebens

Feuerverehrung bei Yoga Vidya. Puja und Homa verbinden Gebet und bewusste Darbringung.

Der zweiundzwanzigste Taraṅga entfaltet die äußere Puja auf der Grundlage der inneren Verehrung. Anrufung, Gastfreundschaft, Blumen, Duft, Licht und Speise werden von Gebeten begleitet, die über die Gegenstände hinausweisen. Der Abschluss führt Japa, Selbsthingabe und Rückkehr der Gottheit ins Herz zusammen. Vereinfachungen bei fehlenden Mitteln, Angst und Krankheit berücksichtigen die konkrete Lebenslage.

Arghya und rituelle Gefäße

Die äußere Verehrung beginnt mit der geordneten Bereitung der heiligen Gaben.

22.1

Vor sich links zeichne man ein mit der Spitze nach oben gerichtetes Dreieck, von Sechseck, Kreis und Bhupura umgeben, und festige es mit der Shankha-Mudra.

Erläuterung zur Stelle: Naukā beschreibt die ineinander angeordneten geometrischen Formen.

22.2

Mit Blumen und ungebrochenen Reiskörnern verehre man darin die sechs Angas, im Südosten beginnend; dann setze man den mit Astra gereinigten Untersatz darauf, den Mantra sprechend:

22.3

„maṃ vahnimaṇḍalāya“, danach „daśakalātmane“, „amukārghya“, nach „pātra“: „āsanāya namaḥ“.

Erläuterung zur Stelle: Der Platzhalter amuka steht für die Gottheit; die Formel gilt dem Untersatz des Arghya-Gefäßes. Das Grundtext-Bija maṃ wird bewahrt, auch wenn spätere Erläuterungslisten Varianten zeigen.

22.4

Dieser Mantra zum Aufstellen des Untersatzes hat vierundzwanzig Silben. Auf dem Untersatz verehre man, im Osten beginnend, die zehn Feuer-Kalas.

22.5

Während man die mit ihrem eigenen Mantra gereinigte Muschel aufstellt, spreche man: „aṃ sūryamaṇḍalāya“, danach „dvādaśakalātmane“ …

22.6

… „amukārghyapātrāya namaḥ“. Dies ist der dreiundzwanzigsilbige Mantra zum Aufstellen der Muschel. [Der Muschelmantra beginnt mit] Tara, Kama, „mahājala“ …

Erläuterung zur Stelle: Die erste Formel enthält den Gottheitsplatzhalter; die zweite wird im folgenden Vers abgeschlossen.

22.7

… „carāya“, Varma, „phaṭ svāhā“, „pāñcajanyāya“ und Hrid: Dieser zwanzigsilbige Muschelmantra dient zur Reinigung der Muschel.

Erläuterung zur Stelle: Naukā schreibt oṃ klīṃ mahājalacarāya huṃ phaṭ svāhā pāñcajanyāya namaḥ. Die explizite Formel stammt aus dem Kommentar.

22.8

Auf der Muschel verehre man der Reihe nach die zwölf Sonnen-Kalas. Während man die Matrika und den Grundmantra in umgekehrter Reihenfolge über dem Wasser rezitiert …

22.9

… fülle man sie mit dem folgenden Mantra und verehre darin die Mond-Kalas: Nach „oṃ somamaṇḍalāya“ [steht] „ṣoḍaśakalātmane“ …

22.10

… „amukārghyāmṛtāya“ und Hrid: Dies ist der Mantra zur Arghya-Verehrung. Darin rufe man mit ihren Mantras und der Srini-Mudra die heiligen Wasser herbei …

22.11

… aus der Sonnenscheibe; dann rufe man die Gottheit aus dem eigenen Herzen herbei. Mit ungeteilter Aufmerksamkeit berühre man das Wasser und wiederhole den Mantra achtmal.

22.12

Nachdem man die Angas im Wasser eingesetzt hat, verehre man das Wasser mit Hrid und wiederhole, es mit der Matsya-Mudra bedeckend, den Grundmantra hundertachtmal.

Erläuterung zur Stelle: Die begleitende Erklärung versteht aṣṭaśatam als 108.

22.13

Man schütze das Wasser mit dem Astra-Mantra und der Chhotika-Mudra und umhülle es mit der Avagunthini-Mudra und Varma.

22.14

Mit der Go-Mudra und dem Amrita-Bija verwandle man es rituell in Nektar, halte [die Gegenwart] mit Samrodhini fest und zeige dort die Mudras …

Erläuterung zur Stelle: Go-Mudra ist hier die Dhenu-Mudra; der Zusammenhang ist rituelle Vergegenwärtigung, keine stoffliche Umwandlung im naturwissenschaftlichen Sinn.

22.15

… namens Shankha, Musala und Chakra. Nachdem man es nochmals zur höchsten [Gegenwart] erhoben hat, forme man die Mahamudra und zeige die Yoni-Mudra.

22.16

Beim Krishna-Mantra [zeige man] auch Galini, bei Rama die Garuda-Mudra. Auf der rechten Seite fülle man aus der Muschel das Besprengungsgefäß …

22.17

… indem man Arghya-Wasser hineingibt. Damit besprenge man den eigenen Körper und die Gesamtheit der Verehrungsgaben, während man die Grund-Gayatri spricht.

22.18

Auch in die Gefäße für Padya und Achamana sowie in die weiteren gebe man Arghya-Wasser. So habe ich die allen gemeinsame Arghya-Ordnung gelehrt.

Die Bildgestalt

Material, Aufstellung und Verehrungskontext werden unterschieden.

22.19

Mit Ausnahme der Verehrung Shankaras und Suryas wird die Muschel für Arghya empfohlen. [Andere Gefäße können] aus Gold, Silber, Udumbara, Messing, Holz oder Ton gefertigt sein …

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF 748, der zweite auf 750; PDF 749 enthält Erläuterungen. Naukā versteht Udumbara hier als Kupfer und Riti als Messing.

22.20

… oder aus Palasha- oder Lotusblättern bestehen: So werden Gefäße für Padya und die weiteren Gaben genannt. Nach der Reinigung mit Astra bringe man Padya und die weiteren [Gaben] mit einem anderen Gefäß dar.

22.21

Dann vollziehe der Verständige das innere Opfer auf dem aus dem Körper bestehenden heiligen Sitz. An den Nyasa-Stellen verehre er Manduka und die weiteren [Pitha-Gottheiten] mit Duftstoffen und den übrigen [geistigen Gaben].

22.22

Nach dem Pitha-Mantra [verehre man] mit dem Mantra im Herzen die erwählte Gottheit. Dann erhebe man Kundalini und führe sie zum Höchsten im Dvadashanta.

Erläuterung zur Stelle: Naukā erläutert das Erheben vom Adhara-Chakra bis zum höchsten Brahman im Bereich des Brahmarandhra. Es handelt sich um eine initiationsgebundene innere Ritualanweisung.

22.23

Mit den daraus hervorgehenden Nektarströmen erfreue man die erwählte Gottheit. Nach dem Japa bringe man es ihr dar; geistig verabschiede man sie nicht.

Erläuterung zur Stelle: Die Gegenwart der Gottheit wird im Herzen bewahrt.

22.24

An Kopf, Herz, Füßen und verborgenem Bereich des Körpers bringe man Blumenhände dar. Nach diesem inneren Opfer vollziehe man die äußere Verehrung.

22.25

Der Haushälter vollziehe beides, inneres und äußeres Opfer; der Brahmacharin, der Waldeinsiedler und der Entsagende dagegen nur das erste.

Erläuterung zur Stelle: Naukā begründet den Vorrang des inneren Opfers für diese Lebensstände mit dem Fehlen äußerer Ritualmittel. Die Aussage setzt die historische Ashrama-Ordnung voraus.

22.26

Mit ungeteilter Aufmerksamkeit gebe man etwas Arghya-Wasser in die Vardhani. Nach Atemregelung mit dem Grundmantra verneige man sich links vor der Reihe der Gurus …

Erläuterung zur Stelle: Vardhani bezeichnet ein weiteres Ritualgefäß.

22.27

… und rechts vor Ganesha. Dann vollziehe man die Pitha-Puja auf einem aus Gold oder anderem Material gefertigten oder mit Sandel gezeichneten Yantra.

22.28

[Man verehre die Folge] von Manduka bis Para-Tattva sowie die Pitha-Shaktis in den Richtungen und in der Mitte. Nach der Erde wird bei Madhava und Shri der Milchozean verehrt …

22.29

… bei Ganesha der Zuckerrohrsaft-Ozean, andernorts der Nektarozean. In Südost-, Südwest-, Nordwest- und Nordostecke stehen Dharma und die weiteren [Kräfte].

22.30

In den Richtungen Indras, Yamas, Varunas und Somas stehen die mit Verneinung beginnenden [Gegenkräfte]. Bei der Verehrung Dharmas und der weiteren sowie der Umkreise gilt Osten …

Erläuterung zur Stelle: Gemeint sind Adharma und die weiteren Gegenstücke. Soma bezeichnet hier die nördliche Richtung.

22.31

… als vor dem Verehrenden gelegen; bei Indra und den weiteren [Richtungshütern] gilt ihre eigene Richtung. Weiß, schwarz, rötlich, gelb, dunkel, rot, schwarz und weiß …

Erläuterung zur Stelle: Der zweite Halbvers beginnt die Farbfolge der Pitha-Shaktis.

22.32

… in roten Gewändern, mit Furchtlosigkeits- und Gewährensgeste sind die Pitha-Shaktis zu meditieren. Die tägliche Puja vollziehe man an einem Shalagrama, einem Edelstein oder einem Yantra …

22.33

… oder an einem ordnungsgemäß aufgestellten Bild aus Gold oder anderem Material. Im Haus [sei] die Bildgestalt zwischen Daumengröße und einer Spanne groß …

22.34

… zur Verehrung geeignet, nicht anders, nicht zerbrochen, nicht mit nach oben oder unten gerichtetem Blick und nicht verkrümmt; oder [man verehre] ein Linga mit den vorgeschriebenen Merkmalen. Darin vollziehe man Avahana.

Erläuterung zur Stelle: Historische Anforderungen an Kultbilder, keine Bewertung menschlicher Körper.

Die Gottheit vergegenwärtigen

Die Gegenwart des Göttlichen wird mit Herz, Atem und Bild verbunden.

22.35

Den Grundmantra sprechend, [vergegenwärtige man die Gottheit], die aus dem Herzen auf dem Weg der Sushumna, durch die Öffnung des Brahmarandhra und aus der Nasenöffnung hervorgeht …

Erläuterung zur Stelle: Die innere Raumfolge ist technisch und elliptisch. Sie wird nicht als anatomischer Vorgang erklärt.

22.36

… verbinde sie mit dem Matrika-Lotus in der Blumenhand und lege die Blumenhand auf die Bildgestalt. Dies wird Avahana genannt.

22.37

Beim Shalagrama oder einer fest installierten [Gottheit] gibt es weder Herbeirufung noch Verabschiedung. Bei Herbeirufung und den weiteren Gaben spreche man die von Shambhu gelehrten Verse:

22.38

Dich, der du im Selbst gegenwärtig, ungeboren und rein bist, o höchster Herr, rufe ich in der Bildgestalt herbei wie das Opferfeuer im Reibholz.

Erläuterung zur Stelle: Das Bild des Feuers macht deutlich: Die Herbeirufung vergegenwärtigt eine bereits im Selbst ruhende göttliche Gegenwart.

22.39

Bei der Panchayatana-Verehrung verehre man Vishnu in der Mitte und in Südost, Südwest, Nordwest und Nordost [der Reihe nach] Gananayaka …

22.40

… Ravi, Shiva [die Göttin] und Shiva. Ist Ganesha in der Mitte, [stehen dort] Shiva, die Göttin, Ravi und Vishnu. Ist Ravi in der Mitte, [stehen dort] Vighna [Ganesha], Aja [Vishnu], Nagaja [die Göttin] und Ishvara [Shiva] …

Erläuterung zur Stelle: Die letzte Namensverbindung ist stark verkürzt. Die begleitende Erklärung gibt Ganesha, Vishnu, Shakti und Shiva an.

22.41

Ist Bhavani in der Mitte, [stehen dort] Isha, Vighna, Arka und Madhava. Ist Hara in der Mitte, [stehen dort] Surya, Ganesha, Girija und Achyuta.

22.42

Zuerst verehre man die in der Mitte gegenwärtige [Gottheit], danach Ganesha und die weiteren. Steht Ganesha in der Mitte, beginne die weitere Verehrung mit Bhaskara.

22.43

Die Verständigen lehren hier die Verehrung nach Kandanusamaya. Nachdem man die Herbeirufung so mit der Avahani-Mudra vollzogen hat …

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF 754. Naukā erklärt: Man vollendet die Verehrung einer Gottheit, bevor man zur nächsten übergeht; davon unterschieden ist das gemeinsame Darbringen jeder einzelnen Gabe an alle.

22.44

… stelle man [die Gottheit] mit der Samsthapini-Mudra auf und spreche nach dem Grundmantra den Vers: „Dies ist die Bildgestalt deiner Größe; in ihr [stelle ich] dich auf, o allgegenwärtiger Herr …

Anrufung und Willkommen

Die Gebete bitten um Gegenwart und Gnade.

22.45

… durch liebende Hingabe herbeigezogen, wie eine Lampe.“ Bei Bhavani und den weiteren [Gottheiten] sind die Verse zur Herbeirufung und den folgenden Handlungen entsprechend anzupassen.

Erläuterung zur Stelle: Die Anpassung der Anrede wird erneut ausdrücklich gestattet.

22.46

Den Grundmantra und den Vers sprechend, bereite man den Sitz und lasse [die Gottheit] Platz nehmen: „O Gott, dem inneren Lenker aller [Wesen] [bereite ich] den heilsamen, aus allen Bijas bestehenden …

22.47

… höchsten, reinen Sitz für dich, der du im eigenen Selbst gegenwärtig bist. Auf diesem vorzüglichen Sitz, o Gott, der du aus den Lauten bestehst, sitze in Wohlbefinden …

Erläuterung zur Stelle: Fortsetzung des Gebets im nächsten Vers. Akshara kann Laut und Unvergängliches bezeichnen; der Bija-Kontext legt hier die Lautbedeutung nahe.

22.48

… sei fest gegenwärtig, o Herr; sei gnädig, höchster Herr!“ Danach vollziehe man Sannidhana mit der zugehörigen Mudra, dem Grundmantra und dem Vers …

22.49

„Diese Kraft der Bildgestalt ist von dir nicht verschieden, o Herr der Götter. Sei in ihr gegenwärtig, du, dessen Anliegen die Gnade für seine Verehrer ist!“

22.50

Den Grundmantra und den Vers sprechend, festige man [die Gegenwart] mit der zugehörigen Mudra: „Auf dein Geheiß, o Herr der Götter, Ozean des Mitgefühls und der Tugenden …

22.51

… halte ich dich, der du allein in der Seligkeit des Selbst erfüllt bist, hier fest, o Vater und Guru.“ Mit der Mudra stelle man die Zugewandtheit her und spreche Grundmantra und Vers:

Erläuterung zur Stelle: Pitar und guro sind die Anreden „Vater“ und „Guru“.

22.52

„Was durch Unwissenheit, Unruhe des Geistes oder Unzulänglichkeit der Mittel an meinem Vollzug unvollständig bleibt – auch dem sei zugewandt!“

Erläuterung zur Stelle: Eine ausdrückliche Bitte um Annahme trotz menschlicher Begrenztheit.

22.53

Mit dem Grundmantra, dem Vers und der Gebetsmudra vollziehe man die Verehrung: „Mit deinem Blick, der Nektar regnen lässt, erfülle den Opferplatz …

22.54

… und bleibe in der Bildgestalt fest gegenwärtig bis zum Abschluss des Opfers, o Maheshvara!“ Der Verständige setze die sechs Angas an der Gottheit ein: [Dies heißt] Sakalikarana.

22.55

Den Grundmantra und den Vers sprechend, vollziehe man die Umhüllung mit der zugehörigen Mudra: „O Unmanifestes, dem Zugriff von Sprache, Geist, Auge und Ohr fern, von unermesslichem Glanz …

Erläuterung zur Stelle: Sprache, Denken und Sinne vermögen die göttliche Wirklichkeit nicht vollständig zu umfassen.

22.56

… sei ringsum rasch von der Hülle deines eigenen Lichtes umgeben!“ Mit der Go-Mudra vollziehe man die Vergegenwärtigung als Nektar und stelle die höchste Gestalt her.

22.57

Nach der Mahamudra vollziehe man die Begrüßung, den Geist auf die Gottheit gerichtet, mit Grundmantra und Vers:

22.58

„Dich, dessen Schau die Götter um der Erfüllung ihrer Anliegen willen ersehnen, dich, den höchsten Herrn, heiße ich willkommen: Willkommen, willkommen sei dir!“

22.59

Dann vollziehe man das freudige Willkommen mit Grundmantra und Vers: „Ich bin erfüllt und von Gnade beschenkt; mein Leben hat Frucht getragen …

22.60

… du bist gekommen, Herr der Götter! Nochmals sei dir dieses herzliche Willkommen!“ In das Wasser für die Füße gebe man Shyamaka, Vishnukranta, Lotus und Durva.

Gastfreundschaft für das Göttliche

Wasser, Bad, Gewand und Schmuck werden als Dienste dargebracht.

22.61

Mit Grundmantra, Vers und namaḥ bringe man Padya an den Lotusfüßen dar: „[Dir,] durch die Berührung mit einem Hauch von Hingabe an dich [wird] die Gestalt höchster Seligkeit …

Erläuterung zur Stelle: Der Gebetssatz ist grammatisch elliptisch; Fortsetzung in 62.

22.62

… für deine reinen Lotusfüße bereite ich das Fußwasser.“ In das Achamaniya gebe man Gewürznelke, Jati und Kakkola.

Erläuterung zur Stelle: Die Sanskritnamen bezeichnen hier Duftgewürze; Kakkola wird in Naukā als aromatischer Pfeffer erklärt. Die erste Hälfte beschließt die Padya-Anrufung.

22.63

Mit Grundmantra, Vers und dem Nektarlaut bringe man das Mundspülwasser am Mund dar: „Dem Wissen selbst der Veden, dem göttlichen Wesen der Götter …

22.64

… bereite ich das Mundspülwasser, o Herr, dem Ursprung der Reinheit aller Reinen.“ In das Arghya-Gefäß gebe man Durva, Sesam, Darbha-Spitzen und Senf …

22.65

… Gerste, Blumen, ungebrochene Reiskörner und Duftstoff. Damit bringe der Mantrakundige Arghya am Haupt der Gottheit dar, mit Grundmantra, Vers und Shiras-Mantra:

22.66

„Ich bereite dir die göttliche Arghya-Gabe, welche die drei Leiden aufhebt, von höchster Seligkeit geprägt und von den drei Leiden frei ist.“

Erläuterung zur Stelle: Die dreifachen Leiden sind eine traditionelle Sammelbezeichnung für innere, äußere und überpersönliche Bedrängnisse.

22.67

In das Madhuparka-Gefäß gebe man Dickmilch, Ghee und Honig und bringe es mit Grundmantra, Vers und Sudha-Mantra am Mund des Herrn dar:

22.68

„Dir, der du von jeder Trübung frei und von vollkommener Seligkeit bist, bereite ich dieses Madhuparka, o Gott. Sei mir gnädig!“

22.69

Wiederum gebe man Mundspülwasser und spreche Grundmantra und den weiteren Vers: „Durch bloßes Gedenken an dich erlangt selbst jemand mit Speiseresten oder Unreinheit …

22.70

… Reinheit; dir sei dieses erneute Mundspülwasser.“ Auch nach Bad, Gewand, heiliger Schnur und Speisegabe ist es vorgeschrieben.

22.71

Fehlen Padya und die weiteren Gaben, bringe man ungebrochene Reiskörner dar und vergegenwärtige die fehlenden Dinge. Danach gebe der Verständige Duftöl und spreche Grundmantra und Vers:

Erläuterung zur Stelle: Der Text nennt ausdrücklich eine Ersatzgabe bei fehlenden äußeren Mitteln.

22.72

„Nimm dieses Öl in Liebe an, o großherziger Herr der Welt, reines Selbst in allen Welten! Ich gebe dir das vorzügliche Öl.“

Erläuterung zur Stelle: Sneha bedeutet sowohl Öl beziehungsweise Salbung als auch Liebe und Zuneigung; das Gebet spielt bewusst mit beiden Bedeutungen.

22.73

Nach dem Einreiben mit Kurkuma und Weiterem bade man [die Gottheit], beide [Grundmantra und Vers] sprechend: „Dir, dessen eigene Gestalt im Ozean der Erkenntnis höchster Seligkeit ruht …

22.74

… bereite ich dieses Bad mit allen Haupt- und Nebenteilen, o Herr!“ Dann [gieße man] mit der Muschel tausendmal, hundertmal oder entsprechend dem eigenen Vermögen …

22.75

… duftendes Wasser über den Herrn, den Mantra vergegenwärtigend. Danach gebe man Unter- und Obergewand mit dem Grundmantra und den beiden Versen:

22.76

„Dir, dessen eigene verborgene, gewaltige Strahlkraft vom bunten Tuch der Maya verhüllt ist – o unverhüllte Erkenntnis –, bereite ich ein Gewand.“

Erläuterung zur Stelle: Die Anrede nirāvaraṇavijñāna stellt die unverhüllte Erkenntnis der göttlichen Wirklichkeit dem äußeren Gewand gegenüber.

22.77

„Dir, dem höchsten Herrn, auf den gestützt Mahamaya die Welt immerfort bezaubert, bereite ich das Obergewand.“

22.78

Für Vishnu gelb, für Shambhu weiß, für Ganesha, Sonne und Shakti rot. Man meide durchlöcherte, schmutzige, abgenutzte oder mit Öl und Ähnlichem verunreinigte [Gewänder].

22.79

Man gebe die heilige Schnur und Schmuck, beide [Grundmantra und Vers] sprechend: „Durch dessen dreifache Kraft diese ganze Welt zusammengefädelt ist …

22.80

… dir als heiliger Opferschnur bereite ich die Opferschnur. Dir, dessen Glieder von Natur aus schön sind und der die Grundlage vielfältiger Kräfte ist …

22.81

… bereite ich mannigfaltigen Schmuck, o von den Unsterblichen Verehrter!“ Jeden einzelnen Matrika-Laut, vom Grundmantra umschlossen …

22.82

… setze man an den Gliedern der Gottheit ein; diese Verbindung wird als weltbezaubernd bezeichnet. Wie zuvor bringe man mit dem kleinen Finger den im Gefäß befindlichen Duftstoff dar.

Duft und Blumen

Die Gaben verweisen auf Seligkeit und transzendentes Bewusstsein.

22.83

„Nimm gnädig diesen vorzüglichen Duft an, der die Himmelsrichtungen mit dem Wohlgeruch höchster Seligkeit erfüllt, o höchster Herr!“

22.84

Dann zeige man mit kleinem Finger und Daumen die Gandha-Mudra. Grundmantra und Vers sprechend, bringe man verschiedene Blumen dar:

22.85

„Nimm diese vorzügliche Blume an: im Wald des Vierten gewachsen, durch mannigfaltige Vorzüge entzückend, von kräftigem Wohlgeruch!“

Erläuterung zur Stelle: Turīya, das „Vierte“, verleiht der Blumengabe eine ausdrücklich kontemplative Bedeutung.

Geeignete Gaben und historische Reinheitsregeln

Botanische Zuordnungen und überlieferte Ausschlussregeln werden dokumentiert.

22.86

Mit der Verbindung von Zeigefinger und Daumen zeige man die Blumenmudra. Der Verständige bringe Vishnu weder ungebrochene Reiskörner noch Arka oder Dhattura dar.

22.87

Shankara bringe man weder Bandhuka, Ketaki, Kunda, Kesara, Kutaja und Japa noch Hingula-Lati oder Yuthika dar.

Erläuterung zur Stelle: Der Pflanzenname vor Yuthika ist im Druck schwer abzugrenzen; auf eine botanische Gleichsetzung wird verzichtet.

22.88

Der Kundige bringe Shakti kein Durva, Arka und Mandara dar, der Sonne kein Malura und Tagara, Vinayaka niemals Tulasi.

Erläuterung zur Stelle: Diese Zuordnungen betreffen den vorliegenden Ritualzusammenhang; die Naukā nennt etwa Mahalakshmi als Ausnahme beim Durva.

22.89

Weißes und Gelbes ist Hari lieb, Rotes Sonne und Ganesha. Duftloses, durch Haare, Insekten und dergleichen Verunreinigtes sowie allzu scharf Riechendes …

22.90

… Schmutziges, von als unrein geltenden Personen Berührtes, bereits Berochenes, eigenhändig Aufgezwungenes, in unreinen Gefäßen Herbeigebrachtes, nach dem Bad [in nasser Kleidung] Gebrachtes oder Erbetenes …

Erläuterung zur Stelle: Historische Reinheitsregeln einschließlich sozialer Ausgrenzung; keine Empfehlung, Menschen nach vermeintlicher ritueller Reinheit zu bewerten. Die Naukā erklärt svavikāsita als gewaltsam zum Öffnen gebrachte Blüte.

22.91

… vertrocknete, überständige, schwarze oder auf dem Boden liegende Blumen bringe man nicht dar. Außer bei Champaka und Lotus meide man auch Knospen.

22.92

Man meide Kuruntaka, Kanchanara und die beiden Brihati-Arten. Blume, Blatt und Frucht gebe man der Gottheit nicht mit der Vorderseite nach unten.

22.93

Bei einer Handvoll Blumen gilt jener Einwand nicht, ebenso nicht der des Überständigen. Tulasi, Bakula, Vriksha-Champaka und die Lotuspflanze …

22.94

… Bilva, Kalhara, Damana, Marubaka, Kusha, Durva, Ahivalli, Apamarga, Vishnukranta und Munidruma …

22.95

… zusammen mit Dhatri: Mit ihren Blättern vollziehe man die Götterverehrung. Jambu, Granatapfel, Jambira, Tintini und Bijapuraka …

22.96

… Banane, Dhatri, Badari, Mango und Panasa: Mit ihren Früchten verehre man die Gottheit. Tulasi aber ist Hari lieb.

22.97

Goldblume und Tulasi werden nicht zu verworfenen Opferresten. Nach dieser Blumenverehrung vollziehe man die Verehrung der Umkreise.

Erläuterung zur Stelle: Suvarṇapuṣpa wird hier als Pflanzenbezeichnung gelesen; die Hindi-Erklärung nennt Amaltas. Nirmālya bezeichnet bereits dargebrachte Gaben.

Die Umkreise der Verehrung

Anga-Göttinnen und Richtungswächter gliedern den heiligen Raum.

22.98

Von den Angas bis zu den Waffen der Himmelswächter [reiche die Verehrung]; danach folgen Räucherwerk und weitere Gaben. In den Ecken von Agni, Nirriti, Vayu und Isha [verehre man] Herz, Haupt …

22.99

… Haarbüschel und Schutzpanzer; die Augen verehre man in der Mitte, die Waffe in den Himmelsrichtungen. Jene Anga-Göttinnen vergegenwärtige man sich mit schönen Augen …

22.100

… weiß, rot und dunkel, die [weiteren] drei rot, mit den Gesten der Wunscherfüllung und Furchtlosigkeit. In ihren Richtungen verehre man die Himmelswächter mit ihren Klassenbezeichnungen, Waffen und weiteren Attributen.

22.101

Sie beginnen mit Om und ihrem jeweiligen Bija; die Anwendung wird jetzt erläutert: Om, das Bija, dann „dem Indra, dem Herrn von …“ …

22.102

… „mit seiner Waffe“, „mit seinem Fahrzeug“, „mit seinem Gefolge“, „mit seiner Shakti“, dann das einzusetzende Wort …

Erläuterung zur Stelle: Der Grundtext beschreibt die Bildung der Wortfolge abschnittweise. Es wird kein eigenständiger neuer Mantra rekonstruiert.

22.103

… „dem Begleiter“, mit namaḥ am Ende: So lautet die Mantra-Regel für die Himmelswächter. Anstelle von „Indra“ spreche man entsprechend „Agni“ und die weiteren Namen.

22.104

An der ersten Leerstelle nenne der Kundige der Reihe nach die Klassen: Götter, Feuerkraft, Verstorbene, Rakshasas, Wasser, Lebensatem, Sterne …

22.105

… Wesen, Schlangen und Welten: Dies sind die Klassen der Richtungswächter. An der Leerstelle vor „Begleiter“ steht die eigene erwählte Gottheit.

22.106

Bijas, Fahrzeuge und Waffen wurden bereits genannt. Zwischen Nirriti und Varuna [verehre man] Ananta, zwischen Osten und Isha Brahma.

Erläuterung zur Stelle: Die Richtungsangabe im ersten Wort ist verkürzt; ihre Auflösung folgt der Naukā.

22.107

Bei jedem Umkreis lege man eine Blume zur Gottheit und spreche: „Schenke mir die Erfüllung meines Anliegens, du, der du die Zufluchtsuchenden liebst …

22.108

… voller Hingabe bringe ich dir diese Verehrung der Umkreise dar.“ Bei Anrufung und den weiteren Diensten gebe man jeweils Blume und Wasser …

Räucherwerk und Licht

Wohlgeruch, Glockenklang und Licht verbinden sinnliche Wahrnehmung und Gottesgedenken.

22.109

… und vollziehe nach dem Waschen der Hand den nächsten Dienst. Auf die Kohle im Räuchergefäß gebe man Guggulu, Pura und dergleichen …

22.110

… besprenge das Gefäß mit dem Astra-Mantra und bringe mit dem Herzmantra eine Blume dar. Es mit dem linken Zeigefinger berührend, spreche man Grundmantra und Vers:

22.111

„Dieser Rauch aus Baumharz, reich an Duft, überaus lieblich, von allen Göttern zu riechen – möge er angenommen werden!“

22.112

Die Gottheit mit ihren Angas und ihrem Gefolge nennend, spreche man die mit namaḥ endende Formel „Ich bringe Räucherwerk dar“ …

Erläuterung zur Stelle: Wie in 102 erläutert der Grundtext die Einfügung einzelner Wortbestandteile.

22.113

… und gebe Muschelwasser auf den Boden. Man zeige die Räuchermudra durch die Verbindung von Zeigefinger und Daumen und verehre die Glocke mit ihrem Mantra.

22.114

Der zehnlautige, mit svāhā endende Mantra [enthält] jayadhvani und mantramātaḥ. Mit der linken Hand läutend und die Eigenschaften der Gottheit preisend …

Erläuterung zur Stelle: Die Formel wird im Grundtext in Bestandteilen angegeben; keine spekulative Ergänzung.

22.115

… schwenke man mit der rechten Hand das Räuchergefäß auf Höhe des Nabels der Gottheit. Man gebe Wasser und eine Handvoll Blumen. Die Lichtdarbringung geschieht in entsprechender Weise.

22.116

[Es folgen] Berührung mit dem linken Mittelfinger und das Sprechen von Grundmantra und Vers: „Die hell leuchtende große Lampe, die überall das Dunkel vertreibt …

22.117

… dieses Licht innen und außen, diese Leuchte möge angenommen werden!“ An die Stelle des Wortes „Räucherwerk“ tritt „Licht“; durch Verbindung von Mittelfinger und Daumen …

22.118

… [bilde man] die Lichtmudra und zeige [das Licht]; seine Darbringung erfolgt auf Augenhöhe. Bei mehreren Dochten gilt eine ungerade Anzahl als angemessen.

22.119

Die Ghee-Lampe stehe rechts, die Öllampe links. Mit weißem Docht [steht die Lampe] rechts, mit rotem Docht links.

Erläuterung zur Stelle: Die Naukā differenziert die Aufstellung bei abweichender Brennstoff- und Dochtkombination.

Speisedarbringung

Die Speise wird in der Vorstellung gereinigt, verwandelt und als Gastgabe überreicht.

22.120

Alles Weitere ist wie beim Räucherwerk zu verstehen. Danach bringe man Speise dar: in einem Gefäß aus Gold oder anderem Material Milchreis mit Ghee, Zucker und weitere Speisen …

22.121

… nach den eigenen Möglichkeiten angerichtet. Man besprenge sie mit durch den Astra-Mantra geweihtem Wasser, bilde dann die Chakra-Mudra und besprenge sie mit weiterem Mantra-Wasser …

22.122

… zwölfmal mit dem Wind-Bija. Nachdem man sich die Unzulänglichkeit der Speisegabe durch den daraus entstandenen Wind ausgetrocknet vorgestellt hat, vergegenwärtige man in der rechten Hand …

22.123

… das Feuer-Bija und lege die linke Handfläche auf deren Rückseite. Man zeige dies über der Speise und [stelle sich vor, wie] das daraus entstandene Feuer sämtliche …

22.124

… Unzulänglichkeiten der Gabe verbrennt. Dann meditiere man Nektar in der linken Hand, lege die rechte auf ihre Rückseite und zeige dies dort [über der Speise].

22.125

Man stelle sich die Speise vom Nektarstrom aus dem Bija überflutet vor. Nach dem Besprengen mit dem Grundmantra berühre man sie und wiederhole den Grundmantra achtmal …

22.126

… zeige die Dhenu-Mudra und verehre sie mit Duft und Blumen. Nachdem man der Gottheit eine Handvoll Blumen dargebracht hat, vergegenwärtige man das aus ihrem Mund hervorgehende Licht …

22.127

… und berühre mit dem linken Daumen das Speisegefäß. Wasser in der rechten Hand haltend, spreche man den Grundmantra, den Vers und den Shiras-Mantra:

22.128

„Diese in einem guten Gefäß bereiteten köstlichen Gaben, mannigfaltige und zahlreiche Speisen, bringe ich dir mit deinem Gefolge dar, Herr der Götter. Nimm sie an!“

22.129

Nachdem man „mit den Angas“ und das Weitere gesprochen und Wasser auf den Boden gegeben hat, zeige man mit Daumen und Ringfinger die Speisemudra.

22.130

Mit beiden blumenhaltenden Händen hebe man das Gefäß dreimal empor: „Ich bringe dir dies dar; nimm diese Opfergabe an, Hari!“

22.131

Nach diesen sechzehn Lauten zeige man mit der linken Hand die lotusgleiche Grasa-Mudra, mit der rechten die Mudras des Prana und der weiteren Lebenskräfte.

22.132

Mit kleinem Finger, Ringfinger und Daumen wird die Prana-Mudra gebildet; mit Zeigefinger, Mittelfinger und Daumen die des Apana.

22.133

Mit Ringfinger, Mittelfinger und Daumen [bilde man] die Mudra des Udana; mit Zeigefinger, Ringfinger, Mittelfinger und Daumen entsteht die vierte.

Erläuterung zur Stelle: Die Naukā benennt die vierte als Vyana-Mudra.

22.134

Mit allen Fingern [entsteht] die des Samana. Die mit Om beginnenden Namen des Prana und der übrigen [Lebenskräfte], im Dativ und mit svāhā versehen, sprechend zeige man ihre Mudras.

Erläuterung zur Stelle: Ṅe und dviṭha sind grammatische beziehungsweise verschlüsselnde Angaben zur Formulierung, keine zusätzlichen Gottheitsnamen.

22.135

Dann ziehe man einen Vorhang vor und spreche die mit brahmeśādeḥ und śāler bhaktam beginnenden Verse sowie siebenmal den Grundmantra.

Erläuterung zur Stelle: Die zwei hier nur durch ihre Anfangsworte bezeichneten Speisegebete werden in der Naukā ausgeschrieben. Sie sind keine zusätzlichen nummerierten Grundtextverse.

22.136

Den Vorhang wieder entfernend, gebe man Wasser und spreche den Vers: „O Gott aller, Herr der Götter, [dieses] vorzügliche, alle erquickende …

Feueropfer und Speiseanteile

Die äußere Puja umfasst auch Homa und die Begleiter der Gottheit.

22.137

… von ungeteilter Seligkeit erfüllte, treffliche Wasser nimm an!“ Nachdem man auf dem Opferplatz Feuer eingerichtet hat, vollziehe man den Vaishvadeva-Ritus.

22.138

Nach dem Betrachten mit dem Grundmantra vollziehe man Besprengung und Berührung mit dem Astra-Mantra; mit Kusha besprenge man gemäß dessen Ordnung und setze das Feuer wie zuvor ein.

Erläuterung zur Stelle: Die gedrängte Wendung taddharmaṇā ist nicht eindeutig. Die Naukā verweist auf die Feuerordnung des ersten Taraṅga.

22.139

Man verehre es mit seinem Mantra, rufe dort die erwählte Gottheit an und verehre sie mit Duft und Blumen. Darauf [opfere man] mit den großen Vyahritis …

22.140

… einzeln und zusammen vier Gaben. Mit Speise und dem Grundmantra bringe man fünfundzwanzig Opfergaben dar.

22.141

Nachdem man erneut mit den Vyahritis geopfert hat, führe man die Gottheit in die Bildgestalt zurück. Nach der Verabschiedung des Feuers gebe man der Gottheit Wasser zum Achamana.

22.142

Das aus dem Mund der Gottheit hervorgegangene Licht wieder mit ihr verbindend, bringe man einen Teil der Speise dem Empfänger ihrer Speisereste dar.

22.143

Vishnus [Empfänger] heißt Vishvaksena, der des Herrn der Uma Chandeshvara; für die Sonne ist es Chandamshu, für Ganesha Vakratunda.

22.144

Für Shakti wird Ucchishta-Chandali genannt: [Dies sind] die Empfänger der Speisereste. Danach führe der Kundige Salz [zur Abwehr] herum und vollziehe Arati.

Das eigene Innere als Opfergabe

Geist, Sinne und Lebenskräfte werden zu Gaben der Verehrung.

22.145

Nachdem er Betel dargebracht hat, zeige er Schirm und Wedel. Ganz auf die Gottheit ausgerichtet spreche er die folgenden viereinhalb Verse:

22.146

„Die Erkenntniskraft mit ihren Prägungen ist als Spiegel und glückverheißende Gaben bereitet; die vielfältige Bewegung des Geistes ist dir als Tanz gestaltet.

22.147

Klänge sind als Gesang und als verschiedene klingende Instrumente bereitet; frische Lotusblüten habe ich als Schirme für dich gestaltet, o Herr.

22.148

Sushumna ist als Banner, Prana und die weiteren Lebenskräfte als Wedel, das Ichbewusstsein als Elefant und die Bewegungskraft als Wagen bereitet.

22.149

Die Sinne sind als Pferde gestaltet, mit Klang und den anderen Sinnesgegenständen als Weg; der Geist als Zügel und die Erkenntniskraft als Wagenlenker.

Erläuterung zur Stelle: Die Sinne sind die Pferde, die Sinnesgegenstände ihre Wege, der Geist ist der Zügel und die Buddhi der Wagenlenker. Die Stelle verbindet das bekannte Wagenbild mit innerer Darbringung.

22.150

Alles Weitere ist ebenso als dein Zubehör bereitet.“ Nach diesen Versen wiederhole man, die Aufmerksamkeit auf nichts anderes gerichtet, den Grundmantra …

Japa darbringen und sich selbst hingeben

Die Vollendung wird als Ruhen in der Gottheit erbeten.

22.151

… nach den eigenen Möglichkeiten und bringe das Japa mit einem Mantra dar, während man Arghya-Wasser in die rechte Hand der Gottheit gibt:

22.152

„Du Hüter des Geheimsten vom Geheimen, nimm das von uns vollzogene Japa an! Durch deine Gnade möge mir Vollendung zuteilwerden, o Gott: das Ruhen in dir.“

22.153

Dieser Mantra in Versform ist für die Darbringung des Japa gelehrt. Nachdem man Arghya mit abgewandter [Gefäßöffnung] gegeben hat, verehre man die Muschel mit Blumen.

Erläuterung zur Stelle: Die knappe Angabe parāṅmukha wird nicht zu einer selbstständigen Ritualanleitung erweitert.

22.154

Nach vollständiger Niederwerfung vor dem Herrn vollziehe man Umkreisungen der Gottheit. Für Vishnu, Shiva, Shakti, Ganesha und die Sonne gelten der Reihe nach …

22.155

… die Zahlen vier, ein Halbkreis, eins, drei und sieben, zur Erlangung aller Vollendung. Nach dem Lobpreis bringe man sich mit dem Brahmarpana genannten Mantra selbst dar.

Erläuterung zur Stelle: Die Zahlen werden durch Merkwörter angegeben; ihre Zuordnung ist in der Naukā ausdrücklich erläutert.

22.156

Man spreche: „Alles, was bisher aufgrund der Zuständigkeit von Lebensatem, Erkenntniskraft, Körper und seinen Verrichtungen in den Zuständen des Wachens, Träumens und Tiefschlafs mit dem Geist …

Erläuterung zur Stelle: Der Grundtext führt die Brahmarpana-Formel mit eingeschobenen Anweisungen an. Fortsetzung in 157–159.

22.157

… mit Sprache, Händen, Füßen, Bauch und Geschlechtsorgan [geschehen ist] – was gedacht, was gesprochen und was getan wurde …“

Erläuterung zur Stelle: Das gedruckte meṣontānvito ist eine schwierige technische Angabe. Die Naukā löst die betreffende Kasusbildung in ihrer ausgeschriebenen Formel auf; sie gehört nicht als Gebetsinhalt in die Übersetzung.

22.158

Nach „das alles“ [spreche man]: „… sei eine Darbringung an Brahman“, [dann] svāhā. „Mich und alles, was mein ist, bringe ich dir, Hari, dar.“

Erläuterung zur Stelle: Die Drucklesung vor vallabhā ist undeutlich; die Naukā schreibt hier eindeutig svāhā aus.

22.159

[Es folgt] „oṃ tat sat“. Dies nennen die Kundigen den Brahmarpana-Mantra, der mit Om beginnt und zweiundachtzig Laute umfasst, zur Hingabe des Selbst an die Gottheit.

Rückkehr ins Herz und Alltag

Verehrung, Lebensunterhalt, Teilen der Speise, Schriftstudium und Ruhe verbinden sich.

22.160

Mit der Samhara-Mudra führe man die Gottheit in das eigene Herz zurück. Bei einer anderen Gottheit ersetzen die Kundigen den Namen Hari entsprechend.

22.161

Nachdem man den Herrn der Götter so verehrt hat, vollziehe man Brahmayajna. Danach widme man sich Erwerb und Erhaltung des Lebensunterhalts und bade zur Mittagszeit.

Erläuterung zur Stelle: Die Naukā erklärt Brahmayajna hier als Veda-Studium und yogakṣema als Erlangen des noch nicht Erlangten sowie Bewahren des Erlangten.

22.162

[Es folgen] die zuvor erläuterten Smarta- und tantrischen [Verrichtungen], Sandhya und Tarpana. Nachdem man die Gottheit wie zuvor verehrt hat, vollziehe man Vaishvadeva und die weiteren Riten.

22.163

Nachdem er Brahmanen und die eigenen Kinder gespeist hat, esse er die geheiligte Gabe der Gottheit. Nach Achamana und Gottesgedenken höre der Verständige ein Purana.

22.164

Nachdem er Sandhya und Homa vollzogen und die Gottheit wie zuvor verehrt hat, lege er sich nach einer kleinen Mahlzeit auf ein reines Lager und gedenke dabei der Gottheit.

22.165

Wer so, rechtschaffen lebend, die Gottheit zu den drei Tageszeiten verehrt, wird – von Hari beschützt – niemals von Feinden und Leiden bedrängt.

Erläuterung zur Stelle: Religiöse Heilszusage des Textes, keine empirische Garantie für Freiheit von Krankheit oder Leid.

Verehrung unter begrenzten Möglichkeiten

Der Text lässt Vereinfachungen zu und unterscheidet fünf besondere Formen.

22.166

Ist man zur dreimaligen Verehrung nicht imstande, geschehe sie zweimal oder auch nur einmal. An Festtagen wie Sankranti verehre man die Gottheit besonders.

22.167

Man verehre mit zehn oder auch fünf Diensten. Wer es selbst nicht vermag, lasse die Puja vollziehen oder gebe die Mittel zur Verehrung.

22.168

Wer auch nichts geben kann, schaue einem Verehrenden zu, den Geist ganz darauf gerichtet. [Die besonderen Formen heißen:] Sadhanabhavini, Trasi, Daurbodhi und Sautaki …

22.169

… sowie Aturi. Diese fünf Arten der Puja werden nun nacheinander erläutert. Was beim Fehlen der für die Verehrung benötigten Gegenstände allein im Geist geschieht …

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF 775, der zweite auf PDF 776.

22.170

… oder als Verehrung nur mit Wasser vollzogen wird, heißt Sadhanabhavini. Wer in Angst ist, verehre die Gottheit mit den gerade verfügbaren Gaben …

22.171

… oder auch innerlich. Dies heißt Trasi und gilt als vollumfänglich wirksam. Kinder, Alte, Frauen und Unkundige [werden hier als] solche mit begrenztem Verständnis bezeichnet; die von ihnen vollzogene …

Erläuterung zur Stelle: Die pauschale Einordnung von Frauen, alten Menschen und Kindern spiegelt eine historische soziale Hierarchie wider. Sie ist keine Aussage dieser Ausgabe über die spirituelle Befähigung solcher Menschen.

22.172

… Verehrung des Höchsten nach dem jeweiligen Verständnis nennen die Kundigen Daurbodhi. Wer sich in einer Sutaka-Periode befindet, bade und vollziehe seine Sandhya innerlich.

Erläuterung zur Stelle: Sutaka meint traditionelle rituelle Einschränkungen nach Geburt oder Todesfall.

22.173

Wer eine bestimmte Erfüllung erstrebt, verehre innerlich; wer wunschlos ist, vollziehe alles. Damit ist Sautaki erläutert. Bei Aturi, der Verehrung in Krankheit, soll man wegen der Erkrankung weder baden noch die äußere Puja vollziehen.

Erläuterung zur Stelle: Die körperliche Erkrankung begründet hier den Verzicht auf Bad und äußere Puja. Die folgende Stelle beschreibt die verinnerlichte Hinwendung zur Gottheit.

22.174

… man betrachte die Gestalt der Gottheit oder die Sonnenscheibe, wiederhole den Grundmantra einmal und bringe dabei eine Blume dar.

Erläuterung zur Stelle: Historische Vorschrift, keine Empfehlung, direkt in die Sonne zu schauen. Für heutige Praxis eignet sich die Betrachtung eines verehrten Bildes.

22.175

Wenn die Krankheit vorüber ist, bade man, verehre Gurus und Brahmanen und bitte sie: „Möge mir aus der Unterbrechung der Puja kein Fehler erwachsen.“

22.176

Nachdem man ihren Segen empfangen hat, verehre man den Herrn der Götter wieder wie zuvor. Damit ist Aturi erläutert. So lauten die fünf von Narada gelehrten Formen der Puja.

22.177

Wer alle Mittel selbst mit Vertrauen bereitstellt und die Gottheit in vollkommener Ausrichtung verehrt, erlangt die ganze Frucht.

22.178

Bei der Verehrung mit von anderen gegebenen Mitteln erhält man die halbe Frucht. Deshalb bringe man die Mittel selbst zusammen und vollziehe die Verehrung.

Erläuterung zur Stelle: Die traditionelle Abstufung würdigt den eigenen Einsatz; sie hebt die zuvor ausdrücklich zugelassenen Vereinfachungen nicht auf.

22.179

Wer die Gottesverehrung unterlässt, wird [nach dieser Warnung] in der Hölle gepeinigt. Darum soll Gottesverehrung von den mit Vertrauen Erfüllten in irgendeiner möglichen Weise vollzogen werden.

Erläuterung zur Stelle: Historische religiöse Mahnung, keine Empfehlung einer angstbasierten Spiritualität. Der abschließende praktische Akzent liegt auf der Möglichkeit einer dem Menschen zugänglichen Verehrung.

Kolophon des Taraṅga 22

So endet im Mantramahodadhi des ehrwürdigen Mahidhara der zweiundzwanzigste Taraṅga, genannt „Darlegung der Gottesverehrung“.

Anmerkung zum Kolophon: Vers 19 ist über PDF 748 und 750 verteilt, Vers 43 über 754–755 und Vers 169 über 775–776. Die in der Naukā vollständig ausgeschriebenen Formeln werden von den knappen Angaben des Grundtextes unterschieden. Einzelne sprachlich schwierige Druckstellen sind örtlich gekennzeichnet.

Textgrundlage dieses Taraṅga: Sanskrit-Grundtext der verwendeten Ausgabe, PDF-Seiten 744–777, gedruckte Seiten 692–725. Naukā und die Hindi-Erklärung bleiben vom Grundtext getrennt.

Taraṅga 23 – Jährliche Erneuerung: Damana, Pavitra und Festzeiten

Der dreiundzwanzigste Taraṅga ergänzt die tägliche Puja um jährliche Erneuerungsfeste. Damana-Pflanzen und Pavitra-Schnüre vergegenwärtigen die Vollendung der Verehrung eines Jahres. Die Bitte um Gnade, die Würdigung des Guru, gemeinsame Mahlzeiten und kalendarische Feste verbinden persönliche Sadhana und Gemeinschaft.

Jährliche Gaben und Festtage

Der Jahreslauf erweitert die tägliche Verehrung.

23.1

Nun werde ich für alle Gottheiten die Darbringung von Pavitra-Schnüren und Damana erläutern: Im Monat Shravana verehrt man mit Pavitra, im Chaitra auch mit Damana.

23.2

Jedes Jahr vollziehe man dies gemäß der Ordnung, damit die Verehrung des Jahres ihre Frucht erlangt. Am vierzehnten Tag der hellen Monatshälfte des Chaitra verehre man Hari mit Damana.

23.3

Narayana aber am zwölften Tag, die Tochter des Berges am achten, den Sonnengott am siebten und Ganesha am vierten.

Erläuterung zur Stelle: Die benachbarten Nennungen Hari und Narayana werden dem Druck folgend beibehalten.

23.4

Ebenso verehre man im Shravana jede Gottheit an ihrem jeweiligen Mondtag mit Pavitra-Schnüren. Am Vortag der Damana-Verehrung vollziehe man zunächst die tägliche Verehrung des Herrn …

Erläuterung zur Stelle: Pūrvāhṇe heißt gewöhnlich „am Vormittag“; die Naukā erklärt die Stelle ausdrücklich als „am Vortag“.

Damana, Kama und Rati

Die Pflanzengabe wird mit Freude, Liebe und göttlicher Gastfreundschaft verbunden.

23.5

… gehe zum Damana-Garten und erwerbe die Pflanze gegen Bezahlung. An einem reinen Ort sitzend, verehre man sie mit diesem Mantra:

23.6

„Verehrung dir, o Ashoka, der du den Kummer von Kamas Gemahlin vertreibst! Nimm mir die Qual des Kummers und lass stets Freude in mir entstehen!“

23.7

Nach diesem Gebet verehre man dort Rati und Kama mit ihren Mantras. Der achtlautige Mantra [lautet in Bestandteilen:] kāmadevāya, mit dem Kama-Bija davor und dem Herzabschluss.

Erläuterung zur Stelle: Die Naukā schreibt klīṃ kāmadevāya namaḥ aus; der Grundtext selbst nennt die Bausteine.

23.8

[Dies ist der Mantra] Kamas. Maya, ratyai und der Herzabschluss bilden Ratis fünflautigen Mantra. „Zur Verehrung meiner erwählten Gottheit will ich dich mitnehmen“, so sprechend …

Erläuterung zur Stelle: Die Naukā schreibt für Rati hrīṃ ratyai namaḥ aus.

23.9

… nehme man die Pflanze heraus, begieße sie mit Panchagavya und wasche sie mit Wasser. Mit Duft und weiteren Gaben sowie dem Herzmantra verehrt, werde sie mit gelbem Stoff bedeckt.

23.10

In ein Bambusgefäß gelegt, werde sie unter Gesang und Instrumentalklang nach Hause gebracht und am vorgesehenen Ort aufgestellt, während man der Gottheit gedenkt.

Mandala und vorbereitende Weihe

Raumgestaltung, Mantra, Gesang und Nachtwache bereiten das Fest.

23.11

Vor der Gottheit lege man dann einen achtblättrigen Lotus an und fülle ihn mit Weiß, Schwarz, Rot und Gelb aus.

23.12

Darum lege man ein Bhupura an und fülle es gelb aus; außerhalb davon drei Kreise in Weiß, Rot und Gelb …

23.13

… und außen ein rotes Quadrat. In dem so gestalteten schönen Mandala, das allen Anliegen dient …

23.14

… oder in einem Sarvatobhadra setze man das Damana-Gefäß nieder. Nach der abendlichen Puja vollziehe man dessen vorbereitende Weihe.

23.15

Dort verehre man die beiden mit den durch Om eingeleiteten Mantras von Kama und Rati; auf den acht Blättern die acht Kama-Gestalten mit Rati, jeweils nach der Ordnung.

Erläuterung zur Stelle: Die Kama-Gestalten sind mit Rati verbunden.

23.16

[Die Namen lauten:] Kama, Bhasmasharira, Ananga, Manmatha, Vasantasakha, Smara, Ikshudhanurdhara …

Erläuterung zur Stelle: Vasantasakha heißt „Freund des Frühlings“.

23.17

… und Pushpabana. Diese Kama-Gestalten verehre man mit ihren Namen im Dativ, denen Om und das Ananga-Bija vorangestellt werden und der Herzabschluss folgt.

23.18

Mit Kampfer, Rochana, Moschus, Aguru, Kumkuma, Dhatri-Früchten, Sandelholz und Blumen verehre man die Kama-Gestalten der Reihe nach.

23.19

Nachdem er Damana mit Duft, Blumen und weiteren Gaben verehrt hat, bespreche der Mantrakundige es hundertachtmal mit der Kama-Gayatri.

23.20

Nach kāmadevāya spreche man vidmahe; dann puṣpabāṇāya und dhīmahi …

23.21

… [und] tan no’naṅgaḥ pracodayāt. Dies ist die von den Kundigen gelehrte Gayatri des aus dem Geist Geborenen; ihre Wiederholung wird als menschenbezaubernd bezeichnet.

Erläuterung zur Stelle: Der Grundtext zerlegt das Schlusswort der Gayatri in die Wortstücke praco und dayāt. Die Übersetzung zieht diese ausdrücklich genannten Teile zum lesbaren pracodayāt zusammen.

23.22

Nachdem man mit dem Herzmantra eine Handvoll Blumen dargebracht hat, verneige man sich mit diesem Mantra: „Verehrung dem Blumenpfeile Tragenden, der die Welt erfreut …

23.23

… dem Manmatha, der den Augen der Welt und Rati Freude schenkt!“ Danach lade der Kundige die Gottheit mit diesem Mantra ein:

23.24

„Du bist von mir für den Morgen eingeladen, Herr der Götter. Was mit den verfügbaren Mitteln zu tun ist, möge durch dein Geheiß vollständig werden!“

23.25

Nachdem man der Gottheit Blumen dargebracht und sich vollständig verneigt hat, vollziehe man am Damana mit dem Panzer- und Astra-Mantra die Umhüllung …

23.26

… und den Schutz der Reihe nach. Dies heißt Adhivasana. Danach halte man Nachtwache, die Gottheit besingend, preisend und Japa übend.

Erläuterung zur Stelle: Gesang, Lobpreis und Japa gehören hier zur Nachtwache.

23.27

Auch jede [andere] vorbereitende Weihe vollziehe man mit Tanz und Nachtwache. Am Morgen, nach Bad und weiteren Verrichtungen und nach der täglichen Verehrung des Herrn …

Blütenstand und Girlande darbringen

Die Gebete erheben die schlichte Pflanzengabe zu einer Fülle von Duft und Schönheit.

23.28

… fasse man mit Erlaubnis der Gottheit den Entschluss zur Damana-Verehrung. Dann nehme man mit beiden Händen einen schönen Blütenstand des Damana …

23.29

… und bespreche ihn mit dem Herzmantra. Darauf spreche der Mantrakundige diesen Vers: „Diesen göttlichen, schönen, von allen Edelsteinen und allen Wohlgerüchen erfüllten …

23.30

… Blütenstand nimm an, o Gott. Verehrung dir, Schatz des Mitgefühls!“ Mit dem Grundmantra, begleitet von Glockenklang und anderem Schall, [lege man ihn] auf das Haupt der Gottheit …

23.31

… und fertige dann eine Damana-Girlande an. Nach dem Besprechen mit dem Herzmantra bespreche man sie auch mit diesem Vers:

23.32

„Nimm, o Herr, diese aus Damana bereitete Waldgirlande an, die von allen Edelsteinen und Wohlgerüchen erfüllt ist, zur Verehrung des Göttlichen, o Allgegenwärtiger!“

23.33

Den Grundmantra wiederholend bringe man sie am Hauptschmuck der Gottheit dar. Mit Damana verehre man die Begleiter der erwählten Gottheit.

23.34

Nach Speise und Betel sowie vollständiger Verneigung bringe man der Gottheit die vollzogene Damana-Verehrung mit diesem Vers dar:

23.35

„Gott der Götter, Herr der Welt, der du das Ersehnte gewährst: Erfülle all meine Anliegen und Wünsche, Geliebter der Kameshvari!“

Erläuterung zur Stelle: Die Wortverbindung tv artha ist im Druck auffällig; der klare Gebetssinn wird wiedergegeben.

23.36

Nach Wiederholung des Grundmantra, Feueropfer und Verabschiedung der Gottheit gehe man zum Guru, verehre ihn mit Damana und erfreue ihn durch Gaben.

Erläuterung zur Stelle: Nach der Gottesverehrung wird der Guru geehrt.

23.37

Nachdem man Brahmanen gespeist hat, esse man selbst die der eigenen Gottheit dargebrachte Speise. Wer so handelt, ist erfüllt und hat Anteil an der Frucht der Verehrung des Jahres.

Pavitra-Schnüre herstellen

Fäden und Knoten werden als Träger göttlicher Gegenwart geweiht.

23.38

Damit ist die Damana-Verehrung erläutert. Nun lehre ich das Pavitra-Opfer. Am Tag vor der Pavitra-Verehrung bereite der Kundige …

23.39

… nach der täglichen Puja die Pavitra-Schnüre gemäß der Ordnung: aus Fäden von Gold, Silber oder Kupfer, aus Seidenfaden …

Erläuterung zur Stelle: Die Naukā erklärt durvarṇa hier als Silber.

23.40

… oder aus Baumwollfäden, die von der Ehefrau eines Brahmanen oder einer anderen verheirateten Frau mit untadeligem Lebenswandel gesponnen wurden.

Erläuterung zur Stelle: Historische soziale und ehebezogene Vorgabe zur Herstellung der Ritualschnüre.

23.41

Aus solchen gesponnenen Fäden fertige man sie, nicht aus Fäden einer als unkeusch geltenden Frau und dergleichen. Einen dreifachen Faden nochmals verdreifachend, stelle man einen neunfachen her …

Erläuterung zur Stelle: Die Ausgrenzung bestimmter Frauen ist Teil der historischen Ritualordnung, keine heutige ethische Empfehlung.

23.42

… besprenge ihn mit Panchagavya, wasche ihn mit warmem Wasser und begieße ihn mit Om. Mit dem Grundmantra [bespreche man ihn] hundertachtmal …

23.43

… und ebenso oft mit der Grund-Gayatri. Darauf fertige der Kundige mit hundertacht neunfachen Fäden [die erste Pavitra-Schnur an] …

23.44

… mit der Hälfte davon und nochmals deren Hälfte [die weiteren], bis zum Knie, zum Oberschenkel und zum Nabel reichend. An einem reinen Ort, mit heiterem Geist, [bereite man so] die Pavitra-Schnüre des Herrn der Götter …

23.45

… die große, mittlere und kleine. In ihnen knüpfe man der Reihe nach sechsunddreißig, vierundzwanzig und zwölf Knoten.

Erläuterung zur Stelle: Die Zahlwörter sind im Druck gedrängt; die Naukā nennt die drei Zahlen ausdrücklich.

23.46

Aus eintausendacht [Einheiten] des neunfachen Fadens fertige man ein Vanamala-Pavitra mit hundertacht Knoten …

23.47

… und färbe die Knoten mit Rochana, Kumkuma und anderen Stoffen. Auf einem Bambustablett lege man sie nieder, mit weißem Stoff bedeckt …

23.48

… und fertige weitere für die Verehrung der Umkreise an: aus siebenundzwanzig, sechzehn und zwölf neunfachen Fäden.

Erläuterung zur Stelle: Die gedrängte Druckform der zweiten Hälfte wird nach der Naukā aufgelöst; aṣṭi steht für sechzehn, ravi für zwölf.

23.49

Aus siebenundzwanzig [Fäden] fertige man das Pavitra des Guru, aus ebenso vielen das des Feuers und aus sechsundzwanzig das eigene.

Erläuterung zur Stelle: Adrinetra ist eine Zahlumschreibung, deren Auflösung die Naukā bestätigt.

23.50

Darin bringe man Knoten nach dem Maß der Schönheit an und färbe sie. Nachdem man diese in ein anderes Gefäß gelegt hat, fertige man das Gandha-Pavitra …

23.51

… mit zwölf Knoten aus zwölf neunfachen Fäden. Nach dieser Herstellung der Pavitra-Schnüre lege man das Mandala für die Verehrung an.

23.52

Einen sechzehnblättrigen Lotus fülle man mit acht Farben: den als Blau, Kurkumagelb, Rot, Krapp und Weiß bezeichneten …

Erläuterung zur Stelle: Die Aufzählung der acht Farben setzt sich in 23.53 mit den drei weiteren Farben fort; die erste Versnummer allein nennt noch nicht alle acht.

23.53

… Zinnoberrot, Rauchgrau und Schwarz. Außen liegen die drei Kreise, Sonne, Mond und Feuer genannt, der Reihe nach weiß, gelb und rot.

23.54

Außen lege man einen achtblättrigen Lotus in Rot oder Schwarz an. Das so gezeichnete Mandala verehre man mit Blumen und weiteren Gaben.

23.55

Darüber spanne man einen geschmückten Baldachin. Im Mandala stelle man die Gottheit, eine Bildgestalt oder ein Gefäß auf.

Erläuterung zur Stelle: Der Baldachin gehört zur festlichen Gestaltung des Verehrungsraums.

23.56

Dort verehre man die erwählte Gottheit und bringe Milchreis dar. Vor der Gottheit lege man die Pavitra-Schnüre in ein Gefäß und vollziehe ihre vorbereitende Weihe.

Anpassung an die verfügbaren Mittel

Die Anzahl der Fäden darf bei fehlendem Material angepasst werden.

23.57

Sind Fäden in der genannten Anzahl nicht verfügbar, fertige der Kundige die großen und weiteren Pavitra-Schnüre nach seinem Ermessen an.

Erläuterung zur Stelle: Eine ausdrückliche Anpassung der technischen Vorgaben an die verfügbaren Mittel.

Gottheiten der Fäden und Knoten

Die Vielheit wird zu einer geordneten Einheit verbunden.

23.58

Dort rufe man zweiundzwanzig Gottheiten an und verehre sie. Brahma, Vishnu und Maheshana gelten als die Gottheiten des dreifachen Fadens.

23.59

Om, Mond, Feuer, Brahma, Schlange, Skanda, Sonne, Sadashiva und die Vishvedevas sind die Gottheiten des neunfachen Fadens.

Erläuterung zur Stelle: Die Naukā identifiziert Shikhidhvaja mit Karttikeya.

23.60

Kriya, Paurushi, Vira, als vierte Aparajita, Vijaya zusammen mit Jaya, Muktida und Sadashiva …

23.61

… als neunte Manonmani und als zehnte Sarvatomukhi: Diese werden als Gottheiten der Pavitra-Knoten bezeichnet.

23.62

Der vorzügliche Sadhaka vollziehe dort Anrufung und weitere Handlungen mit den neun Mudras, beginnend mit Avahana, und verehre mit Sandelholz und anderen Gaben.

23.63

Nachdem man die Pavitra-Schnüre so verehrt hat, bringe man das Gandha-Pavitra dar, beräuchere es mit Om und bespreche es mit dem Herzmantra.

Einladung und Nachtwache

Die Gottheit wird mit ihren Begleitern willkommen geheißen.

23.64

Nach der Verneigung bitte man die Gottheit mit diesen beiden Versen: „Du bist eingeladen, Herr der Götter, zusammen mit der Göttin und den Herren der Scharen …

23.65

… den Mantra-Herren, Welthütern und Begleitern. Komm, erhabener Herr, der du den Vollzug zur Vollständigkeit bringst!

23.66

Am Morgen werde ich dich verehren. Sei gegenwärtig, Keshava!“ Danach lege man das Gandha-Pavitra zu den Füßen des Herrn.

23.67

Bei einer anderen Gottheit ist „Keshava“ entsprechend zu ersetzen. Bei [der Verehrung] der Göttin passen die Mantrakundigen hier auch das grammatische Geschlecht der Wörter an.

Erläuterung zur Stelle: Ein klares Zeugnis für die übergreifende Anwendbarkeit der Puja-Ordnung auf männliche und weibliche Gottheiten.

23.68

Nach dieser vorbereitenden Weihe halte man nachts Wache, spreche Lobpreis und Namen der Gottheit und besinge ihre Eigenschaften.

Die Pavitra-Gaben darbringen

Die Jahresverehrung soll durch Gnade zur Vollständigkeit gelangen.

23.69

Am Morgen vollziehe man die tägliche Verehrung, nehme das kleine Pavitra und bespreche es hundertachtmal mit dem Grundmantra.

23.70

Unter dem festlichen Klang von Glocken, Instrumenten und Veda-Rezitation sowie Jaya-Rufen lege man es mit dem Grundmantra um den Hals der Gottheit.

23.71

Ebenso bringe man das mittlere und das große Pavitra dar. Bei ihrer Darbringung meditiere man die Gottheit der Reihe nach weiß, rot und gelb.

23.72

Das ebenso oft mit dem Grundmantra besprochene Vanamala-Pavitra bringe man auf dem Hauptschmuck der erwählten Gottheit dar, den Grundmantra sprechend.

23.73

Dann bringe man am Haupt der Gottheit mit dem Grundmantra [die Gabe] zusammen mit hundert goldfarbenen Blüten dar, die mit dem Grundmantra besprochen wurden.

Erläuterung zur Stelle: Die Hindi-Erklärung versteht suvarṇakusuma als Amaltas-Blüten; keine Festlegung auf aus Gold hergestellte Blumen.

23.74

Die auf dem anderen Tablett liegenden Pavitra-Schnüre bespreche man mit dem Herzmantra und verehre die göttlichen Begleiter mit ihren jeweiligen, auf namaḥ endenden Namen.

23.75

Nachdem man so mit Pavitra verehrt hat, bereite man Räucherwerk und die weiteren Gaben. Die Gottheit ins Feuer rufend, vollziehe man das tägliche Homa …

23.76

… und bringe mit dem Grundmantra das Feuer-Pavitra dar, der Gottheit gedenkend. Man führe die Gottheit in die Bildgestalt zurück und vereinige das Feuer mit sich selbst …

23.77

… und bringe dem Herrn am Ende der Handlung eine Handvoll Blumen dar: „Was an Mantra, Handlung und Hingabe unzulänglich war, o Schatz des Mitgefühls …

23.78

… diese Verehrung möge durch das dir dargebrachte Pavitra zur Vollständigkeit gelangen!“ Nach diesem Gebet führe man den Herrn der Götter in das eigene Herz zurück.

Guru und Gemeinschaft

Dank, Gaben und gemeinsames Essen schließen das Fest ab.

23.79

Darauf gehe man zum Guru und bringe ihm eine Handvoll Blumen dar. Den sechsfachen Anga-Nyasa vollziehe man am eigenen Körper und auch am Körper des Guru.

23.80

Man gebe Fußwasser, Arghya, Gewand, Schmuck und Sandelholz, verehre mit Blumen und lege ihm mit dem Grundmantra das Pavitra um den Hals.

23.81

Nachdem man nach den eigenen Möglichkeiten eine Gabe überreicht hat, verneige man sich vollständig vor dem Guru. Auch anderen ehrwürdigen Älteren gebe man Pavitra-Schnüre.

23.82

Der Mantra-Praktizierende soll stets und unbedingt den Guru verehren. Wird der Guru nicht verehrt, bleibt alle Puja ohne Frucht.

Erläuterung zur Stelle: Der Text betont die Einbindung der Mantra-Praxis in die empfangene Überlieferung.

23.83

Ist der Guru nicht anwesend, verehre man seinen Sohn, andernfalls dessen Sohn oder den Tochtersohn; fehlen diese, einen anderen Angehörigen der Guru-Familie.

Erläuterung zur Stelle: Historische stellvertretende Verehrung innerhalb der familiär verstandenen Überlieferung.

23.84

Darauf lege man sein eigenes Pavitra an, speise die Brahmanen und esse mit ihrer Erlaubnis zusammen mit Angehörigen und Kindern.

Vereinfachung und Frucht der Verehrung

Die Absicht der Vervollständigung bleibt auch bei begrenzten Mitteln maßgeblich.

23.85

Kann man die gelehrte Ordnung nicht ausführen, verwende man Pavitra-Schnüre bei der Götterverehrung auf irgendeine mögliche Weise, um die Puja zu vervollständigen.

23.86

Ist es am genannten Mondtag nicht geschehen, vollziehe man es an irgendeinem [anderen] Mondtag; jedenfalls soll das Pavitra im Shravana dargebracht werden.

23.87

Wer jedes Jahr die Gottheit mit Pavitra verehrt, lebt [nach der Verheißung] viele Jahre, mit Wohlergehen und Gesundheit versehen.

Erläuterung zur Stelle: Traditionelle religiöse Fruchtverheißung.

23.88

Die ganze während eines vollständigen Jahres vollzogene Götterverehrung gelangt durch Darbringung von Pavitra und Damana zur Vollständigkeit.

Weitere Feste im Jahreslauf

Verschiedene Gottheiten besitzen besondere Tage; Vertrauen und Sinnesdisziplin verbinden sie.

23.89

Auch bei Finsternissen, Ardhodaya, dem nördlichen Sonnenlauf und anderen seltenen Zeitverbindungen vollziehe man besondere Gottesverehrung.

Erläuterung zur Stelle: Historische kalendarische Festordnung; saumyāyana wird in der Naukā mit Makara-Sankranti verbunden.

23.90

In dem Maße, in dem die Hingabe der Menschen an ihre erwählten Gottheiten wächst, wird durch deren Verehrung auch das Herzensanliegen erlangt.

23.91

Im Monat Shuchi vollziehe der Kundige am jeweiligen Tag das Fest des Zur-Ruhe-Gehens der Gottheiten und im Urja die Ordnung ihres Erwachens.

Erläuterung zur Stelle: Die Naukā identifiziert die Monate als Ashadha und Karttika.

23.92

Am vierzehnten Tag der dunklen Hälfte des Magha findet die besondere Shiva-Verehrung statt; an den ersten neun Tagen des Ashvina ist Durga gemäß der Ordnung zu verehren.

Erläuterung zur Stelle: Die Monatsbezeichnung folgt der hier verwendeten Zählweise; die Naukā identifiziert das Shiva-Fest als Shivaratri.

23.93

Der Kundige verehre Gopala am achten Tag der dunklen Hälfte des Nabhas und Rama am neunten Tag der hellen Hälfte des Chaitra.

23.94

Narasimha verehre man am vierzehnten Tag [der hellen Hälfte] des Vaishakha, Ganesha am vierten Tag der hellen Hälfte des Bhadra.

Erläuterung zur Stelle: Die Monatsformen im Druck sind verkürzt beziehungsweise auffällig; die Naukā setzt die entsprechenden hellen Monatshälften voraus.

23.95

Der Kundige verehre Mahalakshmi am achten Tag der dunklen Hälfte des Bhadra, den Herrn des Tages besonders am siebten Tag der hellen Hälfte des Magha.

23.96

Fällt irgendein siebter Tag der hellen Monatshälfte auf einen Sonntag, verehre man dann den Herrn des Tages und gebe das zuvor erläuterte Arghya.

23.97

Man lerne auch die weiteren besonderen, in den jeweiligen Ritualordnungen gelehrten Gelübde kennen, die der Gottheit Freude bereiten, und verehre sie mit ungeteilter Aufmerksamkeit.

23.98

Zwischen der Ashadhi- und der Karttiki-[Vollmondzeit] halte der Kundige eine bestimmte Übungsregel ein, der Gottheit zur Freude, ganz dem Japa, der Puja und weiteren [Formen der Verehrung] hingegeben.

23.99

Wer so Vishnu, Rudra, Durga, Ganesha oder die Sonne täglich mit Vertrauen verehrt, geht niemals zugrunde.

Erläuterung zur Stelle: Der Vers fasst die Vielfalt der im Werk verehrten Gottheiten zusammen; die Zusage gehört zur religiösen Sprache der Hingabe.

23.100

Stets rechtschaffen lebend, der Gottesverehrung hingegeben und mit beherrschten Sinnen, erlangt er hier alle Freuden und geht zur Unendlichkeit ein.

Kolophon des Taraṅga 23

So endet im Mantramahodadhi des ehrwürdigen Mahidhara der dreiundzwanzigste Taraṅga, genannt „Darlegung der Damana- und Pavitra-Verehrung“.

Anmerkung zum Kolophon: Die Pflanzen-, Farb- und Zahlbezeichnungen enthalten einzelne schwer lesbare Druckverbindungen; sie werden lokal kenntlich gemacht. Die kalenderbezogenen Monatsnamen folgen der Ausgabe und werden nicht stillschweigend nach einem anderen regionalen Kalender verändert.

Textgrundlage dieses Taraṅga: Sanskrit-Grundtext der verwendeten Ausgabe, PDF-Seiten 778–794, gedruckte Seiten 726–742. Naukā und die Hindi-Erklärung bleiben vom Grundtext getrennt.

Taraṅga 24 – Mantra-Prüfung, Weihe und die Kraft beständiger Praxis

Der vierundzwanzigste Taraṅga behandelt traditionelle Eignungsprüfungen von Mantras, die Beziehung von Namen, Lauten, Zahlen, Mondhäusern und Elementen sowie zehn Mantra-Samskaras. Die Verfahren werden historisch dokumentiert. Zugleich nennt der Text zahlreiche Ausnahmen, erklärt die besondere Hingabe zum Gegengewicht ungünstiger Berechnungen und schließt mit der Wirksamkeit beständigen Japa.

Eignungsprüfung zwischen Name und Mantra

Siddhadi-Diagramme gehören zur historischen Divination des Werkes.

24.1

Nun erläutere ich zur raschen Vollendung der Sadhakas die Mantra-Prüfung. Beginnend beim Anfangslaut des Namens des Sadhaka prüfe man …

Erläuterung zur Stelle: Mantraśuddhi bezeichnet hier zunächst ein traditionelles Verfahren zur Bestimmung der Eignung eines Mantra für eine Person, keine sprachwissenschaftliche Textkritik.

24.2

… im Siddhadi-Diagramm der Reihe nach bis zum Anfangslaut des Mantra. Bei der Prüfung verwende man den vom Geburtsstern abgeleiteten oder den gebräuchlichen Namen.

24.3

Fünf senkrechte und fünf waagerechte Linien ergeben sechzehn Felder. In diese schreibe man …

24.4

… in die mit den Zahlwörtern für eins, drei, elf, neun, zwei, vier, zwölf, zehn, sechs, acht, sechzehn, vierzehn, fünf, sieben, fünfzehn und dreizehn bezeichneten Felder …

Erläuterung zur Stelle: Die Zahlwörter geben eine besondere Anordnung der sechzehn Felder an.

24.5

… die Matrika-Laute. Vom [Anfangslaut des] Namens aus bis zum Mantra-Laut bestimme man der Reihe nach: Siddha, Sadhya, Susiddha oder Ari.

Erläuterung zur Stelle: Die Kategorien bedeuten hier etwa „gelingend“, „zu erarbeiten“, „sehr gut gelingend“ und „feindlich“. Es handelt sich um historische divinatorische Zuschreibungen.

24.6

Die Vierergruppe, in der der Namenslaut steht, heißt Siddha-Gruppe. Im Uhrzeigersinn heißt die zweite Sadhya; die dritte …

24.7

… Susiddha und die vierte [die feindliche Gruppe]. Liegen die Laute beider im selben Feld, heißt die Verbindung Siddha-Siddha.

Erläuterung zur Stelle: Der Druck hat im Namen der vierten Gruppe eine auffällige Form; der Zusammenhang und die folgende Aufzählung bestimmen sie eindeutig als Ari.

24.8

Steht der Mantra-Laut im zweiten Feld, heißt die Verbindung Siddha-Sadhya, im dritten Siddha-Susiddha und im vierten Siddha-Ari.

24.9

Steht der Mantra-Laut in der zweiten Vierergruppe, vom die Namensinitiale enthaltenden Viererfeld aus [gerechnet], nehme man zunächst die Lage des Namenslautes …

24.10

… und zähle von diesem Feld aus wie zuvor: Sadhya-Siddha, Sadhya-Sadhya, Sadhya-Susiddha und Sadhya-Ari.

24.11

Entsprechend verfahren die Verständigen, wenn der Mantra-Laut in der dritten Vierergruppe steht. Dann sind nach der zuvor genannten Weise zu bestimmen …

24.12

… Susiddha-Siddha, Susiddha-Sadhya, Susiddha-Susiddha und Susiddha-Ari. In der vierten Vierergruppe entstehen Ari-Siddha und Ari-Sadhya …

24.13

… danach Ari-Susiddha und Ari-Ari. So prüfe man den Mantra. Siddha-Siddha [gelingt] mit dem vorgeschriebenen Maß, Siddha-Sadhya mit dem Doppelten.

24.14

[Siddha-Susiddha gelingt] mit der Hälfte der Wiederholungen; Siddha-Ari soll Angehörige vernichten. Sadhya-Siddha [benötigt] das doppelte Maß; Sadhya-Sadhya gilt als fruchtlos.

Erläuterung zur Stelle: Der Druck wiederholt zu Beginn siddhasiddha; nach der Systematik ist Siddha-Susiddha gemeint. Die Schadenszuschreibungen werden als historische Warnvorstellungen dokumentiert, nicht als reale Vorhersagen.

24.15

Sadhya-Susiddha [gelingt] mit doppeltem Japa; Sadhya-Ari soll Angehörige der Abstammungslinie vernichten. Susiddha-Siddha [gelingt] mit halbem Japa, Susiddha-Sadhya mit doppeltem.

24.16

Susiddha-Susiddha [gelingt] bereits durch den Empfang; Susiddha-Ari gilt als Vernichter der Familie, Ari-Siddha des Sohnes und Ari-Sadhya der Tochter.

Erläuterung zur Stelle: Historische divinatorische Frucht- und Schadenszuschreibungen.

24.17

Ari-Susiddha gilt als Vernichter der Ehefrau, Ari-Ari des Sadhaka. [Eine andere Methode:] Man schreibe die Laute des Namens und des Mantra auf und prüfe jeden Laut einzeln …

24.18

… durch die Siddhadi-Berechnung bis zum Ende des Mantra. Ist der Name zuvor zu Ende, schreibe der Kundige ihn erneut.

24.19

Überwiegen bei dieser Prüfung Sadhya und Ari, während Siddha und Susiddha wenige sind, gilt [der Mantra] als ungünstig; im umgekehrten Fall als günstig.

24.20

Dies ist die Auffassung einiger und wird ebenfalls von Kundigen anerkannt. Oder man prüft Siddha und die anderen Kategorien nach einer weiteren Methode:

24.21

In ein zwölfspeichiges Diagramm schreibe man der Reihe nach die zuvor genannten Laute, beginnend mit a und bis ha, [nach der angegebenen Richtungsordnung], unter Auslassung der „neutralen“ Laute.

Erläuterung zur Stelle: Die Naukā nennt als ausgelassene Laute ṛ, ṝ, ḷ und ḹ. Die gedrängte Richtungsangabe wird nicht spekulativ zu einer Bauanleitung ergänzt.

24.22

Darin zähle man vom Namenslaut bis zum Anfangslaut des Mantra der Reihe nach Siddha, Sadhya und so weiter und bestimme deren Frucht.

24.23

Siddha gelangt mit der Zeit zur Wirksamkeit, Sadhya durch Japa und Homa, Susiddha schon durch seinen Empfang; Ari soll den Sadhaka verzehren.

Erläuterung zur Stelle: Traditionelle Klassifikation, keine Empfehlung angstgeleiteter Mantra-Auswahl.

24.24

Siddha liegt bei neun, eins und fünf; Sadhya bei sechs, zehn und [zwei]; Susiddha bei drei, sieben und elf; Ari bei vier, acht und zwölf.

Erläuterung zur Stelle: Die vier Gruppen beziehen sich auf die zuvor erläuterte zyklische Zählung.

24.25

Auch eine andere Weise der Prüfung von Siddha, Sadhya und den übrigen gibt es: In vier Felder schreibe man wiederholt die Laute von ihrem Anfang an …

24.26

… und bestimme vom Namenslaut bis zum Mantra-Laut Siddha, Sadhya und so weiter. Es gibt noch eine vierte Weise, diese Kategorien zu prüfen.

Weitere Zahlen- und Sternprüfungen

Zahlwörter und Mondhäuser strukturieren die traditionelle Auswahl.

24.27

Der Kundige teile die [zusammengezählte Anzahl der] Namens- und Mantra-Laute durch vier. Bei einem Rest von eins und so weiter erkennen die Verständigen der Reihe nach Siddha und die übrigen Kategorien.

Erläuterung zur Stelle: Die Naukā erläutert: Rest eins = Siddha, zwei = Sadhya, drei = Susiddha, null = Ari.

24.28

Die Siddhadi-Prüfung ist erläutert; nun lehre ich die Sternprüfung. [Die Verteilungszahlen der Laute beginnen mit] zwei, eins, drei, vier, eins, eins, zwei …

Erläuterung zur Stelle: Die Folge der Zahlwörter ist im Druck gedrängt; sie wird in 29 fortgesetzt. Die Hindi-Erklärung schreibt die Verteilungszahlen aus.

24.29

… [es folgen die weiteren Einser-, Zweier- und Dreiergruppen der Lautverteilung auf die Mondhäuser].

Erläuterung zur Stelle: Diese komprimierte Reihe von Zahlwörtern dient der Verteilung von Lauten auf die 27 Mondhäuser. Die Lesung einzelner Verbindungsstellen bleibt unsicher; die deutsche Fassung gibt die Funktion der Reihe wieder, keine überprüfte Anleitung zum Nachzeichnen.

24.30

Den Kundigen gelten die Laute vom Anfang bis kṣa als der Reihe nach auf Ashvini und die weiteren Mondhäuser verteilt. Bindu und Visarga sind im Abschnitt des Pushan [Revati] angeordnet.

24.31

Vom Stern des eigenen Namens aus zählt man: Geburt, Gedeihen, Gefahr, Wohlergehen, Gegnerschaft, Förderung, Verderben, Freundschaft und höchste Freundschaft.

Schuld und Guthaben als Mantra-Metapher

Die numerologische Beziehung wird später durch die Vorstellung früherer Leben erklärt.

24.32

Gefahr, Verderben und Gegnerschaft sind zu meiden; die übrigen gelten als [günstig]. Nun wird die als vollendungsbringend geltende Schuld-und-Guthaben-Prüfung erläutert.

24.33

Man zeichne sieben waagerechte und zwölf senkrechte Linien. So entstehen sechsundsechzig Felder.

24.34

In die erste Reihe schreibe man die Zahlen, die nun der Reihe nach genannt werden: vierzehn, siebenundzwanzig, zwei, zwölf, fünfzehn, sechs, vier, drei …

24.35

… fünf, acht und neun in die entsprechenden Felder. In die zweite Reihe schreibe man die Vokale unter Auslassung der fünf langen.

24.36

In die dritte Reihe kommen elf Laute von ka bis ṭa; in die vierte die von ṭha bis pha, in die fünfte die von ba bis ha.

24.37

In die sechste Reihe schreibe man der Reihe nach die Zahlen: zehn, eins, sieben, vier, acht, drei, sieben, fünf, vier …

24.38

… sechs und drei. Damit sind die Zahlen genannt. Man zerlege die Laute des Mantra in Vokale und Konsonanten.

24.39

Je nachdem, in welchem Feld ein Laut steht, berechne man seinen Zahlenwert mit der über dem Feld stehenden Zahl. Diese Regel gilt für alle Laute.

Erläuterung zur Stelle: Die Naukā erläutert die Multiplikation mit der Feldposition an Beispielen.

24.40

Für lange Vokale gelten die Zahlen der kurzen. Man addiere sämtliche Zahlen und teile dann durch acht.

24.41

Der Rest ist die Mantra-Summe. Bei den Namenslauten gilt dasselbe Verfahren, doch werden sie mit den Zahlen der unteren Reihe multipliziert.

24.42

Die größere Summe heißt „Schuldner“, die kleinere „Gläubiger“. Ist der Mantra der Schuldner, soll er angenommen werden; ist er der Gläubiger, nicht.

Erläuterung zur Stelle: Symbolische numerologische Eignungsprüfung, keine finanzielle Aussage und kein wissenschaftlich begründetes Auswahlverfahren.

24.43

So ist die Guthaben-und-Schuld-[Prüfung] erläutert; nun wird eine andere Weise genannt. Vom Anfangslaut des Namens bis zum Anfangslaut des Mantra …

24.44

… zähle man die Matrika-Laute der Reihe nach, multipliziere mit drei und teile durch sieben. Der Rest heißt Namenssumme.

24.45

Entsprechend zähle der Kundige vom Mantra-Laut bis zum Anfangslaut des Namens, multipliziere mit drei und teile durch sieben.

24.46

Der Rest heißt Mantra-Summe; Guthaben und Schuld gelten wie zuvor. Oder man [zähle] die Mantra-Laute, in Vokale und Konsonanten …

24.47

… getrennt, verdoppele [die Anzahl] und addiere die ebenso [zerlegten] Namenslaute des Sadhaka. Nach Teilung durch acht heißt [der Rest] Mantra-Summe.

24.48

Ebenso verdoppele man die Anzahl der Namenslaute, addiere die Mantra-Laute und teile durch acht. [Der Rest] heißt bei den Kundigen Namenssumme.

24.49

Schuld und Guthaben gelten dabei wie zuvor. Nach irgendeinem der genannten Wege ist die Schuld-Guthaben-Prüfung vorzunehmen.

24.50

Ein Mantra, der in einem früheren Leben geübt wurde, wegen [noch bestehenden] Unheils aber keine Frucht gab, wird nach dessen Auflösung zu gegebener Zeit fruchtbar …

Erläuterung zur Stelle: Der Schluss ist im Druck gedrängt; die Naukā erklärt die Zeitangabe. Der Vers begründet die Schuldmetapher durch die Vorstellung früherer Leben.

24.51

… [doch kam zuvor] das Lebensende. Daher gewährt dieser Mantra im anderen Leben dem Sadhaka aufgrund seiner Schuld bereits beim Empfang das Ersehnte.

Erläuterung zur Stelle: Die Naukā erläutert den Zusammenhang: Der Übende starb, bevor die Frucht eintreten konnte; dadurch blieb der Mantra ihm gleichsam etwas schuldig.

24.52

Sind beide Summen gleich, ergibt sich die Frucht durch die Übung. Ein als Gläubiger empfangener Mantra trägt durch verstärkte Übung Frucht.

Erläuterung zur Stelle: Diese Aussage relativiert die vorherige ablehnende Einordnung des „Gläubiger“-Mantra.

Eine weitere Diagrammprüfung

Die Übertragung soll nach dem Text mit einer Eignungsprüfung verbunden werden.

24.53

Zur Mantra-Prüfung wird noch eine andere Weise gelehrt: In ein Sechseck schreibe man, bei der östlichen Ecke beginnend, jeweils die Laute …

24.54

… von a bis ha unter Auslassung der neutralen [Vokale]. Vom Anfangslaut des Namens bis zum Mantra-Laut führe man die Prüfung durch.

Erläuterung zur Stelle: Gemeint sind wiederum ṛ, ṝ, ḷ und ḹ, wie die Naukā erläutert.

24.55

Dem ersten [Feld] wird Wohlstandserlangung, dem zweiten Vermögensverlust, dem dritten Vermögensgewinn und dem vierten Streit mit Angehörigen zugeschrieben.

24.56

Dem fünften wird Krankheit, dem sechsten vollständiger Verlust zugeschrieben. Einen so geprüften Mantra soll der Mantrakundige dem Schüler geben.

Erläuterung zur Stelle: Historische divinatorische Zuschreibungen; keine Prognosen über Gesundheit oder Vermögen heutiger Übender.

Ausnahmen von der Prüfung

Zahlreiche Mantras und Übertragungsweisen sind ausdrücklich ausgenommen.

24.57

Nun nenne ich die Mantras, für die keine Siddhadi-Prüfung gilt: einlautige, dreilautige, fünflautige und sechslautige …

24.58

… sieben-, neun-, elf-, zweiunddreißig- und achtlautige, der Hamsa-Mantra, Kuta-Mantras, im Veda gelehrte Mantras und Om …

Erläuterung zur Stelle: Die Naukā erklärt radana als zweiunddreißig, kūṭa als Konsonantenverbindung und dhruva als Om.

24.59

… im Traum empfangene, von einer Frau empfangene und Mala-Mantras, [die Mantras von] Narasimha, Prasada, Sonne, Varaha, Matrika und Para …

Erläuterung zur Stelle: Die ausdrückliche Ausnahme für einen von einer Frau empfangenen Mantra ist ein wichtiges Zeugnis weiblicher Übertragung. Sie steht neben den an anderer Stelle dokumentierten sozialen Einschränkungen.

24.60

… Tripura- und Kama-Mantras, durch Anweisung wirksame [Mantras], [der Mantra] Garudas sowie buddhistische und Jaina-Mantras: Für sie gilt keine Siddhadi-Prüfung.

Erläuterung zur Stelle: Die Naukā identifiziert Pakshinayaka als Garuda. Die Nennung buddhistischer und Jaina-Mantras erweitert den Horizont über die zuvor dargestellten hinduistischen Gottheiten hinaus.

24.61

Bei den übrigen Mantras gilt die Prüfung als erforderlich. Eine als feindlich bestimmte Vidya, einen solchen Mantra, Lobpreis oder Sukta soll man unbedingt aufgeben.

Erläuterung zur Stelle: Aribhūta bedeutet „feindlich geworden beziehungsweise als feindlich bestimmt“ und leitet zum folgenden Ritual des Aufgebens über.

Einen ungeeigneten Mantra aufgeben

Ein traditioneller Aufhebungsritus bittet um Beruhigung und läuternde Hingabe.

24.62

Ist aus Unwissenheit ein als feindlich geltender Mantra empfangen worden, so soll er aufgegeben werden. Die Weise dafür wird nun erläutert.

24.63

An einem günstigen Tag stelle man ein Gefäß im Sarvatobhadra-Mandala auf und fülle es mit gutem Wasser, während man den Mantra in umgekehrter Folge spricht.

Erläuterung zur Stelle: Dokumentation eines traditionellen Aufhebungsritus, keine Anleitung zur eigenmächtigen Beendigung einer empfangenen Einweihung.

24.64

Darin rufe man die Gottheit an und verehre sie mit ihren Umkreisen. Davor bereite man einen Opferplatz und setze das Feuer ein.

24.65

Mit dem umgekehrten Grundmantra bringe man hundert Ghee-Gaben dar. Den Richtungshütern gebe man eine Bali-Gabe aus Milchreis und Speise mit Ghee.

24.66

Erneut den Herrn der Götter verehrend, bete man mit diesem Mantra: „Ohne die Angemessenheit zu bedenken, habe ich mit unstetem Geist …

24.67

… dich in deiner Mantragestalt empfangen und verehrt, o Herr. Beseitige darum restlos die Erschütterung meines Geistes!

24.68

Das Unheil sei abgewehrt, beständiges Heil möge entstehen. Läuternde Hingabe an dich möge mir zuteilwerden und mein Wohlergehen entfalten!“

24.69

Nach diesem Gebet an den Herrn der Götter schreibe man den Mantra in umgekehrter Folge mit Kampfer, Aguru und Sandelholz auf ein Palmblatt und verehre es.

24.70

Am eigenen Haupt befestigt, [begleite das Blatt] das Bad mit dem Gefäßwasser. Danach fülle man das Gefäß erneut und lege das Mantra-Blatt in seine Öffnung …

24.71

… verehre [es] und übergebe das Gefäß einem Fluss oder Teich. Nach Speisung von Brahmanen werde man von der dem Mantra zugeschriebenen Bedrängnis frei.

Erläuterung zur Stelle: Historische Ritualbeschreibung; daraus folgt weder eine heutige Entsorgungsempfehlung noch die Behauptung, Mantras verursachten objektiv die hier angenommenen Schäden.

Abhilfe und Vorrang der Hingabe

Besondere Bhakti kann nach dem Text eine ungünstige Zuordnung überwinden.

24.72

Erweist sich bei mehrfacher Prüfung kein Mantra als geeignet, stelle man Maya, Kama und Shri voran, um den betreffenden Fehler zu beheben.

Erläuterung zur Stelle: Der Text nennt Bija-Bezeichnungen. Es wird keine freie Kombination als neuer Übungsmantra vorgeschlagen.

24.73

Oder ein als mangelhaft geltender Mantra wird wirksam, wenn er von Om umschlossen wiederholt wird; oder wenn er mit der Lautreihe in vorwärts- und rückwärtsgehender Folge verbunden rezitiert wird.

24.74

Wer einem Mantra besondere Hingabe entgegenbringt, erlangt durch ihn Vollendung, selbst wenn er in das feindliche Feld gefallen ist.

Erläuterung zur Stelle: Ein entscheidendes Gegengewicht zur vorangehenden Zahlenprüfung: Der Vers räumt besonderer Hingabe Vorrang vor einer ungünstigen Klassifikation ein.

Bija-, Mantra- und Mala-Formen

Die Länge der Formeln begründet eine eigene technische Einteilung.

24.75

Bija-Mantras, Mantras und die weiteren Mala-Mantras: Dreifach wird die Gesamtheit der Mantras von den kundigen Kennern der Agamas eingeteilt.

24.76

Bija-Mantras reichen bis zu zehn Lauten; danach [heißen sie] Mantras bis zwanzig. Die mit mehr als zwanzig Lauten gelten als Mala-Mantras.

Erläuterung zur Stelle: Die hier verwendete technische Definition von Bija-Mantra ist weiter als die verbreitete Beschränkung des Wortes Bija auf einen einzelnen Keimlaut.

24.77

Im Kindesalter geübte Bija-Mantras werden wirksam, Mantras in der Jugend und Mala-Mantras im Alter.

Erläuterung zur Stelle: Traditionelle altersbezogene Zuordnung, keine allgemeingültige Begrenzung der spirituellen Befähigung.

24.78

In einer anderen als der genannten Lebensphase vollziehe der Kundige zur Erlangung des Ersehnten die doppelte Zahl der Wiederholungen der Bija-Mantras und der übrigen Mantras.

Die fünf Elemente und die Laute

Die Matrika wird als Entfaltung der elementaren Natur verstanden.

24.79

Nun wird die Unterscheidung der Mantras in „eigene Familie“ und „andere Familie“ erläutert. Prakriti besteht aus den fünf Elementen; aus ihr entsteht die Matrika.

24.80

Daher bestehen die fünfzig Laute aus den fünf Elementen. Die dritten [Laute] der Konsonantengruppen, die [hier chiffrierten] Karna-, Vo- und La-Laute gelten als erdhaft.

Erläuterung zur Stelle: Die Naukā schreibt die Erdgruppe als u, ū, o, ga, ja, ḍa, da, ba, la und ḷa aus. Die Kurzbezeichnungen des Grundtextes bleiben davon unterschieden.

24.81

Die [als] Nasen [bezeichneten Laute], die vierten Gruppenlaute sowie die hier angegebenen weiteren Laute gelten als wasserhaft; die [als] Augen [bezeichneten], die zweiten Gruppenlaute und die weiteren genannten als feuerhaft.

Erläuterung zur Stelle: Die Naukā erläutert die Wassergruppe als ṛ, ṝ, au, gha, jha, ḍha, dha, bha, va, sa; die Feuergruppe als i, ī, kha, cha, ṭha, tha, pha, ai, ra, kṣa. Der chiffrierte Wortlaut ist im Druck teilweise schwer abzugrenzen.

24.82

Die ersten Gruppenlaute und die weiteren hier bezeichneten Laute gelten als lufthaft; die letzten Gruppenlaute, die Wangen-Laute und die weiteren mit Bindu als raumhaft.

Erläuterung zur Stelle: Die Naukā nennt für Luft a, ā, e, ka, ca, ṭa, ta, pa, ya, śa; für Raum ṅa, ña, ṇa, na, ma, ḷ, ḹ, śa, ha, aṃ. Die wiederholte Zuordnung von śa im Druck verlangt Vorsicht; es wird keine stillschweigende Harmonisierung vorgenommen.

24.83

Visarga aber hat Prakriti zur Natur und besteht aus allen Elementen, weil er, vom Lebensatem bewegt, hervortritt, ohne die Artikulationsorte wie die Kehle zu berühren.

Erläuterung zur Stelle: Traditionelle kosmologische Lautlehre; die Erklärung ist im Begriffsrahmen des Textes zu lesen.

24.84

Bei den erdhaften und weiteren Lauten heißen die der eigenen [Elementgruppe] „eigene Familie“. Mit einem erdhaften Laut ist ein Wasserlaut befreundet …

24.85

… ein Feuerlaut gilt als feindlich, ein Luftlaut als neutral. Dem Wasserlaut gilt ein Erdlaut als Freund.

24.86

[Dem Wasserlaut gilt] der feuerhafte als feindlich, der lufthafte als neutral. Für den Feuerlaut heißt der lufthafte Freund …

24.87

… der Wasserlaut Gegner und der erdhafte neutral. Dem aus Luft hervorgegangenen Laut gilt der feuerhafte als Freund …

24.88

… der erdhafte als Feind und der wasserhafte als neutral. Für alle vier, Erde und die übrigen, ist der Raumlaut stets ein Freund.

24.89

Anhand der Anfangslaute von Mantra und Sadhaka-Namen prüfe derjenige, der den Mantra übertragen will, die Unterscheidung von eigener Familie und den weiteren Beziehungen.

Erläuterung zur Stelle: Gemeint sind die beiden Anfangslaute von Mantra und Empfängername im Rahmen der Übertragung.

24.90

Bei eigener Familie wird die Erlangung des Ersehnten, auch bei Freundschaft Vollendung gelehrt; bei Feindschaft Tod und Krankheit, bei Neutralität gar nichts.

Erläuterung zur Stelle: Die Zusammenschreibung abhīpsitāsiddhiḥ ist missverständlich; der Zusammenhang und die Naukā meinen abhīpsita-siddhi, die Erfüllung des Ersehnten. Die Schadenszuschreibungen sind historische Vorstellungen.

24.91

Wer das Ersehnte sucht, meide neutrale und feindliche Mantras und nehme solche der eigenen oder einer befreundeten Familie an.

Männliche, weibliche und neutrale Formeln

Die Kategorien richten sich nach Endungen und traditionellen Anwendungen.

24.92

Auch bei Übereinstimmung des Mondhauses von Name und Mantra wird „eigene Familie“ angenommen. Ferner unterscheiden die Kundigen drei Arten von Mantras: männliche, weibliche und neutrale.

24.93

Als männlich gelten Mantras, die auf vaṣaṭ oder phaṭ enden, als weiblich solche auf vauṣaṭ oder svāhā, als neutral solche auf huṃ oder namaḥ.

Erläuterung zur Stelle: Technische Klassifikation von Formeln; die Kategorien bewerten weder Geschlechter noch Personen.

24.94

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Männlich klassifizierten Formeln werden Wirkung bei Beeinflussung, Vertreibung und Hemmung zugeschrieben; weiblichen bei der Beseitigung geringerer schädigender Einwirkungen und Krankheiten.

24.95

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Neutrale Formeln werden Abhicara zugeordnet. Damit sind die drei Arten genannt. Bei der Sternprüfung verwende man das Geburts-Mondhaus, bei anderen Prüfungen …

24.96

… den gebräuchlichen, bei der Geburt gegebenen Namen. Ein geprüft übertragener Mantra soll dem Schüler zur Erlangung seines Ersehnten dienen.

Die zehn Mantra-Samskaras

Geburt, Entzünden, Erwecken und weitere Weihen dienen der rituellen Vollendung des Mantra.

24.97

Die fünfzig Fehler, beginnend mit „abgeschnitten“, die in Mantras vorkommen, durchdringen alle siebzig Millionen Mantras.

Erläuterung zur Stelle: Die Naukā verweist für die Fehlerliste ausdrücklich auf Kapitel 2 des Sharada Tilaka. Diese konkrete Quellenangabe ist von bloßen thematischen Vergleichen zu unterscheiden.

24.98

Um diese Fehler zu befrieden, vollziehe man die zehn Samskaras. Auf Birkenrinde zeichne man mit Rochana und weiteren Stoffen sorgfältig ein Dreieck …

24.99

… und teile es von der westlichen Ecke aus gleichmäßig siebenfach. Entsprechend von der nordöstlichen und der Feuerecke aus geteilt, entstehen darin Dreiecksfelder …

24.100

… neunundvierzig an der Zahl. Darin schreibe man der Reihe nach die Matrika von a bis ha, von der Isha-Richtung bis zur westlichen [Ecke].

Erläuterung zur Stelle: Die gedrängte letzte Richtungsangabe wird entsprechend der Naukā wiedergegeben.

24.101

Darin rufe man die Göttin an und verehre sie mit Sandelholz und weiteren Gaben. Dann entnehme man [aus den Lauten] den Mantra: Dies heißt seine Geburt.

24.102

Tausendfache Wiederholung, vom Hamsa[-Mantra] umschlossen, heißt Dipana, „Entzünden“. Die Wiederholung des Mantra, umschlossen von der hier aus Lautbezeichnungen gebildeten Formel …

Erläuterung zur Stelle: Die Naukā erläutert die folgende Umschließung als hūṃ. Der chiffrierte Grundtext wird nicht durch eine erfundene selbstständige Formel ersetzt.

24.103

… fünftausendmal heißt bei den Kundigen Bodhana, „Erwecken“. Tausendmal wiederhole man ihn vom Astra[-Mantra] umschlossen: Dies ist Tadana, „Antreiben“.

24.104

Mit Wasser, das durch tausendfache Wiederholung der genannten, mit Vag beginnenden Formel besprochen wurde, werde der Mantra begossen: Dies heißt Abhisheka.

Erläuterung zur Stelle: Die knappe Lautfolge wird in der Naukā ausgeschrieben; der Grundtext ist hier stark verdichtet. Pāthasā bedeutet „mit Wasser“.

24.105

Zur Vimalikarana, „Reinigung“, werde der Mantra tausendmal von der hier bezeichneten Formel umschlossen rezitiert: [genannt werden] Om mit den Hari- und Feuerlauten sowie vaṣaṭ.

Erläuterung zur Stelle: Die Stelle beschreibt eine traditionsgebundene Mantra-Bearbeitung; die Umschließungsformel wird hier nicht als eigenständiger Übungsmantra rekonstruiert.

24.106

Zur Jivana, „Belebung“, wiederhole man den von svadhā und vaṣaṭ umschlossenen Mantra tausendmal. Beim Tarpana erquicke man ihn mit Wasser, dem Milch und Ghee beigegeben sind.

24.107

Tausendfache Wiederholung des von Maya umschlossenen Mantra heißt Gopana, „Bewahren“. [Bei der folgenden Form wird er] vom dritten Bija der Bala mit dem Raumlaut davor umschlossen …

24.108

… und tausendmal wiederholt: Dies gilt als Apyayana, „Stärken“. Damit sind die zehn Samskaras gelehrt, die Fehler der Mantras beseitigen sollen.

Mantras des Kali-Yuga und Übertragungsberechtigung

Gottheitenvielfalt steht neben historisch bedingten sozialen Beschränkungen.

24.109

Nun nenne ich die Mantras, die im Kali-Yuga Vollendung verleihen: der dreilautige, der einlautige und der Anushtubh-Mantra – drei Formen [des Mantra] Narasimhas …

24.110

… die einlautige und die Anushtubh-Form Arjunas, [der Mantra] Hayagrivas, Chintamani, Kshetrapala, Bhairava, der Herr der Yakshas …

Erläuterung zur Stelle: Die Naukā bezieht die zwei Formen auf Arjuna und nennt Chintamani als den bereits behandelten Mantra.

24.111

… Gopala, Ganesha, Chetaka, Yakshini, Matangi, Sundari, Shyama, Tara und Karnapishachini …

24.112

… Shabari, Ekajata, Vama, Kali, Nilasarasvati, Tripura und Kalaratri: Diese gelten im Kali-Yuga als Gewährer des Ersehnten.

24.113

[Es folgen die Mantras von] Aghora, Dakshinamurti, Uma-Maheshvara, Hayagriva, Varaha und Lakshmi-Narayana …

Erläuterung zur Stelle: Beginn einer sozial hierarchischen Einteilung der Übertragungsberechtigung, die in 116 abgeschlossen wird.

24.114

… vierlautige [Mantras] mit Om davor, Feuer- und Sonnenmantras, [der Mantra] Ganapatis mit Om davor und Haridra-Ganapati …

24.115

… der achtlautige Sonnenmantra, der sechslautige Rama-Mantra, Mantraraja mit Om davor, Om selbst und vedische Mantras …

24.116

… sollen nach dieser Vorschrift von den Kundigen den ersten drei Varnas, nicht aber Shudras übertragen werden. [Die Mantras von] Sudarshana, Pashupata, Agneyastra und Narasimha …

Erläuterung zur Stelle: Dokumentation einer historischen Standesbeschränkung; sie wird nicht als heutiges Werturteil oder als Empfehlung des Yoga-Wiki übernommen.

24.117

… sollen den ersten zwei Varnas übertragen werden, niemals den letzten. [Die Mantras von] Chinnamasta, Matangi, Tripura, Kalika, Shiva …

24.118

… Laghushyama, Kalaratri, Gopala, Rama, Ugratara und Bhairava dürfen allen vier Varnas gegeben werden.

24.119

Für Frauen gelten diese Mantras als besonders vollendungsbringend. Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas, Shudras und Frauen sind berechtigt …

Erläuterung zur Stelle: Der Vers öffnet die Berechtigung für die zuletzt genannten Mantras ausdrücklich über die zuvor gezogenen Standesgrenzen hinweg.

24.120

… wenn sie Vertrauen zur Verehrung von Gottheit, Guru und Brahmanen haben. Maya, Kama, Shri und Vag übertrage man dem als „aus dem Mund geboren“ Bezeichneten.

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF 819. Die kosmologische Standesbezeichnung meint den Brahmanen; die Übertragungsregel ist historisch zu verstehen.

24.121

Den „aus den Armen Geborenen“ [gebe man diese] ohne Maya, den „aus den Schenkeln Geborenen“ Shri und Vag, Shudras das Vani-Bija, den anderen Panzer-, vaṣaṭ- und namaḥ[-Formeln].

Erläuterung zur Stelle: Historische Zuordnung an Kshatriyas, Vaishyas, Shudras und weitere soziale Gruppen. Die letzte Lautverbindung ist im Druck gedrängt.

Homa-Gaben und historische Wirkungszuschreibungen

Aggressive Ziele werden ausschließlich nichtanleitend wiedergegeben.

24.122

Nun werden allgemein verwendete Homa-Gaben erläutert: Früchten wird die Erlangung von Wohlergehen, Palasha[-Gaben] die Erfüllung des Ersehnten zugeschrieben.

24.123

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Bestimmten Pflanzengaben werden Einfluss auf Frauen und Beseitigung von Krankheiten zugeschrieben; Durva soll die Einsicht fördern, Zucker andere Menschen gefügig machen.

Erläuterung zur Stelle: Die Beeinflussungsziele werden nicht empfohlen; die Krankheitszuschreibung ist keine medizinische Wirksamkeitsaussage.

24.124

Bilva-Blättern, Ghee, Lotus, Patala und Champaka wird Wohlstand zugeschrieben, Senfkörnern und Mallika Ruhm, Jati-Blüten Redekraft.

Erläuterung zur Stelle: Traditionelle Homa-Fruchtzuordnungen, keine gesicherten Wirkversprechen.

24.125

Reis, Gerste, Brennholz von Plaksha, Udumbara und Ashvattha sowie Sesam mit den drei Süßen wird bei der Darbringung die Fülle erwünschter Güter zugeschrieben.

24.126

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Vier Pflanzengaben werden der Beeinflussung der verschiedenen Stände zugeordnet; Duftstoffen wird Glückverheißung zugesprochen.

24.127

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Vers ordnet bestimmten Gaben Krankheiten, geistige Verwirrung, Angst und Stummheit bei Gegnern zu.

Erläuterung zur Stelle: Die Bezeichnung vor der letzten Schadenswirkung ist im Druck schwer lesbar. Weder Materialliste noch Durchführung werden in der deutschen Wiedergabe zu einer Schädigungsanleitung ausgearbeitet.

24.128

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der erste Halbvers schreibt einem weiteren Opferstoff die Vernichtung von Feinden zu. Darauf heißt es: „Was bedarf es vieler Worte? Die verehrte Gottheit gewährt das Ersehnte.“

Erneute und beständige Praxis

Der Schluss betont die fortgesetzte Wiederholung des Mantra.

24.129

Wird ein Mantra nach einmaligem Purashcharana aufgrund [angenommener] Verfehlungen aus einem früheren Leben nicht wirksam, so vollziehe man dieses erneut.

Erläuterung zur Stelle: Religiöse Erklärung aus dem Karma- und Wiedergeburtsverständnis des Textes, kein Urteil über Menschen, deren Übung nicht die erhoffte Erfahrung bringt.

24.130

Oder man wiederhole [den Mantra] an einem zum Meer fließenden Fluss während einer Mond- oder Sonnenfinsternis vom Beginn bis zum Ende und bringe ein Homa im Umfang eines Zehntels dar.

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF 821; historische verkürzte Purashcharana-Form.

24.131

Nach der Speisung von Brahmanen erlangt man [nach der Verheißung] die Vollendung verschiedener Mantras. Auch demjenigen, der beständig dem Japa hingegeben ist, werden die Mantras bald wirksam.

Erläuterung zur Stelle: Der letzte Halbvers führt den umfangreichen Prüfungskomplex auf die beständige Praxis des Japa zurück.

Kolophon des Taraṅga 24

So endet im Mantramahodadhi des ehrwürdigen Mahidhara der vierundzwanzigste Taraṅga, genannt „Mantra-Prüfung“.

Anmerkung zum Kolophon: Der Grundtextkolophon druckt mantramahodhau statt des erwarteten mantramahodadhau; der Naukā-Kolophon nennt den Werkstitel vollständig. Vers 120 ist über PDF 819–820, Vers 130 über 821–822 verteilt. Schwer lesbare Zahlen- und Lautlisten sind als solche gekennzeichnet und nicht als gesicherte Rekonstruktionen ausgegeben.

Textgrundlage dieses Taraṅga: Sanskrit-Grundtext der verwendeten Ausgabe, PDF-Seiten 795–822, gedruckte Seiten 743–770. Naukā und die Hindi-Erklärung bleiben vom Grundtext getrennt.

Taraṅga 25 – Sechs Ritualanwendungen, Wunschlosigkeit und Selbsterkenntnis

Der letzte Taraṅga systematisiert die sechs historischen Ritualanwendungen einschließlich manipulativer und gewaltsamer Ziele. Diese werden in der deutschen Erschließung nichtanleitend dokumentiert. Anschließend setzt Mahidhara selbst einen entscheidenden Akzent: Ergebnisgebundenes Handeln bleibt begrenzt; wunschlose Verehrung soll das Innere läutern und zur Erkenntnis des Selbst als Brahman führen. Werkübersicht, Familiengeschichte, Segenswünsche und Datierung beschließen das Buch.

Die sechs historischen Ritualziele

Die Terminologie wird sachlich erklärt; aggressive Ziele werden nicht empfohlen.

25.1

Nun werde ich sechs Ritualhandlungen erläutern, denen bei ihrer Anwendung Wirksamkeit zugeschrieben wird: Befriedung, Gefügigmachung, Hemmung, Entzweiung, Vertreibung und Tötung.

Erläuterung zur Stelle: Die aggressiven und manipulativen Anwendungen dieses Kapitels werden historisch und nichtanleitend dokumentiert. Die Sanskritübertragung dient der Quellenerschließung.

25.2

Diese Handlungen sind genannt. Shanti bedeutet Beseitigung von Krankheit und anderem Unheil; Vashya das Herbeiführen von Gehorsam; Stambha das Hemmen einer Tätigkeit.

Erläuterung zur Stelle: Shanti ist hier eine historische Ritualkategorie; daraus folgt kein medizinisches Heilversprechen.

25.3

Dvesha ist das Entstehen von Unfrieden zwischen zuvor einander Zugewandten; Uccata die Vertreibung von einem Ort; Marana das Nehmen des Lebens. So sind die sechs Handlungen bestimmt.

Ritualfaktoren und Zuordnungen

Gottheiten, Farben, Zeiten, Richtungen und Materialien bilden ein historisches Ordnungssystem.

25.4

[Zu berücksichtigen sind:] Gottheit und ihre Farbe, Jahreszeit, Richtung, Tag, Sitz, Anordnung, Mandala, Mudra, Laut, Vorherrschen eines Elements und Brennholz …

25.5

… Mala, Feuer, Schreibmaterial, Opferstoff, Feuergrube, die beiden Opferlöffel und Schreibgerät. Erst nach Kenntnis der jeweils zugehörigen Faktoren sollen die sechs Handlungen angewendet werden.

Erläuterung zur Stelle: Die technische Liste beschreibt den historischen Systematisierungsanspruch des Kapitels; sie ist keine heutige Praxisempfehlung.

25.6

Die zugeordneten Gottheiten sind Rati, Vani, Rama, Jyeshtha, Durga und Kali; die Farben Weiß, Rot, Gelb, Gemischt, Dunkel und Rauchgrau.

25.7

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Anfangsverehrung wird mit Blumen in den jeweils zugeordneten Farben verbunden. Der Tag-Nacht-Zyklus wird in sechs den Jahreszeiten entsprechende Abschnitte gegliedert.

25.8

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Jeder „Jahreszeiten“-Abschnitt umfasst zehn Ghatikas. Der folgende Halbvers beginnt eine abweichend angeordnete Zuordnung der Jahreszeiten zu den sechs Ritualen.

Erläuterung zur Stelle: Die letzte Wortverbindung ist im Druck nicht sicher; der Zusammenhang wird ohne spekulative Ergänzung wiedergegeben.

25.9

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Jahreszeiten werden auf die sechs Handlungen verteilt; anschließend werden die Richtungen von Shiva, Soma, Indra, Nirriti, Wind und Feuer zugeordnet.

25.10

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Ausrichtung beim Japa folgt der jeweiligen Ritualkategorie. Für die anschließende Zeitbestimmung werden zunächst der zweite, siebte und fünfte Tag der hellen Monatshälfte genannt …

25.11

… sowie der dritte Tag, in Verbindung mit Mittwoch oder Donnerstag, als Zeiten der Befriedung. Anschließend nennt der Text weitere Mondtage für die anderen Anwendungen.

25.12

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Weitere Mondtag-Wochentag-Verbindungen werden der Gefügigmachung zugeordnet; danach beginnt die Liste der Zeiten für Entzweiung.

25.13

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Vers setzt die kalendarischen Zuordnungen für Entzweiung fort und beginnt jene für Vertreibung.

25.14

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Für Vertreibungsrituale und die anschließenden schädigenden Kategorien werden weitere Zeitpunkte im Mondzyklus festgelegt.

25.15

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Text schließt die Kalenderzuordnung für Hemmung und Tötung ab. Danach zählt er sechs Sitzhaltungen auf: Padma, Svastika, Vikata, Kukkuta, Vajra und Bhadra.

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF 825. Die Asana-Namen werden als historische Zuordnungen dokumentiert, nicht als Mittel schädigender Praxis empfohlen.

25.16

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Sitzhaltungen werden den sechs Kategorien zugeordnet. Es folgt eine Liste von Tierhäuten als historische Sitzunterlagen.

25.17

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Text verbindet die Sitzunterlagen mit dem jeweiligen Japa. Nach den Sitzen wird nun die Anordnung der Mantra- und Namenslaute erläutert.

Mantra und Namen verbinden

Die sechs technischen Anordnungen werden ohne moderne Handlungsanleitung erschlossen.

25.18

Die sechs Anordnungen für die Ritualhandlungen heißen Granthana, Vidarbha, Samputa, Rodhana, Yoga und Pallava.

25.19

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Jede der sechs Anordnungen wird definiert. Die erste beginnt mit einem Wechsel einzelner Mantra- und Namenslaute.

25.20

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Wechsel heißt Granthana, „Verknüpfen“. Die zweite Anordnung verbindet Mantra-Lautpaare mit Namenslauten.

25.21

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die wiederholte Einflechtung wird Vidarbha genannt. Danach beginnt die Erklärung von Samputa, der Umschließung eines Namens durch den Mantra.

25.22

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Samputa schließt eine Umkehrung der Lautfolge ein. Rodhana wird durch die Positionierung des Mantra an mehreren Stellen relativ zum Namen bestimmt.

Mandalas, Mudras und Laute

Geometrie, Gesten und Lautlehre gehören zum rituellen Zusammenhang.

25.23

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Yoga und Pallava unterscheiden sich durch die Reihenfolge von Name und Mantra. Danach beginnt die Beschreibung eines halbmondförmigen, mit Lotuszeichen versehenen Mandala.

25.24

Dieses gilt als Wasser-Mandala und als geeignet für Befriedung. Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Für die Gefügigmachung wird anschließend eine andere elementare Mandala-Form zugeordnet.

25.25

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Vers ordnet Hemmung und Entzweiung unterschiedliche geometrische Element-Mandalas zu und beginnt die Beschreibung einer weiteren Kreisform.

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF 828.

25.26

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Weitere Element-Mandalas werden Vertreibung und Tötung zugeordnet. Danach folgen die Mudra-Namen Lotus, Schlinge, Keule, Stößel, Donnerkeil und Schwert.

25.27

Diese sechs Mudras werden den sechs Ritualhandlungen zugeordnet. Für das Homa gelten drei Mudras: Mrigi, Hamsi und Sukari.

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF 829.

25.28

Die Verbindung von Mittelfinger, Ringfinger und Daumen heißt Mrigi-Mudra; die Verbindung aller [Finger] außer dem kleinen …

25.29

… [heißt Hamsi]; Sukari entsteht beim Zusammenziehen der Hand. Damit sind die Mudras bestimmt. Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Anschließend werden sie den befriedenden und den übrigen Anwendungen zugeordnet.

25.30

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Mond-, Wasser-, Erd-, Raum-, Wind- und Feuerlaute werden als Keimlaute der Yantras für die sechs Anwendungen bestimmt.

25.31

Als Mondlaute gelten die Vokale sowie sa und ṭha. Die Elementlaute wurden bereits erläutert. Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Ihre Auswahl für die weiteren Anwendungen wird eingeschränkt.

25.32

Einige nennen die Laute sa, va, la, haṃ, yaṃ und ra als Mond- und weitere Laute. Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Danach werden die sechs Formelendungen den Ritualkategorien zugeordnet.

Erläuterung zur Stelle: Die Lautfolge wird dem Druck folgend dokumentiert; es werden keine vollständigen Mantras rekonstruiert.

Atemdeutung und Elemente

Die historische Atemdivination ist von heutiger Atem- und Meditationspraxis zu unterscheiden.

25.33

Die sechs [Endungen] heißen namaḥ, svāhā, vaṣaṭ, vauṣaṭ, huṃ und phaṭ. Wenn der Lebensatem im unteren Bereich beider Nasenöffnungen strömt …

25.34

… wird dies als Vorherrschen des Wassers verstanden, der Befriedung förderlich. Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine andere Atemlage wird mit Erde und Hemmung verbunden.

Erläuterung zur Stelle: Traditionelle Atemdivination, keine medizinische Atemdiagnostik.

25.35

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Weitere Lagen des Atemstroms werden den Elementen Raum und Feuer und den entsprechenden historischen Ritualzielen zugeordnet.

25.36

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Vers schließt die Zuordnung von Atemlagen und Elementen zu Tötung, Beeinflussung und Vertreibung ab.

Opferstoffe, Malas und Feuer

Problematische Material- und Wirkungszuordnungen werden nichtanleitend dokumentiert.

25.37

Bei Befriedung werden Durva-Halme mit Kuhghee genannt. Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der zweite Halbvers ordnet eine andere Brennstoffkombination der Gefügigmachung zu.

25.38

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Bestimmte Holz- und Fettkombinationen werden Hemmung und Entzweiung zugeordnet.

25.39

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Vers setzt die Brennstoffzuordnungen für Vertreibung und Tötungsrituale fort.

25.40

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Es werden sechs historische Mala-Materialien aufgezählt, darunter Muschel, Pflanzensamen und in problematischen Riten menschliche oder tierische Zähne.

25.41

Diese Japa-Malas gelten der Reihe nach für die mit Befriedung beginnenden Handlungen. Die auf dem Mittelfinger liegende Mala bewege der Kundige mit dem Daumen …

25.42

… bei Japa für Frieden, Einfluss, Gedeihen, Lebensgenuss oder Befreiung. Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Für die Hemmungsriten wird eine andere Fingerverbindung festgelegt.

25.43

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Für Entzweiung, Vertreibung und Tötungsrituale werden weitere Weisen des Zählens mit den Fingern zugeordnet.

25.44

Für heilsame Anliegen beträgt die Zahl der Perlen hundertacht, die Hälfte davon oder wiederum deren Hälfte. Für Abhicara nennt der Text fünfzehn.

25.45

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die sechs Kategorien werden unterschiedlichen Feuerarten und Feuerherkünften zugeordnet, darunter gewöhnliches Feuer und bei aggressiven Riten Leichenstättenfeuer.

25.46

Für heilsame Handlungen nennt der Text Holz von Bilva, Arka, Palasha und Milchsaftbäumen. Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Für unheilsame Anwendungen folgt eine andere, teilweise giftige Pflanzenliste …

25.47

… aus deren Holz der Mantrakundige das Homa-Feuer entzündet. Bei Befriedung verehre man die Suprabha genannte Flammenzunge.

25.48

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Weitere benannte Flammenzungen werden den Kategorien Beeinflussung, Hemmung, Entzweiung und Vertreibung zugeordnet.

Gemeinschaft und Brahmanenspeisung

Speisung und Segen werden mit dem Ritualabschluss verbunden.

25.49

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Zuordnung der Flammenzungen wird abgeschlossen; Bahurupa gilt für alle Anwendungen. Anschließend folgen unterschiedliche Zahlen der zu speisenden Brahmanen.

25.50

Bei Befriedung und Beeinflussung entspricht die Zahl der zu speisenden Brahmanen einem Zehntel der Homa-Gaben; dies gilt als die beste Form. Ein Fünfundzwanzigstel gilt als mittlere Form.

Erläuterung zur Stelle: Die gedrängte Zahlform im zweiten Halbvers wird nach der ausdrücklichen Erklärung der Naukā als ein Fünfundzwanzigstel verstanden.

25.51

Ein Hundertstel der Homa-Zahl gilt bei der Brahmanenspeisung als geringste Form. Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Für Hemmung wird eine gegenüber der Befriedung erhöhte Zahl genannt.

25.52

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Für die übrigen aggressiven Kategorien folgen weitere Zahlenverhältnisse. Die zu Speisenden werden als aus angesehenen Familien stammend, mit dem Veda und seinen Hilfswissenschaften vertraut und unbescholten beschrieben …

25.53

… als Brahmanen, die einem guten Lebenswandel hingegeben sind. Sie sollen mit erfreulichen Speisen bewirtet, im Bewusstsein göttlicher Gegenwart verehrt und wiederholt gegrüßt werden.

25.54

Mit freundlichen Worten und Gaben von Gold und anderem sollen sie erfreut werden. Nach Empfang ihres Segens erlangt man [nach der Verheißung] bald das Ersehnte.

Schreibstoffe, Gefäße und weitere Mittel

Die technische Dokumentation bleibt von heutigen Praxisanregungen getrennt.

25.55

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Brahmanenspeisung soll die aus Abhicara entstandene Schuld aufheben. Anschließend beginnt eine Liste der Stoffe zum Schreiben von Ritualdiagrammen.

Erläuterung zur Stelle: Die Naukā erläutert den behaupteten Abbau von Schuld durch Brahmanenspeisung. Diese Entlastungsvorstellung wird historisch dokumentiert, nicht ethisch übernommen.

25.56

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Liste der Schreibstoffe wird fortgesetzt, darunter in problematischen Anwendungen Kohle und eine als achtfaches Gift bezeichnete Mischung. Auch auf zuvor genannte Schreibstoffe wird verwiesen.

25.57

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Vers zählt die acht Bestandteile der als viṣāṣṭaka bezeichneten historischen Mischung auf. Die deutsche Fassung gibt daraus kein Rezept wieder.

Erläuterung zur Stelle: Der Name bezeichnet eine Ritualmischung; er ist keine moderne toxikologische Klassifikation. Einzelne Drucklesungen sind unsicher.

25.58

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Birkenrinde, bestimmte Tierhäute und Tuch werden als Schreibunterlagen für unterschiedliche Ritualkategorien bestimmt.

25.59

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Für Tötungsrituale nennt der Text menschliche Knochen als Träger. Daneben verweist er auf die im Yantra-Kapitel beschriebenen Unterlagen.

25.60

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Sechs Formen der Feuergrube – rund, lotusförmig, vier-, drei- und sechseckig sowie halbmondförmig – werden mit Richtungen der Ritualausführung verbunden.

25.61

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Richtung der Feuergrube folgt der Ritualkategorie. Für Befriedung und Beeinflussung werden Opferlöffel aus Gold beziehungsweise aus dem Holz von Opferbäumen genannt.

25.62

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Für Hemmung und die weiteren Anwendungen werden eiserne Opferlöffel bestimmt. Für heilsame Zwecke nennt der Text Schreibgeräte aus Gold, Silber oder Jati-Holz.

25.63

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Verschiedene pflanzliche Schreibgeräte werden den Kategorien Beeinflussung, Hemmung und Entzweiung zugeordnet.

25.64

Für eine heilsame Handlung fertige der Kundige das Schreibgerät an einem günstigen Tag. Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Für Vertreibung und Tötung folgen problematische Materialien, darunter menschlicher Knochen.

25.65

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Für unheilsame Anwendungen wird eine andere Zeitbestimmung gegeben. Danach werden Speisen, Tarpana-Gaben und deren Gefäße erläutert.

25.66

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Den unterschiedlichen Ritualzielen werden bestimmte Ernährungsformen während der Ausführung zugeordnet; bei Befriedung nennt der Text Havishya-Speise.

Erläuterung zur Stelle: Die Sanskritverbindung der Hülsenfrüchte ist im Druck gedrängt; es wird keine Rezeptfolge daraus entwickelt.

25.67

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Vers schließt die Zuordnung von Speisen für die Ausführenden schädigender Rituale ab.

25.68

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Für Tarpana werden je nach Ritualziel verschiedene Wasserzubereitungen bestimmt; bei Befriedung wird mit Kurkuma versetztes Wasser genannt.

25.69

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Aggressiven Anwendungen wird auch eine bluthaltige Gabe zugeordnet. Für die zuvor genannten befriedenden Anwendungen bestimmt der Text ein goldenes Tarpana-Gefäß.

25.70

Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Weitere Gefäßmaterialien und besondere Gefäßformen werden den Kategorien Hemmung, Entzweiung, Vertreibung und Tötung zugeordnet.

25.71

Bei Befriedung und Beeinflussung nennt der Text Tarpana auf einem weichen Sitz. Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Den übrigen Ritualkategorien ordnet er abweichende Körperhaltungen zu.

Die Begrenztheit wunschgerichteter Rituale

Der Autor warnt selbst vor der Fixierung auf begrenzte Ergebnisse.

25.72

So ist die Ordnung der sechs Handlungen zur Zufriedenheit der Mantrakundigen erläutert. Nach sorgfältiger Ausführung der Nyasas und Herstellung des Selbstschutzes …

Erläuterung zur Stelle: Mantrajña bedeutet „Mantrakundiger“. Der zweite Halbvers wird in 73 fortgeführt.

25.73

… soll eine auf ein bestimmtes Ergebnis gerichtete Handlung vollzogen werden; andernfalls drohe Überwältigung. Wer jedoch solche wunschgerichteten Handlungen ausführt, seien sie heilsam oder unheilsam …

25.74

… dem kann der Mantra zum Gegner werden. Darum soll man sich ihnen nicht ganz verschreiben. Zur Befriedigung derjenigen, deren Geist an Sinnesgegenständen hängt, ist [dies] erläutert …

Erläuterung zur Stelle: Mahidhara warnt nach der technischen Darlegung ausdrücklich vor der Bindung an ergebnisgerichtete Anwendungen.

25.75

… das von früheren Lehrern genannte wunschgerichtete Handeln; es führt nicht zum [höchsten] Heil. Wer daran gebunden ist, erhält eine Frucht, die darauf begrenzt bleibt.

Erläuterung zur Stelle: Eine zentrale Aussage für die Gesamtdeutung des Werkes: Begrenzte Ritualergebnisse werden von weiterführendem spirituellem Heil unterschieden.

Wunschlose Verehrung und Erkenntnis

Handlung und Verehrung sollen das Innere läutern; Selbsterkenntnis führt zur Befreiung.

25.76

Denen, die Gott wunschlos verehren, werden alle ersehnten Vollendungen zuteil. Die bei den einzelnen Mantras zur Erlangung von Glück beschriebenen Anwendungen – man gebe die Anhaftung an sie auf und verehre die Gottheit ohne eigennütziges Begehren.

Erläuterung zur Stelle: Die Nummer 76 umfasst drei Halbverse. Im letzten Halbvers wird die im Druck undeutliche beziehungsweise fehlerhafte Schreibung zu tadāsaktiṃ („Anhaftung daran“) normalisiert. Dazu passt Mahīdharas Naukā, die hier ausdrücklich von der Abwendung von dieser Anhaftung spricht. Es geht um die Loslösung von eigennützigen Ritualergebnissen, nicht um die Ablehnung hingebungsvoller Sadhana.

25.77

Im Veda werden drei Bereiche gelehrt: Handlung, Verehrung und Erkenntnis. Die ersten beiden legen die Mittel dar; im dritten wird das zu erreichende Ziel genannt.

25.78

Darum vollziehe man das im Veda Gelehrte und verehre die Gottheiten. Ist dadurch das innere Organ geläutert, erlangt man die höchste Erkenntnis.

Erläuterung zur Stelle: Upāsīta („man verehre“) ist eine grammatische Normalisierung des im benutzten Druck stehenden upāsīti. Die Läuterung des inneren Organs, antaḥkaraṇa, wird hier als Voraussetzung höherer Erkenntnis dargestellt.

25.79

Wer erkennt: „Das bewusste individuelle Selbst, das in den Verband von Wirkungen und Ursachen eingegangen ist, ist nichts anderes als das vollständige Brahman“, wird frei.

Erläuterung zur Stelle: Die Naukā erläutert den Verband als Körper aus Elementen und ihre Erkenntnis ausdrücklich mit Upanishaden-Aussagen wie tat tvam asi und ahaṃ brahmāsmi.

25.80

Wer einen menschlichen Körper erlangt hat und die Gottheiten verehrt, sich aber nicht aus Samsara befreit, wird hier als mit schwerer Verfehlung belastet bezeichnet.

Erläuterung zur Stelle: Upāsīta ist wie in 25.78 grammatisch normalisiert. Die scharfe Mahnung gehört zur religiösen Sprache des Werkes. Die Naukā bezieht sie auf unterlassene Bemühung um Erkenntnis; sie ist kein Maßstab zur Abwertung erkrankter oder leidender Menschen.

25.81

Darum sollen die vorzüglichen Menschen nach Selbsterkenntnis streben: durch Handlungen, Gottesverehrung und das Schwinden der inneren Gegner, beginnend mit Begierde.

Erläuterung zur Stelle: Die Naukā nennt Begierde, Zorn und Gier und erklärt die Läuterung des inneren Organs als Weg zur Erkenntnis.

Traumgebet und historische Traumdeutung

Shiva wird als Herr der Träume angerufen; die Zeichenlisten sind zeitgebundene Deutungen.

25.82

Wer eine Gottesverehrung beginnen will, bedenke zunächst ihren künftigen Verlauf. Nach Bad, Gabe und weiteren Verrichtungen gedenke man Haris Lotusfüßen …

25.83

… lege sich auf ein Kusha-Lager und bete zu dem, dessen Banner den Stier trägt: „Erhabener Herr der Götter, Dreizackträger, dessen Fahrzeug der Stier ist …

25.84

… zeige mir im Schlaf das Günstige und Ungünstige, o Ewiger! Verehrung dem Ungeborenen, Dreiäugigen, Goldbraunen, dem großen Selbst …

25.85

… dem Gütigen, dessen Gestalt das All ist, dem Herrn der Träume! Sage mir im Traum vollständig die Wahrheit über alle Vorhaben.

25.86

Durch deine Gnade werde ich den Vollzug zur Erfüllung bringen, Maheshvara!“ Nach diesem Gebet an Shiva mit den genannten Mantras schlafe man ohne Unruhe.

25.87

Den nachts gesehenen Traum teile man morgens dem Guru mit. Ist dieser nicht verfügbar, bedenke der Mantrakundige den Traum selbst.

Erläuterung zur Stelle: Beginn einer historischen Traumdeutung. Die folgenden Zeichenlisten sind keine verlässlichen Prognosen zukünftiger Ereignisse.

25.88

[Als günstig gelten im Traum:] Linga, Mond- und Sonnenscheibe, Bharati, Ganga und der Guru, das Überqueren von eines roten Meeres, Sieg im Kampf und Feuerverehrung …

Erläuterung zur Stelle: Abdhi bezeichnet ein Meer. Die Stelle gehört zur historischen Traumdeutung.

25.89

… [das Sein] in einem mit Pfauen, Schwänen oder Rädern versehenen Wagen, Bad, Liebesvereinigung, das Besteigen eines Kranichs, Landerwerb und ein Fluss …

Erläuterung zur Stelle: Die Naukā erläutert die gedrängten Wagenattribute; mohana wird dort als Liebesvereinigung verstanden.

25.90

… Palast, Wagen, Lotus, Schirm, Mädchen, fruchttragender Baum, Elefant, Lampe, Pferd, Blume, Stier, Pferd und Berg …

Erläuterung zur Stelle: Die Aufzählung gehört zur historischen Traumdeutung; haya und aśva bezeichnen beide ein Pferd.

25.91

… ein Krug mit berauschendem Getränk, Planeten, Sterne, eine Frau, Sonnenaufgang, Apsaras, das Besteigen von Palast, Berg oder Himmelswagen sowie das Gehen am Himmel …

25.92

… der Genuss von Alkohol und Fleisch, Beschmierung mit Kot, Besprengung mit Blut, das Essen von Reis mit Joghurt, königliche Weihe, Kühe, Stiere und Banner …

Erläuterung zur Stelle: Ausschließlich Traumsymbole der historischen Liste, keine empfohlenen Handlungen.

25.93

… Löwe, Thron, Muschel, Instrument, Rochana, Joghurt, Sandelholz und Spiegel: Ihr Erscheinen im Traum gilt als günstig.

25.94

[Als ungünstig gelten im Traum:] ein eingeölter, dunkelhäutiger oder nackter Mann, Esel und Krähe, ein vertrockneter oder dorniger Baum, ein Chandala und ein Langhalsiger …

Erläuterung zur Stelle: Die Liste enthält historische körperbezogene und soziale Abwertungen. Diese Traumzuordnungen sind keine Aussagen über den Wert oder die spirituelle Eignung von Menschen.

25.95

… und ein Palast ohne Boden: Diese gelten im Traum nicht als glückbringend. Nach einem schlechten Traum vollziehe man Befriedung und wiederhole den Mantra mit ungeteilter Aufmerksamkeit.

Ausdauer und Zeichen der Reifung

Neben außergewöhnlichen Erfahrungen nennt der Text Klarheit, Zufriedenheit und Freiheit von Zorn und Gier.

25.96

Während dreijähriger Japa-Praxis können Hindernisse auftreten. Ohne sich von der Menge der Hindernisse bestimmen zu lassen, bleibe man dem Japa hingegeben.

Erläuterung zur Stelle: Die Zahl gehört zum traditionellen Übungsrahmen; sie ist keine allgemeine Frist für spirituelle Entwicklung.

25.97

Mit zuversichtlichem Geist erlangt man [nach dieser Darstellung] im vierten Jahr Vollendung. [Als Zeichen werden genannt:] Klarheit des Geistes, Zufriedenheit, das Hören von Paukenschall …

25.98

… von Gesang und rhythmischem Klang, die Schau von Gandharvas, die Wahrnehmung des eigenen Glanzes als sonnengleich und [das Zurücktreten] von Schlaf und Hunger …

Erläuterung zur Stelle: Der Druck bietet nidrākṣudhājapaḥ, wörtlich schwer verständlich. Der Zusammenhang legt nidrākṣudhājayaḥ, „Überwindung von Schlaf und Hunger“, nahe. Diese mögliche Lesung wird nicht stillschweigend in den Sanskrittext eingesetzt. Die Stelle beschreibt traditionelle Siddhi-Zeichen und empfiehlt keinen Schlaf- oder Nahrungsentzug.

25.99

… Anmut, Gesundheit, innere Tiefe und das Fehlen von Zorn und Gier. Wenn der Mantrakundige diese und ähnliche Zeichen wahrnimmt …

Erläuterung zur Stelle: Neben außergewöhnlichen Erfahrungen nennt der Text ausdrücklich psychische und ethische Reifung.

Auch nach Siddhi weiter nach Erkenntnis streben

Das Ziel bleibt die Erkenntnis des Selbst als Brahman.

25.100

… erkenne er daran die Vollendung des Mantra und die Gnade der Gottheit. Danach verstärke er sein Bemühen im Japa, um Erkenntnis zu erlangen.

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF 843. Erkenntnis bleibt das Ziel auch nach den beschriebenen Zeichen von Mantra-Siddhi.

25.101

Wer Erkenntnis erlangt hat, ist erfüllt und wird aus Samsara befreit, indem er das eigene Selbst als das höchste, vom Vedanta gelehrte Brahman erkennt.

25.102

Ich verehre dieses höchste Selbst, den alldurchdringenden Herrn, der in den Gestalten vielfältiger Gottheiten den Menschen das Ersehnte gewährt.

Mahidharas eigene Werkübersicht

Die fünfundzwanzig Wellen werden vom Autor selbst bestätigt und inhaltlich zusammengefasst.

25.103

Nachdem ich verschiedene Tantras durchgesehen hatte, verfasste ich auf Bitte hervorragender Brahmanen den Mantramahodadhi nach meinem eigenen Verständnis.

Erläuterung zur Stelle: Mahidhara beschreibt sein Werk selbst als auf vielen Tantras beruhende, eigenständig geordnete Zusammenstellung; eine direkte Abhängigkeit von jedem einzelnen Vergleichswerk folgt daraus nicht.

25.104

Darin sind fünfundzwanzig Wellen gestaltet. Nun werde ich ihr Inhaltsverzeichnis darlegen, um den Mantra-Praktizierenden die Benutzung zu erleichtern.

Erläuterung zur Stelle: Bāṇa-netra ist die Zahlumschreibung für 25; die Autorenübersicht beginnt mit Vers 105.

25.105

Im ersten [Taraṅga] werden die Reinigung der Elemente, die Einsetzung der Lebenskraft, der Nyasa der Schriftzeichen, die vorbereitende Mantra-Praxis, die Ordnung des Homa sowie Tarpana und Weiteres dargelegt.

25.106

In der zweiten Welle werden Ganeshas Mantras ausführlich erläutert; in der dritten diejenigen Kalis, der unter Kali-Namen bezeichneten [Göttinnen] und Sumukhis.

25.107

Im vierten wird Tara dargelegt, im fünften ihre verschiedenen Formen. Im sechsten Taraṅga werden Chinnamasta und auch Shabari behandelt.

25.108

[Zum sechsten gehören ferner] Svayamvara, Madhumati, Pramada zusammen mit Pramoda und Bandi, die Fesseln löst. Im siebten [folgt] Vatayakshini.

25.109

[Im siebten werden] auch deren verschiedene Formen, Varahi, Jyeshtha, Karnapishachini, Svapneshvari, Matangi, Baneshi und Madaneshvari [behandelt].

25.110

Im achten werden Bala und auch ihre verschiedenen Formen ausführlich dargelegt. Im neunten werden Annapurna und die zugehörige Form Mohanadrija [behandelt].

25.111

Hier [im neunten] werden die Mantras der Jyeshtha-Lakshmi und die feindvernichtende Pratyangira genannt. Im zehnten [folgen] Bagalavaktra und außerdem zwei Formen Varahis.

25.112

Im elften wird Shrividya dargelegt, im zwölften ihre Umhüllung [die Avarana-Verehrung]. Im dreizehnten wird Hanuman ausführlich behandelt.

25.113

Im vierzehnten [werden] Narasimha, Gopala und auch Garuda [behandelt]; dann im fünfzehnten Surya, Bhauma, Jiva, Sita und der Weise.

Erläuterung zur Stelle: Bhauma, Jiva und Sita bezeichnen Mars, Jupiter und Venus; der Weise ist nach der Naukā Vedavyasa.

25.114

In der sechzehnten Welle werden Mahamrityunjaya, Rudra, Dhaneshvara, Jahnavi und Manikarni dargelegt; im siebzehnten Arjuna.

25.115

Im achtzehnten [werden] Kalaratri und der neunsilbige [Mantra] Chandikas [dargelegt]. Im neunzehnten [folgt] Charanayudha zusammen mit Shastri [Shasta].

Erläuterung zur Stelle: Charanayudha ist der Hahn-Mantra; Shastri bezeichnet Shasta. Der Beginn von 116 gehört ebenfalls zum neunzehnten Taraṅga.

25.116

[Zum neunzehnten gehören ferner] die Verehrung [eines Bildes] aus Erde, die Verfahren zu Kinasha, Chitragupta und Asuri. Im zwanzigsten Taraṅga [folgen] die Yantras und Svarnakarshana-Bhairava.

Erläuterung zur Stelle: Der erste Halbvers steht auf PDF 846. Kinasha ist Yama; die erdgebundene Verehrung bezieht sich auf das Parthiva-Linga.

25.117

Im einundzwanzigsten [Taraṅga] steht die Verehrungsordnung vom Bad bis zum inneren Opfer; im zweiundzwanzigsten die Verehrung, beginnend mit dem Arghya, und auch ihre verschiedenen Formen.

25.118

Im dreiundzwanzigsten [wird] die Verehrung mit Damanaka und Pavitra [behandelt]; im vierundzwanzigsten die Prüfung und Reinigung der Mantras nach ihren verschiedenen Arten.

25.119

Im letzten Taraṅga wurden die sechs Ritualhandlungen der Reihe nach dargelegt. So enthält dieser Mantraozean fünfundzwanzig Wellen.

Bitte um Prüfung und Geschichte des Autors

Mahidhara bittet um Korrektur und beschreibt Familie, Ortswechsel und Anlass des Werkes.

25.120

Sie sollen von den Gelehrten geprüft und verbessert werden; meine Kühnheit möge man verzeihen, wie ein Vater die Unbesonnenheit seiner eigenen Kinder verzeiht.

25.121

Es lebte ein auf Erden bekannter Gelehrter namens Ratnakara, hervorgegangen aus dem Vatsa-Gotra, eine schützende Größe unter den Brahmanen von Ahicchatra.

25.122

Sein Sohn hieß Phanubhatta und war ein Verehrer Ramas. Dessen Sohn war Mahidhara; er erkannte, wie wenig Bestand das weltliche Dasein besitzt.

Erläuterung zur Stelle: Der Vatername wird in der Druckausgabe Phanubhatta geschrieben; anderslautende bibliographische Umschriften sind davon zu unterscheiden.

25.123

Nachdem er sein Heimatland verlassen hatte, ging er in die Stadt Varanasi. Während er Narahari verehrte, verfasste er dieses Tantra-Werk.

25.124

Nachdem zahlreiche Agama-Schriften eingesehen worden waren, [erging die Bitte um das Werk] von seinem Sohn namens Kalyana und von anderen hervorragenden Brahmanen, ausgezeichneten Weisen.

25.125

Sie wünschten, den gesamten wesentlichen Gehalt der Mantras in einem einzigen Werk vereint zu finden. Auf ihre Bitte hin [verfasste er] nach seinem Verständnis dieses Werk namens Mantramahodadhi.

Segen für alle und Gottesverehrung

Das Werk schließt mit Abkehr von Feindseligkeit, dem Wunsch nach Wohlergehen und der Hingabe an Narasimha.

25.126

Mögen ihre Geschlechter ununterbrochen fortbestehen; mögen sie ihrem eigenen Dharma ergeben sein. Mögen alle Gutes erfahren und sich von Feindseligkeit abwenden.

25.127

Hari, der Herr der Welt, möge allen Wohl gewähren. Mögen sie dieses Werk weitertragen, solange Veda, Sonne und Mond bestehen.

25.128

Narasimha, der große Gott, der die große Bedrängnis der Götter vernichtet, der Höchste mit Mahalakshmi, von den Scharen der Götter verehrt, möge mir Freude schenken.

Erläuterung zur Stelle: Die gedrängten Komposita werden im Zusammenhang der Naukā erläutert; Mahadeva ist hier ein Epitheton Narasimhas, nicht der Beginn einer zweiten Gottheitsanrufung.

25.129

Narasimha, mit der meergeborenen Lakshmi auf seinem Schoß, der im Haus auf der aus dem Meer entstandenen Insel sitzt, möge mich immer beschützen: jenseits aller Unwissenheit, seinen Verehrern sämtliche Vollendungen gewährend.

Erläuterung zur Stelle: Kunstvoll mit wiederkehrenden Lautfolgen gestalteter Vers. Die Naukā erläutert den Sitz als das Haus auf Shvetadvipa und die folgende Verbindung als Freiheit von Unwissenheit. Die Worttrennung der gedrängten Druckzeile bleibt unsicher.

25.130

Siegreich ist der König Lakshmi-Narasimha. Ich verehre den heilbringenden Shri-Narasimha, durch den die mächtigen Dämonenherrscher vernichtet wurden. Shri-Narasimha grüße ich. Keinen anderen als Lakshmi-Narasimha gilt es hier zu verehren; seinen Füßen diene ich. In Lakshmi-Narasimha möge mein Geist wohnen. O Shri-Narasimha, beschütze deinen Verehrer!

Erläuterung zur Stelle: Der Vers spielt nach der Naukā mit den Sanskrit-Kasusformen des Gottesnamens. Die schwierig gedruckte Verbform im zweiten Viertel ist vorläufig gelesen; die Naukā gibt den Sinn „getötet“ an.

25.131

Vishvesha, Girija, Bindumadhava, Manikarnika, Bhairava, Jahnavi und Dandapani mögen mein Wohlergehen mehren.

Erläuterung zur Stelle: Die Namen verbinden Shiva, die Göttin, Vishnu und die heiligen Gegenwarten von Varanasi. Śivam bedeutet hier Heil oder Wohlergehen.

Datierung und Abschluss

Die eigene Datierung wird durch die Naukā erläutert.

25.132

Im Jahr der Vikrama-Zeitrechnung, das durch „Pfeile, Veden und Könige“ bezeichnet wird, am achten Tag des Jyeshtha, wurde der Mantramahodadhi vor Shiva vollendet.

Erläuterung zur Stelle: Die Naukā löst die Jahreszahl als Vikrama 1645 auf, entsprechend 1588 n. Chr. für diesen Monat. Die letzte Versziffer des Grundtextes ist im Scan beschädigt; der Kommentar nennt eindeutig 132. Weitere datierte Verse unterhalb des abgeschlossenen Kommentars sind kein zusätzlicher Grundtext des 25. Taraṅga.

Kolophon des Taraṅga 25

So endet im Mantramahodadhi des ehrwürdigen Mahidhara der fünfundzwanzigste Taraṅga, genannt „Darlegung der sechs Ritualhandlungen und weiterer Gegenstände“.

Anmerkung zum Kolophon: Der Grundtextkolophon druckt die verkürzte Titelform mantramahodhau. Die Naukā besitzt einen eigenen Kolophon und bleibt vom Grundtext getrennt. Vers 76 umfasst drei Halbverse; Vers 130 ist ein längerer, mit den Kasusformen des Gottesnamens spielender Vers. Die beschädigte letzte Ziffer wird durch die Kommentarzählung als 132 gesichert.

Textgrundlage dieses Taraṅga: Sanskrit-Grundtext der verwendeten Ausgabe, PDF-Seiten 823–850, gedruckte Seiten 771–798. Naukā und die Hindi-Erklärung bleiben vom Grundtext getrennt.

Textgrundlage und Übersetzungsmethode

Verwendet wird die Sanskritausgabe des Mantramahodadhi mit Mahīdharas Naukā und Sudhakar Malaviyas Hindi-Erklärung Aritra, zugänglich im Digitalisat des Internet Archive. Taraṅga 1 steht auf den gedruckten Seiten 1–43, entsprechend den PDF-Seiten 51–93; Taraṅga 2 auf den gedruckten Seiten 44–75, entsprechend den PDF-Seiten 94–125. Für diese Abschnitte wurde der Sanskrit-Grundtext am Seitenbild gelesen. Vorhandene OCR von Ram Kumar Rais Ausgabe wurde bei einzelnen schwierigen Wörtern zum Auffinden der Lesung herangezogen; maßgeblich blieb die Kontrolle des verwendeten Sanskritdrucks. Grundtext und Kommentare sind im Druck getrennt gesetzt. Die deutsche Übersetzung wurde aus dem Sanskrit erstellt; Naukā wurde bei einzelnen Zuordnungen und gedrängten Formulierungen herangezogen. Kommentarerklärungen erscheinen ausdrücklich als solche.

Die Devanagari-Fassung ist eine Transliteration der am Druck kontrollierten IAST-Lesefassung und keine unabhängige zweite Edition. Wortabstände und Interpunktion sind für die Lesbarkeit vereinheitlicht. Die gedruckte Verszählung wird beibehalten, auch bei Sätzen, die über die Versgrenze hinausgehen, und bei Versen mit drei Halbversen. Unsichere Lesungen werden bei der betreffenden Stelle erläutert. Diese Ausgabe beansprucht keine kritische Neuedition. Die fortlaufende deutsche Erschließung enthält bei einzelnen aggressiven, manipulativen oder gesundheitlich problematischen Anwendungen ausdrücklich gekennzeichnete nichtanleitende Inhaltswiedergaben. Sie ist daher auch innerhalb des erfassten Umfangs keine ausnahmslos wörtliche Übersetzung aller Ritualvorschriften.

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Vom Lesen zur Sammlung

Ein Gebet kann über die Lektüre hinaus im Herzen bleiben. In 22.152 wird die eigene Mantrawiederholung der Gnade der Gottheit anvertraut; in 25.76 fordert Mahīdhara dazu auf, die Anhaftung an erhoffte Ergebnisse loszulassen. Vielleicht wird dadurch schon die nächste vertraute Übung ruhiger: weniger von Erwartungen bestimmt, mehr von Hingabe getragen.

Der höchste Bezugspunkt bleibt Jnana, die Erkenntnis des Selbst. Regelmäßiges Japa, ein achtsamer Umgang mit anderen und die Bereitschaft, Zorn und Gier zu durchschauen, können die Lektüre im Alltag begleiten. Diese heutige Anregung knüpft an die Schlusslehre an: Das innere Wesen soll klar werden, damit die Wirklichkeit des Atman erkannt werden kann.

Zur Mantramahodadhi-Ausgabe: Hauptartikel · Deutsche Übersetzung · Sanskrit IAST · Sanskrit Devanagari · Leseführer zu den 25 Taraṅgas · 108 inspirierende Verse und Mantras · Frühere IAST-Auswahl · Frühere Devanagari-Auswahl