Bemühe dich

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Freie Übersetzung eines Kapitels aus dem Buch „„Lead us from darkness unto Light““. Zusammenfassung eines Vortrags von Swami Chidananda.

„Sei dein eigener Retter sagt Krishna“ – das ist die Überschrift des Kapitels.

Krishna als Gopala, Hüter der Kühe

Bemühe dich

Swami Chidananda sagt:

„Strahlende unsterbliche Seele, gesegnetes und geliebtes Kind Gottes, die Bhagavad Gita ist die Quintessenz aller heiliger Schriften unserer Tradition. Wenn du die Bhagavad Gita gründlich kennst und gut studiert hast mit tiefer Achtsamkeit, dann brauchst du eigentlich keine andere Schrift zu studieren, denn alle praktische spirituelle Weisheit ist in der Bhagavad Gita.

Die großen Schriftgelehrten sagen, dass jede einzelne Shloka wichtig ist. Nicht eine einzige Shloka ist überflüssig. Jede Shloka kann so viel sagen. Und es gibt einige Schriftgelehrten, die sehr tiefe Forschung gemacht haben, dass sie jeden Vers sehr intensiv beschrieben haben. Jedes Wort in der Bhagavad Gita hat ein bestimmtes Ziel. Sanskrit ist manchmal etwas kompliziert in der Bedeutung. Manchmal haben die Worte sehr tiefe Bedeutung und verschiedenste Bedeutungen. Manchmal muss man die Worte unterschiedlich interpretieren.

Krishna sagt:

Krishna sagt zum Beispiel.: „Anityam asukham lokam imam prabha bhajans swayam – du bist in diese vergängliche Welt gekommen die voller Sorge ist und wo es kein wirkliches Glück und Freude gibt. Verehre mich.“ So kannst du über alle Sorge hinauswachsen. So kannst du über alle Sorgen und allen Schmerz hinauswachsen und zu einem Zustand von höchster Wonne kommen. So hat Krishna die Natur des Lebens auf dieser Erde beschrieben und gleichzeitig beschrieben, wie du dort rauskommst. Anityam-Asukham - Diese Welt ist vergänglich und ohne wirkliche Freude. Das ist die Natur der Welt. Wenn du erkannt hast, dass das, was in dieser Welt ist nicht ewig ist, dann kannst du die Vergänglichkeit besser akzeptieren. Wenn du erkannt hast, dass in dieser Welt keine Freude ist, dann wirst du auch nicht traurig, wenn du feststellst, dass hier keine Freude ist.

Anityam-Asukham-Lokam – diese Welt ist nicht ewig und sie ist ohne Glück. imam prabha bhajans swayam – damit wird die Methode der Befreiung aus dieser unvollkommenen Erfahrung der Welt beschrieben. Das heisst verehre mich. Diese Aussage „Verehre mich“ kann man auf so viele unterschiedliche Weisen interpretieren. Eine Interpretation ist, mache Anstrengungen. Erkenne, dass die Welt anitya und asukha ist, vergänglich und ohne Freude und als zweites verehre Gott durch deine Praktiken, durch spirituelle Übungen. Dann wird dich die Gnade Gottes aus dieser vergänglichen Welt herausziehen und du wirst das höchste Erreichen.

Swami Chidananda schreibt weiter:

Swami Chidananda, indischer Yoga Meister, Schüler von Swami Sivananda

Ich möchte eure Aufmerksamkeit auf etwas richten, was der große Weltenlehrer Krishna in der Bhagavad Gita gesagt hat im sechsten Kapitel: „Udaret atman anatman“. Er sagt zu Arjuna: „ O Arjuna, das Selbst kann gerettet werden durch das Selbst allein. Du selbst musst dich selbst retten. Du bist dein eigener Retter und Befreier.“ Ihr mögt wahrscheinlich einiges Wissen über christlichen Glauben. Und hier wird gern gesagt, dass die Grundaussage ist, dass Jesus Christus der Befreier ist. Nur Jesus Christus kann dich retten. Nur Jesus Christus ist der Retter, der Erlöser. Niemand sonst. Ist das ein Widerspruch zu dem, was Krishna sagt, befreie dich selbst? Nein, das ist kein Widerspruch. Wir wissen, dass nur die Gnade Gottes einen Menschen befreien kann. Jesus ist letztlich nur die Gnade Gottes. Du kannst das Wort Jesus einfach interpretieren als die Gnade Gottes. Letztlich ist Jesus und Gottes Gnade dasselbe.

Ramanujas Philosophie

Auch Ramanujas Philosophie wird auf der Doktrin von Pratpati aufgebaut, also von Gnade und eigener Hingabe. Pratpati heißt eigentlich vollständige Hingabe und Unterwerfung unter den Willen Gottes und nur dadurch kann man befreit werden. So sagt es Ramanuja. Aber nur, wenn es diese absolute Unterwerfung gibt, kann die Befreiung kommen. Nur wenn das Individuum selbst die notwendige Anstrengung macht, seinen Fehler erkennt und sich dann entscheidet sich von allen Fehlern wegzuwenden, letztlich anerkennt, dass es bisher ein Leben geführt hat, das nicht so gut ist, dann dafür Buße tut, es bereut was es getan hat, nur wenn dann das Individuum sich an Jesus wendet und ihn als seinen persönlichen Erlöser akzeptiert. Nur dann kann Jesus die Erleuchtung bzw. die Erlösung bewirken.

Du selbst musst sagen: „O Gott, bitte komme. O Jesus, bitte komme. Ich nehme dich als meinen persönlichen Erlöser an. Bitte komme und erlöse mich von allen Sünden.“ Wenn der Mensch das nicht macht, dann kann selbst Jesus den Menschen nicht zur Erlösung führen. Jesus sagt: „Kommet zu mir, komme zu mir allein. Allein durch mich kannst du den Vater erreichen.“ Der erste Schritt muss also vom Individuum kommen. Das Individuum muss sagen: „Bitte hilf mir.“ Das Individuum muss sagen: „Du allein kannst mich retten. Du allein kannst mein Retter sein. Du kannst mein Erlöser sein.“ Diesen Entschluss kann Jesus nicht für uns fassen. Diesen Entschluss kann auch Krishna nicht fassen. Diesen Entschluss kann sogar der Guru nicht tun. Du musst deine Fehler bereuen und du musst den Vorsatz fassen darüber hinauszuwachsen und dann richte dich an Gott.

Die Notwendigkeit eigener Anstrengung

Ob du ihn Krishna oder Jesus nennst, Krishna und Jesus sind nichts anderes als Ausdruck göttlicher Gnade. Durch Krishna oder Jesus und damit durch Ausdruck göttlicher Gnade kommst du zum Göttlichen wenn du die Gnade annimmst und dann selbst praktizierst. Angenommen du ertrinkst, vielleicht hast du schon Schiffbruch erlitten. Vielleicht kämpfen 50-100 Menschen um ihr Leben. Und jetzt kommt ein anderes Schiff und wirft verschiedene Seile ins Wasser. Die Seile sind letztlich die Lebenslinie. Und dann musst du selbst Anstrengungen unternehmen dich selbst an diesem Seil festzuhalten. Wenn du dich nicht an dem Seil festhältst, selbst wenn genügend Seile ins Wasser geworfen wurden, wirst du ertrinken. Daher sagt Krishna: „Udaret atman anatman – Das Selbst selbst muss sich erheben.“ Diese Notwendigkeit der eigenen Anstrengung ist natürlich auch mit der Doktrin der Gnade verbindbar. Die Gnade wird über dich geworfen und so kannst du nach Gnade streben. Nimm die Gnade an, öffne dich für die Gnade und dann strenge dich an. Die Mutter mag dem Kind etwas zu Essen geben. Das Kind muss selbst essen. Der Arzt mag Medikamente verschreiben. Der Patient muss sie selbst einnehmen. In diesem Sinne Udaret atman anatman – Das Selbst kann durch das Selbst allein befreit werden.

Bemühe dich

Das niedere Selbst ist in Unwissenheit gefangen. Die Maya bindet das Selbst. Daher muss das Selbst selbst Anstrengungen machen diesen Käfig von Avidya, Dunkelheit der Unwissenheit zu überwinden. Befreie das Netz der Illusion und fange an zu unterscheiden. Habe die richtige Wahrnehmung, den richtigen Gedanken, die richtige Untersuchung, die richtige Unterscheidungskraft. Das ist Abhyasa, das Bemühen und Krishna sagt, dass man durch Abhyasa alle Konditionierungen überwinden kann. Daher bemühe dich, bemühe dich auf richtige Weise. Abhyasa heißt dauerhafte Anstrengung, langfristige Bemühungen ohne aufzugeben. Ohne jemals mit Niederlagen zufrieden zu sein oder dich entmutigen zu lassen. Sage dir bewusst: Möge ich Erfolg haben. Ich kann Erfolg haben. Ich werde Erfolg haben. Auf diese Weise machst du dauerhafte Anstrengung. Und wenn du das machst, dann kann alles erreicht werden. Wenn das getan ist, dann kannst nichts erreicht werden, was nicht getan werden kann. Es gibt ein Sprichwort im Hindi: „Durch dauerhafte Anstrengung kann selbst ein dummer Mensch weise werden.“ ‚Genauso gibt es den Ausdruck: „Steter Tropfen höhlt den Stein“. In diesem Sinne bemühe dich.

Sei voller Selbstvertrauen

Gnade ist wichtig. Aber die Gnade ist immer da. Gottes Gnade ist immer da. Sei du voller Selbstvertrauen. Sei heiter und sage dir, dass du mit der Hilfe Gottes alles erreichen kannst. Selbstvertrauen sollte kein Stolz oder keine Arroganz sein. Sondern sage dir: Ich kann mit Gottes Hilfe alles erreichen. Diese robuste Weise des Selbstvertrauens hatte selbst Hanuman und mit diesem bewussten Selbstvertrauen, welches verbunden war mit Gottvertrauen, konnte Hanuman über den Ozean von Indien nach Sri Lanka springen. Aber er war nicht selbst arrogant. Er hat nur durch die Gnade Gottes, durch die Gnade Ramas kann ich alles. Er hatte dieses Vertrauen in Gottes Gnade und dieses Vertrauen in den göttlichen Namen. Und so sollte das Selbstvertrauen auch etwas sein, was von Gott kommt. Habe Selbstvertrauen aus Gottvertrauen. Sei mutig, habe Selbstvertrauen und absolutes Vertrauen in die göttliche Kraft. Damit bemühe dich dann in die richtige Richtung.

Überwinde alle niederen Wünsche

Gott hat gesagt, dass das unkontrollierte Selbst des Suchers sein größter Feind ist. Aber das kontrollierte Selbst ist sein größter Freund. Daher erhebe dich über dein niederes Selbst. Habe Selbstkontrolle, werde ein Samyami, jemand der die Kontrolle über die Sinne erworben hat. Und so überwinde alle niederen Wünsche. Dann wirst du in der Lage sein dich zu erheben. Erhebe dich selbst durch dich selbst. Wenn du Sklave der Sinne und Emotionen bist und dich vollständig wie eine Puppe in den Händen der Wünsche und Begierden begibst, dann wirst du die Gottverwirklichung nicht erreichen, egal wie viel Gnade über dir ausgeschüttet wird.

Behersche deine Sinne

Erhebe dich. Verstehe das alles gut. Erkenne, was notwendig ist damit du selbst dein eigener Erlöser werden kannst. Erhebe dich selbst wie durch dich selbst. Sei ein Samyami. Beherrsche deine Sinne! Kontrolliere deinen Geist! Lasse dich nicht durch deine Emotionen beherrschen und Gefühle. Letztlich musst du manchmal auch konsequent gegenüber dir selbst sein. Triff feste Vorsätze und wenn du die Vorsätze gefasst hast, dann befolge sie. Und wenn du merkst, dass du mal die Vorsätze nicht befolgt hast, dann mache einen kleinen Akt der Selbstbestrafung. So kannst du dein eigener Erlöser sein. Du könntest zum Beispiel sagen, ich bin meinem Vorsatz nicht treu geblieben, deshalb werde ich heute Abend nichts essen. Oder wenn du morgens deine Meditation nicht gemacht hast, dann gibt es auch nichts zu Essen. Oder wenn du zu spät aufgestanden bist, verzichte auf dein Lieblingsbestandteil der Nahrung.

Wenn du deinen Ärger am Tag nicht beherrscht hast, dann überlege welche Konsequenz das haben sollte. Mache das nur fünfmal und dann wird dein Geist dir gehorchen. Sri Gurudev Swami Sivananda hat das selbst so befolgt und ist zur Gottverwirklichung gekommen. Er hat das von Mahatma Gandhi gelernt, der das auch in die Tat umgesetzt hatte. Entwickle also verschiedene Weisen, wie du Udarat atman anatman umsetzen kannst. Diese wichtige Aussage von Krishna. Diese wichtige, letztlich ermutigende Aussage von Krishna: „Erhebe dich selbst durch dich selbst. Vertraue Gott. Vertraue deiner Fähigkeit Gottes Segen zu folgen. Praktiziere, übe an dir selbst, übe Selbstanstrengung, Selbstüberwindung. So kommst du zum höchsten Selbst.“

Soweit die freie Übersetzung des Kapitels „Supreme grace and self effort the live triumphant“ von Swami Chidananda. Mein Name: Sukadev von www.yoga-vidya.de

Viveka Chudamani - Bemühe dich und folge den Anweisungen eines Lehrers

- Kommentar zum Viveka Chudamani Vers 81 von Sukadev Bretz -

„Wisse, dass derjenige, der töricht auf dem Pfad der Sinnesvergnügung umher schlendert, in jedem Moment vom Tod übermannt werden kann. Wer aber der Anleitung eines weisen Lehrers folgt, wird durch sein eigenes Bemühen das Ziel erreichen. Erkenne dies als reine Wahrheit.“

Sei nicht töricht - Folge den Anweisungen des Lehrers

Shankara sagt hier, es gibt den Weg der Sinnesobjekte. Viele Menschen gehen diesen Weg. Sie wollen gutes Essen, welches ihnen schmeckt, sie wollen eine schöne Wohnung, ein schönes Auto, die beste Kleidung haben, sie wollen einen schönen Urlaub erleben, sie wollen die schönste Frau oder den besten Mann haben oder vielleicht Sex haben, wann immer sie möchten und so weiter.

Wenn sie hören, dort gibt es eine tolle Party, dann wollen sie hingehen, wenn es ein neues alkoholisches Getränk gibt, muss man es unbedingt haben oder irgendwelche anderen Stoffe, die besonderes Vergnügen erzeugen.

Sinnesvergnügen und die drei Gunas

Es gibt unterschiedliche Sinnesvergnügen, man kann sogar sagen, es gibt sattwige, rajasige und tamasige Sinnesvergnügen.

  • Es gibt die rajasigen Sinnesvergnügen, die nicht sofort ungesund sind, die dich aber ablenken und dich vom spirituellen Weg abhalten und die immer wieder nach mehr schreien.
  • Und dann gibt es die sattwigen Sinnesvergnügen, das sind die Sinnesvergnügen die gesund sind. Ein vegetarisches Essen, zum Beispiel Melone, Mango, Papaya oder ein toll zubereitetes Tofu-Gericht oder ein Smoothie sind sehr gesund. Sattwige Musik hören oder auch Öko-Kleidung tragen, die sich gut anfühlt und ökologisch vertretbar ist und schön aussieht. Oder auch Zärtlichkeiten austauschen mit deinem Partner, mit dem du in Liebe verbunden bist oder dein Kind auf deinen Arm nehmen. Das sind alles sattwige Freuden und sattwige Vergnügen. Und da spricht erstmal nichts dagegen, sofern du da nicht zu sehr verhaftet bist, da die Vergnügen auch zu Ende sein können.

Lerne nicht an Objekten zu haften

Kleidung kann kaputt gehen, deine Einkommenssituation kann sich so verändern, dass du dir diese Bio-Sachen nicht leisten kannst. Es kann sein, dass deinem Partner etwas zustößt und es wird irgendwann passieren, dass dein Kind das Haus verlässt.

Demnach sollte man sattwige Vergnügen auch ohne Verhaftung haben. Und du solltest auch wissen, dass nicht nur die Objekte verschwinden, sondern auch du bist sterblich. Auch dich wird irgendwann der Tod übermannen. Alles Sinnliche wird irgendwann verschwinden. Umso wichtiger ist es, dass du lernst, eben nicht an diesen Objekten zu haften.

Folge der Anleitung eines weisen Meisters

Folge stattdessen der Anleitung eines weisen Meisters, wie zum Beispiel Shankaracharya. Und dann bemühe dich! Also verlass dich auch nicht auf das, was der Meister dir sagt.

Es ist in Indien zum Teil üblich und zum Teil hat sich das auch mal in einer Phase im Westen festgesetzt die Vorstellung, man müsse sich nur dem Meister zu Füßen werfen und dann macht der Meister alles für einen. Das ist natürlich unsinnig. Der Meister gibt Instruktionen, er kann Inspirationen geben, er kann auch Energie übertragen.

Aber es liegt an dir, dich für die Energie des Meisters zu öffnen. Es liegt an dir, den Anweisungen des Meisters zu folgen.

Siehe auch

Weitere Artikel von Swami Chidananda im Yoga Vidya Wiki

Literatur

Literatur von Swami Chidananda

  • Light Fountain (Quelle des Lichts)
  • Ponder these Truths (Nachsinnen über Wahrheit)
  • A Call to Liberation (Aufruf zur Befreiung)
  • Seek the Beyond (Suche das Jenseits)
  • Early Morning Talks (Vorträge am frühen Morgen)

Weblinks