Lauterkeit

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Lauterkeit heißt Reinheit und Klarheit. Insbesondere bedeutet Lauterkeit aber Anstand, ethisches Verhalten, Korrektheit. Lauterkeit bedeutet, dass man sich an die Grundprinzipien der Ethik hält, insbesondere Ehrlichkeit (Asteya), Wahrhaftigkeit (Satya), Nichtverletzen (Ahimsa), Vermeidung sexuellen Fehlverhaltens (Brahmacharya) und Unbestechlichkeit (Aparigraha).

Jemand der sich an die 5 Yamas des Yoga hält, besitzt Lauterkeit. Ein lauterer Mensch besitzt Gestaltungskraft. Lauterkeit lässt die Worte eines Menschen Bedeutung erlangen. Der indische Yogameister Patanjali sagt, dass Lauterkeit zu Freude und tiefem Wissen führt und zur Befähigung, Erleuchtung zu erlangen. Auch Aristoteles sagte, dass wer glücklich sein will, auch ein lauteres Leben führen soll.

Lauterkeit - eine Tugend. Was ist Lauterkeit ? Woher stammt das Wort? Wozu ist Lauterkeit gut? Was sind ihre Grenzen? Wie kann man sie kultivieren? Was ist das Gegenteil von Lauterkeit ?

Lauterkeit als hilfreiche Tugend

Auszug aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

Sukadev Bretz, Gründer und Leiter von Yoga Vidya, Yogalehrer, Meditationslehrer, spiritueller Lehrer, Seminar- und Ausbildungsleiter, Autor mehrerer Bücher. Sukadev Volker Bretz lernte 12 Jahre bei Swami Vishnu-devananda.

Lauterkeit ist ein anderer Name für Ehrlichkeit, es ist ein Name für einen guten Charakter, Lauterkeit heißt, dass man die Grundethik des Yoga umsetzt. Im Yoga sprechen wir von Ahimsa, - Nicht-Verletzen, Satyam, - Wahrhaftigkeit, Asteya, - Nicht-Stehlen, Brahmacharya, - Vermeiden von sexuellem Fehlverhalten, und Aparigraha, - das heißt Unbestechlichkeit. Man kann sagen, das sind die fünf Bestandteile der Lauterkeit.

Ein lauterer Mensch versucht im Umgang mit andern Menschen, freundlich zu sein, höflich zu sein, voller Mitgefühl zu sein, also Ahimsa. Lauterkeit heißt, dass man andere nicht verletzt, dass man andere nicht beleidigt. Lauterkeit heißt auch eine gewisse Höflichkeit und Freundlichkeit.

Ein zweiter Bestandteil von Lauterkeit ist Satyam, - Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit. Lauterkeit heißt natürlich, dass man nicht lügt, dass man nicht scheinheilig ist, nichts vorgibt, was man nicht ist. Der dritte Bestandteil der Lauterkeit ist letztlich Asteya. Asteya heißt Nicht-Stehlen. Also, wenn man andere nicht betrügt, ausraubt, dann ist es auch Asteya.

Also, Lauterkeit heißt natürlich auch, mit ehrlichen Mitteln seinen Lebensunterhalt zu verdienen, andere nicht schlechtmachen, anderen nichts wegnehmen, was ihnen gehört, nicht zu betrügen usw. Also, das ist ein wichtiger Teil der Lauterkeit.

Der vierte Teil der Lauterkeit ist Brahmacharya, Vermeidung von sexuellem Fehlverhalten. Jemand, der in einer Beziehung lebt und fremdgeht, den würde man nicht als lauteren Menschen bezeichnen. Es kann sein, dass jemand mal in Gewissenskonflikte kommt, es kann sein, dass auch ein lauterer Mensch mal in die Scheidung gehen muss. Aber Lauterkeit heißt in jedem Fall, dass man sich bemüht um Lauterkeit auch auf sexuellem Gebiet.

Lauterkeit im engeren Sinn heißt natürlich auch Treue in der Beziehung, es heißt letztlich auch, seine Ehe zu pflegen und seinem Partner treu zu sein, idealerweise bis dass der Tod uns scheide. Aber Leben kann manchmal auch anders sein. Trotzdem, Lauterkeit beinhaltet auch sexuelles Leben.

Und als fünftes ist Lauterkeit Aparigraha. Aparigraha heißt Unbestechlichkeit. Das heißt zum einen, dass du dich nicht bestechen lässt, und umgekehrt, dass du andere nicht bestichst. Ich nenne es tatsächlich Unbestechlichkeit, Aparigraha heißt eigentlich wörtlich Gier und etwas haben wollen, Aparigraha heißt ansammeln, etwas ansammeln wollen, das ist so die wörtliche Übersetzung, aber konkret ist es Unbestechlichkeit.

Wenn du anderen etwas gibst, persönlich gibst, dass sie dann anschließend etwas tun, was eigentlich unethisch ist und du mit einer kleinen Bestechung einen überdimensionalen Vorteil hast, dann ist das Bestechung. Und umgekehrt, wenn du, um einen persönlichen Vorteil zu bekommen, etwas annimmst und dafür jemand anderes einen größeren Gefallen gibt auf einem anderen Gebiet, der ethisch nicht verantwortbar ist, dann ist es Bestechung.

Es ist natürlich keine Bestechung, wenn dein Partner dir eine Massage gibt und du gibst eine Massage zurück, oder wenn du den anderen bittest, mit in deinen Lieblingskinofilm zu gehen und dafür versprichst, nachher mit ihm in sein Lieblingsrestaurant zu gehen, das ist Geben und Nehmen, und Geschenke, die man austauscht und zwischenmenschliche Liebe und Verständnis.

Bestechung ist, wenn du auf einem Gebiet etwas bekommst, was dem anderen auf einem anderen Gebiet großen Vorteil bringt, was aber nicht von dir aus geht, wo du nicht etwas gibst, außer du begibst dich in Gefahr, das ist Bestechung. Also, wenn ein Mensch im Bauamt irgendwo eine Bestechung annimmt, die vielleicht 1000 Euro wert ist, und dem anderen dafür einen Gefallen tut, der ihm 100.000 Euro wert ist, aber der Mensch im Bauamt ja nicht die 100.000 Euro ausgibt, sondern die Gemeinde, dann ist das Bestechung. Und ein lauterer Mensch macht dies nicht.

So kann man tatsächlich sagen, Lauterkeit setzt sich aus den fünf Yamas im Yoga zusammen, Nicht-Verletzen, Nicht-Stehlen, Nicht-Lügen, also Ehrlichkeit, Brahmacharya, Vermeidung sexuellem Fehlverhaltens, und Unbestechlichkeit.

Warum Lauterkeit? Patanjali sagt, wenn man sich an die Yamas hält, dann bekommt man Wissen und Freude. Wer sich nicht an die Yamas hält, also ein unlauterer Mensch, mag vielleicht schneller Reichtümer erwerben, er mag vielleicht mächtiger werden, aber er wird nicht glücklich sein und wird auch nicht zu spirituellem Wissen kommen.

Daher, wenn du zur höchsten Verwirklichung kommen willst, wenn du freudevoll sein willst, dann entwickle Lauterkeit. Übrigens, auch Aristoteles hat das schon gesagt in seiner Nikomachischen Ethik. Da hat er gesagt: "Ein glückliches Leben muss ein ethisches Leben sein. Nur wer sich an die Ethik hält, wird auch glücklich sein."

Daher ist Lauterkeit so wichtig. Überlege selbst, setzt du Lauterkeit um? Bist du ein lauterer Mensch? Oder nimmst du es ab und zu mal in Kauf, gegen die ethischen Prinzipien zu verstoßen und tut dir das wirklich gut? Solltest du nicht vielleicht deine Lauterkeit weitergehen lassen und wirklich ein vollständig lauterer Mensch sein?

Auch wer Lauterkeit hat, wird manchmal in ethische Konflikte gestürzt werden, nicht immer ist klar, was das Richtige ist. Aber Lauterkeit heißt dann auch, sich diesen ethischen Konflikten zu stellen und Entscheidungen von einem ethischen Standpunkt aus zu treffen und nicht nach dem eigenen Vorteil. Auch das heißt Lauterkeit.

Lauterkeit und andere Tugenden

In diesem Yoga Wiki werden über 1000 Tugenden und geistigen Eigenschaften beschrieben. Hier einige Erläuterungen, wie man die Eigenschaft der Lauterkeit in Beziehung zu anderen Tugenden und geistigen Eigenschaften sowie in Bezug auf Laster sehen kann:

Ähnliche Eigenschaften wie Lauterkeit

Ähnliche Eigenschaften wie Lauterkeit, also Synonyme zu Lauterkeit sind z.B. Redlichkeit, Anstand, Moral, Korrektheit.

Ausgleichende Eigenschaften

Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Lauterkeit übertrieben kann ausarten z.B. in Selbstgerechtigkeit. Daher braucht Lauterkeit als Gegenpol die Kultivierung von Liebe, Mitgefühl, Einfühlungsvermögen, Flexibilität.

Gegenteil von Lauterkeit

Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Lauterkeit, Antonym zu Lauterkeit :

Lauterkeit im Kontext von Tugendengruppen, Persönlichkeitsfaktoren und Temperamenten

Entwicklung von Lauterkeit

Lauterkeit kann man sehen als Tugend, als eine positive Eigenschaft. Vielleicht willst du ja Lauterkeit in dir stärker werden lassen. Hierzu einige Tipps:

  • Nimm dir vor, eine Woche lang diese Eigenschaft der Lauterkeit zu kultivieren. Du kannst nicht mehrere Tugenden auf einmal entwickeln. Aber es ist möglich, jede Woche eine Tugend, eine Eigenschaft, wachsen zu lassen.
  • Triff den Entschluss: "Während der nächsten Woche will ich die Tugend, die Eigenschaft, Lauterkeit kultivieren, wachsen lassen, stärker werden lassen. Ich freue mich darauf, in einer Woche ein lautererer Mensch zu sein."
  • Nimm dir vor, jeden Tag mindestens eine Handlung auszuführen, die Lauterkeit ausdrückt. Mache jeden Tag etwas, was du sonst nicht tun würdest, was aber diese Tugend zum Ausdruck bringt.
  • Wenn du morgens aufwachst, dann sage eine Affirmation, z.B.: "Ich entwickle Lauterkeit ". Mehr Möglichkeiten zu Affirmationen findest du weiter unten.
  • Am Tag wiederhole immer wieder eine solche Affirmation:
  • Ich bin lauter.

Affirmationen zum Thema Lauterkeit

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Affirmationen für mehr Lauterkeit Unter dem Stichwort "Affirmation" und "Wunderaffirmationen" erfährst du mehr darüber.

Klassische Autosuggestion für Lauterkeit

Hier die klassische Autosuggestion:

  • Ich bin lauter.

Im Yoga verbindet man das gerne mit einem Mantra. Denn ein Mantra lässt die Affirmation stärker werden:

  • Ich bin lauter. Om Om Om.
  • Ich bin ein Lauterer, eine Lautere.

Entwicklungsbezogene Affirmation für Lauterkeit

Manche Menschen fühlen sich als Scheinheiliger oder als Heuchler, wenn sie sagen "Ich bin lauter " - und sie sind es gar nicht. Dann hilft eine entwicklungsbezogene Affirmation:

  • Ich entwickle Lauterkeit.
  • Ich werde lauter.
  • Jeden Tag werde ich lauterer.
  • Durch die Gnade Gottes entwickle ich jeden Tag mehr Lauterkeit.

Dankesaffirmation für Lauterkeit

  • Ich danke dafür, dass ich jeden Tag lauterer werde.

Wunderaffirmationen Lauterkeit

Du kannst es auch mit folgenden Affirmationen probieren, die Sukadev Volker Bretz als Wunderaffirmationen bezeichnet:

  • Bis jetzt bin ich noch nicht sehr lauter. Und das ist auch ganz verständlich, ich habe gute Gründe dafür. Aber schon bald werde ich Lauterkeit entwickeln. Jeden Tag wird diese Tugend in mir stärker werden.
  • Ich freue mich darauf, bald sehr lauter zu sein.
  • Ich bin jemand, der lauter ist.

Gebet für Lauterkeit

Auch ein Gebet ist ein machtvolles Mittel, um eine Tugend zu kultivieren. Hier ein paar Möglichkeiten für Gebete für mehr Lauterkeit:

  • Lieber Gott, bitte gib mir mehr Lauterkeit.
  • Oh Gott, ich verehre dich. Ich bitte dich darum, dass ich ein lauterer Mensch werde..
  • Liebe Göttliche Mutter, ich danke dir. Ich danke dir dafür, dass ich jeden Tag die Tugend Lauterkeit mehr und mehr zum Ausdruck bringe.

Was müsste ich tun, um Lauterkeit zu entwickeln?

Du kannst dich auch fragen:

  • Was müsste ich tun, um Lauterkeit zu entwickeln?
  • Wie könnte ich lauter werden?
  • Lieber Gott, bitte zeige mir den Weg zu mehr Lauterkeit.
  • Angenommen, ich will lauter sein, wie würde ich das tun?
  • Angenommen, ich wäre lauter, wie würde sich das bemerkbar machen?
  • Angenommen, ein Wunder würde geschehen, und ich hätte morgen Lauterkeit kultiviert, was hätte sich geändert? Wie würde ich fühlen? Wie würde ich denken? Wie würde ich handeln? Als lauterer Mensch, wie würde ich reagieren, mit anderen kommunizieren?

Vortragsmitschnitt zu Lauterkeit - Audio zum Anhören

Hier kannst du einen Vortrag von Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya, anhören. Dieser Vortrag ist die Audio Version eines Videos zu Lauterkeit, Teil des Yoga Vidya Multimedia Lexikons der Tugenden.

Siehe auch

Eigenschaften im Alphabet vor Lauterkeit

Eigenschaften im Alphabet nach Lauterkeit

Literatur

Weblinks

Seminare

Yogalehrer Ausbildung

16. Jul 2017 - 21. Jul 2017 - Yogalehrer Ausbildung Intensivkurs Woche 1
Hier lernst du die Grundlagen, wie man als Yogalehrer Menschen in Yoga und Meditation unterrichtet. Woche 1 der 4-wöchigen Yogalehrer Ausbildung. Hier kannst du dann buchen, wenn du die Yogalehrer…
Mahadev Schmidt,Pranava Koch,Bhakti Turnau,
16. Jul 2017 - 28. Jul 2017 - Yogalehrer Ausbildung Intensivkurs Woche 1+2
Ein Teil der Ausbildung zum Yogalehrer. Lerne, wie du Kurse in Hatha Yoga etc. geben kannst. Woche 1 und 2 der 4-wöchigen Yogalehrer Ausbildung. Hier kannst du dann buchen, wenn du die Yogalehrer…
Mahadev Schmidt,Pranava Koch,Bhakti Turnau,

Meditation

16. Jul 2017 - 19. Jul 2017 - Dharana Yoga - Konzentriere dich aufs Wesentliche
Dharana - Konzentrationsübungen – dienen der Meditation, werden aber auch praktiziert, um die Nadis (Energiebahnen) und Chakras (Energiezentren) des Astralkörpers durch Achtsamkeitsfokussierung…
Dr. Nalini Sahay,
16. Jul 2017 - 21. Jul 2017 - Meditations Retreat leicht gemacht
Eine ausgewogene tägliche Praxis von Yoga, Pranayama und Meditation ist wichtig, um emotionale Heilung, geistige Klarheit, Erfolg, Konzentration auf Karriere, gute zwischenmenschliche Beziehungen…
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