Selbstgerechtigkeit

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Selbstgerechtigkeit (auch bekannt als Scheinheiligkeit, Selbstverliebtheit und Egozentrik) ist ein Gefühl, welches sich aus der Zurschaustellung des eigenen moralischen Hoheitsanspruchs gegenüber andersartigen, normalsterblichen Meinungen, nährt. Selbstgerechte Individuen sind oftmals intolerant gegenüber den Meinungen und dem Verhalten von anderen Menschen.

Demut ist ein Gegenpol zu Selbstgerechtigkeit

Selbstgerechtigkeit ist eine Form der Arroganz, des Hochmuts. Selbstgerechtigkeit bedeutet, dass man sich selbst für gut hält. Selbstgerechtigkeit bedeutet, dass man in unüberlegter überheblicher und oft dogmatischer Weise von der Richtigkeit der eigenen Anschauungen und Verhaltensweisen überzeugt ist. Selbstgerechtigkeit ist das Gegenteil von Selbstkritik. Gerechtigkeit bedeutete früher nicht nur gerecht im Sinne von Gleichbehandlung aller.

Gerecht als Adjektiv kommt vom althochdeutschen gireht, gerade, aufrecht, richtig, rein. Es gibt den Ausdruck gerecht vor Gott. Das bedeutet, dass jemand rein ist vor Gott. Selbstgerechtigkeit bedeutet, dass man sich selbst für gut, für rein, für richtig hält. Und Selbstgerechtigkeit ist natürlich das Gegenteil von echter Spiritualität, die immer mit Demut und mit Nächstenliebe verbunden ist.

Selbstgerechtigkeit ist oft eine Gefahr für spirituelle Aspiranten: Gerade wer sehr konsequent den spirituellen Weg geht, wer regelmäßig in seinen spirituellen Praktiken ist, auch sonst seinen Lebensstil spirituell führt, z.B. auch was Ernährung und Beachtung anderer Regeln betrifft, und auch die ethischen Regeln mindestens äußerlich beachtet, der kann schnell selbstgerecht werden, auf andere herunterblicken, die nicht so konsequent sind wie man selbst.

Jesus Christus hat in seinen Gleichnissen in der Bibel immer wieder auf die Gefahr der Selbstgerechtigkeit hingewiesen. Demut und Bescheidenheit, uneigennützige Nächstenliebe können vor Selbstgerechtigkeit schützen. Auch wenn die eigenen Ideale höher sind als das Erreichbare, bleibt man bescheiden und wird nicht so schnell selbstgerecht werden.

Selbstgerechtigkeit und Demut

Interessant ist, was zur Selbstgerechtigkeit führen kann und welche Themen dahinter liegen

Selbstgerechtigkeit ist etwas, was als nicht so gut gilt. Demut ist etwas, was als gut gilt.

Es gibt ja dieses alte Gleichnis von Jesus in der Bibel von dem Pharisäer. Der Pharisäer geht in den Tempel oder Gebetsraum und dankt Gott und sagt: "Oh Gott, danke, dass du mich zu einem gerechten Menschen gemacht hast. Danke, dass du mich zu jemanden gemacht hast, der deine Gebote erhält. Danke, dass du mich zu jemanden gemacht hast, der ein frommer und guter Mensch ist.".

Er schaut etwas abschätzig gegenüber einem anderen Menschen neben ihn im gleichen Gebetsraum, der offensichtlich ein Verbrecher ist, öfters betrogen hat oder vielleicht mit der Besatzungsmacht zusammengearbeitet und davon profitiert hat, dass seine Mitmenschen ausgenutzt werden. Irgendwo sagt er dann: "Danke Gott, dass du mich nicht so gemacht hast wie ihn.". Und der Mensch nebenan sagt: "Oh Gott, sei du mir armem Sünder gnädig.". Die Bibel erzählt diese Geschichte so, dass Jesus meint, dieser arme Sünder ist letztlich der spirituellere. Er ist demütig und sagt: "Oh Gott, sei mir armen Sünder gnädig.". Diese Demut gilt als besonders gut.

Ich muss allerdings zugeben, dass mich diese Geschichte immer gestört hat. So ähnlich auch die Geschichte vom verlorenen Sohn. Du kennst sie vielleicht. Ein Vater hatte zwei Söhne und sein Vermögen unter ihnen aufgeteilt. Er wollte nicht warten, bis er gestorben ist, sondern hat ihnen sein Vermögen gegeben. Der jüngere Sohn hat das Vermögen genommen und verprasst, große Feste gefeiert, ist zu Prostituierten gegangen und hat da sein Geld ausgegeben, ist dann in die Fremde gegangen und hat den Rest seines Vermögens verprasst. Der ältere Sohn hat sich um den Hof des Vaters gekümmert, hatte nur die Hälfte des Geldes, aber hat gut damit gewirtschaftet, hat so den ganzen Hof als Ganzes wieder aufgebaut, um den Vater, die Mutter gekümmert, war ein vorbildlicher Mensch.

Irgendwann kam dann der jüngere Sohn zurück. Der Vater sah ihn und war voller Freude, ist auf ihn zugelaufen, ihn auf die Arme genommen und gleich gesagt: "Lasst uns ein Fest feiern. Lasst uns ein großes Fest feiern, viele einladen, denn der Sohn, der verloren war, ist wiedergekommen.". Der ältere Sohn kam etwas später von den Felder, hatte den ganzen Tag geschuftet. Er kam zurück, sah diese frohe Stimmung, fragte die anderen, die Mägde und Knechte, was denn los war.

Die sagten: "Ja, dein jüngerer Bruder ist gekommen und dein Vater organisiert ein großes, rauschendes Fest dafür.". Der ältere Sohn fand das gar nicht gut, er ging zum Vater und sagte: "Seit Jahren habe ich dir gedient. Ich habe alles getan, was du gebraucht hast. Ich habe mich um dich, die Mutter und den Hof gekümmert. Und dieser, mein Bruder, diesem Nichtsnutz, der alles verprasst hat, dem machst du jetzt ein rauschendes Fest? Für mich hast du nie ein rauschendes Fest gegeben." Ist ungerecht, oder? Ja, es ist ungerecht.

Doch die Bibel will eben sagen, dass Selbstgerechtigkeit auch ein Hindernis ist. Auf eine gewisse Weise gilt es, sie zu überwinden. Und das Gleichnis vom verlorenen Sohn und Sünder, der demütig von Gott besonders angenommen wird, soll eben zeigen, das egal was wir getan haben, Gott uns immer annimmt. Es ist jederzeit möglich, umzukehren und sich an Gott zu wenden. Gott wird uns sofort so annehmen, wie wir sind. Und diejenigen, die sich die ganze Zeit bemühen, Gottes Gebote zu halten, ein rechtschaffendes und spirituelles Leben zu führen, egal welcher Tradition, auch die können sich bewusst sein, Gott nimmt auch dich so an wie du bist.

Und manchmal hilft es, die Anforderungen höher zu stellen. Wenn du nämlich Anforderungen hast, die du vollkommen erfüllen kannst, gibt es natürlich die Selbstgerechtigkeit. Dann klopfst du dir zusätzlich auf die Schulter, "ach ich bin doch ein guter Mensch.". Ich bin zum Beispiel Yogalehrer. In der Yogatradition würde man sagen: "Ja, ich meditiere jeden Tag, mache jeden Tag meine Yogaübungen, mindestens eine gute Tat, lebe vegetarisch, vielleicht sogar vegan. Ich lebe gesund, gebe Spenden, gehe ein, zwei Mal im Jahr zum Ashram, gebe kostenlos Yogaunterricht ein Mal die Woche, bin ein liebevoller Vater, eine liebevolle Mutter, eine liebevolle Frau, Mann, Tochter, Sohn. Ist doch gut, wie ich bin.".

Es ist gut, dich dafür zu lieben, aber wenn es zu sehr zur Selbstgerechtigkeit wird, ist es nicht so gut. Und so schrauben die Meister die Anforderungen weiter nach oben. Jesus sagt noch dazu: "In Gedanken, Worten und Tat, wenn du deinen Bruder zürnst, bist du schon des Gerichtes schuldig." "Wenn du nur im Geist etwas begehrst, wenn du deines Nächsten Eigentum begehrst, bist du schon des Todes.", und so weiter. Dies ist jetzt etwas radikal ausgedrückt. Natürlich heißt es nicht, dass du deshalb zum Tode verurteilt werden sollten. Es soll nur heißen, bleibe demütig.

Es reicht eben nicht aus, nur Gottes Gebote zu tun. Es ist auch wichtig demütig zu sein. Vielleicht ist das der Grund, weshalb Jesus die Anforderungen so hoch geschraubt hat, dass man dem nicht gerecht werden kann. Und so ist die Gefahr der Selbstgerechtigkeit gering. Man tut, was man kann, betet zu Gott, dankt Gott und bleibt demütig. Und im Yoga machen wir das ja auch noch. Auch im Yoga gibt es diese riesen Anforderungen, dem kaum jemand gerecht werden kann. Schon der Tag hat nicht ausreichend Stunden, um all das zu tun, was wünschenswert wäre. So tut man, was man kann, ist freundlich zu sich für das, was man getan hat, verzeiht sich das, was man nicht tun konnte oder Falsches getan hat, bleibt demütig, richtet sich an Gott.

Und so tut man das Gute und bleibt demütig. Und wenn man mal das Gute nicht tun kann, bringt man alles Gott dar. So wie Krishna in der Bhagavat Gita sagt: "Bringe alles mir dar, ich werde dich von aller Schuld befreien.". So wie es auch Jesus sagt: "Dem Sünder, der seine Sünden bereut, dem vergibt Gott in diesem Moment.". Letztlich gleichen sich da alle Weltreligionen.

Umgang mit Selbstgerechtigkeit Anderer

Vielleicht hast du das Gefühl, dass jemand in deiner Umgebung sehr selbstgerecht ist. Er lobt sich immer. Er sagt, was er für ein toller Mensch ist und lässt keine Kritik zu. Er bezieht sich mehr auf sich und behauptet, dass das, was er tut richtig ist. Vielleicht bist du davon genervt, vielleicht bist du jemand, der ihm zeigen will, dass er selbst Fehler macht. Das ist nicht wirklich notwendig. Nimm den Menschen, der selbstgerecht ist, wie er ist. Vielleicht braucht er das. Manchmal haben selbstgerechte Menschen ein schwaches Selbstwertgefühl und sie überspielen das durch eine äußerlich vorgespielte Selbstgerechtigkeit. Ihnen jetzt ihre Selbstgerechtigkeit auszureden könnte ihre Maske, ihre Persönlichkeitsmaske wegnehmen und das muss nicht nur gut sein.

Menschen haben unterschiedliche Bewältigungsstrategien. Das muss dich gar nicht zu sehr kümmern. Ignoriere es am besten und überlege mehr, welche gemeinsamen Anliegen wir haben und wie wir diesen gerecht werden können. Überlege, was sind meine Anliegen, was sind die Anliegen des Anderen und wie können wir die zusammen angehen? Und ignoriere einfach, wenn der Andere sich wieder selbst lobt und sagt, dass er doch wieder Recht gehabt hat. Das ist ja okay und du musst ihm jetzt keine Lektion erteilen. Oft ist es tatsächlich gut nicht zu probieren sich zum Richter über Andere aufzuspielen und wenn der Andere das macht, dann ist das seine Sache. Du brauchst das nicht zu tun.

Selbstgerechtigkeit als Arroganz

Die Bezeichnung "selbstgerecht" wird oftmals als negatives Werturteil verwendet (so zum Beispiel vom Journalisten und Essayisten James Fallows in seiner Charakterisierung von Friedensnobelpreisträgern), auch weil selbstgerechte Individuen des öfteren heuchlerisches Verhalten an den Tag legen, welches sie mit zynischen Argumenten über die inhärente Mangelnatur des Menschen begründen, womit sie ihre Verantwortungslosigkeit zu entschuldigen suchen.

Mit Sigmund Freud könnte man argumentieren, dass sie sich die passende Reaktion auf potentielle Kritik bereits zurecht legen, bevor diese eintrifft und diese Kritik dadurch erst hervorrufen. Doch die Verbindung zwischen Selbstgerechtigkeit und Heuchlerei ist bereits ein paar Jahre vor den Schriften Sigmund Freuds thematisiert worden, so zum Beispiel in einem Buch von 1899: "Good Mrs. Hypocrite: A study in Self-Righteousness", verfasst von einem Autor mit dem Pseudonym "Rita."

Selbstgerechtigkeit in Beziehung zu anderen Persönlichkeitsmerkmalen

Selbstgerechtigkeit gehört zur Gruppe der Persönlichkeitsmerkmale, Schattenseiten, Laster und Tugenden. Um dieses Charaktermerkmal besser zu verstehen, wollen wir es in Beziehung setzen mit anderen:

Synonyme Selbstgerechtigkeit - ähnliche Eigenschaften

Synonyme Selbstgerechtigkeit sind zum Beispiel Arroganz, Hochmütigkeit, Selbstgefälligkeit, Überheblichkeit, Stolz .

Man kann die Synonyme in zwei Gruppen einteilen, solche mit positiver Konnotation und solche mit negativer Konnotation:

Synonyme mit negativer Konnotation

Synonyme, die gemeinhin als negativ gedeutet werden, sind zum Beispiel

Synonyme mit positiver Konnotation

Synonyme mit positiver Konnation können helfen, eine scheinbare Schattenseite auch positiv zu sehen. Synonyme mit positiver Konnotation sind zum Beispiel

Antonyme Selbstgerechtigkeit - Gegenteile

Antonyme sind Gegenteile. Antonyme, also Gegenteile, von Selbstgerechtigkeit sind zum Beispiel Selbstliebe, Selbstkasteiung, Selbstbestrafung, Selbstkritik . Man kann auch die Antonyme, die Gegenteile, einteilen in solche mit positiver Konnotation und solche mit negativer Konnotation.

Antonyme mit positiver Konnotation

Antonyme, also Gegenteile, zu einem Laster, einer Schattenseite, einer negativen Persönlichkeitseigenschaft, werden gemeinhin als Gegenpol interpretiert. Diese kann man kultivieren, um das Laster, die Schattenseite zu überwinden. Hier also einige Gegenpole zu Selbstgerechtigkeit, die eine positive Konnotation haben:

Antonyme mit negativer Konnotation

Nicht immer ist das Gegenteil einer Schattenseite, eines Lasters, gleich positiv. Hier einige Beispiele von Antonymen zu Selbstgerechtigkeit, die aber auch nicht als so vorteilhaft angesehen werden:

Eigenschaften im Alphabet davor oder danach

Hier einige Eigenschaften, die im Alphabet vor oder nach Selbstgerechtigkeit stehen:

Eigenschaftsgruppe

Selbstgerechtigkeit kann gezählt werden zu folgenden beiden Eigenschaftsgruppen:

Verwandte Wörter

Verwandte Wörter zu Selbstgerechtigkeit sind zum Beispiel das Adjektiv selbstgerecht, das Verb richten, sowie das Substantiv Selbstgerechter.

Wer Selbstgerechtigkeit hat, der ist selbstgerecht beziehungsweise ein Selbstgerechter.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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