Nada Yoga

Aus Yogawiki

Nada Yoga (Sanskrit: nāda yoga m.): Yoga des Klanges. Nada Yoga ist eine rund 5000 Jahre alte metaphysische Philosophie und Praxis aus Indien. Sie wurzelt in der Annahme, dass die gesamte Schöpfung aus Vibrationen, Schwingungen hervorgegangen ist, besteht und immer wieder neu kreiert wird und dass alles Existierende durch eben diese Schwingungen miteinander verbunden ist: Nada Brahma, die Welt ist Klang. Diese Schwingungen werden im Sanskrit „Nad“, „Naad“ oder „Nada“ genannt. Nada bedeutet auch Prozess, Strom von Bewusstsein oder eben Klang.

Nada Yoga meint Einheit oder Vereinigung mit dem ewigen Klang als Quelle alles Lebendigen. Es beruht auf der Erfahrung, dass hinter den hörbaren Klängen eine Welt der transzendenten, schöpferischen Klänge existiert, die uns mit dem göttlichen Ursprung verbinden, unserem Seelengrund, dem Atman, das im Brahman, dem Grund allen Seins, wohnt.

Die Praxis des Nada Yoga beruht auf dem tiefen Wissen über Beschaffenheit und Wirkung von Klängen auf den Menschen und auf die ganze Natur, insbesondere auf den feinstofflichen Körper mit einem System von Energie- oder eben „Klangbahnen“, den Nadis und Chakras.

Klänge und Musik wurden im Ayurveda und von vielen indischen Weisen, Propheten und Yogis als mächtiges Mittel zur Heilung geistiger, emotionaler und körperlicher Probleme gesehen und sie sollen dabei helfen, Moksha zu finden.

Nada Yoga ist der älteste Weg in der Yogatradition überhaupt und integraler Bestandteil verschiedener Yogawege. Es heißt, es sei der direkteste Weg zur Erfahrung von Sad Chid Ananda.

Swami Sivananda über Nada Yoga

Setze Dich in Padmasana oder Siddhasana oder Sukhasana. Verschließe die Ohren mit den Daumen. Dies ist Shanmukhi Mudra oder Vaishnavi Mudra. Lausche der Musik der Anahata-Klänge. Du wirst Dich dabei wunderbar konzentrieren können.

Praktiziere mit der Atmung Japa (Ajapa Japa – ständige Wiederholung eines Mantras) mit dem Mantra "Soham" oder irgendeinem anderen Mantra. Praktiziere ein oder zwei Monate lang Pranayama. Dann wirst du die zehn Klänge klar und deutlich hören und dich an der Musik der Seele erfreuen. Die Klänge, die du hörst, machen dich taub für alle Klänge und Geräusche von außen.

Lass alle weltlichen Gedanken fahren. Bringe deine Leidenschaften unter Kontrolle. Sei gleichgültig gegenüber allen Objekten. Praktiziere Yama (Selbstbeherrschung, Selbstbeschränkung) oder Sadachara (richtige Führung). Richte Deine Aufmerksamkeit auf den Klang, der den Geist zum Schweigen bringt.

Der Klang erfüllt den Zweck eines spitzen Treibstocks, der den Elefanten, den Geist, kontrollieren soll, der im Lustgarten sinnlicher Objekte umherschweift. Er erfüllt den Zweck einer Schlinge, die das Rotwild – Chitta - festhalten soll. So wie die Biene, die sich am Honig labt, sich nicht um den Duft kümmert, genauso wenig sehnt sich der Geist, der im Klang aufgeht, nach sinnlichen Objekten.

Der erste Klang ist Chini, der zweite Chinichini. Der dritte ist der Klang einer Glocke. Der vierte ist wie der Klang einer Muschel. Der fünfte ist wie der Klang einer Laute, der sechste wie eine Zimbel. Der siebte ist wie der Klang einer Flöte, der achte wie der einer Trommel. Der neunte ist wie der Klang einer Mridanga, der zehnte wie Donnergrollen. Höre den inneren Klang im rechten Ohr. Lasse deine Konzentration von den groben Klängen zu den feinen wandern. Der Geist wird bald in den Klängen aufgehen.

Auf der siebten Stufe erhältst du Wissen über geheime Dinge. Auf der achten Stufe hörst du den Paravak (schöpferischen Urklang, Logos). Auf der neunten Stufe entwickelst du das göttliche Auge. Auf der zehnten Stufe erreichst du Para Brahman. Der Klang nimmt den Geist gefangen. Der Geist wird eins mit dem Klang so wie Milch mit Wasser eins wird. Er geht in Brahman oder dem Absoluten auf. Dann erreichst du den Ort ewiger Glückseligkeit.

copyright by Divine Life Society

Warum Nada Yoga?

Klang verbindet alle Ebenen unseres Seins. Klang hat die Eigenschaft, innere und äußere Welten miteinander zu verbinden. Klang durchdringt alle Schichten (Koshas) des Körpers. Lauschend erfahren wir Klang-Räume und Bewusstseinsebenen jenseits einer sachlich-rationalen Beschreibung mit Sprache. Klänge bewirken die Verfeinerung des physischen Hörsinnes, die Aktivierung / Stärkung des inneren Hörens, Sehens und Fühlens, die Verbindung der linken und rechten Gehirnhälfte, die Erlebnisse der Synchronisierung aller Sinne, innere Visionen, Erfahrungen tiefer Berührtheit, Transformations-Erlebnisse.

Die eigene Stimme kann alte Blockaden lösen und zum Ausdruck bringen: Gefühle, Ahnungen, plötzliche Aha-Erlebnisse, Träume oder Erinnerungen können auftauchen und unmittelbar zum Ausdruck kommen: Verspannungen und Blockaden in Zellen können sich lösen und uns von und alten Traumatas befreien, die Energiekanäle (Nadis) werden gereinigt.

Intuition und kreative Intelligenz wird gestärkt. Nada Yoga schafft einen Ausgleich für die heutige „Kopflastigkeit“ vieler Menschen. Dadurch werden die jedem Menschen innewohnenden Selbstregulierungskräfte wieder aktiv.

Nada Yoga ist „singendes Pranayama.“ Die eigene Stimme ist „hörbarer Atem - Nada Yoga ist „gesungenes Pranayama“. Singen energetisiert und bringt verbrauchte Enrgien schnell wieder, harmonisiert und fördert die Gesundheit der gesamten Physiologie.

Nada Yoga ist eine freudvolle und gleichzeitig sehr wirkungsvolle Meditation. Es schult die Aufmerksamkeit und Konzentration auf feinsten Bewußtseinsebenebenen und intensive Freude und Glück kann empfunden werden. Es fördert Tiefen-Entspannung, Anhalten des inneren Dialoges / Beendigung des mentalen Lärms, Klang der eigenen Stimme als ein Instrument zur Bewusstseins-Veränderung.

Klang ist Bhakti Yoga: Die starke Wirkung des Klang-Yoga entsteht jedoch erst in der Kombination mit einem Bewusstsein, das sich ganz der Klang-Erfahrung widmet und hingibt.

Jeder kann es! Nada Yoga ist für jeden geeignet, unabhängig von Alter, körperlicher Konstitution etc. Die Praxis hilft vielen, die eigene natürliche Stimme zu finden und sich (wieder) zu trauen, zu singen - was bei vielen auch im Alltag sehr hilfreich sein kann!

So kann Nada Yoga zu einem Heilungsweg werden über: Selbsterfahrung, Selbsterkenntnis, Stärkung der Intuition und des kreativen Ausdrucks und Kommunikation.

Nada Brahma

Klang als Träger der Schöpfung

Der Begriff Nada Brahma bezeichnet den Klang als Träger der Schöpfung. In den Upanischaden heißt es: Zuallererst war NICHTS, NICHT-SEIN im All - nur reiner, unendlicher Klang als einzig existierende Wirklichkeit: „Am Anfang war das Wort“ und zuvor war NICHTS - nur endlose, bewegungslose Stille. Das gesamte Universum entstand, entsteht und wächst immerwährend aus Schwingungen, die als Vibrationen, Rhythmen und eben Klänge begriffen werden. Dabei entwickelt sich die Schöpfung vom Feinstofflichen aus in das Grobstoffliche, in die Materie hinein. Im Nada Yoga nun gehen wir sozusagen den Weg der Schöpfung rückwärts: wir beginnen mit dem „grobstofflichen, also hörbaren Klang“ und horchen in immer feinere Schichten hinein zum Para Nada hin. Die völlige Verschmelzung mit ihm ist das Ziel, das zu Sad Chid Ananda führt, der größte Glückseligkeit. Der uranfängliche „innere Klang“ heißt auf Sanskrit Para Nada und Shabda - er kann als “unhörbarer Ton“ oder anahata nada vom Yogi erlebt werden. Er ist nicht über die Ohren wahrnehmbar. Das heilige Mantra OM ist ein klanglicher Ausdruck dieses ewigen Klanges und für den Yogi ein „Vehikel“, um sich „zurückzuerinnern“ an sein wahres Selbst und die Quelle alles Seins.

"Klang, Sterne und das Licht sind alle im Innern“ Maharaj Sardar Bahadur Jagat Singh

Alles klingt - Nada im Mikro - und im Makrokosmos

Alles Lebendige ist Schwingung und Klang, vom kleinsten Elementarteilchen über Blütenblätter, Bäume, Kristalle, Berge, Meere, Winde, bis hin zu den Klängen der Planeten und des gesamten Kosmos. Der Hindu Gott Shiva tanzt zu den Klängen seiner Trommel (Shiva Nataraj), von Krisnas Flöte lassen wir uns betören und von Saraswatis Veena heilen und harmonisieren. Die neue Physik bestätigt heute die grundsätzliche Schwingungsqualität und Verbundenheit alles Seienden.

Im menschlichen Körper pulsiert das Blut, wir können das Herz schlagen hören. Wenn wir die Muskeln in den Armen und Beinen spannen, beginnen wir tatsächlich zu vibrieren - komplizierte chemische und bioelektrische Prozesse in den Muskelfasern verlaufen in Serien von Schwingungen. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Zellen im menschlichen Körper „tönen“: und zwar können sie dumpf murmeln, sphärische Lieder singen oder aber nervenzerfetzenden Lärm schlagen. Krankheiten, hoffen die Forscher, könnten so eines Tages hörbar werden. Für den Menschen ist nur ein kleines Spektrum der Klangwellen hörbar. Gleichwohl wirken auch die unhörbaren Klänge auf uns: sie tragen Informationen, denen wir bewusst oder unbewusst, bemerkt oder nicht, tagein tagaus ausgeliefert sind. Nada Yoga ist eine machtvolle und gleichzeitig freudvolle Möglichkeit, uns wieder in Harmonie zu bringen, nachdem wir unbewusst und ungewollt unharmonischen Schwingungen ausgesetzt waren.

Die Obertonreihe: eine Himmelsleiter

Seit der Antike fußt auch unsere westliche Kultur auf der Idee eines klingenden Univerums. Pythagoras (ca. 580 - 496 v. Chr.) sprach von der Sphärenharmonie; er entwickelte das System der ganzen Zahlen am Monochord und fand bis heute geltende mathematische Gesetze an der Beobachtung der Obertonreihe, die in Nada Yoga eine wichtige Rolle spielt. Obertöne sind all die Töne, die mitschwingen, wenn ein Grundton erklingt. Sie schwingen in ganzzahligen Vielfachen zur Grundfrequenz, unabhängig von der Höhe des Grundtones. Um die Obertöne eines Tones zu errechnen, multipliziert man die Frequenz des Grundtons mit 2, 3, 4, 5, usw. Im Bild unten die ersten sechzehn Obertöne des großen "C".

Die ersten fünf Obertöne bilden den Dur-Akkord zum dazugehörigen Grundton. Die rote Kurve zeigt, wie die Intervalle immer kleiner werden, je weiter sie sich vom Grundton entfernen. Die Obertonreihe steigt auf bis in unhörbare Höhen und „schraubt“ sich immer noch höher bis in die Unendlichkeit - wobei die Tonschritte immer kleiner werden - unendlich kleiner. Oben angefangen entspricht sie der allerhöchsten Schwingung im Kosmos überhaupt, die so hoch ist, dass sie bereits im Stillstand angekommen ist (Para Nada). Wenn wir den Obertönen lauschen, schraubt sich unsere Wahrnehmung hinein vom Materiellen ins Ätherische, sie transzendiert unser Bewusstsein vom Menschlichen ins Göttliche. Darum ist aus spiritueller und mystischer Sicht eine obertonreiche Musik besonders wertvoll: eine Grundton bezogene oder modale Musik, in der die Obertöne des jeweiligen Grundtones im Laufe des Musikstückes zur Entfaltung kommen können.


Ursprung und Entwicklung

Nada im Veda

In Bezug auf Klang ist das Veda (Wissen) bei weitem das älteste, umfassendste und präziseste Wissen überhaupt. Der Ursprung des Nada Yoga ist das Rezitieren der alten heiligen Texte der Veda vor 3000 bis 5000 Jahren. Das Wissen wurde von Rishis empfangen und wird bis heute vor allem im Sprechgesang mündlich überliefert. Den Kern des Veda bilden die Shruti , von den Rishis „gehörte“ Texte oder Offenbarungen, die erst viel später aufgeschrieben wurden. Auch heute hat Nada Yoga und Musik viel damit zu tun, sich für „Inspiration und Intuition“ zu öffnen, für göttliche „Offenbarungen“.

Das Rezitieren der heiligen Texte

ist der gemeinsame Ursprung aller Musik und allen Gesanges. Musik war gleichzeitig Einweihung in das alte Wissen, war Erfahrung und Ehrung des göttlichen Ursprunges und ein machtvolles Mittel zur Harmonisierung von Mensch und Natur:

Musik und Rezitation als Klangopfer

Die Rishis entdeckten Schwingungsmuster in der Natur, „Klangströme“, die unmittelbar „körperlich“ erfahren wurden („rasa“). Sie „nährten“ sie durch ihren rituellen Gesang. So ein “Klangopfer“ hielt die natürlichen Schwingungsmuster aufrecht, stärkte oder beschwichtigte sie, je nachdem, was „not - wendig“ war. Mantra, Raga und Tala sind solche „Klangströme“, durch die die Natur immer wieder neu belebt wurde.

Musik und ganzheitliche Heilung

Bis vor etwa tausend Jahren wurde Musik und Tanz in Verbindung mit Zeremonien und Ritualen ausschließlich in Tempeln aufgeführt. Musik sollte nicht unterhalten, belustigen oder amüsieren. Gesang war eher so etwas wie eine kraftvolle Klangformeln und sollte die Tempelbesucher verändern und transformieren. Auf der einen Seite hatte dies eine therapeutische Wirkung, Beschwerden zu lindern und Krankheiten zu heilen, auf der anderen Seite hatte es den Zweck, die Aufmerksamkeit derjenigen, die in die Tempel kamen, zu sammeln und einen Zustand von Vertiefung und Konzentration zu schaffen. Das tiefe Verständnis der Wirkungen von Klang auf Organismus, Psyche und Seele des Menschen und seine machtvolle Fähigkeit, alle Energiehüllen (Koshas) zu durchdringen und miteinander zu verbinden hat Eingang gefunden in alle Yogawege und ist deren integraler Bestandteil.

Bhakti Bewegung

Seit dem 6./7. Jahrhundert gab es immer wieder große Bhakti Bewegungen, die gleichzeitig soziale und Friedensbewegungen waren. Sie bezogen aktiv Stellung gegen Kriege zwischen orthodoxen Sekten, Intoleranz gegen Fremde und Andersgläubige, die Macht der Tempel und Vorherrschaft der mächtigen Priesterkaste, die ihre Privilegien sichern wollte. Die Bhakti Bewegung wollte bewirken, dass es jedem Menschen unabhängig von Geschlecht, Kasten, kulturellen, religiöser oder ethnischer Herkunft gleichermaßen möglich und erlaubt war, Zugang zu den Tempeln zu bekommen. Sie bewirkte, dass zu strenge Vorschriften von Ritualen und Pujas an Beteutung verloren. Heilige Texte, ehemals ausschließlich in Sanskrit rezitiert, wurden in de jeweilige Landesspache übersetzt, damit das Volk Zugang zum sonst geheimgehaltenen Wissen der Brahmanen bekam. Die direkte persönliche Beziehung zum Göttlichen stand im Vordergrund vor einem eher abstrakten Gottesbild im Jnana Yoga. Wandernde Yogis und Sänger aller Sekten und Religionszugehörigkeiten zogen gemeinsam durchs Land. In diesen Zeiten entstanden wunderschöne Verse und Lieder, Bhajans. Berühmte Heilige der Bhaktibewegung in Indien sind zum Beispiel Dschalal ad-Din ar-Rumi (1207 - 1273), Kabir (1440 - 1528) und Mirabai (1498 - 1546).

Klassiche indische Musik

Die großen Musikweisen des Ostens hatten eine großes Wissen über die Rhythmen der Natur, Jahreswechsel, Tageszeiten, die Planeten und den Kosmos. Astrologie, Heilung und Kunst gehörten zusammen und fußten alle auf den alten vedischen Schriften. Musik war ein Mittel, sich mit dem Mikro- und dem Makrokosmos, der ganzen Natur in Einklang zu bringen und die Wirkung von Klang stand im Mittelpunkt der indischen Heilkunst. Die Musik und Rezitationen dienten dazu, Atmung, Kreislauf und Verdauung zu harmonisieren und die Lebensenergie zum fließen zu bringen.

Bedeutung von Nada im Yoga

„Der Geist existiert so lange, wie es Klang gibt, aber mit dem Aufhören des Klangs gibt es einen Zustand von Sein, der über den Geist erhoben ist. Der Klang geht auf in Akshara (dem Unvergänglichen), und der klanglose Zustand ist der höchste Sitz. Die karmischen Neigungen von Geist und Prana werden durch ununterbrochene Konzentration auf Nada zerstört. Der Geist wird dann im Unbefleckten aufgeschluckt. Darüber besteht kein Zweifel.‟ (Nada Bindu Upanishad)

Außer in der Veda, besonders in den Upanischaden, sprechen auch für das Yoga grundlegende Schriften von den besonderen Vorzügen und der mächtigen Wirkung von Klang für die Bewusstseinsentwicklung: die Bhagavad Gita, die Hatha Yoga Prahdibika und die Yoga Sutra des Patanjali. Klänge spielen in vielen Yogadisziplinen eine zentrale Rolle. Allen gemeinsam ist die Ausrichtung auf den ursprünglichen und ewigen Nada oder Naad, dem „Ton der Töne“, dort, wo die Schwingung am allerhöchsten ist. Der Nada Yogi richtet also seine Aufmerksamkeit vor allem auf die Erfahrung der inneren Klänge, äußere Klänge dienen nur der Vorbereitung. Prana, die Bewegung der Energie im Körper, ist ein Ausdruck von Nada. Mantra in seiner reinsten Form ist eine Manifestation von Nada. Musik ist ein Ergebnis von Nada.

Nada im Hatha und Kundalini Yoga

Theoretischen Grundlagen des Hatha, Kundalini Yoga und im Tantrismus fußen auf der Vorstellung eines feinstofflichen Aufbaus des menschlichen Körpers als ein System von Energiebahnen und -zentren, den Nadis und Chakras, das, wie bereits der Name sagt, aufs engste mit Klang verbunden ist. Ein freies Strömen im Energiekörper ist Voraussetzung für ein Fortschreiten des Bewusstseins und ist somit Ziel jeder Yoga Praxis, insbesondere im Pranayama, Hatha und Kundalini Yoga. Nada Yoga hat eine Fülle von Übungen zur Reinigung und Aktivierung des Energiekörpers. Singen ist aktives Pranayama und beschäftigt sich über den Atem intensiv mit den Pranaströmen. Es ist inzwischen erwiesen, dass sich das Atemvolumen von Sängern stark steigert und beruhigt.

In einigen Hatha Yoga Asanas wird Klang und/oder die Vorstellung von Klang aktiv genutzt, zum Beispiel: Bhramari Pranayama oder der Löwe Asana.Im heute sehr beliebten sogenannten „Klangyoga“ wird Hatha Yoga begleitet mit Klangschalen, Gongs, Monochord oder indischen Instrumenten wie Tampura oder Sitar. Im Kundalini Yoga spielen die Bija Mantras eine große Rolle in Zusammenhang mit der Visualisierung von Yantra und bestimmten Körperhaltungen (Mudra).

Stadien und Qualitäten des Nada

Die Upanischaden berichten von vier Stadien des Klanges, die sich unterscheiden sich in Bezug auf Frequenz, Feinheit und Stärke. Klang entwickelt sich vom Subtilen ins Materiell-Stoffliche, beginnend mit Para Nada und Pashianti, die akustisch nicht hörbar sind, gefolgt von Madhyama, dem mittleren oder „Flüsterklang“ und schließlich Vaikhari, dem gröbsten „hörbaren“ Klang. Der Nada Yogi lauscht auf die „inneren“ Klänge, um die subtilsten Schichten der Wahrnehmung zu erfahren:

Para Nada hat die Qualität der Seele, es ist der transzendente Klang oder nicht-angeschlagene Ton in allerhöchster Schwingungsfrequenz. Dort erreicht er absolute Stille und Unendlichkeit und enthält doch gleichzeitig alle Klänge. Seine Form und Natur ist Jyoti (reines Licht). Er kann nicht akustisch wahrgenommen werden, wohl aber im Herzraum spürbar als „anahata Klang“.

Pashyanti hat die Qualität des Geistes, ist gröber als Para und ist ebenfalls nicht akustisch hörbar. Pashyanti bedeutet auf Sanskrit „was man sehen oder sich vorstellen kann".

Madhyama hat die Qualität der Sprechorgane, Madhyama ist feiner als der Vaikhari hat aber weniger Schwingungen hat als Para und Pashyanti. Madhyama bedeutet „dazwischen‟ oder „mitten". Der Zwischenlaut wird „wie der Klang vom Flüstern‟ genannt.

Vaikhari ist der gewöhnlich hörbare, materielle Klang und hat die grobe Qualität der physischen Organe. Vaikhari wird durch Ahata, das Anschlagen zweier Gegenstände, hervorgebracht. Die meisten Nada Yoga Praktiken beginnen mit diesem physischen Klang als Vehikel, um in feinere Wahrnehmungsschichten einzutauchen.

Nada, Laya Yoga & Pratyahara

Insofern Nada Yoga zu einem Zustand vollständigen Ruhens führen kann, wirkt es stark befreiend und löst die allertiefsten Blockierungen und Hemmungen des Geistes. Deshalb ist Nada Yoga Teil eines Zweiges, der Laya Yoga genannt wird (Laya = Auflösen). Die Sinne werden „eingefangen“ durch den süßen Klang, der Klang hilft, die Aufmerksamkeit zu sammeln und die Sinne von äußeren Objekten abzuziehen. Klang also unterstützt Prathyahara, das Zurückziehen oder kontrollieren der Sinnesaktivitäten. Dazu ein Zitat von Swami Sivananda: "Nada fängt den Geist. Der Geist erreicht Laya durch süßen Nada. Deshalb kannst Du den Geist leicht kontrollieren durch das Üben von Nada Yoga.‟

Nada Yoga Praktiken

Lauschendes Hören

In gewisser Weise kann jedes bewusste, hingebungsvolle Lauschen auf Klänge bereits als Nada Yoga bezeichnet werden, zum Beispiel: Lauschen in der Natur, Lauschen auf Musik (z.B. in Konzerten), Klangmeditationen zu heilenden Zwecken (Ayurveda, Klangmassagen). Bewusstes Lauschen ist eine sehr wirksame Weise, sich vom Anstrengungen, Stress, begativen Gedanken und vielem mehr zu befreien und sich in Einklang zu setzen mit sich selbst. Das Lauschen macht es leicht, sich den Klängen ganz und gar hinzugeben und sich dabei tief zu entspannen, um so die Selbstheilungskräfte des Körpers anzuregen.

Klangtherapien können den physischen Körper, Astralkörper und Geist strukturieren, energetisieren, harmonisieren und beruhigen und auf das Hören der „inneren Klänge“ vorbereiten. Der Klient liegt meist in tiefer Entspannung lauscht man den Klängen von Gongs, von Klangschalen, einem Monochard oder man liegt auf einer Klangliege, so dass der Körper die Schwingungen gut aufnehmen kann. Auch hierzu gehören gesungene Ragas, die auch für Heilzwecke eingesetzt werden können und natürlich auch ganze Konzerte.

Das „lauschende Hören“ (Nada Upasana) ist die grundlegende Übung im Nada Yoga überhaupt, wobei die Aufmerksamkeit auf verschiedenen Aspekten des Klanges liegt: auf subtile Klänge, auf das Mantra, das Wort, auf den Ton selbst.

Konzentration auf subtile Klänge

Das Lauschen kann gezielt als Übung eingesetzt werden zur Vertiefung der meditativen Konzentration: Das Nada Trataka - Konzentration auf den inneren Klang und „den Ton der Töne“. Letzteres ist hier vor allem bekannt geworden durch Swami Janakananda. Mithilfe von Mudras und Bhandas sowie Pranayama übt sich der Nada Yogi darin, unmittelbar zum ursprünglichen, feinsten, innersten Klang vorzudringen.

Mantra Japa und das Rezitieren von heiligen Texten

ist selbst bereits ein Schutz für den Geist, da sie ihn vom pausenlosen Herumwandern abbringt. Durch Wiederholung heiliger Klänge wird dem Geist ein Fokus gegeben, auf den er sich richten kann, so dass er sich beruhigt. Beim Mantra Japa werden Mantras über einen längeren Zeitraum rezitiert, und zwar erst laut ausgesprochen (oder gesungen), dann geflüstert, gedanklich rezitiert und schließlich „lauscht“ man auf den inneren „Nachhall“. Erst wenn die völlige Gedankenleere erreicht ist, kann der Klang wahrgenommen werden, der hinter allem verborgen liegt, der ewige Klangstrom des Seins. Das Mantra also braucht die Kraft des Klanges zur Transformation des Bewusstseins. Die fortgeschrittenen Form der Mantrarezitation ist entsprechend auch die stille Praxis - bis das Mantra nur noch gedacht wird und danach sogar der Gedanke ans Mantra aufhört. Die Stadien der Klangentfaltung werden „rückwärts“ nachvollzogen, um so zur Erfahrung von Para Nada zu kommen.

Musik als Ergebnis von Nada

Viele der Prinzipien der Nada Yoga Lehre haben sich bis heute in der klassisch indischen Musik erhalten, von denen hier nur einige genannt sind:

Grundtonbezogene Musik: Die Musik Indiens ist grundsätzlich grundtonbezogen und folgt der natürlichen Tonleiter. Mit ihren sieben Swaras: Sa, Re, Ga, Ma, Pa, Dha und Ni. Der Grundton Sa schwingt immer mit und alle anderen Töne entspringen aus ihm. Er entspricht dem ewigen Klangstrom des OM, der heiligsten aller Silben des Ostens. Patanjali sagt, dass der Grundton „die Pferde zurück in den Stall” bringt, er erdet, zentriert und lässt dich „zuhause ankommen“ und wieder „ganz bei dir sein”.

Der individuelle Grundton: So wie Planeten und Zellen ihren eigenen Klang haben, so gilt das auch für den Menschen: Über den individuellen Grundton hat der indische Physiker und Musiker Vemu Mukunda (1929-2000) geforscht und eine Methode gelehrt, die er „Nada Brahama Methode“ nennt. Der/die Praktizierende begibt sich über den Klang der Stimme in Resonanz mit seinem eigenen Schwingungssystem. Der dabei erfahrene sogenannte Grund- und Wesenston wird zur harmonischen Basis für alle weiteren Klänge.

Die Mikrotöne und das Gleiten zwischen den Tönen: Das Gleiten zwischen den Tönen durch alle Zwischentöne (Shrutis) entspricht den gleitenden Farbübergängen im Regenbogen, keine Nuance wird ausgelassen, alle Qualitäten sind möglich und Harmonie wird zugelassen im vollständigen Ton- oder Lichtspektrum. In der Nada Stimmtherapie wird dies ganz gezielt genutzt für die Harmonisierung.

Das Benennen der Noten: Beim Singen der Skala werden die Noten immer benannt, was für uns zunächst ungewohnt ist, aber eine enorme Koordinierung der beiden Gehirnhälften fördert.

Raga und Tala: Die indischen Ragas (Melodiestrukturen) und Tala (Rhythmen) sind „der Natur abgelauscht“ - sind Klangströme der Natur“ und bewirken unterschiedliche Bewusstseinszustände. Ragas werden verstanden als Wesenheiten der Natur, die der Musiker „empfängt“ und durch sich hindurch strömen lässt. Der Musiker stellt sich sozusagen zur Verfügung, etwas Mächtigeres, Göttliches empfangen und weitergeben zu dürfen. Improvisation ist dabei äußerer Ausdruck des im Moment empfangenen Flusses von Inspiration. Die Zuhörer sind seine Zeugen, das „Konzert“ ist gemeinsame Meditation, nur dass der Sänger den Vorteil hat, das von allen im Moment geteilte Bewusstsein erklingen lassen zu dürfen.

Die Kunst der Nicht-Identifikation: Die Stimmbildung folgt keinem irgendwie gearteten ästhetischen Ideal sondern ist „nur“ das „einfache“ Hörbar-Werden-Lassen des Atems. Gesang ist „Ergebnis von Prana“, äußerer Ausdruck des inneren Erlebens, des Lauschens nach innen, der stimmhaften Meditation. Gemeint ist hier ein Ausdruck ohne Ich-Verhaftung in einer Kunst der Nicht-Identifikation des Künstlers mit seinem Produkt. Dabei sind bestimmte Ragas auch bestimmten Grundgefühlen, den Bhavas, zugeordnet, die wiederum mit den Körper- und Handhaltungen im Tanz, den Mudras, korrespondieren.

Singen ist der äußere Ausdruck von Nada Yoga. Darum ist im Indischen der Weg dorthin ziemlich lang. Es dauert Monate, wenn nicht Jahre, dass der Schüler ausschließlich den Grundton singt, bis er im Klang mit Körper, Atem und Geist ganz eins geworden ist.


Nada Yoga – alles ist Klang

Artikel von Anne-Careen Engel, erschienen im Yoga Vidya Journal Nr. 27, Herbst 2013

Nada ist das Sanskrit-Wort für Strömung, Bewegung, Energie oder auch Klang. Nad oder Nada wird in den Veden als die allerursprünglichste Energie und Quelle alles Seienden aufgefasst. Der große Sufi Lehrer Hazrat Inayat Khan sagt: „Schöpfung ist die Musik Gottes.” Mit anderen Worten: das gesamte Universum entstand aus Klang und wird beständig neu aus Klang geboren, – Klang, der widerhallt und sich in der gesamten Natur manifestiert.

Yoga bedeutet Einheit, EINS-Sein mit ALLEM – und beschreibt das Wissen, die Lehre und Wege hin zu diesem Ziel.

Nada Yoga benutzt die transformierende Kraft des Klanges, um EINS zu werden – EINS und EINIG mit sich selbst und der Welt.

Nada Yoga ist Balsam für die Seele: einfach, freudvoll und zugleich sehr wirkungsvoll

• einfach, weil jeder diesen Weg gehen kann. Egal welchen Alters, ob mit oder ohne musikalischer Vorbildung, auch beson - ders für Menschen, die ihre Stimme erst erkunden wollen. • freudvoll, weil die Musik die Sinne anspricht, das Gemüt beruhigt und Singen, wie man heute weiß, die Ausschüttung von Glückshormonen anregt und Angstempfinden hemmt. • wirksam weil Nada ganzheitlich wirkt auf Körper, Seele und Geist und unmittelbar die Prana-Stöme im Körper wieder zum Fließen bringt, reguliert, harmonisiert und anregt. Das Leben kann wieder durch die Energiebahnen „strömen”.

Der Ursprung des Nada Yoga geht auf die ersten Gesänge der Veden zurück. Es lässt sich zu Recht sagen, dass Nada Yoga der älteste Yoga überhaupt ist, aus dem sich alle anderen Yogarichtungen entwickelt haben. So sind uns heute einzelne Aspekte des Nada Yoga aus verschiedenen Yogarichtungen bekannt:

• im Bhakti Yoga werden Mantras und heilige Texte rezitiert • im Satsang singen wir, um unsere Gemeinschaft zu stärken • im Kundalini Yoga benutzen wir Mantras und Yantras zur Reinigung der Chakren • in der Meditation lauschen wir auf äußere und innere Klänge • im Klang Yoga wird die Hatha Yoga Praxis mit Klängen begleitet • zur Tiefenentspannung lauschen wir Klangreisen Man kann sagen, dass es grob 2 Hauptrichtungen im klassischen Nada Yoga gibt. Das reine Lauschen auf die inneren Klänge, so wie es in der Nad-Bindu Upanishad der Rig Veda beschrieben wird und die Praxis über den äußeren Klang, die am reinsten in der klassischen indischen Musik bis heute überliefert ist. Auf diese zweite Richtung beziehe ich mich im Folgenden.

Sie basiert bis heute auf den Prinzipien des Nada Yoga und klingt und wirkt darum auch ganz anders als unsere westliche Musik.

Musik und Natur – ein Erlebnis mit Krishnas Biene

Ich lernte Nada Yoga kennen über Tim Jones, den Meisterschüler von Shivashankara Pannikar, einem Sänger aus Karnataka. Als Tempelmusiker in Kerala, Süd-Indien, viele Jahre lang zuständig für die Ausrichtung der Rituale. Ich lernte ihn kennen während meines ersten Aufenthaltes in Indien 2005, ein gutes Jahr bevor er seinen Körper verließ. Wir lebten und lernten in seinem Haus und Garten. Er unterrichtete schon nicht mehr selber, aber er zeigte mir mit unendlich viel Freude und Liebe die ayurvedischen Pflanzen in seinem Garten, die er täglich beobachtete.

Ich bekam damals zum ersten Mal eine Ahnung davon, wie Musik und Natur zusammen wirken:

Wir trafen uns zum Unterricht jeden Vor- und Nachmittag in einer Gartenlaube aus Bambus, zu allen Seiten hin ganz und gar offen. Es gab keinen Sicht-, Wind- oder Lärmschutz, dennoch gab sie uns das Gefühl eines natürlichen Musiktempels. Nach und nach tauchten wir tiefer ein in die Natur der „Ragas“, der uns zunächst so fremd klingenden indische Melodiestrukturen, die meist Göttern und den Rhythmen in der Natur gewidmt sind (z.B. Jahres- und Tagesrhythmen). Ich begann auch zu spüren, welch unterschiedliche Bewusstseinszustände sie in uns wach riefen und lernte die Qualitäten der indischen Gottheiten auf ganz und gar neue und faszinierende Weise wahrzunehmen.

Am Ende der Zeit passierte etwas, was wie ein Wunder auf mich wirkte: Wir hatten in der Zwischenzeit ein zauberhaftes Krishnalied mit dem Titel „Murali“ ganz gut gelernt mit dem ihm gewidmeten Raga und sangen es bereits lange am Morgen, als plötzlich eine dort sehr selten sichtbare dicke schwarze Biene zu uns in die Laube schwirrte und sich offensichtlich sehr wohl fühlte. Indu, die Tochter von Guruji (wie wir Shivashankara Pannikar kurz nannten) lachte auf und sagte, dies sei Krishnas Biene! Sie bohrt Löcher in das Schilfrohr in Brindavan (Krishnas Heimatort), um darin ihre Nester zu bauen. Dadurch beginnt der Bambuswald zu singen, wenn der Wind hindurch geht und Krishna nutze den durchbohrten Bambus als Flöte, sein „Murali“.

Wir sangen für Krishna, die Natur antwortete auf ihre Weise - vielleicht einfach nur ein Zufall? Seitdem beobachte ich oft, wie die Vögel sich plötzlich zeigen auf der Hecke vorm Studio und mitsingen oder einfach nur zuhören. Jedenfalls kann ich mir heute viel eher vorstellen, dass es wirklich stimmt, wenn es zum Beispiel heißt, dass die großen Musikheiligen Indiens den Regen „herbeisangen“.

Und wenn ich dann in modernen, wissenschaftlichen Büchern über die physikalischen Wirkungen von Resonanz lese, dem formbildenden Prinzip in der Natur überhaupt, dann verstehe ich die Welt um mich herum plötzlich ganz neu...

Die Heilkraft im klassischen Nada Yoga

Sie beruht auf einer besonderen Art zu singen, nämlich so, dass Atemfluss, Stimme, Rhythmus und Tonfrequenzen unmittelbar auf die Energiebahnen im Körper wirken - nicht umsonst heißen sie „Nadis“ - also direkt übersetzt eigentlich „Klangbahnen“.

Die Wirkungsweise des klassischen Nada Yoga

Der Klangstrom erzeugt feine Vibrationen, “massiert” den Körper “von innen” bis in die feinstofflichen Schichten der Chakras und Nadis – (Energie- oder eben „Klangbahnen“ im Körper). Atmung, Blutkreislauf, Stoffwechsel und andere Körperfunktionen kommen wieder miteinander “in Einklang“, Drüsenfunktionen werden angeregt. Zum Beispiel werden beim Singen Melantonine ausgeschüttet, die sog. “Glückshormone”.

Wichtig ist der im Nada Yoga stets begleitende Grundton. Alle anderen Töne entstehen aus ihm und kehren am Ende wieder zu ihm zurück. Die darauf basierende Praxis des Nada Yoga nenne ich die „Sieben Töne des Lichts“ (™), sie entfalten ihre Farben aus dem Grundton, wie die Farben des Regenbogens aus dem weißen Licht.

Patanjali sagt: Der Grundton hole „... die Pferde zurück in den Stall“ und meint damit, dass all die beim Singen freiwerdenden Stimmungen und Gefühle sich wieder setzen, sammeln, wir tief „bei uns selbst zuhause ankommen“ und unsere Mitte finden.

Nada Yoga entwickelt die natürliche Stimme jenseits aller Moden und musikalischer Stilrichtungen. Die natürliche Stimme basiert auf der Sprechstimme, ist sehr körperlich und geerdet und gerade auch für Menschen geeignet, denen früher vielleicht einmal eingeredet wurde, „sie könnten nicht singen“. So etwas gibt es im Nada Yoga nicht.

Über die natürliche Stimme kann auch der persönliche Grundton bestimmt werden, der, einmal gefunden – wesentlich zur Harmonisierung des ganzen Wesens beiträgt und jedem hilft, auf die ihm angemessene Weise in Resonanz zu treten mit seiner Umwelt.

Anne-Careen Engel

Lebt nach jahrelanger Theaterarbeit als freie Künstlerin und Lehrerin für Yoga, Meditation und Nada Yoga in Hamburg. Sie entwickelte aufbauend auf der Jahrtausende alten, ursprünglichen Praxis ein Nada Yoga, das alte und neue Stimm und Klangwege vereint.

Siehe auch

Literatur

  • Hazrat Inayat Khan: Musik und kosmische Harmonie aus mystischer Sicht, Weinstadt, 2004.
  • Joachim Ernst Berendt: „Nada Brahma“ in: Die Welt ist Klang, Frankfurt, 1983.
  • Ders. „Das dritte Ohr“ in: Vom Hören der Welt, Frankfurt, 1985.
  • Ders. „Ich höre - also bin ich“ in Hör-Übungen - Hör-Gedanken, München, 1993.
  • Barbra Irmer, Carmen Mager: Nada Yoga - Hinwendung zum inneren Klang
  • Gunda Dietzel: Der individuelle Klang der menschlichen Stimme, Einführung in das Nada Brahma System nach Vemu Mukunda, Kisslegg, 2001.

Weblinks

Seminare