Visarjana – Verabschiedung der angerufenen Gegenwart
Visarjana – Verabschiedung der angerufenen Gegenwart (Sanskrit: विसर्जन visarjana) ist die rituelle Verabschiedung einer zeitweilig angerufenen göttlichen Gegenwart. Verwandte Bezeichnungen sind Udvasana und Utsarjana, deren genauer Gebrauch traditionsabhängig ist. Die Handlung schließt die zuvor vollzogene Einladung in einen bestimmten Verehrungsort ab.
Stellung und wichtige Unterscheidung
Visarjana kann am Ende von Puja oder Homa stehen. In Puja - 32 Schritte wird sie beim Abschluss nach der Widmung erläutert. Samarpana widmet die Handlung und ihre Früchte; Visarjana beendet die zeitweilige Anrufung. Beide werden nicht gleichgesetzt. Bei einer dauerhaft geweihten Tempel-Murti gelten andere Regeln als bei einem nur für diese Feier bereiteten Kalasha. Eine allgemeine Schlussformel ist deshalb keine Anweisung, eine dauerhaft verehrte Gottheit täglich „aus dem Bild zu entfernen“.
Beispiel am Ende eines Homa
Der Homa Sangraha verbindet ein Gebet an Agni mit folgender Verabschiedung:
Agni-Udvasana; sinngemäße deutsche Erklärung
oṃ agnaye namaḥ | agnim ātmany udvāsayāmi |
ॐ अग्नये नमः । अग्निम् आत्मन्य् उद्वासयामि ।
Bedeutung: Om, Verehrung Agni. Ich verabschiede die angerufene Feuergegenwart in mein eigenes Inneres.
Die Leitung sammelt sich und vergegenwärtigt Agni im Herzen. Damit ist der rituelle Bezug gemeint, nicht das physische Hineinziehen von Feuer. Das tatsächlich brennende Holz bleibt unter Aufsicht und wird nach den örtlichen Regeln sicher ausbrennen gelassen oder erforderlichenfalls gelöscht. Eine andere Schlussformel bittet um Rückkehr an den eigenen Ort und um ein erneutes Kommen. Sie betont den gastfreundlichen Abschied statt der Rücknahme ins Herz. Diese Bilder werden als verschiedene Ausprägungen erklärt, nicht zu einer einzigen obligatorischen Vorstellung vermischt.
Bedeutung und weiterer Umgang
Ein bewusster Abschied schützt die Feier davor, einfach abzubrechen. Er führt die gesammelte Aufmerksamkeit zurück ins alltägliche Handeln. Die Gegenwart des Göttlichen wird dabei nicht auf die Dauer der Zeremonie begrenzt. Das spätere Entfernen eines Festbildes oder sein Versenken in Wasser kann ebenfalls Visarjana heißen, ist aber eine besondere materielle Handlung. Nicht jedes temporär verehrte Bild muss in einem Gewässer versenkt werden. Gegenstände, Farben und örtliche Gegebenheiten werden bei der würdigen Nachbereitung berücksichtigt.
Ritualbeispiele und Quellen
- Weiterführende Ritualartikel und verwandte Fassungen: Vishnu Homa – Feuergebet für Beständigkeit und ein Leben im Dharma · Einfacher Homa · Ganesha Chaturthi mit Festpuja und Visarjana
- Srirama Ramanuja Achari: Homa Sangraha, Ausgabe 18. August 2015; Ritualfassung mit Bezug auf den Krishna Yajurveda: Homa Sangraha, Schluss, Homage to Agni und Verabschiedung Varunas; S. 18–19.
Weitere Ritualbestandteile
Puja - 32 Schritte · Bestandteile von Homa, Yajna und Havan · Bestandteile der Yoga Vidya Rituale
Die 32 Puja-Schritte
Dhyana – die Gottheit im Ritual vergegenwärtigen · Avahana – Einladung der göttlichen Gegenwart · Asana – der Gottheit einen Sitz anbieten · Padya – Wasser für die Füße der Gottheit · Arghya – ehrerbietige Wassergabe · Achamaniya – Schluckwasser für die Gottheit · Madhuparka – süße Ehrenspeise für den göttlichen Gast · Panchamrita Snana – Bad mit fünf Nektaren · Snana – das rituelle Bad der Gottheit · Plota – das Bildnis nach dem Bad trocknen · Vastra – Gewänder als Darbringung · Yajnopavita – heilige Schnur als Puja-Gabe · Abharana – Schmuck der Gottheit darbringen · Gandha – Duft und Sandelholz als Verehrungsgabe · Saubhagya Dravya – glückverheißende Gaben für die Göttin · Akshata – ungebrochener Reis als Ritualgabe · Pushpa – Blüten als Verehrungsgabe · Anga Puja – die Glieder der Gottheit verehren · Ashtottarashata Namavali – Verehrung mit 108 Namen · Dhupa – Räucherwerk als Darbringung · Dipa – die Lichtgabe der Puja · Naivedya – Speisen der Gottheit darbringen · Paniya – Trinkwasser zur Speisedarbringung · Tambula – Betelgabe als Abschluss der Bewirtung · Dakshina – Ehrengabe und Dank an die Ritualtragenden · Karpura Nirajana – feierliche Kampferlichtgabe · Mantrapushpa – Blütengabe und vedischer Schlussgesang · Pradakshina – ehrerbietige Umrundung · Namaskara – ehrerbietiger Gruß und Verneigung · Stotra – Lobgesang innerhalb des Rituals · Kshamapana – um Vergebung und Vollendung bitten · Samarpana – die Früchte des Rituals hingeben
Weitere Begriffe und Feuerbestandteile
Abhisheka – rituelles Übergießen und Weihen · Angavastra – Ober- und Schultertuch als Gabe · Kanthasutra – Halsschmuck der Göttin · Pranama – sich in Hingabe verneigen · Prarthana – Gebet und persönliche Bitte im Ritual · Arati – gemeinschaftliche Lichtverehrung · Achamana – rituelles Wasserschlucken der ausführenden Person · Alankara – das göttliche Bild schmücken · Pushpanjali – die gemeinsame Blütengabe · Upachara – Formen liebevoller Darbringung · Sankalpa – traditioneller Ritualvorsatz mit Zeit, Ort und Anliegen · Purnahuti – die volle Schlussgabe einer Yajna · Agnimukha – Vorbereitung und Eröffnung des Feueropfers · Sthandila und Rekha – Feuerplatz und rituelle Linien · Agni Sthapana – das Ritualfeuer einsetzen · Paristarana – Darbha um das Feuer auslegen · Patra Sadana – die Opfergeräte bereitstellen · Pranita und Prokshani – die Wassergefäße des Homa · Ajya Samskara – Ghee für das Feueropfer bereiten · Paridhi – Begrenzungshölzer des Feueropfers · Parishechana – Wasser um das Opferfeuer geben · Samidhadhana – geeignete Hölzer ins Feuer geben · Aghara – die eröffnenden Ghee-Ströme · Ajyabhaga – Ghee-Anteile für Agni und Soma · Ahuti – Mantra und Feuerdarbringung verbinden · Vyahriti Ahuti – Gaben mit den heiligen Weltenrufen · Svishtakrit – Agni um die Vollendung des Opfers bitten · Jayadi – ergänzende Gaben für das Gelingen des Rituals · Prayashchitta – rituelle Berichtigung und Wiedergutmachung · Vasordhara – der zusammenhängende Ghee-Strom · Agnyupasthana – das Feuer abschließend verehren · Anujna und Brahma Varana – Zustimmung und Ritualverantwortung · Kalasha Sthapana – das heilige Wassergefäß aufstellen · Punyahavachana – Reinheit und Wohlergehen feierlich zusprechen · Nyasa – Mantra und göttliche Gegenwart im Körper verorten · Ghanta – die Ritualglocke erklingen lassen · Rajopachara – königliche Ehrengaben in der Puja · Puja - 32 Schritte · Bestandteile von Homa, Yajna und Havan