Radha

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Radha ist ein Sanskritwort und bedeutet ursprünglich Glanz, Schönheit, Reichtum, Erfolg. Radha ist die Inkarnation, Avatar von Lakshmi, daher auch die Göttin der Schönheit, des Erfolgs, des Reichtums. Radha ist die Geliebte Krishnas. Radha und Krishna verkörpern das Geheimnis der Liebe an sich.

Krishna, Radha und Gopis

Das Sanskritwort Radha

Radha (Sanskrit: राधा Rādhā f.) Wohlstand, Erfolg, Großartigkeit. (1) Eine Gopi und Hauptgeliebte Krishnas. Steht symbolisch für die Liebe der individuellen Seele zu Gott, für liebevolle Hingabe Bhaktiyoga. Radha ist die Weltenmutter und untrennbarer Teil von Krishna, dem sie in Liebe verbunden ist. Sie wurde im heiligen Dorf Barsana bei Mathura geboren und war eine Inkarnation Lakshmis. Radha ist Devi. Sie ist die Königing der Schönheit und von Krishna verehrt. Sie sieht Krishna in allem.

Radha und Krishna gemalt von Raja Ravi Varma, 1890

(2) Die Radha des Mahabharata Epos ist nicht zu verwechseln mit der Gopi Radha. Radha war die Pflegemutter von Karna, der von Kunti gleich nach der Geburt ausgesetzt wurde. Radha ist die Frau des Wagenlenkers Adiratha, der das ausgesetzte Neugeborene fand und es Karna nannte. Radha war weiterhin die Mutter von Shon.

(3) Radha (Sanskrit: rāḍhā राढा f.) Schönheit, Strahlen, Glanz. Radha , Sanskrit राध rādha, m., Geschenk, Gefallen, Gabe. Name eines Monats (April/Mai), auch Männername.

Radha oder Radhika ist das Oberhaupt der Gopis, der Kuhhirtinnen von Brindavan und eine große Verehrerin Krishnas. Radhika bedeutet wörtlich, jemand, der Radhana oder Aradhana (Verehrung) ausführt. Sie war die Verkörperung von Liebe.

Radha ist die Anführerin Krishnas Geliebter. Alle Lakshmi-Statuen von Vaikuntha sind ihre Vilas-Murtis. Die Königinnen von Dwaraka sind ihr Spiegelbild. Lalita und andere Gopis von Brindavan sind ihre vielfältigen Erscheinungsformen. Sie durchdringt die Gopis mit ihrem feinen Körper, um so zu Krishnas Vergnügen beizutragen. Radha ist Krishnas Wonne, Zauberin, Lebensinhalt. Sie ist die Königin aller schönen Jungfrauen von Brija. Sie ist das krönende Juwel aller himmlische Schönheiten.

Die Substanz ihres Körpers in der Form Mahabhava (große Hingabe) ist Krishna-Prem (Liebe zu Krishna). Alle gute Eigenschaften sind ihre Blumengirlanden. Alle Bhavas schmücken ihre Glieder. Krishnas Name und seine Eigenschaften schmücken ihre Ohren. Krishnas name und seine Eigenschaften fließen in einem Strom aus ihrem Mund. Sie dient Krishna mit dem Getränk Premarasa oder Shyama-rasa (Liebessaft).

Krishna ist der höchste und unvergleichliche Liebhaber und Radha ist ihm identisch. Sie ist ein untrennbarer Teil von ihm. Der einzige Sinn ihres Lebens ist die Erfüllung von Krishnas Wünschen. Daher wird sie auch Krishnamayi genannt, sie besteht nur aus Krishna - innen wie außen. Krishna bezaubert alle. Radha ist der Zauber Krishnas. Daher ist sie die höchste Göttin.

Sukadev über Radha

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Radha

Radha heißt wörtlich Wohlstand, Erfolg. Radha ist aber insbesondere der Name einer Gopi, einer Kuhhirtin, auch Milchmagd genannt. Radha war die Geliebte von Krishna. In mancher Vaishnava-Traditionen war sie die Geliebte und die Frau von Krishna. Radha ist der weibliche Aspekt von Krishna. Es gibt viele Geschichten um Radha und die Schriften widersprechen sich auch dort.

Es gibt die Geschichte, dass Krishna in einem Hirtenstamm war, in dem Gopis und Gopas waren. Und Krishna war wunderschön und strahlte Liebe aus. Und die Gopis verliebten sich alle in Krishna, und sie wollten Krishna heiraten. Die Gopis machten sogar besondere Tapas-Übungen, besondere Askese Übungen, um Krishna ihnen gewogen zu machen, auch mit Mantras. Es gibt ein spezielles Mantra, um einen Mann zu bezirzen, damit er in Liebe zu der Frau entbrennt, das ist so eine der Traditionen. Und die Gopis wussten aber, Krishna war nicht irgendein Mann, er war ja noch dazu noch jugendlich. Er war Gott und so wollten sie auch Gott verehren. Und so stimmte Krishna nach einer Weile zu: „In der nächsten Vollmondnacht werde ich mit euch zusammen sein.“

Und so gab es eine Vollmondnacht, Krishna spielte die Flöte und alle Gopis, zum Teil waren sie sogar verheiratet, zum Teil nicht, alle Gopis verließen ihr Zuhause und gingen in den Wald. Und alle Männer waren wie von Zauberhand schläfrig und schliefen, die Gopis waren alle wach. Sie kamen zu dieser Lichtung im Wald und dann vervielfältigte sich Krishna, so dass er mit jeder Gopi tanzen konnte, und es entstand Rasa Lila, dieses gefühlvolle Lila, voller Emotionen. Und jede Gopi spürte die Gegenwart von Krishna, jede Gopi war voller Liebe. Und sie spürten diese göttliche Liebe von Madhurya Bhava, Gott gefühlt in Bhava, in Liebe, Bhava als der Geliebte.

Und dann plötzlich dachte jede dieser Gopis: „Ach, Krishna ist mit mir, und er ist besonders mit mir, er liebt mich mehr als andere.“ Und in dem Moment, als die Gopis das gedacht hatten, war das Ego zurück, in dem Moment verschwand Krishna. Es gab nur eine Gopi, die dieses Ego nicht hatte, das war Radha. Radha dachte nur an Krishna und hatte keinen Gedanken, ob sie besser oder schlechter war als die anderen. Und so blieb Krishna mit Radha zusammen. Und jetzt gibt es unterschiedliche Geschichten, wie es weitergeht. In der Bhagavatam heißt es, dass am nächsten Tag Krishna Vrindavan verlassen hatte, um an den Königshof von Kamsa zu gehen, und hat dann die Gopis nicht wiedergesehen. Es gibt andere Traditionen, die klingen vielleicht etwas romantischer und schöner, die sagen, dass Krishna mit Radha dann zusammenblieb, auf ewig zusammenblieb, und den Rest seiner Inkarnation auf dieser Erde mit Radha zusammenblieb und dann auch mit Radha zusammen die Welt wieder verließ.

Radha, als Inkarnation von Lakshmi, Krishna als Inkarnation von Vishnu. Radha und Krishna – das ewige Paar. Die meisten der Lieder zur Verehrung von Krishna enthalten auch Radha, und sie folgen dieser zweiten Tradition, die davon ausgeht, Radha und Krishna – ewiges göttliches Liebespaar, symbolisierend letztlich die Liebe von Mensch, symbolisiert durch Radha, und Gott, symbolisiert durch Krishna. Auch die Liebe des ewig Weiblichen und Männlichen, die letztlich eine Einheit bilden, sogar in Gott. Auch die Liebe an sich – Radha und Krishna, die göttliche Liebe, auch als Liebe zwischen Mensch und Gott, und Gott und Mensch. „Radha Krishna Karuna Lola Radhe Govinda. Radha, Oh Radha, segne uns. Oh Radha, erfülle unser Herz mit Liebe. Oh Radha, führe uns zu Krishna. Oh Radha, mögen wir ein ähnliche Liebe haben wie du zu Krishna, möge deine Liebe uns durchdringen. Oh Radha, möge unser Herz mit Krishna und dir eins werden. Jaya Shri Radha.“

Radha - das bezaubernde Mysterium

Vortrag anlässlich Radha Ashtami am 14. September 1983 von Swami Krishnananda

Feierten wir vor zwei Wochen das Erscheinen von Bhagavan Sri Krishna, so erinnert sich das Land heute an das Auftreten Radhas, der geheimnisvollen Gefährtin Bhagavan Sri Krishnas, der die Menschen allerorts die Ehre erweisen. Radha, das "Prinzip der Einheit" mit Bhagavan Sri Krishna ist so bedeutsam und einmalig wie die Botschaft, die der Herr Selbst durch Sein Leben der Menschheit überbrachte.

Die Verborgenheit, die der Schöpfung und dem Schöpfer dieser Schöpfung innewohnt, diese dramatische Beziehung zwischen Gott und seiner Manifestation sind mit dem Intellekt nicht zu erfassen. Vielfältig wurde dies von Philosophen und Bhaktas versucht, doch ist es bis zum heutigen Tag keinem gelungen, das Mysterium der Schöpfung zu enthüllen, es ist und bleibt dem physischen Auge verborgen. So bleibt der Mensch von Gott verschieden, denn wäre das Verhüllte unverhüllt gäbe es keine Welt, in der der Mensch seine Erfahrungen machen könnte. Die Illusion ist der Reiz einer Beziehung, selbst das Theaterstück bedient sich dieser Dramaturgie. Mit Logik ist die Beziehung zwischen dem Schauspiel und dem Schauspieler nicht zu erklären. Wir mögen glauben, sie gut zu kennen, doch sie ist nicht einfach zu verstehen. Der Mensch, der die Rolle im Theater spielt ist das eine, die Rolle die er spielt ist das andere und doch sind sie eine Einheit - faktisch besteht zwischen beiden kein Unterschied. Der Schauspieler ist verschieden von der Rolle die er im Schauspiel annimmt. Der Schauspieler verhält sich in der Rolle die er spielt völlig anders als in seinem privaten Leben. So können wir sagen, das Schauspiel ist verschieden vom Schauspieler, doch gleichzeitig wissen wir, sie gehören zusammen, sie sind eins. Wir können das Schauspiel nicht in eine Ecke stellen und den Schauspieler in die andere.

Derart ist die Beziehung zwischen Gott und der Welt. Wir wissen nicht, sind beide eins oder sind beide nicht eins. Viele Menschen, selbst aufrichtige Bhaktas, leben in der Vorstellung, die Beziehung zwischen Krishna und Radha sei der zwischen Narayana und Lakshmi oder zwischen Shiva und Parvati gleich. Dem ist nicht so, und schon hier beginnt das Mysterium. Die Puranas, die Epen und die Darlegungen über den Schöpfungsprozess heben die Beziehung zwischen Shiva und Parvati hervor. So ist Shiva der Mächtige und Parvati die Macht, Shakta und Shakti. Eine ähnliche Beziehung mag Lakshmi zu Narayana zugeschrieben werden. Ihre Untrennbarkeit ist offensichtlich, Ihre Beziehung leicht vorstellbar, da sie klar in himmlischer Herrlichkeit in Erscheinung tritt. Anders bei Krishna und Radha. Radha war nicht die Geliebte Krishnas. Sie ist nicht eine Shakti im Sinne einer ewigen Kraft des Werdens, wie Parvati sie für Shiva ausdrückt.

Das Wiedereinsetzen der Rechtschaffenheit und das Auslöschen des Bösen ist eine grundlegende Obliegenheit aller Avatare, so auch die von Bhagavan Sri Krishna. Doch war dem Leben Sri Krishnas noch etwas eigen, das in anderen Avataren nicht derart klar und vorherrschend zutage trat, nämlich, die Herrlichkeit Gottes zu glorifizieren und sichtbar zu machen. Die Allmacht Gottes wurde auch in anderen Avataren enthüllt. Eine erschreckende Kraft manifestierte sich als Narasimha (Mannlöwe) und weitere unglaubliche Kräfte des Göttlichen offenbarten sich in der Reihe der bekannten Inkarnationen. Sri Krishna wird auch Lila Purushottama genannt, dieser Name bedeutet, das Spiel Gottes wurde durch Sein Leben sichtbar.

Welcher Art ist dieses Spiel Gottes? Das Leben Sri Krishnas führt es uns vor Augen. Selbst mit der höchst erdenklichen Vorstellungskraft des menschlichen Genius kann das Spiel Gottes von keinem Sterblichen erfasst werden. Jede Hoffnung es zu verstehen ist fruchtlos. Ich gab ihnen mit der Beziehung zwischen dem Schauspiel und dem Schauspieler eine einfache und gängige Darstellung der Schwierigkeit.

Doch der Herr in Seiner Glorie ist nicht lediglich übermenschlich im Sinne von etwas, das die menschlichen Beziehungen übertrifft, Er steht "über" den menschlichen Beziehungen. Gott ist nicht nur die Befolgung des Gesetzes, Er ist ebenso die Übertretung des Gesetzes. Diese Vorstellung Gottes mag auf den gesetzgebundenen menschlichen Geist erschreckend wirken. Doch die hervorgerufene Furcht nimmt ab und wird verständlich in dem Moment, da wir erkennen, dass auch im weltlichen Sprachgebrauch der König "über" dem Gesetz steht.

Alle rechtlichen Verordnungen, Prinzipien und Normen des Miteinanders einer Gesellschaft werden von König festgelegt. Er ist die höchste Rechtsprechung und die Gesetze die er festlegt gelten für Ermittlungen, Sachlagen und Urteile. Doch kann der König bei Bedarf das Urteil des höchsten Gerichtes seines Königreiches durch ein anderes Gesetz außer Kraft setzen. Dieses muss nicht im Widerspruch zum bestehenden Gesetz stehen, doch kann es das bestehende Gesetz überlagern. Für den schlichten Geist mag es den Anschein haben, es würde gegen bestehendes Gesetz verstoßen. So sind Gottes Gesetze von denen der Menschen verschieden, sie überschreiten die Gesetze der Menschen und diese nehmen eine Überschreitung als einen Verstoß wahr.

Alle Gesetze und Normen, die uns im Traum erscheinen übertreten wir im Wachen, das wissen wir nur zu gut. Alle Grundsätze, die wir im Traum als gültig erachteten werden im Wachzustand verworfen, doch können wir das Handeln im Wachen nicht als Gesetzesuntreue bezeichnen. Es ist eher eine Erfüllung als eine Zuwiderhandlung. Alle Gesetze des Traumes erfüllen sich auf einer höheren Ebene und in einer erweiterten Sinnhaftigkeit in dieser sogenannten Zuwiderhandlung, der Verneinung der Gesetze des Traumes. Derart ist Gottes Wirken in der Welt. Es ist eine Rückschau auf das menschliche Verhalten, um einen klaren Unterschied erkennen zu lassen zwischen den verschiedenen Manifestationen (Inkarnationen) Bhagavan Sri Narayanas und dem Leben Sri Krishnas.

Kommen wir nun zur Beziehung zwischen Sri Krishna und Radha. Wie ich schon erwähnte, ist sie nicht von der Art wie die Beziehung zwischen Narayana und Lakshmi oder Shiva und Parvati. Es ist die Beziehung zwischen Gott und Seiner Schöpfung oder - philosophisch ausgedrückt - die Beziehung zwischen Bewusstsein und Materie, der Seher und das Gesehene. Niemand kann sagen welcher Art diese Beziehung ist. Aus psychologischer Sicht ist es die Beziehung zwischen Verstand und Gefühl. Aus logischer Sicht ist es die Beziehung zwischen Subjekt und Objekt. Aus kosmischer Sicht ist es die Beziehung zwischen Gott und Schöpfung. Aus analytischer Sicht ist es die Beziehung zwischen Verstand und Trieb. Beide sind verbunden, sie können nicht als zwei verschiedene Dinge betrachtet werden. Das eine setzt sich im anderen fort, das eine ist untrennbar vom anderen, das eine ist notwendig für das andere, das eine geht im anderen auf.

Der spirituelle Sadhana kennt zwei Stufen, eine hohe und eine niedere. Alle Inkarnationen zeigen ein Verhalten, das wir als normal bezeichnen können. Nur in Sri Krishnas Leben finden wir ein Verhalten das über das Normale hinausgeht, es ist nicht abnormal, sondern übernormal. Die Normen des menschlichen Lebens als Maßstab zu nehmen, um die unermessliche Unermesslichkeit Shri Krishnas zu ermessen, wäre, als würde man glühende Kohlen auf trockenem Stroh tragen wollen. Es ist einfach nicht möglich. Sri Krishnas Erscheinen und Seine verschiedenen Lilas werden in den Puranas, im Shrimad Bhagavatam und weiteren Epen beschrieben. Seine Spiele sollen ein Fingerzeig sein, ein Hinweis auf die Existenz von Etwas, das völlig verschieden ist von dem, was der Mensch als wertvoll und bedeutungsvoll erachtet. Alles was uns bedeutungsvoll ist in dieser Welt, ist im Königreich Gottes bedeutungslos. All der Reichtum des Helden im Traum ist wertlos im Wachen. Nicht nur Besitz, sondern alle Werte und Normen, die die menschliche Gesellschaft sich gegeben hat, sind, wie ich schon erwähnte, nichtig, sie sind außer Kraft gesetzt, damit sich eine Sehnsucht erfüllen kann, der Einzug Gottes in die Herzen der Menschen.

Wenn wir verstehen wollen, welches Verhalten Gott von einem guten Menschen erwartet, müssen wir die Geschichten von guten Menschen lesen. Die großen Weisen, die durchdrungen waren von Gottesliebe und Gotteserfahrung, benahmen sich weder wie Menschen noch wie Mann oder Frau. Dass sie sich nicht verhielten wie Menschen ist noch gelinde gesagt. Sie waren unberechenbare Wesen innerhalb der menschlichen Gesellschaft, in jeder Hinsicht unvereinbar mit menschlichen Normen des Zusammenlebens und Verhaltens.

Bis heute war es niemandem gegeben, die Beziehung zwischen Sri Krishna und Radha zu verstehen. Sie sind nicht Gatte und Gattin, nicht Bruder und Schwester, nicht Eltern und Kind. Was kennzeichnet Ihre Beziehung? Es ist etwas bisher Unausgesprochenes und es wird unausgesprochen bleiben, denn es soll offenbar nicht ausgesprochen werden. Wie ich schon ausführte ist es eine Offenbarung menschlicher Bedürfnisse und menschlicher Natur, die sich im täglichen Leben in unserer eigenen Existenz manifestieren. Durch unseren physischen Körper sind wir gezwungen in den Fesseln menschlicher Gesellschaft und politischer Führung zurechtzukommen. Immer wieder versuchen wir, diese übernormalen Erwartungen und Visionen dem Prokrustesbett der sichtbaren Normen einer ritualistischen, mechanischen Religion anzupassen, die sich die Menschen allzeit auferlegen.

So ist der heilige Ritus ein Mahner an den Geist des Menschen, nicht nur an seine Psyche, dass Etwas in ihm lebt, das weder Mann noch Frau noch Mensch ist. Wir können nur wie Menschen denken, höchstens uns der Eingeschränktheit unseres Denkens gewahr werden. Wie scharf und genial auch immer ihre Betrachtungen sich darstellen, Männer können nicht glauben, dass sie Frauen sind und Frauen können nicht glauben, dass sie Männer sind. Da ist diese schreckliche Einschränkung unseres Denkens selbst. Und noch schlimmer ist das was uns zwingt zu erkennen, dass wir Menschen sind. Sri Krishna verhielt sich nicht wie ein Mann, nicht wie eine Frau und nicht wie ein Mensch. Dieser Tatbestand von nichtmenschlichem oder übermenschlichem Verhalten wird in bestimmten Abschnitten des Srimad Bhagavata Mahapuranas beschrieben und wir sind immer wieder bezaubert, wenn wir über diese Mysterien hören oder lesen.

Gott ist Bezauberung und wird ewig Bezauberung bleiben. Wir können die Länge und Breite von Gottes Existenz nicht durch Arithmetik oder Algebra errechnen. Ebenso können wir mit unseren ethischen Normen nicht ermessen, ob Gott richtig oder falsch handelt, denn menschliche Ethik ist ebenso Mathematik, sie ist ebenfalls ein Maßstab wie Arithmetik. Das alles können wir nicht anwenden auf die Manifestation eines grenzenlosen Wesens in begrenzter Gestalt, das wir als Avatar oder Inkarnation benennen. In diese Sphären ist der Eintritt des menschlichen Denkens untersagt. Wie die Bibel uns erklärt, ist es dem Menschen verboten in das Reich Gottes einzutreten, Gott hat einen Engel mit einem Flammenschwert an das Tor Seines Reiches, den Garten Eden, gestellt, so dass kein Sterblicher einzutreten vermag. Dies soll uns nur klar machen, dass der Mensch Gott nicht verstehen soll und kann. Deshalb können die Gesetze Gottes mit menschlichem Verhalten und menschlichen Normen nicht erfasst werden.

Die Selbstzufriedenheit und Großspurigkeit des Menschen in Bezug auf den Irrglauben, sein Verstand sei vollkommen, muss eines Tages zerschmettert werden durch den "Einschlag" der Unfassbarkeit Gottes. Dies geschah mit dem Erscheinen Bhagavan Sri Krishnas. Seine Lilas werden als Geschichten in den Puranas und Epen erzählt. Sie geben ein Gleichnis: wenn Gott in den Menschen "einschlägt" ist es, als würde ein toller Elefant in eine Hütte preschen. Die Hütte besteht nicht mehr sobald der Elefant darin ist. All dies sollen nur Beispiele sein. Der durch sein Ego ewig in gewohnten Gedankenmustern verhaftete Mensch möchte diese durchbrechen, seine Maßstäbe erweitern um sich emporzuheben in das Königreich im Himmel. Doch ist ihm das nicht erlaubt, denn das Flammenschwert macht es ihm unmöglich, einzutreten. Deshalb schreiben die Upanishaden "Vor dem die Worte zurückweichen". Das Königreich Gottes bleibt Auge, Geist und Verstand verschlossen. Wir sind dazu verurteilt, aus der Ferne zu staunen und allein durch den Gedanken an das Reich Gottes Verzückung zu erfahren. Derart ist die Glorie, der wir auf mystischen und unbeschreiblichen Wegen in unserem Leben gewahr zu werden versuchen, durch Religion und spirituelle Heilighaltung.

Das Mädchen aus der Lotosblüte

Artikel von Manjari-Malati, erschienen im Yoga Vidya Journal Nr. 16

Krishna und Radha

„Das Mädchen aus der Lotosblüte“ erzählt die Geschichte von Radha, der Göttin der Liebe und Ihrem Erscheinen in dieser Welt. In Indien wird diese Erzählung von Generation zu Generation weitergegeben.

Vor vielen tausend Jahren, lebte im fernen Indien, in einem Ort names Ravall, ein sich innig liebendes Königspaar: König Vrisabhanu und seine wunderschöne Frau Kirtida. Jeder in ihrem Staat war glücklich und zufrieden und alles im Land blühte. Es gab nur eine Sache, die das königliche Paar traurig stimmte: Obwohl es ihr Herzenswunsch war, ihre Liebe mit einem Kind zu krönen, konnten sie kein Kind bekommen. Ihre Trauer und Verzweiflung wuchs und so suchten sie Zuflucht in Meditation und Gebet. Täglich nahmen sie grosse Entsagungen und Bußen auf sich, meditierten und beteten. Ihr Palast befand sich nahe dem Fluss Yamuna. Von diesem Fluss wird gesagt, er sei ein mystischer Fluss, der nicht nur die Körper, sondern auch die Herzen der darin Badenden reinige. Und so nahmen sie jeden Tag für eine lange, lange Zeit, ihr Bad in dem Fluss Yamuna. Eines Tages, König Vrishabanu war diesmal alleine zum Baden in den Fluss gegangen, sah er in der Mitte des Flusses ein strahlendes Licht. Er watete tiefer in das Wasser, um herauszufinden, woher das Leuchten käme. In der Mitte des Flusses sah er einen wunderschöne, leuchtende Lotosblume. Als er sich der mystischen Lotosblume genähert hatte, zog er sich am Rand hoch, um zu sehen, woher der strahlende Glanz kam. Sein Herz blieb fast stehen und er konnte seinen Augen kaum trauen: Bequem eingebettet in der Lotosblume, schlummerte friedlich ein wunderschönes, goldenes Baby. In diesem Moment erklang eine Stimme vom Himmel. Brahma, der Schöpfer des Universums sprach: „Vrishabanu, dieses Mädchen ist die Göttin des Glücks und der Liebe. Ihr Name ist Radha. Sie ist euch gegeben worden, als Antwort auf euer Gebet. Kümmert euch gut um sie.“ Sanft hob Maharaj Vrishabanu die kleine Radha in seine Arme. Sein Herz tanzte in Freude und seine Augen füllten sich mit Tränen der Liebe. Rasch eilte er nach Hause zu seiner Frau Kirtida. Ihre Freude hatte keine Grenzen. Sie umarmten sich und tanzten vor Glück, während Baby Radha friedlich schlief.

Einige Tage vergingen, aber die kleine Radha öffnete nicht ihre Augen. Sie schien in einem tiefen, friedliche Schlaf zu sein. Das Königspaar wurde verwirrt: „Was sollte das bedeuten?“ Ein Kind, von den Göttern gegeben, das aber nur schläft und nicht die Augen öffnet? Hatten sie etwas falsches getan? In ihrer Verzweiflung riefen sie nach dem berühmten Priester Narada, von dem gesagt wird, er kenne Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Narada bereist ständig das gesamte Universum während er süsse Melodien auf seiner Vina spielt. Als der Priester Narada kam und die kleine Radha sah, fing er vor Freude an zu singen und zu tanzen und das schlafende Baby zu umkreisen, bis er letztendlich auf die Knie fiel und dem kleinen Mädchen Gebete dar brachte. Als sich der Priester beruhigt hatte, erzählten Vrishabanu und Kirtida ihm von ihrem Problem: Sie öffnete nicht ihre Augen! Priester Narada war darüber keineswegs beunruhigt. Er empfahl ihnen, ein grosses Geburtstagsfest für Radha zu machen und alle benachbarten Kuhhirten einzuladen und so verliess er tanzend und singend ihr Haus und zog seines Weges. Ziemlich verwirrt, ob des ungewöhnlichen Ratschlags, folgten Vrisabhanu und Kirtida dennoch dem Rat des Priester und trafen Vorkehrungen für eine grosse Geburtstagsfeier zu Ehren von Radha. Botschafter wurden in alle benachbarten Dörfer gesandt und ein grossartiges Festessen wurde vorbereitet.

Als der grosse Tag gekommen war, kamen alle benachbarten Kuhhirten mit ihren Familien und vielen wunderschönen Geschenken für die kleine Radha. Aus dem benachbarten Dorf, names Vraja, kamen König Nanda und seine Frau Yashoda, mit ihrem kleinen Sohn Krishna. Jeder war bestrebt, die kleine Radha zu sehen und ihr Geschenke und Glückwünsche zu geben. Als alle Kuhhirten sich um das kleine Bettchen, das mit feinster Seide ausgelegt war, versammelt hatten, kam plötzlich der kleine Krishna und wollte sie auch sehen. Er versuchte sich am Bettchen hochzuziehen. Seine Mutter Yashoda half ihm und hielt ihn genau über Radha, damit er sie sehen könne. Als Krishna die kleine Radha sah, fing er an, in die Hände zu klatschen und vor lauter Freude zu lachen. Radha hörte seine Stimme, roch die Sandelholzpaste auf seinem Körper und fühlte seine Gegenwart. In diesem Moment öffnete sie ihre Augen - und sah direkt in sein lachendes Gesicht. Denn ihre Augen sind bestimmt, um Ihn zu sehen. Sie sahen sich an und lachten - sie sind die Götter der Liebe und des Glücks - seit immer und für immer gehören sie zusammen - zwei Körper aber ein Herz und eine Seele. Sie lachten und alle fingen an zu lachen, und zu tanzen und das grosse Fest fing an. Die Götter sahen vom Himmel aus zu und liessen Blumen auf das göttliche Paar regnen.

Liebe lässt uns die Augen öffnen. Nur Liebe lässt uns sehen. Liebe gibt uns das Augenlicht. Nur Liebe gibt die wahre Sicht.

Multimedia

Krishna - Geschichten des Herzens: Geschichten, die zu Herzen gehen: Wie Krishna zu seinen 16000 Frauen gekommen ist. Krishna und sein Freund. Mira, eine der größten mittelalterlichen Heiligen Indiens. Erzählt von Sukadev im Satsang nach der Meditation im Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg.

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Siehe auch

Literatur

  • Götter und Göttinnen im Hinduismus. Verlag Yoga Vidya 2008, ISBN 978-3-931854-66-3
  • Bhagavad Gita, Teil der Mahabharata, mit Einführung in die Mahabharata
  • Dowson, John: A Classical Dictionary of Hindu Mythology and Religion – Geography, History and Religion; D.K.Printworld Ltd., New Delhi, India, 2005

Weblinks

Seminare

Indische Schriften

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Hinduistische Rituale

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Bhakti Yoga

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Mantras und Musik

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