Beckenschiefstand

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Beckenschiefstand Das ist ein relativ verbreitetes Problem, das verschiedene Ursachen haben und Rückenschmerzen hervorrufen kann. Yoga kann Besserung bringen.

Beckenschiefstand, Yoga kann Besserung bringen.

Yoga bei Beckenschiefstand

Mit einem gezielten Physiotherapie- undYoga-Training und ausgleichenden Übungen, auch in der Yogatherapie, kann hier bald eine Besserung erreicht werden. Bei der Mehrzahl der Menschen liegt eine leichte Asymmetrie/Schiefstellung vor, die nicht zu Problemen oder Schmerzen führen muss; meist rufen nur größere Abweichungen Beschwerden hervor.

Was ist Beckenschiefstand

Als Beckenschiefstand bezeichnet man den Umstand, wenn bei geradem Stand eine Beckenschaufel höher als die andere ist. Ein Beckenschiefstand ist relativ häufig. Der Mensch ist kein symmetrisches Wesen. Dies beginnt bereits damit, dass sich das Herz mehr auf der linken Körperseite befindet. Der Magen ist mehr auf der linken, die Leber mehr auf der rechten Körperseite. Fast alle Menschen sind entweder Rechts- oder Linkshänder. Im Normalfall sind daher Beckenschiefstände auch nicht von Relevanz vom Standpunkt der Schmerzwahrscheinlichkeit her. Sukadev, Gründer und Leiter von Yoga Vidya, hat noch von keinem Menschen gehört, der beim Chiropraktiker war und dem kein Beckenschiefstand diagnostiziert wurde. Es scheint so zu sein, dass die meisten Menschen etwas asymmetrisch sind.

Ursachen für Beckenschiefstand

Es gibt verschiedene Gründe für einen Beckenschiefstand. Ein anatomischer Grund kann zum Beispiel sein, dass ein Unter- oder Oberschenkelkochen einer Beinseite kürzer ist. Eine andere Möglichkeit ist eine Skoliose im Lenden- oder Brustwirbelbereich, die dazu führt, dass eine Beckenschaufel höher ist als die andere.

Ist ein Beckenschiefstand medizinisch relevant

Wenn man die Diagnose eines Beckenschiefstands hat ohne Schmerzen im unteren Rückenbereich, kann man diese Diagnose ignorieren. Ähnlich wie man ignorieren kann, dass die Muskeln auf einer Seite des Körpers stärker ausgeprägt sind, je nachdem ob man Links- oder Rechtshänder ist. Ein Beckenschiefstand kann dann relevant sein, wenn er in Kombination mit Rückenschmerzen auftritt. Bei einseitigen Rückenschmerzen in Verbindung mit einem Beckenschiefstand kann zum Beispiel eine chiropraktische oder osteopathische oder manuelle Therapie einer anderen Tradition hilfreich sein. Die Erfahrung zeigt zwar, dass die Wirbelsäulenabweichungen selbst die Wahrscheinlichkeit von Rückenschmerzen nicht erhöhen. Aber durch die Art der Haltungsabweichung wird die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass bei vorhandenen Rückenproblemen diese an einer bestimmten Stelle auftreten. Wenn man sich also bemüht, diese Haltungsabweichungen aufzulösen oder zu lindern, lösen sich auch die damit zusammenhängenden Rückenschmerzen, beziehungsweise –verspannungen auf.

Was bedeutet dies für Yoga

Grundsätzlich ist es wichtig, Muskeln zu stärken, zu dehnen, zu bewegen und zu entspannen.

Die 5 goldenen Regeln:

  • Stärke deine Muskeln
  • Dehne deine Muskeln
  • Bewege dich häufig
  • Praktiziere Entspannungstechniken
  • Eigne dir eine positive Lebenseinstellung an

All das zusammen lindert Schmerzwahrscheinlichkeit bei Rückenproblemen insgesamt.

Stärke deine Rückenmuskeln

Hierzu gibt es bei Yoga Vidya auf den Internetseiten eine Menge Anleitungen zu bestimmten Übungen. Wenn du Schmerzen im Lendenwirbelbereich hast, sind zum Beispiel Übungen wie Heuschrecke, halbe Kobra, diagonale Katze, Vogel, diagonales Boot, schiefe Ebene und schiefe Ebene auf den Ellbogen hilfreich. Wenn du eher Schmerzen im Kreuzbein-Bereich hast, ist die Stärkung der Abduktoren wichtig, zum Beispiel durch Übungen wie der Seitstütz, um die tiefen Gesäßmuskeln zu stärken.

Im Normalfall sind Beckenschiefstände nicht von Relevanz vom Standpunkt der Schmerzwahrscheinlichkeit her.

Dehnung

Sanfte Dehnung im Lendenbereich und Gesäßbereich bewirkt Schmerzlinderung. Hierfür eignen sich zum Beispiel Übungen wie die Stellung des Kindes und Krokodilsübungen.

Tiefenentspannung und positive Lebenseinstellung

Hierzu verhelfen allgemein Yogaübungen.

Was gilt es spezifisch bei Beckenschiefstand vom Yogastandpunkt aus zu üben

Zunächst gilt bei symmetrischen Übungen, sich tatsächlich darum zu bemühen, sie symmetrisch auszuführen. Bei der Vorwärtsbeuge sollte zum Beispiel darauf geachtet werde, dass die Zehen gleich nah sind und man mit beiden Händen gleich weit zum Boden kommt. Bei der Kobra sollte man seinen Yogalehrer bitten zu schauen, dass nicht eine Seite höher ist als die andere. Bei der Heuschrecke sollte darauf geachtet werden, beide Beine gleichweit nach oben zu heben. Und auch der Sonnengruß sollte symmetrisch ausgeübt werden.

Bei asymmetrischen Übungen ist es gut, die Seite, die schwerer fällt, etwas länger zu halten. Bei der halben Vorwärtsbeuge also die Seite etwas länger halten, auf der man etwas weniger flexibel ist. Auch beim diagonalen Boot, Drehsitz, Dreieck und Kuhmaul gilt dies. So kann man schrittweise beide Seiten wieder etwas angleichen. Darüber hinaus gibt es viele Standhaltungen, die ganz besonders auf die Stabilität der Beine und das Becken eingehen. Man kann verschiedene Heldenstellungen praktizieren (Virabhadrasana), Dreieckshaltungen oder auch verschiedene Variationen des herabschauenden Hundes. All diese Übungen können helfen, die Hüfte zu begradigen. Ein Yogalehrer, der überprüfen kann, ob die Hüfte tatsächlich gerade ist, ist dabei natürlich sehr hilfreich. Bei Yoga Vidya wird nicht so viel Wert auf einen etwaigen Beckenschiefstand gelegt, da empirische Forschungen zeigen, dass es für die Wahrscheinlichkeit von Rückenproblemen nicht erheblich ist.

Kurzes Vortragsvideo zum Thema Yoga bei Beckenschiefstand

Sprecher/Autor/Kamera: Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya, Buchautor, Ausbildungsleiter zu Yoga und Meditation.

Krankheitsursachen

Zu den Ursachen, die einen Beckenschiefstand auslösen können, gehören:

  • Beinlängendifferenz (tatsächliche anatomische oder funktionelle (z.B. Kippung des Beckens durch verspannte Rückenmuskulatur; wenig ausgeprägte Muskulatur des Fußes und Beins auf einer Seite nach einer Fuß-OP mit Abflachung des Fußgewölbes);
  • Muskelverspannungen;
  • Verletzungsfolgen wie Sportverletzungen, auch Folgen operativer Verletzung;
  • Skoliose;
  • Tragen eines hohen orthopädischen Schuhs nach einer Fuß-OP auf nur einer Seite und über einen Zeitraum von mehreren Wochen;
  • Osteoporose und andere Erkrankungen, die die Knochenstruktur schädigen und dadurch ein Ungleichgewicht hervorrufen können;
  • Fehlstellung der Halswirbelsäule, insbesondere des Atlas (Wechselwirkung in beide Richtungen, d.h. der Beckenschiefstand kann eine Fehlstellung der Halswirbelsäule auslösen und umgekehrt);
  • Blockade eines Ileosakralgelenks (Kreuz-Darmbein-Gelenks);
  • Kieferprobleme, nächtliches Zähneknirschen (Bruxismus).
  • ungleiches Wachstum der Beine bei Jugendlichen (meist nur ein vorübergehendes Problem).

Im nachfolgenden Video der Praxis Osteovital wird darauf hingewiesen, dass der Beckenschiefstand in sehr vielen Fällen kompensatorisch ist, d.h. dass das Becken ein muskuläres Ungleichgewicht oder eine Fehlstellung ausgleicht, die sich an ganz anderer Stelle im Körper befindet.

Symptome

Ein Beckenschiefstand kann Rückenschmerzen und Beschwerden an der Hüfte verursachen; er kann auch Auswirkungen auf andere Bereiche des Skeletts (Halswirbelsäule, Kiefer, Knie, Füße) und das Gebiss (Bruxismus, nächtliches Zähneknirschen oder Aufeinanderpressen der Zähne) haben und hierdurch eine verspannte Nackenmuskulatur und auch Kopfschmerzen verursachen.

Bei Nichtbehandlung des Schiefstands kommt es zu zusätzlichen Muskelverspannungen, einseitiger Abnutzung von Bandscheiben und Gelenken und es kann sich eine Skoliose ausbilden. Auch zu vermeintlichen Zahnschmerzen kann es durch eine durch den Beckenschiefstand ausgelöste, gestörte Kiefergelenksfunktion kommen.

Diagnostik

Der Betroffene kann selbst vor dem Spiegel feststellen, ob er von einem Beckenschiefstand betroffen sein könnte und sich diese Vermutung dann von einem Arzt oder Physiotherapeuten bestätigen lassen.

Dazu kann er überprüfen, ob seine Hüftknochen auf gleicher Höhe sind; Wolfgang Kessler (Yoga... und der Rücken atmet auf, S. 36) empfiehlt, die Daumen am oberen Rand des Beckenkamms abzulegen und hier die Höhengleichheit zu prüfen. Auch ein starkes Hohlkreuz oder ein nach hinten vorstehendes Gesäß oder ein zu flaches Gesäß können auf einen Schiefstand hindeuten; ebenso können die Darmbeinstacheln verdreht sein.

Der Arzt oder Physiotherapeut kann die Beinlängen messen (bei stärkeren Längenunterschieden kann auch ein Hinken auftreten); kleine Unterschiede von 2-3 Millimetern sind unerheblich; ab einem Unterschied von 6 Millimetern sollte etwas unternommen werden, sollte(n) die Ursache(n) bestimmt und therapeutische Maßnahmen eingeleitet werden. Der Arzt wird dann auch feststellen, ob die Muskulatur auf die Veränderung schon reagiert hat und ob schon Anfänge einer Skoliose zu erkennen sind.

Für die genaue Vermessung der Wirbelsäule steht heute auch die 4D-Wirbelsäulenvermessung zur Verfügung, die für den Patienten keine Strahlenbelastung mit sich bringt und daher auch für Kontrolle hinsichtlich der Wirksamkeit der therapeutischen Maßnahmen und bei Kindern gefahrlos eingesetzt werden kann.

Therapie

Viele Fachleute sprechen sich heute dagegen aus, zur Behandlung von nur funktionell bedingten Beinlängenunterschieden Einlagen zu verschreiben; in vielen Fällen ist es sinnvoller, nach Aufnahme der genauen Krankengeschichte und genauer Ermittlung der Ursache eben den Körperbereich zu behandeln, der die Schiefstellung des Beckens ausgelöst hat.

Dies kann etwa durch Training von Muskelgruppen, die nach einer Verletzung weniger entwickelt sind als die der anderen Seite (die nun Wirbelsäule oder Becken zu sich hinzieht) geschehen, aber auch durch Auflösung muskulärer Verspannungen oder Einrenkung verschobener oder blockierter Gelenke (z.B. Iliosakralgelenk), Behandlung von Fehlstellungen der Wirbelsäule usw. Die betroffene, verspannte Muskulatur kann sich dann wieder normalisieren.

Die Dorn-Methode (siehe nachfolgendes Video) ist eine hilfreiche Methode auch zur Korrektur von funktionellen und scheinbaren Beinlängenunterschieden.

  • Wolfgang Kessler (Yoga...und der Rücken atmet auf, S. 36) empfiehlt als Yogaübung Standübungen wie die Berghaltung (siehe Video oben rechts).
  • Ist der scheinbare Beinlängenunterschied auf verspannte Muskulatur zurückzuführen, dann sind auf jeden Fall längere Entspannungsübungen wie Yoga Nidra und Tiefenentspannung (siehe nachfolgende Videos) sehr sinnvoll; sie können auch mit der Visualisierung des gesunden Zustandes kombiniert werden.

Sofern der scheinbare Beinlängenunterschied auf eine relativ häufig auftretende Blockade des Iliosakralgelenks zurückzuführen ist (kommt auch während der Schwangerschaft oft vor), kann

  • das Krokodil, Nakrasana, ausgeführt werden (siehe Video unten). Das Krokodil hat den angenehmen Nebeneffekt, dass es zugleich auch die verspannte Muskulatur des unteren Rückens lösen kann.
  • Auch morgendliches Radfahren im Bett kann zur Lösung der Blockade führen.
  • Eine weitere Übung zum Lösen der Blockade wäre, sich mit einem Bein auf ein Yogakissen oder auch eine erhöhte feste Unterlage (Yogablock, Buch) zu stellen und mit dem freien Bein vor und zurück zu pendeln. Dann die Seite wechseln.

Wie schon oben erwähnt, ist es jedoch wichtig, den Auslöser des Beckenschiefstandes herauszufinden und dann insbesondere diesen Körperbereich (Verspannungen, Halswirbelsäule, Kiefer, Fuß usw.) zu behandeln.

Sofern die Fehlstellung mit Schmerzen oder sogar neurologischen Ausfällen (Taubheit, Kribbeln, Muskelschwäche etc.) verbunden ist, sollte auf jeden Fall ein Arzt konsultiert werden.

Quellen


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Siehe auch

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Literatur

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