Besessenheit

Aus Yogawiki

Besessenheit bedeutet insbesondere eine Idee, ein Anliegen mit einer Intensität zu verfolgen, die alles andere in den Schatten stellt. Besessenheit ist das Gegenteil von Besonnenheit, Bedachtheit. Man ist dermaßen überzeugt von etwas, dass es aussieht, als ob man die Kontrolle darüber verloren hat: Nicht man selbst besitzt eine Idee, ein Anliegen, eine Aufgabe, sondern die Idee, das Anliegen besitzt einen. So wird man besessen von einer Vorstellung.

Besessenheit kann etwas Positives sein, weil es alles andere in den Schatten stellt und man mit großer Intensität etwas angehen kann. Besessenheit kann einen aber auch ins Verderben stürzen, wenn man etwas mit Besessenheit verfolgt, was man eigentlich loslassen sollte. Im Schamanismus wird Besessenheit auch manchmal wörtlich verstanden: Ein Mensch wird von einem Geist, einem fremden Feinstoffwesen, besessen, und tut deshalb Dinge, die er eigentlich nicht will. Dann braucht es Rituale, um die Besessenheit wieder loszuwerden. Im Christentum nennt man das Exorzismus. Auch in Indien gibt es diese Vorstellung von Besessenheit durch einen Preta, einen Geist. Sie spielt jedoch im Yoga keine Rolle, weder in der Bhagavad Gita noch im Yoga Sutra wird von dieser Art von Besessenheit gesprochen. Und auch moderne Yoga Meister kommen in ihren Lehren ohne das Konzept von Besessenheit durch Geister aus. Allerdings empfehlen sie, auch mal mit Intensität ein Engagement zu verfolgen - und dann wieder mit Gelassenheit und Behutsamkeit, mit Vernunft (Buddhi) und Unterscheidungsvermögen (Viveka) zu agieren.

Besessenheit als Tugend

Aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

Heute möchte ich über das Thema Besessenheit sprechen. Ich möchte dabei nicht sprechen von einer okkulten Besessenheit, sondern eher aus psychologischer Sicht gesehen, obgleich ich es von vielerlei Hinsicht irgendwo beleuchten will. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes "Besessenheit" war ja, dass man die Vorstellung hat, man wird von irgendeinem Geist besessen, man ist nicht mehr Herr über sich selbst, sondern jemand anders besitzt einen. Natürlich, dann gibt es den Exorzismus im katholischen Christentum, um Besessenheit zu überwinden und in Afrika gibt es das im Voodoo-Schamanismus. Dort wird sogar angenommen, dass die meisten Krankheiten und psychischen Schwierigkeiten durch irgendeine Form von Besessenheit kommen. Und auch in Südamerika gibt es jede Menge Schamanen, die alle möglichen Probleme und Krankheiten auf Besessenheit zurückführen und dann sagen, man muss den Geist austreiben und dann geht es einem besser. Das Interessante ist, nach einer vergleichenden Studie über psychische Probleme scheinen solche schamanischen Techniken, um Besessenheit loszuwerden, durchaus gut zu funktionieren, für manche Menschen sogar besser als eine Psychotherapie. Ich selbst meine allerdings, dass die Schwierigkeiten der Menschen nicht durch Besessenheit durch einen Geist kommen, sondern dass sie von anderen psychischen Problemen kommen.

Besessenheit gibt es aber auch in einem anderen Kontext, deshalb will ich jetzt nicht weiter über Besessenheit von einem Geist sprechen, sondern man kann auch besessen von einer Idee sein, man kann besessen sein im positiven Sinne wie auch im weniger guten Sinne. "Besessen" hat übrigens zwei Bedeutungen: Besessenheit kann heißen, man ist Besitz von jemand anderem, das ist nicht so gut. Besessenheit kann aber auch heißen, dass man selbst etwas besitzt und zwar im intensiven Maße. Das wiederum finde ich gut. Man kann z.B. eine Besessenheit haben von einer Idee. Man besitzt diese Idee voller Enthusiasmus. Zum Beispiel sind manche Menschen besessen von der Idee, Armut in der Welt zu reduzieren. Es gab mal eine Florence Nightingale, die war besessen von der Idee, dass verletzten Menschen geholfen werden muss. Oder auch Dunant, derjenige, der das Rote Kreuz entwickelt hat, da war eine gewisse Besessenheit dahinter. Auch Mahatma Gandhi hatte auch eine gewisse Besessenheit von der Idee, Indien gewaltlos in die Unabhängigkeit zu führen. Also, diese Art von Besessenheit ist etwas Gutes. Nicht jeder Mensch hat das, nicht jeder Mensch braucht das, aber man sollte diejenigen, die eine solche positive, ethische Besessenheit von einer Idee haben, stärken und ihnen helfen und ihnen beistehen und vielleicht auch sich von ihrem Enthusiasmus, ihrer Begeisterung, ihrem Missionsdrang anstecken lassen.

Natürlich, es gibt auch die, die negativ von einer Idee besessen sind und das sind natürlich dann die Gefährlichen, die einen solchen Enthusiasmus haben, eine Energie haben, eine Überzeugtheit haben, wie so viele Fanatiker. Die sind besessen von einer nicht so positiven Idee. So kann Besessenheit etwas Positives sein aber auch etwas weniger Positives sein. Überlege selbst, bist du besessen von einer positiven Idee, die dich wirklich ergreift, energetisiert, mit der du andere mitreißt und die dir auch hilft, eine Beharrlichkeit zu haben und auch eine Beständigkeit, eine Ausdauer und einen Enthusiasmus. Vielleicht, vielleicht nicht. Wenn du es bist, freue dich darüber, aber vergewissere dich auch, dass es etwas Positives ist. Wenn du es nicht bist, das macht dann auch nichts. Nicht alle Menschen haben diese gleiche Intensität im Streben nach einem höheren Ziel. Aber vielleicht kannst du überlegen, gibt es jemand, der dich vielleicht mitreißt. Vielleicht willst du dich da mitreißen lassen. Oder du sagst: "Es reicht mir aus, auf meine Weise nach dem Göttlichen zu streben, im Kleinen Gutes zu tun, im Kleinen Gutes zu bewirken. Und diese Besessenheit und Aufgeregtheit, die sollen andere leben." Es ist gut, darüber nachzudenken. Es ist öfters mal gut, sich mit solchen Dingen zu beschäftigen, auch mit diesem Thema der Besessenheit.

Besessenheit und andere Tugenden

In diesem Yoga Wiki werden über 1000 Tugenden und geistigen Eigenschaften beschrieben. Hier einige Erläuterungen, wie man die Eigenschaft der Besessenheit in Beziehung zu anderen Tugenden und geistigen Eigenschaften sowie in Bezug auf Laster sehen kann:

Ähnliche Eigenschaften wie Besessenheit

Ähnliche Eigenschaften wie Besessenheit, also Synonyme zu Besessenheit sind z.B. Engagement, Eifer.

Ausgleichende Eigenschaften

Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Besessenheit übertrieben kann ausarten z.B. in Sturheit, Fanatismus, Verbissenheit, Abhängigkeit. Daher braucht Besessenheit als Gegenpol die Kultivierung von Gelassenheit, Abstand, Wunschlosigkeit, Unterscheidungsvermögen, Leidenschaftslosigkeit.

Gegenteil von Besessenheit

Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Besessenheit, Antonym zu Besessenheit:

Besessenheit im Kontext von Tugendengruppen, Persönlichkeitsfaktoren und Temperamenten

Vortragsmitschnitt zu Besessenheit - Audio zum Anhören

Hier kannst du einen Vortrag von Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya, anhören. Dieser Vortrag ist die Audio Version eines Videos zu Besessenheit, Teil des Yoga Vidya Multimedia Lexikons der Tugenden. <mp3player> http://tugenden.podspot.de/files/Besessenheit-Lexikon-der-Tugenden-Yoga-Vidya.mp3 </mp3player>

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Eigenschaften im Alphabet vor Besessenheit

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