Tantra Rituale

Aus Yogawiki
Shiva-Shakti

Tantra-Rituale zielen auf die Sublimierung - und weniger auf das Verleugnen - des relativen Aspekts der Realität ab. Die Sublimierung besteht dabei aus drei Phasen: die Klärung, die Erhebung (Elevation) und die "erneute Bestätigung der Identität auf Ebene des reinen Bewusstseins."

Tantrische Rituale und Praktiken können unterteilt werden in die sogenannten "gewöhnlichen Rituale" und die sogenannten "Geheimrituale". Rituale werden ausgeübt, um "Moksha" (Befreiung) zu erlangen. Da Tantra ein weitgefächerter Begriff ist, ist es schwierig, tantrische Praktiken eindeutig oder in starren Kategorien zu beschreiben.

Ardhanarishvara, Gemälde aus Indien, um 1800

Gewöhnliche Rituale

Diese können sich auf "Mantras" und/oder "Yantras" beziehen. Beide stellen sehr typische Bestandteile sowohl der hinduistischen als auch der buddhistischen Tantratradition dar. Mantras und Yantras rufen spezifische Hindugottheiten - wie Shiva und Kali - an. Die Puja kann dabei ein Yantra oder ein Mandala miteinbeziehen, welches mit einer bestimmten Gottheit in Verbindung steht.

Da Tantra seinen Ursprung im Gedankengut der frühen Veden hat, werden sowohl weibliche als auch männliche Gottheiten, insbesondere Shiva und Shakti, verehrt. Tantra folgt zudem der Advaita-Philosophie, da beide den höchsten Aspekt von Parashiva oder Brahman vertreten. Die Gottheiten werden bei der Puja mit Blumen, Räucherwerk und anderen Gaben verehrt. Der wichtigste Aspekt der Puja ist jedoch die Meditation und der Darshan der Gottheit.

Geheimrituale

Diese können auch unter anderem Bestandteile der gewöhnlichen Rituale enthalten – sei es direkt oder als Ersatz zusammen mit anderen Ritualen, Orten oder Praktiken, wie z.B. Festgelagen, Geschlechtsverkehr, Leichenplätzen, Darmentleerung, Urinierung und Übergeben. Die geheimen Rituale werden "Panchatattvas", "Chakrapuja" and "Panchamakara" genannt.

Maithuna Vereinigung Pashu Tantra Khajuraho.jpg

Panchatattvas ist das Geheimritual zu Ehren von Shakti und den Shaktas. Diese Praktik bezieht eine Art menschliches Chakra mit ein, welches aus Männern und Frauen besteht, die sich sitzend in einem Kreis befinden. Die weiblichen Praktizierenden sitzen dabei links neben den Männern. Vor diesem Hintergrund wird die Puja "Chakra-Puja" genannt. Es gibt je nach Zielsetzung verschiedene Arten dieser (menschlichen) Chakren. Ein direkter Zusammenhang zwischen den fünf tantrischen Nektaren und der Mahabhuta ist erkennbar.

Sexuelle Riten im Tantra

Der sexuelle Ritus ist ein wichtiger Bestandteil der tantrischen Rituale. Er ist ein besonderes Mittel, um Körperflüssigkeiten anzuregen und zu transformieren. Diese werden als vitale Opfergaben der tantrischen Gottheiten angesehen. Die Vereinigung wird betrachtet als göttliche Zusammenkunft und das Neugeborene wird als "Sohn des Clans" oder "Kulaputra" bezeichnet. Die heilige Körperflüssigkeit trägt den Namen "Klan-Nektar" oder "Kulamrita".

In Hinblick auf den hinduistischen Tantra betonen tantrische Texte drei unterschiedliche und voneinander trennbare Ziele sexueller Praktiken: die Zeugung von Nachwuchs, das Vergnügen und die Befreiung. In tantrischen sexuellen Riten sind die Männer und Frauen physisch miteinander verbunden und repräsentieren die Form des "Ardhanarishvara". Der Mann repräsentiert Shiva und die Frau Shakti und folglich erfahren beide eine übersinnliche Vereinigung der männlichen (Shiva-)Energie und der weiblichen (Shakti-)Energie. Die irdischen Elemente werden letztlich inmitten der Vereinigung des kosmischen Bewusstseins aufgelöst.

Die Rolle des Tantra Gurus

Ein Sadhu ist ein Heiliger im Hinduismus. Er kann für einige Menschen zum Guru werden.

Um tantrische Methoden erlernen und meistern zu können, führt der tantrische Guru seine Schüler-/innen in ein in der Regel recht lang andauerndes Training ein.

Ein tantrischer Guru kann - je nach Tradition und Art des Tantras - verlangen, dass sich seine Schüler-/innen einer täglichen spirituellen Praxis unterwerfen, wie z.B. dem Rezitieren bestimmter Mantren oder der Meditation. Einige Tantras, wie z.B. das Nirvana Tantra erwähnen bestimmte Arten von Gurus – Paramaguru, Paraparaguru und Paramesthiguru. Gemäß einiger tantrischer Schriften ist die Göttin Shakti der Paraparaguru und Gott Shiva der Paramesthiguru. Der Lehrer bzw. die Lehrerin ist der Guru der Schüler-/innen und der Lehrer bzw. die Lehrerin des Gurus ist sein Paramaguru. Einige Schriften teilen die Gurus als Divyaugha (göttlich), Siddhauga (weise) und Manavaugha (menschlich) ein. In anderen Schriften erfolgt eine Einteilung in zwei Klassen: die Taragurus und die Devagurus. In diesen Werken steht geschrieben, dass die Namen männlicher Gurus auf –ananda oder –anantha enden sollten und die weiblicher Gurus auf –amba.

Die tantrische Tradition geht davon aus, dass sich niemand dem tantrischen Lebensweg und seiner Verehrung zuwenden kann, ohne von einem persönlichen Guru eingeweiht worden zu sein. Ein Guru hat die Energie des Paramaguru in seinen Körper aufgenommen, um sie seinerseits in den Körper seiner Schüler/innen einströmen zu lassen. Der Guru sollte darüber entscheiden, ob ein besonderes Mantra für seinen Schüler bzw. seine Schülerin geeignet ist. Auch Frauen mit den erforderlichen Eigenschaften sind als Guru zugelassen. Die Einweihung durch eine Frau ist generell sehr wirksam, die durch die eigene Mutter noch achtmal mächtiger. Es heißt, wenn eine Frau ihrem eigenen Sohn ihr Mantra übergibt, kann er die acht wohlbekannten Siddhis erlangen. Von seinem Vater oder Bruder ein Mantra zu empfangen, ist jedoch nicht zulässig. Auch der Ehegatte darf seine Frau nicht in eine Mantra einweihen. Ein Ehemann darf nur dann der Guru seiner Frau werden, wenn er ein Siddha-Mantra, d.h. ein Mantra mit übernatürlichen Kräften, verwendet.

Einige Tantras lassen dem tantrischen Guru eine höhere Bedeutung zukommen als dem eigenen Vater. Bei tantrischen Ritualen sollte generell die Unterstützung durch einen Guru aufgesucht werden, da diese sonst als nichtig gelten. Der Guru sollte als Verkörperung Shivas oder Parabrahmans betrachtet werden; zudem muss er viele Herzens- und Geistesqualitäten besitzen. Eine Witwe oder eine Frau ohne Sohn ist nicht zum Guru qualifiziert. Ein Kaula gilt als der beste Guru für alle Schüler-/innen. Es gibt zwei Arten von Gurus, Dikshagurus und Sikshagurus. In der Pranatosini wird zudem von sechs Guru-Arten gesprochen: Preraka, Sucaka, Vacaka, Darsaka, Siksaka und Bodhaka.

Ein Guru muss soziale, physische und geistige Qualitäten besitzen, die entsprechend den verschiedenen Lehren und Vorlieben der jeweiligen tantrischen Tradition unterschiedlich sind. Folgende Personen bzw. Personen mit folgenden Eigenschaften können keine Gurus werden: Menschen, die an Leukoderma, Lepra oder Augenkrankheiten leiden, kleinwüchsige Menschen, Menschen mit schlechten Nägeln und Zähnen und einarmige oder -beinige Menschen. Ferner sind Betrüger-/innen als Gurus nicht zugelassen sowie Menschen, die krank, extrem gierig, geschwätzig, verflucht oder spielsüchtig sind und sich nicht durchsetzen können. Auch ist es als Guru illegtim, von den vorgeschriebenen Praktiken abzuweichen. Wer ein Guru werden möchte, sollte schließelich nicht schlecht von einem anderen Guru reden.

Die geheime Übermittlung der Lehre eines Guru auf den Schüler bzw. die Schülerin schließt die Übergabe eines Mantras, das allmächtig und übermenschlicher Natur ist, mit ein. Ein mit übermenschlichen Kräften ausgestatteter Mensch kann Zugang zu solch einer Kraft erlangen und sie weitergeben. Deshalb gilt ein tantrische Guru als göttlich. Die dem Guru gezollte Referenz wird in der rituellen tantrischen Verehrung reflektiert, in dem sie mit einer Anrufung des Gurus beginnt. Der oder die Anbetende ordnet den Guru dabei seiner eigenen Tradition zu.

Die Gurupuja ist dabei eine rituelle Verehrung, welche der neu initiierte Schüler bzw. die neu initiierte Schülerin ihrem Meister widmet. Dieser Ritus ist eine symbolische Darbringung von Gebeten, wobei sich auch der Schüler bzw. die Schülerin dem Guru hingibt. Der Guru - obgleich göttlich geprägt - ist ein Mensch, der nur durch eine rituelle Ermächtigung Vergöttlichung erfährt. Durch seinen Meister wurden dem Guru übernatürliche, spirituelle Kräfte und rituelle Qualifikationen übertragen. Der Guru übernimmt sein Amt und seine Kräfte somit von einem Meister, der ihn einführt und ihm seine Rolle und Autorität zuweist.

Tapas im Tantra

Tapas ist in der Praxis des Tantra eine intensive Art des Yoga, die auch als Askese bezeichnet wird. Ohne diese Methode kann auf dem spirituellen Pfad nichts erreicht werden.

In der tantrischen Praxis wird Tapas auch als eine Form göttliche Energie beschrieben, die sich im menschlichen Körper befindet. Tapas ist zudem ein höheres Bestreben, das die alltäglichen Belanglosigkeiten neutralisiert. Es ist die wahre Bedeutung und Verkörperung des spirituellen Pfades. Tapas stammt aus dem Sanskrit und ist hergeleitet von “tap”, das soviel bedeutet wie “von Flammen verzehren”, “den Körper abtöten” oder “extreme Buße tun”. Es setzt die Konzentration der Sinne und des Geistes sowie Willensbeherrschung und Gedankenkontrolle voraus.

Tapas findet seinen Ausdruck im Herzen und befreit die Seele von Trugbildern. Es ebnet den Weg zur Selbstverwirklichung. Hiermit ist der eigentliche Kern von Tapas angesprochen. Die Göttin Bhairavi, die für die Macht des gesprochenen Wortes steht, repräsentiert ebenfalls wahrhaftigen Zorn. Bhairavi ist die treibende Kraft von Tapas, das von ihrer Macht der Reinigung und Wandlung gelenkt wird. So wird Tapas auch von denen praktiziert, die auf der Suche nach Wissen sind und ein Leben in Brahmacharya (Enthaltsamkeit) führen. Die Göttin Bhairavi bändigt die Sinne, die Gefühle und die rastlosen Gedanken und führt jegliches Bestreben nach spiritueller Entwicklung auf den richtigen Weg. Mit Hilfe von Tapas kann man seinen Geist kontrollieren und Ruhe erlangen. Jemand, der Tapas praktiziert, ist bereit, seine Gedanken zu Ehren der Göttin den Flammen der Achtsamkeit zu opfern.

Tapas ist das Streben nach Moksha (Befreiung). Auch wird es praktiziert, um auf einem bestimmten Wissensgebiet oder in einer bestimmten Arbeit Perfektion zu erlangen. Man kann es auch als etwas verstehen, das mit dem Ziel verbunden ist, sich von der Last seiner Sünden zu befreien. Wer Tapas praktiziert, erhält Fähigkeiten, welche die Abkehr vom weltlichen Leben erleichtern soll.

Es gibt drei Arten von Tapas: Die höchste Form ist das sattvige Tapas, das den Geist und Körper für die Selbstverwirklichung reinigt. Dazu zählt z.B. das Pranayama. Bei dieser Methode wird im eigenen Körper eine physische Hitze erzeugt. Rajasiges Tapas wird schließlich beim Fasten praktiziert und dadurch, dass man den Körper den Elementen Hitze und Kälte aussetzt, um Begierden und Anhaftungen zu vertreiben. Die dritte Art der Entbehrung ist das tamasige Tapas, das sich dadurch auszeichnet, dass man den Körper zu etwas zwingt und damit den Geist beeinflusst.

Tapas wird somit im Tantra praktiziert, um sich von Abhängigkeiten und Anhaftungen zu lösen.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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