Surat Shabd Yoga

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Surat Shabd Yoga oder Surat Shabda Yoga ist die Form einer spirituellen Praxis, wie sie im Sant Mat und ähnlichen spirituellen Traditionen angewandt wird. Surat bedeutet "Gesicht", "Augenmerk" oder "das Äußere", welches den nach außen gerichteten Ausdruck der Seele bezeichnen soll. Shabd heißt so etwas wie "Wort, Logos" und Yoga bedeutet "Vereinigung".

Guru Nanak mit Bhai Bala und Bhai Mardana, alles Sikh Gurus

Die Begriffe "Wort" und "Logos" können hier etwa mit "Klangfrequenz", " hörbarer Lebensstrom" oder "Essenz der absoluten höchsten Wesenheit" übersetzt werden. Sie sollen die dynamische Kraft dieser kreativen Energie ausdrücken, welche zu Anbeginn der Schöpfung des Universums als Klangschwingung vom "Höchsten Wesen" in die Unendlichkeit des Weltraums ausgesendet worden war. Sie habe von da an durch alle Zeiten hindurch, nie mehr aufgehört zu wirken und habe allen Wesen und Dingen des Universums Gestalt und Form gegeben.

Die Etymologie von "Surat Shabd Yoga" beschreibt auch zugleich ihren Sinn und Zweck: "die Vereinigung der Seele mit der Essenz der Absolut Höchsten Wesenheit". Es gibt aber auch noch andere Bezeichnungen für Surat Shabd Yoga, wie etwa "Sahaj Yoga (ein leichter Weg, der zum inneren Gleichgewicht führt)", "Der Pfad von Licht und Ton", "Der Pfad der Heiligen", "Die Reise der Seele" und " Der Yoga des Klangstrom".

Grundprinzip

Darstellung von Laotse von Daode Tianzun

Das Wort "Sehaj" bedeutet in etwa "Guru (Lehrer) der Liebe, Guru des Vertrauens, Guru des Krieges, Guru der Zeit, Guru der Macht". Das angestrebte Ziel von Surat Shabd Yoga ist es, das eigene individuelle "Wahre Selbst" (Self-Realization), die "Wahre Essenz" (Spirit-Realization) und die "Wahre Göttlichkeit" (God-Realization) zu verwirklichen, und zwar während man noch in einem menschlichen, physischen Körper lebt. Diese "Seelenreise" beinhaltet eine stufenweise Wiedervereinigung mit dem, was die "Essenz der absoluten höchsten Wesenheit" genannt wird, mit Shabd. Wenn Selbstverwirklichung erreicht wird, so hat das auch "Jivan Moksha/Mukti" (die Befreiung/Loslösung) von Samsara, dem Kreislauf von Karma und Wiedergeburt zur Folge.

Voraussetzung ist jedoch die Initiation durch einen lebenden Satguru (Sat - wahr, Guru - Lehrer), wodurch das Shabd reaktiviert und der "Innere Shabd Meister" (die strahlende Gestalt des Meisters) in dem Chakra des "Dritten Auges" positioniert wird. Spirituelle Übungen (Sadhanas) sind unter anderem: Simran (Wiederholung, insbesonders stille, geistige Rezitation eines Mantras, welches man bei der Initiation bekommen hat), Dhyan (Konzentration, besonders auf den inneren Meister, innere Schau, Kontemplation) und Bhajan (das Hören des inneren göttlichen Klangs von Shabda oder des Shabda-Meisters).

In der Kosmologie des Surat Shabd Yoga wird die Schöpfung als Ganzes (Makrokosmos) so dargestellt, dass sie erzeugt und geordnet wird durch eine spirituell-differenzierte Hierarchie. In Indien wird diese auch oft in Anda, im Westen in Regionen, Sphären oder Ebenen eingeteilt. Meistens werden oberhalb der physischen Ebene acht spirituelle Ebenen beschrieben. Namen und Unterteilungen innerhalb dieser Ebenen können je nach Meister und spiritueller Richtung zum Teil variieren.

In der vorliegenden Einteilung wird "Selbstverwirklichung" in der dritten Himmelssphäre erlangt, welche "Daswan Dwar" genannt wird. Bhanwar Gupha, die "Verwirklichung des göttlichen Geistes" (Spirit-Realization) wird auf der vierten Ebene und "Sach Kand" (Sat Lok), die "Verwirklichung der wahrhaften Göttlichkeit" (God-Realization,) auf der fünften Himmelsebene erreicht. (Eine Version der Schöpfungsgeschichte aus Sicht des Surat Shabd Yoga ist als kosmologisches Diagramm auf dem Gedenkstein des Sant Ajaib Singh Ji Memorial Site bildlich dargestellt.) Alle Regionen unterhalb der reinen, spirituellen Ebenen unterliegen dem Kreislauf von Werden und Vergehen (Pralya) oder der "großen Vergänglichkeit" (Maha Pralya).

Diese Kosmologie stellt die körperliche Struktur des Menschen (Mikrokosmos) als eine exakte Nachbildung des Universums, der Schöpfung als Ganzes (Makrokosmos), dar. Demzufoge besteht der Mikrokosmos aus einer Vielzahl von Körpern, von welchen jeder einzelne so beschaffen ist, dass er mit der entsprechenden Ebene oder Region des Makrokosmos interagieren kann. Diese Körper haben sich über die Zeiten der Yugas ( vier sich wiederholende Weltalter) entwickelt, und zwar zum einen durch Involution, welche von den höheren auf die niederen Sphären ausstrahlt und und zum anderen durch Evolution, welche umgekehrt von den niederen auf die höheren Ebenen zurückströmt.

Bergpredigt, Carl Heinrich Bloch, 1877, Museum of Natural History, Kopenhagen

Zudem haben die Prinzipien von Karma und Reinkarnation in verschiedene Bewusstseinszustände ihren Anteil dazu beigetragen. Der "Pfad von Licht und Ton" gibt dem Eingeweihten die Möglichkeit, angemessen und mit reinem Bewusstsein (Seele) in den Mikrokosmos zu reisen. Er wird dabei solange in der physischen Welt von dem "Lebenden Meister der äußeren Welt" und in den höheren Welten von dem "inneren Shabd Meister" geleitet und behütet, bis die Ebenen reinster Spiritualität (Vergeistigung) und Sach Kand ("Verwirklichung der wahrhaften Göttlichkeit") erreicht sind.

Bewegungen und Meister

Swami Ji Maharaj, Shiv Dayal Singh

Anhänger glauben, dass der Surat Shabda Yoga durch die Bewegungen, die von den vielen verschiedenen Meistern gegründet wurden, charakterisiert werden kann. Ein grundsätzliches Prinzip der Surat Shabd Yoga-Tradition ist die Notwendigkeit eines "Lebenden Meisters in der äußeren Welt", eines Satguru, der die Anhänger in den Weg einweiht. Deshalb werden die Bewegungen, deren historische Satgurus gestorben sind und deren Nachfolger sich nicht als Surat Shabda Yoga-Satgurus bezeichnet haben, zur Zeit nicht offiziell der Surat Shabd Yoga-Bewegung zugerechnet, weder von ihren eigenen Führern noch von den Bewegungen, die einen gegenwärtigen "Lebenden Meister" haben.

Sadguru Maharshi Mehi Paramahansa Ji Maharaj, der 1986 mit 102 Jahren verstarb, ist ein großer Heiliger des 20. Jahrhunderts. Er fand eine der einsamen und abgelegenen Höhlen von Kuppaghat, Bhagalpur (Bihar, Indien), die am Ufer des heiligen Flusses Ganges liegen. Er säuberte die sehr lange Höhle von innen und begann darauf von März 1933 bis November 1934 kontinuierlich seine harte, mühevolle Praxis des Surat Shabd Yoga und erlangte schließlich höchste Erlösung und Selbstverwirklichung. Die Höhle ist noch heute eine Art Wallfahrtsort, an dem seine spirituelle Aura immer noch erfahrbar ist. Er legte sein selbsterfahrenes Wissen in vielen Büchern dar, unter anderem in "Moksha-Darshan" (Die Philosophie der Erlösung), "Satsang-Yoga", "Shri Gita-Yoga Prakash", "Raamcharit Maanas Saar-Satik" und Maharshi-Mehi-Padaawali". Das letztere ist eine Sammlung von Prosa, von ihm selbst zu der Zeit geschrieben, als er konstant und ohne Unterlass Drishti-Yoga und Surat Shabda Yoga zu praktizieren begann.

Die Radhasoami-Bewegung des Surat Shabda Yoga wurde 1861 von Shiv Dayal Singh (1818-1878) gegründet und im Jahre 1866 mit dem Namen Radhasoami Satsang bezeichnet. Bis zu seinem Tod am 15. Juni 1878 leitete Soamiji, wie er auch genannt wurde, 17 Jahre lang die Satsang Treffen zu Panni Gali und Soami Bagh in Agra, Indien. Es gibt verschiedene Darstellungen über seine Nachfolger und die Tatsache, wer sein Guru war. Er soll jedoch an seinem letzten Tag verbale Instruktionen hinterlassen haben, wie für seine Anhänger gesorgt werden sollte. Radha Soami Satsang Beas meint, dass Tulsi Sahib von Hathras sein Guru gewesen ist. Die Nachfolger von Soami Bagh und Dayal Bagh sind allerdings der Meinung, dass Tulsi Sahib aber nur zeitgleich ein Guru derselben Lehre war. Shiv Dayal soll jedoch ein Satguru von Geburt an gewesen sein und selbst keinen Guru gehabt haben.

Nach dem Tod von Shiv Dayal Singh wurden seine Lehren von sechs direkten Nachfolgern fortgeführt, unter ihnen Huzur Maharaj Rai Salig Ram von Peepal Mandi, Agra und Babaji Maharaj Jaimal Singh von Dera Baba Jaimal Singh, dem derzeitigen Hauptquartier von Radha Soami Satsang Beas (RSSB). Weitere Informationen über lebende Meister in der Traditionslinie von Shiv Dayal Singh können auf der Seite Contemporary Sant Mat Movements gefunden werden.

Shiv Dayal Singh

Sant Kirpal Singh, ein zeitgenössischer Sant Mat Guru, erklärte, dass "Naam" ("Word") in vielen Traditionen mit zahlreichen Begriffen beschrieben worden war. In seinen Lehren werden die folgenden Begriffe als identisch mit "Naam" interpretiert:

  • "Naad", "Akash Bani" und "Sruti" in den Veden
  • "Nada" und "Udgit" in den Upanishaden
  • "Logos" und "Wort" im Neuen Testament
  • "Tao" von Laotse
  • "Musik der Sphären" von Pythagoras
  • "Sroasha" von Zarathustra
  • "Kalma" und "Kalam-i-Qadim" im Koran
  • "Naam", "Akhand Kirtan" und "Sacha Shabd" von Guru Granth Sahib

Die erst kürzlich über die spirituellen Lehren von dem "Höchsten Meister" Ching Hai verbreitete Meditationsmethode Quan Yin weist einige beträchtliche Ähnlichkeiten mit Surat Shabd Yoga auf. Eckankar, eine amerikanische Bewegung des 20. Jahrhunderts, hat viele Verknüpfungen mit dem Surat Shabd Yoga, auch was die Terminologie anbelangt, obwohl sich ihr amerikanischer Begründer Paul Twitchell von seinem früheren Lehrer Kirpal Singh distanzierte.

Die Bewegung "Movement of Spiritual Inner Awareness", 1971 von John-Roger (Roger Delano Hinkins) auch in Amerika gegründet und jetzt mit Schülern in 32 Ländern verbreitet, lehrt ebenso eine ähnliche Form der aktiven Meditation. Sie wird "Spiritual Exercises" genannt, und auch da werden der "Sound Current" ("Klangstrom", "Tonstrom") und andere uralte Sanskrit-Töne angewendet, um zu den höheren Gefilden des Geistes, zu Gott zu gelangen.

"Master Path" heißt eine andere zeitgenössische amerikanische Bewegung von Surat Shabd Yoga. Gary Olsen, der gegenwärtige "Lebende Meister" dieser Stammlinie stellte fest, dass unter verschiedenen historischen Persönlichkeiten etliche "Satgurus" des Surat Shabd Yoga, sozusagen als lebende Stellvertreter des ewigen "Inneren Shabda Meisters" waren. Unter diesen "Lebenden Meistern" ihrer Zeit wären zu nennen: Laotse, Jesus Christus, Pythagoras, Sokrates, Kabir, die Sufi Meister und mystischen Poeten Hafez und Rumi, die Zehn Sikh Gurus, beginnend mit Guru Nanak, Tulsi Sahib und die Radhasoami oder Radha Soami Meister und deren Abzweige, einschließlich Shiv Dayal Singh, Baba Sawan Singh, Baba Faqir Chand und Sant Kirpal Singh.

Baba Faqir Chand

In den Schriften der "Zehn Sikh Gurus" werden häufig das "Innere Licht" und der "Innere Ton" behandelt. Der erste Sikh Guru war Guru Nanak, sein Meister war Waheguru. Diese beiden lehrten ihren Schülern zwei Meditationstechniken. Es gibt aber auch z. B. mit Prem Rawat Guru Maharaj Ji einen Meister, welcher vier Techniken lehrt, als da sind: die Meditation des "Inneren göttlichen Lichts" (Innere Schau), der "Inneren göttlichen Musik" (Inneres Hören), der "Göttlichen Urschwingung" (innere Erfahrung des "Wortes" - Atem, Berührung) und des "Göttlichen Nektars" (Geschmack). Es geht bei dieser Technik darum, die fünf Sinne, mit welchen wir die Welt wahrnehmen, nach innen zu lenken und so zu erfahren, was in uns ist.

Die Darstellung des vierarmigen Vishnu, der ein Teil der Trimurti (drei Aspekte des Göttlichen) ist und für Erhaltung steht, kann z. B. auch so interpretiert werden: Eine Hand hält die Chakram (Wurfscheibe, die aber auch als Lichtreif gesehen werden kann) für das innere Licht, eine andere hält das Muschelhorn für den inneren Ton (wenn man es ans Ohr hält, hört man einen Tonstrom), die dritte hält eine Lotusblüte für den inneren Nektar, und die vierte Hand hält eine Keule, welche für die innere Urschwingung steht. Wenn damit auf etwas eingeschlagen wird, wird spürbar, wie dieses wie eine Stimmgabel nachschwingt. Diese innere Energie wird auch von manchen gleichgesetzt mit dem, was man "Seele" nennt.

Unterschiede in den Bewegungen

Obwohl alle Bewegungen des Surat Shabd Yoga vom Prinzip her grundsätzlich etwas Gemeinsames haben, gibt es doch einige erwähnenswerte Unterschiede. So erklärte z. B. der zehnte Sikh Guru mit Namen Guru Gobind Singh, bevor er seinen physischen Leib verließ, einen heiligen Text, "Guru Granth Sahib" genannt, zum nächsten und immerwährenden Guru der Sikhs.

Andere Bewegungen wiederum halten daran fest, einen "Lebenden Meister" zu haben, der die Schüler in "Shabd" einweiht. Es werden auch unterschiedliche Namen von den Bewegungen benutzt, um die "Absolut Höchste Wesenheit" (Gott) zu beschreiben, wie z. B. Anami Purush (die Kraft, deren Name unaussprechbar ist) und Radha Soami (Herr der Seele).

Es gibt Variationen, was die vorherrschenden Gottheiten und die Einteilungen des Makrokosmos, die Anzahl der äußeren Einweihungen und die Wortsilben, die als Mantras gegeben werden, betrifft. Außerdem soll es verschiedene Abwandlungen beim Einweihungsgelöbnis geben. Manchmal muss auch im Vorfeld eine Einverständniserklärung, was die Grundvoraussetzungen anbelangt, abgegeben werden, bevor man als Schüler in die Gemeinschaft aufgenommen wird.

Siehe auch

Literatur

Seminare

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