Sant Mat

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Sant Mat war eine eher locker zusammengewürfelte Gruppe von Lehrern, die etwa um das 13. Jahrhundert auf dem indischen Subkontinent bekannt wurde. Ihre Lehren unterschieden sich theologisch von anderen durch eine nach innen gerichtete, liebevolle Hingabe an ein göttliches Prinzip. Durch ihren Egalitarismus waren sie soziologisch gesehen vollkommen konträr zu den strengen Standesunterschieden im hinduistischen Kastensystem sowie zu den Klassenunterschieden zwischen Hindus und Moslems.

Kabir mit einem Schüler

Die Sant-Abzweige oder Stammlinien können in zwei Hauptgruppen eingeteilt werden: die Nord-Gruppe aus den Provinzen Punjab, Rajasthan und Uttar Pradesh, die hauptsächlich umgangssprachliches Hindi sprachen und die Süd-Gruppe, deren Sprache eher das altertümliche, veraltete Marathi war, wie es von Namdev und anderen Sants von Maharashtra gesprochen wurde.

Etymologie

Die Worte "Sant Mat" bedeuten im eigentlichen Sinne etwa "Weg der Heiligen" oder "Pfad der Wahrheit". Der Begriff "Sant" wird aus dem Sanskrit abgeleitet von dem Wort "Sat" und hat verschiedene Bedeutungen, wie "wahr, echt, ehrlich, recht". Im Grunde kann man es übersetzen als: "jemand, der die Wahrheit kennt" oder "jemand, der die Höchste Realität erfahren hat". Das Wort "Sant" hat im allgemeinen Sprachgebrauch die Bedeutung von "guter, rechtschaffener Mensch" (englisch "Saint") bekommen, ist aber heutzutage als Begriff gebräuchlich für die Poeten-Sants des mittelalterlichen Indien.

Guru Nanak mit Bhai Bala und Bhai Mardana, alles Sikh Gurus

Die Sants

Die Sant-Bewegung war keine homogene, gleichförmige Massenbewegung. Sie war zum größten Teil geprägt von der sozial-religiösen inneren Einstellung jedes einzelnen Sants und basierte auf dem Bhakti Gedanken, wie er tausend Jahre zuvor in der Bhagavad Gita beschrieben wurde. Sowohl mit oppositionellen Anhängern anderer traditioneller Konfessionen als auch untereinander teilten die Sants nur wenige Grundsatzabkommen und Glaubensvereinbarungen. Obwohl sie sich auf einen gemeinsamen spirituellen Ursprung beriefen, scheinen sie statt eines speziellen religiösen Brauchtums eher eine Ansammlung verschiedener Traditionen in sich vereint zu haben, je nach ihren spirituellen Führungspersönlichkeiten.

Mira Bai

Es gab höchstwahrscheinlich anfangs keine sektiererischen Abgrenzungen innerhalb der Bewegung, und sie war frei von brahmanischem Kastendenken und jeglicher anderer Liturgie. Die Poeten-Sants überbrachten ihre Lehren in umgangssprachlichen Versen und Sprüchen und richteten sich vornehmlich in Redeform mittels Hindi oder anderen Dialekten wie Marathi an das gemeine Volk. Sie bezogen sich auf den "Göttlichen Namen", der heilbringende und errettende Kraft besitzen sollte, und lehnten andere religiösen Rituale als eher nutzlos ab. Ihre Idee der wahren Religion war die tiefste Hingabe an den Gott, "der im Herzen eines jeden wohnt".

Die erste Generation von nordindischen Sants (zu denen auch Kabir und Ravidas gehörten) tauchte Mitte des 15. Jahrhunderts in in der Gegend von Benares auf. Ihr vorausgegangen waren zwei bemerkenswerte Persönlichkeiten mit Namen Namdev und Ramananda. Es wird im Sant Mat Brauchtum berichtet, dass letzterer ein Vaishnava Asket war, der Kabir, Ravidas und andere Sants eingeweiht hatte. Es soll verschiedene Versionen der Geschichte des Werdegang Ramanandas geben, einmal überliefert aus der Stammlinie seiner "Ramanandi"-Mönche, zum anderen von ihm vorausgegangenen Sants und später dann noch von den Sikhs. Was wirklich durch bestätigte Aussagen orthodoxer Hindus seiner Zeit als sicher gilt, ist die Tatsache, dass er Schüler aller Kasten bei sich aufnahm. Auch wird allgemein in der Sant Mat Szene anerkannt, dass die Schüler von Ramananda die erste Generation der Sants bildeten.

Diese Sants also entwickelten eine Kultur, in der die Nähe zu Frauen und den Unberührbaren (Atishudras), damals wie heute noch Randschichten der indischen Gesellschaft, gesucht wurde. Einige der bekannten und erwähnenswerten Sants waren Namdev (1350), Kabir (1518), Nanak (1539), Mira Bai (1545), Surdas (1573), Tulsidas (1623) und Tukaram (1650).

Zeichnung Tulsidas, das in den Ramcharitmanas veröffentlicht wurde. (1949)

Das Brauchtum der Sants (Sant Parampara) blieb eigentlich unverändert und keiner Sekte zugehörig. Später sollen aber doch etliche Sant-Poeten als Sektengründer gegolten haben. Einige Sekten können noch heute mit dem Namen des Gründer-Sant bezeichnet werden. Sie wurden jedoch nach seiner Zeit von späteren Nachfolgern wie Kabir Panth, Dadu Panth, Dariya Panth, Advait Mat, Radha Soami und der Science of Spirituality weiterentwickelt.

Offiziell ist nur eine kleine Minderheit der religiösen Hindus der Sant Mat Bewegung beigetreten. Dennoch hat dieses Brauchtum Hindus aller Sekten und Kasten beträchtlich beeinflusst. In Indien und in Hindu-Gemeinschaften auf der ganzen Welt werden weithin Bhajans (Lieder der Hingabe) gehört, die auf Mira Bai und andere Sants der Vergangenheit zurückzuführen sind. Die Sant Tradition ist das einzige Brauchtum im Indien des Mittelalters und der Moderne, welches erfolgreich einige Barrieren zwischen dem Hindu- und Moslemblock überwunden hat. Julius J. Lipner erklärt, dass die religiösen Lehren der Sants eine befreiende Wirkung und das Leben vieler Hindus bereichert hätten.

In der Sant Mat Tradition ist ein lebender menschlicher Meister unbedingt notwendig. Man gibt ihm Ehrennamen wie "Satguru" oder "Perfekter Meister".

Ähnliche Bewegungen

Die klassischen Gnostiker, die mittelalterlichen Sufi Poeten wie Jalal al-Din Muhammad Rumi genauso wie die Sindhi Poeten, ihnen allen werden viele Ähnlichkeiten mit den Poeten-Sants nachgesagt. Die Radha Soami Bewegung in Indiens Norden betrachtet sich selbst als den wichtigsten Hüter des traditionellen Brauchtums der Sants, ihrer Lehren sowie des Kernansatzes ihrer religiösen Bestrebungen. Die Bewegung versteht sich als die lebende Inkarnation der Sant Tradition. Der bekannteste Zweig ist die spirituelle Gemeinschaft Radhasoami Satsang Beas, an den Ufern des Flusses Beas gelegen, deren lebender Meister oder Satguru derzeit Gurinder Singh ist.

Der Aussage von Mark Juergensmeyer nach gibt es jedoch noch weitere Ansprüche auf Bewahrung des Sant Brauchtums von den Kabir-Panthis, den Sikhs und anderen Bewegungen, welche die Erkenntnisse der Sant Tradition auch noch als heute gültig empfinden.

Von J. Gordon Melton, Lucy DuPertuis und Vishal Mangalwadi werden Prem Rawat (auch bekannt als Guru Maharaj Ji) mit einer Anhängerschaft von mehreren Millionen Menschen weltweit und seine vormals als "Divine Light Mission" bekannte, 1983 in Elan Vital und seit 2010 in "Words of Peace International Inc." umgenannte Organisation als Teil der Sant Mat Tradition in Betracht gezogen. Von Ron Geaves wird das als Charakterisierung jedoch bestritten. Auch Eckankar, eine religiöse Bewegung des 20. Jahrhunderts mit Millionen von Anhängern, wird von David C. Lane als ein Zweig der Sant Mat Tradition gehandelt. All diese Bewegungen werden von James R. Lewis als "Ausdruck eines alten Glaubens in einem neuen Zusammenhang" bezeichnet.

Siehe auch

Literatur