Fasten Interview

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Fasten Interview: Für eine Online Konferenz zum Thema Fasten wurde Sukadev interviewt zu Themen rund um's Fasten. Hier Auszüge aus seinen Interviewvorbereitungen:

Ein Apfel nach einer Fastenwoche öffnet das Herz

Was bedeutet Fasten für dich?

Fasten bedeutet für mich Rhythmus.

So wie es Tag und Nacht gibt, Sommer und Winter, so gibt es überall Phasen der Aktivität und Phasen der Entspannung.

In der indischen Mythologie spricht man von Brahma, Vishnu und Shiva, Schöpfung, Erhaltung und Abbau:

Brahma wäre in diesem Kontext Essen, Vishnu die Verdauung und Absorption, Shiva wäre die Reinigung des Organismus, der Abbau von Stoffwechselprodukten, die Entschlackung.

Damit der Organismus gesund bleibt, braucht es gesundes Essen, es braucht Ruhe für Verdauung und Absorption. Und der Organismus braucht Phasen, in denen er sich darauf konzentrieren kann sich zu reinigen, zu entschlacken, Stoffwechselprodukte abzubauen.

Warum ist es sinnvoll regelmäßig zu Fasten?

Ich unterteile gerne Fastenzeiten nach ihrer Dauer in vier Kategorien:

  1. Sehr kurzes Fasten, also eine Zeit des Nichtessens zwischen zwei Mahlzeiten
  2. Tageweises Fasten
  3. Fastenkuren von 5-7 Tagen, 1-2 Mal pro Jahr
  4. Langes Fasten, das mehrere Wochen dauern kann und das man nur alle paar Jahre

Alle vier Kategorien des Fastens haben ihren Sinn:

Sehr kurzes Fasten

Das sehr kurze Fasten wird auch als Intermittierendes Fasten bezeichnet. Es ist sinnvoll, dem Organismus Zeit zu geben zur Verdauung zwischen zwei Mahlzeiten. Idealerweise isst man nur 2-3 Mahlzeiten am Tag. Früher haben Ernährungswissenschaftler, Ökotrophologen, uns weis machen wollen, dass es am besten sei, 5 Mal am Tag zu essen. Heute haben empirische Studien ergeben, dass es für die meisten Menschen sehr gut ist, jeden Tag 16 Stunden ohne Nahrungsaufnahme zu haben. Der Yoga Vidya Tagesablauf mit letzter Mahlzeit um 18h und erste Mahlzeit um 11h hat also eine wissenschaftliche Bestätigung erhalten. Nicht für alle Menschen mag das geeignet sein: Schwangere und Diabetiker sollten sicherlich häufiger essen. Aber allgemein ist es hilfreich, zwischen zwei Mahlzeiten dem Organismus ausreichend Zeit zu lassen, die Nahrung zu verdauen, die Verdauungsorgane zu regenerieren.

Tageweises Fasten

Tageweises Fasten ist am Anfang eine Art Disziplin. Später freut sich der Organismus darauf, einen Tag lang nichts zu essen. Einmal pro Woche zu fasten hilft dem Organismus zu entschlacken. Der Mensch freut sich, mehr Zeit zu haben. Die spirituellen Praktiken verlaufen besser.

Es gibt sogar das Konzept des intermittierenden Fastens als effektiver Weg abzunehmen. Hier isst man nur jeden zweiten Tag. Man kann es auch so machen, dass man an festen Wochentagen isst, und an anderen nicht isst, also z.B. an vier Tagen pro Woche essen, an drei Tagen fasten.

Fastenkuren von 5-7 Tagen

Das ist das, was man gemeinhin als Fasten bezeichnet. Diese Art von Fastenkur kann man 1-2 Mal pro Jahr machen.


Langes Fasten, das mehrere Wochen dauern kann

Dies macht man nur alle paar Jahre, vielleicht sogar auch nur ein oder zwei Mal in seinem Leben. Diese Art des langen Fastens kann eine besonders tiefe spirituelle Erfahrung sein. Manche machen auch ein langes Fasten zur Heilung einer chronischen Erkrankung oder zum massiven Abbau von Übergewicht. In diesen Fällen sollte man das nur in Begleitung durch einen Arzt oder Heilpraktiker machen.

Welche Wirkung hat eine Fastenkur von 5-7 Tagen?

Eine Fastenkur von 5-7 Tagen hat körperliche Wirkungen, energetische Wirkungen, psychische Wirkungen und spirituelle Wirkungen:

  • Körperliche Wirkungen: Eine Fastenkur entschlackt, kann Autoimmunerkrankungen mäßigen, ist gut z.B. gegen Rheuma, Arthritis, manchmal auch gegen Asthma und Neurodermitis. Wer unter Dauerhusten oder Müdigkeit nach Grippe leidet, kann durch Fasten zu neuer Energie kommen.
  • Energetische Wirkungen: Eine Fastenkur kann neue Energie geben, kann dazu beitragen, dass man einen richtigen Energieschub bekommt. Eine Fastenkur trägt auch dazu bei, dass man sich weniger grobstofflich fühlt. Während und nach einer Fastenkur erhöht man seine Sensibilität, sein feinstoffliches Wahrnehmungsvermögen
  • Psychische Wirkungen: Eine Fastenkur hilft, sich vom Esszwang zu lösen. Man versteht, dass man sehr glücklich und voller Energie sein kann ohne Nahrung. Eine Fastenkur zeigt, dass man aus sich selbst heraus glücklich sein kann. Wer fastet, bekommt auch ein gesünderes Selbstwertgefühl, die Gewissheit, ein Gefühl der Selbstwirksamkeit.
  • Spirituelle Wirkungen: Viele Menschen die fasten, berichten über spirituelle Erfahrungen. Es ist bekannt, dass z.B. Jesus, Muhammad und Buddha lange Fastenperioden machten und dabei tiefe spirituelle Erfahrungen gemacht haben. Fasten lässt, nach einer Anpassungs- und Reinigungsphase, den Geist sehr ruhig werden. Nicht umsonst empfehlen viele Religionen und viele spirituelle Systeme Fasten für spirituellen Fortschritt.

Inwieweit unterstützt Yoga und Meditation den Fastenprozess?

Man könnte jetzt überlegen: Unterstützt das Fasten Yoga und Meditation - oder unterstützen Yoga und Meditation den Fastenprozess. Man kann es natürlich in beide Richtungen sehen:

Wer fastet, der erlebt Yoga und Meditation tiefer. Während unserer Fastenseminare erleben wir es immer wieder, dass Menschen sehr tiefe Erfahrungen machen, tiefes Berührtsein erfahren, eine Freude, eine Verbundenheit erfahren.

Umgekehrt gilt:

  • Yoga und Meditation machen das Fasten einfacher.
  • Yoga und Meditation erheben den Energielevel - so hat man weniger Hunger.
  • Yoga und Meditation führen zu einer tiefen Freude - so vermisst man die Freude des Essens weniger.
  • Wenn man nicht isst, hat man oft etwas weniger Sozialkontakte - Besuch von Yogastunden kann dazu helfen Menschen zu treffen, die einen Bezug zum Fasten haben.
  • Yoga und Meditation verbessern die Selbstheilkräfte des Organismus, unterstützen beim Entschlacken und beim Überwinden von Zwängen und Gier.

Eine Fastenkur wird also besonders effektiv, wenn man in dieser Zeit Yoga und Meditation übt.

Wenn man Fasten, gewinnt man ja auch Zeit, die man sonst für Einkauf, Kochen, Essen und Abwasch verwendet hätte. So hat man mehr Zeit. Im Yoga wird geraten, dass man während des Fastens besonders regelmäßig ist mit der Meditation, mit den Asanas, mit Pranayama und Tiefenentspannung. Manche Menschen werden beim Fasten zwischendurch etwas müde. Da kann eine Yoga Tiefenentspannung von 8-12 Minuten 1-3 Mal am Tag Wunder wirken.

Yogis empfehlen auch sogenannte Kriyas, Reinigungsübungen.

Was ist Ayurveda Fasten?

Ayurveda Fasten ist typgerechtes Fasten. Es gibt unterschiedliche Formen des Fastens.

Im Ayurveda unterscheidet man die drei Konstitutionen Kapha, Pitta und Vata.

Der Kapha-Typ ist der Wasser-Erd-Typ. Kapha Typen sind oft eher gemütlich, manchmal etwas träge, oft übergewichtig. Der Kapha-Typ profitiert besonders vom Fasten. Kapha-Typen brauchen Wärme. So sollten sie warmes Wasser und Kräutertees trinken beim Fasten.

Der Pitta-Typ ist der feurige Typ. Der Pitta-Typ wird schnell unleidlich, wenn er mal eine Mahlzeit verzichten muss. Der Pitta-Typ ist aber auch der Willensmensch, dem es gelingt, auf Nahrung zu verzichten, auch wenn es ihnen schwer fällt. Pitta-Typen sollten beim Fasten Kaltes trinken, z.B. Wasser, frisch gepresste Säfte etc.

Der Vata-Typ ist der Luft-Typ. Vata Typen sind oft schon sehr schlank. Vata-Typen müssen aufpassen, dass sie nicht in eine Essstörung geraten durch zu häufiges Fasten. Im Ayurveda würde man Vata Typen raten, beim Fasten ausreichend Kalorien zu sich zu nehmen. Das geht über zwei Weisen:

  • genügend Säfte
  • Fastensüppchen, z.B. eine Dhal-Suppe

Vata-Typen sollten ausreichend Warmes trinken, also Kräutertee und warmes Wasser.

Ayurveda Fasten ist auch ein Fasten, bei dem Ayurveda Reinigungsverfahren und Massagen verbunden werden mit typgerechtem Fasten. Man macht typischerweise erst drei Entlastungstage mit leicht verdaulicher Kost in geringen Mengen und nimmt dabei Ayurveda Entgiftungsmittel zu sich wie z.B. Triphala und Amalaki. Die Fastenkur selbst leitet man ein mit therapeutischem Erbrechen, Abführen und Darmreinigung. Tägliche Massagen mit auf den Dosha-Typ abgestimmten Ölen, Schwitzbäder, eventuell Stirnguss und weitere Reinigungsbehandlungen sowie doshagerechte Fastentees unterstützen den Fastenprozess. Danach folgen nochmals drei Aufbautage, die den Organismus wieder auf den Alltag vorbereiten.

Was sollte man beachten wenn man nach Ayurveda Fasten möchte?

Typischerweise macht man Ayurveda Fasten zunächst unter Anleitung durch einen Ayurveda Experten. Es gilt nämlich, die Ayurveda Anwendungen, Öle, Tees etc. auf den Dosha-Typ abzustimmen.

Welche Reinigungstechniken aus Yoga und Ayurveda unterstützen den Fastenprozess besonders?

Im Ayurveda gibt es verschiedene Reinigungstechniken, die von bestimmten Tees über Mittel wie Triphala und Amalaki bis zu therapeutischem Erbrechen, Abführen etc. reichen.

Im Yoga gibt es die sogenannten Kriyas, die Reinigungsübungen.

Im Yoga empfiehlt man z.B. ein halbes Jahr lang ein mal pro Woche einen Fastentag einzulegen, in dem man folgende Kriyas übt:

  1. Neti, die Nasenreinigung, z.B. durch eine Nasendusche
  2. Kapalabhati, die Lungenreinigung durch die Schnellatmung
  3. Dhauti, Erbrechen nach dem Trinken von 1-2 Liter Salzwasser
  4. Tratak, eine spezielle Form der Meditation
  5. Agni Sara, eine Form der Darmreinigung durch entspannte Bauchbewegungen
  6. Basti, die Enddarmreinigung

Bei einer Fastenkur von mehreren Tagen würde man vier davon täglich üben.

Dhauti, das Erbrechen, am Morgen des ersten Fastentags.

Basti, den Einlauf, am ersten Fastenmorgen und dann an jedem zweiten Tag. Alternativ kann man auch mit Bittersalz oder Glaubersalz am ersten Tag abführen und dann alle 2 Tage Basti üben.

Siehe auch

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