Bhakti Yoga Interview mit Sukadev

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Bhakti Yoga Interview mit Sukadev: In der Mai 2013 Ausgabe der Zeitschrift Yoga Aktuell erschienen Interview mit verschiedenen Yogalehrern und Yoga Meistern. Hier die Interviewfragen mit den Fragen von Doris Idling und den Antworten von Sukadev.

Persönliche Bedeutung des Bhakti Yoga

Yoga Aktuell: Was bedeutet Bhakti Yoga für Sie persönlich?

Sukadev: Bhakti Yoga ist der [Yoga] der Hingabe, der Gottesverehrung. Für mich heißt das, alle Handlungen Gott zu widmen, um Gottes Führung zu bitten und davon auszugehen, dass hinter allem ein göttlicher Wille und göttlicher Sinn steht.

Erste Begegnung mit Bhakti Yoga

Yoga Aktuell: Wann sind Sie das erste Mal damit in Kontakt gekommen und was hat sich dadurch in Ihrem Leben verändert?

Sukadev: Mit Bhakti Yoga im Sinn von Gottesverehrung bin ich als Kind aufgewachsen: Ich hatte einen kindlichen Gottesglauben, habe zu Gott gebetet und bin gerne in den evangelischen Kindergottesdienst gegangen. In meiner Jugend habe ich diesen Glauben etwas verloren. Als 17-Jähriger bin ich in München erstmals in einen Vortrag eines Swamis gegangen. Am Ende des Vortrags wurde 20 Minuten Mantras gesungen. Das war das erste Mal, dass ich mit indischem Bhakti Yoga in Kontakt kam. Ich empfand tiefe Freude, mein Herz hat sich angefühlt als ob es platzen wollte. Mir war alles so vertraut. Einige Wochen später ging ich zum ersten Mal in ein Yoga Zentrum zu einem Satsang: Dort gab es Räucherstäbchen, Götterfiguren, große Bilder der Götter und der Meister. Es wurden Mantras gesungen und Arati (Lichterzeremonie) zelebriert. Ich kann mich an den Abend sehr gut erinnern. Ich hatte das Gefühl, zuhause angekommen zu sein. Das Gefühl göttlicher Gegenwart blieb die nächsten Tage sehr stark, und jedes Mal wenn ich die Augen schloss, sah ich ein großes Licht. Ich habe seit dem Abend das Gefühl, „jemand“ ist immer bei mir. Ich kann ihn anrufen, mit ihm sprechen, um Hilfe bitten. Und selbst wenn ich Gott mal nicht so stark spüre, weiß ich: Er ist doch da.

Eintauchen in das Gefühl der Liebe

Yoga Aktuell: Gab oder gibt es für Sie in der Yogapraxis oder beim Musik machen auch heute noch Momente, wo Sie vollkommen eintauchen in das Gefühl der Liebe, bzw. der Verschmelzung?

Sukadev: Dieses Eintauchen in das Gefühl der Liebe und Verschmelzung bzw. Gottes Gegenwart hatte ich ja schon bei meiner ersten Mantra-Erfahrung und bei meinem erstem Satsang. Seitdem begleitet es mich beständig und ich habe diese Erfahrung immer wieder. Es kann geschehen beim Mantra-Singen, beim Zelebrieren einer Puja (Verehrungs-Ritual), in der Meditation, beim Hatha Yoga, auch in einem Gespräch, in einer Herzensverbindung mit einem Menschen, sowie in der Natur.

Bhakti Praktiken

Yoga Aktuell: Welche Praxis hilft bei Ihren Schülern erfahrungsgemäß besonders um Bhakti zu erfahren, zu sein und zu leben?

Sukadev: Ich lebe ja in einem Ashram, in dem täglich viele spirituelle Praktiken gemacht werden. Alle Teilnehmer unserer Seminare und Ausbildungen sind dabei auch im Satsang. Und gerade beim Mantra-Singen und beim Arati machen viele Menschen sehr tiefe Bhakti Erfahrungen, Erfahrungen der Herzensöffnung, der Liebe, der Gegenwart des Göttlichen. Auch Hatha Yoga kann ein solcher Herzensöffner sein: Wenn man z.B. im Fisch (Matsyasana), in der Kobra (Bhujangasana), im Halbmond (Anjaneyasana) sich auf sein Herz konzentriert, kann das zu einer Erfahrung von Liebe, Freude, Verbindung führen. Ich empfinde Hatha Yoga auch als Ganzkörperverehrung Gottes. Und wenn ich das in einer Yogastunde thematisiere, machen die Teilnehmer sehr tiefe Erfahrungen. Satyadevi, meine Lebensgefährtin, hat eine besondere Gabe, Menschen in der Natur mittels einfacher Naturrituale in die Bhakti-Erfahrung zu führen.

Mantras als Teil des Bhakti Yoga

Yoga Aktuell: Welches Mantra eignet sich in deinen Augen besonders, um mit der Bhakti-Energie in Kontakt zu kommen?

Sukadev: Es gibt so viele Wege, wie es Pilger gibt: Im Grunde genommen kann jedes Mantra zu einer Bhakti Erfahrung führen. Patanjali sagt ja im ersten Kapitel des Yoga Sutra schon vom Om, dass es Gott offenbart. Jedes Mantra, jeder Kirtan, kann Bhakti Erfahrung bewirken. Es gibt inzwischen eine regelrechte Kirtan-Bewegung in Deutschland. Jeder kann ausprobieren, welche Art des Kirtans/Mantra-Singen ihn am besten anspricht.

Liebe und Bhakti Yoga

Yoga Aktuell: Wie kann es rationalen Menschen gelingen, raus aus dem Kopf, rein ins Herz und dann in die Liebe zu gelangen?

Sukadev: Ich meine, der Weg zum Herzen und zur Liebe ist relativ leicht. Auch „rationale“ Menschen haben tiefe Gefühle. Einem rationalen Menschen würde ich Folgendes empfehlen: Gehe zu einem Satsang mit Kirtan, zu einem Mantra-Konzert, oder einer Kirtan-Gruppe, wo viele Menschen Mantras singen. Schiebe für ein paar Momente alle Vorurteile zur Seite. Lass die Mantras ganz auf dich wirken. Nach einer Weile, beginne mitzusingen. Eventuell klatsche mit oder hebe die Hände in die Höhe des Herzens oder höher. Und dann warte ab, was geschieht.

Eine zweite Möglichkeit: Gehe in die Natur. Bleibe vor einem Baum, einer Blume oder vor einem Felsen stehen. Ein paar Minuten spüre den Baum, die Blume, den Felsen mit deinem Herzen. Spüre die Freude und die Liebe. Dehne diese dann aus in alle Richtungen – spüre so die göttliche Gegenwart.

Bhakti Yoga im Alltag

Yoga Aktuell: Gibt es für Sie Momente im Alltag, wo es besonders schwer ist, den bhakti Aspekt zu leben? Wenn ja, wie können Sie ihn mit Ihrem Wissen aus der Yogapraxis überwinden?

Sukadev: Manchmal ist es im Alltagsstress etwas schwieriger, Bhakti zu fühlen. Insbesondere wenn Dinge, die ich Gott gewidmet habe, schief gehen, hadere ich mitunter mit Gott. Ich weiß zwar intellektuell und lehre ja auch, dass Gott einen auch zu Lernlektionen mittels Schwierigkeiten verhilft. Dennoch fühle ich mich dann manchmal von Gott im Stich gelassen. Ein paar Momente der Sammlung, des Gebetes oder des Mantra-Singens bringen mir dann Gott aber schnell wieder näher.

Bhakti Yogis

Yoga Aktuell: Wer ist für Sie ein richtiger Bhakti-Yogi?

Sukadev: Swami Sivananda und Swami Vishnu-devananda waren für mich große Bhaktas bzw. Bhakti Yogis. Und in den Yoga Vidya Ashrams sind in der Ashramgemeinschaft sehr viele besondere Bhaktas, die Gott dienen wollen und Gott erfahren wollen.

Literatur zum Thema Bhakti Yoga

Yoga Aktuell: Gibt es für Sie Yogaliteratur, die eine Unterstützung sein kann, um bhakti zu verstehen und zu erleben?

Sukadev: Am wichtigsten sind für mich die Bhagavad Gita und sowie Naradas Bhakti Sutras. Ansonsten Biographien großer Heiliger und Weiser.

Gott und Bhakti Yoga

Yoga Aktuell: 10. Braucht es immer ein Du, um Bhakti zu erfahren?

Sukadev: Für mich ja – ich möchte mich an Gott wenden – auch wenn ich vom Vedanta bzw. Jnana Yoga her weiß, dass letztlich alles eins ist, und auch das Du Ich ist.

Sukadevs eigene Bhakti Yoga Praxis

Yoga Aktuell: Wie sieht Ihre tägliche / wöchentliche / monatliche ??? Bhaktipraxis aus?

Sukadev: Wenn ich morgens aufwache, spreche ich als erstes ein Gebet. Bevor ich mit meiner eigenen spirituellen Praxis beginne (Meditation, Asanas, Pranayama) rezitiere ich ein paar Mantras und schaue Bilder meiner Meister und von Shiva, Durga und Krishna an. Vor und nach jeder Tätigkeit spreche ich ein Gebet oder rezitiere ein Mantra. Ich leite jeden Tag einen Satsang, wozu dann auch Mantra-Singen und Arati gehört. Am Samstagabend ist bei im Yoga Vidya Ashram immer ein langes und besonders enthusiastisches Mantra-Singen mit 300-500 Menschen – das ist ein besonderer Höhepunkt der Woche. Ein Mal pro Monat zelebriere ich eine Puja und eine Homa. Ich höre gerne Mantra-CDs an und singe auch sehr gerne für mich Mantras, manchmal auch mit Harmonium. Täglich mache ich einen Spaziergang oder fahre Fahrrad und widme dabei ein paar Minuten, um die Göttliche Mutter in der Natur zu erfahren. Und ich wiederhole geistig immer wieder meinen Konfirmandenspruch: „Gott, sende mir dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten“.

Siehe auch

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