Siddha Siddhanta Paddhati

Aus Yogawiki
Pranayama praktizierender Yogi

Siddha Siddhanta Paddhati (Sanskrit: सिद्धसिद्धान्तपद्धति siddha-siddhānta-paddhati f.) wörtl.: "der Leitfaden (Paddhati) über die Lehrmeinungen (Siddhanta) der Vollkommenen (Siddha)"; ein dem Goraksha Natha zugeschriebenes Werk über Hatha Yoga. Hier findest du den vollen Text dieser wichtigen Schrift zu Hatha Yoga und Tantra.

Wichtigste Anweistungen

In der Siddha Siddhanta Paddhati findet sich am Ende des zweiten Kapitels (2.31) folgender zusammenfassender Merkvers, in dem u.a. von neun (statt sechs bzw. sieben) Chakras die Rede ist:

nava-cakraṃ kalādhāraṃ tri-lakṣyaṃ vyoma-pañcakam |
samyag etan na jānāti sa yogī nāma-dhārakaḥ ||

"Einer, der die neun (Nava) Energiezentren (Chakra), die sechzehn (Kala) Stützen (Adhara), die drei Arten von Meditationsobjekten (Trilakshya, und die fünf Räume (Vyoma Panchaka) nicht vollständig kennt, der ist nur dem Namen nach (Namadharaka) ein Yogi."

In den vorangehenden Abschnitten des zweiten Kapitels werden die darin erwähnten neun Chakras, 16 Adharas usw. ausführlich beschrieben.

Die 9 Chakras

Die neun Chakras bzw. feinstofflichen Energiezentren werden in der Siddha Siddhanta Paddhati in der folgenden Reihenfolge aufgezählt (2.1-9):

  1. Brahma Chakra "Brahma-Zentrum", entspricht Muladhara Chakra
  2. Svadhishthana Chakra "Stütze-desSelbst-Zentrum"
  3. Nabhi Chakra "Nabel-Zentrum", entspricht Manipura Chakra
  4. Hridayadhara "Herz-Zentrum", entspricht Anahata Chakra
  5. Kantha Chakra "Kehl-Zentrum", entspricht Vishuddha Chakra
  6. Talu Chakra "Gaumen-Zentrum"
  7. Bhru Chakra "Auenbrauen-Zentrum", entspricht Ajna Chakra
  8. Nirvana Chakra "Erlösungs-Zentrum", entspricht dem Brahmarandhra
  9. Akasha Chakra "Raum-Zentrum", entspricht Sahasrara Chakra

Die 16 Adharas

Die sechzehn Adharas ("Stützen" bzw. Konzentrationspunkte) werden in der Siddha Siddhanta Paddhati in der folgenden Reihenfolge aufgezählt (2.10-25):

  1. Padangushthadhara "Großzeh-Zentrum" (Padangushtha-Adhara)
  2. Muladhara "Wurzel-, Basis-Zentrum" (Mula-Adhara); entspricht Muladhara Chakra
  3. Gudadhara "After-Zentrum" (Guda-Adhara)
  4. Medhradhara "Penis-Zentrum" (Medhra-Adhara), entspricht Svadhishthana Chakra
  5. Odyanadhara (Odyana-Adhara), steht mit Uddiyana Bandha in Verbindung
  6. Nabhyadhara "Nabel-Zentrum" (Nabhi-Adhara), entspricht Manipura Chakra
  7. Hridayadhara "Herz-Zentrum" (Hridaya-Adhara), entspricht Anahata Chakra
  8. Kanthadhara "Kehl-Zentrum" (Kantha-Adhara), entspricht Vishuddha Chakra
  9. Ghantikadhara "Gaumenzäpfchen-Zentrum" (Ghantika-Adhara)
  10. Talvadhara "Gaumen-Zentrum" (Talu-Adhara)
  11. Jihvadhara "Zungen-Zentrum" (Jihva-Adhara)
  12. Bhrumadhyadhara "Augenbrauenmitte-Zentrum" (Bhrumadhya-Adhara), entspricht Ajna Chakra
  13. Nasadhara "Nasen(spitzen)-Zentrum" (Nasa-Adhara)
  14. Kavatadhara wörtl.: "Türflügel-Zentrum" (Kavata-Adhara), d.h. "Nasenwurzel-Zentrum" (Nasamula)
  15. Lalatadhara "Stirn-Zentrum" (Lalata-Adhara)
  16. Akashachakra "Raum-Zentrum" (Akasha-Chakra), entspricht Brahmarandhra (Fontanelle) bzw. Sahasrara Chakra

Die drei Visualisierungsweisen (Trilakshya)

Die Siddha Siddhanta Paddhati (2.26-29) lehrt unter dem Oberbegriff Trilakshya drei (Tri) Arten von Meditationsobjekten/Konzentrationspunkten (Lakshya) bzw. Visualisierungsweisen:

  1. Antarlakshya : "innerlich", innerhalb des Körpers
  2. Bahirlakshya : "äußerlich", außerhalb des Körpers
  3. Madhyama Lakshya : "neutral, mittel", d.h. weder innerlich noch äußerlich: man visualisiere im Geiste eine bestimmte Farbe bzw. Form, ohne sie im Körper oder außerhalb desselben zu verorten.

Die fünf Räume (Vyoma Panchaka)

In Siddha Siddhanta Paddhati 2.30 ist von fünf (Panchaka) Räumen (Vyoman) die Rede, die der Yogi innerhalb und außerhalb von sich visualisieren soll. Diese fünf Räume heißen:

  1. Akasha "Raum"
  2. Parakasha "Höchster Raum"
  3. Mahakasha "Großer Raum"
  4. Tattvakasha "Raum der Wirklichkeit (oder: des Selbst, Tattva)"
  5. Suryakasha "Raum der Sonne (Surya)"

Der Text gibt folgende kurze Beschreibung der Visualisierung der fünf Räume:

"Man visualisiere im Außen (Bahya) und im Innen (Abhyantara) einen vollkommen unbefleckten (Nirmala), formlosen (Nirakara) Raum (Akasha). Oder man visualisiere im Außen und im Innen einen der vollkommenen Finsternis (Andhakara) gleichenden Höchsten Raum (Parakasha). (Oder) man visualisiere im Außen und im Innen einen dem Feuer des Todes (Kalanala) gleichenden Großen Raum (Mahakasha). (Oder) man visualisiere im Außen und im Innen einen Raum der Wirklichkeit (Tattvakasha), dessen Wesen (Svarupa) die eigene Wirklichkeit (Tattva, oder: 'das eigene Selbst') ist. Oder man visualisiere im Außen und im Innen einen zehn Millionen (Koti) Sonnen (Surya) gleichenden Raum der Sonne (Suryakasha). Auf diese Weise wird man durch das Visualiseren ('Betrachten', Avalokana der fünf Räume (selbst) dem Raume gleich."

Siddha Siddhanta Paddhati - Hintergrund und Bedeutung

Siddha Siddhanta Paddhati (Sanskrit: सिद्धसिद्धान्तपद्धतिः, IAST: Siddhasiddhāntapaddhatiḥ) bedeutet „Leitfaden (Paddhati) über die Lehre (Siddhanta) der Vollkommenen (Siddha)“. Die Schrift wird Gorakhnath, auch Goraksha Natha beziehungsweise Gorakṣanātha genannt, zugeschrieben und gehört zur Nath-Tradition. Sie verbindet Hatha Yoga, Kundalini Yoga und Meditation mit einer grundlegenden Frage: Wie lässt sich im eigenen Körper die Einheit von Leben, Welt und Bewusstsein erkennen?

Pranayama praktizierender Yogi: In der Siddha Siddhanta Paddhati gehören Körper, Lebenshauch und Erkenntnis zusammen.

Der Körper erscheint hier als Mikrokosmos, als eine „kleine Welt“, in der sich die Kräfte des großen Kosmos wiederfinden. Atem, innere Zentren, Licht und Klang werden zu Zugängen der Selbstverwirklichung. Das Ziel ist Samarasya, die Erfahrung eines gemeinsamen Wesensgrundes: Das verkörperte Leben und die höchste Wirklichkeit werden in ihrer Einheit erkannt.

In sechs Unterweisungen führt das Werk von der Entfaltung der Shakti, der göttlichen Kraft, über die innere Körperlandschaft zur Freiheit des Avadhuta. Dieser vollendete Yogi ruht im eigenen Wesen und ist von der Bindung an wechselnde Rollen und äußere Zeichen frei. So erschließt die Schrift einen Weg des Yoga, auf dem leibliche Sammlung, Erkenntnis und gelebte Freiheit zusammengehören.

Besonders bekannt sind die neun Chakras, sechzehn Adharas, drei Schauweisen und fünf Räume. Sie werden gleich zu Beginn erklärt. Für einen ersten Zugang eignen sich außerdem die vereinfachte Gesamtlesefassung und die fünf Anregungen für Yoga-Aspiranten. Wer die Schrift gründlich studieren möchte, findet alle sechs Unterweisungen in IAST und Devanagari sowie die deutsche Übersetzung mit Worterklärungen. Angaben zu Textfassung, Nummerierung und unsicheren Lesarten stehen bei den betreffenden Stellen und im Abschnitt „Textgrundlage“.

Zum Sanskrittitel: Die Stammform lautet siddha-siddhānta-paddhati; das Wort paddhati ist feminin. Die Form Siddhasiddhāntapaddhatiḥ ist der Nominativ Singular.

Siddha Siddhanta Paddhati in der Nath Tradition

Die Nath-Tradition verehrt Shiva als Adinatha, den ursprünglichen Lehrer. In diesem Überlieferungsraum stehen Matsyendranath und Gorakhnath für die Weitergabe eines Yoga, in dem Guru, Sadhana, Prana, Kundalini und unmittelbare Erfahrung zusammengehören. Gleich zu Beginn der Siddha Siddhanta Paddhati spricht die literarische Lehrerstimme als Gorakshanatha und verehrt Adinatha zusammen mit Shakti. Die Überlieferung nennt Gorakhnath als Verfasser. Damit ist jedoch nicht nachgewiesen, dass der erhaltene Wortlaut vollständig auf den historischen Meister zurückgeht. Die benutzten Quellen erlauben keine sichere Datierung des gesamten Werkes.

Die Schrift fragt nach dem Grund des leiblichen Lebens: Was trägt den Körper? Wie hängen Mensch und Welt zusammen? Und wie wird die Einheit erkannt, die ihrer Vielfalt zugrunde liegt? Bereits 1.2 unterscheidet zwei Betrachtungsweisen. Die eine beschreibt, wie Körper und Welt entstehen. Die andere blickt auf die höchste Wirklichkeit, die durch dieses Entstehen nicht zu etwas Zweitem wird. „Nichtdualität“ bedeutet hier: Die vielen Erscheinungen besitzen einen gemeinsamen, ungeteilten Grund.

Unterweisung Thema Leitfrage
1: Piṇḍotpatti Entstehung des Körpers Wie entfaltet sich das Namenlose als Kraft und verkörperte Welt?
2: Piṇḍavicāra Betrachtung des Körpers Welche Zentren, Stützen und Schauweisen erschließen den inneren Weg?
3: Piṇḍasaṃvitti Erkenntnis des Körperkosmos Wie ist die Welt im Körper gegenwärtig?
4: Piṇḍādhāra Grundlage des Körpers Wie tragen Shakti und Bewusstsein alles Dasein?
5: Piṇḍapadasamarasīkaraṇa Einigung von Körper und höchstem Zustand Wie wird ihr gemeinsamer Grund unmittelbar erkannt?
6: Avadhūtayogilakṣaṇa Kennzeichen des Avadhuta-Yogi Wie erscheint Freiheit im Leben eines Menschen?
Shiva als Bezugspunkt der Nath-Überlieferung. Die Schrift verehrt ihn als Adinatha und lehrt die Untrennbarkeit von Shiva und Shakti.

Die neun Chakras

Die neun (Nava) Chakras werden in 2.1–9 beschrieben. Cakra bedeutet „Rad“ oder „Kreis“; hier sind es Zentren yogischer Sammlung und innerer Erfahrung. Der Text verbindet konkrete Körperregionen mit Lichtformen, Shakti, heiligen Sitzen und Verwirklichungen. Seine Verheißungen von Siddhi und Wunscherfüllung gehören zur religiösen Sprache der Schrift.

Das heute verbreitete Sieben-Chakra-Modell und dieses Neuner-System beschreiben die innere Körperlandschaft auf unterschiedliche Weise. Wer mit den sieben Chakras vertraut ist, kann die Vergleichsnamen in der letzten Tabellenspalte zur Orientierung nutzen. Die besonderen Angaben der Siddha Siddhanta Paddhati bleiben dabei maßgeblich. So besitzt das Herz hier acht Blätter, das oberste Raumzentrum sechzehn. Der Text lokalisiert die ausdrücklich zu meditierende Kundalini im Nabelzentrum und nennt die anāhata-kalā bei der Kehle. Diese Einzelheiten sollen nicht stillschweigend an andere Systeme angepasst werden. Eine vollständige Reihe von Bija-Mantras, Gottheiten oder Regenbogenfarben für alle neun Zentren wird hier nicht gelehrt.

Nr. / Stelle Sanskrit und Lage Gestalt, Kraft und Bedeutung im Text Vergleich und Links
1 / 2.1 Brahmacakra, Brahma Chakra, an der Basis Dreifach gewunden, wie ein Yoni-Kreis; darin die Wurzelknolle und eine als Feuer zu meditierende Shakti. Hier liegt der heilige Sitz Kamarupa, der alle Wünsche gewährt. Brahma-Zentrum; als Orientierung Muladhara Chakra. Der Name allein begründet keine zusätzliche Darstellung des viergesichtigen Gottes.
2 / 2.2 Svādhiṣṭhānacakra, Svadhishthana Chakra In seiner Mitte ein nach Westen beziehungsweise hinten gerichtetes Linga, einem Korallenspross gleich. Hier liegt Uddiyana als heiliger Sitz; der Text nennt die „Anziehung der Welt“. „Eigener Standort“; die ungefähre Genitalregion wird durch den üblichen Chakranamen erschlossen, im Satz selbst nicht nochmals anatomisch beschrieben.
3 / 2.3 Nābhicakra, Nabhi Chakra, Nabel Fünffach gewunden und schlangenförmig. Kundalini-Shakti strahlt wie zehn Millionen aufgehende Sonnen. Als „mittlere Kraft“ verleiht sie alle Siddhis. Vergleich: Manipura Chakra; die Einzelheiten der vorliegenden Beschreibung bleiben eigenständig.
4 / 2.4 Hṛdayādhāra, Hridayadhara, Herz Abwärts gerichteter achtblättriger Lotus; im Blütenboden lichtvolle Linga-Gestalt. Sie ist die haṃsa-kalā, Hamsa-Kraft. Die Sinneskräfte werden beherrschbar. Vergleich: Anahata Chakra; hier acht Blätter.
5 / 2.5 Kaṇṭhacakra, Kantha Chakra, Kehle Vier Fingerbreiten messend. Links Ida als Mondbahn, rechts Pingala als Sonnenbahn; in der Mitte ist Sushumna zu meditieren. Die anāhata-kalā führt zur Verwirklichung des ungeschlagenen Klanges. Vergleich: Vishuddha Chakra. Nadi und innerer Nada stehen im Vordergrund.
6 / 2.6 Tālucakra, Talu Chakra, Gaumen Strom des Amrita. Genannt werden Gaumenzäpfchen-Linga, Wurzelöffnung, „Königszahn“, Shankhini-Höhlung und zehntes Tor. Die Meditation über die Leere führt zu citta-laya, dem Aufgehen des Geistes. Ein eigenständig gezähltes Zentrum; die bildhaften Ortsbezeichnungen lassen sich nicht sämtlich eindeutig moderner Anatomie zuordnen.
7 / 2.7 Bhrūcakra, Bhru Chakra, Brauenbereich Das daumengroße Erkenntnisauge wird als Lampenflamme betrachtet. Verheißen wird die Vollkommenheit der Rede. Vergleich: Ajna Chakra.
8 / 2.8 Nirvāṇacakra, Nirvana Chakra, Brahmarandhra Von Nadelspitzenfeinheit und in Gestalt einer Rauchspitze zu meditieren. Hier liegt der heilige Sitz Jalandhara, der Moksha verleiht. „Erlösungs-Zentrum“; die Nadelspitze ist eine Feinheitsbeschreibung, keine Aufforderung zu einem körperlichen Eingriff.
9 / 2.9 Ākāśacakra, Akasha Chakra, oberster Bereich Aufwärts gerichteter sechzehnblättriger Lotus. Im Blütenboden die dreigipflige, aufwärts gerichtete Kraft als höchste Leere. Hier liegt Purnagiri; alle Wünsche kommen zur Erfüllung. Vergleich: Sahasrara Chakra. Die Schrift beschreibt hier ausdrücklich sechzehn Blätter und nicht einen tausendblättrigen Lotus.

Die vier genannten Pīṭhas – Kamarupa, Uddiyana, Jalandhara und Purnagiri – sind heilige Sitze. Ihre Verortung im Körper macht die innere Sammlung zu einer Art Pilgerschaft: Der Übende sucht das Heilige im eigenen Erleben. Dieses Bild erläutert die Bedeutung der Zuordnungen, ohne den Wortlaut um eine zusätzliche Übung zu erweitern. Sie sind in diesen Abschnitten keine zusätzlich aufgeführte Reihe von vier Gottheiten. Das neunte Chakra führt das Bild von einem begrenzten Zentrum in die Offenheit des Akasha und der höchsten Leere.

Darstellung von Chakras und Nadis zur allgemeinen Orientierung. Sie ist keine historische Abbildung des hier erläuterten Neuner-Systems.

Als heutige Ergänzung zur Beschäftigung mit Chakras: „Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev“. Die angeleitete Praxis ist von der Übersetzung der historischen Schrift zu unterscheiden.

Die sechzehn Adharas

Ādhāra bedeutet „Stütze“, „Träger“ oder „Grundlage“. Die sechzehn Adharas in 2.10–25 sind körperbezogene Ansatzpunkte der Sadhana. Manche überschneiden sich mit Chakras, andere beziehen Zunge, Nasenspitze oder große Zehe ein. Sie sind deshalb keine zweite Liste von sechzehn gleichartigen Chakras.

Ihre Funktionen umfassen Blickruhe, Bandha, Sammlung des Prana, Ausrichtung des Geistes, Nada, Amrita und Guru-Kontemplation. Das Spektrum reicht vom leiblichen Halt bis zur raumgleichen Fülle. Die Tabelle gibt die Aussagen der Schrift wieder; ihre historischen Heilungs- und Siddhi-Verheißungen sind keine medizinischen Wirksamkeitsnachweise. Insbesondere Zungenmanipulationen, starkes Atemanhalten und die mit Vajroli verbundenen Verfahren sind keine aus einer Lektüre allein abzuleitende Selbstübung.

Nr. / Stelle Adhara und Lage Funktion beziehungsweise Verheißung im Text
1 / 2.10 Padāṅguṣṭhādhāra, Padangushthadhara, große Zehe (Padangushtha) Licht an der Spitze betrachten; der Blick wird fest.
2 / 2.11 Mūlādhāra, Muladhara, Wurzel (Mula) Der Wurzelstrang wird mit der linken Ferse gedrückt; das Feuer wird entfacht. Bezug zum Muladhara Chakra.
3 / 2.12 Gudādhāra, Gudadhara, After (Guda) Öffnen und Zusammenziehen; Apana wird gefestigt.
4 / 2.13 Meḍhrādhāra, Medhradhara, Penis beziehungsweise Genitalbereich (Medhra) Zusammenziehen, Durchbrechen der drei Brahma-Knoten und Aufwärtsrichtung führen zum Festhalten des Bindu; der Text nennt Vajroli. Die genaue Höhlenbezeichnung der Vorlage ist unsicher. Vergleich zum Svadhishthana Chakra.
5 / 2.14 Oḍyāṇādhāra, Odyanadhara, Odyana Bindung beziehungsweise Verschluss, im Satz mit Zurückhalten von Stuhl und Urin verbunden. Der Name wird mit Uddiyana Bandha in Verbindung gebracht; der kurze Sanskritsatz gibt keine vollständige Anleitung dieses Bandha.
6 / 2.15 Nābhyādhāra, Nabhyadhara, Nabel (Nabhi) Om mit ungeteilter Aufmerksamkeit aussprechen; Aufgehen im Nada. Vergleich zum Manipura Chakra.
7 / 2.16 Hṛdayādhāra, Hridayadhara, Herz (Hridaya) Prana halten; der Lotus entfaltet sich. Vergleich zum Anahata Chakra.
8 / 2.17 Kaṇṭhādhāra, Kanthadhara, Kehle (Kantha) Den Kehlengrund mit dem Kinn verschließen; der Wind in Ida und Pingala kommt zur Ruhe. Vergleich zum Vishuddha Chakra.
9 / 2.18 Ghaṇṭikādhāra, Ghantikadhara, Gaumenzäpfchen (Ghantika) Die Zungenspitze dort halten; die Nektarkraft fließt.
10 / 2.19 Tālvādhāra, Talvadhara, Gaumen (Talu) Verlängern der lambikā durch Bewegen und „Melken“, dann Umkehrung in die Gaumenhöhle. Der resultierende Zustand heißt in der Vorlage kāṣṭhī; Lesung und genaue Bedeutung sind unsicher. Nähe zur Khechari Mudra.
11 / 2.20 Jihvādhāra, Jihvadhara, Zunge (Jihva) Halten der Zungenspitze; die Schrift verheißt das Verschwinden aller Krankheiten, ohne das hier weiter zu begründen.
12 / 2.21 Bhrūmadhyādhāra, Bhrumadhyadhara, Brauenmitte (Bhrumadhya) Die Mondscheibe vergegenwärtigen; Kühle entsteht. Vergleich zum Ajna Chakra.
13 / 2.22 Nāsādhāra, Nasadhara, Nase (Nasa) Aufmerksamkeit auf die Nasenspitze; der Geist wird fest.
14 / 2.23 Kavāṭādhāra, Kavatadhara, „Türstütze“ (Kavata), Nasenwurzel (Nasamula) Den Blick dort halten; nach sechs Monaten soll Lichtfülle erscheinen.
15 / 2.24 Lalāṭādhāra, Lalatadhara, Stirn (Lalata) Lichtfülle betrachten; der Übende wird strahlend.
16 / 2.25 Ākāśacakra, Akashachakra, im Brahmarandhra Stets die beiden Lotusfüße des ehrwürdigen Guru schauen; voll wie der Akasha werden. Zur Orientierung siehe auch Sahasrara Chakra.

Ein Adhara gibt der Aufmerksamkeit einen Halt. An einer Stelle wird der Blick gesammelt, an einer anderen der Lebenshauch geordnet; wieder andere erschließen Licht, Klang oder die Hinwendung zum Guru. So wird der Körper Schritt für Schritt als Ort bewusster Gegenwart erfahren. Chakras und Adharas überschneiden sich teilweise, erfüllen in der Darstellung aber unterschiedliche Aufgaben: Das Chakra beschreibt ein inneres Zentrum, der Adhara betont seine Funktion als Stütze der Übung.

Trilakshya – die drei Weisen der inneren Schau

Trilakshya setzt sich aus tri, „drei“, und lakṣya, „Ziel“, „Merkpunkt“ oder „Gegenstand der Aufmerksamkeit“, zusammen. Die Abschnitte 2.26–29 unterscheiden inneres, äußeres und mittleres Schauziel. „Innere Schau“ ist im Abschnittstitel ein Oberbegriff für meditative Wahrnehmung; nicht alle drei Verfahren verorten ihr Objekt im Körper. Auch ist nicht jede beschriebene Erfahrung eine absichtlich erzeugte Visualisierung: Der Text nennt ebenfalls das Hören eines inneren Klanges.

1. Antarlakshya – das innere Schauziel (2.26–27). Antarlakshya beginnt bei der weißen Brahma Nadi, die von der Wurzelknolle entlang der Körperachse bis zum Brahmarandhra verläuft. In ihr wird eine aufwärts gerichtete, lotusfaserfeine Gestalt von der Leuchtkraft zahlloser Blitze betrachtet; sie verleiht nach dem Text alle Siddhis. Als weitere Möglichkeiten folgen: eine aufleuchtende Gestalt oberhalb der Stirn im Gollāṭa-Maṇḍapa; eine rötliche Bienenform in der Bhramara-Guhā, „Bienenhöhle“; nach Verschluss beider Ohren mit den Zeigefingern das Hören eines „dhūṃ dhūṃ“ klingenden Tones mitten im Kopf; schließlich ein blaues, figurengleiches Licht zwischen den Augen. Die beiden besonderen Höhlen- beziehungsweise Hallenbezeichnungen werden nicht durch erfundene anatomische Entsprechungen ersetzt.

2. Bahirlakshya – das äußere Schauziel (2.28). Bahirlakshya richtet die Aufmerksamkeit zunächst auf gestaffelte Entfernungen vor der Nasenspitze: vier Fingerbreiten – blauer Lichtschein; sechs – rauchgraues Windprinzip; acht – rotes Feuerprinzip; zehn – wellengleiches Wasserprinzip; zwölf – gelbes Erdprinzip. Der Text bietet danach weitere Möglichkeiten: den strahlenerfüllten Himmelsraum, Lichterscheinungen bei aufwärts gerichtetem Blick, die Betrachtung des Raumes mit raumgleich werdendem Geist und eine Fläche wie erhitztes Gold, durch die der Blick fest wird. Diese Beschreibungen sind keine Aufforderung, unmittelbar in die Sonne zu schauen. Die längere Fassung von 2.28 wird hier verwendet; das elektronische Dublett mit abweichender Entfernungsangabe wird nicht als zweiter unabhängiger Lehrabschnitt gezählt.

3. Madhyama Lakshya – das mittlere Schauziel (2.29). Madhyama Lakshya nennt Weiß, Rot oder Schwarz sowie Flamme, Licht, Blitz, Sonnenscheibe oder Halbmond. Man betrachtet sie geistig, sthāna-varjitam, „ohne Ortsbindung“. Die Wendung sva-piṇḍa-mātram bezieht das Bild zugleich auf den eigenen Körper beziehungsweise dessen Maß; ihre genaue Reichweite ist nicht eindeutig. „Weder innerlich noch äußerlich fest verortet“ ist eine mögliche Erläuterung dieses ortsfreien Betrachtens. Der Text schreibt weder eine feste Abfolge aller Farben noch eine psychologische Deutung jeder Form vor.

Alle drei Schauweisen sammeln die Aufmerksamkeit. Ihr Zusammenhang mit Dhyana und Samadhi ergibt sich aus dem weiteren Verlauf des Kapitels: Dharana sammelt im Formlosen, Dhyana erkennt die höchste Nichtdualität und übt gleiche Sicht gegenüber allen Wesen, Samadhi ist ausgeglichener Zustand und müheloses Verweilen (2.37–39). Eine Lichterscheinung allein wird dadurch nicht zum abschließenden Beweis der Befreiung.

Meditation, Prana und Sammlung: Die drei Lakshyas erschließen unterschiedliche Weisen der Aufmerksamkeit.

Vyoma Panchaka – die fünf Räume

Vyoma Panchaka bedeutet „Fünfergruppe (Panchaka) der Räume (Vyoman)“. Abschnitt 2.30 beschreibt fünf Schauweisen, die ausdrücklich jeweils außen und innen gelten. Akasha ist hier nicht bloß ein Ort am Himmel: Raum wird zum Meditationsbild von Reinheit, Weite und ungeteilter Gegenwart.

Sanskrit Deutsche Bedeutung Beschreibung nach 2.30
Ākāśa – Akasha Raum Außen (Bahya) und innen (Abhyantara) vollkommen unbefleckt (Nirmala) und formlos (Nirakara) schauen.
Parākāśa – Parakasha Höchster Raum Außen und innen wie vollkommene Finsternis (Andhakara) schauen. Dunkelheit ist hier eine meditative Beschreibung, kein moralisches Urteil.
Mahākāśa – Mahakasha Großer Raum Außen und innen wie das Feuer am Ende der Zeit (Kalanala) schauen. Das kosmische Feuerbild führt über die alltägliche Begrenzung des Raumerlebens hinaus.
Tattvākāśa – Tattvakasha Raum der Wirklichkeit Außen und innen als die eigene wahre Wesensgestalt (nija-tattva-svarūpa) schauen: Tattva und Svarupa werden nicht als etwas vom Schauenden Getrenntes betrachtet.
Sūryākāśa – Suryakasha Sonnenraum Außen und innen wie zehn Millionen (Koti) Sonnen (Surya) schauen. Gemeint ist eine meditative Lichtfülle.

Die Aussage des Schlusses ist wesentlich: Durch dieses Betrachten (Avalokana) wird der Übende selbst „raumgleich“. Die fünf Vyomas sind deshalb weder fünf naturwissenschaftlich nachweisbare Weltraumschichten noch fünf zwingend nacheinander zu durchlaufende Bewusstseinsstufen. Der Sanskrittext verbindet die Beschreibungen mehrfach mit „oder“. Im Zusammenhang der Schrift erschließt sich ihre Funktion als Ausweitung der Schau über die starre Trennung zwischen Innen und Außen hinaus. Eine feste Zuordnung zu fünf bestimmten Gehirnzuständen, Chakras oder Elementen gibt 2.30 nicht.

Die vier Lehren gehören zusammen: Chakras erschließen innere Zentren, Adharas geben der Aufmerksamkeit Halt, Lakshyas richten die Schau aus und die fünf Vyomas öffnen sie für den Raum innen und außen. Der Merkvers 2.31 fasst ihre Bedeutung zusammen:

nava-cakraṃ kalādhāraṃ tri-lakṣyaṃ vyoma-pañcakam |
samyag etan na jānāti sa yogī nāma-dhārakaḥ ||

„Wer die neun Chakras, die sechzehn Stützen, die drei Schauziele und die fünf Räume nicht richtig kennt, ist ein Yogi nur dem Namen nach (Namadharaka).“ Kalā steht hier im Kontext für die Zahl sechzehn. Der Vers betont die Bedeutung erfahrungsbezogenen Wissens im Lehrsystem; er muss nicht als Abwertung anderer authentischer Yogawege gelesen werden.

Weitere zentrale Lehren der Siddha Siddhanta Paddhati

Pinda als Mikrokosmos. Piṇḍa ist der lebendige Leib als Ganzes. „Mikrokosmos“ bedeutet „kleine Welt“: Kapitel 3 ordnet Berge, Flüsse, Meere und Gestirne bestimmten Körperbereichen zu. Der Körper wird dadurch als Teil und Abbild einer heiligen Weltordnung betrachtet. Diese traditionellen Entsprechungen dienen der yogischen Erkenntnis; sie sind in ihrer eigenen Sprache zu lesen, nicht als moderne Anatomie.

Shiva und Shakti. Das Namenlose steht nicht einem völlig fremden Stoff gegenüber. Seine Shakti entfaltet sich in unterschiedlichen Bestimmungen; Kapitel 1 nennt eigene, höchste, nachgeordnete und subtile Kraft sowie Kundalini. Kapitel 4 vertieft ihre Untrennbarkeit von Shiva. Der Vergleich mit Mond und Mondlicht (4.26) ist dafür besonders eindrücklich: Unterschiedliche Begriffe müssen keine Trennung des Seins bedeuten.

Prana, Nadis und Sushumna. Prana ist der Lebenshauch in seinen verschiedenen Funktionen. Die Schrift beschreibt zehn Winde und ihre Wirkungen (1.69). Nadis sind die feinstofflichen Bahnen des yogischen Körpermodells. Durch sie wird das Wirken des Lebenshauches beschrieben. Ida, Pingala und Sushumna stehen besonders deutlich beim Kehlzentrum (2.5); die Brahma-Nadi ist im inneren Lakshya die Achse bis zum Brahmarandhra (2.26). Die Zuordnung einzelner Winde weicht teilweise von geläufigen Lehrbüchern ab und wird in der Übersetzung nicht angeglichen.

Kundalini und die drei Kraftrichtungen. Kundalini ist nicht auf ein isoliertes Bild einer schlafenden Schlange zu reduzieren. Die Schrift betrachtet sie im Zusammenhang der kosmischen Entfaltung und der yogischen Sammlung. Nach 4.16 wirken das Erwachen der mittleren, das Zusammenziehen der unteren und das Herabkommen der oberen Kraft zusammen. Verwirklichung wird somit nicht ausschließlich als einseitige Aufwärtsbewegung beschrieben.

Samarasya und Samarasikarana. Samarasa bedeutet wörtlich „von gleichem Geschmack“. Das Bild weist auf eine Einheit hin, die unmittelbar erfahren wird. Kapitel 5 verbindet piṇḍa, den Körper, mit pada, dem höchsten Zustand oder Grund. Samarasīkaraṇa bezeichnet die Verwirklichung ihrer Einheit. Einfach gesagt: Der Übende erkennt den göttlichen Grund auch im eigenen verkörperten Leben. Körper und höchste Wirklichkeit erscheinen ihm nicht länger als zwei voneinander unabhängige Bereiche.

Hatha Yoga, Raja Yoga, Jnana und Moksha. Die Schrift enthält Verfahren, die dem Hatha Yoga nahestehen, sowie eine eigene Auslegung der acht Yogaglieder (2.32–39). In der vergleichenden Sprache des Yoga lassen sich die Sammlung und Versenkung mit Raja Yoga, die Selbsterkenntnis mit Jnana verbinden. Das Werk macht daraus jedoch keine moderne Einteilung in voneinander getrennte Kursstile. Seine Zielrichtung ist Moksha: eine Erkenntnis, in der körperliche Disziplin, Lebenshauch, Geist und Gnade zusammenfinden.

Siddha und Avadhuta. Der Siddha ist der Vollendete; Siddhi kann sowohl besondere Fähigkeit als auch Vollendung bezeichnen. Der Avadhuta verkörpert die Freiheit von bindenden Zuschreibungen. Äußere Abzeichen, gelehrte Debatte oder außergewöhnliche Erlebnisse genügen hierfür nicht. Kapitel 6 deutet zahlreiche asketische Zeichen nach innen und beschreibt Gelassenheit, Selbsterkenntnis und Freiheit von Begehrlichkeit. Dabei enthält es auch historische Polemik und strenge Regeln der Lehrweitergabe, die als Aussagen dieser Überlieferung kenntlich bleiben.

Körper und Kosmos werden in der Schrift aufeinander bezogen. Das moderne Weltraumbild illustriert die Weite dieser Frage, nicht die Einzelheiten ihrer traditionellen Kosmologie.

Eine weitere heutige Praxisbegleitung: „Chakra Energie Meditation mit Sukadev“.

Lesehilfe für wiederkehrende Begriffe

Begriff Einfache Orientierung beim Lesen
Eigenes Wesen, svarūpa Das, was der Mensch seinem tiefsten Sein nach ist; im Werk durch Selbsterkenntnis zu erfahren.
Bewusstsein, cit oder caitanya Das Erkennen und Gegenwärtigsein, in dem Wahrnehmungen und Gedanken erscheinen.
Tattva – Tattva Ein Grundprinzip; je nach Zusammenhang auch die Wirklichkeit oder das wahre Wesen einer Sache.
Laya – Laya Aufgehen oder Zur-Ruhe-Kommen; beim Geist das Aufgehen seiner gesonderten Tätigkeit.
Nada – Nada Klang; anāhata-nāda bezeichnet den inneren, „ungeschlagenen“ Klang, der ohne äußeres Anschlagen beschrieben wird.
Shunya – Shunya Leere; in den Schauanweisungen ein Gegenstand beziehungsweise Raum der Kontemplation. Die genaue Bedeutung ergibt sich aus der jeweiligen Stelle.
Sahaja – Sahaja Das Natürliche oder Angeborene; in 5.30 mit dem Erkennen des eigenen Selbst erklärt.

Anregung zum Studium: Lies zunächst einen kurzen Abschnitt und seine Worterklärungen. Frage dann: Was sagt der Text genau? Was wird mir daran verständlich? Was bleibt offen? So verbinden sich sorgfältiges Lernen und stille Betrachtung.

Vollständiger IAST-Text

Die folgenden sechs Unterweisungen enthalten den gesamten Lesetext dieser Ausgabe. Die Nummern bezeichnen sowohl Verse als auch Prosastücke. Die Eingangsanrufung und die Kolophone werden mitgeführt. Lesarten und redaktionelle Ergänzungen sind bei der entsprechenden deutschen Texteinheit sowie unter „Textgrundlage“ erläutert.

1. Unterweisung: Entstehung des Körpers

1.Eingang
śrīgaṇeśāya namaḥ||

1.1
ādināthaṃ namaskṛtya śaktiyuktaṃ jagadgurum|
vakṣye gorakṣanātho'haṃ siddhasiddhāntapaddhatim||

1.2
nāsti satyavicāre'sminnutpattiścāṇḍapiṇḍayoḥ|
tathāpi lokavṛttyarthaṃ vakṣye satsampradāyataḥ||

1.3
sā piṇḍotpattyādiḥ siddhamate samyak prasiddhā piṇḍotpattiḥ piṇḍavicāraḥ piṇḍasaṃvittiḥ piṇḍādhāraḥ piṇḍapadasamarasabhāvaḥ śrīnityāvadhūtaḥ||

1.4
yadā nāsti svayaṃ kartā kāraṇaṃ na kulākulam|
avyaktañca paraṃ brahma anāmā vidyate tadā||

1.5
anāmeti svayamanādisiddha ekamevānādinidhanaṃ siddhasiddhāntaprasiddhaṃ tasyecchamātradharmādharmiṇī nijā śaktiḥ prasiddhā||

1.6
tasyonmukhatvamātreṇa parāśaktirutthitā||

1.7
tasya spandanamātreṇa aparāśaktirutthitā||

1.8
tato'haṃtārthamātreṇa sūkṣmaśaktirutpannā||

1.9
tato vedanaśīlā kuṇḍalinī śaktirudgatā||

1.10
nityatā nirañjanatā niṣpandatānirābhāsatā nirutthāntā iti pañcaguṇā nijāśaktiḥ||

1.11
astitā aprameyatā abhinnatā anantatā avyaktatā iti pañcaguṇā parāśaktiḥ||

1.12
sphuratā sphuṭatā sphāratā sphoṭatā sphūrtiteti pañcaguṇā'parā śaktiḥ||

1.13
niraṃśatā nirantaratā niścalatā niścayatā nirvikalpateti pañcaguṇā sūkṣmāśaktiḥ||

1.14
pūrṇatā pratibimbatā prabalatā proccalatā pratyaṅmukhateti kuṇḍalinī śaktiḥ||

1.15
evaṃ śaktitattve pañca pañca guṇayogāt parapiṇḍotpattiḥ||

1.16
uktañca- nijāparā'parāsūkṣmākuṇḍalinyāsu pañcadhā|
śakticakrakrameṇottho jātaḥ piṇḍaparaḥ śivaḥ||

1.17
aparamparaṃ paramapadaṃ śūnyaṃ nirañjanaṃ paramātmeti||

1.18
aparamparāt sphuratāmātramutpannaṃ paramapadād bhāvanāmātramutpannaṃ śūnyātsvasattāmātramutpannaṃ nirañjanāt svasākṣātkāramātramutpannaṃ paramātmanaḥ paramātmotpannaḥ||

1.19
akalaṃkatvamanupamatvamapāratvamamūrtatvamanudayatvamiti pañcaguṇamaparamparam||

1.20
niṣkalatvamaṇutaratvamacalatvamasaṃkhyatvamanādhāratvamiti pañcaguṇaṃ paramapadam||

1.21
līnatā pūrṇatonmanī lolatā mūrcchateti pañcaguṇaṃ śūnyam||

1.22
satyatvaṃ sahajatvaṃ samarasatvaṃ sāvadhānatvaṃ sarvagatatvamiti pañcaguṇaṃnirañjanam||

1.23
akṣayatvamabhedyatvamacchedyatvamavināśatvamadāhyatvamiti pañcaguṇaḥ paramātmā ityanādipiṇḍasya pañcatatvaṃ pañcaviṃśati guṇāḥ||

1.24
uktañca- aparamparaṃ paramapadaṃ śūnyaṃ nirañjanaparamātmānau pañcabhiretai saguṇairanādyapiṇḍaḥ samutpannaḥ||

1.25
anādyāt paramānandaḥ paramānandāt prabodhaḥ prabodhāccidudayaścadudayātcitprakāśaḥ citprakāśāt so'haṃ bhāvaḥ||

1.26
spandaḥ harṣaḥ utsāhaḥ nispandaḥ nityasukhatvamiti pañcaguṇaḥ paramānandaḥ||

1.27
udaya ullāso'vabhāso vikāsaḥ prabhā iti paṃcaguṇaḥ prabodhaḥ||

1.28
sadbhāvo vicāraḥ kartṛtvaṃ jñātṛtvaṃ svatantratvamiti paṃcaguṇaścidudayaḥ||

1.29
nirvikāratvaṃ niṣkalatvaṃ nirvikalpatvaṃ samatā viśrāntiriti pañcaguṇaḥ citprakāśaḥ||

1.30
ahantā'khaṇḍaiśvaryaṃ svātmatā viśvānubhavasāmarthyaṃ sarvajñatvamiti pañcaguṇaḥ so'haṃbhāvaḥ|
ityādyapiṇḍasya pañcatattvaṃ pañcaviṃśati guṇāḥ|
paramānandaḥ prabodhaścidudayaścitprakāśaḥ so'haṃbhāva ityanta ādyapiṇḍo mahātattvayuktaḥ samutthitaḥ||

1.31
ādyānmahākāśo mahākāśānmahāvāyurmahāvāyormahātejo mahātejaso mahāsalilaṃ mahāsalilānmahāpṛthvī||

1.32
avakāśo'cchidramaspṛśatvaṃ nīlavarṇatvaṃ śabdatvamiti pañcaguṇa avakāśaḥ||

1.33
sañcāraḥ sañcālanaṃ sparśanaṃ śoṣanaṃ dhūmravarṇatvamiti pañcaguṇo mahavāyuḥ||

1.34
dāhakatvaṃ pācakatvamuṣṇatvaṃ prakāśatvaṃ raktavarṇatvamiti pañcaguṇaṃ mahātejaḥ||

1.35
mahāpravāha apyāyanaṃ dravo rasaḥ śvetavarṇatvamiti pañcaguṇaṃ salilam||

1.36
sthūlatā nānākāratā kāṭhinyaṃ gandhaḥ pītavarṇatvamiti pañcaguṇāmahāpṛthvī|
iti mahāsākārapiṇḍasya pañcaviṃśati guṇāḥ||

1.37
sa eva śivaḥ śivādbhairavo bhairavāt śrīkaṇṭhaḥ śrīkaṇṭhātsadāśivaḥ sadāśivādīśvaraḥ īśvarādrudro rudrādviṣṇurviṣṇorbrahmā iti mahāsākārapiṇḍasya mūrtyaṣṭakam||

1.38
tad brahmaṇaḥ sakāśādavalokanena naranārīrūpaprakṛtipiṇḍaḥ samutpannastacca pañcapañcātmaka śarīram||

1.39
asthimāṃsatvaṅ nār̤īromāṇīti pañcaguṇā bhūmiḥ||

1.40
lālā mutraṃ śukraṃ śoṇitaṃ sveda itipañcaguṇā āpaḥ||

1.41
kṣudhā tṛṣā nidrā kāntirālasyamiti pañcaguṇaṃ tejaḥ||

1.42
dhāvanaṃ bhramaṇaṃ prasāraṇamākuñcanaṃ nirodhanamiti pañcaguṇo vāyuḥ||

1.43
rāgo dveṣo bhayaṃ lajjā moha iti pañcaguna ākāśaḥ iti pañcaviṃśati guṇānāṃ bhūtānāṃ piṇḍaḥ||

1.44
mano buddhirahaṃkāraścittaṃ caitanyamityantaḥkaraṇaḥ pañcakam||

1.45
saṃkalpo vikalpo mūrcchā jar̤atā mananamiti pañcagunaṃ manaḥ||

1.46
viveko vairāgyaṃ śāntiḥ saṃtoṣaḥ kṣameti pañcaguṇā buddhi||

1.47
abhimānaṃ madīyaṃ mama sukhaṃ mama duḥkhaṃ mamedamiti pañcaguṇo'haṃkāraḥ||

1.48
matirdhṛtismṛtistyāgaḥ svīkāra iti pañcaguṇaṃ cittam||

1.49
vimarśaḥ śīlanaṃ dhairyaṃ cintanaṃ niḥspṛhatvamiti pañcaguṇaṃ caitayamevamantaḥkaraṇaguṇāḥ||

1.50
sattvaṃ rajastamaḥ kālo jīva iti kulapañcakam||

1.51
dayā dharmaḥ kriyābhaktiḥ śraddheti pañcaguṇaṃ sattvam||

1.52
dānaṃ bhogaḥ śṛṅgāro vastugrahaṇaṃ svārthasaṃgrahaṇamiti pañcaguṇaṃ rajaḥ||

1.53
vivādaḥ kalahaḥ śoko vadho vañcanamiti pañcaguṇaṃ tamaḥ||

1.54
kalanā kalpanā bhrāntiḥ pramādaḥ anartha iti pañcaguṇaḥ kālaḥ||

1.55
jāgrat svapnaḥ suṣuptisturīyāturyātītamiti pañcaguṇa jīvaḥ||

1.56
icchā kriyā māyā prakṛtirvāgiti vyaktipañcakam||

1.57
unmādo vāsanā vāñchā cintā ceṣṭeti pañcaguṇecchā||

1.58
smaraṇaṃ udyogaḥ kāryaṃ niścayaḥ svakulācāra iti pañcaguṇā kriyā||

1.59
mado mātsaryaṃ dambhaḥ kṛtrimattvamasatyamiti pañcaguṇā māyā||

1.60
āśā tṛṣṇā spṛhā kāṅkṣāmithyeti pañcaguṇā prakṛtiḥ||

1.61
parā paśyantī madhyamā vaikharī mātṛketi pañaguṇā vāk iti vyaktipañcakaḥ pañcarviśati guṇā||

1.62
karma kāmaścandraḥ sūryo'gniriti pratyakṣakaraṇapañcakam||

1.63
śubhamaśubhaṃ yaśo'pakīrtiradṛṣṭaphalasādhanamiti pañcaguṇaṃ karma||

1.64
ratiḥ prītiḥ krīḍā kāmanā āturateti pañaguṇaḥ kāmaḥ||

1.65
ullolā kallolinī uccalantī unmādinī taraṅgiṇī śoṣiṇī lampaṭā pravṛtti laharī lolā lelihānā prasarantī pravāhā saumyā prasannatā plavantī evaṃ candrasya ṣoḍaśakalā saptadaśīkalā nivṛtti sā'mṛtakalā||

1.66
tāpinī grāsikā ugrā ākuñcanī śoṣiṇī prabodhinī smarā ākarṣiṇī tuṣṭavardhanī ūrmīrekhā kiraṇavatī prabhāvatīti dvādaśakalā sūryasya trayodaśī svaprakāśatā nijakalā||

1.67
dīpakā rājikā jvalinī visphuliṅginī pracaṇḍā pācikā raudrī dāhikā rāgiṇī śikhāvatī ityagnerdaśakalā ekādaśī kalā jyotiriti pratyakṣakaraṇaguṇakalāsamūhaḥ||

1.68
atha nāḍīnāṃ daśa dvārāṇi|
iḍāpiṅgalā nāsādvarayorvahataḥ suṣumṇā nāḍī tu brahmadaṇḍāmārgeṇa brahmarandhraparyantaṃ vahati sarasvatī mukhadvāre vahati pūṣā'lambuṣā cakṣurdvārayorvahato gāndhārī hastijihvikā ca karṇadvārayovahataḥ kuhūrgudādvāre vahati śaṃkhinī liṅgadvāre vahati evaṃ daśadvāreṣu vahanti||

1.69
atha daśavāyavaḥ|
hṛdaye prāṇavāyurucchvāsaniḥśvāsakārako hakārasakārātmakaśca|
asyaivāvasthābhede haṭhayoga iti saṃjñā|
hakāraḥ kīrtitaḥ sūryaṣṭhakāraścandra ucyate|
sūryācandramasoryogād haṭhayogo nigadyate|
gude tvapānavāyuḥ recakaḥ kumbhakapūrakaśca|
nābhau samānavāyurdīpakaḥ pācakaśca|
kaṇṭhe vyānavāyuḥ śoṣaṇāpyāyanakārakaśca|
tālau udānavāyuḥ grasanavamanajalpakārakaśca|
nāgavāyuḥ sarvāṅgavyāpako mocakaścālakaśca|
kūrmavāyuḥ cakṣurunmeṣakārakaśca|
kṛkalaḥ udgārakaśca kṣutkārakaśca|
devadatto mukhe vijṛmbhakaḥ|
dhanañjayo nādaghoṣaka iti daśavāyvavalokanena piṇḍotpattiḥ naranārīrūpam||

1.70
atha garbholī piṇḍotpattirbhavati naranārīsaṃyoge ṛtukāle rajovindusaṃyore jīvaḥ||

1.71
prathamadine kalalaṃ bhavati saptarātre budbudākāraṃ bhavati|
ardhamāse golākāraṃ bhavati|
māsamātreṇa kaṭhinaṃ māsadvayena śiro bhavati|
tṛtīyāmāsi hastapādādika bhavati|
carturthe māsi cakṣuḥkarṇādināsikāmukhameḍhragudaṃ bhavati|
pañcame māsi pṛṣṭhodarau bhavataḥ|
ṣaṣṭhe māsi nakhakeśādikaṃ bhavati|
saptame māse sarvacetanyukto bhavati|
aṣṭame māsi sarvalakṣaṇayukto bhavati |
navame māsi satyajñānayukto bhavati|
daśame māsi yonisaṃsparśādajñānī bālako bhavati||

1.72
śukrādhikeṣu puruṣo raktādhikā kanyakā samaśukraraktābhyāṃ napuṃsakaḥ parasparaṃ cintāvyākulatvādandhaḥ kubjo vāmanaḥ paṅgu raṅgahīnaśca bhavati|
parasparaṃ ratikāle'ṅganiḥpīḍanakaraguṇauḥ śukro dvastrivāraṃ patati yena dvitīyo bālako bhavati||

1.73
sārdhapalatrayaṃ śukraṃ viṃśatipalaṃ raktaṃ dvādaśapalaṃ medaḥ daśapalaṃ majjā śatapalaṃ māṃsaṃ daśapalaṃ pittaṃ viṃśatipalaṃ śleṣmā tadvadvātaḥ syāt ṣaṣṭayadhikaśatatrayamasthīnyasthimātraṃ sandhayaḥ sārdhatrayakoṭiromākūpāṇi pitṛmātṛvīryaṃ bhavati vātapittaśleṣmadhātutrayaṃ daśadhātumayaṃ śarīramiti garbhotthapiṇḍotpattiḥ||

1.Kolophon
iti śivagorakṣaviracitasiddhasiddhāntapaddhatau prathamopadeśaḥ||

2. Unterweisung: Betrachtung des Körpers

2.1
atha piṇḍavicāraḥ kathyate|| piṇḍe navacakrāṇi|
ādhāre brahmacakraṃ tridhāvartaṃ bhagamaṇḍalākāraṃ tatra mūlakandastatra śaktiṃ pāvakākārāṃ dhyāyet tatraiva kāmarūpapīṭhaṃ sarvakāmapradaṃ bhavati||

2.2
dvitīyaṃ svādhiṣṭhānaṃ cakraṃ tanmadhye paścimābhimukhaliṅgaṃ pravālāṅkurasadṛśaṃ dhyāyet tatraivoḍḍīyānapīṭhaṃ jagadākarṣaṇaṃ bhavati||

2.3
tṛtīyaṃ nābhicakraṃ pañcāvartaṃ sarpavat kuṇḍalākāraṃ tanmadhye kuṇḍalinīṃ śaktiṃ bālārkakoṭisadṛśīṃ dhyāyet sā madhyamā śaktiḥ sarvasiddhidā bhavati||

2.4
caturthaṃ hṛdayādhāramaṣṭadalakamalamadhomukhaṃ tanmadhye karṇikāyāṃ liṅgākārāṃ jyotirūpāṃ dhyāyet|
saiva haṃsakalā sarvendriyāṇi vaśyāni bhavanti||

2.5
pañcamaṃ kaṇṭhacakraṃ caturaṅgulaṃ tatra vāma iḍā candranāḍī dakṣiṇe piṅgalā sūryanāḍī tanmadhye suṣumṇā dhyāyet saivānāhatakalā'nāhatasiddhirbhavati||

2.6
ṣaṣṭhaṃ tālucakraṃ tatrāmṛtadhārāpravāhaḥ ghaṇṭikāliṅgamūlarandhrarājadantaṃ śaṃkhinīvivaraṃ daśamadvāraṃ tatra śūnyaṃ dhyāyet cittalayo bhavati||

2.7
saptamaṃ bhrūcakraṃ madhyamaṃguṣṭhamātraṃ jñānanetraṃ dīpaśikhākāraṃ dhyāyed vācāṃ siddhirbhavati||

2.8
aṣṭamaṃ brahmarandhraṃ nirvāṇacakraṃ sūcikāgrabhedyaṃ dhūmaśikhākāraṃ dhyāyet tatra jālandharapīṭhaṃ mokṣapradaṃ bhavati||

2.9
navamamākāśacakraṃ ṣoḍaśadalakamalamūrdhvamukhaṃ tanmadhye karṇikāyāṃ trikūṭākārāṃ tadūrdhvaśaktiṃ tāṃ paramaśūnyāṃ dhyāyet tatraiva pūrṇagiripīṭhaṃ sarvecchasiddhirbhavati|
iti navacakrasya vicāraḥ||

2.10
atha ṣoḍaśādhāraḥ kathyate tatra prathamaṃ padāṅguṣṭhādhāraṃ tatrāgrastejomayaṃ dhyāyet|
dṛṣṭiḥ sthirā bhavati||

2.11
dvitīyaṃ mūlādhārasūtraṃ vāmapārṣṇinā niḥpīḍayitavyam|
tatrāgnidīpanaṃ bhavati||

2.12
tṛtīyaṃ gudādhāraṃ vikāsasaṃkocanena nirākuñcayet|
apānavāyuḥ sthiro bhavati||

2.13
caturthaṃ meḍhrādhāraṃ liṅgasaṃkocanena brahmagranthitrayaṃ bhittvā bhramaṇaguhāyāṃ viśramya tata ūrdhvamukhe vindustambhanaṃ bhavati|
eṣā vajrolī prasiddhā||

2.14
pañcamamoḍyāṇādhārayorbandhanānmalamūtrasaṃkocanaṃ bhavati||

2.15
ṣaṣṭhe nābhyādhāra oṅkāramekacittenoccārite nādalayo bhavati||

2.16
saptame hṛdayādhāre prāṇaṃ nirodhayet kamalavikāso bhavati||

2.17
aṣṭame kaṇṭhādhāre kaṇṭhamūlaṃ cibukena nirodhayet iḍāpiṅgalayorvāyuḥ sthiro bhavati||

2.18
navame ghaṇṭikādhāre jihvāgraṃ dhārayedamṛtakalā sravati||

2.19
daśame tālvādhāre tālvantargarbhe lambikāṃ cālanadohanāmyāṃ dīrghīkṛtvā viparītena praveśayet kāṣṭhī bhavati||

2.20
ekādaśamatha jihvādhāraṃ tatra jihvāgraṃ dhārayet sarvaroganāśo bhavati||

2.21
dvādaśaṃ bhrūmādhyādhāraṃ tatra candramaṇḍalaṃ dhārayet śītalatāṃ yātī||

2.22
trayodaśaṃ nāsādhāraṃ tasyāgraṃ lakṣyenmanaḥ sthiraṃ bhavet||

2.23
caturdaśaṃ nāsāmūlaka kapāṭādhāraṃ tatra dṛṣṭiṃ dhārayet ṣaṇmāsājjyotiḥ puñjaṃ paśyati||

2.24
pañcadaśaṃ lalāṭādhāraṃ tatra jyotiḥpuñjaṃ lakṣayet tejasvī bhavati||

2.25
avaśiṣṭe ṣoḍaśe brahmarandhra ākāśacakraṃ tatra śrīgurucaraṇāmbujayugmaṃ sadāvalokayedākāśavatpūrṇo bhavati|
iti ṣoḍaśādhāraḥ||

2.26
atha lakṣyatrayantatratāvadantarlakṣyaṃ kathyate|
mūlakandād daṇḍalagnāṃ brahmanāḍīṃ śvetavarṇāṃ brahmarandhraparyantaṃ gatāṃ saṃsmaret tanmadhye kamalatantunibhāṃ vidyutkoṭiprabhāmūrdhvagāminīṃ tāṃ mūrti manasā dhyāyet tatra sarvasiddhidā bhavati||

2.27
athavā lalāṭordhve gollāṭamaṇḍape sphuradākāraṃ lakṣayedathavā bhramaraguhāmadhya āraktabhramarākāraṃ lakṣayedathavā karṇadvayaṃ tarjanībhyāṃ nirodhayet tataḥ śiromadhye dhūṃ dhūṃ kāraṃ nādaṃ śṛṇotyathavā cakṣurmadhye nīlajyotirūpaṃ putalyākāraṃ lakṣayedityantarlakṣyam||

2.28
bahirlakṣyaṃ kathyate|| nāsāgrād bahiraṅgulacatuṣṭaye nīlajyotiḥ saṃkāśaṃ lakṣayet|
athavā nāsāgrāt ṣaḍaṅgula adhovāyutatvaṃ dhūmravarṇaṃ lakṣayedathavā aṣṭāṅgule āraktaṃ tejastatvaṃ lakṣayedathavā daśāṅgule kallolavadaptatvaṃ lakṣayedathavā nāsāgrāt dvādaśāṅgule pītavarṇaṃ pārthivatatvaṃ lakṣayet|
athavākāśamukhaṃ dṛṣṭvā'valokayet kiraṇānākulitaṃ paśyati sarvaṃ nirmalīkaraṇamathavordhvadṛṣṭyantarālaṃ lakṣayejjyotirmukhāni paśyatyathavā tadabhyantaraṃ tatrākāśaṃ lakṣayedākāśasadṛśacittaṃ muktipradaṃ bhavatyathavā dṛṣṭyantastaptakāñcanasannibhāṃ bhūmiṃ lakṣayed dṛṣṭiḥ sthirā bhavati|
ityanekavidha bahirlakṣyam||

2.29
atha madhyamaṃ lakṣyaṃ kathyate śvetavarṇaṃ vā raktavarṇaṃ vā kṛṣṇavarṇaṃ vāgniśikhākāraṃ vā jyotīrūpaṃ vā vidyudākāraṃ vā sūryamaṇḍalākāraṃ vā'rdhacandrākāraṃ vā yatheṣṭa svapiṇḍamātraṃ sthānavarjitaṃ manasā lakṣayedityanekavidhaṃ madhyamaṃ lakṣyam||

2.30
atha vyomapañcakaṃ lakṣayedākāśaṃ parākāśaṃ mahākāśaṃ tattvākāśaṃ sūryākāśamiti vyomapañcakaṃ bāhyābhyantare'tyantaṃ nirmalaṃ nirākāramākāśaṃ lakṣayedathavā bāhyābhyantare'tyantāndhakāranibhaṃ parakāśamavalokayet athavābāhyābhyantare kālānalasaṃkāśaṃ mahākāśamavalokayet athavā bāhyābhyantare nijatatvasvarupaṃ tatvākāśavalokayet athavā vāhyābhyantare sūryaṃkoṭinibhaṃ sūryākāśamavalokayet svayaṃ vyomapañcakāvalokanena vyomasadṛśo bhavati||

2.31
uktañca navacakraṃ kalādhāram trilakṣyaṃ vyomapañcakam|
samyagetanna jānāti sa yogī nāmadhārakaḥ||

2.32
yamaniyamāsanaprāṇāyāmapratyāhāradhāraṇādhyānasamādhayo'ṣṭāvaṅgāni|
yama iti upaśamaḥ sarvendriyajayāhāranidrāśītavātātapajayaścaivaṃ śanaiḥ śanaiḥ sādhayet||

2.33
niyama iti manovṛttīnāṃ niyamanamityekāntavāso niḥsaṅgatau dāsīnyaṃ yathāprāptisantuṣṭirvairasyaṃ gurucaraṇāvarūḍhatvamitiniyamalakṣanam||

2.34
āsanamiti svasvarūpe samāsannatā svastikāsanaṃ padmāsanaṃ siddhāsanameteṣāṃ madhye yatheṣṭamekaṃ vidhāya sāvadhānena sthātavyam|
ityāsanalakṣaṇam||

2.35
prāṇāyāma iti prāṇasya sthiratā|
recakapūrakakumbhaka saṃghaṭakaraṇāni catvāri prāṇāyāmalakṣaṇāni||

2.36
pratyāhāramiti caitanyaturaṅgāṇāṃ pratyāharaṇaṃ vikāragrasana utpannavikārasyāpi nivṛttirnirbhātīti pratyāhāralakṣaṇam||

2.37
dhāraṇeti sā bāhyābhyantara ekamevanijatatvasvarūpamevāntaḥ karaṇena sādhayet yathā yadyadutpadyate tattannirākāre dhārayet svātmānaṃ nirvātadīpamiva saṃdhārayediti dhāraṇālakṣaṇaṃ||

2.38
atha dhyānamiti kaścana paramādvaitasya bhāvaḥ sa evātmeti yathā yadyatsphurati tattatsvarūpameveti bhāvayet sarvabhūteṣu samadṛṣṭiśca iti dhyānalakṣaṇam||

2.39
atha samādhilakṣaṇaṃ sarvatattvānāṃ samāvasthā nirudyamattvamanāyāsasthitimattvamiti samādhilakṣaṇam|
ityaṣṭāṅgayogalakṣaṇam||

2.Kolophon
iti śrīgorakṣanāthakṛtau siddhasiddhāntapaddhatau piṇḍavicāro nāma dvitīyopadeśaḥ||

3. Unterweisung: Erkenntnis des Körperkosmos

3.1
atha piṇḍa saṃvittiḥ kathyate|
piṇḍamadhye carācarau yo jānāti sa yogī piṇḍasaṃvittirbhavati||

3.2
kūrma pādatale vasti pātālaṃ pādāṅguṣṭhe talātalamaṅguṣṭhāgre mahātalaṃ pādapṛṣṭhe rasātalaṃ gulphe sutalaṃ jaṅghāyāṃ vitalaṃ jānvoratalamūrvereva saptapātālāṃ rudradevādhipataye tiṣṭhati piṇḍamadhye krodharūpī bhāvaḥ sa eva kālāgnirudraḥ||

3.3
bhurlokaṃ guhyasthāne bhuvarlokaṃ liṅgasthāne svarlokaṃ nābhisthāne|
evaṃ lokatraya indro devatā piṇḍamadhye sarvendriyaniyāmakaḥ sa evendraḥ||

3.4
daṇḍāṅkure maharliko daṇḍakuhare janoloko daṇḍanāle tapo loko mūlakamale satyaloka evaṃ lokacatuṣṭaye brahmādidevatā piṇḍamadhye'nekamānābhimānasvarūpo tiṣṭhati||

3.5
viṣṇulokaḥ kukṣau tiṣṭhati tatra viṣṇurdevatā piṇḍamadhye'nekavyāpārako bhavati|
hṛdaye rudralokastatra rudro devatā piṇḍamadhye ugrasvarūpī tiṣṭhati|
vakṣaḥ sthala iśvaralokastatreśvaro devatā piṇḍamadhye tṛptisvarūpī tiṣṭhati|
kaṇṭhamadhye nīlakaṇṭhalokastatra nīlakaṇṭho devatā piṇḍamadhye nityaṃ tiṣṭhati|
tāludvāre śivalokastatra śivo devatā piṇḍamadhye'nupamasvarūpī tiṣṭhati|
lambikāmūle bhairavalokastatra bhairavo devatā piṇḍamadhye sarvottamasvarūpī tiṣṭhati|
lalāṭamadhye'nādilokastatrānādi devatā piṇḍamadhye ānanda parāhaṃtāsvarūpī tiṣṭhati|
śṛṃṅgāṭe kulalokastatrakuleśvaro devatā piṇḍamadhye ānandasvarūpī tiṣṭhati|
śaṅkhamadhye nalinīsthāne'kuleśvaro devatā piṇḍamadhye nirabhimānāvasthā tiṣṭhati|
brahmarandhre parabrahmalokastatra parabrahma devatā piṇḍamadhye paripūrṇadaśā tiṣṭhati|
ūrdhvakamale lokastatra parameśvaro devatā piṇḍamadhye parāparabhāvastiṣṭhati|
trikūṭasthāne śaktilokastatra parāśaktirdevatā piṇḍamadhye 'stitvāvasthā sarvāsāṇ sarvāsāṃ sarvakarttṛtvāvasthā tiṣṭhati|
evaṃ piṇḍamadhye saptapātālasahitaikaviṃśati brahmāṇḍasthānavicāraḥ||

3.6
sadācāratattve brāhmaṇāstiṣṭhanti|
śaurye kṣatriyā vyavsāye vaiśyāḥ sevābhāve śūdrāścatuṣṣaṣṭhikalāsvapi catuṣṣaṣṭhi varṇāḥ||

3.7
atha saptasamudrāḥ saptadvīpāśca kathyante|
majjāyāṃ jambūdvīpo'sthiṣu śakadvīpaḥ śirāsu sukṣmadvīpaścatvakṣu krauñca dvīpo romasu gomaya dvīpo nakheṣu śvetadvīpo māṃse plakṣadvīpa evaṃ saptadvīpāḥ||

3.8
mūtre kṣārasamudro lālāyāṃ kṣīrasamudraḥ kaphe dadhisamudro medasi ghṛtasamudro vasāyāṃ madhusamudro rakte ikṣusamudraḥ śukre'mṛta samudra evaṃ saptasamudrāḥ||

3.9
navakhaṇḍā navadvāreṣu vasanti|
bhāratakhaṇḍaḥ karparakhaṇḍaḥ kāśmīrakhaṇḍaḥ śrīkhaṇḍa śaṅkhakhaṇḍa ekapādakhaṇḍo gāndhāra khaṇḍaḥ kaivarttakhaṇḍo mahāmerukhaṇḍa evaṃ navakhaṇḍāḥ||

3.10
meruparvato merudaṇḍa tiṣṭhati kailāso brahmakapāṭe vasati himālayaḥ pṛṣṭhe malayo vāmakandhare mandaro dakṣiṇakandhare vindhyādrirdakṣiṇakarṇe maināko vāmakarṇe śrīparvato lalāṭa evamaṣtakulaparvatāḥ anya upaparvatāḥ sarvāṅguliṣu vasanti||

3.11
pīnasā yamunā gaṅgā candrabhāgā sarasvati pipāsā śatarudrā śrīrātrirśrīnarmadā evaṃ navanedyo navanāḍīṣu vasanti|
anya upanadyaḥ kulyopakulyāḥ dvisaptatisahasranāḍīṣu vasanti||

3.12
saptaviṃśati nakṣatrāṇi dvādaśarāśayo navagrahāḥ pañcadaśatithaya ete'ntarvalaye dvisaptatisahasrakoṣṭheṣu vasanti|
anekatārāmaṇḍalamūrmipuñje vasati|
trayastriṃśat koṭidevatā bahuromakūpeṣu vasanti|
dānavayakṣarākṣasapiśācabhūtapretā asthisandhiṣu vasanti|
anekapīṭhopapīṭhakā romakūpeṣu vasanti|
anye parvatā udaralomasu vasanti|
gandharvakiṃnarakiṃpuruṣā apsarogaṇā udare vasanti|
anye khecarīlīlāmātaraḥ śaktayaḥ ugradevatā vāyuvege vasanti|
anekameghā aśrupāte vasanti anantasiddhā matiprakāśe vasanti|
candrasūryau netradvaye vasataḥ|
anekavṛkṣalatā gulmatṛṇāni jaṅgāromakasthāne vasanti anekakṛmikīṭapataṅgā puriṣe vasanti||

3.13
yatsukhaṃ tatsvargaṃ yadduḥkhaṃ tannarakaṃ yatkarmatadbandhanaṃ yannirvikalpaṃ tanmuktiḥ svarūpadaśāyāṃ nidrādau svātmajāgaraḥ śāntirbhavati|
evaṃ sarvadeheṣu viśvarūpaparameśvaraḥ paramātmā'khaṇḍasvabhāvena ghaṭe ġhaṭe citsvarūpo tiṣṭhati|
evaṃ piṇḍasaṃvittirbhavati||

3.Kolophon
iti śrīgorakṣaracitasiddhasiddhāntapaddhatau tṛtīyopadeśaḥ||

4. Unterweisung: Grundlage des Körpers

4.1
athapiṇḍādhāraḥ kathyate|| asti kācidaparaṃparā saṃvitsvarupā sarvapiṇḍādhāratvena nityaprabuddhā nijā śaktiḥ prasiddhā kāryakāraṇakartṛṇāmutthānadaśāṅkuronmīlanena karttāraṃ karotītyanantarāvādhāraśaktiriti kathyate|
atyantanijaprakāśasvasaṃvedyānubhavaikagamyamānā śāstralaukikasākṣātkārasākṣiṇī sā parā cidrūpiṇī śaktirgīyate|
saiva śaktiryadā sahajena svasminnunmīlinyāṃ vartate tadā śiva sa eva bhavati||

4.2
ataeva kulākulasvarūpā sāmarasyanijabhūmikā nigadyate||

4.3
kulamiti parā sattā'haṃtā sphuratā kalāsvarūpeṇa saiva pañcadhāviśvasyādhāratvena tiṣṭhati||

4.4
ataeva parāparā nirābhāsāvabhāsakān prakāśasvarūpā yā sā parā||

4.5
anādisaṃsiddhaṃ pāramādvaitaparamekamevāstīti yā'ṅgīkāraṃ karoti sa sattā||

4.6
anādinidhano'prameyaḥ svabhāvakiraṇānando'hamasmītyahaṃ sūcanaśīlā yā sā parā'haṃtā||

4.7
svānubhavacittacamatkāranirūtthānadaśāṃ prasphuṭī karoti yā sā sphuratā||

4.8
nityaśuddhabuddhasvarūpasvayaṃprakāśatvamākalayatīti yā sā parākaletyucyate||

4.9
akulamiti jātivarṇagotrādyakhilanimittatvenaikamevāstīti prasiddhaṃ tathā coktamumāmaheśarasaṃvādeḥ niruttare'nanyatvādakhaṇḍatvādadvayatvādananya tvānnirdharmatvādanāmatvādakulasyaniruttaramiti||

4.10
evaṃ kulākularūpā samarasyaprakāśabhūmikāsphuṭīkaraṇa ekaivamarthā yā sā'paraṃparā śaktirevāvaśiṣyate aparaṃparaṃ nikhilaviśvaprapañcajālaṃ paratattvaṃ sampādayatyekīkarotītyaparāśaktirājñavatī prasiddhā||

4.11
akulakulamādhatte kulaṇcakulamicchati jalabudbudvannyāyādekākāraḥ paraḥ śivaḥ||

4.12
ataevaikākāro'nantaśaktimān nijānāndatayāvasthito'pi nānākāratvena vilasan svaprtiṣṭhaṃ svapratiṣṭhāṃ svayameva bhajatīti vyavhāraḥ|
aluptaśaktimānnityaṃ sarvākāratayā sphuranpunaḥ svenaiva rūpeṇa ekaevāvaśiṣyate||

4.13
ataeva paramakāraṇaṃ parameśvaraḥ parātparaḥ śivaḥ svasvarūpatayā sarvatomukhaḥ sarvākāratayā sphurituṃ śaknītītyataḥ śaktimān śivo'pi śaktirahitaḥ śaktaḥ kartu na kiñcana|
svaśaktyāsāhita so'pi sarvasyābhāsakā bhavet||

4.14
ataevānantaśaktimān parameśvaraḥ sa viśvarūpīviśvamayo bhavatīti prasiddhaṃ siddhānāṃ ca parāparasvarūpā kuṇḍalinī vartate |
ataste piṇḍasiddhāḥ prasiddha sā kuṇḍalinī prabuddhā aprabuddhā ceti dvidhā|
aprabuddheti tatrapiṇḍacetanārūpā svabhāvena nānācintāvyāpārodyamaprapañcarūpā kuṭilasvabhāvā kuṇḍalinī ravyātā saiva yogināṃ tattadvilasita vikārāṇāṃ nivāraṇodyamasvarūpā kuṇḍalinyūrdhvagāminī prasiddhā bhavati||

4.15
ūrdhvamiti sarvatatvānyapi svasvarūpamevetyūrdhve vartate ataeva sā vimarśarūpiṇi yoginaḥ svasvarūpamavagacchantīti suprasiddhā||

4.16
madhyaśaktiprabodhena adhaḥśaktinikuñcanāt|
ūrdhvaśaktinipātena prāpyate paramaṃ padam||

4.17
ekaivā sā madhyodhordhvādhaḥ prabhedena tridhā bhinnā śaktirabhidhīyate||

4.18
bāhyendriyavyāpāranānacintāmayā saivādhaḥ śaktiri tyucyate|
ataeva yoginastasyā ākuñcane ratā yasyā ākuñcana mūlādhārabandhanātsiddhaṃ syāt||

4.19
yasmāccarācaraṃ jagadidaṃ cidacidātmakaṃ prabhavati tadeva mūlādhāraṃ saṃvitprasaraṃ prasiddham||

4.20
sarvaśaktiprasarasaṃkocābhyāṃ jagatsṛṣṭiḥ saṃhṛtiścabhavatyeva na sandehastasmātsā mūlamityucyate|
ataḥ prāyeṇa sarve siddhā mūlādhāraratā bhavanti||

4.21
taraṅgitasvabhāvaṃ jīvātmānaṃ vṛthābhramanatamapi svaprakāśa madhye svasvarūpatayā sadā dhārayituṃ samarthā yā sā kuṇḍalinī madhyāśaktirgīyate sthūlasūkṣmarūpeṇa mahāsiddhānāṃ pratīyata iti niścayaḥ||

4.22
sthūleti nikhilagrāhyādhāravigrāhya svarūpāpi padārthantare bhrāmyamāṇā cidrūpā yā vartate sā kuṇḍalinī sākārāsthūlāpunastviyameva svaprasāracāturyatayā vartamānā yogināṃ paramānandatayā kuṇḍalinī yā niścayabhūtā vartate sā sukṣmā nirākārā prabuddhā mahāsiddhānāṃ mate prasiddhā||

4.23
sṛṣṭikuṇḍalinī khyātā dvidhā bhāgavatī tu sā|
ekadhā sthūlarūpā ca lokānāṃ pratyagātmikā|
aparā sarvagā sūkṣmā vyāpti vyāpakavarjitā|
tasyā bhedaṃ na jānāti mohitā pratyayena tu||

4.24
tasmāt sūkṣmāparā saṃvitsvarūpā madhyā śakti kuṇḍalinī yogibhirdehasiddhyartha sadgurumukhājjñātvā svasvarūpadaśāyāṃ prabodhanīyā||

4.25
atha ūrdhvaśaktinipātaḥ kathyate sarveṣāṃ tattvānāmuparivartamānatvānnirnāma paramaṃ padamevamūrdhvaprsiddhaṃ tasyāḥ svasaṃvedana nānāsākṣātkārasūcanaśīlāyā sordhvaśaktirabhidhīyate tasyā nipātamamiti svasvarūpadvidhābhāsanirāsaḥ kintu svasvarūpākhaṇḍatvena bhavati||

4.26
śivasyābhyantare śakti śakterābhyataraḥ śivaḥ|
antaraṃ naiva jānīyāccandracandrikayoriva||

4.27
ata ūrdhvaśaktinipātena yogibhiḥ paramaṃ padaṃ prāpyata iti siddham||

4.28
sattve sattve sakalaracanā rājate saṃvidekā tattve tattve paramamahimā saṃvidevāvabhāti|
bhāve bhāve bahulataralā lampaṭā saṃvideṣā bhāse bhāse bhajanacaturā bṛṃhitā saṃvideva||

4.29
kimuktaṃ bhavati parāvaravimarśarūpiṇī saṃvinnānāśaktirūpeṇa nikhilapiṇḍādhāratvena varttate iti siddhāntaḥ||

4.Kolophon
iti śivagorakṣaviracitasiddhasiddhāntapaddhatau caturthopadeśaḥ||

5. Unterweisung: Einigung von Körper und höchstem Zustand

5.1
atha piṇḍapadayoḥ samarasakaraṇaṃ kathyate- mahāsiddhayogibhiḥ pūrvoktakrameṇa parapiṇḍādisvapiṇḍāntaṃ jñātvā paramapade samarasaṃ kuryāt||

5.2
paramapadamiti svasaṃvedyaṃ atyantābhāsābhāsakamayaṃ||

5.3
uktaṃ tattvasaṃhitāyāmaḥ- yatra buddhirmano nāsti tattvavinnāparā kalā|
ūhāpohau na kartavyau vācā tatra karoti kim|| vāgminā gurūṇā samyak kathaṃ tatpadamiyate |
tasmāduktaṃ śivenaiva svasaṃvedyaṃ paraṃpadam||

5.4
ataeva nānāvidhi- vicāracāturya-carcā vismayāṃ gatvā kṛpātatvamātreṇa nirṇītatvāt svasaṃvedyameva paramaṃ padam prasiddhamiti siddhāntaḥ||

5.5
gururatra samyak sanmārgadarśanaśīlo bhavati|
sanmārgo yogamārgastaditaraḥ pāṣaṃḍamārgaḥ|
taduktamādināthenaḥ- yogamārgeṣu taṃtreṣu dīkṣitāstāṃśca dūṣakāḥ|
te hi pāṣaṃḍinaḥ proktāḥ tathā taiḥ sahavāsinaḥ||

5.6
yasmin darśote sati tatkṣaṇāt svasaṃvedyasākṣātkāraḥ samutpadyate|
tato gururevātra kāraṇamucyate||

5.7
tasmādgurukaṭākṣapātāt svasaṃvedyatayā ca mahāsiddhayogibhiḥ svakīyaṃ piṇḍaṃ nirutthānānubhavena samarasaṃ kriyate iti siddhāntaḥ||

5.8
tadyathā-nirutthānaprāptyupāyaḥ kathyate|
mahāsiddhayoginaḥ svasvarūpatayānusandhānena nijāveśo bhavāti nijāveśānnipīdita- nirutthāna- daśā- mahodayaḥ kaścijjāyate|
tataḥ saccidānanda- camatkārāt adbhutākāraprakāśaprabodho jāyate|
prabodhādakhilametad dvayādvay- prakṭatayā caitanyabhāsābhāsakaṃ parātparaṃ padameva prasphuṭaṃ bhavatīti satyaṃ||

5.9
ata eva mahāsiddhayogibhiḥ samyak|
ukta|
guruprasādaṃ labdhvā'vadhāna- balenaikyaṃ bhajamānaistatkṣaṇāt paramaṃ padamevānubhuyate||

5.10
tadanubhavabalena svakīyaṃ siddhaṃ samyak nijapiṇḍaṃ parijñātvā tameva paramapade ekīkṛtya tasmin pratyāvṛtyārūḍhevābhyantare svapiṇḍa siddhyarthaṃ mahattvamanubhūyate||

5.11
nijapiṇḍamiti svarūpakiraṇānandonmeṣamātraṃ yasyonmeṣasya pratyāharaṇameva samarasakaraṇaṃ bhavati||

5.12
ataeva svakīyaṃ piṇḍaṃ mahāraśmipuṃjaṃ svenaivākāreṇa pratīyamānaṃ svānusandhānena svasminnurarīkṛtya mahāsiddhayoginaḥ piṇḍasiddhyarthaṃ tiṣṭhantīti prasiddham||

5.13
atha piṇḍasiddhau veṣaḥ kathyate- śaṃkhamudrādhāraṇañca keśaromapradhāraṇam|
amarīpānamamalaṃ tathā mardanamuttamam||

5.14
ekāntavāso dīkṣā ca sandhyā japamāśrayā|
jhānabhairavamūrtestu tatpūjā ca surādibhiḥ||

5.15
śaṃkhādhmātaṃ siṃhanādaṃ kaupīnaṃ pādukā tathā|
aṅgavastraṃ bahirvastraṃ kambalaṃ chatramadbhutam||

5.16
vetraṃ kamaṃḍaluñcaiva bhasmanā ca tripuṇḍūkam |
kūryādetān prayatnena guruvandanapūrvakam||

5.17
teṣāṃ piṇḍasiddhau satyāṃ sarvasiddhayaḥ sannidhānā bhavanti||

5.18
uktañcaḥ- yasmin jñāte jagatsarvaṃ siddhaṃ bhavati līlayā|
siddhayaḥ svayamāyānti tasmād jñeyaṃ paramaṃ padam||

5.19
paraṃ padaṃ na veṣeṇa prāpyate paramārthataḥ|
dehamūlaṃ hi veṣaṃ syāllokapratyayahetukam||

5.20
loke nikṛṣṭamutkṛṣṭaṃ parigṛhya pṛthak kṛtam|
tatsvadharma iti prokto yogamārge viśeṣataḥ||

5.21
yogamārgātparo mārgo nāsti nāsti śrutau smṛtau||

5.22
śāstreṣvanyeṣu sarveṣu śivena kathitaḥ purā|
yogaḥ sannahanopāyo jñānasaṃgatiyuktiṣu||

5.23
loke nikṛṣṭaṃ satataṃ yaṃ vā yaṃ vā prakurvato|
taṃ vā taṃ vā varjayanti lokajñānabalena tu||

5.24
manuṣyāṇāṃ ca sarveṣāṃ prāksaṃskāravaśādiha|
śāstra-yukti-samācāraḥ krameṇa bhavati sphuṭam||

5.25
evaṃ piṇḍe saṃsiddhe jñānaprāptyarthaṃ tacca paramapadaṃ mahāsiddhānāṃ mataṃ parijñāya tasminnahaṃbhāve jīvātmā ca sahajasaṃyama-sopāyādvaitakrameṇopalakṣyate||

5.26
tatra sahajamiti|
viśvātītaṃ parameśvaraṃ viśvarūpeṇāvabhāsamānamiti ekamevastīti svasvabhāvena yad jñānaṃ tatsahajaṃ prasiddham||

5.27
saṃyama iti|
sāvadhānānāṃ prasphurad-vyāpārāṇāṃ nijavṛttīnāṃ saṃyamanaṃ kṛtvā ātmani dhīyate iti saṃyamaḥ||

5.28
sopāyamiti|
svayameva prakāśamayaṃ svenaiva svātmanyekī kṛtya sadā tattvena sthātavyam||

5.29
advaitamiti|
akartṛtayaiva yogī nityatṛpto nirvikalpaḥ sadā niruthānatvena tiṣṭati||

5.30
uktañcaḥ- sahajaṃ svātmasaṃvittiḥ saṃyamaḥ svātmanigrahaḥ|
sopāyaḥ svasya viśrāntiradvaitaṃ paramaṃ padam||

5.31
tajjñeyaṃ sadgurorvaktrāt nānyathā śāstrakoṭibhiḥ|
na tarkaśabdavijñānānnācāradvedapāṭhanāt||

5.32
vedāntaśravaṇānnaiva tattvamasyādibodhanāt|
na haṃsoccāraṇājjīvabrahmaṇoraikyabhāvanāt||

5.33
na dhyānānna layāllīnaḥ sarvajñaḥ siddhipāragaḥ sveccho yogī svayaṃkartā līlayā cājaro'maraḥ||

5.34
avadhyo devadaityānāṃ krīḍate bhairavo yathā|
ityevaṃ niścalo yo'sau kramādāgnoti līlayā||

5.35
asādhyāḥ siddhayaḥ sarvāḥ sadguroḥ karuṇāṃ vinā|
prathame tvarogatāsiddhiḥ sarvalokapriyo bhavet|
kāṃkṣate darśanaṃ tasya svātmārūḍhasya nityaśaḥ||

5.36
kṛtārthaḥ syādvitīye tu kurute sarvabhāṣayā|
tṛtiye divyadehastu vyālairvyāghrairna badhyate||

5.37
caturthe kṣuttṛṣānidrāśītatāpavivarjitaḥ|
jāyate divyayogīśo dūraśrāvī na saṃśayaḥ||

5.38
vāksiddhiḥ paṇcame varṣe purakayapraveśanam|
ṣaṣṭhe na chidyate śastairvajrapātairna vādhyate||

5.39
vayuvegī kṣitityāgī dūrdarśī ca saptame|
aṇimādiguṇopetastvaṣṭame vatsare bhavet||

5.40
navame vajrakāyaḥ syāt khecaro dikcaro bhavet|
daśame pavanāda vegī yatrecchā tatra dhāvati||

5.41
samyagekādaśe varṣe sarvajñaḥ siddhibhāgbhavet|
dvādaśe śivatulyo'sau kartā hartā svayaṃ bhavet||

5.42
trailokye pūjyate siddhaḥ satyaṃ śrībhairavo yathā|
evaṃ dvādaśavarṣeṣu siddhayogī mahābalaḥ|| jāyate sadguroḥ pādaprabhāvānnātra saṃśayaḥ||

5.42a
anuvubhūṣitayonijaviśramaṃ sa gurūpādasaroruhamāśrayet|
tadanusasaraṇātparamaṃ padaṃ samarasīkaraṇaṃ na ca dūrataḥ||

5.43
gurukulasantānaṃ pañcadhā proktam|
āīsantānaṃ vileśvara santānaṃ vibhūtisantānaṃ nāthasantānaṃ yogīśvarasantānañceti eṣāmapi santānānāṃ pṛthak pṛthak vaiśiṣṭyaṃ vartate||

5.44
paramārthataḥ sarvaṃ pāñcabhautikam|
tajjātāḥ puruṣāḥ|
svabodhasammātraikarūpaḥ śivaḥ|
taditaratsarvamajñānamavyaktaṃ bhavati tatra śivastu jñānam||

5.45
eteṣāmapi santānānāṃ kecitsvarūpaparaṅmukhāḥ veśamātrasampannāḥ krayavikrayādikaṃ kurvanti santānabhedaṃ pratyanyo'nyamadhaḥ kurvanti yogamārgaṃ dveṣayānti||

5.46
rajasā ghorasaṃkalpāḥ kāmukāḥ atimanyavaḥ|
dāmbhikāḥ māninaḥ pāpāḥ dhikkurvantyīśvarapriyān||

5.47
sadhusaṅgamasacchāstraparamānandalakṣitān|
svecchācāravihāraikajñānavijñānasaṃyutān||

5.48
yūyaṃ duṣṭā vayaṃ śiṣṭā bhraṣṭā yūyaṃ vayaṃ tathā|
ityayevaṃ parivadanti saṃpramohe nirantaram||

5.49
pṛthvī jalaṃ tathā vahniḥ vāyurākāśameva ca ete santānodayāsyu samyageva prakīrtitāḥ||

5.50
kāṭhinyañcārdratā tejo dhāvanaṃ sthiratā khalu|
guṇānyetāni pañcaiva santānānāṃ kramātsmṛtāḥ||

5.51
brahmā viṣṇuśca rudraśca iśvaraśca sadāśivaḥ etāśca devatāḥ proktāḥ santānānāṃ krameṇa tu||

5.52
sthūlasukṣmakāraṇaturyaṃ turyātītamiti pañcāvasthāḥ krameṇa lakṣyante|
eteṣāmapi sarveṣāṃ vijñātā yaḥ sa yogī sa siddhapuruṣaḥ sa yogīśvareśvara iti paramarahasyaṃ prakāśitam||

5.53
atava samyak nijaviśrāntikārakaṃ mahāsiddhayoginaṃ sadguruṃ sevayitvā samyak sāvadhānena paramaṃ padaṃ sampādya tasminnijapiṇḍe ca samarasabhāvaṃ kṛtvā'tyantanirutthānena sarvānandatattve niścalaṃ sthātavyaṃ|
tataḥ svayameva mahāsiddho bhavatīti satyam||

5.54
na vidhirnaiva varṇaśca na varjyāvarjyakalpanā|
na bhadonidhanaṃ kiñcinnāśaucaṃ nodakakriyā||

5.55
yogīśvareśvarasyaivaṃ nityatṛptasya yoginaḥ|
citsvātmasukhaviśrāntibhāvalabdhasya puṇyataḥ||

5.56
samyak svabhāvavijñānāt kramābhyāsānna cāsanāt|
na vairāgyānna nairāśyānnāhārātprāṇa dhāraṇāt||

5.57
na mudrādhāraṇādyogānmaunakarmasamāśrayāt|
na viraktau vṛthāyāsānna kāyakleśadhāraṇāt||

5.58
na devārcanāśrayādbhaktyā nāśramāṇāñca pālanāt|
na ṣaḍdarśanakeśādidhāraṇānna ca muṇḍanāt||

5.59
na japānna tapodhyānānna yajñatīrthasevanāt|
nānantopayayatnebhyaḥ prāpyate parama padam||

5.60
etāni sādhanāni sarvāṇi daihikāni parityajya paramapade'daihike sthīyate siddhapuruṣairiti||

5.61
tatkathaṃ|
gurudṛkpātanāt prāyo dṛḍhānāṃ satyavādināṃ sā sthitirjāyate||

5.62
kathanācchaktipātadvā yadvāpadavalokanāt|
prasādātsvaguroḥ samyak prāpyate paramaṃ padam||

5.63
ataeva śivenoktam|
na guroradhikaṃ na guroradhikaṃ na guroradhikaṃ na guroradhikaṃ śivaśāsanataḥ śivaśāsanataḥ śivaśāsanataḥ śivaśāsanataḥ||

5.64
vāṅmātrādvāthadṛkpātād ya karoti ca tatkṣaṇāt|
prasphuṭaṃ śāmbhavaṃ vedyaṃ svasaṃvedyaṃ paraṃ padam||

5.65
karuṇākhaṇḍapātenacchittvā pāśāṣṭakaṃ śiśoḥ|
samyaganandajanakaḥ sadguruḥ so'bhidhīyate||

5.66
nimiṣārdhardhapātād vā yadvāpādāvalokanāt|
svātmānāṃ sthiramādhatte tasmai śrīgurave namaḥ||

5.67
nānāvikalpaviśrāntiṃ kathayā kurute tu yaḥ|
sadguruḥ sa tu vijñeyo na tu mithyāviḍambakaḥ|| ataeva paramapadaprāptyarthaṃ sa sadguruḥ sadā vandanīyaḥ||

5.71
gururiti gṛṇāti śaṃ samyak caitanyaviśrāntimupadiśati viśrāntyā svayameva parātparaṃ paramapadameva prasphuṭaṃ bhavati tatkṣaṇāt sākṣātkāro bhavati||

5.72
ataeva mahāsiddhānaṃ mate proktaṃ vāṅmātreṇa samyagvalokanena vā tatkṣaṇānmuhūrviśrāntiyuktaṃ karotīti yaḥ sa sadgururbhavati|
nocennijaviśrānti vinā piṇḍapadayoḥ samarasakaraṇaṃ na bhavatīti siddhāntastasmānnijaviśrāntikārakaḥ sadgururbhidhīyate nānyaḥ|
punarvāgādiśastradṛṣṭyanumānatarkamudrayā bhrāmako gurustyājyaḥ||

5.73
uktañcaḥ- jñānahīno gurustyājyo mithyāvādīviḍambakaḥ|
svaviśrāntiṃ na jānāti pareṣāṃ sa karoti kim||

5.74
śilayā kiṃ paraṃ pāraṃ śilāsaṃghaḥ pratāryate|
svayaṃtīrṇo bhavedyo'sau parānnistārayatyalam||

5.75
vikalpasāgarād ghorāccintākalloladustarāt|
prapañcavāsanāduṣṭagrahajālasamākulāt||

5.76
vāsanālaharīvegāmna svaṃ tārayituṃ kṣamaḥ|
svasthenaivopadeśena nirutthānena tatkṣaṇāt||

5.77
tārayatyevadṛkpātāt kathanādvā vilokanāt|
tārite svapadaṃ dhatte svasvamadhye sthiro bhavet||

5.78
tataḥ sa mucyate śiṣyo janmasaṃsārabandhanāt|
parānandamayobhūtvā niṣkalaḥ śivatāṃ vrajet||

5.79
kulānāṃ koṭikoṭīnāṃ tārayatyevā tatkṣaṇāt|
atastu sadguruṃ sākṣāt trikālamabhivandayet||

5.80
sarvāṅgapraṇipātena stuvannityaṃ guruṃ bhajet|
sa janaḥ sthairyamāpnoti svasvarūpamayo bhavet||

5.81
kimatra bahunoktena śāstrakoṭiśatena ca|
durlabhā cittaviśrāntirvinā gurukṛpāṃ parām||

5.82
cittaviśrāntilabdhānāṃ yogināṃ dṛḍhacetasām|
svasvamadhye nimagnānāṃ nirutthānaṃ viśeṣataḥ||

5.83
nimiṣāt prasphuṭaṃ bhāti durlabhaṃ paramaṃ padam|
yasmin piṇḍo bhavellīnaḥ sahasā nātra saṃśayaḥ||

5.84
saṃvitkriyāvikaraṇodayacidvilāso viśrāntimeva bhajatāṃ svayameva bhāti|
graste svaveganicaye padapiṇḍamaikyaṃ satyaṃ bhavetsamarasaṃ guruvatsalānām||

5.Kolophon
iti śrīgorakṣanāthakṛtau siddhasiddhāntapaddhatau piṇḍapadayoḥ samarasakaraṇaṃ nāma pañcamopadeśaḥ||

6. Unterweisung: Kennzeichen des Avadhuta-Yogi

6.1
atha ko'vadhūtayogīnāmetyapekṣāyāmāha|
yaḥ sarvān prakṛtivikārānavavadhunotītyavadhūtaḥ yogī|
yogo'syāstīti yogī|
dhūñkampane dhūñiti dhātuḥ kampanārthe vartate|
kampanaṃ cālanaṃ deha daihika prataṃcādiṣu viṣayeṣu saṃgataṃ manaḥ parigṛhya tebhyaḥ pratyāhṛtya svadhāmamahimni parilīna cetāḥ prapañcaśūnya ādimadhyāntanidhanabhedavarjitaḥ||

6.2
yakāro vāyubījaṃ syādrakāro vahnibījakam|
tayorabhedaoṅkāraścidākāraḥ prakīrtitaḥ||

6.3
tadetad vyaktamucyate kleśapāśataraṅgāṇāṃ kṛntanena vimuṇḍanam|
sarvāvāsthāvinirmuktaḥ so'vadhūto'bhidhīyate||

6.4
nijasmaravibhūtiryo yogī svāṅge vibhūṣitaḥ|
ādhāre yasya vā rūḍhiḥ so'vadhūto'bhidhīyate||

6.5
lokamadhye sthirāsīnaḥ samastakalanojjhitaḥ|
kaupīnaṃ kharparo'dainyaṃ so'vadhūto'bhidhīyate||

6.6
śaṃ sukhaṃ khaṃ paraṃ brahma śaṃkhaṃ saṅghaṭṭanād bhavet siddhānto dhārito yena so'vadhūto'bhidhīyate||

6.7
pādukā padasaṃvittirmṛgatvak syādanāhatam|
śelī yasya parāsaṃvit so'vadhūto'bhidhīyate||

6.8
mekhalā nivṛttirnityaṃ svasvarūpaṃ kaṭāsanam|
nivṛttiḥ ṣaḍvikārebhyaḥ so'vadhūto'bhidhīyate||

6.9
citprakāśaparānandau yasya vai kuṇḍaladvayam|
japamālākṣaviśrānti so'vadhūto'bhidhīyate||

6.10
yasya dhairyamayodaṇḍaḥ parākāśañca kharparam|
yogapaṭṭo nijā śaktiḥ so'vadhūto'bhidhīyate||

6.11
bhedabhedau svayaṃ bhikṣāṃ kṛtvā svāsvādane rataḥ|
jāraṇātanmayo bhāvaḥ so'vadhūto'bhidhīyate||

6.12
acintye nijadigdeśe svāntaraṃ vastu gacchati|
ekadeśāntarīyo yaḥ so'vadhūto'bhidhīyate||

6.13
svapiṇḍamamarīkartumanantāmamarīṃ ca yaḥ|
svayamevapivedetāṃ so'vadhūto'bhidhīyate||

6.14
acintyāvajravadgār̤hā vāsanāmalasaṃkulā|
sā vajrī bhakṣitā yena so'vadhūto'bhidhīyate||

6.15
āvartayati yaḥ samyak svasvamadhye svayaṃ sadā|
samatvena jagad vetti so'vadhūto'bhidhīyate||

6.16
svātmānamavagacchedyaḥ svātmanyevāvatiṣṭhate|
anutthānamayaḥ samyak so'vadhūto'bhidhīyate||

6.17
anutthādhārasampannaḥ paraviśrāntipāragaḥ|
dhṛticinmayatatvajñaḥ so'vadhūto'bhidhīyate||

6.18
avyaktaṃ vyaktamādhatte vyaktaṃ sarvaṃ grasatyalam|
sa satyaṃ svāntare sanna so'vadhūto'bhidhīyate||

6.19
avabhāsātmako bhāsaḥ prakāśe sukhasaṃsthitaḥ|
līlayāramate loke so'vadhūto'bhidhīyate|| kvacidbhogī kvacittyāgī kvacinnagnodigambaraḥ|
kvacidrājā kvacācārī so'vadhūto'bhidhīyate||

6.20
evaṃvidha nānāsaṃketasūcako nityaprakāśe vastuni nijasvarūpī sarveṣāṃ siddhāntadarśanānāṃ svasvarūpadarśane samyak sadbodhako'vadhūta yogītyabhidhītye sa sadgururbhavati|
yataḥ sarvadarśanānaṃ svasvarūpadarśane samanvayaṃ karoti so'vadūtayogī syāt||

6.21
atyāśramī ca yogī ca jñānī siddhaśca suvrataḥ|
iśvaraśca tathā svāmī dhanyaḥ śrīsādhureva ca||

6.22
jitendriyaśca bhagavān sa sudhī kovido budhaḥ|
cārvākścārhataśceti tathā bauddhaḥ prakāśavit||

6.23
tārkikaśceti sāṃkhyaśca tathā mīmāṃsako viduḥ|
devatetyādividvadbhiḥ kīrtitaḥ śastrakoṭibhiḥ||

6.24
ātmeti paramātmeti jīvātmeti punaḥ svayaṃ|
astitattvaṃ paraṃ sākṣācchivarudrādisaṃjñitam||

6.25
śarīrapadmakuhare yatsarveṣāmavasthitam|
tadavaśyaṃ mahāyogairbheditavyaṃ mumukṣubhiḥ||

6.26
brahmā viṣṇuśca rudraśca so'kṣaraḥ paramasvarāṭ|
sa evendraḥ sa ca prāṇaḥ kālāgniḥ sa ca candramāḥ||

6.27
sa eva sūryaḥ sa śivaḥ sa eva paramaḥ śivaḥ|
sa eva yogagamyaśca sāṃkhyaśāstraparāyaṇaiḥ||

6.28
sa eva karma ityuktaḥ karmamīmāṃsakaurapi|
sarvatra satparānanda ityukto vaidikairapi||

6.29
vyavahārairayaṃ bhedastasmādekasya nānyathā||

6.30
muda mode tu ra dene jīvātmaramātmanoḥ|
ubhayorekasaṃvittirmudreti parikīrtitā||

6.31
modante devasaṅghāśca dravante'surarāśayaḥ|
mudreti kathitā sākṣāt sadā bhadrārthadāyinī||

6.32
asminmārge'dīkṣitā ye sadā saṃsārarāgiṇaḥ|
tehi pākhaṇḍinaḥ proktāḥ saṃsāraparipelavāḥ||

6.33
avadhūtatanuryogī nirākārapade sthitaḥ|
sarveṣāṃ darśanānañca svasvarūpaṃ prakāśate||

6.34
tatra brāhmaṇeṣu brahmacaryāśramamāhaḥ sarvato bharitākāraṃ nijabodhema bṛṃhitam|
carate brahmavidyastu brahmacārī sa kathyate||

6.35
grṛhiṇī pūrṇatā nityā gehaṃ vyomaṃ sadā balam|
yastayā nivasatyatra gṛhasthaḥ saabhidhīyate||

6.36
tadāntaḥ prasthito yo'sau svaprakāśamaye vane|
vānaprasthaḥ sa vijñeyo na vane mṛgavaccaran||

6.37
paramātmā'tha jīvātmā ātmanyeva sphuratyalam|
tasminnyasta sadā yena saṃnyāsīso'bhidhīyate||

6.38
māyākarmakalājālamaniśaṃ yena daṇḍitam|
acalo nagavadbhāti tridaṇḍī so'bhidhīyate||

6.39
ekaṃ nānāvidhākāraṃ cañcalantu sadā tu yat|
taccittaṃ daṇḍataṃ yena ekadaṇḍī sa kathyate||

6.40
śuddhaṃ śāntaṃ nirākāraṃ parānandaṃ sadoditam|
taṃ śivaṃ yo vijānāti śuddha śaivo bhavettu saḥ||

6.41
santāpayati dīptāni svendriyāṇi ca yaḥ sadā|
tāpasaḥ sa tu vijñeyo na ca gobhasmadhārakaḥ||

6.42
kriyājālaṃ paśuṃ hatvā patitvaṃ pūrṇatāṃ gatam|
yastiṣṭetpaśubhāvenā sa vai pāśupato bhavet||

6.43
parānandamayaṃ liṅgaṃ nijapīṭhe sadā'cale|
talliṅgaṃ pūjataṃ yena sa vai kālamukho bhavet||

6.44
vilayaṃ sarvatātvānāṃ kṛtvā saṃdhāryate sthiram|
sarvadā yena vīreṇa liṅgadārī bhavettu saḥ||

6.45
antakādīni tattvāni tyaktvā nagno digambaraḥ|
yo nirvāṇapade līnaḥ sa nirvāṇaparo bhavet||

6.46
svasvarūpātmakaṃ jñānaṃ samantraṃ tatprapālitam|
ananyatvaṃ sadā yena sa vai kāpāliko bhavet||

6.47
mahāvyāptiparaṃ tattvamādhārādheyavarjitam|
tad vrataṃ dhāritaṃ yena sa bhaved vai mahāvrataḥ||

6.48
kulaṃ sarvātmakaṃ piṇḍamakulaṃ sarvatomukham|
tayoraikyapadaṃ śaktiryastāṃ veda sa śaktibhāk||

6.49
kaulaṃ sarvakalāgrāsaḥ sakṛtaḥ satataṃ yayā|
tāṃ śaktiṃyo vijānāti śaktjñānī sa kathyate|
jñātvā kulākulaṃ tatvaṃ sakrameṇa krameṇa tu|
svaprakāśamahāśaktyā tataḥ śaktipadaṃ labhet||

6.50
mado madyaṃ matirmudrā māyā mīnaṃ manaḥ palam|
mūrcchanaṃ maithunaṃ yasya tenā'sau śākta ucyate||

6.51
yayā bhāsasphuradrūpaṇ kṛtaṃ caiva sphuṭaṃ balāt|
tāṃ śaktiṃ yo vijānāti śāktaḥ so'trābhidhīyate||

6.52
yaḥ karoti nirutthānaṃ kartṛcitprasaretsadā|
tadviśrāntistayā śaktyā śāktaḥ so'trābhidhīyate||

6.53
vyāpakatve paraṃ sāraṃ yadviṣṇorādyamavyayam|
viśrāntidāyakaṃ dehe tajjñātvā vaiṣṇavo bhavet||

6.54
bhāsvatsvarūpo yo bhedāt bhedabhāvojjhitaḥ khalu|
bhāti dehe sadā yasya sa vai bhāgavato bhavet||

6.55
yo vetti vaiṣṇavaṃ bhedaṃ sarvāsarvamayaṃ nijam|
prabuddhaṃ sarvadehasthaṃ bhedavādī bhavettu saḥ||

6.56
pañcānāmakṣayā hāniḥ pañcatvaṃ rātrirucyate|
tāṃ rātriṃ yo vijānāti sa bhavetpañcarātrikaḥ||

6.57
yena jīvanti jīvā vai muktiṃ yānti ca tatkṣaṇāt|
sa jīvo vidito yena sadājīvī sa kathyate||

6.58
yaḥ karoti sadā prītiṃ prasanne puruṣe pare|
śasitānīndriyāṇyeva sāttvikaḥ sai'bhidhīyate||

6.59
sarvākāraṃ nirākāraṃ nirnimittaṃ nirañjanam|
sūkṣmaṃ haṃsaṃ ca yo vetti sa bhavetsūkṣmasāttvikaḥ||

6.60
satyamekamajaṃ nityamanantaṃ cākṣayaṃ dhruvam|
jñātvā yastu vadeddhīraḥ satyavādī sa kathyate||

6.61
jñānajñeyamayābhyāṃ tu yoginaḥ svasvabhāvataḥ|
kalaṅkī sa tu vijñeyo vyāpakaḥ puruṣottamaḥ||

6.62
mukticāre matiryā vai vyāpikā svaprakāśikā|
eṣā jñānavatī yena jñā'tāsau satviko bhavet||

6.63
kṣapaṇaṃ cittavṛttīnāṃ rāgadveṣaviluṇṭhanam|
kurute vyomavannagno yo'sau kṣapaṇako bhavet|
prasaraṃ bhāsate śaktiḥ saṅkocaṃ bhāsate śivaḥ|
tayoryogasya kartā yaḥ sa bhavetsiddhayogirāṭ||

6.64
viśvātītaṃ yathā viśvamekameva virājate|
saṃyogena sadā yastu siddhayogī bhavettu saḥ||

6.65
sarvāsāṃ nijavṛttināṃ prasṛtirbhajate layam|
sa bhavetsiddhasiddhānte siddhayogī mahābalaḥ||

6.66
udāsīnaḥ sadā śāntaḥ svastho'ntarnijabhāsakaḥ|
mahānandamayo dhīraḥ sa bhavet siddhayogirāṭ||

6.67
paripūrṇaḥ prasannātmā sarvāsarvapadoditaḥ|
viśuddho nirbharānandaḥ sa bhavet siddhayogirāṭ||

6.68
gate na śokaṃ vibhave na vāñcchā prāpte na harṣaṃ sa karoti yogī|
ānandapūrṇo nijabodhalīno na vādhyate kālapathena nityam||

6.69
evaṃ tu sarvasiddhāntadarśanānāṃ pṛthak pṛthak bhūtānāmapi brahmaṇi samanvayasūcanaśīlopadeśakartā'vadhūta evaṃ kartā sadguruḥ praśasyat|
eṣāmupadeśānāṃ pṛthak pṛthak sūcitānāṃ jāyate yatra viśrāntiḥ sā viśrāntirbhidhīyate||

6.70
līnatāṃ ca svayaṃ yāti nirutthānacamatkṛteḥ|
yato nirutthānamayāt so'yaṃ syādavadhūtarāṭ||

6.71
tasmāttaṃ sadguruṃ sākṣāt vandayet pūjayetsadā|
samyak siddhapadaṃ dhatte tatkṣaṇātsvātmabhāṣitam||

6.72
na vandanīyāste kāṣṭhāḥ darśanabhrāntikārakāḥ|
varjayettān gurūn dūrād dhīraḥ siddhamatāśrayaḥ||

6.73
parapakṣaṃ nirāsaṃ karotiḥ|
vedāntī bahutarkakarkaśamatirgrastaḥ paraṃ māyayā|
bhāṭṭāḥ karmaphalākulā hatadhito dvaitenavaiśeṣikāḥ|| ante bhedaratāḥ vivādavikalāḥ sattattvato vañcitāḥ tasmātsiddhamataṃ svabhāvasamayaṃ dhīraḥ sadā saṃśrayet||

6.74
sāṃkhyā vaiṣṇavavaidikāvidhiparāḥ saṃnyāsinastāpasaḥ saurā vīraparāḥ prapañcaniratā bauddhā jināḥ śrāvakāḥ|
ete kaṣṭaratā vṛthā pathagatāḥ sattattvatau vañcitāḥ tasmātsiddhamataṃ svabhāvasamayaṃ dhīraḥ sadā saṃśrayet||

6.75
ācāryā bahudīkṣitā hutiratā nagnavratāstāpasāḥ nanatīrthaniṣevakā japaparā maunesthitā nityaśaḥ ete te khalu duḥkhabhāraniratāḥ sattattvatau vañcitāḥ tasmātsiddhamataṃ svabhāvasamayaṃ dhīraḥ sadā saṃśrayet||

6.76
ādau recakapūrakumbhakavidhau nāḍīpathā śodhitam|
kṛtvā hṛtkamalodare tu sahasā citte mahāmūrcchitam|
paścādavyayamakṣaraṃ parakule coṅkāradīpāṅkure|
ye paśyanti samāhitena manasā teṣāṃ na nityaṃ padam|
tasmātsiddhamataṃ svabhāvasamayaṃ dhīraḥ sadā saṃśrayet||

6.77
cārvākāścaturāśca tarkanipuṇā dehātmavāde ratāḥ te sarve taranti duḥsahataraṃ ye te paraṃ sātvikāḥ|
te sarve prabhavanti ye ca yavanāḥ pāpe ratānirdayāḥ teṣāmaihikakalpameva phaladaṃ tatvaṃ na mokṣaṃ padam||

6.78
śrīhaṭṭe mastakānte tripuṭapuṭavile brahmarandhre lalāṭe|
bhrūnetre nāsikāgre śravaṇapatharave ghaṇṭikārājadante|| kaṇṭhe hṛnnābhimadhye trikamalakuhare coḍḍiyāṇe ca pīṭhe|
evaṃ ye sthānalagnāḥ paramapadamaho nāsti teṣāṃ niruttham||

6.79
gollāṭe dīptipuñje pralayaśikhinibhe siddhajālandhare vā|
śṛṅgāṭejyotirekaṃ taḍidivataralaṃ brahmanāḍyantarāle|| bhālānte vidyadābhe tadurpari śikhare koṭimārtaṇḍacaṇḍe|
ye nityaṃ bhāvayante paramapadamaho nāsti teṣāṃ niruttham||

6.80
liṅgāddaṇḍāṅkurāntarmanaḥ pavanagamāt brahmanāḍyādibhedam|
kṛtvā binduṃ nayantaḥ paramapadaguhāṃ śaṅkhagarbhodarordhvam|| tatrāntarnādaghoṣaṃ gaganaguṇamayaṃ vajradaṇḍokrameṇa|
ye kurvantīhakaṣṭān paramapadamaho nāsti teṣāṃ niruttham||

6.81
samyak cālanadohanena satataṃ dīrghīkṛtāṃ lambikāṃ|
tāṃ tālvantakheśitāṃ ca daśamadvārodare sandhinīm|| nītvā madhyamasandhisaṃghaṭaghaṭāt prāptāṃ śirodeśataḥ|
pītvā ṣaḍvidhapānakāṣṭhabhajanaṃ vāñcchanti ye mohitāḥ||

6.82
guhyātpaścimapurvamārgamubhayaṃ rudhvānilaṃ madhyamaṃ|
nītvā dhyānasamādhilakṣyakaraṇairnānāsamābhyāsanaiḥ|| prāṇāpānagamāgamena satataṃ haṃsodare saṃghaṭā|
evaṃ ye'pi bhajanti te bhavajale majjantyaho duḥkhitāḥ||

6.83
śaktyākuñcanamagnidīptikaraṇaṃ tvādhārasaṃpeḍanāt|
sthānātkuṇḍalinīprabodhanamataḥ kṛtvā tato mūrdhani|| nītvā pūrṇagiriṃ nipāvanamadhaḥ kurvanti tasyāśca ye|
khaṇḍajñānaratāstu te nijapadaṃ teṣāṃ hi dūraṃ matam||

6.84
bandhaṃ bhedañca mudrāṃ galabilacibukābaddhamargeṣu vahni|
candrārkāsāmarasyaṃ śamadamaniyamānādabinduṃ kalānte|| ye nityaṃ melayante hyanubhavamanasāpyunmanīyogayiktāste|
lokānbhrāmayante nijasukhavimukhāḥ karmaduḥkhādhvabhajaḥ||

6.85
aṣṭāṅgaṃ yogamārgaṃ kulapuruṣamataṃ ṣaṇmukhīcakrabhedaṃ|
urdhvādho vāyumadhye ravikiraṇanibhaṃ sarvatovyāptisāram|| dṛṣṭyā ye vikṣayante taralajalasamaṃ nīlavarṇaṃ nabho va|
evaṃ ye bhāvayante nigaditamatayaste'pi hā kaṣṭabhājaḥ||

6.86
ādau dhāraṇaśaṅkhadhāraṇamataḥ kṛtvā mahādhāraṇam|
sampūrṇaṃ pratidhāraṇaṃ vidhibalāt dṛṣṭistathā nirmalāṃ|| ardholī bahulīhavāsanamatho ghaṇṭāvasannaulikā|
ye kurvanti ca kārayanti ca sadā bhrāmyanti khidyanti te||

6.87
śaṅkhakṣālanamantaraṃ rasanayā tālvoṣṭhanāsārasaṃ|
vānterulluṭhanaṃ kapāṭamamarīpānaṃ tathā kharparī|| vīryadrāvitamātmajaṃ punaraho grāsaṃ pralepañca vā|
ye kutvanti jaḍāstu te nahi phalaṃ teṣāṃ tu siddhāntajam||

6.88
ghaṇṭākāhalakālamardalamahābherīninādaṃ yadā|
samyaṅnādamanāhatadhvanimayaṃ śṛṇvanti caitādṛśam|
piṇḍe sarvagataṃ nirantaratayā brahmāṇḍamadhye'pi vā|
teṣāṃ siddhapadaṃ tataḥ samucitaṃ tattvaṃ paraṃ labhyate||

6.89
vairāgyāt tṛṇaśākapalvalajala kandaṃ phalaṃ mulakaṃ|
bhaktvā yo vanavāsamevabhajate cānye ca deśāntare|||
bālonmattapiśācamūkajaḍavacceṣṭāśca nānāvidhāḥ|
ye kurvanti padaṃ vinā matibala bhraṣṭā vimuhyanti te||

6.90
kanthādarśanamadbhutaṃ bahuvidhaṃ bhikṣāṭanaṃ nāṭakaṃ|
bhasmoddhūlanamaṅgaṃkarkaśataraṃ dhṛtvā ca varṣam tvaret|
kṣetraṃ kṣetramaṭanti durgamatare sthitvā'yaṃ sarvendriyaṃ no vindanti paraṃ padaṃ gurumukhād garveṇa kaṣṭāśca te||

6.91
vāṇīṃ ye ca caturvidhāṃ svaracitāṃ siddhaiśca vā nirmitāṃ gāyatrīṃcaturāśca pāṭhaniratā vidyāvivāde ratāḥ no vindanti tadarthamātmasadṛśaṃ khidyanti mohācchalāt daṇḍaiḥ kartariśūlacakralaguḍairbhāṇḍāśca duṣṭāśca te||

6.92
evaṃ śūnyātiśunyam paramaparapadaṃ pañcaśūnyādiśūnyaṃ vyomātītaṃ hyanādyaṃ nijakulamakulaṃ cādbhutaṃ viśvarūpam|
avyaktaṃ cāntarālaṃ nurudayamaparaṃ bhāsanirnāmamaikyaṃ vāṅmātrādbhāsayanto bahuvidhamanaso vyākulā bhrāmitāste||

6.93
ājñāsiddhikaraṃ sadā samucitaṃ sampūrṇamābhāsakaṃ piṇḍe sarvagataṃ vidhānamamalaṃ siddhāntasāraṃ varam|
bhrānternirharaṇaṃ sukhātisukhadaṃ kālāntakaṃ śāśvataṃ tannityaṃ kalanojjhitaṃ gurumayaṃ jñeyaṃ nirutthaṃ padam||

6.94
ātmeti paramātmeti jīvātmeti vicāraṇe|
trayāṇāmaikyasaṃbhūtiḥ ādeśa iti kīrtitaḥ||

6.95
ādeśa iti sadvāṇīṃ sarvadvandvakṣayāpahām|
yo yoginaṃ prati vadet sa yātyātmānamaiśvaram||

6.96
āśādahanaṃ bhasitaṃ kuṇḍalayugalaṃ vicārasantoṣaḥ|
kaupīnaṃ sthiracittaṃ kharparamākāśamātmano bhajanam||

6.97
etacchāstraṃ mahādivyaṃ rahasyaṃ pārameśvaram|
siddhāntaṃ sarvasārasya nānāsaṅketanirṇayam||

6.98
siddhānāṃ prakaṭaṃ siddhaṃ sadyaḥ pratyayakārakam|
ātmānaṃdakaraṃ nityaṃ sarvasandehanāśanam||

6.99
na deyaṃ paraśiṣyebhyo nānyeṣāṃ sannidhau paṭhet|
na snehānna valāllobhānna mohānnatācchalāt||

6.100
na maitrī bhāvanāddānānnasaundaryānna cāsanāt|
putrasyāpi na dātavyaṃ guruśiṣyakramaṃ vinā||

6.101
satyavanto dayācittā dṛr̤habhaktāḥ sadācalāḥ|
nistaraṅgāṃ mahāśāntāḥ sadā jñānaprabodhakāḥ||

6.102
bhayadainyaghṛṇālajjātṛṣṇāśokavivarjitāḥ|
ālasyamadamātsaryadambhamāyācchalojjhitāḥ||

6.103
ahaṃkāramahāmoharāgadveṣaparāṅmukhāḥ|
krodhecchākāmukāsūyābhrāntilobhavivarjitāḥ||

6.104
nispṛhā nirmalā dhīrāḥ sadā'dvaitapaderatāḥ|
tebhyo deyaṃ prayatnena dhūrtānāṃ gopayetsadā||

6.105
nindakā ye durācāraścubhbakā gurutalpagāḥ|
nāstikā ye śaṭhāḥ krūrā vidyāvādaratāstathā||

6.106
yogācāraparibhraṣṭāḥ te nidrākālahayoḥ priyāḥ|
svasvakārye parāniṣṭhāḥ gurukaryeṣu nispṛhāḥ||

6.107
etān vivarjayed dūre śiṣyatvena gatānapi||

6.108
sacchāstraṃ saddhamārgañca siddhasiddhāntapaddhatiḥ|
na deyaṃ sarvadā tebhyo yadīccheccirajīvanam||

6.109
gopanīyaṃ prayatnena taskarebhyo dhanaṃ yathā|
tapāṃ yo bodhayet mohādaparīkṣitamandadhīḥ||

6.110
nahi muktirbhavettasya sadā duḥkhena sīdataḥ|
khecarī bhūcarī caiva śākinī ca niśācarī||

6.111
etāsāmadbhutaṃ śāpaḥ siddhānāṃ bhairavasya ca|
mastake tasya patati tasmād yatnena rakṣayet||

6.112
gurupādāmbujasthāya parīkṣya pravadetsadā|
kuto dukhaḥñca bhītiśca tatvajñasya mahātmanaḥ||

6.113
kṛpayaiva pradātavyaṃ sampradāyapravṛttaye|
sampradāyapravṛttirhi sarveṣāṃ sammatā yataḥ||

6.114
māyāśaṅkaranāthāya natvā siddhāntapaddhatim|
likhitvā yaḥ paṭhedbhaktyā sa yāti paramāṃ gatim||

6.115
viddhātvarthaniścaya bhaktānugrahamūrtimat|
smarānandabharaṃ ceto gaṇapatyabhidhaṃ mahaḥ||

6.Kolophon
iti śrīgorakṣanāthakṛtau siddhasiddhāntapaddhatau avadhūtayogilakṣaṇaṃ nāma ṣaṣṭhopadeśaḥ||

Deutsche Übersetzung versweise und Wort-für-Wort-Erklärung

Jede Einheit des IAST-Textes wird in derselben Reihenfolge übersetzt. Bei Prosastücken ist die Übersetzung abschnittsweise. Die Worterklärungen erschließen Wörter und zusammengesetzte Ausdrücke in sinntragenden Gruppen; wiederkehrende grammatische Verbindungen werden nicht jedes Mal als Formenlehre wiederholt. Historische Wirkungsversprechen, Wertungen und Geheimhaltungsgebote bleiben Aussagen des übersetzten Textes.

1. Unterweisung: Entstehung des Körpers

Zur Orientierung: Dieses Kapitel entfaltet den Weg vom Namenlosen zur Vielfalt des Lebens. Die zahlreichen Fünfergruppen beschreiben Eigenschaften der Kraft und des Körpers. Lies sie zunächst als geordnete Übersicht; die Frage nach ihrem gemeinsamen Ursprung verbindet die Einzelheiten.

1.Eingang – Übersetzung: Verehrung dem ehrwürdigen Ganesha.

Wort für Wort: śrī: ehrwürdig; gaṇeśāya: Ganesha, Dativ; namaḥ: Verehrung.

Textanmerkung: Vorangestellte Anrufung bei Mallik, S. 1.

1.1 – Übersetzung: Nachdem ich Adinatha, den mit Shakti verbundenen Weltenlehrer, verehrt habe, werde ich, Gorakshanatha, den Leitfaden der Lehre der Vollkommenen darlegen.

Wort für Wort: ādinātham: den ursprünglichen Herrn; namaskṛtya: verehrt habend; śakti-yuktam: mit Kraft verbunden; jagad-gurum: Weltenlehrer; vakṣye: ich werde darlegen; aham: ich; siddha-siddhānta-paddhatim: Leitfaden der Siddha-Lehre.

1.2 – Übersetzung: Bei der Betrachtung der Wahrheit gibt es kein Entstehen von Weltei und Einzelkörper. Dennoch werde ich es um der Verständigung in der Welt willen gemäß der guten Überlieferung erklären.

Wort für Wort: nāsti: es gibt nicht; satya-vicāre: in der Wahrheitsbetrachtung; utpattiḥ: Entstehung; aṇḍa-piṇḍayoḥ: des Welteis und Körpers; tathāpi: dennoch; loka-vṛtty-artham: um des weltlichen Umgangs willen; sat-sampradāyataḥ: gemäß wahrer Überlieferung.

1.3 – Übersetzung: Die mit der Entstehung des Körpers beginnende Lehre ist im Siddha-System wohlbekannt: Entstehung des Körpers, Betrachtung des Körpers, Erkenntnis des Körpers, Grundlage des Körpers, Gleichgeschmack von Körper und höchstem Zustand sowie der ehrwürdige ewige Avadhuta.

Wort für Wort: piṇḍotpattiḥ: Körperentstehung; piṇḍa-vicāraḥ: Körperbetrachtung; piṇḍa-saṃvittiḥ: Körpererkenntnis; piṇḍādhāraḥ: Körpergrundlage; piṇḍa-pada-sama-rasa-bhāvaḥ: Einheit von Körper und höchstem Zustand; nityāvadhūtaḥ: ewiger Avadhuta.

1.4 – Übersetzung: Wenn weder ein eigenständiger Handelnder noch Ursache, weder Kula noch Akula vorhanden sind, besteht das unmanifestierte höchste Brahman, das Namenlose.

Wort für Wort: yadā: wenn; kartā: Handelnder; kāraṇam: Ursache; kula-akulam: Kula und Akula; avyaktam: unmanifestiert; param brahma: höchstes Brahman; anāmā: namenlos; tadā: dann.

1.5 – Übersetzung: Das Namenlose ist aus sich selbst anfangslos vollkommen, das Eine ohne Anfang und Ende, wie es die Siddha-Lehre kennt. Seine eigene Shakti ist als Trägerin der bloßen Willensregung bekannt.

Wort für Wort: anāma: namenlos; svayam: aus sich; anādi-siddha: anfangslos vollkommen; ekam eva: einzig eines; anādi-nidhanam: ohne Anfang und Ende; icchā-mātra: bloßer Wille; nijā śaktiḥ: eigene Kraft.

1.6 – Übersetzung: Durch ihre bloße Hinwendung erhebt sich die höchste Shakti.

Wort für Wort: unmukhatva: Sichzuwenden; mātreṇa: allein durch; parā-śaktiḥ: höchste Kraft; utthitā: erhoben, hervorgetreten.

1.7 – Übersetzung: Durch ihre bloße Regung erhebt sich die nachgeordnete Shakti.

Wort für Wort: spandana: Regung; aparā-śaktiḥ: nachgeordnete Kraft; utthitā: hervorgetreten.

1.8 – Übersetzung: Daraus entsteht, allein als Sinn des Ichseins, die subtile Shakti.

Wort für Wort: tataḥ: daraus; ahaṃtārtha: Sinn des Ichseins; sūkṣma-śaktiḥ: subtile Kraft; utpannā: entstanden.

1.9 – Übersetzung: Darauf tritt Kundalini-Shakti hervor, deren Wesen das Empfinden und Erkennen ist.

Wort für Wort: vedana-śīlā: von erkennendem, empfindendem Wesen; kuṇḍalinī śaktiḥ: Kundalini-Kraft; udgatā: hervorgetreten.

1.10 – Übersetzung: Ewigkeit, Unbeflecktheit, Regungslosigkeit, Erscheinungslosigkeit und Nichtaufsteigen sind die fünf Eigenschaften der eigenen Shakti.

Wort für Wort: nityatā: Ewigkeit; nirañjanatā: Unbeflecktheit; niṣpandatā: Regungslosigkeit; nirābhāsatā: Erscheinungslosigkeit; nirutthānatā: Nichtaufsteigen; pañca-guṇā: mit fünf Eigenschaften; nijā: eigene.

1.11 – Übersetzung: Sein, Unermesslichkeit, Ungetrenntheit, Unendlichkeit und Unmanifestiertheit sind die fünf Eigenschaften der höchsten Shakti.

Wort für Wort: astitā: Sein; aprameyatā: Unermesslichkeit; abhinnatā: Ungetrenntheit; anantatā: Unendlichkeit; avyaktatā: Unmanifestiertheit; parā: höchste.

1.12 – Übersetzung: Aufleuchten, Deutlichkeit, Ausdehnung, Aufbrechen und lebendige Entfaltung sind die fünf Eigenschaften der nachgeordneten Shakti.

Wort für Wort: sphuratā: Aufleuchten; sphuṭatā: Deutlichkeit; sphāratā: Ausdehnung; sphoṭatā: Aufbrechen; sphūrtitā: lebendige Entfaltung; aparā: nachgeordnet.

1.13 – Übersetzung: Teillosigkeit, Ununterbrochenheit, Unbeweglichkeit, Gewissheit und Freiheit von begrifflichen Unterscheidungen sind die fünf Eigenschaften der subtilen Shakti.

Wort für Wort: niraṃśatā: Teillosigkeit; nirantaratā: Ununterbrochenheit; niścalatā: Unbeweglichkeit; niścayatā: Gewissheit; nirvikalpatā: Unterschiedenheitsfreiheit; sūkṣmā: subtil.

1.14 – Übersetzung: Fülle, Spiegelungsfähigkeit, Kraftfülle, heftige Bewegung und Hinwendung nach innen kennzeichnen Kundalini-Shakti.

Wort für Wort: pūrṇatā: Fülle; pratibimbatā: Spiegelung; prabalatā: Stärke; proccalatā: heftige Bewegung; pratyaṅmukhatā: Nachinnengewandtheit.

1.15 – Übersetzung: So entsteht durch die Verbindung der jeweils fünf Eigenschaften im Shakti-Prinzip der höchste Körper.

Wort für Wort: evam: so; śakti-tattve: im Kraftprinzip; pañca pañca: jeweils fünf; guṇa-yogāt: durch Verbindung der Eigenschaften; para-piṇḍotpattiḥ: Entstehung des höchsten Körpers.

1.16 – Übersetzung: Es heißt: In den fünf Kräften Nija, Para, Apara, Sukshma und Kundalini entsteht nach der Stufenfolge des Kraftkreises der höchste Körper – Shiva.

Wort für Wort: uktam ca: und es heißt; pañcadhā: fünffach; śakti-cakra-krameṇa: nach der Ordnung des Kraftkreises; utthaḥ: hervorgetreten; jātaḥ: entstanden; piṇḍaḥ paraḥ: höchster Körper; śivaḥ: Shiva.

1.17 – Übersetzung: [Seine fünf Bestimmungen sind:] das Unübertreffliche, der höchste Zustand, die Leere, das Unbefleckte und das höchste Selbst.

Wort für Wort: aparamparam: Unübertreffliches; parama-padam: höchster Zustand; śūnyam: Leere; nirañjanam: Unbeflecktes; paramātmā: höchstes Selbst.

1.18 – Übersetzung: Aus dem Unübertrefflichen entsteht das bloße Aufleuchten; aus dem höchsten Zustand das bloße Vergegenwärtigen; aus der Leere das bloße eigene Sein; aus dem Unbefleckten die unmittelbare Selbsterfahrung; aus dem höchsten Selbst geht das höchste Selbst hervor.

Wort für Wort: sphuratā-mātram: bloßes Aufleuchten; bhāvanā-mātram: bloßes Vergegenwärtigen; sva-sattā: eigenes Sein; sva-sākṣātkāra: unmittelbare Selbsterfahrung; utpannam: hervorgegangen.

1.19 – Übersetzung: Unbeflecktheit, Unvergleichlichkeit, Unbegrenztheit, Formlosigkeit und Unentstandenheit sind die fünf Eigenschaften des Unübertrefflichen.

Wort für Wort: akalaṅkatvam: Fleckenlosigkeit; anupamatvam: Unvergleichlichkeit; apāratvam: Uferlosigkeit; amūrtatvam: Formlosigkeit; anudayatvam: Nichtentstehen.

1.20 – Übersetzung: Teillosigkeit, äußerste Feinheit, Unbeweglichkeit, Unzählbarkeit und Unabhängigkeit von einer Stütze sind die fünf Eigenschaften des höchsten Zustands.

Wort für Wort: niṣkalatvam: Teillosigkeit; aṇutaratvam: äußerste Feinheit; acalatvam: Unbeweglichkeit; asaṃkhyatvam: Unzählbarkeit; anādhāratvam: Stützenlosigkeit.

1.21 – Übersetzung: Aufgehen, Fülle, Überschreiten des Denkens, Bewegtheit und Versunkenheit sind die fünf Eigenschaften der Leere.

Wort für Wort: līnatā: Aufgehen; pūrṇatā: Fülle; unmanī: Zustand jenseits des gewöhnlichen Denkens; lolatā: Bewegtheit; mūrcchatā: Versunkenheit; śūnyam: Leere.

1.22 – Übersetzung: Wahrheit, Natürlichkeit, Gleichgeschmack, Wachheit und Allgegenwart sind die fünf Eigenschaften des Unbefleckten.

Wort für Wort: satyatvam: Wahrheit; sahajatvam: Natürlichkeit; samarasatvam: gleicher Geschmack; sāvadhānatvam: aufmerksame Wachheit; sarvagatatvam: Allgegenwart.

1.23 – Übersetzung: Unvergänglichkeit, Unspaltbarkeit, Unzerschneidbarkeit, Unzerstörbarkeit und Unverbrennbarkeit sind die fünf Eigenschaften des höchsten Selbst. Dies sind die fünf Prinzipien und fünfundzwanzig Eigenschaften des anfangslosen Körpers.

Wort für Wort: akṣayatvam: Unvergänglichkeit; abhedyatvam: Unspaltbarkeit; acchedyatvam: Unzerschneidbarkeit; avināśatvam: Unzerstörbarkeit; adāhyatvam: Unverbrennbarkeit; anādi-piṇḍa: anfangsloser Körper; pañcaviṃśati: fünfundzwanzig.

1.24 – Übersetzung: Es heißt: Aus diesen fünf mit ihren Eigenschaften – dem Unübertrefflichen, dem höchsten Zustand, der Leere, dem Unbefleckten und dem höchsten Selbst – ist der anfangslose Körper hervorgegangen.

Wort für Wort: etaiḥ pañcabhiḥ: durch diese fünf; sa-guṇaiḥ: mit Eigenschaften versehen; samutpannaḥ: hervorgegangen.

1.25 – Übersetzung: Aus dem Anfangslosen geht höchste Glückseligkeit hervor; aus höchster Glückseligkeit Erwachen; aus Erwachen das Aufgehen des Bewusstseins; daraus das Leuchten des Bewusstseins; daraus das Empfinden: „Ich bin Das“.

Wort für Wort: anādyāt: aus dem Anfangslosen; paramānandaḥ: höchste Glückseligkeit; prabodhaḥ: Erwachen; cid-udayaḥ: Bewusstseinsaufgang; cit-prakāśaḥ: Bewusstseinsleuchten; so'haṃ-bhāvaḥ: Empfinden „Ich bin Das“.

1.26 – Übersetzung: Regung, Freude, Begeisterung, Regungslosigkeit und beständiges Glück sind die fünf Eigenschaften höchster Glückseligkeit.

Wort für Wort: spandaḥ: Regung; harṣaḥ: Freude; utsāhaḥ: Begeisterung; nispandaḥ: Regungslosigkeit; nitya-sukhatvam: beständiges Glück; paramānandaḥ: höchste Glückseligkeit.

Textanmerkung: Ergänzt nach Mallik, S. 3, dort 1.23; in der elektronischen Vorlage fehlt diese Einheit.

1.27 – Übersetzung: Aufgang, Aufschwung, Erscheinen, Entfaltung und Leuchtkraft sind die fünf Eigenschaften des Erwachens.

Wort für Wort: udayaḥ: Aufgang; ullāsaḥ: Aufschwung; avabhāsaḥ: Erscheinen; vikāsaḥ: Entfaltung; prabhā: Leuchtkraft.

1.28 – Übersetzung: Wirkliches Sein, Betrachtung, Handlungsfähigkeit, Erkenntnisfähigkeit und Freiheit sind die fünf Eigenschaften des aufgehenden Bewusstseins.

Wort für Wort: sadbhāvaḥ: wirkliches Sein; vicāraḥ: Betrachtung; kartṛtvam: Handlungsfähigkeit; jñātṛtvam: Erkenntnisfähigkeit; svatantratvam: Freiheit.

1.29 – Übersetzung: Unveränderlichkeit, Teillosigkeit, Freiheit von begrifflicher Unterscheidung, Gleichheit und Ruhe sind die fünf Eigenschaften des Bewusstseinslichtes.

Wort für Wort: nirvikāratvam: Unveränderlichkeit; niṣkalatvam: Teillosigkeit; nirvikalpatvam: Unterschiedenheitsfreiheit; samatā: Gleichheit; viśrāntiḥ: Ruhe.

1.30 – Übersetzung: Ichsein, ungeteilte Herrlichkeit, eigenes Selbstsein, die Fähigkeit zur Erfahrung des Alls und Allwissenheit sind die fünf Eigenschaften des „Ich bin Das“. Damit sind die fünf Prinzipien und fünfundzwanzig Eigenschaften des ursprünglichen Körpers genannt. Höchste Glückseligkeit, Erwachen, Bewusstseinsaufgang, Bewusstseinslicht und „Ich bin Das“: Aus diesen ist der ursprüngliche, mit dem großen Prinzip verbundene Körper hervorgegangen.

Wort für Wort: ahaṃtā: Ichsein; akhaṇḍaiśvaryam: ungeteilte Herrlichkeit; svātmatā: eigenes Selbstsein; viśvānubhava-sāmarthyam: Fähigkeit zur Welterfahrung; sarvajñatvam: Allwissenheit; ādya-piṇḍaḥ: ursprünglicher Körper; mahā-tattva: großes Prinzip.

1.31 – Übersetzung: Aus dem ursprünglichen Körper entsteht der große Raum, aus dem großen Raum der große Wind, daraus das große Feuer, daraus das große Wasser und daraus die große Erde.

Wort für Wort: ādyāt: aus dem Ursprünglichen; mahākāśaḥ: großer Raum; mahāvāyuḥ: großer Wind; mahātejaḥ: großes Feuer; mahāsalilam: großes Wasser; mahāpṛthvī: große Erde.

1.32 – Übersetzung: Raumgeben, Ununterbrochenheit, Unberührbarkeit, blaue Farbe und Klang sind die fünf Eigenschaften des Raumes.

Wort für Wort: avakāśaḥ: Raumgeben; acchidram: Lückenlosigkeit; aspṛśatvam: Unberührbarkeit; nīla-varṇatvam: Blaufarbigkeit; śabdatvam: Klangsein.

1.33 – Übersetzung: Bewegung, In-Bewegung-Setzen, Berührung, Austrocknung und rauchgraue Farbe sind die fünf Eigenschaften des großen Windes.

Wort für Wort: sañcāraḥ: Bewegung; sañcālanam: Bewegen; sparśanam: Berühren; śoṣaṇam: Trocknen; dhūmra-varṇatvam: Rauchgraufarbigkeit.

1.34 – Übersetzung: Brennen, Verdauen, Hitze, Licht und rote Farbe sind die fünf Eigenschaften des großen Feuers.

Wort für Wort: dāhakatvam: Brennkraft; pācakatvam: Verdauungskraft; uṣṇatvam: Hitze; prakāśatvam: Leuchten; rakta-varṇatvam: Rotfärbung.

1.35 – Übersetzung: Großes Strömen, Erfrischen und Nähren, Flüssigkeit, Geschmack und weiße Farbe sind die fünf Eigenschaften des Wassers.

Wort für Wort: mahā-pravāhaḥ: großes Strömen; āpyāyanam: Nähren; dravaḥ: Flüssigkeit; rasaḥ: Geschmack; śveta-varṇatvam: Weißfärbung.

1.36 – Übersetzung: Grobheit, Vielgestaltigkeit, Festigkeit, Geruch und gelbe Farbe sind die fünf Eigenschaften der großen Erde. Dies sind die fünfundzwanzig Eigenschaften des großen gestalteten Körpers.

Wort für Wort: sthūlatā: Grobheit; nānākāratā: Vielgestaltigkeit; kāṭhinyam: Festigkeit; gandhaḥ: Geruch; pīta-varṇatvam: Gelbfärbung; mahā-sākāra-piṇḍa: großer gestalteter Körper.

1.37 – Übersetzung: Dieser ist Shiva; aus Shiva geht Bhairava hervor, aus Bhairava Shrikantha, aus Shrikantha Sadashiva, aus Sadashiva Ishvara, aus Ishvara Rudra, aus Rudra Vishnu und aus Vishnu Brahma. Dies ist die Achtzahl der Gestalten des großen gestalteten Körpers.

Wort für Wort: śivāt: aus Shiva; bhairavaḥ: Bhairava; śrīkaṇṭhaḥ: Shrikantha; sadāśivaḥ: Sadashiva; īśvaraḥ: Ishvara; rudraḥ: Rudra; viṣṇuḥ: Vishnu; brahmā: Brahma; mūrty-aṣṭakam: acht Gestalten.

Textanmerkung: Ergänzt nach Mallik, S. 4, dort 1.36; in der elektronischen Vorlage fehlt diese Einheit.

1.38 – Übersetzung: Aus Brahmas Hinblicken entsteht der natürliche Körper in männlicher und weiblicher Gestalt. Dieser Leib ist aus fünf Fünfergruppen gebildet.

Wort für Wort: avalokanena: durch Hinblicken; nara-nārī-rūpaḥ: männlich und weiblich gestaltet; prakṛti-piṇḍaḥ: Naturkörper; pañca-pañcātmakam: aus fünfmal fünf bestehend; śarīram: Leib.

1.39 – Übersetzung: Knochen, Fleisch, Haut, Leitbahnen und Körperhaare sind die fünf Erscheinungen der Erde.

Wort für Wort: asthi: Knochen; māṃsa: Fleisch; tvac: Haut; nāḍī: Leitbahn; roman: Körperhaar; bhūmiḥ: Erde.

1.40 – Übersetzung: Speichel, Urin, Samen, Blut und Schweiß sind die fünf Erscheinungen des Wassers.

Wort für Wort: lālā: Speichel; mūtram: Urin; śukram: Samen; śoṇitam: Blut; svedaḥ: Schweiß; āpaḥ: Wasser.

1.41 – Übersetzung: Hunger, Durst, Schlaf, Ausstrahlung und Trägheit sind die fünf Erscheinungen des Feuers.

Wort für Wort: kṣudhā: Hunger; tṛṣā: Durst; nidrā: Schlaf; kāntiḥ: Ausstrahlung; ālasyam: Trägheit; tejaḥ: Feuerkraft.

1.42 – Übersetzung: Laufen, Umherbewegen, Ausstrecken, Zusammenziehen und Zurückhalten sind die fünf Erscheinungen des Windes.

Wort für Wort: dhāvanam: Laufen; bhramaṇam: Umherbewegen; prasāraṇam: Ausstrecken; ākuñcanam: Zusammenziehen; nirodhanam: Zurückhalten; vāyuḥ: Wind.

1.43 – Übersetzung: Zuneigung, Abneigung, Furcht, Scham und Verblendung sind die fünf Erscheinungen des Raumes. So bildet sich der Körper aus fünfundzwanzig Eigenschaften der Elemente.

Wort für Wort: rāgaḥ: Zuneigung, Anhaften; dveṣaḥ: Abneigung; bhayam: Furcht; lajjā: Scham; mohaḥ: Verblendung; bhūtāni: Elemente.

1.44 – Übersetzung: Denken, Unterscheidungskraft, Ichbildung, Gedächtnisgrund und Bewusstheit bilden die Fünfheit des inneren Organs.

Wort für Wort: manas: Denken; buddhiḥ: Unterscheidungskraft; ahaṃkāraḥ: Ichbildung; cittam: Gedächtnis- und Geistgrund; caitanyam: Bewusstheit; antaḥkaraṇa-pañcakam: Fünfheit des inneren Organs.

1.45 – Übersetzung: Entwurf, Unterscheidung, Benommenheit, Stumpfheit und Nachdenken sind die fünf Eigenschaften des Denkens.

Wort für Wort: saṃkalpaḥ: Entwurf; vikalpaḥ: Unterscheidung; mūrcchā: Benommenheit; jaḍatā: Stumpfheit; mananam: Nachdenken.

1.46 – Übersetzung: Unterscheidung, Nichtanhaften, Friede, Zufriedenheit und Nachsicht sind die fünf Eigenschaften der Einsichtskraft.

Wort für Wort: vivekaḥ: Unterscheidung; vairāgyam: Nichtanhaften; śāntiḥ: Friede; saṃtoṣaḥ: Zufriedenheit; kṣamā: Nachsicht.

1.47 – Übersetzung: Selbstbezogenheit, Meinheit, „mein Glück“, „mein Leid“ und „dies gehört mir“ sind die fünf Eigenschaften der Ichbildung.

Wort für Wort: abhimānam: Selbstbezogenheit; madīyam: mein Eigenes; mama sukham: mein Glück; mama duḥkham: mein Leid; mama idam: dies gehört mir.

1.48 – Übersetzung: Auffassung, Festhalten, Erinnerung, Loslassen und Annehmen sind die fünf Eigenschaften des Chitta.

Wort für Wort: matiḥ: Auffassung; dhṛtiḥ: Festhalten; smṛtiḥ: Erinnerung; tyāgaḥ: Loslassen; svīkāraḥ: Annehmen.

1.49 – Übersetzung: Reflexion, Einüben, Standhaftigkeit, Betrachtung und Wunschlosigkeit sind die fünf Eigenschaften der Bewusstheit. Dies sind die Eigenschaften des inneren Organs.

Wort für Wort: vimarśaḥ: Reflexion; śīlanam: Einüben; dhairyam: Standhaftigkeit; cintanam: Betrachtung; niḥspṛhatvam: Wunschlosigkeit.

1.50 – Übersetzung: Sattva, Rajas, Tamas, Zeit und individuelles Leben bilden die Kula-Fünfheit.

Wort für Wort: sattvam: Klarheit; rajas: Aktivität; tamas: Dunkelheit; kālaḥ: Zeit; jīvaḥ: individuelles Leben; kula-pañcakam: Kula-Fünfheit.

1.51 – Übersetzung: Mitgefühl, Rechtschaffenheit, Tätigsein, Hingabe und Vertrauen sind die fünf Eigenschaften von Sattva.

Wort für Wort: dayā: Mitgefühl; dharmaḥ: Rechtschaffenheit; kriyā: Tätigkeit; bhaktiḥ: Hingabe; śraddhā: Vertrauen.

1.52 – Übersetzung: Geben, Genießen, erotische Zuwendung, Erwerb von Dingen und Ansammeln zum eigenen Vorteil sind die fünf Eigenschaften von Rajas.

Wort für Wort: dānam: Geben; bhogaḥ: Genuss; śṛṅgāraḥ: Erotik; vastu-grahaṇam: Erwerb von Dingen; svārtha-saṃgrahaṇam: Ansammeln zum eigenen Vorteil.

1.53 – Übersetzung: Streitgespräch, Zank, Trauer, Töten und Täuschung sind die fünf Eigenschaften von Tamas.

Wort für Wort: vivādaḥ: Streit; kalahaḥ: Zank; śokaḥ: Trauer; vadhaḥ: Töten; vañcanam: Täuschung.

1.54 – Übersetzung: Abmessen, Vorstellen, Irrtum, Unachtsamkeit und Unheil sind die fünf Eigenschaften der Zeit.

Wort für Wort: kalanā: Abmessen; kalpanā: Vorstellen; bhrāntiḥ: Irrtum; pramādaḥ: Unachtsamkeit; anarthaḥ: Unheil.

1.55 – Übersetzung: Wachen, Traum, Tiefschlaf, der vierte Zustand und das Jenseits des vierten Zustands sind die fünf Zustände des individuellen Lebens.

Wort für Wort: jāgrat: Wachen; svapnaḥ: Traum; suṣuptiḥ: Tiefschlaf; turīya: der vierte Zustand; turyātīta: über den vierten hinaus.

1.56 – Übersetzung: Wille, Tätigkeit, Maya, Natur und Sprache bilden die Fünfheit der Manifestation.

Wort für Wort: icchā: Wille; kriyā: Tätigkeit; māyā: Maya; prakṛtiḥ: Natur; vāk: Sprache; vyakti-pañcakam: Manifestationsfünfheit.

1.57 – Übersetzung: Erregung, Neigung, Wunsch, Sorge und Bemühung sind die fünf Eigenschaften des Willens.

Wort für Wort: unmādaḥ: Erregung; vāsanā: Neigung; vāñchā: Wunsch; cintā: Sorge; ceṣṭā: Bemühung.

1.58 – Übersetzung: Erinnerung, Unternehmung, Aufgabe, Entschlossenheit und die Praxis der eigenen Überlieferung sind die fünf Eigenschaften der Tätigkeit.

Wort für Wort: smaraṇam: Erinnerung; udyogaḥ: Unternehmung; kāryam: Aufgabe; niścayaḥ: Entschlossenheit; sva-kulācāraḥ: Praxis der eigenen Überlieferung.

1.59 – Übersetzung: Überheblichkeit, Neid, Heuchelei, Künstlichkeit und Unwahrheit sind die fünf Eigenschaften von Maya.

Wort für Wort: madaḥ: Überheblichkeit; mātsaryam: Neid; dambhaḥ: Heuchelei; kṛtrimatvam: Künstlichkeit; asatyam: Unwahrheit.

1.60 – Übersetzung: Hoffnung, Durst, Verlangen, Begehren und Unwirklichkeit sind die fünf Eigenschaften der Natur.

Wort für Wort: āśā: Hoffnung; tṛṣṇā: Durst; spṛhā: Verlangen; kāṅkṣā: Begehren; mithyā: Unwirklichkeit.

1.61 – Übersetzung: Para, Pashyanti, Madhyama, Vaikhari und Matrika sind die fünf Erscheinungen der Sprache. Damit hat die Fünfheit der Manifestation fünfundzwanzig Eigenschaften.

Wort für Wort: parā: höchste Sprache; paśyantī: schauende Sprache; madhyamā: mittlere Sprache; vaikharī: artikulierte Sprache; mātṛkā: Buchstabenmatrix; vāk: Sprache.

1.62 – Übersetzung: Handlung, Verlangen, Mond, Sonne und Feuer bilden die Fünfheit der unmittelbar wirkenden Kräfte.

Wort für Wort: karma: Handlung; kāmaḥ: Verlangen; candraḥ: Mond; sūryaḥ: Sonne; agniḥ: Feuer; pratyakṣa-karaṇa: unmittelbar wirkendes Vermögen.

1.63 – Übersetzung: Günstiges, Ungünstiges, Ruhm, schlechter Ruf und das Hervorbringen unsichtbarer Früchte sind die fünf Eigenschaften der Handlung.

Wort für Wort: śubham: Günstiges; aśubham: Ungünstiges; yaśaḥ: Ruhm; apakīrtiḥ: schlechter Ruf; adṛṣṭa-phala-sādhanam: Hervorbringen unsichtbarer Früchte.

1.64 – Übersetzung: Lust, Liebe, Spiel, Begehren und drängende Unruhe sind die fünf Eigenschaften des Verlangens.

Wort für Wort: ratiḥ: Lust; prītiḥ: Liebe; krīḍā: Spiel; kāmanā: Begehren; āturatā: drängende Unruhe.

1.65 – Übersetzung: Die sechzehn Mondkräfte heißen: Ullola, Kallolini, Ucchalanti, Unmadini, Tarangini, Shoshini, Lampata, Pravritti, Lahari, Lola, Lelihana, Prasaranti, Pravaha, Saumya, Prasannata und Plavanti. Die siebzehnte heißt Nivritti; sie ist die Nektarkraft.

Wort für Wort: ullolā: stark bewegt; kallolinī: wogend; ucchalantī: aufspringend; unmādinī: berauschend; taraṅgiṇī: wellenreich; śoṣiṇī: trocknend; lampaṭā: begierig; pravṛttiḥ: Hinwendung; laharī: Welle; lolā: schwankend; lelihānā: züngelnd; prasarantī: sich ausbreitend; pravāhā: Strom; saumyā: mild; prasannatā: Heiterkeit; plavantī: schwimmend; nivṛttiḥ: Rückwendung; amṛta-kalā: Nektarkraft.

1.66 – Übersetzung: Die zwölf Sonnenkräfte heißen Tapini, Grasika, Ugra, Akunchani, Shoshini, Prabodhini, Smara, Akarshini, Tushtavardhani, Urmirekha, Kiranavati und Prabhavati. Die dreizehnte ist das eigene Selbstleuchten.

Wort für Wort: tāpinī: erhitzend; grāsikā: verschlingend; ugrā: heftig; ākuñcanī: zusammenziehend; śoṣiṇī: trocknend; prabodhinī: erweckend; smarā: erinnernd oder begehrend; ākarṣiṇī: anziehend; tuṣṭa-vardhanī: Zufriedenheit mehrend, Lesung unsicher; ūrmi-rekhā: Wellenlinie; kiraṇavatī: strahlenreich; prabhāvatī: leuchtend; sva-prakāśatā: Selbstleuchten; nijā kalā: eigene Kraft.

1.67 – Übersetzung: Die zehn Feuerkräfte heißen Dipaka, Rajika, Jvalini, Visphulingini, Prachanda, Pachika, Raudri, Dahika, Ragini und Shikhavati. Die elfte Kraft heißt Licht. Damit ist die Gruppe der Eigenschaften und Kräfte der unmittelbar wirkenden Vermögen erklärt.

Wort für Wort: dīpaka: erhellend; rājikā: glänzend, Lesung unsicher; jvālinī: flammend; visphuliṅginī: funkensprühend; pracaṇḍā: heftig; pācikā: verdauend; raudrī: wild; dāhikā: brennend; rāgiṇī: färbend oder begehrend; śikhāvatī: flammenreich; jyotiḥ: Licht.

1.68 – Übersetzung: Nun die zehn Öffnungen der Nadis: Ida und Pingala fließen zu den beiden Nasenöffnungen; Sushumna zieht auf dem Weg des Brahma-Stabes bis zum Brahmarandhra. Sarasvati fließt zur Mundöffnung, Pusha und Alambusha zu den Augenöffnungen, Gandhari und Hastijihvika zu den Ohrenöffnungen, Kuhu zum After und Shankhini zur Geschlechtsöffnung. So fließen sie an den zehn Toren.

Wort für Wort: nāḍī: Leitbahn; daśa: zehn; dvāra: Tor; nāsā: Nase; brahma-daṇḍa: Brahma-Stab, Körperachse; brahma-randhra: Scheitelöffnung; mukha: Mund; cakṣus: Auge; karṇa: Ohr; guda: After; liṅga: Geschlechtsorgan; vahati/vahataḥ: fließt/fließen beide.

1.69 – Übersetzung: Nun die zehn Lebenswinde: Prana im Herzen bewirkt Ein- und Ausatmen und hat die Gestalt von ha und sa. Mit einer Unterscheidung seiner Zustände wird Haṭhayoga bezeichnet: ha heißt Sonne, ṭha heißt Mond; die Verbindung von Sonne und Mond heißt Haṭhayoga. Apana am After bewirkt Ausstoßen, Anhalten und Füllen; Samana am Nabel entfacht und verdaut; Vyana in der Kehle trocknet und nährt; Udana am Gaumen bewirkt Schlucken, Erbrechen und Sprechen. Naga durchzieht alle Glieder, löst und bewegt. Kurma öffnet die Augen; Krikala bewirkt Aufstoßen und Niesen; Devadatta öffnet den Mund zum Gähnen; Dhananjaya erzeugt Klang. Durch diese Betrachtung der zehn Lebenswinde ist die Entstehung des Körpers in männlicher und weiblicher Gestalt erklärt.

Wort für Wort: hṛdaye: im Herzen; ucchvāsa-niḥśvāsa: Ein- und Ausatmen; sūrya-candramasoḥ yogāt: durch Verbindung von Sonne und Mond; gude: am After; nābhau: am Nabel; kaṇṭhe: in der Kehle; tālau: am Gaumen; śoṣaṇa-āpyāyana: Trocknen und Nähren; grasana-vamana-jalpa: Schlucken, Erbrechen, Sprechen; sarvāṅga-vyāpaka: alle Glieder durchziehend; cakṣur-unmeṣa: Augenöffnen; udgāra: Aufstoßen; kṣut: Niesen; vijṛmbha: Gähnen; nāda-ghoṣaka: Klang erzeugend.

Textanmerkung: Die in der elektronischen Vorlage ausgefallenen Vāyus sind nach Mallik, S. 7 (1.68), ergänzt. Die dortigen Zuordnungen – Vyāna zur Kehle, Udāna zum Gaumen, Nāga zur Ganzkörperbewegung – werden bewahrt; sie entsprechen nicht überall heutigen Standardlisten. Die Haṭha-Etymologie steht dort in Anmerkung 26 als Variantenpassage.

1.70 – Übersetzung: Nun die Entstehung des Körpers im Mutterleib: Bei der Vereinigung von Mann und Frau zur fruchtbaren Zeit [tritt] der Jiva in die Verbindung von weiblichem Blut und Samen [ein].

Wort für Wort: garbha: Mutterleib; nara-nārī-saṃyoga: Vereinigung von Mann und Frau; ṛtu-kāla: fruchtbare Zeit; rajas: weibliches Blut; bindu: Samentropfen; jīvaḥ: individuelles Lebewesen.

1.71 – Übersetzung: Am ersten Tag entsteht eine gallertartige Masse, nach sieben Nächten eine Blasenform, nach einem halben Monat eine Kugelform, nach einem Monat Festigkeit. Nach zwei Monaten entsteht der Kopf; im dritten Monat Hände, Füße und die übrigen Glieder; im vierten Augen, Ohren, Nase, Mund, Geschlechtsorgan und After; im fünften Rücken und Bauch; im sechsten Nägel und Haare. Im siebten wird [der Embryo] mit allen Bewusstseinskräften ausgestattet; im achten mit allen Merkmalen; im neunten mit wahrer Erkenntnis. Im zehnten wird er durch die Berührung der Geburtsöffnung zum unwissenden Kind.

Wort für Wort: prathama-dine: am ersten Tag; kalala: gallertartige Masse; sapta-rātre: nach sieben Nächten; budbuda: Blase; ardha-māse: nach einem halben Monat; gola: Kugel; śiras: Kopf; hasta-pāda: Hände und Füße; pṛṣṭha-udara: Rücken und Bauch; nakha-keśa: Nägel und Haare; satya-jñāna: wahre Erkenntnis; yoni-saṃsparśa: Berührung der Geburtsöffnung; ajñānī bālakaḥ: unwissendes Kind.

1.72 – Übersetzung: Bei Überwiegen des Samens entsteht nach dieser Lehre ein männliches Kind, bei Überwiegen des Blutes ein Mädchen, bei Gleichheit beider ein geschlechtlich uneindeutiges Kind. Gegenseitige sorgenvoll zerstreute Gedanken werden hier als Ursache von Blindheit, Buckelbildung, Kleinwuchs, Gehbehinderung und fehlenden Gliedern bezeichnet. Geht beim Liebesakt durch den Druck der Körper Samen zwei- oder dreimal ab, entsteht dem Text zufolge ein weiteres Kind.

Wort für Wort: śukra-ādhikya: Überwiegen des Samens; rakta-ādhikya: Überwiegen des Blutes; kanyakā: Mädchen; napuṃsaka: geschlechtlich uneindeutig; cintā-vyākulatva: sorgenvoller Aufruhr; andha: blind; kubja: bucklig; vāmana: kleinwüchsig; paṅgu: gehbehindert; aṅga-hīna: ohne Glied; dvis-trivāram: zwei- oder dreimal; dvitīyaḥ bālakaḥ: weiteres Kind.

1.73 – Übersetzung: Der Text nennt dreieinhalb Pala Samen, zwanzig Pala Blut, zwölf Pala Fett, zehn Pala Mark, hundert Pala Fleisch, zehn Pala Galle, zwanzig Pala Schleim und ebenso viel Wind; dreihundertsechzig Knochen und ebenso viele Gelenke sowie dreieinhalb Koti Haarporen. [Der Leib] entsteht aus der Zeugungskraft von Vater und Mutter. Er enthält die drei Dhatus Wind, Galle und Schleim und besteht aus zehn Dhatus. So ist die Entstehung des aus dem Mutterleib hervorgegangenen Körpers erklärt.

Wort für Wort: sārdha-pala-trayam: dreieinhalb Pala; viṃśati: zwanzig; dvādaśa: zwölf; daśa: zehn; śata: hundert; medas: Fett; majjā: Mark; māṃsa: Fleisch; pitta: Galle; śleṣman: Schleim; vāta: Wind; asthi: Knochen; sandhi: Gelenk; roma-kūpa: Haarpore; pitṛ-mātṛ-vīrya: Zeugungskraft der Eltern; dhātu: tragender Bestandteil; garbhottha-piṇḍa: aus dem Mutterleib entstandener Körper.

1.Kolophon – Übersetzung: So endet in der von Shivagoraksha verfassten Siddha Siddhanta Paddhati die 1. Unterweisung.

Wort für Wort: iti: so endet; śiva-gorakṣa-viracita: von Shivagoraksha verfasst; upadeśaḥ: Unterweisung.

Textanmerkung: Kapitelabschluss der elektronischen Vorlage; Wortabstände und die Schreibung Gorakṣa sind vereinheitlicht.

2. Unterweisung: Betrachtung des Körpers

Zur Orientierung: Hier stehen die neun Chakras, sechzehn Adharas, drei Schauziele und fünf Räume im Mittelpunkt. Das Kapitel endet mit den acht Yogagliedern und führt so von der inneren Körperlandschaft zur Sammlung und mühelosen Versenkung.

2.1 – Übersetzung: Nun wird die Betrachtung des Körpers erklärt. Im Körper sind neun Chakras. An der Basis liegt das Brahma-Chakra, dreifach gewunden, von der Gestalt des Yoni-Kreises. Dort ist die Wurzelknolle. Dort meditiere man die Kraft in Feuergestalt. Eben dort liegt der heilige Sitz Kamarupa, der alle Wünsche gewährt.

Wort für Wort: piṇḍe: im Körper; nava-cakrāṇi: neun Zentren; ādhāre: an der Basis; tridhāvartam: dreifach gewunden; bhaga-maṇḍala: Yoni-Kreis; mūla-kanda: Wurzelknolle; pāvakākārā: feuergestaltig; dhyāyet: man meditiere; pīṭham: heiliger Sitz; sarva-kāma-pradam: alle Wünsche gewährend.

2.2 – Übersetzung: Das zweite ist das Svadhishthana-Chakra. In seiner Mitte meditiere man ein nach Westen gerichtetes Linga, einem Korallenspross gleich. Dort liegt der Sitz Uddiyana; [die Betrachtung] bewirkt die Anziehung der Welt.

Wort für Wort: dvitīyam: zweites; svādhiṣṭhānam: eigener Standort; tan-madhye: in dessen Mitte; paścimābhimukha: nach Westen oder hinten gerichtet; liṅga: Zeichen; pravālāṅkura: Korallenspross; jagad-ākarṣaṇam: Anziehung der Welt.

2.3 – Übersetzung: Das dritte ist das Nabel-Chakra, fünffach gewunden und wie eine Schlange eingerollt. In seiner Mitte meditiere man Kundalini-Shakti, zehn Millionen aufgehenden Sonnen gleich. Sie ist die mittlere Kraft, die alle Vollkommenheiten verleiht.

Wort für Wort: tṛtīyam: drittes; nābhi-cakram: Nabelzentrum; pañcāvartam: fünffach gewunden; sarpavat: schlangenartig; kuṇḍalākāram: ringförmig; bālārka-koṭi: zehn Millionen junge Sonnen; madhyamā śaktiḥ: mittlere Kraft; sarva-siddhi-dā: alle Vollkommenheiten gebend.

2.4 – Übersetzung: Das vierte ist die Herzstütze: ein nach unten gerichteter achtblättriger Lotus. In seiner Mitte, im Blütenboden, meditiere man [die Kraft] in Linga-Gestalt als Licht. Sie ist die Hamsa-Kraft. [Dadurch] kommen alle Sinneskräfte unter Kontrolle.

Wort für Wort: caturtham: viertes; hṛdayādhāram: Herzstütze; aṣṭa-dala: achtblättrig; adho-mukham: abwärts gerichtet; karṇikā: Blütenboden; jyotī-rūpā: lichtgestaltig; haṃsa-kalā: Hamsa-Kraft; indriyāṇi: Sinneskräfte; vaśyāni: beherrschbar.

2.5 – Übersetzung: Das fünfte ist das vier Fingerbreiten [messende] Kehl-Chakra. Links verläuft Ida, die Mondbahn; rechts Pingala, die Sonnenbahn. In ihrer Mitte meditiere man Sushumna. Sie ist die Anahata-Kraft; es entsteht die Vollkommenheit des ungeschlagenen [Klanges].

Wort für Wort: pañcamam: fünftes; kaṇṭha-cakram: Kehlzentrum; catur-aṅgulam: vier Fingerbreiten; vāme: links; dakṣiṇe: rechts; candra-nāḍī: Mondbahn; sūrya-nāḍī: Sonnenbahn; anāhata: ungeschlagen; siddhiḥ: Vollkommenheit.

2.6 – Übersetzung: Das sechste ist das Gaumen-Chakra. Dort fließt der Nektarstrom. [Hier nennt der Text] das Gaumenzäpfchen-Linga, die Wurzelöffnung, den „Königszahn“, die Shankhini-Höhlung und das zehnte Tor. Dort meditiere man die Leere; es entsteht das Aufgehen des Geistes.

Wort für Wort: ṣaṣṭham: sechstes; tālu: Gaumen; amṛta-dhārā-pravāhaḥ: Nektarstrom; ghaṇṭikā: Gaumenzäpfchen; mūla-randhra: Wurzelöffnung; rāja-danta: Königszahn; śaṅkhinī-vivara: Shankhini-Höhlung; daśama-dvāra: zehntes Tor; śūnyam: Leere; citta-layaḥ: Aufgehen des Geistes.

2.7 – Übersetzung: Das siebte ist das Brauenzentrum. In seiner Mitte meditiere man das daumengroße Erkenntnisauge in Gestalt einer Lampenflamme. Daraus entsteht die Vollkommenheit der Rede.

Wort für Wort: saptamam: siebtes; bhrū: Braue; aṅguṣṭha-mātram: daumengroß; jñāna-netram: Erkenntnisauge; dīpa-śikhākāram: lampenflammengestaltig; vācām siddhiḥ: Vollkommenheit der Rede.

2.8 – Übersetzung: Das achte ist das Brahmarandhra, das Nirvana-Chakra, [so fein, dass es] mit einer Nadelspitze durchstochen werden kann. Man meditiere es in Gestalt einer Rauchspitze. Dort liegt der Sitz Jalandhara, der Befreiung verleiht.

Wort für Wort: aṣṭamam: achtes; brahma-randhram: Brahma-Öffnung; nirvāṇa: Erlöschen, Erlösung; sūcikāgra-bhedyam: mit einer Nadelspitze durchdringbar; dhūma-śikhākāram: rauchspitzengestaltig; mokṣa-pradam: Befreiung gewährend.

2.9 – Übersetzung: Das neunte ist das Raum-Chakra: ein aufwärts gerichteter sechzehnblättriger Lotus. In seinem Blütenboden meditiere man die dreigipflige, aufwärts gerichtete Kraft als höchste Leere. Dort liegt der Sitz Purnagiri; alle Wünsche gelangen zur Erfüllung. Damit ist die Betrachtung der neun Chakras abgeschlossen.

Wort für Wort: navamam: neuntes; ākāśa-cakram: Raumzentrum; ṣoḍaśa-dala: sechzehnblättrig; ūrdhva-mukham: aufwärts gerichtet; tri-kūṭākārā: dreigipflig; ūrdhva-śaktiḥ: obere Kraft; parama-śūnyā: höchste Leere; sarvecchā-siddhiḥ: Erfüllung aller Wünsche.

2.10 – Übersetzung: Nun werden die sechzehn Stützen erklärt. Die erste ist die Großzehenstütze. An ihrer Spitze meditiere man das Lichtvolle. Der Blick wird fest.

Wort für Wort: ṣoḍaśa-ādhāra: sechzehn Stützen; prathamam: erstes; padāṅguṣṭha: große Zehe; agre: an der Spitze; tejomayam: lichtvoll; dṛṣṭiḥ: Blick; sthirā: fest.

2.11 – Übersetzung: Die zweite ist der Strang der Wurzelstütze. Er soll mit der linken Ferse gedrückt werden. Dadurch wird das Feuer entfacht.

Wort für Wort: mūlādhāra-sūtram: Strang der Wurzelstütze; vāma-pārṣṇinā: mit der linken Ferse; niḥpīḍayitavyam: zu drücken; agni-dīpanam: Entfachen des Feuers.

2.12 – Übersetzung: Die dritte ist die Afterstütze. Durch Öffnen und Zusammenziehen soll man sie zusammenziehen. Der Apana-Wind wird fest.

Wort für Wort: gudādhāram: Afterstütze; vikāsa: Öffnen; saṃkocana: Zusammenziehen; nirākuñcayet: man ziehe zusammen; apāna-vāyuḥ: Apana-Wind; sthiraḥ: fest.

2.13 – Übersetzung: Die vierte ist die Geschlechtsstütze. Durch Zusammenziehen des Gliedes, Durchbrechen der drei Brahma-Knoten und Verweilen in der Höhlung [unsichere Ortsbezeichnung] entsteht bei Aufwärtsrichtung das Festhalten des Bindu. Dies ist als Vajroli bekannt.

Wort für Wort: meḍhrādhāram: Geschlechtsstütze; liṅga-saṃkocanena: durch Zusammenziehen des Gliedes; brahma-granthi-trayam: drei Brahma-Knoten; bhittvā: durchbrochen habend; guhayām: in der Höhlung; viśramya: verweilt habend; ūrdhva-mukha: aufwärts gerichtet; bindu-stambhanam: Festhalten des Bindu; vajrolī: Vajroli.

2.14 – Übersetzung: Die fünfte ist die Odyana-Stütze. Durch das Binden [an ihr; die Formulierung der Vorlage ist unsicher] werden Stuhl und Urin zurückgehalten.

Wort für Wort: oḍyāṇādhāra: Odyana-Stütze; bandhanāt: durch Binden; mala-mūtra: Stuhl und Urin; saṃkocanam: Zusammenziehen, Zurückhalten.

2.15 – Übersetzung: An der sechsten, der Nabelstütze, entsteht durch das mit ungeteilter Aufmerksamkeit ausgesprochene Om das Aufgehen im Klang.

Wort für Wort: nābhyādhāre: an der Nabelstütze; oṅkāram: Om; eka-cittena: mit ungeteiltem Geist; uccārite: ausgesprochen; nāda-layaḥ: Aufgehen im Klang.

2.16 – Übersetzung: An der siebten, der Herzstütze, soll man Prana zurückhalten. Der Lotus entfaltet sich.

Wort für Wort: hṛdayādhāre: an der Herzstütze; prāṇam: Lebenshauch; nirodhayet: man halte zurück; kamala-vikāsaḥ: Lotusentfaltung.

2.17 – Übersetzung: An der achten, der Kehlstütze, soll man den Kehlengrund mit dem Kinn verschließen. Der Wind in Ida und Pingala kommt zur Ruhe.

Wort für Wort: kaṇṭha-mūlam: Kehlengrund; cibukena: mit dem Kinn; nirodhayet: verschließen; iḍā-piṅgalayoḥ: in Ida und Pingala; vāyuḥ: Wind.

2.18 – Übersetzung: An der neunten, der Zäpfchenstütze, soll man die Zungenspitze halten. Die Nektarkraft fließt.

Wort für Wort: ghaṇṭikādhāre: an der Zäpfchenstütze; jihvāgram: Zungenspitze; dhārayet: man halte; amṛta-kalā: Nektarkraft; sravati: fließt.

2.19 – Übersetzung: An der zehnten, der Gaumenstütze, soll man die Lambika durch Bewegen und „Melken“ verlängern und umgekehrt in die innere Gaumenhöhle einführen. Es entsteht Kāṣṭhī [ein starrer, holzgleicher Zustand; Lesung und genaue Bedeutung unsicher].

Wort für Wort: tālvādhāre: an der Gaumenstütze; antar-garbhe: in der inneren Höhlung; lambikā: hängender Zungen-/Gaumenbereich, hier nicht eindeutig; cālana-dohanābhyām: durch Bewegen und Melken; dīrghīkṛtya: verlängert habend; viparītena: umgekehrt; praveśayet: einführen; kāṣṭhī: holzgleicher Zustand, unsicher.

2.20 – Übersetzung: Die elfte ist die Zungenstütze. Dort soll man die Zungenspitze halten. Der Text verheißt das Verschwinden aller Krankheiten.

Wort für Wort: jihvādhāram: Zungenstütze; tatra: dort; jihvāgram: Zungenspitze; sarva-roga-nāśaḥ: Verschwinden aller Krankheiten.

2.21 – Übersetzung: An der zwölften, der Stütze zwischen den Brauen, soll man die Mondscheibe vergegenwärtigen. Man gelangt zu Kühle.

Wort für Wort: bhrū-madhyādhāram: Stütze in der Brauenmitte; candra-maṇḍalam: Mondscheibe; dhārayet: vergegenwärtigen; śītalatām yāti: gelangt zu Kühle.

2.22 – Übersetzung: Die dreizehnte ist die Nasenstütze. Man richte die Aufmerksamkeit auf ihre Spitze; der Geist wird fest.

Wort für Wort: nāsādhāram: Nasenstütze; agram: Spitze; lakṣayet: aufmerksam betrachten; manaḥ: Geist; sthiram: fest.

2.23 – Übersetzung: Die vierzehnte ist die Türstütze an der Nasenwurzel. Dort soll man den Blick halten. Nach sechs Monaten sieht man nach der Textverheißung eine Lichtfülle.

Wort für Wort: nāsā-mūla: Nasenwurzel; kapāṭādhāra: Türstütze; dṛṣṭim dhārayet: den Blick halten; ṣaṇmāsāt: nach sechs Monaten; jyotiḥ-puñjam: Lichtfülle; paśyati: sieht.

2.24 – Übersetzung: Die fünfzehnte ist die Stirnstütze. Dort betrachte man die Lichtfülle. Man wird strahlend.

Wort für Wort: lalāṭādhāram: Stirnstütze; jyotiḥ-puñjam: Lichtfülle; tejasvī: strahlend; bhavati: wird.

2.25 – Übersetzung: An der verbleibenden sechzehnten, dem Raum-Chakra im Brahmarandhra, soll man stets die beiden Lotusfüße des ehrwürdigen Guru schauen. Man wird voll wie der Raum. Damit sind die sechzehn Stützen erklärt.

Wort für Wort: avaśiṣṭe: am verbleibenden; śrī-guru-caraṇāmbuja-yugmam: Paar der Lotusfüße des ehrwürdigen Lehrers; sadā: immer; avalokayet: man schaue; ākāśavat: wie der Raum; pūrṇaḥ: voll.

2.26 – Übersetzung: Nun die drei Ziele der Schau, zuerst das innere: Man vergegenwärtige die weiße Brahma-Nadi, die von der Wurzelknolle an der Körperachse bis zum Brahmarandhra verläuft. In ihr meditiere man geistig die aufwärts gerichtete Gestalt, fein wie eine Lotusfaser, strahlend wie zehn Millionen Blitze. Sie gewährt alle Vollkommenheiten.

Wort für Wort: lakṣya-trayam: drei Schauziele; antar-lakṣyam: inneres Ziel; mūla-kandāt: von der Wurzelknolle; daṇḍa-lagnām: an der Achse anliegend; śveta-varṇām: weiß; saṃsmaret: vergegenwärtigen; kamala-tantu-nibhām: einer Lotusfaser gleich; vidyut-koṭi-prabhām: wie zehn Millionen Blitze strahlend; ūrdhva-gāminīm: aufwärts ziehend; manasā: geistig.

2.27 – Übersetzung: Oder man betrachte oberhalb der Stirn im Gollata-Pavillon eine aufleuchtende Gestalt; oder in der Bienenhöhle eine rötliche Bienenform. Oder man verschließe beide Ohren mit den Zeigefingern; dann hört man mitten im Kopf einen „dhūṃ dhūṃ“ klingenden Ton. Oder man betrachte zwischen den Augen ein blaues Licht in puppen- beziehungsweise figurengleicher Gestalt. Dies ist das innere Schauziel.

Wort für Wort: lalāṭordhve: über der Stirn; gollāṭa-maṇḍapa: Gollata-Pavillon; sphurad-ākāra: aufleuchtende Gestalt; bhramara-guhā: Bienenhöhle; ārakta: rötlich; karṇa-dvayam: beide Ohren; tarjanībhyām: mit den Zeigefingern; śiro-madhye: im Kopfinneren; nādam śṛṇoti: hört einen Klang; nīla-jyotis: blaues Licht; putalyākāra: figurengleiche Gestalt.

2.28 – Übersetzung: Nun das äußere Schauziel: Vier Fingerbreiten vor der Nasenspitze betrachte man einen blauen Lichtschein; oder sechs Fingerbreiten [entfernt] darunter das rauchgraue Windprinzip; oder in acht Fingerbreiten das rote Feuerprinzip; oder in zehn Fingerbreiten das wellengleiche Wasserprinzip; oder in zwölf Fingerbreiten das gelbe Erdprinzip. Oder man schaue in die Weite des Himmels und erblicke die von Strahlen erfüllte, alles klärende Erscheinung. Oder man richte den Blick nach oben in den Zwischenraum und sehe Lichterscheinungen. Oder man betrachte darin den Raum: Der raumgleiche Geist führt zur Befreiung. Oder man betrachte im Blickfeld eine Fläche, die erhitztem Gold gleicht; der Blick wird fest. So ist das äußere Schauziel vielfältig.

Wort für Wort: bahir-lakṣyam: äußeres Schauziel; nāsāgrāt: von der Nasenspitze; aṅgula-catuṣṭaye: in vier Fingerbreiten; ṣaḍ-aṅgule: in sechs; aṣṭāṅgule: in acht; daśāṅgule: in zehn; dvādaśāṅgule: in zwölf; vāyu-tattva: Windprinzip; tejas-tattva: Feuerprinzip; ap-tattva: Wasserprinzip; pārthiva-tattva: Erdprinzip; kallolavat: wellengleich; ūrdhva-dṛṣṭi: aufwärts gerichteter Blick; antarāla: Zwischenraum; tapta-kāñcana: erhitztes Gold; aneka-vidha: vielfältig.

Textanmerkung: Die elektronische Vorlage bietet zwei Fassungen unter derselben Nummer. Hier steht die längere, systematisch gegliederte Fassung; das kürzere Dublett lässt die ersten beiden Entfernungsangaben aus und nennt beim roten Feuer zwei statt acht Fingerbreiten.

2.29 – Übersetzung: Nun das mittlere Schauziel: Man betrachte geistig nach Belieben Weiß, Rot oder Schwarz, eine Flammenform, Licht, einen Blitz, eine Sonnenscheibe oder einen Halbmond – auf die eigene Körpergestalt bezogen, aber ohne Ortsbindung. So ist das mittlere Schauziel vielfältig.

Wort für Wort: madhyamam lakṣyam: mittleres Schauziel; śveta/rakta/kṛṣṇa: weiß/rot/schwarz; agni-śikhā: Feuerflamme; jyotis: Licht; vidyut: Blitz; sūrya-maṇḍala: Sonnenscheibe; ardha-candra: Halbmond; yatheṣṭam: nach Belieben; sva-piṇḍa-mātram: auf den eigenen Körper beschränkt, Deutung unsicher; sthāna-varjitam: ortsfrei; manasā: geistig.

2.30 – Übersetzung: Nun betrachte man die fünf Räume: Akasha, Parakasha, Mahakasha, Tattvakasha und Suryakasha. Außen und innen betrachte man den völlig reinen, formlosen Raum; oder außen und innen den höchsten Raum, vollkommener Dunkelheit gleich; oder außen und innen den großen Raum, dem Feuer am Ende der Zeit gleich; oder außen und innen den Wirklichkeitsraum als die eigene wahre Wesensgestalt; oder außen und innen den Sonnenraum, zehn Millionen Sonnen gleich. Durch die Schau der fünf Räume wird man selbst raumgleich.

Wort für Wort: vyoma-pañcakam: fünf Räume; bāhya-abhyantare: außen und innen; atyantam: völlig; nirmalam: rein; nirākāram: formlos; andhakāra-nibham: dunkelheitsgleich; kālānala-saṃkāśam: dem Zeitendfeuer gleich; nija-tattva-svarūpam: eigene wahre Wesensgestalt; sūrya-koṭi-nibham: zehn Millionen Sonnen gleich; avalokanena: durch Schauen; vyoma-sadṛśaḥ: raumgleich.

2.31 – Übersetzung: Es heißt: Wer die neun Chakras, die sechzehn Stützen, die drei Schauziele und die fünf Räume nicht richtig kennt, ist ein Yogi nur dem Namen nach.

Wort für Wort: nava-cakram: neun Chakras; kalādhāram: die sechzehn Stützen, mit kalā als Zahlwort für sechzehn; tri-lakṣyam: drei Schauziele; vyoma-pañcakam: fünf Räume; samyak: richtig, vollständig; etat: dies; na jānāti: kennt nicht; sa yogī: jener Yogi; nāma-dhārakaḥ: bloßer Namensträger.

2.32 – Übersetzung: Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi sind die acht Glieder. Yama ist Beruhigung: Bezwingen aller Sinne sowie von Nahrung, Schlaf, Kälte, Wind und Sonnenhitze. Dies soll man allmählich verwirklichen.

Wort für Wort: yama: Zügelung; niyama: Regelung; āsana: Sitz; prāṇāyāma: Atemregelung; pratyāhāra: Zurückziehen; dhāraṇā: Sammlung; dhyāna: Meditation; samādhi: Versenkung; upaśamaḥ: Beruhigung; jayaḥ: Bezwingen; śanaiḥ śanaiḥ: allmählich.

2.33 – Übersetzung: Niyama ist das Regeln der Geistesbewegungen: Aufenthalt in Einsamkeit, Nichtanhaften, Unparteilichkeit, Zufriedenheit mit dem Zugefallenen, Abwendung von weltlichen Genüssen und Feststehen zu Füßen des Guru. Dies kennzeichnet Niyama.

Wort für Wort: mano-vṛtti: Geistesbewegung; niyamanam: Regelung; ekānta-vāsa: Einsamkeit; niḥsaṅgatā: Nichtanhaften; audāsīnya: Unparteilichkeit; yathā-prāpti-saṃtuṣṭi: Zufriedenheit mit dem Erhaltenen; vairasya: Verlust des Geschmacks an weltlichen Genüssen, Abwendung davon; guru-caraṇāvarūḍhatva: Verankertsein zu Füßen des Lehrers.

2.34 – Übersetzung: Asana ist das Nahesein beim eigenen Wesen. Man nehme nach Belieben Svastikasana, Padmasana oder Siddhasana ein und verweile aufmerksam. Dies kennzeichnet Asana.

Wort für Wort: sva-svarūpe: im eigenen Wesen; samāsannatā: Nahesein; yatheṣṭam ekam: eines nach Belieben; vidhāya: eingenommen habend; sāvadhānena: aufmerksam; sthātavyam: es ist zu verweilen.

2.35 – Übersetzung: Pranayama ist die Festigkeit des Lebenshauches. Ausatmen, Einatmen, Anhalten und Zusammenführen sind seine vier Kennzeichen.

Wort für Wort: prāṇasya sthiratā: Festigkeit des Lebenshauches; recaka: Ausatmen; pūraka: Einatmen; kumbhaka: Anhalten; saṃghaṭa-karaṇa: Zusammenführen; catvāri: vier.

2.36 – Übersetzung: Pratyahara ist das Zurücknehmen der „Pferde“ des Bewusstseins. Es verschlingt die Veränderungen; auch bereits entstandene Veränderungen kommen zur Ruhe. Dies kennzeichnet Pratyahara.

Wort für Wort: caitanya-turaṅgāṇām: der Bewusstseinspferde; pratyāharaṇam: Zurücknehmen; vikāra-grasana: Verschlingen von Veränderungen; utpanna-vikāra: entstandene Veränderung; nivṛttiḥ: Zurücktreten.

2.37 – Übersetzung: Dharana: Mit dem inneren Organ soll man innen und außen die eine eigene Wirklichkeit verwirklichen. Was immer entsteht, halte man im Formlosen; das eigene Selbst halte man wie eine Lampe am windstillen Ort. Dies kennzeichnet Dharana.

Wort für Wort: ekam eva: einzig eines; nija-tattva-svarūpa: eigene wirkliche Wesensgestalt; antaḥkaraṇena: mit dem inneren Organ; yat yat utpadyate: was immer entsteht; nirākāre: im Formlosen; svātmānam: eigenes Selbst; nirvāta-dīpam iva: wie eine windgeschützte Lampe.

2.38 – Übersetzung: Dhyana ist das Vergegenwärtigen höchster Nichtdualität: Eben sie ist das Selbst. Was immer aufleuchtet, das betrachte man als dessen eigene Gestalt. Gleiche Sicht gegenüber allen Wesen gehört dazu. Dies kennzeichnet Dhyana.

Wort für Wort: paramādvaita: höchste Nichtdualität; bhāvaḥ: Vergegenwärtigung; sa eva ātmā: eben dies ist das Selbst; yat yat sphurati: was immer aufleuchtet; svarūpam eva: eben eigene Gestalt; bhāvayet: man vergegenwärtige; sarva-bhūteṣu: gegenüber allen Wesen; sama-dṛṣṭiḥ: gleiche Sicht.

2.39 – Übersetzung: Samadhi ist der ausgeglichene Zustand aller Prinzipien, Freiheit vom Sichbemühen und müheloses Verweilen. Dies kennzeichnet Samadhi. Damit sind die Kennzeichen des achtgliedrigen Yoga erklärt.

Wort für Wort: sarva-tattvānām: aller Prinzipien; samāvasthā: gleicher, ausgeglichener Zustand; nirudyamatvam: Mühelosigkeit; anāyāsa-sthitimattvam: müheloses Verweilen; aṣṭāṅga-yoga: achtgliedriger Yoga.

2.Kolophon – Übersetzung: So endet in der von Shri Gorakshanatha verfassten Siddha Siddhanta Paddhati die zweite Unterweisung, genannt „Betrachtung des Körpers“.

Wort für Wort: iti: so endet; śrī-gorakṣanātha-kṛtau: im Werk Shri Gorakshanathas; upadeśaḥ: Unterweisung. piṇḍa-vicāraḥ: Betrachtung des Körpers; nāma: genannt; dvitīya: zweite.

Textanmerkung: Kapitelabschluss der elektronischen Vorlage; Wortabstände und die Schreibung Gorakṣa sind vereinheitlicht.

3. Unterweisung: Erkenntnis des Körperkosmos

Zur Orientierung: Der Körper wird als kleine Welt betrachtet. Berge, Flüsse, Meere und göttliche Bereiche erhalten leibliche Entsprechungen. Der Schluss lenkt den Blick auf die Erfahrung von Glück, Leiden, Bindung und Befreiung.

3.1 – Übersetzung: Nun wird die Erkenntnis des Körpers erklärt. Wer im Körper das Bewegliche und Unbewegliche kennt, ist ein Yogi; dies ist die Erkenntnis des Körpers.

Wort für Wort: piṇḍa-saṃvittiḥ: Körpererkenntnis; piṇḍa-madhye: im Körper; cara-acara: Bewegliches und Unbewegliches; yaḥ jānāti: wer kennt; sa yogī: der ist Yogi.

3.2 – Übersetzung: Die Schildkröte befindet sich unter den Fußsohlen. Patala liegt in der großen Zehe, Talatala an deren Spitze, Mahatala auf dem Fußrücken, Rasatala am Knöchel, Sutala am Unterschenkel, Vitala an den Knien und Atala an den Oberschenkeln. Diese sieben Unterwelten stehen unter Rudras Herrschaft. Der Zorn im Körper ist eben Kalagnirudra.

Wort für Wort: kūrma: Schildkröte; pāda-tala: Fußsohle; pādāṅguṣṭha: Großzehe; aṅguṣṭhāgra: Zehenspitze; pāda-pṛṣṭha: Fußrücken; gulpha: Knöchel; jaṅghā: Unterschenkel; jānu: Knie; ūru: Oberschenkel; sapta-pātāla: sieben Unterwelten; krodha-rūpī bhāvaḥ: zornförmiger Zustand; kālāgni-rudra: Rudra als Zeitendfeuer.

3.3 – Übersetzung: Bhuloka liegt im verborgenen [Damm-]Bereich, Bhuvarloka im Geschlechtsbereich und Svarloka am Nabel. Die Gottheit dieser drei Welten ist Indra. Im Körper ist Indra der Lenker sämtlicher Sinne.

Wort für Wort: bhūr-loka/bhuvar-loka/svar-loka: Erd-, Zwischen- und Himmelswelt; guhya-sthāna: verborgener Bereich; liṅga-sthāna: Geschlechtsbereich; nābhi-sthāna: Nabelbereich; loka-traya: drei Welten; sarvendriya-niyāmaka: Lenker aller Sinne.

3.4 – Übersetzung: Maharloka liegt am Spross der Körperachse, Janaloka in ihrer Höhlung, Tapoloka in ihrem Kanal und Satyaloka im Wurzellotus. In diesen vier Welten befindet sich Brahma als Gottheit; im Körper erscheint er als vielfältiges Bewerten und Selbstbewerten.

Wort für Wort: daṇḍāṅkura: Achsenspross; daṇḍa-kuhara: Achsenhöhlung; daṇḍa-nāla: Achsenkanal; mūla-kamala: Wurzellotus; māna-abhimāna: Bewerten und Selbstzuschreibung; loka-catuṣṭaya: vier Welten.

3.5 – Übersetzung: Vishnus Welt liegt im Bauch; Vishnu ist dort das vielfältige Tätigsein. Rudras Welt liegt im Herzen; Rudra ist das heftige Wesen. Ishvaras Welt liegt in der Brust; Ishvara ist Zufriedenheit. Nilakanthas Welt liegt in der Kehle; dort besteht Nilakantha beständig. Shivas Welt liegt am Gaumentor; Shiva ist dort unvergleichliches Wesen. Bhairavas Welt liegt an der Wurzel der Lambika; Bhairava ist das Höchste. Die anfangslose Welt liegt in der Stirnmitte; ihre Gottheit ist Glückseligkeit und höchstes Ichsein. Die Kula-Welt liegt im Shringata; Kuleshvara ist dort Glückseligkeit. Im Shankha, am Lotusort, besteht Akuleshvara als Zustand ohne Ichüberhebung. Im Brahmarandhra liegt die Welt des höchsten Brahman; dieses ist völlige Fülle. Im oberen Lotus liegt die Welt des Parameshvara; er ist das Höchste und Nachgeordnete umfassende Sein. Am dreigipfligen Ort liegt die Welt der Shakti; Parashakti ist dort Sein und Allwirksamkeit. So sind die einundzwanzig kosmischen Orte im Körper einschließlich der sieben Unterwelten betrachtet.

Wort für Wort: kukṣi: Bauch; hṛdaya: Herz; vakṣaḥ-sthala: Brust; kaṇṭha: Kehle; tālu-dvāra: Gaumentor; lambikā-mūla: Lambika-Wurzel; lalāṭa-madhya: Stirnmitte; śṛṅgāṭa: Gipfel-/Kreuzungsort; śaṅkha: Muschel-/Schläfenraum; nalinī-sthāna: Lotusort; nirabhimāna-avasthā: Zustand ohne Ichüberhebung; paripūrṇa-daśā: völlige Fülle; ūrdhva-kamala: oberer Lotus; tri-kūṭa: Dreigipfel; sarva-kartṛtva: Allwirksamkeit; ekaviṃśati: einundzwanzig. Die Ortsnamen ergeben keine eindeutige moderne Anatomie.

3.6 – Übersetzung: Im Prinzip guten Verhaltens wohnen die Brahmanen, in Tapferkeit die Kshatriyas, im Erwerbsleben die Vaishyas und im Dienen die Shudras. Auch in den vierundsechzig Künsten bestehen vierundsechzig Gruppen.

Wort für Wort: sadācāra: gutes Verhalten; śaurya: Tapferkeit; vyavasāya: Erwerbstätigkeit; sevā-bhāva: Diensthaltung; catuḥṣaṣṭi-kalā: vierundsechzig Künste; varṇa: Gruppe, Stand.

3.7 – Übersetzung: Nun die sieben Meere und sieben Inselkontinente: Jambudvipa liegt im Mark, Shakadvipa in den Knochen, Sukshmadvipa in den Adern, Kraunchadvipa in der Haut, Gomayadvipa in den Haaren, Shvetadvipa in den Nägeln und Plakshadvipa im Fleisch. Dies sind die sieben Inselkontinente.

Wort für Wort: majjā: Mark; asthi: Knochen; śirā: Ader; tvac: Haut; roman: Haar; nakha: Nagel; māṃsa: Fleisch; sapta-dvīpa: sieben Inselkontinente. Die Eigennamen folgen dieser Textfassung und weichen von anderen kosmologischen Listen ab.

3.8 – Übersetzung: Im Urin liegt das Salzmeer, im Speichel das Milchmeer, im Schleim das Sauermilchmeer, im Fett das Butterschmalzmeer, im Körperfett das Honigmeer, im Blut das Zuckerrohrsaftmeer und im Samen das Nektarmeer. Dies sind die sieben Meere.

Wort für Wort: mūtra: Urin; kṣāra: salzig; lālā: Speichel; kṣīra: Milch; kapha: Schleim; dadhi: Sauermilch; medas/vasā: Fett; ghṛta: Butterschmalz; madhu: Honig; rakta: Blut; ikṣu: Zuckerrohr; śukra: Samen; amṛta: Nektar; samudra: Meer.

3.9 – Übersetzung: Die neun Länder wohnen in den neun Toren: Bharata, Karpara, Kashmir, Shri, Shankha, Ekapada, Gandhara, Kaivarta und Mahameru. Dies sind die neun Länder.

Wort für Wort: nava-khaṇḍāḥ: neun Länder; nava-dvāreṣu: in den neun Toren; vasanti: wohnen; khaṇḍa: Landesteil. Die Liste gibt keine einzelne Zuordnung jedes Landes zu einem bestimmten Tor.

3.10 – Übersetzung: Der Berg Meru liegt im Rückgrat, Kailasa am Brahma-Tor, Himalaya im Rücken, Malaya in der linken Schultergegend, Mandara rechts, Vindhya im rechten Ohr, Mainaka im linken und Shriparvata in der Stirn. Dies sind die acht Hauptberge. Weitere Nebenberge wohnen in allen Fingern und Zehen.

Wort für Wort: meru-daṇḍa: Wirbelsäule; brahma-kapāṭa: Brahma-Tor; pṛṣṭha: Rücken; vāma/dakṣiṇa: links/rechts; kandhara: Hals-/Schulterbereich; karṇa: Ohr; lalāṭa: Stirn; aṣṭa-kula-parvata: acht Hauptberge; aṅguli: Finger oder Zehe.

3.11 – Übersetzung: Pinasa, Yamuna, Ganga, Chandrabhaga, Sarasvati, Pipasa, Shatarudra, Shriratri und Shrinarmada: Diese neun Flüsse wohnen in den neun Nadis. Weitere Nebenflüsse, Kanäle und kleinere Kanäle wohnen in den zweiundsiebzigtausend Nadis.

Wort für Wort: nadī: Fluss; nava-nāḍī: neun Leitbahnen; upanadī: Nebenfluss; kulyā/upakulyā: Kanal/kleiner Kanal; dvisaptati-sahasra: zweiundsiebzigtausend. Einzelne Flussnamen sind in der Vorlage auffällig; sie werden nicht stillschweigend durch bekannte Namen ersetzt.

3.12 – Übersetzung: Die siebenundzwanzig Mondstationen, zwölf Tierkreiszeichen, neun Planeten und fünfzehn Mondtage wohnen im inneren Kreis in zweiundsiebzigtausend Kammern. Die vielen Sternenkreise liegen in der Wogenfülle. Dreiunddreißig Koti Gottheiten wohnen in den zahlreichen Haarporen. Danavas, Yakshas, Rakshasas, Pishachas, Bhutas und Pretas wohnen in den Knochengelenken. Viele Haupt- und Nebensitze liegen in den Haarporen, weitere Berge in den Bauchhaaren. Gandharvas, Kinnaras, Kimpurushas und Apsaras wohnen im Bauch. Andere Kräfte, die im Raum spielenden Mütter und furchterregenden Gottheiten, wohnen in der Geschwindigkeit des Windes. Viele Wolken wohnen im Tränenfall, unzählige Siddhas im Leuchten des Verstandes. Mond und Sonne wohnen in den beiden Augen; Bäume, Schlingpflanzen, Sträucher und Gräser im Bereich der Körperhaare; Würmer, Insekten und fliegendes Kleingetier im Kot.

Wort für Wort: nakṣatra: Mondstation; rāśi: Tierkreiszeichen; graha: Planet; tithi: Mondtag; antar-valaya: innerer Kreis; koṣṭha: Kammer; tārā-maṇḍala: Sternkreis; roma-kūpa: Haarpore; asthi-sandhi: Knochengelenk; pīṭha-upapīṭha: Haupt- und Nebensitz; udara: Bauch; vāyu-vega: Windgeschwindigkeit; aśru-pāta: Tränenfall; mati-prakāśa: Verstandesleuchten; netra-dvaya: beide Augen; vṛkṣa-latā-gulma-tṛṇa: Baum, Ranke, Busch, Gras; kṛmi-kīṭa-pataṅga: Würmer, Insekten, Fluginsekten; purīṣa: Kot.

3.13 – Übersetzung: Was Glück ist, das ist Himmel; was Leiden ist, das ist Hölle; was Handlung ist, das ist Bindung; was frei von begrifflicher Unterscheidung ist, das ist Befreiung. Im Zustand des eigenen Wesens, im Schlaf und anderen Zuständen, ist das Wachsein im eigenen Selbst Friede. In allen Körpern besteht so der allgestaltige höchste Herr, das höchste Selbst, seinem Wesen nach ungeteilt, in jedem Gefäß als Bewusstsein. Dies ist die Erkenntnis des Körpers.

Wort für Wort: sukham: Glück; svargaḥ: Himmel; duḥkham: Leid; narakam: Hölle; karma: Handlung; bandhanam: Bindung; nirvikalpam: frei von begrifflicher Unterscheidung; muktiḥ: Befreiung; svātma-jāgaraḥ: Wachsein im eigenen Selbst; ghaṭe ghaṭe: in jedem Gefäß/Körper; cid-svarūpaḥ: bewusstseinsgestaltig; akhaṇḍa-svabhāva: ungeteiltes Wesen.

3.Kolophon – Übersetzung: So endet in der von Shri Goraksha verfassten Siddha Siddhanta Paddhati die 3. Unterweisung.

Wort für Wort: iti: so endet; śrī-gorakṣa-racita: von Shri Goraksha verfasst; upadeśaḥ: Unterweisung.

Textanmerkung: Kapitelabschluss der elektronischen Vorlage; Wortabstände und die Schreibung Gorakṣa sind vereinheitlicht.

4. Unterweisung: Grundlage des Körpers

Zur Orientierung: Die Leitfrage lautet: Was trägt den Körper und seine Erfahrungen? Die Antwort ist die Bewusstseinskraft, Shakti. Ihre Einheit mit Shiva und ihr Wirken als Kundalini bilden den Mittelpunkt dieser Unterweisung.

4.1 – Übersetzung: Nun wird die Grundlage des Körpers erklärt. Es gibt eine unübertreffliche eigene Shakti, deren Wesen Bewusstsein ist, stets erwacht als Grundlage aller Körper. Indem sie den Keim des Hervortretens von Wirkung, Ursache und Handelndem entfaltet, macht sie den Handelnden zum Handelnden; deshalb heißt sie tragende Kraft. Sie wird einzig in unmittelbar eigenem Leuchten, Selbsterkennen und Erfahren zugänglich und ist Zeugin der Erkenntnis durch Schrift und Welterfahrung. Diese höchste bewusstseinsgestaltige Shakti wird besungen. Wenn sie sich auf natürliche Weise in sich selbst entfaltet, ist sie selbst Shiva.

Wort für Wort: piṇḍādhāra: Körpergrundlage; saṃvit-svarūpā: bewusstseinsgestaltig; nitya-prabuddhā: immer erwacht; kārya-kāraṇa-kartṛ: Wirkung, Ursache, Handelnder; unmīlana: Entfaltung; ādhāra-śakti: tragende Kraft; sva-saṃvedya: selbst erfahrbar; anubhavaika-gamya: nur durch Erfahrung zugänglich; sākṣiṇī: Zeugin; sahaja: natürlich.

4.2 – Übersetzung: Eben deshalb wird sie als Kula und Akula, als eigener Grund des Gleichgeschmacks, bezeichnet.

Wort für Wort: kula-akula-svarūpā: Kula und Akula als Wesen habend; sāmarasya: Gleichgeschmack; nija-bhūmikā: eigener Grund; nigadyate: wird bezeichnet.

4.3 – Übersetzung: Kula ist die höchste Kraft, die als Sein, Ichsein, Aufleuchten und Kala zusammen mit Para fünffach die Grundlage des Alls bildet.

Wort für Wort: kulam: entfaltete Gesamtwirklichkeit; parā: höchste Kraft; sattā: Sein; ahaṃtā: Ichsein; sphuratā: Aufleuchten; kalā: Wirkkraft; pañcadhā: fünffach; viśvasya ādhāratvena: als Grundlage des Alls.

4.4 – Übersetzung: Para heißt diejenige, deren Wesen das Licht ist, das Höchstes und Nachgeordnetes, Erscheinungsloses und Erscheinendes erhellt.

Wort für Wort: parā-aparā: höchste und nachgeordnete; nirābhāsa-avabhāsaka: das Erscheinungslose erhellend, Satzbau unsicher; prakāśa-svarūpā: lichtgestaltig; sā parā: sie ist Para.

4.5 – Übersetzung: Satta ist die Bejahung, dass das anfangslos vollkommene, höchste Nichtduale als einzig Eines besteht.

Wort für Wort: anādi-saṃsiddham: anfangslos vollkommen; paramādvaitam: höchste Nichtdualität; ekam eva asti: einzig eines besteht; aṅgīkāram karoti: anerkennt; sattā: Sein.

4.6 – Übersetzung: Höchstes Ichsein ist die Kraft, die bekundet: „Ich bin ohne Anfang und Ende, unermesslich, Glückseligkeit der Strahlen meines eigenen Wesens.“

Wort für Wort: anādi-nidhana: ohne Anfang und Ende; aprameya: unermesslich; svabhāva-kiraṇānanda: Glückseligkeit der Wesensstrahlen; aham asmi: ich bin; ahaṃ-sūcana-śīlā: das Ich bekundend; parā ahaṃtā: höchstes Ichsein.

4.7 – Übersetzung: Sphurata heißt diejenige, die den Zustand des Nichtaufsteigens im Wunder der selbst erfahrenen Bewusstheit deutlich hervortreten lässt.

Wort für Wort: svānubhava: eigene Erfahrung; cit/citta-camatkāra: Wunder des Bewusstseins; nirutthāna-daśā: Zustand des Nichtaufsteigens; prasphuṭī-karoti: macht deutlich; sphuratā: Aufleuchten.

4.8 – Übersetzung: Höchste Kala heißt diejenige, die das Selbstleuchten des ewig reinen, erwachten Wesens erfasst.

Wort für Wort: nitya-śuddha-buddha: ewig rein und erwacht; svayaṃ-prakāśatvam: Selbstleuchten; ākalayati: erfasst; parā kalā: höchste Wirkkraft.

4.9 – Übersetzung: Akula ist als das Eine bekannt, [das nicht durch] Geburt, Stand, Abstammung und ähnliche Bestimmungen [begrenzt ist; der Wortlaut ist unsicher]. Im Gespräch zwischen Uma und Maheshvara heißt es über das Unübertreffliche: Wegen Nichtandersheit, Ungeteiltheit, Nichtzweiheit, Nichtandersheit, Eigenschaftslosigkeit und Namenlosigkeit ist Akula unübertrefflich.

Wort für Wort: akulam: das jenseits von Kula; jāti-varṇa-gotra: Geburt, Stand, Abstammung; ananyatva: Nichtandersheit; akhaṇḍatva: Ungeteiltheit; advayatva: Nichtzweiheit; nirdharmatva: Eigenschaftslosigkeit; anāmatva: Namenlosigkeit; niruttaram: unübertrefflich.

4.10 – Übersetzung: So bleibt allein die unübertreffliche Kraft, welche den Grund des als Kula und Akula erscheinenden Gleichgeschmacks deutlich macht. Sie führt das ganze Netz des Weltgeschehens zur höchsten Wirklichkeit und eint es; so ist sie als gebietende Kraft bekannt.

Wort für Wort: sāmarasya-prakāśa-bhūmikā: Grund des leuchtenden Gleichgeschmacks; śaktiḥ eva avaśiṣyate: allein die Kraft bleibt; nikhila-viśva-prapañca-jāla: ganzes Netz des Weltgeschehens; para-tattvam: höchste Wirklichkeit; ekīkaroti: eint; ājñāvatī: gebietend.

4.11 – Übersetzung: Akula trägt Kula; Kula strebt nach Akula. Wie Wasser und Wasserblase ist der höchste Shiva von einer Gestalt.

Wort für Wort: akulam: unentfalteter Grund; kulam: Entfaltung; ādhatte: trägt; icchati: erstrebt; jala-budbuda-vat: wie Wasser und Blase; ekākāraḥ: von einer Gestalt; paraḥ śivaḥ: höchster Shiva.

4.12 – Übersetzung: Obwohl er einförmig, unendlich kraftvoll und in eigener Glückseligkeit gegründet ist, spielt er in vielerlei Gestalten und genießt seine eigene Gründung in sich selbst. So wird davon gesprochen. Seine Kraft geht nie verloren: Stets als alle Gestalten aufleuchtend, bleibt er doch in seiner eigenen Gestalt allein der Eine.

Wort für Wort: ananta-śaktimān: unendlich kraftvoll; nijānanda: eigene Glückseligkeit; nānākāratvena: vielgestaltig; vilasan: spielend; sva-pratiṣṭhā: eigene Gründung; alupta-śaktimān: von ungeschwächter Kraft; sarvākāratayā: als alle Formen; ekaḥ eva: allein einer.

4.13 – Übersetzung: Deshalb vermag der höchste Herr, der höchste Shiva, als höchste Ursache und allseitiges eigenes Wesen in allen Gestalten aufzuleuchten; darum heißt er kraftvoll. Selbst Shiva vermag ohne Shakti nichts zu tun; mit seiner eigenen Kraft verbunden erhellt er alles.

Wort für Wort: parama-kāraṇam: höchste Ursache; sarvato-mukhaḥ: nach allen Seiten gerichtet; śaktimān: kraftvoll; śakti-rahitaḥ: ohne Kraft; kartuṃ na kiñcana: nichts zu tun; sva-śaktyā sahitaḥ: mit eigener Kraft verbunden; sarvasya ābhāsakaḥ: alles erhellend.

4.14 – Übersetzung: Der unendlich kraftvolle höchste Herr ist allgestaltig und besteht als Welt. Bei den Siddhas ist Kundalini von höchster und nachgeordneter Natur; daher heißen sie körpervollendet. Kundalini ist zweifach: erwacht und unerwacht. Unerwacht ist sie die Lebendigkeit im Körper, ihrem Wesen nach in vielfältige Gedanken, Tätigkeiten und Bestrebungen verflochten, gekrümmt. Bei Yogis wird dieselbe Kraft, die solche Veränderungen zurücknimmt, als aufwärts gehende Kundalini bekannt.

Wort für Wort: viśva-rūpī/viśva-maya: allgestaltig/welthaft; piṇḍa-siddha: körpervollendet; prabuddhā/aprabuddhā: erwacht/unerwacht; piṇḍa-cetanā: Körperlebendigkeit; nānā-cintā-vyāpāra: vielfältiges Denken und Tätigsein; kuṭila-svabhāva: gekrümmtes Wesen; vikāra-nivāraṇa: Zurücknahme der Veränderungen; ūrdhva-gāminī: aufwärts gehend.

4.15 – Übersetzung: „Oben“ bedeutet: Alle Prinzipien bestehen als das eigene Wesen. In diesem Höheren befindet sie sich. Als reflektierendes Bewusstsein lässt sie die Yogis ihr eigenes Wesen erkennen.

Wort für Wort: ūrdhvam: oben, höher; sarva-tattvāni: sämtliche Prinzipien; sva-svarūpam eva: eben eigenes Wesen; vimarśa-rūpiṇī: reflexionsgestaltig; avagacchanti: erkennen.

4.16 – Übersetzung: Durch das Erwachen der mittleren Kraft, das Zusammenziehen der unteren Kraft und das Herabkommen der oberen Kraft wird der höchste Zustand erreicht.

Wort für Wort: madhya-śakti-prabodhena: durch Erwachen der mittleren Kraft; adhaḥ-śakti-nikuñcanāt: durch Zusammenziehen der unteren Kraft; ūrdhva-śakti-nipātena: durch Herabkommen der oberen Kraft; prāpyate: wird erreicht; paramaṃ padam: höchster Zustand.

4.17 – Übersetzung: Diese eine Kraft wird durch die Unterscheidung in Mitte, Unten und Oben dreifach genannt.

Wort für Wort: ekā eva: nur eine; madhya-adhas-ūrdhva: Mitte, Unten, Oben; prabhedena: durch Unterscheidung; tridhā: dreifach; śaktiḥ: Kraft.

4.18 – Übersetzung: Dieselbe Kraft, die als Tätigkeit der äußeren Sinne und vielfältiges Denken erscheint, heißt untere Kraft. Daher bemühen sich die Yogis um ihr Zusammenziehen, das durch den Verschluss an der Wurzelstütze vollbracht wird.

Wort für Wort: bāhyendriya-vyāpāra: Tätigkeit äußerer Sinne; nānā-cintā-mayī: aus vielerlei Gedanken bestehend; adhaḥ-śakti: untere Kraft; ākuñcana: Zusammenziehen; mūlādhāra-bandhana: Verschluss an der Wurzelstütze.

4.19 – Übersetzung: Das, woraus diese bewegliche und unbewegliche Welt aus Bewusstem und Unbewusstem hervorgeht, ist eben die Wurzelstütze, bekannt als Entfaltung des Bewusstseins.

Wort für Wort: cara-acaraṃ jagat: bewegliche und unbewegliche Welt; cit-acit-ātmaka: aus Bewusstem und Unbewusstem; prabhavati: entsteht; saṃvit-prasara: Bewusstseinsentfaltung.

4.20 – Übersetzung: Durch Ausbreitung und Zusammenziehung aller Kräfte geschehen Weltschöpfung und Weltauflösung, daran besteht kein Zweifel. Deshalb heißt sie Wurzel; darum sind die Siddhas zumeist in der Wurzelstütze verankert.

Wort für Wort: sarva-śakti-prasara-saṃkoca: Ausbreitung und Zusammenziehung aller Kräfte; sṛṣṭiḥ: Schöpfung; saṃhṛtiḥ: Auflösung; mūlam: Wurzel; ratāḥ: vertieft, verankert.

4.21 – Übersetzung: Die Kraft, die den wellenbewegten, vergeblich umherirrenden Jivatman immer in der Mitte seines eigenen Leuchtens als sein eigenes Wesen zu halten vermag, heißt Kundalini als mittlere Kraft. Von den großen Siddhas wird sie gewiss in grober und subtiler Gestalt erfahren.

Wort für Wort: taraṅgita-svabhāva: wellenbewegtes Wesen; jīvātman: individuelles Selbst; vṛthā-bhramana: vergebliches Umherirren; sva-prakāśa-madhye: mitten im Selbstleuchten; dhārayitum samarthā: zu halten fähig; sthūla-sūkṣma-rūpa: grobe und subtile Gestalt.

4.22 – Übersetzung: Grob heißt sie, insofern sie als Bewusstsein durch die verschiedenen Gegenstände wandert und die Grundlage alles Erfassbaren bildet: Kundalini mit Gestalt. Eben diese Kraft ist durch ihre eigene Entfaltung für Yogis höchste Glückseligkeit; so ist sie bei den großen Siddhas als subtil, formlos und erwacht bekannt.

Wort für Wort: grāhya: erfassbar; padārthāntare: unter verschiedenen Gegenständen; cid-rūpā: bewusstseinsgestaltig; sākārā sthūlā: gestaltet und grob; paramānandatayā: als höchste Glückseligkeit; sūkṣmā nirākārā: subtil und formlos; prabuddhā: erwacht.

4.23 – Übersetzung: Die schöpferische Kundalini heißt die Göttliche und ist zweifach: einmal grobgestaltig, als inneres Selbst der Wesen; sodann subtil und allgegenwärtig, jenseits von Durchdringen und Durchdringendem. Durch Vorstellungen Verblendete kennen diesen Unterschied nicht.

Wort für Wort: sṛṣṭi-kuṇḍalinī: schöpferische Kundalini; bhagavatī: Göttliche; dvidhā: zweifach; pratyag-ātmikā: inneres Selbst; sarvagā: allgegenwärtig; vyāpti-vyāpaka-varjitā: jenseits von Durchdringung und Durchdringendem; mohitāḥ: verblendet; pratyayena: durch Vorstellungen.

4.24 – Übersetzung: Daher sollen Yogis die subtile, höchste, bewusstseinsgestaltige mittlere Kraft Kundalini aus dem Mund des wahren Guru kennenlernen und um der Körpervollendung willen im Zustand ihres eigenen Wesens erwecken.

Wort für Wort: sūkṣmā parā: subtil und höchst; saṃvit-svarūpā: bewusstseinsgestaltig; deha-siddhy-artham: um der Körpervollendung willen; sad-guru-mukhāt: aus dem Mund des wahren Lehrers; jñātvā: erkannt habend; prabodhanīyā: zu erwecken.

4.25 – Übersetzung: Nun das Herabkommen der oberen Kraft: Weil er über allen Prinzipien besteht, heißt der namenlose höchste Zustand „oben“. Die Kraft, die sein Selbsterfahren und vielfältige unmittelbare Erkenntnis offenbart, heißt obere Kraft. Ihr Herabkommen ist die Beseitigung des zweifachen Erscheinens des eigenen Wesens; vielmehr besteht es ungeteilt.

Wort für Wort: ūrdhva-śakti-nipāta: Herabkommen der oberen Kraft; nirnāma: namenlos; sva-saṃvedana: Selbsterfahren; sākṣātkāra-sūcana: Offenbaren unmittelbarer Erkenntnis; dvidhābhāsa-nirāsa: Beseitigung zweifachen Erscheinens; akhaṇḍatvena: als Ungeteiltheit.

4.26 – Übersetzung: In Shiva ist Shakti; in Shakti ist Shiva. Man erkenne zwischen ihnen keinen Unterschied, wie zwischen Mond und Mondlicht.

Wort für Wort: śivasya abhyantare: innerhalb Shivas; śakteḥ abhyantaraḥ: innerhalb Shaktis; antaram na jānīyāt: man erkenne keinen Unterschied; candra-candrikayoḥ iva: wie bei Mond und Mondlicht.

4.27 – Übersetzung: Damit steht fest: Durch das Herabkommen der oberen Kraft erreichen Yogis den höchsten Zustand.

Wort für Wort: ataḥ: daher; yogibhiḥ: von Yogis; prāpyate: wird erreicht; siddham: steht fest.

4.28 – Übersetzung: In jedem Wesen leuchtet die ganze Schöpfung als das eine Bewusstsein. In jedem Prinzip erscheint das Bewusstsein als höchste Größe. In jedem Zustand ist dieses Bewusstsein vielfältig bewegt und hingebungsvoll; in jedem Leuchten entfaltet sich allein das Bewusstsein, geschickt im Sichzuwenden.

Wort für Wort: sattve sattve: in jedem Wesen; sakala-racanā: ganze Schöpfung; saṃvit ekā: ein Bewusstsein; tattve tattve: in jedem Prinzip; parama-mahimā: höchste Größe; bhāve bhāve: in jedem Zustand; bahula-taralā: vielfältig bewegt; lampaṭā: begierig, hingebungsvoll; bhāse bhāse: in jedem Leuchten; bṛṃhitā: entfaltet.

4.29 – Übersetzung: Was ist damit gesagt? Das Bewusstsein, das Höchstes und Nachgeordnetes erkennt, besteht in Gestalt mannigfaltiger Kräfte als Grundlage sämtlicher Körper. Dies ist die Lehre.

Wort für Wort: parāvara-vimarśa-rūpiṇī: das Höchste und Niedrigere erkennend; nānā-śakti-rūpeṇa: als viele Kräfte; nikhila-piṇḍādhāratvena: als Grundlage sämtlicher Körper; vartate: besteht; siddhāntaḥ: feststehende Lehre.

4.Kolophon – Übersetzung: So endet in der von Shivagoraksha verfassten Siddha Siddhanta Paddhati die 4. Unterweisung.

Wort für Wort: iti: so endet; śiva-gorakṣa-viracita: von Shivagoraksha verfasst; upadeśaḥ: Unterweisung.

Textanmerkung: Kapitelabschluss der elektronischen Vorlage; Wortabstände und die Schreibung Gorakṣa sind vereinheitlicht.

5. Unterweisung: Einigung von Körper und höchstem Zustand

Zur Orientierung: Dieses Kapitel beschreibt die Verwirklichung der Einheit von Körper und höchstem Grund. Dabei erhalten die unmittelbare Selbsterkenntnis, das Ruhen im eigenen Wesen und die Unterweisung durch einen wahren Guru besonderes Gewicht.

5.1 – Übersetzung: Nun wird das Zusammenführen von Körper und höchstem Zustand zu gleichem Geschmack erklärt. Große Siddha-Yogis sollen in der zuvor beschriebenen Reihenfolge vom höchsten Körper bis zum eigenen Körper erkennen und alles mit dem höchsten Zustand zur Einheit bringen.

Wort für Wort: piṇḍa-padayoḥ: von Körper und höchstem Zustand; samarasa-karaṇa: Herstellung gleichen Geschmacks; pūrvokta-krameṇa: in zuvor genannter Reihenfolge; parapiṇḍādi: beginnend mit dem höchsten Körper; sva-piṇḍāntam: endend beim eigenen Körper; kuryāt: man verwirkliche.

5.2 – Übersetzung: Der höchste Zustand ist selbst erfahrbar und ganz vom Erhellen der Erscheinungen erfüllt.

Wort für Wort: parama-padam: höchster Zustand; sva-saṃvedyam: selbst erfahrbar; ābhāsa-ābhāsaka-mayam: aus Erhellung der Erscheinungen bestehend.

5.3 – Übersetzung: In der Tattva-Samhita heißt es: Wo weder Einsichtskraft noch Denken bestehen, weder ein Kenner der Prinzipien noch eine weitere Kraft, sind Erwägen und Verwerfen nicht zu vollziehen. Was vermag dort die Rede? Wie könnte ein beredter Guru diesen Zustand angemessen vermitteln? Deshalb hat Shiva selbst den höchsten Zustand „selbst erfahrbar“ genannt.

Wort für Wort: yatra: wo; buddhiḥ/manas: Einsicht/Denken; tattva-vit: Prinzipienkenner; ūha-apoha: Erwägen und Verwerfen; vācā: durch Rede; vāgminā guruṇā: durch einen beredten Lehrer; katham: wie; sva-saṃvedyam: selbst erfahrbar.

5.4 – Übersetzung: Darum gilt als Lehre: Hat man die mannigfaltige Erörterung geschickter Überlegungen hinter sich gelassen, wird der höchste Zustand allein durch das Prinzip der Gnade gewiss – eben als selbst erfahrbar.

Wort für Wort: vicāra-cāturya-carcā: Erörterung geschickter Überlegungen; kṛpā-tattva-mātreṇa: allein durch das Gnadenprinzip; nirṇītatvāt: weil gewiss gemacht; siddhāntaḥ: Lehre. Die Verknüpfung um vismayām ist textlich unsicher.

5.5 – Übersetzung: Der Guru zeigt hier den richtigen Weg: den Yogaweg. Der andere Weg wird als Irrweg bezeichnet. Adinatha sagt: Wer in die Yogalehren eingeweiht ist und sie dennoch schmäht, gilt als Irrlehrer, ebenso wer mit solchen verkehrt.

Wort für Wort: san-mārga: rechter Weg; darśana-śīla: zeigend; yoga-mārga: Yogaweg; pāṣaṇḍa-mārga: polemisch „Irrweg“; dīkṣita: eingeweiht; dūṣaka: Schmähender; saha-vāsin: Mitbewohner, Gefährte.

5.6 – Übersetzung: Wenn [der höchste Zustand] gezeigt wird, entsteht augenblicklich selbst erfahrene unmittelbare Erkenntnis. Deshalb wird hier der Guru als Ursache bezeichnet.

Wort für Wort: darśite sati: wenn gezeigt; tat-kṣaṇāt: augenblicklich; sākṣātkāraḥ: unmittelbare Erkenntnis; samutpadyate: entsteht; guruḥ eva: eben der Lehrer; kāraṇam: Ursache.

5.7 – Übersetzung: Durch den Gnadenblick des Guru und durch Selbsterfahrung bringen große Siddha-Yogis den eigenen Körper im Erleben des Nichtaufsteigens zu gleichem Geschmack [mit dem höchsten Zustand]. Dies ist die Lehre.

Wort für Wort: guru-kaṭākṣa-pāta: Gnadenblick des Lehrers; sva-saṃvedyatā: Selbsterfahrung; svakīyaṃ piṇḍam: eigener Körper; nirutthāna-anubhava: Erfahrung des Nichtaufsteigens; samarasaṃ kriyate: wird geeint.

5.8 – Übersetzung: Nun wird der Weg zum Nichtaufsteigen erklärt: Durch anhaltendes Erforschen des eigenen Wesens tritt der große Siddha-Yogi in sich selbst ein. Aus diesem Eintritt erwächst eine außergewöhnliche Entfaltung des fest gegründeten Nichtaufsteigens. Aus dem Wunder von Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit entsteht ein erstaunliches Erwachen im Licht. Dadurch wird deutlich: Dieses Ganze, als Zweiheit und Nichtzweiheit offenbar, ist der höchste Zustand selbst, der als Bewusstsein erscheint und erhellt. Das ist wahr.

Wort für Wort: sva-svarūpānusandhāna: Erforschen des eigenen Wesens; nijāveśa: Eintritt in sich; sac-cid-ānanda: Sein, Bewusstsein, Glückseligkeit; camatkāra: staunendes Wunder; prabodha: Erwachen; dvaya-advaya: Zweiheit/Nichtzweiheit; prasphuṭam: deutlich.

5.9 – Übersetzung: Daher erfahren die großen Siddha-Yogis, die die Gnade des Guru empfangen haben und durch die Kraft der Aufmerksamkeit in der Einheit ruhen, unmittelbar den höchsten Zustand.

Wort für Wort: guru-prasādam labdhvā: Gnade des Lehrers empfangen habend; avadhāna-balena: durch Aufmerksamkeitskraft; aikyam bhajamānaiḥ: in Einheit ruhend; anubhūyate: wird erfahren.

5.10 – Übersetzung: Durch die Kraft dieser Erfahrung erkennt man den eigenen vollendeten Körper richtig, eint ihn mit dem höchsten Zustand und wendet sich darin zurück nach innen. So wird Größe zum Zweck der Vollendung des eigenen Körpers erfahren.

Wort für Wort: tad-anubhava-balena: durch Kraft jener Erfahrung; nija-piṇḍa: eigener Körper; ekīkṛtya: geeint habend; pratyāvṛtya: zurückgewandt; abhyantare: im Inneren; piṇḍa-siddhy-artham: um der Körpervollendung willen.

5.11 – Übersetzung: Der eigene Körper ist die bloße Entfaltung der Glückseligkeit der Strahlen des eigenen Wesens. Das Zurücknehmen dieser Entfaltung selbst ist die Herstellung gleichen Geschmacks.

Wort für Wort: svarūpa-kiraṇānanda: Glückseligkeit der Wesensstrahlen; unmeṣa-mātram: bloße Entfaltung; pratyāhāraḥ: Zurücknahme; samarasakaraṇam: Einigung im gleichen Geschmack.

5.12 – Übersetzung: Darum nehmen die großen Siddha-Yogis durch Selbsterforschung den eigenen Körper, der als große Strahlenfülle in eigener Gestalt erscheint, in sich auf und verweilen zur Körpervollendung. So ist es bekannt.

Wort für Wort: mahā-raśmi-puñjam: große Strahlenfülle; svenākāreṇa: in eigener Gestalt; svānusandhānena: durch Selbsterforschung; svasmin: in sich; urarīkṛtya: aufgenommen habend; tiṣṭhanti: verweilen.

5.13 – Übersetzung: Nun die äußeren Merkmale bei der Körpervollendung: Tragen von Muschel und Mudra, Bewahren von Kopf- und Körperhaar, reines Amari-Trinken und vorzügliches Einreiben beziehungsweise Massieren.

Wort für Wort: veṣaḥ: Erscheinungsform, Tracht; śaṅkha: Muschel; mudrā: Zeichen, hier auch Ohrschmuck; keśa-roman: Kopf- und Körperhaar; amarī-pāna: Amari-Trinken; mardana: Einreiben, Massage.

5.14 – Übersetzung: Aufenthalt in Einsamkeit, Einweihung, Sandhya-Verehrung, Zuflucht zur Rezitation, Meditation auf Bhairavas Gestalt sowie dessen Verehrung mit Sura und anderem [rituellen Material].

Wort für Wort: ekānta-vāsa: Einsamkeit; dīkṣā: Einweihung; sandhyā: Verehrung zu den Tagesübergängen; japa: Rezitation; dhyāna: Meditation; bhairava-mūrti: Bhairavas Gestalt; pūjā: Verehrung; surā-ādibhiḥ: mit berauschendem Getränk und anderem; surādibhiḥ ist in der Vorlage mehrdeutig.

5.15 – Übersetzung: Muschelblasen, Löwenruf, Lendenschurz und Sandalen, Körpergewand und Obergewand, Decke und besonderer Schirm [gehören dazu].

Wort für Wort: śaṅkhādhmāta: Muschelblasen; siṃha-nāda: Löwenruf; kaupīna: Lendenschurz; pādukā: Sandalen; aṅga-vastra: Körpergewand; bahir-vastra: Obergewand; kambala: Decke; chatra: Schirm.

5.16 – Übersetzung: Stab, Wassergefäß und das dreifache Aschezeichen: Dies soll man sorgfältig ausführen, nachdem man den Guru verehrt hat.

Wort für Wort: vetram: Stab; kamaṇḍalu: Wassergefäß; bhasmanā: mit Asche; tri-puṇḍra: dreifaches Stirnzeichen; prayatnena: sorgfältig; guru-vandana-pūrvakam: nach Verehrung des Lehrers.

5.17 – Übersetzung: Wenn ihre Körpervollendung verwirklicht ist, stellen sich alle Siddhis ein.

Wort für Wort: piṇḍa-siddhau satyām: wenn Körpervollendung besteht; sarva-siddhayaḥ: alle Vollkommenheiten; sannidhānāḥ: gegenwärtig.

5.18 – Übersetzung: Es heißt: Wenn jenes erkannt ist, wird die ganze Welt spielerisch vollendet. Die Siddhis kommen von selbst. Deshalb soll der höchste Zustand erkannt werden.

Wort für Wort: yasmin jñāte: wenn jenes erkannt ist; jagat sarvam: ganze Welt; līlayā: spielerisch; svayam āyānti: kommen von selbst; jñeyam: zu erkennen.

5.19 – Übersetzung: In Wahrheit wird der höchste Zustand nicht durch Tracht erreicht. Die Tracht beruht auf dem Körper und dient der Erkennbarkeit in der Welt.

Wort für Wort: na veṣeṇa: nicht durch Tracht; paramārthataḥ: in Wahrheit; deha-mūlam: im Körper begründet; loka-pratyaya-hetukam: zur weltlichen Erkennbarkeit dienend.

5.20 – Übersetzung: Indem man in der Welt Niedriges und Hohes aufnimmt und unterscheidet, wird das eigene angemessene Verhalten bestimmt, besonders auf dem Yogaweg.

Wort für Wort: nikṛṣṭam/utkṛṣṭam: niedrig/hoch; parigṛhya: aufgenommen habend; pṛthak kṛtam: unterschieden; sva-dharmaḥ: eigenes angemessenes Verhalten; viśeṣataḥ: insbesondere.

5.21 – Übersetzung: In Shruti und Smriti gibt es keinen Weg über dem Yogaweg – keinen, keinen.

Wort für Wort: yoga-mārgāt paraḥ: höher als der Yogaweg; mārgaḥ: Weg; nāsti nāsti: es gibt nicht, nicht; śruti-smṛti: Offenbarung und Überlieferung.

5.22 – Übersetzung: Auch in allen anderen Schriften wurde es früher von Shiva gelehrt: Yoga ist das Mittel des Zusammenfügens bei der Verbindung mit Erkenntnis.

Wort für Wort: śāstreṣu: in den Schriften; śivena kathitaḥ: von Shiva gelehrt; saṃnahana-upāyaḥ: Mittel des Zusammenfügens; jñāna-saṃgati: Verbindung mit Erkenntnis.

5.23 – Übersetzung: Was immer jemand in der Welt als niedrig erachtet und ausführt, das geben [die Übenden] durch die Kraft ihrer Weltkenntnis auf.

Wort für Wort: loke nikṛṣṭam: in der Welt als niedrig erachtet; prakurvataḥ: ausführend; varjayanti: meiden; loka-jñāna-balena: durch Weltkenntnis.

5.24 – Übersetzung: Bei allen Menschen werden Schriftverständnis, Begründung und rechtes Verhalten hier allmählich gemäß früheren Prägungen deutlich.

Wort für Wort: prāk-saṃskāra-vaśāt: kraft früherer Prägung; śāstra: Schrift; yukti: Begründung; samācāra: Verhalten; krameṇa: allmählich; sphuṭam: deutlich.

5.25 – Übersetzung: Ist der Körper so vollendet, erkenne man zur Erlangung des Wissens den höchsten Zustand nach der Lehre der großen Siddhas. Darin wird der Jivatman im Ichsein durch die Stufen Sahaja, Samyama, Sopaya und Advaita erkannt.

Wort für Wort: piṇḍe saṃsiddhe: bei vollendetem Körper; jñāna-prāpty-artham: zum Erkenntnisgewinn; ahaṃ-bhāva: Ichsein; sahaja-saṃyama-sopāya-advaita-krama: Stufen von Natürlichkeit, Sammlung, Mittel und Nichtdualität.

5.26 – Übersetzung: Sahaja heißt: Das aus dem eigenen Wesen kommende Wissen, dass der weltenübersteigende höchste Herr, der als Welt erscheint, einzig Eines ist.

Wort für Wort: sahajam: natürlich, angeboren; viśvātītam: weltübersteigend; viśva-rūpeṇa: als Weltgestalt; ekam eva asti: es besteht einzig eines; sva-svabhāvena jñānam: Erkenntnis aus eigenem Wesen.

5.27 – Übersetzung: Samyama heißt: Die aufmerksamen, aufleuchtenden Tätigkeiten der eigenen Geistesbewegungen zügeln und im Selbst halten.

Wort für Wort: saṃyama: Sammlung, Zügelung; nija-vṛtti: eigene Geistesbewegung; saṃyamanam kṛtvā: gezügelt habend; ātmani dhīyate: wird im Selbst gehalten.

5.28 – Übersetzung: Sopaya heißt: Das aus sich selbst Lichtvolle durch sich selbst mit dem eigenen Selbst einen und stets in der Wirklichkeit verweilen.

Wort für Wort: sopāya: mit Mittel; prakāśa-mayam: lichtvoll; svātmani ekīkṛtya: im eigenen Selbst geeint habend; sadā: stets; tattvena sthātavyam: in Wirklichkeit verweilen.

5.29 – Übersetzung: Advaita heißt: Der Yogi verweilt als Nichthandelnder, immer erfüllt, frei von begrifflicher Unterscheidung, stets ohne erneutes Aufsteigen.

Wort für Wort: advaitam: Nichtdualität; akartṛtayā: als Nichthandelnder; nitya-tṛptaḥ: immer erfüllt; nirvikalpaḥ: unterscheidungsfrei; nirutthānatvena: ohne Aufsteigen.

5.30 – Übersetzung: Es heißt: Sahaja ist das Erkennen des eigenen Selbst; Samyama ist die Zügelung des eigenen Selbst; Sopaya ist das Ruhen in sich; Advaita ist der höchste Zustand.

Wort für Wort: svātma-saṃvittiḥ: Selbsterkenntnis; svātma-nigrahaḥ: Selbstzügelung; svasya viśrāntiḥ: Ruhen in sich; advaitam: Nichtdualität; paramaṃ padam: höchster Zustand.

5.31 – Übersetzung: Das soll aus dem Mund des wahren Guru erkannt werden, nicht anders durch zehn Millionen Schriften, nicht durch logisches oder sprachliches Wissen, nicht durch Brauchtum oder Vedenrezitation.

Wort für Wort: sad-guror vaktrāt: aus dem Mund des wahren Lehrers; śāstra-koṭibhiḥ: durch zehn Millionen Schriften; tarka-śabda-vijñāna: logisches und sprachliches Wissen; ācāra: Brauch; veda-pāṭhana: Vedenrezitation.

5.32 – Übersetzung: Nicht allein durch Hören des Vedanta oder Belehrung über „Das bist du“, nicht durch Aussprechen von Hamsa oder Vorstellen der Einheit von Jiva und Brahman [wird dieser Zustand erreicht].

Wort für Wort: vedānta-śravaṇa: Hören des Vedanta; tat tvam asi: Das bist du; bodhana: Belehrung; haṃsoccāraṇa: Aussprechen von Hamsa; jīva-brahmaṇor aikya-bhāvanā: Vorstellen der Einheit von Jiva und Brahman.

5.33 – Übersetzung: Nicht [bloß] durch Meditation oder Auflösung [geschieht es]. [Der in seinem Wesen] aufgegangene Yogi ist allwissend, jenseits der Siddhis, aus eigener Freiheit handelnd, spielerisch alters- und todlos.

Wort für Wort: na dhyānāt: nicht durch Meditation; na layāt: nicht durch Auflösung; līnaḥ: aufgegangen; sarvajñaḥ: allwissend; siddhi-pāragaḥ: jenseits der Siddhis; svecchaḥ: selbstbestimmt; ajara-amaraḥ: alters- und todlos. Der Übergang ist im Sanskrit syntaktisch brüchig.

5.34 – Übersetzung: Unverletzlich für Götter und Dämonen spielt er wie Bhairava. Wer so unbewegt ist, erlangt dies allmählich und spielerisch.

Wort für Wort: avadhyaḥ: unverletzlich; deva-daityānām: für Götter und Dämonen; krīḍate: spielt; niścalaḥ: unbewegt; kramāt: allmählich; āpnoti: erreicht.

5.35 – Übersetzung: Ohne das Mitgefühl des wahren Guru sind alle Siddhis unerreichbar. Im ersten [Jahr] entsteht der Textverheißung nach Krankheitsfreiheit; der Yogi wird allen lieb. Stets wünscht man den Anblick dessen, der im eigenen Selbst gegründet ist.

Wort für Wort: asādhyāḥ: unerreichbar; karuṇām vinā: ohne Mitgefühl; prathame: im ersten; arogatā-siddhi: Krankheitsfreiheit; sarva-loka-priya: allen lieb; darśanam: Anblick; svātmārūḍha: im Selbst gegründet.

5.36 – Übersetzung: Im zweiten [Jahr] ist er erfüllt und vermag sich in allen Sprachen auszudrücken. Im dritten besitzt er einen göttlichen Körper und wird von Schlangen und Tigern nicht verletzt.

Wort für Wort: kṛtārthaḥ: erfüllt; dvitīye/tṛtīye: im zweiten/dritten; sarva-bhāṣayā: in allen Sprachen; divya-dehaḥ: göttlicher Körper; vyāla-vyāghra: Schlange und Tiger; na badhyate: wird nicht verletzt.

5.37 – Übersetzung: Im vierten wird der göttliche Herr der Yogis frei von Hunger, Durst, Schlaf, Kälte und Hitze und hört in die Ferne; daran besteht [nach dem Text] kein Zweifel.

Wort für Wort: caturthe: im vierten; kṣut-tṛṣā-nidrā: Hunger, Durst, Schlaf; śīta-tāpa: Kälte und Hitze; vivarjitaḥ: frei von; dūra-śrāvī: fernhörend.

5.38 – Übersetzung: Im fünften Jahr entstehen Vollkommenheit der Rede und Eintritt in einen anderen Körper. Im sechsten wird er weder von Waffen geschnitten noch von Blitzschlägen getroffen.

Wort für Wort: pañcame varṣe: im fünften Jahr; vāk-siddhiḥ: Redevollkommenheit; para-kāya-praveśanam: Eintritt in einen anderen Körper; ṣaṣṭhe: im sechsten; śastraiḥ: durch Waffen; vajra-pātaiḥ: durch Blitzschläge.

5.39 – Übersetzung: Im siebten bewegt er sich windschnell, verlässt die Erde und sieht in die Ferne. Im achten Jahr besitzt er Anima und die übrigen Kräfte.

Wort für Wort: saptame: im siebten; vāyu-vegī: windschnell; kṣiti-tyāgī: Erde verlassend; dūra-darśī: fernsehend; aṣṭame vatsare: im achten Jahr; aṇimādi-guṇa: Kleinwerden und weitere Kräfte.

5.40 – Übersetzung: Im neunten hat er einen diamantenen Körper und bewegt sich im Raum und in allen Richtungen. Im zehnten eilt er schneller als der Wind dorthin, wohin er will.

Wort für Wort: navame/daśame: im neunten/zehnten; vajra-kāya: diamantener Körper; khe-cara: raumwandelnd; dik-cara: in den Richtungen wandelnd; yatra icchā: wohin der Wille geht; dhāvati: eilt.

5.41 – Übersetzung: Im elften Jahr wird er allwissend und besitzt Vollkommenheit. Im zwölften wird er Shiva gleich, selbst Schöpfer und Auflöser.

Wort für Wort: ekādaśe/dvādaśe: im elften/zwölften; sarvajñaḥ: allwissend; śiva-tulyaḥ: Shiva gleich; kartā: Schöpfer; hartā: Auflöser; svayam: selbst.

5.42 – Übersetzung: Der Siddha wird in den drei Welten wahrhaft wie Bhairava verehrt. So entsteht binnen zwölf Jahren durch die Macht der Füße des wahren Guru der große, kraftvolle Siddha-Yogi; daran besteht [nach dem Text] kein Zweifel.

Wort für Wort: trailokye: in den drei Welten; pūjyate: wird verehrt; dvādaśa-varṣeṣu: binnen zwölf Jahren; mahā-balaḥ: von großer Kraft; pāda-prabhāvāt: durch Macht der Füße.

5.42a – Übersetzung: Wer die Ruhe im eigenen Wesen erfahren möchte, nehme Zuflucht zu den Lotusfüßen des Guru. Wer ihnen folgt, ist dem höchsten Zustand und der Einigung im gleichen Geschmack nicht fern.

Wort für Wort: anububhūṣita: zu erfahren wünschend; nija-viśrama: Ruhe im eigenen Wesen; guru-pāda-saroruha: Lotusfüße des Lehrers; āśrayet: Zuflucht nehmen; anusaraṇa: Nachfolgen; na dūrataḥ: nicht fern. Zusatzvers der elektronischen Fassung, dort vor 5.43 als 5.45 gezählt.

5.43 – Übersetzung: Die Guru-Familien werden als fünffach überliefert: Ai-Linie, Vileshvara-Linie, Vibhuti-Linie, Natha-Linie und Yogishvara-Linie. Jede besitzt besondere Kennzeichen.

Wort für Wort: guru-kula-saṃtāna: Lehrerfamilien-Überlieferung; pañcadhā: fünffach; āī/vileśvara/vibhūti/nātha/yogīśvara-saṃtāna: Namen der fünf Linien; pṛthak pṛthak: jeweils; vaiśiṣṭyam: Besonderheit.

5.44 – Übersetzung: In Wahrheit sind alle [Körper] aus den fünf Elementen; die Menschen sind aus ihnen entstanden. [Ihr] eigenes Erkennen ist von einer Gestalt: Shiva. Alles davon Verschiedene ist Unwissenheit, das Unmanifestierte; Shiva aber ist Wissen.

Wort für Wort: pāñca-bhautikam: aus fünf Elementen; taj-jātāḥ puruṣāḥ: daraus entstandene Menschen; saṃbodha-mātraika-rūpa: als bloßes einheitliches Erkennen; ajñānam: Unwissenheit; jñānam: Wissen. Nach Mallik 5.44; die elektronische Lesung na jātāḥ ist sinnstörend.

Textanmerkung: Sinnklärende Lesung nach Mallik, S. 27, 5.44; dort steht tajjātāḥ statt na jātāḥ. Die genaue Worttrennung um svabodha bleibt editionsabhängig.

5.45 – Übersetzung: Manche in diesen Linien sind dem eigenen Wesen abgewandt, haben nur die äußere Tracht, betreiben Handel und dergleichen, setzen wegen der Unterschiede ihrer Linien einander herab und verachten den Yogaweg.

Wort für Wort: svarūpa-parāṅmukha: vom eigenen Wesen abgewandt; veṣa-mātra-saṃpanna: nur mit Tracht versehen; kraya-vikraya: Kauf und Verkauf; anyonyam adhaḥ kurvanti: setzen einander herab; dveṣayanti: verachten.

5.46 – Übersetzung: Von Rajas erfüllt, mit heftigen Absichten, begierig, äußerst zornig, heuchlerisch, überheblich und übeltätig schmähen sie die dem Herrn Lieben –

Wort für Wort: rajasā: durch Rajas; ghora-saṃkalpa: heftige Absicht; kāmuka: begierig; atimanyu: sehr zornig; dāmbhika: heuchlerisch; mānin: überheblich; īśvara-priya: dem Herrn lieb.

5.47 – Übersetzung: – jene, die durch Gemeinschaft mit Heiligen, gute Schriften und höchste Glückseligkeit gekennzeichnet sind und Erkenntnis und verwirklichtes Wissen in freiem Wandeln besitzen.

Wort für Wort: sādhu-saṅgama: Gemeinschaft mit Heiligen; sac-chāstra: gute Schrift; paramānanda-lakṣita: durch höchste Glückseligkeit gekennzeichnet; svecchācāra-vihāra: freies Wandeln; jñāna-vijñāna: Erkenntnis und verwirklichtes Wissen.

5.48 – Übersetzung: „Ihr seid schlecht, wir sind rechtschaffen; ihr seid abgefallen, wir [sind die Richtigen]“: So reden sie, unablässig in Verblendung.

Wort für Wort: yūyam/vayam: ihr/wir; duṣṭāḥ: schlecht; śiṣṭāḥ: rechtschaffen; bhraṣṭāḥ: abgefallen; parivadanti: reden abwertend; saṃmohe: in Verblendung.

5.49 – Übersetzung: Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum werden als die Ursprünge dieser Linien in ihrer Reihenfolge genannt.

Wort für Wort: pṛthvī/jala/vahni/vāyu/ākāśa: Erde/Wasser/Feuer/Wind/Raum; saṃtānodayāḥ: Ursprünge der Linien; prakīrtitāḥ: genannt.

5.50 – Übersetzung: Festigkeit, Feuchtigkeit, Glut, Bewegung und Beständigkeit gelten der Reihe nach als ihre fünf Eigenschaften.

Wort für Wort: kāṭhinyam: Festigkeit; ārdratā: Feuchtigkeit; tejaḥ: Glut; dhāvanam: Bewegung; sthiratā: Beständigkeit; kramāt: der Reihe nach.

5.51 – Übersetzung: Brahma, Vishnu, Rudra, Ishvara und Sadashiva werden der Reihe nach als die Gottheiten der Linien genannt.

Wort für Wort: devatāḥ: Gottheiten; saṃtānānām: der Linien; krameṇa: der Reihe nach; proktāḥ: genannt.

5.52 – Übersetzung: Grob, subtil, ursächlich, der vierte und der den vierten übersteigende Zustand werden der Reihe nach erkannt. Wer all dies erkennt, ist der Yogi, der vollendete Mensch, der Herr der Yogaherren. So ist das höchste Geheimnis offenbart.

Wort für Wort: sthūla/sūkṣma/kāraṇa: grob/subtil/ursächlich; turya/turyātīta: vierter/übervierter Zustand; pañcāvasthāḥ: fünf Zustände; vijñātā: Erkennender; siddha-puruṣa: vollendeter Mensch; parama-rahasya: höchstes Geheimnis.

5.53 – Übersetzung: Darum diene man dem wahren Guru, dem großen Siddha-Yogi, der das Ruhen im eigenen Wesen bewirkt. Aufmerksam verwirkliche man den höchsten Zustand, bringe ihn und den eigenen Körper zu gleichem Geschmack und verweile durch völliges Nichtaufsteigen unbewegt in der Wirklichkeit aller Glückseligkeit. Dann wird man von selbst ein großer Siddha: Das ist wahr.

Wort für Wort: nija-viśrānti-kāraka: Ruhe im eigenen Wesen bewirkend; sevayitvā: gedient habend; sāvadhānena: aufmerksam; samarasa-bhāvam kṛtvā: gleichen Geschmack hergestellt habend; niścalam sthātavyam: unbewegt verweilen; svayam eva: von selbst.

5.54 – Übersetzung: Für ihn bestehen weder Vorschrift noch Stand, weder Vorstellungen von Verbotenem und Erlaubtem, weder [Unterscheidung von] Tod und anderem noch Unreinheit oder Wasserritus –

Wort für Wort: vidhiḥ: Vorschrift; varṇaḥ: Stand; varjya-avarjya-kalpanā: Vorstellung von Verbotenem/Erlaubtem; nidhana: Tod; aśauca: rituelle Unreinheit; udaka-kriyā: Wasserritus. Die Wortfolge bhadoni-/bhedoni- ist unsicher.

5.55 – Übersetzung: – so für den Herrn der Yogaherren, den stets erfüllten Yogi, der durch Verdienst das Ruhen im Glück des eigenen Bewusstseins erlangt hat.

Wort für Wort: nitya-tṛpta: stets erfüllt; cit-svātma-sukha: Glück des eigenen Bewusstseins; viśrānti-bhāva-labdha: den Ruhezustand erlangt habend; puṇyataḥ: durch Verdienst.

5.56 – Übersetzung: [Der höchste Zustand wird] durch richtiges Erkennen des eigenen Wesens [erlangt], nicht durch stufenweise Übung oder Sitzhaltung, nicht durch Leidenschaftslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Ernährungsweise oder Atemhalten;

Wort für Wort: svabhāva-vijñānāt: durch Wesenserkenntnis; kramābhyāsa: stufenweise Übung; āsana: Sitzhaltung; vairāgya: Leidenschaftslosigkeit; nairāśya: Hoffnungslosigkeit; āhāra: Nahrung; prāṇa-dhāraṇa: Atemhalten.

5.57 – Übersetzung: nicht durch Tragen von Mudras, Yogaübung oder Schweigegelübde, nicht durch Absonderung, vergebliche Anstrengung oder Quälen des Körpers;

Wort für Wort: mudrā-dhāraṇa: Tragen/Halten von Mudras; mauna-karma: Schweigepraxis; virakti: Absonderung, Abwendung; vṛthāyāsa: vergebliche Mühe; kāya-kleśa: Körperqual.

5.58 – Übersetzung: nicht durch hingebungsvolle Götterverehrung, Einhalten der Lebensordnungen, Tragen der Haartrachten der sechs Lehrsysteme oder Rasieren des Kopfes;

Wort für Wort: devārcanā: Götterverehrung; bhaktyā: mit Hingabe; āśramāṇām pālana: Einhalten der Lebensordnungen; ṣaḍ-darśana: sechs Lehrsysteme; keśa-dhāraṇa: Haartragen; muṇḍana: Rasieren.

5.59 – Übersetzung: weder durch Rezitation, Askese und Meditation noch durch Opfer und Wallfahrten, noch durch unendliche Bemühungen um Hilfsmittel wird der höchste Zustand erreicht.

Wort für Wort: japa: Rezitation; tapas: Askese; dhyāna: Meditation; yajña: Opfer; tīrtha-sevana: Wallfahrt; ananta-upāya-yatna: unendliche Methodenbemühung; prāpyate: wird erreicht.

5.60 – Übersetzung: Die vollendeten Menschen lassen alle diese körperbezogenen Mittel los und stehen im höchsten, nichtkörperlichen Zustand.

Wort für Wort: sādhanāni: Mittel; daihikāni: körperbezogen; parityajya: losgelassen habend; adaihike: im Nichtkörperlichen; sthīyate: es wird verweilt.

5.61 – Übersetzung: Wie [geschieht das]? Bei standhaften, wahrhaftigen Menschen entsteht dieser Zustand zumeist durch den Blick des Guru.

Wort für Wort: katham: wie; guru-dṛk-pātanāt: durch Blick des Lehrers; dṛḍhānām: der Standhaften; satya-vādinām: der Wahrhaftigen; sthitiḥ: Zustand.

5.62 – Übersetzung: Durch Unterweisung, Herabkommen der Kraft oder Schau des Zustandes – durch die Gnade des eigenen Guru wird der höchste Zustand richtig erreicht.

Wort für Wort: kathanāt: durch Unterweisung; śakti-pātāt: durch Herabkommen der Kraft; pada-avalokanāt: durch Schau des Zustands; prasādāt: durch Gnade; sva-guroḥ: des eigenen Lehrers.

5.63 – Übersetzung: Darum hat Shiva gesagt: „Nichts ist höher als der Guru, nichts ist höher als der Guru, nichts ist höher als der Guru, nichts ist höher als der Guru – nach Shivas Weisung, nach Shivas Weisung, nach Shivas Weisung, nach Shivas Weisung.“

Wort für Wort: na guroḥ adhikam: nichts ist höher als der Lehrer; śiva-śāsanataḥ: nach Shivas Weisung. Beide Wendungen werden je viermal wiederholt.

5.64 – Übersetzung: Wer durch ein bloßes Wort oder einen Blick augenblicklich die Shiva-Erkenntnis, den selbst erfahrbaren höchsten Zustand, deutlich macht –

Wort für Wort: vāṅ-mātrāt: durch bloßes Wort; dṛk-pātāt: durch Blick; tat-kṣaṇāt: augenblicklich; prasphuṭam: deutlich; śāmbhavam vedyam: Shiva-Erkenntnis; sva-saṃvedyam: selbst erfahrbar.

5.65 – Übersetzung: – wer durch den ungeteilten Strom des Mitgefühls die acht Fesseln des Schülers durchschneidet und wahre Glückseligkeit hervorbringt, der heißt wahrer Guru.

Wort für Wort: karuṇā-akhaṇḍa-pāta: ungeteilter Mitgefühlsstrom; chittvā: durchgeschnitten habend; pāśāṣṭakam: acht Fesseln; śiśoḥ: des Schülers; ānanda-janakaḥ: Glückseligkeit hervorbringend; sad-guruḥ: wahrer Lehrer.

5.66 – Übersetzung: Verehrung jenem ehrwürdigen Guru, der durch einen halben Augenblick seines Blickes oder durch den Anblick seiner Füße das eigene Selbst fest gründet.

Wort für Wort: nimiṣārdha: halber Augenblick; pāda-avalokana: Anblick der Füße; svātmānam: eigenes Selbst; sthiram ādhatte: gründet fest; tasmai śrī-gurave namaḥ: Verehrung jenem ehrwürdigen Lehrer.

5.67 – Übersetzung: Wer durch Unterweisung die mannigfaltigen Vorstellungen zur Ruhe bringt, ist als wahrer Guru zu erkennen, nicht der falsche Schausteller. Daher ist der wahre Guru zur Erlangung des höchsten Zustandes immer zu verehren.

Wort für Wort: nānā-vikalpa-viśrānti: Beruhigung vieler Vorstellungen; kathayā: durch Unterweisung; mithyā-viḍambaka: falscher Schausteller; vandanīyaḥ: zu verehren.

5.71 – Übersetzung: „Guru“: Er verkündet das Gute und lehrt richtig das Ruhen des Bewusstseins. Durch diese Ruhe wird der höchste, alles übersteigende Zustand von selbst offenbar; unmittelbare Erkenntnis entsteht augenblicklich.

Wort für Wort: gṛṇāti: verkündet; śam: das Gute, Heil; caitanya-viśrānti: Bewusstseinsruhe; upadiśati: lehrt; svayam eva: von selbst; prasphuṭam: offenbar; sākṣātkāraḥ: unmittelbare Erkenntnis.

Textanmerkung: Die Nummern 5.68–70 fehlen in der elektronischen Zählung. Dies ist hier kein Textausfall: Diese drei Einheiten entsprechen Mallik 5.68–70 auf S. 30. Zur Anschlussfähigkeit bleibt die elektronische Nummerierung erhalten.

5.72 – Übersetzung: Nach der Lehre der großen Siddhas ist jener ein wahrer Guru, der durch ein bloßes Wort oder richtiges Anschauen unmittelbar immer wieder in die Ruhe führt. Ohne Ruhe im eigenen Wesen gibt es keine Einigung von Körper und höchstem Zustand. Deshalb heißt nur derjenige wahrer Guru, der diese Ruhe bewirkt. Ein Lehrer aber, der durch Worte, Schriftansichten, Schlussfolgerungen, Argumente und Zeichen verwirrt, ist aufzugeben.

Wort für Wort: nija-viśrāntim vinā: ohne Ruhe im eigenen Wesen; piṇḍa-padayoḥ samarasakaraṇam: Einigung von Körper und Zustand; śāstra-dṛṣṭi: Schriftansicht; anumāna: Schlussfolgerung; tarka: Argument; mudrā: Zeichen; bhrāmakaḥ: verwirrend; tyājyaḥ: aufzugeben.

Textanmerkung: Die Nummern 5.68–70 fehlen in der elektronischen Zählung. Dies ist hier kein Textausfall: Diese drei Einheiten entsprechen Mallik 5.68–70 auf S. 30. Zur Anschlussfähigkeit bleibt die elektronische Nummerierung erhalten.

5.73 – Übersetzung: Es heißt: Ein erkenntnisloser Lehrer ist aufzugeben, ein unwahrhaftiger Schausteller. Er kennt das Ruhen in sich nicht – was kann er für andere tun?

Wort für Wort: jñāna-hīnaḥ: erkenntnislos; mithyā-vādī: unwahrhaftig; sva-viśrāntim na jānāti: kennt die eigene Ruhe nicht; pareṣām: für andere; karoti kim: was tut er?

Textanmerkung: Die Nummern 5.68–70 fehlen in der elektronischen Zählung. Dies ist hier kein Textausfall: Diese drei Einheiten entsprechen Mallik 5.68–70 auf S. 30. Zur Anschlussfähigkeit bleibt die elektronische Nummerierung erhalten.

5.74 – Übersetzung: Kann ein Stein eine Menge Steine ans andere Ufer bringen? Wer selbst hinübergelangt ist, kann andere vollständig hinüberführen.

Wort für Wort: śilayā: durch einen Stein; śilā-saṃghaḥ: Steinmenge; pāram: anderes Ufer; svayaṃ tīrṇaḥ: selbst hinübergelangt; parān nistārayati: führt andere hinüber.

5.75 – Übersetzung: Aus dem furchtbaren Meer der Vorstellungen, schwer zu überqueren wegen der Wogen der Sorge, erfüllt vom Netz böser Ungeheuer der Weltneigungen –

Wort für Wort: vikalpa-sāgara: Vorstellungsmeer; cintā-kallola: Sorgenwoge; dustara: schwer überquerbar; prapañca-vāsanā: Weltneigung; duṣṭa-grāha-jāla: Netz böser Wasserungeheuer.

5.76 – Übersetzung: – aus der Gewalt der Wellen der Neigungen vermag [der Lehrer] einen unmittelbar durch die in sich ruhende Unterweisung und das Nichtaufsteigen hinüberzuführen;

Wort für Wort: vāsanā-laharī-vega: Gewalt der Neigungswellen; tārayitum kṣamaḥ: hinüberzuführen fähig; svasthena upadeśena: durch in sich ruhende Unterweisung; nirutthānena: durch Nichtaufsteigen; tat-kṣaṇāt: unmittelbar.

5.77 – Übersetzung: allein durch Blick, Wort oder Anschauen führt er hinüber. Hat er hinübergeführt, gründet er [den Schüler] im eigenen Zustand, sodass dieser in seiner eigenen Mitte feststeht.

Wort für Wort: dṛk-pāta: Blick; kathana: Wort; vilokana: Anschauen; tārite: nach dem Hinüberführen; sva-padam: eigener Zustand; sva-sva-madhye: in der eigenen Mitte; sthiraḥ: fest.

5.78 – Übersetzung: Dann wird der Schüler von der Bindung an Geburt und Samsara frei. Er wird von höchster Glückseligkeit erfüllt und gelangt teillos zum Shivasein.

Wort für Wort: śiṣyaḥ: Schüler; mucyate: wird frei; janma-saṃsāra-bandhana: Bindung an Geburt und Daseinskreislauf; parānanda-maya: von höchster Glückseligkeit erfüllt; niṣkalaḥ: teillos; śivatām vrajet: gelangt zum Shivasein.

5.79 – Übersetzung: [Der Guru] führt zahllose Millionen Familien unmittelbar hinüber. Deshalb verehre man den wahren Guru zu den drei Tageszeiten.

Wort für Wort: kulānām koṭi-koṭīnām: unzählige Millionen Familien; tārayati: führt hinüber; tri-kālam: dreimal täglich; abhivandayet: verehren.

5.80 – Übersetzung: Mit Niederwerfung des ganzen Körpers, lobpreisend, verehre man stets den Guru. Ein solcher Mensch erlangt Festigkeit und geht ganz im eigenen Wesen auf.

Wort für Wort: sarvāṅga-praṇipāta: Niederwerfung mit allen Gliedern; stuvan: lobpreisend; bhajet: verehren; sthairyam: Festigkeit; sva-svarūpa-maya: vom eigenen Wesen erfüllt.

5.81 – Übersetzung: Wozu viele Worte und Hunderte von Millionen Schriften? Ohne die höchste Gnade des Guru ist die Ruhe des Geistes schwer zu erlangen.

Wort für Wort: bahunā uktena: mit vielen Worten; śāstra-koṭi-śatena: mit Hunderten Millionen Schriften; durlabhā: schwer erreichbar; citta-viśrāntiḥ: Geistesruhe; guru-kṛpām vinā: ohne Lehrergnade.

5.82 – Übersetzung: Bei Yogis von festem Geist, die Geistesruhe erlangt haben und in ihre eigene Mitte versunken sind, [entfaltet sich] besonders das Nichtaufsteigen.

Wort für Wort: dṛḍha-cetas: von festem Geist; citta-viśrānti-labdha: Geistesruhe erlangt habend; nimagna: versunken; nirutthāna: Nichtaufsteigen; viśeṣataḥ: besonders.

5.83 – Übersetzung: Augenblicklich leuchtet der schwer zugängliche höchste Zustand deutlich auf, in dem der Körper plötzlich aufgeht. Daran besteht kein Zweifel.

Wort für Wort: nimiṣāt: augenblicklich; prasphuṭam bhāti: leuchtet deutlich; piṇḍaḥ: Körper; līnaḥ: aufgegangen; sahasā: plötzlich; na saṃśayaḥ: kein Zweifel.

5.84 – Übersetzung: Wer sich dem Ruhen hingibt, dem leuchtet von selbst das Spiel des Bewusstseins auf, aus dem Erkennen, Wirken und die Entfaltung der Vermögen hervorgehen. Wenn die Gesamtheit der eigenen Impulse verschlungen ist, werden für jene, die den Guru lieben, höchster Zustand und Körper wahrhaft zur Einheit, zu gleichem Geschmack.

Wort für Wort: saṃvit-kriyā-vikaraṇodaya: Hervorgehen von Erkennen, Tätigkeit und Vermögen; cid-vilāsa: Bewusstseinsspiel; viśrāntim bhajatām: der dem Ruhen Hingegebenen; sva-vega-nicaye graste: wenn die eigenen Impulse verschlungen sind; pada-piṇḍam aikyam: Einheit von Zustand und Körper; guru-vatsalānām: der den Guru Liebenden.

5.Kolophon – Übersetzung: So endet in der von Shri Gorakshanatha verfassten Siddha Siddhanta Paddhati die fünfte Unterweisung, genannt „Die Einigung von Körper und höchstem Zustand“.

Wort für Wort: iti: so endet; śrī-gorakṣanātha-kṛtau: im Werk Shri Gorakshanathas; piṇḍa-padayoḥ samarasakaraṇam: Einigung von Körper und Zustand; nāma: genannt; pañcama-upadeśaḥ: fünfte Unterweisung.

6. Unterweisung: Kennzeichen des Avadhuta-Yogi

Zur Orientierung: Die abschließende Unterweisung beschreibt den Avadhuta, den innerlich freien Yogi. Viele äußere Zeichen des Asketen werden als Eigenschaften der Erkenntnis gedeutet. Historische Polemik und Regeln der Lehrweitergabe gehören ebenfalls zum überlieferten Kapitel.

6.1 – Übersetzung: Nun die Frage: Wer ist ein Avadhuta-Yogi? Wer alle Veränderungen der Natur abschüttelt, ist ein Avadhuta; wer Yoga besitzt, ist Yogi. Die Wurzel dhū bedeutet erschüttern oder bewegen. Er sammelt den Geist, der an Körper, Körperlichem und Weltgegenständen haftet, zieht ihn davon zurück und lässt das Bewusstsein in der Größe seiner eigenen Wohnstatt aufgehen. Er ist frei von Weltverstrickung und von den Unterscheidungen Anfang, Mitte, Ende und Untergang.

Wort für Wort: ava-dhunoti: schüttelt ab; prakṛti-vikāra: Naturveränderung; dhū: erschüttern; kampana/cālana: Erschütterung/Bewegung; saṅgatam manaḥ: haftender Geist; parigṛhya: gesammelt; pratyāhṛtya: zurückgezogen; sva-dhāma-mahimni: in der Größe der eigenen Wohnstatt; pralīna-cetāḥ: mit aufgegangenem Bewusstsein; prapañca-śūnya: weltverstrickungsfrei; ādi-madhya-anta-nidhana-bheda-varjita: frei von Anfangs-, Mittel-, End- und Untergangsunterscheidung.

6.2 – Übersetzung: Der Laut ya ist der Keim des Windes; ra ist der Keim des Feuers. Ihre Ungetrenntheit wird als Om bezeichnet, dessen Gestalt Bewusstsein ist.

Wort für Wort: ya-kāraḥ: Laut ya; vāyu-bījam: Windkeim; ra-kāraḥ: Laut ra; vahni-bījaka: Feuerkeim; tayoḥ abhedaḥ: ihre Ungetrenntheit; oṅkāraḥ: Om; cid-ākāraḥ: bewusstseinsgestaltig.

6.3 – Übersetzung: Dies wird nun deutlicher erklärt: Sein Geschorensein besteht im Abschneiden der Wogen von Leiden und Fesseln. Wer von allen Zuständen frei ist, heißt Avadhuta.

Wort für Wort: kleśa-pāśa-taraṅga: Wogen von Leiden und Fesseln; kṛntanena: durch Abschneiden; vimuṇḍanam: Geschorensein; sarvāvasthā-vinirmukta: von allen Zuständen frei; avadhūtaḥ abhidhīyate: wird Avadhuta genannt.

6.4 – Übersetzung: Der Yogi, der seinen Leib mit der heiligen Asche des Erinnerns an das eigene Wesen schmückt und dessen Verwurzelung im Grund besteht, heißt Avadhuta.

Wort für Wort: nija-smara: Erinnerung an das Eigene; vibhūtiḥ: heilige Asche, Herrlichkeit; svāṅge: am eigenen Leib; vibhūṣitaḥ: geschmückt; ādhāre: im Grund; rūḍhiḥ: Verwurzelung.

6.5 – Übersetzung: Wer mitten in der Welt fest sitzt, alle Berechnung aufgegeben hat und [dessen] Lendenschurz und Bettelschale frei von Erniedrigung sind, heißt Avadhuta.

Wort für Wort: loka-madhye: mitten in der Welt; sthirāsīna: fest sitzend; samasta-kalanā-ujjhita: alle Berechnung aufgegeben; kaupīna: Lendenschurz; kharpara: Bettelschale; adainyam: Freiheit von Erniedrigung. Der Zusammenhang der letzten drei Wörter ist elliptisch.

6.6 – Übersetzung: śam bedeutet Glück, kham das höchste Brahman; ihre Verbindung ergibt śaṅkha, die Muschel. Wer diese Lehre trägt, heißt Avadhuta.

Wort für Wort: śam: Glück; kham: Raum, hier höchstes Brahman; saṃghaṭanāt: durch Verbindung; śaṅkham: Muschel; siddhāntaḥ dhāritaḥ: Lehre getragen. Dies ist eine spirituelle Wortdeutung.

6.7 – Übersetzung: Seine Sandalen sind Erkenntnis des höchsten Zustands; sein Gazellenfell ist der ungeschlagene [Klang]; seine Schnur ist höchstes Bewusstsein. Ein solcher heißt Avadhuta.

Wort für Wort: pādukā: Sandalen; pada-saṃvittiḥ: Zustandserkenntnis; mṛga-tvac: Gazellenfell; anāhatam: Ungeschlagenes; śelī: Schnur; parā-saṃvit: höchstes Bewusstsein.

6.8 – Übersetzung: Sein Gürtel ist beständige Rückwendung, sein Sitz das eigene Wesen. Wer von den sechs Veränderungen zurückgetreten ist, heißt Avadhuta.

Wort für Wort: mekhalā: Gürtel; nivṛttiḥ: Rückwendung; sva-svarūpam: eigenes Wesen; kaṭāsanam: Sitzmatte; ṣaḍ-vikārebhyaḥ: von den sechs Veränderungen.

6.9 – Übersetzung: Wessen beide Ohrringe Bewusstseinslicht und höchste Glückseligkeit sind, wessen Gebetskette das Ruhen der Sinne ist, der heißt Avadhuta.

Wort für Wort: cit-prakāśa: Bewusstseinslicht; parānanda: höchste Glückseligkeit; kuṇḍala-dvayam: zwei Ohrringe; japa-mālā: Gebetskette; akṣa-viśrānti: Ruhe der Sinne.

6.10 – Übersetzung: Wessen Stab aus Standhaftigkeit besteht, wessen Schale der höchste Raum ist und wessen Yogagurt die eigene Kraft ist, der heißt Avadhuta.

Wort für Wort: dhairya-maya-daṇḍa: Stab aus Standhaftigkeit; parākāśa: höchster Raum; kharpara: Schale; yoga-paṭṭa: Yogagurt; nijā śaktiḥ: eigene Kraft.

6.11 – Übersetzung: Wer Unterschied und Nichtunterschied zur eigenen Almosenspeise macht, sich am Geschmack des eigenen Wesens erfreut und durch das Verdauen darin aufgeht, heißt Avadhuta.

Wort für Wort: bheda-abheda: Unterschied/Nichtunterschied; bhikṣām kṛtvā: zu Almosenspeise gemacht; svāsvādane rataḥ: am Eigengeschmack erfreut; jāraṇa: Verdauen; tanmaya-bhāva: Darinaufgehen.

6.12 – Übersetzung: Wer im undenkbaren eigenen Raum nach innen zur Wirklichkeit geht und so von einem Ort zum anderen wandert, heißt Avadhuta.

Wort für Wort: acintye: im Undenkbaren; nija-dig-deśe: im eigenen Raum; svāntaram: nach innen; vastu: Wirklichkeit; eka-deśāntarīya: von einem Ort zum anderen wandernd.

6.13 – Übersetzung: Wer, um den eigenen Körper unsterblich zu machen, selbst die unendliche Amari trinkt, heißt Avadhuta.

Wort für Wort: sva-piṇḍam: eigenen Körper; amarīkartum: unsterblich machen; anantām amarīm: unendliche Amari; svayam eva pibet: selbst trinken.

6.14 – Übersetzung: Wer jene undenkbar diamantfesten, mit dem Schmutz der Neigungen vermengten [Verfestigungen], „Vajri“ genannt, verzehrt hat, heißt Avadhuta.

Wort für Wort: acintyā: undenkbar; vajravat gāḍhā: diamantfest; vāsanā-mala-saṃkulā: mit Neigungsschmutz vermengt; vajrī: Vajri; bhakṣitā: verzehrt. Die Vorlage lässt den genauen Bezug des femininen Ausdrucks offen.

6.15 – Übersetzung: Wer beständig in seiner eigenen Mitte kreist und die Welt in Gleichheit erkennt, heißt Avadhuta.

Wort für Wort: āvartayati: lässt kreisen; sva-sva-madhye: in eigener Mitte; sadā: immer; samatvena: in Gleichheit; jagat vetti: erkennt die Welt.

6.16 – Übersetzung: Wer das eigene Selbst erkennt und allein in ihm steht, ganz vom Nichtaufsteigen erfüllt, heißt Avadhuta.

Wort für Wort: svātmānam avagacchet: eigenes Selbst erkennen; svātmani avatiṣṭhate: im Selbst stehen; anutthāna-maya: von Nichtaufsteigen erfüllt.

6.17 – Übersetzung: Wer im Grund des Nichtaufsteigens gegründet ist, zur höchsten Ruhe gelangt und die aus Festigkeit und Bewusstsein bestehende Wirklichkeit kennt, heißt Avadhuta.

Wort für Wort: anutthāna-ādhāra: Grund des Nichtaufsteigens; para-viśrānti-pāraga: zur höchsten Ruhe gelangt; dhṛti-cinmaya-tattva-jña: Kenner der festigkeits- und bewusstseinsvollen Wirklichkeit.

6.18 – Übersetzung: Das Unmanifestierte trägt das Manifestierte und verschlingt alles Manifestierte ganz. Wer als diese Wahrheit im eigenen Inneren ist, heißt Avadhuta.

Wort für Wort: avyaktam: Unmanifestiertes; vyaktam: Manifestiertes; ādhatte: trägt; grasati: verschlingt; svāntare: im eigenen Inneren; satyam: Wahrheit.

6.19 – Übersetzung: Das Leuchten ist von der Natur des Erscheinens und ruht glücklich im Licht; spielerisch erfreut sich [der Yogi] in der Welt: Er heißt Avadhuta. Bald genießt er, bald verzichtet er, bald ist er nackt, mit den Himmelsrichtungen bekleidet; bald König, bald [frei] Wandelnder: Er heißt Avadhuta.

Wort für Wort: avabhāsātmaka-bhāsa: erscheinungsartiges Leuchten; prakāśe: im Licht; līlayā ramate: erfreut sich spielerisch; kvacit: bald; bhogī: Genießender; tyāgī: Verzichtender; nagna-digambara: nackt, himmelsbekleidet; rājā: König; ācārī: Wandelnder. Die Vorlage verbindet hier einen unnummerierten Vers und Vers 19.

6.20 – Übersetzung: Wer durch solche vielfältigen Sinnbilder auf die ewig leuchtende Wirklichkeit hinweist, im eigenen Wesen steht und die Lehren aller Systeme im Schauen des eigenen Wesens richtig erschließt, heißt Avadhuta-Yogi. Er ist der wahre Guru, denn er bringt alle Lehransichten in der Schau des eigenen Wesens zusammen.

Wort für Wort: nānā-saṃketa: vielfältige Sinnbilder; nitya-prakāśa-vastu: ewig leuchtende Wirklichkeit; sva-svarūpa-darśana: Schau des eigenen Wesens; sad-bodhaka: richtig erschließend; sam-anvaya: Zusammenführung; sad-guru: wahrer Lehrer.

6.21 – Übersetzung: [Er heißt] über den Lebensordnungen stehend, Yogi, Wissender, Siddha, Gelübdetreuer, Herr, Meister, Gesegneter und ehrwürdiger Heiliger;

Wort für Wort: atyāśramī: über den Lebensordnungen; yogī: Yogi; jñānī: Wissender; siddhaḥ: Vollendeter; suvrataḥ: gelübdetreu; īśvaraḥ: Herr; svāmī: Meister; dhanyaḥ: gesegnet; sādhuḥ: Heiliger.

6.22 – Übersetzung: Sinnenbezwinger, Bhagavan, Verständiger, Kundiger und Erwachter; [auch] Charvaka, Arhat und Buddha, Kenner des Lichtes;

Wort für Wort: jitendriya: Sinnenbezwinger; bhagavān: Erhabener; sudhī: Verständiger; kovida: Kundiger; budha: Erwachter; cārvāka: Charvaka; arhat: Würdiger; bauddha: Buddhist/Erwachter; prakāśa-vit: Lichtkenner.

6.23 – Übersetzung: Logiker, Samkhya-Anhänger, Mimamsaka und Gottheit: So wird er von Wissenden in Millionen Schriften gepriesen.

Wort für Wort: tārkika: Logiker; sāṃkhya: Samkhya-Anhänger; mīmāṃsaka: Mimamsaka; devatā: Gottheit; vidvadbhiḥ: von Wissenden; śāstra-koṭibhiḥ: in Millionen Schriften.

6.24 – Übersetzung: Er selbst [heißt] Selbst, höchstes Selbst und individuelles Selbst. Die höchste unmittelbar bestehende Wirklichkeit wird Shiva, Rudra und mit anderen Namen bezeichnet.

Wort für Wort: ātmā: Selbst; paramātmā: höchstes Selbst; jīvātmā: individuelles Selbst; asti-tattva: Seinswirklichkeit; sākṣāt: unmittelbar; saṃjñita: benannt.

6.25 – Übersetzung: Was in der Höhlung des Körperlotus aller besteht, muss von Befreiung Suchenden durch die großen Yogaverfahren unbedingt durchdrungen werden.

Wort für Wort: śarīra-padma-kuhare: in der Höhlung des Körperlotus; sarveṣām: aller; avasthitam: bestehend; avaśyam: unbedingt; mahā-yogaiḥ: durch große Yogaverfahren; bheditavyam: zu durchdringen; mumukṣubhiḥ: von Befreiung Suchenden.

Textanmerkung: Nach Mallik, S. 34, 6.25. Dessen Anmerkung 11 verzeichnet die abweichende Lesung mahāpāśāt cheditavyam; die elektronische Fassung vermischt die Lesungen.

6.26 – Übersetzung: Er ist Brahma, Vishnu und Rudra, das Unvergängliche, der höchste Selbstherrscher; er ist Indra, Prana, das Zeitendfeuer und der Mond;

Wort für Wort: brahmā/viṣṇuḥ/rudraḥ: Gottheitsnamen; akṣaraḥ: unvergänglich; parama-svarāṭ: höchster Selbstherrscher; sa eva: eben er; prāṇaḥ: Lebenshauch; kālāgniḥ: Zeitendfeuer; candramāḥ: Mond.

6.27 – Übersetzung: er ist Sonne, Shiva und höchster Shiva. Er ist durch Yoga zugänglich, auch für jene, die sich dem Samkhya widmen.

Wort für Wort: sūryaḥ: Sonne; paramaḥ śivaḥ: höchster Shiva; yoga-gamyaḥ: durch Yoga zugänglich; sāṃkhya-śāstra-parāyaṇa: dem Samkhya ergeben.

6.28 – Übersetzung: Auch die Karma-Mimamsakas nennen ihn Handlung; die Vedakundigen nennen ihn überall wirklich und von höchster Glückseligkeit.

Wort für Wort: karma-mīmāṃsaka: Vertreter der Ritualhermeneutik; karma: Handlung; sarvatra: überall; sat-parānanda: wirklich und höchst glückselig; vaidika: Vedakundiger.

6.29 – Übersetzung: Diese Unterschiede beruhen auf dem Sprachgebrauch; deshalb sind sie nicht eine wirkliche Verschiedenheit des Einen.

Wort für Wort: vyavahāraiḥ: durch Sprachgebrauch; bhedaḥ: Unterschied; ekasya: des Einen; na anyathā: nicht anders.

6.30 – Übersetzung: [Die Wortdeutung verbindet] mud mit Freude und ra mit Geben: Das eine Erkennen von individuellem und höchstem Selbst wird Mudra genannt.

Wort für Wort: mud: sich freuen; dāna: Geben; jīvātma-paramātmanoḥ: des individuellen und höchsten Selbst; ubhayoḥ: beider; eka-saṃvittiḥ: ein Erkennen; mudrā: Siegel. Der etymologisierende Wortlaut ist fehlerhaft überliefert.

6.31 – Übersetzung: Die Götterscharen freuen sich, die Asurahaufen fliehen; darum heißt sie Mudra, die stets unmittelbar Segen gewährt.

Wort für Wort: modante: freuen sich; deva-saṅghāḥ: Götterscharen; dravanti: fliehen; asura-rāśayaḥ: Asurahaufen; bhadra-artha-dāyinī: Segen gebend.

6.32 – Übersetzung: Wer auf diesem Weg nicht eingeweiht und immer an Samsara gebunden ist, wird [polemisch] als Irrlehrer bezeichnet, vom Weltkreislauf überwältigt.

Wort für Wort: adīkṣita: nicht eingeweiht; saṃsāra-rāgin: am Weltkreislauf haftend; pāṣaṇḍin: Irrlehrer; saṃsāra-paripelava: vom Weltkreislauf überwältigt.

6.33 – Übersetzung: Der Yogi mit Avadhuta-Leib steht im formlosen Zustand; [in ihm] leuchtet das eigene Wesen aller Lehransichten auf.

Wort für Wort: avadhūta-tanuḥ: mit Avadhuta-Leib; nirākāra-pade sthitaḥ: im formlosen Zustand stehend; sarveṣāṃ darśanānām: aller Lehransichten; sva-svarūpam: eigenes Wesen; prakāśate: leuchtet.

6.34 – Übersetzung: Nun die Lebensordnung des Brahmacharin unter den Brahmanen: Wer, durch eigene Erkenntnis geweitet, im überall erfüllten Wesen in Brahman-Wissen wandelt, heißt Brahmacharin.

Wort für Wort: sarvataḥ bharitākāra: überall erfülltes Wesen; nija-bodhena bṛṃhita: durch eigene Erkenntnis geweitet; brahma-vidyā: Brahman-Wissen; carate: wandelt; brahmacārī: in Brahman Wandelnder.

6.35 – Übersetzung: Seine Hausfrau ist ewige Fülle, sein Haus der Raum, beständige Stärke. Wer hier mit ihr wohnt, heißt Haushälter.

Wort für Wort: gṛhiṇī: Hausfrau; pūrṇatā nityā: ewige Fülle; geham: Haus; vyoma: Raum; balam: Stärke; nivasati: wohnt; gṛhasthaḥ: Haushälter.

6.36 – Übersetzung: Wer in den inneren, aus Selbstleuchten bestehenden Wald aufgebrochen ist, gilt als Waldeinsiedler; nicht, wer wie ein Tier im Wald umherläuft.

Wort für Wort: antaḥ prasthitaḥ: nach innen aufgebrochen; sva-prakāśa-maya-vana: Wald des Selbstleuchtens; vānaprastha: Waldeinsiedler; mṛgavat: wie ein Tier; caran: umherlaufend.

6.37 – Übersetzung: Das höchste Selbst und das individuelle Selbst leuchten allein im Selbst auf. Wer sich stets darin niedergelegt hat, heißt Sannyasin.

Wort für Wort: ātmani eva: allein im Selbst; sphurati: leuchtet; tasmin nyastaḥ: darin niedergelegt; sadā: immer; saṃnyāsī: Entsagender.

6.38 – Übersetzung: Wer das Netz von Maya, Handlung und Kräften stets gezügelt hat und unbewegt wie ein Berg strahlt, heißt Tridandin.

Wort für Wort: māyā-karma-kalā-jāla: Netz von Maya, Handlung, Kräften; daṇḍita: gezügelt; acalaḥ naga-vat: unbewegt wie ein Berg; tri-daṇḍī: Dreistabträger.

6.39 – Übersetzung: Wer den einen Geist zügelt, der immer in vielerlei Gestalten unruhig ist, heißt Ekadandin.

Wort für Wort: ekam: eines; nānā-vidhākāram: vielgestaltig; cañcalam: unruhig; cittam: Geist; daṇḍitam: gezügelt; eka-daṇḍī: Einstabträger.

6.40 – Übersetzung: Wer Shiva als rein, still, formlos, höchst glückselig und immer gegenwärtig erkennt, ist ein reiner Shaiva.

Wort für Wort: śuddham: rein; śāntam: still; nirākāram: formlos; parānandam: höchste Glückseligkeit; sadoditam: immer aufgegangen; vijānāti: erkennt; śuddha-śaiva: reiner Shiva-Verehrer.

6.41 – Übersetzung: Wer seine heftig leuchtenden Sinne immer durchglüht, ist als Asket zu erkennen, nicht [bloß], wer Kuhdungasche trägt.

Wort für Wort: santāpayati: durchglüht; dīptāni svendriyāṇi: eigene glühende Sinne; tāpasa: Asket; go-bhasma-dhāraka: Träger von Kuhdungasche.

6.42 – Übersetzung: Wer das Opfertier des Tätigkeitsnetzes getötet hat und in die Fülle des Herrseins gelangt ist, [sodass er nicht mehr im Tierzustand steht], ist ein Pashupata.

Wort für Wort: kriyā-jālam paśum: das Tier des Tätigkeitsnetzes; hatvā: getötet habend; patitvam: Herrsein; pūrṇatām gatam: zur Fülle gelangt; paśu-bhāva: gebundener Tierzustand. Die Negation im letzten Halbvers ist in der Vorlage unsicher.

6.43 – Übersetzung: Wer auf seinem eigenen unbeweglichen Sitz das Linga höchster Glückseligkeit verehrt, ist ein Kalamukha.

Wort für Wort: parānanda-mayaṃ liṅgam: Linga aus höchster Glückseligkeit; nija-pīṭhe acale: am eigenen unbeweglichen Sitz; pūjitam: verehrt; kālamukha: Kalamukha-Asket.

6.44 – Übersetzung: Wer als Held alle Prinzipien zur Auflösung bringt und beständig festhält, ist ein Lingadharin.

Wort für Wort: vilayam: Auflösung; sarva-tattvānām: aller Prinzipien; sandhāryate sthiram: fest gehalten; vīreṇa: vom Helden; liṅga-dhārī: Lingaträger.

6.45 – Übersetzung: Wer die mit dem Ende verbundenen Prinzipien [Lesung unsicher] aufgegeben hat, nackt und himmelsbekleidet im Nirvana-Zustand aufgegangen ist, ist dem Nirvana hingegeben.

Wort für Wort: antakādīni tattvāni: mit dem Ende beginnende Prinzipien, unsicher; tyaktvā: aufgegeben; nagna-digambara: nackt, himmelsbekleidet; nirvāṇa-pade līnaḥ: im Nirvana aufgegangen.

6.46 – Übersetzung: Wer die Erkenntnis des eigenen Wesens mitsamt Mantra bewahrt und stets in Nichtandersheit bleibt, ist ein Kapalika.

Wort für Wort: sva-svarūpātmakaṃ jñānam: Erkenntnis des eigenen Wesens; sa-mantram: mit Mantra; prapālitam: bewahrt; ananyatvam: Nichtandersheit; kāpālika: Schädelträger.

6.47 – Übersetzung: Wer das Gelübde der höchsten, alles durchdringenden Wirklichkeit hält, die jenseits von Träger und Getragenem ist, besitzt das große Gelübde.

Wort für Wort: mahā-vyāpti-paraṃ tattvam: höchste allumfassende Wirklichkeit; ādhāra-ādheya-varjita: ohne Träger/Getragenes; vratam dhāritam: Gelübde gehalten; mahā-vrata: großes Gelübde.

6.48 – Übersetzung: Kula ist der alles umfassende Körper; Akula ist nach allen Seiten offen. Ihr Einheitszustand ist Shakti. Wer sie kennt, hat Anteil an Shakti.

Wort für Wort: kulam: Kula; sarvātmakaṃ piṇḍam: alles umfassender Körper; akulam: Akula; sarvato-mukham: allseitig offen; tayoḥ aikya-padam: ihr Einheitszustand; śakti-bhāk: an Shakti teilhabend.

6.49 – Übersetzung: Kaula ist das vollständige Verschlingen aller Kräfte durch jene Shakti. Wer diese Kraft kennt, heißt Kraftkenner. Hat man Kula und Akula als Wirklichkeit auf dem geordneten Weg erkannt, erreicht man durch die große selbstleuchtende Shakti den Zustand der Kraft.

Wort für Wort: kaulam: Kaula; sarva-kalā-grāsa: Verschlingen aller Kräfte; śakti-jñānī: Kraftkenner; kula-akula-tattva: Wirklichkeit von Kula und Akula; krameṇa: geordnet; sva-prakāśa-mahā-śaktyā: durch große selbstleuchtende Kraft; śakti-padam: Kraftzustand.

6.50 – Übersetzung: Für wen Rausch der Wein, Einsicht die Mudra, Maya der Fisch, Geist das Fleisch und Versunkenheit die Vereinigung sind, der heißt Shakta.

Wort für Wort: madaḥ/madyam: Rausch/Wein; matiḥ/mudrā: Einsicht/Mudra; māyā/mīna: Maya/Fisch; manas/palam: Geist/Fleisch; mūrcchanam/maithunam: Versunkenheit/Vereinigung; śāktaḥ: Shakti-Verehrer.

6.51 – Übersetzung: Wer jene Kraft kennt, durch welche die aufleuchtende Gestalt machtvoll deutlich gemacht wird, heißt hier Shakta.

Wort für Wort: yayā: durch welche; bhāsa-sphurad-rūpa: aufleuchtende Erscheinungsform; sphuṭam: deutlich; balāt: machtvoll; vijānāti: erkennt.

6.52 – Übersetzung: Wer das Nichtaufsteigen im sich entfaltenden handelnden Bewusstsein verwirklicht und durch diese Kraft zur Ruhe kommt, heißt hier Shakta.

Wort für Wort: nirutthānam karoti: Nichtaufsteigen verwirklicht; kartṛ-cit-prasara: Entfaltung handelnden Bewusstseins; tad-viśrāntiḥ: darin Ruhen; tayā śaktyā: durch jene Kraft.

6.53 – Übersetzung: Wer den höchsten Kern von Vishnus Durchdringung, das Ursprüngliche und Unvergängliche, als Ruhegeber im Leib erkennt, wird Vaishnava.

Wort für Wort: vyāpakatva: Durchdringung; paraṃ sāram: höchster Kern; ādyam avyayam: ursprünglich und unvergänglich; viśrānti-dāyakam: Ruhe gebend; dehe: im Leib; vaiṣṇava: Vishnu-Verehrer.

6.54 – Übersetzung: In wem stets das strahlende eigene Wesen leuchtet, befreit vom Gefühl der Verschiedenheit, der ist Bhagavata.

Wort für Wort: bhāsvat-svarūpa: strahlendes Wesen; bheda-bhāvojjhita: frei vom Verschiedenheitsgefühl; bhāti: leuchtet; dehe sadā: stets im Leib; bhāgavata: Gottesverehrer.

6.55 – Übersetzung: Wer die Vishnu-Wirklichkeit als eigenes Wesen erkennt, das alles und das Nicht-Alles umfasst, erwacht und in allen Körpern gegenwärtig ist, heißt Bhedavadin [die Benennung ist hier erklärungsbedürftig].

Wort für Wort: vaiṣṇavaṃ bhedam: Vishnu-Unterscheidung, unsicher; sarva-asarva-mayam: alles und Nicht-Alles umfassend; nijam: eigenes; prabuddham: erwacht; sarva-deha-stham: in allen Körpern; bheda-vādī: Vertreter der Unterscheidung.

6.56 – Übersetzung: Die unvergängliche Aufhebung der fünf [Sinne] ist ihr Zu-Ende-Gehen; dies heißt Nacht. Wer diese Nacht kennt, ist ein Pancharatrika.

Wort für Wort: pañcānām: der fünf; akṣayā hāniḥ: unvergängliches Aufhören; pañcatvam: Zu-Ende-Gehen; rātriḥ: Nacht; pañcarātrika: Pancharatra-Anhänger.

6.57 – Übersetzung: Wodurch Lebewesen leben und augenblicklich Befreiung erlangen: Wer dieses Leben kennt, heißt ewig Lebender.

Wort für Wort: yena jīvanti jīvāḥ: wodurch Lebewesen leben; muktiṃ yānti: Befreiung erlangen; jīvaḥ: Leben; viditaḥ: erkannt; sadā-jīvī: immer Lebender.

6.58 – Übersetzung: Wer immer Liebe zum heiteren höchsten Purusha übt und seine Sinne regiert, heißt Sattvika.

Wort für Wort: prītim karoti: liebt; prasanne puruṣe pare: zum heiteren höchsten Purusha; śāsitāni indriyāṇi: regierte Sinne; sāttvikaḥ: von Klarheit erfüllt.

6.59 – Übersetzung: Wer den subtilen Hamsa kennt, allgestaltig und formlos, ursachlos und unbefleckt, ist ein subtiler Sattvika.

Wort für Wort: sarvākāram: allgestaltig; nirākāram: formlos; nirnimittam: ursachlos; nirañjanam: unbefleckt; sūkṣmam haṃsam: subtiler Hamsa.

6.60 – Übersetzung: Wer standhaft das eine wahre, ungeborene, ewige, unendliche, unvergängliche und feste [Wesen] erkennt und davon spricht, heißt Wahrheitsredner.

Wort für Wort: satyam ekam: das eine Wahre; ajam: ungeboren; nityam: ewig; anantam: unendlich; akṣayam: unvergänglich; dhruvam: fest; dhīraḥ: standhaft; satya-vādī: Wahrheitsredner.

6.61 – Übersetzung: [Der Yogi steht] seinem eigenen Wesen nach in Erkenntnis und Erkanntem; er ist als Kalkin zu erkennen, als allgegenwärtiger höchster Purusha. [Die erste Vershälfte ist grammatisch unsicher.]

Wort für Wort: jñāna: Erkenntnis; jñeya: Erkanntes; sva-svabhāvataḥ: dem eigenen Wesen nach; kalaṅkī: Lesung für Kalkin oder „Befleckter“, unsicher; vyāpakaḥ: allgegenwärtig; puruṣottamaḥ: höchster Purusha.

6.62 – Übersetzung: Die Einsicht, die sich in Befreiung bewegt, alles durchdringt und aus sich leuchtet – wer diese wissende Kraft kennt, ist ein Sattvika.

Wort für Wort: mukti-cāra: Bewegung in Befreiung; matiḥ: Einsicht; vyāpikā: durchdringend; sva-prakāśikā: selbstleuchtend; jñānavatī: wissend.

6.63 – Übersetzung: Wer nackt wie der Raum die Geistesbewegungen auflöst und Anhaften und Abneigung entreißt, ist ein Kshapanaka. Shakti erscheint als Ausdehnung, Shiva als Zusammenziehung; wer beide vereinigt, ist ein König der Siddha-Yogis.

Wort für Wort: kṣapaṇam: Auflösung; citta-vṛtti: Geistesbewegung; rāga-dveṣa-viluṇṭhana: Wegnehmen von Anhaften und Abneigung; vyomavat nagnaḥ: nackt wie der Raum; prasara: Ausdehnung; saṃkoca: Zusammenziehung; tayoḥ yogasya kartā: der beide vereinigt. Die Vorlage enthält hier zwei Strophen unter einer Nummer.

6.64 – Übersetzung: Wer stets in der Vereinigung [erkennt], wie das Weltübersteigende als Welt einzig Eines ausstrahlt, ist ein Siddha-Yogi.

Wort für Wort: viśvātītam: Weltübersteigendes; viśvam: Welt; ekam eva virājate: strahlt einzig als eines; saṃyogena: in Vereinigung; siddha-yogī: vollendeter Yogi.

6.65 – Übersetzung: Bei wem die Ausbreitung sämtlicher eigener Geistesbewegungen zur Auflösung gelangt, der ist in der Siddha-Lehre ein großer kraftvoller Siddha-Yogi.

Wort für Wort: nija-vṛttīnām prasṛtiḥ: Ausbreitung eigener Bewegungen; layam bhajate: geht zur Auflösung; mahā-balaḥ: von großer Kraft.

6.66 – Übersetzung: Stets unbeteiligt, still, in sich gegründet, im Inneren aus eigenem Licht leuchtend, von großer Glückseligkeit erfüllt und standhaft: Ein solcher ist König der Siddha-Yogis.

Wort für Wort: udāsīnaḥ: unbeteiligt; śāntaḥ: still; svasthaḥ: in sich gegründet; antar-nija-bhāsakaḥ: innerlich selbstleuchtend; mahānanda-mayaḥ: voller großer Glückseligkeit; dhīraḥ: standhaft.

6.67 – Übersetzung: Vollständig erfüllt, heiteren Selbstes, im Zustand von Allem und Nicht-Allem aufgegangen, rein und von überströmender Glückseligkeit: Ein solcher ist König der Siddha-Yogis.

Wort für Wort: paripūrṇaḥ: ganz erfüllt; prasannātmā: heiteren Selbstes; sarva-asarva-padodita: im Alles/Nicht-Alles-Zustand aufgegangen; viśuddhaḥ: rein; nirbharānandaḥ: überströmend glückselig.

6.68 – Übersetzung: Der Yogi trauert nicht um Vergangenes, begehrt keinen Reichtum und jubelt nicht über Erlangtes. Von Glückseligkeit erfüllt, in eigener Erkenntnis aufgegangen, wird er niemals vom Weg der Zeit gebunden.

Wort für Wort: gate: beim Vergangenen; śokam na karoti: trauert nicht; vibhave: nach Reichtum; vāñchā: Verlangen; prāpte: bei Erlangtem; harṣa: Jubel; nijabodha-līna: in eigener Erkenntnis aufgegangen; kāla-pathena: durch den Weg der Zeit; na bādhyate: wird nicht bedrängt.

6.69 – Übersetzung: Ein solcher Avadhuta lehrt, wie die voneinander unterschiedenen Lehransichten im Brahman zusammenkommen. Als solcher wird er als wahrer Guru gepriesen. Wo die gesondert angezeigten Unterweisungen zur Ruhe gelangen, das wird Ruhe genannt.

Wort für Wort: sarva-siddhānta-darśana: sämtliche Lehransichten; brahmaṇi samanvaya: Zusammenführung im Brahman; upadeśa-kartā: Unterweisender; viśrāntiḥ: Ruhe; pṛthak pṛthak: gesondert.

6.70 – Übersetzung: Er geht selbst in Versunkenheit ein durch das Wunder des Nichtaufsteigens. Weil er vom Nichtaufsteigen erfüllt ist, ist er König der Avadhutas.

Wort für Wort: līnatām yāti: geht in Versunkenheit ein; nirutthāna-camatkṛteḥ: durch das Wunder des Nichtaufsteigens; nirutthāna-maya: davon erfüllt; avadhūta-rāṭ: König der Avadhutas.

6.71 – Übersetzung: Deshalb verehre und ehre man diesen wahren Guru immer unmittelbar. Er gründet augenblicklich den wahren Siddha-Zustand, der das eigene Selbst zum Ausdruck bringt.

Wort für Wort: tasmāt: deshalb; vandayet pūjayet: verehren und ehren; siddha-padam dhatte: gründet den Siddha-Zustand; tat-kṣaṇāt: augenblicklich; svātma-bhāṣitam: das eigene Selbst ausdrückend, Lesung unsicher.

6.72 – Übersetzung: Nicht verehrungswürdig sind jene Hölzernen, die Verwirrung über die Lehre stiften. Ein Standhafter, der sich auf die Siddha-Lehre stützt, soll solche Lehrer von fern meiden.

Wort für Wort: na vandanīyāḥ: nicht verehrungswürdig; kāṣṭhāḥ: Hölzerne, innerlich Starre; darśana-bhrānti-kāraka: Lehrverwirrung stiftend; varjayet dūrāt: von fern meiden; dhīraḥ: Standhafter; siddha-matāśraya: auf die Siddha-Lehre gestützt.

6.73 – Übersetzung: Nun werden gegnerische Standpunkte zurückgewiesen: Der Vedantin, dessen Geist durch viele Argumente hart geworden ist, wird von Maya verschlungen. Die Bhatta-Anhänger sind von Handlungsfrüchten umgetrieben, die Vaisheshikas durch Zweiheit in ihrer Einsicht geschlagen. Am Ende hängen sie an Unterscheidungen, werden von Streit zerrissen und verfehlen die wahre Wirklichkeit. Deshalb nehme der Standhafte stets Zuflucht zur Siddha-Lehre, der Lehre des eigenen Wesens.

Wort für Wort: para-pakṣa-nirāsa: Zurückweisung gegnerischer Positionen; tarka-karkaśa-mati: durch Argumentation harter Geist; karma-phalākula: von Handlungsfrüchten umgetrieben; dvaitena: durch Zweiheit; vivāda-vikala: durch Streit zerrissen; sat-tattvataḥ vañcita: um wahre Wirklichkeit gebracht; svabhāva-samaya: Lehre des eigenen Wesens; saṃśrayet: Zuflucht nehmen.

6.74 – Übersetzung: Samkhya-Anhänger, Vaishnavas und Vedakundige, die an Vorschriften hängen, Entsagende, Asketen, Sonnenverehrer, dem Heldenweg Hingegebene, Weltzugewandte, Buddhisten, Jinas und Shravakas: Sie mühen sich ab, gehen vergebliche Wege und verfehlen [nach dieser Polemik] die wahre Wirklichkeit. Deshalb nehme der Standhafte stets Zuflucht zur Siddha-Lehre des eigenen Wesens.

Wort für Wort: vidhi-parāḥ: an Vorschriften orientiert; saṃnyāsin: Entsagender; tāpasa: Asket; saura: Sonnenverehrer; vīra-para: dem Heldenweg ergeben; bauddha: Buddhist; jina: Jaina/Sieger; śrāvaka: Hörer; kaṣṭa-rata: der Mühe hingegeben; vṛthā-patha-gata: vergebliche Wege gehend.

6.75 – Übersetzung: Lehrer mit vielen Einweihungen, Opferkundige, Nacktgelübde-Asketen, Besucher zahlreicher Wallfahrtsorte, der Rezitation Hingegebene und stets Schweigende: Sie tragen [nach dieser Polemik] nur die Last des Leidens und verfehlen die wahre Wirklichkeit. Deshalb nehme der Standhafte stets Zuflucht zur Siddha-Lehre des eigenen Wesens.

Wort für Wort: ācārya: Lehrer; bahu-dīkṣita: vielfach eingeweiht; huti-rata: dem Opfer hingegeben; nagna-vrata: mit Nacktgelübde; tīrtha-niṣevaka: Wallfahrer; japa-para: Rezitationsübender; maune sthita: im Schweigen; duḥkha-bhāra: Leidenslast.

6.76 – Übersetzung: Zu Beginn reinigt man die Nadi-Wege durch Ausatmen, Einatmen und Anhalten und versenkt dann den Geist tief in den Herzlotus. Wer darauf mit gesammeltem Geist das Unvergängliche, Unzerstörbare im höchsten Kula und im Lampenspross des Om schaut, hat damit noch nicht den ewigen Zustand. Deshalb nehme der Standhafte stets Zuflucht zur Siddha-Lehre des eigenen Wesens.

Wort für Wort: recaka-pūra-kumbhaka: Ausatmen, Einatmen, Anhalten; nāḍī-pathā: Nadi-Wege; hṛt-kamalodara: Herzlotusinneres; mahā-mūrcchita: tief versenkt; paścāt: danach; avyayam akṣaram: Unvergängliches, Unzerstörbares; oṅkāra-dīpāṅkura: Lampenspross des Om; samāhitena manasā: mit gesammeltem Geist; na nityaṃ padam: nicht der ewige Zustand.

Textanmerkung: Nach Mallik, S. 39, 6.79. Die elektronische Lesung pañcākṣaram ist hier falsch: Der Druck hat paścād avyayam akṣaram und zusätzlich die dort ausgefallene Zeile ye paśyanti … . Daher ist an dieser Stelle kein Fünfsilbenmantra belegt.

6.77 – Übersetzung: Die gewandten Charvakas sind geschickt im Argumentieren und der Gleichsetzung von Körper und Selbst ergeben. „Jene unter ihnen, die höchst sattvisch sind, überqueren das sehr schwer Erträgliche“, lautet die hier bevorzugte Drucklesung. Es folgt eine pauschale Abwertung der Yavanas als sündig und erbarmungslos; ihre Lehre bringe nur diesseitige Früchte, nicht den Befreiungszustand. Die Verbindung der Vershälften bleibt unsicher.

Wort für Wort: cārvāka: materialistischer Lehrvertreter; tarka-nipuṇa: im Argumentieren geschickt; dehātma-vāda: Lehre vom Körper als Selbst; na taranti: überqueren nicht; duḥsahatara: sehr schwer erträglich; yavana: historische Fremdgruppenbezeichnung; nirdaya: erbarmungslos; aihika-phala: diesseitige Frucht; mokṣa-padam: Befreiungszustand.

Textanmerkung: Mallik, S. 39, 6.80 liest te sarve taranti … ye te paraṃ sāttvikāḥ: „Jene, die höchst sattvisch sind, überqueren …“. Die elektronische Vorlage fügt na („nicht“) ein. Die Textgestalt ist an dieser Stelle nicht einheitlich; die pauschale Abwertung der Yavanas gehört zur historischen Polemik, nicht zur Haltung dieses Artikels.

6.78 – Übersetzung: Wer am Shrihatta, am Kopfende, in der dreifachen Höhlung, im Brahmarandhra, an Stirn, Brauen, Augen, Nasenspitze, im Klang des Hörwegs, am Zäpfchen und Königszahn, in Kehle, Herz und Nabel, in der Höhlung der drei Lotusse oder am Uddiyana-Sitz haftet: Für solche an Orten Haftenden gibt es, ach, den höchsten Zustand des Nichtaufsteigens nicht.

Wort für Wort: sthāna-lagna: an Orten haftend; mastakānta: Kopfende; tripuṭa-puṭa-bila: dreifache Höhlung; śravaṇa-patha-rava: Klang des Hörwegs; ghaṇṭikā-rāja-danta: Zäpfchen und Königszahn; tri-kamala-kuhara: Drei-Lotus-Höhlung; teṣām nāsti: für sie gibt es nicht; niruttham: nichtaufsteigend.

6.79 – Übersetzung: Wer beständig die Lichtfülle im Gollata, das dem Weltauflösungsfeuer gleiche Licht im Siddha-Jalandhara, das eine blitzbewegte Licht im Shringata oder im Inneren der Brahma-Nadi, das Blitzlicht am Stirnende oder darüber am Gipfel die Glut von zehn Millionen Sonnen vorstellt: Für solche gibt es, ach, den höchsten Zustand des Nichtaufsteigens nicht.

Wort für Wort: dīpti-puñja: Lichtfülle; pralaya-śikhi: Weltauflösungsfeuer; taḍit iva tarala: beweglich wie Blitz; brahma-nāḍy-antarāla: Inneres der Brahma-Nadi; bhālānta: Stirnende; śikhara: Gipfel; koṭi-mārtaṇḍa-caṇḍa: Glut von zehn Millionen Sonnen; bhāvayante: vergegenwärtigen.

6.80 – Übersetzung: Wer durch den Gang von Geist und Wind vom Linga in den Achsenspross die Brahma-Nadi und weitere Bahnen durchbricht, den Bindu zur Höhle des höchsten Zustands oberhalb des Muschelraumes führt und dort durch den Weg des Vajra-Stabes den raumartigen inneren Klang erzeugt – wer sich so abmüht, für den gibt es, ach, den höchsten Zustand des Nichtaufsteigens nicht.

Wort für Wort: mano-pavana-gama: Gang von Geist und Wind; nāḍī-bheda: Bahndurchbruch; bindum nayantaḥ: Bindu hinaufführend; parama-pada-guhā: Höhle des höchsten Zustands; śaṅkha-garbha: Muschelinneres; antar-nāda-ghoṣa: innerer Klang; vajra-daṇḍa: Vajra-Stab; kaṣṭān kurvanti: mühen sich ab.

6.81 – Übersetzung: Wer die Lambika fortwährend durch Bewegen und Melken verlängert, sie in den Gaumenraum und in das Innere des zehnten Tores führt, bis zur Kopfgegend bringt und nach dem Trinken des sechsfachen Getränks einen holzgleichen Zustand erstrebt, ist verblendet. [Mehrere technische Verknüpfungen der Vorlage bleiben unsicher.]

Wort für Wort: cālana-dohana: Bewegen und Melken; dīrghīkṛtā lambikā: verlängerte Lambika; tālv-anta: Gaumeninneres; daśama-dvāra: zehntes Tor; śiro-deśa: Kopfgegend; ṣaḍ-vidha-pāna: sechsfaches Getränk; kāṣṭha-bhajana: holzgleiches Verharren; mohitāḥ: verblendet.

6.82 – Übersetzung: Wer vom verborgenen Bereich aus beide Wege, den hinteren und vorderen, verschließt, den Wind in die Mitte führt, durch Meditation, Samadhi, Schauziele und viele Übungen sowie durch das ständige Kommen und Gehen von Prana und Apana im Inneren des Hamsa eine Verbindung herstellt – auch solche versinken, ach, leidend im Wasser des Werdens.

Wort für Wort: guhyāt: vom verborgenen Bereich; paścima-pūrva-mārga: hinterer und vorderer Weg; rudhvā: verschlossen habend; anilam madhyamam nītvā: Wind in die Mitte geführt; prāṇāpāna-gamāgama: Kommen und Gehen von Prana und Apana; haṃsodara: Hamsa-Inneres; bhava-jale majjanti: versinken im Wasser des Werdens.

6.83 – Übersetzung: Wer durch Druck auf die Stütze die Kraft zusammenzieht, das Feuer entfacht, Kundalini an ihrem Ort erweckt, sie zum Kopf und Purnagiri führt und dann ihr Herabkommen bewirkt, hängt [bei ausschließlicher Fixierung darauf] an stückweisem Wissen. Der eigene höchste Zustand gilt als fern von ihm.

Wort für Wort: śakty-ākuñcana: Kraftzusammenziehung; agni-dīpti-karaṇa: Feuerentfachung; ādhāra-saṃpīḍana: Stützendruck; kuṇḍalinī-prabodhana: Kundalini-Erweckung; mūrdhan: Kopf; nipātana: Herabführen, Lesung der Vorlage unsicher; khaṇḍa-jñāna-rata: an Teilwissen haftend; nija-padam: eigener Zustand.

6.84 – Übersetzung: Wer stets Bandha, Durchbrechen, Mudra, das Feuer in den durch Kehle und Kinn verschlossenen Wegen, den Gleichgeschmack von Mond und Sonne, Ruhe, Sinneszügelung, Regeln, Klang, Bindu und Kala-Ende zusammenführt – selbst mit erfahrendem Geist und Unmani-Yoga verbunden –, aber dem eigenen Glück abgewandt bleibt, verwirrt die Menschen und folgt dem Leidensweg der Handlungen.

Wort für Wort: bandha/bheda/mudrā: Verschluss/Durchbruch/Siegel; gala-bila-cibuka: Kehlhöhle und Kinn; candra-arka-sāmarasya: Gleichgeschmack von Mond und Sonne; śama-dama-niyama: Ruhe, Zügelung, Regel; nāda-bindu: Klang und Tropfen; unmanī-yoga-yukta: mit Unmani-Yoga verbunden; nija-sukha-vimukha: vom eigenen Glück abgewandt; loka-bhrāmaṇa: Verwirrung der Menschen.

6.85 – Übersetzung: Wer den achtgliedrigen Yogaweg, die Lehre von Kula und Purusha, den sechsfältigen Chakra-Durchbruch, das sonnenstrahlgleiche allgegenwärtige Wesen im oberen und unteren Wind oder den wasserbewegten blauen Himmel mit dem Blick betrachtet und so in festgelegten Vorstellungen meditiert – auch solche haben, ach, an Mühsal teil.

Wort für Wort: aṣṭāṅga-yoga-mārga: achtgliedriger Yogaweg; kula-puruṣa-mata: Kula-Purusha-Lehre; ṣaṇmukhī-cakra-bheda: sechsfältiger Chakra-Durchbruch; ravi-kiraṇa-nibha: sonnenstrahlgleich; sarvato-vyāpti-sāra: allseitiger Durchdringungskern; tarala-jala-sama: bewegtem Wasser gleich; nīla-nabhas: blauer Himmel; kaṣṭa-bhāj: Mühsal teilend.

6.86 – Übersetzung: Wer zuerst Dharana, Shankha-Dharana, dann Maha-Dharana und vollständiges Pratidharana [Gegenhalten] ausführt, nach Vorschrift den Blick reinigt und [die als] Ardholi, Bahuli [bezeichneten Verfahren], Sitzpraxis, Ghanta und Nauli betreibt oder andere betreiben lässt, irrt beständig umher und leidet. [Die technische Aufzählung ist beschädigt; mehrere Namen bleiben ungesichert.]

Wort für Wort: dhāraṇa: Halten; śaṅkha-dhāraṇa: Muschel-Halten; mahā-dhāraṇa: großes Halten; prati-dhāraṇa: Gegenhalten; nirmalā dṛṣṭiḥ: reiner Blick; ardholī/bahulī: unsichere Übungsnamen; naulikā: Nauli-Verfahren; kurvanti kārayanti: ausführen und ausführen lassen; bhrāmyanti khidyanti: irren und leiden.

6.87 – Übersetzung: Innere Muschelwaschung, Bearbeiten von Gaumen, Lippen und Nasensekret mit der Zunge, Erbrechen und Wälzen, Kapata, Amari-Trinken und Kharpari sowie erneutes Verzehren oder Einreiben des eigenen samenvermischten Stoffes: Die Toren, die dies tun, erlangen dadurch nicht die Frucht der Siddha-Lehre. [Die historischen Verfahrensnamen sind teilweise dunkel.]

Wort für Wort: śaṅkha-kṣālana: Muschelwaschung; rasanayā: mit der Zunge; tālu-oṣṭha-nāsā-rasa: Gaumen, Lippen, Nasenflüssigkeit; vānti: Erbrechen; ulluṭhana: Wälzen; kapāṭa/kharparī: Verfahrensnamen; amarī-pāna: Amari-Trinken; vīrya-drāvita-ātmaja: eigener samenvermischter Stoff; grāsa: Verzehren; pralepa: Einreiben; siddhānta-ja-phala: Frucht der Siddha-Lehre.

6.88 – Übersetzung: Wenn sie solchen Klang von Glocke, Trompete, Kala-Mardala und großer Pauke richtig als ungeschlagenen Ton hören, der ununterbrochen im Körper oder auch im Weltei allgegenwärtig ist, dann wird für sie der entsprechende Siddha-Zustand, die höchste Wirklichkeit, erlangt.

Wort für Wort: ghaṇṭā: Glocke; kāhala: Trompete; kāla-mardala: Instrumentenbezeichnung, genaue Gliederung unsicher; mahā-bherī: große Pauke; anāhata-dhvani: ungeschlagener Ton; piṇḍe: im Körper; brahmāṇḍa-madhye: im Weltei; sarvagatam: allgegenwärtig; tattvaṃ param labhyate: höchste Wirklichkeit wird erlangt.

Textanmerkung: Nach Mallik, S. 41, 6.91. Der Druck schließt positiv mit tattvaṃ paraṃ labhyate. Die elektronische Vorlage hat stattdessen naivaṃ paraṃ labhyate und kehrt so die Aussage um. Die positive Drucklesung wird hier ausdrücklich übernommen.

6.89 – Übersetzung: Wer aus Entsagung Gras, Gemüse, Tümpelwasser, Knollen, Früchte und Wurzeln zu sich nimmt, nur im Wald oder in fremden Ländern lebt oder vielfältig wie ein Kind, Wahnsinniger, Geist, Stummer oder Stumpfsinniger handelt: Ohne den höchsten Zustand verlieren solche ihre Einsichtskraft und geraten in Verwirrung.

Wort für Wort: vairāgyāt: aus Entsagung; tṛṇa-śāka: Gras und Gemüse; palvala-jala: Tümpelwasser; kanda-phala-mūlaka: Knolle, Frucht, Wurzel; vana-vāsa: Waldleben; deśāntara: fremdes Land; bāla-unmatta-piśāca-mūka-jaḍavat: wie Kind, Wahnsinniger, Geist, Stummer, Stumpfsinniger; padaṃ vinā: ohne den Zustand.

6.90 – Übersetzung: Wer vielfältige wunderliche Flickengewänder und Zeichen zeigt, Bettelgänge zum Schauspiel macht, sich mit Asche bestäubt, den Körper rau macht, von Heiligtum zu Heiligtum wandert und an schwer zugänglichen Orten die Sinne [zurückhält], aber aus Stolz den höchsten Zustand nicht aus dem Mund des Guru erfährt: Solche sind von Mühsal erfüllt. [Der zweite Halbvers ist beschädigt.]

Wort für Wort: kanthā: Flickengewand; darśana: Zeichen/Erscheinung; bhikṣāṭana: Bettelgang; nāṭaka: Schauspiel; bhasmoddhūlana: Aschebestäubung; kṣetraṃ kṣetram: von Heiligtum zu Heiligtum; durgama: schwer zugänglich; guru-mukhāt: aus dem Mund des Lehrers; garveṇa: durch Stolz.

6.91 – Übersetzung: Wer eigene oder von Siddhas geschaffene vierfache Rede und Gayatri gewandt rezitiert und sich an gelehrtem Streit erfreut, ihren dem Selbst gleichen Sinn aber nicht findet, leidet durch Verblendung und Trug. Mit Stäben, Messern, Dreizacken, Scheiben und Keulen [auftretend], werden solche als schlechte Possenreißer bezeichnet.

Wort für Wort: vāṇī caturvidhā: vierfache Rede; sva-racitā/siddha-nirmitā: selbst/vervollkommneten Lehrern verfasst; gāyatrī: Gayatri; vidyā-vivāda: Gelehrtenstreit; tad-artham: ihren Sinn; ātma-sadṛśam: dem Selbst gleich; daṇḍa-kartari-śūla-cakra-laguḍa: Stab, Messer, Dreizack, Scheibe, Keule; bhāṇḍa: Possenreißer.

6.92 – Übersetzung: Wer mit bloßen Worten „Leere jenseits der Leere“, „höchsten und überhöchsten Zustand“, „Leere der fünf Leeren“, „Raumjenseitiges“, „Anfangsloses“, „eigenes Kula und Akula“, „wunderbare Allgestalt“, „Unmanifestiertes“, „Zwischenraum“, „Nichtentstehen“, „höchstes Leuchten“, „namenlose Einheit“ aufzeigt, dessen vielfältiger Geist ist dennoch aufgewühlt und verwirrt.

Wort für Wort: śūnyātiśūnya: Leere jenseits der Leere; pañca-śūnya: fünf Leeren; vyomātīta: raumjenseitig; anādya: anfangslos; avyakta: unmanifestiert; antarāla: Zwischenraum; nirudaya: ohne Entstehen; nirnāma-aikya: namenlose Einheit; vāṅ-mātrāt: durch bloße Worte; vyākula: aufgewühlt.

6.93 – Übersetzung: Zu erkennen ist der ewige, von Berechnung freie, vom Guru erfüllte Zustand des Nichtaufsteigens: Er macht Weisung wirksam, ist stets angemessen, vollständig erhellend, im Körper allgegenwärtig, makellose Ordnung und bester Kern der Siddha-Lehre; er beseitigt Irrtum, gibt Glück jenseits des Glücks, beendet die Zeit und ist beständig.

Wort für Wort: ājñā-siddhi-kara: Weisung wirksam machend; saṃpūrṇābhāsaka: vollständig erhellend; piṇḍe sarva-gata: im Körper allgegenwärtig; amala: makellos; siddhānta-sāra: Lehrkern; bhrānti-nirharaṇa: Irrtumsbeseitigung; sukhāti-sukha-da: überhöhtes Glück gebend; kālāntaka: Zeit beendend; kalanā-ujjhita: berechnungsfrei; guru-maya: vom Lehrer erfüllt.

6.94 – Übersetzung: Wenn Selbst, höchstes Selbst und individuelles Selbst betrachtet werden, heißt das Erkennen ihrer Einheit „Adesha“.

Wort für Wort: ātma/paramātma/jīvātma: Selbst/höchstes Selbst/individuelles Selbst; vicāraṇe: bei Betrachtung; trayāṇām: der drei; aikya-saṃbhūtiḥ: Hervorgehen als Einheit; ādeśaḥ: Weisung, Nath-Gruß; kīrtitaḥ: genannt.

6.95 – Übersetzung: Wer einem Yogi das wahre Wort „Adesha“ sagt, welches alle Gegensatzpaare aufhebt, gelangt zum herrlichen Selbst.

Wort für Wort: ādeśa iti: „Adesha“; sad-vāṇī: wahres Wort; sarva-dvandva: alle Gegensatzpaare; yoginam prati vadet: zu einem Yogi sagen; aiśvaram ātmānam yāti: gelangt zum herrlichen Selbst. Die Verbindung kṣayāpahām ist auffällig; die Übersetzung folgt dem Zusammenhang mit 6.94.

6.96 – Übersetzung: Asche ist das Verbrennen der Erwartungen; die beiden Ohrringe sind Erforschung und Zufriedenheit; der Lendenschurz ist ein fester Geist; die Schale ist der Raum: [Dies ist] Verehrung des Selbst.

Wort für Wort: āśā-dahanam: Verbrennen der Erwartungen; bhasitam: Asche; kuṇḍala-yugalam: Ohrringpaar; vicāra-saṃtoṣa: Erforschung und Zufriedenheit; sthira-cittam: fester Geist; kharparam ākāśam: Schale als Raum; ātmanaḥ bhajanam: Selbstverehrung.

6.97 – Übersetzung: Diese Schrift ist überaus göttlich, geheim und dem höchsten Herrn zugehörig; sie ist die feststehende Lehre vom Kern aller Dinge und die Klärung vielfältiger Sinnbilder.

Wort für Wort: etac-chāstram: diese Schrift; mahā-divyam: überaus göttlich; rahasyam: geheim; pārameśvaram: dem höchsten Herrn zugehörig; sarva-sāra: Kern aller Dinge; nānā-saṃketa-nirṇaya: Klärung vielfältiger Sinnbilder.

6.98 – Übersetzung: Für die Siddhas ist sie offenbar und erwiesen; unmittelbar schafft sie Gewissheit, stets erweckt sie Freude im Selbst und beseitigt alle Zweifel.

Wort für Wort: siddhānām: für die Vollendeten; prakaṭam: offenbar; siddham: erwiesen; sadyaḥ-pratyaya-kārakam: unmittelbar Gewissheit schaffend; ātmānanda-karam: Selbstfreude bewirkend; sarva-saṃdeha-nāśanam: Zweifel vernichtend.

6.99 – Übersetzung: Sie soll nicht fremden Schülern gegeben und nicht in Gegenwart anderer vorgetragen werden – weder aus Zuneigung, unter Zwang oder aus Habgier, noch aus Verblendung oder Täuschung;

Wort für Wort: para-śiṣya: fremder Schüler; na deyam: nicht zu geben; sannidhau: in Gegenwart; na paṭhet: nicht vortragen; sneha: Zuneigung; bala: Zwang; lobha: Habgier; moha: Verblendung; chala: Täuschung.

6.100 – Übersetzung: auch nicht aus Freundschaft, Gefälligkeit, wegen Geschenken oder Schönheit oder [bloßer] Anwesenheit. Nicht einmal dem eigenen Sohn soll sie ohne die Lehrer-Schüler-Ordnung gegeben werden.

Wort für Wort: maitrī: Freundschaft; bhāvanā: Gesinnung, hier Gefälligkeit; dāna: Geschenk; saundarya: Schönheit; āsana: Sitz/Anwesenheit; putrasya api: selbst dem Sohn; guru-śiṣya-kramaṃ vinā: ohne Lehrer-Schüler-Ordnung.

6.101 – Übersetzung: [Geeignete Schüler sind] wahrhaftig, von mitfühlendem Herzen, fest in ihrer Hingabe, beständig, wellenlos, von großem Frieden und stets Erkenntnis erweckend;

Wort für Wort: satyavantaḥ: wahrhaftig; dayā-cittāḥ: mitfühlenden Herzens; dṛḍha-bhaktāḥ: fest ergeben; acalāḥ: beständig; nistaraṅgāḥ: wellenlos; mahā-śāntāḥ: sehr friedvoll; jñāna-prabodhaka: Erkenntnis erweckend.

6.102 – Übersetzung: frei von Furcht, Niedergeschlagenheit, Abscheu, Scham, Verlangen und Trauer; sie haben Trägheit, Überheblichkeit, Neid, Heuchelei, Täuschung und Hinterlist aufgegeben;

Wort für Wort: bhaya: Furcht; dainya: Niedergeschlagenheit; ghṛṇā: Abscheu; lajjā: Scham; tṛṣṇā: Verlangen; śoka: Trauer; ālasya: Trägheit; mada: Überheblichkeit; mātsarya: Neid; dambha: Heuchelei; māyā: Täuschung; chala: Hinterlist.

6.103 – Übersetzung: abgewandt von Ichüberhebung, großer Verblendung, Anhaften und Abneigung; frei von Zorn, Wünschen, Lüsternheit, Missgunst, Irrtum und Habgier;

Wort für Wort: ahaṃkāra: Ichüberhebung; mahā-moha: große Verblendung; rāga-dveṣa: Anhaften und Abneigung; krodha: Zorn; icchā: Wunsch; kāmuka: Lüsternheit; asūyā: Missgunst; bhrānti: Irrtum; lobha: Habgier.

6.104 – Übersetzung: wunschlos, rein, standhaft, immer dem nichtdualen Zustand zugewandt. Ihnen soll man sie sorgfältig geben; vor Betrügern soll man sie stets verbergen.

Wort für Wort: niḥspṛha: wunschlos; nirmala: rein; dhīra: standhaft; advaita-pade rata: dem nichtdualen Zustand ergeben; tebhyaḥ deyam: ihnen geben; dhūrtānām gopayet: vor Betrügern verbergen.

6.105 – Übersetzung: Wer schmäht, sich schlecht verhält, [als chubbaka bezeichnet wird; Wort ungesichert], das Lager des Guru verletzt, die Lehre verneint, betrügerisch oder grausam ist und gelehrten Streit liebt –

Wort für Wort: nindaka: Schmähender; durācāra: von schlechtem Verhalten; chubbaka: ungesicherte Lesung; guru-talpa-ga: das Lager des Lehrers verletzend; nāstika: Verneiner; śaṭha: Betrüger; krūra: grausam; vidyā-vāda-rata: an Gelehrtenstreit erfreut.

6.106 – Übersetzung: wer von der Yogapraxis abgefallen ist, Schlaf und Streit liebt, nur den eigenen Angelegenheiten ergeben und gegenüber den Aufgaben des Guru gleichgültig ist –

Wort für Wort: yogācāra-paribhraṣṭa: von der Yogapraxis abgefallen; nidrā-kalaha-priya: Schlaf und Streit liebend; sva-kārya-parāniṣṭha: nur eigenen Aufgaben ergeben; guru-kāryeṣu niḥspṛha: an Lehreraufgaben uninteressiert.

6.107 – Übersetzung: – solche halte man fern, auch wenn sie als Schüler gekommen sind.

Wort für Wort: etān: diese; vivarjayet dūre: fernhalten; śiṣyatvena gatān api: selbst wenn sie als Schüler gekommen sind.

6.108 – Übersetzung: Die gute Schrift und der gute Weg, die Siddha Siddhanta Paddhati, sollen ihnen niemals gegeben werden, wenn man langes Leben wünscht.

Wort für Wort: sac-chāstram: gute Schrift; sad-mārgam: guter Weg; na deyam: nicht geben; cirajīvanam icchet: langes Leben wünschen.

6.109 – Übersetzung: Man bewahre sie sorgfältig wie Reichtum vor Dieben. Wer in Verblendung als unverständiger Mensch einen Ungeprüften unterweist –

Wort für Wort: gopanīyam: zu bewahren; prayatnena: sorgfältig; taskarebhyaḥ dhanam yathā: wie Reichtum vor Dieben; mohāt: aus Verblendung; aparīkṣitam: Ungeprüften; manda-dhīḥ: unverständig.

6.110 – Übersetzung: – für den gibt es keine Befreiung; er versinkt stets im Leid. Khechari, Bhuchari, Shakini und Nishachari –

Wort für Wort: muktiḥ na bhavet: keine Befreiung; duḥkhena sīdataḥ: im Leid versinkend; khecarī: Raumwandlerin; bhūcarī: Erdwandlerin; śākinī: Shakini; niśācarī: Nachtwandlerin.

6.111 – Übersetzung: – ihr gewaltiger Fluch und der Fluch der Siddhas und Bhairavas fallen auf sein Haupt. Deshalb soll man [die Lehre] sorgfältig hüten.

Wort für Wort: etāsām: dieser; adbhutaḥ śāpaḥ: gewaltiger Fluch; mastake patati: fällt auf das Haupt; siddhānām bhairavasya ca: der Siddhas und Bhairavas; rakṣayet: hüten.

6.112 – Übersetzung: Nach Prüfung soll man sie stets dem mitteilen, der zu den Lotusfüßen des Guru steht. Woher könnten Leid und Furcht für den großherzigen Kenner der Wirklichkeit kommen?

Wort für Wort: guru-pādāmbuja-sthāya: dem an den Lehrerlotusfüßen Stehenden; parīkṣya: geprüft habend; pravadet: mitteilen; kutaḥ: woher; duḥkham bhītiḥ: Leid und Furcht; tattva-jña: Wirklichkeitskenner; mahātman: Großherziger.

6.113 – Übersetzung: Aus Mitgefühl soll sie weitergegeben werden, damit die Überlieferung fortbesteht. Denn das Fortbestehen der Überlieferung wird von allen gebilligt.

Wort für Wort: kṛpayā eva: gerade aus Mitgefühl; pradātavyam: weiterzugeben; sampradāya-pravṛttaye: zum Fortbestehen der Überlieferung; sarveṣām saṃmatā: von allen gebilligt.

6.114 – Übersetzung: Wer sich vor Mayashankaranatha verneigt, die Siddhanta-Paddhati niederschreibt und sie hingebungsvoll liest, gelangt zum höchsten Ziel.

Wort für Wort: māyāśaṅkaranāthāya natvā: vor Mayashankaranatha verneigt; siddhānta-paddhatim likhitvā: den Lehrleitfaden niedergeschrieben; bhaktyā paṭhet: hingebungsvoll lese; paramāṃ gatim yāti: gelangt zum höchsten Ziel.

Textanmerkung: Nach Mallik, S. 44, 6.116; die elektronische Vorlage lässt natvā aus. Der Vers trägt Merkmale eines überlieferungsbezogenen Schlusszusatzes.

6.115 – Übersetzung: O Geist, erinnere dich der „Ganapati“ genannten Leuchtkraft, die voll Freude ist und die Gnade für die Verehrer verkörpert, [nachdem der Sinn gewiss geworden ist; der Anfang ist beschädigt].

Wort für Wort: artha-niścaya: Sinngewissheit, Anfang unsicher; bhaktānugraha-mūrtimat: die Gnade für Verehrer verkörpernd; smara: erinnere dich; ānanda-bharam: freudeerfüllt; cetaḥ: o Geist; gaṇapaty-abhidham mahaḥ: Ganapati genannte Leuchtkraft.

6.Kolophon – Übersetzung: So endet in der von Shri Gorakshanatha verfassten Siddha Siddhanta Paddhati die sechste Unterweisung, genannt „Die Kennzeichen des Avadhuta-Yogi“.

Wort für Wort: iti: so endet; kṛtau: im Werk; avadhūta-yogi-lakṣaṇam: Kennzeichen des Avadhuta-Yogi; nāma: genannt; ṣaṣṭha-upadeśaḥ: sechste Unterweisung.

Erläuterungen zu Körper, Bewusstsein und Befreiung

Mikrokosmos: den Körper als Ganzheit lesen

Die Entsprechungen des dritten Kapitels laden zu einem Wechsel der Perspektive ein. Der Leib ist nicht nur ein Gegenstand, den ein getrenntes Ich besitzt. Er ist ein Ort, an dem Welt erfahren wird: Licht in den Augen, Strömen in den Nadis, Festigkeit in Knochen und Wirbelsäule, Bewegung in den Lebenswinden. Die traditionellen Namen der Welten, Inseln und Meere werden dabei nicht auf ihre modernen geographischen Bedeutungen reduziert.

Die vielen Zuordnungen führen in 3.13 zu einer unmittelbar verständlichen Aussage: Glück ist Himmel, Leid ist Hölle, gebundenes Handeln ist Fessel, Freiheit von trennender Vorstellung ist Befreiung. Der Blick wendet sich damit von fernen Welten dem eigenen Erleben zu. Für die heutige Betrachtung kann daraus eine Frage entstehen: Was lässt meinen Geist eng werden, und was öffnet ihn für Klarheit und Mitgefühl? Diese Frage ist eine Praxisanregung im Anschluss an den Text.

Die gesellschaftlichen Zuordnungen von 3.6 gehören zur historischen Welt des Textes. Sie begründen keine heutige Pflicht, Menschen nach Herkunft unterschiedlich zu behandeln. Gerade die Auslegung von Dhyana als gleiche Sicht auf alle Wesen (2.38) eröffnet innerhalb des Werkes eine weiterführende Perspektive.

Die acht Glieder und das Ruhen im eigenen Wesen

Die Aufzählung Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi erinnert an andere Darstellungen des Ashtanga Yoga. Dennoch verdient die eigene Definition jedes Gliedes Beachtung. Asana bedeutet hier zunächst Nähe zum eigenen Wesen und erst danach die Wahl eines Sitzes. Pranayama wird als Festigkeit des Lebenshauches bestimmt. Dhyana umfasst höchste Nichtdualität und gleiche Sicht, Samadhi müheloses Verweilen in ausgeglichener Ganzheit.

Übung und Erkenntnis unterstützen einander. Aufmerksames Sitzen, Atemschulung und Sammlung bereiten den Geist vor. Die Erkenntnis richtet sich auf das eigene Wesen, das in dieser Ruhe deutlicher erfahren werden soll. Wenn spätere Verse äußere Zeichen und isolierte Techniken kritisieren, zielen sie auf deren Verwechslung mit Verwirklichung. Die Schrift enthält selbst konkrete Verfahren und würdigt in 6.88 ausdrücklich die Verwirklichung im allgegenwärtigen ungeschlagenen Klang.

Guru, Unterscheidungsvermögen und Weitergabe

Der Guru ist im fünften Kapitel wesentlich. Sein Wort, Blick und seine Gnade eröffnen den Zugang zu einer Erkenntnis, die nicht aus bloßer Begriffskombination entsteht. Diese Sprache ist im Rahmen einer persönlichen Überlieferung und Einweihung zu verstehen. Die Verwirklichung wird jedoch nicht mit dem äußerlichen Besitz eines Lehrertitels gleichgesetzt: 5.73 fordert ausdrücklich, einen erkenntnislosen, unwahrhaftigen Schausteller als Lehrer zu verlassen.

Guru-Hingabe und Unterscheidungsvermögen schließen einander deshalb nicht aus. Die Verehrung der Lotusfüße in 2.25 richtet die Schau auf das Prinzip befreiender Unterweisung. Sie rechtfertigt nicht, dass die Würde oder Gewissensentscheidung eines Menschen aufgehoben wird. Diese letzte Folgerung ist eine heutige ethische Einordnung, keine zusätzlich in den Sanskrittext eingeschobene Vorschrift.

Am Ende des Werkes stehen strenge Regeln, wem die Lehre weitergegeben werden soll. Wahrheit, Mitgefühl, Beständigkeit und Freiheit von Täuschung werden als günstige Eigenschaften genannt. Die dort ebenfalls auftretenden Drohungen, Flüche und abwertenden Gruppenbezeichnungen werden in der vollständigen Übersetzung nicht verschwiegen; sie sind aber keine vom Artikel übernommenen Verurteilungen heutiger Menschen.

Samarasya und Befreiung im verkörperten Zustand

Die Verbindung piṇḍa-pada ist ein Schlüssel zur ganzen Schrift. Piṇḍa ist die verkörperte Gestalt; pada kann „Schritt“, „Ort“, „Stand“ und hier der höchste Zustand beziehungsweise Grund bedeuten. Samarasya bezeichnet ihre Wesenseinheit, ohne die erfahrbare Vielfalt einfach zu leugnen. Kapitel 4 erläutert dieselbe Einsicht am Verhältnis von Shiva und Shakti; Kapitel 5 stellt die Verwirklichung ins Zentrum.

Die Schrift würdigt den Körper als Ort der Verwirklichung. Sie spricht von Körpervollendung, außergewöhnlichen Kräften und Unsterblichkeit. Zugleich beschreibt sie eine Freiheit, die im Leben sichtbar wird: Der Avadhuta begegnet der Welt, während er im eigenen Wesen ruht. Gewinn und Verlust bestimmen nicht mehr seinen innersten Halt. Im weiteren Sprachgebrauch des Yoga berührt dies das Ideal der Jivanmukti, der Befreiung zu Lebzeiten.

Eine solche Lesart ist keine naturwissenschaftliche Bestätigung körperlicher Unsterblichkeit. Sie erschließt, was die Avadhuta-Verse selbst immer wieder hervorheben: Ruhe im eigenen Wesen, Freiheit von Besitzgier, Gleichmut gegenüber Gewinn und Verlust sowie eine Bewusstheit, die sich nicht in äußeren Abzeichen erschöpft.

Als heutige Praxisbegleitung: „3-Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev“. Sie gehört zum Yoga-Vidya-Angebot und ist keine Rekonstruktion des Neuner-Systems der Schrift.

Siddha Siddhanta Paddhati und verwandte Yoga- und Tantra-Schriften

Die folgenden Vergleiche betreffen Themen und Lehrformen. Sie behaupten für sich genommen keine direkte literarische Abhängigkeit.

Verwandte Schrift Gemeinsame Fragen Unterschied im Schwerpunkt
Khecari Vidya Nath-naher Yoga, Gaumenraum, Amrita, Khechari Mudra und besondere Körperpraxis Stärker auf Khecari und ihre Überlieferung konzentriert; die Siddha Siddhanta Paddhati entfaltet eine umfassendere Körperkosmologie und Avadhuta-Lehre.
Hatha Yoga Pradipika Hatha Yoga, Prana, Nadi, Kundalini, Nada und Samadhi Systematischere Darstellung vieler praktischer Mittel; hier stehen zusätzlich die Entstehung des Pinda und seine Einigung mit dem höchsten Zustand im Vordergrund.
Gheranda Samhita Körperbezogene Übung, Sammlung, Atem und Befreiung Ihre siebenfache Yogadarstellung und Reinigungsverfahren bilden eine andere Ordnung als die sechs Unterweisungen des vorliegenden Werkes.
Shiva Samhita Nichtduale Deutung des Körpers, Nadis, Prana und innere Zentren Eigenständige philosophische und praktische Zusammenstellung; ihre Körperkarte ist nicht voraussetzungslos auf die neun Chakras dieser Schrift übertragbar.
Goraksha Shataka Goraksha-Überlieferung, Nath-Yoga, Atem, innere Stützen und Zentren Knappere Lehrform; die Siddha Siddhanta Paddhati führt kosmologische und bewusstseinsbezogene Überlegungen ausführlicher aus.
Vijnana Bhairava Tantra Aufmerksamkeit auf Atem, Raum, Wahrnehmung und Bewusstsein als Zugänge zur Befreiung Zahlreiche einzelne Kontemplationen in einem Bhairava-Lehrdialog; kein identischer Aufbau aus Pinda-Kosmologie und Avadhuta-Kennzeichen.
Shiva Sutra Erkenntnis des eigenen Bewusstseins, Shakti und Befreiung Sehr verdichtete Sutraform des kaschmirischen Shivaismus; die konkrete Neuner-Chakra- und Sechzehner-Adhara-Liste ist nicht ihr Gliederungsprinzip.
Spandakarika Lebendige Bewusstseinskraft, Erkennen in wechselnden Zuständen und nichtduale Erfahrung Schwerpunkt auf Spanda, der dynamischen Lebendigkeit des Bewusstseins; keine gleichartige vollständige Körperkarte.
Kularnava Tantra Guru, Kula, Shakti, Einweihung und Befreiung Stärker rituell und auf Kaula-Unterweisung ausgerichtet; die Siddha Siddhanta Paddhati erschließt Kula und Akula vor allem im Zusammenhang von Kraft, Körpergrund und Samarasya.

Vollständiger Devanagari-Text

Dieser Text entspricht einschließlich der Ergänzungen und gewählten Lesarten dem oben wiedergegebenen IAST-Text. Die Abschnittsnummern dienen der Zuordnung; sie behaupten keine einheitliche Verszählung aller Ausgaben.

1. Unterweisung: Entstehung des Körpers

1.Eingang
श्रीगणेशाय नमः॥

1.1
आदिनाथं नमस्कृत्य शक्तियुक्तं जगद्गुरुम्।
वक्ष्ये गोरक्षनाथोऽहं सिद्धसिद्धान्तपद्धतिम्॥

1.2
नास्ति सत्यविचारेऽस्मिन्नुत्पत्तिश्चाण्डपिण्डयोः।
तथापि लोकवृत्त्यर्थं वक्ष्ये सत्सम्प्रदायतः॥

1.3
सा पिण्डोत्पत्त्यादिः सिद्धमते सम्यक् प्रसिद्धा पिण्डोत्पत्तिः पिण्डविचारः पिण्डसंवित्तिः पिण्डाधारः पिण्डपदसमरसभावः श्रीनित्यावधूतः॥

1.4
यदा नास्ति स्वयं कर्ता कारणं न कुलाकुलम्।
अव्यक्तञ्च परं ब्रह्म अनामा विद्यते तदा॥

1.5
अनामेति स्वयमनादिसिद्ध एकमेवानादिनिधनं सिद्धसिद्धान्तप्रसिद्धं तस्येच्छमात्रधर्माधर्मिणी निजा शक्तिः प्रसिद्धा॥

1.6
तस्योन्मुखत्वमात्रेण पराशक्तिरुत्थिता॥

1.7
तस्य स्पन्दनमात्रेण अपराशक्तिरुत्थिता॥

1.8
ततोऽहंतार्थमात्रेण सूक्ष्मशक्तिरुत्पन्ना॥

1.9
ततो वेदनशीला कुण्डलिनी शक्तिरुद्गता॥

1.10
नित्यता निरञ्जनता निष्पन्दतानिराभासता निरुत्थान्ता इति पञ्चगुणा निजाशक्तिः॥

1.11
अस्तिता अप्रमेयता अभिन्नता अनन्तता अव्यक्तता इति पञ्चगुणा पराशक्तिः॥

1.12
स्फुरता स्फुटता स्फारता स्फोटता स्फूर्तितेति पञ्चगुणाऽपरा शक्तिः॥

1.13
निरंशता निरन्तरता निश्चलता निश्चयता निर्विकल्पतेति पञ्चगुणा सूक्ष्माशक्तिः॥

1.14
पूर्णता प्रतिबिम्बता प्रबलता प्रोच्चलता प्रत्यङ्मुखतेति कुण्डलिनी शक्तिः॥

1.15
एवं शक्तितत्त्वे पञ्च पञ्च गुणयोगात् परपिण्डोत्पत्तिः॥

1.16
उक्तञ्च- निजापराऽपरासूक्ष्माकुण्डलिन्यासु पञ्चधा।
शक्तिचक्रक्रमेणोत्थो जातः पिण्डपरः शिवः॥

1.17
अपरम्परं परमपदं शून्यं निरञ्जनं परमात्मेति॥

1.18
अपरम्परात् स्फुरतामात्रमुत्पन्नं परमपदाद् भावनामात्रमुत्पन्नं शून्यात्स्वसत्तामात्रमुत्पन्नं निरञ्जनात् स्वसाक्षात्कारमात्रमुत्पन्नं परमात्मनः परमात्मोत्पन्नः॥

1.19
अकलंकत्वमनुपमत्वमपारत्वममूर्तत्वमनुदयत्वमिति पञ्चगुणमपरम्परम्॥

1.20
निष्कलत्वमणुतरत्वमचलत्वमसंख्यत्वमनाधारत्वमिति पञ्चगुणं परमपदम्॥

1.21
लीनता पूर्णतोन्मनी लोलता मूर्च्छतेति पञ्चगुणं शून्यम्॥

1.22
सत्यत्वं सहजत्वं समरसत्वं सावधानत्वं सर्वगतत्वमिति पञ्चगुणंनिरञ्जनम्॥

1.23
अक्षयत्वमभेद्यत्वमच्छेद्यत्वमविनाशत्वमदाह्यत्वमिति पञ्चगुणः परमात्मा इत्यनादिपिण्डस्य पञ्चतत्वं पञ्चविंशति गुणाः॥

1.24
उक्तञ्च- अपरम्परं परमपदं शून्यं निरञ्जनपरमात्मानौ पञ्चभिरेतै सगुणैरनाद्यपिण्डः समुत्पन्नः॥

1.25
अनाद्यात् परमानन्दः परमानन्दात् प्रबोधः प्रबोधाच्चिदुदयश्चदुदयात्चित्प्रकाशः चित्प्रकाशात् सोऽहं भावः॥

1.26
स्पन्दः हर्षः उत्साहः निस्पन्दः नित्यसुखत्वमिति पञ्चगुणः परमानन्दः॥

1.27
उदय उल्लासोऽवभासो विकासः प्रभा इति पंचगुणः प्रबोधः॥

1.28
सद्भावो विचारः कर्तृत्वं ज्ञातृत्वं स्वतन्त्रत्वमिति पंचगुणश्चिदुदयः॥

1.29
निर्विकारत्वं निष्कलत्वं निर्विकल्पत्वं समता विश्रान्तिरिति पञ्चगुणः चित्प्रकाशः॥

1.30
अहन्ताऽखण्डैश्वर्यं स्वात्मता विश्वानुभवसामर्थ्यं सर्वज्ञत्वमिति पञ्चगुणः सोऽहंभावः।
इत्याद्यपिण्डस्य पञ्चतत्त्वं पञ्चविंशति गुणाः।
परमानन्दः प्रबोधश्चिदुदयश्चित्प्रकाशः सोऽहंभाव इत्यन्त आद्यपिण्डो महातत्त्वयुक्तः समुत्थितः॥

1.31
आद्यान्महाकाशो महाकाशान्महावायुर्महावायोर्महातेजो महातेजसो महासलिलं महासलिलान्महापृथ्वी॥

1.32
अवकाशोऽच्छिद्रमस्पृशत्वं नीलवर्णत्वं शब्दत्वमिति पञ्चगुण अवकाशः॥

1.33
सञ्चारः सञ्चालनं स्पर्शनं शोषनं धूम्रवर्णत्वमिति पञ्चगुणो महवायुः॥

1.34
दाहकत्वं पाचकत्वमुष्णत्वं प्रकाशत्वं रक्तवर्णत्वमिति पञ्चगुणं महातेजः॥

1.35
महाप्रवाह अप्यायनं द्रवो रसः श्वेतवर्णत्वमिति पञ्चगुणं सलिलम्॥

1.36
स्थूलता नानाकारता काठिन्यं गन्धः पीतवर्णत्वमिति पञ्चगुणामहापृथ्वी।
इति महासाकारपिण्डस्य पञ्चविंशति गुणाः॥

1.37
स एव शिवः शिवाद्भैरवो भैरवात् श्रीकण्ठः श्रीकण्ठात्सदाशिवः सदाशिवादीश्वरः ईश्वराद्रुद्रो रुद्राद्विष्णुर्विष्णोर्ब्रह्मा इति महासाकारपिण्डस्य मूर्त्यष्टकम्॥

1.38
तद् ब्रह्मणः सकाशादवलोकनेन नरनारीरूपप्रकृतिपिण्डः समुत्पन्नस्तच्च पञ्चपञ्चात्मक शरीरम्॥

1.39
अस्थिमांसत्वङ् नाड़ीरोमाणीति पञ्चगुणा भूमिः॥

1.40
लाला मुत्रं शुक्रं शोणितं स्वेद इतिपञ्चगुणा आपः॥

1.41
क्षुधा तृषा निद्रा कान्तिरालस्यमिति पञ्चगुणं तेजः॥

1.42
धावनं भ्रमणं प्रसारणमाकुञ्चनं निरोधनमिति पञ्चगुणो वायुः॥

1.43
रागो द्वेषो भयं लज्जा मोह इति पञ्चगुन आकाशः इति पञ्चविंशति गुणानां भूतानां पिण्डः॥

1.44
मनो बुद्धिरहंकारश्चित्तं चैतन्यमित्यन्तःकरणः पञ्चकम्॥

1.45
संकल्पो विकल्पो मूर्च्छा जड़ता मननमिति पञ्चगुनं मनः॥

1.46
विवेको वैराग्यं शान्तिः संतोषः क्षमेति पञ्चगुणा बुद्धि॥

1.47
अभिमानं मदीयं मम सुखं मम दुःखं ममेदमिति पञ्चगुणोऽहंकारः॥

1.48
मतिर्धृतिस्मृतिस्त्यागः स्वीकार इति पञ्चगुणं चित्तम्॥

1.49
विमर्शः शीलनं धैर्यं चिन्तनं निःस्पृहत्वमिति पञ्चगुणं चैतयमेवमन्तःकरणगुणाः॥

1.50
सत्त्वं रजस्तमः कालो जीव इति कुलपञ्चकम्॥

1.51
दया धर्मः क्रियाभक्तिः श्रद्धेति पञ्चगुणं सत्त्वम्॥

1.52
दानं भोगः शृङ्गारो वस्तुग्रहणं स्वार्थसंग्रहणमिति पञ्चगुणं रजः॥

1.53
विवादः कलहः शोको वधो वञ्चनमिति पञ्चगुणं तमः॥

1.54
कलना कल्पना भ्रान्तिः प्रमादः अनर्थ इति पञ्चगुणः कालः॥

1.55
जाग्रत् स्वप्नः सुषुप्तिस्तुरीयातुर्यातीतमिति पञ्चगुण जीवः॥

1.56
इच्छा क्रिया माया प्रकृतिर्वागिति व्यक्तिपञ्चकम्॥

1.57
उन्मादो वासना वाञ्छा चिन्ता चेष्टेति पञ्चगुणेच्छा॥

1.58
स्मरणं उद्योगः कार्यं निश्चयः स्वकुलाचार इति पञ्चगुणा क्रिया॥

1.59
मदो मात्सर्यं दम्भः कृत्रिमत्त्वमसत्यमिति पञ्चगुणा माया॥

1.60
आशा तृष्णा स्पृहा काङ्क्षामिथ्येति पञ्चगुणा प्रकृतिः॥

1.61
परा पश्यन्ती मध्यमा वैखरी मातृकेति पञगुणा वाक् इति व्यक्तिपञ्चकः पञ्चर्विशति गुणा॥

1.62
कर्म कामश्चन्द्रः सूर्योऽग्निरिति प्रत्यक्षकरणपञ्चकम्॥

1.63
शुभमशुभं यशोऽपकीर्तिरदृष्टफलसाधनमिति पञ्चगुणं कर्म॥

1.64
रतिः प्रीतिः क्रीडा कामना आतुरतेति पञगुणः कामः॥

1.65
उल्लोला कल्लोलिनी उच्चलन्ती उन्मादिनी तरङ्गिणी शोषिणी लम्पटा प्रवृत्ति लहरी लोला लेलिहाना प्रसरन्ती प्रवाहा सौम्या प्रसन्नता प्लवन्ती एवं चन्द्रस्य षोडशकला सप्तदशीकला निवृत्ति साऽमृतकला॥

1.66
तापिनी ग्रासिका उग्रा आकुञ्चनी शोषिणी प्रबोधिनी स्मरा आकर्षिणी तुष्टवर्धनी ऊर्मीरेखा किरणवती प्रभावतीति द्वादशकला सूर्यस्य त्रयोदशी स्वप्रकाशता निजकला॥

1.67
दीपका राजिका ज्वलिनी विस्फुलिङ्गिनी प्रचण्डा पाचिका रौद्री दाहिका रागिणी शिखावती इत्यग्नेर्दशकला एकादशी कला ज्योतिरिति प्रत्यक्षकरणगुणकलासमूहः॥

1.68
अथ नाडीनां दश द्वाराणि।
इडापिङ्गला नासाद्वरयोर्वहतः सुषुम्णा नाडी तु ब्रह्मदण्डामार्गेण ब्रह्मरन्ध्रपर्यन्तं वहति सरस्वती मुखद्वारे वहति पूषाऽलम्बुषा चक्षुर्द्वारयोर्वहतो गान्धारी हस्तिजिह्विका च कर्णद्वारयोवहतः कुहूर्गुदाद्वारे वहति शंखिनी लिङ्गद्वारे वहति एवं दशद्वारेषु वहन्ति॥

1.69
अथ दशवायवः।
हृदये प्राणवायुरुच्छ्वासनिःश्वासकारको हकारसकारात्मकश्च।
अस्यैवावस्थाभेदे हठयोग इति संज्ञा।
हकारः कीर्तितः सूर्यष्ठकारश्चन्द्र उच्यते।
सूर्याचन्द्रमसोर्योगाद् हठयोगो निगद्यते।
गुदे त्वपानवायुः रेचकः कुम्भकपूरकश्च।
नाभौ समानवायुर्दीपकः पाचकश्च।
कण्ठे व्यानवायुः शोषणाप्यायनकारकश्च।
तालौ उदानवायुः ग्रसनवमनजल्पकारकश्च।
नागवायुः सर्वाङ्गव्यापको मोचकश्चालकश्च।
कूर्मवायुः चक्षुरुन्मेषकारकश्च।
कृकलः उद्गारकश्च क्षुत्कारकश्च।
देवदत्तो मुखे विजृम्भकः।
धनञ्जयो नादघोषक इति दशवाय्ववलोकनेन पिण्डोत्पत्तिः नरनारीरूपम्॥

1.70
अथ गर्भोली पिण्डोत्पत्तिर्भवति नरनारीसंयोगे ऋतुकाले रजोविन्दुसंयोरे जीवः॥

1.71
प्रथमदिने कललं भवति सप्तरात्रे बुद्बुदाकारं भवति।
अर्धमासे गोलाकारं भवति।
मासमात्रेण कठिनं मासद्वयेन शिरो भवति।
तृतीयामासि हस्तपादादिक भवति।
चर्तुर्थे मासि चक्षुःकर्णादिनासिकामुखमेढ्रगुदं भवति।
पञ्चमे मासि पृष्ठोदरौ भवतः।
षष्ठे मासि नखकेशादिकं भवति।
सप्तमे मासे सर्वचेतन्युक्तो भवति।
अष्टमे मासि सर्वलक्षणयुक्तो भवति ।
नवमे मासि सत्यज्ञानयुक्तो भवति।
दशमे मासि योनिसंस्पर्शादज्ञानी बालको भवति॥

1.72
शुक्राधिकेषु पुरुषो रक्ताधिका कन्यका समशुक्ररक्ताभ्यां नपुंसकः परस्परं चिन्ताव्याकुलत्वादन्धः कुब्जो वामनः पङ्गु रङ्गहीनश्च भवति।
परस्परं रतिकालेऽङ्गनिःपीडनकरगुणौः शुक्रो द्वस्त्रिवारं पतति येन द्वितीयो बालको भवति॥

1.73
सार्धपलत्रयं शुक्रं विंशतिपलं रक्तं द्वादशपलं मेदः दशपलं मज्जा शतपलं मांसं दशपलं पित्तं विंशतिपलं श्लेष्मा तद्वद्वातः स्यात् षष्टयधिकशतत्रयमस्थीन्यस्थिमात्रं सन्धयः सार्धत्रयकोटिरोमाकूपाणि पितृमातृवीर्यं भवति वातपित्तश्लेष्मधातुत्रयं दशधातुमयं शरीरमिति गर्भोत्थपिण्डोत्पत्तिः॥

1.Kolophon
इति शिवगोरक्षविरचितसिद्धसिद्धान्तपद्धतौ प्रथमोपदेशः॥

2. Unterweisung: Betrachtung des Körpers

2.1
अथ पिण्डविचारः कथ्यते॥ पिण्डे नवचक्राणि।
आधारे ब्रह्मचक्रं त्रिधावर्तं भगमण्डलाकारं तत्र मूलकन्दस्तत्र शक्तिं पावकाकारां ध्यायेत् तत्रैव कामरूपपीठं सर्वकामप्रदं भवति॥

2.2
द्वितीयं स्वाधिष्ठानं चक्रं तन्मध्ये पश्चिमाभिमुखलिङ्गं प्रवालाङ्कुरसदृशं ध्यायेत् तत्रैवोड्डीयानपीठं जगदाकर्षणं भवति॥

2.3
तृतीयं नाभिचक्रं पञ्चावर्तं सर्पवत् कुण्डलाकारं तन्मध्ये कुण्डलिनीं शक्तिं बालार्ककोटिसदृशीं ध्यायेत् सा मध्यमा शक्तिः सर्वसिद्धिदा भवति॥

2.4
चतुर्थं हृदयाधारमष्टदलकमलमधोमुखं तन्मध्ये कर्णिकायां लिङ्गाकारां ज्योतिरूपां ध्यायेत्।
सैव हंसकला सर्वेन्द्रियाणि वश्यानि भवन्ति॥

2.5
पञ्चमं कण्ठचक्रं चतुरङ्गुलं तत्र वाम इडा चन्द्रनाडी दक्षिणे पिङ्गला सूर्यनाडी तन्मध्ये सुषुम्णा ध्यायेत् सैवानाहतकलाऽनाहतसिद्धिर्भवति॥

2.6
षष्ठं तालुचक्रं तत्रामृतधाराप्रवाहः घण्टिकालिङ्गमूलरन्ध्रराजदन्तं शंखिनीविवरं दशमद्वारं तत्र शून्यं ध्यायेत् चित्तलयो भवति॥

2.7
सप्तमं भ्रूचक्रं मध्यमंगुष्ठमात्रं ज्ञाननेत्रं दीपशिखाकारं ध्यायेद् वाचां सिद्धिर्भवति॥

2.8
अष्टमं ब्रह्मरन्ध्रं निर्वाणचक्रं सूचिकाग्रभेद्यं धूमशिखाकारं ध्यायेत् तत्र जालन्धरपीठं मोक्षप्रदं भवति॥

2.9
नवममाकाशचक्रं षोडशदलकमलमूर्ध्वमुखं तन्मध्ये कर्णिकायां त्रिकूटाकारां तदूर्ध्वशक्तिं तां परमशून्यां ध्यायेत् तत्रैव पूर्णगिरिपीठं सर्वेच्छसिद्धिर्भवति।
इति नवचक्रस्य विचारः॥

2.10
अथ षोडशाधारः कथ्यते तत्र प्रथमं पदाङ्गुष्ठाधारं तत्राग्रस्तेजोमयं ध्यायेत्।
दृष्टिः स्थिरा भवति॥

2.11
द्वितीयं मूलाधारसूत्रं वामपार्ष्णिना निःपीडयितव्यम्।
तत्राग्निदीपनं भवति॥

2.12
तृतीयं गुदाधारं विकाससंकोचनेन निराकुञ्चयेत्।
अपानवायुः स्थिरो भवति॥

2.13
चतुर्थं मेढ्राधारं लिङ्गसंकोचनेन ब्रह्मग्रन्थित्रयं भित्त्वा भ्रमणगुहायां विश्रम्य तत ऊर्ध्वमुखे विन्दुस्तम्भनं भवति।
एषा वज्रोली प्रसिद्धा॥

2.14
पञ्चममोड्याणाधारयोर्बन्धनान्मलमूत्रसंकोचनं भवति॥

2.15
षष्ठे नाभ्याधार ओङ्कारमेकचित्तेनोच्चारिते नादलयो भवति॥

2.16
सप्तमे हृदयाधारे प्राणं निरोधयेत् कमलविकासो भवति॥

2.17
अष्टमे कण्ठाधारे कण्ठमूलं चिबुकेन निरोधयेत् इडापिङ्गलयोर्वायुः स्थिरो भवति॥

2.18
नवमे घण्टिकाधारे जिह्वाग्रं धारयेदमृतकला स्रवति॥

2.19
दशमे ताल्वाधारे ताल्वन्तर्गर्भे लम्बिकां चालनदोहनाम्यां दीर्घीकृत्वा विपरीतेन प्रवेशयेत् काष्ठी भवति॥

2.20
एकादशमथ जिह्वाधारं तत्र जिह्वाग्रं धारयेत् सर्वरोगनाशो भवति॥

2.21
द्वादशं भ्रूमाध्याधारं तत्र चन्द्रमण्डलं धारयेत् शीतलतां याती॥

2.22
त्रयोदशं नासाधारं तस्याग्रं लक्ष्येन्मनः स्थिरं भवेत्॥

2.23
चतुर्दशं नासामूलक कपाटाधारं तत्र दृष्टिं धारयेत् षण्मासाज्ज्योतिः पुञ्जं पश्यति॥

2.24
पञ्चदशं ललाटाधारं तत्र ज्योतिःपुञ्जं लक्षयेत् तेजस्वी भवति॥

2.25
अवशिष्टे षोडशे ब्रह्मरन्ध्र आकाशचक्रं तत्र श्रीगुरुचरणाम्बुजयुग्मं सदावलोकयेदाकाशवत्पूर्णो भवति।
इति षोडशाधारः॥

2.26
अथ लक्ष्यत्रयन्तत्रतावदन्तर्लक्ष्यं कथ्यते।
मूलकन्दाद् दण्डलग्नां ब्रह्मनाडीं श्वेतवर्णां ब्रह्मरन्ध्रपर्यन्तं गतां संस्मरेत् तन्मध्ये कमलतन्तुनिभां विद्युत्कोटिप्रभामूर्ध्वगामिनीं तां मूर्ति मनसा ध्यायेत् तत्र सर्वसिद्धिदा भवति॥

2.27
अथवा ललाटोर्ध्वे गोल्लाटमण्डपे स्फुरदाकारं लक्षयेदथवा भ्रमरगुहामध्य आरक्तभ्रमराकारं लक्षयेदथवा कर्णद्वयं तर्जनीभ्यां निरोधयेत् ततः शिरोमध्ये धूं धूं कारं नादं शृणोत्यथवा चक्षुर्मध्ये नीलज्योतिरूपं पुतल्याकारं लक्षयेदित्यन्तर्लक्ष्यम्॥

2.28
बहिर्लक्ष्यं कथ्यते॥ नासाग्राद् बहिरङ्गुलचतुष्टये नीलज्योतिः संकाशं लक्षयेत्।
अथवा नासाग्रात् षडङ्गुल अधोवायुतत्वं धूम्रवर्णं लक्षयेदथवा अष्टाङ्गुले आरक्तं तेजस्तत्वं लक्षयेदथवा दशाङ्गुले कल्लोलवदप्तत्वं लक्षयेदथवा नासाग्रात् द्वादशाङ्गुले पीतवर्णं पार्थिवतत्वं लक्षयेत्।
अथवाकाशमुखं दृष्ट्वाऽवलोकयेत् किरणानाकुलितं पश्यति सर्वं निर्मलीकरणमथवोर्ध्वदृष्ट्यन्तरालं लक्षयेज्ज्योतिर्मुखानि पश्यत्यथवा तदभ्यन्तरं तत्राकाशं लक्षयेदाकाशसदृशचित्तं मुक्तिप्रदं भवत्यथवा दृष्ट्यन्तस्तप्तकाञ्चनसन्निभां भूमिं लक्षयेद् दृष्टिः स्थिरा भवति।
इत्यनेकविध बहिर्लक्ष्यम्॥

2.29
अथ मध्यमं लक्ष्यं कथ्यते श्वेतवर्णं वा रक्तवर्णं वा कृष्णवर्णं वाग्निशिखाकारं वा ज्योतीरूपं वा विद्युदाकारं वा सूर्यमण्डलाकारं वाऽर्धचन्द्राकारं वा यथेष्ट स्वपिण्डमात्रं स्थानवर्जितं मनसा लक्षयेदित्यनेकविधं मध्यमं लक्ष्यम्॥

2.30
अथ व्योमपञ्चकं लक्षयेदाकाशं पराकाशं महाकाशं तत्त्वाकाशं सूर्याकाशमिति व्योमपञ्चकं बाह्याभ्यन्तरेऽत्यन्तं निर्मलं निराकारमाकाशं लक्षयेदथवा बाह्याभ्यन्तरेऽत्यन्तान्धकारनिभं परकाशमवलोकयेत् अथवाबाह्याभ्यन्तरे कालानलसंकाशं महाकाशमवलोकयेत् अथवा बाह्याभ्यन्तरे निजतत्वस्वरुपं तत्वाकाशवलोकयेत् अथवा वाह्याभ्यन्तरे सूर्यंकोटिनिभं सूर्याकाशमवलोकयेत् स्वयं व्योमपञ्चकावलोकनेन व्योमसदृशो भवति॥

2.31
उक्तञ्च नवचक्रं कलाधारम् त्रिलक्ष्यं व्योमपञ्चकम्।
सम्यगेतन्न जानाति स योगी नामधारकः॥

2.32
यमनियमासनप्राणायामप्रत्याहारधारणाध्यानसमाधयोऽष्टावङ्गानि।
यम इति उपशमः सर्वेन्द्रियजयाहारनिद्राशीतवातातपजयश्चैवं शनैः शनैः साधयेत्॥

2.33
नियम इति मनोवृत्तीनां नियमनमित्येकान्तवासो निःसङ्गतौ दासीन्यं यथाप्राप्तिसन्तुष्टिर्वैरस्यं गुरुचरणावरूढत्वमितिनियमलक्षनम्॥

2.34
आसनमिति स्वस्वरूपे समासन्नता स्वस्तिकासनं पद्मासनं सिद्धासनमेतेषां मध्ये यथेष्टमेकं विधाय सावधानेन स्थातव्यम्।
इत्यासनलक्षणम्॥

2.35
प्राणायाम इति प्राणस्य स्थिरता।
रेचकपूरककुम्भक संघटकरणानि चत्वारि प्राणायामलक्षणानि॥

2.36
प्रत्याहारमिति चैतन्यतुरङ्गाणां प्रत्याहरणं विकारग्रसन उत्पन्नविकारस्यापि निवृत्तिर्निर्भातीति प्रत्याहारलक्षणम्॥

2.37
धारणेति सा बाह्याभ्यन्तर एकमेवनिजतत्वस्वरूपमेवान्तः करणेन साधयेत् यथा यद्यदुत्पद्यते तत्तन्निराकारे धारयेत् स्वात्मानं निर्वातदीपमिव संधारयेदिति धारणालक्षणं॥

2.38
अथ ध्यानमिति कश्चन परमाद्वैतस्य भावः स एवात्मेति यथा यद्यत्स्फुरति तत्तत्स्वरूपमेवेति भावयेत् सर्वभूतेषु समदृष्टिश्च इति ध्यानलक्षणम्॥

2.39
अथ समाधिलक्षणं सर्वतत्त्वानां समावस्था निरुद्यमत्त्वमनायासस्थितिमत्त्वमिति समाधिलक्षणम्।
इत्यष्टाङ्गयोगलक्षणम्॥

2.Kolophon
इति श्रीगोरक्षनाथकृतौ सिद्धसिद्धान्तपद्धतौ पिण्डविचारो नाम द्वितीयोपदेशः॥

3. Unterweisung: Erkenntnis des Körperkosmos

3.1
अथ पिण्ड संवित्तिः कथ्यते।
पिण्डमध्ये चराचरौ यो जानाति स योगी पिण्डसंवित्तिर्भवति॥

3.2
कूर्म पादतले वस्ति पातालं पादाङ्गुष्ठे तलातलमङ्गुष्ठाग्रे महातलं पादपृष्ठे रसातलं गुल्फे सुतलं जङ्घायां वितलं जान्वोरतलमूर्वेरेव सप्तपातालां रुद्रदेवाधिपतये तिष्ठति पिण्डमध्ये क्रोधरूपी भावः स एव कालाग्निरुद्रः॥

3.3
भुर्लोकं गुह्यस्थाने भुवर्लोकं लिङ्गस्थाने स्वर्लोकं नाभिस्थाने।
एवं लोकत्रय इन्द्रो देवता पिण्डमध्ये सर्वेन्द्रियनियामकः स एवेन्द्रः॥

3.4
दण्डाङ्कुरे महर्लिको दण्डकुहरे जनोलोको दण्डनाले तपो लोको मूलकमले सत्यलोक एवं लोकचतुष्टये ब्रह्मादिदेवता पिण्डमध्येऽनेकमानाभिमानस्वरूपो तिष्ठति॥

3.5
विष्णुलोकः कुक्षौ तिष्ठति तत्र विष्णुर्देवता पिण्डमध्येऽनेकव्यापारको भवति।
हृदये रुद्रलोकस्तत्र रुद्रो देवता पिण्डमध्ये उग्रस्वरूपी तिष्ठति।
वक्षः स्थल इश्वरलोकस्तत्रेश्वरो देवता पिण्डमध्ये तृप्तिस्वरूपी तिष्ठति।
कण्ठमध्ये नीलकण्ठलोकस्तत्र नीलकण्ठो देवता पिण्डमध्ये नित्यं तिष्ठति।
तालुद्वारे शिवलोकस्तत्र शिवो देवता पिण्डमध्येऽनुपमस्वरूपी तिष्ठति।
लम्बिकामूले भैरवलोकस्तत्र भैरवो देवता पिण्डमध्ये सर्वोत्तमस्वरूपी तिष्ठति।
ललाटमध्येऽनादिलोकस्तत्रानादि देवता पिण्डमध्ये आनन्द पराहंतास्वरूपी तिष्ठति।
शृंङ्गाटे कुललोकस्तत्रकुलेश्वरो देवता पिण्डमध्ये आनन्दस्वरूपी तिष्ठति।
शङ्खमध्ये नलिनीस्थानेऽकुलेश्वरो देवता पिण्डमध्ये निरभिमानावस्था तिष्ठति।
ब्रह्मरन्ध्रे परब्रह्मलोकस्तत्र परब्रह्म देवता पिण्डमध्ये परिपूर्णदशा तिष्ठति।
ऊर्ध्वकमले लोकस्तत्र परमेश्वरो देवता पिण्डमध्ये परापरभावस्तिष्ठति।
त्रिकूटस्थाने शक्तिलोकस्तत्र पराशक्तिर्देवता पिण्डमध्ये ऽस्तित्वावस्था सर्वासाण् सर्वासां सर्वकर्त्तृत्वावस्था तिष्ठति।
एवं पिण्डमध्ये सप्तपातालसहितैकविंशति ब्रह्माण्डस्थानविचारः॥

3.6
सदाचारतत्त्वे ब्राह्मणास्तिष्ठन्ति।
शौर्ये क्षत्रिया व्यव्साये वैश्याः सेवाभावे शूद्राश्चतुष्षष्ठिकलास्वपि चतुष्षष्ठि वर्णाः॥

3.7
अथ सप्तसमुद्राः सप्तद्वीपाश्च कथ्यन्ते।
मज्जायां जम्बूद्वीपोऽस्थिषु शकद्वीपः शिरासु सुक्ष्मद्वीपश्चत्वक्षु क्रौञ्च द्वीपो रोमसु गोमय द्वीपो नखेषु श्वेतद्वीपो मांसे प्लक्षद्वीप एवं सप्तद्वीपाः॥

3.8
मूत्रे क्षारसमुद्रो लालायां क्षीरसमुद्रः कफे दधिसमुद्रो मेदसि घृतसमुद्रो वसायां मधुसमुद्रो रक्ते इक्षुसमुद्रः शुक्रेऽमृत समुद्र एवं सप्तसमुद्राः॥

3.9
नवखण्डा नवद्वारेषु वसन्ति।
भारतखण्डः कर्परखण्डः काश्मीरखण्डः श्रीखण्ड शङ्खखण्ड एकपादखण्डो गान्धार खण्डः कैवर्त्तखण्डो महामेरुखण्ड एवं नवखण्डाः॥

3.10
मेरुपर्वतो मेरुदण्ड तिष्ठति कैलासो ब्रह्मकपाटे वसति हिमालयः पृष्ठे मलयो वामकन्धरे मन्दरो दक्षिणकन्धरे विन्ध्याद्रिर्दक्षिणकर्णे मैनाको वामकर्णे श्रीपर्वतो ललाट एवमष्तकुलपर्वताः अन्य उपपर्वताः सर्वाङ्गुलिषु वसन्ति॥

3.11
पीनसा यमुना गङ्गा चन्द्रभागा सरस्वति पिपासा शतरुद्रा श्रीरात्रिर्श्रीनर्मदा एवं नवनेद्यो नवनाडीषु वसन्ति।
अन्य उपनद्यः कुल्योपकुल्याः द्विसप्ततिसहस्रनाडीषु वसन्ति॥

3.12
सप्तविंशति नक्षत्राणि द्वादशराशयो नवग्रहाः पञ्चदशतिथय एतेऽन्तर्वलये द्विसप्ततिसहस्रकोष्ठेषु वसन्ति।
अनेकतारामण्डलमूर्मिपुञ्जे वसति।
त्रयस्त्रिंशत् कोटिदेवता बहुरोमकूपेषु वसन्ति।
दानवयक्षराक्षसपिशाचभूतप्रेता अस्थिसन्धिषु वसन्ति।
अनेकपीठोपपीठका रोमकूपेषु वसन्ति।
अन्ये पर्वता उदरलोमसु वसन्ति।
गन्धर्वकिंनरकिंपुरुषा अप्सरोगणा उदरे वसन्ति।
अन्ये खेचरीलीलामातरः शक्तयः उग्रदेवता वायुवेगे वसन्ति।
अनेकमेघा अश्रुपाते वसन्ति अनन्तसिद्धा मतिप्रकाशे वसन्ति।
चन्द्रसूर्यौ नेत्रद्वये वसतः।
अनेकवृक्षलता गुल्मतृणानि जङ्गारोमकस्थाने वसन्ति अनेककृमिकीटपतङ्गा पुरिषे वसन्ति॥

3.13
यत्सुखं तत्स्वर्गं यद्दुःखं तन्नरकं यत्कर्मतद्बन्धनं यन्निर्विकल्पं तन्मुक्तिः स्वरूपदशायां निद्रादौ स्वात्मजागरः शान्तिर्भवति।
एवं सर्वदेहेषु विश्वरूपपरमेश्वरः परमात्माऽखण्डस्वभावेन घटे ग़्हटे चित्स्वरूपो तिष्ठति।
एवं पिण्डसंवित्तिर्भवति॥

3.Kolophon
इति श्रीगोरक्षरचितसिद्धसिद्धान्तपद्धतौ तृतीयोपदेशः॥

4. Unterweisung: Grundlage des Körpers

4.1
अथपिण्डाधारः कथ्यते॥ अस्ति काचिदपरंपरा संवित्स्वरुपा सर्वपिण्डाधारत्वेन नित्यप्रबुद्धा निजा शक्तिः प्रसिद्धा कार्यकारणकर्तृणामुत्थानदशाङ्कुरोन्मीलनेन कर्त्तारं करोतीत्यनन्तरावाधारशक्तिरिति कथ्यते।
अत्यन्तनिजप्रकाशस्वसंवेद्यानुभवैकगम्यमाना शास्त्रलौकिकसाक्षात्कारसाक्षिणी सा परा चिद्रूपिणी शक्तिर्गीयते।
सैव शक्तिर्यदा सहजेन स्वस्मिन्नुन्मीलिन्यां वर्तते तदा शिव स एव भवति॥

4.2
अतएव कुलाकुलस्वरूपा सामरस्यनिजभूमिका निगद्यते॥

4.3
कुलमिति परा सत्ताऽहंता स्फुरता कलास्वरूपेण सैव पञ्चधाविश्वस्याधारत्वेन तिष्ठति॥

4.4
अतएव परापरा निराभासावभासकान् प्रकाशस्वरूपा या सा परा॥

4.5
अनादिसंसिद्धं पारमाद्वैतपरमेकमेवास्तीति याऽङ्गीकारं करोति स सत्ता॥

4.6
अनादिनिधनोऽप्रमेयः स्वभावकिरणानन्दोऽहमस्मीत्यहं सूचनशीला या सा पराऽहंता॥

4.7
स्वानुभवचित्तचमत्कारनिरूत्थानदशां प्रस्फुटी करोति या सा स्फुरता॥

4.8
नित्यशुद्धबुद्धस्वरूपस्वयंप्रकाशत्वमाकलयतीति या सा पराकलेत्युच्यते॥

4.9
अकुलमिति जातिवर्णगोत्राद्यखिलनिमित्तत्वेनैकमेवास्तीति प्रसिद्धं तथा चोक्तमुमामहेशरसंवादेः निरुत्तरेऽनन्यत्वादखण्डत्वादद्वयत्वादनन्य त्वान्निर्धर्मत्वादनामत्वादकुलस्यनिरुत्तरमिति॥

4.10
एवं कुलाकुलरूपा समरस्यप्रकाशभूमिकास्फुटीकरण एकैवमर्था या साऽपरंपरा शक्तिरेवावशिष्यते अपरंपरं निखिलविश्वप्रपञ्चजालं परतत्त्वं सम्पादयत्येकीकरोतीत्यपराशक्तिराज्ञवती प्रसिद्धा॥

4.11
अकुलकुलमाधत्ते कुलण्चकुलमिच्छति जलबुद्बुद्वन्न्यायादेकाकारः परः शिवः॥

4.12
अतएवैकाकारोऽनन्तशक्तिमान् निजानान्दतयावस्थितोऽपि नानाकारत्वेन विलसन् स्वप्र्तिष्ठं स्वप्रतिष्ठां स्वयमेव भजतीति व्यव्हारः।
अलुप्तशक्तिमान्नित्यं सर्वाकारतया स्फुरन्पुनः स्वेनैव रूपेण एकएवावशिष्यते॥

4.13
अतएव परमकारणं परमेश्वरः परात्परः शिवः स्वस्वरूपतया सर्वतोमुखः सर्वाकारतया स्फुरितुं शक्नीतीत्यतः शक्तिमान् शिवोऽपि शक्तिरहितः शक्तः कर्तु न किञ्चन।
स्वशक्त्यासाहित सोऽपि सर्वस्याभासका भवेत्॥

4.14
अतएवानन्तशक्तिमान् परमेश्वरः स विश्वरूपीविश्वमयो भवतीति प्रसिद्धं सिद्धानां च परापरस्वरूपा कुण्डलिनी वर्तते ।
अतस्ते पिण्डसिद्धाः प्रसिद्ध सा कुण्डलिनी प्रबुद्धा अप्रबुद्धा चेति द्विधा।
अप्रबुद्धेति तत्रपिण्डचेतनारूपा स्वभावेन नानाचिन्ताव्यापारोद्यमप्रपञ्चरूपा कुटिलस्वभावा कुण्डलिनी रव्याता सैव योगिनां तत्तद्विलसित विकाराणां निवारणोद्यमस्वरूपा कुण्डलिन्यूर्ध्वगामिनी प्रसिद्धा भवति॥

4.15
ऊर्ध्वमिति सर्वतत्वान्यपि स्वस्वरूपमेवेत्यूर्ध्वे वर्तते अतएव सा विमर्शरूपिणि योगिनः स्वस्वरूपमवगच्छन्तीति सुप्रसिद्धा॥

4.16
मध्यशक्तिप्रबोधेन अधःशक्तिनिकुञ्चनात्।
ऊर्ध्वशक्तिनिपातेन प्राप्यते परमं पदम्॥

4.17
एकैवा सा मध्योधोर्ध्वाधः प्रभेदेन त्रिधा भिन्ना शक्तिरभिधीयते॥

4.18
बाह्येन्द्रियव्यापारनानचिन्तामया सैवाधः शक्तिरि त्युच्यते।
अतएव योगिनस्तस्या आकुञ्चने रता यस्या आकुञ्चन मूलाधारबन्धनात्सिद्धं स्यात्॥

4.19
यस्माच्चराचरं जगदिदं चिदचिदात्मकं प्रभवति तदेव मूलाधारं संवित्प्रसरं प्रसिद्धम्॥

4.20
सर्वशक्तिप्रसरसंकोचाभ्यां जगत्सृष्टिः संहृतिश्चभवत्येव न सन्देहस्तस्मात्सा मूलमित्युच्यते।
अतः प्रायेण सर्वे सिद्धा मूलाधाररता भवन्ति॥

4.21
तरङ्गितस्वभावं जीवात्मानं वृथाभ्रमनतमपि स्वप्रकाश मध्ये स्वस्वरूपतया सदा धारयितुं समर्था या सा कुण्डलिनी मध्याशक्तिर्गीयते स्थूलसूक्ष्मरूपेण महासिद्धानां प्रतीयत इति निश्चयः॥

4.22
स्थूलेति निखिलग्राह्याधारविग्राह्य स्वरूपापि पदार्थन्तरे भ्राम्यमाणा चिद्रूपा या वर्तते सा कुण्डलिनी साकारास्थूलापुनस्त्वियमेव स्वप्रसारचातुर्यतया वर्तमाना योगिनां परमानन्दतया कुण्डलिनी या निश्चयभूता वर्तते सा सुक्ष्मा निराकारा प्रबुद्धा महासिद्धानां मते प्रसिद्धा॥

4.23
सृष्टिकुण्डलिनी ख्याता द्विधा भागवती तु सा।
एकधा स्थूलरूपा च लोकानां प्रत्यगात्मिका।
अपरा सर्वगा सूक्ष्मा व्याप्ति व्यापकवर्जिता।
तस्या भेदं न जानाति मोहिता प्रत्ययेन तु॥

4.24
तस्मात् सूक्ष्मापरा संवित्स्वरूपा मध्या शक्ति कुण्डलिनी योगिभिर्देहसिद्ध्यर्थ सद्गुरुमुखाज्ज्ञात्वा स्वस्वरूपदशायां प्रबोधनीया॥

4.25
अथ ऊर्ध्वशक्तिनिपातः कथ्यते सर्वेषां तत्त्वानामुपरिवर्तमानत्वान्निर्नाम परमं पदमेवमूर्ध्वप्र्सिद्धं तस्याः स्वसंवेदन नानासाक्षात्कारसूचनशीलाया सोर्ध्वशक्तिरभिधीयते तस्या निपातममिति स्वस्वरूपद्विधाभासनिरासः किन्तु स्वस्वरूपाखण्डत्वेन भवति॥

4.26
शिवस्याभ्यन्तरे शक्ति शक्तेराभ्यतरः शिवः।
अन्तरं नैव जानीयाच्चन्द्रचन्द्रिकयोरिव॥

4.27
अत ऊर्ध्वशक्तिनिपातेन योगिभिः परमं पदं प्राप्यत इति सिद्धम्॥

4.28
सत्त्वे सत्त्वे सकलरचना राजते संविदेका तत्त्वे तत्त्वे परममहिमा संविदेवावभाति।
भावे भावे बहुलतरला लम्पटा संविदेषा भासे भासे भजनचतुरा बृंहिता संविदेव॥

4.29
किमुक्तं भवति परावरविमर्शरूपिणी संविन्नानाशक्तिरूपेण निखिलपिण्डाधारत्वेन वर्त्तते इति सिद्धान्तः॥

4.Kolophon
इति शिवगोरक्षविरचितसिद्धसिद्धान्तपद्धतौ चतुर्थोपदेशः॥

5. Unterweisung: Einigung von Körper und höchstem Zustand

5.1
अथ पिण्डपदयोः समरसकरणं कथ्यते- महासिद्धयोगिभिः पूर्वोक्तक्रमेण परपिण्डादिस्वपिण्डान्तं ज्ञात्वा परमपदे समरसं कुर्यात्॥

5.2
परमपदमिति स्वसंवेद्यं अत्यन्ताभासाभासकमयं॥

5.3
उक्तं तत्त्वसंहितायामः- यत्र बुद्धिर्मनो नास्ति तत्त्वविन्नापरा कला।
ऊहापोहौ न कर्तव्यौ वाचा तत्र करोति किम्॥ वाग्मिना गुरूणा सम्यक् कथं तत्पदमियते ।
तस्मादुक्तं शिवेनैव स्वसंवेद्यं परंपदम्॥

5.4
अतएव नानाविधि- विचारचातुर्य-चर्चा विस्मयां गत्वा कृपातत्वमात्रेण निर्णीतत्वात् स्वसंवेद्यमेव परमं पदम् प्रसिद्धमिति सिद्धान्तः॥

5.5
गुरुरत्र सम्यक् सन्मार्गदर्शनशीलो भवति।
सन्मार्गो योगमार्गस्तदितरः पाषंडमार्गः।
तदुक्तमादिनाथेनः- योगमार्गेषु तंत्रेषु दीक्षितास्तांश्च दूषकाः।
ते हि पाषंडिनः प्रोक्ताः तथा तैः सहवासिनः॥

5.6
यस्मिन् दर्शोते सति तत्क्षणात् स्वसंवेद्यसाक्षात्कारः समुत्पद्यते।
ततो गुरुरेवात्र कारणमुच्यते॥

5.7
तस्माद्गुरुकटाक्षपातात् स्वसंवेद्यतया च महासिद्धयोगिभिः स्वकीयं पिण्डं निरुत्थानानुभवेन समरसं क्रियते इति सिद्धान्तः॥

5.8
तद्यथा-निरुत्थानप्राप्त्युपायः कथ्यते।
महासिद्धयोगिनः स्वस्वरूपतयानुसन्धानेन निजावेशो भवाति निजावेशान्निपीदित- निरुत्थान- दशा- महोदयः कश्चिज्जायते।
ततः सच्चिदानन्द- चमत्कारात् अद्भुताकारप्रकाशप्रबोधो जायते।
प्रबोधादखिलमेतद् द्वयाद्वय्- प्रक्टतया चैतन्यभासाभासकं परात्परं पदमेव प्रस्फुटं भवतीति सत्यं॥

5.9
अत एव महासिद्धयोगिभिः सम्यक्।
उक्त।
गुरुप्रसादं लब्ध्वाऽवधान- बलेनैक्यं भजमानैस्तत्क्षणात् परमं पदमेवानुभुयते॥

5.10
तदनुभवबलेन स्वकीयं सिद्धं सम्यक् निजपिण्डं परिज्ञात्वा तमेव परमपदे एकीकृत्य तस्मिन् प्रत्यावृत्यारूढेवाभ्यन्तरे स्वपिण्ड सिद्ध्यर्थं महत्त्वमनुभूयते॥

5.11
निजपिण्डमिति स्वरूपकिरणानन्दोन्मेषमात्रं यस्योन्मेषस्य प्रत्याहरणमेव समरसकरणं भवति॥

5.12
अतएव स्वकीयं पिण्डं महारश्मिपुंजं स्वेनैवाकारेण प्रतीयमानं स्वानुसन्धानेन स्वस्मिन्नुररीकृत्य महासिद्धयोगिनः पिण्डसिद्ध्यर्थं तिष्ठन्तीति प्रसिद्धम्॥

5.13
अथ पिण्डसिद्धौ वेषः कथ्यते- शंखमुद्राधारणञ्च केशरोमप्रधारणम्।
अमरीपानममलं तथा मर्दनमुत्तमम्॥

5.14
एकान्तवासो दीक्षा च सन्ध्या जपमाश्रया।
झानभैरवमूर्तेस्तु तत्पूजा च सुरादिभिः॥

5.15
शंखाध्मातं सिंहनादं कौपीनं पादुका तथा।
अङ्गवस्त्रं बहिर्वस्त्रं कम्बलं छत्रमद्भुतम्॥

5.16
वेत्रं कमंडलुञ्चैव भस्मना च त्रिपुण्डूकम् ।
कूर्यादेतान् प्रयत्नेन गुरुवन्दनपूर्वकम्॥

5.17
तेषां पिण्डसिद्धौ सत्यां सर्वसिद्धयः सन्निधाना भवन्ति॥

5.18
उक्तञ्चः- यस्मिन् ज्ञाते जगत्सर्वं सिद्धं भवति लीलया।
सिद्धयः स्वयमायान्ति तस्माद् ज्ञेयं परमं पदम्॥

5.19
परं पदं न वेषेण प्राप्यते परमार्थतः।
देहमूलं हि वेषं स्याल्लोकप्रत्ययहेतुकम्॥

5.20
लोके निकृष्टमुत्कृष्टं परिगृह्य पृथक् कृतम्।
तत्स्वधर्म इति प्रोक्तो योगमार्गे विशेषतः॥

5.21
योगमार्गात्परो मार्गो नास्ति नास्ति श्रुतौ स्मृतौ॥

5.22
शास्त्रेष्वन्येषु सर्वेषु शिवेन कथितः पुरा।
योगः सन्नहनोपायो ज्ञानसंगतियुक्तिषु॥

5.23
लोके निकृष्टं सततं यं वा यं वा प्रकुर्वतो।
तं वा तं वा वर्जयन्ति लोकज्ञानबलेन तु॥

5.24
मनुष्याणां च सर्वेषां प्राक्संस्कारवशादिह।
शास्त्र-युक्ति-समाचारः क्रमेण भवति स्फुटम्॥

5.25
एवं पिण्डे संसिद्धे ज्ञानप्राप्त्यर्थं तच्च परमपदं महासिद्धानां मतं परिज्ञाय तस्मिन्नहंभावे जीवात्मा च सहजसंयम-सोपायाद्वैतक्रमेणोपलक्ष्यते॥

5.26
तत्र सहजमिति।
विश्वातीतं परमेश्वरं विश्वरूपेणावभासमानमिति एकमेवस्तीति स्वस्वभावेन यद् ज्ञानं तत्सहजं प्रसिद्धम्॥

5.27
संयम इति।
सावधानानां प्रस्फुरद्-व्यापाराणां निजवृत्तीनां संयमनं कृत्वा आत्मनि धीयते इति संयमः॥

5.28
सोपायमिति।
स्वयमेव प्रकाशमयं स्वेनैव स्वात्मन्येकी कृत्य सदा तत्त्वेन स्थातव्यम्॥

5.29
अद्वैतमिति।
अकर्तृतयैव योगी नित्यतृप्तो निर्विकल्पः सदा निरुथानत्वेन तिष्टति॥

5.30
उक्तञ्चः- सहजं स्वात्मसंवित्तिः संयमः स्वात्मनिग्रहः।
सोपायः स्वस्य विश्रान्तिरद्वैतं परमं पदम्॥

5.31
तज्ज्ञेयं सद्गुरोर्वक्त्रात् नान्यथा शास्त्रकोटिभिः।
न तर्कशब्दविज्ञानान्नाचारद्वेदपाठनात्॥

5.32
वेदान्तश्रवणान्नैव तत्त्वमस्यादिबोधनात्।
न हंसोच्चारणाज्जीवब्रह्मणोरैक्यभावनात्॥

5.33
न ध्यानान्न लयाल्लीनः सर्वज्ञः सिद्धिपारगः स्वेच्छो योगी स्वयंकर्ता लीलया चाजरोऽमरः॥

5.34
अवध्यो देवदैत्यानां क्रीडते भैरवो यथा।
इत्येवं निश्चलो योऽसौ क्रमादाग्नोति लीलया॥

5.35
असाध्याः सिद्धयः सर्वाः सद्गुरोः करुणां विना।
प्रथमे त्वरोगतासिद्धिः सर्वलोकप्रियो भवेत्।
कांक्षते दर्शनं तस्य स्वात्मारूढस्य नित्यशः॥

5.36
कृतार्थः स्याद्वितीये तु कुरुते सर्वभाषया।
तृतिये दिव्यदेहस्तु व्यालैर्व्याघ्रैर्न बध्यते॥

5.37
चतुर्थे क्षुत्तृषानिद्राशीततापविवर्जितः।
जायते दिव्ययोगीशो दूरश्रावी न संशयः॥

5.38
वाक्सिद्धिः पण्चमे वर्षे पुरकयप्रवेशनम्।
षष्ठे न छिद्यते शस्तैर्वज्रपातैर्न वाध्यते॥

5.39
वयुवेगी क्षितित्यागी दूर्दर्शी च सप्तमे।
अणिमादिगुणोपेतस्त्वष्टमे वत्सरे भवेत्॥

5.40
नवमे वज्रकायः स्यात् खेचरो दिक्चरो भवेत्।
दशमे पवनाद वेगी यत्रेच्छा तत्र धावति॥

5.41
सम्यगेकादशे वर्षे सर्वज्ञः सिद्धिभाग्भवेत्।
द्वादशे शिवतुल्योऽसौ कर्ता हर्ता स्वयं भवेत्॥

5.42
त्रैलोक्ये पूज्यते सिद्धः सत्यं श्रीभैरवो यथा।
एवं द्वादशवर्षेषु सिद्धयोगी महाबलः॥ जायते सद्गुरोः पादप्रभावान्नात्र संशयः॥

5.42a
अनुवुभूषितयोनिजविश्रमं स गुरूपादसरोरुहमाश्रयेत्।
तदनुससरणात्परमं पदं समरसीकरणं न च दूरतः॥

5.43
गुरुकुलसन्तानं पञ्चधा प्रोक्तम्।
आईसन्तानं विलेश्वर सन्तानं विभूतिसन्तानं नाथसन्तानं योगीश्वरसन्तानञ्चेति एषामपि सन्तानानां पृथक् पृथक् वैशिष्ट्यं वर्तते॥

5.44
परमार्थतः सर्वं पाञ्चभौतिकम्।
तज्जाताः पुरुषाः।
स्वबोधसम्मात्रैकरूपः शिवः।
तदितरत्सर्वमज्ञानमव्यक्तं भवति तत्र शिवस्तु ज्ञानम्॥

5.45
एतेषामपि सन्तानानां केचित्स्वरूपपरङ्मुखाः वेशमात्रसम्पन्नाः क्रयविक्रयादिकं कुर्वन्ति सन्तानभेदं प्रत्यन्योऽन्यमधः कुर्वन्ति योगमार्गं द्वेषयान्ति॥

5.46
रजसा घोरसंकल्पाः कामुकाः अतिमन्यवः।
दाम्भिकाः मानिनः पापाः धिक्कुर्वन्त्यीश्वरप्रियान्॥

5.47
सधुसङ्गमसच्छास्त्रपरमानन्दलक्षितान्।
स्वेच्छाचारविहारैकज्ञानविज्ञानसंयुतान्॥

5.48
यूयं दुष्टा वयं शिष्टा भ्रष्टा यूयं वयं तथा।
इत्ययेवं परिवदन्ति संप्रमोहे निरन्तरम्॥

5.49
पृथ्वी जलं तथा वह्निः वायुराकाशमेव च एते सन्तानोदयास्यु सम्यगेव प्रकीर्तिताः॥

5.50
काठिन्यञ्चार्द्रता तेजो धावनं स्थिरता खलु।
गुणान्येतानि पञ्चैव सन्तानानां क्रमात्स्मृताः॥

5.51
ब्रह्मा विष्णुश्च रुद्रश्च इश्वरश्च सदाशिवः एताश्च देवताः प्रोक्ताः सन्तानानां क्रमेण तु॥

5.52
स्थूलसुक्ष्मकारणतुर्यं तुर्यातीतमिति पञ्चावस्थाः क्रमेण लक्ष्यन्ते।
एतेषामपि सर्वेषां विज्ञाता यः स योगी स सिद्धपुरुषः स योगीश्वरेश्वर इति परमरहस्यं प्रकाशितम्॥

5.53
अतव सम्यक् निजविश्रान्तिकारकं महासिद्धयोगिनं सद्गुरुं सेवयित्वा सम्यक् सावधानेन परमं पदं सम्पाद्य तस्मिन्निजपिण्डे च समरसभावं कृत्वाऽत्यन्तनिरुत्थानेन सर्वानन्दतत्त्वे निश्चलं स्थातव्यं।
ततः स्वयमेव महासिद्धो भवतीति सत्यम्॥

5.54
न विधिर्नैव वर्णश्च न वर्ज्यावर्ज्यकल्पना।
न भदोनिधनं किञ्चिन्नाशौचं नोदकक्रिया॥

5.55
योगीश्वरेश्वरस्यैवं नित्यतृप्तस्य योगिनः।
चित्स्वात्मसुखविश्रान्तिभावलब्धस्य पुण्यतः॥

5.56
सम्यक् स्वभावविज्ञानात् क्रमाभ्यासान्न चासनात्।
न वैराग्यान्न नैराश्यान्नाहारात्प्राण धारणात्॥

5.57
न मुद्राधारणाद्योगान्मौनकर्मसमाश्रयात्।
न विरक्तौ वृथायासान्न कायक्लेशधारणात्॥

5.58
न देवार्चनाश्रयाद्भक्त्या नाश्रमाणाञ्च पालनात्।
न षड्दर्शनकेशादिधारणान्न च मुण्डनात्॥

5.59
न जपान्न तपोध्यानान्न यज्ञतीर्थसेवनात्।
नानन्तोपययत्नेभ्यः प्राप्यते परम पदम्॥

5.60
एतानि साधनानि सर्वाणि दैहिकानि परित्यज्य परमपदेऽदैहिके स्थीयते सिद्धपुरुषैरिति॥

5.61
तत्कथं।
गुरुदृक्पातनात् प्रायो दृढानां सत्यवादिनां सा स्थितिर्जायते॥

5.62
कथनाच्छक्तिपातद्वा यद्वापदवलोकनात्।
प्रसादात्स्वगुरोः सम्यक् प्राप्यते परमं पदम्॥

5.63
अतएव शिवेनोक्तम्।
न गुरोरधिकं न गुरोरधिकं न गुरोरधिकं न गुरोरधिकं शिवशासनतः शिवशासनतः शिवशासनतः शिवशासनतः॥

5.64
वाङ्मात्राद्वाथदृक्पाताद् य करोति च तत्क्षणात्।
प्रस्फुटं शाम्भवं वेद्यं स्वसंवेद्यं परं पदम्॥

5.65
करुणाखण्डपातेनच्छित्त्वा पाशाष्टकं शिशोः।
सम्यगनन्दजनकः सद्गुरुः सोऽभिधीयते॥

5.66
निमिषार्धर्धपाताद् वा यद्वापादावलोकनात्।
स्वात्मानां स्थिरमाधत्ते तस्मै श्रीगुरवे नमः॥

5.67
नानाविकल्पविश्रान्तिं कथया कुरुते तु यः।
सद्गुरुः स तु विज्ञेयो न तु मिथ्याविडम्बकः॥ अतएव परमपदप्राप्त्यर्थं स सद्गुरुः सदा वन्दनीयः॥

5.71
गुरुरिति गृणाति शं सम्यक् चैतन्यविश्रान्तिमुपदिशति विश्रान्त्या स्वयमेव परात्परं परमपदमेव प्रस्फुटं भवति तत्क्षणात् साक्षात्कारो भवति॥

5.72
अतएव महासिद्धानं मते प्रोक्तं वाङ्मात्रेण सम्यग्वलोकनेन वा तत्क्षणान्मुहूर्विश्रान्तियुक्तं करोतीति यः स सद्गुरुर्भवति।
नोचेन्निजविश्रान्ति विना पिण्डपदयोः समरसकरणं न भवतीति सिद्धान्तस्तस्मान्निजविश्रान्तिकारकः सद्गुरुर्भिधीयते नान्यः।
पुनर्वागादिशस्त्रदृष्ट्यनुमानतर्कमुद्रया भ्रामको गुरुस्त्याज्यः॥

5.73
उक्तञ्चः- ज्ञानहीनो गुरुस्त्याज्यो मिथ्यावादीविडम्बकः।
स्वविश्रान्तिं न जानाति परेषां स करोति किम्॥

5.74
शिलया किं परं पारं शिलासंघः प्रतार्यते।
स्वयंतीर्णो भवेद्योऽसौ परान्निस्तारयत्यलम्॥

5.75
विकल्पसागराद् घोराच्चिन्ताकल्लोलदुस्तरात्।
प्रपञ्चवासनादुष्टग्रहजालसमाकुलात्॥

5.76
वासनालहरीवेगाम्न स्वं तारयितुं क्षमः।
स्वस्थेनैवोपदेशेन निरुत्थानेन तत्क्षणात्॥

5.77
तारयत्येवदृक्पातात् कथनाद्वा विलोकनात्।
तारिते स्वपदं धत्ते स्वस्वमध्ये स्थिरो भवेत्॥

5.78
ततः स मुच्यते शिष्यो जन्मसंसारबन्धनात्।
परानन्दमयोभूत्वा निष्कलः शिवतां व्रजेत्॥

5.79
कुलानां कोटिकोटीनां तारयत्येवा तत्क्षणात्।
अतस्तु सद्गुरुं साक्षात् त्रिकालमभिवन्दयेत्॥

5.80
सर्वाङ्गप्रणिपातेन स्तुवन्नित्यं गुरुं भजेत्।
स जनः स्थैर्यमाप्नोति स्वस्वरूपमयो भवेत्॥

5.81
किमत्र बहुनोक्तेन शास्त्रकोटिशतेन च।
दुर्लभा चित्तविश्रान्तिर्विना गुरुकृपां पराम्॥

5.82
चित्तविश्रान्तिलब्धानां योगिनां दृढचेतसाम्।
स्वस्वमध्ये निमग्नानां निरुत्थानं विशेषतः॥

5.83
निमिषात् प्रस्फुटं भाति दुर्लभं परमं पदम्।
यस्मिन् पिण्डो भवेल्लीनः सहसा नात्र संशयः॥

5.84
संवित्क्रियाविकरणोदयचिद्विलासो विश्रान्तिमेव भजतां स्वयमेव भाति।
ग्रस्ते स्ववेगनिचये पदपिण्डमैक्यं सत्यं भवेत्समरसं गुरुवत्सलानाम्॥

5.Kolophon
इति श्रीगोरक्षनाथकृतौ सिद्धसिद्धान्तपद्धतौ पिण्डपदयोः समरसकरणं नाम पञ्चमोपदेशः॥

6. Unterweisung: Kennzeichen des Avadhuta-Yogi

6.1
अथ कोऽवधूतयोगीनामेत्यपेक्षायामाह।
यः सर्वान् प्रकृतिविकारानववधुनोतीत्यवधूतः योगी।
योगोऽस्यास्तीति योगी।
धूञ्कम्पने धूञिति धातुः कम्पनार्थे वर्तते।
कम्पनं चालनं देह दैहिक प्रतंचादिषु विषयेषु संगतं मनः परिगृह्य तेभ्यः प्रत्याहृत्य स्वधाममहिम्नि परिलीन चेताः प्रपञ्चशून्य आदिमध्यान्तनिधनभेदवर्जितः॥

6.2
यकारो वायुबीजं स्याद्रकारो वह्निबीजकम्।
तयोरभेदओङ्कारश्चिदाकारः प्रकीर्तितः॥

6.3
तदेतद् व्यक्तमुच्यते क्लेशपाशतरङ्गाणां कृन्तनेन विमुण्डनम्।
सर्वावास्थाविनिर्मुक्तः सोऽवधूतोऽभिधीयते॥

6.4
निजस्मरविभूतिर्यो योगी स्वाङ्गे विभूषितः।
आधारे यस्य वा रूढिः सोऽवधूतोऽभिधीयते॥

6.5
लोकमध्ये स्थिरासीनः समस्तकलनोज्झितः।
कौपीनं खर्परोऽदैन्यं सोऽवधूतोऽभिधीयते॥

6.6
शं सुखं खं परं ब्रह्म शंखं सङ्घट्टनाद् भवेत् सिद्धान्तो धारितो येन सोऽवधूतोऽभिधीयते॥

6.7
पादुका पदसंवित्तिर्मृगत्वक् स्यादनाहतम्।
शेली यस्य परासंवित् सोऽवधूतोऽभिधीयते॥

6.8
मेखला निवृत्तिर्नित्यं स्वस्वरूपं कटासनम्।
निवृत्तिः षड्विकारेभ्यः सोऽवधूतोऽभिधीयते॥

6.9
चित्प्रकाशपरानन्दौ यस्य वै कुण्डलद्वयम्।
जपमालाक्षविश्रान्ति सोऽवधूतोऽभिधीयते॥

6.10
यस्य धैर्यमयोदण्डः पराकाशञ्च खर्परम्।
योगपट्टो निजा शक्तिः सोऽवधूतोऽभिधीयते॥

6.11
भेदभेदौ स्वयं भिक्षां कृत्वा स्वास्वादने रतः।
जारणातन्मयो भावः सोऽवधूतोऽभिधीयते॥

6.12
अचिन्त्ये निजदिग्देशे स्वान्तरं वस्तु गच्छति।
एकदेशान्तरीयो यः सोऽवधूतोऽभिधीयते॥

6.13
स्वपिण्डममरीकर्तुमनन्ताममरीं च यः।
स्वयमेवपिवेदेतां सोऽवधूतोऽभिधीयते॥

6.14
अचिन्त्यावज्रवद्गाढ़ा वासनामलसंकुला।
सा वज्री भक्षिता येन सोऽवधूतोऽभिधीयते॥

6.15
आवर्तयति यः सम्यक् स्वस्वमध्ये स्वयं सदा।
समत्वेन जगद् वेत्ति सोऽवधूतोऽभिधीयते॥

6.16
स्वात्मानमवगच्छेद्यः स्वात्मन्येवावतिष्ठते।
अनुत्थानमयः सम्यक् सोऽवधूतोऽभिधीयते॥

6.17
अनुत्थाधारसम्पन्नः परविश्रान्तिपारगः।
धृतिचिन्मयतत्वज्ञः सोऽवधूतोऽभिधीयते॥

6.18
अव्यक्तं व्यक्तमाधत्ते व्यक्तं सर्वं ग्रसत्यलम्।
स सत्यं स्वान्तरे सन्न सोऽवधूतोऽभिधीयते॥

6.19
अवभासात्मको भासः प्रकाशे सुखसंस्थितः।
लीलयारमते लोके सोऽवधूतोऽभिधीयते॥ क्वचिद्भोगी क्वचित्त्यागी क्वचिन्नग्नोदिगम्बरः।
क्वचिद्राजा क्वचाचारी सोऽवधूतोऽभिधीयते॥

6.20
एवंविध नानासंकेतसूचको नित्यप्रकाशे वस्तुनि निजस्वरूपी सर्वेषां सिद्धान्तदर्शनानां स्वस्वरूपदर्शने सम्यक् सद्बोधकोऽवधूत योगीत्यभिधीत्ये स सद्गुरुर्भवति।
यतः सर्वदर्शनानं स्वस्वरूपदर्शने समन्वयं करोति सोऽवदूतयोगी स्यात्॥

6.21
अत्याश्रमी च योगी च ज्ञानी सिद्धश्च सुव्रतः।
इश्वरश्च तथा स्वामी धन्यः श्रीसाधुरेव च॥

6.22
जितेन्द्रियश्च भगवान् स सुधी कोविदो बुधः।
चार्वाक्श्चार्हतश्चेति तथा बौद्धः प्रकाशवित्॥

6.23
तार्किकश्चेति सांख्यश्च तथा मीमांसको विदुः।
देवतेत्यादिविद्वद्भिः कीर्तितः शस्त्रकोटिभिः॥

6.24
आत्मेति परमात्मेति जीवात्मेति पुनः स्वयं।
अस्तितत्त्वं परं साक्षाच्छिवरुद्रादिसंज्ञितम्॥

6.25
शरीरपद्मकुहरे यत्सर्वेषामवस्थितम्।
तदवश्यं महायोगैर्भेदितव्यं मुमुक्षुभिः॥

6.26
ब्रह्मा विष्णुश्च रुद्रश्च सोऽक्षरः परमस्वराट्।
स एवेन्द्रः स च प्राणः कालाग्निः स च चन्द्रमाः॥

6.27
स एव सूर्यः स शिवः स एव परमः शिवः।
स एव योगगम्यश्च सांख्यशास्त्रपरायणैः॥

6.28
स एव कर्म इत्युक्तः कर्ममीमांसकौरपि।
सर्वत्र सत्परानन्द इत्युक्तो वैदिकैरपि॥

6.29
व्यवहारैरयं भेदस्तस्मादेकस्य नान्यथा॥

6.30
मुद मोदे तु र देने जीवात्मरमात्मनोः।
उभयोरेकसंवित्तिर्मुद्रेति परिकीर्तिता॥

6.31
मोदन्ते देवसङ्घाश्च द्रवन्तेऽसुरराशयः।
मुद्रेति कथिता साक्षात् सदा भद्रार्थदायिनी॥

6.32
अस्मिन्मार्गेऽदीक्षिता ये सदा संसाररागिणः।
तेहि पाखण्डिनः प्रोक्ताः संसारपरिपेलवाः॥

6.33
अवधूततनुर्योगी निराकारपदे स्थितः।
सर्वेषां दर्शनानञ्च स्वस्वरूपं प्रकाशते॥

6.34
तत्र ब्राह्मणेषु ब्रह्मचर्याश्रममाहः सर्वतो भरिताकारं निजबोधेम बृंहितम्।
चरते ब्रह्मविद्यस्तु ब्रह्मचारी स कथ्यते॥

6.35
ग्रृहिणी पूर्णता नित्या गेहं व्योमं सदा बलम्।
यस्तया निवसत्यत्र गृहस्थः सअभिधीयते॥

6.36
तदान्तः प्रस्थितो योऽसौ स्वप्रकाशमये वने।
वानप्रस्थः स विज्ञेयो न वने मृगवच्चरन्॥

6.37
परमात्माऽथ जीवात्मा आत्मन्येव स्फुरत्यलम्।
तस्मिन्न्यस्त सदा येन संन्यासीसोऽभिधीयते॥

6.38
मायाकर्मकलाजालमनिशं येन दण्डितम्।
अचलो नगवद्भाति त्रिदण्डी सोऽभिधीयते॥

6.39
एकं नानाविधाकारं चञ्चलन्तु सदा तु यत्।
तच्चित्तं दण्डतं येन एकदण्डी स कथ्यते॥

6.40
शुद्धं शान्तं निराकारं परानन्दं सदोदितम्।
तं शिवं यो विजानाति शुद्ध शैवो भवेत्तु सः॥

6.41
सन्तापयति दीप्तानि स्वेन्द्रियाणि च यः सदा।
तापसः स तु विज्ञेयो न च गोभस्मधारकः॥

6.42
क्रियाजालं पशुं हत्वा पतित्वं पूर्णतां गतम्।
यस्तिष्टेत्पशुभावेना स वै पाशुपतो भवेत्॥

6.43
परानन्दमयं लिङ्गं निजपीठे सदाऽचले।
तल्लिङ्गं पूजतं येन स वै कालमुखो भवेत्॥

6.44
विलयं सर्वतात्वानां कृत्वा संधार्यते स्थिरम्।
सर्वदा येन वीरेण लिङ्गदारी भवेत्तु सः॥

6.45
अन्तकादीनि तत्त्वानि त्यक्त्वा नग्नो दिगम्बरः।
यो निर्वाणपदे लीनः स निर्वाणपरो भवेत्॥

6.46
स्वस्वरूपात्मकं ज्ञानं समन्त्रं तत्प्रपालितम्।
अनन्यत्वं सदा येन स वै कापालिको भवेत्॥

6.47
महाव्याप्तिपरं तत्त्वमाधाराधेयवर्जितम्।
तद् व्रतं धारितं येन स भवेद् वै महाव्रतः॥

6.48
कुलं सर्वात्मकं पिण्डमकुलं सर्वतोमुखम्।
तयोरैक्यपदं शक्तिर्यस्तां वेद स शक्तिभाक्॥

6.49
कौलं सर्वकलाग्रासः सकृतः सततं यया।
तां शक्तिंयो विजानाति शक्त्ज्ञानी स कथ्यते।
ज्ञात्वा कुलाकुलं तत्वं सक्रमेण क्रमेण तु।
स्वप्रकाशमहाशक्त्या ततः शक्तिपदं लभेत्॥

6.50
मदो मद्यं मतिर्मुद्रा माया मीनं मनः पलम्।
मूर्च्छनं मैथुनं यस्य तेनाऽसौ शाक्त उच्यते॥

6.51
यया भासस्फुरद्रूपण् कृतं चैव स्फुटं बलात्।
तां शक्तिं यो विजानाति शाक्तः सोऽत्राभिधीयते॥

6.52
यः करोति निरुत्थानं कर्तृचित्प्रसरेत्सदा।
तद्विश्रान्तिस्तया शक्त्या शाक्तः सोऽत्राभिधीयते॥

6.53
व्यापकत्वे परं सारं यद्विष्णोराद्यमव्ययम्।
विश्रान्तिदायकं देहे तज्ज्ञात्वा वैष्णवो भवेत्॥

6.54
भास्वत्स्वरूपो यो भेदात् भेदभावोज्झितः खलु।
भाति देहे सदा यस्य स वै भागवतो भवेत्॥

6.55
यो वेत्ति वैष्णवं भेदं सर्वासर्वमयं निजम्।
प्रबुद्धं सर्वदेहस्थं भेदवादी भवेत्तु सः॥

6.56
पञ्चानामक्षया हानिः पञ्चत्वं रात्रिरुच्यते।
तां रात्रिं यो विजानाति स भवेत्पञ्चरात्रिकः॥

6.57
येन जीवन्ति जीवा वै मुक्तिं यान्ति च तत्क्षणात्।
स जीवो विदितो येन सदाजीवी स कथ्यते॥

6.58
यः करोति सदा प्रीतिं प्रसन्ने पुरुषे परे।
शसितानीन्द्रियाण्येव सात्त्विकः सैऽभिधीयते॥

6.59
सर्वाकारं निराकारं निर्निमित्तं निरञ्जनम्।
सूक्ष्मं हंसं च यो वेत्ति स भवेत्सूक्ष्मसात्त्विकः॥

6.60
सत्यमेकमजं नित्यमनन्तं चाक्षयं ध्रुवम्।
ज्ञात्वा यस्तु वदेद्धीरः सत्यवादी स कथ्यते॥

6.61
ज्ञानज्ञेयमयाभ्यां तु योगिनः स्वस्वभावतः।
कलङ्की स तु विज्ञेयो व्यापकः पुरुषोत्तमः॥

6.62
मुक्तिचारे मतिर्या वै व्यापिका स्वप्रकाशिका।
एषा ज्ञानवती येन ज्ञाऽतासौ सत्विको भवेत्॥

6.63
क्षपणं चित्तवृत्तीनां रागद्वेषविलुण्ठनम्।
कुरुते व्योमवन्नग्नो योऽसौ क्षपणको भवेत्।
प्रसरं भासते शक्तिः सङ्कोचं भासते शिवः।
तयोर्योगस्य कर्ता यः स भवेत्सिद्धयोगिराट्॥

6.64
विश्वातीतं यथा विश्वमेकमेव विराजते।
संयोगेन सदा यस्तु सिद्धयोगी भवेत्तु सः॥

6.65
सर्वासां निजवृत्तिनां प्रसृतिर्भजते लयम्।
स भवेत्सिद्धसिद्धान्ते सिद्धयोगी महाबलः॥

6.66
उदासीनः सदा शान्तः स्वस्थोऽन्तर्निजभासकः।
महानन्दमयो धीरः स भवेत् सिद्धयोगिराट्॥

6.67
परिपूर्णः प्रसन्नात्मा सर्वासर्वपदोदितः।
विशुद्धो निर्भरानन्दः स भवेत् सिद्धयोगिराट्॥

6.68
गते न शोकं विभवे न वाञ्च्छा प्राप्ते न हर्षं स करोति योगी।
आनन्दपूर्णो निजबोधलीनो न वाध्यते कालपथेन नित्यम्॥

6.69
एवं तु सर्वसिद्धान्तदर्शनानां पृथक् पृथक् भूतानामपि ब्रह्मणि समन्वयसूचनशीलोपदेशकर्ताऽवधूत एवं कर्ता सद्गुरुः प्रशस्यत्।
एषामुपदेशानां पृथक् पृथक् सूचितानां जायते यत्र विश्रान्तिः सा विश्रान्तिर्भिधीयते॥

6.70
लीनतां च स्वयं याति निरुत्थानचमत्कृतेः।
यतो निरुत्थानमयात् सोऽयं स्यादवधूतराट्॥

6.71
तस्मात्तं सद्गुरुं साक्षात् वन्दयेत् पूजयेत्सदा।
सम्यक् सिद्धपदं धत्ते तत्क्षणात्स्वात्मभाषितम्॥

6.72
न वन्दनीयास्ते काष्ठाः दर्शनभ्रान्तिकारकाः।
वर्जयेत्तान् गुरून् दूराद् धीरः सिद्धमताश्रयः॥

6.73
परपक्षं निरासं करोतिः।
वेदान्ती बहुतर्ककर्कशमतिर्ग्रस्तः परं मायया।
भाट्टाः कर्मफलाकुला हतधितो द्वैतेनवैशेषिकाः॥ अन्ते भेदरताः विवादविकलाः सत्तत्त्वतो वञ्चिताः तस्मात्सिद्धमतं स्वभावसमयं धीरः सदा संश्रयेत्॥

6.74
सांख्या वैष्णववैदिकाविधिपराः संन्यासिनस्तापसः सौरा वीरपराः प्रपञ्चनिरता बौद्धा जिनाः श्रावकाः।
एते कष्टरता वृथा पथगताः सत्तत्त्वतौ वञ्चिताः तस्मात्सिद्धमतं स्वभावसमयं धीरः सदा संश्रयेत्॥

6.75
आचार्या बहुदीक्षिता हुतिरता नग्नव्रतास्तापसाः ननतीर्थनिषेवका जपपरा मौनेस्थिता नित्यशः एते ते खलु दुःखभारनिरताः सत्तत्त्वतौ वञ्चिताः तस्मात्सिद्धमतं स्वभावसमयं धीरः सदा संश्रयेत्॥

6.76
आदौ रेचकपूरकुम्भकविधौ नाडीपथा शोधितम्।
कृत्वा हृत्कमलोदरे तु सहसा चित्ते महामूर्च्छितम्।
पश्चादव्ययमक्षरं परकुले चोङ्कारदीपाङ्कुरे।
ये पश्यन्ति समाहितेन मनसा तेषां न नित्यं पदम्।
तस्मात्सिद्धमतं स्वभावसमयं धीरः सदा संश्रयेत्॥

6.77
चार्वाकाश्चतुराश्च तर्कनिपुणा देहात्मवादे रताः ते सर्वे तरन्ति दुःसहतरं ये ते परं सात्विकाः।
ते सर्वे प्रभवन्ति ये च यवनाः पापे रतानिर्दयाः तेषामैहिककल्पमेव फलदं तत्वं न मोक्षं पदम्॥

6.78
श्रीहट्टे मस्तकान्ते त्रिपुटपुटविले ब्रह्मरन्ध्रे ललाटे।
भ्रूनेत्रे नासिकाग्रे श्रवणपथरवे घण्टिकाराजदन्ते॥ कण्ठे हृन्नाभिमध्ये त्रिकमलकुहरे चोड्डियाणे च पीठे।
एवं ये स्थानलग्नाः परमपदमहो नास्ति तेषां निरुत्थम्॥

6.79
गोल्लाटे दीप्तिपुञ्जे प्रलयशिखिनिभे सिद्धजालन्धरे वा।
शृङ्गाटेज्योतिरेकं तडिदिवतरलं ब्रह्मनाड्यन्तराले॥ भालान्ते विद्यदाभे तदुर्परि शिखरे कोटिमार्तण्डचण्डे।
ये नित्यं भावयन्ते परमपदमहो नास्ति तेषां निरुत्थम्॥

6.80
लिङ्गाद्दण्डाङ्कुरान्तर्मनः पवनगमात् ब्रह्मनाड्यादिभेदम्।
कृत्वा बिन्दुं नयन्तः परमपदगुहां शङ्खगर्भोदरोर्ध्वम्॥ तत्रान्तर्नादघोषं गगनगुणमयं वज्रदण्डोक्रमेण।
ये कुर्वन्तीहकष्टान् परमपदमहो नास्ति तेषां निरुत्थम्॥

6.81
सम्यक् चालनदोहनेन सततं दीर्घीकृतां लम्बिकां।
तां ताल्वन्तखेशितां च दशमद्वारोदरे सन्धिनीम्॥ नीत्वा मध्यमसन्धिसंघटघटात् प्राप्तां शिरोदेशतः।
पीत्वा षड्विधपानकाष्ठभजनं वाञ्च्छन्ति ये मोहिताः॥

6.82
गुह्यात्पश्चिमपुर्वमार्गमुभयं रुध्वानिलं मध्यमं।
नीत्वा ध्यानसमाधिलक्ष्यकरणैर्नानासमाभ्यासनैः॥ प्राणापानगमागमेन सततं हंसोदरे संघटा।
एवं येऽपि भजन्ति ते भवजले मज्जन्त्यहो दुःखिताः॥

6.83
शक्त्याकुञ्चनमग्निदीप्तिकरणं त्वाधारसंपेडनात्।
स्थानात्कुण्डलिनीप्रबोधनमतः कृत्वा ततो मूर्धनि॥ नीत्वा पूर्णगिरिं निपावनमधः कुर्वन्ति तस्याश्च ये।
खण्डज्ञानरतास्तु ते निजपदं तेषां हि दूरं मतम्॥

6.84
बन्धं भेदञ्च मुद्रां गलबिलचिबुकाबद्धमर्गेषु वह्नि।
चन्द्रार्कासामरस्यं शमदमनियमानादबिन्दुं कलान्ते॥ ये नित्यं मेलयन्ते ह्यनुभवमनसाप्युन्मनीयोगयिक्तास्ते।
लोकान्भ्रामयन्ते निजसुखविमुखाः कर्मदुःखाध्वभजः॥

6.85
अष्टाङ्गं योगमार्गं कुलपुरुषमतं षण्मुखीचक्रभेदं।
उर्ध्वाधो वायुमध्ये रविकिरणनिभं सर्वतोव्याप्तिसारम्॥ दृष्ट्या ये विक्षयन्ते तरलजलसमं नीलवर्णं नभो व।
एवं ये भावयन्ते निगदितमतयस्तेऽपि हा कष्टभाजः॥

6.86
आदौ धारणशङ्खधारणमतः कृत्वा महाधारणम्।
सम्पूर्णं प्रतिधारणं विधिबलात् दृष्टिस्तथा निर्मलां॥ अर्धोली बहुलीहवासनमथो घण्टावसन्नौलिका।
ये कुर्वन्ति च कारयन्ति च सदा भ्राम्यन्ति खिद्यन्ति ते॥

6.87
शङ्खक्षालनमन्तरं रसनया ताल्वोष्ठनासारसं।
वान्तेरुल्लुठनं कपाटममरीपानं तथा खर्परी॥ वीर्यद्रावितमात्मजं पुनरहो ग्रासं प्रलेपञ्च वा।
ये कुत्वन्ति जडास्तु ते नहि फलं तेषां तु सिद्धान्तजम्॥

6.88
घण्टाकाहलकालमर्दलमहाभेरीनिनादं यदा।
सम्यङ्नादमनाहतध्वनिमयं शृण्वन्ति चैतादृशम्।
पिण्डे सर्वगतं निरन्तरतया ब्रह्माण्डमध्येऽपि वा।
तेषां सिद्धपदं ततः समुचितं तत्त्वं परं लभ्यते॥

6.89
वैराग्यात् तृणशाकपल्वलजल कन्दं फलं मुलकं।
भक्त्वा यो वनवासमेवभजते चान्ये च देशान्तरे॥।
बालोन्मत्तपिशाचमूकजडवच्चेष्टाश्च नानाविधाः।
ये कुर्वन्ति पदं विना मतिबल भ्रष्टा विमुह्यन्ति ते॥

6.90
कन्थादर्शनमद्भुतं बहुविधं भिक्षाटनं नाटकं।
भस्मोद्धूलनमङ्गंकर्कशतरं धृत्वा च वर्षम् त्वरेत्।
क्षेत्रं क्षेत्रमटन्ति दुर्गमतरे स्थित्वाऽयं सर्वेन्द्रियं नो विन्दन्ति परं पदं गुरुमुखाद् गर्वेण कष्टाश्च ते॥

6.91
वाणीं ये च चतुर्विधां स्वरचितां सिद्धैश्च वा निर्मितां गायत्रींचतुराश्च पाठनिरता विद्याविवादे रताः नो विन्दन्ति तदर्थमात्मसदृशं खिद्यन्ति मोहाच्छलात् दण्डैः कर्तरिशूलचक्रलगुडैर्भाण्डाश्च दुष्टाश्च ते॥

6.92
एवं शून्यातिशुन्यम् परमपरपदं पञ्चशून्यादिशून्यं व्योमातीतं ह्यनाद्यं निजकुलमकुलं चाद्भुतं विश्वरूपम्।
अव्यक्तं चान्तरालं नुरुदयमपरं भासनिर्नाममैक्यं वाङ्मात्राद्भासयन्तो बहुविधमनसो व्याकुला भ्रामितास्ते॥

6.93
आज्ञासिद्धिकरं सदा समुचितं सम्पूर्णमाभासकं पिण्डे सर्वगतं विधानममलं सिद्धान्तसारं वरम्।
भ्रान्तेर्निर्हरणं सुखातिसुखदं कालान्तकं शाश्वतं तन्नित्यं कलनोज्झितं गुरुमयं ज्ञेयं निरुत्थं पदम्॥

6.94
आत्मेति परमात्मेति जीवात्मेति विचारणे।
त्रयाणामैक्यसंभूतिः आदेश इति कीर्तितः॥

6.95
आदेश इति सद्वाणीं सर्वद्वन्द्वक्षयापहाम्।
यो योगिनं प्रति वदेत् स यात्यात्मानमैश्वरम्॥

6.96
आशादहनं भसितं कुण्डलयुगलं विचारसन्तोषः।
कौपीनं स्थिरचित्तं खर्परमाकाशमात्मनो भजनम्॥

6.97
एतच्छास्त्रं महादिव्यं रहस्यं पारमेश्वरम्।
सिद्धान्तं सर्वसारस्य नानासङ्केतनिर्णयम्॥

6.98
सिद्धानां प्रकटं सिद्धं सद्यः प्रत्ययकारकम्।
आत्मानंदकरं नित्यं सर्वसन्देहनाशनम्॥

6.99
न देयं परशिष्येभ्यो नान्येषां सन्निधौ पठेत्।
न स्नेहान्न वलाल्लोभान्न मोहान्नताच्छलात्॥

6.100
न मैत्री भावनाद्दानान्नसौन्दर्यान्न चासनात्।
पुत्रस्यापि न दातव्यं गुरुशिष्यक्रमं विना॥

6.101
सत्यवन्तो दयाचित्ता दृढ़भक्ताः सदाचलाः।
निस्तरङ्गां महाशान्ताः सदा ज्ञानप्रबोधकाः॥

6.102
भयदैन्यघृणालज्जातृष्णाशोकविवर्जिताः।
आलस्यमदमात्सर्यदम्भमायाच्छलोज्झिताः॥

6.103
अहंकारमहामोहरागद्वेषपराङ्मुखाः।
क्रोधेच्छाकामुकासूयाभ्रान्तिलोभविवर्जिताः॥

6.104
निस्पृहा निर्मला धीराः सदाऽद्वैतपदेरताः।
तेभ्यो देयं प्रयत्नेन धूर्तानां गोपयेत्सदा॥

6.105
निन्दका ये दुराचारश्चुभ्बका गुरुतल्पगाः।
नास्तिका ये शठाः क्रूरा विद्यावादरतास्तथा॥

6.106
योगाचारपरिभ्रष्टाः ते निद्राकालहयोः प्रियाः।
स्वस्वकार्ये परानिष्ठाः गुरुकर्येषु निस्पृहाः॥

6.107
एतान् विवर्जयेद् दूरे शिष्यत्वेन गतानपि॥

6.108
सच्छास्त्रं सद्धमार्गञ्च सिद्धसिद्धान्तपद्धतिः।
न देयं सर्वदा तेभ्यो यदीच्छेच्चिरजीवनम्॥

6.109
गोपनीयं प्रयत्नेन तस्करेभ्यो धनं यथा।
तपां यो बोधयेत् मोहादपरीक्षितमन्दधीः॥

6.110
नहि मुक्तिर्भवेत्तस्य सदा दुःखेन सीदतः।
खेचरी भूचरी चैव शाकिनी च निशाचरी॥

6.111
एतासामद्भुतं शापः सिद्धानां भैरवस्य च।
मस्तके तस्य पतति तस्माद् यत्नेन रक्षयेत्॥

6.112
गुरुपादाम्बुजस्थाय परीक्ष्य प्रवदेत्सदा।
कुतो दुखःञ्च भीतिश्च तत्वज्ञस्य महात्मनः॥

6.113
कृपयैव प्रदातव्यं सम्प्रदायप्रवृत्तये।
सम्प्रदायप्रवृत्तिर्हि सर्वेषां सम्मता यतः॥

6.114
मायाशङ्करनाथाय नत्वा सिद्धान्तपद्धतिम्।
लिखित्वा यः पठेद्भक्त्या स याति परमां गतिम्॥

6.115
विद्धात्वर्थनिश्चय भक्तानुग्रहमूर्तिमत्।
स्मरानन्दभरं चेतो गणपत्यभिधं महः॥

6.Kolophon
इति श्रीगोरक्षनाथकृतौ सिद्धसिद्धान्तपद्धतौ अवधूतयोगिलक्षणं नाम षष्ठोपदेशः॥

Vereinfachte und inspirierende deutsche Gesamtübersetzung

Diese freie, vereinfachte Lesefassung führt durch den Gedankengang aller sechs Unterweisungen. Sie eignet sich zum ersten Kennenlernen und zum langsamen, betrachtenden Lesen. Aufzählungen und Wiederholungen sind verdichtet; die vollständige Übersetzung mit allen Einzelangaben steht im Abschnitt „Deutsche Übersetzung versweise und Wort-für-Wort-Erklärung“.

Erste Unterweisung: Aus dem Einen entfaltet sich das Leben.
Ich verneige mich vor dem ursprünglichen Lehrer und seiner Kraft. Dann spreche ich über den Weg der Vollkommenen. In der höchsten Wahrheit ist nichts aus einem vom Einen getrennten Ursprung entstanden. Doch um die Welt verständlich zu machen, beschreiben wir ihre Entfaltung. Das Namenlose ist ohne Anfang und Ende. Seine Kraft ist nicht etwas Fremdes: Sie ist sein eigenes Vermögen, sich zu offenbaren.

Als eigene, höchste, nachgeordnete und subtile Kraft und als Kundalini wird diese Entfaltung betrachtet. Jede Gestalt der Kraft besitzt ihre besonderen Kennzeichen. Aus ihr entfalten sich die Stufen des kosmischen und einzelnen Körpers. Die großen göttlichen Gestalten, die Elemente und ihre Eigenschaften sind Ausdruck dieser Ordnung. Festes, Flüssiges, Wärme, Bewegung und Raum bilden die leibliche Welt; Wahrnehmen, Denken, Ichbewusstsein und innere Führung gehören zu ihrem Erleben.

Betrachte deshalb den Leib aufmerksam. Er besitzt Sinnes- und Handlungskräfte, unterschiedliche Stoffe, Bahnen und Lebenswinde. Ihre Tätigkeiten sind verschieden, aber sie bilden ein zusammenhängendes Leben. Lerne diese Kräfte in ihrer Verschiedenheit kennen. Betrachte, wie sie den lebendigen Körper bilden. Von dieser Vielfalt führt die Unterweisung zum gemeinsamen Grund zurück.

Zweite Unterweisung: Der Körper wird zum Ort der Sammlung.
Neun Zentren erschließen die innere Landschaft. An der Wurzel leuchtet die Kraft wie Feuer. Im Svadhishthana erscheint das korallengleiche Zeichen. Im Nabel wird Kundalini in überwältigender Sonnenkraft betrachtet. Das Herz ist ein achtblättriger Lotus mit lichtvoller Mitte. In der Kehle begegnen sich Mondbahn, Sonnenbahn und mittlere Bahn. Am Gaumen fließt der Nektar, und die Leere lässt den Geist zur Ruhe kommen. Zwischen den Brauen leuchtet das Erkenntnisauge. Am Brahmarandhra liegt das Zentrum der Erlösung. Darüber öffnet sich der sechzehnblättrige Raumlotus zur höchsten Leere.

Sechzehn Stützen zeigen, wie leiblicher Halt und innere Ausrichtung zusammenwirken. Sie reichen von der großen Zehe über Wurzel, After, Geschlechtsbereich und Odyana zu Nabel, Herz und Kehle, weiter zu Gaumenzäpfchen, Gaumen und Zunge, Brauenmitte, Nasenspitze, Nasenwurzel und Stirn, schließlich zum Raumzentrum. Einige sammeln den Blick, andere ordnen den Lebenshauch oder erschließen Licht und Klang. Am Nabel erklingt Om. Am höchsten Punkt wird der Lehrer in Gestalt seiner Lotusfüße vergegenwärtigt. Die Stützen sind verschieden; die Sammlung verbindet sie.

Auch die Schau kennt verschiedene Zugänge. Innen betrachtest du die feine leuchtende Bahn oder wendest dich dem inneren Licht und Klang zu. Außen sammelst du die Aufmerksamkeit auf Licht, Farben, Elemente und Raum. In der mittleren Schau erscheinen Formen geistig, ohne feste Ortsbindung. Dann betrachte den reinen Raum, den dunklen höchsten Raum, den feurigen großen Raum, den Raum deiner eigenen Wirklichkeit und den lichtvollen Sonnenraum – jeweils innen und außen. Die Schau wird weit; du wirst raumgleich.

Doch verliere dich nicht in Erscheinungen. Zügle Zerstreuung, ordne das Leben und sitze aufmerksam. Lass den Lebenshauch fest und die Sinne gesammelt werden. Halte den Geist wie eine Lampe am windstillen Ort. Erkenne in allem Aufleuchtenden die eine Wirklichkeit und begegne allen Wesen mit gleicher Sicht. Vollendete Sammlung wird müheloses Verweilen.

Dritte Unterweisung: Im Körper begegnet dir die Welt.
Wer den Körper wirklich erkennt, entdeckt in ihm die bewegte und unbewegte Welt. Die Überlieferung beschreibt Unterwelten und Himmelswelten, göttliche Mächte, Berge, Inseln, Meere, Flüsse und Gestirne als leibliche Entsprechungen. Der Rücken trägt den Weltenberg, die Bahnen werden zu Flüssen, die Augen zu Sonne und Mond. Selbst kleine und unscheinbare Bereiche sind nicht aus dieser Ganzheit ausgeschlossen.

Diese Schau führt mitten in dein Erleben. Freude ist Himmel, Leiden ist Hölle. Gebundenes Handeln fesselt; Freiheit von trennender Vorstellung befreit. In Wachen, Schlafen und anderen Zuständen bleibt die Frage nach dem eigenen Grund. In jedem Leib ist das eine Bewusstsein gegenwärtig. Körpererkenntnis wird deshalb mehr als das Wissen um Teile: Sie erkennt die ungeteilte Gegenwart im Vielgestaltigen.

Vierte Unterweisung: Die Kraft trägt alles.
Die Grundlage des Körpers ist die eigene, immer wache Bewusstseinskraft. Sie lässt Handeln und Erfahren möglich werden. Als Kula wird ihre Entfaltung, als Akula der nicht durch begrenzende Bestimmungen eingeschlossene Grund betrachtet. Wie Wasser und Wasserblase sind sie nicht voneinander zu trennen. Das Eine kann in zahllosen Gestalten erscheinen, ohne sein Wesen zu verlieren.

Kundalini ist dieselbe Kraft, ob sie in vielfältiges Denken und äußeres Streben verwickelt ist oder sich zum eigenen Ursprung sammelt. Die untere Kraft wird zurückgenommen, die mittlere erwacht, die obere kommt herab. Dies sind drei Betrachtungsweisen einer Kraft. Das Höchste ist kein beliebiger Ort über dem Kopf: Es ist der Grund, in dem alle Prinzipien als eigenes Wesen erkannt werden.

Verstehe Shiva und Shakti wie Mond und Mondlicht. Du kannst sie unterscheiden, aber nicht voneinander abtrennen. In jedem Wesen, jedem Zustand und jedem Aufleuchten ist Bewusstsein gegenwärtig. Diese Einsicht ist die eigentliche Grundlage der Körperlehre.

Fünfte Unterweisung: Körper und höchster Grund werden als eins erkannt.
Der höchste Zustand lässt sich nicht durch die Anhäufung von Worten besitzen. Er wird im eigenen Erfahren offenbar. Die Schrift preist den wahren Lehrer, dessen Unterweisung und Gnade den suchenden Menschen zur Ruhe im eigenen Wesen führen. Sie beschreibt die Einigung von Körper und höchstem Zustand als gleichen Geschmack: Was getrennt erschien, wird in seinem gemeinsamen Grund erkannt.

Wissen allein, äußere Strenge und das Vorzeigen besonderer Fähigkeiten genügen nicht. Natürlichkeit bedeutet Erkennen des eigenen Selbst. Sammlung bedeutet seine Zügelung. Das rechte Mittel führt zum Ruhen in sich. Nichtdualität ist die höchste Verwirklichung. Lass diese Einsichten dein Leben durchdringen. Kehre zur Klarheit des eigenen Wesens zurück, auch wenn die Aufmerksamkeit immer wieder nach außen wandert.

Die Schrift würdigt ungewöhnliche Vollkommenheiten und beschreibt die Freiheit des vollendeten Yogi. Doch auch in ihrem Lob des Guru bleibt eine klare Forderung: Verlasse den erkenntnislosen und unwahrhaftigen Lehrer, der das Ruhen in sich selbst nicht kennt. Die äußere Gestalt der Unterweisung hat ihren Sinn darin, zur Wahrheit zu führen. Wenn sie diese Aufgabe verfehlt, erfüllt der bloße Titel nichts.

Sechste Unterweisung: Freiheit zeigt sich im gelebten Sein.
Ein Avadhuta ist jemand, der die bindenden Veränderungen abgeschüttelt hat. Sein Geist hängt nicht mehr ausschließlich an Körper, Besitz und Weltgegenständen. Die Zeichen des Asketen erhalten eine innere Bedeutung: Seine Asche ist Erinnerung an das eigene Wesen, sein Stab ist Standhaftigkeit, seine Schale ist der höchste Raum, seine Ohrringe sind Bewusstseinslicht und Glückseligkeit. Entscheidend ist, was diese Zeichen verwirklichen.

Die Schrift deutet verschiedene Lebensformen und religiöse Wege im Licht dieser inneren Freiheit. Sie kritisiert leere Nachahmung, Debattierlust, bloße Kleidung und eine Technik, die ihren eigenen Grund nicht erkennt. Sie enthält dabei auch scharfe historische Polemik. Ihr positiver Maßstab bleibt das unmittelbare Ruhen im eigenen Wesen. Wer den ungeschlagenen Klang als allgegenwärtig erkennt, kann darin den höchsten Grund verwirklichen.

Der freie Yogi trauert nicht endlos Vergangenem nach und macht seinen Wert nicht vom Erwerb neuer Güter abhängig. Gewinn hebt ihn nicht aus seinem Mittelpunkt, Verlust löscht sein Wesen nicht aus. Er erkennt die Einheit von individuellem Selbst, Selbst und höchstem Selbst. „Adesha“ weist auf diese Einheit hin.

Die Lehre soll mit Verantwortung weitergegeben werden. Wahrheit, Mitgefühl, Beständigkeit und Freiheit von Täuschung bereiten den Boden. Der Text schließt mit seiner traditionellen Mahnung zur sorgsamen Weitergabe, mit Lehrerverehrung und dem Erinnern an die göttliche Leuchtkraft. Die Reise durch Körper und Kosmos führt zum Erkennen dessen, was in allem Erfahren schon gegenwärtig ist.

Fünf Anregungen für Yoga-Aspiranten

Die folgenden Anregungen übertragen Grundgedanken des Werkes behutsam in die heutige Praxis. Für die besonderen Atem-, Bandha- und Körperverfahren ist persönliche, fachkundige Unterweisung erforderlich.

  1. Im Körper ankommen. Setze dich bequem und aufrecht hin. Nimm für einige Minuten den Kontakt zum Boden, deine Hände und deinen Gesichtsausdruck wahr. Lass den Körper dein Ausgangspunkt für wache Gegenwart sein. So kannst du dich der Bedeutung von Pinda und Adhara annähern.
  2. Mit dem natürlichen Atem still werden. Begleite einige Atemzüge, ohne sie anzuhalten oder zu vertiefen. Wenn Gedanken auftauchen, kehre freundlich zum Spüren zurück. Lies anschließend 2.34–35 über aufmerksames Sitzen und die Ruhe des Lebenshauches. Die hier vorgeschlagene Atembeobachtung ist eine vorbereitende Übung, keine Anleitung zu Kumbhaka.
  3. Der inneren Weite Raum geben. Vergegenwärtige einen offenen Raum. Lass Gedanken kommen und gehen, während du bei diesem einfachen Bild verweilst. Lies danach die fünf Beschreibungen des Vyoma Panchaka. Welche spricht dich an? Bleibe bei einer ruhigen Betrachtung, ohne eine besondere Erfahrung erzwingen zu wollen.
  4. Gleiche Sicht in einer Begegnung üben. Erinnere dich an 2.38: Zu Dhyana gehört gleiche Sicht gegenüber allen Wesen. Höre einem Menschen heute mit ungeteilter Aufmerksamkeit zu. Versuche, hinter deiner ersten Bewertung sein Menschsein wahrzunehmen. So erhält die Lehre eine konkrete Gestalt im Alltag.
  5. Einen Vers zum Wegbegleiter machen. Wähle etwa 4.26 über Shiva und Shakti oder 6.68 über die innere Freiheit. Lies den Vers langsam und nimm einen Gedanken daraus mit in den Tag. Besprich offene Fragen mit einer kundigen Lehrperson und bewahre Viveka, dein Unterscheidungsvermögen. Lernen, Vertrauen und eigenes Prüfen dürfen zusammenwachsen.
Innere Sammlung und gleiche Sicht auf alle Wesen verbinden die Schau des Bewusstseins mit dem gelebten Alltag.

Als heutige ergänzende Anleitung: „Anahata-Chakra-Meditation mit Sukadev“.

Wichtige Mantras und Schlüsselverse

Die Schrift ist keine durchgehende Mantrasammlung. Sie enthält Anrufungen, Klangangaben, Erkenntnisformeln und prägnante Lehrverse, deren Funktionen unterschieden werden sollten.

Ausdruck Textbezug Bedeutung
śrīgaṇeśāya namaḥ – श्रीगणेशाय नमः Eingangsanrufung der Druckausgabe „Verehrung dem ehrwürdigen Ganesha.“ Eine Anrufung vor dem Lehrtext, kein zusätzlich gezählter Lehrvers.
oṃ – ॐ 2.15; außerdem 6.2 Om wird an der Nabelstütze mit gesammelter Aufmerksamkeit ausgesprochen; 6.2 deutet es als bewusstseinsgestaltige Einheit der zuvor genannten Lautprinzipien.
ha und sa – ह, स 1.69 Die Lautangaben stehen beim Aus- und Einströmen des Prana. Sie stehen im Zusammenhang der Hamsa-Symbolik. Der Abschnitt nennt beide Laute, ordnet sie in dieser Formulierung aber nicht einzeln eindeutig dem Ein- beziehungsweise Ausatmen zu.
so ’ham – सोऽहम् 1.25 und 1.30 „Ich bin Das“ als Kennzeichen von Selbsterkenntnis beziehungsweise Fülle, nicht an diesen Stellen als ausgearbeitete Japa-Anleitung.
dhūṃ dhūṃ – धूं धूं 2.27 Beschreibung eines gehörten inneren Nada; keine hier eigens vorgeschriebene Mantra-Wiederholung.
ādeśa – आदेश 6.94–95 Bezeichnung beziehungsweise Grußwort im Zusammenhang der Einheit von Selbst, höchstem Selbst und individuellem Selbst.

Die Laute ya und ra werden in 6.2 als Wind- und Feuerkeim genannt. Der Artikel ergänzt sie nicht ungekennzeichnet zu den aus anderen Zusammenhängen vertrauten Formen yaṃ und raṃ. Ebenso wird aus der fehlerhaften Online-Lesung pañcākṣaram in 6.76 kein Beleg für ein fünfgliedriges Mantra gewonnen: Die herangezogene Druckausgabe liest an dieser Stelle paścād avyayam akṣaram, „danach das unvergängliche Unzerstörbare“.

Die folgenden Schlüsselverse eignen sich zum langsamen Lesen und stillen Betrachten. Lass nach jedem Vers einen Moment Ruhe und frage, was seine Aussage für dein Verständnis und dein Leben bedeutet.

2.31
uktañca navacakraṃ kalādhāram trilakṣyaṃ vyomapañcakam|
samyagetanna jānāti sa yogī nāmadhārakaḥ||

„Es heißt: Wer die neun Chakras, die sechzehn Stützen, die drei Schauziele und die fünf Räume nicht richtig kennt, ist ein Yogi nur dem Namen nach.“

2.38 – Meditation und gleiche Sicht
atha dhyānamiti kaścana paramādvaitasya bhāvaḥ sa evātmeti yathā yadyatsphurati tattatsvarūpameveti bhāvayet sarvabhūteṣu samadṛṣṭiśca iti dhyānalakṣaṇam||

„Dhyana ist das Vergegenwärtigen höchster Nichtdualität: Eben sie ist das Selbst. Was immer aufleuchtet, das betrachte man als dessen eigene Gestalt. Gleiche Sicht gegenüber allen Wesen gehört dazu. Dies kennzeichnet Dhyana.“

Die höchste Schau und der Umgang mit anderen Wesen stehen in diesem Abschnitt unmittelbar nebeneinander. Beide gehören zur beschriebenen Meditation.

2.39 – Müheloses Verweilen
atha samādhilakṣaṇaṃ sarvatattvānāṃ samāvasthā nirudyamattvamanāyāsasthitimattvamiti samādhilakṣaṇam|
ityaṣṭāṅgayogalakṣaṇam||

„Samadhi ist der ausgeglichene Zustand aller Prinzipien, Freiheit vom Sichbemühen und müheloses Verweilen. Dies kennzeichnet Samadhi. Damit sind die Kennzeichen des achtgliedrigen Yoga erklärt.“

Samadhi wird hier durch Ausgeglichenheit und Mühelosigkeit gekennzeichnet. Diese Zielbeschreibung lädt dazu ein, auch beim Üben auf die Qualität innerer Ruhe zu achten.

4.16
madhyaśaktiprabodhena adhaḥśaktinikuñcanāt|
ūrdhvaśaktinipātena prāpyate paramaṃ padam||

„Durch das Erwachen der mittleren Kraft, das Zusammenziehen der unteren Kraft und das Herabkommen der oberen Kraft wird der höchste Zustand erreicht.“

4.26
śivasyābhyantare śakti śakterābhyataraḥ śivaḥ|
antaraṃ naiva jānīyāccandracandrikayoriva||

„In Shiva ist Shakti; in Shakti ist Shiva. Man erkenne zwischen ihnen keinen Unterschied, wie zwischen Mond und Mondlicht.“

5.30
uktañcaḥ- sahajaṃ svātmasaṃvittiḥ saṃyamaḥ svātmanigrahaḥ|
sopāyaḥ svasya viśrāntiradvaitaṃ paramaṃ padam||

„Es heißt: Sahaja ist das Erkennen des eigenen Selbst; Samyama ist die Zügelung des eigenen Selbst; Sopaya ist das Ruhen in sich; Advaita ist der höchste Zustand.“

5.73
uktañcaḥ- jñānahīno gurustyājyo mithyāvādīviḍambakaḥ|
svaviśrāntiṃ na jānāti pareṣāṃ sa karoti kim||

„Es heißt: Ein erkenntnisloser Lehrer ist aufzugeben, ein unwahrhaftiger Schausteller. Er kennt das Ruhen in sich nicht – was kann er für andere tun?“

6.68
gate na śokaṃ vibhave na vāñcchā prāpte na harṣaṃ sa karoti yogī|
ānandapūrṇo nijabodhalīno na vādhyate kālapathena nityam||

„Der Yogi trauert nicht um Vergangenes, begehrt keinen Reichtum und jubelt nicht über Erlangtes. Von Glückseligkeit erfüllt, in eigener Erkenntnis aufgegangen, wird er niemals vom Weg der Zeit gebunden.“

6.94
ātmeti paramātmeti jīvātmeti vicāraṇe|
trayāṇāmaikyasaṃbhūtiḥ ādeśa iti kīrtitaḥ||

„Wenn Selbst, höchstes Selbst und individuelles Selbst betrachtet werden, heißt das Erkennen ihrer Einheit „Adesha“.“

Spiritueller Schluss

Die Siddha Siddhanta Paddhati führt durch eine reiche innere Landschaft: durch Zentren und Stützen, Licht und Klang, Kraft und Raum. Ihr Ziel ist das Erkennen des eigenen Wesens. Der Körper wird zum Ort dieser Suche, der Atem zum Zugang der Sammlung und die Aufmerksamkeit zur Brücke zwischen Lehre und Erfahrung.

Ein besonders schöner Leitgedanke steht in 4.26: Shiva und Shakti gehören zusammen wie Mond und Mondlicht. In diesem Bild begegnen sich Stille und lebendige Kraft. Wer es betrachtet, kann sich fragen, wie wache Ruhe auch mitten im Handeln gegenwärtig werden kann. Die Schrift verbindet diese innere Schau mit gleicher Sicht gegenüber allen Wesen und mit der Freiheit von rastlosem Begehren.

Für Yoga-Aspiranten liegt darin eine ermutigende Einladung: Beginne dort, wo du bist. Sitze aufmerksam, lerne geduldig und begegne dem Leben mit offenem Herzen. Jeder sorgfältig verstandene Vers kann deine Sadhana vertiefen. Die einfachen Schritte erhalten ihre Richtung durch das große Ziel der Selbstverwirklichung.

Möge das Studium dieses Werkes Klarheit schenken, die Meditation vertiefen und die Verbundenheit mit allen Wesen stärken. Möge aus dem Wissen um Pinda, Prana und Bewusstsein eine lebendige Erfahrung von innerer Freiheit erwachsen.

Siehe auch

Literatur

  • Kalyani Mallik (Hrsg.): Siddha-Siddhānta-Paddhati and Other Works of the Nātha Yogīs. Poona Oriental Book House, Poona 1954. Sanskrittext der Siddha Siddhanta Paddhati auf den gedruckten Seiten 1–44; Einleitung und weitere Nath-Texte im selben Band.

Weblinks

Seminare

Die folgenden Themenbereiche und Kursverweise führen die Seminarhinweise des bisherigen Artikels fort. Die RSS-Feeds zeigen das jeweilige aktuelle Angebot. Bei einzelnen datierten Kursen gelten die Angaben der verlinkten Veranstaltungsseite; die Nennung hier ist keine Aussage über freie Plätze.

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Yoga und Meditation im Alltag

Jahresgruppe Sanskrit – Lektüre der Amrita Siddhi – Online

Textgrundlage und redaktionelle Hinweise

Ausgabecharakter. Diese deutsche Leseausgabe erschließt alle sechs Unterweisungen der oben verlinkten elektronischen Sanskritvorlage. Devanagari und IAST geben denselben redaktionell bearbeiteten Lesetext wieder. Die deutsche Übersetzung und die Worterklärungen wurden für diesen Artikel neu formuliert. Die Ausgabe ist keine neue kritische Edition mit vollständiger Handschriftenkollation. Offenkundige Übertragungsfehler und ausgewählte Lücken wurden anhand des Digitalisats von Mallik 1954 berichtigt; unsichere Stellen sind als solche bezeichnet. Eine unsichere Sanskritlesung wird nicht durch eine erfundene glatte Übersetzung verdeckt.

Vers und Abschnitt. Das Werk besteht aus metrischen Versen und Prosa. Die Bezeichnung „Texteinheit“ umfasst beides. Einige nummerierte Einheiten enthalten mehr als eine Strophe. Die Wort-für-Wort-Erklärungen lösen insbesondere Komposita in sinntragende Gruppen auf; sie sind eine Lesehilfe zur gesamten jeweiligen Einheit, keine vollständige grammatische Formenbestimmung. Eckige Klammern in der deutschen Übersetzung kennzeichnen notwendige Ergänzungen oder verbleibende Unsicherheit; sie gehören nicht zum Sanskrit.

Nummerierung. Die hier benutzten Abschnittsnummern folgen der elektronischen Fassung, damit die im bisherigen Wiki-Artikel verwendeten Verweise 2.1–31 erhalten bleiben. Sie sind nicht überall identisch mit Malliks Verszählung. Das doppelte 1.11 wird als 1.11 und 1.12 unterschieden. Die fehlenden Textstücke bei 1.26 und 1.37 wurden aus dem Druck ergänzt. Das zweite, längere 2.28 ersetzt das kürzere Dublett. Der zusätzliche Guru-Vers in Kapitel 5 trägt die redaktionelle Bezeichnung 5.42a. Nach 5.67 folgt in der elektronischen Zählung 5.71: Die vermeintliche Lücke 5.68–70 ist kein Verlust dreier hier ausgelassener Strophen; die betreffenden Strophen stehen im Druck als 5.68–70 und hier als 5.71–73. Die folgenden Nummern bleiben entsprechend versetzt. Doppelte und verschobene Zahlen in Kapitel 6 wurden im fortlaufenden Zusammenhang bereinigt. Die Eingangsverehrung und die Kapitelkolophone stehen zusätzlich zum gezählten Lehrtext.

Wesentliche Eingriffe gegenüber der elektronischen Vorlage.

  • 1.26 und 1.37: Ergänzung der dort ausgefallenen Fünfergruppe beziehungsweise göttlichen Entfaltungsreihe nach den gedruckten Seiten 3–4.
  • 1.69: Wiederherstellung des stark verkürzten Abschnitts über die zehn Lebenswinde nach der gedruckten Seite 7; die abweichenden Funktionszuordnungen der Schrift bleiben erhalten.
  • 2.28: Verwendung der längeren Fassung; das kürzere Dublett wird im Hinweis zu dieser Einheit beschrieben.
  • 5.16–17: Trennung zweier in der elektronischen Fassung zusammengelaufener Einheiten; 5.44: Wiederherstellung der sinntragenden positiven Lesung tajjātāḥ.
  • 6.25: Wiederherstellung des Verses über die im Körperlotus gegenwärtige Wirklichkeit nach der gedruckten Seite 34.
  • 6.76: Wiederherstellung der ausgefallenen Zeile und der Lesung paścād avyayam akṣaram nach der gedruckten Seite 39; kein Beleg für ein fünfgliedriges Mantra an dieser Stelle.
  • 6.77: Berichtigung der sinnverkehrenden Negation nach derselben Druckseite. Die historische Polemik des Zusammenhangs bleibt als solche gekennzeichnet.
  • 6.88: Berichtigung der sinnverkehrenden Negation und Wiederherstellung der positiven Aussage über die Verwirklichung im ungeschlagenen Klang nach der gedruckten Seite 41.
  • 6.114: Ergänzung von natvā, „nachdem man sich verneigt hat“, nach der gedruckten Seite 44; die Verehrung Mayashankaranathas wird dadurch von der anschließenden Handlung des Schreibens und Lesens unterschieden.

Verhältnis zum bisherigen Yoga-Wiki-Artikel. Die erweiterte Fassung übernimmt dessen Begriffsdefinition, Merkvers, Themenübersichten und weiterführende Verweise. Alle bisherigen internen Links, externen Adressen und Seminarverweise bleiben erhalten. Die ergänzten Erläuterungen unterscheiden die eigenen Angaben der Schrift von vergleichenden Zuordnungen zu anderen Chakrasystemen.

Medien. Die sechs Bilder stammen aus der für diesen Artikel bereitgestellten Yoga-Wiki-Dateiliste beziehungsweise aus dem bestehenden Artikel. Die vier eingebetteten Videos sind Yoga-Vidya-Anleitungen von Sukadev. Sie dienen der heutigen Veranschaulichung und Praxisbegleitung; weder Bilder noch Videos werden als historische Illustration oder vollständige Auslegung des Sanskrittextes ausgegeben. Die drei RSS-Adressen wurden aus dem bestehenden Artikel übernommen.

Siehe auch

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Dr phil Oliver Hahn

Kundalini Yoga

06.11.2026 - 08.11.2026 Kundalini Yoga Einführung

Gründliche Einführung in die Theorie und Praxis des Kundalini Yoga, Yoga der Energie. Die praktischen Übungen des Kundalini Yoga umfassen Pranayama (…
Arjuna Wingen
13.11.2026 - 15.11.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe

Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…
Manuel Hirning

Jnana Yoga, Philosophie

15.11.2026 - 20.11.2026 Aus der Tiefe des Herzens antworten

In diesem Praxisseminar beschreiten wir den Weg fundamentalen Gewahrseins durch intuitive Antworten aus dem Herzen. Antworten, die sich aus unserem wah…
Michael Büchel, Roswitha Breitkopf
29.11.2026 - 06.12.2026 Spirituelle Sterbebegleiter Ausbildung

Immer mehr Menschen wollen sich aktiv und offen mit Sterben und Tod beschäftigen und dabei zu einem neuen spirituellen Verständnis von Vergänglichkei…
Sukhavati Kusch

Yoga und Meditation im Alltag

07.02.27-12.02.27 - Yoga und Meditation im Alltag

Dieses Seminar lädt dich ein, deine Yoga- und Meditationspraxis spielerisch und alltagstauglich zu erweitern. Um dich mit der Achtsamkeit auf den Körper, deine Atmung, Gedanken und Gefühle an jedem Ort und zu jeder Zeit in deinem Zentrum zu sammeln, braucht es …

Jahresgruppe Sanskrit - Lektüre der AMRITA SIDDHI - Online

07.01.2026 - 16.12.2026 - Jahresgruppe Sanskrit - Lektüre der AMRITA SIDDHI - Online

Die AMRITA SIDDHI ("Erlangung der Unsterblichkeit") ist ein bisher noch wenig bekannter Ur-Text zum Hatha Yoga, der aus einem asketisch orientierten buddhistischen Umfeld stammt. Niedergeschrieben wurde er vermutlich im 11. Jahrhundert in Indien von Madhava Chandra. Der Verfasser lehrt in 35 kurzen Kapiteln die praktischen und theoretischen Grundlagen …
Dr phil Oliver Hahn