Mandala Brahmana Upanishad

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Die Mandalabrahmana Upanishad (Sanskrit: मण्डलब्राह्मणोपनिषद् maṇḍalabrāhmaṇopaniṣad f.) gehört zu den umfassendsten Yoga Upanishaden des Shukla Yajurveda. Sie ist als Unterweisung des Weisen Yajnavalkya durch Narayana, den Purusha in der Sonnenscheibe, gestaltet. Ihre fünf Brahmanas verbinden einen eigenständigen achtgliedrigen Yoga mit Taraka Yoga, Shambhavi Mudra, Kundalini, innerer Licht- und Klangmeditation, Amanaska und der Erkenntnis des nichtdualen Brahman.

Der erste Teil beschreibt Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dhyana, Dharana und Samadhi, jedoch mit teilweise anderen Definitionen als im Yoga Sutra des Patanjali. Es folgen die drei meditativen Ziele – inneres, äußeres und mittleres Lakshya –, die zwei Formen des Taraka und verschiedene Bilder des inneren Lichtes. Das zweite Brahmana vertieft die Lehre durch Khechari, Shanmukhi, Pranava, die Verinnerlichung der Puja und die Unterscheidung von Tiefschlaf und Samadhi. Die weiteren Brahmanas behandeln Amanaska, die fünf inneren Räume und die Auflösung des gegenstandsgebundenen Geistes.

Für heutige Yogaübende zeigt die Schrift, dass Yoga Körper, Atem, Sinne, Geist, Erkenntnis und Lebensführung umfasst. Die beschriebenen Kumbhakas und Blicktechniken sind fortgeschritten und sollten nicht erzwungen werden. Innere Lichter, Klänge oder Siddhis sind nicht das Ziel. Die höchste Lehre lautet, dass die äußere Sonne zur inneren Bewusstseinssonne führt und der stille Geist sein eigenes Wesen als Satchidananda erkennt.

Mandalabrahmana Upanishad – Sanskrit Text, Übersetzung und Wort-für-Wort-Erklärung

Die Übersetzung folgt der quellengetreuen Gliederung in fünf Brahmanas. Die Wort-für-Wort-Erklärungen geben lange Sanskrit-Komposita teilweise als eng verbundene Sinneinheiten wieder. Außergewöhnliche Licht-, Siddhi-, Unsterblichkeits- und Befreiungsverheißungen werden als Aussagen des historischen Textes übersetzt, nicht als medizinisch oder naturwissenschaftlich bestätigte Wirkungen.

Eröffnungsvers

bāhyāntastārakākaraṃ vyomapañcakavigraham |
rājayogaikasaṃsiddhaṃ rāmacandramupāsmahe ||

Übersetzung: Wir verehren Ramachandra, die Quelle des äußeren und inneren Taraka, die Verkörperung der fünf Räume, vollkommen verwirklicht durch den einen Raja Yoga.

Wort-für-Wort-Übersetzung: bāhya-antaḥ-tāraka-ākaram – Quelle des äußeren und inneren Taraka; vyoma-pañcaka-vigraham – die fünf Räume verkörpernd; rāja-yoga-eka-saṃsiddham – durch den einen Raja Yoga vollkommen verwirklicht; rāmacandram – Ramachandra; upāsmahe – wir verehren.

Shanti Mantra

oṃ pūrṇamadaḥ pūrṇamidaṃ pūrṇātpūrṇamudacyate |
pūrṇasya pūrṇamādāya pūrṇamevāvaśiṣyate ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Übersetzung: Om. Jenes ist vollständig, dieses ist vollständig. Aus dem Vollständigen geht das Vollständige hervor. Nimmt man vom Vollständigen das Vollständige, bleibt das Vollständige allein. Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: pūrṇam – vollständig, Fülle; adaḥ – jenes; idam – dieses; pūrṇāt – aus dem Vollständigen; udacyate – geht hervor; ādāya – genommen habend; avaśiṣyate – bleibt übrig; śāntiḥ – Frieden.

1. Brahmana

1.1.
oṃ yājñavalkyo ha vai mahāmunirādityalokaṃ jagāma | tamādityaṃ natvā bho bhagavannādityātmatattvamanubrūhīti | sa hovāca nārāyaṇaḥ |
jñānayuktayamādyaṣṭāṅgayoga ucyate | śītoṣṇāhāranidrāvijayaḥ sarvadā śāntirniścalatvaṃ viṣayendriyanigrahaścaite yamāḥ |
gurubhaktiḥ satyamārgānuraktiḥ sukhāgatavastvanubhavaśca tadvastvanubhavena tuṣṭirniḥsaṅgatā ekāntavāso manonivṛttiḥ phalānabhilāṣo vairāgyabhāvaśca niyamāḥ |
sukhāsanavṛttiścīravāsāścaivamāsananiyamo bhavati |
pūrakakumbhakarecakaiḥ ṣoḍaśacatuḥṣaṣṭidvātriṃśatsaṅkhyayā yathākramaṃ prāṇāyāmaḥ |
viṣayebhya indriyārthebhyo manonirodhanaṃ pratyāhāraḥ | sarvaśarīreṣu caitanyaikatānatā dhyānam |
viṣayavyāvartanapūrvakaṃ caitanye cetaḥsthāpanaṃ dhāraṇā bhavati | dhyānavismṛtiḥ samādhiḥ |
evaṃ sūkṣmāṅgāni | ya evaṃ veda sa muktibhāgbhavati || 1 ||

Übersetzung: Om. Der große Weise Yajnavalkya ging zur Welt der Sonne. Nachdem er Aditya verehrt hatte, bat er: „Erhabener, lehre mich die Wahrheit des Selbst im Sonnenwesen.“ Narayana antwortete:
Der mit Erkenntnis verbundene achtgliedrige Yoga beginnt mit Yama. Die Gegensätze von Kälte und Hitze sowie die Zwänge von Nahrung und Schlaf zu meistern, immer friedvoll und unbewegt zu bleiben und die Sinne gegenüber ihren Gegenständen zu beherrschen – dies sind die Yamas.
Hingabe an den Guru, Liebe zum Weg der Wahrheit, das Annehmen dessen, was von selbst als angenehm kommt, Zufriedenheit durch die Erfahrung der Wirklichkeit, Ungebundenheit, Leben in Einsamkeit, Zurückziehen des Geistes, Freiheit vom Verlangen nach Ergebnissen und die Haltung der Leidenschaftslosigkeit sind die Niyamas.
In einer angenehmen Sitzhaltung zu verweilen und einfache Gewänder zu tragen bildet die Disziplin des Asana. Pranayama besteht aus Einatmung, Atemanhalten und Ausatmung im Verhältnis von sechzehn, vierundsechzig und zweiunddreißig Zeiteinheiten.
Pratyahara ist das Zurückhalten des Geistes von den Sinnesgegenständen. Dhyana ist die ununterbrochene Erkenntnis des einen Bewusstseins in allen Körpern. Dharana ist das Festhalten des Geistes im Bewusstsein, nachdem er sich von den Gegenständen abgewandt hat. Samadhi ist das Vergessen selbst der Meditation. Dies sind die feinen Glieder. Wer sie erkennt, erlangt Befreiung.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yājñavalkyaḥ mahāmuniḥ – der große Weise Yajnavalkya; āditya-lokam jagāma – ging zur Welt der Sonne; ādityam natvā – nachdem er Aditya verehrt hatte; āditya-ātma-tattvam – Wahrheit des Selbst im Sonnenwesen; anubrūhi – lehre ausführlich; nārāyaṇaḥ uvāca – Narayana sprach; jñāna-yukta – mit Erkenntnis verbunden; yama-ādi-aṣṭāṅga-yogaḥ – achtgliedriger Yoga beginnend mit Yama; śīta-uṣṇa-āhāra-nidrā-vijayaḥ – Meisterung von Kälte, Hitze, Nahrung und Schlaf; śāntiḥ – Frieden; niścalatvam – Unbewegtheit; viṣaya-indriya-nigrahaḥ – Beherrschung der Sinne gegenüber Gegenständen.
guru-bhaktiḥ – Hingabe an den Guru; satya-mārga-anuraktiḥ – Liebe zum Weg der Wahrheit; sukha-āgata-vastu-anubhavaḥ – Erfahrung dessen, was von selbst angenehm kommt; tuṣṭiḥ – Zufriedenheit; niḥsaṅgatā – Ungebundenheit; ekānta-vāsaḥ – Leben in Einsamkeit; mano-nivṛttiḥ – Zurückziehen des Geistes; phala-anabhilāṣaḥ – Nichtverlangen nach Ergebnissen; vairāgya-bhāvaḥ – Haltung des Vairagya; niyamāḥ – Niyamas.
sukha-āsana-vṛttiḥ – Verweilen in angenehmer Haltung; cīra-vāsaḥ – Tragen einfacher Gewänder; āsana-niyamaḥ – Disziplin des Asana; pūraka-kumbhaka-recakaiḥ – durch Einatmung, Atemanhalten und Ausatmung; ṣoḍaśa-catuḥṣaṣṭi-dvātriṃśat – sechzehn, vierundsechzig, zweiunddreißig; prāṇāyāmaḥ – Pranayama; manaḥ-nirodhanam – Zurückhalten des Geistes; pratyāhāraḥ – Pratyahara; sarva-śarīreṣu caitanya-ekatānatā – Kontinuität des einen Bewusstseins in allen Körpern; dhyānam – Dhyana; caitanye cetaḥ-sthāpanam – Festhalten des Geistes im Bewusstsein; dhāraṇā – Dharana; dhyāna-vismṛtiḥ – Vergessen der Meditation; samādhiḥ – Samadhi; mukti-bhāk – der Befreiung teilhaftig.

1.2.
dehasya pañcadoṣā bhavanti kāmakrodhaniḥśvāsabhayanidrāḥ | tannirāsastu niḥsaṅkalpakṣamālaghvāhārāpramādatattvasevanam |
nidrābhayasarīsṛpaṃ hiṃsāditaraṅgaṃ tṛṣṇāvartaṃ dārapaṅkaṃ saṃsāravārdhiṃ tartuṃ sūkṣmamārgamavalambya sattvādiguṇānatikramya tāramavalokayet |
bhrūmadhye saccidānandatejaḥkūṭarūpaṃ tārakaṃ brahma | tadupāyaṃ lakṣyatrayāvalokanam |
mūlādhārādārabhya brahmarandhraparyantaṃ suṣumnā sūryābhā | mṛṇālatantusūkṣmā kuṇḍalinī | tato tamonivṛttiḥ | taddarśanātsarvapāpanivṛttiḥ |
tarjanyagronmīlitakarṇarandhradvaye phūtkāraśabdo jāyate | tatra sthite manasi cakṣurmadhye nīlajyotiḥ paśyati | evaṃ hṛdaye'pi |
bahirlakṣyaṃ tu nāsāgre catuḥṣaḍaṣṭadaśadvādaśāṅgulībhiḥ kramānnīladyutiśyāmatvasadṛgraktabhaṅgīsphuratpītavarṇadvayopetaṃ vyomatvaṃ paśyati sa tu yogī |
calanadṛṣṭyā vyomabhāgavīkṣituḥ puruṣasya dṛṣṭyagre jyotirmayūkhā vartante | taddṛṣṭiḥ sthirā bhavati | śīrṣopari dvādaśāṅgulimānajyotiḥ paśyati tadā'mṛtatvameti |
madhyalakṣyaṃ tu prātaścitrādivarṇasūryacandravahnijvālāvalīvattadvihīnāntarikṣavatpaśyati | tadākārākārī bhavati |
abhyāsānnirvikāraṃ guṇarahitākāśaṃ bhavati | visphurattārakākāragāḍhatamopamaṃ parākāśaṃ bhavati | kālānalasamaṃ dyotamānaṃ mahākāśaṃ bhavati |
sarvotkṛṣṭaparamādvitīyapradyotamānaṃ tattvākāśaṃ bhavati | koṭisūryaprakāśaṃ sūryākāśaṃ bhavati | evamabhyāsāttanmayo bhavati | ya evaṃ veda || 2 ||

Übersetzung: Der Körper besitzt fünf Mängel: Begehren, Zorn, ungeordnete Atmung, Furcht und Schlaf. Sie werden entsprechend durch Freiheit von willentlicher Wunschvorstellung, Vergebung, maßvolle Nahrung, Wachsamkeit und Betrachtung der Wahrheit überwunden.
Um den Ozean des Samsara zu überqueren – in dem Schlaf und Furcht wie Schlangen, Verletzung und anderes wie Wellen, Durst wie ein Strudel und die verhaftete Beziehung wie Schlamm sind –, soll man dem feinen Weg folgen, die Gunas von Sattva an überschreiten und das Taraka schauen.
Zwischen den Augenbrauen erscheint Taraka-Brahman als eine Masse von Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit. Der Zugang dazu ist die Schau der drei Ziele.
Vom Muladhara bis zum Brahmarandhra verläuft die sonnengleiche Sushumna. In ihr befindet sich die Kundalini, fein wie die Faser eines Lotosstängels. Dadurch schwindet die Dunkelheit; durch ihre Schau, so der Text, lösen sich alle Verfehlungen auf. Werden die Ohröffnungen mit den Spitzen der Zeigefinger verschlossen, entsteht ein rauschender Laut. Ruht der Geist darin, sieht der Übende zwischen den Augen ein blaues Licht; ebenso wird im Herzen geschaut.
Beim äußeren Ziel werden vor der Nasenspitze in Abständen von vier, sechs, acht, zehn und zwölf Fingerbreiten blaue, dunkelblaue, rote und gelbe Lichterscheinungen im Raum wahrgenommen. Am Ende des Blickes erscheinen Lichtstrahlen und der Blick wird fest. Wer zwölf Fingerbreiten über dem Kopf ein Licht sieht, dem verheißt der Text Unsterblichkeit.
Beim mittleren Ziel erscheinen am Morgen Farben, Sonne, Mond, Feuerflammen oder ein davon freier Raum. Durch Übung wird der Übende davon geprägt. Es folgen der unveränderliche, eigenschaftslose Raum, der sternenartig in tiefer Dunkelheit funkelnde Para-Raum, der wie das Feuer am Ende der Zeit leuchtende große Raum, der höchste, nichtduale Raum der Wirklichkeit und der Sonnenraum im Licht von Millionen Sonnen. Durch solche Übung wird der Yogi von ihrem Wesen erfüllt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: dehasya pañca-doṣāḥ – fünf Mängel des Körpers; kāma – Begehren; krodha – Zorn; niḥśvāsa – ungeordnete Ausatmung; bhaya – Furcht; nidrā – Schlaf; niḥsaṅkalpa – Freiheit von Wunschvorstellungen; kṣamā – Vergebung; laghu-āhāra – leichte, maßvolle Nahrung; apramāda – Wachsamkeit; tattva-sevanam – Betrachtung der Wahrheit.
saṃsāra-vārdhim – Ozean des Samsara; tartum – um zu überqueren; sūkṣma-mārgam – feiner Weg; sattva-ādi-guṇān atikramya – die Gunas beginnend mit Sattva überschreitend; tāram avalokayet – soll Taraka schauen; bhrū-madhye – zwischen den Brauen; sat-cit-ānanda-tejaḥ-kūṭa-rūpam – als Lichtmasse von Satchidananda; tārakam brahma – hinüberführendes Brahman; lakṣya-traya – drei Ziele.
mūlādhārāt – vom Muladhara; brahma-randhra-paryantam – bis zum Brahmarandhra; suṣumnā – Sushumna; sūryābhā – sonnengleich; mṛṇāla-tantu-sūkṣmā – fein wie eine Lotosfaser; kuṇḍalinī – Kundalini; tamo-nivṛttiḥ – Ende der Dunkelheit; karṇa-randhra-dvaye – an beiden Ohröffnungen; phūtkāra-śabdaḥ – rauschender Laut; cakṣur-madhye nīla-jyotiḥ – blaues Licht zwischen den Augen; hṛdaye api – auch im Herzen.
bahir-lakṣyam – äußeres Ziel; nāsā-agre – vor der Nasenspitze; catuḥ-ṣaṭ-aṣṭa-daśa-dvādaśa-aṅgulībhiḥ – bei vier, sechs, acht, zehn und zwölf Fingerbreiten; nīla-śyāma-rakta-pīta-varṇa – blaue, dunkelblaue, rote und gelbe Farben; jyotiḥ-mayūkhāḥ – Lichtstrahlen; dṛṣṭiḥ sthirā – fester Blick; śīrṣa-upari – über dem Kopf; amṛtatvam eti – erlangt Unsterblichkeit.
madhya-lakṣyam – mittleres Ziel; sūrya-candra-vahni-jvālā – Sonne, Mond und Feuerflammen; guṇa-rahita-ākāśam – eigenschaftsloser Raum; parākāśam – Para-Raum; mahākāśam – großer Raum; tattvākāśam – Raum der Wirklichkeit; sūryākāśam – Sonnenraum; tan-mayaḥ bhavati – wird davon erfüllt.

1.3.
tadyogaṃ ca dvidhā viddhi pūrvottaravibhāgataḥ |
pūrvaṃ tu tārakaṃ vidyādamanaskaṃ taduttaramiti |
tārakaṃ dvividham | mūrtitārakamamūrtitārakamiti | yadindriyāntaṃ tanmūrtitārakam | yadbhrūyugātītaṃ tadamūrtitārakamiti |
ubhayamapi manoyuktamabhyaset | manoyuktāntaradṛṣṭistārakaprakāśāya bhavati | bhrūyugamadhyabile tejasa āvirbhāvaḥ | etatpūrvatārakam |
uttaraṃ tvamanaskam | tālumūlordhvabhāge mahājyotirvidyate | taddarśanādaṇimādisiddhiḥ |
lakṣye'ntarbāhye dṛṣṭau nimeṣonmeṣavarjitāyāṃ ceyaṃ śāmbhavī mudrā bhavati | sarvatantreṣu gopyamahāvidyā bhavati |
tajjñānena saṃsāranivṛttiḥ | tatpūjanaṃ mokṣaphaladam | antarlakṣyaṃ jalajyotiḥsvarūpaṃ bhavati | maharṣivedyamantarbāhyendriyairadṛśyam || 3 ||

Übersetzung: Erkenne diesen Yoga als zweifach, als frühere und spätere Stufe: Die frühere heißt Taraka, die spätere Amanaska. Taraka ist ebenfalls zweifach: mit Gestalt und ohne Gestalt. Was bis in den Bereich der Sinne reicht, ist das gestaltgebundene Taraka; was über das Brauenpaar hinausliegt, ist das gestaltlose.
Beide sollen mit Beteiligung des Geistes geübt werden. Der geistverbundene innere Blick lässt Taraka aufleuchten. In der Höhlung zwischen den Augenbrauen erscheint Licht – dies ist das frühere Taraka. Die spätere Stufe ist Amanaska. Oberhalb des Gaumengrundes befindet sich ein großes Licht; aus seiner Schau verheißt der Text Siddhis wie Anima.
Wenn der Blick inneres und äußeres Ziel verbindet und das gewöhnliche Blinzeln ruht, entsteht Shambhavi Mudra. Sie gilt in den Tantras als geheim gehaltene große Weisheit. Ihre Erkenntnis beendet nach der Aussage des Textes Samsara, ihre Verehrung trägt die Frucht der Befreiung. Das innere Ziel ist von der Natur eines wasserartig schimmernden Lichtes; es wird von großen Weisen erkannt und bleibt den gewöhnlichen inneren und äußeren Sinnen unsichtbar.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tat-yogam dvidhā – dieser Yoga zweifach; pūrva-uttara-vibhāgataḥ – nach früherer und späterer Stufe; pūrvam tārakam – früher Taraka; uttaram amanaskam – später Amanaska; mūrti-tārakam – Taraka mit Gestalt; amūrti-tārakam – gestaltloses Taraka; indriya-antam – bis zum Bereich der Sinne; bhrū-yuga-atītam – jenseits des Brauenpaares.
mano-yuktam abhyaset – mit Beteiligung des Geistes üben; antar-dṛṣṭiḥ – innerer Blick; tāraka-prakāśāya – zum Aufleuchten des Taraka; bhrū-yuga-madhya-bile – in der Höhlung zwischen den Brauen; tejas-āvirbhāvaḥ – Erscheinen von Licht; tālu-mūla-ūrdhva-bhāge – oberhalb des Gaumengrundes; mahā-jyotiḥ – großes Licht; aṇimā-ādi-siddhiḥ – Siddhi wie Anima.
antar-bāhya-lakṣye – beim inneren und äußeren Ziel; nimeṣa-unmeṣa-varjitā dṛṣṭiḥ – Blick ohne gewöhnliches Blinzeln; śāmbhavī mudrā – Shambhavi Mudra; gopya-mahāvidyā – geheim gehaltene große Weisheit; saṃsāra-nivṛttiḥ – Ende des Samsara; mokṣa-phala-dam – die Frucht der Befreiung gebend; jala-jyotiḥ-svarūpam – von wasserartig schimmernder Lichtnatur; indriyaiḥ adṛśyam – für die Sinne unsichtbar.

1.4.
sahasrāre jalajyotirantarlakṣyam | buddhiguhāyāṃ sarvāṅgasundaraṃ puruṣarūpamantarlakṣyamityapare |
śīrṣāntargatamaṇḍalamadhyagaṃ pañcavaktramumāsahāyaṃ nīlakaṇṭhaṃ praśāntamantarlakṣyamiti kecit | aṅguṣṭhamātraḥ puruṣo'ntarlakṣyamityeke |
uktavikalpaṃ sarvamātmaiva | tallakṣyaṃ śuddhātmadṛṣṭyā vā yaḥ paśyati sa eva brahmaniṣṭho bhavati |
jīvaḥ pañcaviṃśakaḥ svakalpitacaturviṃśatitattvaṃ parityajya ṣaḍviṃśaḥ paramātmāhamiti niścayājjīvanmukto bhavati |
evamantarlakṣyadarśanena jīvanmuktidaśāyāṃ svayamantarlakṣyo bhūtvā paramākāśākhaṇḍamaṇḍalo bhavati || 4 ||

Übersetzung: Einige verstehen das wasserartig leuchtende Licht im Sahasrara als inneres Ziel. Andere nennen die in der Höhle der Buddhi erscheinende, in allen Gliedern schöne Gestalt des Purusha. Manche betrachten den friedvollen, blaukehligen Fünfgesichtigen in der Mitte des inneren Kopfraumes, begleitet von Uma, als inneres Ziel; andere den daumengroßen Purusha.
Alle diese unterschiedlichen Vorstellungen sind allein der Atman. Wer das Ziel mit der Schau des reinen Selbst erkennt, ist in Brahman gegründet. Der Jiva gilt als fünfundzwanzigstes Prinzip. Gibt er die vierundzwanzig von ihm vorgestellten Tattvas auf und erkennt mit Gewissheit: „Ich bin der sechsundzwanzigste, der höchste Atman“, wird er noch im Leben befreit. Durch die Schau des inneren Zieles wird er im Zustand der Jivanmukti selbst zum inneren Ziel und zum ungeteilten Kreis des höchsten Raumes.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sahasrāre – im Sahasrara; jala-jyotiḥ – wasserartig schimmerndes Licht; buddhi-guhāyām – in der Höhle der Buddhi; sarvāṅga-sundaram puruṣa-rūpam – schöne Gestalt des Purusha; pañca-vaktram – fünfgesichtig; umā-sahāyam – von Uma begleitet; nīlakaṇṭham – der Blaukehlige, Shiva; aṅguṣṭha-mātraḥ puruṣaḥ – daumengroßer Purusha.
sarvam ātmā eva – alles ist allein der Atman; śuddha-ātma-dṛṣṭyā – durch Schau des reinen Selbst; brahma-niṣṭhaḥ – in Brahman gegründet; jīvaḥ pañcaviṃśakaḥ – Jiva als fünfundzwanzigstes Prinzip; caturviṃśati-tattvam – vierundzwanzig Tattvas; ṣaḍviṃśaḥ paramātmā aham – ich bin der sechsundzwanzigste, der höchste Atman; jīvanmuktaḥ – im Leben befreit; paramākāśa-akhaṇḍa-maṇḍalaḥ – ungeteilter Kreis des höchsten Raumes.


2. Brahmana

2.1.
atha ha yājñavalkya ādityamaṇḍalapuruṣaṃ papraccha | bhagavannantarlakṣyādikaṃ bahudhoktam | mayā tanna jñātam | tadbrūhi mahyam |
tadu hovāca pañcabhūtakāraṇaṃ taḍitkūṭābhaṃ tadvaccatuḥpīṭham | tanmadhye tattvaprakāśo bhavati | so'tigūḍho'vyaktaśca | tajjñānaplavādhirūḍhena jñeyam |
tadbāhyābhyantarlakṣyam | tanmadhye jagallīnam | tannādabindukalātītamakhaṇḍamaṇḍalam | tatsaguṇanirguṇasvarūpam | tadvettā vimuktaḥ |
ādāvagnimaṇḍalam | tadupari sūryamaṇḍalam | tanmadhye sudhācandramaṇḍalam | tanmadhye'khaṇḍabrahmatejomaṇḍalam | tadvidyullekhāvacchuklabhāsvaram |
tadeva śāmbhavīlakṣaṇam | taddarśane tisro mūrtayo'mā pratipatpūrṇimā ceti | nimīlitadarśanamamādṛṣṭiḥ | ardhonmīlitaṃ pratipat | sarvonmīlanaṃ pūrṇimā bhavati |
tāsu pūrṇimābhyāsaḥ kartavyaḥ | tallakṣyaṃ nāsāgram | tadā tālumūle gāḍhatamo dṛśyate | tadabhyāsādakhaṇḍamaṇḍalākārajyotirdṛśyate | tadeva saccidānandaṃ brahma bhavati |
evaṃ sahajānande yadā mano līyate tadā śānto bhavati | tāmeva khecarīmāhuḥ | tadabhyāsānmanaḥsthairyam | tato vāyusthairyam |
taccihnāni | ādau tārakavaddṛśyate | tato vajradarpaṇam | tata upari pūrṇacandramaṇḍalam | tato vahniśikhāmaṇḍalaṃ kramāddṛśyate || 1 ||

Übersetzung: Darauf fragte Yajnavalkya den Purusha in der Sonnenscheibe: „Erhabener, das innere Ziel und die weiteren Ziele wurden auf vielerlei Weise erklärt, doch ich habe sie nicht verstanden. Lehre sie mir.“ Dieser antwortete:
Die Ursache der fünf Elemente gleicht einer Masse von Blitzen und besitzt gleichsam vier Sitze. In ihrer Mitte leuchtet die Wirklichkeit. Sie ist tief verborgen und unmanifest; erkannt wird sie von dem, der das Boot der Erkenntnis bestiegen hat. Sie ist das äußere und innere Ziel. In ihr löst sich die Welt auf. Sie ist der ungeteilte Kreis jenseits von Nada, Bindu und Kala, von der Natur sowohl des mit Eigenschaften versehenen als auch des eigenschaftslosen Brahman. Wer sie erkennt, ist befreit.
Zuerst erscheint der Feuerkreis, darüber der Sonnenkreis, darin der Mondkreis des Nektars und in dessen Mitte der ungeteilte Lichtkreis Brahmans, weiß und strahlend wie ein Blitz. Dies ist das Kennzeichen von Shambhavi.
Bei dieser Schau gibt es drei Formen: Neumond, erster Mondtag und Vollmond. Der Blick mit geschlossenen Augen ist Neumond, der halb geöffnete Blick der erste Mondtag, der ganz geöffnete Blick Vollmond. Von ihnen soll die Vollmondform geübt werden, wobei die Nasenspitze als Ziel dient. Dann erscheint am Gaumengrund dichte Dunkelheit; durch Übung wird darin ein Licht von der Form eines ungeteilten Kreises gesehen. Dieses ist Brahman als Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit.
Wenn sich der Geist so in natürlicher Glückseligkeit auflöst, wird er friedvoll. Dies nennen die Lehrer Khechari. Durch ihre Übung wird der Geist fest, danach der Lebenshauch. Ihre Zeichen erscheinen nacheinander wie ein Stern, ein diamantener Spiegel, eine Vollmondscheibe und ein Kreis aus Feuerflammen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: āditya-maṇḍala-puruṣam papraccha – fragte den Purusha der Sonnenscheibe; antar-lakṣya-ādikam – inneres Ziel und Weiteres; pañca-bhūta-kāraṇam – Ursache der fünf Elemente; taḍit-kūṭa-ābham – einer Blitzmasse gleich; catuḥ-pīṭham – vier Sitze besitzend; tattva-prakāśaḥ – Licht der Wirklichkeit; ati-gūḍhaḥ avyaktaḥ – tief verborgen und unmanifest; jñāna-plava-adhirūḍhena – von dem, der das Boot der Erkenntnis bestiegen hat.
bāhya-abhyantara-lakṣyam – äußeres und inneres Ziel; jagat līnam – die Welt ist aufgelöst; nāda-bindu-kalā-atītam – jenseits von Nada, Bindu und Kala; akhaṇḍa-maṇḍalam – ungeteilter Kreis; saguṇa-nirguṇa-svarūpam – von der Natur des Saguna Brahman und Nirguna Brahman; agni-maṇḍalam – Feuerkreis; sūrya-maṇḍalam – Sonnenkreis; sudhā-candra-maṇḍalam – Nektar-Mondkreis; brahma-tejo-maṇḍalam – Lichtkreis Brahmans; vidyut-lekhā-vat – wie ein Blitz; śukla-bhāsvaram – weiß und strahlend.
tisraḥ mūrtayaḥ – drei Formen; amā – Neumond; pratipat – erster Mondtag; pūrṇimā – Vollmond; nimīlita-darśanam – Schau mit geschlossenen Augen; ardha-unmīlitam – halb geöffnet; sarva-unmīlanam – ganz geöffnet; nāsā-agram – Nasenspitze; tālu-mūle gāḍha-tamaḥ – dichte Dunkelheit am Gaumengrund; akhaṇḍa-maṇḍala-ākāra-jyotiḥ – Licht wie ein ungeteilter Kreis; sahajānande manaḥ līyate – der Geist löst sich in natürlicher Glückseligkeit; khecarī – Khechari Mudra; manaḥ-sthairyam – Festigkeit des Geistes; vāyu-sthairyam – Festigkeit des Lebenshauchs.

2.2.
tadā paścimābhimukhaprakāśaḥ sphaṭikadhūmrabindunādakalānakṣatrakhadyotadīpanetrasavarṇanavaratnādiprabhā dṛśyante | tadeva praṇavasvarūpam |
prāṇāpānayoraikyaṃ kṛtvā dhṛtakumbhako nāsāgradarśanadṛḍhabhāvanayā dvikarāṅgulibhiḥ ṣaṇmukhīkaraṇena praṇavadhvaniṃ niśamya manastatra līnaṃ bhavati |
tasya na karmalepaḥ | raverudayāstamayayoḥ kila karma kartavyam | evaṃvidaścidādityasyodayāstamayābhāvātsarvakarmābhāvaḥ |
śabdakālalayena divārātryatīto bhūtvā sarvaparipūrṇajñānenonyonyāvasthāvaśena brahmaikyaṃ bhavati | unmanyā amanaskaṃ bhavati |
tasya niścintā dhyānam | sarvakarmanirākaraṇamāvāhanam | niścayajñānamāsanam | unmanībhāvaḥ pādyam | sadā'manaskamarghyam |
sadādīptirapārāmṛtavṛttiḥ snānam | sarvatra bhāvanā gandhaḥ | dṛksvarūpāvasthānamakṣatāḥ | cidāptiḥ puṣpam | cidagnisvarūpaṃ dhūpaḥ |
cidādityasvarūpaṃ dīpaḥ | paripūrṇacandrāmṛtarasasyaikīkaraṇaṃ naivedyam | niścalatvaṃ pradakṣiṇam | so'haṃbhāvo namaskāraḥ |
maunaṃ stutiḥ | sarvasantoṣo visarjanamiti ya evaṃ veda || 2 ||

Übersetzung: Dann werden nach innen beziehungsweise nach hinten gerichtete Lichterscheinungen gesehen: wie Kristall, Rauch, Bindu, Nada, Kala, Sterne, Glühwürmchen, Lampen, Augen und verschiedenfarbige Edelsteine. Dies ist die Gestalt des Pranava.
Nachdem Prana und Apana vereinigt und Kumbhaka gehalten worden sind, soll der Übende mit fester Konzentration auf die Nasenspitze und durch das Verschließen der sechs Öffnungen mit den Fingern beider Hände den Klang des Pranava hören; der Geist löst sich darin auf. Dann haftet ihm kein Karma an.
Gewöhnlich werden Handlungen nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang ausgeführt. Für den Erkennenden jedoch gibt es beim inneren Bewusstseinssonnenlicht weder Aufgang noch Untergang und daher kein bindendes Tun. Durch die Auflösung von Klang und Zeit überschreitet er Tag und Nacht und gelangt durch vollkommene Erkenntnis zur Einheit mit Brahman. Durch Unmani wird er Amanaska.
Für ihn ist Sorgenfreiheit Meditation, das Aufgeben aller Handlungen die Anrufung, feststehende Erkenntnis der Sitz, Unmani das Fußwasser und beständiges Amanaska das Ehrwasser. Immerwährendes Leuchten und der grenzenlose Strom des Nektars sind das Bad; die Schau des Göttlichen überall ist der Duft, das Verweilen in der Natur des Sehens die ungebrochenen Reiskörner, das Erlangen des Bewusstseins die Blume, das Feuer des Bewusstseins der Weihrauch und die Bewusstseinssonne die Lampe.
Die Vereinigung mit dem Nektar des vollkommenen Mondes ist die Speisegabe, Unbewegtheit die Umschreitung, die Erkenntnis „Ich bin Das“ die Verneigung, Schweigen der Lobpreis und vollkommene Zufriedenheit die Entlassung des verehrten Göttlichen. Wer dies erkennt, macht die gesamte Puja zur inneren Bewusstseinsverehrung.

Wort-für-Wort-Übersetzung: paścima-abhimukha-prakāśaḥ – nach innen bzw. rückwärts gerichtetes Licht; sphaṭika-dhūmra-bindu-nāda-kalā – Kristall, Rauch, Bindu, Nada und Kala; nakṣatra-khadyota-dīpa-netra-nava-ratna-prabhāḥ – Glanz von Stern, Glühwürmchen, Lampe, Auge und Edelsteinen; praṇava-svarūpam – Gestalt des Pranava; prāṇa-apānayoḥ aikyam – Vereinigung von Prana und Apana; dhṛta-kumbhakaḥ – gehaltenes Kumbhaka; ṣaṇmukhī-karaṇena – durch Verschließen der sechs Öffnungen; praṇava-dhvanim niśamya – den Pranava-Klang hörend; manaḥ līnam – Geist aufgelöst.
karma-lepaḥ – Anhaften von Karma; cid-āditya – Bewusstseinssonne; udaya-astamaya-abhāvaḥ – Abwesenheit von Auf- und Untergang; divā-rātri-atītaḥ – jenseits von Tag und Nacht; brahma-aikyam – Einheit mit Brahman; unmanyā – durch Unmani; niścintā dhyānam – Sorgenfreiheit ist Meditation; sarva-karma-nirākaraṇam āvāhanam – Aufgeben allen Tuns ist Anrufung; niścaya-jñānam āsanam – feste Erkenntnis ist Sitz; amanaskam arghyam – Amanaska ist Ehrwasser.
sadā-dīptiḥ – immerwährendes Leuchten; apāra-amṛta-vṛttiḥ – grenzenloser Nektarstrom; snānam – Bad; sarvatra bhāvanā gandhaḥ – Schau überall ist Duft; cit-āptiḥ puṣpam – Erlangen des Bewusstseins ist Blume; cit-agniḥ dhūpaḥ – Bewusstseinsfeuer ist Weihrauch; cit-ādityaḥ dīpaḥ – Bewusstseinssonne ist Lampe; candra-amṛta-rasa-aikīkaraṇam naivedyam – Vereinigung mit Mondnektar ist Speisegabe; niścalatvam pradakṣiṇam – Unbewegtheit ist Umschreitung; so'ham-bhāvaḥ namaskāraḥ – Soham-Erkenntnis ist Verneigung; maunam stutiḥ – Mauna ist Lobpreis; sarva-santoṣaḥ visarjanam – vollständige Zufriedenheit ist Entlassung.

2.3.
evaṃ tripuṭyāṃ nirastāyāṃ nistaraṅgasamudravannivātasthitadīpavadacalasampūrṇabhāvābhāvavihīnakaivalyadyotirbhavati |
jāgrannidrāntaḥparijñānena brahmavidbhavati | suṣuptisamādhyormanolayāviśeṣe'pi mahadastyubhayorbhedastamasi līnatvānmuktihetutvābhāvācca |
samādhau mṛditatamovikārasya tadākārākāritākhaṇḍākāravṛttyātmakasākṣicaitanye prapañcalayaḥ sampadyate prapañcasya manaḥkalpitatvāt |
tato bhedābhāvātkadācidbahirgate'pi mithyātvabhānāt | sakṛdvibhātasadānandānubhavaikagocaro brahmavittadeva bhavati |
yasya saṅkalpanāśaḥ syāttasya muktiḥ kare sthitā | tasmādbhāvābhāvau parityajya paramātmadhyānena mukto bhavati |
punaḥpunaḥ sarvāvasthāsu jñānajñeyau dhyānadhyeyau lakṣyālakṣye dṛśyādṛśye cohāpohādi parityajya jīvanmukto bhavet | ya evaṃ veda || 3 ||

Übersetzung: Wenn die Dreiheit von Erkennendem, Erkenntnis und Erkanntem aufgehoben ist, leuchtet Kaivalya: reglos wie ein wellenloses Meer und wie eine Lampe an einem windstillen Ort, vollkommen und jenseits von Sein und Nichtsein.
Durch die klare Erkenntnis innerhalb von Wachen und Schlaf wird man Brahmavid. Obwohl sowohl im Tiefschlaf als auch im Samadhi der Geist zur Ruhe kommt, besteht ein großer Unterschied: Im Tiefschlaf ist er in Dunkelheit versunken und dies führt nicht zur Befreiung. Im Samadhi ist die Dunkelheit überwunden; die Erscheinungswelt löst sich im Zeugenbewusstsein auf, dessen ungeteilte Erkenntnisbewegung die Form Brahmans angenommen hat, denn die Erscheinungswelt wird vom Geist vorgestellt.
Auch wenn der Weise später wieder nach außen tritt, erkennt er wegen der Abwesenheit wirklicher Trennung die Unwirklichkeit selbstständiger Vielheit. Der Brahmavid wird zu jenem ewig leuchtenden Sein, das allein durch die Erfahrung immerwährender Glückseligkeit erfasst wird. Wer die Wurzel willentlicher Vorstellungen vernichtet hat, trägt die Befreiung gleichsam in seiner Hand.
Darum wird man durch Meditation über den höchsten Atman frei, indem man Sein und Nichtsein sowie wiederholt in allen Zuständen die Gegensätze von Wissen und Gewusstem, Meditation und Meditationsgegenstand, Ziel und Nichtziel, Sichtbarem und Unsichtbarem sowie alles Dafür- und Dagegen-Denken aufgibt. Wer dies erkennt, wird im Leben befreit.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tripuṭyām nirastāyām – wenn die Dreiheit aufgehoben ist; nistaraṅga-samudra-vat – wie ein wellenloses Meer; nivāta-sthita-dīpa-vat – wie eine Lampe an windstillem Ort; kaivalya-jyotiḥ – Licht des Kaivalya; jāgrat-nidrā-antaḥ-parijñānena – durch Erkenntnis in Wachen und Schlaf; brahmavit – Brahmankenner; suṣupti-samādhyoḥ – bei Sushupti und Samadhi; mano-laya – Ruhe des Geistes; tamasi līnatvāt – weil in Dunkelheit aufgelöst; mukti-hetutva-abhāvāt – weil kein Grund der Befreiung.
samādhau – im Samadhi; sākṣi-caitanye – im Zeugenbewusstsein; prapañca-layaḥ – Auflösung der Erscheinungswelt; manaḥ-kalpitatvāt – weil vom Geist vorgestellt; mithyātva-bhānāt – durch Erkenntnis der relativen Unwirklichkeit; sadānanda-anubhava – Erfahrung ewiger Glückseligkeit; saṅkalpa-nāśaḥ – Ende willentlicher Vorstellungen; muktiḥ kare sthitā – Befreiung liegt in der Hand; bhāva-abhāvau parityajya – Sein und Nichtsein aufgebend; paramātma-dhyānena – durch Meditation über den höchsten Atman; jīvanmuktaḥ – im Leben befreit.

2.4.
pañcāvasthā jāgratsvapnasuṣuptiturīyaturīyātītāḥ | jāgrati pravṛtto jīvaḥ pravṛttimārgāsaktaḥ | pāpaphalanarakādimāṃstu śubhakarmaphalasvargamastviti kāṅkṣate |
sa eva svīkṛtavairāgyātkarmaphalajanmā'laṃ saṃsārabandhanamalamiti vimuktyabhimukho nivṛttimārgapravṛtto bhavati |
sa eva saṃsāratāraṇāya gurumāśritya kāmādi tyaktvā vihitakarmācaransādhanacatuṣṭayasampanno hṛdayakamalamadhye bhagavatsattāmātrāntarlakṣyarūpamāsādya suṣuptyavasthāyā muktabrahmānandasmṛtiṃ labdhvā
eka evāhamadvitīyaḥ kañcitkālamajñānavṛttyā vismṛtajāgradvāsanānuphalena taijaso'smīti tadubhayanivṛttyā prājña idānīmasmītyahameka eva sthānabhedādavasthābhedasya paraṃtu nahi madanyaditi jātavivekaḥ
śuddhādvaitabrahmāhamiti bhidāgandhaṃ nirasya svāntarvijṛmbhitabhānumaṇḍaladhyānatadākārākāritaparaṃbrahmākāritamuktimārgamārūḍhaḥ paripakvo bhavati |
saṅkalpādikaṃ mano bandhahetuḥ | tadviyuktaṃ mano mokṣāya bhavati | tadvāṃścakṣurādibāhyaprapañcarato vigataprapañcagandhaḥ sarvajagadātmatvena paśyaṃstyaktāhaṅkāro brahmāhamasmīti cintayannidaṃ sarvaṃ yadayamātmeti bhāvayankṛtakṛtyo bhavati || 4 ||

Übersetzung: Es gibt fünf Bewusstseinszustände: Wachen, Traum, Tiefschlaf, Turiya und das jenseits von Turiya. Im Wachen ist der Jiva am Weg des Tätigseins gebunden und wünscht, der Hölle als Frucht schlechten Karmas zu entgehen und den Himmel als Frucht guten Karmas zu erlangen.
Durch angenommene Leidenschaftslosigkeit erkennt derselbe Jiva: „Genug der durch Karma bedingten Geburt, genug der Bindung an Samsara“, wendet sich der Befreiung zu und betritt den Weg des Rückzugs.
Um Samsara zu überqueren, nimmt er Zuflucht zum Guru, gibt Begierde und anderes auf, erfüllt die vorgeschriebenen Handlungen und erwirbt die vier Voraussetzungen der Erkenntnis. Im Lotos des Herzens erreicht er das innere Ziel als reine Gegenwart des Göttlichen und erinnert sich an die im Tiefschlaf unverhüllt erfahrene Glückseligkeit Brahmans.
Er erkennt: „Ich allein bin, ohne ein Zweites.“ Durch Unwissenheit und die nachwirkenden Eindrücke des Wachens hielt er sich eine Zeit lang für Taijasa; nach dem Aufhören beider erkennt er sich als Prajna. Er gewinnt die Unterscheidung: „Ich bin stets derselbe Eine; nur wegen verschiedener Orte erscheinen verschiedene Zustände, doch nichts ist von mir getrennt.“
Er beseitigt jede Spur von Trennung mit der Erkenntnis „Ich bin das reine nichtduale Brahman“, meditiert über die im Inneren aufgehende Sonnenscheibe, nimmt deren Gestalt und schließlich die Gestalt des höchsten Brahman an und reift auf dem Weg der Befreiung.
Der Geist mit seinen Vorstellungen ist Ursache der Bindung; von ihnen frei wird er zum Mittel der Befreiung. Der so Erkennende mag mit Augen und anderen Sinnen in der äußeren Welt tätig sein, ist aber frei von deren innerer Spur. Er sieht die ganze Welt als Atman, gibt den Ich-Dünkel auf, denkt „Ich bin Brahman“ und verinnerlicht „Alles dieses ist dieser Atman“. Damit hat er vollbracht, was zu vollbringen ist.

Wort-für-Wort-Übersetzung: pañca-avasthāḥ – fünf Zustände; jāgrat – Wachen; svapna – Traum; suṣupti – Tiefschlaf; turīya – Turiya; turīyātīta – jenseits von Turiya; pravṛtti-mārga – Weg des Tätigseins; karma-phala – Frucht des Karma; vairāgya – Leidenschaftslosigkeit; nivṛtti-mārga – Weg des Rückzugs; saṃsāra-tāraṇāya – zum Überqueren des Samsara; gurum āśritya – Zuflucht beim Guru; sādhana-catuṣṭaya-sampannaḥ – mit den vier Voraussetzungen der Erkenntnis ausgestattet; hṛdaya-kamala-madhye – im Herzlotos; bhagavat-sattā-mātra – reine Gegenwart des Göttlichen.
ekaḥ eva aham advitīyaḥ – ich allein bin ohne Zweites; taijasaḥ asmi – ich bin Taijasa; prājñaḥ asmi – ich bin Prajna; sthāna-bhedāt avasthā-bhedaḥ – Zustandsunterschied wegen Ortsunterschied; na hi mat-anyat – nichts ist von mir verschieden; śuddha-advaita-brahma aham – ich bin reines nichtduales Brahman; bhidā-gandham nirasya – jede Spur von Trennung beseitigend; mukti-mārgam ārūḍhaḥ – den Befreiungsweg bestiegen.
saṅkalpa-ādikam manaḥ – Geist mit Vorstellungen; bandha-hetuḥ – Ursache der Bindung; tad-viyuktam manaḥ – davon freier Geist; mokṣāya – zur Befreiung; sarva-jagat-ātmatvena paśyan – die ganze Welt als Atman sehend; tyakta-ahaṅkāraḥ – Ahamkara aufgegeben; brahma aham asmi – Aham Brahmasmi; idam sarvam ayam ātmā – alles dieses ist dieser Atman; kṛta-kṛtyaḥ – hat vollbracht, was zu tun war.

2.5.
sarvaparipūrṇaturīyātītabrahmabhūto yogī bhavati | taṃ brahmeti stuvanti |
sarvalokastutipātraḥ sarvadeśasaṃcāraśīlaḥ paramātmagagane binduṃ nikṣipya śuddhādvaitājāḍyasahajāmanaskayoganidrākhaṇḍānandapadānuvṛttyā jīvanmukto bhavati |
taccānandasamudramagnā yogino bhavanti | tadapekṣayā indrādayaḥ svalpānandāḥ | evaṃ prāptānandaḥ paramayogī bhavatītyupaniṣat || 5 ||

Übersetzung: Der Yogi wird zu dem in jeder Hinsicht vollkommenen Brahman jenseits von Turiya. Man preist ihn als Brahman. Er wird von allen Welten geehrt und bewegt sich frei in allen Ländern.
Indem er den Bindu in den Raum des höchsten Selbst setzt und im Zustand reiner Nichtdualität, ungetrübter Bewusstheit, natürlichen Amanaska, yogischen Schlafes und ununterbrochener Glückseligkeit verweilt, ist er im Leben befreit. Yogis versinken in diesem Ozean der Glückseligkeit; im Vergleich dazu ist selbst die Freude Indras und anderer Götter gering. Wer diese Glückseligkeit erreicht hat, wird zum höchsten Yogi – so die Upanishad.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sarva-paripūrṇa – in jeder Hinsicht vollkommen; turīyātīta-brahma-bhūtaḥ – zu Brahman jenseits von Turiya geworden; sarva-loka-stuti-pātraḥ – von allen Welten verehrt; paramātma-gagane bindum nikṣipya – den Bindu in den Raum des höchsten Selbst setzend; śuddha-advaita – reine Nichtdualität; sahaja-amanaska – natürliches Amanaska; yoga-nidrā – Yoga Nidra; akhaṇḍa-ānanda – ungeteilte Glückseligkeit; jīvanmuktaḥ – im Leben befreit; ānanda-samudra-magnāḥ – in den Ozean der Glückseligkeit eingetaucht; paramayogī – höchster Yogi.


3. Brahmana

3.1.
yājñavalkyo mahāmunirmaṇḍalapuruṣaṃ papraccha svāminnamanaskalakṣaṇamuktamapi vismṛtaṃ punastallakṣaṇaṃ brūhīti | tatheti maṇḍalapuruṣo'bravīt |
idamamanaskamatirahasyam | yajjñānena kṛtārtho bhavati tannityaṃ śāmbhavīmudrānvitam |
paramātmadṛṣṭyā tatpratyayalakṣyāṇi dṛṣṭvā tadanu sarveśamaprameyamajaṃ śivaṃ paramākāśaṃ nirālambamadvayaṃ brahmaviṣṇurudrādīnāmekalakṣyaṃ sarvakāraṇaṃ paraṃ brahmātmanyeva paśyamāno
guhāviharaṇameva niścayena jñātvā bhāvābhāvādidvandvātītaḥ saṃviditamanonmanyanubhavastadanantaramakhilendriyakṣayavaśādamanaskasukhabrahmānandasamudre
manaḥpravāhayogarūpanivātasthitadīpavadacalaṃ paraṃ brahma prāpnoti | tataḥ śuṣkavṛkṣavanmūrcchānidrāmayaniḥśvāsocchvāsābhāvānnaṣṭadvandvaḥ sadā'cañcalagātraḥ paramaśāntiṃ svīkṛtya manaḥpracāraśūnyaṃ paramātmani līnaṃ bhavati |
payasrāvānantaraṃ dhenustanakṣīramiva sarvendriyavarge parinaṣṭe manonāśo bhavati tadevāmanaskam |
tadanu nityaśuddhaḥ paramātmāhameveti tattvamasītyupadeśena tvamevāhamahameva tvamiti tārakayogamārgeṇākhaṇḍānandapūrṇaḥ kṛtārtho bhavati || 1 ||

Übersetzung: Der große Weise Yajnavalkya fragte den Purusha der Sonnenscheibe: „Herr, das Kennzeichen des Amanaska wurde zwar gelehrt, doch ich habe es vergessen. Lehre es mir erneut.“ Der Purusha antwortete: „So sei es.“
Dieses Amanaska ist ein sehr tiefes Geheimnis. Wer es erkennt, hat sein Ziel erreicht; es ist stets mit Shambhavi Mudra verbunden. Nachdem der Übende mit der Schau des höchsten Atman die darauf bezogenen Meditationsziele erkannt hat, schaut er anschließend im eigenen Selbst das höchste Brahman: Herr über alles, unermesslich, ungeboren, glückverheißend, höchster Raum, stützenlos und nichtdual, das eine Ziel von Brahma, Vishnu und Rudra und die Ursache von allem.
Er erkennt mit Gewissheit, dass das Wandern in der inneren Höhle allein wesentlich ist, überschreitet die Gegensätze von Sein und Nichtsein und erfährt Unmani. Nach dem Zurücktreten aller Sinne taucht sein Geist in den Ozean der Glückseligkeit Brahmans im vollkommenen höchsten Raum ein und erreicht das höchste Brahman, unbewegt wie eine Lampe an einem windstillen Ort.
Der Text schildert den Körper dann wie einen trockenen Baum, frei von Ohnmacht, Schlaf sowie sichtbarer Ein- und Ausatmung, die Gegensätze überwunden und völlig reglos. In höchstem Frieden, ohne Bewegung des Geistes, löst sich der Übende im höchsten Atman auf. Wie nach dem Melken keine Milch mehr im Euter bleibt, endet nach dem vollständigen Zurücktreten der Sinne der gewöhnliche Geist. Dies ist Amanaska.
Durch die Unterweisung „Du bist Das“ erkennt er danach: „Ich selbst bin der ewig reine höchste Atman; du bist ich und ich bin du.“ Auf dem Weg des Taraka Yoga wird er von ungeteilter Glückseligkeit erfüllt und erreicht sein Ziel.

Wort-für-Wort-Übersetzung: amanaska-lakṣaṇam – Kennzeichen des Amanaska; ati-rahasyam – sehr tiefes Geheimnis; kṛtārthaḥ – einer, der sein Ziel erreicht hat; nityam śāmbhavī-mudrā-anvitam – stets mit Shambhavi Mudra verbunden; paramātma-dṛṣṭyā – durch Schau des höchsten Atman; sarveśam – Herrn von allem; aprameyam – unermesslich; ajam – ungeboren; śivam – glückverheißend; paramākāśam – höchsten Raum; nirālambam – stützenlos; advayam – nichtdual; eka-lakṣyam – ein Ziel; sarva-kāraṇam – Ursache von allem; ātmani eva paśyamānaḥ – allein im Selbst schauend.
bhāva-abhāva-ādi-dvandva-atītaḥ – jenseits der Gegensätze von Sein und Nichtsein; unmanī-anubhavaḥ – Erfahrung von Unmani; akhila-indriya-kṣaya – Zurücktreten aller Sinne; amanaska-sukha-brahmānanda-samudre – im Ozean der Brahman-Glückseligkeit des Amanaska; nivāta-sthita-dīpa-vat – wie eine Lampe an windstillem Ort; śuṣka-vṛkṣa-vat – wie ein trockener Baum; niḥśvāsa-ucchvāsa-abhāvāt – wegen des Fehlens sichtbarer Aus- und Einatmung; parama-śāntim – höchsten Frieden; manaḥ-pracāra-śūnyam – ohne Bewegung des Geistes; paramātmani līnam – im höchsten Atman aufgelöst; manaḥ-nāśaḥ – Ende des gewöhnlichen Geistes; tat eva amanaskam – eben das ist Amanaska.
nitya-śuddhaḥ paramātmā aham eva – ich allein bin der ewig reine höchste Atman; tat tvam asi – Tat Tvam Asi; tvam eva aham – du bist ich; aham eva tvam – ich bin du; tāraka-yoga-mārgeṇa – durch den Weg des Taraka Yoga; akhaṇḍa-ānanda-pūrṇaḥ – von ungeteilter Glückseligkeit erfüllt; kṛtārthaḥ – am Ziel.

3.2.
paripūrṇaparākāśamagnamanāḥ prāptonmanyavasthaḥ saṃnyastasarvendriyavargaḥ anekajanmārjitapuṇyapuñjapakvakaivalyaphalo'khaṇḍānandanirastasarvakleśakaśmalo brahmāhamasmīti kṛtakṛtyo bhavati |
tvamevāhaṃ na bhedo'sti pūrṇatvātparamātmanaḥ |
ityuccarantsamāliṅgya śiṣyaṃ jñaptimanīnayat || 2 ||

Übersetzung: Sein Geist ist in den vollkommenen höchsten Raum eingetaucht; er hat Unmani erreicht und alle Sinneskräfte abgelegt. Die Frucht der Reife des über viele Geburten erworbenen Verdienstes ist Kaivalya. Von ungeteilter Glückseligkeit erfüllt und von allen Leiden und Verunreinigungen befreit, weiß er: „Ich bin Brahman“, und hat sein Ziel erreicht.
Mit den Worten „Du bist wahrlich ich; es besteht kein Unterschied, weil der höchste Atman vollkommen ist“ umarmte der Lehrer den Schüler und führte ihn zur unmittelbaren Erkenntnis.

Wort-für-Wort-Übersetzung: paripūrṇa-parākāśa-magna-manāḥ – Geist im vollkommenen höchsten Raum versunken; unmanī-avasthaḥ – Zustand von Unmani; saṃnyasta-sarva-indriya-vargaḥ – alle Sinneskräfte abgelegt; kaivalya-phalaḥ – Frucht des Kaivalya; akhaṇḍa-ānanda – ungeteilte Glückseligkeit; nirasta-sarva-kleśa-kaśmalaḥ – von allen Kleshas und Verunreinigungen frei; brahma aham asmi – ich bin Brahman; tvam eva aham – du bist ich; na bhedaḥ asti – es gibt keinen Unterschied; paramātmanaḥ pūrṇatvāt – wegen der Vollkommenheit des höchsten Atman; samāliṅgya śiṣyam – den Schüler umarmend; jñaptim anīnayāt – führte zur Erkenntnis.


4. Brahmana

4.1.
atha ha yājñavalkyo maṇḍalapuruṣaṃ papraccha vyomapañcakalakṣaṇaṃ vistareṇānubrūhīti | sa hovāca ākāśaṃ parākāśaṃ mahākāśaṃ sūryākāśaṃ paramākāśamiti pañca bhavanti |
bāhyābhyantaramandhakāramayamākāśam | bāhyasyābhyantare kālānalasadṛśaṃ parākāśam | sabāhyābhyantare'parimitadyutinibhaṃ tattvaṃ mahākāśam |
sabāhyābhyantare sūryanibhaṃ sūryākāśam | anirvacanīyajyotiḥ sarvavyāpakaṃ niratiśayānandalakṣaṇaṃ paramākāśam |
evaṃ tattallakṣyadarśanāttattadrūpo bhavati |
navacakraṃ ṣaḍādhāraṃ trilakṣyaṃ vyomapañcakam |
samyagetanna jānāti sa yogī nāmato bhavet || 1 ||

Übersetzung: Yajnavalkya bat den Purusha der Sonnenscheibe: „Lehre mich ausführlich die Kennzeichen der fünf Räume.“ Dieser antwortete: Es gibt Akasha, Parakasha, Mahakasha, Suryakasha und Paramakasha.
Akasha ist innen und außen von Dunkelheit geprägt. Parakasha erscheint innerhalb des Äußeren wie das Feuer am Ende der Zeit. Mahakasha ist innen und außen von unermesslichem Glanz. Suryakasha gleicht innen und außen der Sonne. Paramakasha ist unaussprechliches Licht, alldurchdringend und von grenzenloser Glückseligkeit gekennzeichnet. Durch die Schau des jeweiligen Zieles wird der Yogi von dessen Wesen erfüllt.
Wer die neun Chakras, die sechs Grundlagen, die drei Ziele und die fünf Räume nicht richtig kennt, ist nur dem Namen nach ein Yogi.

Wort-für-Wort-Übersetzung: vyoma-pañcaka-lakṣaṇam – Kennzeichen der fünf Räume; ākāśam – Akasha; parākāśam – Para-Raum; mahākāśam – großer Raum; sūryākāśam – Sonnenraum; paramākāśam – höchster Raum; andhakāra-mayam – von Dunkelheit erfüllt; kālānala-sadṛśam – dem Feuer am Ende der Zeit gleich; aparimita-dyuti-nibham – unermesslichem Glanz gleich; sūrya-nibham – der Sonne gleich; anirvacanīya-jyotiḥ – unaussprechliches Licht; sarva-vyāpakam – alldurchdringend; niratiśaya-ānanda-lakṣaṇam – von grenzenloser Glückseligkeit gekennzeichnet; tat-tat-rūpaḥ bhavati – wird von der jeweiligen Natur.
nava-cakram – neun Chakras; ṣaṭ-ādhāram – sechs Grundlagen; tri-lakṣyam – drei Ziele; vyoma-pañcakam – fünf Räume; samyak na jānāti – kennt nicht richtig; yogī nāmataḥ – Yogi nur dem Namen nach.


5. Brahmana

Fünftes Brahmana – unnummerierter Schlussabschnitt der Mandalabrahmana Upanishad saviṣayaṃ mano bandhāya nirviṣayaṃ muktaye bhavati | ataḥ sarvaṃ jagaccittagocaram | tadeva cittaṃ nirāśrayaṃ manonmanyavasthāparipakvaṃ layayogyaṃ bhavati |
tallayaṃ paripūrṇe mayi samabhyaset | manolayakāraṇamahameva |
anāhatasya śabdasya tasya śabdasya yo dhvaniḥ |
dhvanerantargataṃ jyotirjyotirantargataṃ manaḥ |
yanmanastrijagatsṛṣṭisthitivyasanakarmakṛt |
tanmano vilayaṃ yāti tadviṣṇoḥ paramaṃ padam |
tallayācchuddhādvaitasiddhirbhedābhāvāt | etadeva paramatattvam |
sa tajjño bālonmattapiśācavajjaḍavṛttyā lokamācaret |
evamamanaskābhyāsenaiva nityatṛptiralpamūtrapurīṣamitabhojanadṛḍhāṅgajāḍyanidrādṛgvāyucalanābhāvabrahmadarśanājjñātasukhasvarūpasiddhirbhavati |
evaṃ cirasamādhijanitabrahmāmṛtapānaparāyaṇo'sau saṃnyāsī paramahaṃso'vadhūto bhavati | taddarśanena sakalaṃ jagatpavitraṃ bhavati |
tatsevāparo'jño'pi mukto bhavati | tatkulamekottaraśataṃ tārayati | tanmātṛpitṛjāyāpatyavargaṃ ca muktaṃ bhavatītyupaniṣat ||

Übersetzung: Der auf Gegenstände gerichtete Geist führt zur Bindung; der von Gegenständen freie Geist zur Befreiung. Daher liegt die ganze erfahrene Welt im Bereich des Chitta. Wenn dieses Chitta stützenlos und im Zustand von Unmani ausgereift ist, wird es zur Auflösung fähig. Diese Auflösung soll der Übende in mir, dem Vollkommenen, verwirklichen; ich allein bin die Ursache der Auflösung des Geistes.
Im ungeschlagenen Klang liegt ein Laut, im Inneren dieses Lautes das Licht und im Inneren des Lichtes der Geist. Jener Geist erschafft, erhält und verwickelt die drei Welten; wenn er sich auflöst, wird das höchste Ziel Vishnus erreicht. Durch diese Auflösung verwirklicht sich reine Nichtdualität, weil keine Trennung mehr besteht. Dies allein ist die höchste Wirklichkeit.
Der Erkennende soll sich in der Welt mit der ungekünstelten Haltung eines Kindes, eines scheinbar Verrückten oder eines Menschen jenseits gesellschaftlicher Rollen bewegen. Durch die Übung des Amanaska wird er beständig zufrieden, isst maßvoll und wird nach der Beschreibung des Textes körperlich fest; Trägheit, übermäßiger Schlaf und die Unruhe von Blick und Atem schwinden. Durch die Schau Brahmans erkennt er sein eigenes Wesen als Glückseligkeit.
Der Entsagte, der lange im Samadhi verweilt und den Nektar Brahmans trinkt, wird zum Paramahamsa und Avadhuta. Durch seinen Anblick werde die Welt geheiligt; selbst ein Unwissender, der ihm dient, werde befreit. Der Text verheißt außerdem, er führe einhunderteins Generationen seiner Familie hinüber und auch Mutter, Vater, Ehepartner und Kinder würden befreit. So lautet die Upanishad.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sa-viṣayam manaḥ – gegenstandsbezogener Geist; bandhāya – zur Bindung; nirviṣayam – gegenstandsfrei; muktaye – zur Befreiung; sarvam jagat citta-gocaram – die ganze Welt liegt im Bereich des Chitta; nirāśrayam – stützenlos; unmanī-avasthā-paripakvam – im Zustand von Unmani ausgereift; laya-yogyam – zur Auflösung fähig; paripūrṇe mayi – in mir, dem Vollkommenen; manolaya-kāraṇam aham eva – ich allein bin Ursache der Geistesauflösung.
anāhatasya śabdasya dhvaniḥ – Laut des ungeschlagenen Anahata Nada; dhvaneḥ antargatam jyotiḥ – Licht im Inneren des Lautes; jyotiḥ-antargatam manaḥ – Geist im Inneren des Lichtes; tri-jagat-sṛṣṭi-sthiti-vyasana-karma-kṛt – Schöpfer, Erhalter und Verwickler der drei Welten; manaḥ vilayam yāti – Geist geht zur Auflösung; viṣṇoḥ paramam padam – höchstes Ziel Vishnus; śuddha-advaita-siddhiḥ – Verwirklichung reiner Nichtdualität; bheda-abhāvāt – wegen Abwesenheit von Trennung; paramatattvam – höchste Wirklichkeit.
bāla-unmatta-piśāca-vat – wie Kind, scheinbar Verrückter oder jemand jenseits gesellschaftlicher Rollen; jaḍa-vṛttyā – in ungekünstelter, äußerlich stumpf erscheinender Haltung; amanaska-abhyāsena – durch Übung des Amanaska; nitya-tṛptiḥ – beständige Zufriedenheit; mita-bhojana – maßvolle Nahrung; dṛḍha-aṅga – fester Körper; brahma-darśanāt – durch Schau Brahmans; jñāta-sukha-svarūpa-siddhiḥ – Verwirklichung des als Glückseligkeit erkannten eigenen Wesens.
cira-samādhi-janita – durch langen Samadhi hervorgebracht; brahma-amṛta-pāna-parāyaṇaḥ – dem Trinken des Brahman-Nektars hingegeben; saṃnyāsī – Sannyasin; paramahaṃsaḥ – Paramahamsa; avadhūtaḥ – Avadhuta; tat-darśanena – durch seinen Anblick; jagat pavitram – die Welt wird geheiligt; tat-sevā-paraḥ – seinem Dienst hingegeben; ekottara-śatam kulam tārayati – führt einhunderteins Generationen der Familie hinüber; mātṛ-pitṛ-jāyā-apatya-vargam – Mutter, Vater, Ehepartner und Kinder; muktam – befreit; iti upaniṣat – so die Upanishad.

Lehren und Bedeutung der Mandalabrahmana Upanishad

Die Mandalabrahmana Upanishad (Sanskrit: Maṇḍalabrāhmaṇa Upaniṣad) gehört zu den umfassenderen Yoga Upanishaden des Shukla Yajurveda. In der Muktika Upanishad, der traditionellen Liste von 108 Upanishaden, steht sie an 48. Stelle. Der Text ist als Unterweisung des großen Weisen Yajnavalkya durch Narayana, den Purusha in der Sonnenscheibe, gestaltet. Er verbindet einen eigenständigen achtgliedrigen Yoga mit Taraka Yoga, Shambhavi Mudra, innerer Licht- und Klangmeditation, Amanaska und der nichtdualen Erkenntnis des Brahman.

Die Schrift besteht aus fünf Brahmanas. Die maßgebliche Sanskritfassung nummeriert im ersten Brahmana vier, im zweiten fünf, im dritten zwei und im vierten einen großen Lehrabschnitt; das fünfte Brahmana bildet einen unnummerierten Schlussabschnitt. In moderner Literatur findet man mitunter eine Zählung von 89 „Mantras“. Diese entsteht durch eine nachträgliche Unterteilung der langen Prosapassagen und ist keine einheitliche Nummerierung des Sanskrittextes.

Bedeutung des Titels

Maṇḍala bedeutet Kreis, Scheibe, Bereich oder Sphäre. Im Rahmen dieser Upanishad verweist der Ausdruck besonders auf die Sonnenscheibe, in der Yajnavalkya den kosmischen Purusha aufsucht. Er bezeichnet zugleich die inneren Kreise von Feuer, Sonne, Mond und Brahman, die im Verlauf der Meditation beschrieben werden.

Brāhmaṇa bedeutet hier eine heilige Lehrdarlegung. Der Titel bezeichnet also die Unterweisung über die göttliche Wirklichkeit in der Sonnenscheibe und über ihre Entsprechung im Inneren des Menschen. Es geht nicht um geometrische Mandalas im heutigen populären Sinn, sondern um kosmische und meditative Lichtbereiche.

Inhalt der Mandalabrahmana Upanishad

Yajnavalkya und der Purusha der Sonne

Zu Beginn geht Yajnavalkya zur Welt der Sonne und bittet Aditya um Erkenntnis des Selbst. Als Lehrer antwortet Narayana. Die Sonne ist dabei mehr als ein astronomischer Himmelskörper. Sie ist Symbol des Bewusstseins, das alle Wahrnehmung erhellt, und Sitz des kosmischen Purusha.

Diese Rahmenhandlung verbindet vedische Sonnenverehrung mit einer nach innen gerichteten Yogalehre. Der äußeren Sonne entspricht die Bewusstseinssonne im Menschen. Die Praxis führt von der Schau des Lichtes zur Erkenntnis dessen, was Licht, Sehender und Gesehenes gleichermaßen ermöglicht.

Erstes Brahmana: Ashtanga Yoga - Der besondere achtgliedrige Yoga

Die Mandalabrahmana Upanishad lehrt einen Ashtanga Yoga, dessen acht Glieder zwar den Namen des Systems im Yoga Sutra des Patanjali entsprechen, aber teilweise anders definiert und geordnet werden.

Yama

Als Yamas gelten:

  • Sieg über die Gegensätze von Kälte und Hitze,
  • Beherrschung der Zwänge von Nahrung und Schlaf,
  • beständiger Frieden und innere Unbewegtheit,
  • Beherrschung der Sinne gegenüber ihren Gegenständen.

Der Schwerpunkt liegt weniger auf einer Liste sozialer Gebote als auf asketischer Ausgeglichenheit und Sinnesmeisterung.

Niyama

Der Text nennt neun Niyamas:

  • Guru Bhakti, Hingabe an den Lehrer,
  • Liebe zum Weg der Wahrheit,
  • Annahme dessen, was von selbst als angenehm kommt,
  • Zufriedenheit durch Erfahrung der Wirklichkeit,
  • Ungebundenheit,
  • Leben in Einsamkeit,
  • Zurückziehen des Geistes,
  • Freiheit vom Verlangen nach Ergebnissen,
  • Vairagya, Leidenschaftslosigkeit.

Diese Niyamas verbinden innere Haltung, Lebensführung und die Beziehung zum Lehrer. Yoga wird als umfassende Umgestaltung des Lebens verstanden.

Asana und Pranayama

Asana wird knapp als angenehme, beständige Sitzweise beschrieben. Die Erwähnung einfacher Kleidung weist auf einen asketischen Kontext. Pranayama besteht aus Puraka, Kumbhaka und Rechaka im Verhältnis 16 : 64 : 32. Dies entspricht dem traditionellen Verhältnis 1 : 4 : 2.

Dieses Zahlenverhältnis beschreibt eine fortgeschrittene Atemlenkung, keine unmittelbar anzuwendende Anfängerübung. Ein langes Kumbhaka kann Schwindel, Blutdruckveränderungen, Ohnmacht und andere Beschwerden auslösen. Moderne Yogaübende sollten solche Atemzeiten weder erzwingen noch ohne kompetente Anleitung übernehmen.

Pratyahara, Dhyana, Dharana und Samadhi

Pratyahara ist das Zurückhalten des Geistes von den Sinnesgegenständen. Dhyana wird als ununterbrochene Erkenntnis des einen Bewusstseins in allen Körpern definiert. Dharana bedeutet, den Geist nach Abwendung von den Gegenständen im Bewusstsein festzuhalten. Samadhi ist das Vergessen selbst der Meditation: Übender, Übung und Meditationsgegenstand treten zurück.

Diese Definitionen zeigen die vedantische Ausrichtung der Schrift. Meditation dient nicht nur der Konzentration, sondern der Erkenntnis des einen Bewusstseins in allen Wesen.

Die fünf Doshas

Der Text nennt fünf Mängel des Körpers oder der ungeschulten Praxis: Begehren, Zorn, ungeordnete Atmung, Furcht und Schlaf. Als Gegenmittel erscheinen Freiheit von Wunschvorstellungen, Vergebung, maßvolle Nahrung, Wachsamkeit und Betrachtung der Wirklichkeit.

Der Ozean des Samsara wird in eindringlichen Bildern beschrieben: Schlaf und Furcht sind Schlangen, Verletzungen Wellen, Durst ein Strudel und verhaftete Beziehung Schlamm. Der feine Yogaweg soll über diesen Ozean führen. Solche asketischen Bilder spiegeln den historischen Kontext. Sie bedeuten nicht, dass Ehe oder Familie an sich spirituelle Hindernisse sein müssen; entscheidend ist die Überwindung von Anhaftung.

Die drei Lakshyas

Wie die eng verwandte Advayataraka Upanishad unterscheidet die Mandalabrahmana Upanishad drei meditative Ziele:

  • Antar-lakṣya, das innere Ziel,
  • Bahir-lakṣya, das äußere Ziel,
  • Madhya-lakṣya, das mittlere Ziel.

Beim inneren Ziel werden Sushumna, Kundalini, das Licht zwischen den Augenbrauen, ein innerer Laut und die Schau im Herzen beschrieben. Beim äußeren Ziel sammelt sich der Blick in abgestuften Entfernungen vor der Nasenspitze. Beim mittleren Ziel erscheinen Farben, Sonne, Mond, Feuerflammen und verschiedene Formen des inneren Raumes.

Die detaillierten Parallelen zur Advayataraka Upanishad zeigen eine enge Textverwandtschaft. Welche Fassung historisch zuerst entstand oder ob beide auf gemeinsames Material zurückgehen, lässt sich jedoch nicht allein aus diesen Übereinstimmungen sicher entscheiden.

Taraka und Amanaska

Der Yoga besitzt eine frühere und eine spätere Phase. Die frühere heißt Taraka Yoga, die spätere Amanaska. Taraka arbeitet noch mit Blick, Geist und einem wahrnehmbaren Ziel. Amanaska bedeutet den Zustand jenseits des gewöhnlichen, gegenstandsbildenden Denkens.

Taraka ist wiederum zweifach: mūrti-tāraka, mit Gestalt, und amūrti-tāraka, ohne Gestalt. Die gestaltgebundene Form reicht bis in den Bereich der Sinne; die gestaltlose überschreitet den Bereich des Augenbrauenpaares. Damit beschreibt der Text einen Weg vom konzentrierten Sehen zur formlosen Erkenntnis.

Shambhavi Mudra

Shambhavi Mudra verbindet inneres und äußeres Ziel. Der Blick ruht, während die Aufmerksamkeit nach innen gerichtet bleibt. Die Schrift bezeichnet diese Mudra als eine in den Tantras geheim gehaltene große Weisheit.

Die Augen sollten dabei niemals gewaltsam verdreht oder offen gehalten werden. Schmerz, Druck, Kopfschmerz, Schwindel oder Sehstörungen sind Gründe, die Übung zu beenden. Direktes Schauen in die Sonne ist keine sichere Auslegung dieser Lehre und kann die Netzhaut dauerhaft schädigen.

Verschiedene Bilder des inneren Zieles

Das innere Ziel wird in mehreren Formen beschrieben:

  • als wasserartig schimmerndes Licht im Sahasrara,
  • als schöne Gestalt des Purusha in der Höhle der Buddhi,
  • als der fünfgesichtige, blaukehlige Shiva mit Uma,
  • als daumengroßer Purusha.

Der Text erklärt ausdrücklich, dass all diese Vorstellungen der eine Atman sind. Die Vielfalt der Meditationsbilder ist deshalb kein Widerspruch. Verschiedene Formen können den Geist sammeln; die Erkenntnis führt zu dem einen Selbst jenseits aller Formen.

Die Lehre von 24 Tattvas, dem Jiva als fünfundzwanzigstem und dem Paramatman als sechsundzwanzigstem Prinzip erinnert an Zählungen des Samkhya. Die Upanishad verwendet diese jedoch nicht für einen dauerhaften Dualismus, sondern führt sie in die advaitische Aussage „Ich bin der höchste Atman“ über.

Zweites Brahmana

Die inneren Lichtkreise

Das zweite Brahmana vertieft die Lichtmeditation. Es beschreibt nacheinander einen Feuerkreis, Sonnenkreis, Nektar-Mondkreis und den ungeteilten Lichtkreis Brahmans. Die Bilder zeigen eine Bewegung von groberer zu immer feinerer Wahrnehmung.

Die drei Blickformen werden mit Neumond, erstem Mondtag und Vollmond verglichen: geschlossene, halb geöffnete und geöffnete Augen. Die Vollmondform richtet den Blick auf die Nasenspitze. In dichter Dunkelheit am Gaumengrund soll schließlich das Licht des ungeteilten Kreises erscheinen, das als Satchidananda gedeutet wird.

Innere Farben, Lichter und geometrische Erscheinungen können bei Meditation auftreten. Sie können jedoch ebenso physiologische Ursachen haben. Plötzliche Lichtblitze, Gesichtsfeldausfälle, starke Kopfschmerzen oder anhaltende Sehstörungen gehören medizinisch abgeklärt und sollten nicht automatisch als Kundalini-Erwachen interpretiert werden.

Khechari, Shanmukhi und Pranava

Der Text nennt Khechari Mudra, doch anders als manche späteren Hatha-Yoga-Schriften beschreibt er hier keinen Einschnitt in das Zungenbändchen. Khechari bezeichnet den Zustand, in dem der Geist in natürlicher Glückseligkeit ruht und dadurch Geist und Lebenshauch fest werden.

Bei Shanmukhi Mudra werden die sechs Öffnungen des Gesichtes mit den Fingern verschlossen. In Verbindung mit Prana, Apana, Kumbhaka und Konzentration auf die Nasenspitze soll der innere Klang des Pranava gehört werden. Diese Praxis ist mit Nada Yoga verwandt.

Auch hier gilt: Atemanhalten und das gleichzeitige Verschließen mehrerer Sinnesöffnungen dürfen nicht erzwungen werden. Eine sichere moderne Einführung arbeitet zunächst mit natürlicher Atmung, kurzer Dauer und ohne Druck auf Augen oder Ohren.

Die Verinnerlichung der Puja

Eine der schönsten Passagen deutet die gesamte Puja als inneren Bewusstseinsvorgang:

  • Sorgenfreiheit ist Dhyana.
  • Das Aufgeben bindenden Tuns ist Avahana, die Anrufung.
  • Gewisse Erkenntnis ist Asana.
  • Unmani ist das Fußwasser.
  • Amanaska ist Arghya, das Ehrwasser.
  • Das immerwährende Licht des Bewusstseins ist das Bad.
  • Die Schau des Göttlichen überall ist der Duft.
  • Das Erlangen des Bewusstseins ist die Blume.
  • Das Bewusstseinsfeuer ist der Weihrauch.
  • Die Bewusstseinssonne ist die Lampe.
  • Die Vereinigung mit dem Mondnektar ist Naivedya.
  • Unbewegtheit ist Pradakshina.
  • Soham ist die Verneigung.
  • Schweigen ist Lobpreis.
  • Vollkommene Zufriedenheit ist Visarjana.

Der Text lehnt äußere Verehrung nicht einfach ab. Er zeigt ihre innere Entsprechung: Jede rituelle Gabe wird zu einer Haltung des Bewusstseins.

Tiefschlaf und Samadhi

Die Upanishad unterscheidet sorgfältig zwischen Sushupti, dem Tiefschlaf, und Samadhi. In beiden kann der gewöhnliche Geist zeitweise still sein. Im Tiefschlaf bleibt jedoch die Dunkelheit der Unwissenheit bestehen. Im Samadhi wird das Zeugenbewusstsein erkannt, und die Erscheinungswelt verliert ihren Anspruch auf unabhängige Wirklichkeit.

Diese Unterscheidung ist für die Praxis bedeutsam. Benommenheit, Trance oder Schlaf sind nicht automatisch Meditation. Klarheit und Erkenntnis unterscheiden Samadhi von bloßer Bewusstseinsdämpfung.

Die fünf Bewusstseinszustände

Der Text nennt Jagrat, Svapna, Sushupti, Turiya und Turiyatita. Der Jiva bewegt sich zunächst im Weg des Tätigseins und sucht angenehme karmische Folgen. Durch Vairagya wendet er sich dem Weg der Befreiung zu, nimmt Zuflucht zum Guru und entwickelt die vier Voraussetzungen der Erkenntnis.

Schließlich erkennt er, dass Taijasa im Traum, Prajna im Tiefschlaf und das wache Ich nicht verschiedene Selbste sind. Die Zustände unterscheiden sich, doch der Atman bleibt derselbe. Daraus reift die Erkenntnis Aham Brahmasmi: „Ich bin Brahman.“

Drittes Brahmana

Das Geheimnis des Amanaska

Das dritte Brahmana erläutert Amanaska erneut. Der Geist zieht sich von den Sinnen zurück und ruht unbewegt wie eine Lampe an einem windstillen Ort. Der Text verwendet drastische Bilder völliger Körperruhe und kaum wahrnehmbarer Atmung.

Solche Beschreibungen sind Kennzeichen tiefer Versenkung, keine Aufforderung, Atemstillstand, Ohnmacht oder bewegungslose Zustände gewaltsam hervorzurufen. Fehlende oder erschwerte Atmung ist außerhalb einer sicher angeleiteten Praxis ein medizinischer Notfall.

Die Lehre endet in der nichtdualen Aussage Tat Tvam Asi, „Du bist Das“. Lehrer und Schüler erkennen: „Du bist ich, und ich bin du.“ Die Umarmung des Schülers durch den Lehrer symbolisiert die unmittelbare Übertragung dieser Einheitserkenntnis.

Viertes Brahmana

Die fünf Räume

Das vierte Brahmana ordnet die fünf meditativen Räume systematisch:

  • Ākāśa, der dunkle Raum,
  • Parākāśa, der wie das Feuer am Ende der Zeit leuchtende Raum,
  • Mahākāśa, der Raum unermesslichen Glanzes,
  • Sūryākāśa, der sonnenähnliche Raum,
  • Paramākāśa, das unaussprechliche, alldurchdringende Licht grenzenloser Glückseligkeit.

Der bekannte Schlussvers erklärt, dass jemand nur dem Namen nach Yogi sei, wenn er die neun Chakras, sechs Adharas, drei Lakshyas und fünf Räume nicht richtig kenne. Die genauen Listen der neun Chakras und sechs Adharas werden in dieser Upanishad nicht vollständig ausgebreitet; der Vers setzt offenbar ein bereits bekanntes yogisches Körpersystem voraus.

Fünftes Brahmana

Geist, Nada und Befreiung

Der letzte Abschnitt beginnt mit einer prägnanten Lehre: Der auf Gegenstände gerichtete Geist ist Ursache der Bindung; der gegenstandsfreie Geist führt zur Befreiung. Im Anahata Nada liegt der Laut, im Laut das Licht, im Licht der Geist. Wenn sich dieser Geist auflöst, wird das höchste Ziel Vishnus erreicht.

Der verwirklichte Yogi wird als Paramahamsa und Avadhuta beschrieben. Seine Freiheit zeigt sich in natürlicher Zufriedenheit, Maßhalten und Unabhängigkeit von gesellschaftlicher Selbstdarstellung. Die Aussagen über geringe Ausscheidungen, körperliche Festigkeit und das Befreien von 101 Generationen gehören zur idealisierenden Vollendungs- und Fruchtsprache vormoderner Texte. Sie sollten nicht als physiologische Norm oder überprüfbares Heilsversprechen behandelt werden.

Historische Einordnung

Die genaue Entstehungszeit der Mandalabrahmana Upanishad ist unbekannt. Ihre Verbindung von Advaita, Ashtanga Yoga, Sushumna, Kundalini, Mudra, Nada, innerem Licht und Amanaska weist auf eine späte Yoga-Upanishad und auf eine entwickelte Phase vormoderner Yogatraditionen hin. Einzelne Lehrstücke können älter sein als die erhaltene Gesamtredaktion.

Besonders eng ist die Beziehung zur Advayataraka Upanishad. Große Teile der Lehre über die drei Lakshyas, Taraka, Amanaska, die fünf Räume und Shambhavi Mudra stimmen in Inhalt und teilweise Wortlaut überein. Die Mandalabrahmana Upanishad bietet jedoch einen umfangreicheren Rahmen und verbindet diese Lehren mit Ashtanga Yoga, innerer Puja, Bewusstseinszuständen und Jivanmukti.

Bedeutung der Mandala Brahmana Upanishad

Bedeutung für die frühere Yogapraxis

Historisch belegt die Schrift eine Yogawelt, in der vedantische Erkenntnis, asketische Lebensführung, Atemlenkung, Licht- und Klangmeditation sowie Guru-Unterweisung nicht als getrennte Wege galten. Der Körper wurde als Mikrokosmos verstanden, in dem Sonne, Mond, Feuer, Räume und göttliche Gestalten meditiert werden konnten.

Yoga war dabei nicht auf Technik beschränkt. Sinnesbeherrschung, Vergebung, maßvolle Ernährung, Leidenschaftslosigkeit, Einsamkeit, Wahrheitssuche und die Auflösung von Ich-Verhaftung bildeten den notwendigen Rahmen.

Bedeutung für moderne Yoga Aspiranten

Für heutige Yoga Aspiranten lassen sich mehrere bleibende Grundsätze ableiten:

  • Verbinde Meditation mit ethischer Reife, Wahrhaftigkeit und Selbstbeherrschung.
  • Übe Atemanhalten nicht nach bloßen Zahlenvorgaben und niemals mit Gewalt.
  • Übe Shambhavi und Shanmukhi sanft und ohne Druck auf Augen oder Ohren.
  • Schaue niemals direkt in die Sonne, um Lichtwahrnehmungen hervorzurufen.
  • Verwechsle innere Farben, Klänge und Räume nicht mit dem endgültigen Ziel.
  • Lass neue Lichtblitze, Sehausfälle oder anhaltende Wahrnehmungsstörungen medizinisch abklären.
  • Verstehe die feinstofflichen Modelle als traditionelle Erfahrungs- und Symbolsprache, nicht als Ersatz für Anatomie.
  • Unterscheide klare Meditation von Schlaf, Benommenheit und erzwungener Trance.
  • Mache Siddhis und außergewöhnliche Körperzeichen nicht zum Maßstab spirituellen Fortschritts.
  • Führe die Erfahrung der Stille in Mitgefühl, Gelassenheit und verantwortliches Handeln über.

Bedeutung für Yogalehrer und Yoga Meister

Für Yogalehrer und Yoga Meister ist die Mandalabrahmana Upanishad besonders wertvoll, weil sie ein umfassendes Lehrsystem mit klaren Anforderungen an die Vermittlung verbindet. Intensive Kumbhakas, Blicktechniken und innere Klangübungen müssen schrittweise, individuell und ohne Erfolgsdruck vermittelt werden.

Ein verantwortungsvoller Lehrer erklärt, welche Aussagen symbolisch, welche historisch und welche praktisch unmittelbar anwendbar sind. Er suggeriert keine bestimmten Visionen, erhebt physiologische Lichtphänomene nicht zur Erleuchtung und verwechselt Atemnot oder Ohnmacht nicht mit Samadhi. Die Guru-Schüler-Beziehung soll Erkenntnis und Selbstständigkeit fördern, nicht Abhängigkeit.

Die bleibende Bedeutung der Mandalabrahmana Upanishad

Die Schrift verbindet fast alle großen Dimensionen des traditionellen Yoga: Lebensführung, Sinnesbeherrschung, Asana, Pranayama, Meditation, Mudra, Nada, Kundalini, Selbsterkenntnis und Jivanmukti. Ihr roter Faden ist die Verwandlung des gegenstandsgebundenen Geistes in ein klares Bewusstsein, das sich als eins mit Brahman erkennt.

Die äußere Sonne führt zur inneren Bewusstseinssonne. Die vielen Lichter führen zum Licht des Erkennens. Die innere Puja führt zur Verehrung des Göttlichen in allem. Taraka führt zu Amanaska, und Amanaska mündet in die Erkenntnis: „Ich bin Brahman“ und „Du bist Das.“ Darin liegt die bleibende Botschaft der Mandalabrahmana Upanishad.

Mandala Brahmana Upanishad – Devanagari und IAST

Die Mandalabrahmana Upanishad (Sanskrit: Maṇḍalabrāhmaṇa Upaniṣad) ist eine Yoga Upanishad des Shukla Yajurveda. Die maßgebliche Fassung besteht aus fünf Brahmanas mit 4, 5, 2 und 1 nummerierten Lehrabschnitten sowie einem unnummerierten Schlussabschnitt. Diese echte Gliederung wird beibehalten; die langen Prosastellen werden nicht künstlich als Shlokas oder als 89 kanonische Mantras ausgegeben. Offensichtliche elektronische Schreibfehler und uneinheitliche Sandhi-Formen wurden behutsam normalisiert.

Eröffnungsvers

बाह्यान्तस्तारकाकरं व्योमपञ्चकविग्रहम् ।
राजयोगैकसंसिद्धं रामचन्द्रमुपास्महे ॥

bāhyāntastārakākaraṃ vyomapañcakavigraham |
rājayogaikasaṃsiddhaṃ rāmacandramupāsmahe ||

Shanti Mantra

ॐ पूर्णमदः पूर्णमिदं पूर्णात्पूर्णमुदच्यते ।
पूर्णस्य पूर्णमादाय पूर्णमेवावशिष्यते ॥
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

oṃ pūrṇamadaḥ pūrṇamidaṃ pūrṇātpūrṇamudacyate |
pūrṇasya pūrṇamādāya pūrṇamevāvaśiṣyate ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

1. Brahmana

1.1.
ॐ याज्ञवल्क्यो ह वै महामुनिरादित्यलोकं जगाम । तमादित्यं नत्वा भो भगवन्नादित्यात्मतत्त्वमनुब्रूहीति । स होवाच नारायणः ।
ज्ञानयुक्तयमाद्यष्टाङ्गयोग उच्यते । शीतोष्णाहारनिद्राविजयः सर्वदा शान्तिर्निश्चलत्वं विषयेन्द्रियनिग्रहश्चैते यमाः ।
गुरुभक्तिः सत्यमार्गानुरक्तिः सुखागतवस्त्वनुभवश्च तद्वस्त्वनुभवेन तुष्टिर्निःसङ्गता एकान्तवासो मनोनिवृत्तिः फलानभिलाषो वैराग्यभावश्च नियमाः ।
सुखासनवृत्तिश्चीरवासाश्चैवमासननियमो भवति ।
पूरककुम्भकरेचकैः षोडशचतुःषष्टिद्वात्रिंशत्सङ्ख्यया यथाक्रमं प्राणायामः ।
विषयेभ्य इन्द्रियार्थेभ्यो मनोनिरोधनं प्रत्याहारः । सर्वशरीरेषु चैतन्यैकतानता ध्यानम् ।
विषयव्यावर्तनपूर्वकं चैतन्ये चेतःस्थापनं धारणा भवति । ध्यानविस्मृतिः समाधिः ।
एवं सूक्ष्माङ्गानि । य एवं वेद स मुक्तिभाग्भवति ॥ १ ॥

oṃ yājñavalkyo ha vai mahāmunirādityalokaṃ jagāma | tamādityaṃ natvā bho bhagavannādityātmatattvamanubrūhīti | sa hovāca nārāyaṇaḥ |
jñānayuktayamādyaṣṭāṅgayoga ucyate | śītoṣṇāhāranidrāvijayaḥ sarvadā śāntirniścalatvaṃ viṣayendriyanigrahaścaite yamāḥ |
gurubhaktiḥ satyamārgānuraktiḥ sukhāgatavastvanubhavaśca tadvastvanubhavena tuṣṭirniḥsaṅgatā ekāntavāso manonivṛttiḥ phalānabhilāṣo vairāgyabhāvaśca niyamāḥ |
sukhāsanavṛttiścīravāsāścaivamāsananiyamo bhavati |
pūrakakumbhakarecakaiḥ ṣoḍaśacatuḥṣaṣṭidvātriṃśatsaṅkhyayā yathākramaṃ prāṇāyāmaḥ |
viṣayebhya indriyārthebhyo manonirodhanaṃ pratyāhāraḥ | sarvaśarīreṣu caitanyaikatānatā dhyānam |
viṣayavyāvartanapūrvakaṃ caitanye cetaḥsthāpanaṃ dhāraṇā bhavati | dhyānavismṛtiḥ samādhiḥ |
evaṃ sūkṣmāṅgāni | ya evaṃ veda sa muktibhāgbhavati || 1 ||

1.2.
देहस्य पञ्चदोषा भवन्ति कामक्रोधनिःश्वासभयनिद्राः । तन्निरासस्तु निःसङ्कल्पक्षमालघ्वाहाराप्रमादतत्त्वसेवनम् ।
निद्राभयसरीसृपं हिंसादितरङ्गं तृष्णावर्तं दारपङ्कं संसारवार्धिं तर्तुं सूक्ष्ममार्गमवलम्ब्य सत्त्वादिगुणानतिक्रम्य तारमवलोकयेत् ।
भ्रूमध्ये सच्चिदानन्दतेजःकूटरूपं तारकं ब्रह्म । तदुपायं लक्ष्यत्रयावलोकनम् ।
मूलाधारादारभ्य ब्रह्मरन्ध्रपर्यन्तं सुषुम्ना सूर्याभा । मृणालतन्तुसूक्ष्मा कुण्डलिनी । ततो तमोनिवृत्तिः । तद्दर्शनात्सर्वपापनिवृत्तिः ।
तर्जन्यग्रोन्मीलितकर्णरन्ध्रद्वये फूत्कारशब्दो जायते । तत्र स्थिते मनसि चक्षुर्मध्ये नीलज्योतिः पश्यति । एवं हृदयेऽपि ।
बहिर्लक्ष्यं तु नासाग्रे चतुःषडष्टदशद्वादशाङ्गुलीभिः क्रमान्नीलद्युतिश्यामत्वसदृग्रक्तभङ्गीस्फुरत्पीतवर्णद्वयोपेतं व्योमत्वं पश्यति स तु योगी ।
चलनदृष्ट्या व्योमभागवीक्षितुः पुरुषस्य दृष्ट्यग्रे ज्योतिर्मयूखा वर्तन्ते । तद्दृष्टिः स्थिरा भवति । शीर्षोपरि द्वादशाङ्गुलिमानज्योतिः पश्यति तदाऽमृतत्वमेति ।
मध्यलक्ष्यं तु प्रातश्चित्रादिवर्णसूर्यचन्द्रवह्निज्वालावलीवत्तद्विहीनान्तरिक्षवत्पश्यति । तदाकाराकारी भवति ।
अभ्यासान्निर्विकारं गुणरहिताकाशं भवति । विस्फुरत्तारकाकारगाढतमोपमं पराकाशं भवति । कालानलसमं द्योतमानं महाकाशं भवति ।
सर्वोत्कृष्टपरमाद्वितीयप्रद्योतमानं तत्त्वाकाशं भवति । कोटिसूर्यप्रकाशं सूर्याकाशं भवति । एवमभ्यासात्तन्मयो भवति । य एवं वेद ॥ २ ॥

dehasya pañcadoṣā bhavanti kāmakrodhaniḥśvāsabhayanidrāḥ | tannirāsastu niḥsaṅkalpakṣamālaghvāhārāpramādatattvasevanam |
nidrābhayasarīsṛpaṃ hiṃsāditaraṅgaṃ tṛṣṇāvartaṃ dārapaṅkaṃ saṃsāravārdhiṃ tartuṃ sūkṣmamārgamavalambya sattvādiguṇānatikramya tāramavalokayet |
bhrūmadhye saccidānandatejaḥkūṭarūpaṃ tārakaṃ brahma | tadupāyaṃ lakṣyatrayāvalokanam |
mūlādhārādārabhya brahmarandhraparyantaṃ suṣumnā sūryābhā | mṛṇālatantusūkṣmā kuṇḍalinī | tato tamonivṛttiḥ | taddarśanātsarvapāpanivṛttiḥ |
tarjanyagronmīlitakarṇarandhradvaye phūtkāraśabdo jāyate | tatra sthite manasi cakṣurmadhye nīlajyotiḥ paśyati | evaṃ hṛdaye'pi |
bahirlakṣyaṃ tu nāsāgre catuḥṣaḍaṣṭadaśadvādaśāṅgulībhiḥ kramānnīladyutiśyāmatvasadṛgraktabhaṅgīsphuratpītavarṇadvayopetaṃ vyomatvaṃ paśyati sa tu yogī |
calanadṛṣṭyā vyomabhāgavīkṣituḥ puruṣasya dṛṣṭyagre jyotirmayūkhā vartante | taddṛṣṭiḥ sthirā bhavati | śīrṣopari dvādaśāṅgulimānajyotiḥ paśyati tadā'mṛtatvameti |
madhyalakṣyaṃ tu prātaścitrādivarṇasūryacandravahnijvālāvalīvattadvihīnāntarikṣavatpaśyati | tadākārākārī bhavati |
abhyāsānnirvikāraṃ guṇarahitākāśaṃ bhavati | visphurattārakākāragāḍhatamopamaṃ parākāśaṃ bhavati | kālānalasamaṃ dyotamānaṃ mahākāśaṃ bhavati |
sarvotkṛṣṭaparamādvitīyapradyotamānaṃ tattvākāśaṃ bhavati | koṭisūryaprakāśaṃ sūryākāśaṃ bhavati | evamabhyāsāttanmayo bhavati | ya evaṃ veda || 2 ||

1.3.
तद्योगं च द्विधा विद्धि पूर्वोत्तरविभागतः ।
पूर्वं तु तारकं विद्यादमनस्कं तदुत्तरमिति ।
तारकं द्विविधम् । मूर्तितारकममूर्तितारकमिति । यदिन्द्रियान्तं तन्मूर्तितारकम् । यद्भ्रूयुगातीतं तदमूर्तितारकमिति ।
उभयमपि मनोयुक्तमभ्यसेत् । मनोयुक्तान्तरदृष्टिस्तारकप्रकाशाय भवति । भ्रूयुगमध्यबिले तेजस आविर्भावः । एतत्पूर्वतारकम् ।
उत्तरं त्वमनस्कम् । तालुमूलोर्ध्वभागे महाज्योतिर्विद्यते । तद्दर्शनादणिमादिसिद्धिः ।
लक्ष्येऽन्तर्बाह्ये दृष्टौ निमेषोन्मेषवर्जितायां चेयं शाम्भवी मुद्रा भवति । सर्वतन्त्रेषु गोप्यमहाविद्या भवति ।
तज्ज्ञानेन संसारनिवृत्तिः । तत्पूजनं मोक्षफलदम् । अन्तर्लक्ष्यं जलज्योतिःस्वरूपं भवति । महर्षिवेद्यमन्तर्बाह्येन्द्रियैरदृश्यम् ॥ ३ ॥

tadyogaṃ ca dvidhā viddhi pūrvottaravibhāgataḥ |
pūrvaṃ tu tārakaṃ vidyādamanaskaṃ taduttaramiti |
tārakaṃ dvividham | mūrtitārakamamūrtitārakamiti | yadindriyāntaṃ tanmūrtitārakam | yadbhrūyugātītaṃ tadamūrtitārakamiti |
ubhayamapi manoyuktamabhyaset | manoyuktāntaradṛṣṭistārakaprakāśāya bhavati | bhrūyugamadhyabile tejasa āvirbhāvaḥ | etatpūrvatārakam |
uttaraṃ tvamanaskam | tālumūlordhvabhāge mahājyotirvidyate | taddarśanādaṇimādisiddhiḥ |
lakṣye'ntarbāhye dṛṣṭau nimeṣonmeṣavarjitāyāṃ ceyaṃ śāmbhavī mudrā bhavati | sarvatantreṣu gopyamahāvidyā bhavati |
tajjñānena saṃsāranivṛttiḥ | tatpūjanaṃ mokṣaphaladam | antarlakṣyaṃ jalajyotiḥsvarūpaṃ bhavati | maharṣivedyamantarbāhyendriyairadṛśyam || 3 ||

1.4.
सहस्रारे जलज्योतिरन्तर्लक्ष्यम् । बुद्धिगुहायां सर्वाङ्गसुन्दरं पुरुषरूपमन्तर्लक्ष्यमित्यपरे ।
शीर्षान्तर्गतमण्डलमध्यगं पञ्चवक्त्रमुमासहायं नीलकण्ठं प्रशान्तमन्तर्लक्ष्यमिति केचित् । अङ्गुष्ठमात्रः पुरुषोऽन्तर्लक्ष्यमित्येके ।
उक्तविकल्पं सर्वमात्मैव । तल्लक्ष्यं शुद्धात्मदृष्ट्या वा यः पश्यति स एव ब्रह्मनिष्ठो भवति ।
जीवः पञ्चविंशकः स्वकल्पितचतुर्विंशतितत्त्वं परित्यज्य षड्विंशः परमात्माहमिति निश्चयाज्जीवन्मुक्तो भवति ।
एवमन्तर्लक्ष्यदर्शनेन जीवन्मुक्तिदशायां स्वयमन्तर्लक्ष्यो भूत्वा परमाकाशाखण्डमण्डलो भवति ॥ ४ ॥

sahasrāre jalajyotirantarlakṣyam | buddhiguhāyāṃ sarvāṅgasundaraṃ puruṣarūpamantarlakṣyamityapare |
śīrṣāntargatamaṇḍalamadhyagaṃ pañcavaktramumāsahāyaṃ nīlakaṇṭhaṃ praśāntamantarlakṣyamiti kecit | aṅguṣṭhamātraḥ puruṣo'ntarlakṣyamityeke |
uktavikalpaṃ sarvamātmaiva | tallakṣyaṃ śuddhātmadṛṣṭyā vā yaḥ paśyati sa eva brahmaniṣṭho bhavati |
jīvaḥ pañcaviṃśakaḥ svakalpitacaturviṃśatitattvaṃ parityajya ṣaḍviṃśaḥ paramātmāhamiti niścayājjīvanmukto bhavati |
evamantarlakṣyadarśanena jīvanmuktidaśāyāṃ svayamantarlakṣyo bhūtvā paramākāśākhaṇḍamaṇḍalo bhavati || 4 ||

इति प्रथमं ब्राह्मणम् ॥
iti prathamaṃ brāhmaṇam ||

2. Brahmana

2.1.
अथ ह याज्ञवल्क्य आदित्यमण्डलपुरुषं पप्रच्छ । भगवन्नन्तर्लक्ष्यादिकं बहुधोक्तम् । मया तन्न ज्ञातम् । तद्ब्रूहि मह्यम् ।
तदु होवाच पञ्चभूतकारणं तडित्कूटाभं तद्वच्चतुःपीठम् । तन्मध्ये तत्त्वप्रकाशो भवति । सोऽतिगूढोऽव्यक्तश्च । तज्ज्ञानप्लवाधिरूढेन ज्ञेयम् ।
तद्बाह्याभ्यन्तर्लक्ष्यम् । तन्मध्ये जगल्लीनम् । तन्नादबिन्दुकलातीतमखण्डमण्डलम् । तत्सगुणनिर्गुणस्वरूपम् । तद्वेत्ता विमुक्तः ।
आदावग्निमण्डलम् । तदुपरि सूर्यमण्डलम् । तन्मध्ये सुधाचन्द्रमण्डलम् । तन्मध्येऽखण्डब्रह्मतेजोमण्डलम् । तद्विद्युल्लेखावच्छुक्लभास्वरम् ।
तदेव शाम्भवीलक्षणम् । तद्दर्शने तिस्रो मूर्तयोऽमा प्रतिपत्पूर्णिमा चेति । निमीलितदर्शनममादृष्टिः । अर्धोन्मीलितं प्रतिपत् । सर्वोन्मीलनं पूर्णिमा भवति ।
तासु पूर्णिमाभ्यासः कर्तव्यः । तल्लक्ष्यं नासाग्रम् । तदा तालुमूले गाढतमो दृश्यते । तदभ्यासादखण्डमण्डलाकारज्योतिर्दृश्यते । तदेव सच्चिदानन्दं ब्रह्म भवति ।
एवं सहजानन्दे यदा मनो लीयते तदा शान्तो भवति । तामेव खेचरीमाहुः । तदभ्यासान्मनःस्थैर्यम् । ततो वायुस्थैर्यम् ।
तच्चिह्नानि । आदौ तारकवद्दृश्यते । ततो वज्रदर्पणम् । तत उपरि पूर्णचन्द्रमण्डलम् । ततो वह्निशिखामण्डलं क्रमाद्दृश्यते ॥ १ ॥

atha ha yājñavalkya ādityamaṇḍalapuruṣaṃ papraccha | bhagavannantarlakṣyādikaṃ bahudhoktam | mayā tanna jñātam | tadbrūhi mahyam |
tadu hovāca pañcabhūtakāraṇaṃ taḍitkūṭābhaṃ tadvaccatuḥpīṭham | tanmadhye tattvaprakāśo bhavati | so'tigūḍho'vyaktaśca | tajjñānaplavādhirūḍhena jñeyam |
tadbāhyābhyantarlakṣyam | tanmadhye jagallīnam | tannādabindukalātītamakhaṇḍamaṇḍalam | tatsaguṇanirguṇasvarūpam | tadvettā vimuktaḥ |
ādāvagnimaṇḍalam | tadupari sūryamaṇḍalam | tanmadhye sudhācandramaṇḍalam | tanmadhye'khaṇḍabrahmatejomaṇḍalam | tadvidyullekhāvacchuklabhāsvaram |
tadeva śāmbhavīlakṣaṇam | taddarśane tisro mūrtayo'mā pratipatpūrṇimā ceti | nimīlitadarśanamamādṛṣṭiḥ | ardhonmīlitaṃ pratipat | sarvonmīlanaṃ pūrṇimā bhavati |
tāsu pūrṇimābhyāsaḥ kartavyaḥ | tallakṣyaṃ nāsāgram | tadā tālumūle gāḍhatamo dṛśyate | tadabhyāsādakhaṇḍamaṇḍalākārajyotirdṛśyate | tadeva saccidānandaṃ brahma bhavati |
evaṃ sahajānande yadā mano līyate tadā śānto bhavati | tāmeva khecarīmāhuḥ | tadabhyāsānmanaḥsthairyam | tato vāyusthairyam |
taccihnāni | ādau tārakavaddṛśyate | tato vajradarpaṇam | tata upari pūrṇacandramaṇḍalam | tato vahniśikhāmaṇḍalaṃ kramāddṛśyate || 1 ||

2.2.
तदा पश्चिमाभिमुखप्रकाशः स्फटिकधूम्रबिन्दुनादकलानक्षत्रखद्योतदीपनेत्रसवर्णनवरत्नादिप्रभा दृश्यन्ते । तदेव प्रणवस्वरूपम् ।
प्राणापानयोरैक्यं कृत्वा धृतकुम्भको नासाग्रदर्शनदृढभावनया द्विकराङ्गुलिभिः षण्मुखीकरणेन प्रणवध्वनिं निशम्य मनस्तत्र लीनं भवति ।
तस्य न कर्मलेपः । रवेरुदयास्तमययोः किल कर्म कर्तव्यम् । एवंविदश्चिदादित्यस्योदयास्तमयाभावात्सर्वकर्माभावः ।
शब्दकाललयेन दिवारात्र्यतीतो भूत्वा सर्वपरिपूर्णज्ञानेनोन्योन्यावस्थावशेन ब्रह्मैक्यं भवति । उन्मन्या अमनस्कं भवति ।
तस्य निश्चिन्ता ध्यानम् । सर्वकर्मनिराकरणमावाहनम् । निश्चयज्ञानमासनम् । उन्मनीभावः पाद्यम् । सदाऽमनस्कमर्घ्यम् ।
सदादीप्तिरपारामृतवृत्तिः स्नानम् । सर्वत्र भावना गन्धः । दृक्स्वरूपावस्थानमक्षताः । चिदाप्तिः पुष्पम् । चिदग्निस्वरूपं धूपः ।
चिदादित्यस्वरूपं दीपः । परिपूर्णचन्द्रामृतरसस्यैकीकरणं नैवेद्यम् । निश्चलत्वं प्रदक्षिणम् । सोऽहंभावो नमस्कारः ।
मौनं स्तुतिः । सर्वसन्तोषो विसर्जनमिति य एवं वेद ॥ २ ॥

tadā paścimābhimukhaprakāśaḥ sphaṭikadhūmrabindunādakalānakṣatrakhadyotadīpanetrasavarṇanavaratnādiprabhā dṛśyante | tadeva praṇavasvarūpam |
prāṇāpānayoraikyaṃ kṛtvā dhṛtakumbhako nāsāgradarśanadṛḍhabhāvanayā dvikarāṅgulibhiḥ ṣaṇmukhīkaraṇena praṇavadhvaniṃ niśamya manastatra līnaṃ bhavati |
tasya na karmalepaḥ | raverudayāstamayayoḥ kila karma kartavyam | evaṃvidaścidādityasyodayāstamayābhāvātsarvakarmābhāvaḥ |
śabdakālalayena divārātryatīto bhūtvā sarvaparipūrṇajñānenonyonyāvasthāvaśena brahmaikyaṃ bhavati | unmanyā amanaskaṃ bhavati |
tasya niścintā dhyānam | sarvakarmanirākaraṇamāvāhanam | niścayajñānamāsanam | unmanībhāvaḥ pādyam | sadā'manaskamarghyam |
sadādīptirapārāmṛtavṛttiḥ snānam | sarvatra bhāvanā gandhaḥ | dṛksvarūpāvasthānamakṣatāḥ | cidāptiḥ puṣpam | cidagnisvarūpaṃ dhūpaḥ |
cidādityasvarūpaṃ dīpaḥ | paripūrṇacandrāmṛtarasasyaikīkaraṇaṃ naivedyam | niścalatvaṃ pradakṣiṇam | so'haṃbhāvo namaskāraḥ |
maunaṃ stutiḥ | sarvasantoṣo visarjanamiti ya evaṃ veda || 2 ||

2.3.
एवं त्रिपुट्यां निरस्तायां निस्तरङ्गसमुद्रवन्निवातस्थितदीपवदचलसम्पूर्णभावाभावविहीनकैवल्यद्योतिर्भवति ।
जाग्रन्निद्रान्तःपरिज्ञानेन ब्रह्मविद्भवति । सुषुप्तिसमाध्योर्मनोलयाविशेषेऽपि महदस्त्युभयोर्भेदस्तमसि लीनत्वान्मुक्तिहेतुत्वाभावाच्च ।
समाधौ मृदिततमोविकारस्य तदाकाराकारिताखण्डाकारवृत्त्यात्मकसाक्षिचैतन्ये प्रपञ्चलयः सम्पद्यते प्रपञ्चस्य मनःकल्पितत्वात् ।
ततो भेदाभावात्कदाचिद्बहिर्गतेऽपि मिथ्यात्वभानात् । सकृद्विभातसदानन्दानुभवैकगोचरो ब्रह्मवित्तदेव भवति ।
यस्य सङ्कल्पनाशः स्यात्तस्य मुक्तिः करे स्थिता । तस्माद्भावाभावौ परित्यज्य परमात्मध्यानेन मुक्तो भवति ।
पुनःपुनः सर्वावस्थासु ज्ञानज्ञेयौ ध्यानध्येयौ लक्ष्यालक्ष्ये दृश्यादृश्ये चोहापोहादि परित्यज्य जीवन्मुक्तो भवेत् । य एवं वेद ॥ ३ ॥

evaṃ tripuṭyāṃ nirastāyāṃ nistaraṅgasamudravannivātasthitadīpavadacalasampūrṇabhāvābhāvavihīnakaivalyadyotirbhavati |
jāgrannidrāntaḥparijñānena brahmavidbhavati | suṣuptisamādhyormanolayāviśeṣe'pi mahadastyubhayorbhedastamasi līnatvānmuktihetutvābhāvācca |
samādhau mṛditatamovikārasya tadākārākāritākhaṇḍākāravṛttyātmakasākṣicaitanye prapañcalayaḥ sampadyate prapañcasya manaḥkalpitatvāt |
tato bhedābhāvātkadācidbahirgate'pi mithyātvabhānāt | sakṛdvibhātasadānandānubhavaikagocaro brahmavittadeva bhavati |
yasya saṅkalpanāśaḥ syāttasya muktiḥ kare sthitā | tasmādbhāvābhāvau parityajya paramātmadhyānena mukto bhavati |
punaḥpunaḥ sarvāvasthāsu jñānajñeyau dhyānadhyeyau lakṣyālakṣye dṛśyādṛśye cohāpohādi parityajya jīvanmukto bhavet | ya evaṃ veda || 3 ||

2.4.
पञ्चावस्था जाग्रत्स्वप्नसुषुप्तितुरीयतुरीयातीताः । जाग्रति प्रवृत्तो जीवः प्रवृत्तिमार्गासक्तः । पापफलनरकादिमांस्तु शुभकर्मफलस्वर्गमस्त्विति काङ्क्षते ।
स एव स्वीकृतवैराग्यात्कर्मफलजन्माऽलं संसारबन्धनमलमिति विमुक्त्यभिमुखो निवृत्तिमार्गप्रवृत्तो भवति ।
स एव संसारतारणाय गुरुमाश्रित्य कामादि त्यक्त्वा विहितकर्माचरन्साधनचतुष्टयसम्पन्नो हृदयकमलमध्ये भगवत्सत्तामात्रान्तर्लक्ष्यरूपमासाद्य सुषुप्त्यवस्थाया मुक्तब्रह्मानन्दस्मृतिं लब्ध्वा
एक एवाहमद्वितीयः कञ्चित्कालमज्ञानवृत्त्या विस्मृतजाग्रद्वासनानुफलेन तैजसोऽस्मीति तदुभयनिवृत्त्या प्राज्ञ इदानीमस्मीत्यहमेक एव स्थानभेदादवस्थाभेदस्य परंतु नहि मदन्यदिति जातविवेकः
शुद्धाद्वैतब्रह्माहमिति भिदागन्धं निरस्य स्वान्तर्विजृम्भितभानुमण्डलध्यानतदाकाराकारितपरंब्रह्माकारितमुक्तिमार्गमारूढः परिपक्वो भवति ।
सङ्कल्पादिकं मनो बन्धहेतुः । तद्वियुक्तं मनो मोक्षाय भवति । तद्वांश्चक्षुरादिबाह्यप्रपञ्चरतो विगतप्रपञ्चगन्धः सर्वजगदात्मत्वेन पश्यंस्त्यक्ताहङ्कारो ब्रह्माहमस्मीति चिन्तयन्निदं सर्वं यदयमात्मेति भावयन्कृतकृत्यो भवति ॥ ४ ॥

pañcāvasthā jāgratsvapnasuṣuptiturīyaturīyātītāḥ | jāgrati pravṛtto jīvaḥ pravṛttimārgāsaktaḥ | pāpaphalanarakādimāṃstu śubhakarmaphalasvargamastviti kāṅkṣate |
sa eva svīkṛtavairāgyātkarmaphalajanmā'laṃ saṃsārabandhanamalamiti vimuktyabhimukho nivṛttimārgapravṛtto bhavati |
sa eva saṃsāratāraṇāya gurumāśritya kāmādi tyaktvā vihitakarmācaransādhanacatuṣṭayasampanno hṛdayakamalamadhye bhagavatsattāmātrāntarlakṣyarūpamāsādya suṣuptyavasthāyā muktabrahmānandasmṛtiṃ labdhvā
eka evāhamadvitīyaḥ kañcitkālamajñānavṛttyā vismṛtajāgradvāsanānuphalena taijaso'smīti tadubhayanivṛttyā prājña idānīmasmītyahameka eva sthānabhedādavasthābhedasya paraṃtu nahi madanyaditi jātavivekaḥ
śuddhādvaitabrahmāhamiti bhidāgandhaṃ nirasya svāntarvijṛmbhitabhānumaṇḍaladhyānatadākārākāritaparaṃbrahmākāritamuktimārgamārūḍhaḥ paripakvo bhavati |
saṅkalpādikaṃ mano bandhahetuḥ | tadviyuktaṃ mano mokṣāya bhavati | tadvāṃścakṣurādibāhyaprapañcarato vigataprapañcagandhaḥ sarvajagadātmatvena paśyaṃstyaktāhaṅkāro brahmāhamasmīti cintayannidaṃ sarvaṃ yadayamātmeti bhāvayankṛtakṛtyo bhavati || 4 ||

2.5.
सर्वपरिपूर्णतुरीयातीतब्रह्मभूतो योगी भवति । तं ब्रह्मेति स्तुवन्ति ।
सर्वलोकस्तुतिपात्रः सर्वदेशसंचारशीलः परमात्मगगने बिन्दुं निक्षिप्य शुद्धाद्वैताजाड्यसहजामनस्कयोगनिद्राखण्डानन्दपदानुवृत्त्या जीवन्मुक्तो भवति ।
तच्चानन्दसमुद्रमग्ना योगिनो भवन्ति । तदपेक्षया इन्द्रादयः स्वल्पानन्दाः । एवं प्राप्तानन्दः परमयोगी भवतीत्युपनिषत् ॥ ५ ॥

sarvaparipūrṇaturīyātītabrahmabhūto yogī bhavati | taṃ brahmeti stuvanti |
sarvalokastutipātraḥ sarvadeśasaṃcāraśīlaḥ paramātmagagane binduṃ nikṣipya śuddhādvaitājāḍyasahajāmanaskayoganidrākhaṇḍānandapadānuvṛttyā jīvanmukto bhavati |
taccānandasamudramagnā yogino bhavanti | tadapekṣayā indrādayaḥ svalpānandāḥ | evaṃ prāptānandaḥ paramayogī bhavatītyupaniṣat || 5 ||

इति द्वितीयं ब्राह्मणम् ॥ २ ॥
iti dvitīyaṃ brāhmaṇam || 2 ||

3. Brahmana

3.1.
याज्ञवल्क्यो महामुनिर्मण्डलपुरुषं पप्रच्छ स्वामिन्नमनस्कलक्षणमुक्तमपि विस्मृतं पुनस्तल्लक्षणं ब्रूहीति । तथेति मण्डलपुरुषोऽब्रवीत् ।
इदममनस्कमतिरहस्यम् । यज्ज्ञानेन कृतार्थो भवति तन्नित्यं शाम्भवीमुद्रान्वितम् ।
परमात्मदृष्ट्या तत्प्रत्ययलक्ष्याणि दृष्ट्वा तदनु सर्वेशमप्रमेयमजं शिवं परमाकाशं निरालम्बमद्वयं ब्रह्मविष्णुरुद्रादीनामेकलक्ष्यं सर्वकारणं परं ब्रह्मात्मन्येव पश्यमानो
गुहाविहरणमेव निश्चयेन ज्ञात्वा भावाभावादिद्वन्द्वातीतः संविदितमनोन्मन्यनुभवस्तदनन्तरमखिलेन्द्रियक्षयवशादमनस्कसुखब्रह्मानन्दसमुद्रे
मनःप्रवाहयोगरूपनिवातस्थितदीपवदचलं परं ब्रह्म प्राप्नोति । ततः शुष्कवृक्षवन्मूर्च्छानिद्रामयनिःश्वासोच्छ्वासाभावान्नष्टद्वन्द्वः सदाऽचञ्चलगात्रः परमशान्तिं स्वीकृत्य मनःप्रचारशून्यं परमात्मनि लीनं भवति ।
पयस्रावानन्तरं धेनुस्तनक्षीरमिव सर्वेन्द्रियवर्गे परिनष्टे मनोनाशो भवति तदेवामनस्कम् ।
तदनु नित्यशुद्धः परमात्माहमेवेति तत्त्वमसीत्युपदेशेन त्वमेवाहमहमेव त्वमिति तारकयोगमार्गेणाखण्डानन्दपूर्णः कृतार्थो भवति ॥ १ ॥

yājñavalkyo mahāmunirmaṇḍalapuruṣaṃ papraccha svāminnamanaskalakṣaṇamuktamapi vismṛtaṃ punastallakṣaṇaṃ brūhīti | tatheti maṇḍalapuruṣo'bravīt |
idamamanaskamatirahasyam | yajjñānena kṛtārtho bhavati tannityaṃ śāmbhavīmudrānvitam |
paramātmadṛṣṭyā tatpratyayalakṣyāṇi dṛṣṭvā tadanu sarveśamaprameyamajaṃ śivaṃ paramākāśaṃ nirālambamadvayaṃ brahmaviṣṇurudrādīnāmekalakṣyaṃ sarvakāraṇaṃ paraṃ brahmātmanyeva paśyamāno
guhāviharaṇameva niścayena jñātvā bhāvābhāvādidvandvātītaḥ saṃviditamanonmanyanubhavastadanantaramakhilendriyakṣayavaśādamanaskasukhabrahmānandasamudre
manaḥpravāhayogarūpanivātasthitadīpavadacalaṃ paraṃ brahma prāpnoti | tataḥ śuṣkavṛkṣavanmūrcchānidrāmayaniḥśvāsocchvāsābhāvānnaṣṭadvandvaḥ sadā'cañcalagātraḥ paramaśāntiṃ svīkṛtya manaḥpracāraśūnyaṃ paramātmani līnaṃ bhavati |
payasrāvānantaraṃ dhenustanakṣīramiva sarvendriyavarge parinaṣṭe manonāśo bhavati tadevāmanaskam |
tadanu nityaśuddhaḥ paramātmāhameveti tattvamasītyupadeśena tvamevāhamahameva tvamiti tārakayogamārgeṇākhaṇḍānandapūrṇaḥ kṛtārtho bhavati || 1 ||

3.2.
परिपूर्णपराकाशमग्नमनाः प्राप्तोन्मन्यवस्थः संन्यस्तसर्वेन्द्रियवर्गः अनेकजन्मार्जितपुण्यपुञ्जपक्वकैवल्यफलोऽखण्डानन्दनिरस्तसर्वक्लेशकश्मलो ब्रह्माहमस्मीति कृतकृत्यो भवति ।
त्वमेवाहं न भेदोऽस्ति पूर्णत्वात्परमात्मनः ।
इत्युच्चरन्त्समालिङ्ग्य शिष्यं ज्ञप्तिमनीनयत् ॥ २ ॥

paripūrṇaparākāśamagnamanāḥ prāptonmanyavasthaḥ saṃnyastasarvendriyavargaḥ anekajanmārjitapuṇyapuñjapakvakaivalyaphalo'khaṇḍānandanirastasarvakleśakaśmalo brahmāhamasmīti kṛtakṛtyo bhavati |
tvamevāhaṃ na bhedo'sti pūrṇatvātparamātmanaḥ |
ityuccarantsamāliṅgya śiṣyaṃ jñaptimanīnayat || 2 ||

इति तृतीयं ब्राह्मणम् ॥ ३ ॥
iti tṛtīyaṃ brāhmaṇam || 3 ||

4. Brahmana

4.1.
अथ ह याज्ञवल्क्यो मण्डलपुरुषं पप्रच्छ व्योमपञ्चकलक्षणं विस्तरेणानुब्रूहीति । स होवाच आकाशं पराकाशं महाकाशं सूर्याकाशं परमाकाशमिति पञ्च भवन्ति ।
बाह्याभ्यन्तरमन्धकारमयमाकाशम् । बाह्यस्याभ्यन्तरे कालानलसदृशं पराकाशम् । सबाह्याभ्यन्तरेऽपरिमितद्युतिनिभं तत्त्वं महाकाशम् ।
सबाह्याभ्यन्तरे सूर्यनिभं सूर्याकाशम् । अनिर्वचनीयज्योतिः सर्वव्यापकं निरतिशयानन्दलक्षणं परमाकाशम् ।
एवं तत्तल्लक्ष्यदर्शनात्तत्तद्रूपो भवति ।
नवचक्रं षडाधारं त्रिलक्ष्यं व्योमपञ्चकम् ।
सम्यगेतन्न जानाति स योगी नामतो भवेत् ॥ १ ॥

atha ha yājñavalkyo maṇḍalapuruṣaṃ papraccha vyomapañcakalakṣaṇaṃ vistareṇānubrūhīti | sa hovāca ākāśaṃ parākāśaṃ mahākāśaṃ sūryākāśaṃ paramākāśamiti pañca bhavanti |
bāhyābhyantaramandhakāramayamākāśam | bāhyasyābhyantare kālānalasadṛśaṃ parākāśam | sabāhyābhyantare'parimitadyutinibhaṃ tattvaṃ mahākāśam |
sabāhyābhyantare sūryanibhaṃ sūryākāśam | anirvacanīyajyotiḥ sarvavyāpakaṃ niratiśayānandalakṣaṇaṃ paramākāśam |
evaṃ tattallakṣyadarśanāttattadrūpo bhavati |
navacakraṃ ṣaḍādhāraṃ trilakṣyaṃ vyomapañcakam |
samyagetanna jānāti sa yogī nāmato bhavet || 1 ||

इति चतुर्थं ब्राह्मणम् ॥ ४ ॥
iti caturthaṃ brāhmaṇam || 4 ||

5. Brahmana

Fünftes Brahmana – unnummerierter Schlussabschnitt der Mandalabrahmana Upanishad सविषयं मनो बन्धाय निर्विषयं मुक्तये भवति । अतः सर्वं जगच्चित्तगोचरम् । तदेव चित्तं निराश्रयं मनोन्मन्यवस्थापरिपक्वं लययोग्यं भवति ।
तल्लयं परिपूर्णे मयि समभ्यसेत् । मनोलयकारणमहमेव ।
अनाहतस्य शब्दस्य तस्य शब्दस्य यो ध्वनिः ।
ध्वनेरन्तर्गतं ज्योतिर्ज्योतिरन्तर्गतं मनः ।
यन्मनस्त्रिजगत्सृष्टिस्थितिव्यसनकर्मकृत् ।
तन्मनो विलयं याति तद्विष्णोः परमं पदम् ।
तल्लयाच्छुद्धाद्वैतसिद्धिर्भेदाभावात् । एतदेव परमतत्त्वम् ।
स तज्ज्ञो बालोन्मत्तपिशाचवज्जडवृत्त्या लोकमाचरेत् ।
एवममनस्काभ्यासेनैव नित्यतृप्तिरल्पमूत्रपुरीषमितभोजनदृढाङ्गजाड्यनिद्रादृग्वायुचलनाभावब्रह्मदर्शनाज्ज्ञातसुखस्वरूपसिद्धिर्भवति ।
एवं चिरसमाधिजनितब्रह्मामृतपानपरायणोऽसौ संन्यासी परमहंसोऽवधूतो भवति । तद्दर्शनेन सकलं जगत्पवित्रं भवति ।
तत्सेवापरोऽज्ञोऽपि मुक्तो भवति । तत्कुलमेकोत्तरशतं तारयति । तन्मातृपितृजायापत्यवर्गं च मुक्तं भवतीत्युपनिषत् ॥

saviṣayaṃ mano bandhāya nirviṣayaṃ muktaye bhavati | ataḥ sarvaṃ jagaccittagocaram | tadeva cittaṃ nirāśrayaṃ manonmanyavasthāparipakvaṃ layayogyaṃ bhavati |
tallayaṃ paripūrṇe mayi samabhyaset | manolayakāraṇamahameva |
anāhatasya śabdasya tasya śabdasya yo dhvaniḥ |
dhvanerantargataṃ jyotirjyotirantargataṃ manaḥ |
yanmanastrijagatsṛṣṭisthitivyasanakarmakṛt |
tanmano vilayaṃ yāti tadviṣṇoḥ paramaṃ padam |
tallayācchuddhādvaitasiddhirbhedābhāvāt | etadeva paramatattvam |
sa tajjño bālonmattapiśācavajjaḍavṛttyā lokamācaret |
evamamanaskābhyāsenaiva nityatṛptiralpamūtrapurīṣamitabhojanadṛḍhāṅgajāḍyanidrādṛgvāyucalanābhāvabrahmadarśanājjñātasukhasvarūpasiddhirbhavati |
evaṃ cirasamādhijanitabrahmāmṛtapānaparāyaṇo'sau saṃnyāsī paramahaṃso'vadhūto bhavati | taddarśanena sakalaṃ jagatpavitraṃ bhavati |
tatsevāparo'jño'pi mukto bhavati | tatkulamekottaraśataṃ tārayati | tanmātṛpitṛjāyāpatyavargaṃ ca muktaṃ bhavatītyupaniṣat ||


Abschluss

ॐ पूर्णमदः पूर्णमिदं पूर्णात्पूर्णमुदच्यते ।
पूर्णस्य पूर्णमादाय पूर्णमेवावशिष्यते ॥
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

oṃ pūrṇamadaḥ pūrṇamidaṃ pūrṇātpūrṇamudacyate |
pūrṇasya pūrṇamādāya pūrṇamevāvaśiṣyate ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

इति मण्डलब्राह्मणोपनिषत्समाप्ता ॥
iti maṇḍalabrāhmaṇopaniṣatsamāptā ||


Literatur und Quellen