Padma Samhita Yogapada

Aus Yogawiki

Der Yogapāda der Padma Samhita verbindet Yoga mit der Erfahrung göttlicher Gegenwart im eigenen Herzen. Seine fünf Kapitel führen von einer aufrichtigen Lebensführung über Asana, Pranayama und Sammlung bis zu Dhyana und Samadhi. Der verehrte Viṣṇu ist dabei nicht nur Gegenstand äußerer Verehrung: Als Vāsudeva wird er im Lotos des Herzens meditiert.

Wie wird aus einer Übung ein Weg nach innen? Der Yogapāda beginnt bei dem, was dir jeden Tag begegnet: einer Aufgabe, einem Gespräch, deinem Atem. Wahrhaftigkeit, Mitgefühl und beständige Sammlung bereiten den Boden für die Meditation im Herzlotos. Lies diese Kapitel mit Zeit; ein klar verstandener Vers kann die Praxis eines ganzen Tages begleiten.

Besonders anregend ist der Anfang: Karma Yoga und Jnana Yoga gehören zusammen. Pflichten aufmerksam erfüllen und den Geist auf das höchste Heil ausrichten sind zwei Seiten eines Weges. Darauf bauen die körperlichen und geistigen Übungen auf. Wer diesen Text liest, begegnet einer Tradition, in der Ethik, Bhakti, Atem und Erkenntnis einander unterstützen.

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Bewusster Atem kann den Übergang von der äußeren Tätigkeit zur inneren Sammlung begleiten.

Die fünf Kapitel

  • Kapitel 1: Karma Yoga und Jñāna Yoga, zehn Yamas, Niyamas und Körperhaltungen.
  • Kapitel 2: Der subtile Körper, Kanda, Lebenswinde, Nāḍīs, Kuṇḍalī und Suṣumnā.
  • Kapitel 3: Vorbereitung, Atemlenkung, Herzlotos und Festigung des Geistes.
  • Kapitel 4: Vergänglichkeit, Pratyāhāra und Konzentration auf die fünf Elemente.
  • Kapitel 5: Meditation über Viṣṇu, Bewusstseinslicht und Samādhi.

Zur Textgrundlage

Diese Ausgabe folgt einer IAST-Fassung mit erhaltenen Lesarten und Zwischenüberschriften. Sie enthält alle darin vorhandenen nummerierten Stellen der fünf Kapitel: 129 Einheiten, darunter mehrere Fragmente. Die Vorlage ist nicht lückenlos: In Kapitel 2 fehlen die Nummern 24–31; in Kapitel 5 fehlen 3–7, 14–15 und 24–29. Auch angrenzende Verse sind teilweise nur fragmentarisch vorhanden. Die gezielte Prüfung der entsprechenden Wisdomlib-Seiten bestätigt dort dieselben Sprünge. Fehlende Verse werden nicht durch freie Nachdichtungen ersetzt.

Der Sanskritwortlaut bleibt einschließlich seiner erkennbaren Beschädigungen erhalten. Die deutsche Wiedergabe macht Unsicherheiten jeweils kenntlich. Unter „Textzusatz der Vorlage“ stehen Titel, Sprecherangaben, Lesarten und editorische Fragmente, die nicht als zusätzliche Verse gezählt werden. Das Devanagari ist eine Umschrift derselben IAST-Vorlage, kein unabhängiger Textzeuge.

Die außergewöhnlichen Wirkungen und Todesvorzeichen gehören zur historischen Lehre dieses Textes. Sie werden hier übersetzt, nicht als medizinisch gesicherte Aussagen oder als heutige Übungsanleitung bestätigt. Auch die ungewöhnlich langen Konzentrationszeiten in Kapitel 4 werden ohne Umdeutung wiedergegeben.

Sanskrit in IAST und deutsche Übersetzung

Kapitel 1: Zwei Wege und die Grundlagen des Yoga

Textzusatz der Vorlage:

śrī pādmasaṃhitāyāṃ |
śrī pāñcarātre mahopaniṣadi pādmasaṃhitāyāṃ |
yogapādaḥ |
prathamo'dhyāye |
niśreyasasādhanayoga nirūpaṇam |
brahmāḥ |

Titel und Sprecher: „In der ehrwürdigen Padmasaṃhitā, der großen Upaniṣad des ehrwürdigen Pāñcarātra: Yogapāda, erstes Kapitel. Darlegung des Yoga als Mittel zum höchsten Heil. Brahmā spricht.“


bhagavan yogayuktasya niśreyasamudīritam |
puruṣasya dayāsindho jñāninaḥ puruṣottama || 1 ||

1.1 Brahmā sprach: O Herr, Meer des Mitgefühls, höchster Puruṣa! Du hast das höchste Heil des erkennenden Menschen beschrieben, der im Yoga gefestigt ist.


sa yogaḥ kathyatāṃ bhūya śśrotavyaṃ yadi madvidhaiḥ |
yadi nānugrahosmāsu bhajamāneṣu vidyate || 2 ||

1.2 Erkläre diesen Yoga noch einmal, sofern Menschen wie ich ihn hören dürfen und du uns, die wir dich verehren, deine Gnade nicht versagst. [Der Wortlaut „yadi nānugrahaḥ“ ist gestört; die Bitte um Unterweisung ist eindeutig.]


Textzusatz der Vorlage:

yogadvaividhyam |
śrībhagavān |

Zwischenüberschrift: „Die Zweifachheit des Yoga“. Sprecher: der erhabene Herr.


avyākulasya cittasya bandhanaṃ viṣaye kvacit |
yatsayogaścaturvaktrasa ca dvaividhyamaśnute || 3 ||

1.3 Der erhabene Herr sprach: Die Bindung eines unzerstreuten Geistes an einen Gegenstand heißt Yoga, o Viergesichtiger. Dieser Yoga ist von zweierlei Art.


Textzusatz der Vorlage:

sandhānam |
vibhaktayoḥ pratyekaṃ lakṣaṇam |

„sandhānam“: „Verbindung, Sammlung“; offenbar eine alternative Lesung zur Definition in Vers 3. Es folgt die Überschrift „Die jeweiligen Merkmale der beiden unterschiedenen Formen“.


karma kartavyami tyevaṃ vihiteṣveva karmasu |
bandhanaṃ manaso nityaṃ karmayogassa ucyate || 4 ||

1.4 Den Geist beständig bei den vorgeschriebenen Handlungen zu halten, mit der Haltung „Diese Handlung soll getan werden“, nennt man Karma Yoga.


yattu cittasya satatamarthe śreyasi bandhanam |
jñānayogassa vijñeya ssarvasiddhikaraśśubhaḥ || 5 ||

1.5 Den Geist fortwährend auf das höchste Heil auszurichten, soll man als Jñāna Yoga erkennen: als einen segensreichen Yoga, der alle Vollendung bewirkt.


Textzusatz der Vorlage:

samucchitayostayo rmokṣasādhanatvam |

Überschrift: „Die beiden gemeinsam als Mittel zur Befreiung“.


yasyoktalakṣaṇe yoge dvividhe'vasthitaṃ manaḥ |
sa yāti paramaṃ śreyo mokṣalakṣaṇamañjasā || 6 ||

1.6 Wessen Geist in diesem zweifachen Yoga mit den genannten Merkmalen ruht, der gelangt auf geradem Weg zum höchsten Heil, das Befreiung heißt.


Textzusatz der Vorlage:

vividhe ca sthitātmanaḥ madvidhe ca sthitaṃ manaḥ iti capāṭhau |
yogāṅganirūpaṇam |

Die Vorlage nennt ausdrücklich zwei Lesarten: „vividhe ca sthitātmanaḥ“ und „madvidhe ca sthitaṃ manaḥ“. Ihr Wortlaut ist teilweise unsicher; die zweite kann „der Geist, der in einem wie mir ruht“ bedeuten. Es folgt: „Darlegung der Yogaglieder“.


yamādiraṅgaṃ pūrvasya vairāgyādi parasyatu |
aṣṭau yamādayo yogāḥ yamo'hiṃsādilakṣaṇaḥ || 7 ||

1.7 Zum ersten gehören die mit Yama beginnenden Glieder, zum anderen die mit Losgelöstheit beginnenden. Acht Yogaglieder beginnen mit Yama; Yama ist durch Gewaltlosigkeit und die weiteren Tugenden gekennzeichnet.


ahiṃsā satyamasteyaṃ brahmacaryaṃ dayārjavam |
kṣamādhṛtirmitāhāro śaucaṃ ceti yamā daśa || 8 ||

1.8 Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Nichtstehlen, Brahmacarya, Mitgefühl, Aufrichtigkeit, Geduld, Standhaftigkeit, maßvolles Essen und Reinheit: Das sind die zehn Yamas.


tapaḥ prabhṛtirūpastu niyamaḥ kathyate punaḥ |
tapaśca tuṣṭirāstikyaṃ dānamārādhanaṃ hareḥ || 9 ||

1.9 Als Niyama werden die mit Tapas beginnenden Haltungen bezeichnet: spirituelle Disziplin, Zufriedenheit, gläubiges Vertrauen, Geben und die Verehrung Haris …


Textzusatz der Vorlage:

tataḥ prabhṛtirūrdhvaṃtu |

Lesartenfragment: „Von dort an weiter nach oben …“; keine sichere Zuordnung.


siddhāntaśravaṇaṃ hrīśca japa ityādilakṣaṇaḥ |
āsanādīni sarvāṇi svastikādīni saṃprati || 10 ||

1.10 … das Hören der verbindlichen Lehre, sittliche Scheu und Japa gehören zu ihren Merkmalen. Nun werden die Körperhaltungen, angefangen mit Svastika, erläutert.


varṇyante svastikaṃ pādatalayorubhayorapi |
pūrvottare jānunī dve kṛtvā'sanamudīritam || 11 ||

1.11 Man bringt die beiden Fußsohlen und die beiden Knie in die beschriebene gegenseitige Anordnung; dies wird Svastika genannt. [Die genaue Stellung der Füße ist aus dieser beschädigten Formulierung nicht sicher zu bestimmen.]


sīvanyā dakṣīṇe pārśve savyaṃ savye tu dakṣiṇam |
gulphaṃ kṛtyā'sanaṃ tacca svastikaṃ kathyate budhaiḥ || 12 ||

1.12 Man legt den linken Knöchel rechts und den rechten links neben die Dammnaht. Diese Sitzhaltung nennen die Kundigen Svastika.


āropya corvoścaraṇau tadaṅguṣṭhadvayaṃ punaḥ |
vyutkrameṇaiva hastābhyāṃ gṛhṇīyāttatta dāsanam || 13 ||

1.13 Man legt die Füße auf die Oberschenkel und ergreift die beiden großen Zehen mit den Händen in überkreuzter Anordnung.


baddhapadmāsanaṃ jñeyamāsaneṣu supūjitam |
ekaṃ caraṇamanyasminnūrāvāropya niścalaḥ || 14 ||

1.14 Diese unter den Haltungen hochgeschätzte Stellung heißt Baddhapadmāsana. Legt man einen Fuß auf den anderen Oberschenkel und bleibt unbewegt sitzen …


āste yadidamenoghnaṃ vīrāsanamudāhṛtam |
sivinīṃ gulphadeśābhyāṃ nipīḍya vyutkrameṇa tu || 15 ||

1.15 … so wird diese das Unheil tilgende Haltung Vīrāsana genannt. Drückt man mit den beiden Knöcheln in überkreuzter Anordnung gegen die Dammgegend …


prasārya jānunorhastāvāsanaṃ siṃhapūrvakam |
gulphau ca vṛṣaṇasyādhassīvanyubhayapārśvayoḥ || 16 ||

1.16 … und streckt die Hände auf den Knien aus, heißt die Haltung Siṃhāsana. Werden beide Knöchel unterhalb der Hoden an die beiden Seiten der Dammnaht gelegt …


niveśya pādau hastābhyāṃ dṛḍhaṃ badhvā yadā sanam |
bhadrāsanaṃ tadvijñeyaṃ sarvapāpapraṇāśanam || 17 ||

1.17 … und die Füße mit beiden Händen festgehalten, so soll man dies als Bhadrāsana erkennen, als eine Haltung, der die Tilgung aller Verfehlungen zugeschrieben wird.


gulphaṃ savyetaraṃ savye vṛṣṭhasārśve vidhāya ca |
gulphaṃ tathetaraṃ vṛṣṭhapārśva'nyasminnidhāya ca || 18 ||

1.18 Man legt den rechten Knöchel an die linke hintere Seite und den anderen Knöchel entsprechend an die andere Seite. [Die genaue Körperstelle ist in der Vorlage unklar.]


Textzusatz der Vorlage:

navyetare vṛṣṭapārśve savyaśulphaṃtadhaivaca |

Beschädigte alternative Beschreibung der Knöchelstellung; erkennbar sind „auf der anderen hinteren Seite“ und „der linke Knöchel ebenso“. Eine genaue Bewegungsanweisung lässt sich daraus nicht gewinnen.


āsanaṃ gomukhaṃ yadvadghomukhāsanamiṣyate |
sīvanīpārśvamubhayaṃ gulphābhyāṃ vyutkrameṇatu || 19 ||

1.19 Eine Haltung, die einem Kuhgesicht gleicht, gilt als Gomukhāsana. Werden beide Seiten der Dammnaht mit den Knöcheln in überkreuzter Stellung …


nipīḍyāsana metacca muktāsana mudāhṛtam |
meḍhrasyo pari nikṣipya savyaṃ gulphaṃ tathetaram || 20 ||

1.20 … gedrückt, nennt man diese Haltung Muktāsana. Oder man legt den linken Knöchel oberhalb des Geschlechtsorgans und den anderen …


niveśyopari gulphasya yadvā muktāsanaṃ bhavet |
avaṣṭabhya dharāṃ samyaktalābhyāṃ hastayordvayoḥ || 21 ||

1.21 … über diesen Knöchel: Auch das kann Muktāsana sein. Stützt man beide Handflächen fest auf die Erde …


kūrparau nābhipārśve ca sthāpayitvā mayūravat |
samunnamya śiraḥ pādau mayūrāsanamiṣyate || 22 ||

1.22 … setzt die Ellenbogen seitlich an den Nabel und hebt Kopf und Füße wie ein Pfau empor, so gilt dies als Mayūrāsana.


Einstellung und Konzentration beim Prāṇāyāma

Begleitendes Video aus dem Themenbereich Pranayama; keine Rezitation oder Einzelversauslegung der Padma Samhita.

Kapitel 2: Nāḍīs und Lebenskräfte

Textlücke der Vorlage: Die Versnummern 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31 fehlen. Fragmente im Umfeld bleiben erhalten.


Textzusatz der Vorlage:

pādmasaṃhitāyām |
dvitīyo'dhyāyaḥ |
nāḍīśuddhiḥ |
śrībhagavān |

„In der Padmasaṃhitā: zweites Kapitel. Reinigung der Nāḍīs. Der erhabene Herr spricht.“


yamaiśca niyamaiścaiva yogāṅgairāsanai rapi |
susaṃyato nāḍīśuddhau prāṇāyāmo vidhīyate || 1 ||

2.1 Der erhabene Herr sprach: Wer durch die Yogaglieder Yama und Niyama sowie durch die Körperhaltungen gut gesammelt ist, soll zur Reinigung der Nāḍīs Prāṇāyāma üben.


dehamānaṃ svāṅgulībhiṣṣaṇṇavatyaṅgulāyatam |
prāṇaśśarīrādadhiko dvādaśāṅgulamānataḥ || 2 ||

2.2 Das Maß des Körpers beträgt sechsundneunzig eigene Fingerbreiten. Der Prāṇa reicht zwölf Fingerbreiten über den Körper hinaus.


dehasthamanilaṃ dehasamudbhū tena vahninā |
nyūnaṃ samaṃ vā yogena kurvanprahmavidiṣyate || 3 ||

2.3 Wer durch Yoga den im Körper befindlichen Atem mithilfe des im Körper entstehenden Feuers verringert oder ins Gleichmaß bringt, gilt als Brahmankenner. [Der technische Zusammenhang ist im Wortlaut nicht näher erklärt.]


dehamadhye śikhisthānaṃ taptajāmbūnadaprabham |
trikoṇaṃ dvipadāmanyaccaturaśraṃ catuṣpadām || 4 ||

2.4 In der Körpermitte befindet sich der Ort des Feuers, glänzend wie glühendes Gold. Bei Zweifüßern ist er dreieckig, bei Vierfüßern viereckig.


vṛttaṃ vihaṅgamānāṃ tu ṣaḍaśraṃ jalajanmanām |
aṣṭāśraṃ svedajānāṃ tu tasmin dīpavadujjvalaḥ || 5 ||

2.5 Bei Vögeln ist er rund, bei Wasserlebewesen sechseckig und bei den nach alter Vorstellung aus Feuchtigkeit entstehenden Wesen achteckig. Dort leuchtet wie eine Lampe …


vai śvānaro'gniḥ pacati prāṇāpānasamā yutaḥ |
catuṣprakāramaśanaṃ dehamadhye'bhadhīyate || 6 ||

2.6 … das Feuer Vaiśvānara. Mit Prāṇa und Apāna verbunden, verdaut es die vier Arten der Nahrung. Es wird in der Körpermitte verortet.


Textzusatz der Vorlage:

śrayaḥ |

Isoliertes Fragment „śrayaḥ“; möglicherweise Teil eines Ausdrucks für Sitz oder Stütze. Nicht sicher übersetzbar.


apānādvaṅgulādūrdhvamadho meḍhrasya vāmataḥ |
dehamadhyaṃ manuṣyāṇāṃ meḍhramadhyaṃ catuṣpadām || 7 ||

2.7 Beim Menschen liegt die Körpermitte zwei Fingerbreiten oberhalb der Ausscheidungsregion, unterhalb und links vom Geschlechtsorgan; bei Vierfüßern in der Mitte der Genitalgegend. [Anatomische Zuordnung und Lesung sind unsicher.]


Textzusatz der Vorlage:

hṛnmadhyaṃ tu |

Lesart: „jedoch in der Herzmitte“.


itareṣāṃ tundamadhyaṃ sarveṣāmeva padma ja |
kandasdhānaṃ manuṣyāṇāṃ dehamadhye navāṅgulam || 8 ||

2.8 Bei den übrigen Wesen liegt sie in der Bauchmitte, o Lotosgeborener. Der Ort des Kanda befindet sich beim Menschen in der Körpermitte; genannt wird ein Maß von neun Fingerbreiten. [Der Bezug dieses Maßes bleibt unklar.]


caturaṅgalamutsedhaṃ caturaṅgula māyatam |
aṇḍākṛti stiraścāṃ ca dvipadāṃ ca catuṣpadām || 9 ||

2.9 Er ist vier Fingerbreiten hoch und vier Fingerbreiten lang, eiförmig bei quergerichteten Tieren, Zweifüßern und Vierfüßern.


tundhamadhyaṃ tadiṣṭaṃ vai tanmadhyaṃ nābhiriṣyate |
tatra cakraṃ dvādaśāraṃ āhūrmāsā narāṇi tu || 10 ||

2.10 Er gilt als Mitte des Bauches; seine Mitte wird Nabel genannt. Dort befindet sich ein Rad mit zwölf Speichen. Die Monate werden als seine Speichen bezeichnet.


viṣṇvādi mūrtayasaiṣu dvādaśa dvādaśasvapi |
āhaṃ tatra sthitaṃ cakraṃ bhrāmayāmi svamāyayā || 11 ||

2.11 Auf diesen zwölf Speichen befinden sich zwölf göttliche Gestalten, beginnend mit Viṣṇu. Ich lasse das dort befindliche Rad durch meine eigene Māyā kreisen.


areṣu bhramate jīvaḥ krameṇa kamalāsana |
tantupaññaramadhyapthā yathā bhramati lūtikā || 12 ||

2.12 Auf den Speichen wandert der Jīva der Reihe nach, o Lotosgeborener, wie eine Spinne sich inmitten ihres Fadengeflechts bewegt.


prāṇārūḍhaścarati ca jīvastena vinā na hi |
tasyordhve kuṇḍalīsthānaṃ nābhestiryagathordhvataḥ || 13 ||

2.13 Der Jīva bewegt sich, vom Prāṇa getragen; ohne ihn vermag er es nicht. Darüber befindet sich der Ort der Kuṇḍalī, seitlich und oberhalb des Nabels.


Textzusatz der Vorlage:

tanmadhye |

Lesart: „in deren Mitte“.


aṣṭaprakṛtirūpā sā cāṣṭadhā kuṇḍalīkṛtā |
yathāvadvāyucāraṃ ca jvalanādi ca nityaśaḥ || 14 ||

2.14 Sie hat die Gestalt der achtfachen Prakṛti und ist achtfach zusammengerollt. Den Gang des Atems und das Wirken des Feuers …


paritaḥ kandapāśvetu nirudhyaiva sadā sthitā |
mukhenai va samāveṣṭya brahmarandhramukhaṃ tadā || 15 ||

2.15 … hemmt sie fortwährend rings um den Kanda. Mit ihrem Mund umschließt sie dabei den Eingang zur Brahmanöffnung.


yogakāle ca marutā nāgninā coditā satī |
sphuritā hṛdayākāśe nāgarūpā mahojvalā || 16 ||

2.16 Während der Yogaübung wird sie durch den Atem angeregt und leuchtet im Herzraum schlangengestaltig mit großer Helligkeit. [Die Zeichenfolge „nāgninā“ ist unsicher: Sie lässt sich als „nicht durch Feuer“ lesen; eine ergänzende Verknüpfung mit Feuer wäre eine Textkorrektur.]


vāyurvā yumukhenaiva tato yāti suṣumnayā |
kandamadhye sthitā nāḍī suṣumnā supratiṣṭhitā || 17 ||

2.17 Dann gelangt der Atem durch die Atemöffnung in die Suṣumnā. Diese Nāḍī ist fest in der Mitte des Kanda verankert.


padmasūtrapratīkāśā ṛjurūdhva pravartinī |
brahmaṇo vivaraṃ yāvadvidyudābhā sanālikā || 18 ||

2.18 Sie gleicht einem Lotosfaden, verläuft gerade nach oben bis zur Öffnung Brahmans und leuchtet wie ein Blitz; sie besitzt einen inneren Kanal.


vaiṣṇavī brahmanāḍī ca nirvāṇaprāpti padthatiḥ |
iḍā ca piṅgalācaiva tasyāssavyetaresthite || 19 ||

2.19 Sie heißt Vaiṣṇavī und Brahmanāḍī und ist der Weg zur Erlangung der Befreiung. Links und rechts von ihr liegen Iḍā und Piṅgalā.


iḍā samutthitā kandādvāmanāsāpuṭāvadhi |
piṅgalā cotthitā tasmādanyanāsā puṭāvadhi || 20 ||

2.20 Iḍā entspringt dem Kanda und reicht bis zum linken Nasenloch. Piṅgalā entspringt demselben Ort und reicht bis zum anderen Nasenloch.


gāndhārī hastijihvā ca dve cānye nāḍike sthite |
purataḥ vṛṣṭhata stasyā vāmetaradṛśau prati || 21 ||

2.21 Zwei weitere Nāḍīs, Gāndhārī und Hastijihvā, liegen vor und hinter ihr und führen zum linken beziehungsweise zum anderen Auge.


pūśā yaśasvinī nāḍyau tasmādeva samutthite |
sarvetaraśrutyavadhi pāyumūlāttvalambusā || 22 ||

2.22 Pūṣā und Yaśasvinī entstehen ebenfalls dort und reichen zu den beiden Ohren. Alambusā wird mit dem Bereich der Afterwurzel verbunden. [Die Zuordnung im letzten Halbvers ist unklar.]


adhomukhā kuhūnāḍī meḍhrāntāvadhirāyatā |
pādāṅguṣṭhāvadhiḥ kanthā dyathā yātā ca keśinī || 23 ||

2.23 Die nach unten gerichtete Kuhū-Nāḍī reicht bis zum Ende des Geschlechtsorgans. Keśinī führt vom Kanda bis zum großen Zeh. [„kanthā“ wird hier vorsichtig auf Kanda bezogen; die Lesung ist unsicher.]


adho gatā śubhā nāḍī. rasanāgni samikṛtā || 32 ||

2.32 „Die nach unten verlaufende heilsame Nāḍī … Zunge und Feuer …“ [Nur ein beschädigtes Fragment ist erhalten; eine zusammenhängende Übersetzung lässt sich daraus nicht sichern.]


Textzusatz der Vorlage:

rasāni ca samikṛtam |

Beschädigtes Lesartenfragment zum vorausgehenden Vers; keine sichere zusammenhängende Übersetzung.


tundamadhyagataḥ prāṇāntāni kuryātpṛthakpṛthak |
ityādiceṣṭayā prāṇaḥ karoti vapuṣi sthitim || 33 ||

2.33 Der in der Bauchmitte befindliche Prāṇa bewirkt die einzelnen Lebensvorgänge; durch solche Tätigkeiten erhält er den Körper. [Der erste Halbvers ist sprachlich beschädigt.]


apānavāyurmūtrādeḥ karoti ca vasarjanam |
prāṇāpānādi ceṣṭadi kriyate vyāsavāyunā || 34 ||

2.34 Apāna bewirkt die Ausscheidung von Urin und anderen Stoffen. Die Tätigkeiten von Prāṇa, Apāna und den weiteren Lebenskräften werden durch Vyāna unterstützt. [Die Vorlage schreibt „vyāsa“ statt des hier naheliegenden „vyāna“.]


ujjīryate śarīrasthamudānena nabhasvatā |
poṣaṇādiśarīrasya samānaḥ kurute sadā || 35 ||

2.35 Durch Udāna wird das im Körper Befindliche emporgehoben. Samāna sorgt beständig für die Ernährung und Erhaltung des Körpers. [Die Variante „unnīyate“ stützt die Wiedergabe „emporgehoben“.]


Textzusatz der Vorlage:

unnīyate śarīrasa |

Lesartenfragment: „wird emporgeführt … des Körpers“; es stützt die Wiedergabe von Vers 35.


udgārādikriyā nāgaḥ kūrmākṣyādinimīlanam |
kṛkarastu kṣutaḥ kartā datto nidrādikarmakṛt || 36 ||

2.36 Nāga bewirkt Aufstoßen und Ähnliches, Kūrma das Schließen der Augen und verwandte Vorgänge, Kṛkara das Niesen; der hier „datta“ genannte Atem bewirkt Schlaf und Ähnliches.


mṛtagātrasya śobhadi dhanaṃjaya udāhṛtaḥ |
nāḍībhedaṃ marudbhedaṃ marutāṃ sthānameva ca || 37 ||

2.37 Dhanaṃjaya wird eine Wirkung am verstorbenen Körper zugeschrieben. Wer die Unterschiede der Nāḍīs und der Lebenswinde, ihre jeweiligen Orte … [Die genaue Wirkung am toten Körper ist in „śobhadi“ nicht sicher überliefert.]


ceṣṭāśca vividhā steṣāṃ jñātvaivaṃ kamalāsana |
śuddhau yateta nāḍīnāṃ vakṣyamāṇena vartmanā || 38 ||

2.38 … und ihre vielfältigen Tätigkeiten so erkannt hat, o Lotosgeborener, soll sich auf dem nun zu beschreibenden Weg um die Reinigung der Nāḍīs bemühen.


Ein aufgerichteter Sitz unterstützt die Meditation; die Haltung darf den eigenen Möglichkeiten entsprechen.

Kapitel 3: Prāṇāyāma und Sammlung

Textzusatz der Vorlage:

pādmasaṃhitāyām |
tṛtīyo'dhyāyaḥ |
prāṇāyāmavidhiḥ |
śrībhagavān |

„In der Padmasaṃhitā: drittes Kapitel. Verfahren des Prāṇāyāma. Der erhabene Herr spricht.“


traivarṇika ssvavarṇoktai rāśramānuguṇai stathā |
ācārai rācaranyuktai rvāsudevārcane rataḥ || 1 ||

3.1 Der erhabene Herr sprach: Wer einer der drei Varṇas angehört, sich entsprechend den für seinen Stand und Lebensabschnitt geltenden Regeln verhält und der Verehrung Vāsudevas hingegeben ist …


viviktaṃ deśamāsādya sarvasaṃbādhavarjitam |
yogāṅgadravyasampūrṇaṃ tatra dārumaye śubhe || 2 ||

3.2 … soll einen abgeschiedenen, von jeder Bedrängnis freien Ort aufsuchen, der mit allem für die Yogaübung Nötigen versehen ist. Dort richte er einen geeigneten hölzernen Sitz her …


āsane kalpite darbhavāsaḥ kṛṣṇājinādibhiḥ |
tālamātrasamutsedhe tāladvayasamāyute || 3 ||

3.3 … bedeckt mit Darbha-Gras, Stoff, schwarzem Antilopenfell oder entsprechenden Materialien, eine Tāla-Einheit hoch und zwei Tāla-Einheiten in der Ausdehnung.


upaviśyāsane vaśye svastikādi yathāruci |
badhvā prāgānanassamyak ṛjukāyassamāhitaḥ || 4 ||

3.4 Auf diesem geeigneten Sitz nehme er nach eigener Wahl Svastika oder eine andere Haltung ein. Nach Osten gewandt sitze er mit aufrechtem Körper und gesammeltem Geist.


nāsāgravyastanayano dantairdantānasaṃspṛśan |
rasanāṃ tāluni vyasya ślathabāhudvayānvitaḥ || 5 ||

3.5 Er richte den Blick auf die Nasenspitze, lasse die Zähne einander nicht berühren, lege die Zunge an den Gaumen und halte beide Arme entspannt.


ākuñcataśirāḥ riñcit nibadhnan yogamudrayā |
hastau yadhokta vidhinā prāṇāyāmaṃ samācaret || 6 ||

3.6 Er neige den Kopf ein wenig, bringe die Hände in die Yogamudrā und übe Prāṇāyāma in der vorgeschriebenen Weise. [Die Beschreibung der Kopfhaltung ist sprachlich beschädigt.]


Textzusatz der Vorlage:

prāṇāyāma lakṣaṇam |

Überschrift: „Merkmale des Prāṇāyāma“.


recanaṃ pūraṇaṃ vāyoḥ rodhanaṃ recanaṃ tathā |
caturbhiḥ kleśanaṃ vāyoḥ prāṇāyāma udīritaḥ || 7 ||

3.7 Ausleeren, Füllen, Anhalten und erneutes Ausleeren des Atems: Diese vierfache Bearbeitung des Atems wird Prāṇāyāma genannt. [Die Vorlage wiederholt das Ausatmen; die Variante nennt „plāvana“, Überfluten oder Durchströmen.]


Textzusatz der Vorlage:

plāvanaṃ recanaṃ vāyoḥ |

Alternative Lesung: „Durchströmen/Überfluten, Ausströmen des Atems“.


hastena dakṣiṇenai va pīḍayannāsikāpuṭam |
iḍayāpūra yedantarvā yumātmani kumbhayet |
śanaiśśanai ratha bahiḥ kṣipetpiṅgalayānilam || 8 ||

3.8 Mit der rechten Hand verschließe er ein Nasenloch, ziehe den Atem durch Iḍā ein und halte ihn im Inneren zurück. Danach lasse er ihn ganz allmählich durch Piṅgalā nach außen strömen.


dvātriṃśanmātrayaṭā kukṣau pūrayediḍayānilam |
bhūyaṣṣoḍaśamātrābhiścatuṣṣaṣṭhyātu mātrayā || 9 ||

3.9 Er fülle den Bauch durch Iḍā mit Atem während zweiunddreißig Zähleinheiten; anschließend werden sechzehn und vierundsechzig Zähleinheiten genannt. [Die Zuordnung der letzten beiden Zahlen zu den Atemphasen ist in dieser Vorlage nicht eindeutig.]


sampūrṇakumbhavaddhehaṃ pūrayenmātariśvanā |
pūraṇānnāḍayassarvāḥ pūryante mātariśvanā || 10 ||

3.10 Wie einen ganz gefüllten Krug soll er den Körper mit Atem erfüllen. Durch dieses Füllen werden alle Nāḍīs vom Lebenswind erfüllt.


Textzusatz der Vorlage:

kumbhayonmātariśvanā |
prāṇāyāmaphalam |

Lesartenfragment: „mit Lebenswind anhalten/füllen“. Überschrift: „Frucht des Prāṇāyāma“.


evaṃ kṛtesati brahman carantidaśa vāyavaḥ |
hṛdayāmbhoruhaṃ cāpi vyākocaṃ bhavati sphuṭam || 11 ||

3.11 Wenn dies geschieht, o Brahmā, bewegen sich die zehn Lebenswinde, und der Lotos des Herzens entfaltet sich sichtbar.


pūraṇena tathā kumbhī karaṇā dunmukhaṃ sthitam |
galakūpavirūḍhaṃ tu tadadhomukhamambhujam || 12 ||

3.12 Durch Füllen und Anhalten richtet sich dieser Lotos auf; zuvor hängt er, im Bereich der Kehlgrube verwurzelt, nach unten.


Textzusatz der Vorlage:

dujjvalam |

Beschädigtes Wortfragment, möglicherweise zu „leuchtend“; nicht sicher übersetzbar.


nālaṃ tālanibhaṃ tasya dalāṣṭakasamanvitam |
kadalī puṣpasaṅkāśaṃ candrakāntasamaprabham || 13 ||

3.13 Sein Stiel gleicht einem Tāla; er besitzt acht Blütenblätter. Er ähnelt einer Bananenblüte und glänzt wie ein Mondstein. [Der Vergleich des Stiels ist in der Vorlage unsicher.]


Textzusatz der Vorlage:

tālabatam |

Beschädigte Variante zum Stielvergleich; keine sichere zusätzliche Aussage.


sandhyayormadhyarātre ca prāṇāyāmāṃstu ṣoḍaśa |
ekāhamātraṃ kurvāṇassarvapāpaiḥ pramucyate || 14 ||

3.14 Wer an den Tagesübergängen und um Mitternacht jeweils sechzehn Prāṇāyāmas ausführt, wird nach der Verheißung des Textes schon durch einen einzigen Tag von allen Verfehlungen frei.


kimanyairbhahubhiḥ proktaiḥ prāṇāyāmaparāyaṇāḥ |
nirdhūtasarvapāpmāno vatsaratrayapūraṇe || 15 ||

3.15 Was braucht es noch vieler Worte? Die dem Prāṇāyāma Hingegebenen, von allen Verfehlungen gereinigt, werden nach Ablauf von drei Jahren …


paśyanti māmapi brahman hṛdayāmbhoruhesthitam |
saṃvatsaratrayādūdhvaṃ prāṇāyāmaparo naraḥ || 16 ||

3.16 … auch mich sehen, o Brahmā, wie ich im Lotos des Herzens wohne. Nach drei Jahren hingebungsvoller Prāṇāyāma-Praxis wird ein Mensch …


yogasiddho bhavedyogī vāyujidvijitendriyaḥ |
alpāśī svalpanidraśca tejasvī balavānbhavet || 17 ||

3.17 … zu einem im Yoga vollendeten Yogi, der den Atem und die Sinne beherrscht. Er isst wenig, schläft wenig und wird strahlend und kraftvoll.


apamutyumatikramya dīrghamāyuravāpnu yāt |
prasvedajananaṃ yasya prāṇāyāmeṣu so'dhamaḥ || 18 ||

3.18 Er überwindet vorzeitigen Tod und erlangt ein langes Leben. Als niedrigste Stufe gilt ein Prāṇāyāma, der Schweiß hervorruft.


kampanaṃ vapuṣo yasya prāṇāyāmeṣu madhyamaḥ |
utthānaṃ vapuṣo yasya sa uttama udāhṛtaḥ || 19 ||

3.19 Als mittlere Stufe gilt ein Prāṇāyāma, bei dem der Körper zittert; als höchste wird einer bezeichnet, bei dem sich der Körper erhebt.


adhame vyādhipāpānāṃ nāśassyānmadhyame punaḥ |
pāparogamahāvyādhi nāśassyāduttame punaḥ || 20 ||

3.20 Der niedrigen Stufe wird die Beseitigung von Krankheit und Verfehlungen zugeschrieben, der mittleren die Beseitigung von Verfehlungen, Krankheiten und schweren Leiden. „Bei der höchsten wiederum …“ [Der Satzanschluss der Vorlage ist unvollständig.]


alpamūtro lpaviṣṭhaśca laghudeho mitāśanaḥ |
vaśyendriyaḥ paṭumatiḥ kālatrayavidātmavān || 21 ||

3.21 [Als weitere Wirkungen nennt der Text:] wenig Urin und Stuhl, einen leichten Körper, maßvolles Essen, beherrschte Sinne, einen scharfen Verstand, Kenntnis der drei Zeiten und innere Selbstbeherrschung.


Textzusatz der Vorlage:

paṭvindriyaḥ |

Alternative Lesung: „mit scharfen beziehungsweise leistungsfähigen Sinnen“ statt „mit scharfem Verstand“.


recakaṃ pūrakaṃ muktvā kumbhīkaraṇamevayaḥ |
karoti triṣulokeṣu naiva tasyāstidurlabham || 22 ||

3.22 Wer Ausatmen und Einatmen beiseitelässt und nur das Anhalten übt, für den, so die Verheißung, gibt es in den drei Welten nichts Unerreichbares.


nābhakande ca nāsāgre pādāṅguṣṭhe ca yatnavān |
dhārayanmanasā prāṇān sandhyākāleṣu sarvadā || 23 ||

3.23 Wer sich stets an den Tagesübergängen bemüht, die Lebenskräfte mit dem Geist im Nabel-Kanda, an der Nasenspitze oder am großen Zeh festzuhalten …


sarvarogavinirmukto bhavedyogī gataklamaḥ |
kukṣirogavināśassyāt nābhikandeṣu dhāraṇāt || 24 ||

3.24 … wird als Yogi von allen Krankheiten und von Erschöpfung frei. Der Konzentration im Nabel-Kanda wird die Beseitigung von Bauchleiden zugeschrieben.


Textzusatz der Vorlage:

jīvedyogī |

Lesart: „Der Yogi möge leben“.


nāsāgre dhāṇāddhīrṣu māyuṣyaṃ dehalāghapam |
pādāṅgaṣṭhe bhaveddhṛtyā vāyoḥ kamalasaṃbhava || 25 ||

3.25 Der Konzentration an der Nasenspitze wird ein langes Leben zugeschrieben; dem Festhalten des Atems am großen Zeh die Leichtigkeit des Körpers, o Lotosgeborener. [Die Zuordnung folgt dem erkennbaren Satzzusammenhang der beschädigten Lesung.]


Textzusatz der Vorlage:

māyuvain |

Beschädigtes Fragment ohne sichere Übersetzung.


vāyumākṛṣya jihvāgre pibannaśramadāhābhāk |
brāhme muhorte saṃprāptevāyumākṛṣyajihvayā || 26 ||

3.26 Wer Luft über die Zungenspitze einzieht und sie gleichsam trinkt, soll von Erschöpfung und Brennen frei bleiben. Wer zur Brahma-Muhūrta Luft durch die Zunge einzieht …


pibata striṣumāneṣu vāksisdhirmahatībhavet |
ābhyasyataścaṣaṇmāsā nmahārogavināśanam || 27 ||

3.27 … und sie auf diese Weise trinkt, dem verheißt der Text nach drei Monaten große Vollendung der Rede; nach sechs Monaten Übung die Beseitigung schwerer Krankheit. [„triṣumāneṣu“ ist als Zeitangabe beschädigt.]


yatra yatra dhṛto vāmuraṅge rogādidūṣite |
dhāraṇādeva marutastattadārogyamaśrute || 28 ||

3.28 In welchem von Krankheit oder Ähnlichem befallenen Körperteil der Atem festgehalten wird, dort soll durch dieses Festhalten Gesundheit eintreten.


Textzusatz der Vorlage:

manasasthairya nirūpaṇam |

Überschrift: „Darlegung der Festigkeit des Geistes“.


manaso dhāraṇādeva śvasano dhārito bhavet |
manasthsāpanā heturucyate kamalāsana || 29 ||

3.29 Durch das Festhalten des Geistes wird auch der Atem festgehalten. Nun wird das Mittel zur Festigung des Geistes erklärt, o Lotosgeborener.


karaṇāni samāhṛtya viṣayebhyassamāhitaḥ |
apānamūrdhvamākṛṣya vasterupari dhārayet || 30 ||

3.30 Man ziehe gesammelt die Sinne von ihren Gegenständen zurück, führe Apāna nach oben und halte ihn oberhalb der Blase.


Textzusatz der Vorlage:

asānādurdhva |

Beschädigte Lesart zu „oberhalb/von … aufwärts“; nicht sicher zu ergänzen.


badhnankarābhyāṃ śrotrāti karaṇāni yathātatham |
yuññānasya yadhoktena vartmanā svavaśaṃ manaḥ || 31 ||

3.31 Man verschließe mit beiden Händen die Ohren und die weiteren Sinnesöffnungen in entsprechender Weise. Wer auf dem beschriebenen Weg übt, gewinnt Herrschaft über den Geist.


Textzusatz der Vorlage:

vāyujayaḥ |

Überschrift: „Beherrschung des Atems“.


manaspṛṣṭassavai vāyussvava śesthāpyate sadā |
nāsikāpuṭayoḥ prāṇaḥ paryāyeṇa pravartate || 32 ||

3.32 Der vom Geist berührte Atem lässt sich stets unter eigene Kontrolle bringen. Prāṇa bewegt sich abwechselnd durch die beiden Nasenlöcher.


tisraśca nāḍikāḥ prāṇastāvatyaśca caratyayam |
śaṃkhinīvivare yāmye prāṇaḥ prāṇabhṛtāṃ satām || 33 ||

3.33 Drei Nāḍikā-Zeiteinheiten lang bewegt sich dieser Prāṇa; der Text nennt für Lebewesen eine rechte Öffnung der Śaṅkhinī. [Der Satz ist gestört; die genannten Zeiten und der genaue Kanalverlauf lassen sich nicht sicher zuordnen.]


Textzusatz der Vorlage:

carantyapi. 10. śitvinīvivare bāhye |

Die Vorlage bewahrt „sie bewegen sich auch“, eine isolierte editorische Zahl „10.“ und ein beschädigtes Fragment mit „in der äußeren Öffnung“. Daraus ergibt sich keine sichere Korrektur von Vers 33.


tāvantaśca punaḥ kālaṃ saumye carati santatam |
itthaṃ krameṇa caratā vāyunā vāyujinnaraḥ || 34 ||

3.34 Ebenso lange bewegt er sich danach ununterbrochen auf der linken Seite. Durch den Atem, der auf diese Weise abwechselnd strömt, soll derjenige, der ihn beherrscht …


ahaśca rātriṃ pakṣaṃ ca māsaṛtvayanādikam |
antarmukho vijānīyātkālabhedanaṃ samāhitaḥ || 35 ||

3.35 … nach innen gewandt und gesammelt Tag und Nacht, Monatshälften, Monate, Jahreszeiten, Sonnenhalbjahre und weitere Zeiteinteilungen erkennen.


aṅguṣṭhādisvāvayavasphuraṇādarśanairapi |
ariṣṭairjīvitasyāpi jānīyātkṣayamātmanaḥ || 36 ||

3.36 Auch aus dem Ausbleiben von wahrnehmbaren Regungen an den Daumen und anderen eigenen Körperteilen soll er durch Vorzeichen das Schwinden seiner Lebenszeit erkennen.


Meditation: die wesentliche Ausrichtung

Begleitendes Video aus dem Themenbereich Meditation; keine Rezitation oder Einzelversauslegung der Padma Samhita.

Kapitel 4: Vergänglichkeit, Pratyāhāra und Dhāraṇā

Textzusatz der Vorlage:

pādmasaṃhitāyām |
caturtho'dhyāyaḥ |
ariṣṭhanirūpaṇam |
brahmāḥ |

„In der Padmasaṃhitā: viertes Kapitel. Darlegung der Vorzeichen. Brahmā spricht.“


bhagavan kānyariṣṭāni kathaṃ tairjīvitakṣayaḥ |
sūcyate saṃśayasyāsya chedane kāraṇaṃ bhavān || 1 ||

4.1 Brahmā sprach: Herr, welche Vorzeichen sind dies, und wie zeigen sie das Ende der Lebenszeit an? Du vermagst diesen Zweifel aufzulösen.


Textzusatz der Vorlage:

kathyānai jīvitakṣaye |
ariṣṭaprakārāḥ |
śrībhagavān |

Beschädigte Variante zur Frage nach dem Lebensende; danach „Arten der Vorzeichen“ und „Der erhabene Herr spricht“.


pādāṅguṣṭhe karāṅguṣṭhe sphuraṇaṃ yasya naśyati |
tasyasaṃvatsarādūrdhvaṃ jīvitasya kṣayo bhavet || 2 ||

4.2 Der erhabene Herr sprach: Bei wem die Regung am großen Zeh und am Daumen verschwindet, dessen Leben soll nach einem Jahr zu Ende gehen.


maṇibandhe tathā gulphe sphuraṇaṃ yasya naśyati |
ṣaṇmāsāvadhiretasya jīvitasya sthitirbhavet || 3 ||

4.3 Bei wem die Regung an Handgelenken und Knöcheln verschwindet, für dessen verbleibendes Leben wird eine Frist von sechs Monaten genannt.


Textzusatz der Vorlage:

ṣaṇmāsābhyantare tasya jīvatasya bhavet |

Alternative Zeitangabe: „innerhalb von sechs Monaten soll sein Leben …“; der Satz bleibt unvollständig.


kūrparesphuraṇaṃ yasya tasya traimāsikī sthitiḥ |
kakṣe mehanapāśve ca sphuraṇādyupalambhane || 4 ||

4.4 Bei der Regung am Ellenbogen wird eine Frist von drei Monaten genannt; anschließend nennt der Text die Wahrnehmung von Regungen in Achsel und Genitalgegend. [Die erwartete Verneinung ist nicht erhalten; die Aussage lässt sich nicht sicher vervollständigen.]


mānāvadhirjīvitasya tadardhaṃ svedadarśane |
aśrute jāṭhare ghoṣe dināni daśa jīvitam || 5 ||

4.5 [Im Anschluss nennt der Text] einen Monat Lebenszeit, beim Auftreten von Schweiß die Hälfte davon und, wenn das Geräusch im Bauch nicht gehört wird, zehn Tage.


jyotiḥ khadyotavadyasya tadardhaṃ tasya jīvitam |
jihvāyā darśane trīṇi dināni sthitirātmanaḥ || 6 ||

4.6 Bei einem Licht wie von einem Glühwürmchen wird die Hälfte davon genannt; im Zusammenhang mit dem Sehen der Zunge drei Tage. [Die Lesung zum Sehen beziehungsweise Nichtsehen der Zunge ist unsicher.]


Textzusatz der Vorlage:

ariṣṭajñānānantarakartavyāni |

Überschrift: „Was nach dem Erkennen der Vorzeichen zu tun ist“.


nāsāgrā darśane mṛtyuḥ dvidine naiva saṃśayaḥ |
evamādīnyariṣṭāni dṛṣṭvāyuḥ kṣayakāraṇam || 7 ||

4.7 Beim Nichtsehen der Nasenspitze soll der Tod innerhalb von zwei Tagen eintreten. Wenn man solche Vorzeichen wahrnimmt, die das Ende der Lebenszeit anzeigen sollen …


Textzusatz der Vorlage:

jvālāgrā |
pratyāhāraprakāradvayam |

Lesartenfragment „Flammenspitze“; anschließend die Überschrift „Die beiden Arten des Pratyāhāra“.


niśreyasāya yuñjīta japadhyānaparāyaṇaḥ |
manasā tmanyanuṣṭhānaṃ yadidaṃ nityakarmaṇām || 8 ||

4.8 … möge man sich um das höchste Heil bemühen und sich Japa und Meditation widmen. Das geistige Vollziehen der täglichen Pflichten im eigenen Inneren …


pratyāhārassavijñeyo yogāṅgatvena sevitaḥ |
yadvāṣṭādaśabhedeṣu marmasthāneṣu dhāraṇam || 9 ||

4.9 … soll man als Pratyāhāra erkennen und als Yogaglied üben. Oder man hält die Aufmerksamkeit an den achtzehn verschiedenen empfindlichen Körperstellen …


Textzusatz der Vorlage:

aṣṭādaśamarmasthānāni. |

Überschrift: „Die achtzehn Marma-Stellen“.


sthānāt sthānaṃ samākṛṣya sā pratyāhṛti riṣyate |
pādāṅguṣṭhaṃ tathāgulphaṃ jaṅghāmadhyaṃ tathaiva ca || 10 ||

4.10 … und zieht sie von einer Stelle zur nächsten zurück; auch dies gilt als Pratyāhāra. Genannt werden der große Zeh, der Knöchel und die Mitte des Unterschenkels …


madhyamūrvośca mūlaṃ ca pāyuḥ hṛdayamevaca |
mehanaṃ dehamadhyaṃ ca nābhiṃ ca galakūbaram || 11 ||

4.11 … die Mitte und der Ansatz des Oberschenkels, After, Herz, Geschlechtsorgan, Körpermitte, Nabel und Kehlgrube …


tālumūlaṃ ca mūlaṃ ca ghrāṇasyākṣṇośca maṇ‍ḍalam |
bhruvormadhyaṃ lalāṭaṃ ca mūrdhācāpi tataḥ param || 12 ||

4.12 … Gaumenwurzel, Nasenwurzel, die Region der Augen, die Mitte zwischen den Augenbrauen, Stirn und Scheitel.


Textzusatz der Vorlage:

dhāraṇālakṣaṇam |

Überschrift: „Merkmale der Dhāraṇā“. In der folgenden Sanskritzeile ist eine Variante zur Aufzählung eingemischt: „die Mitte zwischen den Brauen, der Ansatz der Stirn und oberhalb der Knie“; „iti śvacit“ dürfte den Hinweis „so mancherorts“ enthalten. Es folgt beschädigt: „die Wurzel … dies sind die Marma-Stellen, o Lotosgeborener“. Der Beginn der eigentlichen Dhāraṇā-Definition steht erst in der nächsten Zeile.


bhruvormadhyaṃ lalāṭasya mūlamūrdhvaṃ ca jānunoḥ |iti śvacit|mūlaṃ ca karmayormūlaṃ marmūṇyetāni padmaja |
pañcabhūtamaye dehe bhūteṣveteṣu pañcasu || 13 ||

4.13 Im Körper, der aus den fünf Elementen besteht, auf diese fünf Elemente … [Vor diesem Satz bewahrt die Vorlage eine eingemischte Alternativfassung der Körperstellen; siehe die Textanmerkung.]


manaso dhāraṇaṃ yattadyuktasya ca yanūdibhiḥ |
dhāraṇā sā ca saṃsārasāgarotāra kāraṇam || 14 ||

4.14 … den Geist zu richten, während man durch Yama und die anderen Glieder gesammelt ist, heißt Dhāraṇā. Sie ist ein Mittel, den Ozean des Saṃsāra zu überqueren. [„yanūdibhiḥ“ ist beschädigt und wird vorsichtig auf „yamādibhiḥ“ bezogen.]


Textzusatz der Vorlage:

śarīrevañcabhūtasthānavibhāgaḥ |

Überschrift: „Einteilung der Orte der fünf Elemente im Körper“.


ājānupādaparyantaṃ pṛthivīsthānamiṣyate |
pittalā caturaśrā ca vasudhā vajralāñcitā || 15 ||

4.15 Von den Füßen bis zu den Knien wird der Ort der Erde angenommen. Die Erde soll als gelblich, viereckig und mit dem Zeichen des Vajra versehen …


smartavyā pañcaghaṭikā statrāropya prabhañjanam |
tasyoparyūrumūlāntaṃ vāristhānaṃ caturmukha || 16 ||

4.16 … fünf Ghaṭikā-Zeiteinheiten lang vergegenwärtigt werden, wobei der Atem dorthin geführt wird. Oberhalb davon, bis zum Ansatz der Oberschenkel, befindet sich der Ort des Wassers, o Viergesichtiger.


ardhacandrasamākāraṃ śvetamambujalāñcitam |
smartavyamaṅge śvasanamāropya daśa nāḍikāḥ || 17 ||

4.17 Er ist halbmondförmig, weiß und mit einem Lotoszeichen versehen. Man soll ihn zehn Nāḍikā-Zeiteinheiten lang vergegenwärtigen und dabei den Atem in diesen Körperbereich führen.


ānābhidehamadhyānta magnisthānamudāhṛtam |
tatra sindhūravarṇo'gni styraśrāṅko daśa pañca ca || 18 ||

4.18 Der Bereich zwischen Körpermitte und Nabel heißt Ort des Feuers. Dort ist das Feuer zinnoberrot und durch ein Dreieck gekennzeichnet; fünfzehn …


Textzusatz der Vorlage:

rjyalansandaśa |

Beschädigtes Variantenfragment; keine sichere Übersetzung.


smartavyo nāḍikāḥ prāṇaṃ kṛtvākumbhai kadhāritam |
nā bherupari nāsāntaṃ vāyusthānaṃ tu tatravai || 19 ||

4.19 … Nāḍikā-Zeiteinheiten lang soll es vergegenwärtigt werden, wobei der Atem durch Anhalten gesammelt wird. Oberhalb des Nabels bis zur Nase liegt der Ort des Windes.


vedikākāravaddhūmro balavānbhūtamārutaḥ |
smartavyaḥ kumbhake naiva prāṇamāropya mārutaḥ || 20 ||

4.20 Dort soll der kraftvolle Elementarwind rauchfarben und in Gestalt eines Opferaltars vergegenwärtigt werden; dabei wird der Atem mittels Kumbhaka dorthin geführt …


ghaṭikā viṃśatistasmādghrāṇādbrahmabilāvadhi |
vyomasthānaṃ nabhantatra bhinnāññanasamaprabham || 21 ||

4.21 … zwanzig Ghaṭikā-Zeiteinheiten lang. Von der Nase bis zur Brahmanöffnung liegt der Bereich des Raumes. Dort gleicht der Raum in seiner Farbe aufgebrochenem schwarzem Augenschminkstein.


dhyāyonmārutamāropya kuṃbhakenaina yatnavān |
viśvambharāṃśe dehasya caturbāhumalaṅkṛtam || 22 ||

4.22 Diesen soll man aufmerksam meditieren und den Atem durch Anhalten dorthin führen. Im Erdanteil des Körpers soll der Yogi den geschmückten vierarmigen …


Textzusatz der Vorlage:

deveśam |

Lesart: „den Herrn der Götter“.


aniruddhaṃ hariṃ yogī yajeta bhavamuktaye |
abaṃśe pūrayedyogī nārāyaṇamudagradhīḥ || 23 ||

4.23 … Hari als Aniruddha verehren, um vom Werden frei zu werden. Im Wasseranteil soll der Yogi mit erhobenem Geist Nārāyaṇa verehren. [Die Vorlage hat „pūrayet“; „verehren“ folgt dem Kontext, nicht einer stillen Sanskritkorrektur.]


pradyumnamagnau vāyvaṃśe saṅkarṣaṇamataḥ param |
vyomāṃ śe paramātmānaṃ vāsudevaṃ samarcayet || 24 ||

4.24 Im Feuer verehre er Pradyumna, im Wind Saṅkarṣaṇa und darüber, im Raumanteil, das höchste Selbst Vāsudeva.


Kapitel 5: Meditation und Samādhi

Textlücke der Vorlage: Die Versnummern 3, 4, 5, 6, 7, 14, 15, 24, 25, 26, 27, 28, 29 fehlen. Fragmente im Umfeld bleiben erhalten.


Textzusatz der Vorlage:

pādmasaṃhitāyām |
pañcamo'dhyāyaḥ |
dhyānalakṣaṇam |
śrībhagavān |

„In der Padmasaṃhitā: fünftes Kapitel. Merkmale der Meditation. Der erhabene Herr spricht.“


badhvāyogāsanaṃ pūrvaṃ hṛddheśe racitāñjaliḥ |
nāsāgravyastanayano jihvāṃ kṛtvāca ca tāluni || 1 ||

5.1 Der erhabene Herr sprach: Zunächst nehme man einen Yogasitz ein, lege die Hände vor dem Herzen zum Añjali zusammen, richte die Augen auf die Nasenspitze und lege die Zunge an den Gaumen.


dantairdattānasaṃspṛśya ūrdhvakāyassamāhitaḥ |
saṃharedindriyagrāmaṃ tato buddhyā viśuddhayā || 2 ||

5.2 Ohne die Zähne aufeinanderzupressen, sitze man aufrecht und gesammelt. Dann ziehe man mit geläuterter Einsicht die Gesamtheit der Sinne zurück.


Textzusatz der Vorlage:

ṛjukāyassamahitaḥ tatrodayaṃ turīyaṃ syāttu ryānte viṣṇurucyate |
dhyeyaśubhāśraya svarūpam |

Das vorausgehende Fragment lautet sinngemäß: „mit aufrechtem Körper gesammelt; dort möge Turīya aufgehen; am Ende des Turīya wird Viṣṇu genannt“. Der Zusammenhang fehlt. Anschließend steht die Überschrift „Das Wesen der heilsamen Stütze der Meditation“.


dhyāye ccaivaṃ samāyuktaḥ vyomni cātyantanirmale || 8 ||

5.8 So gesammelt soll man im vollkommen reinen Raum meditieren. [Von diesem Vers ist nur ein Halbvers eindeutig erhalten; die vorausgehenden Turīya-Fragmente sind gesondert erläutert.]


Textzusatz der Vorlage:

sadodayaṃtu turyaṃ syāttuyān |

Beschädigte Variante mit „immer aufgehend“ und „Turīya“; kein sicherer vollständiger Satz.


sūryakoṭidyutidharaṃ nityoditamadhokṣajam |
hṛdayāmbhuruhāsinaṃ dhyāyedvā viśvarūpiṇam || 9 ||

5.9 Man meditiere über den den Sinnen entzogenen Herrn, der immerdar gegenwärtig ist und wie Millionen Sonnen leuchtet; oder über den Allgestaltigen, der im Lotos des Herzens sitzt.


anekākārakhacitaṃ anekavadanānvitam |
anekabhujasaṃyukta manekāyudhamaṇḍitam || 10 ||

5.10 Er ist mit mannigfachen Gestalten erfüllt, besitzt viele Gesichter und viele Arme und ist mit zahlreichen göttlichen Waffen geschmückt.


nānārūpadharaṃ devaṃ śāntamugramudāyudham |
aneka nayānākīrṇaṃ sūryakoṭisamabrabham || 11 ||

5.11 Man meditiere über den Gott in vielerlei Gestalten: friedvoll und furchtgebietend, mit erhobenen Waffen, mit zahllosen Augen, strahlend wie Millionen Sonnen.


dhyāyato yoginassarvaṃ yato'jñānaṃ vinaśyati |
hṛtpuṇ‍ḍarīka madhyasthaṃ caitanyaṃ jyotiravyayam || 12 ||

5.12 Durch solche Meditation vergeht die gesamte Unwissenheit des Yogis. In der Mitte des Herzenslotos ist Bewusstsein, ein unvergängliches Licht …


Textzusatz der Vorlage:

manojñanaṃ viśudhyati |

Alternative Lesung mit „wird gereinigt“; der Bezug auf Geist oder Erkenntnis bleibt unsicher.


kadamba mukulākāraṃ turyāntānmaṇḍalātparam |
anantamānandamayaṃ cinmayaṃ bhāsvaraṃ vibhum || 13 ||

5.13 … einer Kadamba-Knospe vergleichbar, jenseits des am Ende des Turīya genannten Bereiches, unendlich, voller Glückseligkeit, aus Bewusstsein bestehend, strahlend und alldurchdringend. [Der genaue Bezug von „turyāntānmaṇḍalātparam“ ist unsicher.]


golakākāraṃ sakalaṃ kā kathā pare || 16 ||

5.16 „Kugelförmig, mit Teilen beziehungsweise Gestalt versehen – was erst vom Höchsten zu sagen ist!“ [Beschädigtes Fragment ohne sicheren Satzzusammenhang.]


Textzusatz der Vorlage:

nukhenai vonajāyatesulabhaṃ kā kathā pare |
samādhiḥ |

Beschädigtes Fragment mit „leicht erreichbar – was erst vom Höchsten [zu sagen ist]“. Es folgt die Überschrift „Samādhi“.


jīvātmanaḥ parasyāpi yadaikya mubhayorapi |
samādissatu vijñeya ssādhvarthānāṃ prasādhakaḥ || 17 ||

5.17 Die Einheit des individuellen Selbst und des höchsten Selbst, dieser beiden, soll man als Samādhi erkennen, der die edlen Ziele zur Vollendung bringt. [Die Variante lässt „alle Ziele“ lesen.]


Textzusatz der Vorlage:

ssarvārdhānāṃ |
dhyānaprakāraḥ |

Alternative Lesung „aller Ziele“; danach die Überschrift „Art der Meditation“.


ahameva paraṃbrahma taditi dhyānamāsthitaḥ |
sthāṇubhūto dṛḍhaśśaśvadviṣayā nnāvabudhyate || 18 ||

5.18 Wer in der Meditation „Ich selbst bin jenes höchste Brahman“ verweilt, bleibt unbewegt und fest wie ein Pfosten und nimmt die Sinnesgegenstände nicht mehr wahr.


yathā bāhyajalaṃ vārāṃ praviṣṭaṃ niścalaṃ nidhim |
calasvabhāvaṃ tyajati tathājīvaḥ pralīyate || 19 ||

5.19 Wie Wasser, das von außen in das ruhige Meer eintritt, seine eigene Bewegtheit aufgibt, so löst sich der Jīva auf …


Textzusatz der Vorlage:

paratatvābhilāṣopāyaḥ |

Überschrift: „Mittel zum Verlangen nach der höchsten Wirklichkeit“.


paramātmani vaikuṇṭhe samādhisthasya yoginaḥ |
acirātparame tatve hyabhilāṣaḥ pravartate || 20 ||

5.20 … im höchsten Selbst, in Vaikuṇṭha, wenn der Yogi in Samādhi ruht. Bald erwacht das Verlangen nach der höchsten Wirklichkeit.


tamupāyaṃ pravakṣyāmi śrūyatāṃ kamalāsana |
dvādaśākṣaramabhyasya paramātmadhiyā harim || 21 ||

5.21 Das Mittel dazu will ich dir nennen; höre, o Lotosgeborener. Man übe den zwölfsilbigen Mantra und richte den Geist auf Hari als das höchste Selbst …


asūryabhūmau likhīte cakrapadme sulakṣaṇe |
tasyopari suvistīrṇe samāsīnaḥ kuśāsane || 22 ||

5.22 … an einem Ort ohne Sonnenlicht, wo ein wohlausgeführtes Rad-Lotosbild auf den Boden gezeichnet wurde. Darüber sitze man auf einem ausgebreiteten Sitz aus Kuśa-Gras.


Textzusatz der Vorlage:

asūcyaalocya |

Beschädigte Varianten „asūcya/alocya“; keine sichere Korrektur zur Ortsangabe in Vers 22.


badhvā padmāsanaṃ yogī site pakṣe tathottare |
ayane śvasanaṃ pūrvaṃ dhārayitvā yathāpuram || 23 ||

5.23 Der Yogi nehme Padmāsana ein, während der hellen Monatshälfte und des nördlichen Sonnenhalbjahres, und halte zunächst den Atem wie zuvor beschrieben an.


yogāsanaṃ. bhavaharaṃ puṇyaṃ yogaṃ sarvārthasiddhidam || 30 ||

5.30 „Yogasitz … den heiligen Yoga, der das Werden aufhebt und alle Ziele zur Vollendung bringt.“ [Nach einer weiteren Lücke ist nur dieses Schlussfragment erhalten.]


Sanskrit in Devanagari

Die folgende Umschrift bewahrt dieselben Lesungen, Fragmente und Textzusätze wie die IAST-Grundlage. Die im Übersetzungsteil erläuterten Lücken bleiben bestehen.


Kapitel 1

श्री पाद्मसंहितायां |
श्री पाञ्चरात्रे महोपनिषदि पाद्मसंहितायां |
योगपादः |
प्रथमोऽध्याये |
निश्रेयससाधनयोग निरूपणम् |
ब्रह्माः |
भगवन् योगयुक्तस्य निश्रेयसमुदीरितम् |
पुरुषस्य दयासिन्धो ज्ञानिनः पुरुषोत्तम || १ ||

स योगः कथ्यतां भूय श्श्रोतव्यं यदि मद्विधैः |
यदि नानुग्रहोस्मासु भजमानेषु विद्यते || २ ||

योगद्वैविध्यम् |
श्रीभगवान् |
अव्याकुलस्य चित्तस्य बन्धनं विषये क्वचित् |
यत्सयोगश्चतुर्वक्त्रस च द्वैविध्यमश्नुते || ३ ||

सन्धानम् |
विभक्तयोः प्रत्येकं लक्षणम् |
कर्म कर्तव्यमि त्येवं विहितेष्वेव कर्मसु |
बन्धनं मनसो नित्यं कर्मयोगस्स उच्यते || ४ ||

यत्तु चित्तस्य सततमर्थे श्रेयसि बन्धनम् |
ज्ञानयोगस्स विज्ञेय स्सर्वसिद्धिकरश्शुभः || ५ ||

समुच्छितयोस्तयो र्मोक्षसाधनत्वम् |
यस्योक्तलक्षणे योगे द्विविधेऽवस्थितं मनः |
स याति परमं श्रेयो मोक्षलक्षणमञ्जसा || ६ ||

विविधे च स्थितात्मनः मद्विधे च स्थितं मनः इति चपाठौ |
योगाङ्गनिरूपणम् |
यमादिरङ्गं पूर्वस्य वैराग्यादि परस्यतु |
अष्टौ यमादयो योगाः यमोऽहिंसादिलक्षणः || ७ ||

अहिंसा सत्यमस्तेयं ब्रह्मचर्यं दयार्जवम् |
क्षमाधृतिर्मिताहारो शौचं चेति यमा दश || ८ ||

तपः प्रभृतिरूपस्तु नियमः कथ्यते पुनः |
तपश्च तुष्टिरास्तिक्यं दानमाराधनं हरेः || ९ ||

ततः प्रभृतिरूर्ध्वंतु |
सिद्धान्तश्रवणं ह्रीश्च जप इत्यादिलक्षणः |
आसनादीनि सर्वाणि स्वस्तिकादीनि संप्रति || १० ||

वर्ण्यन्ते स्वस्तिकं पादतलयोरुभयोरपि |
पूर्वोत्तरे जानुनी द्वे कृत्वाऽसनमुदीरितम् || ११ ||

सीवन्या दक्षीणे पार्श्वे सव्यं सव्ये तु दक्षिणम् |
गुल्फं कृत्याऽसनं तच्च स्वस्तिकं कथ्यते बुधैः || १२ ||

आरोप्य चोर्वोश्चरणौ तदङ्गुष्ठद्वयं पुनः |
व्युत्क्रमेणैव हस्ताभ्यां गृह्णीयात्तत्त दासनम् || १३ ||

बद्धपद्मासनं ज्ञेयमासनेषु सुपूजितम् |
एकं चरणमन्यस्मिन्नूरावारोप्य निश्चलः || १४ ||

आस्ते यदिदमेनोघ्नं वीरासनमुदाहृतम् |
सिविनीं गुल्फदेशाभ्यां निपीड्य व्युत्क्रमेण तु || १५ ||

प्रसार्य जानुनोर्हस्तावासनं सिंहपूर्वकम् |
गुल्फौ च वृषणस्याधस्सीवन्युभयपार्श्वयोः || १६ ||

निवेश्य पादौ हस्ताभ्यां दृढं बध्वा यदा सनम् |
भद्रासनं तद्विज्ञेयं सर्वपापप्रणाशनम् || १७ ||

गुल्फं सव्येतरं सव्ये वृष्ठसार्श्वे विधाय च |
गुल्फं तथेतरं वृष्ठपार्श्वऽन्यस्मिन्निधाय च || १८ ||

नव्येतरे वृष्टपार्श्वे सव्यशुल्फंतधैवच |
आसनं गोमुखं यद्वद्घोमुखासनमिष्यते |
सीवनीपार्श्वमुभयं गुल्फाभ्यां व्युत्क्रमेणतु || १९ ||

निपीड्यासन मेतच्च मुक्तासन मुदाहृतम् |
मेढ्रस्यो परि निक्षिप्य सव्यं गुल्फं तथेतरम् || २० ||

निवेश्योपरि गुल्फस्य यद्वा मुक्तासनं भवेत् |
अवष्टभ्य धरां सम्यक्तलाभ्यां हस्तयोर्द्वयोः || २१ ||

कूर्परौ नाभिपार्श्वे च स्थापयित्वा मयूरवत् |
समुन्नम्य शिरः पादौ मयूरासनमिष्यते || २२ ||

Kapitel 2

पाद्मसंहितायाम् |
द्वितीयोऽध्यायः |
नाडीशुद्धिः |
श्रीभगवान् |
यमैश्च नियमैश्चैव योगाङ्गैरासनै रपि |
सुसंयतो नाडीशुद्धौ प्राणायामो विधीयते || १ ||

देहमानं स्वाङ्गुलीभिष्षण्णवत्यङ्गुलायतम् |
प्राणश्शरीरादधिको द्वादशाङ्गुलमानतः || २ ||

देहस्थमनिलं देहसमुद्भू तेन वह्निना |
न्यूनं समं वा योगेन कुर्वन्प्रह्मविदिष्यते || ३ ||

देहमध्ये शिखिस्थानं तप्तजाम्बूनदप्रभम् |
त्रिकोणं द्विपदामन्यच्चतुरश्रं चतुष्पदाम् || ४ ||

वृत्तं विहङ्गमानां तु षडश्रं जलजन्मनाम् |
अष्टाश्रं स्वेदजानां तु तस्मिन् दीपवदुज्ज्वलः || ५ ||

वै श्वानरोऽग्निः पचति प्राणापानसमा युतः |
चतुष्प्रकारमशनं देहमध्येऽभधीयते || ६ ||

श्रयः |
अपानाद्वङ्गुलादूर्ध्वमधो मेढ्रस्य वामतः |
देहमध्यं मनुष्याणां मेढ्रमध्यं चतुष्पदाम् || ७ ||

हृन्मध्यं तु |
इतरेषां तुन्दमध्यं सर्वेषामेव पद्म ज |
कन्दस्धानं मनुष्याणां देहमध्ये नवाङ्गुलम् || ८ ||

चतुरङ्गलमुत्सेधं चतुरङ्गुल मायतम् |
अण्डाकृति स्तिरश्चां च द्विपदां च चतुष्पदाम् || ९ ||

तुन्धमध्यं तदिष्टं वै तन्मध्यं नाभिरिष्यते |
तत्र चक्रं द्वादशारं आहूर्मासा नराणि तु || १० ||

विष्ण्वादि मूर्तयसैषु द्वादश द्वादशस्वपि |
आहं तत्र स्थितं चक्रं भ्रामयामि स्वमायया || ११ ||

अरेषु भ्रमते जीवः क्रमेण कमलासन |
तन्तुपञ्ञरमध्यप्था यथा भ्रमति लूतिका || १२ ||

प्राणारूढश्चरति च जीवस्तेन विना न हि |
तस्योर्ध्वे कुण्डलीस्थानं नाभेस्तिर्यगथोर्ध्वतः || १३ ||

तन्मध्ये |
अष्टप्रकृतिरूपा सा चाष्टधा कुण्डलीकृता |
यथावद्वायुचारं च ज्वलनादि च नित्यशः || १४ ||

परितः कन्दपाश्वेतु निरुध्यैव सदा स्थिता |
मुखेनै व समावेष्ट्य ब्रह्मरन्ध्रमुखं तदा || १५ ||

योगकाले च मरुता नाग्निना चोदिता सती |
स्फुरिता हृदयाकाशे नागरूपा महोज्वला || १६ ||

वायुर्वा युमुखेनैव ततो याति सुषुम्नया |
कन्दमध्ये स्थिता नाडी सुषुम्ना सुप्रतिष्ठिता || १७ ||

पद्मसूत्रप्रतीकाशा ऋजुरूध्व प्रवर्तिनी |
ब्रह्मणो विवरं यावद्विद्युदाभा सनालिका || १८ ||

वैष्णवी ब्रह्मनाडी च निर्वाणप्राप्ति पद्थतिः |
इडा च पिङ्गलाचैव तस्यास्सव्येतरेस्थिते || १९ ||

इडा समुत्थिता कन्दाद्वामनासापुटावधि |
पिङ्गला चोत्थिता तस्मादन्यनासा पुटावधि || २० ||

गान्धारी हस्तिजिह्वा च द्वे चान्ये नाडिके स्थिते |
पुरतः वृष्ठत स्तस्या वामेतरदृशौ प्रति || २१ ||

पूशा यशस्विनी नाड्यौ तस्मादेव समुत्थिते |
सर्वेतरश्रुत्यवधि पायुमूलात्त्वलम्बुसा || २२ ||

अधोमुखा कुहूनाडी मेढ्रान्तावधिरायता |
पादाङ्गुष्ठावधिः कन्था द्यथा याता च केशिनी || २३ ||

अधो गता शुभा नाडी. रसनाग्नि समिकृता || ३२ ||

रसानि च समिकृतम् |
तुन्दमध्यगतः प्राणान्तानि कुर्यात्पृथक्पृथक् |
इत्यादिचेष्टया प्राणः करोति वपुषि स्थितिम् || ३३ ||

अपानवायुर्मूत्रादेः करोति च वसर्जनम् |
प्राणापानादि चेष्टदि क्रियते व्यासवायुना || ३४ ||

उज्जीर्यते शरीरस्थमुदानेन नभस्वता |
पोषणादिशरीरस्य समानः कुरुते सदा || ३५ ||

उन्नीयते शरीरस |
उद्गारादिक्रिया नागः कूर्माक्ष्यादिनिमीलनम् |
कृकरस्तु क्षुतः कर्ता दत्तो निद्रादिकर्मकृत् || ३६ ||

मृतगात्रस्य शोभदि धनंजय उदाहृतः |
नाडीभेदं मरुद्भेदं मरुतां स्थानमेव च || ३७ ||

चेष्टाश्च विविधा स्तेषां ज्ञात्वैवं कमलासन |
शुद्धौ यतेत नाडीनां वक्ष्यमाणेन वर्त्मना || ३८ ||

Kapitel 3

पाद्मसंहितायाम् |
तृतीयोऽध्यायः |
प्राणायामविधिः |
श्रीभगवान् |
त्रैवर्णिक स्स्ववर्णोक्तै राश्रमानुगुणै स्तथा |
आचारै राचरन्युक्तै र्वासुदेवार्चने रतः || १ ||

विविक्तं देशमासाद्य सर्वसंबाधवर्जितम् |
योगाङ्गद्रव्यसम्पूर्णं तत्र दारुमये शुभे || २ ||

आसने कल्पिते दर्भवासः कृष्णाजिनादिभिः |
तालमात्रसमुत्सेधे तालद्वयसमायुते || ३ ||

उपविश्यासने वश्ये स्वस्तिकादि यथारुचि |
बध्वा प्रागाननस्सम्यक् ऋजुकायस्समाहितः || ४ ||

नासाग्रव्यस्तनयनो दन्तैर्दन्तानसंस्पृशन् |
रसनां तालुनि व्यस्य श्लथबाहुद्वयान्वितः || ५ ||

आकुञ्चतशिराः रिञ्चित् निबध्नन् योगमुद्रया |
हस्तौ यधोक्त विधिना प्राणायामं समाचरेत् || ६ ||

प्राणायाम लक्षणम् |
रेचनं पूरणं वायोः रोधनं रेचनं तथा |
चतुर्भिः क्लेशनं वायोः प्राणायाम उदीरितः || ७ ||

प्लावनं रेचनं वायोः |
हस्तेन दक्षिणेनै व पीडयन्नासिकापुटम् |
इडयापूर येदन्तर्वा युमात्मनि कुम्भयेत् |
शनैश्शनै रथ बहिः क्षिपेत्पिङ्गलयानिलम् || ८ ||

द्वात्रिंशन्मात्रयटा कुक्षौ पूरयेदिडयानिलम् |
भूयष्षोडशमात्राभिश्चतुष्षष्ठ्यातु मात्रया || ९ ||

सम्पूर्णकुम्भवद्धेहं पूरयेन्मातरिश्वना |
पूरणान्नाडयस्सर्वाः पूर्यन्ते मातरिश्वना || १० ||

कुम्भयोन्मातरिश्वना |
प्राणायामफलम् |
एवं कृतेसति ब्रह्मन् चरन्तिदश वायवः |
हृदयाम्भोरुहं चापि व्याकोचं भवति स्फुटम् || ११ ||

पूरणेन तथा कुम्भी करणा दुन्मुखं स्थितम् |
गलकूपविरूढं तु तदधोमुखमम्भुजम् || १२ ||

दुज्ज्वलम् |
नालं तालनिभं तस्य दलाष्टकसमन्वितम् |
कदली पुष्पसङ्काशं चन्द्रकान्तसमप्रभम् || १३ ||

तालबतम् |
सन्ध्ययोर्मध्यरात्रे च प्राणायामांस्तु षोडश |
एकाहमात्रं कुर्वाणस्सर्वपापैः प्रमुच्यते || १४ ||

किमन्यैर्भहुभिः प्रोक्तैः प्राणायामपरायणाः |
निर्धूतसर्वपाप्मानो वत्सरत्रयपूरणे || १५ ||

पश्यन्ति मामपि ब्रह्मन् हृदयाम्भोरुहेस्थितम् |
संवत्सरत्रयादूध्वं प्राणायामपरो नरः || १६ ||

योगसिद्धो भवेद्योगी वायुजिद्विजितेन्द्रियः |
अल्पाशी स्वल्पनिद्रश्च तेजस्वी बलवान्भवेत् || १७ ||

अपमुत्युमतिक्रम्य दीर्घमायुरवाप्नु यात् |
प्रस्वेदजननं यस्य प्राणायामेषु सोऽधमः || १८ ||

कम्पनं वपुषो यस्य प्राणायामेषु मध्यमः |
उत्थानं वपुषो यस्य स उत्तम उदाहृतः || १९ ||

अधमे व्याधिपापानां नाशस्स्यान्मध्यमे पुनः |
पापरोगमहाव्याधि नाशस्स्यादुत्तमे पुनः || २० ||

अल्पमूत्रो ल्पविष्ठश्च लघुदेहो मिताशनः |
वश्येन्द्रियः पटुमतिः कालत्रयविदात्मवान् || २१ ||

पट्विन्द्रियः |
रेचकं पूरकं मुक्त्वा कुम्भीकरणमेवयः |
करोति त्रिषुलोकेषु नैव तस्यास्तिदुर्लभम् || २२ ||

नाभकन्दे च नासाग्रे पादाङ्गुष्ठे च यत्नवान् |
धारयन्मनसा प्राणान् सन्ध्याकालेषु सर्वदा || २३ ||

सर्वरोगविनिर्मुक्तो भवेद्योगी गतक्लमः |
कुक्षिरोगविनाशस्स्यात् नाभिकन्देषु धारणात् || २४ ||

जीवेद्योगी |
नासाग्रे धाणाद्धीर्षु मायुष्यं देहलाघपम् |
पादाङ्गष्ठे भवेद्धृत्या वायोः कमलसंभव || २५ ||

मायुवैन् |
वायुमाकृष्य जिह्वाग्रे पिबन्नश्रमदाहाभाक् |
ब्राह्मे मुहोर्ते संप्राप्तेवायुमाकृष्यजिह्वया || २६ ||

पिबत स्त्रिषुमानेषु वाक्सिस्धिर्महतीभवेत् |
आभ्यस्यतश्चषण्मासा न्महारोगविनाशनम् || २७ ||

यत्र यत्र धृतो वामुरङ्गे रोगादिदूषिते |
धारणादेव मरुतस्तत्तदारोग्यमश्रुते || २८ ||

मनसो धारणादेव श्वसनो धारितो भवेत् |
मनसस्थैर्य निरूपणम् |
मनस्थ्सापना हेतुरुच्यते कमलासन || २९ ||

करणानि समाहृत्य विषयेभ्यस्समाहितः |
अपानमूर्ध्वमाकृष्य वस्तेरुपरि धारयेत् || ३० ||

असानादुर्ध्व |
बध्नन्कराभ्यां श्रोत्राति करणानि यथातथम् |
युञ्ञानस्य यधोक्तेन वर्त्मना स्ववशं मनः || ३१ ||

वायुजयः |
मनस्पृष्टस्सवै वायुस्स्वव शेस्थाप्यते सदा |
नासिकापुटयोः प्राणः पर्यायेण प्रवर्तते || ३२ ||

तिस्रश्च नाडिकाः प्राणस्तावत्यश्च चरत्ययम् |
शंखिनीविवरे याम्ये प्राणः प्राणभृतां सताम् || ३३ ||

चरन्त्यपि. १०. शित्विनीविवरे बाह्ये |
तावन्तश्च पुनः कालं सौम्ये चरति सन्ततम् |
इत्थं क्रमेण चरता वायुना वायुजिन्नरः || ३४ ||

अहश्च रात्रिं पक्षं च मासऋत्वयनादिकम् |
अन्तर्मुखो विजानीयात्कालभेदनं समाहितः || ३५ ||

अङ्गुष्ठादिस्वावयवस्फुरणादर्शनैरपि |
अरिष्टैर्जीवितस्यापि जानीयात्क्षयमात्मनः || ३६ ||

Kapitel 4

पाद्मसंहितायाम् |
चतुर्थोऽध्यायः |
अरिष्ठनिरूपणम् |
ब्रह्माः |
भगवन् कान्यरिष्टानि कथं तैर्जीवितक्षयः |
सूच्यते संशयस्यास्य छेदने कारणं भवान् || १ ||

कथ्यानै जीवितक्षये |
अरिष्टप्रकाराः |
श्रीभगवान् |
पादाङ्गुष्ठे कराङ्गुष्ठे स्फुरणं यस्य नश्यति |
तस्यसंवत्सरादूर्ध्वं जीवितस्य क्षयो भवेत् || २ ||

मणिबन्धे तथा गुल्फे स्फुरणं यस्य नश्यति |
षण्मासावधिरेतस्य जीवितस्य स्थितिर्भवेत् || ३ ||

षण्मासाभ्यन्तरे तस्य जीवतस्य भवेत् |
कूर्परेस्फुरणं यस्य तस्य त्रैमासिकी स्थितिः |
कक्षे मेहनपाश्वे च स्फुरणाद्युपलम्भने || ४ ||

मानावधिर्जीवितस्य तदर्धं स्वेददर्शने |
अश्रुते जाठरे घोषे दिनानि दश जीवितम् || ५ ||

ज्योतिः खद्योतवद्यस्य तदर्धं तस्य जीवितम् |
जिह्वाया दर्शने त्रीणि दिनानि स्थितिरात्मनः || ६ ||

नासाग्रा दर्शने मृत्युः द्विदिने नैव संशयः |
अरिष्टज्ञानानन्तरकर्तव्यानि |
एवमादीन्यरिष्टानि दृष्ट्वायुः क्षयकारणम् || ७ ||

ज्वालाग्रा |
निश्रेयसाय युञ्जीत जपध्यानपरायणः |
प्रत्याहारप्रकारद्वयम् |
मनसा त्मन्यनुष्ठानं यदिदं नित्यकर्मणाम् || ८ ||

प्रत्याहारस्सविज्ञेयो योगाङ्गत्वेन सेवितः |
यद्वाष्टादशभेदेषु मर्मस्थानेषु धारणम् || ९ ||

स्थानात् स्थानं समाकृष्य सा प्रत्याहृति रिष्यते |
अष्टादशमर्मस्थानानि. |
पादाङ्गुष्ठं तथागुल्फं जङ्घामध्यं तथैव च || १० ||

मध्यमूर्वोश्च मूलं च पायुः हृदयमेवच |
मेहनं देहमध्यं च नाभिं च गलकूबरम् || ११ ||

तालुमूलं च मूलं च घ्राणस्याक्ष्णोश्च मण्‍डलम् |
भ्रुवोर्मध्यं ललाटं च मूर्धाचापि ततः परम् || १२ ||

भ्रुवोर्मध्यं ललाटस्य मूलमूर्ध्वं च जानुनोः |इति श्वचित्|मूलं च कर्मयोर्मूलं मर्मूण्येतानि पद्मज |
धारणालक्षणम् |
पञ्चभूतमये देहे भूतेष्वेतेषु पञ्चसु || १३ ||

मनसो धारणं यत्तद्युक्तस्य च यनूदिभिः |
धारणा सा च संसारसागरोतार कारणम् || १४ ||

शरीरेवञ्चभूतस्थानविभागः |
आजानुपादपर्यन्तं पृथिवीस्थानमिष्यते |
पित्तला चतुरश्रा च वसुधा वज्रलाञ्चिता || १५ ||

स्मर्तव्या पञ्चघटिका स्तत्रारोप्य प्रभञ्जनम् |
तस्योपर्यूरुमूलान्तं वारिस्थानं चतुर्मुख || १६ ||

अर्धचन्द्रसमाकारं श्वेतमम्बुजलाञ्चितम् |
स्मर्तव्यमङ्गे श्वसनमारोप्य दश नाडिकाः || १७ ||

आनाभिदेहमध्यान्त मग्निस्थानमुदाहृतम् |
तत्र सिन्धूरवर्णोऽग्नि स्त्य्रश्राङ्को दश पञ्च च || १८ ||

र्ज्यलन्सन्दश |
स्मर्तव्यो नाडिकाः प्राणं कृत्वाकुम्भै कधारितम् |
ना भेरुपरि नासान्तं वायुस्थानं तु तत्रवै || १९ ||

वेदिकाकारवद्धूम्रो बलवान्भूतमारुतः |
स्मर्तव्यः कुम्भके नैव प्राणमारोप्य मारुतः || २० ||

घटिका विंशतिस्तस्माद्घ्राणाद्ब्रह्मबिलावधि |
व्योमस्थानं नभन्तत्र भिन्नाञ्ञनसमप्रभम् || २१ ||

ध्यायोन्मारुतमारोप्य कुंभकेनैन यत्नवान् |
विश्वम्भरांशे देहस्य चतुर्बाहुमलङ्कृतम् || २२ ||

देवेशम् |
अनिरुद्धं हरिं योगी यजेत भवमुक्तये |
अबंशे पूरयेद्योगी नारायणमुदग्रधीः || २३ ||

प्रद्युम्नमग्नौ वाय्वंशे सङ्कर्षणमतः परम् |
व्योमां शे परमात्मानं वासुदेवं समर्चयेत् || २४ ||

Kapitel 5

पाद्मसंहितायाम् |
पञ्चमोऽध्यायः |
ध्यानलक्षणम् |
श्रीभगवान् |
बध्वायोगासनं पूर्वं हृद्धेशे रचिताञ्जलिः |
नासाग्रव्यस्तनयनो जिह्वां कृत्वाच च तालुनि || १ ||

दन्तैर्दत्तानसंस्पृश्य ऊर्ध्वकायस्समाहितः |
संहरेदिन्द्रियग्रामं ततो बुद्ध्या विशुद्धया || २ ||

ऋजुकायस्समहितः तत्रोदयं तुरीयं स्यात्तु र्यान्ते विष्णुरुच्यते |
ध्येयशुभाश्रय स्वरूपम् |
ध्याये च्चैवं समायुक्तः व्योम्नि चात्यन्तनिर्मले || ८ ||

सदोदयंतु तुर्यं स्यात्तुयान् |
सूर्यकोटिद्युतिधरं नित्योदितमधोक्षजम् |
हृदयाम्भुरुहासिनं ध्यायेद्वा विश्वरूपिणम् || ९ ||

अनेकाकारखचितं अनेकवदनान्वितम् |
अनेकभुजसंयुक्त मनेकायुधमण्डितम् || १० ||

नानारूपधरं देवं शान्तमुग्रमुदायुधम् |
अनेक नयानाकीर्णं सूर्यकोटिसमब्रभम् || ११ ||

ध्यायतो योगिनस्सर्वं यतोऽज्ञानं विनश्यति |
हृत्पुण्‍डरीक मध्यस्थं चैतन्यं ज्योतिरव्ययम् || १२ ||

मनोज्ञनं विशुध्यति |
कदम्ब मुकुलाकारं तुर्यान्तान्मण्डलात्परम् |
अनन्तमानन्दमयं चिन्मयं भास्वरं विभुम् || १३ ||

गोलकाकारं सकलं का कथा परे || १६ ||

नुखेनै वोनजायतेसुलभं का कथा परे |
समाधिः |
जीवात्मनः परस्यापि यदैक्य मुभयोरपि |
समादिस्सतु विज्ञेय स्साध्वर्थानां प्रसाधकः || १७ ||

स्सर्वार्धानां |
ध्यानप्रकारः |
अहमेव परंब्रह्म तदिति ध्यानमास्थितः |
स्थाणुभूतो दृढश्शश्वद्विषया न्नावबुध्यते || १८ ||

यथा बाह्यजलं वारां प्रविष्टं निश्चलं निधिम् |
चलस्वभावं त्यजति तथाजीवः प्रलीयते || १९ ||

परमात्मनि वैकुण्ठे समाधिस्थस्य योगिनः |
परतत्वाभिलाषोपायः |
अचिरात्परमे तत्वे ह्यभिलाषः प्रवर्तते || २० ||

तमुपायं प्रवक्ष्यामि श्रूयतां कमलासन |
द्वादशाक्षरमभ्यस्य परमात्मधिया हरिम् || २१ ||

असूर्यभूमौ लिखीते चक्रपद्मे सुलक्षणे |
तस्योपरि सुविस्तीर्णे समासीनः कुशासने || २२ ||

असूच्यअलोच्य |
बध्वा पद्मासनं योगी सिते पक्षे तथोत्तरे |
अयने श्वसनं पूर्वं धारयित्वा यथापुरम् || २३ ||

योगासनं. भवहरं पुण्यं योगं सर्वार्थसिद्धिदम् || ३० ||

Karma Yoga und Jñāna Yoga gehören zusammen

Die ersten Verse sprechen unmittelbar in den Alltag hinein. Karma Yoga bedeutet hier, bei der Aufgabe zu bleiben, die getan werden soll. Nicht jede Handlung muss spektakulär sein. Aufmerksamkeit, Verlässlichkeit und die Bereitschaft zu dienen können gewöhnliche Tätigkeiten zu einer Schule der Sammlung machen.

Jñāna Yoga bezeichnet in 1.5 die beständige Ausrichtung des Geistes auf das höchste Heil. Der Vers entfaltet keine vollständige Erkenntnislehre, sondern nennt die Richtung des inneren Lebens. Zusammengenommen laden beide Yogas dazu ein, verantwortungsvoll zu handeln und dabei das Wesentliche nicht aus dem Blick zu verlieren.

Zehn Yamas und die innere Haltung

Die zehn Yamas in 1.8 reichen von Gewaltlosigkeit und Wahrhaftigkeit bis zu Mitgefühl, Geduld, Standhaftigkeit, maßvollem Essen und Reinheit. Der Text nennt damit ausdrücklich zehn Yamas. Man sollte diese Liste nicht nachträglich auf die fünf Yamas des Yoga Sutra reduzieren. Unter den Niyamas stehen auch die Verehrung Haris, das Hören der Lehre und Japa. Ethische Schulung, Lernen und Hingabe gehören zur Vorbereitung der Meditation.

Für heutige Aspiranten lässt sich daraus eine einfache Anregung gewinnen: Wähle eine dieser Haltungen und beobachte, wie sie deine nächste Begegnung verändert. Geduld zeigt sich im Zuhören; Wahrhaftigkeit in einem klaren, freundlichen Wort; Mitgefühl darin, die Lage des anderen mitzubedenken. Diese Anwendung ist eine heutige Praxisanregung, keine zusätzliche Vorschrift des Sanskrittextes.

Asana als Grundlage der Sammlung

Die beschriebenen Āsanas schaffen den körperlichen Rahmen des Yoga. Ihre Namen entsprechen nicht überall den heute verbreiteten Haltungsnamen und Ausführungsweisen. So nennt der Text mehrere Sitzformen und schließlich Mayūrāsana. Die beschädigten Ortsangaben sollten nicht zu präzisen körperlichen Anweisungen ergänzt werden. Im größeren Zusammenhang ist der Gedanke klar: Ein verlässlicher Umgang mit dem Körper unterstützt die Sammlung des Geistes.

Nāḍīs, Kuṇḍalī und der Weg nach innen

Das zweite Kapitel beschreibt einen subtilen Körper mit Nāḍīs, Prāṇa, Kanda und Kuṇḍalī. Auffällig ist die achtfache Windung der Kuṇḍalī in 2.14. Sie sollte nicht stillschweigend durch die aus anderen Darstellungen bekannte dreieinhalbfache Windung ersetzt werden. Ebenso entfaltet das Kapitel keine vollständige moderne Sieben-Chakra-Lehre.

Suṣumnā heißt ausdrücklich Vaiṣṇavī und Brahmanāḍī: der innere Weg wird mit Viṣṇu und der Befreiung verbunden. Der feine Kanal gleicht einem Lotosfaden und leuchtet wie ein Blitz. Diese Bildsprache verbindet die Beschreibung des subtilen Körpers mit dem geistigen Ziel. Das Körperinnere erscheint als Raum der Gottesbegegnung.


Prāṇāyāma und der Lotos des Herzens

Atem und Geist werden in 3.29 eng aufeinander bezogen: Wird der Geist gesammelt, so wird auch der Atem gehalten. Das Bild des sich öffnenden Herzlotos zeigt, worauf die Übung ausgerichtet ist. In ihm wird Vāsudeva erkannt. Der Text verbindet also Atemlenkung und Bhakti Yoga, statt sie als voneinander unabhängige Wege zu behandeln.

Bei den Zahlen in 3.9 ist Zurückhaltung erforderlich: Die Vorlage nennt 32, 16 und 64 Zähleinheiten, ordnet sie aber nicht verlässlich allen Atemphasen zu. Ein bekanntes Atemverhältnis an diese Stelle zu setzen, würde die Unsicherheit verdecken. Für eine heutige Hinwendung zur inneren Stille genügt als hiervon unterschiedene, einfache Anregung zunächst das aufmerksame Wahrnehmen des natürlichen Atems.

Pratyāhāra, Dhāraṇā und die fünf Elemente

Pratyāhāra bedeutet hier auch, die täglichen Handlungen innerlich zu vollziehen. Eine zweite Beschreibung führt die Aufmerksamkeit von einer Marma-Stelle zur nächsten zurück. Innere Sammlung entsteht, indem der Geist seine zerstreuten Bewegungen zurücknimmt.

Bei Dhāraṇā wird der Körper als Raum der fünf Elemente betrachtet. Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum werden mit Formen, Farben und göttlichen Gestalten verbunden:

Element Zugeordnete göttliche Gestalt nach 4.22–24
Erde Aniruddha
Wasser Nārāyaṇa
Feuer Pradyumna
Wind Saṅkarṣaṇa
Raum Vāsudeva

Diese konkrete Fünferzuordnung sollte nicht auf eine bloße Aufzählung der vier Vyūhas verkürzt werden. Eine heutige symbolische Betrachtung kann darin die Einladung sehen, den ganzen Menschen in die Verehrung einzubeziehen: Festigkeit, Beweglichkeit, Wärme, Lebendigkeit und Weite. Diese Deutung ergänzt den historischen Text, ersetzt aber nicht seine rituellen und meditativen Einzelheiten.

Dhyāna und Samādhi

Das fünfte Kapitel führt vom Bild des vielgestaltigen Viṣṇu zum unvergänglichen Bewusstseinslicht im Herzen. Gott kann als Gestalt meditiert werden und zugleich als unbegrenztes, glückseliges Bewusstsein aufscheinen. Die Rede von Turīya steht allerdings in einem beschädigten Abschnitt; daraus lässt sich hier keine vollständige Lehre der Bewusstseinszustände rekonstruieren.

Vers 5.17 bezeichnet Samādhi als Einheit von individuellem und höchstem Selbst. Vers 5.18 nennt die Meditation „Ich selbst bin jenes höchste Brahman“. Unmittelbar daneben steht die Sprache der Hingabe an Hari und Vaikuṇṭha. Es ist fruchtbar, beide Stimmen des Textes wahrzunehmen, ohne aus wenigen Versen die gesamte philosophische Ausrichtung des Werkes festzulegen.

Prāṇāyāma verbindet Atem und Aufmerksamkeit. Die historische Lehre wird im Text jeweils genau erläutert.

Der Yogapāda in einfachen Worten

Beginne dort, wo du jetzt stehst: bei deinem Handeln, deinen Worten und deiner Aufmerksamkeit. Erfülle deine Aufgaben bewusst und halte zugleich die Sehnsucht nach Befreiung wach. Werde wahrhaftig, geduldig und mitfühlend. Ein friedvolleres Leben bereitet einen ruhigeren Geist vor.

Dann wende dich dem Körper und dem Atem zu. Der Text sieht im Menschen mehr als einen äußeren Körper: Er beschreibt ein inneres Geflecht von Lebenskräften und einen leuchtenden Weg zur höchsten Wirklichkeit. Die Übungen sollen die Aufmerksamkeit sammeln. Ihr Ziel ist die Erfahrung des Göttlichen im Herzen.

Die Erinnerung an die Vergänglichkeit gibt der Praxis Ernsthaftigkeit. Ziehe den Geist von seiner Zerstreuung zurück und widme dich der Meditation. Der Körper wird dabei zum Raum der Verehrung; die Elemente werden mit göttlicher Gegenwart verbunden. Schließlich richtet sich der Geist auf Viṣṇu, auf das Licht des Bewusstseins und auf die Einheit mit dem höchsten Selbst. Wie zufließendes Wasser seine eigene Bewegung im Meer verliert, so beschreibt der Text das Aufgehen des individuellen Lebens in einer umfassenderen Wirklichkeit.


Bedeutung für Yoga-Aspiranten

Der Yogapāda erinnert daran, dass Sādhanā den ganzen Menschen betrifft. Ein freundlicher Umgang, gewissenhaftes Handeln, Lernen, Mantra und stille Meditation können sich gegenseitig tragen. Die Bereitschaft, sich innerlich auszurichten, ist dabei ebenso wesentlich wie eine äußere Übungsform.

Wer das Bild des Herzlotos mit in den Alltag nimmt, kann es als Erinnerung verstehen: Kehre immer wieder zu Aufmerksamkeit, Mitgefühl und Hingabe zurück. Suche die Tiefe der Praxis nicht nur in außergewöhnlichen Erfahrungen, sondern auch darin, wie du dem Leben begegnest.

Quellen und weiterführende Praxis

Bhakti Yoga

27.10.2026 - 27.10.2026 Mantra-Konzert mit Shamana OM

Konzert mit Shamana OM
Shamana OM
31.10.2026 - 31.10.2026 Mantra-Konzert mit Gruppe Mudita

Konzert mit der Gruppe Mudita
Gruppe Mudita

Kundalini Yoga

30.10.2026 - 01.11.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe

Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…
Arjuna Wingen
06.11.2026 - 08.11.2026 Kundalini Yoga Einführung

Gründliche Einführung in die Theorie und Praxis des Kundalini Yoga, Yoga der Energie. Die praktischen Übungen des Kundalini Yoga umfassen Pranayama (…
Arjuna Wingen

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Im Gespräch mit anderen Tantra-Schriften

Die Jayakhya Samhita ist ein naheliegender Gesprächspartner für die Verbindung von Viṣṇu-Verehrung, Mantra und innerer Sammlung. Das Vijnana Bhairava Tantra eröffnet einen anderen, śivaitischen Zugang zur Meditation: Viele seiner Betrachtungen setzen unmittelbar bei Atem, Wahrnehmung und Alltagserfahrung an. Im Shiva Sutra steht die Erkenntnis der Bewusstseinsnatur im Mittelpunkt. Ein fruchtbarer Vergleich fragt, wie der Geist gesammelt wird und welche Wirklichkeit dabei erkannt werden soll. Die konkreten Gottesvorstellungen und Übungsordnungen bleiben jeweils eigenständig.

Siehe auch

Die Padma Samhita lesen: Werküberblick · Yogapāda · Jñānapāda · Kriyāpāda 1–23 · Kriyāpāda 24–32 · Caryāpāda 1–28 · Caryāpāda 29–33 · Kriyāpāda in Devanagari · Caryāpāda in Devanagari · 108 Lesestellen und Mantras.

Veröffentlichte Tantra- und Āgama-Artikel zum Weiterstudieren:

Die Bezüge erläutern gemeinsame Fragen und unterschiedliche Antworten. Sie setzen weder dieselbe Ritualordnung noch eine nachgewiesene historische Abhängigkeit voraus.


Zum Herzen zurückkehren

Nimm aus diesen Kapiteln eine Haltung mit, die du heute leben möchtest: Mitgefühl, Wahrhaftigkeit oder geduldige Sammlung. Setze dich einen Augenblick still hin und lass den Atem natürlich fließen. Der Herzlotus kann dich daran erinnern, dass du zur inneren Ausrichtung zurückkehren darfst, auch nach einem zerstreuten Tag. Beständigkeit wächst aus solchen kleinen, aufrichtigen Anfängen.

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