Padma Samhita Caryapada Teil 1
Der Caryāpāda der Padma Samhita – Teil 1 führt von der Einweihung über den täglichen Gottesdienst zu Festen, Gelübden und der Lehre von den Mantras. Die Kapitel 1–28 zeigen, wie der im Kriyāpāda bereitete heilige Raum durch beständige Verehrung lebendig bleibt. Hingabe, körperliche Handlung, geordnete Zeit und innere Sammlung greifen ineinander.
Wie bleibt die innere Ausrichtung lebendig, wenn der Alltag wieder beginnt? Diese Kapitel antworten mit einem Rhythmus aus Vorbereiten, Verehren, Lernen und Stillwerden. Bhakti erhält Zeit und Raum. Besonders Kapitel 13 mit seinem Tagesdienst und seinen Gebeten bietet einen unmittelbaren Einstieg; von dort erschließen sich auch die größeren Feste und Mantralehren.
Dieser Teil enthält alle vorhandenen nummerierten Einheiten der Kapitel 1–28 mit IAST und unmittelbar zugeordneter deutscher Übersetzung. Teil 2, Kapitel 29–33, beginnt mit den Göttinnen-Mantras. Die Teilung folgt einer Kapitelgrenze und dem tatsächlichen Dateiumfang. Das vollständige Devanagari steht in einer eigenen Datei.

Orientierung und Begriffe
Die Kapitel 1–7 behandeln Zulassung, Einweihung, tägliche Verehrung, Feuerdienst, Nyāsa und Ācārya-Weihe. Kapitel 8–11 entfalten große Krugbäder und Tempelfeste. Kapitel 12–15 wenden sich Gaben, dem fünffachen Tagesdienst und dem Jahreslauf zu. Kapitel 16–21 regeln Störungen, Erneuerung, Wiedergutmachung und die unterschiedlichen Lehr- und Ritualordnungen. Mit Kapitel 22 beginnen Mudrās, mit Kapitel 23 die Laut- und Mantralehre. Kapitel 24–28 behandeln die großen Vaiṣṇava-Mantras und zahlreiche göttliche Gestalten.
Caryā meint hier die gelebte religiöse Praxis einschließlich des Tempeldienstes. Upacāra bezeichnet eine Verehrungsgabe oder einen entsprechenden Dienst; Nyāsa das rituelle Zuordnen von Mantras und göttlichen Kräften zu Körperstellen. Snāpana und Abhiṣeka betreffen rituelles Baden und Begießen. Prāyaścitta ist die Wiederherstellung nach Verfehlungen oder Störungen. Siddhi kann rituellen Erfolg, eine besondere Fähigkeit oder spirituelle Vollendung meinen; welche Bedeutung vorliegt, entscheidet der Zusammenhang.
Zur Textgestalt: Sanskritvarianten, Zwischenüberschriften und Quellenanmerkungen bleiben in ihrer überlieferten Reihenfolge sichtbar. Die deutsche Erläuterung kennzeichnet relevante Abweichungen unmittelbar an der Stelle. Durchgehende Versnummern beweisen keine lückenlose Überlieferung: Auch hier gibt es ausdrücklich vermerkte Ausfälle und beschädigte Sätze. Die Lautnamen der Mantrakodierung bleiben dort als Namen stehen, wo eine eindeutige Entschlüsselung nicht gesichert ist.
Die historischen Regeln über Stand, Geschlecht, körperliche Merkmale und rituelle Zulassung werden als Aussagen der Quelle übersetzt. Dasselbe gilt für außergewöhnliche Wirkungsversprechen und für Anwendungen, die andere Menschen beherrschen oder schädigen sollen. Ihre Wiedergabe bedeutet keine heutige Anerkennung dieser Wertungen oder Wirksamkeitsbehauptungen. Moderne spirituelle Übertragungen sind in der Synthese als solche erkennbar.
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IAST und deutsche Übersetzung
Kapitel 1: Einweihung und historische Zulassungsordnung
śrīrastu |
śrīpāñcarātre mahopaniṣadi |
pādmasaṃhitāyāṃ |
caturthaḥ caryāpādaḥ |
prathamodhyāyaḥ ||| brahmaṇā bhagavadārādhana vidhānapraśnaḥ || |
brahmāḥ |
karṣaṇādi pratiṣṭhāntaṃ karma yasya prasiddhaye |
taṃ samārādhanavidhiṃ śrotumicchāmi sāmpratam || 1 ||
1.1 Möge Glück sein. Im großen Upaniṣad-Lehrwerk des heiligen Pāñcarātra, in der Padma Saṃhitā, beginnt der vierte Bereich, der Caryāpāda. Brahmā sprach: Ich möchte nun das Verfahren der Verehrung hören, zu dessen Verwirklichung die Handlungen vom Pflügen bis zur Installation dienen.
prasidhyate |
ārādhanavidhiḥ kīdṛgadhikārī ca kīdṛśaḥ |
bhagavaṃstadaśeṣeṇa brūhi me bhaktavatsala || 2 ||
1.2 Wie ist dieses Verehrungsverfahren, und wer ist zu seiner Ausführung befugt? Erkläre mir dies vollständig, Erhabener, der du deine Verehrer liebst.
śrībhagavān |
śrūyatāmabhidhāsvāmi pṛṣṭaṃ niravaśeṣataḥ |
caturṇāṃ brāhmaṇādīnāṃ varṇānāṃ kamalāsana || 3 ||
1.3 Der erhabene Herr sprach: Höre, ich werde deine Frage vollständig beantworten. Die vier sozialen Gruppen, beginnend mit den Brahmanen, Lotusgeborener,
dīkṣayā kramāt |
adhikāro'nulomānāmapi nānyasya kasya cit |
pūjāvidhau bhagavataḥ parasya paramātmanaḥ || 4 ||
1.4 und auch Menschen aus den als Anuloma bezeichneten Abstammungsverbindungen sind zur Verehrung des Erhabenen, des höchsten Selbst, zugelassen, sonst niemand. Die Lesart ergänzt den Zugang „durch Einweihung, der Reihe nach“. Dies beschreibt die historische Zulassungsordnung der Quelle.
pratilomabhuvāṃ sūtaḥ prathamastatra śasyate ||| ekāyanaśākhādhyāyināṃ mukhyo'dhikāraḥ || |
ādyamekāyanaṃ vedaṃ sadbrahma pratipādakam || 5 ||
1.5 Unter den als Pratiloma eingeordneten Abstammungen wird der Sūta zuerst als geeignet genannt. [Zum Vorrang des Ekāyana:] Der ursprüngliche Ekāyana-Veda legt das wahre Brahman dar.
tenaiva saṃskṛtā viprā mukhya kalpādhikāriṇaḥ ||| anyeṣāṃ brāhmaṇādīnāṃ dīkṣayānukalpādhikāraḥ || |
anyeṣāṃ brahmāṇādīnāṃ varṇānāṃ dīkṣayā kramāt || 6 ||
1.6 Die durch eben diesen Veda geweihten Brahmanen sind zum Hauptverfahren befugt. Für die übrigen Brahmanen und sozialen Gruppen erfolgt die entsprechende Zulassung durch Einweihung.
trayāṇāṃ kṣatriyādīnā manulomabhuvāmapi ||| sūtasya svārthamātra yajane'dhikāraḥ || |
sūtasya ca viśeṣeṇa dīkṣā cātmaparā'niśam || 7 ||
1.7 Für die drei Gruppen vom Kṣatriya an und auch für Menschen aus Anuloma-Verbindungen, besonders für den Sūta, ist die Einweihung auf den eigenen Kult bezogen.
| | viprāṇāṃ mukhyānukalpayorapi parārthayajane'dhikāraḥ || |
parārthayajanaṃ kuryurvaprā mukhyānukalpayoḥ ||| dīkṣā hīnānā manadhikāraḥ || |
naivādhikāriṇasteca dīkṣā saṃskāravarjitāḥ || 8 ||
1.8 Brahmanen können sowohl im Haupt- als auch im ergänzenden Verfahren den Kult für andere ausführen. Ohne den Einweihungssaṃskāra sind sie dazu nicht befugt.
naivādhikāriṇo gauṇā |
|| dīkṣayā adhikāralābhaḥ || |
yathaiva dīkṣaṇīyeṣṭyā jāyante brāhmaṇādayaḥ |
tathaiva dīkṣāvidhinā jāyāmānā yathoditāḥ || 9 ||
1.9 Wie Brahmanen und die weiteren Berechtigten durch das Einweihungsopfer rituell neu entstehen, so werden die zuvor genannten Menschen durch das Dīkṣā-Verfahren neu geboren
pūjāvidau bhagavataḥ prakalpante'dhikāriṇaḥ |
brahmoḥ ||| brāhmaṇādīnāṃ janmakarmaṇornirūpaṇapraśnaḥ || |
bhagavan brāhmaṇādīnāṃ janma karma ca bhāvukam || 10 ||
1.10 und zur Verehrung des Erhabenen befähigt. Brahmā sprach: Erhabener, ich möchte die Geburt und die angemessenen Tätigkeiten der Brahmanen und der übrigen Gruppen verstehen,
vihitaṃ ca vivāhaṃ ca yacca yāvacca yādṛśyam |
mahyaṃ jijñāsamānāya bhaktāya parameśvara || 11 ||
1.11 ebenso die vorgeschriebenen Eheschließungen: was, wie viel und von welcher Art jeweils gilt. Erkläre dies mir, deinem wissbegierigen Verehrer, höchster Herr.
śrībhagavān |
satvaṃ kajastamaśceti streguṇyaṃ kamalāsana || 12 ||
1.12 Der erhabene Herr sprach: Sattva, Rajas und Tamas bilden die drei Guṇas, Lotusgeborener.
tanmayīṃ tanumāsthāya sasarjāhaṃ purā prajāḥ ||| satvaprathānū viprasargaḥ || |
satve'dhike mukhe viprānasṛjaṃ vithunātmakān || 13 ||
1.13 Indem ich einen aus ihnen bestehenden Leib annahm, erschuf ich einst die Wesen. Als Sattva im Mund überwog, erschuf ich dort Brahmanen als Paare.
| | rajaḥ pradhānaḥ kṣatriyasargaḥ || |
rajoguṇe'tiśayite bāhubhyāṃ kṣatriyāṃ stathā ||| guṇasāmye vaiśyasargaḥ || |
ūrubhyāṃ guṇasāmyetu asṛjaṃ mithunaṃ viśām || 14 ||
1.14 Bei überwiegendem Rajas erschuf ich aus den Armen Kṣatriyas; bei Gleichgewicht der Guṇas aus den Schenkeln ein Paar von Vaiśyas.
| | tamaḥ prācurye śūdrasargaḥ || |
ādhikye tamasaḥ pardbhyāṃ śūtrān mithunarūpiṇaḥ ||| varṇeṣu pūrvapūrvaśśreyān || |
eteca varṇāśśreyāṃsaḥ pūrvepūrve yathoditāḥ || 15 ||
1.15 Bei überwiegendem Tamas erschuf ich aus den Füßen Śūdras als Paare. Die zuvor genannten Gruppen gelten in der Reihenfolge jeweils als höher. Diese Wertung gehört zur hier entworfenen historischen Sozialkosmologie.
trayasteṣu dvijāḥ pūrve mauñjabandhanakarmaṇā || 16 ||
1.16 Die ersten drei Gruppen gelten durch die Bindung des Muñja-Gürtels als Zweimalgeborene.
catvāraścāśramā brahhan sarvaeva dvijanmanām ||| prathamaḥ brahmacaryāśramaḥ || |
upanīya guroḥ pārśve vratānuṣṭhāna pūrvakam || 17 ||
1.17 Alle vier Lebensstände stehen nach dieser Passage dem Zweimalgeborenen zu, Brahmā. Nach der Einführung zum Lehrer, verbunden mit der Befolgung von Gelübden,
vedādhyayanamādauyatsa śreyān prathamāśramaḥ ||| dvitīyaḥ gṛhasthāśramaḥ || |
bhāryāsaṅgrahaṇaṃ snātvā prajāyai tadana ntaram || 18 ||
1.18 beginnt das Vedastudium: Dies ist der vorzügliche erste Lebensstand. Nach dem Abschlussbad folgt die Annahme einer Ehefrau zur Zeugung von Nachkommen.
tayā ca dharmacaraṇaṃ dvītīyaścāśramasmṛtaḥ ||| tṛtīyaḥ vānaprasthāśramaḥ || |
gatvā sabhāryovipinaṃ yathoktenaiva vartmanā || 19 ||
1.19 Das gemeinsame Leben nach dem Dharma gilt als zweiter Lebensstand. Danach gehe man mit seiner Frau auf dem vorgeschriebenen Weg in den Wald.
vane vanya phalahāro vihitendriya nigrahaḥ |
vasettṛtīyo vijñeyaścāśramaḥ kamalāsana || 20 ||
1.20 Dort lebe man von Waldfrüchten und übe die vorgeschriebene Beherrschung der Sinne. Dies ist der dritte Lebensstand, Lotusgeborener.
| | turīyassannyāsāśramaḥ || |
putre dārānvinikṣipya śikhī muṇḍī trivaṇḍavān |
yadvaikadaṇḍaniyato brahmadhyānaparāyaṇaḥ || 21 ||
1.21 Man vertraue die Ehefrau dem Sohn an und lebe mit Haarschopf oder geschorenem Kopf, mit Dreifachstab oder einem einzigen Stab, ganz der Brahman-Meditation gewidmet.
nivṛttasarvakāmastu vasetturyāśrame dvijaḥ ||| kṣatriyasya pūrvetraya āśramāḥ || |
kṣatriyasyāśramāḥ pūrve sannyāsāśramavarjitāḥ || 22 ||
1.22 Frei von allen Wünschen lebe der Zweimalgeborene so im vierten Lebensstand. Für den Kṣatriya gelten nach der Quelle die ersten drei Lebensstände, ohne den Stand der Entsagung.
| | viśaḥ ādyaidvā || |
vihitā viśa ekasya dvāvanyainatu paścimau ||| śūdrasya dvitīya ekaḥ || |
eka eva caturthasya dārasaṅgrahaṇātmakaḥ || 23 ||
1.23 Für den Vaiśya gelten nur die ersten beiden, nicht die beiden späteren; für den Angehörigen der vierten Gruppe allein der Lebensstand der Ehe.
ṣaṣkarmā brāhmaṇo jñeyaḥ karmaṇādhyāpanādinā |
adhyāpanaṃ cādhyayanaṃ yajanaṃ yājanaṃ tathā || 24 ||
1.24 Der Brahmane ist durch sechs Tätigkeiten gekennzeichnet, beginnend mit dem Lehren: Lehren, Lernen, eigenes Opfern und das Opfern für andere werden hier genannt. Die übrigen Glieder der angekündigten Sechserliste sind im überlieferten Satz nicht vollständig erhalten.
dānamadhyayanaṃ yajñovṛttistrayyeva bhūbhujām || 25 ||
1.25 Geben, Lernen und eigenes Opfern bilden die drei Tätigkeiten der Könige.
viśāṃ ca saiva śūdrasya śuśrūṣaikaiva vartanā ||| viprasya sahajā guṇāḥ || |
āstikyamārjavaṃ śaucaṃ tapaśśāntirdamaḥ kṣamā || 26 ||
1.26 Dasselbe gilt für die Vaiśyas; für den Śūdra wird allein Dienst als Lebensunterhalt genannt. [Zu den Eigenschaften des Brahmanen:] Vertrauen in die heilige Ordnung, Aufrichtigkeit, Reinheit, Askese, Ruhe, Selbstbeherrschung und Geduld,
damaśśāntiḥ |
jñānaṃ vijñānamityete viprasya sahajā guṇāḥ |||kṣatriyasya sahajā guṇāḥ || |
śauryaṃ tejo dhṛtirdākṣyaṃ yuddhe cāpyapalāyanam || 27 ||
1.27 Wissen und verwirklichte Erkenntnis gelten als seine angeborenen Eigenschaften. [Zum Kṣatriya:] Tapferkeit, Kraft, Standhaftigkeit, Geschicklichkeit und Nichtfliehen im Kampf,
dānamiśvarabhāvaśca kṣātraṃ karma svabhāvajam ||| viśassahajā guṇāḥ || |
karṣaṇaṃ caiva vāṇijyaṃ gavāṃ rakṣaṇameva ca || 28 ||
1.28 Freigebigkeit und herrscherische Befähigung gelten als seine naturgemäßen Aufgaben. [Zum Vaiśya:] Ackerbau, Handel und Schutz der Rinder werden genannt.
śudrā śūdrasya bhāryaikāsā ca svāca viśasmsṛtā || 29 ||
1.29 Ein Śūdra hat nach dieser Ordnung eine Śūdra-Frau zur Gattin; für einen Vaiśya werden sowohl eine Frau dieser Gruppe als auch der eigenen genannt.
svāsu prajāssajātīyā ścāturṣarṇyamitīritam || 30 ||
1.30 Aus Frauen der eigenen Gruppe entstehen Nachkommen derselben Gruppe: So wird die Viergruppenordnung beschrieben.
jārai rutpāditā varṇāssavarṇāsveva bhīruṣu || 31 ||
1.31 [Kurzer, syntaktisch unvollständiger Satz:] Auch von Liebhabern mit Frauen derselben Gruppe gezeugte Nachkommen werden genannt. Die nähere Einteilung ist hier nicht erhalten.
tayorviprajayorneṣṭaṃ trayamadhyāpanādikam || 32 ||
1.32 Für die beiden aus Brahmanen entstandenen Gruppen sind die drei Tätigkeiten vom Lehren an nicht zugelassen. Welche beiden Gruppen gemeint sind, ergibt sich aus dem beschädigten Übergang nicht eindeutig.
| | tatrānulomaḥ || |
savarṇaḥ kṣatriyāyāṃ tu vipreṇoḍhaścikitsakaḥ |
āyurvedamadhīyūta mantravacchopanīya saḥ || 33 ||
1.33 [Zur Anuloma-Abstammung:] Aus einer mit einem Brahmanen verheirateten Kṣatriya-Frau wird hier ein Arzt abgeleitet. Er soll nach Einführung mit Mantra den Āyurveda studieren. Die Quelle selbst vermerkt ausdrücklich, dass diese Stelle unrein überliefert und zu berichtigen sei.
savarṇā kṣatriyā yattevipreṇoḍhāścikitsakaḥ. atra aśuddhaṃ samīkāryam |
tatra cauryeṇa sambhūto jyotirvedābhijīvikaḥ |
jyotirvidyāṃ samabhyasye dupanīya samantrakam || 34 ||
1.34 Der aus einer heimlichen Verbindung derselben Gruppen Geborene soll vom Sternwissen leben. Nach Einführung mit Mantra studiere er die Sternkunde.
brāhmaṇādhyūḍha vaiśyāyāmambaṣṭhaśśalya kṛntakaḥ |
cauryātkulālaḥ kumbhūdi nirmāṇaṃ tasya jīvikā || 35 ||
1.35 Aus einer mit einem Brahmanen verheirateten Vaiśya-Frau wird der Ambaṣṭha als Wundarzt abgeleitet; aus einer heimlichen Verbindung der Töpfer, dessen Lebensunterhalt die Herstellung von Krügen und Ähnlichem ist.
kṛttamaḥ |
mṛṇmayū pratimā cāpi kāryā śostrektavartmanā |
nābherūrdhvaṃ tu vapavanaṃ pṛttirasya vidhīyate || 36 ||
1.36 Auch Tonbilder soll er nach der Lehrvorschrift herstellen. Als weitere Tätigkeit wird das Rasieren oberhalb des Nabels genannt; der Personenbezug dieser zusätzlichen Berufsangabe bleibt unklar.
brāhmaṇādhyūḍhaśūdrāyāṃ jātaḥpāraśavasmsṛtaḥ |
arcanaṃ saptamātrūṇaāṃ pādyapādanameva ca || 37 ||
1.37 Der Sohn einer mit einem Brahmanen verheirateten Śūdra-Frau heißt hier Pāraśava. Ihm werden die Verehrung der sieben Mütter und das Spielen von Instrumenten zugeschrieben; das Wort für Instrumente ist beschädigt.
tasya vṛttirniṣādastu cauryātsyānmṛgaghautukaḥ |
paṭṭabandhocitau cobhau nṛpajau guṇḍagolakau || 38 ||
1.38 Der aus heimlicher Verbindung hervorgegangene Niṣāda soll Wild töten. Die beiden aus einem König hervorgegangenen, als Kuṇḍa und Golaka bezeichneten Söhne werden als für die Stirnbandbindung geeignet bezeichnet; die Namensschreibung ist beschädigt.
kṣatriyādvinnavaiśyāyāṃ goṣṭhī paṇyopa jīvanaḥ |
cauryeṇa jāto māhiṣyasturaṅgramavaṇigbhavet || 39 ||
1.39 Aus einer mit einem Kṣatriya verheirateten Vaiśya-Frau entsteht nach dieser Einteilung ein Goṣṭhī genannter Händler; aus heimlicher Verbindung ein Māhiṣya als Pferdehändler.
gostrī |
śūdrāyāṃ kṣatriyādugro vinnāyāṃ karibandhakaḥ |
cauryeṇa śūliko jñeyaśśūlāropaṇavṛttikaḥ || 40 ||
1.40 Aus einer mit einem Kṣatriya verheirateten Śūdra-Frau wird der Ugra als Elefantenfänger abgeleitet; aus heimlicher Verbindung der Śūlika, dessen Tätigkeit das Pfählen ist.
maṇikāraśśaṅkhakāro vaṇijau guṇḍagolakau |
karaṇo vinnaśūdrāyāṃ vaiśyāddyūtādijīvanaḥ || 41 ||
1.41 Die als Kuṇḍa und Golaka bezeichneten Händler werden als Edelstein- und Muschelhandwerker beschrieben. Aus einer mit einem Vaiśya verheirateten Śūdra-Frau wird der Karaṇa abgeleitet, der vom Würfelspiel und Ähnlichem lebt.
yauryā tkaṭaṅkarastasya vṛttireva kaṭakriyā |
mālavaścāśvapālaśca śūdrajāvaśvapau sadā || 42 ||
1.42 Aus heimlicher Verbindung entsteht der Kaṭaṅkara, dessen Tätigkeit das Herstellen von Matten ist. Mālava und Aśvapāla werden als aus Śūdras hervorgegangene Pferdehüter genannt.
kaṭakarastasya |
gavādipālako'mbaṣṭhyāmābhīro brāhmaṇādbhavet |
viloko vadhakṛt kṣattā viprātpāra śavastriyām || 43 ||
1.43 Aus einem Brahmanen und einer Ambaṣṭhā-Frau wird der Ābhīra als Hüter von Rindern und anderen Tieren abgeleitet. Aus einem Brahmanen und einer Pāraśava-Frau wird ein mit „Viloka“ beziehungsweise „Kṣattṛ“ bezeichneter Tötender genannt; die Verbindung der Namen ist beschädigt.
māhiṣyeṇa karaṇyāṃ tu rathakāro rathādikṛt |
śilpavitsarva śilpānāmācāryassa ca ucyate || 44 ||
1.44 Aus einem Māhiṣya und einer Karaṇī-Frau entsteht der Rathakāra, der Wagen und Ähnliches herstellt. Er gilt als Handwerkskundiger und als Lehrer aller Handwerke.
prātyānāṃ brāhmaṇādīnāṃ trayāṇāṃ vṛttirucyate |
māraṇaṃ maṇḍanaṃ kṣemaṃ samudrataraṇaṃ tathā || 45 ||
1.45 Nun werden die Tätigkeiten der aus den drei Gruppen vom Brahmanen an stammenden Vrātyas genannt: Töten, Schmücken, „kṣema“ und Meeresüberfahrt. Die dritte Tätigkeitsbezeichnung und die genaue Verteilung sind unklar.
brāhmaṇyāṃ kṣatriyātsūto vivāhātsratilomajaḥ |
sārathyaṃ vṛttiretasya dharmāṇāṃ caiva bodhanam || 46 ||
1.46 Aus einem Kṣatriya und einer mit ihm verheirateten Brahmanenfrau entsteht nach der Pratiloma-Einteilung der Sūta. Seine Tätigkeiten sind Wagenlenken und Unterweisung im Dharma.
upavītopanayane prāpnotyeva samantrakam |
cauryā ttatraiva sūto'nyassonyasaṃskāra kārakaḥ || 47 ||
1.47 Er erhält die Einführung mit heiliger Schnur und Mantra. Aus heimlicher Verbindung derselben Gruppen entsteht ein anderer Sūta, der fremde Saṃskāras beziehungsweise Totenriten ausführt; die Lesung „sonya“ ist unklar.
tasyāṃ vaidehako vaiśyā dvivāhādvrastraśuddhikṛt |
māgadhastadra cauryeṇa jaṅghākarika vṛttikaḥ || 48 ||
1.48 Aus einem Vaiśya und einer mit ihm verheirateten Brahmanenfrau wird der Vaidehaka als Kleiderreiniger abgeleitet; aus heimlicher Verbindung der Māgadha mit der als „jaṅghākarika“ bezeichneten Tätigkeit, wahrscheinlich einem Lauf- oder Botendienst.
śūdrādbrāhmaṇa yeṣāyāṃ vivāhāccauryato'pivā |
caṇḍālo jhullarīkākṣo malanirha raṇādikṛt || 49 ||
1.49 Aus einem Śūdra und einer Brahmanenfrau, ob verheiratet oder in heimlicher Verbindung, wird der Caṇḍāla abgeleitet, dem Schmutzbeseitigung und ähnliche Arbeiten zugeschrieben werden. Ein weiterer Beiname ist beschädigt überliefert.
āyogavastantuvāyo vaiśyādūḍha nṛpastriyām |
tatraiva cauryā dāraṇyapulindo mṛgaghātukaḥ || 50 ||
1.50 Aus einem Vaiśya und einer mit ihm verheirateten Kṣatriya-Frau wird der Āyogava als Weber abgeleitet; aus heimlicher Verbindung der im Wald lebende Pulinda als Wildjäger.
śūdrānnṛpāyāṃ vinnāyāṃ pulkano lākṣamadyakṛt |
vaiśyena tatra cauryeṇa jṛmbhanṛttādivartanaḥ || 51 ||
1.51 Aus einem Śūdra und einer mit ihm verheirateten Kṣatriya-Frau entsteht der Pulkana als Hersteller von Lack und Alkohol. Die heimliche Verbindung wird mit Tanz und ähnlichen Tätigkeiten verbunden; Haupttext und Variante widersprechen einander beim Vater, Vaiśya beziehungsweise Śūdra.
śūdrāttatraca |
vaiśyāyāṃ śūdravinnāyāṃ takṣā syāttakṣaṇādikṛt |
so'yaṃ kāṃsya svarṇakṛtsyāt tvaṣṭā ca bhramijīvanaḥ || 52 ||
1.52 Aus einem Śūdra und einer mit ihm verheirateten Vaiśya-Frau wird der Takṣan als Holzhandwerker abgeleitet. Auch Bronze- und Goldarbeit sowie die Tätigkeit des Tvaṣṭṛ an der Drehbank werden dieser Gruppe zugeordnet.
nailyakṛcca sa vijñeyo nīlavastrādi catrakṛt |
evaṃ ca jātipālassyā ccauryāccakrītu tailikaḥ || 53 ||
1.53 Weiter genannt wird der Nīla-Handwerker, der blaue Stoffe und farbige Muster herstellt. Die anschließende Gruppenbezeichnung ist beschädigt. Aus heimlicher Verbindung wird der Cakrin als Ölpresser abgeleitet.
enañjatiḥ palāśassyāt |
śūdrātkaraṇyāṃ vai jātaḥ kūṭakṛcchana dāhakaḥ |
brāhmaṇānnāpito'mpaṣṭhyāmadhoma panavṛttikaḥ || 54 ||
1.54 Aus einem Śūdra und einer Karaṇī-Frau entsteht nach dieser Einteilung der Kūṭakṛt, dessen Tätigkeit das Verbrennen von Leichen ist. Aus einem Brahmanen und einer Ambaṣṭhā-Frau wird der Barbier abgeleitet, der den unteren Körperbereich rasiert; die Lesung ist beschädigt.
pratilomānulomābhyāṃ pratilomānulomataḥ |
bahavassaṅkarā jātā yathābhīrādi jātayaḥ || 55 ||
1.55 Aus Pratiloma- und Anuloma-Verbindungen entstehen wiederum in beiden Richtungen viele gemischte Gruppen, wie die Ābhīras und weitere. Die ganze Darstellung ist eine historische Abstammungs- und Berufsordnung, keine Aussage über angeborenen Wert oder heutige berufliche Eignung von Menschen.
Kapitel 2: Dīkṣā und die Lebensführung des Eingeweihten
pādmasaṃhitāyām |
dvitīyo'dhyāyaḥ |
|
dvikṣāsvarūpapraśnaḥ. |
brahmā |
ye dīkṣāyāmadhikṛtā ye ca tatra bahiṣkṛtāḥ |
te yathāvadaśeṣeṇa kathitāḥ puruṣottama || 1 ||
2.1 Brahmā sprach: Du hast vollständig erklärt, wer zur Einweihung zugelassen und wer davon ausgeschlossen ist, Puruṣottama.
dīkṣā svarūpaviṣaye bubhutsā mama samprati |
vijṛmbhate tatsvarūpamupadeṣṭuṃ tvamarhasi || 2 ||
2.2 Nun wächst in mir der Wunsch, das Wesen der Einweihung zu verstehen. Unterweise mich darüber.
dīkṣāvidhi nirūpaṇam. |
tatra sthānopakaraṇādi. |
śrībhagavān |
pratiṣṭhāvidhivatsarvaṃ dīkṣāmaṇḍapamāditaḥ |
kārayitvā śucau deśe tadvadeva caturmukha || 3 ||
2.3 Der erhabene Herr sprach: Zuerst lasse man an einem reinen Ort eine Einweihungshalle errichten, in allen Einzelheiten wie bei der Installation, Viergesichtiger.
deśe ca paścime vedyāḥ guṇḍaṃ tālatrayādbahiḥ |
kārayitvādvijendrādi varṇānāmanupūrvaśaḥ || 4 ||
2.4 Westlich vom Altar lege man, drei Tāla von ihm entfernt, eine Feuergrube an. Für die Gruppen, beginnend mit den Brahmanen, fertige man der Reihe nach
anukūlaṃ catuṣkoṇaṃ tāladvayamitāntaram |
vṛttaṃ gokarṇayugmena vistīrṇaṃ tadanantaram || 5 ||
2.5 eine passende viereckige Grube mit einem Innenmaß von zwei Tāla, danach eine runde von zwei Gokarṇa Breite,
cāpākāraṃ vitastibhyāṃ vistārāyāma sammitam |
trikoṇamitaratkuṇḍaṃ prādeśadvayavistṛtam || 6 ||
2.6 eine bogenförmige mit Länge und Breite von zwei Vitasti und als weitere eine dreieckige Grube von zwei Prādeśa Breite.
āyāmassruksruvādīnāmīdṛśo brāhmaṇādiṣu |
yajanakālaḥ. |
daśamyāṃ yāgasambhārāssambhūryānsamidhādayaḥ || 7 ||
2.7 Entsprechend sind die Maße der großen und kleinen Opferlöffel und der weiteren Geräte für die jeweiligen Gruppen. Am zehnten Mondtag sammle man die Opfermaterialien, beginnend mit den Scheiten.
ekādaśyāṃ tu sāyāhne tithau syādadhivāsanam |
cakrābjamaṇḍale kumbhanyāsaḥ. |
maṇḍape yajane sthāpyaṃ dvārakumbhādi pūrvavat || 8 ||
2.8 Am Abend des elften Mondtages erfolgt der Adhivāsa. In der Opferhalle stelle man die Torkrüge und die übrigen Gegenstände wie zuvor auf.
dhāraṇāśodhitatanuścakrābjaṃ vartayedguruḥ |
kumbhaṃ ca hemādimayaṃ karakaṃ cāpi tādṛśam || 9 ||
2.9 Nachdem der Guru seinen Leib durch Dhāraṇā gereinigt hat, zeichne er den Diskus-Lotus. Er bereite einen Krug aus Gold oder einem anderen geeigneten Stoff sowie ein entsprechendes Karaka-Gefäß.
gālitodakasampārṇaṃ nyastaratnasuvarṇakam |
sūtraveṣṭitanarvāṅgraṃ prakcandana pariṣkṛtam || 10 ||
2.10 Sie seien mit gefiltertem Wasser gefüllt, mit Edelsteinen und Gold versehen, ringsum mit Fäden umwunden und mit Sandel ausgestattet. Ein Wort vor Sandel ist beschädigt.
ahatābhyāṃ ca pāsobhyāṃ cchāditaṃ doṣavarjitam |
astreṇa śatavāraṃ tu karakaṃ cābhimantrayet || 11 ||
2.11 Der fehlerfreie Krug sei mit zwei unbenutzten Gewändern bedeckt. Das Karaka-Gefäß bespreche man hundertmal mit dem Waffenmantra.
acchinnadhārayā siñce dvedikāṃ parito guruḥ |
prādakṣiṇyena karakaṃ nītvā kumbhaṃ ca pṛṣṭhataḥ || 12 ||
2.12 Der Guru besprenge den Bereich rings um den Altar mit einem ununterbrochenen Strahl. Er führe das Karaka-Gefäß rechtsherum, den Krug dahinter.
aiśāne cakrapadmasya bhāge dhānye niveśayet |
dakṣiṇe kalaśaṃ vāme karakaṃ mūlavidyayā || 13 ||
2.13 Im nordöstlichen Teil des Diskus-Lotus stelle er sie mit dem Grundmantra auf Getreide: den Krug rechts, das Karaka-Gefäß links.
kumbhe ca harimāvāhya pūjayecchāstravartmanā |
yajeta devaṃ cakrābjamaṇḍale kamalāsana || 14 ||
2.14 Er rufe Hari in den Krug und verehre ihn nach der Lehre. Auch im Diskus-Lotus-Maṇḍala verehre er den Gott, Lotusgeborener,
sāṅgraṃ saparivāraṃ ca yathāvidhi yathākramam |
mathitvā'ṣṭākṣareṇāgniṃ guṇḍe taṃ viniveśayet || 15 ||
2.15 mit seinen Gliedern und seinem Gefolge, vorschriftsgemäß und in der richtigen Reihenfolge. Mit dem Achtsilbenmantra erzeuge er durch Reiben Feuer und setze es in die Grube.
caroścāturvidhyam. |
tatra siddhaṃ caruṃ kṛtvā caturdhaikaṃ nivedayet |
maṇḍalasthāya haraye kumbhe bhāgamathetaram || 16 ||
2.16 Die dort gekochte Opferspeise teile man in vier Portionen. Eine bringe man Hari im Maṇḍala dar, eine weitere im Krug,
agnau caikaṃ svayaṃ caikamupa yuñjīta deśikaḥ |
samidhaśśatamaṣṭā ca juhuyāddeśikottamaḥ || 17 ||
2.17 eine im Feuer; eine nehme der Lehrer selbst zu sich. Der beste Lehrer opfere 108 Scheite.
ājyahomo'pi tadvatsyānmūlamantreṇa mantravit |
caruṃ nṛsūktena tathā pūrṇāhutyanta manyataḥ || 18 ||
2.18 Ebenso opfere der Mantrakenner Ghee mit dem Grundmantra und gekochte Speise mit dem Puruṣasūkta. Die weiteren Handlungen reichen bis zur abschließenden Vollspende.
siṣyalakṣaṇaṃ tatsaṃskārāśca. |
śiṣyaṃ snātaṃ jitakrodhaṃ madādyervarjitaṃ śucim |
ahatakṣaumavasanaṃ sottarīyamalajkṛtam || 19 ||
2.19 Der Schüler sei gebadet, rein, frei von Zorn, Überheblichkeit und ähnlichen Regungen, mit unbenutztem Leinen, Obergewand und angemessenem Schmuck bekleidet.
dadhataṃ kṣaumavasanam |
āhūya pāsasā badhvā gururnetre sva vidyayā |
ātmano dakṣiṇepārśve niveśya prāṅmukhaṃ yathā || 20 ||
2.20 Der Guru rufe ihn herbei, verbinde ihm unter der eigenen Formel die Augen mit Stoff und lasse ihn rechts von sich nach Osten gewandt Platz nehmen.
tena darbhaiścha saṃspṛṣṭaḥ puṇḍarīkākṣa vidyayā |
dvādaśāhutimājyena juhuyāccaruṇā tathā || 21 ||
2.21 Während der Schüler ihn mit Darbha berührt, opfere der Guru mit der Puṇḍarīkākṣa-Formel zwölf Ghee-Spenden und ebenso gekochte Speise,
samitpuṣpatilaiścāpi tataḥ prasṛti mudrayā |
trirmūrdhni śiṣyamālabhya prādakṣiṇyena deśikaḥ || 22 ||
2.22 Scheite, Blumen und Sesam. Dann berühre der Lehrer mit der Prasṛti-Mudrā dreimal den Kopf des Schülers in rechtsläufiger Bewegung.
aṣṭākṣareṇa mantreṇa tato bhasma samidbhavam |
samudbhavam |
pāṇḍaraṃ mūrdhni śiṣyasya viniveśyordhva puṇḍrakam || 23 ||
2.23 Mit dem Achtsilbenmantra lege er danach weiße Asche aus den Opferscheiten auf dessen Kopf und bringe das aufwärts gerichtete Stirnzeichen an.
astramantreṇa bhadhnīyā tsūtraṃ pratisaraṃ kare |
pītvā śiṣyaḥ pañca gavyaṃ praṇavena caruṃ tataḥ || 24 ||
2.24 Mit dem Waffenmantra binde er die Schutzschnur an die Hand. Der Schüler trinke die fünf Kuhprodukte unter Rezitation des Praṇava und esse anschließend die Opferspeise
bhuñjīta kāyaśuddhyarthaṃ darnā kāṣṭhena dhāvayet |
dantakāṣṭhāgra nimittaparīkṣā. |
dantakāṣṭhaṃ ca bhūbhāge nipātyāgraṃ vilokayet || 25 ||
2.25 zur Reinigung des Körpers. Er reinige die Zähne mit einem Zahnputzholz, werfe dieses auf den Boden und beobachte seine Spitze.
nairṛte mārute yāmye yadyagramaśubhaṃ bhavet |
śubhamanyatra digbhāge kāṣṭhāgre pratite bhavet || 26 ||
2.26 Weist die Spitze nach Südwesten, Nordwesten oder Süden, gilt dies als ungünstig; fällt sie in eine andere Richtung, gilt es als günstig. Dies ist eine Omenregel der Quelle.
aśubhaṃ śāntihomena śāmyecchu bhakaraścasaḥ |
nārasiṃhena mantreṇa tilaikaṣṭottaraṃ śatam || 27 ||
2.27 Ein ungünstiges Zeichen werde durch einen befriedenden Homa beruhigt. Dazu soll man mit dem Nārasiṃha-Mantra 108 Sesamspenden opfern.
homaḥ kāryastataśśiṣyamācāntaṃ depavannidau |
kare gṛhītvā de veśaṃ praṇamya gururātmavān || 28 ||
2.28 Nachdem der Schüler den Mund gespült hat, nehme der gesammelte Guru ihn vor dem Gott an der Hand und verneige sich vor dem Herrn der Götter.
vijñāpayedimāṃ gādhāmuccārya kamalāsana |
guruṇā bhagavate śiṣyasamarpaṇam. |
saṃsārapāśabaddhānāṃ paśūnāṃ pāśamokṣaṇe || 29 ||
2.29 Er trage unter Rezitation dieser Strophe seine Bitte vor, Lotusgeborener: „Für die an die Fesseln des Saṃsāra gebundenen Wesen gibt es zur Lösung ihrer Fessel
tvameva śaraṇaṃ deva gatikanyāna vidyate |
vāśamokṣaṇaheturyastvatsamārādhanātmakaḥ || 30 ||
2.30 nur dich als Zuflucht, Gott; ein anderer Weg ist nicht vorhanden. Das Mittel zur Fessellösung besteht in deiner Verehrung.
tenemān janmapāśena pāśitān paśujanmanaḥ |
vipāśayādideveśa tadanujñātumarhasi || 31 ||
2.31 Befreie dadurch diese durch die Geburt gefesselten, gebundenen Wesen, ursprünglicher Herr der Götter. Gewähre dazu deine Erlaubnis.“ Die Formulierung zu ihrer Geburt ist beschädigt.
iti vijñāpya śiṣyaṃ taṃ māyāsū treṇaveṣṭayet |
māyāsūtra svarūpam. |
śuklaṃ kaktaṃ ca kṛṣṇaṃ ca trivarṇaṃ triguṇīkṛtam || 32 ||
2.32 Nachdem er dies vorgetragen hat, umwinde er den Schüler mit dem Māyā-Faden. Dieser besteht aus den drei Farben Weiß, Rot und Schwarz und wird dreifach gelegt.
sūtraṃ punaścatriguṇaṃ kṛtvā sūtreṇa tādṛśā |
māyāsūtreṇa śiṣya kāyaveṣṭanam. |
śikhāṃ prakramya pādāntaṃ pañcaviṃśati saṅkhyayā || 33 ||
2.33 Man lege diesen Faden nochmals dreifach. Mit einem solchen Faden umwinde man den Schüler vom Haarschopf bis zu den Füßen fünfundzwanzigmal.
veṣṭayenmūlamantreṇa kāyaṃ śiṣyasya sarvataḥ |
juhuyāttena mantreṇa śiṣyaṃ saṃspṛśya deśikaḥ || 34 ||
2.34 Mit dem Grundmantra umwinde man seinen ganzen Leib. Während der Lehrer den Schüler berührt, opfere er mit demselben Mantra
sarpiṣāṣṭottaraśataṃ pārān pūrṇāhutiṃ tataḥ |
svapnārthaṃ homaḥ. |
svapnādhipatimantreṇa sarpiṣāṣṭottaraṃ śatam || 35 ||
2.35 108 Ghee-Spenden und danach eine Vollspende. Mit dem Mantra des Traumherrn opfere er ebenfalls 108-mal Ghee.
svapnadarśanasiddhyarthaṃ juhuyāddeśikottamaḥ |
māṣodanena bhūtebhyo baliṃ dadyātsamāhitaḥ || 36 ||
2.36 Dies tue der beste Lehrer zum Gelingen der Traumvision. Gesammelt gebe er den Wesen Bali aus Reis mit Māṣa-Bohnen.
māyāsūtramokṣaṇam. |
vimuktanetrabandhasya śiṣyasya tanubandhanam |
māyāsūtraṃ samādāya śarāvenyasya nikṣipet || 37 ||
2.37 Nachdem die Augenbinde gelöst ist, nehme der Lehrer den den Leib umgebenden Māyā-Faden ab, lege ihn in eine Schale
kumbhapārśveśarāveṇa pidhāyānyesa deśikaḥ |
śiṣyasvāpanam. |
darbhānāstīrya tattalpe śiṣyasvāpanamācaret || 38 ||
2.38 und stelle sie, mit einer zweiten Schale bedeckt, neben den Krug. Er breite Darbha aus und lasse den Schüler auf diesem Lager schlafen.
maṇḍalasthaṃ ca kumbhasthaṃ devaṃ nūdvāsa yettadā |
śubhasvapne dīkṣānujñā. |
tataḥ prabhāte śiṣyasya śubhaṃ cetsvapna darśanam || 39 ||
2.39 Den Gott im Maṇḍala und im Krug entlasse man zu dieser Zeit nicht. Hat der Schüler bis zum Morgen einen günstigen Traum gesehen,
aśubhasvapne śāntihomaḥ. |
dīkṣeta nūcedaśubhaṃ śāntihomaṃ samācaret |
dīkṣāvidhiḥ. |
snātvā śiṣyeṇa sahitaḥ pravisedyāga maṇḍapam || 40 ||
2.40 vollziehe man die Einweihung. Bei einem ungünstigen Traum führe man einen befriedenden Homa aus. Gebadet betrete der Guru gemeinsam mit dem Schüler die Opferhalle.
dhvājatoraṇa kumbhādipūjā pūrvavadiṣyate |
caturvidhaṃ nivedyānnaṃ samaskṛtya pradakṣiṇam || 41 ||
2.41 Die Verehrung der Fahnen, Torbögen, Krüge und weiteren Teile erfolgt wie zuvor. Man bringe die vier Arten von Speise dar, verneige sich und vollziehe die Rechtsumrundung.
śiṣyaṃ tu pūrvavannetre badhvā nūtanavāsasā |
niveśya vūrvavatpārśve juhuyātsamidhādibhiḥ || 42 ||
2.42 Man verbinde dem Schüler wie zuvor die Augen mit neuem Stoff und lasse ihn am gleichen Platz an der Seite sitzen. Der Lehrer opfere Scheite und die weiteren Stoffe,
pratyekamaṣṭottara śataṃ mūlamantreṇa deśikaḥ |
māyāsūtraṃ tataśchitvā saṃhārakrama māsthitaḥ || 43 ||
2.43 jeweils 108-mal mit dem Grundmantra. Dann zerschneide er den Māyā-Faden, indem er die Rücknahmefolge zugrunde legt.
tatvānyādiśya juhuyātprakṛtyantāni deśikaḥ |
pratyekamaṣṭottara śata maṣṭakṛtvo'thavāguruḥ || 44 ||
2.44 Der Lehrer benenne die Tattvas bis zur Prakṛti und opfere für jedes 108-mal oder achtmal.
hṛtpadme paramaṃ jyoti rdhyātvā paramapūruṣam |
tasmin jīvaṃ ca śiṣyasya saṃharenmantravittamaḥ || 45 ||
2.45 Im Herzlotus meditiere der beste Mantrakenner über das höchste Licht, den höchsten Puruṣa, und nehme den Jīva des Schülers darin zurück.
spahṛtpadme paraṃjyoti' |
śoṣaṇādīni dehasya śiṣyasambhandhina stathā |
kṛtvā tatra smaredaṇḍaṃ tatassva hṛdayāmbujāt || 46 ||
2.46 Am Körper des Schülers vollziehe er geistig Austrocknen und die weiteren Reinigungen. Dann stelle er sich dort ein Ei vor und lasse aus seinem eigenen Herzlotus
sajkramayya punarjīvaṃ prakṛtyādi kramātsṛjet |
sargakāle ca juhuyāttatvāni krama mūsthitaḥ || 47 ||
2.47 den Jīva wieder übergehen. Von Prakṛti an erschaffe er die Tattvas der Reihe nach neu und opfere während dieser Schöpfung für sie in entsprechender Folge.
māśritaḥ |
sṛṣṭvā sthūlaśarīrānta maṇḍabhedaṃ vicintayet |
tanmadhye puruṣaṃ dhyātvā jātamātmāna mātmanā || 48 ||
2.48 Nachdem er bis zum groben Körper geschaffen hat, vergegenwärtige er das Aufbrechen des Eies. Darin meditiere er über den neu entstandenen Puruṣa, das Selbst in eigener Gestalt.
prokṣayenmūlamantreṇa netrabandhaṃ ca mocayet |
śiṣyastu paridhāyānyadvāsaḥpādau prasādya ca || 49 ||
2.49 Er besprenge mit dem Grundmantra und löse die Augenbinde. Der Schüler lege ein anderes Gewand an und reinige seine Füße.
acamya pāsasā'nyena baddhanetro ntike guroḥ |
asīta prāṅmakhastasmin śodhayecca ṣaḍadhvānā || 50 ||
2.50 Nach dem Mundspülen sitze er, erneut mit einem anderen Stoff vor den Augen, nach Osten gewandt beim Guru. Dieser reinige in ihm die sechs Adhvans, die sechs Ordnungswege der Wirklichkeit.
nije gurau |
cchādayet |
adhvaṣaṭkam. |
kalādhvā ca padādhvā ca bhunanādhvātathaiva ca |
mantrādhvā mantravarṇādhvāṣaḍadhvānaḥ prakīrtitāḥ || 51 ||
2.51 Genannt werden Kalā-Adhvan, Pada-Adhvan, Bhuvana-Adhvan, Mantra-Adhvan und der Weg der Mantrabuchstaben. Obwohl sechs angekündigt sind, enthält die Liste nur fünf; die Quellennotiz ergänzt als erschließbaren sechsten den Tattva-Adhvan.
atra tatvādhvanaḥ nāma nirdeśaḥ abhyūhyaḥ |
pūrvavidhi śeṣaḥ. |
pūrnamājyāhutiṃ hutvā mahāvyāhṛtividyayā |
hutaśeṣeṇa śiṣyasya pādauspṛṣṭvā tatastilaiḥ || 52 ||
2.52 Zuerst opfere man Ghee mit der großen Vyāhṛti-Formel und berühre mit dem Opferrest die Füße des Schülers. Danach opfere man Sesam
hutvā nābhiṃ samālabhyatato hutvākuśeśayaiḥ |
spṛṣṭvā ca hṛdayaṃ hutvā caruṇā mūrdhanispṛśet || 53 ||
2.53 und berühre seinen Nabel, opfere Lotusse und berühre sein Herz, opfere gekochte Speise und berühre seinen Kopf.
aṣṭottara śataṃ homaḥ pratyekaṃ mūlavidyayā |
homanteca guruśśiṣyaṃ gṛhītvā dakṣiṇe kare || 54 ||
2.54 Jeder Homa umfasst 108 Spenden mit dem Grundmantra. Nach dem Homa nehme der Guru den Schüler an der rechten Hand.
nītvā pradakṣiṇaṃ kumbhaṃ maṇḍalaṃ ca yathoditam |
dvāre tiṣṭhaṃścaturṇāṃ tu dvārāṇāṃ kamalāsana || 55 ||
2.55 Er führe ihn wie vorgeschrieben rechtsherum um Krug und Maṇḍala und stelle sich an einen der vier Eingänge, Lotusgeborener.
maṇimuktāpravālairvā puṣpairvākevalterguruḥ |
añjaliṃ pūrayedante tatastasya vikasvaraiḥ || 56 ||
2.56 Der Guru fülle die zusammengelegten Hände des Schülers mit Edelsteinen, Perlen, Korallen oder nur mit voll erblühten Blumen.
kesalairguru rātmavān |
dīkṣitasya nāmanirdeśaḥ |
puṣpādi viki rettasmin maṇḍale gurucoditaḥ |
yasmin patati bhūbhāge puṣpāṇāmutkarassvayam || 57 ||
2.57 Auf Anweisung des Gurus streue der Schüler die Blumen oder anderen Gaben in das Maṇḍala. In welchem Bereich die Blumenmenge niederfällt,
tadbhāgādhipamūrtīnāṃ nāmānyasya vinirdiśet |
śiṣyasya keśavādīni padaṃ bhāgavateti ca || 58 ||
2.58 dessen leitende Gottesgestalt bestimmt den Namen des Schülers, etwa Keśava und die weiteren Namen. Die Bezeichnung „Bhāgavata“
nāmnāmante prayoktavyaṃ yadvā bhaṭṭāraketi ca |
brāhmaṇaccet kṣatriyasya deha naṃ nāmanirdiśet || 59 ||
2.59 oder „Bhaṭṭāraka“ wird bei einem Brahmanen an das Namensende gesetzt. Für einen Kṣatriya nennt die Vorlage die beschädigte Namensendung „dehana“.
vaiśyasya pālaśabdāntaṃ dāsāntaṃ pādajanmanaḥ |
tato vimucya dṛgbandhaṃ darśayeccakramaṇḍalam || 60 ||
2.60 Für einen Vaiśya endet der Name auf „pāla“, für einen Śūdra auf „dāsa“. Dann löse man die Augenbinde und zeige ihm das Diskus-Maṇḍala.
bālaśabdāntam |
śiṣyeṇa sahito vedyāṃ dhyāyennā rāyaṇaṃ guruḥ |
mantropadeśaḥ. |
dhyātvāca dakṣiṇe karṇe śiṣyasya praṇavānvitam || 61 ||
2.61 Gemeinsam mit dem Schüler meditiere der Guru am Altar über Nārāyaṇa. Nach der Meditation gebe er ihm in das rechte Ohr den mit dem Praṇava verbundenen
mantraṃ dadyādṛṣicchandho daivataṃ cāṅgrameva ca |
dvādaśākṣaramādau tu paścādaṣṭākṣarātmakam || 62 ||
2.62 Mantra samt Ṛṣi, Versmaß, Gottheit und Gliedern: zuerst den Zwölfsilbenmantra, danach den Achtsilbenmantra.
mūrtimantrāṃśca tadanu samadhyāpya yathāvidhi |
strīśūdrāṇāṃ mantropadese viśeṣaḥ. |
kevalaṃ vaiṣṇavaṃ nāma namaḥ praṇavavarjitam || 63 ||
2.63 Anschließend lehre er vorschriftsgemäß die Mantras der Gottesgestalten. [Zur abweichenden Unterweisung von Frauen und Śūdras:] Für sie wird nur ein vaiṣṇavischer Name ohne „namaḥ“ und ohne Praṇava genannt,
huṃ phaḍhādivaṣaṭ svāhāvarjitaṃ keśavādikam |
adhyāpyaṃ strīṣu śūdreṣu tadvadevānulomaje || 64 ||
2.64 etwa Keśava, ohne „huṃ“, „phaṭ“, „vaṣaṭ“, „svāhā“ und ähnliche Zusätze. Ebenso verfährt die Quelle bei Menschen aus Anuloma-Verbindungen. Dies ist ihre historische Beschränkung der Mantra-Unterweisung.
śiṣyeṇa kumbhamaṇḍalasthadevatārcanam. |
kumbhasthaṃ maṇḍalasthaṃ ca hariṃ śiṣyassamarcayet || 65 ||
2.65 Der Schüler verehre Hari im Krug und im Maṇḍala.
guhuṇā śiṣyaniyamopadeśāya saṃvidhānam. |
ārādhya harimutthāya tasthuṣaḥ prañjale stathā |
mūrdhni śiṣyasyasa guru rhastedhyātvābjamaṇḍalam || 66 ||
2.66 Nachdem der Schüler Hari verehrt hat, erhebt er sich und steht mit zusammengelegten Händen. Der Guru vergegenwärtige in seiner eigenen Hand ein Lotus-Maṇḍala
stato |
hastaṃ nyase dviṣṇuhaste tataśśiṣyasya deśikaḥ |
ācārānni yamān sarvān bodhayedagni sannidhau || 67 ||
2.67 und lege die als Viṣṇus Hand betrachtete Hand auf den Kopf des Schülers. Dann unterweise der Lehrer ihn vor dem Feuer in allen Verhaltensregeln und Gelübden.
ācāraṃ niyamān |
śiṣyānuṣṭheyā bāhyaniyamāḥ. |
mantraḥ parasya nākhyeyo nākṣasūtraṃ pradarśayet |
na ca mudrāṃ nāpi siddhiṃ mantrasya kathayet svayam || 68 ||
2.68 Der Mantra soll anderen nicht mitgeteilt, die Gebetskette nicht vorgezeigt werden. Auch Mudrā und die erlangte Mantra-Vollendung soll man nicht selbst bekanntmachen; eine Variante nennt statt Vollendung den Klang beziehungsweise Ton.
svaram |
ācāryanāma navade nni yogānnāsya laṅghayet |
nniyaigam |
śayanādīṃścana gurorākramenna ca laṅghayet || 69 ||
2.69 Man nenne den Ācārya nicht beim persönlichen Namen und übertrete seine Anweisungen nicht. Seine Lagerstatt und ähnliche Gegenstände soll man weder betreten noch überschreiten.
na guruṃ dūṣayedvācā nācarettasya vipriyam |
guruvadgurudāreṣu vartitavyamasannidhau || 70 ||
2.70 Man schmähe den Guru nicht und handle nicht gegen das ihm Angenehme. In seiner Abwesenheit begegne man seiner Ehefrau mit derselben Achtung wie ihm.
ācāryamacyutaṃ śāttraṃ trayaṃ sammāna yetsadā |
nāstikādi sahavāsa niṣedhaḥ. |
nāstikān bhinnamaryādān deva brahmaṇadūṣakān || 71 ||
2.71 Ācārya, Acyuta und Lehrwerk soll man stets ehren. [Historische Abgrenzungsregel:] Ungläubige, Menschen, die die überlieferte Ordnung verletzen, sowie Verächter der Götter und Brahmanen
naspṛśennaiva taissārdhaṃ saṃvaseddurdaśānvapi |
gurudevādisannidhau vṛttiḥ. |
prasārayennaiva pādau gurudevāgni sannidhau || 72 ||
2.72 soll man nicht berühren und auch in Not nicht mit ihnen zusammenleben. Vor Guru, Gott und Feuer strecke man die Füße nicht aus.
niyamaviśeṣāḥ. |
veditavyaṃ jagatsarvaṃ vāsudevamayaṃ sadā |
anarcayītvā deveśaṃ nātmapoṣaṇa mācaret || 73 ||
2.73 Man soll stets wissen, dass die ganze Welt von Vāsudeva erfüllt ist. Ohne zuvor den Herrn der Götter verehrt zu haben, sorge man nicht für die eigene Ernährung.
javastotrapraṇāmādīn sandhyākāle samācaret |
bhagavaddhyānatatkarma kīrtaneṣu sadā kamet || 74 ||
2.74 Japa, Lobgesang, Verneigung und weitere Übungen vollziehe man zu den Übergangszeiten des Tages. Man finde stets Freude an Meditation über den Erhabenen, an seinem Dienst und an seinem Lob.
kartanyeṣu |
vaiṣṇavaṃ ca yatiṃ caiva dṛṣṭvātaṃ praṇamet kṣitau |
putradāragṛhakṣetra paśvādi dhanamātmanaḥ || 75 ||
2.75 Erblickt man einen Vaiṣṇava oder einen Entsagenden, verneige man sich vor ihm bis zur Erde. Kinder, Ehefrau, Haus, Land, Tiere und das übrige eigene Vermögen
vyapadeśyamaśeṣeṇa nāmnā bhagavato bhavet |
samassarveṣu bhūteṣu kāmakrodhau viparjayet || 76 ||
2.76 sollen ausnahmslos unter dem Namen des Erhabenen verstanden werden. Man sei gleichgesinnt gegenüber allen Wesen und überwinde Begehren und Zorn.
śanaiśśanairindriyāṇi viṣayebhyo nivārayet |
saṃsāravimukhaissārdhaṃ śāstrābhyāsaṃ samācaret || 77 ||
2.77 Nach und nach ziehe man die Sinne von ihren Gegenständen zurück. Mit Menschen, die sich vom Saṃsāra abwenden, übe man das Studium der Lehre.
śrautasmārtādikarmāṇi sadi seveta netarat |
svanūtroktena vidhinā niṣekādikriyā bhavet || 78 ||
2.78 Man pflege die vorgeschriebenen Śrauta- und Smārta-Handlungen und keine anderen. Die Lebensriten von der Zeugung an erfolgen nach dem eigenen Sūtra.
kuryātsarvāṇi karmāṇi bhagavaddhyānatatparaḥ |
guhyaṃ nāma ca gotraṃ ca prakṛtaṃ nānyadiṣyate || 79 ||
2.79 Alle Handlungen vollziehe man ganz auf die Meditation über den Erhabenen ausgerichtet. Beim vertraulichen Namen und beim Gotra gelte das ursprüngliche, nicht ein anderes; die knappe Formulierung ist nicht näher erläutert.
āsīno vā śayāno vā gacchan bhuñjāna eva vā |
sajkīrtayet smaredvāpi vāsudevaṃ sanātanam || 80 ||
2.80 Ob sitzend, liegend, gehend oder essend: Man preise oder erinnere den ewigen Vāsudeva.
Kapitel 3: Tägliche Verehrung und innere Reinigung
pādmasaṃhitāyām |
caryāpādetṛtīyo'dhyāyaḥ |
tṛtīyo'dhyāyaḥ |
bhagavadārādhanavidhiḥ. |
śrībhahavān |
śrūyatāmabhidhāsyāmi brahmannārādhanaṃ hareḥ |
yena viṣṇoḥ padaṃ martyaḥ propnotyamaradurlabham || 1 ||
3.1 Der erhabene Herr sprach: Höre, Brahmā, ich werde Haris Verehrung erklären, durch die ein Mensch Viṣṇus selbst für Götter schwer erreichbaren Ort erlangt.
snānabhedāḥ. |
snānamūlāḥ kriyāssarvāḥ snānaṃ ca bahudhā śrutam |
vāruṇaṃ divyamāgneyaṃ vāyavyaṃ pārthivaṃ tathā || 2 ||
3.2 Alle rituellen Handlungen wurzeln im Bad. Das Bad wird in mehreren Formen überliefert: als Wasserbad, göttliches, feuriges, windhaftes und erdhaftes Bad,
māntraṃ mānasamityevaṃ snānaṃ saptavidhaṃ smṛtam |
nirīkṣya cātmanaśśaktiṃ samayaṃ deśameva ca || 3 ||
3.3 ferner als Mantra-Bad und geistiges Bad. So werden sieben Arten genannt. Man berücksichtige die eigenen Kräfte, die Zeit und den Ort
etaṣvekataraṃ kuryātsamārādhanatatparaḥ |
vāruṇāsnānasvarūpam. |
avagāhana mapsvantarvāruṇaṃ snānamiṣyate || 4 ||
3.4 und vollziehe eine dieser Formen, ganz auf die Verehrung ausgerichtet. Das Eintauchen in Wasser gilt als Varuṇa-Bad.
sahātapena varṣeṇa snānaṃ divyamanantaram |
samidhāṃ dīpitānāṃ ca gomayasya hutasya ca || 5 ||
3.5 Das Baden im Regen bei gleichzeitigem Sonnenschein gilt als göttliches Bad. Aus verbrannten Opferscheiten oder geopfertem Kuhdung gewonnene
sitena bhasmanā'ṅgeṣu lalāṭādiṣu cakramāt |
yadūrdhvapuṇḍrakaraṇaṃ mantroccāraṇapūrvakam || 6 ||
3.6 weiße Asche verwendet man der Reihe nach an Stirn und weiteren Körperstellen, um unter Mantra-Rezitation das aufwärts gerichtete Stirnzeichen anzubringen.
tadāgneyaṃ bhavet snānaṃ śodhanaṃ paramaṃ smṛtam |
gacchatsu goṣu pādotthairajobhirbhūmisambhavaiḥ || 7 ||
3.7 Das ist das feurige Bad; es gilt als besonders reinigend. Wenn gehende Kühe mit ihren Füßen Staub von der Erde aufwirbeln,
vātotthaiḥ |
sparśanaṃ vapuṣassnanaṃ vāyavyaṃ tadudāhṛtam |
praśaste varvatāgrādau jātayā svetamṛtsnayā || 8 ||
3.8 wird dessen Berührung mit dem Körper als windhaftes Bad bezeichnet. Mit weißer Erde von einem geeigneten Berggipfel oder einem ähnlichen Ort
uccārya keśavādīnā nāmānyaṅge yathākramam |
lalāṭādau yadvidhāna murdhvapuṇḍrasya tadbhavet || 9 ||
3.9 bringe man unter Rezitation der Namen Keśavas und der weiteren Gestalten der Reihe nach die aufwärts gerichteten Zeichen an Stirn und anderen Körperstellen an.
pārthivaṃ snānamabliṅgairmantrairviprakareritaiḥ |
atra ūrdhvapuṇḍraṃ mṛdā dhāryaṃ sāntarālaṃ triyaṅgulam |lakṣmyāsārdhaṃ sukhāsīno kamehaṃ tatra nirvṛtaḥ || iti padyaṃ kvaciddṛśyate |
ambhobhiḥ prokṣaṇaṃ brahmaṃ stanmāstraṃ snānamiṣyate || 10 ||
3.10 Dies ist das erdhafte Bad. Das Besprengen mit Wasser unter wasserbezogenen, von Brahmanen gesprochenen Mantras heißt Mantra-Bad. Eine Quellennotiz fügt einen Vers hinzu: Das Stirnzeichen aus Erde soll drei Aṅgula messen und einen Zwischenraum haben; dort weile der Gott glücklich mit Lakṣmī.
mānasasnānam |
trirācamyā'hataṃ vāsaḥ paridhāya sukhānasaḥ |
prāṇāna yamya māṃ dhyāye ddhṛdayāmbhoruhe sthitam || 11 ||
3.11 [Zum geistigen Bad:] Nach dreimaligem Mundspülen lege man ein unbenutztes Gewand an, sitze bequem, reguliere den Atem und meditiere über mich im Herzlotus.
dhyānenānena nirddhūtakalmaṣo jāyate pumān |
snānaṃ mānasametatsyāt snataśca harimarcayet || 12 ||
3.12 Durch diese Meditation wird der Mensch von Verunreinigung befreit. Dies heißt geistiges Bad. Nach dem Bad verehre man Hari.
ājānu pādau prakṣālya hastau cāmaṇi bandhanāt |
ācamya ca dvārapārśvaṃ gatvāṅganyāsapūrvakam || 13 ||
3.13 Man wasche Füße und Beine bis zu den Knien, die Hände bis zu den Gelenken, spüle den Mund und trete nach dem Aṅga-Nyāsa an den Eingang.
bhagavanmandirakavāṭodghāṭanam |
tālatrayaṃ ca hastābhyāṃ kṛtvā'bhivalajaṃ sthitaḥ |
kavāṭa mudghāṭya tato vāyamantreṇa mantrevit || 14 ||
3.14 Dort stehend klatsche der Mantrakenner dreimal in die Hände und öffne die Tür mit dem Vāyu-Mantra.
phaṇṭāyāścālanaṃ kuryātkapāṭodghāṭanādiṣu idamardhaṃ kvacidadhika masti |
padmaja |
sāmnā devavratenāntaḥ praviśeddakṣiṇāṅghriṇā |
praṇamecchirasā devaṃ puṇḍarīkākṣa vidyayā || 15 ||
3.15 Mit dem Devavrata-Sāman trete man mit dem rechten Fuß zuerst ein und verneige sich vor dem Gott unter der Puṇḍarīkākṣa-Formel. Eine zusätzliche Halbzeile schreibt Glockenläuten bei der Türöffnung und ähnlichen Handlungen vor.
āropiteṣu dīpeṣu mālye cāpi nirāsite |
vedyāṃ pātreṣu bimbeṣu śodhiteṣu yathātatham || 16 ||
3.16 Die Lampen sind entzündet, die alten Kränze entfernt, Altar, Gefäße und Bilder angemessen gereinigt.
dvārapūjāmukhe sarvaparivārasamarcane |
kṛte śiṣyeṇa vā'nyena paricārapareṇa vā || 17 ||
3.17 Die Verehrung am Eingang und des gesamten Gefolges ist von einem Schüler oder einem anderen Dienenden vollzogen. Eine zusätzliche Quellennotiz erklärt, ohne Verehrung des Gefolges und ordnungsgemäße Feuerhandlung bleibe der Gottesdienst ohne Nutzen.
parivārānanabhyarcya tathaivāgni samīḍanam |bhogairakṛtvā devasya pūjāsyānniṣprayojanā |tasmādyathoktamārgeṇa pūjanaṃ sthāna vṛddhidam | iti kvaci dadhikaṃ dṛśyate |
pūjakaparikarmā. |
pūjako'laṅkṛtassragvīśuklāmbaradhaṃ śśuciḥ |
śuklopavītottarīyaśca ndanādya nulepanaḥ || 18 ||
3.18 Der Verehrende sei rein, geschmückt, mit Kranz und weißem Gewand, weißer heiliger Schnur und Obergewand bekleidet, mit Sandel und anderen Düften gesalbt.
candanaśvetamṛtsnāmbu talpitā grordhvapuṇḍrakaḥ |
ārabhya nāsikāmūlaṃ lalāṭāntaṃ likhetkramāt || 19 ||
3.19 Mit Sandel beziehungsweise mit in Wasser angerührter weißer Erde trage er das aufwärts gerichtete Zeichen vom Nasenansatz bis zum oberen Stirnrand auf. Die Vorlage bietet mehrere Fassungen dieser Anweisung.
śvetamṛtsnāmbukalkena dhārayedūrdhva puṇḍrakam. idamardhaṃ candanetya rdhasthānekvaciddṛśyate |
idamardhaṃ kvacinnāsti |
ātmaśuddhiḥ. |
devapārśvāṃ samāsādya pārśve savyetare svayam |
āsīno viṣṭage śuddhe ṝsyādau svasti kāsane || 20 ||
3.20 Er trete an die rechte Seite des Gottes und sitze auf einem reinen Sitz, etwa aus Antilopenfell, im Svastika-Sitz. Die Seitenangabe besitzt eine abweichende Lesart.
savyottare |
āsīta |
badhvā padmāsanaṃ vāpi dūryāghoṣe pravartite |
tiraskariṇyāca dvāre niśchidraṃ cchādite tataḥ || 21 ||
3.21 Oder er nehme den Lotussitz ein. Instrumente erklingen, und der Eingang ist vollständig mit einem Vorhang geschlossen.
astramantreṇa kakubho badhvā dhūmadhvajaṃ bahiḥ |
prākāravat sthitaṃ dhyāyettejo mantreṇa mantravit || 22 ||
3.22 Mit dem Waffenmantra sichere der Mantrakenner die Richtungen. Mit dem Glanz-Mantra vergegenwärtige er außen Feuer, das wie eine Umfassungsmauer steht.
cakramudrāṃ ca khe nyasya cakramantreṇa sādhakaḥ |
gopayannitthamātmānaṃ prāṇāyāmaistribhiḥ kramāt || 23 ||
3.23 Der Übende setze mit dem Diskus-Mantra die Diskus-Mudrā in den Raum. So schütze er sich und vollziehe der Reihe nach drei Prāṇāyāmas.
yuktaḥ kṛtvā yogamudrāṃ nābhikanṭe sthitaṃ punaḥ |
vedyākāraṃ vāyubījaṃ dhyātvā tajjena vāyunā || 24 ||
3.24 Gesammelt bilde er die Yoga-Mudrā. Im Nabelbereich meditiere er über das altarartig geformte Luft-Bīja und lasse durch den daraus entstehenden
dhūmreṇa dehapāpmānaṃ śoṣayitvā niranvayam |
trikoṇamagnibhījaṃ ca raktavarṇaṃ hṛdambuje || 25 ||
3.25 rauchfarbenen Wind die Verunreinigungen des Leibes vollständig austrocknen. Im Herzlotus meditiere er über das rote, dreieckige Feuer-Bīja.
dhyātvā tadutthasaptārciśśikhābhiḥ kalmaṣaṃ dahet |
māhendra bījaṃ vinyasya pītābhaṃ caturaśrakam || 26 ||
3.26 Mit den daraus hervorgehenden sieben Feuerzungen verbrenne er die Verunreinigung. Dann lege er das gelbe, viereckige Māhendra-Bīja
kaṇṭhe sahasparśanena stambhayedagnimutthitam |
vāyunā kumbhakenaiva vṛttaṃ sphaṭikasannibham || 27 ||
3.27 in den Hals und halte damit, verbunden mit Berührung und dem Kumbhaka des Atems, das aufgestiegene Feuer an. Das runde, kristallhelle
vinyasya vāruṇaṃ bījaṃ mūrdhni tajjāmṛtāmbhasā |
kṣālayetsarvato dehamāpādatalamastakam || 28 ||
3.28 Varuṇa-Bīja lege er in den Kopf. Mit dem daraus entstehenden Nektarwasser wasche er den ganzen Leib von den Fußsohlen bis zum Scheitel.
pṛthivyādīni tatvāni samādhiparayā dhiyā |
paramātmani saṃhṛtya pralayakramamāsthitaḥ || 29 ||
3.29 Mit ganz gesammeltem Geist nehme er die Tattvas von der Erde an in der Auflösungsfolge in das höchste Selbst zurück.
pṛthivīṃ pañcaguṇakāṃ pītābhāṃ caturaśrakām |
ghrāṇopasthendriyayutāṃ tanmātrālakṣaṇe tataḥ || 30 ||
3.30 Die gelbe, viereckige Erde mit ihren fünf Eigenschaften und mit Geruchs- und Zeugungsorgan nehme er in das feine Geruchsprinzip zurück.
gandhe saṃhṛtya yogena gaganena vicakṣaṇaḥ |
kasanā pāyvīndriyābhyāṃ sahāpaśca caturguṇāḥ || 31 ||
3.31 Dies vollziehe der Kundige durch Yoga; das zusätzliche Wort „gagana“ ist hier unklar. Das Wasser mit seinen vier Eigenschaften, mit Zunge und Ausscheidungsorgan,
gahanena |
saha paścāccatu |
ardhacandrākṛti ścaitā stanmātrālakṣaṇe kase |
śśvetā |
gandhaṃ ca tanmātrātmānaṃ tatogniṃtryaśrapāṭalam || 32 ||
3.32 halbmondförmig und nach einer Variante weiß, nehme er zusammen mit dem feinen Geruch in das feine Geschmacksprinzip zurück. Danach das rote, dreieckige Feuer
triguṇaṃ dṛṣṭicaraṇastrotobhyāṃ susamāhitaḥ |
tanmātrālakṣaṇe rūpe rasaṃ tanmātrayā saha || 33 ||
3.33 mit seinen drei Eigenschaften, Sehvermögen und Füßen, zusammen mit dem feinen Geschmack in das feine Formprinzip.
saṃhareddviguṇaṃ vāyuṃ sparśetanmātralakṣaṇe |
dhūmraṃ vṛttaṃ tatkarābhyāṃ rūpaṃ tanmātrayā saha || 34 ||
3.34 Die rauchfarbene, runde Luft mit zwei Eigenschaften, mit Haut und Händen, nehme er zusammen mit der feinen Form in das feine Berührungsprinzip zurück.
vāyunā saṃharedyogī khaṃ ca śabdaguṇaṃ punaḥ |
tanmātrālakṣaṇe śabhde nīlotpala dalaprabham || 35 ||
3.35 Dann nehme der Yogin den Raum, dessen Eigenschaft Klang ist und dessen Glanz einem blauen Lotusblatt gleicht, in das feine Klangprinzip zurück,
yuñjānaḥ |
sparśaṃ ca tanmātrātmānaṃ śrutipāksahitaṃ tataḥ |
saṃhṛtya śabdatanmātrāṃ svānte svāntamahaṅkṛtau || 36 ||
3.36 zusammen mit feiner Berührung, Gehör und Rede. Das feine Klangprinzip nehme er in den Geist zurück, den Geist in den Ahaṃkāra.
ahaṅkṛtiṃ buddhitatve buddhiṃ ca prakṛtau punaḥ |
jīve ca prakṛtiṃ jīvaṃ vāsanāvivaśaṃ tataḥ || 37 ||
3.37 Den Ahaṃkāra nehme er in Buddhi zurück, Buddhi in Prakṛti, Prakṛti in den Jīva. Diesen noch von Prägungen bestimmten Jīva,
susūkṣmaṃ nābhicakre sve bhāskarābhamavasthitam |
nuṣumnayā nāḍikayā padmasūtrasusūkṣmayā || 38 ||
3.38 äußerst fein, sonnengleich und im eigenen Nabelzentrum gegenwärtig, lasse er durch den Suṣumnā-Kanal aufsteigen, der so fein wie ein Lotusfaden ist.
uparyārohayeddehe kumbhakena sabhasvatā |
bhitvā ca brahmaṇo randhraṃ bahirdehādvinirgatam || 39 ||
3.39 Mit dem im Kumbhaka gehaltenen Atem führe er ihn im Körper aufwärts, durch die Scheitelöffnung und aus dem Körper hinaus.
praviśya bhāskarasyāpi maṇḍalānnirgataṃ bahiḥ |
aśarīraṃ tathā jīvaṃ parasmin brahmaṇi druve || 40 ||
3.40 Er trete durch den Sonnenkreis hindurch und darüber hinaus. Den so körperlosen Jīva vergegenwärtige man im höchsten, beständigen Brahman.
sthitaṃ dhyāyet sthitaṃ tatra svadehaṃ yonijaṃ dahet |
nyastena śikhibhījena pādāgrejvalanaṃ dviṣā || 41 ||
3.41 Während er dort ruht, verbrenne man geistig den eigenen aus dem Mutterleib geborenen Körper. Dazu lege man an die Fußspitzen das Feuer-Bīja; das anschließende Wort ist beschädigt.
pādādimūrdhaparyantaṃ dagdhe dehe nije tataḥ |
nivṛttibījaṃ khe dhyāye tpūrṇa candrāyuto pamam || 42 ||
3.42 Wenn der eigene Körper von den Füßen bis zum Kopf verbrannt ist, meditiere man im Raum über das Nivṛtti-Bīja, leuchtend wie zehntausend Vollmonde.
tadutthapīyūṣanidhau jā te pāṇḍara paṅkaje |
smarejjīvaṃ samutpannaṃ sakāśādbhrahmaṇa stadā || 43 ||
3.43 In dem daraus entstehenden Nektarmeer erscheint ein weißer Lotus. Darin vergegenwärtige man den Jīva, wie er aus der Nähe Brahmans hervortritt.
jīvātpradhānaṃ tasmācca buddhiṃ buddherahaṅkṛtim |
tato manastataśśabdaṃ tanmātrāṃ khaṃ tatassaha || 44 ||
3.44 Aus dem Jīva entsteht Pradhāna, daraus Buddhi, aus Buddhi Ahaṃkāra, daraus der Geist, dann das feine Klangprinzip und daraus der Raum,
pākchrutibhyāṃ śabdhaguṇaṃ tanmātrāṃ sparśalakṣaṇām |
vāyuṃ sparśaguṇaṃ sārdhaṃ tvacā hastena casmaret || 45 ||
3.45 mit Rede und Gehör und der Eigenschaft Klang. Man vergegenwärtige das feine Berührungsprinzip und die Luft mit der Eigenschaft Berührung, zusammen mit Haut und Händen.
tanmātrāṃ sparśarūpāṃ tāṃ tatogniṃ saha cakṣuṣā |
padbhyāṃ rūpaguṇaṃ rūpatanmātrāṃ ca rasaṃ tataḥ || 46 ||
3.46 Dann folgen das feine Formprinzip und das Feuer mit der Eigenschaft Form, mit Augen und Füßen, danach der feine Geschmack. Haupttext und Varianten wiederholen an dieser Stelle den Berührungsbegriff; die inhaltliche Folge ist durch die Varianten nur teilweise gesichert.
tanmātrāṃ ca sparśanāmnām. tataśca sparśatanmātrām. tanmātrāṃ ca tatorūpām. iti ca pāṭhāntaram |
tasmāttanmātrām |
punaḥ |
apo rasaguṇāḥ pāyurasanābhyāṃ sahābjaja |
gandhaṃ ca tanmātrātmānaṃ sahagandhaguṇāṃ bhuvam || 47 ||
3.47 Daraus entsteht Wasser mit der Eigenschaft Geschmack, mit Ausscheidungsorgan und Zunge, Lotusgeborener; danach das feine Geruchsprinzip und die Erde mit der Eigenschaft Geruch.
samutpannaṃ smaredvidvān phrāṇopasthayutaṃ tathā |
itthaṃ śarīramātmīyaṃ sṛṣṭaṃ mahyādibhūtajam || 48 ||
3.48 Der Kundige vergegenwärtige ihr Entstehen zusammen mit Geruchs- und Zeugungsorgan. So ist der eigene Körper aus Erde und den weiteren Elementen neu geschaffen.
vicintya paṅkajaṃ budhyā prabuddhaṃ tadvinissṛtaiḥ |
śātakumbhamayaiḥkumbhaiḥ pūrṇairamṛtavāribhiḥ || 49 ||
3.49 Dann stelle man sich vor, wie der Lotus aufblüht und aus ihm goldene Krüge voll Nektarwasser hervorgehen.
snāpitaṃ śuddhamanaghaṃ cintayitvā nijaṃ vapuḥ |
ārādhane hare ryogyaṃ parasya paramātmanaḥ || 50 ||
3.50 Man vergegenwärtige den eigenen Körper als damit gebadet, rein und makellos, geeignet zur Verehrung Haris, des höchsten Selbst.
mantranyāsavidhiḥ. |
dhyāyannaṣṭākṣaraṃ mantraṃ dvādaśākṣarameva vā |
sṛṣṭisthitilayavyāsai rhastanyāsa purassaram || 51 ||
3.51 Man meditiere über den Acht- oder den Zwölfsilbenmantra. Nach dem Hand-Nyāsa lege man ihn in den Folgen von Schöpfung, Erhaltung und Rücknahme nieder,
nyasyedaṅgraṣu mūrdhādi pādānteṣu yathā tatham |
praṇavanyāsaḥ. |
talaṃ pṛṣṭhaṃ cakarayo śśodhayutvāstra vidyayā || 52 ||
3.52 an den entsprechenden Körperstellen vom Kopf bis zu den Füßen. Mit der Waffenformel reinige man Handflächen und Handrücken.
aṅgralīnāṃ ca sarvāsāṃ parvasvādyantavartiṣu |
iṣyate praṇavanyāso madhyameṣu ca parvasu || 53 ||
3.53 An den ersten und letzten Gliedern aller Finger erfolgt der Nyāsa des Praṇava; in die mittleren Fingerglieder
aṣṭākṣarasya sṛṣṭilayasthitīnāṃ nyāsaḥ. |
mantrākṣarāṇi vinyasye nnyāsa eṣa sanātanaḥ |
parvadakṣiṇa tarjanyāḥ prakramyāṅguliparvasu || 54 ||
3.54 lege man die Mantrabuchstaben. Dies ist der ewige Nyāsa. Man beginne an einem Glied des rechten Zeigefingers; eine Variante nennt den Daumen.
mantrākṣarāṇāṃ vinyāso |
prakramyāṅgruṣṭha |
dakṣiṇetaratarjanyāḥ parvāntaṃ sādhakottamaḥ |
sṛṣṭinyāsamimaṃ kuryā dvyatyāsena tu saṃhṛtau || 55 ||
3.55 Bis zum Glied des linken Zeigefingers vollziehe der beste Übende den Schöpfungs-Nyāsa; für die Rücknahme verfahre er umgekehrt.
dvinyāsena |
prakramya tarjanīparva kaniṣṭhāparva viśramaḥ |
sthitāvaṣṭākṣarasyeṣa mantrasya nyāsa īritaḥ || 56 ||
3.56 Für die Erhaltung beginne man am Zeigefingerglied und ende am Glied des kleinen Fingers. Dies ist der erklärte Nyāsa des Achtsilbenmantras.
dvādaśākṣaramastrasya sṛṣṭilayasthitīnāṃ nāsaḥ |
dvādaśākṣara mantrasya nyāsassamprati kathyate |
nyāsastavale madhyamayā tarjanyā'ṅguparvaṇi || 57 ||
3.57 Nun wird der Nyāsa des Zwölfsilbenmantras beschrieben. Der Beginn nennt Handfläche, Mittelfinger und Zeigefingerglied, ist aber sprachlich beschädigt.
kṛtvā pradakṣiṇaṃ parnasvaṅguṣṭhenetareṣu tu |
savye tale tu viśrānti ssṛṣṭānaparadhā laye || 58 ||
3.58 Mit dem Daumen vollziehe man die Folge rechtsherum an den anderen Gliedern; der Schöpfungs-Nyāsa endet in der linken Handfläche. Bei der Rücknahme geschieht es andersherum.
talayoḥprakramasthāne dakṣiṇetarayordvamayoḥ |
kaniṣṭhayośca viśrāntiḥ parvaṇo rubhayorapi || 59 ||
3.59 Bei der Erhaltungsfolge bilden die beiden Handflächen rechts und links den Anfang, die Glieder der beiden kleinen Finger den Abschluss.
dvādaśākṣara mantrasya nyāso'yaṃ kamalāsana |
aṣṭākṣara sthānāni. |
hṛdayādīni cāṅgāni dhyātvā'ṅguṣṭhādi pañcasu || 60 ||
3.60 Dies ist der Nyāsa des Zwölfsilbenmantras, Lotusgeborener. Über die Glieder vom Herzen an meditiere man in den fünf Fingern, beginnend mit dem Daumen.
nyasyennakhamukhe netre tale savye gadā dharau |
savyetare padmacakrenyasyesnyāsaḥ karadvaye || 61 ||
3.61 An den Nagelspitzen lege man die Augen nieder, in die linke Handfläche Keule und Muschel, in die rechte Lotus und Diskus. Die Muschel ist durch die Variante „dara“ verdeutlicht.
darau itikvacit |
īritastalayormantraṃ dhyātvā tejobhiru jvalam |
tābhyāṃ mūrddhādipādāntaṃ dehe nyasye tsamūhitaḥ || 62 ||
3.62 So ist der Nyāsa in beiden Händen erklärt. Man vergegenwärtige den Mantra in den Handflächen als hell leuchtend und lege ihn mit beiden Händen gesammelt vom Kopf bis zu den Füßen in den Körper.
tsamantaḥ |
vyāpakaṃ kañcukaṃ yadvā mantramakṣaraśastataḥ |
mūrdninetre mukhe citte nābhyāṃ guhye ca jānuni || 63 ||
3.63 Man lasse ihn den Körper ganz durchdringen oder wie ein Gewand umgeben. Buchstabe für Buchstabe erfolgt der Nyāsa an Kopf, Augen, Mund, Herz, Nabel, Scham, Knien
mantrastvakṣaraśa |
caraṇau kramaśassṛṣṭau nyāso mantrasya iṣyate |
viparītakramojñeya ssaṃhṛtau pālane punaḥ || 64 ||
3.64 und Füßen: Dies ist die Schöpfungsfolge des Mantras. Die umgekehrte Folge gilt als Rücknahme; bei der Erhaltung
nābhyādi pṛdayānteṣu nyāsoṅgeṣu prakīrtitaḥ |
aṣṭākṣarasya mantrasya sthānānyetāni tāni ca || 65 ||
3.65 beginnt der Nyāsa am Nabel und endet am Herzen. Dies sind die Körperstellen des Achtsilbenmantras.
dvādaśākṣara sthānāni. |
śirasaḥ paścimaṃ pūrvaṃ dakṣiṇaṃ cottaraṃ tataḥ |
catvāri ca caturvaktrasthānāni dvādaśākṣare || 66 ||
3.66 Beim Zwölfsilbenmantra kommen vier Stellen am Kopf hinzu: hinten, vorne, rechts und links, Viergesichtiger.
aṣṭākṣara nyāsabhūmayaḥ. |
mūrdhni madhyamayā'ṅgulyā tarjanyā saha cakṣuṣoḥ |
nyasyenmukhe'nāmikayā sāṅguṣṭhena ca mantravit || 67 ||
3.67 Am Kopf verwende man den Mittelfinger, an den Augen diesen zusammen mit dem Zeigefinger; am Mund Ringfinger und Daumen.
aṅguṣṭha tarjanībhyāṃ tu hṛdaye nyasanaṃ bhavet |
tathāṅguṣṭha kaniṣṭhābhyāṃ nābhau nyāsaḥ praśasyate || 68 ||
3.68 Am Herzen erfolgt der Nyāsa mit Daumen und Zeigefinger, am Nabel vorzugsweise mit Daumen und kleinem Finger.
vināṅguṣṭhena śeṣābhirguhye jānuni cobhayoḥ |
samastābhiścaraṇayo rityaṣṭākṣarabhūmayaḥ || 69 ||
3.69 An Scham und beiden Knien verwende man die übrigen Finger ohne Daumen, an den Füßen alle Finger. So werden die Stellen des Achtsilbenmantras berührt.
dvādaśākṣara nyāsabhūmayaḥ. |
prāgbhāge śirasoṅgulyā nyāso'ṅguṣṭhena dakṣiṇe |
tarjanyā paścime bhāge nyāso'nāmika yottare || 70 ||
3.70 Vorne am Kopf erfolgt der Nyāsa mit einem hier nicht näher bezeichneten Finger, rechts mit dem Daumen, hinten mit dem Zeigefinger und links mit dem Ringfinger.
kaniṣṭhayātadhaitāssyurdvādaśākṣarabhūmayaḥ |
mantrākṣarāṇāṃ varṇāḥ |
rūpaṃ kramṇākṣarāṇāṃ nyāsakāle vicintayet || 71 ||
3.71 Auch der kleine Finger wird anschließend genannt; die Zuordnung der vollständigen Folge ist beschädigt. So werden die Stellen des Zwölfsilbenmantras angegeben. Während des Nyāsa vergegenwärtige man die Farben seiner Buchstaben der Reihe nach.
śuklaṃ hiraṇyayaṃ kṛṣṇaṃ raktaṃ kuṅkuma sannibham |
padmakiñjalka sadṛśaṃ sarvavarṇa kamaṣṭakam || 72 ||
3.72 Für die acht Laute nennt die Quelle Weiß, Gold, Schwarz, Rot, Safranfarbe, Lotusstaubfarbe und Allfarbigkeit; die Variante ergänzt Blau, wodurch acht Farben erreicht werden.
padmakiñjalkanīlaṃ ca |
sitaṃ kṛṣṇaṃ ca dhūmrābhaṃ śyāmaṃ tārānibhaṃ tataḥ |
sphaṭikābhaṃ ca śajkhābhaṃ kaktaṃ śuklaṃ ca lohitam || 73 ||
3.73 Für die andere Folge werden Weiß, Schwarz, Rauchfarbe, Dunkelgrün beziehungsweise Dunkelblau, Sternenglanz, Kristallglanz, Muschelweiß, Rot, Weiß und nochmals Rot genannt,
tamorūpaṃ pītavarṇaṃ dhvātvāmantradvayākṣaram |
ṣaḍaṅganyāsaḥ |
sthāne yathokte vinyasya ṣaḍaṅganyāsamācaret || 74 ||
3.74 dazu Finsternisfarbe und Gelb. Nachdem man die Laute beider Mantras mit ihren Farben an den vorgeschriebenen Stellen niedergelegt hat, vollziehe man den sechsgliedrigen Nyāsa.
hṛdayaṃ ca śiraśceva śikhā kavaca meva ca |
netramastraṃ ṣaḍetāni hṛdaye mastake tathā || 75 ||
3.75 Die sechs Glieder sind Herz, Kopf, Haarschopf, Panzer, Augen und Waffe. Ihre Orte sind Herz und Kopf,
śikhāyāmānupūrvyeṇa skanthasyobhaya pārśvayoḥ |
netrayordikṣu sarvāsu nyasanīyāni bhūmiṣu || 76 ||
3.76 Haarschopf, beide Schulterseiten, die Augen und alle Richtungen, jeweils der Reihe nach.
ṣaṇṇāṃ rūpāṇi. |
rūpāṇi ṣaṇṇāṃ kumudaṃ bandhūka masitotpalam |
abjakesara mambhoja matasī sūna sannibham || 77 ||
3.77 Ihre sechs Erscheinungsfarben gleichen weißer Wasserlilie, Bandhūka-Blüte, dunklem Lotus, Lotusstaub, Lotusblüte und Atasī-Blüte.
rūpasampadam |
divyāyudhadharaṃ divyavastramālyānu tepanam |
kaustubhaṃ vanamālāṃ ca śrīvatsaṃ divyalakṣaṇam || 78 ||
3.78 Man vergegenwärtige sich mit göttlichen Waffen, göttlichen Gewändern, Kränzen und Salben, mit Kaustubha, Waldblumengirlande und dem göttlichen Śrīvatsa-Zeichen.
bibhrāṇaṃ bhāvayetsākṣādātmānaṃ parameśvaram |
arcayennyāsabījāni gandapuṣpādibhiḥ kramāt || 79 ||
3.79 So betrachte man sich unmittelbar als den höchsten Herrn. Die niedergelegten Bījas verehre man der Reihe nach mit Duft, Blumen und weiteren Gaben.
mānasairūpa cāraiśca hṛdayāmbhoruhe sdhitam |
homāntamarca yetpūrvaṃ pāsudevaṃ sanātanam || 80 ||
3.80 Mit geistigen Verehrungsdiensten bis zum Homa verehre man zuerst den ewigen Vāsudeva im Herzlotus.
homantaira |
mantraśuddhiḥ |
ātma śuddhiriyaṃ proktā mantraśuddhistu kathyate |
ṣadviṃśe nārṇabījena mantrabījāni śoṣayet || 81 ||
3.81 Damit ist die Selbstreinigung erklärt. Nun folgt die Mantra-Reinigung: Mit dem sechsundzwanzigsten Laut-Bīja trockne man die Mantra-Bījas aus; eine Variante nennt das Waffen-Bīja.
nāstrabhījena |
toṣayet |
saptaviṃśena bījena dahedetāni varṇaśaḥ |
aṣṭāviṃśena bījena khe ca stambha namācaret || 82 ||
3.82 Mit dem siebenundzwanzigsten Bīja verbrenne man sie Buchstabe für Buchstabe, mit dem achtundzwanzigsten halte man sie im Raum fest.
teṣu |
ekonatriṃśabījena tānyeva kṣā layetpunaḥ |
huṅkāreṇa prabuddhāni phaṭkāreṇa vicakṣaṇaḥ || 83 ||
3.83 Mit dem neunundzwanzigsten Bīja wasche man sie wieder. Mit „huṃ“ erwecke man sie, mit „phaṭ“ wende der Kundige sie sich zu.
kuryādabhimukhānya nvakpraṇavena viśodhayet |
tamakṣamālayā śuddhaṃ japenmantraṃ samāhitaḥ || 84 ||
3.84 Danach reinige man sie mit dem Praṇava. Den so gereinigten Mantra rezitiere man gesammelt mit der Gebetskette.
dvā praṇavena |
aṣṭottara śataṃ vārā naṣṭāviṃśati meva vā |
aṣṭhau vāmantravinmantraṃ bījādyanta puṭhīkṛtam || 85 ||
3.85 Der Mantrakenner rezitiere ihn 108-mal, 28-mal oder achtmal, an Anfang und Ende vom Bīja umschlossen.
pūjādravyāṇi sarvāṇi kṣālayeccāmbu pūritām |
dakṣiṇe vāmapārśvevā viniveśya gala ntikām || 86 ||
3.86 Alle Verehrungsmaterialien wasche man. Ein mit Wasser gefülltes Gießgefäß stelle man rechts oder links auf.
dakṣiṇa sthāpayītvātu vāme pārśve |
arghyādi pātrāṇyādāya gāyatryā viṣṭhupūrvayā |
prakṣālya pādeṣpādadhyāddevasyāgre'tha padmaja || 87 ||
3.87 Man nehme die Gefäße für Arghya und die weiteren Gaben, reinige sie mit der Viṣṇu-Gāyatrī und stelle sie vor dem Gott auf ihre Untersätze, Lotusgeborener; eine Variante bezieht den Standort auf den Verehrenden selbst.
pātmanaḥ |
pādyaṃ madhye dakṣiṇe'rghyaṃ pāme cācamanīyakam |
tasya pārśvasya pārśvetu vāme snānīyapātrakam || 88 ||
3.88 In die Mitte kommt Fußwaschwasser, rechts Arghya, links Mundspülwasser; weiter links das Badegefäß. Eine Variante nennt zusätzlich Gefäße mit reinem Wasser an den Seiten.
tatpārśvayośca śuddāpā pātram |
pūrṇāni gālitāmbobhiḥ pātrāṇi nigamādinā |
arghyādiṣu kṣevaṇīyadravyāṇi. |
saṃspṛśyārghyādi pātreṣu dravyāṇi viniveśayet || 89 ||
3.89 Die Gefäße fülle man mit gefiltertem Wasser, berühre sie mit der Anfangsformel des Veda und lege die zugehörigen Stoffe hinein.
kuśāgramakṣataṃ puṣpaṃ phalaṃ malayajaṃ tathā |
tirlā siddhārthasahitān yavā na rghyasya bhājane || 90 ||
3.90 In das Arghya-Gefäß kommen Kuśa-Spitzen, ungebrochener Reis, Blumen, Früchte, Sandel, Sesam, weiße Senfkörner und Gerste.
narghye vinikṣipet |
tilān dūrvāṃ viṣṇuparṇīṃ śyāmākaṃ padmamakṣatam |
prādyapātre ṣaḍetāni dravyāṇi viniveśayet || 91 ||
3.91 In das Fußwaschgefäß lege man sechs Stoffe: Sesam, Dūrvā, Viṣṇuparṇī, Śyāmāka, Lotus und ungebrochenen Reis.
elālavaṅgakarpūraṃ jātītakkola candanam |
puṣpāṇyācamanīye tu pātre dravyāṇi kalpayet || 92 ||
3.92 Für das Mundspülgefäß bereite man Kardamom, Nelken, Kampfer, Jātī, Takkola, Sandel und Blumen.
sandhaṃ sarvaiṣadhī ratnaphalabīja kuśāni ca |
tilāni cākṣataṃ caiva dadhikṣīraghṛtāni ca || 93 ||
3.93 Duftstoff, die Kräutermischung Sarvauṣadhi, Edelsteine, Früchte, Samen, Kuśa, Sesam, ungebrochener Reis, Dickmilch, Milch und Ghee
gandham ityādi dvādaśāram ityantaṃ kvacinna |
rajanī dvādaśāṅgāni snānīye ca vinikṣipet |
koṣṭhaṃ māṃsīhiridre dve murāśaileyacampakāḥ || 94 ||
3.94 sowie Kurkuma bilden die zwölf Bestandteile des Badewassers. Als Kräuter werden Koṣṭha, Māṃsī, zwei Haridrā-Arten, Murā, Śaileya und Campaka
snānīyadravyamucyate |
vacākacoramustāśca sarvauṣadhyaḥ prakīrtitāḥ |
tilāni tulasī caiva nikṣipecchānti vāriṇi || 95 ||
3.95 sowie Vacā, Kacora und Mustā genannt; zusammen heißen sie Sarvauṣadhi. In das befriedende Wasser gebe man Sesam und Tulasī. Laut Quellennotiz fehlt ein Teil dieser Stoffliste in manchen Textzeugen.
tilaiśca tulasībhiśca bhavecchāntyudaraṃ tathā. itikvacit |
dravyāṇāṃ dahanaśoṣaṇaplāvanādi |
dvādaśāraṃ bhāsamānaṃ cakraṃ madhyetu bhāskaram |
haste pāmetare dhyātvādīptaustadraśmibhiḥ punaḥ || 96 ||
3.96 In der rechten Hand vergegenwärtige man einen strahlenden zwölfstrahligen Diskus und in seiner Mitte die Sonne. Mit ihren glühenden Strahlen
madhyaga |
dravyāṇi dagdhvāniśśeṣaṃ bhasmībhūtāni tāni ca |
dakṣiṇetarahastasthesite padme vikasvare || 97 ||
3.97 verbrenne man geistig alle Stoffe vollständig zu Asche. In der linken Hand vergegenwärtige man einen weißen, voll erblühten Lotus
dalaiṣṣoḍaśabhiryukte candraṃ pīyūṣakaśmibhiḥ |
hlaudayantaṃ sthitaṃ dhyātvā tadutthairamṛtāmbubhiḥ || 98 ||
3.98 mit sechzehn Blütenblättern und darin den Mond, der durch seine Nektarstrahlen erquickt. Mit dem daraus hervorgehenden Nektarwasser
siktāni jātāni puna ryāgayogyāni bhāvayet |
hastayorubhayordevaṃ dhyāyennā rāyaṇaṃ prabhum || 99 ||
3.99 seien die Stoffe besprengt, neu entstanden und für die Verehrung geeignet. In beiden Händen meditiere man über den Herrn Nārāyaṇa.
tābhyāmarghyādipā treṣu spṛṣṭvā dravyāṇi viśvataḥ |
sakṛtsakṛtsambhṛtāni gāyatryā viṣṇupūrvayā || 100 ||
3.100 Mit ihnen berühre man die in den Arghya- und weiteren Gefäßen gesammelten Stoffe ringsum und bespreche sie jeweils einmal mit der Viṣṇu-Gāyatrī.
abhimantrya tato mudrāṃ saurabheyīṃ pradarśayet |
taddugdhena ca pātrāṇi pūritāni vicintayet || 101 ||
3.101 Dann zeige man die Surabhi-Mudrā und stelle sich vor, dass die Gefäße mit der Milch dieser göttlichen Kuh gefüllt sind.
omarghyamityādi pūrvaṃ kalpayāmīti coccaran |
spṛśetpātrāṇi hastena pātre'nyasminnana ntaram || 102 ||
3.102 Man berühre die Gefäße mit der Hand und spreche jeweils eine Formel wie „oṃ … arghyaṃ … kalpayāmi“, „Oṃ, ich bereite Arghya dar“. Die Quelle gibt hier Anfang und Schluss der Formel mit einem Verweis auf die entsprechenden weiteren Gaben an.
coccaret |
arghyapātrājjalaṃ kiñcadgṛhītvā viniveśayet |
dakṣiṇaetarahaste tat pātraṃ saṃsthāpya mantrayet || 103 ||
3.103 Dann nehme man etwas Wasser aus dem Arghya-Gefäß, gieße es in ein anderes Gefäß, halte dieses in der linken Hand und bespreche es.
śrīrarghyasya bhavaddevī vāgīśācamanīyake |pādyasya pitaro devā snānīye varuṇastathā...kasya śāntissyātpātreṣvetāssamarcayet || ityadhikamekatra dṛśyate |
manraiṇa mūlabhūtena vārān saptatadambanā |
paṭhaṃsaināstra mantreṇa dravyāṇyātmānameva ca || 104 ||
3.104 Mit dem Grundmantra geschehe dies siebenmal. Mit diesem Wasser besprenge man unter dem Waffenmantra die Materialien und sich selbst. Ein Zusatz ordnet Śrī dem Arghya, Vāgīśā dem Mundspülwasser, die Ahnen dem Fußwaschwasser und Varuṇa dem Badewasser zu; der Bezug der abschließend genannten Śānti ist beschädigt.
yogapīṭhakalpanam. |
prokṣya kūrcena devasya yogapīṭhaṃ prakalpayet |
abhinne sahaje pīṭhe pratimāyāścaturmukha || 105 ||
3.105 Nach dem Besprengen mit einem Darbha-Bündel bereite man den Yoga-Sitz des Gottes auf dem mit dem Bild verbundenen, zu ihm gehörenden Sockel, Viergesichtiger.
ādhāraṃ prathamaṃ rūrmaṃ kālāgniṃ tadanantaram |
upariṣṭācca bhogīndraṃ paṇābhirbhūmimaṇḍalam || 106 ||
3.106 Als Grundlage vergegenwärtige man zuerst die Schildkröte, dann das Feuer der Zeit, darüber den Schlangenkönig, der mit tausend Hauben die viereckige Erdscheibe
caturaśraṃ sahasreṇa bibhrāṇaṃ balavattaram |
bhuvaścopari dharmādyāḥ kalpyā yogāsanāṅghrayaḥ || 107 ||
3.107 kraftvoll trägt. Über der Erde stelle man sich Dharma und die weiteren Kräfte als Füße des Yoga-Sitzes vor.
āgneyādiṣu catvāraścatasṛṣveva padmaja |
adharmādyāśca tāvantaḥ prāgādyāsu yathākram || 108 ||
3.108 Vier stehen in den Zwischenrichtungen vom Südosten an, Lotusgeborener; ebenso viele, beginnend mit Adharma, in den Hauptrichtungen vom Osten an.
prāgādiṣu |
āśāsu tāvatīṣveva puruṣākṛtayasthsatāḥ |
caturbhujāssiṃhavaktrāssitāḥ pūrva'ruṇāḥ pare || 109 ||
3.109 Sie besitzen Menschengestalt, vier Arme und Löwengesichter. Die zuerst genannten sind weiß, die späteren rötlich.
hastābhyāmapi mukhyābhyāṃ racitāñjali sampuṭāḥ |
avarābhyāṃ ca bibhrāṇā hastābhyāṃ yogapīṭhikām || 110 ||
3.110 Mit den beiden Haupthänden bilden sie Añjali, mit den beiden anderen tragen sie den Yoga-Sitz.
madhye sadā śivo deva stadvadeva pratiṣṭhitaḥ |
athavā puruhūtādyā dikṣu prāgādiṣu kramāt || 111 ||
3.111 In der Mitte steht entsprechend der Gott Sadāśiva. Oder man vergegenwärtige in den Richtungen vom Osten an Indra und die übrigen Richtungshüter,
aṣṭāvaṣṭanu pīṭhasya pādarūpeṇa dhārakāḥ |
īṣāścatasraḥ pūrvādyāḥ tasya veda catuṣṭayam || 112 ||
3.112 acht in acht Richtungen, als tragende Füße des Sitzes. Seine vier Querhölzer entsprechen den vier Veden; eine Variante nennt vier Gottheiten.
tāsu deva catuṣṭayam |
ahaṅkārāstrayaḥ pāśā guṇāssatvādayo guṇāḥ |
tūlikā pañcabhūtātmā jīvātmāstaraṇaṃ tathā || 113 ||
3.113 Die drei Ahaṃkāras bilden die Bindungen, Sattva und die anderen Guṇas die Schnüre. Die Matratze besteht aus den fünf Elementen, die Auflage entspricht dem Jīva.
agne ssomasya sūryasya maṇḍalānyu parikramāt |
ambhojamupariṣṭācca valarkṣaṃdvādaśacchadam || 114 ||
3.114 Darüber liegen der Reihe nach die Kreise von Feuer, Mond und Sonne und darüber ein heller Lotus mit zwölf Blütenblättern.
smerakesarasampūrṇaṃ madhye vipulakarṇikam |
bhadrāsanaṃ kalpayītvā yatho ktenaiva vartmānā || 115 ||
3.115 Er ist von entfalteten Staubfäden erfüllt und besitzt eine weite Mitte. Nachdem man so den glückverheißenden Sitz nach dem erklärten Weg bereitet hat,
smaretkesara |
pīṭhapārśvadevatāḥ. |
arcayedgandhapuṣpādyaiḥ pīṭhapārśvaitu dakṣiṇe |
brahmāṇaṃ viṣṇu mīśānaṃ samārādhya tathottare || 116 ||
3.116 verehre man ihn mit Duft, Blumen und weiteren Gaben. Rechts vom Sitz verehre man Brahmā, Viṣṇu und Īśāna; auf der Nordseite
mīśāṃ ca |
sanatkumāraṃ sanakaṃ sanandaṃ ca sabhājayet |
pārśveca paścime durgāṃ vighneśaṃ nāradaṃ tathā || 117 ||
3.117 ehre man Sanatkumāra, Sanaka und Sananda, im Westen Durgā, Vighneśa und Nārada.
ātmanaśca gurūn dhyātvā prārabhetācyutārcanam |
bhagavadārādhanāmbhaḥ. |
āvāhanapadaṃ pātraṃ prakṣālitamathāmbabhiḥ || 118 ||
3.118 Man meditiere auch über die eigenen Gurus und beginne dann Acyutas Verehrung. Das für die Herbeirufung bestimmte Gefäß reinige man mit Wasser
pūramesmūlamantreṇa hastābhyāṃ ca samuddharet |
lalāṭasamametasminnantarāvāhya keśavam || 119 ||
3.119 und fülle es unter dem Grundmantra. Mit beiden Händen hebe man es bis zur Stirnhöhe und rufe Keśava darin herbei.
mūlabimbhā dyathādīpaṃ dīpādavikṛtaṃ tathā |
yaturucchārayenmantramāgaccha padasaṃ yutam || 120 ||
3.120 Er kommt aus dem Hauptbild, ohne dort vermindert zu werden, wie eine Lampe an einer anderen entzündet wird. Den Mantra spreche man mit dem Zusatz „āgaccha“, „komm“.
tenatoyena karmārcāṃsiñketkūrcena mūrdhani |
tatra sannihitaṃ devaṃ karmārcāyāṃ vicintayet || 121 ||
3.121 Mit diesem Wasser besprenge man das Bild für den regelmäßigen Kult am Kopf, mithilfe eines Darbha-Bündels, und vergegenwärtige den Gott dort als gegenwärtig.
praṇamyakiñcadutthāya svāgato kairanantaram |
mudrāpradarśanam. |
darśayetpratimāmudrāṃ kalpayītvā ca sannidhim || 122 ||
3.122 Man verneige sich, erhebe sich etwas, heiße ihn willkommen und zeige die Pratimā-Mudrā, nachdem seine Gegenwart vergegenwärtigt ist.
yāvadyāgaṃ sthiti prārthanā. |
yāgāvasānikīṃ tatra prārthayeta hareḥ sthitam |
sammukhīkaraṇam. |
sammukhīkaraṇaṃ kuryātpuṇḍarīkākṣavidyayā || 123 ||
3.123 Man bitte Hari, dort bis zum Ende der Verehrung zu bleiben. Mit der Puṇḍarīkākṣa-Formel vollziehe man das Zuwenden des Gottes.
saparyāsanam. |
dadyācca mūlamantreṇa saparyāsanamāditaḥ |
dehavadarcāyāṃ mantrenyāsaḥ. |
yathā dehe tathārcāyāṃ mantranyāsaṃ samācaret || 124 ||
3.124 Zuerst biete man mit dem Grundmantra den Sitz für die Verehrung dar. Wie am eigenen Körper vollziehe man auch am Kultbild den Mantra-Nyāsa.
tathā deve |
hastanyāsaṃ vinā mudrāpradarśanam. |
hastanyāsaṃ vinā śaṅkhacakramudrāṃ pradarśayet |
surasiddhādyavatāritabhire āvāhananiṣethaḥ. |
nāvāhayedekabere surasiddhāvatārite || 125 ||
3.125 Ohne den Hand-Nyāsa zeige man Muschel- und Diskus-Mudrā. Bei einem einzelnen, von Göttern oder Siddhas eingesetzten Hauptbild vollziehe man keine erneute Herbeirufung; eine Variante bietet hier eine bejahende Lesung.
āvāhayet |
ṛṣibhirmanujairvāpi sthāpite niścale harai |
susthite'bhimukhībhāva evāvāhanaṃ. |
susthate'bhimukhībhāvasta devāvāhanaṃ hareḥ || 126 ||
3.126 Ebenso bei einem von Ṛṣis oder Menschen installierten unbeweglichen Hari. Für den bereits fest Gegenwärtigen besteht die Herbeirufung gerade darin, ihn der Verehrung zuzuwenden.
niścite |
yathāgnimāhitaṃ kuṇḍe yathā vā puruṣaṃ sthitam |
kāle prabodhayedevamarcane bodhayeddharim || 127 ||
3.127 Wie man ein bereits in der Grube befindliches Feuer oder einen anwesenden Menschen zur rechten Zeit weckt, so erwecke man Hari zur Verehrung.
pūjārambhe sthirabimbe yogapīṭhādīnāṃ avaśyakartavyatā. |
kalpanaṃ yogapīṭhasya mantranyasanameva ca |
bimbe sthire sadā kāryaṃ pūjārambhe caturmukha || 128 ||
3.128 Die Vergegenwärtigung des Yoga-Sitzes und der Mantra-Nyāsa sind beim feststehenden Bild stets zu Beginn der Pūjā auszuführen, Viergesichtiger.
pādyācamanayoḥ sthitaṃ hariṃdhyāyet |
arghyavastrāmbarākalpa puṣpagandhānulepanaiḥ |
pratyarcitaṃ sthitaṃ dhyāyetpādyacamanayoḥpunaḥ || 129 ||
3.129 Bei Arghya, Gewändern, Schmuck, Blumen, Duft und Salbung vergegenwärtige man ihn als geehrt; beim Fußwaschen und Mundspülen stelle man ihn sich stehend vor. Die Satzstellung ist leicht beschädigt.
pradik sthite |
snonanai vedyakālayo ssukhāsīnaṃ dhyāyet. |
āsīnaṃ snānakāle ca padmāsanasukhāsane |
naivedyadhūpadīpādāpāsīnaṃ svastikāsane || 130 ||
3.130 Beim Bad stelle man ihn sich im Lotus- oder bequemen Sitz vor, bei Speisegabe, Räucherwerk und Licht im Svastika-Sitz.
anyatopracāre sthitamāsīnaṃ vā dhyāyet |
upacāreṣu cānyatra tattatkarmānusārataḥ |
sthitamāsīnamathavā devaṃ dhyāyeta pūjakaḥ || 131 ||
3.131 Bei anderen Diensten meditiere der Verehrende je nach Handlung über den Gott als stehend oder sitzend.
puṣpāñjaliḥ |
arcayāmīti sāmnātu kṣipetpuṣpāñjaliṃ hareḥ |
vibho sakalalokeśa viṣṇo jiṣṇo prabho hare || 132 ||
3.132 Mit dem Sāman „arcayāmi“ bringe man Hari eine Handvoll Blumen dar: „Allmächtiger, Herr aller Welten, Viṣṇu, Siegreicher, Herr, Hari,
tvāṃ bhaktyā pūjayāmyadya bhogai rarghyūdibhiḥ kramāt |
divyenārghyopacāreṇa yathāśakti yathāvidhi || 133 ||
3.133 ich verehre dich heute mit Hingabe durch die Gaben vom Arghya an, der Reihe nach. Mit dem göttlichen Arghya-Dienst, nach Kräften und nach Vorschrift,
divyenetyekaḥ ślokaḥ kvacidevāsti |
arcayiṣyāmi samaye bhagavantaṃ janārdanam |
iti vijñāvya deveśaṃ yajedarghyādibhiḥkramāt || 134 ||
3.134 werde ich zur rechten Zeit den erhabenen Janārdana verehren.“ Nach dieser Erklärung verehre man den Herrn der Götter mit Arghya und den weiteren Gaben. Ein Teil der Formel ist laut Quellennotiz nicht überall vorhanden.
arghyādidānakāle dhyānaprakāraḥ |
bhaktinamreṇa śirasā dadyādarghyaṃca mūrdhani |
pādāravindayordadyātpādyaṃ pādyapratigrahe || 135 ||
3.135 Mit in Hingabe gesenktem Haupt reiche man Arghya am Kopf und Fußwaschwasser an den Lotusfüßen, mit einem Gefäß zum Auffangen.
dhyāyedācamanīyasya dānakāle jagardurum |
ācāmantamivāmbhobhi ssākṣādambhaḥ pratigrahe || 136 ||
3.136 Beim Darreichen des Mundspülwassers stelle man sich den Weltenlehrer vor, als spüle er tatsächlich den Mund und gebe das Wasser in das Auffanggefäß.
upacaryopacāreṇa madhuparkādinā harim |
praṇāmaḥ |
hastābhyāṃ śirasā padbhyāṃ manasā cadhiyā tathā || 137 ||
3.137 Nach dem Dienst mit Madhuparka und den weiteren Gaben verneige man sich mit Händen, Kopf, Füßen, Geist und Einsicht,
ahaṅkāreṇa cātmānaṃ nipātya dharaṇī tale |
anena praṇipātena praṇipatya janārdanam || 138 ||
3.138 auch mit dem Ichbewusstsein, indem man sich auf die Erde niederwirft. So verneige man sich vor Janārdana.
prārthanā |
daso'haṃ te jagannāthasavutrādiparigrahaḥ |
preṣyaṃ praśādhi kartavye māṃ niyuṅkṣvahite sadā || 139 ||
3.139 „Ich bin dein Diener, Herr der Welt, mit meinen Kindern und allem, was zu mir gehört. Leite mich als deinen Diener im Erforderlichen und setze mich stets für das Heilsame ein.“
iti vijñāpya deveśaṃ parivārām prakalpayet |
yogāsanābjapatreṣu śaktayaḥ |
yogāsanābjapatreṣu pūrvādiṣu yathākramam || 140 ||
3.140 Nachdem man dies dem Herrn der Götter vorgetragen hat, ordne man das Gefolge an. Auf den Lotusblättern des Yoga-Sitzes, vom Osten an der Reihe nach,
dvādaśa dvādaśasveva śaktīśśrīvatsapūrvikāḥ |
śrīvatsaṃ vanamālāṃ camāyāṃ yogātmikāṃ tathā || 141 ||
3.141 vergegenwärtige man zwölf Kräfte auf zwölf Blättern, beginnend mit Śrīvatsa: Śrīvatsa, Vanamālā und die yogaartige Māyā,
vaiṣṇavīṃ vimalāṃ sṛṣṭiṃ śaktimutkarṣiṇīmapi |
prajñāṃ satyāṃ tatheśānāmanukampāṃpitāmahīṃ || 142 ||
3.142 Vaiṣṇavī, Vimalā, Sṛṣṭi, Utkarṣiṇī, Prajñā, Satyā, Īśānā und die als „anukampāṃ pitāmahīṃ“ überlieferte Schlussgruppe. Die Abgrenzung zur angekündigten Zwölfzahl ist nicht eindeutig; eine Variante nennt Puṣṭi.
puṣṭi |
prathamāvaraṇe śaktayaḥ |
prathamāvaraṇe cāpi dakṣu prāgādiṣu kramāt |
vyāptiṃ kāntiṃcatṛptiṃcaśraddhāṃ vidyāṃ jayāṃ kṣamām || 143 ||
3.143 In der ersten Umfassung stehen in den Richtungen vom Osten an Vyāpti, Kānti, Tṛpti, Śraddhā, Vidyā, Jayā, Kṣamā
śāntiṃca śaktīraṣṭaitāḥ kṛtvā cāmaradhāriṇīḥ |
dvitīyāvaraṇasthāḥ |
tato dvitīyāvaraṇe saṅkhadyāyudhadhāriṇaḥ || 144 ||
3.144 und Śānti: Diese acht Kräfte tragen Yakschweifwedel. In der zweiten Umfassung folgen die Träger der Waffen von der Muschel an.
puruṣānaṣṭa pūrvādiṣvānu pūrvyeṇa kalpayet |
rūpyeṇa |
tṛtīyāvaraṇasthāḥ |
tṛtīyāvaraṇe svāsu dikṣvindrādīn prakalpayet || 145 ||
3.145 Acht männliche Gestalten ordne man dort der Reihe nach vom Osten an an. In der dritten Umfassung stehen Indra und die übrigen Richtungshüter in ihren jeweiligen Richtungen.
bahirāvaraṇasthāḥ |
bahirāvaraṇe tārkṣyaṃ bhagavatpramukhaṃ tathā |
viṣvaksesaṃ tadhai śānyāṃ dvitīyāvaraṇādbahiḥ || 146 ||
3.146 In der äußeren Umfassung steht Tārkṣya dem Erhabenen zugewandt; Viṣvaksena steht im Nordosten außerhalb der zweiten Umfassung. Die Variante nennt die dritte.
tṛtīyāvaraṇe |
paripārāṇāṃ bhagavadabhimukhaṃ sthitiḥ |
parivārā nirīkṣeran sarve prāñjalayo harim |
snānāsanam |
dadyācca pāduke snātumutthānasamaye hareḥ || 147 ||
3.147 Alle Begleiter blicken mit zusammengelegten Händen auf Hari. Wenn Hari sich zum Bad erhebt, reiche man ihm die Sandalen.
idaṃviṣṇuriti dvābhyāṃ pādukārohaṇaṃ hareḥ |
uddharecca hariṃ snātumuttiṣṭha brahmaṇasspate || 148 ||
3.148 Mit den beiden Versen vom Anfang „idaṃ viṣṇuḥ“ vergegenwärtige man sein Besteigen der Sandalen. Zum Bad erhebe man Hari mit „uttiṣṭha brahmaṇas pate“.
smaret |
itimantreṇa deveśaṃ prāpayet snānapīṭhikām |
mantrastu bhadraṃkarṇebhiriti snānāsanāsane || 149 ||
3.149 Mit dieser Formel bringe man den Herrn der Götter zum Badesitz. Beim Platznehmen auf dem Badesitz dient „bhadraṃ karṇebhiḥ“.
sāvitryā vitaredarghyaṃ pādyaṃ trīṇipadeti ca |
āpaḥ punantvityetena mantreṇācamanakriyā || 150 ||
3.150 Mit der Sāvitrī reiche man Arghya, mit „trīṇi padā“ Fußwaschwasser; mit „āpaḥ punantu“ erfolgt das Mundspülen.
dantadhāvana kāṣṭhaṃ ca tadviṣṇoriti nirvapet |
abhyaṅgaṃ pāmadaivyena kuryādudvartanaṃ punaḥ || 151 ||
3.151 Das Zahnputzholz reiche man zu „tad viṣṇoḥ“. Die Ölsalbung geschehe mit dem Vāmadevya-Sāman, danach folgt die Einreibung.
jihvānirlekhanaṃ caina viṣṇu gāyatri vidyayā. itīdamardhaṃkvacidadhikamasti |
kāryaṃ viṣṇornukamiti mantreṇāmalakādikaṃ |
pratadviṣṇuriti kṣālyamabhiṣeka vidhistataḥ || 152 ||
3.152 Āmalaka und die weiteren Reibestoffe verwende man zu „viṣṇor nu kam“, das Abwaschen erfolgt zu „pra tad viṣṇuḥ“, nach einer Variante „na te viṣṇo“. Ein Zusatz nennt Zungenreinigung mit der Viṣṇu-Gāyatrī.
nateviṣṇuriti |
apāhiṣṭheti tisṛbhiratodevā avantviti |
kaṅkatena mṛjetkeśān kalaśaissnapanaṃ tataḥ || 153 ||
3.153 Das Übergießen erfolgt mit den drei Versen „āpo hi ṣṭhā“ und mit „ato devā avantu“. Man kämme die Haare; danach folgt das Krugbad.
hiraṇyavarṇāṃ hariṇīmiti lepo haridrayā |
hiraṇyavarṇāṃ śśucayaḥpāvaketi catasṛbhiḥ || 154 ||
3.154 Zu „hiraṇyavarṇāṃ hariṇīm“ trägt man Kurkuma auf. Mit den vier Versen von „hiraṇyavarṇāḥ śucayaḥ pāvakāḥ“
kṣālyo sandhāmbunā dehaḥ punastaṃ kuñkumenatu |
ālipya viṣṇugāyatryā kṣālametpāvamānībhiḥ || 155 ||
3.155 wasche man den Körper mit Duftwasser. Erneut bestreiche man ihn mit Safran zur Viṣṇu-Gāyatrī und wasche ihn mit den Pāvamānī-Versen.
brahmajijñānamiti ca kayānaścitra abhuvat |
ityeva marghyapādyādyai ryajedādyaṃ maheśvaram || 156 ||
3.156 Mit den hier als „brahmajijñānam“ und „kayā naś citra ā bhuvat“ angegebenen Anfängen verehre man den ursprünglichen höchsten Herrn durch Arghya und die weiteren Gaben; eine Variante nennt die Dienste bis zu Räucherwerk und Licht.
rdhūpadīpāntamarcayet |
pariṣicya tu sāvitryā sūktena puruṣātmanā |
sahasradhārayā snānaṃ yadvākumbhena tadbhavet || 157 ||
3.157 Nach dem Besprengen mit der Sāvitrī vollziehe man das Bad mit dem Puruṣasūkta durch einen tausendfachen Wasserstrahl oder mit einem Krug.
agnirmūrddhetimantreṇa plotenāṅgāmbu nirhṛtiḥ |
viṣṇugāyatriyā dadyā dvastre dve dhautanirmale || 158 ||
3.158 Zu „agnir mūrdhā“ trockne man das Wasser am Körper mit einem Tuch ab. Mit der Viṣṇu-Gāyatrī reiche man zwei gewaschene, reine Gewänder.
alañkārāsanam. |
praṇavena brahmasūtramuttarīyaṃ ca kalpayet |
acāntamanvadhiṣṭhāya pāduke maṇḍanāsane || 159 ||
3.159 Mit dem Praṇava bereite man heilige Schnur und Obergewand. Nach dem Mundspülen lasse man den Gott die Sandalen besteigen und zum Schmücksitz gelangen.
sukhāsīnāya devāya prāgvadarghyādi narvapet |
dhūpenāguruje nārdrāmūrdhrānaṃ divaityṛcā || 160 ||
3.160 Dem dort bequem sitzenden Gott bringe man wie zuvor Arghya und die übrigen Gaben dar. Mit Agaru-Rauch und dem Vers „mūrdhānaṃ divaḥ“ trockne man die feuchten
nārdrāṃ |
keśān saṃśoṣya śucinā candanena sugandhinā |
idaṃ viṣṇuriti śrutyā lepanaṃ vapuṣismṛtam || 161 ||
3.161 Haare. Mit reinem, wohlriechendem Sandel salbe man den Körper zu „idaṃ viṣṇuḥ“.
jitaṃ ta itimantreṇa maṇḍanairapi maṇḍayet |
puṣpāṇi dadyātta dviṣṇo ritimantreṇa mantravit || 162 ||
3.162 Zu „jitaṃ te“ schmücke man ihn mit Zierden. Der Mantrakenner reiche Blumen zu „tad viṣṇoḥ“.
irāvatīti mantreṇa pādayorakṣatān kṣipet |
añjanaṃ viṣṇugāyatryāvyāhṛtyādarvaṇekṣaṇam || 163 ||
3.163 Zu „irāvatī“ lege man ungebrochenen Reis an die Füße. Augenschminke reiche man mit der Viṣṇu-Gāyatrī, den Spiegel mit den Vyāhṛtis.
jitaṃ ta iti dhūpaiśca dhūpayedagurūtthitaiḥ |
uddhīpyasveti mantreṇa dīpāropaṇa miṣyate || 164 ||
3.164 Zu „jitaṃ te“ räuchere man mit Agaru; zu „uddīpyasva“ bringe man das Licht dar.
tilān vastraṃ tathā hema tāmbulaṃ taṇḍulānapi |
phalāni gavyamāghāraṃ gāścadhyānaṃ yathāvasu || 165 ||
3.165 Sesam, Stoff, Gold, Betel, enthülsten Reis, Früchte, Kuh-Ghee und Kühe sowie das hier beschädigt überlieferte „dhyāna“
gogrāsaṃ deśikāyaiva dadyāddevasya sannidhau |
adhipasya tathā rājño rāṣṭrasya sakalasya ca || 166 ||
3.166 und Rinderfutter gebe man nach seinem Vermögen dem Lehrer in Gegenwart des Gottes. Für den Gebieter, den König, das gesamte Land
prajānāṃ brāhmaṇādīnāṃ dānamabhyudayāvaham |
apanīte yavanikāpaṭe bhaktānukampayā || 167 ||
3.167 und die Menschen vom Brahmanen an soll die Gabe Wohlergehen bringen. Aus Mitgefühl mit den Verehrern wird der Vorhang entfernt.
ghoṣayettūryaghoṣeṇa nṛttaṃ gītaṃ tathācaret |
stotrāṇi ca kathāścitrā vedanāṅgāni ṣaṭe tathā || 168 ||
3.168 Man lasse Festmusik erklingen, tanze und singe. Lobgesänge, vielfältige Erzählungen und die sechs Vedāṅgas
paṭheyuragre devasya sarvamanyacca maṅgalam |
bhojyāsanam |
ācare tpāduke datvā gamayedbhojanāsanam || 169 ||
3.169 sowie alles sonst Glückverheißende trage man vor dem Gott vor. Danach reiche man die Sandalen und bringe ihn zum Speisesitz.
datvārghyaṃ pādyamācāmaṃ madhuparkaṃ nivedayet |
praṇavena tato dadyā ttāmbūlīmāsya śodhanīm || 170 ||
3.170 Nach Arghya, Fußwasch- und Mundspülwasser bringe man Madhuparka dar und reiche mit dem Praṇava Betel zur Mundreinigung.
ha virnavedayetsiddhaṃ bhojyabhakṣyādikaṃ tathā |
madhurāti kasopetaṃ vidhyuktaṃ susamāhiteḥ || 171 ||
3.171 Gesammelt bringe man die vorschriftsgemäß bereiteten Opfergerichte dar, Speisen zum Essen und Kauen, mit süßen und weiteren Geschmacksrichtungen.
havirnivedayetpaścādbhojya bhakṣyādi saṃyutam. itipāṭhaḥ |
susaṃskṛtaiśca niṣpannairyaktamanyaiḥphalādibhiḥ |
apaktairapatipakvaiśca yathā yogaṃ prakalpayet || 172 ||
3.172 Sorgfältig zubereitete Gerichte und Früchte ordne man passend an, ungekocht oder gekocht.
mṛṣṭānnaiḥ |
rājopacāra vatsarvamupa cāre prakalpayet |
prokṣitaṃ cāstramantreṇa pariṣicya ca marmaṇā || 173 ||
3.173 Alle Dienste gestalte man wie die Bedienung eines Königs. Man besprenge mit dem Waffenmantra und gieße mit der Schutzformel Wasser ringsum.
tpūrvamupacāraiḥ prakalpite |
praṇavenārhaṇe datte dahanāplāvanādike |
kṛte ca surabhīmudrāṃ darśayitvāca deśikaḥ || 174 ||
3.174 Nach der ehrenden Gabe mit dem Praṇava vollziehe der Lehrer das geistige Verbrennen und Überfluten und zeige die Surabhi-Mudrā.
nyaste'rghyapuṣṭe saṃspṛṣṭe viṣṇuhaste samādhinā |
anvārabdhena savyena pāṇinā dakṣiṇena tu || 175 ||
3.175 Die Arghya-Blume ist niedergelegt, die Gabe mit der in Sammlung als Viṣṇus Hand vergegenwärtigten Hand berührt. Die linke Hand stützt die rechte.
vidhāya dakṣiṇaṃ jānuṃ bhūmisaṃsparśagaṃ punaḥ. iti kvacidadhikamasti |
annamya pāmapṛṣṭhena dakṣiṇena kareṇa tu. ida mardhamanvārabdhetyasya pratinidhitayā kvaciddṛśyate |
pragṛhī tārghyapuṣpeṇa darśitagrāsamudrayā |
devasya tveti mantreṇa nai vedyaṃ tadyathodiśam || 176 ||
3.176 Mit der rechten Hand, die Arghya und Blume hält, zeige man die Grāsa-Mudrā und bringe die Speise zu „devasya tvā“ entsprechend der Vorschrift dar. Ein Zusatz beschreibt das Aufsetzen des rechten Knies auf den Boden; eine Variante verändert die Handhaltung.
devasya dakṣiṇe haste nirvapetsādharassvayam |
tāmbhūlasamarpaṇam. |
datte'nnapānake haste pānīye ca susaṃskṛte || 177 ||
3.177 Man lege die Gabe selbst ehrerbietig in die rechte Hand des Gottes. Nach Darreichung von Speise, Getränk und gut bereitetem Trinkwasser
kṛte cācamane dadyāttāmbhūlī māsyaśodhinīm |
kriyākalāpaṃ pūjādai karmārcāyāṃ yadīritam || 178 ||
3.178 und nach dem Mundspülen reiche man Betel zur Mundreinigung. Die gesamte zu Beginn erklärte Handlungsfolge am beweglichen Kultbild
tatsarvaṃ dhruvaberādau yathāsambhavamācaret |
arghyādiṣūpacāreṣu kartavyeṣu yathātatham || 179 ||
3.179 vollziehe man auch am feststehenden Hauptbild und den weiteren Bildern, soweit es jeweils möglich ist. Bei den einzelnen Diensten von Arghya an
mantrapūrveṣu sarvaṣu vācamenāmudīrayet |
divyenārghyopacāreṇa yathāśakti yathāvidhi || 180 ||
3.180 spreche man mit den jeweiligen Mantras auch diese Worte: „Mit dem göttlichen Arghya-Dienst, nach Kräften und nach Vorschrift,
arcayicyāmi samaye bhagavantaṃ janārdanam |
ityādikāmavitathāṃ pūjakassusamāhitaḥ || 181 ||
3.181 werde ich zur rechten Zeit den erhabenen Janārdana verehren.“ Der Verehrende spreche diese und entsprechende weitere Worte gesammelt und wahrhaftig.
caturbhirevagandhādyaiḥ paripārārcanaṃ matam |
sarvasminnupacāre ca stutyante'puṣṭhite punaḥ || 182 ||
3.182 Für das Gefolge gelten die vier Dienste vom Duft an als ausreichend. Wenn sämtliche Dienste bis zum Lobgesang vollzogen sind,
japecca pūjako mantraṃ yathodīritasañkhyayā |
dvādaśākṣaramanyaṃ vā tadante huhuyādbahiḥ || 183 ||
3.183 rezitiere der Verehrende den Zwölfsilbenmantra oder einen anderen Mantra in der vorgeschriebenen Zahl. Danach opfere er draußen im Feuer.
bhūtebhyo balidānaṃ ca kuryānnityaṃ mahotsavam |
vijñāpya devadeveśaṃ pūjakaḥ praṇametsvayam || 184 ||
3.184 Er gebe den Wesen Bali und vollziehe den täglichen Festdienst. Nach einer Mitteilung an den Herrn der Götter verneige sich der Verehrende selbst.
praṇataḥ |
ādadītāvaśiṣṭāni pūjāvastūni kṛtsnaśaḥ |
tairātmapūjanaṃ kuryāttuṣyettenāpi keśavaḥ || 185 ||
3.185 Die verbliebenen Verehrungsmaterialien nehme er vollständig an sich und ehre damit sich selbst. Auch darüber freut sich Keśava.
mantrairyathoktairārādhya sūktena puruṣeṇa vā |
athavādvādaśārṇādyairmantrairbimbhamukhe harim || 186 ||
3.186 Wer Hari im Bild mit den vorgeschriebenen Mantras, mit dem Puruṣasūkta oder mit dem Zwölfsilbenmantra und weiteren Formeln verehrt,
prapadyate paraṃ śreyā niṣkāmo yadi pūjakaḥ |
kāmanāyāstu kāmyāni phalāni prati padyate || 187 ||
3.187 erlangt das höchste Heil, sofern er ohne eigennützigen Wunsch verehrt. Verehrt er mit einem bestimmten Wunsch, erhält er die entsprechenden gewünschten Früchte.
Kapitel 4: Der tägliche Feuerdienst
pādmasaṃhitāyām |
caturtho'dhyāyaḥ |
|
nityotsava homaḥ. |
brahmā |
bhagavannutsavo nityo homaścāgnau puroditaḥ |
sa kathaṃ pūjakaiḥkāryaḥ kathayasva yathātatham || 1 ||
4.1 Brahmā sprach: Erhabener, zuvor wurden das tägliche Fest und der Homa im Feuer erwähnt. Wie sollen die Verehrenden sie ausführen? Erkläre es genau.
śrībhagavān |
dvārasthānagnyagārasya caṇḍādīna rcayetkramāt |
antaḥ praviśya śakṛdālipte kuṇḍe'kṣatārcite || 2 ||
4.2 Der erhabene Herr sprach: Man verehre der Reihe nach Caṇḍa und die anderen Wächter am Eingang des Feuerhauses. Dann trete man ein; die Grube ist mit Kuhdung bestrichen und mit ungebrochenem Reis verehrt.
pātrāsādanam. |
upaviśyātmanaḥ pārśve dakṣiṇe puṣpabhājanam |
anyāni homadravyāṇi vāmapārśvetu nikṣipet || 3 ||
4.3 Man setze sich und stelle das Blumengefäß rechts von sich auf, die übrigen Homa-Stoffe links.
kuṇḍasyottarapārśvetu prāgagreṣu kuśeṣu ca |
ājyapātraṃ carusthālīṃ prokṣaṇiṃ samidhaḥkukān || 4 ||
4.4 Nördlich der Grube lege man auf Kuśa mit nach Osten gerichteten Spitzen das Ghee-Gefäß, den Topf mit gekochter Opferspeise, das Besprengungsgefäß, Scheite und Kuśa,
kuṇḍasya ityardhaṃ kvacinna |
praṇītāṃ taṇḍulān toyaṃ paridhīn sruksruvai tathā |
darvīmagnerviharaṇaṃ vyajanāni ca mekṣaṇam || 5 ||
4.5 ferner das Praṇītā-Wassergefäß, enthülsten Reis, Wasser, Umlegehölzer, großen und kleinen Opferlöffel, Schöpfkelle, Feuergerät, Fächer und Rührholz.
śuṣkaṃ ca kāṣṭhaṃ ghaṇṭāṃ ca gandhadravyaṃ ca sākṣatam |
dvandvāni ca prayojyāni nyañci satyeva sambhave || 6 ||
4.6 Dazu kommen trockenes Holz, Glocke, Duftstoff und ungebrochener Reis. Wo möglich, ordne man die Geräte paarweise und mit der Öffnung nach unten an.
kuṇḍamadhye tatastisrorekhāḥprāgāyatāḥ pṛthak |
tathodagāyatāstisrolikhitvā mūlavidyayā || 7 ||
4.7 In der Grubenmitte zeichne man mit dem Grundmantra drei gesonderte Linien nach Osten und ebenso drei nach Norden.
darbhastambadvayenādbhi rubhyukṣyādāya pāvakam |
mathitaṃ laukikaṃ yadvā nidhāya ca vihṛtya ca || 8 ||
4.8 Mit zwei Darbha-Büscheln besprenge man mit Wasser. Dann bringe man durch Reibung erzeugtes oder gewöhnliches Feuer herbei, setze es ein und ordne es.
adbhiḥ parisamūhyāgniṃ paristīrya tribhistribhiḥ |
prāgagrairudagagraiśca darbhaiḥ pañcabhireva vā || 9 ||
4.9 Man reinige den Bereich um das Feuer mit Wasser und lege ringsum Darbha mit nach Osten oder Norden gerichteten Spitzen, jeweils drei oder fünf.
vāsudevādibhirmantraiḥ |
saptabhirnava bhirvāpi yadvaikādaśasammitaiḥ |
granthīkṛtāgrairadvandvaiḥpañcaviṃśatiniṣṭhitaiḥ || 10 ||
4.10 Es können auch sieben, neun, elf oder andere ungerade Zahlen bis fünfundzwanzig sein, mit zusammengebundenen Spitzen. Ein Lesartenrest nennt die Mantras von Vāsudeva und den weiteren Gestalten.
pañcabhirnanabhiḥ |
tatrāgnimadhye'pāṃ pūrṇāṃ praṇītāmakṣatārcitām |
nidhāya darbhayugmena kūrcaṃ prādeśasammitam || 11 ||
4.11 Zwischen Materialien und Feuer stelle man das mit Wasser gefüllte, mit ungebrochenem Reis verehrte Praṇītā-Gefäß. Aus zwei Darbha-Halmen fertige man ein Bündel von einem Prādeśa Länge.
dravyāgni madhye |
nirmāyācchādanaṃ tasya tribhirdarbaiḥ pavitritaiḥ |
kū rcena tena prokṣaṇyāṃ praṇītājalamāvapet || 12 ||
4.12 Man bedecke das Gefäß mit drei gereinigten Darbha-Halmen. Mit jenem Bündel übertrage man Praṇītā-Wasser in das Besprengungsgefäß.
prokṣaṇī mātmanaścāgre sarūrcāṃ nyasya mantravit |
aṅguṣṭhānāmikābhyāṃtukūrcaṃtatkarayordvayoḥ || 13 ||
4.13 Der Mantrakenner stelle das Besprengungsgefäß samt Bündel vor sich. Mit Daumen und Ringfinger beider Hände halte er das Bündel.
punarāghāramutpūya triḥprokṣya prokṣaṇīṃ punaḥ |
homadravyāṇi sarvāṇi prokṣayettena vāriṇā || 14 ||
4.14 Er reinige erneut durch das hindurchgeführte Bündel und besprenge das Gefäß dreimal. Dann besprenge er mit diesem Wasser alle Homa-Materialien.
spṛśecca tāni dravyāṇi nāmādeśaṃ yathā tatham |
sravāpayetprokṣaṇīvāri prādakṣiṇyena tāṃ punaḥ || 15 ||
4.15 Er berühre die Stoffe, indem er ihre Namen nennt. Das Wasser des Besprengungsgefäßes lasse er rechtsherum ausfließen und fülle es erneut.
kṛtvāmbhaḥ pūritāṃ devaṃ praṇītāyāṃ sabhājayet |
agnerdakṣiṇato darbhakūrca tanmayaviṣṭare || 16 ||
4.16 Im Praṇītā-Gefäß verehre er den Gott. Südlich des Feuers bereite man einen Sitz aus Darbha samt Darbha-Bündel.
āvāhya buddhyā brahmāṇamiṣṭhvā prakṣālya vāriṇā |
viṣṇugāyatriyā sthālīmāḍhakaṃ tatra taṇḍulān || 17 ||
4.17 Dort rufe man Brahmā geistig herbei und verehre ihn. Man wasche den Kochtopf mit Wasser unter der Viṣṇu-Gāyatrī und gebe ein Āḍhaka enthülsten Reis hinein.
prakṣipya hṛdayādyaṅgaiḥ prakṣālyāgnāvadhiśrapet |
ājyasthālyāṃ nirūpyājyaṃ drāvitaṃ gālitaṃ tathā || 18 ||
4.18 Man reinige ihn mit den Gliedermantras vom Herzen an und setze ihn auf das Feuer. In den Ghee-Topf gebe man geschmolzenes, gefiltertes Ghee.
tatra pratyasya darbhāgradvayaṃ mantreṇa mantravit |
aṅgāreṣu nidhāyāgnau tāṃ dīptenātha barhiṣā || 19 ||
4.19 Der Mantrakenner lege zwei Darbha-Spitzen mit Mantra hinein und stelle das Gefäß auf Glut. Mit einem brennenden Darbha-Halm
paryagnikuryāduttārya yathāsthānaṃ niveśayet |
utpūyotlpavanaṃ kūrcamadbhispṛṣṭvā hyuṣarbudhe || 20 ||
4.20 umfahre man es mit Feuer, nehme es herunter und stelle es an seinen Platz. Nach der Reinigung berühre man das Reinigungsbündel mit Wasser und werfe es ins Feuer.
prahṛtya cāmṛtīkṛtya ghṛtaṃ surabhimudrayā |
avakuṇṭhya ca dikpālā nindrādīn pūjayetkramāt || 21 ||
4.21 Mit der Surabhi-Mudrā verwandle man das Ghee geistig in Nektar und schütze es. Danach verehre man die Richtungshüter vom Indra an der Reihe nach.
uṣṇodakena prakṣālya sruksruvai kuśapañcakam |
kūrcamādāya tau tena mūle madhye ca mūrdhani || 22 ||
4.22 Großen und kleinen Opferlöffel wasche man mit warmem Wasser. Mit einem Bündel aus fünf Kuśa-Halmen reinige man ihren unteren, mittleren und oberen Teil,
sammṛjya kūrcamūlena madhyenāgreṇa cakramāt |
niṣṭapyāgnau nidhātavyai tāvudīcyā mathātmanaḥ || 23 ||
4.23 jeweils mit Wurzel, Mitte und Spitze des Bündels. Man erwärme die Löffel im Feuer und lege sie nördlich von sich nieder.
suvreṇājyaṃ samādāya homavastūni secayet |
caruṃ cājyena saṃsicya pārśvetamavaropayet || 24 ||
4.24 Mit dem kleinen Löffel nehme man Ghee und benetze die Opferstoffe. Auch die gekochte Speise übergieße man mit Ghee und stelle sie seitlich ab.
caroścāturvidhyam. |
kevalānnaṃ tathā maudgaṃ pāyasānnaṃ gulodanam |
caturvidhaścarurjñeyaḥ pākaśculyāmapīṣyate || 25 ||
4.25 Vier Arten von Caru sind zu unterscheiden: einfacher Reis, Reis mit Mungbohnen, Milchreis und Reis mit Rohzucker. Das Kochen auf einem Herd ist ebenfalls zulässig.
yādṛṅni vedyate bimbehotavyaścāpi tādṛśaḥ |
udak saṃsthāḥ paridhayaḥ pratyagārambhaṇā stathā || 26 ||
4.26 Was dem Kultbild als Speise dargebracht wird, soll in gleicher Art auch im Feuer geopfert werden. Die Umlegehölzer ordne man von Westen beginnend mit ihrer vorgesehenen Ausrichtung nach Norden an.
nidhātavyāśśikhīśānakoṇayo ssamidhau tathā |
ūrdhve nidhāya manasā dhyāyannidhmān prajāpatim || 27 ||
4.27 In der Südost- und Nordostecke lege man zwei Scheite darüber. Während man innerlich Prajāpati vergegenwärtigt,
ekatogrān sakṛtsañcadaśoktān muṣṭimudrayā |
ādadhyādājyapātraṃ ca kuśamārcena veṣṭite || 28 ||
4.28 lege man fünfzehn Scheite mit gleichgerichteten Spitzen gemeinsam mittels Muṣṭi-Mudrā hinein. Eine Variante nennt fünf Scheite. Das Ghee-Gefäß halte man mit Kuśa geschützt
samitpañca |
vāme kare nidhāyāgnāvāghārāhutimācaret |
prājāpatyaṃ tathācaindramājya bhāgamathācaret || 29 ||
4.29 in der linken Hand und vollziehe im Feuer die Āghāra-Spenden für Prajāpati und Indra. Danach folgen die Ghee-Anteile.
āgneyaṃ dakṣiṇe bhāge saumyaṃ bhāgamathottare |
madhyevyāhṛtibhirhutvāsmaredagni manantaram || 30 ||
4.30 Den Agni-Anteil bringe man im südlichen, den Soma-Anteil im nördlichen Bereich dar. In der Mitte opfere man mit den Vyāhṛtis und meditiere danach über Agni.
agnidhyānam. |
dviśīrṣakaṃ saptahastaṃ tripādaṃ saptajihvakam |
varadaṃ śaktipāṇiṃ ca bibhrāṇaṃ sruksruvai tathā || 31 ||
4.31 Er hat zwei Köpfe, sieben Hände, drei Füße und sieben Zungen, zeigt die gewährende Geste und trägt Speer sowie großen und kleinen Opferlöffel.
abhītidaṃ carmadharaṃ vāme cājyadharaṃ kare |
jihvābhedena homaphalabhedaḥ. |
jihvāyāṃ dakṣiṇe vaktredhūmrāyāṃ māraṇādikam || 32 ||
4.32 Er gewährt Furchtlosigkeit, trägt einen Schild und links Ghee. Auf der Dhūmrā-Zunge im rechten Gesicht werden Tötungs- und ähnliche Riten vollzogen; dies ist die magische Zuordnung der Quelle.
lohinyāṃ tu vaśīkāraḥ kālyāṃ karma ca śāntikam |
sarvasiddhi ssphuliṅginyā mānane dakṣiṇetare || 33 ||
4.33 Lohinī wird dem Gefügigmachen, Kālī den befriedenden Handlungen zugeordnet. Sphuliṅginī im linken Gesicht soll alle Vollendungen gewähren.
viśvarūparasajñāyā maṇimādi mahāphalam |
karālikā vijayadā puṣṭidā ca manūjavā || 34 ||
4.34 Die Viśvarūpa-Zunge soll große Fähigkeiten wie Aṇimā gewähren, Karālikā Sieg und Manojavā Gedeihen.
kārṣṇyaṃ lauhityametāsāṃ varṇaśyāmatvameva ca |
sphuliṅgarūpaṃ catato varṇassphaṭika sannibhaḥ || 35 ||
4.35 Als Farben werden Schwarz, Rot, Dunkelfarbe, Funkengestalt und Kristallglanz
tapanīyanibhaḥ phrokto jihvānāmānu pūrvaśaḥ |
tilānāghāra samidho juhuyā jjātaśāntaye || 36 ||
4.36 sowie Goldglanz genannt. Die Folge enthält weniger klar getrennte Farben als zuvor Zungen genannt wurden. Zur Befriedung opfere man Sesam, Ghee und Scheite; der genaue Anlass ist beschädigt überliefert.
nibhā |
sammiśrān |
jjaḍa |
aṣṭottaraśataṃ vārān dvādaśākṣaravidyayā |
pūrṇāhutyavasāne tu dhyātvā jvalasamarcayet || 37 ||
4.37 Man opfere 108-mal mit dem Zwölfsilbenmantra. Nach der Vollspende meditiere man über das flammende Feuer und verehre es.
gandhādyairātmanū dadyādakṣatāni ca varmaṇā |
pariṣiñcejjalenāgniṃ tanmadhye yogapīṭhikām || 38 ||
4.38 Man bringe Duft und weitere Gaben sowie ungebrochenen Reis dar, gieße mit der Schutzformel Wasser rings um das Feuer und bereite in seiner Mitte den Yoga-Sitz.
kalpayītvā ca tanmantrairjuhuyātsarpiṣā sakṛt |
atrāvatārya hṛdayācci drūpaṃ parameśvaram || 39 ||
4.39 Mit dessen Mantras opfere man jeweils einmal Ghee. Dann lasse man den höchsten Herrn in Bewusstseinsgestalt aus dem Herzen dort gegenwärtig werden.
sakalīkṛtya mantrasya nyāsaṃ kuryādyathāvidhi |
arghyapūrvaṃ nivedyānnaṃ narpiṣā juhuyātsakṛt || 40 ||
4.40 Man vergegenwärtige ihn in gegliederter Gestalt und vollziehe vorschriftsgemäß den Mantra-Nyāsa. Von Arghya bis zur Speisegabe bringe man für die Dienste jeweils einmal Ghee dar.
nivedyāntam |
japārthaṃ ca sakṛnmantrairjuhuyātsarpiṣā tataḥ |
samidbhirvā dalaiḥ puṣpairbījairvāpyatha vāphalaiḥ || 41 ||
4.41 Auch stellvertretend für Japa opfere man einmal Ghee mit den Mantras. Scheite, Blätter, Blumen, Samen oder Früchte können ebenfalls dienen.
tilaiḥ puṣpaiḥ |
parivārārthamapyevaṃ sarpiṣā juhuyātsakṛt |
ārādhanaṃ hareretatsaptārciṣi caturmukha || 42 ||
4.42 Für das Gefolge opfere man entsprechend jeweils einmal Ghee. Dies ist Haris Verehrung im siebenflammigen Feuer, Viergesichtiger.
ārādhanaṃ cedanyatra pratimādāvanantaram |
juhuyātsamidādyaistrervakṣyamāṇena vartmanā || 43 ||
4.43 Wenn die Verehrung zuvor anderswo, etwa am Bild, vollzogen wurde, opfere man danach mit Scheiten und den weiteren Stoffen auf dem nun beschriebenen Weg.
samidhāmāyāmanahanādi svarūpaviparyāse phalam. |
āyāmassamidhāṃ tālaṃ kaniṣṭhā nahanaṃ kramāt |
carmahīne vināśassyādbhede kṣīṇaṃ kulaṃ bhavet || 44 ||
4.44 Die Scheite sind ein Tāla lang und etwa so dick wie der kleine Finger. Rindenloses Holz soll Verderben, gespaltenes den Niedergang der Familie bewirken. Dies und die folgenden Aussagen sind Omenvorstellungen der Quelle.
ārdrāsu bandhunāśassyātputranāśaḥ purātane |
kṣatāsu bhāryāmaraṇaṃ kalahāya ca śākhinī || 45 ||
4.45 Feuchte Scheite sollen Verlust von Angehörigen, alte Holzstücke Verlust von Söhnen, verletzte den Tod der Ehefrau und verzweigte Streit bewirken.
udvegāya bhavet sthūlā hrāsvā'vagrahakāriṇī |
dīrghāti vṛṣṭi jananī tyājyā doṣayutā samit || 46 ||
4.46 Zu dicke sollen Unruhe, zu kurze Dürre und zu lange übermäßigen Regen hervorrufen. Fehlerhafte Scheite sind daher nach der Quelle auszuscheiden; eine Variante verändert die Wirkung der kurzen Scheite.
puṣṭhikaraṇī |
samidhāṃ saṅkhyā. |
śataṃ tadardhaṃ pādaṃ pā samidho'ṣṭau yathoditāḥ |
tadardhaṃ vā ghṛtāktāstā juhuyānmūlavidyayā || 47 ||
4.47 Man opfere hundert, fünfzig, fünfundzwanzig, acht oder deren Hälfte, also vier Scheite, mit Ghee bestrichen und dem Grundmantra.
ājyāvasiktāścatvāraḥ pratpṛcaṃ grāsamudrayā |
nṛsūktena ca hotavyā mūlamantreṇa sarpiṣā || 48 ||
4.48 Mit Ghee benetzte vier Scheite je Vers werden unter der Grāsa-Mudrā mit dem Puruṣasūkta geopfert. Ghee opfere man mit dem Grundmantra.
śatādisaṅkhyayā homo dhyātvā paramapuruṣam |
sruveṇa juhuyādājyaṃ hasteva samidhaṃ punaḥ || 49 ||
4.49 Die Zahl der Spenden entspricht den mit hundert beginnenden Möglichkeiten; dabei meditiere man über den höchsten Puruṣa. Ghee bringe man mit dem kleinen Löffel, Scheite mit der Hand dar.
caruṃ palāśapātreṇa yadvā hastādinā bhavet |
hutvā purṇāhutiṃ pūrvaṃ tataśśāntiṃ prakalpayet || 50 ||
4.50 Gekochte Speise bringe man mit einem Palāśa-Blatt oder mit der Hand und anderen geeigneten Mitteln dar. Nach der Vollspende vollziehe man die Befriedung.
homadravyāṇāṃ phalam. |
yajñavṛkṣodbhavaiśśānnissaubhāgyaṃ kusumaiśśubhaiḥ |
dhūpadravyessadārogyaṃ puṣṭiṃ dadhnā payaśśuci || 51 ||
4.51 Holz von Opferbäumen soll Frieden bringen, gute Blumen Glück, Räucherstoffe Gesundheit und Dickmilch Gedeihen; reine Milch wird ebenfalls genannt, ohne klar abgeschlossene eigene Wirkungsangabe.
annena vividhān kāmānājyenāyuṣmatīḥ prajāḥ |
śvetapadmaistu juhuyādicchan brahmaśriyaṃ naraḥ || 52 ||
4.52 Speise soll verschiedene Wünsche erfüllen, Ghee langlebige Nachkommen gewähren. Wer brahmanischen Glanz wünscht, opfere weiße Lotusse.
lakṣmīpuṣpaistu juhuyā llakṣmīkāmo'tha vāruṇaiḥ |
padmairbilva samidbhirvā jñānakāmastu sarpiṣā || 53 ||
4.53 Wer Lakṣmī wünscht, opfere Lakṣmī-Blumen, wassergeborene Lotusse oder Bilva-Scheite; wer Erkenntnis wünscht, Ghee.
kanyākāmaḥ kālapuṣṭai rgokāmo gomayaiḥ punaḥ |
āyuṣkāmastu dūrvābhirbhūtikāmastu mṛtsnayā || 54 ||
4.54 Wer eine Tochter wünscht, opfere die als Kālapuṣṭa bezeichneten Stoffe, wer Rinder wünscht, Kuhdung; wer Lebensdauer wünscht, Dūrvā, wer Gedeihen wünscht, Erde.
yavāgvendriyakāmastu tilaissarvajanapriyaḥ |
brahmavarcakāmastu brahmavṛkṣasamudbhavaiḥ || 55 ||
4.55 Wer kräftige Sinne wünscht, opfere dünnen Getreidebrei; Sesam soll bei allen Menschen beliebt machen. Wer brahmanischen Glanz wünscht, opfere Material des Brahma-Baumes.
veṇubhiśca yavaiścaiva nīvāraiśśālibhi stathā |
sarve kāmāḥprasiddhyanti hoturbhījairyathoditaiḥ || 56 ||
4.56 Mit Bambuskörnern, Gerste, Nīvāra-Wildreis, Śāli-Reis und den vorgeschriebenen Samen sollen sich alle Wünsche des Opfernden erfüllen.
lājahomena sidhyanti sarve kāmā na saṃśayaḥ |
antekannādikāmastu putrakāmastu pāyasaiḥ || 57 ||
4.57 Der Homa mit gepufftem Getreide soll alle Wünsche erfüllen; der anschließende Bezug auf Nahrung ist beschädigt. Wer Söhne wünscht, opfere Milchreis.
nimbapuṣpai rhiraṇyārthī sarvaṃ sidhyati sarpiṣā |
homārthadravyaparimāṇam. |
home sarparmadhukṣīradhārā syāccaturaṅgulā || 58 ||
4.58 Wer Gold wünscht, opfere Nimba-Blumen; mit Ghee soll alles gelingen. [Zu den Mengen:] Der Guss von Ghee, Honig und Milch im Homa soll vier Aṅgula messen; welche Dimension des Gusses gemeint ist, bleibt knapp angegeben.
śuktirdadhyāhutirgrāsaṃ pāyasājyāhutirbhavet |
bhakṣyāhuti stadardhaṃ syātphalaiḥ puṣpairakhaṇḍitaiḥ || 59 ||
4.59 Eine Dickmilchspende beträgt ein Śukti-Maß. Eine Milchreis- beziehungsweise Ghee-Spende wird mit einem Bissen bemessen, eine feste Speisegabe mit dessen Hälfte. Früchte und Blumen seien unzerteilt.
bhaktāhuti |
niṣpāvabījamānā tu dhūpadravyāhutirbhavet |
tilavrīhi yavādyestu muṣṭyardhārdhāhutiḥ kramāt || 60 ||
4.60 Eine Räucherstoffspende entspricht einer Niṣpāva-Bohne. Für Sesam, Reis, Gerste und Ähnliches wird eine Viertelfaust genannt, wörtlich „Hälfte der Hälfte einer Faust“.
aṣṭāṅgulā tadardhāvā samiddhūrvā ṣaḍaṅgulā |
mṛdvīkā'kṣapramāṇā tu gomayāhutiriṣyate || 61 ||
4.61 Scheite sind acht Aṅgula lang oder halb so lang, Dūrvā sechs Aṅgula. Die Kuhdungspende wird mit einer Traube beziehungsweise einem Akṣa-Maß verglichen; die Verbindung ist unklar.
pūrṇāhutirghṛtasya syātkuḍubena caturmukha |
nyūnādhikapramāṇāṃ tu havyakavyāhutiṃ kṛtām || 62 ||
4.62 Die Ghee-Vollspende beträgt ein Kuḍuba-Maß, Viergesichtiger. Götter- oder Ahnenopfer, die unter oder über dem vorgeschriebenen Maß liegen,
bhuñjanti dānavā daityā na phalāya ca kalpate |
kukkuṭāṇḍa pramāṇaṃ tu caroḥ piṇḍaṃ ghṛtāplutam || 63 ||
4.63 werden nach der Quelle von Dānavas und Daityas verzehrt und bringen keine Frucht. Eine hühnereigroße, in Ghee getauchte Kugel der gekochten Opferspeise
nikṣipya casrucorgate abhighārya sruveṇa ca |
sasamiddarbhakusumaṃ juhuyānmūla vidyayā || 64 ||
4.64 lege man in die Vertiefung des großen Opferlöffels, übergieße sie mit dem kleinen Löffel und opfere sie zusammen mit Scheit, Darbha und Blume unter dem Grundmantra.
prāyaścittārthamājyenapaḍhañcopaniṣadā punaḥ |
srucamājyena sampūrya sadarbhaṃ samidhānvitam || 65 ||
4.65 Zur Sühne opfere man erneut Ghee mit den Pañcopaniṣad-Formeln. Man fülle den großen Löffel mit Ghee, Darbha und einem Scheit,
uddhṛtya nāsikāgrāntamabhighārya sruveṇa ca |
jāhuyānmūlamantreṇa pūrṇāhutyātu sādhakaḥ || 66 ||
4.66 hebe ihn bis zur Nasenspitze, gieße mit dem kleinen Löffel Ghee darüber und bringe mit dem Grundmantra die Vollspende dar.
srucaṃ jalena sampūrya bahiḥ kuṇḍātpradakṣiṇam |
secayedvā viśeṣaṃ tu ninayecchirasi svayam || 67 ||
4.67 Dann fülle man den großen Löffel mit Wasser und gieße außerhalb der Grube rechtsherum aus. Einen Rest gebe man sich selbst auf den Kopf.
bhasmanā tilakaṃ kṛtvā harimagne ssamutsṛjet |
gṛhitvārghyaṃ pradadyācca dhāmni devāya pūjakaḥ || 68 ||
4.68 Man zeichne mit Asche ein Stirnzeichen und entlasse Hari aus dem Feuer. Der Verehrende nehme Arghya und bringe es dem Gott im Heiligtum dar.
bhaktyā yadagnau vihitaṃ yathāśakti yathāvidhi |
ārādhanaṃ tadevati gṛhāṇi varameśvara || 69 ||
4.69 „Die Verehrung, die ich im Feuer mit Hingabe, nach Kräften und nach Vorschrift vollzogen habe, nimm als eben diese Verehrung an, höchster Herr.“
agni kāryavidhirhyeṣa saṅkṣepātkathitomayā |
vidhinānena yaḥkuryā dagnikāryaṃ dine dine || 70 ||
4.70 So habe ich das Verfahren der Feuerhandlung in Kürze erklärt. Wer auf diesem Weg täglich den Feuerdienst vollzieht … Der Satz endet in der vorliegenden Kapitelgestalt unvollständig.
Kapitel 5: Täglicher Festdienst, Musik und Verehrungszeiten
pādmasaṃhitāyām |
pañcamo'dhyāyaḥ |
nityotsava vidhiḥ. |
śrībhagavān |
atha nityotsavavidhiṃ kathayāmi caturmukha |
sarvaduḥkhaharaṃ puṃsāṃ sarvabhūta praharṣaṇam || 1 ||
5.1 Der erhabene Herr sprach: Nun erkläre ich den täglichen Festdienst, Viergesichtiger, der den Menschen alles Leid nehmen und alle Wesen erfreuen soll.
rāṣṭrasya rājño gramasya yajamānasya sadmanaḥ |
sukhāvahaṃ śāntikaraṃ puṇyamāyurvivardhanam || 2 ||
5.2 Er soll Land, König, Dorf, Auftraggeber und dessen Haus Glück, Frieden, Verdienst und längeres Leben bringen.
āvāhya taṇḍule śuddhe pārśvasthe parameśvaram |
śaktibhirdaśabhirdvābhyāṃ saha prātardine dine || 3 ||
5.3 Jeden Morgen rufe man den höchsten Herrn gemeinsam mit zwölf Kräften in reinen, bereitgestellten Reis
parikramedāyatanaṃ madhyāhne tvanna kalpite |
sāyaṃ kusumasaṅghāte trisandhyaṃ triṣu kalpayet || 4 ||
5.4 und umschreite damit das Heiligtum. Mittags dient gekochte Speise als Träger, abends eine Blumenmenge: So wird er zu den drei Tageszeiten in diesen drei Stoffen vergegenwärtigt.
bimbena vā parīyāyāttri sandhya manuvāsaram |
athavānnena madhyāhne kāle'nyata dvaye rcanā || 5 ||
5.5 Oder man umschreite das Heiligtum täglich zu allen drei Zeiten mit einem Kultbild. Eine weitere Möglichkeit ist gekochte Speise am Mittag und das Bild zu den beiden anderen Zeiten.
vātha paryāyāttrisandhyamanusārataḥ |
trisandhya mathavānnena kuryānnityotsavaṃ hareḥ |
madhyandine vā sarvārthaṃ parikramya baliṃ kṣipet || 6 ||
5.6 Oder man vollziehe Haris täglichen Festdienst zu allen drei Zeiten mit Speise; oder allein mittags für alle Zeiten zusammen, indem man umschreitet und Bali darbringt.
yadvotsavapratikṛte ranvagagre'thavā bhavet |
trisandhyaṃ cāmaraṃ chatraṃ vi tānadhvaja saṃyutam || 7 ||
5.7 Man kann auch vor oder hinter dem Festbild gehen, zu allen drei Zeiten mit Yakschweifwedel, Schirm, Baldachin und Fahne,
haret |
pañcāvaraṇa balidānam. |
taṇḍulādikamannaṃ vā kevalaṃ kamalāsana |
pañcāvaraṇake dhāmni pañcasvāvaraṇe ṣvapi || 8 ||
5.8 und Reis oder einfach gekochte Speise tragen, Lotusgeborener. Bei einem Heiligtum mit fünf Umfassungen bringe man in allen fünf Bereichen
baliṃ datvā paryaṭanaṃ geyavādya purassaram |
āvaraṇabhedena utsavatāratamyam. |
utsavaṃ prāhurutkṛṣṭamekonaṃ madhyamaṃ viduḥ || 9 ||
5.9 Bali dar und ziehe unter Gesang und Musik umher. Dies gilt als vorzügliches Fest; mit einer Umfassung weniger als mittleres.
dvyūne'dhamaṃ jaghanyaṃ trinyūne kṣudramathetare |
balipradānena vinā notsavo'bhyudayāvahaḥ || 10 ||
5.10 Mit zwei weniger gilt es als geringeres, mit drei weniger als niedriges, mit noch weniger als kleines Fest. Ohne Bali-Gabe gilt ein Fest nicht als förderlich für das Wohlergehen.
paricāraka lakṣaṇam. |
śuklāmbaradharaṃ saumyaṃ śuklayajñopavītinam |
sottarīyaṃ ca soṣṇīṣaṃ svanuliptamalaṅkṛtam || 11 ||
5.11 Man rufe einen freundlichen Dienenden herbei, weiß gekleidet, mit weißer heiliger Schnur, Obergewand und Kopfbinde, wohl gesalbt und geschmückt.
paricārakamāhūya bhāvitaṃ garuḍhātmanā |
tanmūrdhani ca pātrasthe taṇḍule'nne prasūnake || 12 ||
5.12 Man vergegenwärtige ihn als Garuḍa. In Reis, Speise oder Blumen in einem Gefäß auf seinem Kopf
devamāvāhayenmūla berādārādhaka ssvayam |
iṣṭvāca gandhapuṣpādyaistatra devaṃ yathāvidhi || 13 ||
5.13 rufe der Verehrende selbst den Gott aus dem Hauptbild herbei und verehre ihn dort vorschriftsgemäß mit Duft, Blumen und weiteren Gaben.
viṣṇvādimūrtīścapunaḥ pūjayitvā pradakṣiṇam |
prāgādyeṣu dvādaśanu pātrastheṣu daleṣu ca || 14 ||
5.14 Dann verehre er die Gestalten vom Viṣṇu an rechtsherum auf den zwölf Blättern im Gefäß, beginnend im Osten.
sūktaṃ sarvaṃ svastyayanaṃ tathānyaccāpi maṅgalam |
paṭhan pātraṃ cabibhrāṇo vrajecca paricārakaḥ || 15 ||
5.15 Der Dienende gehe mit dem Gefäß, während eine ganz glückverheißende Hymne und andere segensreiche Texte rezitiert werden; der Satz lässt offen, ob er selbst oder die Begleitung rezitiert.
caṇḍapracaṇḍupramukhān dvārapālān prapūjayet |
balidāne tālanṛttādi vyavasthā |
ghoṣayenmallatālādyairbalidāna purassaram || 16 ||
5.16 Man verehre die Torhüter vom Caṇḍa und Pracaṇḍa an. Bei der vorausgehenden Bali-Gabe lasse man Malla-Tāla und weitere Rhythmen erklingen.
nṛttaṃ tu vaijayantī syādṛṣabhaṃ geyamiṣyate |
vitāna dhavalacchatra cāmara vyajanādi bhiḥ || 17 ||
5.17 Der Tanz soll Vaijayantī heißen, der Gesang Ṛṣabha verwenden. Mit Baldachin, weißem Schirm, Yakschweifwedel, Fächern und weiteren Zeichen
parikrameta balyarthaṃ sarvānāvaraṇān kramāt |
pīṭhaṃ pradakṣiṇīkṛtya praviśedālayaṃ punaḥ || 18 ||
5.18 umgehe man für die Bali-Gaben alle Umfassungen der Reihe nach. Nach Rechtsumrundung des Sockels betrete man das Heiligtum wieder.
taṃtu pradakṣiṇīkṛtya praviśedgarbhamandiram |
datvārghyāṃ mūlamantreṇa mūlabere samutsṛjet || 19 ||
5.19 Man umschreite es nach rechts, trete ins innere Heiligtum, reiche Arghya und führe den Gott mit dem Grundmantra in das Hauptbild zurück.
tadvat |
pādyamācāmaṃ mūlabere niyojayet |
baliśeṣaṃ kṣipetkiñci dviṣvaksenasya mūrdhani |
pariśiṣṭaṃ mahāpīṭhe nikṣipedakṣatādikam || 20 ||
5.20 Auch Fußwasch- und Mundspülwasser werden in einer Variante genannt. Einen kleinen Rest der Bali-Gabe lege man auf Viṣvaksenas Kopf, den übrigen Reis und die anderen Stoffe auf den großen Sockel.
nityotsave baliberaṃ yāne śirasi vā āropya paribraṇam. |
nityotsavaśce dāropya tadbimbaṃ śibikādiṣu |
āropya yadvā śirasi paribhramaṇamiṣyate || 21 ||
5.21 Wird der tägliche Festdienst mit dem Bali-Bild vollzogen, setze man dieses auf eine Sänfte oder ein anderes Tragemittel; auch das Tragen auf dem Kopf ist für den Umgang vorgesehen.
dbimbena |
baliberabhramaṇe nṛttāto dyādibhedaḥ. |
ātodyanṛttairbahudhā bhidyamānte ssamadhitam |
tatra nṛttaṃ bahuvidhaṃ tāni vakṣye samāsataḥ || 22 ||
5.22 Der Umgang wird von vielfältig unterschiedener Musik und Tanz begleitet. Die vielen Tanzarten werde ich kurz nennen.
vilāsaṃ kartarī viṣṇukrāntamālīḍhamaṅgalam |
bhadramālī tārkṣyapakṣaukaraṇaṃ svastikāhvāyam || 23 ||
5.23 Genannt werden Vilāsa, Kartarī, Viṣṇukrānta, Ālīḍha, Maṅgala, Bhadramālī, Tārkṣyapakṣa und die Svastika genannte Bewegung. Die Trennung einzelner zusammengesetzter Namen ist nicht überall sicher.
cārī pracārī sūcī ca sāvartaṃ pāribhadrakam |
saumyaṃ viṣamasūcī ca kheṭakaṃ cāvakuñcitam || 24 ||
5.24 Es folgen Cārī, Pracārī, Sūcī, Sāvarta beziehungsweise Saṃvarta, Pāribhadraka, Saumya, Viṣamasūcī, Kheṭaka und Avakuñcita.
saṃvartaṃ |
viṣamasūrī |
kaṭibandhamalaṅkāra maśmarī pṛṣṭhakuṭṭimam |
ullaṅghivāmajānvākhya māsūrī cāpaveṣṭitam || 25 ||
5.25 Dann Kaṭibandha, Alaṅkāra, Aśmarī, Pṛṣṭhakuṭṭima, Ullaṅghi, Vāmajānu, Āsūrī beziehungsweise Mādhurī und Apaveṣṭita.
pṛṣṭhākuṭṭakam |
mādhurī |
vāsareśvarasañcārībhāvai syātāṃ nikuṭṭimau |
kuṭṭimaṃ ghaṭitaṃ sthāyībhāvo yacca vijṛmbhitam || 26 ||
5.26 Vāsareśvara, Sañcārī-Bhāva, zwei Nikuṭṭima-Formen, Kuṭṭima, Ghaṭita, Sthāyī-Bhāva und Vijṛmbhita werden genannt; die Satzfügung ist beschädigt.
maṇḍalaṃ kuñcitārdhādi patākā sarvamaṅgalam |
kāntārakuṭṭimāhvānaṃ prapūrvaṃ ghaṭitaṃ tathā || 27 ||
5.27 Weitere Namen sind Maṇḍala, Kuñcitārdha, Patākā, Sarvamaṅgala, Kāntārakuṭṭima und Praghaṭita.
vilāsaṃ sarvato bhadraṃ śuddhaṃ kuñcita miṣyate |
mārgacārī karādhīna māvabhāsa manantaram || 28 ||
5.28 Es folgen Vilāsa, Sarvatobhadra, Śuddha, Kuñcita, Mārgacārī, Karādhīna und Āvabhāsa; die Varianten bieten teilweise andere Namensformen.
vigātraṃ |
mānabhāla |
āveṣṭitaṃ parīvartaṃ nirdhūtaṃ deśimaṇḍalam |
samapūrvaṃca ghaṭitaṃ padaṃ viṣamapūrvakam || 29 ||
5.29 Dann Āveṣṭita, Parīvarta, Nirdhūta, Deśimaṇḍala, Samaghaṭita und Viṣamapada.
gaditam |
karkarīkavilāsaśca bhavedvigalitaṃ tathā |
nṛttabhedāḥ pṛthagbhāvā gātrāvayava ceṣṭitaiḥ || 30 ||
5.30 Auch Karkarīkavilāsa und Vigalita werden genannt. Diese Tanzarten unterscheiden sich durch Ausdruck und die Bewegungen der Körperglieder.
ātodya gītibhedānā mānantyānneha tanyate |
khageśa priyaṃ nṛttam. |
puṣpaprabhāsamopetaṃ dhvajacchatrādi saṃyutam || 31 ||
5.31 Instrumental- und Gesangsarten werden wegen ihrer unendlichen Vielfalt hier nicht weiter ausgeführt. Blumen, Glanzschmuck, Fahnen und Schirme
gīyate |
nṛttaṃ geyaṃ ca madhyamam |
sarvavāditrasubhagaṃ sarvageya samedhitam |
brahmavidbrahmaghoṣeṇa sahitaṃ dīpasaṅkulam || 32 ||
5.32 begleiten den Zug, der durch alle Instrumente und Gesänge verschönt wird, mit vedischer Rezitation der Brahmankundigen und vielen Lampen.
viṣṇukrāntaṃ khageśasya nṛttaṃ geyaṃ ca madhyamam |
puruhotādi priyaṃ nṛttam. |
vilāsaṃ sarvatobhadraṃ kheṭakaṃ cakramaṇḍalam || 33 ||
5.33 Garuḍa ist der Tanz Viṣṇukrānta und der Gesangston Madhyama zugeordnet. Für Indra und die weiteren Richtungshüter werden Vilāsa, Sarvatobhadra, Kheṭaka und Cakramaṇḍala,
kāntāraṃ kuṭṭimaṃ pṛṣṭhakuṭṭimaṃ kaṭibandhanam |
pāmajānūrdhvanṛttaṃ ca puruhotādiṣusmṛtam || 34 ||
5.34 Kāntāra, Kuṭṭima, Pṛṣṭhakuṭṭima, Kaṭibandhana und ein Tanz mit erhobenem linkem Knie genannt. Die genaue Verteilung der mehr als acht Tanznamen bleibt unklar.
puruhotādīnāṃ priyassvaraḥ. |
ṣaḍjarṣabhauca gāndhāro madhyamaḥ pañcamastathā |
dhyaivataśtceva niṣadhaḥ puruhūtādiṣu svaraḥ || 35 ||
5.35 Ṣaḍja, Ṛṣabha, Gāndhāra, Madhyama, Pañcama, Dhaivata und Niṣāda sind die sieben Töne, die Indra und den weiteren Richtungsgöttern zugeordnet werden.
bhavasya priyassvaraḥ. |
saptajñeyā dhaivatastu bhavasya svara iṣyate |
viṣvaksenasya priyau nṛttasvarau. |
nṛttaṃ tu viṣvaktenasya svastikaṃ vṛṣabhassvaraḥ || 36 ||
5.36 Für Bhava gilt Dhaivata als der gewünschte Ton. Viṣvaksenas Tanz ist Svastika, sein Ton Ṛṣabha.
gaṇeśa priyanṛttasvarau. |
hastinṛttaṃ gaṇeśasya svaraḥpañcama iṣyate |
dhaivatassyātsvaro nṛttaṃ durgāyāssarva maṅgalam || 37 ||
5.37 Gaṇeśas Tanz ist Hastinṛtta, sein Ton Pañcama. Durgās Ton ist Dhaivata, ihr Tanz Sarvamaṅgala.
anyeṣāṃ devānāṃ priyanṛttasvarāḥ. |
anyeṣāmapi devānāṃ nṛttaṃ syātsarvamaṅgalam |
gānaṃ ca dhaivataṃ proktaṃ gāndhāraṃ paṅcamaṃ tathā || 38 ||
5.38 Für andere Gottheiten gilt ebenfalls der Tanz Sarvamaṅgala. Als Gesangstöne werden Dhaivata, Gāndhāra und Pañcama genannt.
tadavāntarabhedā vā geyā geyavicakṣaṇaiḥ |
digbhedena tālabhedaḥ. |
samatālāhvayaṃ pādyamaindryaṃ diśi havirbhujaḥ || 39 ||
5.39 Auch deren Unterarten sollen kundige Sänger verwenden. [Zu den Richtungsrhythmen:] Im Osten gilt Samatāla; in der Richtung Agnis
baddhāvatālābhidhānaṃ yamasya diśi śṛṅgiṇī |
nairṛtyāṃ mallatālaṃ syādvāruṇyāṃ maṅgalāhvayam || 40 ||
5.40 der als „baddhāvatāla“ überlieferte Rhythmus, im Süden Śṛṅgiṇī, im Südwesten Malla-Tāla und im Westen Maṅgala.
vāyavyāṃ jayatālākhyaṃ kauberyāṃ bhadrasaṃjñitam |
aiśānyāṃ karkarītālaṃ |
tārkṣyasya priyaṃ tālam |
tārkṣyasya garuḍāhvayam || 41 ||
5.41 Im Nordwesten gilt Jaya-Tāla, im Norden Bhadra, im Nordosten Karkarī-Tāla. Für Tārkṣya ist der Garuḍa genannte Rhythmus bestimmt.
bhūtānāṃ priyaṃ tālam. |
bhūtānāṃ balitālākhyam |
seneśasya priyaṃ tālam. |
seneśasyāpi tādṛśam |
anyeṣāṃ devānāṃ priyaṃ tālam. |
anyeṣāmapi devanāṃ tālaṃ bhadraṃ praśasyate || 42 ||
5.42 Für die Bhūtas gilt Bali-Tāla, ebenso für den Heeresführer Viṣvaksena. Für die übrigen Gottheiten wird Bhadra-Tāla empfohlen.
dikṣu sarvāsu sarveṣu mandirāvaraṇeṣu ca |
nṛttaṃ geyaṃ ca vādyaṃ ca sākalyena samīritam || 43 ||
5.43 So sind Tanz, Gesang und Instrumentalmusik in allen Richtungen und Umfassungen des Tempels insgesamt erklärt.
dhvajadarśana maṅgalāṣṭaka balidāna bhakṣyādinivedanam. |
khagadhvajaṃ darśayītvā maṅgalāṣṭakameva ca |
sannidhāne ca devasya sarvatra baliriṣyate || 44 ||
5.44 Man zeige das Garuḍa-Banner und die acht Glückszeichen. Überall ist Bali in Gegenwart des Gottes vorgesehen.
nivedyaṃ tatra tāmbūlaṃ bhakṣyaṃ ca pṛthukādikam |
narveṣvā varaṇeṣvevaṃ sthānaṃ prati samācaret || 45 ||
5.45 Dort bringe man Betel, feste Speisen wie gepresste Reiskörner und weitere Gaben dar. So verfahre man an jeder Stätte in allen Umfassungen.
naivedyam |
śaṅkhanādamātreṇa prākāradvāranirgamaḥ. |
kevalāmbujanādena prākāradvāranirgamaḥ |
mahāpīṭhe balipradānam. |
nirgamya ca mahāpīṭhe mandirābhimukhaṃ sthitaḥ || 46 ||
5.46 Beim Verlassen eines Umfassungstores ertönt allein die Muschel. Draußen trete man an den großen Sockel, dem Tempel zugewandt.
dīkṣu sarvāsu pīṭhasya pāditre ghoṣi te bhṛśam |
kṣālite pīṭhikāmūrdni pūjayedviṣṇu pārṣadān || 47 ||
5.47 An allen Seiten des Sockels erklinge kräftige Instrumentalmusik. Auf der gereinigten Sockeloberfläche verehre man Viṣṇus Begleiter.
baliṃ niravaśeṣeṇa datvā pīṭhasya mūrdani |
pīṭhaṃ parītya dhāmāntaḥ praviśya mukhamaṇḍape || 48 ||
5.48 Man lege die gesamte Bali-Gabe auf den Sockel, umschreite ihn und trete wieder ins Heiligtum und in dessen vordere Halle.
devasya yānādito'paropaṇam. |
pradāya pāduke pīṭhe yānāderavaropyaca |
praṅmakhaṃ viṣṭare devamavasthāpya sabhājayet || 49 ||
5.49 Man reiche dem Gott die Sandalen, nehme ihn vom Fahrzeug herunter, stelle ihn nach Osten gewandt auf einen Sitz und verehre ihn.
devasya garbhagehapraveśanam. |
upahāra maśeṣeṇa pradāyāvasarocitam |
praveśayedgarbhagehaṃ devamārādhaka ssvayam || 50 ||
5.50 Nach vollständiger Darbringung der für diesen Zeitpunkt angemessenen Gaben bringe der Verehrende selbst den Gott ins innere Heiligtum.
vādyādinyūnatā samādhānarthaṃ tāṇḍavam. |
vādye geye tathā nṛtte bahiraṅgaṇa bhūmiṣu |
nyūnībhāvaṃ samādhātuṃ śuddhe tāṇḍavamācaret || 51 ||
5.51 Um Mängel an Instrumentalmusik, Gesang und Tanz auszugleichen, vollziehe man auf dem reinen äußeren Hof den Tāṇḍava-Tanz.
mahāvātādisaṃkṣobhenityotsavapratiṣedhaḥ. |
mahāvātādi saṃkṣobhena nityotsavamācāret |
balipradānamātraṃ tu kuryācca sati sambhave || 52 ||
5.52 Bei heftigem Wind oder ähnlichen Störungen vollziehe man den täglichen Festzug nicht. Soweit möglich, gebe man allein Bali.
nabiṃ caṇḍe pracaṇḍe tu kevalaṃ vā vinikṣipet |
tayormadhyetu purato mūlamantreṇa sādhakaḥ || 53 ||
5.53 Oder der Übende lege die Gabe nur bei Caṇḍa und Pracaṇḍa nieder, vor ihnen in der Mitte, mit dem Grundmantra.
bhūtebhyo nama ityevaṃ pakṣipetsodakaṃ balim |
ārādhana kālabhedaḥ. |
ārādhana vidhirhyeṣu kālabhedeṣu śasyate || 54 ||
5.54 Mit „bhūtebhyo namaḥ“, „Verehrung den Wesen“, gebe man Bali samt Wasser. Dieses Verehrungsverfahren wird zu unterschiedlichen Zeiten ausgeführt.
ahni kātrau ca tān brahmannadhunā kathayāmi te |
ekastrayo vā ṣaḍvāpi kāli dvādaśa evavā || 55 ||
5.55 Diese Tages- und Nachtzeiten werde ich dir nun erklären, Brahmā. Es gibt eine, drei, sechs oder zwölf Verehrungszeiten,
pañca kālaścatuṣkāla statkālo bahudhā mataḥ |
yathāvibhavamuddiṣṭaṃ samārādhana karmaṇi || 56 ||
5.56 auch fünf oder vier. Die Zeitordnung ist vielfältig und wird für den Kult entsprechend den verfügbaren Mitteln festgelegt.
eko madhyāhnasamayaḥ prātarmadhyandinaṃ niśā |
trayaścet ṣaṭsupūrvektāḥ kālabhedāḥ punastrayaḥ || 57 ||
5.57 Bei einer einzigen Zeit dient der Mittag; bei drei Zeiten Morgen, Mittag und Nacht. Bei sechs kommen zu diesen drei weitere hinzu:
trayaṃ ca. ka. trayaścet ṣaṭsu pūrvokta stataḥ kālacatuṣṭaye |pañca kālā ime proktāḥ kālabhedāḥ punastrayaḥ. iti kośāntaram |
madhyarātro'pa rāhṇaśca tathā pratyūṣa īritaḥ |
pratyūṣa ścārdharātraṃ ca prātarmadhyandinaṃ niśā || 58 ||
5.58 Mitternacht, Nachmittag und Morgendämmerung. Für fünf Zeiten werden Morgendämmerung, Mitternacht, Morgen, Mittag und Nacht genannt.
pañcakālā ime proktānsataḥkālacatuṣṭayaṃ |
ekena hīnaḥ pratyūṣo vijñeyaśchaturāsana || 59 ||
5.59 Dies sind die fünf Zeiten. Bei vier fällt die Morgendämmerung weg, Viergesichtiger. Eine längere Variante ordnet die Übergangssätze anders, ohne eine vollständig klare neue Folge zu liefern.
kālānāṃ nāḍikāmānam. |
kālā dvādaśa vijñeyāḥ pañca pañca ca nāḍikāḥ |
itare kālabhedāstu pratyekaṃ yāma sammitāḥ || 60 ||
5.60 Bei zwölf Zeiten umfasst jede fünf Nāḍikās. Die übrigen Zeitabschnitte werden jeweils mit einem Yāma bemessen; diese Angabe bezeichnet Zeitfenster und nicht notwendig die Dauer jeder Einzelhandlung.
ārādhanabhedāḥ. |
utsavāvasitaṃ śreṣṭhamārādhana mudāhṛtam |
homāntaṃ madhyamaṃ proktaṃ prāpaṇānta mathādhamam || 61 ||
5.61 Als vorzügliche Verehrung gilt die bis zum Festdienst ausgeführte, als mittlere die bis zum Homa, als geringere die bis zur Speisegabe.
kṣudraṃ tu dhūpadīpānta madhamāradhanaṃ bhavet |
snānārcana nṛttageyādīnāṃ ghaṭikāmānam. |
ghaṭike dve bhavat snāne ghaṭikai kārcane bhavet || 62 ||
5.62 Als klein gilt die nur bis zu Räucherwerk und Licht reichende Verehrung. Für das Bad werden zwei Ghaṭikās, für die eigentliche Verehrung eine Ghaṭikā genannt.
nṛttageye tathā caikā tadhardhena nivedanam |
home caikā cotsave dve śuddhanṛttāvasānike || 63 ||
5.63 Für Tanz und Gesang eine, für die Speisegabe deren Hälfte, für den Homa eine und für den mit reinem Tanz endenden Festdienst zwei.
prabhātakāla pūjāyāṃ snānādi vidhirīdṛśaḥ |
ghaṭikā snānasamayastathārdha ghaṭikārcanam || 64 ||
5.64 So werden Bad und weitere Dienste bei der Morgenverehrung bemessen. Eine andere Zeitordnung nennt eine Ghaṭikā für das Bad und eine halbe für die Verehrung.
prakārakālabhedoyaṃ |
geyanṛttasya ghaṭikā tadardhena nivedanam |
homārdhe pariśiṣṭastu bhavennityotsavekṣaṇaḥ || 65 ||
5.65 Für Gesang und Tanz gilt dabei eine Ghaṭikā, für die Speisegabe eine halbe. Der verbleibende Zeitraum wird auf Homa und täglichen Festdienst verteilt; Haupttext und Variante geben die Halbierung unterschiedlich wieder.
homārdhe pariśiṣṭārdhaṃ bhavennityotsavakriyā |
kālabhedeṣu kālatrayaṃ śreṣṭham. |
kālabhedeṣu sarveṣu śreṣṭhaṃ kālatrayaṃ viduḥ |
prātarmadhyandinaṃ rātri rmukhyaṃ ca kamalāsana || 66 ||
5.66 Unter allen Zeitordnungen gelten die drei Hauptzeiten Morgen, Mittag und Nacht als vorzüglich, Lotusgeborener.
uktakālatraye balinityotsava yoravaśyaṃbhāvitā. |
āvaśyaṃ bhāvinau teṣu balinityotsavāpubhau |
homaparyantamanyatra kārabhedeṣu śasyate || 67 ||
5.67 Zu diesen drei Zeiten sind Bali und täglicher Festdienst beide erforderlich. Bei den anderen Zeiten wird der Vollzug bis zum Homa empfohlen.
utsavādyaṅgabimbānāṃ sarvakāleṣu pūjanam. |
utsavādyaṅgalimbāni senānyaṃ vihageśvaram |
caṇḍapracaṇḍai dvārasthausarvakāleṣu pūjayet || 68 ||
5.68 Die Bilder für Fest und weitere Aufgaben, den Heeresführer, den Vogelkönig sowie die Torhüter Caṇḍa und Pracaṇḍa verehre man zu allen Zeiten.
vādyapādanakālaḥ. |
madhyandine pradeṣe ca purastādvādya vādanam |
nīrājanakālaḥ. |
nīrājayetpradoṣeṣu devaṃ |
nīrājanapātrādi nirūpaṇam. |
tadapi kathyate || 69 ||
5.69 Mittags und in der Abenddämmerung erklinge vorne Instrumentalmusik. In der Abenddämmerung vollziehe man das Lichtschwenken für den Gott; auch dieses wird nun erklärt.
svarṇapātrāṇi yugmāni vipulāni tathāvasu |
tanmadhye sālipṛṣṭheṣu partidīpān tapradīpayet || 70 ||
5.70 Man bereite paarweise große goldene Gefäße nach Maßgabe des Vermögens. In ihrer Mitte entzünde man Dochtlampen auf Reisunterlagen.
prakalpayet |
strībhiśśreṇīnandhena dīpadhāraṇansāsau. |
tathāvidhāni pātrāṇi karairuddhṛtya yoṣitaḥ |
kalyāṇavastrābharaṇā nirgatāśca mahānasāt || 71 ||
5.71 Frauen mit glückverheißenden Gewändern und Schmuck heben solche Gefäße mit den Händen auf und kommen aus der Küche heraus.
śreṇībandhāḥ purogīta nṛtta vādyasamanvitāḥ |
antike devadevasya vinyaseyu rmahītale || 72 ||
5.72 In geordneten Reihen, mit vorausgehendem Gesang, Tanz und Instrumentalmusik, stellen sie sie nahe beim Gott der Götter auf dem Boden nieder.
vādyādibhissaha |
dīpapātrārcanam. |
ādhāreṣu tataḥ pātrāṇyarcaye dviśvavidyayā |
dīpaprāpaṇavidhiḥ. |
ācāryodhruvabherādai ṣaḍaṅganyāsamācaret || 73 ||
5.73 Die Gefäße auf ihren Untersätzen verehre man mit der Viśva-Formel. Der Ācārya vollziehe den sechsgliedrigen Nyāsa am Hauptbild und den weiteren Bildern.
iṣṭhvā ca devamarghyādyerdīpapātrāṇi pūjakaḥ |
uddhṛtya bhrāmayeddeva māpādatalamastakam || 74 ||
5.74 Nach der Verehrung des Gottes mit Arghya und den übrigen Gaben hebe der Verehrende die Lampengefäße auf und schwenke sie vor dem Gott von den Fußsohlen bis zum Kopf.
Kapitel 6: Puruṣasūkta und die Verehrungsdienste
pādmasaṃhitāyām |
caryāpādeṣaṣṭho'dhyāyaḥ |
ṣaṣṭho'dhyāyaḥ |
|
puruṣasūktanyāsaḥ. |
brahmā |
sūktasyāṅgeṣu bhagavan pauruṣasya kathaṃ bhavet |
nyāsaḥ kathaṃ vā tena tvāmarcayāmi yathā mama || 1 ||
6.1 Brahmā sprach: Erhabener, wie wird das Puruṣasūkta durch Nyāsa in die Körperglieder gelegt, und wie soll ich dich damit verehren?
pṛcchata ssaṃśayānasya gṛhārcana vidhikramaḥ |
yāthātathyena vaktavyomayi cedastyanugrahaḥ || 2 ||
6.2 Erkläre mir, der ich frage und noch zweifle, das Verfahren der Hausverehrung genau, wenn du mir Gnade erweisen willst.
vidhiḥkatham |tvayā tathyena |
śrībhagavān |
chando'nuṣṭu bṛṣi stasya vāsudevassa devatā |
mūrdhniphāle nayanayo rnāsikāyāṃ tathā mukhe || 3 ||
6.3 Der erhabene Herr sprach: Als Versmaß wird Anuṣṭubh genannt; Vāsudeva erscheint als Ṛṣi und Gottheit. Die Formulierung trennt diese beiden Zuordnungen nicht eindeutig. [Zum Nyāsa:] Am Kopf, an Stirn, Augen, Nase und Mund,
gale bhā hvośca hṛdaye nābhāvaṅge ca mehane |
ūrvoścaraṇayornyānaḥ prathamādi ṛcāṃ kramāt || 4 ||
6.4 an Hals, Armen, Herz, Nabel, Leib, Geschlechtsorgan, Schenkeln und Füßen lege man die Verse vom ersten an der Reihe nach nieder.
ṛcāmāvāhanādau viniyogaḥ. |
ādyayā'vāhayeddeva māsanaṃ ca dvitīyayā |
pādyaṃ tṛtīyayā cārghyaṃ caturthyā vitaredṛcā || 5 ||
6.5 Mit dem ersten Vers rufe man den Gott herbei, mit dem zweiten biete man einen Sitz an, mit dem dritten Fußwaschwasser und mit dem vierten Arghya.
paṅcamyācamanaṃ snānaṃ ṣaṣṭhyā saptaṛcāmbaram |
upavīta mṛcāṣṭamyā navamyāgandhelepanam || 6 ||
6.6 Mit dem fünften reiche man Mundspülwasser, mit dem sechsten vollziehe man das Bad, mit dem siebten reiche man Gewand, mit dem achten die heilige Schnur, mit dem neunten Duftsalbe.
puṣpaṃ daśamyekādaśyā dvādaśyā dhūpadīpakau |
nivedanaṃ trayodaśyā caturdaśyā namaskṛtiḥ || 7 ||
6.7 Mit dem zehnten reiche man Blumen, mit dem elften Räucherwerk, mit dem zwölften Licht, mit dem dreizehnten Speise und mit dem vierzehnten die Verneigung.
pradakṣiṇaṃ paṅcadaśyā ṣoḍaśyodvāsanaṃ hareḥ |
homadravyāṇi. |
samidhannājya homaśca pratyṛcaṃ jātavedasi || 8 ||
6.8 Mit dem fünfzehnten vollziehe man die Rechtsumrundung, mit dem sechzehnten Haris Entlassung. Zu jedem Vers opfere man Scheite, Speise und Ghee im Feuer.
svagṛhe pūjayedviṣṇu śucau dese gṛhe kvacit |
āvāhanādhāra vastūni. |
sthale ratnamayasthāne vimāne ca tathāvidhe || 9 ||
6.9 Im eigenen Haus verehre man Viṣṇu an einer reinen Stelle, auf einer Fläche, an einem als edelsteinbesetzt vergegenwärtigten Ort oder in einem entsprechenden kleinen Heiligtum.
ratnamaye dhyāte. dhyātvā |
apsvagnau hṛdaye sūrye sthaṇḍile pratimāsu ca |
āvāhana prakāropacārau. |
puṣpodapātramādāya tiṣṭhannāvāhayeddharim || 10 ||
6.10 Auch Wasser, Feuer, Herz, Sonne, Bodenaltar und Bilder können Träger der Verehrung sein. Man nehme ein Gefäß mit Blumenwasser und rufe stehend Hari herbei.
oṃbhūrādi vyāhṛtibhiḥ pratyekaṃ puruṣottamam |
vyastābhiśca samastābhiḥ vedādyenāsanaṃ tataḥ || 11 ||
6.11 Mit den bei „oṃ bhūḥ“ beginnenden Vyāhṛtis, einzeln und zusammen, rufe man Puruṣottama herbei; danach bereite man mit dem Praṇava den Sitz.
oṃpūrvādi |
pātrasthamambhassāvitryā abhimantrya pavitrakam |
tadaghyaṃ viṣṇugāyatryā dadyāttrīṇipadetyṛcā || 12 ||
6.12 Das reine Wasser im Gefäß bespreche man mit der Sāvitrī. Arghya reiche man mit der Viṣṇu-Gāyatrī, Fußwaschwasser mit dem Vers „trīṇi padā“.
pādyamācamanīyaṃ ca praṇavena prakalpayet |
mantraissnapanamabliṅgairaṅgaṃ ca vimṛjettataḥ || 13 ||
6.13 Mundspülwasser bereite man mit dem Praṇava. Das Bad vollziehe man mit wasserbezogenen Mantras; danach trockne man die Glieder ab.
vyāhṛtyāplotavastreṇa jitanta iti vidyayā |
vāso vidyādinā dadyādupavītaṃ ca lepanam || 14 ||
6.14 Dabei dienen die Vyāhṛtis, ein Trockentuch und die Formel „jitaṃ te“; ihre genaue Verbindung ist knapp gefasst. Gewand und heilige Schnur reiche man mit dem Praṇava, die Salbung
vedādinā |
idaṃ viṣṇuriti procyapraṇavena prasādhanam |
tadviṣṇoriti puṣpāṇi jitanta iti dhūpakam || 15 ||
6.15 zu „idaṃ viṣṇuḥ“, den Schmuck mit dem Praṇava, Blumen zu „tad viṣṇoḥ“ und Räucherwerk zu „jitaṃ te“.
uddīpyasveti dīpaṃ ca devasya tveti vai haviḥ |
vāsudedādimantraiśca matsyādyaiḥ keśavādibhiḥ || 16 ||
6.16 Licht reiche man zu „uddīpyasva“, Speise zu „devasya tvā“. Mit den Mantras von Vāsudeva und den weiteren Gestalten, von Matsya und den weiteren Avatāras sowie von Keśava und den weiteren Namen
puṣpāṇi dadyāddhyātvācatāṃtāṃ mūrtiṃ yathāyatham |
caturmukhādīnāṃ gṛhena svātantyreṇārcanam. |
caturmukhādi devānāṃ parivāratayārcanam || 17 ||
6.17 reiche man Blumen und meditiere jeweils über die entsprechende Gestalt. Brahmā und die anderen Gottheiten werden als Gefolge verehrt.
datvā |
na svātantryeṇa yaṣṭavyaḥ vaiṣṇavena gṛhārcane |
japtavyasūktāni. |
japakāle nṛsūktaṃ vā dvādaśākṣarameva vā || 18 ||
6.18 Ein Vaiṣṇava soll sie bei der Hausverehrung nicht selbstständig verehren. Zur Japa-Zeit rezitiere man das Puruṣasūkta oder den Zwölfsilbenmantra,
aṣṭākṣaraṃ vā yadvānyaṃ mantraṃ praṇavameva vā |
japetsamāhitamanā yadvā trayyanta gocarān || 19 ||
6.19 den Achtsilbenmantra, einen anderen Mantra oder allein den Praṇava, mit gesammeltem Geist; auch Texte aus dem Bereich der Vedānta-Lehre kommen infrage.
gṛhārcane phalam. |
yo nityaṃ pūjayedviṣṇuṃ gṛhastho veśmani svayam |
sa nayetsva kulodbhūtān puruṣānekaviṃśatim || 20 ||
6.20 Ein Hausvater, der Viṣṇu täglich selbst in seinem Haus verehrt, führt nach der Quelle einundzwanzig Generationen seiner Familie
viṣṇoḥ padaṃ vā sālokyaṃ yadvānya dabhivāñchitam |
128 upacārāṇāṃ nāmāni. |
upacārā haredadya saparyā vidhigocarāḥ || 21 ||
6.21 zu Viṣṇus Ort beziehungsweise in seine Welt oder erlangt ein anderes ersehntes Ziel. Nun werden Haris Dienste im Verfahren der Verehrung genannt,
aṣṭottaraśataṃ viṃśacchrutā ye manmukhodgatāḥ |
āvahanāsanopacārāḥ. |
avahana namaskārau pratyutthāna manantaram || 22 ||
6.22 insgesamt 128, wie sie aus meinem Mund überliefert wurden: Herbeirufung, Verneigung und Aufstehen zur Begrüßung,
puṣpāñjali ssvāgatokti rāsanaṃ pādapīṭhikā |
arghyaṃ pādyaṃ pratigrāhaḥ pādyaplotābhi marśanam || 23 ||
6.23 Blumengabe in zusammengelegten Händen, Willkommensgruß, Sitz, Fußschemel, Arghya, Fußwaschwasser, Auffanggefäß und Abtrocknen der Füße,
ālepanaṃ caraṇayośca ndanakṣodavāriṇā |
apāmācamanīyaṃ tu pratigrahaṇa darśanam || 24 ||
6.24 Bestreichen der Füße mit Sandelpulverwasser, Wasser zum Mundspülen und Darreichen des Auffanggefäßes,
upasparśana mālepaścanda nādyambucarcayā |
puṣpamālā dhūpadānaṃ madhuparka nivedanam || 25 ||
6.25 Reinigung durch Wasserberührung, Salbung mit Sandel und anderen Duftwassern, Blumenkranz, Räucherwerk und Madhuparka.
ghanasāro nāgavallī |
snānāsanopacārāḥ. |
snānaviṣṭara gocarāḥ |
pādure snānapīṭhaṃ ca snānaśāṭaka manvataḥ || 26 ||
6.26 Kampfer und Betel werden in einem vorangestellten Rest genannt. [Zum Badesitz:] Sandalen, Badesitz und Badetuch,
dantakāṣṭha mathādarśo jihvānirlekhapaṭṭikā |
tāmbūlaviṭikā vastramaparārdhaprasāritam || 27 ||
6.27 Zahnputzholz, Spiegel, Zungenschaber, Betelbissen und ein für den unteren Körperbereich ausgebreiteter Stoff,
abhyaṅgo maulimālā ca tālavṛntamanantaram |
candanodvartanaṃ tanvā gandhāmalakavāri ca || 28 ||
6.28 Ölsalbung, Kopfkranz, Palmfächer, Sandel-Einreibung des Körpers und duftendes Āmalaka-Wasser,
kaṅkataṃ kajanīsnānaṃ vastraṃ gandhānulepanam |
uttarīyaṃ pavitraṃ ca nṛttaṃgeya manantaram || 29 ||
6.29 Kamm, Kurkuma-Bad, Gewand, Duftsalbe, Obergewand, Reinigungsring, Tanz und Gesang,
vādyaṃ daśaśataiśchidraissnānaṃ dhārābhi rarṇasām |
nīrājanaṃ śiraḥplota muṣṇīṣaṃ plotapāsasā || 30 ||
6.30 Instrumentalmusik, Bad durch tausend Öffnungen mit Wasserstrahlen, Lichtschwenken, Kopftuch und eine Kopfbinde aus Trockentuch,
reva ca |
aṅgābhimarśanaṃ vastra mupavīta manantaram |
uttarīyaṃ triṃśadete kathitāḥ kamalāsana || 31 ||
6.31 Abtrocknen des Körpers, Gewand, heilige Schnur und Obergewand: Dreißig Dienste werden so für diesen Bereich genannt, Lotusgeborener.
alaṅkārāsanopacārāḥ. |
alaṅkārāsanasthasya harestatkāla gocarāḥ |
upacārā śśirastrāṇaṃ pītakauśeya vāsasā || 32 ||
6.32 Für Hari auf dem Schmücksitz gelten die folgenden Dienste: Kopfbedeckung mit gelbem Seidenstoff,
dhāraṇam |
karpūra rajasā'mauli cāpādānta manantaram |
kastūrikā mṛgamadaṃ candanenānulepanam || 33 ||
6.33 Auftragen von Kampferpulver vom Kopf bis zu den Füßen, Salbung mit Moschus und Sandel,
lepamāpāda talamastakam |
vyajanaṃ cāmarapyūhauḥkuṅku menānulepanam |
gandhaṃ ca kṛtrimā bhūṣā brahmasūtra manantaram || 34 ||
6.34 Fächeln mit Fächer und Yakschweifwedeln, Safransalbung, Duftstoff, angefertigter Schmuck und heilige Schnur,
prakalpanam |
uttarīyaṃ maulimālā bhāhumālāvilambanam |
mṛtsnayā tilakaṃ kuryādañjanaṃ ca śalākayā || 35 ||
6.35 Obergewand, Kopfkranz, herabhängende Armkränze, Stirnzeichen aus Erde und Auftragen von Augenschminke mit einer Sonde,
tūrdhvapuṇḍrāṅkamañjanam. tilakaṃ cordhvamañjanam. iti ca pāṭhau |
puṣpāvakiraṇaṃ brahman mahādarśapradarśanam |
tāmbūlikā dhūpadīpau śālitaṇḍula mātrikā || 36 ||
6.36 Bestreuen mit Blumen, Vorzeigen eines großen Spiegels, Betel, Räucherwerk, Licht und eine Mātrā genannte Reisgabe,
mātrayā |
svādhyāyādhyayanaṃ dānaṃ nāṭyaṃ veṇu ninādanam |
vīṇādivādanaṃ pāṭho maṅgalānā manantaram || 37 ||
6.37 Rezitation und Studium, Schenkung, Schauspiel beziehungsweise Tanz, Flötenspiel, Vīṇā und weitere Instrumente sowie das Vortragen glückverheißender Texte,
nīrājanaṃ ca piṇḍānāṃ paṅcānāṃ kṣepaṇaṃ diśi |
yātrāsanopacārāḥ. |
yātrāsanopacārāstu haresattkāla gocarāḥ || 38 ||
6.38 Lichtschwenken und Ausstreuen von fünf Speisekugeln in die Richtungen. Nun folgen die Dienste für Hari auf dem Reisesitz.
niśi |
upānahau cāmarāṇi muktātapa nivāraṇam |
mayūrapiṅchavyajanaṃ tālavṛntaṃ ratho gajaḥ || 39 ||
6.39 Dazu gehören Schuhe, Yakschweifwedel, perlengeschmückter Sonnenschirm, Pfauenfederfächer, Palmfächer, Wagen und Elefant,
aśvaśca śibikāyānaṃ vainate yadhvajonnatiḥ |
krīḍāyaṣṭiśca tāmbūlī kriḍāphalasamṛddhayaḥ || 40 ||
6.40 Pferd, Sänfte, erhobenes Garuḍa-Banner, Spielstab, Betel und ein Vorrat an Früchten zum Spiel.
evaṃ paṅcadaśa proktā yātrāsanagatāḥ param |
bhojanāsanam. |
bhojanāsanamārūḍhe harau tatkālagocarāḥ || 41 ||
6.41 So werden fünfzehn Dienste des Reisesitzes genannt. Danach folgen die Dienste für Hari auf dem Speisesitz.
pare |
madhuparkaṃ ca tāmbūlaṃ vīṭikā mukhaśāṭikā |
arhaṇāmbhaḥ pāyasānnaṃ mudgānnaṃ ca gulodanam || 42 ||
6.42 Madhuparka, Betel, Betelbissen, Mundtuch, Arghya-Wasser, Milchreis, Mungbohnenreis und Reis mit Rohzucker,
dadhyodanaṃ pānakaṃ ca pānīyaṃ hastaśāṭakam |
śuddhikca karayo relācandanakṣodavāriṇā || 43 ||
6.43 Dickmilchreis, Süßgetränk, Trinkwasser, Handtuch und Reinigung der Hände mit Kardamom-Sandel-Wasser,
renam |
sukhāsīne ca dāśārhe candanodakacarcayā |
ajgeṣvālepanaṃ mālyamapūva pṛthukāstathā || 44 ||
6.44 ferner, wenn der Dāśārha-Gott bequem sitzt, Bestreichen des Leibes mit Sandelwasser, Kränze, Kuchen und gepresste Reiskörner,
saktanastilapiṇḍāśca phalāni kvathitaṃ jalam |
nālikerāmbudānaṃ ca tāmbūlīdalavīṭikā || 45 ||
6.45 geröstetes Mehl, Sesamkugeln, Früchte, abgekochtes Wasser, Kokoswasser und Betelbissen,
pradakṣiṇa namaskārastu tirātma nivedanam |
arghyamudvāsanaṃ caite śatamaṣṭhā ca viṃśatiḥ || 46 ||
6.46 Rechtsumrundung, Verneigung, Lobpreis, Selbsthingabe, Arghya und Entlassung: Diese Dienste werden zusammen als 128 bezeichnet.
upacārā harerbrarhma vistareṇa pradarśitāḥ |
catuṣṣaṣṭi rupacārāḥ. |
āpāhana namaskārau saparyāsana manvataḥ || 47 ||
6.47 So sind Haris Dienste ausführlich beschrieben, Brahmā. [Nun die Vierundsechzigerfolge:] Herbeirufung, Verneigung, Verehrungssitz,
pādapīṭhaṃ tathaipārghyaṃ pādyanīra pratigrahaḥ |
pādyamācamanīyāmbhaḥ pratigrahaṇameva ca || 48 ||
6.48 Fußschemel, Arghya, Auffangen des Fußwaschwassers, Fußwaschwasser, Mundspülwasser und dessen Auffangen,
acāmo mukhavāsaśca pāduke snānaviṣṭaram |
snānaśāṭī dantakāṣṭhaṃ jihvānirlekhanaṃ tathā || 49 ||
6.49 Mundspülen, Mundduft, Sandalen, Badesitz, Badetuch, Zahnputzholz und Zungenschaber,
tāmbūlābhyaṅjanaṃ caiva vyajanaṃ cāṅgapeṣaṇam |
gandhāmalakajaṃ snānaṃ kaṅkatena viśodhanam || 50 ||
6.50 Betel, Ölsalbung, Fächer, Reiben der Glieder, Bad mit duftendem Āmalaka-Wasser und Reinigung mit dem Kamm,
rajanīcarcayā snānamuttarīya pariṣkṛtiḥ |
vāridhārā sahasreṇa snānaṃ nīrājanaṃ tathā || 51 ||
6.51 Kurkuma-Einreibung und Bad, Ausstattung mit Obergewand, Bad unter tausend Wasserstrahlen und Lichtschwenken,
plotābhimarśanaṃ vāso brahmasūtra manantaram |
uttarīya malaṅkāraviṣṭaraṃ keśaśoṣaṇam || 52 ||
6.52 Abtrocknen mit einem Tuch, Gewand, heilige Schnur, Obergewand, Schmücksitz und Trocknen der Haare,
prakalpanam |
paridhānaṃ dukūlena gandhadravyānu lepanam |
vyajanaṃ bhūṣaṇaṃ mālā puṣpāṇāṃ sayanāñjanam || 53 ||
6.53 Bekleidung mit feinem Stoff, Salbung mit Duftstoffen, Fächer, Schmuck, Blumengirlande und Augenschminke,
tāmbūlaṃ darpaṇaṃ dhūpadīpau mātrā parivyayaḥ |
dānaṃ nīrājanaṃ cchatramupānaṭ cāmaradhvajāḥ || 54 ||
6.54 Betel, Spiegel, Räucherwerk, Licht, Mātrā-Gabe, Schenkung, Lichtschwenken, Schirm, Schuhe, Yakschweifwedel und Fahnen,
parivyathā |
vāhanaṃ śibikāyānaṃ trayaṃ krīḍā phalaṃ tathā |
bhojana syāsanaprāpti rmadhuparka nivedanam || 55 ||
6.55 Fahrzeug, Sänfte und die drei zuvor genannten Tragemöglichkeiten beziehungsweise Reittiere, Spielobst, Übergang zum Speisesitz und Madhuparka-Darbringung,
bhojanāsana samprāptiḥ |
arhaṇaṃ prāpaṇaṃ pānaṃ pānīyaṃ sukhaviṣṭaram |
nivedana mapūpāde stāmbūlī stotra śaṃsanam || 56 ||
6.56 Arghya, Speisegabe, Getränk, Trinkwasser, bequemer Sitz, Darbringung von Kuchen und Ähnlichem, Betel und Lobpreis,
dhānā |
visarjanamiti brahman ṣaṣṭiśca caturuttarā |
dvātriṃśadupacārāḥ. |
upacārānatho pakṣye dvātriṃ śattuyathātatham || 57 ||
6.57 schließlich Entlassung: So werden vierundsechzig Dienste genannt, Brahmā. Nun erkläre ich genau die zweiunddreißig Dienste.
āvahanāsane paścādarghyaṃ pādya mana ntaram |
ācāmo mukhavāsaśca pāduke dantadhāvanam || 58 ||
6.58 Zuerst Herbeirufung und Sitz, dann Arghya, Fußwaschwasser, Mundspülen, Mundduft, Sandalen und Zahnreinigung,
jihvānirlekhanaṃ telaṃ dhātryāssnānaṃ haridrayā |
pāsaścaipūpavītaṃ ca gandhālepaśca bhūṣaṇam || 59 ||
6.59 Zungenschaber, Öl, Bad mit Āmalaka und Kurkuma, Gewand, heilige Schnur, Duftsalbung und Schmuck,
vāsaścaivottarīyaṃ ca gandhālepana bhūṣaṇam |
mālā'ñcanaṃ tathādarśadānāṃ dhūpaścadīpikā |
mātrādānaṃ tataśchatraṃ cāmaraṃ tūryaghoṣaṇam || 60 ||
6.60 Girlande, Augenschminke, Spiegel, Räucherwerk, Lampe, Mātrā-Gabe, Schirm, Yakschweifwedel und Instrumentalmusik,
madhuparkārhaṇaṃ caiva nivedana manantaram |
bhakṣyaṃ tathā nāgavallī visarjana mathāntimam || 61 ||
6.61 Madhuparka, Arghya, Speisegabe, feste Speise, Betel und zuletzt Entlassung.
mathābjaja |
ṣoḍaśopacārāḥ. |
upacārāṣṣoḍaśa nyurātmanaśśaktyapekṣayā |
āvahanāsane pūrvamarghyaṃ pādya manantaram || 62 ||
6.62 Nach Maßgabe der eigenen Kräfte können es sechzehn Dienste sein: zuerst Herbeirufung und Sitz, danach Arghya und Fußwaschwasser,
upasparśastathā snānaṃ pastraṃ yajñopa vītakam |
gandhālepastathā bhūṣā mālā dhūpaḥ pradīpikā || 63 ||
6.63 Wasserreinigung, Bad, Gewand, heilige Schnur, Duftsalbung, Schmuck, Girlande, Räucherwerk und Lampe,
madhuparkaṃ prāpaṇaṃ ca visarjana mathāntimam |
āsana sāmānyopacārāḥ. |
āsaneṣu ca sarveṣu pādyaṃ pādya pratigrahaḥ || 64 ||
6.64 Madhuparka, Speisegabe und zuletzt Entlassung. [Allen Sitzen gemeinsame Dienste:] An jedem Sitz sind Fußwaschwasser und dessen Auffangen,
pādaplota ścaraṇayorgandhā lepaścaturmukha |
ācāmaśca tadambūnāṃ pratigrahaṇa miṣyate || 65 ||
6.65 Abtrocknen der Füße, Duftsalbung der Füße, Mundspülen und Auffangen dieses Wassers vorgesehen, Viergesichtiger.
pādaviṣṭara niṣedasthānam. |
bhojyayātrāsane tyaktvā kartavyaṃ pādaviṣṭaram |
madhuparkanivedanam. |
upakramopa ramayo rmadhuparka nivedanam || 66 ||
6.66 Außer beim Speise- und Reisesitz soll man einen Fußschemel bereitstellen. Madhuparka wird zu Beginn und am Abschluss dargebracht.
ācamana sthānāni. |
bhojanānteca vastrasya paridhāne tathā plave |
jihvānirlekhanānte ca sarvatrā camanakriyā || 67 ||
6.67 Nach dem Essen, beim Anlegen der Gewänder, nach dem Bad und nach der Zungenreinigung ist jeweils Mundspülen auszuführen.
ghanṭānādaṃ vinā nivedanīyopacārāḥ. |
nivedani ca vastrāṇāṃ keśānāmapi śoṣaṇe |
ghanṭānādaṃ vinā dhūpo |
upacārāntareṣu ghaṇṭāyā avaśyakatā. |
na vinānyatra ghaṇṭayā || 68 ||
6.68 Bei der Speisegabe und beim Trocknen der Gewänder oder Haare durch Räucherwerk wird die Glocke nicht geläutet; die anderen Dienste erfolgen nicht ohne Glocke.
dīpopacāre nai veṣṭaṃ ghaṇṭāsvanana manyathā |
vibhavānāṃ kṣaye sthāne syācca pūjā'surīkṛtā || 69 ||
6.69 Auch beim Lichtdienst wird Glockenklang hier ausgeschlossen. Die anschließende Warnung vor Verlust der Ausstattung und „asurisch“ werdender Verehrung ist sprachlich beschädigt; sie wird nicht zu einer eindeutigen zusätzlichen Läutregel erweitert.
sārcā pūjāsurīkṛtā |
nirlekhanaṃ rasajñāyā dantakāṣṭhaṃ ca nikṣipet |
upasparśana vārīṇāṃ pratigrahaṇa bhājane || 70 ||
6.70 Zungenschaber und Zahnputzholz lege man in das Gefäß, das das Wasser der Mundreinigung auffängt.
bhakṣaṇādyanna pānānte pāsasā hastamārjanam |
tathāñjane nayanayo rmārjanaṃ pāsasā bhavet || 71 ||
6.71 Nach Essen und Trinken trockne man die Hände mit einem Tuch; auch beim Schminken der Augen wische man mit Stoff ab.
arhaṇaṃ bhojane dadyānna pānādau kadā cana |
aṣṭāṅgāpāhanam. |
parasya sūkṣmasya tathā sthūlasya tadanantaram || 72 ||
6.72 Arghya reiche man zur Mahlzeit, niemals allein beim Trinken und ähnlichen Diensten. [Zur achtgliedrigen Herbeirufung:] Zuerst die Vergegenwärtigung der höchsten, feinen und groben Gestalt,
cintā saṅkramaṇaṃ tasya bimbe pratyudgama stathā |
svāgatoktirnamaskārassānnidhya prārthanā tathā || 73 ||
6.73 dann ihr Übergang in das Bild, das Entgegengehen, der Willkommensgruß, die Verneigung und die Bitte um Gegenwart:
ityāvāhana maṣṭāṅgaṃ parasya paramātmanaḥ |
ratnādikṣaṇikāntāni āvāhana yogyadravyāṇi. |
ratneṣu sphaṭike svarṇe rajate tāmrake'pivā || 74 ||
6.74 Dies ist die achtgliedrige Herbeirufung des höchsten Selbst. In Edelstein, Kristall, Gold, Silber oder Kupfer
rājate tāmraje |
kṣaṇike vārcayeddeva māvāhya vidhipūrvakam |
kṣaṇika dravya nirūpaṇam. |
cakrābjamaṇḍalaṃ kumbha ssodaka ssūtraveṣṭanam || 75 ||
6.75 oder in einem vorübergehenden Träger verehre man den Gott nach vorschriftsgemäßer Herbeirufung. Vorübergehende Träger sind Diskus-Lotus-Maṇḍala und der mit Wasser gefüllte, mit Fäden umwundene Krug,
bījaṃ piṣṭaṃ tathaipānnaṃ phalaṃ puṣpaṃ jalaṃ tathā |
gandhaṃ vediśśakṛtkūrcamityādi kṣaṇikaṃ matam || 76 ||
6.76 Samen, Teig, gekochte Speise, Frucht, Blume, Wasser, Duftstoff, Altar, Kuhdung und Darbha-Bündel sowie Ähnliches.
kumbhanīrājanam. |
ālaye sthāpitaṃ devaṃ sadā nīrājayeddharim |
sampūrṇa mambhasā kumbhaṃ hemādidravya nirmitam || 77 ||
6.77 Dem im Heiligtum installierten Hari bringe man stets Nīrājana dar. Einen mit Wasser gefüllten Krug aus Gold oder anderem geeignetem Material,
sragviṇaṃ sāpidhānaṃ ca mukhe'śvattha dalai ryutam |
akṣatairarcitaṃ gandhavāriṇābhyukṣitaṃ tathā || 78 ||
6.78 mit Kranz, Deckel und Aśvattha-Blättern an der Öffnung, mit ungebrochenem Reis verehrt und mit Duftwasser besprengt,
catuṣṭayā ṅgulotsedhaṃ dīpavarti virājitam |
uccairādāya hastābhyāmāpāda talamastakam || 79 ||
6.79 mit einem vier Aṅgula hohen Lampendocht versehen, hebe man mit beiden Händen empor und bewege ihn vor dem Gott von den Füßen bis zum Kopf.
triḥ paribhramya deveśaṃ balipīṭhe vinikṣipet |
evaṃ nīrājanaṃ ghoraśāntyarthaṃ puṣṭivardhanam || 80 ||
6.80 Nach dreimaligem Schwenken vor dem Herrn der Götter stelle man ihn auf den Bali-Sockel. Dieses Nīrājana soll Schreckliches befrieden und Gedeihen mehren.
Kapitel 7: Diskus-Lotus-Maṇḍala und Ācārya-Weihe
pādmasaṃhitāyām |
caryāpādesaptamo'dhyāyaḥ |
saptamo'dhyāyaḥ |
|
cakrābjamaṇḍalanyāsaḥ. |
brahmā |
bhagavan kathyatāṃ kīdṛk cakrābjaṃ nāma maṇḍalam |
yadārādhyaṃ samārādhya taranti bhavavāridhim || 1 ||
7.1 Brahmā sprach: Erhabener, erkläre die Gestalt des Cakrābja genannten Maṇḍalas, durch dessen Verehrung die Verehrenden den Ozean des Werdens überqueren.
śrībhagavān |
caturbhiryājñikaiḥ kāṣṭhaiṣṣaḍaṅgula ghanaiśśubhaiḥ |
dvādaśāṅgula vistārai rākāraṃ caturaśrakam || 2 ||
7.2 Der erhabene Herr sprach: Aus vier guten Hölzern von Opferbäumen, sechs Aṅgula dick und zwölf Aṅgula breit, bilde man einen viereckigen Rahmen.
maṇḍalānuguṇāyāmavistāraṃ parikalpayet |
aṣṭatālāyatān stambhān suvṛttāṃ ścaturastathā || 3 ||
7.3 Seine Länge und Breite sollen zum Maṇḍala passen. Dazu fertige man vier schön runde Pfosten von acht Tāla Länge an.
sannikṛṣṭasya koṇeṣu caturṣvetasya maṅgalān |
sthāpayedupariṣṭācca stambhānāṃ sanni veśayet || 4 ||
7.4 Man stelle sie glückverheißend an den vier Ecken dieses Rahmens auf und lege auf die Pfosten
sanniviṣṭasya |
stambhāgre sanniveśanam |
sanniveśanam |
catvāri caiva dārūṇi yathāpūrvekta lakṣaṇam |
taccatuṣkaṃ ca dārūṇāṃ vitānadhvajamālayā || 5 ||
7.5 vier weitere Hölzer mit den zuvor genannten Maßen. Dieses Holzviereck schmücke man mit Baldachin, Fahnen und Girlanden.
catvāri dā rūṇi tathā |
caturaśraṃ ca dārūṇāṃ vitānam |
bhūṣaye tparito muktādāmāni ca vilambayet |
śuddhayā ca mṛdādhastāccatuṣkoṣṭhasya cāntaram || 6 ||
7.6 Ringsum lasse man Perlenschnüre herabhängen. Den Innenraum unterhalb des viereckigen Rahmens fülle man mit reiner Erde
pūraye dantaraṃ tasya gomayenopalepayet |
cakrābjādīni bimbāni kuryāttatra mahītale || 7 ||
7.7 und bestreiche ihn mit Kuhdung. Auf diesem Boden fertige man Diskus-Lotus und andere Maṇḍala-Darstellungen an.
dunnataṃ tacca. dantadastasya |
teṣāmā yāmavistārā viṣyete hastasammitau |
dviguṇau triguṇau vāpi syātā matha caturguṇau || 8 ||
7.8 Ihre Länge und Breite können einen Hasta, das Doppelte, Dreifache oder Vierfache betragen,
yadvāpañcha guṇau brahmannavakāśānu sārataḥ |
candanārdrāṇi sūtrāṇi prañci saptadaśakṣitau || 9 ||
7.9 oder das Fünffache, Brahmā, entsprechend dem verfügbaren Raum. Siebzehn mit Sandel befeuchtete Schnüre lege man auf dem Boden nach Osten aus.
rūpataḥ |
nipāta yettadhodañcitāvanti kamalāsana |
ṣaṭpañcāśatsamadhike santyeva dveśate punaḥ || 10 ||
7.10 Ebenso viele lege man nach Norden aus, Lotusgeborener. Dadurch entstehen zweihundertsechsundfünfzig Felder.
koṣṭhāni santi tatrāntaṣṣaṭtriṃśatkoṣṭha madhyataḥ |
sthāpayitvātataśśaṅkuṃ bhrāmaye tsūtravartmanā || 11 ||
7.11 In ihrer Mitte liegen sechsunddreißig Felder. Dort setze man einen Pflock und ziehe mithilfe einer darum geführten Schnur Kreise.
pañcavṛttāni bimbāni samānyekaṃ tu madhyamam |
karṇikākṣetrametasmādbahirbimbaṃ tridhā punaḥ || 12 ||
7.12 Fünf kreisförmige Bereiche werden genannt, mit einer gemeinsamen Mitte; die Angabe „samāni“ ist nicht eindeutig. Der innerste ist das Feld der Lotusmitte. Den äußeren Bereich teile man erneut dreifach.
vibhajya sūtramārgeṇa prathamā kesarāvaniḥ |
dalabhūmirdvitīyā tu tṛtīyā nābhimaṇḍalam || 13 ||
7.13 Der erste Teil bildet den Bereich der Staubfäden, der zweite den der Blütenblätter, der dritte den Nabenring.
tadekaṃ dvividhaṃ vāpi trividhaṃ sūtravartmanā |
vibhajennābhi bhūbhāgādbahirdve maṇḍale bhat || 14 ||
7.14 Diesen Nabenbereich lasse man einfach oder gliedere ihn mit der Schnur in zwei oder drei Teile. Außerhalb der Nabe liegen zwei weitere Ringbereiche.
arakṣetraṃ bahirnemibhūrekaṃ maṇḍalaṃ bhavet |
koṣṭhairathāṣṭaviṃśatyāparito bahirāsanam || 15 ||
7.15 Der erste ist das Speichenfeld, der äußerste der Radkranz. Rings außen bilden achtundzwanzig Felder den viereckigen Sitzbereich.
caturaśraṃ bhavetkoṣṭhairaśītyāvīdhikā bahiḥ |
paṅtkidvayena viśvātman caturaśrādbahiḥpunaḥ || 16 ||
7.16 Außerhalb davon entsteht aus achtzig Feldern in zwei Reihen der Umgang. Außerhalb dieses Vierecks folgen nochmals zwei Reihen,
bimbātman caturaśrān bahiḥpunaḥ |
koṣṭhāni dvādaśādhikyaṃ śataṃ paṅktidvaye bhavet |
pratyāśaṃ teṣu koṣṭheṣu caturdvāraṃ prakalpayet || 17 ||
7.17 die zusammen hundertzwölf Felder enthalten. In diesen richte man in jeder Himmelsrichtung einen Eingang ein.
koṣṭheścaturbhiḥpratyekaṃ dvayoḥ paṅtkyoścaturmukha |
caturṣu koṇeṣu tathā pratyekaṃ śaṅkhasiddhaye || 18 ||
7.18 Für jeden Eingang dienen vier Felder aus den beiden Reihen, Viergesichtiger. Auch an den vier Ecken ist jeweils eine Muscheldarstellung vorgesehen.
koṣṭhadhvayaṃ tu sammārjyaṃ dvayoḥpaṅtkyoścaturmukha |
pratidvāraṃ tadabhyarṇe pārśvayo rubhayorapi || 19 ||
7.19 Dafür fasse man je zwei Felder der beiden Reihen zusammen. Nahe jedem Eingang, zu seinen beiden Seiten,
artha śobhā prasidyarthaṃ bāhyānantara rathyayoḥ |
dve dve koṣṭhe bahiḥpaṅtkyā maikaikaṃ tadanantaram || 20 ||
7.20 bereite man die Ardhaśobhā-Zierfelder: in der äußeren Reihe jeweils zwei Felder, in der anschließenden Reihe jeweils eines. Die überlieferte Beschreibung der Reihen enthält Varianten.
ardhaśobhā prakluptyarthaṃ |
paṅtkyā ekaikam |
sammārjya mevaṃ śobhārthamekaikaṃ bahiranyataḥ |
trīṇi trīṇi ca koṣṭhāni mārjanīyāni padmaja || 21 ||
7.21 Für die Śobhā-Zierfelder fasse man entsprechend außen jeweils ein und in der anderen Reihe jeweils drei Felder zusammen, Lotusgeborener.
upaśobhārthamapyevaṃ vyatyāsena catuṣṭayam |
sammārjanīyaṃ koṣṭhānāṃ viniyogaḥ pradarśitaḥ || 22 ||
7.22 Für die Upaśobhā-Zierfelder werden vier Felder in umgekehrter Anordnung zusammengefasst. So ist die Verwendung der Felder angegeben.
praśikṣitaḥ |
yadvāpīṭhādinirmāṇaṃ vinā koṣṭhāni viṃśatiḥ |
śatadvayaṃ ca paritaḥ parimṛjya caturmukha || 23 ||
7.23 Oder man lasse die besondere Sitzkonstruktion und weitere Teile weg und fasse die zweihundertzwanzig äußeren Felder zusammen, Viergesichtiger.
parigṛhya |
ādipadma pramāṇena kuryādāvaraṇatrayam |
caturdiśaṃ caturdvāra kalpanaṃ padmamānataḥ || 24 ||
7.24 Nach dem Maß des mittleren Lotus fertige man drei Umfassungen an und in den vier Richtungen vier Eingänge, deren Maß sich ebenfalls nach dem Lotus richtet.
yadvaika valajaṃ kuryādabhīṣṭadaśi padmaja |
dvādaśābjāni kalpyāni pratyāvaraṇakalpanam || 25 ||
7.25 Oder man lege nur einen Eingang in der gewünschten Richtung an, Lotusgeborener. In jeder Umfassung sind zwölf Lotusse darzustellen.
valayaṃ |
caturṣu koṇeṣvekaikaṃ dve dve valaja pārśvayoḥ |
dalairdvādaśabhiryuktaṃ karṇikāke sarānvitam || 26 ||
7.26 Je einer steht in den vier Ecken, je zwei stehen an den Seiten der Eingänge. Jeder besitzt zwölf Blütenblätter, Mitte und Staubfäden.
valayaṃ |
ādipadmārdhamānena padmajātaṃ prakalpayet |
madhyame paṅkaje bindūn karṇikāyāṃ prakalpayet || 27 ||
7.27 Diese Lotusse erhalten die halbe Größe des Hauptlotus. In der Mitte des Hauptlotus zeichne man Punkte.
dvādaśā bbajarekhāśca śataṃ ca navatiṃ tathā |
kesarorvyāṃ pidhāyānvagdalakṣetre prakalpayet || 28 ||
7.28 Zwölf Punkte sind vorgesehen; im Staubfadenbereich werden hundertneunzig Linien genannt. Die ungewöhnliche Zahl wird beibehalten. Danach gestalte man das Blütenblattfeld.
bjāra |
vidikṣu dikṣu ca tathā catasro viṃśatiṃ tathā |
rekhe dve dve dalāni syussūcya gravadanantare || 29 ||
7.29 In Haupt- und Zwischenrichtungen zeichne man vierundzwanzig Linien, jeweils zwei für ein Blatt; die Spitzen sind nadelförmig, und dazwischen
grāṇi tadantare |
pradarśayedupadalānnyarakṣetre diśaḥprati |
are dve dve vihikṣu syādekaikaṃ dvāśaśāratā || 30 ||
7.30 zeige man kleinere Zwischenblätter. Im Speichenbereich liegen je zwei Speichen in jeder Hauptrichtung und je eine in jeder Zwischenrichtung: zwölf Speichen insgesamt.
arāṇindīvaradalaistulyānyabjapalāśavat |
yadvā yapodarābhāni mātuluṅga samāni ca || 31 ||
7.31 Die Speichen können dunklen Lotusblättern beziehungsweise Lotusblütenblättern gleichen, auch Gerstenkornbäuchen oder Zitronenfrüchten.
sadṛṃśi |
pipīlikodarābhāni parasparamāni ca |
antarālāni cai teṣāṃ tulyamānāni padmaja || 32 ||
7.32 Sie können ferner einem Ameisenleib gleichen. Untereinander und in ihren Zwischenräumen sollen sie gleich bemessen sein, Lotusgeborener.
īdṛśaṃ maṇḍalaṃ śastaṃ pāsudeva samarcane |
nārāyaṇe tu yaṣṭavye bindvādyāḥ pūrvamīritāḥ || 33 ||
7.33 Dieses Maṇḍala ist für Vāsudevas Verehrung empfohlen. Soll Nārāyaṇa verehrt werden, sind die zuvor genannten Punkte und weiteren Teile
bimbādyāḥ |
aṣṭāvaṣṭau vidhātavyāḥ kesarā navatissaṣaṭ |
pūrveritāni koṣṭhāni mārjayitvāṣaḍuttaram || 34 ||
7.34 jeweils achtfach anzulegen; die Staubfäden sind sechsundneunzig. [Eine weitere Maṇḍala-Form:] Man fasse die sechsunddreißig mittleren Felder zusammen.
triṃśaśca tatra nābhyādi vināpadmaṃ prakalpayet |
śaṅkumāhṛtya sūtreṇa tatsamaṃ vibhajeddvidhā || 35 ||
7.35 Darin zeichne man einen Lotus ohne Nabe und die weiteren Radteile. Mit Pflock und Schnur teile man das kreisförmige Feld in zwei Bereiche.
triṃśataṃ |
prathamaṃ karṇikākṣetraṃ dvitīyaṃ vibhajettridhā |
triṣvādyaṃ kesarakṣetraṃ dalakṣetra manantaram || 36 ||
7.36 Der erste bildet die Lotusmitte. Den zweiten teile man dreifach: zuerst den Staubfadenbereich, dann den Blütenblattbereich,
tṛtīyamantarālaṃ syā ddalapīṭhikayordvayoḥ |
aṣṭau dvādaśa vā kuryā dbindvādīn kamalāsana || 37 ||
7.37 als dritten den Zwischenraum zwischen Blättern und Sitz. Punkte und weitere Teile können acht- oder zwölffach angelegt werden, Lotusgeborener.
dalam |
dbimbādīn |
maṇḍalaṃ bhadrakaṃ nāma tadidaṃ sarvakāmadam |
cikīṣan svastikaṃ bimbaṃ kṣetraṃ ṣaṭtriṃśatāyum || 38 ||
7.38 Dieses Maṇḍala heißt Bhadraka und soll alle Wünsche erfüllen. Will man ein Svastika-Bild zeichnen, verwende man das Feld der sechsunddreißig Bereiche.
saṃmṛjya tatra koṣṭhāni ekaṃ daśa ca pātayet |
prāgāyatāni sūtrāṇi udicīnāyatānica || 39 ||
7.39 Nach dem Zusammenfassen dieser Felder lege man elf Schnüre nach Osten und elf nach Norden aus.
ekādaśa |
saṃmṛjya madhyato dve dve vīdhīṃ prāgāyatāmapi |
tathodagāyatāmekāṃ kuryānnirga manaṃ punaḥ || 40 ||
7.40 In der Mitte fasse man jeweils zwei Felder zu einem nach Osten verlaufenden Weg und entsprechend zu einem nach Norden verlaufenden Weg zusammen. Dann gestalte man die abgewinkelten Ausgänge.
dvau dvau |
prāgāyatābhyāṃ koṣṭhābhyāṃ bahiḥpaṅtkā udaṅmukham |
prācīnaṃ paścimaṃ cāpi dakṣiṇāmukha miṣyate || 41 ||
7.41 Mit den beiden ostwärts verlaufenden Feldern bildet man in der äußeren Reihe die Abzweigungen nach Norden beziehungsweise Süden; die Zuordnung von Ost und West ist in der Vorlage nicht ganz eindeutig.
paṅtkyā u |
tathodagā yatābhyāṃ syā dudakpratyaṅmukhaṃ śubham |
dakṣiṇāgraṃ bhavetprācyā mitisvastika mīritam || 42 ||
7.42 Entsprechend entstehen an den nordwärts verlaufenden Feldern die nach Westen beziehungsweise Osten gerichteten Abzweigungen. So wird das Svastika beschrieben; die Variante verändert die Richtungswörter.
dudakpaṅktyāmudaṅmukham |
dvidhā vibhajya pūrvoktaṃ ṣaṭtriṃśatkoṣṭhamaṇḍalam |
madhyataḥ padmakaraṇa mavaśiṣṭe tridhākṛte || 43 ||
7.43 Man teile das zuvor genannte Sechsunddreißig-Felder-Gebiet in zwei Bereiche und zeichne in der Mitte einen Lotus. Den übrigen Bereich teile man dreifach.
dvābhyāṃ suvṛttaṃ bhāgabhyāṃ bhrāntaṃ vṛttyasya maṇḍalam |
avaśiṣṭena bhāgena tvantarālaṃ bhavedbahiḥ || 44 ||
7.44 Mit zwei Teilen zeichne man einen wohlgerundeten Kreisring, mit dem verbleibenden Teil bilde man außen den Zwischenraum.
cāntarālaṃ |
sauramaṇḍala metatsyāde tadevendu maṇḍalam |
sarveṣāmeva bimbānāṃ pīṭhādbāhyaṃ yathāpuram || 45 ||
7.45 Dies ist das Sonnen-Maṇḍala; entsprechend wird auch das Mond-Maṇḍala gebildet. Bei allen diesen Darstellungen sind die Bereiche außerhalb des Sitzes wie zuvor anzulegen.
vinā vidadhyātpīṭhādīn kevalaṃ cakrapaṅkajam |
kartuśśaktyapekṣayā cakraṃ vinā padmamaṇḍalam. |
cakraṃ vinā vā padmaṃ syā tkartuśśakti samīkṣayā || 46 ||
7.46 Man kann auch allein Diskus und Lotus ohne Sitz und weitere Teile zeichnen; nach den Kräften des Ausführenden ist sogar ein Lotus ohne Diskus möglich.
padmacakrajam |
vināpi |
sitādipañcavarṇai rmaṇḍala śobhā. |
maṇḍalaṃ śobhayedratnaiḥ pañcavarṇaissitādibhiḥ |
tatra dravya vikalpaḥ. |
taccūrṇai rathavā cūrṇai rlohajai rvātha dhātujaiḥ || 47 ||
7.47 Das Maṇḍala schmücke man in den fünf Farben vom Weiß an, mit Edelsteinen oder deren Pulver, mit Metall- oder Mineralpulver.
taccūrṇairathapāratnaiḥ. athavā cūrṇitairatnaiḥ |
candanāgurukuṣṭhādi gandhacūrṇai rathāpi vā |
śālyādi taṇḍulaiḥ piṣṭaissitrervrīhi bhirapyuta || 48 ||
7.48 Auch Duftpulver aus Sandel, Agaru, Kuṣṭha und Ähnlichem, Mehl aus Reis und anderen Körnern sowie weiße Reiskörner kommen infrage.
puṭadagdhai ravakṣuṇṇai rasitai ryājñikaiśchadaiḥ |
śyāmai śśuklairavakṣuṇṇauḥ kausumbhai rapi pāṭalaiḥ || 49 ||
7.49 Schwarz erhält man aus in geschlossener Erhitzung verbrannten und zerstoßenen Stoffen, dunkle Grüntöne aus Opferbaumblättern, Weiß aus zermahlenen weißen Stoffen und Rosa aus Saflor.
ratha |
niśā cūrṇaiḥ prasūnairvāpaṅcavarṇaiśca kālajaiḥ |
śobhayetkarṇikādīni yadvarṇāni caturmukha || 50 ||
7.50 Auch Kurkumapulver und jahreszeitliche Blumen in den fünf Farben dienen dazu. Lotusmitte und weitere Bereiche gestalte man in den ihnen zugeordneten Farben, Viergesichtiger.
tadvarṇaireva ratnādi dravyairākāraśobhanam |
antarālāni sarvatra kṛṣṇaiśśyāmairathāpi vā || 51 ||
7.51 Die Schönheit der Form entstehe durch entsprechend gefärbte Edelsteine und andere Stoffe. Alle Zwischenräume schmücke man schwarz oder dunkelgrün beziehungsweise dunkelblau.
śobha yetkarṇi kāṃ pītai śśuklairbindūnvi śobhayet |
pāṭalaiḥ karṇikārekhāṃ kṛṣṇairvā kesarāvanim || 52 ||
7.52 Die Lotusmitte gestalte man gelb, die Punkte weiß, ihre Umrisslinie rosa oder schwarz. Den Staubfadenbereich teile man in zwei Bereiche.
dvidhā kṛtvā pūrvabhāgaṃ śvaitairbhāga mathottaram |
pītairaktairvirāmeṣu pratikesaramarjunaiḥ || 53 ||
7.53 Den ersten gestalte man weiß, den folgenden gelb, die Abschlüsse rot. An jedem Staubfaden bringe man weiße Punkte an.
bindūnvidadhyādradnaistu dalakoṭiṣu rekhayet |
ādyantāni ca barhāṇāṃ sitara ktairviśobhayet || 54 ||
7.54 Mit den entsprechenden Stoffen zeichne man auch an den Blattspitzen. Anfänge und Enden der Blätter gestalte man weiß und rot.
sitairaktaiḥ |
barhānta valayaṃ raktaissitairvā rbhūṣaye tpṛthak |
śyāmaiḥ pītaiśca raktaiśca nābhirekhātrayaṃ kramāt || 55 ||
7.55 Den Ring am Blattrand gestalte man rot oder weiß. Die drei Nabenlinien erhalten der Reihe nach dunkle, gelbe und rote Farbe.
dvinābhitve śyāmapītai śśyāmairevaikanābhike |
rekhayedasitai reva tvarakoṭī rarāṇi tu || 56 ||
7.56 Bei zwei Nabenlinien dienen Dunkel und Gelb, bei einer allein Dunkel. Die Speichenspitzen zeichne man schwarz,
raktairarāntavalayaṃ kṛṣṇairnemyantamedinīm |
sitairnemi mahībhāgaṃ dvidhā kṛtvaika māditaḥ || 57 ||
7.57 die Speichen rot und den Ring an ihren Enden schwarz. Der Bereich vor dem Radkranz wird weiß angegeben; die anschließende Formulierung ist nicht ganz klar.
mahābhāgaṃ |
kṛtvaiva |
bhāgaṃ kṛṣṇaissitairanyannemibhāgaṃ viśeṣayet |
pīṭhaṃ pītaiḥ pāṭalairvā sitairvā vīdhikāṃ punaḥ || 58 ||
7.58 Den Radkranz teile man zweifach, färbe den ersten Bereich schwarz, den anderen weiß. Den Sitz gestalte man gelb, rosa oder weiß; den Umgang
latāvitāna patrādiyuktāṃ cūrṇaiśca citrayet |
raktaiśśobhāṃ tathā pītai rūpaśobhāṃ ca śobhayet || 59 ||
7.59 verziere man mit Ranken, Baldachinen, Blättern und anderen Mustern aus farbigem Pulver. Śobhā-Zierfelder seien rot, Upaśobhā-Felder gelb.
patrāṇi. yuktaiścūrṇairvicitrayet |
rūpaśobhāṃ |
dvāraṃ śuklaiśca raktaiśca pītaiḥ kṛṣṇai ryathākramam |
śobhaye duttarādīṃśca koṇān kṛṣṇairathārjunaiḥ || 60 ||
7.60 Die Eingänge erhalten der Reihe nach Weiß, Rot, Gelb und Schwarz; die Richtungsfolge wird hier mit Norden beginnend angegeben. Die Ecken seien schwarz, die Muscheln weiß.
śaṅkhaṃ ca kuryāttaireva svastikaṃ pāṭalaprabham |
yadvā pītanibhaṃ sauraṃ maṇḍalaṃ pāṭalaprabham || 61 ||
7.61 Das Svastika zeichne man rosa oder gelb, das Sonnen-Maṇḍala rosa.
śaṅkhaṃścakuryāttenaiva |
maṇḍalaṃ caindavaṃ śuklamantarālaṃ tu sarvaśaḥ |
maṇḍalavistārānusāreṇa pūraṇīya cūrṇotsedhaḥ. |
yatheṣṭavarṇa subhagaṃ maṇḍale hastasammite || 62 ||
7.62 Das Mond-Maṇḍala sei weiß; die Zwischenräume dürfen in beliebiger ansprechender Farbe gestaltet sein. Bei einem Maṇḍala von einem Hasta
sarvataḥ |
rekhānu cūrṇairutsedhaḥ kaniṣṭhāṅguli sammitaḥ |
dvihaste'nāmi kā mānastrihaste madhyamāsamaḥ || 63 ||
7.63 entspricht die Höhe der aufgetragenen Pulverlinien dem kleinen Finger, bei zwei Hasta dem Ringfinger, bei drei Hasta dem Mittelfinger.
pūrṇaiḥ |
nāhaḥ |
anāmikāsamaḥ |
caturhaste maṇḍale tu tarjanya ṅgulisammitaḥ |
pañchahaste samo'ṅguṣṭhenetyutsedhaḥ pradarśitaḥ || 64 ||
7.64 Bei vier Hasta entspricht sie dem Zeigefinger, bei fünf Hasta dem Daumen. So wird die Stärke beziehungsweise Höhe des Pulverauftrags angegeben.
samāṅguṣṭhai rityutsedhaḥ |
maṇḍalaṃ citrayitvaiva mārabheta samarcanam |
mantrādhvādi ṣaḍadhvārcanam. |
ārādha yetkarṇikāyāṃ mantrādhvānamanantaram || 65 ||
7.65 Nach dieser farbigen Gestaltung beginne man die Verehrung. In der Lotusmitte verehre man den Mantra-Adhvan,
tatvādhvānaṃ kesareṣu varṇādhvānaṃ daleṣu ca |
padādhyānaṃ nābhibhāgi kalādhvāna mareṣu ca || 66 ||
7.66 in den Staubfäden den Tattva-Adhvan, in den Blütenblättern den Varṇa-Adhvan, im Nabenbereich den Pada-Adhvan und in den Speichen den Kalā-Adhvan.
ṣaṣṭhaṃ tu bhuvanādhvānaṃ nemibhāge caturmukha |
binduṣu dvādaśākṣarāvāhanam. |
karṇikāyāṃ dvādaśasu binduṣu dvādaśārcayet || 67 ||
7.67 Den sechsten, den Bhuvana-Adhvan, verehre man im Radkranz, Viergesichtiger. In die zwölf Punkte der Lotusmitte rufe man die zwölf
akṣarāṇi samāvāhya karṇikāyāṃ samāhitaḥ |
yajeta paramātmānaṃ sakalīkṛtya tatvavit || 68 ||
7.68 Mantrabuchstaben herbei und verehre sie. In der Mitte verehre der gesammelte Wirklichkeitskenner das höchste Selbst in gegliederter Gestalt.
kṛtya |
kesareṣu śriyādīnāmarcanam. |
kesareṣu śriyādīṃśca yajeta dalabhūmiṣu |
śaktīstadīyā daśa ca dve ca pūjyā yathāvidhi || 69 ||
7.69 In den Staubfäden verehre man Śrī und die weiteren Gestalten, in den Blütenblättern seine zwölf Kräfte nach Vorschrift.
śrīvatsā dyāśśaktayaśca vyāptyādyāḥ paritasthsitāḥ |
nābhikrameṇa viṣṇvādīnāṃ pūjā. |
dalā ntavalaye pūjyo viṣṇuḥ prathamanābhigaḥ || 70 ||
7.70 Es sind die mit Śrīvatsa beginnenden Kräfte; ringsum stehen die mit Vyāpti beginnenden. Im Ring am Ende der Blätter, im ersten Nabenbereich, ist Viṣṇu zu verehren.
māsādyā |
brahmā dvitīyanābhisthastṛṇetrastu tṛtīyagaḥ |
dvādaśasvareṣu viṣṇvādidvādaśa mūrtipūjā. |
dvādaśāreṣu viṣṇvādvāḥ pūjyā dvādaśamūrtayaḥ || 71 ||
7.71 Brahmā steht in der zweiten Nabe, der Dreiäugige in der dritten. In den zwölf Speichen verehre man die zwölf Gestalten von Viṣṇu an.
arāntavalaye mīnādidaśamūrtīnāmarcanam. |
arāntavalaye pūjyā mīnādyā daśa mūrtayaḥ |
prathamanemivalaye śaṅkhyādyāyudhapūjā. |
prathame nemivalaye śaṅkhyādyāyudha pūjanam || 72 ||
7.72 Im Ring an den Speichenenden verehre man die zehn Gestalten von Matsya an; im ersten Radkranzring die Waffen von der Muschel an.
pīṭharoṇeṣu narāhādīnāṃ pūjā. |
pīṭhakoṇa catuṣkeṣu varāho narakesarī |
anantaśca hayagrīvastadāgneyādiṣu kramāt || 73 ||
7.73 In den vier Sitzecken stehen vom Südosten an der Reihe nach Varāha, Narakesarī, Ananta und Hayagrīva.
vīdhikāyāṃ lokapālapūjā. |
vīdhikāyāṃ lokapālāḥ puruhūtā dayaḥ kramāt |
dvāreṣu caṇḍādīnāṃ pūjā. |
pūjyā dvāreṣu caṇḍādyā dvau dvau prati caturṣvapi || 74 ||
7.74 Im Umgang stehen die Welthüter von Indra an. An den vier Eingängen verehre man die mit Caṇḍa beginnenden Torhüter, jeweils zwei.
vedikāyāṃdvārapālāḥ |
īśānakoṇe viṣvaksenapūjā. |
īśāna koṇe rathyāyāṃ viṣvaksenaṃ samarcayet |
pūrvadvāre abhimukhyena garuḍasya pūjā. |
garuḍo'bhi mukhastiṣṭhan pūrvadvārā dbahiḥ kṣitau || 75 ||
7.75 Im nordöstlichen Eckbereich des Umgangs verehre man Viṣvaksena. Garuḍa steht außerhalb des Osteingangs auf dem Boden, dem Gott zugewandt.
cakragadāśajkhānāṃ dakṣiṇādidvāreṣu pūjā. |
cakraṃ ca dakṣiṇadvāri gadāṃ ca dvāri paścime |
valaje cottare śaṅkhaṃ prathamā varaṇe tataḥ || 76 ||
7.76 Am Südeingang steht der Diskus, am Westeingang die Keule, am Nordeingang die Muschel. Danach beginnt die erste Umfassung.
dvitīyāvaraṇapadmeṣu viṣṇvādidvādaśamūrtipūjā. |
viṣṇvādi mūrtayaḥ pūjyā dvādaśā bjeṣu padmaja |
anantare cāvaraṇe padmeṣu dvādaśasvapi || 77 ||
7.77 In deren zwölf Lotussen verehre man die zwölf Gestalten von Viṣṇu an, Lotusgeborener; in den zwölf Lotussen der nächsten Umfassung
pāsudevādi kṛṣṇāntā mūrtayo dvādaśaiva te |
tṛtīyāvaraṇa padmeṣu dvādaśādityapūjā. |
padmeṣvāvaraṇe cānte dvādaśā ditya pūjanam || 78 ||
7.78 die zwölf Gestalten von Vāsudeva bis Kṛṣṇa. In den Lotussen der äußersten Umfassung verehre man die zwölf Ādityas.
maṇḍale vāsudevārcanam. |
etasmin maṇḍale devaṃ pāsudevaṃ samarcayet |
binduṣu aṣṭākṣaranyāsaḥ. |
bimbe nārāyaṇākhye tu binduṣvaṣṭasu tāvatām || 79 ||
7.79 In diesem Maṇḍala verehre man den Gott Vāsudeva. Im Nārāyaṇa-Maṇḍala werden in acht Punkten die acht entsprechenden Mantrabuchstaben niedergelegt.
aṣṭākṣarāṇāṃ nyasanam |
kesareṣu aṣṭau śaktayaḥ pūjyāḥ. |
vyāptyādyāśśaktayo'ṣṭa ca |
kesareṣu samārādhyā |
daleṣu śriyādayaḥ pūjyāḥ. |
daleṣvaṣṭau śriyādayaḥ || 80 ||
7.80 In den Staubfäden verehre man die acht Kräfte von Vyāpti an, in den acht Blütenblättern die mit Śrī beginnenden Gestalten.
sanyāsam |
areṣu śaṅkhādyaṣṭāyudhapūjā. |
areṣvaṣṭanu śaṅkhādīnyāyudhānyaṣṭa pūjayet |
caturviṃśatipadmeṣu tāvanmūrti pūjanam. |
caturviṃśatipadmeṣu caturviṃ śatimūrtayaḥ || 81 ||
7.81 In den acht Speichen verehre man die acht Waffen von der Muschel an. In vierundzwanzig Lotussen werden vierundzwanzig Gestalten verehrt.
triṣu cāvaraṇeṣveṣu pūjyāḥ |
asmin cakrābjamaṇḍale nārāyaṇasya yajanam. |
tanmaṇḍale harim |
nārāyaṇaṃ samāvāhya yajeta parameśvaram || 82 ||
7.82 Diese werden den drei Umfassungen zugeordnet; die Verteilung der Vierundzwanzigzahl ist nicht näher ausgeführt. In diesem Maṇḍala rufe man Hari Nārāyaṇa herbei und verehre den höchsten Herrn.
bhagavato yajane mukhyaḥkālaḥ. |
darśeca paurṇamāsyāṃ ca saṅkrāntau śrāvaṇeṣu ca |
dvādaśyāṃ viṣuve caiva grahaṇeṣva yaneṣu ca || 83 ||
7.83 Bei Neu- und Vollmond, Sonnenübergängen, unter Śravaṇa, am zwölften Mondtag, zu den Tagundnachtgleichen, Finsternissen und Halbjahreswenden,
janmaṛkṣe viśeṣeṇa maṇḍale harimarcayet |
maṇḍalārādhanamidaṃ dharmakā mārthamokṣadam || 84 ||
7.84 besonders unter dem eigenen Geburtsstern, verehre man Hari im Maṇḍala. Diese Maṇḍala-Verehrung soll Dharma, Wohlstand, Wunscherfüllung und Befreiung gewähren.
janmarkṣetu |
dīkṣāyāścakrābjamaṇḍalaṃ praśastam. |
cakrābjamaṇḍale śastā dīkṣā tasyāśca maṇḍalam |
brāhmaṇādibhedena maṇḍalakṣetravarṇabhedaḥ. |
ekadvāraṃ bhavettacca saumyaṃ syādagrajanmanām || 85 ||
7.85 Die Einweihung im Diskus-Lotus-Maṇḍala wird besonders empfohlen. Dafür besitzt es einen einzigen Eingang; bei Brahmanen liegt dieser im Norden,
citritaṃ śvetavarṇena prāgdvāraṃ pṛthivī bhujām |
raktena citritaṃ dvāraṃ pāścātyaṃ pītavarṇakam || 86 ||
7.86 und das Maṇḍala ist weiß gestaltet. Für Herrscher liegt der Eingang im Osten und die Farbe ist Rot; für Vaiśyas liegt der Eingang im Westen und die Farbe ist Gelb.
viśāṃ bhaveddākṣiṇātya masitaṃ pādajanmanām |
anulomānāmutpādakavat dvārāṇi. |
dvārāṇi cānulomānā mutpādakavadiṣyate || 87 ||
7.87 Für Śūdras gilt der Südeingang und schwarze Farbe. Bei Anuloma-Abstammungen richtet sich die Eingangszuordnung nach der väterlichen Gruppe.
sūtasya viśeṣaḥ. |
sūtasya valajaṃ prācyāṃ |
strīṇāṃ dvāranirūpaṇam. |
śūdrāṇāmiva yoṣitām |
karṣaṇādikriyā yogyādhikārī. |
śiṣyaṃ sutaṃ vā sarvajña manasūyaṃ jitendriyam || 88 ||
7.88 Für den Sūta gilt der Osteingang, für Frauen die Zuordnung wie für Śūdras. [Zur Befähigung zum Ācārya:] Ein Schüler oder Sohn sei umfassend kundig, frei von Missgunst und Herr seiner Sinne,
ācāryavaṃśajanmānaṃ nigrahānu grahe kṣamam |
śāntike pauṣṭike caiva karmaṇi kṣamamarthinām || 89 ||
7.89 aus einer Ācārya-Linie stammend, zu Begrenzung und Begnadung befähigt sowie fähig, befriedende und gedeihensfördernde Riten für Bittende auszuführen.
veda vedānta tatvajña mācārya padakāṅkṣiṇam |
deśikendro vidhānena vakṣyamāṇena tatvavit || 90 ||
7.90 Er kenne Veda, Vedānta und die Wirklichkeitsprinzipien und wünsche das Amt eines Ācārya. Der erfahrene Oberlehrer soll ihn durch das nun beschriebene Verfahren
vedaṅga |
varakāṅkṣiṇam |
karṣaṇādiṣu sarveṣu vidhāneṣvadhikāriṇam |
kuryānmaṇḍala pūjādi kumbhayāgāvasānikam || 91 ||
7.91 zu sämtlichen Handlungen vom Pflügen an befähigen. Er vollziehe alles von der Maṇḍala-Verehrung bis zur Krugverehrung
adhikārasampādakā ssaṃskārāḥ. |
dīkṣāyāmiva tatsarvaṃ kṛtvā śiṣyasya sannidau |
ājyena caruṇā caiva samidbhaḥ kusumai stilaiḥ || 92 ||
7.92 wie bei der Einweihung. In Gegenwart des Schülers opfere er Ghee, gekochte Speise, Scheite, Blumen und Sesam.
juhuyānmūlamantrābhyā maṣṭottarasahasrakam |
śiṣyasya dakṣiṇe haste badhvāprati saraṃ guruḥ || 93 ||
7.93 Mit den beiden Grundmantras bringe er 1008 Spenden dar. Der Guru binde eine Schutzschnur an die rechte Hand des Schülers.
nṛttairgeyaistathā pādyai rvedaghoṣairnayenni śām |
tataḥprabhāte śiṣyaṃ taṃ snātaṃ nūtana vāsanam || 94 ||
7.94 Mit Tanz, Gesang, Instrumentalmusik und vedischer Rezitation verbringe man die Nacht. Am Morgen rufe man den gebadeten, neu bekleideten Schüler herbei.
samāhoyā samārādhya maṇḍalaṃ kumbhameva ca |
caturvidhaṃ nivedyānnaṃ homaṃ kuryādyathā niśi || 95 ||
7.95 Man verehre Maṇḍala und Krug, bringe die vier Speisearten dar und vollziehe den Homa wie in der Nacht.
samālabhya |
kalaśāṃ ścaturo droṇa pūrṇān homādi nirmitān |
mṛṇmayānvā yathāvittaṃ sūtra vastrādiveṣṭitān || 96 ||
7.96 Vier Krüge von einem Droṇa Fassungsvermögen, aus Gold oder entsprechend dem Vermögen aus Ton, umwunden mit Fäden und Stoff,
saṃsthāpya dhānyarāśau tu ratnādīni vinikṣipet |
agneyakumbhe ratnāni sarvāṇi viniveśayet || 97 ||
7.97 stelle man auf Getreidehaufen und lege Edelsteine und weitere Stoffe hinein. Der südöstliche Krug enthält alle vorgesehenen Edelsteine,
nairṛte sarvalohāni gandhadravyāṇi mārute |
aiśāne tīrthavārīṇi tato devaṃ samarcayet || 98 ||
7.98 der südwestliche alle Metalle, der nordwestliche Duftstoffe und der nordöstliche Wasser heiliger Stätten. Danach verehre man den Gott.
agnikoṇe vāsudevaṃ saṅgarṣaṇa manantare |
pradyumnaṃ vāyukoṇe tu koṇe raudre'niruddhakam || 99 ||
7.99 Im Südosten verehre man Vāsudeva, im nächsten Krug Saṅkarṣaṇa, im Nordwesten Pradyumna und im Nordosten Aniruddha.
agnikumbhe |
tato'nu śiṣyaṃ saṃsthāpya pīṭhe bhadrādividyayā |
śiṣyaṃ prāṅmukhamāsīnaṃ ṣaḍaṅga nyāsapūrvakam || 100 ||
7.100 Danach setze man den Schüler mit den bei „bhadra“ beginnenden Formeln auf einen Sitz. Er sitzt nach Osten gewandt; zuerst erfolgt der sechsgliedrige Nyāsa.
arcayitvāghṛtāropa mācare davilambayan |
tūrya ghoṣeṇa geyena brahmaghoṣeṇa ghoṣayet || 101 ||
7.101 Man verehre ihn und vollziehe ohne Verzögerung das Auftragen von Ghee. Festmusik, Gesang und vedische Rezitation sollen erklingen.
caturdikṣu tatogandhaiḥ puṣpaistāmbālaviṭibhiḥ |
dhanairbahu vidhairiṣṭaissadasyān toṣayeddvijān || 102 ||
7.102 Die in den vier Richtungen versammelten Brahmanen stelle man mit Duftstoffen, Blumen, Betelbissen und verschiedenen willkommenen Gaben zufrieden,
toṣayecca viśeṣaṇa bhagavadbhaktimā śritān |
mantrita kumbhajalai śśiṣyābhiṣekaḥ. |
muhorte śobhane prāpte brāhmaṇānāmanujñayā || 103 ||
7.103 besonders jene, die der Hingabe an den Erhabenen ergeben sind. Zur günstigen Stunde und mit Erlaubnis der Brahmanen
ṛgveda mantritaṃ kumbha māgneyadiśi niṣṭhitam |
tamupādāya pāṇibhyāṃ sūktena puruṣātmanā || 104 ||
7.104 nehme der Guru den im Südosten stehenden, mit dem Ṛgveda besprochenen Krug mit beiden Händen. Mit dem Puruṣasūkta,
dvādaśākṣa ramantreṇa sampuṭīkṛtamūrtinā |
abhiṣiñcedguruśśiṣyaṃ kumbheva tadanantaram || 105 ||
7.105 am Anfang und Ende vom Zwölfsilbenmantra umschlossen, übergieße er den Schüler. Danach folgt der nächste Krug.
keṣu citkośeṣu sampuṭīkṛtyamūrtinā iti pāṭhosti |
nairṛtasthena yajuṣā mantritena samāhitaḥ |
vaiṣṇavena ca sū ktena brahmannādyavasānayoḥ || 106 ||
7.106 Mit dem südwestlichen, durch Yajurveda-Mantras besprochenen Krug übergieße er gesammelt unter dem Vaiṣṇava-Sūkta,
saṅkarṣaṇākhya mantreṇa sammuṭīkṛtamūrtinā |
kumbhena mārutasthena sāmāghoṣitavāriṇā || 107 ||
7.107 an Anfang und Ende vom Saṅkarṣaṇa-Mantra umschlossen. Der nordwestliche Krug enthält mit Sāman-Gesängen besprochenes Wasser.
sāmasthāpita |
pradyumnasampuṭenātha brahman vāruṇasāmabhiḥ |
kumbhenātharvavedena pavitrī kṛtavāriṇā || 108 ||
7.108 Mit ihm übergieße man zu den Varuṇa-Sāmans, umschlossen vom Pradyumna-Mantra. Der nächste Krug enthält durch den Atharvaveda geheiligtes Wasser.
īśāna koṇasaṃsthena sampuṭīkṛtamūrtinā |
aniruddhākhya mantreṇa nārāyaṇa samāhvāyā || 109 ||
7.109 Er steht im Nordosten. Mit ihm übergieße man unter der Nārāyaṇa-Formel, umschlossen vom Aniruddha-Mantra.
vidyayā kalaśaissarvai rabhiṣiñcedyathoditam |
evamabhiṣiktasya adhikāralābhaḥ. |
abhiṣiktastataśśiṣyo navāmbarathaṃśśuciḥ || 110 ||
7.110 So übergieße man mit allen Krügen wie vorgeschrieben. Der gesalbte Schüler ist danach rein und mit neuen Gewändern bekleidet.
ācāntaścandanakṣodai rliptamāti ralaṅkṛtaḥ |
sragvī pāsobhi ruṣṇīṣaṃ baddhvā mukuṭa sannibham || 111 ||
7.111 Er hat den Mund gespült, ist mit Sandelpulver gesalbt und geschmückt, trägt Kränze und eine aus Stoff gebundene, kronenartige Kopfbedeckung.
liptāṅgassamalaṅkṛtaḥ |
uttarīyaṃ ca bibhrāṇo bibhrāṇo yogapaṭṭikām |
añjanāktekṣaṇadvandvo bāhumālā pariṣkṛtaḥ || 112 ||
7.112 Er trägt Obergewand und Yogagurt; seine Augen sind geschminkt, seine Arme mit Kränzen geschmückt.
nirīkṣitādarśatalo brāhmaṇaissvasti pācakaiḥ |
dattaprasava vṛṣṭiśca śvetavyajanavījitaḥ || 113 ||
7.113 Er hat in den Spiegel geblickt; Brahmanen sprechen Segensworte und lassen Blumen auf ihn regnen. Mit weißen Fächern wird ihm Luft zugefächelt.
vācitaiḥ |
dattopānaṭ sitacchatro dattāśva gajavāhanaḥ |
nīrājitaśca kalyāṇo jāyate gurvanugrahāt || 114 ||
7.114 Er erhält Schuhe, weißen Schirm und Pferde- oder Elefantenfahrzeug. Nīrājana wird für ihn vollzogen. Durch die Gnade des Gurus wird er so glückverheißend ausgestattet.
dattaprasanyayaṣṭiḥ. 56.sitopānaṭ |
anenaivābhiṣekeṇa labdhvācārya padaṃ svayam |
ācārya kṛtyamakhilaṃ kartumicche ccaturmukha || 115 ||
7.115 Durch eben diese Salbung erhält er das Ācārya-Amt und darf nun alle Aufgaben eines Ācārya ausführen, Viergesichtiger.
guruve dakṣiṇāṃ dadvā dgobhūhemādikaṃ tathā |
yathāvibhavavistāraṃ tato hastyādi vāhanam || 116 ||
7.116 Dem Guru gebe er entsprechend seinem Vermögen Ehrengaben, Kühe, Land, Gold und weitere Güter. Dann besteige er ein Fahrzeug, etwa einen Elefanten.
āruhya dhavalacchatra śveta cāmara vījitaḥ |
ācāryacihnairakhilai rlakṣito brāhmaṇai ssaha || 117 ||
7.117 Unter weißem Schirm und weißen Yakschweifwedeln, mit sämtlichen Kennzeichen des Ācārya ausgestattet, ziehe er zusammen mit Brahmanen
rathayānenāgrahāraṃ prādakṣiṇyena rathyayā |
gatvā devasya sadanaṃ praviśetsvasya dhāma vā || 118 ||
7.118 im Wagen rechtsherum durch die Straßen der Brahmanensiedlung und betrete danach das Heiligtum des Gottes oder sein eigenes Haus.
Kapitel 8: Mahābhiṣeka und die Formen des Krugbades
pādmasaṃhitāyām |
caryāpādeaṣṭamo'dhyāyaḥ |
aṣṭamo'dhyāyaḥ |
mahābhiṣekākhya snapanam. |
brahmā |
rājñorāṣṭrasya martyānāṃ yadabhyudayasādhanam |
yaccotpāta praśamanaṃ vyādhīnaṃ cāpanodanam || 1 ||
8.1 Brahmā sprach: Welche Verehrung bewirkt das Wohlergehen von König, Land und Menschen, beruhigt Unheilszeichen und vertreibt Krankheiten,
yadabhipretamakhilaṃ sādhayatya vilambitam |
kurvatāṃ bhagavan tanme tadarcana manuttamam || 2 ||
8.2 und lässt alle erwünschten Ziele der Ausführenden ohne Verzögerung gelingen? Erhabener, erkläre mir diese vorzügliche Verehrung.
kathyatāṃ mayi cedasti dayā parama pūruṣa |
rahasyamapi tanmahya mākhyeyaṃ jagato hitam || 3 ||
8.3 Wenn du Mitgefühl mit mir hast, höchster Puruṣa, offenbare mir auch dieses Geheimnis zum Wohl der Welt.
śrībhagavān |
mahābhiṣeko nāmāgryaṃ snapanaṃ kamalāsana |
viṣuve saṅkrame caiva grahaṇe cāyanadvaye || 4 ||
8.4 Der erhabene Herr sprach: Es gibt ein vorzügliches Bad namens Mahābhiṣeka, Lotusgeborener. Es wird zu Tagundnachtgleichen, Sonnenübergängen, Finsternissen und beiden Halbjahreswenden vollzogen,
mama saṃmatam |
dvādaśyāṃ śravaṇe caiva tathā kartu strijanmasu |
dinatraye vyatīpāte rohiṇyāṃ ca tithitraye || 5 ||
8.5 am zwölften Mondtag, unter Śravaṇa, an den drei dem Geburtsstern des Auftraggebers zugeordneten Tagen, bei Vyatīpāta, unter Rohiṇī und in einer als „drei Tithis“ bezeichneten Konstellation.
darśeca paurṇamāsyāṃ ca punarvasvorviśeṣataḥ |
pañcamyāṃ śubhanakṣatra tithivā reṣu cābjaja || 6 ||
8.6 Auch Neu- und Vollmond, besonders Punarvasu, der fünfte Mondtag sowie günstige Sterne, Mondtage und Wochentage sind genannt, Lotusgeborener.
prayujyamānaṃ sarvārtha sādhanaṃ sarvaśāntidam |
snapanatrai vidhyam |
kartavyaṃ tattridhā brahmannuttamādhamamadhyamam || 7 ||
8.7 Zu solchen Zeiten ausgeführt, soll es alle Ziele verwirklichen und allen Frieden bringen. Das Bad wird in drei Hauptstufen ausgeführt: vorzüglich, mittel und gering.
jātyutkarṣaṃ dhanotkarṣa mathavāvekṣyatatvavit |
prayuññītūttamaṃ snāna mitareṣvitaradbhavet || 8 ||
8.8 Der Kundige berücksichtige die gesellschaftliche Stellung oder den verfügbaren Reichtum und verwende entsprechend die vorzügliche oder eine andere Form. Die Standeswertung gehört zur historischen Ordnung der Quelle.
aṅkuranyāsakautuka bandhādhipāsāḥ pūrvedyussadyovā. |
pūrvedyu raṅkuranyāso badhvā kautukamaṅgalam |
adhivāsaśca bimbasya sadyo vā sakalaṃ bhavet || 9 ||
8.9 Am Vortag geschehen Keimlingsgabe, Bindung der glückverheißenden Schutzschnur und Adhivāsa des Bildes. Alles kann auch unmittelbar an einem Tag erfolgen.
snapana pratimāvikalpaḥ. |
snapanaṃ pratimāyāssyādadhivāsaśca turmukha |
tīrthapratikṛtau vāpi pūrvālābhe'dhivāsayet || 10 ||
8.10 Der Adhivāsa gilt dem Badebild, Viergesichtiger. Ist dieses nicht vorhanden, verwende man das Tīrtha-Bild.
snapanaṃ pratimāyāṃ |
yadvotsa vārthapratimāṃ balibimba mathāpivā |
bimbaṃ karmārthamathavā |
uktabimbābhāve kuśakūrcakam. |
asattsakuśakūrcakam || 11 ||
8.11 Oder man verwende das Festbild, das Bali-Bild oder das Bild für den regelmäßigen Kult. Fehlen diese, dient ein Kuśa-Bündel.
lepamṛṇmayādi pratimādhipāse viśeṣaḥ. |
lepamṛṇmayabhittistha paṭastheṣu ca darpaṇam |
kūrcaṃ mūrtyantarābhāvekluptireṣā sanātanī || 12 ||
8.12 Bei modellierten, tönernen, wandgebundenen oder auf Stoff gemalten Bildern dient ein Spiegel, bei Fehlen eines anderen Bildträgers ein Darbha-Bündel. Diese stellvertretende Einrichtung gilt als überlieferte Regel.
snapanamaṇḍapa lakṣaṇam. |
prāsādasyā grataḥkuryāttatassnapana maṇḍapam |
daśahasta pravistāraṃ dviguṇenāyataṃ śubham || 13 ||
8.13 Vor dem Tempel errichte man eine schöne Badehalle, zehn Hasta breit und doppelt so lang.
caturdvāraṃ caturdikṣu catustoraṇa bhūṣitam |
sarvāvaraṇa bhūṣveva dikṣu sarvāsu vā bhavet || 14 ||
8.14 Sie hat vier Eingänge in den vier Richtungen und vier geschmückte Torbögen. Sie kann in jedem Umfassungsbereich und in jeder Richtung liegen.
klupte vā maṇḍape kuryā davakāśānu sārataḥ |
vibhajya tattridhā kuryā ttṛtīye'ośe'tha paścime || 15 ||
8.15 Man kann auch eine vorhandene Halle entsprechend ihrem Raum nutzen. Man teile sie dreifach und lege im westlichen Drittel,
avalambya brahmasūtraṃ caturaśraṃ samantataḥ |
caturhastāṃ snānavedīṃ hastotsedhāṃ śilādibhiḥ || 16 ||
8.16 an der Mittelachse ausgerichtet, einen viereckigen Badealtar aus Stein oder anderen Stoffen an, vier Hasta breit und einen Hasta hoch.
upānahādisaṃyuktāṃ darśanīyāṃ salakṣaṇām |
upariṣṭācca valayaṃ vṛttaṃ vā caturaśrakam || 17 ||
8.17 Er besitzt die Sockelglieder von Upāna an, ist ansprechend und regelgerecht. Oben erhält er eine runde oder viereckige Einfassung,
prādeśena pravistīrṇaṃ tatamaṣṭāṅgulena vā |
ṣaḍaṅgulena vā brahman caturaṅgula munnatam || 18 ||
8.18 ein Prādeśa, acht Aṅgula oder sechs Aṅgula breit und vier Aṅgula hoch, Brahmā.
vedikopari taddhāri kulyāmāśvabhra medinīm |
mṛṇmayādiṣu bimbeṣu bahirvedī prakalpanam || 19 ||
8.19 Auf dem Altar führt eine Abflussrinne bis zu einer Vertiefung. Bei Tonbildern und ähnlichen Bildern wird ein gesonderter äußerer Badealtar angelegt.
vediro pari cādhārā kulyāmā |
ekabere tu na bahissnā navedī prakalpanam |
maṇḍapālaṅkāraḥ. |
dukūlakṣaumavasanai rmaṇḍapaṃ sarvatodiśam || 20 ||
8.20 Bei einem einzigen Hauptbild wird kein äußerer Badealtar angelegt; diese Halbzeile fehlt in manchen Textzeugen. Die Halle schmücke man ringsum mit feinen Seiden- und Leinenstoffen.
ekabere itīdamardhaṃ kvacinna |
śobhayetpūrṇa kumbhādyaisto raṇaiśca vibhūṣayet |
veṣṭayeddarbha mālābhi rmuktādāmāni lambayet || 21 ||
8.21 Mit gefüllten Krügen und weiteren Zeichen schmücke man sie, ebenso die Torbögen. Man umwinde mit Darbha-Girlanden und lasse Perlenschnüre herabhängen.
toraṇāni |
āsthānamaṇḍape sthāne tathācaivārdha maṇḍape |
gṛhārcāyāṃ viśeṣaḥ. |
toraṇādi na kartavyaṃ gṛharcāyāṃ tathaiva ca || 22 ||
8.22 In einer vorhandenen Versammlungs- oder Vorhalle sowie bei der Hausverehrung müssen die Torbögen und entsprechenden zusätzlichen Einrichtungen nicht hergestellt werden.
maṇḍapasthāne |
nityasnapane aṅkarakautuka cūrṇasnapanādiniṣedhaḥ. |
nitye ca snapane nāpi kautukaṃ nāṅkurārpaṇam |
niśācūrṇairnasnapanamiṣyate |
arghyādi dīpāntapūjāsu upakaraṇopakalpanam. |
maṇḍapa sthalam || 23 ||
8.23 Beim täglichen Bad sind weder Schutzschnur noch Keimlingsgabe vorgesehen, auch kein Bad mit Kurkumapulver. [Zur Vorbereitung der Halle:] Ihren Boden
sthale |
gomayāmbobhi rālipya sudhācūrṇaiśca śobhayet |
dīpānā kopayettatranyasyeda ṅkurapālikāḥ || 24 ||
8.24 bestreiche man mit Kuhdungwasser, schmücke ihn mit Kalkpulver, entzünde Lampen und stelle Keimschalen auf.
rālipai |
koṇe raudre maṇḍapasya jaladroṇyādibhājanam |
kalpayedgāli tasvādu sugandhi jalapūritam || 25 ||
8.25 Im Nordosten der Halle bereite man eine Wasserwanne oder ein anderes Gefäß mit gefiltertem, wohlschmeckendem und duftendem Wasser.
pavamānādi bhissūktairmantritaṃ sāpidhānakam |
vedidakṣiṇato bhūmā vupasnānāmbu kalpanam || 26 ||
8.26 Es sei mit den Pāvamāna-Hymnen und weiteren Texten besprochen und mit einem Deckel versehen. Südlich vom Altar bereite man das Wasser für die Zwischenwaschungen.
arghyādi dīpaparyantaṃ pūjādravyāṇi kalpayet |
candanārdrāṇi sūtrāṇi caturdaśa nipātayet || 27 ||
8.27 Man bereite sämtliche Verehrungsmaterialien von Arghya bis Licht. Vierzehn mit Sandel befeuchtete Schnüre lege man
prāgāyatāni tāvanti sūtrāṇyeva caturmukha |
udagāyatāni santyevaṃ koṣṭhānye konasaptatiḥ || 28 ||
8.28 nach Osten und ebenso viele nach Norden aus, Viergesichtiger. So entstehen hundertneunundsechzig Felder.
śataṃ ca teṣāmā yāma vistāraṃ ṣoḍaśāṅgulam |
dhānyapīṭhā nurūpaṃ vā kalaśānāṃ caturmukha || 29 ||
8.29 Länge und Breite jedes Feldes betragen sechzehn Aṅgula oder entsprechen dem Getreidesitz der Krüge.
yāmaṃ vistāraṃ |
dikṣvaṣṭānu tathā madhye pratyekaṃ nava bhūmiṣu |
nava koṣṭhāni kumbhānāṃ padāni kamalāsana || 30 ||
8.30 In den acht Richtungen und in der Mitte, also in neun Bereichen, bilden jeweils neun Felder die Standorte der Krüge, Lotusgeborener.
ekamekādhikāśīti koṣṭhāni kalaśāspadam |
anyānyaṣṭottarāśītī rathyāṃ sammṛjya kalpayet || 31 ||
8.31 So dienen einundachtzig Felder als Krugplätze. Die übrigen achtundachtzig fasse man zu Wegen zusammen.
pīṭhikocitadhānya parimāṇam. |
vrīhibhiḥpīṭhikāṃ kuryātkoṣṭhabhūṣu pṛthakpṛthak |
āḍhakena tadardhena tadardhārdhena vā bhavet || 32 ||
8.32 Auf jedem Krugfeld bereite man einen Reissitz aus einem Āḍhaka, dessen Hälfte oder dessen Viertel.
bhāvayet |
pīṭhikā dhānyaturyāṃśāstaṇḍulāḥ pīṭhikopari |
tatturyāṃ śāstilāsteṣāṃ bhaveyurupari sthitāḥ || 33 ||
8.33 Über diesen Getreidesitz kommt enthülster Reis im Umfang eines Viertels der Getreidemenge, darüber Sesam im Umfang eines Viertels der Reismenge.
dvau dvau ku śāgrau pratyasyet pīṭhikāsucaturmukha |
kalaśasvarūpam. |
sauvarṇā rājatāstāmrā mṛṇmayā vā yathāvasu || 34 ||
8.34 In jeden Sitz lege man zwei Kuśa-Spitzen. Die Krüge bestehen je nach Vermögen aus Gold, Silber, Kupfer oder Ton.
pratyasya vīdhikāsu |
kalaśā lakṣaṇopetāḥ pakvabimbaphalopamāḥ |
acchidrā ssvanava naśca kālamaṇḍala varjitāḥ || 35 ||
8.35 Sie besitzen die geforderten Merkmale und gleichen reifen Bimba-Früchten. Sie sind ohne Löcher, mit gutem Klang und ohne schwarze Flecken.
abhinnā mṛṇmayāḥkumbhāḥpāṣāṇa sphoṭavarjitāḥ |
kalaśeṣu pūraṇīyadravyamānam. |
dravyakumbhā droṇapūrṇāstadardhenāthavā'thavā || 36 ||
8.36 Tonkrüge sind ungebrochen und frei von Steineinschlüssen und Sprüngen. Die Krüge für besondere Badestoffe werden mit einem Droṇa, dessen Hälfte
pādena kalaśāśśiṣṭāḥ pūryāvāryāḍhakena tu |
kumbhānāṃ sūtraviṣṭanam. |
prakṣālya viṣṇugāyatryā dravyakumbhāṃstathetarān || 37 ||
8.37 oder einem Viertel gefüllt; die übrigen mit einem Āḍhaka Wasser. Die Stoffkrüge und die anderen Krüge wasche man mit der Viṣṇu-Gāyatrī.
sthāpayitvā karatale savye'savyena pāṇinā |
indramarudvamantreṇa tantunā pariveṣṭayet || 38 ||
8.38 Man stelle den Krug auf die linke Handfläche und umwinde ihn mit der rechten Hand mit Faden unter dem als „indramarutvam“, in der Variante „indraṃ natvā“, angegebenen Mantra.
indraṃnatvetimantreṇa |
kumbhaveṣṭane tantūnāmantarālamānam. |
tantūnāṃ viṣṭitānāṃ syā dantarālaṃ yavā ntaram |
ardhāṅgulāntarālaṃ syā dyadvaikāṅgula mantaram || 39 ||
8.39 Zwischen den Fadenwindungen bleibt der Abstand eines Gerstenkorns, eines halben Aṅgula oder eines Aṅgula.
kalaśāspadamedanyāḥpaścime dharaṇītale |
dhānyapīṭhaṃ vidhāyāsmin kalaśānadhivāsayet || 40 ||
8.40 Westlich vom vorgesehenen Krugfeld bereite man einen Getreidesitz und vollziehe dort den Adhivāsa der Krüge.
dhānyapīṭhe tatastasmin kuśānā stīrya viśvataḥ |
prāgagrānu dagagrāṃśca teṣu kumbhānadhomukhān || 41 ||
8.41 Man breite auf dem Getreidesitz ringsum Kuśa mit Spitzen nach Osten oder Norden aus und lege darauf die Krüge mit der Öffnung nach unten.
dhānyapīṭhe |
omityuccārya vinyasyennava bhūṣu yathottaram |
nyastānā mapi kumbhānā mupariṣṭādyathāpuram || 42 ||
8.42 Dabei spreche man „oṃ“ und ordne sie in den neun Bereichen entsprechend an. Auch über die niedergelegten Krüge
navānāmapi |
darbhāṃstṛṇī yādācāryomantreṇa parameṣṭhinā |
prokṣayedarghyatoyena prāṅmukhaḥ puruṣātmanā || 43 ||
8.43 breite der Ācārya wie zuvor Darbha aus, mit dem Parameṣṭhin-Mantra. Nach Osten gewandt besprenge er sie mit Arghya-Wasser unter der Puruṣa-Formel.
viśvamantreṇa virire dakṣatā na dhipāsite |
uttāni teṣu kumbheṣu nivṛtyā hvonavidyayā || 44 ||
8.44 Mit dem Viśva-Mantra streue er ungebrochenen Reis. Die Krüge richte man mit der Nivṛtti-Formel wieder auf; die Verknüpfung mit der Herbeirufung ist beschädigt.
nyadhipāsayet |
hvaya |
sarpiṣā ṣṭottaraśataṃ viṣṇugāya triyākṛte |
home hutājya śeṣeṇa snapanadravyasecanam || 45 ||
8.45 Nach 108 Ghee-Spenden mit der Viṣṇu-Gāyatrī besprenge man die Badestoffe mit dem Opferrest. Ein Zusatz deutet die Krüge als Körper: Edelsteine als Knochen, Fäden als Adern, Ton als Fleisch, mineralische Erde als Blut, Wasser als Fett, Bündel als Zeugungsstoff, Stoffumhüllung als Haut und die jeweilige Gestalt als Jīva. Die Quellennotiz bezeichnet die Stellung dieses Zusatzes als erklärungsbedürftig.
sarpiṣā ityataḥ pūrnaṃ. āhvānavidyayā ityataḥ anantaraṃ keṣu citkośeṣu adhikapāṭhatayā ślokadvayaṃ dṛśyate. tatra tasya saṅgatiṃ prāmāṇikā vibhānayastu. yathāasthiratnaṃ sirā tanturmāṃsaṃ mṛtsnā prakīrtitam |śoṇaitaṃ kartamṛdbhastu jalaṃ medastathaina ca || kūrcaṃ vai śuklamityuktaṃ carmaṇāmbaraveṣṭanam . tattatpratikṛtirjīnaḥ kramādenaṃ smaredbudhaḥ ||iti |
ghṛtādisnapanadravyai rvastrapūtaiḥ pariṣkṛtaiḥ |
pūrayetka laśāṃstattanmantreḥpūrṇān samuddharet || 46 ||
8.46 Die Krüge fülle man mit gereinigten, durch Stoff gefilterten Badestoffen vom Ghee an, jeweils unter dem zugehörigen Mantra, und hebe sie gefüllt auf.
rastra |
sarvamantreṇa viśvātman kumbān saptadadaśdhotān |
dravyakumbhān dhānyapīṭhe sthāpaye dviṣṇupūrvayā || 47 ||
8.47 Die siebzehn Stoffkrüge hebe man mit dem Sarva-Mantra und stelle sie mit der Viṣṇu-Gāyatrī auf ihre Getreidesitze.
gāyatryā ca catuṣṣaṣṭi dvādaśākṣaravidyayā |
udakumbhān krameṇānyān praṅmukho vāpyudaṅmukhaḥ || 48 ||
8.48 Die übrigen vierundsechzig Wasserkrüge stelle man der Reihe nach mit dem Zwölfsilbenmantra auf, nach Osten oder Norden gewandt.
kumbhānāṃ nyāsakramaḥ. |
navake madhyame sthāne sthāvanī yāstu madhyame |
ghṛtakumbhaṃ sthāpayitvā padepautrāmaṇe tataḥ || 49 ||
8.49 In der mittleren Neunergruppe steht in der Mitte der Ghee-Krug. Im östlichen Feld
ye tu |
uṣṇodakumbhaṃ vinyasye dratna kumbha manantaram |
phalakumbhaṃ yamapade lohakumbhaṃ tu nairṛte || 50 ||
8.50 steht der Warmwasserkrug, anschließend der Edelsteinkrug; im Süden der Fruchtwasserkrug, im Südwesten der Metallwasserkrug.
prācetase mārjanāmbhaḥ kumbhaṃ gandhāmbumārute |
akṣatāmbu ca kau bere pade śārve yapodakam || 51 ||
8.51 Im Westen steht Reinigungswasser, im Nordwesten Duftwasser, im Norden Wasser mit ungebrochenem Reis und im Nordosten Gerstenwasser.
prācyāṃ tu kumbhanavake madhye pādya ghaṭaṃ syaset |
arghya kumbhaṃ pade yāmye pade prācetase punaḥ || 52 ||
8.52 In der östlichen äußeren Neunergruppe steht in der Mitte Fußwaschwasser, in der südlichen Arghya, in der westlichen
pade |
upasparśana pānīyaṃ pañcagavya mudakpade |
agneya kumbhanavake madhye dadhi ghaṭaṃ nyaset || 53 ||
8.53 Mundspülwasser und in der nördlichen die fünf Kuhprodukte. In der südöstlichen Neunergruppe steht in der Mitte Dickmilch,
nairṛte madhyataḥkṣīraṃ vāyavīye ghaṭaṃ madhoḥ |
kaṣāya kumbhamaiśāne sarvatra parito ghaṭān || 54 ||
8.54 in der südwestlichen Milch, in der nordwestlichen Honig und in der nordöstlichen Absud. Rings um diese Stoffkrüge stelle man
śuddhodakāṃścatuṣṣaṣṭi maṣṭhāvaṣṭau niveśayet |
saptabhiḥ pañchabhirvāpi yadvā darbhaustribhiḥkṛtān || 55 ||
8.55 jeweils acht Krüge mit reinem Wasser, insgesamt vierundsechzig. Aus sieben, fünf oder drei Darbha-Halmen fertige man die Bündel.
kūrcān kumbheṣvapāgagrān nikṣipella kṣaṇānvitān |
mahā kumbhe kuśaiḥkūrcaṃ caturviṃśatibhiḥ kṛtam || 56 ||
8.56 Die regelgerecht gefertigten Bündel lege man mit den Spitzen nach unten in die Krüge. Im großen Krug dient ein Bündel aus vierundzwanzig Kuśa-Halmen.
cakramantreṇa tān kumbhān śarāvairapidhāna yet |
vāsobhi rdravyakalaśā nyupāsupāsa ityṛcā || 57 ||
8.57 Mit dem Diskus-Mantra verschließe man die Krüge durch Schalen. Die Stoffkrüge umwinde man unter dem Vers „yuvā suvāsāḥ“
sarvān śarāveṇāpi |
kaṇṭheṣu veṣṭayedanyān vāsobhi schādayennavaiḥ |
adhipāsitasya devasyotthāpanam. |
adhīyānaistrayīvidyāṃ vidvadbhi rbrāhmaṇaissaha || 58 ||
8.58 am Hals mit Gewändern, die anderen bedecke man mit neuen Tüchern. Gemeinsam mit gelehrten Brahmanen, die die dreifache Veda-Lehre rezitieren,
ṛtvigbhi ssahadevasya yāyānmantra vidantikam |
ṛtvijo devamutthāpya guruścottiṣṭha vidyayā || 59 ||
8.59 und mit Opferpriestern begebe sich der Mantrakenner zum Gott. Die Priester und der Guru erheben ihn mit der „uttiṣṭha“-Formel.
sāmnārathanta rākhyena brahmayāne gurussvayam |
sthāpayedṛtvijaissārdhaṃ brāhmaṇai rvedapāragaiḥ || 60 ||
8.60 Mit dem Rathantara-Sāman setze der Guru selbst ihn gemeinsam mit den vedakundigen Priestern auf das heilige Tragemittel.
snānāsane niveśanam. |
śibhikāyāṃ sthāpayitvā mṛdvāstaraṇa kalpite |
niveśameyuḥ pratimāṃ snāna veditale śucau || 61 ||
8.61 Man setze das Bild auf eine Sänfte mit weicher Auflage und bringe es dann auf die reine Fläche des Badealtars.
śubhe |
snānopacārāḥ. |
puṇyāhaṃ vā cayetpaścātpañcakāla parāyaṇaiḥ |
ayugmaistoṣayedvittaistānvibhūtyanusārataḥ || 62 ||
8.62 Das Puṇyāha lasse man von einer ungeraden Zahl von Menschen aussprechen, die der fünffachen Tagespraxis ergeben sind. Man stelle sie durch Gaben nach Maßgabe des Vermögens zufrieden.
dvāratoraṇa kumbhādīn samabhyarcya yathāpuram |
dvāreṣva dhyayanaṃ nṛttaṃ vādyaṃ geyaṃ pravartayet || 63 ||
8.63 Tore, Torbögen, Krüge und weitere Gegenstände verehre man wie zuvor. An den Eingängen lasse man Rezitation, Tanz, Musik und Gesang beginnen.
sarpiṣā juhuyādaganau yāvatkalaśasaṅkhyayā |
mūlamantreṇa juhuyā ccaruṃ purvektasajhkhyayā || 64 ||
8.64 Mit dem Grundmantra opfere man so viele Ghee-Spenden wie Krüge vorhanden sind; gekochte Speise opfere man in der zuvor genannten Zahl.
nṛ sūktena samabhyarcya kalaśān sthāpitān guruḥ |
arghyādi bhistathā devaṃ |
ghṛtāropaṇam. |
ghṛtāropaṇa mācaret || 65 ||
8.65 Der Guru verehre die aufgestellten Krüge mit dem Puruṣasūkta, den Gott mit Arghya und weiteren Gaben und vollziehe das Auftragen von Ghee. Ein Zusatz fordert, in den Krügen die sieben Körperbestandteile zu vergegenwärtigen.
ācaret || ityanantaraṃ. saptadhātūni dehānāṃ kumbheṣu kala śeṣuca |sarvatassaṃsmaredbhrahmannācāryastadanu prabhoḥ itīdaṃpadyaṃkvacit. kośe paraṃ vartate || |
dantakāṣṭhaṃ gandhatailaṃ tathāmalakavāri ca |
vastraṃ datvācottarīya marghyādyai rarcayetpunaḥ || 66 ||
8.66 Man reiche Zahnputzholz, Duftöl, Āmalaka-Wasser, Gewand und Obergewand und verehre erneut mit Arghya und den weiteren Gaben.
dhūpayetpunaḥ |
dīpāntamarcanaṃ kṛtvā pādyakumbha mukhai rghaṭaiḥ |
ghṛtakumbhāna sānaiśca snāpaye dde śikottamaḥ || 67 ||
8.67 Nach den Diensten bis zum Licht bade der beste Lehrer den Gott der Reihe nach mit den Krügen vom Fußwaschwasser bis zum Ghee.
deśikaḥkramāt |
chinnaikatantu muddhṛtya pādyakumbhaṃ samarcitam |
puṣpairdadyātkaratale deśikendrasya mūrtipaḥ || 68 ||
8.68 Ein Gestalthüter löse einen Faden, hebe den verehrten Fußwaschwasserkrug auf und reiche ihn mit Blumen in die Hände des Oberlehrers.
kūrcamādāya kumbhasthaṃ svahaste deśikottamaḥ |
avāgagreṇa kūrcana tīrdhai rbrahmādi bhistataḥ || 69 ||
8.69 Der beste Lehrer nehme das Bündel aus dem Krug in die Hand. Mit seinen nach unten gerichteten Spitzen und den heiligen Bereichen der Hand vom Brahma-Tīrtha an
taddhaste |
snapanamantrāṇāṃ nirdeśaḥ. |
śubhairvaiṣṇava gāyatryāsnāpayetpādya vāribhiḥ |
tadviṣṇuritimantreṇa snāpayedarghyapāribhiḥ || 70 ||
8.70 bade er mit Fußwaschwasser unter der Viṣṇu-Gāyatrī. Mit „tad viṣṇuḥ“ bade er mit Arghya-Wasser.
śuddhaiḥ |
na teviṣṇu ritiśrutyākumbhenācamanāmbunā |
viṣṇoḥ krameti mantreṇa pañcagavyābhiṣecanam || 71 ||
8.71 Zu „na te viṣṇo“ folgt der Krug mit Mundspülwasser, zu „viṣṇoḥ krama“ das Übergießen mit den fünf Kuhprodukten.
dadhikrā viṇṇayajuṣā dadhnā devabhiṣecanam |
sāmnā payo pṛtenaiva payasā madhunā punaḥ || 72 ||
8.72 Mit der Yajus-Formel „dadhikrāvṇaḥ“ übergieße man den Gott mit Dickmilch, mit dem Payovrata-Sāman mit Milch; danach folgt Honig.
madhuvāteti mantreṇa snapanaṃ madhuvidvaṣaḥ |
oṣadhya itimantreṇa kaṣāyāmbhobhiṣecanam || 73 ||
8.73 Mit „madhu vātā“ bade man den Feind Madhus in Honig, mit „oṣadhayaḥ“ übergieße man mit Absud.
kaṣāyaurabhiṣecayet |
tadviṣṇo riti mantreṇa snānaṃmuṣṇāmbudhārayā |
phalinītyanuvākena snapanaṃ phalavāribhiḥ || 74 ||
8.74 Zu „tad viṣṇoḥ“, nach einer Variante „tvaṃ viṣṇuḥ“, erfolgt das Bad mit warmem Wasserstrahl; mit dem Anuvāka „phalinī“ das Fruchtwasserbad.
tvaṃ viṣṇuriti |
śaṃ nodevīriti snānaṃ mantridairmārjanāmbubhiḥ |
sāvitryākṣatapāthobhistrātāra miti sāmabhiḥ || 75 ||
8.75 Zu „śaṃ no devīḥ“ erfolgt das Bad mit besprochenem Reinigungswasser, mit der Sāvitrī das Bad mit Reiswasser, mit dem Sāman „trātāram“
ratnodakairlohatoyairmahāvyāhṛtividyayā |
gandhadvāreti mantreṇa snapanaṃ gandhavāriṇā || 76 ||
8.76 das Edelsteinwasserbad, mit den großen Vyāhṛtis das Metallwasserbad und zu „gandhadvārām“ das Duftwasserbad.
śatadhāreti mantreṇa snānaṃ syādyavavāribhiḥ |
ghṛta snāteti mantreṇa ghṛtena snapanaṃ hareḥ || 77 ||
8.77 Zu „śatadhārā“ erfolgt das Gerstenwasserbad, zu „ghṛtasnāt“, nach der Variante „ghṛtavatī“, Haris Ghee-Bad.
ghṛtanatyeti |
athavā pauruṣai ssūktaiḥkramātpā dyādipāribhiḥ |
ṛgbhiṣṣoḍa śabhissnāna mṛcedaṃ viṣṇurityapi || 78 ||
8.78 Alternativ bade man der Reihe nach mit Fußwaschwasser und den weiteren Stoffen unter den sechzehn Versen des Puruṣasūkta oder mit „idaṃ viṣṇuḥ“.
aṣṭākṣareṇa vā yadvā dvādaśākṣaravidyayā |
viṣṇugāyatriyā vāpi snānaṃ yadvā caturmukha || 79 ||
8.79 Auch der Achtsilbenmantra, der Zwölfsilbenmantra oder die Viṣṇu-Gāyatrī können für das Bad verwendet werden, Viergesichtiger.
svamūrti vidyayā vāpi snapanaṃ madhuvidviṣaḥ |
kṣālanaṃ ca ghṛta snāne sāmānyai kuṣṇavāribhiḥ || 80 ||
8.80 Oder man bade den Feind Madhus mit der Formel seiner eigenen Gestalt. Nach dem Ghee-Bad erfolgt die Reinigung mit gewöhnlichem warmem Wasser.
snānaiḥ |
pādyādi dravya kumbhānā muddhāreṣpantarā ntarā |
śuddhoda kumbhairanyaiśca snānamaṣṭabhi raṣṭabhiḥ || 81 ||
8.81 Zwischen den Bädern mit den besonderen Stoffkrügen vom Fußwaschwasser an bade man jeweils mit den acht zugehörigen Reinwasserkrügen.
muttareṣu |
aṣṭākṣareṇa mantreṇa bhaveddevasya padmaja |
upasnānaṃ tathā plotaṃ vastraṃ caipūttarīyakam || 82 ||
8.82 Dies erfolgt mit dem Achtsilbenmantra, Lotusgeborener. Zwischenwaschung, Trockentuch, Gewand und Obergewand
arghyaṃ pādyaṃ tathācāmaṃ gandhaṃ puṣpaṃ ca dhūpakam |
dīpaṃ caitāni deyāni pratidravya ghaṭāplavam || 83 ||
8.83 sowie Arghya, Fußwasch- und Mundspülwasser, Duft, Blumen, Räucherwerk und Licht sind nach jedem Stoffkrugbad darzubringen.
phalaṃ puṣpaṃ ca |
ghaṭāplave |
uddhareddranva kalaśān viṣṇugāyatrividyayā |
śuddhodakāṃśca kalaśān dvādaśākṣara vidyayā || 84 ||
8.84 Die Stoffkrüge hebe man mit der Viṣṇu-Gāyatrī auf, die Reinwasserkrüge mit dem Zwölfsilbenmantra; die zweite Anweisung fehlt in manchen Textzeugen.
śuddhodaka ityardhakvacinnāsti |
haridrā taṇḍulai ssvarṇa cūrṇaiḥ kumbhān sasūtrakān |
pūrayennava nirdoṣān saptavā pañca vāthavā || 85 ||
8.85 Neue, fehlerfreie, mit Fäden umwundene Krüge fülle man mit Kurkuma, Reismehl und Goldpulver, sieben oder fünf,
trīṇyekaṃ kumbhamathavā te ca sthāpyāḥ parivyaye |
trīṇyena |
sāpidhāneṣu kumbheṣu sakūrceṣu samarcayet || 86 ||
8.86 drei oder einen einzigen. Man stelle sie im vorgesehenen Bereich auf. In den mit Deckeln und Darbha-Bündeln versehenen Krügen verehre man
śriyaṃ kumbhān samuddhṛtya śrīsū ktenābhiṣecayet |
cūrṇasnānam. |
pūrṇāhutiryathā homecūrṇaissnāsaṃ tathābhavet || 87 ||
8.87 Śrī, hebe sie auf und vollziehe das Übergießen mit dem Śrīsūkta. Wie die Vollspende im Homa bildet dieses Pulverbad den Abschluss der Badereihe.
taccūrṇadhāraṇe phalam. |
pāsudevatanubhraṣṭān cūrṇān paramapāvanān |
yevahanti śirobhissvairnarā nirdhūtakalmaṣāḥ || 88 ||
8.88 Menschen, die die vom Körper Vāsudevas herabgefallenen, höchst reinigenden Pulver auf ihrem Kopf tragen, werden nach der Quelle von Verunreinigung befreit
teyānti vaiṣṇavaṃ sthānaṃ punarāvṛttivarjitam |
abhiṣekajalapāne phalam |
abhiṣeka jalaṃ viṣṇo rye pibanti vahanti vā || 89 ||
8.89 und gelangen an Viṣṇus Ort ohne Wiederkehr. Wer das Wasser von Viṣṇus Übergießen trinkt oder trägt,
paramaṃ |
ca |
te sarvitīrthābhiśeka phalamaśnuvate mahat |
kṛtvā pradakṣiṇaṃ natvāstutvā stotreṇa deśikaḥ || 90 ||
8.90 erlangt nach der Verheißung die große Frucht des Badens an allen heiligen Stätten. Der Lehrer umrunde nach rechts, verneige sich und preise den Gott mit einem Hymnus.
tata ssahasra dhārābhi ssnāpayitvā janardanam |
nīrājanāntamiṣṭvaivaṃ |
alaṅkārāsanam. |
tato'laṅkāra viṣṭare || 91 ||
8.91 Dann bade er Janārdana mit tausend Wasserstrahlen und verehre ihn bis zum Lichtschwenken. Danach verehre er ihn auf dem Schmücksitz.
yajeta mātrādānāntaṃ mātrāsaṅkhyā parivyayaḥ |
mātrādravya parimāṇam. |
khāridroṇaṃ tadardhaṃ vā deyāssyurdeśikāya te || 92 ||
8.92 Die Dienste reichen dort bis zur Mātrā-Gabe. Als deren Menge werden ein Khārī, ein Droṇa oder dessen Hälfte genannt; die genaue Verbindung der beiden Maße ist knapp. Die Gabe soll dem Lehrer zufallen.
bhojyāsane bhojyabhedaḥ. |
caturvidhāni cānnāni bhojayedbho janāsane |
homānta marcayeddevaṃ deśikendro yathāvidhi || 93 ||
8.93 Auf dem Speisesitz biete man die vier Arten von Speise an. Der Oberlehrer verehre den Gott vorschriftsgemäß bis zum Homa.
snapanānte tato devaṃ sukhamāsīna māsane |
yāceta yājamānopi sarvamiṣṭaṃ janārdanam || 94 ||
8.94 Nach Abschluss des Bades bitte auch der Auftraggeber den bequem sitzenden Janārdana um alles Erwünschte.
dakṣiṇāṃ deśikendrāya suvarṇaśataniṣkakām |
tadardhaṃ pādamathavā dadyādvi ttānu sārataḥ || 95 ||
8.95 Dem Oberlehrer gebe man je nach Vermögen hundert Gold-Niṣka, deren Hälfte oder ein Viertel als Ehrengabe.
dyānu |
kuryādā cāryasātsarvaṃ dravyaṃ pūjāṅga māhṛtam |
vastrādikaṃ tathānyeṣāṃ ṛdvijāṃ tuṣṭimāvahet || 96 ||
8.96 Alles für die Verehrung herbeigebrachte Material übergebe man dem Ācārya. Mit Gewändern und weiteren Gaben stelle man auch die anderen Opferpriester zufrieden.
nṛttageyaratānāṃ ca tathā svādhyāyaśālinām |
brāhmaṇānāṃ yathā tuṣṭi stathā vittaṃ visarjayet || 97 ||
8.97 Auch den mit Tanz und Gesang Beschäftigten sowie den rezitierenden Brahmanen gebe man so viel, dass sie zufrieden sind.
vittavisarjanam |
snapanabhedanirūpaṇam. |
athamottamametattusnapanaṃ parirīrtitam |
koṇeṣu kumbhairdvāttriṃśatkevalodakapūritaiḥ || 98 ||
8.98 Die bisher erklärte Form heißt die vorzügliche innerhalb der geringeren Hauptstufe. Lässt man die zweiunddreißig Reinwasserkrüge in den Eckgruppen weg,
tairvihīnaṃ haressnānaṃ jñeyantvadhamamadhyamam |
śuddhoda kumbheryaddhīnaṃ sarvestadadhamādhamam || 99 ||
8.99 ist dies die mittlere der geringeren Stufe. Fehlen sämtliche Reinwasserkrüge, gilt es als deren geringste Form.
kumbheṣu kṣepaṇīyadravyāṇi tanmātrā ca. |
pādyakumbhe tathā cārghye tathopasparśanāmbhasi |
kumbhe kaṣāyaphalayoḥ kumbhe cākṣatagandhayoḥ || 100 ||
8.100 In den Krügen für Fußwaschwasser, Arghya, Mundspülwasser, Absud, Fruchtwasser, Reiswasser und Duftwasser
ekaikasmin ghaṭeṣveṣu dravyāṇāmaṣṭakaṃ kṣipet |
pādyādiṣu kramāddravyaṃ tatpramāṇaṃ ca kathyate || 101 ||
8.101 lege man jeweils acht Stoffe nieder. Nun werden sie der Reihe nach mit ihren Mengen erklärt.
tulasī ca tathā padmaṃ dūrva ca syāttathā'kṣatam |
śyāmūkaṃ viṣṇu parṇīṃ ca bhilvapatrāṇi candanam || 102 ||
8.102 [Für Fußwaschwasser:] Tulasī, Lotus, Dūrvā, ungebrochener Reis, Śyāmāka, Viṣṇuparṇī, Bilva-Blätter und Sandel.
parṇaṃca |
dravyāṇi candanaṃ muktvā muṣṭimātrāṇi tatphalam |
siddhārthaṃ cākṣataṃ caiva kuśāgraṃ ca tathā phalam || 103 ||
8.103 Außer Sandel nehme man jeweils eine Handvoll; Sandel wird mit einem Pala bemessen. [Für Arghya:] Weiße Senfkörner, ungebrochener Reis, Kuśa-Spitzen, Frucht,
yavāstilāścandanaṃ ca prasavāśca sugandhayaḥ |
phalaṃ supakva meteṣu candanaṃ ca triniṣkakam || 104 ||
8.104 Gerste, Sesam, Sandel und duftende Blumen. Die Frucht sei gut gereift, der Sandel betrage drei Niṣka.
phaleṣu pakvameṣvem |
śiṣṭāni muṣṭimātrāṇi takkolaṃ campakasya ca |
mukulaṃ ghanasāraṃ ca jātirelāphalāni ca || 105 ||
8.105 Die übrigen Stoffe betragen je eine Handvoll. [Für Mundspülwasser:] Takkola, Campaka-Knospen, Kampfer, Jātī und Kardamomfrüchte,
candanasya ca |
lavaṅgatvakcandanaṃ ca puṣpāṇi surabhīṇi ca |
palārdhaparimāṇāni pratyekaṃ kamalāsana || 106 ||
8.106 Nelkenschale, Sandel und duftende Blumen, jeweils ein halbes Pala, Lotusgeborener.
śamīpalāśakhadirabilvāśvattha vikaṅkatam |
audumbaraṃ canyagrodhaśśamyādīnāṃ tvacaḥ smṛtāḥ || 107 ||
8.107 [Für den Absud:] Rinde von Śamī, Palāśa, Khadira, Bilva, Aśvattha, Vikaṅkata, Udumbara und Nyagrodha,
vikaṅkatāḥ |
pratyekaṃ palamānāssyuḥ kadalī bhejapūrakam |
amramāmalakaṃ bhilvaṃ nālikera phalāni ca || 108 ||
8.108 jeweils ein Pala. [Für Fruchtwasser:] Banane, Bījapūraka, Mango, Āmalaka, Bilva und Kokosfrucht,
phalaṃ tathā |
panasaṃ mātulaṅgaṃ ca bhinnānyetāni nikṣipet |
nīvāraveṇuśālīnāṃ priyaṅguyuvayorapi || 109 ||
8.109 Jackfrucht und Mātuluṅga lege man zerteilt hinein. [Für Reiswasser:] Körner von Nīvāra, Bambus, Śāli, Priyaṅgu und Gerste,
kaṅguṣāṣṭikayoścaiva godhūmasya ca taṇḍulāḥ |
muṣṭipramāṇā vijñeyāḥ kuṅkumaṃ koṣṭhacandane || 110 ||
8.110 Kaṅgu, Ṣāṣṭika-Reis und Weizen, jeweils eine Handvoll. [Für Duftwasser:] Safran, Kuṣṭha und Sandel,
candanaṃ kuṣṭhakuṅkunum. kuṅkumau |
agarūśīramālāni hriberaṃ girisambhavam |
māṃsī muraṃ ca pratyekaṃ palamātrāṇi padmaja || 111 ||
8.111 Agaru, Uśīra-Wurzeln, Hrībera, der berggeborene Duftstoff, Māṃsī und Mura, jeweils ein Pala, Lotusgeborener. Die Abgrenzung der angekündigten acht Stoffe ist bei den zusammengesetzten Namen nicht ganz eindeutig.
māṇikyaṃ padmarāgaṃ ca nīlaṃ vajraṃ ca puṣyakam |
pravālaṃ mauktakaṃ caiva tathā maratakaṃ kṣipet || 112 ||
8.112 Māṇikya, Padmarāga, Nīla, Diamant, Puṣyaka, Koralle, Perle und Smaragd
vaiḍūryaṃ navaratnāni tāni ratna ghaṭo dake |
ratnakumbhe nidhātavyavastūni. |
suvarṇaṃ rajataṃ tāmraṃ sīsakaṃ trapukaṃ tathā || 113 ||
8.113 sowie Vaiḍūrya bilden die neun Edelsteine im Edelsteinwasserkrug. Gold, Silber, Kupfer, Blei und Zinn,
kāṃsyamāyasasāraṃ ca saptalohaghaṭo dake |
yapūdakakumbhe nidhātavyavastūni tanmātrā ca. |
pratyekaṃ niṣṭamānāni rajanī sūryavartinī || 114 ||
8.114 Bronze und Eisen beziehungsweise Stahl kommen in den Siebenmetall-Wasserkrug, jeweils ein Niṣka. [Für Reinigungswasser:] Kurkuma, Sūryavartinī,
sahadevī śirīṣaṃ ca sadā bhadraṃ kuśāgrakam |
mārjanāni ṣaḍetāni muṣṭimātrāṇi nikṣipet || 115 ||
8.115 Sahadevī, Śirīṣa, Sadābhadra und Kuśa-Spitzen: Diese sechs Reinigungsstoffe gebe man jeweils in Handvollmenge hinein.
yavā veṇuyavāścaiva vrīhayaśceti tattrikam |
yapūdake nidhātavyaṃ pratyekaṃ kuḍupaṃ bhavet || 116 ||
8.116 Gerste, Bambuskörner und Reis kommen in das Gerstenwasser, jeder der drei Stoffe in der Menge eines Kuḍuba.
pañcagavyaṃ tadupayogi pātraṃ ca. |
pañcagavyāni grahṇīyāsmṛtpātre nūtane śubhe |
gomūtraṃ gomayaṃ kṣīraṃ dadhi sarpiśca pañcamam || 117 ||
8.117 Die fünf Kuhprodukte sammle man in einem neuen, geeigneten Tongefäß: Kuhurin, Kuhdung, Milch, Dickmilch und als fünftes Ghee.
goviśeṣaḥ. |
kapilāyā jarāyā vā pañcigavyaṃ praśasyate |
tayorabhāve tvanyāsāṃ gavāṃ gavyaṃ vidhīyate || 118 ||
8.118 Produkte einer braunen oder der hier als „jarā“ bezeichneten Kuh werden empfohlen; fehlen diese, dürfen die Produkte anderer Kühe verwendet werden. Die zweite Kuhbezeichnung ist unklar.
nārtāyā na ca garbhiṇyā na vṛddhāyāḥ kadā cana |
nāvatsāyā upādeyaṃ dhenormūtraṃ śakṛddhvayam || 119 ||
8.119 Urin und Dung soll man niemals von einer kranken, trächtigen, alten oder kalblosen Kuh nehmen. Dies sind rituelle Auswahlvorschriften, keine hygienische Unbedenklichkeitszusage.
pañcagavyasya śuddhiḥ. |
bhūmiṣṭhaṃ gomayaṃ grāhyaṃ soṣṇaṃ krimyādyadūṣitam |
niṣpīḍya samyaggṛhṇī yādgomayasya rasaṃ punaḥ || 120 ||
8.120 Man nehme noch warmen, am Boden liegenden Dung ohne Würmer oder ähnliche Verunreinigungen und presse seine Flüssigkeit sorgfältig aus.
sadyastaptaṃ ghṛtaṃ śuddha mahorātroṣitaṃ dadhi |
kṣīraṃ grāhyamataptaṃ ca daśāhjjanmanaḥ param || 121 ||
8.121 Das Ghee sei frisch erhitzt und rein, die Dickmilch einen Tag und eine Nacht alt. Milch nehme man ungekocht, erst nach zehn Tagen seit dem Kalben.
pañcagavyasya yojane pratyekaṃ mantraḥ |
go mūtraṃ viṣṇugāyatryā gandhadvāreti gomayam |
āpyāya sveti ca kṣīraṃ dadhikrā vṇeti vai dadhi || 122 ||
8.122 Kuhurin verbinde man mit der Viṣṇu-Gāyatrī, Dung mit „gandhadvārām“, Milch mit „āpyāyasva“ und Dickmilch mit „dadhikrāvṇaḥ“.
ghṛtaṃ śukramasītyevaṃ gavyāni saha yojayet |
viṣṇugāyatriyā yadvā pañcopaniṣadai stuvā || 123 ||
8.123 Ghee verbinde man mit „śukram asi“ und mische so die Kuhprodukte zusammen. Alternativ dienen die Viṣṇu-Gāyatrī oder die Pañcopaniṣad-Mantras.
ssamam |
pañcagavyasyādhi devatāḥ. |
parameṣṭhī śakṛnmantro gomūtrasyatu pūruṣaḥ |
viśvamantro bhaveddadhno nivṛttissarpiṣo bhavet || 124 ||
8.124 Bei letzteren gilt der Parameṣṭhin-Mantra für Dung, Puruṣa für Urin, Viśva für Dickmilch und Nivṛtti für Ghee.
bimbamantro |
payasassarvamantrassyātsarveṣā maṣṭavarṇakam |
snapane pañcagavyadravyamānam. |
dadhni dviguṇa māghārā tpīyūṣaṃ triguṇaṃ tataḥ || 125 ||
8.125 Für Milch gilt Sarva, für alle zusammen der Achtsilbenmantra. [Zu den Mischmengen beim Bad:] Die Dickmilch beträgt das Doppelte des Ghee, die Milch das Dreifache davon.
dadhno |
ṣaḍguṇaṃ mūtrametasmācchakṛdvāri caturguṇam |
snavane kadhitaṃ mānam |
prokṣaṇepañcagavyadravyamānam |
prokṣaṇe pañcakaṃ samam || 126 ||
8.126 Urin wird mit dem Sechsfachen und Dungwasser mit dem Vierfachen angegeben. Worauf diese beiden Vervielfachungen genau zurückgehen, ist nicht eindeutig; die Angaben werden deshalb nicht zu einem bereinigten Rezept verrechnet. Beim Besprengen sind die fünf Anteile gleich.
prāśane pañcagavyadravyamānam. |
gomayena samaṃ mātraṃ dadhisyāddviguṇaṃ tataḥ |
tataścatugurṇaṇaṃ sarpissarpiṣo'ṣṭa guṇaṃ payaḥ || 127 ||
8.127 [Für rituelles Einnehmen:] Urin und Dung haben gleiche Menge, Dickmilch die doppelte, Ghee die vierfache davon und Milch die achtfache des Ghee.
praśane pañcagavyānāṃ pramāṇa midamīritam |
pañcagavyamānanyūnībhāve doṣaḥ. |
droṇamānaṃ pañcagavyaṃ ghṛtamānaṃ ca tā dṛśam || 128 ||
8.128 So werden die Mengen der fünf Kuhprodukte zum rituellen Einnehmen erklärt. Für das große Bad wird ein Droṇa der Mischung genannt, ebenso viel Ghee,
tatsamaṃ |
tādṛgeva dadhi kṣīraṃ tāvadeva ca mākṣikam |
ardhaṃ pāsyādāḍhakaṃ vānyūnaṃ cedāsuraṃ bhavet || 129 ||
8.129 ebenso viel Dickmilch, Milch und Honig. Auch eine Hälfte oder ein Āḍhaka ist möglich; eine geringere Menge wird als „asurisch“ bezeichnet.
tādṛgeva |
gṛhorcāyāṃ pañcagavyamānabhedaḥ. |
gṛhorcāsnapane nyūnaṃ prasthenaiva prakalpayet |
pādyādīnāmuktadravyālābhe prativāpadravyāṇi. |
pādye dravyāntarālābhe dūrvaivā rghyo ca sarṣapāḥ || 130 ||
8.130 Beim Bad im Hauskult kann als kleinere Menge ein Prastha dienen. Fehlen beim Fußwaschwasser die übrigen Stoffe, genügt Dūrvā; beim Arghya genügt Senf.
prasthamānena |
śastamācamanīye tu takkolaṃ mārjanāmbhasi |
sahadevī gandhatoye candanakṣoda iṣyate || 131 ||
8.131 Beim Mundspülwasser wird Takkola als Ersatz empfohlen, beim Reinigungswasser Sahadevī, beim Duftwasser Sandelpulver.
kaṣāyatoye cāśvattha śśītamuṣṇodare sati |
ratnodare vajramekaṃ kadalyekā phalāmbhasi || 132 ||
8.132 Beim Absud genügt Aśvattha, statt warmem Wasser kann kaltes dienen; im Edelsteinwasser genügt ein Diamant, im Fruchtwasser eine Banane.
suvarṇaṃ lohapānīye śāli daṇḍulamakṣate |
yapūdakaghaṭevrīhiśśasyate kamalāsana || 133 ||
8.133 Im Metallwasser genügt Gold, im Reiswasser Śāli-Reis und im Gerstenwasser gewöhnlicher Reis, Lotusgeborener.
pañcagavyadravyālābhe prativādadravyāṇi. |
alabdhe dadhini kṣīraṃ kṣīrā bhāve tu taddadhi |
madhunyalabdhe sarpīṃṣi tadalābhe bhavenmadhu || 134 ||
8.134 Fehlt Dickmilch, dient Milch; fehlt Milch, Dickmilch. Fehlt Honig, dient Ghee; fehlt dieses, Honig.
alābhe pañcagavyānāṃ ghṛtamevaikamiṣyate |
pañcagavyeṣu yasyasyādalābha statpade ghṛtam || 135 ||
8.135 Fehlen die fünf Kuhprodukte, ist allein Ghee vorgesehen. Welcher einzelne Bestandteil der Mischung auch fehlt, an seine Stelle tritt Ghee.
statkṛte |
madhyamasnapanam. |
snapanaṃ madhyamaṃ vakṣye yathā tadava dhāraya |
madhye pūrvoktakalaśa sthāpane vihite sati || 136 ||
8.136 Nun erkläre ich die mittlere Hauptform des Bades; höre aufmerksam. In der Mitte werden die zuvor beschriebenen Krüge aufgestellt.
dhāryatām |
dvau dvau bahistataḥ paṅktīssammṛjya kamalāsana |
parito vīdikāḥ kuryā dbahistā bhyo ghaṭāspadam || 137 ||
8.137 Außerhalb davon fasse man ringsum jeweils zwei Feldreihen zu Wegen zusammen. Jenseits dieser Wege bereite man weitere Krugplätze.
vedikāḥ |
pañcāśata mathaikona kalaśān dikṣu nikṣipet |
pūrvādiṣu pratidiśaṃ ca tasṛṣvambujāsana || 138 ||
8.138 In jeder der vier Hauptrichtungen vom Osten an stelle man neunundvierzig Krüge auf, Lotusgeborener. Die Zahl besitzt eine beschädigte Variante.
pañcāśatamathaikena kalaśānāṃ vinikṣipet |
catvāro dravyakalaśāsteṣu śuddhodakāḥ pare |
guḷodakaṃ cekṣurasaṃ nālikerajalaṃ tathā || 139 ||
8.139 Unter diesen äußeren Krügen befinden sich insgesamt vier zusätzliche Stoffkrüge, die übrigen enthalten reines Wasser. Die Stoffe sind Rohzuckerwasser, Zuckerrohrsaft, Kokoswasser
guḍaśabde ḍakārasthāne. ḷa iti prativāpaḥ prācīnakośeṣu dṛśyate |
śāntivāri ca pūrvādau kramānnyasyeccatuṣṭayam |
guḷābhāve cekṣurasastastyābhāve guḷodakam || 140 ||
8.140 und befriedendes Wasser, der Reihe nach vom Osten an. Fehlt Rohzucker, dient Zuckerrohrsaft; fehlt dieser, Rohzuckerwasser.
guḷamānaṃ palāśīti rardhamardhārdha meva vā |
nālikera jalābhāve tatthsāne kṣīramiṣyate || 141 ||
8.141 Die Rohzuckermenge beträgt achtzig Pala, deren Hälfte oder ein Viertel. Fehlt Kokoswasser, ist Milch an seiner Stelle vorgesehen.
tulasīveṇunīvarayavāśca śvetasarṣapāḥ |
tilāśca ṣaṭ śāntikumbhe dravyāṇi tulasī bhavet || 142 ||
8.142 Tulasī, Bambuskörner, Nīvāra, Gerste, weißer Senf und Sesam bilden die sechs Stoffe des befriedenden Kruges.
muṣṭimātraṃ dravyamanyatpṛtha kkuḍubasammitam |
tulasīdalamanyeṣāmalābhe grāhyamiṣyate || 143 ||
8.143 Tulasī beträgt eine Handvoll, jeder andere Stoff ein Kuḍuba. Fehlen die anderen Stoffe, sollen Tulasī-Blätter allein verwendet werden.
kkuṇḍāmbu. kusuma |
guḷodakādi bhirdravyaissnapane vihite sati |
kalaśabhedhena snapanamantrebhedaḥ. |
pādyādi dravyakalaśai rghṛtāntai ssnāpayeddharim || 144 ||
8.144 Nach dem Bad mit Rohzuckerwasser und den übrigen zusätzlichen Stoffen bade man Hari mit den Stoffkrügen vom Fußwaschwasser bis zum Ghee.
madhuvāteti mantreṇa snapanaṃ guḷavāriṇā |
madhunaktamitisnāna maikṣavena rasena ca || 145 ||
8.145 Zu „madhu vātā“ erfolgt das Rohzuckerwasserbad, zu „madhu naktam“ das Bad mit Zuckerrohrsaft.
madhumānna itisnānaṃ nālikerāmbhasā punaḥ |
vedāhamitimantreṇa śāntidravya ghaṭāmbubhiḥ || 146 ||
8.146 Zu „madhumān naḥ“ erfolgt das Kokoswasserbad, zu „vedāham“ das Bad mit dem Wasser des befriedenden Kruges.
jitaṃ ta iti śuddhena vāriṇā snapanaṃ hareḥ |
madhyamottamamuddiṣṭaṃ madhyame madhyamaṃ punaḥ || 147 ||
8.147 Zu „jitaṃ te“ bade man Hari mit reinem Wasser. Dies ist die vorzügliche der mittleren Hauptstufe. Für deren mittlere Form gilt anschließend:
caturbhirdravyakalaśai ssnānaṃ śuddhodakairvinā |
bahiṣṭhairdevadevasya madhyamādhama āplavaḥ || 148 ||
8.148 Man verwendet die vier äußeren Stoffkrüge ohne die äußeren Reinwasserkrüge. Die geringste Form der mittleren Hauptstufe
sarvaireva dravyakumbhaissarvaiśśuddhodakairvinā |
uttamaṃ snapanam. |
uttamaṃ snapanaṃ vakṣye yathāvadava dhāraya || 149 ||
8.149 verwendet sämtliche Stoffkrüge ohne irgendwelche Reinwasserkrüge. Nun erkläre ich die vorzügliche Hauptform des Bades; höre genau.
dhāryatām |
vidikṣu dikṣuvatkumbhāsthsāpyāḥ pūrvoktasaṅkhyayā |
teṣu ca dravyakalaśāścatvāro'nye caturmukha || 150 ||
8.150 In den Zwischenrichtungen werden Krüge in derselben zuvor genannten Zahl wie in den Hauptrichtungen aufgestellt. Darunter sind vier weitere Stoffkrüge, Viergesichtiger,
śuddhodakā vidiśyagne rvinyasyenmaṅgalodakam |
indravalyaṅku rāśvatthapallavāśca kuśeśayam || 151 ||
8.151 die übrigen enthalten reines Wasser. Im Südosten stelle man glückverheißendes Wasser auf. Dazu gehören Indravallī-Sprossen, Aśvattha-Blätter und Lotus,
ekapatrāmbhujaṃ kuṣṭhaṃ kuṅkumaṃ rohiṇa drumam |
puṇyāssu manasaścāṣṭau yūdhikā mallikāpi ca || 152 ||
8.152 ein einblättriger Lotus, Kuṣṭha, Safran und Rohiṇa-Holz sowie acht heilige Blumen: Yūthikā, Mallikā,
trīṇyutpalāni jātiśca campakaṃ ketakī tathā |
dravyāṇi maṅgalānīti prasyīnmaṅgalapāthasi || 153 ||
8.153 drei Utpala-Arten, Jātī, Campaka und Ketakī. Diese glückverheißenden Stoffe lege man in das Maṅgala-Wasser.
aṅkuradvayamekair mekapatraṃ ca paṅkajam |
muṣṭimātraṃ sumanasaśchaikaikaṃ candanādikam || 154 ||
8.154 Von den Sprossen beziehungsweise Blättern werden zwei Stück, vom einblättrigen Lotus eines und von den Blumen eine Handvoll genannt; die genaue Verbindung der Stückzahlen ist beschädigt. Duftstoffe wie Sandel
palaṃ pṛthakpṛthakkumbhe nairṛte sakalauṣadhīḥ |
māṃsī kuṣṭhaṃ haridre dvemurā śaileyacambake || 155 ||
8.155 betragen jeweils ein Pala. Im südwestlichen Krug liegen die gesamten Kräuter: Māṃsī, Kuṣṭha, zwei Haridrā-Arten, Mura, Śaileya, Campaka,
mustā vacā ca karpūraṃ pratyekaṃ palasammitam |
piṣṭvā sarvaiṣadighaṭe nikṣipetkamalāsana || 156 ||
8.156 Mustā, Vacā und Kampfer, jeweils ein Pala. Man zermahle sie und gebe sie in den Sarvauṣadhi-Krug, Lotusgeborener.
vāyavīye sarvagandha dravyāṇāṃ kṣepaṇaṃ ghaṭe |
karpūraṃ kuṅkumaṃ kuṣṭhaṃ māṃsī malayajaṃ muram || 157 ||
8.157 In den nordwestlichen Krug kommen sämtliche Duftstoffe: Kampfer, Safran, Kuṣṭha, Māṃsī, Sandel und Mura,
priyaṅgu kesaraṃ mustā tamālaṃ nāgakesaram |
māladvayaṃ cakaccoraṃ suraparṇikaresaram || 158 ||
8.158 Priyaṅgu, Kesara, Mustā, Tamāla, Nāgakesara, zwei Wurzelstoffe, Kaccora und Suraparṇī-Staubfäden,
uśīraṃ tagaraṃ lodhraṃ tathaiva haricandanam |
agurudvayaṃ sitaṃ kuṣṭhaṃ kāleyaṃ granthipallavam || 159 ||
8.159 Uśīra, Tagara, Lodhra, Haricandana, zwei Agaru-Arten, weißes Kuṣṭha, Kāleya und Granthipallava,
mukulaṃ campakasyeti pratyekaṃ palasammitam |
cūrṇīkṛtaṃ samastaṃ ca nya syedgandhodake ghaṭe || 160 ||
8.160 sowie Campaka-Knospen. Jeden Stoff nehme man in der Menge eines Pala, pulverisiere alles und lege es in den Duftwasserkrug.
campakaṃ ceti |
mālauṣadhighaṭe śārve mālauṣadhisamarpaṇam |
vyāghrīsiṃhī balā cāgniśśarapuṅkhā śatāvarī || 161 ||
8.161 In den nordöstlichen Krug kommen die Wurzelkräuter. Die Vorlage schreibt wiederholt „māla“, der Zusammenhang weist auf „mūla“. Genannt werden Vyāghrī, Siṃhī, Balā, Agni, Śarapuṅkhā und Śatāvarī,
bilvamūlaṃ vacā śuṇṭhī koraṇḍaṃ śatamūlikā |
pratyekaṃ palamānānsyuḥ piṣṭvā kumbhe vinikṣipet || 162 ||
8.162 Bilva-Wurzel, Vacā, getrockneter Ingwer, Koraṇḍa und Śatamūlikā. Jeweils ein Pala werde zermahlen und in den Krug gelegt.
puṣpakumbhe |
maṅgalodakavastūnāmalābhe candanaṃ varam |
sarvauṣadhīnāmetāsāmalābhe kuṣṭhamiṣyate || 163 ||
8.163 Fehlen die Stoffe des glückverheißenden Wassers, ist Sandel der beste Ersatz. Fehlen sämtliche Kräuter, ist Kuṣṭha vorgesehen.
alābhe sarvagandhānāṃ śasyate candanaṃ varam |
mālauṣadhīnāṃ sarvāsāmalābhe śasyate balā || 164 ||
8.164 Fehlen sämtliche Duftstoffe, wird Sandel empfohlen; fehlen sämtliche Wurzelkräuter, Balā.
adhidaivaṃ samabhyarcya uddhṛtya snāpayetkramāt |
pūrvādidikṣu prathamamāgneyādi tataḥparam || 165 ||
8.165 Man verehre die jeweilige leitende Gottheit, hebe den Krug auf und vollziehe das Bad der Reihe nach: zuerst aus den Hauptrichtungen vom Osten an, dann aus den Zwischenrichtungen vom Südosten an.
viṣṇornukamiti procyasnāpayenmaṅgalāmbhasā |
oṣadhya iti mantreṇa sarvaiṣadhijalena ca || 166 ||
8.166 Zu „viṣṇor nu kam“ bade man mit glückverheißendem Wasser, zu „oṣadhayaḥ“ mit dem Wasser der gesamten Kräuter.
nārāyaṇānuvākena sarvagandhāmbubhirharim |
yā oṣadhītimantreṇa mālauṣadhijalai stataḥ || 167 ||
8.167 Mit dem Nārāyaṇa-Anuvāka bade man Hari mit dem Wasser sämtlicher Duftstoffe, zu „yā oṣadhīḥ“ mit dem Wurzelkräuterwasser.
astraśuddhodakaissnāyāddvidyayāṣṭākṣarātmanā |
pādyapūrvaṃghṛtāntaṃca snānaṃ deve yathāpuram || 168 ||
8.168 Mit den Reinwasserkrügen bade man unter dem Achtsilbenmantra; das zusätzliche Wort „astra“ ist unklar. Das Bad vom Fußwaschwasser bis zum Ghee erfolgt wie zuvor.
atra |
snāyāddevam |
uttamottamametattusnapanaṃ parikīrtitam |
uttamamadhyamasya uttamādhamasya ca snapanasyavidhiḥ. |
ardhaśuddhodakairhīnaṃ bhaveduttamamadhyamam || 169 ||
8.169 Dies heißt die vorzüglichste der vorzüglichen Hauptstufe. Fehlt die Hälfte der Reinwasserkrüge, ist es deren mittlere Form.
sarvaśuddhodakairhīna muttamādhama miṣyate |
snapanabhede kalaśasaṅkhyābhedaḥ. |
viṃśatiḥ pañca ca brahman saṅkṣkepe kalaśā matāḥ || 170 ||
8.170 Fehlen alle Reinwasserkrüge, ist es die geringste der vorzüglichen Hauptstufe. In der kürzesten Form werden fünfundzwanzig Krüge genannt, Brahmā,
catuśśataṃ ca vistāre saptatiśca tri ruttaram |
kumbhadravyāṇā madhidevatāḥ. |
dravyāṇā matha sarveṣāṃ kathayāmyadhidevatāḥ || 171 ||
8.171 in der ausführlichsten vierhundertdreiundsiebzig. Nun erkläre ich die leitenden Gottheiten aller Stoffe.
ghṛtasya paramātmā ca vāsudevo'dhidevatā |
uṣṇodakumbhe puruṣa ssatyassyāttu phalodake || 172 ||
8.172 Für Ghee ist Vāsudeva, das höchste Selbst, die leitende Gottheit; für warmes Wasser Puruṣa, für Fruchtwasser Satya.
acyuto mārjane devastvanantaścākṣatodake |
ratnodake keśavassyāllohe nārāyaṇasmsṛtaḥ || 173 ||
8.173 Für Reinigungswasser gilt Acyuta, für Reiswasser Ananta, für Edelsteinwasser Keśava, für Metallwasser Nārāyaṇa.
gandhodake mādhavassyādgovindassyādyavodake |
pādyodake bhavedviṣṇu rarghye ca madhusūdanaḥ || 174 ||
8.174 Für Duftwasser gilt Mādhava, für Gerstenwasser Govinda, für Fußwaschwasser Viṣṇu, für Arghya Madhusūdana.
trivikra mastathā cāme pañcagavyeṣu vāmanaḥ |
dadhini śrīdharo devo hṛṣīkeśaḥ payasyapi || 175 ||
8.175 Für Mundspülwasser gilt Trivikrama, für die fünf Kuhprodukte Vāmana, für Dickmilch Śrīdhara, für Milch Hṛṣīkeśa.
madhunaḥ padmanābhassyāddāmodaraḥ kaṣāyake |
guḷodake varāhassyāt nṛsiṃhaścaikṣavodake || 176 ||
8.176 Für Honig gilt Padmanābha, für Absud Dāmodara, für Rohzuckerwasser Varāha und für Zuckerrohrsaft Nṛsiṃha.
śrīdharo nālikerasya hayāsya śśāntivāriṇaḥ |
vāsudevo maṅgalasya kumbhasya kamalāsana || 177 ||
8.177 Für Kokoswasser gilt Śrīdhara, für befriedendes Wasser Hayāsya, für den glückverheißenden Krug Vāsudeva, Lotusgeborener.
sarvaiṣadhyambukalaśe devassaṅkarṣaṇasmsṛtaḥ |
pradyumna ssarva gandhasya mālauṣadhye'niruddhakaḥ || 178 ||
8.178 Für den Krug mit sämtlichen Kräutern gilt Saṅkarṣaṇa, für den mit sämtlichen Duftstoffen Pradyumna und für den mit Wurzelkräutern Aniruddha.
mūrtireteṣu kumbheṣu sāṅgapīṭhaṃ samarcayet |
śuddhodakeṣu sarveṣu nārāyaṇasamarcanam || 179 ||
8.179 In diesen Krügen verehre man die jeweilige Gestalt mit ihren Gliedern und ihrem Sitz. In allen Reinwasserkrügen verehre man Nārāyaṇa.
gandhodakeṣu sarvatra |
dhānyānāṃ kalaśānāṃ ca devatā syādvasundharā |
kurcānāṃ daivataṃ cāstraṃ cakrakāṇāṃ sudarśanam || 180 ||
8.180 Die Gottheit von Getreide und Krügen ist die Erde. Für die Darbha-Bündel gilt die Waffe, für die deckenden Scheiben Sudarśana.
pāsaso daivataṃ viṣṇu ssarveṣāṃ vā janārdanaḥ |
navasu snapaneṣu śaktyanusārataḥ karaṇe'nujñā. |
ityevaṃ snapanaṃ proktaṃ navadhā tava padmaja || 181 ||
8.181 Für die Gewänder gilt Viṣṇu, oder für alles gemeinsam Janārdana. So habe ich dir das Bad in neun Formen erklärt, Lotusgeborener.
eṣāmanya tamena syātsnānaṃ vittānusārataḥ |
tithyādibedena snapanabhedaḥ. |
pañcamyāṃ snapanaṃ viṣṇo ryathokta phalamaśnute || 182 ||
8.182 Eine dieser Formen soll entsprechend dem Vermögen verwendet werden. Bei Viṣṇus Bad am fünften Mondtag wird die zuvor genannte Frucht erlangt.
tamaṃ tu |
trijanmarkṣe daśaguṇaṃ śravaṇe dviguṇaṃ bhavet |
triguṇaṃ śaśinaḥ pūrtau kṣaye śataguṇaṃ bhavet || 183 ||
8.183 Unter den drei auf die Geburt bezogenen Sternen ist sie zehnfach, unter Śravaṇa doppelt, bei Vollmond dreifach und bei Neumond hundertfach.
proktam |
caturguṇaṃ syāddvādaśyāṃ triguṇaṃ tārakātraye |
saṅkrāntyāṃ ṣaḍguṇaṃ caiva viṣuve triguṇaṃ bhavet || 184 ||
8.184 Am zwölften Mondtag ist sie vierfach, unter den drei genannten Sternen dreifach, beim Sonnenübergang sechsfach und bei der Tagundnachtgleiche dreifach.
viddhi |
ayane dakṣiṇe snāna mekaṃ śataguṇaṃ bhavet |
ayane'nyatra vihite sahasraguṇa āplavaḥ || 185 ||
8.185 Beim Beginn des südlichen Sonnenlaufs ist die Frucht hundertfach, beim anderen Halbjahresbeginn tausendfach.
vidau vidhuntudagraste snānaṃ triṃśadguṇaṃ hareḥ |
sūrye śatasahasraṃ tu yugānte koṭisammitam || 186 ||
8.186 Bei einer Mondfinsternis ist Haris Bad dreißigfach, bei einer Sonnenfinsternis hunderttausendfach, am Ende eines Yuga zehnmillionenfach fruchtbar.
anantaṃ syādvyatīpāte kāleṣveteṣu pūjanam |
anantaroktaphaladaṃ kalpate caturāsana || 187 ||
8.187 Bei Vyatīpāta gilt die Frucht als unbegrenzt. Die Verehrung zu diesen Zeiten gewährt die jeweils genannten Früchte, Viergesichtiger. Dies sind religiöse Verdienstangaben der Quelle.
aṣṭottaraśatakumbhasnapanam. |
aṣṭottareṇa kumbhānāṃ śatena kamalāsana |
snapanaṃ kathyate viṣṇo ryathāvadavadhāryatām || 188 ||
8.188 Nun wird Viṣṇus Bad mit 108 Krügen erklärt, Lotusgeborener; höre aufmerksam.
brāhmadivya mānuṣeṣu bhāgeṣu triṣu bhāgayoḥ |
ādyayoḥ sphālayetsūtrāṇyekādaśa pṛthak kṣitau || 189 ||
8.189 Im Brahma-, göttlichen und menschlichen Bereich werden die Krüge geordnet. In den beiden ersten Bereichen lege man jeweils elf Schnüre nach Osten und quer dazu aus.
manuṣyeṣu |
prāgāyatāni tiryakca tatra madhye ca dikṣu ca |
catvāri catvāryaṣṭāsu kumbhasthānāni vīdhikāḥ || 190 ||
8.190 In der Mitte und in den acht Richtungen entstehen jeweils vier Krugplätze. Die übrigen Felder bilde man zu Wegen um.
anyāni kuryādevaṃ caṣaṭtriṃśatkoṣṭhakaṃ bhavet |
tatra kumbhāṃ stoyapūrṇān vinyasenmānuṣe pade || 191 ||
8.191 So gibt es sechsunddreißig Krugfelder. Dort stelle man mit Wasser gefüllte Krüge auf. Im menschlichen äußeren Bereich
punaḥ |
bhāge nava navāśāsu kumbhānaṣṭasu kalpayet |
aṣṭottaraśataṃ kumbhāssaṃpadyanaitathā sati || 192 ||
8.192 stelle man in jeder der acht Richtungen neun weitere Krüge auf. Damit ergeben sich 108 Krüge.
brāhme tu madhyame sthāne kalaśānāṃ catuṣṭaye |
ekasmin dravyamāghāraṃ śiṣṭaṃ śuddhodakaṃ trikam || 193 ||
8.193 In der mittleren Vierergruppe des Brahma-Bereichs enthält ein Krug Ghee, die anderen drei reines Wasser.
divye tu bhāge prācīne kalaśānāṃ catuṣṭaye |
ekasminnuṣṇamu dakaṃ diśyagne ratnaśambaram || 194 ||
8.194 Im göttlichen Bereich enthält von der östlichen Vierergruppe einer warmes Wasser, im Südosten einer Edelsteinwasser,
yāmyephalodakaṃ lauhaṃ nairṛtyāmatha vāruṇe |
mārjanaṃ vāyubhāgetu gandhatoya mudagdiśi || 195 ||
8.195 im Süden einer Fruchtwasser, im Südwesten Metallwasser, im Westen Reinigungswasser, im Nordwesten Duftwasser,
mudakpunaḥ |
akṣatodakamīśāne yavambhaḥkathitā nava |
dravyakumbhā bahirbhāge mānuṣe pūrvavatpade || 196 ||
8.196 im Norden Reiswasser und im Nordosten Gerstenwasser. So sind neun Stoffkrüge genannt. Im äußeren menschlichen Bereich
pūrvasadbhavet |
pādyādi dravyakalaśāḥ pūrvādiṣu yathoditāḥ |
kalpanīyā yathāpūrvamuddṛtya snāvayetkramāt || 197 ||
8.197 werden die Stoffkrüge vom Fußwaschwasser an wie zuvor in den entsprechenden Richtungen angeordnet. Man hebe sie wie zuvor auf und vollziehe das Bad der Reihe nach.
ekonapañcāśatkumbhasnapanam. |
kumbhairekonapañcāśa tsaṅkhkyairanyadudīryate |
candanārdrāṇi sūtrāṇi daśa prāgāyatāni ca || 198 ||
8.198 Eine andere Form verwendet neunundvierzig Krüge. Zehn mit Sandel befeuchtete Schnüre lege man nach Osten
tkalaśairanyadīryate |
tathodagāyatāni nyusthsāpyāni kamalāsana |
madhye navasu koṣṭheṣu vinyasetkalaśānnava || 199 ||
8.199 und ebenso viele nach Norden aus, Lotusgeborener. In die neun mittleren Felder stelle man neun Krüge.
dikṣu pratidiśaṃ kumbhān ṣaṭsu koṣṭheṣu tāvataḥ |
vinyasecca turaḥ kumbhān vidikṣvapi pṛthakpṛthak || 200 ||
8.200 In jeder Hauptrichtung stelle man sechs Krüge auf sechs Felder und in jeder Zwischenrichtung vier Krüge.
vīdhayo'nyāni koṣṭhāni dravyāṇi ca yathāpuram |
pañcaviṃśatikumbhasnapanam. |
kumbhānāṃ pañcaviṃśatyā snānamanyadudīryate || 201 ||
8.201 Die übrigen Felder bilden Wege; die Stoffe sind wie zuvor. Nun wird ein weiteres Bad mit fünfundzwanzig Krügen erklärt.
pūrvavaddaśa sūtrāṇi sphālayitvā bhuvasthsale |
madhye navasu koṣṭheṣu navakumbhān prakalpayet || 202 ||
8.202 Man lege wie zuvor zehn Schnüre auf dem Boden aus und ordne in den neun mittleren Feldern neun Krüge an.
prāgādidikṣu pratyekaṃ kalaśāṃ strīnpra kalpayet |
āgneyādiṣu kumbhānāṃ koṇeṣvekaikalpanam || 203 ||
8.203 In jede Hauptrichtung vom Osten an stelle man drei Krüge, in jede Zwischenrichtung vom Südosten an einen.
dvau dvau purvādiṣu ghaṭau pārśvataḥ kevalodakau |
aṣṭā tānvarjayitvānye dravyakumbhā yathoditāḥ || 204 ||
8.204 Die jeweils zwei seitlichen Krüge der Hauptrichtungen enthalten nur Wasser. Abgesehen von diesen acht sind alle übrigen Stoffkrüge wie beschrieben.
madhyame kumbhanavake yathokta dravyapūraṇaṃ |
gandhadravyaiḥ pūrayedvākalaśānvañcaviṃśatim || 205 ||
8.205 Die mittlere Neunergruppe fülle man mit den zuvor genannten Stoffen. Oder man fülle alle fünfundzwanzig Krüge mit Duftstoffen.
candanāguru kāśmīra kuṣṭha tagara vīraṇaiḥ |
asitāguruṇā cāpi haricandanavāriṇā || 206 ||
8.206 Die neun mittleren Krüge enthalten dann Sandel, Agaru, Safran, Kuṣṭha, Tagara, Vīraṇa, schwarzes Agaru und Haricandana-Wasser,
hrībherakardamenāpi navamena ghaṭānnava |
madhyādīśānaparyantaṃ pūrayetkamalāsana || 207 ||
8.207 sowie als neuntes Hrībera-Paste, der Reihe nach von der Mitte bis zum Nordosten, Lotusgeborener.
tamālasitakuṣṭhābhyāṃ suraparṇīrajaḥ kaṇaiḥ |
karpūranāgasumanomustācampakakuṭmalaiḥ || 208 ||
8.208 Die äußeren Krüge fülle man mit Tamāla, weißem Kuṣṭha, Suraparṇī-Pulver, Kampfer, Nāga-Blüten, Mustā und Campaka-Knospen,
priṅgupuṣpakāleyagrandhivallavabhījakaiḥ |
māṃsīkharjūraśaileya hrīberaiśca suradrumaiḥ || 209 ||
8.209 Priyaṅgu-Blüten, Kāleya, Granthipallava-Samen, Māṃsī, Dattel, Śaileya, Hrībera, Devadāru
mureṇa tairyathā yogaṃ bahiṣṭhānapi ṣoḍaśa |
hitvā bahirvi dikkumbhān yadvānyaissnāpayeddharim || 210 ||
8.210 und Mura, entsprechend angeordnet in den sechzehn äußeren Krügen. Oder man lasse die äußeren Eckkrüge weg und bade Hari mit den übrigen.
sphālayennava sūtrāṇi yathā pūrvaṃ bhuvasthsale |
brāhmasthāne catuṣkoṣṭhe vinyaseccaturo gharṭā || 211 ||
8.211 Eine weitere Form: Man lege wie zuvor neun Schnüre aus und stelle im vierfeldrigen Brahma-Bereich vier Krüge auf.
dvau dvau syātāṃ ca pūrvādi dikṣvaukaikaṃ vidikṣu ca |
ratnaṃ lohaṃ tathā gandhamāghāraṃ ca yathā kramam || 212 ||
8.212 In die Hauptrichtungen kommen jeweils zwei, in die Zwischenrichtungen jeweils einer. Edelsteine, Metalle, Duftstoffe und Ghee
dikṣucaiko dikṣucaiva |
dravyāṇi kumbheṣvāgneya koṇādi stheṣvanu kramāt |
bahiraindra pade koṣṭhe dvayoḥkalaśayoryathā || 213 ||
8.213 füllen der Reihe nach die vier mittleren Krüge vom Südosten an. In den beiden äußeren östlichen Krügen stehen
pādyamarghyaṃ tathāgneya koṇe dadhighaṭo bhavet |
yāmye cācamanīyaṃ prāksañcagavyaṃ ca paścime || 214 ||
8.214 Fußwaschwasser und Arghya; im Südosten Dickmilch. Von den beiden südlichen Krügen enthält der östliche Mundspülwasser, der westliche die fünf Kuhprodukte.
tu |
koṇe tu nairṛte kṣīraṃ paścime tu ghaṭadvaye |
dakṣiṇe'kṣatamanyatra mārjanāmbhastathānile || 215 ||
8.215 Im Südwesten steht Milch. Von den beiden westlichen Krügen enthält der südliche Reiswasser, der andere Reinigungswasser; im Nordwesten
koṇe madhu tathā saumye kaṣāyāṃ ca kuśodakam |
yapodakaṃ śārvakoṇe dravyaiḥ padyādibhiḥ kramāt || 216 ||
8.216 steht Honig, im Norden Absud und Kuśa-Wasser, im Nordosten Gerstenwasser. Mit diesen Stoffen vom Fußwaschwasser an
pādyadravyādibhiḥ |
yugbhiṣṭoḍaśabhissūktaiḥ pauruṣai ssnāpayeddharim |
kumbhairdvādaśabhirvāpi caturbhirmadhyamasthitaiḥ || 217 ||
8.217 bade man Hari unter den sechzehn Versen des Puruṣasūkta. Oder man verwende zwölf Krüge, davon vier in der Mitte,
katnena lohena tathā sarvagasthena sarpiṣā |
pūrtairbahirindrādi koṣṭhasthairaṣṭabhirghaṭaiḥ || 218 ||
8.218 gefüllt mit Edelsteinen, Metallen, sämtlichen Duftstoffen und Ghee, sowie acht außen in den Richtungen vom Osten an.
prācīmārabhya pādyena dadhyarghyakṣīrapūritaiḥ |
tathaipācamanīyena madhunā pañcagavyakaiḥ || 219 ||
8.219 Diese enthalten vom Osten an Fußwaschwasser, Dickmilch, Arghya, Milch, Mundspülwasser, Honig, die fünf Kuhprodukte
phalodakena yadvānyairdravyairdvādaśasammitaiḥ |
madhye'gni koṇe koṣṭhena nairute'guruṇā'nile || 220 ||
8.220 und Fruchtwasser. Oder man verwende zwölf andere Duftstoffe: Im mittleren Südosten Kuṣṭha, im Südwesten Agaru, im Nordwesten
grandhipallavabhījena śārve malayajāmbhasā |
bahiḥkrameṇa pūrvādi dikṣvāṣṭāsu caturmukha || 221 ||
8.221 Granthipallava-Samen und im Nordosten Sandelwasser. Außen in den acht Richtungen vom Osten an, Viergesichtiger,
kāśmīrajena māṃsyā ca tamālena mureṇa ca |
mūlena parvatotthena suravarṇīrajaḥkaṇaiḥ || 222 ||
8.222 Safran, Māṃsī, Tamāla, Mura, die berggeborene Wurzel, Suraparṇī-Pulver,
campakaprasanakṣodaiḥ śarjūreṇa prapūritaiḥ |
kalaśaissnāpayeddevaṃ navabhirvā vidheḥpade || 223 ||
8.223 Campaka-Blütenpulver und Dattel. Mit diesen Krügen bade man den Gott. Oder mit neun Krügen, einer im Brahma-Bereich
prāgādidikṣu cāṣṭānu krameṇājyena vastunā |
pādyena dadhnā cārghyeṇa kṣīreṇācamanāmbunā || 224 ||
8.224 und acht in den Richtungen vom Osten an, der Reihe nach gefüllt mit Ghee, Fußwaschwasser, Dickmilch, Arghya, Milch und Mundspülwasser,
prāgādi ityardhaṃ kvacinna |
madhunā pañcagavyena phalenāpi ca pūritaiḥ |
ratnairvā navabhipūrṇaiḥ kumbhairnavabhirlāvaḥ || 225 ||
8.225 Honig, den fünf Kuhprodukten und Fruchtwasser. Auch neun mit den neun Edelsteinen versehene Krüge können dienen.
pañcabhirvā ghaṭairmadhye dikṣu prāgādiṣu sthitaiḥ |
maṇibhiśca pravālaiśca muktābhiḥpūritaiḥkramāt || 226 ||
8.226 Oder fünf Krüge, einer in der Mitte und vier in den Hauptrichtungen, der Reihe nach mit Edelsteinen, Korallen, Perlen,
pūrvādiṣu |
vajravaiḍūrya śakalairlohairvā pañcabhiśśubhaiḥ |
pañcāmṛtairvā madhunā guḷenājyena pūrayet || 227 ||
8.227 Diamant- und Vaiḍūrya-Stücken; oder mit fünf geeigneten Metallen. Auch die fünf Nektarstoffe sind möglich: Honig, Rohzucker, Ghee,
kalaśaiḥ |
pūritaiḥ |
dadhnā ca payasā yadvā pañcagavyaiḥkramādbhavet |
ekena vāharessnānaṃ dravyaiḥ pūrvoditairbhavet || 228 ||
8.228 Dickmilch und Milch, oder die fünf Kuhprodukte der Reihe nach. Selbst mit einem einzigen Krug und den zuvor genannten Stoffen kann Haris Bad erfolgen.
vyastaissamastairvā vittaṃ deśakālānusārataḥ |
deyā ca dakṣiṇā svarṇaniṣkāḥkalaśammitāḥ || 229 ||
8.229 Die Stoffe können einzeln oder zusammen verwendet werden, entsprechend Vermögen, Ort und Zeit. Die Guru-Ehrengabe beträgt so viele Gold-Niṣka wie Krüge,
ardhaṃ pādaṃ tadardhaṃ vā yathāvittānusārataḥ |
snapanaṃ dakṣiṇāhīnaṃ niṣphalaṃ phalakāminaḥ || 230 ||
8.230 oder die Hälfte, ein Viertel oder ein Achtel davon, nach Maßgabe des Vermögens. Für jemanden, der eine bestimmte Frucht erstrebt, gilt ein Bad ohne Ehrengabe nach der Quelle als fruchtlos.
Kapitel 9: Das große Tausendkrug-Bad
pādmasaṃhitāyām |
navamo'dhyāyaḥ |
brahmaṇā bhagavantaṃ pratiprajāsarga śakti prārthanā. |
brahmā |
niyakto'haṃ prajāssraṣṭu tvayā kaiṭabhasūdana |
muhyāmi ca prajāssraṣṭuṃ kathaṃ kartavya mityaham || 1 ||
9.1 Brahmā sprach: Du hast mich beauftragt, die Wesen zu erschaffen, Vernichter Kaiṭabhas. Doch ich bin darüber verwirrt, wie ich diese Schöpfung vollziehen soll.
bhagavatā sahasrakalaśābhiṣekakaraṇānujñā |
śrībhagavān |
devarājyātparibhraṣṭo devendro brahmahatyayā |
māṃ samārādhya vidhinā prāptavānātmanaḥpadam || 2 ||
9.2 Der erhabene Herr sprach: Indra verlor durch die Tötung eines Brahmanen seine Götterherrschaft. Nachdem er mich vorschriftsgemäß verehrt hatte, erlangte er seinen Platz zurück.
evamanye ca rājāno mamārādhanamuttamam |
kṛtvā nirdhūya pāpāni pātakāni mahāntyapi || 3 ||
9.3 Ebenso vollzogen andere Könige meine vorzügliche Verehrung, schüttelten ihre Verfehlungen, auch große Sünden, ab
prāpurlokān suduṣprā pāniṣṭānatyayavarjitān |
ekottareṇa kalaśaissaha sreṇābhi ṣecanam || 4 ||
9.4 und erlangten schwer erreichbare, ersehnte und unvergängliche Welten. Das Übergießen mit eintausendundeinem Krug,
pavitravastusahitaiḥ pavitrajalapūritaiḥ |
ārādhanaṃ mama brahman prīṇanaṃ paramaṃ matam || 5 ||
9.5 mit reinigenden Stoffen versehen und mit heiligem Wasser gefüllt, gilt als eine Verehrung, die mich besonders erfreut, Brahmā.
pāpāpanodanaikāntaṃ sarvābhyudayasādhanam |
prajānāmapi rāṣṭrasya rājñaścāyurvivardhanam || 6 ||
9.6 Sie soll Verfehlungen vollständig beseitigen, alles Wohlergehen ermöglichen und Menschen, Land und König längeres Leben verleihen.
anuṣṭhitaṃ putrakāmaistathā vijayakāṅkṣibhiḥ |
durbhikṣadurnimittādi ghorāṇāṃ śamanaṃ param || 7 ||
9.7 Sie wird von Menschen mit Kinderwunsch und von Menschen, die Sieg erstreben, vollzogen und soll Hungersnot, böse Zeichen und andere Schrecken besonders wirksam befrieden.
sarvasaṃpatkaraṃ sarva puruṣārdhaikasādhanam |
ārādhanena tena tvaṃ māmārādhya yathāvidhi || 8 ||
9.8 Sie soll alles Gedeihen und sämtliche menschlichen Lebensziele ermöglichen. Wenn du mich mit dieser Verehrung vorschriftsgemäß verehrst,
nirmuktamoho niṣpāpaḥ prajāssraṣṭumapīśiṣe |
brahmā |
sahasrakalaśasnānavidhiḥkīdṛkkathaṃ bhavet || 9 ||
9.9 wirst du frei von Verwirrung und Verfehlung und zur Erschaffung der Wesen befähigt. Brahmā fragte: Wie ist das Verfahren dieses Tausendkrug-Bades?
sahasrakalaśānāṃ ca |
pavitrāṇi ca vastūni kāni ko vā vidheḥkramaḥ |
sthāpanaṃ kalaśānāṃ ca ko vā sthāpaka iṣyate || 10 ||
9.10 Welche reinigenden Stoffe dienen dazu, wie ist die Reihenfolge, wie werden die Krüge aufgestellt und wer soll die Aufstellung leiten?
śrībhagavān |
sahasrakalaśābhiṣeka vidhānam |
dvātriṃśaddhasta vistāraṃ dviguṇenāyataṃ śubham |
kalaśāspadabhū bhāgavaipulyānuguṇaṃ mahat || 11 ||
9.11 Der erhabene Herr sprach: Man errichte eine schöne Halle, zweiunddreißig Hasta breit und doppelt so lang, groß genug für die ausgedehnten Krugfelder.
vistīrṇam |
bhāge |
maṇṭapaṃ kalpayitvānyaddvārāṇi ca yathāvidhi |
kalaśasthāpanābhūmiṃ pañcaviṃśatidhā samam || 12 ||
9.12 Tore und weitere Teile fertige man vorschriftsgemäß. Den Bereich für die Krüge teile man mit Schnüren in fünfundzwanzig gleiche Felder.
sthānabhedena kalaśānāṃ saṅkhyā. |
vibhajya sūtramārgeṇa madhyame brahmaṇaḥpade |
ekāśītighaṭā sthsāpyādivye tu tadanantare || 13 ||
9.13 Im mittleren Brahma-Feld stelle man einundachtzig Krüge auf. Im anschließenden göttlichen Bereich
sūtrapātena |
bhāge pratyekamāśāsu pūrvādicatasṛṣvapi |
ekāśītighaṭāḥ sthāpyāḥ koṇe'pi ca catuṣṭaye || 14 ||
9.14 stehen in jeder der vier Hauptrichtungen vom Osten an ebenfalls einundachtzig Krüge; in den vier Ecken
sthāpyāścai konapañcāśatpratyekaṃ mānuṣe punaḥ |
bhāge ṣoḍaśa dikṣu syātpratyekaṃ pañcaviṃśatiḥ || 15 ||
9.15 jeweils neunundvierzig. Im menschlichen Bereich stehen an sechzehn Stellen jeweils fünfundzwanzig Krüge.
ūnā caikonapañcāśa |
vidhikāśca yathāyogaṃ kalpanīyāḥ pade pade |
brāhme bhāge tu navake madhyame ca mahāghaṭe || 16 ||
9.16 An allen Stellen lege man passende Wege an. Im Brahma-Bereich, im mittleren Krug der mittleren Neunergruppe,
madhyame madhyame |
sarvalohāni ratnāni sarvāṇi ca phalānica |
sarvaiṣadhīṃśca sarvāṃśca gandhapūrṇāṃśca nikṣipet || 17 ||
9.17 lege man alle Metalle, alle Edelsteine, Früchte, sämtliche Kräuter und sämtliche Duftpulver nieder.
śrīvatsādyāḥ pratikṛtīḥ kṛtvā niṣkapramāṇikāḥ |
svarṇaṃ tāmraṃ ca rajayaṃ kevalaṃ caiva nikṣipet || 18 ||
9.18 Die Zeichen vom Śrīvatsa an fertige man jeweils im Gewicht eines Niṣka aus Gold, Kupfer oder Silber und lege sie hinein.
kenalenaiva |
bhagavatoṣṭau cihnāni. |
śrīvatsaṃ vanamālāṃ ca śaṅkhaṃ cakraṃ gadāṃ tathā |
padmaṃ śārṅgaṃ tathā khaḍga maṣṭau cihnāni śārṅgiṇaḥ || 19 ||
9.19 Die acht Zeichen des Bogen tragenden Gottes sind Śrīvatsa, Waldblumengirlande, Muschel, Diskus, Keule, Lotus, Śārṅga-Bogen und Schwert.
vāsobhyāṃ veṣṭite kumbhe vāsudevaṃ samarcayet |
brāhma eva ca bhūbhāge parito navakāṣṭake || 20 ||
9.20 Im mit zwei Gewändern umhüllten Krug verehre man Vāsudeva. Im selben Brahma-Bereich stehen ringsum acht weitere Neunergruppen.
prācīna kumbhanavake madhyame kalaśe kṣipet |
nūryākāntaṃ padmarāgaṃ puruṣastasya devatā || 21 ||
9.21 In den mittleren Krug der östlichen Neunergruppe lege man Sonnenstein und Padmarāga. Seine Gottheit ist Puruṣa.
kumbhānāṃ devatāḥ dravyāṇi ca . |
navakānāṃ tathānyeṣāṃ kramāddravyaṃ ca devatāḥ |
kumbhasya vakṣyate brahman madhyamasya pṛthak pṛthak || 22 ||
9.22 Nun werden für die mittleren Krüge der anderen Neunergruppen jeweils Stoff und Gottheit der Reihe nach erklärt, Brahmā.
navānāṃ ca |
vaiḍūrya mindrakāntaṃ ca dvayaṃ dravyaṃ tu devatā |
vāsudevaścendra nīlo'pyayaskāntaśca taddvayam || 23 ||
9.23 Vaiḍūrya und Indrakānta, nach einer Variante Mondstein, sind die nächsten beiden Stoffe; die Gottheit ist Vāsudeva. Danach folgen Indranīla und Magnetstein.
mindukāntaṃ ca dvayaṃ |
dravyasya |
devatā satyamūrtissyātpravālo vastu gāruḍam |
saṅkarṣaṇo devatā syātpuṣyakaṃ sphaṭikadvayam || 24 ||
9.24 Deren Gottheit ist Satya. Dann folgen Koralle und der Gāruḍa genannte Stein, mit Saṅkarṣaṇa als Gottheit; danach Puṣyaka und Kristall.
dravyaṃ devo'cyutaḥ padmarāgaḥ kanakameva ca |
pradyumno devatā tasya vajraṃ rajatameva ca || 25 ||
9.25 Deren Gottheit ist Acyuta. Padmarāga und Gold haben Pradyumna zur Gottheit; Diamant und Silber
ananto devatā tasya tāmraṃ muktā ca vastuni |
devatā cāniruddhassyā tsarvakumbheṣu mauktikam || 26 ||
9.26 haben Ananta zur Gottheit. Kupfer und Perle haben Aniruddha zur Gottheit. In alle Krüge lege man außerdem Perlen.
divye bhāge diśi prācyāmekāśītighaṭāspade |
navake madhyame madhyakalaśe kadalīphalam || 27 ||
9.27 Im östlichen göttlichen Bereich mit einundachtzig Krügen enthält der mittlere Krug der mittleren Neunergruppe Banane,
panasāmraṃ mātulaṅgaṃ havyajambākakesarāḥ |
badarāṇi ca tatvātmā devatā tasya kathyate || 28 ||
9.28 Jackfrucht, Mango, Mātuluṅga, die als Havya beziehungsweise Bhavya bezeichnete Frucht, Jambū, Kesara und Badara. Als Gottheit wird Tattvātman, das Selbst der Wirklichkeitsprinzipien, genannt.
bhavya |
devatā'dravyamanyatra navakeṣvaṣṭasūcyate |
kramānmadhye ghaṭe dravyaṃ mātulaṅgaṃ sadāḍimam || 29 ||
9.29 Für die mittleren Krüge der anderen acht Neunergruppen werden der Reihe nach folgende Stoffe und Gottheiten erklärt: Mātuluṅga und Granatapfel,
pṛthivī devatā tasya jambā nāraṅgameva ca |
devatā'pāmadiṣṭhātrī takkolailā phaladvayam || 30 ||
9.30 mit der Erde als Gottheit; Jambū und Orange, mit der leitenden Gottheit des Wassers; Takkola und Kardamomfrucht,
tejasvī puruṣo devaḥ kṣīrikāmalakadvayam |
dravyaṃ devo jagatprāṇo drākṣā kharjūrajaṃ phalam || 31 ||
9.31 mit dem leuchtenden Puruṣa als Gottheit; Kṣīrikā und Āmalaka, mit dem Lebensatem der Welt als Gottheit; Traube und Dattel,
dravyaṃ viṣṇupadaṃ devacūtaṃ pārā ca dāḍimam |
devo manaḥphalaṃ kṣudrapanasaṃ vastu devatā || 32 ||
9.32 mit Viṣṇupada, dem Raum, als Gottheit; Mango, die beschädigt genannte Pārāvata-Frucht und Granatapfel, mit dem Geist als Gottheit. Danach folgt die kleine Jackfrucht,
pārāva tānvitam vāsudevo manaḥ kṣudrapanasastu sa devatā |
ahaṅkāraḥphalaṃ bilvakadalyorvastu devatā |
buddissarveṣu kumbheṣu badarāṇi ca nikṣipet || 33 ||
9.33 mit Ahaṃkāra als Gottheit; Bilva und Banane haben Buddhi zur Gottheit. In alle Krüge lege man zusätzlich Badara-Früchte. Die Übergangsfolge besitzt abweichende Lesarten.
aṣṭākṣareṇa mantreṇa pañcopaniṣadā punaḥ |
kumbhānāmapi sarveṣā mabhimantraṇamiṣyate || 34 ||
9.34 Alle Krüge bespreche man mit dem Achtsilbenmantra und den Pañcopaniṣad-Mantras.
uśīraṃ kuṅkumaṃ kuṣṭhaṃ māṃsī malayajaṃ muram |
hrīberamaguruṃ piṣṭvā kumbe tatra vinikṣipet || 35 ||
9.35 [Zum Duftstoffbereich:] Uśīra, Safran, Kuṣṭha, Māṃsī, Sandel, Mura, Hrībera und Agaru zermahle man und lege sie in den mittleren Krug.
trailokyamohanaṃ deva marcayenmantravittamaḥ |
navakeṣu tathā nyeṣu prācyādiṣu yathākramam || 36 ||
9.36 Der beste Mantrakenner verehre darin den Gott, der die Dreiwelt bezaubert; eine Variante nennt Acyuta. In den weiteren Neunergruppen vom Osten an
macyutam |
jalato vīraṇīmūlaṃ babhrurdevassa bhājyate |
karpūrakāśmīramubhau dravyaṃ śauriśca devatā || 37 ||
9.37 folgen die beschädigt überlieferte Jalaja- beziehungsweise Vidāriṇī-Bezeichnung und Vīraṇī-Wurzel, mit Babhru als Gottheit; Kampfer und Safran, mit Śauri als Gottheit.
jalado vīraṇī jalajo vidāriṇī tato vidiraṇī |
bhāṣyate |
campakaṃ mukulaṃ māṃsī dāsārhaścādhidevatā |
candanaṃ candanaṃ rakta mannādhipatiracyutaḥ || 38 ||
9.38 Campaka-Knospe und Māṃsī haben Dāśārha als Gottheit, weißer und roter Sandel Acyuta, den Herrn der Nahrung.
nuraparṇī rajo mauraṃ kardamo vastu devatā |
vaikuṇṭho girijaṃ mūlaṃ priyaṅgvāśca rajaḥkaṇāḥ || 39 ||
9.39 Suraparṇī-Pulver und Mura-Paste haben Vaikuṇṭha zur Gottheit; berggeborene Wurzel und Priyaṅgu-Pulver
rajo mūraṃ |
vaikuṃṭhagirijaṃ mūlam |
puruṣottamadaivatyaṃ kuṣṭhe dve dravyamucyate |
mukundaḥkṛṣṇadhavalo vakrarūpī vṛṣākapiḥ || 40 ||
9.40 haben Puruṣottama zur Gottheit. Zwei Kuṣṭha-Arten werden Mukunda zugeordnet; bei der anschließenden Schwarz-Weiß-Agaru-Gruppe ist Vṛṣākapi genannt. Die Varianten verändern die Namens- und Stoffverbindungen.
mukundakṛṣṇadhavalānaguruśca |
tamālapatraṃ sarveṣu nikṣipetpuruṣātmanā |
pavamānādibhirmantrermantreyettān sakṛtsakṛt || 41 ||
9.41 In alle Krüge lege man Tamāla-Blätter unter der Puruṣa-Formel. Mit den Pāvamāna-Mantras und weiteren Formeln bespreche man sie jeweils einmal.
tratyekaṃ gandha vastūni phalanyaṣṭai yathoditam |
ekāśīti ghaṭagrāme vāruṇe brahmaṇaḥ pade || 42 ||
9.42 Die Duftstoffmengen betragen jeweils acht Pala, wie angegeben. Im westlichen Bereich mit einundachtzig Krügen, im mittleren Brahma-Feld,
vastrāṇi |
ghaṭāgrāme |
kumbheṣu pūraṇīyā āpaḥ. |
ghaṭe vāpīsaritkūpa hradavṛṣṭi himāpagāḥ |
patyuḥ pāthāṃsi cāhṛtya taṭākasya ca nikṣipet || 43 ||
9.43 fülle man den Krug mit Wasser aus Stufenbecken, Fluss, Brunnen, tiefem See, Regen, Schnee, Meer und Teich. Die Trennung von Schnee- und Flusswasser ist in der Zusammensetzung knapp.
tārakeṣu ca nikṣipet |
navakānāmathānyeṣā maṣṭānāṃ madhyame ghaṭe |
pūrvoktānyeva vāpyādi nīrāṇi kramaśaḥkṣipet || 44 ||
9.44 In die mittleren Krüge der übrigen acht Neunergruppen gebe man diese acht Wasserarten einzeln der Reihe nach.
kalaśe kṣipet |
madhyamārna dravyakalaśān sarvāneva prapūrayet |
nalinīnirjharāmbhobhiḥ matsyakūrmāvapi dvayam || 45 ||
9.45 Alle übrigen Stoffkrüge fülle man mit Wasser aus Lotusteich und Quelle beziehungsweise Wasserfall. Fisch und Schildkröte
madhyamān ityādi ślokadvayaṃ kvacinnadṛśyate |
niṣkadvayaparicchinna kāñcanena vinirmitam |
kalaśeṣveva navasu madhyameṣu vinikṣipet || 46 ||
9.46 fertige man aus Gold im Gewicht von zwei Niṣka und lege sie in die neun mittleren Krüge. Diese beiden Verse fehlen in manchen Textzeugen.
matsyādi rūpiṇaṃ devaṃ varjayitvāca bhārgavam |
yathoktakumbhanavake krameṇaiva sabhājayet || 47 ||
9.47 In den genannten neun Kruggruppen verehre man der Reihe nach die Gestalten von Matsya an, unter Auslassung Bhārgavas. Eine Variante enthält an dieser Stelle eine andere Formulierung.
devamarcayitvā ca bhārgapam. bhājanamiti ca |
madhyama navakakumbheṣu nava dhānyāni. |
ekāśīti pade saumye madye navakamadhyame |
yamagodhūmakavrīhi śālimudgapriyaṅgukān || 48 ||
9.48 Im nördlichen Bereich mit einundachtzig Feldern enthält der mittlere Krug der mittleren Neunergruppe Gerste, Weizen, Vrīhi-Reis, Śāli-Reis, Mungbohnen und Priyaṅgu,
māṣaśyāmākanīvārān kṣipettatra ca pūjayet |
deveśaṃ garuḍārūḍhaṃ padmanābhaṃ yathāvidhi || 49 ||
9.49 Māṣa-Bohnen, Śyāmāka und Nīvāra. Darin verehre man vorschriftsgemäß Padmanābha, den auf Garuḍa reitenden Herrn der Götter.
dhānyāni tāni caikaika manyeṣvaṣṭasu nikṣipet |
ghaṭeṣu madhyabhūteṣu kramātsarvatra śālayaḥ || 50 ||
9.50 In die mittleren Krüge der anderen acht Gruppen gebe man die Getreidearten einzeln der Reihe nach; überall wird zusätzlich Śāli-Reis genannt. Die Aufteilung der neun zuvor genannten Arten auf acht Krüge ist nicht ausdrücklich aufgelöst.
pūjayedvanamālāṃ ca śaṅkhaṃ cakraṃ ca kaustubham |
padmaṃ śārṅgaṃ gadāṃ khaḍgaṃ kramāduktaṃ ghaṭāṣṭake || 51 ||
9.51 In diesen acht Krügen verehre man der Reihe nach Waldblumengirlande, Muschel, Diskus, Kaustubha, Lotus, Śārṅga-Bogen, Keule und Schwert.
āgneyādidikkumbheṣu pūraṇīyadravyāṇi. |
paṅchā śatsuṭeṣvagnerekoneṣu tathā diśi |
madhyamaṃ kumbhanavakamāghāreṇa prapūrayet || 52 ||
9.52 Im südöstlichen Feld mit neunundvierzig Krügen fülle man die mittlere Neunergruppe mit Ghee.
śītighaṭe |
ṣaṭsvendreṣu ca gomūtraṃ kṣīraṃ yāmyeṣu puruṇe |
dadhi ṣaṭsu tathā saumye gomayaṃ ṣaṭsu nikṣipet || 53 ||
9.53 Die sechs östlichen Krüge enthalten Kuhurin, die südlichen Milch, die westlichen Dickmilch und die nördlichen Kuhdungwasser.
caturṣu kumbheṣvāgneye koṇe vāpyuṣṇamucyate |
nairute pañcagavyāni pañcāmṛtamathānile || 54 ||
9.54 In den vier südöstlichen Eckkrügen steht warmes Wasser, im Südwesten die fünf Kuhprodukte, im Nordwesten die fünf Nektarstoffe,
aiśāne saktubhisteṣu nārāyaṇasabhājanam |
nairṛttaukonapañcāśadghaṭeṣu brahmaṇaḥpade || 55 ||
9.55 im Nordosten geröstetes Mehl. In ihnen verehre man Nārāyaṇa. Im südwestlichen Neunundvierzig-Krugfeld fülle man die mittlere Neunergruppe
tailena navakaṃ pūrya gandhādbhiṣṣaṭpurasthsitāḥ |
ghaṭasāradravairyāmye lājaiḥkumbheṣu vāruṇe || 56 ||
9.56 mit Öl, die sechs östlichen Krüge mit Duftwasser, die südlichen mit der als „ghaṭasāra“ überlieferten Flüssigkeit, die westlichen mit gepufftem Getreide. Eine Variante nennt Māṃsī-Wasser im Osten.
māṃsyādbhiḥ prācyāṃ syāt ityapi pāṭhaḥ |
saumye bhimantritāmbhobhiḥ koṇeṣu guḷavāribhiḥ |
yajeta teṣu kumbheṣu vāsudevaṃ jagadguram || 57 ||
9.57 Die nördlichen Krüge fülle man mit besprochenem Wasser, die Eckkrüge mit Rohzuckerwasser. In ihnen verehre man Vāsudeva, den Lehrer der Welt.
mārudaikonapaṃcāñcāśadghaṭeṣu navakaṃ punaḥ |
pūrya sarṣapatailena prācyāṃ ṣaṭpādyapāribhiḥ || 58 ||
9.58 Im nordwestlichen Neunundvierzig-Krugfeld fülle man die mittlere Neunergruppe mit Senföl, die sechs östlichen Krüge mit Fußwaschwasser,
yāmyeṣaḍarghyaiṣṣaṭkumbhāḥ pratīcyācamanāmbubhiḥ |
ṣaṭsaimye maṅgalāmbobhiḥ pūrayetkamalāsana || 59 ||
9.59 die sechs südlichen mit Arghya, die sechs westlichen mit Mundspülwasser und die sechs nördlichen mit glückverheißendem Wasser, Lotusgeborener.
majjanāmbobhiḥ |
koṇeṣvikṣurastestatra samārādhyo'niruddhakaḥ |
eśānaikonapaṃcāśadghaṭeṣu brahmaṇaḥ pade || 60 ||
9.60 In den Ecken steht Zuckerrohrsaft; dort ist Aniruddha zu verehren. Im nordöstlichen Neunundvierzig-Krugfeld fülle man die mittlere Neunergruppe
navakaṃ madhubhiḥpūrya prācyāṃ ṣaṭsarvagandhakaiḥ |
śāntivāribhiranyatra ṣaṭkaṃ koṇe ca nairute || 61 ||
9.61 mit Honig, die sechs östlichen Krüge mit sämtlichen Duftstoffen und die übrigen Sechsergruppen mit befriedendem Wasser.
koṇeṣu |
āgneye ca sthitāḥ kumbhā nālikerajalairapi |
śārve ca vāyavīye ca pīyūṣairnālikerajaiḥ || 62 ||
9.62 Die südöstlichen und südwestlichen Eckkrüge enthalten Kokoswasser, die nordöstlichen und nordwestlichen den als Kokosnektar bezeichneten Saft beziehungsweise Auszug.
yaṣṭapyo harireteṣu kumbheṣu kamalāsana |
bhāge tu mānuṣe prācyāṃ kumbhānāṃ pañcaviṃśatiḥ || 63 ||
9.63 In diesen Krügen verehre man Hari, Lotusgeborener. Im östlichen menschlichen Bereich stehen fünfundzwanzig Krüge.
madhyamaṃ purayenmṛdbhirvakṣyamāṇābhiraṣṭabhiḥ |
kṣetratīrthābdhiśaileṣu gajasūkarayorapi || 64 ||
9.64 Den mittleren fülle man mit den nun genannten acht Erden: aus Feld, heiliger Stätte, Meeresbereich und Berg sowie von Elefant und Eber,
valmīkavṛṣamormṛtsnānyasyate madhyame ghaṭe |
aṣṭāsvanyeṣu kalaśeṣvekai kāṃ tāṃ vinikṣipet || 65 ||
9.65 von Ameisenhügel und Stier. In acht andere Krüge gebe man jeweils eine dieser Erden.
nanakaiṣvekaikāṃ |
arcyaśca keśavasteṣu kramādanyatra cocyate |
sahadevī vacā caiva śatamūlā śatāvarī || 66 ||
9.66 In ihnen verehre man Keśava. Für die folgenden Gruppen wird die Reihe fortgesetzt: Sahadevī, Vacā, Śatamūlā und Śatāvarī,
abhyarcyaḥ |
kumārī ca gulūcī ca siṃhī vyāghrīti cāṣṭamī |
mūlāni madhye cai teṣāṃ kalaśe madhyame kṣipet || 67 ||
9.67 Kumārī, Guḍūcī, Siṃhī und als achte Vyāghrī. Ihre Wurzeln kommen gemeinsam in den mittleren Krug,
ekaikamaṣṭāsvanyeṣu teṣu nārāyaṇārcanam |
nyagrodhomambarāśvattha jambubhilva tvacāṃ rasāḥ || 68 ||
9.68 je eine in die übrigen acht; darin verehre man Nārāyaṇa. [Nächste Gruppe:] Rindenextrakte von Nyagrodha, Udumbara, Aśvattha, Jambū und Bilva,
tva cassamāḥ |
tathāpalāśamadhuka śirīṣāṇāmapi tvacaḥ |
nyasanīyā ghaṭe madhye pratyekamitarāṣṭake || 69 ||
9.69 ferner Rinden von Palāśa, Madhūka und Śirīṣa kommen gemeinsam in den mittleren, einzeln in die übrigen acht Krüge.
pūjyaścamādhavasteṣu tarūṇāṃ pallavā ime |
palāśabilvavakula kadambāmraśirīṣajāḥ || 70 ||
9.70 Darin verehre man Mādhava. [Nächste Gruppe:] Junge Blätter von Palāśa, Bilva, Vakula, Kadamba, Mango und Śirīṣa,
nyagrodhāśvatthajāścāpi nyasanīyā vidheḥpade |
ekaikamita reṣvarcyo govindo jātimallikaiḥ || 71 ||
9.71 Nyagrodha und Aśvattha kommen gemeinsam ins mittlere Feld, einzeln in die übrigen Krüge. Die Gottheit ist Govinda. [Es folgen Blumen:] Jātī und Mallikā,
priyaṅgu padmavakula nandyāvartaka campakāḥ |
kundaṃ caitāni puṣāṇi nyasanīyāni madhyame || 72 ||
9.72 Priyaṅgu, Lotus, Vakula, Nandyāvarta, Campaka und Kunda werden im mittleren Krug niedergelegt. Eine eigene Gottheitszuordnung dieser Blumengruppe ist an der Stelle nicht erhalten.
kundaṃ ca puṣpāṇyetānipuṣpāṇyeteṣām |
siddhārtho rājasiddhārtho vaṃśo gorocanāpi ca || 73 ||
9.73 [Eine weitere Gruppe:] Weißer Senf, Rājasiddhārtha, Bambus und Gorocanā,
indraveṇuryavaṣṣaṣṭhaśśamī ca caṇaka stathā |
etāni madhyame kumbhe ekaikamiti reṣu tat || 74 ||
9.74 Indraveṇu, als sechster Gerste, Śamī und Kichererbse kommen gemeinsam in den mittleren Krug und einzeln in die übrigen.
ekaikaṃ madhyakumbheṣu |
reṣvapi |
teṣu pūjyo madhuripusarassī ruhasambhava |
tilamāraṇyaṃ kaṃ grāmyaṃ jīrakadvayameva || 75 ||
9.75 In ihnen verehre man Madhusūdana, Lotusgeborener. [Nächste Gruppe:] Wilder und kultivierter Sesam, zwei Kreuzkümmelarten,
pūjā madhuripoḥ |
grāhyaṃ |
atasīsambhavaṃ caiva śatapuṣpaṃ kumārakam |
ṛṣibījaṃ ca kalaśe madhyame'nyatra pūrvavat || 76 ||
9.76 Leinsamen, Śatapuṣpa, Kumāraka beziehungsweise die als Kuṭhākara variierte Pflanze und Ṛṣi-Samen kommen in den mittleren Krug, in die übrigen wie zuvor.
sambhavacchannaṃ sambhavaṃ cihnaṃ |
kuṭhākaram |
teṣāṃ trivikramo devo yaṣṭavya ssāṅgapīṭhakaḥ |
śyāmākaṣṣāṣṭikaśśālī nīvārasya ca taṇḍulāḥ || 77 ||
9.77 Ihre Gottheit ist Trivikrama, den man mit Gliedern und Sitz verehrt. [Nächste Gruppe:] Enthülste Körner von Śyāmāka, Ṣāṣṭika-Reis, Śāli und Nīvāra,
durvākuśendra vallīnāmaṅku rāḥ pippalasya ca |
nyasyante madhyame kumbhe kumbheṣva nyatra pūrvavat || 78 ||
9.78 Sprossen von Dūrvā, Kuśa, Indravallī und Pippala werden im mittleren Krug vereint, in den anderen wie zuvor verteilt.
devatā vāmanasteṣu kuśā divyauṣadhāstrayaḥ |
kāśā mūlamuśirasya śarapuṅkhasya mūlikā || 79 ||
9.79 Ihre Gottheit ist Vāmana. [Nächste Gruppe:] Kuśa, drei als göttlich bezeichnete Kräuter beziehungsweise Rohrarten, Kāśa, Uśīra-Wurzel und Śarapuṅkhā-Wurzel,
divyeṣṭunaḥ divyeṣunaḥ |
mūlikāsta garasyāpi tathāpāmārgamūlikā |
te madhye ca ghaṭe sarve ghaṭeṣvanyatra pūrvavat || 80 ||
9.80 Tagara-Wurzel und Apāmārga-Wurzel kommen gemeinsam in den mittleren Krug, einzeln in die anderen. Die ersten Pflanzennamen und damit die Abgrenzung der Achtzahl sind beschädigt.
pūrva |
devatā śrīdharasteṣāṃ tulasyau ca sitāsite |
veṇukesariṇoḥpatre patre ketakabilvayoḥ || 81 ||
9.81 Ihre Gottheit ist Śrīdhara. [Nächste Gruppe:] Weiße und dunkle Tulasī, Bambus- und Kesarin-Blätter, Ketakī- und Bilva-Blätter,
śamīparṇaṃ tathā jātermadhyame'nyatra pūrvavat |
devatā ca hṛṣīkeśo dvayaṃ mustākacorakam || 82 ||
9.82 Śamī- und Jātī-Blätter kommen in die Mitte, sonst wie zuvor. Ihre Gottheit ist Hṛṣīkeśa. [Nächste Gruppe:] Mustā und Kacora,
dvidhimustā |
kumudotpalayoḥ kandaṃ kahloraṃ śītalīyakam |
nyasyenmadhye kuvalayaṃ kumbheṣvaṣṭasu pūrvavat || 83 ||
9.83 Knollen von Kumuda und Utpala, Kahlāra, Śītalīyaka und Kuvalaya kommen in die Mitte und in die acht anderen Krüge wie zuvor. Eine Variante nennt zwei Mustā-Arten und ermöglicht damit eine Achtzahl.
teṣāṃ devaḥ padmanābho mudgamāṣayavāṅkurāḥ |
niṣpāvatuvarīvrīhikulutthānāmathāṅkurāḥ || 84 ||
9.84 Ihre Gottheit ist Padmanābha. [Nächste Gruppe:] Keimlinge von Mungbohne, Māṣa-Bohne, Gerste, Niṣpāva, Tuvarī, Reis und Kuluttha,
āḍhakasya ca kumbhānāṃ madhyame'nyatra pūrvavat |
dāmodarārcanaṃ tatra śaṅkha puṣpī balā tathā || 85 ||
9.85 sowie Āḍhaka kommen gemeinsam in den mittleren, einzeln in die anderen Krüge. Dort verehre man Dāmodara. [Nächste Gruppe:] Śaṅkhapuṣpī, Balā,
puṣpaphalaṃ |
viṣṇukrāntā sadābhadrā padmamekadalaṃ varam |
sahā ca saha devā ca nyasanīyāḥvidheḥpade || 86 ||
9.86 Viṣṇukrāntā, Sadābhadrā, ein vorzüglicher einblättriger Lotus, Sahā und Sahadevī werden im mittleren Feld niedergelegt. Die Varianten nennen weitere beziehungsweise abweichende Pflanzen; die Hauptliste enthält nur sieben klar abgegrenzte Namen.
muram. khuram |
devyai |
anyatra pūrvavatpūjyo yajñanārāyaṇo bhavet |
svetārkaśca tathaivāgnibhadrā brahmasuvarcalā || 87 ||
9.87 In den anderen Krügen verfahre man wie zuvor; die Gottheit ist Yajñanārāyaṇa. [Nächste Gruppe:] Weißer Arka, Agnibhadrā und Brahmasuvarcalā,
denavatpārvo |
sarasā ca viraktā ca pṛśniparṇī sthirā tathā |
eraṇḍakaṃ ghaṭe madhye anyatra syādyathā puram || 88 ||
9.88 Sarasā, Viraktā, Pṛśniparṇī, Sthirā und Rizinus kommen gemeinsam in den mittleren Krug, sonst wie zuvor. Die Varianten verändern einzelne Pflanzennamen.
vikartā ca. saraktāca |
arcanīyo haristatra sūrabhiḥ padmakesaraṃ |
patramelā lavaṅgatva ṅnāgakesarameva ca || 89 ||
9.89 Darin verehre man Hari. [Nächste Gruppe:] Surabhi, Lotusstaubfäden, Patra, Kardamom, Nelkenrinde und Nāgakesara,
surabhiḥ |
latājātiphale madhye nyasanīyā vidheḥpade |
ekaikamitareṣu syātteṣu kṛṣṇaśca devatā || 90 ||
9.90 Latā und Jātī-Früchte lege man gemeinsam in die Mitte und einzeln in die übrigen Krüge. Ihre Gottheit ist Kṛṣṇa.
suvarṇaṃ rajataṃ tāmraṃ pratyekaṃ niṣṭapañcakam |
kṛtvā padmākṛtiṃ kāṃsyaṃ darpaṇaṃ caṣakāni ca || 91 ||
9.91 Gold, Silber und Kupfer, jeweils fünf Niṣka, forme man zu Lotussen; aus Bronze fertige man Spiegel und Becher.
ayolavitrādyākāraṃ trapuṃ sīsakapittale |
trayaṃ prakṛtirūpeṇa nyasyate madhyame ghaṭe || 92 ||
9.92 Eisen forme man zu Sicheln und ähnlichen Geräten; Zinn, Blei und Messing belasse man in ihrer natürlichen Materialgestalt. Alles lege man in den mittleren Krug.
pratyekamitareṣvetaddhaya grīvo'dhidaivatam |
kumbheṣvanyeṣu sarveṣu pūraṇaṃ gandhapāribhiḥ || 93 ||
9.93 In die anderen Krüge kommen die Stoffe einzeln. Hayagrīva ist die leitende Gottheit. Alle übrigen Krüge fülle man mit Duftwasser.
sahasrakalaśassnāne deśikā bahavaḥ smṛtāḥ |
catvāro dviguṇaṃ vāpi teṣāṃ ṣoḍaśa ṛtvijaḥ || 94 ||
9.94 Beim Tausendkrug-Bad sind mehrere Lehrer vorgesehen, vier oder acht, und sechzehn Opferpriester.
puṇyāhaṃ vācayitvānvagadhidevārcanaṃ bhavet |
pañcopaniṣadairmantraissahasraṃ sarpiṣāhutīḥ || 95 ||
9.95 Nach dem Puṇyāha verehre man die leitenden Gottheiten. Mit den Pañcopaniṣad-Mantras bringe man tausend Ghee-Spenden dar.
śāntyarthaṃ mūlamantreṇa juhuyātsamidādibhiḥ |
yāvadrajobhirhāridraissnapanaṃ madhuvidviṣaḥ || 96 ||
9.96 Zur Befriedung opfere man mit dem Grundmantra Scheite und die weiteren Stoffe. Die ganze Badereihe reicht bis zum Kurkumapulverbad des Feindes Madhus.
mṛtsnābhirmānuṣe bhāge prakramya brahmaṇaḥpade |
ratnodakāntaṃ kalaśaissahasreṇābhiṣecanam || 97 ||
9.97 Man beginne bei den Erden im menschlichen Bereich und bade mit den tausend Krügen bis zum Edelsteinwasser im Brahma-Bereich. Die Gesamtanlage enthält gemäß 9.4 und der Feldverteilung 1001 Krüge; „tausend“ dient hier als Kurzbezeichnung.
mṛdā viṣṇornukamiti snapanaṃ mūlavāribhiḥ |
tadviṣṇoriti devasya kaṣāya kalaśāmbabhiḥ || 98 ||
9.98 Mit Erde erfolgt das Bad zu „viṣṇor nu kam“, mit Wurzelwasser zu „tad viṣṇoḥ“, mit Rindenabsud
prathadviṣṇuritīśasya vidyayā pallavāmbabhiḥ |
devasya tveti kusumaistavāmityapisarṣapaiḥ || 99 ||
9.99 zu „pra tad viṣṇuḥ“, mit Blätterwasser zu „devasya tvā“, mit Blumenwasser zu dem beschädigten Anfang „tavām“ und mit Senfwasser zu „pra viṣṇuḥ“. Die Zuordnung des letzten Mantras steht als Lesartenrest.
praviṣṇuriti mantreti |
druvaḥ pātviti mantreṇa snapanaṃ tilavāribhiḥ |
bhadraṃ karṇetimantreṇa ṣāṣṭikāmbubhirāplavaḥ || 100 ||
9.100 Mit Sesamwasser bade man zu „drupada“- beziehungsweise dem beschädigten „druvaḥ pātu“-Anfang, mit Ṣāṣṭika-Reiswasser zu „bhadraṃ karṇebhiḥ“.
na te viṣṇuriti snānaṃ kuśa mūlāmbabhirhareḥ |
irāvatīti mantreṇa tulasīdalavāribhiḥ || 101 ||
9.101 Mit Kuśa-Wurzelwasser bade man Hari zu „na te viṣṇo“, mit Tulasī-Blätterwasser zu „irāvatī“.
mustāmbubhirato devā avantviti caturmukha |
idaṃ viṣṇuriti snānaṃ uṣṇaistrīṇipadeti ca || 102 ||
9.102 Mit Mustā-Wasser bade man zu „ato devā avantu“. „Idaṃ viṣṇuḥ“ und „trīṇi padā“ folgen für die nächste Badestufe; Haupttext und Variante nennen warmes Wasser beziehungsweise Mungbohnen, so dass die Zuordnung nicht sicher ist.
mudgestrīṇi |
śaṅkhapuṣpāmbubhiśce tairviṣṇoḥ karmāṇi paśyata |
tadviṣṇoḥ paramiti surabhyādijalai stathā || 103 ||
9.103 Für Śaṅkhapuṣpī-Wasser dient „viṣṇoḥ karmāṇi paśyata“, für Surabhi und die weiteren Duftstoffe „tad viṣṇoḥ paramam“.
tidviprāsa itisnānaṃ lohaurbhāge nṛṇāmapi |
divye bhāge tu paurastye ekāśīti ghaṭāspade || 104 ||
9.104 Für die Metalle im menschlichen Bereich dient „tad viprāsaḥ“. Danach folgt im göttlichen Bereich die östliche Anlage mit einundachtzig Krügen.
prāgādi brahma bhūmyantaṃ krameṇa snānamiṣyate |
snapane dikkalaśabhedena mantrabhedaḥ. |
ainṭre phalāmbubhiḥ snānaṃ yajñāyajñīyamantrakam || 105 ||
9.105 Dort bade man vom Osten bis zur Mitte der Reihe nach. Für das Fruchtwasser im Osten dient der Yajñāyajñīya-Mantra.
krameṇa mantrāḥ kathyante dravya kumbhāṣṭake yathā |
indrāviṣṇupade mantro manīṣāpadalakṣitaḥ || 106 ||
9.106 Nun folgen die Mantras der acht weiteren Stoffkrüge: der mit „indrāviṣṇū“ und „manīṣā“ bezeichnete Text,
paṣaṭte viṣṇurityeta ttisro vāca itīdṛśaḥ |
iṣetvorjeti mantreṇa sāvitrī tvamasīti ca || 107 ||
9.107 „vaṣaṭ te viṣṇo“, „tisro vācaḥ“, „iṣe tvorje“ und der hier als „sāvitrī tvam asi“ beschädigt genannte Anfang,
stariritvamitīti ca |
yasminviśvāni vidya ca parjanyāyeti lakṣitaḥ |
ekāśītapade yāmye snānaṃ gandhodakairghaṭaiḥ || 108 ||
9.108 „yasmin viśvāni“ und „parjanyāya“. Im südlichen Einundachtzig-Krugfeld erfolgt das Duftwasserbad.
nārāyaṇānuvākasya ṛgbhiraṣṭābhirāditaḥ |
vyastābhiraṣṭabhissnānaṃ sarvābhi rmadhyamena tu || 109 ||
9.109 Dafür dienen die ersten acht Verse des Nārāyaṇa-Anuvāka einzeln bei den acht Krügen, alle zusammen beim mittleren.
digbhāge paścime brahma nne kāśīti phaṭāspade |
prāgādi brahmabhūmyantaṃ snānaṃ vāpyādibhirjalaiḥ || 110 ||
9.110 Im westlichen Einundachtzig-Krugfeld, Brahmā, erfolgt das Bad mit den Wasserarten vom Stufenbecken an, in der Folge vom Osten bis zur Mitte.
vyāpṛtibhirjalaiḥ |
mantrāḥ krameṇa vakṣyante pratidravya ghaṭāplavam |
yā āpa iti mantreṇa sindhudvīpetividyayā || 111 ||
9.111 Für jeden Stoffkrug werden nun die Mantras genannt: „yā āpaḥ“, die als „sindhudvīpa“ bezeichnete Formel,
ete śatamṛcā snānamimaṃ me varuṇeti ca |
śaṃ no devīrabhītyeṣa yāsāṃ rājeti mantrataḥ || 112 ||
9.112 der als „ete śatam“, in der Variante anders angegebene Vers, „imaṃ me varuṇa“, „śaṃ no devīr abhi“ und „yāsāṃ rājā“,
eṣa te ca ṛcā |
mantrakam |
samudra jyeṣṭha mantreṇa yāsāṃ deveti vidyayā |
sūktena vāruṇenaiva snānaṃ dravya ghaṭairi ti || 113 ||
9.113 ferner „samudrajyeṣṭhāḥ“ und „yāsāṃ devāḥ“. Mit dem Varuṇa-Sūkta erfolgt das Bad aus dem mittleren Stoffkrug.
ghaṭena tu |
ekāśīti ghaṭe saumye vūrvādyabjapadāvadhi |
dhānyāni vastu kumbhānāṃ navānāṃ mantra ucyate || 114 ||
9.114 Im nördlichen Einundachtzig-Krugfeld enthalten die neun Stoffkrüge Getreide. Die Mantras vom Osten bis zur Mitte sind:
trātāra mindrasāmnā camantaścātvā vahantviti |
mantrojitaṃ ta ityeṣa āpo vahati lakṣitaḥ || 115 ||
9.115 „trātāram indram“, der als „… tvā vahantu“ beschädigt bezeichnete Text, „jitaṃ te“, die als „āpo …“ bezeichnete Formel,
mantraśca tāvatī tyeṣa sa tvaṃ no agnirityṛcā |
tvaṃ no agna iti ca mahāvyāhṛtaya stathā || 116 ||
9.116 „tāvatī“, der Vers „sa tvaṃ no agne“, „tvaṃ no agne“ und die großen Vyāhṛtis,
aṇoraṇīyānityanto mantraḥ snāna vidau kramāt |
ekona pañcāśatkumbheṣvagneḥ koṇe yathākramam || 117 ||
9.117 schließlich „aṇor aṇīyān“. Diese werden der Reihe nach beim Bad verwendet. Für das südöstliche Neunundvierzig-Krugfeld
gomūtrādi ghaṭe snāne mantrāṇaṃ kathyate kramaḥ |
gāyatrī prathamā tāsāṃ payovrata manantaram || 118 ||
9.118 folgt die Mantrafolge für die Stoffe vom Kuhurin an: zuerst Gāyatrī, danach Payovrata,
dadhikrāvṇeti ca snānaṃ gandhadvārāmitīdṛśam |
viṣṇorarāṭamiti ca mūrdhānaṃ diva ityṛcā || 119 ||
9.119 „dadhikrāvṇaḥ“, „gandhadvārām“, „viṣṇor arāṭam“ und der Vers „mūrdhānaṃ divaḥ“,
hiraṇyagarbhamantreṇa āpyāyasveti vidyayā |
ghṛtasnā teti mantraśca ghṛtasnānavidhau kramaḥ || 120 ||
9.120 Hiraṇyagarbha, „āpyāyasva“ und für das Ghee-Bad „ghṛtasnāt“. So ist die Folge angegeben.
ekonapañcāśatkumbhe pade nirṛtigocare |
mantrāḥkrameṇa vakṣyante vastukumbherathāplave || 121 ||
9.121 Für die Stoffbäder im südwestlichen Neunundvierzig-Krugfeld werden der Reihe nach folgende Mantras genannt:
rakṣoghnamiti sāmādyaṃ pavitranta itīti ca |
bhagavān vāsudeveti sāmavedavratāhvāyam || 122 ||
9.122 zuerst das Rakṣoghna-Sāman, dann „pavitraṃ te“, „bhagavān vāsudeva“ und das Devavrata-Sāman,
vai rājasāma kathitaṃ tathā caiva parājitāḥ |
kathyate vāyukoṇe'pi mantrāssnāsavidau tathā || 123 ||
9.123 das Vairāja-Sāman und die als „parājitāḥ“ angegebene Formel. Nun folgen die Mantras für die nordwestliche Ecke.
vaiyyāghra |
dvādaśākṣaramantraśca drupadā diva ityasau |
aṣṭākṣarāhvayo mantraśśannodevīriti smṛtaḥ || 124 ||
9.124 Der Zwölfsilbenmantra, „drupadād iva“, der Achtsilbenmantra und „śaṃ no devīḥ“ werden genannt,
mantraścākṣaramantra |
hiraṇyapāṇiriti ca vedāhamiti ca kramāt |
īśānakoṇe mantrokti rānoniyuriti smṛtaḥ || 125 ||
9.125 dann „hiraṇyapāṇiḥ“ und „vedāham“. Für die nordöstliche Ecke gilt zuerst die beschädigt angegebene Formel „ā no niyur“.
śrīsūktaṃ madhu mānnaśca madhunakta itīti ca |
madhuvāteti koṇeṣu mantraklṛptirudāhṛtā || 126 ||
9.126 Es folgen Śrīsūkta, „madhumān naḥ“, „madhu naktam“ und „madhu vātā“. So sind die Mantras für die Eckbereiche erklärt.
brāhmepade tu sūktasya pauruṣasyāditaḥkramāt |
aṣṭāsu dravyakumbhānāmaṣṭānāṃ mantra iṣyate || 127 ||
9.127 Im Brahma-Bereich dienen der Reihe nach die ersten acht Verse des Puruṣasūkta für die acht Stoffkrüge.
madhyame navake pūrvamaṣṭābhiśśuddhavāribhiḥ |
snāpayenmūlamantreṇa sahasreṇa ghaṭairiti || 128 ||
9.128 In der mittleren Neunergruppe bade man zuerst mit den acht Reinwasserkrügen unter dem Grundmantra. So erfolgt das Bad mit tausend Krügen.
snāpite devadeveśe paścādratnaghaṭāmbubhiḥ |
nūktena pauruṣeṇaina snāpayeddeśikassvayam || 129 ||
9.129 Nachdem der Herr der Götter so gebadet ist, übergieße der Lehrer selbst ihn zuletzt mit dem Edelsteinwasser unter dem ganzen Puruṣasūkta.
pañcaratna |
ghaṭaiśśuddhodakainyaissnapanaṃ mūlavidyayā |
haridrācūrṇasaṃpūrṇaiḥpañcaviṃśatibhirghaṭaiḥ || 130 ||
9.130 Mit weiteren Reinwasserkrügen bade man unter dem Grundmantra. Dann folgen mit Kurkumapulver gefüllte Krüge,
snapanaṃ saptadaśabhiryadvāṣoḍaśasaṃmitaiḥ |
yadvā dvādaśabhiḥ kāryaṃ navabhirvā yathāvasu || 131 ||
9.131 fünfundzwanzig, siebzehn, sechzehn – nach einer Variante fünfzehn –, zwölf oder neun, entsprechend dem Vermögen.
pañcadaśabhiḥ |
ārādhya devamucitaṃ nivedya ca mahāhaviḥ |
homassahastrerājyena samidbhirmūlavidyayā || 132 ||
9.132 Man verehre den Gott angemessen und bringe eine große Speisegabe dar. Der Homa umfasst tausend Spenden mit Ghee und Scheiten unter dem Grundmantra,
annaiśchaturvidhaiścaiva pratyṛcaṃ puruṣātmanā |
sūktena tuṣṭiṃ vastrādyairde śikānāmanantaram || 133 ||
9.133 außerdem die vier Arten von Speise zu jedem Vers des Puruṣasūkta. Danach stelle man die Lehrer mit Gewändern und weiteren Gaben zufrieden.
annaiścaturguṇaiścaiva |
sahasrakalaśasnāne tatsaṅkhyā svarṇadakṣiṇā |
tadardhamadhavā pādo yathāśraddhaṃ yathāvasu || 134 ||
9.134 Beim Tausendkrug-Bad entspricht die Zahl der Gold-Niṣka als Ehrengabe der Krugzahl, oder man gebe deren Hälfte beziehungsweise ein Viertel, nach Vertrauen und Vermögen.
yāvatī dakṣiṇā teṣāṃ syādardhamatha ṛtvijām |
sahasraṃ brāhmaṇā nannairbhojayeddakṣiṇāmapi || 135 ||
9.135 Die Opferpriester erhalten die Hälfte der für die Lehrer bestimmten Ehrengabe. Man bewirte tausend Brahmanen und gebe ihnen ebenfalls Ehrengaben.
nante |
tadyāttuṣṭikarīmanyānāgatānapi toṣayet |
sevāṃ kurvantiye martyāśśraddhābhaktisamanvitāḥ || 136 ||
9.136 Die Gaben sollen sie zufriedenstellen; auch andere Angekommene ehre man. Menschen, die mit Vertrauen und Hingabe Dienst leisten,
devasya snānasamaye sahasrakalaśāmbubhiḥ |
gaṅgādi saritāṃ snānaphalamaśnuvate mahat || 137 ||
9.137 während der Gott mit dem Wasser der tausend Krüge gebadet wird, erlangen nach der Quelle die große Frucht des Badens in Gaṅgā und den übrigen heiligen Flüssen.
snānaphaladamaśnute mahatomahat |
sahasra kalaśasnāne yatphalaṃ rājarāṣṭrayoḥ |
pūjante tadaśeṣeṇa prāguktamiti nocyate || 138 ||
9.138 Die Früchte dieses Bades für König und Land sind bereits vollständig genannt worden und werden deshalb hier nicht wiederholt.
Bhakti Yoga: morgendliche Meditationspraxis
Begleitendes Video aus dem Themenbereich Bhakti Yoga; keine Rezitation oder Einzelversauslegung der Padma Samhita.
Kapitel 10: Großes Fest, Garuḍa-Fahne und Einladung der Welten
pādmasaṃhitāyām |
daśamo'dhyāyaḥ |
sakāmaniṣkāmānuṣṭheya mahotsavapraśnaḥ. |
brahmā |
kathaṃ mahotsavaḥ kaścit kīdṛktasya phalaṃ ca kim |
phalakāmairanuṣṭhātumavijñāto na śakyate || 1 ||
10.1 Brahmā sprach: Wie wird ein großes Fest vollzogen, welche Gestalt besitzt es und welche Frucht bringt es? Wer eine bestimmte Frucht wünscht, kann es ohne dieses Wissen nicht ausführen.
mahyaṃ jijñāsamānāya prasīda bhagavannidam |
ākhyātumarhasi yathā mahotsava manuttamam || 2 ||
10.2 Sei mir, der ich es verstehen möchte, gnädig, Erhabener, und erkläre mir dieses vorzügliche große Fest.
śrībhagavān |
tasyottaram. |
ārādhanamidaṃ brahman mokṣakāmai ranuṣṭitam |
paśvādiphalakāmaistu duranuṣṭheyamadbhutam || 3 ||
10.3 Der erhabene Herr sprach: Diese wunderbare Verehrung wird von Menschen ausgeführt, die Befreiung erstreben, Brahmā. Für Menschen, die nur Vieh und ähnliche Früchte wünschen, ist sie schwer zu vollziehen.
toṣaṇaṃ mama kalyāṇa manuṣṭhitamamānuṣam |
devaireva purāvṛtravadhe tatpāpanuttaye || 4 ||
10.4 Diese heilsame, mich erfreuende Handlung wurde einst von Göttern selbst vollzogen, um die Verfehlung aus Vṛtras Tötung zu beseitigen.
indreṇāpi diviṣṭhena māmuddiśya kṛtaṃ śubham |
rūpaṃ tasya pravakṣyāpi yathā tadavadhāraya || 5 ||
10.5 Auch der im Himmel weilende Indra führte sie mir zu Ehren aus. Ihre Gestalt werde ich nun erklären; höre genau.
utsavaśabdanirvacanam. |
savassāṃsārikaṃ duḥkhamuttaranti tadambhudhim |
yaṣṭāra iti vidvaṃso nirbruvantyutsavāhvayam || 6 ||
10.6 Die Gelehrten erklären den Namen Utsava so: „Sava“ ist das Leid des Saṃsāra; die Verehrenden überqueren dessen Ozean. Dies ist eine religiöse Namensdeutung des Textes.
utsavattrevidhyam. |
nityo naimittikaḥ kāmya strividha ssa mahotsavaḥ |
nityotsavaḥ. |
tatra nityaṃ pratisamaṃ māsapakṣavyavasthayā || 7 ||
10.7 Das große Fest ist dreifach: regelmäßig, anlassbezogen oder auf einen Wunsch gerichtet. Das regelmäßige Fest wird jährlich nach festgelegtem Monat und Halbmonat begangen,
śubhe ca tathinakṣatre viṣuve cāyanadvaye |
kalpitāvabhṛthasnānassevitassarvadaivataiḥ || 8 ||
10.8 unter günstigem Mondtag und Stern, zu einer Tagundnachtgleiche oder Halbjahreswende, mit festgelegtem Abschlussbad und Teilnahme aller Gottheiten.
naimittika ssa vijñeyo nimitte sati kalpitaḥ |
avagrahe ca durbhikṣe colkāpāte tathā niśi || 9 ||
10.9 Anlassbezogen heißt ein Fest, das wegen eines besonderen Zeichens angesetzt wird: bei Dürre, Hungersnot, Meteorenfall oder nächtlichem
darśane suracāpanya vālamīnasya darśane |
devatā pratikāyānāṃ kampane bhedane tathā || 10 ||
10.10 Regenbogen, bei Erscheinen eines Kometen, beim Erzittern oder Zerbrechen von Götterbildern,
devatānāṃ nikāyānāṃ |
hasane calane caiva rodane patane tathā |
gopurālayasālānāṃ maṇṭapasya ca bhedane || 11 ||
10.11 bei deren vermeintlichem Lachen, Sichbewegen, Weinen oder Stürzen, beim Zerbrechen von Torbauten, Heiligtümern, Umfassungen und Hallen,
vṛkṣe tvanyaphale ityardha matrāpilikhitamasti kvacitkośe |
bhaṅge vā patane vāpi parvatānāṃ tathaiva ca |
nipāte caityavṛkṣasya bhaṅge jvalanadarśane || 12 ||
10.12 bei deren Einsturz oder Fall, ebenso bei Bergstürzen, beim Fall oder Bruch eines heiligen Baumes oder wenn Feuer erscheint,
vṛkṣe tvanyaphale dṛṣṭe divā nakṣatradarśane |
bhūtādidarśane ghore bhūmikampe tathaiva ca || 13 ||
10.13 wenn ein Baum fremdartige Früchte trägt, Sterne am Tag erscheinen, schreckliche Wesen gesehen werden oder ein Erdbeben geschieht,
digdāhe ca mahāvāte mahāvṛṣṭai tathaiva ca |
grahayuddhe ca sañjāte pratisūryasya darśane || 14 ||
10.14 bei feurig leuchtenden Himmelsrichtungen, Sturm, übermäßigem Regen, Planetenkonjunktionen als „Planetenkrieg“ oder einer Nebensonne,
nṛpe rogābhibhūte ca grāme janapade tathā |
masūrikādi ghorāṇāṃ vyādhīnāṃ ca praveśane || 15 ||
10.15 wenn König, Dorf oder Land von Krankheit betroffen sind und schwere Krankheiten wie Masūrikā auftreten,
paracakrapraveśe ca vyomni nemisvane tathā |
divyadundibhi nirhrade nirmale gagane sati || 16 ||
10.16 beim Einfall eines feindlichen Heeres, bei Radgeräuschen am Himmel oder dem Klang himmlischer Trommeln bei klarem Himmel,
varṣevā'śanipāte ca śakradhvajanipātane |
jale'gnijanane caiva tathaivādbhutadarśane || 17 ||
10.17 bei ungewöhnlichem Regen oder Blitzschlag, beim Sturz des Indra-Banners, beim Entstehen von Feuer im Wasser und bei vergleichbaren Wundern.
anarṣeśanipāte ca |
evamādau mahotpātenaimittika mahotsavaḥ |
caturṇāṃ puruṣārthānā muddiśyānyatamaṃ phalam || 18 ||
10.18 Bei solchen großen Unheilszeichen wird ein anlassbezogenes Fest begangen. Richtet man es auf eines der vier menschlichen Lebensziele,
utsavonuṣṭhitaḥ kāmyassaṅkalpitaphalapradaḥ |
avabhṛthasnānasamayaḥ. |
kathyate'vabhṛthasnānasamayastrividhotsave || 19 ||
10.19 heißt es wunschbezogen und soll die beabsichtigte Frucht gewähren. Nun wird die Zeit des Abschlussbades für diese drei Festarten erklärt.
māsarkṣe viṣuve caiva grahaṇe cāyanadvaye |
darśe ca pūrṇamāsyāṃ ca śravaṇe sarvamāsike || 20 ||
10.20 Unter dem Monatsstern, bei Tagundnachtgleiche, Finsternis, beiden Halbjahreswenden, Neu- und Vollmond sowie unter Śravaṇa in jedem Monat,
rohiṇyāṃ ca punarvasvoḥ pratiṣṭhādivase tathā |
rājñāṃ janmadine kuryādabhiṣekadine tathā || 21 ||
10.21 unter Rohiṇī und Punarvasu, am Jahrestag der Installation, am Geburtstag des Königs oder am Jahrestag seiner Salbung
ete ṣvavabhṛthasnānaṃ brahman sarvārthasādhanam |
utsavakālaparimāṇam. |
māsena vā tadardhena dvādaśāhena vā punaḥ || 22 ||
10.22 vollziehe man das Abschlussbad, das alle Ziele verwirklichen soll, Brahmā. Das Fest kann einen Monat, einen halben Monat oder zwölf Tage dauern,
navāhenotsavaḥ kāryaḥ ssaptāhena caturmukha |
ahobhiḥ pañcabhi rvāpi tribhirvaikena vā punaḥ || 23 ||
10.23 neun, sieben, fünf oder drei Tage, oder einen einzigen Tag, Viergesichtiger.
dvajārohaṇarahita utsavaḥ. |
ekāhe tryahake dhīmān dhvajakarmana kārayet |
avabhṛthasamayasyāpavādaḥ. |
saṅkalpapūrvamālocya māsaṛkṣe tathā tithau || 24 ||
10.24 Bei einem eintägigen oder dreitägigen Fest vollziehe der Verständige keine Fahnenzeremonie. Nach vorheriger Festlegung erwäge man Monat, Stern und Mondtag
tīrthāvagāhanaṃ yadvā saṃyoga tithitārayoḥ |
viṣuve cāyane caiva nādarastithi tārayoḥ || 25 ||
10.25 für das Bad an der heiligen Wasserstelle beziehungsweise deren Zusammentreffen. Bei Tagundnachtgleiche und Halbjahreswende müssen Mondtag und Stern nicht eigens berücksichtigt werden.
vārayoḥ |
duṣṭavārādi saṃyoge śubhameva yathoditam |
balidānasya dhāmaviśeṣanibandhanatvam. |
pattane nagare grāme pratilomā'nadhiṣṭhite || 26 ||
10.26 Auch bei einem sonst ungünstigen Wochentag gilt die so genannte Zeit als günstig. [Zur Bali-Gabe:] In einem Handelsort, einer Stadt oder einem Dorf, das nach der Quelle nicht von Pratiloma-Gruppen beherrscht wird
aśūnye balidānādīn rathyāsu bahirācaret |
nocedāvaraṇeṣveva kuryādantarmahotsavam || 27 ||
10.27 und nicht menschenleer ist, vollziehe man Bali und weitere Handlungen draußen in den Straßen. Andernfalls begehe man das Fest innerhalb der Umfassungen.
grāmādi rahite dhāmni notsavaṃ bahirācaret |
antarāvaraṇeṣvena na tu tyājyaṃ kathaṃ cana || 28 ||
10.28 Bei einem Heiligtum ohne umgebendes Dorf oder ähnliche Siedlung veranstalte man keinen äußeren Festzug. Man vollziehe ihn in den inneren Umfassungen und lasse ihn keinesfalls ganz ausfallen.
pāstveṅge ca svatantre ca dhāmanyutsava sampadi |
yaugapadye na doṣasyāddoṣo vāstvaṅgayordvayoḥ || 29 ||
10.29 Feste in einem siedlungsgebundenen und einem selbstständigen Heiligtum dürfen gleichzeitig stattfinden. Bei zwei siedlungsgebundenen Heiligtümern gilt Gleichzeitigkeit dagegen als fehlerhaft.
āśrayadvaividhyam. |
svatantraṃ paratantraṃ ca āśrayaṃ samudāhṛtam |
uttamāditraividhyam. |
uttamādivibhedena ālayastrividhobhavet || 30 ||
10.30 Es gibt selbstständige und abhängige Kultstätten. Nach ihrer Rangordnung werden Heiligtümer außerdem als vorzüglich, mittel oder gering eingeteilt.
uttamassvatantrālayaḥ. |
viṣṇvālayaṃ purā'kalya paścādgrāmādi kalpanam |
svantramiti vijñeya mālayaṃ tūttamaṃ bhavet || 31 ||
10.31 Wurde zuerst Viṣṇus Heiligtum angelegt und danach das Dorf oder die Siedlung, gilt der Tempel als selbstständig und vorzüglich.
madhyamaḥ paratantrālayaḥ. |
grāmādikaṃ pūrā'kalpya paścādālayakalpanam |
asvatantramiti khyātamālayaṃ madhyamaṃ bhavet || 32 ||
10.32 Wurde zuerst die Siedlung angelegt und danach das Heiligtum, heißt es abhängig und gilt als mittleres Heiligtum.
adhamaḥ vīdhyantarākalpitālayaḥ. |
svatantrālaya klṛptāsu rathyāvīdhīṣu padmaja |
antare sthāpitaṃ yatta dāśrayaṃ tvadhamālayam || 33 ||
10.33 Eine Kultstätte, die innerhalb der für ein selbstständiges Heiligtum angelegten Straßen zusätzlich errichtet wurde, gilt als geringeres Heiligtum, Lotusgeborener.
utsavasanni pāte svatantrālaye pūrvamarcanam. |
svatantre paratantre vā utsavādau kṛte sati |
pūrvaṃ svatantre kartavyaṃ vāstvaṅge dviguṇārcanam || 34 ||
10.34 Treffen Feste selbstständiger und abhängiger Heiligtümer zusammen, ist das selbstständige zuerst zu berücksichtigen; für das siedlungsgebundene wird doppelte Verehrung vorgeschrieben.
āśrayādibimbānāmutsavaṃ tattadāvaraṇa eva kuryāt. |
āśrayādiṣu bimbeṣu utsavādau kṛte sati |
tattadāvaraṇe kuryā dbāhyavīdhyāṃ tu nācaret || 35 ||
10.35 Bei Bildern in solchen zugeordneten Kultstätten vollziehe man Feste innerhalb ihrer jeweiligen Umfassung, nicht auf der äußeren Straße.
mohādvā yadivā lobhā dviparīte kṛte sati |
arātibhiḥ paribhavo mahāvyādhyādipīḍanam || 36 ||
10.36 Wird dies aus Verblendung oder Habgier umgekehrt ausgeführt, drohen nach der Quelle Niederlage durch Feinde und schwere Krankheiten.
prāṅgaṇaeṣu ca sarveṣu prāsādādiṣu mūrtiṣu |
prītyābhiṣekamātraṃ ca snapanādyutsavaṃ vinā || 37 ||
10.37 Für die Gestalten an Höfen, Tempelbauten und vergleichbaren Stellen vollziehe man aus Verehrung allein das Übergießen, ohne ein eigenes Badfest und die weiteren Festhandlungen.
kārayedyadi sammohātprajānāṃ pīḍanaṃ tathā |
tasmātsarvaprayatnena viparītaṃ tu nācaret || 38 ||
10.38 Wer aus Verwirrung anders verfährt, bringe Bedrängnis über die Menschen. Darum soll man die Ordnung sorgfältig einhalten.
sadā deśādhipasya syātprajānām |
anyathā kārayenmohādrājā rāṣṭraṃ ca naśyati |
grāmavāstubaliniṣedhaḥ. |
grāmāśrayādibherāṇāmālayāśrayakeṣu ca || 39 ||
10.39 Die Quelle verbindet Abweichungen mit Schaden für König, Land und Menschen. Für Bilder in Dorf- und anderen zugeordneten Kultstätten
grāmavastu balihīnaṃ kevalotsavamācaret |
vaiṣṇavotsave devatāntarotsavaniśedhaḥ. |
devatāntarakalyāṇe vartamāne'pi vaiṣṇavam || 40 ||
10.40 begehe man ein einfaches Fest ohne Bali für den gesamten Dorf-Vāstu. Auch wenn ein Fest einer anderen Gottheit bereits stattfindet, kann ein vaiṣṇavisches Fest ausgeführt werden.
kuryāddevotsavaṃ naiva vaiṣṇave'nyaṃ kadācana |
vāsudevo hi devānāṃ devatāmnāyate yataḥ || 41 ||
10.41 Während eines vaiṣṇavischen Festes soll nach dieser Vorrangregel jedoch kein anderes Gottesfest begonnen werden, weil Vāsudeva als Gottheit der Götter gilt.
devotsavamadhye mānuṣotsavaniṣedhaḥ. |
utsave devadevasya dhvajārohaṇapūrvake |
pravartite devayāge caulādi rnaiva saṃskriyā || 42 ||
10.42 Wenn das mit Fahnenhissen beginnende Fest des Gottes der Götter und sein Opfer begonnen haben, sollen keine persönlichen Lebensriten wie die erste Haarschur stattfinden.
naiva yāgaścaulādiścaiva |
pūrvāpapādaḥ. |
grāmādyanaṅgāyatane pravṛtte'pyutsave punaḥ |
kuryāddevāntaraṃ yāgaṃ caulādiṃ caiva saṃskriyāṃ || 43 ||
10.43 Findet das Fest jedoch in einem nicht zur Siedlungsordnung gehörenden Heiligtum statt, dürfen auch andere Gottesopfer und Lebensriten wie die Haarschur vollzogen werden.
anyadevatopayuktatoraṇādīnāṃ pratikṣepaḥ. |
toraṇādīni cānyeṣāṃ devānāmutsave satām |
utpāṭya rathyāsu hare rutsavo nānyathā bhavet || 44 ||
10.44 Für Haris Fest in den Straßen sollen nach dieser historischen Vorrangregel die für ein anderes Gottesfest angebrachten Torbögen und ähnlichen vorübergehenden Einrichtungen entfernt werden.
pūrvāpavādaḥ. |
klṛptānāmutsave viṣṇo rathyādiṣvitarotsave |
sthirāṇāṃ toraṇādīnāṃ kuryaṃ notpāṭanaṃ bhavet || 45 ||
10.45 Dauerhafte Torbögen und andere feste Anlagen, die auch für Viṣṇus Fest verwendet werden können, sollen bei einem anderen Fest jedoch nicht herausgerissen werden.
adhimāsādau prathamotsavaniṣedhaḥ. |
adhike māsi śukrādau gurau ca stamite sati |
notsavaḥ prathamaḥkalpyaḥ kalpane rājarāṣṭrayoḥ || 46 ||
10.46 Ein erstes Fest soll weder in einem Schaltmonat noch beim heliakischen Verschwinden von Venus oder Jupiter angesetzt werden. Andernfalls
prajānāṃ caiva duḥkhaṃ syā dvyādhirvā mṛtireva vā |
utsave ca dvidīyādau noktadoṣaḥ kathañcana || 47 ||
10.47 drohen nach der Quelle König, Land und Menschen Leid, Krankheit oder Tod. Bei einem zweiten und späteren Fest gilt dieser Fehler nicht.
dhvajārohaṇasya mukhyakālaḥ. |
māsādāvutsavadine pañcāhāvadhike kramāt |
dhvajārohaṇakālastu brahmannadya pradarśyate || 48 ||
10.48 Für Feste mit einer Dauer vom Monat bis zu fünf Tagen wird nun der Zeitpunkt des Fahnenhissens erklärt, Brahmā.
ekonaviṃśatitame dine tīrthāṅkurārpaṇāt |
aṣṭādaśadine vāpi prāgeva samaye śubhe || 49 ||
10.49 Als Zeitpunkte werden der neunzehnte oder achtzehnte Tag vor der Keimlingsgabe zum Abschlussbad genannt, jeweils zu günstiger Zeit.
vainateyadhvajārohāddvādaśāhe'thavā bhavet |
yadvā kalyāṇa divasaṃ triguṇīkṛtya tāvatām || 50 ||
10.50 Auch eine Zwölftagesfrist wird genannt. Oder man verdreifache die Zahl der eigentlichen Festtage
ādau dinānāṃ kartavyaṃ dhvajārohaṇamabjaja |
aṅkurānaparyayitvāhni puṇye purve yathodite || 51 ||
10.51 und hisse am Beginn dieses Zeitraums die Fahne, Lotusgeborener. Die vorbereitenden Keimlinge bringe man zuvor an einem günstigen Tag nach der erklärten Vorschrift dar.
dhvajamāropayetpaścānmaṅgalaṃ maṅgale dine |
anukalpakālaḥ. |
daivādvāmānuṣādvāpi kutaścitkāraṇādyadi || 52 ||
10.52 Danach hisse man die glückverheißende Fahne an einem günstigen Tag. Falls aus göttlicher Fügung, menschlichen Umständen oder einem anderen Grund
utsavāhargaṇā tpūrvaṃ yathoktaina kṛte dhvaje |
utsavārambhaṇadine divā'ropya dhvajaṃ niśi || 53 ||
10.53 die Fahne nicht vor den eigentlichen Festtagen gehisst wurde, hisse man sie tagsüber am ersten Festtag. In der Nacht
utsavārambhaṇāt |
dhvajārohaṇa bherītāḍanayoḥ paurvāparyavikalpaḥ. |
bherītāḍanamanvakca pālikāsvaṅkurān kṣipet |
aghoṣya bherīṃ prathamaṃ dhvajārohaṇamanvataḥ || 54 ||
10.54 folge das Schlagen der großen Trommel, danach die Keimlingsgabe in die Schalen. Oder zuerst Trommelschlag, danach Fahnenhissen
tato'ṅkurārpaṇaṃ yadvā yadvā niśyaṅkurārpaṇam |
pradoṣe'nvagdhvajāroho bherītāḍanamanvataḥ || 55 ||
10.55 und anschließend Keimlingsgabe. Eine weitere Möglichkeit beginnt nachts mit der Keimlingsgabe, gefolgt von Fahnenhissen in der Abendzeit und Trommelschlag.
tatkāle'pi dhvajārohe traividhyaṃ caturāsana |
dhvajapaṭāyāmādimānam. |
tantūtthaṃ kṣaumavasanaṃ nirdeṣaṃ sūkṣmamāhṛtam || 56 ||
10.56 So bestehen auch für diesen Zeitpunkt drei Reihenfolgen, Viergesichtiger. Für die Fahne beschaffe man feines, fehlerfreies Leinengewebe
kārpāsaṃ vā yathāvittaṃ dhvajārthe kalpayedbudhaḥ |
āyataṃ daśabhirhastai rvistīrṇaṃ pañcabhirdṛḍham || 57 ||
10.57 oder Baumwolle entsprechend dem Vermögen. Das feste Tuch soll zehn Hasta lang und fünf Hasta breit sein,
navabhirvāṣṭabhirvāpi saptabhirvā caturmukha |
mūlabherasamāyāmaṃ dvārāyāma mathāpi vā || 58 ||
10.58 oder neun, acht beziehungsweise sieben Hasta lang, Viergesichtiger. Seine Länge kann auch dem Hauptbild oder der Torhöhe entsprechen.
āyāmārdhena vistīrṇaṃ pādena kṛte śekharam |
śekhareṇa samaṃ pucchaṃ tadardhaṃ karṇapuccakam || 59 ||
10.59 Die Breite beträgt die halbe Länge. Ein Viertel wird für den oberen Abschluss verwendet; der untere Schweif ist ebenso lang, die seitlichen Schweife halb so lang.
nirṇejitaṃ khalīyuktaṃ śoṣitaṃ lakṣaṇānvitam |
garuḍamūrti lakṣaṇam. |
āhṛtya madhye vastrasya garuḍaṃ kāñcanaprabham || 60 ||
10.60 Man wasche das Tuch, behandle es mit Stärke und trockne es regelgerecht. In seine Mitte male man Garuḍa mit goldenem Glanz,
navatālapramāṇena dvibhujaṃ dhṛtañcukam |
dhṛtapuṣpāñjalipuṭaṃ śvetāmbara dharaṃ vibhum || 61 ||
10.61 im Neun-Tāla-Maß, zweiarmig, mit eng anliegendem Oberkleid, weißen Gewändern und mit einer Blumengabe in zusammengelegten Händen.
daṃṣṭrākarālavadanaṃ brukuṭīkuṭilekṣaṇam |
nīlanāsāgrasaṃyuktaṃ kuñcitāsavyapādakam || 62 ||
10.62 Sein Gesicht erscheint durch Hauer furchterregend, seine Augen unter gekrümmten Brauen; die Nasenspitze ist dunkelblau, der rechte Fuß angewinkelt.
pṛṣṭhe niviṣṭasarvāṅghriṃ pakṣavikṣepaśobhitam |
gagane gamanārambhaṃ suvṛttaṃ ghoradarśanam || 63 ||
10.63 Ein Bein ist nach hinten genommen; die genaue Formulierung ist beschädigt. Mit ausgebreiteten Flügeln, im Ansatz zum Himmelsflug, erscheint er kraftvoll und furchterregend.
vṛttākṣam |
karaṇḍikāmukuṭinaṃ lalāṭe racitālakam |
hārakeyūravalayanūvurābharaṇojjvalam || 64 ||
10.64 Er trägt eine Karaṇḍikā-Krone, Stirnlocken, Halsketten, Oberarmreifen, Armreifen und Fußringe.
ananto vāmakaṭako yajñasūtraṃ tu vāsukiḥ |
urasi nyastakārkoṭaṃ kaṭisūtritatakṣakam || 65 ||
10.65 Ananta bildet seinen linken Armreif, Vāsuki die heilige Schnur, Kārkoṭa liegt an der Brust, Takṣaka dient als Hüftgürtel.
bibhrāṇaṃ dakṣiṇe karṇe padmāhvayasarīsṛpam |
mahāpadmaṃ tathānyatra śaṅkhaṃ śirasi bhoginam || 66 ||
10.66 Am rechten Ohr trägt er die Schlange Padma, am anderen Mahāpadma, auf dem Kopf die Schlange Śaṅkha.
gulikaṃ cāṅgade sarpaṃ varṇasteṣāṃ ca kadhyate |
sphaṭikābhaśpoṇitābhaḥpītābhodhūmravarṇakaḥ || 67 ||
10.67 Gulika dient als Oberarmschmuck. Ihre Farben werden der Reihe nach genannt: kristallhell, blutrot, gelb und rauchfarben,
raktāmbuja nibhaśchaiva piṅgalastu hinaprabhaḥ |
bhramarābhaḥ |
garuḍapratimāyā upari pārśve'dhastācca lekhanīyāni. |
kramācchatraṃ muktāhema pariṣkṛtam || 68 ||
10.68 wie roter Lotus, gelbbraun, schneehell und bienendunkel. Über Garuḍa zeichne man einen mit Perlen und Gold geschmückten Schirm.
upariṣṭācca kartavyaṃ pārśvayoścāmaradvayam |
adhastādambajaṃ purṇa kumbhamadbhiśca pālikāḥ || 69 ||
10.69 An beiden Seiten stehen Yakschweifwedel; darunter Lotus, ein mit Wasser gefüllter Krug und Schalen mit Keimlingen.
saṅkurā likhitavyāssyurdīpau dvau pārśvayordvayoḥ |
pañcavarṇairlikhedeva mantaraṃ śyāmavarṇakam || 70 ||
10.70 Auch zwei Lampen an den Seiten sind zu zeichnen. Man male dies in fünf Farben; der Zwischenbereich ist dunkel gestaltet.
antarālaṃca kṛṣṇena citraye ccitrakṛttamaḥ |
dhvajārdhasammitāṃ caiva patākāṃ caiva citrayet || 71 ||
10.71 Der beste Maler färbe die Zwischenräume schwarz; eine Variante verneint dies. Eine zusätzliche kleine Fahne werde mit der halben Größe der Hauptfahne gestaltet.
antarālaṃ na |
adhipāsadine kartavyāni. |
adhivāse dine prāpte tamisrāyāṃ gurussvayam |
kāruśālāṃ praviśyātha kārayitvātha śilpinā || 72 ||
10.72 Am Tag des Adhivāsa betrete der Guru selbst bei Dunkelheit die Werkstatt und lasse den Handwerker
nayanonmīlanaṃ tasmin visṛṣṭe śilpinī psitaiḥ |
arthaiśca toṣite saścā nikṣipya śirasi dhvajam || 73 ||
10.73 die Augenöffnung ausführen. Nachdem der Handwerker mit gewünschten Gaben zufriedengestellt und entlassen wurde, lege man die Fahne
psite |
nikṣipet |
mūrtripasya suvarṇādi lohapātre samarpitam |
prādakṣiṇyena dhāmādīnnī tvā tūrya nināditam || 74 ||
10.74 in einem Gefäß aus Gold oder anderem Metall auf den Kopf eines Gestalthüters. Unter Instrumentalmusik führe man sie rechtsherum um das Heiligtum und die weiteren Bereiche.
mūrtipaśca |
nināditaiḥ |
tataḥpraveśayedyāga maṇḍapaṃ deśikottamaḥ |
nayanonmīlanādanya tpratiṣṭhāyāmivācaret || 75 ||
10.75 Dann bringe der beste Lehrer sie in die Opferhalle. Alles Weitere außer der bereits vollzogenen Augenöffnung geschehe wie bei einer Installation.
adhivāsaḥ. |
chāyādhivāsanaṃ sadyo jale kuryādyathāvidhi |
kumbhaiṣṭoḍaśabhi śchāyāsnapanaṃ darpaṇe bhavet || 76 ||
10.76 Man vollziehe unmittelbar einen stellvertretenden Wasser-Adhivāsa und ein Spiegelbildbad mit sechzehn Krügen.
snāyāt snapanam |
pauruṣeṇaiva sūktena gāyatryā svasya pūjayet |
śāyayecchāli bhārādāvāstīrṇe navavāsasi || 77 ||
10.77 Mit dem Puruṣasūkta und Garuḍas eigener Gāyatrī verehre man ihn. Die Fahne lasse man auf einem Bhāra Reis und den weiteren Schichten ruhen, auf neuem Stoff.
gādhayā |
śāyitasya paṭasyātha apasavye sahāṣṭabhiḥ |
parito nyastakalaśairvardhanyā ca ghaṭaṃ kṣipet || 78 ||
10.78 Links vom ruhenden Tuch stelle man einen Hauptkrug mit dem Vardhanī-Gefäß auf; ringsum stehen acht weitere Krüge.
āvāhya garuḍaṃ kumbhe karake ca sudarśanam |
indrādīnaṣṭapūrvādi kalaśeṣu supūjayet || 79 ||
10.79 Im Hauptkrug rufe man Garuḍa, im Karaka-Gefäß Sudarśana herbei. In den acht Krügen vom Osten an verehre man Indra und die übrigen Richtungshüter.
śodhayitvā ca garuḍaṃ paṭasthaṃ śoṣaṇādibhiḥ |
saṃhṛtya tatvāni tataḥ kramādutpādya pakṣiṇam || 80 ||
10.80 Die Garuḍa-Gestalt auf dem Tuch reinige man durch geistiges Austrocknen und die weiteren Handlungen. Man nehme die Tattvas zurück und erschaffe den Vogel dann der Reihe nach neu.
caturṣu pārśva kuṇḍeṣu home sthaṇḍilabhūṣu vā |
kuṇḍe mahānase vāpi samidhājyai ryathāpuram || 81 ||
10.81 In vier seitlichen Feuergruben oder auf Bodenaltären, gegebenenfalls in der Küchengrube, opfere man Scheite und Ghee wie zuvor.
samidhādyai |
śāntihomassparśanaṃ ca secanaṃ ca yathāpuram |
paṭaṃ vistīrṇagaruḍaṃ mandirābhimukhaṃ yathā || 82 ||
10.82 Befriedender Homa, Berührung und Besprengen geschehen wie zuvor. Das Tuch mit dem ausgebreiteten Garuḍa zeige man zum Heiligtum hin.
pradarśyāpāhayettatra vyāhṛtyā |
garuḍa prārthanā. |
sannidhiṃ tataḥ |
prārthayeta gurustasya gādhayā vakṣyamāṇayā || 83 ||
10.83 Mit den Vyāhṛtis rufe man ihn darin herbei. Dann bitte der Guru mit der folgenden Strophe um seine Gegenwart.
mahābala mahābāho vainateya vayodhipa |
sannidhatsva paṭe tubhyaṃ samaḥ praṇavamūrtaye || 84 ||
10.84 „Großmächtiger, starkarmiger Sohn Vinatās, Herr der Vögel, sei gegenwärtig in diesem Tuch. Verehrung dir, dessen Gestalt der Praṇava ist.
karmaṇāṃ siddhimāhotaḥ kuruṣva vihageśvara |
ahutavyāstrayo lokā devasyotsava saṃpadi || 85 ||
10.85 Erfülle die Handlungen mit Gelingen, du Herbeigerufener, Herr der Vögel. Zum Fest des Gottes sind die drei Welten einzuladen.“
yajedātmīya gāyatryā tamarghyādyupacaryayā |
nivedayettatastasmai nivedyaṃ ca caturvidham || 86 ||
10.86 Mit seiner eigenen Gāyatrī verehre man ihn durch Arghya und die weiteren Dienste und bringe ihm die vier Arten von Speise dar.
kumbhāya ca nivedyānnaṃ stotrergaruḍatoṣaṇam |
vāhanāya mahāviṣṇo stārkṣyāyā mitatejase || 87 ||
10.87 Auch im Krug bringe man Speise dar und erfreue Garuḍa durch Lobgesänge: „Dem Träger Mahāviṣṇus, Tārkṣya von unermesslichem Glanz,
garuḍāya samastubhyaṃ sarvasarpendra mṛtyave |
namo namaste pakṣīndra svādhyāyavapuṣe namaḥ || 88 ||
10.88 Garuḍa, dem Tod aller Schlangenkönige, sei Verehrung. Wieder und wieder Verehrung dir, Vogelkönig; Verehrung dir, dessen Leib heilige Rezitation ist.
vihagandre manaste'stu samutpāṭitakalpaka |
āhṛtāmṛtakuṃbhāya jananīdāsyamocine || 89 ||
10.89 Verehrung dir, Herr der Vögel, der den Kalpa-Baum ausriss, den Nektarkrug herbeibrachte und seine Mutter aus der Knechtschaft befreite.
surāsurendrajayine nāgendrābharaṇāya te |
yadādhārmidaṃ sarvaṃ tadādhārāya te namaḥ || 90 ||
10.90 Du besiegtest die Herren der Götter und Asuras und trägst Schlangenkönige als Schmuck. Du trägst den, der alles trägt: Dir sei Verehrung.
pakṣau yasya bṛhatsāma rathantaramapi dvayam |
akṣiṇī cāpi gāyatri trivṛtsāmaśiraḥ smṛtam || 91 ||
10.91 Deine beiden Flügel sind Bṛhat- und Rathantara-Sāman, deine Augen Gāyatrī, dein Kopf das Trivṛt-Sāman.
stoma ātmā namastasmai vāmadevyāṅgasampade |
namaḥprāṇādi vāyūnā miśāya garuḍātmane || 92 ||
10.92 Dein Selbst ist der Stoma; Verehrung dir, dessen Glieder vom Vāmadevya erfüllt sind. Verehrung Garuḍa, dem Herrn der Lebenswinde vom Prāṇa an.
miśānāya garutmate |
doṣānapayāyākhaṇḍan guṇānāvaha sarvataḥ |
vighnāni jahi sarvāṇi ātmasātkūru māmapi || 93 ||
10.93 Entferne alle Fehler und bringe von allen Seiten gute Eigenschaften herbei. Vernichte alle Hindernisse und nimm auch mich ganz zu dir.“
stutvaivaṃ gāruḍaṃ mantraṃ japedekāgramānasaḥ |
turyāghoṣairvedaghoṣairjāgareṇa nayenniśām || 94 ||
10.94 Nach diesem Lob rezitiere man mit einspitzigem Geist den Gāruḍa-Mantra. Unter Instrumentalmusik und vedischer Rezitation verbringe man die Nacht wachend.
garuḍani vedita piṇḍabhakṣaṇaṃ santānapradam. |
nivedyaṃ kabalīkṛtya mantrayitvāca mantravit |
pauruṣairgāruḍairmantrai rvasthyānāmapi yoṣitām || 95 ||
10.95 Der Mantrakenner forme die dargebrachte Speise zu Bissen und bespreche sie mit Puruṣa- und Garuḍa-Mantras. Auch kinderlosen Frauen
kṣipedañjiliṣu dhvātvā garuḍaṃ cācyutaṃ harim |
bhakṣayitvā trayaḥ piṇḍān janayeyussutān bahūn || 96 ||
10.96 gebe er sie in die zusammengelegten Hände, während er über Garuḍa und Acyuta Hari meditiert. Nach dem Essen von drei Bissen werden ihnen viele Söhne verheißen. Dies ist eine rituelle Fruchtverheißung der Quelle.
dhvajapaṭotsavaḥ. |
taṃ prabhāte samārādhya nivedya ca harviḥkramāt |
vastrābharaṇa puṣpaistu paṭasthaṃ śobhayetkhagam || 97 ||
10.97 Am Morgen verehre man Garuḍa, bringe Speise dar und schmücke seine Gestalt auf dem Tuch mit Gewändern, Schmuck und Blumen.
āropya hastipṛṣṭhe pārathe vānyatra maṅgale |
śibhikādau nayedgrāmaṃ prādakṣiṇyena dhāma vā || 98 ||
10.98 Man lege die Fahne auf einen Elefanten, Wagen oder ein anderes glückverheißendes Tragemittel, etwa eine Sänfte, und führe sie rechtsherum durch Dorf oder Heiligtum.
bherīmṛdaṅgapaṭahauśśaṅkhakāhalacihnakaiḥ |
ghoṣayetpuratastasya nṛttairgeyaiśca sarvataḥ || 99 ||
10.99 Vor ihr sollen große Trommeln, Mṛdaṅgas, Paṭahas, Muscheln, Kāhalas und weitere Instrumente sowie Tanz und Gesang erklingen.
khageśa vādyayormadhye sāṅkurapālikānayanam |
khageśa vādyayormadhye pālikāssaṅkurānvitāḥ |
vaheyurbrāhmaṇāssarve śirobhissaṃyatendriyāḥ || 100 ||
10.100 Zwischen Garuḍa und den Musikern tragen gesammelte Brahmanen die Keimschalen auf ihren Köpfen.
bimbamautsavamanyacca garuḍasyāntike'thavā |
dhvajastambhasthāpanasthānam. |
icchayā yajamānasya sarvamaṅgalasaṃyutam || 101 ||
10.101 Nach Wunsch des Auftraggebers kann auch das Festbild nahe bei Garuḍa mitgeführt werden, mit allen Glückszeichen ausgestattet.
garuḍasyānayeta vā |
agrato balipīṭhasya bahirvā dhāma gopurāt |
dhvajastambhaṃ khanedbhūmau nirdeṣaṃ dāravaṃ sthiram || 102 ||
10.102 Vor dem Bali-Sockel oder außerhalb des Tempeltores grabe man einen festen, fehlerfreien hölzernen Fahnenmast in den Boden ein.
bahiḥprāsāda |
sthambhopayogidārumānam. |
antassāro bahissāro nissārastrividha staruḥ |
kramukādi bahissāraṃ praśastaṃ viduruttamam || 103 ||
10.103 Bäume werden nach festem Kernholz, fester Außenschicht oder fehlender Festigkeit dreifach unterschieden. Als besonders geeignet gelten außen feste Hölzer wie Kramuka.
antassāre bahissāre ni ssāre trividhe tarau |
antassāraṃ candanādi praśastaṃ stambhakalpane |
nissāraṃ varjayettsambhaṃ śatatālāyataṃ śubham || 104 ||
10.104 Auch innen feste Hölzer wie Sandel werden für den Mast empfohlen. Unfeste Hölzer sind auszuschließen. Der gute Mast soll hundert Tāla lang sein,
mānāṅgulapramāṇena viṃśatyūnamathāpi vā |
prāsādocchrāyamathavā yadvā gopurusammitam || 105 ||
10.105 gemessen mit dem Māna-Aṅgula, oder zwanzig weniger. Varianten bieten auch zwanzig Tāla. Er kann ebenso der Tempel- oder Gopura-Höhe entsprechen.
viṃśattālamathāpi. viṃśannyūnam |
caturdhā vibhajettsambhamekāṃśenaiva mastakam |
tasyacādhārabhūtānāṃ ccheditānāṃ tu mūlataḥ || 106 ||
10.106 Man teile den Mast in vier Abschnitte; einer bildet den Kopfbereich. Die drei tragenden, am Ansatz durchbohrten Platten
cchidritānāṃ tri |
trayāṇāmapi pīṭhānāṃ stambhāgre viniveśanam |
āyatāni ca pūṭhāni dvitālena caturmukha || 107 ||
10.107 befestige man am oberen Mastteil. Diese Platten sind zwei Tāla lang, Viergesichtiger,
vistīrṇāni tadardhena tadardhena ghanāni ca |
mūle sthūlāni sūkṣmāṇi cāgre yuñjīta bhūruhān || 108 ||
10.108 halb so breit und wiederum halb so dick. Die Hölzer seien unten kräftig und nach oben schlanker.
agre pīṭhadvayecchidre dhvajayaṣṇiṃ ca sskṛtām |
niveśayecchidrayitvā dhvajastambhaṃ caturmukha || 109 ||
10.109 In die Bohrungen der beiden oberen Platten setze man die vorbereitete Fahnenstange, nachdem man auch den Mast entsprechend durchbohrt hat.
niveśayedveṇukaṃ vāsava vā saptapañca vā |
dhvajastambhaṃsaṃskāraḥ. |
itthaṃ bhūtaṃ dhvajastambhaṃ pīṭhasyottarapārśvataḥ || 110 ||
10.110 Ein Bambusrohr von sieben oder fünf Einheiten wird genannt; die Maßeinheit ist nicht erhalten. Einen so bereiteten Fahnenmast lege man nördlich vom Sockel nieder.
ārādhya vedavidvipraiḥ prāgagraṃ śāyayedguruḥ |
yadvodagagraṃ prakṣālya stambhamabliṅgamantrataḥ || 111 ||
10.111 Der Guru verehre ihn mit vedakundigen Brahmanen und lasse ihn mit der Spitze nach Osten oder Norden ruhen, nachdem er ihn mit Wasser-Mantras gewaschen hat.
ānāyya |
kuśaiśca sāgraiḥ pracchādya stambhamūrdhvamukhaiśśubhaiḥ |
saṃveṣṭya darbhamālābhi rviṣṇusūktena deśikaḥ || 112 ||
10.112 Man bedecke ihn mit ganzen, nach oben gerichteten Kuśa-Halmen und umwinde ihn mit Darbha-Girlanden unter dem Viṣṇu-Sūkta.
dhvajastambhāvaṭe nyasya lohabījādi śodhitam |
tatrāvaṭe dhvajastambhaṃ sthāpayitvādṛḍhaṃ yathā || 113 ||
10.113 In die Mastgrube lege man gereinigte Metalle, Samen und weitere Stoffe. Dann stelle man den Fahnenmast fest hinein.
prāsādābhimukhaṃ |
stambhaśirasi dhvajapaṭabandhanam. |
tasya veṇvagravivare dhvajam |
pāśenāṅguṣṭhanāhena triguṇīkṛtya tantunā || 114 ||
10.114 Die Fahne wird dem Heiligtum zugewandt an der Öffnung der Bambusspitze befestigt, mit einem daumendicken, dreifach gelegten Seil.
dhvajaṃ niveśayedyadvā stambhamāruhya bandhayet |
baddhadhvajāgrastambhaṃ vā sthāpayecchaktyapekṣayā || 115 ||
10.115 Oder man besteige den Mast und binde die Fahne dort an. Je nach Vermögen kann auch der Mast mit bereits befestigter Fahne aufgerichtet werden.
dhvajāropaṇakālaḥ. |
evaṃ niyojya yaṣṭyagre muhūrte śobhane guruḥ |
pūrvāhṇe vātha madhyāhne dhvajamāropayettathā || 116 ||
10.116 So am Stangenende angebracht, hisse der Guru die Fahne zur günstigen Stunde, am Vormittag oder Mittag.
āropaṇamantraḥ. |
badhvā puruṣamantreṇa sapatākaṃ saghaṇṭakam |
suvarṇo'sīti mantreṇa dhvajasyāropaṇaṃ bhavet || 117 ||
10.117 Mit dem Puruṣa-Mantra binde man sie samt Nebenfahne und Glocke an; zu „suvarṇo ’si“ erfolgt das Hissen.
prāsādābhimukhaṃ sthāpya khagendraṃ paṭasaṃsthitam |
tūryaghoṣaṃ tathāmnāyaghoṣaṃ dikṣu ca ghopayet || 118 ||
10.118 Garuḍa auf dem Tuch sei dem Heiligtum zugewandt. In allen Richtungen lasse man Instrumentalmusik und vedische Rezitation erklingen.
khageśamālāmantrādīṃ statkāle deśiko japet |
stambhamūla vedīkalpanam. |
stambhamūlasthale vediṃ hastaissaptabhirāyatām || 119 ||
10.119 Der Lehrer rezitiere dabei Garuḍas Mālā-Mantra und weitere Formeln. Am Fuß des Mastes errichte man einen Altar von sieben Hasta Länge
tāpadbhireva vistīrṇāmekahastasamucchṛtām |
pañcabhirvā tribhirvāpi caturaśrāṃ prakalpayet || 120 ||
10.120 und ebenso großer Breite, einen Hasta hoch; alternativ einen viereckigen Altar von fünf oder drei Hasta Seitenmaß.
vedikāyāstṛtīyāṃśe madhye pīṭhaṃ prakalpayet |
catuṣṭayāṅgulotsedhaṃ mekhalātrayasaṃyutam || 121 ||
10.121 Im mittleren Drittel des Altars fertige man einen vier Aṅgula hohen Sockel mit drei umlaufenden Leisten an.
bhāge tṛtīye tasyāpi padmamaṣṭadalai ryutam |
karṇikāstho yathā stambhastathā kuryādvicakṣaṇaḥ || 122 ||
10.122 In dessen mittlerem Drittel zeichne man einen achtblättrigen Lotus so, dass der Mast in seiner Mitte steht.
ṣoḍaśa stambhasaṃyuktā prapā syātparita stataḥ |
caturdvārasamāyuktā darbhamālādyalaṅkṛtā || 123 ||
10.123 Ringsum errichte man eine Überdachung mit sechzehn Pfosten und vier Eingängen, geschmückt mit Darbha-Girlanden und weiteren Zierden.
puṇyāhaṃ pācayitvātha prokṣayetkumbhavāriṇā |
gāruḍenaiva mantreṇa kalaśaiścāṣṭabhi stathā || 124 ||
10.124 Nach dem Puṇyāha besprenge man mit dem Krugwasser unter dem Garuḍa-Mantra; auch mit den acht Richtungskrügen
indrādyaiḥprokṣayet stambhaṃsvaisvairmantrairyathākramam |
dhvaje garuḍasānnidhya prārthanam. |
prārthayeta sthitiṃ tasya garuḍasya dhvajodare || 125 ||
10.125 besprenge man den Mast unter den jeweiligen Mantras Indras und der weiteren Gottheiten. Man bitte Garuḍa, in der Fahne zu bleiben
utsavāvabhṛthaṃ yāvadgādhayā vakṣyamāṇayā |
pakṣīndra pakṣavikṣepataraṅgānilasampadā || 126 ||
10.126 bis zum Abschlussbad des Festes, mit der folgenden Strophe: „Vogelkönig, durch die wellenartige Windgewalt deines Flügelschlags
nirastāsurasannāha samare śatrusūdana |
sannidhatsya paṭe yāvadutsavāvabhṛthāvadhi || 127 ||
10.127 zerschlägst du im Kampf die Rüstung der Asuras, Feindvernichter. Bleibe in diesem Tuch gegenwärtig bis zum Abschlussbad des Festes.“
garuḍāya aśeṣalokāhvānājñāpanam. |
utsavapratimāṃ yānamāropya śibhikādikam |
dhvajastambhasamīporvīmānīyādarśayetkhagam || 128 ||
10.128 Das Festbild setze man auf eine Sänfte oder ein anderes Fahrzeug, bringe es zum Fahnenmast und zeige ihm Garuḍa.
āhvonārthamaśeṣāṇāṃ lokānāṃ patageśvaram |
niyujya devastadanu prāpnuyānmaṇḍapāvanim || 129 ||
10.129 Der Gott beauftragt den Vogelkönig, sämtliche Welten einzuladen, und begibt sich anschließend in die Halle.
garuḍasya kālatraye ārādhanam. |
ārādhayettrikālaṃ tu garuḍaṃ ca nivedayet |
anirvāṇa dīpasthāpanam. |
anirvāṇaṃ tathā dīpaṃ rakṣennaktaṃdivā sadā || 130 ||
10.130 Garuḍa soll man zu drei Tageszeiten verehren und ihm Speise darbringen. Eine nicht erlöschende Lampe hüte man Tag und Nacht.
utsavapratimāyā rātrau homāntamarcanam. |
utsavapratimāṃ tatra maṇḍape ca yathāvidhi |
pūjayitvā nivedyātha havirhomāntamarcayet || 131 ||
10.131 Das Festbild verehre man vorschriftsgemäß in der Halle, bringe Speise dar und vollziehe die Dienste bis zum Homa.
rātrau tu pūjayitvaivaṃ |
bherītāḍanasiddhaye kalpanīyāni. |
bherītāḍana siddhaye |
dhvajapīṭhasaṃya purataḥ kṣitiṃ gomayapāriṇā || 132 ||
10.132 Nachdem die nächtliche Verehrung so geschehen ist, bereite man den Trommelschlag vor: Vor dem Fahnensockel bestreiche man den Boden mit Kuhdungwasser.
ālipya caturaśraṃ ca sudhācūrṇaiścaśobhayet |
caturaśraṃ dhānyapīṭhaṃ droṇapañcakaśālinā || 133 ||
10.133 Man schmücke ihn viereckig mit Kalkpulver und bilde einen viereckigen Getreidesitz aus fünf Droṇa Reis.
kalpayitvā kālacakraṃ tasya madhye niveśayet |
balyarcāmapitatraiva sthāpayeddhvaja sammukham || 134 ||
10.134 In dessen Mitte stelle man das Kāla-Cakra auf; auch das Bali-Bild stelle man dort der Fahne zugewandt auf.
pūjayitvā nivedyātha havīṃṣi vividhāni ca |
bheryarcanam. |
āpipte puratastasya bhūtale dhānyapīṭhake || 135 ||
10.135 Man verehre es und bringe verschiedene Opferspeisen dar. Auf einem Getreidesitz am gereinigten Boden davor
tāvadeva mahābherīṃ veṣṭitāṃ navavāsasā |
dakṣiṇetarayostasyā bherikāyā yathākramam || 136 ||
10.136 stelle man die mit neuem Stoff umhüllte große Trommel auf. An ihrer rechten und linken Seite
bhāgayorarcayedviṣṇuṃ śriyaṃ caiva yathāvidhi |
triguṇāṃ prakṛtiṃ caiva madhyabhāge sabhājayet || 137 ||
10.137 verehre man entsprechend Viṣṇu und Śrī, in ihrer Mitte die aus den drei Guṇas bestehende Prakṛti.
bherītāḍanam. |
muhūrte śobhane bherīṃ śabdatanmātravidyayā |
koṇena tāḍayenmūrtitrayaṃ dhyāyedgurussvayam || 138 ||
10.138 Zur günstigen Stunde schlage man die Trommel mit dem Schlegel unter der Formel des feinen Klangprinzips. Der Guru selbst meditiere dabei über die drei Gestalten.
tataḥ pāraśavassnāto darbhapāṇiralaṅkṛtaḥ |
sopavītottarīyaśca vahan bherīmalaṅkṛtām || 139 ||
10.139 Danach trage ein gebadeter, geschmückter Pāraśava mit Darbha in der Hand, heiliger Schnur und Obergewand die geschmückte Trommel.
śaṅkhādivādyasahitāṃ tālabhedavidhānavit |
ghoṣayedguruṇendrādau hūyamāne marudgaṇe || 140 ||
10.140 Kundig in den verschiedenen Rhythmen lasse er sie mit Muscheln und anderen Instrumenten erklingen, während der Guru Indra und die Götterscharen herbeiruft.
āhūtavya devatāḥ. |
divyāyudhānāmāhvānaṃ tathā vaikuṇṭhavāsinām |
tathā pāriṣadāssarve viṣvaksenābhirakṣitāḥ || 141 ||
10.141 Herbeizurufen sind die göttlichen Waffen, die Bewohner Vaikuṇṭhas und sämtliche von Viṣvaksena geschützten Begleiter.
āhvātavyā makhe tasmin kumudādyā ssanāyakāḥ |
ṛṣibhiśca marīcyādyairbrahmalokanivāsibhiḥ || 142 ||
10.142 Die Scharen von Kumuda an mit ihren Führern lade man zu diesem Opfer ein; ebenso Brahmā mit den Ṛṣis von Marīci an, die in seiner Welt wohnen.
samāhvānaṃ viriñcasya rudralokanivāsibhiḥ |
sārdaṃ pramathasārdhaiśca rudraśca vṛṣavāhanaḥ || 143 ||
10.143 Auch Rudra auf seinem Stier rufe man mit den Bewohnern seiner Welt und den Pramatha-Scharen herbei.
āhvātavyāstathānye ca tattallokanipāsinaḥ |
vāhanaiḥparivāraiśca sākaṃ tasmin mahūtsave || 144 ||
10.144 Ebenso lade man die übrigen Bewohner aller Welten mit ihren Fahrzeugen und Gefolgschaften zu diesem großen Fest ein.
vidyāśca mūrtidhāriṇyastrayū caṅgairvapuṣmatī |
ahvātavyāssamāhvānaṃ sarveṣāṃ ca svanāmabhiḥ || 145 ||
10.145 Auch die verkörperten Wissensformen und die dreifache Veda-Lehre mit ihren Gliedern sind einzuladen. Alle rufe man mit ihren eigenen Namen.
nityotsavārcaṃ parito vīdhikāsu sudarśanam |
annarmūrtividhānaṃ ca pradīpairbahubhirvṛtam || 146 ||
10.146 Das tägliche Festbild, Sudarśana oder eine Verkörperung in Speise führe man, von vielen Lampen umgeben, durch die Wege.
gamayitvā pratidiśaṃ bherītāḍanapūrvakam |
grāmamadhye caturmukhasyāvāhanam. |
grāmamadhyaṃ samāsādya tatrāvāhya caturmukham || 147 ||
10.147 Unter vorausgehendem Trommelschlag gehe man in jede Richtung. In der Dorfmitte angekommen, rufe man dort Brahmā herbei.
arcayitvā makhe tasmin yācitvā sannidhiṃ guruḥ |
indrādīṃśca pratidiśaṃ balyarthaṃ sannidhiṃ tadā || 148 ||
10.148 Der Guru verehre ihn und bitte um seine Gegenwart beim Opfer. Auch Indra und die übrigen Richtungshüter bitte er jeweils um Gegenwart bei der Bali-Gabe.
arcayitvā tūryaghoṣaṃ ghoṣayitvāsvatālavat |
anyatra gāruḍaṃ tālamantarāleṣu ghoṣayet || 149 ||
10.149 Nach ihrer Verehrung lasse man Musik in ihrem eigenen Rhythmus erklingen; auf den Zwischenstrecken dagegen den Garuḍa-Rhythmus.
praviśya mandiraṃ tatra yathāpūrvaṃ niveśayet |
vīdhīṣu devatāhvānam. |
ādāyotsavabimbaṃ vā kevalaṃ vā sudarśanam || 150 ||
10.150 Man kehre ins Heiligtum zurück und stelle die Bilder wie zuvor auf. Auch mit dem Festbild allein oder allein mit Sudarśana
annamūrtividhānaṃ vā bherīmādāya kevalām |
rathyāsu devatāhvānaṃ tatra tatra yathāvidhi || 151 ||
10.151 oder mit der Speiseverkörperung beziehungsweise allein mit der Trommel kann man an den jeweiligen Straßenorten die Gottheiten vorschriftsgemäß einladen.
bherīśabdaṃ śrutvā avabhṛthāntamanyatra na yāyāt. |
devatāhvānavelāyāṃ bherīṃ śṛṇvantiye narāḥ |
tairnadītaraṇaṃ naiva yānaṃ vā yojanātparam || 152 ||
10.152 Wer bei der Einladung der Gottheiten die Trommel hört, soll nach der Quelle keinen Fluss überqueren und sich nicht weiter als ein Yojana entfernen.
anādṛtyotsavaṃ mohāddūraṃ yāyājjano yadi |
sa yāti nirayasthānaṃ pretya duḥkhamihāpi ca || 153 ||
10.153 Wer das Fest missachtet und aus Verblendung weit fortgeht, dem werden nach dem Tod Hölle und schon hier Leid angedroht. Dies ist die historische Teilnahmeverpflichtung des Textes.
tasmādavabhṛthaṃ yāvadvasettatraiva no prajet |
dhvajārthamaṅkurā yena nyastāssa yadi kāraṇāt || 154 ||
10.154 Daher solle man bis zum Abschlussbad am Ort bleiben. Hat der Lehrer, der die Keimlinge für die Fahne gesetzt hat, aus irgendeinem Grund
kutaścidasamartho vā mṛto vā deśikottamaḥ |
śeṣaṃ samāpayedanyaḥ putro vā tadanujñayā || 155 ||
10.155 seine Fähigkeit zur Ausführung verloren oder ist er gestorben, soll ein anderer oder sein Sohn den Rest vollenden; die erwähnte Erlaubnis bezieht sich sinnvollerweise auf den Fall noch möglicher Beauftragung.
Kapitel 11: Der vollständige Ablauf des großen Festes
pādmasaṃhitāyām |
caryāpādeekādaśo'dhyāyaḥ |
ekādaśo'dhyāyaḥ |
|
mahotsavavidhau aṅkurārpaṇakālaḥ. |
śrībhagavān |
utsavārambhadivasādarvāgahani saptame |
āṅkurānāvapellagne śobhane deśikottamaḥ || 1 ||
11.1 Im elften Kapitel des Caryāpāda der Padma Saṃhitā lehrt der erhabene Herr den Zeitpunkt der Aussaat für das große Fest: Am siebten Tag vor Festbeginn soll der hervorragende Lehrer unter günstiger Himmelskonstellation die Keime aussäen.
pālikāsaṅkhyā. |
aṣṭottara śateṣveva pālikāsu yathāvidhi |
ṣaṭtriṃśatsvatha vā |
vīdhīcatvarapariṣkārālaṅkārau. |
paścādalaṅkāraṃ samācaret || 2 ||
11.2 Dafür dienen nach der Vorschrift 108 oder 36 Pflanzschalen. Danach beginnt die Ausschmückung der Straßen und Kreuzungen.
aṣṭottaraśataṃ vāpi |
ṣaṭtriṃśadbhistuvā |
kramukairdārujairvāpi toraṇai rvīdhikāmukham |
catvārāṇi tathā greṣu gopurāṇāmalaṅkriyā || 3 ||
11.3 Die überlieferten Varianten wiederholen die Zahlen 108 und 36. Die Straßeneingänge, Kreuzungen und Bereiche vor den Torbauten werden mit Torbögen aus Arekastämmen oder Holz geschmückt.
phalabhārāvanamrāśca kadalīkramukādayaḥ |
pārśveṣu toraṇānāṃ syuḥ sthāpyā gamanavīdhayaḥ || 4 ||
11.4 Neben den Torbögen stehen Bananen- und Arekapflanzen, deren Fruchtlast die Zweige neigt. Die Prozessionswege
samabhūmitalāḥkāryāssikatābhiśca śobhitāḥ |
dukūlakṣaumapāsobhi rdarbhamālāśatena ca || 5 ||
11.5 werden geebnet und mit Sand verschönert. Seiden- und Leinenstoffe sowie Hunderte von Darbha-Girlanden
dhvajaiśca sarvato dikṣu śobhayecca prapādibhiḥ |
śodhayetsarvabhūbhāgaṃ gomayombhobhirāplutaiḥ || 6 ||
11.6 und Fahnen schmücken alle Richtungen, ebenso Schutzdächer und ähnliche Anlagen. Den gesamten Boden reinigt man mit Wasser, dem Kuhdung beigemischt ist.
prāsādālajkāraḥ. |
prāsadabhittayaḥ kāryāścitritā varṇapañcakaiḥ |
kambhābhiḥ pūrṇakumbhaiśca dīpikāvalibhi stathā || 7 ||
11.7 Die Tempelwände erhalten Malereien in fünf Farben; Bananenpflanzen, volle Krüge und Lampenreihen dienen als Schmuck. Die Lesart „mit Wasser“ steht neben einer beschädigten Pflanzenbezeichnung.
ambhobhiḥ |
muktādāmabhiranyaiśca sāṅkuraiḥpālikāśataiḥ |
deśāntarāgatasevārthibhyaḥ prapādikalpanam |
deśāddeśātsametānāṃ varṇānāṃ ca tadutsave || 8 ||
11.8 Dazu kommen Perlenschnüre, anderer Schmuck und Hunderte bepflanzter Keimschalen. Für Menschen der verschiedenen sozialen Gruppen, die aus unterschiedlichen Gegenden zu diesem Fest kommen,
sevituṃ devadeveśa mannādyaistuṣṭimāvahet |
prapāpānīyaśālādhyai ryajamāno divāniśam || 9 ||
11.9 um den Herrn der Götter zu verehren, soll der Auftraggeber Tag und Nacht mit Speisen, Trinkwasserstellen und Unterkünften sorgen.
rogārtebhyaḥ bhaiṣajyakalpanam. |
rogārtānatha bhaiṣajyairbhiṣajeddhanarāśibhiḥ |
yāgamaṇḍapasthānam. |
prathamāvaraṇe brahman kārayedyāgamaṇḍapam || 10 ||
11.10 Kranke soll er mit Heilmitteln versorgen lassen und dafür reichlich Mittel bereitstellen. Brahmā, die Opferhalle errichtet man im ersten Tempelumgang.
yadvāvakāśānuguṇaṃ dvitīyāvaraṇe bhavet |
antarāleṣu sarvatra diśāmiṣṭe kvacidbhavet || 11 ||
11.11 Je nach verfügbarem Raum kann sie auch im zweiten Umgang oder an einer geeigneten Stelle zwischen den Anlagen, in einer gewünschten Himmelsrichtung, liegen.
maṇḍapāyāmivistārau. |
saptahastāyataṃ yadvā pañcahastāyataṃ tu vā |
vistārāyāmasadṛśaṃ yaturdvārasa manvitam || 12 ||
11.12 Die Halle ist sieben oder fünf Hasta lang und ebenso breit; sie besitzt vier Zugänge.
maṇḍapaṃ kārayettasya paritaḥ kārayetprapām |
vedīkalpanam. |
tasya madhye triyaṃśe tu vedīṃ hastasamucchṛtām || 13 ||
11.13 Ringsum errichtet man einen überdachten Aufenthaltsbereich. Im mittleren Drittel der Halle liegt eine einen Hasta hohe Opferplattform,
vistīrṇāṃ dvitrihastena |
agnikuṇḍa nirmāṇam. |
vedyāḥ prācyāṃ prakalpayet |
kuṇḍamāhavanīyasya caturaśraṃ yathoditam || 14 ||
11.14 zwei oder drei Hasta breit. Östlich der Plattform legt man die bereits beschriebene quadratische Grube des Āhavanīya-Feuers an.
dakṣiṇasyāṃ dakṣiṇāgnerdiśi cāpa samākṛti |
kuṇḍaṃ tu gārhapatyasya pratīcyāṃ vṛtta madbhutam || 15 ||
11.15 Im Süden liegt die bogenförmige Grube des südlichen Feuers, im Westen die kreisförmige Grube des Gārhapatya.
sabhyasya kuṇḍaṃ kauberyāṃ trikoṇaṃ tadanantaram |
aiśānyā magnikoṇe vā kuṇḍaṃ ca caturaśrakam || 16 ||
11.16 Die dreieckige Grube des Sabhya liegt im Norden. Im Nordosten oder Südosten folgt eine quadratische Grube
avasakthyasya śikhinaḥ pañcāgnyutsava muttamam |
yajamānecchayā agniṣu vikalpaḥ. |
yadvā'vasakthya rahitaṃ caturagniṃ caturdiśi || 17 ||
11.17 für das Āvasathya-Feuer. Die Feier mit fünf Feuern gilt als vorzüglich. Nach dem Wunsch des Auftraggebers kann man das Āvasathya weglassen und vier Feuer in den Hauptrichtungen verwenden,
sabhyāvasakthya rahitaṃ yadvāgni trayasaṃyutam |
ekāmāhavanīyaṃ vā kalvayetkatkuricchayā || 18 ||
11.18 oder ohne Sabhya und Āvasathya drei Feuer, oder allein das Āhavanīya einrichten.
aśvatthādidrumairdvāratoraṇāni caturdiśam |
sruksruvau kārayedaṣṭa maṅgalāni yathāpuram || 19 ||
11.19 Die vier Eingangsbögen fertigt man aus Aśvattha und den anderen genannten Hölzern. Opferlöffel, Schöpfkelle und die acht Glückszeichen werden wie zuvor hergestellt.
āsanaṃ tvṛtvijāṃ homapātrāṇi vividhāni ca |
maṇḍapānāṃ ca purataḥ prapāsyātpārśvayorapi || 20 ||
11.20 Man bereitet Sitze für die Opferpriester und die verschiedenen Feueropfergeräte. Vor den Hallen und an ihren Seiten sollen Schutzdächer stehen.
dukūlakṣaumakāśeyairvicitraṃ maṇṭapaṃ prapām |
vitānayedveṣṭayecca stambhānantarbahisthsitān || 21 ||
11.21 Die Halle und die überdachten Bereiche erhalten farbige Behänge aus Seide, Leinen und feinen Stoffen; die inneren und äußeren Säulen werden umwickelt.
muktādāmāni sarvatra lambayeddīpamālikāḥ |
āropayecca stambheṣu patākāvalibandhanam || 22 ||
11.22 Überall hängt man Perlenschnüre und Lampenreihen auf; an den Säulen befestigt man Reihen von Wimpeln.
muktāvitānaṃ badhnī yātpuṣpamālāśca sarvataḥ |
evamādipariṣkārai rbhūṣayenmaṇḍapādikam || 23 ||
11.23 Ein Baldachin aus Perlenschnüren und allseitige Blumengirlanden gehören ebenfalls dazu. Mit solchen Ausstattungen verschönert man die Halle und ihre Nebenanlagen.
tiraskariṇyo vipulā badhnīyācca vicitritāḥ |
varaṇīyācāryādisaṅkhyā. |
agre caturṇāṃ varaṇa mācāryāṇāṃ ca ṛtvijām || 24 ||
11.24 Man hängt breite, vielfarbig gestaltete Vorhänge auf. Zunächst werden vier Ācāryas beziehungsweise Opferpriester ausgewählt;
ṣoḍaśā nāṃ tathānyeṣāṃ svīkāraḥ paricāriṇām |
te ca bhūṣyā yathāvittaṃ bhūṣaṇaiḥ kaṭakādibhiḥ || 25 ||
11.25 außerdem nimmt man sechzehn weitere Helfer auf. Ihren Mitteln entsprechend lässt man sie mit Armreifen und anderem Schmuck ausstatten,
vāsobhiśca navaiścitre radhikārānu sārataḥ |
uṣṇīṣairuttarīyaiśca gandhadravyāsu lepanaiḥ || 26 ||
11.26 mit neuen, bunten Gewändern, Turbanen, Oberkleidern und duftenden Salben, jeweils ihrem Dienst angemessen.
śobhanīyāḥ prayatnena yajamānena sarvadā |
utsavasyārambhe anteca snapanaṃ kāryam. |
snapanaṃ cotsavā rambhe tadante ca yathoditam || 27 ||
11.27 Der Auftraggeber soll sorgfältig für diese Ausstattung sorgen. Zu Beginn und am Ende des Festes findet das vorgeschriebene rituelle Bad statt.
kautukasya bandhanakālaḥ tatsaṃskāraśca. |
kuryāddevasya pūrvedyuḥ kautukaṃ bandhayedguruḥ |
sauvarṇe rājate vāpi pātre vimalataṇḍule || 28 ||
11.28 Am Vortag bindet der Lehrer dem Gott die Schutzschnur. In ein goldenes oder silbernes Gefäß gibt er reinen Reis,
kalamataṇḍulaiḥ |
khāridvayena vārdhena yadvā pādena sammite |
nyasyetsūtraṃ ca sauvarṇaṃ kṣaumaṃ kārpāsameva vā || 29 ||
11.29 zwei Khāri, die Hälfte oder ein Viertel davon, und legt darauf eine goldene, leinene oder baumwollene Schnur. Die Variante benennt Kalamareis.
saptabhiḥ pañcabhirvāpi sūtraṃ kṣaumāditantubhiḥ |
śatena ṣaṣṭhyārūḍhena phalaiḥ kramukajairapi || 30 ||
11.30 Die Schnur besteht aus sieben oder fünf Fäden aus Leinen oder entsprechendem Material. Dazu kommen 160 Arekanüsse;
nāgavallīdalaissārdhaṃ phalasaṅkhyā caturguṇaiḥ |
tadardhairvā tadardhairvā kadalyādiphalairapi || 31 ||
11.31 Betelblätter in der vierfachen Anzahl der Früchte, alternativ die Hälfte oder nochmals die Hälfte, sowie Bananen und andere Früchte.
kautukasya savibhavaṃ grāmaprādakṣiṇyena dhāmapraveśaḥ. |
sārdhaṃ tadanu tatpātraṃ sādhāraṃ nyasya mūrdhani |
vastreṇaācchāditaṃ chatracāmaravyajanānvitam || 32 ||
11.32 Das bedeckte Gefäß wird mit einer Unterlage auf dem Kopf getragen, begleitet von Schirmen, Yakschweifwedeln und Fächern.
sādhānam |
bahudīpakasaṃyuktaṃ savitānaṃ ca mūrtipaḥ |
paṭhadbhiśśākunaṃ sūktaṃ brāhmaṇairveda pāragaiḥ || 33 ||
11.33 Der Bildhüter trägt es, während zahlreiche Leuchten und ein Baldachin es begleiten und vedakundige Brahmanen das Śākuna-Sūkta rezitieren. Die abweichende Einzelwortlesart ändert die Grundhandlung nicht.
tūrya maṅgalagītaiśca sārdhaṃ nītvā pradakṣiṇam |
dhāma viṣṇostathā tasya bahirāvaraṇāni ca || 34 ||
11.34 Mit Instrumentalmusik und glückverheißenden Gesängen führt man es im Uhrzeigersinn um Viṣṇus Heiligtum und dessen äußere Umgänge,
prādakṣiṇyena vā grāmaṃ praviśeddevatā ntikam |
utsavabherasya kautukabandhaḥ upacārāśca. |
devasya purato bhūmitale gomayapāriṇā || 35 ||
11.35 oder um den Ort, und bringt es vor den Gott. Dort wird auf dem Boden eine quadratische Fläche mit Kuhdungwasser bestrichen,
ālipte caturaśreca śālibhāreṇa pūrite |
pātraṃ nidhāya puṇyāhaṃ vācayitvā yathāvidhi || 36 ||
11.36 mit einer Bhāra Reis bedeckt und das Gefäß aufgestellt. Dann lässt man vorschriftsmäßig die Heiligung des Tages, Puṇyāha, aussprechen.
bhūṣite |
sabhājayitvā ttsūtra mantramantreṇa deśikaḥ |
aṅguṣṭhā nāmikābhyāṃ tu gṛhītvā hastayordvayoḥ || 37 ||
11.37 Die Variante spricht von einer „geschmückten“ Fläche. Der Lehrer verehrt die Schnur mit dem hier beschädigt bezeichneten Mantra und ergreift sie mit Daumen und Ringfingern beider Hände.
aparājitayā sūtraṃ candanakṣoda vāriṇā |
ālipya dakṣiṇe haste badhvā cotsavakautukam || 38 ||
11.38 Mit der Aparājitā-Formel bestreicht er sie mit Sandelholzwasser und bindet sie als Schutzband der Festgestalt an deren rechte Hand.
spṛṣṭvā dakṣiṇahastena sūtraṃ pārān śataṃ japet |
antramantraṃ tathārghyārdairiṣṭvādevaṃ nivedayet || 39 ||
11.39 Er berührt die Schnur mit seiner rechten Hand und wiederholt den Mantra hundertmal. Danach verehrt er den Gott mit Arghya und den weiteren Diensten. Der Mantraname ist auch hier beschädigt überliefert.
mahāpūvaṃ tathāpūpān pṛthukāṃśca phalānyapi |
keyaṃ nṛttaṃ tathāpādya mācareddevatāntike || 40 ||
11.40 Er bringt große Kuchen, weitere Kuchen, flachgedrückten Reis und Früchte dar; Gesang, Tanz und Instrumentalmusik finden vor der Gottheit statt.
tribhirbhāgavatairdevaṃ sthāne'nyatra niveśayet |
snānāntaṃ kṣaumavasanamāliptaṃ candanādinā || 41 ||
11.41 Mit drei Bhāgavatas bringt er den Gott an einen anderen Platz. Nach Abschluss des Bades trägt das Bild ein Leinengewand und ist mit Sandelholz und anderen Düften gesalbt.
bhūṣitaṃ bhūṣaṇaissarvaissrigviṇaṃ devadaivatam |
arcayitvā yathāśāstraṃ paramānnaṃ nivedayet || 42 ||
11.42 Mit allen Schmuckstücken und Girlanden ausgestattet, wird der Gott der Götter schriftgemäß verehrt; man bringt süßen Milchreis dar.
yathoditaṃ pratiṣṭhāyāṃ yathāśayana kalpanam |
bhimbaṃ copari vinyasya śayane sthāpayecchubhe || 43 ||
11.43 Wie bei der Installation beschrieben richtet man ein Lager her und legt das Bild auf dieses glückverheißende Bett. Eine Variante verweist stattdessen auf das Badeverfahren.
snapane |
koṇeṣu sthāpayeddīpān pālikā ssāṅkurāstathā |
tūryaghoṣaistathāvedaistotraistutvā madhudviṣam || 44 ||
11.44 An den Ecken stehen Lampen und Keimschalen. Mit Instrumentenklang, Veden und Hymnen preist man den Bezwinger Madhus.
niśāyāṃ jāgaraṇam. |
niśāṃ nayojjāgareṇa samāhitamanā guruḥ |
devasyo tatthāpanam. |
śvobhūte śobhane prāpte muhūrte bhāskarodaye || 45 ||
11.45 Der Lehrer verbringt die Nacht wach und gesammelt. Am nächsten Morgen, bei Sonnenaufgang im günstigen Augenblick,
uttiṣṭhe tyādimantreṇa tribhirbhāgavataissaha |
dikṣu śākunikaṃ sūktaṃ paṭhatsu brāhmaṇeṣvapi || 46 ||
11.46 weckt er mit drei Bhāgavatas und dem Mantraanfang „Steh auf“ den Gott, während Brahmanen in den Himmelsrichtungen das Śākuna-Sūkta rezitieren.
utthāvya śayanāddevaṃ taṃ |
devasya śibhikāropaṇam. |
idaṃviṣṇurityṛcā |
āropayeyuśśibhikāṃ suvarṇa prabhayā saha || 47 ||
11.47 Sie heben den Gott vom Lager und setzen ihn mit dem Versanfang „idaṃ viṣṇuḥ“ auf eine Sänfte mit goldenem Strahlenbogen.
brāhmaṇā eva yānaṃ vaheyuḥ. |
vaheyu rbhūsurā yānaṃ dhyāyanto vihagādhipam |
vikiretsarvato dikṣu puṣpāṇisurabhīṇi ca || 48 ||
11.48 Brahmanen tragen das Fahrzeug und meditieren dabei über den König der Vögel, Garuḍa. Man streut in alle Richtungen duftende Blüten,
lājāṃśca sākaṃ muktābhistūryaghoṣaiśca nādayet |
īdṛsairmaṅgalairanyaissarvāvaraṇa bhūmikāḥ || 49 ||
11.49 Puffreis und Perlen; laute Instrumentalmusik erklingt. Mit diesen und weiteren Glückszeichen zieht man durch sämtliche Tempelumgänge.
nītvā pradakṣiṇaṃ |
bhagavato bhadrāsane upaveśanam. |
yānādavaropya prabhānvite |
bhadrāsane dukulādicitrāstaraṇaśobhite || 50 ||
11.50 Nach der Umrundung hebt man den Gott vom Fahrzeug auf einen glückverheißenden Sitz mit Strahlenbogen, der mit bunten Seidenstoffen bedeckt ist.
pārśvekalpadrumacchāyāśītale svarṇanirmite |
niveśya maṇṭape sarvamupacāraṃ samācaret || 51 ||
11.51 Er steht in der Halle, ist aus Gold gefertigt und wird seitlich vom Schatten eines Wunschbaumes gekühlt. Dort vollzieht man alle Dienste.
prābhṛtasamarpaṇam. |
prābhṛtaṃ cāhṛtaṃ sarvaṃ dravyamutsavakāraṇam |
devāya darśayetsarvaṃ janasaṃnadi deśikaḥ || 52 ||
11.52 Der Lehrer zeigt dem Gott in der versammelten Öffentlichkeit sämtliche eingegangenen Festgaben und Materialien.
kṛtvopacāra makhilaṃ tatassnapanamaṇṭape |
snāpayeddevadeveśaṃ yathāpūrvoditaiḥkramamaiḥ || 53 ||
11.53 Nach allen Verehrungsdiensten badet er den Herrn der Götter in der Badehalle nach den bereits gelehrten Verfahren.
tadbimbaṃ snāna |
ācāryo yajamānaśca samīkṣya vibhavodayam |
snapanahavirnivedanānantaraṃ devasya garbhagṛhanayanam. |
mahāhavirnivedyānte hutvā havyairyathāvidhi || 54 ||
11.54 Lehrer und Auftraggeber richten sich nach den verfügbaren Mitteln. Nach der großen Speisegabe und dem vorschriftsmäßigen Feueropfer
garbhagehaṃ vimānasya nayenmaṅgalasaṃyutam |
aparāhṇe mṛttikāsaṅgrahaṇabījāvāpau. |
tato'parāhṇasamaye aṅkurādhāramṛttikām || 55 ||
11.55 führt man das Bild unter glückverheißender Begleitung in die innere Tempelkammer. Am Nachmittag beschafft man die Erde für die Keimgefäße.
samāsādya |
ānetuṃ bahirudyāna būmeryadvā nadītaṭāt |
yānamāropya garuḍaṃ senānyaṃ vā pariṣkṛtam || 56 ||
11.56 Um sie aus einem Garten außerhalb oder von einem Flussufer zu holen, setzt man ein geschmücktes Bild Garuḍas oder des Heerführers Viṣvaksena auf ein Fahrzeug.
ca |
devādeśaṃ puraskṛtya sarvamaṅgala saṃyutam |
vahadbhiḥpālikāḥpūrvaṃ khanitraṃ cāpi bhūṣitam || 57 ||
11.57 Man stellt den Auftrag des Gottes voran und zieht mit allen Glückszeichen aus. Vorne werden die Pflanzschalen und das geschmückte Grabgerät getragen.
brāhmaṇairbahubhirvedānadhīyānaissamantataḥ |
nītvā pradakṣiṇaṃ grāmaṃ tato nirgatya deśikaḥ || 58 ||
11.58 Zahlreiche Brahmanen rezitieren ringsum die Veden. Der Lehrer umschreitet den Ort und verlässt ihn;
yānam |
diśaṃ prācīmudīcīṃ vā pratisaṅgṛhyamṛttikām |
yathāpūrvoditaṃ dhāma praviśya rajanīmukhe || 59 ||
11.59 im Osten oder Norden sammelt er die Erde wie zuvor beschrieben. Zu Beginn der Nacht kehrt er ins Heiligtum zurück.
pradoṣe yāgasadasi pālikā dvādaśāvarāḥ |
śarāvakumbhasahitāstadvargā api ṣoḍaśa || 60 ||
11.60 In der Abenddämmerung stellt man in der Opferhalle mindestens zwölf Pflanzschalen samt flachen Schalen und Krügen auf; die Quelle nennt außerdem sechzehn Gruppen dieser Gefäße.
īśānabhāge saṃsthāpya somakumbhasamanvitāḥ |
āvapettāsu bījāni muhūrte śobhane guruḥ || 61 ||
11.61 Sie stehen im Nordostbereich zusammen mit dem Soma-Krug. Zu einem günstigen Zeitpunkt sät der Lehrer die Samen hinein.
prārthanāpūrvakaṃ devasya yāgamaṇḍape niveśanam. |
tataḥ praviśya sadanaṃ yajamāno guruśca tau |
praṇamya daṇḍavadbhūmau devamutsava sampadam || 62 ||
11.62 Danach betreten Auftraggeber und Lehrer das Heiligtum, werfen sich lang auf die Erde nieder und bitten den Gott um das Gelingen des Festes.
yācetāṃ gururanvakca badhvā kalyāṇakautukam |
utsavasnānabalyartha pratimāsu yathā kramam || 63 ||
11.63 Anschließend bindet der Lehrer in der vorgeschriebenen Reihenfolge glückverheißende Schutzbänder an die Bilder für Fest, Bad und Bali-Darbietung,
sudarśane caśayane kalpite'nyata pūrvavat |
baddhapratisaraṃ sarvamadhivāsya yathākramam || 64 ||
11.64 auch an Sudarśana. Alle mit Schutzbändern versehenen Bilder werden auf einem anderswo wie zuvor hergerichteten Lager rituell ruhen gelassen.
utthāpya sadyaścārādhya prādakṣiṇyena mandiram |
nītvā praveśya yāgārthamaṇḍapaṃ tatra cāsane || 65 ||
11.65 Dann erhebt und verehrt man sie sogleich, umschreitet das Heiligtum und bringt sie in die Opferhalle.
cānayet |
nityotsavā rcāṃ cakraṃ ca niveśya tadanantaram |
vedikāyāṃ dhānyarāśau kumbhasthāpanam. |
vedikāyāṃ dhānyapīṭhaṃ kṛtvā purveditakramāt || 66 ||
11.66 Das Bild für den täglichen Festdienst und den Diskus setzt man dort auf einen Sitz. Auf der Opferplattform richtet man nach dem früheren Verfahren eine Getreideunterlage her.
tatra prakṣālitān kumbhān sūtreṇa pariveṣṭitān |
gandhodakena sampūrṇā nnavaratnayutānnava || 67 ||
11.67 Darauf stehen neun gereinigte, mit Fäden umwickelte Krüge, gefüllt mit Duftwasser und versehen mit den neun Edelsteinen.
sampūrya navaratnodarānnava |
sarvagandharajomiśrān karakeṇa samanvitān |
pratyekaṃ syastasauvarṇaniṣkānaśvatthapallavaiḥ || 68 ||
11.68 Sie enthalten eine Mischung aller Duftstoffe und je eine goldene Niṣka-Münze; ein Karaka-Gefäß gehört dazu. Aśvattha-Zweige
kuśakūrcena sahitān mukheṣvapi samallakān |
madhyamaṃ vastra yugnena śiṣṭānekena vāsasā || 69 ||
11.69 und Kuśa-Büschel sowie Deckelschalen befinden sich an ihren Öffnungen. Den mittleren Krug umhüllt man mit zwei Stoffen, die übrigen mit je einem.
veṣṭitānvedikābhūmau sthāpayeddhānyarāśiṣu |
ayataṃ saptabhirhastaiṣṣadbhirvā cātha pañcabhiḥ || 70 ||
11.70 Die Krüge stehen auf Getreidehaufen auf der Plattform. Ein Tuch von sieben, sechs oder fünf Hasta Länge
vistīrṇaṃ vastramāyāmamānārdhena niyojayet |
bhagavanmayavipraiśca puṇyāhamapi vācayet || 71 ||
11.71 und der halben Länge als Breite wird verwendet. Ganz auf den Erhabenen ausgerichtete Brahmanen sprechen den Puṇyāha-Segen.
kumbheṣu sthānabhedena yaṣṭavyadevatāḥ. |
dvāratoraṇakumbhādīn pratiṣṭhāyāmi vārcayet |
madhyakumbhe mūlaberaṃ karake ca sudarśanam || 72 ||
11.72 Türen, Torbögen, Krüge und die weiteren Einrichtungen verehrt man wie bei der Installation. Im mittleren Krug verehrt man die Hauptgestalt, im Karaka Sudarśana.
idamardhaṃkvacinna |
karakeṣvastrapūjanam |
pūrvādyāśāgate kumbhe vāsudevādi kānyajet |
āgneyādiṣu koṇeṣu yaṣṭavyāḥ puruṣādayaḥ || 73 ||
11.73 Eine Quellenanmerkung sagt, dass der vorherige Halbvers stellenweise fehlt; eine andere Lesart nennt die Waffenverehrung im Karaka. In den Krügen der Hauptrichtungen, beginnend im Osten, verehrt man Vāsudeva und die weiteren Vyūhas; in den Zwischenrichtungen Puruṣa und die folgenden Gestalten.
pūjanam |
tadhaiva puruṣassatyaḥ krameṇācyutadevatā |
anantaśceti haviṣā caturṇāṃ ca nivedanam || 74 ||
11.74 Diese sind der Reihe nach Puruṣa, Satya, Acyuta und Ananta. Allen vieren wird Speise dargebracht. Die Varianten wiederholen Teile dieser Reihenfolge.
krameṇa puruṣassatyastathaivā |
kumbhe tathāstre ca balibimbe cai vāṣṭa maṅgalam |
veṣṭitaṃ vāsasā vede radhastāddhānya rāśiṣu || 75 ||
11.75 Bei den Krügen, der Waffe und dem Bali-Bild werden die acht Glückszeichen, in Stoff gehüllt, unterhalb der Plattform auf Getreidehaufen niedergelegt. Eine Variante formuliert die Zuordnung der Zeichen zu jedem Krug deutlicher.
kumbhe kumbhe tathāstre ca vinyasedaṣṭa |
nyasyābhyarcya caturdikṣu vedatūryādighoṣaṇe |
āhavanīyādyagniṣu hotavyadevatāḥ. |
pravṛtte juhuyādagnau dhyāyannāhava nīyake || 76 ||
11.76 Nach ihrer Verehrung beginnt in allen vier Richtungen der Klang von Veden und Instrumenten. Im Āhavanīya-Feuer opfert man, während man
vāsudevaṃ dakṣiṇāgnau saṅkarṣaṇa manantare |
pradyumnaṃ paścime cāgnāvudī cīne'niruddhakam || 77 ||
11.77 über Vāsudeva meditiert; im südlichen Feuer über Saṅkarṣaṇa, im westlichen über Pradyumna und im nördlichen über Aniruddha.
āvasakthye mūlamūrtimiṣṭvā tīrthāva sānikam |
sannidhiṃ prārtha kuṇḍeṣu juhuyā tsarpirādibhiḥ || 78 ||
11.78 Im Āvasathya verehrt man die Hauptgestalt und bittet um Gegenwart bis zum abschließenden Festbad. In den Feuergruben bringt man Ghee und weitere Gaben dar.
homadravyāṇi. |
sarpiṣā ca prasūnaiśca dhūpadravyaiśca padmaja |
samidhā payasā dadhnā tilavrīhi yavai stathā || 79 ||
11.79 Lotusgeborener, dazu dienen Ghee, Blüten, Räucherstoffe, Brennhölzer, Milch, Joghurt, Sesam, Reis und Gerste.
homasaṅkhyā. |
tattaddaivatamantreṇa aṣṭottara śataṃ pṛthak |
aṣṭāviṃśativārānvā kuṇḍeṣu prāgupakramaḥ || 80 ||
11.80 Mit dem Mantra der jeweiligen Gottheit bringt man je 108 oder 28 Opfergaben dar und beginnt bei der östlichen Grube.
pāyasaiḥkṛsarairgaulyairharidrānnaiśca maurdikaiḥ |
hotavyaṃ pauruṣai ssūktaiḥ pṛthagagniṣu pañcasu || 81 ||
11.81 Milchreis, Kṛsara, mit Rohzucker gesüßte Speisen, Kurkumareis und Zubereitungen aus Mungbohnen opfert man mit den Puruṣa-Sūkta-Versen getrennt in den fünf Feuern.
brahmādi sthāvarāsta sarvadevatāhomaḥ. |
pañcame paramānnena brahmādyuddiśya devatāḥ |
tattannāma caturthyantaṃ parivārapadānvitam || 82 ||
11.82 Im fünften Feuer bringt man süßen Milchreis für Brahmā und die weiteren Gottheiten dar. Ihr jeweiliger Name steht im Dativ, verbunden mit dem Wort für Gefolge,
svāhāntaṃ mantramuccārya dhyātvā brahmādidevatāḥ |
brahmā prajāpatī rudrassarve devā yathākramam || 83 ||
11.83 und der Mantra endet auf „svāhā“. Während des Sprechens meditiert man über Brahmā und die folgenden Gottheiten: Brahmā, Prajāpati, Rudra und alle Götter der Reihe nach,
chandhāṃsi vedā ṛṣayo gandharvāśca sarīsṛpāḥ |
yakṣāścapsarasaścaiva māsādyaissaha vatsarāḥ || 84 ||
11.84 Versmaße, Veden, Seher, Gandharvas, kriechende Wesen, Yakṣas, Apsarās, Jahre samt Monaten und weiteren Zeitabschnitten,
saritaśca samudrāśca parvatāśca tathāpagāḥ |
bhūtāni paśavo vṛkṣā stathaivauṣadhayaḥsmṛtāḥ || 85 ||
11.85 Flüsse, Meere, Berge, Wasserläufe, Wesen, Tiere, Bäume und Heilpflanzen. Eine Lesart nennt an dieser Stelle auch alle Göttinnen.
sarvā devyaḥ |
vanaspatiścodbhidaśca svedajāścāṇḍajā stathā |
jarāyujāśca bhūrādisaptalokāstathaiva ca || 86 ||
11.86 Weiter: große Bäume, aus der Erde Sprossende, aus Feuchtigkeit, aus Eiern und aus Mutterleibern Geborene sowie die sieben Welten von Bhū an,
atalādyāstathālokāssapta caṇḍādidevatāḥ |
ityetebhyo balidravyaṃ juhuyānmūlavidyayā || 87 ||
11.87 die sieben unteren Welten von Atala an und die Gottheiten von Caṇḍa an. Für sie bringt man mit der Grundformel die Bali-Gaben ins Feuer.
idaṃ viṣṇuritiprocya pūrṇāhuti mathācaret |
na dahetparidhīn darbhān devānnodvāsayet sthitān || 88 ||
11.88 Mit „idaṃ viṣṇuḥ“ vollzieht man die vollständige Abschlussgabe. Die Einfassungshölzer und Darbha-Gräser werden nicht verbrannt; die anwesenden Gottheiten werden noch nicht verabschiedet.
pratyahaṃ dhārayedagnīn yāvattīrthadināvadhi |
ahorātraṃ pratidinaṃ juhuyāduktavartanā || 89 ||
11.89 Man erhält die Feuer täglich bis zum Festbad. Jeden Tag und jede Nacht opfert man nach dem beschriebenen Verfahren.
ekāgnauvāpi hotavyaṃ homadravyamaśeṣataḥ |
traye catuṣṭaye caivamagnīnāṃ kamalāsana || 90 ||
11.90 Sämtliche Opferstoffe können auch in einem einzigen Feuer dargebracht werden; entsprechend verfährt man bei drei oder vier Feuern, Lotusgeborener.
balidānayā cakrasya annamūrteśca niṣkramaṇam. |
balipradānaṃ prathamaṃ kuryādyāgasya maṇṭape |
cakraṃ ca balibhimbaṃ ca samādāyānnamūrtinā || 91 ||
11.91 Zuerst bringt man Bali in der Opferhalle dar. Man nimmt den Diskus und das Bali-Bild und tritt gemeinsam mit der aus Speise gebildeten Gestalt hinaus.
sākaṃ niṣkramya sadanāttaddvāre kumudādikam |
abhyarcyapurato dadyādbaliṃ bhūmitale śucau || 92 ||
11.92 Am Eingang verehrt man Kumuda und die weiteren Wächter und legt ihnen auf reinem Boden Bali nieder.
sadasaḥ |
upakaraṇa vāhināmagre gamanam. |
pātrasthaṃ tadbalidravyaṃ ghaṇṭāṃ prasavabhājanam |
toyapūrṇaṃ ca karakaṃ dīpapātraṃ ca dīpikāḥ || 93 ||
11.93 Vorangetragen werden die Bali-Speise in ihrem Gefäß, die Glocke, das Blütengefäß, der wassergefüllte Karaka, Lampenschale und Leuchten.
dhūpapātraṃ gṛhītvāgre gacchantu paricārakāḥ |
agre annamūrtiḥ gaccet. |
agre gacchedanna mūrtistataścakramanantaram || 94 ||
11.94 Die Helfer gehen mit dem Räuchergefäß voraus. Die Speisegestalt zieht vorne, darauf folgt der Diskus.
anvaggacchet anugaschet |
tadanu nityotsa vārcāyā sayanam. |
nityotsavārcāṃ tadanu vitānādi samanvitām |
tataścaṇḍa pracaṇḍādīn dvāreṣvā varaṇeṣu ca || 95 ||
11.95 Abweichende Lesarten verwenden Verben des Nachfolgens. Darauf folgt das Bild für den täglichen Festdienst mit Baldachin und Zubehör. An den Türen und in den Umgängen verehrt man Caṇḍa, Pracaṇḍa und die übrigen Wächter.
balinikṣepaḥ. |
nityotsavaprakriyāyā balimabhyarcya nikṣipet |
madhyamārabhya ca grāme brahmādīnāṃ yathāvidhi || 96 ||
11.96 Wie beim täglichen Festdienst legt man Bali nieder. Im Ort beginnt man in der Mitte und verehrt Brahmā und die weiteren Gottheiten vorschriftsmäßig.
deśeṣvīśānaparyantaṃ datvā'bhyarcya baliṃ tataḥ |
pariśiṣṭabalidravyasya mahāpīṭhe nikṣepaḥ. |
mahāpīṭhe balidravyaṃ pariśiṣṭama śeṣataḥ || 97 ||
11.97 Nachdem man bis zum nordöstlichen Platz die jeweiligen Gottheiten verehrt und beschenkt hat, legt man sämtliche übrige Bali-Speise auf das große Opferpodest.
dadyātpāriṣadān sarvānuddiśya kamalāsana |
utsavamūrteśśayanādutthāpanam. |
muhūrte śobhane prāpte gururutsava kautukam || 98 ||
11.98 Diese Gabe gilt dem gesamten göttlichen Gefolge, Lotusgeborener. Im günstigen Augenblick erhebt der Lehrer die auf dem Lager ruhende Festgestalt.
śayanasthaṃ samutthāpya mantramuttiṣṭha pūrvakam |
uccārayan svastisūktaṃ paṭhadbhirbrāhmaṇai ssaha || 99 ||
11.99 Dabei spricht er den mit „uttiṣṭha“ beginnenden Mantra; Brahmanen begleiten ihn mit dem Svasti-Sūkta.
niṣkramya mandirāttasmā duccārya ca rathantaram |
utsava mūrterhastyādiyuktarathena paribhramaṇam. |
samāropya rathaṃ yuktaṃ caturbhirhastipuṅgavaiḥ || 100 ||
11.100 Man verlässt das Heiligtum, singt das Rathantara und setzt die Festgestalt auf einen Wagen, der von vier vorzüglichen Elefanten gezogen wird.
vājibhirvā balīvardaiśśīghragāmibhiruttamaiḥ |
kalpakadrumasaṃyuktaṃ hemakuṭai ralaṅkṛtam || 101 ||
11.101 Auch ausgezeichnete, schnelle Pferde oder Zugstiere können ihn ziehen. Der Wagen trägt einen Wunschbaum und goldene Aufbauten.
rathasyo parikṛtvā ca nayedāsthitasārathim |
yantreṇa vā vipravaryau radhīyānai rbalānvitaiḥ || 102 ||
11.102 Die Gottheit wird auf den Wagen gesetzt; ein Wagenlenker nimmt Platz. Er kann auch mittels einer Zugvorrichtung von kräftigen, vedarezitierenden Brahmanen bewegt werden.
gaje vā syandanālābhe yāne vā tadasambhave |
bhagavato yānāropaṇe mantraḥ. |
bhadraṅkarṇeti mantreṇa yānamāropayettadā || 103 ||
11.103 Ist kein Wagen vorhanden, verwendet man einen Elefanten, andernfalls ein anderes Tragfahrzeug. Beim Hinaufsetzen spricht man den Mantraanfang „bhadraṃ karṇe“.
sapuṣpahemaprabhayāyuktaṃ puṣpairalaṅkṛtam |
haimena ca vimānena yuktaṃ puṣpādiśobhinā || 104 ||
11.104 Das Fahrzeug ist mit einem blumengeschmückten goldenen Strahlenbogen und einem goldenen, mit Blüten geschmückten Aufbau versehen.
vitānena |
kuṭākāreṇa vā yuktaṃ mayūracchadaśobhinā |
sarvālaṅkāra yuktena samanaḥpariveṣinā || 105 ||
11.105 Eine Variante nennt einen Baldachin. Möglich ist auch ein hausförmiger Aufbau mit Pfauenfedern und vollständigem Schmuck, der die Gottheit umgibt. Die letzte Beschreibung ist sprachlich beschädigt.
yātropacāravidhiḥ. |
yāne tatra samāsīsamabhyarcyanyāsapūrvakam |
devaṃ nivedayettasmai bhakṣyaṃ ca pṛthukādikam || 106 ||
11.106 Nach dem Nyāsa verehrt man den auf dem Fahrzeug sitzenden Gott und bringt ihm Speisen wie flachgedrückten Reis dar.
nānyaṃ caraṇayornyasyenniśācūrṇāni sarvaśaḥ |
dīpairudagrairbahubhiḥ pariṣiktai rghṛtādinā || 107 ||
11.107 An seinen Füßen wird Kurkumapulver niedergelegt; der Beginn des Halbverses ist beschädigt. Zahlreiche hohe, mit Ghee und ähnlichen Stoffen gespeiste Lampen
parassahasrai ssarvatra dīpayecca śatāvaraiḥ |
parivāravargaḥ. |
dvijendramukhyairbahubhi rbhūṣitairdhavalāmbaraiḥ || 108 ||
11.108 beleuchten die Umgebung: mehr als tausend, mindestens aber hundert. Viele geschmückte Brahmanen in weißen Gewändern begleiten den Zug.
kañcukoṣṇīṣasahitai rvālavyajanapāṇibhiḥ |
tālavyajanahastaiśca barhibarhakaraistathā || 109 ||
11.109 Sie tragen Jacken und Turbane; in den Händen halten sie Yakschweifwedel, Palmfächer und Pfauenfederfächer,
muktātapatrahastai śca meghuḍambaradhāribhiḥ |
bhibhrāṇairdhūpapātrāṇi gandhodgārīṇī viśvataḥ || 110 ||
11.110 Perlenschirme und große, wolkengleiche Überdachungen sowie Räuchergefäße, die überall Duft verbreiten.
yānāruḍhena purato racitāñjalikarmāṇā |
ucchairdhvajādhirūḍhena tathā tārkṣyeṇa padmaja || 111 ||
11.111 Lotusgeborener, Garuḍa fährt vorne mit gefalteten Händen; außerdem erscheint er hoch oben auf der Fahne.
matsyadhvajādhirūḍena |
pṛṣṭhataśca praṇamatā śibhikāṃ kalakojjvalām |
ārūḍhena viriñcādīn samutsārayatā bahiḥ || 112 ||
11.112 Die Variante nennt eine Fischfahne. Hinten folgt auf einer prächtigen Sänfte der sich verneigende Viṣvaksena; er hält Brahmā und die übrigen Anwesenden zur Seite,
viṣvaksenena devena vedrahastena sevitaḥ |
upānahau pāduke ca pātre kanakanirmite || 113 ||
11.113 indem er den Stab in der Hand trägt. Schuhe und Sandalen werden auf ein goldenes Gefäß gelegt
samāropya puro viprairdhārayadbhiralaṅkṛtaiḥ |
rājacihnāni cānyāni yātavyamavilambitam || 114 ||
11.114 und von geschmückten Brahmanen vorne getragen, zusammen mit weiteren königlichen Insignien. Ohne Verzögerung setzt sich der Zug fort.
vipraistrayī madhīyānai rjavastuti parāyaṇaiḥ |
nṛtyatā gāyatā cāpi gāṇikyenānu sevitam || 115 ||
11.115 Brahmanen rezitieren die drei Veden und sprechen Japa und Lobpreis. Tänzerinnen und Sängerinnen begleiten den Gott.
vīṇādivādanaparairvandibhiśca tathā paraiḥ |
ṣaḍjadigītanipuṇai rvādyavādanakonidaiḥ || 116 ||
11.116 Andere spielen Vīṇā und weitere Instrumente; Lobsprecher, im Gesang mit den Tönen von Ṣaḍja an Geübte und kundige Instrumentalisten sind dabei.
gadyaṃ padyaṃ tathā miśraṃ paṭhadbhistotra mujjvalam |
bhāṣāśca bahudhā bhinnā bhāṣamāṇai rita stataḥ || 117 ||
11.117 Man trägt strahlende Hymnen in Prosa, Versen und gemischter Form vor; ringsum werden zahlreiche verschiedene Sprachen gesprochen.
vaitaṇḍi kai stathā jalpanipuṇairvāda śikṣitaiḥ |
tathā tatvakathāniṣṭhaiḥ padārthajñaiśca tārkikaiḥ || 118 ||
11.118 Dabei sind geübte Disputanten verschiedener Debattenformen, Lehrer der Wirklichkeit, Kenner der Begriffskategorien und Logiker,
vimāṃsakairyājñikaiśca cchāndasaissāṅkhyakovidaiḥ |
yogajñaiśca pūrṇajñai śśābdikaustatva vedibhiḥ || 119 ||
11.119 Mīmāṃsā-Gelehrte, Opferkundige, Vedenkenner, Sāṃkhya-Gelehrte, Yogakenner, Kenner der Purāṇas beziehungsweise umfassenden Lehre, Sprachgelehrte und Wahrheitserfahrene. Mehrere Fachbezeichnungen sind fehlerhaft geschrieben; insbesondere „pūrṇajñaiḥ“ bleibt unsicher.
mauhurtikaiśca gaṇaśaḥparasparajigīṣubhiḥ |
tattacchāstroktamārgeṇa prameyaṃ bahudhā sthitam || 120 ||
11.120 Auch Kenner günstiger Zeitpunkte kommen in Gruppen. Sie wetteifern miteinander und erörtern die verschiedenartigen Erkenntnisgegenstände nach den jeweiligen Lehrwerken.
uccairbruvāṇairva dvadbhiḥ pañca rātra parāyaṇaiḥ |
pāsudevasya mahātmyaṃ kathayadbhiśca sātvikaiḥ || 121 ||
11.121 Pāñcarātra-Kundige sprechen und diskutieren laut; reine, hingebungsvolle Menschen erzählen von Vāsudevas Größe.
saṃskṛtaṃ prākṛtaṃ miśramīra yadbhirita stataḥ |
śāstreṣu naipuṇaṃ sarvaṃ pradarśayitu mudyataiḥ || 122 ||
11.122 Sie gebrauchen Sanskrit, Prakrit und gemischte Sprache und zeigen ihre Vertrautheit mit den unterschiedlichen Lehrgebieten.
devasya purataḥpṛṣṭhe pārśvataśca sthitairjanaiḥ |
senayā sarvatodikṣu caturaṅga nalāḍhyayā || 123 ||
11.123 Menschen stehen vor, hinter und neben dem Gott. Ringsum begleitet ihn ein Heer mit seinen vier Abteilungen.
devasya pārśvayoḥpūrve lākṣā rañcitamaskaraiḥ |
yantrerdāru mayaiścitraiṛḥ pakṣyākārairiti stataḥ || 124 ||
11.124 Seitlich vor dem Gott bewegen sich farbige hölzerne Vorrichtungen in Vogelgestalt und lackrot gefärbte Stangen; die genaue Bezeichnung der Stangen ist unsicher.
sarjaka |
devatākṛti yantraiśca tathā yantrairgajādibhiḥ |
niṣādibhissamārūḍhaistrībhiśca bharatoditaiḥ || 125 ||
11.125 Eine Einzelwortvariante ist unklar. Weitere Vorrichtungen haben die Gestalt von Gottheiten oder Elefanten und tragen Lenker. Frauen führen nach den von Bharata gelehrten
mārgairbahuvidhairnṛttaṃ darśayantībhiradbhutam |
lekhāyantre striyārūḍhai ryantre ranyestathāvidhaiḥ || 126 ||
11.126 verschiedenen Formen wunderbare Tänze vor; andere befinden sich auf den hier unklar benannten Vorrichtungen und ähnlichen Aufbauten.
ḍolāyantre |
gatāgatāni kurvāṇairanuyātassamākulaiḥ |
itthamāvaraṇaṃ sarvaṃ parikramya bahi stathā || 127 ||
11.127 Die Lesart „Schaukelvorrichtung“ verdeutlicht eine mögliche Form. Lebhaft bewegen sich diese hin und her und folgen dem Zug. So umschreitet man sämtliche Umgänge und dann die Außenbereiche.
grāmādivīdhi kāśchāpi parikramya pradakṣiṇam |
praveśasamaye cāpi prākāravalayaṃ tathā || 128 ||
11.128 Auch die Straßen des Ortes werden im Uhrzeigersinn durchzogen. Bei der Rückkehr umschreitet man nochmals den Mauerring.
vāpi |
prādakṣiṇyena gatvāntaḥ praviśenmaṇṭa pāvanim |
tatrāvaropayeddevaṃ baliberaṃ tu mandire || 129 ||
11.129 Dann betritt man die Halle und hebt den Gott vom Fahrzeug. Das Bali-Bild wird ins Heiligtum gebracht,
nālayam |
cakraṃ ca yāgasadane balipīṭhe bahisthtate |
annamūrtiṃkṣipennityaṃ samārādhanakalpitaiḥ || 130 ||
11.130 der Diskus in die Opferhalle; die Speisegestalt legt man auf das draußen stehende Bali-Podest. Die täglich für den Kult vorgesehenen Materialien
vastubhirdvaguṇairnityaṃ druvabheraṃ samarcayet |
utsavabimbasya prātassiṃhāsane'vasthāpanam. |
rātriśeṣe vyatikrānai maṇṭape siṃhaviṣṭare || 131 ||
11.131 werden in doppelter Menge zur Verehrung des feststehenden Hauptbildes verwendet. Wenn der Rest der Nacht vergangen ist, stellt man das Festbild auf den Löwenthron in der Halle.
avasthāpyautsavaṃ bimbamarcayecchāntravartmanā |
tarsmibimbe vā snapanabimbe vā snapanam. |
snapanaṃ tatra vā bimbe yadvānnaparakautuke || 132 ||
11.132 Man verehrt es nach der Lehrvorschrift. Das Bad kann an diesem Bild oder am eigens dafür bestimmten Badebild vollzogen werden; die betreffende Alternativbezeichnung ist im Vers beschädigt.
ekaberavidhāne mūlabimba eva snapanam. |
ekabheravidhāne tu mūlabimbe'bhiṣecanam |
pratyahaṃ snapanaṃ mahāhavirnivedanaṃ ca. |
pratyahaṃ snapanaṃ kuryādyathāśakti yathāvidhi || 133 ||
11.133 Bei einer Anlage mit nur einem Bild wird das Hauptbild übergossen. Das Bad soll täglich nach Vorschrift und nach den eigenen Möglichkeiten stattfinden.
yathāvasu |
mehīhavirni vedyātha bimbe kalyāṇakalpite |
maṇḍanālayamāsādya śobhayodbhūṣaṇādibhiḥ || 134 ||
11.134 Die Lesart betont die verfügbaren Mittel. Nach der großen Speisegabe bringt man die glückverheißende Gestalt in die Schmuckhalle und stattet sie mit Schmuck aus.
bimbe tatra sthite yāgamaṇṭapaṃ prāpya deśikaḥ |
kumbhādikaṃ samabhyarcya nivedya ca yathoditam || 135 ||
11.135 Während das Bild dort bleibt, geht der Lehrer in die Opferhalle, verehrt die Krüge und die weiteren Einrichtungen und bringt die genannten Gaben dar.
hutvā ca pūrvavatpīṭhe baliṃ datvā yathāvidhi |
sarvamanyacca |
balyarcāyā grāmavīdhiṣu nayanam. |
balyarcāṃ nītvā grāmādivīdhikāḥ || 136 ||
11.136 Er vollzieht das Feueropfer wie zuvor und legt Bali auf das Podest. Die übrigen Dienste folgen; dann führt man das Bali-Bild durch die Straßen des Ortes.
yathāniśaṃ vidhāyānvagutsavārcaṃ nayedbhahiḥ |
utsavārcāyāḥ divasānuguṇopacāreṇa bahirnayanam. |
yathāpuramalaṅkāraṃ kṛtvā parikarāṃ stathā || 137 ||
11.137 Nachdem man alles wie nachts durchgeführt hat, führt man das Festbild hinaus. Schmuck und Begleitung werden wie zuvor hergerichtet.
divasānuguṇānanyān dhvajādīnviṣvagucchṛtān |
tāmbūlavīṭikāṃ datvā sthāne sthāne samāhṛtām || 138 ||
11.138 Weitere Ausstattungen, darunter die allseits aufgerichteten Fahnen, richten sich nach dem jeweiligen Festtag. An verschiedenen Haltepunkten werden bereitgelegte Betelbissen dargebracht,
samāhitām |
puthu kādīṃ stathā bhakṣyā nnālikeraphalāni ca |
pānīyācamānādīna coditāni yathāvidhi || 139 ||
11.139 flachgedrückter Reis und andere Speisen, Kokosnüsse sowie Trinkwasser, Mundspülwasser und die weiteren vorgeschriebenen Gaben.
datvānaivedyamakhilamadbhiḥ prokṣyāstravidyayā |
nivedayedapūpādīn pakvaṃ tūṣṇīṃ pradarśayet || 140 ||
11.140 Alle Speisegaben besprengt man mit Wasser unter dem Waffenmantra. Kuchen und Ähnliches werden dargebracht; gekochte Speisen zeigt man schweigend vor.
pānīyaṃ ca tathā svādu payaḥprabhṛti cāhṛtam |
piṣpamūlādi yaccāsyaccandanakṣodabhājanam || 141 ||
11.141 Auch süße Getränke, Milch und andere bereitgebrachte Dinge, Blüten, Wurzeln sowie Gefäße mit Sandelholzpaste
bhūṣaṇaṃ cāṅgulīyādi bhaktyā yatpratidīyate |
prokṣya sarvaṃ tathāstreṇa devaṅge yojayodguruḥ || 142 ||
11.142 und Schmuck wie Ringe, die aus Hingabe geschenkt werden, besprengt der Lehrer mit dem Waffenmantra und legt sie dem Gott an.
śibhikayā pradakṣiṇānantaraṃ snānamaṇṭape samārādhanam. |
grāmaṃ pradakṣiṇaṃ nītvātadhaivāvaraṇāni ca |
praveśya dhāma śibhikāmanyāmāropya maṅgalām || 143 ||
11.143 Nach der Umrundung des Ortes und der Tempelumgänge kehrt man ins Heiligtum zurück und setzt den Gott auf eine andere glückverheißende Sänfte.
pnānamaṇṭapabhūbhāge kāñcane paramānane |
sukhāstaraṇa saṃyukte yūnāderavaropyatam || 144 ||
11.144 In der Badehalle hebt man ihn vom Fahrzeug und setzt ihn auf einen goldenen, vorzüglichen Sitz mit weichen Decken.
kalyāṇe |
niveśyābhīṣṭadigbhāge sammukhaṃ makhakautukam |
ārādhakasya kañcakoṣṇīdhāraṇam. |
ārādhayedbhāgavata ssarvālaṅkāra saṃyutaḥ || 145 ||
11.145 Die Festgestalt blickt in die gewünschte Richtung. Der Bhāgavata, der sie verehrt, ist vollständig festlich ausgestattet.
ahatena susūkṣmeṇa vāsanā ślakṣṇatastunā |
baddoṣṇīṣottarāsaṅgaḥ karṇakārdauralaṅkṛtaḥ || 146 ||
11.146 Er trägt neue, sehr feine, glatt gewebte Stoffe als Turban und Oberkleid und ist mit Ohrschmuck geschmückt.
sauvarṇavāravāṇena dhavalena virājitaḥ |
baddhasvadehasannāhaḥ pavitratakaraśśuciḥ || 147 ||
11.147 Eine helle, goldverzierte Jacke schmückt ihn; er hat seinen Körper rituell geschützt, trägt den Pavitra-Grasring und ist rein.
paricārakāṇāṃ ca tathā. |
samārādhanavastūni nayadbhiḥ paricārakaiḥ |
kañcukoṣṇīṣavāsobhirbhavitavyaṃ samantataḥ || 148 ||
11.148 Auch die Helfer, welche die Verehrungsmaterialien bringen, tragen ringsum Jacken, Turbane und angemessene Gewänder.
pūjakasyadevadakṣiṇe upaveśaḥ. |
devasya dakṣiṇe pārśve pūjarendropaveśanam |
senārthināṃ bhagavataḥ pārśvepṛṣṭhataścopaveśaḥ. |
āsthitavyaṃ bhagavataḥ pārśvayoḥ pṛṣṭhata stataḥ || 149 ||
11.149 Der leitende Pūjā-Ausführende sitzt rechts vom Gott. Die Verehrer nehmen seitlich und hinter ihm Platz.
devasya vāmapārśvetu deśikendropaveśanam |
ekāgremānasaissarvai rekāntibhiruvāsakaiḥ |
tridaṇḍiprabhṛtīnāmupāsakāvāṃ sthitiḥ . |
āsthitavyaṃ yativaraistridaṇḍairekadaṇḍibhiḥ || 150 ||
11.150 Eine zusätzliche Lesart setzt den leitenden Lehrer links vom Gott. Alle Verehrer bleiben einspitzig gesammelt; hervorragende Asketen mit drei oder einem Stab sind anwesend.
brahmadhyāna parairanva gārādhana vidhikramam |
anusandhāyi bhiśśaśva dupaveṣṭavya mantike || 151 ||
11.151 Sie widmen sich der Meditation über Brahman und verfolgen beständig die Abfolge der Verehrung; sie sitzen in der Nähe.
bahisteṣāṃ ca kalyāṇai rvaiṣṇavai ssaṃyatendriyaiḥ |
ānasdajāśru salilai rāplutāṅgairmahīsuraiḥ || 152 ||
11.152 Außerhalb ihres Kreises sitzen tugendhafte Vaiṣṇava-Brahmanen mit beherrschten Sinnen, deren Körper von Freudentränen benetzt sind.
maṇḍapādbahi rupaveṣṭavyāḥ. |
upāsitavyamantyestu sadasyairmaṇṭapādbahiḥ |
adhastātsarvatodikṣu prapāyā mupaveśanam || 153 ||
11.153 Die übrigen Versammelten sitzen außerhalb der Halle, unten ringsum in den überdachten Bereichen. Die Form „antyaiḥ“ kann auch eine soziale Randgruppe bezeichnen; die genaue Reichweite bleibt offen.
nartakagāyakādīnāṃ sthānam. |
adhastādagrato nṛttagītavādyaviśāradaiḥ |
nāṭyaṃ bahuvidhaṃ vādyaṃ prakṛṣṭaṃ bahudhāsthitam || 154 ||
11.154 Weiter unten vor dem Gott stehen die Kenner von Tanz, Gesang und Instrumentalmusik und zeigen vielfältige Tänze und ausgezeichnete Musik.
gītaṃ ca divyaṃ ṣaḍjadyaissvaraiḥkālānusāribhiḥ |
pradarśayadbhirlāsyāni bandhanānītarāṇica || 155 ||
11.155 Sie singen göttliche Gesänge mit den Tönen von Ṣaḍja an, passend zur Zeit, und führen Lāsya-Tänze sowie weitere choreographische Formen auf.
gītaṃ ca nṛttaṃ |
nibandhāni |
āviṣkurvadbhirānyāṃśca śravyaṃ dṛśyaṃ ca taddvayam |
darśayadbhiradhīyānaistrayūṃ svādhyāyakalpitām || 156 ||
11.156 Die Varianten nennen „Gesang und Tanz“ sowie Kompositionen. Weitere Darbietungen werden hörbar und sichtbar gemacht; andere rezitieren die drei Veden nach dem vorgeschriebenen Studium.
traiyantakalpitām |
itihāsapurāṇāni kathayadbiryathāyatham |
sannidhātavyamanyābhi rvāṇinībissamantataḥ || 157 ||
11.157 Eine Variante verweist auf den Vedānta. Wieder andere erzählen aus Itihāsas und Purāṇas. Ringsum kommen weitere Frauen beziehungsweise Vortragende hinzu; das Wort „vāṇinībhiḥ“ und seine Variante sind unklar.
sarvāṇyebhiḥ |
devasya sahasradhārayā snānam. |
itthaṃ saṃsevite tatra maṇḍape madhuvidviṣam |
arcayitvā tatassnānapīṭhe nītvā yathāpuram || 158 ||
11.158 Nachdem man den Bezwinger Madhus in der so belebten Halle verehrt hat, bringt man ihn wie zuvor zum Badesitz.
sahasradhārāparyantaṃ snāpayetpuruṣottamam |
alaṅkārānantaraṃ yātrā. |
alaṅkārāsane nītvā tatra kṛtyama śeṣataḥ || 159 ||
11.159 Man badet Puruṣottama bis einschließlich der Tausendstrahl-Begießung. Danach bringt man ihn zum Schmucksitz und vollzieht dort sämtliche Dienste.
kṛtvā yātrāsane devamāropya saparicchadam |
bhojanavāsane mahāhavirnivedanam. |
praveśya maṇḍapaṃ tatra nyasettaṃ bhojavāsane || 160 ||
11.160 Mit seiner gesamten Ausstattung setzt man den Gott auf den Prozessionssitz, führt ihn in die Halle und stellt ihn dort auf den Speisesitz.
mahāhavirnivedyātha pānakāntaṃ yathoditam |
devasya rājavadupacāraḥ. |
sukhāsane sthāpayitvā rājavatsarvamācaret || 161 ||
11.161 Man bringt die große Speisegabe und alles Weitere bis zum Getränk dar. Auf dem bequemen Sitz behandelt man ihn in jeder Hinsicht wie einen König.
snāpayitvā |
alaṅkārāsanaṃ nītvā yānamāropya maṅgalam |
mahotsavanigamanam. |
avaropyāsane tatra maṇḍayitvā yathāpuram || 162 ||
11.162 Nach der Variante wird er zuvor gebadet. Man bringt ihn zum Schmucksitz, setzt ihn auf das festliche Fahrzeug, hebt ihn wieder auf den vorgesehenen Sitz und schmückt ihn wie zuvor.
alaṅkārālayaṃ |
avaropyetyetadardhaṃ kvacinna |
homādi balidānāntaṃ kṛtvā sarvama śeṣataḥ |
autsavaṃ bimbamādāya kuryādevaṃ mahotsavam || 163 ||
11.163 Eine Lesart nennt die Schmuckhalle; ein Quellenvermerk erklärt den mit „avaropya“ beginnenden Halbvers für stellenweise fehlend. Nach sämtlichen Diensten vom Feueropfer bis zur Bali-Gabe nimmt man das Festbild und feiert das große Fest in dieser Weise.
tīrthadinaparyantaṃ apūrvavastubhirupacāraḥ. |
pratyahaṃ mahamuktena vidhinā vihitaṃ kramāt |
apūrvābharaṇairmālyairapūrvaiścāmbaraistathā || 164 ||
11.164 Täglich wird die beschriebene Festordnung eingehalten. Man verwendet neue Schmuckstücke, neue Girlanden und neue Gewänder,
apūrvodyānayānādyairyathā kautūhalaṃ bhavet |
tathā viśiṣya kartavyaṃ yāvattīrthadināvadhi || 165 ||
11.165 neue Gartenfahrten und Fahrzeuge, damit freudige Erwartung entsteht. Bis zum Tag des abschließenden Festbades soll man die Ausgestaltung jeweils besonders gestalten.
pūrvānatikrameṇa sthānabhogādikalpanam. |
yasminnāsthānabhūbhāge ye bhogāḥ kalpitāḥ purā |
tatreva te vidhātavyā devasya sati sambhave || 166 ||
11.166 Wo an einem bestimmten Aufenthaltsort früher bestimmte Genüsse und Dienste eingerichtet wurden, sollen sie nach Möglichkeit weiterhin dort stattfinden.
śrībhūmibhyāṃ sākaṃ vinā pādevasya grāmādau bhramaṇam. |
śriyā vasudhayā sārdhaṃ grāmādau nityamutsave |
paribhramaṇamīśasya kevalasyāpi vā bhavet || 167 ||
11.167 Bei der täglichen Festprozession durch den Ort kann der Herr zusammen mit Śrī und Bhūmi oder auch allein umhergeführt werden.
prathamadinamārabhya ṣaṭsu dineṣu nivedanīyavastūni. |
ahani prathamādausyā dbalidānamanukramāt |
palalaṃ rajanīcūrṇaṃ karambhān lājasaṃyutān || 168 ||
11.168 Vom ersten Tag an folgen die Bali-Gaben in festgelegter Reihenfolge. Am ersten Tag verwendet man Sesamzubereitung, Kurkumapulver und mit Puffreis vermischten Getreidebrei,
caruṇā saha saṃyojya baliṃ tadyādyathāvidhi |
dvitīye'hani saṃyojya caruṇā tilataṇḍulam || 169 ||
11.169 zusammen mit Caru. Am zweiten Tag mischt man Sesam und Reis mit Caru und bringt dies vorschriftsmäßig dar.
miśritāṃścaruṇā lājā dhānānyāpūpakāṃ stathā |
tṛtīye ca caturthe ca nālikerajalaissaha || 170 ||
11.170 Mit Caru vermischter Puffreis, geröstetes Getreide und Kuchen gehören zum dritten Tag; am vierten folgen Zubereitungen mit Kokoswasser.
lājān dhānyānāyā |
saktūṃśca śālipiṣṭaṃ ca saṃyojya caruṇā saha |
paṃcame padmabhījāni pāyasaṃ śālitaṇḍulam || 171 ||
11.171 Die Einzelwortvariante bei Puffreis und Getreide ist beschädigt. Am vierten Tag mischt man geröstetes Mehl und Reismehl mit Caru; am fünften verwendet man Lotussamen, Milchreis und Reis.
ṣaṣṭhe tvapūpān saṃyojya caruṇā nikṣipedbalim |
saptamādiṣu dineṣu nivedanīyaviśeṣaḥ. |
saptamādiṣu sarvatra sārdhamannaiścaturvidhaiḥ || 172 ||
11.172 Am sechsten Tag legt man mit Caru vermischte Kuchen als Bali nieder. Vom siebten Tag an verwendet man bei den Gaben alle vier Speisearten,
apūpāṃśca tathā saktūn pratyahaṃ nikṣipedbalim |
brahmādīśānaparyantaṃ sthāneṣvaṣṭasu pūrvavat || 173 ||
11.173 zusammen mit Kuchen und geröstetem Mehl, täglich. Wie zuvor gelten die Darbietungen den acht Plätzen von Brahmā bis Īśāna.
gomayaśuddhe balipīṭhe toyapūrvaṃ balidānam. |
vidhāya balipīṭhāni gomayāliptabhūmiṣu |
teṣu vādyaṃ tathā nṛttaṃ geyaṃ nityetsave yathā || 174 ||
11.174 Die Bali-Podeste richtet man auf mit Kuhdung bestrichenem Boden her. Musik, Tanz und Gesang entsprechen dem täglichen Festdienst.
kṛtvā dadyāttoyapūrvaṃ baliṃ teyottaraṃ tathā |
balimudrāṃ darśayitvā darśayenmaṅgalāṣṭakam || 175 ||
11.175 Vor und nach der Bali-Gabe spendet man Wasser. Man zeigt die Bali-Mudrā und anschließend die acht Glückszeichen.
balipradakṣiṇam. |
baliṃ pradakṣiṇīkṛtya gaccheyurbalidāyinaḥ |
ārambhasamāptidinayoreko baliḥ madhyadineṣu balidvayam. |
ārambhadivase rātrau samāptidivase'hani || 176 ||
11.176 Nach der Umrundung der Gabe gehen die Ausführenden weiter. Am Anfangstag findet Bali nachts, am Abschlusstag tagsüber statt.
balimekāṃ kṣipenmadhyadivaseṣu balidvayam |
ahorātraṃ balidānam. |
ahni rātrau ca sarvatra balidānaṃ yathāvidhi || 177 ||
11.177 An diesen beiden Tagen gibt es je eine Bali-Darbietung, an den dazwischenliegenden Tagen zwei, nämlich tagsüber und nachts nach Vorschrift.
antadine grahaṇādisampāte balidvayam. |
avasānadine rātrau grahaṇe viṣuve'yane |
prāpte kuryādavabhṛthaṃ yadi tasmin balidvayam || 178 ||
11.178 Fällt am Abschlusstag das Avabhṛtha-Schlussbad wegen einer Finsternis, Tagundnachtgleiche oder Sonnenwende in die Nacht, gibt es auch an diesem Tag zwei Bali-Darbietungen.
grāmādirahitasthāne mahapīṭhasya puratobaliḥ. |
grāmādirahite sthāne madhye tu purato balim |
mahāpīṭhasya vitaredbrahmaṇe deśikottamaḥ || 179 ||
11.179 Liegt das Heiligtum außerhalb eines Ortes, bringt der hervorragende Lehrer die mittlere, Brahmā bestimmte Gabe vor dem großen Bali-Podest dar.
tīrthadinātpūrvedyurmṛgayā. |
purvedyustīrthadivasāddevasya mṛgayā bhavet |
mṛgayādivasātpūrvaṃ jaladroṇyavagāhanam || 180 ||
11.180 Am Tag vor dem Festbad findet die Jagdprozession statt; am Tag vor der Jagd das Eintauchen in das Wasserbecken.
tasmin dine savibhavaṃ devasya nirgamaḥ. |
avagāhadinātpūrvadivase devamarcayet |
śrībhūmibhyāṃ sahaikasmin viṣṭare vipule sthitam || 181 ||
11.181 Am Tag vor diesem Eintauchen verehrt man den Gott zusammen mit Śrī und Bhūmi auf einem gemeinsamen breiten Sitz.
udyānādau ca devībhyāṃ sārdhaṃ devasya nirgamaḥ |
kīḍrāśca tatra bahudhā darśaye ccopadāḥ punaḥ || 182 ||
11.182 Mit beiden Göttinnen führt man ihn in einen Garten oder an einen ähnlichen Ort. Dort zeigt man verschiedene Spiele und überreicht erneut Geschenke.
ccopadhāḥ |
desāntarādāhṛtapraubhṛtādinivedanam. |
deśāddeśādāhṛtāni prābhṛtāni gurussvayam |
pradarśya devadevāya janasaṃsadi maṇḍape || 183 ||
11.183 Der Lehrer selbst zeigt dem Gott der Götter die aus verschiedenen Gegenden eingegangenen Gaben in der öffentlich versammelten Halle.
ito yātamidaṃ sarva mito yātamitīryaca |
devādīnapi cāhartṝnkāle vijñāpaye ttataḥ || 184 ||
11.184 Er sagt jeweils: „Dies alles kam von dort; dies kam von dort“, und nennt zur passenden Zeit auch die göttlichen beziehungsweise menschlichen Überbringer. Die Formulierung zu den Überbringern ist beschädigt.
cāhartuṃ kāle |
deśikendraḥ devānana mapalokyasarveṣāmanugrahaṃkuryāt. |
tanmayatvāddeśikendro devo'hamiti bhāvayan |
kuryādanugrahaṃ sarvaṃ devasyālokya cānanam || 185 ||
11.185 In der inneren Einswerdung mit dem Gott denkt der leitende Lehrer: „Ich bin der Gott.“ Auf das Antlitz des Gottes blickend erteilt er allen Segen.
bhāvayet |
samīpasthairanugrahabhāvanā. |
abhiprāyaṃ yathā rājño jñātvā tena pradarśitam |
bruvanti tatsamīpasthā rājñāṃ tattadanugraham || 186 ||
11.186 So erkennen Menschen in der Nähe eines Königs dessen durch Zeichen geäußerte Absicht und verkünden die jeweils gewährte Gunst.
balyarcayā utsavesudadarśanānnamūtyorvikalpaḥ. |
sudarśanānnamūrtibhyāṃ saha tābhyāṃ vināpi vā |
saha balyarcayā kuryādvinā vā taṃ mahotsavam || 187 ||
11.187 Das große Fest kann mit Sudarśana und der Speisegestalt oder ohne beide, mit dem Bali-Bild oder ohne dieses stattfinden.
kevalotsavabimbena dineṣvavabhṛthāvadhi |
aparāhṇe jaladroṇyava gāhanam. |
jaladroṇīṃ jalasnānadine kṛtvā yathāpuram || 188 ||
11.188 Bis zum Avabhṛtha-Tag kann allein das Festbild verwendet werden. Am Tag des Wasserbades richtet man das Wasserbecken wie zuvor her.
utsavaṃ devadevasya prātarārabhya maṅgaḷam |
aparāhṇe jaladroṇyāmavagāhanamiṣyate || 189 ||
11.189 Das glückverheißende Fest des Gottes beginnt am Morgen; für den Nachmittag ist das Eintauchen in das Wasserbecken vorgesehen.
sopānadeśe sarasi jaladroṇīṃ niveśayet |
kaṭāhaṃ vāpi sauvarṇaṃ pūrayedgandhavāribhiḥ || 190 ||
11.190 Man stellt das Becken im Treppenbereich eines Teiches auf oder verwendet eine goldene Wanne und füllt sie mit Duftwasser.
muktā bhānyakṣatānyatra parito vikiret sthale |
jaleṣvāvāhya gaṅgādyāssaritastāssabhājayet || 191 ||
11.191 Ringsum auf dem Boden verstreut man Perlen und ungebrochene Körner; ein weiteres Wort der Aufzählung ist beschädigt. Im Wasser ruft man Gaṅgā und die anderen Flüsse an und verehrt sie.
kārāṇyakṣatāni |
jale'bhimantrite mantrairabliṅgairdevamarcitam |
upacārairyathāpūrvaṃ snānāntrairavagāhayet || 192 ||
11.192 Das Wasser wird mit wasserbezogenen Mantras geweiht. Nach den bisherigen Verehrungsdiensten taucht man den Gott mit Bademantras hinein; die Lesart variiert die Formulierung des Eintauchens.
snātaṃ taireva gāhayet |
tasmin kāle vāruṇasūkta vādyādighoṣaḥ. |
kāle tasminnadhīyūran sūktaṃ vāruṇamuccakaiḥ |
tanmayā dikṣu sarvāsu ghoṣayettūryamuccakaiḥ || 193 ||
11.193 Währenddessen wird laut das Vāruṇa-Sūkta rezitiert, nach einer Variante das Śākuna-Sūkta. In allen Richtungen lässt man laut Instrumente erklingen.
śākuna |
avagāḍhasya devasya yānena maṇḍapaprāpaṇam. |
avagāḍhaṃ tato devaṃ yānamāropya maṇḍapam |
anyamānīya tatrāpi yathāpūrvaṃ sabhājayet || 194 ||
11.194 Nach dem Eintauchen setzt man den Gott auf das Fahrzeug, bringt ihn in eine andere Halle und verehrt ihn dort wie zuvor.
tīrthasnanasya brahmādibhiranuṣṭhitatvam |
anuṣṭhitamidaṃ tīrthaṃ brahmadyairapi daivataiḥ |
tīrthasnānapānādiphalam. |
etaiśca tīrthasalilaiḥpītaiśśirapi dhāritaiḥ || 195 ||
11.195 Auch Brahmā und die anderen Götter haben dieses heilige Bad vollzogen. Wer, so verheißt der Text, von diesem Wasser trinkt, es auf dem Kopf trägt
snānairnirdhūtapāpmāno yānti brahma sanātanam |
utsavātpūrvamanantaraṃ vā mṛgayā. |
mṛgayādivase vāpi prātarārabhya pūrvavat || 196 ||
11.196 oder darin badet, wird von Verfehlungen gereinigt und gelangt zum ewigen Brahman. Am Tag der Jagd beginnt man ebenfalls morgens und feiert wie zuvor.
kṛtvotsavamaśeṣeṇa tasyānte mṛgayā bhavet |
mṛgayāvidhānam. |
mṛgayānuguṇaissarvairbhūṣaṇairbhūṣitaṃ tataḥ || 197 ||
11.197 Nach Abschluss des Festablaufs folgt die Jagdprozession. Der Gott wird mit allen für die Jagd geeigneten Schmuckstücken ausgestattet,
tadyogyāyudhasannāhaṃ hastyādau parikalpite |
āropya kṛtrime cāśve nayedgrāmādi pūrvavat || 198 ||
11.198 mit passenden Waffen und Rüstung versehen und auf einen hergerichteten Elefanten oder auf ein künstliches Pferd gesetzt; dann führt man ihn wie zuvor durch den Ort.
sādhu kalpite |
devībhyāṃ saha sīmādau sainyairhastyādibhiryutam |
udyanamaṇṭape cāpi madhye sauvarṇaviṣṭare || 199 ||
11.199 Die Variante sagt „gut hergerichtet“. Mit beiden Göttinnen und einem von Elefanten begleiteten Heer zieht man an die Ortsgrenze oder in eine Gartenhalle und setzt ihn dort auf einen goldenen Sitz.
mṛgayānivṛttasya devasya rātrau maṇṭapanayanam. |
āsane tatra cāsīnaṃ snānapūrvaṃ samarcayet |
maṇṭape'nyatra vidhinā nivedya ca mahāhaviḥ || 200 ||
11.200 Nach einem Bad verehrt man ihn auf diesem Sitz. In einer anderen Halle bringt man vorschriftsmäßig die große Speisegabe dar.
yānamāropya tadrātrau mandrirāntarbhuvaṃ nayet |
paścimarātribhāge tīrthabhimbādhivāsanam. |
nityotsavaṃ yathāpūrvaṃ kuryāttadanu maṅgalam || 201 ||
11.201 Nachts setzt man ihn auf das Fahrzeug und führt ihn ins Innere des Heiligtums. Danach vollzieht man den täglichen Festdienst wie zuvor.
paścime rātribhāge tu tīrthabhimābādhivāsanam |
badvā pratisaraṃ tīrthabimbābhāve caturmukha || 202 ||
11.202 Im letzten Teil der Nacht lässt man das für das Schlussbad bestimmte Bild nach dem Anlegen der Schutzschnur rituell ruhen. Ist kein solches Bild vorhanden, Viergesichtiger,
tīrthabimbābhāve utsavamūrterevakautukabandhaḥ. |
nityotsavapratikṛterabhāve tvadhivāsanam |
snānarcāyāṃ bhavedyadvā bimbasyotsavakāriṇaḥ || 203 ||
11.203 verwendet man die tägliche Festgestalt; fehlt auch diese, das Badebild oder das eigentliche Festbild. Die Satzverbindung der beiden Verse ist verkürzt, die angegebenen Ersatzbilder sind jedoch erkennbar.
utsavaṃ prātarārabhya kuryātpūrvoditakramāt |
utthāpya śāyitaṃ bimbaṃ niveśya mukhamaṇṭape || 204 ||
11.204 Am Morgen beginnt das Fest nach der früher gelehrten Ordnung. Man erhebt das ruhende Bild und setzt es in die Vorhalle, nach der Variante in die Badehalle.
snāmamaṇḍape |
ādāya sthāpitān kumbhān yāgamaṇḍapabhūmiṣu |
nītvā pradakṣiṇaṃ dhāma tīrthabhimbasya sannidau || 205 ||
11.205 Die in der Opferhalle aufgestellten Krüge nimmt man auf, trägt sie im Uhrzeigersinn um das Heiligtum und bringt sie zum Bild für das Festbad.
sthāpayitvā dhānyarāśau tīrthabimbaṃ yathāvidhi |
ekabere mūlaberasyaiva kautukabandhaḥ. |
vastrāntamarcayitvānte muhūrte śobhane guruḥ || 206 ||
11.206 Dort stellt man sie auf Getreidehaufen. Man verehrt das Badebild bis einschließlich der Bekleidung; dann vollzieht der Lehrer zur günstigen Zeit die Begießung.
ekabhere mūlabheramanyathā tīrthakautukam |
kumbaurabhyuddhṛtairdevaṃ mūlamantreṇa mantravit || 207 ||
11.207 Bei nur einem Bild gilt sie dem Hauptbild, sonst der Festbadgestalt. Der Mantrakundige verwendet die herbeigebrachten Krüge und den Grundmantra.
vūrvādimadhyakumbhāntamabhiṣiñcedyathāvidhi |
snānādidīpaparyuntaṃ pratikumbhaṃ samarcayet || 208 ||
11.208 Er beginnt mit dem östlichen Krug und endet mit dem mittleren. Nach jedem Krug verehrt er den Gott mit den Diensten vom Bad bis zur Lampe.
paṭhatsu vipravaryeṣu dikṣu svādhyāyamuccakaiḥ |
ghoṣayatsu ca vādyeṣu mantrairabdaivadairguruḥ || 209 ||
11.209 Während Brahmanen in den Himmelsrichtungen laut ihre Vedenabschnitte rezitieren und Instrumente erklingen, spricht der Lehrer wasserbezogene Mantras.
navavastrottarīyādyairdīpāntairarcite harau |
niśācūrṇavidhiḥ. |
dhvajapīṭhasya purataḥ kṣitau gomayapāriṇā || 210 ||
11.210 Nachdem Hari mit neuen Gewändern, Oberkleid und allen Diensten bis zur Lampe verehrt wurde, beginnt das Kurkumapulver-Ritual. Vor dem Fahnenpodest wird der Boden mit Kuhdungwasser bestrichen.
kṣitim |
ālipte caturaśre ca śālibhārairvikīryaca |
vastrapūrvādyalaṅkārairulūkhalamaṅkṛtam || 211 ||
11.211 Die quadratische Fläche wird mit Reis beschüttet. Ein gereinigter Mörser erhält Stoffe und den weiteren üblichen Schmuck.
kṣālitaṃ sthaṇḍile pīṭhe sthāpayitvā caturmukha |
śrīnūktavidyayā lakṣmīṃ dhyātvā mantritamarcitam || 212 ||
11.212 Viergesichtiger, man stellt ihn auf die hergerichtete Bodenplattform beziehungsweise Reisunterlage. Mit der Śrī-Sūkta-Formel wird er geweiht und verehrt, während man über Lakṣmī meditiert.
taṇḍule pīṭhe |
dhyāyan |
musalaṃ kṣālitaṃ cāpi mantritaṃ mūlavidyayā |
ādāya mārtipaissārdhaṃ deśikendrassamāhitaḥ || 213 ||
11.213 Auch der Stößel ist gereinigt und mit dem Grundmantra geweiht. Der leitende Lehrer ergreift ihn gesammelt zusammen mit den Bildhütern.
avahanyānni śācūrṇaṃ nikṣiptaṃ tadulūkhale |
gāyantyo gaṇikā gītaṃ mandire devadāsikāḥ || 214 ||
11.214 Er zerstößt das in den Mörser gelegte Kurkuma. Die Tempeltänzerinnen und Tempeldienerinnen singen dabei.
maṅgalaṃ |
avahanyurniśācūrṇaṃ yathāsūkṣmataraṃ bhavet |
devasya niśācūrṇakumbhābhiṣekaḥ. |
nikṣiptacūrṇaṃ tadanu kumbhaṃ veṣṭitavāsanam || 215 ||
11.215 Die Lesart nennt glückverheißenden Gesang. Sie zerstampfen das Kurkuma so fein wie möglich. Danach füllt man das Pulver in einen mit Stoff umhüllten Krug.
sakūrcamallakaṃ pīṭhe taṇḍulaiḥ parikalpite |
sthāpitaṃ mūlamantreṇa gandhādibhirathārcitam || 216 ||
11.216 Mit Grasbüschel und Deckel wird er auf eine Reisunterlage gestellt und mit dem Grundmantra durch Duft und weitere Gaben verehrt.
sakūrcaṃ mallakam. pallanaṃ |
ādāyakumbhacūrṇaistaiśśrīsūktenābhiṣecayet |
avabhṛthārthaṃ devassa sarittīrthanayanam. |
ṛtvijo deśikendraśca devaṃ gatvā pradakṣiṇam || 217 ||
11.217 Die Varianten betreffen Büschel, Deckel und Zweige. Man nimmt den Krug und übergießt beziehungsweise bestäubt den Gott mit seinem Pulver unter dem Śrī-Sūkta. Lehrer und Opferpriester umschreiten anschließend den Gott.
ācāryaḥ ādhāra |
aṣṭāṅgapraṇipātena praṇipatya vikīrya ca |
puṣpāṇyañjalibhirdevaṃ stutvā stotre ranekaśaḥ || 218 ||
11.218 Sie werfen sich mit acht Körperteilen nieder, streuen mit gefalteten Händen Blüten und preisen den Gott mit zahlreichen Hymnen.
ranekadhā |
alaṅkṛtairbhāgavataiśchatracāmaradhāribhiḥ |
taireva sarvairbahubhirbhāvyaṃ devasamīpagaiḥ || 219 ||
11.219 Viele festlich geschmückte Bhāgavatas halten Schirme und Yakschweifwedel und bleiben in der Nähe der Gottheit.
aropya devaṃ hāstyādau tīrthabhimbamalaṅkṛtam |
paścādutsavabimbena nīyamānena pūrvavat || 220 ||
11.220 Das geschmückte Bild für das Festbad wird auf einen Elefanten oder ein anderes Fahrzeug gesetzt; hinter ihm folgt das Festbild wie zuvor.
sahitaṃ sarita stīrthaṃ nītvā yadvā sarittaṭam |
samudre avabhṛthe niyamaḥ. |
darśe ca paurṇamāsyāṃ ca arvākcedyojanāvadau || 221 ||
11.221 Man bringt sie zu einer Badestelle oder an ein Flussufer. Am Neu- oder Vollmondtag kommt auch das Meeresufer in Betracht, sofern es innerhalb einer Yojana liegt.
parita |
samudratīramathavā maṇḍape tatra kalpite |
avaropyāsane yānā nniviṣṭe tīrthakautuke || 222 ||
11.222 Die Entfernungslesart ist beschädigt. In einer dort errichteten Halle hebt man das Festbadbild vom Fahrzeug und setzt es auf einen Sitz.
kalaśasthāpanacakrābhiṣekau. |
kalaśānagrataḥpañca viṃśatiṃ daśa sapta ca |
yadvā yadvā nava nyasya yathāvidhi yathākramam || 223 ||
11.223 Vor ihm stellt man vorschriftsmäßig 25, 17 oder neun Krüge in ihrer Ordnung auf.
yathāpuram |
kalaśairabhiñceta cakraṃ śiṣṭaiśca vāribhiḥ |
cakrasya cale majjanam. |
saritādau ca tīrtheṣu tīrthānyāvāhya nāmabhiḥ || 224 ||
11.224 Mit den Krügen begießt man den Diskus. Unter Verwendung des übrigen Wassers ruft man in der Badestelle die heiligen Wasser namentlich an.
nimajjayettatra bimbaṃ cakraṃ ca triryathāvidhi |
tīrthārthamautsave bimbe samānīte tu vāribhiḥ || 225 ||
11.225 Man taucht das Bild und den Diskus dreimal vorschriftsmäßig ein. Wurde das Festbild selbst zum Bad gebracht, gilt die im nächsten Vers genannte Besprengung. Eine Variante nennt statt des Bildes einen Krug, eine andere die Diskusmantras.
nimajjayettatra kumbhaṃ cakraṃ ca triryathā vidhi. nimajjettatra tadbimbaṃ cakramantraiḥ |
prokṣya kūrcāgrapatitairbhimbaṃ cakraṃ nimajjayet |
cakrābhāve kūrcasya vidhānam. |
cakrābhāve tu tatkūrcaṃ kevalaṃ devasannidau || 226 ||
11.226 Man besprengt das Festbild mit Wasser, das von den Spitzen des Grasbüschels fällt, und taucht den Diskus ein. Fehlt ein Diskus, verwendet man vor dem Gott allein dieses Büschel.
devena sahamajjatāṃ śāśvatalokāvāptiḥ. |
devena saha tatkāle nimajjanti ca ye narāḥ |
te nirdhūyākhubhaṃ sarvaṃ mahāpātakamapyatha || 227 ||
11.227 Menschen, die zu dieser Zeit gemeinsam mit dem Gott eintauchen, schütteln nach der Verheißung des Textes alles Unheil und selbst schwere Verfehlungen ab.
yānti druvaṃ suduṣprāpaṃ sthānamācandratārakam |
maṇḍape devasya mahāhavirnivedanam. |
maṇḍape devamānīya pūjayitvā yathāpuram || 228 ||
11.228 Sie gelangen an den schwer erreichbaren, beständigen Ort, der währt, solange Mond und Sterne bestehen. Danach bringt man den Gott in die Halle und verehrt ihn wie zuvor.
mahāhavirnivedyātha brāhmaṇān bhojayettataḥ |
pratyahaṃ brahmaṇabhojanam. |
pratyahaṃ bhojayedviprān sahasraṃ śatameva vā || 229 ||
11.229 Nach der großen Speisegabe bewirtet man die Brahmanen. Täglich sollen tausend oder hundert Brahmanen gespeist werden.
devasyālayābhyantaraprāpaṇam. |
ālayābhyantaraṃ yānamāropya prāpayettataḥ |
tadrātrau maṇḍape devaṃ nītvābhyarca yathāvidhi || 230 ||
11.230 Dann setzt man den Gott auf das Fahrzeug und bringt ihn in den Tempel zurück. In derselben Nacht führt man ihn in die Halle und verehrt ihn vorschriftsmäßig.
prabhāte cakrābjamaṇḍale puṣpayāgaḥ. |
nivedya ca yathānyāyaṃ prabhāte maṇḍapāntare |
bhaktairbhāgavataiścaiva sevite bhūtela kvacit || 231 ||
11.231 Nach den vorgeschriebenen Gaben beginnt morgens in einer anderen Halle, auf einem von Verehrern und Bhāgavatas umgebenen Bodenplatz, das Blumenopfer.
cakrābjaṃ vartayitvoktavartanā varaṇānvitam |
prasavaiḥ kālajaiśśyāmaiḥ kṛṣṇaiśca tulasīdalaiḥ || 232 ||
11.232 Man zeichnet das Diskus-Lotus-Maṇḍala samt seinen Umfassungen nach dem beschriebenen Verfahren und gestaltet es mit jahreszeitlichen Blüten sowie dunklen und schwarzen Tulasī-Blättern.
nyūvātirekarahitairvarṇaireva sitādibhiḥ |
vicitrayetpañcavarṇaiścitrite tasya madhyataḥ || 233 ||
11.233 Die fünf Farben von Weiß an sollen ohne Auslassung oder Übermaß vertreten sein. In der Mitte des so verschiedenfarbig gestalteten Maṇḍalas
tatra |
bhadrapīṭhe prabhāyuktenyaste kalyāṇakautukam |
niveśyārādhayedarghyapādyādibhiranukramāt || 234 ||
11.234 steht ein glückverheißender Sitz mit Strahlenbogen. Darauf setzt man die Festgestalt und verehrt sie nacheinander mit Arghya, Fußwasser und den weiteren Diensten.
dvādaśākṣaramantrasthānyakṣarāṇi yathāyatham |
uddiśya bhūṣāparyantairarghyārdyairnavabhiḥkramāt || 235 ||
11.235 Man richtet die neun Dienste von Arghya bis zum Schmuck jeweils auf die Silben des zwölfsilbigen Mantras.
pratyakṣaraṃ samastāni puṣpau rabhyarcayeddharim |
hṛdayādīni cāṅgāni samuddiśyāñjalisthitaiḥ || 236 ||
11.236 Für jede Silbe verehrt man Hari mit allen entsprechenden Blütengaben; ebenso richtet man die in den gefalteten Händen gehaltenen Blüten auf die Mantraglieder von Herz an.
rupacareddharim |
phalaṃ bhavatu me puṣpairnama ityavasānakam |
tantra mantraṃ samuccārya mantraviddeśikottamaḥ || 237 ||
11.237 Der ausgezeichnete, mantrakundige Lehrer spricht die betreffende Formel, die hier mit „Möge mir Frucht zuteilwerden“ und einem auf „namaḥ“ endenden Blütenausdruck überliefert ist. Die Lesarten „puṣpair“ und „puṣpaṃ namaḥ“ erlauben keine sichere Wiederherstellung einer vollständigen Mantraformel.
puṣpaṃ nama |
tatra mantraṃ |
bhūṣaṇāni tathoddiśya śrīvatpādīnyanukramāt |
āyudhāni ca divyāni cakrādīni yathākramam || 238 ||
11.238 Dann richtet man die Verehrung auf die Schmuckzeichen, von Śrīvatsa an, und auf die göttlichen Waffen, vom Diskus an, jeweils in ihrer Reihenfolge.
tathaivāvaraṇasthānāṃ devatānāṃ samarcanam |
matsyādimūrtidaśakaṃ keśavādīṃ stathā parān || 239 ||
11.239 Ebenso verehrt man die Gottheiten in den Umfassungen, die zehn Gestalten von Matsya an sowie die weiteren Gestalten von Keśava an.
caturviṃśatisaṅkhyātā nuddiśya kusumārcanam |
pauruṣeṇa tu sūktena pratyṛcaṃ kamalāsana || 240 ||
11.240 Diesen 24 Gestalten bringt man Blüten dar. Lotusgeborener, mit jedem einzelnen Vers des Puruṣa-Sūkta,
nārāyaṇānuvākena viṣṇusūktena deśikaḥ |
puṣpāṇi tadyāddevasya caraṇāmbojayordvayoḥ || 241 ||
11.241 mit dem Nārāyaṇa-Anuvāka und dem Viṣṇu-Sūkta legt der Lehrer Blüten zu beiden Lotusfüßen des Gottes.
tathaupaniṣadairmantreḥ ñcabhissarvapāpanaiḥ |
dikṣu vedāṃśca caturaḥ paṭheyurmantravittamāḥ || 242 ||
11.242 Dasselbe geschieht mit den fünf alles reinigenden Upaniṣad-Mantras. In den vier Hauptrichtungen rezitieren die besten Mantrakundigen die vier Veden.
vidikṣvekāyanāṃ śākhāṃ tanmayūssumukhā stathā |
adhīyīran tathā stotrenṛttaiśca satatodyataiḥ || 243 ||
11.243 In den Zwischenrichtungen rezitieren gesammelt und freudig Zugewandte die Ekāyana-Schule. Mit Hymnen, Tänzen und fortwährend erklingenden Instrumenten
tathātodyaiḥ |
toṣayeddevadeveśaṃ geyaiśca bahudhā sthitaiḥ |
puṣpābhiṣekaṃ prahitaiḥ puṣpaireva sitādibhiḥ || 244 ||
11.244 und vielfältigen Gesängen erfreut man den Herrn der Götter. Man vollzieht eine Blütenbegießung mit weißen und weiteren Blüten.
puṣpābhiṣekasahitaiḥ |
devasya kṛtvā devāya pāyasādi caturvidham |
annaṃ nivedya juhuyāddiśyagnermaṇḍapasca ca || 245 ||
11.245 Danach bringt man dem Gott vier Speisearten von Milchreis an dar und opfert im Südostbereich der Halle ins Feuer.
samidbhirājyaiścaru bhiścatubhirnaśca pṛthakpṛthak |
aṣṭottaraśataṃ vārān mūlamantreṇa mantravit || 246 ||
11.246 Brennholz, Ghee und die vier Caru-Zubereitungen werden jeweils 108-mal unter dem Grundmantra geopfert. Ein Wort vor „jeweils“ ist beschädigt.
devasya yānena paribhramaṇam. |
tataḥpradakṣiṇaṃ kṛtvā devaṃ stutvā ca bhūtale |
praṇayeddaṇḍadyānamāropya śibhikādikam || 247 ||
11.247 Darauf umschreitet man den Gott, lobt ihn, wirft sich lang auf die Erde nieder und setzt ihn auf eine Sänfte oder ein anderes Fahrzeug.
āgatānāṃ brāhmaṇādīnāṃ nivartanānujñā. |
praviśayedāvaraṇaṃ prathamaṃ tatra ca sthitaḥ |
sevānubhūtivivaśārna bhaktān bhāgavatāṃśca saḥ || 248 ||
11.248 Man führt ihn in den ersten Umgang. Dort gewährt der Herr den von ihrer Verehrungserfahrung erfüllten Bhaktas und Bhāgavatas den Abschied.
brahmādīnapi kalyāṇamanusandhātumāgatān |
praṇatānālayaṃ svaṃ svaṃ gantuṃ sarveśvaro hariḥ || 249 ||
11.249 Auch Brahmā und die anderen, die zur Teilnahme am glückverheißenden Fest gekommen sind und sich verneigen, weist Hari, der Herr aller, an, in ihre eigenen Wohnstätten zurückzukehren.
brahmannapi ca |
niyujyāvaraṇaṃ tacca parikramya pradakṣiṇam |
sārdhamabhyantarai rnirtaissevakai ranuyāyibhi || 250 ||
11.250 Nach der Umrundung dieses Umgangs zieht er mit den beständigen, ihm unablässig folgenden inneren Dienern weiter.
rnityaṃ |
ranapāyibhiḥ |
śāntihomaḥ pūrṇāhutiḥ. |
abhyantaraṃ mandirasya praviśenjaṅgalānvitam |
tadaharniśi pūrvasmin nyasyetsnasapanamaṇḍape || 251 ||
11.251 Unter glückverheißender Begleitung tritt er ins Heiligtum. Im ersten Nachtabschnitt dieses Tages setzt man ihn in die Badehalle; die Lesart „yāme“ verdeutlicht die Zeitangabe.
yāme |
utsavāntocitaṃ snānaṃ kalaśairā caretkramāt |
mahāhavirnivedyatha nītvātanmaṇḍapāntare || 252 ||
11.252 Mit Krügen vollzieht man in der vorgeschriebenen Reihenfolge das dem Festabschluss angemessene Bad. Nach der großen Speisegabe bringt man ihn in eine andere Halle.
yāgamaṇḍapamāsādya homaṃ kuryādyathāvidhi |
śāntihomaṃ tataḥkuryādyathā pūrvoditatramāt || 253 ||
11.253 Der Lehrer geht in die Opferhalle, vollzieht das Feueropfer nach Vorschrift und anschließend das zuvor gelehrte Śānti-Homa zur Befriedung.
prāyaścittaṃ tu juhuyātpañsopaniṣadā ghṛtam |
sahasraṃ vāśataṃ vāpi hutvā pūrṇāhutiṃ caret || 254 ||
11.254 Als Sühnehandlung opfert er mit den fünf Upaniṣad-Mantras tausend- oder hundertmal Ghee und beschließt dies mit der vollständigen Opfergabe.
agnyādīnāmudvāsanam. |
agnīn visarjayeddevān tatrasthāṃ storaṇādiṣu |
dhvajodvāsanam yajamānāya dhvaja stambhadānam. |
dhvaja stambhaṃ samāsādya pūjayitvā khagādhipam || 255 ||
11.255 Er verabschiedet die Feuer und die in ihnen sowie in den Torbögen und weiteren Orten anwesenden Gottheiten. Dann geht er zum Fahnenmast und verehrt den König der Vögel.
havirni vedya garuḍaṃ parikramya pradakṣiṇam |
tamudvasetpaṭāttārkṣyaṃ saṃhārakramamāśritaḥ || 256 ||
11.256 Nach der Speisegabe umschreitet er Garuḍa und löst dessen angerufene Gegenwart nach dem Verfahren der Rücknahme aus dem Fahnentuch.
avaropya dhvajastambha mutpāṭya ca mahāniśi |
stambhaṃ dhvajaṃ cagṛhṇīyāddeśikendrassvayaṃ tataḥ || 257 ||
11.257 Mitten in der Nacht wird die Fahne herabgenommen und der Mast ausgegraben. Der leitende Lehrer selbst nimmt anschließend Mast und Fahne entgegen.
sahadhvajaṃ |
grahaṇaṃ deśikendreṇa tārkṣyatṛptikaraṃ bhavet |
sthāne cāvāhitān devān tatra tatra sthitānapi || 258 ||
11.258 Die Lesart betont den Mast „samt Fahne“. Dass der leitende Lehrer sie annimmt, erfreut Garuḍa. Auch die an den verschiedenen Plätzen angerufenen Gottheiten
baliṃ datvā tūryaghoṣaiḥ sthāne sthāne sakṛtsakṛt |
ghoṣayitvā caturvaktra samudvāsya svanāmabhiḥ || 259 ||
11.259 verabschiedet man unter ihren Namen, nachdem man ihnen Bali gegeben und an jedem Ort einmal die Instrumente hat erklingen lassen, Viergesichtiger.
ssamutpādya |
deśikasya parijanena sākaṃ maunenāṣṭākṣarajapaḥ. |
mūkaiḥ parikaraissārdhaṃ gururaṣṭākṣaraṃ japet |
praviśya dhāma devasya vijñāpya śakaṭādikam || 260 ||
11.260 Die Variante verändert das Entlassungsverb. Der Lehrer wiederholt mit seinem schweigenden Gefolge den achtsilbigen Mantra, betritt das Heiligtum und kündigt dem Gott das bereitstehende Fahrzeug an.
parijanai |
yajamānādibhyaḥ dakṣiṇā. |
yānamāropya dhāmāntaḥ prāpayenmakhakautukam |
prabhātāyāṃ niśāyāṃ vā'nuṣṭhite yāgakarmaṇi || 261 ||
11.261 Er setzt die Festgestalt auf das Fahrzeug und bringt sie ins Tempelinnere. Nach Abschluss des Opferdienstes, am Morgen oder in dieser Nacht,
prabhāte tanniśāyāṃ |
yajamāno guruṃ vastre rbhūṣamaiḥkaṭakādibhiḥ |
sauvarṇairgandhapuṣpādpaidyairalaṅkṛtyābhipūjya ca || 262 ||
11.262 verehrt der Auftraggeber den Lehrer mit Gewändern, goldenen Armreifen und anderen Schmuckstücken, Düften, Blüten und den weiteren Gaben.
dakṣitāmuttamāṃ svarṇaśataniṣkāṃ tato'dhikām |
yathāvibhūti datvānyā dakṣiṇāḥ pratipāsaram || 263 ||
11.263 Er gibt ihm nach seinen Möglichkeiten eine vorzügliche Dakṣiṇā von hundert Gold-Niṣkas oder mehr; hinzu kommen die täglichen Vergütungen.
daśaniṣkaṃ tadardhaṃ vā tadardhaṃ vā yathāvasu |
niṣkarūpāṃ yathāśraddhamācāryaya tadardhakām || 264 ||
11.264 Dafür nennt die Quelle zehn Niṣkas, die Hälfte oder nochmals die Hälfte, je nach Vermögen, beziehungsweise eine Niṣka nach Vertrauen; die anschließende Halbierung für den Ācārya ist in ihrer Zuordnung unklar. Eine Variante liest „hundert Niṣkas“.
śataniṣkaṃ |
tadardhamṛtvijāṃ dadyāttadardhaṃ paricāriṇām |
hemavastrānnayānādyestoṣaye dupacaryayā || 265 ||
11.265 Den Opferpriestern gibt man davon die Hälfte, den Helfern wiederum die Hälfte. Man erfreut sie mit Gold, Gewändern, Speisen, Fahrzeugen und aufmerksamer Versorgung.
dupacaryaca |
gāyakādyān janān sarvānadhikārānusārataḥ |
karmāṅgabhūtānanyāṃśca kalyāṇaṃ draṣṭumāgatān || 266 ||
11.266 Auch Sänger und alle weiteren Menschen werden ihrem Dienst entsprechend bedacht, ebenso andere Mitwirkende und die zum Anschauen des Festes Gekommenen,
bharktā bhāgavatāṃśaiva sāmānyāṃścepsitairdhanaiḥ |
apyalpikāpi dātavyā dakṣiṇā yāgakarmaṇi || 267 ||
11.267 Bhaktas, Bhāgavatas und gewöhnliche Besucher, mit den gewünschten Gaben. Beim Opferdienst muss selbst eine geringe Dakṣiṇā gegeben werden.
karmirbhyo dakṣiṇāhīno niṣphalaḥkarturabjaja |
yajñaḥpratyuta kartṝṇāṃ pratyavāyāma kalpate || 268 ||
11.268 Ein Opfer ohne Entlohnung der Mitwirkenden bleibt für den Ausrichter ohne Frucht, Lotusgeborener; nach der Warnung des Textes bringt es ihm sogar nachteilige Folgen.
utsavakārakasya upakurvāṇānāṃ ca phalam. |
tasmādarthānuguṇyena dātavyā dakṣiṇā bhavet |
śraddhayā vāsudevasya sāṅgo pāṅgaṃ sadakṣiṇam || 269 ||
11.269 Darum ist die Vergütung den eigenen Mitteln entsprechend zu geben. Wer mit Vertrauen Vāsudevas Fest samt allen Haupt- und Nebenhandlungen und der Dakṣiṇā
utsavaṃ devadevasya yaḥkuryātsakulaṃ svakam |
uttarayarna svayaṃ viṣṇossāyujyaṃ gacchati druvam || 270 ||
11.270 vollzieht, führt nach der Verheißung des Textes seine ganze Familie hinüber und gelangt selbst gewiss zur Vereinigung mit Viṣṇu.
hayamedhasahasreṇa yajate yassamāhitaḥ |
yaścotsavena yajate tayostulyaphalānvayaḥ || 271 ||
11.271 Wer gesammelt tausend Pferdeopfer vollzieht und wer diesen Festdienst darbringt, erhält nach dem Text die gleiche Frucht.
yāgānāmapi sarveṣāṃ phalamutsava karmaṇā |
devasyāśnuvate sarvaṃ yaṣṭāro nāstisaṃśayaḥ || 272 ||
11.272 Die Feiernden erlangen durch das Fest des Gottes die Frucht aller Opfer, daran bestehe kein Zweifel.
karmaṇi |
rājarāṣṭrādīnāmabhyudayakathanam. |
ुpakurvanti ye martyādevasyotsava karmaṇi |
karmaṇā manasā vācā te'pi yānti yathepsitam || 273 ||
11.273 Auch Menschen, die dem Fest des Gottes durch Handeln, Denken oder Sprechen dienen, gelangen nach der Verheißung zu dem, was sie erstreben. Der Versanfang ist typographisch beschädigt.
grāme vā nagare vāpi pattene vā mahotsavaḥ |
viṣṇoḥ pravartate yatra deśe rāṣṭre'pi vā bhavet || 274 ||
11.274 Wo Viṣṇus großes Fest stattfindet, in einem Dorf, einer Stadt, einem Handelsort, einer Gegend oder einem Reich,
bhayaṃ na mṛtyorsavyādherna durbhikṣādisambhavaḥ |
nasyanti taskarāstatra nādharmassaṃpravartate || 275 ||
11.275 gebe es, so preist der Text seine Wirkung, keine Furcht vor Tod und Krankheit, keine Hungersnot; Diebe verschwänden und Unrecht breite sich nicht aus.
dharmayukto bhavedrājā janā dharmaparāyaṇāḥ |
bhavanti sukhinassarve sarvaduḥkhavivarjitāḥ || 276 ||
11.276 Der König werde rechtschaffen, die Menschen dem Dharma zugewandt; alle seien glücklich und frei von Leid. Dies ist eine religiöse Verheißung des Festlobes.
sevārthibhyaḥ pānīyādidānasya mahāphalatvam. |
mahotsave vartamāne yatarthibhyaḥpradīyate |
pānīyamannaṃ vastraṃ vā tatsavāsraguṇaṃ bhavet || 277 ||
11.277 Was man während des großen Festes den Besuchern an Wasser, Nahrung oder Kleidung gibt, soll vielfach Frucht tragen. Die überlieferte Multiplikatorform „tatsavāsraguṇam“ ist beschädigt; eine genaue Zahl wird daher nicht ergänzt.
utsave'dhikṛtānāṃ bhagavatprasādaḥ. |
puṣpamūlaphalai rijyā devasyābharaṇādikaiḥ |
kriyamāṇā yathāśakti phalānantyāya kalpate || 278 ||
11.278 Die nach den eigenen Möglichkeiten vollzogene Verehrung mit Blüten, Wurzeln, Früchten, Schmuck und ähnlichen Gaben führe zu unbegrenzter Frucht.
sevaste tatra ye devamaharniśamatantritāḥ |
teṣāmidamiyacceti phalaṃ vaktuṃ na śaktate || 279 ||
11.279 Die Frucht derjenigen, die dort Tag und Nacht unermüdlich dem Gott dienen, lasse sich nicht mit „dies“ oder „so viel“ bemessen.
alepanaṃ mārjanaṃ ca rajaḥpraśamanaṃ tathā |
vāribhirdīpikāropaṃ kṣvelanāsphoṭanādikam || 280 ||
11.280 Wer Böden bestreicht, reinigt, den Staub mit Wasser niederhält, Lampen aufstellt oder durch Jubelrufe und Klatschen mitwirkt,
kurvantiye brahmalokaṃ te yāntyamaradurlabham |
yānaṃ vahantiye viprāste yānti brahmaṇaḥpadam || 281 ||
11.281 gelange in die selbst für Götter schwer erreichbare Brahmawelt. Brahmanen, die das Fahrzeug tragen, erreichten Brahmans Stätte, nach der Lesart die höchste Stätte.
paramaṃ padam |
rathaṃ vahantiye cāśvāste'pi yānti surālayam |
chatrādidhāriṇaścāpi modantedivi mānavāḥ || 282 ||
11.282 Selbst die Pferde, die den Wagen ziehen, gelangten in die Götterwelt; Menschen, die Schirme und andere Gegenstände tragen, freuten sich im Himmel. Eine Variante nennt allgemein andere Wagenziehende.
cānye tepi |
deśiko mūrtipāścaita tathaiva paricārakāḥ |
utsave'dhikṛtā viṣṇoḥprāpnuvanti yathepsitam || 283 ||
11.283 Lehrer, Bildhüter und Helfer, die Viṣṇus Festdienst ausführen, erhielten das von ihnen Erstrebte.
ṛco yajūṃṣi sāmāni ye tatrādhīyate janāḥ |
te pare pyomni devasya pārśve vartantinispṛhāḥ || 284 ||
11.284 Wer dort Ṛg-, Yajur- und Sāma-Veda rezitiert, weile frei von Begehren an der Seite des Gottes im höchsten Raum. Der Quellenzusatz verweist auf eine vedische grammatische Gebrauchsform.
sartantīti śrautaḥ prayogaḥ |
devasya kalyāṇārādhanam. sarvakṣemakaram. |
sarvaśāntikaraṃ sarvaduḥkhotsādanamuttamam |
rājño rāṣṭrasya sukhadayāyurārogyavardhanam || 285 ||
11.285 Die große glückverheißende Verehrung Vāsudevas bringe umfassenden Frieden, vertreibe Leid, schenke König und Reich Wohlergehen und mehre Lebensdauer und Gesundheit
prajānāṃ vāsudevasya kalyāṇā rādhanaṃ mahat |
imaṃ devadayassarve viṣṇorutsavamuttamam || 286 ||
11.286 der Bevölkerung. Dieses höchste Fest Viṣṇus haben auch alle Götter gefeiert,
kṛtvā śāśvatikaṃ sthānaṃ prāpuratyantadurlabham |
tridinai kāhasādhyotsavayorvidheyā vidhayaḥ. |
utsave tridinai kāhasādhye śraddhā pravartite || 287 ||
11.287 und dadurch die überaus schwer erreichbare ewige Stätte erlangt. Bei einem aus Vertrauen veranstalteten Fest von drei Tagen oder einem Tag gelten verkürzte Regeln.
balipradānaṃ samanoyajanaṃ cādhipāsanam |
navāvāmapi kumbhānāṃ tathā tīrdhāvagāhanam || 288 ||
11.288 Die ausgedehnte Bali-Ordnung, eine hier beschädigt bezeichnete Zusammenführungshandlung, die vorbereitende Lagerung und die Einrichtung der neun Krüge sowie das Festbad
mṛgayā ca jaladroṇī varjanīyāni padmaja |
tāvatyevotsavadine tīrthānte grāmavīdhiṣu || 289 ||
11.289 und die Jagd- und Wasserbeckenzeremonie werden dabei ausgelassen, Lotusgeborener. Am betreffenden Festtag bringt man zum Abschluss auf den Straßen des Ortes die verkürzte Ordnung dar.
brahmādidevatāssadyassamāvāhya baliḥ kṣipet |
kenalodanamagnau ca homo niśyadhivāsanam || 290 ||
11.290 Man ruft Brahmā und die weiteren Gottheiten unmittelbar an und spendet Bali. Für das Feueropfer dient schlichter gekochter Reis. Die nächtliche Lagerung
snapanaṃ viṣuvādyeṣu nadyādāvavagāhanam |
puṣpayāgo jaladreṇī mṛgayā ca na yujyate || 291 ||
11.291 und das Bad zu Tagundnachtgleichen und ähnlichen Anlässen, das Eintauchen in Flüsse, das Blumenopfer, das Wasserbecken und die Jagdzeremonie gehören hier nicht dazu. Die Verbindung mit der vorherigen Auslassungsliste ist verkürzt und teilweise beschädigt.
anyatsarvaṃ yathāpūrvaṃ kartavyaṃ phalakājñkṣibhiḥ |
iti guhyatamaṃ brhamannuttamārādhanaṃ param || 292 ||
11.292 Alles Übrige sollen diejenigen, die die Frucht erstreben, wie zuvor ausführen. Brahmā, damit ist diese höchst geheime, vorzügliche und höchste Verehrung gelehrt.
Kapitel 12: Blüten, Speisegaben und die Bedeutung des Prasāda
pādmasaṃhitāyām |
dvādaśo'dhyāyaḥ |
arcananivedanopayogi phalapuṣpanirdeśaḥ. |
brahmā |
samārādhyo hariḥ puṣpaiḥ kālapakvairhavīṃṣi ca |
phalamūlāni cānyāni kāni yogyāni kathyatām || 1 ||
12.1 Im zwölften Kapitel der Padma Saṃhitā fragt Brahmā nach geeigneten Gaben: Mit welchen Blüten soll Hari verehrt werden? Welche Speisen, zur rechten Zeit gereiften Früchte, Wurzeln und weiteren Dinge sind geeignet? Eine Variante bezieht auch Blätter ein.
kaiḥpattrevān |
śrībhagavān |
puṣpāṇi nandanavanādārāmādātmanopi vā |
araṇyādvā gṛhītvā ca vikrītānyāpaṇasthalāt || 2 ||
12.2 Der erhabene Herr sprach: Man nimmt Blüten aus einem Tempelgarten, einem Park, dem eigenen Garten oder dem Wald; auch auf dem Markt gekaufte Blüten kommen in Betracht.
ayācitāni labdhāni yadvā kamalasambhava |
pūrvapūrvoditālābhe grāhyamuttaramuttaram || 3 ||
12.3 Oder man verwendet solche, die man ungebeten erhalten hat, Lotusgeborener. Ist die zuerst genannte Herkunft nicht verfügbar, greift man jeweils auf die folgende zurück.
varjyāni kusumaphalādīni. |
anyāyopārjitāvyanyadevatārthāni vā punaḥ |
agrāhyāṇi tathā bhinnaṃ mukulaṃ patitaṃ tathā || 4 ||
12.4 Nicht angenommen werden sollen unrechtmäßig erworbene oder einer anderen Gottheit zugedachte Blüten, ebenso beschädigte Blüten, Knospen und zu Boden gefallene Blüten,
jīrṇaṃ paryuṣitaṃ kīṭadūṣitaṃ pādalaṅghitam |
mlānaṃ spṛṣṭaṃ tathā'spṛśyairnītaṃ ca pratilomajaiḥ || 5 ||
12.5 alte, abgestandene, von Insekten verunreinigte, übertretene oder welke Blüten. Die Quelle schließt außerdem Blüten aus, die von als unberührbar eingestuften Menschen berührt oder von Pratiloma-Geborenen gebracht wurden; dies gehört zu ihrer historischen Sozialordnung.
puṣpādisaṅgrahavidhānam tatpātrāṇi ca. |
snātaśśuddhāmbaro maunī pāṇiṃ prakṣālya vāriṇā |
pātre puṣpāṇi gṛhṇīyādvetraje tṛṇaje'thavā || 6 ||
12.6 Gebadet, rein gekleidet und schweigend wäscht man die Hände mit Wasser und sammelt die Blüten in einem Gefäß aus Rohr oder Gras.
upādeyapuṣpāṇi. |
kalpakadrumasañjātaṃ pārijātasamudbhavam |
haricandana santānamandāradrumasambhavam || 7 ||
12.7 Geeignet sind Blüten von Kalpaka, Pārijāta, Haricandana, Santāna und Mandāra,
saugandhikodbhavaṃ puṣpaṃ ṣaḍete suradārujāḥ |
pālāśaṃ saptamaṃ puṣpamupayuktāni cārcane || 8 ||
12.8 sowie Saugandhika: Diese sechs werden als Blüten göttlicher Bäume bezeichnet. Als siebte kommt Palāśa hinzu; sie eignen sich für die Verehrung.
anirmālyāni deyāni punaḥprakṣālya vāribhiḥ |
uttarottaramekaikaṃ sahasraguṇamiṣyate || 9 ||
12.9 Sofern sie noch nicht als verbrauchte Opferreste gelten, bringt man sie nach erneutem Waschen dar. Jede folgende Art soll die Frucht der vorherigen tausendfach übertreffen. Die Lesart „aufzulegen“ verändert die Darbringungsformulierung.
samāropyāni |
prātararcanopayogi puṣpāṇi. |
prātaḥpadmadvayaṃ śastamutpalatrayamarcane |
phalaṃ ca pūrvavat jñeyaṃ tathaiva śatapatrikā || 10 ||
12.10 Für die morgendliche Verehrung werden zwei Padma-Lotusarten und drei Utpala-Arten empfohlen; auch Śatapatrikā gehört dazu. Die Frucht wird wie zuvor abgestuft.
campakaṃ ketakīyugmaṃ mālatī mādhavī tathā |
sandyāvartaṃ ca punnāgaṃ suraparṇyekaparṇikā || 11 ||
12.11 Weiter nennt die Quelle Campaka, zwei Ketakī-Arten, Mālatī, Mādhavī, Nandyāvarta, Punnāga, Suraparṇī und Ekaparṇikā;
priyaṅgu pāṭaladvandvaṃ mandāradvayameva ca |
lakṣmīśca karṇikāraśca yūdhikā kuravastathā || 12 ||
12.12 Priyaṅgu, zwei Pāṭalā-Arten, zwei Mandāra-Arten, Lakṣmī, Karṇikāra, Yūthikā und Kurava.
paṭṭikai tāni śastāni phalaṃ pūrvavadiṣyate |
madhyāhmārcanopayogīni. |
śastaṃ madhyandine śvetakaravīrajamarcane || 13 ||
12.13 Auch die als „paṭṭikā“ überlieferte Blüte wird empfohlen. Die Früchte der Verehrung gelten wie zuvor. Mittags wird die Blüte des weißen Karavīra empfohlen.
kaiṅkirātaṃ ca sauvarṇaṃ puṣpaṃ sahacarī tathā |
pradoṣārcanopayogīni. |
pūrvavacca phalaṃ vidyātpradoṣe ca praśasyate || 14 ||
12.14 Dazu kommen Kaiṅkirāta, Sauvarṇa und Sahacarī. Die Frucht gilt wiederum wie zuvor. Für die Abenddämmerung werden die folgenden Blüten empfohlen.
dadyāt |
jātiyugmaṃ vicakilaṃ malli kādvayameva ca |
vakulaṃ vanajātiśca tathā ca vanamallikā || 15 ||
12.15 Zwei Jāti-Arten, Vicakila, zwei Mallikā-Arten, Vakula, Wald-Jāti und Wald-Mallikā,
kumudaṃ vanamallī ca pūrvavacca phalaṃ smṛtam |
prātarapacitasya madhyāhne viniyogaḥ. |
prātaḥkāloditaṃ puṣpaṃ yuktaṃ madhyandinepica || 16 ||
12.16 Kumuda und Vanamallī; die Frucht ist wie zuvor angegeben. Die für den Morgen genannten Blüten können auch mittags verwendet werden.
pradoṣoditapuṣpāṇāṃ madhyarātrārcanayogyatā. |
pradoṣe kathitaṃ puṣpaṃ madhyarātre ca śasyate |
divāpuṣpairdivā niśāvuṣpaurniśi viniyogaśśastaḥ. |
divāpuṣpairdivā pūjā niśāpurṣaustathā niśi || 17 ||
12.17 Die für die Abenddämmerung genannten Blüten sind auch um Mitternacht geeignet. Mit Tagesblüten verehrt man tagsüber, mit Nachtblüten nachts.
deśakālānusārīṇi puṣpāṇi. |
deśe kāle yathāyogamarcayetpuruṣottamam |
mālatyā pūjayetprātarmadhyāhne karavīrajaiḥ || 18 ||
12.18 Man verehrt Puruṣottama mit den nach Ort und Jahreszeit passenden Blüten: morgens mit Mālatī, mittags mit Karavīra. Die Variante erlaubt in einer Notlage eine angemessene Auswahl.
apatkāle yathāyogaṃ pūjayet. prātaḥkāle |
sāyāhne jātipuṣpaistu pradoṣe vakulairapi |
madhyarātre mallikābhiryajeta |
jalajapuṣpasya sarvadā pujārhatā. |
jalajaissadā || 19 ||
12.19 Am späteren Nachmittag verwendet man Jāti, in der Abenddämmerung Vakula, um Mitternacht Mallikā. Wasserblüten können jederzeit verwendet werden.
pratyūṣe nandikāvartaiḥ kāla eṣa udāhṛtaḥ |
padmādijalapuṣpāṇāṃ dinatrayāvadhi aparyuṣitatā. |
padmādi jalapuṣpāṇāmarvāgdhartustryahādbhavet || 20 ||
12.20 Vor Tagesanbruch nimmt man Nandikāvarta; so lautet die Zeitordnung. Wasserblüten wie Lotus können bis zu drei Tage aufbewahrt werden.
dalapuṣpāṇāmarvākkartu |
na ca paryuṣito doṣo nīrajānāṃ bhavettathā |
abaddebhyaḥ prasūnebhyaḥ mālābaddhāni śreṣṭhāni. |
abaddhebhyaḥ prasūnebhyo baddhamālā praśasyate || 21 ||
12.21 Innerhalb dieser Frist trifft sie nicht der Fehler des Abgestandenseins. Gebundene Blütengirlanden werden gegenüber ungebundenen Blüten bevorzugt. Die Lesart beim Wort für Wasserblüten ist beschädigt.
nīvārāṇām |
mālāsrajossvarūpaṃ praśastibhedaśca. |
mālābhyassragvarā mālā sajātīya prasūnakā |
sraktu nānāvidhaiḥpuṣpairnirmitā kadalītvacā || 22 ||
12.22 Eine Sraj gilt wiederum als besser als eine Mālā: Eine Mālā besteht aus Blüten derselben Art, eine Sraj aus verschiedenen Blüten, verbunden mit Fasern der Bananenrinde.
prasūnajā |
sarvadā aparyuṣitāni puṣpāṇi. |
hrīberaṃ ca tamālaṃ ca tathā damanakatrayam |
na paryuṣitametaiśca sadaivārādhayeddharim || 23 ||
12.23 Hrībera, Tamāla und die drei Damanaka-Arten gelten nicht als abgestanden; mit ihnen darf Hari jederzeit verehrt werden.
tulasī catuṣṭayaṃ dūrvā bhilvapatraṃ ca pūjārhāṇi |
tulasyau sitakṛṣṇe ca kevalākṣapakāstathā |
catvārastulasībhedā dūrvā bhilvadalāni ca || 24 ||
12.24 Vier Tulasī-Arten werden genannt: die helle und die dunkle sowie die als Kevala und Akṣapaka überlieferten Formen. Dazu kommen Dūrvā-Gras und Bilva-Blätter.
sarvadārarādhanārhāṇi |
gṛhārcane karavīnaniṣedhaḥ. |
pūjā tu karavīrajai |
gṛhe kulakṣayakarī |
akṣatādayo'pyarcanopayogyāḥ. |
puṣpapatrādyasannidau || 25 ||
12.25 Sie sind jederzeit zur Verehrung geeignet. Von Karavīra bei der Hausverehrung sagt die Quelle dagegen, er führe zum Untergang der Familie. Fehlen Blüten, Blätter und ähnliche Gaben,
akṣatairarcanaṃ kuryāddhareḥ kalamajaissitaiḥ |
haviryogyāni dhānyāni. |
nīvārā veṇavaśśālyaḥ kalamādyā yavā api || 26 ||
12.26 verehrt man Hari mit weißen, ungebrochenen Kalamareiskörnern. Als Opfergetreide eignen sich Nīvāra-Wildreis, Bambusreis, Kulturreis einschließlich Kalama sowie Gerste.
haviryogyā vrīhayaśca tadabhāve prayaṅgavaḥ |
anye ca yājñikā dhānyabhedāḥkodravavarjitāḥ || 27 ||
12.27 Auch Vrīhi-Reis ist geeignet; fehlt er, nimmt man Priyaṅgu und andere für Opfer zugelassene Getreide, mit Ausnahme von Kodrava.
varjanīyāni dhānyāni. |
nīcairdattāstathā spṛṣṭāḥpatitaiḥ pratilomajaiḥ |
aśaucavadbhiraparai |
pakvāpakvayorguṇatāratamyam. |
rapakvāḥkalamādayaḥ || 28 ||
12.28 Die historische Reinheitsordnung verbietet Getreide, das von als niedrig eingestuften, ausgeschlossenen, Pratiloma-geborenen oder rituell unreinen Personen gegeben oder berührt wurde. Für die Zubereitung werden ungekochte Kalamareiskörner und entsprechende Sorten bevorzugt.
śasyante carusākeṣu pakvāśca tadasannidau |
taṇḍulānāṃ sarvavarṇebhyo'pi grāhyatā. |
cāturvarṇairupahṛtāstaṇḍulā doṣavarjitāḥ || 29 ||
12.29 Fehlen diese, kommen bereits bearbeitete beziehungsweise gekochte Körner in Betracht. Fehlerfreien Reis darf man von Menschen aller vier Varṇas annehmen. Die Bedeutung des Gegensatzes „pakva/apakva“ ist im Zusammenhang der Getreidezubereitung nicht vollständig eindeutig.
pakvaṃ nvakvetprayatnataḥ. itikośāntare |
akhaṇḍitāḥkhaṇḍitāścā bhāve trīniṣphalīkṛtāḥ | |
carupātra nirūpaṇam. |
carupātraṃ tāmramayaṃ praśastaṃ mṛṇmayaṃ tu vā || 30 ||
12.30 Eine andere Handschrift verlangt ausdrücklich, Gekochtes zu meiden. Bevorzugt werden ungebrochene Körner, ersatzweise gebrochene; die anschließende Vorschrift zur dreimaligen Entspelzung ist in mehreren Lesarten beschädigt. Als Caru-Topf empfiehlt sich Kupfer oder Ton.
bhāve ca priphalī. bhāve cchatrī. iti kvacit. bhāve trirniṣkulīkṛtāḥ. iti syātkim |
pātraśuddhi mantraḥ. |
viṣṇugāyatriyā bhāṇḍe kṣālite gālitairjalaiḥ |
purṇepraṇavasaṃspṛṣṭe |
taṇḍulakṣālanamantraḥ. |
taṇḍulānmūlavidyayā || 31 ||
12.31 Der Quellenkommentar erwägt ausdrücklich eine Wiederherstellung des Wortes für Entspelzung. Man reinigt das Gefäß mit der Viṣṇu-Gāyatrī, füllt es mit gefiltertem Wasser und berührt es unter dem Praṇava. Den Reis wäscht man unter der Grundformel
yadvā pañcopaniṣadā kṣālayedvāribhiḥpunaḥ |
pūraṇapidhānādhiśrayaṇāgnīndhanamastrāḥ. |
pūrayetpraṇavenaiva pidadhyāccakravidyayā || 32 ||
12.32 oder unter den fünf Upaniṣad-Mantras erneut mit Wasser. Unter dem Praṇava füllt man das Gefäß; mit der Diskusformel legt man den Deckel auf.
adhiśritya ca mūlena mantreṇāgniṃ samedhayet |
pañchopaniṣadairmantreḥkāṣṭhaiḥ |
pākasādhana kāṣṭhāni. |
kīṭādyatūṣitaiḥ || 33 ||
12.33 Mit dem Grundmantra setzt man es auf das Feuer; unter den fünf Upaniṣad-Mantras entfacht man dieses mit Holz, das nicht von Insekten oder ähnlichen Schäden befallen ist.
yajñavṛkṣodbhavaiḥkāṣṭhaiḥ pācayetpāvakaḥkramaḥ | |
carupariṣkāraḥ. |
pakve jalamapi srāvyasiktvājyena caruṃ punaḥ || 34 ||
12.34 Gekocht wird mit Holz von Opferbäumen nach der Feuerordnung. Ist die Speise gar, gießt man das Wasser ab und benetzt den Caru mit Ghee.
idamardhaṃ kvacinna |
udagudvāsayeddarbhaiḥphalake yajñadāruje |
caruśrapaṇe dīkṣitasambandhi strīṇāmadhikāraḥ. |
sādhayeddīkṣitaḥpākaṃ vidhino ktena tat striyaḥ || 35 ||
12.35 Der vorherige Halbvers fehlt laut Quellenvermerk an manchen Stellen. Man nimmt das Gefäß nach Norden vom Feuer und setzt es mit Darbha auf eine Unterlage aus Opferholz. Ein Eingeweihter bereitet die Speise nach der genannten Vorschrift; anschließend nennt der Text die Frauen seiner Gemeinschaft.
nastriyaḥ |
yadvā tūṣṇīṃ sādhayeyurupadaṃśāṃśca coditān |
nivedanīya phalaśākavargaḥ. |
phalamūlāni tatrādau phalāni kadalīphalam || 36 ||
12.36 Diese können die vorgeschriebenen Beilagen schweigend zubereiten. Eine abweichende Lesart „nicht Frauen“ widerspricht dieser Zulassung und bleibt als Variante erhalten. Unter den Früchten werden zunächst Bananen genannt,
āmraṃ panasamurvāruṃ bṛhatīṃ karkarīmapi |
kāravallīmalābuṃ ca kūśmāṇḍaṃ tantriṇīmapi || 37 ||
12.37 Mango, Jackfrucht, Urvāru-Gurke, Bṛhatī, Karkarī, Kāravallī, Flaschenkürbis, Kūṣmāṇḍa und Tamarinde.
vetraṃ panasa |
karavartaṃ ca niṣpāvaṃ gavākṣaṃ trapusaṃ tathā |
mudgabhedāṃśca nirdeṣān |
varjanīya phalaśākādi. |
sadoṣān parivarjayet || 38 ||
12.38 Die Variante nennt Vetra und Jackfrucht. Weiter folgen Karavarta, Niṣpāva-Bohnen, Gavākṣa, Trapuṣa-Gurke und einwandfreie Mungbohnenarten. Fehlerhafte Gaben sind zu meiden; mehrere Pflanzennamen lassen sich aus dieser Überlieferung nicht sicher botanisch bestimmen.
idaṃ padyamekaṃ kvacinnadṛśyate kvacitpūrvottarārdha veparītyamasti |
ucciṣṭaṃ krimiṇā daṣṭaṃ śivadyairlaṅghitaṃ tathā |
ghrātaṃ lālājalaspṛṣṭamamedhyaprabhavaṃ tathā || 39 ||
12.39 Ein Quellenvermerk berichtet, dass ein Vers stellenweise fehlt und seine Halbverse anderswo vertauscht sind. Ausgeschlossen sind Essensreste, von Würmern angefressene oder von Schakalen und ähnlichen Tieren übertretene Dinge, beschnupperte, speichelberührte oder aus unreinem Ursprung stammende Gaben.
ghrātamityardhaṃ kvacinna |
pādaspṛṣṭaṃ ca patitamakāle cāśucisthale |
bhuktaśeṣaṃ tathā spṛśyaisspṛṣṭaṃ dattāvaśiṣṭakam || 40 ||
12.40 Der mit „beschnuppert“ beginnende Halbvers fehlt teilweise. Ungeeignet sind außerdem mit Füßen berührte, zur Unzeit oder an unreinen Orten gefallene, bereits angebissene, von nach der damaligen Ordnung Ausgeschlossenen berührte sowie nach einer anderweitigen Gabe zurückgebliebene Dinge.
varjyaṃ vallī trayaṃ kandaṃ sūraṇadvayamutpalam |
piṇḍāradvitayaṃ cāpi |
haviryogya phalaśākādi. |
haviryogyaṃ caturmukha || 41 ||
12.41 Dies ist zu meiden. Danach nennt der Text drei Rankengewächse, Knollen, zwei Sūraṇa-Arten, Utpala und zwei Piṇḍāra-Arten als opfergeeignet, Viergesichtiger. Die Grenze zwischen Verbotsliste und Eignungsliste ist syntaktisch verkürzt; sie wird durch die überlieferte Zwischenüberschrift angezeigt.
jīvantīṃ vastukaṃ śākaṃ kāravallīdalaṃ tathā |
tumbūdalaṃ ca bhāñjīṃ ca śimbamudgadalāni ca || 42 ||
12.42 Als Gemüse nennt er Jīvantī, Vāstuka, Kāravallī-Blätter, Tumbū-Blätter, Bhāñjī sowie Blätter von Śimba und Mungbohne.
camū |
śākinīṃ śataparvāṇaṃ tathaivāśvāsamardinīm |
āgastyaṃ pācayecchākaṃ vihitaṃ brāhmaṇasya ca || 43 ||
12.43 Eine Variante bietet „camū“. Dazu kommen Śākinī, Śataparvan, Aśvāsamardinī und Agastya. Man kocht Gemüse, das auch für einen Brahmanen zulässig ist; unsichere Pflanzennamen bleiben unübersetzt.
ekamūlaveṇvaṅkurādīnāṃ parigrahyatā. |
ekamūlāni cānyāni gṛhṇīyādaniṣedhane |
aṅkurāṇyapi veṇvādivastūnāṃ kamalāsana || 44 ||
12.44 Auch andere nicht verbotene Einzelwurzeln beziehungsweise Gemüsewurzeln und Sprosse von Bambus und ähnlichen Pflanzen dürfen verwendet werden, Lotusgeborener.
śākamūlāni |
cedayitvālavitreṇa |
lavaṇādivyañjana dravyāṇi. |
lavaṇairmaricai stathā |
sarṣapairjīrakairhiṅkuśrīparṇīdalamiśritaiḥ || 45 ||
12.45 Man zerschneidet sie mit einem Schneidgerät und würzt sie mit Salz, Pfeffer, Senf, Kreuzkümmel, Asafoetida und Śrīparṇī-Blättern.
nālikeraphalairājyairyathāyogaṃ niveśitaiḥ |
saṃskāryaṃ vyañjanaṃ yūṣayuktaṃ kahitameva vā || 46 ||
12.46 Kokosnuss und Ghee werden passend hinzugefügt. Die Beilage kann mit Brühe oder ohne Brühe zubereitet werden; die betreffende Form ist beschädigt, der Gegensatz wird in Vers 48 bestätigt.
saṃskāryavarjanaṃ yūṣayuktaṃ |
āyasabhājane gharṣaṇam. |
sarpiṣā vā'yase pātre ghṛṣṭaṃ mṛṇmaya eva vā |
kalāyamudganiṣpāva śimbamāṣakulukatthākāḥ || 47 ||
12.47 Man kann die Zutaten mit Ghee in einem eisernen oder irdenen Gefäß anrösten beziehungsweise bearbeiten. Erbsen, Mungbohnen, Niṣpāva, Śimba, Māṣa und Kulattha
campa |
sayūṣaniryūṣa pākavivekaḥ. |
sayūṣā vā viyūṣā vā pacanīyā guṇānvitāḥ |
kulmāṣādīnāṃ niṣkulīkaraṇam. |
tvaco vyapohya kulmāṣāḥkāryā yadvā yathoditāḥ || 48 ||
12.48 werden in guter Qualität mit oder ohne Brühe gekocht. Für Kulmāṣa entfernt man die Schalen oder verfährt nach der sonst vorgeschriebenen Zubereitung. Eine Einzelwortvariante ist unklar.
gulmasya |
śuṣkāṇāmāmrādīnāṃ viniyogaḥ. |
āmrādīni ca śuṣkāṇi phalāni guḷatintriṇī |
miśrāṇi pacanīyāni tathā lavaṇapāsitam || 49 ||
12.49 Getrocknete Früchte wie Mango werden mit Rohzucker und Tamarinde gekocht; daneben gibt es gesalzene Zubereitungen.
kālapakvāni phalāni. |
āmraṃ ca śrṛṅgiberaṃ ca tathā kevalamiṣyate |
pasanaṃ kadalī cāmraṃ kapitthaṃ badarīphalam || 50 ||
12.50 Mango und Ingwer können auch für sich verwendet werden. Als zur rechten Zeit gereifte Früchte nennt der Text Jackfrucht, Banane, Mango, Kapittha und Jujube,
drākṣā rājādanaṃ jambhūphalaṃ toṭakamapyatha |
kharjūraṃ vetrajaṃ caiva mātuluṅgaṃ ca dāḍimam || 51 ||
12.51 Weintrauben, Rājādana, Jambū, Toṭaka, Datteln, Früchte des Vetra-Rohres, Zitronatzitrone und Granatapfel.
phalānyetāni pakvāni kālapakvāni yojayet |
paramānnavidhānam. |
kṣīraṃ cairo guṇastasya toyamardhaṃ tadardhakam || 52 ||
12.52 Diese Früchte sollen zur natürlichen Reifezeit verwendet werden. Für Paramānna nennt die Quelle Milch und anschließend beschädigt überlieferte Mengenverhältnisse, darunter Wasser zur Hälfte und nochmals eine Hälfte.
taṇḍulāstāvadeva syādbhinno mudgastadardhakaḥ |
ghṛtaṃ samuditaṃ sarvaṃ paramānnaṃ nivedayet || 53 ||
12.53 Reis soll in der entsprechenden Menge, gebrochene Mungbohne zur Hälfte und Ghee hinzukommen. Alles wird als süßer Milchreis dargebracht. Wegen der beschädigten Bezugsgröße des vorherigen Verses lässt sich kein verlässliches exaktes Rezept ableiten.
guḷānnam. |
samabhāgaṃ tu pūrvoktaistaṇḍulaissammitaṃ samam |
guḷaṃ phalena nikṣipya guḷānnaṃ tadvidurbudhāḥ || 54 ||
12.54 Für Guḍānna setzt man dem zuvor genannten Reis Rohzucker in gleicher Menge und Früchte zu. Dies nennen die Kundigen Rohzuckerreis; die Formulierung zur Gleichheit der Anteile variiert.
samavāye tu |
taṇḍulaissammitaṃ nistvaṅmudgabhinnaṃ susādhitam |
mudgānnam. |
mudgānnaṃ kālapakvaistu phalai rājyapariplutam || 55 ||
12.55 Gut gekochte, enthülste, geteilte Mungbohne wird dem Reis in entsprechender Menge zugesetzt. Diesen Mungbohnenreis bringt man mit natürlich gereiften Früchten und reichlich Ghee dar.
kevalānnam. |
nivedayetkevalānnaṃ daṇḍulai reva sādhayet |
phalāni kandaśākāni mudgabhedāstathāṅkurāḥ || 56 ||
12.56 Schlichter Reis wird nur aus Reiskörnern gekocht. Als weitere Gaben dienen Früchte, Knollen, Gemüse, verschiedene Mungbohnen und Sprosse,
payo dadhi ghṛtaṃ cāpi kālapakvaṃ tathā phalam |
upadaṃśopaskāra dravyāṇi. |
āmrādilavaṇaiścāpi śṛṅgiberādisādhitam || 57 ||
12.57 Milch, Joghurt, Ghee und natürlich gereifte Früchte sowie mit gesalzener Mango, Ingwer und ähnlichen Zutaten bereitete Beilagen.
matsyaṇḍī guḷabhedāśca yaccānyadupadaṃśakam |
uktadravyāṇāṃ mātrā. |
parimāṇamamiṣāṃ syāt yathāśraddhaṃ yathāvasu || 58 ||
12.58 Dazu kommen Matsyaṇḍī, eine dicke Zuckerzubereitung, verschiedene Rohzuckerarten und weitere Beigaben. Ihre Menge richtet sich nach Hingabe und verfügbaren Mitteln.
ca |
marīcyādi yathāyogyaṃ dravyasaṃskārakaṃ bhavet |
tāmbolopayogināgavallī kramukādīnāṃ mātrā. |
nāgamallīdalāni syuraśītiravarāstathā || 59 ||
12.59 Pfeffer und die anderen Würzstoffe werden passend zur Speise verwendet. Für die Betelgabe werden mindestens achtzig Betelblätter vorgesehen.
viṃśatiḥkramukasyāpi phalānyavarasaṅkhyayā |
aṅgāni tailaṃ takkolaṃ lavaṅgaṃ jāti reva ca || 60 ||
12.60 Dazu kommen mindestens zwanzig Arekanüsse. Als ergänzende Zutaten nennt die Quelle Öl, Takkola, Gewürznelken und Jāti, hier wohl Muskat als Würzstoff.
mātulaṅgatvaganyacca cūrṇakaṃ karpūramiśritam |
pāṣāṇajaṃ nālikeraphalaṃ pakvaṃ ca nirjalam || 61 ||
12.61 Weiter nennt sie die Schale der Zitronatzitrone, andere Pulver mit Kampfer, ein mineralisches Pulver sowie reife, vom Wasser befreite Kokosnuss.
karpūraṃ kevalaṃ vāpi āmaṃ vā śuṣkameva vā |
etairvastubhiranyaiśca nyūnabhāvivarjitaiḥ || 62 ||
12.62 Auch Kampfer allein und frische oder getrocknete Zutaten werden genannt. Mit diesen und weiteren erforderlichen Bestandteilen soll die Ausstattung vollständig sein.
tāmbūlavīṭikāstailamṛdupūgaphalānvitāḥ |
nivedya yājamānasya śraddhāvittānusārataḥ || 63 ||
12.63 Man bringt Betelbissen mit ölbehandelten, weichen Arekanüssen dar, entsprechend der Hingabe und den Mitteln des Auftraggebers.
apūpavicāraḥ. |
godhūmaśālipiṣṭātthā apūpāścāpi saṃskṛtāḥ |
guḷabhedājyamarica jīvakādyairyathāyatham || 64 ||
12.64 Kuchen werden aus Weizen- oder Reismehl mit den jeweils passenden Rohzuckerarten, Ghee, Pfeffer, Jīvaka und weiteren Zutaten bereitet. Der letzte Gewürzname ist unsicher.
guḷabhedāścamari ca |
vastubhirvividhākārā guḷapākapariplutāḥ |
puṭadagdhāni nivedanīyāni. |
puṭadagdhāṃ stilānikṣurasapākapariplutān || 65 ||
12.65 Man formt sie verschieden und tränkt sie mit gekochtem Zuckersirup. Auch im geschlossenen Garverfahren gerösteter Sesam mit eingedicktem Zuckerrohrsaft wird dargebracht.
maricairjīrakai ryuktān palalāṃśca nivedayet |
pṛthukān puṭadagdhānvā kevalānvā guḷaplutān || 66 ||
12.66 Dazu kommen mit Pfeffer und Kreuzkümmel versehene Sesamzubereitungen und flachgedrückter Reis, geröstet oder schlicht, mit Rohzucker übergossen,
maricairjīrakai ryuktān nālikeraphalaissaha |
saktūn guḷadravairmiśrān maricairapi jīrakaiḥ || 67 ||
12.67 mit Pfeffer, Kreuzkümmel und Kokosnuss; ferner geröstetes Mehl, gemischt mit flüssigem Rohzucker, Pfeffer und Kreuzkümmel.
karambhānapi pūrvoktaissaṃskārairapi sskṛtān |
bhāṇḍānāṃ śuddhiḥ puṇḍravidhānaṃ ca. |
pākasthānācca bhāṇḍānvā vāribhiḥkṣālitān bahiḥ || 68 ||
12.68 Auch Karambha wird mit den genannten Zutaten bereitet. Die Speisegefäße werden nach dem Verlassen der Kochstelle außen mit Wasser gereinigt.
bhasmanā ca caturdikṣu kṛtordhvākārapuṇḍrakān |
astramantreṇa vāsobhiścannānvā vetrapañjare || 69 ||
12.69 Mit Asche bringt man an allen vier Seiten aufwärtsgerichtete Puṇḍra-Zeichen an. Unter dem Waffenmantra deckt man die Gefäße mit Tüchern ab oder stellt sie in ein Rohrgestell.
yadvā pratiṣṭhitān bhūmau |
jaladhārāpurassaraṃ havirbhāṇḍaprāpaṇam. |
jaladhārāpurassaram |vaheyu |
haviḥpātravāhināmuṣṇiṣabandhaḥ. |
rvidhṛtoṣṇīṣāssitakañcukasaṃvṛtāḥ || 70 ||
12.70 Eine Lesart nennt das Abstellen auf dem Boden. Ein vorangießender Wasserstrahl begleitet das Tragen. Die Träger tragen Turbane und weiße Jacken.
paricaryā parā viprā |
devasyadakṣiṇabhāge haviḥpātranikṣepaḥ. |
maṇṭape mandire'pi vā |
devasya dakṣiṇepārśve nītvā phalakabhūmiṣu || 71 ||
12.71 Diese dem Dienst gewidmeten Brahmanen bringen die Gefäße in die Halle oder das Heiligtum und stellen sie rechts vom Gott auf Bretterunterlagen.
sauvarṇādipātrāṇāṃ śuddhimantraḥ. |
sauvarṇādī nipātrāṇi viṣṇugāyatriyā tataḥ |
kṣālitāni parāmṛśya |
haviḥpariveṣaṇakramaḥ. |
praṇavenājyadhārayā || 72 ||
12.72 Goldene und andere Darbringungsgefäße werden unter der Viṣṇu-Gāyatrī gewaschen und berührt. Unter dem Praṇava begießt man sie mit einem Ghee-Strahl.
nyamatrāṇi |
parāmṛjya |
pātrāṇisiktvāmantreṇa tathā darvyā havīṃṣi ca |
ādāyādāya nikṣepya mamatreṣvannamarcitam || 73 ||
12.73 Nach dem Benetzen der Gefäße nimmt man die Speisen jeweils mit einer Schöpfkelle auf und verteilt sie unter Mantrarezitation in die vorgesehenen Gefäße. Mehrere Wörter und Varianten sind beschädigt; die Abfolge der Speiseverteilung ist erkennbar.
nikṣipya mantreṇānna |
sthālīṣu baktaparimāṇam. |
khārī tadardhaṃ pādaṃ vā tadardhaṃ vā'varaṃ matam |
pratisthālīṃ pāyasādibhaktamānaṃ caturmukha || 74 ||
12.74 Viergesichtiger, pro Schale gilt für Milchreis und entsprechende Speisen eine Khāri, eine halbe, eine Viertel- oder als geringste Menge eine Achtel-Khāri.
yathāyathaṃ vyañjanāni nikṣepyāṇi ghṛtaissaha |
dadhnā ca sarvāṇya nnāni prakalpya vyañjanaissaha || 75 ||
12.75 Passende Beilagen werden mit Ghee hinzugelegt. Man richtet sämtliche Speisen mit Joghurt und Beilagen an. Ein Quellenvermerk bezeichnet einen Halbvers als stellenweise fehlend.
idamardhaṃ kvacinna |
nyāni |
nivedayeyurdepāya pānakāni ca pūjakāḥ |
coṣyāṇi lehyakhādyāni yathāvibhavavistaram || 76 ||
12.76 Die Pūjā-Ausführenden bringen dem Gott auch Getränke, zu saugende, zu leckende und zu kauende Speisen dar, ihrem Vermögen entsprechend.
bhagavanni veditasya viṣvaksenanivedane mātrā. |
niveditānāṃ turyāṃśaṃ viṣvaksenāya kalpayet |
taccāgādhajale kṣepyaṃ tadbhaktānyāpi bhojayet || 77 ||
12.77 Ein Viertel der dargebrachten Speisen wird für Viṣvaksena bestimmt. Dieses legt man in tiefes Wasser oder speist damit seine Verehrer.
viṣvaksenanivedanenaiva itarapārṣadādīnāṃ pṛtpiḥ. |
tenaivapārṣadāstṛptābhaveyurbhūta tṛptaye |
dāsyo vā gaṇikā bhojyā devasya paricārikāḥ || 78 ||
12.78 Dadurch gilt auch das übrige Gefolge als gesättigt. Zur Sättigung der Wesen können ebenso die Dienerinnen, Tänzerinnen und weiblichen Tempelbediensteten gespeist werden.
brahmeśānādiniveditasya abhojyatvam. |
brahmeśānādi devānāṃ naiva bhojyaṃ niveditam |
caṇḍādiniveditasya aspṛśyatvādi. |
na spṛśyaṃ laṅganīyaṃ ca caṇḍādīnāṃ ni veditam || 79 ||
12.79 Was Brahmā, Īśāna und anderen Gottheiten dargebracht wurde, soll nach dieser Kultordnung nicht gegessen werden. Gaben an Caṇḍa und die weiteren Wächter darf man weder berühren noch überschreiten.
aspṛśyaṃ |
tadhaiva ca |
lakṣmī prabhṛtīnāṃ niveditasya avaśyabhojyatvam. |
devīnāṃ ca śriyādīnāṃ vinatā nandanasya ca |
cakrādīnā māyudhānāṃ vastu yadyanniveditam || 80 ||
12.80 Was dagegen den Göttinnen von Śrī an, Garuḍa, dem Sohn Vinatās, und den Waffen von Sudarśana an dargebracht wurde,
bhoktavyameva sarveṣāṃ viprādīnāma śaṅkitam |
viṣṇuniveditasya atyarthapāvanatvam. |
viṣṇorniveditaṃ śuddhaṃ pāvanānāṃ ca pāvanam || 81 ||
12.81 dürfen die Angehörigen der zugelassenen Gruppen, von den Brahmanen an, ohne Bedenken essen. Viṣṇu dargebrachte Speise gilt als rein und als das Reinigendste unter den reinigenden Dingen.
prāpaṇaṃ durlabhaṃ bhojyaṃ na tyājyaṃ syātkadācana |
bhuñjānānāmedhate śrīstyajatāṃ parihīyate || 82 ||
12.82 Diese schwer zu erlangende Speise soll gegessen und niemals weggeworfen werden. Wer sie isst, dessen Wohlergehen wachse; wer sie verschmäht, dessen Wohlergehen nehme ab, so die Verheißung.
tatprāśane vratopavāsatulitatvam. |
vratopavāsatulitamaśanaṃ tasya pāvanam |
śunāmiva puroḍāśo na nīceṣu tadiṣyate || 83 ||
12.83 Ihr reinigender Genuss wird Gelübden und Fasten gleichgestellt. Zugleich verbietet die Quelle die Weitergabe an als niedrig eingestufte Menschen und verwendet dafür einen herabsetzenden Vergleich mit Hunden und Opferkuchen. Diese Aussage gehört zur historischen Ausgrenzungsordnung des Textes.
viṣṇuni veditaśeṣeṇa devatāntarapitrādiyajane'nantaphalatvam |
viṣṇorniveditānnena yaṣṭavyaṃ devatāntaram |
pitṛbhyaścāpi taddeyaṃ tadānantyā kalpate || 84 ||
12.84 Mit Viṣṇu dargebrachter Speise soll man auch andere Gottheiten verehren und die Vorfahren beschenken; dies soll unbegrenzte Frucht bringen.
viṣṇunirmūlya dhāraṇasya atipāvanatvam. |
dhāritaṃ viṣṇunirmālyaṃ candanādyanulepanam |
aharniśaṃ dhārayatāṃ na punarjananaṃ bhavet || 85 ||
12.85 Wer Viṣṇus abgelegte Opfergaben, Sandelholzpaste und andere Salbungen Tag und Nacht trägt, werde nach der Verheißung nicht wiedergeboren.
viṣṇupādodakasevanasya sarvapuruṣārthakāritā. |
tathā hi caraṇasparśi viṣṇostsripathagājalam |
punāti siddhadevarṣisaṅkhānaṃ ho vighātakam || 86 ||
12.86 So reinigt auch das Wasser der dreifach fließenden Gaṅgā, das Viṣṇus Füße berührt, die Scharen von Siddhas, Göttern und Sehern und vernichtet Verfehlungen.
pādodakaṃ ca devasya pavitraṃ paramaṃ madam |
pādyaṃ datvā jalaṃ viṣṇo rmūlamantreṇa deśikaḥ || 87 ||
12.87 Das Fußwasser des Gottes gilt als höchst heilig; die letzte Prädikatsform ist beschädigt. Nach der Darbringung des Fußwassers nimmt der Lehrer es unter Viṣṇus Grundmantra auf.
gṛhītvā śatadhāreṇa mūrdnidhāryaṃ viśuddhaye |
śodhanaṃ sarvapāpānāṃ sarvaduṣkṛtanāśanam || 88 ||
12.88 Mittels des hundertstrahligen Geräts wird es zur Reinigung auf dem Kopf getragen. Es gilt als reinigend von allen Verfehlungen und als Vernichter schlechter Handlungen.
lakṣmīvivardhanaṃ nityamāyurvṛddhikaraṃ param |
mriyamāṇassvayaṃ viṣṇoścaraṇasparśitaṃ jalam || 89 ||
12.89 Es soll Wohlergehen und Lebensdauer mehren. Wenn ein Sterbender Wasser trinkt, das Viṣṇus Füße berührt hat,
pītvā sadgatimāpnoti na cehājāyate punaḥ |
pitṛṇāṃ tarpaṇaṃ śastaṃ pāriṇā tena tarpitāḥ || 90 ||
12.90 erlange er eine gute jenseitige Bestimmung und werde hier nicht wiedergeboren. Auch die Sättigung der Vorfahren mit diesem Wasser wird gelobt.
ṛṇebhyaḥpitaro muktāvasantidivi devavat |
bhaktāya deyaṃ pādotthaṃ śāntāya śubhakarmiṇe || 91 ||
12.91 Die damit gesättigten Vorfahren würden von Schulden frei und lebten im Himmel wie Götter. Man soll dieses Fußwasser einem hingebungsvollen, friedfertigen Menschen geben, der Gutes tut,
pañcakālavidhijñāya tadanuṣṭhānaśīline |
viṣṇupādodakasya anadhikāriṇaḥ. |
na nāstikāya dātavyaṃ dātavyaṃ nābhyasūyave || 92 ||
12.92 die Ordnung der fünf täglichen Kultzeiten kennt und ausübt. Einem die religiöse Lehre Verwerfenden oder einem missgünstigen Menschen soll es nach der Zulassungsordnung des Textes nicht gegeben werden.
Kapitel 13: Die fünf täglichen Praxiszeiten und das Gebet der Hingabe
pādmasaṃhitāyām |
trayodaśo'dhyāyaḥ |
|
pañcakālavidhānapraśnaḥ. |
brahmā |
pañca kālavidhijñānaṃ praśastaṃ bhagavanniha |
vihitaṃ pañcake kāle vidhayaścāpi pañcake || 1 ||
13.1 Im dreizehnten Kapitel fragt Brahmā: Erhabener, die Kenntnis der Ordnung der fünf täglichen Zeiten wird hier gelobt. Welche Handlungen sind in diesen fünf Zeiten vorgeschrieben?
bhagavannaham |
kālā |
mahyaṃ jijñāsamānāya kathayasva yathātatham |
na cedrahasyamatyantaṃ yadahaṃ pṛṣṭavānidam || 2 ||
13.2 Erkläre sie mir wahrheitsgemäß, da ich sie kennenlernen möchte, sofern das von mir Erfragte nicht allzu geheim ist.
abhigamanādipañcakanirdeśaḥ. |
śrībhagavān |
ādyaṃ karmābhigamanamupādānamataḥparam |
ijyā ca paścātsvādhyāyastato yāgastataḥparam || 3 ||
13.3 Der erhabene Herr sprach: Die erste Handlung ist Abhigamana, das ehrfürchtige Hinzutreten; dann folgt Upādāna, das Beschaffen der Gaben, darauf Ijyā, die Verehrung, Svādhyāya, das heilige Studium, und schließlich Yoga. Die Grundlesart hat an letzter Stelle „yāga“, die Variante „yoga“; die spätere Erklärung behandelt Yoga.
yoga |
paṃcaite vidhayasteṣāṃ kālāḥpaṃcaiva te kramāt |
abhigamananirvacanam. |
kalyāṇācaraṇāntaṃ yatkarmajātaṃ caturmukha || 4 ||
13.4 Dies sind die fünf Handlungsordnungen, denen der Reihe nach fünf Zeiten entsprechen. Viergesichtiger, die Gesamtheit der Handlungen bis zur glückverheißenden persönlichen Zurüstung
utthānādikramādetadabhiyānamudīritam |
śayanotthānatatvanyāsau. |
brāhme muhūrte budhyeta dhyāyannā rāyaṇaṃ param || 5 ||
13.5 vom Aufstehen an heißt Abhigamana. In der Brahma-Muhūrta vor Sonnenaufgang erwache man und meditiere über den höchsten Nārāyaṇa.
utthāyīsīta śayane kīrtayannāma vaiṣṇavam |
krameṇa sṛṣṭvā tatvāni dehamutpādya tatvavit || 6 ||
13.6 Man richtet sich auf dem Lager auf und spricht Viṣṇus Namen. Der Kenner der Tattvas lässt diese der Reihe nach innerlich entstehen und bildet daraus den Körper.
śayanāt |
nyasya dehe ṣaḍaṅgāni mantramuccārya mānasam |
daśāvatārān vyohāṃśca caturṇāṃ mānasānapi || 7 ||
13.7 Unter innerlicher Mantrarezitation setzt er die sechs Mantraglieder in den Körper ein. Er meditiert über die zehn Avatāras und die vier Vyūhas;
dhyātvā svanāmabhistāni kīrtayitvā pṛthakpṛthak |
bahiraṭanam. |
avakuṇṭhya ca vastreṇa śarīraṃ dakṣiṇāṅghiṇā || 8 ||
13.8 jede Gestalt ruft er einzeln bei ihrem Namen. Er hüllt seinen Körper in ein Gewand und setzt zuerst den rechten Fuß
ākramya bhūmiṃ prathamaṃ pravikramamanusmaran |
namaḥ kṣitidharāyeti mantramuccārya mānasam || 9 ||
13.9 auf die Erde, während er sich an Trivikrama erinnert und innerlich spricht: „namaḥ kṣitidharāya“ – „Verehrung dem Träger der Erde.“ Der Name Trivikrama ist im Ausgangstext beschädigt geschrieben.
malavisargaḥ. |
grāmādbahirdiśaṃ gatvānairṛtīṃ nyasya dakṣiṇe |
upavītaṃ karṇadeśe vyavadhāya tṛṇādinā || 10 ||
13.10 Für die Ausscheidung geht er südwestlich aus dem Ort hinaus, legt die heilige Schnur über das rechte Ohr und bedeckt den Boden mit Gras oder Ähnlichem.
bhūmiṃ samutsṛjenmūtraṃ kiṭṭaṃ ca tadanantaram |
udaṅmukho divā kuryātsanthyayorubhayorapi || 11 ||
13.11 Dort entleert er Blase und Darm. Tagsüber und in beiden Dämmerungszeiten ist sein Gesicht nach Norden gerichtet,
bhūmau |
dakṣiṇābhimukho rātrau vāti vāte nusāriṇi |
dakṣiṇetarahastena gṛhṇīyānmehanaṃ tataḥ || 12 ||
13.12 nachts nach Süden; auch die Windrichtung wird berücksichtigt. Mit der linken Hand hält er das Glied.
dakṣiṇe mṛttikāṃ haste samutthāya |
jalāśayagamanam. |
jalāśayam |
prāgudīcyāṃ pratīcyāṃ vā gatvā śaucaṃ samācaret || 13 ||
13.13 Er nimmt Erde in die rechte Hand, steht auf und geht im Osten, Norden oder Westen zu einer Wasserstelle, um sich zu reinigen.
avayavaśauce mṛttikāsaṅkhyā. |
mṛttikābhirdvādaśabhirgudaṃ ṣaḍbhiśca mehanam |
antarācāntarā vāmakaraṃ prakṣālyavāribhiḥ || 14 ||
13.14 Den After reinigt er mit zwölf Portionen Erde, das Glied mit sechs. Dazwischen wäscht er jeweils die linke Hand mit Wasser.
mṛṇmātrābhistadante dvaukarau dvādaśasaṅkhyayā |
saṃśodhya caraṇai ṅaṅghe kaṭiṃ corū ca vāribhiḥ || 15 ||
13.15 Am Ende reinigt er beide Hände mit zwölf Portionen Erde sowie Füße, Unterschenkel, Hüften und Oberschenkel mit Wasser.
pratyekaṃ mṛttikāmātrā catuṣkoṇe viśodhayet |
dantadhāvanam. |
ā camya praṅmukhobhūtvā dantadhāvanasamācaret || 16 ||
13.16 Jeweils vier Portionen Erde werden für die betreffenden Körperbereiche genannt; die Grundlesart ist beschädigt, die Variante bietet „mit vier“. Nach Ācamana wendet er sich nach Osten und reinigt die Zähne.
catuṣkeṇa |
nyagrodhodumbharāśva tthaplakṣāmrārjunadhātakī ||
pālāśaveṇu khadiraśamīdārūṇi dhāvane || 17 ||
13.17 Als Zahnreinigungshölzer nennt der Text Nyagrodha, Udumbara, Aśvattha, Plakṣa, Mango, Arjuna, Dhātakī, Palāśa, Bambus, Khadira und Śamī.
atradvitīya tṛtīya pādayoraviśrāntatayā yojanaṃ śrautam |
dantānāmuditānyekādaśa cāmbhoruhāsana |
dantadhāvanakāṣṭhaṃ taddhvādaśāṅgulamāyatam || 18 ||
13.18 Ein Quellenkommentar erklärt die ungewöhnliche Verbindung der Versglieder als vedischen Sprachgebrauch. Diese elf Hölzer sind zur Zahnreinigung genannt, Lotusgeborener. Das Hölzchen ist zwölf Aṅgula lang,
daśāṃgulaṃ tathā mānamaṣṭāṅgulamathā pi vā |
brāhmaṇakṣatriyaviśāṃ krameṇa samudāhṛtam || 19 ||
13.19 oder zehn oder acht Aṅgula; diese Maße werden der Reihe nach Brahmanen, Kṣatriyas und Vaiśyas zugeordnet.
yatam |
jihvānirlekhanaṃ kuryā dgaṇḍūṣācamanaṃ punaḥ |
kṣālayitvā mukhaṃ toyai |
snānam. avagāhane jalāśayavikalpaḥ. |
rācāntassnānamācaret || 20 ||
13.20 Man schabt die Zunge, spült den Mund, vollzieht erneut Ācamana und wäscht das Gesicht mit Wasser. Danach folgt das Bad.
avagāhobhavedvāpyāṃ snāyādvā sarasīghu ca |
vāpyādyasaṃbhave naiva kupaiṣvāplavanaṃ bhavet || 21 ||
13.21 Man taucht in einem Stufenbecken oder Teich unter. Die anschließende Aussage zu Brunnenwasser ist wegen der Negation unsicher: Sie nennt den Fall, dass solche Becken fehlen, erlaubt das Brunnenbad aber in der Grundlesart nicht eindeutig.
taptatoyasnānanimittam. |
snānaṃ vātaptatoyena doṣavaiṣamyasambhave |
snānakramaḥ. |
nābheradhastādvā dehaṃ kṣālayitvātmanastanum || 22 ||
13.22 Bei einem Ungleichgewicht der körperlichen Doṣas kann warmes Wasser verwendet werden. Man wäscht den Körper, gegebenenfalls zunächst unterhalb des Nabels.
ācamya prokṣayeddehaṃ vāribhirmantra vittanum |
oṃ pūrvayā ca gāyatryā vāribhiścabhimantritaiḥ || 23 ||
13.23 Nach Ācamana besprengt der Mantrakundige seinen Körper mit Wasser, das durch die mit „oṃ“ eingeleitete Gāyatrī geweiht wurde.
ātmānaṃ pariṣicyordhvamutkṣi petsalilāñjalim |
yoddhukāmāni rakṣāṃsi sandhyayorubhayorapi || 24 ||
13.24 Er besprengt sich und schleudert eine Handvoll Wasser nach oben. Die in beiden Dämmerungszeiten kampfbereiten Rakṣasas
śāmyanti tairvajraghātairhastābhiprerirjalaiḥ |
prāyaścittaṃ tu hiṃsāyāḥ paribhramaṇamātmanaḥ || 25 ||
13.25 werden nach der rituellen Deutung durch dieses aus den Händen geschleuderte Wasser wie von Donnerkeilen getroffen und besänftigt. Als Sühne für die dabei gedachte Gewalt dreht man sich um die eigene Achse.
snānatarpaṇam. |
tarpayedupaviśyātha tattanmantramudīrayan |
devādīn salile tiṣṭhan sāvitrīṃ prāṅmukho japet || 26 ||
13.26 Sitzend spendet man den Göttern und den weiteren Empfängern Wasser unter ihren jeweiligen Mantras. Im Wasser stehend rezitiert man nach Osten gewandt die Sāvitrī.
upasthānam. |
yāvatsūryodayaṃ dṛṣṭvā prañjali stimirāpaham |
upasthāya svaśākhoktairmantraidhyāyan hṛdi sthitam || 27 ||
13.27 Dies geschieht bis zum Sonnenaufgang. Mit gefalteten Händen blickt man auf den Vertreiber der Dunkelheit und verehrt ihn mit den Mantras der eigenen Vedenschule, während man über seine Gegenwart im Herzen meditiert.
gurvādyabhivādanam. |
abhivādya gurūn vṛddhārna tathā bhāgavatān kramāt |
praṇamya svāśramaṃ devamabigamya yathāvidhi || 28 ||
13.28 Man grüßt der Reihe nach Lehrer, Ältere und Bhāgavatas, verneigt sich, kehrt in die eigene Wohnstätte zurück und tritt vorschriftsmäßig vor den Gott.
praviśya |
japahomāntārcanaṃ gogrāsaśca. |
arcayejjapahomāntaṃ dadyādgrāsaṃ gavāmapi |
alaṅkāraḥ. |
añjanālepanaissrigbhirvāsobhirbhūṣamaistathā || 29 ||
13.29 Man verehrt ihn bis einschließlich Japa und Feueropfer und gibt den Kühen Futter. Danach schmückt man sich mit Augensalbe, duftender Paste, Girlanden, Gewändern und Schmuck.
dadyādgrāhyaṃ yathāvidhi |
alaktakarasādyaiśca tāmbūlīmukhaśodanaiḥ |
upetomaṅgalairanyairnayedabhigamakriyām || 30 ||
13.30 Lackrot und ähnliche Mittel sowie Betel zur Reinigung des Mundes und weitere glückverheißende Ausstattungen beschließen den Abhigamana-Dienst.
upādānam. |
upādadyāttataḥpūjāsādhanāni yathāyatham |
sambharaṇīyavastūni. |
puṣpāṇi phalamūlāni vividhānyoṣadhīrapi || 31 ||
13.31 Dann beschafft man die benötigten Verehrungsmittel: verschiedene Blüten, Früchte, Wurzeln und Pflanzen,
dadhyādi ca haviryogyaṃ taṇḍulāni guḷāni ca |
snānīyāni ca vastrāṇi svādūni salilāni ca || 32 ||
13.32 Joghurt und weitere geeignete Speisegaben, Reis, Rohzucker, Badezubehör, Gewänder und wohlschmeckendes Wasser,
darbhān parṇāni samidho yathāśakti yathāvasu |
āhṛtya yājñikārdhairvā pūjāsthāne niveśayet || 33 ||
13.33 Darbha, Blätter und Brennholz, entsprechend den eigenen Kräften und Mitteln. Man bringt sie selbst oder durch geeignete Kulthelfer zum Verehrungsplatz; die betreffende Helferbezeichnung ist beschädigt.
nītvopādānasamayamitthaṃ |
ijyā. |
tadanu pūjayet |
mādhyāhnikasnānam. |
prāpte madhyāhnasamaye snānaṃ kuryādyathāvidhi || 34 ||
13.34 So verbringt man die Upādāna-Zeit. Danach folgt Ijyā. Zur Mittagszeit vollzieht man das vorgeschriebene Bad.
ṣaḍaṅganyāsamṛttikāvikṣepādi. |
nyāsamagre ṣaḍaṅgānāṃ kṛtvādāya mṛdaṃ kare |
savye nidhāya kṛtvā tu tridhā mūlāgramadhyataḥ || 35 ||
13.35 Zuerst führt man den Nyāsa der sechs Mantraglieder aus. Man nimmt Erde in die linke Hand und teilt sie dort in drei Portionen: am Handansatz, in der Mitte und vorne.
mūle sthitāṃ mṛdaṃ pūrva mabhimantryāstravidyayā |
vidikṣu dikṣu cordhvāyāmadharāyūmapi kṣipet || 36 ||
13.36 Die Portion am Ansatz weiht man zuerst mit der Waffenformel und wirft sie in die Haupt- und Zwischenrichtungen, nach oben und nach unten.
tato madhyasthitāṃ mṛtsnāmudake mūlavidyayā |
nikṣipya bhāgamagrasthaṃ karābhyāṃ karayordvayoḥ || 37 ||
13.37 Die mittlere Portion gibt man mit der Grundformel ins Wasser. Die vordere Portion nimmt man in beide Hände,
vidhāya paṅkamaṃbhobhirdarśayitvā ca pūṣaṇam |
astrahīnāṅgavidyābhirāpādatalamastakam || 38 ||
13.38 vermischt sie mit Wasser zu einer Paste und zeigt sie der Sonne. Unter den Gliederformeln mit Ausnahme des Waffenmantras bestreicht man sich von den Fußsohlen bis zum Scheitel.
pidhāya kalka |
ālipya dehamakhila mavagāhya ca vāriṣu |
devamāvāhya lakṣmīśaṃ datvā cārghyādikaṃ tataḥ || 39 ||
13.39 Nachdem der ganze Körper bestrichen ist, taucht man ins Wasser, ruft den Herrn Lakṣmīs an und bringt ihm Arghya und die folgenden Dienste dar.
tathā |
tatpādakṣālanāmbobhiḥ pāṇibhyāṃ kumbhamudrayā |
pāvanaiśśirasi nyastairātmānamabhiṣicya ca || 40 ||
13.40 Mit beiden Händen in Kumbha-Mudrā nimmt man das reinigende Wasser seiner Fußwaschung und gießt es auf den eigenen Kopf.
aghamarṣaṇam. |
vāsudevamabhidhyāyannaghamarṣaṇamācaret |
uttīrya karmanikhilaṃ madhyāhna samayocitam || 41 ||
13.41 Über Vāsudeva meditierend vollzieht man Aghamarṣaṇa, die rituelle Tilgung von Verfehlungen. Man steigt aus dem Wasser und verrichtet alle für die Mittagszeit bestimmten Handlungen.
devayajanam. |
kṛtvā yajeta deveśaṃ homāntaṃ kamalāsana |
stretreṇābhiṣṭuyāddevaṃ daṇḍavatpatitaḥkṣitau || 42 ||
13.42 Lotusgeborener, dann verehrt man den Herrn der Götter bis zum Feueropfer. Lang auf der Erde ausgestreckt lobt man ihn mit folgendem Hymnus.
devastotram. |
jitante puṇḍarīkākṣa namaste viśvabhāvana |
namaste'stu hṛṣīkeśa mahāpuruṣa pūrvaja || 43 ||
13.43 „Dir gebührt der Sieg, Lotusäugiger! Verehrung dir, der du die Welt hervorbringst. Verehrung dir, Herr der Sinne, großer Puruṣa, Erstgeborener!
namaste vāsudevāya śāntānantacidātmane |
ajitāya samastubhyaṃ ṣāḍguṇyanidhaye namaḥ || 44 ||
13.44 Verehrung Vāsudeva, dessen Selbst friedvoll, unendlich und bewusst ist! Verehrung dir, dem Unbesiegten, dem Schatz der sechs göttlichen Vollkommenheiten!
śāntānana |
mahāvibhūtisaṃsthāya manaste puruṣottama |
sahasraśirase tubhyaṃ sahasracaraṇāya te || 45 ||
13.45 Die Variante liest beim vorigen Vers „mit friedvollem Antlitz“. Verehrung dir, Puruṣottama, der du in großer Herrlichkeit bestehst, dir mit tausend Häuptern und tausend Füßen,
sahasrabāhave tubhyaṃ sahasranayanāyate |
amṛtāya namastubhyamekamūrtāya te namaḥ || 46 ||
13.46 mit tausend Armen und tausend Augen! Verehrung dir, dem Unsterblichen, der einen Gestalt – nach der Variante: dem Gestaltlosen!
amūrtāya |
aneka mūrtaye tubhya makṣarāya ca te namaḥ |
vyāpine vedavedyāya namaste paramātmane || 47 ||
13.47 Verehrung dir, der du viele Gestalten hast und unvergänglich bist! Verehrung dir, dem alles Durchdringenden, durch die Veden Erkennbaren, dem höchsten Selbst! Eine Variante sagt „unzerstörbar“.
makṣayāya |
cinmātrarūpiṇe tubhyaṃ namastraiyanta bhūmaye |
aṇiṣṭhāya sthaviṣṭhāya mahiṣṭhāya ca te namaḥ || 48 ||
13.48 Verehrung dir, dessen Wesen reines Bewusstsein ist, dem Grund des Vedānta – nach der Variante seiner Verkörperung! Verehrung dem Kleinsten, dem Größten an Ausdehnung und dem Erhabensten!
mūrtaye |
nediṣṭhāya daviṣṭhāya kṣepiṣṭhāya ca te namaḥ |
varṣiṣṭhāya yaviṣṭhāya kaniṣṭhāya namo namaḥ || 49 ||
13.49 Verehrung dem Nächsten, dem Fernsten und dem Schnellsten! Verehrung dem Ältesten, dem Jüngsten und dem Kleinsten, immer wieder Verehrung!
pañcātmane namastubhyaṃ sarvāntaryāmiṇe namaḥ |
kalpanā poḍharūpāya sṛṣṭhisthitya ntahetave || 50 ||
13.50 Verehrung dir in fünffacher Selbstgestalt, dem inneren Lenker aller! Deine Gestalt ist frei von gedanklicher Konstruktion; du bist Ursprung von Schöpfung, Erhaltung und Ende. Eine abweichende Lesart nennt die Ebergestalt.
kroḍarūpāya |
namaste guṇarūpāya guṇarūpātivartine |
vyastāya ca samastāya samastavyastarūpiṇe || 51 ||
13.51 Verehrung dir, der du die Form der Guṇas annimmst und ihre Form übersteigst, dem Einzelnen, dem Gesamten und der Gestalt beider. Die Variante zu „Gesamtes und Unmanifestes“ ist sprachlich beschädigt.
samastvavyaktamūrtayerūpiṇe |
ādimadhyāntaśūnyāya tadvadeva namo namaḥ |
praṇavapratipādyāya namaḥpraṇavarūpiṇe || 52 ||
13.52 Dir ohne Anfang, Mitte und Ende sei immer wieder Verehrung! Die Variante ergänzt zugleich „dem, der sie besitzt“. Verehrung dem durch den Praṇava Bezeichneten, dem, dessen Gestalt der Praṇava ist!
tadvate ca |
lokayātrāprasidhyarthaṃ nṛṣṭa brahmādirūpiṇe |
namastubhyaṃ nṛsiṃhādimūrtibhedāya viṣṇave || 53 ||
13.53 Damit der Lauf der Welt Bestand hat, bringst du Gestalten wie Brahmā hervor. Verehrung dir, Viṣṇu, mit den verschiedenen Erscheinungen von Narasiṃha an!
vipākaiḥkarmabhiḥklaiśairaspṛṣṭavapuṣe namaḥ |
namo brahmaṇyadevāya tejasāṃ nidhaye namaḥ || 54 ||
13.54 Verehrung dem, dessen Wesen von Handlungen, ihren Reifungen und den leidbringenden Trübungen unberührt bleibt! Verehrung dem Brahman liebenden Gott, dem Schatz allen Glanzes!
nityasādhāraṇānekalokarakṣāparicchada |
saccidānandarūpāya vareṇyāya namo namaḥ || 55 ||
13.55 Du verfügst ewig über die Mittel zum Schutz der vielen Welten. Verehrung dir, dessen Wesen Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit ist, dem Erwählenswerten!
yajamānāya yajñāya yaṣṭavyāya namo namaḥ |
ijyāphalātmane tubhyaṃ namassvādhyāyaśūtine || 56 ||
13.56 Verehrung dem Opfernden, dem Opfer und dem zu Verehrenden! Verehrung dir, dessen Wesen die Frucht der Verehrung ist und der durch heiliges Studium erschlossen wird! Das letzte Kompositum ist beschädigt.
namaḥparama hiṃsāya samassatvaguṇāyate |
sthitāya parame pyūmni bhūyo bhūyo namo namaḥ || 57 ||
13.57 Verehrung dem höchsten [vermutlich: Haṃsa], dir von reinem Sattva, der du im höchsten Raum bestehst! Immer wieder Verehrung! Die Quelle schreibt „parama hiṃsāya“; dieser Wortlaut wird nicht als gesicherter Gottesname ausgegeben.
saṃsārasāgare ghore viṣayāvartasaṅkule |
apāre dustare'gādhe patitaṃ karmabhissvakaiḥ || 58 ||
13.58 In den furchtbaren Ozean des Saṃsāra bin ich durch mein eigenes Handeln gefallen: grenzenlos, schwer zu durchqueren, unergründlich und voller Wirbel der Sinnesgegenstände.
anādhamagatiṃ bhīruṃ dayāyā parayā hare |
māmuddhara dayāsindho sindhorasmātsu dussahāt || 59 ||
13.59 Ohne Schutzherrn, ohne Ausweg und voller Furcht bin ich. Hari, Ozean des Erbarmens, hebe mich in deinem höchsten Mitgefühl aus diesem unerträglichen, schwer überquerbaren Meer!
dustarāt |
mantrahāniṃ kriyāhāniṃ hāniṃ vānyāṃ tvadarcane |
kṣamasva mama deva tvamaparādhasaho vyāsi || 60 ||
13.60 Wenn bei deiner Verehrung ein Mantra, eine Handlung oder etwas anderes unvollständig blieb, vergib mir, Gott, der du Verfehlungen erträgst!
aparādhasahasrabhājanaṃ patitaṃ bhīmabhavārṇapodare |
agatiṃ kharaṇāgataṃ hare kṛpayā kevalamātmasātkuru || 61 ||
13.61 Ein Gefäß von tausend Verfehlungen bin ich, gefallen in den furchtbaren Ozean des Werdens, ohne Ausweg, zu dir als Zuflucht gekommen. Hari, nimm mich allein aus deiner Gnade ganz zu dir!
idaṃ samagraṃ dadyaṃ śrīyāmunācāryakṛte stotra ratne dṛśyate |
janmaprabhṛtidāso'smi śiṣyo'smi tanayo'smite |
tvaṃ ca svāmī gururmātā pitā ca mama mādhava || 62 ||
13.62 Die Quellenanmerkung sagt, der vorherige Vers finde sich vollständig in Yāmunācāryas Stotraratna. Seit meiner Geburt bin ich dein Diener, dein Schüler und dein Kind; du bist mein Herr, Lehrer, meine Mutter und mein Vater, Mādhava.
nāhaṃ hitaṃ vijānāmi tvāṃ bhajāmveva kevalam |
budvaivaṃ naya govinda muktyupāyena vartmanā || 63 ||
13.63 Ich weiß nicht, was mir heilsam ist; allein dir wende ich mich zu. Erkenne dies, Govinda, und führe mich auf dem Weg, der zur Befreiung führt.
tvameva vettā śreyo me naita detaditīti ca |
buddhiyogaṃ ca me dehi yena tvāmupayāmyaham || 64 ||
13.64 Du allein weißt, was mein höchstes Wohl ist und was dazu gehört oder nicht. Gib mir die Verbindung mit der rechten Einsicht, durch die ich zu dir gelange!“ Die Variante formuliert denselben Gedanken etwas anders.
vettha śreyo me nedametaditīti ca |
iti vijñāpya deveśaṃ |
pañcamahāyajñātithisaṃskārādi. |
vaiśvadevaṃ svadhāmani |
kuryātpañca mahāyajñānapi gṛhyoktavartmanā || 65 ||
13.65 Nachdem man dies dem Herrn vorgetragen hat, vollzieht man zu Hause Vaiśvadeva und die fünf großen Opfer nach der Ordnung der häuslichen Rituallehre.
atithīnapi tatkāle yathāśakti samarcayet |
poṣyavargān bhojayitvā bhuñjīta niyatassvayam || 66 ||
13.66 Zu dieser Zeit ehrt man Gäste nach den eigenen Möglichkeiten. Erst nachdem die zu versorgenden Angehörigen gespeist sind, isst man selbst mit Selbstbeherrschung.
ijyāyāssamayastasyāḥkathitaḥkamalāsana |
svādhyāyastaddeśāśca. |
mandire vā harerna dyāstīre vā maṭhabhūmiṣu || 67 ||
13.67 Damit ist die Zeit der Ijyā erklärt, Lotusgeborener. Für Svādhyāya begibt man sich in Haris Tempel, an ein Flussufer oder in eine Klosteranlage,
āmara |
vivikte vipine vāpi parvate pā gṛhe'pi vā |
ṛco yajāṃṣi sāmāni bhidyamānānyanekadhā || 68 ||
13.68 in einen stillen Wald, auf einen Berg oder ins eigene Haus. Dort studiert man Ṛg-, Yajur- und Sāma-Veda mit ihren zahlreichen
śākhābhedairmūlaśākhāyekāyanasamāhvayām |
trayūmayīmadhīyīta sukhāsīnassamāhitaḥ || 69 ||
13.69 Schulüberlieferungen sowie die Ekāyana genannte Urschule, welche die drei Veden umfasst, bequem sitzend und gesammelt.
anyaissārdha madhīyānaiṣṣajaṅgeṣu ca rovidhaiḥ |
adhyāpayīta vā śiṣyān śāstrāṇi vividhāni ca || 70 ||
13.70 Man lernt mit anderen, die ebenfalls rezitieren und in den sechs Vedāṅgas kundig sind, oder unterrichtet Schüler in den verschiedenen Lehrwerken.
manūcānaiḥ |
adhyāpayītakovidaiḥ ityantaṃ ślokadvayaṃ kvacinnāsti |
itihāsapurāṇāni dharmaśāstrāṇi vā punaḥ |
tadārādhananiṣṭhāni samabhyasyedyathāyatham || 71 ||
13.71 Ein Quellenvermerk erklärt zwei Verse dieses Abschnitts für stellenweise fehlend. Man beschäftigt sich passend auch mit Itihāsas, Purāṇas und Dharmaśāstras, sofern sie auf seine Verehrung ausgerichtet sind.
sahavāsayogyāḥ. |
saṃsārabhīrubhirvipraistatva niṣkarṣakonidaiḥ |
sahāsītopadeśādiprakāracaturairapi || 72 ||
13.72 Man hält Gemeinschaft mit Brahmanen, die den Saṃsāra fürchten, den Sinn der Wirklichkeitslehre zu klären wissen und in Unterweisung und verwandten Tätigkeiten geübt sind.
svādhyāyakālaḥ kathitassvādhyāyopi ca kīrtitaḥ |
sāyaṃ santhyā. |
tataḥpaścimasanthyāyāṃ prāptāyāṃ tatra coditam || 73 ||
13.73 So sind Svādhyāya und seine Zeit erklärt. Wenn anschließend die Abenddämmerung eintritt, vollzieht man die dafür vorgeschriebenen Handlungen.
japahomādikaṃ sarvaṃ kṛtvā paramapuruṣam |
arcayitvā yathānyāyaṃ yathāpūrvamaśeṣataḥ || 74 ||
13.74 Man führt Japa, Feueropfer und alles Weitere aus und verehrt den höchsten Puruṣa vollständig nach der zuvor genannten Ordnung.
śayanasaṃ veśaḥ. |
bhuktvā saṃviśya śayane samutthāya mahāniśi |
ācam prayato bhūtvā dhyātvā paramapuruṣam || 75 ||
13.75 Nach dem Essen legt man sich nieder. Mitten in der Nacht steht man auf, vollzieht Ācamana, sammelt sich und meditiert über den höchsten Puruṣa.
yogaḥ. |
yogā nane sukhāsīno yuñjītātmānamātmani |
yathoktena prakāreṇa yathāśakti caturmukha || 76 ||
13.76 In einer bequemen Yogahaltung verbindet man das eigene Selbst mit dem Selbst, nach dem gelehrten Verfahren und den eigenen Kräften, Viergesichtiger.
sanasamāsīnaḥ |
saṃhārakramāśritya tatvānyātmani saṃharet |
ātmānaṃ vāpi hṛtpadme paramātmani niṣṭhite || 77 ||
13.77 Nach der Rücknahmeordnung löst man die Tattvas im eigenen Selbst auf oder das eigene Selbst im höchsten Selbst, das im Herzlotus gegenwärtig ist.
paramātmani viṣṭhite |
saṃha redutthito yogātsvāpaṃ kleśāvahaṃ tyajet |
upasaṃhāraḥ. |
ityeṣa kathito brahman yogaḥkālaśca pañcamaḥ || 78 ||
13.78 Nach dem Yoga soll man laut Grundlesart den leidbringenden Schlaf meiden; die Variante sagt stattdessen, man solle sich dem leidmindernden Schlaf zuwenden. Brahmā, damit sind Yoga und die fünfte Zeit erklärt.
kleśāpahaṃ vrajet |
pañcai te samayāḥpañca vidhaya steṣu darśitāḥ |
itthameteṣu kāleṣu darśitaiḥkarmabhirnaraḥ || 79 ||
13.79 Dies sind die fünf Zeiten und die fünf für sie gezeigten Handlungsordnungen. Wer in diesen Zeiten die beschriebenen Handlungen ausführt … Der Satz wird am Kapitelende nicht abgeschlossen.
Kapitel 14: Jahresfeste, Pavitra-Weihe und neue Ernte
pādmasaṃhitāyām |
caryāpādecaturdaśo'dhyāyaḥ |
caturdaśo'dhyāyaḥ |
kālavibhāganibandhanabhagavadārādhananirūpaṇam. |
brahmā |
māsi māsi praśastāni nakṣatrāṇi janārdana |
bhagavan kāni yeṣu syādarcanaṃ paramaṃ smṛtam || 1 ||
14.1 Im vierzehnten Kapitel des Caryāpāda fragt Brahmā nach der zeitlichen Ordnung der Verehrung: Janārdana, welche Mondhäuser gelten in den einzelnen Monaten als besonders geeignet für die höchste Verehrung?
kāni cāṃśāvatārāṇāṃ janmarkṣāṇi yuge yuge |
ucyatāṃ tāni deveśa śrotumicchāmi tatvataḥ || 2 ||
14.2 Welche sind in den jeweiligen Weltaltern die Geburtsgestirne deiner Teilerscheinungen? Herr der Götter, erkläre sie; ich möchte sie genau hören.
śrīrāmajayantī. |
śrībhagavān |
caitre māsi punarvasvorjanma rāmasya maṅgalam |
tithau navamyāṃ lagne ca kulīre kamalāsana || 3 ||
14.3 Der erhabene Herr sprach: Im Monat Caitra, unter Punarvasu, am neunten Mondtag und bei Krebs als Aszendent, fand Rāmas glückverheißende Geburt statt, Lotusgeborener.
rāghavasyāprameyasya nakṣatre tatra rāghavam |
devyāca sītayā sardhamarcayitvā yathāvidhi || 4 ||
14.4 Unter diesem Gestirn verehrt man den unermesslichen Rāghava zusammen mit seiner Göttin Sītā nach Vorschrift.
utsavaśca bhavettasmin sarvamaṅgalasaṃyutaḥ |
bharatādīnāṃ janmakālapūjā. |
puṣye ca mīnalagne ca bharatassamajāyata || 5 ||
14.5 Dabei findet ein Fest mit allen Glückszeichen statt. Bharata wurde unter Puṣya und bei Fische als Aszendent geboren.
tatra syādarcanaṃ devyā māṇḍavyā saha pūrvavat |
utsavaśca tathā sarpe nakṣatre lakṣmaṇo'pi ca || 6 ||
14.6 An diesem Tag wird er mit Māṇḍavī wie zuvor verehrt und festlich gefeiert. Unter dem Schlangengestirn, Āśleṣā, wurden Lakṣmaṇa
śatrughnaśca kulīre ca lagne jātastadarcanam |
ubhayostatra divase devyā cormilayā saha || 7 ||
14.7 und Śatrughna bei Krebs als Aszendent geboren. An diesem Tag verehrt man beide, Lakṣmaṇa zusammen mit Urmilā,
lakṣmaṇasyetarasyāpi śrutakīrtyā mahotsavaḥ |
rāmajanmanakṣatre vā bharatādīnāṃ pujā. |
rāmasya janmanakṣatre sarve vā bharatādayaḥ || 8 ||
14.8 den anderen mit Śrutakīrti, in einem großen Fest. Oder Bharata und alle weiteren werden an Rāmas Geburtsgestirn verehrt,
arcanīyā hanumatā sardhaṃ sarvairmahotsavaḥ |
nṛsiṃhajayantī. |
tatraiva śravaṇe caiva sāyāhne narakesarī || 9 ||
14.9 zusammen mit Hanumān in einer gemeinsamen Feier. Im selben Monat wird unter Śravaṇa am Abend Narasiṃha verehrt.
arcanīyassa hi tadā hiraṇyamavadhīdripum |
tasminneva site pakṣe trayodaśyāṃ samarcayet || 10 ||
14.10 Denn damals tötete er seinen Feind Hiraṇya. Im selben Monat, am dreizehnten Tag der hellen Hälfte, soll man Viṣṇu verehren.
viṣṇuṃ yadvā punarvasvoḥ paurṇamāsyāmathāpi vā |
vasantakālapūjā. |
vasantakālatṛptyarthaṃ tatsamṛddhibhirāhṛtaiḥ || 11 ||
14.11 Als Alternativen nennt der Text Punarvasu oder den Vollmond. Zur Feier des Frühlings verwendet man die in dieser Jahreszeit reichlich verfügbaren Gaben.
puṣpairnānāvidhairdevamarcayeddakṣiṇāmukham |
āsīnaṃ maṇḍape klṛpte vedīmadhye manorame || 12 ||
14.12 Mit vielfältigen Blüten verehrt man den nach Süden blickenden Gott, der in der Mitte einer schönen Plattform in einer hergerichteten Halle sitzt.
udyāne mandire vāpi kṛtrimodyānaśobhite |
nadyādau vā yathāyogaṃ phalapuṣpodakānvite || 13 ||
14.13 Diese steht in einem Garten, im Tempel mit künstlich gestaltetem Garten oder passend an einem Fluss und ist mit Früchten, Blüten und Wasser ausgestattet.
damanakotsavaḥ. |
paurṇamāsyāṃ tathau tasmin māse damanikādalaiḥ |
puṣpānvitaiḥprapāṃ kṛtvā maṇḍape pūjayeddharim || 14 ||
14.14 Am Vollmond desselben Monats errichtet man mit Damanaka-Blättern und Blüten ein Schutzdach und verehrt Hari in der Halle.
puṣpordamanikābhiśca sarvālaṅkāramācaret |
utsavaśca bhavettasmin homo damanikādalaiḥ || 15 ||
14.15 Blüten und Damanaka dienen zur gesamten Ausschmückung. Es findet ein Fest statt; im Feuer opfert man Damanaka-Blätter.
vasantotsavasya māsavikalpaḥ. |
vaiśākhe māsi vā kuryādvasantotsavamabjaja |
damanīdalakalyāṇamapi vā pūrvamīritam || 16 ||
14.16 Das Frühlingsfest kann auch im Monat Vaiśākha stattfinden, Lotusgeborener, ebenso die zuvor beschriebene glückverheißende Damanaka-Feier.
kahlorakusumotsavaḥ. |
vaiśākhe māsi vā caitre sitapakṣe śubhe dine |
damanīdalavatkuryātkalhārakusumotsavam || 17 ||
14.17 An einem günstigen Tag der hellen Hälfte von Vaiśākha oder Caitra feiert man nach demselben Muster das Kalhāra-Blütenfest.
sthāneṣu pūjayeddevaṃ kumbhādiṣu caturṣvapi |
mahāhavirnivedyātha homaṃ kṛtvā samāpayet || 18 ||
14.18 Man verehrt den Gott an den vier Kultorten von den Krügen an, bringt die große Speisegabe dar, vollzieht das Feueropfer und schließt die Feier ab.
jyeṣṭhe śrāvaṇe vā māse bhagavate phalasarmaṇam. |
phalānyapi samāhṛtya vanyajānapadānyapi |
jyeṣṭhe vā śrāvaṇe vāpi devāya vinivedayet || 19 ||
14.19 Im Monat Jyeṣṭha oder Śrāvaṇa sammelt man Früchte aus Wald und Kulturland und bringt sie dem Gott dar.
sarvālaṅkārasaṃyuktaṃ vidadhyācca mahotsavam |
evaṃ yaḥ kārayetpūjāṃ śraddhāpūtena cetasā || 20 ||
14.20 Ein großes Fest mit vollständiger Ausschmückung begleitet dies. Wer so mit durch Vertrauen gereinigtem Herzen die Verehrung ausrichten lässt,
sarvān kāmānihāvāsya viṣṇolokaṃ sa gacchati |
trivikramajanmakālaḥ. |
śrāvaṇe janma pūrvahṇe vāmanasya trivikramam || 21 ||
14.21 erlangt nach der Verheißung alle Wünsche hier und gelangt in Viṣṇus Welt. Im Śrāvaṇa-Monat fand vormittags Vāmanas Geburt statt; mittags folgte seine Erscheinung als Trivikrama.
trayo vikramāḥ yasya yasmādvā idaṃ janmaviśeṣaṇam |
madhyaṃ dine ca tatkāladvaye pūjā madhudviṣaḥ |
pūrvoktasya anukalpakālaḥ. |
paurṇamāsyāṃ ca vaiśākhyāṃ hare rarcanamiṣyate || 22 ||
14.22 Die Quellenanmerkung erklärt den Namen durch die drei Schritte. Zu beiden Zeiten verehrt man den Bezwinger Madhus. Als weitere Feierzeit nennt die Quelle den Vollmond im Vaiśākha; der genaue Bezug dieser Alternative bleibt knapp.
rutsava iṣyate |
hanumajjanmakālaḥ. |
anurādhe hanumato janma |
rāghaveṇa sahaiva hanumataḥpūjanam. |
tasmin sabhājayet |
taṃ rāghaveṇa sahitaṃ sītayā lakṣmaṇena ca || 23 ||
14.23 Hanumāns Geburt wird Anurādhā zugeordnet. Unter diesem Gestirn verehrt man ihn zusammen mit Rāghava, Sītā und Lakṣmaṇa.
ca viśeṣataḥ |
āñjaneyaṃ tadatyantaprīṇanaṃ rāghavātmanaḥ |
anūrādhe paurṇamāsyāṃ kalaśaissnapanaṃ hareḥ || 24 ||
14.24 Die Verehrung Āñjaneyas erfreut Rāghava besonders. Unter Anurādhā beziehungsweise am Vollmond findet Haris Krugbad statt; die zeitliche Verknüpfung ist verkürzt.
bhagavataśśayanotsavakālaḥ. |
āṣāḍhe śuklapakṣe ca dvādaśyāṃ kamalāsana |
cakrābjamaṇḍale devamarcayitvā yathāvidhi || 25 ||
14.25 Am zwölften Tag der hellen Hälfte des Āṣāḍha-Monats verehrt man den Gott vorschriftsmäßig im Diskus-Lotus-Maṇḍala.
kalpite śayanāgāre mandhire vā yathāvasu |
paryaṅke kalpite tatra śāyayitvātha kautukam || 26 ||
14.26 In einer nach den eigenen Mitteln hergerichteten Schlafkammer oder im Tempel bereitet man ein Bett und legt die göttliche Gestalt darauf.
devībhyāṃ saha kūrcaṃ vā tritayaṃ tadabhāvataḥ |
tatra nityārcanaṃ māsāṃścaturo maṅgalānvitam || 27 ||
14.27 Sie ruht mit beiden Göttinnen; fehlen die Bilder, dienen drei Grasbüschel als Stellvertreter. Dort vollzieht man vier Monate lang täglich die glückverheißende Verehrung.
nayeccaśayane naiva śāyayodanyakautukam |
pratopavāsaniyamān kalpayitvā tadādikān || 28 ||
14.28 Kein anderes Kultbild wird auf dieses Lager gelegt. Man legt die für diese Zeit geltenden Gelübde und Fastenregeln fest.
tadātmakān |
cāturmāsyavratakālaḥ. |
tadanuṣṭhāyinastatra cāturāśramya māśritāḥ |
āsīraṃstatra niyatā stareyurnataraṅgiṇīm || 29 ||
14.29 Menschen der vier Lebensstände, die diese Ordnung ausüben, bleiben während der vier Monate gesammelt am Ort und überschreiten keinen Fluss. Eine abweichende Lesart würde das Überqueren erlauben.
stareyuste taraṅgiṇīm |
devasya yāvadutthānāṃ bhogiparyaṅkaśāyinaḥ |
śrīkṛṣṇajayantī. |
śrāvaṇe māsi kṛṣṇe ca pakṣe'ṣṭamyāṃ tathau hareḥ || 30 ||
14.30 Dies dauert bis zum Erwachen des auf dem Schlangenlager ruhenden Gottes. Im Monat Śrāvaṇa, am achten Tag der dunklen Hälfte,
rohiṇyāṃ janma kṛṣṇasya lokānāṃ maṅgalāvaham |
jayantī nāma sā proktā jayatyaśubhamityasau || 31 ||
14.31 unter Rohiṇī, fand Kṛṣṇas für die Welten glückverheißende Geburt statt. Dieser Tag heißt Jayantī, weil er das Unheil besiegt.
khyātā |
madhyarātre tatastasmin kalyāṇaṃ sarvamācaret |
tithyayoge'pi nakṣatre kevale'rcanamiṣyate || 32 ||
14.32 Um Mitternacht vollzieht man alle glückverheißenden Dienste. Auch wenn der genannte Mondtag nicht mit dem Gestirn zusammenfällt, gilt die Verehrung allein unter dem Gestirn als erwünscht.
devasya devakīsūnoraparedyurmahotsavaḥ |
pavitrotsavaḥ. |
nityaṃ naimittikaṃ kāmyaṃ karmayacchruticoditam || 33 ||
14.33 Am folgenden Tag feiert man das große Fest des Sohnes Devakīs. Nun folgt Pavitrāropaṇa: Die von der Offenbarung gelehrten täglichen, anlassbezogenen und wunschbezogenen Handlungen
tatkurvatāmāśrameṣu sthitānāmānupūrvaśaḥ |
varṇānāṃ mantralopādiśāntyarthaṃ pratyahaṃ hareḥ || 34 ||
14.34 werden von den Angehörigen der verschiedenen Varṇas und Lebensstände ausgeführt. Zur Befriedung von Fehlern wie ausgelassenen Mantras gehört täglich Haris Verehrung.
ārādhaṃ bhagavataḥ pūrṇahutyā svayaṃ matam |
tasya nyūnātirekābhyāṃ duṣkṛtaṃ sakalaṃ bhavet || 35 ||
14.35 Diese Verehrung des Erhabenen soll durch die vollständige Opfergabe abgeschlossen sein. Durch Mangel oder Übermaß kann das gesamte Handeln fehlerhaft werden.
karmajātaṃ tataḥpūrṇamārādhanamabhīpsitam |
pratisaṃvatsaraṃ māsi śrāvaṇe tantunirmitam || 36 ||
14.36 Deshalb wird eine vervollständigende Verehrung gewünscht. Jährlich legt man im Monat Śrāvaṇa einen aus Fäden gefertigten
pavitrabhūṣaṇaṃ viṣṇorāropyaṃ bahumālyavat |
pavitraśabdanirvacanam. |
ārādhya vidhivadbhādrapade vāśvayuje'pi vā || 37 ||
14.37 Pavitra-Schmuck wie eine große Girlande an Viṣṇu an und verehrt ihn nach Vorschrift; möglich sind auch Bhādrapada oder Āśvayuja.
mantralopādinā karma patitaṃ vihitaṃ punaḥ |
prāyaśchitaina yatsarma kartāraṃ trāyate punaḥ || 38 ||
14.38 Eine wegen ausgelassener Mantras oder ähnlicher Fehler zu Fall gekommene Handlung wird durch die Sühne wiederhergestellt und schützt so den Ausführenden.
yataḥ |
tatpavitraṃ phalairbhūyo rohatyeva samāhitaḥ |
iti nirvacanāttat jñeḥpavitrārohaṇaṃ matam || 39 ||
14.39 Darauf bezieht der Text den Namen „Pavitra“. Das erneute Aufsteigen zu den Früchten wird mit dem Anlegen beziehungsweise Erheben verbunden; diese rituelle Wortdeutung erklärt Pavitrāropaṇa.
pavitrāropaṇakālabhedāḥ. |
pūrvoditeṣu māseṣu dvādaśyāṃ pratipadyapi |
daśamyāṃ paurṇamāsyāṃ vā paṅca myāmadhavā tithau || 40 ||
14.40 In den genannten Monaten eignen sich der zwölfte, erste, zehnte, fünfzehnte als Vollmondtag oder fünfte Mondtag,
ekādaśyāṃ trayodaśyāṃ dvitīyāyāmathāpi vā |
sitapakṣe śubhe vāre lagne śubha tare'tha vā || 41 ||
14.41 auch der elfte, dreizehnte oder zweite, jeweils in der hellen Hälfte, an einem günstigen Wochentag und bei besonders günstigem Aszendenten.
tare tathā |
śravaṇe puṣyarohiṇyāṃ revatyāṃ bharaṇīṣu ca |
svātau hastapunarvasvoraśvinyāṃ mitradaivate || 42 ||
14.42 Als Mondhäuser nennt der Text Śravaṇa, Puṣya, Rohiṇī, Revatī, Bharaṇī, Svātī, Hasta, Punarvasu, Aśvinī und das Mitra zugeordnete Anurādhā.
ṛkṣeṣvanyatam kāryaṃ pavitrāropaṇaṃ hare |
pavitratanturmāṇam. |
tantūn brāhmaṇakanyābhirnirmitān doṣavarjitān || 43 ||
14.43 Unter einem dieser Gestirne legt man Hari die Pavitras an. Die Fäden sollen von Brahmanentöchtern hergestellt und fehlerfrei sein.
kārpāsānvātha kau śeyān krītānvā śauddhavāribhiḥ |
kṣālitānmi śritāṃścūrṇai rmaudgikaiśśoṣayedbhahiḥ || 44 ||
14.44 Man verwendet Baumwolle oder Seide, auch gekaufte Fäden, wäscht sie mit reinem Wasser und behandelt sie mit Mungbohnenpulver; danach trocknet man sie draußen.
kṣālitān śuddhavāribhiḥ |
ātapeṣu tataśśuthdhān śoṣitāṃ striguṇīkṛtān |
punastāṃ striguṇīkṛtya tāvantopi caturguṇān || 45 ||
14.45 Die reinen, in der Sonne getrockneten Fäden legt man dreifach, verdreifacht sie erneut und vervierfacht dann die entsprechende Anzahl.
yadvā triguṇatāṃ nītvā caturguṇyaṃ caturmukha |
triguṇāṃstriguṇīkṛtya yadvā tānekatāṃ nayet || 46 ||
14.46 Alternativ nennt die Quelle eine dreifache und dann vierfache Verarbeitung oder das Zusammenführen erneut verdreifachter Dreifachfäden. Die Varianten der Bündelung sind knapp und nicht als eindeutige einheitliche Fadenformel zu behandeln.
tantusaṃskāraḥ. |
gomiyālepite bhūmitale mānānusārataḥ |
śaṅkvosthsāpitayoryajñadrumasambhūtayo stataḥ || 47 ||
14.47 Auf mit Kuhdung bestrichenem Boden setzt man zwei dem benötigten Maß entsprechende Pflöcke aus Opferholz.
āropya bhagavadbhaktāḥ prāṅmukhā vāpyu daṅmukhāḥ |
āsīnā gururanyo vā tatprayuktāssamāhitāḥ || 48 ||
14.48 Daran befestigen die Verehrer die Fäden. Nach Osten oder Norden blickend sitzen der Lehrer oder von ihm beauftragte Personen gesammelt bei der Arbeit.
snātā nirmāṇanipuṇā manuṣyā bhagavanmayāḥ |
kuryāḥpavitra kalyāṇaṃ yathā syādbhūṣaṇottamam || 49 ||
14.49 Gebadete, im Herstellen geübte und ganz dem Erhabenen zugewandte Menschen fertigen den glückverheißenden Pavitra-Schmuck so, dass er vorzüglich wird. Eine Variante nennt „Lebensdauer-Pavitra“.
āyuḥpavitram |
adhivāsādyupayogipavitramānam. |
pavitramadhivāsārthamādyaṃ nābhyavadhismṛtam |
aṣṭottaraśataissūtrairdvātriṃśadgranthibhiryutam || 50 ||
14.50 Das erste, für die vorbereitende Weihe bestimmte Pavitra reicht bis zum Nabel, besteht aus 108 Fäden und hat 32 Knoten.
nābhyavadhīhitam |
mūlaberādiberāṇāṃ pavitramidamiṣyate |
pūrvāparadinabhedena pavitramānam. |
pavitraṃ maṇṭale padmatulyamānaṃ ghaṭe'pi ca || 51 ||
14.51 Es ist für Hauptbild und weitere Kultbilder vorgesehen. Für das Maṇḍala entspricht das Maß dem Lotus, beim Krug dessen Maß.
pramāṇa |
kuṇḍe ca mekhalāmānaṃ purvedyurmānamīritam |
aparedyuḥpavitreṣu mānaṃ saṃprati kathyate || 52 ||
14.52 An der Feuergrube entspricht es der jeweiligen Umrandung. Dies waren die Maße für den Vortag; nun folgen die Maße der Pavitras des eigentlichen Tages.
padmanābhyaranemīnāṃ cakrābje maṇḍale satām |
tanmānāni pavitrāṇi bāhyamānaṃ bahissamam || 53 ||
14.53 Im Diskus-Lotus-Maṇḍala entsprechen die Pavitras jeweils Lotus, Nabe, Speichen und Radkranz; das äußere Pavitra entspricht dem äußeren Umfang.
pavitrāṇāṃ tantugranthitāratamyam. |
granthayastantavaścaiṣāṃ kathyanaica yathākramam |
catuśsatāni sūtrāṇi granthayassaptaviṃśatiḥ || 54 ||
14.54 Ihre Faden- und Knotenzahlen werden der Reihe nach genannt: zunächst 400 Fäden und 27 Knoten,
śatatrayaṃ tantusaṅkhyā grandhayo dviguṇā matāḥ |
dveśa te dviguṇā granthiśatameka manantaram || 55 ||
14.55 dann 300 Fäden und die doppelte Knotenzahl, danach 200 Fäden und eine wiederum als doppelt bezeichnete Knotenzahl; eine Variante liest dreifach. Anschließend folgen 100 Fäden.
triguṇe kranthi |
caturguṇā granthisaṅkhyā bāhyasūtraṃ catuśśatam |
granthayaḥpañca guṇitāḥ kumbhe cāṣṭottaraṃ śatam || 56 ||
14.56 Für diese gilt die vierfache Knotenzahl; das äußere Pavitra hat 400 Fäden und die fünffache Knotenzahl. Für den Krug werden 108 Fäden genannt.
tantavo granthisaṅkhyā ca saptaviṃśatiriṣyate |
ekādhikāśītisaṅkhyāsta ntavaḥ karake matāḥ || 57 ||
14.57 Dazu gehören 27 Knoten. Für den Karaka sind 81 Fäden vorgesehen.
saptaviṃśati saṅkhyāścha granthayaḥparikīrtitāḥ |
pavitrabhedadaśakanāmāni. |
pavitrasaṅkhyā bherāṇāṃ daśa tāni padāmite || 58 ||
14.58 Auch dort sind 27 Knoten genannt. Für Kultbilder werden zehn Pavitra-Formen angekündigt.
prāmāṇyaṃ gandhasaṃjñaṃ cāpyalaṅkārāhvayaṃ tathā |
uttamādhamamadhyākhyaṃ kirīṭāhvamanantaram || 59 ||
14.59 Die Namen lauten im überlieferten Text Prāmāṇya, Gandha, Alaṅkāra, Uttama, Adhama, Madhya und Kirīṭa.
granthi |
śrīvatsakaustubhāhvānaṃ vanamālāhvayaṃ tathā |
mānāni teṣāṃ sūtrāṇi granthayaśca yathākramam || 60 ||
14.60 Hinzu kommen Śrīvatsa, Kaustubha und Vanamālā. Nun werden ihre Maße, Fäden und Knoten nacheinander erklärt; eine Variante nennt „Knoten“ statt eines Namensgliedes.
mānaṃ ca teṣāṃ sūtrāṇāṃ |
mānānuguṇagranthitantusaṅkhyā. |
karthyanainābhimaryādā sūtrāṇyaṣṭottaraṃ śatam |
dvātriṃśadgranthayastasya hṛdayāntamana ntaram || 61 ||
14.61 Das erste reicht bis zum Nabel, hat 108 Fäden und 32 Knoten. Das nächste reicht bis zum Herzen.
sūtrāṇyaśīti tasyoktā kranthayaḥ paṅca viṃśatiḥ |
jaṅghāmadhyāntamāyāmaṃ nirmitaṃ śatatantubhiḥ || 62 ||
14.62 Dafür werden achtzig Fäden und 25 Knoten genannt. Eine weitere Form reicht bis zur Mitte der Unterschenkel und wird aus hundert,
saṅkhoktā |
aṣṭottarairgranthibhiśca dvātriṃśadguṇatairyutam |
uttamākhyasya sūtrāṇāṃ bhavetsaṅkhyā catuśśatam || 63 ||
14.63 genauer 108 Fäden gefertigt, mit 32 Knoten; die syntaktische Verbindung der Zahlen über die Versgrenze ist beschädigt. Die als Uttama bezeichnete Form hat 400 Fäden.
śatamaṣṭauttaraṃ saṅkhyā granthīnāṃ jānusīma tat |
śatāni trīṇi tantūnāṃ granthayo'śītiriṣyate || 64 ||
14.64 Sie hat 108 Knoten und reicht bis zu den Knien. Die nächste besteht aus 300 Fäden und achtzig Knoten.
āyataṃ corumadhyāntaṃ dveśate tantavaḥ punaḥ |
nābhyantaṃ granthayaṣṣaṣṭi tantavo'tha catuśśatam || 65 ||
14.65 Sie reicht bis zur Mitte der Oberschenkel. Darauf folgt eine Form aus 200 Fäden mit sechzig Knoten, bis zum Nabel reichend; anschließend werden 400 Fäden genannt.
tantavaśca |
kirīṭamānaṃ dvātriṃśadgranthaya stadana ntaram |
śatāni trīṇi tantūnāṃ hārākāraprakalpitam || 66 ||
14.66 Diese Form entspricht dem Diadem und hat 32 Knoten. Danach folgt eine halskettenförmige Anordnung aus 300 Fäden
granthibhissaptaviṃśatyā dve śate ta ntavaḥ punaḥ |
dvātriṃśat ntasamaryādaṃ sahasraṃ cāṣṭabhiryutam || 67 ||
14.67 mit 27 Knoten; die nächste hat 200 Fäden und 32 Knoten, wobei ihre Längenangabe beschädigt ist. Schließlich folgen 1008 Fäden.
granthayaḥ |
tantavaścaraṇā yāmamanekagranthibhiryutam |
viṣṭarasya sahotthasya pavitraṃ tatsamaṃ madam || 68 ||
14.68 Diese Form reicht bis zu den Füßen und besitzt zahlreiche Knoten. Für den Sitz und seine zugehörige Anlage entspricht das Pavitra deren Ausmaß.
tantavo'ṣṭottaraśataṃ granthayaḥpañcaviṃśatiḥ |
prabhāvitraṃ tattulyaṃ granthayo bahanaḥsmṛtāḥ || 69 ||
14.69 Es hat 108 Fäden und 25 Knoten. Das Pavitra für den Strahlenbogen entspricht dessen Größe und hat zahlreiche Knoten.
sarveṣāṃ ca svatantrāṇāṃ bimbānāmidamīritam |
paratantrabimbapavitravidhiḥ. |
paratantreṣu bimbeṣu tritayaṃ tū ttamādikam || 70 ||
14.70 Dies gilt für alle selbstständig verehrten Kultbilder. Für abhängige Nebenbilder verwendet man die drei Formen von Uttama an.
śriyādidevīnāṃ pavitrāṇi. |
devīnāṃ ca śriyādīnāṃ pavitraṃ tadvadiṣyate |
agnikuṇḍādīnāṃ pavitrāṇi. |
aṣṭottaraśataissūtrairgranthibhirbahubhiryutam || 71 ||
14.71 Für die Göttinnen von Śrī an gilt dieselbe Ordnung. An der Feuergrube werden Pavitras aus 108 Fäden mit vielen Knoten verwendet.
agnikuṇḍe mekhalāsu pavitraṃ pratimekhalam |
tantubhissaptaviṃśatyā tāvadbhirgranthibhiryutam || 72 ||
14.72 Jede Umrandungsstufe erhält ihr eigenes Pavitra. Für das Feuer selbst wird eines aus 27 Fäden und ebenso vielen Knoten hergestellt.
agneḥpavitraṃ hastena samāyāmaṃ prakīrtitam |
madhyamaṃ pañcaviṃśatyā dvāviṃśatyādhame matam || 73 ||
14.73 Seine Länge beträgt einen Hasta. Bei der mittleren Form werden 25, bei der geringeren 22 genannt; die Variante nennt für die geringere zwölf. Die Einheit der verminderten Zahl wird hier nicht erneut ausdrücklich angegeben.
dvādaśaivādha me matāḥ |
sūtrāṇāṃ pañcaviṃśatyā pavitraṃ sruksruvādiṣu |
tadāyāmasamāyāmaṃ granthibhirbahubhiryutam || 74 ||
14.74 Für Opferlöffel, Schöpfkelle und ähnliche Geräte verwendet man 25 Fäden; das Pavitra entspricht der Länge des Geräts und hat viele Knoten.
arghyapātre tathā dhūpadīpapātre caturmukha |
ghaṇṭāyāmakṣamālāyāṃ sarvatrāṣṭottaraiśśataiḥ || 75 ||
14.75 Viergesichtiger, beim Arghya-Gefäß, Räucher- und Lampengefäß, bei der Glocke und Gebetskette verwendet man jeweils 108 Fäden.
sūtrairyathepsitāgranthirdvādaśāṅgulamāyatam |
viṣvaksenatārkṣyādīnāṃ pavitrāṇi. |
viṣvaksenasya tārkṣyasya tathā duścyavanādiṣu || 76 ||
14.76 Die Knotenzahl ist frei wählbar, die Länge beträgt zwölf Aṅgula. Für Viṣvaksena, Garuḍa und die Gestalten von Duścyavana an,
digdevatāsu druhiṇe durgāyāṃ vighnunāyake |
rudre ca parivāreṣu pavitraṃ tastubhiḥkṛtam || 77 ||
14.77 für Richtungswächter, Brahmā, Durgā, den Herrn der Hindernisse, Rudra und das übrige Gefolge wird ein Pavitra
śatenāṣṭottareṇa syāddvātriṃśadgranthibhiryutam |
hastamānāyataṃ kāryaṃ caṇḍādiṣu ca sarvataḥ || 78 ||
14.78 aus 108 Fäden mit 32 Knoten hergestellt, einen Hasta lang. Für Caṇḍa und die weiteren Wächter folgt eine eigene Form.
kumbhatoraṇādīnāṃ pavitrāṇi. |
saptaviṃśatisūtreṇa granthibhinnena nirmitam |
hastamānaṃ bhavetkumbhatoraṇādiṣu tādṛśam || 79 ||
14.79 Sie besteht aus 27 Fäden ohne Knoten und ist einen Hasta lang; Krüge und Torbögen erhalten entsprechende Pavitras.
balipīṭhapavitraṃ tu karṇikāyā masaṃmitam |
ācāryayatiyutvigādīnāṃ pavitrāṇi |
ācāryāṇāṃ yatīnāṃ ca pavitraṃ tantubhiḥkṛtam || 80 ||
14.80 Das Pavitra für das Bali-Podest entspricht dessen mittlerem Lotusknauf. Für Ācāryas und Asketen wird ein Pavitra aus
ssamaṃ mitam |
aṣṭottaraśatai ssūtrairgranthibhiḥparvabhiryutam |
ṛtvijāṃ pūjakānāṃ ca brāhmaṇānāṃ tathaiva ca || 81 ||
14.81 108 Fäden mit Knoten beziehungsweise gegliederten Abschnitten hergestellt. Für Opferpriester, Pūjā-Ausführende und die weiteren Brahmanen
ryuktāṃ grandhibhirbahubhiryutam |
ekāśītyā kṛtaṃ sūtrairnābhyantaparilambitam |
rājñaḥpavitraṃ sūtreṇa śatenāṣṭottareṇa tu || 82 ||
14.82 besteht es aus 81 Fäden und hängt bis zum Nabel herab. Das Pavitra des Königs besteht aus 108 Fäden.
yatheṣṭagranthinicayaistūlagarbhaiścanirmitam |
nābhyantamānametatsyāttathā tadanujīvinām || 83 ||
14.83 Es hat beliebig viele, mit Baumwolle gefüllte Knoten und reicht bis zum Nabel. Ebenso werden die von ihm abhängigen Bediensteten berücksichtigt.
nābhyantaṃ trayametat syāt |
etāśītyā kṛtaṃ sūtrairvaiśyādīnāṃ ca tantubhiḥ |
caturviṃśatibhisteṣāṃ pavitramupavītavat || 84 ||
14.84 Für diese nennt der Text 81 Fäden, für Vaiśyas und weitere Gruppen 24 Fäden. Sie tragen das Pavitra nach Art der heiligen Schnur.
vibhavānurodhena pavitramānam. |
pavitreṣu samasteṣu vistāro vibhave sati |
pādonamardhaṃ pādo vā saṅkhyā syādvibhavakṣaye || 85 ||
14.85 Bei allen Pavitras ist die volle Ausführung für ausreichende Mittel gedacht. Sind die Mittel geringer, kann die Anzahl auf drei Viertel, die Hälfte oder ein Viertel vermindert werden.
maṇimuktāpravālādibhirapi pavitragranthiyogaḥ. |
granthīṃstataḥpavitrāṇāṃ dravyaiḥ kastūri kādibhiḥ |
maṇimuktāpravālādyai ratnaiścāpi yathāvasu || 86 ||
14.86 Die Knoten füllt man entsprechend den Mitteln mit Stoffen wie Moschus, mit Edelsteinen, Perlen, Korallen und anderen Kostbarkeiten,
lohaiśca kaladhautādyaistūlairvā tadasannidhau |
pūrayitvā dṛḍhaṃ badhvā granthīṃstāṃ stanturajjubhiḥ || 87 ||
14.87 mit Silber und anderen Metallen oder, wenn diese fehlen, mit Baumwolle. Man bindet sie mit Fadenschnüren fest zusammen.
pavitragranthīnāmākāraḥ. |
granthayaśśaṅkhasaṃsthānasamānākṛtayo'tha vā |
dhātrīphala samākārā yadvā muktādi sannibhāḥ || 88 ||
14.88 Die Knoten können die Gestalt eines Muschelhorns, einer Āmalaka-Frucht oder von Perlen und Ähnlichem haben.
pavitravarṇagandharacanā. |
kuṅkumairocanābhiśca tathā malayajairapi |
lohitairapyavaśyāyaissaṃpiṣṭaiḥkardamīkṛtaiḥ || 89 ||
14.89 Safran beziehungsweise Kuṅkuma, Rocanā, Sandelholz und rote Farbstoffe werden mit Tauwasser zu einer Paste verrieben.
granthīnāmantarālāni limpecchobhā yathā bhavet |
granthīnāṃ pūraṇaṃ yadvā mallikādyaissugandhibhiḥ || 90 ||
14.90 Damit bestreicht man die Zwischenräume der Knoten zu schöner Wirkung. Alternativ füllt man die Knoten mit duftenden Blüten wie Mallikā.
puṣpaustadantarālāni niśācarcābhireva vā |
rañjayettantavaścāpi granthayaśca yathecchayā || 91 ||
14.91 Auch die Zwischenräume können mit Blüten oder Kurkumapaste gestaltet werden. Fäden und Knoten färbt man nach Wunsch.
yathāvibhavavistāraṃ kalpaniyāścaturmukha |
vibhave sati saṅkoco naiva kāryastathā'sati || 92 ||
14.92 Viergesichtiger, die Ausführung soll den vorhandenen Mitteln entsprechen. Bei ausreichendem Vermögen soll man nicht unangemessen verkürzen;
vistāro naiva kāryasyāttadeva prīṇanaṃ hareḥ |
pavitrādhivāsakālavikalpaḥ. |
sadyo'dhi vāsya vā tasminnupoṣyārādhayeddharim || 93 ||
14.93 bei fehlenden Mitteln soll man keine aufwendige Ausführung erzwingen. Gerade dies erfreut Hari. Man kann die vorbereitende Weihe auch unmittelbar vollziehen und Hari unter Fasten verehren.
pāso |
śraddhāyā āvaśyakatā. |
gṛhārcane kautuke vā maṇḍale vā ghaṭe'pi vā |
arcanaṃ śraddhayā kāryaṃ śraddhāpūtamidaṃ jagat || 94 ||
14.94 Ob bei der Hausverehrung, am Kultbild, im Maṇḍala oder im Krug: Die Verehrung muss mit Vertrauen geschehen. Durch Vertrauen wird diese Welt gereinigt.
siddhe pavitre bhagavadarcanam. |
vihiteṣu pavitreṣu yathoktenaiva vartmanā |
ārabhetārcanaṃ viṣṇordaśamyāṃ ca nivedanam || 95 ||
14.95 Sind die Pavitras nach der beschriebenen Ordnung hergestellt, beginnt man am zehnten Mondtag Viṣṇus Verehrung und bringt ihm die Gaben dar.
niśāmukhe gurussārdhaṃ mūrtipaissu samāhitaḥ |
bhagavati vijñāpanīyagādhā. |
yajamānena sahitaḥpraviśedviṣṇumandiram || 96 ||
14.96 Zu Beginn der Nacht betritt der Lehrer mit den Bildhütern und dem Auftraggeber gesammelt Viṣṇus Heiligtum.
praviśya pūjayitvātaṃ gurustaissahitassvayam |
vijñāpayedimāṃ gadhā mīrayan prāñjalisthitaḥ || 97 ||
14.97 Nach der Verehrung spricht er gemeinsam mit ihnen, die Hände gefaltet, folgende Bitte aus.
virayet |
nyūvātirekaśāntyarthaṃ pavitrārohaṇaṃ param |
arcanaṃ bhagavan sarvadurutotsāraṇakṣamam || 98 ||
14.98 „Erhabener, das vorzügliche Anlegen der Pavitras dient der Befriedung von Mangel und Übermaß. Diese Verehrung vermag alles Fehlgehen zu beseitigen
saṃpadāṃ cāpi sarvāsāmutpādanamanu tamam |
kriyate tadavighnena yathā syātkarma coditam || 99 ||
14.99 und auf unvergleichliche Weise alles Wohlergehen hervorzubringen. Sie wird nun vollzogen. Damit die vorgeschriebene Handlung ohne Hindernis gelinge,
tathānujñāpayāmi tvā manujānīhi karmatat |
iti vijñāpya nirgatya mandirāt |
gurorupavāsaḥ. |
maṇḍape punaḥ || 100 ||
14.100 bitte ich dich um deine Zustimmung: Gewähre die Erlaubnis zu diesem Dienst.“ Nach dieser Bitte verlässt er das Heiligtum und geht wieder in die Halle.
saṃstīrya darbhān prāgagrān teṣu prāgānano guruḥ |
upaviśyopavāsaṃ ca kalpayitvā samāhitaḥ || 101 ||
14.101 Dort breitet der Lehrer Darbha mit den Spitzen nach Osten aus, setzt sich darauf ebenfalls nach Osten gewandt und nimmt gesammelt das Fasten auf.
nayettatreva tāṃ rātriṃ japadhyānaparassadā |
aparedyuradhipāsakālaḥ. |
aparedyu rniśīdhinyāmadhipāsanakarmatat || 102 ||
14.102 Er verbringt die Nacht dort in Japa und Meditation. In der folgenden Nacht beginnt die vorbereitende Weihehandlung.
rniśāyāṃ syāt |
ārabhettekabhereṣu badhvā tatreva kautukam |
bahuberaikaberasthale kautukabandhavidhānam. |
bahuberuṣu kalyāṇamimbe kautukamaṅgalam || 103 ||
14.103 Bei einem einzigen Kultbild bindet er die Schutzschnur unmittelbar an dieses; bei mehreren Bildern an die glückverheißende Festgestalt.
kalyāṇa |
adhivāsavidhiḥ. |
tato nirgatya vipule maṇṭape toraṇādikam |
arcayitvā yathāpūrvaṃ dikṣu caiva vidikṣu ca || 104 ||
14.104 Dann geht er in die geräumige Halle hinaus und verehrt wie zuvor die Torbögen und die weiteren Einrichtungen.
caturvedavito viprānekāyanavidastathā |
adhīyānān sthāpayitvā turyāghoṣeṣu satsu ca || 105 ||
14.105 In Haupt- und Zwischenrichtungen stellt er Kenner der vier Veden und der Ekāyana-Lehre zur Rezitation auf. Instrumente erklingen.
maṅguleṣvapi cānyeṣu kalpiteṣu yathātatham |
pavitrapātrāṇyādāya prāgudagbhuvi maṇḍape || 106 ||
14.106 Auch die übrigen Glückszeichen sind ordnungsgemäß bereitgestellt. Man nimmt die Gefäße mit den Pavitras und bringt sie in den Nordostbereich der Halle.
dhānyarāśiṣu saṃsthāpya puṇyāhaṃ vācayettataḥ |
dahanāpyāyanadhyānaiḥ pātrasthāni viśodhayet || 107 ||
14.107 Dort stellt man sie auf Getreidehaufen und lässt Puṇyāha aussprechen. Die Gegenstände in den Gefäßen reinigt man durch die Meditationen des Verbrennens und erneuten Erfüllens.
dhūpayedgandhavaddravyairlimpetkastūri kādibhiḥ |
puṣpāṇi vikiretteṣu gandhavanti bahuni ca || 108 ||
14.108 Man beräuchert sie mit duftenden Stoffen, bestreicht sie mit Moschus und Ähnlichem und streut viele duftende Blüten darauf.
tāni bhūṣaṇapātrāṇi veṣṭayennavavāsasā |
cakramudrāpradarśanam. |
darśayeccakramudrāṃ ca pūjayedastravidyayā || 109 ||
14.109 Die Schmuckgefäße werden mit neuen Gewändern umhüllt. Man zeigt die Cakra-Mudrā und verehrt sie mit der Waffenformel.
pūjayitvā |
maṇḍapasūtrabandhakramaḥ. |
aiśānīṃ diśamārabhya sūtressaṃveṣṭya maṇṭapam |
maṇṭapasyopari dhyātvā cakraṃ bhūmitale punaḥ || 110 ||
14.110 Im Nordosten beginnend umspannt man die Halle mit Fäden. Über der Halle stellt man sich den Diskus vor, auf dem Boden
padmaṃ gadāṃ ca dvāreṣu śaṅkhamaṣṭanu dikṣu ca |
bhūtebhyo māṣānnabalidānam. |
pratyūhakāriṇāṃ tasya chidramanviṣya dhāvatām || 111 ||
14.111 den Lotus, an den Türen die Keule und in den acht Richtungen das Muschelhorn. Den störenden Wesen, die nach einer Lücke suchen,
bhūtānāṃ rākṣasādīnāṃ māṣānnena baliṃ kṣipet |
kalyāṇaberasya upavītāntamarcanam. |
bahubereṣu kalyāṇabimbaṃ snānāsane bahiḥ || 112 ||
14.112 Rakṣasas und anderen, gibt man Bali aus Māṣa-Bohnenspeise. Bei mehreren Kultbildern setzt man die Festgestalt draußen auf den Badesitz.
balirbahiḥ |
sthāpayitvopavītā ntamupacarya yathātatham |
cakrābjamaṇḍape mahāhavirnivedanam. |
cakrābjamaṇḍale bhūyassamānīya caturmukha || 113 ||
14.113 Man versorgt sie mit den Diensten bis zur heiligen Schnur und bringt sie dann wieder zum Diskus-Lotus-Maṇḍala, Viergesichtiger.
dyairupacarya |
havirnivedanāntetu samārādhana karmaṇi |
niṣṭhite karake kumbhe devamāvāhya pūjayet || 114 ||
14.114 Nach Abschluss der Verehrung bis zur Speisegabe ruft man die Gottheit im Karaka und im Krug an und verehrt sie.
havirnivedayitvānte hutvācāgniṃ yathāpuram |
ekabere kalyāṇārādhananiṣedhaḥm. |
ekabere cu kalyāṇa kautukārādhanaṃ vinā || 115 ||
14.115 Nach der Speisegabe vollzieht man das Feueropfer wie zuvor. Bei nur einem Bild entfällt die gesonderte Verehrung einer Festgestalt.
anyatsarvamanuṣṭheyaṃ yathā pūrvodita kramāt |
sambhave kautuke tasmin pavitraṃ bhūṣaṇaṃ punaḥ || 116 ||
14.116 Alles Übrige wird nach der zuvor beschriebenen Ordnung ausgeführt. Ist eine solche Kultgestalt vorhanden, legt man ihr den Pavitra-Schmuck an.
kramam |
nikṣipetkumbhakarake dahane tadanantaram |
cakrābjamaṇḍale mantramidaṃ viṣṇuriti bruvan || 117 ||
14.117 Danach legt man ihn an Krug, Karaka, Feuer und Diskus-Lotus-Maṇḍala an, während man den Versanfang „idaṃ viṣṇuḥ“ spricht.
praviśya mandiraṃ sarvairmaṅgulaissaha deśikaḥ |
mūlaberaṃ samāsādya pavitranyasanaṃ tataḥ || 118 ||
14.118 Unter allen glückverheißenden Begleitformen betritt der Lehrer das Heiligtum, tritt vor das Hauptbild und legt ihm das Pavitra an.
samārādhya |
pavitratantūnāṃ pañcavarṇatvam. |
pūrvoditena mantreṇa sarvārcāsu yathākramam |
pavitrabhūṣaṇanyāsaḥ pañca rāgaiśca tantubhiḥ || 119 ||
14.119 Mit demselben zuvor genannten Mantra geschieht dies der Reihe nach bei allen Kultbildern. Fäden in fünf Farben werden verwendet.
sarvāsu ca |
raṅgai |
prāsādaṃ veṣṭayedrātrau sarvamāmnāyaghoṣaṇaiḥ |
pādyairgeyaiśca nṛttaiśca stotrairjāgaritā janāḥ || 120 ||
14.120 Man umspannt damit nachts das ganze Heiligtum. Die Menschen wachen bei Vedenrezitation, Instrumentalmusik, Gesang, Tanz und Hymnen.
aparedyurupacāraḥ. |
nayeyuraparedyuśca kautukaṃ maṇḍalesthitam |
snānavedyāṃ samānīya snāpayitvā yathāvidhi || 121 ||
14.121 Am folgenden Tag bringt man die im Maṇḍala stehende Kultgestalt zur Badeplattform und badet sie vorschriftsmäßig.
alaṅkṛtya ca deveśaṃ maṇḍale mārjanādibhiḥ |
śodhite vartayitvā ca cakrābjaṃ pañcavarṇakaiḥ || 122 ||
14.122 Man schmückt den Herrn der Götter, reinigt den Maṇḍala-Platz durch Fegen und weitere Handlungen und zeichnet den Diskus-Lotus erneut mit fünf Farben. Die Variante nennt fünf Blattarten.
parṇapañcakaiḥ |
dvārādiyajanaṃ prāgvatkṛtvāvasthāpya maṇḍale |
devamārādhya dīpāntaṃ kumbhādīnapi pūjayet || 123 ||
14.123 Nach der früheren Verehrung von Türen und anderen Einrichtungen setzt man den Gott ins Maṇḍala und verehrt ihn bis zur Lampe, nach einer Variante bis zum Räucherwerk; auch die Krüge werden verehrt.
dhūpāntam |
deve kumbhe ca caturvidhānna nivedanam. |
annaṃ caturvidhaṃ cāpi kumbhe deve nivedya ca |
agnau ca juhuyādannaṃ pāyasādi caturvidham || 124 ||
14.124 Die vier Speisearten werden dem Gott und im Krug dargebracht; dieselben vier Speisen von Milchreis an opfert man ins Feuer.
kumbhedeve |
pauruṣeṇai va sūktena yavaiśca vrīhi veṇubhiḥ |
tilairlājaistathā puṣpaistathā cāgarubirghṛtaiḥ || 125 ||
14.125 Dafür dient das Puruṣa-Sūkta. Außerdem opfert man Gerste, Reis, Bambusreis, Sesam, Puffreis, Blüten, Adlerholz und Ghee,
samidbhirmūlamantreṇa pṛthagaṣṭottaraṃ śatam |
śubhamuhūrte pavitreśca krābjamaṇḍalamaṇḍanam. |
muhūrte śobhane prāpte daivajñapariśodhite || 126 ||
14.126 sowie Brennholz unter dem Grundmantra, jeweils 108-mal. Im günstigen, vom Zeitkundigen geprüften Augenblick
pavitrāṇi samādāya cakrābjaṃ bhūṣayetpunaḥ |
sarvatra mātraikyam. mūlaberādikrameṇa pavitrāropaṇam. |
padmādīni tadaṅgāni yathā svamidamityṛcā || 127 ||
14.127 nimmt man die Pavitras und schmückt das Diskus-Lotus-Maṇḍala erneut: Lotus und weitere Bestandteile erhalten jeweils das passende Pavitra unter dem Vers „idaṃ viṣṇuḥ“.
tataḥkumbhe cakarake deve ca tadanantaram |
sa eva mantraḥkuṇḍe'pi havyavāhe'pi toraṇe || 128 ||
14.128 Danach folgen Krug, Karaka und Gottheit. Derselbe Mantra gilt für die Feuergrube, das Feuer und den Torbogen,
dvārakumbheṣu tat stheṣu pavitrāṇi yathā tathā |
tataḥ pradakṣiṇīkṛtya maṇḍalasthaṃ jagadgurum || 129 ||
14.129 auch für die Türkrüge und die dort gegenwärtigen Gottheiten. Nachdem man die Pavitras passend angelegt hat, umschreitet man den im Maṇḍala stehenden Weltlehrer.
yatham |
praviśya mandiraṃ sarvairmaṅgulaissaha deśikaḥ |
snapanādi vidhāyādau samārādhana macyute || 130 ||
14.130 Der Lehrer betritt mit allen Glückszeichen das Heiligtum und vollzieht für Acyuta zunächst Bad und weitere Verehrungsdienste.
havirnivedanāntaṃ tatkṛtvā tatratyadevatāḥ |
mūlaberaṃ samārabhya pavitrai rbhūṣayetsvakaiḥ || 131 ||
14.131 Nach der Speisegabe schmückt man die dortigen Gottheiten, beim Hauptbild beginnend, mit ihren jeweils bestimmten Pavitras.
svatantraparatantraberārcanam. |
parapantrāssvatantrāśca sarvāḥpūrvokta vidyayā |
abhyarcyagandhapuṣpādyaiḥpavitrāṇi pṛthakpṛthak || 132 ||
14.132 Alle selbstständigen und abhängigen Kultbilder werden mit der zuvor genannten Formel, Duft, Blüten und weiteren Gaben verehrt; jedes erhält sein eigenes Pavitra.
saṅkhyayā |
deyāni |
paripāraissvasvagītapādyādikālā pradarśanam. |
dānavelāyāṃ vādyavādanakovidāḥ |
nartakā gāyakāścaiva tathā svādhyāyakovidāḥ || 133 ||
14.133 Bei der Übergabe zeigen Instrumentalisten, Tänzer, Sänger und Kenner der heiligen Rezitation ihre Künste.
idamardhaṃ kvacinnāsti |
sarve yathāsvanṛttādi darśayeyustadantike |
anuktaparivārādidevatāpavitrāropaṇamantraḥ. |
caṇḍādiparānārāṇāmanyeṣāṃ prāṅkaṇāsinām || 134 ||
14.134 Ein Halbvers fehlt laut Quellenvermerk stellenweise. Alle führen vor dem Gott ihre jeweilige Darbietung auf. Caṇḍa und das übrige Gefolge sowie die weiteren im Vorhof stehenden Gottheiten
prāṅkaṇe satām |
pavitrāṇi pradeyāni balipīṭhāvasānakam |
brahmādi devatānāṃ ca tārkṣyaseneśayorapi || 135 ||
14.135 erhalten ebenfalls Pavitras, bis hin zum Bali-Podest; ebenso Brahmā und die anderen Götter, Garuḍa und der Heerführer Viṣvaksena.
sarveṣāmapyanuktānāṃ pavitrāṇi yathāyatham |
mantraśca viṣṇugāyatrī yadvedaṃ viṣṇurityayam || 136 ||
14.136 Auch alle nicht eigens genannten Gestalten werden angemessen bedacht. Dafür dient die Viṣṇu-Gāyatrī oder der Vers „idaṃ viṣṇuḥ“.
anyeṣāmapyanuktānāṃ |
yadvācāṣṭākṣareṇaiva mantreṇa dvādaśātmanā |
deśiko mūrtipaissārdhaṃ yajamānena saṃyutaḥ || 137 ||
14.137 Alternativ nimmt man den acht- oder zwölfsilbigen Mantra. Der Lehrer geht mit Bildhütern und Auftraggeber
puṣpāñjaliḥ. |
praviśya mandiraṃ viṣṇo ratnapūrṇāñjalissvayam |
hemapuṣpāñjalirvāpi yadvā puṣpabhṛtāñjaliḥ || 138 ||
14.138 in Viṣṇus Heiligtum; seine gefalteten Hände tragen Edelsteine, goldene Blüten oder gewöhnliche Blüten.
stotrestuvāno bahubhirvikirettāni pādayoḥ |
katnāni hemapuṣpāṇi puṣpāṇi surabhīṇyapi || 139 ||
14.139 Mit vielen Hymnen lobend streut er diese Edelsteine, goldenen Blüten oder duftenden Blüten zu den Füßen des Gottes.
sarvapavitrāṇāṃ devapādayornyāsaḥ. |
kalpitāni manuṣyāṇāṃ pavitrāṇi yathāyatham |
nyasya deveśapadayoḥ puṣpavatsusamāhitaḥ || 140 ||
14.140 Die für Menschen hergestellten Pavitras legt er ebenso wie Blüten gesammelt zu den Füßen des Herrn der Götter.
pavitravibhajanam. |
kṣaumā dīni pavitrāṇi devaṃ vijñāpya deśikaḥ |
svayaṃ gṛhītvā kṣaumādipavitraṃ cātmanaḥ kṛtam || 141 ||
14.141 Nachdem er dem Gott dies angekündigt hat, nimmt der Lehrer selbst das für ihn bestimmte Pavitra aus Leinen oder anderem Stoff entgegen.
dīni ca vastrāṇi |
dadyātpūjakamukhyānāmṛtvijāṃ sahakāriṇām |
ekāyanīyaniṣṭhānāmanyeṣāṃ viduṣāmapi || 142 ||
14.142 Die übrigen gibt er den leitenden Pūjā-Ausführenden, Opferpriestern, Helfern, der Ekāyana-Lehre Verpflichteten und anderen Gelehrten.
yathādhikāraṃ kramaśo devasyālokya cānanam |
bhagavati kṣamābhyarthanā. |
spṛṣṭvā devapadānbhoja mācāryotha janāntike || 143 ||
14.143 Er verfährt der Reihe nach gemäß ihrer Aufgabe und blickt dabei auf das Antlitz des Gottes. Dann berührt der Ācārya dessen Lotusfüße und spricht vor den Anwesenden.
mācāryeṇa padāntike |
nyūnātirekaśāntyarthaṃ gādhāmenāmudīrayet |
bhagavan devadeveśa śaṅkhacakragadādhara || 144 ||
14.144 Zur Befriedung von Mangel und Übermaß trägt er folgende Bitte vor: „Erhabener, Herr der Götter, Träger von Muschelhorn, Diskus und Keule!
idamardhaṃ kvacinnadṛśyate |
saṃvatsaropacārāṇāṃ pūraṇārthaṃ kṛtaṃ mayā |
ārādhanaṃ gṛhāṇatvaṃ bhaktānāṃ hitakāmyayā || 145 ||
14.145 Um die Dienste des vergangenen Jahres zu vervollständigen, habe ich diese Verehrung ausgeführt. Nimm sie an, weil du das Wohl der Verehrer wünschst.“ Der vorangehende Halbvers fehlt laut Quellenvermerk stellenweise.
nāhaṃ svatantraḥkiñcicca karomi vihitaṃ hitam |
kintu tvattpreritassarvaṃ karomi tava yatsvayam || 146 ||
14.146 „Ich handle nicht aus unabhängiger eigener Macht; was ich an vorgeschriebenem Heilsamen ausführe, tue ich vielmehr von dir bewegt, als deinen Dienst.
tatkṣantavyamaśeṣeṇa kriyālopādyanuṣṭhitam |
brāhmaṇasantarpaṇam. |
samaye yajamānastu gāṃ bhuvaṃ kāñcanaṃ tathā || 147 ||
14.147 Vergib vollständig, was mit Auslassungen der Handlungen und anderen Fehlern vollzogen wurde.“ Zur passenden Zeit schenkt der Auftraggeber Kühe, Land und Gold,
vastrādikaṃ tathā dhānyaṃ bhojayitvā mahīsurān |
datvā yathepti tānarthānācāryāya ca dakṣiṇām || 148 ||
14.148 Gewänder, Getreide und weitere erwünschte Güter, nachdem er die Brahmanen bewirtet hat. Dem Ācārya gibt er eine Dakṣiṇā
śataniṣkāvarāṃ gobhūvastradhānyādi kāvyapi |
mūrtipebhyastathānyebhyastattatka rmānusārataḥ || 149 ||
14.149 von mindestens hundert Niṣkas sowie Kühe, Land, Gewänder, Getreide und Ähnliches. Bildhüter und andere Mitwirkende erhalten entsprechend ihrem jeweiligen Dienst
yathātuṣṭikaraṃ deyaṃ yāge tatropakurvatām |
bahirgrāmotsavakālaḥ. |
aparāhṇe bahirgrāme kuryādevaṃ mahotsavam || 150 ||
14.150 Gaben, die sie zufriedenstellen. Am Nachmittag vollzieht man außerhalb beziehungsweise im äußeren Bereich des Ortes ein großes Fest.
pavitrāvaropaṇāvadhiḥ. |
prokṣya pratyahametāni pūjākāleṣu pūjakaiḥ |
syasanīyāni divasāṃ ścaturdaśa caturmukha || 151 ||
14.151 Die Pūjā-Ausführenden besprengen die Pavitras täglich und legen sie zu den Verehrungszeiten an, vierzehn Tage lang, Viergesichtiger.
yadvaikaviṃśatiṃ sapta yadi vā divasānapi |
trirātramekarātraṃ vā paścāttānyaparohayet || 152 ||
14.152 Alternativ werden 21 Tage, sieben Tage, drei Nächte oder eine Nacht genannt. Danach nimmt man sie ab.
dvayaikaviṃśatissapta |
pavitrāropaṇamantrāḥ. |
uccaran pauruṣaṃ sūktaṃ sāma yadvā rathantaram |
trisuvarṇaṃ tathā mantraṃ mūlamastramathāpi vā || 153 ||
14.153 Dabei rezitiert man das Puruṣa-Sūkta, das Rathantara-Sāman, den Trisuvarṇa-Mantra, den Grundmantra oder den Waffenmantra.
guruve pavitrāpradāne doṣaḥ. |
avaropya pavitrāṇi deyāni gurave tataḥ |
kurave tāni dattāni prīṇanāya madhudvipaḥ || 154 ||
14.154 Nach dem Abnehmen gibt man die Pavitras dem Lehrer. Diese Übergabe erfreut den Bezwinger Madhus.
anyathā karmanaiṣphalyaṃ kṣayassyāddhrājarāṣṭrayoḥ |
āvāhita devatāvisarjanam. |
maṇḍalasdhaṃ ca kumbhasthamagnisthaṃ ca visarjayet || 155 ||
14.155 Andernfalls, so warnt die Quelle, bleibe der Dienst fruchtlos und schädige König und Reich. Die im Maṇḍala, Krug und Feuer angerufenen Gottheiten werden verabschiedet.
pavitrāvaropaṇe kālotkarṣānavaśyakatā. |
pavitrārohaṇadine kālotkarṣona yujyate |
pavitrāvaropaṇānantaraṃ bhagavatassnapanam. |
kṛtvā varohaṇaṃ teṣāṃ snapanaṃ tadana ntaram || 156 ||
14.156 Für das Abnehmen soll keine weitere Suche nach einem besonders ausgezeichneten Zeitpunkt nötig sein. Die Grundlesart nennt dabei „Anlegen“, die Überschrift „Abnehmen“; der Zusammenhang handelt vom Abnehmen. Danach folgt das rituelle Bad.
kāryaṃ yathoktavidhinā praviśenmandiraṃ tataḥ |
pavitrotsavaphalaṃ. |
ityeṣa kathito brahman pavitrārohaṇevidhiḥ || 157 ||
14.157 Es wird nach der gelehrten Vorschrift vollzogen; dann kehrt man ins Heiligtum zurück. Brahmā, damit ist die Ordnung des Pavitrāropaṇa erklärt.
anena vidhinā viṣṇoḥpavitrārohaṇaṃ hareḥ |
kurvan phalānyanantāni prāpnu yānnaiva saṃśayaḥ || 158 ||
14.158 Wer Hari nach diesem Verfahren die Pavitras anlegt, erlangt nach der Verheißung des Textes zweifellos unbegrenzte Früchte.
sukhaṃ jīvati nirvyādhi ryāvadāyussamṛddhimān |
āyuśca vindati prāptaṃ dharmāthān dharmamāpnuyāt || 159 ||
14.159 Er lebe glücklich, ohne Krankheit und in Wohlstand während seiner Lebenszeit, erlange die ihm bestimmte Lebensdauer; wer Dharma erstrebt, gewinne Dharma.
kāmānavāpnuyātkāmī arthārthīcārthamāpnuyāt |
mokṣārthī mokṣamāpnoti prajārthī labhate prajāḥ || 160 ||
14.160 Wer Wunscherfüllung sucht, erlange sie; wer Besitz sucht, gewinne Besitz; wer Befreiung sucht, Befreiung, und wer Nachkommen sucht, Nachkommen.
bāndhavairlabhatecāpi pravāsibhissamāgamam |
kīrtiṃcāpnoti paramāṃ kīrtikāmo na saṃśayaḥ || 161 ||
14.161 Man werde mit fern lebenden Verwandten wieder vereint; wer Ruhm sucht, erlange höchsten Ruhm.
pāntho vai labhate cāpi bandhubhiśca |
jñānārthī jñānamāpnoti śāntyarthī śāntimāpnuyāt |
śatravastu praṇaśyanti grahabhūtādyupadravāḥ || 162 ||
14.162 Eine Variante bezieht die Wiedervereinigung auf einen Reisenden. Wer Erkenntnis sucht, gewinne Erkenntnis; wer Frieden sucht, Frieden. Feinde und Bedrängnisse durch Grahas und Wesen verschwänden.
ārogyakāmī cārogyaṃ śrīkāmaśsriyāmāpnuyāt |
bahunātra kimuktena phalaṃ yadyadabhīpsitam || 163 ||
14.163 Wer Gesundheit oder Wohlergehen ersehnt, erhalte sie. Wozu weitere Worte: Welche Frucht auch immer gewünscht werde,
tatsarvaṃ tasyahastathaṃ nātra kāryā vicāraṇā |
bhuktvā bhoṃgāṃśca vipulān dhyātvā cānte madhudviṣam || 164 ||
14.164 sie liege ihm, so der Lobpreis, ganz in der Hand. Nachdem er große Freuden genossen hat, meditiert er am Ende über den Bezwinger Madhus.
tallokaṃ samavāpnoti na cehojāyate punaḥ |
dhārayanti pavitrāṇi yebhaktāśśraddhayānvitāḥ || 165 ||
14.165 Er gelange in dessen Welt und werde hier nicht wiedergeboren. Auch Verehrer, die mit Vertrauen die Pavitras tragen,
tepi nirdhūya pāpāni modantediva devavat |
ācāryo mūrtipāssarve ye cānye paricārakāḥ || 166 ||
14.166 schüttelten Verfehlungen ab und freuten sich im Himmel wie Götter. Der Lehrer, sämtliche Bildhüter und die übrigen Helfer,
ye śyaṇvanti ca paśyanti kīrtayanti ca karma tat |
te sarvepi samṛddhārthālabhante sarvasaṃpadaḥ || 167 ||
14.167 alle, die von diesem Dienst hören, ihn sehen oder loben, erlangten erfüllte Ziele und jegliches Wohlergehen. Diese Aussagen beschließen das religiöse Fruchtlob.
āgrayaṇapūjāyogya māsatithinakṣatrādi. |
āgrayaṇaṃ śrāvaṇe māsi māsi proṣṭhapade'pi vā |
māse cāśvayuje brahman kārtike māsivā bhavet || 168 ||
14.168 Die Darbringung der neuen Ernte, Āgrayaṇa, findet im Monat Śrāvaṇa, Proṣṭhapada, Āśvayuja oder Kārttika statt, Brahmā.
āgreṇaṃ śravaṇe |
varṣāsvevaṃ tatonyatra taiṣe māghe'pi vā bhavet |
phālgune māsi caitre vā vaiśākhe vā tadācaret || 169 ||
14.169 Dies betrifft die Regenzeit und den anschließenden Erntezusammenhang. Zu anderen Zeiten kann sie in Taiṣa, Māgha, Phālguna, Caitra oder Vaiśākha stattfinden.
haste ca śravaṇe pauṣṇe nairṛte ca prajāpateḥ |
nakṣatre vāruṇe puṣye vāyavyeditidaivate || 170 ||
14.170 Geeignete Gestirne sind Hasta, Śravaṇa, das Pūṣan zugeordnete Revatī, das Nirṛti zugeordnete Mūla, Prajāpatis Rohiṇī, Varuṇas Śatabhiṣaj, Puṣya, Vāyus Svātī und Aditis Punarvasu,
makhāsu maitre citrāyāṃ śraviṣṭhāyāmathāpi vā |
saumye triṣūttarākhyeṣu sambhavānuguṇaṃ bhavet || 171 ||
14.171 Maghā, Mitras Anurādhā, Citrā, Śraviṣṭhā, Somas Mṛgaśīrṣa und die drei Uttarā-Gestirne, jeweils nach Verfügbarkeit. Die zusätzliche Lesart bei Maghā und Citrā ist beschädigt.
makhe ca citre caitrāyām |
ayugmāstithayassarvā navamīparirjitāḥ |
yugmāstu tithayo neṣṭā dvitīyāṃ daśamīṃ vinā || 172 ||
14.172 Alle ungeraden Mondtage außer dem neunten sind geeignet. Gerade Mondtage sind unerwünscht, ausgenommen der zweite und zehnte.
somo bṛhaspatissaumyo bṛguśceti grahāśśubhāḥ |
meṣavṛścikamine tu kanyājhaṣakulīrake || 173 ||
14.173 Mond, Jupiter, Merkur und Venus gelten als günstig, also die ihnen zugeordneten Wochentage. Die anschließende Tierkreisaufzählung nennt Widder, Skorpion, Fische, Jungfrau, nochmals Fische und Krebs; sie ist erkennbar beschädigt.
pūrvapakṣe ca kartavyastatrāyaṃ karmaṇaḥkramaḥ |
oṣadhilavana dhānya grahaṇādividhiḥ. |
ādau dadhyādanaṃ kṣetre kṣetrapālāya kalpayet || 174 ||
14.174 Der Ritus findet in der hellen Monatshälfte statt. Zuerst bringt man auf dem Feld dem Feldhüter Joghurt-Reis dar.
muhūrte lavanasyokte vidhāya lavanaṃ tataḥ |
dhānyaṃ kaṇiśabhāreṇa gṛhṇīyādbhūmikarṣakaiḥ || 175 ||
14.175 Zur genannten günstigen Erntezeit wird geschnitten. Die Ackerbauern nehmen das Getreide in Ährenbündeln beziehungsweise Ährenlasten auf.
kaṇaśahāreṇa |
kadalīpanasādīni tathādadhighṛtādikam |
dhānyabhārāsapi tathā kandalyādidalāni ca || 176 ||
14.176 Bananen, Jackfrüchte, Joghurt, Ghee, Getreidelasten und Bananenblätter werden ebenfalls bereitgestellt; die Variante nennt Sprosse und Blätter.
kandalāni dalāni ca |
nayeyurnṛttavāditragītālaṅkārasaṃyutam |
dhānyānayanakāle rakṣā saṃvidhānam. |
purataḥ pṛṣṭhataścaiva seneśavihagadhipau || 177 ||
14.177 Man bringt alles unter Tanz, Instrumentalmusik und Gesang festlich geschmückt herbei. Vorne und hinten begleiten Heerführer Viṣvaksena und Garuḍa den Zug.
alaṅkṛtau kuñjarādiyānārūḍhau yathāvasu |
chatra cāmarasauśeyadhvajātiparibarhakau || 178 ||
14.178 Beide sind geschmückt und sitzen nach den verfügbaren Mitteln auf Elefanten oder anderen Fahrzeugen, begleitet von Schirmen, Yakschweifwedeln, Seidenfahnen und weiterem Zubehör.
grāmaprādakṣiṇyena dhānyānāṃ koṣṭhāgāranayanam. |
nītvā pradakṣiṇaṃ grāmamālayaṃ ca madhudviṣaḥ |
goṣṭhāgāraṃ praviśyāntardhānyaṃ kaṇiśagocaram || 179 ||
14.179 Nach der Umrundung des Ortes und des Heiligtums des Bezwingers Madhus bringt man das Getreide in Ähren ins Speicherhaus.
bhāṇḍe dhānyanikṣepaṇe mantraḥ. |
śrīsūktena samabhyarcya bhāṇḍeṣvabhinaveṣu tat |
nikṣipya saṅgrahaṃ tasya kuryāttatrāla yeṣu ca || 180 ||
14.180 Man verehrt es mit dem Śrī-Sūkta, füllt es in neue Gefäße und lagert es dort beziehungsweise in den vorgesehenen Gebäuden.
karmakarebhyo dhānyavibhāgaḥ. |
karmiṇāṃ devadevasya tathā devaṃ samarcatām |
yathādhikāraṃ dhānyāni dadyācca samaye śubhe || 181 ||
14.181 Den Arbeitenden des Gottes und denen, die ihn verehren, teilt man zu günstiger Zeit Getreide entsprechend ihrer Aufgabe zu.
pariṣkṛta havirnivedanam. |
taṇḍulānnūtanā nāmān kṣālitāṃstriphalīkṛtān |
maricairjīrakai ryuktān guḷapākenubhāvitān || 182 ||
14.182 Neue rohe Reiskörner werden gewaschen und dreimal enthülst; man fügt Pfeffer und Kreuzkümmel hinzu und behandelt sie mit gekochtem Rohzuckersirup.
nanyān |
nālikeraphalopetānikṣukhaṇḍasamanvitān |
mūlaberādiberāṇāṃ muhūrte śobhane guruḥ || 183 ||
14.183 Mit Kokosnuss und Zuckerrohrstücken versehen bringt der Lehrer sie im günstigen Augenblick dem Hauptbild und den weiteren Kultbildern dar.
navataṇḍulahomaḥ. |
nivedaye |
ttato mūlavidyayāṣṭottaraṃ śatam |
taṇḍulai rjuhuyādagnau |
navānna nivedanam. |
brāhmaṇānāṃ yathāpuram || 184 ||
14.184 Danach opfert er mit der Grundformel 108-mal von den neuen Reiskörnern ins Feuer. Die folgende Gabe ist in der Grundlesart Brahmanen, in der Variante Brahmā und den weiteren Gottheiten zugeordnet.
brahmādīnāṃ |
tasmin dine paredyurvā navānnāni nivedayet |
prabhūtasskṛtā nekaniṣṭhāni kadalīdale || 185 ||
14.185 Am selben oder am nächsten Tag bringt man neue Reisgerichte mit reichlich zubereiteten verschiedenen Beilagen auf einem Bananenblatt dar. Der Wortlaut des letzten Speisenausdrucks ist beschädigt.
Kapitel 15: Monatliche Gelübde, Lichterfest und Lakṣmī-Hymnus
pādmasaṃhitāyām |
pañcadaśo'dhyāyaḥ |
māsānubandhiprateṣu. varāhavratam. |
śrībhagavān |
māsi bhādrapade devaṃ śravaṇe cādipūruṣam |
varāharūpaṃ subhagaṃ hiraṇyākṣāsuradviṣam || 1 ||
15.1 Im fünfzehnten Kapitel lehrt der erhabene Herr die monatlichen Gelübde: Im Monat Bhādrapada, unter Śravaṇa, verehrt man den ursprünglichen Puruṣa in seiner schönen Ebergestalt, den Bezwinger des Asuras Hiraṇyākṣa.
tasmin |
yajeta dharayā devyā sārdhaṃ sarvārthasiddhaye |
anyeṣāṃ mūrtibhedānāmapi tasmin samarcanam || 2 ||
15.2 Zusammen mit der Erdgöttin wird er zur Verwirklichung aller Ziele verehrt. Auch andere Erscheinungsformen können zu diesem Zeitpunkt verehrt werden.
āśvayujamāsavratam. |
svātāvāśvayuje māsi yajanaṃ snapanādibhiḥ |
kārtikadvādaśīvratam. |
kārtike māsi saṃprāpte dvādaśyāṃ cāsitetare || 3 ||
15.3 Im Monat Āśvayuja geschieht die Verehrung unter Svātī mit Krugbad und weiteren Diensten. Wenn Kārttika gekommen ist, weckt man am zwölften Tag der hellen Hälfte
pakṣe prabodhayeddevamarcayitvā yathāvasu |
mantraścodityamityeṣa uttiṣṭheti ca bodhane || 4 ||
15.4 den Gott, nachdem man ihn den eigenen Mitteln entsprechend verehrt hat. Zum Wecken dienen die Mantraanfänge „ud …“ und „uttiṣṭha“; der erste ist als „udityam“ beschädigt überliefert.
prabodhya vārcayeddevamutthitaṃ vidhivartmanā |
autsavaṃ bimpamabhyarcya maṇḍape maṇḍale sthitam || 5 ||
15.5 Nach dem Wecken verehrt man den aufgestandenen Gott nach der Vorschrift. Das Festbild wird in der Halle auf dem Maṇḍala verehrt.
dvāratoraṇakumbhādiyajanaṃ ca yathāpuram |
grāme mahotsavaḥ kāryassarvamaṅgalasaṃyutaḥ || 6 ||
15.6 Türen, Torbögen, Krüge und die weiteren Einrichtungen werden wie zuvor verehrt. Im Ort findet ein großes Fest mit allen Glückszeichen statt.
sarvecāśramiṇaḥ kuryārvratānāṃ ca visarjanam |
daśaniṣkaṃ tadardhaṃ vā dakṣiṇāṃ gurave tadā || 7 ||
15.7 Die Angehörigen aller Lebensstände beenden dabei ihre Gelübde. Dem Lehrer gibt man zehn Niṣkas oder die Hälfte als Dakṣiṇā.
kṛttitādīpotsavaḥ. |
kṛttikāsu kārtikyāṃ porṇamāsyāṃ madhudviṣaḥ |
kṛttikābhirayoge vā kevalāyāṃ tithau bhavet || 8 ||
15.8 Unter Kṛttikā am Vollmond des Kārttika-Monats findet das Lichterfest des Bezwingers Madhus statt. Fehlt die Verbindung mit Kṛttikā, genügt allein der Vollmondtag.
dīvotsavaṃ tathā sarvaṃ śobhayenmama mandiram |
aropya sarvato dīpān stambheghāccairmadhudviṣaḥ || 9 ||
15.9 Mit dem Lichterfest verschönert man mein ganzes Heiligtum. Überall stellt man auf hohen Säulen Lampen auf.
dīpotsavasta sarvaṃ śodhayeddenamandiram |dikṣu sarvāsu sarvatra tathā cāvaraṇeṣu ca |
kūṭā kārāḥkalpinīyāsteṣāṃ syurdīpamālikāḥ || 10 ||
15.10 Eine zusätzliche Lesart spricht von der Reinigung des gesamten Gotteshauses. In allen Richtungen und Umgängen errichtet man hausförmige Aufbauten mit Lampenreihen.
prākārabhittiṣu tathā maṇḍape gopu reṣu ca |
bahvībhirdīpamālābhirbhāvyaṃ sarvāsu dikṣu ca || 11 ||
15.11 Auch Umfassungsmauern, Hallen und Torbauten erhalten viele Lampenreihen, in sämtlichen Richtungen.
dīvotsavāya pūrvedyurniśi kalyāṇakautukam |
badhnīyādautsave bimbe sarvamaṅgalasaṃyutam || 12 ||
15.12 In der Nacht vor dem Lichterfest bindet man dem Festbild das glückverheißende Schutzband unter allen günstigen Begleitzeichen an.
aparedyuśca mūlādiberāṇāmarcanaṃ bhavet |
naimittikaṃ pradoṣe tu kuryāddīpādhipāsanam || 13 ||
15.13 Am folgenden Tag findet die anlassbezogene Verehrung des Hauptbildes und der übrigen Bilder statt. In der Abenddämmerung vollzieht man die Weihe der Lampen.
purastānmūlaberasya pātramāropya nūtanam |
dhānyarāśau tatastasmiṃścajyamāḍhakasaṃmitam || 14 ||
15.14 Vor dem Hauptbild stellt man ein neues Gefäß auf einen Getreidehaufen. Hinein gibt man ein Āḍhaka Ghee
kāpilaṃ tailamadhavā nikṣipya pariśodhitam |
ṛjuvartiṃ tantubhirvā pāsasā nūtanena vā || 15 ||
15.15 von einer Kapilā-Kuh oder gereinigtes Öl. Aus Fäden oder neuem Stoff wird ein gerader Docht hergestellt.
kalpayitvā samuddhṛtya kuṇḍāgniṃ tena dīpayet |
vartimāgneyamantreṇa agnimudrāṃ pradarśayet || 16 ||
15.16 Man nimmt Feuer aus der Opfergrube und entzündet damit den Docht unter dem Agni-Mantra. Dabei zeigt man die Feuer-Mudrā.
abhyarcya cāgni mantraistu muhūrte śobhane guruḥ |
ādāya pātraṃ tat sthena vahninā valajādiṣu || 17 ||
15.17 Nachdem der Lehrer mit Feuer-Mantras verehrt hat, nimmt er das Gefäß im günstigen Augenblick und entzündet mit seinem Feuer
dīpayeddīpikāssarvāstūryeṣu vidiśo diśaḥ |
ghoṣayatsu tathā nṛttagītādīnāṃ samudyame || 18 ||
15.18 sämtliche Lampen in den Reihen und Anlagen. In Haupt- und Zwischenrichtungen erklingen Instrumente; Tanz und Gesang setzen ein.
adhīyāneṣu vipreṣu mantrānanavadaivatān |
autsavaṃ bimbamādāya sarvalaṅkāraśobhitam || 19 ||
15.19 Brahmanen rezitieren feuerbezogene Mantras. Man nimmt das mit allem Schmuck ausgestattete Festbild,
yānamāropya rathyāsu nayedāvaraṇeṣu ca |
dṛśyāni nāṭakādīni kṛtrimāṇītarāṇica || 20 ||
15.20 setzt es auf das Fahrzeug und führt es durch die Straßen und Umgänge. Man zeigt Theaterstücke und andere gestaltete Darbietungen.
darśayeddeva devāya bhāṣābhedānyathoditān |
āsādya maṇṭape tasminni vedya ca mahā haviḥ || 21 ||
15.21 Vor dem Gott der Götter werden auch die beschriebenen verschiedenen Sprachformen vorgetragen. Dann kehrt man in die Halle zurück und bringt die große Speisegabe dar.
sarvālaṅkāraśobhitam |
pṛthukān saṃskṛtān saktūn palalānagnitṛptaye |
apūpān samaye tasminni vedya madhuvidviṣe || 22 ||
15.22 Zubereiteten flachgedrückten Reis, geröstetes Mehl, Sesamspeisen und Kuchen bringt man dem Bezwinger Madhus dar, zugleich zur Sättigung des Feuers.
abhyastaraṃ mandirasya gamayenmaṅgalānvitam |
kṛttikādīpavidhinā samārādhasamīritam || 23 ||
15.23 Unter glückverheißender Begleitung führt man ihn ins Tempelinnere. So ist die Verehrung nach der Kṛttikā-Lichterordnung erklärt.
viśāṃ ca rājño rāṣṭrasya sampatkaramanuttamam |
vipatpraśramanaṃ brahman prīṇanaṃ jātavedasaḥ || 24 ||
15.24 Brahmā, sie wird als unvergleichlich wohltätig für Bevölkerung, König und Reich gepriesen, als Abwehr von Unglück und als Freude für Jātavedas, das Feuer.
mārgaśīrṣadvādaśīvratam. |
mārgaśīrṣesite pakṣe māsi vratamanuttamam |
dvādaśyāṃ vratapūrvatvādvratamārādhanaṃ hareḥ || 25 ||
15.25 In der hellen Hälfte des Mārgaśīrṣa-Monats gibt es das vorzügliche Zwölftagsgelübde. Haris Verehrung am zwölften Mondtag heißt hier Gelübde, weil ihr die Gelübdeübung vorausgeht.
ārādhanaṃ bhagavataḥkurvaṃstādṛśamuttamam |
daśamyāṃ harimārādhya bhojayitvāca bhūsurān || 26 ||
15.26 Wer diese vorzügliche Verehrung ausführen will, verehrt Hari am zehnten Tag und bewirtet Brahmanen.
dakṣiṇāṃ ca yathāśakti datvā tebhyassamāhitaḥ |
bhagavatsannidau teṣāṃ vijñāpya dvādaśīvratam || 27 ||
15.27 Er gibt ihnen nach Kräften Dakṣiṇā und kündigt ihnen vor dem Gott gesammelt das Dvādaśī-Gelübde an.
anujñāpūrvakaṃ pūjāṃ vratapūrvāṃ mahāphalām |
saṅkalpya darbheṣvāsīnaḥ prāṅmukhaḥ praṇidānavān || 28 ||
15.28 Nach erteilter Zustimmung fasst er den Entschluss zur Verehrung mit Gelübde, der große Frucht zugesprochen wird. Auf Darbha sitzend, nach Osten blickend, sammelt er sich.
haviṣyāśī sakṛtkṛtvā sarvaṃ karmāhnikaṃ tathā |
rātrau ca bhagavadyogamāsthāya ca yathāvidhi || 29 ||
15.29 Er isst einmal opfergeeignete Speise, vollzieht alle täglichen Handlungen und widmet sich nachts vorschriftsmäßig dem Yoga des Erhabenen.
aparedyuḥkriyājātame kādaśyāṃ yathāvidhi |
pūrvaṃ triṣavaṇannāyī niyamaṃ paramāsthitaḥ || 30 ||
15.30 Am folgenden elften Mondtag vollzieht er die vorgeschriebenen Handlungen, badet zu den drei Tageszeiten und hält strenge Selbstdisziplin.
anaśnan devamārādhya homāntaṃ maunamāsthitaḥ |
bhagavaddhyānanirato vyavahāraṃ ca laukikam || 31 ||
15.31 Ohne zu essen verehrt er den Gott bis zum Feueropfer. Schweigend ist er ganz auf die Meditation über den Erhabenen ausgerichtet.
asaṃspṛśan manaḥkāyakarmabhiśceṅgitādibhiḥ |
sthito maunī tadā tadvadrātrau kautukamabandhanam || 32 ||
15.32 Weltliche Geschäfte berührt er weder mit Gedanken noch durch körperliches Handeln oder Zeichen. Nachts wird das Schutzband angebunden.
badhvā deveśamārādhya darbhaśāyūnayenni śām |
brāhme muhūrtecotthāya kṛtvā sandhyāṃ yathāvidhi || 33 ||
15.33 Nach dem Anbinden und der Verehrung des Herrn verbringt er die Nacht auf einem Darbha-Lager. In der Brahma-Muhūrta steht er auf und vollzieht die Dämmerungsriten.
karmadevāntikaṃ gatvā kuryātpūjāṃ yathāpuram |
caturvedavido viprān dikṣu prācyādiṣu kramāt || 34 ||
15.34 Dann tritt er vor den Gott und verehrt ihn wie zuvor. Kenner der vier Veden werden der Reihe nach in Osten und den übrigen Hauptrichtungen aufgestellt.
darbhāsaneṣvāsayitvā devasyābhimukhaṃ yathā |
koṇeṣu ca diśāṃ viprānekāyanavida stathā || 35 ||
15.35 Sie sitzen auf Darbha-Sitzen mit dem Gesicht zum Gott; in den Zwischenrichtungen sitzen Brahmanen, welche die Ekāyana-Lehre kennen.
adhyāpayedadhyayanaṃ yathā svacchandasāṃ guruḥ |
sāmagāni tarālābhe kevalāṃ stapasi sthitān || 36 ||
15.36 Der Lehrer lässt sie ihre jeweiligen heiligen Texte rezitieren. Fehlen die anderen, können allein asketisch lebende Sāma-Sänger dienen
ekāyanavido vāpi harestatprīṇanaṃ param |
prāśayedprāhmaṇaissārdhaṃ vratasdhaḥkāyaśuddhaye || 37 ||
15.37 oder Kenner der Ekāyana-Lehre; dies erfreut Hari besonders. Der Gelübdeübende nimmt gemeinsam mit Brahmanen zur rituellen Körperreinigung
pāraye |
kuśodakaṃ pañca gavyaṃ prāpaṇaṃ ca yathā kramam |
divā svāpaṃ parānnaṃ ca punarbhojanakarma ca || 38 ||
15.38 nacheinander Kuśa-Wasser, Pañcagavya und geweihte Speise zu sich. Tagschlaf, fremde Speise und wiederholtes Essen
strīsevāṃ tailasevāṃ ca kāṃsyabhojanameva ca |
māṃsāśanaṃ tyajettasmin divase karma garhitam || 39 ||
15.39 meidet er an diesem Tag, ebenso Geschlechtsverkehr, Ölanwendung, Essen aus einem Bronzegefäß, Fleischgenuss und missbilligte Handlungen.
bhojayecca yathāśakti tadyādante ca dakṣiṇām |
upavāsākṣamo naktame kādaśyāṃ samācaret || 40 ||
15.40 Er bewirtet nach Kräften die Brahmanen und gibt abschließend Dakṣiṇā. Wer nicht vollständig fasten kann, darf am elften Tag nachts essen.
ajñānāccettrayodaśyāṃ pāraṇaṃ rākṣasaṃ bhavet |
varjyāśca vārā mandasya bhṛgoraṅgārakasya ca || 41 ||
15.41 Wird das Fasten aus Unwissenheit erst am dreizehnten Tag gebrochen, nennt die Quelle dies rakṣasisch. Zum Beginn des Gelübdes sollen Saturn-, Venus- und Marstag gemieden werden,
nakṣatraṃ yamadaivatyaṃ vratārambhe caturmukha |
pāraṇaṃ copavāsaśca na doṣāya tithitraye || 42 ||
15.42 auch das Yama zugeordnete Mondhaus Bharaṇī, Viergesichtiger. Danach erklärt die Quelle Fasten und Fastenbrechen bei einem Zusammentreffen dreier Mondtage für nicht fehlerhaft; die genaue Kalenderkonstellation bleibt verkürzt.
na sambhāṣeta pāṣaṇḍavṛttibhirgarhitairnaraiḥ |
pramādādapinaivānyairnāstikaiḥpratilomajaiḥ || 43 ||
15.43 Mit Menschen, die als häretisch oder verwerflich gelten, soll man nach der historischen Ordnung nicht sprechen, auch nicht unabsichtlich; ebenso wenig mit Leugnern der Lehre und Pratiloma-Geborenen.
nāśaucavadbhirdvādaśyāṃ vratastho nāvalokayet |
ārdrāyāmapi māse'smin janmarkṣeca garutmataḥ || 44 ||
15.44 Am zwölften Tag soll der Gelübdeübende auch rituell Unreine nicht ansehen. Diese Ausschlüsse sind Aussagen der Quelle. Im selben Monat gilt Ārdrā als Garuḍas Geburtsgestirn.
tatprītaye samārādhyo hariśśāstroktavartmanā |
pāyasānnaṃ guḷānnaṃ ca prabhāte vinivedayet || 45 ||
15.45 Um ihn zu erfreuen, verehrt man Hari nach der Lehrordnung und bringt morgens beziehungsweise nach der Variante reichlich Milchreis und Rohzuckerreis dar.
prabhūtaṃ |
bimbaṃ cautsavamākalpya vīdhikāvaraṇeṣu ca |
garuḍenaiva sahitaṃ gamayenmaṅgalānvitam || 46 ||
15.46 Das geschmückte Festbild führt man zusammen mit Garuḍa unter glückverheißender Begleitung durch Straßen und Umgänge. Eine Variante verbindet dies bereits mit dem folgenden nördlichen Sonnenlauf.
uttare garuḍenainasahitaṃ |
uttarāyaṇavratam. |
uttarecāyane devaṃ snapanādyaissamarcayet |
ghṛtenābhyañṅayeddevaṃ majjayedvā ghṛtādiṣu || 47 ||
15.47 Zu Beginn des nördlichen Sonnenhalbjahres verehrt man den Gott mit Krugbad und weiteren Diensten. Man salbt ihn mit Ghee oder taucht ihn in Ghee und entsprechende Stoffe ein.
ghṛte vā dadhni pīyūṣe yadvā madhuni sambhṛte |
phaleṣu vā phalarane pañca gavyaraseṣu vā || 48 ||
15.48 Genannt werden Ghee, Joghurt, Milch beziehungsweise Pīyūṣa, Honig, Früchte, Fruchtsaft und Pañcagavya,
pāyasādiṣu cānneṣu kālapuṣpoccayeṣu vā |
daleṣu vā tulasyāternavaratnaca yeṣu vā || 49 ||
15.49 ferner Milchreis und andere Speisen, Haufen jahreszeitlicher Blüten, Tulasī- und andere Blätter oder Ansammlungen der neun Edelsteine.
suvarṇakaladhauteṣu puṣpākāreṣu śobhane |
suvarṇa golakāḥkṛtvā kalpitāvayapojvalāḥ || 50 ||
15.50 Auch blütenförmige Stücke aus Gold und Silber werden genannt. Man stellt goldene Hüllen her, deren Glieder kunstvoll ausgestaltet sind.
golakaśabdasdhāne goliketisādhu |
likhitā |
kalpitākalpakalyāṇapratimākārasaṃmitāḥ |
pīṭhikākāratulitāstābhirācchādya bhūṣayet || 51 ||
15.51 Die Quellenanmerkung bevorzugt für die Hüllen „golikā“ statt „golaka“. Sie entsprechen der geschmückten Kultgestalt und ihrem Sockel; damit bedeckt und schmückt man sie.
pañcāyudhasamākārā hastādisatṛśākṛtīḥ |
kṛtvā vṛthagyathāśobhaṃ galakāḥ kañcukākṛtīḥ || 52 ||
15.52 Man fertigt einzelne Formen der fünf Waffen und der Hände und weiteren Körperteile, dazu jackenartige Hüllen.
bhūṣayettābhiraṅgāni cāyudhāni ca sarvaśaḥ |
āpādamastakaṃ vānyairvrīhyādibhiradhokṣajam || 53 ||
15.53 Damit schmückt man sämtliche Glieder und Waffen. Alternativ bedeckt man Adhokṣaja von den Füßen bis zum Scheitel mit Reis und weiteren Stoffen.
chādayenmūlamantreṇa pūraṇaṃ sarvavastubhiḥ |
tisrastripādasahitā napi vā dviguṇāṃ stathā || 54 ||
15.54 Unter dem Grundmantra wird diese Füllung beziehungsweise Bedeckung mit den genannten Materialien vorgenommen. Für ihre Dauer nennt der Text drei und drei Viertel Zeiteinheiten oder das Doppelte.
tipādabhārasahitā nāḍirvā dviguṇāstathā |
pūrayetkālamātodyanṛttagītādumaṅgalam |
ācaretsarvametasminyathāvibhava vistaram || 55 ||
15.55 Die Variante bezeichnet die Einheit als Nāḍī. Während dieser Zeit erfolgen Instrumentalmusik, Tanz, Gesang und alle glückverheißenden Dienste entsprechend den verfügbaren Mitteln.
juhuyātsarpiṣā yāvatpūraṇaṃ mūlavidyayā |
deyā ca dakṣiṇā svarṇamācāryaya yathāvasu || 56 ||
15.56 Solange die Füllung besteht, opfert man Ghee unter der Grundformel. Dem Ācārya gibt man nach Vermögen Gold als Dakṣiṇā.
ghṛtādipūraṇaṃ caitatsarvakāmasamṛddhidam |
puṣyamāsavratam. |
puṣye ca māsi nakṣatre paurṇamāsyāmathāpi vā || 57 ||
15.57 Die Füllung mit Ghee und den weiteren Stoffen wird als Erfüllerin aller Wünsche gepriesen. Im Puṣya-Monat unter dessen Mondhaus oder am Vollmond
ārādhanaṃ bhagavatassarvapāpavināśanam |
māghamāse tilapadmavratam. |
māghamāse site pakṣe vañcamyāṃ madhuvidviṣam || 58 ||
15.58 gilt die Verehrung des Erhabenen als Tilgung aller Verfehlungen. Am fünften Tag der hellen Hälfte des Māgha-Monats beginnt das Sesamlotus-Gelübde.
samārādhya yathāśāstraṃ devasyāgre mahītale |
gomayālepite dvābhyāṃ hastābhyāmapi saṃmite || 59 ||
15.59 Nach der schriftgemäßen Verehrung des Bezwingers Madhus bereitet man vor dem Gott eine mit Kuhdung bestrichene Bodenfläche von zwei Hasta
caturbhirvā samāyāmavistāre cchādi tepunaḥ |
vāsasā nūtanenaiva sadaśena tathopari || 60 ||
15.60 oder vier Hasta Länge und gleicher Breite. Darauf legt man einen neuen Stoff mit unversehrtem Rand,
kṛṣṇājinena śuddhena bhedanaccedanādinā |
varjitena samācchādya vastraṃ tadupari kṣipet || 61 ||
15.61 darüber ein reines, unzerschnittenes und unbeschädigtes schwarzes Antilopenfell und darauf erneut ein Tuch.
lajjite ca |
tilānāṃ bhāramekaṃ vā dvau vā kṛtvā ca vedikām |
trimekhalāṃ tile tasmin padmākārasamākṛtim || 62 ||
15.62 Aus einer oder zwei Bhāra Sesam bildet man eine Plattform mit drei Umrandungen und gestaltet darauf einen Lotus.
niṣkatrayātmakaṃ svarṇaṃ lekhāpadmaṃ tileṣu vā |
nikṣipya navaratnāni dikṣu cāṣṭāsu nikṣipet || 63 ||
15.63 Man legt einen goldenen Lotus im Gewicht von drei Niṣkas hinein oder zeichnet den Lotus im Sesam. In den acht Richtungen legt man die neun Edelsteine aus; ihre Verteilung auf die acht Plätze wird nicht näher erläutert.
dhānyapūrṇānipātrāṇi dve dve pratidiśaṃ kramāt |
prasthatailaṃ tathā sarpirdhadhi cāpi caturguṇam || 64 ||
15.64 Je zwei getreidegefüllte Gefäße stellt man in jede Richtung. Dazu werden ein Prastha Öl und Ghee sowie Joghurt in vierfacher Menge genannt.
pārśvayoḥpurataścāpi pātrasthaṃ nyasya bhūtale |
tilājyāhāraḥpuratastrīṇyahāni jitendriyāḥ || 65 ||
15.65 Die Gefäße stehen seitlich und vorne auf dem Boden. Während der drei vorhergehenden Tage lebt man mit beherrschten Sinnen von Sesam und Ghee.
tilājyabhārasahitā |
upoṣya vā guruḥpūrvamekarātraṃ caturmukha |
abhyarcya gandhapuṣnādyaistilānyastānyanantaram || 66 ||
15.66 Eine Variante betrifft die Menge an Sesam und Ghee. Alternativ fastet der Lehrer vorher eine Nacht, Viergesichtiger. Dann verehrt er die im Sesam niedergelegten Gegenstände mit Duft und Blüten.
adhīyāneṣu vistreṣu tūryavāditraghoṣaṇe |
maṅgaleṣu tathānyeṣu pravṛtteṣu yathāyatham || 67 ||
15.67 Während Brahmanen rezitieren, Instrumente erklingen und weitere Glückszeichen vollzogen werden,
tilaissahasrakṛtvognau juhuyānmūlavidyayā |
acaryaṃ pañca kālajñaṃ bhagavacchāstrakovidam || 68 ||
15.68 opfert man tausendmal Sesam unter der Grundformel ins Feuer. Ein Ācārya, der die fünf täglichen Zeiten und die Lehre des Erhabenen kennt,
kalyāṇācāranirataṃ sarvessamuditaṃ guṇaiḥ |
tasme bhāgavatāyedamarcayitvā kṣatādibhiḥ || 69 ||
15.69 ein glückverheißendes Leben führt und alle Tugenden besitzt, wird als Bhāgavata mit ungebrochenen Körnern und anderen Gaben verehrt.
tilapadmaṃ pradātavyaṃ sannidau vāripūrvakam |
priyatāṃ bhagavān viṣṇurityācāryeṇa mantravit || 70 ||
15.70 Ihm übergibt man vor dem Gott, mit vorausgehender Wasserspende, den Sesamlotus und spricht: „Möge der erhabene Viṣṇu erfreut sein.“ Die genaue grammatische Zuordnung des Sprechenden ist verkürzt.
tadante devamabhyarcya bhojayitvā mahāsurān |
dadyācca dakṣiṇāṃ tebyo gurave ca yathoditām || 71 ||
15.71 Am Ende verehrt man den Gott, bewirtet die Brahmanen und gibt ihnen und dem Lehrer die angegebene Dakṣiṇā. Das Wort für Brahmanen ist in der Grundlesart fehlerhaft als „mahāsurān“ geschrieben.
pūjayitvā |
itthaṃ tilasarojaṃ yo dadyāddhānyādisaṃyutam |
pūnāti sa pitṝn sarvānātmānaṃ ca parāvarān || 72 ||
15.72 Wer so den Sesamlotus mit Getreide und weiteren Gaben schenkt, reinige nach der Verheißung sich selbst, alle Vorfahren und die früheren und späteren Angehörigen; eine Variante nennt alle Familienmitglieder.
sarvankulyānapi |
māsarkṣe paurṇamāsyāṃ ca yajanaṃ snapanādibhiḥ |
phālgunamāse śrīkāmavratam |
phālgune māsi phalgunyāṃ śrīkāmo harimarcayet || 73 ||
15.73 Auch unter dem Monatsgestirn und am Vollmond erfolgt Verehrung mit Bad und weiteren Diensten. Im Phālguna-Monat unter Phalgunī verehrt Hari, wer Śrī, das Wohlergehen, erstrebt.
uṣoṣya pūrvaṃ niyato dhyāyannitthaṃ samāhitaḥ |
vipule bilvavipine madhye puṣkaraśobhite || 74 ||
15.74 Zuvor fastet man, übt Selbstdisziplin und meditiert gesammelt folgendermaßen: Inmitten eines weiten Bilva-Waldes liegt ein mit Lotusblüten geschmückter
mahātaṭāke śijñānapakṣisaṅghasamākule |
maṇḍape tatra māhendre ratna prākāraveṣṭite || 75 ||
15.75 großer Teich, belebt von Scharen rufender Vögel. Dort steht eine herrliche, als māhendra bezeichnete Halle, umgeben von einer Edelsteinmauer.
maṇḍale |
prakārapariveṣaṇe |
caturdikṣu caturdvāre kalpakadrumamaṇḍite |
sauvarṇe bahukalyāṇaratnastambhasamanvite || 76 ||
15.76 Sie hat vier Türen in den vier Richtungen, ist mit Wunschbäumen geschmückt, aus Gold gefertigt und besitzt viele kostbare Edelsteinsäulen.
siṃhāsane vare ratna padme'ṣṭadalasaṃyute |
karṇikākesaropete sukhāsīnaṃ śriyā saha || 77 ||
15.77 Auf einem vorzüglichen Löwenthron liegt ein achtblättriger Edelsteinlotus mit Fruchtboden und Staubfäden. Darauf sitzt der Gott bequem zusammen mit Śrī.
pūrvādidikṣu dhyātavyā vāsudevādayo dale |
āgneyādiṣu koṇeṣu catvāro hastinaḥkramāt || 78 ||
15.78 Auf den Lotusblättern der Hauptrichtungen meditiert man über Vāsudeva und die folgenden Vyūhas; in den Zwischenrichtungen stehen vier Elefanten.
gugguluśca kuraṇḍaścadamakaśśalala stathā |
śaṅkhapadmanidhī cāpi saṃhaviṣṭarapārśvayoḥ || 79 ||
15.79 Ihre Namen sind Guggulu, Kuraṇḍa, Damaka und Śalala. Zu beiden Seiten des Löwenthrones befinden sich die Schatzwesen Śaṅkha und Padma.
anyonyābhimukhau bhūri vamantau vasu sarvadā |
bhūmyādayo'ṣṭau pūrvādidikṣu cāmarapāṇayaḥ || 80 ||
15.80 Einander zugewandt lassen sie beständig großen Reichtum hervorströmen. Acht Göttinnen von Bhūmi an stehen in den Richtungen mit Yakschweifwedeln in den Händen.
indrādayaśca pūrvādi dikṣvaṣṭāvaṣṭasu kramāt |
sthitāḥ |
sthitāścaturṣudvāreṣu vetrahastāssakaṅcu kāḥ || 81 ||
15.81 Indra und die übrigen acht Richtungswächter stehen ebenfalls der Reihe nach in den acht Richtungen. An den vier Türen stehen Wächterinnen mit Stäben und Jacken.
kubjaveṣāstriyo dvāri pālayantyomanuharāḥ |
balākinī bhīṣi kā ca tathaiva vanamālinī || 82 ||
15.82 Diese lieblichen Frauen in gebeugter beziehungsweise buckliger Gestalt bewachen die Türen: Balākinī, Bhīṣikā, Vanamālinī
śāṅkarī ca kramādetāḥpūrvādiṣu caturmukha |
dvārāṇi pālikābhiśca pūrṇakumbhairdhvajai stathā || 83 ||
15.83 und Śāṅkarī, der Reihe nach von Osten an, Viergesichtiger. Die Türen sind mit Keimschalen, vollen Krügen und Fahnen geschmückt,
toraṇairdāmabhirmauktairdīpairanyaiśca maṅgalaiḥ |
pariṣkṛtāni dhyātvaivaṃ devīṃ devaṃ ca pūjayet || 84 ||
15.84 mit Torbögen, Perlenschnüren, Lampen und weiteren Glückszeichen. So meditierend verehrt man die Göttin und den Gott.
śriyaṃ vā kevalāṃ padme karṇikāyāmavasthitām |
maṇḍape tatra pūrvekte parivārasamanvite || 85 ||
15.85 Oder man verehrt allein Śrī, die auf dem Fruchtboden des Lotus in der beschriebenen Halle mit ihrem Gefolge sitzt.
lakṣmīprasūnakaiḥpadmairhomo bilvādipallavaiḥ |
samidājyaiśca mantreṇa śriyaścāṣṭākṣareṇa ca || 86 ||
15.86 Im Feuer opfert man Lakṣmī-Blüten, Lotusblüten, Bilva-Zweige, Brennholz und Ghee unter Śrīs Mantra und dem achtsilbigen Mantra.
śrīsūktāni caturdikṣu pāṭhyāni pṛthivīsuraiḥ |
ārādhyābhiṣṭuyādantestotrairbahuvidhaiśśriyam || 87 ||
15.87 In den vier Richtungen rezitieren Brahmanen das Śrī-Sūkta. Nach der Verehrung preist man Śrī abschließend mit vielfältigen Hymnen.
lakṣmīstotram. |
samāmi devi lokānāṃ janayi tryabdhisambhave |
sarvalokeśvareśeśa vallabhe durlabhe'dhamaiḥ || 88 ||
15.88 „Ich verneige mich vor dir, Göttin, Mutter der Welten, aus dem Meer geboren, Geliebte des höchsten Herrn aller Welten, für Niedriggesinnte schwer erreichbar!“ Die Varianten nennen Lotusgeburt beziehungsweise Geduld; einzelne Wörter sind beschädigt.
tryabja |
durlabhe kṣame |
vāsudevāṅgasaṃsparśa sukhaikarasabhājane |
namaste sukhade devi devānāmadhidevate || 89 ||
15.89 „Du erfährst die ungeteilte Wonne der Berührung von Vāsudevas Körper. Verehrung dir, freudespendende Göttin, Gottheit über den Göttern! Die Variante nennt dich glückverheißend.
śubhade |
yadṛcchayāpi te devi kaṭākṣāḥ patitāssakṛt |
kṣudreṣvapi pragalbhanaite trilokeśvarāḥkramāt || 90 ||
15.90 Wenn auch nur zufällig ein einziger deiner Seitenblicke auf geringe Menschen fällt, wachsen sie dadurch bis zu Herrschern der drei Welten heran.
na spṛśanti trilokeśānapi yānvīkṣaṇānite |
saṃpādyante kṣaṇātkṣudrā nākapṛṣṭhādapicyutāḥ || 91 ||
15.91 Selbst Herrscher der drei Welten, die dein Blick nicht berührt, werden im Augenblick gering und fallen von der Höhe des Himmels.
lāvaṇyādiguṇā yatra kāṣṭhāmaśnu vate parām |
tāni tvadīyānyaṅgāni devi kastotumarhati || 92 ||
15.92 In deinen Gliedern gelangen Schönheit und alle weiteren Vorzüge zur höchsten Vollendung. Wer vermag diese Glieder zu preisen, Göttin?
tvaṃ māyā tvamavidyāsi tvaṃ śaktiḥ karmaṇāmapi |
caitanyaśaktistvamasi prakṛtistriguṇātmikā || 93 ||
15.93 Du bist Māyā, du bist Avidyā, du bist auch die Kraft der Handlungen. Du bist Bewusstseinskraft und die aus den drei Guṇas bestehende Prakṛti.
tvameva vidyātraiyyantā trayī ca tvaṃ parāvarā |
yasyāstavāyutāṃśāṃśe devyo vāgādayasthsitāḥ || 94 ||
15.94 Du bist die Erkenntnis des Vedānta und die dreifache Vedenlehre, höhere und niedere. Göttinnen wie Vāc bestehen nur in einem Bruchteil eines zehntausendsten Teils von dir.
saccidānandarūpasya parasya paramātmanaḥ |
ānandādimayī mūrti kavibhaktā bhavatyasi || 95 ||
15.95 Du bist die aus Glückseligkeit und weiteren Vollkommenheiten bestehende, ungetrennte Gestalt des höchsten Selbst, dessen Wesen Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit ist.
prabhāsi tasya nityā tvaṃ bhāsvataḥ paramātmanaḥ |
sandhyā tvamasi viprāṇāṃ vandanīyā dine dine || 96 ||
15.96 Du bist der ewige Glanz dieses strahlenden höchsten Selbst. Du bist die Dämmerung, welche Brahmanen Tag für Tag verehren.
bhūrbhuvassvastvayī ca tvaṃ bhūrasi tvaṃ bhuvosi ca |
svarasi vyāhṛtiścāpi ṛgyagussāmakāraṇam || 97 ||
15.97 Du bist die Dreiheit Bhūr, Bhuvaḥ und Svaḥ: Erde, Zwischenraum und Himmel. Du bist die heilige Vyāhṛti und der Ursprung von Ṛg-, Yajur- und Sāma-Veda.
tvamāhutistvamiṣṭaśca dakṣiṇāsi tvameva ca |
siddhiśca karmaṇāṃ tvatto nānyāsti kamalālaye || 98 ||
15.98 Du bist Opfergabe, Opfer und Dakṣiṇā. Lotusbewohnerin, das Gelingen der Handlungen kommt von dir; keine andere Quelle dafür besteht.
nītirānvīkṣakī vārtā vidyā cādyāsi laukikī |
dṛṣṭvā devi tvayā hīnaṃ mṛta prāyaṃ jagattrayam || 99 ||
15.99 Du bist Staats- und Lebensführung, prüfende Erkenntnis, Wirtschaft und die grundlegende weltliche Bildung. Ohne dich erschien die Dreiwelt nahezu tot, Göttin.
yatnairambhodhimathanaprāyairāvirbhabhūvitha |
anuṣaṅgikamutpannaṃ prāptamapsarasāmapi || 100 ||
15.100 Darum tratest du durch gewaltige Bemühungen wie das Quirlen des Milchozeans hervor. Die dabei entstandenen Apsarās waren nur eine begleitende Gabe.
tādṛgevāmṛtādanyadindire harimandire |
hālāhalaṃ viṣaṃ cāpi janmanaśśreyase tava || 101 ||
15.101 Ebenso waren der Unsterblichkeitstrank und die anderen Kostbarkeiten beiläufig, Indirā, Wohnstätte Haris. Auch das Hālāhala-Gift
pratyūharūpeṇotpannaṃ kṣīrapāridhisambhave |
abhyarhitā tapotpatti revaṃ nāma madhudviṣaḥ || 102 ||
15.102 entstand als Hindernis bei deiner heilbringenden Geburt, o aus dem Milchmeer Hervorgegangene. So hoch schätzte der Bezwinger Madhus dein Erscheinen,
kurmāditiryagyonitvaṃ yatprāptaṃ paramātmanaḥ |
tvaṃ sarvalokajananī janako jagatāṃ hariḥ || 103 ||
15.103 dass das höchste Selbst dafür Tiergestalten wie die Schildkröte annahm. Du bist die Mutter aller Welten; Hari ist ihr Vater.
tvayā ca viṣṇunācaidvyāptaṃ sthāvarajaṅgumam |
mānaḥkośaṃ tathā goṣṭhaṃ māgṛhaṃ mā paricchadam || 104 ||
15.104 Du und Viṣṇu durchdringt alles Unbewegliche und Bewegliche. Verlasse nicht unseren Schatz, unseren Viehbestand, unser Haus und unsere Ausstattung,
mā śarīraṃ kalatraṃ ca tyajethā mā ca santatim |
śrutavān śīlavān dakṣo buddhimān vittavānṛjuḥ || 105 ||
15.105 nicht unseren Körper, unsere Lebensgefährten und unsere Nachkommenschaft! Gelehrt, tugendhaft, tüchtig, einsichtsvoll, vermögend und aufrichtig,
vṛttivān bandhumān śrīmān paśumān dhānyavānapi |
guṇavān kīrtimān loke tathābhijanavān prabhuḥ || 106 ||
15.106 mit Lebensunterhalt, Angehörigen, Wohlstand, Vieh und Getreide versehen, voll guter Eigenschaften, angesehen und von geachteter Herkunft,
āyuṣmān vijayī bhūmāṃstathaipārogyavānapi |
ślāghyavān deva puruṣaḥkaṭākṣaviṣayāttava || 107 ||
15.107 langlebig, siegreich, kraftvoll, gesund und lobenswert wird ein Mensch, wenn dein Blick ihn trifft, Göttin.
guṇairyathoktairahitastvaddarśanavivarjitaḥ |
krīḍābhūmirhareryasya vakṣobhūmissanātanī || 108 ||
15.108 Wer deines Blickes entbehrt, ist ohne diese Vorzüge. Haris ewige Brust ist der Ort deines Spiels.
ānantyāttanakalyāṇi guṇānāṃ varṇane kṣamaḥ |
na vācaspatirapyeṣa dūre syānmādṛśāṃ sthitiḥ || 109 ||
15.109 Glückverheißende, wegen der Unendlichkeit deiner Eigenschaften vermag selbst der Herr der Rede sie nicht angemessen zu schildern; wie viel weniger Menschen meinesgleichen!
prasīda devi padme tvaṃ padmahaste śucistite |
padmāsane padmayonerjanayitri haripriye || 110 ||
15.110 Sei gnädig, Göttin Padmā, mit dem Lotus in der Hand und reinem Lächeln, auf dem Lotus sitzend, Mutter des Lotusgeborenen, Geliebte Haris!
padmapriye namastubhyaṃ viṣṇorvakṣasthsalālaye |
stutyantamitthamārādhyā devyassarvā śśriyādayaḥ || 111 ||
15.111 Verehrung dir, die du den Lotus liebst und auf Viṣṇus Brust wohnst!“ So werden alle Göttinnen von Śrī an bis zum abschließenden Lobpreis verehrt.
devīnāmarcane viśeṣaḥ. |
arhaṇaṃ copavītaṃ ca varṅayitvopacaryayā |
dhyātvā yathoktamārgeṇa yadvā dhūmadhvajārcanam || 112 ||
15.112 Bei den Göttinnen werden die als „arhaṇa“ bezeichnete Handlung und das Anlegen der heiligen Schnur ausgelassen; die genaue erste Ausnahme ist im Wortlaut unklar. Man meditiert nach der gelehrten Weise und vollzieht gegebenenfalls die Feuerverehrung.
utsavaṃ ca śriyā devyā sārdhaṃ tasminmadhudviṣaḥ |
yāvajjīvaṃ śriyaṃ devīmarcayan saṃpadaṃ parām || 113 ||
15.113 Zu diesem Anlass findet auch ein Fest des Bezwingers Madhus zusammen mit Śrī statt. Wer Śrī sein Leben lang verehrt, erfährt nach der Verheißung höchsten Wohlstand
ihānubhūya bhūyo'pi paratra śriyamaśnute |
yadvā kāmayamānena puruṣeṇārcanaṃ śriyaḥ || 114 ||
15.114 hier und anschließend auch jenseits. Was ein Mensch durch die Verehrung Śrīs erstrebt,
parataḥ |
labhate tattadeveha phalabhedaiḥ kimīritaiḥ |
ārogya kāmavratam . |
ārogya kāmassāvitre maṇḍale ratnapaṅkaje || 115 ||
15.115 das erhalte er; wozu einzelne Früchte aufzählen? Wer Gesundheit erstrebt, meditiert über Hari im Sonnenkreis auf einem Edelsteinlotus.
asīnaṃ viṣṭare pītakauśeyavasanaṃ harim |
niṣṭaptatapanīyābhaṃ caturbhujamadhokṣajam || 116 ||
15.116 Er sitzt auf einem Thron, trägt gelbe Seide, glänzt wie stark erhitztes Gold und erscheint vierarmig als Adhokṣaja.
prasādasumukhaṃ sarvadivyābharaṇabhūṣitam |
devīsahāyaṃ kalyāṇaṃ kevalaṃ vā caturmukha || 117 ||
15.117 Sein Antlitz ist gnadenvoll; er trägt allen göttlichen Schmuck und sitzt glückverheißend mit den Göttinnen oder allein, Viergesichtiger.
pūrvādyaṣṭadalāsīnaśaktyaṣṭasamupāsitam |
evaṃ dhyātvārcayennityamārogyaṃ paramaśnute || 118 ||
15.118 Acht Śaktis auf den acht Lotusblättern, von Osten an, verehren ihn. Wer ihn so täglich meditierend verehrt, erlange nach der Verheißung höchste Gesundheit.
ananyalabhyamārogyaṃ sarvaṃ labhyettataḥparam |
dinapañcakavratam. |
dināni pañca śastāni vaiṣṇavāni caturmukha || 119 ||
15.119 Der Text preist diese Gesundheit als auf andere Weise unerreichbar. Nun zu den fünf Tagen: Fünf Tage gelten als besonders Viṣṇu zugehörig, Viergesichtiger.
labhyamitaḥ param |
teṣu vratanuṣṭheyaṃ sarvābhipretasādhanam |
pakṣadvaye ca dvādaśyau sinīvālī kuhustathā || 120 ||
15.120 An ihnen soll das Gelübde zur Verwirklichung aller gewünschten Ziele ausgeführt werden: die beiden zwölften Mondtage, Sinīvālī und Kuhū,
śravaṇarkṣaṃ dināni syurmāseṣu dvādaśasvapi |
caitrādi dvādaśamāsādhivratāni. |
caitrādiṣu dvādaśasu māseṣu dvādaśādhipāḥ || 121 ||
15.121 sowie der Tag unter Śravaṇa, in jedem der zwölf Monate. Für die zwölf Monate von Caitra an werden zwölf Monatsregenten verehrt.
arcanīyāḥkramādviṣṇustathaiva madhusūdanaḥ |
trivikramo vāmanaśca śrīdhara stadanantaram || 122 ||
15.122 Die Reihenfolge beginnt mit Viṣṇu und Madhusūdana, danach Trivikrama, Vāmana und Śrīdhara,
hṛṣīkeśaḥpadmanābho dāmodarasamāhvayaḥ |
keśavo nāmadheyena tathā nārāyaṇaḥsmṛtaḥ || 123 ||
15.123 Hṛṣīkeśa, Padmanābha, Dāmodara, Keśava und Nārāyaṇa,
mādhavo'nyaśca govindo dvādaśaite prakīrtitāḥ |
māsecaitre samārambhomārgaśīrṣethavā bhavet || 124 ||
15.124 sowie Mādhava und Govinda. Diese zwölf sind genannt. Man beginnt im Caitra- oder alternativ im Mārgaśīrṣa-Monat.
pratārambho |
aśnan haviṣyaṃ pūrvedyuranaśnannapare'hani |
śravaṇe madhyame bhāge śucirdakṣassamāhitaḥ || 125 ||
15.125 Am Vortag isst man opfergeeignete Nahrung, am folgenden Tag fastet man. Im mittleren Abschnitt des Śravaṇa-Zeitraums verehrt man rein, aufmerksam und gesammelt
annaṃ |
cakrābjamaṇḍale yadvā bimbe kumbhe'tha vā harim |
ārādhya mūrtiṃ māseśamupacārairyathoditaiḥ || 126 ||
15.126 Hari im Diskus-Lotus-Maṇḍala, im Bild oder im Krug, und zwar in der Gestalt des jeweiligen Monatsregenten, mit den genannten Diensten.
ārādhanānte vittāni datvā śaktyanusārataḥ |
brāhmaṇebhyastathā datvā gurave dakṣiṇādikam || 127 ||
15.127 Nach der Verehrung gibt man Brahmanen Vermögen nach den eigenen Möglichkeiten und dem Lehrer Dakṣiṇā und weitere Gaben.
aparedyustathā devamarcayitvā yathāvidhi |
pāraṇaṃ brāhmaṇaissārdhaṃ kuryānni yatamānasaḥ || 128 ||
15.128 Am folgenden Tag verehrt man den Gott erneut nach Vorschrift und bricht mit gesammeltem Geist gemeinsam mit Brahmanen das Fasten.
evaṃ caturṣu cānyeṣu dineṣvārādhanakramaḥ |
māsi māsi ca yaṣṭavyā māseśā mūrtirabjaja || 129 ||
15.129 Dasselbe Verehrungsverfahren gilt an den vier anderen Tagen. Monat für Monat wird die jeweilige Monatsgestalt verehrt, Lotusgeborener,
dineṣu pañcasūkteṣu sarvābhipretasiddhaye |
triṣu saṃvatsareṣvevaṃ kṛtvā māseṣu ca triṣu || 130 ||
15.130 an den fünf genannten Tagen zur Erfüllung aller gewünschten Ziele. Man hält diese Ordnung drei Jahre und drei Monate ein.
vrate samāpte snapanaṃ kuryātpūrvokta vartmanā |
yācayeta vrataphalaṃ dhānyarāśau sthito dvijaḥ || 131 ||
15.131 Nach Abschluss des Gelübdes vollzieht man das zuvor beschriebene Krugbad. Ein Brahmane auf einem Getreidehaufen erbittet die Gelübdefrucht; die Variante lässt den Ausrichter einen dort stehenden Brahmanen die Frucht aussprechen lassen.
vācayeta vrataphalaṃ dhānyarāśau sthitaṃ dvijam |
bhojayitvā dvijavarān datvā tebhyaśca dakṣiṇām |
dakṣiṇābhistathācāryaṃ toṣayetkāñcanādibhiḥ || 132 ||
15.132 Man speist die Brahmanen und gibt ihnen Dakṣiṇā; den Ācārya erfreut man mit Gold und weiteren Vergütungen.
paurṇamāsyāmapi hyeṣa kramo māsādhipārcane |
viśeṣata striyāmāyāṃ candramasyu dite'rhaṇā || 133 ||
15.133 Diese Ordnung der Monatsregentenverehrung gilt auch am Vollmond, besonders nachts nach dem Aufgang des Mondes. Das Wort für den nächtlichen Zeitpunkt ist beschädigt.
kuhvāmapi tithau prāgvadarcayedvratamāsthitaḥ |
ārādhanaṃ dineṣveṣu caturvarga phalapradam || 134 ||
15.134 Auch am Kuhū-Neumondtag verehrt der Gelübdeübende wie zuvor. Die Verehrung an diesen Tagen wird als Spenderin der vier Lebensziele gepriesen.
sarvasmin māsanakṣatre prādurbhāva dineṣu ca |
arcayitvāṅkurān pūjā kāryāsnapanapūrvikā || 135 ||
15.135 Unter jedem Monatsgestirn und an den Erscheinungstagen verehrt man die Keime; dann findet die mit einem Bad beginnende Pūjā statt.
Kapitel 16: Befriedung, Tempeldienst und Schutz der Stiftungen
pādmasaṃhitāyām |
ṣoḍaśo'dhyāyaḥ |
ariṣṭaśāntikam. |
brahmā |
bhagavan bhāvināṃ karma phalānāmaśubhātmanām |
sūcaneṣu nimitteṣu sañjāteṣvaśubhātmasu || 1 ||
16.1 Im sechzehnten Kapitel fragt Brahmā nach der Befriedung unheilvoller Zeichen: Erhabener, wenn ungünstige Vorzeichen auftreten, die auf künftig reifende schlechte Handlungsfolgen hindeuten,
gṛhadoṣādiṣu nṛṇāmadhipasya ca bhūpateḥ |
teṣā makasmājjātānāṃ karma yacchamanaṃ param || 2 ||
16.2 wenn Störungen am Haus und ähnliche plötzlich eintretende Schwierigkeiten Menschen oder ihren König treffen, welche Handlung vermag sie am besten zu besänftigen?
tanmamākhyāyatāṃ kīdṛkkiṃ kathaṃ ceti cācyuta |
rahasyamapi tadvācyaṃ dayāyā parayā mayi || 3 ||
16.3 Acyuta, erkläre mir, welcher Art sie ist, was man tut und wie. Selbst wenn sie geheim ist, lehre sie mich aus deinem großen Mitgefühl.
durnimittanirūpaṇam. |
śrībhagavān |
janmarkṣādyaśubhasthānaga teṣvaṅgārakādiṣu |
krūreṣu durnimitteṣu dusvapneṣvāmayeṣu ca || 4 ||
16.4 Der erhabene Herr sprach: Wenn Mars und andere als hart geltende Planeten ungünstige Plätze in Bezug auf das Geburtsgestirn einnehmen, bei schlechten Vorzeichen, bösen Träumen und Krankheiten,
gṛhakṣetrādikeṣvevaṃ valmīkajanane tathā |
raktastrīṣu ca jātāsu agnidāhe ca veśmanām || 5 ||
16.5 wenn Ameisenhügel auf Haus- oder Feldgrund entstehen, bei einem unklar als „raktastrī“ bezeichneten Zeichen und bei Hausbränden; die Variante nennt Klagerufe bei Ameisenhügeln auf eigenem Grund,
gṛhakṣetrādiṣu sveṣu valmīkākrandaneṣu ca |
vastrādimūṣikādaṃ śe dagdheṣu śayanādiṣu |
saṅkaṭeṣvapi cānyeṣu putrādikalahātmasu || 6 ||
16.6 wenn Mäuse Gewänder anfressen, Lagerstätten verbrennen oder andere Bedrängnisse wie Streit mit Kindern eintreten,
nṛpakope tathā cittaduḥkhe nigalabandhane |
pīḍāyāmaripakṣeṇa piśācādyairbhayānakaiḥ || 7 ||
16.7 bei königlichem Zorn, seelischem Leid, Fesselung, Bedrückung durch Feinde oder furchterregende Piśācas und ähnliche Wesen,
vratadhvaṃse prāgabhāve putrāṇāmarthahāniṣu |
ariṣṭasūcane putrajanmanyutpātasambhave || 8 ||
16.8 bei gebrochenen Gelübden, ausbleibenden Kindern, Vermögensverlust, als unheilvoll gedeuteten Geburten und außergewöhnlichen Erscheinungen; eine Variante bei Kindern und Besitz ist beschädigt,
purāṇā martha |
ariṣṭaśāntaye bhagavadārādhanavi śeṣaḥ. |
evamādiṣu jānyeṣu doṣeṣvārādhanaṃ mama |
śāntaye kalpate brahman prakārastasya kathyate || 9 ||
16.9 bei solchen und ähnlichen Störungen dient meine Verehrung der Befriedung, Brahmā. Ihr Verfahren wird nun erklärt.
snānapūrvāṇi karmāṇi kṛtvā vidhivadādṛtaḥ |
ācāryavaraṇa kumbhasthāpanādi. |
ācāryaṃ varayetpaścānmadāradhanatatparam || 10 ||
16.10 Man vollzieht aufmerksam die mit dem Bad beginnenden vorgeschriebenen Handlungen und wählt einen Ācārya, der ganz meiner Verehrung gewidmet ist.
snānapūrvāṇi ityādi sārdhaṃ ślokadvayaṃ keśāntare na dṛśyate |
śamādiguṇasaṃyuktaṃ pañcakālaparāyaṇam |
śucau bhūmitale kumbhaṃ sauvarṇaṃ rājataṃ tu vā || 11 ||
16.11 Ein Quellenvermerk berichtet, dass zweieinhalb Verse ab dieser Vorbereitung in einer anderen Überlieferung fehlen. Der Ācārya besitzt innere Ruhe und weitere Tugenden und hält die fünf täglichen Kultzeiten ein. Auf reinem Boden wird ein goldener oder silberner Krug
tāmraṃ vāpi yathāvittaṃ vāripūrṇaṃ sakūrcakam |
tantubhirveṣṭitaṃ nyasta vāribhījaṃ sapallavam || 12 ||
16.12 oder, den Mitteln entsprechend, ein kupferner aufgestellt, wassergefüllt, mit Grasbüschel, Fadenumwicklung und Zweigen. Ein Bīja beziehungsweise ein als „vāribīja“ bezeichneter Bestandteil wird eingesetzt.
samallakam |
dhānyarāśiṣu saṃsthāpya nyastaratna guvarṇakam |
śāntidravyasanāthaṃ ca aśvatthadalamaṅgalam || 13 ||
16.13 Die Variante nennt einen Deckel. Der Krug steht auf Getreidehaufen, enthält Edelsteine und Gold sowie befriedende Ritualstoffe und trägt glückverheißende Aśvattha-Blätter.
veṣṭitaṃ navavastreṇa raktenākṣatasaṃyutam |
prācyāṃ diśi ca deveśaṃ yāmye saṅkarṣaṇaṃ tathā || 14 ||
16.14 Er ist mit neuem rotem Stoff umhüllt und mit ungebrochenen Körnern versehen. Im Osten verehrt man den Herrn der Götter, im Süden Saṅkarṣaṇa,
pradyumnaṃ paścime bhāge aniruddhaṃ tathottare |
evaṃ krameṇa va...ttamāvāhyaghaṭikāsane || 15 ||
16.15 im Westen Pradyumna und im Norden Aniruddha. Die anschließende Anrufung auf dem Gefäßsitz enthält eine ausdrücklich durch Punkte unterbrochene Textstelle.
kuśakūrcaiḥ paścimāśāsammukhe'ṣṭākṣareṇa tu |
yajetārghyādinā yadvā rukmaṃ nyasya tadarcanam || 16 ||
16.16 Mit Kuśa-Büscheln und nach Westen blickend verehrt man unter dem achtsilbigen Mantra mit Arghya und den weiteren Gaben. Alternativ legt man Gold nieder und verehrt darauf beziehungsweise daran die Gottheit.
rukmasya ca. kukmaṃ nyasya tadardhakam |
kumbhe cāvāhya yajanaṃ japesmantramanuttamam |
mūlamantreṇa lakṣaṃ vā tadarddhaṃ vā tadarddhakam || 17 ||
16.17 Die Einzelwortvarianten sind beschädigt. Nach der Anrufung und Verehrung im Krug wiederholt man den vorzüglichen Grundmantra hunderttausendmal, fünfzigtausendmal oder fünfundzwanzigtausendmal.
japet ityādi mantreṇāṣṭākṣareṇa ityantaṃ kvacinna |
tataḥ puṃsūktamanvākaṃ nārāyaṇānuvākakau |
tataśśrīsūkta bhūsūkte japedācārya ṛtvijām || 18 ||
16.18 Ein Quellenvermerk erklärt den Abschnitt von der Japa-Anweisung bis zur Erwähnung des achtsilbigen Mantras für stellenweise fehlend. Lehrer und Opferpriester rezitieren Puruṣa-Sūkta, Nārāyaṇa-Anuvāka, Śrī-Sūkta und Bhū-Sūkta; die Aufzählung des Anuvāka ist verdoppelt beziehungsweise beschädigt.
mūlenāgniṃ pratiṣṭhāpya juhuyādgavyasarpiṣā |
vaiṣṇavīkaraṇāṣṭāṣṭākṣarahomādi. |
agni pratiṣṭhāṃ kvatvā'tha vaiṣṇavīkaraṇaṃ tathā || 19 ||
16.19 Mit der Grundformel installiert man das Feuer und opfert Kuh-Ghee. Nach der Feuerinstallation vollzieht man dessen Ausrichtung auf Viṣṇu.
mantreṇāṣṭākṣareṇaiva lakṣavārā nathāyutam |
sahasramapi vā kuṇḍe śataṃ vāṣṭottaraṃ guruḥ || 20 ||
16.20 Der Lehrer opfert in der Grube mit dem achtsilbigen Mantra hunderttausendmal, zehntausendmal, tausendmal oder 108-mal.
dhyātvā hariṃ sarvaśāntikaraṃ sarvasamṛddhidam |
gauravaṃ lāghavaṃ cāpi samavekṣya yathocitam || 21 ||
16.21 Dabei meditiert er über Hari als den, der allen Frieden und alles Wohlergehen schenkt. Je nach Schwere oder Geringfügigkeit
doṣāṇāṃ yatnamātiṣṭhedarcanādiṣu sarvataḥ |
snapanam. |
antepraṇavamabliṅgairyajamānaṃ gurussvayam || 22 ||
16.22 der Störungen bemisst er sorgfältig den Aufwand der Verehrung. Zum Abschluss verwendet er Praṇava und wasserbezogene Mantras für den Auftraggeber.
mantraiḥ kumbhasthato yena prokṣayenmūlavidyayā |
sahasrakṛtvaḥ kūrcena snāpayeccheṣavāribhiḥ || 23 ||
16.23 Der Lehrer besprengt ihn mit dem Grasbüschel tausendmal mit Krugwasser unter der Grundformel und badet ihn mit dem übrigen Wasser.
ācāryāya yathāvittaṃ dadyātsvārṇādi dakṣiṇām |
brāhmaṇān bhejayettebhyo dakṣiṇāmalpikāmapi || 24 ||
16.24 Dem Ācārya gibt man nach Vermögen Gold und andere Dakṣiṇā. Man bewirtet Brahmanen und gibt auch ihnen eine Vergütung, sei sie gering.
prabhūṇāmapi sarveṣāṃ sarvopadravaśāntaye |
sarvābhipretalābhāya viśeṣayajanaṃ hareḥ || 25 ||
16.25 Auch für alle Herrschenden wird zur Befriedung jeglicher Bedrängnis und zur Erlangung des Gewünschten eine besondere Verehrung Haris vollzogen.
kuryāt snapanapūrvaṃ tadahni nityārcane kṛte |
śāntikapauṣṭikakarmaṇoḥ kālaḥ. |
tadanaiśāntikaṃ karma aparāhṇe tu pauṣṭikam || 26 ||
16.26 Sie beginnt mit dem Bad, nachdem tagsüber der tägliche Kult beendet ist. Daran schließt die Befriedungshandlung an; die stärkende Handlung findet am Nachmittag statt.
pūrvāhṇe nityakarmoktaṃ vastubhirdviguṇairiha |
ekabere bahubhere ca arcanakramaḥ. |
pūjādravyairekabhere mūlabhere samarcanam || 27 ||
16.27 Der tägliche Dienst ist vormittags vorgesehen; für den besonderen Dienst verwendet man die doppelte Menge der Verehrungsmittel. Bei einem einzigen Kultbild gilt die Verehrung dem Hauptbild.
bahuberetu bimbasyādautsave kamalāsana |
ācārya eva pūjāyāṃ vaiśeṣikyāṃ samarcayet || 28 ||
16.28 Bei mehreren Bildern gilt sie dem Festbild, Lotusgeborener. Diese besondere Verehrung führt der Ācārya selbst aus.
śāntike pauṣṭake ca karmaṇi kuṇḍabhedaḥ. |
homakuṇḍaṃ bhavetpadmatulyākāraṃ suśobhanam |
pauṣṭike śāntike vṛttaṃ pratyahaṃ samidhādibhiḥ || 29 ||
16.29 Für stärkende Handlungen hat die Feuergrube die schöne Gestalt eines Lotus, für befriedende ist sie kreisförmig. Täglich opfert man darin Brennholz und die weiteren Gaben.
tatra kartavyahomādikam. |
pratyekaṃ tilahomassyādayutaṃ vā śatāvaram |
pratyahaṃ bhojayedviprān yathāśakti ca dakṣiṇā || 30 ||
16.30 Sesamgaben werden jeweils zehntausendmal oder mindestens hundertmal geopfert. Täglich bewirtet man Brahmanen und gibt nach Kräften Dakṣiṇā.
nṛttaṃ geyaṃ ca vādyaṃ ca tathādhyayanamanvaham |
karmāvasānadivasaṃ yāvadagneśca dhāraṇam || 31 ||
16.31 Täglich finden Tanz, Gesang, Instrumentalmusik und heilige Rezitation statt. Das Feuer wird bis zum Abschlusstag erhalten.
saptāhaṃ dviguṇaṃ vā syāttriguṇaṃ vā caturguṇam |
snapanaṃ pratyahaṃ kāryaṃ dānahomādaya stathā || 32 ||
16.32 Die Handlung dauert sieben, vierzehn, 21 oder 28 Tage. Täglich vollzieht man Krugbad, Schenkungen, Feueropfer und die weiteren Dienste.
śāntike pauṣṭike ca karmaṇi dhyeyasya bhagavato rūpabhedaḥ. |
śāntike karmaṇi dhyeyo harissphaṭika sannibhaḥ |
pauṣṭike tu suvarṇābhaśśriyā'sīnassahāsane || 33 ||
16.33 Bei der Befriedung meditiert man über Hari kristallklar; bei der stärkenden Handlung erscheint er goldglänzend, gemeinsam mit Śrī auf einem Sitz.
cakrābjamaṇḍalārcane anirmālyatā. |
cakrābjamaṇḍale kumbhe yatra yatra samarcanam |
tatraivānyedyurārādhyo na tu nirmālyatā tayoḥ || 34 ||
16.34 Wo die Verehrung im Diskus-Lotus-Maṇḍala oder im Krug geschieht, wird sie am folgenden Tag dort fortgesetzt. Beide gelten in diesem Zeitraum nicht als verbrauchte Kultreste.
ācāryādīnāṃ yathāvibhavaṃ dakṣiṇā. |
ācāryadakṣiṇā vāpi yathāvibhavavistaram |
karmaṇyadhikṛtānāṃ ca karmagauravalāghavam || 35 ||
16.35 Die Dakṣiṇā für den Ācārya richtet sich nach den Mitteln. Auch die anderen Ausführenden werden nach der Schwere oder Leichtigkeit ihrer Aufgabe bedacht.
avekṣya toṣaṇaṃ vittairṛtvijāṃ copakurvatām |
pauṣṭikī kriyā anukūleṣu dineṣu kāryā. |
dinādiṣvanukūleṣu prārabhyā pauṣṭikī kriyā || 36 ||
16.36 Opferpriester und Helfer sollen durch angemessene Gaben zufriedengestellt werden. Stärkende Handlungen beginnt man an günstigen Tagen und unter günstigen Bedingungen.
śāntikī pratikūleṣu kāryā. |
śāntikī pratikūleṣu yajamānasya padmaja |
bhagavataḥ mandire paricaryāparāṇāṃ |
kṣetrādipradānāṃ dattāpahāriṇāṃ ca phalapraśnaḥ. |
brahmā |
bhagavanmārjanādīni mandire kurvatāṃ nṛṇām || 37 ||
16.37 Befriedende Handlungen sind gerade bei für den Auftraggeber ungünstigen Bedingungen angebracht, Lotusgeborener. Brahmā fragt nun nach der Frucht der Menschen, die im Tempel Reinigung und ähnliche Dienste verrichten,
viṣṇoḥ kṣetrādidātṝṇāṃ pūjopakaraṇāni ca |
bhūṣaṇāni ca vastrāṇi phalamabhyudayātmakam || 38 ||
16.38 die Viṣṇu Land schenken oder Verehrungsgeräte, Schmuck und Gewänder darbringen: Welche wohltätige Frucht entsteht daraus?
kīdṛkkīdṛśca tānyeva dattānyāharatāmapi |
anarthakarametanme saṃśayānasya kathyatām || 39 ||
16.39 Und welches Unheil trifft diejenigen, die solche bereits gestifteten Güter wieder wegnehmen? Erkläre mir dies, da ich darüber im Zweifel bin.
dattānāṃ haratām |
bhagavataḥ pratyuttaram tatra mārjanālepanaphalam. |
śrībhagavān |
mārjanaṃ mandire viṣṇoḥ kurvan sammārṣṭi dehajam |
malaṃ pāpātmakaṃ sarvaṃ paratreha ca sambhṛtam || 40 ||
16.40 Der erhabene Herr sprach: Wer Viṣṇus Tempel reinigt, wischt nach der religiösen Deutung alle durch Verfehlungen entstandene Verunreinigung fort, die er hier und zuvor angesammelt hat.
pratyahaṃ mārjanaṃ kurvan pratyahaṃ hanti kilbiṣam |
gocarmamātramālipya gomayena ca bhūtalam || 41 ||
16.41 Tägliches Reinigen tilge täglich Verfehlungen. Wer im Heiligtum eine Fläche von der Größe einer Kuhhaut mit Kuhdung bestreicht,
ālaye labhate sadyogopradānaphalaṃ naraḥ |
mārjanālepane kurvan viṣṇorāyatane naraḥ || 42 ||
16.42 erhalte sogleich die Frucht einer Kuhschenkung. Wer Viṣṇus Heiligtum fegt und den Boden bestreicht,
uṣitvā suciraṃ svarge karmaśeṣeṇa bhūtale |
bhūyopi jāyate bhūpaḥ kule mahati pūjite || 43 ||
16.43 weile lange im Himmel und werde danach aufgrund des verbleibenden Karmas als König in einer angesehenen großen Familie wiedergeboren.
sragdāyināṃ phalam. |
srajaṃ badvā sumanasāṃ yaḥ prayacchati viṣṇave |
sa bhuktvā vipulān bhogānnākapṛṣṭhe virājate || 44 ||
16.44 Wer eine Blütengirlande bindet und Viṣṇu schenkt, genieße große Freuden und strahle in der Himmelswelt.
dīpāropaṇaphalam. |
dīpānāropayedviṣṇormandire'bhyantare bahiḥ |
divi devavadāsitvā jāyate paramārthavit || 45 ||
16.45 Wer innen oder außen an Viṣṇus Tempel Lampen aufstellt, weile wie ein Gott im Himmel und werde als Kenner der höchsten Wahrheit geboren.
nityānnaimittikānvāpi dīpānāropayennaraḥ |
bahuduḥkhasamākirṇaṃ narakaṃ naiva paśyati || 46 ||
16.46 Wer täglich oder zu besonderen Anlässen Lampen aufstellt, müsse die von vielem Leid erfüllte Hölle nicht sehen.
sa na paśyati |
ahorātramanirvāṇaṃ dīpamāropayennaraḥ |
sarvapāpaviśuddhātmā viṣṇuloke mahīyate || 47 ||
16.47 Wer eine Tag und Nacht unerlöschende Lampe stiftet, werde von allen Verfehlungen gereinigt und in Viṣṇus Welt geehrt.
udakābyukṣaṇaphalam. |
udakābhyukṣaṇaṃ viṣṇorālaye vidadhāti yaḥ |
lokaṃ sa vāruṇaṃ prāpya ramate vatsarān bahūn || 48 ||
16.48 Wer Viṣṇus Tempel mit Wasser besprengt, gelange in Varuṇas Welt und erfreue sich dort viele Jahre.
puṣpavikiraṇaphalam. |
sammāryālipya ca harerdhāma puṣpāṇi bhūtale |
vikirenmanujassarvakāmānāpnoti puṣkalān || 49 ||
16.49 Wer Haris Heiligtum reinigt, bestreicht und Blüten auf den Boden streut, erlange reiche Erfüllung aller Wünsche.
bhūmidānaphalam. |
viṣṇusātkurute bhūmiṃ sarvasasya phalapradām |
yassalokānavāpnoti sarvāneva na saṃśayaḥ || 50 ||
16.50 Wer ertragreichen Boden mit allen Feldfrüchten Viṣṇu übereignet, erreiche nach der Verheißung zweifellos alle Welten.
puṣpodyānapradānena tapoloke mahīyate |
phalavṛkṣasamopetāṃ pūgabhūmiṃ jalānvitām || 51 ||
16.51 Durch das Stiften eines Blumengartens werde man in Tapoloka geehrt. Wer bewässertes Arekapalmenland mit Fruchtbäumen schenkt,
yo dadāti maharloke saciraṃ vasati dhruvam |
utpādayati yaḥ kṣetre vaiṣṇave phalinastarūn || 52 ||
16.52 weile lange in Maharloka. Wer auf Viṣṇu gehörendem Grund Fruchtbäume anpflanzt,
nālikerādikānyāti sa svargaṃ pretya durlabham |
tulasīpuṣpādidānaphalam. |
ārādhanāya tulasīmutpādayati yatnavān || 53 ||
16.53 Kokospalmen und andere, gelange nach dem Tod in den schwer erreichbaren Himmel. Wer sorgfältig Tulasī für die Verehrung zieht
surabhīṇi ca puṣpāṇi divi devaissapūjyate |
vāpīkūpādinirmāṇe phalam. |
vāpīkupataṭākāni viṣṇormandhirabhūmiṣu || 54 ||
16.54 und duftende Blüten anbaut, werde von den Göttern im Himmel geehrt. Wer Stufenbecken, Brunnen und Teiche auf Viṣṇus Tempelgrund anlegt,
utpādayati hastasthāstasya sarvasamṛddhayaḥ |
na taṃ badhnanti pāpāni bahujanmārjitānyapi || 55 ||
16.55 dem liege aller Wohlstand in der Hand. Selbst die in vielen Leben begangenen Verfehlungen könnten ihn nicht mehr binden.
bhagavanmandirajīrṇoddhāraphalam. |
yaḥ kuryādvaiṣṇavaṃ dhāma bhaktiśraddhobha yocitam |
khaṇḍite sphuṭite dhāmni dūṣite ca sudhādibhiḥ || 56 ||
16.56 Wer Viṣṇus Heiligtum mit Hingabe und Vertrauen errichtet oder ein beschädigtes, gerissenes beziehungsweise verfallenes Heiligtum mit Kalkmörtel und anderen Materialien
samādadhyātpunardhāma sa lokaṃ yāti vaiṣṇavam |
upakaraṇadravyadānaphalam. |
snānapānāmbhasāṃ viṣṇoḥ pradānāttatsalokabhāk || 57 ||
16.57 wiederherstellt, gelange in Viṣṇus Welt. Wer dem Gott Bade- und Trinkwasser spendet, erhalte Anteil an seiner Welt.
snānīyadravyadānena nīrogaḥ pretya modate |
kṣaumādidānādāpnoti paraloke mahatsukham || 58 ||
16.58 Wer Badezutaten schenkt, erfreue sich nach dem Tod frei von Krankheit. Das Schenken von Leinen und weiteren Gewändern bringe große Freude im Jenseits.
ālepanadravyadānatkāmānāpnoti śāśvatān |
elākarpūratāmbālītailādisvarśanātsukhī || 59 ||
16.59 Durch Salbstoffe erlange man dauerhafte Wunscherfüllung; durch Kardamom, Kampfer, Betel, Öl und entsprechende Gaben werde man glücklich.
paratreha ca loke nyāddhīrghakālamasaṃśayaḥ |
cāmaravyajanacchatradānāt svārājyamaśnute || 60 ||
16.60 Dies gelte lange Zeit hier und jenseits. Wer Yakschweifwedel, Fächer und Schirme schenkt, erlange selbstständige Herrschaft.
ādarśanapradānena dṛśyassarvairbhaviṣyati |
dhūpadravyapradānena svasthānaṃ svargiṇāṃ bhavet || 61 ||
16.61 Wer einen Spiegel schenkt, werde für alle schön anzusehen. Wer Räucherstoffe spendet, gewinne eine Wohnstätte unter den Himmelsbewohnern.
upānahau pāduke ca vāhanaṃ yānameva ca |
dadāti yo maṇḍayitvā maṇikāñcana citrim || 62 ||
16.62 Wer Schuhe, Sandalen, Reittiere oder Fahrzeuge schenkt und sie mit Edelsteinen und Gold kunstvoll schmückt,
sa vimānaṃ suduṣprāvaṃ prāpnotyeva na saṃśayaḥ |
alaṅkṛtaṃ bhadrapīṭhaṃ prayacchan sarvakāmabhāk || 63 ||
16.63 erlange zweifellos ein schwer erreichbares himmlisches Fahrzeug. Wer einen geschmückten Glückssitz schenkt, erhalte alle gewünschten Güter.
vinatānandanasthānaṃ dhvajamutpādya darśayan |
sāmīpyaṃ sahasā viṣṇoryāti sadyaścaturmukha || 64 ||
16.64 Wer eine Fahne als Sitz Garuḍas, des Sohnes Vinatās, herstellt und aufrichtet, gelange sogleich in Viṣṇus Nähe, Viergesichtiger.
dhvajaṃ ca vādyamutpādya viṣṇusātkurute tu yaḥ |
sa divyadundubhiprāyaṃ sthānaṃ prāpya virājate || 65 ||
16.65 Wer eine Fahne oder ein Musikinstrument fertigt und Viṣṇu widmet, gelange an einen Ort göttlichen Trommelklangs und strahle dort.
dāsīdānaṃ tathātmīyamātmānaṃ ca prayaccati |
vāsudevāya dāsyena muktiḥkaratale sthitā || 66 ||
16.66 Die Quelle nennt auch das Übergeben einer eigenen Dienerin sowie das Sich-selbst-Widmen zum Dienst an Vāsudeva; dafür verheißt sie Befreiung wie etwas in der eigenen Hand. Die Verfügung über andere Menschen gehört zur historischen Sozialordnung, nicht zu einer heutigen Praxisempfehlung.
nṛttabhedairgītabhedai stathā vādyairanekadhā |
śrotavyairapi dṛśyaiśca evaṃ deveśasannidhau || 67 ||
16.67 Wer vor dem Herrn der Götter vielfältige Tänze, Gesänge, Instrumentalmusik und andere hörbare und sichtbare Darbietungen ausführt,
āsīna mupacāraustairye samārādhayantite |
pretya divyeṣu lokeṣu pūjyaṃte tairna saṃśayaḥ || 68 ||
16.68 um den dort sitzenden Gott mit diesen Diensten zu verehren, werde nach dem Tod in göttlichen Welten mit denselben Künsten geehrt.
pradakṣiṇa namaskārādyupacārāṇāṃ phalam. |
pradakṣiṇanamaskārastutiprāyopacaryayā |
ārādhayantiye devaṃ devānāmadhidaivatam || 69 ||
16.69 Wer den Gott über den Göttern durch Umrundung, Verneigung, Lobpreis und verwandte Dienste verehrt,
te devairupacaryante paratra bhagavān yathā |
sthitaṃ śayānamāsīnaṃ devaṃ sarveśvareśvaram || 70 ||
16.70 werde jenseits von den Göttern bedient wie der Erhabene selbst. Wer den stehenden, liegenden oder sitzenden höchsten Herrn sieht,
yadṛcchayāpi paśyastaḥ prāpnuvanti paraṃ padam |
kiṃ punarbhaktipūrvaṃ ye paśyanti kṣaṇama cyutam || 71 ||
16.71 und sei es nur zufällig, gelange zur höchsten Stätte. Wie viel mehr gelte dies für diejenigen, die Acyuta auch nur einen Augenblick voller Hingabe anschauen!
mapyamum mapyamī |
nirdhūya duṣkṛtaṃ sarvaṃ yānti lokānyathepsitān |
aṣṭāṅgapraṇipātena ye namasyanti mānavāḥ || 72 ||
16.72 Sie schüttelten alles Fehlverhalten ab und gingen in die gewünschten Welten. Menschen, die sich mit acht Körperteilen niederwerfen,
tapassvādhyāyaśīlānāṃ phalamaśnuvate'cirāt |
iyadetaditi smartuṃ phalaṃ vaktuṃ ca kaḥ kṣamaḥ || 73 ||
16.73 erlangten bald die Frucht derer, die Askese und heiliges Studium üben. Wer könnte diese Frucht bemessen oder genau benennen?
sakṛtpraṇamatāṃ devaṃ phalaṃ yanmadhuvidviṣam |
śirasā śravaṇābhyāṃ vā manasā vā kareṇa vā || 74 ||
16.74 Schon die Frucht einer einzigen Verneigung vor dem Bezwinger Madhus sei unermesslich. Mit Kopf, Ohren, Geist oder Hand,
bahubhyāṃ vātha padbhyāṃ vā dṛgbhyāṃ vā pakṣasāpi vā |
ekaikenāṅgajātena praṇamanmadhuvidviṣam || 75 ||
16.75 mit Armen, Füßen, Augen oder Brust – wer mit auch nur einem dieser Körperglieder den Bezwinger Madhus verehrt,
kāmānāpnoti vipulānanantānanyadurlabhān |
kiṃ punarye'ṣṭabhissarvairaṅgaiḥ praṇipatanti ca || 76 ||
16.76 erlange reiche, unbegrenzte und sonst schwer erreichbare Wunscherfüllung. Wie viel mehr diejenigen, die sich mit sämtlichen acht Gliedern niederwerfen!
vāsudevā śrayakathā vyācakṣāṇā dine dine |
pāsudevālaye yānti vācaspatyamasaṃśayam || 77 ||
16.77 Wer Tag für Tag in Vāsudevas Heiligtum Geschichten über ihn erklärt, erlange zweifellos die Meisterschaft des Herrn der Rede.
gavāṃ ca kapilādīnāṃ pradānādaśnu te janaḥ |
brahmalokādilokeṣu vāsaṃ vindanti śāśvatam || 78 ||
16.78 Wer Kapilā-Kühe und andere Kühe schenkt, gewinne dauernden Aufenthalt in Brahmaloka und weiteren Welten.
haviṣāṃ pāyasādīnāṃ haraye ca nivedanāt |
sukhaikarasapūrṇātmā rājate viṣṇusannidau || 79 ||
16.79 Durch die Darbringung von Milchreis und anderen Opfergerichten an Hari werde das eigene Wesen von Freude erfüllt und strahle in Viṣṇus Gegenwart.
bhakṣyapānīyabhojyānāmanyeṣāmapi dānataḥ |
śvetadvīpe tatsamīpe vasanti sukhanassadā || 80 ||
16.80 Wer weitere zu kauende Speisen, Getränke und Mahlzeiten schenkt, weile stets glücklich auf Śvetadvīpa in seiner Nähe.
bahunātra kimuktena vāsudevārthamādarāt |
dadāti vastujātaṃ yaḥ sthānaṃ prāpnoti cepsitam || 81 ||
16.81 Wozu mehr Worte: Wer Vāsudeva aus Achtung irgendeine geeignete Sache schenkt, erlange die ersehnte Stätte.
karmaṇāṃ mārjanādīnāṃ phalabhogādanantaram |
karmaśeṣaiḥ punarjanma karmānuguṇayoniṣu || 82 ||
16.82 Nach dem Genuss der Früchte des Reinigens und der anderen Dienste werden die Menschen aufgrund des verbleibenden Karmas in ihren Handlungen entsprechenden Lebensformen wiedergeboren,
utkṛṣṭāsveva bhoktāro labhante sukhinassadā |
dattāpahārādīnāṃ phalam. |
prāsādamaṇḍapādīnāṃ bhoktāraḥkaiṭabhadviṣaḥ || 83 ||
16.83 und zwar in vorzüglichen, glücklichen Lebensumständen. Nun folgen die Strafandrohungen: Wer Tempelgebäude und Hallen des Bezwingers Kaiṭabhas widerrechtlich nutzt – nach der Variante zerstört –,
bhettāraḥ |
ye mūḍhamatayaḥ pretya nirayeṣu niratyayāḥ |
vasanti bhūyo nīcāsu jāyante yoniṣu druvam || 84 ||
16.84 weile nach dem Tod lange in Höllen und werde anschließend in niedrig bewerteten Daseinsformen geboren, so die Quelle.
bhūṣaṇacchatravastrādi yo partā durmati rnaraḥ |
gale nigalitaḥ pāśaiḥ kṛṣyate nirayeṣu saḥ || 85 ||
16.85 Wer in schlechter Absicht Schmuck, Schirme, Gewänder und andere Dinge stiehlt, werde mit Schlingen am Hals in die Höllen gezogen.
vāhanāni ca yānāni vaiṣṇavāni harantiye |
mohadvāsanti te dīrghamaṅgāra narakodare || 86 ||
16.86 Wer aus Verblendung Viṣṇus Reittiere und Fahrzeuge entwendet, müsse lange in einer Hölle glühender Kohlen bleiben.
nirayenarāḥ |
pretya bhūyo'pi jāyante gardabhoṣṭrādiyoniṣu |
candanādīni vastūni puṣpāṇi surabhīṇyapi || 87 ||
16.87 Danach werde er als Esel, Kamel oder in ähnlicher Form wiedergeboren. Wer Sandelholz, andere Stoffe oder duftende Blüten
harantisvāni viṣṇoste vrajante yāmyayātanām |
anubhūya punarbrahman jāyante gandhamūṣikāḥ || 88 ||
16.88 aus Viṣṇus Besitz stiehlt, erleide Yamas Qualen und werde danach als Moschusratte geboren, Brahmā.
upānatpādukāpīṭhavyajanāni harantiye |
uṣitvā nirayeṣvete jāyante phaṇināṃ kule || 89 ||
16.89 Wer Schuhe, Sandalen, Sitze oder Fächer stiehlt, werde nach einem Höllenaufenthalt unter den Schlangen geboren.
gobhūhiraṇyapastrādidhanaṃ viṣṇoḥ parigraham |
āhṛtya ye tu bhuñjante narakeṣu niratyayāḥ || 90 ||
16.90 Wer Kühe, Land, Gold, Gewänder oder andere Viṣṇu gehörende Güter wegnimmt und für sich nutzt, verweile in Höllen,
uṣitvā pretya bhūyopi jāyante śvādiyoniṣu |
sarveṣu narakeṣvevaṃ devabrahmasvahāriṇaḥ || 91 ||
16.91 um danach als Hund oder in ähnlicher Gestalt wiedergeboren zu werden. So ergehe es denen, die Götter- oder Brahmanengut stehlen.
sarveṣvityādiślokatrayaṃ kvacinna |
vasanti mūḍhamatayo yāmyaduḥkhāni bhūyasā |
vyāyāmodvartanābhyaṅgasnānapānāśanādikam || 92 ||
16.92 Ein Quellenvermerk erklärt drei Verse ab „in allen“ für stellenweise fehlend. Die Betreffenden erlitten vielfache Qualen Yamas. Wer im Tempel Viṣṇus private Körperübungen, Abreibungen, Ölmassagen, Baden, Trinken oder Essen
kurvanti mantire viṣṇorye te nirayagāmisaḥ |
pacyante tatra bhūyopi jāyante nīcayoniṣu || 93 ||
16.93 vornimmt, gelange nach der Strafandrohung ebenfalls in die Hölle, werde dort gequält und in als niedrig bewerteten Lebensformen wiedergeboren. Gemeint ist hier die missbräuchliche Nutzung des Heiligtums im vorangehenden Verbotszusammenhang.
vāsudevapratikṛterbhedanacchedanādiṣu |
vikrītādīni cānyeṣu yatante pāpacetasaḥ || 94 ||
16.94 Wer böswillig Vāsudevas Bild zerbricht, zerschneidet, verkauft oder anderweitig entstellt – die Variante nennt Entstellung statt Verkauf –,
vikṛtādīni |
ye te yānti kramātsarvānnarakān bhṛśadāruṇān |
anyeṣvapyapacāreṣu sthūlasūkṣmeṣu mānavāḥ || 95 ||
16.95 durchlaufe der Reihe nach alle besonders schrecklichen Höllen. Auch bei anderen groben oder feinen Verfehlungen der Menschen … Der letzte Satz bleibt am Kapitelende unvollständig.
Kapitel 17: Wiederherstellung und erneute Weihbesprengung
pādmasaṃhitāyām |
saptadaśo'dhyāyaḥ |
jīrṇoddhāravidhiḥ. |
brahmā |
pratimānāṃ tathā dhāmnāṃ jīrṇānāṃ bhagavannaham |
uddhāraṃ śrotuvicchāmi tanme brūhi yathātatham || 1 ||
17.1 Im siebzehnten Kapitel fragt Brahmā: Erhabener, ich möchte von der Wiederherstellung verfallener Kultbilder und Heiligtümer hören. Erkläre sie mir genau.
svayaṃvyaktādiṣvaṅgavaikalye samādhānam. |
śrībhagavān |
svāyambhavārṣadivyeṣu mānuṣeṣu caturṣvapi |
aṅgahānau ratnajeṣu tattajjāmbānadaiḥ punaḥ || 2 ||
17.2 Der erhabene Herr sprach: Bei den vier Arten – selbsterschienen, von Sehern, von Göttern und von Menschen geschaffen – werden fehlende Glieder edelsteinerner Bilder mit entsprechendem Material beziehungsweise Gold ergänzt.
samādhātavyamevāṅgaṃ na tyājyaṃ śailajeṣvapi |
tadvadeva samādhānaṃ dārujādiṣu pañcasu || 3 ||
17.3 Das Glied soll wiederhergestellt, das Bild nicht verworfen werden. Ebenso verfährt man mit Steinbildern. Bei den fünf weiteren Materialarten von Holz an
hīnāṅgeṣu punarbimbasṛṣṭiḥ. |
hīnāṅgeṣu tu bimbāni hitvā tāni punassṛjet |
aṅgamātrasamādhāne sṛṣṭau sarvātmanāpi ca || 4 ||
17.4 werden Bilder mit fehlenden Gliedern gegebenenfalls aufgegeben und neu geschaffen. Sowohl bei bloßer Ergänzung eines Gliedes als auch bei vollständiger Neuschöpfung
hīnāṅgāni |
kumbhe śaktiṃ samudvāsya nirmāya ca yathāpuram |
adhivāsādikaṃ sarvaṃ pratiṣṭhāyāmivācaret || 5 ||
17.5 überträgt man die göttliche Kraft in einen Krug und führt nach der Herstellung wie zuvor sämtliche vorbereitenden Weihen und Installationshandlungen aus.
samāvāhya |
samādhiyogyasya bimbasya na tyāgaḥ. |
sthitavatsveṣu bimbeṣu samādhiryadi śakyate |
na tyāgo yujyate teṣāṃ sarveṣāmeva padmaja || 6 ||
17.6 Lotusgeborener, wenn sich irgendein vorhandenes Bild reparieren lässt, ist sein Wegwerfen nicht angemessen.
sarveṣu |
samādhyabhāve bimbasya navīkaraṇam. |
tyaktaṃ ca lohajaṃ bimbaṃ drāvayitvā punassṛjet |
devīnāmavikālānāṃ prācīnānāmeva yogaḥ. |
deve jīrṇe punassṛṣṭau devyaḥpracyo yathāsthitāḥ || 7 ||
17.7 Ein aufgegebenes Metallbild schmilzt man ein und gießt es neu. Wird ein beschädigtes Gottesbild erneuert, bleiben die unbeschädigten älteren Göttinnenbilder erhalten.
tābhireva punardevo yojyo nānyāssṛjetpunaḥ |
prācīnadevīyoge punarnodvāhaḥ. |
nodvāhaśca punaḥ kāryassantate tānu pūjane || 8 ||
17.8 Mit diesen verbindet man das neue Gottesbild; neue Göttinnen werden nicht hergestellt. Auch die Hochzeit wird nicht wiederholt, da ihre Verehrung fortbestand.
śaktimudvāsya prabhāpadmāsanādīnāṃ samīkaraṇam. |
prabhāpadmāsanādīnāṃ vaikalye calane'pi vā |
āyudhe'pi ca cakrādau yaṣṭavyo nāsamāhite || 9 ||
17.9 Wenn Strahlenbogen, Lotussitz oder Waffen wie der Diskus beschädigt oder locker geworden sind, darf die Verehrung nicht ohne deren Wiederherstellung fortgesetzt werden.
udvāsya pratimāśaktiṃ mūlabhere ghaṭe'pi vā |
cakrādeśca samādhānaṃ kāryaṃ tasmin samāhite || 10 ||
17.10 Man überträgt die Kraft des Kultbildes in das Hauptbild oder einen Krug und repariert Diskus und die weiteren Teile.
saṃprokṣya pūjayeccaktimāvāhya pratimāsu tām |
bālālayaṃ kalpayitvātatra śailādivastuṣu || 11 ||
17.11 Danach vollzieht man die erneute Weihbesprengung, ruft die Kraft wieder in den Bildern an und verehrt sie. Oder man richtet ein vorläufiges Heiligtum ein,
bimbe tu śaktimāvāhya jīrṇebhyaḥ pūjanaṃ hareḥ |
tyaktasya bimbasya jale avaṭe vā nikṣepaḥ. |
tyaktaṃ ca bimbaṃ nikhanet kṣitau vāmbhasi nikṣipet || 12 ||
17.12 ruft dort die Kraft aus den beschädigten Bildern in einem Bild aus Stein oder anderem Material an und verehrt Hari darin. Ein endgültig aufgegebenes Bild wird in der Erde vergraben oder ins Wasser gelegt.
prāsādanavīkaraṇe bhagavato bālālaye sthāpanam. |
prāsāde cāpi śithile pūjayedbālaveśmani |
upetaṃ parivāraissvairdevaṃ mūle yathā tathā || 13 ||
17.13 Ist das Tempelgebäude baufällig, verehrt man den Gott mit seinem Gefolge im vorläufigen Heiligtum genauso wie zuvor im Hauptheiligtum.
ajīrṇe dhruvabere anyatra nodvāsaḥ. |
ajīrṇe dhruvabimbe tu jīrṇṭe dhāmani tat sthitān |
devāndevaparīvārānmūlabere niveśayet || 14 ||
17.14 Ist das feststehende Hauptbild unbeschädigt, aber das Gebäude verfallen, überträgt man die dortigen Gottheiten und ihr Gefolge in das Hauptbild.
ajīrṇadhāmaniṣṭhānāṃ jīrṇetu dhruvakautuke |
nodvāso nyatra kartavyo devādīnāṃ caturmukha || 15 ||
17.15 Ist hingegen das Hauptbild beschädigt, das Gebäude aber unversehrt, werden die dort bestehenden übrigen Gottheiten nicht anderswohin übertragen, Viergesichtiger.
tathākaraṇe doṣaḥ. |
ajīrṇenāṅga hānau ca dhāmādau naiva kalpayet |
bhūyastaro pi martyena vyāmohādyadi kalpayet || 16 ||
17.16 Ein unbeschädigtes Heiligtum und seine unversehrten Teile sollen nicht einfach neu gestaltet werden. Wer aus Verblendung dennoch eine größere Neuanlage schafft,
hīne |
bhavenmartyo |
ātmahānirddhravā tasya yajamānasya sānvayā |
pramādakalpitasya prāsādādeḥ pariṣkṛtya sṛṣṭau doṣābhāvaḥ. |
yadi pramāṇarahitaṃ pramādātkalpitaṃ pūrā || 17 ||
17.17 gefährde nach der Warnung des Textes sich und die Familie des Auftraggebers. War jedoch die frühere Anlage aus Versehen ohne die vorgeschriebenen Maße errichtet worden,
sānvayam |
prāsādādi punassṛṣṭau kalpaye llakṣaṇānvitam |
bahuberaikabereṣu jīrṇoddhāre yathāpūrvakalpanam. |
bahuberairabereṣu kalpanaṃ syādyathāpuram || 18 ||
17.18 darf man Tempel und weitere Bauten bei der Erneuerung regelgerecht gestalten. Ob eine Anlage mehrere Bilder oder nur eines hat, soll wie zuvor erhalten bleiben.
tadāpyordhvaṃ |
bahuberenaikaberaṃ naikabere tathā param |
devīvirahitasya bimbasya punassṛṣṭau devīyogo vaikalpikaḥ. |
devīvirahitaṃ pūrvaṃ bahuberaṃ kṛtaṃ yadi || 19 ||
17.19 Eine Mehrbildanlage wird nicht zur Einbildanlage und diese nicht zur Mehrbildanlage umgestaltet. War eine Mehrbildanlage ursprünglich ohne Göttinnenbilder eingerichtet,
bhūyaḥ prakalpane tasya devībhyāṃ saha vā vinā |
amānuṣabimbādīnāṃ punaḥpariṣkārepūrvavadeva nyāsaḥ. |
amānuṣaṃ ca bimbādi pūrvaṃ lakṣaṇavarjitam || 20 ||
17.20 kann ihre Neugestaltung mit oder ohne die beiden Göttinnen erfolgen. War ein nichtmenschlich entstandenes Bild ursprünglich ohne die üblichen Merkmale,
jīrṇoddhāre'pi kartavyaṃ tathaiva na tadanyathā |
tādṛśeṣu śayanabhereṣu pūrvavadeva vidhiḥ. |
śayanaṃ vā'sanaṃ sthānaṃ yānaṃ vā tadyathāpuram || 21 ||
17.21 bleibt es auch bei der Wiederherstellung genau so. Ob liegend, sitzend, stehend oder auf einem Fahrzeug: Die ursprüngliche Form wird beibehalten.
bimbasya punaruddhārastathaiva syādamānuṣe |
mānuṣe tu vikalpaḥ. |
mānuṣe tu sthitādīnāṃ bimbānāmicchayā bhavet || 22 ||
17.22 So verfährt man bei der Erneuerung eines nichtmenschlich entstandenen Bildes. Bei einem menschlich hergestellten stehenden oder anders gestalteten Bild kann dagegen nach Wunsch
punassṛṣṭirna doṣāya tathā sati caturmukha |
divye vimānādau ākārapramāṇādīvat upādāna |
dravyamapi sajātīyameva. |
divyaṃ vimānaṃ yadvastu yanmānaṃ yādṛśaṃ purā || 23 ||
17.23 eine neue Form gewählt werden, ohne dass darin ein Fehler liegt, Viergesichtiger. Ein göttlich entstandenes Heiligtum behält bei der Erneuerung sein ursprüngliches Material, Maß und Aussehen.
tādṛgeva punassṛṣṭau nānyathā tatprakalpayet |
anyathā kalpane doṣo kājño rāṣṭrasya ca dhruvam || 24 ||
17.24 Man gestaltet es genau so und nicht anders. Eine Änderung würde nach der Warnung König und Reich schaden.
ārṣamānuṣayorvimānayoḥ upādānadravyavikalpaḥ. |
mānuṣaṃ sadanaṃ cārṣaṃ caiṣṭakaṃ vātha mṛṇmayam |
jīrṇaṃ punassamuddhāre śaileneṣṭakayāpi vā || 25 ||
17.25 Ein von Menschen oder Sehern errichtetes, verfallenes Gebäude aus Ziegeln oder Erde kann bei der Wiederherstellung aus Stein oder Ziegeln gebaut werden.
upapīṭhādiṣu parivāreṣu ca kāmacāraḥ. |
upapīṭhādikaṃ klṛptaṃ rakṣārthaṃ vardhayedbahiḥ |
parivārāṃśca tatrasthānupapīṭhe ca vardhite || 26 ||
17.26 Sockel und verwandte Teile dürfen zum Schutz nach außen erweitert werden. Die dortigen Gefolgegestalten werden auf dem erweiterten Sockel
bandhayet |
sthāpayenmūlaberasya rakṣārthatvānna dūṣaṇam |
calitasālagopurādīnāṃ pṛddhihrāsāvaicchi kau. |
sālagopurapīṭhādau calite jīrṇa eva vā || 27 ||
17.27 aufgestellt; da dies dem Schutz des Hauptbildes dient, ist es kein Fehler. Sind Umfassungsmauer, Torbau oder Sockel verschoben oder verfallen,
dṛḍhaṃ śilādibhiḥkuryā dvistīrṇa matha vā'nyathā |
sadyādivegena naṣṭānāṃ prāsādādīnāṃ sthalāntare kalpanānujñā. |
nadyādijalavegena calite naṣṭa eva vā || 28 ||
17.28 stellt man sie mit Stein und anderen Materialien fest wieder her, breiter oder auch anders bemessen. Wird eine Anlage durch Flussströmung oder ähnliche Wassermassen verschoben oder zerstört,
prāsādādau punasthsāne nirbādhe'nyatra kalpayet |
prathamakalpanapadeva dvitīyakalpane'pi mantraḥ. |
yā mūrtiryena mantreṇa yādṛśenādhikāriṇā || 29 ||
17.29 darf man sie an einem anderen, ungefährdeten Ort neu errichten. Welche Gestalt mit welchem Mantra und durch welche Art befugten Ausführenden
prathame kalpane saiva dvitīye kalpane bhavet |
mūrtissaiva ca mantraṃ ca sa eva sthāpakaḥ punaḥ || 30 ||
17.30 ursprünglich installiert wurde, das gilt auch bei der zweiten Installation: dieselbe Gestalt, derselbe Mantra und derselbe Typ befugten Installierenden.
apūrvakalpane jīrṇoddhāre ca tulyaphalatā. |
apūrvakalpane jīrṇasamuddhāre dvayorapi |
tulyaṃ phalaṃ kalpanāyāṃ dhāmādernāstisaṃśayaḥ || 31 ||
17.31 Die Frucht einer Neugründung und die einer Wiederherstellung von Heiligtum und weiteren Anlagen ist gleich; daran besteht kein Zweifel.
tantrādhikārimūrtīnāṃ vyatyāse doṣaḥ. |
tantrādhikārimūrtīnāṃ vyatyaye kalpane punaḥ |
nṛṇāṃ narapateścāpi rāṣṭrasya ca bhavet kṣayaḥ || 32 ||
17.32 Wer bei der Neugestaltung Tantra-Tradition, Befugnis des Ausführenden oder göttliche Gestalt vertauscht, bringe nach der Warnung Menschen, König und Reich Schaden.
bahubere pratiṣṭhāyāṃ jīrṇoddhāre'yathāpuram |
jīrṇoddhāre nayanonmīlanādini ṣedhaḥ. |
karmārcāṃ sthāpayedvedyāṃ śāyayeccāpi maṇṭape || 33 ||
17.33 Bei der Wiederherstellung einer Mehrbildanlage setzt man das Handlungsbild auf die Plattform und lässt es in der Halle ruhen, wie im Installationsverfahren.
nādhivāsaṃ jalekuryānnayanonmīlanaṃ tathā |
na tatvasaṃhārotpādau sarvaṃ pūrvavadācaret || 34 ||
17.34 Die vorbereitende Lagerung im Wasser und das Öffnen der Augen entfallen, ebenso Auflösung und Neuschöpfung der Tattvas. Alles Übrige wird wie zuvor ausgeführt; die Varianten wiederholen teilweise diese Ausnahmen.
nādhivāso jale kāryona netro |
sarvakarmāṇyathā sarvakarma sadā |
udvāsitaśakteḥ punarādhānam. |
mūlabimbaṃ samāsādya prāgvatsarvaṃ samācaret |
bālakautukamabhyarcya yātrā manyatra tadgatām || 35 ||
17.35 Man tritt vor das Hauptbild und führt die vorgesehenen Handlungen aus. Nach der Verehrung des vorläufigen Kultbildes wird die dort oder in einer anderen Ersatzgestalt befindliche Kraft
mūrtiṃ ca |
śaktiṃ kumbhe samāvāhya kumbhaṃ dhānyasthitaṃ punaḥ |
abhyarcya samaye prāpte mūlabere gurussvayam || 36 ||
17.36 in den Krug angerufen. Dieser steht auf Getreide und wird verehrt. Zur vorgesehenen Zeit setzt der Lehrer selbst
śaktiṃ niveśayecchāstradṛṣṭena vidhinā harau |
kumbhatoyāvaśeṣeṇa parivāraprakalpanam || 37 ||
17.37 die Kraft nach dem in der Lehre beschriebenen Verfahren wieder in Haris Hauptbild ein. Mit dem übrigen Krugwasser werden die Gefolgegestalten wieder eingerichtet.
utsavaṃ kārayedante sarvaśāntikaro hisaḥ |
saṃprokṣaṇa nimittāni. |
brahmā |
saṃprokṣaṇanimittaṃ kiṃ prakāro vāsya kīdṛśaḥ || 38 ||
17.38 Am Ende lässt man ein Fest feiern, das als umfassend befriedend gilt. Brahmā fragte: Welcher Anlass erfordert die erneute Weihbesprengung, und wie ist ihr Verfahren?
kathyatāṃ bhagavanmahyaṃ jijñāsā ye'nuvartate |
śrībhagavān |
prāsāde cāṅgabhaṅgādisasthāne nūtane kṛte || 39 ||
17.39 Erhabener, erkläre es mir; ich möchte es wissen. Der erhabene Herr sprach: Wenn am Tempel beschädigte Glieder und entsprechende Teile neu hergestellt wurden,
pratimāyāṃ ca pīṭhe ca prabhāyāṃ cāyudhepi ca |
ārādhane ca vicchinne māsādau kamalāsana || 40 ||
17.40 wenn Bild, Sockel, Strahlenbogen oder Waffe repariert wurden oder die Verehrung einen Monat oder länger unterbrochen war, Lotusgeborener,
ca samāhite |
sparśane pratilomādyairnityāśaucavigarhitaiḥ |
pratilāmānulomaiśca sūtaiśca rathakārakaiḥ || 41 ||
17.41 auch bei Berührung durch nach der historischen Ordnung ausgeschlossene oder als dauerhaft unrein bewertete Menschen; genannt werden Pratiloma- und Anuloma-Geborene, Sūtas und Wagenbauer,
vaikhānasaiśca saṃspṛṣṭe bhārgavāgamapūjakaiḥ |
śaivādibhiśca pāṣaṃḍairbrahmahatyādidūṣitaiḥ || 42 ||
17.42 ferner Vaikhānasas, Verehrer nach dem Bhārgava-Āgama, Śaivas und andere als häretisch bezeichnete Gruppen sowie Menschen, die durch Brahmanentötung und Ähnliches belastet gelten,
kṣayyapasmārikuṣṭhyādyaiḥ kṛcchribhirmūlarogibhiḥ |
udakyādibhiranyaiśca śilpibhissparśadūṣite || 43 ||
17.43 Menschen mit Schwindsucht, Epilepsie, Lepra und anderen Leiden, Hämorrhoidenkranke, Menstruierende, Handwerker und weitere Personen: Ihre Berührung wird hier als ritueller Anlass behandelt. Diese Zuordnungen sind historische Reinheits- und Konkurrenzregeln der Quelle.
viṇmutrarudhirāpeyasparśadoṣe ca mandire |
janane maraṇe caiva śvasṛgāla kharādhibhiḥ || 44 ||
17.44 Auch bei Berührung des Heiligtums mit Kot, Urin, Blut oder verbotenen Getränken, bei Geburt oder Tod sowie bei Berührung durch Hunde, Schakale, Esel oder Ähnliches,
śavādibhiḥ |
spṛṣṭe ca bimbe tantrāṇāṃ saṅkare samupasthite |
evamādiṣu cānyeṣu saṃprokṣaṇavidhirbhavet || 45 ||
17.45 wenn solche Verunreinigung das Bild betrifft oder eine Vermischung der Tantra-Ordnungen eintritt, ist die erneute Weihbesprengung vorgesehen. Eine Variante nennt Leichname.
nimittepyasaṃprokṣaṇe aniṣṭanirdeśaḥ. |
dhāmādikamasaṃprokṣya pratimādikamapyatha |
arcane rāṣṭramadhipaḥ prajāśca sadanaṃ hareḥ || 46 ||
17.46 Wer Tempel und Bilder in solchen Fällen ohne diese Besprengung weiter verehrt, gefährde nach der Warnung Reich, Herrscher, Bevölkerung und Haris Heiligtum.
śūnyaṃ syādiriṇa prāyamupadravasamākulam |
durbhikṣavyādhikalahamṛti prāyāssyurītayaḥ || 47 ||
17.47 Es werde leer wie eine Einöde, von Bedrängnissen erfüllt; Hungersnot, Krankheit, Streit und Tod würden auftreten. Dies sind die Strafandrohungen des Textes.
tasmātsaṃprokṣaṇaṃ kāryaṃ dhāmādīnāṃ yathāvidhi |
saṃprokṣaṇavidhiḥ. |
viṣṇornukamiti svacchairjalaiḥ prokṣaṇa miṣyate || 48 ||
17.48 Deshalb sollen Tempel und weitere Anlagen vorschriftsmäßig besprengt werden. Dafür verwendet man reines Wasser unter dem Mantraanfang „viṣṇor nu kam“.
abliṅgairitarairmantrairācāryo brāhmaṇaissaha |
dhruvaberādibimbānāṃ śodhane kṣālane kṛte || 49 ||
17.49 Der Ācārya vollzieht dies mit Brahmanen auch unter weiteren wasserbezogenen Mantras. Nach Reinigung und Abwaschen des Hauptbildes und der übrigen Bilder
idaṃ viṣṇuritiprāyairmantraiḥ paramapāvanaiḥ |
snapanaṃ ca yathāśakti kuryāt snapanapūrvakam || 50 ||
17.50 folgt nach Kräften ein Krugbad mit den als höchst reinigend bezeichneten Mantras von „idaṃ viṣṇuḥ“ an.
dvāratoraṇakumbhādiyajanaṃ tadanantaram |
dhānyapīṭhe maṇḍapasya madhyabhāge suśobhite || 51 ||
17.51 Anschließend verehrt man Türen, Torbögen, Krüge und weitere Einrichtungen. In der schön hergerichteten Mitte der Halle wird auf einer Getreideunterlage
dvāratoraṇakumbhādhīn pujayetsamanantaram |
sthāpayitvā mahākumbaṃ sūtrāvastrādiveṣṭitam |
pūrvoktavartmanā tasmin paramātmānamarcayet || 52 ||
17.52 ein großer, mit Fäden und Stoffen umwickelter Krug aufgestellt. Darin verehrt man das höchste Selbst nach dem zuvor genannten Verfahren.
kuṇḍe vā sthaṇḍile vāpi juhuyītsamidādibhiḥ |
pratyekamaṣṭottaraśataṃ śāntihomo yathāpuram || 53 ||
17.53 In einer Feuergrube oder auf einer Bodenopferstätte bringt man Brennholz und die anderen Gaben jeweils 108-mal dar. Das Śānti-Homa geschieht wie zuvor.
badhnī yātkautukaṃ bimbe prokṣayedapare'hani |
prabhātasamaye prāpte śobhane deśikottamaḥ || 54 ||
17.54 Man bindet dem Bild die Schutzschnur an. Am folgenden Tag, zur günstigen Morgenzeit, vollzieht der hervorragende Lehrer die Besprengung.
sthāpitaṃ kumbhamāsthāya prādakṣīṇyena mandiram |
nītvā devasya purato dhānyapīṭhe niveśya ca || 55 ||
17.55 Er nimmt den aufgestellten Krug, trägt ihn im Uhrzeigersinn um das Heiligtum und stellt ihn vor dem Gott auf eine Getreideunterlage.
nivedya |
kūrcena toyamādāya kumbhasthaṃ mūlavidyayā |
pañcopaniṣadairmantrairabliṅgairitiraistathā || 56 ||
17.56 Mit dem Grasbüschel nimmt er Wasser aus dem Krug und besprengt unter der Grundformel, den fünf Upaniṣad-Mantras und weiteren wasserbezogenen Mantras.
śāntimantrāṇi samaye paṭheyurvi prasattamāḥ |
brāhmaṇān bhojayeccāpi yathāśakti ca dakṣiṇā || 57 ||
17.57 Dabei rezitieren vorzügliche Brahmanen Friedensmantras. Man bewirtet die Brahmanen und gibt ihnen nach Kräften Dakṣiṇā.
ācāryadakṣiṇā cāpi daśaniṣkāvarā tadā |
sadyo vā sakalaṃ kuryānniśi vā divase'pi vā || 58 ||
17.58 Der Ācārya erhält mindestens zehn Niṣkas. Die gesamte Handlung kann auch unmittelbar an einem Tag oder in einer Nacht ausgeführt werden.
na tithi rna ca nakṣatraṃ kālavelā na vidyate |
sadya eva tu kartavya miti śāstrasya niścayaḥ || 59 ||
17.59 Es ist dafür kein bestimmter Mondtag, kein Mondhaus und keine besondere Tageszeit abzuwarten. Sie soll sogleich geschehen: So lautet die Entscheidung der Lehre.
Kapitel 18: Wiedergutmachung bei Unterbrechungen und Kultfehlern
pādmasaṃhitāyām |
caryāpādeaṣṭādaśo'dhyāyaḥ |
aṣṭādaśo'dhyāyaḥ |
nityanaimittikādikarmavaikalyaprāyaśchittavidhiḥ. |
tatra prāyaścittanirvacanam. |
brahmā |
naimittikānāṃ nityānāṃ karmaṇāṃ bhagavan hare |
ārādhanānāṃ vaikalyaṃ lopo vā prāyasaṃjñitam || 1 ||
18.1 Im achtzehnten Kapitel des Caryāpāda wird die Wiedergutmachung unvollständiger täglicher und anlassbezogener Kultdienste behandelt. Brahmā sprach: Erhabener Hari, die Unvollständigkeit oder Auslassung solcher Verehrungshandlungen wird hier „prāya“ genannt.
tasya cittaṃ samādhānamiti nirvacanakriyā |
tatprakārapraśnaḥ. |
kasya kiṃ vā samādhānaṃ kaḥ prakāro'sya kathyatām || 2 ||
18.2 „Citta“ wird als ihre Behebung erklärt; so deutet der Text das Wort Prāyaścitta. Welche Behebung gehört zu welchem Fehler, und wie wird sie ausgeführt?
bhagavatā tannirūpaṇam. |
śrībhagavān |
asnātātilakānupavītārcane prāyaścittam. |
asnātonu pavīto vā adhṛtvātilakaṃ tathā |
arcayeddevadeveśaṃ prayaścittīyate naraḥ || 3 ||
18.3 Der erhabene Herr sprach: Wer ungewaschen, ohne heilige Schnur oder ohne Stirnzeichen den Herrn der Götter verehrt, bedarf nach dieser Ordnung der Wiedergutmachung. Die Variante nennt fehlende Upanayana-Einführung statt fehlender Schnur.
nupanīto vā |
samādhānaṃ mūlamantraśataṃ japtvā tadarcanam |
akṛtvā pādayośśaucamanācamyāpi vārcane || 4 ||
18.4 Man wiederholt den Grundmantra hundertmal und verehrt den Gott erneut. Wer ohne Waschen der Füße oder ohne Ācamana verehrt hat,
pañcopaniṣadāṃ jāpaḥ prayaścittaṃ tadarcanam |
nagno vā muktakeśo vāsvinnāṅgo vā hasan śvasan || 5 ||
18.5 wiederholt die fünf Upaniṣad-Mantras und führt die Verehrung aus. Wer nackt, mit offenem Haar, schweißbedeckt, lachend oder heftig atmend verehrt,
kupyanvā pralapanvāpi pūjāyāṃ tu śataṃ japet |
śatakṛto'stramantasya samārādhanamanvataḥ || 6 ||
18.6 oder zornig beziehungsweise schwatzend, wiederholt den Waffenmantra hundertmal und vollzieht anschließend die Verehrung.
āsthilomādisparśe. |
keśāsthilomaloṣṭādisparśane naiva niṣkriyā |
nīlavastrādidhāraṇe. |
vasāno nīlamalinakliṣṭavāso'pavitrakaḥ || 7 ||
18.7 Nach Berührung von Haaren, Knochen, Körperhaaren oder Erdklumpen wird hier keine besondere Wiedergutmachung verlangt. Wer dagegen blaue, schmutzige oder verschlissene Kleidung trägt oder den Pavitra-Ring nicht angelegt hat,
arcayenmūlamantrasya japastasya pratikriyā |
strīsevino'nāplutasya sparśe. |
gatvāstriyamānāplutya pūjane snāpayeddharim || 8 ||
18.8 wiederholt als Behebung den Grundmantra. Wer nach Geschlechtsverkehr ohne Bad verehrt, badet Haris Bild
pañcagavyaistataḥpañcamahopaniṣadāṃ japaḥ |
viṇmūtrādisparśe. |
viṇmūtraretorudhirabālādisparśane sati || 9 ||
18.9 mit Pañcagavya und wiederholt die fünf großen Upaniṣad-Mantras. Nach Berührung von Kot, Urin, Samen, Blut oder weiteren hier teilweise unklar genannten Stoffen
asnānapūjane devaṃ snāpayetkuśavāribhiḥ |
mūlamantrajapaścoktoniṣkriyā tasya karmaṇaḥ || 10 ||
18.10 und einer ohne vorheriges Bad vollzogenen Pūjā badet man den Gott mit Kuśa-Wasser und wiederholt den Grundmantra.
rajasvalāvastraspṛṣṭasparśane. |
vastraṃ rajasvalāyāśca spṛṣṭvā devārcane kṛte |
pañcagarvaissnāpayitvā pañcopaniṣadāṃ japaḥ || 11 ||
18.11 Hat man nach Berührung des Gewandes einer menstruierenden Frau verehrt, schreibt die historische Reinheitsordnung ein Pañcagavya-Bad des Bildes und die fünf Upaniṣad-Mantras vor.
caṇḍālaciticaityaspṛṣṭasparśe. |
śvānaṃ rajasvalāṃ yūpaṃ caṇḍālaṃ vedavikrayam |
citiṃ ca caityabhūmiṣṭhaṃ vṛkṣaṃ spṛṣṭvā tadarcane || 12 ||
18.12 Dasselbe Regelwerk nennt die Berührung eines Hundes, einer Menstruierenden, eines Opferpfostens, eines Caṇḍāla, eines Vedenverkäufers, einer Feuerbestattungsstätte oder eines Baumes auf einem Caitya-Gelände vor der Pūjā.
nīcacaityasthaṃ |
pañcavāruṇamantraiśca snāpayetkuśavāriṇā |
kākakharapāṣaṇḍādisamparke. |
kākapāṣaṇḍapatitapratilomakharādikān || 13 ||
18.13 Dann badet man das Bild mit Kuśa-Wasser unter fünf Vāruṇa-Mantras. Entsprechendes gilt bei Krähen, als häretisch oder ausgeschlossen bezeichneten Menschen, Pratiloma-Geborenen, Eseln
aspṛśyamanyadapyevaṃ spṛṣṭvā prāgvatpratikriyā |
keśādidūṣitapuṣpārcane. |
keśādidoṣaduṣṭena puṣpeṇārādhane kṛte || 14 ||
18.14 und anderen nach der Quelle nicht zu berührenden Wesen oder Dingen. Wurde mit Blüten verehrt, die durch Haare oder nach der Variante Urin und Ähnliches verunreinigt waren,
mūtrādi |
kṣīreṇa snapanaṃ kṛtvā śāntihomaḥ pratikriyā |
purīṣādispṛṣṭajanārcane. |
purīṣādikamākramya yadyanāplotya pūjayet || 15 ||
18.15 badet man das Bild mit Milch und vollzieht Śānti-Homa. Wer auf Kot und ähnliche Stoffe getreten ist und ohne Reinigung verehrt,
snapanaṃ kuśapāthobhirjavaḥ prāgvatpratikriyā |
styranupanītabimbasparśe. |
striyo vā nupanīto vā spṛśedbimbaṃ pratikriyā || 16 ||
18.16 vollzieht ein Kuśa-Wasser-Bad und die zuvor genannte Rezitation. Bei Berührung des Bildes durch eine Frau oder einen nicht mit Upanayana Eingeführten nennt die Quelle als Behebung
ukṣaṇaṃ kuśatoyena mantreṇa parimeṣṭhinā |
pūjāmadhyeniṣṭhīvanasambhave. |
ārādhane saṃpravṛtte niṣṭhīvādikamantarā || 17 ||
18.17 die Besprengung mit Kuśa-Wasser unter dem Parameṣṭhin-Mantra. Muss man während der Verehrung ausspucken oder tritt etwas Entsprechendes ein,
yadyāpatedācamanaṃ spṛśedvā dakṣiṇaṃ śravaḥ |
akṛtamantranyāsārcane. |
pralayādikramāddehamasaṃśodhya samādhinā || 18 ||
18.18 vollzieht man Ācamana oder berührt das rechte Ohr. Wer den Körper nicht meditativ durch Auflösung und Wiederentstehung gereinigt
mantranyāsamakṛtvā ca pūjane pūrvavajjapaḥ |
arcanaṃ ca punassarvaṃ kṛtvādevasya niṣkṛtiḥ || 19 ||
18.19 und den Mantra-Nyāsa nicht ausgeführt hat, rezitiert wie zuvor und wiederholt die gesamte Verehrung des Gottes.
caṇḍālādisampṛktahavirnivedane. |
caṇḍālādyairasaṃspṛśyairhavisspṛṣṭaṃ nivedayet |
yadi pramādātsnapanaṃ koghṛtena pratikriyā || 20 ||
18.20 Wird versehentlich eine Speise dargebracht, die von Caṇḍālas und anderen nach der damaligen Ordnung Ausgeschlossenen berührt wurde, schreibt die Quelle ein Bad mit Kuh-Ghee vor.
śānti homaśca kartavya stadante kamalāsana |
sṛgālādidūṣitavastuprāpaṇe. |
dṛṣṭaṃ ca spṛṣṭavattadvatsṛgālādyaiśca dūṣitam || 21 ||
18.21 Danach folgt Śānti-Homa, Lotusgeborener. Bereits das Anschauen durch diese Personen wird hier der Berührung gleichgesetzt; Entsprechendes gilt für Verunreinigung durch Schakale und andere Tiere.
ācārarahitairanyaistathai vāśucivastubhiḥ |
ayājñikadhānyahavissamarpaṇe. |
ayājñiyaiḥkodravādyairhavirbhiśca nivedane || 22 ||
18.22 Auch Berührung durch Menschen ohne die vorgeschriebene Lebensführung und durch andere unreine Stoffe wird genannt. Wird ungeeignetes Opfergetreide wie Kodrava dargebracht,
pūrvavacca samādhānaṃ mūlamantrāyutaṃ japet |
śākamūlaphalairlehyapeyādyaiśca vivarjitaiḥ || 23 ||
18.23 gilt dieselbe Behebung, ergänzt durch zehntausend Wiederholungen des Grundmantras. Bei ausgeschlossenen Gemüsearten, Wurzeln, Früchten, Leck- oder Trinkgaben
snapanaṃ śāntihomaśca mūlavidyajapa stathā |
atyuṣṇātiśītahavirnivedane. |
atyuṣṇasyātiśītasya haviṣaśca nivedane || 24 ||
18.24 folgen Krugbad, Śānti-Homa und Grundmantra-Rezitation. Bei zu heiß oder zu kalt dargebrachter Speise
nivṛttimantrajāpaśca viśvamantrajapaḥ kramāt |
śavādidūṣitagehaśrapitahaviḥprāpaṇe. |
śavādidūṣite gehe pakvasya haviṣastathā || 25 ||
18.25 werden der Reihe nach Nivṛtti- und Viśva-Mantra wiederholt. Stammt die Speise aus einem durch einen Leichnam oder Ähnliches verunreinigten Haus,
satvādi |
nivedanaṃ cetsnapanaṃ śānti homastathaiva ca |
krimikeśādiduṣṭasya haviṣaśca nivedane || 26 ||
18.26 vollzieht man Krugbad und Śānti-Homa. Bei durch Würmer, Haare oder Ähnliches verunreinigter Speise
pauruṣeṇaiva sūktena kuryācchuddhābhiṣecanam |
mukhavāyuhatādivastunivedane. |
mukhavāyuhatāghrātaṃ rajastuṣakaṇānvitam || 27 ||
18.27 folgt eine reine Begießung unter dem Puruṣa-Sūkta. Wurde eine Gabe angehaucht, beschnuppert oder durch Staub, Spelzen und Körnerreste verunreinigt,
mṛtpāṣāṇaśakṛtprāya dūṣitasya nidedane |
mūlamantrāyutajapastadvatparyuṣitaṃ yadi || 28 ||
18.28 oder enthält sie Erde, Steinchen oder Kot, wiederholt man den Grundmantra zehntausendmal. Dasselbe gilt für abgestandene Gaben.
dūṣitaṃ ca nivedayet |
niveditapūrvanivedane. |
niveditasya haviṣo bhūyo yadi nivedanam |
snānapūrvarcasaṃ mūlamantrasya japa iṣyate || 29 ||
18.29 Wird eine bereits dargebrachte Speise nochmals dargebracht, wiederholt man die mit dem Bad beginnende Verehrung und den Grundmantra.
snapanaṃ pūrvananmūla |
nirmālyocchiṣṭasamarpaṇe. |
nivedayecca nirmālyamucchiṣṭaṃ vā pratikriyā |
kumbhairdvādaśabhissnānaṃ śāntihoyojana stathā || 30 ||
18.30 Bei Darbringung verbrauchter Kultreste oder angebissener Essensreste folgt ein Bad mit zwölf Krügen, außerdem Śānti-Homa und Rezitation; das letzte Kompositum ist beschädigt.
gurvādyanyavandanāvasarahastadhṛtaku sumahavirādyupayojane. |
gurvādīnmanasā vācā karmaṇā samataḥkare |
sthitāni havirādīni puṣpādīni caturmukha || 31 ||
18.31 Viergesichtiger, Speisen, Blüten und weitere Gaben, die man in der Hand hält, während man Lehrer oder andere mit Gedanken, Worten oder Handlungen grüßt,
pūjāvastūnyayogyāni samārādhanakarmaṇi |
tairarcane pañcakumbhaissnapanaṃ pūrvavajjapaḥ || 32 ||
18.32 gelten danach als ungeeignet für den Gottesdienst. Wurden sie dennoch verwendet, folgen ein Bad mit fünf Krügen und die zuvor genannte Rezitation.
pūjānastūni yogyāni naivārādhanakarmaṇi |
bhagavatsraṇaāmakāle hastadhṛtānāṃpuṣpāṇāṃ viṣvaksene viniyogaḥ. |
vāsudevaṃ praṇamataḥ pūjāvastūni hastayoḥ |
sthitāni nārcanārhaṇi senānye tāni nikṣipet || 33 ||
18.33 Auch Gaben, die man beim Verneigen vor Vāsudeva in den Händen hält, sollen danach nicht mehr ihm dargebracht werden; man gibt sie Viṣvaksena.
tādṛśapuṣpairarcane. |
tairarcanaṃ cetsnapanaṃ kalaśaissaptabhirbhavet |
śāntihomaśca kartavyo mūlamantrajapastathā || 34 ||
18.34 Wurden sie trotzdem verwendet, folgen ein Bad mit sieben Krügen, Śānti-Homa und die Wiederholung des Grundmantras.
maṇḍūkamūṣakādyupahatanivedane. |
maṇḍūkamūṣikāsarpabiḍālādyaiśca jantubhiḥ |
krimikīṭapataṃgādyaiḥpakṣibhirvāyasādibhiḥ || 35 ||
18.35 Speise, die von Fröschen, Mäusen, Schlangen, Katzen, Würmern, Insekten, fliegenden Tieren oder Vögeln wie Krähen
spṛṣṭaṃ daṣṭaṃ havirnaipa devārhaṃ tanni vedane |
snapanaṃ kalaśaireva tribhirhomāntamarcayet || 36 ||
18.36 berührt oder angefressen wurde, ist nicht für die Gottheit geeignet. Nach ihrer Darbringung badet man das Bild mit drei Krügen und verehrt es bis zum Feueropfer.
makṣikādyupaghāte viśeṣaḥ. |
makṣikādyaiśca saṃspṛṣṭaṃ prokṣya devāya kalpayet |
bhuktaśeṣanivedane. |
bhuktaśeṣaiḥpramādādvālobhādvā devamarcayet || 37 ||
18.37 Bei bloßer Berührung durch Fliegen und Ähnliches genügt dagegen Besprengen vor der Darbringung. Wer aus Versehen oder Geiz Essensreste darbringt,
mūlamantrāyutajapaśśāntaye tasya kalpate |
dattaśeṣapradānena tadvadeva ca niṣkṛtiḥ || 38 ||
18.38 wiederholt zur Befriedung den Grundmantra zehntausendmal. Für Reste einer anderweitigen Schenkung gilt dieselbe Behebung.
paryuṣitāmbūpahāre. |
snāne paryuṣitāmbobhiḥ punarepamathāmbubhiḥ |
abliṅgaiḥ pāvanai rmantraiḥ prāyaścittaṃ taducyate || 39 ||
18.39 Wurde mit abgestandenem Wasser gebadet, wiederholt man das Bad mit geeignetem Wasser unter reinigenden, wasserbezogenen Mantras.
aparyuṣita tīrthasalilāni. |
puṇyatīrthasarittoye na paryuṣitadūṣaṇam |
samudrato yasyāparyuṣitatvāvadhiḥ. |
samudratoyaṃ daśamātparaṃ paryuṣitaṃ dināt || 40 ||
18.40 Wasser aus heiligen Badestellen und Flüssen gilt rituell nicht als abgestanden. Meerwasser wird dagegen nach dem zehnten Tag als abgestanden bewertet.
tiryagyonyādilaṅghitapāriṇo niṣedhaḥ. |
tiryagyonibhiraspṛśyairmanuṣyairapi laṅghitam |
spṛṣṭaṃ ca vāri na snānayogyaṃ snāne ca vāruṇaiḥ || 41 ||
18.41 Wasser, das Tiere oder nach der historischen Ordnung ausgeschlossene Menschen überschritten oder berührt haben, gilt nicht als badegeeignet. Wurde es verwendet, wiederholt man das Bad mit Vāruṇa-Mantras.
snānaṃ punarvidhātavyaṃ śāntyarthaṃ tasya karmaṇaḥ |
ajāśvādimukhasaṃsparśasya kāmacāraḥ. |
ajāśva mukhasaṃscarśona doṣāya kadācana || 42 ||
18.42 Dies dient der Behebung. Die Berührung durch das Maul einer Ziege oder eines Pferdes wird hier ausdrücklich nicht als Fehler gewertet.
aśucidravyasaṃpṛktajalasya niṣedhaḥ. |
gomukhenaiva saṃspṛṣṭaṃ varjanīyaṃ samarcane |
prāyaścittaṃ punassnānaṃ mūlamantrajapastathā || 43 ||
18.43 Vom Maul einer Kuh berührtes Wasser soll dagegen bei der Verehrung nicht verwendet werden. Als Behebung gelten erneutes Bad und Grundmantra-Rezitation.
viṇmūtrarudhirāpeyayuktaistoyādivastubhiḥ |
nārcayedarcane snānaṃ kalaśai radhamādhamauḥ || 44 ||
18.44 Mit Wasser und anderen Stoffen, die Kot, Urin, Blut oder verbotene Getränke enthalten, darf nicht verehrt werden. Geschah es, folgt das Krugbad der Stufe Adhamādhama.
śivanirmālyasamparke prāyaśchittam. |
śivanirmālyaduṣṭena toyaprabhṛtivastunā |
pūjane kalaśaissnānamadhamairmadhyamairbhavet || 45 ||
18.45 Bei Verwendung von Wasser oder Stoffen, die mit abgelegten Śiva-Kultgaben in Berührung kamen, verlangt die sektenspezifische Ordnung ein Bad der Stufe Adhamamadhyama.
śavādidūṣitakūpādijalāśayasaṃskāraḥ. |
śivādidūṣite kūpe jalamuddhṛtya pūrvakam |
sarvaṃ tadante puṇyāhaṃ vācayejjñalaśuddhaye || 46 ||
18.46 Ist ein Brunnen durch einen Leichnam oder Ähnliches verunreinigt – die Grundlesart schreibt „śivādi“, die Überschrift „śavādi“ –, schöpft man zunächst alles Wasser aus und lässt danach Puṇyāha zur Wasserreinigung sprechen.
paśvādimaraṇe kūpe caṇḍālasnānapānayoḥ |
tathā rajasvalādyaiśca pratilomairvigarhite || 47 ||
18.47 Stirbt Vieh im Brunnen oder haben nach dieser historischen Ordnung ausgeschlossene Personen daraus getrunken oder darin gebadet, darunter Caṇḍālas, Menstruierende und Pratiloma-Geborene,
kūpasthaṃ tajjalaṃ sarvamuddharetkamalāsana |
cucundaryādimaraṇe jalasyārdhaṃ samuddharet || 48 ||
18.48 wird alles Wasser entfernt, Lotusgeborener. Beim Tod einer Spitzmaus oder eines ähnlichen kleinen Tieres genügt die Hälfte.
uktasaṃskārasya divārātrabhedena bhedaḥ. |
divā samuddharettoyaṃ rātrau cedagni sannidau |
uddharedanyathā toyairupayoge'tha vāruṇaiḥ || 49 ||
18.49 Das Ausschöpfen geschieht tagsüber, nachts in Gegenwart von Feuer. Wird anders verfahren und das Wasser bereits verwendet, opfert man unter den Vāruṇa-Mantras.
pañcabhirjuhuyādagnau brāhmaṇānapi bhojayet |
pūjākāle dīpanirvāṇe prāyaścittam. |
pūjākāle tu dīpasya nirvāṇedviguṇārcanam || 50 ||
18.50 Mit den fünf entsprechenden Mantras opfert man ins Feuer und speist Brahmanen. Erlischt während der Pūjā die Lampe, wird die Verehrung verdoppelt.
dīpamuddīpya japtapyo viśvamantraśśatāvaraḥ |
ākasmikanirvāṇe doṣābhāvaḥ. |
akasmādeva nirvāṇe śāntirnaiva tvahetuke || 51 ||
18.51 Man entzündet sie wieder und rezitiert den Viśva-Mantra mindestens hundertmal. Bei einem völlig zufälligen, nicht zurechenbaren Erlöschen wird dagegen keine Befriedungshandlung verlangt.
anirvāṇadīpanirvāṇe prāyaścittam. |
anirvāṇasya nirvāṇe dīpasya snapanaṃ hareḥ |
kṣīreṇa mūlamantrasya japaścāṣṭottaraṃ śatam || 52 ||
18.52 Erlischt die ausdrücklich als dauernd brennend eingerichtete Lampe, badet man Haris Bild mit Milch und wiederholt den Grundmantra 108-mal.
dīpayogyatailam. |
sarpiṣā tilatailena dīpāropaṇamācaret |
niṣiddhatailanirūpaṇam. |
nānyaireraṇḍatailādyairnājāvimahiṣādijaiḥ || 53 ||
18.53 Lampen werden mit Ghee oder Sesamöl gespeist, nicht mit Rizinusöl und anderen Ölen, auch nicht mit Fetten von Ziegen, Schafen oder Büffeln.
snehairāropaṇaṃ kāryaṃ na ca prāṇyaṅgamambhavaiḥ |
pramādātphalajaistailaissna pane dīpane haviḥ || 54 ||
18.54 Ebenso werden Fette aus Körperteilen von Lebewesen ausgeschlossen. Hat man aus Versehen andere Fruchtöle beim Bad, bei Lampen, bei Speisegaben
bavirnivedane. itivaktavyevigrahaḥ chāndasaḥ |
nivedane ca home ca snehauranyaiśca ninditaiḥ |
tādṛśatailayoge prāyaśchittam. |
anuṣṭhāne kṛte kumbhai ssnāpayenmadhyamottamaiḥ || 55 ||
18.55 oder beim Feueropfer sowie andere missbilligte Fette verwendet, badet man das Bild nach der Stufe Madhyamottama. Der Quellenkommentar erklärt eine ungewöhnliche Worttrennung als vedischen Gebrauch.
śāntihomastathā dānaṃ dvijebhyo bhojanaṃ tathā |
niṣaiddhadadhikṣīrādi. |
ajaprabhṛtidadhyādyaissnānādau vihite sati || 56 ||
18.56 Dazu kommen Śānti-Homa, Schenkungen und Brahmanenspeisung. Wurden beim Bad und weiteren Diensten Joghurt und entsprechende Erzeugnisse von Ziegen und anderen ausgeschlossenen Tieren verwendet,
ajaprabhṛtipaśvādyaiḥhaviḥ prabhṛtidadhyādyai |
prāyaścittaṃ yathāpūrvamācaretkasulāsana |
klṛptopakaraṇanyūnībhāve vidhiḥ. |
pūrvopacāraklṛptau tu nyūnāyāṃ klṛptavastubhiḥ || 57 ||
18.57 gilt dieselbe Behebung, Lotusgeborener. Bleibt die Menge der früher eingerichteten Verehrungsgaben hinter der vorgesehenen Menge zurück,
vastubhirdviguṇairbhūyaspamārādhya madhudviṣam |
sarpiṣāṣṭottaraśataṃ juhuyānmūlavidyayā || 58 ||
18.58 verehrt man den Bezwinger Madhus nochmals mit der doppelten Menge und opfert unter der Grundformel 108-mal Ghee.
mantrakriyādihānau vidhiḥ. |
mantrahānau kriyāhānau mudrāhānau tathaiva ca |
japahānau dhyānahānau hīneṣvanyeṣu keṣu cit || 59 ||
18.59 Bei Auslassung eines Mantras, einer Handlung, einer Mudrā, von Japa, Meditation oder irgendeines anderen Bestandteils
mūlamastrajapastasya yathāśakti pratikriyā |
geyavāditranṛtteṣu pūrvaklṛpteṣu pūjane || 60 ||
18.60 gelten Grund- und Waffenmantra-Rezitation nach Kräften als Behebung. Wenn früher eingerichteter Gesang, Instrumentalmusik oder Tanz
japakriyā |
hīnekasmiṃścidārādhyo harissnapanavartmanā |
vādyanṛttādihānau śāntiḥ. |
vādyahānau tu payasā nṛttahānau ghṛtena tu || 61 ||
18.61 ausfällt, verehrt man Hari mit einem Krugbad. Bei fehlender Instrumentalmusik opfert man Milch, bei fehlendem Tanz Ghee,
geyahānau tu madhunā juhuyātpūrvasaṅkhyayā |
pūrvaklṛptopadaṃ śādihānau dviguṇavastubhiḥ || 62 ||
18.62 bei fehlendem Gesang Honig, jeweils in der zuvor genannten Anzahl. Fehlen vorgesehene Beilagen oder andere Gaben, bringt man die doppelte Menge dar.
nivedayetsnānapūrvaṃ kālāti kramaṇepi ca |
bhogadravyairdviguṇitai rārādhya kṣamyatāmiti || 63 ||
18.63 Die erneute Darbringung beginnt mit dem Bad. Auch bei Überschreitung der vorgesehenen Zeit verehrt man mit doppelten Genussgaben und spricht: „Möge es vergeben werden.“
kramaṇena ca |
sandhyākālātikrame. |
uccārayettathā santhyātikrāntau dvāda śeṣvapi |
adhikakālapūjāhānau. |
kāleṣu klṛptaṅkhyeṣu hānau kālasya kasya cit || 64 ||
18.64 Dies gilt beim Versäumen der Dämmerungszeit sowie beim Ausfall einer der zwölf oder einer anderen fest eingerichteten Zahl von Kultzeiten.
dviguṇairvastubhiḥ pūjyaḥ kāleṣu ca yathottaram |
kālaṃ prathamamārabhya dviguṇaistriguṇai stathā || 65 ||
18.65 Man verehrt mit vervielfachten Gaben entsprechend der Zahl der versäumten Zeiten: von der ersten an doppelt, dreifach,
caturguṇaiḥ pañcaguṇairevamādyaistu vastubhiḥ |
pūjayejjapa homādyaistadvadeva yathāyatham || 66 ||
18.66 vierfach, fünffach und so weiter. Japa, Feueropfer und weitere Dienste werden entsprechend bemessen.
homāntam |
atikrānte dinavidau vidhireṣaprakīrtitaḥ |
dvidinādau tu pakṣānte pūjāhine ghaṭaistathā || 67 ||
18.67 Diese Ordnung gilt beim Versäumen innerhalb eines Tages. Fällt die Verehrung zwei Tage bis zu einer Monatshälfte aus, verwendet man Krüge
adhamottamamārgeṇa snāpayettasya śāntaye |
māse ca pūjāvikale madhyamottamavartmanā || 68 ||
18.68 für ein Bad der Stufe Adhamottama zur Befriedung. Bei einem Monat ohne Verehrung gilt die Stufe Madhyamottama.
tilājyacarubhiścaiva juhuyānmūlavidyayā |
varṣādhikakālapūjālope punaḥpratiṣṭhā. |
saṃvatsaratrayādarvāṅmāsādūrdhvamanarcite || 69 ||
18.69 Sesam, Ghee und Caru opfert man unter der Grundformel. Bei einer Unterbrechung von mehr als einem Monat, aber weniger als drei Jahren
saṃprokṣaṇaṃ bhavedūrdhvaṃ pratiṣṭhāvidhirucyate |
bhūguptagṛharcāvidhiḥ. |
bhūguptāmapi caikāhamuddhṛtya pratimāṃ punaḥ || 70 ||
18.70 ist Saṃprokṣaṇa, erneute Weihbesprengung, vorgesehen; darüber hinaus eine erneute Installation. Auch ein nur einen Tag in der Erde verborgenes Bild wird nach dem Bergen
saṃprokṣayedgṛhārcāyāmārādhanaviropane |
snapanaṃ paṃcagavyena sūktena puruṣātmanā || 71 ||
18.71 erneut besprengt. Bei unterbrochener Hausverehrung badet man mit Pañcagavya unter dem Puruṣa-Sūkta.
śāntaye juhuyādagnau brāhmaṇānapi tarpayet |
māsādūrdhvaṃ tu ṣaṇmāsaṃ pūjāhīne caturmukha || 72 ||
18.72 Zur Befriedung opfert man ins Feuer und speist Brahmanen. Fällt die Hausverehrung länger als einen Monat bis zu sechs Monaten aus, Viergesichtiger,
kumbhaiṣṣoḍaśabhissnānaṃ sūktena puruṣātmanā |
bhojayedbrāhmaṇānagnau juhuyācchāntaye punaḥ || 73 ||
18.73 badet man mit sechzehn Krügen unter dem Puruṣa-Sūkta, speist Brahmanen und opfert erneut zur Befriedung.
ūrdhvaṃ saṃprakṣaṇaṃ kāryaṃ yāvatsaṃvatsarāvadhi |
pratiṣṭhāvidhirūrdhvaṃ tu vatsarāduktavartmanā || 74 ||
18.74 Bei mehr als sechs Monaten bis zu einem Jahr ist erneute Weihbesprengung vorgesehen, bei mehr als einem Jahr eine Installation nach der gelehrten Ordnung.
devasthāpi teṣu pūjālope vidhiḥ. |
tridaśādipratiṣṭhāyāṃ pūjālope na dūṣaṇam |
prayaścittaṃ tu martyānāṃ pratiṣṭhāyāmudīritam || 75 ||
18.75 Bei von Göttern und anderen übermenschlichen Wesen installierten Bildern gilt der Ausfall der Pūjā nicht als Fehler. Die genannten Wiedergutmachungen beziehen sich auf menschliche Installationen.
sāligrāvapūjālope śāntyabhāvaḥ. |
sāligrāvaśilādīnāṃ pūjālopo na dūṣaṇam |
tathaipāśuchisaṃsparśe kṣālayitvārcayetpunaḥ || 76 ||
18.76 Auch bei Śālagrāma-Steinen ist eine Unterbrechung der Pūjā kein Fehler. Nach unreiner Berührung wäscht man sie und verehrt sie erneut.
sarvadhā lopane śāntirnoktakālāśrayo bhavet |
ajñānādadhavā jñānādvahnitarpaṇa varjite || 77 ||
18.77 Bei vollständigem Ausfall richtet sich die Befriedung nicht ohne Weiteres nach den zuvor genannten einzelnen Kultzeiten; die Formulierung ist knapp. Wurde die Speisung des Feuers wissentlich oder unwissentlich unterlassen,
narjine |
anekakālapūjālope vidhiḥ. |
paṃcopaniṣadairmantressarpiṣā juhuyācchatam |
ekādikālātikrāntau dviguṇādi yathāpuram || 78 ||
18.78 opfert man unter den fünf Upaniṣad-Mantras hundertmal Ghee. Bei einer oder mehreren versäumten Zeiten gilt die frühere Verdoppelung und weitere Vervielfachung.
bahubhiḥkalaśairdevaṃ snāpayeddivasātparam |
māsāvadhi tadūrdhvaṃ tu kalaśairvatsarāvadhi || 79 ||
18.79 Bei einer Unterbrechung von mehr als einem Tag bis zu einem Monat badet man den Gott mit mehreren Krügen. Darüber hinaus bis zu einem Jahr verwendet man
aṣṭottaraśataiḥkuryātsnapanaṃ juhuyātpunaḥ |
aṣṭottarasahasreṇa tilājyacarubhiḥ kramāt || 80 ||
18.80 108 Krüge und opfert der Reihe nach beziehungsweise nach der Variante je gesondert 1008-mal Sesam, Ghee und Caru.
pṛthak |
dvādaśākṣaramantreṇa śāntihomastadā bhavet |
vatsarādupariṣṭāttu snapanaṃ madhyamottamam || 81 ||
18.81 Dieses Śānti-Homa erfolgt mit dem zwölfsilbigen Mantra. Nach mehr als einem Jahr wird das Bad der Stufe Madhyamottama verwendet.
kuṇḍe cāgniṃ sthāpayitvātilavrīhiyavairapi |
lājaiśca kālapuṣpaiśca samiccarughṛtairapi || 82 ||
18.82 Man installiert das Feuer in der Grube und opfert Sesam, Reis, Gerste, Puffreis, jahreszeitliche Blüten, Brennholz, Caru und Ghee,
aṣṭottarasahasreṇa juhuyānmūlavidyayā |
śāntihomastathā dānaṃ viprāṇāṃ cāpi bhojanam || 83 ||
18.83 1008-mal unter der Grundformel. Hinzu kommen Śānti-Homa, Schenkungen und Brahmanenspeisung.
satyagnāvapyahome tu prāyaścittamitīritam |
agnauśāntemathitvāgniṃ śāntihomaṃ samācaret || 84 ||
18.84 Diese Wiedergutmachung betrifft das Unterlassen des Opfers trotz vorhandenem Feuer. Ist das Feuer erloschen, erzeugt man es neu durch Reiben und vollzieht Śānti-Homa.
paṃcopaniṣadairmantrervyāhṛtipramukhai rapi |
guparistīrya ca kuśairhomaḥpraṇavavidyayā || 85 ||
18.85 Man verwendet die fünf Upaniṣad-Mantras, die Vyāhṛtis und weitere Formeln, umgibt das Feuer sorgfältig mit Kuśa und opfert unter dem Praṇava
aṣṭottaraśatenājyairmūlamantrajapastathā |
ayathoktakrame tadvatprāyaścittaṃ vidhīyate || 86 ||
18.86 108-mal Ghee; dazu kommt Grundmantra-Rezitation. Dasselbe gilt bei Abweichung von der vorgeschriebenen Handlungsreihenfolge.
kāmye paridhamo neṣā nitye karmaṇi vāna vā |
alābhe samidhāmajyaiścarubhirvāhutirbhavet || 87 ||
18.87 Die Einfassungshölzer sind beim wunschbezogenen Ritual vorgesehen; für den täglichen Dienst nennt der beschädigte Wortlaut eine Wahlmöglichkeit. Fehlt Brennholz, kann mit Ghee oder Caru geopfert werden.
ṣṭāni nityakarmāṇi. nityaṃ karmāṇi |
tayoralābhe bījairvā samidbhirvā yathoditaiḥ |
agnikuṇḍasyāśucisaṃparkeśāntiḥ. |
agnau keśādibhi sspṛṣṭe aspṛśyasparśane tathā || 88 ||
18.88 Fehlen beide, verwendet man Samen oder das genannte Brennholz. Wird das Feuer durch Haare oder ähnliche Dinge beziehungsweise durch nach der Quelle ausgeschlossene Berührung betroffen,
rjuṣṭe |
homo vyāhṛtibhiḥ kāryo vārānaṣṭottaraṃ śatam |
āyutaṃ puṣpavatyādisparśe mathanaje'nale || 89 ||
18.89 opfert man mit den Vyāhṛtis 108-mal. Nach Berührung durch eine Menstruierende oder vergleichbare Fälle werden zehntausend Gaben in neu durch Reiben erzeugtem Feuer genannt.
pākasthānāśucitvaśāntiḥ. |
pākasthāne cullisparśe naraiḥ purvoditaistathā |
śvādibhissthānamālipya gomayena mahānasam || 90 ||
18.90 Werden Kochstelle oder Herd von den zuvor genannten Personen oder von Hunden und ähnlichen Tieren berührt, bestreicht man die Küche mit Kuhdung.
ānīyāgnyantaraṃ culyāṃ puṇyāhaṃ vācayeddhvijaiḥ |
viṇmūtrādyaistathāsparśe pūrvavacchuddhiriṣyate || 91 ||
18.91 Man bringt anderes Feuer in den Herd und lässt Brahmanen Puṇyāha sprechen. Bei Verunreinigung durch Kot oder Urin wird dieselbe Reinigung verlangt.
pakvena culyāṃ duṣṭāyāṃ haviṣāṃ ca nivedane |
snāpayennavabhiḥkumbhairdevaṃ vātha ghaṭaistribhiḥ || 92 ||
18.92 Wurde eine auf dem verunreinigten Herd gekochte Speise bereits dargebracht, badet man das Bild mit neun oder drei Krügen.
pakvasya |
parivārārcanalope. |
parivārārcane cchinne tattannāmānyudīrayan |
sarpiṣā juhuyādagnau pratyekaṃ tvaṣṭasaṅkhyayā || 93 ||
18.93 Fällt die Verehrung des Gefolges aus, opfert man unter den jeweiligen Namen je achtmal Ghee ins Feuer.
balyarthahaviṣo doṣe. |
dviguṇādyairdvikālādau balyarthaṃ ca haviryadi |
dūṣitaṃ keśakīṭādyairaspṛśyairmanujaistathā || 94 ||
18.94 Bei zwei oder mehr versäumten Zeiten wird wie zuvor vervielfacht. Ist die Bali-Speise durch Haare, Insekten, ausgeschlossene menschliche Berührung
kākādibhiśca tattyaktvāhaviṣānyena karmatat |
yadi duṣṭena haviṣā baliṃ dadyātpramādataḥ || 95 ||
18.95 oder Krähen und Ähnliches verunreinigt, wirft man sie weg und verwendet andere Speise. Wurde versehentlich dennoch die verunreinigte Gabe dargebracht,
śāntihomastadā kāryaśśāstradṛṣṭena vartanā |
taṇḍulādidūṣaṇe balidravyādipāte. |
taṇḍule codane puṣpe balyarthe pātrasaṃbhṛte || 96 ||
18.96 folgt Śānti-Homa nach der Lehrvorschrift. Sind Reis, gekochte Speise oder Blüten für Bali bereits im Gefäß gesammelt
deve cāvāhite tasmin pūrvavaddūṣaṇaṃ yadi |
patite vā balidravye mūlabhere'thavātmani || 97 ||
18.97 und die Gottheit darin angerufen, dann aber verunreinigt worden, oder ist die Bali-Gabe gefallen, gilt die folgende Übertragung. Die Grundlesart nennt Hauptbild und eigenes Selbst, die Variante Bali-Bild und Weg.
devatāvāhyate tasmin |
balibere'thavartmani |
udvāsya devamānīya dravyāntaramadūṣitam |
tasminnāvāhya deveśaṃ yathāpūrvaṃ punarnayet || 98 ||
18.98 Man entlässt die Gottheit aus dem bisherigen Träger, bringt anderes, unversehrtes Material herbei, ruft sie darin an und setzt den Zug wie zuvor fort.
taddoṣaśāntaye paścāddadhnā kṣīreṇa vā harim |
snāpayejjuhuyācchāntiṃ mūlamantrajapastathā || 99 ||
18.99 Zur nachfolgenden Befriedung badet man Haris Bild mit Joghurt oder Milch, vollzieht Śānti-Homa und wiederholt den Grundmantra.
baliberasya patane. |
bali bere nipatite yanādāvutsave bahiḥ |
sthāpayitvā yathāpūrvaṃ baliśeṣaṃ nayetpunaḥ || 100 ||
18.100 Fällt das Bali-Bild während einer Prozession draußen auf das Fahrzeug oder dessen Teile, richtet man es wie zuvor auf und führt den übrigen Bali-Dienst fort.
bimbe |
bimbaṃ śeṣaṃ |
śāstaye navabhiḥ kumbhaissnāpayetpatite bhuvi |
adhamādhamamārgeṇa śāntihomo japastathā || 101 ||
18.101 Fällt es auf die Erde, badet man es zur Befriedung mit neun Krügen nach der Stufe Adhamādhama; Śānti-Homa und Rezitation kommen hinzu.
rajvasalādidūṣitabhūsaṃskāraḥ. |
nṛttageyaratā nāryo gaṇikāścāthavetarāḥ |
devadāsyo dūṣayeyū rajobhiḥ pṛthivītalam || 102 ||
18.102 Nun behandelt die historische Reinheitsordnung Menstruationsblut auf dem Boden, etwa wenn tanzende oder singende Frauen, Tänzerinnen oder Tempeldienerinnen betroffen sind.
gāṇikyamatha |
rajasvalārajoduṣṭaṃ bhūtalaṃ jānumātrakam |
khātvā ca mṛdbhiranyābhiḥ pūrayitvā mahītalam || 103 ||
18.103 Den betroffenen Boden soll man nach der Quelle knietief ausheben und mit anderer Erde auffüllen.
ālipya gomayāṃbobhiḥ puṇyāhaṃ vācayettataḥ |
prokṣaṇaṃ paṃcabhirgavyaissannikṛṣṭaṃ ca kautukam || 104 ||
18.104 Dann bestreicht man ihn mit Kuhdungwasser, lässt Puṇyāha sprechen und besprengt mit Pañcagavya. Ein nahe stehendes Kultbild
adhamottamamārgeṇa kalaśaissnāpayedguruḥ |
tilājyacarubhirhomaḥ pratyekaṃ mūlavidyayā || 105 ||
18.105 badet der Lehrer nach der Stufe Adhamottama. Sesam, Ghee und Caru werden unter der Grundformel jeweils
sahanrakṛtvastadanu śāntihomo japastathā |
kavāṭadoṣe śuddhiḥ. |
kavāṭādikamapyanyatspṛṣṭaṃ prakṣālyamambhasā || 106 ||
18.106 tausendmal geopfert; darauf folgen Śānti-Homa und Rezitation. Berührte Türen und andere Gegenstände werden mit Wasser gewaschen.
tāsāṃ ca mārgāssaṃśodhyā gomayāmbhobirukṣaṇaiḥ |
corabhūtairbrāhmaṇādyaiḥ spaṣṭe bere'pyacoditaiḥ || 107 ||
18.107 Auch die Wege der betreffenden Frauen werden mit Kuhdungwasser besprengt. Wird ein Bild von nicht befugten Dieben aus den Brahmanen- und anderen Gruppen berührt,
corasparśe. |
corasparśanimittaṃ tu snapanaṃ kalaśairhareḥ |
varṇānāmānupūrvyeṇa tvathamādhamapaddhatim || 108 ||
18.108 folgt ein Krugbad. Seine Stufe wird in der Reihenfolge der Varṇas von Adhamādhama an
ārabhya gaṇitaiḥ kuryātsaṅkarairapi tadbhavet |
bījaprayuktakalaśaissnapanaṃ śāntaye bhavet || 109 ||
18.109 bemessen; entsprechende Regeln gelten für gemischte Abstammungsgruppen. Die Krüge werden mit den vorgesehenen Bījas verbunden.
śāntihomo brāhmaṇānāṃ bhojanaṃ dānameva ca |
ajñātajātijanasparśe. |
ajñātajātisaṃsparśe snāpayeduttamottamaiḥ || 110 ||
18.110 Hinzu kommen Śānti-Homa, Brahmanenspeisung und Schenkungen. Ist die Gruppenzugehörigkeit des Berührenden unbekannt, verlangt die Quelle das Bad der Stufe Uttamottama.
śāntihomo dvijendrāṇāṃ bhojanaṃ dānameva ca |
trivastukaṃ mṛṇmayaṃ ca lepabimbaṃ ca bhittijam || 111 ||
18.111 Auch dann folgen Śānti-Homa, Brahmanenspeisung und Schenkungen. Ein Bild aus drei Materialien, aus Erde, aus aufgetragener Masse oder als Wandmalerei
toṣaṇam |
citraṃ nīcairyadi spṛṣṭaṃ caṇḍālādyai rvigarhitaiḥ |
navīkaraṇamāstheyaṃ saṃprokṣaṇavidhi stathā || 112 ||
18.112 wird nach Berührung durch nach der Quelle missbilligte Gruppen wie Caṇḍālas erneuert und erneut geweiht.
stathā paraiḥ |
rbhavet |
pratiṣṭhā vā yathāvittaṃ doṣabhūyastayātha vā |
paṭasparśe kṣālayitvā yathāpūrvaṃ pusassṛjet || 113 ||
18.113 Je nach Mitteln und Schwere des angenommenen Fehlers kann eine Neuinstallation folgen. Bei einem berührten Tuchbild wird das Tuch gewaschen und das Bild wie zuvor neu ausgeführt.
anyaśāstradīkṣitasparśe. |
dīkṣitairanyaśāstreṣu spṛṣṭe snapanamācaret |
dīkṣitairitaraiścāpi śūdraistadvatsamācaret || 114 ||
18.114 Nach Berührung durch in andere Lehrtraditionen Eingeweihte erfolgt ein Krugbad; dasselbe wird für andere Eingeweihte und Śūdras genannt.
mahāpātakyādisparśe. |
mahāpātakisaṃsparśe snapanaṃ cottamottamam |
upapādaki saṃspṛṣṭe snapanaṃ cādhamottamam || 115 ||
18.115 Nach Berührung durch einen als schwerer Sünder Eingestuften gilt Uttamottama, bei einer geringeren Verfehlung Adhamottama.
parastrīgamanāsaktaistathā'niyatavṛttibhiḥ |
sparśe ca navabhiḥkumbhaissnapanaṃ kautuke bhavet || 116 ||
18.116 Bei Berührung durch Menschen, die Ehebruch begehen oder ungeregelt leben, wird das Kultbild mit neun Krügen gebadet.
aspṛśyairitarairvāpi kuṇḍādissarśane sati |
snapanaṃ pūrvavatkāryaṃ strībhirduṣṭābhireva ca || 117 ||
18.117 Werden Feuergrube und andere Kultorte durch weitere nach der historischen Ordnung ausgeschlossene Personen oder missbilligte Frauen berührt, gilt das zuvor genannte Bad.
anulomāstriyaśśūdrā vrajeyurgarbhamandiram |
bhūtalaṃ pañcagavyena siñcedvā gomayāmbabhiḥ || 118 ||
18.118 Betreten Anuloma-Geborene, Frauen oder Śūdras die innere Tempelkammer, schreibt die Quelle das Besprengen des Bodens mit Pañcagavya oder Kuhdungwasser vor.
caṇḍālaiḥpulkasairvāpi tapitairmadyapai stathā |
śvapacairmandirābhyantaḥ praveśe mṛṇmayāṃstyajet || 119 ||
18.119 Betreten Caṇḍālas, Pulkasas, Ausgeschlossene, Trinkende oder Śvapacas das Tempelinnere, werden die dortigen irdenen Gefäße weggegeben beziehungsweise verworfen.
tatrasthān kṣālayitvāntaḥ kavāṭādimahītalam |
ālipya gomayombhobhiḥ puṇyāhamapi vācayet || 120 ||
18.120 Türen, Boden und weitere innere Teile werden gewaschen; man bestreicht den Boden mit Kuhdungwasser und lässt Puṇyāha sprechen.
puṇyāhaṃ vācayejjalaiḥ |
pratimāścāpi tatrasthā ssnāpayetkalaśairguruḥ |
śāntihomo japaścaiva dvijānāṃ dānabhojane || 121 ||
18.121 Der Lehrer badet die dortigen Bilder mit Krügen. Śānti-Homa, Japa, Schenkungen und Brahmanenspeisung folgen.
aśaucavatpraveśe ca pūrvavadvidhiriṣyate |
caṇḍālaśśvapaco vāpi tādṛśāḥpulkasādayaḥ || 122 ||
18.122 Beim Eintritt einer rituell unreinen Person gilt dieselbe Ordnung. Sind Personen aus den zuvor ausgeschlossenen Gruppen
ajñānādgarbhagehetu karmasvadhikṛtā yadi |
vaseyuścaiva taissārdhaṃ bhojyaṃ vā vastu tādṛśam || 123 ||
18.123 aus Unkenntnis mit Tätigkeiten in der inneren Kammer betraut worden, haben dort gewohnt oder mit anderen zusammengelebt, oder haben sie Speisen
spṛṣṭamārādhanāṅgaṃ cetspṛṣṭaṃ vā kautukaṃ yadi |
kriyāsamabhihāreṇa prāyaścittamihocyate || 124 ||
18.124 oder Kultmaterialien beziehungsweise das Bild berührt, schreibt der Text eine aus mehreren Handlungen zusammengesetzte Wiedergutmachung vor.
śodhayenmandiraṃ pūrvaṃ gomayālepanādibhiḥ |
puṇyāhaṃ vācayitvātha brāhmaṇāṃstatra bhojayet || 125 ||
18.125 Zuerst reinigt man das Heiligtum durch Kuhdungbestreichen und weitere Verfahren, lässt Puṇyāha sprechen und bewirtet dort Brahmanen.
svādhyāyaṃ parikurvīran brāhmaṇā vedapāragāḥ |
itihāsapurāṇāni paṭheyuśca divāniśam || 126 ||
18.126 Vedenkenner rezitieren die heiligen Texte; Itihāsas und Purāṇas werden Tag und Nacht vorgetragen.
kapilāśca pradeśeṣu tatra tatrādhipāsayet |
evaṃ māsādikāleṣu doṣagauravarāghavam || 127 ||
18.127 Kapilā-Kühe werden an verschiedenen Stellen untergebracht. Dies geschieht einen Monat oder entsprechend länger beziehungsweise kürzer, je nach Schwere
avekṣya śodhite dhāmni brāhmaṇāṃstoṣayeddhanaiḥ |
pratimānāṃ yathāyogamuddhāro vā navīkṛte || 128 ||
18.128 des angenommenen Fehlers. Nach der Reinigung erfreut man Brahmanen mit Gaben. Die Bilder werden je nach Eignung wiederhergestellt oder erneuert.
kuryāttato yathāpūrvaṃ nimitte vā navīkṛte |
pratiṣṭhāpya yathāśāstraṃ snāpayetkalaśairadhi || 129 ||
18.129 Danach installiert man sie wie zuvor nach der Lehrvorschrift und badet sie zur Tilgung der früheren Störungen mit mehr als
uddhāro vā |
sahasreṇa pūrāvṛttadoṣāṇāmapanuttaye |
antemahotsavaḥkāryona cedrāṣṭrānṛpakṣayaḥ || 130 ||
18.130 tausend Krügen. Abschließend soll ein großes Fest stattfinden; andernfalls droht der Text König und Reich Schaden an.
śilābimbasya cālananiṣedhaḥ. |
bimbaṃ na cālayecchailaṃ na navīkaraṇaṃ tathā |
tathaiva divyamārṣaṃ ca svayaṃ vyaktaṃ ca kautukam || 131 ||
18.131 Ein Steinbild darf dabei nicht versetzt oder neu geschaffen werden; dasselbe gilt für göttlich entstandene, von Sehern stammende und selbsterschienene Kultbilder.
māgadhaśvāpadādisparśe śāntiḥ. |
tathānyairmāgadhādyaiśca pratilomaiśca garhitaiḥ |
sahasrakalaśairdevaṃ snāpayettasya śāntaye || 132 ||
18.132 Nach Berührung durch Māgadhas und andere als missbilligt eingestufte Pratiloma-Gruppen wird zur Befriedung ein Tausendkrugbad genannt.
śvāpadaiśca sṛgālādyaiśchaṇḍālādyaiśca garhitaiḥ |
prathamādi praviṣṭaṃ ceddhāmāvaraṇabhūtalam || 133 ||
18.133 Sind Schakale und andere Tiere oder die genannten ausgeschlossenen Menschengruppen in die Tempelumgänge vom ersten an eingetreten,
prokṣayetpañca gavyena puṇyāhamapi vā cayet |
dhāmasparśe tathānyasya balipīṭhādi kasya ca || 134 ||
18.134 besprengt man den Boden mit Pañcagavya und lässt Puṇyāha sprechen. Bei Berührung des Heiligtums, des Bali-Podests oder weiterer Einrichtungen
karmaca |
sparśekṛtvā yathāpūrvaṃ śāntihomaṃ samācaret |
āgantukaiḥ kukkuṭādyaisspṛṣṭaṃ ceddhāma sarvataḥ || 135 ||
18.135 vollzieht man wie zuvor die Reinigung und Śānti-Homa. Haben fremde Hühner und ähnliche Tiere das Heiligtum berührt,
prokṣayenmrapūtena vāriṇā śāntimācaret |
devān saṃsnāpaye ccaiva prathamāvaraṇādigān || 136 ||
18.136 besprengt man mit mantrageweihtem Wasser und vollzieht Befriedung; auch die Gottheiten im ersten und den weiteren Umgängen werden gebadet.
devaṃ prathamānaraṇādiṣu |
khadyotasaṃparke. |
sarpiścarutilairhomo mūlenāṣṭottaraṃ śatam |
khadyotasparśane devaṃ snāpayennavabhirghaṭaiḥ || 137 ||
18.137 Mit Ghee, Caru und Sesam opfert man unter der Grundformel 108-mal. Nach Berührung durch ein Leuchtkäferchen wird ein Bad mit neun Krügen genannt.
pūjākāle kavāṭabandhane. |
pūjākāle kavāṭasya bandhanaṃ cedasaṅkule |
aṣṭottaraśataṃ mūlamantrasya japa iṣyate || 138 ||
18.138 Wird während der Pūjā die Tür geschlossen, obwohl keine bedrängende Situation besteht, ist der Grundmantra 108-mal zu wiederholen.
tatrāpavādaḥ. |
saṅkule bandhanaṃ naiva doṣāya bhavati kvacit |
bimbavadeva prabhāpīṭhādiṣu doṣaḥ. |
prabhāpīṭhāstrasaṃsparśe bimbasparśavadiṣyate || 139 ||
18.139 Bei Gedränge oder einer Notlage ist das Schließen kein Fehler. Die Berührung von Strahlenbogen, Sockel oder Waffe wird wie die Berührung des Bildes behandelt.
bandhane |
ācāryāḥpūjakāścānye tathaiva paricārakāḥ |
āsaneṣvāsikāṃ bhuktiṃ śayanaṃ ca yathātatham || 140 ||
18.140 Ācāryas, Pūjā-Ausführende und die weiteren Helfer dürfen auf den dafür vorgesehenen Sitzen sitzen, essen und ruhen,
kuryuḥ karmaṇyadhikṛtā doṣā naiva tadā bhavet |
anadhikāriprasaṅge śānti. |
anye cetkuryuravaniṃ prokṣayedgomayāmbubhiḥ || 141 ||
18.141 wenn sie zum Dienst befugt sind; darin liegt kein Fehler. Tun dies andere, wird der Boden mit Kuhdungwasser besprengt.
prākārādīnāmagni dāhe. |
prākāre maṇṭape dhāmni gopure pākaveśmani |
dagdhe'gninā samādhāya pūrvavanmaṇṭapādikam || 142 ||
18.142 Wenn Umfassungsmauer, Halle, Heiligtum, Torbau oder Küche abbrennen, stellt man sie wie zuvor wieder her.
pratiṣṭhāpya yathāpūrvaṃ tataḥ śāntiṃ samācaret |
adhamottamamārgeṇa snapanaṃ śāntidaṃ bhavet || 143 ||
18.143 Nach der erneuten Einrichtung vollzieht man Befriedung. Ein Krugbad der Stufe Adhamottama dient dazu.
śāntihomastu kartavyodvijānāṃ dānabhojane |
pratimādahane cāpi samādhāya yathāpuram || 144 ||
18.144 Hinzu kommen Śānti-Homa, Schenkungen und Brahmanenspeisung. Wurde auch das Kultbild vom Feuer beschädigt, stellt man es wie zuvor wieder her,
snāsaṃ sahasrakalaśaiḥ pratiṣṭhāpya yathāvidhi |
vastrādidahane tasyāḥ prabhādidahane tathā || 145 ||
18.145 installiert es nach Vorschrift und vollzieht ein Tausendkrugbad. Sind nur seine Gewänder oder Strahlenbogen und ähnliche Teile verbrannt,
navabhiḥkalaśaissnānaṃ homādi tadanantaram |
sudarśanādīnāmagnidāhe. |
sudarśane'gninā dagdhe snānaṃ navaghaṭairbhavet || 146 ||
18.146 genügt ein Bad mit neun Krügen mit anschließendem Feueropfer und weiteren Diensten. Auch bei einem vom Feuer betroffenen Sudarśana gilt das Neunkrugbad.
dhvaje vitāne chatre ca dagdhecāstaraṇādike |
punarutpādya tatsarvaṃ śāntihomādikaṃ bhavet || 147 ||
18.147 Fahnen, Baldachine, Schirme, Decken und andere verbrannte Ausstattungen werden vollständig neu hergestellt; anschließend erfolgen Śānti-Homa und die weiteren Handlungen.
prākārādīnāṃ vṛddhisthānādinirdeśaḥ. |
prāsādādyavakāśānāṃ vṛddhiścetsarvato bhavet |
yadvā prācyāmudīcyāṃ vā vṛddhirnānyatra śobhanā || 148 ||
18.148 Eine Erweiterung der Tempelflächen soll gleichmäßig in alle Richtungen oder nach Osten beziehungsweise Norden erfolgen. Andere Richtungen gelten nicht als günstig.
niṣiddhadiśi vṛddhau śāntiḥ. |
dakṣiṇāparavṛddhiścetsnapanaṃ cottamottamam |
śāntihomo dvijendrāṇāṃ tarpaṇaṃ bhojanādibhiḥ || 149 ||
18.149 Bei Erweiterung nach Süden oder Westen werden Uttamottama-Bad, Śānti-Homa und die Versorgung der Brahmanen mit Speisen und weiteren Gaben vorgeschrieben.
upapīṭhasya kāmacāraḥ. |
śobhanā sarvato vṛddhi rupapīṭhasya ceṣyate |
prathamāvaraṇaṃ yāvat doṣassyāddevanirmite || 150 ||
18.150 Der Unterbau darf dagegen nach allen Seiten erweitert werden. Bei einer von Göttern errichteten Anlage gilt bis zum ersten Umgang eine besondere Beschränkung.
mupanītasya |
navīkaraṇe pūrvavadeva cihnāni. |
vardhitaṃ yadi pūrvoktaṃsnapanaṃ śāntidaṃ bhavet |
nahrāsayetpurāklṛptaṃ dhāmādi na ca cālayet || 151 ||
18.151 Wurde dort erweitert, folgt das zuvor genannte befriedende Bad. Eine früher eingerichtete Tempelanlage soll weder verkleinert noch versetzt werden.
paurāṇikaṃ śiraḥ pīṭhaṃ dhāmacihnaṃ ca vaiṣṇavam |
noddhṛtya pūrayitvāvā na vṛddhirgopurādiṣu || 152 ||
18.152 Alte Dachaufsätze, Sockel und vaiṣṇavische Tempelzeichen dürfen nicht entfernt oder zugedeckt werden, um Torbauten und andere Teile zu erweitern. Die Variante ersetzt ein Wort durch „nach der Verehrung“; der genaue Satzbau bleibt beschädigt.
pūjayitvā |
alpīyaḥ prāgvimānādi divyavargaṃ dhanaiḥ punaḥ |
vardhayecchraddhayā mukhyairdravyairarcāṃnayedguruḥ || 153 ||
18.153 Eine ursprünglich kleine Anlage der göttlichen Kategorie kann nach diesem letzten, zur vorherigen Beschränkung spannungsreichen Vers mit Hingabe und Vermögen vergrößert werden; der Lehrer führt die Verehrung mit vorzüglichen Materialien aus. Der genaue Umfang dieser Ausnahme ist nicht sicher bestimmbar.
Kapitel 19: Feststörungen, vier Siddhāntas und Nārāyaṇa-Bali
pādmasaṃhitāyām |
ekonaviṃśo'dhyāyaḥ |
utsavaprāyaścittavidhiḥ. |
nityanaimittikasampāte kartavyakramaḥ. |
nityaṃ naimittikaṃ kāmyaṃ nipatedyugapadyadi |
śrībhagavān |
kṛtvānaimittikaṃ nityamācārya stadanantaram || 1 ||
19.1 Im neunzehnten Kapitel werden Wiedergutmachungen bei Festen erklärt. Treffen tägliche, anlassbezogene und wunschbezogene Handlungen zusammen, lehrt der erhabene Herr: Zuerst vollzieht der Ācārya den anlassbezogenen, danach den täglichen Dienst. Die dritte Handlung wird im verkürzten Vers nicht ausdrücklich eingeordnet.
gṛhārcāsnapane nimittānusāreṇa sthalam. |
gṛhārcāsnapane prāpte vistāre sati veśmani |
tatraiva snapanaṃ kāryaṃ saṅkaṭe tu bahirbhavet || 2 ||
19.2 Ist bei einer Hausverehrung ein Krugbad erforderlich und bietet das Haus genug Raum, findet es dort statt; bei Enge draußen.
alayabimbasya bahissnapananiṣedhaḥ. |
parvatādau śucau deśe prapānirmāṇapūrvakam |
snapanaṃ devadevasya kāryaṃ bhāgavatena tat || 3 ||
19.3 Ein Bhāgavata richtet dafür an einem reinen Ort, etwa auf einem Berg, zunächst einen Schutzbau her und vollzieht dort das Bad des Gottes.
ālaye sthāpitaṃ bimbaṃ na kadāciccaturmukha |
nirgamayya bahissnāpya mantareṇa tu sarvadā || 4 ||
19.4 Ein fest im Tempel installiertes Bild darf dagegen niemals eigens hinausgebracht und draußen gebadet werden, Viergesichtiger; sein Bad findet im Inneren statt.
sthāpayet |
tīrthāvabhṛthādāvanujñā. |
tīrthāvadhṛthaveḷāyāṃ sadyādīnāṃ taṭe bhavet |
anyathā cecchāntihomaṃ kuryātsarvasamṛddhidam || 5 ||
19.5 Eine Ausnahme ist das abschließende Festbad an einem Flussufer oder ähnlichen Ort. Bei anderer Abweichung folgt das als wohltätig geltende Śānti-Homa.
snapanāṅgavaikalye prāyaścittam. |
aṅkurārpaṇahīne ca snapane kautuke'nvite |
adhivāsavihīne ca kalaśaissnapane sati || 6 ||
19.6 Fehlen beim Krugbad Keimaussaat, Schutzband oder vorbereitende Weihe, gilt die folgende Regel. Beim Schutzband hat die Grundlesart „versehen“, die Variante „ohne“.
kautukojjhite |
śāntihomo vidhātavya ssarvadoṣāpanuttaye |
saṅkalpitasnānahānau dviguṇaṃ snapanaṃ bhavet || 7 ||
19.7 Zur Behebung aller Fehler vollzieht man Śānti-Homa. Fällt ein ausdrücklich vorgenommenes Bad aus, wird es in doppeltem Umfang nachgeholt.
akṛte rājarāṣṭrasya bhavedvibhavasaṅkṣayaḥ |
yajamānasya dhāmnaśca prajānāṃ ca dhanakṣayaḥ || 8 ||
19.8 Unterbleibt dies, droht der Text König und Reich, Auftraggeber, Heiligtum und Bevölkerung Verlust ihrer Mittel an.
snapanakālaviparyaye. |
akāle tu kṛte snāne viṣuvādau yathodite |
śāntiḥ kāryayane caiva dakṣiṇe prāgupakramaḥ || 9 ||
19.9 Wurde ein Bad zur falschen Zeit in Bezug auf Tagundnachtgleiche oder Sonnenwende vollzogen, ist Befriedung erforderlich. Beim südlichen Sonnenlauf wird ein früherer Beginn genannt,
uttare caiva pāścātye uttamaṃ naiva dūṣaṇam |
caitre ca viṣuve tadvatkramādāśvayuje'pi ca || 10 ||
19.10 beim nördlichen ein späterer; dies gilt als vorzüglich und nicht fehlerhaft. Für die Tagundnachtgleichen in Caitra und Āśvayuja gilt eine entsprechende Zuordnung. Die genaue Zeitspanne wird hier nicht erklärt.
upakramaṇa |
snapanakalaśānāṃ vikāre. |
sthāpitānāṃ ca kumbhānāṃ bhedane patane tathā |
kālādidoṣaduṣṭe ca krimikeśādidūṣite || 11 ||
19.11 Wenn aufgestellte Krüge zerbrechen oder umfallen, durch Zeitüberschreitung, Würmer, Haare oder andere Fehler ungeeignet werden,
cchedane |
laṅghite'śucisaṃspṛṣṭe vāyasādyaiścha dūṣite |
garhite śvāpadādyaiśca spṛṣṭe cāśucibhistathā || 12 ||
19.12 wenn sie überschritten, durch Unreines berührt oder von Krähen und anderen Tieren beeinträchtigt werden,
vyāghrādyaiścaina |
pāṣaṇḍaiḥ pratilomaiśca tathodakyādidūṣite |
kalaśaṃ taṃ tamuddhṛtya sthāpayitvā parān punaḥ || 13 ||
19.13 oder wenn nach der historischen Reinheitsordnung ausgeschlossene Personen, andere Lehrgruppen oder Menstruierende sie berühren, entfernt man den jeweiligen Krug und stellt einen anderen auf.
taddaivatyān japenmantrā naṣṭottaraśatāvaram |
snapanaṃ yadi taiḥkuryācchāntihomaṃ samācaret || 14 ||
19.14 Die Mantras seiner Gottheit werden mindestens 108-mal wiederholt. Wurde mit solchen Krügen dennoch gebadet, folgt Śānti-Homa.
akramakalaśābhiṣeke. |
akrameṇa samuddhṛtya snapane vihite sati |
japaḥpañcopaniṣadāṃ kartavyastatsamācaret || 15 ||
19.15 Werden die Krüge in falscher Reihenfolge genommen und verwendet, wiederholt man die fünf Upaniṣad-Mantras und führt die erforderliche Behebung aus.
devatāmantrādivyatyaye. |
devatāmantrabhūbhāgadravyāṇāṃ vyatyaye sati |
pūrvavanmantrajāpassyātpratidravyamanarcite || 16 ||
19.16 Bei Verwechslung von Gottheit, Mantra, Platz oder Material gilt dieselbe Rezitation. Wurde eine einzelne Substanz nicht mit Arghya und den weiteren Diensten verehrt,
arghyādibhirjapastadvanmahiṣājoṣṭrasambhavaiḥ |
kṣīrādibhistathā dravyai ssnapane snāpayetpunaḥ || 17 ||
19.17 gilt ebenfalls diese Rezitation. Nach einem Bad mit Milch und anderen Erzeugnissen von Büffeln, Ziegen oder Kamelen wiederholt man das Bad.
samadbhirmūlamantreṇa juhuyātkamalāsana |
adbhiḥparyuṣitābhiścetsnapanaṃ snāpayetpunaḥ || 18 ||
19.18 Man opfert Brennholz unter dem Grundmantra, Lotusgeborener. Auch ein Bad mit abgestandenem Wasser wird erneut vollzogen.
śāntihomo mūlavidyā japaścāṣṭottaraṃ śatam |
ārādhanāṅgavaikalye. |
ārādhanāṅgavaikalye nṛttavādyādibhi ssaha || 19 ||
19.19 Dazu kommen Śānti-Homa und 108 Wiederholungen der Grundformel. Fehlen Bestandteile der Verehrung, einschließlich Tanz und Musik,
japaścāṣṭottarānaraḥ |
ssati |
śāntihomo bhavedvedyāṃ snapane calane sati |
pratimāpatane tadvatprāyaścittaṃ caturmukha || 20 ||
19.20 folgt Śānti-Homa. Dasselbe gilt, wenn sich die Badeplattform verschiebt oder das Bild fällt, Viergesichtiger.
snapane vartamāne tu carane patane'pi vā |
yathāpūrvamavasthāpya snāpayitvā yathīvidhi || 21 ||
19.21 Wird während des Bades das Bild verschoben oder fällt es, stellt man es wie zuvor auf und vollzieht das Bad ordnungsgemäß.
snapane iti ślokadvayaṃ bhaṅge tupunaḥ || itiślokādānantaraṃ kvacitkośe dṛśyate |
śāntihomaśca kartavyaḥ pīṭhādīnāṃ ca bhañṅane |
sahajānāṃ tathā hastapādādīnāṃ caturmukha || 22 ||
19.22 Dann folgt Śānti-Homa. Der Quellenvermerk berichtet, dass diese beiden Verse anderswo nach dem Bruchabschnitt stehen. Wenn Sockel und mit dem Bild verbundene Teile, Hände, Füße und andere Glieder,
bandhane |
bhaṅgetu teṣāmāvāhya kūrcādau tadgataṃ harim |
kriyāṃ samāpayedbha gnāṃ prabhāpīṭhādikaṃ punaḥ || 23 ||
19.23 brechen, überträgt man Haris Gegenwart in ein Grasbüschel oder einen anderen Ersatz und beendet darin die Handlung. Den beschädigten Strahlenbogen, Sockel und weitere Teile
bhagne |
samādhāya yathāpūrvaṃ saṃprokṣaṇavidhirbhavet |
vastuṣu snapanāṅgeṣu ādhikyaṃ hānireva vā || 24 ||
19.24 stellt man wie zuvor wieder her und vollzieht Saṃprokṣaṇa. Sind beim Badezubehör zu viele oder zu wenige Materialien verwendet worden,
yadi syānmūlamantrāsya japaścāṣṭottarāvaraḥ |
phalārthibhedena snapanakālabhedaḥ. |
mokṣamāṇassadā kuryātsnapanaṃ niśi vā'hani || 25 ||
19.25 wiederholt man den Grundmantra mindestens 108-mal. Wer Befreiung erstrebt, kann das Krugbad jederzeit tagsüber oder nachts vollziehen.
ripukṣayārthīdivase dharmārthī dinamadhyame |
dinānte sarvabhogārthī prāya ścittāya sarvadā || 26 ||
19.26 Wer Feindesuntergang erstrebt, vollzieht es tagsüber; wer Dharma sucht, mittags; wer Genüsse sucht, am Tagesende. Zur Wiedergutmachung ist jede Zeit geeignet. Eine Variante setzt beim letzten Tagesziel „Befreiung“ ein.
mokṣārthī |
ścittaṃ tu |
snapanadvayasampāte pratisarādiniṣedhaḥ. |
baddhapratisare bimbe snapanārthaṃ tu mantriṇā |
snapanāntarasaṃ prāptau na ca pratisarāntaram || 27 ||
19.27 Ist dem Bild bereits für ein Bad die Schutzschnur angebunden und wird ein weiteres Bad erforderlich, bindet man dafür keine zweite Schnur an.
maṇḍūkādibhiḥ kalaśadūṣaṇe |
maṇḍūkamūṣikāsarpacucundaryādijantubhiḥ |
spṛṣṭe vilaṅghite naṣṭe sthāpite kalaśe tathā || 28 ||
19.28 Wird ein aufgestellter Krug von Frosch, Maus, Schlange, Spitzmaus oder ähnlichen Tieren berührt, überschritten oder beschädigt,
tyaktvānyaṃ tu tathā kṛtvā mūlamantraṃ japedguruḥ |
sthāpitaṃ kalaśaṃ tadvatpāṣaṇḍaiḥ pratilomajaiḥ || 29 ||
19.29 verwirft man ihn, richtet einen anderen entsprechend her und der Lehrer wiederholt den Grundmantra. Entsprechendes gilt bei Berührung durch als häretisch bezeichnete oder Pratiloma-geborene Menschen.
āśaucibhiḥ kalaśasparśe |
āśaucavadbhiraparaiḥkalaśa sparśane sati |
sadravyaṃ kalaśaṃ tyaktvā tathānyaṃ tatra nikṣipet || 30 ||
19.30 Bei Berührung durch rituell Unreine entfernt man den Krug samt Inhalt und setzt einen anderen an seine Stelle.
snapane sati |
vācayitvātha puṇyāhaṃ śāntihomaṃ samācaret |
baddhe pratisare āśaucābhāvaḥ. |
karmaṇisnapanādau tu pravṛtte deśikottamaḥ || 31 ||
19.31 Man lässt Puṇyāha sprechen und vollzieht Śānti-Homa. Hat ein Bad oder eine andere Handlung bereits begonnen und hört der leitende Lehrer
sūtakaṃ maraṇāśaucaṃ śṛṇuyānnāśucirbhavet |
vimānasthāpanāhīnasthale utsavakaraṇe |
utsave tu yathāśātracodite skhalane sati || 32 ||
19.32 von einer Geburt oder einem Todesfall, gilt er für den laufenden Dienst nicht als unrein. Nun folgt die Befriedung bei Abweichungen im vorgeschriebenen Festdienst.
sūtakāśaucamāśaucam śṛṇuyādvā |
śāntistathocyate brahmannidānīmavadhāryatām |
vimānasthāpanāhīne na kuryadutsavaṃ hareḥ || 33 ||
19.33 Höre aufmerksam, Brahmā: Solange das Tempelheiligtum nicht installiert ist, soll Haris Fest nicht ausgerichtet werden.
brahmaṃ stadetadava |
kuryādvā dhvajamuddhṛtya utsavaṃ ca krameṇa vā |
vāyavīye dhāmakoṇe vidhinā śāntimācaret || 34 ||
19.34 Der folgende Vers lässt unter bestimmten, beschädigt überlieferten Bedingungen ein Fest nach dem Aufrichten der Fahne zu. Im Nordwestbereich des Heiligtums wird dabei vorschriftsmäßig Befriedung vollzogen.
garuḍaṃ cākramena vā |
vimāne |
saṃvatsarāntaṃ tatraiva dhvajayaṣṭeḥ sthitirbhavet |
nityotsavarahita sthalotsavakaraṇe |
hīnanityotsave dhāmni dhvajārohaṇapūrvakam || 35 ||
19.35 Die Fahnenstange bleibt dort bis zum Jahresende. Wo kein täglicher Festdienst besteht, soll kein wunschbezogenes Fest mit Fahnenaufzug veranstaltet werden.
notsavaṃ kāraye tkāmyaṃ kārite śāntimācaret |
dhvajadoṣasampāte. |
pramāṇahīne pakṣīndre dhvaje stambhādike'pi vā || 36 ||
19.36 Geschieht es dennoch, folgt Befriedung. Auch wenn Garuḍa auf der Fahne, die Fahne oder der Mast nicht die vorgeschriebenen Maße haben,
tkarmakārite |
śāntiḥkārya tathā hīne mūṣikādyaiśca dūṣite |
aśucidravyasaṃsparśe tyaktvā kopyadhvajāntaram || 37 ||
19.37 oder wenn sie beschädigt, von Mäusen beeinträchtigt oder mit Unreinem berührt wurden, ist Befriedung erforderlich. Die betreffende Fahne wird ersetzt.
śāntiṃ kuryāttathā nityaṃ |
śāntihomaśca kartavyo brāhmaṇānāṃ ca bhojanam |
dhvajārohaṇa karmāṅgaṃ dhvajaṃ vā stambhameva vā || 38 ||
19.38 Śānti-Homa und Brahmanenspeisung folgen. Für das Fahnenaufrichten eigens verwendetes Fahnentuch beziehungsweise bestimmte Mastteile
karmāṅgadhvajam |
sakṛnniyuktaṃ tyaktavyaṃ dhvajayuṣṭiṃ tu na tyajet |
sakṛnniyuktestambhādau bhūyo'pi viniyojite || 39 ||
19.39 sollen nach einmaliger Verwendung aufgegeben werden; die Fahnenstange selbst soll dagegen nicht verworfen werden. Die Unterscheidung von „stambha“ und „yaṣṭi“ bleibt hier erklärungsbedürftig.
prāyaścittaṃ tu tatra syātsnapanaṃ cottamottamam |
śāntihomaśca kartavyo brāhmaṇānāṃ ca bhojanam || 40 ||
19.40 Bei unerlaubter erneuter Verwendung nennt die Quelle als Wiedergutmachung ein Uttamottama-Bad, Śānti-Homa und Brahmanenspeisung.
sthāpite vihageśānadhvaje vātātapādibhiḥ |
varṇahānau na doṣasyā tsamārādhanamiṣyate || 41 ||
19.41 Verblassen die Farben der aufgerichteten Garuḍa-Fahne durch Wind und Sonne, ist dies kein Fehler; die Verehrung wird fortgesetzt. Eine Variante nennt hier bereits das Herabfallen im Wind.
vigageśāne dhvaje vātādipātite |
patite vātavegena hetunā yena kena cit |
uddhṛtya badhvā bhūyopi snapanaṃ madhyamottamam || 42 ||
19.42 Fällt sie durch starken Wind oder eine andere Ursache, hebt man sie auf, befestigt sie erneut und vollzieht ein Bad der Stufe Madhyamottama.
varṇahānau tathā bhinne dhvaje cchinne'pi vā kvacit |
dhvajāntaraṃ samutpādyatyaktvā nipatitaṃ dhvajam || 43 ||
19.43 Bei Farbverlust zusammen mit Bruch oder Riss fertigt man eine andere Fahne an und gibt die gefallene auf. Dies steht neben der ausdrücklichen Duldung bloßen Verblassens in Vers 41.
yaṣṭiṃ vākalpyamevāsyaṃ na tu kālapratīkṣaṇam |
viparītaṃ dhvajapaṭaṃ pramādādyadibandhayet || 44 ||
19.44 Gegebenenfalls wird auch die Stange erneuert; man wartet nicht auf einen besonderen Zeitpunkt. Wurde das Fahnentuch versehentlich verkehrt herum angebunden,
tanmocayitvā yadvānyaṃ badhvāsnapanamācaret |
dhvajastambhe tathā bhinne bhagne vā suṣire'pi vā || 45 ||
19.45 löst man es und bindet es richtig oder ersetzt es; dann folgt ein Krugbad. Ist der Mast gespalten, gebrochen oder hohl geworden,
stambhānta ramapasthāpya śāntissnapanapūrvikā |
patane bhramaṇe vāpi patite vā yadṛcchayā || 46 ||
19.46 stellt man einen anderen auf und vollzieht eine mit dem Bad beginnende Befriedung. Bei Umfallen, Verdrehung oder nach der Variante Erschütterung
raṃ sthāpayatvā |
kampane |
śāntihomo bhavetprāgvanmūlamantrajapastathā |
pakṣīśādhiṣṭhite kumbhe bhinne naṣṭe'tha vā tathā || 47 ||
19.47 folgen Śānti-Homa und Grundmantra-Rezitation wie zuvor. Zerbricht oder verschwindet der Krug, in dem Garuḍa angerufen ist,
aspṛśyaiḥ prāṇibhiḥ spṛṣṭe sthāpya kumbhāntaraṃ punaḥ |
āvāhya tatra vihagaṃ karmaśeṣaṃ samāpayet || 48 ||
19.48 oder wird er von nach der Reinheitsordnung ungeeigneten Wesen berührt, stellt man einen anderen auf, ruft Garuḍa darin an und beendet die restliche Handlung.
dhvajastambhe ca saṃspṛṣṭe caṇḍālādyairvigarhitaiḥ |
stambhāntaramavasthāpya śāntihomaṃ samācaret || 49 ||
19.49 Wird der Fahnenmast von Caṇḍālas oder anderen nach der Quelle missbilligten Gruppen berührt, verlangt sie einen anderen Mast und Śānti-Homa.
sūtakaiḥ pretakaiścaiva pratilomai sathāvidhaiḥ |
spṛṣṭe prokṣya dhvajastambhaṃ puṇyāhoktipurassaram || 50 ||
19.50 Bei Berührung durch wegen Geburt oder Tod rituell Unreine oder durch die genannten Abstammungsgruppen wird der Mast nach Puṇyāha besprengt.
sakṛnniyojitaṃ tyaktvāmṛṇmayaṃ pālikādikam |
aṅkurānarpayennūcet śāntihomādikaṃ caret || 51 ||
19.51 Bereits benutzte irdene Keimschalen und ähnliche Gefäße werden nicht erneut verwendet. Man sät in neuen Gefäßen aus; geschieht dies nicht, folgen Śānti-Homa und die weiteren Handlungen.
bhavet |
aṅkuravikāre valmīkaprarohādai ca vidhiḥ. |
aṅkureṣvapi rakteṣu śyāmavarṇayuteṣu vā |
aprarūḍheṣu sarveṣu tathā tiryaggateṣu ca || 52 ||
19.52 Sind die Keime rot, schwärzlich, überhaupt nicht aufgegangen oder seitlich gewachsen,
aprarūḍheṣu ityādiślokārdhaṃ kvacinna |
aspṛśyasparśane teṣāṃ bhinnacchinneṣu vā punaḥ |
pālikādiṣu naṣṭeṣu patiteṣu yathātathā || 53 ||
19.53 oder wurden sie nach der Quelle unzulässig berührt, sind die Gefäße zerbrochen, gerissen, verloren oder umgefallen,
valmīkādiprarohe ca mūṣikādyaiśca bhakṣite |
śāntihomaśca kartavyo brāhmaṇānāṃ ca bhojanam || 54 ||
19.54 bilden sich Ameisenhügel oder wurden die Keime von Mäusen gefressen, folgen Śānti-Homa und Brahmanenspeisung. Ein Quellenvermerk bezeichnet den Halbvers zum Nichtaufgehen und Seitwärtswachsen als stellenweise fehlend.
nityamadhyenaimittikāntarāpāte pratyekamaṅkukārpaṇam. |
prārabdhakarmamadhye cetkarmanaimittikaṃ punaḥ |
āpatedarpayedbhūya statarthāṃ ścaṅkurrā guruḥ || 55 ||
19.55 Wird während einer bereits begonnenen Handlung ein weiterer anlassbezogener Ritus erforderlich, sät der Lehrer eigens dafür erneut Keime aus.
arpiteṣvaṅkureṣu daivādyupaghāte śāntiḥ. |
arpiteṣvaṅkureṣu syāddaivādvā yadi mānuṣāt |
karmalopastadā tyaktvā kalpitānaṅkurānapi || 56 ||
19.56 Fällt die Handlung nach der Aussaat durch göttlich gedeutete oder menschliche Ursachen aus, gibt man die dafür vorbereiteten Keime auf.
śāntyarthaṃ juhuyādagnau mūlamantrajapastathā |
karmamadhye karmāntarāpāte punaḥ kautukabandhaḥ. |
baddhapratisare bimbe karmārthamaparaṃ yati || 57 ||
19.57 Man opfert zur Befriedung und wiederholt den Grundmantra. Wird bei bereits angebundener Schutzschnur eine andere Handlung erforderlich,
antarā karma nipatedbadhnīyātkautukaṃ punaḥ |
antarāpatitaṃ snānaṃ samāpya pūrvarabdhaṃ samāpayet. |
antarā patite snāne samāpte snapanaṃ punaḥ || 58 ||
19.58 bindet man für diese nochmals eine Schnur an. Ist das zwischenzeitlich erforderliche Bad abgeschlossen, führt man das zuvor begonnene Bad weiter.
pūrvārabdhamanuṣṭheyaṃ yathāśāntraṃ caturmukha |
śūnyagrāme balidānaniṣedhaḥ. |
grāmādiṣu syācchūnyeṣu na balirvīdhikotsavaḥ || 59 ||
19.59 So wird die frühere Handlung schriftgemäß beendet, Viergesichtiger. In menschenleeren Orten finden weder Straßen-Bali noch Straßenprozession statt.
dhāmanyeva bhavetkāmaṃ yadi syādvīdhikotsavaḥ |
sahasrakalaśaissnānaṃ prayaścittaṃ tadiṣyate || 60 ||
19.60 Der Festdienst kann im Heiligtum selbst stattfinden. Wird dennoch eine Straßenprozession durchgeführt, nennt die Quelle als Wiedergutmachung ein Tausendkrugbad.
mahāvātādyabhighāte te punarutsavaḥ. |
utsave varta māne syānmahāvātādinā yati |
grāmādau śithile kṛtvā prayaścittaṃ punarmahaḥ || 61 ||
19.61 Wird während eines Festes der Ort durch Sturm oder Ähnliches beschädigt, vollzieht man Wiedergutmachung und setzt das Fest anschließend fort.
māne tu mahā |
kāryona lopyo lope tu kumbhairaṣṭottarai rhareḥ |
snapanaṃ kārayeddhomo japaścārthairdvijārcanam || 62 ||
19.62 Es darf nicht einfach ausfallen. Fällt es aus, folgen ein Bad mit der als „aṣṭottara“ verkürzt genannten Krugzahl, Feueropfer, Japa und Gaben an Brahmanen; die Hunderterbasis ist im Wortlaut nicht ausgeschrieben.
kāryā yathoktavidhinā |
muhortātikrame |
muhūrtātikrame śāntissarveṣāṃ karmaṇāmapi |
kāryāhomādibhiḥ paścātkarmārambho yathoditaḥ || 63 ||
19.63 Beim Versäumen des günstigen Zeitpunkts irgendeiner Handlung folgt Befriedung durch Feueropfer und weitere Dienste; anschließend beginnt man die Handlung nach Vorschrift.
parijanānāmabhighāte anyān kalpayet. |
karmaṇyadhikṛte pūrvaṃ deśiko mūrtipeṣu vā |
daivādvā mānuṣādvāpi vighniteṣvadhikāriṣu || 64 ||
19.64 Werden der beauftragte Lehrer, Bildhüter oder andere Ausführende durch göttlich gedeutete oder menschliche Ursachen am Dienst gehindert,
heturdaivā nmānuṣādvā |
prārabdhaṃ karma kartavyaṃ tādṛgbhiraparairdvijaiḥ |
utsave vighnite daivānmānuṣādvā yathodite || 65 ||
19.65 führen andere gleich befugte Brahmanen die begonnene Handlung aus. Ist das Fest selbst unterbrochen,
balimeva kṣipeddhāmni grāmādau vidhikāsvapi |
atikrāntabalividhānam. |
balipradāne pyakṛte kasmiṃściddivase punaḥ || 66 ||
19.66 wird wenigstens Bali im Heiligtum und auf den Straßen des Ortes fortgeführt. Ist an einem Tag auch Bali unterblieben,
kurvan balimatikrāntaṃ kṛtvaivaṃ balimācaret |
udyānamṛgayādikriyālope. |
utsavāṅgeṣu hīneṣu kaliteṣu yathāpuram || 67 ||
19.67 holt man zuerst die versäumte Gabe nach und vollzieht danach die aktuelle. Fehlen früher eingerichtete Festbestandteile,
udyānayānamṛgayā jaladroṇyādi karmasu |
śāntiḥkāryā bhojanaṃ ca brāhmaṇānāṃ japastathā || 68 ||
19.68 etwa Gartenausfahrt, Jagdprozession oder Wasserbeckenzeremonie, folgen Befriedung, Brahmanenspeisung und Rezitation.
kāsu ca |
bhojanaṃ tu |
apabhṛthasnānalope punarutsavaḥ. |
hīnāyāṃ tīrthayātrāyāṃ punarutsavamācaret |
uttamottamamārgeṇa kṛtvā snapanamāditaḥ || 69 ||
19.69 Fällt der Zug zum Schlussbad aus, wird das Fest erneut ausgeführt, beginnend mit einem Bad der Stufe Uttamottama.
uktamāsātikrame anantaramāse anujñāvidhiḥ. |
māse yathokte'tikrānte nakṣatrādau yathodite |
utsavo'nantare māsi yadyarvāgvatsarādbhavet || 70 ||
19.70 Ist der vorgeschriebene Monat mit seinem Gestirn und den weiteren Bedingungen verstrichen, kann das Fest im folgenden Monat innerhalb desselben Jahres nachgeholt werden.
ūrdhvaṃ saṃvatsarā tkurvan śāntiṃ kṛtvāsamācaret |
sahasrakalaśaissnānaṃ śāntihomaṃ japādikam || 71 ||
19.71 Nach mehr als einem Jahr vollzieht man zuerst Befriedung und dann das Fest: Tausendkrugbad, Śānti-Homa, Japa und weitere Dienste.
nno cet |
parvotsavalope śāntiḥ. |
lupte parpotsave śānti ssnapanaṃ śaktyapekṣayā |
anyeṣu viṣṇorlupteṣu śravaṇādyutsaveṣu ca || 72 ||
19.72 Fällt ein Fest an einem kalendarischen Übergang aus, folgen Befriedung und ein Bad nach Kräften. Bei anderen versäumten Viṣṇu-Festen von Śravaṇa an
uttamottamamārgeṇa snapanaṃ tasya niṣkṛtiḥ |
balivastūnāṃ vyatyāse. |
vyatyāse balivastūnāṃ juhuyātsarviṣā śatam || 73 ||
19.73 gilt Uttamottama als Badeverfahren zur Behebung. Bei Verwechslung der Bali-Stoffe opfert man hundertmal Ghee.
utpātasaṃsparśe. |
vātādyutpāta saṃspṛṣṭe bimbhe snapanamuttamam |
ācaredyāgaśālāyāṃ prapādiṣu mahotsave || 74 ||
19.74 Wird das Bild durch Sturm oder andere außergewöhnliche Ereignisse betroffen, vollzieht man ein vorzügliches Bad. Wenn während des großen Festes Opferhalle oder Schutzdächer
saṃsparśe |
parvādiṣu |
agnidāhe. |
agnidagdheṣu tatsarvaṃ samādhāya yathāpuram |
śāntihomo dvijendrāṇāṃ bhojanaṃ dānameva ca || 75 ||
19.75 abbrennen, stellt man sie wie zuvor wieder her; Śānti-Homa, Brahmanenspeisung und Schenkungen folgen.
agnidagdhe ca |
kuryātsudarśanaploṣe kumbhairnavabhiruplavaḥ |
kāryo bimbādidāhe'pi tathā snapanamācaret || 76 ||
19.76 Wird Sudarśana vom Feuer beschädigt, folgt ein Bad mit neun Krügen. Hier wird dasselbe auch bei Feuerbeschädigung des Bildes und weiterer Gegenstände genannt; die Regel ist knapper als die differenzierte Vorschrift in Kapitel 18.
yāgamaṇḍapasya sṛgālādipraveśe. |
śvasṛgālādibhiryāgamaṇṭapādi praveśane |
saṃsparśe purvaklaptāni tyaktvānyāni nidhāya ca || 77 ||
19.77 Treten Hunde oder Schakale in die Opferhalle und ähnliche Bereiche ein und berühren die vorbereiteten Materialien, werden diese entfernt und ersetzt.
śāntihomodvijendhrāṇāṃ bhojanādi yathāpuram |
caṇḍālādipraveśādau tyaktvā tadvastu dūṣitam || 78 ||
19.78 Śānti-Homa, Brahmanenspeisung und die weiteren Dienste folgen wie zuvor. Bei Eintritt von Caṇḍālas und anderen ausgeschlossenen Gruppen gilt nach der Quelle ebenfalls das Verwerfen betroffener Materialien.
utsavārthāni vastūni śānti homaṃ samācaret |
utsavāgnessvayaṃ śamane |
utsavāgnau svayaṃ śānte śāntiṃ kuryādyathākramam || 79 ||
19.79 Die Festmaterialien werden ersetzt und Śānti-Homa vollzogen. Erlischt das Festfeuer von selbst, führt man Befriedung in der vorgesehenen Reihenfolge aus.
viṣuve ayane ca rātrā vapi tīrthotsavānujñā. |
viṣuve cāyane caiva tīrthayātrā na doṣakṛt |
rātrāvapi |
anyatra ahnyeva tīrthayātrā. |
tato'nyatra kartavyā hnyeva sā bhavet || 80 ||
19.80 Bei Tagundnachtgleiche oder Sonnenwende darf der Zug zum Schlussbad auch nachts stattfinden. Zu anderen Zeiten ist er tagsüber vorgesehen.
saiva sā bhavet |
pramādādyadi yātrāsyātsnapanaṃ cottamottamam |
homaviśchede śāntiḥ. |
utsave homavicchede dviguṇaṃ homamācaret || 81 ||
19.81 Geschieht er versehentlich nachts, folgt Uttamottama. Wird während des Festes das Feueropfer unterbrochen, holt man es in doppeltem Umfang nach.
mahotsavamadhye bimbanāśe. |
bimbe corādibhirnaṣṭe vartamāne mahotsave |
karmārcādiṣu bimbeṣu bimbaṃ cotpādya pūrvavat || 82 ||
19.82 Geht während des großen Festes ein Bild durch Diebstahl oder Ähnliches verloren, verwendet man ein Handlungsbild oder anderes geeignetes Bild beziehungsweise fertigt eines wie zuvor.
yānādibhraṃśe. |
ārādhayennipatite bimbe yānānmahotsave |
āropya pūrvavadyānaṃ rathyāsu patitaṃ nayet || 83 ||
19.83 Man verehrt es. Fällt das Bild während des Festes vom Fahrzeug, setzt man es wieder darauf und führt die Prozession fort.
ārādhanena |
parito nayet |
ekādhikāśītikumbhaissnāpayecchāntaye punaḥ |
aṅgahānau kautukasya bimba manyaṃ nayettadā || 84 ||
19.84 Zur Befriedung folgt ein Bad mit 81 Krügen. Fehlt ein Glied, führt man ein anderes Kultbild mit; die Variante sagt, man solle das beschädigte nach innen bringen.
mabhyantare nayet |
hīnāṅgaṃ cetsamādhāya sadyassaṃ prokṣaṇaṃ caret |
snapanaṃ śāntaye kuryādbrāhmaṇānāṃ ca toṣaṇam || 85 ||
19.85 Das beschädigte Glied wird wiederhergestellt und sofort Saṃprokṣaṇa vollzogen. Ein befriedendes Bad und Gaben an Brahmanen schließen sich an.
bhinnāṅgaṃ |
yānabhaṅge nayeddevaṃ yānenā'nyena vīdhikām |
śāntiśca kāryā patanabhramaṇādau ca sāratheḥ || 86 ||
19.86 Bricht das Fahrzeug, wird der Gott auf einem anderen durch die Straße geführt; Befriedung ist erforderlich. Fällt der Lenker oder gerät er in Verwirrung,
puṇyāhavācanādīni kāryāṇi kamalāsana |
yānānāṃ aspṛśyasparśane. |
aspṛśyā yadi yānāni vaheyurbhimbameva vā || 87 ||
19.87 folgen Puṇyāha und weitere Handlungen, Lotusgeborener. Haben nach der historischen Ordnung nicht befugte Personen Fahrzeug oder Bild getragen,
kṣālayitvā tu yānāni bimbaṃ ca snāpayedghaṭaiḥ |
puṣpa yāgābhāve. |
puṣpayāgo niśi bhavecchāntaye bhuktaye pi vā || 88 ||
19.88 wäscht man die Fahrzeuge und badet das Bild mit Krügen. Das Blumenopfer kann nachts zur Befriedung oder zum Wohlergehen, nach der Variante zur Befreiung, stattfinden.
rathādīni |
muktayepi vā |
tha vā |
abhāve puṣpayāgasya snapanaṃ cottamottamam |
dhvajāvarohaṇa kālātikrame. |
ārabhya tīrthadivasādūrdhvaṃ pañcadināvadhi || 89 ||
19.89 Fehlt das Blumenopfer, folgt Uttamottama. Vom Tag des Schlussbades an gerechnet soll innerhalb von fünf Tagen
dhvajāvarohaṇaṃ kāryaṃ paścāccedavarohaṇam |
doṣassyāddoṣaśamanaṃ snapanaṃ madhyamottamam || 90 ||
19.90 die Fahne herabgenommen werden. Späteres Herabnehmen gilt als Fehler; seine Behebung ist ein Bad der Stufe Madhyamottama.
aparopya dhvajapaṭaṃ snapanāna ntaraṃ punaḥ |
udvāsya devatāssarvāśśakaṭādbalikarmaṇā || 91 ||
19.91 Nach dem Bad nimmt man das Fahnentuch ab und verabschiedet alle Gottheiten mit dem Bali-Dienst am Fahrzeug beziehungsweise an den vorgesehenen Orten; die Formulierung ist verkürzt.
mahotsavāntaḥ patitaṃ karma vaiśeṣi kāhvayam |
kāryameva na lopyaṃ tallope snapanamācaret || 92 ||
19.92 Ein besonderer anlassbezogener Dienst, der während des großen Festes erforderlich wird, muss ausgeführt werden. Fällt er aus, ist ein Krugbad vorgesehen.
pavitrāropaṇa viparyāsaprāyaścittam. |
pavitrāropaṇe prāyaścittamanyatpra darśyate |
hīnamāne pavitre vā kuṇḍe vā maṇḍale'pi vā || 93 ||
19.93 Nun folgen weitere Wiedergutmachungen für Pavitrāropaṇa. Stimmen die Maße von Pavitra, Feuergrube oder Maṇḍala nicht,
dṛśyate |
maṇḍalādikesthaṇḍilādike |
astramantraṃ śataṃ japtvā pūjaye dastravardhinīm |
tyaktvā pavitraṃ keśādidūṣitaṃ punareva tat || 94 ||
19.94 rezitiert man den Waffenmantra hundertmal und verehrt das als Astravardhinī bezeichnete Gefäß; eine Variante verweist auf das Lehrverfahren. Ein durch Haare oder Ähnliches verunreinigtes Pavitra wird verworfen,
cchāstra paddhatim |
kṛtvā pūrvavadāropya tataśśāntiṃ samācaret |
aspṛśyasparśane kumbhe bhinne naṣṭe'pi vā punaḥ || 95 ||
19.95 neu hergestellt und wie zuvor angelegt; danach folgt Befriedung. Ist ein Krug unerlaubt berührt, zerbrochen oder verloren,
kuṃbhāntare samāvāhya mūlamantraṃ japetpunaḥ |
asthānaśūlasthāpane |
asthāne sthāpitaṃ śūla manyatra pratimādikam || 96 ||
19.96 ruft man die Gottheit in einem anderen an und wiederholt den Grundmantra. Wurde die innere Stütze oder ein Bild an einem falschen Platz aufgestellt,
sthāpayitvā yathāsthānaṃ snapanādi samācaret |
māne nyūnādhike vāpi vedyādīnāṃ prakalpite || 97 ||
19.97 setzt man es an den richtigen Platz und vollzieht Bad und weitere Dienste. Bei zu großen oder zu kleinen Maßen einer Plattform oder ähnlicher Anlage
manyadvā sthāpanādikam |
yathāpuram |
śāntirājyāhutiḥ kāryā paṃcopaniṣadā śatam |
nayanamokṣaṇākaraṇe |
teṣāmabhāve ca tathā śāntirnayanamokṣaṇam || 98 ||
19.98 opfert man zur Befriedung unter den fünf Upaniṣad-Mantras hundertmal Ghee. Dasselbe gilt beim Fehlen solcher Bestandteile. Wurde das Öffnen der Augen
akṛtvāsthāpane śāntiṃ kṛtvā nayanamokṣaṇam |
toyādhivāsākaraṇe |
toyādhivāsākaraṇe pratiṣṭhāyāṃ madhudviṣaḥ || 99 ||
19.99 bei einer Neuinstallation ausgelassen, holt man es nach und vollzieht Befriedung. Fehlt die vorbereitende Wasserlagerung bei der Installation des Bezwingers Madhus,
snapanaṃ śāntihomaśca tadvadevāṅgahāniṣu |
anācāryapratiṣṭhāyām |
anācāryapratiṣṭhāyāṃ punasthsāpanamācaret || 100 ||
19.100 folgen Bad und Śānti-Homa, ebenso bei fehlenden Ritualgliedern. Hat ein nicht als Ācārya Befugter installiert, ist die Installation zu wiederholen.
ācāryapadamārūḍho vaidhuryādyalpadoṣavān |
adhikāryeva vijñānapāraṃ yāto yadi svayam || 101 ||
19.101 Wer jedoch den Ācārya-Status erreicht hat und nur einen geringeren Mangel wie Witwerschaft besitzt, bleibt befugt, sofern er die Erkenntnis selbst zur Vollendung gebracht hat.
vai mukhyā |
jñānādhikena deveśe sthāpite jñāna rūpiṇi |
na doṣo jñānadahanassarvadoṣān dahetkhalu || 102 ||
19.102 Installiert ein in Erkenntnis Hervorragender den Herrn, dessen Wesen Erkenntnis ist, besteht kein Fehler: Das Feuer der Erkenntnis verbrennt alle Fehler.
deśike |
bālamaṃdirasthiti kālātikrame. |
yāvatkālaṃ sthitirbhālamandire prārthitā purā |
tāvatyatīte samaye snapanaṃ madhuvidviṣaḥ || 103 ||
19.103 Ist die zuvor erbetene Aufenthaltsdauer im vorläufigen Heiligtum überschritten, badet man den Bezwinger Madhus.
kalpitā |
kāryaṃ punaścatatraiva sthitikālaṃ parīkṣayet |
anyatra vā bālagehe yadvā mūlālaye bhavet || 104 ||
19.104 Dann bestimmt man erneut die Aufenthaltsdauer dort oder in einem anderen vorläufigen Gebäude beziehungsweise im Hauptheiligtum.
prakalpayet |
karmārthapīṭhikāyāṃ tat sthāpayitvā samarcayet |
śithilīsaraghādisampāte. |
gopure vālaye yadvā prākāre maṇṭape'thavā || 105 ||
19.105 Man stellt ihn auf die für den Dienst bestimmte Plattform und verehrt ihn. Entstehen an Torbau, Heiligtum, Umfassungsmauer oder Halle
śithilī saraghātumbāvalmīkādisamudbhave |
uddhṛtyatattatsaṃśodhya deśaṃ kṛtvā yathāpuram || 106 ||
19.106 Beschädigungen, Bienennester, hohle Gebilde oder Ameisenhügel – mehrere Benennungen sind unsicher –, entfernt man sie, reinigt den Platz und stellt ihn wie zuvor wieder her.
snapanaṃ devadevasya kuryāduttamamadhyamam |
śāntihomo dvijendrāṇāṃ bhojanaṃ dānameva ca || 107 ||
19.107 Es folgen ein Bad der Stufe Uttamamadhyama, Śānti-Homa, Brahmanenspeisung und Schenkungen.
siddhāntasāṅkarye. |
siddhāntasaṅkare jāte pramādāttatra saṅkare |
kṛtvā saṃprokṣaṇaṃ pūrvaṃ sahasrakala śāplavaḥ || 108 ||
19.108 Ist versehentlich eine Vermischung der Siddhānta-Ordnungen eingetreten, führt man zuerst Saṃprokṣaṇa und danach ein Tausendkrugbad aus.
tathā sādhaka saṅkare |karṣaṇādiṣu doṣassyā drājarāṣṭrakṣayāsahaḥ ||
siddhāntasvarūpapraśnaḥ. |
brahmā |
sidthāntaṃ nāma kiṃ ko vā bhedastasya janārdana |
śrotumicchāmi tatsarvaṃ na rahasyamidaṃ yadi || 109 ||
19.109 Ein zusätzlicher Halbvers nennt auch Vermischung der Ausführenden und droht bei Fehlern vom Pflügen an König und Reich Schaden an. Brahmā fragte: Was heißt Siddhānta, Janārdana, und welche Arten gibt es? Ich möchte alles hören, sofern es nicht geheim ist.
sindhāntanirvacanam. |
śrībhagavān |
mahopaniṣadaṃ nāma siddhāntapadaśabditam |
mīmāṃsādiṣu śātreṣu ye siddhārthā manīṣiṇaḥ || 110 ||
19.110 Der erhabene Herr sprach: Die als große Upaniṣad bezeichnete Lehre wird Siddhānta genannt. Weise, die in Mīmāṃsā und weiteren Lehrwerken ihre Erkenntnisziele erreicht haben,
teṣāmante'dhikārosminnitisiddhānta śabditam |
mantrasiddhāntādi bhedakathanam. |
taccaturdhāsthitaṃ śāstramṛgādivadanekadhā || 111 ||
19.111 erlangen am Ende die Befugnis für diese Lehre: So erklärt der Text das Wort Siddhānta. Sie besteht in vier Formen, und wie die Veden besitzen diese zahlreiche Unterteilungen.
saṃjñitam |
sarva |
ekaikaṃ bhidyate tantraṃ śākhābhedena bhūyasā |
prathamaṃmantrasiddhāstaṃ dvitīyaṃ cāgamāhvayam || 112 ||
19.112 Jedes Tantra gliedert sich wiederum in viele Schulen. Die erste Form heißt Mantra-Siddhānta, die zweite Āgama-Siddhānta,
tvāgamā |
tṛtīyaṃ tantrasiddhāntaṃ turyaṃ tantrāntaraṃ bhavet |
mantrasiddhāntaḥ. |
ekaiva mūrtirārādhyā prādhānyenetarāḥ punaḥ || 113 ||
19.113 die dritte Tantra-Siddhānta und die vierte Tantrāntara. Im Mantra-Siddhānta wird eine einzige Gestalt als Hauptgottheit verehrt; die übrigen
devyaśśriyrādayaścāpi saṃpūjyāḥ parivāravat |
āyudhaiśśaṅkhacakrādyaiśśrīvatsādyaiścabhūṣaṇaiḥ || 114 ||
19.114 und die Göttinnen von Śrī an gelten als Gefolge. Die Hauptgestalt ist von personifizierten Waffen wie Muschelhorn und Diskus sowie Schmuckzeichen wie Śrīvatsa umgeben,
mūrtimadbhiḥ parivṛtā kevalā vāmbujāsana |
kathyate yatra tatproktaṃ mantrasiddhāntamagrimam || 115 ||
19.115 oder sie steht allein, Lotusgeborener. Wo dies gelehrt wird, handelt es sich um den ersten, den Mantra-Siddhānta.
āgamasiddhāntaḥ. |
vāsudevādayo vyūhāścatvārassādhakairapi |
kramāgataistulyakakṣyāḥ pūjyāstatprabhavāpyaye || 116 ||
19.116 Im Āgama-Siddhānta werden die vier Vyūhas von Vāsudeva an von den entsprechend eingewiesenen Ausübenden als gleichrangig verehrt; außerdem werden ihr Hervorgehen und Zurückgehen
karmaṇāmapi sanyāsaḥ kathyate yatra cāgame |
tantramāgamasiddhāntaṃ taduktaṃ kamalāsana || 117 ||
19.117 und das Niederlegen beziehungsweise Zuordnen der Handlungen gelehrt. Ein Tantra mit dieser Ordnung heißt Āgama-Siddhānta, Lotusgeborener.
tantrasiddhāntaḥ. |
navānāmapi mūrtīnāṃ prādhānyaṃ yatra kathyate |
mūrtayo dvādaśāṅgāni teṣāmeva tathāpare || 118 ||
19.118 Wo neun Gestalten Vorrang besitzen und die zwölf Gestalten als ihre Glieder gelten, dazu weitere
prādurbhāva guṇāścānye mūrtyantaraguṇā api |
prādurbhāvāntarayutāssa digdevaissahāyudhaiḥ || 119 ||
19.119 Erscheinungsformen und ihre Gruppen, weitere Gestalten und Erscheinungen sowie Richtungswächter mit Waffen,
gaṇāścānyegaṇā api |
digdevāssahāyudhāḥ |
mūrtimadbhiścha devībhirlakṣmyādibhirapi sphuṭam |
tattantrasiddhāntāhvānaṃ |
tantrāntarasiddhāntaḥ. |
caturthaṃ paramaṃ punaḥ || 120 ||
19.120 personifizierte Begleitkräfte und Göttinnen wie Lakṣmī, heißt dies Tantra-Siddhānta. Die Aufzählung ist stellenweise beschädigt. Nun folgt die vierte Form.
yatra tantrāntaraṃ tatsyāt |
saumyasiṃhādibhūyiṣṭhaṃ vaktrebhaidaiścaturmukha |
dvitrādimukhabhedā vā mūrtirekaiva pūjyate || 121 ||
19.121 Hier verehrt man eine Gestalt mit unterschiedlichen Gesichtern, vorwiegend milden und Löwengesichtern, mit zwei, drei oder weiteren Antlitzen, Viergesichtiger.
citrādi |
parivārainsaṃvṛtā vā vinā vā sarvakāmadā |
yatra tantrāntaraṃ tatsyāccaturthaṃ kamalāsana || 122 ||
19.122 Sie kann mit oder ohne Gefolge erscheinen und gilt als Spenderin aller Wünsche. Wo dies gelehrt wird, liegt die vierte Form, Tantrāntara, vor, Lotusgeborener.
ārambhāvasānayoreka eva siddhāntaḥ. |
yena siddhāntamārgeṇa karṣaṇādikriyā kṛtā |
ādau tenaiva sakalaṃ nānyasiddhāntavartmanā || 123 ||
19.123 Nach welcher Siddhānta-Ordnung die Handlungen vom Pflügen an ursprünglich ausgeführt wurden, nach derselben geschieht alles Weitere, nicht nach einer anderen.
tantreṇāpi tathā yena karṣaṇādikriyā kṛtā |
tenaiva sakalaṃ kāryaṃ na tantrāntaravartmanā || 124 ||
19.124 Auch das konkrete Tantra, nach dem man begonnen hat, bleibt für alle folgenden Handlungen maßgeblich.
anuktasya tantrāntarādgrahaṇam. |
tantrāntare'pi kathitamanuktaṃ grāhyameva hi |
tantrasāṅkaryaniṣedhaḥ. |
siddhānta saṅkarastasmāttantrasaṅkara eva ca || 125 ||
19.125 Was darin jedoch nicht gelehrt wird, darf aus einem anderen Tantra übernommen werden. Davon unterscheidet die Quelle die unzulässige Vermischung von Siddhāntas oder Tantras.
saṅkarastatsyāt. saṅkarastasyatantrasaṅkara evavā |
doṣāya kalpate rājarāṣṭra dhāmakṣayātmane |
siddhāntasaṅkare jāte pramādāttasya śāntaye || 126 ||
19.126 Eine solche Vermischung gilt als Fehler, der König, Reich und Heiligtum schädige. Ist sie versehentlich geschehen,
kṛtvā saṃprokṣaṇaṃ pūrvaṃ sahasrakalaśāplavaḥ |
kartavyassnapanaṃ kuryā ttantrasaṅkarasambhave || 127 ||
19.127 folgen zuerst Saṃprokṣaṇa und dann ein Tausendkrugbad. Auch bei Tantra-Vermischung ist ein Krugbad vorgeschrieben.
ttatra |
antemahotsavaṃ kuryāt dhvajārohaṇapūrvakam |
pañcarātra pratiṣṭhitasya tenaiva nirvāhaḥ. |
sthāpite pañcarātreṇa deve ṣaḍbhirathādhvabhiḥ || 128 ||
19.128 Abschließend findet ein großes Fest mit Fahnenaufzug statt. Ist ein Gott nach Pāñcarātra installiert worden und wird danach mit den sechs Adhvans
patriṣṭhāne kṛte mohāddoṣassarvakṣayātmakaḥ |
śāntiśca tasya bhūyo'pi pañca rātroktavartmanā || 129 ||
19.129 eine andersartige Installation vorgenommen, nennt die Quelle dies einen alles schädigenden Fehler. Zur Behebung installiert man erneut nach Pāñcarātra.
pratiṣṭhādau |
pratiṣṭhāpya sahasreṇa kalaśaissnapanaṃ hareḥ |
mahotsavaśca kartavyo dhvajārohaṇapūrvakaḥ || 130 ||
19.130 Es folgen Haris Tausendkrugbad und ein großes Fest mit vorausgehendem Fahnenaufzug.
ekatra dīkṣitasya anyatra dīkṣāniṣedhaḥ. |
ekatra dīkṣitastante vā dvijottamaḥ |
kriyāṃ na kuryādanyatra karṣaṇādi caturmukha || 131 ||
19.131 Ein in einem Tantra eingeweihter Brahmane soll in einer anderen Ordnung nicht die Handlungen vom Pflügen an ausführen, Viergesichtiger.
karṣaṇādiścakarṣaṇādīn |
ācāryatvamathārtvijyaṃ pūjāyāṃ madhuvidviṣaḥ |
tantrabhedhe ca siddhāntabhede cāpi na yujyate || 132 ||
19.132 Ācārya-, Opferpriester- und Pūjā-Dienst für den Bezwinger Madhus sind bei Verschiedenheit von Tantra oder Siddhānta nach dieser Befugnisordnung nicht zulässig. Die längere Variante formuliert dieselbe Beschränkung beschädigt.
ācāryaṃ kramaśaḥ pūjya pūjādyaṃ madhuvidviṣaḥ |tantrabhede ca casiddhā nte tadevāpi na yujyate. iti kvacitpāṭhaḥ |
viṣaśastrādihatānāṃ nārāyaṇabaliḥ. |
brahmahatyādipāpānāṃ niṣkṛtismsṛticoditā |
mṛtānāṃ viṣaśastrāgni prāyairugraiśca karmabhiḥ || 133 ||
19.133 Für Brahmanentötung und weitere Verfehlungen ist die in der Smṛti gelehrte Wiedergutmachung vorgesehen. Für Menschen, die durch Gift, Waffen, Feuer oder andere gewaltsame Ursachen gestorben sind,
atra adhyāyasamāptiḥ kvacitkośe dṛśyate |
nārāyaṇabalirnāma samārādhanamuttamam |
gatiheturvinā tena gatiranyāna vidyate || 134 ||
19.134 gibt es die vorzügliche Verehrung namens Nārāyaṇa-Bali. Der Text erklärt sie zur Ursache einer guten jenseitigen Bestimmung und bestreitet hier einen anderen Weg. Laut Quellenvermerk endet das Kapitel in manchen Handschriften bereits vor diesem Abschnitt.
punardahanamārabhya karma smārtamaśeṣataḥ |
kṛtvā sapiṇḍīkaraṇaparyantaṃ tadanantaram || 135 ||
19.135 Man vollzieht sämtliche Smṛti-Totenriten, von der erneuten Verbrennung bis zur Aufnahme unter die Vorfahren, Sapiṇḍīkaraṇa.
devadevaṃ samārādhya vakṣyamāṇena vartmanā |
viṣṇvālaye nadītīre parvate vā vane'pi vā || 136 ||
19.136 Danach verehrt man den Gott der Götter nach dem folgenden Verfahren: in einem Viṣṇu-Tempel, an einem Flussufer, auf einem Berg oder im Wald,
vipinepi vā |
ānyatra vā puṇyadeśe karturvā bhavane śubhe |
yaṣṭavyaṃ kṛṣṇapakṣasya dvādaśyāmayanadvaye || 137 ||
19.137 an einem anderen heiligen Ort oder im geeigneten Haus des Ausführenden, am zwölften Tag der dunklen Hälfte, in einem der beiden Sonnenhalbjahre.
upoṣitassan pūrvedyuḥkartāniyatamānasaḥ |
brāhmaṇānbhagavadbhaktānvratasvādhyāyaśālinaḥ || 138 ||
19.138 Am Vortag fastet der Ausführende mit gesammeltem Geist. Er lädt Brahmanen ein, die dem Erhabenen ergeben sind und Gelübde und heiliges Studium pflegen.
āmantryamantravidbadhvā keśavādi yathāsvayam |
śodhite gomayāmbhobhirbhūtale kuśaviṣṭare || 139 ||
19.139 Der Mantrakundige ordnet ihnen Keśava und die weiteren Gestalten zu; das Verb ist beschädigt. Auf mit Kuhdungwasser gereinigtem Boden bereitet er Kuśa-Sitze.
upaveśya vṛtāneva prāṅmukhān kamalāsana |
arghyādibhissamabhyarcya sāmabhiḥ keśavadibhiḥ || 140 ||
19.140 Er lässt die ausgewählten Brahmanen nach Osten gewandt Platz nehmen, Lotusgeborener, und verehrt sie mit Arghya und weiteren Gaben unter den Namen Keśava und der folgenden Gestalten.
prātarena |
namontrairnāgavallyādi datvā cābhyañjayeddvijān |
snātānāṃ sannidau teṣāṃ homaṃ caupāsane'nale || 141 ||
19.141 Mit auf „namaḥ“ endenden Formeln gibt er Betel und andere Gaben und salbt die Brahmanen. Nach ihrem Bad vollzieht er vor ihnen das Feueropfer im häuslichen Kultfeuer.
kṛtvāgni mukhamagneśca prāgbhāge cakrapaṅkaje |
sthaṇḍale kuśakūrce vā devamāvāhayediti || 142 ||
19.142 Nach den einleitenden Feuerhandlungen ruft er den Gott östlich des Feuers in einem Diskuslotus, auf einer Bodenopferstätte oder in einem Kuśa-Büschel an.
puṣpāñjalissamutthāya nṛsūktādyā ṛco japan |
oṃ pūrvābhirvyāhṛtibhirāvāhya puruṣottamam || 143 ||
19.143 Mit Blüten in gefalteten Händen steht er auf und rezitiert Verse vom Puruṣa-Sūkta an. Unter den mit „oṃ“ eingeleiteten Vyāhṛtis ruft er Puruṣottama an,
mūrtibhedān keśavādīnnāmabhistairanantaram |
āvāhyārghyādibhiṣṭadbhirupacarya pṛthakpṛthak || 144 ||
19.144 danach die Gestalten von Keśava an unter ihren Namen. Jede verehrt er mit den sechs Diensten von Arghya an.
tarpayitvā tilāmbhobhiḥ keśavādīn svanāmabhiḥ |
upacarya ca dīpāntaṃ puruṣaṃ puruṣātmanā || 145 ||
19.145 Mit Sesamwasser sättigt er Keśava und die anderen unter ihren Namen. Den Puruṣa verehrt er bis zur Lampe mit dem Puruṣa-Sūkta,
sūktena keśavādīṃstu nāmabhistairyathākramam |
agnau padmāsanāsīnaṃ dhyātvā paramapūruṣam || 146 ||
19.146 Keśava und die anderen mit ihren Namen in der Reihenfolge. Im Feuer meditiert er über den höchsten Puruṣa, der auf einem Lotus sitzt.
anūcya pāyasaṃ viṣṇornukamityṛcamabjaja |
paścātparomātrayeti yājyayā juhuyāddhaviḥ || 147 ||
19.147 Lotusgeborener, mit „viṣṇor nu kam“ kündigt beziehungsweise begleitet er die Milchreisgabe, danach opfert er mit dem Opfermantraanfang „paro mātrayā“.
āśrānya pāyasaṃ |
keśavādyairnāmadheyaissarpiṣā juhuyāttataḥ |
caturthyantairdvādaśabhi rnāmabhirdhyānamāsthitaḥ || 148 ||
19.148 Dann opfert er gesammelt Ghee unter den zwölf Namen von Keśava an im Dativ; die Variante ergänzt die Endung „namaḥ“.
namantai |
kṣīrājyaguḍamiśrānnaṃ tebhya eva nivedayet |
devasya tvā savituriti mahāviṣṇornavedanam || 149 ||
19.149 Ihnen bringt er mit Milch, Ghee und Rohzucker vermischte Speise dar; Mahāviṣṇu mit dem Mantraanfang „devasya tvā savituḥ“.
saptavyāhṛtibhirbhūyo juhuyātsarpiṣānale |
darbhāsaneṣu bhūdevānāhutānupaveśitān || 150 ||
19.150 Mit den sieben Vyāhṛtis opfert er erneut Ghee ins Feuer. Die eingeladenen und auf Darbha sitzenden Brahmanen
vastrāṅgulīyakacchatrakuṇḍalopānahādibhiḥ |
yathāśakti samabhyarcya mantreṇāṣṭākṣareṇa tān || 151 ||
19.151 verehrt er nach Kräften mit Gewändern, Ringen, Schirmen, Ohrringen, Schuhen und weiteren Gaben unter dem achtsilbigen Mantra.
tilājyamiśrahastena tadanujñānapūrvakam |
juhuyādanale havyaṃ vidyayā vakṣyamāṇayā || 152 ||
19.152 Mit ihrer Zustimmung nimmt er Sesam und Ghee in die Hand und opfert unter der nun genannten Formel ins Feuer.
pitṛbhyastatpitṛbhyaśca tatpitṛbhyaḥ punastathā |
mātṛbhyaḥ pitṛmātṛbhya statpitṛbhyaḥpunastathā || 153 ||
19.153 „Den Vätern, deren Vätern und wiederum deren Vätern; den Müttern, den Müttern der Väter und wiederum deren Vorfahren …“ Die Varianten ersetzen einzelne Verwandtschaftsbezüge durch Mütter, Schwestern oder Schwiegermütter; die Aufzählung ist nicht durchgehend einheitlich.
pitṛbhyaḥ |
tanmātṛbhyaḥ punaḥtatsvasṛbhyaḥtat śvaśrūbhvaḥ |
mātāmahebhya steṣāṃ ye pitarastebhya eva ca |
matāmahībhyo mātuśca pitṛmātṛbhya eva ca || 154 ||
19.154 „Den mütterlichen Großvätern und deren Vätern; den mütterlichen Großmüttern und den väterlichen Müttern der Mutter …“ Auch hier bietet die Quelle Varianten der mütterlichen Linie.
ssarvebhyaḥ |
māturmātṛbhya |
pituḥ pitāmahībhyaśca tathācāryebhya eva ca |
tatpatnībhyo gurubhyaśca gurupatnībhya eva ca || 155 ||
19.155 „Den Großmüttern väterlicherseits, den Ācāryas und ihren Ehefrauen, den Lehrern und deren Ehefrauen,
sakhibhyastatpurandhrībhyojñātibhyā yāścatat striyaḥ |
tābhyaśchāmātyatat strībhyassarvābhyastat striyaścayāḥ || 156 ||
19.156 den Freunden und ihren Frauen, den Verwandten und deren Frauen, den Vertrauten beziehungsweise Ratgebern und ihren Frauen …“ Die letzte Verbindung wiederholt sich im Ausgangstext.
tābhyaśceti samuccārya svadhā nama iti bruvan |
nārāyaṇāya svāheti pratyekaṃ pṛthagāhutiḥ || 157 ||
19.157 Bei jeder Gruppe spricht man „svadhā namaḥ“ und „nārāyaṇāya svāhā“ und bringt eine gesonderte Opfergabe dar.
prathamāhutīḥ. paramāhutīḥ |
agnibaddaṃ caturthyantaṃ kavyavāhanamityatha |
tadantesviṣṭakṛcchabdhamanuṣaṅgaśca pūrvavat || 158 ||
19.158 Danach setzt man „Agni“ in den Dativ, verbindet es mit „Träger der Ahnenopfergaben“ und „Sviṣṭakṛt“ und fügt die gleichen Abschlussworte wie zuvor an.
hutvaivaṃ sarpiṣā paścāddvādaśākṣaravidyayā |
pratyekaṃ śatamaṣṭā ca dvādaśākṣara vidyayā || 159 ||
19.159 Nach diesen Ghee-Gaben opfert man jeweils 108-mal unter dem zwölfsilbigen Mantra; die zweite Nennung desselben Mantras lautet in der Variante achtsilbiger Mantra.
idamardhaṃ bahughana |
tathāṣṭākṣaravidyayā |
viṣṇugāyatriyā tadvadbrāhmaṇān ṣaḍrasānvitam |
bhojayeddakṣaṇāṃ tadyāttān praṇamya pradakṣiṇam || 160 ||
19.160 Ebenso opfert man mit der Viṣṇu-Gāyatrī. Man bewirtet die Brahmanen mit Speisen aller sechs Geschmacksrichtungen, gibt Dakṣiṇā, verneigt sich und umschreitet sie.
tānanujñāpya śiṣṭānnaṃ yatheṣṭaṃ kriyātāmiti |
dakṣiṇenānalaṃ darbhān prāgagrān śodhite sthale || 161 ||
19.161 Man bittet sie um Zustimmung mit den Worten: „Mit der übrigen Speise möge nach Wunsch verfahren werden.“ Südlich des Feuers breitet man auf gereinigtem Boden Darbha mit den Spitzen nach Osten aus.
saṃstīrya teṣu darbheṣu baliṃ dadyātsamāhitaḥ |
viśvebhyaścaiva devebhyassādhyebhyastadanantaram || 162 ||
19.162 Darauf legt man gesammelt Bali nieder: für die Viśvedevas, danach die Sādhyas,
sarvebhyaścaiva devebhyo viṣṇurnārāyaṇa stathā |
sahasraśirase caiva yajñātmapadameva ca || 163 ||
19.163 für alle Götter, für Viṣṇu, Nārāyaṇa, den Tausendköpfigen und den, dessen Selbst das Opfer ist,
puruṣaṃ yajñapūrvaṃ ca sarveśvarapadaṃ tathā |
caturthyantaṃ samucchārya namassvā hetyanastaram || 164 ||
19.164 für Yajñapuruṣa und Sarveśvara. Die Namen stehen im Dativ; daran schließen „namaḥ“ und „svāhā“ an.
sarvatraivānuṣaṅgaṃ ca sviṣṭakṛdyajanādikam |
ādhenuvaradānāntaṃ kṛtvā pretaṃ nivedayet || 165 ||
19.165 Die entsprechende Schlussformel wird überall verwendet. Nach den Handlungen von der Sviṣṭakṛt-Verehrung bis zur vorzüglichen Kuhgabe empfiehlt man den Verstorbenen dem Gott an.
mūrtiṣu dvādaśasvenaṃ yajñaśarmāṇamākhyayā |
nivedayāmi devāya keśavāyetyanukramāt || 166 ||
19.166 In den zwölf Gestalten geschieht dies der Reihe nach: „Diesen unter dem Namen Yajñaśarman Bezeichneten vertraue ich dem Gott Keśava an“, und entsprechend den übrigen Namen.
dvādaśabhyonivedyaivaṃ paramānnaṃ nivedayet |
nārāyaṇabalirhyeṣa dvijānāṃ samudīritaḥ || 167 ||
19.167 Nach dieser Übergabe an die zwölf Gestalten bringt man süßen Milchreis dar; eine Variante liest, man solle ihn dem höchsten Selbst anvertrauen. So ist Nārāyaṇa-Bali für Brahmanen beschrieben.
paramātmanni vedayet |
samudāhṛtaḥ |
evaṃ yasya kṛte datto balirde vārcanā tmakaḥ |
sa yāti nikhilaṃ pāpaṃ nirdhūya brahma śāśvatam || 168 ||
19.168 Für wen diese aus Gottesverehrung bestehende Bali-Handlung vollzogen wird, der schüttle nach der Verheißung alle Verfehlungen ab und gelange zum ewigen Brahman.
dikam |
nirṇayaṃ vāpi |
pāpānāmitareṣāṃ ca baliḥ puṇyakṛtāmapi |
paramātmapadaprāptyaikalpate nātra saṃśayaḥ || 169 ||
19.169 Auch für andere mit Verfehlungen Belastete und für Menschen mit verdienstvollen Handlungen gilt diese Bali-Gabe als Weg zur Stätte des höchsten Selbst; daran bestehe kein Zweifel.
Kapitel 20: Goldener Keimraum, Aufwiegen und königliche Begießung
pādmasaṃhitāyām |
viṃśo'dhyāyaḥ |
pāpināṃ karmādhikārārthaprāyaścittam. |
brahmā |
rājānastadamātyā vā ye rājyadhuri niṣṭhitāḥ |
bhagavan rakṣaṇavyagrāḥ prajānāṃ satatodyatāḥ || 1 ||
20.1 Im zwanzigsten Kapitel fragt Brahmā nach der Wiedererlangung ritueller Befugnis: Erhabener, Könige und ihre Minister tragen die Regierungslast und sind ständig mit dem Schutz der Bevölkerung beschäftigt.
brahmahatyādibhiḥ pāpairabhibhūtā vigarhitaiḥ |
kāyakleśātmake śāstracodite ghorakarmaṇi || 2 ||
20.2 Sind sie durch schwere Verfehlungen wie Brahmanentötung belastet, können sie die in der Lehre vorgesehenen harten, körperlich leidvollen Sühnehandlungen
pāpanirharaṇopāye pravartitumanīśvarāḥ |
te kathaṃ tāni pāpāni nirdhūya sakalanyapi || 3 ||
20.3 zur Tilgung der Verfehlungen möglicherweise nicht ausführen. Wie können sie dennoch alle diese Verfehlungen abschütteln
karmādhikāriṇo bhūyassatāṃ saṃsadi saṃmatāḥ |
kalpanai bhagavaddhyāne tadarcanavidhāvapi || 4 ||
20.4 und wieder zu rituellen Handlungen befugt, in der Gemeinschaft der Guten anerkannt und zur Meditation über den Erhabenen und seiner Verehrung
yogyāḥ prakāraṃ taṃ deva brūhi mahyaṃ yathātatham |
śrībhagavān |
brahmahatyādipāpānāmapanodanamuttamam || 5 ||
20.5 geeignet werden? Lehre mir dieses Verfahren genau, Gott. Der erhabene Herr sprach: Zur vorzüglichen Tilgung von Brahmanentötung und anderen Verfehlungen
kāyakleśātmake karmaṇyakṣamāṇāṃ mahībṛtām |
vihitaṃ sukaraṃ teṣāṃ prāyaścittaṃ caturmukha || 6 ||
20.6 ist für Könige, die körperlich harte Sühne nicht leisten können, eine leichter ausführbare Wiedergutmachung vorgesehen, Viergesichtiger.
hiraṇyagarbhatulābhāra nirdeśaḥ. |
hiraṇyagarbhanāmaikaṃ karma proktaṃ yathāparam |
tulābhārasamā khyaṃ taddvābhyāṃ nirdhūta kalmaṣam || 7 ||
20.7 Die eine Handlung heißt Hiraṇyagarbha, die andere Tulābhāra. Durch diese beiden von Verfehlungen gereinigt,
tathāparam |
khyātam |
bhagavaddhyānapūjādividau bhūyo'dhikāriṇiḥ |
bhavantikarmadvitayaṃ tadaśeṣeṇa kathyate || 8 ||
20.8 werden sie wieder zur Meditation, Verehrung und weiteren Diensten des Erhabenen befugt. Beide Handlungen werden vollständig erklärt.
hiraṇyagarbhavidhiḥ. |
kartuṃ vyavasitaṃ karma varayedgurumāditaḥ |
sarvaśāstrārthatatvajñaṃ mantrāṇāṃ pāragaṃ param || 9 ||
20.9 Wer sich zur Ausführung entschlossen hat, wählt zuerst einen Lehrer, der den Sinn aller Lehrwerke kennt und die Mantras vollkommen beherrscht,
dayāluṃ sarvabhūtānāmakrodhanamalolupam |
karmadvayavidhānajñamṛjuṃ bhāgavataṃ dvijam || 10 ||
20.10 mitfühlend mit allen Wesen, ohne Zorn und Gier, in beiden Ritualen kundig, aufrichtig und ein hingebungsvoller Brahmane. Eine Variante nennt drei statt zwei Rituale.
karmatraya |
parīkṣyaivaṃ vidhaṃ yatnādupasaṅgamya pārthivaḥ |
arthayitvā yathānyāyamupacarya dvijottamam || 11 ||
20.11 Der König prüft einen solchen Lehrer sorgfältig, sucht ihn auf, bittet ihn ordnungsgemäß und ehrt ihn.
karmārabheta puṇyeṣu deśakāleṣu yantritaḥ |
ṣaṭsutaiṣyādi māseṣu śravaṇe tvāṣṭrā eva vā || 12 ||
20.12 Dann beginnt er gesammelt an heiligem Ort und zu günstiger Zeit: in den sechs Monaten von Taiṣa an, unter Śravaṇa oder dem Tvaṣṭṛ zugeordneten Citrā,
karmārambheṣu |
maitre cāśvayuji brahman rohiṇyāṃ pāsave'pi vā |
puṣye vā saumyanakṣatre cottaratritaye'pi vā || 13 ||
20.13 unter Mitras Anurādhā, Aśvinī, Rohiṇī, dem Vasu-Gestirn Śraviṣṭhā, Puṣya, Somas Mṛgaśīrṣa oder einem der drei Uttarā-Gestirne, Brahmā.
deśetīre ca saritāṃ samudrataṭabhūṣu vā |
yadvā sarvaguṇopete deśe bhagavadālaye || 14 ||
20.14 Als Ort dienen ein Flussufer, Meeresufer oder ein in jeder Hinsicht geeigneter Platz im Heiligtum des Erhabenen.
naimittikaṃ cetkarmaitanna kālādiparīkṣaṇam |
maṇḍapaṃ prathamaṃ kuryātpratiṣṭhāyāmivālaye || 15 ||
20.15 Ist der Ritus durch einen konkreten Anlass erforderlich, entfällt die Prüfung einer besonderen Zeit. Zuerst errichtet man im Tempel eine Halle wie bei der Installation,
anyatra vā yathoddiṣṭe deśe śāstroktavartanā |
sarvālaṅkāranaṃyuktamantaḥ kalpitavedikam || 16 ||
20.16 oder an einem anderen der genannten Orte, nach der Lehrvorschrift, mit vollständigem Schmuck und einer inneren Opferplattform.
aṅkurānarpayetpūrvamukteṣvanyatame dine |
sambhārāstatra sambhāryā yathāvidhi yathāvasu || 17 ||
20.17 An einem der genannten Tage sät man zuvor Keime aus. Alle Materialien werden vorschriftsmäßig und nach den vorhandenen Mitteln beschafft.
ekāṅgulaghane tulye kapāle dve hiraṇmaye |
adharaṃ cottaraṃ cāpi karye dvābhyāṃ caturmukha || 18 ||
20.18 Man fertigt zwei gleichartige goldene Schalen, eine untere und eine obere, von einem Aṅgula Wandstärke; eine Variante nennt zwei Aṅgula.
vāpi |
saṅgatābhyāṃ praviśyāntarāste garbhāśaye yathā |
kartāsukhaṃ taṃ niryāya dvayamaṇḍasamākṛti || 19 ||
20.19 Zusammengesetzt bilden sie eine Eiform, in deren Innerem der Ausführende wie in einem Mutterleib bequem sitzen kann.
hiraṇyagarbha saṃjñaṃ tat yatrāyaṃ jāyate punaḥ |
homapātrāṇi sarvāṇi raimayānyeva kārayet || 20 ||
20.20 Dies heißt Hiraṇyagarbha, „goldener Keimraum“, weil er darin erneut geboren wird. Sämtliche Feueropfergefäße werden ebenfalls aus Gold hergestellt.
nāmaitat sammānaṃ |
yatoyam |
sambhāreṣu samasteṣu sambhṛteṣu mahīpatiḥ |
pūrvedyu rniyataścopta romaśmaśrunakhaśśuciḥ || 21 ||
20.21 Sind alle Materialien bereit, lässt der König am Vortag Haare, Bart und Nägel schneiden und übt Selbstdisziplin.
rniyataṃ kṛtta |
śuddhadaśśuddhavasanaśśvetamālyānulepanaḥ |
upoṣito ghṛtaṃ prāśya rātriṃ niyamatatparaḥ || 22 ||
20.22 Rein, in sauberen Gewändern, mit weißen Girlanden und Salben versehen, fastet er; nach dem Genuss von Ghee verbringt er die Nacht in der vorgeschriebenen Disziplin.
nītvā paredyuḥ pratyūṣesnāto niyatamānasaḥ |
ṛtvigbhiḥ kārayetkarma garuṇā coditassvayam || 23 ||
20.23 Am folgenden Morgen badet er, sammelt seinen Geist und lässt unter der Leitung des Lehrers die Handlung durch Opferpriester ausführen.
vedimadhye śālibhārairnavabhiḥ kṛtaviṣṭare |
prāgagreṣu ca darbheṣu stīrṇeṣvāropya raimayam || 24 ||
20.24 In der Mitte der Plattform richtet man aus neun Bhāra Reis eine Unterlage her, breitet Darbha mit den Spitzen nach Osten darauf aus und setzt die goldene
kapālamadharaṃ dvāratoraṇādisamarcane |
yathāpuraṃ kṛte nṛttageyavāditramaṅgale || 25 ||
20.25 untere Schale darauf. Türen, Torbögen und weitere Einrichtungen werden wie zuvor verehrt; Tanz, Gesang und Instrumentalmusik begleiten dies.
hiraṇyagarbhamabhitaścaturdikṣu bhṛtodakān |
saṃsthāpya caturaḥ kumbhān dhānyapīṭheṣu teṣvatha || 26 ||
20.26 Rings um den goldenen Keimraum stellt man in den vier Richtungen vier wassergefüllte Krüge auf Getreideunterlagen.
kumbheṣu nyastaratneṣu veṣṭiteṣu navāmbaraiḥ |
catasro devatāssvīyairnāmadheyairanukramāt || 27 ||
20.27 Die Krüge enthalten Edelsteine und sind mit neuen Gewändern umhüllt. In ihnen ruft man der Reihe nach vier Gottheiten unter ihren Namen an:
āvahyaḥ puruṣassatyaḥ prācīdakṣiṇayestathā |
vāruṇyāmathakauberyāmacyuto'nanta eva ca || 28 ||
20.28 Puruṣa im Osten, Satya im Süden, Acyuta im Westen und Ananta im Norden.
samudīryārghyapādyādyai rdhūpadīpāvasānakaiḥ |
annaṃ caturvidhaṃ cāpi kumbhe kumbhe nivedayet || 29 ||
20.29 Man verehrt sie mit Arghya, Fußwasser und den weiteren Diensten bis zu Räucherwerk und Lampe. In jedem Krug werden vier Speisearten dargebracht.
pūrvādi dikṣu kuṇḍeṣu pratiṣṭhāyāmivakramāt |
klṛpteṣu hāvayedagnau samidhājyena cakramāt || 30 ||
20.30 In den wie bei einer Installation eingerichteten Feuergruben der Richtungen, von Osten an, lässt der Lehrer mit Brennholz und Ghee opfern.
bhāvaye dagnau |
pratyekaṃ mūlamantreṇa śatamaṣṭottaraṃ guruḥ |
caturvidhena cānnena pratyekaṃ ṣoḍaśāhutīḥ || 31 ||
20.31 Unter dem Grundmantra erfolgen je 108 Gaben, mit jeder der vier Speisearten jeweils sechzehn Opfergaben.
kuryātpuruṣanoktena dhyātvā yaṣṭavyadevatāḥ |
prāpte muhurte bhūdevānanujñāpya gurussvayam || 32 ||
20.32 Dafür dient das Puruṣa-Sūkta; man meditiert über die zu verehrenden Gottheiten. Im günstigen Augenblick holt der Lehrer die Zustimmung der Brahmanen ein.
jñātvā yaṣṭavyadevatām |
pāṇinā bhūmipaṃ haste gṛhītvā pralayakramāt |
dehaṃ saṃhṛtya bhūpālaṃ dehamātrāvaśeṣitam || 33 ||
20.33 Er nimmt den König an der Hand und löst dessen Körper in der Meditation nach der Rücknahmeordnung auf. Die Grundlesart lässt „nur den Körper“, die Variante „nur das Lebewesen“ beziehungsweise den Jīva zurück; die Stelle ist beschädigt.
jāvamātrānīcamātrā |
dhyātvā praveśayedgarbhaṃ raimayaṃ kamalāsana |
adhare raimaye bhāge sukhāsīnaṃ ca bhūmipam || 34 ||
20.34 So meditierend führt er den König in den goldenen Keimraum, Lotusgeborener. Der König sitzt bequem in der unteren goldenen Hälfte.
chādayedupariṣṭena bhāgenaitatpraveśanam |
ghṛtamiśraistilaistatvasaṃhārāhutimācaret || 35 ||
20.35 Mit der oberen Hälfte wird er bedeckt. Dies ist das Eintreten in den Keimraum. Mit Ghee vermischtem Sesam vollzieht man das Opfer der Tattva-Auflösung.
tattvotpādanamārgeṇa cintayitvā guruḥ punaḥ |
spaṣṭaṃ śarīraṃ bhūpasya sṛṣṭi homaṃ yathāpuram || 36 ||
20.36 Dann stellt sich der Lehrer nach der Ordnung des Hervorbringens die Tattvas und den vollständig neu entstehenden Königskörper vor und vollzieht das Schöpfungsopfer wie zuvor.
kuryātkuṇḍeṣu sarvatra caturghu caturāsana |
ānīya mantravajjātaṃ aṇḍāttasmādbahirnṛpam || 37 ||
20.37 Dies geschieht in allen vier Feuergruben, Viergesichtiger. Danach führt man den durch den Mantra neu geborenen König aus dem goldenen Ei heraus.
kuṇḍāt |
vaiyāghracarmaṇyāropya kalaśairabhiṣecayet |
uttamādhamamārgeṇa vedavittantravittamaḥ || 38 ||
20.38 Man setzt ihn auf ein Tigerfell und begießt ihn mit Krügen nach der Stufe Uttamādhama. Der Ausführende ist in Veda und Tantra kundig.
daivavit |
tathaiva mantrātsnapanaṃ dravyajātaṃ ca tādṛśam |
karmaṇā tena nirdhūtakalmaṣaḥ puṇyakṛttamaḥ || 39 ||
20.39 Man verwendet die entsprechenden Mantras und Materialien des Krugbades. Durch diese Handlung gilt der König als von Verfehlungen gereinigt und vorzüglich verdienstvoll.
nena |
jāto guruprasādena gurumagre sabhājayet |
sahasraniṣṭamānena tapanīyena bhūmipaḥ || 40 ||
20.40 Da dies durch die Gnade des Lehrers geschieht, ehrt der König zuerst den Lehrer mit Gold im Gewicht von tausend Niṣkas.
ṛtvijāṃ cāpi sarveṣāṃ tāvatī dakṣiṇā matā |
karmopakaraṇaṃ sarvaṃ kuryādācāryasānnṛpaḥ || 41 ||
20.41 Für sämtliche Opferpriester wird ebenfalls eine entsprechende Dakṣiṇā genannt. Alle Ritualgeräte übereignet der König dem Ācārya.
hairaṇyamaṇḍaṃ vidvadbhyo brāhmaṇebhyaḥ pradāpayet |
evaṃ kṛtavatastasya viṣṇorārādhanādiṣu || 42 ||
20.42 Das goldene Ei lässt er an gelehrte Brahmanen verteilen. Wer so gehandelt hat, erlangt wieder die Befugnis zu Viṣṇus Verehrung.
saṃpadyate'dhikāritvaṃ dvirevaṃ karma kurvataḥ |
phalaṃ ca viṣṇossārūpyaṃ sāyujyaṃ triguṇe bhavet || 43 ||
20.43 Bei zweimaliger Ausführung verheißt der Text Gestaltgleichheit mit Viṣṇu, bei dreimaliger Vereinigung mit ihm. Eine Variante setzt bereits bei der ersten Wiederholungsangabe „dreimal“ ein.
trirevaṃ |
tulābhāravidhiḥ. |
tulābhārāhvayaṃ karma dvitīyaṃ kathyate'dhunā |
nirmāya maṇṭapaṃ prāgvattasmadhye yajñadārujau || 44 ||
20.44 Nun wird die zweite Handlung, Tulābhāra, das Aufwiegen, erklärt. Man errichtet die Halle wie zuvor und darin zwei Pfosten aus Opferholz.
stambhā dṛḍhau saravantau hastaiṣṣaḍbhissamchṛtau |
dvihastapariṇāhau dvau savṛttau śilpikalpitau || 45 ||
20.45 Sie sind fest, aus Kernholz, sechs Hasta hoch und je zwei Hasta im Umfang, von Handwerkern rund beziehungsweise nach der Variante gerade gefertigt.
ṛjū |
dvihastamānāntarālau sthāpitau bhūtale dṛḍham |
kṛtvātayoruparyekaṃ dāru sārava duttaram || 46 ||
20.46 Sie stehen zwei Hasta auseinander und sind fest im Boden verankert. Oben verbindet sie ein starker Querbalken aus Kernholz.
suvṛtta |
suvṛtta |
vistīrṇaṃ hastamānena tāvanmānaghasaṃ dhṛḍham |
trihastamāyataṃ caiva tulādaṇḍamayomayam || 47 ||
20.47 Dieser wird als einen Hasta breit und ebenso stark beschrieben. Eine drei Hasta lange eiserne Waagestange
āyasenaiva pāśena yojayeduttareṇa tu |
vidhāyetthaṃ tulāmanyatsambhārādi yathāpuram || 48 ||
20.48 wird mit einer eisernen Aufhängung am Querbalken befestigt. So richtet man die Waage her; alle übrigen Materialien entsprechen dem vorherigen Verfahren.
kalpayitvā yathāpūrvaṃ karmacopari śāstrikam |
homāntaṃ sakalaṃ kuryādyathā yogamalopayan || 49 ||
20.49 Man vollzieht sämtliche vorgeschriebenen Handlungen bis zum Feueropfer angemessen und ohne Auslassung.
śāstrataḥ |
loka |
snāto narapatiḥ kṣāmavasanābharaṇānvitaḥ |
śucirdhyāyan vāsudevaṃ carmakhaḍgadharastataḥ || 50 ||
20.50 Der König ist gebadet, trägt Leinen und Schmuck, ist rein und meditiert über Vāsudeva. Mit Schild und Schwert
parikramya samaskṛtya devāṃstān puruṣādikān |
tulāmapi tathā kṛtvā bhāge tasyāśca paścime || 51 ||
20.51 umschreitet er Puruṣa und die übrigen Gottheiten und verneigt sich vor ihnen; ebenso ehrt er die Waage. Er tritt an ihre westliche Seite.
sthitvā prāgānano bhūtvā ārohetpaścimaṃ dhaṭam |
svastina ityṛcaṃ sūktamadhīyānaśca maṅgalam || 52 ||
20.52 Nach Osten blickend steigt er in die westliche Waagschale und rezitiert den glückverheißenden Vers beziehungsweise Hymnus mit dem Anfang „svasti naḥ“.
svastidā |
prācye dhaṭe nṛpasamaṃ nikṣipeddhāṭakottamam |
caturdikṣu pravṛtteṣu nṛttavāditragītiṣu || 53 ||
20.53 In die östliche Schale legt man vorzügliches Gold bis zum Gewicht des Königs. In den vier Richtungen finden Tanz, Musik und Gesang statt.
nikṣipte kvā |
adhīyāneṣu vipreṣu vedāṃśca caturastadā |
śāntihome ca kuṇḍeṣu pravṛtte pārthivassvayam || 54 ||
20.54 Brahmanen rezitieren die vier Veden; in den Feuergruben wird Śānti-Homa vollzogen. Der König selbst
kañcitkālaṃ dhaṭabhuvi dhyāyan rukmamayaṃ harim |
āsitvā gurvanujñātaḥ pūrvaṃ dhaṭabhuva stataḥ || 55 ||
20.55 bleibt eine Weile in der Schale und meditiert über den goldenen Hari. Mit Erlaubnis des Lehrers steigt er dann
avarohetsuvarṇaṃ ca bhūṣaṇāni ca bhūpatiḥ |
bhūsurebhyo yathāyogaṃ vibhajya vitarettataḥ || 56 ||
20.56 von der Waage herab und verteilt das Gold und die Schmuckstücke angemessen unter den Brahmanen.
ācāryaya śataṃ niṣkaṃ mūrtipebhyaśca tatsamam |
sarvebhyo ye ca tatkarmasahakāre niyojitāḥ || 57 ||
20.57 Dem Ācārya gibt er hundert Niṣkas, den Bildhütern eine entsprechende Menge. Auch alle anderen zur Mitwirkung Bestimmten
tebhyo'pi dadyāddīkṣitvā teṣāṃ karma yathāyatham |
tulābhārāhvayaṃ karma kurvannitthaṃ mahīpatiḥ || 58 ||
20.58 erhalten Gaben entsprechend ihrer Tätigkeit; das Verb bei dieser Zuteilung ist beschädigt. Ein König, der Tulābhāra so vollzieht,
anyo vā dhanavān kaścitsarvapāpaiḥ pramucyate |
pretya cābhimatān bhogānaśnute divi devavat || 59 ||
20.59 oder ein anderer vermögender Mensch werde nach der Verheißung von allen Verfehlungen frei und genieße nach dem Tod im Himmel die gewünschten Freuden wie ein Gott.
asakṛtkarma kurvāṇo brahmaloke mahīyate |
pāpāpanodanaṃ karma paraloke sukhāvaham || 60 ||
20.60 Wer den Ritus wiederholt ausführt, werde in Brahmaloka geehrt. Er wird als Tilgung von Verfehlungen und Quelle jenseitiger Freude gepriesen,
āyurvṛddhikaraṃ sarvarogaśāntikaraṃ param |
saṃpatkaraṃ yaśovṛddhikāraṇaṃ sarvakāmadam || 61 ||
20.61 als Mehrung der Lebensdauer, Befriedung aller Krankheiten, Quelle von Wohlstand und Ruhm und Erfüllung aller Wünsche.
caturānana karmānyatsvarṇagarbhādi saṃyutam |
puṣyābhiṣekaḥ. |
puṣyābhiṣecanaṃ nāma śṛṇu guhyaṃ sanātanam || 62 ||
20.62 Viergesichtiger, höre nun eine weitere geheime, alte Handlung, die mit dem goldenen Keimraum verbunden beziehungsweise ihm gleichgestellt ist: Puṣyābhiṣeka.
sammitam |
vihitaṃ pṛthivīśānāmintrādyairapyanuṣṭhitam |
māsitaiṣye proṣṭapade māse cāśva yuje śubhe || 63 ||
20.63 Sie ist für Könige vorgesehen und wurde auch von Indra und anderen vollzogen. In den Monaten Taiṣa, Proṣṭhapada oder im günstigen Āśvayuja,
śravaṇe caiva nakṣatre janmarkṣe kartureva vā |
mahābhiṣecanaṃ karma prārabheta guru stataḥ || 64 ||
20.64 unter Śravaṇa oder dem Geburtsgestirn des Ausführenden, beginnt der Lehrer diese große Begießungsweihe.
svayam |
pūrvokaiṣveva deṣeṣu kasmiṃścidabhipūjite |
pañcadaṇḍāyatāṃ bhūmiṃ kṛtvā vai vartulākṛtim || 65 ||
20.65 An einem der zuvor genannten, besonders geeigneten Orte richtet man eine kreisförmige Fläche von fünf Daṇḍa Ausdehnung her.
tasyāmantasthsalaṃ samyakkṛtvā niṣkasamucchṛtam |
toraṇādi caturdikṣu sthāpayitvā caturmukha || 66 ||
20.66 Ihr Inneres wird sorgfältig geebnet beziehungsweise leicht erhöht; das überlieferte Höhenwort „niṣka“ ist als Maß nicht eindeutig. Viergesichtiger, man stellt Torbögen in den vier Richtungen auf.
vāri |
alaṅkṛtya yathāpūrvaṃ vitānadhvajamālayā |
tanmadhye kalpayenmeruṃ mṛdaṅgasadṛśākṛtim || 67 ||
20.67 Baldachin, Fahnen und Girlanden schmücken die Anlage wie zuvor. In der Mitte gestaltet man den Berg Meru in Form einer Mṛdaṅga-Trommel.
ślakṣṇādi ca mṛdā kāryaṃ tasyocchrāyaṃ trihastakam |
mūle cāgre ca viṣkambho hastamānastathā bhavet || 68 ||
20.68 Er wird glatt aus Erde gefertigt, drei Hasta hoch; an Basis und Spitze beträgt sein Durchmesser je einen Hasta.
tasyordveca |
caturdikṣu ca cadvāro bhāgāstasya yathākramam |
śveto'ruṇastathāpītaḥ kṛṣṇaḥ kalpyaśca sarvataḥ || 69 ||
20.69 Die vier Seiten erhalten der Reihe nach die Farben Weiß, Rot, Gelb und Schwarz.
caturdvāro |
katnaiḥ svarṇaiḥ pūraṇīyā ṣṣaṭtathā kulaparvatāḥ |
pūrvāparāyatāḥ kalpyā himavāṃ stadanantaram || 70 ||
20.70 Er wird mit Edelsteinen und Gold gefüllt beziehungsweise nach der Variante geschmückt. Dazu gestaltet man sechs von Osten nach Westen verlaufende Gebirgszüge: zunächst Himavat,
bhūṣaṇīyauḥ |
hemakūṭaśca viṣadho nīlaśśvetaśca parvataḥ |
śataśṛṅgaśca viṣkambhasteṣāṃ gyātṣoḍaśāṅgulaḥ || 71 ||
20.71 dann Hemakūṭa, Niṣadha, Nīla, Śveta und Śataśṛṅga. Ihr Durchmesser beziehungsweise ihre Breite beträgt sechzehn Aṅgula.
śvetaśca piṅgalo rakto nīlaścandrasamaprabhaḥ |
hemavarṇaḥ kramādvarṇaiścitrayeddhātupāṃsubhiḥ || 72 ||
20.72 Mit Mineralfarben bemalt man sie der Reihe nach weiß, gelbbraun, rot, blau, mondhell und goldfarben.
jambādvīpaṃ libhaitvaivaṃ lavaṇodadhivedhṭitam |
plakṣadvīpaṃ likheddikṣu samudrapari veṣṭitam || 73 ||
20.73 So gestaltet man Jambūdvīpa, umgeben vom Salzmeer. Darum wird Plakṣadvīpa mit seinem umgebenden Meer gezeichnet.
vāritam |
śālmalyā lakṣitaṃ dvīpaṃ parītaṃ madirāmbubhiḥ |
kuśaṃ parītamāghāraiḥ krauñcaṃ dadhisamudritam || 74 ||
20.74 Es folgen die durch den Śālmalī-Baum bezeichnete Insel, umgeben von einem Weinmeer, Kuśa mit dem Ghee-Meer und Krauñca mit dem Joghurtmeer.
śākaṃ dugdhodadhikṣiptaṃ puṣkaraṃ svacchatoyadhim |
kramāllikhitvā sarveṣāṃ lokālokamahācaram || 75 ||
20.75 Śāka liegt im Milchmeer, Puṣkara im Meer reinen Wassers. Nach diesen Inseln gestaltet man ringsum das große Lokāloka-Gebirge.
vapravatkalpayetprācyāṃ tasyāntaramarāvatīm |
purīmindrasya yāmyāyāṃ nāmnā saṃyamanīmapi || 76 ||
20.76 Es bildet gleichsam einen Wall. Innerhalb davon liegt im Osten Indras Stadt Amarāvatī, im Süden Yamas Saṃyamanī,
purīm |
yamasya varuṇasyāpi pratīcyāṃ nagarīṃ tathā |
vibhāvarīmudīcyāṃ tu purīṃ somasya kalpayet || 77 ||
20.77 im Westen Varuṇas Stadt und im Norden Vibhāvarī, die Stadt Somas. Der Eigenname der westlichen Stadt wird im Vers nicht genannt.
indrādilokapālānāṃ sthāne sthāne prakalpayet |
saikate sthaṇḍile tatra tānāvāhya samarcayet || 78 ||
20.78 Indra und die übrigen Welthüter werden an ihren jeweiligen Plätzen auf der Sand- beziehungsweise Bodenanlage angerufen und verehrt.
mahāmoruṃ ca tanmūrdhni vārāhiṃ mūrtimarcayet |
meroruttarapārśve tu śvabhraṃ kṛtvā pramāṇataḥ || 79 ||
20.79 Man verehrt den großen Meru und auf seiner Spitze die Varāha-Gestalt. Nördlich davon gräbt man eine Grube im passenden Maß.
adhaḥ kapālaṃ sauvarṇaṃ nyasya tatra samarcayet |
pūnarurdhvakapālaṃ ca nyasya tasyopari kramāt || 80 ||
20.80 Darin setzt man die untere goldene Schale ein und verehrt sie; die obere Schale wird anschließend darüber bereitgestellt.
pūrvoktena vidhānena purodhā niyatassvayam |
kuṃbhān ṣoḍaśa saṃpūrṇān ṣoḍaśa prasthapūraṇān || 81 ||
20.81 Der gesammelte Hauspriester verfährt nach der früheren Vorschrift. Sechzehn volle Krüge mit je sechzehn Prastha Fassungsvermögen,
sauvarṇān |
parito'ṇḍakapālasya sūtravastrādiveṣṭitān |
sthāpayitvā dhānyarāśau sāpidhānānalaṅkṛtān || 82 ||
20.82 nach der Variante goldene, stellt man rings um die goldene Eischale auf Getreidehaufen. Sie sind mit Fäden und Stoffen umwickelt, gedeckelt und geschmückt.
diśamaindrīṃ samārabhya prādakṣiṇyena pūrayet |
pañcagavyādibhirdravyaiḥ praṇavena prapūrayet || 83 ||
20.83 Im Osten beginnend füllt man sie im Uhrzeigersinn unter dem Praṇava mit Pañcagavya und den folgenden Stoffen.
pañcagavyaṃ ca pīyūṣaṃ dadhi sarpi stathā madhu |
haricandanatoyaṃ ca vāri cākṣatasaṃyutam || 84 ||
20.84 Die Reihenfolge lautet: Pañcagavya, Milch beziehungsweise Pīyūṣa, Joghurt, Ghee, Honig, Haricandana-Wasser und Wasser mit ungebrochenen Körnern,
kuṅkumaṃ ca tathā toyaṃ karpūrāguruvāri ca |
kuśodakaṃ ca ratnāmbhassarva puṣpodakaṃ tathā || 85 ||
20.85 Kuṅkuma-Wasser, Kampfer-Adlerholz-Wasser, Kuśa-Wasser, Edelsteinwasser und Wasser mit allen Blüten.
kausumaṃ |
muṣṇo |
phalodakaṃ ca dhānyāmbhassarvatīrthodakaṃ tathā |
sarvagandhodakaṃ cāpi dravyāṇāṃ krama īritaḥ || 86 ||
20.86 Dann folgen Fruchtwasser, Getreidewasser, Wasser aller heiligen Badestellen und Wasser mit allen Düften. So lautet die Stofffolge; die Varianten betreffen einzelne Bezeichnungen.
kalpa īdṛśaḥ |
morośca dakṣiṇe bhāge kuṇḍamagneḥ prakalpayet |
ājyena juhuyādagnau śatamaṣṭottaraṃ pṛthak || 87 ||
20.87 Südlich des Meru, nach der Variante westlich, errichtet man die Feuergrube. Man opfert darin je 108-mal Ghee.
paścime bhāge kuṇḍe cāgniṃ |
varāhamūrti prabhṛtīrupakṣiptvā ca devatāḥ |
anyāśca devatāśśailān samudrānviṣṭasāni ca || 88 ||
20.88 Die Gaben gelten Varāha und den weiteren Gottheiten, außerdem Bergen, Meeren und den verschiedenen Weltbereichen.
bhūrādīni tathā dvīpabhedāṃścoddiśya nāmabhiḥ |
teṣā māhūya tatkāryaṃ guruṇā sapurodhasā || 89 ||
20.89 Die Welten von Bhū an und die verschiedenen Inseln werden namentlich angerufen. Lehrer und Hauspriester führen diese Handlung gemeinsam aus.
māhvoya |
bhūrbhuvassvariti brahmannanai ca juhuyādghṛtaiḥ |
agniṃ visṛjya vitareddakṣiṇāśca yathāvasu || 90 ||
20.90 Mit „bhūr bhuvaḥ svaḥ“ opfert man Ghee ins Feuer, Brahmā. Dann wird das Feuer verabschiedet und Dakṣiṇā nach Vermögen verteilt.
tadanai yajamānastu sarvālaṅkārasaṃyutaḥ |
śucissamāhito bhūtvākṛtakautukabandhanaḥ || 91 ||
20.91 Danach tritt der vollständig geschmückte, reine und gesammelte Auftraggeber mit angebundener Schutzschnur
praviśya tatra taddhaimamaṇḍaṃ ca prāṅmukha ssvayam |
praviśyāsīta deveśaṃ dhyāyanneva sudhākaram || 92 ||
20.92 in das goldene Ei und sitzt nach Osten gewandt. Er meditiert über den Herrn als Nektar- beziehungsweise Freudespendenden; die Lesarten unterscheiden sich.
sukhākaram. surākaram |
yajñamūrtiṃ dharāṃ devīṃ bibhrāṇaṃ nijadaṃṣṭrayā |
evaṃ dhyāyantamāsīnaṃ nṛpaṃ sopaskriyaṃ svayam || 93 ||
20.93 Er sieht ihn als Verkörperung des Opfers, die Erdgöttin auf dem eigenen Hauer tragend. Den so meditierend sitzenden König mit seiner Ausstattung
daṃṣṭrayā svayā |
ācāryānumataḥ kumbhaiḥ sthāpi tairabhiṣecayet |
pañcagavyādibhirdravyairmantrānuccāryamantravit || 94 ||
20.94 begießt der Mantrakundige mit Zustimmung des Ācārya aus den aufgestellten Krügen und spricht für Pañcagavya und die anderen Stoffe ihre jeweiligen Mantras.
vasoḥ pavitramantreṇa pañcagavyābhiṣecanam |
śaṃ nodevīriti payassnānaṃ dadhnā'bhiṣecanam || 95 ||
20.95 Für Pañcagavya dient „vasoḥ pavitram“, für das Milchbad „śaṃ no devīḥ“. Für die Begießung mit Joghurt
iṣetveti ghṛtenāgna āyāhīti tathā punaḥ |
madhunā cāgnimīḍeti mānastoka iti bruvan || 96 ||
20.96 dient „iṣe tvā“, für Ghee „agna ā yāhi“, für Honig „agnim īḍe“. Unter „mā nas toke“ verwendet man
haricandhanatoyena tathaivākṣatavāriṇā |
idaṃ viṣṇuriti procya kuṅkumakṣoda vāriṇā || 97 ||
20.97 Haricandana-Wasser, mit „idaṃ viṣṇuḥ“ das Wasser mit ungebrochenen Körnern; dann folgt Kuṅkuma-Wasser. Die begonnene Mantrazuordnung bricht am Ende dieses Kapitels ab.
Kapitel 21: Befugnisse und Praxis der vier Siddhāntas
pādmasaṃhitāyām |
caryāpādeekaviṃśo'dhyāyaḥ |
adhikārivyavasthāpraśna prativacane. |
brahmā |
siddhāntānāṃ śruto bhedaścaturṇāṃ bhagavanmukhāt |
idānīṃ śotumicchāmi vyavasthāmadhikāriṇām || 1 ||
21.1 Im einundzwanzigsten Kapitel des Caryāpāda fragt Brahmā: Aus deinem Mund habe ich die Unterscheidung der vier Siddhāntas gehört, Erhabener. Nun möchte ich die Ordnung ihrer befugten Ausübenden hören.
sāmpratam |
śrībhagavān |
ahaṃ te niyamaṃ teṣāṃ kathayiṣyāmi śāstrataḥ |
jāteṣu sarvavipreṣu manmukhātkamalāsana || 2 ||
21.2 Der erhabene Herr sprach: Ich werde ihre Regeln nach der Lehre erklären. Unter allen Brahmanen, die aus meinem Mund hervorgingen, Lotusgeborener,
viprajāteṣu sarveṣu |
nānācaraṇagotreṣu nānākarmapareṣu ca |
aupagāyanādīnāṃ nirdeśaḥ. |
teṣāṃ madhye mahābhāgā ṛṣayo'ṣṭasahasriṇaḥ || 3 ||
21.3 mit unterschiedlichen Vedenschulen, Abstammungslinien und Tätigkeiten, gab es achttausend besonders begnadete Seher.
aupagāyanapūrvāste nānāgotrā mumukṣavaḥ |
adhīyānāḥkaṇvaśākhāṃ tathā mādhyandināhvayām || 4 ||
21.4 Aupagāyana und die übrigen gehörten verschiedenen Gotras an, erstrebten Befreiung und studierten die Kāṇva- und Mādhyandina-Schule.
teṣāṃ buddhissamutpānnā mokṣaikaphaladāyinī |
te sarve saha saṅgamya brahmāṇaṃ procuravyayam || 5 ||
21.5 In ihnen erwachte die Einsicht, die allein auf Befreiung zielt. Sie versammelten sich und sprachen zu Brahmā.
brāhmaṇāḥ |
mokṣyamāṇā vayaṃ brahman mokṣo pāyavivitsayā |
śaraṇaṃ tvāmihaprāptā janmamṛtyujigīṣavaḥ || 6 ||
21.6 „Brahmā, wir suchen Befreiung und möchten den Weg dorthin kennenlernen. Um Geburt und Tod zu überwinden, sind wir zu dir als Zuflucht gekommen.“
aupagāyana mukhyāṃstānupāsannāṃ ścaturmukha |
brahmaṇāpāñcarātradīkṣādānam. |
iti bruvāṇānāhūya tadanugrahakāmyayā || 7 ||
21.7 Viergesichtiger, Brahmā rief diese mit Aupagāyana beginnenden Seher zu sich, da er ihnen Gnade erweisen wollte.
mukhyānāṃ tāpasānām |
pañcarātrokta mārgeṇa mantrasiddhāntavartmanā |
dīkṣayitvā yathānyāyaṃ cakravārija maṇḍale || 8 ||
21.8 Nach der Pāñcarātra-Ordnung des Mantra-Siddhānta weihte er sie vorschriftsmäßig im Diskus-Lotus-Maṇḍala ein.
mārgeṣu mantrasiddhāntamārgataḥ |
āhutān dīkṣitān brahmākartavyamidamādiśat |
kāṇvīṃ mādhyandinīṃ śākhāṃ śākhāsvantarhite ubhe || 9 ||
21.9 Den so Eingeweihten gab Brahmā folgende Weisung: „Studiert die beiden ursprünglichen Schulen Kāṇva und Mādhyandina, die in den Schulüberlieferungen verborgen enthalten sind.
adhīdhvaṃ mūlaśākhe te niṣekādīṃśca saṃskṛtīḥ |
tābhyāmeva tvanuṣṭhadhvaṃ somayāgādikarmaca || 10 ||
21.10 Vollzieht nach diesen beiden auch die Saṃskāras vom Empfängnisritus an sowie Soma-Opfer und weitere Handlungen.
bhagavaddhyānasahitaṃ tatsamārādhanātmakam |
kartavyatvena vedoktamityevaṃ phalavarjitam || 11 ||
21.11 Verbindet sie mit Meditation über den Erhabenen und macht sie zu seiner Verehrung. Führt sie aus, weil die Veden sie als Aufgabe lehren, ohne eine Frucht zu begehren.
kṛṣīdhva miti kurvāṇaiḥ karmaniśreyasaṃ param |
prāpyate'nena yuṣmābhirmantrasiddhāntavartmanā || 12 ||
21.12 Wenn ihr so handelt, erlangt ihr durch diesen Weg des Mantra-Siddhānta das höchste Heil.
bhāgavatatvaniṣpattiḥ. |
pañcakālaṃ yathāśāstraṃ gṛhe vā mandire'pi vā |
bhagavatpūjanaṃ kāryamadyaprabhṛti nānyathā || 13 ||
21.13 Von heute an vollzieht ihr die Verehrung des Erhabenen zu den fünf Zeiten nach der Lehre, zu Hause oder im Tempel, und nicht anders.
yūyaṃ bhāgavatāstena jātā bhagavadarcanāt |
bhagavadbhaktikaraṇāt vaṃśajātāścaturmukha || 14 ||
21.14 Durch diese Gottesverehrung seid ihr Bhāgavatas geworden.“ Auch ihre Nachkommen werden aufgrund der Hingabe an den Erhabenen so bezeichnet, Viergesichtiger.
kāraṇādvaṃśajāśca naḥ. vaṃśajānāṃ mahātmanām |te ca bhāgavatā ssarve dīkṣayitvā yathāvidhi |iti kvacitpāṭhaḥ |
nāmnā bhāgavatāssanto dīkṣayitvā yathāvidhi |
yathoktaṃ karma kurvāṇāḥ prāpnuvanti paraṃ padam || 15 ||
21.15 Die längere Variante erläutert die Nachkommen und ihre Einweihung. Die dem Namen nach Bhāgavatas heißen, sollen vorschriftsmäßig eingeweiht werden und durch die beschriebenen Handlungen zur höchsten Stätte gelangen.
śākhāntareṣu ye mantrāḥ pāpanāḥ paramarṣayaḥ |
tānapyadhīdhvaṃ tairmantrai rarcayadhvamadhokṣajam || 16 ||
21.16 „Große Seher, studiert auch die reinigenden Mantras anderer Vedenschulen und verehrt Adhokṣaja mit ihnen.
ātmārthayajanasya mukhyatā. |
ātmarthayajanaṃ viṣṇoḥ kalpa te'bhyuda yāvaham |
parārthayajanapradeśāḥ. |
tathā parārthayajanaṃ grāme vā pattane pure || 17 ||
21.17 Viṣṇus Verehrung für das eigene Heil führt zu Wohlergehen. Ebenso gibt es die Verehrung zum Wohl anderer in Dorf, Handelsort oder Stadt.
yāya cayāya hi |
svagṛhe vā svatantre vā kāryaṃ bhāgavatairnaraiḥ |
ātmanaśca pareṣāṃ ca tanni śreyasakṛdbhavet || 18 ||
21.18 Bhāgavatas sollen sie im eigenen Haus oder in einer selbstständigen Kultanlage ausführen. Sie bringt höchstes Heil für sich und andere.“
abhāgavatavaṃśyānāṃparārthayajananiṣedhaḥ. |
abhāgavatavaṃśyaistu dīkṣitairapi mānavaiḥ |
ātmārthameva yajanaṃ na parārthaṃ kadācana || 19 ||
21.19 Menschen außerhalb einer Bhāgavata-Abstammungslinie dürfen nach der hier zunächst formulierten Regel auch nach Einweihung nur für sich, nicht für andere verehren.
dīkṣitaiśśāstravartmanā |
parārthayajanaṃ teṣāṃ garhitaṃ viprasattamāḥ |
dīkṣayā kulīnatvam. |
abhāgavatavaṃśyopi dīkṣitaśśāstrāvartmanā || 20 ||
21.20 Die Verehrung für andere wird ihnen zunächst untersagt, vorzügliche Brahmanen. Anschließend nennt der Text jedoch eine Ausnahme für jemanden außerhalb dieser Abstammung, der nach der Lehre eingeweiht ist.
parārthayajanaṃ kuryādapi bhāgavatājñayā |
bhagavāneva govindassākṣādbhāgavatasmsṛtaḥ || 21 ||
21.21 Mit Erlaubnis eines Bhāgavata darf auch er für andere verehren. Der Bhāgavata gilt hier als unmittelbare Gegenwart des erhabenen Govinda.
taṃ dṛṣṭvā vidyayā hīnamapi duṣkṛtakāriṇam |
nirguṇaṃ guṇinaṃ vāpi pratyuttiṣṭhetkṛtāñjaliḥ || 22 ||
21.22 Wenn man ihn sieht, soll man aufstehen und die Hände falten, selbst wenn er wenig gelehrt ist oder schlecht gehandelt hat, ob mit oder ohne sichtbare Tugenden. Dies ist die besondere Rangregel der Quelle.
tānayācata viśvātmā maharṣiramitaujasaḥ |
yaṣmābhiḥ kṣitilokeṣu kāryaṃ bhagavadarcanam || 23 ||
21.23 Der große Seher, das Selbst der Welt, bat die unermesslich kraftvollen Weisen: „Ihr sollt in der Menschenwelt die Verehrung des Erhabenen ausführen,
svārthaṃ parārthamatha vā kartavyaṃ mama śāsanāt |
iti bruvāṇistān brahmā tatraivāntaradhīyata || 24 ||
21.24 für euch selbst und für andere, nach meiner Weisung.“ Nachdem Brahmā so gesprochen hatte, verschwand er an diesem Ort.
dhyeyavastunirdeśaḥ mūrti lakṣaṇaṃ ca. |
dhyeyaṃ vastupravakṣyāmi mantrasiddhāntināṃ nṛṇām |
dvibhujaṃ cedvāsudevaṃ rekhābhistalayoḥ kare || 25 ||
21.25 Nun erkläre ich die Meditationsgestalt für die Anhänger des Mantra-Siddhānta. Ist Vāsudeva zweiarmig, tragen seine Handflächen die Linienzeichen
yattat |
lāñcitaṃ śaṅkhacakrādyairdhyāyettaddviguṇaiḥ punaḥ |
dvābhyāṃ karābhyāṃ bibhrāṇaṃ śaṅkhacakre gadāmbuje || 26 ||
21.26 von Muschelhorn, Diskus und weiteren Attributen. Bei vier Armen tragen zwei Muschelhorn und Diskus, die beiden anderen Keule und Lotus.
mukhyābhyā mathavābhīti dānaṃ kaṭyavalambanam |
ito'dhike bhujagame bahvāyudhadharaṃ harim || 27 ||
21.27 Alternativ zeigen die vorderen Hände Furchtlosigkeit und ruhen an der Hüfte. Bei mehr Armen stellt man sich Hari mit vielen Waffen vor.
varṇena śyāmasubhagamathavā dhavaladyutim |
śailādivastubhiḥ klṛptaṃ beraṃ cādipadesthitam || 28 ||
21.28 Er ist schön dunkel oder weiß strahlend. Das Kultbild wird aus Stein oder einem anderen Material gefertigt und steht auf dem vorgesehenen Grundsitz; die betreffende Ortsbezeichnung ist unsicher.
saraladyutim |
āsīnaṃ vā śayānāṃ vā garuḍārūḍhameva vā |
dhyāyeyurarcayeyuśca trayūmantraistrayīvidaḥ || 29 ||
21.29 Er kann auch sitzen, liegen oder auf Garuḍa reiten. Vedenkenner meditieren über ihn und verehren ihn mit Vedenmantras.
āgamasiddhāntadhyānaprakāraḥ. |
dhyāyetvāgamasiddhāntasthite lambabhujadvayam |
balyādidānarahitapūjā. |
vāsudevādayassarve nirākalpā nirāyudhāḥ || 30 ||
21.30 Im Āgama-Siddhānta meditiert man über die vier Gestalten von Vāsudeva an mit je zwei herabhängenden Armen, ohne Schmuck und ohne Waffen.
dhyeyastvāgamadvayaḥ |
si tāssitāmbaradharāśca tvārassamadiṅmukhāḥ |
ekaviṣṭaraniṣṭhāste śayanāsana varjitāḥ || 31 ||
21.31 Sie sind weiß, tragen weiße Gewänder, blicken in die ihnen zugeordneten Richtungen und stehen auf einem gemeinsamen Sitz beziehungsweise Träger; liegende und sitzende Formen werden hier ausgeschlossen.
devībhyāṃ parivāraiśca hīnā yogāsanena ca |
samapradhānaṣāḍguṇya bhājo mantrairbalādibhiḥ || 32 ||
21.32 Sie sind ohne beide Göttinnen, ohne Gefolge und ohne Yogasitz. Alle vier besitzen gleichrangig die sechs göttlichen Vollkommenheiten und werden mit den Mantras von Bala an
prabhavākhyakramātyūjyā nityaṃ kamalasambhava |
balipradānarahitā nityotsavavivarjitāḥ || 33 ||
21.33 täglich in der Ordnung des Hervorgehens verehrt, Lotusgeborener. Bali und tägliche Festprozession entfallen.
prabhavāttatkramāt. prabhavaprakramāt |
pavitrāropaṇasvāpa śayanotthāna varjitāḥ |
karmasanyāsināṃ svarūpam. |
kartavyatvena bhavane prāsāde vā caturmukha || 34 ||
21.34 Auch Pavitra-Anlegen, Schlafenlegen und Aufwecken entfallen. Die Verehrung geschieht als zu erfüllende Aufgabe, zu Hause oder im Tempel, Viergesichtiger.
itamardhaṃ kvacinnāsti |
kālye madhyandine'cchidrapañca kālaparāyaṇaiḥ |
nirāśaiḥ karmasanyāsakāribhirdevapūjanam || 35 ||
21.35 Ein Quellenvermerk bezeichnet den vorherigen Halbvers als stellenweise fehlend. Morgens und mittags verehren Menschen, die die fünf Zeiten ununterbrochen halten, ohne Fruchtverlangen und mit Hingabe beziehungsweise Niederlegung ihrer Handlungen.
balādimantrairacchidra paṃcakālaparāyaṇaiḥ |
ekādhvanā niṣekādi saṃskāraiśca balādibhiḥ || 36 ||
21.36 Mit den Bala- und weiteren Mantras halten sie die fünf Zeiten ein. Die Saṃskāras vom Empfängnisritus an folgen einem einheitlichen Pfad mit denselben Formeln.
saṃskārāśca |
caturṇāṃ brāhmaṇādīnāṃ vihitaṃ nayakarmaca |
dvādaśākṣaravidyaiva teṣāṃ vidyā na ca trayī || 37 ||
21.37 Für alle vier Varṇas von den Brahmanen an ist auch das Einführungsritual entsprechend vorgesehen. Ihre heilige Formel ist allein der zwölfsilbige Mantra, nicht die dreifache Vedenlehre.
dvādaśākṣarameteṣāṃ vijñānaṃ ca tray na ca |
na sāvitrī na mantronyassvādhyāyajapa karmaṇoḥ |
bījaśaktyaṅgarahitamṛṣicchandovivarjitam || 38 ||
21.38 Für Studium und Japa verwenden sie weder Sāvitrī noch andere Mantras. Der zwölfsilbige Mantra wird ohne Bīja, Śakti, Glieder, Seher- und Versmaßzuordnung gebraucht.
karmaṇe |
svarūpameva mantrasya japasvādhyāyakarmaṇoḥ |
varṇacatuṣṭayasaṃjñā. |
caturṇāmapi varṇānāṃ saṃjñāsteṣāṃ kramoditāḥ || 39 ||
21.39 Allein die Formel selbst dient Japa und Studium. Nun folgen die besonderen Bezeichnungen der vier Gruppen.
bhāgo hi dvijamukhyasya saṃjñā vā vipravannṛpe |
vaiśyasya vardhinī saṃjñā maudgalī vṛṣalasya ca || 40 ||
21.40 Der Brahmanengruppe wird „Bhāga“ zugeordnet; die Benennung der Königsgruppe ist als „vipravan“ beziehungsweise „viṣusan“ beschädigt. Die Vaiśya-Gruppe heißt Vardhinī, die Śūdra-Gruppe Maudgalī, nach einer Variante Lāṅgalī.
viśeṣodvijamukhyasya saṃjñā vā viṣusannṛpaḥ |
lāṅgalī |
sarve samānāścatvāro gotrapravaravarjitāḥ |
utkarṣo nāpakarṣaśca jātitasteṣu saṃmataḥ || 41 ||
21.41 Alle vier gelten als gleich, ohne Gotra- und Pravara-Unterscheidung. Aufgrund der Geburt wird unter ihnen weder höherer noch niedrigerer Rang anerkannt.
phaleṣu nispṛhāssarve dvādaśākṣaracintakāḥ |
mokṣaikaniścayā śśāvasūtakāśau cavarjitāḥ || 42 ||
21.42 Alle sind frei vom Begehren nach Früchten, meditieren über den zwölfsilbigen Mantra und sind allein zur Befreiung entschlossen. Geburt und Tod begründen für sie keine rituelle Unreinheit.
ssarve mūtakāśauca |
karṣaṇādiṣvanadhikāraḥ. |
nādhikāro sti sarvatra karṣaṇādiṣu karmasu |
mohāttāni prayuñjānāḥ patantyakṛta buddhayaḥ || 43 ||
21.43 Zu den baulichen und installierenden Handlungen vom Pflügen an sind sie jedoch nicht befugt. Wer sie aus Verblendung trotzdem ausführt, fällt nach der Warnung des Textes.
rājarāṣṭramanuṣyāṇāṃ yajamānasya sadmanaḥ |
kṣayo bhavati tenai te na kuryuḥ karṣaṇādikam || 44 ||
21.44 Dies schädige König, Reich, Menschen, Auftraggeber und Heiligtum. Darum sollen sie solche Gründungshandlungen nicht selbst ausführen.
yāceta mantrasiddhānte dīkṣitaṃ viprasattamam |
pūjarthamātmano bimba pratiṣṭhākaraṇādiṣu || 45 ||
21.45 Für die Installation eines Bildes zu ihrer eigenen Verehrung bitten sie einen im Mantra-Siddhānta eingeweihten geeigneten Brahmanen.
sopi bījādirahitaṃ dvādaśā kṣaravidyayā |
kuryātpratiṣṭhāmācāryaḥ pūjārthaṃ mantravittamaḥ || 46 ||
21.46 Dieser mantrakundige Ācārya führt die Installation unter dem zwölfsilbigen Mantra ohne Bīja und die weiteren Zusätze aus.
ekāyana stutāṃ mūrtiṃ pratigṛhya samarcayet |
arcanaṃ ca catusthsāne vārisragbimbavahniṣu || 47 ||
21.47 Der Ekāyana-Anhänger übernimmt die so installierte Gestalt und verehrt sie. Die vier Verehrungsorte werden als Wasser, Girlande, Bild und Feuer genannt; „srag“ ist auffällig, wird aber nicht stillschweigend durch Maṇḍala ersetzt.
ścaturmūrtiṃ |
abhyarcanaṃ |
nādhikāro stimantreṣu bījaṣiṇḍapadādiṣu |
maudgalādyekāyanānāṃ dāhaniṣedhaḥ. |
caturṇāṃ maudgalādīnāṃ viduṣāṃ dvādaśākṣaram || 48 ||
21.48 Zu Bīja-, Piṇḍa-, Pada- und entsprechenden Mantraklassen besteht hier keine Befugnis. Für die vier Gruppen von Maudgala an, die den zwölfsilbigen Mantra kennen,
prāṇānāmapi niryāṇe naspṛśennadahecchavam |
putrapautrādirahitaṃ santyajetkāṣṭhavadbahiḥ || 49 ||
21.49 gilt nach dem Tod: Der Leichnam soll nicht berührt und nicht verbrannt, sondern ohne Teilnahme von Söhnen und Enkeln draußen wie Holz zurückgelassen werden. Dies ist die historische Sonderbestattung der beschriebenen Gemeinschaft.
mūrtyantarārcana niṣedhaḥ. |
mūrtyantarārcanaṃ teṣāṃ pratyavāyāya kalpate |
siddhāntāntaramārgeṇa sthāpitaṃ bimbamālaye || 50 ||
21.50 Die Verehrung anderer Gestalten gilt für sie als nachteilig. Ein nach einem anderen Siddhānta installiertes Tempelbild
ajñānādatha vā mohādekāyanavidhānataḥ |
arcayannāpadaṃ sarvāmāpnotīha paratra ca || 51 ||
21.51 darf nicht aus Unwissenheit oder Verblendung nach der Ekāyana-Ordnung verehrt werden; andernfalls droht die Quelle umfassende Bedrängnis hier und jenseits an.
arcayantaṃ padaṃ sarva |
pradakṣiṇapraṇāmādi rāddhāntenyatra kevalam |
vihitaṃ nārcanaṃ kāryaṃ rājarāṣṭrakṣayāvaham || 52 ||
21.52 Gegenüber einem anderen Siddhānta sind nur Umrundung, Verneigung und entsprechende Ehrerweisungen vorgesehen, nicht die Übernahme seines Kultdienstes, die als schädlich für König und Reich gilt.
na dīkṣā naiva dehasya dahanādiviśodhanam |
nāṅganyāsādi sakalaṃ neṣṭamekāyanādhvani || 53 ||
21.53 Im Ekāyana-Pfad sind die hier andernorts beschriebenen Einweihungshandlungen, meditative Körperverbrennung und weitere Reinigung, Glieder-Nyāsa und das zugehörige Verfahren nicht erwünscht.
ekāyane praviṣṭānāṃ traividyānāmayaṃ kramaḥ |
tantrasiddhāntamārganirūpaṇam. |
tantrasiddhāntamārgetu saṃpratyācāra ucyate || 54 ||
21.54 Dies ist die Ordnung der aus der dreifachen Vedenlehre in Ekāyana Eingetretenen. Nun wird die Praxis des Tantra-Siddhānta erklärt.
caturṇāmapi varṇānāmitareṣāṃ ca tadbhuvām |
dīkṣāsamaiva sarveṣā mācārastantravartmanā || 55 ||
21.55 Für alle vier Varṇas und auch die aus ihnen hervorgegangenen weiteren Gruppen sind Einweihung und Lebensführung nach dem Tantra gleich.
tadbhavet |
niṣekādiśca saṃskārasteṣāṃ tantroktavartmanā |
tyaktvā trayīṃ tantrameva prapadya śaraṇaṃ sthitāḥ || 56 ||
21.56 Ihre Saṃskāras vom Empfängnisritus an folgen der Tantra-Lehre. Sie haben die dreifache Vedenordnung verlassen und allein im Tantra Zuflucht genommen.
sāntarālamanuṣṭhānaṃ paṃcakāloditaṃ tathā |
yatastantrāntarabhuvāṃ nṛṇāṃ kamalasambhava || 57 ||
21.57 Die Übungen der fünf Zeiten werden mit Zwischenräumen ausgeführt. Die folgende Begründung über die Herkunft der Anhänger ist beschädigt; die Variante ersetzt „Tantra“ durch „Mantra“.
mantra |
tatvasaṃhārajanane nyāsaśca karadehayoḥ |
yogaviṣṭaraklṛptiśca navapadmaprakalpanam || 58 ||
21.58 Zu ihrem Verfahren gehören Auflösung und Hervorbringung der Tattvas, Nyāsa an Händen und Körper, die Einrichtung des Yogasitzes und die Gestaltung von neun Lotussen.
navakalpa |
mūrtayo navapadmeṣu tāsvadhiṣṭhānamadhyame |
tāmīkṣantediśo vāpi mūrtayo'ṣṭau yathāyatham || 59 ||
21.59 Auf den neun Lotussen stehen neun Gestalten. Die mittlere ist der Hauptsitz; die acht übrigen blicken zu ihr oder in ihre jeweiligen Richtungen.
mūrtayaḥ |ityādi. dviṣatkākṣara ityantaṃ kvacinna |
yāṃ diśaṃ madhyamā mūrtirīkṣate saiśvarīmatā |
yāṃ ca vā'lokya puruṣassamārādhanakarmaṇi || 60 ||
21.60 Ein Quellenvermerk erklärt den Abschnitt von den Gestalten bis zur zwölfsilbigen Formel für stellenweise fehlend. Die Richtung, in welche die mittlere Gestalt blickt, heißt aiśvarī, die göttlich bestimmte Richtung.
āste'sau pauruṣī jñeyā prājāpatyāca vāsavī |
yogaviṣṭarapādānāṃ dharmādīnāṃ prakalpane || 61 ||
21.61 Die Richtung, in die der Verehrer während der Pūjā blickt, heißt pauruṣī, die menschlich bestimmte; außerdem wird prājāpatyā beziehungsweise vāsavī genannt. Bei den Beinen des Yogasitzes, Dharma und den weiteren,
athāntaḥ parivārāṇāṃ suparṇītanayasya ca |
balipradānapīṭhasya gopurasya caturmukha || 62 ||
21.62 beim inneren Gefolge, bei Garuḍa, dem Bali-Podest und dem Torbau, Viergesichtiger,
tathāntaḥ |
bāhyanāmapi cai teṣāṃ prācī syādaiśvarī harit |
bāhyānāṃ parivārāṇāmanyeṣāṃ parikalpane || 63 ||
21.63 auch bei den entsprechenden äußeren Anlagen, gilt die aiśvarī-Richtung als Osten. Für anderes äußeres Gefolge
prājāpatyaiva dikprācī diksamūhe tu pauruṣī |
prācyādikāṃ samāśritya parivāraprakalpanaṃ || 64 ||
21.64 gilt der prājāpatya-Osten; bei einer anderen Richtungsordnung der pauruṣa-Osten. Die genaue Abgrenzung bleibt verkürzt. Nach diesen Bezugsrichtungen wird das Gefolge angeordnet.
dviṣaṭkākṣarapūrvāṇāṃ bījaśaktyaṅgasaṃyutam |
ṛṣicchando vihīnaśca mantrāṇāṃ japa iṣyate || 65 ||
21.65 Mantras vom zwölfsilbigen an werden mit Bīja, Śakti und Gliedern, jedoch ohne Seher- und Versmaßzuordnung rezitiert.
varṇānāmitareṣāṃ ca samamārādhanakramaḥ |
savānāmapi mūrtīnāṃ mūrtyantaragaṇasya ca || 66 ||
21.66 Für die verschiedenen Varṇas und die übrigen Gruppen ist der Verehrungsablauf gleich. Bei sämtlichen Hauptgestalten, weiteren Gestaltgruppen
prādurbhāvagaṇasyāpi varṇāstrīvyaktayo matāḥ |
na dhvajārohaṇaṃ nāpi māsādyutsavasambhanaḥ || 67 ||
21.67 und Erscheinungsgruppen werden „drei Farbausprägungen“ genannt; der Ausdruck bleibt ohne weitere Erklärung. Fahnenaufzug und Monatsfeste finden hier nicht statt.
kevalaṃ śayanotthāne balihomādivarjitaḥ |
prādakṣiṇyena gamanaṃ grāmādeḥ kautukotsavaḥ || 68 ||
21.68 Es gibt nur das Schlafenlegen und Aufwecken ohne Bali und Feueropfer sowie die Festumrundung des Ortes mit der Kultgestalt.
naimittikaṃ catusthsāne svātantryeṇārcanaṃ hareḥ |
tantrāntarasiddhāntācāravyavasthā. |
cakrābjamaṇḍale kumbhe pratimāyāṃ ca pāvake || 69 ||
21.69 Anlassbezogene Verehrung Haris wird selbstständig an den vier Orten durchgeführt: Diskus-Lotus-Maṇḍala, Krug, Bild und Feuer.
tantrāntare ca siddhānte saṃpratyācāra ucyate |
trivaktaṃ vā caturvaktramadhikānanameva vā || 70 ||
21.70 Nun folgt die Lebens- und Kultordnung des Tantrāntara-Siddhānta. Der Gott hat drei, vier oder mehr Gesichter.
yogapīṭhesthitaṃ devaṃ parivāraiśca sevitam |
piṇḍamantraiḥ kalāmantrerbhījaśaktyaṅgasaṃyutaiḥ || 71 ||
21.71 Er steht beziehungsweise befindet sich auf einem Yogasitz und wird von seinem Gefolge bedient. Man verehrt ihn mit Piṇḍa- und Kalā-Mantras samt Bīja, Śakti und Gliedern,
ṛṣicchandovihīnaśca catvāro brāhmaṇādayaḥ |
samarcayeyussarveṣāṃ niṣekādyakhilakriyāḥ || 72 ||
21.72 jedoch ohne Seher- und Versmaßzuordnung. Alle vier Gruppen von den Brahmanen an dürfen ihn so verehren. Ihre sämtlichen Saṃskāras vom Empfängnisritus an
tantrāntaroktamārgeṇa kāryā traiyyātmanāpi ca |
siddhāntasāṅkaryaniṣedhaḥ. |
siddhāntanāṃ caturṇāṃ tu sāṅkaryaṃ vyavasāvaham || 73 ||
21.73 folgen Tantrāntara, gegebenenfalls auch der Vedenordnung; die Varianten dieser Verbindung sind beschädigt. Die Vermischung der vier Siddhāntas wird als verderblich bewertet.
stulyātmanātrayyantanartmanā |
siddhānteṣu caturṣvekaṃ pūvain rnṛbhiranuṣṭhitam |
tyaktvā samāśrayedanyaṃ naro bhavati kilbiṣī || 74 ||
21.74 Wer einen der vier Siddhāntas, den die Vorfahren praktizierten, aufgibt und einen anderen übernimmt, wird nach dieser Traditionsregel schuldig.
tasmājjanmaprabhṛtyekarāddhāntaniyato bhavet |
anyathā kulamātmānaṃ sarvaṃ nāśayati svayam || 75 ||
21.75 Darum soll man von Geburt an einer einzigen Ordnung verpflichtet bleiben. Andernfalls, so droht die Quelle, schädige man sich und die ganze Familie.
mantramaṇḍalakuṇḍādi kriyāmudropacārakaiḥ |
yogaṃ nayati yo mohatsvasiddhāntoktavartmanā || 76 ||
21.76 Wer aus Verblendung Mantras, Maṇḍalas, Feuergruben, Handlungen, Mudrās und Verehrungsdienste nach der Ordnung des eigenen Siddhānta mit einer anderen verbindet … Der Satz bricht am Kapitelende ab.
Nyāsa und die Widmung des Handelns
Begleitendes Video aus dem Themenbereich Nyasa; keine Rezitation oder Einzelversauslegung der Padma Samhita.
Kapitel 22: Mudrās für Meditation und Verehrungsdienst
pādmasaṃhitāyām |
caryāpādedvāviṃśo'dhyāyaḥ |
mudrāvidhiḥ. |
brahmāḥ |
kīdṛśī bhagavanmūdrā tadbhedāścāpi kīdṛśāḥ |
prayojanaṃ vā kiṃ tasyāḥ kathyatāṃ tadaśeṣataḥ || 1 ||
22.1 Im zweiundzwanzigsten Kapitel des Caryāpāda fragt Brahmā: Erhabener, was ist eine Mudrā, welche Arten gibt es und welchem Zweck dient sie? Erkläre dies vollständig.
mudrāniruktiḥ. |
śrībhagavān |
aṅgulīracanā bhedo mudrāyasmātpradarśitāt |
hiṃsakānāmaśeṣāṇāṃ mudaṃ drāvayati kṣaṇāt || 2 ||
22.2 Der erhabene Herr sprach: Eine Mudrā ist eine besondere Anordnung der Finger. Wird sie gezeigt, lässt sie im Augenblick die Freude aller Schädigenden vergehen: So deutet die Quelle ihren Namen.
bhedā mudrā yasmātpradarśitāḥ |
sāṅgulīnāmaśeṣāṇāṃ mudrā vārayuti kṣaṇāt |
tato mudrā nirasanaṃ teṣāṃ tasyāḥ prayojanam |
prīṇanaṃ cāpi devānāṃ karmaṇā sopidarśitaḥ || 3 ||
22.3 Eine zusätzliche Lesart ist beschädigt. Ihr Zweck ist die Abwehr dieser Kräfte und die Freude der Gottheiten; dies wird durch die entsprechende Handlung ausgedrückt.
mudrāpūrvavidhiḥ. |
prayoktavyaśca rahisi na bahirjanasaṃsadi |
mantramaṇḍalamudrāṇāṃ guptireṣā sanātanī || 4 ||
22.4 Sie wird im Verborgenen angewendet, nicht vor einer öffentlichen Menschenversammlung. Die Geheimhaltung von Mantra, Maṇḍala und Mudrā ist eine alte Regel dieser Lehre.
gandhaliptau karau kṛtvā mudrādarśanamācaret |
hṛdayamudrā. |
anāmi kāmadhyamayoḥ praveśyāṅguṣṭhamāyatam || 5 ||
22.5 Vor dem Zeigen der Mudrās werden beide Hände mit Duftpaste bestrichen. Für die Herz-Mudrā schiebt man den gestreckten Daumen zwischen Ring- und Mittelfinger,
vidhāya muṣṭiṃ hṛdaye nyaseddhṛdayamudrikā |
śīrṣamudrā. |
saiṣā muṣṭimadho badhvā stāpayitvā ca mūrdhani || 6 ||
22.6 bildet eine Faust und legt sie ans Herz. Für die Kopf-Mudrā bildet man dieselbe Faust nach unten gerichtet und setzt sie auf den Kopf.
aṅguṣṭhāgreṇa hananaṃ tarjanyā śīrṣamudrikā |
śikhāmudrā. |
urdhvāṅguṣṭhaṃ dhṛḍhaṃ muṣṭiṃ badhvānyasyecchikhāpade || 7 ||
22.7 Die Daumenspitze wird dabei mit dem Zeigefinger berührt beziehungsweise angeschlagen; die Bewegungsbeschreibung ist knapp. Für die Scheitel-Mudrā bildet man eine feste Faust mit aufgerichtetem Daumen und setzt sie an die Stelle des Haarschopfes.
śikhāmudreyamuditā |
varmamudrātu kathyate |
kavacamudrā. |
praveśyābhyantarāṃguṣṭaṃ badhvā muṣṭipraveśanam || 8 ||
22.8 Dies ist Śikhā-Mudrā. Nun zur Panzer-Mudrā: Man schließt den Daumen nach innen in die Faust ein.
unnamyakiñcidagre ca vitatāntena muṣṭinā |
bhāvayedvarmaṇo bandhaṃ saiṣā kavacamudrikā || 9 ||
22.9 Man hebt die Faust etwas an und stellt sich damit das Anlegen des Schutzpanzers vor. Die genaue Streckbewegung am Ende der Faust ist sprachlich unklar. Dies ist Kavaca-Mudrā.
harayedvarmaṇo |
astramudrā. |
tarjanyaṃguṣṭhasirasi sphoṭayeccakravat smaran |
dikṣu sarvāsu śeṣābhirmuṣṭiṃ badhvā caturmukha || 10 ||
22.10 Mit Zeigefinger und Daumenspitze schnippt man in alle Richtungen, während die übrigen Finger zur Faust geschlossen sind; dabei stellt man sich den Diskus vor, Viergesichtiger.
tarjanyāṅguṣṭhaśirasā |
kramāt |
saiṣāstramudrā vijñāyā |
netramudrā. |
śikhāmudrāmadhomukhīm |
vinyanettāṃ bhruvormadhye netramudreyamīritā || 11 ||
22.11 Dies heißt Astra-Mudrā. Die nach unten gerichtete Śikhā-Mudrā setzt man zwischen die Augenbrauen; dies ist Netra-Mudrā, die Augengeste.
ṣaḍaṅgamudrāsvetānu hastassarvatra dakṣiṇaḥ |
agni prākāramudrā. |
kaniṣṭhāditribhirbadhvā muṣṭiṃ sāṅguṣṭhamunna tām || 12 ||
22.12 Für diese sechs Gliedermudrās verwendet man stets die rechte Hand. Für die Feuerwall-Mudrā schließt man die drei Finger vom kleinen Finger an zur Faust und richtet Daumen und Zeigefinger entsprechend aus.
vidhāya tarjanīṃ tena bhrāmayedāśu cakravat |
agni prākāramudreyaṃ tayaivātmābhirakṣaṇam || 13 ||
22.13 Den ausgestreckten Zeigefinger bewegt man schnell kreisförmig wie einen Diskus. Dies ist Agni-Prākāra-Mudrā; sie dient dem eigenen Schutz.
tābhi rātmā |
yogamudrā. |
nābheradhastādvinyasya savyaṃ karatalaṃ punaḥ |
uttānamitaraṃ tasya vinyaseduparī dṛśī || 14 ||
22.14 Für Yoga-Mudrā legt man die linke Handfläche unterhalb des Nabels ab und die andere mit nach oben gerichteter Handfläche darauf.
sarvaṃ |
śam |
yogamudrā |
yogasampuṭamudrā. |
karatalaṃ savyaṃ nābheradhastataḥ |
avāṅmukhaṃ tadupari savyekaratalaṃ punaḥ || 15 ||
22.15 Für Yoga-Saṃpuṭa-Mudrā liegt die linke Hand unterhalb des Nabels und die andere mit der Fläche nach unten darüber. Die Grundlesart wiederholt „links“, weshalb die Händezuteilung nicht völlig sicher ist.
karatale sarvaṃ |
sarvaṃ |
samāṅguṣṭhaṃ viracayedyogasampuṭamudrikā |
uktayormudrayorviniyogaḥ. |
yogābhyāse ca tatvānāṃ saṃhārotpādanepi ca || 16 ||
22.16 Die Daumen werden gleichmäßig zueinander angeordnet. Diese beiden Gesten dienen der Yogaübung sowie der Auflösung und Hervorbringung der Tattvas.
mudrādvayamidaṃ brahmankathitaṃ yogināṃ hitam |
kumbhamudrā. |
yogasaṃpuṭa mudreyamuccitā ghaṭavatkṛtā || 17 ||
22.17 Brahmā, sie sind zum Wohl der Yogis gelehrt. Wird die Yoga-Saṃpuṭa-Geste erweitert und krugförmig gestaltet,
mudraivacchidritāmudreyaṃ mudritā |
ūrdhvaṃ syātkumbhamudraiṣātayā snānaṃ samācaret |
saṃhāramudrā. |
tarjanyā nāmikāgraṃ tu viṣṭayitvā krameṇa tat || 18 ||
22.18 mit einer oberen Öffnung beziehungsweise Erhebung, heißt sie Kumbha-Mudrā; damit vollzieht man die Begießung. Für die Rücknahmegeste verbindet man Zeigefinger und Ringfingerspitze der Reihe nach.
ūrdhvābhyāṃ syātkumbhamuṣṭeḥ kumbha |
tathāṅguṣṭhakaniṣṭhau tu jñeyā saṃhāramudrikā |
etasyā viniyogaḥ. |
tatvānāṃ sahṛtau caiva devatodvāsane tathā || 19 ||
22.19 Ebenso verbindet man Daumen und kleinen Finger. Dies heißt Saṃhāra-Mudrā und dient der Auflösung der Tattvas sowie der Verabschiedung der Gottheit.
eṣā mudrā prayoktavyā sarvakarmasu sarvadā |
sṛṣṭimudrā. |
saṃhatābhi śca tisṛbhiraṅgulībhiścasaṃgatiḥ || 20 ||
22.20 Diese Geste wird bei den entsprechenden Handlungen verwendet. Für die Schöpfungsgeste verbindet man drei zusammengelegte Finger; die Variante nennt vier.
ścatasṛbhiḥ |
vimuktatarjanī bhūyassṛṣṭi mudreti kīrtitā |
etadviniyogaḥ. |
āvāhane tatvasṛṣṭau mudraiṣā parikīrtitā || 21 ||
22.21 Der Zeigefinger bleibt frei. Dies heißt Sṛṣṭi-Mudrā; sie wird beim Anrufen der Gottheit und beim Hervorbringen der Tattvas gezeigt.
ca sṛṣṭau ca |
tatvamudrā. |
aṅguṣṭhatarjanībhyāṃ tu saṃyogastatvamudrikā |
tatvanyasanakāle ca mudraiṣā parikīrtitā || 22 ||
22.22 Die Verbindung von Daumen und Zeigefinger ist Tattva-Mudrā. Sie wird beim Einsetzen der Tattvas verwendet.
samudāhṛtā |
saivajñānamudrā. |
jñānamudrā pi saivaiṣā syādajñānatamopahā |
nyāsamudrā. |
ūrdhvayoḥ karayormadhyaṃ madhyamābhyāṃ tu sspṛśet || 23 ||
22.23 Dieselbe heißt auch Jñāna-Mudrā und gilt als Vertreiberin der Dunkelheit des Nichtwissens. Für Nyāsa-Mudrā berührt man bei erhobenen Händen deren Mitte mit den Mittelfingern.
phalaissaiṣā |
uttānitau karau kṛdvā nyāsa mudrā nigadyate |
devātmadehayormantraṃ nyāsamudreyamīritā || 24 ||
22.24 Die Handflächen sind dabei nach oben gewandt. Diese Nyāsa-Mudrā dient dem Einsetzen der Mantras in den Körper des Gottes und den eigenen Körper; die wechselseitige Fingerzuordnung bleibt knapp.
mudreti kathyate |
japamudrā. |
aṅguṣṭhābhyāṃ tu karayostarjanyorubhayorapi |
madhyamābhyāṃ spṛśedanyāṃ vistṛtāni yathā tathā || 25 ||
22.25 Für Japa-Mudrā werden Daumen, Zeige- und Mittelfinger beider Hände in Berührung gebracht, die übrigen ausgestreckt. Die genaue Kontaktfolge ist im Wortlaut beschädigt.
dvisṛtāhi ryathā |
japamudreti vijñeyā japakāle pradarśayet |
brahmamudrā. |
aṅgulībhissamastābhirdakṣiṇetarahastayoḥ || 26 ||
22.26 Diese Geste zeigt man bei der Mantrawiederholung. Für Brahma-Mudrā verbindet man sämtliche Finger beider Hände
saṃpuṭīkaraṇaṃ brahmamudrā saṃśabditā budhaiḥ |
viṣṇumudrā. |
aṅguṣṭhe dve kaniṣṭhe dve tathāsyāttarjanī dvayo || 27 ||
22.27 zu einer geschlossenen Schalenform. Für Viṣṇu-Mudrā werden beide Daumen, beide kleinen Finger und beide Zeigefinger entsprechend zusammengeführt.
sahayuktāgrataśśiṣṭā viṣṇumudreti kīrtitā |
rudramudrā. |
sā caiva śeṣitāṅguṣṭhāsamastena parasparam || 28 ||
22.28 Die verbleibenden Finger beziehungsweise ihre Spitzen werden vorne verbunden; die Beschreibung ist verkürzt. Diese Viṣṇu-Geste wird zur Rudra-Geste, wenn die Daumen anders zueinander angeordnet werden.
saṅgayuktāgragāḥ |
ubhayāṅguṣṭhamudrā sā rudrasya kathitā tava |
abhivādanamudrā. |
śrotre pidhāya pāṇibhyāṃ daṇḍapaddakṣiṇaṃ karam || 29 ||
22.29 Die gegenseitige Daumenverbindung kennzeichnet Rudras Mudrā. Für die Grußgeste bedeckt man die Ohren mit beiden Händen und streckt die rechte Hand gerade wie einen Stab aus.
prasārayedgurūṇāṃ tu abhivādanakarmaṇi |
viṣṇu rājamudrā. |
sarvahastāṅgulīssavyakarṇenyasya tathetaram || 30 ||
22.30 Dies geschieht beim ehrerbietigen Gruß an Lehrer. Für die folgende Geste legt man die Finger der linken Hand ans linke Ohr und streckt die andere Hand aus.
savyahastāṃgulīssavya |
prasaredvighnarājasya mudrā vighnavināśinī |
bhāgavatamudrā. |
antastu tarjanīyugmaṃ saṃhatāṅguṣṭhakadvayam || 31 ||
22.31 Die Überschrift ist als „Viṣṇu-Rāja“ überliefert, der Vers nennt Vighnarāja und die Vernichtung von Hindernissen. Für Bhāgavata-Mudrā liegen beide Zeigefinger innen und beide Daumen zusammen.
mudrā bhāgavatī sāsyāt |
varāhāmudrā. |
karayugmaṃ tu sampuṭe |
kṛte varāhamudrā sāsarvasiddhikarī śubhā || 32 ||
22.32 Dies ist die Bhāgavata-Geste. Werden beide Hände zu einer geschlossenen Schale geformt, heißt dies Varāha-Mudrā; sie gilt als glückverheißend und als Spenderin aller Vollendungen.
kṛtvā |
gurupaṅktikrame brahman saiṣāmudrā pradarśitā |
dahanamudrā. |
apasavye karatale saṃsmaredraktapaṅkajam || 33 ||
22.33 Brahmā, diese Geste beziehungsweise nach der Variante diese Gesten werden in der Verehrung der Lehrerreihe gezeigt. Für die Verbrennungsgeste stellt man sich auf der rechten Handfläche einen roten Lotus vor.
mudrāssarvāḥ pradarśitāḥ. sarvakarmapradarśitam |
tanmadhye cintayedagniṃ trikoṇaṃ tesasāṃ nidhim |
avāṅmukhaṃ karatalaṃ kṛtvā dravyopari nyaset || 34 ||
22.34 In seiner Mitte meditiert man über ein dreieckiges Feuer als Schatz des Glanzes. Man wendet die Handfläche nach unten und hält sie über die Gegenstände.
jñeyā dahanamudraiṣā dravyaśuddhi pradā sadā |
apyāyanamudrā. |
savye karatale śvetapaṅkajaṃ ṣoḍaśacchadam || 35 ||
22.35 Dies ist Dahana-Mudrā, die der Reinigung der Ritualstoffe dient. Für die Erfüllungsgeste stellt man sich auf der linken Handfläche einen weißen sechzehnblättrigen Lotus vor.
pradāyinī |
kalāṣoḍaśa saṃyuktaṃ śaśinaṃ paṅkajāsana |
tanmadhyecintayitvātu srāvitaṃ cāmṛtaṃ smaret || 36 ||
22.36 In dessen Mitte befindet sich der Mond mit seinen sechzehn Teilen, Lotusgeborener; aus ihm strömt Nektar.
sampūrṇam |
tenāmṛtena tadbhasma kṣālitaṃ tūtthitaṃ smaret |
āpyāyananya mudraiṣā kathitā kamalāsana || 37 ||
22.37 Man stellt sich vor, wie die zuvor gedachte Asche von diesem Nektar gewaschen wird und die Gegenstände erneuert hervorgehen. Dies ist Āpyāyana-Mudrā.
surabhimudrā. |
aṃguṣṭhe dve kaniṣṭhe dve tathāsyāttarjanī dvayoḥ |
śiṣṭaṃ prasārayedbrahmannaṃgulāni karadvaye || 38 ||
22.38 Für Surabhi-Mudrā werden beide Daumen, beide kleinen Finger und beide Zeigefinger entsprechend angeordnet; die übrigen Finger streckt man aus, Brahmā.
dvayam |
madhyamāṃ dakṣiṇakare'nāmikāṃ ca tathetare |
saṃhṛtya prasareccheṣaṃ karayorubhayorapi || 39 ||
22.39 Den rechten Mittelfinger und den linken Ringfinger führt man zusammen, während man die übrigen Finger beider Hände entsprechend streckt. Die überlieferte Beschreibung ist nicht vollständig genug für eine eindeutige bildliche Rekonstruktion.
jñeyā surabhimudrā sā yāga dravyaviśodhinī |
āvāhanamudrā. |
hastābhyāmañjaliṃ kṛtvā īṣadvikasitaṃ sphuṭam || 40 ||
22.40 Dies heißt Surabhi-Mudrā und reinigt die Opfermaterialien. Für die Anrufungsgeste legt man beide Hände zu einem leicht geöffneten Añjali zusammen.
syāt |
avāhanasya mudraiṣā darśanātsa nnidhiṃ bhajet |
praṇāmamudrā. |
hṛdaye śirasi dvepi sampuṭāñjalirūrdhvāgā || 41 ||
22.41 Dies ist Āvāhana-Mudrā, deren Zeigen die göttliche Gegenwart herbeirufen soll. Für die Verneigungsgeste hält man die Hände geschlossen im aufwärtsgerichteten Añjali an Herz oder Kopf.
sannidhirbhavet |
praṇāmamudrāsājñeyā kṣipraṃ devaprasādinī |
tasyāviniyogaḥ. |
sā jñeyā vāsudevādimūrtināṃ kamalāsana || 42 ||
22.42 Diese Praṇāma-Mudrā gilt als rasch die Gnade des Gottes erwirkend. Sie gehört zu Vāsudeva und den weiteren Gestalten, Lotusgeborener.
caturviṃśatimūrtīnāṃ mīnādīnāṃ tathaiva ca |
mudraiṣā cā nyamūrtināṃ kathitā kamalāsana || 43 ||
22.43 Sie gilt für die 24 Gestalten, die Erscheinungen vom Fisch an und auch andere göttliche Gestalten.
padmamudrā. |
prasāryakarajān sarvān maṇibandhau sametya tau |
antaḥ praviśya cāṃguṣṭhau tayoḥ pṛṣṭhamanuspṛśet || 44 ||
22.44 Für die Lotusgeste spreizt man alle Finger, führt die Handgelenke zusammen, legt die Daumen nach innen und lässt ihre Rückseiten einander berühren.
prasārayetpadmamudrā māsane tu pradarśayet |
kamalamudrā. |
śriyādīnāṃ ca sarvāsāṃ devīnāṃ caturāsana || 45 ||
22.45 Die Finger werden weiter entfaltet. Diese Padma-Mudrā zeigt man beim Darbringen des Sitzes. Für alle Göttinnen von Śrī an, Viergesichtiger,
sampra |
proktā kamalamudrā sā sarvakāmaphalapradā |
śaṅkhamudrā. |
nibadhya dakṣiṇāṃguṣṭhaṃ vāmahastasya muṣṭigam || 46 ||
22.46 heißt sie Kamala-Mudrā und gilt als Spenderin aller gewünschten Früchte. Für die Muschelhorn-Geste umschließt die linke Faust den rechten Daumen.
syātsarva |
kṛtvā cāṃguṣṭhatarjinyau saṃyukte prasṛte same |
triprastu dakṣiṇanyāsā badhnī yurmuṣṭimūrdhvagāḥ || 47 ||
22.47 Daumen und Zeigefinger werden gleichmäßig ausgestreckt und verbunden; die drei übrigen Finger der rechten Hand umfassen die nach oben gerichtete Faust. Die genaue Zuordnung von Daumen und Zeigefinger bleibt im Text knapp.
tisrastu dakṣiṇasyānyām |
śaṅkhamudreyamuditā jñānadā mokṣadā'cirāt |
cakramudrā. |
maṇibandhasamau hastau tiryaksaṃ bhrāmya ca kramāt || 48 ||
22.48 Dies heißt Śaṅkha-Mudrā und soll Erkenntnis und Befreiung bringen. Für Cakra-Mudrā bringt man beide Hände an den Handgelenken zusammen und dreht sie quer gegeneinander.
bhāvya cakravat |
paryāyeṇa prayoktakyā cakramudrā mahodayā |
gadāmudrā. |
muṣṭhiṃ kṛtvā tu hastābhyāmaṃguṣṭhau vinatāvubhau || 49 ||
22.49 Die Bewegung erfolgt abwechselnd; die Diskusgeste gilt als besonders heilsam. Für die Keulengeste bildet man mit beiden Händen Fäuste und beugt beide Daumen.
madhyamāṃguliyugmaṃ tu ṛjumūrdhvaṃ prasārayet |
śeṣābhiraṃgulībhistu bandhayeyuḥ parasparam || 50 ||
22.50 Die beiden Mittelfinger werden gerade nach oben ausgestreckt; die übrigen Finger verschränken sich miteinander.
vitatā |
darvīkṛtya dīrghākṛtya |
saṃśliṣṭau kūrparau dvau tu gadāmudreyamīritā |
cāpamudrā. |
tarjanyagraṃ madhyamayā saṃspṛśe ccāpamudrikā || 51 ||
22.51 Beide Ellenbogen liegen aneinander. Dies ist Gadā-Mudrā; die Varianten beschreiben eine längliche beziehungsweise kellenartige Form. Berührt der Mittelfinger die Spitze des Zeigefingers, entsteht die Bogen-Mudrā.
dhanu |
musalamudrā. |
muṣṭiṃ kṛtvā vāmahasta maṃguṣṭhamṛjumūrdhvataḥ |
apasavyakareṇai tadaṃguṣṭhaṃ tu bandhayet || 52 ||
22.52 Für die Stößelgeste bildet die linke Hand eine Faust mit gerade aufgerichtetem Daumen; die rechte Hand umschließt diesen Daumen.
prasārya dakṣiṇāṃguṣṭhaṃ jñeyā musalamudrikā |
khaḍgamudrā. |
kaniṣṭhāṃgulipūrvaṃ tu saṃhṛtyāṃguṣṭhakena tu || 53 ||
22.53 Der rechte Daumen wird ausgestreckt: Dies ist Musala-Mudrā. Für die Schwertgeste zieht man die Finger vom kleinen Finger an ein und hält sie mit dem Daumen fest.
ca |
nibadhya tarjanīṃ bhūyastadagraṃ natameva ca |
khaḍgamudrā tusā jñeyā sarvaduṣṭabhayaṅkarī || 54 ||
22.54 Der Zeigefinger bleibt mit gebogener Spitze vorgerichtet; die Satzverbindung ist knapp. Diese Khaḍga-Mudrā gilt als furchterregend für schädigende Kräfte.
vanamūlāmudrā. |
hastābhyāṃ lambayedbrahmannaṃgulyagraiḥ parasparam |
bandhayedvana mālā syādaṃguṣṭhau dvau tu saṃharet || 55 ||
22.55 Für die Waldgirlandengeste lässt man beide Hände herabhängen und verbindet die Fingerspitzen miteinander, während beide Daumen eingezogen bleiben. Dies ist Vanamālā-Mudrā.
māmāyā aṅguṣṭhau |
añjalimudrā. |
ākhaṇḍalādidevānāṃ mudrā cāñjalisaṃjñitā |
garuḍamudrā. |
ubhau karatale pṛṣṭhau saṃśliṣṭau tu kaniṣṭhakau || 56 ||
22.56 Für Indra und die weiteren Götter dient Añjali-Mudrā. Für Garuḍa-Mudrā legt man die Handrücken aneinander und verbindet die kleinen Finger.
bandhayettarjanīyugmaṃ prasarettuṇḍavatkramāt |
aṃguṣṭhau dvau pādayugma madhastāllambayetkramat || 57 ||
22.57 Die beiden Zeigefinger werden gebunden beziehungsweise schnabelartig vorgestreckt; die Daumen hängen nach unten wie zwei Füße.
pade yugme |
madhyamānāmikābhyāṃ tu karayorubhayorapi |
pakṣavaccalanaṃ kuryājjñayā garuḍamudrikā || 58 ||
22.58 Mittel- und Ringfinger beider Hände bewegt man wie Flügel. Dies ist Garuḍa-Mudrā.
viṣṭaksenamudrā. |
kaniṣṭhāditrayaṃ brahman saṃhṛtyāguṣṭhakena ca |
nibadhya tarjanīṃ bhūyo niṣvaksenasya mudrikā || 59 ||
22.59 Für Viṣvaksena-Mudrā zieht man die drei Finger vom kleinen Finger an ein, hält sie mit dem Daumen fest und richtet den Zeigefinger entsprechend aus, Brahmā.
anantamudrā. |
prasārya karajān sarvān viralānūrdhvagāminaḥ |
kṛtvāhastasya cāyāmaṃ tadagrān kuñcayetkramāt || 60 ||
22.60 Für Ananta-Mudrā streckt und spreizt man alle Finger nach oben, verlängert die Handhaltung und beugt ihre Spitzen nacheinander.
phaṇiphaṇāgrasadṛśājñeyā'nantasya mudrikā |
balimudrā. |
caṇḍādīnāṃ bha venmuṣṭimudraiṣā balimudrikā || 61 ||
22.61 Sie gleichen so einer Schlangenhaube; dies ist Anantas Mudrā. Für Caṇḍa und die weiteren Wächter dient eine Faustgeste als Bali-Mudrā.
astramudrā. |
aṅguṣṭhānāmikābhyāṃtu tathā syādastramudrikā |
muṣṭimudrā. |
muṣṭimudrā tu muṣṭissyādaṃguṣṭhena tu veṣṭitā || 62 ||
22.62 Eine weitere Astra-Mudrā entsteht durch die Verbindung von Daumen und Ringfinger. Die Muṣṭi-Mudrā ist eine geschlossene, vom Daumen umfasste Faust.
tathā syādvaktradvastra |
jñānamudrā. |
jñānamudreti vijñeyā saiva muktakaniṣṭhikā |
gandhamudrā. |
gandhamudreti vijñeyā vimuktānāmikā ca sā || 63 ||
22.63 Bleibt bei dieser Faust der kleine Finger frei, nennt der Text sie hier Jñāna-Mudrā; dies unterscheidet sich von der zuvor beschriebenen gleichnamigen Geste. Bei freiem Ringfinger heißt sie Gandha-Mudrā.
puṣpāmudrā. |
puṣpamudreti vijñeyā vimuktā madhyamā tathā |
yajñopavītamudrā. |
madhyamāṅguṣṭhaśirasi saṅgatirhyagraparvaṇā || 64 ||
22.64 Bei freiem Mittelfinger heißt sie Puṣpa-Mudrā. Für die Geste der heiligen Schnur werden die Endglieder von Mittelfinger und Daumen zusammengeführt.
saṅgatābhyāṃtu |
yajñopavītamudrā syā |
ākalpamudrā. |
daṃguṣṭhena kaniṣṭhikā |
ākalpamudrikā jñeyā viṣṇoḥ prītikarī śubhā || 65 ||
22.65 Dies ist Yajñopavīta-Mudrā. Verbindet man den kleinen Finger mit dem Daumen, entsteht die glückverheißende Ākalpa-Schmuckgeste, die Viṣṇu erfreut.
dhūpamudrā. |
saṃhṛtāgrāṅgulīnāṃ tu kṛtvā vyatikarāṅgulīḥ |
sahaivordhvīkṛtāṃguṣṭhau karābhyāṃ dhūpamudrikā || 66 ||
22.66 Für Dhūpa-Mudrā verschränkt man die Finger mit zusammengeführten Spitzen und richtet beide Daumen gemeinsam auf. Sie dient der Räuchergabe.
saṃśṛtā |
dhūma |
dīpamudrā. |
ūrdhvaṃtu madhyamāṃ kṛtvā saṃhṛtyāṃguṣṭhameva ca |
tarjanyā nāmikābhyāṃ tu saṃhṛtya tu kaniṣṭhikām || 67 ||
22.67 Für die Lampengeste richtet man den Mittelfinger auf und beugt den Daumen ein; Zeige- und Ringfinger halten den kleinen Finger entsprechend eingezogen.
tenaiva vāmahastena dakṣiṇena kṛtā tu yā |
dīpamudreti sā proktā devadeva prayādhikā || 68 ||
22.68 Mit der linken oder rechten Hand so ausgeführt heißt sie Dīpa-Mudrā und gilt als dem Gott der Götter besonders lieb. Der genaue Handwechsel ist knapp überliefert.
Kapitel 23: Lautnamen, Mantraerschließung und Praṇava-Praxis
pādmasaṃhitāyām |
caryāpādetrayoviṃśo'dhyaḥ |
mantroddhāravidhiḥ. |
brahmā |
saṃjñābhedastu varṇānāṃ mantroddhārastu kīdṛśaḥ |
prayojanaṃ vā kiṃ tasya kathyatāṃ tadaśeṣataḥ || 1 ||
23.1 Im dreiundzwanzigsten Kapitel des Caryāpāda fragt Brahmā: Welche unterschiedlichen Bezeichnungen besitzen die Laute, wie werden Mantras daraus erschlossen, und welchem Zweck dient dies? Erkläre alles vollständig.
śrībhagavān |
ahaṃ te kathayiṣyāmi śṛṇu sarvaṃ yathātatham |
hrasvadīrghavibhāgena bhinnāḥ padmaja manmukhāt || 2 ||
23.2 Der erhabene Herr sprach: Ich werde es dir genau erklären; höre. Aus meinem Mund gingen, Lotusgeborener, die nach kurzen und langen Formen unterschiedenen
hantate |
guhyaṃ |
akārādyāssvarā jātāḥ kramādanye'rdhamātṛkāḥ |
kakārādyāśca cakrete nyasya pūjyāḥ pariṣkṛte || 3 ||
23.3 Vokale von a an hervor, danach die übrigen, halben Lautmaße von ka an. Diese Laute werden in ein sorgfältig gestaltetes Rad eingesetzt und verehrt.
pariṣkṛtāḥ |
praśaste nirjane gupte bhūbhāge śobhane same |
hastadvayena vistīrṇaṃ sthaṇḍilaṃ caturaśrakam || 4 ||
23.4 An einem geeigneten, menschenleeren, geschützten und ebenen Platz richtet man eine quadratische Bodenplattform von zwei Hasta Breite her.
śodhite |
darpaṇodarasaṅkāśamunnataṃ caturaṅgulaiḥ |
mṛdbhiḥ pidhāya suṣiraṃ gomayenopalipya ca || 5 ||
23.5 Sie ist spiegelglatt und vier Aṅgula hoch. Hohlräume werden mit Erde geschlossen; man bestreicht sie mit Kuhdung.
vidhāya susamam vihāya suṣiram |
prokṣya cakraṃ vidhātavyaṃ ṣoḍaśārapariṣkṛtam |
nābhinamisamāyuktaṃ candanakṣodarekhayā || 6 ||
23.6 Nach dem Besprengen zeichnet man mit Sandelholzlinien ein Rad mit sechzehn Speichen, Nabe und Radkranz.
tanmadhye chandasāmādirarabhūṣu svarā stathā |
sparśākṣaraṃ nābhimadhye nemimadhye ca yādayaḥ || 7 ||
23.7 In seiner Mitte steht der Anfang der heiligen Metren, der Praṇava; auf den Speichen die Vokale. Die Verschlusslaute werden im Nabenbereich, die Laute von ya an im Radkranz eingesetzt.
evaṃ nyasteṣu varṇeṣu dvādaśākṣaravidyayā |
arghyādyaissakalairbhogairvarṇātmāsaṃ samarcayet || 8 ||
23.8 Sind die Laute so angeordnet, verehrt man den aus Lauten bestehenden Herrn unter dem zwölfsilbigen Mantra mit Arghya und allen weiteren Gaben.
varṇānāṃ saṃjñāntaram. |
cakrasaṃsthitavarṇānāṃ nāmabhedaḥ pradarśyate |
udgīthaśchandasāmādiḥ praṇavastāraka stathā || 9 ||
23.9 Nun folgen die Ersatznamen der im Rad befindlichen Laute. Für Oṃ nennt die Quelle Udgītha, Chandasāmādi, Praṇava und Tāraka,
brahma ca brahmakośaśca vyāpī coṅkāra ityapi |
nāmāni prathitānyaṣṭāvakāro viṣṇurucyate || 10 ||
23.10 Brahma beziehungsweise Brahmā, Brahmakośa, Vyāpin und Oṃkāra: acht bekannte Namen. Der Laut a heißt Viṣṇu.
brahmā |
kathitā |
oṅkārādiścāprameya ākāro madhusūdanaḥ |
ādidevo gopanaśca syādikārastsrivikramaḥ || 11 ||
23.11 Weitere Namen für a sind Oṃkārādi und Aprameya. Ā heißt Madhusūdana, Ādideva und Gopana. I heißt Trivikrama,
māyā bandhuśca rāmaśca kathyate tadanantaram |
pañcabindurmahāmāyā vāmanassmaryate tathā || 12 ||
23.12 Māyā, Bandhu und Rāma. Danach folgen für ī Pañcabindu, Mahāmāyā und Vāmana; die Lautbezeichnung ī ist an dieser Stelle nicht erneut ausgeschrieben.
ukāro bhuvanāhvānaśśrīdharaścodaya stathā |
ūkārāścordhvalokeśo hṛṣīkeśo guhālayaḥ || 13 ||
23.13 U heißt Bhuvana, Śrīdhara und Udaya. Ū heißt Ūrdhvalokeśa, Hṛṣīkeśa und Guhālaya.
ṛkāra ṛtadhāmā ca padmanābhastathocyate |
ṛkāraḥ pīṭhanāmā syādyogī dāmodara stathā || 14 ||
23.14 Ṛ heißt Ṛtadhāman und Padmanābha. Der folgende lange Vokal ṝ wird Pīṭha, Yogin und Dāmodara genannt; die Quelle schreibt beide Male ṛ.
lṛkāraḥ keśavo goptā prajñādhāro maheśvaraḥ |
lṛkāro dīrgha ghoṇaśca nārāyaṇasamāhvayaḥ || 15 ||
23.15 Ḷ heißt Keśava, Goptṛ, Prajñādhāra und Maheśvara. Der lange entsprechende Vokal ḹ heißt Dīrghaghoṇa und Nārāyaṇa; die Quelle unterscheidet die Länge hier nicht sauber. Varianten nennen Prajā beziehungsweise Dīrghaghoṣa.
prajā |
ghoṣaśca |
saṃprasāraṇanāmāsyādekāro mādhavāhvayaḥ |
devadatto mṛgeśassyādaikāro godhanaḥ smṛtaḥ || 16 ||
23.16 E heißt Saṃprasāraṇa, Mādhava, Devadatta und Mṛgeśa. Ai heißt Godhana, nach der Variante Dhanada,
dhanadaḥ |
govindho vīrasenaśca syādokāraścaturmukha |
otadeho vāsudevo brahmasādhana ityapi || 17 ||
23.17 Govinda und Vīrasena. O heißt, Viergesichtiger, Otadeha, Vāsudeva und Brahmasādhana.
aukāra auṣadhāhvāna aurvassaṅkarṣaṇo manuḥ |
aṃkāraḥ kapilākṣaśca pradyumno devatā smṛtaḥ || 18 ||
23.18 Au heißt Auṣadha, Aurva, Saṅkarṣaṇa und Manu. Aṃ heißt Kapilākṣa, Pradyumna und Devatā, nach der Variante Devara.
devaraḥ |
aḥkāraścāniruddhāhvaḥ kalānta ssargisaṃjñikaḥ |
kakāraḥ kamalo brahmā karālaśśaṅkhinaḥsmṛtaḥ || 19 ||
23.19 Aḥ heißt Aniruddha, Kalānta und Sargin beziehungsweise Sarga. Ka heißt Kamala, Brahmā, Karāla und Śaṅkhin.
ssarga |
khakāraḥ kharvadehaśca cakrī garuḍavāhanaḥ |
gadadhvaṃsī gakāraśca gadī paṅcātmakassṛtaḥ || 20 ||
23.20 Kha heißt Kharvadeha, Cakrin und Garuḍavāhana. Ga heißt Gadadhvaṃsin, Gadin und Pañcātmaka; eine Variante bietet Sarva.
sarva |
padmapāṇirśakārastu pañcātmā gajavāhanaḥ |
ṅakāraśśārṅgapāṇiśca ekadaṃṣṭraḥ kapidhvajaḥ || 21 ||
23.21 Für gha nennt die Reihenfolge Padmapāṇi, Pañcātman und Gajavāhana, doch die Quelle schreibt irrtümlich śa. Ṅa heißt Śārṅgapāṇi, Ekadaṃṣṭra und Kapidhvaja.
vakratuṇḍaḥ khaḍgadharaścakāraḥ pretanāyakaḥ |
chakāraśchalavidhvaṃsī svacchandaḥ kuṇḍalī smṛtaḥ || 22 ||
23.22 Ca heißt Vakratuṇḍa, Khaḍgadhara und Pretanāyaka. Cha heißt Chalavidhvaṃsin, Svacchanda und Kuṇḍalin.
musalī janmahantā ca jakāraḥ kakubhaḥ smṛtaḥ |
jhakārassāmavedātmā jhaṣāśī ca guvarṇabhāḥ || 23 ||
23.23 Ja heißt Musalin, Janmahantṛ und Kakubha. Jha heißt Sāmavedātman, Jhaṣāśin und Suvarṇabhā; die beiden letzten Formen haben beschädigte Varianten.
jhaṣāṃśī |
nasuvarṇa |
ñakāraścandradhavalaḥ pāśapāṇirbhṛguḥsmṛtaḥ |
ṭakāro hṛdayā hlādī kheṭakī parvataḥ smṛtaḥ || 24 ||
23.24 Ña heißt Candradhavala, Pāśapāṇi und Bhṛgu. Ṭa heißt Hṛdayāhlādin, Kheṭakin und Parvata; eine Variante verändert das erste Namensende.
hvānaḥ |
ṭhakāraḥ kaustubho meghī tomaro dussahaḥ smṛtaḥ |
ḍakāraḥ puṇḍarīkākṣo jhaṣo bhūmirvanālayaḥ || 25 ||
23.25 Ṭha heißt Kaustubha, Meghin beziehungsweise Medhin, Tomara und Duḥsaha. Ḍa heißt Puṇḍarīkākṣa, Jhaṣa, Bhūmi und Vanālaya.
medhī |
ḍhakāraḥ puṣpabhadrā ca dṛḍhakarmā pratardanaḥ |
ṇakāro vanamālī syātpracaṇḍassumukhaḥ smṛtaḥ || 26 ||
23.26 Ḍha heißt Puṣpabhadrā, Dṛḍhakarman und Pratardana. Ṇa heißt Vanamālin, Pracaṇḍa und Sumukha.
ekanetra stakārasyādvairājo vijayaḥ smṛtaḥ |
thakārassarva rodhaśca rasātmā supratiṣṭhitaḥ || 27 ||
23.27 Ta heißt Ekanetra, Vairāja und Vijaya. Tha heißt Sarvarodha, Rasātman und Supratiṣṭhita; die Variante bietet beim ersten Namen Roga statt Rodha.
rogaśca |
dakāro vaidharo dṛṣṭiratri ssa tripurāntakaḥ |
dhakāro dhanadaḥ puṇyassubhago mohanāśanaḥ || 28 ||
23.28 Da heißt Vaidhara, Dṛṣṭi, Atri und Tripurāntaka. Dha heißt Dhanada, Puṇya, Subhaga und Mohanāśana; eine Variante nennt Sarva.
sarva |
nakāro bhadrapāṇissyādvighneśo mānuṣeśvaraḥ |
pakāraḥ pāpahananaḥ pavitraḥ paścimānavaḥ || 29 ||
23.29 Na heißt Bhadrapāṇi, Vighneśa und Mānuṣeśvara. Pa heißt Pāpahanana, Pavitra und Paścimānava.
pakāraḥ pullanayanaśśikhaṇḍī syādvikarmaṇaḥ |
bakāro jṛmbhalo hrasvo matimān kālanemijit || 30 ||
23.30 Pha heißt Phullanayana, Śikhaṇḍin und Vikarman; der Text schreibt noch einmal pa. Ba heißt Jṛmbhala, Hrasva, Matimat und Kālanemijit.
bhallāyudho bhakāraśca subhadrassūkṣmalocanaḥ |
makāro mandaro dakṣo mādhavī pāṭalakriyaḥ || 31 ||
23.31 Bha heißt Bhallāyudha, Subhadra und Sūkṣmalocana. Ma heißt Mandara, Dakṣa, Mādhavī und Pāṭalakriya.
yakāraḥ puruṣātmā syādvāyu śśaṅkhaścaturgatiḥ |
reṣo'nalo mahājvālo viśvātmāsarvadāhakaḥ || 32 ||
23.32 Ya heißt Puruṣātman, Vāyu, Śaṅkha und Caturgati. Ra heißt Anala, Mahājvāla, Viśvātman und Sarvadāhaka.
lakāraḥpītavarṇābho mahendraḥ pulahaḥ smṛtaḥ |
vakāro varuṇaḥ kumbhaḥ pīyūṣātmā sudhārasaḥ || 33 ||
23.33 La heißt Pītavarṇābha, Mahendra und Pulaha. Va heißt Varuṇa, Kumbha, Pīyūṣātman und Sudhārasa.
śakāraśśubhado lakṣmīḥ śrīvatso vittavardhanaḥ |
ṣakāraḥ krodharūpī syādugrātmā śatrusūdanaḥ || 34 ||
23.34 Śa heißt Śubhada, Lakṣmī, Śrīvatsa und Vittavardhana. Ṣa heißt Krodharūpin, Ugrātman und Śatrusūdana.
pūrṇacandraḥ kalātmā syāt sakāraśśuklasaṃjñitaḥ |
dvādaśātmā hakārāssyāddīptimān bhāskaraḥ smṛtaḥ || 35 ||
23.35 Sa heißt Pūrṇacandra, Kalātman und Śukla. Ha heißt Dvādaśātman, Dīptimat und Bhāskara.
ḷakāroḍuṇḍabho bhargo viṣkambho viṣamadhvaniḥ |
kṣakāro garuḍo' nantaḥ kūṭo narahariḥsmṛtaḥ || 36 ||
23.36 Ḷa, hier der zusätzliche Konsonant und nicht der zuvor genannte Vokal, heißt Ḍuṇḍabha, Bharga, Viṣkambha und Viṣamadhvani; mehrere Varianten sind beschädigt. Kṣa heißt Garuḍa, Ananta, Kūṭa und Narahari.
garbho viṣkambho nṛṣabhadhvaniḥgargo |
anusvāro druvo binduryaṣṭiścandrārdha ucyate |
svāhākāro hutāntaśca ṭaṭheti parikīrtitaḥ || 37 ||
23.37 Anusvāra heißt Dhruva, Bindu und Yaṣṭi; auch der Halbmond wird genannt, wobei die genaue Zuordnung des letzten Ausdrucks offenbleibt. Svāhā heißt Hutānta und wird mit der Lautchiffre „ṭaṭha“ verbunden; die Variante lautet anders.
candeti parikīrtitaḥ |
namaskāro natirvarṇasaṃjñā ityādayaḥ smṛtāḥ |
varṇānāṃ devatānirdeśaḥ. |
cakrasaṃsthitavarṇānāṃ devatā kathyate kramāt || 38 ||
23.38 Namaskāra heißt Nati. Dies sind Beispiele der Lautbezeichnungen. Nun werden die Gottheiten der im Rad stehenden Laute erklärt.
tatra acāṃ devatāḥ. |
sarveṣāmapi varṇānāmakāraḥ kāraṇaṃ yataḥ |
sarvakāraṇarūpatvā dviṣṇustasyādhidevatā || 39 ||
23.39 Weil a die Ursache aller Laute ist, ist Viṣṇu als Ursache aller Dinge seine leitende Gottheit.
ākārasya madhudveṣī syādikārastri vikramaḥ |
īkāro vāmano devastathokāraśśriyaḥ patiḥ || 40 ||
23.40 Für ā ist es Madhusūdana, für i Trivikrama, für ī Vāmana und für u der Herr Śrīs.
vikramī |
ūkārasya pṛṣīkeśo varṇasya syādanantaram |
padmanābhastvṛkārasya devo dāmodaro bhavet || 41 ||
23.41 Für ū ist es Hṛṣīkeśa, für ṛ Padmanābha; die nächste Zuordnung nennt Dāmodara.
ṝkārasya sthitaśśambhuḥ lṛkārasya ca devatā |
nārāyaṇo'dhidevassyāt lṛkārasya caturmukha || 42 ||
23.42 Dāmodara gehört nach der Folge zu ṝ. Bei den anschließenden vokalischen l-Lauten stehen in der Grundlesart Śambhu und Nārāyaṇa, während die Variante Keśava einsetzt. Die Zeile ist in Lautlängen und Zuordnungen beschädigt.
ṝkāraḥ keśavo devo |
mādhavo'nantarārṇasya govindo devatā bhavet |
aikārasya tathārṇasya syādokārasya devatā || 43 ||
23.43 Für e folgt Mādhava, für ai Govinda. Für o wird im nächsten Vers Vāsudeva genannt.
vāsudevastathārṇasya syādaukārasya devatā |
saṅkarṣaṇa stathāṅkāro bhavetpradyumna devatā || 44 ||
23.44 Für au ist es Saṅkarṣaṇa, für aṃ Pradyumna.
aḥkārasyāniruddhassyāddevā itthaṃ kramādacām |
devatāḥ kathitā brahman |
halāṃ devatāḥ. |
halāṃ saṃprati kathyate || 45 ||
23.45 Für aḥ ist es Aniruddha. So sind die Gottheiten der Vokale erklärt, Brahmā; nun folgen die der Konsonanten.
kakārasya vidhirdevaḥ khakārasya sudarśanaḥ |
gakārasya ghakārasya vāṇī śārṅgaśca devatā || 46 ||
23.46 Für ka ist es Brahmā, für kha Sudarśana. Für ga und gha nennt der Wortlaut Vāṇī und Śārṅga; diese Folge stimmt nicht vollständig mit den zuvor genannten Ersatznamen überein.
vāṇīśārṅgādhidevate |
ṅakārasya cakārasya devo nandaka iṣyate |
chakārasya yamo devo jakārasya ca devatā || 47 ||
23.47 Für ṅa und ca wird Nandaka genannt, ohne die Zuordnung sauber zu trennen. Für cha ist es Yama; für ja folgt
musalī syāt jhakārastu bhavedaṅkuśadaivataḥ |
ñakārasya bhṛgurdevaḥ ṭakārasya mahīdharaḥ || 48 ||
23.48 Musalin. Jha wird dem Elefantenhaken Aṅkuśa zugeordnet, ña dem Bhṛgu, ṭa dem Bergträger beziehungsweise Berg.
jhakārasya bhavedaṅkuśadevatā |
meruḥ kaustubhadaivatyaḥ ṭhakāro ḍastu pārthivaḥ |
ḍhakāro mātṛdaivatyoṇakāro vānamālikaḥ || 49 ||
23.49 Dieser wird als Meru bezeichnet. Ṭha gehört zu Kaustubha, ḍa zur Erde, ḍha zu den Müttern und ṇa zur Waldgirlande.
takārasya tathā dṛṣṭiḥ thakāro rasadaivataḥ |
atrirdakārasya bhaveddhakārasya dhaneśvaraḥ || 50 ||
23.50 Ta gehört zu Dṛṣṭi, tha zu Rasa, da zu Atri und dha zum Herrn des Reichtums.
lambhodaro nakārasya pakārasya pavitrakaḥ |
śikhaṇḍavān phakārasya bakārasya tu devatā || 51 ||
23.51 Na gehört zu Lambodara, pa zu Pavitra, pha zum Federbuschträger. Für ba folgt
jṛmbalo bhākṣarasya syātsubhadro devatā tathā |
dakṣo makārasya bhavedyakāro vāyudaivataḥ || 52 ||
23.52 Jṛmbhala; für bha Subhadra, für ma Dakṣa, für ya Vāyu. Eine Variante verschiebt Jṛmbhala zum Laut bha.
jṛmbhalantu bhakārasya |
dhūmadhvajassyādrephasya lakārasya divaspatiḥ |
pakāro varuṇeśāna śśakāro mādhidaivataḥ || 53 ||
23.53 Ra gehört zum Feuer, dem Rauchbannerträger, la zum Himmelsherrn, va zu Varuṇa – die Quelle schreibt pa – und śa zu Mā, der Göttin Śrī.
krodhākāraḥ ṣakārasya sakāraścandradaivataḥ |
sahasrāṃśurhakārasya ḷakāro bhargadaivataḥ || 54 ||
23.54 Ṣa gehört zur Zorngestalt, sa zum Mond, ha zum Tausendstrahligen, der Sonne, und ḷa zu Bharga, nach einer Variante Bhaga.
bhagadaivataḥ |
narasiṃhaḥ kṣakārasya kathitāḥ kādidevatāḥ |
mantrāvarṇādijñāne phalam. |
varṇānāṃ cakraniṣṭhānāṃ nāmānyapi ca devatāḥ || 55 ||
23.55 Kṣa gehört zu Narasiṃha. Damit sind die Konsonantengottheiten genannt. Wer die Namen und Gottheiten der im Rad befindlichen Laute
yo vetti tasya phaladā mantriṇa ścaturānana |
varṇānāṃ nakṣatrāṇi. |
yāvato yasya varṇasya yannakṣatraṃ vidurbudhāḥ || 56 ||
23.56 kennt, für den werden die Mantras fruchtbar, Viergesichtiger. Nun folgen die Mondhäuser, welche die Kundigen den jeweiligen Lauten zuordnen.
sa ca tāvāṃ statra varṇaḥ kramādiha nigadyate |
ādyaṃ vinā svaraṃ varṇāvādyāvāśvayujau smṛtau || 57 ||
23.57 Die Laute werden gruppenweise der Reihe nach zugeteilt. Unter Auslassung eines hier nicht eindeutig bezeichneten ersten Vokals gelten die ersten beiden für Aśvinī; die Anfangsregel ist beschädigt.
tāsām |
ikārasyāpi bharaṇī kṛttikātrayamuttaram |
catuṣṭayamṛkārādi rohiṇye kamatheḍakā || 58 ||
23.58 I wird Bharaṇī zugeordnet, die folgenden drei Laute Kṛttikā, vier von ṛ an Rohiṇī, der nächste einzelne dem als Eḍaka bezeichneten Gestirn, wohl Mṛgaśīrṣa.
raudramapyeka mevasyātpunarvasvordvayaṃ matam |
dvayameva tathā pauṣṇamādyantaṃ vā matā ntare || 59 ||
23.59 Ein Laut gehört zum Rudra-Gestirn Ārdrā, zwei zu Punarvasu und zwei zum Pūṣan-Gestirn Revatī. Eine andere Auffassung nennt dafür den ersten und letzten Laut.
varṇassyāt |
kādiṣu prathamaṃ puṣyaṃ dvayaṃ sārpaṃ dvayaṃ maghā |
ekamaryamaṇaṃ yugmaṃ bhargadaivatamucyate || 60 ||
23.60 Unter den Konsonanten von ka an gehört der erste zu Puṣya, zwei zu Āśleṣā, zwei zu Maghā, einer zu Aryamans und zwei zu Bhagas Gestirn. Die Variante verändert die Gruppierung; eine sichere lückenlose Tabelle lässt sich daraus nicht gewinnen.
puṣyadvayaṃ sārpa |
bhagadaivatabhagavaddaiva |
yugmameva tu sāvitraṃ dvayamindrādhidaivatam |
ekaṃ niṣṭyā viśākhe dve trayaṃ maitramanantaram || 61 ||
23.61 Zwei gehören zum Savitṛ-Gestirn, zwei werden Indra zugeordnet beziehungsweise in einer Variante Citrā, einer Niṣṭyā beziehungsweise Svātī, zwei Viśākhā und drei Anurādhā.
dvayaṃ cittrā |
tiṣyā |
aindramekaṃ trayaṃ mūlaṃ pūrvamāṣāḍhamekakam |
āṣāḍhamuttaraṃ cairamekamevābhijinmatam || 62 ||
23.62 Einer gehört zu Indras Jyeṣṭhā, drei zu Mūla, einer zu Pūrvāṣāḍhā, einer zu Uttarāṣāḍhā und einer zu Abhijit.
dvayaṃ vaiṣṇavamekaṃ tu śraviṣṭhā śatatārakam |
ekameva trayaṃ śādi varṇassyādaja ekapāt || 63 ||
23.63 Zwei gehören zum Viṣṇu-Gestirn Śravaṇa, einer zu Śraviṣṭhā, einer zu Śatabhiṣaj. Die drei Laute von śa an gehören zu Aja Ekapāds Gestirn.
triyaṃśādi |
ahi rbudhnyastrayo varṇā iti varṇeṣu tārakāḥ |
rāśayaḥ |
ādau catuṣṭayaṃ meṣo varṇānāmṛṣabhastrikam || 64 ||
23.64 Drei weitere gehören zu Ahirbudhnya. Damit sind die Lautgestirne genannt. Für die Tierkreiszeichen gelten die ersten vier Laute als Widder, die folgenden drei als Stier.
tathaiva mithunaṃ yugmaṃ kulīraṃ mṛgarāṭ tathā |
śiṣṭadvayaṃ śādayastu kanyā kuḥ prathamaṃ tulā || 65 ||
23.65 Zwillinge erhält zwei; für Krebs und Löwe nennt der verkürzte Text die verbleibenden Paare. Die Laute von śa an gehören zur Jungfrau, die ka-Reihe zur Waage.
kanyāyāḥ |
cavargo vṛścikaścāpaḥ ṭavargassadbhirucyate |
tavargo makaraḥ kumbhaḥ pavargo' ntyasya yādayaḥ || 66 ||
23.66 Die ca-Reihe gehört zum Skorpion, die ṭa-Reihe zum Schützen, die ta-Reihe zum Steinbock, die pa-Reihe zum Wassermann und die Laute von ya an zum letzten Zeichen, Fische.
nyasya |
sādhakasya yogaparīkṣā. |
nakṣatraṃ yatsādhakasya mantrasyādyakṣarasya yat |
naranāryorivatayoryogāyogau parīkṣayet || 67 ||
23.67 Das Geburtsgestirn des Ausübenden und das Gestirn des Anfangslauts des Mantras prüft man auf Übereinstimmung oder Unvereinbarkeit, wie bei der Zuordnung eines Mannes und einer Frau.
siddhāricakranyāsaḥ |
catuṣpadaṃ likhitvorvāṃ tatrākārādi nikṣipet |
yarsmipade sādhakasya nāmādyarṇalipi stathā || 68 ||
23.68 Man zeichnet vier Felder auf den Boden und trägt die Laute von a an ein. In welchem Feld der Anfangslaut des Namens des Ausübenden steht,
tatraiva cedbhavesmantra syādhyaṃ varṇamavasthitam |
tatsiddhaṃ syāddvitīye tu sādhyaṃ vidyādanantare || 69 ||
23.69 wenn dort auch der Anfangslaut des Mantras steht, gilt der Mantra als Siddha, bereits passend beziehungsweise vollendet. Im zweiten Feld heißt er Sādhya, zu verwirklichen.
ssyādyavarṇamapi |
pade siddhaṃ turīye tu vaiparītyāya kalpate |
siddhe siddhaṃ jāpādyaistu sādhye sādhyaṃ susiddhake || 70 ||
23.70 Im dritten ist er Susiddha, besonders leicht vollendet; die Grundlesart wiederholt nur Siddha. Das vierte gilt als entgegengesetzt. Bei Siddha wirkt die vorgesehene Praxis, bei Sādhya ist die Verwirklichung durch Japa und weitere Mittel zu erarbeiten.
adhitamātre mahate phalāya bhavati dhruvam |
pade tu vairiṇassyācchellipiradhyetṛnāśanam || 71 ||
23.71 Bei Susiddha soll schon das Erlernen große Frucht bringen. Steht der Laut im feindlichen Feld, droht die Quelle dem Lernenden Untergang an.
ānuguṇyaṃ parīkṣyeta nimittāni parīkṣya ca |
sādhakassādhayenmantraṃ devasya kuṭilā gatiḥ || 72 ||
23.72 Nach Prüfung der Eignung und der Vorzeichen verwirklicht der Ausübende den Mantra. Der Weg des Göttlichen beziehungsweise des Geschicks wird als schwer durchschaubar bezeichnet.
mūlamantracatuṣṭayasya nānuguṇyaparīkṣā. |
caturṣumūlamantreṣu nānuguṇyaṃ parīkṣayet |
mūlamantranirūpaṇam. |
tāramaṣṭākṣaraṃ caiva dvādaśākṣarameva ca || 73 ||
23.73 Für die vier Grundmantras wird eine solche Eignungsprüfung jedoch nicht verlangt: Praṇava, achtsilbiger und zwölfsilbiger Mantra
viṣṇugāyatryapi tathā catvāraḥ prathame matāḥ |
mālābhījamantralakṣaṇam |
dvātriṃśadakṣarādhikye mālāmantrādaśādikhe || 74 ||
23.74 sowie Viṣṇu-Gāyatrī gelten als diese vier. Mantras mit mehr als 32 Silben heißen Mālā-Mantras. Die anschließende Abgrenzung kürzerer Bīja-Mantras ist als „daśādikhe“ beschädigt überliefert.
bījamantrā |
mantrāṇāṃ vayojātyādinardeśaḥ. |
ssamasteṣu pūrve vārdhikyaśobhanāḥ |
itare yauvvane tadvatsarve bālyepi śobhanāḥ || 75 ||
23.75 Von den genannten Klassen wird die erste für das Alter empfohlen, die anderen für die Jugend; alle gelten auch in der Kindheit als günstig. Ein Halbvers fehlt laut Quellenvermerk stellenweise.
itare ityardhaṃ kvacinna |
strīvunna pumiti traidhaṃ bhajantemantrajātayaḥ |
saṃstyānamantrāssvāhāntā manontāstu napuṃsakāḥ || 76 ||
23.76 Mantras werden außerdem in weiblich, männlich und sächlich eingeteilt. Auf „svāhā“ endende heißen weiblich, auf „namaḥ“ endende sächlich; letzteres ist im Ausgangstext beschädigt geschrieben.
biti ca |
śeṣāḥ puruṣamantrāssyuriti trividhamīritam |
mantrajātyanurodhena karmanu viniyogaḥ. |
uccāṭane ca vaśye ca vidveṣe kṣudrakarmasu || 77 ||
23.77 Die übrigen heißen männlich. So lautet die Dreiteilung. Bei Vertreibung, Beeinflussung, Entzweiung und anderen als niedere Magie bezeichneten Handlungen
striyaḥ praśastā nabliṅgāḥ karmasvanyatra pūjitāḥ |
pulliṅgeṣu tu mantreṣu diṅmītraṃ kiñciducyate || 78 ||
23.78 werden die weiblichen empfohlen, bei anderen Handlungen die sächlichen. Zu den männlichen beziehungsweise nach einer Variante allen Mantras folgt eine kurze Zuordnung.
sarveṣu |
phaḍantā maraṇādyarthe śastā bhūtādyupadrave |
huṅkārāntāḥ praśasyante vauṣaḍantāstu te punaḥ || 79 ||
23.79 Auf „phaṭ“ endende Formeln werden zerstörerischen Handlungen zugeordnet; bei Bedrängnis durch Geister gilt „huṃ“ als geeignet. Auf „vauṣaṭ“ endende
huṅkā rādyā |
āpyāyane niyujyante dharmakāmārthamūrtiṣu |
caturthyantāḥ praśasyante omantāssarvasiddhidāḥ || 80 ||
23.80 dienen der stärkenden Erfüllung. Dativformen werden für Dharma, Wunscherfüllung und Wohlstand empfohlen; auf „oṃ“ endende gelten als Spender aller Vollendungen. Dies ist die historische Mantraklassifikation des Textes.
avidhinā grahaṇe doṣaḥ. |
sarvamantrāssarvaphalā guruvaktradyadi śrutāḥ |
yadṛcchayā śruto mantraścha nnenāthacchalena vā || 81 ||
23.81 Alle Mantras sollen alle Früchte geben, wenn sie aus dem Mund des Lehrers empfangen wurden. Ein zufällig gehörter, heimlich erlangter oder durch Täuschung erworbener Mantra,
sarve |
cchande |
patrekṣito vā vyarthassyātpratyutānarthadaḥ smṛtaḥ |
siddhaikamanastrasya mantrāntarasaulabhyam. |
ekassusādhito mantrojapahomāditarpaṇaiḥ || 82 ||
23.82 oder einer, den man nur auf einem Blatt gesehen hat, gilt dagegen als wirkungslos oder sogar schädlich. Ein einziger durch Japa, Feueropfer und Sättigungsgaben gut verwirklichter Mantra
sa sādhakasya sarvārthaṃ prasūte nātra saṃśayaḥ |
samyaksiddhaikamantrasya nāsādhyamihā kiñcana || 83 ||
23.83 bringe dem Ausübenden alles Erstrebte. Wer einen Mantra vollständig verwirklicht hat, für den gebe es nichts Unerreichbares.
kiṃpunarbahapo yasya kā kathā harireva saḥ |
mantrajape digādiniyamaḥ |
kuśeṣu kṛṣṇatvaci vā brusyāmekāntabhūmiṣu || 84 ||
23.84 Wie viel mehr gelte dies bei vielen Mantras; ein solcher Mensch wird hier Hari selbst genannt. Für Japa sitzt man auf Kuśa, schwarzem Antilopenfell oder einer Bṛsī-Matte an einem einsamen Ort.
tasyāmekānta |
prāgādidiṅmukho bhūtvā na tu yāmyamukhaḥ kvacit |
upaviṣṭo japenmantraṃ sapavitrakaraśśuciḥ || 85 ||
23.85 Man blickt nach Osten oder in eine andere geeignete Richtung, niemals nach Süden. Rein und mit Pavitra-Grasring rezitiert man den Mantra.
dhṛtordhvapuṇḍraracano nānyāṃ vā camudīrayan |
guruṃ praṇamya prathamaṃ praṇavapramukhaṃ japet || 86 ||
23.86 Man trägt das aufrechte Stirnzeichen, spricht nichts anderes, verneigt sich zuerst vor dem Lehrer und beginnt die Wiederholung mit dem Praṇava.
japayogyapradeśāḥ. |
devatāyatane nadyā śaile sāgararodhasi |
vane vā tīrthadeśe vānyagrodhāśvatthayoradhaḥ || 87 ||
23.87 Geeignete Orte sind ein Tempel, Flussufer, Berg, Meeresufer, Wald, eine heilige Badestelle oder der Platz unter Nyagrodha und Aśvattha.
anyatra vā śucau deśe kuṭiṃ kṛtvārabheta saḥ |
jāpakasya āhāraniyamaḥ. |
anaśnan vāyubhakṣo vā yadvābbhakṣo jalāplutaḥ || 88 ||
23.88 Auch an einem anderen reinen Ort kann man eine Hütte errichten und beginnen. Die Quelle nennt als strenge asketische Ernährungsformen Fasten, Leben von Luft oder von Wasser, verbunden mit Baden.
anyatrāpi |
jīrṇaparṇāśanaśśākabhojano vā phalāni vā |
vakvāni mūlānyathavā bhuñjāno lavaṇaṃ vinā || 89 ||
23.89 Weitere Formen sind alte Blätter, Gemüse, Früchte oder gekochte Wurzeln ohne Salz.
yapoṣṭi kālājadugdha bhikṣāhoro jitendriyaḥ |
pūrvaṃ pūrvaṃ praśastaṃ syādaśanīyaṃ viśodhanam || 90 ||
23.90 Außerdem nennt sie Gerstenzubereitungen, Puffreis, Milch und Bettelspeise bei beherrschten Sinnen. Die jeweils zuvor genannte Form wird als strenger und reinigender gepriesen; die Wortfolge der Speisen ist teilweise beschädigt.
siddhiyogya tithyādayaḥ. |
mantrasya devatā tāratithivāreṣu sādhakaiḥ |
dvādaśyāṃ paurṇamāsyāṃ vā grahaṇe karma śasyate || 91 ||
23.91 Für die Praxis gelten Gestirn, Mondtag und Wochentag der Mantragottheit als geeignet, besonders der zwölfte Mondtag, Vollmond oder eine Finsternis.
mantreṣu |
rāti tithitārātithi |
viśeṣayajanaṃ kurvan cakrābje japamācaret |
śikhī vā jaṭilo vāpi valkalājinakarpaṭaḥ || 92 ||
23.92 Man vollzieht besondere Verehrung im Diskus-Lotus-Maṇḍala und Japa. Der Ausübende trägt Haarschopf oder verfilztes Haar und Rindenstoff, Fell oder einfaches Tuch.
trisandhyaṃ snānaniyatastailābhyaṅgavivarjitaḥ |
yugabhedena jāpāvṛtti bhedaḥ. |
yāvaduktaṃ kṛtayuge mantrābhyasanamiṣyate || 93 ||
23.93 Er badet zu den drei Dämmerungs- beziehungsweise Kultzeiten und verzichtet auf Ölsalbung. Die für das Kṛta-Zeitalter genannte Anzahl der Mantrawiederholungen
tretādiṣu triṣu proktaṃ dviguṇaṃ triguṇaṃ kramāt |
caturguṇaṃ paraṃ vāpi tato mantraphalecchayā || 94 ||
23.94 wird in Tretā, Dvāpara und Kali der Reihe nach verdoppelt, verdreifacht und vervierfacht oder noch weiter erhöht, wenn die Mantrafrucht erstrebt wird.
sarvasiddhikaromantrassiddhassiddhyetkriyāvaśāt |
kriyādhigamyate śāstrācchāstraṃ deśikapūruṣāt || 95 ||
23.95 Der Mantra, der alle Vollendungen geben soll, wird durch die richtige Praxis wirksam. Diese lernt man aus der Lehre, die Lehre von einem Lehrer.
sarvasiddhyakaro |
mantraśabdha nirvacanam. |
mananaṃ sarvasatvānāṃ trāṇaṃ saṃsārasāgarāt |
mananatrāṇasaṃyogānmantra ityucyate budhaiḥ || 96 ||
23.96 Die Kundigen erklären „Mantra“ aus Manana, dem inneren Erwägen, und Trāṇa, dem Schutz aller Wesen vor dem Ozean des Saṃsāra.
tu bhava |
athavā gopanīyatvā ddhātormantrayate rayaṃ |
rapratyayāntaḥ pulliṅgastathāyaṃ lokavedayoḥ || 97 ||
23.97 Alternativ leiten sie das Wort wegen der Geheimhaltung aus der Wurzel „mantr“ ab; mit dem genannten Suffix erscheint es als männliches Wort in weltlicher und vedischer Sprache. Die grammatische Formulierung ist beschädigt.
tvāddhetoḥ |
param |
mantreṇa sthāpyate devo mantreṇaiva visṛjyate |
jñānānāṃ tatparaṃ jñānaṃ mantrajñānaṃ vidurbudhāḥ || 98 ||
23.98 Durch Mantra wird die Gottheit installiert, durch Mantra verabschiedet. Die Kundigen nennen Mantrawissen das höchste unter den Wissensgebieten.
tantreṇa |
aihikāmuṣmikaṃ sarvaṃ mantreṇaiva prasidhyati |
phaladarśanādeva mantradraṣṭṛtvam. |
chando mantrākṣare yattaddarśanādṛṣirucyate || 99 ||
23.99 Alles Diesseitige und Jenseitige werde durch Mantra erreicht. Bei Versmaß, Silbenmaß und Seherzuordnung beginnt hier eine knappe, teilweise beschädigte Erklärung.
mātrākṣare |
darśanaṃ ca phalasyāhurnapunarmantradarśanāt |
devatā mantra phaladā mantreṇa pratipāditā || 100 ||
23.100 „Sehen“ wird als Erkennen der Frucht erklärt, nicht bloß als Sehen des Mantrawortlauts. Die Gottheit ist die durch den Mantra bezeichnete Spenderin seiner Frucht.
bruvanti nilayaṃ kṣetraṃ tatvaṃ tatvamidaṃ viduḥ |
mantrāṇāṃ śvetādivarṇabhedaḥ. |
mantrākṣarāṇāṃ śuklādi mantrabhedaḥ prakīrtitaḥ || 101 ||
23.101 Wohnstätte und Feld sowie Tattva werden als weitere Zuordnungen genannt; die Definition ist beschädigt. Die Mantrasilben besitzen Farben von Weiß an, entsprechend den verschiedenen Mantras.
tatvaṃca bhedayoḥ |
varṇabhedāḥ pradarśitāḥ |
mūlamantrādimantrāṇāṃ sādhanaṃ śuṇu sāṃpratam |
mantriṇo varjyāvastunirdeśaḥ. |
vidhāya yāgayogyāni puṣpāmūlaphalāni ca || 102 ||
23.102 Höre nun die Verwirklichung der Grundmantras und der weiteren Formeln. Man bereitet opfergeeignete Blüten, Wurzeln und Früchte vor.
yoga yogyāni |
śākādīni tu varjyāni varjayeditarāṇi tu |
gṛhṇāyā dyāni varjyāni tāni vakṣyāmi padmaja || 103 ||
23.103 Ausgeschlossene Gemüsearten und andere verbotene Dinge meidet man; die übrigen nimmt man an. Welche ausgeschlossen sind, erkläre ich jetzt, Lotusgeborener.
varṇāni |
vajyāni puṣpāṇi. |
ugragandhānyagandhāni durgandhāni parityajet |
vastrārkaparṇaspṛṣṭāni puṣpāṇyāradhane hareḥ || 104 ||
23.104 Für Haris Verehrung meidet man Blüten mit scharfem, fehlendem oder schlechtem Geruch sowie solche, die mit Kleidung oder Arka-Blättern in Berührung kamen.
unmatta śālmalī bījapūra dhuttūrikājapāḥ |
bandhūkīsitakoraṇḍadroṇakanyāparājitāḥ || 105 ||
23.105 Genannt werden Unmatta, Śālmalī, Bījapūra, Dhuttūrikā, Japā, Bandhūkī, weißer Koraṇḍa, Droṇa, Kanyā und Aparājitā.
hṛhatyagastyakūśmāṇḍapaṭolyāragvathaissamāḥ |
mirguṇḍī damayantī ca riṃśukaṃ pāribhadrakam || 106 ||
23.106 Weiter Bṛhatī, Agastya, Kūṣmāṇḍa, Paṭolī, Āragvadha, Nirguṇḍī, Damayantī beziehungsweise Madayantī, Kiṃśuka und Pāribhadraka.
madayantīca |
kiṃśukā pāribhadrakā |
kośātakī prāyāluśca tapasvī girimallikā |
nimbavyāghrī karañjaśvī ṣaṇḍa pāṣaṇḍapaṭṭikā || 107 ||
23.107 Dazu Kośātakī, Prāyālu, Tapasvin, Girimallikā, Nimba, Vyāghrī, Karañja, Śvīṣaṇḍa und Pāṣaṇḍapaṭṭikā; mehrere Namen sind stark beschädigt und werden nicht botanisch gleichgesetzt.
pāṇḍara |
vibhītakiṅkiṇyaṅkolalāṅgalīśaṅkhapuṣpiṇī |
nāraṅganandikāvarta valli kākṣīrikādiṣu || 108 ||
23.108 Ferner Vibhītaka, Kiṅkiṇī, Aṅkola, Lāṅgalī, Śaṅkhapuṣpiṇī, Nāraṅga, Nandikāvarta, Vallikā und Kṣīrikā; die Varianten lesen unter anderem Mallikā. Diese Ausschlussliste gehört zur besonderen Mantrapraxis und weicht teilweise von der allgemeinen Blütenliste in Kapitel 12 ab.
vibhītakiṅkiṇīkola |
mallikā |
mantriṇo varjyāni śākādīni. |
puṣpāṇi varjanīyāni śākānyapi tathā śṛṇu |
śṛṅgāṣṭaṃ grañjanaṃ śigrū nālikā suniṣaṇṇakam || 109 ||
23.109 Ihre Blüten sind hier zu meiden. Nun die Gemüse: Śṛṅgāṣṭa, Gṛñjana, Śigru, Nālikā und Suniṣaṇṇaka; die ersten beiden haben mehrere beschädigte Varianten.
śṛṅgāgraṃ gṛñjanam śṛṅgāṣṭaṃ kuṅjaram |
saubhāñjanaṃ raktabhāṣpaṃ grāmabhāṣpaṃ trikaṇṭakam |
droṇapatraṃ liliṅgā ca taṇḍulīyaṃ tapasvinī || 110 ||
23.110 Dazu Saubhāñjana, Raktabhāṣpa, Grāmabhāṣpa, Trikaṇṭaka, Droṇapatra, Liliṅgā, Taṇḍulīya und Tapasvinī. Varianten nennen Pūtibhāṣpa, Droṇa, Paṭolī und Nimba.
pūtibhāṣpam |
droṇaṃ paṭolī nimbaṃ ca |
kośātakī ca varjyāni mūleṣu tyājyamucyate |
chatrākaṃ laśunaṃ tālaphalamūle paṭolikā || 111 ||
23.111 Auch Kośātakī ist ausgeschlossen. Unter den Wurzeln beziehungsweise bodennahen Nahrungsmitteln nennt der Text Pilze, Knoblauch, Früchte und Wurzeln der Tāla-Palme sowie Paṭolikā.
bimbakumbhāṇḍanāraṅgaphalāni parivarjiyet |
varjyāni bhojanapātrāṇi. |
bilvodumbara bhodhyarka vaṭapatreṣu bhojanam || 112 ||
23.112 Früchte von Bimba, Kūṣmāṇḍa und Nāraṅga werden ebenfalls ausgeschlossen. Man soll nicht von Blättern von Bilva, Udumbara, Bodhi-Aśvattha, Arka oder Vaṭa essen.
bījakumbā |
varjayetsādhako yatnādālasyaṃ dīrghacintanam |
vivādanidrā nirvedanigrahānugrahaṃstyajet || 113 ||
23.113 Der Ausübende meidet sorgfältig Trägheit, langes Grübeln, Streit, übermäßigen Schlaf, Mutlosigkeit sowie das Ausüben von Zwang und Gunst gegenüber anderen. Die Variante nennt langes Umherschauen statt Grübeln.
dīrghadarśanam |
mantriṇā dhāraṇīyāni cihnāni. |
padmākṣamālāṃ grīvāyāṃ lambayetsādhakaśśuciḥ |
suvarṇa cakradhāraṇam. |
dhārayedraimayaṃ cakraṃ sarvavighnopaśāntaye || 114 ||
23.114 Rein trägt er eine Kette aus Lotussamen um den Hals. Zur Befriedung aller Hindernisse trägt er einen goldenen Diskus.
dehe dāraṇīyalāñcanam. |
japakāle'thavā cakraṃ śaṅkhākṛti yathātathā |
śārṅgakhaḍgadākāraṃ lāñchanaṃ lāñchayetsudhīḥ || 115 ||
23.115 Während des Japa kann der Verständige auch Zeichen von Diskus, Muschelhorn, Śārṅga-Bogen, Schwert und Keule anbringen; die Waffenliste ist im Ausgangstext zusammengezogen.
śarīrāvayave bāhvorvakṣobhuvi caturmukha |
cakrādilāñchitasya māhātmyam. |
cakrādipañcābhijñāna lakṣitāṅgapariṣkṛtam || 116 ||
23.116 Sie werden an Körperteilen, Armen und Brust angebracht, Viergesichtiger. Einen Menschen, dessen Körper diese fünf Waffenzeichen schmücken,
puruṣaṃ dūrato dṛṣṭvā bhūtādyā bhayavihvalāḥ |
vidravanti tathā ghorāḥ pāpiṣṭhāḥ kṣaṇamātrataḥ || 117 ||
23.117 sehen Geister und andere Wesen schon von fern und fliehen angstvoll. Auch furchtbare Verfehlungen
vinaśyanti tathā puṇyapuñjāni praviśantica |
praṇamanti tathā devā devarṣipravarāstathā || 118 ||
23.118 verschwänden im Augenblick, während Verdienste einträten; Götter und hervorragende göttliche Seher verneigten sich vor ihm, so das religiöse Lob.
akṛtyamapi kurvāṇo bhujjāno vā yata stataḥ |
pāpairnalipyate dehī cakrādyāyudhalāñcitaḥ || 119 ||
23.119 Der Träger der Diskus- und anderen Waffenzeichen werde selbst bei unangemessenem Tun oder beliebigem Essen nicht von Verfehlungen befleckt. Dies ist eine weitreichende Verheißung der Quelle.
havyaṃ kavyaṃ ca dātavyaṃ tasmai taddānamakṣayam |
siddhipratibandhakāni veṣaceṣṭādīni. |
avidhāya śikhābandhamakṛtvā tilakaṃ mṛdā || 120 ||
23.120 Ihm sollen Götter- und Ahnenopfergaben gegeben werden; die Gabe gelte als unvergänglich. Wer dagegen den Haarschopf nicht bindet und kein Stirnzeichen aus Erde anbringt,
taddhattamakṣayam |
adhārayaṃstato darbhān sūtrai ranupavītayan |
kurvan karmāṇi na phalaṃ prāpnuyātpuruṣādhamaḥ || 121 ||
23.121 kein Darbha trägt und keine heilige Schnur anlegt beziehungsweise nicht eingeführt ist, erlange nach der strengen äußeren Kultordnung durch seine Handlungen keine Frucht.
ranuvanītavān |
nagno muktaśikhābandho vāsasā vāvakuṇṭhitaḥ |
gacchan śayānaḥ pralapan na japātphalamaśnute || 122 ||
23.122 Nackt, mit ungebundenem Haarschopf, verhüllt, gehend, liegend oder schwatzend erlange man keine Japa-Frucht.
japenmaunaṃ samāsthāya sahasaṃbhāṣaṇādikam |
pratilomādibhirnīcairnakuryānmantravittamaḥ || 123 ||
23.123 Der Mantrakundige übt schweigend und soll nach der historischen Sozialregel keine Gespräche mit Pratiloma-Geborenen und als niedrig eingestuften Menschen führen.
vyāharedapi kāryārthaṃ nityaṃ tadgatamānasaḥ |
mantrasiddhyartha śālānirmāṇādi. |
dvādaśākṣara manyaṃ vā japedakṣaralakṣakam || 124 ||
23.124 Er darf jedoch für notwendige Aufgaben sprechen und bleibt innerlich beim Mantra. Den zwölfsilbigen oder einen anderen Mantra wiederholt er hunderttausendmal je Silbe.
to hīnaṃ |
tadardhaṃ juhuyā dagnau homaśālāṃ prakalpayet |
dhūmanirgamanopetāṃ caturaśrāṃ manoramām || 125 ||
23.125 Die Hälfte dieser Zahl gilt für das Feueropfer. Dafür errichtet man eine schöne quadratische Opferhalle mit Rauchabzug.
manoharām |
kuṇḍākṛti mānādi. |
tanmadhye kalpayetkuṇḍamāhutyasuguṇaṃ śubham |
vṛttaṃ vā caturaśraṃ vā mekhalātrayasaṃyutam || 126 ||
23.126 In ihrer Mitte liegt eine der Opferzahl angemessene Grube, rund oder quadratisch, mit drei Umrandungsstufen.
yo nimanmṛtsnayā brahman mānaṃ kuṇḍanya kathyate |
ayutāhutiparyante home hastapramāṇakam || 127 ||
23.127 Sie besitzt eine aus Erde geformte Yoni. Brahmā, nun ihre Maße: Für bis zu zehntausend Gaben beträgt das Maß einen Hasta.
yonikam |
dvihastaṃ niyute kuṇḍaṃ trihastaṃ prayute tathā |
śaṅkuhome caturhastaṃ mahāśaṅkā tu ṣaṭkaram || 128 ||
23.128 Bei Niyuta sind es zwei Hasta, bei Prayuta drei, bei Śaṅku vier und bei Mahāśaṅku sechs.
nṛndāhutau saptahastaṃ mahābṛnde'ṣṭahastakam |
arbude navahastaṃ syānnirbude daśahastakam || 129 ||
23.129 Bei Bṛnda sieben, bei Mahābṛnda acht, bei Arbuda neun und bei Nyarbuda zehn Hasta.
ekādaśakaraṃ kharve parārdhe dvādaśāyatam |
trayodaśakaraṃ madhye antaketu caturdaśa || 130 ||
23.130 Bei Kharva elf, bei Parārdha zwölf, bei Madhya dreizehn und bei Anta vierzehn Hasta.
antyake |
padme karāḥ pañcadaśa mahāpadme tu ṣoḍaśa |
samudre viṃśatikara moghe dvāviṃśatiḥ smṛtam || 131 ||
23.131 Bei Padma fünfzehn, bei Mahāpadma sechzehn, bei Samudra zwanzig und bei Mahaugha 22 Hasta.
mahaughe |
ito'dhikāhutividhau caturviṃśatihastakam |
prasaṃgātsaṅkhyāsthāpanirdeśaḥ. |
prasaṅgāducyate saṅkhyā tāṃ krameṇāvadhāraya || 132 ||
23.132 Für noch höhere Opferzahlen sind 24 Hasta genannt. Bei dieser Gelegenheit erklärt die Quelle ihre großen Zahlennamen.
ekaṃ daśa śataṃ saṅkhyā sahasramayutaṃ tathā |
niyutaṃ prayutaṃ śaṅkurmahāśaṅkustataḥ param || 133 ||
23.133 Die Reihe lautet: Eka, Daśa, Śata, Sahasra, Ayuta, Niyuta, Prayuta, Śaṅku und Mahāśaṅku;
nṛndaṃ tathā mahābṛndamarbudaṃ nyarbudaṃ tathā |
kharvaṃ parārdhaṃ madhyānte padmaṃ tanmahadādikam || 134 ||
23.134 dann Bṛnda, Mahābṛnda, Arbuda, Nyarbuda, Kharva, Parārdha, Madhya, Anta, Padma und Mahāpadma.
padmottaraṃ samudraṃ syānmahaughaṃ cottamaṃ bhavet |
ekamārabhya gaṇayetprayutāntaṃ yathākramam || 135 ||
23.135 Danach folgen Samudra und Mahaugha. Von Eins an zählt man der Reihe nach bis Prayuta.
upottamam |
cottaram |
sthānāt sthānaṃ daśaguṇaṃ vardhayetprayutāvadhi |
lakṣasya niyutaṃ saṅkhyā koṭiḥ prayutamiṣyate || 136 ||
23.136 Von Stelle zu Stelle soll die Zahl bis Prayuta jeweils verzehnfacht werden. Niyuta wird aber zugleich mit Lakṣa und Prayuta mit Koṭi gleichgesetzt; dadurch entsteht in der überlieferten Dezimalfolge eine Unstimmigkeit, die nicht stillschweigend korrigiert wird.
sarvatra saṅkhyā ityatra saṃjñā itiko śāntare |
śaṅkumārabhyagaṇayenmahaughāntaṃ kramādyathā |
śataṃ koṭisahasrāṇāṃ śaṅkusaṅkhyā nigadyate || 137 ||
23.137 Eine Handschrift liest „Bezeichnung“ statt „Zahl“. Von Śaṅku bis Mahaugha wird weitergezählt; Śaṅku ist hunderttausend Koṭis.
tathaiva syānmahāśaṅkurevaṃ bṛndaṃ prakīrtitam |
tadvadeva mahānṛnda mevamevārbudaṃ smṛtam || 138 ||
23.138 Nach demselben Prinzip folgen Mahāśaṅku, Bṛnda, Mahābṛnda und Arbuda.
itthaṃ nirbudamākhyātamevaṃ kharvamudāhṛtam |
evameva parārdhaṃ syānmadhyamitthaṃ caturmukha || 139 ||
23.139 So werden Nyarbuda, Kharva, Parārdha und Madhya bestimmt, Viergesichtiger.
evamantaṃ tathā padmaṃ mahāpadmaṃ tathaiva ca |
sāgarapralayāvevaṃ saṅkhyā nāsti tataḥ param || 140 ||
23.140 Entsprechend folgen Anta, Padma, Mahāpadma, Sāgara und Pralaya. Die letzten Namen weichen von der vorherigen Liste ab. Darüber hinaus wird hier keine Zahl mehr genannt.
evamevaṃ |
agne śśotrādinirūpaṇam. |
yatra kāṣṭhaṃ tu tacchrotraṃ yatra dhūmastu nāsikā |
yatrālpajvalanaṃ netraṃ yatra bhasmatu tacchiraḥ || 141 ||
23.141 Wo im Feuer das Holz liegt, ist sein Ohr; wo Rauch ist, seine Nase; wo wenig Flamme ist, sein Auge; wo Asche ist, sein Kopf.
yatra ityādisamidbhiḥ ityantaṃ kośacatuṣṭaye na dṛśyate |
yatra samyake sthitā darbhāstatra keśāḥ prakīrtitāḥ |
yatra prajvilito vahnirjihvātatraiva kīrtitā || 142 ||
23.142 Wo die Darbha-Gräser liegen, sind seine Haare; wo es kräftig lodert, ist seine Zunge. Der Quellenvermerk erklärt diesen Abschnitt bis zu den Brennhölzern für in vier Handschriften fehlend.
homastānādiphalam. |
agnikarṇe hutī rogo nāsikāyāṃ manovyathā |
cakṣuṣornidhanaṃ kuryātkeśe dāridryaṃ bhavet || 143 ||
23.143 Ein Opfer ins „Ohr“ bringe Krankheit, in die „Nase“ seelischen Schmerz, in die „Augen“ Tod und in die „Haare“ Armut, so die rituelle Deutung.
hutaṃ śirasi pāpaṃ syāttasmājjihvāsu homayet |
samidbhiryājñiyairbījairghṛtairgavyaistathā dalaiḥ || 144 ||
23.144 Ein Opfer auf den „Kopf“ gelte als fehlerhaft; deshalb opfert man in die Flammenzungen. Dazu dienen Opferholz, Samen, Kuh-Ghee und Blätter,
sumanobhissamiddhegnau juhuyādagnimāharet |
kuṇḍamadhye yogāsanam. |
āraṇyaṃ maṇijaṃ lauhaṃ kuṇḍamadhye pariṣkṛte || 145 ||
23.145 auch Blüten, bei gut entzündetem Feuer. Das Feuer wird aus Reibhölzern, einem Brennstein oder einem metallischen Gerät gewonnen; die erste Herkunft ist als „āraṇya“ statt des erwarteten Reibholzbezugs beschädigt.
yogāsanaṃ cāgni madhye kalpayitvā hariṃ punaḥ |
pratyahaṃ homaḥ. |
āvāhayettatra devaṃ homāntaṃ tatra sannidhim || 146 ||
23.146 In der gereinigten Grubenmitte, im Feuer, gestaltet man meditativ einen Yogasitz und ruft Hari darauf an.
tasya |
prārthayeta samārādhya homaṃ kuryāddine dise |
āhomakālamaryādaṃ rakṣedagnimatandritaḥ || 147 ||
23.147 Man bittet um seine Gegenwart bis zum Ende des Opfers, verehrt ihn und opfert täglich. Bis zum Abschluss des Opferzeitraums hütet man das Feuer aufmerksam.
na dahetparidhīn darbhānupastīrṇānupakrame |
siddhernimittāni. |
evamuktena mārgeṇa japato mantramuttamam || 148 ||
23.148 Die zu Beginn ausgelegten Einfassungshölzer und Darbha-Gräser werden nicht verbrannt. Wer den vorzüglichen Mantra nach dieser Ordnung wiederholt,
sādhakasya punassvāpnāssambhavantyavicāritāḥ |
mantrasiddimasiddiṃ ca sūca yantaśśubhāśubham || 149 ||
23.149 erfährt nach der Quelle Träume, die Gelingen oder Nichtgelingen der Mantrapraxis sowie günstige oder ungünstige Entwicklungen anzeigen.
purā |
yantya |
tatra sunimittāni. |
ācāryaṃ pratimāṃ devīṃ pūjopakaraṇāni ca |
vipraṃ bhāgavataṃ bhūpaṃ chatracāmaradantinaḥ || 150 ||
23.150 Als günstige Traumbilder nennt sie Lehrer, Gottesbild, Göttin, Kultgeräte, Brahmane, Bhāgavata, König, Schirm, Yakschweifwedel und Elefant,
siṃhāsanamapāṃ kumbhaṃ purṇaṃ kanyāṃ madhūjanam |
dīpaṃ śaṅkhaṃ tathā yānāṃ śrīvatsaṃ pādukāṃ tathā || 151 ||
23.151 Löwenthron, vollen Wasserkrug, Mädchen, Braut, Lampe, Muschelhorn, Fahrzeug, Śrīvatsa beziehungsweise nach der Variante Śrī-Baum und Sandalen,
śrīvṛkṣam |
śvetaṃ vastraṃ ca mālyaṃ ca candanaṃ bhūṣaṇāni ca |
ratnāni kāhalādīni pāyasaṃ dadhi pālikāḥ || 152 ||
23.152 weiße Gewänder, weiße Girlanden, Sandelholz, Schmuck, Edelsteine, Trompeten, Milchreis, Joghurt und Keimschalen,
tāṃbūlaṃ pustakaṃ ghaṇṭāṃ taṇḍulānavagāhanam |
samudrataraṇaṃ śailārohaṇaṃ drumarohaṇam || 153 ||
23.153 Betel, Buch, Glocke, Reis, Eintauchen ins Wasser, Überqueren des Meeres, Besteigen eines Berges oder Baumes,
bhūmilābhaṃ mṛdāṃ lābhaṃ taṭakupādidarśanam |
prāṅkukhoduṅgukho vāpi yātrāṃ kurvan svayaṃ yadi || 154 ||
23.154 Gewinn von Land oder Erde, Anblick von Teichen und Brunnen sowie eigene Reisen nach Osten oder Norden.
bhūmilābhamṛtaṃ lābham |
vimānadarśanaṃ viṣṇordīptau ca śaśibhāskarau |
nakṣatrāṇi gṛhādīni jyotsāṃ ca dhruvamaṇḍalam || 155 ||
23.155 Weiter Viṣṇus Heiligtum beziehungsweise himmlisches Fahrzeug, strahlenden Mond und Sonne, Gestirne, Häuser, Mondlicht und den Polarsternkreis.
nakṣatrāṇi ityardhaṃ kośapañca ke na dṛśyate |
dīptamagniṃ vedaghoṣaṃ siddhavidyādharādikam |
devatā samitiṃ caiva paśyan mūlaphalāni ca || 156 ||
23.156 Der Halbvers zu Gestirnen und Polarbereich fehlt laut Quellenvermerk in fünf Handschriften. Weitere günstige Bilder sind leuchtendes Feuer, Vedenklang, Siddhas, Vidyādharas, Götterversammlungen, Wurzeln und Früchte,
apūpādīni bhakṣyāṇi kuśayaṣṭiṃ kamaṇḍalam |
yajñopavītaṃ pātrāṇi sruksruvādīni lokayan || 157 ||
23.157 Kuchen und andere Speisen, Kuśa-Stab, Wassergefäß, heilige Schnur, Opfergeräte wie Löffel und Schöpfkelle
akṣamālāmeva mādyaiśśubhaissvapnairvinirdiśet |
mantrasiddhiṃ bahu mukhāṃ |
durnimittāni. |
dussvapnāścāpyaśobhanāḥ || 158 ||
23.158 und Gebetskette. Solche Träume sollen auf vielfältige Mantravollendung hinweisen. Nun folgen die als ungünstig bewerteten Träume.
mukhāt |
kathyante muṇḍitaissārdhaṃ sambhāṣā sahavartanam |
svayaṃ muṇḍaśchabhibhrāṇo jīrṇaṃ nīlaṃ tathāmbaram || 159 ||
23.159 Gespräch und Zusammenleben mit Kahlgeschorenen, selbst kahl zu sein oder alte blaue Gewänder zu tragen,
kanthāṃ kartāṃ tathā nīlāṃ puṣpamālāṃ ca mūrdhani |
gardabhārohaṇaṃ bhagnayānādhiṣṭhānamabjaja || 160 ||
23.160 eine zerrissene Flickendecke oder eine blaue Blumengirlande auf dem Kopf, Reiten auf einem Esel oder Sitzen in einem zerbrochenen Fahrzeug, Lotusgeborener;
chinnacchatradharo vāpi mahiṣārohaṇaṃ tathā |
dakṣiṇābhimukho gacchannuṣṭravāhādirohaṇam || 161 ||
23.161 einen zerrissenen Schirm tragen, auf einem Büffel reiten, nach Süden gehen oder Kamel und ähnliche Tiere besteigen;
daṣṭaśca kapibhirdehe sṛgālairvā vṛkai stathā |
karṇapādaśiraśchedo dantānāṃ padanaṃ tathā || 162 ||
23.162 von Affen, Schakalen oder Wölfen gebissen werden, Verlust von Ohren, Füßen oder Kopf, Ausfallen der Zähne;
navavastradharaḥ pīḍā bhaḍaiḥ pāśena bandhanam |
vidhavāliṅganaṃ nīcaiḥ pāṣaṇḍaiḥ pratilomajaiḥ || 163 ||
23.163 neue Gewänder tragen, von Soldaten bedrängt und mit Schlingen gefesselt werden, Umarmung einer Witwe sowie Umgang mit als niedrig oder häretisch eingestuften und Pratiloma-geborenen Menschen.
vidhāyāliṅganaṃ |
vartanaṃ gopurādīnāṃ patanaṃ śākhināmapi |
turagārohaṇaṃ bhuktirbauddhādyālayasevanam || 164 ||
23.164 Auch Einstürzen von Torbauten und Bäumen, Pferdereiten, Essen und Besuch buddhistischer und anderer fremder Heiligtümer werden genannt. Diese Traumwertungen geben die Perspektive der Quelle wieder.
bhuktam |
madirāpāyibhiḥ pāparogibhiḥkitavaissaha |
vartanaṃ dīpanirvāpaṃ devānāmutsavaṃ tathā || 165 ||
23.165 Weiter Gemeinschaft mit Trinkenden, schwer Kranken oder Spielern, Erlöschen einer Lampe und ein Götterfest;
grāmādidāho bhakṣyāṇāṃ phalādīnāṃ ca bhakṣaṇam |
madhūcchiṣṭaṃ praticchāyā yātrā yuddhodyamaṃ bhaṭaiḥ || 166 ||
23.166 Brand eines Ortes, Essen von Speisen und Früchten, Bienenwachs, Spiegelbild, Reise und kriegerischer Aufbruch mit Soldaten. Mehrere Motive stehen in Spannung zur günstigen Liste und werden nicht angeglichen.
abhyaṅgaṃ tailalābhaṃ ca marīcaṃ lavaṇaṃ tathā |
lokayannevamādīni svapne śāntiṃ samācaret || 167 ||
23.167 Auch Ölsalbung, Erhalten von Öl, Pfeffer oder Salz werden genannt. Nach solchen Träumen soll man Befriedung durch die vorgesehenen Mittel vollziehen.
siddhiprakārāḥ. |
japahomādibhirvidvān jāgrataḥ pratyayāṃ stathā |
vakṣyāmi sādhakasyāgre jātānabyudayāvahān || 168 ||
23.168 Dazu dienen Japa, Feueropfer und weitere Handlungen. Nun erkläre ich die als günstig geltenden Zeichen, die dem Ausübenden im Wachzustand erscheinen sollen.
pyūmni devagāṇānnemi ghoṣaṃ dundubhinisvanam |
sddaissaṃbhāṣaṇaṃ cāpi vimānānāṃ ca darśanam || 169 ||
23.169 Götterscharen am Himmel, Radgeräusch und Trommelklang, Gespräche mit Siddhas und Anblick himmlischer Fahrzeuge,
bhūtapretapiśācādidaśarnaṃ bhūtale tathā |
homakāle ca saptārcistriśikhaḥ paridṛśyate || 170 ||
23.170 auch das Sehen von Geistern, Verstorbenen und Piśācas auf der Erde. Beim Feueropfer erscheint das siebenzungige Feuer mit drei Flammenspitzen,
śuddhasphaṭekasaṅkāśo dakṣiṇāvarta śobhitaḥ |
divyagandhopalambhaśca chatrabimbadhvajādikam || 171 ||
23.171 rein wie Kristall, mit rechtsdrehender Bewegung. Göttlicher Duft sowie Erscheinungen von Schirm, Kultbild und Fahne werden wahrgenommen.
saṃyutaḥ |
śaṅkhadundubhivīṇādivedaghoṣaśrutiṃ punaḥ |
pūrṇāhutividhau siddhiliṅgānyetāni lokayet || 172 ||
23.172 Muschelhorn, Trommeln, Vīṇā und Vedenklang werden gehört. Bei der vollständigen Abschlussgabe gelten solche Wahrnehmungen als Zeichen der Vollendung.
siddhiliṃgānāṃ guruṃ vinānyatraprakāśaniṣedhaḥ. |
sādhakastāni liṅgāni kathayenna guruṃ vinā |
homānte bhojayedvidvān vaiṣṇavān dvādaśāvarān || 173 ||
23.173 Der Ausübende soll diese Zeichen allein dem Lehrer mitteilen. Nach dem Feueropfer speist der Kundige mindestens zwölf Vaiṣṇavas.
sādhakāni hi liṅgāni |
yāvanmantrasiddhi bhagavadārādhanam. |
yāvacca mantrasiddhissyāttāvadārādhayeddharim |
kāmanānuguṇākāraṃ dārvādyaiḥ parikalpitam || 174 ||
23.174 Bis zur Mantravollendung verehrt man Hari in einer zum eigenen Ziel passenden Gestalt aus Holz oder einem anderen Material.
dine dine japenmantraṃ juhvānnagnauyathāpuram |
praṇava puraścaraṇavidhiḥ. |
praṇavasya śṛṇu brahman puraścaraṇamuttamam || 175 ||
23.175 Tag für Tag wiederholt man den Mantra und opfert wie zuvor ins Feuer. Brahmā, höre nun die vorzügliche vorbereitende Vollpraxis des Praṇava.
punaḥ |
bījaṃ sāṅgaṃ samuddhāraṃ yathāvadavadhāraya |
aprameyādimudayaṃ madhye mandarapaścimam || 176 ||
23.176 Achte auf die Erschließung der Silbe samt Bīja und Gliedern: Am Anfang steht Aprameya, in der Mitte Udaya, am Ende Mandara.
mandira |
samāhṛtya tryavayavaṃ trīn varṇān vācakaṃ hareḥ |
plutodāttasvaraṃ brahman cakramadhye pratiṣṭhitam || 177 ||
23.177 Nach den zuvor gegebenen Lautnamen sind dies a, u und m, die dreigliedrige Bezeichnung Haris. Der Praṇava wird gedehnt und mit gehobenem Ton gedacht und steht in der Radmitte.
trikavacastrīnvarṇān |
uddharedbījamasyādyaṃ pratīkaṃ daṇḍa śekharam |
vaiṣṇavaṃ daṇḍayedvaiṣā śaktissarvatra kīrtitā || 178 ||
23.178 Sein Bīja wird aus dem ersten Bestandteil mit dem als Daṇḍa bezeichneten Abschluss erschlossen. Danach wird eine vaiṣṇavische Śakti mit derselben Chiffre genannt. Die genaue vollständige Zusatzformel ist aus diesem beschädigten Vers nicht sicher auszuschreiben.
pratītam |
bījaśaktyaṅgahīnā ye mantryāsusai nirarthakāḥ |
tasmātsāṅgaṃ bījayuktaṃ śaktiyuktaṃ phalapradam || 179 ||
23.179 Mantras ohne Bīja, Śakti und Glieder werden hier als wirkungslos bezeichnet. Fruchtbringend seien sie mit diesen Zusätzen; dies ist eine Regel dieses Praxisabschnitts und steht neben den ausdrücklich zusatzfreien Ekāyana-Mantras in Kapitel 21.
bījaṃ śaktiśca kathitā śrūyatāmaṅgajātayaḥ |
ṛṣirbrahmasya chandastu devī gāyatra mucyate || 180 ||
23.180 Bīja und Śakti sind genannt; nun die Glieder. Seher ist Brahmā, Versmaß die göttliche Gāyatrī.
pratipādyaḥ parodevaḥ paramātmā sa devatā |
buddhistatvaṃ paraṃ pyūma kṣetraṃ varṇassitacchaviḥ || 181 ||
23.181 Die bezeichnete Gottheit ist der höchste Gott, das höchste Selbst. Als Tattva gilt Buddhi, als Feld der höchste Raum, als Farbe strahlendes Weiß.
jñānaṃ balaṃ tathāvīryamaiśvaryaṃ tejasā saha |
śaktirete caturthyantā namassvāhā vaṣaṭ tathā || 182 ||
23.182 Jñāna, Bala, Vīrya, Aiśvarya, Tejas und Śakti werden im Dativ gebraucht. Es folgen die Abschlussworte namaḥ, svāhā, vaṣaṭ,
huṃ phaṭ vauṣaṭ kramādeta davasānāśśubhāvahāḥ |
aṅgāni hṛdayādyeṣu ṣaṭsu sthāneṣu mantriṇā || 183 ||
23.183 huṃ, phaṭ und vauṣaṭ, der Reihe nach. Diese sechs Glieder setzt der Mantrakundige an den sechs Körperorten von Herz an ein.
prayojyāni prayukteṣu mantrassāṅgaḥ kṛto bhavet |
dehe karatale caiva sthāneṣu dvādaśasvapi || 184 ||
23.184 Durch ihre Anwendung ist der Mantra mit seinen Gliedern versehen. Auch an Körper und Handflächen sowie den zwölf vorgesehenen Stellen
prayogeṣu |
dvādaśākṣaravannyāsaḥ praṇavassphaṭika prabhaḥ |
nyāne namontassvāhntū japapūjāhutiṣvapi || 185 ||
23.185 geschieht der Nyāsa wie beim zwölfsilbigen Mantra. Der Praṇava ist kristallglänzend. Beim Nyāsa wird namaḥ genannt, bei Japa, Verehrung und Opfer svāhā; die genaue Trennung der Anwendungen ist beschädigt.
nyāso |
vaśye cākarṣaṇavidau ucchāṭe huṅkṛtirbhavet |
māraṇe phaṭkṛtirjñeyā stambha vidveṣamohane || 186 ||
23.186 Für Beeinflussung, Anziehung und Vertreibung ordnet die Quelle huṃ zu, für zerstörerische Handlungen phaṭ. Für Lähmung, Entzweiung und Verblendung
vijñāna |
satiṃ vināṅgamanyassyāddharmādau natireva sā |
śākayāvakabhaikṣāśī japellakṣatrayaṃ śuciḥ || 187 ||
23.187 folgt eine beschädigte Regel zum Weglassen von nati; für Dharma und ähnliche Ziele wird nati, die Verneigungsendung namaḥ, verwendet. Rein und von Gemüse, Gerstenspeise oder Bettelnahrung lebend rezitiert man dreihunderttausendmal.
tadardhaṃ tarpaṇe saṅkhyā tadardhaṃ homakarmaṇi |
homānte siddhayastasya jāyante yāvadīpsitāḥ || 188 ||
23.188 Für die Sättigungsdarbringung gilt die Hälfte dieser Zahl, für das Feueropfer wiederum die Hälfte. Danach sollen dem Ausübenden die gewünschten Vollendungen entstehen.
yadyadīpsitāḥ |
aihikāmuṣmikaṃ sarvaṃ praṇavāllabhyate' khilam |
praṇavānna paromantraḥ kaścidasti caturmukha || 189 ||
23.189 Alles Diesseitige und Jenseitige werde durch den Praṇava erlangt. Einen höheren Mantra als den Praṇava gebe es nicht, Viergesichtiger.
phalam |
śāntipuṣṭyabhicāreṣu kimanyaissiddhivarṇanaiḥ |
antyakāle ca māṃ dhyātvā vyāharan praṇavākṣaram || 190 ||
23.190 Ob für Befriedung, Stärkung oder magische Wirkung: Wozu weitere Vollendungen aufzählen? Am Lebensende meditiert man über mich und spricht den Praṇava.
yogābhyā sokta vidhinā jīvamārohayeddhṛdi |
bhruvo rmadhye tatojīvaṃ tato brahma bilaṃ tataḥ || 191 ||
23.191 Nach dem im Yoga gelehrten Verfahren führt man den Jīva im Inneren zum Herzen, dann zwischen die Augenbrauen und von dort zur Brahma-Öffnung.
yoga ityādi. sarvapāpa ityantaṃ kvacinna |
sena |
uccaran praṇavaṃ bhitvā bhilaṃ brahmaṇi līyate |
yāvatprāṇavinirmokamabhyasyetpraṇavākṣaram || 192 ||
23.192 Unter dem Praṇava wird diese durchdrungen und der Jīva geht in Brahman ein. Man übt die Silbe bis zum Entweichen des Lebenshauchs. Der Quellenvermerk erklärt diesen Schlussabschnitt für stellenweise fehlend.
hitvābimbaṃ |
sarvapāpavinirimukto yāti brahma sanātanam |
proktaḥ praṇavakalpaste samāsena caturmukha || 193 ||
23.193 Von allen Verfehlungen frei gelangt man nach der Verheißung zum ewigen Brahman. Viergesichtiger, damit ist die Praṇava-Ordnung in Kürze erklärt.
Kapitel 24: Der zwölfsilbige Mantra und die Wege der Befreiung
pādmasaṃhitāyām |
caryāpādecaturviṃśo'dhyāyaḥ |
śrībhagavān |
dvādaśākṣaramantrakalpaḥ. |
dvādaśākṣaramantrasya śṛṇu kalpaṃ caturmukha |
mātṛkācakramabhyarcya dvādaśārṇaṃ samuddharet || 1 ||
24.1 Im vierundzwanzigsten Kapitel des Caryāpāda spricht der erhabene Herr: Viergesichtiger, höre die Ordnung des zwölfsilbigen Mantras. Nach Verehrung des Mutterlaut-Rades erschließt man daraus seine zwölf Silben.
mantrasamuddhāraprakāraḥ. |
praṇavaṃ paramātmānaṃ bhadrapāṇimanantaram |
viṣṇuṃ dakṣaṃ cotadehaṃ subhadraṃ gadinaṃ sudhām || 2 ||
24.2 Die Folge beginnt mit Praṇava als höchstem Selbst, danach Bhadrapāṇi, Viṣṇu, Dakṣa, Otadeha, Subhadra, Gadin und Sudhā.
viṣṇuśīrṣaṃ trayaṃ paścāddvijayaṃ saṃprasāraṇam |
varuṇaṃ cādidevāntaṃ śuklaṃ bhuvanaśīrṣakam || 3 ||
24.3 Die drei zuletzt genannten Konsonanten erhalten Viṣṇu als Vokal; danach folgen Vijaya und Saṃprasāraṇa, Varuṇa mit Ādideva und Śukla mit Bhuvana.
atriṃ mādhava nāmānaṃ pīyūṣaṃ madhusūdanam |
vāyuṃ tathā'prameyāntameva muddhāraṇakramaḥ || 4 ||
24.4 Es folgen Atri mit Mādhava, Pīyūṣa mit Madhusūdana und Vāyu mit Aprameya. Nach der Lautnamensliste ergibt sich: „oṃ namo bhagavate vāsudevāya“ – „Oṃ, Verehrung dem erhabenen Vāsudeva.“
nāmāntam |
muccāraṇe vidhiḥ |
bījamasya dvādaśātmā daṇḍaśīrṣa udāhṛtaḥ |
kruddho mahāṃśca vīraścha dyussahasraṃ ca tejasā || 5 ||
24.5 Sein Bīja heißt in der Chiffre Dvādaśātman mit Daṇḍa als Abschluss. Für die Glieder werden Kruddha, Mahat, Vīra, Dyus, Sahasra und Tejas genannt;
ulkāntāṣṣaḍime śabdāścaturthyantāḥ svadhāntakāḥ |
bījākṣarāṇi. |
aṅgāni hṛdayādau syuḥ sthāne bījākṣarāṇi vā || 6 ||
24.6 alle sechs werden mit Ulkā verbunden, stehen im Dativ und enden nach der Grundlesart auf svadhā, nach der Variante auf der entsprechenden ṭha-Chiffre. Sie dienen an den Orten von Herz an als Glieder; alternativ verwendet man Bīja-Silben.
ṣṭhaṭhāntakāḥ |
bījanyāsanthānabhedaḥ. |
parasya vāsudevasya bījāṅgaṃ samudāhṛtam |
dīptimānūrdhvalokānto bījaṃ daṇḍaśśiraḥ smṛtam || 7 ||
24.7 So ist die Bīja- und Gliederordnung des höchsten Vāsudeva bezeichnet. Das Bīja wird ferner als Dīptimat mit Ūrdhvaloka und abschließendem Daṇḍa erschlossen.
dīptimān kumbhasaṃyogo madhusūdanamastakaḥ |
sa eva vāmanaśirā hṛṣīkeśaśirāstathā || 8 ||
24.8 Für weitere Glieder verbindet man Dīptimat mit Kumbha und setzt Madhusūdana darüber, dann in derselben Verbindung Vāmana und Hṛṣīkeśa.
dīptimatkumbha |
vīrasenaśirāścāpi kalkyantoyamanantaraḥ |
ṣaṣṭhamaurvaśiraḥ proktamaṅgāni kramaśaḥ punaḥ || 9 ||
24.9 Danach folgen Vīrasena und ein als „Kalkyanta“ überliefertes Glied, zuletzt Aurva. Die Variante nennt Devadatta und Viṣṇu; wegen dieser widersprüchlichen Chiffren wird keine vollständig rekonstruierte Bīja-Reihe ausgegeben.
devadattaśirāścāpi viṣṇvantoyamanantaraḥ |
satyantadaṇḍaśirasassarve vibhavapūrvake |
vāsudeve prayoktavyā hṛdayā diṣu ṣaṭsvapi || 10 ||
24.10 Alle erhalten Satya und Daṇḍa als Abschluss und werden bei Vāsudeva in der Vibhava-Form an den sechs Orten von Herz an angewendet.
dīni |
ṛṣirdevatā ca. |
vyūhapūrve tu bimbasyādviṣṇuḥ kuṇḍādi pūrvavat |
aṅgaṃ yadvā dvādaśārṇaḥ pūrve ṣaṭ hṛdayādayaḥ || 11 ||
24.11 Bei der Vyūha-Form wird Viṣṇu als Bīja genannt; die übrige Anweisung ist beschädigt. Alternativ dient der zwölfsilbige Mantra selbst: seine ersten sechs Silben für Herz und die fünf weiteren Mantraglieder,
bījaṃ syādviṣṇustundādi |
ṣaṇṇāmarṇāṣṣaḍapare tunda guhyabhujoravaḥ |
jaṅghāpādamiti sthāneṣvete yojyāḥ kramādbudhaiḥ || 12 ||
24.12 die letzten sechs für Bauch, verborgenen Bereich, Arme, Oberschenkel, Unterschenkel und Füße, der Reihe nach.
ṛṣiśca devatā cobhe vāsudevaḥ smṛtastriṣu |
chandhaśca devī gāyatrī varṇaśśvetaścaturmukha || 13 ||
24.13 In den drei Gestaltformen gilt Vāsudeva sowohl als Seher als auch als Gottheit. Das Versmaß ist Devī-Gāyatrī, die Farbe Weiß, Viergesichtiger.
tatvaṃ buddhiḥ paraṃ vyoma kṣetraṃ mantrasya śabditam |
pratyakṣaramṛṣiśchando devatā varṇavistaraḥ || 14 ||
24.14 Buddhi gilt als Tattva, der höchste Raum als Feld des Mantras. Nun werden für jede der zwölf Silben Seher, Versmaß, Gottheit und Farbe,
tatvaṃ kṣetraṃ kramātsarvamucyate dvādaśasvapi |
parameṣṭhī sanandaśca sanakaśca prajāpatiḥ || 15 ||
24.15 Tattva und Feld der Reihe nach angekündigt. Die Seher beginnen mit Parameṣṭhin, Sananda, Sanaka und Prajāpati,
bhṛgussanatkumāraśca pulastyaḥ pulahaḥ kratuḥ |
marīciratryaṅgirasau kathitā ṛṣayaḥ kramāt || 16 ||
24.16 dann Bhṛgu, Sanatkumāra, Pulastya, Pulaha, Kratu, Marīci, Atri und Aṅgiras.
chandāṃsi devī gāyatrī bastaḥ kṣetraṃ prajāpatiḥ |
triṣṭuppaṅtkiśca bṛhatī virāṭ bastastrivṛtsakaḥ || 17 ||
24.17 Die Versmaßliste enthält Devī-Gāyatrī, Basta, Kṣetra beziehungsweise Kṣatra, Prajāpati, Triṣṭubh, Paṅkti, Bṛhatī, Virāj, nochmals Basta beziehungsweise Bhaṣṭha und Trivṛt.
bastaḥ kṣatraṃ |
bhaṣṭhastrivṛtsakaḥ |
uṣṇikca śrīriti brahman varṇeṣu dvādaśasvapi |
viṣṇvādyā māsapā devāstatvāni kathayāmite || 18 ||
24.18 Dazu kommen Uṣṇih und Śrī, Brahmā. Die Liste ist teilweise beschädigt und enthält ungewöhnliche Bezeichnungen. Die zwölf Monatsgötter von Viṣṇu an sind die Gottheiten der zwölf Silben. Nun die Tattvas.
tatvāni. |
cijjīvaḥ prakṛtirbuddhirmana ssatvādayo guṇāḥ |
vyomāgnirmarutaścāpi varṇānāṃ tatvamīritam || 19 ||
24.19 Genannt werden Bewusstsein, Jīva, Prakṛti, Buddhi, Manas, die drei Guṇas von Sattva an, Raum, Feuer und Wind. Die Aufzählung nennt trotz zwölf angekündigter Silben nur elf klar unterscheidbare Elemente.
statvādayo |
kṣetrāṇi. |
kṣetrāṇi paramavyoma vāyuragnirjalaṃ tathā |
satyaṃ tapo janaścaiva maha ssvargaṃ bhuva stathā || 20 ||
24.20 Als Felder folgen höchster Raum, Wind, Feuer, Wasser, Satya-, Tapo-, Jana- und Maharloka, Himmel und Zwischenraum,
tapo'mṛtaḥ |
ttatvaṃ |
bhūmiḥ pātālametāni krameṇa kathitāni te |
āmnādidhāmāśreyāṃśaṃ gopanāntaṃ sadaṇḍakam || 21 ||
24.21 Erde und Pātāla. Danach beginnt eine verschlüsselte Formel mit einer ausdrücklich als unrein beziehungsweise fehlerhaft bezeichneten Lesart: Āmnādi, Dhāmāśreya beziehungsweise Yāmāśraya, Gopana und Daṇḍa.
āmnādi yāmāśrayaso. atra aśuddhamina |
satyantaṃ pāpahananaṃ viṣṇvantaṃ bhānumān param |
śaṅkhamādyakṣara paraṃ kamalaṃ madhusūdanam || 22 ||
24.22 Es folgen Pāpahanana mit Satya, Bhānumat mit Viṣṇu, Śaṅkha mit dem ersten Laut, Kamala und Madhusūdana. Die Varianten verändern einzelne Lautnamen.
nahnimatparam |
padam |
pulahaṃ cāparaṃ vighnunāyakaṃ pītasūdanau |
ekanetraṃ mandaraṃ ca viṣṇvantaṃ bhatrahastakam || 23 ||
24.23 Dann Pulaha, Vighnanāyaka, Pīta und Sūdana, Ekanetra, Mandara und Bhadrahasta mit Viṣṇu,
saṃprasāraṇamūrdhānamuddharenmantravittamaḥ |
agniprakāramantroyaṃ kathitaḥ kamalāsana || 24 ||
24.24 zuletzt Saṃprasāraṇa als Kopflaut. Der Mantrakundige erschließt so den Feuerwall-Mantra, Lotusgeborener. Wegen der bereits im Quellenkommentar festgehaltenen Beschädigung wird er hier nicht zu einer scheinbar gesicherten Vollform ergänzt.
durgā gaṇapatistārkṣya kṣetrapālapadāni tu |
caturthyantāni natyanta praṇavādīni mintriṇā || 25 ||
24.25 Durgā, Gaṇapati, Garuḍa und Kṣetrapāla werden im Dativ, mit vorangestelltem Oṃ und abschließendem namaḥ angerufen.
koṇadikṣu prayujyerannārabhyāgnerdiśaṃ kramāt |
dvādaśākṣarabhāṣyam. |
bhāṣyaṃ ca dvādaśārṇasya pravakṣyāmi yathātatham || 26 ||
24.26 Diese Formeln werden in den Zwischenrichtungen, im Südosten beginnend, angewendet. Nun erkläre ich die Bedeutung des zwölfsilbigen Mantras genau.
omityuktaṃ paraṃ brahma sukharūpaṃ dhruvaṃ sthiram |
vyāpitvāttasya vācyasya vācakaṃ sarvagaṃ smṛtam || 27 ||
24.27 Oṃ bezeichnet das höchste Brahman, dessen Wesen Glückseligkeit, Beständigkeit und Festigkeit ist. Weil das Bezeichnete alles durchdringt, gilt auch seine Bezeichnung als allgegenwärtig.
puruṣārthaṃ paraissarvaissurāsuramahirṣibhiḥ |
namyante deva devaikassa evaikaḥ parāyaṇam || 28 ||
24.28 Alle Götter, Asuras und großen Seher verneigen sich vor diesem einen Gott der Götter, um das höchste Menschenziel zu erlangen. Er allein ist die höchste Zuflucht.
ādau sṛjati bhūtāni bhūtānugrahakāmyayā |
paripālanamapyeṣa karoti bahumūrtibhiḥ || 29 ||
24.29 Zu Beginn erschafft er die Wesen, weil er ihnen Gnade erweisen will. In vielen Gestalten bewahrt er sie.
viśramārthaṃ ca bhūtānāṃ saṃharatyakhilaṃ jagat |
gatirgatimatāmanyā vāsudevānna vidyate || 30 ||
24.30 Damit die Wesen ruhen können, nimmt er die ganze Welt zurück. Für alle, die ein Ziel suchen, gibt es keine andere letzte Zuflucht als Vāsudeva.
saṃharatyātmabhūtāni punassṛjati māyāyā |
deve jāgrati jāgarti supte svapiti cākhilam || 31 ||
24.31 Er nimmt die aus ihm selbst bestehenden Wesen zurück und erschafft sie durch seine Māyā erneut. Wenn der Gott wacht, wacht alles; wenn er schläft, schläft alles.
carācaramidaṃ kṛtsnaṃ bhūtagrāmaṃ caturvidham |
dvādaśākṣaravācyo sau |
dvādaśākṣaracintakānāṃ māhātyam. |
tasya māhātmyamāśritaḥ || 32 ||
24.32 Die ganze bewegliche und unbewegliche Schar der vier Arten von Lebewesen hängt von ihm ab. Er ist der durch den zwölfsilbigen Mantra Bezeichnete, Brahmā.
brahman |
yam |
brahmabhūyaṃ gato brahmā devabhūyaṃ ca devatāḥ |
ṛṣayaśca marīcyādyā munayassanakādayaḥ || 33 ||
24.33 Durch seine Größe wurde Brahmā zum Schöpfer und wurden die Götter zu Göttern. Die Seher von Marīci an und die Weisen von Sanaka an
mantramāhatmyamāśritya jagmuḥ padamanuttamam |
gatvā gatvā nivartante candrasūryādayo grahāḥ || 34 ||
24.34 erlangten durch die Größe des Mantras die höchste Stätte. Mond, Sonne und die anderen Planeten kehren nach ihrem jeweiligen Lauf zurück,
na kadāpi nivartante dvādaśākṣaracintakāḥ |
kiṃ tasya yajñaiḥ kiṃtīrthaiḥ kiṃ viśrāṇanakarmabhiḥ || 35 ||
24.35 die über den zwölfsilbigen Mantra Meditierenden dagegen niemals. Wozu braucht ein solcher Mensch Opfer, Wallfahrtsorte oder Schenkungsriten,
kiṃ vratairyasya mantro'sau dvādaśākṣaralakṣaṇaḥ |
sarva yatnena puruṣastanmantra nirato bhavet || 36 ||
24.36 wozu Gelübde, wenn dieser zwölfsilbige Mantra sein Eigen ist? Darum soll man sich ihm mit ganzer Kraft widmen.
yajñena |
niyato |
saṃsāra bhayabhīrūṇāṃ mokṣaikaphalakāminām |
muktaye paramopāyo mantro'yaṃ dvādaśākṣaraḥ || 37 ||
24.37 Für diejenigen, die den Saṃsāra fürchten und allein die Frucht der Befreiung suchen, gilt dieser Mantra als höchstes Befreiungsmittel.
devadānavagandharva yakṣavidyādharādayaḥ |
praṇamanti mahātmānaṃ dvādaśākṣaracintakam || 38 ||
24.38 Götter, Dānavas, Gandharvas, Yakṣas, Vidyādharas und andere verneigen sich nach dem Lobpreis vor dem großen Menschen, der darüber meditiert.
yasya rāṣṭre mahīpasyamantrī vasatinirbhayaḥ |
tadrāṣṭre dhanadhānyādi samṛddhaṃ vardhate'dhikam || 39 ||
24.39 Im Reich eines Königs, in dem ein solcher Mantrakundiger ohne Furcht lebt, mehren sich nach der Verheißung Reichtum, Getreide und Wohlstand.
taṃ dṛṣṭvā |
bhūtāni ca palāyante grahaścaiva bhayaṅkārāḥ |
rāṣṭrādrājapurādrājñassakāśācca nipīḍitāḥ || 40 ||
24.40 Geister und furchterregende Grahas fliehen vor ihm aus Reich, Königsstadt und Nähe des Königs.
na phalaṃ śakyate vaktuṃ kārtsnye kamalāsana |
caturmukhamukhaissarverdirvairvarṣaśatairapi || 41 ||
24.41 Lotusgeborener, selbst alle göttlichen Münder von Brahmā an könnten in hundert göttlichen Jahren die Frucht nicht vollständig beschreiben.
śarīraśuddhaye puraścaraṇaniyamaḥ. |
śarīraśuddhaye pūrvaṃ puraścaraṇamācaret |
śarīraṃ mantrasaṃskārapuraścaraṇamiṣyate || 42 ||
24.42 Zuerst vollzieht man Puraścaraṇa zur Reinigung des Körpers. Diese vorbereitende Praxis gilt als Weihe des Körpers durch den Mantra.
brāhmaṇāṃ stanmayān pūrvamāhuya dvādaśāvarān |
bhojayitvā tataścakramaṇḍale devamarcayet || 43 ||
24.43 Man lädt zunächst mindestens zwölf ganz dem Erhabenen zugewandte Brahmanen ein und speist sie. Danach verehrt man den Gott im Diskus-Maṇḍala.
vijñāpya deśikaḥ pūrvamanujñātassahāyavān |
āśrame yatra munibhiḥ pūrvamācaritaṃ tapaḥ || 44 ||
24.44 Man trägt das Vorhaben dem Lehrer vor und beginnt mit seiner Zustimmung und geeigneter Unterstützung, etwa in einem Āśrama, wo frühere Weise Askese geübt haben.
tathā. tataḥ |
siddhamantraphale tatra vāsudevaniketane |
paścimadvāri vānyatra pūrvoktasthānabhūmiṣu || 45 ||
24.45 Geeignet sind ein Ort verwirklichter Mantrakraft, ein Vāsudeva-Heiligtum mit westlichem Eingang oder andere zuvor genannte Plätze.
sthāne'bhirucite puṣpasamitkuśaphalodakaiḥ |
samupete yathoktānāṃ sampannābhimatāśanaḥ || 46 ||
24.46 Der gewählte Ort soll Blüten, Opferholz, Kuśa, Früchte und Wasser bieten; eine passende, nach der Lehre zulässige Ernährung muss verfügbar sein.
bhikṣānnabhoktā bhaktānāṃ tanmayānāṃ gṛheṣu vā |
brahmacārī gṛhastho vā sādhayeddvādaśākṣaram || 47 ||
24.47 Man kann von Bettelspeise aus den Häusern hingebungsvoller Verehrer leben. Ein Brahmacārin oder Hausvater darf den zwölfsilbigen Mantra verwirklichen,
vaikhānaso vā niyatastapasyabhirataśsuciḥ |
bhikṣānnabhugbhrahmacārī śākakandaphalāśanaḥ || 48 ||
24.48 auch ein zurückgezogener Waldasket, hier Vaikhānasa genannt, rein, diszipliniert und der Askese zugewandt. Der Brahmacārin lebt von Bettelspeise oder Gemüse, Knollen und Früchten.
gṛhasthaścetsvayaṃ pākaṃ putrairvā bhāryayā'pi vā |
śiṣyeṇa vā pācitānnaṃ nivedya haraye'grataḥ || 49 ||
24.49 Ein Hausvater bereitet selbst die Nahrung oder lässt sie von Söhnen, Ehefrau oder Schüler kochen und bringt sie zuerst Hari dar.
pakvam |
vaiśvadevādikarmānte bhojayitvā'tithīnapi |
śiṣyaṃ bhāryāṃ tathā putraṃ toṣayitvā yathātatham || 50 ||
24.50 Nach Vaiśvadeva und den weiteren Handlungen speist er Gäste und versorgt Schüler, Ehefrau und Kinder angemessen.
śiṣyān |
putrān |
svayaṃ bhuñjīta vidhivatpaścādannamakutsayan |
putradārasamāyuktojapedvaikhānasaśśuciḥ || 51 ||
24.51 Erst danach isst er selbst nach Vorschrift, ohne die Speise zu schmähen. Der Waldasket kann mit Frau und Kindern leben und rein rezitieren,
viyuktaḥ putradārādyairathavā niyatasthsitaḥ |
añjasaiva svayaṃ pakvamannamadyānmi tāśanaḥ || 52 ||
24.52 oder getrennt von ihnen in Selbstdisziplin. Er isst maßvoll schlichte, selbst gekochte Nahrung.
puraścaraṇasampattaye śuddhiḥ. |
andhassvairaṃ |
puraścaraṇasampattaye śuddhiḥ. |
sarveṣāṃ kāyaśudhyarthamādau cāndrāyaṇaṃ caret |
pādodakaṃ pañcagavyaṃ brahmakūrcajalaṃ tathā || 53 ||
24.53 Zur vorbereitenden Körperreinigung wird für alle zunächst Cāndrāyaṇa genannt. Fußwasser der Gottheit, Pañcagavya und Brahmakūrca-Wasser gehören ebenfalls zur rituellen Reinigung.
pādo idamardhaṃ kvacinna |
pītvā kāyaviśudhyarthaṃ puraścaraṇa mācaret |
mantrasādhanayogyakālaḥ. |
ārambhaḥ karmaṇāṃ māsi mārga śīrṣe'tha śobhane || 54 ||
24.54 Nach ihrem Genuss beginnt man Puraścaraṇa. Der Halbvers zu den Reinigungsflüssigkeiten fehlt laut Quellenvermerk stellenweise. Als Beginn wird ein günstiger Zeitpunkt im Mārgaśīrṣa-Monat genannt,
śīrṣehni śobhane |
caitre māsi site pakṣe brahmanne kādaśītithau |
upoṣya pūrvaṃ cakrābje pratimāyāmathāpi vā || 55 ||
24.55 oder im Caitra-Monat in der hellen Hälfte. Am elften Mondtag fastet man zunächst, Brahmā.
kūrce vā sthaṇḍile vāpi yathābhirucite pade |
dvādaśyāṃ homaparyantamarcayitvā janārdanam || 56 ||
24.56 Am zwölften verehrt man Janārdana im Diskuslotus, im Bild, im Grasbüschel oder auf einer Bodenopferstätte bis zum Feueropfer.
yathā vā |
puṣpaiḥ patrairbrahmacaryanirato deśakālavit |
saṅkalpya kālaniyamaṃ vratādinimayaṃ tathā || 57 ||
24.57 Mit Blüten und Blättern verehrt man ihn, übt Brahmacarya und berücksichtigt Ort und Zeit. Man legt Dauer, Gelübde und weitere Regeln fest.
sādhanakālaniyamāḥ. |
nityaṃ triṣavaṇasnānamadhaśśayanameva ca |
śayanaṃ vā kuśe parṇe mṛgacarmaṇi vābjaja || 58 ||
24.58 Tägliches dreimaliges Baden und Schlafen auf dem Boden werden vorgesehen, alternativ auf Kuśa, Blättern oder einem Antilopenfell, Lotusgeborener.
saṅkalpya māṣaṃ tailaṃ ca kṣāraṃ lavaṇameva ca |
kālālaṃ bhojanaṃ kāṃsye divā svāpādi varjayet || 59 ||
24.59 Māṣa-Bohnen beziehungsweise nach einer Variante Fleisch, Öl, Laugenstoffe, Salz, Alkohol, Essen aus Bronze und Tagschlaf werden gemieden.
māṃsyatailaṃ |
ca lavaṇaṃ tathā |
dehaśuddhiṃ purā kṛtvā mantrajāpo'kṣamālayā |
ādyantayorbījayutaṃ tathaiva praṇavānvitam || 60 ||
24.60 Nach der Körperreinigung rezitiert man mit der Gebetskette. Am Anfang und Ende steht das Bīja; auch der Praṇava ist eingefügt.
japakāle japenmantraṃ na drutaṃ na vilambitam |
lakṣīkṛtyācyutaṃ dhyāye ttadadhīnamanogatiḥ || 61 ||
24.61 Der Mantra wird weder hastig noch schleppend wiederholt. Acyuta ist das Ziel der Meditation; die Bewegung des Geistes bleibt ihm unterstellt.
dhyānaprakāraḥ. |
dhyānaṃ vakṣyāmi sarvāghanāśanaṃ kamālāsana |
caturbhujamudārāṅgaṃ sarvalakṣaṇalakṣitam || 62 ||
24.62 Lotusgeborener, nun die als alle Verfehlungen tilgend gepriesene Meditation: Er ist vierarmig, edelgliedrig und mit allen glückverheißenden Merkmalen versehen.
śuddhasphaṭika varṇābhayayutendusamaprabham |
cāruhāsaṃ sutāmroṣṭhaṃ karṇāntāyatalocanam || 63 ||
24.63 Seine Farbe gleicht reinem Kristall; er strahlt wie zehntausend Monde, lächelt schön, hat kupferrote Lippen und bis zu den Ohren reichende Augen.
saṅkāśam |
nirdhūta padmarāgābhaṃ dantacchavisuśobhitam |
mahoraskaṃ mahābāhuṃ prasannendunibhānanam || 64 ||
24.64 Er glänzt wie gereinigter Rubin und durch das Leuchten seiner Zähne; seine Brust und Arme sind mächtig, sein Antlitz gleicht dem klaren Mond. Die Farbvergleiche stehen nebeneinander in der Quelle.
subhrūlalāṭaṃ sumukhaṃ ghanakuñcitamūrdhajam |
taṭicchatasahasrābhaṃ pītanirmalavāsasam || 65 ||
24.65 Er hat schöne Brauen und Stirn, ein schönes Gesicht und dichtes lockiges Haar. Sein reines gelbes Gewand leuchtet wie hunderttausend Blitze.
pāṇipādatalāmbhojaṃ puṇḍarīkāyatekṣaṇam |
śrīvatsāṅkaṃ kirīṭādisarvābharaṇabhūṣitam || 66 ||
24.66 Handflächen und Fußsohlen gleichen Lotussen, seine Augen sind lang wie Lotusblätter. Śrīvatsa zeichnet ihn aus; Diadem und aller Schmuck zieren ihn.
padma cakra gadāśaṅkhadhāriṇaṃ kaustubhorasam |
divyagandhaviliptāṅgaṃ divyamālāvibhūṣitam || 67 ||
24.67 Er trägt Lotus, Diskus, Keule und Muschelhorn, Kaustubha auf der Brust, göttliche Duftsalben und göttliche Girlanden.
śeṣāhibhoge vipule sukhāsīnaṃ caturmukha |
śrībhūmisahitaṃ devaṃ lalāṭe śvetamṛtsnayā || 68 ||
24.68 Viergesichtiger, er sitzt bequem auf den weiten Windungen Śeṣas, zusammen mit Śrī und Bhūmi. Auf der Stirn trägt er aus weißer Erde
dhṛtordhvapuṇḍratilakaṃ maṇḍitaṃ caṇḍabhānubhiḥ |
niyutairayutaiścandrairvidyutkālāgnikoṭibhiḥ || 69 ||
24.69 das aufrechte Puṇḍra-Zeichen. Sein Glanz gleicht unzähligen mächtigen Sonnen, zehntausenden Monden, Blitzen und zahllosen Weltbrandfeuern,
samavetairivaikatra tejaḥ puñjairvisarpibhiḥ |
bhrājamānaṃ durālokaṃ dehamaṇḍalanirgataiḥ || 70 ||
24.70 als wären sie an einem Ort vereint. Die aus seiner Gestalt hervorströmenden Lichtmassen machen ihn schwer anzuschauen.
bhāsayastaṃ jagatsarvaṃ dhyāyetprakṣīṇakalmaṣaḥ |
ārādhya devaṃ santhyāyāmaparasyāṃ yathāvidhi || 71 ||
24.71 So meditiert der von Verfehlungen Gereinigte über ihn, der die ganze Welt erhellt. Zur Abenddämmerung verehrt er den Gott nach Vorschrift.
mantrajapakālāvadhiḥ. |
visṛjya punarutthāyadhautapādakaraśśuciḥ |
ācamya vāgyato mantraṃ japetsamyaksamāhitaḥ || 72 ||
24.72 Nach der Verabschiedung beziehungsweise Beendigung des Dienstes steht er erneut auf, wäscht Hände und Füße, vollzieht Ācamana und rezitiert schweigend und gesammelt.
yāvadbrāhmamuhūrtasya prādurbhāvastataḥ param |
snānādi. |
snātvā yathoktaṃ sandhyāyāmanuṣṭhāya yathāvidhi || 73 ||
24.73 Dies setzt er bis zum Anbruch der Brahma-Muhūrta fort. Danach badet er und vollzieht die vorgeschriebenen Dämmerungshandlungen.
vidhiṃ kramāt |
ārādhya devamārghyādyairupacārai ryathoditaiḥ |
japenmantraṃ śarīrasya sthitimuktaiḥ phalārthibhiḥ || 74 ||
24.74 Er verehrt den Gott mit Arghya und den übrigen Diensten und wiederholt den Mantra; den Körper erhält er mit den genannten Früchten und anderen Speisen.
phalādibhiḥ |
japatarpaṇa homasaṅkhyā. |
dvādaśārṇaṃ japedevaṃ viśuddhenāntarātmanā |
lakṣaṃ dvādaśa tanyārdhaṃ tarpaṇaṃ vāribhiḥ smṛtam || 75 ||
24.75 So rezitiert man den zwölfsilbigen Mantra mit reinem Inneren 1.200.000-mal. Für die Wassersättigung gilt die Hälfte dieser Zahl.
japenmantram |
tadarthaṃ juhuyādagnau sādhakassamidādibhiḥ |
mantrasiddhiphalam. |
caturviṃśatilakṣeṇa mantrajāpena kiṅkarāḥ || 76 ||
24.76 Für das Feueropfer mit Brennholz und den weiteren Gaben gilt wiederum die Hälfte. Bei 2.400.000 Wiederholungen werden nach der Verheißung Siddhas und Vidyādharas zu Dienern.
varṇajāpena |
siddhavidyādharāssarve pātāle divi vā bhuvi |
yathābhirucite deśe duṣprāpe sādhakaṃ dvijam || 77 ||
24.77 Sie bringen den Ausübenden an jeden gewünschten, sonst schwer erreichbaren Ort in Unterwelt, Himmel oder auf Erden.
nayantastatra niyataṃ devante paricāriṇaḥ |
ṣaṭtriṃśallakṣajāpena devabhūyaṃ samaśnute || 78 ||
24.78 Sie dienen ihm dort beständig. Durch 3.600.000 Wiederholungen erlange er göttlichen Status.
atilakṣajāpena homaistāvanmitairvaset |
maharloke sukhaṃ śaśvattatratyairabhipūjitaḥ || 79 ||
24.79 Eine weitere, nur als „atilakṣa“ überlieferte Zahl von Wiederholungen und ebenso vielen Opfergaben führe zu glücklichem Aufenthalt in Maharloka, geehrt von dessen Bewohnern; die genaue Zahl ist nicht sicher.
koṭilakṣeṇa jāpena prāpnu yādaṇimādikān |
guṇān janāhvaye loke vasettat sthaissupūjitaḥ || 80 ||
24.80 Durch die als Koṭilakṣa bezeichnete Japa-Zahl erlange man Aṇimā und weitere Kräfte und lebe geehrt in Janaloka. Der zusammengesetzte Zahlenwert wird nicht eigenmächtig festgelegt.
mahābṛndaśatenaiva japahomaistathā vaset |
tapoloke mahāpadmajapahomena tāvatā || 81 ||
24.81 Hundert Mahābṛnda an Japa und ebenso viele Feueropfer werden Tapoloka zugeordnet; Mahāpadma an Japa und Opfergaben
brahmabṛndaśatenaiva. mahābṛndena tenaiva |
satye vasati deveśaṃ śrībhūmisahitaṃ harim |
dṛṣṭvā nirāmayastatra vasettalloravāsibhiḥ || 82 ||
24.82 führen nach dem Text zu Satyaloka. Dort schaut man Hari mit Śrī und Bhūmi und lebt leidfrei mit den dortigen Bewohnern. Die Großzahlvarianten bleiben im Sanskrit erhalten.
mahoghaiśśatajāpena tāvadāhutisaṅkhyāyā |
sākṣātkurvan vusudevaṃ tanmayo bhavati dhruvam || 83 ||
24.83 Bei hundert Mahaugha an Japa und gleicher Opferzahl schaue man Vāsudeva unmittelbar und werde ganz von ihm erfüllt.
vasati |
kimebhirbahubhiḥ proktaiḥ padaṃ yadyadabhīpsitam |
tattadāpnoti puruṣassamārādhanakarmabhiḥ || 84 ||
24.84 Wozu diese vielen Angaben: Welchen Zustand ein Mensch erstrebt, den erreiche er durch die Verehrungshandlungen.
vaśyākarṣaṇamukhyāni japahomādikarmabhiḥ |
phalāni citrarūpāṇi darśayetsādhakassvayam || 85 ||
24.85 Durch Japa, Feueropfer und weitere Dienste könne der Ausübende vielfältige Wirkungen von Beeinflussung und Anziehung an hervorbringen, so der Siddhi-Lobpreis.
pātāle divi vā bhūmau ye bhogā bhuvi durlabhāḥ |
tānavāpnoti puruṣaḥ puruṣottamapūjayā || 86 ||
24.86 Durch Puruṣottamas Verehrung erlange man die in Unterwelt, Himmel und auf Erden sonst schwer zugänglichen Genüsse.
divi |
mokṣakāmasya mantriṇaḥ siddhāyatanaviśeṣe mūrtipūjā. |
kāmopabhogavaimukhyaṃ mantriṇaḥ kāryamucyate |
mokṣaikaphaladaṃ dhāma dakṣiṇadvāramuttamam || 87 ||
24.87 Dem Mantrakundigen wird jedoch die Abwendung vom Genuss empfohlen. Für das alleinige Ziel der Befreiung gilt ein Heiligtum mit südlichem Eingang als vorzüglich.
siddhāyatanamāsādya tatra devaṃ caturvidham |
manuṣyanirmitaṃ cārṣaṃ daivaṃ rūpaṃ madhudviṣaḥ || 88 ||
24.88 Er sucht eine bewährte heilige Stätte auf und verehrt dort den Gott in einer der vier Bildkategorien: menschlich geschaffen, von Sehern stammend, göttlich geschaffen
svayaṃ vyaktaṃ samārādhya mokṣakāmassamāhitaḥ |
sālokyādicaturbhedāṃ muktimāpnotyasaṃśayam || 89 ||
24.89 oder selbsterschienen. Gesammelt und nach Befreiung verlangend erlange er die vier Befreiungsformen von Sālokya an.
sālokyaṃ mānuṣādārṣātsāmīpyaṃ devanirmitāt |
sārūpyaṃ tulyamāpnoti svayaṃ vyaktādanukramāt || 90 ||
24.90 Ein menschliches Bild wird Sālokya, ein von Sehern stammendes Sāmīpya, ein göttliches Sārūpya zugeordnet; für das selbsterschienene folgt die entsprechende höchste Vereinigung, deren Name im Vers nicht wiederholt wird.
divya |
kṣetrasīmānirṇayaḥ. |
prāsāda dvāri cādhmāte śaṅkhe tasya mahādhvaniḥ |
śūyate yatra taṃ deśaṃ vaiṣṇavaṃ |
siddhārṣādyālayeṣu kāmanānuguṇajapasaṅkhyā. |
mānuṣālaye || 91 ||
24.91 Der vaiṣṇavische heilige Bezirk reicht bei einem menschlichen Tempel so weit, wie der laute Schall des am Eingang geblasenen Muschelhorns zu hören ist.
dvārapārśvetu |
tato dviguṇamārṣetu triguṇaṃ devanirmite |
caturguṇaṃ svayaṃ vyakte deśe vṛddhimanukramāt || 92 ||
24.92 Bei einem Seherheiligtum gilt die doppelte, bei einem göttlichen die dreifache, bei einem selbsterschienenen die vierfache Ausdehnung. Die eingeschobene Überschrift zur Japa-Zahl passt nicht unmittelbar zu dieser räumlichen Aussage.
brahmacaryaparo bhūtvā kuśaśāyī jitendriyaḥ |
mumukṣamāṇastanmantraṃ lakṣajāpena sidhyati || 93 ||
24.93 Wer Brahmacarya übt, auf Kuśa schläft, die Sinne beherrscht und Befreiung sucht, verwirkliche den Mantra durch hunderttausend Wiederholungen.
yogadhyānam. tena dehatyāgaprakāraḥ. |
yuñjīta yogavidhinā hṛdayāmbhoruhāsane |
karṇikāyāṃ sukhāsīnaṃ śuddhasphaṭikavarcasam || 94 ||
24.94 Nach der Yogaordnung meditiert man im Lotus des Herzens über den bequem auf seinem Fruchtboden sitzenden, wie reiner Kristall strahlenden Gott,
yogaṃ vidhivat |
caturbhujamudārāṅgaṃ jyotirmaṇḍalamadhyagam |
aṅguṣṭhamātraṃ puruṣaṃ dhyātvā bhogairyathākramam || 95 ||
24.95 vierarmig, edelgliedrig, in einem Lichtkreis, daumengroß. Man verehrt ihn der Reihe nach mit den inneren Gaben.
abhyarcayennirmalena manasā susamāhitaḥ |
yogābhyāsabalenaiva guṇotkarṣaḥ prajāyate || 96 ||
24.96 Dies geschieht mit reinem, gesammeltem Geist. Durch die Kraft der Yogaübung wächst die innere Vollkommenheit.
candrārkāgnimayaṃ bījaṃ kavimaṇṭalasannibham |
tatassūkṣmataraṃ bimbaṃ rājamudgakamaprabham || 97 ||
24.97 Man meditiert über ein aus Mond, Sonne und Feuer bestehendes Bīja beziehungsweise Bild; die folgende Kreisbezeichnung ist beschädigt. Danach wird die Gestalt immer feiner, etwa wie eine Rāja-Mungbohne.
bimbam |
tattatsūkṣmataram |
taṃ sarvamantrānākramya sthitaṃ vidyādvicakṣaṇaḥ |
tatastu rājakābhījapramāṇaṃ cintayetkramāt || 98 ||
24.98 Der Verständige erkennt sie als über allen Mantras stehend. Dann stellt er sie sich der Reihe nach so klein wie einen Senfsamen vor; der Samenname ist beschädigt.
atpādakamathānyābhiryasyānte nāda āśritaḥ |
taṃ vilīya samutpannamaśvavālapramāṇakam || 99 ||
24.99 Die anschließende Erzeugungsbeschreibung ist unklar. An ihrem Ende ist Nāda gegenwärtig; nach der Auflösung entsteht eine Form von der Feinheit eines Pferdehaares.
yasya gacchati te pyomni pyoma cāgacchate hṛdi |
tato vicintayetsūkṣmā māśvavālapramāṇakām || 100 ||
24.100 Die Bewegung in den Raum und dessen Eingehen ins Herz wird beschrieben; der Satz ist beschädigt. Danach meditiert man über die feine, pferdehaargleiche
yasyāgacchanti |
maśvamālāpramāṇakam |
brahmanāḍīmanenāśu paśyati dhyānanevanāt |
tato'ṅgaromamātraṃ tu bījavālaṃ samantataḥ || 101 ||
24.101 Brahmanāḍī. Durch Meditation wird sie sichtbar; das Bīja wird anschließend so fein wie ein Körperhaar gedacht.
dhyāyenni yamamāsthāya brahmanāḍīprakāśakam |
evaṃ dhyāyannimaṃ piṇḍaṃ paripakvaṃ parityajet || 102 ||
24.102 Gesammelt meditiert man darüber als Erhellung der Brahmanāḍī. In dieser Meditation wird das Verlassen des zur Reife gelangten Körpers beschrieben.
parijñāya purā piṇḍaṃ pākalakṣaṇamuttamam |
niruddhasandhimātraṃ ca kṛtvā deha samīraṇam || 103 ||
24.103 Zuvor erkennt man nach der Darstellung des Textes die Zeichen dieser Reife und sammelt beziehungsweise hemmt den Körperwind an seinen Verbindungsstellen.
muktvā tadbrahmarandhreṇa utkrāntikaraṇena ca |
dhyātvā parityaje ddhehaṃ nityābhyāsarato yadi || 104 ||
24.104 Dann beschreibt die Quelle den meditativen Austritt durch die Brahma-Öffnung für einen in beständiger Übung Stehenden. Der Abschnitt schildert eine traditionelle yogische Todesvorstellung.
ddehānnityā |
brahmaprāptiprakāraḥ. |
sa brahma paramāpnoti vāsudevākhyamavyayam |
apunarāvṛttinidarśanam. |
taile tailaṃ ghṛte sarpiḥ kṣīre kṣīraṃ jale jalam || 105 ||
24.105 Er gelange zum höchsten, unvergänglichen Brahman namens Vāsudeva. Wie Öl in Öl, Ghee in Ghee, Milch in Milch und Wasser in Wasser,
tadvanna bhedo gṛhyeta jīvātma paramātmanoḥ |
taptaloho yathā toyaṃ līnaṃ naiva prajāyate || 106 ||
24.106 so lasse sich dann keine Trennung von individuellem und höchstem Selbst erkennen. Wie Wasser auf glühendem Eisen vergeht,
kṣīṇe |
agnidagdhāni bījāni nārohanti yathā punaḥ |
tadvannajāyate bhūyojīvātmā kamalāsana || 107 ||
24.107 und wie vom Feuer verbrannte Samen nicht erneut keimen, werde der Jīva nicht wiedergeboren, Lotusgeborener.
sārūpyaṃ bhagavadrūpaprāptissadbhi rudāhṛtā |
sāmīpyaṃ sannidau sevā devasya paricaryayā || 108 ||
24.108 Sārūpya nennen die Guten das Erlangen der Gestalt des Erhabenen; Sāmīpya den Dienst in seiner Nähe.
rudīritā |
sālokyaṃ ca tadākhyātaṃ loke vaikuṇṭhasaṃjñite |
tadīye nitya vāso'yaṃ punarāvṛttivarjite || 109 ||
24.109 Sālokya ist der dauernde Aufenthalt in seiner Vaikuṇṭha genannten Welt ohne Rückkehr in die Wiedergeburt.
sāro'yaṃ |
brahmaṇā dehapātakramapraśnaḥ. |
brahmā |
śrotumicchāmi bhagavan dehapātasya lakṣaṇam |
saṅkṣepatastu bhagavan vayorgatinirodhanam || 110 ||
24.110 Brahmā sprach: Erhabener, ich möchte in Kürze die Zeichen des bevorstehenden Körperendes und der Hemmung des Lebenswinds hören.
bhagavatā tannirūpaṇam. |
śrībhagavān |
yuktāhāravihārasya kriyāsaktasya padmaja |
yuktassvāpnāvabhodhasya yogayuktasya sarvadā || 111 ||
24.111 Der erhabene Herr sprach: Bei einem, dessen Essen, Bewegung, Schlaf und Wachen angemessen geregelt sind, der seine Praxis ausführt und stets Yoga übt, Lotusgeborener,
vivartate sadā śabdo hṛdgato dundhubhisvanaḥ |
sparśaṃ na śītaṃ nāpyuṣṇaṃ vijānāti tvagindriyam || 112 ||
24.112 verändert beziehungsweise verliert sich der im Herzen erklingende Trommelton; der Tastsinn nimmt weder Kälte noch Wärme wahr. Die folgende Passage deutet solche Wahrnehmungen als traditionelle Todeszeichen.
na jānāti |
bhruvormadhye yadā jyotirdvādaśānte vyavasthitam |
pratyastameti vai śīghraṃ na codayati vaipunaḥ || 113 ||
24.113 Das Licht zwischen den Augenbrauen und am Dvādaśānta geht plötzlich unter und erscheint nicht wieder.
na jānāti samādhistho hārdamabjaṃ yadāntare |
pariśuṣyati gātrasthaṃ śoṇitaṃ śleṣmalakṣaṇam || 114 ||
24.114 In Sammlung nimmt er den Herzlotus nicht mehr wahr; Blut und Schleim im Körper trocknen nach der Beschreibung aus.
na vetti pārthivaṃ gandhaṃ na bāhyābhyantare yadā |
piṇḍastadā praboddhavyaḥ kāle naiva cireṇa tu || 115 ||
24.115 Er erkennt den erdigen Geruch weder außen noch innen. Dann sei zu erkennen, dass der Körper binnen kurzer Zeit vergehen werde; das entscheidende Verb ist beschädigt.
pṛthivyāṃ saṃsthitaṃ caiva dhāraṇāyāṃ samāhitaḥ |
na vetti śabdaṃ prāguktaṃ pañcamātpañcame kṣaṇe || 116 ||
24.116 Bei Sammlung im Erdelement hört er den zuvor genannten Klang nicht mehr. Die daran angeschlossene Zeitangabe spricht von einem fünften Zeitpunkt, bleibt aber unvollständig.
sthitassamedhā bhāhyetu śītoṣṇe na ca vindati |
pa teddinacatuṣkeṇa piṇḍastatkalite kṣaṇe || 117 ||
24.117 Nimmt er äußere Kälte und Wärme nicht mehr wahr, wird das Körperende nach vier Tagen behauptet. Dieser Vers fehlt laut Quellenvermerk stellenweise.
idaṃ padyaṃ kvacinna |
rūpadhyānaṃ samāsādya pūrvoktavidhinā yadi |
na bhāti hṛdayākāśe bahirvā jyotiṣāṃ patiḥ || 118 ||
24.118 Wenn bei der zuvor beschriebenen Formmeditation der Herr der Lichter weder im Herzraum noch außen erscheint,
piṇḍapāto hyavaśyaṃ syāt jñātvāriṣṭaiḥ puroditaiḥ |
tṛtīye'hni caturvaktasarvametattadā kṣaṇe || 119 ||
24.119 werde der Körper nach drei Tagen fallen, Viergesichtiger. Die zuvor genannten Vorzeichen sollen dies anzeigen.
samādau yadi vāyavye yogī samyakpravartate |
na vetti paramahlādaṃ tṛṣitaḥ parikampate || 120 ||
24.120 Ist der Yogi in der Wind-Sammlung, empfindet aber keine höchste Freude, sondern Durst und Zittern,
dinadvayena piṇḍasya pātosya dvitayakṣaṇe |
sthito gaganabhāge tu prāguktavidhinā yadi || 121 ||
24.121 wird das Körperende nach zwei Tagen angenommen. Befindet er sich nach dem beschriebenen Verfahren im Raumbereich,
na vetti vidhinā gandhaṃ tadbāhye tu śubhāśubham |
tatraivaikadine vātha lakṣaṇe prathame kṣaṇe || 122 ||
24.122 und nimmt weder den entsprechenden Geruch noch äußere günstige oder ungünstige Gerüche wahr, nennt die Quelle einen Tag. Die Element- und Sinneszuordnung ist in dieser Passage nicht durchgehend stimmig.
dhyātvaiva vidhinā samyagyogī dhyānaikamānasaḥ |
mayi sannārpitamanā vyāharan dvādaśākṣaram || 123 ||
24.123 Der allein auf Meditation gerichtete Yogi richtet dann sein Denken ganz auf mich und spricht den zwölfsilbigen Mantra.
mayisantarpitamanā |
vyāhārṣam |
svayamutkramate piṇḍādyāyādyāganiketanam |
śeṣāsane sukhāsīnaṃ vai kuṇṭhe maṇimaṇḍape || 124 ||
24.124 Die Quelle schildert, wie er den Körper verlässt und zur göttlichen Stätte gelangt. In Vaikuṇṭhas Edelsteinhalle sitzt Hari bequem auf Śeṣa,
aṣṭabāhuṃ viśālākṣamaṣṭāyudhadharaṃ harim |
śrībhūmisahitaṃ devaṃ sarvābharaṇabhūṣitam || 125 ||
24.125 achtarmig, mit weiten Augen und acht Waffen, gemeinsam mit Śrī und Bhūmi und mit allem Schmuck versehen.
caturbhujaṃ vā vumena hantenāliṅgya paṅkajām |
aṣṭau vārastriyastasya vālavyajanapāṇayaḥ || 126 ||
24.126 Oder er erscheint vierarmig und umfasst Padmā mit der linken Hand. Acht vorzügliche Dienerinnen stehen mit Yakschweifwedeln
tiṣṭhanti paritaḥ paścācchaṅkhādyāyudhadhāriṇaḥ |
sevante puruṣāstasmādbahi stiṣṭhanti mūrtayaḥ || 127 ||
24.127 ringsum; Männer dienen ihm mit Muschelhorn und weiteren Waffen. Außerhalb stehen die göttlichen Gestalten,
caturviṃśati saṅkhyākāstato mitrādimūrtayaḥ |
pakṣīndraviṣvaksenābhyāṃ kumudādigaṇaistathā || 128 ||
24.128 24 an der Zahl, danach die Gestalten von Mitra an, gemeinsam mit Garuḍa, Viṣvaksena und den Scharen von Kumuda an. Der letzte Halbvers ist laut Quellenvermerk teilweise ein Zusatz.
idamardhaṃ kvacidadhikaṃ dṛśyate |
mahābhāgavatāstatra dvādaśākṣaracintakāḥ |
sevante maṇḍape nityaṃ punarāvṛtti varjitāḥ || 129 ||
24.129 Große Bhāgavatas, die den zwölfsilbigen Mantra meditieren, dienen dort ewig in der Halle und kehren nicht in den Saṃsāra zurück.
iha yatkarma kurvāṇā viṣṇorārādhanātmakam |
mucyante yogamāsthāya puruṣāḥ paramaṃ padam || 130 ||
24.130 Die Gottesverehrung, durch die Menschen hier in Verbindung mit Yoga Befreiung erlangen,
prāpyapi tattatkurvāṇā sevante puruṣottamam |
parakāyapraveśaprakāraḥ. |
athavāpiṇḍapatanaṃ vijñāya prāgudīritaiḥ || 131 ||
24.131 setzen sie auch nach Erreichen der höchsten Stätte als Dienst an Puruṣottama fort. Nun folgt die traditionelle Siddhi-Vorstellung des Eintretens in einen anderen Körper.
nimittairaihikairbhogaissṛjantaḥ pṛthivīkṣitaḥ |
piṇḍāntaramupāyena viśanti kamalāsana || 132 ||
24.132 Wer an den beschriebenen Zeichen den bevorstehenden Fall des eigenen Körpers erkennt und noch irdische Genüsse sucht, könne nach dieser Darstellung in einen anderen Körper eintreten, Lotusgeborener.
yena taṃ kathayāmyadya śrūyatāṃ sādaraṃ vacaḥ |
varapiṇḍaṃ navaṃ śuddhaṃ madhyame vayasi sthitam || 133 ||
24.133 Das dafür gelehrte Verfahren wird nun beschrieben. Man wählt einen frisch verstorbenen, unversehrten Körper im mittleren Lebensalter,
sarvalakṣaṇasaṃpannaṃ pāparogabahiṣkṛtam |
brāhmaṇasya śarīraṃ vā bāhujasyāthavā tanum || 134 ||
24.134 mit allen geeigneten Merkmalen, ohne die als schwere Krankheiten bewerteten Leiden, den Körper eines Brahmanen oder Kṣatriya.
ūrdhvavaktraṃ dīrghapādamekānte śāyayecchavam |
tatpādapārśve śāyīta badhvā yogāsanaṃ tataḥ || 135 ||
24.135 Der Leichnam liegt an einem einsamen Ort mit Gesicht nach oben und ausgestreckten Beinen. Der Yogi nimmt nahe seinen Füßen eine Yogahaltung ein.
abhyasyedyogamekāgro yathāpūrvaṃ caturmukha |
sa jīvaṃ nābhicakrasthaṃ bhramantaṃ bhāskaraprabham || 136 ||
24.136 Viergesichtiger, er übt einspitzig wie zuvor und meditiert über den sonnengleichen Jīva, der sich im Nabelzentrum bewegt.
haṃsākāraṃ valarkṣābhamiḍayā piṅgalena vā |
haṃsarūpaṃ samāsthāya nirgataṃ nāsikāpuṭāt || 137 ||
24.137 In der Vorstellung erscheint dieser als heller Haṃsa, bewegt sich durch Iḍā oder Piṅgalā und tritt durch eine Nasenöffnung aus.
khagavadyāti gaganaṃ sārdhaṃ prāṇasamīraṇaiḥ |
tālaṃ hastāvadhiṃ daṇḍaṃ kośaṃ yojanameva ca || 138 ||
24.138 Mit den Lebenswinden fliegt er wie ein Vogel in den Raum: zunächst eine Tāla-, Hasta- oder Daṇḍa-Länge, dann einen Krośa und eine Yojana.
gatvā gatvā nivartante yojanāni caturmukha |
nāsikāpuṭarandhreṇa nābhicakraṃ praveśayet || 139 ||
24.139 Nach dem Hinausgehen über immer größere Entfernungen kehrt er wieder durch die Nasenöffnung in das Nabelzentrum zurück, Viergesichtiger.
abhyasya nityamaniśaṃ yogī yogamatandritaḥ |
nirgamayya svakāddehānnāsikārandhravartmanā || 140 ||
24.140 Diese Bewegung übt der Yogi nach der Darstellung beständig. Wenn der eigene Körper vergeht, lasse er das Selbst durch die Nasenöffnung austreten
ātmānaṃ parakīyena nāsikābilavartmanā |
parapiṇḍaṃ svadehasya vinipāte praveśayet || 141 ||
24.141 und durch die Nasenöffnung des anderen Körpers in diesen eingehen. Dies wird als übernatürliche Yogafähigkeit behauptet.
nābhicakraṃ praviśyātha nāḍīṣu vicaretsukham |
sarvatra yogī tatrastho yuññānaḥ pūrvavatsadā || 142 ||
24.142 Vom Nabelzentrum aus bewege er sich in den Nāḍīs und übe dort wie zuvor Yoga.
draḍhimne tatra vapuṣastatra sthitvā ciraṃ sukham |
tasyāpi pātamālocya piṇḍe'nyatra niveśayet || 143 ||
24.143 Nachdem er diesen Körper gefestigt und lange darin gelebt hat, könne er beim Erkennen auch dessen Verfalls erneut in einen anderen eintreten.
tatrāpi |
siddhaye |
ityetatkadhikaṃ brahman parapiṇḍapraveśanam |
mantramāhātmyanigamanam. |
siddhayo mūlamantrasya samāsātkathitāstava || 144 ||
24.144 Brahmā, damit ist das Eintreten in einen fremden Körper beschrieben. Die Vollendungen des Grundmantras wurden dir in Kürze erklärt.
siddhaye |
mūlamantra iti proktassākṣāddevasya vācakaḥ |
prasūyate mantralatāṃ prasūtimaṇimādikām || 145 ||
24.145 Er heißt Grundmantra, weil er den Gott unmittelbar bezeichnet. Aus ihm wächst gleichsam eine Mantraranke, die Aṇimā und weitere Kräfte hervorbringt.
kiṃ punardharma kāmārthī siddhiṃ kamalasambhava |
nāsādhyamasti mantreṇa dvādaśākṣararūpiṇā || 146 ||
24.146 Wie viel mehr könne sie Dharma, Wünsche und Wohlstand verwirklichen, Lotusgeborener! Durch den zwölfsilbigen Mantra sei nichts unerreichbar.
sarvalokeṣu sarvatra satyametadbravīmite |
nāsmātparataro mantro vidyate sarvakāmadaḥ || 147 ||
24.147 Dies gelte überall in allen Welten; so bekräftigt es der Text. Kein höherer, alle Wünsche erfüllender Mantra bestehe.
rahasya metatkathitaṃ mantramāhātmyamakṣayam |
asyaivamantrasya ṣoḍaśākṣaratvavidhiḥ. |
ayamevāṣṭamūrtināmadhikaścaturakṣaraiḥ || 148 ||
24.148 Diese geheime, unvergängliche Größe des Mantras ist erklärt. Für die acht Gestalten wird derselbe Mantra um vier Silben erweitert.
amunā ṣoḍaśārṇena caturviṃśatimūrtayaḥ |
ārādhanīyā bhogaścellabhyate durlabho mahān || 149 ||
24.149 Mit diesem sechzehnsilbigen Mantra werden auch die 24 Gestalten verehrt; dadurch sollen große, schwer erreichbare Genüsse erlangt werden.
mantratantraṃ yathāpūrvamuddṛtya dvādaśākṣaram |
akṣarāṇi ca catvāri varṇacakrātsamuddharet || 150 ||
24.150 Man erschließt zunächst den zwölfsilbigen Mantra wie zuvor und nimmt dann vier weitere Silben aus dem Lautrad.
taduddhāraprakāraḥ. |
guhālaye parikrāntaṃ bhāskaraṃ daṇḍaśekham |
dvipaṭkākṣaravaccāṅgamasyāpi caturāsana || 151 ||
24.151 Die Chiffre lautet Bhāskara mit Guhālaya und abschließendem Daṇḍa. Eine Variante sagt nur „so der Reihe nach einsetzen“. Die vier vollständigen Zusatzsilben sind daraus nicht eindeutig ersichtlich; die Glieder entsprechen der zwölfsilbigen Formel.
evaṃ krameṇa vinyasya |
tadṛṣicchandonirdeśaḥ. |
mūrtiṣvaṣṭāsu yo dhyātā ṛṣirmantrasya niścitaḥ |
chandaśca devī gāyatraṃ vāsudevo'dhidaivatam || 152 ||
24.152 Wer über die acht Gestalten meditiert hat, gilt als Seher; das Versmaß ist Devī-Gāyatrī, die leitende Gottheit Vāsudeva.
adhikārṇasamaṣṭessyā dvarṇassphaṭikasannibhaḥ |
kṣetraṃ ca paramapyūma tatvaṃ dhīḥ pūrva mīritā || 153 ||
24.153 Für die Gesamtform mit den zusätzlichen Silben gilt kristallgleiche Farbe, als Feld der höchste Raum und als Tattva Buddhi wie zuvor.
śiṣṭārṇakānāṃ dyumaṇirvāsudevo nṛkesarī |
manobhavaścaturṇāṃ syādadhidaivatakalpanā || 154 ||
24.154 Den vier zusätzlichen Silben werden Sonne, Vāsudeva, Narasiṃha und Manobhava als Gottheiten zugeordnet.
namassvāhādīnāṃ viniyogaḥ. |
japennamo'ntaṃ pūjāyāmubhayorhomakarmaṇi |
svāhāyāṃ viramedvauṣaḍantamāpyāyane tathā || 155 ||
24.155 Bei Japa und Verehrung enden beide Mantras auf namaḥ, beim Feueropfer auf svāhā und bei stärkender Erfüllung auf vauṣaṭ.
māraṇe tu phaḍantassyādevamanyatra yojayet |
mantravarṇanyāsasthānāni. |
nyāso mūrdhnilalāṭe ca dṛśośśravasi ca kramāt || 156 ||
24.156 Zerstörerischen Anwendungen ordnet die Quelle phaṭ zu, anderen entsprechende Endungen. Der Silben-Nyāsa erfolgt an Kopf, Stirn, Augen und Ohren,
nāsikāpuṭayo rvaktre galakūpe tathā hṛdi |
nābhideśe rahasye ca tathorpūrjaṅgha yorapi || 157 ||
24.157 Nasenöffnungen, Mund, Halsgrube, Herz, Nabel, verborgenem Bereich, Oberschenkeln und Unterschenkeln.
rmadhye |
kāryānurūpaṃ sapṛṣṭyādivyasanaṃ sarvakarmanu |
ārādhanakramaḥ. |
ārādhanaṃ sarvasiddhikāraṇaṃ tacca kathyate || 158 ||
24.158 Je nach Handlung verwendet man die Ordnung des Hervorbringens oder die entsprechende andere Nyāsa-Folge. Nun folgt die als Ursache aller Vollendungen geltende Verehrung.
tejasāṃ nidhimaṣṭāraṃ sudarśanamanuttamam |
cintayitvā caturvavaktrapūrvasyāṃ diśi vedhasam || 159 ||
24.159 Man meditiert über den achtgespeichten Sudarśana als Schatz des Glanzes, Viergesichtiger. Im Osten steht Brahmā,
saṅkarṣaṇaṃ dakṣiṇasyāṃ pradyumnaṃ diśi cāppateḥ |
aniruddhamudīcīne koṇadikṣu śriyādayaḥ || 160 ||
24.160 im Süden Saṅkarṣaṇa, im Westen Pradyumna, im Norden Aniruddha. In den Zwischenrichtungen stehen die vier Göttinnen von Śrī an.
vā'pare |
devyaścatasro madhye ca vāsudevaṃ jagadgurum |
arghyādibhissamārādhya mantraṃ ṣoḍaśalakṣakam || 161 ||
24.161 In der Mitte befindet sich Vāsudeva, der Weltlehrer. Man verehrt mit Arghya und den weiteren Gaben und wiederholt den Mantra 1.600.000-mal.
japan hutvāgnimudakaistarpayitvā yathāvidhi |
evaṃ prasādhito mantraḥ puruṣārthāṃścaturvidhān || 162 ||
24.162 Man opfert ins Feuer und sättigt mit Wasser nach Vorschrift. So verwirklicht soll der Mantra die vier Lebensziele gewähren.
sādhayetpuruṣārtheṣu yo yenāvāptumiṣyate |
sa sarpū'vāpyate brahman kimanyairativi staraiḥ || 163 ||
24.163 Welches dieser Ziele jemand erstrebt, das soll er dadurch erreichen, Brahmā. Weitere Ausführungen seien dafür nicht nötig.
sa sarvaḥ prāpyate |
yadi brahmapade brahmannabhilāṣā pravartate |
brāhmīṃ mūrtiṃ yajettāsu dhyātvā'nanyamanūgatiḥ || 164 ||
24.164 Wer Brahmās Stellung erstrebt, verehrt unter diesen Gestalten die Brahmā-Form und meditiert ohne Ablenkung über sie.
brahmanyobhilāṣa |
grīṣmādiṣu japasthiti prakāraḥ. |
grīṣme māsi sthito bhūmyāṃ pādaṅguṣṭhena padmaja |
pādamasyaṃ samuddhṛtya bāhū cotkṣipya niścalaḥ || 165 ||
24.165 Für diese strenge Askese beschreibt die Quelle im Sommer das unbewegte Stehen auf einer großen Zehe, den anderen Fuß und beide Arme erhoben.
varṣāsu parṇaśālāyāṃ bahiśśaradi śaiśire |
hemantre triṣu caiteṣu vasante'gniṣu pañcasu || 166 ||
24.166 In der Regenzeit übt man in einer Blätterhütte, im Herbst, Winter und in der kalten Jahreszeit draußen; im Frühling nennt der Text die fünf Feuer.
vasanteṣu ca |
madhyastho mantrajāpassyāditthaṃ syātpratihāyanam |
upāṃśu pravaro vyaktānmanasaḥ pravarastataḥ || 167 ||
24.167 In ihrer Mitte wird der Mantra wiederholt, Jahr für Jahr. Leises Japa gilt als besser als deutlich hörbares, geistiges Japa als besser als leises.
jāpinaḥ devādibhiśchalanam. |
vighnanti devatāstasya tapaḥ karma sudaścaram |
padahāniṃ samāśaṅkya gandharvapramukhai stadā || 168 ||
24.168 Nach der Erzählung versuchen die Götter, seine schwierige Askese zu stören, weil sie den Verlust ihrer Stellung fürchten.
stathā |
apsarobhirvilobhyainaṃ nṛttavāditragītibhiḥ |
sthiramaterjāpakasya uttamaṃ phalam. |
tasmāt sthiramatirbhūtvā japan siddhimapāpnuyāt || 169 ||
24.169 Sie lassen ihn durch Gandharvas, Apsarās, Tanz, Musik und Gesang locken. Wer standhaft bleibt und weiter rezitiert, erlange Vollendung.
pratyakṣaṃ yāti bhagavān triviṣṭapapatissvayam |
brahmatvaṃ vā tadanyadvā prayacchati phalaṃ mahat || 170 ||
24.170 Der himmlische Herr erscheine selbst und gewähre Brahmās Stellung oder eine andere große Frucht.
mūrtīnāmitarāsāṃ ca padaṃ yadyabhilaṣyate |
mūrtiṃ tāṃ tāmabhidhyāyan japenmantraṃ ca pūrvavat || 171 ||
24.171 Wird die Stellung einer anderen Gestalt erstrebt, meditiert man über diese und rezitiert den Mantra wie zuvor.
labhate tatprasādeva svaṃ svaṃ padamanuttamam |
mantreṇānena mukhyena sādhakassādhayetphalam || 172 ||
24.172 Durch ihre Gnade erlange man die jeweilige höchste Stellung. Mit diesem vorzüglichen Mantra verwirkliche der Ausübende
aihikāmuṣmikaṃ tattānnātra kāryā vicāraṇā |
brāhmaṇaḥ kṣatriyo vāpi vaiśyo vā japamācaret || 173 ||
24.173 die gewünschten diesseitigen und jenseitigen Früchte; dies bekräftigt die Quelle. Brahmane, Kṣatriya oder Vaiśya dürfen die beschriebene Wiederholung ausführen.
Kapitel 25: Der achtsilbige Nārāyaṇa-Mantra und seine Wirkungslehre
pādmasaṃhitāyām |
caryāpādepaṃcaviṃśo'dhyāyaḥ |
pañcaviṃśo'dhyāyaḥ |
aṣṭākṣarakalpaḥ. |
brahmāḥ |
aṣṭākṣarasya mantrasya mahimānamanuttamam |
śusrūṣitamatamathacchando viśeṣaṃ sarṣidaivatam || 1 ||
25.1 Brahmā sprach: Ich möchte die unvergleichliche Größe des achtsilbigen Mantras hören, seine besondere Versform, seinen Seher und seine Gottheit. Der erste Satz ist beschädigt; die beigefügte Lesart stellt „von mir zu hören gewünscht“ klar.
śuśrūṣitaṃ mayā |
phalaṃ tanmantra jāpasya rūpaṃ vā kīdṛśaṃ matam |
devatā sādhanaṃ cāpi madana grahakāmyayā || 2 ||
25.2 Welche Frucht trägt seine Wiederholung, und welche Gestalt wird dabei vorgestellt? Erkläre auch die Verwirklichung seiner Gottheit, um mir Gnade zu erweisen. „Madana graha“ ist hier offenbar eine beschädigte Verbindung für die erbetene Zuwendung, kein sicherer eigener Ritualname.
brūhi sarvamaśeṣeṇa mahyaṃ śuśrūṣave'cyuta |
śrībhagavān |
aṣṭākṣarasya mantrasya phalāni na hi śakyate || 3 ||
25.3 Sage mir, dem Hörbegierigen, alles vollständig, Acyuta. Der erhabene Herr sprach: Die Früchte des achtsilbigen Mantras lassen sich
vaktuṃ varṣaśatenāpi teṣāṃ diṅmātramucyate |
dharmārthakāmamokṣāṇāmekāntaphaladaṃ śubham || 4 ||
25.4 selbst in hundert Jahren nicht aufzählen; deshalb wird nur ihre Richtung angedeutet. Dieser heilvolle Mantra schenkt die Früchte von Dharma, Wohlstand, Wunscherfüllung und Befreiung.
siddhayo bahudhā japturmantraṃ coditasajñyayā |
acintanīyo mahimā devasyeva madhudviṣaḥ || 5 ||
25.5 Dem Wiederholenden werden vielfältige Vollkommenheiten zugeschrieben. Die Wendung über die vorgeschriebene Benennung ist beschädigt; die Variante liest „den Mantra zu wiederholen“. Seine Größe sei ebenso unvorstellbar wie die des Gottes Madhudviṣ, des Bezwingers Madhus.
japtuṃ mantram |
varṇoddhārakramaḥ. |
śucau vivikte vijane sarvadoṣavivarjite |
varṇacakraṃ samālikhya bhūmāvarghyādisādhanaiḥ || 6 ||
25.6 Zur Gewinnung der Laute zeichne man an einem reinen, abgeschiedenen, menschenleeren und von Störungen freien Ort ein Lautrad auf den Boden und verehre es mit den Mitteln des Arghya und der übrigen Gaben.
abhyarcyaca yathānyāyaṃ tato varṇān samuddharet |
udgīthamādau vighṇeśaḥ prayojyastadanantaram || 7 ||
25.7 Nach ordnungsgemäßer Verehrung entnehme man ihm die Laute: zuerst Udgītha, danach Vighneśa.
brahmāsādhanasaṃyukto mandarassyādanantaram |
ādidevo vrato bhadrabāhuḥpaśpādudīritaḥ || 8 ||
25.8 Dann folgt Mandara, verbunden mit Brahmāsādhanā, darauf Ādideva und anschließend Bhadrabāhu. Die Verbindung „vrato“ ist beschädigt; die hier verwendeten Namen sind Lautchiffren.
vahnirgopanasaṃvītaśśvapano viṣṇuśīrṣakaḥ |
vanamālī tato yojyo madhusūdanasaṃyutaḥ || 9 ||
25.9 Es folgen Vahni, umgeben von Gopana, Śvapana mit Viṣṇu als Kopf und Vanamālī, verbunden mit Madhusūdana.
praṇavādiśiro vāyuriti varṇakramoditaḥ |
bījacchandonirdeśaḥ. |
bījaṃ viṣṇuramasvārassāmarthyaṃ kathitaṃ punaḥ || 10 ||
25.10 Zuletzt wird Vāyu mit dem Anfang des Praṇava als Kopf genannt: So lautet die Reihenfolge der Laute. Zusammen mit der Bezeichnung Aṣṭākṣara und der Nārāyaṇa-Erklärung ergibt sich der Mantra oṃ namo nārāyaṇāya, „Oṃ, Verehrung dem Nārāyaṇa“. Die nachfolgende Bīja-Angabe „viṣṇuramasvāra“ ist beschädigt und wird nicht zu einer zusätzlichen Formel ergänzt.
aṅgāni ṣaḍdviṣaṭkasya mantrasyeva vidurbudhāḥ |
chandaśca devī gāyatramantaryāmī munassmṛtaḥ || 11 ||
25.11 Die Kundigen kennen seine sechs Glieder entsprechend denen des zwölfsilbigen Mantras. Sein Metrum ist Devī-Gāyatrī; als Seher gilt der innere Lenker, Antaryāmin.
chandastu |
devo nārāyaṇassākṣāddaivataṃ kṣetramīritam |
paramavyoma buddhissyāttatvaṃ varṇassita stathā || 12 ||
25.12 Nārāyaṇa selbst ist die Gottheit, der höchste Raum sein Feld, Buddhi das zugehörige Prinzip und Weiß seine Farbe.
pratyakṣaramṛṣirbrahman gautamaḥ prathamassmṛtaḥ |
bharadvājo viśvāmitro jamadagniranantaram || 13 ||
25.13 Für die einzelnen Silben gelten als Seher zuerst Gautama, dann Bharadvāja, Viśvāmitra und Jamadagni,
vasiṣṭhaḥ kāśyapaḥ paśpā datrisyātkumbhasambhavaḥ |
chāndāṃsi gāyatryādīni virāḍavasitāni ca || 14 ||
25.14 danach Vasiṣṭha, Kāśyapa, Atri und der aus dem Krug Geborene, Agastya. Die Metren reichen von Gāyatrī bis Virāj. Die Variante verdeutlicht die letzten beiden Sehernamen.
datriḥkumbhasamudbhavaḥ |
dharodhruvaśca somaśca āpaścāgnirjalādhipaḥ |
pratyūṣaśca prabhātaśca devāḥ pratyakṣaraṃ tathā || 15 ||
25.15 Den einzelnen Silben werden Dhara, Dhruva, Soma, Āpas, Agni, Jalādhipa, Pratyūṣa und Prabhāta als Gottheiten zugeordnet.
gāyatryuṣṇaganuṣṭapca bṛhatī paṅtireva ca |triṣṭupca jagatīceti virāḍiti tathaiva ca || iti śloka ekaḥ kvacitkośe adhikodṛśyate |
ākāśaṃ paramaṃ kṣetramakṣarasyāvasānataḥ |
satyādi lokāssaptasyuḥ prātilomyena bhūmayaḥ || 16 ||
25.16 Ein laut Quellenvermerk nur in manchen Handschriften vorhandener Zusatz zählt die acht Metren auf: Gāyatrī, Uṣṇih, Anuṣṭubh, Bṛhatī, Paṅkti, Triṣṭubh, Jagatī und Virāj. Das Feld der letzten Silbe ist der höchste Raum; die sieben Welten, beginnend bei Satya, bilden in umgekehrter Reihenfolge
akṣarāṇāṃ pṛthivyantāssaptānāṃ sapta padmaja |
agnirbhūrvāyurākāśaṃ sūryo dyauratha candramāḥ || 17 ||
25.17 die Felder der sieben übrigen Silben, bis zur Erde hinab, Lotusgeborener. Als zugehörige Prinzipien werden Feuer, Erde, Wind, Raum, Sonne, Himmel und Mond genannt,
nakṣatrāṇi tathā rāśirete tatvānyanukramāt |
praṇavaniruktiḥ. |
niruktamasya mantrasya kathayāmi yathātatham || 18 ||
25.18 ferner Sterne und „Rāśi“. Diese Aufzählung lässt sich in der vorliegenden Form nicht eindeutig auf acht Positionen verteilen. Nun will ich die Bedeutungserschließung dieses Mantras darlegen.
aviḥ kvibanto vyāptyarthaḥsmaryate kartṛsādhanaḥ |
oṃkāravarṇavyatyāsassyādakārasya padmaja || 19 ||
25.19 Zur Erklärung des Praṇava wird eine Wurzel „avi“ im Sinne des Durchdringens genannt, mit dem Suffix kvip auf den Handelnden bezogen; anschließend ist von einer Lautvertauschung des a im Oṃ die Rede. Die grammatische Ableitung ist in der Quelle beschädigt.
āpaḥ kaviśca tau vyāptā |
makāravarṇāvyatyāso vakārasyāpyayantvidam |
antarbahiśca yatsarvaṃ vyāpnoti tadudīryate || 20 ||
25.20 Eine weitere Lautvertauschung betrifft m und v. Bezeichnet werde dasjenige, das alles innen und außen durchdringt. Die beigegebenen Varianten ändern einzelne Laute, ergeben aber keine zuverlässig rekonstruierbare Ableitung.
makāramasmin vyatyāsaḥ pakāra |
athavā tantusantānaṃ vṛttervātha bhaviṣyati |
ṭeśca lopo vakārasya prasāraṇamataḥparam || 21 ||
25.21 Alternativ wird eine Wurzel im Sinne des Ausspannens oder Fortspinnens eines Fadens angesetzt; es folgen Tilgung eines Wortteils und Erweiterung beziehungsweise Umformung des v. Die Einzelheiten dieser grammatischen Erklärung bleiben unsicher.
pūrvatvaṃ copasargeṇa syādantaścādguṇaḥ kṛtaḥ |
yasminnotamidaṃ sarvaṃ tadevamabhidhīyate || 22 ||
25.22 Weiter werden eine Verbindung mit einem Präfix und eine Guṇa-Bildung genannt. Gemeint ist: So wird dasjenige bezeichnet, in dem dieses ganze All eingewoben ist.
avate rakṣaṇārthatvā daṭi lepe ca vartate |
vakārasyopadhāyāśca dvayo rūḍhāgamaḥsmṛtaḥ || 23 ||
25.23 Eine andere Erklärung geht von „av“, beschützen, und einer weiteren Wurzel mit der Bedeutung des Haftens aus; es folgen Angaben über v, den vorletzten Laut und einen Einschub. Auch diese Lautableitung ist textlich gestört; die Varianten bleiben im Sanskrit erhalten.
davalope |
rūrdhvāgamaḥ |
guṇe ca rūpaṃ yatsarvaṃ trāyate tatparaṃ param |
abhidheyamitiproktā niruktiḥ praṇavasya sā || 24 ||
25.24 Durch die genannte Guṇa-Bildung entstehe die Form für das höchste Höchste, das alles beschützt. Damit ist die hier gegebene Bedeutungserschließung des Praṇava abgeschlossen.
namaḥpadaniruktiḥ. |
samyate deva evaika steṣāmekaṃ parāyaṇam |
nārāyaṇapadanirvacanam. |
naro devaḥ parassraṣṭā sargādau pāthasāmatha || 25 ||
25.25 Unter der Überschrift zur Bedeutung von „namaḥ“ heißt es in beschädigter Form: Der eine Gott ist ihre einzige höchste Zuflucht. Zu „Nārāyaṇa“: Nara ist der höchste Gott, der am Anfang der Schöpfung die Wasser hervorbringt.
devatāvaika |
tasmānnā rāṇi pāthāṃsi tānyevāyanamucyate |
devasya hetoścāmuṣmānnārāyaṇa samāhvayaḥ || 26 ||
25.26 Darum heißen die Wasser „Nārāḥ“; sie werden als sein Aufenthalt, Ayana, bezeichnet. Aus diesem Grund trägt der Gott den Namen Nārāyaṇa.
nārāvā'yanamāvāsaḥ puruṣasya madhudviṣaḥ |
aṇpratyayaḥ prakṛtyarthe tato vāsasamāhvayaḥ || 27 ||
25.27 Oder: Die Nārāḥ sind das Ayana, die Wohnstätte des Puruṣa, des Madhudviṣ. Das Suffix aṇ wird dabei im Sinne des Grundwortes erklärt; so ergibt sich die Bezeichnung nach seinem Aufenthalt.
evaṃ mantramimaṃ labdhvā samyaggurumukhāttataḥ |
sādhakaniyamāḥ. |
guruśuśrūṣaṇaparassarva mandrāṇi sādhayet || 28 ||
25.28 Nachdem man diesen Mantra richtig aus dem Mund des Guru empfangen hat, widme man sich dem Dienst am Lehrer und verwirkliche die Mantras.
brahmacarye sthito maunī medhyāhārāśano pratī |
aśanīyāni medhyāni pakṣāmi khṛṇu tānyapi || 29 ||
25.29 Man halte sexuelle Enthaltsamkeit, Schweigen und das Gelübde ein und nehme reine Nahrung zu sich. Höre nun auch, welche Speisen dafür als rein gelten.
payoyāvakaśākāmbaphalamūlāni saktavaḥ |
ādyaṃ kuśodakaṃ medhyaṃ dadhi bhikṣānnameva ca || 30 ||
25.30 Genannt werden Milch, Gerstenkost, Gemüse, Wasser, Früchte, Wurzeln, geröstetes Mehl, reines Kuśa-Wasser, Dickmilch und erbettelte Speise. Das Wort „ādyaṃ“ in dieser Liste ist nicht eindeutig angeschlossen.
mantrajapakālaḥ. |
sādhane mandrajāpasya śṛṇu kālaṃ yathoditam |
mūrgaśīrṣe śubhe māsi dvādaśyāṃ candravardhane || 31 ||
25.31 Höre die angegebene Zeit für die Mantra-Praxis: im heilvollen Monat Mārgaśīrṣa am zwölften Tag der zunehmenden Mondhälfte.
yathocitam |
arādhya parayā bhaktyā nārāyaṇamananyadhīḥ |
devatādhyānam. |
cākrābjamaṇḍale devaṃ dyāye devaṃ samāhitaḥ || 32 ||
25.32 Man verehre Nārāyaṇa mit höchster Hingabe und ungeteilter Aufmerksamkeit. Gesammelt meditiere man über den Gott im Diskus-Lotus-Maṇḍala:
caturbhāhumudāraṅgaṃ cakrādyāyudha sevitam |
kālameghapratīkāśaṃ padma patrāyatekṣaṇam || 33 ||
25.33 vierarmig, von edler Gestalt, mit Diskus und den übrigen Waffen ausgestattet, dunkel wie eine Regenwolke und mit langen Augen wie Lotusblätter.
bhūṣaṇam |
pītāmbaradharaṃ saumyaṃ prasannendunibhāvanam |
cāruhāsaṃ sutāmroṣṭhaṃ ratnojvalitakuṇḍalam || 34 ||
25.34 Er trägt ein gelbes Gewand, ist freundlich, sein Antlitz gleicht dem klaren Mond. Er lächelt schön, seine Lippen sind kupferrot, seine Ohrringe leuchten von Edelsteinen.
subhrā lalāṭaṃ sumukhaṃ sarvābharaṇabhūṣitam |
lalāṭatilakaṃ saumyaṃ dīpavacchvetamṛtsnayā || 35 ||
25.35 Schön sind Brauen, Stirn und Gesicht; er trägt allen Schmuck. Auf seiner Stirn erscheint ein freundliches, lampenförmiges Zeichen aus weißer Erde. Die Variante nennt an dieser Stelle Stirn und Krone.
lalāṭamukuṭaṃ |
dhṛtordhvapuṇḍratilakaṃ maṇḍitaṃ caṇḍabhānunā |
sphuratkaṭakakeyūrahārakaustubhabhūṣitam || 36 ||
25.36 Er trägt das aufrechte Puṇḍra-Zeichen und ist wie von einer strahlenden Sonne geschmückt; Armreifen, Oberarmschmuck, Halsketten und der Kaustubha leuchten an ihm. Laut Quellenvermerk fehlt eine Halbzeile in manchen Textzeugen.
idamardhaṃ kvaci nnāsti |
sphuradbhāskaravarṇābhaṃ śobhitaṃ vanamālayā |
pradyotanasahasrābhabhūṣaṇai rapi bhūṣitam || 37 ||
25.37 Er strahlt in der Farbe der leuchtenden Sonne, trägt die Waldblütengirlande und Schmuckstücke, die tausend Sonnen gleichen.
maṇḍitam |
divya candanaliptāṅgaṃ divyamālyavibhūṣitam |
śrībhūmibhyāṃ sukhāsīnaṃ svarṇasiṃhāsane śubhe || 38 ||
25.38 Sein Körper ist mit himmlischem Sandel gesalbt, mit himmlischen Girlanden geschmückt; mit Śrī und Bhūmi sitzt er behaglich auf einem schönen goldenen Löwenthron. Die Variante spricht allgemeiner von duftender Salbung.
gandhānuliptāṅgam |
dhyātvaivaṃ devadeveśaṃ mantrājāpa paro bhavet |
sukhāsīno yathākālaṃ śucirbhūtvā samāhitaḥ || 39 ||
25.39 Nachdem man so über den Herrn der Götter meditiert hat, widme man sich der Mantra-Wiederholung, bequem sitzend, zur rechten Zeit, rein und gesammelt.
mantraṃ japejjagannāthaṃ samārādhya dine dine |
mantrajapahomādisaṅkhyā. |
japellakṣāṣṭakaṃ proktaṃ tadardhaṃ tilatarpaṇam || 40 ||
25.40 Tag für Tag verehre man den Herrn der Welt und rezitiere den Mantra. Vorgeschrieben sind achthunderttausend Wiederholungen und halb so viele Tarpana-Gaben mit Sesam; die Variante liest Wassergaben.
jalatarpaṇam |
tadardhaṃ juhuyādagnau tatassidhyati mantrarāṭ |
siddhemandre dharmasādhanaprakāraḥ. |
atha saṃsādhite mantreṇa svapne jāharaṇe tathā || 41 ||
25.41 Wiederum die Hälfte davon werde im Feuer geopfert; dann gelange der Mantrakönig zur Vollendung. Ist der Mantra so verwirklicht, dann sieht der Ausübende im Traum und im Wachen
siddhiliṅgāni mantrasya mantrī paśyati santatam |
tatassiddhena mantreṇa sādhayeddharmamuttamam || 42 ||
25.42 fortwährend die Zeichen seiner Vollendung. Mit dem vollendeten Mantra wende er sich anschließend der Verwirklichung des höchsten Dharma zu.
athamantravarāddharmasādhanaṃ yo'bhivāñcati |
yaḥ pitṛṇāṃ ca sarveṣāṃ tarpaṇaṃ mantravittamaḥ || 43 ||
25.43 Wer durch diesen vorzüglichen Mantra den Dharma verwirklichen, allen Ahnen Sättigung darbringen
pitṛṇāmapi |
ṛṇatrayādvinirmuktiṃ sarvasmādabhivāñcati |
upoṣya sa śucirbhūtvā kumbhecakrābjamaṇḍale || 44 ||
25.44 und sich von den drei Schulden vollständig befreien möchte, faste, reinige sich und rufe den Gott in einem Krug und im Diskus-Lotus-Maṇḍala an.
kuryācca |
āvāhya devamārādhya samyagarghyādisādhanaiḥ |
gohiraṇyādibhirdravyaistitaiścaiva kuśodakaiḥ || 45 ||
25.45 Er verehre ihn ordnungsgemäß mit Arghya und den übrigen Mitteln und gebe Kühe, Gold und andere Güter, Sesam sowie Kuśa-Wasser.
dattairmantrajapairyuktaḥ prāpayellokamakṣayam |
patṛn mantraprāsāna narakasthānapi kṣaṇāt || 46 ||
25.46 Durch solche Gaben und die Wiederholung des Mantras führe er die Ahnen, selbst wenn sie sich in einer Hölle befinden, augenblicklich durch dessen Gnade in eine unvergängliche Welt. Dies ist die religiöse Heilszusage des Textes.
dattairmantrairjape yuktaḥ |
ato'nyallupta piṇḍānāṃ patṛṇāṃ tṛptikāraṇam |
kalyāṇavidhiḥ. |
vidhiṃ vakṣyāmi kalyāṇaṃ caturvaktra yathātatham || 47 ||
25.47 Nun erkläre ich dir, Viergesichtiger, ein weiteres heilvolles Verfahren zur Sättigung der Ahnen, deren Piṇḍa-Gaben ausgefallen sind.
upoṣya mantravitpūrvaṃ pūrvedyussu samāhitaḥ |
pañcamyāṃ māghamāsasya maṇḍalaṃ cakrapaṅkajam || 48 ||
25.48 Der Mantrakundige faste am Vortag und bereite gesammelt am fünften Tag des Monats Māgha ein Diskus-Lotus-Maṇḍala; die Variante liest einen Pavillon.
maṇḍapam |
arcayitvā tatastasya madhye devaṃ jagadgurum |
yajeta kṛsarānnena homaṃ tenaiva kalpayet || 49 ||
25.49 Nachdem er es verehrt hat, verehre er in seiner Mitte den Gott, den Weltenlehrer, mit Kṛsara-Speise und bereite mit derselben den Homa.
samidājyatitānāpi mantreṇāṣṭottaraṃ śatam |
pitrādi nāma saṃkīrtya tārayeti padānvitam || 50 ||
25.50 Auch mit Brennholz, Ghee und Sesam bringe er hundertacht Opfer dar. Dabei rezitiere er den Mantra, nenne Vater und die übrigen Ahnen und füge „tāraya“, „führe hinüber“, hinzu.
prācīnāvitiko bhūtvā homānte dakṣiṇāmukhaḥ |
dakṣiṇāgrān kuśān bhūmāpāstīrya dhyānamāsthitaḥ || 51 ||
25.51 Nach dem Homa lege er die heilige Schnur in Ahnenstellung, über die rechte Schulter, blicke nach Süden, breite Kuśa-Gras mit südlich gerichteten Spitzen auf dem Boden aus und sammle sich in Meditation.
dhvātvā nārāyaṇaṃ devaṃ tarpayecca tilodakaiḥ |
tadakṣayaṃ jalaṃ dattaṃ pitṛṇāṃ tṛptimāvahet || 52 ||
25.52 Er meditiere über Nārāyaṇa und spende Sesamwasser. Das so dargebrachte Wasser bringe den Ahnen nach der Zusage des Textes unvergängliche Sättigung.
tarpayitvā sadācārān brāhmaṇān bhagavanmayān |
bhojayetṣaḍrasopetaṃ bhojanaṃ dvādaśāvarān || 53 ||
25.53 Nach der Tarpana-Spende bewirte er mindestens zwölf rechtschaffene Brahmanen, die ganz dem Herrn ergeben sind, mit einer Mahlzeit, die alle sechs Geschmacksrichtungen enthält.
dadyāttebhyastilānvastrān gohiraṇyādikaṃ tataḥ |
tatassavye bhuje nyasya brahmasūtraṃ samāhitaḥ || 54 ||
25.54 Er gebe ihnen Sesam, Gewänder, Kühe, Gold und anderes. Dann lege er gesammelt die heilige Schnur auf den linken Arm.
agre bhagavato darbhān dakṣiṇāgrān dharātale |
āstīrya sāgrān suṣamānāsīnū dakṣiṇāmukhaḥ || 55 ||
25.55 Vor dem Herrn breite er vollständige, gleichmäßige Darbha-Halme mit südlich gerichteten Spitzen auf der Erde aus und setze sich nach Süden gewandt. Die Schnurstellung in 25.54 unterscheidet sich von der zuvor genannten Ahnenstellung; beide Angaben bleiben erhalten.
susamānā |
pātrasthamannaṃ dadhi ca tilāṃścabadarīphalam |
kabalīkṛtya tān piṇḍān samānmantramudīrayet || 56 ||
25.56 Er forme aus der Speise im Gefäß, Dickmilch, Sesam und Badarī-Früchten gleichmäßige Piṇḍa-Ballen und spreche den Mantra.
madhuvāteti tisṛbhirṛgbhirbarhiṣi nikṣipet |
gotranāma samucchārya pitṛṇāṃ secanaṃ jalaiḥ || 57 ||
25.57 Mit den drei Ṛgversen, die „madhu vātā“ beginnen, lege er sie auf das Opfergras. Er nenne Familienzugehörigkeit und Namen der Ahnen und besprenge die Gaben mit Wasser.
puṇḍān pitṛbyo mātṛbhyo bhrātṛbhyogurave tathā |
ācāryaya tathānyebhyo bandhubhyo dhyānamāsthitaḥ || 58 ||
25.58 Die Piṇḍas gelten den väterlichen und mütterlichen Ahnen, den Brüdern, dem Guru, dem Ācārya und weiteren Verwandten. Er bleibe dabei meditativ gesammelt; die Variante spricht vom Feststehen im Dharma.
bahubhyo. dharmamāsthitaḥ |
avasecanapūrvaṃ tu mantreṇānena mantravit |
piṇḍān dadyādabhidhyāyan devaṃ nārāyaṇaṃ harim || 59 ||
25.59 Nach vorausgehender Besprengung bringe der Mantrakundige die Piṇḍas mit diesem Mantra dar und meditiere über den Gott Nārāyaṇa Hari.
āsecanaṃ prakurvīta punareva vicakṣaṇaḥ |
evaṃ vidhāya vidhivadṛṇānmuktaśca tatkṣaṇāt || 60 ||
25.60 Anschließend vollziehe er erneut die Wasserbesprengung. Wer dies ordnungsgemäß ausführt, werde nach der Verheißung sogleich von den Schulden befreit,
vimānaṃ divyamāruhya yāti brahma sanātanam |
phalātiśayapratipādanam. |
upavānān bahuvidhānakṣamaḥ kartumaññasā || 61 ||
25.61 besteige ein himmlisches Fahrzeug und gelange zum ewigen Brahman. Wer die vielfältigen Fastenübungen nicht unmittelbar ausführen kann,
devaṃ cakrābjamadhyasthaṃ yajedarghyādhisādhanaiḥ |
siddenānena mantreṇa naivedyaiśca caturvidhaiḥ || 62 ||
25.62 verehre den Gott in der Mitte des Diskus-Lotus mit Arghya und den übrigen Gaben, mit diesem vollendeten Mantra und den vier Arten von Speiseopfern.
manunā |
hutvāghṛtena jvalane samidhāṣṭottaraṃ śatam |
tanmayānbhojayedviprān dadyācca vibhapocitam || 63 ||
25.63 Er bringe im Feuer hundertacht Gaben von Ghee und Brennholz dar, bewirte dem Gott ergebene Brahmanen und schenke nach seinem Vermögen.
iṣṭvevaṃ devadeveśaṃ vrastho niyatendriyaḥ |
cāndrāyaṇaṃ parākaṃ ca kṛcchraṃ sāntapanaṃ tathā || 64 ||
25.64 Indem er so den Herrn der Götter verehrt, im Gelübde steht und die Sinne beherrscht, erlange er die Früchte von Cāndrāyaṇa, Parāka, Kṛcchra und Sāntapana,
saṃvatsaropavāsaṃ ca tathaikāduśyu poṣitam |
kṛṣṇāṣṭamyāṃ śrāvaṇe ca jayantyādi prateṣvapi || 65 ||
25.65 vom ganzjährigen Fasten, vom Ekādaśī-Fasten und von den Gelübden zur dunklen Aṣṭamī im Śrāvaṇa, zu Jayantī und anderen Festen.
ekādaśyupavāsasya yaduktaṃ phalamuttamam |
tattacchataguṇaṃ vidyātphalaṃ pūjāvidherapi || 66 ||
25.66 Die jeweils als höchste bezeichnete Frucht des Ekādaśī-Fastens sei, so die Quelle, bei diesem Verehrungsverfahren hundertfach zu verstehen.
ekaikasyopa |
yajñadharmaphalākājkṣītattatphalamavāpnuyāt |
tarthābhigamanasyāpi phalaṃ saptāhapūjanāt || 67 ||
25.67 Wer die Frucht einer Opferpflicht begehrt, erlange deren jeweilige Frucht; die Frucht einer Pilgerfahrt werde durch siebentägige Verehrung erreicht.
pavitrārohaṇe vāpi pratādiparipūraṇe |
snavane cotsave pañcakālābhigamane tathā || 68 ||
25.68 Was Pavitra-Weihe, Vollendung von Gelübden und ähnlichen Pflichten, rituelles Bad, Fest und die fünf täglichen Praxiszeiten hervorbringen,
ghṛtādi |
gopurālaya sālādinirmāṇe pratimāsu ca |
kṣetrārāmataṭākādi pradāne ca madhudviṣaḥ || 69 ||
25.69 was der Bau von Tortürmen, Heiligtümern, Hallen und Götterbildern sowie die Schenkung von Feldern, Gärten und Teichen für Madhudviṣ bewirken,
śālādi |
ghṛtadīpapradāne ca yatphalaṃ tatsahasradhā |
phalatyārādhanādviṣṇornātra kārya vicāraṇā || 70 ||
25.70 und was das Stiften von Ghee-Lampen trägt, das trage die Verehrung Viṣṇus tausendfach als Frucht. Daran sei, nach dem ausdrücklichen Anspruch der Quelle, nicht zu zweifeln.
saṅkrāntipūjāvidhiḥ. |
saṅkrāntau maṇḍale kumbhejvalane ca madhudviṣam |
āvāhya pūjayeddevaṃ paramānnaiśchaturvidhaiḥ || 71 ||
25.71 Beim Sonnenübergang rufe man Madhudviṣ im Maṇḍala, im Krug und im Feuer an und verehre ihn mit vier Arten vorzüglicher Speisen.
juhuyānmanunānena jvalane'ṣṭottaraṃ śatam |
tanmayānbhūjayecchaktyādadyāccaiva yathāvasu || 72 ||
25.72 Man opfere mit diesem Mantra hundertachtmal ins Feuer, bewirte nach Kräften seine Verehrer und gebe entsprechend den verfügbaren Mitteln.
yasya yasya ca dharmasya phalaṃ yadyadudīritam |
tasya tasya phalaṃ tattanmantrācchataguṇaṃ bhavet || 73 ||
25.73 Welche Frucht auch immer für eine jeweilige religiöse Pflicht genannt wird, durch diesen Mantra werde sie hundertfach.
uttarāyaṇapūjā. |
ayane cottare kumbhe vahnau cakrābjamaṇḍale |
sopavāsaśśucirbhūtvā samāvāhya jagadgurum || 74 ||
25.74 Beim Beginn des nördlichen Sonnenlaufs faste und reinige man sich und rufe den Weltenlehrer im Krug, im Feuer und im Diskus-Lotus-Maṇḍala an.
yajeta pūrvavatpaścāddhomaṃ pūrvavadācaret |
arthasādhanam. |
athārthāsādhanaṃ mantramabhivāñchati cennaraḥ || 75 ||
25.75 Man verehre ihn wie zuvor und vollziehe anschließend den Homa in derselben Weise. Wenn ein Mensch mit dem Mantra Wohlstand gewinnen möchte,
pūjane denam |
bhadrakaṃ maṇḍalaṃ kṛtvā tasminnā rādhya mantravit |
tilairbhilvaistathāpadmairnimbapuṣpaiśca taṇḍulaiḥ || 76 ||
25.76 bereite der Mantrakundige ein Bhadraka-Maṇḍala und verehre darin den Gott. Als Opfermittel werden Sesam, Bilva, Lotusblüten, Nimba-Blüten und Reis genannt,
campakai rmallikābhiśca mālatyā karavīrajaiḥ |
nandyāvartairyūdhikābhiḥ pratyekaṃ śatasaṅkhyāyā || 77 ||
25.77 ferner Campaka, Mallikā, Mālatī, Karavīra, Nandyāvarta und Yūthikā, jeweils in der Zahl hundert.
juhuyādvidyayā vidvān saptāhaṃ caturāsana |
dhanamakṣayamāpnoti mantrasyāsya prabhāvataḥ || 78 ||
25.78 Der Kundige bringe damit sieben Tage lang Mantra-Opfer dar, Viergesichtiger; durch die Kraft dieses Mantras erlange er unerschöpflichen Reichtum. Die folgende Reihe beschreibt solche traditionellen Siddhi-Behauptungen.
candanaṃ kuṅkumaṃ koṣṭhaṃ rocanā laktakaṃ tathā |
ghanasāraṃ mṛgamadaṃ piṣṭvā tatkṣodavāriṇā || 79 ||
25.79 Eine weitere Vorschrift nennt Sandel, Safran, Kuṣṭha, Rocanā, roten Lack, Kampfer und Moschus, die zerrieben und mit Wasser verbunden werden.
lakṣaṇam |
dhanadaṃ vilikhedbhūmau sapta rātramananyadhīḥ |
yajeta gandhapramukhairnivedya ca guḷodanam || 80 ||
25.80 Mit dieser Mischung werde Dhanada, der Reichtumspender, auf den Boden gezeichnet und sieben Nächte lang mit Düften und weiteren Gaben verehrt; als Speisegabe diene Reis mit Rohzucker. Die Variante betont die Beherrschung der Sinne.
rātraṃ jitendriyaḥ |
pādenākramya hṛdayaṃ dhanadasya japettataḥ |
ayutaṃ niyutaṃ vāpi mantrarājaṃ jitendriyaḥ || 81 ||
25.81 Der Ausübende trete auf die Herzstelle dieser Zeichnung und wiederhole sinnenbeherrscht den Mantrakönig zehntausendmal oder ein Niyuta Mal.
dhyātvā nārāyaṇaṃ devaṃ tadanaimantravittamaḥ |
sākṣātkaroti dhanadaṃ tathaiva dhanamakṣayam || 82 ||
25.82 Dabei meditiere er über Nārāyaṇa. So werde ihm Dhanada unmittelbar sichtbar und gewähre unerschöpflichen Reichtum,
prayacchati dhanādhyakṣairānītaṃ svāśrayātkṣaṇāt |
māṇibhadrādibhirmantraprabhāvena caturmukha || 83 ||
25.83 den Maṇibhadra und andere Schatzverwalter durch die Macht des Mantras sogleich aus seinem Bereich herbeibrächten, Viergesichtiger. Varianten lesen „auf seinen Befehl“ beziehungsweise „nach seinem Willen“.
svājñayā. svecchayā |
saptāhamathavā yāgaṃ kṛtvā bhadrakamaṇḍale |
hutvā hutīstadante ca kuryādbrahmaṇatarpaṇam || 84 ||
25.84 Oder er vollziehe sieben Tage lang die Verehrung im Bhadraka-Maṇḍala, bringe die Feueropfer dar und sorge am Ende für die Sättigung der Brahmanen.
dhyātvā nārāyaṇaṃ devamātmānaṃ sādhakottamaḥ |
paśyan mahītalaṃ śuddhamagrahārādbahisthsitaḥ || 85 ||
25.85 Der hervorragende Ausübende stelle sich selbst als den Gott Nārāyaṇa vor und betrachte außerhalb der Brahmanensiedlung eine reine Bodenfläche.
bhavanti cāsya nidhayaḥ pratyakṣā bahavastathā |
añjanāñcitacakṣurvā mantreṇānena mantravit || 86 ||
25.86 Dann würden ihm zahlreiche verborgene Schätze sichtbar. Oder der Mantrakundige versehe seine Augen unter diesem Mantra mit Augensalbe,
nidhīn paśyati duṣprāpānabhīṣṭāṃ stat kṣaṇādasau |
bhadrake maṇḍale pūrvamiṣṭvā devaṃ janārdanam || 87 ||
25.87 wodurch er sogleich schwer zugängliche, gewünschte Schätze sehe. Eine weitere Vorschrift beginnt mit der Verehrung Janārdanas im Bhadraka-Maṇḍala:
yajñadāruṃ vṛṣaskandhe badhvā tasmin halaṃ punaḥ |
karṣayedbhūtalaṃ śuddhaṃ sitāsu maṇikāñcanam || 88 ||
25.88 An der Schulter eines Stieres werde ein Joch aus Opferholz befestigt und damit ein Pflug verbunden. Beim Pflügen des reinen Bodens würden in den Furchen Edelsteine und Gold gefunden.
mahadāpnotyabhipretamathavā kamalāsana |
valmīkasya tathābhyarṇe kṛtvā bhadrakamaṇḍalam || 89 ||
25.89 So erlange man großen ersehnten Besitz. Eine andere Form, Lotusgeborener, setzt ein Bhadraka-Maṇḍala nahe einem Ameisenhügel voraus.
yajeta pūrvavaddevamantre valmīkabhūmiṣu |
nālikerajalaissārdhaṃ piṣṭaṃ nāgabaliṃ kṣipet || 90 ||
25.90 Nach der zuvor beschriebenen Verehrung werde am Ameisenhügel eine zerriebene Nāga-Bali-Gabe mit Kokoswasser niedergelegt; die Variante nennt Kokosfrüchte. Die Zusammensetzung der Gabe ist hier nicht vollständig bestimmt.
nālikeraphalai ||
khātvā valmīkadhiṣṇyantaṃ tatra paśyenmahaddhanam |
khanitraṃ kṣālayitvā tu niśāyāmadhivāsayet || 91 ||
25.91 Beim Aufgraben des Hügels werde großer Reichtum sichtbar. Eine weitere Vorschrift lässt das Grabgerät reinigen und über Nacht rituell weihen.
maṇḍale svastike devamiṣṭvā hutvā tathāhutīḥ |
aṣṭottaraśataṃ bhūyaḥ prātarnikṣipya bhūtale || 92 ||
25.92 Dazu werde der Gott im Svastika-Maṇḍala verehrt und mit hundertacht Feueropfern bedacht; am folgenden Morgen werde das Gerät auf den Boden gelegt. Die Variante nennt an dieser Stelle das Niederlegen von Ghee.
ghṛtaṃ nikṣipya bhūtale |
śucau khanetkhanitreṇa labhate sumahaddhanam |
sādhitaṃ pāradaṃ kṛtvā haste japtvā manuṃ punaḥ || 93 ||
25.93 Wer damit an einer reinen Stelle grabe, finde großen Reichtum. Anschließend beschreibt die Quelle eine alchemische Vorstellung: aufbereitetes Quecksilber werde in die Hand genommen und der Mantra rezitiert,
labheta |
niyutaṃ prayutaṃ vāpi yathāśakti samāhitaḥ |
tadrasasparśamātreṇa sarvaṃ kāñcanatāmiyāt || 94 ||
25.94 gesammelt, nach Kräften ein Niyuta oder Prayuta Mal. Durch die bloße Berührung mit diesem Quecksilber werde alles zu Gold.
pāṣāṇamathavā loṣṭamagnitaptaṃ na saṃśayaḥ |
auṣadhāni ca sarvāṇi rasayuktāni padmaja || 95 ||
25.95 Dies gelte auch für einen Stein oder einen im Feuer erhitzten Erdklumpen. Ferner werden sämtliche mit dem Quecksilber verbundenen Pflanzenstoffe genannt, Lotusgeborener,
lohasaṃsparśayuktāni suvate kanakaṃ mahat |
itthaṃ dhanavatāṃ kāmassamutrāntaḥ pravartate || 96 ||
25.96 die bei Berührung mit Metall viel Gold hervorbrächten. Damit geht der Text von den behaupteten Reichtumswirkungen zu den Wünschen der Wohlhabenden über. Eine tatsächliche Metallverwandlung ist mit dieser Wiedergabe nicht festgestellt.
tatprāptaye vidhāyābjamaṇḍalaṃ tatra saṃsmaret |
mantreśamarcayitvāgre yathāpūrvamananyadhīḥ || 97 ||
25.97 Um solche Wünsche zu erfüllen, werde ein Lotus-Maṇḍala angelegt; darin gedenke man des Herrn des Mantras und verehre ihn zuvor wie angegeben, mit ungeteilter Aufmerksamkeit.
juhuyācca yathoktena mārgeṇa dinasaptakam |
strībhogaḥ. |
padmarāgarucaṃ devaṃ smṛtvā mantraṃ japetsudhīḥ || 98 ||
25.98 Sieben Tage lang werde auf dem beschriebenen Weg der Homa vollzogen. Unter der Überschrift „Genuss mit Frauen“ folgt die Vorstellung des Gottes in der Farbe eines Rubins und die Wiederholung des Mantras.
pūrvoktasaṅkhyayā strīṇāṃ bhogaṃ cecchati durlabham |
cintayitvāphalaṃ homakarmaṇyavasite tataḥ || 99 ||
25.99 Wer schwer erreichbare Gemeinschaft mit Frauen wünsche, rezitiere in der zuvor genannten Anzahl; nach Abschluss des Homa stelle er sich dessen Frucht vor. Die Variante verbindet „schwer erreichbar“ mit dem inneren Wunsch.
cetasi durlabham |
abhīṣṭasādhakaṃ sarvāḥ prārthayantevarāstsriyaḥ |
yāvajjīvaṃ na tyajanti kāmārtā mantravittamam || 100 ||
25.100 Dann, behauptet der Text, würden schöne Frauen den Ausübenden begehren und ihn aus Verlangen lebenslang nicht verlassen. Diese und die folgenden Passagen geben historische Vorstellungen magischer Verfügung über andere wieder; sie setzen deren freie Zustimmung nicht als eigenes Kriterium voraus.
abhīṣṭasādhakāḥ |
kanyākāmaḥ phalaiḥ pakvaiḥ puṣpairlājairdine dine |
sahasraṃ juhuyāddevamārādhya garuḍadhvajam || 101 ||
25.101 Wer eine Braut wünsche, verehre den Gott mit dem Garuḍa-Banner und opfere täglich tausendmal reife Früchte, Blüten und gerösteten Reis.
labhate kanya kāmiṣṭāṃ tadantena vicāraṇā |
vaśīkāraḥ. |
yantraṃ vaśyakaraṃ pakṣye śrūyatāṃ tadyathātatham || 102 ||
25.102 Am Ende erlange er die gewünschte Braut, heißt es. Nun wird ein Yantra zur Unterwerfung des Willens anderer beschrieben.
bhūrjapatre likhe ccakramaṣṭāraṃ rocanādikaiḥ |
candanadvayakāśmīraśaśikastūrikānvitaiḥ || 103 ||
25.103 Auf Birkenrinde werde ein achtspeichiges Rad mit Rocanā, den beiden Sandelarten, Safran, Kampfer und Moschus gezeichnet.
tpadmacakramaṣṭārarocanāḥ |
hemasūcyālikhedetairgandhadravyaistathāparaiḥ |
nābhinemiyutaṃ cakramaṣṭāraṃ jvālayānvitam || 104 ||
25.104 Diese und weitere Duftstoffe dienten als Schreibmittel für eine goldene Nadel. Das Rad besitze Nabe, Reifen, acht Speichen und einen Flammenkranz.
nābhi nemiṃ khubhaṃ |
aṣṭasvareṣu vilikhedakṣarāṇyaṣṭa padmaja |
prādakṣiṇyena vispaṣṭaṃ hrīṅkāraṃ madhyame pade || 105 ||
25.105 Auf die acht Speichen würden die acht Silben deutlich im Uhrzeigersinn geschrieben; in die Mitte komme „hrīṃ“, Lotusgeborener. Die Lesung „aṣṭasvareṣu“ ist im Zusammenhang wohl auf die acht Radabschnitte bezogen, bleibt aber unsicher.
sādhyanāmāpi tatraiva soṅkāraṃ tadanantaram |
hrīṅkāraṃ nābhivalaye dikṣvaṣṭāsu samarpayet || 106 ||
25.106 Dort werde auch der Name der Zielperson zusammen mit Oṃ eingetragen; am Nabenring werde „hrīṃ“ in allen acht Richtungen eingesetzt.
hrīṅkāraṃ nemivalaye vaśīkaraṇamakṣaram |
tathaivāśānu sarvāsu vaśaṃ kuru padānvitam || 107 ||
25.107 Auch am äußeren Radreifen stehe in sämtlichen Richtungen die als Unterwerfungslaut bezeichnete Silbe „hrīṃ“, verbunden mit „vaśaṃ kuru“, „mache gefügig“.
tasminnāvāhya deveśamiṣṭvā mantraṃ japedbudhaḥ |
aṣṭottarasahasraṃ tu huhuyā dāhutī stataḥ || 108 ||
25.108 Nach Anrufung und Verehrung des Gottes in diesem Zeichen werde der Mantra tausendachtmal rezitiert und anschließend dieselbe Anzahl Opfer dargebracht. Die Varianten betreffen die Wiederholung und die Gleichzahl der Opfer.
japettataḥ |
ttāvadāhutīḥ |
gulikāṃ bibhratastasya vaśyaṃ sarvamanantaram |
athavā pādayoḥ pāṃsūn raktacandanamiśritān || 109 ||
25.109 Wer das zu einer Kapsel oder Kugel zusammengefasste Zeichen trage, dem werde alles gefügig, lautet die Behauptung. Eine andere Vorschrift nennt Staub von den Füßen einer Zielperson, gemischt mit rotem Sandel.
ādāya puruṣākārāṃ strīrūpāṃ vā yathepsitām |
kṛtvā pratikṛtiṃ tasminnasyātmānaṃ smareddharim || 110 ||
25.110 Daraus werde je nach Wunsch eine männliche oder weibliche Figur geformt; in ihr werde Hari als das eigene Selbst vorgestellt. Die Variante liest ausdrücklich das Einsetzen Haris.
nyaseddharim |
tāḍayenmūlamanunā raktaistu hayamārajaiḥ |
pratyahaṃ mantrajāpassyādaṣṭottarasahasrakam || 111 ||
25.111 Die Figur werde unter dem Grundmantra mit roten Hayamāra-Blüten berührt beziehungsweise geschlagen; täglich seien tausendacht Wiederholungen vorgesehen. Eine Variante verändert den Blütennamen.
yamavārijaiḥ |
paśyā nārī pumān vāpi saptāhānte japādbhavet |
yāvajjīvaṃ dhanairdattairātmanā vā yathepsitam || 112 ||
25.112 Nach sieben Tagen werde die betreffende Frau oder der betreffende Mann gefügig und stelle lebenslang nach Wunsch Besitz oder sich selbst zur Verfügung. Auch dies ist eine magische Wirkungsbehauptung der Quelle.
tilataṇḍuladūrvāṇāmayutāhutibhiḥ kramāt |
brāhmaṇakṣatriyaviśo vaśyamantra prabhāvataḥ || 113 ||
25.113 Zehntausend Opfergaben aus Sesam, Reis beziehungsweise Dūrvā würden nach der historischen Standeszuordnung Brahmanen, Kṣatriyas beziehungsweise Vaiśyas gefügig machen.
apāmārgasamidbhirvā homādvārṇān vaśaṃ nayet |
audumbarasamidbhirvā palāśasamidhāpi vā || 114 ||
25.114 Homa mit Apāmārga-Holz werde zur Unterwerfung der Stände genannt, ebenso Udumbara- oder Palāśa-Holz.
homena brāhmaṇā vaiśyāḥ pūrvoktāhutisaṅkhyāyā |
tribhirmadhurasaissiktairapāmārgasamicchataiḥ || 115 ||
25.115 Mit diesen Holzarten und der zuvor angegebenen Opferzahl würden Brahmanen und Vaiśyas beeinflusst; die genaue paarweise Zuordnung ist im Satz nicht vollständig deutlich. Ferner werden tausend Apāmārga-Holzgaben, mit den drei süßen Stoffen benetzt, vorgeschrieben,
daśabhirjuhuyādagnaurājā vaśyaḥ kṣaṇādbhavet |
aśvatthaiḥ khādirai rvāpi vaśīkaraṇamīritam || 116 ||
25.116 um einen König augenblicklich gefügig zu machen. Auch Aśvattha- oder Khadira-Holz werde für solche Unterwerfungsriten verwendet.
vaṭavṛkṣasamitsaṅghairvaiśyāssarve vaśīkṛtāḥ |
śūdrastu plakṣasamidhāmāhutyā svavaśaḥ kṣaṇāt || 117 ||
25.117 Mit Vaṭa-Holzgaben würden alle Vaiśyas, mit Plakṣa-Holzgaben ein Śūdra gefügig. Die Standesordnung ist diejenige des historischen Textes.
gandhadravyasamāyuktamṛtsnayā tilakaṃ dadhat |
dṛṣṭamātreṇa janatāṃ vaśaṃ nayati mantravit || 118 ||
25.118 Ein mit Duftstoffen gemischtes Erd-Tilaka mache nach dieser Vorstellung beim bloßen Anblick die Menschen dem Mantrakundigen gefügig.
dhyātvā karatale candraṃ tanmadhye viṣṭhitaṃ harim |
sukhāsīnaṃ puṇḍarīkakarṇikāyāṃ sitaprabham || 119 ||
25.119 Er meditiere über den Mond in seiner Handfläche und darin über den weiß strahlenden Hari, der bequem auf dem Fruchtboden eines Lotus sitzt.
dhyāyan karatalaspa rśaissarvaṃ vaśyaṃ kṣaṇādbhavet |
bhakṣyaṃ bhojyaṃ tathā peyaṃ phalaṃ vā puṣpameva vā || 120 ||
25.120 Durch die Berührung dieser Handfläche werde dann alles gefügig. Ferner nennt die Quelle feste oder weiche Speise, Getränke, Früchte oder Blüten,
spṛṣṭvā sahasrajāpena dattaṃ sarvān vaśaṃ nayet |
ākarṣaṇam. |
akarṣaṇavidhiṃ vakṣyetaṃ brahmannavadhāraya || 121 ||
25.121 die nach Berührung und tausendfacher Rezitation verschenkt würden und dadurch andere unterwürfen. Nun beginnt die Beschreibung des Ākarṣaṇa, des magischen Herbeiziehens: „Brahmā, höre aufmerksam zu.“
datvāsarvaṃ |
bhūrjapatre likheccakramaṣṭāraṃ pūrvavartmanā |
gandhadravyairlikhenmantraṃ hemasūcyā vicakṣaṇaḥ || 122 ||
25.122 Wie zuvor werde auf Birkenrinde ein achtspeichiges Rad gezeichnet; der Mantra werde mit Duftstoffen und einer goldenen Nadel eingetragen.
veṣṭayeduktasūtreṇa tadyantramabhimantritam |
śikhicaṅcupuṭe nyastaṃ bhāvayitvā japettataḥ || 123 ||
25.123 Das besprochene Yantra werde mit dem genannten Faden umwickelt und im Schnabel eines Pfaues untergebracht; die Variante nennt eine Pfauenfeder. Es folgen innere Vorstellung und Rezitation.
śikhipiñcha |
tannāmasaṃyutaṃ mantraṃ kruddhyannākarṣayeti ca |
yuktaṃ sahasraṃ saptāhaṃ japetpratidinaṃ sīdhīḥ || 124 ||
25.124 Sieben Tage lang werde täglich tausendmal der Mantra mit dem Namen der Zielperson und der Wendung „ākarṣaya“, „ziehe herbei“, in einer zornvollen Haltung wiederholt.
ātmānaṃ garuḍārūḍhaṃ sāyudhāṣṭabhujaṃ harim |
bandhūkapuṣpasadṛśaṃ bhāvayitvā jitendriyaḥ || 125 ||
25.125 Der sinnenbeherrschte Ausübende stelle sich als den achtarmigen, bewaffneten Hari auf Garuḍa vor, rot wie eine Bandhūka-Blüte.
vāmotsaṅge harerdevīṃ niṣaṇṇāṃ kāmavihvalām |
pāśāṅkuśadharāṃ lakṣmīṃ dhyātvā ca tadanantaram || 126 ||
25.126 Auf Haris linkem Schoß werde Lakṣmī vorgestellt, von Verlangen bewegt und mit Schlinge und Stachel ausgestattet.
nṛpaṃ badhvā gale pāśaistāḍayitvā'ṅkuśādibhiḥ |
āyudhaiḥ vṛṣṭhato mantramākarṣaya padānvitam || 127 ||
25.127 In dieser gewaltsamen magischen Vorstellung werde ein König am Hals gefesselt und von hinten mit Stachel und anderen Waffen angetrieben; der Mantra enthalte die Wendung „ākarṣaya“.
japtvā'yutaṃ saptadinaṃ yojanānāṃ śate sthitam |
api bhūpaṃ nayatyāśu sādhako mantratesajasā || 128 ||
25.128 Zehntausend Wiederholungen an sieben Tagen würden nach dem Text selbst einen hundert Yojanas entfernten König durch die Kraft des Mantras rasch herbeiführen.
dhanena mahatā yuktassvayamevāgatonṛpaḥ |
vaśyo bhavati kṛtvaivaṃ viprādīnapi vā'nayet || 129 ||
25.129 Der König komme von selbst mit großem Reichtum und werde gefügig. Auf gleiche Weise würden auch Brahmanen und andere Menschen herbeigezogen.
yoṣidākarṣaṇe cāpi kṛtvaivaṃ karma mantravit |
pañcabhāṇeṣubhirviddhāṃ sarvāṅgeṣu striyaṃ smaret || 130 ||
25.130 Für das Herbeiziehen einer Frau werde dasselbe Ritual vollzogen; in der Vorstellung sei sie an allen Gliedern von den fünf Pfeilen des Liebesgottes getroffen.
vāpi kṛtvaivaṃ mantra mantra |
pāśabaddhaṃ tathaivānyairāyudhaiptāḍitāṃ bhṛśam |
kṣipramevānayennārīṃ saptāhāccharavegavat || 131 ||
25.131 Sie werde außerdem als gefesselt und von weiteren Waffen heftig angetrieben vorgestellt. Innerhalb von sieben Tagen werde sie pfeilschnell herbeigebracht,
dūrasthitāmapi tathā rājño vā mahiṣīmapi |
sā sannidhatte kāmārtā madavihvālalocanā || 132 ||
25.132 selbst aus großer Ferne und selbst dann, wenn sie die Hauptgemahlin eines Königs sei. Sie erscheine, heißt es, von Verlangen und Erregung überwältigt.
samṛddhārthātmanā vāpi dhanairvāpi yathepsitaiḥ |
sādhakaṃ toṣayatyeṣā mantrajāpādyathoditāt || 133 ||
25.133 Sie erfreue den Ausübenden mit großem Besitz, ihrer eigenen Person oder den gewünschten Reichtümern: So behauptet die Quelle die Wirkung der beschriebenen Mantra-Rezitation.
mṛtanārīkapāle vā rocanādyena vastunā |
pūrvavacca kramalikhya tanmadhye'bhīṣṭayoṣitaḥ || 134 ||
25.134 Eine weitere historische Variante nennt den Schädel einer verstorbenen Frau, auf den mit Rocanā und ähnlichen Stoffen das zuvor beschriebene Rad gezeichnet werde; in dessen Mitte stehe
likhitvā nāmadheyaṃ ta tkapāle jvalane punaḥ |
tāpayitvā japenmantraṃ saptāhaṃ jūpvasaṅkhyayā || 135 ||
25.135 der Name der gewünschten Frau. Der Schädel werde erwärmt und der Mantra sieben Tage lang in der vorgeschriebenen Anzahl rezitiert. Die Varianten betreffen Ort beziehungsweise Vorgang der Erwärmung; „jūpvasaṅkhyayā“ ist beschädigt.
tpānake jvalite punaḥ |tarpa |
tatassidhyati sā nārī dūrasthāpi yathepsitā |
yakṣasādhanam. |
yakṣāṇāmapi yakṣīṇāṃ sādhanaṃ śṛṇu kathyate || 136 ||
25.136 Dadurch werde die gewünschte Frau selbst aus der Ferne erreicht, lautet die Behauptung. Es folgt ein neues Thema: die Erlangung von Yakṣas und Yakṣiṇīs.
vaṭavṛkṣe kuṭiṃ kṛtvā tatra cakrabjamaṇḍale |
ārādhya tevaṃ juhuyādvaṭavṛkṣasamicchataiḥ || 137 ||
25.137 Bei einem Vaṭa-Baum werde eine Hütte errichtet; darin verehre man den Gott im Diskus-Lotus-Maṇḍala und opfere mit Vaṭa-Holz.
daśabhiḥ pratyahaṃ mantrī saptāhe pariniṣṭhite |
pūrvameva vaṭe yakṣaṃ yakṣīṃ vā kuṅkumādibhiḥ || 138 ||
25.138 Täglich seien tausend solcher Opfer für eine siebentägige Praxis vorgesehen. Zuvor werde am Baum ein Yakṣa oder eine Yakṣiṇī mit Safran und anderen Stoffen
likhitvā karma tatsarvaṃ kuryādabhimukhe svayam |
saptame'hni vaṭe rātrau kampite'bhītavat sthitaḥ || 139 ||
25.139 gezeichnet; der ganze Ritus werde diesem Bild zugewandt ausgeführt. Wenn in der siebten Nacht der Baum erzittere, bleibe der Ausübende furchtlos stehen.
gugguluṃ ghṛtamiśraṃ ca dhūpayenmantravittamaḥ |
vaṭābhimukhamutthāya yakṣīṃ vā yakṣameva vā || 140 ||
25.140 Er räuchere Guggulu mit Ghee und erhebe sich dem Baum zugewandt. Dann werde ihm ein Yakṣa oder eine Yakṣiṇī
sākṣātkaroti tāṃ taṃ vā yā cetābhīṣṭamuttamam |
mātṛtvaṃ vā svasṛtvaṃ vā bhrātṛtvaṃ vā yathātatham || 141 ||
25.141 unmittelbar sichtbar, und er könne den ersehnten Wunsch äußern: eine Beziehung als Mutter, Schwester oder Bruder,
pitṛtvaṃ vātha bhāryātvamipsitaṃ sarvamāpnuyāt |
prayacchati yathāyogaṃ yakṣī yakṣaśca mantriṇe || 142 ||
25.142 als Vater oder als Ehefrau, je nachdem, was er begehre. Yakṣa oder Yakṣiṇī gewährten dem Mantrakundigen die entsprechende Beziehung.
mātā cenmātṛvadrakṣetpitācetpitṛtattathā |
evaṃ bhrātrādayo pyanye yathāsvatrāṇatatparāḥ || 143 ||
25.143 Als Mutter beschütze das Wesen ihn mütterlich, als Vater väterlich; ebenso widmeten sich die übrigen entsprechend ihrer jeweiligen Rolle seinem Schutz.
vidyādharasādhanam. |
vidyādharavaśīkāre vidhānamaparaṃ śṛṇu |
asokavṛkṣa mūlorvyāṃ kuryātpūjādi pūrvavat || 144 ||
25.144 Höre ein weiteres Verfahren zur Gewinnung eines Vidyādhara: Am Fuß eines Aśoka-Baumes werde die Verehrung wie zuvor vollzogen.
vidyādharaṇe yacchakyaṃ kartumasyāpi tadbhavet |
anyeṣāṃ devayonīnāmevaṃ kuryādyathāvidhi || 145 ||
25.145 Was einem Vidyādhara möglich ist, werde dadurch auch dem Ausübenden möglich. Entsprechend könne mit anderen Klassen himmlischer Wesen verfahren werden.
te te sarvaṃ prayacchantimantratuṣṭā yathātatham |
pātālasādhanam. |
pātālasādhanaṃ cāpi śṛṇu guhyaṃ yathātatham || 146 ||
25.146 Durch den Mantra erfreut, gewährten sie jeweils alles. Nun höre das geheime Verfahren zur Erlangung des Pātāla.
homāvasānaṃ pūjādi karma kṛtvā yathoditam |
biladvārasamīpe tu lakṣamaṣṭākṣaraṃ japet || 147 ||
25.147 Nach den vorgeschriebenen Verehrungshandlungen bis einschließlich Homa werde nahe dem Eingang einer Höhle der achtsilbige Mantra hunderttausendmal wiederholt.
kṣīravṛkṣaśamīdurvātilādyānāmananyadhīḥ |
pratyekamayutaṃ homaṃ kuryādvai sādhakottamaḥ || 148 ||
25.148 Mit Holz milchsaftführender Bäume, Śamī, Dūrvā, Sesam und den weiteren genannten Stoffen vollziehe der Ausübende gesammelt jeweils zehntausend Feueropfer.
nirgacchati bilāttasmātkāmārtā kanyakā svayam |
sahasraparivāreṇa sārdhamāyatalocanā || 149 ||
25.149 Aus der Höhle komme dann von selbst eine langäugige, liebesbewegte junge Frau mit einem Gefolge von tausend Wesen.
gṛhītvā mantriṇaṃ sveṣu mandireṣu yathāsukham |
ramate divyabhogaissā vicitrairatimānuṣaiḥ || 150 ||
25.150 Sie nehme den Mantrakundigen in ihre Wohnstätten mit und genieße mit ihm mannigfaltige, übermenschliche himmlische Freuden.
pātāladvārapārśve tu kārayedyāgamaṇṭapam |
dhvajatoraṇasaṃyuktaṃ dvārakumbhopaśobhitam || 151 ||
25.151 Eine weitere Form verlangt neben dem Eingang zur Unterwelt einen Opferpavillon mit Fahnen, Torbögen und schmückenden Eingangskrügen.
cakrābjaṃ vartayettatra dhyātvā nārāyaṇaṃ prabhum |
yajeta pūrvavaddhomaṃ kṛtvā pūrvoktasaṅkhyāyā || 152 ||
25.152 Darin werde ein Diskus-Lotus-Maṇḍala angelegt, über Nārāyaṇa meditiert und die Verehrung wie zuvor vollzogen, einschließlich der genannten Opferzahl.
aṣṭalakṣaṃ mitāhāro jitendriya ananyadhīḥ |
tatkṣaṇādeva nāgendrakanyakā mantriṇaḥ puraḥ || 153 ||
25.153 Mit maßvoller Nahrung, beherrschten Sinnen und ungeteilter Aufmerksamkeit seien achthunderttausend Wiederholungen auszuführen. Dann erschienen vor dem Mantrakundigen Töchter der Nāga-Könige,
sthitā manobhavavaśā sahasraiḥ parivāritāḥ |
ātmatulyābhiranyābhiḥ kanyakābhirvaśīkṛtāḥ || 154 ||
25.154 von Liebe bewegt, mit Tausenden ihnen ebenbürtiger Gefährtinnen und ihm zugetan.
gṛhītvā mantriṇaṃ tāśca nāgālayapurottame |
praviśya vividhairbhogairvaśīkurvantimantriṇam || 155 ||
25.155 Sie nähmen ihn mit in die vorzügliche Stadt der Nāgas und gewönnen ihn durch mannigfache Freuden für sich.
pītvā rasāyanaṃ cāpi yāvadābhūtasaṃplavam |
ramate bhīrubhissārdhaṃ divi devapatiryathā || 156 ||
25.156 Nach dem Trinken eines Rasāyana genieße er bis zur Auflösung der Elemente mit den Frauen himmlische Freuden, wie der Götterherr im Himmel.
khaḍgasādhanam. |
khaḍgasādhanamāścaryaṃ śṛṇu vakṣyāmi tadyathā |
dehajaṃ lohitaṃ mantrīśmaśānāṅgāramiśritam || 157 ||
25.157 Höre nun das wunderbare Verfahren zur Erlangung eines magischen Schwertes. Der historische Ritus nennt eigenes Blut, mit Kohle vom Verbrennungsplatz vermischt,
peṣayitvālikhedkhaḍgaṃ catustālāyataṃ śubham |
śmaśānadeśe tanmūlaṃ spṛṣṭvāmantraṃ japetsudhīḥ || 158 ||
25.158 als Stoff zum Zeichnen eines vier Tālas langen Schwertes am Verbrennungsplatz. Während die Ansatzstelle berührt werde, sei der Mantra zu rezitieren.
niśīthe nirjane tāvadyā vajjvālāṃ vimuṃcati |
jvālābhirasya śobhante diśo daśa caturmukha || 159 ||
25.159 Dies geschehe um Mitternacht an menschenleerem Ort, bis das gezeichnete Schwert Flammen ausstoße, deren Licht die zehn Richtungen erhelle, Viergesichtiger.
nānāvidhāni bhūtāni bhavanti bhayahetavaḥ |
abhīto niścato mantraṃ jape devaṃ samāhitaḥ || 160 ||
25.160 Verschiedenartige Wesen erschienen als Schreckgestalten. Der Ausübende solle furchtlos, entschlossen und gesammelt bei der Rezitation bleiben.
sphurantaṃ pāṇinā khaḍgaṃ gṛhītvā dṛḍhamuṣṭinā |
mantraṃ japennabho yāti yatra vidyādharādayaḥ || 161 ||
25.161 Dann ergreife er das strahlende Schwert mit fester Faust und rezitiere weiter; dadurch steige er in den Himmel zu den Vidyādharas und anderen Wesen auf.
vidyāmahimnā teṣāṃ sa rājā bhavati mantravit |
yakṣarākṣasadaityānāṃ jetā martyeṣu kiṃpunaḥ || 162 ||
25.162 Durch die Macht der Vidyā werde er ihr König und besiege Yakṣas, Rākṣasas und Daityas, erst recht Sterbliche.
khaḍgahastasyadā mantraṃ japanyāti triviṣṭapam |
tatrāpi bhogamatulaṃ labhate cāpsarogaṇaiḥ || 163 ||
25.163 Mit dem Schwert in der Hand und fortgesetzter Mantra-Rezitation gelange er zum Himmel und erfahre dort unvergleichliche Freuden mit Scharen von Apsaras.
khaḍgaṃ vā'yasamādāya parṇaiḥ pipphalasaṃbhavaiḥ |
antarhitaṃ vidhāyāśu niyutaṃ japamācaret || 164 ||
25.164 Eine andere Form nennt ein eisernes Schwert, das mit Pippala-Blättern verhüllt werde, und ein Niyuta Mantra-Wiederholungen.
samidājyaistathā bījairjuhuyādayutāvaram |
nararaktaṃ gajamadaṃ pittamākṣaṃ vimiśritam || 165 ||
25.165 Mindestens zehntausend Feueropfer aus Brennholz, Ghee und Samen folgen. Als weitere historische Ritualstoffe werden Menschenblut, Elefanten-Brunstsekret und eine mit „ākṣa“ bezeichnete, nicht sicher bestimmbare Galle genannt,
rājavartena taiḥ khaḍgaṃ vilipyārādhayeddharim |
tasmin pūrvoktamārgeṇa khaḍgaṃ spṛṣṭvā japaḥsmṛtaḥ || 166 ||
25.166 vermischt mit Rājāvarta. Mit dieser Mischung werde das Schwert bestrichen, Hari darin wie zuvor verehrt und der Mantra unter Berührung des Schwertes rezitiert.
aṣṭottarasahasreṇa paścāttāpādisambhavaḥ |
tāpe syādadhamāsiddhirmadhyamā dhūmajanmani || 167 ||
25.167 Nach tausendacht Wiederholungen würden Wärme und weitere Zeichen auftreten: Wärme gelte als niedrigste, Rauch als mittlere Vollendung,
uttamā jvalane dṛṣṭe paścādkhaḍgadharassvayam |
caredabhīpsitān lokān bhogāṃścāpnoti puṣkalān || 168 ||
25.168 Flammen als höchste. Danach könne der Schwertträger die gewünschten Welten durchwandern und reiche Genüsse erlangen. Die Passage schildert eine übernatürliche Siddhi-Erzählung.
siddhakanyāsakāśātsiddhavastulābhaḥ. |
śaṅkhakuktyadare mandraṃ likhedgorocanāmbubhiḥ |
japenmantravaraṃ spṛṣṭvā yāvajjvālāvalokanam || 169 ||
25.169 Zur Erlangung vollendeter Gegenstände von einer himmlischen Jungfrau werde der Mantra mit Gorocanā-Wasser in eine Muschelschale geschrieben; deren Berührung und Mantra-Rezitation dauerten bis zum Erscheinen einer Flamme. Das zusammengesetzte Wort für die Schale ist beschädigt.
samutthitā ca tanmadhye kanyā sarvavarapradā |
tilakaṃ cākṣamālāṃ ca gulu kāñjanapādukāḥ || 170 ||
25.170 Aus ihrer Mitte erhebe sich eine alle Gaben gewährende Jungfrau. Sie schenke ein Tilaka-Mittel, eine Gebetskette, eine magische Kugel, Augensalbe und Sandalen,
divyaiṣadhaṃ rasendraṃ ca kapālasthaṃ rasāñjanam |
dadādi sarvaṃ sā kanyā mantriṇe mantravaibhavāt || 171 ||
25.171 eine himmlische Arznei, Quecksilber und Rasāñjana in einer Schädelschale: All dies gebe sie dem Mantrakundigen aufgrund der Macht des Mantras.
tilakaṃ bhibhrata stasya naranārī mṛgādikam |
smṛtimātreṇa pūrato dṛṣṭaṃ bhavati taddhruvam || 172 ||
25.172 Wer das Tilaka trage, dem erschienen beim bloßen Gedenken Männer, Frauen, Tiere und andere gewünschte Wesen unmittelbar vor Augen.
tayā kṣamālayā japtaḥ puraścaraṇavarjitaḥ |
mantro yathepsitān kāmān tasmai śīghraṃ prayacchati || 173 ||
25.173 Ein mit jener Gebetskette wiederholter Mantra gewähre schnell die ersehnten Wünsche, auch ohne eine vorausgehende Puraścaraṇa-Praxis.
nidhāya gulikāmāsye nirbhayassarvaviṣṭave |
caratyeṣa yathākāmaṃ dīrghamāyuścha vindati || 174 ||
25.174 Mit der magischen Kugel im Mund bewege sich der Ausübende furchtlos nach Wunsch durch die ganze Welt und erlange langes Leben. Eine beigefügte Variante „śukti“ ist nicht eindeutig einzufügen.
śukti |
añjanenāktanayanassyādadṛśyassurāsuraiḥ |
pādukāsparśamātreṇa cārayatyanale jale || 175 ||
25.175 Mit der Salbe bestrichene Augen machten ihn für Götter und Asuras unsichtbar. Durch die bloße Berührung der Sandalen könne er sich in Feuer und Wasser bewegen,
dūraṃ vā gamayecchīghraṃ yaṃ yaṃ deśamabhīpsati |
divyauṣadhena bhuktena durvādhirnaśyati kṣaṇāt || 176 ||
25.176 oder schnell jeden gewünschten fernen Ort erreichen. Die Einnahme der himmlischen Arznei beseitige sogleich schwere Krankheiten,
acikitsyopi kuṣṭhādirnātra kāryā vicāraṇā |
pāṣāṇādi rasendriṇa spṛṣṭamāgnau pratāpitam || 177 ||
25.177 selbst als unheilbar geltende Hautleiden. Mit dem Quecksilber berührte und im Feuer erhitzte Steine oder andere Stoffe
hiraṇyaṃ bhavati brahman pītvā cāpi rasāyanam |
balavānapi tejasvī valīpalitavarjitaḥ || 178 ||
25.178 würden zu Gold; durch das Trinken des Rasāyana werde man kräftig, strahlend und frei von Falten und grauen Haaren. Dies sind die Wirkungsversprechen des Textes, keine medizinischen oder alchemischen Wirksamkeitsnachweise.
śatrumāraṇam. |
kapāle cāśma nikṣipya śatrumūrdhani nikṣipet |
udvāsito vā mriyate sānvavāyassuhṛṅjanaḥ || 179 ||
25.179 Unter der Überschrift „Töten eines Feindes“ folgt ein magischer Schadensritus: Ein Stein werde in die Schädelschale gelegt und auf den Kopf des Feindes gesetzt beziehungsweise in dieser Zuordnung verwendet; dadurch werde er vertrieben oder sterbe samt Angehörigen und Freunden. Der genaue Vollzug und die Lesart des ersten Wirkungswortes sind unsicher.
uchvāsito vā |
indrajālam. |
darśayannindrajālaṃ cenmāyādevīṃ likhedbhuvi |
kṛṣṇāṃ ca turbhujāṃ saumyāṃ sarvābharaṇa bhūṣitām || 180 ||
25.180 Wer ein Indrajāla, ein magisches Trugbild, zeigen wolle, zeichne die Göttin Māyā auf den Boden: schwarz, vierarmig, freundlich und mit allem Schmuck ausgestattet.
sarvāṅgasundarīṃ mantrī pūjayitvā japettataḥ |
ayutaṃ niyutaṃ vāpi mantramaṣṭākṣa rānvitam || 181 ||
25.181 Er verehre die an allen Gliedern Schöne und rezitiere den achtsilbigen Mantra zehntausendmal oder ein Niyuta Mal. Die Varianten enthalten auch die abweichende Angabe „zweimal acht Silben“; daraus wird keine zusätzliche Formel rekonstruiert.
mantram |
mantramaṣṭākṣaradvayam ||
rāhvayam |
siddhā tadante sā devī caturaṅgabalaṃ mahat |
bhūmau pyomni balaṃ sravamudyatāyudhamadbhutam || 182 ||
25.182 Nach ihrer Verwirklichung zeige die Göttin eine große viergliedrige Heeresmacht auf der Erde und im Himmel, wundersam und mit erhobenen Waffen.
darśayatyāśu mantreṇa ma ntreṇe mantrasiddhadā |
trailokyamapi sarvaṃ sā pradarśayati toṣitā || 183 ||
25.183 Die durch den Mantra verwirklichte Göttin zeige solche Erscheinungen sogleich; erfreut könne sie sogar alle drei Welten sichtbar machen.
mantrite mantrasādhitā |
gulikāvidhiḥ. |
gulikā kadhyate brahman nirmāṇa madhunocyate |
manaśśilā tathā kuṣṭhaṃ halitālaṃ ca kuṃkumam || 184 ||
25.184 Nun beschreibt die Quelle die Herstellung einer magischen Kugel und nennt dafür Manaḥśilā, Kuṣṭha, Haritāla und Safran. Manaḥśilā und Haritāla sind arsenhaltige historische Mineralstoffe; die Stelle wird als Ritualüberlieferung wiedergegeben, nicht als verwendbare Arzneirezeptur.
tannirmāṇaṃ mayocyate |
gorocanāṃ ca cakrāṅgaṃ sarvaṃ piṣṭvā madhutrikaiḥ |
kṛtvā ca gulikāṃ cakrapadmamadhye niveśayet || 185 ||
25.185 Weiter genannt werden Gorocanā und das nicht sicher bestimmbare Cakrāṅga, in einer Variante „sarvāṅga“. Die Stoffe würden mit den drei süßen Substanzen zerrieben, zur Kugel geformt und in die Mitte des Diskus-Lotus gelegt.
sarvāṅgam |
ekādaśīniśāyāṃ vā yajeta harimavyayam |
dvādaśyāmarcayitvā tu japenmantraṃ yathāpuram || 186 ||
25.186 In der Ekādaśī-Nacht werde der unvergängliche Hari verehrt; an Dvādaśī folgten erneute Verehrung und Mantra-Rezitation wie zuvor.
saḥ |
homamagnau prakurvīta sahasraṃ sarpiṣā tataḥ |
siddheyaṃ gulikā sarvaṃ sādhayetsādhakasya hi || 187 ||
25.187 Dann seien tausend Ghee-Opfer im Feuer vorgesehen. Die so vollendete Kugel verwirkliche für den Ausübenden alles; die Variante bezieht dies ausdrücklich auf die zuvor genannten Wünsche.
sadya ssādhayetsarvamīpsitampūrvamiritam |
vetālasādhanam. |
vetālasādhanaṃ brahman kathayāmi yathātatham |
brāhmaṇaṃ kṣatriyaṃ vāpi yuvānaṃ nirvraṇaṃ mṛtam || 188 ||
25.188 Nun erkläre ich, Brahmā, die Erlangung eines Vetāla. Die folgende historische Geisterbeschwörung nennt den unverletzten Leichnam eines jungen Brahmanen oder Kṣatriya,
cāpi |
tatkṣaṇādeva saṅgṛhya śūnyāgāre niveśayet |
kṣālayitvā malaṃ sarvaṃ cakrapadme niveśyatam || 189 ||
25.189 der unmittelbar nach dem Tod in ein leeres Haus gebracht, gereinigt und auf ein Diskus-Lotus-Maṇḍala gelegt werde.
hṛdayaṃ tasya cākramya pādena dhyānamāsthitaḥ |
japenmantraṃ divārātraṃ niśīdhe kampate śavaḥ || 190 ||
25.190 Der Ausübende stelle den Fuß auf dessen Herzstelle und rezitiere meditativ Tag und Nacht. Um Mitternacht beginne der Leichnam zu zittern.
nirbhayastāḍayeddehaṃ siddhārdhairabhimantritaiḥ |
kampamānaṃ śarīraṃ tadutthāyāgre'vatiṣṭhate || 191 ||
25.191 Furchtlos werde er mit besprochenen weißen Senfkörnern beworfen beziehungsweise geschlagen. Der zitternde Körper erhebe sich und stehe vor dem Ausübenden.
kiṃ karomiti ca tatomantriṇaṃ saṃpuṭāñjaliḥ |
bruvāṇo mantriṇe tasmai prayacchati yathepsitam || 192 ||
25.192 Mit zusammengelegten Händen frage er: „Was soll ich tun?“ Dann gewähre er dem Mantrakundigen das Gewünschte:
khaṇḍamuṣṭiṃ tathā divyamauṣadhaṃ ca rasāyanam |
gulikāṃ pāduke siddhaṃ rasaṃ veṇupuṭe sthitam || 193 ||
25.193 ein Schwert mit Griff – der Ausdruck „khaṇḍamuṣṭi“ ist unsicher –, himmlische Arznei, Rasāyana, eine magische Kugel, Sandalen und vollendetes Quecksilber in einem Bambusbehälter,
siddhim |
pādalepaṃ cākṣasūtramanyadvā durlabhaṃ nṛbhiḥ |
pādalepena gamanamākāśādiṣu mantriṇaḥ || 194 ||
25.194 Fußsalbe, Gebetskette und weitere für Menschen schwer erreichbare Dinge. Mit der Fußsalbe könne der Mantrakundige durch den Himmel und andere Räume gehen,
khaḍgena śatrusainyānāṃ vadhaḥ kesariṇāmapi |
divyauṣadhānāṃ sarveṣāṃ phalaṃ pūrvamudīritam || 195 ||
25.195 mit dem Schwert feindliche Heere und selbst Löwen töten. Die Früchte der himmlischen Arzneien seien bereits zuvor beschrieben. Auch diese Angaben gehören zur übernatürlichen Vorstellungswelt der Passage.
pūrṇānām |
āmayaśāntiḥ. |
āmayānāmapasmāramukhānāṃ śāntaye vidhiḥ |
bhūbhāge śalyarahīte kṛtvā maṇṭapamāditaḥ || 196 ||
25.196 Zur Befriedung von Krankheiten, beginnend mit Apasmāra, den als Anfallsleiden beschriebenen Zuständen, wird folgender Ritus genannt: Zunächst werde auf einem von störenden Einschlüssen freien Boden ein Pavillon errichtet.
nirvraṇān lakṣaṇopetānkalaśān pañcaviṃśatim |
pūritān droṇamātreṇa sarpirādyena vastunā || 197 ||
25.197 Darin stehen fünfundzwanzig unbeschädigte, vorschriftsmäßige Krüge, jeweils mit einem Droṇa der vorgesehenen Stoffe, beginnend mit Ghee, gefüllt.
nirvāṇān |
sasūtrān sakuśāṃścaiva sāpidhānān savastrakān |
dvārakumbhān caturdikṣu toraṇāni ca kalpayet || 198 ||
25.198 Sie tragen Fäden, Kuśa-Gras, Deckel und Gewänder. In den vier Richtungen werden Eingangskrüge und Torbögen vorbereitet.
pratyekaṃ kalaśān sarvān mantreṇaivābhimantrayet |
aṣṭākṣareṇa pratyekamaṣṭottaraśatāvaram || 199 ||
25.199 Jeder einzelne Krug werde mit dem achtsilbigen Mantra mindestens hundertachtmal besprochen.
niśāmbanā candanena śvetadūrvāṅkureṇa ca |
bhūrjapatrodare padmamaṣṭapatraṃ sakarṇikam || 200 ||
25.200 Auf Birkenrinde werde mit Kurkuma-Wasser, Sandel und weißen Dūrvā-Sprossen ein achtblättriger Lotus mit Fruchtboden gezeichnet.
nābhinemiyutaṃ cakramaṣṭāraṃ kamalādbahiḥ |
praṇavaṃ karṇikādeśe sādhyanāma ca madhyataḥ || 201 ||
25.201 Außerhalb des Lotus stehe ein achtspeichiges Rad mit Nabe und Reifen; in der Mitte des Fruchtbodens würden Praṇava und der Name der betroffenen Person eingetragen.
aṣṭākṣarāṇyaṣṭadale nābhau sparśākṣaraṃ likhet |
nābhikṣetre yakārādīnaṣṭāreṣu svarān punaḥ || 202 ||
25.202 Die acht Silben stehen auf den acht Blättern, die Verschlusslaute an der Nabe, die Laute von ya an im Nabenbereich – die Variante liest Reifenbereich – und die Vokale auf den acht Speichen. Die doppelte Nabenangabe macht die räumliche Zuordnung unsicher.
nemikṣetre |
mahāmāyāgni saṃyuktaṃ bhāskaraṃ daṇḍaśekharam |
nemibhāge kramāddikṣu vidikṣu caturāsana || 203 ||
25.203 Am Reifen werde in den Haupt- und Zwischenrichtungen die Lautchiffre Bhāskara, verbunden mit Mahāmāyā und Agni und mit Daṇḍa als Kopf, eingesetzt, Viergesichtiger. Die verschlüsselte Zeichenfolge wird nicht ungeprüft als ausgeschriebener Mantra ergänzt.
kṛtvaivaṃ sitasūtreṇa pariveṣṭyanirantaram |
gulikāṃ taṇḍuladroṇamadhyasthe kalaśe kṣipet || 204 ||
25.204 Das Zeichen werde eng mit weißem Faden umwickelt; die entstandene Kapsel komme in einen Krug, der inmitten eines Droṇa Reis steht.
āvāhya hṛdayāttasmi nmantreśaṃ cakrapaṅkaje |
candanādyaissitairvastraiḥ puṣpairanyeśca tādṛśaiḥ || 205 ||
25.205 Aus dem Herzen rufe man den Herrn des Mantras in diesem Diskus-Lotus an und verehre ihn mit Sandel, weißen Gewändern, entsprechenden Blüten und weiteren Gaben.
nmadhye cakraṃ ca |
śālyodanena ca hariṃ yajeta susamāhitaḥ |
pūrṇendumaṇdalāntasthamudgirantaṃ sudhārasam || 206 ||
25.206 Auch gekochter Śāli-Reis werde Hari gesammelt dargebracht. Er werde in der Scheibe des Vollmonds vorgestellt, Nektar ausströmend,
śaśāṅkaśatasaṅkāśaṃ dhyātvā nārāyaṇaṃ harim |
śāntiṃ prayaccha mahatīmityante samudīrayet || 207 ||
25.207 strahlend wie hundert Monde: Nārāyaṇa Hari. Am Ende werde gesprochen: „śāntiṃ prayaccha mahatīm“, „Gewähre großen Frieden“.
śaśino daśi vṛtte'tha kuṇḍe kṣīrājyataṇḍulaiḥ |
gugguluṃ kṣaudrabījāṃ ścasaptāhaṃ homamācaret || 208 ||
25.208 In der Mondrichtung, dem Norden, werde in einer runden Feuergrube sieben Tage lang mit Milch, Ghee, Reis, Guggulu, Honig und Samen geopfert. Die Variante nennt stattdessen unter anderem Safran, Honig und Nimba.
kuṅkumakṣaudranimbaiśca |
pūrvoktasaṅkhyayā kumbhaiḥ sthāpitaṃ cāmayāvinam |
svāpayenmūlamantreṇa dhyāyeccaiva janārdanam || 209 ||
25.209 Die zuvor genannte Anzahl werde eingehalten. Mit den aufgestellten Krügen werde der Erkrankte unter dem Grundmantra gebadet; „svāpayet“, schlafen lassen, im Grundtext steht gegen das zum Zusammenhang passende „snāpayet“ der Variante. Dabei werde über Janārdana meditiert,
sthāpidairāmayānvitam |snāpaye |
mūrṇenduśatasaṅkāśaṃ syandhamānaṃ sudhārasam |
tadīyapādakamalātsarvato vyādhipīḍitam || 210 ||
25.210 der wie hundert Vollmonde strahlt und aus dessen Lotusfüßen Nektar fließt, welcher den von Krankheit bedrängten Menschen ganz erfüllt,
praviśya brahmarandhreṇa plāpayantamananyadhīḥ |
dhyātvā japenmūlavidyāṃ mantravidvyādhipīḍitam || 211 ||
25.211 durch die Scheitelöffnung eintritt und ihn durchströmt. Gesammelt meditiere der Mantrakundige darüber und wiederhole die Grund-Vidyā.
utthāpayati tanmūrdhninyasya tāṃ gulikāmatha |
apasmārādayassarve śāmyanti manutejasā || 212 ||
25.212 Dann richte er den Erkrankten auf und lege jene Kapsel auf dessen Kopf. Alle Anfallsleiden und weiteren Krankheiten würden durch die Mantrakraft befriedet, behauptet die Quelle; dies ist keine gesicherte Behandlungsaussage.
athādāya ca mṛtpātraṃ paittalaṃ vātha kāṣṭhajam |
tasminnikṣipya pīyūṣaṃ dadhisarpissamanvitam || 213 ||
25.213 Anschließend nennt der Ritus ein irdenes, messingnes oder hölzernes Gefäß mit Milch beziehungsweise dem als „Nektar“ bezeichneten Stoff, Dickmilch und Ghee,
odanaṃ caityavṛkṣādimūle bhūtabaliṃ haret |
bhojayedbrāhmaṇānai dadyātaibhyo yathāvasu || 214 ||
25.214 sowie gekochtem Reis. Am Fuß eines heiligen Baumes oder einem ähnlichen Ort werde eine Gabe für die Wesen dargebracht; Brahmanen würden bewirtet und entsprechend dem Vermögen beschenkt.
kṣipet |
puṣṭividhiḥ. |
pauṣṭiṃ vakṣyāmi te karma maṇṭapādi yathāpuram |
bhūrjapatre likhedyantraṃ prāgvatpadmādisaṃyutam || 215 ||
25.215 Nun wird das Ritual zur Stärkung beschrieben. Pavillon und übrige Vorbereitungen entsprechen dem Vorigen; auf Birkenrinde werde das Yantra mit Lotus und den weiteren Merkmalen gezeichnet.
pauṣṭikaṃ vakṣyate |
śrībhūmimantraṃ ca likhetkesareṣu daleṣu ca |
gulikāṃ veṣṭitāṃ raktāsūtrairmadhughaṭe kṣipet || 216 ||
25.216 Auf die Staubfäden und Blätter würden auch die Mantras von Śrī und Bhūmi geschrieben. Die mit rotem Faden umwickelte Kapsel komme in einen Honigkrug.
vidrumābhaṃ ca mandreśaṃ samāvāhya ca sarvagam |
saumyāśāyāṃ padmakuṇḍaṃ kalaśān raktavāsasaḥ || 217 ||
25.217 Der allgegenwärtige Mantraherr werde korallenrot angerufen; im Norden sei eine lotusförmige Feuergrube anzulegen, und die Krüge tragen rote Gewänder.
sarvadā |
vastu sarvaṃ yathoktaṃ tadyuktaṃ syātsati sambhave |
balikarmaca kartavyaṃ karmānte kamalāsana || 218 ||
25.218 Alle zuvor genannten Gegenstände seien, soweit verfügbar, entsprechend vorzubereiten. Am Ende der Handlung müsse auch die Bali-Gabe vollzogen werden, Lotusgeborener.
mahatī puṣṭireva syātkṛte karmaṇi śāntike |
āyuṣkāmavidhiḥ. |
āyuṣkāmastu dūrvābhirghṛtāktābhi ryathoditam || 219 ||
25.219 So werde durch den befriedenden Ritus große Stärkung erreicht. Wer langes Leben wünsche, opfere mit gheegetränkter Dūrvā nach der genannten Vorschrift.
śāstrike |
ryatho ditaiḥ |
juhuyānmaṇṭapādīnāṃ vidhānaṃ pūrvavartmanā |
karmānte kalaśaissnānaṃ sādhyasya kamalāsana || 220 ||
25.220 Pavillon und weitere Vorbereitungen folgen dem früheren Verfahren. Am Schluss werde die betreffende Person mit den Krügen gebadet, Lotusgeborener.
evaṃ kṛte yathāśāstramāyurvindati puṣkalam |
ārogyakāmavidhiḥ. |
ārogyakāmassāvitre maṇḍale harimarcayet || 221 ||
25.221 Werde dies nach der Schrift ausgeführt, erlange sie reiches Lebensmaß. Wer Gesundheit wünsche, verehre Hari im Sonnen-Maṇḍala,
rukmābhaṃ vidyayārghyādi sādhanairuktavartmanā |
pūrvavajjapahomādi homo gugguluvastubhiḥ || 222 ||
25.222 goldglänzend, mit der Vidyā, Arghya und den übrigen angegebenen Mitteln. Rezitation und Homa geschehen wie zuvor, beim Homa werden Guggulu und entsprechende Stoffe genannt.
japānte praṇamennityamaṅgairaṣṭābhirātmavān |
yāvadāyuṣamārogyaṃ labhate mantravaibhavāt || 223 ||
25.223 Nach der Wiederholung verneige er sich regelmäßig mit allen acht Gliedern. Durch die Macht des Mantras erlange er lebenslange Gesundheit, lautet das religiöse Wirkungsversprechen.
jvaritasya bhavecchāntiramṛtācūtapallavaiḥ |
pūrvoktena vidhānena sarvamanyadyathoditam || 224 ||
25.224 Zur Befriedung von Fieber werden Amṛtā und Mango-Sprosse im zuvor beschriebenen Verfahren genannt; alles Übrige folgt den früheren Angaben.
jvaraśāntirbhavedante vidyāvīryaprabhāvataḥ |
candanādidrumairlohairyadvā pratikṛtiḥ kṛtā || 225 ||
25.225 Am Ende werde das Fieber durch die Kraft der Vidyā befriedet. Ein aus Sandelholz, anderem Holz oder Metall hergestelltes Götterbild,
pūjitā pūrvavatsarvān kāmānāśu prayacchati |
homaśca karmānuguṇairdravyaissyātkamalāsana || 226 ||
25.226 wie zuvor verehrt, gewähre rasch alle Wünsche. Die Homa-Stoffe müssen dabei der jeweiligen Handlung entsprechen, Lotusgeborener.
apamṛtyunivāraṇam. |
aśvatthaṃ mandavāreṣu spṛṣṭvā dakṣiṇapāṇinā |
japato nāpamṛtyussyātpūrvamiritasaṅkhyāyā || 227 ||
25.227 Zur Abwendung vorzeitigen Todes nennt der Text die Berührung eines Aśvattha-Baumes mit der rechten Hand an Samstagen und Mantra-Rezitation in der zuvor genannten Anzahl.
vāksiddhiḥ. |
ghṛtamiśraṃ vacā cūrṇaṃ yadvā brāhmīṃ ghṛtāplutām |
jyotiṣmatīrasaṃ vāpi spṛṣṭvā lakṣaṃ japan pibet || 228 ||
25.228 Zur Vollendung der Rede beschreibt er die rituelle Einnahme von mit Ghee gemischtem Vacā-Pulver, in Ghee getränkter Brāhmī oder Jyotiṣmatī-Saft nach Berührung und hunderttausendfacher Rezitation. Dies ist die Wiedergabe einer historischen Praxis, keine geprüfte Einnahmeempfehlung.
pūrvam |
muhurte bhobhane prāpte vāksiddhistasya niścitā |
audumbare'thavā pātre kapilājyaṃ catuṣpalam || 229 ||
25.229 Zu einer günstigen Stunde geschehe die Einnahme, wodurch die Vollendung der Rede als sicher behauptet wird. Alternativ nennt die Quelle vier Palas Ghee einer Kapilā-Kuh in einem Udumbara-Gefäß,
patre |
miśraṃ śvetavacācūrṇaṃ yadvā candhre maghāyute |
puṇye sārasvate yoge śvetavarṇaṃ caturbhujam || 230 ||
25.230 gemischt mit weißem Vacā-Pulver. Bei Verbindung des Mondes mit Maghā und einer heilvollen Sārasvata-Konstellation werde der weiße vierarmige Gott
pūrṇe |
śvetapadme sukhāsīnaṃ candramaṇḍalamadhyagam |
iṣṭvā devaṃ goghṛtena juhuyācca yathāvidhi || 231 ||
25.231 auf einem weißen Lotus in der Mondscheibe sitzend verehrt; mit Kuh-Ghee werde vorschriftsmäßig geopfert.
piban sa susravaṃ paścāllabhate vācamuttamām |
prativādivāgbandhanam. |
aṣṭabāhuṃ candranibhamātmānaṃ śeṣaviṣṭare || 232 ||
25.232 Nach dem Trinken des Opferrestes erlange man ausgezeichnete Rede. Darauf folgt ein magischer Ritus zur Bindung der Rede eines Gegners: Der Ausübende stelle sich achtarmig, mondgleich und auf Śeṣa sitzend vor,
saṃsranam |
sukhāsīnaṃ bhāvayitvā kopinaṃ prativādinam |
pidhāya jihvā hṛdayaṃ musalena śiro'ṅkuśaiḥ || 233 ||
25.233 bequem sitzend, während der zornige Widersacher in einer gewaltsamen Vorstellung an Zunge und Herz festgehalten und an Kopf beziehungsweise Körper mit Keule und Stacheln angegriffen werde. Die genaue Verteilung von Körperstellen und Geräten ist im beschädigten Satz nicht sicher.
kaupīnam |
vidhāya |
tāḍayedgadayā pṛṣṭhaṃ pāśairbadhvā kalebharam |
tasyaiva jihvāmadhye ca māhendraṃ daṇḍa śekharam || 234 ||
25.234 Der Rücken werde in dieser Vorstellung mit einer Keule geschlagen, der Körper mit Schlingen gebunden; auf der Zunge des Gegners werde die Lautchiffre Māhendra mit Daṇḍa als Kopf
vinyasya stambhayedvācamevaṃ dhyāyan vicakṣaṇaḥ |
ātmano vādinaścaiva madhye yavanikā bhavet || 235 ||
25.235 eingesetzt, um die Rede zu lähmen. Zwischen Ausübendem und Gegner sei dabei ein Vorhang vorgesehen.
mantraṃ śataguṇaṃ japtvā vādī vācaṃ samutsṛjet |
sadyaḥ parasyāpajayo vijayaścātmano bhavet || 236 ||
25.236 Nach hundertfacher Mantra-Rezitation beginne der Ausübende seine Rede; der andere unterliege sogleich und er selbst siege, heißt es.
tatra doṣābhāvaḥ. |
stambhane nai padoṣassyā dbāhyāśchetprativādinaḥ |
brahmavarcasakāmakalpaḥ. |
brahmavarcasakāmaśchetsamitho brahmavṛkṣajāḥ || 237 ||
25.237 Die Quelle behauptet, beim Lähmen der Rede entstehe kein Vergehen, sofern die Gegner Außenstehende seien. Diese sektiererische Rechtfertigung gehört zur historischen Aussage. Wer geistliche Ausstrahlung wünsche, verwende Holz des Brahma-Baumes,
dbāhyaścet |
śvetapaṅkajahomo vā rājyakāmasya mantriṇaḥ |
samitho rakta varṇāssyurbilvapuṣpāṇi padmaja || 238 ||
25.238 oder opfere weiße Lotusblüten. Wer Königsherrschaft wünsche, verwende rote Hölzer – die Variante liest rote Lotusblüten –, Bilva-Blüten,
padmāssyu |
lakṣmīsumanaso vāpi yadvā bodhisamudbhavāḥ |
candramaṇḍalamadhyasthaṃ śvetapaṅkajaviṣṭare || 239 ||
25.239 Lakṣmī-Blüten oder Erzeugnisse des Bodhi-Baumes. Anschließend folgt eine Gottesmeditation zur Fülle an Nahrung: in der Mondscheibe auf einem weißen Lotus sitzend,
sannenduvarcasā |
sthitaṃ dvihastaṃ subhagaṃ bālabhūṣaṇabhūṣitam |
bālāvasthaṃ prasannenduvarcasaṃ nīlakuntalam || 240 ||
25.240 zweiarmig, schön und mit Kinderschmuck geschmückt, im Kindesalter, mit dem Glanz des klaren Mondes und dunklen Locken. Die Variante „dreiarmig“ weicht von der Grundlesart ab.
trihastaṃ |
rājataṃ pātramannena pāyasena prapūritam |
bibhrāṇaṃ vāmahastena dadhyanna kabalaṃ punaḥ || 241 ||
25.241 In der linken Hand hält er eine silberne Schale, gefüllt mit Milchreis; in der anderen einen Bissen Dickmilchreis.
dadhānamitareṇāpi dhyātvā devaṃ samāhitaḥ |
annena juhuyādagnau bahvānnatvamavāpnuyāt || 242 ||
25.242 Gesammelt meditiere man über diesen Gott und opfere Reis ins Feuer; dadurch werde großer Nahrungsreichtum erlangt.
itareṇa dhārayantam |
gobhūrāṣṭrādikāmakalpaḥ. |
gokāmo gomayaiḥ kṣīraistadīyairhomamācaret |
labhate dhenukaṃ sadyo mantravinmantravaibhavāt || 243 ||
25.243 Wer Kühe wünsche, bringe Homa mit Kuhdung und Kuhmilch dar; durch die Macht des Mantras erhalte er sogleich Rinderbesitz.
bhūmikāmo mṛdā homaṃ durlabhāṃ labhate bhuvam |
phalairbilvasamudbhūtairhomādrāṣṭrasamudbhavaḥ || 244 ||
25.244 Wer Land wünsche, opfere Erde und erlange auch schwer erreichbaren Boden. Ein Homa mit Bilva-Früchten bringe ein Herrschaftsgebiet hervor.
vastrakāmassumanasāṃ kālajānāṃ caturmukha |
sitāsitādivarṇānāṃ homānniyutasaṅkhyayā || 245 ||
25.245 Wer Gewänder wünsche, opfere ein Niyuta Mal saisonale Blüten in Weiß, Dunkel und weiteren Farben, Viergesichtiger.
nānāvidhāni vastrāṇi labhate nātrasaṃśayaḥ |
yadyatkāmayate mantrī dhānyajātimanekadhā || 246 ||
25.246 Dadurch erhalte er verschiedenartige Gewänder, ohne Zweifel, so die Quelle. Welche Getreideart der Mantrakundige auch in ihrer Vielfalt begehre,
tattaddhomeva tatsarvaṃ labhatemandravaibhavāt |
mantrābhimantritaṃ bījamuptaṃ bahuphalaṃ bhavet || 247 ||
25.247 mit deren Opfer erlange er sie durch die Mantrakraft. Besprochenes Saatgut bringe nach der Aussaat reiche Frucht.
putrakāmo haviṣṭāśī samārādhya jagadgurum |
cakrābjamaṇḍale kumbhasthāpanādi vidhāya ca || 248 ||
25.248 Wer Söhne wünsche, ernähre sich von Opferspeise und verehre den Weltenlehrer im Diskus-Lotus-Maṇḍala; Krüge und die weiteren Dinge seien wie zuvor aufzustellen.
yathāpūrvaṃ pāyasānnaṃ homānte sthāpitairghaṭaiḥ |
abhiṣicya tadambhāṃsi pāyayet striyamāgatām || 249 ||
25.249 Es werde mit Milchreis geopfert; nach dem Homa werde die anwesende Frau mit den aufgestellten Krügen begossen und erhalte von deren Wasser zu trinken.
sā putrān labhate tviṣṭān bahun vidyāvicakṣaṇān |
iṣṭvā nārāyaṇaṃ devaṃ cakrābjeproktavartmanā || 250 ||
25.250 Sie bekomme dadurch viele gewünschte, in den Wissenschaften kundige Söhne, lautet die Verheißung. Wer Nārāyaṇa im Diskus-Lotus auf dem beschriebenen Weg verehrt,
anugrahe nigrahe ca sarveṣāṃ śaktimān bhavet |
mantradevatāprabhāvaḥ. |
kampane vasudhādīnāṃ parvatānāṃ ca bhedane || 251 ||
25.251 werde zur Begünstigung und Zügelung aller Wesen befähigt. Er könne die Erde und andere Bereiche erschüttern, Berge spalten,
śoṣaṇe vā samudrāṇāṃ sarveṣāṃ stambhane pi ca |
sargasthitivināśānāmapi kartā yathā hariḥ || 252 ||
25.252 Meere austrocknen und alles zum Stillstand bringen; wie Hari werde er zum Urheber von Schöpfung, Bestand und Vernichtung. Dies ist der universale Machtanspruch der Mantra-Lehre.
sarvasthiti |
dhyānācca devadevasya japānmantrasya ca kṣaṇāt |
naśyanti bhūtavetālapramukhāni caturmukha || 253 ||
25.253 Durch Meditation über den Gott der Götter und Mantra-Rezitation vergingen sogleich Bhūtas, Vetālas und ähnliche
japamantrasya lakṣaṇāt |
duṣṭasatvāni mantrasya prabhāvānnātra saṃśayaḥ |
viṣāpaharaṇam. |
viṣadaṣṭamavasthāpya dhyātvāca garuḍadhvajam || 254 ||
25.254 bösartige Wesen, Viergesichtiger. Zur Entfernung von Gift wird sodann das Aufstellen eines von einem Giftbiss betroffenen Menschen und die Meditation über den Gott mit dem Garuḍa-Banner genannt.
garuḍasthitam |devaṃ vidyāṃ samuccārya tīkṣṇatuṇḍena tāḍayet |
garuḍasya tu pakṣābhyāṃ viṣadaṣṭasya mūrdhani || 255 ||
25.255 Die Variante beschreibt den Gott als auf Garuḍa sitzend. Unter Rezitation der Vidyā werde vorgestellt, wie Garuḍas scharfer Schnabel und seine Flügel den Kopf des Betroffenen berühren beziehungsweise schlagen.
evaṃ dhyātvā viṣaṃ sarvaṃ vyapohyotthāpayenmṛtam |
bhuktaṃ viṣeṇa saṃspṛṣṭamannaṃ bījaṃ phalaṃ tathā || 256 ||
25.256 Durch diese Meditation werde alles Gift entfernt und selbst ein Toter aufgerichtet, behauptet der Text. Es folgt die Behauptung über gegessene, mit Gift berührte Speisen, Samen und Früchte. Solche Aussagen belegen keine tatsächliche Entgiftung oder Wiederbelebung.
bhuktaṃ akṣayaśca iti ślokadvayaṃ anuktāḥbhūyaṃ prapadyate ityataḥ paraṃ kvacitkośedṛśyate |
jarayedvidyayā sadyassarvadoṣaṃ ca nāśayet |
dhanādisiddhayaḥ. |
akṣayaścābhivṛddhiśca dhanasya yadi kāṅkṣitaḥ || 257 ||
25.257 Diese würden durch die Vidyā sogleich verdaut und ihre schädlichen Eigenschaften beseitigt. Ein Quellenvermerk erklärt, dass zwei hier zugehörige Verse in manchen Handschriften erst nach „devabhūyaṃ prapadyate“ stehen. Wenn Unvergänglichkeit und Zunahme des Vermögens gewünscht werden,
saṃspṛśya vidyayā sarvaṃ nikṣipedbahujaptayā |
bandhūka kusumaprakhyamātmānaṃ bhagavanmayam || 258 ||
25.258 werde der Besitz unter der vielfach wiederholten Vidyā berührt und verwahrt. Eine weitere Meditation stellt den Ausübenden ganz vom Herrn erfüllt und rot wie eine Bandhūka-Blüte vor.
dhyāyanyāyātsabhāṃ tatra kruddhaśśāmyati bhūmipaḥ |
anuktāssiddhayaḥ sarvāssidhyantyatyantavistṛtāḥ || 259 ||
25.259 So betrete er die Versammlung; der zornige König werde dort besänftigt. Auch alle nicht ausdrücklich genannten, sehr weitreichenden Vollkommenheiten
śāstre mantraprabhāvena devabhūyaṃ prapadyate |
vṛṣṭikāmo bahiśśālāṃ pūrvoktavidhinā kṛtām || 260 ||
25.260 würden durch die Mantrakraft verwirklicht, und man erlange göttliches Sein. Wer Regen wünsche, bereite außerhalb eine Halle nach der zuvor angegebenen Vorschrift.
cakrābjamaṇḍlādīni kṛtvā karmāṇi pūrvavat |
saptāhamājyasiktābhissamidbhirjuhuyātsudhīḥ || 261 ||
25.261 Diskus-Lotus-Maṇḍala und die übrigen Handlungen entsprechen dem früheren Verfahren. Sieben Tage lang werde mit gheegetränkten Hölzern
vaitasībhiḥ pratidinaṃ niyutāyutasaṅkhyāyā |
vṛṣṭirbhavati tadrāṣṭre taddheśe vā dinatraye || 262 ||
25.262 des Vetasa täglich geopfert. Die Mengenverbindung „niyutāyuta“ bleibt als zusammengesetzte Zahlenangabe unsicher. Binnen drei Tagen regne es in jenem Reich oder Landstrich, lautet die Behauptung.
marīcikṣuṇṇasaṃmiśraissarṣapai rājasarṣapaiḥ |
pūrvoktasaṅkhyayā homādativṛṣṭiśca śāmyati || 263 ||
25.263 Ein Homa mit gewöhnlichem Senf und Rājasarṣapa, vermischt mit zerstoßenem Pfeffer, in der zuvor genannten Anzahl beende übermäßigen Regen.
devatādipadaṃ prepsurvidyayā lokamīpsitam |
svargādyabhīṣṭarokasya mahimānuguṇairjapaiḥ || 264 ||
25.264 Wer eine göttliche Stellung oder eine bestimmte Welt wünsche, führe eine ihrer Größe entsprechende Zahl von Vidyā-Wiederholungen aus, etwa für den Himmel oder eine andere ersehnte Welt.
svargrāderiṣṭa |
labhate tattadāścaryaṃ phalaṃ naivātra saṃśayaḥ |
cintāratnaṃ tathaivān maṇimādi guṇaṃ param || 265 ||
25.265 So erlange er die jeweilige wunderbare Frucht. Auch den Wunschjuwel und höchste Fähigkeiten wie Aṇiman – die Lautfolge hierzu ist beschädigt –
lipsurmantrajapaiḥ koṭisaṅkhyaiḥ prāpnoti mantravit |
mantradevatāsākṣātkāraḥ. |
mantrādhidaivataṃ devaṃ draṣṭukāmojitendriyaḥ || 266 ||
25.266 erreiche der Mantrakundige durch zehn Millionen Wiederholungen. Wer die über dem Mantra waltende Gottheit unmittelbar schauen möchte, beherrsche die Sinne
ṣaṣmāsānmantramaniśaṃ japettadhyānamāsthitaḥ |
āgatya devadeveśaḥ papratyakṣo bhavati kṣaṇāt || 267 ||
25.267 und wiederhole sechs Monate lang unablässig den Mantra, in die zugehörige Meditation versunken. Dann erscheine der Herr der Götter unmittelbar.
varāṃśca durlabhāṃstasme pradadāti yathepsitān |
mantriṇe mantramahātmyādacireṇa caturmukha || 268 ||
25.268 Er gewähre dem Mantrakundigen bald die gewünschten schwer erreichbaren Gaben, durch die Größe des Mantras, Viergesichtiger.
mantrāmāhātmyam. |
mantrāntarāṇāṃ yāsiddhiḥ kalpe kalpe samīritā |
sāpi prasidhyedasyaiva sakalā vīryapattayā || 269 ||
25.269 Welche Vollendung auch immer in den einzelnen Ritualdarstellungen anderer Mantras genannt wird, sie werde aufgrund seiner ganzen Kraft auch durch diesen Mantra erreicht.
ṣaḍaṅgāni ca vedāśca mantrāścānye paraśśatāḥ |
anyacca vāṅmayaṃ sarvaṃ mantre'smin susamāhitam || 270 ||
25.270 Die Veden mit ihren sechs Hilfswissenschaften, die vielen hundert anderen Mantras und das gesamte übrige Wortwissen seien in diesem Mantra gesammelt.
apunarbhavalipsūnāṃ gatiraṣṭāraṃ matam |
janmanyasminnatīte vā yatenassañchitaṃ mahat || 271 ||
25.271 Für diejenigen, die nicht wiedergeboren werden möchten, gelte der achtsilbige Mantra als Zuflucht; „aṣṭāra“ ist hier eine verkürzte oder beschädigte Bezeichnung. Was in diesem oder einem früheren Leben in großer Menge angesammelt wurde – gemeint ist im Zusammenhang belastendes Karma –,
tanmantrajāpamātreṇa pralayaṃ yāti niścayam |
mriyamāṇaśśucirbhūtvāmantrametamudīrayan || 272 ||
25.272 gehe durch seine bloße Wiederholung sicher zugrunde. Wer beim Sterben rein wird und diesen Mantra spricht,
nintuṣam |
prāpnoti vaiṣṇavaṃ sthānaṃ duṣprāpama vināśanam |
kiṃ tasya bahubhirmantraiḥ kiṃ tasya bahubhiśśrutaiḥ || 273 ||
25.273 erreiche die schwer erlangbare, unvergängliche Stätte Viṣṇus. Die Variante „vinaśvaram“, vergänglich, widerspricht dem Grundtext und dem Heilszusammenhang; sie wird nicht stillschweigend übernommen. Was braucht der Mensch viele Mantras oder viele gehörte Lehren,
vinaśvaram |
yasyaiṣā vaśamāpannā vidyā sarvārthasādhanī |
ye mantramāhātmyamidaṃ śṛṇvanti ca paṭhanti ca || 274 ||
25.274 wenn ihm diese alle Ziele verwirklichende Vidyā verfügbar geworden ist? Auch denen, die diese Darstellung der Mantragröße hören oder lesen,
teṣāmapi phalānyāhuḥ pūrvoktāni manīṣiṇaḥ |
caturmukhaiśca turvaktraphalānyasya pradarśayan || 275 ||
25.275 schreiben die Weisen die zuvor genannten Früchte zu. „Mit vier Mündern, Viergesichtiger, seine Früchte darstellend …“: Der letzte Satz bleibt in der gelieferten Quelle unvollständig.
Kapitel 26: Viṣṇu-Gāyatrī, Śrīkara und die Vyūha-Mantras
pādmasaṃhitāyām |
caryāpādeṣaḍviṃśo'dhyāyaḥ |
ṣaḍviṃśo'dhyāyaḥ |
viṣṇugāyatrīkalpaḥ. |
śrībhagavān |
gāyatrīṃ vaiṣṇavīṃ brahman caturviṃśākṣarātmikām |
śṛṇu vakṣyāmi paramaṃ rahasyaṃ kathyate'dhunā || 1 ||
26.1 Der erhabene Herr sprach: Brahmā, höre die vierundzwanzigsilbige Vaiṣṇava-Gāyatrī. Ich werde jetzt dieses höchste Geheimnis erläutern.
mātṛkācakramabhyarcyachandasāmādimuddharet |
ādidevaśirāścātra vighneśaṃ tadanantaram || 2 ||
26.2 Nach der Verehrung des Mātṛkā-Lautrades gewinne man den Anfang der Metren, den Praṇava. Hierauf folgen in der Lautverschlüsselung Vighneśa mit Ādideva als Kopf,
vahnyantaṃ gopanaṃ paścācchaṅkhaṃ viṣṇuśiraḥ smṛtam |
sumukhaṃ gopanayuta manyacca marudādimat || 3 ||
26.3 Gopana mit Vahni als Abschluss, Śaṅkha mit Viṣṇu als Kopf sowie Sumukha, verbunden mit Gopana; die anschließende Verbindung mit Marut ist beschädigt.
tathā |
manvakca |
māyāśritaṃ sudhādhāma vaidharo'nvakaccha mandaram |
viṣṇuśīrṣo bhāskaro'tha māthavādhiṣṭhitaḥ kramāt || 4 ||
26.4 Darauf werden Sudhādhāman, mit Māyā verbunden, Vaidhara, Mandara mit Viṣṇu als Kopf sowie Bhāskara unter Mādhava genannt. Die Variante ersetzt unter anderem Vaidhara durch Vijaya.
māyāyutaṃ sudhādhāma vijayo |
ādidevasamākrāntaḥ kumbhaśuklodayāvahau |
vaidharo devatāntaśca pīyūṣarucirāśirāḥ || 5 ||
26.5 Es folgen mit Ādideva verbundene Chiffren: Kumbha, Śukla und Udaya; danach Vaidhara mit Devatā beziehungsweise Devadatta als Abschluss und Pīyūṣaruci als Kopf. Die Lesarten erlauben hier keine sichere lückenlose Lautauflösung.
kumbhaṃ śuklodayāvubhau |vaidharo devadattāntaḥ pīyūṣa |
anilaḥ praṇavādyanto mahāmāyāśirāḥ kramāt |
dhanadonu tato dakṣo viṣṇumūrdhātha bhāskaraḥ || 6 ||
26.6 Anila wird mit Anfang und Ende des Praṇava sowie Mahāmāyā als Kopf verbunden; darauf folgen Dhanada, Dakṣa mit Viṣṇu als Kopf und Bhāskara. Die abweichende Zusatzlesart ist ebenfalls beschädigt.
yādodonūtano |
māyāśirāśca vairājo viṣṇvanto bhadrapāṇiyuk |
otadehaḥ paraḥ kumbhastrivikramaparassmṛtaḥ || 7 ||
26.7 Vairāja trägt Māyā als Kopf und endet in Viṣṇu; hinzu kommen Bhadrapāṇi, Otadeha und Kumbha, mit Trivikrama verbunden.
krodhanaṃ vanamālyantaṃ tadvayaṃ bhuvanāvadhi |
vasargaḥ pāpahantā ca vahniścādyarṇasaṃyutaḥ || 8 ||
26.8 Krodhana endet in Vanamālin; genannt werden ferner eine Verdoppelung, Bhuvana als Grenze, Visarga, Pāpahantṛ und Vahni mit dem Anfangslaut.
cakāraścotadehaścha dvau dṛṣṭirviṣṇumūrdhakaḥ |
daraśca gopanaścobhau vijayorṇassamuddhṛtaḥ || 9 ||
26.9 Danach stehen ca, Otadeha, ein verdoppeltes Dṛṣṭi beziehungsweise Vṛṣṭi mit Viṣṇu als Kopf, Dara, Gopana und Vijaya. Die durchgehend verschlüsselte und stellenweise beschädigte Folge wird bewahrt; eine vollständige Viṣṇu-Gāyatrī wird daraus hier nicht frei ergänzt.
dvau vṛṣṭirviṣṇu mūrdhvagaḥ |
vijayo'ntaḥ |
gāyatryakṣaranyāsavarṇadevatādiḥ. |
candaścha devī gāyatramṛṣirbrahmādhidaivatam |
viṣṇuṣṣaḍaṅgāni tathā kruddholkādīni padmaja || 10 ||
26.10 Das Metrum ist Devī-Gāyatrī, der Seher Brahmā, die Gottheit Viṣṇu. Die sechs Glieder sind die mit Kruddholkā beginnenden, Lotusgeborener.
mūrdhādipādaparyantamakṣaranyasanaṃ matam |
mūrdhniphāle nayanayornāsikāpuṭayostathā || 11 ||
26.11 Der Nyāsa der Silben verläuft vom Scheitel bis zu den Füßen: am Kopf, an der Stirn, an beiden Augen und beiden Nasenöffnungen,
śrotrayorāsyagalayorhṛdaye buhumūlayoḥ |
nyāsaḥ kūrparayoścaiva tathaiva maṇibandhayoḥ || 12 ||
26.12 an den Ohren, an Mund und Kehle, am Herzen, an beiden Schulteransätzen, Ellbogen und Handgelenken,
hastayoḥ kukṣimadhye ca guhyecorvośca jaṅghayoḥ |
pādayośca kramādevaṃ nyāsaḥproktaścaturmukha || 13 ||
26.13 an den Händen, in der Bauchmitte, an der verborgenen Körperstelle, an Oberschenkeln, Unterschenkeln und Füßen. So wird die Reihenfolge des Nyāsa beschrieben, Viergesichtiger; die paarweise Zählung ist nicht überall ausdrücklich auf vierundzwanzig Positionen verteilt.
pītaṃ kaktaṃ ca dhūmrābhaṃ śvetaṃ kṛṣṇaṃ ca lohitam |
valarkṣaṃ pītakaṃ raktaṃ śyāmaṃ śaṅkhanibhaṃ tathā || 14 ||
26.14 Die Silbenfarben sind der Reihe nach Gelb, Rot, Rauchfarben, Weiß, Schwarz, Blutrot, Hellweiß, Gelb, Rot, Dunkel und Muschelweiß,
pāṭalaṃ sphaṭikābhaṃ ca pītaṃ rajatasannibham |
candradīdhitisaṅkāśaṃ padmakiñjalkasannibham || 15 ||
26.15 Rosa, Kristallklar, Gelb, Silberfarben, Mondlichtfarben und die Farbe der Lotus-Staubfäden,
tārābhaṃ bandhujīvābhaṃ nakṣatrābhaṃ ca pāṭalam |
japākusamasaṅkāśaṃ taptajāmbānadaprabham || 16 ||
26.16 Sternenglanz, Bandhujīva-Blütenrot, wiederum Sternenglanz, Rosa, Hibiskusrot und der Glanz erhitzten Goldes,
raviprabhaṃ cākṣarāṇāṃ varṇabhedaḥ pradarśitaḥ |
sandhyātraye dhyeyasvarūpam. |
kālameghanibhaṃ saumyaṃ caturbāhuṃ kirīṭinam || 17 ||
26.17 schließlich Sonnenglanz. Damit sind die unterschiedlichen Farben der Silben genannt. Zur Meditation in den drei Tagesübergängen: dunkel wie eine Regenwolke, freundlich, vierarmig und gekrönt,
canarṇānām |
śaṅkhacakragadāpāṇiṃ garuḍārūḍhamacyutam |
evaṃ dhyātvā'rcayeddevaṃ prātaḥ kāle samāhitaḥ || 18 ||
26.18 mit Muschel, Diskus und Keule in den Händen, auf Garuḍa sitzend, so werde Acyuta morgens gesammelt meditiert und verehrt.
sphaṭikopalasaṅkāśaṃ garuḍārūḍhavigraham |
madhyandine'rcayitvā tamācarejjapamātmavān || 19 ||
26.19 Mittags verehre man ihn kristallgleich, ebenfalls auf Garuḍa sitzend, und widme sich beherrscht der Rezitation.
mācaret |
pradoṣeṣu caturhastaṃ vainateyoparisthitam |
śyāmalaṃ puṇḍarīkākṣaṃ dhyāyanmantra mudīrayet || 20 ||
26.20 In der Abenddämmerung werde der vierarmige Lotusäugige auf Vainateya, Garuḍa, in dunkler Farbe meditiert und der Mantra gesprochen.
mudīrayan |
siddhaye jasasaṅkhyā. |
kuryāttriṣavaṇasnānaṃ vratasthassaṃyatendriyaḥ |
caturviṃśati lakṣeṇa mantrajāpena sidhyati || 21 ||
26.21 Im Gelübde stehend und mit beherrschten Sinnen vollziehe man drei tägliche Bäder. Durch vierundzwanzig Lakh, also 2,4 Millionen Mantra-Wiederholungen, werde die Vollendung erlangt.
mantravitsādhakovāritarpaṇaṃ homakarmaca |
kurvannāpnoti sakalāṃ siddhimiṣṭāṃ sudarlabhām || 22 ||
26.22 Der Mantrakundige, der dazu Wasser-Tarpana und Feueropfer vollzieht, erlange die gesamte gewünschte, schwer erreichbare Vollendung.
gomūtrayāvakāhāro japellakṣamatandritaḥ |
pātakebhyo mahadbhyopi mucyate nātra saṃśayaḥ || 23 ||
26.23 Eine historische Sühnevorschrift nennt Kuhurin und Gerstenkost als Nahrung während hunderttausend unermüdlicher Wiederholungen. Dadurch werde man selbst von großen Vergehen frei, lautet ihre religiöse Zusage.
brahmakūrcaṃ piban lakṣatrayaṃ mantraṃ japansudhīḥ |
tatsamebhyaḥ pātakebhyo vimuktomantravittamaḥ || 24 ||
26.24 Dreihunderttausend Wiederholungen unter Einnahme des Brahmakūrca-Reinigungsgemisches befreiten von den diesen gleichgestellten Vergehen.
mucyate |
aṣṭhākṣaravadanuṣṭhānam. |
brahmādi devatāssarvā ninīṣurvaśamātmanaḥ |
aṇimādiphalaṃ prevsustathaivākarṣaṇodyataḥ || 25 ||
26.25 Wer alle Gottheiten, beginnend mit Brahmā, dem eigenen Willen zuführen, Fähigkeiten wie Aṇiman erreichen oder magisches Herbeiziehen bewirken wolle,
aṇimādiguṇān |
vaśīkāre ca sarveṣāṃ pātālagamane tathā |
gandharvayakṣapramukhān pramukhānātmanassadā || 26 ||
26.26 wer alle Wesen unterwerfen, in die Unterwelt gelangen oder Gandharvas, Yakṣas und andere zu eigenen Dienern beziehungsweise Gefolgsleuten machen wolle,
cikīrṣuraṣṭākṣaravadanutiṣṭhecchaturmukha |
sakṛduccārayanmantraṃ viṣṇugāyatrisaṃjñitam || 27 ||
26.27 verfahre wie beim achtsilbigen Mantra, Viergesichtiger. Schon die einmalige Aussprache des Viṣṇu-Gāyatrī genannten Mantras
vedānāmasakṛtsarva śākhādhyayanapuṇyabhāk |
keśakīṭādiduṣṭāni havīṃṣi dhyānamāsthitaḥ || 28 ||
26.28 bringe das Verdienst des wiederholten Studiums aller Zweige der Veden. Opfergaben, die durch Haare, Insekten oder Ähnliches verunreinigt sind,
udīrayan sakṛt |
etajjapena mantracatuṣṭayaprāstiḥ. |
spṛṣṭvā japenmantramidaṃ sadyaḥ śuddhāni padmaja |
caturṇāṃ mūlamantrāṇāṃ phalametena sidhyati || 29 ||
26.29 würden durch gesammelte Berührung und Wiederholung dieses Mantras sogleich rituell rein, Lotusgeborener. Durch ihn werde die Frucht der vier Grundmantras erreicht.
śrīkarāṣṭākṣaramantraḥ. |
śrīkaraṃ mantramaparaṃ vakṣye sarvārthasādhanam |
aṣṭākṣaraṃ caturvaktra rahasyaṃ paramaṃ śṛṇu || 30 ||
26.30 Ich werde einen weiteren Mantra namens Śrīkara, „Glück und Fülle bewirkend“, erläutern, der alle Ziele verwirklicht. Höre dieses höchste Geheimnis von acht Silben, Viergesichtiger.
varṇacakraṃ likhitvādau samabhyarcya tataḥ punaḥ |
uddharecchrīkarāṣṭārṇaṃ mantraṃ mantraprabhāvavit || 31 ||
26.31 Zuerst werde das Lautrad gezeichnet und verehrt; dann gewinne der mit der Mantramacht Vertraute den achtsilbigen Śrīkara daraus.
cakraṃ likhitvā bhūmyādau |
ādau samuddharaittāramudayaṃ tadanantaram |
dvirekanetramāyāntaṃ krodhanaṃ kaustubhākṣaram || 32 ||
26.32 Zunächst werden Tāra und Udaya entnommen; darauf folgt eine beschädigte Verbindung von zweimal Ekanetra, Māyā, Krodhana und dem Kaustubha-Laut.
viṣṇuśīrṣaṃ tato lakṣmīmanalaṃ tadanantaram |
mahāmāyāyutaṃ padmamaprameyamanantaram || 33 ||
26.33 Genannt werden weiter Viṣṇu als Kopf, Lakṣmī, Anala, Padma mit Mahāmāyā und Aprameya.
agnimādiṃ caturvaktraṭhaṭheti śrīkarāhvayam |
tadbījādinirdeśaḥ. |
bhījamasya pravakṣyāmi yathātatvamudīryate || 34 ||
26.34 Agni und der Anfangslaut sowie „ṭha ṭha“ schließen die Śrīkara genannte Folge ab, Viergesichtiger. Die Variante verändert die letzten Wörter; deshalb wird keine vollständige Lautform rekonstruiert. Nun wird sein Bīja beschrieben.
caturvaktraṃ paṭheti |
dīptimānanalaḥ pañca bindurardhenduniṣṭhitā |
bījamaṅgāni ṣaṭcāpi kruddolkādīni pūrvavat || 35 ||
26.35 Dīptimān, Anala, „fünf“, Bindu und ein Halbmond werden in einer beschädigten Folge genannt. Das Bīja bleibt so ungewiss; die sechs Glieder beginnen wie zuvor mit Kruddholkā.
bindurvinduśca niṣṭhitam |
chandhaśca devī gāyatramṛṣirasya prajāpatiḥ |
devatā devadeveśaḥ pratyarṇaṃ pūrvavat smṛtam || 36 ||
26.36 Das Metrum ist Devī-Gāyatrī, sein Seher Prajāpati, seine Gottheit der Herr der Götter. Die Zuordnungen für jede einzelne Silbe gelten wie zuvor.
ṛṣiśchandodaivataṃ ca |
dhyeyadevatāsvarūpam. |
dhyānaṃ saṃprati kathyate |
kalpakānokahacchāyāmāśritya sukhaśītalām || 37 ||
26.37 Nun wird die Meditation beschrieben: im angenehm kühlen Schatten eines wunscherfüllenden Baumes,
garuḍasya caturbāhossarvālaṅkāradhāriṇaḥ |
skandhadeśe sukhāsīnamaṣṭabāhuṃ kirīṭinam || 38 ||
26.38 auf den Schultern des vierarmigen, mit allem Schmuck versehenen Garuḍa bequem sitzend, erscheint der achtarmige gekrönte Gott,
kundendudhavalaṃ saumyaṃ sarvākalpapariṣkṛtam |
divyagandhaviliptāṅgaṃ divyamālāvibhūṣitam || 39 ||
26.39 weiß wie Jasmin und Mond, freundlich, mit sämtlichen Schmuckstücken geziert, mit himmlischen Düften gesalbt und mit himmlischen Girlanden geschmückt.
pītāmbaradharaṃ nīlakuntalairupaśobhitam |
cakraṃ ca musalaṃ bhāṇamaṅkuśaṃ dadhataṃ bhujaiḥ || 40 ||
26.40 Er trägt ein gelbes Gewand und schöne dunkle Locken. In den vier rechten Händen hält er Diskus, Stampfkeule, Pfeil und Stachel,
caturbhirdakṣiṇairanyeśśaṅkhaṃ kaumodakīṃ tathā |
śārṅgaṃ pāśaṃca kalyāṇaiḥ prasannendunibhānanam || 41 ||
26.41 in den anderen Muschel, Kaumodakī-Keule, Śārṅga-Bogen und Schlinge. Sein Antlitz gleicht dem klaren Mond.
garuḍopi ca hastābhyāmubhābhyāṃ pādapaṅkaje |
devasya dhārayan kumbhaṃ pūrṇaṃ pīyūṣavāriṇā || 42 ||
26.42 Garuḍa trägt mit zwei Händen die Lotusfüße des Gottes; zugleich wird ein mit Nektarwasser gefüllter Krug beschrieben,
itarābhyāṃ ca hastābhyāṃ spṛśannāsye sthitaṃ tathā |
śriyaṃ ca vāmorutale rukmābhāṃ kṣaumavāsinīm || 43 ||
26.43 den er mit den beiden anderen Händen an seinem Mund berührt beziehungsweise hält. Die Haltung ist sprachlich nicht völlig eindeutig. Auf dem linken Oberschenkel des Gottes sitzt Śrī, goldglänzend und in feines Gewebe gekleidet,
divyagandhaviliptāṅgāṃ sarvākalpapariṣkṛtām |
subhrālalāṭamukuṭāṃ karṇaviśrāntalocanām || 44 ||
26.44 mit himmlischen Düften gesalbt, mit allem Schmuck geziert, mit schönen Brauen, Stirn und Krone und bis zu den Ohren reichenden Augen.
lāvaṇyāmṛtatoyena varṣantīmiva sarvataḥ |
pāśāṅkuśadharāṃ lakṣmīṃ kandarpaśarapīḍitām || 45 ||
26.45 Lakṣmī trägt Schlinge und Stachel, ist von den Pfeilen des Liebesgottes berührt und scheint ringsum das Nektarwasser ihrer Schönheit zu verströmen.
taponiyamastatphalaṃ ca. |
dhyātvaivaṃ pūjayitvātu vratasthassaṃyatendriyaḥ |
dvādaśāhaṃ japenmantraṃ dhyātvā pārśve nidhidvayam || 46 ||
26.46 Nach solcher Meditation und Verehrung wiederhole man im Gelübde und mit beherrschten Sinnen zwölf Tage lang den Mantra; zu beiden Seiten werden die beiden Schätze vorgestellt.
ūrdhvabāhurjaletiṣṭhannurodaghne samāhitaḥ |
ādityābhimukho mantrī juhuyācca samicchatam || 47 ||
26.47 Die Quelle beschreibt dabei eine Askese mit erhobenen Armen, gesammelt bis zur Brust im Wasser stehend und der Sonne zugewandt. Ferner nennt sie hundert Holzopfer,
bilvodbhavaistathālakṣmīṃ kusumaiḥ pāyasodanaiḥ |
śuddhodanairghṛtāktaiśca aṣṭottarasahasrakam || 48 ||
26.48 mit Bilva und Lakṣmī-Blüten sowie tausendacht Gaben von Milchreis und reinem, mit Ghee benetztem Reis. Die Verteilung der Holz- und Speiseopfer auf die beiden Zahlen bleibt im Satz nicht ganz deutlich.
evaṃ kṛte vidhānena puṣṭirutpadyate'calā |
pauṣṭikādi ca pūrvoktaphalaṃ pūrvoktasaṅkhyayā || 49 ||
26.49 Durch dieses Verfahren entstehe beständige Stärkung. Auch die zuvor genannten Stärkungswirkungen würden mit den früheren Wiederholungszahlen erreicht; eine Variante nennt stattdessen die Sandalen und weitere Siddhi-Gegenstände.
pādukādi ca pūrvoktaṃ |
śāntikaṃ pauṣṭikaṃ karmamantreṇānena sādhayet |
lakṣmīnārāyaṇamandrakalpaḥ. |
lakṣmīnārāyaṇāhvānaṃ mantraṃ paramadurlabham || 50 ||
26.50 Mit diesem Mantra vollziehe man befriedende und stärkende Handlungen. Nun folgt der sehr schwer erreichbare Mantra namens Lakṣmī-Nārāyaṇa.
tasyoddhāraṃ pravakṣyāmi śṛṇu varṇakrameṇa tam |
udgīthaṃ manujeśānaṃ viṣṇuṃ mandara meva tat || 51 ||
26.51 Ich werde seine Gewinnung erklären; höre die Lautreihenfolge: Udgītha, Manujeśāna, Viṣṇu und Mandara.
tu |
motavat || sūkṣmadṛṅmukhyama paraṃ gadinaṃ mukhyamarpitaṃ |ādvarṇaṃ vijayam |
sūktīndumukhyamaparaṃ gadinaṃ kumbhamarpitam |
ādyantaṃ vijayaṃ dattaṃ māhendraṃ cāprameyakam || 52 ||
26.52 Die anschließenden Chiffren Sūktīndu beziehungsweise Sūkṣmadṛś, Mukhya, Gadin, Kumbha, der Anfangslaut, Vijaya, Datta, Māhendra und Aprameya stehen in mehreren beschädigten Lesarten; ihre sichere Verbindung lässt sich aus der gelieferten Quelle nicht vollständig bestimmen.
garuḍaṃ dakṣamaparaṃ mahāmāyāṃ vināyakam |
ādidevaṃ tato vahniṃ gopanaṃ ca caturgatim || 53 ||
26.53 Es folgen Garuḍa, Dakṣa, Mahāmāyā, Vināyaka, Ādideva, Vahni, Gopana und Caturgati.
ādyaṃ pracaṇḍamākāraṃ śaṅkhamādiṃ ṭhaṭheti ca |
uddṛtya ṣoḍaśārṇaṃ tanmantraṃ bījaśca kathyate || 54 ||
26.54 Mit Anfangslaut, Pracaṇḍa, ā, Śaṅkha und abschließend „ṭha ṭha“ wird der sechzehnsilbige Mantra gewonnen. Nun wird sein Bīja genannt; die verschlüsselte Gesamtform wird nicht frei ergänzt.
bījaṃ tu |
dyumaṇiṃ bindumaparaṃ vāmanaṃ bindumuddharet |
aṅgāni pūrvamuktāni chandho gāyatramucyate || 55 ||
26.55 Dyumaṇi mit Bindu sowie Vāmana mit Bindu werden entnommen. Die Glieder wurden zuvor genannt; das Metrum heißt Gāyatrī.
nahni |
viddhi śukro munirdevo lakṣmīnārāyaṇassmṛtaḥ |
japaṣṣoḍaśalakṣaṃ tu tadardhaṃ vāritarpaṇam || 56 ||
26.56 Śukra gilt als Seher, Lakṣmī-Nārāyaṇa als Gottheit. Vorgeschrieben sind sechzehn Lakh, also 1,6 Millionen Wiederholungen, und halb so viele Wasser-Tarpana-Gaben.
daivaṃ śukro |
homastatardhomantrasya phalānyāhuryathā kramam |
saṅkarṣaṇamantraḥ |
saṅkarṣaṇādimūrdīnāṃ tisṛṇāṃ manurucyate || 57 ||
26.57 Der Homa umfasst wiederum die Hälfte davon. Die Früchte des Mantras gelten in der zuvor beschriebenen Reihenfolge. Nun werden die Mantras der drei Gestalten, beginnend mit Saṅkarṣaṇa, dargelegt.
puram |
āditaḥ pūrvavatsapta varṇānāmamanupūrvaśaḥ |
uddhāraśśiṣṭavarṇānāṃ brahman saṃprati kathyate || 58 ||
26.58 Die ersten sieben Laute werden wie zuvor in ihrer Reihenfolge gewonnen. Brahmā, nun folgt die Gewinnung der verbleibenden Laute.
dīptimān vahniraurvaścha druvaśśuklastathādimān |
binduḥ prajāpatiścādyo vahnirugro mukhaṃ tataḥ || 59 ||
26.59 Genannt werden Dīptimān, Vahni, Aurva, Dhruva, Śukla mit dem Anfangslaut und Bindu, dann Prajāpati, wiederum der Anfangslaut, Vahni, Ugra und Mukha.
sumukhaṃ gopanayutaṃ vāyurādyaṃ ṭhaṭhāntitam |
dvādaśāroṇātmako mantrobījamaṅgaṃ ca pūrvavat || 60 ||
26.60 Sumukha mit Gopana, Vāyu mit dem Anfangslaut und abschließend „ṭha ṭha“ ergeben die weitere Folge. Der Mantra gilt als zwölfsilbig; Bīja und Glieder entsprechen dem Vorigen. Die Chiffren werden ohne unsichere Vollauflösung bewahrt.
sukhaṃ ca |
chandaśca devī gāyatramṛṣisyānnīlalohitaḥ |
devassaṅkarṣaṇo varṇo devatā tatvanirṇayaḥ || 61 ||
26.61 Das Metrum ist Devī-Gāyatrī, der Seher Nīlalohita, die Gottheit Saṅkarṣaṇa. Farbe, Silbengottheiten und Prinzipienzuordnung
dvādaśākṣaravat jñeyaḥ puraścaraṇamīritam |
phalāni pūrvamuktāni vāksiddhirmahatī bhavet || 62 ||
26.62 sind wie beim zwölfsilbigen Mantra zu verstehen; ebenso die vorbereitende Praxis. Die zuvor genannten Früchte gelten auch hier, insbesondere große Vollendung der Rede.
jñānaṃ ca mahadāpnoti yaccānyadadhikāṅkṣitam |
tatsarvamacirādeva sidhyenmantraprabhāvataḥ || 63 ||
26.63 Man erlange ferner umfassendes Wissen und alles andere besonders Ersehnte; durch die Macht des Mantras werde dies bald verwirklicht.
śaṅkhagokṣīradhavalaṃ caturbhāhuṃ kirīṭinam |
vasānaṃ vasanaṃ kṣaumaṃ pūrṇacandranibhāvanam || 64 ||
26.64 Die Meditationsgestalt ist weiß wie Muschel und Kuhmilch, vierarmig und gekrönt, mit feinem Gewand und einem Antlitz wie der Vollmond,
muktāṃ bhūyiṣṭhamākalpaṃ sauvarṇamatiśobhanam |
dadhānaṃ mukhyahastena jñānamudrāsamanvitam || 65 ||
26.65 mit sehr schönem goldenem, überwiegend aus Perlen bestehendem Schmuck. Die vordere rechte Hand zeigt die Jñāna-Mudrā,
pustakaṃ vāmahastena bibhrāṇaṃ bhujayordvayoḥ |
ūrdhvayossphāṭikaṃ śaṅkhamakṣamālāṃ yathātatham || 66 ||
26.66 die linke hält ein Buch; die beiden oberen tragen Muschel und kristallene Gebetskette. Die Variante ordnet die kristallene Kette ausdrücklich der rechten Hand zu.
sphāṭikīṃ dakṣiṇe haste akṣamālāṃ |
dhavalaiḥ kālajaiḥ puṣpaiśśobhitaṃ vanamālayā |
śvetapadme sukhāsīnamevaṃ dhyāyīta mantravit || 67 ||
26.67 Er trägt weiße saisonale Blüten und die Waldgirlande und sitzt bequem auf einem weißen Lotus. So meditiere der Mantrakundige.
dhyāyato buddhiratulā bhavet jñānaṃ ca puṣkalam |
śāntikaṃ pauṣṭikaṃ karma kuryādetena padmaja || 68 ||
26.68 Dem Meditierenden entstünden unvergleichliche Einsicht und reiches Wissen. Mit diesem Mantra vollziehe man befriedende und stärkende Handlungen, Lotusgeborener.
bahunā kiṃ pralāpena dviṣaṭkākṣaravatphalam |
sarvamāpnoti manunā sādhakaḥ kamalāsana || 69 ||
26.69 Wozu viele weitere Worte? Der Ausübende erlange mit diesem Mantra sämtliche Früchte wie mit dem zwölfsilbigen, Lotusgeborener.
pradyumnamantraḥ. |
pradyumnamantramadhunā sarvakāmaphalapradam |
bravīmi tasya coddhāraṃ kathyate'kṣaraśaḥ kramāt || 70 ||
26.70 Nun erkläre ich den Pradyumna-Mantra, der die Frucht aller Wünsche schenkt. Seine Gewinnung wird Laut für Laut in der Reihenfolge beschrieben.
ādita ssaptavarṇānāmuddhāraḥ pūrvamīritaḥ |
asyāsādhāraṇārṇānāṃ saṃpratyuddhāra ucyate || 71 ||
26.71 Die ersten sieben Laute wurden bereits zuvor erschlossen. Jetzt werden die diesem Mantra eigentümlichen übrigen Laute genannt.
sarva |
pāpmānamanalaṃ viṣṇumantraṃ vāyumukāravat |
mandaraṃ bhadrapāṇiṃ ca madhusūdanamārutau || 72 ||
26.72 Es folgen Pāpman, Anala, Viṣṇu, eine beschädigte Verbindung mit Vāyu und u, danach Mandara, Bhadrapāṇi, Madhusūdana und Māruta.
āgneyī daśa caikaṃ cāpyarṇassaṃhananaṃ matam |
anusvāraparo viṣṇurbhīja maṅgaṃ ca pūrvavat || 73 ||
26.73 Mit der feurigen Endung ergibt sich eine Folge von elf Silben. Sein Bīja ist Viṣṇu, gefolgt von Anusvāra; die Glieder entsprechen dem Vorigen.
maṅgāni |
ṛṣissanatkumārassyācchando gāyatramucyate |
pradyumno devatā mantrassādhanaṃ phalameva ca || 74 ||
26.74 Sanatkumāra ist der Seher, Gāyatrī das Metrum, Pradyumna die Gottheit. Mantra-Praxis und Frucht gelten wie zuvor genannt.
pūrvoktam |
aniruddhamantraḥ. |
mantramaparamāniruddhamataḥ param |
śṛṇu brahman yathāpūrvaṃ saptārṇānāmanukramāt || 75 ||
26.75 Nun höre, Brahmā, den anderen, Aniruddha zugehörigen Mantra. Die ersten sieben Silben folgen wiederum der früheren Reihenfolge.
uddhāraḥ pariśiṣṭānāmārṇānāṃ kathyate' dhunā |
praṇavādyobhadrahastomāyā saptārcireva ca || 76 ||
26.76 Jetzt wird die Gewinnung der übrigen beschrieben: Anfang des Praṇava, Bhadrahasta, Māyā und Saptārcis,
kramāt |
udayau dvau ca subhago gopano vāyurādimān |
bījamasyāprameyaśca visargaśchāvasānataḥ || 77 ||
26.77 zweimal Udaya, Subhaga, Gopana und Vāyu mit dem Anfangslaut. Sein Bīja ist Aprameya mit abschließendem Visarga.
ṛṣiśca sanakaśchandaḥ pūrvavaddevatā tathā |
aniruddho dvādaśārṇaḥ krameṇa samudīritaḥ || 78 ||
26.78 Der Seher ist Sanaka, das Metrum wie zuvor, die Gottheit Aniruddha. So wird der zwölfsilbige Mantra in seiner Reihenfolge genannt.
yathāpuraṃ ṣaḍaṅgāni sādhanaṃ phalameva ca |
caturviṃśatimūrtimantranirdeśaḥ. |
caturviṃśatimūrtināṃ samākhyā dvādaśādibhiḥ || 79 ||
26.79 Die sechs Glieder, die Praxis und die Frucht entsprechen dem Vorigen. Unter der folgenden Überschrift zu den Mantras der vierundzwanzig Gestalten beginnt noch: „Die Benennungen der vierundzwanzig Gestalten mit den zwölf und weiteren …“; der Satz bricht am Kapitelende ab.
Kapitel 27: Avatāra-Mantras und die zwölf Bestandteile der Mantra-Lehre
pādmasaṃhitāyām |
caryāpādesaptaviṃśo'dhyāyaḥ |
saptaviṃśo'dhyāyaḥ |
śrībhagavān |
matsyādimūrtidaśakamantranirdeśaḥ. |
matsyādidaśamūrtīnāmavatārakramānmasuḥ |
ucyate pūrvavaccakramakṣarāṇāṃ samālikhet || 1 ||
27.1 Der erhabene Herr sprach: Nun werden die Mantras der zehn Gestalten, beginnend mit Matsya, in der Reihenfolge der Avatāras genannt. Wie zuvor zeichne man das Lautrad.
sādhāraṇān gṛhītvārṇān yathāpūrvaṃ caturmukha |
asādhāraṇarūpaṃ tatsaṃpratyudhriyate kramāt || 2 ||
27.2 Man entnehme die gemeinsamen Laute wie früher, Viergesichtiger. Jetzt folgt der jeweils besondere Teil in seiner Reihenfolge.
matsyamūrtimantraḥ. |
sparśāntamādyaṃ vijayaṃ candramanvakcaturgatim |
ādimagniṃ hṛṣīkeśaṃ pavitraṃ madhusūdanam || 3 ||
27.3 Für Matsya werden genannt: letzter Verschlusslaut, Anfangslaut, Vijaya, Candra, Caturgati, Anfangslaut, Agni, Hṛṣīkeśa, Pavitra und Madhusūdana,
śvasanaṃ cāprameyaṃ ca dvādaśārṇāssamīritāḥ |
mādhavaṃ puruṣātmānaṃ hṛṣīkeśaṃ ca bindumat || 4 ||
27.4 ferner Śvasana und Aprameya; so werden zwölf Silben angegeben. Für das Bīja folgen Mādhava, Puruṣātman und Hṛṣīkeśa mit Bindu. Ein Quellenvermerk nennt abweichende Nominativformen der Lautnamen; die Chiffren bleiben dadurch als Namen erkennbar.
śvasanādayaḥ bindumadantāśśabdāḥ pulliṅgaprathamāntāḥ kvaciddṛśyante |
mādhavī |
bindumān |
bījamaṅgeṣu yadrūpamasādhāraṇamucyate |
sarvāntamādiṃ sarvatra ṣaṭsu cādyaśca bindumān || 5 ||
27.5 Nun wird die besondere Form der Glieder erläutert: Überall in den sechs Gliedern stehen der letzte Laut und der Anfangslaut sowie ein Anfangslaut mit Bindu. Die genaue Verbindung der Angaben ist unsicher.
ādidevaṃ mahāmāyāṃ hṛṣīkeśaṃ ca gopanam |
viṣṇumaurvīṃ ṣaḍaṅgeṣu madhyamārṇaṃ kramoditam || 6 ||
27.6 Als mittlere Laute der sechs Glieder werden der Reihe nach Ādideva, Mahāmāyā, Hṛṣīkeśa, Gopana, Viṣṇu und Aurvī angegeben.
uddhṛtyaivaṃ prayoktavyamṛṣirasya manussmṛtaḥ |
chandaśca devī gāyatraṃ matsyarūpaḥ paraḥ pūmān || 7 ||
27.7 So erschlossen sollen sie eingesetzt werden. Manu gilt als Seher, Devī-Gāyatrī als Metrum; der höchste Puruṣa in Fischgestalt
devatā rūparahitaḥ pañcārṇo vā manussmṛtaḥ |
bhījaṃ tadaṅgāni tathā sādhanaṃ ca yathāpuram || 8 ||
27.8 ist die Gottheit. Ohne den als „rūpa“ bezeichneten Anteil gilt der Mantra alternativ als fünfsilbig; die genaue Kürzung wird hier nicht eindeutig erklärt. Bīja, Glieder und Praxis entsprechen dem früheren Verfahren.
kūrmamūrtimantraḥ. |
mūrteranantarāyāstu manvarṇoddhāraṇaṃ śṛṇu |
asādhāraṇarūpasya sparśanādi guhālayam || 9 ||
27.9 Höre die Lautgewinnung für die nächste Gestalt, Kūrma. Der besondere Anteil beginnt mit dem ersten Verschlusslaut und Guhālaya.
svarśādiṃ ca |
analaṃ mandaraṃ viṣṇuṃ pūrvavaddvādaśākṣaram |
bījoddhāraḥ kroḍarūpī bhūdharaśca guhālayaḥ || 10 ||
27.10 Anala, Mandara und Viṣṇu folgen; mit dem gemeinsamen Anfang wird der Mantra wie zuvor als zwölfsilbig bezeichnet. Für das Bīja werden Kroḍarūpin, Bhūdhara und Guhālaya
śiṣṭam |
pūrvarūpam krodharūpī |
sānusvāro bījametatṣaḍaṅgāni caturmukha |
ṛṣiretasya durvāsā śchandaḥ pūrvavadiṣyate || 11 ||
27.11 mit Anusvāra genannt. Die sechs Glieder entsprechen dem Vorigen, Viergesichtiger. Durvāsas ist der Seher, das Metrum bleibt dasselbe.
devatā kamaṭhākāro devassaṃpratyanantaram |
varāhasya mantraḥ. |
varāhavapuṣo mantraṃ varṇacakrātsamuddharet || 12 ||
27.12 Die Gottheit ist der Gott in Schildkrötengestalt. Anschließend entnehme man dem Lautrad den Mantra der Ebergestalt Varāha.
varuṇo viṣṇuranalaścādidevaśca bhāskaraḥ |
gopanaḥ puruṣātmā ca viṣṇurete samuddhṛtāḥ || 13 ||
27.13 Varuṇa, Viṣṇu, Anala, Ādideva, Bhāskara, Gopana, Puruṣātman und Viṣṇu werden als Chiffren entnommen.
asyā'sādhāraṇā varṇāḥproktāssādhāraṇāḥ purā |
ekādaśākṣarātmāyaṃ bījaṃ saṃprati kathyate || 14 ||
27.14 Dies sind seine besonderen Laute; die gemeinsamen wurden zuvor genannt. Er besteht nach der Quelle aus elf Silben. Jetzt wird das Bīja angegeben.
punaḥ |
sūkṣmadṛgbinduparyantaṣṣaṭcācāmaṅgapaddhatiḥ |
bījameva muniśśaṅkhaśchanto gāyatramiritam || 15 ||
27.15 Sūkṣmadṛś mit abschließendem Bindu bildet das Bīja; für die sechs Glieder werden die sechs Vokale genannt. Die Satzverbindung ist beschädigt. Śaṅkha ist der Seher, Gāyatrī das Metrum.
nārāyaṇo devatāsya natyantaśca ṣaḍakṣaraḥ |
tasyaiva mantrāntaram. |
yadvā pūrvavadevāṅgaṃ bījaṃ ca kamalāsana || 16 ||
27.16 Nārāyaṇa ist seine Gottheit. Eine mit Namaḥ endende Form umfasst sechs Silben; Bīja und Glieder gelten auch dabei wie zuvor, Lotusgeborener.
trayodaśārṇānuddhṛtya pūrvoktān vyāhṛtitrayam |
uddharetpatiśabdaṃ ca caturthyantamanantaram || 17 ||
27.17 Eine weitere Varāha-Form beginnt mit dreizehn zuvor genannten Silben, gefolgt von den drei Vyāhṛtis und dem Wort „pati“ im Dativ.
bhūmeḥ patitvamāśāsyaṃ me dehi tadanantaram |
dāhayeti ṭhaṭhāntassyāddvātriṃśadvarṇasantatiḥ || 18 ||
27.18 Dann wird Herrschaft über die Erde erbeten: „me dehi“, „gib mir“, gefolgt von „dāhaya“, „lass brennen“, und der Endung „ṭha ṭha“. Die gesamte Folge soll zweiunddreißig Silben umfassen; der überlieferte Aufbau bleibt stellenweise unsicher.
chando'nuṣṭubṛṣiḥ pūrvo devatā sā caturmukha |
bījamuktaṃ tadaṅgāni bhaṅtkvā mantraṃ prakalpayet || 19 ||
27.19 Anuṣṭubh ist das Metrum; Seher und Gottheit bleiben wie zuvor, Viergesichtiger. Das Bīja wurde genannt; für die Glieder werde der Mantra in Abschnitte geteilt.
varṇān karanasaṅkāśān nyase daṅgeṣu pūrvavat |
dhyātvā ṣoḍa śalakṣāṇi japenmantramatandhritaḥ || 20 ||
27.20 Die goldfarbenen Laute werden wie zuvor an den Körperstellen eingesetzt. Nach der Meditation seien unermüdlich sechzehn Lakh, also 1,6 Millionen Wiederholungen auszuführen.
daṅgāni |
urvarāyāḥ patissadyo bhavenmantraprabhāvataḥ |
pātālagamanādīni phalānyasyāpi padmaja || 21 ||
27.21 Durch die Macht des Mantras werde man sogleich Herr fruchtbaren Landes. Auch der Gang in die Unterwelt und die übrigen Früchte werden ihm zugeschrieben, Lotusgeborener.
varāhamālāmantraprakāraḥ. |
catuṣṣaṣṭyarṇasaṅghāto mālāmantraḥ pradarśyate |
trayodaśārṇāḥ prathamamekadaṃṣṭrapadaṃ tataḥ || 22 ||
27.22 Nun wird ein Mālā-Mantra aus vierundsechzig Silben beschrieben. Zuerst stehen dreizehn Silben, danach das Wort „ekadaṃṣṭra“, „Einhaueriger“,
caturthyantaṃ tathā meghapadaṃ dviḥ procya ca kramāt |
ulkāvarṇa padadvandvaṃ caturthyantaṃ tataḥ param || 23 ||
27.23 im Dativ; darauf zweimal „megha“, Wolke, wobei eine Variante „meya“ liest. Danach folgt die Wortverbindung „ulkāvarṇa“, „von der Farbe einer Feuerfackel“, ebenfalls im Dativ.
meyapadam |
chandoma yapratyayāntaṃ sambadhyantamudīrayet |
dvirloḍanto dahirvācyo hantiśca mathireva ca || 24 ||
27.24 „Chandas“ erhält die Endung „maya“ und wird als Anrede verwendet: „du aus den Metren Bestehender“. Danach sollen die Verben „brennen“, „schlagen“ und „zerreiben“ in der Befehlsform jeweils verdoppelt werden; eine Variante verändert die Ableitungsendung.
yoṃpratyayāntaṃ |
paciṃ camahadādyantaṃ bhaumeti padayoryugam |
huṃ dviruccāryāriśirassvaṃ tathaiva khaniṃ punaḥ || 25 ||
27.25 Es folgen „kochen“ beziehungsweise „reifen lassen“, die mit „mahā“ verbundenen Worte und zweimal „bhauma“, „irdisch“, ferner zweimal „huṃ“, eine Verbindung mit dem Kopf des Feindes und erneut das Verb „graben“.
bhaume nṛpada |
loḍantamāya magneyīmiti mandrapadasthitiḥ |
bījamuktaṃ tathāṅgāni bhaṅtkvāmantraṃ prayojayet || 26 ||
27.26 Auch dieses steht im Imperativ; eine beschädigte Verbindung mit „āya“ und die feurige Endung schließen die Formel. Bīja und Glieder sind genannt; der Mantra wird dafür in Abschnitte geteilt. Die Vollform lässt sich aus diesen teils gestörten Anweisungen nicht sicher ausschreiben.
magnāyī manvaggati |
tadaṅgāni |
jāmadagnya ṛṣiḥproktaśchando'ticchda īritaḥ |
devatā devadeveśaḥ sthūlaghoṇavapussmṛtaḥ || 27 ||
27.27 Jāmadagnya wird als Seher, Aticchandas als Metrum genannt; die Gottheit ist der Herr der Götter mit der mächtigen Schnauze.
lakṣaṃ japedimaṃ mantraṃ bhūmipsuśca caturmukha |
mṛtsnayā juhuyāttāvaddyāvadāpnoti medinīm || 28 ||
27.28 Wer Land wünsche, wiederhole diesen Mantra hunderttausendmal und opfere Erde, bis er Land erlange, Viergesichtiger. Die Variante spricht allgemeiner vom Wunsch nach Gedeihen.
bhūtikāmaḥ |
aṣṭākṣaramanostulyaphaloyaṃ manurīritaḥ |
nṛsiṃhasya mantraḥ. |
ulkāvarṇaṃ caturthyantamakṣarasyāvasānataḥ || 29 ||
27.29 Diesem Mantra werden dieselben Früchte wie dem achtsilbigen zugeschrieben. Eine laut Quellenvermerk zusätzlich überlieferte Halbzeile nennt nochmals „ulkāvarṇa“ im Dativ am Ende einer Lautfolge; ihr genauer Anschluss ist ungewiss.
idamardhaṃ kvaci dadhikaṃ dṛśyate |
catuṣṣaṣṭi prabhedasya mantrasya nṛharermayā |
na vistāraḥ kathayituṃ śakyate boddhumeva vā || 30 ||
27.30 Die vierundsechzig Formen des Narahari-Mantras kann ich weder ausführlich darlegen, noch sind sie vollständig zu erfassen.
tasmāttricaturo bhedāḥ kathyante kamalāsana |
varṇacakrātathoddhārassaṃ pratyekākṣarātmanaḥ || 31 ||
27.31 Darum werden drei oder vier Formen erklärt, Lotusgeborener. Zuerst folgt die Gewinnung der einsilbigen Form aus dem Lautrad.
mandrasya kathyate brahman brahmakośapuraskṛtaḥ |
nṛsiṃhaḥ karṣaṇobindurityekākṣaramiritam || 32 ||
27.32 Brahmā, dem Mantra wird Brahmakośa, der Praṇava, vorangestellt; Nṛsiṃha, Karṣaṇa und Bindu ergeben seine eine Bīja-Silbe.
etadeva bhave daṅgaṃ chando gāyatramucyate |
devo muniśca durvāsā nṛsiṃho devatā matā || 33 ||
27.33 Dieselbe bildet auch das Glied. Gāyatrī beziehungsweise Devī-Gāyatrī ist das Metrum, Durvāsas der Seher, Nṛsiṃha die Gottheit.
cchando devī gāyatra |
varṇaśca pāṭalo lakṣatrayaṃ japyaṃ vipaśchitā |
jigīṣuṇā caturvargaphalamanyacca kāṅkṣitam || 34 ||
27.34 Die Farbe ist Rosa. Der einsichtige, nach Sieg und den vier Lebenszielen oder anderen Früchten strebende Mensch soll dreihunderttausend Wiederholungen ausführen.
triyakṣaraṃ ca natyantameta devāṅgamapyataḥ |
aṣṭākṣarātmano'syaiva mantrosyoddhāraṇaṃ kramāt || 35 ||
27.35 Mit der Verehrungsendung wird diese Form als dreisilbig bezeichnet; auch daraus entsteht ein Glied. Nun folgt die Lautgewinnung für die achtsilbige Form desselben Gottes.
praṇavo natiranvakca vighneśo madhusūdanaḥ |
analaścādirinduśca rāmo'nusvāra eva ca || 36 ||
27.36 Sie beginnt mit Praṇava und Verehrung; darauf folgen Vighneśa, Madhusūdana, Anala, Anfangslaut, Indu, Rāma und Anusvāra,
gopatirgopanaśśaṅkho viṣṇuraṣṭākṣara ssmṛtaḥ |
bījamuktaṃ tathāṅgāni munirvyāso'nyadīritam || 37 ||
27.37 Gopati, Gopana, Śaṅkha und Viṣṇu. So wird der achtsilbige Mantra bezeichnet. Sein Bīja und seine Glieder wurden genannt; Vyāsa ist der Seher, das Übrige bleibt wie angegeben.
stataḥ |
japasaṅkhyā phalānyasya tathaiva kamalāsana |
saptākṣaraṃ ca natyantamanyatpraṇavavarjitam || 38 ||
27.38 Ebenso gelten die Wiederholungszahl und die Früchte, Lotusgeborener. Eine andere Form ohne Praṇava endet mit Verehrung und umfasst sieben Silben.
bījādi pūrvavatsarvaṃ paṅcāṅgo japa eva ca |
sādhāraṇāssaptavarṇāḥ pañcā'sādhāraṇā stathā || 39 ||
27.39 Bīja und alles Weitere entsprechen dem Vorigen; hier wird eine Fünfgliederform und die Rezitation genannt. Ferner gibt es sieben gemeinsame und fünf besondere Silben,
pūrvoktadvādaśārṇātmā śaṅkhodarasamāhvayaḥ |
yathāpūrvaṃ ṣaḍaṅgāni bījaṃ caiva yathāpuram || 40 ||
27.40 welche die zuvor genannte zwölfsilbige, Śaṅkhodara genannte Form ergeben. Die sechs Glieder und das Bīja entsprechen dem früheren Verfahren.
pratyakṣaraṃ lakṣajapo homastarpaṇameva ca |
puruṣārthasya sarvasya sādhakassādhvanuṣṭhitaḥ || 41 ||
27.41 Für jede Silbe seien hunderttausend Wiederholungen auszuführen, dazu Homa und Tarpana. Richtig vollzogen verwirkliche der Mantra sämtliche menschlichen Lebensziele.
mantronṛsiṃhavapuṣo dvātriṃśārṇātmako'paraḥ |
vakṣyate tasya varṇānāmuddhārassaṃ pradarśyate || 42 ||
27.42 Nun wird ein weiterer zweiunddreißigsilbiger Mantra der Nṛsiṃha-Gestalt dargelegt; seine Laute werden erschlossen.
sarva |
chandasāmādirudayo gadī vahniracāṃ mukham |
yaṣṭiḥkumbho mahāmāyā jvalano vaiṣṇava stathā || 43 ||
27.43 Die Lautchiffren beginnen mit dem Anfang der Metren, Udaya, Gadin, Vahni und dem ersten Vokal; es folgen Yaṣṭi, Kumbha, Mahāmāyā, Jvalana und Vaiṣṇava.
sparśāntaṃ dviracāmādi dvādaśātmāca gopanaḥ |
parjanto bindurugrātmā pracaṇḍaścodaya stathā || 44 ||
27.44 Dann stehen der letzte Verschlusslaut, zweimal der erste Vokal, Dvādaśātman, Gopana und eine beschädigte Verbindung mit Bindu, Ugrātman, Pracaṇḍa und Udaya. Die Variante liest unter anderem Bandhu und Ugrāṃśu.
bandhurugrāṃśuḥ |
mandaro janmahantā ca pīyūṣātmā savaiṣṇavaḥ |
mahendro vāṅmukhaṃ padma pāṇirvijayasaṃjñitaḥ || 45 ||
27.45 Es folgen Mandara, Janmahantṛ, Pīyūṣātman mit Vaiṣṇava, Mahendra, der Anfang der Rede, Padmapāṇi beziehungsweise Bhadrapāṇi und Vijaya.
ca |
bhadrapāṇi |
arthacandrākṛtiśśuklaḥ praṇavādirvibhāvasuḥ |
varuṇaścāprameyaśca vai rājo brahmasādhanaḥ || 46 ||
27.46 Weiter genannt werden Halbmondform, Śukla, Anfang des Praṇava, Vibhāvasu, Varuṇa, Aprameya, Vairāja und Brahmasādhana.
sparśāntamudaya ssparśadvitīyaṃ viṣṇudaivatam |
mādhavaṃ bhadrapāṇiṃ ca padmanābhaḥ kalātmakaḥ || 47 ||
27.47 Darauf folgen letzter Verschlusslaut, Udaya, zweiter Verschlusslaut mit Viṣṇu als Zuordnung, Mādhava, Bhadrapāṇi, Padmanābha und Kalātman.
ssvargam |
trivikramo dhruvaḥ puṣā svarādirmandarassmṛtaḥ |
bhallāyudho mahāmāyā krodharūpī ca vaiṣṇavaḥ || 48 ||
27.48 Die Reihe setzt sich mit Trivikrama, Dhruva, Pūṣan, erstem Vokal, Mandara, Bhallāyudha, Mahāmāyā und Krodharūpin mit Vaiṣṇava fort.
vanamālī svarādiśca mādhavassūkṣmalocanaḥ |
aprameyo vaidharaśca jvalanoṅkārasaṃyutaḥ || 49 ||
27.49 Es folgen Vanamālin, erster Vokal, Mādhava, Sūkṣmalocana, Aprameya, Vaidhara und Jvalana, verbunden mit Oṃkāra; die Varianten verändern einzelne Chiffren.
māyāvī |
vaiṣṇavaśca |
dvirmandaraḥ padmanābho vijayaśca caturgatiḥ |
udayo mandaraśirāḥ padametadanantaram || 50 ||
27.50 Danach stehen zweimal Mandara, Padmanābha, Vijaya, Caturgati beziehungsweise Caturbhuja und Udaya mit Mandara als Kopf.
caturbhujaḥ |
varṇāni susamīkṛtya namāmyahamudīrayet |
virāḍṛṣiranuṣṭupca chando naraharissmṛtaḥ || 51 ||
27.51 Nach Zusammenfügung der Laute werde „namāmy aham“, „ich verneige mich“, gesprochen. Virāj ist der Seher, Anuṣṭubh das Metrum, Narahari
japellakṣatrayaṃ budhaḥ |
devatā bījamasyoktaṃ mantraṃ bhaṅtkvāṅgakalpanā |
nyāsaśchāṅgeṣu pūrvoktakrameṇa kamalāsana || 52 ||
27.52 die Gottheit. Das Bīja wurde genannt; durch Teilung des Mantras werden die Glieder gebildet und der Nyāsa in der früheren Reihenfolge ausgeführt, Lotusgeborener.
dhyāyetsphaṭikavarṇābhaṃ japasaṅkhyā ca pūrvavat |
mantro'yaṃ nārasiṃhasya sakalāpannivāraṇaḥ || 53 ||
27.53 Der Gott werde kristallfarben meditiert; die Wiederholungszahl bleibt wie zuvor. Dieser Nārasiṃha-Mantra soll alle Gefahren abwenden,
dhyeyassphaṭikavaṇān bhaḥ |
samastasampajjanano vācyonaiva ca kasya cit |
asya mālāmantraḥ. |
ucyate narasiṃhasya mālāmantraḥ ścaturmukha || 54 ||
27.54 alle Fülle hervorbringen und nicht beliebig weitergesagt werden. Nun wird ein Mālā-Mantra Nṛsiṃhas beschrieben, Viergesichtiger.
adhikaṃ saptadaśabhirvarṇairarṇaśata trayam |
prathamaṃ chanda sāmādirnatiśca tadanantaram || 55 ||
27.55 Er umfasst dreihundert siebzehn Silben. Zuerst stehen der Anfang der Metren und die Verehrungsformel.
dvayam |
caturthyantaṃ padaṃ vācyaṃ narasiṃheti mantriṇā |
tadeva ca mahatpūrvaṃ devadānavapūrvakam || 56 ||
27.56 Darauf werde „Narasiṃha“ im Dativ gesprochen, ebenso derselbe Name mit „mahā“ davor, gefolgt von Deva und Dānava; eine Variante liest Daitya.
daitya |
śoṇiteti padaṃ paścāddigdhapūrvaṃ sakhottaram |
padamekaṃ caturthyantaṃ namo'ntaṃ samudīrayet || 57 ||
27.57 Danach folgen „śoṇita“, Blut, „digdha“, bestrichen, und ein beschädigtes Schlusswort „sakha“. Die zusammengesetzte Bezeichnung wird im Dativ mit abschließendem Namaḥ gesprochen.
paca graneti ca padaṃ śuṣirṇyanta ssamuddhṛtaḥ |
granthirṇijanto hantiśca santi rloṇmadhyamodayaḥ || 58 ||
27.58 Es folgen Befehlsformen für Kochen, Greifen, Austrocknen, Binden und Schlagen; mehrere Verben und Ableitungsangaben sind beschädigt. Der Quellenzusatz kennzeichnet die Stelle selbst als unrein beziehungsweise fehlerhaft.
grahe |
ssamadhyamaḥ |
aśuddhamina. santi saktiriti kvacit |
huṃ phaṭtadantaraṃ procya tathā kalipadaṃ tataḥ |
careti ca lupetyuktvākṣareti tadanantaram || 59 ||
27.59 Darauf werden „huṃ phaṭ“ und eine nicht sicher aufzulösende Folge von „kali“, „cara“, „lupa“ und „akṣara“ angegeben; eine Variante liest „bala“.
tathā bala |
hāṃ hoṃkhara ciraṃ caiva dūṃ hyoṃ jvalanameva ca |
jvaliśśucirdravissphoṭirṇyanto loṇmadhyamodayaḥ || 60 ||
27.60 Es folgen die Silbenfolgen „hāṃ hoṃ“, „khara“, „ciraṃ“, „dūṃ hyoṃ“ – mit abweichenden Varianten – sowie Befehlsformen zum Entflammen, Brennen, Verflüssigen und Zersprengen.
drūṃ lom |
bhidiśchidiḥ taṃ vikaro loṇmadhyamaśirāstataḥ |
hisimṛṅbhyāṃṇijantābhyāṃ loṇmadhyamamudīrayet || 61 ||
27.61 Weitere Befehlsformen betreffen Spalten, Schneiden, Verändern, Verletzen und Töten. Die grammatischen Angaben sind stellenweise gestört und werden nicht zu einem vermeintlich gesicherten Wortlaut geglättet.
bidiśchidantaṃ vikarobhidirṇantaṃ vikāro |
bhīti |
āṃpūrvo nayatirloṭi huṃphaḍantamudīritam |
dravadraveti ca tato vipūrvaṃ tadvayaṃ punaḥ || 62 ||
27.62 Dann folgt „herbeiführen“ mit dem Präfix ā, endend in „huṃ phaṭ“, darauf zweimal „drava“ und nochmals die verdoppelte Form mit vi davor.
pātālāntaṃ sarvaśabdaṃ vāsināmiti paścimam |
hṛdayādīni kathaye tkṛṣirṇyantaśca madhyame || 63 ||
27.63 Mit „alle“ und „bis zur Unterwelt“ werden die Bewohner bezeichnet; danach stehen Herz und weitere Körperstellen sowie ein kausatives „ziehen“ in der Befehlsform.
hṛdi kathayedbrahman |
aj pūrvovidviṣirṇvanto loṭi sambuddhiśīrṣakam |
bhagavatpadamuccārya nārāyaṇapadaṃ tataḥ || 64 ||
27.64 Eine weitere beschädigte Verbverbindung folgt. Dann werden die Anreden „Bhagavan“, „Nārāyaṇa“,
ārja pūrvo. murkhapūrvo viduṣyanto |
vāsudevahṛṣīkeśapadadvitayamirayet |
dānavādirlaḍantaśca jahi rākṣasapūrvakam || 65 ||
27.65 „Vāsudeva“ und „Hṛṣīkeśa“ gesprochen; mit Dānava und Rākṣasa verbundene Vernichtungsbefehle schließen sich an.
antaketi padaṃ paścāduktvā kāmodakī dhanuḥ |
dhareti garuḍādiṃ ca dhvajāntaṃ padamabjaja || 66 ||
27.66 Es folgen „Antaka“, Bezwinger, die Anrede des Trägers von Kaumodakī und Bogen sowie „Garuḍadhvaja“, mit dem Garuḍa-Banner, Lotusgeborener.
tathāmanuḥ |
tripūrvadhāmannityetannatirastviti te padam |
tvāṃ prapanno'smiti paṭhedevamuccārya te manuḥ || 67 ||
27.67 Darauf „Tridhāman“, in drei Bereichen Wohnender, „namas te astu“, „Verehrung sei dir“, und „tvāṃ prapanno'smi“, „Ich habe bei dir Zuflucht genommen“. So wird der Mantra erschlossen.
tathā denamuddhāryate |
bījamuktaṃ ṣaḍaṅgāni procyate padaśo'dhunā |
praṇavādiśca satyantaścaturthyantaśca vigrahaḥ || 68 ||
27.68 Sein Bīja wurde genannt; nun folgen die sechs Glieder Wort für Wort. Sie beginnen mit Praṇava und enden mit Verehrung, jeweils im Dativ: zunächst die Verbindung mit „satya“ und „vigraha“, wahrhafte Gestalt,
puruṣādimukhādiśca narasiṃhapadaṃ tathā |
vajraśabdaṃ dviruccārya kramācca nakhavigrahau || 69 ||
27.69 dann die mit Puruṣa und Gesicht verbundene Bezeichnung sowie Narasiṃha. „Vajra“ wird zweimal gesprochen und mit Klaue beziehungsweise Gestalt verbunden.
vajreti nakhadaṃṣṭreti coktvāyudhapadaṃ tataḥ |
mahānarapadaṃ siṃhaparyantaṃ ṣaṣṭhamiritam || 70 ||
27.70 Darauf folgen Vajra, Klauen, Hauer und Waffen; als sechstes Glied steht Mahānarasiṃha. Die syntaktische Aufteilung der sechs Formeln bleibt in der Quelle nicht überall eindeutig.
aniruddho muniśchandastvatipūrvaṃ ca devatā |
nṛsiṃhārūpī bhagavāniti sarvamudīrayan || 71 ||
27.71 Aniruddha ist der Seher, das Metrum beginnt mit „ati“; gemeint ist im Zusammenhang Aticchandas. Die Gottheit ist der erhabene Herr in Nṛsiṃha-Gestalt.
sarvamudīritam |
biladvāri japenmanmrīṣoḍaśa prayatasthsitaḥ |
lakṣāṇi sadyaḥ pātālavāsinaḥ kurute vaśe || 72 ||
27.72 An einem Höhleneingang stehend wiederhole der Mantrakundige den Mantra gesammelt sechzehn Lakh Mal; dadurch mache er nach der Quelle die Bewohner der Unterwelt gefügig.
lokāntaragatānāṃ ca vaśīkārakṣamo bhavet |
etāvantiphalānyasyetyabhidhātuṃ na śakyate || 73 ||
27.73 Auch Wesen anderer Welten könne er unterwerfen. Die Früchte dieses Mantras ließen sich nicht abschließend beziffern.
ato'nyaṃ nārasiṃhasya mantraṃ sarvārtha sādhakam |
catuśśatākṣaraṃ tasya samuddhāraḥ pradarśyate || 74 ||
27.74 Nun wird ein weiterer, alle Ziele verwirklichender Nārasiṃha-Mantra von vierhundert Silben beschrieben; seine Gewinnung folgt.
ādāvuddīthamuddhṛtya natyantaṃ brahmasādhanam |
bhallāyudhaṃ gadadhvaṃsaṃ vāruṇaṃ vijayaṃ tathā || 75 ||
27.75 Am Anfang wird Udgītha mit der Verehrungsendung entnommen; dann folgen Brahmasādhana, Bhallāyudha, Gadadhvaṃsa, Vāruṇa und Vijaya. Die folgenden zahlreichen Namen dienen als Lautchiffren, nicht als eine Aufzählung gesondert anzurufender Gottheiten.
gadadhvaṃsī |
mādhavaṃ bhadrahastaṃ ca pāvakaṃ śvetadīdhitam |
vikramaṃ sadhruvaṃ brahman bhāskaraṃ madhuvidviṣam || 76 ||
27.76 Es folgen Mādhava, Bhadrahasta, Pāvaka, Śvetadīdhiti und Vikrama mit Dhruva, danach Bhāskara und Madhuvidviṣ. Eine Variante ersetzt Vikrama durch Vāmana.
vāmanam |
śvasanaṃ vuruṇaṃ janmahantāramṛtadhārakam |
dviradaṃ sarva dāhaṃ syādvaidharaṃ tadanantaram || 77 ||
27.77 Weiter stehen Śvasana, Varuṇa, Janmahantṛ, Amṛtadhāraka, Dvirada, Sarvadāha und Vaidhara. Die Variante verändert „dāha“ zu „deha“.
deham |
acāmādiṃ sadhruvaṃ ca krodharūpamadhokṣajam |
saparvataṃ hutavaha māvrataṃ madhuvidviṣam || 78 ||
27.78 Es folgen der erste Vokal mit Dhruva, Krodharūpa, Adhokṣaja, Hutavaha mit Parvata und eine beschädigte Verbindung mit Madhuvidviṣ; die Variante liest unter anderem „āviṣa“ und Madhusūdana.
māviṣaṃ madhusūdanam |
mārutaṃ mādhavaṃ brahman dhanadaṃ madhusūdanam |
daraṃ sacandhraṃ pullaṃ ca mādhavaṃ nagavāriṇam || 79 ||
27.79 Māruta, Mādhava, Dhanada, Madhusūdana, Dara mit Candra, Pulla, Mādhava und Nagavārin schließen sich an, Brahmā. Varianten lesen Cakra und Nāgavāruṇa.
sacakram |
nāgavāruṇam |
savikramañca kamalaṃ parvataṃ pāśapāṇinam |
sabandhuṃ kamalaṃ pañca bindumastaka bhūṣitam || 80 ||
27.80 Dann stehen Kamala mit Vikrama, Parvata, Pāśapāṇi, Kamala mit Bandhu und „fünf“, mit Bindu als Kopfschmuck. Die Aufteilung der letzten Zeichenverbindung bleibt unsicher.
bhūṣaṇam |
sumukhaṃ cāgni śirasaṃ karālaṃ mṛgavallabham |
kṣapākaraṃ tathāyāntaṃ yāmanīnāthamabjaja || 81 ||
27.81 Es folgen Sumukha mit Agni als Kopf, Karāla, Mṛgavallabha, Kṣapākara und Yāmanīnātha mit einer als „yānta“ bezeichneten Verbindung, Lotusgeborener.
hṛdayāhloda mākāraṃ caturgatimanantaram |
nṛhariṃ bhuvanaṃ sūkṣmalocanaṃ rāmarśīkam || 82 ||
27.82 Darauf werden Hṛdayāhlāda, ā, Caturgati, Nṛhari, Bhuvana und Sūkṣmalocana mit Rāma als Kopf genannt.
vijayaṃ pāṭalaṃ bhānuṃ sūdanaṃ sumukhaṃ tathā |
yāntaṃ tacchirasaṃ paścā dvāruṇaṃ gajavāhanam || 83 ||
27.83 Vijaya, Pāṭala, Bhānu, Sūdana, Sumukha, die Endverbindung „yānta“, Vāruṇa und Gajavāhana folgen. Die Variante liest Māyā als Ende sowie Khagavāhana; dadurch ändert sich die Chiffrenfolge.
māyāntaṃ śirasaḥ paśca ddvāruṇaṃ khagavāhanam |
vāsudevaṃ tathākrodha rūpamākāramārutau |
vaidharaṃ sūdanaṃ bhadra hastaṃ vāruṇamaindavam || 84 ||
27.84 Weiter stehen Vāsudeva, Krodharūpa, ā, Māruta, Vaidhara, Sūdana, Bhadrahasta, Vāruṇa und Aindava.
vatsotadehaṃ sumukhaṃ vikramaṃ vijayābhidham |
dṛṣṭivikrama pāśāntasubhāgārpitavighnarāṭ || 85 ||
27.85 Es folgen die unsichere Verbindung Vatsotadeha beziehungsweise Vasvotadeha, Sumukha, Vikrama, Vijaya, Dṛṣṭi, Vikrama und eine mit Pāśa beziehungsweise „pañca“ endende Verbindung von Subhaga und Vighnarāj.
vasvotadehaṃ |
vijayāhitam |
pañcāntasubha gāpati |
taddvitīyamacāmādidvitayaṃ śvasanaṃ tathā |
mādhavaṃ saddhruvaṃ bhānumāntaṃ mādhavabhāskarau || 86 ||
27.86 Die zweite Form davon, zweimal der erste Vokal, Śvasana, Mādhava mit Dhruva, Bhānu mit der Endung „mānta“, Mādhava und Bhāskara werden genannt. Der Variantenapparat verändert auch die Ordnungszahl am Anfang.
dvitṛtīyaadvitīya |
rāmaṃ bhallāyudhaṃ pañca antakaṃ syātsudhārasam |
bhadrahastamacāmādi bhānta mādharāsūdanau || 87 ||
27.87 Darauf folgen Rāma, Bhallāyudha, „fünf“, Antaka, Sudhārasa, Bhadrahasta und der erste Vokal; die Schlussverbindung aus „bhānta“, Ādhāra und Sūdana ist beschädigt.
māntaramādhana |
bhadraṃ vasuṃ śvetaruciṃ vikramaṃ saddhruvaṃ tathā |
mārtāṇḍaṃ mādhavaṃ bhānuṃ gopanaṃ nāntamādharau || 88 ||
27.88 Bhadra, Vasu, Śvetaruci, Vikrama mit Dhruva, Mārtaṇḍa, Mādhava, Bhānu und Gopana folgen; auch die anschließende „nānta“-Verbindung ist nicht sicher aufzulösen.
yāntaṃ saśrīdharaṃ cograṃ vasuṃ vāruṇagodhanau |
kuśeśayaṃ mādhavaṃ ca sumukhaṃ kaustubhaṃ tathā || 89 ||
27.89 Es folgen eine „yānta“-Verbindung mit Śrīdhara, Ugra, Vasu, Vāruṇa und Godhana – die Variante liest Gopana –, Kuśeśaya, Mādhava, Sumukha und Kaustubha.
varuṇagopanau |
vighneśaṃ gopanaṃ brahman rohitāśvaṃ sagopanam |
vasanaṃ sumukhaṃ paścādvāruṇaṃ madhuvidviṣam || 90 ||
27.90 Dann werden Vighneśa, Gopana, Rohitāśva mit Gopana, Vasana beziehungsweise Śvasana, Sumukha, Vāruṇa und Madhuvidviṣ entnommen.
śvasanaṃ |
dākṣāyaṇīśamudayaṃ vaidharaṃ mādhavaṃ tataḥ |
amṛtaṃ vaidharamacāṃ dvitīyaṃ bhāntamajjaja || 91 ||
27.91 Dākṣāyaṇīśa, Udaya, Vaidhara, Mādhava, Amṛta, nochmals Vaidhara, der zweite Vokal und „bhānta“ schließen sich an, Lotusgeborener; einzelne Varianten verändern die Verbindung.
māsapam |
vaidharaṃ paścāt |
otadehaṃ tathā dṛṣṭiṃ yāntamākāramakṣaram |
vakratuṇḍaṃ gandhavahaṃ viṣṭaraṃ vijayaṃ tathā || 92 ||
27.92 Es folgen Otadeha, Dṛṣṭi, eine unsichere „yānta“-Verbindung, ā, Vakratuṇḍa, Gandhavaha, Viṣṭara beziehungsweise Viṣṭapa und Vijaya.
vāntamakṣayam. svāntayam |
viṣṭapam |
amṛtaṃ vikramaparaṃ śrīvatsaṃ varuṇārpitam |
yāntaṃ guhālayaṃ nāntaṃ ṣāntaṃ ca madhusūdanam || 93 ||
27.93 Weiter stehen Amṛta mit folgendem Vikrama, Śrīvatsa mit Varuṇa, „yānta“, Guhālaya, „nānta“, „ṣānta“ und Madhusūdana. Die Variante liest Guṇālaya und „bhānta“.
guṇālayaṃ bhāntam |
saddhruvaṃ druhiṇaṃ krodhaṃ pāvakaṃ sumukhaṃ punaḥ |
sapaścimaṃ padmanābhaṃ vaidharaṃ ca caturmukha || 94 ||
27.94 Druhiṇa mit Dhruva, Krodha, Pāvaka, Sumukha, Padmanābha mit dem letzten Laut und Vaidhara folgen, Viergesichtiger. Die Variante nennt „savarṇa“ statt „sapaścima“.
savarṇaṃ |
pavamānaṃ sabhuvanaṃ bhāntaṃ kuṅjaragopanau |
bhadrahastaṃ sarāmaṃ ca yāntaṃ syācchrīdharaṃ tathā || 95 ||
27.95 Dann stehen Pavamāna mit Bhuvana, „bhānta“ beziehungsweise „hānta“, Kuñjara, Gopana, Bhadrahasta mit Rāma, „yānta“ und Śrīdhara.
hāntam |
bhadraṃ ca dhanadaṃ pāpahananaṃ jayamantarau |
vighneśaṃ sūdanaṃ bhallaṃ bhāskaraṃ syācca turgatim || 96 ||
27.96 Bhadra, Dhanada, Pāpahanana, eine beschädigte Verbindung mit Jaya, Vighneśa, Sūdana, Bhalla, Bhāskara und Caturgati folgen.
śubhadaṃ vāmanaparamugraṃ vasuśira stathā |
pradyotanaṃ tathā yāntamṛtadhā mogravāmanau || 97 ||
27.97 Weiter werden Śubhada mit Vāmana, Ugra mit Vasu als Kopf, Pradyotana, „yānta“, Amṛtadhāman, Ugra und Vāmana genannt.
kamalaṃ mādhavaparaṃ sanasīruhasambhava |
vāntaṃ ca śubhadaṃ daṇḍaṃ kharvaṃ ghaḍgadharaṃ punaḥ || 98 ||
27.98 Es folgen Kamala mit Mādhava, „vānta“, Śubhada, Daṇḍa, Kharva und Khaḍgadhara, Lotusgeborener.
sarojamṛtadhāmānaṃ katṛtīyaṃ ca vaidharam |
acāṃ dvitīyaṃ dhanadaṃ bahulaṃ sauramādharau || 99 ||
27.99 Darauf stehen Saroja, Amṛtadhāman, der dritte Laut der ka-Reihe, Vaidhara, der zweite Vokal, Dhanada, Bahula und eine unsichere Schlussverbindung von Saura und Ādhāra. Varianten lesen Soma beziehungsweise „māntara“.
somamāntarau. sauramāntarau |
nāsikyaṃ ca samuccārya huṃphaṭ śīrṣāṇi yojayet |
trayodaśāni bījāni huṃphaḍantāni yojayet || 100 ||
27.100 Ein Nasallaut wird gesprochen, danach „huṃ phaṭ“ als Abschluss eingesetzt. Dreizehn Bījas sollen so jeweils mit „huṃ phaṭ“ enden.
bījākṣareṣu pratyekaṃ huṃphaṭkāramudīrayet |
dvādaśāṅgavidāṃ procyaṃ bhāskaraṃ saguhālayam || 101 ||
27.101 Bei jedem einzelnen Bīja wird „huṃ phaṭ“ gesprochen. Darauf beginnt für die Kundigen der zwölf Glieder eine weitere Bīja-Folge: Bhāskara mit Guhālaya,
bījākṣarāṇi |
nāsikyaṃ nṛhariṃ caurvaṃ candrārdhaṃ yāntamauṣadham |
saddhruvaṃ mārutaṃ corvīṃ sadaṇḍaṃ ca kṣapākaram || 102 ||
27.102 Nasallaut, Nṛhari, Aurva, Halbmond, „yānta“, Auṣadha mit Dhruva, Māruta, Urvī und Kṣapākara mit Daṇḍa. Die Variante liest an der letzten Stelle Kṣamāpara.
kṣamāparam |
samaraṃ saddhruvaṃ bhānumaurvaṃ nāsikyamabjaja |
pradyotanaṃ sabhuvanamardhenduṃ sāntameva ca || 103 ||
27.103 Es folgen eine Verbindung mit Mara beziehungsweise Manu, Bhānu mit Dhruva, Aurva, Nasallaut, Pradyotana mit Bhuvana, Halbmond und „sānta“, Lotusgeborener.
samanum |
sāgniṃ savāmanaṃ sārdhaṃ candraṃ caiva saroruham |
vāsavaṃ vāmanavaraṃ saddhruvaṃ katṛtīyakam || 104 ||
27.104 Danach stehen Saroja mit Agni, Vāmana und Halbmond, Vāsava mit Vāmana, Dhruva und der dritte Laut der ka-Reihe. Die Variante verändert die letzte Ordnungsangabe.
satṛtīyakam |
mahendramaurvaṃ nāsikyaṃ mādhavaṃ dviradānanam |
subhadraṃ śrīdharaṃ bhadrahastaṃ gāruḍameva ca || 105 ||
27.105 Es folgen Mahendra, Aurva, Nasallaut, Mādhava beziehungsweise Mādhara, Dviradānana, Subhadra beziehungsweise Subhaga, Śrīdhara, Bhadrahasta und Gāruḍa.
mādharam |
subhagaṃ |
citrabhānuṃ śaśadharaṃ pīyūṣaṃ vasuśīrṣakam |
mārutaṃ bhadrahastaṃ ca vijayaṃ vasusūdanau || 106 ||
27.106 Citrabhānu, Śaśadhara, Pīyūṣa mit Vasu als Kopf, Māruta, Bhadrahasta, Vijaya, Vasu und Sūdana werden genannt.
pracaṇḍaṃ bandhusahitaṃ vrakatuṇḍaṃ guhālayam |
sumukhārṇaṃca saptārcirdaraṃ candramacāṃ mukham || 107 ||
27.107 Pracaṇḍa mit Bandhu – die Variante liest ausdrücklich ohne Bandhu –, Vakratuṇḍa, Guhālaya, Sumukha, Saptārcis, Dara, Candra und der erste Vokal folgen.
bandhurahitam |
sumukhāntaṃ |
apāmadhipatiṃ cāgniṃ jṛmbhalaṃ dviradānanam |
dhanadaṃ varuṇaṃ māyāṃ bhāntaṃ syādbrahmasādhanam || 108 ||
27.108 Weiter stehen Apāmadhipati, Agni, Jṛmbhala, Dviradānana, Dhanada, Varuṇa, Māyā, „bhānta“ und Brahmasādhana.
pannagaṃ sumukhaṃ pāpahananaṃ yāntamabjaja |
amṛtaṃ vikramayutaṃ vaidharaṃ dhūliketanam || 109 ||
27.109 Pannaga, Sumukha, Pāpahanana, „yānta“ beziehungsweise „nānta“, Amṛta mit Vikrama, Vaidhara und Dhūliketana folgen, Lotusgeborener.
nānta |
gopanaṃ saddhruvaṃ candraṃ sārdhenduṃ bhāskaraṃ vasum |
napaścimaṃ hutavahaṃ matimadvāsanaṃ tataḥ || 110 ||
27.110 Es folgen Gopana mit Dhruva, Candra mit Halbmond, Bhāskara, Vasu, Hutavaha mit einem als „napaścima“ bezeichneten Schlusslaut sowie die unklare Verbindung Matimad-Vāsana.
cāndram |
pāṭalaṃ sarvarodhaṃ syātkuñjaraṃ mandaradvayam |
lakṣmīṃ savijayaṃ cāgniṃ hṛṣīkeśaṃ caturmukha || 111 ||
27.111 Darauf stehen Pāṭala, Sarvarodha, Kuñjara, zweimal Mandara, Lakṣmī mit Vijaya, Agni und Hṛṣīkeśa, Viergesichtiger.
sa vijayām |
bhadrahastaṃ mānuṣekhaṃ sūdhanaṃ harimandiram |
śaṅkhaṃ kalānidhimapāṃ nāthaṃ vasumadhudviṣau || 112 ||
27.112 Bhadrahasta, Mānuṣeśa, Sūdana, Harimandira, Śaṅkha, Kalānidhi, Apāṃnātha, Vasu und Madhudviṣ werden genannt.
paścimaṃ vijayaṃ cāgniṃ subhadraṃ puruṣātmakam |
kalānidhyośca yugalaṃ vāruṇaṃ vasuśīrṣakam || 113 ||
27.113 Weiter folgen der letzte Laut, Vijaya, Agni, Subhadra, Puruṣātman, zweimal Kalānidhi und Vāruṇa mit Vasu als Kopf.
vaidharaṃ madhuvidhveṣaṃ mādhavīṃ madhuvidviṣam |
ārdhacandraṃ hutavahamanantaṃ ca dviruddharet || 114 ||
27.114 Dann stehen Vaidhara, Madhuvidveṣa, Mādhavī, Madhuvidviṣ, Halbmond, Hutavaha und zweimal Ananta. Eine Variante verändert die Flexion von Madhuvidveṣa.
madhuvidveṣī |
sāntaṃ savikramaṃ sendraṃ bindumastakabhūṣitam |
daśa pañcha ca bījāni huṃphadantāni pūrvavat || 115 ||
27.115 Eine Verbindung mit „sānta“, Vikrama, Indra und Bindu als Kopfschmuck folgt. Fünfzehn Bījas erhalten wie zuvor „huṃ phaṭ“ als Abschluss; die Varianten ändern Bindu zu Bandhu und Indra zu Sindhu.
bandhuṃ siṃdhu |
mandaraṃ vikrama vaśamaindraṃ traivikramaṃ tathā |
khaḍgahastaṃ sarāmaṃ ca vāsavaṃ sahavikramam || 116 ||
27.116 Die nächste Reihe nennt Mandara, Vikrama, Vaśa beziehungsweise „para“, Aindra, Traivikrama, Khaḍgahasta mit Rāma und Vāsava mit Vikrama.
param |
vaidharaṃ cordhvalokeśaṃ śrībhījaṃ cānu nāsikam |
otadehaṃ sayaṣṭiṃ ca acāmādiṃ sayaṣṭikam || 117 ||
27.117 Es folgen Vaidhara, Ūrdhvalokeśa, das Śrī-Bīja mit Nasallaut sowie Otadeha und der erste Vokal, beide mit Yaṣṭi. Die Variante „nāyaka“ verändert die Nasalangabe.
nāyakam |
acāṃ dvitīyamardhenduṃ kapilaṃ saṅgiṇaṃ tathā |
māṭharaṃ gopanaṃ daṇḍaṃ māṭharaṃ pañcabindukam || 118 ||
27.118 Der zweite Vokal, Halbmond, Kapila, Saṅgin, Māṭhara beziehungsweise Mādhara, Gopana, Daṇḍa und nochmals Māṭhara mit fünf Bindus schließen sich an.
mādharam |
nāsikyaṃ bhāskaraṃ vīrasenaṃ yaṣṭiṃ ca bhāskaram |
otadehaṃ sayaṣṭiṃ ca patanaṃ caurvanāsikau || 119 ||
27.119 Weiter stehen Nasallaut, Bhāskara, Vīrasena, Yaṣṭi, Bhāskara, Otadeha mit Yaṣṭi, Patana beziehungsweise Tāpana sowie Aurva mit Nasallaut. Eine Variante fügt Lohitākṣa und Kamala hinzu.
tāpanaṃ caurvanāsikau |lohitākṣaṃ ca kamalam |
rohitāśvaṃ ca kalaśaṃ vikramaṃ kamalāsana |
vāsudevaṃ sahṛdayāhlodanaṃ bandumastakam || 120 ||
27.120 Rohitāśva, Kalaśa, Vikrama und Vāsudeva mit Hṛdayāhlādana und Bindu als Kopf folgen, Lotusgeborener. Die Variante verändert die Verbindung mit dem Herzen.
sahṛdayaṃ codanam |
śuklaṃ sahasrakiraṇamaindavaṃ cāgnimastakam |
vairiṃcaṃ bandhusahitaṃ pāvakaṃ sumukhaṃ tathā || 121 ||
27.121 Es folgen Śukla, Sahasrakiraṇa, Aindava mit Agni als Kopf, Vairiñca mit Bandhu, Pāvaka und Sumukha.
paścimaṃ tvṛtadhāmānaṃ kakubhā hvamanantaram |
savāruṇaṃ surapatiṃ sabandhuṃ vijayaṃ tathā || 122 ||
27.122 Dann stehen der letzte Laut, Ṛtadhāman, Kakubh, Surapati mit Vāruṇa und Vijaya mit Bandhu. Die Varianten betreffen Kakubh und Surapati beziehungsweise Vasupati.
kakubhāhavamantaram |
vasupatim |
lakṣmīṃ madhudviṣamatho ekadaṃṣṭragatiṃ punaḥ |
agniśīrṣaṃ dvitīyaṃ ca jhaṣaṃ pañcāntakaṃ matam || 123 ||
27.123 Lakṣmī, Madhudviṣ, Ekadaṃṣṭra und Gati werden genannt; darauf eine zweite Form mit Agni als Kopf sowie Jhaṣa und Pañcāntaka. Die genaue Trennung der Chiffren ist teilweise unsicher.
druhiṇaṃ codayaṃ brahman vāsavaṃ vāmanaṃ tataḥ |
śubhadaṃ paścimamacāṃ dvitīyaṃ kamalāsana || 124 ||
27.124 Es folgen Druhiṇa, Udaya beziehungsweise Codana, Vāsava, Vāmana, Śubhada, der letzte Laut und der zweite Vokal, Lotusgeborener.
codanam |
tathā |
dvitīyaṃ saddhruvaṃ cābja yoniṃ śrīdharapaṅkaje |
śrīvatsamabjaṃ vijayaṃ kāmamastaka mandaram || 125 ||
27.125 Dann stehen nochmals der zweite Laut mit Dhruva, Abjayoni, Śrīdhara, Paṅkaja, Śrīvatsa, Abja, Vijaya und Mandara mit Kāma als Kopf. Varianten verändern die Lotus- und Mondnamen sowie die Zahl von Mandara.
yonissyācchaśipaṅkije |
mandarau |
udayaṃ śukraśatruṃ ca vijayaṃ brahmasādhanam |
mandaraṃ yāntadhanadaṃ yāntaṃ candraghaṭaṃ vasuṃ || 126 ||
27.126 Udaya, Śukraśatru, Vijaya, Brahmasādhana, Mandara, Dhanada mit „yānta“, nochmals „yānta“, Candra, Ghaṭa und Vasu folgen. Die Varianten bieten abweichend Śakra beziehungsweise Cakra.
caiva śakraṃ ca caiva taccakram |
bhallāyudhaṃ hṛṣīkeśameka netraṃ ghanaṃ punaḥ |
sabandhuṃ mandaraṃ dṛṣṭiyugalaṃ cāgniśīrṣakam || 127 ||
27.127 Es folgen Bhallāyudha, Hṛṣīkeśa, Ekanetra, Ghana beziehungsweise Ghaṭa, Mandara mit Bandhu und zweimal Dṛṣṭi mit Agni als Kopf.
netraghaṭaṃ |
bhadraṃ caturgatimatho phaṇīndraṃ yāntasūdanau |
nṛhariṃ kalānidhimacā mādiṃ yāntaṃ madhudviṣam || 128 ||
27.128 Darauf werden Bhadra, Caturgati, Phaṇīndra, „yānta“, Sūdana, Nṛhari, Kalānidhi, der erste Vokal, nochmals „yānta“ und Madhudviṣ genannt; eine Variante liest „dhānta“ und Dhātṛ.
dhāntaṃdhātā |
katṛtīyaṃ gadadhvaṃsaṃ vighneśaṃ naravāhanam |
amṛtaṃ vasunāmānaṃ dharitrīṃ madhusūdanam || 129 ||
27.129 Der dritte Laut der ka-Reihe, Gadadhvaṃsa, Vighneśa, Naravāhana, Amṛta, Vasu, Dharitrī und Madhusūdana folgen.
kamalaṃ vikramaparaṃ yāntaṃ vāmanahastakam |
nāstaṃ guṇālayaṃ caiva ṇāntaṃ ḍhāntaṃ madhudviṣam || 130 ||
27.130 Weiter stehen Kamala mit Vikrama, „yānta“, Vāmanahastaka, eine beschädigte „nāsta“-Verbindung, Guṇālaya beziehungsweise Guhālaya, „ṇānta“, „ḍhānta“ und Madhudviṣ.
guhālayam |
paścimaṃ caindavamatho bhāntārpitasa gopanam |
dhanadaṃ cotavapuṣaṃ bhadraṃ dakṣaṃ ca sūdanam || 131 ||
27.131 Dann folgen der letzte Laut, Aindava, Gopana mit „bhānta“, Dhanada, Otavapus, Bhadra, Dakṣa und Sūdana. Eine Variante liest Gopati.
gopatim |
vaidharaṃ caindiramacāṃ dvitīyaṃ kamalāsana |
trivikramaṃ bhadrakaraṃ mahāmāyāṅkitaṃ vasum || 132 ||
27.132 Vaidhara, Aindira beziehungsweise Aindava, der zweite Vokal, Trivikrama, Bhadrakara und Vasu mit Mahāmāyā werden genannt, Lotusgeborener.
caindava |
mṛgeśaṃ varuṇaṃ caiva vairājaṃ pañcabindukam |
kṣapārakaraṃ kañjabhavaṃ tatassyādvighnanāyakam || 133 ||
27.133 Es folgen Mṛgeśa, Varuṇa, Vairāja mit fünf Bindus, Kṣapākara, Kañjabhava und Vighnanāyaka.
sadṛṣṭiṃ vaidharaṃ devadattaṃ kumbhaṃ caturmukha |
gataṃ sṛtadhāmāhvaṃ mārtāṇḍaṃ pāśahastakam || 134 ||
27.134 Darauf stehen Vaidhara mit Dṛṣṭi, Devadatta, Kumbha, eine unsichere Verbindung „gataṃ sṛtadhāmā“, Mārtaṇḍa und Pāśahastaka beziehungsweise Vāmahastaka, Viergesichtiger.
vāmahastakam |
samādhavaṃ syāddvijayaṃ gopanaṃ viṣamadhvanim |
sarasīruhaṃ sordhvalokaṃ sarasīruhasambhana || 135 ||
27.135 Vijaya mit Mādhava, Gopana, Viṣamadhvani und Sarasīruha mit Ūrdhvaloka folgen, Lotusgeborener.
padmā sa mandarākārau pracaṇḍajhaṣasaṃmitau |
vaidharaṃ varuṇaṃ rāmaṃ bhūdharaṃ vahnimastakam || 136 ||
27.136 Weiter stehen Padmā, Mandara, ā, Pracaṇḍa, Jhaṣa, Vaidhara beziehungsweise Vairāja, Varuṇa, Rāma und Bhūdhara mit Vahni als Kopf. Die Verknüpfung der ersten Namen ist beschädigt.
samandamā |
vairājam |
jṛmbhalaṃ tvṛtadhāmā ca syātāṃ bhāskaramandarau |
ādyantaṃ yāntamākāraṃ gāruḍaṃ himadīdhitim || 137 ||
27.137 Jṛmbhala, Ṛtadhāman beziehungsweise Amṛta, Bhāskara, Mandara, Anfangs- und Endlaut, „yānta“, ā, Gāruḍa und Himadīdhiti schließen sich an.
amṛtam |
oṅkārādiṃ śaśadharaṃ sa viṣṇuṃ varuṇaṃ vasum |
sudhārasaṃ pracaṇḍāgniṃ bhave dṛtamanantaram || 138 ||
27.138 Es folgen Anfang des Oṃkāra, Śaśadhara mit Viṣṇu, Varuṇa, Vasu, Sudhārasa, Pracaṇḍa, Agni und Ṛta. Varianten verändern die Verknüpfung von Viṣṇu und Varuṇa sowie Sudhārasa und Ṛta.
viṣṇuṃ varuṇamastakam |
sudhāsamam. sudhārasaṃ pravarṇāṅkam |
dhruta |
krodharūpaṃ sarāmaṃ ca gadaṃ ca ṛtadhāmakam |
gopatiṃ vāruṇapatiṃ vikramaṃ yādasāṃ patim || 139 ||
27.139 Darauf stehen Krodharūpa mit Rāma, Gada, Ṛtadhāman, Gopati beziehungsweise Gati, Vāruṇapati, Vikrama und Yādasāṃpati.
gatim |
madhudviṣaṃ hutavahaṃ pracaṇḍaṃ yāminīpatim |
sudhārasaṃ vasuyutaṃ janmadhvaṃsamapāṃ patim || 140 ||
27.140 Madhudviṣ, Hutavaha, Pracaṇḍa, Yāminīpati, Sudhārasa mit Vasu beziehungsweise Bandhu, Janmadhvaṃsa und Apāṃpati folgen.
bandhuyutam |
yāntaṃ sudhārasaṃ bandhuṃ dvidvirākāramindirām |
dviradaṃ pāpahananaṃ madhusūdanamabjaja || 141 ||
27.141 Weiter werden „yānta“, Sudhārasa, Bandhu, zweimal verdoppeltes ā, Indirā, Dvirada, Pāpahanana und Madhusūdana genannt, Lotusgeborener. Die Zusatzlesart „vighnu“ ist nicht eindeutig zuzuordnen.
vighnu |
vijayākāra garbhāśca ākāravidhumādarāḥ |
pāvakaṃ pītavarṇābhaṃ brahmasādhanamabjaja || 142 ||
27.142 Vijaya, ā, Garbha beziehungsweise Bharga und eine beschädigte Verbindung von ā, Vidhu und Ādara folgen; danach Pāvaka, Pītavarṇābha und Brahmasādhana, Lotusgeborener.
bhargāścā cakāravidhamo |
bhadravikramatoyeśamākārendusavikramāḥ |
ibhākāraṃ tato dyumnabhāskarā bhūtavaidharāḥ || 143 ||
27.143 Die Reihe nennt Bhadra beziehungsweise Sukhada, Vikrama, Toyeśa, ā beziehungsweise a, Indu mit Vikrama, Ibha mit ā beziehungsweise eine abweichende Guha-Verbindung, Dyumna, Bhāskara und Bhūta beziehungsweise Vṛta mit Vaidhara.
sukhadaṃ vikramaṃ toyeśa makārendu |
guhakāram.ubhābhratastato |
vṛtavai |
mārutākāra bhadrāśca māntākāramahotpalāḥ |
ugrātmavasuvāyavyasūdanā vidhirabjaja || 144 ||
27.144 Māruta, ā, Bhadra, „mānta“, ā, Mahotpala, Ugrātman, Vasu, Vāyavya, Sūdana und Vidhi folgen, Lotusgeborener.
ugraśīrṣakamārutyau paścima dyutimaindavam |
vāmanaṃ vaidharaṃ sūkṣmalocanaṃ katṛtīyakam || 145 ||
27.145 Darauf stehen Māruti mit Ugra als Kopf, letzter Laut, Dyuti, Aindava, Vāmana, Vaidhara, Sūkṣmalocana und der dritte Laut der ka-Reihe. Die Varianten „vṛta“ und „kartṛ“ verändern zwei Lesungen.
vṛta |
kattṛ |
kumbhaṃ bhadrakaraṃ cāpi mādhavīṃ bhāskaraṃ madhu |
sādanaṃ tridaśāhāraṃ vikramaṃ cograrūpakam || 146 ||
27.146 Kumbha, Bhadrakara, Mādhavī, Bhāskara, Madhusūdana, Tridaśāhāra, Vikrama und Ugrarūpaka schließen sich an.
pracaṇḍamotadehaṃ ca śubhadaṃ vittavardhanam |
pāpakaṃ sumukhaṃ bhadrahastaṃ vai ruhamakṣaram || 147 ||
27.147 Es folgen Pracaṇḍa, Otadeha, Śubhada, Vittavardhana, Pāpaka, Sumukha, Bhadrahasta und der nicht sicher bestimmbare Lautname Vairuha. Varianten ersetzen Vittavardhana durch Cittavardhana oder Vittadarśana.
cittavardhanam. vittadarśanam |
kumbhaṃ sudarśanaṃ caiva kapilākṣaṃ caturmukha |
dviḥ prapannosmītipadaṃ samuccārya pitāmaha || 148 ||
27.148 Dann werden Kumbha, Sudarśana beziehungsweise Sūdana und Kapilākṣa genannt. Zweimal spreche man „prapanno'smi“, „Ich habe Zuflucht genommen“, Urvater. Die Variante liest abweichend „prasanno'sti“.
ca sūdanaṃ |
prasannostīti |
brahmakośaṃ puraskṛtya nṛhariṃ cānalaṃ tathā |
brahmasādhananāsikyau bhījaṃ proktamataḥ param || 149 ||
27.149 Mit Brahmakośa, dem Praṇava, vorangestellt werden Nṛhari, Anala, Brahmasādhana und Nasallaut als Bīja angegeben.
nigamādiṃ subhadraṃ ca pāṭalaṃ saddhruvaṃ tathā |
mantrasya śaktimuddhṛtya cchandasāmādimuddharet || 150 ||
27.150 Anfang der heiligen Überlieferung, Subhadra und Pāṭala mit Dhruva ergeben die Śakti des Mantras. Danach werde erneut der Anfang der Metren entnommen.
gāruḍaṃ madhuhantāraṃ nāsikyaṃ vijayaṃ vasuṃ |
sapadmanābhaṃ māyāṃ ca sūkṣmadṛṅmādhavaṃ ghaṭam || 151 ||
27.151 Es folgen Gāruḍa, Madhuhantṛ, Nasallaut, Vijaya, Vasu mit Padmanābha, Māyā, Sūkṣmadṛś, Mādhava und Ghaṭa.
bhadrahastaṃ vaidharaṃ ca śrīdharaṃ cāgnivikramau |
vairājaṃ bhāskaraṃ yāntaṃ madhu śatru samiraṇau || 152 ||
27.152 Bhadrahasta, Vaidhara, Śrīdhara, Agni, Vikrama, Vairāja, Bhāskara, „yānta“, Madhuśatru und Samīraṇa werden genannt. Die Variante „śakra“ verändert eine Chiffre.
śakrā |
mandaraṃ māṭharamacāṃ dvitīyaṃ vighṇu pāvakau |
kalānidhiṃ sabandhuṃ ca sārdhacandraṃ tviṣāṃ patim || 153 ||
27.153 Darauf stehen Mandara, Māṭhara beziehungsweise Mādhava, der zweite Vokal, Vighnu, Pāvaka, Kalānidhi mit Bandhu sowie Tviṣāṃpati mit Halbmond. Eine Variante verändert den letzten Namen.
mādhavamacāṃ |
dviṣāṃ |
sūdanaṃ śaṅkhamaparaṃ katṛtīyaṃ caturmukha |
sāntaṃ vasuyutaṃ caiva dviruccārya caturmukha || 154 ||
27.154 Sūdana, Śaṅkha, der dritte Laut der ka-Reihe sowie eine mit „sānta“ und Vasu verbundene Form folgen und werden zweimal gesprochen, Viergesichtiger. Die Variante liest „cānta“ und Vāyusuta.
cāntaṃ vāyusutaṃ |
huṃphaḍantaṃ ca natyantaṃ hṛnmantraṃ parikīrtitam |
vedādiṃ vannagaṃ pañcabindubhūṣitamantakam || 155 ||
27.155 Mit „huṃ phaṭ“ und der Verehrungsendung gilt dies als Herzmantra. Die nächste Folge beginnt mit dem Anfang des Veda, Pannaga beziehungsweise der unsicheren Lesart „pañcaga“ sowie Antaka, mit fünf Bindus geschmückt.
vedādi pañcagam |
vāsikyaṃ bhadrahascaṃ ca madhudveṣiṃ vasuṃ tathā |
aindavaṃ vikramaparaṃ nāsikyaṃ bhāskaraṃ ghaṭam || 156 ||
27.156 Es folgen Nasallaut, Bhadrahasta, Madhudveṣin, Vasu, Aindava mit Vikrama, nochmals Nasallaut, Bhāskara und Ghaṭa.
sabandhuṃ kamalaṃ padmanābhaṃ vāmana hastakam |
puṇḍarīkaṃ sabandhuṃ ca vai rājaṃ vaidharaṃ tataḥ || 157 ||
27.157 Kamala mit Bandhu, Padmanābha, Vāmanahastaka beziehungsweise eine Vāmana-Kopfverbindung, Puṇḍarīka mit Bandhu, Vairāja und Vaidhara schließen sich an.
mastakam |
godhanaṃ vijayaṃ māntaṃ vaidharaṃ madhusūdanam |
mānuṣaṃ cāmṛtaṃ bhadrakaraṃ gopanapadmajau || 158 ||
27.158 Dann stehen Godhana, Vijaya, „mānta“, Vaidhara, Madhusūdana, Mānuṣa, Amṛta, Bhadrakara, Gopana und Padmaja.
sagopanadaraṃ caiva mādharaṃ katṛtīyakam |
ṛtaṃ ca saindhavaṃ bandhuṃ sadhruvaṃ māṭharaṃ tvacām || 159 ||
27.159 Dara mit Gopana, Mādhara, der dritte Laut der ka-Reihe, Ṛta, Saindhava, Bandhu mit Dhruva und Māṭhara beziehungsweise Mādhara folgen,
mādharaṃ tvacām |
dvitīyaṃ puruṣaṃ brahman mādhavīṃ mādharaṃ punaḥ |
bhṛgukhaḍgaraṃ caiva dviruccāryamataḥ param || 160 ||
27.160 ferner der zweite Vokal, Puruṣa, Mādhavī, nochmals Mādhara, Bhṛgu und Khaḍgadhara; die letztgenannte Verbindung ist im Grundtext beschädigt. Die Folge wird zweimal gesprochen, Brahmā.
bhṛguṃ khaḍgadharaṃ |
huṃphaḍantaṃ śiromantraṃ ṭhaṭha ityavasānakam |
vedādimuragaṃ ṣaṣṭhamacāmardhendumaindavam || 161 ||
27.161 Mit „huṃ phaṭ“ und abschließend „ṭha ṭha“ wird sie als Kopfmantra bezeichnet. Darauf folgen Anfang des Veda, Uraga, sechster Vokal, Halbmond und Aindava.
tataḥ param |
pullanetraṃ sabhuvanaṃ garhitaṃ bhūdharātmakam |
kumbhaṃ savikramaṃ padmaṃ kheṭakī kalaśaṃ tvacām || 162 ||
27.162 Pullanetra mit Bhuvana, Garhita mit Bhūdhara beziehungsweise Bhūsura, Kumbha mit Vikrama, Padma, Kheṭakin und Kalaśa werden genannt,
bhūsurātmakam |
kheṭakīṃ |
tṛtīyaṃ kamalaṃ pañcabinduṃ sumukhamabjaja |
yāntaṃ ca śirasāmabjayonimeṇeśamaindavam || 163 ||
27.163 danach der dritte Vokal, Kamala beziehungsweise Kalaśa, fünf Bindus, Sumukha, eine unklare „yānta“-Kopfverbindung, Abjayoni, Eṇeśa und Aindava, Lotusgeborener.
kalaśaṃ paṃca |
tacchaira samabja |
svāhādharaṃ śaśadharaṃ mukhaṃ bhūdharasūdanau |
caturgatiṃ śatānandaṃ vāsudevaṃ napaścimam || 164 ||
27.164 Es folgen Svāhādhara, Śaśadhara, Mukha, Bhūdhara, Sūdana, Caturgati, Śatānanda, Vāsudeva und der als „napaścima“ bezeichnete Schlusslaut.
kalānidhiṃ sarāmaṃ ca yaṣṭiṃ bhāsragopanau |
caturgatiṃ kharvadehaṃ sūdanaṃ bhānuvikramau || 165 ||
27.165 Kalānidhi mit Rāma, Yaṣṭi, Bhāsra, Gopana, Caturgati, Kharvadeha beziehungsweise Khaḍgadeha, Sūdana, Bhānu und Vikrama schließen sich an.
khaḍgadeham |
dvirabhyaseddhuṃphaḍantaṃ śiromantramudīritam |
devānāṃ dāsavacanamante saṃyojya mantravit || 166 ||
27.166 Die Folge werde zweimal mit „huṃ phaṭ“ wiederholt. Der Grundtext nennt sie nochmals Kopfmantra, die Variante dagegen Śikhā-Mantra für den Haarschopf. Am Ende werde eine Bezeichnung als Diener der Götter angefügt.
dvirvinyasyet |
śikhā |
oṅkāraṃ nṛhariṃ vīnasenaṃ nāsikyamaindavam |
māṭharaṃ yāminīnāthamṛtadhāmasadarbhitam || 167 ||
27.167 Die nächste Reihe beginnt mit Oṃkāra, Nṛhari, Vīnasena – eine beschädigte Form –, Nasallaut, Aindava, Māṭhara und Yāminīnātha, verbunden mit Ṛtadhāman.
ākhaṇḍaleśaṃ sarpeśamākāraṃ katṛtīyakam |
dviradaṃ vikramaparaṃ bahulaṃ ghaṭavikramau || 168 ||
27.168 Es folgen Ākhaṇḍaleśa, Sarpeśa, ā, der dritte Laut der ka-Reihe, Dvirada mit Vikrama, Bahula, Ghaṭa und Vikrama.
ghaṭavikramam |
ambhoruhaṃ cotadehaṃ hṛdayāhlodavikramau |
kalānidhiṃ subhadrāntaṃ sumukhāntaṃ samādhavam || 169 ||
27.169 Ambhoruha, Otadeha, Hṛdayāhlāda, Vikrama, Kalānidhi mit Subhadra als Ende und Sumukha mit Mādhava werden genannt.
chāntaṃ śaśadharaṃ devadattaṃ cāntaṃ sakumbhakam |
aindraṃ ca kuñjaramukhaṃ pīyūṣadyutivikramau || 170 ||
27.170 Darauf stehen „chānta“, Śaśadhara, Devadatta, „cānta“ mit Kumbha, Aindra, Kuñjaramukha, Pīyūṣadyuti und Vikrama.
sayaṣṭiṃ dyumaṇiṃ cādi devaṃ yāntaṃ himālayam |
nadaṇḍaṃ garuḍaṃ bandhuṃ paścimaṃ ca dviruddharet || 171 ||
27.171 Dyumaṇi mit Yaṣṭi, Ādideva, „yānta“ beziehungsweise „mānta“, Himālaya, die unsichere Verbindung „nadaṇḍa“, Garuḍa, Bandhu und der letzte Laut werden zweimal entnommen.
devamāntaṃ |
huṃpaḍhantaṃ ca kavacaṃ huṃphaṭśīrṣaṃ prakīrtitam |
āgamādiṃ narahariṃ caurvaṃ nāsikya mabjaja || 172 ||
27.172 Mit „huṃ phaṭ“ als Abschluss heißt dies Kavaca, Schutzpanzer. Die folgende Reihe beginnt mit dem Anfang des Āgama, Narahari, Aurva und Nasallaut, Lotusgeborener.
meva ca |
vaidharaṃ godhanaṃ ṇāntaṃ mārutyaṃ vaidharaṃ madhu |
sūdanaṃ bhadrahastaṃ ca pīyūṣaṃ sarasīruham || 173 ||
27.173 Vaidhara, Godhana, „ṇānta“, Māruti, Vaidhara beziehungsweise Mādhara, Madhusūdana, Bhadrahasta, Pīyūṣa und Sarasīruha folgen. Eine Variante bietet eine abweichende Verbindung mit Gopana.
gopavarṇāntaṃgopanaṃṇāntam |
mādharam |
gopanaṃ pulahaṃ caiva sūdanaṃ murutaṃ vasum |
kūṭaṃ pullāyudhamacāṃ ṣaṣṭhaṃ vai rājameva ca || 174 ||
27.174 Dann stehen Gopana, Pulaha, Sūdana, Māruta, Vasu, Kūṭa, Pullāyudha beziehungsweise Bhallāyudha, der sechste Vokal und Vairāja.
bhallāyudha |
katṛtīyaṃ padmanābhaṃ bhāskaraṃ madhuvidviṣam |
dṛṣṭiṃ savāmanaṃ bhadrahastaṃ sāgniṃ samuddharet || 175 ||
27.175 Es folgen der dritte Laut der ka-Reihe, Padmanābha, Bhāskara, Madhuvidviṣ, Dṛṣṭi mit Vāmana und Bhadrahasta mit Agni.
bhāskaraṃ bhadrahastaṃ ca taddviruccāryamantravit |
paścimaṃ vakratuṇḍaṃ ca mandaraṃ supratiṣṭhitam || 176 ||
27.176 Bhāskara und Bhadrahasta werden vom Mantrakundigen zweimal gesprochen; danach stehen der letzte Laut, Vakratuṇḍa, Mandara und Supratiṣṭhita.
tānudīryāthamantrajñassubhadraṃ caindavaṃ punaḥ |
sadakṣaṃ vāmanaśirā ambhoruhaniketana || 177 ||
27.177 Nach diesen Lauten folgen nochmals Subhadra und Aindava, verbunden mit Dakṣa und mit Vāmana als Kopf, im Lotus Wohnender.
ambhoruhaṃ sabhuvanaṃ pāvakaṃ bhuvanaṃ tathā |
nṛhariṃ pāpahananaṃ vikramaṃ vijayaṃ punaḥ || 178 ||
27.178 Es folgen Ambhoruha mit Bhuvana, Pāvaka, Bhuvana, Nṛhari, Pāpahanana, Vikrama und Vijaya.
vairiñcaṃ vāmanaṃ dakṣamaugraṃ dakṣaṃ caturmukha |
guhālayaṃ savijayamagniśīrṣaṃ ca mārutam || 179 ||
27.179 Vairiñca, Vāmana, Dakṣa, Augra, nochmals Dakṣa, Guhālaya mit Vijaya und Māruta mit Agni als Kopf schließen sich an, Viergesichtiger. Die Variante liest Vāyasa statt Vijaya.
vāyasam |
aiṇeśaṃ mandaraṃ bhānuṃ sūdanaṃ vighnanāyakam |
yāntaṃ tārādhipaṃ māyāṃ saddhruvaṃ māṭharaṃ tathā || 180 ||
27.180 Dann stehen Aiṇeśa, Mandara, Bhānu, Sūdana, Vighnanāyaka, „yānta“, Tārādhipa, Māyā und Māṭhara mit Dhruva.
madhudviṣaṃ mārutaṃ ca huṃpha ḍastraṃ prakīrtitam |
astraśabdaṃ caturthyantaṃ phaḍantaṃ ca samuddharet || 181 ||
27.181 Madhudviṣ und Māruta beziehungsweise Mādhava schließen die Folge; mit „huṃ phaṭ“ heißt sie Astra, Waffe. „Astra“ wird im Dativ mit abschließendem „phaṭ“ eingesetzt.
mādhavaṃ ca |
phaḍantam |
udgīthaṃ nṛhariṃ sargamandharaṃ māṭharaṃ tvacām |
dvitīyaṃ paścimaṃ padmanābhaṃ cādisamanvitam || 182 ||
27.182 Darauf werden Udgītha, Nṛhari, Sarga beziehungsweise eine Agni-Verbindung, Mandara, Māṭhara beziehungsweise Mādhara, der zweite Vokal, der letzte Laut und Padmanābha mit dem Anfangslaut genannt.
sāgniṃ mandaraṃ mādharam |
khaḍgahastaṃ ca sumukhaṃ medinyāḥ padamambujam |
sagopanaṃ surapatiṃ gopanaṃ khadvitīyakam || 183 ||
27.183 Es folgen Khaḍgahasta, Sumukha, ein mit der Erde verbundenes Wort – die Variante liest „Herr“ –, Ambuja, Surapati mit Gopana, nochmals Gopana und die unsichere Angabe „khadvitīyaka“.
patimambujam ||
bhadrahastaṃ sarāmaṃ ca vāsavaṃ brahmasādhanam |
khaḍgahastaṃ gajamukhaṃ sūdanaṃ ca caturgatim || 184 ||
27.184 Bhadrahasta mit Rāma beziehungsweise mit einem Namen, Vāsava, Brahmasādhana, Khaḍgahasta, Gajamukha, Sūdana und Caturgati werden genannt.
sanāmaṃ ca |
ācāmādiṃ gajamukhamauṣadhaṃ nā ntamabjaja |
mādhavīṃ murutaṃ yāntaṃ mādharaṃ paścimaṃ tathā || 185 ||
27.185 Dann stehen erster Vokal, Gajamukha, Auṣadha, „nānta“, Mādhavī, Māruta, „yānta“, Mādhara und der letzte Laut, Lotusgeborener.
sabandhuṃ sapracaṇḍaṃ cāpyeṇeśaṃ pāṭalapriyam |
mārtāṇḍaṃ madhuvidveṣiṃ bhadraṃ syādṛtadhāmakam || 186 ||
27.186 Eṇeśa mit Bandhu und Pracaṇḍa, Pāṭalapriya, Mārtaṇḍa, Madhuvidveṣin, Bhadra und Ṛtadhāman folgen.
dākṣāyaṇīśaṃ rāmaṃ syādanusvāraṃ caturmukha |
divākaraṃ cādidevaṃ daraṃ vaidharagopanau || 187 ||
27.187 Darauf stehen Dākṣāyaṇīśa, Rāma, Anusvāra, Divākara, Ādideva, Dara, Vaidhara und Gopana, Viergesichtiger. Die Variante verändert die letzte Verbindung.
manthavaidharagopanau |
pāvakaṃ puruṣātmānaṃ dviruktaṃ kamalāsana |
huṃphaḍantaṃ ca netrābhyāṃ vauṣaṭkāraṃ prayujya ca || 188 ||
27.188 Pāvaka und Puruṣātman werden zweimal gesprochen, Lotusgeborener; mit „huṃ phaṭ“ und der Wendung für die beiden Augen wird „vauṣaṭ“ eingesetzt.
dviruktvā |
evaṃ nyasya vidhānajño viṣkambhāntaṃ sadaṇḍakam |
divākarasahasrābhaṃ hṛdayārṇaṃ ṣaḍuddharet || 189 ||
27.189 Nach diesem Nyāsa gewinne der Vorschriftskundige die sechs Herz- und weiteren Glieder, mit Viṣkambha als Abschluss und Daṇḍa verbunden, im Glanz von tausend Sonnen. Die Variante verdeutlicht „Herz und weitere“ gegenüber der beschädigten Grundlesart.
hṛdayādīn samuddharet |
utpalaṃ kumudaṃ rakta japābandhūkariṃśukam |
pāṭalaṃ hṛdayādīnāṃ varṇaṣṣaṇṇāṃ kramādbhavet || 190 ||
27.190 Die Farben der sechs Glieder von Herz an entsprechen der Reihe nach Utpala, Kumuda, rotem Hibiskus, Bandhūka, Kiṃśuka und Rosa.
rakṣāmantraḥ. |
rakṣāmantraṃ pravakṣyāmi chandasāmādimuddharet |
vighneśaṃ padmanābhaṃ syāddvijarājaṃ savikramam || 191 ||
27.191 Nun werde ich den Schutzmantra erklären. Es folgen Anfang der Metren, Vighneśa, Padmanābha und Dvijarāja mit Vikrama,
sadaṇḍaṃ ca samārtāṇḍaṃ bahulaṃ saguhālayam |
paścimaṃ vāmanaparaṃ pracaṇḍaṃ hariṇaṃ bhavet || 192 ||
27.192 ferner Daṇḍa und Mārtaṇḍa, Bahula mit Guhālaya, der letzte Laut mit Vāmana, Pracaṇḍa und Hariṇa.
bhallāyudhaṃ gadadhvaṃsaṃ lāntaṃ bhadrakaraṃ tathā |
ācāmādiṃ dinamaṇiṃ mādhavaṃ sauramakṣaram || 193 ||
27.193 Bhallāyudha, Gadadhvaṃsa, „lānta“, Bhadrakara, der erste Vokal, Dinamaṇi, Mādhava und der Saura-Laut folgen.
eṇeśaṃ dhanadaṃ dakṣaṃ vasuśīrṣaṃ ca sūdanam |
dhanādhyakṣaṃ tathā dakṣaṃ pāvakaṃ mastakasthitam || 194 ||
27.194 Dann stehen Eṇeśa, Dhanada, Dakṣa, Sūdana mit Vasu als Kopf, Dhanādhyakṣa und nochmals Dakṣa mit Pāvaka als Kopf.
dhāntaṃ savikramaṃ khāntaṃ hāntaṃ syātkapilaṃ punaḥ |
dviradāsyaṃ banduparaṃ mādhavīṃ yāntaśīrṣakam || 195 ||
27.195 Es folgen „dhānta“ beziehungsweise „yānta“ mit Vikrama, „khānta“, „hānta“, Kapila, Dviradāsya beziehungsweise Dvirāsana mit Bindu beziehungsweise Bandhu sowie Mādhavī mit „yānta“ als Kopf.
yāntaṃ |
dvirāsanaṃ bandhuparaṃ mādhavaṃ |
vāsudevaṃ khaḍgadharaṃ caturgatimanantaram |
mukhaṃ savaidharaṃ brahmanmāṭharaṃ taddhviruddharet || 196 ||
27.196 Vāsudeva, Khaḍgadhara, Caturgati, Mukha beziehungsweise Sukha mit Vaidhara und Māṭhara werden zweimal entnommen, Brahmā.
sukhaṃ |
pavitramaprameyaṃ syāttuṇḍaṃ cādisamandaram |
sarvarodhaṃ dvirucchārya kamalaṃ savirocanam || 197 ||
27.197 Darauf stehen Pavitra, Aprameya, Tuṇḍa mit Anfangslaut und Mandara, zweimal Sarvarodha sowie Kamala mit Virocana.
yathāpuraṃ sadaṇḍaṃ ca sūdanaṃ yāntamārutau |
dvirvaktavyaṃ subhadraṃ ca vikramaṃ vighnavaidharau || 198 ||
27.198 Wie zuvor folgen Daṇḍa, Sūdana, „yānta“ und Māruta, zweimal zu sprechen, ferner Subhadra, Vikrama, Vighna und Vaidhara.
tadviruddhaśchaladhviṃsī banduvighnaṃ savaidharam |
aindiraṃ cotadehaṃ ca ugraṃ māntaṃ caturmukha || 199 ||
27.199 Die Folge werde wiederholt; es schließen sich Chaladhvaṃsin, Bandhu, Vighna mit Vaidhara, Aindira beziehungsweise Aiṇeśa, Otadeha, Ugra und „mānta“ an, Viergesichtiger.
tadviruktvā |
aiṇaeśaṃ |
atriṃ cāgniṃ madhudveṣamamṛtaṃ dhūliketanam |
tārkṣyaṃ sarṅkaṇaṃ daṇḍaṃ tadviruccārya padmaja || 200 ||
27.200 Atri, Agni, Madhudveṣa, Amṛta, Dhūliketana, Tārkṣya, das unklare „sarkaṇa“ und Daṇḍa folgen; dies wird zweimal gesprochen, Lotusgeborener.
mārtāṇḍamūrdhvanāsikyaṃ tadudīryamataḥ param |
pāvakaṃ caurvaśirasaṃ sadaṇḍaṃ gopanaṃ tathā || 201 ||
27.201 Dann stehen Mārtaṇḍa mit Nasallaut als Kopf, Pāvaka mit Aurva als Kopf, Daṇḍa und Gopana.
sahitaṃ |
gadadhvaṃsaṃ chaladhvaṃsaṃ tadudīrya jayaṃ tathā |
vairājaṃ yāntaśirasaṃ śuklaṃ vai rājapāvakau || 202 ||
27.202 Gadadhvaṃsa, Chaladhvaṃsa, Jaya, Vairāja mit „yānta“ als Kopf, Śukla, Vairāja und Pāvaka werden genannt.
jṛmbhalaṃ samatā brahman māṭharaṃ dakṣasaṃjñitam |
pracaṇḍaṃ mādhavaṃ caiva kalaśaṃ bandhuśīrṣakam || 203 ||
27.203 Es folgen Jṛmbhala, die unsichere Verbindung „samatā“, Māṭhara beziehungsweise Mādhara, Dakṣa, Pracaṇḍa, Mādhava und Kalaśa mit Bandhu als Kopf, Brahmā.
mādharaṃ |
kamalāṃ vāruṇaṃ yāntaṃ hṛṣīkeśaṃ ca paścimam |
māyā jitaṃ pracaṇḍaṃ ca mādhavaṃ ca ṭhaṭhāntimam || 204 ||
27.204 Kamalā, Vāruṇa, „yānta“, Hṛṣīkeśa, letzter Laut, Pracaṇḍa mit Māyā und Mādhava schließen sich an; der Mantra endet mit „ṭha ṭha“. Die Varianten verändern einzelne Verknüpfungen.
pamalābharaṇaṃ yāntaṃ |
ṅkitam |
bījamaṅgāni coktāni durvāsā ṛṣirucyate |
chando bastaṃ devatā ca mahānaraharirhariḥ || 205 ||
27.205 Bīja und Glieder wurden genannt. Durvāsas ist der Seher; der Metrumsname „basta“ ist beschädigt. Die Gottheit ist Hari als Mahānarahari.
mālāmantre trivarṇāssyuśśukla pīta sitāsitāḥ |
tatvaṃ ca paramāpyoma sakalīkaraṇaṃ tathā || 206 ||
27.206 Für den Mālā-Mantra werden drei Farben angekündigt: Weiß, Gelb und „sitāsita“, hell-dunkel; die Variante liest hell-rot. Die genaue Dreiteilung ist dadurch unsicher. Sein Prinzip ist der höchste Raum; dazu gehören Sakalīkaraṇa,
sitāruṇāḥ |
vikalīkaraṇaṃ caiva mantra syāpyāyanaṃ bhavet |
mocanaṃ caiva ityete kathitāḥ kamalāsana || 207 ||
27.207 Vikalīkaraṇa, Āpyāyana und Mocana des Mantras. Damit sind diese Funktionen genannt, Lotusgeborener.
mantrasyaivā |
ityetatkathitam |
catuṣṣaṣṭividhe mantre nārasiṃhe mahānayam |
nṛsiṃho vyomacakrākhyaḥ pātālākhyaśca sūribhiḥ || 208 ||
27.208 Unter den vierundsechzig Nārasiṃha-Mantras ist dieser der große. Die Weisen nennen ihn Nṛsiṃha-Vyomacakra und Pātāla.
dhyāyenmṛtyubhaye kṛtyāpraveśe yudhi vidviṣām |
uccāṭane saṃhanane bhūtānāmapanodane || 209 ||
27.209 Er werde bei Todesfurcht, beim Eindringen einer Kṛtyā-Schadensmacht, im Kampf gegen Feinde, bei Vertreibung, Vernichtung und Abwehr von Geisterwesen meditiert.
ākhyāyate dhyānamasya smṛtaṃ sa vitṛmaṇḍale |
madhye vikasvare śubhre paṅkaje viṣṭarodare || 210 ||
27.210 Seine Meditation wird so beschrieben: In der Sonnenscheibe, auf einem entfalteten reinen Lotus,
āsīnaṃ ṣoḍaśamukhaṃ bhujai stadviguṇai ryutam |
āyudhaiśśajñacakrādyairdurdarśairaśmimālibhiḥ || 211 ||
27.211 sitzt er mit sechzehn Gesichtern und doppelt so vielen Armen, mit Muschel, Diskus und weiteren schwer anzublickenden, strahlenumkränzten Waffen.
paracakrapratikṣepe duṣkareṣvanyakarmasu |
bījaśaktyādidvādaśāṅgapraśnaḥ. |
brahmāḥ |
dvādaśāṅgāni yevettimantraṃ sorhati veditum || 212 ||
27.212 Diese Vorstellung gilt für die Abwehr feindlicher Heeresmacht und andere schwierige Handlungen. Brahmā sprach: Wer die zwölf Glieder kennt, ist würdig, den Mantra zu kennen,
ityuktaṃ bhagavan bhūyo jijñāsā teṣu vartate |
tannirūpaṇam. |
śrībhagavān |
bījaṃ śaktistathaivāṅgaṃ hṛdayādi ca ṣaḍvidham || 213 ||
27.213 so wurde gesagt, Herr. Darüber möchte ich noch mehr wissen. Der erhabene Herr sprach: Bīja, Śakti und die sechsfachen Glieder, beginnend beim Herzen,
ṛṣiśchando devatā ca varṇoddīpanameva ca |
apyāyanaṃ mocanaṃ ca sakalīkaraṇaṃ tathā || 214 ||
27.214 Seher, Metrum, Gottheit, Farbe, Entfachung, Erfüllung, Lösung und Ganzmachung,
vikalīkaraṇaṃ caiva dvādaśaitāni padmaja |
teṣāṃ svarūpaṃ vakṣyāmi kramāttadavadhāryatām || 215 ||
27.215 sowie Vikalīkaraṇa bilden die zwölf, Lotusgeborener. Dabei werden die sechs Körperglieder als eine Gruppe gezählt. Ich werde ihre jeweilige Gestalt der Reihe nach erläutern; höre aufmerksam zu.
mantrasya prakṛtirbījamakṣaraṃ tatsamuddhṛtam |
ātmāmantrasya sā śaktiryathā mantra phalapradaḥ || 216 ||
27.216 Das Bīja ist der Ursprung beziehungsweise die Grundnatur des Mantras, die dafür erschlossene Silbe. Seine Śakti ist seine Seele, durch die der Mantra Frucht gewährt.
phalapradā |
hṛdayādīni mantrasya ṣaḍaṅgāni pitāmaha |
devasyeva mukhādīni eṣu mantraḥ pratiṣṭhitaḥ || 217 ||
27.217 Herz und die übrigen sechs Glieder des Mantras entsprechen Gesicht und weiteren Gliedern des Gottes, Urvater. In ihnen ist der Mantra gegründet.
ṛṣiḥ phalasya draṣṭā pyācchandastadabhidhīyate |
akṣarāṇāmiyattā yā devatā vācyamucyate || 218 ||
27.218 Der Ṛṣi ist der Seher seiner Frucht. Chandas bezeichnet die bestimmte Anzahl der Silben. Die Gottheit ist das durch den Mantra Bezeichnete.
rūpabhedaśca śuklādivarṇaḥ kamalasambhava |
saṃpuṭīkaraṇaṃ rephalakārābhyāṃ tu dīpanam || 219 ||
27.219 Varṇa ist seine unterschiedliche Erscheinungsfarbe, etwa Weiß, Lotusgeborener. Dīpana, Entfachung, wird als Einfassung mit r und l beschrieben.
yathoditākṣaraissarvaissaṃskāraśśoṣaṇādibhiḥ |
mantrasya dehavatproktaṃ yattadāpyāyanaṃ budhaiḥ || 220 ||
27.220 Die Bearbeitung des Mantras mit allen genannten Lauten durch Austrocknung und weitere Vorgänge, entsprechend der Behandlung eines Körpers, nennen die Kundigen Āpyāyana, Erfüllung beziehungsweise Kräftigung.
mantrasya mocanaṃ nāma prayogastambhanādiṣu |
mantrākṣarāṇāṃ pratyekaṃ saṃpuṭīkaraṇaṃ smṛtam || 221 ||
27.221 Mocana, Lösung oder Freisetzung des Mantras, bezeichnet seine Anwendung bei Lähmung und ähnlichen Handlungen. Die Einfassung jeder einzelnen Mantrasilbe
sakalīkaraṇaṃ viddhi praṇavena caturmukha |
vauṣaṭkāravaṣaṭkārahuṃ kāraiḥ pṛthagīritaiḥ || 222 ||
27.222 mit dem Praṇava heißt Sakalīkaraṇa, Ganzmachung, Viergesichtiger. Mit jeweils gesondert gesprochenem „vauṣaṭ“, „vaṣaṭ“ und „huṃ“
devatānāmabhīṣṭānāṃ sannidhiryaḥ puṭādiṣu |
prārthyete sa caturvaktra vikalīkaraṇāhvayaḥ || 223 ||
27.223 wird die Gegenwart der gewünschten Gottheiten in den Einfassungen und weiteren Formen erbeten; das heißt Vikalīkaraṇa. Die Bedeutung dieses Fachwortes wird hier durch seine rituelle Funktion erläutert.
ca |
etānyena prayuñjīta vidyayorādyayorapi |
vāmanamantraḥ. |
ekādaśākṣaro mantro vāmanasya pradarśyate || 224 ||
27.224 Dieselben Verfahren gelten auch für die beiden ersten Vidyās. Nun wird der elfsilbige Mantra Vāmanas dargelegt.
pūrvoditāssaptavarṇāḥ viśessamudīryate |
pīyūṣamādidevaṃ ca mandharaṃ cādimuddharet || 225 ||
27.225 Die sieben gemeinsamen Silben wurden bereits genannt; der besondere Teil folgt: Pīyūṣa, Ādideva, Mandara und Anfangslaut,
vighneśaṃ gopanaṃ vāyumādyaṃ ceti caturmukha |
bījaṃ śirasyūrdvaloko yaṣṭiśceti caturgatim || 226 ||
27.226 dann Vighneśa, Gopana, Vāyu und nochmals Anfangslaut, Viergesichtiger. Die Bīja-Angabe mit Kopf, Ūrdhvaloka, Yaṣṭi und Caturgati ist durch mehrere Varianten gestört und bleibt nicht sicher auflösbar.
śikhaṇḍyūrdhva śikhāmūrdva |
tu darśam ||
aṅgāni ṣaṭphalādīni svarāntānyānupūrvaśaḥ |
sānusvārāṇi yojyāni kāśyapho muniriṣyate || 227 ||
27.227 Die sechs Glieder werden der Reihe nach mit den Vokalendungen und Anusvāra verbunden; das Wort „phalādi“ in der Angabe ist unsicher. Kāśyapa gilt als Seher.
chandaśca daivaṃ gāyatraṃ vāmano devatā punaḥ |
lakṣāṇyekādaśa jape home ca jalatarpaṇe || 228 ||
27.228 Devī-Gāyatrī ist das Metrum, Vāmana die Gottheit. Elf Lakh werden für die Rezitation genannt; Homa und Wasser-Tarpana schließen sich an. Die Zahlenverteilung dieser drei Vorgänge ist hier nicht gesondert erläutert.
tatassidhyati mantroyaṃ puruṣārthacatuṣṭayam |
phalamanyacca yacceṣṭa maṣṭākṣaravadīritam || 229 ||
27.229 Dann werde der Mantra vollendet und gewähre die vier Lebensziele sowie andere gewünschte Früchte, entsprechend dem achtsilbigen Mantra.
trivikramamantraḥ. |
omādinatipūrvāṇi catvāryādyāni pūrvavat |
saptākṣarasyamantrasya sādhanaṃ ca yathāpuram || 230 ||
27.230 Für Trivikrama werden vier anfängliche Bestandteile, mit Oṃ und Verehrung beginnend, wie zuvor genannt; der Mantra umfasst sieben Silben. Seine Praxis entspricht dem früheren Verfahren.
saptalakṣajāpāduktaṃ phalamāpnoti mantravit |
gṛhītvārṇān sapta pūrvanvairājo gnistrivikramaḥ || 231 ||
27.231 Durch siebenhunderttausend Wiederholungen erlange der Mantrakundige die genannten Früchte. Für eine weitere Form werden zunächst die sieben früheren Silben genommen; dann folgen Vairāja, Agni und Trivikrama beziehungsweise Atri,
atri |
yadādhipaśca māyā ca sparśādiranalonmukham |
sparśāntaścādidevaśca śaṅkho viṣṇuritīritaḥ || 232 ||
27.232 Yadādhipa, Māyā, erster Verschlusslaut, Anala mit einer Anfangsverbindung, letzter Verschlusslaut, Ādideva, Śaṅkha und Viṣṇu.
dvādaśārṇātmako mantrastadeva kamalāsana |
trivikramasya bījaṃ ca bhāskaro viṣṇureva ca || 233 ||
27.233 Dieser Mantra besteht aus zwölf Silben, Lotusgeborener. Das Bīja Trivikramas wird mit Bhāskara und Viṣṇu
ardhacandrākṛti śceti tadevāṅgaṃ ca ṣaḍvidham |
ṛṣiśca devatā chandaḥ pūrvoktānyeva sādhanam || 234 ||
27.234 sowie Halbmondform angegeben; daraus entstehen auch die sechs Glieder. Seher, Gottheit, Metrum und Praxis entsprechen den früheren Angaben.
ścaite devatāṅgaṃ ca |
pūrvavatphalamasyāpi rājyādiprāptiriṣyate |
na tvekaṃ śakyate vaktumānantyātphalasampadām || 235 ||
27.235 Seine Frucht ist wie zuvor das Erlangen von Königsherrschaft und anderem. Die Fülle seiner Früchte ist unendlich und lässt sich nicht einzeln aufzählen.
naikaikaṃ |
jāmadagnyarāmamantraḥ. |
rāmasya jāmadagnyasya mantroddhāraścaturmukha |
gṛhītvā pūrvavatsaptavarṇān sādhāraṇāṃ stataḥ || 236 ||
27.236 Nun folgt die Gewinnung des Mantras Rāmas, des Sohnes Jamadagnis, Viergesichtiger. Zuerst werden wie zuvor die sieben gemeinsamen Silben genommen.
asādhāraṇavarṇānāṃ kramāduddhāraṇaṃ śṛṇu |
janmahantā gopanaśca mādhavī viṣṇura svataḥ || 237 ||
27.237 Höre die besonderen Laute in ihrer Reihenfolge: Janmahantṛ, Gopana, Mādhavī und Viṣṇu,
ntataḥ |
dṛṣṭiśchādirgadī bhadrapāṇirvāyuśca gopanaḥ |
caturgatissvarādiśca vahnirākāra eva ca || 238 ||
27.238 Dṛṣṭi, Anfangslaut, Gadin, Bhadrapāṇi, Vāyu, Gopana, Caturgati, erster Vokal, Vahni und ā,
mandharāśchādidevaścaśvasano viṣṇurabjaja |
huṃpaḍanta iti proktāmantrassaptadaśākṣaraḥ || 239 ||
27.239 Mandara, Ādideva, Śvasana und Viṣṇu, Lotusgeborener. Mit „huṃ phaṭ“ am Ende wird der Mantra als siebzehnsilbig bezeichnet.
analaḥ praṇavādiśca sayaṣṭirbījamiritam |
etadevāṅgamāvṛttaṃ ṣaṭkṛtvo gārgyadarśanaḥ || 240 ||
27.240 Anala, Anfang des Praṇava und Yaṣṭi bilden das Bīja. Dasselbe wird sechsmal als Gliederform wiederholt; Gārgya gilt als sein Seher.
chandaśca daivaṃ gāyatraṃ jāmadagnyosya devatā |
japeddviṃśatilakṣāṇi tatassarvārthasādhanaḥ || 241 ||
27.241 Devī-Gāyatrī ist das Metrum, Jāmadagnya die Gottheit. Zwanzig Lakh, also zwei Millionen Wiederholungen, seien auszuführen; dann verwirkliche er alle Ziele.
daśākṣaro'thavā mantrojāmadagnyapadaṃ vinā |
bhījādi sarvaṃ purvoktaṃ mantraśśatrukṣayāvahaḥ || 242 ||
27.242 Ohne das Wort Jāmadagnya gibt es alternativ eine zehnsilbige Form. Bīja und alles Weitere bleiben wie zuvor; dem Mantra wird die Vernichtung von Feinden zugeschrieben.
dāśarathirāmamandraḥ. |
mantro rāmāvatārasya brahman dāśarathervaraḥ |
kathyate bharatādīnāṃ taddevīnāṃ manuḥ kramāt || 243 ||
27.243 Nun wird der vorzügliche Mantra des Rāma-Avatāra, des Sohnes Daśarathas, erklärt, Brahmā, danach die Mantras Bharatas und der anderen sowie ihrer Göttinnen.
dvādaśākṣaramārabhya mantraṃ tadanu padmaja |
caturmūrtimayāyeti padamuccāryamantravit || 244 ||
27.244 Nach dem zwölfsilbigen Mantra spreche der Mantrakundige „caturmūrtimayāya“, „dem aus vier Gestalten Bestehenden“, Lotusgeborener,
abhirāmaśarīreti caturthyantamudīrayet |
rāmeti tadvibhaktyantaṃ ṭhaṭheti tadanantaram || 245 ||
27.245 dann „abhirāmaśarīrāya“, „dem mit dem lieblichen Körper“, und „rāmāya“, „dem Rāma“, jeweils im Dativ, danach „ṭha ṭha“. Die Variante liest anstelle der letzten Silben eine Anweisung zum Rezitieren.
paṭheti ca ||
dvātriṃśadakṣarātmāyaṃ manuruktaśchaturmukha |
bhījamasyānalo viṣṇussānusvāraḥ kramāt smṛtaḥ || 246 ||
27.246 Dieser Mantra wird als zweiunddreißigsilbig bezeichnet, Viergesichtiger. Sein Bīja besteht der Reihe nach aus Anala, Viṣṇu und Anusvāra.
aṅgāni ṣaṭca tadbījamakārādi kramādbhavet |
aparaṃ rāmamantraṃ te kathayāmi caturmukha || 247 ||
27.247 Die sechs Glieder entstehen aus diesem Bīja mit den bei a beginnenden Lauten. Nun erkläre ich dir einen weiteren Rāma-Mantra, Viergesichtiger.
prathaṇaṃ praṇavaṃ procya pañcabinduṃ sayaṣṭikam |
caturthyantaṃ caturmūrtipadamuktvātataḥ param || 248 ||
27.248 Zuerst spreche man Praṇava, dann eine mit Yaṣṭi verbundene Fünf-Bindu-Form und das Wort Caturmūrti im Dativ.
caturgatimayāyeti śaraśārṅgabhṛdanvataḥ |
caturthyantaṃ śaratpūrvamindīvarapadaṃ tataḥ || 249 ||
27.249 Es folgen „caturgatimayāya“, „dem aus den vier Gängen Bestehenden“ – die Variante nennt die vier Veden –, die Bezeichnung des Pfeil- und Śārṅga-Trägers im Dativ sowie „śaradindīvara“, Herbstlotus.
caturveda |
śiraḥ pūrvam |
tviṣeti ca padaṃ paścātprayojyaṃ bhagavatpadam |
caturdhyantaṃ samuccārya mabhirāmapadaṃ tataḥ || 250 ||
27.250 Mit „tviṣe“ wird dessen Glanz bezeichnet: „dem von der Farbe des Herbstlotus“. Darauf folgen Bhagavat im Dativ und das Wort Abhirāma,
śarīrāyeti ca procya rāmāyeti padaṃ tathā |
satyantamiti mantrasya padoddhāraḥ pradarśitaḥ || 251 ||
27.251 verbunden mit „śarīrāya“, sowie „rāmāya“ und die Verehrungsendung. Damit ist die Gewinnung der Mantraworte beschrieben; die beschädigte Anfangsfolge wird nicht frei vervollständigt.
bījaṃ tadaṅgaṣaṭkaṃ ca tadṛṣiśśarabhaḥ smṛtaḥ |
chandaśca pūrvavaddevo rāmātmā bhagavān hariḥ || 252 ||
27.252 Bīja und sechs Glieder bleiben dieselben. Śarabha wird als Seher genannt, das Metrum entspricht dem Vorigen, die Gottheit ist der erhabene Hari als Rāma.
ṛṣiḥ |
japedakṣaralakṣaṃ tu tatassidhyati mantrarāṭ |
phalaṃ cābhīṣṭamacirāllabhate durlabhaṃ mahat || 253 ||
27.253 Für jede Silbe seien hunderttausend Wiederholungen auszuführen; dadurch werde der Mantrakönig vollendet. Bald erlange man die gewünschte große, schwer erreichbare Frucht.
mātṛkā ca kravinyastānarṇaṣaṇḍān samantritān |
abhyarcya kusumaistasminnuddharedbhagavanmayaḥ || 254 ||
27.254 Die im Mātṛkā-Rad angeordneten, mit Mantras versehenen Lautgruppen werden mit Blüten verehrt; ganz vom Herrn erfüllt entnehme man sie daraus.
mālāmantrāntaram. |
ato nyaṃ mantrasaṅghātaṃ mālāmantraṃ yathātatham |
vakṣyāmi saṃprati brahman yadhā vadavadhāryatām || 255 ||
27.255 Jetzt erkläre ich eine weitere Lautsammlung als Mālā-Mantra, Brahmā; höre genau zu.
marṇasaṅghātaṃ |
tadava |
ādau nādaṃ saptavarṇaṃ vasuṃ madhunighādanam |
sparśāntaṃ gopanaṃ śaṅkhaṃ mukhaṃ viṣṇuṃ jayaṃ tathā || 256 ||
27.256 Am Anfang stehen Nāda, die sieben Silben, Vasu, Madhunighādana, der letzte Verschlusslaut, Gopana, Śaṅkha, Mukha, Viṣṇu und Jaya.
acāṃ pañcamamāhendrā nādādiṃ ghaṭavikramān |
śaṅkhinaṃ śikhinaṃ dakṣaṃ karālaṃ vasuniṣṭhitam || 257 ||
27.257 Es folgen der fünfte Vokal, Māhendra, Anfang des Nāda, Ghaṭa, Vikrama, Śaṅkhin, Śikhin, Dakṣa und Karāla mit Vasu als Abschluss.
śaṅkhināṃ śaṅkhinaṃ |
hastaṃ madhudviṣaṃ brahman dhūliketanamadimam |
nāntayāntau sadakṣāhvā paścimodayamakṣaram || 258 ||
27.258 Hasta, Madhudviṣ, Dhūliketana, Anfangslaut, „nānta“ beziehungsweise „bhānta“, „yānta“ mit Dakṣa, letzter Laut und Udaya folgen, Brahmā.
bhāntaṃ |
atriṃ ramādharaṃ krodharūpiṇaṃ cānalāhvayam |
acāṃ dvitīyaṃ pavanaṃ kalaśaṃ bandhumastakam || 259 ||
27.259 Dann stehen Atri, Ramādhara, Krodharūpin, Anala beziehungsweise Agni, der zweite Vokal, Pavana und Kalaśa mit Bandhu als Kopf.
agniṃ |
ugrātmasumukhau syātāṃ yādonāthamṛgādhipau |
dineśamādiṃ nāsikyaṃ śaśāṅkaṃ madhuvidviṣam || 260 ||
27.260 Ugrātman, Sumukha, Yādonātha, Mṛgādhipa, Dineśa, Anfangslaut, Nasallaut, Śaśāṅka und Madhuvidviṣ schließen sich an.
vairājaṃ mādhavīṃ bhadrakaraṃ mādhavamabjaja |
vakratuṇḍamacāmādiṃ vijayodayasaṃjñitam || 261 ||
27.261 Vairāja, Mādhavī, Bhadrakara, Mādhava, Vakratuṇḍa, erster Vokal, Vijaya und Udaya werden genannt, Lotusgeborener.
pañcāntakaṃ tathā yāntakaṃ mantakasthaṃ jayaṃ punaḥ |
rāmamandaraśaṅkhāssyurgopanaṃ pavanaṃ mukham || 262 ||
27.262 Es folgen Pañcāntaka beziehungsweise eine abweichende Fünfer-Verbindung, „yāntaka“, Jaya in einer beschädigten Kopfverbindung, Rāma, Mandara, Śaṅkha, Gopana, Pavana und Mukha.
pañcātmakam. pañcakaṃ tam |
ādibhallāyudau rāmavasugopanapāṭalau |
śrīvatsamādimanalaṃ vāmanāgni madhudviṣam || 263 ||
27.263 Anfangslaut, Bhallāyudha, Rāma, Vasu, Gopana, Pāṭala, Śrīvatsa, Anfangslaut, Anala, Vāmana, Agni und Madhudviṣ folgen. Die Variante verändert die Śrīvatsa-Verbindung und nennt Pañcāyudha.
śrīvatsapañcāyudhādimanalaṃ vāmanodviṣaḥ |
citurgatiṃ khaḍgadhara mekadṛdvaidharaṃ tathā |
dakṣaṃ cāgniṃ hṛṣīkeśa vijayadvayamanvataḥ || 264 ||
27.264 Darauf stehen Caturgati, Khaḍgadhara, Ekadṛś, Vaidhara beziehungsweise Śrīdhara, Dakṣa, Agni und zweimal eine Verbindung von Hṛṣīkeśa und Vijaya. Eine weitere Variante nennt Mandara.
mekadṛk śrīdharau |
mandaraṃ ca. hṛṣīkeśa |
yāntaṃ taccirasaṃ paścātpavanaṃ mṛgavallabham |
ṛkṣeśamekanayanadaragopanavighnarāṭ || 265 ||
27.265 „Yānta“ als Kopf, Pavana, Mṛgavallabha, Ṛkṣeśa, Ekanayana, Dara, Gopana und Vighnarāj schließen sich an.
bandhuyāntau ca bhuvanaṃ vaidharau puṇyabhāskarau |
śvasanaṃ dakṣabhuvanau cakravighneśasaptamam || 266 ||
27.266 Es folgen Bandhu, „yānta“, Bhuvana, Vaidhara, Puṇya, Bhāskara, Śvasana, Dakṣa, Bhuvana und eine Verbindung von Cakra, Vighneśa und dem siebten Laut.
acāṃ kāraṇameṇeśakalātmavasuvikramāḥ |
karālagopanau pāpahananau vikramaṃ tathā || 267 ||
27.267 Eine beschädigte Vokalverbindung, Kāraṇa, Eṇeśa, Kalātman, Vasu, Vikrama, Karāla, Gopana, Pāpahanana und nochmals Vikrama werden genannt. Die umfangreiche Variante verändert die erste Hälfte, ohne sie eindeutig zu klären.
kakāracārumeṇaśakalaśā rūpa acāṃ vikāramaiṇeśa |
mahendrakumbhāvanalo madhusūdana bhāskarau |
yāntagopanasaptārcirmadhusūdanamārutāḥ || 268 ||
27.268 Es folgen Mahendra, Kumbha, Anala, Madhusūdana, Bhāskara, „yānta“, Gopana, Saptārcis, Madhusūdana und Māruta; die Zusatzlesart „vāri“ verändert eine Stelle.
vāri |
pracaṇḍagopanau khaḍgadhara śrīdharavaijayāḥ |
pīyūṣagopanau padmaśrīdharau vanamālinau || 269 ||
27.269 Pracaṇḍa, Gopana, Khaḍgadhara, Śrīdhara, Vijaya, Pīyūṣa, Gopana, Padma, Śrīdhara und eine Vanamālin-Verbindung folgen.
meghapañcātmadviradakamalāmadhuvidviṣaḥ |
pito mṛgeśapavanagopanāśśukla śrīdharāḥ || 270 ||
27.270 Megha, Pañcātman, Dvirada, Kamalā, Madhuvidviṣ, Pīta, Mṛgeśa, Pavana, Gopana, Śukla und Śrīdhara werden genannt.
pāvakasthāntagovindavai rājadaravaidharāḥ |
madhusūdanavighneśasudhārasa samāhvāyāḥ || 271 ||
27.271 Darauf stehen Pāvaka, eine unsichere „sthānta“-Verbindung, Govinda, Vairāja, Dara, Vaidhara, Madhusūdana, Vighneśa und Sudhārasa.
brahmasādhanasaptārcirgatibhāskarasaptamāḥ |
acā mādiṃ dharo vedhāḥ brahmasādhanakheṭakī || 272 ||
27.272 Brahmasādhana, Saptārcis, Gati, Bhāskara, der siebte Laut, erster Vokal, Dhara, Vedhas, Brahmasādhana und Kheṭakin folgen; eine Variante verändert die Verbindung mit Dhara.
matra dharo |
agniśca kapilaṃ brahman bhallāyudhasavikramam |
vighneśaṃ vaidharaṃ pretanāyakaṃ rāmaśrīrṣakam || 273 ||
27.273 Es folgen Agni, Kapila, Bhallāyudha mit Vikrama, Vighneśa, Vaidhara und Pretanāyaka mit Rāma als Kopf, Brahmā.
bhadrapāṇiṃ tathā dṛkcha sarasīruhasambhava |
dakṣādi devahutabhukcaturgatimanantaram || 274 ||
27.274 Bhadrapāṇi, Dṛś, Dakṣa, Ādideva, Hutabhuj und Caturgati schließen sich an, Lotusgeborener.
śrīvatsavāsu devau dvau krodharūpasamiraṇau |
karālaṃ ca ṛtaṃ bhadrapāṇiṃ vai rājamārutau || 275 ||
27.275 Weiter stehen Śrīvatsa, Vāsudeva, Krodharūpa, Samīraṇa, Karāla beziehungsweise Kāraṇa, Ṛta, Bhadrapāṇi, Vairāja und Māruta.
kāraṇaṃ ca |
paścimaṃ vasu kūrmaṃ ca vikramaṃ dṛṣṭigopanau |
vighneśacchalavidhvaṃsamādhavā vaidharātmakam || 276 ||
27.276 Der letzte Laut, Vasu, Kūrma, Vikrama, Dṛṣṭi, Gopana, Vighneśa, Chalavidhvaṃsa, Mādhava und Vaidhara folgen.
jalajaṃ pāpahantāraṃ hutabhukkamalaṃ ghaṭam |
vakratuṇḍaṃ tathā dyumnaṃ dviradānanavikramam || 277 ||
27.277 Dann werden Jalaja, Pāpahantṛ, Hutabhuj, Kamala, Ghaṭa, Vakratuṇḍa, Dyumna, Dviradānana und Vikrama genannt.
bhāntamagniṃ cotadehaṃ vakratuṇḍaṃ caturgatim |
paścimānanayāntau ca otadehasamanvitau || 278 ||
27.278 Es folgen „bhānta“, Agni, Otadeha, Vakratuṇḍa, Caturgati sowie Paścimānana und „yānta“, verbunden mit Otadeha.
vai rājadvitayaṃ dakṣaṃ gopanaṃ nāsikodbhavam |
gadadhvaṃsaṃ ca kapilamatriṃ madhunighādanam || 279 ||
27.279 Zweimal Vairāja, Dakṣa, Gopana, Nasallaut, Gadadhvaṃsa, Kapila, Atri und Madhunighādana schließen sich an.
yāntaṃ caturgatiṃ śuklaṃ vāruṇāgni samiraṇāḥ |
ekadantaṃ caikadṛṣṭiṃ bahulaṃ madhuvidviṣam || 280 ||
27.280 Darauf stehen „yānta“, Caturgati, Śukla, Vāruṇa, Agni, Samīraṇa, Ekadanta, Ekadṛṣṭi, Bahula und Madhuvidviṣ.
pracaṇḍaṃ vikramaṃ vakratuṇḍaṃ ca saguhālayam |
sumukhaṃ hutabhukchaṅkhamanalaṃ madhuvidviṣam || 281 ||
27.281 Pracaṇḍa, Vikrama, Vakratuṇḍa mit Guhālaya, Sumukha, Hutabhuj, Śaṅkha, Anala und Madhuvidviṣ folgen.
yaṣṭiṃ dakṣaṃ tathākāraṃ nāsikyaṃ dhūliketanam |
dhruvaṃ māhendramākāra mardhāṃśuṃ kumbhagopanau || 282 ||
27.282 Weiter werden Yaṣṭi, Dakṣa, ā, Nasallaut, Dhūliketana, Dhruva, Māhendra, ā, Ardhāṃśu, Kumbha und Gopana genannt; die Variante verändert die Halbmond- und Schlussverbindung.
mardhaṃśu bhujagāpanāḥ |saddhruvaṃ janmahantāraṃ vāruṇaṃ pulahaṃ tathā |
musalī kumbhamākāraṃ pītavāyudhanapradāḥ || 283 ||
27.283 Janmahantṛ mit Dhruva, Vāruṇa, Pulaha, Musalin, Kumbha, ā, Pīta, Vāyu und Dhanaprada folgen.
śrīdharaṃ bhadrahastaṃ ca hariṃ svāhāmayāvaham |
huṃphaḍantaṃ navaitāni bījāni kamalodbhava || 284 ||
27.284 Śrīdhara, Bhadrahasta und Hari schließen sich mit einer beschädigten Svāhā-Verbindung an; die Variante liest Nṛhari. Diese neun Bījas enden mit „huṃ phaṭ“, Lotusgeborener.
nṛhariṃ svāhayā dhanam ||
padmapāṇiṃ padmanābhaṃ vanamālāṃ trivikramam |
śrīvatsaṃ śaṅkhibhuvanaṃ bhadrahastāssavikramāḥ || 285 ||
27.285 Die nächste Folge nennt Padmapāṇi, Padmanābha, Vanamālā, Trivikrama, Śrīvatsa, Śaṅkhin, Bhuvana und Bhadrahasta mit Vikrama.
agniṃ mṛgeśaṃ varuṇaṃ vairājaṃ bandhumastakam |
daraṃ tārkṣyaṃ tathācādidevaṃ śuklaṃ śriyaḥ patim || 286 ||
27.286 Es folgen Agni, Mṛgeśa, Varuṇa, Vairāja mit Bandhu als Kopf, Dara, Tārkṣya, Ādideva, Śukla und Śriyaḥpati.
vasugopanaśītāṃśubhuvanānalavāruṇāḥ |
mṛgeśavijayākāra viṣkambhāśśukla vikramau || 287 ||
27.287 Vasu, Gopana, Śītāṃśu, Bhuvana, Anala, Vāruṇa, Mṛgeśa, Vijaya, ā, Viṣkambha, Śukla und Vikrama werden genannt.
dṛkpuṇyamādipadevaṃ ca bhāskaraṃ ṛtadhāmakam |
sūkṣmadṛkchaṅkhadakṣauca vaidharo'gniśchaturgatiḥ || 288 ||
27.288 Dṛś, Puṇya, eine beschädigte Ādideva-Form, Bhāskara, Ṛtadhāman, Sūkṣmadṛś, Śaṅkha, Dakṣa, Vaidhara, Agni und Caturgati folgen. Eine Variante nennt Prabhākara mit Vikrama.
prabhākara savikramau |paścimaṃ tritadakṣādi agnivāyusaroruhāḥ |
ṛtadhāmā jayā gopā paścimā śuklamabjaja || 289 ||
27.289 Weiter stehen der letzte Laut, Trita, Dakṣa, Anfangslaut, Agni, Vāyu, Saroruha, Ṛtadhāman, Jayā, Gopa, der letzte Laut und Śukla, Lotusgeborener. Die Variante verändert mehrere Namen und ihre Aufteilung, unter anderem zu Atri.
dhṛtadakṣātriragni vāyusaroruhāḥ || ṛtaṇāntadharā gopapaścimā |
bhānugopanasaptārci rbhallāyudhaguhālayāḥ |
nai rājakakubhau kumbhahavyavāṭkapilāhvayāḥ || 290 ||
27.290 Bhānu, Gopana, Saptārcis, Bhallāyudha, Guhālaya, Nairāja, Kakubh, Kumbha, Havyavāh und Kapila schließen sich an; die Zusatzlesart nennt „bhānta“ beziehungsweise „hānta“.
bhānta hānta |
vaidharaṃ bhāskaraṃ pāpahananaṃ vakratuṇḍakam |
gadinaṃ ṛtadhāmānaṃ bhāskaraṃ sumukhaṃ tathā || 291 ||
27.291 Es folgen Vaidhara, Bhāskara, Pāpahanana, Vakratuṇḍa, Gadin, Ṛtadhāman, nochmals Bhāskara und Sumukha.
kumbhavikramajanmāhvapadmanābhāssadevarāṭ |
subhadrasaṅkhadakṣāhvamotadeho'tha bhāskaraḥ || 292 ||
27.292 Kumbha, Vikrama, Janma, Padmanābha mit Devarāj, Subhadra, Śaṅkha, Dakṣa, Otadeha und Bhāskara werden genannt.
pavanaṃ pāpahananaṃ gopanau vijayo daraḥ |
udayaṃ pītakamalaṃ madhusūdanavighnarāṭ || 293 ||
27.293 Darauf stehen Pavana, Pāpahanana, Gopana, Vijaya, Dara, Udaya, Pīta, Kamala, Madhusūdana und Vighnarāj.
māhendraśśubhado vahnigodhanau kumbhavikramau |
agniratriḥ kumbhadharau lakṣmīkharvāścaturmukha || 294 ||
27.294 Māhendra, Śubhada, Vahni, Godhana, Kumbha, Vikrama, Agni, Atri, Kumbha, Dhara, Lakṣmī und Kharva folgen, Viergesichtiger. Eine Zusatzlesart bietet Puṇya, Dhana, Śrī und Dṛṣṭi.
puṇyadhanau śrīścadṛṣṭi | śuklodayaṃ tathā dṛṣṭiśśrīvatsaṃ vasuśīrṣakam |
vighneśa śubhadau syātāṃ sarasīruhasambhava || 295 ||
27.295 Es folgen Śukla, Udaya, Dṛṣṭi beziehungsweise Vṛṣṭi, Śrīvatsa mit Vasu als Kopf, Vighneśa und Śubhada, Lotusgeborener.
śuklodayā tathā vṛṣṭi |
madhusūdaśśārṅgapāṇiḥ pañchāntakavidhī punaḥ |
aurvadakṣautadehaśca dṛṣṭiṃ sarasijaṃ tathā || 296 ||
27.296 Madhusūda, Śārṅgapāṇi, Pañcāntaka, Vidhi, Aurva, Dakṣa, Otadeha, Dṛṣṭi und Sarasija werden genannt; die Variante verändert die Aurva-Dakṣa-Verbindung.
otadakṣota |
vāmano dhanado yāntassubhagāgni vanasrajaḥ |
rāmapuṇyāgni garuḍavikramau jayavikramau || 297 ||
27.297 Vāmana, Dhanada, „yānta“, Subhaga, Agni, Vanasraj beziehungsweise Vasu-Prajā, Rāma, Puṇya, Agni, Garuḍa mit Vikrama sowie Jaya mit Vikrama folgen.
rvasuprajāḥ |
subhago'gni rādidevaḥ kuñjareṇa mukhākṣaraḥ |
karālaṃ kapilaṃ pāpahananaṃ pavanātmajam || 298 ||
27.298 Weiter stehen Subhaga, Agni, Ādideva, Kuñjara mit dem Anfangslaut, Karāla, Kapila, Pāpahanana und Pavanātmaja.
śrīdharaṃ dṛṣṭidhanadaṃ pañcabinduṃ savighnarāṭ |
śubhota dehāvugrātmā caturgatimacāṃ mukham || 299 ||
27.299 Śrīdhara, Dṛṣṭi, Dhanada, fünf Bindus mit Vighnarāj, Śubha, Otadeha, Ugrātman, Caturgati und der erste Vokal schließen sich an.
śailadvayaṃ dvādaśātmā gopanaśśukla paścimau |
śrīdharassumukho bhūmiranalaḥ pañca bindukaḥ || 300 ||
27.300 Es folgen zweimal Śaila, Dvādaśātman, Gopana, Śukla, der letzte Laut, Śrīdhara, Sumukha, Bhūmi und Anala mit fünf Bindus. Die Variante liest an der letzten Stelle eine Zwanziger-Angabe.
viṃśakaḥ |
karālāgniṃ mahāmāyā subhago bandhuranvataḥ |
vairājaṃ vikramaṃ pupahananaṃ bandhumastakam || 301 ||
27.301 Karāla, Agni, Mahāmāyā, Subhaga, Bandhu, Vairāja, Vikrama und Pāpahanana mit Bandhu als Kopf werden genannt; „pupa“ im Grundtext ist beschädigt.
pracaṇḍaṃ puṇḍarīkākṣaṃ vāsudevaṃ jayaṃ vasum |
sūkṣmadṛkkumbhavaruṇapaścimānanamādharāḥ || 302 ||
27.302 Dann stehen Pracaṇḍa, Puṇḍarīkākṣa, Vāsudeva, Jaya, Vasu, Sūkṣmadṛś, Kumbha, Varuṇa, Paścimānana und Mādhara.
ugrātmamṛgadakṣāhva gopanā dhanadaḥ kuṭaḥ |
dakṣaḥ puṇyodayaśśukla śśubhadṛṣṭirvināyakaḥ || 303 ||
27.303 Ugrātman, Mṛga, Dakṣa, Gopana, Dhanada, Kūṭa, Dakṣa, Puṇya, Udaya, Śukla, Śubhadṛṣṭi beziehungsweise Guhadṛṣṭi und Vināyaka folgen.
guhadṛṣṭiḥ |
vaidharo madhuhantāca mandaraṃ brahmasādhanam |
atriragnipavitrāhvā vaidharasparśapaścimāḥ || 304 ||
27.304 Es folgen Vaidhara, Madhuhantṛ, Mandara, Brahmasādhana, Atri, Agni, Pavitra, Vaidhara und der letzte Verschlusslaut; die Variante liest Vairāja und den fünften Verschlusslaut.
vairājapparśapañcamaḥ |bhadrādidevabhallāhvamugrabhūmiṃ madhudviṣam |
ekadṛgdakṣavighneśamādhavā mṛgavallabhāḥ || 305 ||
27.305 Darauf stehen Bhadra, Ādideva, Bhalla, Ugra, Bhūmi, Madhudviṣ, Ekadṛś, Dakṣa, Vighneśa, Mādhava und Mṛgavallabha.
bhāskaraṃ devadattaṃ ca bhānuṃ bandhuṃ subhadrakam |
gadadhvaṃsaṃ tathā kumbhaṃ dviradaṃ paścimānanam || 306 ||
27.306 Bhāskara, Devadatta, Bhānu, Bandhu, Subhadra, Gadadhvaṃsa beziehungsweise Padadhvaṃsa, Kumbha, Dvirada und Paścimānana schließen sich an.
padadhvaṃsastathā |
aurvāgni bhuvanāvugrayaṣṭirvedhāśśriyaḥ patiḥ |
agniṃ ramādharaṃ dviśca agnikūṭa vigarhitam || 307 ||
27.307 Es folgen Aurva, Agni, Bhuvana, Ugra, Yaṣṭi, Vedhas, Śriyaḥpati, Agni, zweimal Ramādhara und eine beschädigte Verbindung von Agni, Kūṭa und Vigarhita beziehungsweise Viḍambhita.
vidambhitam |
tathā bhadramadhudveṣidṛṣṭigopanamastakān |
vairājadakṣakamalagopanāvindupakṣirāṭ || 308 ||
27.308 Bhadra, Madhudveṣin, Dṛṣṭi und Gopana stehen in einer Kopfverbindung; danach folgen Vairāja, Dakṣa, Kamala, Gopana, Indu und Pakṣirāj.
manuṃ dhruvāgni mākāraṃ binduśchandramadudviṣaḥ |
nāsikya mādiratriśca bandhumandaraviṣṭapāḥ || 309 ||
27.309 Manu, Dhruva, Agni, ā, Bindu, Candra, Madhudviṣ, Nasallaut, Anfangslaut beziehungsweise Bandhu, Atri, Bandhu, Mandara und Viṣṭapa werden genannt.
nāsikyaṃ bandhuratriṃ ca |
vai rājarephaśaṅkhāhvamādhavāvādivighnarāṭ |
mṛgeśakamalau dakṣaṃ guhamambhoruhāsana || 310 ||
27.310 Es folgen Vairāja, r, Śaṅkha, Mādhava, Anfangslaut, Vighnarāj, Mṛgeśa, Kamala, Dakṣa und Guha, auf dem Lotus Sitzender.
jayo'gnirvāyuraiṇeśamukho garuḍavāhanaḥ |
bandhupītapavitrāhvamadhusūdanavaijayāḥ || 311 ||
27.311 Jaya, Agni, Vāyu, Aiṇeśa, Mukha, Garuḍavāhana, Bandhu, Pīta, Pavitra, Madhusūdana und Vijaya schließen sich an.
gopano bhārgavākāraśuklodayahutāśanāḥ |
pītotadehakamalavighna vikramamādhavāḥ || 312 ||
27.312 Darauf stehen Gopana, Bhārgava, ā, Śukla, Udaya, Hutāśana, Pīta, Otadeha, Kamala, Vighna, Vikrama und Mādhava.
gopanaṃ somabandhuśca karigopanayaṣṭayaḥ |
dineśamṛtadhāmāhva dṛṣṭiśaṅkhamadhudviṣaḥ || 313 ||
27.313 Gopana, Soma beziehungsweise Sāma, Bandhu, Karin, Gopana, Yaṣṭi, Dineśa, Amṛtadhāman, Dṛṣṭi, Śaṅkha und Madhudviṣ folgen.
sāma |
vighnavāyū tathā gopakamalau satrudāhakaḥ |
dhāntasaṅkhā madhorhantā padmakrodhāgni mārutāḥ || 314 ||
27.314 Es folgen Vighna, Vāyu, Gopa, Kamala, Śatrudāhaka, „dhānta“ beziehungsweise „yānta“, Śaṅkha, Madhuhantṛ, Padma, Krodha, Agni und Māruta.
yānta |
ādiścakrī subandhuśca pītassarvapurāntakaḥ |
udayo yāntarāmau ca vairājatapavanāgnayaḥ || 315 ||
27.315 Anfangslaut, Cakrin, Subandhu, Pīta, Sarvapurāntaka, Udaya, „yānta“, Rāma, Vairāja, Tapana beziehungsweise Pavana und Agni werden genannt. Die Variante verändert die letzten Wortgrenzen.
udayo rantarāmau vairājatepavanāgnayaḥ |ādiḥ kharvatanurbandhu pītapadmamadhudviṣaḥ |
pāṭalaṃ paścimaṃ padmanābhaṃ vaidharamādhavau || 316 ||
27.316 Darauf stehen Anfangslaut, Kharvatanu, Bandhu, Pīta, Padma, Madhudviṣ, Pāṭala, letzter Laut, Padmanābha, Vaidhara und Mādhava.
bhallāyudhaṃ gadī kumbha vairājamṛgavallabhāḥ |
śrīvatsamagnimikāraṃ kumbhaṃ pītadvayaṃ tathā || 317 ||
27.317 Bhallāyudha, Gadin, Kumbha, Vairāja, Mṛgavallabha, Śrīvatsa, Agni, i, Kumbha und zweimal Pīta folgen.
subhadragopanau śaṅkhamantarau dinakṛttathā |
acāṃ caturdaśaṃ janmaśaśāṅkamṛgavallabhāḥ || 318 ||
27.318 Es folgen Subhadra, Gopana, eine nicht ganz klare Verbindung mit Śaṅkha, Dinakṛt, der vierzehnte Vokal, Janma, Śaśāṅka und Mṛgavallabha.
hutāśagopadakṣāhvamādhavyaśca guhālayaḥ |
vai rājayugasaptārcirdara devahutāntimāḥ || 319 ||
27.319 Hutāśa, Gopa, Dakṣa, Mādhavī, Guhālaya, zweimal Vairāja, Saptārcis, Dara, Deva und eine abschließende Huta-Verbindung werden genannt.
asalo yaṣṭisahito bījamasya samiritam |
śarabhaṅgaṛṣistasya varivaṃ chanda īritaḥ || 320 ||
27.320 Anala, im Grundtext beschädigt als „asala“, mit Yaṣṭi ist sein Bīja. Śarabhaṅga ist der Seher; der Metrumsname „variva“ bleibt unsicher.
japo lakṣatrayastasmin catuśśatamitākṣare |
puṃso rāmāvatārasya parasya paramātmanaḥ || 321 ||
27.321 Für diesen aus vierhundert Silben bestehenden Mantra werden dreihunderttausend Wiederholungen angegeben. Er gehört zum höchsten Puruṣa, zum Paramātman in seinem Rāma-Avatāra.
catuśśatārṇarūpo'yaṃ mālāmantrassamuddhṛtaḥ |
yathāpuraṃ puraścaryā siddhaścaiva yathāpuram || 322 ||
27.322 Damit ist dieser vierhundertsilbige Mālā-Mantra erschlossen. Vorbereitende Praxis und Vollendung entsprechen dem früheren Verfahren.
bharatādīnāṃ mantranirdeśaḥ. |
anveṣāṃ bharatādīnāmitarapyūhanāmabhiḥ |
ātmaśīrṣaiśchaturthyantairnāmāni sahitāni ca || 323 ||
27.323 Für Bharata und die übrigen werden ihre Namen mit denen der anderen Vyūhas verbunden, mit „ātman“ versehen und im Dativ gesprochen.
caturthyantāni vācyāni mantrarūpāṇi padmaja |
bījānyādyakṣa rāṇyeva sānusvārāṇi yojayet || 324 ||
27.324 Die so im Dativ stehenden Namen bilden ihre Mantras, Lotusgeborener. Als Bījas dienen jeweils die Anfangslaute mit Anusvāra.
bījā dyānya |
sītādīnāṃ ca devīnāṃ caturthyantāssamāhvayāḥ |
mantraṣṭhaṭhetiparyanto bījānyādyakṣarāṇi ca || 325 ||
27.325 Auch die Namen der Göttinnen, beginnend mit Sītā, werden im Dativ gesprochen; der Mantra endet mit „ṭha ṭha“. Ihre Bījas sind ebenfalls die Anfangslaute. Die Variante verändert die Angabe der Endung.
mantraṣaṣṭhetiparyanto |
śrīmantravatpuraścaryā tadvacca phalasambhavaḥ |
balarāmamantraḥ. |
rāmasya balabhadrasya manussaṃprati kathyate || 326 ||
27.326 Vorbereitende Praxis und Frucht entsprechen dem Śrī-Mantra. Nun wird der Mantra Rāmas als Balabhadra erläutert.
saptārṇaṃ padamuccārya tataḥ paścādudīriyet |
rāmāyeti caturthyantaṃ balabhadrapadaṃ tathā || 327 ||
27.327 Nach dem siebensilbigen Anfang werde „rāmāya“ im Dativ gesprochen, ebenso „balabhadrāya“.
bījamasyocyate brahman jṛmbhalaṃ pulahaṃ tathā |
sānusvāro hṛṣīkeśaḥ paiṅgalasyādṛṣiḥ smṛtaḥ || 328 ||
27.328 Sein Bīja wird mit Jṛmbhala, Pulaha und Hṛṣīkeśa samt Anusvāra angegeben, Brahmā. Paiṅgala gilt als Seher.
chandaḥ pūrvavadevasyāddevatā musalāyudhaḥ |
rāmaḥ kamalapatrākṣo bījamevāṅgapaddhatiḥ || 329 ||
27.329 Das Metrum entspricht dem Vorigen; die Gottheit ist der lotusäugige Rāma mit der Stampfkeule. Das Bīja selbst bildet die Gliederfolge.
lakṣāṇyakṣarasaṅkhyāni bhavenmantrasya siddhaye |
phalamiṣṭamavāpnoti pātālagamanādikam || 330 ||
27.330 Zur Vollendung seien so viele Lakh Wiederholungen auszuführen, wie der Mantra Silben hat. Gewünschte Früchte, etwa der Gang in die Unterwelt, würden dadurch erreicht.
japenmantrasya |
caturvargaphalāvāpteḥ phalamasya karesthitam |
kṛṣṇasya mantraḥ. |
yādavasyātha kṛṣṇasya mantrassaṃprati kathyate || 331 ||
27.331 Die Frucht der vier Lebensziele liege ihm gleichsam in der Hand. Nun wird der Mantra des Yādava Kṛṣṇa beschrieben.
udgīthamucchāryamukhe sparśādi tadanantaram |
ṛtadhāmā tataḥ paścātkrodharūpamanantaram || 332 ||
27.332 Am Anfang steht Udgītha, danach der erste Verschlusslaut, Ṛtadhāman und Krodharūpa,
vanamālinamākāraṃ śvasanaṃ viṣṇumastakam |
satyantamiti ṣaḍvarṇā mantrasya kathitā mayā || 333 ||
27.333 Vanamālin, ā, Śvasana mit Viṣṇu als Kopf und die Verehrungsendung. So werden die sechs Silben des Mantras angegeben.
bījaṃ kamalamādyaṃ syātsaptārcistadanantaram |
aurvaḥ paścātsayaṣṭissyādetenaivāṅgakalpanā || 334 ||
27.334 Sein Bīja besteht aus Kamala, Anfangslaut, Saptārcis, Aurva und Yaṣṭi; damit werden auch die Glieder gebildet.
sanako'sya bhaveddraṣṭā chando gāyatramucyate |
devatā bhagavān kṛṣṇaḥ puraścharyā ca pūrvavat || 335 ||
27.335 Sanaka ist sein Seher, Gāyatrī das Metrum, der erhabene Kṛṣṇa die Gottheit. Die vorbereitende Praxis ist wie zuvor.
phalāni pūrvamuktāni nānantyāducyate punaḥ |
govardhanamantraḥ. |
govardhanākhyamantranya varṇoddhāraḥ pradarśyate || 336 ||
27.336 Seine Früchte wurden bereits genannt und werden wegen ihrer Unendlichkeit nicht wiederholt. Nun folgt die Lautgewinnung für den Govardhana-Mantra.
vedādiṃ pūrvamuccārya prathame sparśapañcake |
tṛtīyaṃ yādiṣu tathā svareṣu ca caturmukha || 337 ||
27.337 Zuerst werde der Anfang des Veda gesprochen, dann der dritte Laut der ersten Fünfergruppe der Verschlusslaute und entsprechende Angaben zur ya-Reihe und zu den Vokalen. Die Variante nennt den vierzehnten; die Zuordnung ist im Satz nicht vollständig eindeutig, Viergesichtiger.
caturdaśa |
saddhruvaṃ gadinaṃ brahmasādhanaṃ ca sudhārasam |
ādiṃ saptārciṣaṃ puṇyaṃ makaraṃ tadanantaram || 338 ||
27.338 Es folgen Gadin mit Dhruva, Brahmasādhana, Sudhārasa, Anfangslaut, Saptārcis, Puṇya und Makara beziehungsweise ā.
mākāraṃ |
bhadrabāhuṃ dvitīyaṃ ca śvasanaṃ mukhamanvataḥ |
satyastamevamuddhāraḥ kathito savavarṇakaḥ || 339 ||
27.339 Bhadrabāhu, der zweite Laut, Śvasana, Anfangslaut und die Verehrungsendung schließen die Folge. Sie wird als neunsilbig bezeichnet; „savavarṇaka“ ist dabei beschädigt.
mantrastadeva bījādi sādhanaṃ phalamīritam |
gopālamantraḥ. |
gopālamantrasyoddhāraḥ kathyate kamalāsana || 340 ||
27.340 Bīja, Praxis und Frucht entsprechen den früheren Angaben. Nun wird die Gewinnung des Gopāla-Mantras erklärt, Lotusgeborener.
chandasāmādimuccārya tṛtīyaṃ sparśasaṃjñitam |
otadehaṃ pavitraṃ ca vāmanaṃ kakubhaṃ tataḥ || 341 ||
27.341 Nach dem Anfang der Metren folgen der dritte Verschlusslaut, Otadeha, Pavitra, Vāmana und Kakubh,
aniruddhaṃ vighṇu rājamakāraṃ yādasāṃpatim |
ādyaṃ pulahamāvṛttaṃ sparśopāntaṃ ca gopanam || 342 ||
27.342 Aniruddha, Vighnarāja, a, Yādasāṃpati, Anfangslaut, eine wiederholte Pulaha-Verbindung, der vorletzte Verschlusslaut und Gopana.
prabhañjanaṃ svareṣvādiṃ ṭhaṭhānto manurīritaḥ |
bījaṃ tṛtīyaṃ sparśānaṃ pītaṃ turyamacāmataḥ || 343 ||
27.343 Prabhañjana und der erste Vokal schließen sich an; der Mantra endet mit „ṭha ṭha“. Sein Bīja beginnt mit dem dritten Verschlusslaut, Pīta und dem vierten Vokal,
nāsikyamaṅgāni punargopanaṃ khaḍgasaṃjñitam |
mukhyaṃ sparśādimanalaṃ gopanaṃ sparśanaṃ tathā || 344 ||
27.344 gefolgt vom Nasallaut. Für die Glieder stehen Gopana, Khaḍga, Mukhya, erster Verschlusslaut, Anala, Gopana und Sparśana beziehungsweise Śvasana,
śvasanaṃ |
ādyaṃ ṭhaṭhāntaṃ prathamaṃ tadevāṅgamanantaram |
vipūrvamadhikaṃ paścādaṅgaṃ trailokyapūrvakam || 345 ||
27.345 Anfangslaut und „ṭha ṭha“ als erstes Glied. Ein weiteres Glied erhält vi davor; danach folgt eine mit „trailokya“ beginnende Form,
rakṣaṇeti caturthyantaṃ tadvibhaktyantamanvataḥ |
asurādyantakaparaṃ padaṃ sarvādyanantaram || 346 ||
27.346 verbunden mit „rakṣaṇāya“, „zum Schutz“, im Dativ. Weitere Dativformen enthalten die Vernichtung der Asuras und „sarva“, alle,
grahaṃ nivāraṇāyeti huṃphaḍantamitīritam |
mantrasya nārado draṣṭā virāṭchandaśca devatā || 347 ||
27.347 verbunden mit „grahanivāraṇāya“, „zur Abwehr aller ergreifenden Mächte“, und „huṃ phaṭ“. Nārada ist der Seher, Virāj das Metrum; die Gottheit
kaṣṇāvatāro bhagavān japasthānaṃ puroditam |
sahasraśaḥ pratisthānaṃ japaḥ proktaścaturmukha || 348 ||
27.348 ist der erhabene Herr im Kṛṣṇa-Avatāra. Die Orte der Rezitation wurden zuvor genannt; für jeden Ort sind tausend Wiederholungen angegeben, Viergesichtiger. Die Variante zur Zahl ist beschädigt.
sahasrāṃśa |
japātsidhyati mantro'yaṃ sādhayatyakhilaṃ phalam |
mantrāntaram. |
aścaryamaparaṃ mantraṃ vakṣyāmi kamalāsana || 349 ||
27.349 Durch die Rezitation werde dieser Mantra vollendet und verwirkliche alle Früchte. Nun erkläre ich einen weiteren wunderbaren Mantra, Lotusgeborener.
uccārya praṇavaṃ pūrvaṃ mādharaṃ tadanantaraṃ |
caturthyantamudīryātha tadvibhaktyantamadbhutam || 350 ||
27.350 Nach Praṇava folge Mādhara im Dativ, darauf „adbhuta“, wunderbar, in derselben Beugung.
mādhāram |
bhogeśvarapadaṃ tadvattadva cca kripadaṃ tataḥ |
suparṇādidhvajāntaṃ ca padaṃ tādṛgvibhaktikam || 351 ||
27.351 Es folgen im Dativ Bhogeśvara, Herr des Genusses, Cakrin, Diskusträger, und Suparṇadhvaja, Träger des Garuḍa-Banners. Die Variante verändert Cakrin zu einer unsicheren Form.
ccatripadam |
pītādivāsaśśabdāntaṃ vāsudevapadaṃ tataḥ |
tadvibhaktiśaro yojyaṃ natyanto manuruddhṛtaḥ || 352 ||
27.352 Danach werden Pītavāsas, Gelbgewandeter, und Vāsudeva im Dativ eingesetzt; der Mantra endet mit der Verehrungsformel.
pūrvamaṅgāni yojyāni pūrvavannātiricyate |
ṛṣiśchando devatā ca pūrvatphalameva ca || 353 ||
27.353 Die früheren Glieder werden eingesetzt; es gibt keinen weiteren Zusatz. Seher, Metrum, Gottheit und Frucht entsprechen dem Vorigen.
bīja |
dharmārthakāmamokṣādi nehabhūyaḥ pratanyate |
mālāmantraḥ. |
mālāmantraṃ tāvadarṇaṃ devasya madhuvidviṣaḥ || 354 ||
27.354 Dharma, Wohlstand, Wunscherfüllung und Befreiung werden hier nicht nochmals ausgebreitet. Nun folgt ein weiterer Mālā-Mantra Madhudviṣs,
kṛṣṇāvatārarūpasya caturvargaphalapradam |
uddharāmi yathā tatvaṃ yathā tadavadhāryatām || 355 ||
27.355 des Gottes im Kṛṣṇa-Avatāra, der die vier Lebensziele schenkt. Ich erschließe ihn entsprechend seiner überlieferten Form; höre aufmerksam zu.
tathyaṃ |
nigamādi dviṣaṭkārṇaṃ sarojamṛtadhāmakam |
krodhaṃ pracaṇḍaṃ madhubhicchaṅkhakumbhṛtānvitāḥ || 356 ||
27.356 Es folgen der Anfang der heiligen Überlieferung, die zwölf Silben, Saroja, Amṛtadhāman, Krodha, Pracaṇḍa, Madhubhid sowie eine Verbindung von Śaṅkha, Kumbha und Ṛta. Die Variante liest „niyama“ statt „nigama“.
niyamādi |
krodhaścaṇḍakramaḥ kumbhaśaṅkāgni madhusūdanāḥ |
daraśrīvatsa eṇeśa krodhassūkṣma mataḥ param || 357 ||
27.357 Die nächste Reihe nennt Krodha, Caṇḍa, Krama, Kumbha, Śaṅkha, Agni, Madhusūdana, Dara, Śrīvatsa, Eṇeśa, Krodha und Sūkṣma.
krodhā caṇḍa |
vāsudevo gadī pāpahananaṃ ca caturgatim |
agnibindhu rviriñcyādi devāśśaṅkha macāṃ mukham || 358 ||
27.358 Vāsudeva, Gadin, Pāpahanana, Caturgati, Agni, Bindu, Viriñci, Ādideva, Śaṅkha und erster Vokal schließen sich an.
pavitramagnimadhubhi dbhadrapāṇidvayaṃ punaḥ |
vaidharaṃ paścimavasuṃ dakṣendu bhuvanātmakam || 359 ||
27.359 Es folgen Pavitra, Agni, Madhubhid, zweimal Bhadrapāṇi, Vaidhara, letzter Laut, Vasu, Dakṣa, Indu und Bhuvana.
sūkṣmacakṣu gartissomaḥ kumbhāgni saguhālayau |
pavitragopanau vāyuṃ paścimāgniṃ madhudviṣaḥ || 360 ||
27.360 Sūkṣmacakṣus, eine beschädigte Gati-Form, Soma, Kumbha, Agni mit Guhālaya, Pavitra, Gopana, Vāyu, letzter Laut, Agni und Madhudviṣ werden genannt.
vairāja mādhavīvighnassāraṅgāsidharāḥ paraḥ |
bandhuvai rājahuta bhukpaṅchātmadviradā sanāḥ || 361 ||
27.361 Darauf stehen Vairāja, Mādhavī, Vighna, Sāraṅga, Asidhara, Bandhu, Vairāja, Hutabhuj, Pañcātman und eine Dvirada-Verbindung. Die Variante liest Pannaga und Dviradānana; die Aufteilung bleibt unsicher.
bhukpannagadviradānanāḥ |
tmanaḥ |
gopanaśśaṅkhadinakṛdṛta vaidharamārutāḥ |
abjotadehāvadriśca yāntabhadratrivikramāḥ || 362 ||
27.362 Gopana, Śaṅkha, Dinakṛt, Ṛta, Vaidhara, Māruta, Abja, Otadeha, Adri, „yānta“, Bhadra und Trivikrama folgen. Die Variante verändert die letzte Verbindung.
yāntrabhadrastrivikramāḥ |
mahendraśaṅkha madhaubhinmārutāḥ kakubhāhvayāḥ |
bhrugugovanavighneśajanma hantreṇasaṃhitāḥ || 363 ||
27.363 Es folgen Mahendra, Śaṅkha, Madhubhid, Māruta, Kakubh, Bhṛgu, Gopana, Vighneśa und Janmahantṛ; die Variante nennt in der Schlussverbindung Herz und Flöte.
hṛdveṇu saṃjñitāḥ |māruto gopano vāyurindu bhāsramaindavam |
ṛtaṃ lakṣmīṃ mahāmāyāṃ krodhāgni varuṇāhvayāḥ || 364 ||
27.364 Māruta, Gopana, Vāyu, Indu, Bhāsra, Aindava, Ṛta, Lakṣmī, Mahāmāyā, Krodha, Agni und Varuṇa werden genannt.
atrirvighnadvayaṃ śaṅkho dviradassūkṣmalocanaḥ |
śriyaḥ patiṃ tathājanmahantāraṃ vakratuṇḍakam || 365 ||
27.365 Atri, zweimal Vighna, Śaṅkha, Dvirada, Sūkṣmalocana, Śriyaḥpati, Janmahantṛ und Vakratuṇḍa schließen sich an.
hutāśacaṇḍamadhubhiddaraśukladineśvarāḥ |
kālātmā pratimākārajayapāvakabhadrakāḥ || 366 ||
27.366 Dann stehen Hutāśa, Caṇḍa, Madhubhid, Dara, Śukla, Dineśvara, Kalātman, Pratimākāra, Jaya, Pāvaka und Bhadra.
udaikaścakṣuramṛtavikramā vidhipāvakau |
dakṣo vidhiścartadhāmā dakṣagopanamabjaja || 367 ||
27.367 Es folgen Udaya in beschädigter Form, Cakṣus, Amṛta, Vikrama, Vidhi, Pāvaka, Dakṣa, Vidhi, Ṛtadhāman, Dakṣa und Gopana, Lotusgeborener.
śaṅkhamādiṃ gadadhvaṃsaṃ māhendraṃ pañcabindukam |
sadhruvaṃ cendirābījaṃ puṣṭibījaṃ tataḥ param || 368 ||
27.368 Śaṅkha, Anfangslaut, Gadadhvaṃsa, Māhendra mit fünf Bindus und Dhruva, Indirā-Bīja und Puṣṭi-Bīja werden genannt.
kāmabījaṃ pāśabījaṃ śrīvatsaṃ bindumastakam |
cakrakhaḍgadharo brahmā padmanābho'tha paścimaḥ || 369 ||
27.369 Darauf stehen Kāma-Bīja, Pāśa-Bīja, Śrīvatsa mit Bindu als Kopf, Cakra-Khaḍgadhara, Brahmā, Padmanābha und der letzte Laut.
vai rāja dakṣakamala śrīdharāḥ pītavāmanāḥ |
indirāpāpahananā gopanā vittavardhanāḥ || 370 ||
27.370 Vairāja, Dakṣa, Kamala, Śrīdhara, Pīta, Vāmana, Indirā, Pāpahanana, Gopana und Vittavardhana folgen. Die Variante beginnt die Folge mit Vaidhara.
vaidharaṃ dakṣakamalaśrīdharāḥpītavāmanau |
madhusūdana nāsikyakuśeśayaramādharāḥ |
śrīvatsadvandvabahulavitteśamadhuvidviṣaḥ || 371 ||
27.371 Madhusūdana, Nasallaut, Kuśeśaya, Ramādhara, zweimal Śrīvatsa, Bahula, Vitteśa und Madhuvidviṣ werden genannt.
kapidhvajo gadī yāntadakṣa śrīdhara candramāḥ |
pītādidevaśśītāṃśurmāyā kamalamabjaja || 372 ||
27.372 Es folgen Kapidhvaja, Gadin, „yānta“, Dakṣa, Śrīdhara, Candramas, Pīta, Ādideva, Śītāṃśu, Māyā und Kamala, Lotusgeborener. Die Zusatzlesart nennt den letzten Laut.
paścimāḥ |
manurdakṣautadehau ca dṛṣṭiśśaṅkhaghaṭāhvayaḥ |
māyā karālāmikāra caṇḍārṇavasumastakam || 373 ||
27.373 Manu, Dakṣa, Otadeha, Dṛṣṭi, Śaṅkha, Ghaṭa, Māyā, Karāla, i und Caṇḍa mit Vasu als Kopf schließen sich an.
nādādiṃ paściṃ padmanābhaṃ vai rājavikramau |
pāvakaṃ chordhvalokeśaṃ paścimaṃ cā prameyakam || 374 ||
27.374 Dann stehen Anfang des Nāda, letzter Laut in beschädigter Form, Padmanābha, Vairāja, Vikrama, Pāvaka, Ūrdhvalokeśa, letzter Laut und Aprameya.
kharvavikramamāhendrabhallāyudhasudhārasāḥ |
vighnamandaravighneśamādhavīsupratiṣṭhitāḥ || 375 ||
27.375 Kharva, Vikrama, Māhendra, Bhallāyudha, Sudhārasa, Vighna, Mandara, Vighneśa, Mādhavī und Supratiṣṭhita folgen.
kumbhodarāmaśubhada pīyūṣāgni guhālayāḥ |
paścimānavighneśa māyāmandhara yugmakāḥ || 376 ||
27.376 Weiter stehen Kumbha, eine unsichere Rāma-Verbindung, Śubhada, Pīyūṣa, Agni, Guhālaya, Paścimānana, Vighneśa, Māyā und ein Mandara-Paar.
vasumūrdhā mahendrādi devāḥ kapilasaṃyutāḥ |
jṛmbhalo yāntasubhaga hutāśadhanadāḥ paraḥ || 377 ||
27.377 Es folgen eine Kopfverbindung mit Vasu, Mahendra, Ādideva mit Kapila, Jṛmbhala, „yānta“, Subhaga, Hutāśa und Dhanada. Die Variante nennt eine Verbindung von Kamalasaṃbhava und Kamala.
kamalasaṃbhavapamala saṃyutaḥ |
govinda vighbhuvana vidhiḥ paścimasaṃkṣitāḥ |
saptārciḥ pītavarṇābhaṃ devaro matimāṃ stathā || 378 ||
27.378 Govinda, eine beschädigte Vighna-Verbindung, Bhuvana, Vidhi, letzter Laut, Saptārcis, Pītavarṇābha, Devara und Matimant schließen sich an.
śaṅkhagopanavairāja śrīdharo dhanadābhidhaḥ |
madhudviṭkuñjara mukhacaturgatisapannagāḥ || 379 ||
27.379 Dann stehen Śaṅkha, Gopana, Vairāja, Śrīdhara, Dhanada, Madhudviṣ, Kuñjaramukha, Caturgati und Pannaga.
bhadrahasto madhudveṣī gadadhvaṃsī dvayānvitaḥ |
bhadrapāṇistathāpuṇyaṃ sanasīruhasambhava || 380 ||
27.380 Bhadrahasta, Madhudveṣin, eine verdoppelte Gadadhvaṃsin-Verbindung, Bhadrapāṇi und Puṇya werden genannt, Lotusgeborener.
sudhāraso vasurbhūmirgopanākhyamataḥ param |
karālabinduvighneśau pañca bindhu śubhāhvayāḥ || 381 ||
27.381 Es folgen Sudhārasa, Vasu, Bhūmi, Gopana, Karāla, Bindu, Vighneśa, fünf Bindus und Śubha beziehungsweise Guha.
guhāhvayāḥ |
madhuhantā tathā brahmā māyā vighnāśca vāmanāḥ |
yāntamādhavapīyūṣavai rājāḥ pañcabindukam || 382 ||
27.382 Madhuhantṛ, Brahmā, Māyā, Vighna, Vāmana, „yānta“, Mādhava, Pīyūṣa, Vairāja und fünf Bindus folgen.
śaśāṅkakamalau bhadrapāṇi dṛgvaidharānvitāḥ |
eṇeśakumbhadṛksaśrī śrīdharāścāntayādikāḥ || 383 ||
27.383 Weiter stehen Śaśāṅka, Kamala, Bhadrapāṇi, Dṛś, Vaidhara, Eṇeśa, Kumbha, Dṛś mit Śrī, Śrīdhara und eine unsichere Endverbindung mit ya. Die Variante verändert die Dṛś-Vaidhara-Verbindung.
sragvai |
gadī ca ṛtadhāmā ca dinakṛdvaruṇomṛgaḥ |
vairājaṃ madhuhantāraṃ viṣṇvābhaṃ brahmasādhanam || 384 ||
27.384 Gadin, Ṛtadhāman, Dinakṛt, Varuṇa, Mṛga, Vairāja, Madhuhantṛ, Viṣṇvābha beziehungsweise Viṣkambha und Brahmasādhana schließen sich an.
viṣkambhaṃ |
mānuṣeśaṃ tathā dakṣaṃ madhusūdanavaidharau |
ṛkṣeśabhuvanau yāntaṃ madhuśatru himālayāḥ || 385 ||
27.385 Darauf stehen Mānuṣeśa, Dakṣa, Madhusūdana, Vaidhara, Ṛkṣeśa, Bhuvana, „yānta“, Madhuśatru und Himālaya beziehungsweise Guhālaya.
guhalayāḥ |
udayo'gni pavitrāśca bandhuśrīmadhuvidviṣaḥ |
vakratuṇḍa viriñcau dvau hṛṣīkeśa śubhābhidhau || 386 ||
27.386 Es folgen Udaya, Agni, Pavitra, Bandhu, Śrī, Madhuvidviṣ, Vakratuṇḍa, Viriñci, Hṛṣīkeśa und Śubha; die genaue Reichweite einer Verdoppelungsangabe bleibt unsicher.
bhāntādi devasumukhau puṇḍarīka vidarbitau |
purṇacandraṃ sarāmaṃ ca vaidharaṃ mohanāśanam || 387 ||
27.387 „Bhānta“ beziehungsweise „hānta“, Ādideva, Sumukha mit Puṇḍarīka, Pūrṇacandra mit Rāma, Vaidhara und Mohanāśana werden genannt. Eine Variante liest Verbindungen mit Māra und Mādhara.
hāntādi |
samāraṃ camādharaṃ ca |
pīyūṣarāmadṛk śaṅkha madhuśatru dhanādhipāḥ |
svāhādharaṃ vaidharaṃ ca govindaṃ vijayābhidham || 388 ||
27.388 Pīyūṣa, Rāma, Dṛś, Śaṅkha, Madhuśatru, Dhanādhipa, Svāhādhara, Vaidhara, Govinda und Vijaya folgen.
śvasano dṛṣṭi madubhiddherambamakarālayāḥ |
kukeśayamadudveṣi pītamādhavamārutāḥ || 389 ||
27.389 Weiter stehen Śvasana, Dṛṣṭi, Madhubhid, Heramba, Makarālaya, Kuśeśaya in beschädigter Form, Madhudveṣin, Pīta, Mādhava und Māruta.
acāṃ dvitīyaṃ nṛhariṃ vasumastakamabjaja |
sūkṣmadṛk sordhvalokeśa vai rājamadhuvidviṣaḥ || 390 ||
27.390 Es folgen der zweite Vokal, Nṛhari mit Vasu als Kopf, Sūkṣmadṛś mit Ūrdhvalokeśa, Vairāja und Madhuvidviṣ, Lotusgeborener.
sūkṣmadṛkityādi madhudviṣaḥ ityantaṃ sārdhaślokatrayaṃ kvacinnāsti |
pāpahantā tathā somadakṣākaravidarbhitau |
acāṃ dvitīyamanalaṃ kamalāmṛtavaijayāḥ || 391 ||
27.391 Ein Quellenvermerk erklärt, dass ein dreieinhalb Verse umfassender Abschnitt von „sūkṣmadṛk“ bis „madhudviṣaḥ“ in manchen Textzeugen fehlt. Es folgen Pāpahantṛ, Soma und Dakṣa mit ā, zweiter Vokal, Anala, Kamala, Amṛta und Vijaya.
dvayaṃ bandhuṃ tathā dakṣaṃ skandhanāgni trivikramam |
svayambhūrjanmahantā ca piyūṣāgnimadudviṣaḥ || 392 ||
27.392 Eine Verdoppelungsangabe, Bandhu, Dakṣa, die beschädigte Verbindung „skandhanāgni“, Trivikrama, Svayambhū, Janmahantṛ, Pīyūṣa, Agni und Madhudviṣ schließen sich an.
dṛṣṭivikrama yāntau ca kumbhabandhuṃ caturmukha |
atrimārutamākāra bhadrahastāssavikramāḥ || 393 ||
27.393 Darauf stehen Dṛṣṭi, Vikrama, „yānta“, Kumbha, Bandhu, Atri, Māruta, ā und Bhadrahasta mit Vikrama, Viergesichtiger.
yāntaśca |
vakratuṇḍānilau vighnadṛgdineśadvayaṃ tathā |
kuñjarāsyaṃ paścimāsyaṃ vakratuṇḍaṃ tathākṣaram || 394 ||
27.394 Vakratuṇḍa, Anila, Vighna, Dṛś, zweimal Dineśa, Kuñjarāsya, Paścimāsya, Vakratuṇḍa und eine weitere Lautangabe werden genannt.
mandarassarvaro dhaścha gadī ca ṛtadhā raviḥ |
pracaṇḍapi ṇḍamākāra madhubhidvaruṇābhidham || 395 ||
27.395 Es folgen Mandara, Sarvarodha, Gadin, Ṛtadhāman, Ravi, Pracaṇḍa, die unsichere Verbindung „piṇḍa“, ā, Madhubhid und Varuṇa. Die Varianten verändern die mittleren Namen und Wortgrenzen.
dhāhvogadī cakrī tathā |
ṇḍikā |
acāmekādaśaṃ lakṣmī muddhṛtya kamalāsana |
samira kalaśau bandhusubhagau makarālayam || 396 ||
27.396 Danach werden der elfte Vokal, Lakṣmī, Samīra, Kalaśa beziehungsweise Kamala, Bandhu, Subhaga und Makarālaya entnommen, Lotusgeborener.
kamalau |
sakaviṃ puṇḍararuciṃ mārutāmṛtavikramāḥ |
ekādaśyāntamadubhicchuklaśaṅkhendavastathā || 397 ||
27.397 Eine Verbindung mit Kavi, Puṇḍararuci, Māruta, Amṛta, Vikrama, eine unsichere Elfer-Endung, Madhubhid, Śukla, Śaṅkha und Indu folgen. Varianten nennen Dhruva, Ekadṛś und „dhānta“.
sadhruvaṃ |
ekadṛk dhānta |
pullalocana mokārakheṭakī mārutābhidhaḥ |
subhadravasuvighneśavaidharāḥ pretanāyakāḥ || 398 ||
27.398 Es folgen Pullalocana, o beziehungsweise Oṃkāra, Kheṭakin, Māruta, Subhadra, Vasu, Vighneśa, Vaidhara und Pretanāyaka.
moṅkāra |
sarāmavighnadṛgdakṣa madhusūdanamanvataḥ |
yāntavāyudhanādhyakṣaramādharagaṇādhipāḥ || 399 ||
27.399 Vighna mit Rāma beziehungsweise Māra, Dṛś, Dakṣa, Madhusūdana, „yānta“, Vāyu, Dhanādhyakṣa, Ramādhara und Gaṇādhipa schließen sich an.
samāra |
bhujaṅgahutabhukpuṇya dakṣadvivasugopanāḥ |
subhagomandaradvandva magni bhadraka rāhvayam || 400 ||
27.400 Dann stehen Bhujaṅga, Hutabhuj, Puṇya, Dakṣa, zweimal Vasu, Gopana, Subhaga, zweimal Mandara, Agni und Bhadrakara.
bandhumastakapañcāntā viṣkambhadviradānanāḥ |
vikramo dakṣahutabhugbhrahmasādhanamabjaja || 401 ||
27.401 Eine mit Bandhu als Kopf versehene Pañcānta-Verbindung, Viṣkambha, Dviradānana, Vikrama, Dakṣa, Hutabhuj und Brahmasādhana werden genannt, Lotusgeborener. Die Variante liest Madhu und Pañcāṅga.
madhumastakapañcāṅga |
vakratuṇḍadharau śukla kumbhāgnidviradāsanāḥ |
madhusūdanapañcānta paśchimā ṛtamandarāḥ || 402 ||
27.402 Es folgen Vakratuṇḍa, Dhara, Śukla, Kumbha, Agni, Dviradāsana, Madhusūdana, Pañcānta, letzter Laut, Ṛta und Mandara.
vaidharogni śirāśśaṅkha śuklakumbhavapuśśirāḥ |
sūkṣmadṛkcordhvavijaya varuṇā vittavardhanāḥ || 403 ||
27.403 Darauf stehen Vaidhara mit Agni als Kopf, Śaṅkha, Śukla, Kumbha in einer unsicheren Körper-Kopf-Verbindung, Sūkṣmadṛś, Ūrdhva, Vijaya, Varuṇa und Vittavardhana.
yaṣṭiṃ saroruhaṃ yāntaṃ paścimāgnissamandarāḥ |
dyumaṇissadhruvaṃ śuklaṃ varuṇo daramanvataḥ || 404 ||
27.404 Yaṣṭi, Saroruha, „yānta“, letzter Laut, Agni mit Mandara, Dyumaṇi mit Dhruva, Śukla, Varuṇa und Dara beziehungsweise Daya folgen.
daya |
otadehaṃ tathā dakṣaṃ vakratuṇḍaṃ karālakam |
agnireṇeśa śrīvatsa kumbhāgni sahapaścimau || 405 ||
27.405 Es folgen Otadeha, Dakṣa, Vakratuṇḍa, Karāla, Agni, Eṇeśa, Śrīvatsa, Kumbha und Agni mit dem letzten Laut.
ṛtaṃ bhallāyudhaṃ gopapāśapāṇijanārdanāḥ |
atriṃ śrīvatsamanalaṃ vāyuṃ śuklaṃ jalāśayam || 406 ||
27.406 Ṛta, Bhallāyudha, Gopa, Pāśapāṇi, Janārdana, Atri, Śrīvatsa, Anala, Vāyu, Śukla und Jalāśaya werden genannt; die Variante liest Agni anstelle einer Chiffre.
agniṃ |
vasuṃ madhudviṣaṃ candraṃ śrīdharogniścaturmukha |
saṃprasāraṇavairājavasuśuklamadudviṣaḥ || 407 ||
27.407 Dann stehen Vasu, Madhudviṣ, Candra, Śrīdhara, Agni sowie eine Samprasāraṇa-Lautumformung mit Vairāja, Vasu, Śukla und Madhudviṣ, Viergesichtiger. Die Zusatzlesart nennt Brahmā.
brahma |
vaidharo bhadracaṇḍāṃśu śvasanau dakṣaśrīdharau |
cakrī samandaramacāṃ pañcamaṃ kamalodbhava || 408 ||
27.408 Vaidhara, Bhadra, Caṇḍāṃśu, Śvasana, Dakṣa, Śrīdhara, Cakrin mit Mandara und der fünfte Vokal schließen sich an, Lotusgeborener.
udayaṃ vighnanayanāvādikhaḍgadharā ramā |
vai rājapadmāhutabhukpañca bindudhanādhipāḥ || 409 ||
27.409 Es folgen Udaya, Vighna, Nayana, Anfangslaut, Khaḍgadhara, Ramā, Vairāja, Padmā, Hutabhuj, fünf Bindus und Dhanādhipa.
agnirugrātmamadhubiddhṛdayā hlādamakṣaram |
gadadhvaṃsaṃ śriyaḥ kāntaṃ vanasraksasamiraṇam || 410 ||
27.410 Agni, Ugrātman beziehungsweise Aniruddhātman, Madhubhid, Hṛdayāhlāda, Gadadhvaṃsa, Śriyaḥkānta und Vanasraj mit Samīraṇa werden genannt.
aniruddhātma |
kumbhavikrama pañcānta ṛtabhāskaravaijayāḥ |
bhuvano'mṛtavai rāja vasubhallakarālakāḥ || 411 ||
27.411 Darauf stehen Kumbha, Vikrama, Pañcānta, Ṛta, Bhāskara, Vijaya, Bhuvana, Amṛta, Vairāja, Vasu, Bhalla und Karāla.
vai rāja janmahantāraṃ dviradaḥ kumbhavaijayāḥ |
svaśirogniṃ tathā śuklapītakumbhāssayāminī || 412 ||
27.412 Vairāja, Janmahantṛ, Dvirada, Kumbha, Vijaya, Agni mit eigener Kopfverbindung sowie Śukla, Pīta und Kumbha mit Yāminī folgen.
nādhaṃ ramādharaṃ vighnumāyāṃ caiva saroruham |
hutā śakapilākṣau dvau paścima vratadhānilau || 413 ||
27.413 Es folgen eine beschädigte Nātha-Form, Ramādhara, Vighnu, Māyā, Saroruha, Hutāśa, Kapilākṣa, letzter Laut und eine unsichere Verbindung von Vrata, Ṛta und Anila.
chaladhvaṃsī pavitrāhva hṛṣīkeśahutāśanam |
kāntādipītaphaṇabṛddakṣavāmanamastakān || 414 ||
27.414 Chaladhvaṃsin, Pavitra, Hṛṣīkeśa, Hutāśana, „kānta“ beziehungsweise „mānta“, Anfangslaut, Pīta, Phaṇabhṛt und Dakṣa mit Vāmana als Kopf schließen sich an.
māntādi |
haurambho'gni rmadhudveṣī śubhadodaramaindavam |
pāṭaladvandvamoṅkāracaṇḍāṃśukapilākṣaram || 415 ||
27.415 Dann stehen Heramba in abweichender Schreibung, Agni, Madhudveṣin, Śubhada, Udara, Aindava, zweimal Pāṭala, Oṃkāra, Caṇḍāṃśu und Kapila.
kamalognissabhuvana dakṣagopanayaṣṭikāḥ |
hutāśatārkṣyamadhubhi nnāsikyaṃ caturāsana || 416 ||
27.416 Kamala, Agni mit Bhuvana, Dakṣa, Gopana, Yaṣṭi, Hutāśa, Tārkṣya, Madhubhid und Nasallaut werden genannt, Viergesichtiger. Die Variante verändert die Anfangsverbindung.
kamalobhuvanaṃ dakṣaṃ gopanāyana yaṣṭikāḥ |
śrībījaṃca gadadhvaṃsaṃ pītaurvaṃdhruvamādimat |
pāṭalobanduvijaya vai rājamṛgavallabhāḥ || 417 ||
27.417 Es folgen Śrī-Bīja, Gadadhvaṃsa, Pīta, Aurva, Dhruva mit Anfangslaut, Pāṭala, Bandhu, Vijaya, Vairāja und Mṛgavallabha.
kakubho mādhavaparaṃ ṭhaṭhānto manurīritaḥ |
nārado'sya munirdraṣṭā varivaṃ chandha īritaḥ || 418 ||
27.418 Kakubh mit Mādhava und „ṭha ṭha“ bilden den Schluss des Mantras; die Variante verändert die erste Verbindung. Nārada ist sein Seher; der Metrumsname „variva“ ist unsicher überliefert.
kakubendrāyavaparaṃ |
devatā devadeveśaḥ kṛṣṇaḥ kamalasambhava |
aṅgāni pūrvavacchāsya puraścaryā ca pūrvavat || 419 ||
27.419 Die Gottheit ist der Herr der Götter, Kṛṣṇa, Lotusgeborener. Glieder und vorbereitende Praxis entsprechen dem früheren Verfahren.
jātipuṣpaurbilva phalaissamidbhirhomamācaret |
chāyāyāṃ bilvavṛkṣasya japahomādikaṃ bhavet || 420 ||
27.420 Der Homa wird mit Jāti-Blüten, Bilva-Früchten und Brennholz vollzogen. Rezitation, Homa und die übrigen Handlungen finden im Schatten eines Bilva-Baumes statt.
puṣpauḥ |
āṇimādikamaiśvaryaṃ puruṣārtha catuṣṭayam |
phalaṃ dadāti mantro'yaṃ mantravidbhassusādhitaḥ || 421 ||
27.421 Dieser von Mantrakundigen richtig verwirklichte Mantra gewähre Fähigkeiten wie Aṇiman sowie die vier menschlichen Lebensziele.
Kapitel 28: Weitere Viṣṇu-Formen, Hayagrīva und Aparājita
pādmasaṃhitāyām |
caryāpādeaṣṭāviṃśo'dhyāyaḥ |
aṣṭāviṃśo'dhyāyaḥ |
śrībhagavān |
yajñamūrtimantraḥ. |
hebrahman yajñavapuṣamantrassaṃprati kathyate |
mahāphalaṃ procyamānamimaṃ tvamavadhāraya || 1 ||
28.1 Der erhabene Herr sprach: Brahmā, nun wird der Mantra des Gottes in Opfergestalt erklärt. Höre aufmerksam diese Lehre von großer Frucht.
ātmane iti paryantamaṣṭākṣaravaduddharet |
kālādyanalamadhyaṃ ca vigrahāntaṃ padaṃ tataḥ || 2 ||
28.2 Wie beim achtsilbigen Mantra werde der Anfang bis „ātmane“, „dem Selbst“, erschlossen. Danach folgt ein Wort mit Kāla am Anfang, Anala in der Mitte und Vigraha am Ende,
caturthyanto mūrtiśīrṣaṃ yajñādipadamanvataḥ |
tadvibhaktyantamaparaṃ ṭhaṭhāntaṃ manurīritaḥ || 3 ||
28.3 im Dativ; anschließend eine ebenfalls im Dativ stehende Bezeichnung, die mit Yajña beginnt und Mūrti enthält. Mit „ṭha ṭha“ endet der Mantra. Die genaue erste Wortverbindung ist nicht ausreichend klar, um die ganze Formel sicher auszuschreiben.
bī masyā nalaṃ mukhyamanusvārāntamuddharet |
aṅgāni cānalādīni ṣaḍbhārāntānyanukramāt || 4 ||
28.4 Sein Bīja wird aus Anala, dem Anfangslaut und abschließendem Anusvāra gewonnen. Die sechs Glieder beginnen ebenfalls mit Anala und erhalten der Reihe nach die sechs Vokalendungen; „ṣaḍbhāra“ ist hier beschädigt.
sānusvārāṇi yojyāni kraturdraṣṭā viruṭpunaḥ |
chandhaśca yajñamūrtyātmā devatā bhagavān hariḥ || 5 ||
28.5 Anusvāra wird hinzugefügt. Kratu ist der Seher, Virāj das Metrum, der erhabene Hari in Opfergestalt die Gottheit.
lakṣatrayaṃ japaḥkāryo mantrasyāsya prasādhane |
phalaṃ prasūte dharmādipuruṣārtha catuṣṭayam || 6 ||
28.6 Zur Vollendung dieses Mantras werden dreihunderttausend Wiederholungen angegeben. Er bringe die vier Lebensziele, beginnend mit Dharma, als Frucht hervor.
annādhipatimantraḥ. |
annādhipatimantrasya prabhāporūpameva ca |
kathyate saṃprati brahman na vācyaṃ yasya kasya cit || 7 ||
28.7 Nun werden Macht und Gestalt des Mantras des Nahrungsherrn beschrieben, Brahmā. Er soll nicht beliebig weitergegeben werden.
praṇavādirmanussarvo viśeṣastūcyate'dhunā |
mukhyamarṇaṃ bhadrapāṇiṃ dviruktaṃ tadanantaram || 8 ||
28.8 Alle Mantras beginnen mit Praṇava; jetzt folgt der besondere Teil: Anfangslaut und zweimal Bhadrapāṇi,
mukhavarṇam |
ādidevaṃ dhanapatiṃ māyāmuddhṛtya paścimam |
viṣṇuṃ vijayanāmānamādyaṃ vāyumanantaram || 9 ||
28.9 Ādideva, Dhanapati, Māyā, letzter Laut, Viṣṇu, Vijaya, Anfangslaut und Vāyu.
devadattaṃ ca dakṣādimādyaṃ dakṣaṃ punastathā |
ādidevaṃ manuṣyeśaṃ dviruktaṃ mukhyamanvataḥ || 10 ||
28.10 Es folgen Devadatta, Dakṣa mit Anfangsverbindung, nochmals Anfangslaut und Dakṣa, Ādideva, Manuṣyeśa, eine Verdoppelung und der Anfangslaut.
mandaraṃ pāpahananamṛtadhā vaiṣṇavākṣaram |
śaṅkhamādimacāmanvagdviḥ proktaṃ pretanāyakam || 11 ||
28.11 Mandara, Pāpahanana, Ṛtadhāman, Vaiṣṇava, Śaṅkha, erster Vokal und zweimal Pretanāyaka werden genannt.
praṇavādiṃ ṭhaṭhetyantamiti mantraṃ caturmukha |
bījamasya pravakṣyāmi dvādaśātmānamuddharet || 12 ||
28.12 Anfang des Praṇava und „ṭha ṭha“ schließen den Mantra, Viergesichtiger. Für sein Bīja entnehme man Dvādaśātman,
jvalanaṃ vāmanaṃ bindumetadevāṅgamucyate |
ākārādikramāddīrghasvarabhaktirviśeṣa kṛt || 13 ||
28.13 Jvalana, Vāmana und Bindu. Dasselbe bildet die Glieder; ihre Besonderheit entsteht durch die langen Vokale von ā an.
vit |
astre viśeṣo viṣṇuśca visargaśca samiritaḥ |
vyāso draṣṭāsya mantrasya chandastu bṛhatī tathā || 14 ||
28.14 Beim Astra-Glied besteht die Besonderheit in Viṣṇu und Visarga. Vyāsa ist der Seher dieses Mantras, Bṛhatī sein Metrum.
devatānnapatiḥprokto mantrasyāsya caturmukha |
anyathā śṛṇu vakṣyāmi bahvannaphaladaṃ śubham || 15 ||
28.15 Annapati, der Herr der Nahrung, ist seine Gottheit, Viergesichtiger. Höre eine weitere heilvolle Form, die reichliche Nahrung schenkt; die Variante verändert die Beschreibung der Frucht.
bahmarṇa |
natyantaṃ prapaṇavaṃ pūrvaṃ varuṇaṃ ca trivikram |
krodharūpaṃ pracaṇḍaṃ ca viṣṇuṃ varuṇamanvataḥ || 16 ||
28.16 Zuerst stehen Praṇava und Verehrungsendung, dann Varuṇa, Trivikrama, Krodharūpa, Pracaṇḍa, Viṣṇu und Varuṇa,
mādhavaṃ pūrṇacandraṃ ca pīyūṣātmānameva ca |
ādiṃ vaiśvānaraṃ mukhyaṃ pavitraṃ praṇavādi ca || 17 ||
28.17 Mādhava, Pūrṇacandra, Pīyūṣātman, Anfangslaut, Vaiśvānara, Mukhya, Pavitra und Anfang des Praṇava.
ekanetramakāraṃ ca śvasanaṃ mādhavaṃ tataḥ |
mandaraṃ praṇavādyaṃ ca dīptimantraṃ caturmukha || 18 ||
28.18 Ekanetra, a, Śvasana, Mādhava, Mandara, Anfang des Praṇava und Dīptimant folgen, Viergesichtiger; die letzte Namensform ist beschädigt.
gopanaṃ jṛmbhalaṃ viṣṇuṃ māhendraṃ gopanaṃ tataḥ |
vāyuvādyaṃ ṭhaṭhāntaṃ ca varṇoddhāra itīritaḥ || 19 ||
28.19 Es folgen Gopana, Jṛmbhala, Viṣṇu, Māhendra, nochmals Gopana, Vāyu mit Anfangslaut und „ṭha ṭha“ als Schluss. Damit ist die Lautgewinnung beschrieben.
bījamaṅgāni pūrvoktamṛṣirasya parāśaraḥ |
chandaścha devī gāyatraṃ devatānnapatirbhavet || 20 ||
28.20 Bīja und Glieder wurden zuvor genannt. Parāśara ist der Seher, Devī-Gāyatrī das Metrum, Annapati die Gottheit.
pūrṇendhubimbamadhyasthe sitapadme vikasvare |
āsīnaṃ dhavalākāraṃ nilakuñchitamūrdhajam || 21 ||
28.21 In der Scheibe des Vollmonds sitzt er auf einem entfalteten weißen Lotus, weiß von Gestalt, mit dunklen gelockten Haaren,
dukūlakṣaumavasanaṃ bālayogya vibhūṣaṇam |
kaladhautamayaṃ prātaṃ vāyasānnena pūritam || 22 ||
28.22 in feines Seiden- beziehungsweise Leinengewebe gekleidet und mit kindgemäßem Schmuck versehen. Eine silberne Schale ist mit Milchreis gefüllt; die Wörter für Schale und Milchreis sind im Grundtext beschädigt.
vibhūṣitam |
bibhrāṇaṃ dakṣiṇe haste dadhyodana mathetare |
dhyāyellakṣatrayaṃ dhīmān japettadgatamānasaḥ || 23 ||
28.23 Diese trägt er in der rechten Hand, in der anderen Dickmilchreis. So meditiere der Einsichtige und wiederhole den Mantra dreihunderttausendmal, mit auf ihn gerichtetem Geist.
anena juhuyāccāgnau niyataṃ mantravittamaḥ |
bahvannatvamavāpnoti sarvamiṣṭaṃ labheti ca || 24 ||
28.24 Mit diesem Mantra bringe er regelmäßig Opfer ins Feuer. Dadurch erlange er reichlich Nahrung und alles Gewünschte, lautet die Verheißung.
śaktīśamantraḥ. |
śaktīśamantramadhunā kathayāmi caturmukha |
āditassaptavarṇānāmuddhāraḥ pūrvamiritaḥ || 25 ||
28.25 Nun erkläre ich den Śaktīśa-Mantra, Viergesichtiger. Die Gewinnung seiner ersten sieben Silben wurde bereits zuvor erläutert.
krodhanaṃ hṛdayāhlādaṃ bhuvanaṃ bhāskaraṃ tataḥ |
guhālayamanussvāraṃ ravimagniṃ ca mārutam || 26 ||
28.26 Es folgen Krodhana, Hṛdayāhlāda, Bhuvana, Bhāskara, Guhālaya, Anusvāra, Ravi, Agni und Māruta,
sayaṣṭiṃ pītamādyarṇaṃ kamalaṃ krodharūpiṇam |
mādhavīṃ pañcabinduṃ ca hananaṃ cāprameyakam || 27 ||
28.27 Pīta mit Yaṣṭi, Anfangslaut, Kamala, Krodharūpin, Mādhavī, fünf Bindus, Hanana und Aprameya.
vai rājamapaprameyaṃ ca puruṣātmāca mādhavaḥ |
nārāyaṇaṃ caturthyantaṃ ṭhaṭheti manurīritaḥ || 28 ||
28.28 Vairāja, nochmals Aprameya in beschädigter Form, Puruṣātman und Mādhava schließen sich an. Danach steht Nārāyaṇa im Dativ, gefolgt von „ṭha ṭha“.
aṃśumān vītihotraścha vāmano bindumastakaḥ |
aṅgaṃ ca bījaṃ pūrvoktamṛṣiścāpi parāśaraḥ || 29 ||
28.29 Aṃśumant, Vītihotra und Vāmana mit Bindu als Kopf werden genannt. Bīja und Glieder gelten wie zuvor; Parāśara ist der Seher.
chandaśca devī gāyatraṃ śaktīśo devatā tathā |
japeddvādaśa lakṣaṃ tu prāpnu yātsarvamipsitam || 30 ||
28.30 Devī-Gāyatrī ist das Metrum, Śaktīśa die Gottheit. Zwölf Lakh, also 1,2 Millionen Wiederholungen, sollen alles Gewünschte verwirklichen.
kālanemimantraḥ. |
kālanemimanurbrahman kathyate sarvasādhakaḥ |
ādyarṇāḥ pūrvavatsaptapīyūṣātmā trivikramaḥ || 31 ||
28.31 Nun wird der alles verwirklichende Kālanemi-Mantra erklärt, Brahmā. Seine ersten sieben Silben entsprechen dem Vorigen; dann folgen Pīyūṣātman und Trivikrama,
ugradehaḥ pracaṇḍaśca viṣṇuḥ kalaśamādhavau |
kamalaṃ gopanayutaṃ mahendraṃ viṣṇumastakam || 32 ||
28.32 Ugradeha, Pracaṇḍa, Viṣṇu, Kalaśa, Mādhava, Kamala mit Gopana und Mahendra mit Viṣṇu als Kopf.
vighneśaṃ devadattaṃ ca dakṣaṃ māyāpariṣkṛtam |
pataṅgamṛtadhāmānaṃ vaidharaṃ ca caturgatim || 33 ||
28.33 Vighneśa, Devadatta beziehungsweise Devadeva, Dakṣa mit Māyā, Pataṅga, Ṛtadhāman beziehungsweise Amṛtadhāman, Vaidhara und Caturgati schließen sich an.
devadevaṃ ca |
pataṅgāmṛta |
ādyaṃ sudhārasaṃ māyāmatrirgopanahavyavāṭ |
ādyaṃ sumukha mādyaṃ ca śvasanaṃ cāprameyakam || 34 ||
28.34 Dann stehen Anfangslaut, Sudhārasa, Māyā, Atri, Gopana, Havyavāh, Anfangslaut, Sumukha, nochmals Anfangslaut beziehungsweise ā, Śvasana und Aprameya.
mākāraṃ |
huṃphaḍantaṃ ṭhaṭhaparaṃ manurevaṃ samuddhṛtaḥ |
bījaṃ vakṣye dinakaraṃ bhuvanaṃ yaṣṭimastakam || 35 ||
28.35 Mit „huṃ phaṭ“, gefolgt von „ṭha ṭha“, wird der Mantra abgeschlossen. Sein Bīja wird als Dinakara mit Bhuvana und Yaṣṭi als Kopf beschrieben.
kruddhādi pūrvavaccāṅgaṃ nārado mandradarśanaḥ |
chandho virāṭ devatā ca kālanemiśchaturmukha || 36 ||
28.36 Die Glieder beginnen wie zuvor mit Kruddha. Nārada ist der Mantra-Seher, Virāj das Metrum, Kālanemi die Gottheit, Viergesichtiger. Die Quelle verwendet hier diesen Namen; er wird nicht stillschweigend umgedeutet.
japasaṅkhyāphalaṃ cāpi dviṣaṭkākṣaravadbhavet |
trailokyamohanamantraḥ. |
trailokya mohanaṃ mantraṃ kathayāmi yathātatham || 37 ||
28.37 Wiederholungszahl und Frucht entsprechen dem zwölfsilbigen Mantra. Nun erkläre ich den Mantra Trailokyamohana, „Bezauberer der drei Welten“.
udgīthaṃ kamalaṃ pītaṃ vāmanaṃ dhruvamastakam |
ekākṣaro manurayaṃ devatāṅgamanukramāt || 38 ||
28.38 Udgītha, Kamala, Pīta und Vāmana mit Dhruva beziehungsweise Bindu als Kopf bilden seine einsilbige Bīja-Form; die Gottheit und Glieder werden anschließend beschrieben.
bindu |
ṣaḍbhiryutamacāmādvaisyānusvāraṃ prajayojayet |
ṛṣirvṛddhamanuśchandho devī gāyatramiritam || 39 ||
28.39 Für die Glieder wird diese mit sechs Anfangsvokalen und Anusvāra verbunden. Vṛddhamanu ist der Seher, Devī-Gāyatrī das Metrum.
trailokyamohano devo devatā japatarpaṇam |
homaśca phalamapyasya nidhisthānopalambhanam || 40 ||
28.40 Trailokyamohana ist die Gottheit. Rezitation, Tarpana und Homa führen unter anderem zum Auffinden verborgener Schatzstätten, lautet die Quelle.
japan bhūyastathā sarvaṃ durlabhaṃ phalamaśnute |
tasyaiva mantrāntaram. |
ṣoḍaśārṇo manurbrahman trilokīmohanātmakaḥ || 41 ||
28.41 Durch fortgesetzte Wiederholung erlange man alle schwer erreichbaren Früchte. Nun folgt eine sechzehnsilbige Trailokyamohana-Form, Brahmā.
ucyate pūrvavatsaptavarṇānādyān samuddharet |
trailokya mohanapadaṃ caturthyantaṃ tataḥ param || 42 ||
28.42 Die ersten sieben Silben werden wie zuvor genommen; danach steht Trailokyamohana im Dativ.
tadvibhaktipadaṃ viṣṇupadaṃ svāhāntamuddharet |
manureṣa sa evāṅgaṃ bījaṃ pūrvavadīritam || 43 ||
28.43 Viṣṇu wird ebenfalls im Dativ angeschlossen, mit Svāhā als Abschluss. Der Mantra selbst bildet die Glieder; sein Bīja entspricht dem Vorigen.
muniḥ punastyaśchandaśca devatā pūrvavattathā |
japasaṅkhyā phalaṃ caiva mūlamantravadiṣyate || 44 ||
28.44 Pulastya, hier beschädigt geschrieben, ist der Seher. Metrum und Gottheit bleiben wie zuvor; Wiederholungszahl und Frucht entsprechen dem Grundmantra.
mantro navākṣaraścānyastrilokī mohanātmakaḥ |
trailokya mohanapadaṃ caturthyantaṃ namastathā || 45 ||
28.45 Eine weitere neunsilbige Form enthält Trailokyamohana im Dativ und Namaḥ.
bījamaṅgamayaṃ caiva sarvakāmaphalapradam |
nigamādiṃ caturthyantaṃ padaṃ trailokya mohanam || 46 ||
28.46 Bīja und Glieder entsprechen dieser Form, die alle Wünsche erfüllen soll. Eine weitere Folge beginnt mit dem Anfang der heiligen Überlieferung und Trailokyamohana im Dativ.
atrakāmakāmeśvarī ityardhaṃ kvacidadhikamasti |
aṃśumālinamagniṃ ca pañcabinduṃ sayaṣṭikam |
śaṅkhinaṃ pulahaṃ pañca binduyaṣṭisamanvitam || 47 ||
28.47 Ein Quellenvermerk nennt an dieser Stelle eine zusätzliche Halbzeile „kāmakāmeśvarī“ in manchen Textzeugen. Es folgen Aṃśumālin, Agni, fünf Bindus mit Yaṣṭi sowie Śaṅkhin und Pulaha, ebenfalls mit fünf Bindus und Yaṣṭi.
tadbījaṃ ca dvirabhyasya natiśca tadanantaram |
dvādaśārṇātmakomantrastrilokīmohanātmakaḥ || 48 ||
28.48 Dieses Bīja werde zweimal wiederholt, dann folgt Verehrung. So wird ein zwölfsilbiger Trailokyamohana-Mantra bezeichnet.
pratyakṣaraṃ lakṣajapo dvādaśākṣaravatphalam |
kāmakāmeśvarīmantraḥ. |
kāmakāmeśvarī nāma mantrassarvaphalapradaḥ || 49 ||
28.49 Pro Silbe sind hunderttausend Wiederholungen vorgesehen; die Frucht entspricht dem zwölfsilbigen Mantra. Nun folgt der alle Früchte schenkende Mantra namens Kāmakāmeśvarī.
udgīthaṃ pūrvamucārya bhāskaraṃ jvalanaṃ tataḥ |
mahāmāyāṃ yaṣṭiyutāmityekākṣaramuddharet || 50 ||
28.50 Nach Udgītha werden Bhāskara, Jvalana und Mahāmāyā mit Yaṣṭi entnommen; daraus entsteht die einsilbige Bīja-Form.
ेtadevāṅgamuditaṃ śaunako munirucyate |
chandaśca devī gāyatraṃ devatā puruṣottamaḥ || 51 ||
28.51 Dieselbe bildet auch die Glieder. Śaunaka ist der Seher, Devī-Gāyatrī das Metrum, Puruṣottama die Gottheit.
lakṣamekaṃ japenmantrī sarvān kāmānavāpnuyāt |
śaṅkhakundendudhavalaṃ caturcāhuṃ kirīṭinam || 52 ||
28.52 Durch hunderttausend Wiederholungen erlange der Mantrakundige alle Wünsche. Er meditiere den Gott weiß wie Muschel, Jasmin und Mond, vierarmig und gekrönt,
garuḍārūḍhamāropya devīṃ vāmoruviṣṭare |
dāḍimikusumaprakhyāṃ sarvākalpapariṣkṛtām || 53 ||
28.53 auf Garuḍa sitzend; auf seinem linken Oberschenkel sitzt die Göttin, rot wie eine Granatapfelblüte und mit allem Schmuck geziert,
vāśāṅkuśadharāṃ lakṣmīṃ kāmavihvālalocanām |
kāmakāmeśvarīmeva dhyāyedekāgramānasaḥ || 54 ||
28.54 Lakṣmī mit Schlinge und Stachel und von Liebe bewegten Augen. So werde Kāmakāmeśvarī mit einspitzigem Geist meditiert.
trailokyamohanamālāmantraḥ. |
trailokyamohanaṃ nāma manussaṃpratikathṛte |
brahmakośamudīryādau natyantaṃ tadanantaram || 55 ||
28.55 Nun folgt ein Mālā-Mantra namens Trailokyamohana. Zuerst werden Brahmakośa, der Praṇava, und die Verehrungsendung gesprochen.
padāni sambudhyāntāni krameṇoddhārayetsudhīḥ |
puruṣādyuttamapadaṃ rupamaprati meti ca || 56 ||
28.56 Dann werden die Worte der Reihe nach als Anreden gebildet: Puruṣottama, höchster Puruṣa, und „du von unvergleichlicher Gestalt“,
mādica |
lakṣmyādi ca nivāsāntaṃ sakalādiṃ jagatpadam |
kṣobhaṇāntaṃ ca sarvādipadaṃ strīhṛdayāvadhi || 57 ||
28.57 „Wohnstätte Lakṣmīs“, „Erschütterer der ganzen Welt“ und eine mit „Herzen aller Frauen“ verbundene Bezeichnung,
vidāraṇaśiraścāpi trayādi bhuvanāvadhi |
unmādakaraparyantaṃ surāsurapadaṃ tataḥ || 58 ||
28.58 gefolgt von „Aufreißer“ sowie „die drei Welten in Erregung Versetzender“. Danach stehen Götter und Asuras,
manujeti samuccārya sundarījanamanvataḥ |
manāṃsīti samuccārya tāpayeti caturmukha || 59 ||
28.59 Menschen und schöne Frauen mit ihren Gemütern, gefolgt von „tāpaya“, „erhitze“, Viergesichtiger. Die Passage ist ein historischer Beeinflussungs- und Schadensmantra.
dīpayeti padaṃ paścācchoṣayeti ca māraya |
stambhaya drāvayākarṣaparyantaṃ ca kriyāpadam || 60 ||
28.60 Es folgen die Befehle „entfache“, „trockne aus“, „töte“, „lähme“, „treibe auseinander“ und „ziehe herbei“.
dvirvaktavyaṃ tato brahman paramaṃ subhagāvadhi |
sambudhyantaṃ ca saubhāgyaṃ kareti padamanvataḥ || 61 ||
28.61 Diese Verben werden jeweils verdoppelt, Brahmā; dann folgen die Anreden „höchst Anmutiger“ und „Glück Bewirkender“. Die Variante verändert die Verknüpfung der ersten Wörter.
tadā brahman prathamam |
karoti ca padaṃ tataḥ |
sarvakāmapradaṃ procya padaṃ cāmukamityataḥ |
haneti dvissamuccārya cakreṇa gadayeti ca || 62 ||
28.62 Nach „alle Wünsche Gewährender“ wird die betreffende Person als „amuka“, „so und so“, bezeichnet. Zweimal wird „schlage“ gesprochen, verbunden mit Diskus und Keule,
khaḍgena sarvabāṇaiśca dvirbhindheti paṭhettataḥ |
pāśeneti tato bandha bandheti ca padadvayam || 63 ||
28.63 Schwert und allen Pfeilen, danach zweimal „spalte“. Mit der Schlinge verbunden folgt zweimal „binde“.
aṅkuśeneti saṃprocya tāḍayeti dvirabhyaset |
kurvanti dvissamuccārya kiṃ tiṣṭhapadamanvataḥ || 64 ||
28.64 Mit dem Stachel verbunden wird zweimal „schlage“ gesprochen; zweimal „tue“ schließt sich an. Die anschließende Wendung „kiṃ tiṣṭha“ ist beschädigt, sinngemäß eine Aufforderung, nicht zu verweilen.
tāvadyāvatpade procya samīhitapadaṃ tataḥ |
me siddhirbhavatūccārya me huṃphaḍiti śīrṣakam || 65 ||
28.65 Es folgen „solange … bis“ und der Wunsch, das Ersehnte möge für mich zur Vollendung kommen, mit „huṃ phaṭ“ als Abschluss. Die vollständige grammatische Verbindung ist nicht überall gesichert.
hetu |
ityeṣa mālāmantrasya samuddhāraḥ pradarśitaḥ |
nigamādiranantaṃ ca aurvaṃ candrārdha śekharam || 66 ||
28.66 Damit ist die Gewinnung des Mālā-Mantras beschrieben. Für das Bīja werden Anfang der heiligen Überlieferung, Ananta und Aurva mit Halbmond als Kopf entnommen.
bījamevaṃ samuddhṛtya ṣaḍaṅgāni manuḥ punaḥ |
ṣoḍhā vibhajya kartavyā ṛṣissyānnalakūbaraḥ || 67 ||
28.67 Nach Gewinnung des Bīja werden die sechs Glieder durch sechsfache Teilung des Mantras gebildet. Nalakūbara ist der Seher.
chando'ticchandanāmāsya devatā puruṣottamaḥ |
dhyāyettameva puruṣaṃ sādhayenmantravittamaḥ || 68 ||
28.68 Sein Metrum heißt Aticchandas, die Gottheit ist Puruṣottama. Über diesen Puruṣa meditiere der Mantrakundige zur Verwirklichung.
dhyātvā |
aṣṭabāhuṃ viśālākṣaṃ garuḍārūḍhamacyutam |
akalaṅkaśaśiprakhyaṃ pūrṇendusadṛśāsanam || 69 ||
28.69 Er ist achtarmig, großäugig, auf Garuḍa sitzend: Acyuta, leuchtend wie der makellose Mond, mit einem Antlitz wie der Vollmond. Das Wort für das Antlitz ist hier als „āsana“ beschädigt.
subhrūlalāṭamakuṭaṃ lāvaṇyāmṛtasāgaram |
pītakauśeyavasanaṃ kapolāmṛṣṭakuṇḍalam || 70 ||
28.70 Schön sind Brauen, Stirn und Krone; er ist ein Meer von Schönheitsnektar, trägt gelbe Seide, und seine Ohrringe berühren die Wangen. Die Variante nennt zusätzlich seine Jugendlichkeit.
yuvānaṃ |
cakraṃ ca musalaṃ bāṇamaṅkuśaṃ dakṣiṇe bhuje |
śaṅkhaṃ kaumodakīṃ śārṅgaṃ pāśaṃ vāmeṣu bibhratam || 71 ||
28.71 In den rechten Händen trägt er Diskus, Stampfkeule, Pfeil und Stachel, in den linken Muschel, Kaumodakī, Śārṅga und Schlinge.
sarvalakṣaṇasaṃpūrṇaṃ sarvākalpapariṣkṛtam |
divya candanaliptāṅgaṃ divya sragdāmabhūṣitam || 72 ||
28.72 Er besitzt alle vollkommenen Merkmale, trägt allen Schmuck, ist mit himmlischem Sandel gesalbt und mit himmlischen Girlanden geziert. Eine Variante nennt auch Gewänder.
srasvastra |
devyo'ṣṭau paritastasya vālavyajanapāṇayaḥ |
vījayanti sadā devaṃ kāmavihvalalocanāḥ || 73 ||
28.73 Acht Göttinnen stehen rings um ihn, mit Haarwedeln in den Händen; mit von Liebe bewegten Augen fächeln sie ihm beständig Luft zu.
etābhyo bahiraṣṭau ca dikṣu cakrādidhāriṇaḥ |
puruṣā devadeveśaṃ praṇipatya bahisthitāḥ || 74 ||
28.74 Außerhalb ihres Kreises stehen in den Richtungen acht männliche Gestalten mit Diskus und den übrigen Waffen, vor dem Herrn der Götter verneigt.
evaṃ saparivāraṃ taṃ dhyātvā devaṃ samāhitaḥ |
saptāhaṃ mantrajāpena vaśyā manujayoṣitaḥ || 75 ||
28.75 Nach gesammelter Meditation über den Gott mit seinem Gefolge bewirke siebentägige Mantra-Rezitation, so die Quelle, die Gefügigkeit menschlicher Frauen.
divaseṣu ca tāvatsu punaryakṣyādiyoṣitaḥ |
tiṣṭhanti saṃmukhāssarvā manmathāviṣṭacetasaḥ || 76 ||
28.76 Nach nochmals ebenso vielen Tagen stünden Yakṣiṇīs und weitere weibliche Wesen vor dem Ausübenden, von Liebesverlangen ergriffen.
bhajantimantriṇaṃ mantra vaibhavānmohayanti ca |
japī bhūyāstathā kāmān sarvānvindatyasaṃśayaḥ || 77 ||
28.77 Sie wendeten sich dem Mantrakundigen zu und bezauberten ihn durch die Mantramacht. Durch weitere Wiederholung erlange er alle Wünsche. Diese Aussagen gehören zur historischen Wirkungslehre, nicht zu einer festgestellten Verfügung über den Willen anderer.
prabhāvāt |
japan bhūyastadā |
kiṃ punarbahunoktena devaḥ pratyakṣatāmiyāt |
śāntiḥ puṣṭiśca dharmaśca kāmārthau mokṣa eva ca || 78 ||
28.78 Wozu viele Worte? Der Gott werde unmittelbar sichtbar. Frieden, Stärkung, Dharma, Wunscherfüllung, Wohlstand und Befreiung,
kāmārthausa dharmau |
pātālākāśagamanamantardhānamadṛśyatām |
nidhānaṃ phalasiddhiṃ ca khananaṃ cauṣadhaṃ tathā || 79 ||
28.79 Gang in Unterwelt und Himmel, Verschwinden und Unsichtbarkeit, Schatzgewinnung, Frucht- beziehungsweise Kraftvollendung, Graben und Arzneien,
balasiddhiṃ |
pādukāṃ gulikāṃ cāpi rasāyanamanuttamam |
akṣasūtraṃ daraṃ khaḍgaṃ tathā vetālasādhanam || 80 ||
28.80 magische Sandalen und Kugeln, höchstes Rasāyana, Gebetskette, Muschel, Schwert und Vetāla-Beschwörung
aṣṭasūtradharam |
phalāni durlabhānyeva sidhyanti manuvaibhavāt |
pratyekaṃ na pradarśante granthavistarabhīrubhiḥ || 81 ||
28.81 würden durch die Mantramacht als schwer erreichbare Früchte verwirklicht. Aus Rücksicht auf den Umfang des Werkes werden sie nicht einzeln ausgeführt.
phalānāṃ digiyaṃ proktā durlabhānāṃ caturmukha |
trailokyamohanākhyasya kāmakāmeśvarasya ca || 82 ||
28.82 Damit ist die Richtung der schwer erreichbaren Früchte des Trailokyamohana- und des Kāmakāmeśvarī-Mantras angedeutet, Viergesichtiger,
ekākṣaramukhasyoktaṃ phalaṃ mantrasya padmaja |
yajñavarāhamantraḥ. |
mantraṃ yajñavarāhasya vakṣyāmi kamalāsana || 83 ||
28.83 beginnend mit ihren einsilbigen Formen, Lotusgeborener. Nun erkläre ich den Mantra Yajñavarāhas, des Opfer-Ebers.
gṛhītvā pūrvavatsapta varṇānādyānanukramāt |
sparsāntaṃ bhāskaraṃ cādyaṃ kalaśaṃ praṇapādi ca || 84 ||
28.84 Nach den sieben anfänglichen Silben wie zuvor folgen letzter Verschlusslaut, Bhāskara, Anfangslaut, Kalaśa beziehungsweise Kamala und Anfang des Praṇava.
kamalam. kevalam |
analaṃ cādidevāntaṃ bhāskaraṃ madhusūdanam |
śvasanaṃ varṇamādyaṃ ca oṣadhīśamacāṃ mukham || 85 ||
28.85 Anala mit Ādideva als Ende, Bhāskara, Madhusūdana, Śvasana, Anfangslaut, Oṣadhīśa und erster Vokal schließen sich an. Die Variante nennt Bahula.
bahulaṃ |
vahniṃ pracetasaṃ mukhyaṃ mārutaṃ praṇavādi ca |
musaliṃ candradhavalamacāmādimanantaram || 86 ||
28.86 Es folgen Vahni, Pracetas, Mukhya, Māruta, Anfang des Praṇava, Musalin, Candradhavala und erster Vokal.
śrīvatsamādimanalaṃ mahāmāyāgnigopanam |
daraṃ viṣṇuṃ khaḍgadharaṃ vijayaṃ śrīdharaṃ tathā || 87 ||
28.87 Śrīvatsa, Anfangslaut, Anala, Mahāmāyā, Agni, Gopana, Dara, Viṣṇu, Khaḍgadhara, Vijaya und Śrīdhara werden genannt; die Variante vertauscht die letzten beiden.
śrīdharaṃ vijayaṃ |
piyūṣarūpamanalaṃ mādhavaṃ vaidharaṃ tathā |
ādiṃ pavitradhṛṣṭiṃ ca praṇavādivibhūṣitam || 88 ||
28.88 Darauf stehen Pīyūṣarūpa, Anala, Mādhava, Vaidhara, Anfangslaut sowie Pavitra und Dṛṣṭi mit dem Anfang des Praṇava.
śvasanaṃ cāprameyaṃ ca kalātmā viṣṇumastakaḥ |
varuṇaṃ dahanākrāntaṃ vaidharaṃ mādhavākṣaram || 89 ||
28.89 Śvasana, Aprameya, Kalātman mit Viṣṇu als Kopf, Varuṇa mit Dahana, Vaidhara und Mādhava folgen.
varuṇaṃ cādivarṇaṃ ca tathaipogrātma saṃmitam |
analaṃ mādhavopetaṃ mandaraṃ prathamaṃ marut || 90 ||
28.90 Es folgen Varuṇa, Anfangslaut, Ugrātman, Anala mit Mādhava beziehungsweise Māyā, Mandara, erster beziehungsweise siebter Laut und Marut.
saptamam |
māyayo |
madhusūdanavikrāntaṃ pavanaṃ śvetarociṣam |
varuṇaṃ vītihotraṃ ca subhadraṃ ca guhālayam || 91 ||
28.91 Pavana mit Madhusūdana, Śvetarocis, Varuṇa, Vītihotra, Subhadra und Guhālaya schließen sich an.
vai rājamādidevāntaṃ vijayaṃ mandaraṃ tathā |
bhadrapāṇiṃ mṛgeśaṃ ca vaidharaṃ yaṣṭimastakam || 92 ||
28.92 Dann stehen Vairāja mit Ādideva als Ende, Vijaya, Mandara, Bhadrapāṇi, Mṛgeśa und Vaidhara mit Yaṣṭi als Kopf.
ugrātmā parvataṃ cādimṛtadhāmapariṣkṛtam |
vighneśaṃ mārutaṃ caikanetraṃ śuklaśirastathā || 93 ||
28.93 Ugrātman, Parvata, Anfangslaut mit Ṛtadhāman, Vighneśa, Māruta und Ekanetra mit Śukla als Kopf werden genannt.
subhadraṃ cordhvalokeśaṃ nābhipaṅkajasambhava |
mādhavīmaprameyaṃ ca vanamālī jhaṣa stathā || 94 ||
28.94 Es folgen Subhadra, Ūrdhvalokeśa, Mādhavī, Aprameya, Vanamālin und Jhaṣa, aus dem Nabellotus Geborener.
māhendraṃ gopanayutaṃ mārutaṃ prathamasvaram |
bhallāyudhaṃ hṛṣīkeśaṃ subhadraṃ bhuvanaṃ vasuṃ || 95 ||
28.95 Māhendra mit Gopana, Māruta, erster Vokal, Bhallāyudha, Hṛṣīkeśa, Subhadra, Bhuvana und Vasu schließen sich an.
pracetasaṃ kalātmāna mamṛtaṃ savisargakam |
pavitramādiṃ vai rājaṃ mukhyaṃ pavanamādavau || 96 ||
28.96 Pracetas, Kalātman, Amṛta mit Visarga, Pavitra, Anfangslaut beziehungsweise ā, Vairāja, Mukhya, Pavana und Mādhava werden genannt.
mākāram |
subhadramaurvaṃ dakṣaṃ ca mukha dvipadamirayet |
śaśāṅkaṃ dvipadaṃ vahnibhuvanaṃ dvipadaṃ paṭhet || 97 ||
28.97 Es folgen Subhadra, Aurva, Dakṣa, Mukha und eine Verdoppelungsangabe, dann Śaśāṅka, erneut eine Verdoppelung, Vahni und Bhuvana. Die Variante ordnet diese Namen anders und liest am Ende Dvirada; die genaue Folge bleibt unsicher.
dviḥ paramirayet |śaśāṅkaṃ bhuvanaṃ vahniṃ bhuvanaṃ dviradaṃ paṭhet ||
acāṃ dvitīyaṃ dṛṣṭiṃ ca māyāṃ kamalamādiśet |
havyavāḍgopanayutaṃ bhāskaraṃ madhusūdanam || 98 ||
28.98 Darauf stehen zweiter Vokal, Dṛṣṭi, Māyā, Kamala beziehungsweise Kalaśa, Havyavāh mit Gopana, Bhāskara beziehungsweise Vivasvant und Madhusūdana.
kalaśamādiśet. kamalamādimam |
visasvān |
prabhañjanamakāraṃ ca sūkṣmadṛgbhuvanaṃ tathā |
mādhavīṃ rāmasahitaṃ paścimānanamādimat || 99 ||
28.99 Prabhañjana, a, Sūkṣmadṛś, Bhuvana, Mādhavī mit Rāma und Paścimānana mit Anfangslaut folgen. Ein Quellenvermerk nennt das Fehlen eines zweieinhalb Verse umfassenden Abschnitts ab „prabhañjana“ in manchen Textzeugen.
prabhañcane tyādisārdhaṃ ślokadvayaṃkvacinnāsti |
ekanetramikāraṃ ca vijayaṃ kalaśaṃ tathā |
mandaraṃ devadattaṃ ca vaidharaṃ viṣṇumastakam || 100 ||
28.100 Es folgen Ekanetra, i, Vijaya, Kalaśa, Mandara, Devadatta und Vaidhara mit Viṣṇu als Kopf.
dvirbrūyādgāpanā krāntaṃ paścimānanamādimat |
prabhañjanamakāraṃ caṭhaṭhānto manurīritaḥ || 101 ||
28.101 Paścimānana mit Gopana und Anfangslaut wird zweimal gesprochen; Prabhañjana und a schließen sich an. Der Mantra endet mit „ṭha ṭha“.
ntaṃ ca |
sūkṣmadṛgbhuvanaṃ sargaṃ bījametatsamuddhṛtam |
mantraṃ ṣoḍhā vibhajyāṅgakalpanaṃ kāśyapo muniḥ || 102 ||
28.102 Sūkṣmadṛś, Bhuvana und Sarga ergeben sein Bīja. Durch sechsfache Teilung des Mantras werden die Glieder gebildet; Kāśyapa ist der Seher.
chando virāṭ stomaghoṇī devatā kamalāsana |
japo lakṣadviṣaṭkaṃ syātphalaṃ sarvaṃ yathāpuram || 103 ||
28.103 Virāj ist das Metrum, Stomaghoṇin die Gottheit; die Variante liest Dīrghaghoṇin und nennt zusätzlich Soma als Seher. Zwölf Lakh Wiederholungen sind vorgesehen; sämtliche Früchte gelten wie zuvor, Lotusgeborener.
dīrghaghoṇī. somaṛṣiḥ |
darodaranṛsiṃhamantraḥ. |
darodaranṛsiṃhasya manussaṃprati kathyate |
oṃkāraṃ pūrvamuddhṛtya kamalaṃ śatrudāhakam || 104 ||
28.104 Nun wird der Mantra des Darodara-Nṛsiṃha beschrieben. Zuerst werden Oṃkāra, Kamala beziehungsweise Kalaśa und Śatrudāhaka entnommen.
kalaśam |
guhālayaṃ sayaṣṭiṃ ca gopatiṃ bhuvanaṃ dhruvam |
pullalocanamādyaṃ ca hṛdayā hlādanaṃ tathā || 105 ||
28.105 Es folgen Guhālaya mit Yaṣṭi, Gopati, Bhuvana, Dhruva, Pullalocana, Anfangslaut und Hṛdayāhlādana beziehungsweise eine Modana-Verbindung.
modanam |
bhadrapāṇiṃ svarādiṃ ca jvalanaṃ cādimaṃ tathā |
oṣadhīśamikāraṃ ca yaṣṭiṃ bhāskaragopanau || 106 ||
28.106 Bhadrapāṇi, erster Vokal, Jvalana, Anfangslaut, Oṣadhīśa, i, Yaṣṭi, Bhāskara und Gopana schließen sich an.
śvasanaṃ ca natirmantro nārasiṃha udīritaḥ |
ayameva manurbhījaṃ chando gāyatramiritam || 107 ||
28.107 Śvasana und Verehrung beenden den Nārasiṃha-Mantra. Der Mantra selbst ist sein Bīja; Gāyatrī wird als Metrum genannt.
devatā nṛharirdraṣṭā kapilo dhyānamucyate |
darodare sukhāsīnaṃ śatapatre vikasvare || 108 ||
28.108 Nṛhari ist die Gottheit, Kapila der Seher. Die Meditation zeigt ihn bequem im Inneren einer Höhle auf einem entfalteten hundertblättrigen Lotus sitzend.
taptajāmbhūnadanibhaṃ caturbhāhumudāyudham |
paryaṅkabandhasubhagaṃ prasāritabhujadvayam || 109 ||
28.109 Er glänzt wie erhitztes Gold, ist vierarmig und mit erhobenen Waffen versehen; schön sitzt er in gebundener Sitzhaltung, zwei Arme nach vorne ausgestreckt,
jānunorupariṣṭācca sarvākalpapariṣkṛtam |
vyāttānanaṃ trinayanaṃ sakhadambholibhīṣaṇam || 110 ||
28.110 über den Knien, mit allem Schmuck geziert, mit geöffnetem Maul und drei Augen, furchterregend durch seine donnerkeilgleichen Klauen. Das Wort für Klauen ist im Grundtext beschädigt.
siṃhasyārdhaṃ narasyārdhaṃ meghagambhūragarjitam |
evaṃ dhyātvā japedaṣṭalakṣaṃ mantrī samāhitaḥ || 111 ||
28.111 Er ist halb Löwe, halb Mensch, mit tiefem wolkengleichem Brüllen. Nach dieser Meditation rezitiere der Mantrakundige gesammelt achthunderttausendmal.
sāvitre maṇḍale devamāsīnaṃ sarvakāmadam |
dhyāyellabheta dharmādi puruṣārthacatuṣṭayam || 112 ||
28.112 Der alle Wünsche gewährende Gott werde in der Sonnenscheibe sitzend meditiert. Dadurch erlange man die vier Lebensziele, beginnend mit Dharma.
bahunātrakimuktena sarvān kāmānavāvapnuyāt |
puruṣacatuṣṭayamantranirdeśaḥ. |
caturṇāṃ puruṣādīnāṃ manussaṃprati kathyate || 113 ||
28.113 Wozu weitere Worte? Alle Wünsche würden erfüllt. Nun werden die Mantras der vier Gestalten, beginnend mit Puruṣa, erläutert.
praṇavādīn saptavarṇān samuddhṛtya yathā puram |
svaṃ svaṃ nāma caturthyantaṃ mantrāneṣāṃ prakalpayet || 114 ||
28.114 Nach den sieben Silben, die wie zuvor mit Praṇava beginnen, werde jeweils der eigene Name im Dativ eingesetzt; so entstehen ihre Mantras.
tathā |
teṣāṃ bījāni vakṣyāmi varṇoddhāraiḥ kramādaham |
tigmāśurgopanayutassadaṇḍaḥ puruṣātmanaḥ || 115 ||
28.115 Ich werde ihre Bījas durch Lautgewinnung der Reihe nach nennen: Für Puruṣa gilt Tigmāṃśu, verbunden mit Gopana und Daṇḍa.
mārtāṇḍaḥ pañcabinduśca sendussatyassa kathyate |
vairājaṃ pāpakaṃ pañcabinduṃ nāsikya meva ca || 116 ||
28.116 Für Satya werden Mārtaṇḍa, fünf Bindus und Indu beziehungsweise Indra genannt. Dann folgen Vairāja, Pāpaka, fünf Bindus und Nasallaut; der Name der zugehörigen dritten Gestalt ist hier nicht ausdrücklich angeschlossen.
sendram |
mucyate |
trayūtanuṃ hṛṣīkeśaṃ yaṣṭiṃ cānantanāmani |
ṛṣiśchando devatā ca phalamaṣṭākṣare tathā || 117 ||
28.117 Für Ananta stehen die beschädigte Chiffre „trayūtanu“, Hṛṣīkeśa und Yaṣṭi. Seher, Metrum, Gottheit und Frucht gelten entsprechend dem achtsilbigen Mantra.
hayagrīvamantraḥ. |
hayagrīvasya mantrasya varṇoddhāraḥ pradarśyate |
saptavarṇān samuddhṛtya vijayaṃ bahulaṃ tataḥ || 118 ||
28.118 Nun wird die Lautgewinnung des Hayagrīva-Mantras beschrieben. Nach den sieben Anfangssilben folgen Vijaya und Bahula,
kālātmā caika dṛgvahniṃ gopatiṃ viṣṇumastakam |
śvasanaṃ praṇavādiṃ ca lakṣmīṃ bindumanantaram || 119 ||
28.119 Kalātman beziehungsweise Kāmātman, Ekadṛś, Vahni, Gopati mit Viṣṇu als Kopf, Śvasana, Anfang des Praṇava, Lakṣmī und Bindu beziehungsweise Bandhu.
kalātmā kāmātmā |
bandhu |
jvalanaṃ gopanayutaṃ śaśāṅkaṃ mādhavaṃ tathā |
svāhāntamaśvaśirasaḥ kathitaṣṣoḍaśākṣaraḥ || 120 ||
28.120 Jvalana mit Gopana, Śaśāṅka und Mādhava schließen sich an. Mit Svāhā am Ende gilt der Mantra des Pferdeköpfigen als sechzehnsilbig.
sa eva bījamaṅgāni kruddholkādi yathāpuram |
ṛṣirbṛhaspatirhyasya cchando gāyatramucyate || 121 ||
28.121 Derselbe bildet das Bīja; die Glieder beginnen wie zuvor mit Kruddholkā. Bṛhaspati ist sein Seher, Gāyatrī das Metrum.
devo hayaśirā nāma devatā kamalāsana |
daśalakṣaṃ japenmantraṃ mahet jñānamavāpnuyāt || 122 ||
28.122 Hayaśiras, der Pferdeköpfige, ist die Gottheit, Lotusgeborener. Durch eine Million Wiederholungen erlange man großes Wissen. Ein Quellenvermerk nennt das Fehlen des Abschnitts von dieser Zahlenangabe bis „kartavyam“ in manchen Textzeugen.
daśalakṣam ityādi kartavyam ityantaṃ kvacinna |
oṃkārapūrvaṃ natyantaṃ caturthī devatā kramāt |
ṭhaṭhānto mantrarojoyaṃ daśākṣaravidarbhitaḥ || 123 ||
28.123 Eine andere Form beginnt mit Oṃ und Verehrung, enthält den Gottesnamen im Dativ und endet mit „ṭha ṭha“; dieser Mantrakönig wird als zehnsilbig bezeichnet.
bījāni pūrvavatsarvaṃ kartavyaṃ kamalāsana |
hayagrīvamālāmantraḥ. |
ato'nyaṃ vājiśiraso mālāmandraṃ bravīmite || 124 ||
28.124 Bījas und alles Weitere werden wie zuvor verwendet, Lotusgeborener. Nun erkläre ich dir einen anderen Mālā-Mantra des Pferdeköpfigen.
smartavyam |
arṇasaptakamuddhṛtya padaṃ hayaśirāstathā |
caturthyantaṃ sarvavidyālayeti padamanvataḥ || 125 ||
28.125 Nach den sieben Silben folgt Hayaśiras im Dativ, danach „sarvavidyālaya“, Wohnstätte allen Wissens,
sakalā maraśabdādi gurave padamuddharet |
samastapratiśabdādi hantānantetyanantaram || 126 ||
28.126 und „Lehrer sämtlicher Unsterblicher“. Eine anschließende Verbindung mit „samasta“, „prati“ und „ananta“ ist beschädigt; sie scheint die ungehinderte Unendlichkeit der folgenden Eigenschaften einzuleiten.
malaśabdāni |
hatanande |
vīryaṃ tejaḥ padaṃ paścāt jñānaiśvaryapadaṃ tataḥ |
śaktiścaiva balaṃ caiva sarvādyāvāsamanvataḥ || 127 ||
28.127 Genannt werden Vīrya, Heldenkraft, Tejas, Glanz, Jñāna, Wissen, Aiśvarya, Herrschaft, Śakti, Macht, und Bala, Stärke, verbunden mit der Bezeichnung ihres gesamten Wohnsitzes.
śaktiśabdaścaturthyantassarvanyāsasamanvitaḥ |
tadvibhaktiṃ tataḥ paścātparamātmapadaṃ tataḥ |
caturthyantaṃ vāsudevaśabdastā dṛgvibhaktikaḥ || 128 ||
28.128 Die Variante stellt Śakti im Dativ mit „sarvanyāsa“ zusammen. Danach folgen Paramātman und Vāsudeva jeweils im Dativ.
jñānajñeyapadaṃ tadvadvyaktāvyaktaparāya ca |
sarvaduṣṭāsuraṃ procyaduritaṃ vrajinaṃ tathā || 129 ||
28.129 Ebenso werden Wissen und Wissbares sowie der über Offenbarem und Unoffenbarem Stehende bezeichnet. Dann folgen alle bösartigen Asuras, Vergehen und Unrecht,
pramāthi tadvibhaktyantaṃ tatsadrucirapūrvakam |
padaṃ ca turagāyeti jñānamuccārya mūrtaye || 130 ||
28.130 verbunden mit „pramāthin“, Vernichter, im Dativ, ferner die Bezeichnung des schönen Pferdes und „jñānamūrtaye“, „der Verkörperung des Wissens“.
iti coccārya tasyānu sahasraṃ koṭimanvataḥ |
padaṃ vidyādinikaṃ muñca gaccha pade tataḥ || 131 ||
28.131 Danach werden „tausend“, „zehn Millionen“ und eine beschädigte Verbindung mit Vidyā genannt, gefolgt von „muñca“, „entlasse“, und „gaccha“, „gehe“.
sphoṭirvijṛmbhirlloḍantaṃ dvirvaktavyaṃ ca tij padam |
sarvāditejomadhyaṃ ca nidhyantaṃ ca padatrayam || 132 ||
28.132 Die Befehlsformen für Zersprengen, Sichentfalten und Schärfen beziehungsweise Entflammen werden verdoppelt. Danach folgt die Verbindung „Schatz aller Strahlkraft“.
caturthyantaṃ samuccārya nirdhūta padamanvataḥ |
vikīrṇapadamucācārya prākpradīptapadaṃ tataḥ || 133 ||
28.133 Sie wird im Dativ gesprochen; es schließen sich Wörter für Schütteln, Zerstreuen beziehungsweise Aufreißen und Entflammen an,
vadīrṇapada |
kesaraṃ ca saṭāśabdaṃ kalāpapadamanvataḥ |
pradīptasūryamaṃśuṃ ca pratīkāśapadaṃ tataḥ || 134 ||
28.134 verbunden mit Mähne und Haarbüschel. Dann folgen „strahlende Sonne“, „Strahlen“ und „gleichend“.
bhāskarākāraśabdaṃ ca ūṣmamūrdhvajamanvataḥ |
śaṅkhamābhamatāṅghriṃ ca prasaravrātadīptimān || 135 ||
28.135 Weitere Wörter nennen sonnenartige Gestalt, Hitze, Kopfhaar, Muschelglanz und eine beschädigte Verbindung mit Füßen, Ausbreitung und Strahlenfülle. Der genaue grammatische Aufbau dieser Gottesbeschreibung ist nicht vollständig gesichert.
dravatkanakamuccārya piṅgalāyatamānanam |
mahāsvarasamākāraṃ viśuddhadaśanaṃ tataḥ || 136 ||
28.136 Es folgen „flüssiges Gold“, „gelbbraun“, „ausgedehntes Antlitz“, „Gestalt eines gewaltigen Lautes“ und „reine Zähne“.
paṅtkiṃ vinirgatāṃ coktvā virājitapadaṃ tathā |
lokatrayadravaddīptapadaṃ cāmikarādimat || 137 ||
28.137 Die Zahnreihe und ihr Hervortreten werden genannt, ferner Strahlen, die drei Welten, Fließen, Leuchten und Gold; die zusammenhängende Satzgestalt bleibt beschädigt.
śrutvā |
piṅgalāyatamucchārya viṣphāritapadaṃ paṭhet |
locanādi mahāśabdaṃ vibhīṣaṇa padānvitam || 138 ||
28.138 Darauf stehen „gelbbraun und weit“, „aufgerissen“, „Augen“, „groß“ und „furchterregend“.
nāsikāpuṭamadrīndra śikharākārasaṃyutam |
ruciraṃ padamuccārya vikuñchitapadaṃ tathā || 139 ||
28.139 Die Nasenöffnungen werden mit der Gestalt von Gipfeln des höchsten Berges verbunden, gefolgt von „schön“ und „gekrümmt“.
mahāśravaṇasaṃyuktaṃ śreyaseti paṭhetpadam |
tacchabdaṃ ca caturthyantaṃ duṣṭasatvānanantaram || 140 ||
28.140 Eine Bezeichnung für große Ohren schließt sich an, sodann „śreyas“, Heil, im Dativ und die bösartigen Wesen. Die Variante verändert die Ohrenbeschreibung und nennt Gold.
mahāśuvarṇasaṃyukta śravaṇeti padaṃ paṭhet |bindiśchindi stathā māri rmardistrāsiśca dātavaḥ |
loḍantā dvissamuccārya syauṃ vau mitipadadvayam || 141 ||
28.141 Gegen diese Wesen folgen jeweils verdoppelte Befehle: „spalte“, „schneide“, „töte“, „zerdrücke“ und „erschrecke“. Danach stehen die unsicher überlieferten Silben „syauṃ vauṃ“.
dhvaṃsi hanti tathādhmāpi hanti grahasi tāḍaya |
paci rmathiśca te ete coḍantā dviḥ kṛtā stathā || 142 ||
28.142 Weitere verdoppelte Befehle bedeuten „vernichte“, „schlage“, „blase auf“, „ergreife“, „schlage“, „koche“ und „zerreibe“. Die Varianten ändern einzelne Verben und ihre kausativen Ableitungen.
dhvaṃsirṇyanta stathādhmāpirhantirgranthistathādibhiḥ |pacirmathiśca |
rmandiśca |
paravidyāpadaṃ procyacchindhirṇyantaḥ prayujyatām |
amityuktvā tathā nārī loṇmadhyamaśirāḥ smṛtaḥ || 143 ||
28.143 Nach „paravidyā“, fremde oder gegnerische Vidyā, wird die kausative Befehlsform des Zerschneidens eingesetzt. Die anschließende Verbindung „am“ und „nārī“ ist beschädigt und nicht zuverlässig übersetzbar.
ehyehi bhagavan śabdaṃ vajraśabdamanantaram |
aṅkuśeneti tadanuprocya cākarṣayeti ca || 144 ||
28.144 Dann folgen „ehy ehi bhagavan“, „Komm, komm, Herr“, und „mit dem Vajra-Stachel ziehe herbei“. Die Variante liest Yajña statt Vajra.
bhagavacchabdaṃ yajña |
hṛdayā dyādiranvaksyādbhakti pūrvajaneti ca |
jihvādinilayaṃ procya baḍabānalamanvataḥ || 145 ||
28.145 Weitere Wörter nennen Herz, die Menschen der Hingabe, Zunge, Wohnstätte und das untermeerische Feuer. Ihre Verbindung zu einer vollständigen Aussage bleibt unsicher.
nyādimanvak |
sambadhyantaṃ viśvamūrtiṃ saumanasyamanantaram |
bhagavannitivaktavya moṃkāraṃ hṛdayaṃ tataḥ || 146 ||
28.146 Viśvamūrti, Verkörperung des Alls, steht als Anrede; es folgen Saumanasya, freundliche Gesinnung, Bhagavan, Oṃkāra und Herz.
moṅkaurahṛdayaṃ tataḥ |sadādibrahma |
sadā yadbrahma sadasadātmeti ca padaṃ punaḥ |
cidghanādi ca turthyantaṃ bhagavatpadamirayet || 147 ||
28.147 Dann werden das ewige Brahman, das Selbst von Seiendem und Nichtseiendem, Cidghana, verdichtetes Bewusstsein, und Bhagavat im Dativ genannt. Die Varianten verändern die Wortgrenzen dieser theologischen Aussage.
sadā sadbrāhma sadāsaccātmeti |
ṭhaṭhāntamuddharedevaṃ hayagrīvaṃ caturmukha |
pūrvoktamevāsya bījaṃ pūrvavacchāṅgapaddhatiḥ || 148 ||
28.148 Mit „ṭha ṭha“ endet der so erschlossene Hayagrīva-Mantra, Viergesichtiger. Bīja und Gliederfolge entsprechen dem Vorigen; die beschädigten Wortfolgen werden nicht zu einer frei rekonstruierten Vollform verbunden.
vyāso munirhayagrīvo devatā cchanda utkṛtiḥ |
dhyāyan hayaśirovaktrātudvāntaṃ phenamulbaṇam || 149 ||
28.149 Vyāsa ist der Seher, Hayagrīva die Gottheit, Utkṛti das Metrum. Die Meditation stellt den mächtigen Schaum vor, der aus dem Mund des Pferdeköpfigen hervortritt.
pibanniva sudhīrmantra rājaṃ mantraviduccaret |
ayutaṃ niyutaṃ vāpi japenmantrasya siddhaye || 150 ||
28.150 Als trinke er ihn, spreche der einsichtige Mantrakundige den Mantrakönig. Zehntausend oder ein Niyuta Wiederholungen dienen seiner Vollendung.
balaṃ |
japo mantrasya siddhadaḥ |
vidyāpāramavāpnoti vāgīśatvaṃ ca padmaja |
vyākhyātṛtvaṃ ca kartṛtvaṃ śāstrāṇāṃ bahuvartmanām || 151 ||
28.151 Dadurch erlange man die äußerste Grenze des Wissens und Herrschaft über die Rede, Lotusgeborener, ferner die Fähigkeit, die vielfältigen Śāstras zu erklären und selbst zu verfassen.
sakṛdgrahaṇamātreṇa vidyāssarvāḥ pratiṣṭhitāḥ |
avismṛtiśca tāsu syātpuruṣārthacatuṣṭaye || 152 ||
28.152 Schon nach einmaligem Aufnehmen würden sämtliche Wissensgebiete dauerhaft behalten und nicht vergessen. Eine Variante enthält eine widersprüchliche Verneinung; sie wird im Sanskrit bewahrt.
avismṛtiśca nāsyasyātpuru |
nāsādhyaṃ kiñsidasyāsti dīrghamāyuśca vindati |
mukundādimantranirdeśaḥ . |
ṣaṇṇāṃ mukundamukhyānāṃ manussaṃprati kathyate || 153 ||
28.153 Bei den vier Lebenszielen gebe es für ihn nichts Unerreichbares; auch langes Leben werde er gewinnen. Nun werden die Mantras der sechs Gestalten, beginnend mit Mukunda, beschrieben.
saptārṇān purvamuccārya nāmadheyāni ṣaṭtathā |
caturthyantāni yojyāni śiṣṭārṇānevamuddharet || 154 ||
28.154 Nach den sieben Anfangssilben werden die sechs jeweiligen Namen im Dativ eingesetzt. So werden die übrigen Laute erschlossen.
śabdānyevaṃ sa |
babhrumantraḥ. |
jīmūtamādiṃ nāsikye varuṇaṃ praṇavādi ca |
sabinduṃ bhāskaraṃ rephe pañcabinduṃ sayaṣṭikam || 155 ||
28.155 Unter der bereits einsetzenden Überschrift zu Babhru folgt zunächst noch Mukundas Lautfolge: Jīmūta, Anfangslaut, Nasallaut, Varuṇa, Anfang des Praṇava, Bhāskara mit Bindu, r sowie fünf Bindus mit Yaṣṭi. Ein Quellenvermerk nennt das Fehlen eines Abschnitts von „jīmūta“ bis „nāsikyam uddharet“ in manchen Textzeugen.
jīmūtamādiṃ ityarabhya nāsikyamuddharet ityantaṃ kvacinna |
repham |
ṭhaṭhāntaṃ ca mukundhasya munurevaṃ samuddhṛtaḥ |
bhāskaraṃ pāvakaṃ pañca binduryaṣṭisamanvitaḥ || 156 ||
28.156 Mit „ṭha ṭha“ endet der Mukunda-Mantra. Anschließend stehen Bhāskara, Pāvaka und fünf Bindus mit Yaṣṭi.
akṣaraṃ ca dvirabhyasyenmārtāṇḍaṃ ca guhānvayam |
sānusvāraṃ dvirabhyasyedviṣṇuśabdamanantaram || 157 ||
28.157 Diese Silbe wird zweimal wiederholt, ebenso Mārtaṇḍa mit Guha und Anusvāra. Danach folgt Viṣṇu
caturthyantaṃ ṭhaṭhāntaṃ ca babhrormanurudīritaḥ |
vṛṣākapimantraḥ. |
parvataṃ bhuvanaṃ bhānumūrdhvalokeśanāsike || 158 ||
28.158 im Dativ und „ṭha ṭha“: Dies ist der Babhru-Mantra. Für Vṛṣākapi folgen Parvata, Bhuvana, Bhānu, Ūrdhvalokeśa und Nasallaut,
bhāskaraṃ pāvakaṃ pañca binduṃ nāsikyamuddharet |
phaṭkāraṃ ca hutāntaṃ ca manuścaivaṃ vṛṣākapeḥ || 159 ||
28.159 dann Bhāskara, Pāvaka, fünf Bindus und Nasallaut. Mit „phaṭ“ und der Opferendung wird der Vṛṣākapi-Mantra beschrieben.
khubhadaṃ pāvakaṃ caiva pañcabi ndusadarthakam |
akṣaraṃ taddviruccārya ṭhaṭhānto mantra īritaḥ || 160 ||
28.160 Eine weitere Folge nennt Śubhada, Pāvaka und fünf Bindus mit Daṇḍa; die Grundlesart der letzten Verbindung ist beschädigt. Die Silbe werde zweimal gesprochen und mit „ṭha ṭha“ abgeschlossen. Eine eindeutige eigene Gottheitszuordnung fehlt hier.
nduṃ sadaṇdakaṃ |
ṭhāntomantra udīritaḥ |
śaurimantraḥ. |
śaurestathāparaṃ vakṣye daśārhaṃ manumabjaja |
savitāraṃ bṛhadbhānuṃ sayaṣṭiṃ pañcabindukam || 161 ||
28.161 Nun folgt eine weitere, als zehnsilbig bezeichnete Form Śauris, Lotusgeborener: Savitṛ, Bṛhadbhānu, Yaṣṭi und fünf Bindus.
hutāntaśca manuḥ prokto |
vaikuṇṭhamantraḥ. |
vaikuṇṭhamanurucyate |
paramātmā caturthyantaṃ varuṇaṃ prathamaṃ svaram || 162 ||
28.162 Die Opferendung schließt diesen Mantra. Für Vaikuṇṭha werden Paramātman im Dativ, Varuṇa und der erste Vokal genannt,
nāsikyaṃ kumbhamākāramardhenduṃ bhāskaraṃ tataḥ |
hṛṣīkeśamanusvāraṃ nārāyaṇapadaṃ tataḥ || 163 ||
28.163 Nasallaut, Kumbha, ā, Halbmond, Bhāskara, Hṛṣīkeśa, Anusvāra und Nārāyaṇa,
caturthyantaṃ ṭhaṭhāntaṃ ca vaikuṇṭhamanurīritaḥ |
ṣaṇṇāṃ ṛṣyādīni. |
ṛṣiśchando devatā ca bījamaṅgāni ṣaṭtathā || 164 ||
28.164 letzterer im Dativ, mit „ṭha ṭha“ als Schluss. So lautet die Beschreibung des Vaikuṇṭha-Mantras. Seher, Metrum, Gottheit, Bīja und sechs Glieder
aṣṭākṣaravadeteṣāṃ phalāni ca caturmukha |
aparājitamantraḥ. |
athāparājitaṃ mantraṃ vakṣyāmi kamalāsana || 165 ||
28.165 gelten für diese Formen wie beim achtsilbigen Mantra, ebenso ihre Früchte, Viergesichtiger. Nun erkläre ich den Aparājita-Mantra, Lotusgeborener.
nigamādīn saptavarṇān gṛhītvādau yathāpuram |
caturthya ntāna ntapūrvamantaśśabdaṃ samuddharet || 166 ||
28.166 Wie zuvor werden die sieben Anfangssilben entnommen. Danach folgt eine im Dativ stehende, mit Ananta beginnende Bezeichnung; ihr zweiter Bestandteil ist beschädigt.
ntaṃ mantra |
sahasrādi ca śīrṣāntaṃ tadvibhaktipadaṃ punaḥ |
tatsugandhaṃ tathākṣīramudārṇava padānvitam || 167 ||
28.167 Es folgt „Sahasraśīrṣa“, Tausendköpfiger, im Dativ, danach eine unklare Verbindung „sugandha“ beziehungsweise „subandha“ und „Kṣīrārṇava“, Milchozean,
tatsubandaṃ |
śāyineti padaṃ procya śeṣabhojapadaṃ tathā |
paryaṅketi caturthyantaṃ tadvibhaktiśca vāhanam || 168 ||
28.168 verbunden mit „śāyin“, darauf Liegender, ferner Śeṣa als Lager; „śeṣabhoja“ im Grundtext ist unsicher. Auch Vāhana, Reittier, erhält den Dativ,
śāyinnina |
garuḍādi padaṃ paścādvāsudevapadaṃ tataḥ |
tadvibhaktiśca satyantaṃ vāsaḥpītādi tādṛśam || 169 ||
28.169 mit Garuḍa davor. Vāsudeva, Verehrungsendung und Pītavāsas, Gelbgewandeter, folgen in entsprechender Form.
saṅkarṣaṇādimantranirdeśaḥ. |
saṃpūrvaṃ karṣaṇapadaṃ sambudhyantamanantaram |
pradyumnādyaniruddhaṃ ca tadvibhaktipadaṃ smṛtam || 170 ||
28.170 Darauf werden Saṅkarṣaṇa, Pradyumna und Aniruddha als Anreden gesprochen.
saṃpūrṇaṃ |
hayādiśīrṣaṃ sambuddhau varāhaṃ tadvidiṣyate |
nṛsiṃha vāmanapade trivikramamanantaram || 171 ||
28.171 Hayaśiras, Varāha, Nṛsiṃha, Vāmana und Trivikrama folgen ebenfalls als Anreden.
rāmaśabdaṃ triruccārya kṛṣṇeti padamuddaret |
varapradeti natyantamastītyanvakkriyāpadam || 172 ||
28.172 Dreimal wird Rāma gesprochen, danach Kṛṣṇa und „varaprada“, Gabenspender, verbunden mit Verehrung und dem Verb „sein“.
teca śabdaṃ caturthyanta masureti padaṃ tataḥ |
daityayakṣapade coktvā rākṣaseti padaṃ tataḥ || 173 ||
28.173 „Dir“ wird im Dativ eingesetzt; danach folgen Asura – die Variante liest Madhu –, Daitya, Yakṣa und Rākṣasa,
madhureti |
bhūtaṃ piśācaṃ siddhaṃ ca yoginī ḍhākinīti ca |
brahmādi rākṣasapadaṃ vināyaka padaṃ tataḥ || 174 ||
28.174 Bhūta, Piśāca, Siddha, Yoginī, Ḍākinī, Brahmarākṣasa und Vināyaka,
pūtanā revatīskandapurogamasamuddhṛtiḥ |
gṛhīdīti ca nakṣatra gṛhīnityapyanukramāt || 175 ||
28.175 Pūtanā, Revatī, Skanda und ihre Vorangehenden beziehungsweise Begleiter. Die anschließenden Angaben zu Ergreifern und Gestirnergreifern sind sprachlich gestört.
anyāṃśceti mahatpurvaṃ gṛhāniti paṭhetpadam |
haniṃ dahiṃ paciṃ caiva mathihyanta śabanvitam || 176 ||
28.176 Dann stehen „auch andere“ und „große Grahas“. Es folgen die Befehle zum Schlagen, Brennen, Kochen und Zerreiben. Eine Halbzeile ist laut Quellenvermerk nur zusätzlich in manchen Textzeugen vorhanden.
idamardhaṃ kvacidadhikamasti |
anibhirdviḥ patiṃ caiva patibhyantaṃ samanvitam |
ākhyātaṃ dvissamuccārya gṛhāṇeti tathaiva ca || 177 ||
28.177 Die weitere grammatische Anweisung enthält verdoppelte Verben, bleibt aber stark beschädigt; sicher erkennbar ist erneut „gṛhāṇa“, „ergreife“.
āviśa dhvaṃ siraparāstrasidruhyantaloṭparāḥ |
catvāro dhātavo mantre dvirvaktavyāścaturmukha || 178 ||
28.178 Es folgen vier jeweils zu verdoppelnde Befehle: „tritt ein“, „vernichte“, „erschrecke“ und eine beschädigte, wohl gegen den Gegner gerichtete Handlung, Viergesichtiger.
cakraṃ gadāṃ ca vajraṃ ca tṛtīyā ntamudīrayet |
bhasmīkurvityanukramya bāhuṃ sambaddiśīrṣakam || 179 ||
28.179 Diskus, Keule und Vajra werden im Instrumental genannt: „mit …“. Danach folgt „bhasmīkuru“, „mache zu Asche“, und eine Anrede mit Armen,
sahasrārapadaṃ sarvaṃ mukhya praharaṇāyudham |
jayeti vijayeti dve pade dviḥ procya padmaja || 180 ||
28.180 verbunden mit „tausend“ sowie allen vorzüglichen Schlagwaffen. Zweimal werden „jaya“ und „vijaya“, „siege“ und „triumphiere“, gesprochen, Lotusgeborener.
sahasrādi |
anantamaparā pūrvajitaṃ pratihataṃ tathā |
naṅpārvaṃ netṛparyantaṃ sahasrādipadaṃ tataḥ || 181 ||
28.181 Es folgen Ananta, Aparājita, Unbesiegter, Apratihata, Unaufhaltbarer, eine Verbindung mit Führer und wiederum „tausend“. Die Varianten verändern einzelne Wörter.
pūrvaṃ jitaṃ pratijayaṃ |
prajvalirjvalirityete loḍantedvissamu ddharet |
viśvarūpaṃ samuddhṛtya madhusūdanamanvataḥ || 182 ||
28.182 Die Befehle „entflamme“ und „brenne“ werden verdoppelt; dann folgen Viśvarūpa und Madhusūdana,
ccaret |
mahāpuruṣavaikuṇṭhanārāyaṇapadaṃ tataḥ |
padmādinābhiparyantaṃ hṛṣīkeśapadaṃ tataḥ || 183 ||
28.183 Mahāpuruṣa, Vaikuṇṭha, Nārāyaṇa, Padmanābha und Hṛṣīkeśa.
sarvamuktvā tathā bhūtaṃ vaśīkaraṇamuddharet |
śaṅkhacakragadāmuktvā dhareti tadanantaram || 184 ||
28.184 Danach stehen alle Wesen und ihre Gefügigmachung, gefolgt von Muschel, Diskus und Keule und der Anrede „Träger“.
vaśaṅkarama nūddharet |
uddhṛtya sarvabhūtaṃ ca namaskṛtapadaṃ tathā |
sarvamanvaṅnāgapadaṃ pramardanapadānvitam || 185 ||
28.185 Es folgen „von allen Wesen verehrt“ und „alle Nāgas niederwerfend“.
sarvaṃ prapaṭhyānupūrvādasurotsādhanaṃ tataḥ |
sarvadevamanukramya mahāśvaramudīrayet || 186 ||
28.186 Dann werden „alle Asuras beseitigend“ und „großer Herr aller Götter“ gesprochen.
sarvaṃ gṛhaṃ samuccārya nivāraṇapadaṃ tathā |
yantramanyaṃ ca sarvādi prabhañjanapadaṃ tataḥ || 187 ||
28.187 „Alle Grahas abwehrend“ und „alle fremden Yantras zerbrechend“ folgen; die Variante verändert die Yantra-Verbindung.
yañcamadhyaṃ ca pūrvādi |
sarvaduḥkhapraśamanaṃ sarvajvara vināśanam |
sarvabandhamanukramya vimokṣaṇapadaṃ tathā || 188 ||
28.188 Weiter stehen „alle Leiden stillend“, „alle Fieber vernichtend“ und „aus allen Bindungen befreiend“; die Variante liest bei den Bindungen Abwehr.
nivāraṇaṃ |
dussvapnamadhyaṃ sarvādivināśanamanuddharet |
namaskṛtāntaṃ sarvādibhūtamadhyaṃ padatrayam || 189 ||
28.189 Es folgen „alle bösen Träume vernichtend“ und nochmals die aus drei Bestandteilen zusammengesetzte Bezeichnung „von allen Wesen verehrt“.
padadvayaṃ pūrvavatsyādapakarṣaṇamācaret |
janārdaneti sambuddhau namaścāstviti te padam || 190 ||
28.190 Zwei weitere Wörter entsprechen dem früheren Verfahren und betreffen das Entfernen beziehungsweise Fortziehen. Den Schluss bildet die Anrede Janārdana mit „namas te astu“, „Verehrung sei dir“.
aprameyamanusvārasahitaṃ bījamiritam |
mantraṃ ṣoḍhā vibhajyāṅgamṛṣiḥ padyunma ucyate || 191 ||
28.191 Aprameya mit Anusvāra wird als Bīja angegeben. Durch sechsfache Teilung des Mantras werden die Glieder gebildet; Pradyumna, beschädigt geschrieben, gilt als Seher.
chandho'ticchanda etasya viśvarūpaśca devatā |
sādhayenmantravinmantramaṣṭākṣarasamādinā || 192 ||
28.192 Aticchandas ist sein Metrum, Viśvarūpa die Gottheit. Der Mantrakundige verwirkliche ihn mit den entsprechenden Verfahren des achtsilbigen Mantras.
aparājitamantreṇa nāsādhyaṃ vidyate phalam |
vaśyamucchāṭanaṃ caiva tathāmāraṇakarmaca || 193 ||
28.193 Mit dem Aparājita-Mantra gebe es keine unerreichbare Frucht, behauptet die Quelle: Gefügigmachen, Vertreiben und auch magisches Töten,
kṛtyādi bhūtadoṣāṇāṃ nivāraṇamanuttamam |
phalāni lipsussarvāṇi mantramenaṃ samāśrayet || 194 ||
28.194 ferner die vorzügliche Abwehr von Kṛtyā-Schadensmächten und anderen Geisterstörungen. Wer sämtliche Früchte wünsche, solle bei diesem Mantra Zuflucht nehmen. Damit endet die historische Wirkungslehre dieses Kapitels.

Der Caryāpāda in einfachen Worten
Die folgende zusammenhängende Lesefassung erschließt die Kapitel 1–28. Sie fasst ihre großen Bewegungen zusammen, ohne die einzelnen Ritualanweisungen nochmals zu übersetzen. Die Quelle spricht aus einer bestimmten religiösen und gesellschaftlichen Welt. Wo daraus Anregungen für heutige Yoga-Aspiranten entstehen, handelt es sich um eine heutige Weiterführung.
Einweihung eröffnet eine verbindliche Beziehung
Ein Tempel ist gebaut, ein Bild geweiht, ein Platz für die Verehrung geschaffen. Doch damit ist das religiöse Leben nicht abgeschlossen. Nun stellt sich die Frage, wer den Dienst übernimmt, wie er gelernt wird und welche Haltung ihn trägt. Hier beginnt der Caryāpāda. Er führt vom einmaligen Ereignis der Weihe in die wiederkehrende Praxis. Das Heilige soll nicht nur an einem großen Tag aufscheinen, sondern durch verlässliche Handlungen im Leben gegenwärtig bleiben.
Die Dīkṣā bezeichnet einen solchen Übergang. Der Schüler empfängt eine Unterweisung und wird in einen Zusammenhang aufgenommen, den er nicht allein geschaffen hat. Ein Lehrer vermittelt Mantra und Ritual, prüft Voraussetzungen und führt die einzelnen Schritte aus. Für die Quelle ist dies mehr als die Weitergabe von Informationen. Die Einweihung verändert die religiöse Stellung des Menschen und bindet ihn an Pflichten. Empfangen und Verantworten gehören zusammen.
Die Zulassungsvorschriften sind allerdings von historischen Vorstellungen über Abstammung, Stand, Geschlecht und körperliche Eigenschaften geprägt. Eine heutige Lesefassung darf diese Grenzen nicht verschwinden lassen. Wer sich von der Hingabe des Textes berühren lässt, kann zugleich erkennen, dass seine sozialen Ausschlüsse keine allgemeingültige Aussage über spirituelle Würde sind. Die Quelle verstehen und ihre Wertungen übernehmen sind verschiedene Vorgänge. Gerade die Genauigkeit der Übersetzung macht eine bewusste Auseinandersetzung möglich.
Innerhalb dieser Ordnung legt der Text Wert auf die Lebensführung des Eingeweihten. Ein Mantra steht nicht losgelöst neben den übrigen Handlungen. Es gehört zu einem Menschen, der lernt, verehrt, sich beherrscht und Verantwortung übernimmt. Für heutige Aspiranten lässt sich darin die Frage entdecken, ob eine empfangene Lehre im Alltag Folgen hat. Die Antwort muss nicht in Größe oder Besonderheit liegen. Auch Zuverlässigkeit, ehrlicher Umgang und die Bereitschaft, sich korrigieren zu lassen, können zeigen, dass etwas wirklich aufgenommen wurde.
Die äußere Handlung beginnt im Innern
Die tägliche Verehrung wird sorgfältig vorbereitet. Reinigung, innere Vorstellung und Nyāsa richten den Ausführenden auf den Dienst aus. Der Körper erscheint dabei nicht bloß als Hindernis. Er wird gegliedert, mit Mantras verbunden und als Träger sakraler Handlung verstanden. Hände, Herz und weitere Körperstellen treten in einen geordneten Zusammenhang. Die Handlung soll mit einem Bewusstsein ausgeführt werden, das sich ihrer Bedeutung zuwendet.
Das bedeutet nicht, dass die Quelle jedes körperliche Detail nur psychologisch meint. Nyāsa ist für sie ein wirksamer ritueller Vorgang mit bestimmten Lauten und Zuordnungen. Eine moderne Deutung als achtsames Spüren kann eine Brücke bilden, ist aber nicht die vollständige historische Bedeutung. Wer diese Unterscheidung wahrt, muss weder die alte Praxis auf moderne Begriffe reduzieren noch jeden historischen Vollzug unmittelbar nachahmen. Er kann zunächst wahrnehmen, wie eng Körper, Sprache und Aufmerksamkeit zusammengehören.
In der inneren Verehrung wird das Göttliche vergegenwärtigt, bevor die äußeren Gaben ihren Platz erhalten. So entsteht ein Zusammenhang zwischen dem, was der Mensch sich innerlich bewusst macht, und dem, was er sichtbar tut. Das äußere Ritual ist dadurch nicht überflüssig. Es erhält vielmehr eine innere Richtung. Die Gabe ist eine wirkliche Gabe; zugleich wird sie zum Ausdruck einer Beziehung, die nicht auf den Gegenstand begrenzt ist.
Ein besonders zugängliches Bild ist das Weitergeben von Licht. Wo die göttliche Gegenwart mit dem Entzünden einer Lampe an einer anderen verglichen wird, muss ihre Mitteilung keinen Verlust bedeuten. Dieses Bild kann helfen, Einsetzung und Gegenwart zu verstehen, ohne Gott als ein begrenztes Ding zu betrachten, das von einem Ort zum anderen verschoben wird. Für heutige Leser liegt darin eine Einladung, auch beim Weitergeben von Wissen und Zuwendung nicht nur in Kategorien des Verbrauchs zu denken.
Der tägliche Dienst braucht Aufmerksamkeit
Die zahlreichen Verehrungsgaben lassen den Dienst wie einen sorgsam gestalteten Empfang erscheinen. Wasser, Duft, Blumen, Licht und Speise haben jeweils ihren Platz. Die Gottheit wird nicht als abstrakte Idee behandelt, die ohne jede Form auskommt. Die Beziehung wird mit den Mitteln des sinnlichen Lebens ausgedrückt. Was Menschen als willkommen, schön, nährend oder ehrend erfahren, wird in die Sprache der Verehrung aufgenommen.
Dabei liegt ein großer Teil der Praxis im Vorbereiten. Geeignete Gegenstände müssen beschafft, gereinigt und bereitgestellt werden. Zeiten müssen eingehalten und Abläufe gelernt werden. Die sichtbare Darbringung ist nur ein Teil dieser Arbeit. Der Caryāpāda gibt dadurch auch den unscheinbaren Tätigkeiten Gewicht. Wer Blumen sammelt, Wasser bereitstellt oder den Platz ordnet, trägt zum Gottesdienst bei. Nicht alles Bedeutsame geschieht im Moment öffentlicher Aufmerksamkeit.
Musik, Gesang und die verschiedenen Dienste erweitern die Handlung über das einzelne Paar von Priester und Bild hinaus. Die Verehrung hat Klang, Bewegung und eine zeitliche Folge. Sie kann gemeinsam getragen werden. Darin liegt eine soziale Seite des Rituals: Viele Menschen ermöglichen etwas, das keiner allein vollständig hervorbringt. Zugleich unterscheiden die Vorschriften Aufgaben und Befugnisse. Gemeinschaft bedeutet hier keine Aufhebung sämtlicher Rollen, sondern deren geordnetes Zusammenwirken.
Für einen heutigen Alltag muss daraus kein aufwendiger Tempeldienst entstehen. Eine mögliche Übertragung besteht darin, Vorbereitung als Teil der Praxis anzuerkennen. Wer einige Minuten vor der Meditation den Raum ordnet, das Telefon beiseitelegt und bewusst Platz nimmt, gibt seiner Sammlung eine tragfähige Form. Diese einfache Handlung entspricht nicht den vollständigen Upacāras der Quelle. Sie kann aber helfen, ihre Grundfrage zu verstehen: Wie werde ich innerlich und äußerlich bereit für das, was mir heilig ist?
Feuer, Wort und Gabe gehören zusammen
Der Feuerdienst verbindet sorgfältige äußere Arbeit mit der Kraft des gesprochenen Wortes. Das Feuer wird eingerichtet, verehrt und mit bestimmten Gaben gespeist. Die Materialien, die Form des Gefäßes oder der Grube und die Zahl der Darbringungen sind für den Text keine zufälligen Nebensachen. Sie gehören zur jeweiligen Handlung. Wer die Abschnitte liest, begegnet einer Tradition, in der Genauigkeit selbst eine religiöse Qualität besitzt.
Der Mantra trägt diese Genauigkeit auch in den Bereich der Sprache. Nicht jeder beliebige Satz kann an jede Stelle treten. Die Formel gehört zu einer Gottheit, einem Zweck und einem überlieferten Vollzug. Daher sind die langen Anweisungen nicht nur Aufzählungen von Dingen. Sie stellen Beziehungen her: zwischen Laut und Handlung, Gabe und Empfänger, innerer Vorstellung und äußerem Ort. Der Ausführende soll diese Beziehungen kennen und bewahren.
Eine innere Deutung des Feuers als Hingabe oder als verwandelnde Aufmerksamkeit kann für heutige Leser sinnvoll sein. Sie darf den materiellen Feuerdienst jedoch nicht aus der Quelle herauslesen. Dort werden tatsächliche Gaben in ein tatsächliches Feuer gelegt. Die Symbolik wächst aus diesem Vollzug; sie ersetzt ihn nicht. Gerade diese Verbindung macht den Text interessant: Spirituelle Bedeutung entsteht auch dadurch, dass ein Mensch etwas Konkretes bereitstellt und wirklich hingibt.
Im eigenen Leben kann man daher fragen, was eine Widmung kostet und was sie verändert. Eine Absicht bleibt leicht unverbindlich, solange nichts von der eigenen Zeit oder Bequemlichkeit berührt wird. Eine kleine, verlässlich ausgeführte Handlung kann mehr Gestalt besitzen als ein großer innerer Vorsatz. Das ist eine heutige Betrachtung im Anschluss an die Opferpraxis, keine Behauptung, jede alltägliche Tätigkeit sei nach dem Text bereits ein vollständiges Homa.
Maṇḍala und Krugbad sammeln eine ganze Welt
Das Maṇḍala ordnet Mitte, Richtungen und Umgebung. In ihm werden göttliche Gestalten und Kräfte an bestimmte Plätze gerufen. Diese Ordnung schafft einen rituellen Raum, in dem das Einzelne eine Beziehung zum Ganzen erhält. Ein Punkt ist nicht bloß ein Punkt, ein Kreis nicht bloß Schmuck. Ihre Bedeutung entsteht aus der überlieferten Zuordnung und dem Vollzug, der diese Zuordnung wirksam machen soll.
Ähnlich sammeln die großen Krugbäder Wasser und weitere Stoffe in einem gegliederten Aufbau. Die Zahlen, Reihen und verschiedenen Füllungen sind ausführlich beschrieben. Der Text unterscheidet mehrere Größen und Formen der Feier. Bei der sogenannten Tausendkrugordnung führt die erhaltene Zusammenstellung tatsächlich auf tausendeins. Solche Einzelheiten zeigen, weshalb man eine traditionelle Bezeichnung nicht immer als einfache Rechenangabe lesen darf. Die Übersetzung hält die tatsächlichen Angaben sichtbar.
Das Baden des Gottesbildes ist zugleich ein öffentlicher Ausdruck von Verehrung. Wasser berührt die Gestalt, die Gaben werden sichtbar, und das Ritual vollzieht sich in einer Folge. Die Fülle der Materialien stellt eine umfassende Zuwendung dar. Die Quelle verbindet damit bestimmte Wirkungen und religiöse Früchte. Sie sind Teil ihres Weltverständnisses; sie werden nicht durch eine moderne physikalische Erklärung ersetzt oder als solche bestätigt.
Wer diese Kapitel nicht praktisch ausführen möchte, kann dennoch ihre Bewegung nachvollziehen. Viele einzelne Dinge werden gesammelt, vorbereitet und auf einen gemeinsamen Mittelpunkt bezogen. Das kann an die Zerstreuung des eigenen Lebens erinnern: Aufgaben, Wünsche und Gedanken stehen oft ohne Zusammenhang nebeneinander. Eine heutige meditative Betrachtung könnte darin bestehen, sie vor einer Zeit der Stille bewusst wahrzunehmen und die Aufmerksamkeit neu auszurichten. Diese Übertragung bleibt vom technischen Maṇḍala unterscheidbar.
Ein Fest öffnet den Tempel zur Welt
Mit dem großen Fest weitet sich der Blick. Fahne, Einladung, Prozession und gemeinschaftliche Dienste führen über den alltäglichen Ablauf hinaus. Die Gottheit wird in einer festlichen Bewegung gegenwärtig gemacht. Garuḍa spielt dabei eine besondere Rolle. Die Fahne markiert nicht einfach einen dekorierten Ort; sie gehört zu einer Einladung, die in der Vorstellung des Textes Menschen und göttliche Bereiche umfasst.
Die Prozession verbindet verschiedene Orte. Der heilige Mittelpunkt bleibt nicht nur hinter der innersten Schwelle. Wege, Hallen und öffentliche Räume werden in das Geschehen aufgenommen. Musik und feierliche Bewegung geben der Verehrung eine wahrnehmbare Gestalt. Zugleich verlangt ein solches Fest Planung: Gegenstände und Träger, Opferdienste und Zeitabläufe müssen aufeinander abgestimmt werden. Die religiöse Begeisterung hebt die praktische Organisation nicht auf.
Besonders aufschlussreich sind die Hinweise auf Verpflegung, Wasser, Unterkunft und Fürsorge für Kranke. Sie zeigen, dass die Feier auch an den Bedürfnissen der Anwesenden gemessen wird. Ein Tempelfest besteht nicht nur aus dem, was vor dem Bild geschieht. Es braucht Bedingungen, unter denen Menschen teilnehmen können. Ebenso erhalten Gelehrte und ihre Gespräche einen Ort. Lernen, gemeinsames Hören und Austausch gehören zur festlichen Öffentlichkeit.
Für heutige Gemeinschaften ist diese Verbindung unmittelbar anregend. Eine spirituelle Veranstaltung wird durch Gastfreundschaft glaubwürdig. Wer neu hinzukommt, braucht Orientierung; wer erschöpft ist, braucht Rücksicht; wer dient, braucht eine tragfähige Aufgabe. Diese Folgerungen sind keine wörtlichen Regeln des gesamten alten Festkalenders. Sie machen aber einen im Text greifbaren Zusammenhang fruchtbar: Die Würde einer Feier zeigt sich auch darin, wie Menschen während der Feier behandelt werden.
Gaben werden zu Prasāda
Die Auswahl von Blumen und Speisen nimmt viel Raum ein. Manche Dinge gelten als geeignet, andere als ungeeignet. Diese Unterscheidungen können aus Jahreszeit, kultischer Zuordnung oder historischen Reinheitsvorstellungen entstehen. Die Quelle ist an mehreren Stellen beschädigt oder bietet gegensätzliche Lesarten. Deshalb wäre eine scheinbar lückenlose moderne Einkaufsliste eine unzulässige Vereinfachung. Die Übersetzung kennzeichnet gerade die Stellen, an denen Erlaubnis und Verbot nicht sicher zu trennen sind.
Hinter der ausführlichen Materialkunde steht dennoch ein verständlicher Gedanke: Eine Gabe verdient Sorgfalt. Man bringt nicht wahllos irgendetwas, sondern wählt aus. Qualität und Angemessenheit sind Ausdruck der Zuwendung. Dabei ist der religiöse Wert der Gabe nicht einfach mit ihrem Marktwert identisch. Der weitere Text betont auch Glauben und die eigenen Mittel. Die äußere Form soll eine wirkliche Beziehung tragen.
Nach der Darbringung begegnen Speise und Wasser als Prasāda in einem veränderten Zusammenhang. Was gegeben wurde, wird als Gabe zurückempfangen. Der Mensch steht damit nicht nur auf der Seite des Leistenden. Er empfängt und nimmt an einer Beziehung teil, deren Ursprung er nicht vollständig selbst setzt. Die religiösen Aussagen über Reinheit, Segen und Befreiung gehören zu diesem Verständnis des Empfangens.
Eine heutige Betrachtung kann hier Dankbarkeit üben. Vor dem Essen kurz innezuhalten und sich bewusst zu machen, wie viele Bedingungen diese Nahrung ermöglichen, ist keine vollständige Übertragung der Prasāda-Lehre. Es kann aber den gewohnten Zugriff unterbrechen. Man nimmt etwas nicht nur, sondern empfängt es. Solche Aufmerksamkeit vermag auch den Umgang mit Verschwendung und mit den Menschen zu verändern, die die Mahlzeit bereitet haben.
Fünf Zeiten geben dem Tag eine Richtung
Der fünffache Tagesdienst gehört zu den zugänglichsten Ordnungen des Caryāpāda. Abhigamana bezeichnet das Herantreten, Upādāna das Beschaffen und Bereitstellen, Ijyā die eigentliche Verehrung, Svādhyāya das eigene Studium und Yoga die innere Sammlung. Die Quelle bietet an einer Stelle auch die Lesart Yāga. Im gesamten Zusammenhang lässt sich dennoch die Bewegung eines Tages erkennen, der Zuwendung, Tätigkeit, Lernen und Meditation verbindet.
Diese Ordnung macht deutlich, dass spirituelles Leben nicht nur aus einem bevorzugten Höhepunkt besteht. Wer allein auf Meditation blickt, übersieht vielleicht die Vorbereitung und die Aufgaben, die sie ermöglichen. Wer nur organisiert, findet womöglich keine Zeit mehr für die innere Sammlung. Wer nur liest, lässt das Gelernte vielleicht ohne praktische Folgen. Die fünf Tätigkeitsbereiche stehen nebeneinander und korrigieren dadurch einseitige Vorstellungen.
Der Tageslauf wird außerdem von Gebet durchzogen. Der Lobpreis in Kapitel 13 spricht den göttlichen Herrn in vielen Namen an: als Weltgrund, als inneres Selbst, als unvergängliche Wirklichkeit und als Gegenüber der Hingabe. Die Vielzahl der Namen zersplittert das Gebet nicht. Sie führt immer neu auf den Angesprochenen zurück. Der Betende lernt, seine Beziehung aus mehreren Blickrichtungen wahrzunehmen.
Für heutige Yoga-Aspiranten lässt sich diese Ordnung in einem einfachen Tagesrhythmus bedenken. Eine bewusste morgendliche Ausrichtung, ein sorgfältig erfüllter Dienst, eine kurze Verehrung, etwas Studium und ein Moment der Stille können einander unterstützen. Die genaue historische Zeitordnung wird dadurch nicht nachgebildet. Entscheidend für diese heutige Anwendung ist, dass Lernen und Handeln, Hingabe und Sammlung im selben Leben Platz finden.
Das Gebet verbindet Größe und Nähe
In den Gebeten des Caryāpāda erscheint das Göttliche zugleich unermesslich und ansprechbar. Es ist ohne Anfang und Ende, durchdringt die Welt und wird doch mit einem „Du“ angerufen. Diese Spannung wird nicht durch eine abstrakte Definition aufgelöst. Der Text lässt beides nebeneinander bestehen: die Weite einer höchsten Wirklichkeit und die Nähe einer Beziehung, in der Bitte, Dank und Zuflucht möglich sind.
Gerade die Wiederholung von Verneigung und Lobpreis kann eine Haltung bilden. Der Betende ordnet nicht nur Begriffe, sondern tritt selbst in die Aussage ein. „Verehrung dir“ ist etwas anderes als eine distanzierte Beschreibung der Gottheit. Die Sprache verändert ihre Richtung: Sie spricht nicht mehr nur über das Heilige, sondern wendet sich ihm zu. Deshalb sind die Gebetsverse ein eigener Zugang, auch für Leser, die den technischen Ritualkapiteln schwer folgen können.
Die Übersetzung muss dabei sprachliche Schäden ernst nehmen. Ein schöner Gedanke darf nicht zur Erlaubnis werden, einen beschädigten Vers beliebig zu vervollständigen. Wo eine Lesart unsicher ist, kann der übrige Hymnus dennoch verständlich bleiben. Geistliche Kraft und textliche Genauigkeit müssen einander nicht ausschließen. Das Eingeständnis einer Grenze kann sogar helfen, den erhaltenen Worten mit größerer Aufmerksamkeit zu begegnen.
Als heutige Praxis kann es genügen, eine klar überlieferte Gebetszeile langsam zu lesen. Nicht jede Zeile muss sofort eine außergewöhnliche Erfahrung auslösen. Man kann zunächst wahrnehmen, welche Haltung sie anspricht: Vertrauen, Staunen, Dank oder die Bereitschaft, Hilfe zu empfangen. So erhält das Gebet Raum, ohne dass die eigene Erfahrung an ein versprochenes Ergebnis gebunden werden muss.
Der Jahreslauf erinnert an die Wiederkehr
Feste, Gelübde, Lichter und neue Ernte geben auch dem Jahr eine religiöse Gestalt. Bestimmte göttliche Erscheinungen werden zu bestimmten Zeiten erinnert. Die Wiederkehr schafft Kontinuität: Ein Fest ist einmalig in seinem konkreten Vollzug und zugleich Teil einer Folge. Menschen können darauf zugehen, sich vorbereiten und im nächsten Jahr erneut daran anknüpfen. Zeit wird auf diese Weise nicht nur verbraucht, sondern mit Erinnerung verbunden.
Die Pavitra-Zeremonie zeigt besonders deutlich, dass bestehende Verehrung erneuert werden muss. Fäden, Knoten und Gaben gehören zu einer rituellen Wiederherstellung. Der Dienst wird nicht als ein für alle Mal fehlerlos betrachtet. Die Möglichkeit von Versäumnissen ist in die Ordnung aufgenommen. Daraus entsteht ein regelmäßiger Anlass, die Beziehung zu prüfen, neu auszurichten und fortzusetzen.
Die verschiedenen Kalenderangaben sind dabei nicht ohne Weiteres mit einem heutigen allgemein bekannten Festkalender gleichzusetzen. Die Quelle hat ihre eigenen Zuordnungen, mitunter auch beschädigte oder widersprüchliche Angaben. Ein Leser sollte beispielsweise eine ungewohnte Nṛsiṃha-Datierung nicht einfach durch die ihm vertraute ersetzen. Die Eigenart der Überlieferung wird gerade dann sichtbar, wenn sie nicht stillschweigend normalisiert wird.
In diesen Kapiteln begegnet auch ein längerer Hymnus an Lakṣmī. Er erweitert den Blick auf Wohlergehen und göttliche Gunst. Die Verehrung richtet sich nicht nur auf das Abwehren von Mangel, sondern auf eine Beziehung zur Göttin. Eine heutige spirituelle Betrachtung kann daraus die Frage entwickeln, wie man mit empfangenem Wohlergehen umgeht. Wird es ausschließlich festgehalten, oder ermöglicht es Fürsorge, Dank und Großzügigkeit? Diese Frage geht über den historischen Wortlaut hinaus, bleibt aber an dessen Gebetssprache angeschlossen.
Beschädigtes darf wiederhergestellt werden
Tempel, Bilder und Kultgeräte sind materiellen Veränderungen ausgesetzt. Ebenso können Abläufe unterbrochen oder Pflichten versäumt werden. Die Kapitel über Erneuerung und Wiedergutmachung zeigen eine Religion, die mit solchen Störungen rechnet. Die Ordnung ist nicht nur für den idealen Fall geschaffen. Sie enthält Verfahren, um nach einem Schaden wieder handlungsfähig zu werden.
Bei der Wiederherstellung eines Bildes spielt die vorhandene Gestalt eine wichtige Rolle. Erneuerung bedeutet nicht notwendig, nach Belieben etwas völlig Neues an ihre Stelle zu setzen. Der bisherige Zusammenhang verdient Beachtung. Zugleich kennt der Text unterschiedliche Fälle und Bedingungen. Manche Stellen lassen mehrere Lösungen erkennen oder sind widersprüchlich. Die Übersetzung bewahrt diese Unterschiede, statt daraus ein einziges allgemeines Restaurierungsgesetz zu bilden.
Die Reinheits- und Störungsregeln sind historisch geprägt. Manche richten sich gegen bestimmte Personengruppen oder gegen die Berührung durch bestimmte Tiere. Andere machen Ausnahmen und unterscheiden zwischen versehentlichem Geschehen und bewusster Vernachlässigung. Diese Unterschiede sind wichtig: Der Text setzt nicht jeden Zwischenfall gleich. Dennoch werden seine sozialen und körperbezogenen Ausschlüsse dadurch nicht zu heutigen ethischen Maßstäben.
Für eine heutige innere Anwendung kann der Gedanke der Wiederherstellung fruchtbar sein. Eine unterbrochene Praxis muss nicht endgültig aufgegeben werden. Man kann wahrnehmen, was geschehen ist, Verantwortung übernehmen und einen angemessenen Neubeginn gestalten. Das ist keine Übertragung der einzelnen Bußmengen oder Reinheitsstufen. Es ist eine Betrachtung der größeren Bewegung: Fehler und Schäden brauchen eine Antwort, die wieder Beziehung ermöglicht.
Eine Tradition kennt verschiedene Ordnungen
Die Abschnitte über die vier Siddhāntas machen deutlich, dass der Text innerhalb seines religiösen Feldes Unterschiede kennt. Lehr- und Ritualordnungen werden benannt, voneinander abgegrenzt und mit eigenen Voraussetzungen verbunden. Daraus entstehen Regeln darüber, welche Form der Verehrung zu welchem Zusammenhang gehört. Einheit der religiösen Ausrichtung bedeutet hier nicht, dass jede Einzelregel überall gleich ist.
Zugleich enthält die Quelle eine bemerkenswerte Öffnung: Was in einer eigenen Überlieferung nicht erwähnt ist, darf unter bestimmten Voraussetzungen aus einer anderen Tantra-Lehre übernommen werden. Diese Aussage steht neben Warnungen vor dem Vermischen unterschiedlicher Systeme. Sie hebt diese nicht pauschal auf. Vielmehr zeigt sich eine Spannung zwischen Wahrung des Zusammenhangs und dem Umgang mit fehlenden Angaben.
Ähnlich ist die Aussage über die Ekāyana-Gruppen zu lesen, unter denen kein Höher und Niedriger aufgrund der Geburt gelten soll. Sie ist ein auffälliger Akzent innerhalb eines Werkes, das an anderen Stellen sehr deutliche soziale Rangordnungen aufstellt. Man sollte weder die Öffnung verschweigen noch aus ihr nachträglich eine durchgehend egalitäre Schrift machen. Beide Seiten gehören zur vorliegenden Textgestalt.
Für heutige Leser kann diese Vielschichtigkeit eine Schule genauer Unterscheidung sein. Ein einzelner Satz beantwortet nicht jede Frage an ein umfangreiches Werk. Eine Tradition kann Kontinuität verlangen und zugleich Ergänzungen zulassen. Sie kann Grenzen setzen und an bestimmten Stellen Grenzen relativieren. Wer solche Spannungen wahrnimmt, muss nicht sofort alles harmonisieren. Er kann lernen, sorgfältiger nach Zusammenhang, Reichweite und Anlass einer Aussage zu fragen.
Mudrās geben der Verehrung eine körperliche Sprache
Die Mudrās führen die Aufmerksamkeit wieder zu den Händen. Finger werden verbunden, geöffnet, verschränkt oder in bestimmte Richtungen gehalten. Der Text beschreibt eine Reihe benannter Gesten, die zu Gottheiten, Gaben oder Vorgängen gehören. Die Hände handeln nicht nur, indem sie Gegenstände bewegen. Ihre eigene Form wird zu einem Bestandteil des Gottesdienstes.
Gerade hier sind beschädigte Wörter folgenreich. Eine einzige unklare Fingerbezeichnung kann eine Geste verändern. Deshalb lässt sich nicht aus jeder Zeile eine sichere bildliche Anleitung ableiten. Auch ähnliche Namen bedeuten nicht notwendig, dass die Gesten in allen heutigen Schulen identisch ausgeführt werden. Die Übersetzung beschreibt das Erkennbare und markiert die Grenze des Erkennbaren.
Die körperliche Sprache der Mudrās erweitert das Verständnis von Lernen. Manches Wissen wird nicht allein durch Lesen erworben, sondern durch Vormachen, Nachahmen und Korrigieren. Das erklärt, weshalb der Lehrer im gesamten Werk eine so wichtige Stellung hat. Eine schriftliche Beschreibung kann Teil einer Unterweisung sein, ohne jede lebendige Vermittlung ersetzen zu wollen.
Heutige Aspiranten können darin eine Erinnerung an die Würde einfacher Bewegungen finden. Schon die gefalteten Hände können eine Haltung der Sammlung oder des Respekts ausdrücken. Dafür muss man nicht behaupten, damit sämtliche historischen Mudrās zu beherrschen. Die kleine, bewusst vollzogene Geste darf ihre eigene Bedeutung haben. Sie verbindet eine innere Absicht mit einer sichtbaren Form.
Mantra ist geordnete und bedeutungsvolle Sprache
Mit der Lautlehre beginnt ein großer neuer Abschnitt. Buchstaben werden durch Namen bezeichnet, Vokale und Konsonanten miteinander verbunden und Formeln schrittweise erschlossen. Der Leser begegnet oft langen Namensreihen, die ohne den zugehörigen Schlüssel wie eine bloße Liste wirken. Im Zusammenhang der Quelle dienen sie der genauen Übermittlung von Lauten. Sie können zugleich Wissen ordnen und seine Weitergabe begrenzen.
Die vorliegende Fassung enthält in diesen Reihen zahlreiche Beschädigungen. Ein Lautname kann doppelt auftreten, eine erwartete Reihe kann unvollständig sein, ein Variantenhinweis kann eine andere Lösung bieten. Die deutsche Übersetzung gibt deshalb zunächst wieder, welche Namen und Verknüpfungen tatsächlich stehen. Sie ersetzt eine unklare Folge nicht automatisch durch ein heute bekanntes Mantra. Ein vertrautes Ergebnis allein beweist noch nicht, dass genau dieses Ergebnis an jeder beschädigten Stelle gemeint war.
Dort, wo der Zusammenhang klar ist, werden die großen Formeln ausdrücklich kenntlich. Der zwölfsilbige Vāsudeva-Mantra und der achtsilbige Nārāyaṇa-Mantra gehören zu den tragenden Beispielen. Ihre Stellung wird durch eigene Kapitel hervorgehoben. Andere Texte nennen Mantras nur beim Namen oder erläutern besondere Erweiterungen. Deshalb ist zwischen Grundform, Erweiterung, Bīja und Gebetsvers zu unterscheiden.
Mantra umfasst in diesem Werk außerdem mehr als den Lautkörper allein. Seher, Versmaß, Gottheit, Bīja, Śakti und weitere Bestandteile werden erläutert. Die Gottheit ist unter anderem der durch die Formel bezeichnete Sinn; das Bīja wird als Ursprung und die Śakti als belebende Kraft beschrieben. Solche Erklärungen öffnen einen Zugang hinter die reinen Zeichenfolgen. Klang, Bedeutung, Überlieferung und bewusster Vollzug gehören zusammen.
Wiederholung braucht Richtung
Japa wird mit bestimmten Zahlen, Zeiten, Orten und begleitenden Handlungen verbunden. Manche Zahlen sind außerordentlich groß. Sie zeigen den Anspruch einer langfristigen, konsequenten Übung. Zugleich nennt der Text verschiedene Ziele: Befreiung, Erkenntnis, Wohlergehen, besondere Fähigkeiten oder die Erfüllung einzelner Wünsche. Es wäre daher ungenau, jede Mantrapraxis dieser Kapitel allein als stille Meditation auf Befreiung zu beschreiben.
Im Kapitel zum zwölfsilbigen Mantra steht die Betrachtung des Göttlichen in einem umfassenden Zusammenhang. Der Laut führt zur verehrten Wirklichkeit; die Wirklichkeit ist nicht auf die hörbare Silbe begrenzt. Der Mensch soll sich mit seinem Inneren auf sie ausrichten. Die Übungen verbinden daher Wiederholung mit Vorstellung, Sammlung und religiöser Lebensführung. Eine Zahl allein erklärt noch nicht den gesamten Weg.
Für heutige Übende kann die Regelmäßigkeit des Japa eine Stütze sein. Ein wiederkehrendes Wort oder eine klar verstandene Gebetszeile gibt dem abschweifenden Geist einen Ort der Rückkehr. Das bedeutet nicht, dass Abschweifen ein persönliches Versagen wäre. In einer heutigen meditativen Anwendung liegt der Wert gerade im wiederholten, freundlichen Zurückkehren. Diese psychologische Beschreibung ergänzt die Lektüre; sie ist nicht als vollständige Theorie des Mantras in der Quelle auszugeben.
Ebenso hilft es, die eigene Absicht zu klären. Soll die Übung das Herz für Hingabe öffnen, die Aufmerksamkeit sammeln oder eine Beziehung zu einer Gottheit vertiefen? Wer diese Frage stellt, kann die zahlreichen historischen Wirkungslisten differenzierter lesen. Er muss nicht jede dort erwähnte Fähigkeit zum eigenen Ziel machen. Die Quelle erschließt ein weites Feld; die heutige Anwendung verlangt eine bewusste Wahl.
Außergewöhnliche Versprechen verlangen Unterscheidung
Neben Befreiungslehre und Gottesverehrung stehen in den großen Mantrakapiteln auch Vorstellungen von Alchemie, Unverletzlichkeit, magischen Gegenständen, Einfluss auf andere Menschen und Eintritt in andere Körper. Diese Abschnitte gehören zum Text. Eine spirituell ansprechende Ausgabe darf sie nicht ausblenden, nur weil sie einem heutigen Bild von Yoga widersprechen. Ihre Aufnahme macht erst sichtbar, wie weit der historische Begriff ritueller Wirksamkeit reicht.
Die Wiedergabe ist jedoch keine Bestätigung. Eine beschriebene Heilwirkung wird durch ihre Übersetzung nicht medizinisch erwiesen. Ein Ritual, das Unterwerfung oder Schädigung verspricht, wird nicht durch seinen religiösen Rahmen ethisch unproblematisch. Die Quelle enthält sowohl mitfühlende Haltungen als auch Anwendungen, die damit in Spannung stehen. Eine heutige Leserin kann diese Spannung wahrnehmen, ohne sie durch eine unbelegte rein symbolische Erklärung auflösen zu müssen.
Auch die Kapitel über yogisch bestimmten Tod und Körperwechsel werden in ihrem historischen Zusammenhang belassen. Sie dürfen nicht als Anweisungen zur Selbstgefährdung oder als gesicherte Aussagen über das Lebensende gelesen werden. Der Zusammenhang von Befreiungswunsch, Körpervorstellung und außergewöhnlichen Fähigkeiten ist Gegenstand der Lektüre. Die eigentliche spirituelle Frage eines heutigen Lesers kann dabei auf Vertrauen, Begrenztheit und verantwortliches Leben gerichtet bleiben.
Gerade die ethischen Grundlagen des Yogapāda bieten einen wichtigen Gesprächspartner innerhalb desselben Werkes. Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit und Mitgefühl stehen nicht außerhalb seiner Überlieferung. Sie können heutige Leser dazu anregen, die Wirkung einer Praxis auch an der eigenen Haltung zu prüfen: Wächst die Fähigkeit, andere als eigenständige Menschen zu achten? Wird man verlässlicher und klarer? Solche Fragen eröffnen eine verantwortliche Aneignung, ohne den schwierigen Textbestand zu verschweigen.
Viele Gestalten führen durch die Verehrung
Die Mantras der Avatāras und weiterer Viṣṇu-Formen entfalten eine große Vielfalt. Matsya, Kūrma, Varāha, Narasiṃha, Vāmana, Rāma, Kṛṣṇa und andere Gestalten erhalten eigene Beschreibungen und Formeln. Sie sind nicht bloß austauschbare Namen. Erscheinung, Waffen, Farbe, Haltung und religiöse Aufgabe unterscheiden sich. Die Verehrung nimmt diese Unterschiede ernst.
Narasiṃha begegnet mit besonders mächtigen und teils furchtbaren Formen. In anderen Abschnitten erscheinen nährende oder lehrende Gestalten. Hayagrīva ist mit Wissen verbunden, Annapati mit Nahrung, weitere Formen mit Schutz und göttlicher Herrschaft. Der Text führt damit durch unterschiedliche Weisen, in denen das Göttliche vorgestellt und angesprochen wird. Die gemeinsame Ausrichtung auf Viṣṇu hebt diese Vielfalt nicht auf.
Für heutige Aspiranten kann gerade eine konkrete Gestalt einen Zugang eröffnen. Das Bild eines Lehrenden spricht anders an als das eines schützenden Löwenmenschen oder eines göttlichen Kindes. Eine solche persönliche Resonanz ist jedoch von der historischen Mantra-Zuordnung zu unterscheiden. Man darf sich von einer Gestalt berühren lassen, ohne deshalb jede zugehörige Spezialpraxis bereits verstanden oder übernommen zu haben.
Die Vielfalt kann schließlich helfen, ein zu enges Gottesbild zu weiten. Das Göttliche begegnet im Text als Grund der Welt, als Gegenüber des Gebets, als Schutz, Nahrung, Wissen und Befreiung. Keine einzelne heutige Deutung muss alle diese Ebenen vollständig erfassen. Die Lektüre kann ein langsames Kennenlernen sein. Dabei bleibt der Zusammenhang entscheidend: Die vielen Formen gehören zu einer überlieferten Ordnung und zu einem Leben der Verehrung.
Eine beständige Beziehung trägt den Weg
Die Kapitel 1–28 führen durch eine außerordentliche Fülle von Handlungen. Hinter dieser Fülle bleibt eine wiederkehrende Bewegung erkennbar: sich vorbereiten, herantreten, darbringen, empfangen, lernen und sich sammeln. Der Mensch ist nicht nur Zuschauer einer göttlichen Welt. Er beteiligt sich mit Körper, Stimme, Besitz, Zeit und Aufmerksamkeit. Der Caryāpāda gibt dieser Beteiligung eine feste Gestalt.
Eine heutige Begegnung mit dem Text muss nicht daran scheitern, dass viele Einzelvorschriften fremd bleiben. Man kann sorgfältig lesen, Fragen offenhalten und zugleich eine verständliche Haltung aufnehmen. Eine aufrichtige Widmung, ein klar überlieferter Gebetsvers oder eine verlässliche Zeit der Stille können ein Anfang sein. Ihre Schlichtheit macht sie nicht gering. Entscheidend ist, ob sie im eigenen Leben wirklich Platz erhalten.
Die Quelle verbindet große kosmische Bilder mit alltäglicher Wiederkehr. Gerade darin liegt ihre bleibende Anregung: Das höchste Ziel wird nicht nur in besonderen Augenblicken gesucht. Es erhält eine Beziehung zu dem, was Tag für Tag getan wird. Wer diesen Gedanken heute aufnimmt, kann die eigene Praxis weniger als Sammlung außergewöhnlicher Erlebnisse und stärker als Pflege einer tragfähigen Ausrichtung verstehen.
Spirituelle Bedeutung und Weiterführung
Für Yoga-Aspiranten eröffnet dieser Werkbereich ein Gespräch zwischen Hingabe und Genauigkeit. Die historische Ritualordnung wird nicht zur allgemeinen Verpflichtung heutiger Leser. Sie zeigt jedoch, wie ernst eine Tradition den Zusammenhang zwischen innerer Haltung und äußerem Dienst nehmen kann. Bhakti, Svādhyāya und Meditation unterstützen einander, wenn sie im selben Leben verwurzelt sind.
Die Fortsetzung beginnt mit den Göttinnen-Mantras und führt über Schmuck, Waffen und Gefolge zu Sudarśana und zum Schluss der Saṃhitā: Padma Samhita Caryapada Teil 2. Für eine kurze, quellenbezogene Lektüre steht Padma Samhita 108 Inspirierende Verse und Mantras zur Verfügung.
Yoga, Meditation und Seminare
Bhakti Yoga
- 27.10.2026 - 27.10.2026 Mantra-Konzert mit Shamana OM
Konzert mit Shamana OM- Shamana OM
- 31.10.2026 - 31.10.2026 Mantra-Konzert mit Gruppe Mudita
Konzert mit der Gruppe Mudita- Gruppe Mudita
Kundalini Yoga
- 30.10.2026 - 01.11.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe
Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…- Arjuna Wingen
- 06.11.2026 - 08.11.2026 Kundalini Yoga Einführung
Gründliche Einführung in die Theorie und Praxis des Kundalini Yoga, Yoga der Energie. Die praktischen Übungen des Kundalini Yoga umfassen Pranayama (…- Arjuna Wingen
Im Gespräch mit anderen Tantra-Schriften
Die Jayakhya Samhita verbindet ebenfalls Mantra, Verehrung und innere Verwandlung. Das Lakshmi Tantra vertieft die Rolle der göttlichen Kraft und der Gnade; es ist besonders neben dem Lakṣmī-Hymnus in Caryāpāda 15 anregend. Kularnava Tantra und Tara Tantra eröffnen eigenständige Gespräche über Guru, Einweihung und innere Verehrung. Die Gemeinsamkeit liegt in der Frage nach einer Praxis, die den ganzen Menschen erfasst. Ihre Antworten gehören jedoch verschiedenen Überlieferungen und dürfen nicht zu einer beliebig vermischten Ritualanleitung werden.
Siehe auch
Die Padma Samhita lesen: Werküberblick · Yogapāda · Jñānapāda · Kriyāpāda 1–23 · Kriyāpāda 24–32 · Caryāpāda 1–28 · Caryāpāda 29–33 · Kriyāpāda in Devanagari · Caryāpāda in Devanagari · 108 Lesestellen und Mantras.
Veröffentlichte Tantra- und Āgama-Artikel zum Weiterstudieren:
- Pāñcarātra, Gotteserkenntnis und Hingabe: Ahirbudhnya Samhita, Jayakhya Samhita, Lakshmi Tantra.
- Tempel, Bilder und Weihe in śivaitischer Überlieferung: Kamika Agama, Ajita Agama.
- Meditation und Bewusstsein: Vijnana Bhairava Tantra, Shiva Sutra, Tripura Rahasya.
- Guru, innere Verehrung und Lebensführung: Kularnava Tantra, Mahanirvana Tantra, Tara Tantra.
- Weitere eigenständige tantrische Überlieferungen: Brahma Yamala, Rudrayamala Tantra.
Die Bezüge erläutern gemeinsame Fragen und unterschiedliche Antworten. Sie setzen weder dieselbe Ritualordnung noch eine nachgewiesene historische Abhängigkeit voraus.
Dem Wesentlichen täglich Raum geben
Ein ausgerichtetes Leben wächst durch Wiederkehr. Ein Gebet am Morgen, ein bewusster Dienst, etwas Studium und eine Zeit der Stille können einander tragen. Beginne mit einer Form, die du verlässlich leben kannst. Wenn die Praxis unterbrochen wird, darfst du neu ansetzen. Die tägliche Hinwendung gewinnt Tiefe, wenn Aufmerksamkeit und Liebe in ihr anwesend bleiben.