Padma Samhita Kriyapada Teil 1

Aus Yogawiki

Der Kriyāpāda der Padma Samhita – Teil 1 führt vom gewählten Bauplatz zum ausgestatteten Heiligtum. Die Kapitel 1–23 beschreiben Bodenprüfung, Gründung, Tempelformen, Götterbilder und Kultgeräte. Der heilige Raum entsteht durch handwerkliche Sorgfalt, geordnete Zusammenarbeit und die Widmung an Viṣṇu. Wer diese Kapitel liest, begegnet einer religiösen Welt, in der Architektur, Körpergestalt und Bhakti eng zusammengehören.

Ein heiliger Ort beginnt mit Aufmerksamkeit: für die Erde, für die Arbeit anderer und für die Absicht, die einen Menschen bewegt. Die vielen Bau- und Bildbeschreibungen werden leichter zugänglich, wenn du diese Frage mitliest: Wie kann Hingabe in sorgfältigem Handeln sichtbar werden? Die anschließende Lesefassung hilft, den Zusammenhang auch ohne architektonische Vorkenntnisse zu verstehen.


Der Venkateswara-Tempel in Tirupati veranschaulicht lebendige Viṣṇu-Verehrung; er ist keine Rekonstruktion der Bauvorschriften dieses Textes.

Orientierung

Die Kapitel 1–6 behandeln Ort, Ausrichtung und Grundlegung. Kapitel 7–10 entfalten die Bauglieder und die räumliche Ordnung des Tempels. Kapitel 11–14 wenden sich den Materialien und der Herstellung der Bilder zu. Kapitel 15–22 beschreiben Gottesgestalten, Avatāras, Göttinnen und Begleiter; Kapitel 23 schließt mit Geräten und Sitzen der Verehrung. An dieser Stelle endet der erste Teil. Teil 2, Kapitel 24–32, beginnt mit dem Ācārya und der eigentlichen Weihe.

Wichtige Begriffe: Mūrti bezeichnet eine göttliche Gestalt, Bimba das gestaltete Kultbild; die Wörter können sich im Gebrauch überschneiden. Prāsāda und Vimāna bezeichnen den Tempelbau beziehungsweise seinen sakralen Aufbau. Adhiṣṭhāna ist der gegliederte Sockel. Aṅgula, Hasta und Tāla sind kontextabhängige Proportionsmaße. Eine moderne Zentimeterumrechnung wäre ohne Festlegung der jeweiligen Maßgrundlage irreführend. Vāstu umfasst hier den Bauplatz und dessen rituelle Ordnung; es wird nicht auf eine moderne Wohnberatung verkürzt.

Zur Textgrundlage: Wiedergegeben werden sämtliche vorhandenen nummerierten Quelleinheiten der Kapitel 1–23 aus der zugrunde gelegten IAST-Sammlung. Auch Fragmente, Varianten und editorische Zusätze bleiben sichtbar; sie sind keine zusätzliche verbindliche Ritualvorschrift. Fehlende Nummern werden angezeigt. Wo beschädigte Wörter keine sichere Maßfolge oder Gestaltbeschreibung zulassen, wird dies unmittelbar bei der Übersetzung angegeben. Die überlieferten sozialen Ausschlüsse und Omenvorstellungen sind historische Aussagen der Quelle.

Gesamtwerk · Weiter zu Kapitel 24–32 · Vollständiges Kriyāpāda-Devanagari · 108 inspirierende Stellen und Mantras

IAST und deutsche Übersetzung

Kapitel 1: Der Beginn des Tempelbaus und die Wahl des Grundstücks

śrī rastu |
śrī materāmānujāyanamaḥ |
śrī pāñcarātrepādmetantre |
kriyāpādaḥ |
brahmaṇā bhagavantaṃ prati jñānayoga |
yoraviduṣāṃ gatimuddhiśya praśnaḥ |
brahmāḥ |
bhagavan devadeveśa śajkhacakragadādhara |
jñānayogau ca kārtsnyena nirvāṇaphaladau śrutau || 1 ||

1.1 Brahmā sprach: Herr der Götter, Träger von Muschelhorn, Diskus und Keule! Erkenntnis und Yoga, die Befreiung als Frucht gewähren, habe ich vollständig gehört. Die Einleitungsworte lauten: „Heil sei! Verehrung dem ehrwürdigen Rāmānuja! Im Padma-Tantra des ehrwürdigen Pāñcarātra: der Kriyāpāda.“

tayo raviduṣāṃ deva nādhikāraḥ kadācana |
ajñānināṃ ca bhaktānāṃ gatiṃ cāpīcchatāṃ nṛṇām || 2 ||

1.2 Doch diejenigen, die beide nicht kennen, sind zu ihnen nicht ohne Weiteres befähigt. Für Menschen, die nicht gelehrt, doch hingebungsvoll sind und nach einem Ziel suchen …

gatimanvicchatām |
yenopāyena nirvaṇa phalaṃ svargādicetarat |
bhavatyupāyaṃ tamṛjumupadeṣṭuṃ tvamarhasi || 3 ||

1.3 … lehre den geraden Weg, durch den die Frucht der Befreiung und auch andere Früchte wie der Himmel erlangt werden können.

idamanyacca vaktavyaṃ yadi mayyastyanugrahaḥ |
tvadarcane ko'bhyupāyaḥ kathyatāṃ madhusūdana || 4 ||

1.4 Auch dies sollst du mir sagen, wenn du mir Gnade erweist: Welcher Weg führt zu deiner Verehrung, o Madhusūdana?

sthānaviśeṣeṣu bhagavadarcāmūrti |
yajanasya sarvasiddhikaratvam |
śrībhagavān |
kṛtvā pratinidhiṃ samyagdhāruloha śīlādibhiḥ |
tat sthāpayitvā matthyāne śāstradṛṣṭena vartmanā || 5 ||

1.5 Der erhabene Herr sprach: Fertige aus Holz, Metall, Stein oder anderen Materialien ein wohlgestaltetes Bild und setze es nach dem in der Lehre beschriebenen Verfahren an meinem Ort ein …

karmaṇā dhanarvā martyo mamārādharatatparaḥ |avṛttiphalamanyacca prāpnotyeva na saṃśayaḥ|itīdaṃ padyaṃ kvacitkośe dṛśyate. atra brahmapraśna vākye bhagavadu ttaravākye ca lokhaka pramādaśśaṅkyate|yajasva māṃ vakṣyamāṇa vidhinā kamalāsana |
karṣaṇādipratiṣṭhānta kriyāvidhimataśśruṇu || 6 ||

1.6 … und verehre mich nach der nun zu erklärenden Ordnung, o Lotosgeborener. Höre das Verfahren vom Pflügen des Bodens bis zur Weihe. [Ein eingeschobener Vers sagt sinngemäß: Wer sich durch Handlung oder Vermögen meiner Verehrung widmet, erlangt die Frucht ohne Wiederkehr und weitere Früchte. Die Quelle vermutet selbst Abschreibfehler in Frage und Antwort.]

vakṣyāmi yena vadhinā prasīdāmyacarādaham |
adhītino yevidyāsu śāstrāṇi śrutapūrviṇaḥ || 7 ||

1.7 Ich werde das Verfahren erklären, durch das ich mich bald gnädig erweise. Wer die Wissensgebiete studiert und die Lehrwerke gehört hat …

te māṃ bhajante puruṣā jñānayogaparāyaṇāḥ |
anyeṣāmapyaviduṣāṃ bhaktānāṃ bahusampadām || 8 ||

1.8 … verehrt mich durch Erkenntnis und Yoga. Aber auch andere, die nicht gelehrt, doch hingebungsvoll und mit Mitteln ausgestattet sind …

jāyate siddhiracirāt sthāne sthāpayatāṃ ca mām |
jñānaṃ yogaśca yadidaṃ kevalaṃ mukti kāraṇam || 9 ||

1.9 … erlangen bald Vollendung, wenn sie mich an einem geeigneten Ort einsetzen. Erkenntnis und Yoga sind Mittel zur Befreiung.

sthāpayutvā tu māṃ sthāne puruṣassatvamaśnute |
acyutam |
yo māṃ saṃsthāpya sadane samārādhayati svayam || 10 ||

1.10 Wer mich an einem Ort einsetzt, erlangt Sattva; die Variante nennt Acyuta. Wer mich in einem Heiligtum einsetzt und selbst verehrt …

na tasya kevalaṃ sidthiḥ sthānābhyarṇajuṣāmapi |
tasmātsarvā brahman sthāne māṃ sthāpayetpumān || 11 ||

1.11 … erlangt Vollendung nicht für sich allein: Auch den Menschen in seiner Nähe kommt sie zugute. Deshalb soll man mich an einem Ort einsetzen, o Brahmā.

sthānadyaividhyam |
dvividhaṃ sthānamākhyātaṃ siddhāsiddhaprabhedataḥ |
siddhasthānaviraṇam |
mūle mūrdani śailānāṃ nadyāstīre ca saṅgame || 12 ||

1.12 Der Ort wird zweifach beschrieben: als Siddha, schon vollendet beziehungsweise geheiligt, und als Asiddha, noch nicht in diesem Sinne vollendet. Am Fuß oder Gipfel von Bergen, an Flussufern und Zusammenflüssen …

samudratīre puline hrade tīrttheca kānane |
e teṣu nirmitaṃ sthānaṃ siddhākhyaṃ viśvakarmaṇā || 13 ||

1.13 … am Meeresufer, auf Sandbänken, an Seen, heiligen Badeorten und in Wäldern gilt eine von Viśvakarman errichtete Stätte als Siddha …

devādibhirahaṃ tatra sthāpita ścedyathāvidhi |
asiddhāyatanam |
masuṣyairnimitaṃ sthānaṃ nagarādi kṛtaṃ mama |
asiddhāyatanaṃ viddhi grāmādisthiti hetukam || 14 ||

1.14 … sofern mich Götter oder andere dort ordnungsgemäß eingesetzt haben. Eine von Menschen in Städten oder an ähnlichen Orten errichtete Stätte für mich gilt als Asiddha-Heiligtum, als Grundlage für das Bestehen von Dörfern und anderen Siedlungen.

yajamānasvarūpam |
śraddhāvānāstiko bhakto dhanadhānya samṛddhimān || 15 ||

1.15 [Der Stifter sei] vertrauensvoll, gläubig und hingebungsvoll, mit Reichtum und Getreide ausgestattet …

mahotsāhaśśucirdakṣaḥ kṛtajño lo bhavarjitaḥ |
brāhmaṇaḥ kṣatriyo vaiśva śśūdro vāpyanulomajaḥ || 16 ||

1.16 … tatkräftig, rein, geschickt, dankbar und frei von Habgier; Brahmane, Kṣatriya, Vaiśya, Śūdra oder aus einer Anuloma-Verbindung geboren.

jānīhi yahamā naṃ taṃ sarvaissamuditaṃ guṇaiḥ |
varaṇīyācārya lakṣaṇam |
pañcarātravidaṃ śāntaṃ siddhānteṣu kṛtaśramam || 17 ||

1.17 Erkenne einen mit diesen Eigenschaften ausgestatteten Menschen als Stifter. [Als Lehrer wähle man] einen Kenner des Pāñcarātra, friedvoll und in den Lehrsystemen gründlich geschult …

bhagavadvaṃśajaṃ śuddha malolupamadāmbhikam |
apāpamṛjumavyādhi madṛṣṭaparamāstikam || 18 ||

1.18 … aus einer Bhāgavata-Familie, rein, frei von Gier und Heuchelei, ohne Verfehlung, aufrichtig, ohne Krankheit, auf das Unsichtbare ausgerichtet und gläubig. [„adṛṣṭaparam“ lässt auch einen Bezug auf überweltliche Früchte zu.]

taṃ bhāgavatamācāryāṃ prathamaṃ varayotsudhīḥ |
bhūparīkṣā |
ācāryo yajamānaśca daivajñena śubhe dine || 19 ||

1.19 Einen solchen Bhāgavata-Ācārya soll der Einsichtige zuerst auswählen. Lehrer und Stifter sollen gemeinsam mit einem Astrologen an einem günstigen Tag …

grāmādi sthāpanāyādau nimittāni parīkṣayet |
śubhe nimitte grāmādīnārabheta vicakṣaṇaḥ || 20 ||

1.20 … vor der Anlage des Dorfes oder einer anderen Siedlung die Vorzeichen prüfen. Bei günstigen Vorzeichen beginne der Kundige mit dem Vorhaben.

bhūparīkṣādikaṃ sarvaṃ rathakāreṇa vai saha |
ācāryaḥ pañcarātrajñaḥ kuryādabhyuditakramāt || 21 ||

1.21 Die Prüfung des Bodens und alle weiteren Aufgaben soll der Pāñcarātra-kundige Lehrer gemeinsam mit dem Baumeister in der vorgeschriebenen Reihenfolge ausführen.

bhūme ssupadmādiprabhedaḥ |
supadmā bhadrakā pūrṇā dhumrā ceti caturvidhā |
bhūmistu lakṣaṇaṃ tāsāṃ krameṇopadiśāmi te || 22 ||

1.22 Der Boden wird vierfach unterschieden: Supadmā, Bhadrakā, Pūrṇā und Dhūmrā. Ihre Merkmale will ich dir der Reihe nach erklären.

supadmābhūmiḥ |
campakāgugurakarphūra kadambatilakārjanaiḥ |
kramukairnāli keraiśca kuśakāśaissamāvṛtā || 23 ||

1.23 Mit Campaka, Aguru, Kampferbäumen, Kadamba, Tilaka, Arjuna, Arekapalmen, Kokospalmen, Kuśa- und Kāśa-Gras bestanden …

padmotpala samākīrṇā prāgudakpravaṇā śubhā |
yā ca toyāvṛtā bhūmissā supadmeti kīrtitā || 24 ||

1.24 … mit roten und blauen Lotosblumen erfüllt, günstig nach Osten und Norden geneigt und wasserreich: Ein solcher Boden heißt Supadmā.

bhadrakābhūmiḥ |
nadīsāgara pārśvasthā tīrthāyatanamāśritā |
kṣīra vṛkṣasamākīrṇā phalavṛkṣa samākulā || 25 ||

1.25 An Flüssen oder am Meer gelegen, in der Nähe heiliger Badeorte und Heiligtümer, mit milchsaftführenden Bäumen und Obstbäumen reich bestanden …

udyānopavano petā latāgulma samāvṛtā |
yajñavṛkṣāḥ kuśāḥ kāśāḥ vrīhikṣetraṃ tu yatra vai || 26 ||

1.26 … mit Gärten und Hainen, von Schlingpflanzen und Sträuchern bedeckt, wo Opferbäume, Kuśa- und Kāśa-Gras und Reisfelder wachsen …

adhojalasamopetā bhadrakā iti sāsmṛtā |
pūrṇābūmiḥ |
kuluttha nimbaniṣpāva kodravaśyāmakānvitā || 27 ||

1.27 … und Wasser im Untergrund vorhanden ist: Dieser Boden heißt Bhadrakā. Mit Kuluttha, Nimba, Niṣpāva, Kodrava und Śyāmaka bestanden … [Die Pflanzenbezeichnungen der zweiten Bodengruppe werden mangels eindeutiger botanischer Zuordnung beibehalten.]

girisārśva sthitā caiva gireśśikharamāśritā |
aprabhūtodakā bhūmi ssā pūrṇeti prakīrtitā || 28 ||

1.28 … an einem Berghang oder auf einem Gipfel gelegen und nicht besonders wasserreich: Ein solcher Boden wird Pūrṇā genannt.

dhūmrābhūmiḥ |
yavaveṇvādisaṅkīrṇā snuhiśleṣmātakānvitā |
vibhītakārkasaṅkīrṇā kaṭhinā śarkarānvitā || 29 ||

1.29 Mit Gerste, Bambus und Ähnlichem durchsetzt, mit Snuhi, Śleṣmātaka, Vibhītaka und Arka bestanden, hart und kiesig …

vāyasaśyenagṛdhrāḍhyā gomāyuvṛkasaṅkulā |
ūṣarādyessamopetā sā dhumreti prakrīrtitā || 30 ||

1.30 … reich an Krähen, Falken und Geiern, mit Schakalen und Wölfen bevölkert und salzig-öde: Ein solcher Boden heißt Dhūmrā.

supadmādibhūmīnāṃphalabhedaḥ |
supadmā śāntidā bhūmi ssakhadā bhadrakābhavet |
supūrṇā puṣidā pūmiḥ kṣayadādhūmrakā bhavet || 31 ||

1.31 Supadmā gewährt nach der rituellen Wertung Frieden, Bhadrakā Glück, Pūrṇā Gedeihen und Dhūmrā Niedergang.

khātamṛtpūraṇaparikṣā |
daṇḍamātrāyatāṃ bhūmiṃ tāvadvistārasaṃyutām |
jānumātraṃ khanedbhūmi mṛdbistābhiśca pūrayet || 32 ||

1.32 Man grabe auf einer einen Daṇḍa langen und ebenso breiten Fläche bis zur Kniehöhe und fülle die Grube mit der ausgehobenen Erde wieder auf.

adhike cottamā bhūmissamaṃ cenmadhyamā bhavet |
nyūne'dhamāṃ vijānīyā ttāṃ bhūmiṃ varjayedhbudhaḥ || 33 ||

1.33 Bleibt Erde übrig, gilt der Boden als vorzüglich; reicht sie genau, als mittel. Reicht sie nicht, soll man den Boden als minderwertig erkennen und meiden.

cottamāṃ vidhyāt |
vastu bhūmaubījāvāpaḥ |
śālimudgayavādīnā muptvābhījāni vai bhuvi |
parīkṣakaḥ parīkṣeta praśastāmathavetarām || 34 ||

1.34 Man säe Reis, Mungbohnen, Gerste und ähnliche Samen aus. Der Prüfer soll so feststellen, ob der Boden geeignet ist oder nicht.

aṅkaro jāyate yatra trirātrā bhyantare mahīm |
tāmuttamāṃ vijānīyā tpañcarātriṣu madhyamām || 35 ||

1.35 Wo die Keime innerhalb von drei Nächten erscheinen, gilt der Boden als vorzüglich; bei fünf Nächten als mittel.

adhamāsaptarātre syā dadṛśye vā tadaṅkure |
varjayedadhamāṃ bhūmiṃ sthāpayedanyayordvayoḥ || 36 ||

1.36 Wenn sie erst nach sieben Nächten oder gar nicht erscheinen, gilt er als minderwertig. Diesen Boden soll man meiden und den Bau auf einer der beiden anderen Arten ausführen.

adhamāyā apibhūmeḥ kvacit parigrāhyatā |
kuśapālāśahariṇā ssanti yatra svayaṃ bhuvi |
adhamāmapi tāṃ viddhi praśastāṃ kamalāsana || 37 ||

1.37 Wo Kuśa, Palāśa und Hirsche von selbst vorkommen, soll man jedoch auch einen sonst minderwertigen Boden als geeignet erkennen, o Lotosgeborener.

rasavarṇādibhirbhūparīkṣā |
rasena madhureṇorvī muttamāṃ kaṭukātmikām |
madhyamāmadhamāmalpāṃ rasairanyaiśca viddhitām || 38 ||

1.38 Am süßen Geschmack erkenne man vorzüglichen Boden, am scharfen mittleren, am sauren und an anderen Geschmäcken minderwertigen. [„alpāṃ“ ist im Zusammenhang beschädigt; „sauer“ ist eine vorsichtige Lesung.]

śveta rṇottamābhūmi rmadhyamā pītalohinī |
adhamā kṛṣṇavarṇā syādityetadbhūmilakṣaṇam || 39 ||

1.39 Weißer Boden gilt als vorzüglich, gelber oder roter als mittel und schwarzer als minderwertig. Dies sind die beschriebenen Bodenmerkmale.

balipradānam |
vāstuvidyāsu kṛtinā kriyāsu nipuṇena ca |
rathakāreṇa sahitaḥ kuśalaḥ pañcarātravit || 40 ||

1.40 Der fähige, im Pāñcarātra kundige Lehrer soll gemeinsam mit einem Baumeister, der in Vāstu-Wissen erfahren und im praktischen Ausführen geschickt ist …

ācāryaḥ prathamaṃ kuryātpraveśabalimuttamam |
ācāryo yajamānena sahito vāstusīmani || 41 ||

1.41 … zunächst eine vorzügliche Eintritts-Bali vollziehen. Gemeinsam mit dem Stifter gehe der Lehrer am Rand des Baugeländes …

nṛttairvādyaiśca tūryaiśca tathā maṅkalapaṭhakaiḥ |
pūrṇakumbhai stathā dīpai rdhvajacchatrasamanvitaiḥ || 42 ||

1.42 … begleitet von Tanz, Musik, Instrumenten und Segensrezitationen, mit gefüllten Krügen, Lampen, Fahnen und Schirmen …

brāhmaṇai rjñānasampannai radhīyānairbahuśrutaiḥ |
pradakṣiṇaṃ parikramya mantrai ssvastyayanairapi || 43 ||

1.43 … sowie von wissenden, rezitierenden und vielfach gelehrten Brahmanen, unter Segensmantras rechtsherum um das Gelände.

vidikṣu dikṣu pūrvādibaliṃ kuryātsamantataḥ |
bhūtānāṃ ca piśācānāṃ rakṣasāṃ ditijasmanām || 44 ||

1.44 Dann bringe er ringsum in den Haupt- und Zwischenrichtungen, beginnend mit Osten, Bali-Gaben dar: für Bhūtas, Piśācas, Rākṣasas, Daityas …

grahāṇāmapi nāgānā manyeṣāṃ ca baliṃ kṣipet |
brahmasthāne prayatnena pāyasena mahīsuraḥ || 45 ||

1.45 … Grahas, Nāgas und andere. Am Brahman-Ort bringe der Brahmane mit besonderer Sorgfalt eine Gabe aus Milchreis dar.

baliṃ prakṣipya tadanu mantrametamudīrayet |
bhūtāḥ piśācā nāgāśca asurā rākṣasā grahāḥ || 46 ||

1.46 Nachdem er diese Bali dargebracht hat, spreche er folgenden Mantra: „Bhūtas, Piśācas, Nāgas, Asuras, Rākṣasas und Grahas …“

sarve te vyapagacchantu balituṣṭā yathāyatham |
devānāṃ ca dvijānāṃ ca sthānāṃ samyakkaromyaham || 47 ||

1.47 „… mögen alle, durch diese Gabe zufriedengestellt, an ihre jeweiligen Orte fortgehen. Ich errichte hier eine rechte Stätte für Götter und Zweimalgeborene …“

vāsudevasya devasya sarvabhūtātmakasya ca |
āstramantraiṇa saṃsiddhān siddhārthān sarvataḥ kṣīpet || 48 ||

1.48 „… und für den göttlichen Vāsudeva, das Selbst aller Wesen.“ Dann streue man allseits Senfkörner aus, die mit dem Astra-Mantra geweiht wurden. [Die Variante lautet „mit Mantras besprochen“.]

saṃjaptān |
kṛtvā baliṃ yathāśāstraṃ sūtrāṇyapi ca pātayet |
śilāssaṃsthāpaye ttatra sutrasandhiṣu sarvataḥ || 49 ||

1.49 Nach der vorgeschriebenen Bali spanne man die Messschnüre aus und setze Steine an allen Schnittpunkten der Schnüre. Die Variante nennt Pflöcke statt Steinen.

śaṅkan |
vāstupuruṣa kalpanam |
adhomukhaṃ prākchirasaṃ vinyasedvāstupūruṣam |
prasārya pāṇipadau dvau koṇabhūṣu prakalpitau || 50 ||

1.50 Man stelle sich den Vāstupuruṣa mit dem Gesicht nach unten und dem Kopf nach Osten vor, Hände und Füße ausgestreckt, an den Eckbereichen angeordnet.

evaṃ dhyātvā samabhyarccya puruṣaṃ vāstukalpitam |
tasya dakṣiṇapārśve tu vāstuhomaṃ prakalpayet || 51 ||

1.51 Nachdem man den so vorgestellten Vāstupuruṣa meditiert und verehrt hat, richte man an seiner rechten Seite das Vāstu-Feueropfer ein.

sthaṇ‍ḍile dīpayitvā'gniṃ pañcopaniṣadā ghṛtam |
sahasraṃ vā śataṃ vāpi juhuyādvāstuśāntaye || 52 ||

1.52 Man entzünde das Feuer auf dem Opferplatz und opfere zur Befriedung des Baugrundes mit der Pañcopaniṣad [genannten Formelgruppe] tausendmal oder hundertmal geklärte Butter.

apāmārgasya śamyāśca khadirasya yathākramam |
yakṣarakṣaḥ piśācānāṃ samidho juhuyātsvayam || 53 ||

1.53 Für Yakṣas, Rākṣasas und Piśācas opfere man der Reihe nach Brennhölzer von Apāmārga, Śamī und Khadira.

hutvā tu mulamantrābhyāṃ pṛthagaṣṭottaraṃ śatam |
vāstunāthasya mantreṇa caruṇā juhuyācchatam || 54 ||

1.54 Mit den beiden Mūlamantras opfere man jeweils einhundertachtmal und anschließend mit dem Mantra des Vāstu-Herrn hundert Opfergaben aus gekochtem Opferreis. [Welche beiden Grundmantras gemeint sind, ist hier nicht ausgeschrieben.]

pūrṇāhutiṃ tato hutvātvindhrādīnāṃ baliṃ kṣipet |
dikṣvaṣṭasu yathā tmīyamevaṃ grāmādi kalpayet || 55 ||

1.55 Nach der abschließenden vollständigen Opfergabe bringe man den acht Welthütern, angefangen mit Indra, in ihren Richtungen jeweils die Bali dar. So soll man Dörfer und andere Siedlungen anlegen.

Kapitel 2: Siedlungsplanung und die Orte der Gottheiten

Hinweis zur Quelle: Die Nummern 3, 5, 6, 7, 50, 56, 57, 58, 60, 61, 62, 68 fehlen in der Vorlage. Erhaltene Fragmente bleiben stehen.

| dvitīyo'dhyāyaḥ |
grāmādīnāṃ lakṣaṇam |
krāmādīnāṃ caturvarga phaladānāṃ yathākramam |
svarūpaṃ tatra bhedaṃ ca vakṣyāmi tava sāmpratam || 1 ||

2.1 Nun erkläre ich dir die Gestalt und die verschiedenen Arten der Dörfer und anderen Siedlungen, die der Reihe nach die vier Lebensziele gewähren.

brahmaṇādivarṇānāṃ vāsasthānasya samākhyābhedaḥ |
vasanti brāhmaṇā yatra sthāne grāmassa ucyate |
agrahāraśca tasyaina nāmadhe yamiti smṛtam || 2 ||

2.2 Ein Ort, an dem Brahmanen wohnen, heißt Grāma; als weitere Bezeichnung dafür gilt Agrahāra.

vasantavādvijā yatra grāme sthānaṃ taducyate. patākaṃ ca padmaṃ ca śrīpratiṣṭhitam || 4 ||

2.4 [Bruchstück nach einer Nummernlücke:] Wo Zweimalgeborene wohnen, wird der Ort so bezeichnet … ferner Patāka, Padma und Śrīpratiṣṭhita. [Die Verbindung zwischen Siedlungsbezeichnung und Aufzählung ist beschädigt.]

grāmādi ṣu prabhedo'sau śruṇu te ṣāṃ ca lakṣaṇam |
parākaṃ ca tato bhūtvā saumyavīdhyā tu nirgamaḥ || 8 ||

2.8 Dies sind die Unterarten der Dörfer und anderen Siedlungen; höre ihre Merkmale … der Ausgang führt durch die nördliche Straße. [Die dazwischenliegenden Bauangaben fehlen in der Vorlage; „parākaṃ“ bleibt unklar.]

evaṃ prakalpito grāmassvastikāhvaya iṣyate |
evameva tu sarveṣāṃ grāmādīnāṃ tu nirgamaḥ || 9 ||

2.9 Ein so angelegtes Dorf heißt Svastika. Entsprechend werden auch die Ausgänge aller anderen Siedlungen angelegt.

tataḥ prokto |
prastaragrāmaḥ |
dvicatuḥ pañcaṣaṭsapta vīdhayaścedudaṅmukhāḥ |
prāṅmukhaistu tribhiryuktaḥ prastaraḥ parikīrtyate || 10 ||

2.10 Sind zwei, vier, fünf, sechs oder sieben Straßen nach Norden mit drei nach Osten führenden verbunden, so nennt man die Anlage Prastara.

prapīrṇakagrāmaḥ |
pūrvāgra muttarāgraṃ ca rathyābhistisṛbhiryutam |
prakīrṇakamidaṃ jñeya mabhipretārthasādhanam || 11 ||

2.11 Eine Anlage mit je drei nach Osten und nach Norden gerichteten Straßen ist als Prakīrṇaka zu erkennen; sie dient der Erfüllung des beabsichtigten Zieles.

sandyāvartagrāmaḥ |
vūrve tu dakṣiṇe caiva paścime cottare tathā |
grāmasya nirgamaścaiva caturdikṣu vidhīyate || 12 ||

2.12 Die Ausgänge des Dorfes werden nach Osten, Süden, Westen und Norden, also in allen vier Hauptrichtungen, angelegt.

trayodaśādyairvīdhībhi rektekamadhikaṃ bhavet |
nandyāvartaṃ bhavetpañca pañcabhiḥ prāṅmukhai ryutam || 13 ||

2.13 Beginnend mit dreizehn Straßen entstehen durch Zunahme um jeweils eine fünf Formen des Nandyāvarta, verbunden mit fünf nach Osten gerichteten Straßen. [Die Zahlengliederung ist sprachlich beschädigt.]

patākagrāmaḥ |
aṣṭādāśādhyairekaikaṃ vardhate pañcabhistathā |
udaṅmukhaiḥ patākam syāt prāṅmukhaiṣṣaḍbhireva ca || 14 ||

2.14 Beginnend mit achtzehn nimmt die Zahl der nördlich gerichteten Straßen jeweils um eine zu, in fünf Abstufungen; zusammen mit sechs östlich gerichteten Straßen ergibt dies Patāka.

padmagrāmaḥ |
trayoviṃśativīdhīnā mādyaiḥ pañcāpyudaṅmukhaiḥ |
naptabhiḥ prāñmukheryuktaṃ padmagrāma mudāhṛtam || 15 ||

2.15 Beginnend mit dreiundzwanzig nördlich gerichteten Straßen werden wiederum fünf Abstufungen angegeben; mit sieben östlich gerichteten Straßen heißt die Anlage Padma. [„naptabhiḥ“ ist eine beschädigte Lesung, im Zusammenhang als „sieben“ verstanden.]

śrīpratiṣṭhitagrāmaḥ |
aṣṭāviśativīdhīnāṃ pūrvābhiścā pyudaṅmukhaiḥ |
aṣṭabhiḥ prāṅmukhairyuktaṃ śripratiṣṭhita mucyate || 16 ||

2.16 Beginnend mit achtundzwanzig nördlich gerichteten Straßen und verbunden mit acht östlich gerichteten heißt die Anlage Śrīpratiṣṭhita.

grāmādivāstu bhūmivibhāgaḥ |
evamaṣṭā vidhāḥ proktā grāmādīnāṃ samānataḥ |
grāmādiṃ pañcadhā kṛtvā bhāgamekaṃ bahistyajet || 17 ||

2.17 So sind insgesamt acht gleichartig gegliederte Siedlungsformen genannt. Man teile das Siedlungsgebiet in fünf Teile und lasse einen Teil außen frei.

brāhmaṃ daivaṃ mānuṣaṃ ca paiśācamiti tatpunaḥ |
catuṣṭayīṃ vijānīyādbhāgānāṃ tatra daivike || 18 ||

2.18 Die vier übrigen Bereiche heißen Brahma-, Daiva-, Mānuṣa- und Paiśāca-Bereich. Im Daiva-Bereich …

mitaratpunaḥ |daivikādibhūvibhāgeṣu parikalpanīya dhiṣṭhyāni |
mānuṣe ca dvijātīnāṃ gṛhāṇi parikalpayet |
peśāce dai vadhiṣṇyāni dikṣvaṣṭāsu ca madhyame || 19 ||

2.19 … und im Mānuṣa-Bereich plane man die Häuser der Zweimalgeborenen. Im Paiśāca-Bereich sind Götterheiligtümer in den acht Richtungen und in der Mitte vorzusehen. [Die Verbindung mit dem vorherigen Vers und der Bezug von „Mitte“ sind nicht eindeutig.]

grāmādibhedena garbhanyāsasthānabhedaḥ |
grāmasya garbhavinyāso dvijānāṃ sthāpanātpurā |
madhye kuryāt purāṇāṃ tu diśyaindadryāṃ pattaneṣu ca || 20 ||

2.20 Noch bevor die Zweimalgeborenen angesiedelt werden, vollziehe man die rituelle Gründungsdeponierung in der Dorfmitte; bei Städten und Hafen- oder Handelsstädten dagegen im Osten.

madhyaninyāsaḥ. mṛdaṃ tathā || 21 ||

2.21 [Überlieferter Rest:] … ebenso Erde. [Die vollständige Anweisung fehlt.]

tathā mṛdaḥ |
bhājane lohaje kṛtvā dārave mṛṇmaye'pivā |
upoṣitaśśucissnātvā navavastrottarīyakaḥ || 22 ||

2.22 Man lege dies in ein Gefäß aus Metall, Holz oder Ton. Der Ausführende faste, sei rein, bade und trage neue Kleidung samt Obergewand.

rātrau muhūrte samprāpai garbhādhānaṃ samācaret |
ādāya bhājanaṃ paścātsvamātmānaṃ hariṃ smaret || 23 ||

2.23 Nachts, wenn der geeignete Zeitpunkt gekommen ist, vollziehe er die Gründungsdeponierung. Er nehme das Gefäß und vergegenwärtige sich selbst als Hari.

dhyātvā tu vasudhāṃ devīṃ mantrametamudīrayet |
vasudhāprārthanamantraḥ |
sarvabhūtadhare kānte parvatastana maṇḍite || 24 ||

2.24 Er meditiere über die Göttin Erde und spreche diesen Mantra: „Du Trägerin aller Wesen, du Schöne, geschmückt mit Bergen als deinen Brüsten,

samudraparidhānīye devi garbhaṃ samāśraya |
mudrite |
nyastagarbharakṣā |
śvabhraṃ mṛdbhistatassamya kpūrayitvā samantataḥ || 25 ||

2.25 du Göttin, deren Gewand das Meer ist: Nimm diese Gründungsgabe in dich auf!“ Anschließend fülle er die Grube ringsum sorgfältig mit Erde.

pañcarātraṃ trirātraṃ vā rakṣāṃ kuryādatandhritaḥ |
acāryadakṣiṇā |
śataniṣkaṃ tadardhaṃ vā tadardhamathavāpi vā || 26 ||

2.26 Fünf oder drei Nächte lang lasse er sie unermüdlich bewachen. Als Lehrergabe sind hundert Niṣkas, die Hälfte davon oder wiederum deren Hälfte vorgesehen.

śraddhayā dakṣiṇāṃ dadyādācāryāyāgrahārakṛt |
dviguṇaṃ triguṇaṃ niṣkaṃ purādau dakṣiṇā smṛtā || 27 ||

2.27 Der Stifter eines Agrahāra gebe diese Gabe dem Ācārya voller Vertrauen. Bei einer Stadt und ähnlichen Anlagen gilt der doppelte beziehungsweise dreifache Betrag als Gabe.

garbhanyāsānantaraṃ dvijānāṃ gṛhe saṃveśaḥ |
garbhanyāse kṛte paścāt dvajān saṃveśayedgṛhe |
vāstu devasthāpanam |
vāstudevān yathānyāyaṃ krameṇa sthāpayetsudhīḥ || 28 ||

2.28 Nach der Gründungsdeponierung lasse man die Zweimalgeborenen in ihre Häuser einziehen. Der Verständige setze dann die Vāstu-Gottheiten ordnungsgemäß der Reihe nach ein.

pañcamūrterharergāmādau |
sthāpane pañcayajñādi sāphalyam |
sthāpayedgrāmamadhye tu pañcamūrtimayaṃ harim |
viprāṇāṃ pañcayajñoyameva sāphalyamaśnute || 29 ||

2.29 In der Dorfmitte installiere man Hari in seiner fünffachen Gestalt. Dadurch gelangen die fünf Opferpflichten der Brahmanen zur Erfüllung.

sākalya |
cāturāśramyasaṃddhyardhaṃ caturmūrtimathāpi vā |
sarvārthamekamūtiṃ vā grāmamadhye samarcayet || 30 ||

2.30 Oder man verehre ihn dort in vier Gestalten zur Vollendung der vier Lebensstände; oder in einer einzigen Gestalt, um sämtliche Ziele zu verwirklichen.

yoginaṃ bhoginaṃ vāpi kārayedacyutaṃ prabhum |
āsīnaṃ vā śayānaṃ vā tiṣṭhantaṃ vā samarcayet || 31 ||

2.31 Man lasse den Herrn Acyuta als Yogin oder als die Fülle Genießenden darstellen. Man verehre ihn sitzend, liegend oder stehend.

sṛṣṭikṛdbhogaśayanaṃ devadevasya kīrtyate |
saṃhāraṃ bhogaśayanam tathā sanaharervapuḥ || 32 ||

2.32 Die genießend ruhende Gestalt des Gottes der Götter wird als schöpferisch bezeichnet; außerdem nennt der Text eine auflösende Ruhegestalt und eine sitzende Gestalt Haris. [Die wiederholte Lesung „bhogaśayanam“ und der letzte Halbvers sind unsicher; eine feste ikonographische Einteilung lässt sich daraus nicht gewinnen.]

jāmadagnyaṃ nārcayet |
viśvarūpadharaṃ devaṃ jāmadagnyaṃ ca nārcayet |
ālayadvārāṇāṃ digbhedena phalabhedaḥ |
prāgdvāraṃ sukhadaṃ viddhi paścimaṃ puṣṭivardhanam || 33 ||

2.33 Den Gott in der Allgestalt und den Sohn Jamadagnis soll man [hier] nicht verehren. Wisse: Ein nach Osten gerichteter Tempeleingang verleiht Glück; ein westlicher fördert das Gedeihen. [Vers 37 erlaubt die Allgestalt an einem besonderen Standort; die Bestimmungen dürfen nicht unterschiedslos zusammengezogen werden.]

śubhadam |
dhanadaṃ cottaraṃ dvāraṃ yāmyaṃ ca mokṣadam |
bhāskarādīnāṃ sthānadvāra nirūpaṇam |
aindretu bhāskarasthānaṃ pratyagdvāraṃ tu kalpayet || 34 ||

2.34 Ein nördlicher Eingang verleiht Reichtum, ein südlicher Befreiung. Im Osten plane man den Sitz des Sonnengottes mit einem nach Westen gerichteten Eingang.

pāvake madanasthānaṃ pratyagdhvāraṃ prakalpayet |
subrahmaṇyasya yāmye syātpūrvadvārani ketanam || 35 ||

2.35 Im Südosten plane man den Sitz Madanas mit Eingang nach Westen; im Süden das Heiligtum Subrahmaṇyas mit Eingang nach Osten.

nairṛte vighna rāhasya pūrvadvāraṃ prakalpayet |
vāruṇyāṃ sthāpayedvīṣṇuṃ śrībhūmisahitaṃ sthitam || 36 ||

2.36 Im Südwesten plane man das Heiligtum des Herrn der Hindernisse mit Eingang nach Osten. Im Westen installiere man Viṣṇu stehend, zusammen mit Śrī und Bhūmi.

āsīnaṃ vā śriyo petaṃ garuḍārūḍhameva vā |
viśvarūpadharaṃ bhogaśayanaṃ vā prakalpayet || 37 ||

2.37 Oder man stelle ihn dort sitzend mit Śrī, auf Garuḍa reitend, in der Allgestalt oder in genießender Ruhe dar.

prāṅmukhaṃ tu prakurvīta paścime viṣṇumandiram |
paścime tu śrīyasthsānamatha vā kalpayedbhudhaḥ || 38 ||

2.38 Der Viṣṇutempel im Westen soll nach Osten blicken. Wahlweise kann der Kundige im Westen auch einen Sitz der Göttin Śrī vorsehen.

vāyavyāṃ prāṅmukhaṃ sthānaṃ durgāyai parikalpayet |
dhānadaṃ cottare sthānaṃ jṛmbhalādisamanvitam || 39 ||

2.39 Im Nordwesten plane man Durgās Heiligtum mit Ausrichtung nach Osten; im Norden den Sitz des Reichtumgebers, begleitet von Jṛmbhala und weiteren Gestalten.

aiśānyāmaiśvaraṃ sthānaṃ someśānāntare'pi vā |
ingreśānāntare vāpi nānyatra parikalpayet || 40 ||

2.40 Śivas Heiligtum liege im Nordosten, zwischen Norden und Nordosten oder zwischen Osten und Nordosten; an anderer Stelle soll man es nicht planen.

āgreyyāṃ ca mahāmoṭīṃ grāmāddhūratare sthitām |
nairṛte caiva śāstāraṃ grāmāddhūratare sthitam || 41 ||

2.41 Mahāmoṭī platziere man im Südosten, in größerer Entfernung vom Dorf; ebenso Śāstṛ im Südwesten, weiter vom Dorf entfernt.

grāmasya cottare vārśve kiñciddhūratare sthitam |
mātṛsthānaṃ bhavettatra sarvāstāścottarānanāḥ || 42 ||

2.42 Etwas außerhalb an der Nordseite des Dorfes liege der Sitz der Müttergöttinnen; dort seien sie alle nach Norden gewandt.

aiśānā vātha mātṝṇāṃ nātidūre gṛhaṃ bhavet |
āgneyyāṃ vā guhaṃ durgāṃ vāyusomāntare'pi vā || 43 ||

2.43 Oder ihr Haus liege im Nordosten, nicht allzu weit entfernt. Guha kann im Südosten und Durgā auch zwischen Nordwesten und Norden vorgesehen werden. [Die Satzverknüpfung der Alternativen ist in der Vorlage knapp und nicht vollständig eindeutig.]

rajju pāta śriśūlasūtrasandhyādiṣu devasthāna gṛhādīnāṃ niṣedhaḥ |
rajjupā teṣu sarvatra triśūle sūtrasandhaṣu |
devasthānaṃ na kartavyaṃ vīdhyagreṣu viśeṣataḥ || 44 ||

2.44 Auf den Vermessungslinien, an den sogenannten Dreizacken und an Schnittpunkten der Richtschnüre soll man keine Götterheiligtümer errichten, insbesondere nicht an Straßenenden.

gṛhāśca naiva kartavyāstatra vaṃśarddhimacchatā |
pramādāstuṣu kuryāccet grāmādīnāṃ kṣayo bhavet || 45 ||

2.45 Wer das Gedeihen seiner Nachkommenschaft wünscht, soll dort auch keine Häuser bauen. Werden sie aus Nachlässigkeit dennoch errichtet, so sagt der Text den Siedlungen Verfall voraus.

statrevaṃ śuddhi |
grāmamadhye harerarcanaṃ mantrakriyādi |
sarvalopānāṃ prāyaścittaṃ bhavati |
mantrahānau kriyāhānau havyavyādi karmasu |
prāyaścittaṃ bhavettasya grāmamadhyārcanaṃ hare || 46 ||

2.46 Sind bei Mantras, rituellen Handlungen oder Gaben für Götter und Ahnen Auslassungen geschehen, so dient die Verehrung Haris in der Dorfmitte als deren Sühne.

mantrahāniḥ kriyāhānirhanyakavyavivarjitaḥ |
bhāskarādiparivārāṇāmarcane phalaviśeṣaḥ |
ārādhane bhāskarasya grāme rogo na jāyate |
saubhāgyasaumyasaundharyaguṇāḥ kāmasya pūjanāt || 47 ||

2.47 Durch die Verehrung der Sonne soll im Dorf keine Krankheit entstehen; aus der Verehrung Kāmas entstehen Glück, Milde und Schönheit. [Dies sind religiöse Wirkungszusagen des Textes.]

bhūtādayo nṛṇāṃ naiva bhaveyurguha pūjanāt |
sarvavighnā vinaśyanti vighna rājasya pūjanāt || 48 ||

2.48 Durch die Verehrung Guhas sollen die Menschen nicht von Geistwesen und ähnlichen Mächten betroffen werden; durch die Verehrung des Herrn der Hindernisse verschwinden alle Hindernisse.

vāruṇyāṃ pūjayedviṣṇuṃ bhuktimukti phalapradam |
durgāṃ sampūjayeddevīṃ nityamāyurvivṛddhaye || 49 ||

2.49 Im Westen verehre man Viṣṇu, der Lebensgenuss und Befreiung als Frucht verleiht. Die Göttin Durgā verehre man täglich zur Mehrung der Lebensdauer.

sampūjayennityamāyurjamayavivardhanam. caiva bālānāṃ na vipadbhavet |
śāstuḥ pūjanayā caiva puṣanti grāmavāsinaḥ || 51 ||

2.51 [Nach einer Lücke:] … und die Kinder sollen kein Unglück erleiden. Durch die Verehrung Śāstṛs gedeihen die Dorfbewohner.

nityam |
mātṛpūjanayā nityaṃ piśācā naiva pīḍakāḥ |
pura malikayormadhye hareḥ sthāpananiṣedhaḥ |
pure ca malikāyāṃ ca madhye na sthāpayeddharim || 52 ||

2.52 Durch die tägliche Verehrung der Müttergöttinnen sollen Piśācas nicht quälen. In einer Pura und einer Malikā soll Hari jedoch nicht in der Mitte installiert werden. [Die hier vorausgesetzte Abgrenzung der Siedlungstypen ist aus den erhaltenen Versen nicht vollständig ersichtlich.]

analomajānāṃ madhye haryarcananiṣedhaḥ |
vāse'nulomajānāṃ ca madhyena harimarcayet |
śūdrādīnāṃ vāstudevatāniṣedaḥ |
śūdrāṇāṃ pratilomānāṃ sa vāstu na ca devatā || 53 ||

2.53 Auch in einer Siedlung von Anuloma-Geborenen soll man Hari nicht in der Mitte verehren. Für Śūdras und Pratiloma-Geborene wird die entsprechende Einrichtung der Vāstu-Gottheiten ausgeschlossen. [Dies sind historische, nach Abstammung unterscheidende Kultvorschriften, keine heutige Handlungsanweisung.]

yadi syādavivekena rājā rāṣṭraṃ ca naśyati |
grāmādau devotsavarde vāstu devaklapananiṣedhaḥ |
devotsavārdhe grāmādau vāttedevānna kalpayet || 54 ||

2.54 Geschieht dies dennoch ohne Unterscheidung, droht der Text König und Reich mit Untergang. In Siedlungen, die dem Götterfest dienen, soll man keine eigenen Vāstu-Gottheiten einrichten.

aṅgino naiva svāṅgāni kalpayanti svata ntravat |
kalpayeyuḥ prajā nāṃ ca rāṣṭrasya pratikūlakāḥ || 55 ||

2.55 Die Glieder eines Ganzen sollen nicht so behandelt werden, als wären sie selbständig. Eine solche Einrichtung würde, so der Text, Bevölkerung und Reich schaden.

aṅgāni bhogāsanaṃca sarvatra śayanaṃ sṛṣṭhisaṃjñitam |
yānakaṃ ca kriyopetaṃ sarvatraivatu kārayet || 59 ||

2.59 [Nach einer Lücke:] Die genießend sitzende und die als Schöpfung bezeichnete liegende Gestalt kann man überall anfertigen lassen; ebenso die zur Prozession oder Fahrt bestimmte Gestalt samt den zugehörigen Riten. [Der Anfang ist beschädigt.]

bhāgasthānaṃ rdvijaśreṣṭhaiḥ kāryaṃ dinaka rārcanam || 63 ||

2.63 [Bruchstück nach einer Lücke:] Die Verehrung des Tagesmachers, der Sonne, soll von vorzüglichen Zweimalgeborenen ausgeführt werden.

dvijenddhreśca |
madanaṃ gaṇanāthaṃ ca subrahmaṇyaṃ śivadvijaḥ |
pūjayeddhanadādīnāṃ pūjako vipra iiṣyate || 64 ||

2.64 Ein Śiva-Brahmane verehre Madana, Gaṇanātha und Subrahmaṇya. Als Verehrer Dhanadas und der übrigen betreffenden Gottheiten wird ein Brahmane gewünscht.

durgāṃ sampūjayeddhevīṃ sadā bhāgavatassvayam |
mātṝṇāmarcanaṃ kāryaṃ tat jñaiḥ pāraśavaistathā || 65 ||

2.65 Die Göttin Durgā verehre stets ein Bhāgavata selbst. Die Verehrung der Müttergöttinnen sollen sachkundige Pāraśavas vollziehen.

śāstāraṃ ca māhāmoṭīṃ kulālaḥ pūjayetsadā |
suvarṇakārāmbhaṣṭhānāṃ grāmasyāntaḥ prakalpanam |
svarṇāmbhaṣṭhakalābhijñān grāmasyāntaḥ prakalpayet || 66 ||

2.66 Ein Töpfer verehre Śāstṛ und Mahāmoṭī. Goldschmiede, Ambaṣṭhas und die genannten Kunstkundigen siedle man innerhalb des Dorfes an. [Die Berufs- und Gruppenaufzählung weist eine abweichende Lesart auf.]

sumarṇāmbhaṣṭhakārajñān |
pratilomādīnāṃ sthānam |
anyeṣāṃ pratilomānāṃ bahirgrāmātprakalpayet |
prācyāṃ diśyanulomānāṃ sthāpanaṃ karmiṇāṃ bhavet || 67 ||

2.67 Die übrigen Pratiloma-Gruppen siedle man außerhalb des Dorfes an; für die arbeitenden Anuloma-Gruppen wird die östliche Richtung angegeben. [Die sozialen Ausschlüsse werden als Bestandteil der historischen Quelle wiedergegeben.]

anyeṣāmanulemānāṃ udakāśaye |
dvijanmanāṃśvaśāsesthānaviśeṣaḥ |
yāmye taṭe taṭākasya śśaśānaṃ syāddvijanmanām || 69 ||

2.69 Der Verbrennungsplatz der Zweimalgeborenen soll am südlichen Ufer des Teiches liegen.

bandhakālaye. anyeṣāṃ pratilomānāṃ diśaḥ prācyādayo viduḥ |
itthaṃ prakalpayedgrāmaṃ nagaraṃ kulameva vā || 70 ||

2.70 Für die übrigen Pratiloma-Gruppen werden Osten und die weiteren Richtungen genannt. Auf diese Weise lege man ein Dorf, eine Stadt oder eine weitere Siedlung an. [Das letzte Wort „kulam“ ist in diesem Zusammenhang unsicher.]

idamardhaṃ kvacadadhikamasti |
muktimāpnoti puruṣaḥ punarnehopajāyate |
upakurvantī ye martyā dravyairvā mānasena vā || 71 ||

2.71 Ein Mensch [der dies ausführt] erlangt Befreiung und wird hier nicht wiedergeboren. Die Menschen, die mit Sachmitteln oder durch ihre innere Anteilnahme dazu beitragen,

sa pumān punare va na jāyate |
svargaloke vasantyete kālaṃ kalpāvasānikam |
rakṣanti ye yathāklṛptaṃ grāmādīn pṛthivīśvarāḥ || 72 ||

2.72 wohnen im Himmel bis zum Ende eines Kalpa. Die Könige, die die so angelegten Dörfer und anderen Siedlungen schützen … [Mit diesem unvollständigen Satz endet das Kapitel in der Vorlage.]

Kapitel 3: Pflügen, Gründung und die tragenden Kräfte

Hinweis zur Quelle: Die Nummern 3, 4, 5, 7, 8, 9, 18, 19, 20, 21 fehlen in der Vorlage. Erhaltene Fragmente bleiben stehen.

Hinweis zur Nummerierung: Die Nummern 15 sind mehrfach vorhanden. Die deutsche Zuordnung unterscheidet weitere Vorkommen durch Buchstaben; die Sanskritnummer bleibt erhalten.

tṛtīyo'dhyāyaḥ |
mandiranirmāṇavidhiḥ |
śrībhagavān |
brahman mandiranirmāṇaṃ tava vakṣyāmi tacchruṇu |
karṣaṇārthaṃ bhūsaṃskāraḥ |
pūrvoktāṃ bhūmimāsātya praveśabalipūrvakam || 1 ||

3.1 Der erhabene Herr sprach: Brahmā, ich werde dir den Tempelbau erklären; höre zu. Man begebe sich zu dem zuvor beschriebenen Grundstück und beginne mit einem Bali-Opfer beim Betreten.

bhūmiṃ pradakṣiṇaṃ kṛtvā mantrametamudīrayet |
yakṣāḥ piśācā nāgāśca ye'tra tiṣṭhanti sarvadā || 2 ||

3.2 Man umschreite das Grundstück rechtsherum und spreche diesen Mantra: „Ihr Yakṣas, Piśācas und Nāgas, die ihr stets hier weilt,

sarve'pa yāntu te'nyatra viṣṇoḥ sthānaṃ karomyahaṃ |
yatra tiṣṭhanti. varṇālābhetu kapilo gaura eva vā |
ṛṣabhau raktavarṇau tu mahantau sabalau matau || 6 ||

3.6 zieht alle an einen anderen Ort; ich errichte hier einen Sitz Viṣṇus!“ … Zwei große, kräftige, rotfarbene Stiere sind vorgesehen; ist diese Farbe nicht verfügbar, ein brauner oder heller. [Zwischen Gebet und Stierauswahl fehlen Textstücke; die Satzfolge ist gestört.]

varṇābhāvetu. halabhūtaṃ ca medhiṃ ca kārayedekayonikam || 10 ||

3.10 [Nach einer Lücke:] Pflug und Pflugteil beziehungsweise Joch soll man aus gleichartigem Holz herstellen lassen. [Die Bezeichnungen „halabhūtaṃ“ und „medhiṃ“ sind unsicher; die Variante nennt ausdrücklich das Joch.]

yugaṃ ca halamediṃ |
karṣakasya aṅgaprasādhanam. |
snāto navāmbaradhara ssoṣṭhīṣaśśucirātmavān |
mālyānulepa nāyuktassottarīyaparicchadaḥ || 11 ||

3.11 Der Ausführende sei gebadet, in neue Kleidung und Turban gehüllt, rein und gesammelt; er trage Kranz, Salbung und ein Obergewand.

nayutaḥ |
bhūṣitassvayamācāryaḥ padau prakṣālayettataḥ |
ācamyāyamya ca prāṇā nnyāsaṃ kṛtvā yathāvidhi || 12 ||

3.12 Der so geschmückte Ācārya selbst wasche zunächst seine Füße, vollziehe das rituelle Wasserschlürfen, reguliere den Atem und führe vorschriftsgemäß den Nyāsa aus.

dvijendrairabhyanujñātaḥ karṣaṇaṃ prārabhettataḥ |
puṇyāhapūrvakaṃ mantreṇa halayugādiyojanam |
puṇyāhaṃ vācayitvātu vaiṣṇavairmantravittamaiḥ || 13 ||

3.13 Mit Zustimmung der vorzüglichen Zweimalgeborenen beginne er dann das Pflügen. Zuvor lasse er von mantraerfahrenen Vaiṣṇavas die Segensformel für den glückverheißenden Tag aussprechen.

yojayedvṛṣabhaskandhe yugaṃ vai mūlavidyayā |
lāṅgalaṃ ca yugenaiva yojayedvidyayā tayā || 14 ||

3.14 Mit der Wurzelformel lege er das Joch auf die Schultern der Stiere; mit derselben Formel verbinde er den Pflug mit dem Joch.

sumuhurte sulagne ca karṣayetprāṅmukhasthsitaḥ |
bherīpaṭahaśaṅkhādīn ghoṣayetsarvadikṣu ca || 15 ||

3.15 Zu einem günstigen Zeitpunkt und unter günstigem Aszendenten pflüge er, nach Osten gewandt. In allen Richtungen lasse man Pauken, Trommeln, Muschelhörner und weitere Instrumente erklingen.

sūktaṃ śākunakaṃ viprāḥ paṭheyussarvaśāntidam |
hṛtsaroje ca māṃ dhyāyedvidyārūpeṇa cakṣuṣā || 16 ||

3.16 Die Brahmanen sollen das Śākunaka-Sūkta rezitieren, das umfassenden Frieden gewährt. Im Lotus des Herzens meditiere der Ausführende über mich mit dem Auge, das die Gestalt des heiligen Wissens hat.

daṇ‍ḍaṃ pravayaṇaṃ kuryātpālāśādimahīruhām |
karṣaṇavidhiḥ |
ādāya todanaṃ paścātpīḍa yet huṃphaḍādinā || 17 ||

3.17 Den Treibstock fertige man aus Palāśa oder einem anderen geeigneten Baum. Dann nehme man den Stachelstock und treibe die Tiere unter Äußerung von „huṃ phaṭ“ und den zugehörigen Formeln an.

pravahaṇaṃ nimittāni parīkṣeta tatkāle deśikottamaḥ |
deśikasya manastuṣṭistatkāle śarmaṇe bhavet || 22 ||

3.22 [Nach einer Lücke:] Der vorzügliche Lehrer prüfe zu dieser Zeit die Vorzeichen. Ist sein Geist dabei zufrieden, so gilt dies als Zeichen des Wohlergehens.

nimittādi parīkṣābhiḥ |
viparyaye kṣayaṃ viddhi prāsāda yajamānayoḥ |
anaḍvacchayane caiva yoktrādīnāṃ ca bhedane || 23 ||

3.23 Im umgekehrten Fall wird Verfall für Tempel und Stifter vorhergesagt: wenn ein Zugtier sich hinlegt oder Zugseile und andere Teile zerreißen,

viṣaryāse |
vyatyāse bhramaṇe caiva durnimittoda yetathā |
ardhacchedo bhavetsūtrau svāmino maraṇaṃ dhruvam || 24 ||

3.24 wenn die Bewegung in verkehrter Richtung erfolgt oder andere ungünstige Zeichen auftreten. Reißt die Schnur in der Mitte, gilt dies als sicheres Todeszeichen für den Auftraggeber.

tṛtīyabhāge ccede ca rāṣṭrakṣobho bhaveddhruvam |
vicchede'pi caturbhāge prayoktṛbhraṃśa ucyate || 25 ||

3.25 Reißt sie bei einem Drittel, wird Unruhe im Reich angekündigt; reißt sie bei einem Viertel, wird der Sturz des Ausführenden genannt. [Die Verse geben historische Omenlehre wieder.]

durnimitteśāntiḥ |
pañcopaniṣadā kuryācchataṃ vārān ghṛtāhatīḥ |
śāmyanti doṣāste sarve nārtimṛcchetprayojakaḥ || 26 ||

3.26 Zur Befriedung bringe man mit den fünf Upaniṣad-Mantras hundert Ghee-Spenden ins Feuer. Dadurch sollen all diese Fehler zur Ruhe kommen und der Veranlasser kein Leid erleiden.

śatavāraṃ ghṛtāhūtiḥ |ācāryo yajamānastu brāhmaṇān bhojayeddhanaiḥ |
bhūsamikaraṇabījāvāpau. |
kṛṣṭā bhuvaṃ samīkuryādyatnena mahatāvṛtaḥ || 27 ||

3.27 Der Ācārya beziehungsweise der Stifter speise die Brahmanen und beschenke sie. Das gepflügte Land ebne man mit großer Sorgfalt ein.

ālavālān pṛthakkṛtvā jalakulyāsamanvitān |
śālimudgamavādīni tatra bījāni vāpayet || 28 ||

3.28 Man lege getrennte Beete mit Wassergräben an und säe darin Reis, Mungbohnen, Gerste und ähnliche Samen. [Das beschädigte „mudgamavādīni“ wird im Zusammenhang als diese übliche Samenaufzählung verstanden.]

siktaṃ pratidinaṃ kṣetraṃ toyena mahātā bhavet |
rakṣāṃ ca kuryā dyatnena paripākāsānikam || 29 ||

3.29 Das Feld soll täglich reichlich bewässert werden. Bis zur Reife bewache man es sorgfältig.

tsarvatra |
pakvaṃ lunīyāttatkṣetramāna yedgo kulāni tat |
phalavṛddhihrāsayoḥ phalam |
phale mahati taddhāma dīrghakālaṃ bhaviṣyati || 30 ||

3.30 Wenn es reif ist, ernte man das Feld und führe Rinderherden dorthin. Eine reiche Ernte gilt als Zeichen dafür, dass das Heiligtum lange bestehen wird.

kulāsthitam |
alpe tvalpataraṃ kālaṃ prāsāde sannidhirhareḥ |
phalahīne bhaveddhāma prakṣīṇadhanadhānyakam || 31 ||

3.31 Bei geringer Ernte wird Haris Gegenwart im Tempel für eine kürzere Zeit vorausgesagt; bei ausbleibender Ernte gilt das Heiligtum als arm an Geld und Getreide.

brāhmaṇān bhojayettatra sahasraṃ śatameva vā |
bhuktavadbhyo dhanaṃ dadyādbhrāhmaṇebhyo gavādikam || 32 ||

3.32 Man speise dort tausend oder hundert Brahmanen. Nach dem Essen schenke man ihnen Vermögen, beispielsweise Kühe.

bhūśodhanam. |
prokṣayetpaṃcagavyena pañcopaniṣadā bhuvam |
kuddhālairvā khanitrervā yāvadambhaḥ khanet kṣitim || 33 ||

3.33 Mit den fünf Upaniṣad-Mantras besprenge man die Erde mit Pañcagavya. Mit Hacken oder Grabwerkzeugen grabe man den Boden aus, bis Wasser erreicht wird.

bhuvam |
prathamāvaraṇaṃ yāvattāvadvistāra iṣyate |
daṇ‍ḍamātrāyataṃ khātaṃ khanedvākamalāsana || 34 ||

3.34 Die Breite soll bis zur ersten Umfriedung reichen. Oder man grabe eine Grube von einem Daṇḍa Ausdehnung, Lotusgeborener. [Die Alternative und die genaue Maßrichtung sind nicht eindeutig.]

kṣetradoṣānurūpeṇa mandiro cchrayaṇe pi vā |
tuṣāṃgārādilābheśāntiḥ |
bhutale khanyamāne tu bhasmāṅgāratuṣādikam || 35 ||

3.35 [Die Grabtiefe richte sich] nach den Mängeln des Geländes oder der Höhe des Tempels. Werden beim Graben Asche, Holzkohle, Spelzen oder Ähnliches gefunden,

cchrāyaṇe |
duṣṭasatvopalambhe tu krimikīṭādirśane |
juhuyācchāntaye teṣāmācāryassarpirādinā || 36 ||

3.36 oder schädliche Lebewesen, Würmer und Insekten gesehen, so bringe der Ācārya zur Befriedung Ghee und weitere Gaben ins Feuer.

brāhmaṇebhyo yathā śakti dadyāddhemādikaṃ dhanam |
ratnādilā bhesamṛddhiḥ |
rantādidarśane dhāma samṛddhaṃ sarvadā bhavet || 37 ||

3.37 Den Brahmanen schenke er nach Vermögen Gold und andere Werte. Werden Edelsteine oder Ähnliches gefunden, so gilt dies als Zeichen dauernder Fülle des Heiligtums.

homakumbhasthāpanādividhiḥ |
khātyā homaṃ bahiḥ khātāt sthaṇḍile caturaśrake |
sthāpayitvāgni mādīpya kuryādājyena deśikaḥ || 38 ||

3.38 Nach dem Ausgraben richte der Lehrer außerhalb der Grube auf einem quadratischen Opferplatz das Feuer ein, entzünde es und vollziehe ein Ghee-Opfer.

sarvakāmadam |
mūlamantreṇa sūktena pauruṣeṇa caruṃ punaḥ |
guggulaṃ tilanīvāraṃ juhuyānmūlavidyayā || 39 ||

3.39 Mit dem Mūlamantra und dem Puruṣa-Sūkta opfere er gekochte Speise; außerdem mit der Wurzelformel Guggulharz, Sesam und Wildreis.

puṇyāhaṃ vācayitvā tu śāliṃ khāte vinikṣipet |
kumbhānupari śālīnāṃ sūtravastrādiveṣṭhitān || 40 ||

3.40 Nach dem Aussprechen des Tagessegens gebe er Reis in die Grube. Auf den Reis stelle er Krüge, die mit Fäden und Stoff umwunden sind.

kurmbhā lohamayāḥ proktā stadabhāve tu mṛṇmayā |
ādhāraśaktiṃ sauvarṇīṃ kṛtvā kurmbhe vinikṣipet || 41 ||

3.41 Die Krüge sollen aus Metall bestehen, ersatzweise aus Ton. Er fertige eine goldene Darstellung der tragenden Kraft, Ādhāraśakti, und lege sie in den mittleren Krug.

madhyame tadanu prācyāṃ kurmbhe bījāni nikṣipet |
āgneyyāṃ sarvalohāni sarvadhātūni dakṣiṇe || 42 ||

3.42 Danach gebe er Samen in den östlichen Krug, alle Metalle in den südöstlichen und die mineralischen Stoffe in den südlichen.

puṇyatīrdha mṛdaṃ kumbhe nairṛte vāruṇe punaḥ |
madhunā pūrayetkumbhaṃ vāyavīyaṃ tu sarpiṣā || 43 ||

3.43 In den südwestlichen Krug komme Erde von heiligen Badeplätzen; den westlichen fülle er mit Honig und den nordwestlichen mit Ghee.

ratnairdhāneśvare kumbhe aiśāne śailamṛttikām |
nikṣipenmadhyakurmbhe tu śālikṣetramṛdaṃ tathā || 44 ||

3.44 In den nördlichen Krug gebe er Edelsteine, in den nordöstlichen Bergerde; in den mittleren außerdem Erde von einem Reisfeld,

aśoṣyahradasambhūtāṃ valmīkabhavamṛttikām |
kandāni cotpalādīnāṃ prakṣipetpraṅmukhaḥ sthitaḥ || 45 ||

3.45 Erde aus einem niemals austrocknenden Gewässer sowie aus einem Ameisenhügel. Nach Osten gewandt lege er auch Knollen von Wasserlilien und ähnlichen Pflanzen hinein.

loharatnāni ca tathā nidadhyā ddharbhakūrcakam || 15 ||

3.15b Ebenso lege er Metalle, Edelsteine und ein Büschel Darbhagras hinein. [Die Vorlage nummeriert diesen Halbvers erneut mit 15; seine überlieferte Stelle liegt nach Vers 45.]

apidadhyāccharāveṇa krameṇa pari pūjayet || 46 ||

3.46 Er verschließe [die Gefäße] mit Schalen und verehre sie der Reihe nach.

prakṣi pedbhrahmakūrcakam. 18. pūrayet |
kumbhasyopari madhyasya kumbhamanyaṃ niveśayet |
vidhāya kurmaṃ kālāgniṃ sauvarṇaṃ tatra nikṣipet || 47 ||

3.47 Auf den mittleren Krug stelle er einen weiteren. Darin deponiere er eine goldene Darstellung der Schildkröte und des Zeitfeuers Kālāgni. [Ob eine verbundene oder zwei Darstellungen gemeint sind, bleibt sprachlich offen.]

kumbhaṃ tṛtīyaṃ vinyasya tatrānantākṛtiṃ kṣipet |
caturthaṃ vasudhādhāramupariṣṭādghaṭaṃkṣipet || 48 ||

3.48 Er stelle einen dritten Krug darauf und lege eine Gestalt Anantas hinein; darüber einen vierten Krug mit dem Träger der Erde.

gandhodakena tatkumbhān pūrayitvā samarcayet |
khātamṛdbhiśca puṇyābhiraspṛṣṭābhiśca duṣaṇaiḥ || 49 ||

3.49 Er fülle diese Krüge mit duftendem Wasser und verehre sie. Die Grube fülle er mit reiner, von Verunreinigungen unberührter Erde

pūrayedvālukābhiśca jalaiścopari pūrayet |
hāsti pādairdhrṛḍhaṃ kṛtvā punastoyaiśca pūrayet || 50 ||

3.50 und mit Sand; darüber gieße er Wasser. Er lasse den Grund durch Elefantenfüße feststampfen und wässere ihn erneut.

Quellenrest: Nach dem letzten Vers steht in der Eingabedatei ein einzelnes Apostrophzeichen ('). Es wird hier als Dateirest dokumentiert, nicht als Sanskritvers behandelt.

Kapitel 4: Das vorläufige Heiligtum und die Baugestalt

pādmasaṃhitāyāma |
caturtho'dhyāyaḥ |
vighnanivāraṇopāyapraśnaḥ |
brahmāḥ |
ārabhyamāṇe prāsāde grāmādau ca janārdana |
ye vighnakāriṇo daityayakṣarākṣasadānavāḥ || 1 ||

4.1 Brahmā sprach: Janārdana, wenn ein Tempel oder eine Siedlung begonnen wird, gibt es Daityas, Yakṣas, Rākṣasas und Dānavas, die Hindernisse bereiten.

teṣāṃ bhavedyathāśāntastadbhrūhi bhagavanmama |
bālālaye bhagavate'rcanena vighnaśāntiḥ |
śrībhagavān |
kṛtvā bālagṛhaṃ pūrvaṃ tatra māmarcayetsudhīḥ || 2 ||

4.2 Sage mir, Erhabener, wie diese zur Ruhe kommen. Der erhabene Herr sprach: Der Verständige errichte zuerst ein vorläufiges Heiligtum und verehre mich darin.

pratyūhakāriṇassarve tena śāmyanti te dhruvam |
grāmādiścācirādeva niṣṭratyūhaṃ samāpyate || 3 ||

4.3 Dadurch werden all jene Störer gewiss befriedet. Die Siedlung und die weiteren Bauvorhaben werden bald ohne Hindernisse vollendet.

bālagṛhanirmāṇadigādi. |
indreśānānta re vāpi someśānāntare'pi vā |
indrāgnimadhye vā madhye pāvakasya yamasya ca || 4 ||

4.4 Für das vorläufige Heiligtum kommen die Bereiche zwischen Osten und Nordosten, zwischen Norden und Nordosten, zwischen Osten und Südosten oder zwischen Südosten und Süden infrage,

rasthāne |
yamasya nirṛ termadhye nirṛtervaruṇasyavā |
madhye varuṇavāyorvā vāyossomasya vāntare || 5 ||

4.5 ferner zwischen Süden und Südwesten, Südwesten und Westen, Westen und Nordwesten sowie Nordwesten und Norden.

yathābhimatameteṣāmārambhāyatanaṃ prati |
sthāne bālagṛhaṃ vidyātsaptapañcatrihastakam || 6 ||

4.6 An einem dieser Orte, nach Wahl und in Beziehung zum begonnenen Hauptheiligtum, errichte man das vorläufige Haus mit sieben, fünf oder drei Hastas Ausdehnung.

dhāmne mūlasya valabhiddhiśi yatra prakalpitam |
dvāraṃ bālālayasyāpi tatraina parikalpayet || 7 ||

4.7 Wo für das Hauptheiligtum der Eingang im Osten vorgesehen ist, dort plane man entsprechend auch den Eingang des vorläufigen Heiligtums.

valajiddhiśi |
bālālaye arcanīya bimbhamānam. |
bimbhaṃ bālālaye lohamāśmanaṃ vā'tha dāravam |
śaṅkacakragadā padmadivyāyudhacaturbhujam || 8 ||

4.8 Das Bild im vorläufigen Heiligtum bestehe aus Metall, Stein oder Holz und habe vier Arme mit den göttlichen Waffen Muschel, Diskus, Keule und Lotus.

utsedhantasya bimbasya hrāse pañcāṅgulo bhavet |
trayaśca viṃśatiścaiva vṛddhāvaṅgulayaḥ smṛtāḥ || 9 ||

4.9 Als kleinste Höhe dieses Bildes werden fünf Aṅgulas, als größte dreiundzwanzig Aṅgulas genannt.

mānaṃ sukhāvahaṃ yatsyādyajamānasya tadbhavet |
matsyādiṣvavatāreṣu kalpeṣvārabhya mandire || 10 ||

4.10 Man wähle ein Maß, das dem Stifter Wohlergehen verheißt. Wird ein Tempel für einen der Avatāras wie Matsya errichtet,

bālālaye'pi tadvatsyādviśvarūpe caturbhujaḥ |
yānake yānakaṃ vāpi sthāpanaṃ vāpi kalpayet || 11 ||

4.11 so entspreche das vorläufige Bild diesem. Bei Viśvarūpa nehme man eine vierarmige Gestalt; bei einer fahrenden oder reitenden Gestalt kann auch das vorläufige Bild so oder stehend ausgeführt werden.

jale'dhivāsya tadbimbaṃ maṇḍape cādhivāsayet |
vedīkalpanam. |
bālālayasya madhye vā bhāge divye'pi vāṃśake || 12 ||

4.12 Man lasse das Bild zunächst im Wasser rituell verweilen und dann in einer Halle. In der Mitte des vorläufigen Heiligtums oder in dessen göttlichem Bereich

mekhalātrayasaṃ yuktāṃ vediṃ hastasamucchritām |
kṛtvāprabhāte vimale muhūrte śobhane guruḥ || 13 ||

4.13 errichte man einen einen Hasta hohen Altar mit drei umlaufenden Stufen oder Bändern. Am reinen Morgen zu einem günstigen Zeitpunkt soll der Guru

mūlamantreṇa vedyāṃ tu bālabimbhaṃ niveśayete |
sthāpayitvā hariṃ tatra mantraṃ nyasyedyathāvidhi || 14 ||

4.14 mit dem Mūlamantra das vorläufige Bild auf den Altar setzen. Nachdem er Hari dort installiert hat, vollziehe er vorschriftsgemäß die Mantra-Auflegung.

bhagavatprārthanā. |
prārthayeta harestatra sannidhiṃ bālamandire |
āmūladhāmanirvṛtti samayā ddeśikottamaḥ || 15 ||

4.15 Der vorzügliche Lehrer bitte Hari, im vorläufigen Heiligtum gegenwärtig zu bleiben, bis das Hauptheiligtum vollendet ist:

samāsāt |
pūjāṃ gṛhṇīṣva bhagavannasmiṃstvaṃ bāla sadmani |
pandire |
śamayan mūladhiṣṇasya vighnakṛddhaityasantatim || 16 ||

4.16 „Erhabener, nimm in diesem vorläufigen Haus die Verehrung an und befriede die Scharen der Daityas, die dem Hauptheiligtum Hindernisse bereiten.“

paravārakalpanam. |
iti vijñāpya natyā ca parivārān prakalpayet |
dvāre caṇḍaṃ pracaṇ‍ḍaṃ ca kṣetrapālaṃ khageśvaram || 17 ||

4.17 Nach dieser Bitte und einer Verneigung richte man die Begleitgottheiten ein: am Eingang Caṇḍa und Pracaṇḍa, ferner den Feldhüter und den Herrn der Vögel, Garuḍa.

indrādīn lokapālāṃśca svāsu dikṣu prakalpayet |
seneśamīśakoṇe tu gaṇeśaṃ nairṛte yajet || 18 ||

4.18 Indra und die übrigen Weltenhüter stelle man in ihre jeweiligen Richtungen. Den Heerführer verehre man im Nordosten, Gaṇeśa im Südwesten.

āśarīragatān devān sthaṇḍile pūjayedbhudhaḥ |
sthaṇḍilamānam. |
sthaṇḍilaṃ hastamātraṃ tu mekhalātrayasaṃyutam || 19 ||

4.19 Gottheiten ohne bildliche Körpergestalt verehre der Kundige auf einem Opferplatz. Dieser sei einen Hasta groß und mit drei umlaufenden Bändern versehen.

vṛttaṃ vā caturaśraṃ vā kṛtvā tatra samarcayet |
kumudādigaṇān sarvān mahāpīṭhe samarcayet || 20 ||

4.20 Er kann rund oder quadratisch sein; darauf vollziehe man die Verehrung. Alle Scharen um Kumuda verehre man auf dem großen Sockel, dem Mahāpīṭha.

dhvajārohaṇādi puṣpayāgāvasānikaṃ sarvaṃ bālālaye kuryāt |
evaṃ saṃsthāpya medhāvī kuryādantemahotsavam |
dhvajārohaṇapūrvaṃ syātpuṣpayāgāvasānikam || 21 ||

4.21 Nach dieser Einrichtung veranstalte der Verständige zum Abschluss ein großes Fest, das mit dem Hissen der Fahne beginnt und mit dem Blumenopfer endet.

ekāhamathavā kuryādutsavaṃ bālamandire |
lohajaṃ bālabhimbaṃ cettenai votsavamācaret || 22 ||

4.22 Oder man halte im vorläufigen Tempel ein eintägiges Fest. Besteht das vorläufige Bild aus Metall, so vollziehe man das Fest mit eben diesem.

nityaṃ naimittikaṃ kāmyaṃ karma bālālaye bhavet |
utvavabhimbābhāve bālabimbenai votsavaṃ caret |
utsavārthaṃ na cedbimbaṃ bālenai votsavo bhavet || 23 ||

4.23 Die täglichen, anlassgebundenen und wunscherfüllenden Riten finden im vorläufigen Heiligtum statt. Ist kein eigenes Festbild vorhanden, dient das vorläufige Bild auch beim Fest.

bālabimbenotsave caturthasnapananiṣedhaḥ |
na kuryāttatra vinyāsaṃ caturthasnapanaṃ tathā |
ālaye uttamādibhedaḥ |
ārabheta sthapatibhissākaṃ rathakṛdālayam |
mukhyaṃ śilāmayaṃ gehaṃ madhyamaṃ ceṣṭakādikam || 24 ||

4.24 Dabei unterlasse man den Vinyāsa und das vierte rituelle Bad. Der Baukundige beginne gemeinsam mit den Baumeistern den Tempel. Ein Haus aus Stein gilt als vorzüglich, eines aus Ziegeln als mittlere Ausführung. [Der genaue technische Umfang der beiden hier ausgeschlossenen Riten wird an dieser Stelle nicht erläutert.]

jaghanyaṃ dārujaṃ vidyānmṛṇmayaṃ heyamucyate |
sañcitāsañcitādyālayabhedaḥ |
miśrai śśailādibhirdavyairekānekatvayogataḥ || 25 ||

4.25 Ein Holzbau gilt als niedrigere Ausführung; ein Bau aus Erde soll vermieden werden. Je nachdem, ob Stein und andere Baustoffe einzeln oder miteinander verwendet werden,

sañcitāsañcite syātāmupasañcitameva vā |
dravyeṇai kena yaddhāma sthūpyantaṃ parikalpitam || 26 ||

4.26 unterscheidet man Sañcita, Asañcita und Upasañcita. Ein Heiligtum, das bis zum obersten Abschluss aus einem einzigen Baustoff errichtet ist,

śreṣṭhaṃ tatsañcitaṃ vidyāddravyayugmamasa़ñcitam |
sadanaṃ madhyamaṃ tatsyānmṛdbhirdārvādibhiḥ kṛtam || 27 ||

4.27 gilt als das vorzügliche Sañcita. Ein Bau aus zwei Stoffen heißt Asañcita und gehört zur mittleren Stufe. Ein aus Erde, Holz und weiteren Stoffen gemischter Bau

upasañcitamākhyātamadhamaṃ dhāma tadbhavet |
garbhavacchilādārubhirālayanirmāṇe doṣaḥ |
garbhayuktaśilādāru varjayeddhevatā'laye || 28 ||

4.28 heißt Upasañcita und gilt als niedrigste Stufe. Beim Göttertempel meide man Stein und Holz mit inneren Einschlüssen oder Hohlräumen, die der Text als „garbha“ bezeichnet.

kuryāccedāmayī sa syādyajamāno na saṃśayaḥ |
devatā ntarapadmasthaśilādigrahaṇe doṣādhikyam. |
devatā ntarasadmasthaṃ na guhṇīyācchilādikam || 29 ||

4.29 Verwendet man solches Material dennoch, so wird dem Stifter Krankheit vorausgesagt. Stein und andere Baustoffe aus dem Heiligtum einer anderen Gottheit soll man nicht nehmen.

tenaiva sadanaṃ kurvannāśayedvaṃśamātmanaḥ |
pacyate narake ghore jāyate ca śvayoniṣu || 30 ||

4.30 Wer daraus ein Gebäude errichtet, vernichte, so die Drohung des Textes, seine eigene Familie, leide in einer schrecklichen Hölle und werde unter Hunden geboren.

maṭhakūpataṭākāderapyagrāhyaṃ śilādikam |
narake pacyate ghore jāyate nirdanaśca saḥ || 31 ||

4.31 Auch Stein und andere Baustoffe aus einem Kloster, Brunnen oder Wasserbecken darf man nicht nehmen. Der Text droht dafür mit Höllenqual und einer Geburt in Armut.

vāsudevālayāddhāru ṣāṣāṇaṃ vā tadiṣṭakān |
guhītvā dhiṣṇyanimān ṇe kartā duḥkhai kabhājanam || 32 ||

4.32 Wer Holz, Stein oder Ziegel aus einem Vāsudeva-Tempel nimmt, um damit ein Heiligtum zu bauen, wird als einer beschrieben, dem einzig Leid zufällt.

paryāyeṇa prajedghorān narakānbhṛśadāruṇān |
pacyate teṣu dukheṣu paryāyeṇa sadā naraḥ || 33 ||

4.33 Er gehe nacheinander in furchtbare, überaus grausame Höllen ein und erdulde dort immer wieder Qualen. [Diese Strafbilder unterstreichen das Verbot, bestehende heilige Bauten ihres Materials zu berauben.]

nyāyānyāyārjitadravyairāyanirmāṇe phalam |
nyāyena sañcitairdravyai rnirmite sadane hareḥ |
phalamakṣayayāpnoti yajamāno na saṃśayaḥ || 34 ||

4.34 Wird Haris Haus aus rechtmäßig erworbenen Mitteln errichtet, erlangt der Stifter zweifellos unvergänglichen Lohn.

anyāyopārjitairdravyairasurairbhujyate phalam |
jalena samatāvīkṣaṇam |
jalena nayatāṃ vīkṣya vinyasya prakṛtiṃ kṣītau |
tasminnādhāya phalakān prathamān śāstracakṣuṣā |
sudhayā tāṃ draḍhīkṛtya jānīyātsamatāṃ jalaiḥ || 35 ||

4.35 Bei ungerecht erworbenen Mitteln genießen dagegen die Asuras den Lohn. Man prüfe mit Wasser die Ebenheit, lege den Untergrund an und setze darauf die ersten Platten nach Maßgabe der Baulehre. Mit Kalkmörtel befestige man sie und kontrolliere die Ebene erneut mit Wasser. [„nayatāṃ“ ist hier beschädigt; die wiederholte Wasserprobe klärt den baulichen Sinn.]

upapīṭhādi kalpanam. |
kṛtvopapīṭhamupari svādadhiṣṭhānamuttamam |
vinā vāpyupapīṭhena syādadhiṣṭhānakalpanam || 36 ||

4.36 Über einem Untersockel errichte man den eigentlichen Sockel; dieser kann aber auch ohne Untersockel angelegt werden.

athavā kalpayetpūrvamadhiṣṭhāna mupāvahāt |
pādaṃ ca prastaraṃ caiva grīvāṃ ca śīkharaṃ tathā || 37 ||

4.37 Oder man plane zuerst den Sockel von seiner unteren Fußleiste an, dann die tragende Wand- oder Pfeilerzone, das Gebälk, den Hals und die Bekrönung.

kuryādvathākramaṃ yāvattṛpyeran talakalpane |
dvitalādyādyādaśa talāvadhi kalpanīyāṅgāni. |
dvitale dhāmnyadhiṣṭhānaṃ caraṇaṃ prastaraṃ tathā || 38 ||

4.38 Man verfahre der Reihe nach bis zum Abschluss der betreffenden Geschossanlage. Bei einem zweigeschossigen Heiligtum plane man Sockel, tragende Zone und Gebälk,

kūṭaṃ caśālāṃ saṃsthānaṃ pañcaraṃ prastaraṃ punaḥ |
vediṃ grīvāṃ ca śikharaṃ krameṇa parikalpayet || 39 ||

4.39 ferner Kūṭa- und Śālā-Aufbauten, ihre Anordnung, „pañcara“, wiederum Gebälk, dann Vedi, Hals und Bekrönung. [„pañcara“ könnte eine beschädigte architektonische Bezeichnung sein; eine sichere Emendation wird nicht vorgenommen.]

tritalādivimānānā mādvādaśatalāvadhi |
evaṃ prakalpya śāstrokta mitareṣvapi kalpayet || 40 ||

4.40 Bei Vimānas von drei bis zwölf Geschossen verfahre man entsprechend und gestalte auch die übrigen Teile nach der Baulehre.

aṣṭādaśadhāmneṅgāni |
upānaṃ jagatīṃ caiva kumudaṃ paṭṭikāṃ tathā |
kaṇṭhaṃ ca paṭṭikācaiva caraṇaṃ ca talottaram || 41 ||

4.41 Genannt werden Unterleiste, Jagatī, Kumuda-Wulst, Platte, Hals, eine weitere Platte, die tragende Zone und der darüberliegende Geschossabschluss,

haṃsamālā kapotaśca pratiśca prativedikā |
kaṇṭhaṃ ca śikharaṃ caivakrameṇāṣṭādaśāṅgakam || 42 ||

4.42 Haṃsa-Fries, Kapota-Gesims, Prati, Prativedikā, Hals und Bekrönung: eine Folge von achtzehn Gliedern. [Die erhaltene Aufzählung umfasst nur vierzehn benannte Positionen; die Differenz wird nicht durch ergänzte Bauteile verdeckt.]

dhāmnasthūpyantamatha vā yajamānānurūpataḥ |
kuryātpaṭādau nirmāṇāṃ kṛtvā pūrvaṃ vicakṣaṇaḥ || 43 ||

4.43 Oder der Kundige gestalte das Heiligtum bis zu seiner obersten Bekrönung entsprechend dem Stifter, nachdem er zuvor einen Entwurf auf Tuch oder einer anderen Zeichenfläche angefertigt hat.

Kapitel 5: Himmelsrichtungen und erste Bauelemente

Hinweis zur Quelle: Die Nummern 71, 72 fehlen in der Vorlage. Erhaltene Fragmente bleiben stehen.

pādmasaṃhitāyām |
pañcamo'dhyāyaḥ |
dikparīkṣā |
śrībhagavān |
prācīṃ parīkṣayetpūrvaṃ diśaṃ śāstroktavartmanā |
prācyādididvibhāgena dvārādividhiriṣyate || 1 ||

5.1 Der erhabene Herr sprach: Zuerst bestimme man nach dem in der Baulehre angegebenen Verfahren die östliche Richtung. Nach der Unterscheidung von Osten und den übrigen Richtungen richtet sich die Anordnung der Eingänge und weiteren Teile.

śaṅkusthāpasam. |
hastamānāyataṃ śaṅkuṃ dvādaśāṅgulameva vā |
kṣīravṛkṣajamaṅguṣṭha pariṇāha mṛjuṃ śubham || 2 ||

5.2 Ein gerader, geeigneter Schattenstab aus dem Holz eines Milchsaftbaums sei einen Hasta oder zwölf Aṅgulas lang und von Daumendicke.

mapimāṇa |
prāsādasthānamadhye tu sthāpayenmūlavidyayā |
śaṅkordiguṇamānena parito maṇ‍ḍalaṃ likhet || 3 ||

5.3 Mit der Wurzelformel stelle man ihn in der Mitte des Tempelplatzes auf. Ringsum zeichne man einen Kreis mit einem Maß, das dem Doppelten des Stabes entspricht.

maṇḍalānte likhecchāyāṃ śaṅkoḥ purvāparāhṇayoḥ |
nyasya bindudvayaṃ sūtraṃ prākrṛtyakyaṃsthitaṃ likhet || 4 ||

5.4 Man markiere, wo der Schatten des Stabes vormittags und nachmittags den Kreisrand erreicht. Zwischen den beiden Punkten zeichne man mithilfe einer Schnur die Ost-West-Linie. [Das betreffende Richtungswort ist beschädigt.]

bindudvayāntaraṃ grāhyaṃ kacchapānanapucchagam |
jātaprāksaumyadiksūtramevaṃsūtre samīkṛte || 5 ||

5.5 Die Verbindung der beiden Punkte ist aufzunehmen; die weitere Konstruktion wird mit Kopf und Schwanz einer Schildkröte beschrieben. So entstehen die östliche und nördliche Richtungslinie; man gleiche die Linien sorgfältig ab. [Die verkürzte geometrische Anweisung reicht nicht für eine eindeutige Rekonstruktion aller Zeichenschritte.]

samīkṣite |
sīmāsutramiti bhrāntamuttarādyaṃ padaṃ likhet |
aṣṭadiṣu yathānyāyaṃ sīmāsutraṃ tathā likhet || 6 ||

5.6 Man zeichne die Grenzlinie und den nördlichen Ansatz; entsprechend zeichne man die Grenzlinien in allen acht Richtungen. [Der erste Halbvers ist sprachlich gestört.]

triṣañpasaptahastaṃ vā adhikaṃvā yathecchayā |
kuryāttatsūtrivinyāsaṃ grāmyāsthānasamṛddhaye || 7 ||

5.7 Die Schnuranordnung bemesse man mit drei, sechs oder sieben Hastas oder nach Wunsch größer, zum Gedeihen der Siedlungsstätte. [Die zusammengezogene Zahlenlesung ist unsicher.]

diksūtraṃ bhramaṇenai va caturaśraṃ nayetpunaḥ |
aṣṭadikṣu yathānyāyyaṃ śaṅkusthāpanamācaret || 8 ||

5.8 Durch Schwenken der Richtungsschnur konstruiere man dann das Quadrat. In den acht Richtungen setze man ordnungsgemäß die Pflöcke.

śaṅkusaṃsthāpanākāle nimittāni ca lakṣayet |
śubhaṃ cetsiddhimāpnoti aśubhe śāntimācaret || 9 ||

5.9 Beim Setzen der Pflöcke achte man auf Vorzeichen. Sind sie günstig, wird Erfolg angekündigt; bei ungünstigen vollziehe man Befriedungsriten.

prāsādasaṃsthānanirdeśaḥ |
caturaśraṃ suvṛttaṃ ca caturaśrāyataṃ tu vā |
vṛttāyataṃ vā kurvīta prāsādaṃ tu caturvidham || 10 ||

5.10 Der Tempel kann vier Grundformen haben: quadratisch, kreisrund, länglich-rechteckig oder länglich-rund.

sthityāsanāni yānāni caturaśre ca vṛttake |
vṛtrāyate suvṛttevā caturaśrāyate'pi vā || 11 ||

5.11 Stehende, sitzende und fahrende beziehungsweise reitende Bilder gehören in quadratische oder runde Anlagen. In einer länglich-runden, runden oder rechteckigen Anlage

śayanaṃ tatra kurvīta viśvarūpaṃ tathaiva ca |
lokākrāntaṃ sureśeśaṃ tatra kuryādvicakṣaṇaḥ || 12 ||

5.12 stelle man eine liegende Gestalt auf; ebenso die Allgestalt und den Herrn der Götter, der die Welten überschreitet. So verfahre der Kundige.

evaṃ bimbhānusāreṇa prāsādaṃ kārayedbudhaḥ |
viṣṇvālayasya ayugmahasaina mānam |
ārabhya caikahastādi daśahastāntameva hi || 13 ||

5.13 Der Verständige lasse den Tempel also dem Bild entsprechend bauen. Bei den Maßen von einem bis zu zehn Hastas

ayugmenaiva hastena kuryādāyatanaṃ hareḥ |
yugmaṃ vā mokṣakāmasya amugmaṃ bhuktikā ṅkṣiṇaḥ || 14 ||

5.14 wähle man für Haris Heiligtum eine ungerade Hastazahl. Für jemanden, der Befreiung begehrt, kann sie jedoch gerade sein; für jemanden, der Lebensgenuss wünscht, ungerade.

kāmataḥ |
anyeṣāṃ kāmanānusāreṇa mānam |
a dvādaśatalāntaṃ vai yathā vittānusārataḥ |
mānayitvā vidhānena vimānaṃ tatra kārayet || 15 ||

5.15 Bis zu zwölf Geschossen lasse man das Vimāna nach vorgeschriebener Vermessung entsprechend den verfügbaren Mitteln errichten.

kṛtyaivaṃ vāstuśāstrajño hyārabhetprathameṣṭakām |
iṣṭakābhedāḥ |
iṣṭhakāstrividhāḥ proktāśśilākāṣṭhajamṛṇmayāḥ || 16 ||

5.16 Nach diesen Vorbereitungen beginne der Vāstu-Kundige den Ritus des ersten Bauelements. Drei Arten von Iṣṭakā werden genannt: aus Stein, aus Holz und aus Ton. [Iṣṭakā meint hier nicht ausschließlich einen gebrannten Ziegel.]

vimānānurodhena pradhameṣṭakābhedaḥ |
śailajeṣu vimāneṣu śilā syātprathameṣṭakā |
kāṣṭhena dhamanirmāṇe tenaiva prathameṣṭakā || 17 ||

5.17 Bei einem Steinheiligtum sei der erste Baustein aus Stein; bei einem Holzheiligtum das erste Bauelement ebenfalls aus Holz.

nupakveṣṭakayā kuryādvimānaṃ tviṣṭakāmaye |
āmeṣṭakacite dhiṣṭhye tathaiva prathameṣṭakā || 18 ||

5.18 Bei einem Ziegelheiligtum verwende man gut gebrannte Ziegel. Bei einem Bau aus ungebrannten Ziegeln sei auch das erste Bauelement entsprechend beschaffen.

śai leṣṭakābhyāṃ racite śilāsyātprathameṣṭakā |
iṣṭakā kāṣṭhayukai tu iṣṭakā prathameṣṭakā || 19 ||

5.19 Bei einem Bau aus Stein und Ziegeln sei das erste Element aus Stein; bei einer Verbindung von Ziegel und Holz hingegen aus Ziegel.

śilāyāḥ pulliṅgādibhedaḥ tatvīniyogaśca |
śilāsaṅgrahaṇe deśe sādhivāsapurassaram |
saṅgṛhya tu śilāṃ tatra pulliṅgādi parīkṣayet || 20 ||

5.20 Am Ort der Steingewinnung vollziehe man zunächst den Adhivāsa-Ritus, sammle die Steine und prüfe ihre Einteilung in männliche und weitere Kategorien.

upānadādistū pyantaṃ pullaṅgiśilayā bhavet |
strīliṅgaśilayā caiva kārayatprathamāṃ śilām || 21 ||

5.21 Von der unteren Fußleiste bis zur obersten Bekrönung verwende man männlich eingestufte Steine; den ersten Stein dagegen lasse man aus einem weiblich eingestuften Stein herstellen.

sadoṣapratimāyā grahaṇe hāniḥ |
pratimā dāruvadgrāhyā nirdoṣā guṇavattarā || 22 ||

5.22 Wie das Holz für ein Götterbild soll das dafür bestimmte Material fehlerlos und von hervorragender Beschaffenheit ausgewählt werden. [Der kurze Vers ist elliptisch; „pratimā“ bezeichnet wörtlich das Bild.]

ayathā vihitairliṅgai rlobhādajñānato'pivā |
tartuḥ kārayiturnāśo rājño rāṣṭrasya niścitaḥ || 23 ||

5.23 Wird aus Gier oder Unkenntnis mit Merkmalen gearbeitet, die der Vorschrift widersprechen, droht der Text dem Ausführenden, dem Auftraggeber, dem König und dem Reich mit Untergang.

mṛṇmayeṣṭakāvidhiḥ |
idāniṃ samprapakṣyāmi mṛṇmaye tviṣṭakāvidhim |
rathakāreṇa nirdiṣṭaṃ deśamāsādya deśikaḥ || 24 ||

5.24 Nun erkläre ich das Verfahren für Ziegel aus Ton. Der Lehrer begebe sich an den vom Baukundigen bestimmten Ort.

tatrāpi jvalite vahnau sarpiṣā juhuyācchatam |
aṣṭau ca mūlamanraiṇa nṛsū ktena caruṃ punaḥ || 25 ||

5.25 Im dort entzündeten Feuer bringe er mit dem Mūlamantra einhundertacht Ghee-Spenden dar, danach gekochte Opferspeise mit dem Puruṣa-Sūkta.

mūlamantreṇa samitho yājñiko juhuyāttathā |
kuryācca caruṇā bhūyo viṣṇupāriṣadāhutīḥ || 26 ||

5.26 Der Opferkundige opfere außerdem Brennhölzer mit dem Mūlamantra. Mit gekochter Speise bringe er weitere Spenden für die Begleiter Viṣṇus dar,

kṣetrapālasya bhūtānāṃ vāstunāthasya ca svayam |
devatānāmṛṣīṇāṃ ca tathādevagaṇasya ca || 27 ||

5.27 für den Feldhüter, die Wesen, den Herrn des Baugrundes, die Gottheiten, die Ṛṣis und die göttlichen Scharen.

yathāliṅgena mantreṇa svāhāntena vicakṣaṇaḥ |
bhūrādibhirvāhṛtibhirhutvāpurṇāsutiṃ carum || 28 ||

5.28 Der Kundige verwende jeweils einen zum Empfänger passenden, auf „svāhā“ endenden Mantra. Nach Opfern mit den Vyāhṛtis, beginnend mit „bhūḥ“, bringe er die volle Abschlussspende und gekochte Speise dar.

caturdikṣu ca pūrvādvaṃ caruṇā balikarmaca |
kuryādanena mantreṇa namontena yathākramam || 29 ||

5.29 In den vier Richtungen, beginnend im Osten, vollziehe er der Reihe nach auch Bali-Gaben aus gekochter Speise mit der betreffenden, auf „namaḥ“ endenden Formel:

viṣṇupāriṣa debhyaśca sarvabhūtebhya eva ca |
vāstunāthāya ca tathā kṣetrapālāya copari || 30 ||

5.30 für Viṣṇus Begleiter, für alle Wesen, für den Herrn des Baugrundes und für den Feldhüter.

kṛtvāgni mutsṛjede vamagre homādikekṛte |
iṣṭhakānirmāṇaniyamaḥ |
kulālaḥ prāṅmukhaḥ kuryāttatra bhūmṛttikeṣṭakām || 31 ||

5.31 Danach entlasse er das Feuer. Wenn diese vorausgehenden Feueropfer und weiteren Riten vollzogen sind, fertige der Töpfer, nach Osten gewandt, dort Ziegel aus der Erde.

iṣṭakānāṃ purliṅgādi svarūpam tadviniyogaśca |
pulliṅgādivibhāgena tadvibhāgo vidhīyate |
rekha ṛjurayugmā vā yatra pauṃsnī tadiṣṭakā || 32 ||

5.32 Sie werden nach männlicher und weiterer Kennzeichnung unterschieden. Ein Ziegel mit geraden Linien oder einer ungeraden Anzahl von Linien gilt als männlich.

tiraścī vāthā vā yugmā rekhā straiṇī tadiṣṭakā |
napuṃsakaśca nirlekhā rekhā vāgre'tha karṇayoḥ || 33 ||

5.33 Ein Ziegel mit querlaufenden Linien oder einer geraden Linienzahl gilt als weiblich. Ohne Linien oder mit Linien nur am Ende beziehungsweise an den Ecken gilt er als geschlechtsneutral.

sapuṃsakassānnikṛte |
na pulliṅgeṣṭakā tāvat garbhādhāne vidhīyate |
strīliṅgeṣṭakayā kuryādgarbhādhānādipīṭhīkām || 34 ||

5.34 Männlich eingestufte Ziegel werden nicht für die Gründungsdeponierung verwendet. Den Sockel für diese und die zugehörigen Einrichtungen baue man aus weiblich eingestuften Ziegeln.

pullīṅgeṣṭakayā kuryātprāsādaṃ tadvicakṣaṇaḥ |
iṣṭakāyāmakūmānam |
caturvviṃśāṅgulāyāmā śreṣṭhā syānmadhyamā punaḥ || 35 ||

5.35 Für den eigentlichen Tempel verwende der Kundige männlich eingestufte Ziegel. Die vorzügliche Ziegellänge beträgt vierundzwanzig Aṅgulas;

aṣṭādaśāṅulāyāmā kaniṣṭhā ṣoḍaśāṅgulā |
ardhāyāmaṃ tu vistāraṃ tadardhaṃ ghanamiṣyate || 36 ||

5.36 die mittlere achtzehn und die kleinste sechzehn Aṅgulas. Die Breite soll die Hälfte der Länge betragen, die Dicke wiederum die Hälfte der Breite.

āyāmasamavistārā syādācchādanikeṣṭakā |
evamādīṣṭakāmānaṃ kuryādbhūmivaśādbhudhaḥ || 37 ||

5.37 Ein Abdeckziegel soll so breit wie lang sein. Diese und weitere Ziegelmaße lege der Kundige den Geländeverhältnissen entsprechend fest.

iṣṭakāyāmānāntaram |
mahāmānamidaṃ vidyādalpamānamudīryate |
prāsādapādavistāratulyo vistāra iṣyate || 38 ||

5.38 Dies ist als das große Maß zu verstehen; nun wird ein kleineres Maß genannt. Die Breite soll der Breite des betreffenden Tempelfußes oder Stützglieds entsprechen.

vistāraddhiguṇāyāmāḥ kalpayediṣṭakā budhaḥ |
evaṃ śilānāṃ dārūṇāṃ mānaṃ dāruśilāyame || 39 ||

5.39 Die Ziegellänge bemesse der Kundige mit der doppelten Breite. Entsprechend verfahre man mit den Maßen von Stein und Holz in Stein- und Holzbauten.

iṣṭakāguṇāḥ |
supakvā susvarā pakvabimbābhā sudṛḍhā samā |
ekavarṇā praśastā syādiṣṭakā prathamāhitā || 40 ||

5.40 Der zuerst gesetzte Ziegel soll gut gebrannt sein, einen guten Klang haben, wie eine reife Bimba-Frucht aussehen, sehr fest, eben und einfarbig sein.

varjanīyeṣṭakā |
kālamaṇ‍ḍālasaṃyuktāṃ chinnāṃbhinnāmathānṛjum |
sphuṭitāṃ varjayedbrahman prāsādāmambhaṇeṣṭakām || 41 ||

5.41 Einen ersten Bauziegel mit schwarzen Flecken, abgebrochenen oder gespaltenen Stellen, krummer Form oder Rissen meide man, Brahmā.

devālaye mānuṣālaye ca prathameṣṭakānāṃ saṅkhyā |
catasraḥ prathamāḥ kuyādiṣṭakā devatālaye |
āvāse pañca martyānāṃ kalpayetprathameṣṭakāḥ || 42 ||

5.42 Für ein Götterheiligtum richte man vier erste Ziegel her, für ein menschliches Wohnhaus fünf.

pakveṣṭakacite dhāmni pakvā syātprathameṣṭakā |
ādyeṣṭaka cite'gāre prathamā nānyathā bhavet || 43 ||

5.43 Bei einem Gebäude aus gebrannten Ziegeln sei der erste Ziegel gebrannt; bei einem andersartigen Ziegelbau entspreche er dessen Art. [Der zweite Halbvers ist in der Vorlage und ihrer Variante beschädigt.]

āyāme ceṣṭakacite |
iṣṭakādhipāsārtha maṅgurārpaṇe kalaśanyāsādiḥ |
aṅku rānarpa yetpūrvamadhirvavadhivasanakarmaṇi |
diśāṃ catasṛṇāṃ dhāmnaḥ pūrvāyāṃ diśi ca kvacit || 44 ||

5.44 Vor dem Adhivāsa-Ritus lasse man zunächst Samen keimen. An einer der vier Seiten des Heiligtums, vorzugsweise im Osten,

praphāṃ darbhasrajaṃ kuryāt ṣoḍaśastambhasaṃyutām |
saptatālāyatāṃ tatra vediṃ hastasamunnatām || 45 ||

5.45 errichte man eine sechzehnsäulige, mit Darbhagirlanden geschmückte Halle und darin einen sieben Tālas ausgedehnten, einen Hasta hohen Altar.

madhye kṛtvā tataḥ pīṭhaṃ śālibhārai stibhiḥ kṛtam |
vṛttaṃ vā caturaśraṃ vā kuryācceṣṭaṃ caturmukha || 46 ||

5.46 In dessen Mitte richte man einen Sockel aus drei Bhāras Reis her, rund oder quadratisch, nach Wunsch, Viergesichtiger.

dvābhyāṃ madhyamamekena jaghanyaṃ parikalpitam |
sūtrādiveṣṭitaṃ kumbhaṃ dhānyapīṭhe nidhāpayet || 47 ||

5.47 Die mittlere Ausführung besteht aus zwei Bhāras, die geringste aus einem. Auf den Getreidesockel stelle man einen mit Fäden und weiteren Stoffen umwundenen Krug.

paritaḥ kalaśānyaṣṭau cāṣṭadikṣu vinikṣipet |
kumbhasyottaratastasya vāripūrṇasya deśikaḥ || 48 ||

5.48 Ringsum ordne man acht weitere Gefäße in den acht Richtungen an. Nördlich von diesem mit Wasser gefüllten Krug soll der Lehrer

paripūrṇasya |
tāvatpramāṇaṃ kurvīta dhānyapīṭhaṃ tathāvidham |
tadardhaṃ taṇḍulayutaṃ tadardhaṃ tilasaṃyutam || 49 ||

5.49 einen weiteren Getreidesockel von gleicher Größe herstellen, mit halb so viel enthülstem Reis darüber und wiederum halb so viel Sesam.

ā stīrṇadarbhasaṃbādhaṃ navavastrapariṣkṛtam |
tadiṣṭakādhivāsārthaṃ kutvaivaṃ deśikottamaḥ || 50 ||

5.50 Er bedecke ihn dicht mit Darbhagras und schmücke ihn mit neuem Stoff. So bereite der vorzügliche Lehrer den rituellen Ruheplatz der Ziegel vor.

tatreṣṭakādhivāsārthaṃ |
snāpayediṣṭa kāḥ pūrvaṃ sthāpayetkalaśānnava |
vrihīpīṭhe sunihite madhye caivāṣṭadikṣuca || 51 ||

5.51 Zuerst bade er die Ziegel. Neun Gefäße stelle er auf einen gut eingerichteten Reissockel: eines in die Mitte und acht in die Richtungen.

madhyame kala śesarpiḥ prācye kṣīraṃ vinikṣipet |
āgneye dadhi yāmye tu guḍaṃ nairṛtadiśyapi || 52 ||

5.52 In das mittlere Gefäß gebe er Ghee, in das östliche Milch, in das südöstliche Sauermilch, in das südliche Rohrzucker; im Südwesten

pa़ñcagavyaṃ phalarasaṃ vāruṇe mātariśvani |
gandhavāri tathā saumyo lohaloyaṃ śive madhu || 53 ||

5.53 Pañcagavya, im Westen Fruchtsaft, im Nordwesten Duftwasser, im Norden Metallwasser und im Nordosten Honig.

vinyasya navastreṇa veṣṭayitvāsamarcayet |
iṣṭakāsnapam. |
sthāpayitveṣṭakāḥ piṭhe snāpayetkalaśaiḥ kramāt || 54 ||

5.54 Nachdem er die Gefäße aufgestellt und mit neuem Stoff umwunden hat, verehre er sie. Er lege die Ziegel auf den Sockel und bade sie der Reihe nach aus den Gefäßen.

payoghṛtena sāmnāgre snāpayetpayasā tataḥ |
snāpayedikṣutoyena madhuvātetimantrataḥ || 55 ||

5.55 Zunächst bade er mit Milch unter dem betreffenden Sāman; mit Zuckerrohrwasser bade er unter dem Mantra, der mit „madhu vātā“ beginnt. [Der erste Halbvers vermischt „payas“ und „ghṛta“ in unsicherer Satzfügung; Ghee wird in Vers 59 eigens genannt.]

phalinītyanuvākena snāpayetphalavāriṇā |
hiraṇyagarbhamamantreṇa snāpayollohavāriṇā || 56 ||

5.56 Mit dem Anuvāka, der mit „phalinī“ bezeichnet wird, bade er mit Fruchtwasser; mit dem Hiraṇyagarbha-Mantra mit Metallwasser.

dadhikrāṇvetiyajuṣā dadhnā saṃsnāpayettataḥ |
snāpayetpañcagavyena pañcavāruṇiketya taḥ || 57 ||

5.57 Mit dem Yajus „dadhikrāvan“ bade er mit Sauermilch; danach mit Pañcagavya unter den fünf Vāruṇī-Formeln.

gandhadvāreti mantreṇa snāpayedgandhavāriṇā |
madhuvā tetimantrema madhusnānaṃ samācaret || 58 ||

5.58 Mit „gandhadvārā“ bade er mit Duftwasser, mit dem Mantra „madhu vātā“ vollziehe er das Honigbad.

ghṛtasāmneti sāmnā vaighṛtena snāpaye ttataḥ |
ekaikaṃ navavastreṇa darbhayuktena veṣṭayet || 59 ||

5.59 Danach bade er mit Ghee unter dem als Ghṛta-Sāman bezeichneten Gesang. Jeden einzelnen Ziegel umhülle er mit neuem Stoff samt Darbhagras. [Die Quelle überliefert hierzu eine abweichende, ebenfalls beschädigte Mantrabezeichnung.]

phṛtisnāteti |
parigṛhyeṣṭakāssarvāśśayanopari nikṣīpet |
adhivāsārthahomaḥ |
toraṇaṃ dvārakumbhāṃśca dhvajāṃśca paripūrayet || 60 ||

5.60 Er nehme alle Ziegel und lege sie auf das Ruhelager. Torbogen, Eingangskrüge und Fahnen statte er vollständig aus.

eṣṭavyo madhyame kumbha parimātmā caturmukha |
aṣṭāsvanyeṣu kumbhaṣu viṣṇvādīnaṣṭa pūjayet || 61 ||

5.61 Im mittleren Krug verehre man den höchsten Ātman, Viergesichtiger; in den acht übrigen Krügen die acht Gottheiten, beginnend mit Viṣṇu. [„parimātmā“ wird dem Zusammenhang nach als beschädigte Lesung für Paramātman verstanden.]

nivedayenmahākumbhe payasaṃ vā guḍodanam |
pūrvasyāmuttarasyaṃ vā diśi kurṇḍān prakalpayet || 62 ||

5.62 Am großen Krug bringe man Milchspeise oder mit Rohrzucker gekochten Reis dar. Im Osten oder Norden lege man Feuergruben an.

sthaṇḍile vāgniyānīya juhuyā tsamidādibhiḥ |
samidājya tilaṃ puṣpaṃ pṛthagaṣṭottaraṃ śatam || 63 ||

5.63 Oder man bringe das Feuer auf einen ebenen Opferplatz und opfere Brennholz und weitere Stoffe: Brennholz, Ghee, Sesam und Blumen, jeweils einhundertachtmal.

juhuyānmūlamantreṇa sūkaina ca caruṃ punaḥ |
sparśayediṣṭakāssarvāssampātāhyena deśikaḥ || 64 ||

5.64 Man opfere mit dem Mūlamantra, danach gekochte Speise mit dem Sūkta. Der Lehrer berühre alle Ziegel mit dem vom Opfer her verwendeten Ghee, dem Sampātājya.

hemasūtraiḥ pratisarairastra mantreṇa bandhayet |
vibhavāsuguṇairvānyaiḥ kārpāsarajatādibhiḥ || 65 ||

5.65 Mit dem Astra-Mantra binde er Schutzbänder aus Goldfäden daran, oder je nach Vermögen andere aus Baumwolle, Silber und ähnlichen Stoffen.

svapnādhipatimantreṇa juhuyātsarpiṣā śatam |
svapna parīkṣā. |
svapnārthaṃ guruṇā sārthaṃ yajamānastu saṃviśet || 66 ||

5.66 Mit dem Mantra des Herrn der Träume opfere er hundertmal Ghee. Um einen Traum zu empfangen, lege sich der Stifter zusammen mit dem Guru zur Ruhe.

dussvapnadarśane jahyānnirmāṇaṃ tasya sadmanaḥ |
svapne śubhe tu sadanaṃ prārabhetāvilambitam || 67 ||

5.67 Bei einem bösen Traum soll man den Bau dieses Hauses aufgeben; bei einem guten Traum soll man das Gebäude unverzüglich beginnen. [Hier spricht die historische Traumdeutung des Ritualtextes.]

śvobhūte śobhane lagne sthāpayi tveṣṭakā guruḥ |
prāveśayecca prāsādamiṣṭakāstāssupūjitāḥ || 5. || 68 ||

5.68 Am nächsten Tag setze der Guru unter einem günstigen Aszendenten die Ziegel und lasse die sorgfältig verehrten Ziegel in den Tempelbereich hineinbringen. [Die zusätzliche Zeichenfolge „5.“ vor der Versnummer bleibt in der Sanskritquelle erhalten.]

iṣṭakānāṃ sambharasthānam |
klṛptasya dvāradeśasya dakṣiṇe deśikottamaḥ |
pādamūlādadhastāttāḥ kṣipettūryādi ghoṣayet || 69 ||

5.69 Südlich des vorgesehenen Eingangs lege der vorzügliche Lehrer sie unterhalb des Fußpunktes nieder. Man lasse Instrumente erklingen.

svastikaṃ vācayitvātu brāhmaṇān dhanatoṣitān |
devamanuṣyālayayoriṣṭakānyāse viśeṣaḥ |
prādakṣiṇye'pi cendādisomāntaṃ deva sadmani || 70 ||

5.70 Die mit Geschenken zufriedengestellten Brahmanen lasse man Segensworte sprechen. Im Götterheiligtum [erfolgt die Anordnung] rechtsherum, von Indras bis zu Somas Richtung, also von Osten bis Norden …

svastīti. nnyāse upānadviṣamaṃ bhavet |
kṛte cenmohato'jñānādvaiṣamyabhayakāraṇam || 73 ||

5.73 [Nach einer Nummernlücke:] … bei der Deponierung entstünde eine Ungleichheit der Fußleiste. Geschieht dies aus Verblendung oder Unwissen, gilt es als Ursache von Störung und Furcht.

nnyāsavidhānaṃ viṣayam |
tanmātupānatsadṛśīriṣṭakāḥ prathamaṃ kṣipet |
śvabhrabūritajalāvartaparīkṣā |
ādidaivaṃ samabhyarcya śvabhraṃ lo yena pūrayet || 74 ||

5.74 Deshalb setze man zuerst Ziegel, die der Fußleiste entsprechen. Nach der Verehrung der ursprünglichen Gottheit fülle man die Grube mit Wasser. [Das überlieferte „loyena“ ist im Zusammenhang als „toyena“, mit Wasser, verstanden.]

ratnairdhānyaiścalohaiśca kusumaiśca pṛdhaśvidhaiḥ |
pūrite subhṛśaṃ śvabhre jalāvartaṃ parīkṣayet || 75 ||

5.75 Wenn die Grube reichlich mit Edelsteinen, Getreide, Metallen und verschiedenartigen Blumen versehen ist, prüfe man die Wirbelbewegung des Wassers.

śūbhaṃ pradakṣiṇāvartaṃ savyāvartamathāśubham |
śvabhrajalaśoṣedhāmayajamānādīnāṃhāniḥ |
śvabhre vinihitaṃ toyaṃ sadyaśśoṣaṃ vrajedyadi || 76 ||

5.76 Ein rechtsherum laufender Wirbel gilt als günstig, ein linksherum laufender als ungünstig. Versickert das in die Grube gegossene Wasser sofort,

ārabdhamapi taddhāma na samāptiṃ samṛcchati |
mriyate yajamāno vā bhavedvā rāṣṭraviplavaḥ || 77 ||

5.77 so soll, der Vorhersage zufolge, auch der begonnene Tempel nicht zur Vollendung gelangen, der Stifter sterben oder das Reich in Aufruhr geraten.

nimitaiṣvaśubheṣvevaṃ śubheṣu tu śubhaṃ bhavet |
vanastuṣṭeḥ kāryakaratvam. |
deśikasya manastusṭissarvasampatkarī sadā || 78 ||

5.78 So werden ungünstige Zeichen gedeutet; günstige sollen Gutes anzeigen. Die innere Zufriedenheit des Lehrers gilt stets als Quelle allen Gedeihens.

vipatkarī viturṣissyādrathakārasya vai tathā |
devatā |
durnimitaiṣu śāntihomādiḥ |
durnimitaiṣu sarveṣu śāntyarthaṃ juhuyādguruḥ || 79 ||

5.79 Seine Unzufriedenheit gilt dagegen als unheilbringend; ebenso die des Baukundigen. Bei allen ungünstigen Zeichen bringe der Guru zur Befriedung ein Feueropfer dar.

brāhmaṇānbhojayoddadyātsuvarṇaṃ śaktyapekṣayā |
utpalasyāravindasya kandaṃ garte vinikṣipet || 80 ||

5.80 Er speise Brahmanen und schenke ihnen Gold entsprechend seinen Möglichkeiten. Die Knollen von Wasserlilie und Lotus lege er in die Grube.

puṇyatīrthasya śāleyakedārasya ca mṛtsnayā |
mūlamantreṇa tadgartaṃ pūrayecchādayecca tat || 81 ||

5.81 Mit Erde von einem heiligen Badeplatz und von einem Reisfeld fülle er unter dem Mūlamantra die Grube und decke sie zu. [Die zusätzliche Lesart nennt „kesara“; ihr genauer Zusammenhang ist unklar.]

śāleyaṃ kesarasya |
ācāryādīnāṃ dakṣiṇā. |
ācāryadakṣiṇāṃ dadyācchata niṣkānvitā nṛpaḥ |
anyeṣāmapi sarveṣāṃ daśaniṣkāvarā bhavet || 82 ||

5.82 Der König gebe dem Ācārya eine Gabe im Wert von hundert Niṣkas. Für alle übrigen Beteiligten sei eine Gabe von mindestens zehn Niṣkas vorgesehen.

Kapitel 6: Die Gründungsdeponierung

Hinweis zur Quelle: Die Nummern 5, 8, 9, 10 fehlen in der Vorlage. Erhaltene Fragmente bleiben stehen.

Hinweis zur Nummerierung: Die Nummern 39 sind mehrfach vorhanden. Die deutsche Zuordnung unterscheidet weitere Vorkommen durch Buchstaben; die Sanskritnummer bleibt erhalten.

pādvasaṃhitāyām |
ṣaṣṭho'dhyāyaḥ |
garbhanyāsavidhiḥ |
śrībhagavān |
garbhanyānavadhiṃ brahman vakṣyāmi śrūyatāmasau |
gṛhṇīyānmṛttikāṃ pūrvaṃ sthāneṣu daśasu kramāt || 1 ||

6.1 Der erhabene Herr sprach: Brahmā, ich erkläre dir das Verfahren der Gründungsdeponierung; höre zu. Zuerst sammle man der Reihe nach Erde von zehn Orten:

garbhasya saṃvidhim. bharbhanyāsamidaṃ |
śaile hrade puṇyatīrthe valmīke karkaṭāśaye |
nadyāṃ vṛṣaviṣāṇāgre dantidante payonidhau || 2 ||

6.2 von einem Berg, einem Gewässer, einer heiligen Badestätte, einem Ameisenhügel, einem Krebsloch, aus einem Fluss, von einer Stierhornspitze, von einem Elefantenstoßzahn, vom Meer

karkaṭālaye |
hale caiteṣu sambhūtā praśastā mṛttikā tataḥ |
kumudasyāravindasya kaśerūtpula yostathā || 3 ||

6.3 und vom Pflug. Von diesen Stellen stammende Erde gilt als geeignet. Dann sammle man die Knollen von Kumuda, Lotus, Kaśeru und Utpala

bhavet |
nīlotpalasya pañcaitānkandānapi samāharet |
manaśśilā harītālamañjanaśyāmasīsakam || 4 ||

6.4 sowie von der blauen Wasserlilie: diese fünf Knollenarten. Dazu Manaḥśilā, Haritāla, Añjana und dunkles Blei … [Die Aufzählung der mineralischen Stoffe wird nach einer Nummernlücke fortgesetzt.]

saurāṣṭraṃ rocanāṃ caiva gairikaṃ pāradaṃ tathā |
ādāya dhātūn ratnāni vajravaiḍhūrya mauktikam || 6 ||

6.6 … Saurāṣṭra, Rocanā, roten Ocker und Quecksilber. Nach diesen mineralischen Stoffen beschaffe man Edelsteine: Diamant, Vaiḍūrya, Perle,

cādau. sphaṭikaṃ puṣyakaṃ śaṅkaṃ padmarāgaṃ tathā param |
candrakāntaṃ mahānilaṃ navaitāni samāharet || 7 ||

6.7 Bergkristall, Puṣyaka, Muschel, vorzüglichen Rubin, Mondstein und großen blauen Edelstein. Diese neun sammle man. [Die erhaltene Aufzählung enthält zehn Bezeichnungen, wenn Muschel als eigener Posten zählt; die genannte Neunzahl wird nicht stillschweigend berichtigt.]

mauktikaṃ sphaṭakaṃ puṣyaṃ. samidhya ca || 11 ||

6.11 [Nach einer größeren Lücke bleibt:] … und das Feuer entzünden.

samiṃdhayet |
sarpiṣā ca samidbhiśca viṣṇudaivatyayā tayā tayā |
aṣṭhottaraśataṃ hutvā sampātāhyaṃ tu saṅgrahet || 12 ||

6.12 Mit der an Viṣṇu gerichteten Formel opfere man Ghee und Brennhölzer einhundertachtmal und sammle das Sampātājya, das für die weitere Berührung bestimmte Opferghee.

caruṇā narasū ktena jūhuyāt podaśāhutīḥ |
indrādilokapālebhyo bhuvanebhyastathaiva ca || 13 ||

6.13 Mit dem Puruṣa-Sūkta bringe man sechzehn Spenden gekochter Opferspeise dar. Dann für Indra und die übrigen Weltenhüter, für die Weltbereiche,

parvatebhyassamudrebhya ādi tyebhyastathaiva ca |
vasubhyaśca marudbhyaśca ṛṣibhyastadana ntaram || 14 ||

6.14 für die Berge, Meere, Ādityas, Vasus, Maruts und anschließend für die Ṛṣis,

vedebhyassarvaśāstrebhyaḥ purāṇebhyastathaiva ca |
pātālebhyaśca digbhyaśca nāgebhyastadanantaram || 15 ||

6.15 für die Veden, sämtliche Lehrwerke, die Purāṇas, die Unterwelten, die Himmelsrichtungen und danach für die Nāgas,

gaṇebhyassarvabhūtebhyo narendrebhya stathaiva ca |
grahebhyaścaiva sarvebhyassvāhāntaṃ juhuyātpṛthak || 16 ||

6.16 für die Scharen, alle Wesen, die Könige und sämtliche Planeten bringe man jeweils gesonderte Spenden mit einer auf „svāhā“ endenden Formel dar. [Die Zusatzlesart nennt statt Planeten die Mondhäuser.]

nakṣatrebhya |
tilājyamiśracaruṇā juhuyāttebhya eva ca |
saṃpātājyaṃ samānīya niṣiñcedgarbhabhājane || 17 ||

6.17 Denselben Empfängern opfere man mit Sesam und Ghee vermischte Speise. Man hole das Sampātājya und gieße es in das Gründungsgefäß.

niśāyāmevagarbhanyāsaḥ |
niśāyāmeva kurvīta garbhasya nyasanaṃ guruḥ |
sumuhūrte sunakṣatrasupakṣakaraṇairyute || 18 ||

6.18 Der Guru vollziehe die Gründungsdeponierung ausschließlich nachts, zu einem günstigen Zeitpunkt, unter günstigem Mondhaus, in geeigneter Monatshälfte und unter geeignetem Karaṇa.

śaṅkhabheryādi ghoṣaiśca sahamaṅgalapāṭhakaiḥ |
dvijendravedaghoṣaiśca āsphoṭakṣvelitairapi || 19 ||

6.19 Muschelhörner, Pauken und weitere Instrumente sollen erklingen, begleitet von Segensrezitationen, Vedengesang der Brahmanen, Händeklatschen und Jubelrufen.

tūryāṅgaiḥ |
ādāya bhājanaṃ paścāddevāgāraṃ pradakṣiṇam |
gatvā garbhagṛhaṃ samyagbraṇaissaha saṃviśet || 20 ||

6.20 Dann nehme er das Gefäß, umschreite den Tempel rechtsherum und betrete gemeinsam mit den Brahmanen das Allerheiligste.

dvārasya dakṣiṇe pārśve prārabhyaṃ pādapārśvataḥ |
devādibhedenagarbhanyāsasthānanirdeśaḥ |
devānāṃ paṭṭikāyāṃ tu garbhanyāsaḥ praśasyate || 21 ||

6.21 Man beginne rechts neben dem Eingang, beim Fußpunkt des Bauglieds. Bei einem Götterheiligtum wird die Gründungsdeponierung auf Höhe der Paṭṭikā empfohlen.

devasya |
viprāṇāṃ paṭṭikādhastānnṛpāṇāṃ kumudopari |
vaiśyānāṃ kumude caiva śūdrāṇāṃ jagatopari || 22 ||

6.22 Bei Brahmanen unterhalb der Paṭṭikā, bei Königen oberhalb des Kumuda-Wulstes, bei Vaiśyas im Kumuda und bei Śūdras oberhalb der Jagatī. [Eine Zusatzlesart nennt „unterhalb des Kumuda“. Die Quelle unterscheidet hier historisch nach sozialen Gruppen.]

kumudādhastāt |
nī co ccādi vyatyāse aniṣṭaphalam. |
nī ce duḥkhaṃ bhavenni tyamucchrite dravyanāśanam || 23 ||

6.23 Zu tiefe Anbringung soll beständiges Leid, zu hohe dagegen Verlust von Vermögen bewirken.

sthānabhraṃśakaraṃ dvāre bhavatyeva na saṃśayaḥ |
tasmādyatnena kartavyaṃ suguptaṃ bhittimadhyataḥ || 24 ||

6.24 Eine Anbringung im Eingang soll unweigerlich den Verlust der Stellung bewirken. Deshalb führe man sie sorgfältig, gut verborgen im Inneren der Wand aus. [Die Variante bezieht den Stellungsverlust allgemeiner auf einen Verstoß.]

sthānabhraṃśo'pacāre tu |
garbhanyāsamaṃñjūṣāvidhiḥ |
mañjūṣāṃ mukhyalohena kṛtvā tālapramāṇataḥ |
navagartasamāyuktaṃ vidhānena samanvitam || 25 ||

6.25 Man fertige aus vorzüglichem Metall eine einen Tāla große Kassette mit neun Fächern und einer passenden Abdeckung.

dārujaṃ tadabhāve syādgartā varaṇasaṃyutam |
puṇyāhaṃ vācayitvā tu pañcagarvyena śodhayet || 26 ||

6.26 Ist dies nicht möglich, bestehe sie aus Holz, ebenfalls mit abgedeckten Fächern. Nach dem Aussprechen des Tagessegens reinige man sie mit Pañcagavya.

dhyānaprakāraḥ |
dhyāyanbhūmaṇ‍ḍalaṃ sarvaṃ sādridvīpasamudrakam |
diggajo ttambhitaṃ śeṣaphaṇindraśikharasthitam || 27 ||

6.27 Man meditiere über den ganzen Erdkreis samt Bergen, Inseln und Meeren, von den Richtungselefanten gestützt und auf dem Haupt des Schlangenkönigs Śeṣa ruhend.

ttamabhṛccheṣaphaṇindraśirasi |
manasyāveśya vasudhāṃ dvihastāṃ śyāmalāṃ śubhām |
ākalpitāmṛtusnā tāmādadhyādgarbha saṃpadam || 28 ||

6.28 Man vergegenwärtige sich die schöne, dunkelfarbige, zweiarmige Erdgöttin, geschmückt und nach ihrer fruchtbaren Zeit gebadet, und vertraue ihr die Fülle der Gründungsgaben an. [Der Text gestaltet die Deponierung ausdrücklich als Empfangen eines „garbha“, eines Keims oder Embryos.]

saṃyutam |
ātmānaṃ keśavaṃ dhyātvā sarvābharaṇa bhūṣitam |
mṛddhātvādīnāṃnyāsasthānaṃ |
mṛdaṃ gṛhītvāsāmudrīṃ parikuryātpradakṣiṇam || 29 ||

6.29 Sich selbst meditiere man als Keśava, mit allem Schmuck versehen. Man nehme die Erde vom Meer und bringe sie rechtsherum umlaufend an.

pārvatīṃ pūrvato syasyettīrthajāṃ dakṣiṇe tathā |
nadījāṃ paścime bhāge hradajāmuttare tathā || 30 ||

6.30 Die Bergerde lege man nach Osten, die Erde von der heiligen Badestätte nach Süden, die Flusserde nach Westen und die Erde aus dem Gewässer nach Norden.

kulīramṛdamāgreyyāṃ nairṛte vālmikīṃ mṛdam |
halajāṃ diśi mārutyāmaiśānyāṃ hastidantajām || 31 ||

6.31 Die Erde aus dem Krebsloch komme nach Südosten, die Ameisenhügelerde nach Südwesten, die Pflugerde nach Nordwesten und die vom Elefantenstoßzahn nach Nordosten.

vṛṣabhasya niṣāṇasthāṃ brahmasthāne niveśayet |
kandamautpalamaindre syādyamadiśyatha kaumudam || 32 ||

6.32 Die Erde vom Stierhorn deponiere man im Brahma-Ort, der Mitte. Die Utpala-Knolle liege im Osten, die Kumuda-Knolle im Süden,

nailotpalaṃ pratīcīne kāśeravamudaggiśi |
brahmasthāne bhavetpādmaṃ tato dhātūnvinikṣipait || 33 ||

6.33 die blaue Wasserlilie im Westen, Kaśeru im Norden und der Lotus im Brahma-Ort. Danach deponiere man die mineralischen Stoffe.

purva manaśśilāṃ yāmye haritālaṃ ca vāruṇe |
aññanaṃ dhanadāśāyāmāgneyyāṃ diśi sīsakam || 34 ||

6.34 Manaḥśilā komme nach Osten, Haritāla nach Süden, Añjana nach Westen, [ein Stoff] in Kuberas Richtung und Blei nach Südosten. [Für den Norden fehlt in der erhaltenen Satzfolge eine sichere Stoffzuordnung.]

saurāṣṭraṃ nairṛte bhāge vāyavīye tu rocanāṃ |
īśāne gairikaṃ madhye pāradaṃ brahmaṇaḥ pade || 35 ||

6.35 Saurāṣṭra komme nach Südwesten, Rocanā nach Nordwesten, roter Ocker nach Nordosten und Quecksilber in die Mitte, an Brahmās Ort.

vāyavye rocanā matā |
vajraṃ pūrve bhavedyāmye vaiḍūryaṃ paścime maṇiḥ |
kaubere puṣyakaṃ bhāge sphaṭikaṃ jvalane bhavet || 36 ||

6.36 Diamant liege im Osten, Vaiḍūrya im Süden, ein Edelstein im Westen, Puṣyaka im Norden und Bergkristall im Südosten. [Die Zusatzlesart nennt Koralle; sie ist mit der Hauptzeile nicht bruchlos vereinbar.]

pravālaṃyāmye vaiḍuryaṃ |
nairṛte mauktikaṃ vāyau candrakāntaśilā tathā |
māheśvare mahānīlaṃ padmarāgaṃ tu madhyame || 37 ||

6.37 Eine Perle liege im Südwesten, Mondstein im Nordwesten, ein großer blauer Edelstein im Nordosten und Rubin in der Mitte.

śālibījaṃ bhavetprācyāṃ nīvāraṃ dakṣiṇe tathā |
kaṅguṃ pratīcyāṃ dhanadepriyaṅguṃ jvalane tathā || 38 ||

6.38 Reissaat komme nach Osten, Wildreis nach Süden, Kaṅgu-Hirse nach Westen und Priyaṅgu nach Norden; im Südosten

anale paścime diśi |
māṣo nairṛtabhāge syāttilo mudgastu mārute |
aiśāne veṇudhānyaṃ syādyavaṃ syādbrahmaṇaḥ pade || 39 ||

6.39 liegen Māṣa-Bohnen, im Südwesten Sesam, im Nordwesten Mungbohnen, im Nordosten Bambussamen und im Brahma-Ort Gerste. [Die Folge wird aus dem übergreifenden Satz gelesen; die Zusatzlesart vertauscht beziehungsweise verändert Gerste und Bambus.]

yavadhānyaṃ syādveṇuḥ |
hiraṇyaṃ purvadigbhāge dakṣiṇe rajataṃ bhavet |
paścime tāmramādhāya nikṣipetudagāyasam || 39 ||

6.39b Gold komme in den östlichen Bereich, Silber nach Süden, Kupfer nach Westen und Eisen nach Norden. [Die Quelle vergibt die Nummer 39 ein zweites Mal.]

āgneye trapu rākṣasyāṃ kāṃsyaṃ mārutadiśyapi |
sauvarṇaṃ kūrmamaiśānyāṃ daradaṃ hemanirmitam || 40 ||

6.40 Zinn komme nach Südosten, Bronze nach Südwesten; im Nordwesten liege eine goldene Schildkröte und im Nordosten ein aus Gold gefertigtes „darada“. [Die Variante nennt hier ausdrücklich eine goldene Muschel; der Haupttext ist beschädigt.]

śaṃkhaṃ hemavinirmitam |
cakraṃ jāmbūnadaṃ madhye vinyasesmūlavidyayā |
bhūdevatādhyānamantraḥ |
mahīṃ devīṃ tato dhyātvā mantrametamudīrayet || 41 ||

6.41 Einen Diskus aus Gold lege man mit der Wurzelformel in die Mitte. Dann meditiere man über die Göttin Erde und spreche diesen Mantra:

sarvabhūtadhare kānai parvatastanamaṇḍite |
samudraparidhāniye deva garbhaṃ samāśraya || 42 ||

6.42 „Du Trägerin aller Wesen, du Schöne, mit Bergen als deinen Brüsten geschmückt, du Göttin, deren Gewand das Meer ist: Nimm diesen Gründungskeim auf!“ [Die beschädigten Wörter werden nach dem parallel erhaltenen Gebet in 2.24–25 verstanden.]

śvabhrapūraṇavidhiḥ |
evamuktvā tataśśvabhraṃ gomūtreṇa pariplutam |
ācchādayedvidhānena sudhayā dārḍhyamācaret || 43 ||

6.43 Nach diesen Worten bedecke man vorschriftsgemäß die mit Kuhurin benetzte Grube und festige sie mit Kalkmörtel.

gurudakṣiṇā |
gurave dakṣiṇāṃ dadyātpūrvoktadravyasaṅkhyayā |
garbharakṣā. |
rakṣāṃ samantataḥ kuryādgarbhasya skhalanaṃ yadi || 44 ||

6.44 Dem Guru gebe man die zuvor genannte Gabe. Ringsum sichere man die Deponierung. Falls sie verrutscht,

jvalanamcalanam |
pāyaścattaṃ tataḥ kuryāddhurnimitte ca pūrvavat |
garbhanyāsaṃ vināgrāma prāsādādikaraṇe doṣaḥ |
akṛtvā garbhavinyāsaṃ grāmaṃ prāsādameva vā || 45 ||

6.45 vollziehe man eine Sühnehandlung; ebenso bei ungünstigen Vorzeichen wie zuvor beschrieben. Baut man eine Siedlung oder einen Tempel, ohne die Gründungsdeponierung ausgeführt zu haben,

yadi kuryātkṣayaṃ yāyādacirādvāstu dhāma vā |
taddhāma vāstunorhemnā garbhamādau samācaret || 46 ||

6.46 so soll das Grundstück beziehungsweise Heiligtum bald zugrunde gehen. Deshalb vollziehe man anfangs die Gründungsdeponierung mit Gold für Tempel und Baugrund. [Die genaue Satzgestalt des zweiten Halbverses ist unsicher.]

dhāmnaḥ āyāmanistāravidiḥ |
dhāmaikahastamaparaṃ śatahastaṃ paraṃ smṛtam |
ekabhūmyaparaṃ dhāma paraṃ dvādaśabhūmikam || 47 ||

6.47 Als kleinste Ausdehnung eines Tempels gilt ein Hasta, als größte hundert Hastas. Die geringste Höhe umfasst ein Geschoss, die größte zwölf.

vistārāddviguṇotsedhamutsedhānuguṇaṃ talam |
vittānurodhaṃ cocchrāyaḥ kartavyaḥ kamalāsanaḥ || 48 ||

6.48 Die Höhe sei doppelt so groß wie die Breite, das Geschossmaß der Höhe angepasst. Auch richte sich die Höhe nach den verfügbaren Mitteln, Lotusgeborener. [Die Varianten nennen stattdessen die innere Absicht oder den Wunsch.]

cattānukūlaṃ cotsedhaṃ. cittānukūlaṃ cocchāyam |
ekādidvādaśataleṣu devasyaśa yanādividhiḥ |
sraṣṭurdevasya śayanamādibhūmau vidhīyate |
āsanaṃ śrīdharāyuktaṃ dvitīye tu tale bhavet || 49 ||

6.49 Im ersten Geschoss ist die liegende Gestalt des schöpferischen Gottes vorgesehen; im zweiten eine sitzende Gestalt, begleitet von Śrī und Dharā.

sthānaṃ tathā tṛtīye syāccaturthe yānamiṣyate |
pañcame yegaśayanaṃ ṣaṣṭe bhogāsanaṃ bhavet || 50 ||

6.50 Im dritten Geschoss stehe er, im vierten sei eine fahrende oder reitende Gestalt; im fünften eine yogisch ruhende, im sechsten eine genießend sitzende.

snānaṃ |
yogasthitissaptame syādaṣṭame tārkṣyavāhanam |
navame bhogaśayanaṃ bhogāssya rdaśame bhavet || 51 ||

6.51 Im siebten sei eine yogisch stehende Gestalt, im achten der auf Garuḍa Fahrende, im neunten eine genießend liegende und im zehnten eine genießend sitzende Gestalt. [Der letzte Ausdruck ist beschädigt. Die angekündigten Geschosse elf und zwölf werden im erhaltenen Kapitel nicht mehr beschrieben.]

Kapitel 7: Untersockel und Sockelformen

Hinweis zur Quelle: Die Nummern 8, 11, 12, 17, 46 fehlen in der Vorlage. Erhaltene Fragmente bleiben stehen.

pādmasaṃhitāyām |
saptamo'dhyāyaḥ |
adhiṣṭhānavidhiḥ |
śrībhagavān |
upapīṣṭhaṃ |
adhastādupapīṣṭhaṃ syādadhiṣṭhānasya dhārakam |
śobhārthaṃ rakṣaṇārthaṃ ca samucchrāyārthamena vā || 1 ||

7.1 Der erhabene Herr sprach: Unter dem eigentlichen Sockel liegt der Untersockel, der ihn trägt. Er dient der Schönheit, dem Schutz oder der Erhöhung.

adhiṣṭhānasamo tsedhamardhaṃ vā syāttripādakam |
pādāṃśaṃ vā tribhāgaṃ vā sārdhāṃśaṃ vā sapādākam || 2 ||

7.2 Seine Höhe kann der Sockelhöhe entsprechen oder deren Hälfte, drei Viertel, ein Viertel oder ein Drittel betragen; auch anderthalb oder eineinviertel

dviguṇaṃ triguṇaṃ vāpi kartavyamupapīṣakam |
utsedhaṃ daśadhā kṛtvā bhāgenai kena varthanāt || 3 ||

7.3 sowie das Doppelte oder Dreifache sind für den Untersockel vorgesehen. Man teile die Höhe in zehn Teile und lasse sie jeweils um einen Teil zunehmen … [Wie diese zweite Maßreihe zur ersten gehört, bleibt offen.]

pañcamāṃśamadhiṣṭhānaṃ dhāmno bāhye tu nirgamaḥ |
daṇḍaṃ vā sārthadaṇḍaṃ vā dvidaṇḍaṃ vā tridaṇḍakam || 4 ||

7.4 Der Sockel springe um ein Fünftel nach außen vor; oder um einen Daṇḍa, anderthalb, zwei oder drei Daṇḍas. [Das Bezugsmaß des Fünftels und die abweichenden Lesarten sind nicht eindeutig.]

pañcāṃśāṃ tadadhiṣṭhāvaṃ panmādbhāhye. pañcāśatāmadhiṣṭhānam |
adhiṣṭhānaṃ jagatyā vā samantātpādabāhyakam |
vedībhadrādibhedaḥ |
vedībhadraṃ pradībhadraṃ subhadraṃ catridhāmatam || 5 ||

7.5 Sockel beziehungsweise Jagatī erstrecken sich ringsum außerhalb der tragenden Zone. Drei Typen gelten als maßgeblich: Vedībhadra, Pratibhadra und Subhadra.

vedibhadraṃ |
ucchrāye bhanubhāge dvyaṃśe sopānamīritam |
padmamaṃśaṃ tadurdhverdhaṃ kṣepaṇaṃ pāñcabhāgikam || 6 ||

7.6 Beim Vedībhadra teile man die Höhe in zwölf Teile: zwei für den unteren Ansatz oder Aufstieg, einen für den Lotus, darüber einen halben für das Kṣepaṇa; anschließend wird ein fünfteiliger Abschnitt genannt. [Die Zuordnung ist durch die beschädigte Form „pāñcabhāgikam“ nicht sicher.]

grīvamardhena kampaṃ syādbhāgai kena mbujaṃ bhavet |
śeṣāṃśaṃ vājanaṃ kaṃpa maṣṭāṃga mupapīṭhakam || 7 ||

7.7 Ein halber Teil entfalle auf Hals beziehungsweise Kampa-Leiste, ein Teil auf den Lotus, der Rest auf Vājana und Kampa. So entsteht ein achtgliedriger Untersockel. [Die knappe Syntax lässt die Einzelabgrenzung offen.]

ṣaḍaṅgaṃ vā vidhātavyamū rdvā dhastādbhūjānvitam |
maṣṭājga. anīdṛkca śivāṃśaistu bhānubhāgāṃśakāṃśakaiḥ |
tyraṃśaikāṃśaikabhāge tu dvābhyāmaṃśena yojayet || 9 ||

7.9 Oder man gestalte ihn sechsgliedrig, oben und unten mit den betreffenden Gliedern versehen. Es folgen Maßwörter für zwei, drei und zwölf sowie Anteile von drei, eins, eins und zwei. [Die Überlieferung nach der Lücke bei Vers 8 ist zu beschädigt, um daraus eine zuverlässige Zuordnung der Maße zu Bauteilen herzustellen.]

aśvinīdṛkśivāṃ śai. jagato vājanāntaṃ tu tuṅgetrinavabhāgake |
pādukaṃ paṅkajaṃ kampaṃ pīṭhamuttaramambujam || 10 ||

7.10 Von der Jagatī bis zum Vājana wird die Höhe in dreimal neun Teile gegliedert; genannt werden Pāduka, Lotus, Kampa, Pīṭha, Uttara und ein weiterer Lotus …

janmano. muttarāntaṃ kapotakam || 13 ||

7.13 [Nach einer Lücke bleibt:] … bis zum Uttara, das Kapota-Gesims. [Die Variante nennt stattdessen einen oberen Lotus.]

muttarābjaṃ |
āliṅgāntaritaṃ cordhve pratiśchaivordhva vājanam |
dvividhaṃ pratibhradraṃ syādekabhāgādikaṃ tataḥ || 14 ||

7.14 Darüber folgen Āliṅga, Antarita, Prati und das obere Vājana. Pratibhadra wird in zwei Arten unterschieden, mit Anteilen beginnend bei einem Teil.

subhadraṃ |
trisaptāṃ śe tadutsedhe dvābhyāṃ janma tathāmbujam |
ardhena kaṇṭhamardhena padmaṃ dvyaṃśena vājanam || 15 ||

7.15 Beim Subhadra teile man die Höhe in dreimal sieben Teile: zwei für den unteren Ansatz und den Lotus, einen halben für den Hals, einen halben für den Lotus und zwei für das Vājana. [Die Verteilung der ersten beiden Teile auf Ansatz und Lotus ist nicht ausdrücklich getrennt.]

ardhenārdhaṃ tathā kampaṃ kaṇ‍ṭhamaṣṭāṃśamīritam |
aṃśenottaramardhena padmaṃ copānahaṃ tribhiḥ || 16 ||

7.16 Dann werden ein halber Teil und nochmals ein halber für Kampa genannt, acht Teile für den Hals, einer für Uttara, ein halber für den Lotus und drei für die Unterleiste. [Diese Maßfolge ist nicht sicher mit der Gesamthöhe abzugleichen.]

ardhenābjaṃ ke nakampamaṣṭāṃśakairgalam |
aṃśena kampakaṃ dvābhyāṃ vājanaṃ kampamaṃśakam || 18 ||

7.18 [Nach einer Lücke:] Ein halber Teil für den Lotus, einer für Kampa, acht für den Hals, einer für eine weitere Kampa-Leiste, zwei für Vājana und einer für Kampa. [Die erste Kampa-Angabe ist beschädigt.]

kaikakaṃpanuṣṭhāṅgakai |
subhadraṃ dvividhaṃ proktaṃ sarvālaṅgārasaṃyutam |
siṃhebhamakarairvālai rbhūtādyai rapyalaṃkṛtam || 19 ||

7.19 Subhadra wird in zwei Arten beschrieben, reich mit Zierformen ausgestattet: Löwen, Elefanten, Makaras, Vyālas und Geistwesen können es schmücken.

jiṃkātyai |
prativaktraṃ jhaṣāsyaṃ syā dbālenārūḍhamastakam |
arpitānārpite harmye sarvatra parikalpayet || 20 ||

7.20 Die Stirnfläche des Prati soll einen Fisch- beziehungsweise Makaraschlund zeigen, darüber einen aufgesetzten Kopf. Man kann dies an angebundenen wie an freistehenden Bauten überall vorsehen. [„bālena“ und die Zusatzlesart sind unsicher; die genaue Zierfigur bleibt offen.]

dhyānārūḍhaṃ samastakam |
aṅgamaṅgaṃ prati prājñervṛddhihīnaṃ tathocyate |
taddhāma sūkaraṃ nāma yuñcīyādupapīṭhake || 21 ||

7.21 Die Kundigen beschreiben für jedes einzelne Bauglied Vergrößerungen und Verringerungen. Die folgenden Wörter verbinden „sūkara“ beziehungsweise „masūkara“ mit dem Untersockel. [Dieser zweite Halbvers ist nicht sicher übersetzbar; eine Benennung als „Ebertempel“ wäre ungeprüft.]

tathā masūkarāṇām |
upapīṭhavidhiśeṣaḥ |
murtādhiṣṭhāna tuṅācca dviguṇaṃ vā samaṃ bhavet |
sārdhaṃ vārdhaṃ tribhāgaṃ ca kuryādatropapīṭhakam || 22 ||

7.22 Der Untersockel kann doppelt so hoch wie der angegebene Sockel, gleich hoch, anderthalb so hoch, halb so hoch oder ein Drittel so hoch sein. [Der erste Ausdruck „murtādhiṣṭhāna“ ist beschädigt.]

sapratyaṅgaṃ samaṃ cārdhaṃ vājanaṃ tadidaṃ bhavet |
upapīṭhamidaṃ proktaṃ samāsātkamalāsana || 23 ||

7.23 Er sei mit den Nebengliedern versehen; für das Vājana werden Gleichmaß und Halbmaß genannt. Damit ist der Untersockel in Kürze beschrieben, Lotusgeborener.

adhiṣṭhānam |
adhiṣṭhānamatho vakṣye devāgārasya diddhaye |
stambhāyāmaṃ tribhāgai kamadhiṣṭhānaṃ pramāṇataḥ || 24 ||

7.24 Nun erkläre ich den eigentlichen Sockel zur gelungenen Ausführung des Götterhauses. Sein Maß beträgt ein Drittel der Säulenhöhe.

stambhāyāmāṣṭabhāgaikaṃ prabhādhiṣṭhānakampakam |
padāyāmaṃ talotsedhaṃ samadhiṣṭhānakottamam || 25 ||

7.25 Ein Achtel der Säulenhöhe wird für die Kampa-Leiste des betreffenden Sockels genannt. Das vorzügliche Sockelmaß wird außerdem zur Länge des tragenden Gliedes und zur Geschosshöhe in Beziehung gesetzt. [Der zweite Halbvers erlaubt keine sichere Gleichung.]

vitastinyūnakaṃ vāpi athavāpi ṣa़ḍaṅgulam |
evaṃ tridhā vibhajyanai prabhādhiṣṭhānakampakam || 26 ||

7.26 Oder es sei um eine Vitasti beziehungsweise um sechs Aṅgulas geringer. Auf diese Weise wird die betreffende Sockel-Kampa in drei Arten unterschieden.

tadurdhve vāṣṭabhāgaikaṃ rāgādidhiṣṭhānakampakam |
upānavargādhiṣṭhāna mupāna miha paṭhyate || 27 ||

7.27 Darüber wird wiederum ein Achtel für eine weitere Sockel-Kampa genannt. Der Sockel der Upāna-Gruppe beginnt mit der hier als Upāna bezeichneten Unterleiste. [„rāgādi“ im ersten Halbvers ist unklar.]

mucchrāya |
dvādaśāṅgāni |
upānaṃ jagatī padmakaṇṭhaṃ kampaṃ ca paṭṭikā |
nidrikāpadmakopetaṃ skandhamantaritaṃ bhavet || 28 ||

7.28 [Unter der Überschrift „Zwölf Glieder“:] Unterleiste, Jagatī, Lotus, Hals, Kampa und Platte; ferner Nidrīkā samt Lotus, Schulter und Zwischenstück. [Die zwölf Positionen sind im überlieferten Wortlaut nicht vollständig und eindeutig abzuzählen.]

vapraḥ adhiṣṭhānāni kalpayet |
pādabaṃdhapratībandhe |
pādabandhaṃ pratībandhaṃ dvividhaṃ yonimūlakam || 29 ||

7.29 Die beiden Grundarten heißen Pādabandha und Pratibandha; sie beruhen auf der jeweiligen Grundform beziehungsweise Basis.

adhiṣṭhānādi kalpyate |
pādānāṃ bandhanatvācca pādabandha namiṣyate |
vṛtena pratibadhnīyā tpratibandhanamiṣyate || 30 ||

7.30 Weil der Sockel die tragenden Glieder verbindet, heißt er Pādabandha. Wenn er durch die umgebende Einfassung verbunden ist, wird er Pratibandha genannt. [Die Erklärung verwendet technische Wortspiele und eine beschädigte Lesung.]

vṛte satprati bandhitvā tpādabandhamitīṣpate |
chedyaṃ tatpādabandhaṃ syādacchedyaṃ pratibandhanam |
tadaṅgaṃ paritaśchedyamardhacchedyaṃ na kārayet || 31 ||

7.31 Pādabandha darf durchbrochen werden, Pratibandha dagegen nicht. Das betreffende Glied soll ringsum vollständig, nicht nur halb unterbrochen werden.

aṅgacchedyaṃ śubhaṃ proktaṃ artha cchedyaṃ yaśaskaram |
homastatpādabandanaṃ syātpratestambhaṃ pratikriyā || 32 ||

7.32 Das vollständige Durchtrennen eines Gliedes gilt als günstig, ein halbes Durchtrennen hier hingegen als ruhmbringend. Danach werden Homa, Pādabandha, Prati und Stütze in einer unklaren Zuordnung genannt. [Die Aussage zum halben Durchtrennen widerspricht Vers 31; der Widerspruch bleibt sichtbar.]

madhya |
pratibandhamadhiṣṭhānaṃ chedyamānaṃ na kārayet |
yadi kuryā llabheddoṣānekavṛddikulakṣayam || 33 ||

7.33 Einen Pratibandha-Sockel soll man nicht durchbrechen. Tut man es dennoch, droht der Text mit Schäden sowie dem Niedergang von Gedeihen und Familie.

prākāragopuradvāraṃ syadadhiṣṭhānachedanam |
evaṃ mārgavidhiṃ śastaṃ kāraye dvāstuśāstrataḥ || 34 ||

7.34 Bei den Toröffnungen von Umfriedung und Gopura ist eine Unterbrechung des Sockels vorgesehen. Den Durchgang gestalte man entsprechend der Vāstu-Lehre.

cchāstramārgataḥ |
upānavistāraḥ |
upāna vintṛtaṃ tacca caturdaṇḍaṃ tridaṇḍakam |
dvidaṇḍaṃ caikadaṇḍaṃ ca sā rdhārdhaṃ pādabāhyataḥ || 35 ||

7.35 Die Unterleiste kann vier, drei, zwei oder einen Daṇḍa sowie anderthalb oder einen halben Daṇḍa über die tragende Zone hinausragen.

upānahaṃ tatpravṛttiḥ vidhākāramupānaṃ homa nirgamam |
daṇḍaṃ caiva dvidaṇ‍ḍaṃ ca ardhārdhaṃ ca tripādakam || 36 ||

7.36 Für den Vorsprung von Upāna beziehungsweise Homa werden ferner ein und zwei Daṇḍas, ein Viertel und drei Viertel genannt. [Die Bruchlesung „ardhārdhaṃ“ wird wörtlich als halbe Hälfte verstanden; die Maßreihe ist beschädigt.]

vidhaṃ tāramupānaṃhomaniṣkriyā. caiva mānataḥ |
prakṛteruparisthaṃ yaddhomāyāmaṃ ca mānataḥ || 37 ||

7.37 Was oberhalb des Untergrunds liegt, wird nach dem Maß des Homa bestimmt … [Der erhaltene Satz ist unvollständig; die Variante nennt eine Dicke.]

bahulaṃ smṛtam |
vimānādhāra homāyāṃ bahula stambhamucchrayam |
tāvanmānāvagāḍhaṃ ca yojayettatra padmaja || 38 ||

7.38 Die Abmessung des das Vimāna tragenden Grundgliedes wird auf die Höhe der Stütze bezogen; entsprechend tief soll es eingesetzt werden, Lotusgeborener. [Breite, Höhe und Einbindetiefe sind in der beschädigten Zeile nicht sicher voneinander zu trennen.]

mānāyām |
janmabhūmyāstvadhiṣṭhānaṃ tatrādau kārayedbudhaḥ |
devānāṃ cāpyadhiṣṭhānaṃ catvāriṃśattu tadbhavet || 39 ||

7.39 Der Kundige errichte den Sockel von der Grundebene aus. Für die Götter werden vierzig Sockelarten genannt.

adhiṣṭhānaṃ tu kartavyaṃ vastubhiśca śilādibhiḥ |
padmabandhādyadhiṣṭhānam |
padmabandhādyadhiṣṭhānaṃ vakṣye'laṅkāra pūrvakam || 40 ||

7.40 Der Sockel soll aus Baustoffen wie Stein bestehen. Nun erkläre ich Padmabandha und die weiteren Sockelarten mitsamt ihren Verzierungen.

tatpadmapatracitrairvā sabhādhiṣṭhānakottamam |
vitastinyūnakaṃ vāpi hīnaṃ vāpi ṣaḍaṅgulam || 41 ||

7.41 Der vorzügliche Hallensockel sei mit Darstellungen von Lotusblättern geschmückt. Er kann auch um eine Vitasti oder um sechs Aṅgulas geringer bemessen werden.

tatpadmaracitā adhiṣṭānāni kalpayet |
evaṃ tridhā vibhajya nte sabhādhiṣṭhāna kampakam |
tadūrdhve cāṣṭabhāgaika prabhādhiṣṭāna kampakam || 42 ||

7.42 So wird die Kampa des Hallensockels in drei Arten unterschieden. Darüber wird ein Achtel für die Kampa des betreffenden weiteren Sockels genannt. [Die technische Zuordnung ist im Wortlaut unsicher.]

navādhiṣṭhānamucchrāya madhiṣṭhānādi kalpayet |
pādasyārddha mathotsedha madhiṣṭhānaṃ tu ṣoḍaśa || 43 ||

7.43 Für den Sockel wird eine Höhe von der Hälfte des tragenden Gliedes und eine Einteilung in sechzehn Teile angegeben. [Der einleitende Zusatz und die Hauptzeile sind beschädigt; die Variante stützt die Halbierung und Gliederung.]

pādasyārdhamadhiṣṭhānaṃ vibhajyāśāstu |
upānasyārdhamutsedhaṃ padmācca catrukaśaram |
ādhāraṃ paṭṭikasyāṃśaṃ śeṣaṃ padmakamucchrayam || 44 ||

7.44 Für die Unterleiste wird eine halbe Höhe genannt, dann eine unklare Lotusmaßangabe; für die tragende Platte ein Teil und für den Lotus die verbleibende Höhe. [„catrukaśaram“ lässt sich nicht zuverlässig deuten.]

dvyardhāṃśaṃ madhyakumbhaṃ syādekārdhaṃ codhvaṃpadmakam |
skandhāntaraṃ dvibhāge tuprathamādvyaṃśabhinnakam || 45 ||

7.45 Der mittlere Kumbha erhält zweieinhalb Teile, der obere Lotus anderthalb; der Zwischenraum an der Schulter zwei Teile. Die abschließende Abweichungsangabe bleibt unklar.

ādharam kumudaṃ taccaturthāṃśaṃ skandhaṃ tadvyaṃśamaṃśakam || 47 ||

7.47 [Nach einer Lücke:] Der Kumuda erhält vier Teile; für die Schulter werden zwei beziehungsweise ein Teil genannt. [Auch die Variante ist beschädigt.]

kumudārdhaṃ caturdhāśaṃm |
dvyaṃśaṃ ca pratirutsedhaṃ vājanaṃ caikabhāgikam |
pratibandhamidaṃ nāmnā kīrtitaṃ kamalodbhava || 48 ||

7.48 Die Höhe des Prati beträgt zwei Teile, die des Vājana einen. Dieser Typ heißt Pratibandha, Lotusgeborener. [Die Variante setzt für Prati drei Teile an.]

triyaṃśaṃ pratyutsedhaṃ syāt |
yasyādhiṣṭhānamutsedhaṃ triyoviṃśatibhāgikam |
dvyardhaṃ tadupadhānoccaṃ pañcārdhaṃ jagatī bhavet || 49 ||

7.49 Bei einem Sockel von dreiundzwanzig Teilen Höhe erhält der untere Ansatz zweieinhalb Teile, die Jagatī ebenfalls zweieinhalb.

pañcāṃśaṃ kumudestedhaṃ ekāṃśoparipaṭṭikā |
tyraṃśakaṃ grīvamutsedhaṃ kampaṃ nidrā dviyaṃśakam || 50 ||

7.50 Der Kumuda erhält fünf Teile, die obere Platte einen, der Hals drei; für Kampa und Nidrā werden zwei Teile genannt.

kapotasadanaṃ nāmnāsadaneṣu supūjitam |
śūdra |
upopānaṃ tu bhāgena jagatī sapta bhāgikam || 51 ||

7.51 Diese Bauform heißt Kapotasadana und wird bei Gebäuden hochgeschätzt. [Es folgt eine neue Maßfolge:] ein Teil für Upopāna, sieben für Jagatī.

vaprakaṃ tu ṣaḍaṃśaṃ syādvetraṃ pādādhikāṃśakam |
tathaivāntaritotsedhaṃ dvyaṃśārdhaṃ pratirucchrayaḥ || 52 ||

7.52 Vapraka erhält sechs Teile, Vetra einen und ein Viertel; ebenso hoch ist Antarita. Prati erhält zweieinhalb Teile.

vapraṃtriti |
prativājanamekāṃśaṃ bhāgairvaśatibhiryutam |
pratīmukhaṃ kāribhūtaṃ nāgavaktrasamāyatam || 53 ||

7.53 Das Prati-Vājana erhält einen Teil; zusammen werden zwanzig Teile genannt. Die Stirnfläche des Prati wird in Beziehung zu Elefanten-, Wesen- und Schlangen- beziehungsweise Elefantenköpfen beschrieben. [Die Wörter „kāribhūtaṃ“ und „nāgavaktra“ erlauben hier keine eindeutige ikonographische Festlegung; auch die Maßsumme ist nicht glatt.]

pratibandhamidaṃ nāmnā sarva bhūteṣu yogyakam |
dvibhāgābhyāmupopānaṃ saptāṃ śai rjagatī bhavet || 54 ||

7.54 Dieser Typ heißt Pratibandha und eignet sich nach der Hauptlesung für alle Wesen, nach der Variante für Gottheiten. [Die nächste Reihe beginnt:] zwei Teile für Upopāna, sieben für Jagatī.

deveṣu ṣaḍaṃśaiḥ kumutetsedhaṃ dhārāvapraṃ suvṛttakam |
āliṅāntaritaṃ dvābhyāṃ tadardhaṃ cādhikaṃ bhavet || 55 ||

7.55 Der Kumuda erhält sechs Teile, mit einem gut gerundeten Dhārāvapra. Āliṅga und Antarita erhalten zwei Teile und zusätzlich die Hälfte davon. [Die Variante nennt anstelle von sechs eine beschädigte Sechzehn-Lesung.]

ṣodaśaiḥ |
tadvayārdhaṃ pratimukhaṃ sarvāvayavaśobhitam |
siṃhaiśca makarai rvyālairvallīpa trairalaṅkṛtam || 56 ||

7.56 Die Vorderfläche des Prati erhält zweieinhalb Teile und wird mit allen ihren Gliedern schön gestaltet, geschmückt mit Löwen, Makaras, Vyālas, Ranken und Blättern.

pramukhaṃ makarāsyaṃ syānmakaradadhvajasaṃ yutam |
makarāsyebhaniṣkrāntaṃ vyālavidyādharīgaṇāḥ || 57 ||

7.57 Vorn sei ein Makaramaul, verbunden mit einer Makara-Bekrönung; aus den Makara- und Elefantenmäulern treten Scharen von Vyālas und Vidyādharīs hervor. [Die genaue Verbindung der Tierköpfe ist im Kompositum nicht eindeutig.]

pramukhe makaraṃ vā |
śeṣāṃśaṃ vājanopetaṃ kesarāgrasamanvitam |
ekaviṃśatibhāgai kayuktaṃ nānāpratikramam || 58 ||

7.58 Den verbleibenden Anteil bildet das Vājana, versehen mit auslaufenden Staubfäden oder Mähnenspitzen. Für die verschiedenartige Prati-Anordnung wird eine Höhe von einundzwanzig Teilen genannt.

athotsedha madhiṣṭhānaṃ pañcādaśavibhāgikam |
janmasyārdhavibhāgena jagatīścaturaṃśakam || 59 ||

7.59 Nun folgt ein Sockel von fünfzehn Teilen Höhe: ein halber Teil für den unteren Ansatz, vier für die Jagatī.

āptotsedhaāntotsedha. srakpadmavedibandhena yuktaṃ kumbhaṃ triyaṃśakam |
madmabandhena tasyordhve tripādenordhvapaṭṭikā || 60 ||

7.60 Ein mit Girlanden-, Lotus- und Vedi-Bändern versehener Kumbha erhält drei Teile; darüber folgt ein Lotusband und eine obere Platte von drei Vierteln eines Teils.

lakṣyaṃca vedibandhina |
tathaiva paṭṭiko tsedhaṃ dvyaṃśābhyāṃ pratirucchrayaḥ |
ardhena vājanaṃ kuryā darddha paṭṭārdhabhāgikam || 61 ||

7.61 Ebenso hoch sei die nächste Platte beziehungsweise nach der Variante das Zwischenstück; Prati erhält zwei Teile, Vājana einen halben. Die abschließende Angabe verbindet nochmals Halbplatte und Halbteil. [Die Folge ist nicht eindeutig zu addieren.]

tathaivantaritotsedham. mabhayaṃ param |
yadadhiṣṭhānamānaṃ hi bhavedvāviṃśati kramāt || 62 ||

7.62 [Einleitender Satzrest unklar:] Nun wird ein Sockelmaß von zweiundzwanzig Teilen angegeben.

marhakam harṣaṇaṃ |
aṃśena paṭṭikāṃ kuryāddvyaṃśenai vāmbujaṃ bhavet |
tadaṃ śenordhva paṭṭaṃ syātṣaḍaṃśairjagatī bhavet || 63 ||

7.63 Ein Teil entfällt auf die Platte, zwei auf den Lotus, ein Teil auf die obere Platte und sechs auf die Jagatī.

aṃśenaivordhva |
caturthaṃ kumudotsedhaṃ tasyordhvaikāṃśapaṭṭikā |
kaṇ‍ṭhassyāttribhiraṃ śena ardhenoparipaṭṭikā || 64 ||

7.64 Der Kumuda erhält vier Teile, die Platte darüber einen, der Hals drei und die darüberliegende Platte einen halben.

ardhenordhvambujaṃ kuryānmahāpaṭṭaṃ triyaṃśakam |
ardhenopari padma syātkampamardhena kārayet || 65 ||

7.65 Der obere Lotus erhält einen halben Teil, die große Platte drei, ein weiterer oberer Lotus einen halben und die Kampa-Leiste ebenfalls einen halben.

pratibandhamidaṃ nāmnā sarvadhāmasu yojayet |
homastambhaṃ prati stambhaṃ dvividhaṃ pādadhairghikam || 66 ||

7.66 Dieser Typ heißt Pratibandha und kann bei allen Heiligtümern eingesetzt werden. Homa-Stütze und Prati-Stütze bezeichnen zwei Arten der Bemessung der tragenden Glieder.

vaprabaddha |
prakṛtestu talādū rdhve homastambhaṃ prakalpayet |
pratistambhaṃ praterurdhvamuttarāntaḥ prapādakam || 67 ||

7.67 Die Homa-Stütze messe man von der Ebene des Untergrunds an aufwärts; die Prati-Stütze von Prati aufwärts bis zum oberen Abschluss, Uttara.

bhuvaścordhve |
pādāyāmārdhamutsedhaṃ adhiṣṭhānapramāṇataḥ |
vai śeṣikapramāṇaṃ syādviśeṣotpattibhāṣitam || 68 ||

7.68 Die Sockelhöhe beträgt die Hälfte der Länge des tragenden Gliedes. Dies wird als besonderes, auf eine spezielle Ausbildung bezogenes Maß bezeichnet.

āyaṃmārdhaṃ tadutsedham |
adhiṣṭhānotsedhamānaṃ ṣaḍaṣṭa navabhiḥ kramāt |
rudrāṃ śaissūryābhāgaṃ syāddaśa bandhāmśamānataḥ || 69 ||

7.69 Für das Höhenmaß des Sockels werden der Reihe nach sechs, acht, neun, elf und zwölf Teile sowie zehn Bandha-Anteile genannt. [Die Beziehungen zwischen diesen Maßreihen sind in der erhaltenen Fassung nicht eindeutig.]

ekāṃ śenāṅkasutraṃ syātsaptamānapramāṇataḥ |
śeṣāṃśaṃ pādadairghyaṃ syārdgrīvā vā saptamānataḥ || 70 ||

7.70 Ein Teil wird der Aṅka-Linie zugeordnet, bei einer Bemessung in sieben; die übrigen Teile gehören zur Länge des tragenden Gliedes beziehungsweise zum Hals. [Die Hauptlesung und der Zusatz lassen keine sichere Rekonstruktion der Proportion zu.]

ekāṃśo nyūnanūryaṃ |
devaharmyādyadhiṣṭhāne sabhāyāṃ maṇṭape'pi vā |
pañpavargāgraharyāṃ syaccaturvargāgrahamyakam || 71 ||

7.71 Bei Sockeln von Götterhäusern, Hallen und Maṇḍapas werden fünfgliedrige und viergliedrige Aufbauten genannt. [Die Variante bezeichnet die fünfgliedrige Form als schön, die viergliedrige als mittlere Ausführung.]

pañcavargagṛharamyaṃ caturvagrāgra madyamam |
tata staddharmyamānaṃ syādadhiṣṭhānapramāṇataḥ |
devālaye sabhāsthāne ādhārasya pramāṇataḥ || 72 ||

7.72 Das Maß des Gebäudes folgt dann dem Sockelmaß; beim Göttertempel und bei der Halle richtet es sich nach der tragenden Basis.

narāvāse na kartavyaṃ kartṛbhartṛvināśanam |
pādabandhaṃ pratībandhaṃ dvividhaṃ bandhamucyate || 73 ||

7.73 Bei menschlichen Wohnhäusern soll man dies nicht ausführen; der Text droht andernfalls Ausführendem und Bauherrn mit Vernichtung. Pādabandha und Pratibandha heißen die beiden Bandha-Arten.

etaddevālaye kṛtyamakṛtyaṃ manujālaye |
upānaniṣkramaṃ proktaṃ caturdaṇḍaṃ tridaṇḍakam || 74 ||

7.74 Was so für das Götterheiligtum auszuführen ist, gilt nicht für das Menschenhaus. Für den Vorsprung der Unterleiste werden vier und drei Daṇḍas genannt,

devatālayakṛtyaṃ yat |
tridaṇḍārdhaṃ dvidaṇḍaṃ ca dvyardhardhaṃ caikamucyate |
ityevaṃ homaniṣkrāntaṃ diksaṅkhyāpādabāhyataḥ || 75 ||

7.75 ferner anderthalb, zwei, eineinviertel und ein Daṇḍa. So wird der Vorsprung des Homa über die tragende Zone hinaus nach den Richtungen angegeben. [Die Bruchzahlen werden wörtlich aus „tridaṇḍārdhaṃ“ und „dvyardhardhaṃ“ gewonnen; diese Lesungen sind unsicher.]

Mūrti-Upāsanā: die Bedeutung der Götterbilder

Begleitendes Video aus dem Themenbereich Murti; keine Rezitation oder Einzelversauslegung der Padma Samhita.

Kapitel 8: Die Vielfalt der Tempelformen

Hinweis zur Quelle: Die Nummern 6, 30, 31, 32, 65, 66, 67, 68, 69, 70 fehlen in der Vorlage. Erhaltene Fragmente bleiben stehen.

pādmasaṃhitāyām |
aṣṭamo'dhyāyaḥ |
vimānavidhiḥ |
śrībhagavān |
prabhedamadhunāvakṣye vimānānāṃ salakṣaṇam |
ānantyāttatprabhedānāṃ kiñcideva pradarśyate || 1 ||

8.1 Der erhabene Herr sprach: Nun erkläre ich die verschiedenen Vimānas mit ihren Merkmalen. Da ihre Unterarten unendlich sind, wird nur ein Teil davon dargestellt.

vimānāni ca bhidyante talādiṣṭānabhedataḥ |
vaijayantakavimānam. |
grīvā ca mastakaṃ ca dve vṛttaṃ cedvaijayantakam || 2 ||

8.2 Vimānas unterscheiden sich nach Geschossen, Sockeln und weiteren Merkmalen. Sind Hals und Kopf rund, heißt die Form Vaijayantaka.

vaktai |
śrīviśālam |
mūle mūlo yadi sthūlamagre'gre sūkṣmamadbhutam |
purobhāge mahaghoṇaṃ tridikṣu svalpanāsikam || 3 ||

8.3 [Es folgt eine weitere Form:] Unten ist sie kräftig, nach oben zunehmend feiner; vorn besitzt sie eine große vorspringende „Nase“, in den drei anderen Richtungen kleine Nāsikās.

stūpīcatuṣkaṃ sānāyāṃ vimāne cobhayorapi |
vṛttāyatavimānaṃ taddṛḍhadhāmābhipūjitam || 4 ||

8.4 An den beiden betreffenden Bereichen des Vimāna wird eine Vierzahl von Stūpīs genannt. Die Anlage ist länglich-rund und wird als festes Heiligtum gepriesen. [„sānāyāṃ“ sowie der genaue Bezug von „beiden“ sind unklar.]

sucī. sakarṇakūṭaṃ śrībhogaṃ madhye bhadraṃ tathāvidham |
puṣpakam. |
śrīviśālamitiproktaṃ vasvasraṃ svastibandhanam || 5 ||

8.5 Mit Kūṭa-Aufbauten an den Ecken und einer entsprechenden mittleren Bhadra-Ausbildung wird sie Śrīviśāla genannt. Es folgen „achteckig“ und „Svastibandhana“. [Die zusätzlich eingefügte Benennung Śrībhoga und die Überschrift Puṣpaka erschweren die Abgrenzung der Typen; laut Quellenzusatz fehlen zwei Verse in manchen Vorlagen.]

sakarṇa ityādi ślokadvayaṃ kvacinna. kandharam |
koṣṭhakaṃ bhadranāsyaṅgaṃ suvṛttaṃ galamastakam || 7 ||

8.7 [Nach einer Lücke:] Koṣṭhaka, Bhadra-Nāsikā-Glieder sowie ein gut gerundeter Hals und Kopf …

kaṇṭha |
vimānaṃ kesaramidaṃ sarvālaṅkāraśobhitam |
sudarśanam. |
mukhe mukhe samāvṛttaṃ śirastu dvitrinetravat || 8 ||

8.8 Dieses mit allen Verzierungen geschmückte Vimāna heißt Kesara. [Zum folgenden Sudarśana:] Jede Front ist gerundet; der Kopf weist zwei oder drei „Augen“ auf.

sabhavaktraṃ || saumukhyaṃ karkarībhūtaṃ vṛttagarbhagṛhānvitam |
mukhe tasya mahāghoṇaṃ vimānaṃ co bhayorapi || 9 ||

8.9 Die Front besitzt eine karkarīartige Form und ein rundes Allerheiligstes; vorn steht eine große vorspringende Nāsikā. Die Angabe bezieht sich auf beide betreffenden Vimānaformen. [„karkarī“ wird als technischer Formausdruck belassen.]

stūpīyugmamayugmaṃ vā nāsikālpaṃ tridikṣu ca |
vṛttāyataṃ suvṛttaṃ vā nāmnaitatsyā tsudarśanam || 10 ||

8.10 Es besitzt eine gerade oder ungerade Stūpī-Zahl und kleine Nāsikās in den drei anderen Richtungen. Länglich-rund oder kreisrund heißt diese Form Sudarśana.

vṛttakam |
svastiṃkaṃ |
caturaśramadhiṣṭhānaṃ tadvatkaṇṭhaṃ ca mastukam |
catuṣkūṭasamāyuktaṃ catuṣkoṣṭhasamanvitam || 11 ||

8.11 Ein quadratischer Sockel, ein entsprechender Hals und Kopf, vier Kūṭas und vier Koṣṭhas

śikharaṃ ca mahadikṣu mahānāsābhiranvitam |
tolaṇai rvedibhadrādyairnānācatrairvacitratam || 12 ||

8.12 sowie eine Bekrönung mit großen Nāsikās in den Hauptrichtungen, geschmückt mit Torbögen, Vedībhadra-Formen und vielfältigen Bildern:

nāmnaitatsvastikaṃ proktaṃ vimāneṣu supūjitam |
vipulasundaram |
tadeva sauṣṭhikaṃ nimnamunnataṃ koṣṭhakaṃ yadi || 13 ||

8.13 dies heißt Svastika und wird unter den Vimānas hochgeschätzt. Ist bei derselben Form der betreffende Sauṣṭhika-Teil niedrig und der Koṣṭhaka hoch,

antaḥ prastarasaṃyuktame tadvipulasandaram |
parvatam |
aṃśamaṃśadvayaṃ satripādāṃśaṃ svāṃghribhāgikam || 14 ||

8.14 und besitzt sie ein inneres Gebälk, so heißt sie Vipulasundara. [Die nächste Maßfolge beginnt:] ein Teil, zwei Teile, ein Teil mit drei Vierteln und ein Viertel …

bhāgadvayaṃ vibhaktāṅghri prastaragrīvamastakam |
pādodaye navāṃśe tu dvitalādivimānake || 15 ||

8.15 … sowie zwei Teile, verteilt auf tragende Glieder, Gebälk, Hals und Kopf. Die Höhe der tragenden Zone wird bei zwei- und mehrgeschossigen Vimānas in neun Teile gegliedert. [Die Zuordnung der zuvor genannten Brüche ist nicht sicher.]

vibhajyāṃghriṃ |
antaraprastaropetaṃ kūṭaśālābhiranvitam |
nānālañārasaṃyuktaṃ nānāpādairalaṅkṛtam || 16 ||

8.16 Mit Zwischengesims, Kūṭa- und Śālā-Aufbauten, vielfältigem Schmuck und unterschiedlichen tragenden Gliedern versehen,

vimānaṃ parvataṃ proktaṃ vimāneṣu supūjitam |
mandaram |
tadeva tartulaṃ vedikandharaṃ śikharaṃ ghaṭam || 17 ||

8.17 heißt dieses hochgeschätzte Vimāna Parvata. Sind bei derselben Anlage Vedi, Hals, Bekrönung und Abschlussgefäß rund,

aṣṭhakūṭaṃ catuśśālāyuktaṃ sastāṣṭhanāsikam |
koṣṭhakaṃ nirgamaṃ madhye dvitri daṇḍena soṣṭakam || 18 ||

8.18 und besitzt sie acht Kūṭas, vier Śālās und die genannte, beschädigt überlieferte Nāsikā-Zahl, während der mittlere Koṣṭhaka zwei oder drei Daṇḍas vorspringt,

daṇ‍ḍana sauṣṭhakān || samagrīvaśiropetaṃ kūṭakoṣṭha samanvitam |
nānādiṣṭhānasaṃyuktaṃ nānāpādairalaṅkṛtam || 19 ||

8.19 mit gleichmäßig gestaltetem Hals und Kopf, Kūṭa-Koṣṭhas, unterschiedlichen Sockelformen und verschiedenartigen tragenden Gliedern,

sāmagriva. nmaṃdaraṃ proktaṃ vimānaṃ kamalāsana || 20 ||

8.20 so wird dieses Vimāna Mandara genannt, Lotusgeborener. [Die Zusatzlesart bietet einen abweichenden Namensrest.]

nmanasaṃ |
svastibandham |
tadeva śikhare sārdhakoṣṭhakaṃ tu catuṣṭayam |
caturaśraśiroyuktaṃ catuṣkūṭasamanvitam || 21 ||

8.21 Besitzt dieselbe Anlage an der Bekrönung vier Koṣṭhakas samt Halbformen, einen quadratischen Kopf und vier Kūṭas,

nānādiṣṭhānasaṃyuktamanekatalasaṃyutam |
nāsībhiśca sahastraistu tadardhaṃ pādameva vā || 22 ||

8.22 verschiedene Sockelformen, mehrere Geschosse und tausend Nāsikās, die Hälfte oder ein Viertel davon,

nābhibhiśca |
nāmnaitatvastibandhaṃ syānnānāvayavaśobhitam |
kalyāṇam |
tadeva sauṣṭhikaṃ kauṣṭhamantaraprastarai ryutam || 23 ||

8.23 so heißt sie Svastibandha, geschmückt mit vielerlei Baugliedern. [Zum nächsten Typ:] Die entsprechende Sauṣṭhika- und Koṣṭha-Anlage besitze Zwischengesimse,

hārālpaṃ kandharaṃ nimnaṃ na nāṣpairvālpanāsikam |
nānālaṅkārasaṃyuktametatkalyāṇamiṣyate || 24 ||

8.24 einen kleinen Hāra, einen niedrigen Hals und wenige kleine Nāsikās; mit vielfältigem Schmuck heißt sie Kalyāṇa. [Die entsprechende Zeile und ihre Variante sind beschädigt.]

bhārālpapaṃjapairnimnaṃ navālpairvālpa |
pāñcālaṃ |
tadevaśikhare sārdhakoṣṭhakaṃ rahitaṃ tu cet |
caturnāsīsamāyuktametatpāñcālamiṣyate || 25 ||

8.25 Fehlen bei derselben Anlage an der Bekrönung die Koṣṭhakas samt Halbformen und besitzt sie vier Nāsikās, heißt sie Pāñcāla.

viṣṇukrāntam. |
tadevāṣṭāśrakaṃ vediṃ kaṇṭhaṃ ca śikharaṃ ghaṭam |
śikhareṣṭamahānāsi nāmnaitadviṣṇukāntakam || 26 ||

8.26 Sind Vedi, Hals, Bekrönung und Abschlussgefäß achteckig und sitzen acht große Nāsikās an der Bekrönung, heißt sie Viṣṇukāntaka. [Die Überschrift bietet Viṣṇukrānta.]

sumaṅgalam |
tadevakūṭaśālānāmantaraprastarairvinā |
taccaturbhegamadhikamāyataṃ caturaśrakam || 27 ||

8.27 Ohne Zwischengesimse der Kūṭa- und Śālā-Aufbauten, als Rechteck mit einem zusätzlichen Viertel seiner Länge,

āyatāśraṃ tathā vediṃ karṇaṃ ca śikharaṃ ghaṭam |
stūpītrayasamāyuktametannāmnā sumaṅgalam || 28 ||

8.28 mit ebenfalls rechteckiger Vedi, Hals, Bekrönung und Abschlussgefäß sowie drei Stūpīs heißt sie Sumaṅgala. [„karṇa“ wird hier nach dem baulichen Zusammenhang als unsichere Halsbezeichnung gelesen.]

āyatāśretyādi sārdhaṃ ślokadvayaṃ kvacinnāsti. jaṭharaṃ śiraḥ |
sarvāvayavasaṃyuktameta tkāntāramiṣyate || 29 ||

8.29 [Ein Zusatz meldet fehlende Verse in manchen Vorlagen; erhalten bleibt:] … Leib und Kopf; mit allen Baugliedern versehen heißt dies Kāntāra.

9kandharaṃ masūkaram || 33 ||

8.33 [Nach einer Lücke bleiben nur unklare Wörter für Hals und „masūkara“; keine zusammenhängende Bauanweisung ist erhalten.]

samanvitam |
vartulaṃ janmatastūpī kāntaṃ jedvṛttaharmyakam |
āyatāśramadhiṣṭhānaṃ ṣa़ḍaśraṃ kandharaṃ śiraḥ || 34 ||

8.34 Ist der Bau vom unteren Ansatz bis zur Stūpī rund, heißt er Vṛttaharmyaka. [Es folgt eine weitere Form:] rechteckiger Sockel, sechseckiger Hals und Kopf,

nānālaṅkārasarayuktaṃ nāmnā kauberakāntaram |
bhadrakoṣṭham. |
nānādhiṣṭhānasaṃyuktaṃ nānāpādairalaṅkṛtam || 35 ||

8.35 mit verschiedenartigem Schmuck; sie heißt Kauberakāntara. [Zum Bhadrakoṣṭha:] mit verschiedenen Sockelformen und unterschiedlich gestalteten tragenden Gliedern,

pādopari samāsīnasyastikābandaśobhitam |
anekatalasaṃyuktaṃ nānālaṅkārasaṃyutam || 36 ||

8.36 über der tragenden Zone mit einer Svastika-Bindung geschmückt, mit mehreren Geschossen und vielfältigen Verzierungen,

bhavennāsī svastikābalasaṃyutam |
nāsībhirbahubhiryuktaṃ stūpībhirbahubhiryutam |
bhardakoṣṭhamidaṃ nāmnā āyataṃ caturaśrakam || 37 ||

8.37 mit zahlreichen Nāsikās und Stūpīs versehen: Diese rechteckige Form heißt Bhadrakoṣṭha.

vṛttakūṭam. |
tadeva vartulaṃ karṇakūṭakarṇaśirastathā |
caturnāsīsamāyuktaṃ vṛttakūṭamidaṃ bhavet || 38 ||

8.38 Ist die entsprechende Form rund, auch an Eck-Kūṭas und den betreffenden oberen Teilen, und mit vier Nāsikās versehen, heißt sie Vṛttakūṭa. [Die karṇa-/kaṇṭha-Lesungen schwanken.]

kaṇṭhakūkaṇṭha |
koṣṭhabhadram. |
tadevāṣṭhāṃśamādhikyamāyataṃ caturaśrakam |
karṇakūṭaṃ tathā karṇa māyataṃ vṛttamastakam || 39 ||

8.39 Ist dieselbe Form rechteckig, um ein Achtel verlängert, mit Eck-Kūṭas und einem länglich-runden Kopf,

kasṭhakūṭamadhaḥ kaṇṭha |
koṣṭhabhadramidaṃ vidyātsarvaharmeṣu pūjitam |
śrībhogam |
tadeva vartulaṃ vedi karṇaṃ ca śikharaṃ ghaṭam || 40 ||

8.40 so heißt sie Koṣṭhabhadra, unter den Gebäuden geschätzt. Sind bei ihr Vedi, Hals, Bekrönung und Abschlussgefäß rund,

kaṇṭham |
śeṣaṃ pūrvavaduddhiṣṭaṃ nāmnā śrībhogamiṣyate |
puṣkaram. |
vṛtte vṛttāyate caiva nāsibhirbahubhiryatam || 41 ||

8.41 während alles Übrige wie zuvor ausgeführt wird, heißt sie Śrībhoga. [Zum nächsten Typ:] rund oder länglich-rund, mit vielen Nāsikās,

anekatalasaṃyuktaṃ nānālaṅkārasaṃyutam |
vimānādhirakai ryuktameta tpuṣkaramiṣyate || 42 ||

8.42 mehreren Geschossen, vielfältigem Schmuck und stützenden Vimāna-Gliedern versehen: Dies heißt Puṣkara. [Die Variante bietet Puṣpaka.]

tpuṣpaka |
laṃbalañcaram. |
jalasthalaṃ vihāyordhve āyataṃ caturaśrakam |
karṇaṃ ca śikharaṃ tadvaccaturnāsīsamanvitam || 43 ||

8.43 Oberhalb des Wasserbereichs erhebt sich die rechteckige Form, mit entsprechendem Hals und entsprechender Bekrönung sowie vier Nāsikās. [Was „jalasthalaṃ vihāya“ baulich genau bezeichnet, bleibt offen.]

kaṇṭham |
vimānādhārakai ryuktaṃ bahustūpīsamanvitam |
nānālaṅkārasaṃyuktaṃ lambapañjaramīpitam || 44 ||

8.44 Mit Vimāna-Stützen, vielen Stūpīs und reichem Schmuck heißt sie Lambapañjara. [Die Überschrift hat eine abweichende Schreibweise; laut Zusatz fehlt dieser Abschnitt in manchen Vorlagen.]

vimānādhāra.ityādi sārdhaślokaḥ kvacinna dṛśyate |
jayāvaham. |
nānāmasūrakastambhavedikājālatoraṇam |
nānālaṅkārasaṃyuktaṃ nānācitrairvicitritam || 45 ||

8.45 [Zum Jayāvaha:] Verschiedene Sockelglieder, Säulen, Brüstungen, Gitter und Torbögen sowie vielfältiger Schmuck und Bilddarstellungen,

sopaṣīṣamadhiṣṭhānaṃ kevalāṃga masūkaram |
svastikākārasaṃyuktaṃ nāsikābhiralaṅkṛtam || 46 ||

8.46 ein Sockel mit Untersockel, ein einzelnes beziehungsweise schlichtes Masūkara-Glied, Svastika-Formen und schmückende Nāsikās,

kevalaṃ grāma |
āyataṃ caturaśraṃ ca anekatalasaṃyutam |
nānānāṭaka saṃyuktame tannāmnā jayāvaham || 47 ||

8.47 ein rechteckiger Grundriss, mehrere Geschosse und verschiedene szenische Darstellungen: Diese Form heißt Jayāvaha.

vandikam |
tadevānyairalaṅkārai rvedāśraṃ kandharaṃ śiraḥ |
nānāmasūrakastambhavedikā dyairalaṅkṛtam || 48 ||

8.48 Mit anderem Schmuck und einem viereckigen Hals und Kopf, geschmückt mit verschiedenen Sockelgliedern, Säulen, Brüstungen und weiteren Teilen,

nāmnā vandikamityuktaṃ viṣṭhomandiramuttamam |
nānācakrakamityuktaṃ vinākandhara |
saubhadram |
āyatāśraṃ sabhākāraṃ śirassarvāyatāśrakam || 49 ||

8.49 heißt dieselbe Form Vandika, ein vorzügliches Viṣṇu-Heiligtum. [Zum Saubhadra:] rechteckig und hallenförmig, mit durchgehend rechteckigem Kopf,

anekatalasaṃyuktaṃ stūpītrayasamanvitam |
stūpīcatuṣkayuktaṃ vā caturnāsīsamanvitam || 50 ||

8.50 mehreren Geschossen, drei oder vier Stūpīs und vier Nāsikās,

saubhadrakamitijñeyaṃ varṣasthalavivarjitam |
kamalamaṇḍalam. |
caturaśramadhiṣṭhānaṃ caturaśragalaṃ tathā || 51 ||

8.51 gilt sie als Saubhadraka, ohne den als Varṣasthala bezeichneten Bereich. [Zum nächsten Typ:] quadratischer Sockel und ebenso quadratischer Hals,

kumbhākāraṃ galādūrdhva manekatalasaṃyutam |
vimānametaddevasya jñeyaṃ kamalamaṇ‍ḍalam || 52 ||

8.52 darüber eine Gefäßform und mehrere Geschosse: Dieses Vimāna des Gottes ist als Kamalamaṇḍala zu erkennen. [Die Variante nennt Kamalamaṇḍapa.]

kamalamaṇḍapam |
indubhadram |
mahāpaṭṭatribhāgena mukhe bhavati nāsikā |
śatadukpṛṣṭhapārśve tu āśreyaṃ tritalacchadam || 53 ||

8.53 Die vordere Nāsikā wird auf ein Drittel des großen Bandes bezogen. Der hintere und seitliche Bereich wird mit einer dreigeschossigen Bedachung beschrieben. [„śataduk“ und „āśreyaṃ“ verhindern eine sichere Detailübersetzung.]

indubhadramidaṃ nāmnā bhavaneṣu supūjita m |
dhavalakāntam. |
paṭṭikāmbhuja sragvetravetradṛkpaṭṭikānvitam || 54 ||

8.54 Diese bei Gebäuden hochgeschätzte Form heißt Indubhadra. [Zum nächsten Typ:] mit Platten, Lotus, Girlanden und Vetra-Leisten ausgestattet,

hṛdvatra |
prāṅkaṇaṃ tu caturbhedaṃ śukanāsāsamanvitam |
caturaśraṃ candraśālā mukhe mahati nāsikā || 55 ||

8.55 mit vierfach gegliedertem Vorhof und Śukanāsā, quadratischer Candraśālā und großer vorderer Nāsikā,

ekapañcārdhapañcārdha caturbhāgairadhaḥ kramāt |
nāmnā dhavalikāntaṃ syātpadmādhiṣṭhānasaṃyutam || 56 ||

8.56 in einer von unten aufsteigenden Teilung von eins, zweieinhalb, zweieinhalb und vier: Sie heißt Dhavalikānta und besitzt einen Lotussockel. [Die genaue Zuordnung der Zahlen zu den Bauteilen fehlt.]

saumyaṃ |
caturaśrādi bhūpetamuparyaṣṭāśrasaṃyutam |
tadūrdhvaṃ samavṛttaṃ tu prāguktānyakrīyānvitam || 57 ||

8.57 Unten quadratisch, darüber achteckig und noch darüber gleichmäßig rund, mit den übrigen bereits erklärten Ausführungen,

saumyaṃ nāmnā ca sādhāraṃ śikharaṃ kaṇṭhakūṭadhṛk |
lalitabhadrakam. |
karṇakūṭaṃ suvṛttābhaṃ grīvākāraṃ sakuṇḍalam || 58 ||

8.58 heißt die Form Saumya, mit tragender Basis, Bekrönung, Hals und Kūṭa. [Zum Lalitabhadraka:] ein gut gerundeter Eck-Kūṭa, halsförmig und mit ringförmigem Schmuck,

saṃdhānaṃ |
śikhareṇa samāyuktaṃ nāmnā lalitabhadrakam |
vyāsākhyam. |
āyatāśramadhaśchandhaṃ vyānākhyaṃ śaktibandhanam || 59 ||

8.59 mit einer Bekrönung versehen, heißt Lalitabhadraka. [Zum folgenden Typ:] eine rechteckige untere Anlage, Vyāsa genannt, mit Śakti-Bindung … [Die Benennung und ihr Zusatz sind beschädigt.]

śailaccandham |
dhīrghaṃ kamalabandhaṃ tu vṛttargīvā tathā śiraḥ |
pañcakoṣṭhaka pādādyagrahapiṇḍimapiṇḍitam || 60 ||

8.60 … eine längliche Lotusbindung, ein runder Hals und Kopf; fünf Koṣṭhakas und die zugehörigen tragenden Teile werden mit einer unklaren abschließenden Gliedergruppe verbunden.

dhirghamaṇḍala. śailacchaṃdasamāhvayam |
madhyebhadram |
viśālaṃ ca śiroyuktametadevajayāvaham || 61 ||

8.61 [Die Variante nennt Śailacchandas.] Breit und mit einem Kopf versehen wird diese Form auch Jayāvaha genannt. [Die Namensgrenzen sind in diesem Abschnitt gestört.]

śailadardara |
nimnaśāloccakūṭaṃ tu caturaṣṭrāśravṛttavat |
nāsikābahusaṃyuktaṃ mūlamadhyāgrakūṭakam || 62 ||

8.62 Mit niedrigen Śālās und hohen Kūṭas, quadratischen, achteckigen und runden Formen, vielen Nāsikās und Kūṭas unten, in der Mitte und oben,

vṛttagarbhagṛhaṃ nāmnā madhye bhadramitismṛtam |
śriyaśchandam. |
etannāmnāśriyaṃ candhaṃ caturaśrāntarālayam || 63 ||

8.63 mit rundem Allerheiligstem heißt sie Madhyebhadra. Mit quadratischem innerem Vorraum wird sie Śriyaśchandas genannt. [Die Schreibweisen des zweiten Namens schwanken.]

yogānandanam |
etadeva triraśraṃ cecchākhākāraṃ śirogalam |
mukhāntamunnatamukhaṃ śeṣaṃ tadvṛttakarṇakam || 64 ||

8.64 [Unter Yogānandana:] Ist diese Anlage dreieckig, mit zweigförmigem Kopf und Hals, erhöhter Front und den übrigen gerundeten Eckteilen … [Der Zusammenhang wird durch eine größere Lücke unterbrochen.]

vṛṣṭhataścāśra yuktaṃ tat śrāntakeśaprakoṣṭhakam |
ṣaṇṇābhaṃ vṛktakarṇakaṃ pādāntaṃ madhyamaṃ sordhvaṃpañjaraṃ |
maṅgalāspadamityuktaṃ nāmnā śeṣaṃ puroktavat || 71 ||

8.71 [Nach erhaltenen, beschädigten Resten über Rückseite, Ecken und einen sechsgliedrigen beziehungsweise sechseckigen Teil:] Vom Fußbereich über die Mitte bis nach oben verläuft eine Pañjara-Gliederung. Die Form heißt Maṅgalāspada; das Übrige ist wie zuvor. [Die fehlenden Verse werden nicht ergänzt.]

bhāgantam |
udārasāram |
daśabhāgaṃ caturbhāgaṃ vyāsavṛttāntamāyataṃ |
caturaśraṃ bahucchandaṃ śālāyāṃ ca mukhe mukhe || 72 ||

8.72 [Zum Udārasāra:] Zehn und vier Teile, Breite, runder Abschluss und Länge werden genannt; die Anlage ist rechteckig und vielfach gegliedert, mit Śālās an den Fronten.

mahānāsīdvayopetaṃ mukhe ca caturaṣṭakaṃ |
śiraḥ padmāsane pasthāḥ padmakuṇḍalasannibhaṃ || 73 ||

8.73 Sie besitzt zwei große Nāsikās und die genannten vier- beziehungsweise achtfachen Frontglieder. Der auf einem Lotussitz gedachte Kopf gleicht einem Lotuskranz. [Die Maß- und Gliederfolge ist sprachlich beschädigt.]

viṃśatidvārikā nāsīni drānidrasamanvitaṃ |
dvibhāgaṃ ca caturbhāgaṃ vṛdhyādīrghā śramulakaṃ || 74 ||

8.74 Zwanzig Tür- beziehungsweise Nāsikā-Glieder und Nidrā-Formen werden genannt; durch Vergrößerung um zwei oder vier Teile wird die rechteckige Grundform verlängert.

pāguktaṃ caturaśraṃ tu śālāpañcarasaṃyutaṃ |
śatanāsīnamāyuktaṃ tathā caiva tu viṃśatiḥ || 75 ||

8.75 Die zuvor beschriebene rechteckige Anlage besitzt Śālā- und Pañjara-Aufbauten sowie hundert und zusätzlich zwanzig Nāsikās. [Die Zusatzlesart lässt die Zahlenfolge anders anschließen.]

tathā viṃśati cakramāt |
prāṅmukho madhyamārabhya kuṭamanyatpuroktavat |
udārasārametattu dīrghaṃ vṛttaṃ tu sāravat || 76 ||

8.76 Von der nach Osten gerichteten Mitte ausgehend ist der übrige Kūṭa-Aufbau wie zuvor. Dieses längliche und gerundete, kräftige Gebäude heißt Udārasāra.

vijayam |
ardhānyaṣṭāśra saṃyukta madhastāccaturāyataṃ |
ujvalaṃ prajvalaṃ bhūmi caturaśrāṣṭamaṇ‍ḍalaṃ || 77 ||

8.77 [Zum Vijaya:] Unten rechteckig, darüber mit achteckigen und halbierten Formen verbunden; es folgen beschädigte Angaben über leuchtende oder erhöhte Ebenen sowie quadratische und achteckige Bereiche.

munnatā |
ardharaṃ ca tathā grīvaṃ śikharaṃ yuganāsikaṃ |
vijayaṃ nāma ṣaṭsaptabhāgārdhārdhasamanvitaṃ || 78 ||

8.78 Der Hals ist halbkreisförmig beziehungsweise halbiert, die Bekrönung besitzt ein Nāsikā-Paar. Die Form heißt Vijaya; genannt werden sechs, sieben und wiederholte Halbanteile. [Eine sichere Proportionszuordnung ist nicht möglich.]

amalāṅgam |
caturardhaṃ caturṣkoṣṭha vṛttāṣṭhāśraśirogalaṃ |
amalāṅgamidaṃ nāmnā navasaptapadesthitaṃ || 79 ||

8.79 Mit vier Koṣṭhas und einem rund-achteckigen Kopf und Hals heißt die Form Amalāṅga; sie steht auf einer Gliederung von neun und sieben Padas. [Die einleitende Bruchangabe ist unsicher.]

catuṣmāṭaṃ |
vimalākṛti |
yuktaṃ dvādaśabhiḥ koṣṭhairaṣṭābhiśca prakoṣṭhakaiḥ |
aṣṭordhvapañjarairaṣṭa nāsikāśikharānvitaṃ || 80 ||

8.80 [Zum Vimalākṛti:] zwölf Koṣṭhas, acht Prakoṣṭhakas, acht obere Pañjaras und eine Bekrönung mit acht Nāsikās,

ardhārdhaṃ |
anekatalasaṃpannaṃ nāmnaitadvimalākṛti |
mahāpīṭhaṃ tu garbhaṃ syādardhārīṃ cordhvapaṭṭikā || 81 ||

8.81 verbunden mit mehreren Geschossen: Dies heißt Vimalākṛti. Für das Innere wird ein Mahāpīṭha genannt, darüber eine Platte mit einem beschädigten Halbmaß.

maṇḍūkai rdhārikābhāsādāsane parikalpya ca |
koṣṭhairdvādaśabhiryuktaṃ sauṣṭhikābhiradhāṣṭakaiḥ || 82 ||

8.82 Mit Maṇḍūka-Gliederungen und tragenden Formen am Sitz beziehungsweise Sockel, mit zwölf Koṣṭhas und acht unteren Sauṣṭhika-Gliedern,

rdhārikābhiśca |vyaktaiḥ pañjaraśālābhidvārāgraśikharairgalaṃ |
aṣṭordhvaṃ paṃjaraṃ viṃśacchataistu vimaledahaṃ || 83 ||

8.83 mit ausgeprägten Pañjara- und Śālā-Aufbauten sowie Eingangsgiebeln am Hals, acht oberen Pañjaras und einer beschädigten Zahlengruppe mit zwanzig und hundert wird ein Vimala-Heiligtum beschrieben.

pañcakaṃ viṃśacchedetu |
suvṛttaṃ śikhiragrīvaṃ kapotenāṣṭhanāsikaṃ |
ardhādhike catuṣkoṇe maṅgalākārakuṭṭimaṃ || 84 ||

8.84 Bekrönung und Hals sind gut gerundet, das Kapota besitzt acht Nāsikās; ein viereckiger, um eine Hälfte erweiterter Boden trägt eine glückverheißende Gestaltung.

etaddhi vimalaṃ dhāma tridheyaṃ vimalākṛti |
śrīdharam |
viṃśatrayodaśāṃkaṃ vā aṣṭāṃśaṃ dvādaśāṃśake || 85 ||

8.85 Dies ist das Vimala-Heiligtum; Vimalākṛti wird somit dreifach beschrieben. [Zum Śrīdhara:] Es folgen Maße von zwanzig, dreizehn, acht und zwölf Anteilen …

dvātraṃśattriṃśataṃ vāpi garbhaṃ syāccaturāyatam |
ardhādhikādhikaṃ dvyaṅaṃ karkarīkṛtanāsikam || 86 ||

8.86 … oder zweiunddreißig beziehungsweise dreißig für ein rechteckiges Inneres; weitere Halb- und Zweiteilangaben sowie eine karkarīartig gestaltete Nāsikā. [Die Zahlenrelationen sind nicht sicher rekonstruierbar.]

tathā vinyastasarvāṅgaṃ śālākṛtiśironvitam |
śikharāṣṭaṃ mahānāsi śālāpaṃjarasaṃ yutam || 87 ||

8.87 Alle Glieder sind entsprechend angeordnet; der Kopf ist hallenförmig, mit acht Bekrönungsteilen, großen Nāsikās sowie Śālā- und Pañjara-Aufbauten.

etacchrīdharamityuktaṃ śriyaṃ dadati dehinam |
candrakāntam |
etadvṛttāyatākāraṃ karkarīkṛtanāsikam || 88 ||

8.88 Diese Form heißt Śrīdhara und verleiht den Verkörperten Wohlergehen. [Zum Candrakānta:] dieselbe Form länglich-rund, mit karkarīartig gestalteter Nāsikā,

etat śrīkāntaṃ |śeṣaṃ pūrvoktavatsarvaṃ candrakāntamidaṃ smṛtam |
śrīpratiṣṭhitam |
mukhe mukhe sabhavaktraṃ śirasastadvinetravat || 89 ||

8.89 während alles Übrige wie zuvor bleibt, heißt Candrakānta. [Zum Śrīpratiṣṭhita:] Jede Front besitzt eine entsprechende Stirnfläche; der Kopf gleicht einer zweiäugigen Form. [Ein Zusatz bietet an anderer Stelle stattdessen quadratischen Baukörper und rundes Allerheiligstes.]

caturaśragṛhacchandaṃ vṛttagarbhagṛhāntaram. ityardhaṃ mukhenvatam iti ślokasthāne dṛśyate |
saumukhyaṃ karkarībhutaṃ vṛttagarbhagṛhānvitam |
vṛttāyata vimāneṣu mukhe mahati nāsikā || 90 ||

8.90 Die ansprechende, karkarīartige Front ist mit einem runden Allerheiligsten verbunden; bei länglich-runden Vimānas besitzt die Vorderseite eine große Nāsikā.

nāsikāpṛṣṭhataścāpi stūpītrayastamanvitam |
caturaśratalacchandaṃ vṛttagarbhagṛhānvitam || 91 ||

8.91 Hinter der Nāsikā befinden sich drei Stūpīs; die Geschossform ist quadratisch, das Allerheiligste im Inneren rund.

suvṛttaṃ śikharākāraṃ nāsībhiḥ pañcabhiryutam |
navāṃśaṃ vāṣṭasaṃyuktaṃ śrīpratiṣṭhitamucyate || 92 ||

8.92 Mit gut gerundeter Bekrönung, fünf Nāsikās sowie einer Neuner- oder Achtergliederung heißt die Form Śrīpratiṣṭhita.

śuddasvastikam |
mahānāsyā catasrassyu śśālāpaṃjarasaṃyutam |
taccatuścārdhasaṃyuktaṃ vṛttamurdhvaśirodharam || 93 ||

8.93 [Zum Śuddhasvastika:] Vier große Nāsikās und Śālā-Pañjaras, vier und ein halber Anteil sowie ein gerundeter oberer Kopf- beziehungsweise Halsbereich … [Die Maßzuordnung ist unklar.]

sañcitaṃ sañcitāṅgaṃ ca sopānānāṃ catuṣṭayaiḥ |
kapotamālayāyuktaṃ dvāreṇaiva patākayā || 94 ||

8.94 … ein gefügter Bau mit gefügten Gliedern, vier Treppenanlagen, einer Folge von Kapota-Gesimsen, Eingang und Fahne,

antaḥ prastarasaṃyuktamunnatāṅgasamanvitam |
prāsādamadhyakarṇasthaiḥ nīlīkṛtaviśālakaiḥ || 95 ||

8.95 mit Zwischengesims und hohen Baugliedern; an Mitte und Ecken des Tempels befinden sich breite, im Text als „nīlīkṛta“ bezeichnete Partien,

śālāpañjarakūṭaiśca yuktaṃ prāsādamastakam |
adhiṣṭānādibhirvargai rūhapratyūhamaṇḍanaiḥ || 96 ||

8.96 der Tempelkopf besitzt Śālā-, Pañjara- und Kūṭa-Aufbauten; Sockel und übrige Gliedergruppen sind durch Vor- und Rücksprünge geschmückt,

nandyāvartākṛtiṃ prāptaissaupānānāṃ catuṣṭayaiḥ |
yuktaṃ bahutalopetaṃ śuddhasvastikamucyate || 97 ||

8.97 vier Treppenanlagen bilden die Gestalt eines Nandyāvarta. Mit zahlreichen Geschossen versehen heißt dies Śuddhasvastika.

Kapitel 9: Dachabschluss und Gottheiten am Tempel

Hinweis zur Quelle: Die Nummern 75, 76 fehlen in der Vorlage. Erhaltene Fragmente bleiben stehen.

pādmasaṃhitāyām |
navamo'dhyāyaḥ |
prāsādavidhiḥ |
vesaram |
śrībhagavān |
nāgaraṃ drāmiḍaṃ caiva vesaraṃ ceti tattridhā |
nāgaraṃ |
ā stūpīkarṇa mārabhya caturaśraṃ prakalpitam || 1 ||

9.1 Der erhabene Herr sprach: Es gibt drei Arten: Nāgara, Drāmiḍa und Vesara. Vom betreffenden unteren beziehungsweise Halsbereich bis zur Stūpī quadratisch angelegt,

dhāmā yatāśramathavā nāgaraṃ tadudāhṛtam |
drāmiḍam |
vasvaśramāyataṃ dhiṣṇyaṃ ṣaḍaśramathavāyatam || 2 ||

9.2 oder rechteckig, wird das Heiligtum Nāgara genannt. Ein achteckiges, länglich-achteckiges oder länglich-sechseckiges Heiligtum

uktaṃ taddhāmiḍāhvānaṃ vṛttaṃ vṛttāyataṃ punaḥ |
vesarama |
vesarākhyaṃ tadākhyātamevaṃ trividhamiṣyate || 3 ||

9.3 heißt Drāmiḍa. Ein rundes oder länglich-rundes heißt Vesara. So gilt die dreifache Einteilung. [Dies ist die Typologie dieser Textstelle.]

mūrdheṣṭakāvidhiḥ |
murdheṣṭakāvidhiṃ brahman śruṇu vakṣyāmi sāṃpratam |
bhavanasya punaḥ pūrvaṃ pūrvavatkārayetprapām || 4 ||

9.4 Brahmā, höre nun das Verfahren für die obersten Abschlussziegel. Vor dem Gebäude lasse man wie zuvor eine Halle errichten.

tanmadhye vedikāṃ kuryātsarvālaṅkārasaṃyutām |
yanmayyo yādṛśāḥ pūrvaṃ kalpitāḥ prathameṣṭakāḥ || 5 ||

9.5 In deren Mitte errichte man einen reich geschmückten Altar. Aus demselben Stoff und von derselben Beschaffenheit wie die zuvor hergestellten ersten Bauelemente

mūrdheṣṭakāśca tanmayyaścatasrastādṛśāḥ smṛtāḥ |
snapasārthaṃkalaśapratiṣṭhā |
snāpayetpūrvavattāśca dhānyarāśiṣu nikṣipet || 6 ||

9.6 sollen auch die vier Abschlussziegel bestehen. Man bade sie wie zuvor und lege sie auf Getreidehaufen.

dvārakumbhān dhvajān samyaktoraṇāni samarcayet |
saṃsthāpayenmahākunbhaṃ tasminnāvāhya pūjayet || 7 ||

9.7 Eingangskrüge, Fahnen und Torbögen verehre man sorgfältig. Man stelle den großen Krug auf, rufe die Gottheit hinein und verehre sie.

dvārakumbhadvayaṃ |
vedikāyāścaturdikṣu homaḥ pūrvavadiṣyate |
dikṣvaṣṭāsu tathā dhāmna śśāntihomaṃ prakalpayet || 8 ||

9.8 In den vier Richtungen des Altars vollziehe man das Feueropfer wie zuvor. In den acht Richtungen des Heiligtums führe man außerdem Befriedungsopfer aus.

samācaret |
pūrvavacceṣṭakāssūtrairveṣṭayet prayato'bjaja |
dhānyarāśiṣu saṃsthāpya kalaśānpañcaviṃśatīḥ || 9 ||

9.9 Gesammelt umwinde man die Ziegel wie zuvor mit Fäden, Lotusgeborener. Auf Getreidehaufen stelle man fünfundzwanzig Gefäße,

pṛthagabjaja |
maṇihemādisaṃyuktān sūtravastādiveṣṭhitān |
arcayedgandhapuppādyairācāryaśśāstracakṣuṣā || 10 ||

9.10 versehen mit Edelsteinen, Gold und weiteren Gaben, mit Faden und Stoff umwickelt. Der Ācārya verehre sie mit Düften, Blumen und Weiterem nach Maßgabe der Lehre.

ācaryāniyamāḥ |
upoṣitaśśucissnāto navavastrāṅgulīyakaḥ |
tatraiva darbhānāstīrya śayīta vijitendriyaḥ || 11 ||

9.11 Er faste, sei rein und gebadet, trage neue Kleidung und einen Ring. Dort breite er Darbhagras aus und schlafe mit beherrschten Sinnen.

mūrdheṣṭakāsāmādhātā tathaiva guruṇā saha |
yajamānena śuddhātmā sopavāpo jitendriyaḥ || 12 ||

9.12 Auch derjenige, der die Abschlussziegel aufsetzt, halte sich dort gemeinsam mit dem Guru und dem Stifter auf, innerlich rein, fastend und sinnenbeherrscht.

vasettatraiva darbheṣu dhyāyan paramapūruṣam |
evaṃ rātrau prakurvīta yathoktaṃ sarvamakṣatam || 13 ||

9.13 Auf dem Darbhagras meditiere er über den höchsten Puruṣa. So führe man nachts alles Vorgeschriebene vollständig aus.

iṣṭakāsnapanādhāne |
śvobhūte vimale śuddhe muhūrte gururātmavān |
uddhṛtya kalaśān sarvān snāpayenmūlavidyayā || 14 ||

9.14 Am folgenden Morgen nehme der gesammelte Guru zu einer reinen, günstigen Stunde alle Gefäße auf und bade [die Ziegel] mit der Wurzelformel.

mahākumbhasthatoyena bhuyastān snāpayedguruḥ |
abhyarcya mūlamantreṇa veṣṭayennavavāsasā || 15 ||

9.15 Dann bade er sie nochmals mit dem Wasser des großen Kruges, verehre sie mit dem Mūlamantra und umhülle sie mit neuem Stoff.

snāpayedbhudhaḥ |
ādāya ceṣṭakāssarvā ṛtvijassamalaṅkṛtāḥ |
dhāma pradakṣiṇīkṛtya tūryaghoṣasamanvitam || 16 ||

9.16 Die geschmückten Opferpriester nehmen alle Ziegel auf und umschreiten unter Instrumentenklang das Heiligtum rechtsherum.

āropayeyustāssarvā vimānasyoparisthale |
puṇyāhaṃ vācayettatra ṛtvigbhinsahito guruḥ || 17 ||

9.17 Sie bringen die Ziegel auf den oberen Teil des Vimāna. Dort lasse der Guru zusammen mit den Opferpriestern den Tagessegen sprechen.

mūrdheṣṭakānāmādhātā prāṅmukhassusamāhitaḥ |
dhyāyannārāyaṇaṃ devaṃ hṛtpadme praṇavaṃ japet || 18 ||

9.18 Derjenige, der die Abschlussziegel setzt, sei nach Osten gewandt und vollkommen gesammelt. Er meditiere über den Gott Nārāyaṇa im Herzenslotus und wiederhole den Praṇava.

ādadhyādiṣṭakā ssarvāḥ pūrvādikramamāśritaḥ |
strī śūdrādīnāmamantrakamādhānam |
strī śūdrāssānulomāśca tūṣṇīmādhānamācaret || 19 ||

9.19 Dann setze er alle Ziegel der Reihe nach, beginnend im Osten. Frauen, Śūdras und Anuloma-Geborene sollen das Setzen schweigend vollziehen. [Dies ist eine historische Beschränkung der Mantrarezitation nach Geschlecht und Herkunft.]

paścāt |
iṣṭakāvidhauvarjyāḥ janāḥ |
pāparogayutān brahman patitān pratilomajān |
varjayedyatnamāsthāya maryyain mūrdheṣṭakāvidau || 20 ||

9.20 Menschen mit als sündhaft gedeuteten Krankheiten, Ausgestoßene und Pratiloma-Geborene soll man von diesem Ritus fernhalten, Brahmā. [Die diskriminierende Auswahl gehört zur Quelle; sie wird nicht als heutige Norm übernommen.]

gurossatkāraḥ |
praṇamya śirasā bhūmau yajamāno guraṃ punaḥ |
pastraiśca dhanadhānyaiśca gobhūmikanakai stathā || 21 ||

9.21 Der Stifter verneige sich vor dem Guru, mit dem Kopf zur Erde, und ehre ihn mit Kleidern, Geld, Getreide, Kühen, Land und Gold.

pañcāṅgabhūṣaṇaṃ dadvāddhāsīdāsāṃ stathaivaca |
vāhanaṃ hastituragaṃ chatropanahameva ca || 22 ||

9.22 Er gebe fünffachen Schmuck, Dienerinnen und Diener, Fahrzeuge, Elefanten, Pferde, Schirm und Schuhe. [Die Nennung von Menschen als Gabe spiegelt die historische Sozialordnung des Textes.]

tasmaica guruve sarvaṃ prayacche daviśaṅkitaḥ |
dabhiśaktitaḥ |
rathakāratoṣaṇam |
toṣayedrathakārāṃśca vastānnādhanadhānyakaiḥ || 23 ||

9.23 Dies alles gebe er dem Guru ohne Bedenken beziehungsweise, nach der Variante, nach seinen Möglichkeiten. Auch die Baukundigen stelle er mit Kleidung, Essen, Geld und Getreide zufrieden.

stūpīkīlavidhiḥ |
stūpikākīlamadhunā vakṣyāmi kamalāsana |
lohajaṃ dārujaṃ vāpi stupikākīlamiṣyate || 24 ||

9.24 Nun erkläre ich den Stift der Stūpī-Bekrönung, Lotusgeborener. Er kann aus Metall oder Holz bestehen.

ūrdhvabhūmyaṅghrītulitaṃ vistārāyāmasaṃmitam |
stūpikākīlametatpyādagramaṅgula saṃyutam || 25 ||

9.25 Seine Breite und Länge werden den tragenden Gliedern des obersten Geschosses entsprechend bemessen; seine Spitze erhält ein Aṅgula. [Welche konkrete Spitzendimension gemeint ist, bleibt offen.]

nirmatam |
vimānakaṇṭhatulitamadhyardhaṃ dviguṇaṃtuvā |
krīlasyākārabhedāḥ |
evaṃ caturvadhaṃ proktaṃ stūpikākīlamuttamam || 26 ||

9.26 Oder er entspreche dem Hals des Vimāna, dem Anderthalbfachen oder dem Doppelten davon. So werden vier Ausführungen des vorzüglichen Bekrönungsstifts genannt.

tadvṛttaṃ caturaśraṃ vā pañcāśraṃ va prakalpayet |
vimānabhedenakilakasaṃkhyā |
vṛttāyate vimāne tu caturaśrāyate pi ca || 27 ||

9.27 Man gestalte ihn rund, quadratisch oder fünfeckig. Bei länglich-runden oder rechteckigen Vimānas

yugmaṃ syāt stūpikākīlamapunarbhavakāṅkṣīṇām |
itareṣāmayugmaṃ syāt stūpikākīlakalpanam || 28 ||

9.28 sei die Anzahl der Bekrönungsstifte für diejenigen, die keine Wiedergeburt wünschen, gerade; für die übrigen ungerade.

yāvadviṃśatiyugmaṃ syādayugmaikonaviṃśatiḥ |
caturaśre ṣaḍaśre ca aṣṭāśre samavṛttake || 29 ||

9.29 Die gerade Zahl kann bis zwanzig reichen, die ungerade bis neunzehn. Bei quadratischen, sechseckigen, achteckigen oder gleichmäßig runden Anlagen

stūpikākīlamevaṃ syātsarvakāma samṛddhidam |
kīlādhivāsevaśeṣaḥ |
kṛtvaivaṃ stūpikākīlamadhivāsaṃ prakalpayet || 30 ||

9.30 wird der Bekrönungsstift entsprechend ausgeführt; er soll alle Wünsche erfüllen. Nach seiner Herstellung vollziehe man den Adhivāsa-Ritus.

snāpanādikriyāssarvā yāvadāropaṇakriyā |
mūrdheṣṭakāvatkartavyā viśeṣastu vidhīyate || 31 ||

9.31 Alle Handlungen vom Baden bis zum Aufsetzen erfolgen wie bei den Abschlussziegeln. Eine Besonderheit wird nun erklärt.

āropite tataḥ kīle vimānāgre sthitastudhīḥ |
puṇyāhaṃ vācayedgarte navaratnaṃ vinikṣipet || 32 ||

9.32 Nachdem der Stift hinaufgebracht ist, stehe der Kundige auf dem Vimāna, lasse den Tagessegen sprechen und lege die neun Edelsteine in die Vertiefung.

navastāṇi |
pūrvādimadhyamāntaṃ syāt dhātubījaṃ salohakam |
kṣiptvagarte tatastūpīṃ prāṅmukho mulavidyayā || 33 ||

9.33 Von Osten bis zur Mitte lege man mineralische Stoffe, Samen und Metalle hinein. Dann setze der nach Osten gewandte Ācārya mit der Wurzelformel die Stūpī ein.

ācaryālaṅkāraḥ |
ācāryasthāpayet stūpīṃ pañcāṅgākalpabhuṣitaḥ |
hāropavītakaṭakaiḥ keyūrairaṅgulīyakaiḥ || 34 ||

9.34 Beim Einsetzen der Stūpī trage er den fünffachen Schmuck: Halskette, heilige Schnur, Armreifen, Oberarmspangen und Ringe.

pañcāṅgabhuṣaṇai retai rbhūṣitassottarīyakaḥ |
nudhayā stūpikāgartaṃ dṛḍhīkuryādanantaram || 35 ||

9.35 Mit diesen fünf Schmuckarten und einem Obergewand versehen festige er anschließend die Stūpī-Vertiefung mit Kalkmörtel.

bhūṣitairatnai |
stūpyākavakrabhāvedoṣaḥ |
sthāpanīyā ṛjustūpī vakrā cedpahudoṣadā |
stūpyalohabhedenaphalam |
saurarṇī rājatī tāmrī stupī dārumayī tathā || 36 ||

9.36 Die Stūpī muss gerade stehen; eine schiefe wird als Ursache vieler Schäden bezeichnet. Als Materialien werden Gold, Silber, Kupfer und Holz genannt.

pūrvapūrvā bahuphalā paścimā paścimālpadā |
guruve dakṣiṇā deyā hemasaṅkhyā ca pūrvavat || 37 ||

9.37 Die jeweils früher genannte Ausführung gewährt mehr Frucht, die später genannte weniger. Dem Guru gebe man die Gabe in der zuvor angegebenen Goldmenge.

śikhākumbhaṃ suvarṇaṃ vā rājataṃ tāmrameva vā |
paittalaṃ mṛṇmayaṃ vāpi sthāpaye ttatkṣaṇe śubhe || 38 ||

9.38 Zu diesem günstigen Zeitpunkt setze man das oberste Abschlussgefäß aus Gold, Silber, Kupfer, Messing oder Ton auf.

dhāmānuguṇyenastūpyākāraḥ |
vṛttedhāmani vṛttaṃ syādaśriyukte'śriyucca tat |
nānāratnaiśca lohaiśca śikhākumbhaṃ ca pūrayet || 39 ||

9.39 Bei einem runden Heiligtum sei es rund, bei einem kantigen kantig. Man fülle das Abschlussgefäß mit verschiedenen Edelsteinen und Metallen.

ghaṭāgraṃ mukulākāraṃ dīpākāramadhāpi vā |
kuryānmanoharaṃ hṛdya madhastāttasya paṅkajam || 40 ||

9.40 Seine Spitze gestalte man schön und ansprechend, wie eine Knospe oder eine Flamme beziehungsweise Lampe; darunter einen Lotus.

ghaṭāgramaṃ gulākāraṃ |
śūlabhedaḥ |
mahānāsottamāṅgeṣu cakraṃ vā śūlameva vā |
sthāpayellohajaṃ vāpi dārujaṃ vā tathā bhavet || 41 ||

9.41 Auf den obersten Teilen der großen Nāsikās bringe man einen Diskus oder einen Śūla an, aus Metall oder Holz.

navā |
vimānatalakalpanīyadevatānāṃ vikalpaḥ |
tale tale vimānānāṃ dikṣu devānprakalpayet |
indramaindryāṃ kumāraṃ vā dakṣiṇasyāmumāpatim || 42 ||

9.42 In jedem Geschoss des Vimāna plane man Gottheiten in den Richtungen: im Osten Indra oder Kumāra, im Süden den Gatten Umās,

dakṣiṇāmūrtimatha vā pratīcyāṃ nṛhariṃ harim |
śrīdharaṃ vā tathodīcyāṃ brahmāṇaṃ vā dhanadhipam || 43 ||

9.43 oder Dakṣiṇāmūrti; im Westen Nṛhari, Hari oder Śrīdhara; im Norden Brahmā oder den Herrn des Reichtums.

athavā'divarāhassyāt prācyāṃ naraharistathā |
tato nu śrīdharo devaḥ tato hayaśirāḥ smṛtaḥ || 44 ||

9.44 Oder man ordne im Osten Ādivarāha an, danach Nṛhari, dann Śrīdhara und schließlich den Pferdeköpfigen. [Die Folge wird nach den vier Richtungen fortgesetzt.]

prācyādiṣvatha vā dikṣu naro nārāyaṇo hariḥ |
kṛṣṇaścatvāra ete nyurathavā puruṣaḥ paraḥ || 45 ||

9.45 Oder in den Richtungen, beginnend im Osten, diese vier: Nara, Nārāyaṇa, Hari und Kṛṣṇa. Eine weitere Möglichkeit ist der höchste Puruṣa [im Osten],

satyo dakṣiṇataḥ paścādacyuto'nanta uttare |
vāsudevādayo vāsyurdikṣu pūrvādiṣukramāt || 46 ||

9.46 Satya im Süden, Acyuta im Westen und Ananta im Norden. Oder man ordne Vāsudeva und die folgenden Gestalten der Reihe nach in den vier Richtungen an.

śrīdharaṃ pūrvadigbhāge varāhaṃ dakṣiṇe tathā |
nṛsiṃhaṃ paścame bhāge anantaṃ cottare tathā || 47 ||

9.47 [Eine weitere Anordnung:] Śrīdhara im Osten, Varāha im Süden, Nṛsiṃha im Westen und Ananta im Norden. [Die Zusatzlesart nennt Hayagrīva im Westen und Nṛsiṃha im anschließenden Zusammenhang.]

paścime tu hayagrīvaṃ nṛsiṃhaṃ |
vimānadevatānāṃ dhruvaberasamasaṃsthānatā |
dhruvabhere sthite dikṣu mūrtayopi sthitā stathā |
asīne tadvadāsīnaśśayāne tubhayaṃ bhavet || 48 ||

9.48 Steht das fest installierte Hauptbild, so stehen auch die Richtungsbilder; sitzt es, sitzen auch sie. Bei einem liegenden Hauptbild sind beide Möglichkeiten zulässig.

yānārūḍhepradhāne tu yānārūḍhā sthsitāścate |
viśvarūpe tu tadvatsyāt sthitā vā syuścaturbhujāḥ || 49 ||

9.49 Ist das Hauptbild auf einem Fahrzeug, können auch sie darauf sitzen oder stehen. Bei Viśvarūpa entsprechen sie ihm oder stehen vierarmig.

indrādayaśca digdevāḥ āsīnā eva te sadā |
śailādivimāne tadupādānā eva devatāḥ |
vimāna śailaje dikṣu śailajā eva devatāḥ || 50 ||

9.50 Indra und die übrigen Richtungsgottheiten dagegen sitzen stets. Bei einem steinernen Vimāna bestehen auch die Richtungsbilder aus Stein.

toyādhivāsanaṃ kutvā maṇṭape cādhivāsya ca |
muhūrte sthāpayeddhikṣu varṇālepaṃ samācaret || 51 ||

9.51 Nach ihrem rituellen Verweilen im Wasser und in der Halle setze man sie zu einem günstigen Zeitpunkt in den Richtungen ein und trage die Farbe auf.

śūlāni sthāvayeddhikṣu vimānetviṣṭakāmaye |
toyādhivāsanaṃ kṛtvā adhivāsya vyapetkramāt || 52 ||

9.52 Bei einem Ziegel-Vimāna setze man in den Richtungen Śūlas als Träger ein; nach dem Wasser-Adhivāsa vollziehe man die weiteren Riten der Reihe nach. [Die letzte Verbform ist beschädigt.]

varṇalepavidhiḥ |
trivastukamayaṃ kṛtvā varṇālepaṃ samācaret |
yo varṇo yasya śāstrokta stenai vālepanaṃ bhavet || 53 ||

9.53 Man fertige [die Gestalten] aus der dreistoffigen Masse und bemale sie. Jede erhält genau die in der Lehre für sie bestimmte Farbe.

vyatyāse brāhmaṇādīnāṃ varṇānāṃ saṅkarobhavet |
bhittibhāge devatānāṃ ardhacitrādi vikalpaḥ |
sarve ca bhittibhāgastāḥ padmaviṣṭapamāsthitāḥ || 54 ||

9.54 Bei Vertauschung droht der Text mit einer Vermischung der sozialen Gruppen, beginnend mit den Brahmanen. Alle an der Wand befindlichen Gottheiten stehen auf Lotussitzen. [Die Warnung verbindet die Ordnung der Farben mit der historischen Varṇa-Ordnung.]

ardhacitrāḥ kṛtāssarve citrābhāsena vā bhavet |
ekanāsāsamāyukai ekā diṅmūrtiriṣyate || 55 ||

9.55 Sie können sämtlich als Reliefs oder als gemalte Bildformen ausgeführt werden. Bei nur einer Nāsikā ist eine einzige Richtungsgestalt vorgesehen.

caturbhujo vā dvibhujassaumyavaktraḥ smitānanaḥ |
nāsikāhīnavimānediṅmūrtiniṣedhaḥ |
vimāne nāsikāhīne diṅmūrtirapi neṣyate || 56 ||

9.56 Sie sei vierarmig oder zweiarmig, mit mildem Gesicht und lächelndem Antlitz. Bei einem Vimāna ohne Nāsikā ist auch keine Richtungsgestalt vorgesehen.

vimānabhedenadiṅmūrtibhedaḥ |
caturaśrāyate vṛtte dhāmni vṛttāyate pi ca |
vīlasenassu ṣeṇaśca vīranāthassubhadrakaḥ || 57 ||

9.57 Bei rechteckigen, runden oder länglich-runden Heiligtümern werden Vīlasena, Suṣeṇa, Vīranātha und Subhadraka

āgneyādividikṣvete bāhubhissadmadhāriṇaḥ |
viṣyupāriṣadāḥ sthāpyāḥ karālavadanānvitāḥ || 58 ||

9.58 in den Zwischenrichtungen, beginnend im Südosten, aufgestellt: Begleiter Viṣṇus mit furchterregenden Gesichtern, die mit ihren Armen das Gebäude tragen. [Der erste Name ist in der Vorlage „vīlasena“.]

caturaśrāyate dhāmni nāsikādvayasaṃyute |
dakṣiṇottaratastasya puraṣau pūrṇapuṣkarau || 59 ||

9.59 Bei einem rechteckigen Heiligtum mit zwei Nāsikās stelle man südlich und nördlich die beiden Männergestalten Pūrṇa und Puṣkara auf,

śaṅkhacakradharau sthāpyau hastau yavanikāspṛśau |
tale tale vimānasya surā vidyādharāḥ smṛtāḥ || 60 ||

9.60 Muschel und Diskus tragend, mit Händen, die den Vorhang berühren. In jedem Geschoss des Vimāna sind Götter und Vidyādharas darzustellen,

nṛtyanto bahudhā veṇuvīṇāpaṇavadhāriṇaḥ |
kalpanīyāstathānye ca kinnaroragajātayaḥ || 61 ||

9.61 vielfältig tanzend, mit Flöten, Vīṇās und kleinen Trommeln; ebenso andere Gestalten aus den Geschlechtern der Kinnaras und Schlangenwesen.

mamāvatārāssarvatra kalpyāstaśceṣṭitāni ca |
kapoteṣuhaṃsamālādikalpanam |
kapoteṣu kapoteṣu taleṣu ca taleṣu ca || 62 ||

9.62 Überall können meine Avatāras und ihre Taten dargestellt werden. An jedem Kapota-Gesims und in jedem Geschoss

haṃsamālāṃ prakalpeta bhūtamālāṃ tathaiva ca |
anyonya mukhamālokya sthitāgaganayāyinaḥ || 63 ||

9.63 gestalte man Reihen von Haṃsas und von Geistwesen: Himmelswanderer, die einander ins Gesicht blicken,

bhūtāni nānā nṛtyanti vikṛtānanabhañjica |
praterupari kaṇṭhasyāpyadhastātkoṇabhūmiṣu || 64 ||

9.64 und Geistwesen in vielfältigem Tanz, mit ungewöhnlichen Gesichtern und Körperhaltungen. Oberhalb des Prati und unterhalb des Halses an den Ecken

garuḍānkalpa yetsiṃhān saṃviṣṭānathavā sthitān |
uktānāmucchrāyamānam |
tadunnataṃ kaṇṭhapātraṃ pādamātramathāpi vā || 65 ||

9.65 gestalte man Garuḍas und Löwen, ruhend oder stehend. Ihre Höhe entspreche dem Hals oder dem tragenden Glied,

adurdhaṃ vā tripādaṃ vā nānyadhocchrāyamiṣyate |
adhiṣṭhānādhasthāḥ devatāḥ |
adhastāttadadhiṣṭhāne kalpayeddhevatāḥ kramāt || 66 ||

9.66 oder dessen Hälfte beziehungsweise drei Vierteln; eine andere Höhe ist nicht vorgesehen. Unten am Sockel ordne man die Gottheiten der Reihe nach an:

agneye hastivadanamīśaṃ dakṣiṇato'thavā |
dakṣiṇāmūrtimṛṣibhissevitaṃ vaṭamāśritam || 67 ||

9.67 im Südosten den Elefantengesichtigen, im Süden Īśa oder Dakṣiṇāmūrti, unter dem Banyanbaum sitzend und von Ṛṣis verehrt,

viśvarūpaṃ pratīcīne kamalāsanamuttare |
aiśānyāṃ vasudhāṃ devīṃ stāpayettu vicakṣaṇaḥ || 68 ||

9.68 im Westen Viśvarūpa, im Norden den Lotusgeborenen und im Nordosten die Göttin Erde. [Ein Quellenzusatz überliefert hier stattdessen Ambikā auf dem Kopf eines Büffels.]

keṣu citko śeṣu īśānyāṃ vasudhāṃ itisthāne īśānyāmambhikāṃ devīṃ māhiṣe śirasi sthitām. evaṃ pāṭho dṛśyate |
athavā pūrvavatsarvā diṅmūrtīḥ parikalpayet |
adhastādutapīṭhe'pi pūrvauktā dikṣu devatāḥ || 69 ||

9.69 Oder man ordne alle Richtungsgestalten wie zuvor an. Auch unten am Untersockel können die zuvor genannten Gottheiten in ihren Richtungen stehen.

athavā tatkathopetā nprādurbhāvānprakalpayet |
sudhākalpanaprakāraḥ |
pāṣāṇaśarkarā takrasudhayā triḥ prakārayā || 70 ||

9.70 Oder man stelle die Erscheinungsformen samt ihren Geschichten dar. [Zur Putzbereitung:] Mit Stein beziehungsweise Steinsplitt, saurer Milch und Kalk in drei Zubereitungen …

nakra |
piṣṭayā triphalāmbhobhissakṛddvistiśca yatnataḥ |
khadirārjunajai stoyaiśśalmalyāḥ kṣīraśākhinaḥ || 71 ||

9.71 … verrieben mit Triphalā-Wasser, sorgfältig einmal, zweimal oder dreimal, mit Flüssigkeiten aus Khadira, Arjuna, Śālmalī und Milchsaftbäumen,

miśrī kṛtyāvaṭe samyaktoyabhāvitayā tathā |
abhiṣicyaparikvāthaṃ saṃmiśrībhūtayā punaḥ || 72 ||

9.72 in einer Grube gut vermischt und mit Wasser durchgearbeitet, mit abgekochter Flüssigkeit übergossen und erneut zusammengefügt,

kṛtyaghaṭe |
gulapākarasaistaiśca punaḥ kvathitayā bhaśam |
dhāma liṃpetkrameṇaiva sthūlāditrividhātmanā || 73 ||

9.73 mit eingekochtem Rohrzuckersaft nochmals stark aufgekocht: Damit verputze man das Heiligtum der Reihe nach in drei Arten, beginnend mit der groben Schicht. [Die Rezeptfolge ist in der Quelle sprachlich beschädigt.]

kuṭṭikrayā |
cirasthāyi bhavedevaṃ kalpite mandiraṃ tu tat |
lepanatraividhyam |
pāṣāṇaśarkarā takrasugandhaṃ cūrṇayetpurā || 74 ||

9.74 Ein so behandelter Tempel bleibt lange bestehen. Zunächst zermahle man Stein beziehungsweise Steinsplitt, die genannten sauren oder duftenden Bestandteile … [Die genaue Stoffliste ist unsicher; die angekündigte Dreiteilung des Putzes wird durch eine Lücke unterbrochen.]

bhavanesti. maṇihiraṇyasrakkiṅkiṇījāla ketubhiḥ || 77 ||

9.77 [Nach einer Lücke bleibt:] … mit Edelsteinen, Gold, Girlanden, Netzen aus kleinen Glöckchen und Fahnen.

Kapitel 10: Umfriedungen, Hallen und Begleitgottheiten

Hinweis zur Quelle: Die Nummern 14, 33, 77, 78, 79, 81, 82, 92, 93, 94, 95, 96 fehlen in der Vorlage. Erhaltene Fragmente bleiben stehen.

| pādmasaṃhitāyām |
daśamo'dhyāyaḥ |
parivāradevatāsthānādikalpanam. |
śrībhagavān |
parivāraniveśārthaṃ śobhārthaṃ mandirasya ca |
rakṣaṇārthaṃ ca paritaḥ prākāraṃ parikalpayet || 1 ||

10.1 Der erhabene Herr sprach: Zur Unterbringung der Begleitgottheiten, zur Verschönerung des Tempels und zu seinem Schutz plane man ringsum eine Umfriedung.

antarmaṃḍalādiprākāranirūpaṇam |
antarmaṇḍalanāmānaṃ prākāraṃ prathamaṃ viduḥ |
antarhāraṃ tato vapraṃ madhyāhāramanantaram || 2 ||

10.2 Die erste Umfriedung heißt Antarmaṇḍala, die nächste Antarhāra, danach folgt Madhyahāra.

mano |anantaraṃ ca maryādā mahatī nāma pañcakam |
pañcaite caturaśrāssussamupetakhalūrikāḥ || 3 ||

10.3 Anschließend kommen Maryādā und als fünfte Mahāmaryādā. Alle fünf seien quadratisch und mit den zugehörigen Umlauf- beziehungsweise Außenbereichen versehen. [Die Hauptzeile ist beschädigt; der Zusatz stützt den fünften Namen.]

mahāmaryā ca pañcamam |
pañcabhedāśca tantreṣu candrikābhūmirantimā |
ekāstambhāvalī kalpyā dvayī vā kamalāsana || 4 ||

10.4 Die Tantras nennen fünf Arten; der äußerste Bereich heißt Candrikābhūmi. Man plane eine oder zwei Säulenreihen, Lotusgeborener.

pañcakābhiratandritaḥ |
upānadādipañcauṅga madhiṣṭhānaṃ prakalpayet |
daṇḍastadardhaṃ pādosaṃ tasyotsedhassamīritaḥ || 5 ||

10.5 Den Sockel gestalte man mit fünf Gliedern, beginnend mit der Unterleiste. Seine Höhe wird als ein Daṇḍa, ein halber oder ein Viertel angegeben.

adhiṣṭhāne kṛte tasmiṃstambhamālā vidhīyate |
antarālaṃ mahīmāhurdhā māntarmaṇḍalākhyayā || 6 ||

10.6 Auf diesem Sockel errichte man die Säulenreihe. Der Zwischenraum beim Heiligtum wird als Antarmaṇḍala bezeichnet.

pañcahastāṃ caturhastaṃ dvihastāṃ vā yatheccayā |
āntarāvaraṇasyāsya pañcaprāsādagumbhitaḥ || 7 ||

10.7 Er messe nach Wunsch fünf, vier oder zwei Hastas. Die innere Umfriedung wird mit fünf Heiligtümern verbunden beschrieben. [„gumbhitaḥ“ ist eine unsichere Lesung.]

sālāntarālocchrayayormānam. |
vicchinne cānta reṣāṃ tu sālānāmantarālabhūḥ |
ekadvitricaturhastaiḥ kramaśe vardhito bhavet || 8 ||

10.8 Die Zwischenräume der weiteren, voneinander getrennten Umfriedungsmauern nehmen der Reihe nach um einen, zwei, drei oder vier Hastas zu. [Die Zusatzlesart nennt auch fünf.]

pañcakaṃ vetareṣāṃtu |
mandirasya mahānāsāsamassālasamucchrayaḥ |
grīvagratulito vā syātpratisammita eva vā || 9 ||

10.9 Die Mauerhöhe entspreche der großen Nāsikā des Tempels, dem oberen Halsbereich oder dem Prati.

uparīṭhasamāyukto sālodaṇ‍ḍastrirucchrayaḥ |
catuḥ pañca dvidaṇḍo vā sālānāmucchrayaṃ viduḥ || 10 ||

10.10 Mit einem Untersockel versehen kann die Mauer drei, vier, fünf oder zwei Daṇḍas hoch sein. So werden die Mauerhöhen angegeben.

tridaṇ‍ḍo |
sāloparigaruḍādividhānam. |
upariṣṭācca sālānāṃ siṃho garuḍa eva vā |
kalpanīyaḥ prayatnena dhvajayaṣṭissamantataḥ || 11 ||

10.11 Oben auf den Mauern gestalte man sorgfältig Löwen oder Garuḍas sowie ringsum Fahnenstangen.

ardhamaṇḍapavidhiḥ |
prāsādāgre prakartavya sta daṅga ścārdhamaṇḍapaḥ |
caturdhā dhāmani kṛte pādo vārdhamathāpi vā || 12 ||

10.12 Vor dem Tempel errichte man als dessen Bestandteil den Ardhamanḍapa. Teilt man den Tempel in vier, kann er ein Viertel oder die Hälfte

stadardha |
tripādvā dhāma tulyaṃ vā adhyardhaṃ vā yathāruci |
dviguṇaṃ vā caturva ktrayadvā harmyapramāṇataḥ || 13 ||

10.13 oder drei Viertel seiner Größe erhalten; auch Gleichmaß, anderthalbfache oder doppelte Größe sind nach Wunsch möglich, Viergesichtiger.

saṃdhyarddhaṃ karāyatam |
daṇḍamadhyardhamatha vā dviguṇaṃ vā vināpi vā || 15 ||

10.15 [Nach einer Lücke:] ein Daṇḍa, anderthalb oder das Doppelte, oder auch ohne [den betreffenden Zwischenraum beziehungsweise Bauteil]. [Der Bezug fehlt.]

karālayam |
hīne'rdhamaṇṭhapenirgamasthalanirdeśaḥ |
hīne'rdhe maṇḍape dhāmni pārśvābhyāṃ nirgamaḥ smṛtaḥ |
agrataḥ pṛṣṭhataścāpi bhavetāṃ pārśvavartmanī || 16 ||

10.16 Ist kein Ardhamanḍapa vorhanden, werden seitliche Ausgänge des Tempels genannt. Auch vorn und hinten können seitliche Zugangswege bestehen.

hīnerdhamaṇṭape dhāmnaḥ |
sopapīṭhasyadhāmnaḥ gopuracatuṣṭayam. |
catvāri gopurāṇi syurdhāma cetsopapīṭhakam |
agre tu maṇ‍ḍapasyārdhe vipule vṛttamaṇḍapaḥ || 17 ||

10.17 Besitzt das Heiligtum einen Untersockel, soll es vier Gopuras geben. Vor dem breiten Ardhamanḍapa plane man einen runden Maṇḍapa. [Die Überschrift des folgenden Verses nennt stattdessen einen Tanzmaṇḍapa.]

agraṃ tu maṃḍalasyārdha |samucchṛtaṃ pratisamamadhikaṃ vā yathecchayā |
nṛttamaṇḍapārdha maṇḍapayerāyāmamānam |
ekadvitricatuḥ pañcahastau vṛttārdhamaṇḍapau || 18 ||

10.18 Seine Höhe sei dem Prati gleich oder nach Wunsch größer. Für Tanz- beziehungsweise Rundmaṇḍapa und Ardhamanḍapa werden ein, zwei, drei, vier oder fünf Hastas genannt.

sāntarālaṃ samuddhiṣṭaṃ pārśvābhyaṃ nirgamaḥ smṛtaḥ |
dhāmanirgamaḥ |
sopānapaṅtkayaḥ kāryāḥ pārśva yorubhayorapi || 19 ||

10.19 Ein Zwischenraum ist vorgesehen, mit seitlichen Ausgängen. An beiden Seiten lege man Treppenreihen an.

devālayeṣu yugmāssyu ṣṣaḍaṅgulasamucchrayāḥ |
tāvadvistārayuktāścaṃ dvyaṅgula vobhayaṃ bhavet || 20 ||

10.20 Im Göttertempel sei ihre Stufenzahl gerade; die Stufen seien sechs Aṅgulas hoch und ebenso breit. Die folgende Alternative bietet „zwei Aṅgulas“, die Variante dagegen „das Doppelte beider Maße“.

dviguṇaṃ vobhayaṃrhastasva hastāssyuḥ |
sopānaparśva yorhastirathāṅgādinyāsaḥ |
sopānaparśvayo rhastihastaṃ kuryāt sthavīyasaḥ |
yadvā rathāṅgaṃ virvīta dvirataṃ pārśvavāhikam || 21 ||

10.21 An den Treppenseiten gestalte man kräftige Elefantenrüssel-Formen oder ein Wagenrad mit seitlich dargestelltem Elefanten. [Die genaue Verbindung der Ziermotive ist sprachlich unsicher.]

hasti hastaṃ vātha sthavīyasaḥ |
dvāravātāyanayorbhittibandhaniṣedhaḥ |
dvāraṃ vātāyanaṃ vāpi bhittibandhaṃ na jūtu cit |
kulakṣaye vināśaśca vyādharvā bhittabandhane || 22 ||

10.22 Eine Tür oder ein Fenster soll man keinesfalls durch Mauerwerk verschließen. Für ein solches Zumauern droht der Text mit Familienverfall, Vernichtung oder Krankheit.

vātāyanāstarālatālabaṃdhanāṅgalādi nirūpaṇam |
yadvārdhamaṇḍapādardhaṃ tripādaṃ pādameva vā |
tattulyaṃ vāntarāṃ tu antarālāntaraṃ bhavet || 23 ||

10.23 Der Zwischenraum kann die Hälfte, drei Viertel, ein Viertel oder das volle Maß des Ardhamanḍapa haben. [Der Text schwankt zwischen Zwischenraum und dessen Länge.]

antarālāyataṃ |
vistāro hrāsayettasya astarālasya pārśvayoḥ |
hastaṃ tālaṃ tadardhaṃ vā hrāsayetpārśvayorapiḥ || 24 ||

10.24 Seine Breite kann man an beiden Seiten um einen Hasta, einen Tāla oder einen halben Tāla vermindern.

yugmastambha samo petaṃ tālabandhamathāpi vā |
lāṅgalaṃ vā prakurvīta ubhayaṃ vā vinā bhavet || 25 ||

10.25 Man versehe ihn mit paarigen Säulen und einer Tālabandha-Verbindung oder mit einer Lāṅgala-Anordnung; auch ohne beide ist er möglich. [Die technischen Verbindungstypen werden hier nicht erläutert.]

dvayo |
caturaśrāyataṃ vā syāccaturdvāraṃ caturdaśam |
vātāyanaṃ vā yugmetu na kuryādbhittibandhanam || 26 ||

10.26 Er kann rechteckig sein, mit vier Eingängen; die weitere Zahl „vierzehn“ bleibt ohne sicheren Bezug. Fenster lege man paarweise an und vermeide ein Verschließen durch Mauerwerk.

antarāvaraṇasyānta rbahirvobhayatopi vā |
maṇṭapāyāmavistārau |
āyāmo maṇḍapasya syādayugmaṃ tu pramāṇataḥ || 27 ||

10.27 Innerhalb oder außerhalb der inneren Umfriedung, auch auf beiden Seiten, kann der Maṇḍapa liegen. Seine Länge wird zunächst als ungerade bemessen angegeben.

āṣoḍaśāntaṃ yugme syādadhāyugme trayodaśa |
maṇ‍ḍapāyāmamuddiṣṭaṃ hastaiḥ kamalasambhava || 28 ||

10.28 Für ein gerades Maß wird eine Obergrenze von sechzehn, für ein ungerades dreizehn Hastas genannt, Lotusgeborener. [Die Hauptzeile nennt die Länge, eine Variante die Breite.]

vistāre kamalāsana |
yadvā mūlālayasamamardhamaṇ‍ḍapasaṃmitam |
tadardhaṃ pādamevātha yadvālayasamaṃ bhavet || 29 ||

10.29 Oder er entspreche dem Hauptheiligtum beziehungsweise dem Ardhamanḍapa, dessen Hälfte oder Viertel oder wiederum dem vollen Heiligtumsmaß.

adhyardhaṃ dviguṇaṃ vātha sapādaṃ vālayasya ca |
maṇṭapāyāmamuddiṣṭaṃ vistāre kamalāsana || 30 ||

10.30 Auch anderthalb, doppelt oder eineinviertel so groß wie das Heiligtum kann das Maṇḍapamaß sein, Lotusgeborener. [Länge und Breite werden in der knappen Formulierung nicht sicher getrennt.]

mūlālayasamaṃ vāpi tālahastaṃ ca vādhikam |
upānādyaṅgasaṃyuktaṃ sarvālaṅkārasaṃyutam || 31 ||

10.31 Oder er gleiche dem Hauptheiligtum beziehungsweise übertreffe es um einen Tāla oder Hasta. Er besitze Unterleiste und die weiteren Glieder sowie allen Schmuck,

nānānāṭakasaṃyukta manta stambhavivarjitam |
utsedhaṃ maṇṭapasyāhurardhamaṇṭapasaṃmitam || 32 ||

10.32 verschiedene szenische Darstellungen und keine Säulen im Inneren. Seine Höhe wird der des Ardhamanḍapa gleichgesetzt.

adhikaṃ vā tadutsedhaṃ maṇṭapasya caturmukha |
yadvā prāgyāmyasopanaṃ pāśve tannirgamo bhavet || 34 ||

10.34 Oder der Maṇḍapa kann höher sein, Viergesichtiger. Treppen können im Osten und Süden, die Ausgänge seitlich liegen. [Vers 33 fehlt.]

kalpayecchilpaśāstrajño bhittayaḥ koṇabhūmiṣu |
sthalabandhaṃ tadūrdhve tu lāṅgalaṃ vā prakalpayet || 35 ||

10.35 Der in der Baukunst Kundige plane Wände an den Ecken und darüber eine flächige Verbindung oder eine Lāṅgala-Anordnung.

koṇeṣu garuḍasiṃhayornyāsavikalpaḥ |
koṇeṣu garuḍaṃ kuryātsiṃhiṃ vā kamalāsana |
sabhāṃ vā tatprakurvīta yathā vittānusārataḥ || 36 ||

10.36 An den Ecken gestalte man Garuḍa oder Löwen, Lotusgeborener. Oder man errichte dort eine Halle nach Maßgabe der verfügbaren Mittel.

prākārasya caturdikṣu gopura catuṣṭayabandhavikalpaḥ |
prākārasya caturdikṣu gopurāṇi prakalpayet |
dhāmāgravṛṣṭhayorvā syādagre caikaṃ prakalpayet || 37 ||

10.37 Gopuras plane man in den vier Richtungen der Umfriedung, oder vor und hinter dem Heiligtum, oder nur eines davor.

dvitalādidhāmanirūpaṇam |
talairdvādaśabhiryuktamuttamaṃ dvitalādiṣu |
mūrdheṣṭakāṃ stūpikāṃ ca pūrvavatkalpayetkramāt || 38 ||

10.38 Unter den Anlagen mit zwei und mehr Geschossen gilt eine mit zwölf als vorzüglich. Abschlussziegel und Stūpī richte man der Reihe nach wie zuvor ein.

diṅmūrtayaḥ pūrvavatsyuḥ pūrvavadgaruḍādikam |
maṇḍapasya uttamādi mānabheda bhittibandau |
prākāreṣu ca sarveṣu maṇḍapāsyussamantataḥ || 39 ||

10.39 Auch Richtungsgestalten, Garuḍas und weitere Formen seien wie zuvor. In allen Umfriedungen können ringsum Maṇḍapas angelegt werden.

maṇṭapasya |
ṣaḍviṃśatidhanurmānaṃ maṇḍapaṃ cottamaṃ viduḥ |
aṣṭādaśadhanurmānaṃ maṇḍapaṃ padhyamaṃ viduḥ || 40 ||

10.40 Ein Maṇḍapa von sechsundzwanzig Dhanus gilt als vorzüglich, einer von achtzehn als mittel. [Die Zusatzlesart nennt zweiundzwanzig statt achtzehn.]

dvāviśaṃti |
adhamaṃ dvādaśadhanumaṇḍapaṃ saṃpracakṣate |
pūrvoktahastasaṅkhyaṃ vā kuryādāsthānamaṇḍapam || 41 ||

10.41 Zwölf Dhanus gelten als geringste Ausführung. Oder man errichte den Versammlungsmaṇḍapa mit den zuvor genannten Hastazahlen.

uttamaṃ daśabhirhastairmadhyamaṃ cāṣṭahastakaṃ |
ṣaḍḍhastamadhamaṃ vidhyāt kṣudraṃ hastatrayāyatam || 42 ||

10.42 Zehn Hastas gelten als vorzüglich, acht als mittel, sechs als gering; eine kleine Ausführung misst drei Hastas.

dakṣīṇottarataḥ pṛṣṭhe bhittiṃ tasya prakalpayet |
stambhāṣṭakayutaṃ tatra sopānaṃ parikalpayet || 43 ||

10.43 Südlich, nördlich und an der Rückseite plane man Wände. Dort richte man eine Treppe zusammen mit acht Säulen ein.

dīrghaśālāmadhaḥ kuryā dyūpācchādanasaṃyutām |
maṇṭapāḥ prāṅmukhāssarve sarvāvaraṇasaṃsthitāḥ || 44 ||

10.44 Unten lege man eine lange Halle mit der betreffenden überdeckenden Konstruktion an. Alle in den Umfriedungen gelegenen Maṇḍapas sollen nach Osten blicken. [„yūpācchādana“ ist als technische Dachbezeichnung unsicher.]

āsthānamaṇṭapānsarvān prakuryātsarvato mukhān |
prāsādāraṃbhavatsarvaṃ bhūmi saṃśodhanādikam || 45 ||

10.45 Die Versammlungshallen dagegen können sich nach allen Seiten öffnen. Bodenreinigung und alle vorbereitenden Handlungen vollziehe man wie zu Beginn des Tempelbaus.

kṛtvā hastinakhaṃ caiva maṇṭapaṃ caiva kalpayet |
maṇṭapagarbhanyāsaprakāraḥ |
garbhanyāsastu koṇe syādagrermaṇṭapakarmaṇi || 46 ||

10.46 Danach gestalte man die Hastinakha-Form und den Maṇḍapa. Bei einem Maṇḍapabau erfolgt die Gründungsdeponierung in der Feuerecke, im Südosten.

gopurekriyamāṇe tu dakṣiṇasyāṃ diśismṛtaḥ |
dvārasyakavāṭamugmādi vinyāsaḥ |
kavāṭayugmaṃ saṃsthāpya dvāre dvāre dṛḍhaṃyathā || 47 ||

10.47 Bei einem Gopura wird dafür die südliche Richtung genannt. In jedem Eingang befestige man ein stabiles Paar Türflügel,

lohajaṃ dārujaṃ vāpi vicitraṃ turagādibhiḥ |
uttarāṅgaṃ śilādāru vā harecchilpissaha || 48 ||

10.48 aus Metall oder Holz, mit Pferden und anderen Bildmotiven verziert. Für den oberen Türbalken beschaffe man gemeinsam mit den Handwerkern Stein oder Holz.

uttarāṅgamsyoparinikṣi pet ityantaṃ kvacinna |
rathakṛttakṣayitvā tu sarveṇa kṣālayeddrutaḥ |
puṇyāhaṃ vācayitvātha muhorte śobhane guruḥ || 49 ||

10.49 Der Baukundige bearbeite ihn und wasche ihn sorgfältig. Nach dem Aussprechen des Tagessegens soll der Guru zu einem günstigen Zeitpunkt

rathakṛcchilpibhissārthaṃ dvārasyopari nikṣipet |
śākhācatuṣkaṃ kurvīta tathai vaśilayāpi vā || 50 ||

10.50 ihn gemeinsam mit Baukundigem und Handwerkern über dem Eingang einsetzen. Vier Rahmenglieder fertige man entsprechend an, gegebenenfalls auch aus Stein.

śākhākavāṭau prakṣālya pañcopaniṣadā jalaiḥ |
navavastreṇa saṃveṣṭya dhānyarāśiṣu nikṣipet || 51 ||

10.51 Rahmen und Türflügel wasche man mit Wasser unter den fünf Upaniṣad-Mantras, umhülle sie mit neuem Stoff und lege sie auf Getreidehaufen.

mahākumbhārcanaṃ kuryātpūrvavacchāstracoditam |
kṛtvā prabhāte vimale muhorte śobhane guruḥ || 52 ||

10.52 Man vollziehe die vorgeschriebene Verehrung am großen Krug wie zuvor. Am reinen Morgen zu einem günstigen Zeitpunkt soll der Guru

khāte lohādi vinyasya kārayecchilpinā saha |
puṇyāhaṃ vācayitvā ca pa़ñcagavyairvilepayet || 53 ||

10.53 Metalle und weitere Gaben in die Vertiefung legen und gemeinsam mit dem Handwerker die Einrichtung ausführen. Nach dem Tagessegen bestreiche er sie mit Pañcagavya.

sthāpayet |
mahākumbhajalai rdevān nyasetkūrcena tat kṣaṇāt |
kavāṭoparikalpanīyadevatāḥ |
adhaśśāntiṃ dakṣiṇato vāgdevīmupari śriyam || 54 ||

10.54 Mit Wasser aus dem großen Krug und einem Grasbüschel installiere er die Gottheiten: unten Śānti, rechts die Göttin der Sprache, oben Śrī

dehān |
ratimuttarataśśāsvevaṃ catasṛṣu kramāt |
kavāṭe dakṣiṇe sthāpyo viśvadhṛgbhūtanāyakaḥ || 55 ||

10.55 und links Rati, der Reihe nach an den vier Rahmengliedern. Am rechten Türflügel installiere man Viśvadhṛk, den Herrn der Wesen,

kavāṭe cottare sthāpyo viśvavaktraḥ prātāpavān |
avatārāṃśca tatra sthān prokṣayetsvasya vidyayā || 56 ||

10.56 am linken den machtvollen Viśvavaktra. Die dort befindlichen Avatāras besprenge man mit ihrer jeweiligen Formel.

devaśāstrapurāṇāni vetreṣu nivasantica |
nārāceṣu trayastriṃśaddevāḥ kīleṣu carkṣayaḥ || 57 ||

10.57 Gottheiten, Lehrwerke und Purāṇas wohnen in den Leisten; in den Metallstiften die dreiunddreißig Götter und in den Keilen die Ṛṣis. [Die Hauptlesung „devā“ wird beibehalten; eine Lesung „Veden“ wäre hier eine nicht belegte Verbesserung.]

kavāṭapaṭṭikāyāṃ ca bhūtanāthaḥ pratiṣṭhitaḥ |
kavāṭanandapaṭṭe syāte saṃsthāpyo viśva bhāvanaḥ || 58 ||

10.58 Auf der Türplatte ist Bhūtanātha gegenwärtig; auf der Nanda-Platte der Tür soll Viśvabhāvana installiert werden. [Die Zusatzlesart bietet „nāyaka“.]

nāyakaḥ |
evaṃ kumbhajale dhyātvā vinyasetsarvadevatāḥ |
ācāryadakṣiṇāṃ dadyāt niṣkasaṅkhyā tu pūrvavat || 59 ||

10.59 So meditiere man über alle Gottheiten im Krugwasser und setze sie ein. Dem Ācārya gebe man die Gabe in der zuvor genannten Niṣka-Zahl.

kavāṭasya sauvarṇatāvidikalpaḥ |
sauvarṇo rājatastāmraḥ kavāṭo dārujasmṛtaḥ |
pūrvaḥ pūrvaḥ phalāya syāt bhūyase kalpate nṛṇām || 60 ||

10.60 Ein Türflügel kann aus Gold, Silber, Kupfer oder Holz bestehen. Das jeweils früher genannte Material soll den Menschen größere Frucht bringen.

kavāṭaṃ dārajaṃ svarṇaiḥ rañjayanpūhyate suraiḥ |
staṃbhapotikādividhānam |
stambhān pādaśilāsveva ratnanyāsādi pūrvavat || 61 ||

10.61 Wer eine Holztür mit Gold schmückt, wird von den Göttern geehrt. Säulen setze man auf ihre Fußsteine, mit vorausgehender Edelsteindeponierung wie zuvor.

na sthāpyā brahmaṇasthsāne teṣāmupari potikāḥ |
kalpyāstā ssūttarāropo vājanādisamanvitā || 62 ||

10.62 Im Brahma-Ort dürfen keine Säulen stehen. Auf die Säulen kommen Potikā-Konsolen, darüber Uttara-Balken mit Vājana und weiteren Gliedern.

ssūtrakāropo |
tulāmāropayetpaścāt bandhayecceṣṭakādibhiḥ |
talabandhaṃ tataḥ kuryāt brahman vittānusārataḥ || 63 ||

10.63 Danach lege man den Querbalken auf und verbinde die Konstruktion mit Ziegeln und weiteren Baustoffen. Die Geschoss- oder Deckenverbindung errichte man nach den verfügbaren Mitteln, Brahmā.

sthalabandhamadhaḥ |
yūpacchādavakaṃ vāpi kuryācchāstrāsusārataḥ |
digbhedenacaṇḍādidvārapālanirūpaṇam |
caṇ‍ḍapracaṇṭau kartavyau dvāre garbhagṛhasyatu || 64 ||

10.64 Oder man gestalte die genannte Yūpa-Überdeckung nach der Lehre. Am Eingang des Allerheiligsten sollen Caṇḍa und Pracaṇḍa stehen,

dakṣiṇottarapārśvasthau muniveṣau sahastriyau |
daṃṣṭrākarālavadanau bhīmau vā daṇḍa dhāriṇau || 65 ||

10.65 rechts und links, in Asketengestalt und mit ihren Frauen; oder schrecklich, mit furchterregenden Fangzähnen und Stäben in den Händen,

kāntāviyuktau vikaṭau karaṇḍi makuṭojvalau |
makuṭānvitau |
ardhamaṇṭapakadvāre śaṅkhacakrottamāṅginau || 66 ||

10.66 ohne Gefährtinnen, gewaltig und mit leuchtenden Karaṇḍa-Kronen. Am Eingang des Ardhamanḍapa stehen Gestalten, deren Köpfe Muschel und Diskus tragen beziehungsweise darstellen.

antarmaṇḍalasaṃjñasya sālasya dvārapārśśayoḥ |
jayaśca vijaya ścaiva kartavyau tasya gopure || 67 ||

10.67 An den beiden Seiten des Gopura der Antarmaṇḍala genannten Umfriedung gestalte man Jaya und Vijaya.

ścobhau |
evameveṣyate'nyeṣāṃ caturdikṣu ca gopuram |
antarhārasya pūrvasyāṃ dvāri padmagadādharau || 68 ||

10.68 Entsprechend sind auch die Gopuras der übrigen Umfriedungen in den vier Richtungen vorgesehen. Am östlichen Eingang des Antarhāra stehen Lotus- und Keulenträger,

kha़ḍgaśārṅgadharau dvāri dakṣiṇasyāṃ prakalpayet |
pratīcyāṃ vajramusaladhāriṇau diśi kalpayet || 69 ||

10.69 am südlichen Schwert- und Śārṅga-Bogenträger, am westlichen Donnerkeil- und Musalaträger,

pāśāṅkuśadharau brahmannuttarasyāṃ diśi sthitau |
madhyāntarhārasālasya prācyādiṣu yathākramam || 70 ||

10.70 am nördlichen Schlingen- und Stachelhakenträger, Brahmā. An den Eingängen der mittleren Umfriedung folgen, beginnend im Osten,

dikṣu dhātṛvidhātārau tato bhadrasubhadrakau |
kṛtāntāsuravidhvaṃsau kuberākṣakuberakau || 71 ||

10.71 Dhātṛ und Vidhātṛ, Bhadra und Subhadraka, Kṛtānta und Asuravidhvaṃsa sowie Kuberākṣa und Kuberaka.

prācyādiṣu tathā dikṣu maryādā sālagopurau |
durjayaprabalau kāryau viśvabhāvanapuṣkarau || 72 ||

10.72 An den Gopuras der Maryādā-Umfriedung stehen in derselben Richtungsfolge Durjaya und Prabala, Viśvabhāvana und Puṣkara,

sambhavaprabhavau syātāṃ subhobhanasubhadrakau |
jaghanyāvaraṇadvāre prācyādau kumudādayaḥ || 73 ||

10.73 Sambhava und Prabhava sowie Subhobhana und Subhadraka. An den Toren der letzten Umfriedung stehen von Osten an Kumuda und die übrigen:

kumudagi kumudākṣaśca puṇḍarīko'dha vāmanaḥ |
śaṅkukarṇassarva netrassumukhassapratiṣṭhitaḥ || 74 ||

10.74 Kumuda, Kumudākṣa, Puṇḍarīka, Vāmana, Śaṅkukarṇa, Sarvanetra, Sumukha und Supratiṣṭhita.

aṣṭau dvau dvau pratidvāraṃ kalpanīyā yathāvidhi |
viṣṇupāriṣadāssarve senabhiḥ koṭibhirvṛtāḥ || 75 ||

10.75 Diese acht sind vorschriftsgemäß zu zweit an jedem Tor anzuordnen. Sie sind alle Begleiter Viṣṇus und von Heeren in vielfacher Koṭi-Zahl umgeben. [Die Variante bezeichnet sie als Heerführer.]

sarve senādhipaḥ smṛtāḥ || daṇḍahastā virūpākṣāḥ karaṇḍamukuṭānvitāḥ |
phaṇikaṅkaṇamālāḍhyāḥ bhrukuṭīkuṭilekṣaṇāḥ || 76 ||

10.76 Sie tragen Stäbe, haben ungewöhnliche Augen und Karaṇḍa-Kronen, sind mit Schlangenarmreifen und Girlanden geschmückt und blicken unter zusammengezogenen Brauen hervor.

keyūra. yugtmerhastapramāṇaiścadīrgha culyena vā yutam || 10. || 80 ||

10.80 [Nach einer Lücke:] … mit geraden Hastamaßen und einem entsprechend langen Herd. [Die Anschlusswörter sind beschädigt; vor der Versnummer steht zusätzlich „10.“.]

madhyegniyamayoḥ kuṇḍaṃ nityahomāya kalpayet |
mugmahastapramāṇāśca. nidhānaṃ syādvāyusomāntare bhavet |
sarpirādidravasthānaṃ madhyeśarvaśacīśayoḥ || 83 ||

10.83 Zwischen Südosten und Süden richte man die Feuergrube für das tägliche Homa ein. Der Vorratsraum liege zwischen Nordwesten und Norden; der Ort für Ghee und andere Flüssigkeiten zwischen Nordosten und Osten. [Die fehlenden Nummern 81–82 und eingeschobene Varianten werden nicht aufgefüllt.]

nivāsassyāt |
taṇḍulakṣālanakūpa dhūmanirgamamārga sthānanirūpaṇam. |
kṣālanaṃ taṇḍulādīnāṃ kūpontarbahi reva vā |
dhūmanirgamamārgāśca yugmāssyuḥ kuṭilāsa thā || 84 ||

10.84 Reis und anderes Getreide wasche man am Brunnen, innerhalb oder außerhalb. Die Rauchabzüge sollen paarig sein und gebogen verlaufen.

majjana tāṃbūla vastrapuṣpaniveśana pradeśāḥ ekāntināṃ bhuktisthānaṃ ca. |
majjanambhogṛhaṃ yāmye tābbūlī dhāma nairute |
vāruṇe vāsanāṃ sthānaṃ mārute puṣpamaṇṭapaḥ || 85 ||

10.85 Der Raum für Badewasser liege im Süden, der Betelraum im Südwesten, der Kleiderraum im Westen und die Blumenhalle im Nordwesten.

yāmyanaiṛte |
saumye cai kāntināṃ bhuktisthānamīśe dhanālayaḥ |
dhānyasaṅgraha chatrādiniveśadeśāḥ |
bahīrāvaraṇe kuyān dāgneye dhānyasaṃgraham || 86 ||

10.86 Im Norden liege der Speiseplatz der ganz hingegebenen Verehrer, im Nordosten die Schatzkammer. In der äußeren Umfriedung richte man im Südosten das Getreidelager ein,

avaghātagṛhaṃ yāmye gośālāsyādumāpatau |
tṛtīyāvaraṇesthānaṃ bhatrādīnāṃ vibhāvasau || 87 ||

10.87 im Süden den Raum zum Stampfen und im Nordosten den Kuhstall. In der dritten Umfriedung bewahre man im Südosten Schirme und weitere Geräte auf,

śibhikādisthitiścaindre pānīyaṃ vāruṇe bhavet |
utsave devayajanaṃ somaśānāntare bhavet || 88 ||

10.88 im Osten Sänften und ähnliche Fahrzeuge, im Westen Trinkwasser. Für das Fest liege der Opferplatz zwischen Norden und Nordosten.

indreśānāntare vāpi madhyevāgnisureśayoḥ |
yamāgnimadhye vā kuryādutsaveyāga maṇṭapam || 89 ||

10.89 Oder man errichte die Festopferhalle zwischen Osten und Nordosten, zwischen Südosten und Osten oder zwischen Süden und Südosten.

sthānamīśe sarasvatyāḥ vādyasthānaṃ tu vāya ve |
sthāna saṅko ceracanāprakāraḥ |
yathoktāvaraṇābhāve vadyamāne kvacidbhavet || 90 ||

10.90 Sarasvatīs Ort liege im Nordosten, der Instrumentenraum im Nordwesten. Sind die vorgeschriebenen Umfriedungen nicht vorhanden, können diese Einrichtungen an einem verfügbaren Ort liegen.

kūpataṭākādijalāśayavidhiḥ |
vāruṇe vā bhavetyaumye kūpaṃ śārvepi vā bhavet |
yatra vāpāṃ sirāgsanti tatrakūpaṃ prakalpayet || 91 ||

10.91 Ein Brunnen kann im Westen, Norden oder Nordosten liegen. Wo Wasseradern vorhanden sind, plane man den Brunnen.

sarvaṣu sudhāṃśuṃ parikalpayet |
vahnau kāmo yame brahmanaiṛte syādgajānanaḥ || 97 ||

10.97 [Nach einer größeren Lücke:] … den Mond plane man ein. Im Südosten stehe Kāma, im Süden Brahmā, im Südwesten der Elefantengesichtige.

candramāḥ |
vāraṇe ṣaṇmukho durgāvāyau saumye dhanādhipaḥ |
īśāne śaṅkarastatra kṣetrapālastathā bhavet || 98 ||

10.98 Im Westen stehe der Sechsgesichtige, im Nordwesten Durgā, im Norden der Herr des Reichtums, im Nordosten Śaṅkara und dort auch der Feldhüter.

someśayorantarāle viṣvaksenaṃ prakalpayet |
aṅkaṇe kakṣiṇe sapta mātaraśśrīstu naiṛte || 99 ||

10.99 Zwischen Norden und Nordosten plane man Viṣvaksena. Im südlichen Hof stehen die sieben Mütter, im Südwesten Śrī.

indrādayo lokapālāḥ pūhyassvāśāsu cāṅkaṇe |
gopurasya bhavedantarbahirvā balipīṭhakam || 100 ||

10.100 Indra und die übrigen Weltenhüter sind im Hof in ihren Richtungen zu verehren. Der Bali-Sockel kann innerhalb oder außerhalb des Gopura liegen.

antarhārāhvāyopete viśeṣo dhāmmi kathya te |
sūryācandramasoḥ sthāne saṃsthāpyau puruṣācyutau || 101 ||

10.101 Für ein Heiligtum mit Antarhāra wird eine Besonderheit genannt: An den Plätzen von Sonne und Mond installiere man Puruṣa und Acyuta.

suryācandramasau kalpau dvitīyāvaraṇe tathā |
hayagrīvaḥ smarassthāne sthāne saṅkarṣa ṇo vidheḥ || 102 ||

10.102 Sonne und Mond können dann in der zweiten Umfriedung stehen. Hayagrīva tritt an die Stelle Smaras, Saṅkarṣaṇa an die Brahmās,

surassāve |
varāhū vighnarāṭ sthāne pradyumnaśśarajanmanaḥ |
kātyāyanyāmanantasyādaniruddho narāsane || 103 ||

10.103 Varāha an die des Herrn der Hindernisse, Pradyumna an die des Schilfgeborenen, Ananta an die Kātyāyanīs und Aniruddha an den als „narāsana“ überlieferten Platz. [Die letzte Platzbezeichnung ist unsicher.]

nṛ kesarī śaṅka resyādaṅkaṇe pīṭhikāsu cet |
indrādayassamabhyarcyā steṣāṃ sthāne yathākramam || 104 ||

10.104 Nṛkeśarin tritt an Śaṅkaras Stelle. Sollen Indra und die übrigen auf Sockeln im Hof verehrt werden, so verehre man an ihren Plätzen der Reihe nach

cakrī musalavān śaṅkhī khaḍgīcaiva gadādharaḥ |
śārṅga padmī tathā vajrī pūjyā divyāstradhāriṇaḥ || 105 ||

10.105 Träger des Diskus, des Musala, der Muschel, des Schwertes, der Keule, des Śārṅga-Bogens, des Lotus und des Donnerkeils: die Träger der göttlichen Waffen.

parivāradevatānāmavasthānādi. |
prathamāvaraṇe yeṣāṃ sthāne nye samudīritāḥ |
jñeyā dvitīye te sarve parivārā yathoktayā || 106 ||

10.106 Die Gottheiten, an deren Stelle in der ersten Umfriedung andere genannt wurden, sind sämtlich in der zweiten als Begleitgottheiten entsprechend der Vorschrift vorzusehen.

sodhamudīritaṃ |
madhyāntarhārasāle tu gopurobhayapārśvayoḥ |
ādityā dvādaśārādyāḥ madhye manmathavethaso || 107 ||

10.107 An beiden Seiten des Gopura der mittleren Umfriedung verehre man die zwölf Ādityas. Zwischen Manmatha und Brahmā

vasavaḥ pūjinīyāsyurvidhivighna kṛtoḥ punaḥ |
madye pitṛgaṇāḥ pūjyāṣṣaḍānanagaṇeśayoḥ || 108 ||

10.108 verehre man die Vasus, zwischen Brahmā und dem Herrn der Hindernisse die Ahnenscharen; zwischen dem Sechsgesichtigen und Gaṇeśa

kṛte punaḥ |
viśve devāssamārādyāḥ maruto guhadurgayoḥ |
saptarṣayaḥ pūjanīyā madhye durgākuberayoḥ || 109 ||

10.109 die Viśvedevās, zwischen Guha und Durgā die Maruts und zwischen Durgā und Kubera die sieben Ṛṣis.

kubereśāna yormadhye rudrā ekādaśa smṛtāḥ |
tatraiva ca kṣetrapālāḥ prāṅkaṇe kumudādayaḥ || 110 ||

10.110 Zwischen Kubera und Īśāna werden die elf Rudras vorgesehen, dort auch die Feldhüter. Im Hof verehre man Kumuda und die übrigen

indrādipīṭhikāsthāne sabhājyāḥ kamalāsana |
maryādavaraṇe sthāpyā aṣṭādaśa gaṇeṣu ye || 111 ||

10.111 an den Stellen der Sockel Indras und der übrigen Richtungswächter, Lotusgeborener. In der Maryādā-Umfriedung installiere man aus den achtzehn Scharen die

uttamāḥ parivārāste prāṅkaṇorvītale punaḥ |
upendrapramukhāḥ pūjyā dikṣu prācyādiṣu kramāt || 112 ||

10.112 vorzüglichen Begleiter. Auf dem Hofboden verehre man Upendra und die folgenden in den Richtungen von Osten an.

upendraḥ prāṅmukhaḥ pūjyo |
upendraḥ prākṛtaḥ puṇyaḥ puṣkaro viśvabhāvanaḥ |
asuraghnaḥ kṛtāntaśca bhutanātho'ṣṭamaḥ smṛtaḥ || 113 ||

10.113 Es sind Upendra, Prākṛta, Puṇya, Puṣkara, Viśvabhāvana, Asuraghna, Kṛtānta und als achter Bhūtanātha. [Die Variante liest statt Prākṛta „nach Osten gewandt“.]

prāṅmukhaḥ |
maryādāyāṃ mahatyāṃ tu madhyamā ye gaṇeṣu te |
parivārāḥ prakartavyāḥ viśvādyā vāsavādiṣu || 114 ||

10.114 In der großen Maryādā-Umfriedung ordne man die mittleren Scharen als Begleiter an; Viśva und die folgenden stehen an den Plätzen Indras und der übrigen.

aṅgaṇesamarcanīyāḥ devatāḥ |
aṅkaṇeṣu samarcyā ye vakṣye tānanupūrvaśaḥ |
viśveśo vaśvikṛdviśvo viśvātmā viśvalocanaḥ || 115 ||

10.115 Die im Hof zu verehrenden Gestalten nenne ich nun der Reihe nach: Viśveśa, Viśvakṛt, Viśva, Viśvātmā, Viśvalocana,

viśvapādo viśvabhujastathā vai viśvakarmakṛt |
ādityādyaṣṭādaśagaṇāḥ |
aṣṭādasagaṇān vakṣyetān budhyasva kramoditān || 116 ||

10.116 Viśvapāda, Viśvabhuja und Viśvakarmakṛt. Nun erkläre ich die achtzehn Scharen; vernimm sie in ihrer Reihenfolge.

ādityā vasavo rudrāḥ sādyāśca maruta stathā |
viśve devāśca pitaro mātaro guhadevatāḥ || 117 ||

10.117 Ādityas, Vasus, Rudras, Sādhyas, Maruts, Viśvedevās, Ahnen, Müttergöttinnen und die Guhadevatās,

aṅgirāścāśvinīdevau tathā strīdevātāgaṇāḥ |
lokeśā vāstudevāśca nakṣatrāṇi ca pārṣadāḥ || 118 ||

10.118 Aṅgiras-Gestalten, die beiden Aśvins, die weiblichen Götterscharen, Weltenhüter, Vāstu-Götter, Mondhäuser und göttliche Begleiter

tatvānāṃ patayaścaiva uttamāḥ parikīrtitāḥ |
siddhāśca ṛṣayo nāgāḥ asurā rākṣasā api || 119 ||

10.119 sowie die Herren der Tattvas werden als vorzüglich bezeichnet. Siddhas, Ṛṣis, Nāgas, Asuras und Rākṣasas,

yakṣavidyadharāścaiva saurabheyāśca guhyakāḥ |
gandharvāpsarasaścaiva vrajānāṃ patayastathā || 120 ||

10.120 Yakṣas, Vidyādharas, Saurabheyas, Guhyakas, Gandharvas, Apsarasen und die Herren der Herden,

martyāścaivātha rohiṇyo gaṇāste madhyamāḥ smṛtāḥ |
bhūtāḥ pretāḥ piśācāśca kūśmāṇḍāḥ pramathā api || 121 ||

10.121 Menschen und Rohiṇī-Gestalten gelten als mittlere Scharen. Bhūtas, Pretas, Piśācas, Kūṣmāṇḍas und Pramathas,

skando bālagrahāścaiva taitalāścaiva bhairavāḥ |
kinnarāścaiva vetālā apasmārāstathaiva ca || 122 ||

10.122 Skanda-Gestalten und kindergreifende Mächte, Taitalas, Bhairavas, Kinnaras, Vetālas und Apasmāras,

yoginyaścaiva ḍhākinyaśśākinyaścaiva cārikāḥ |
mohinyaśceva sarveṣu jaghanyāḥ parikīrtatāḥ || 123 ||

10.123 Yoginīs, Ḍhākinīs, Śākinīs, Cārikās und Mohinīs werden unter allen als die niedrigsten bezeichnet. [Dies ist die Rangordnung des vorliegenden Tempeltextes, keine allgemeingültige Bewertung gleichnamiger Gestalten in anderen Traditionen.]

dhātā'ryamā vidhātā ca matriśca varuṇa stathā |
bhago vivasvān pūṣā ca savitā ca ravistathā || 124 ||

10.124 Dhātṛ, Aryaman, Vidhātṛ, Mitra, Varuṇa, Bhaga, Vivasvat, Pūṣan, Savitṛ und Ravi,

tvaṣṭā viṣṇuriti proktāḥ dvādaśaite'ditessutāḥ |
dharo dhruvaśca somaśca āpaścaivānilo'valaḥ || 125 ||

10.125 Tvaṣṭṛ und Viṣṇu: Diese zwölf gelten als Söhne Aditis. Dhara, Dhruva, Soma, Āpas, Anila, Anala,

pratyūṣaśca prabhāsaśca vasavaśśāntavarcasaḥ |
mṛgavyādhaśca śarvaśca nirṛtirdhvaja ekapāt || 126 ||

10.126 Pratyūṣa und Prabhāsa sind die Vasus von friedvoller Ausstrahlung. Mṛgavyādha, Śarva, Nirṛti, Dhvaja, Ekapād,

ahirbudhnyaḥ pinākī ca yavaṣaśca tathaiva ca |
sthāṇurbhavaḥ kapālī ca rudrāścai kādaśa smṛtāḥ || 127 ||

10.127 Ahirbudhnya, Pinākin, Yavaṣa, Sthāṇu, Bhava und Kapālin gelten als die elf Rudras. [Einzelne Namen sind in der Vorlage beschädigt; sie werden nicht an eine andere Liste angeglichen.]

triṇetrā rudrasadṛśāḥ jaṭāmukuṭadhāriṇaḥ |
āvaho vivahaścaiva udvahassaṃvahastathā || 128 ||

10.128 Sie sind dreiäugig, Rudra ähnlich und tragen Flechtenkronen. Āvaha, Vivaha, Udvaha, Saṃvaha,

nivaho'nuvahaśceva pravahaśca tathaiva ca |
saptaite marutaḥ proktāssapta sastādribhedinaḥ || 129 ||

10.129 Nivaha, Anuvaha und Pravaha heißen die sieben Maruts; anschließend werden siebenmal sieben bergspaltende [Maruts] genannt. [Die letzte Wortgruppe ist beschädigt.]

vyavahārasta |
alo raviśca rudraśca agnirāpastathaiva ca |
pañcaitetu samākhyātāḥ gaṇāssādhyasamāhvayāḥ || 130 ||

10.130 Ala, Ravi, Rudra, Agni und Āpas: Diese fünf werden als die Sādhya genannten Scharen bezeichnet.

rudro'gnissavitā viṣṇurviśve devagaṇāḥ smṛtāḥ |
kavyavāḍavalassomo yama evāryamā tathā || 131 ||

10.131 Rudra, Agni, Savitṛ und Viṣṇu werden als Viśvedeva-Scharen genannt. Kavyavāh, Anala, Soma, Yama und Aryaman,

agniṣvāttāssomapāśca tathā barhiṣadopi ca |
ete pitṛgaṇāḥ proktāssaptaite lokapūjitāḥ || 132 ||

10.132 Agniṣvāttas, Somapas und Barhiṣads heißen die Ahnenscharen; diese sieben werden von der Welt verehrt. [Die erhaltene Aufzählung enthält mehr als sieben Bezeichnungen; die Abgrenzung von Kavyavāh und Anala als Name beziehungsweise Beiwort ist nicht eindeutig.]

kraturdakṣaḥ kālakākhyo vasussatyaśśucī ruci |
purūravā rdvaścaiva viśve deva ime smṛtāḥ || 133 ||

10.133 Kratu, Dakṣa, Kāla, Vasu, Satya, Śuci, Ruci, Purūravas und der beschädigt überlieferte letzte Name gelten als Viśvedevās. [Die Variante bietet Dhruva; die Liste unterscheidet sich von 10.131.]

dhruva |
nāsatyadassamubhayamaśvinau parikīrtitau |
anyonyasadṛśau devau pīyūṣa kalaśodbhavau || 134 ||

10.134 Nāsatya und Dasra werden die beiden Aśvins genannt: einander ähnliche Götter, mit dem Nektargefäß verbunden. [Die Hauptlesung spricht von Herkunft aus dem Gefäß, die Variante vom Tragen des Gefäßes.]

kalaśāvahau |
ravisomāṅgārabudhaguruśukraśanaiścarāḥ |
rāhuketū tathā śliṣṭau kīrta tāstu navagrahāḥ || 135 ||

10.135 Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus, Saturn sowie Rāhu und Ketu werden als die neun Grahas genannt.

kliṣṭau |
śakrāgni yamarakṣāṃsi varuṇo vāyureva ca |
soma īśāna ityaṣṭau lokapālāḥ prakīrtitāḥ || 136 ||

10.136 Śakra, Agni, Yama, der Rākṣasa-Hüter, Varuṇa, Vāyu, Soma und Īśāna heißen die acht Weltenhüter.

brahmā marīciratriśca vinasvān vṛthivīśvaraḥ |
āpaścai vāpavatsaśca savitā ca savitrakaḥ || 137 ||

10.137 Brahmā, Marīci, Atri, Vivasvat, Pṛthivīśvara, Āpas, Āpavatsa, Savitṛ und Savitraka,

citra |
rudro rudrajayaścaiva indra indrajaya stathā |
iśaścaivātha parjanyo jayantaśca mahondrakaḥ || 138 ||

10.138 Rudra, Rudrajaya, Indra, Indrajaya, Niśa, Parjanya, Jayanta und Mahendra,

bhānussatyo bhṛguśceva antarikṣaśca pūrvataḥ |
agniḥ pūṣā kṛśobhanurbṛhat kṣatro yamastathā || 139 ||

10.139 Bhānu, Satya, Bhṛgu und Antarikṣa im Osten; Agni, Pūṣan, Kṛśobhānu, Bṛhatkṣatra, Yama,

gandharvo bhṛṅgarājaśca mṛgaścaiva tu yāmyataḥ |
pitṛdauvārikā ścaiva sukrīvaḥ puṣpadantakaḥ || 140 ||

10.140 Gandharva, Bhṛṅgarāja und Mṛga im Süden; Pitṛ, Dauvārika, Sugrīva und Puṣpadanta,

varuṇaśca bhṛśaścāpo cakṣumaśca manojavaḥ |
roganāthaśca mṛtyanto bhallāṭassoma eva ca || 141 ||

10.141 Varuṇa, Bhṛśa, Āpas, Cakṣumat, Manojava, Roganātha, Mṛtyanta, Bhallāṭa und Soma,

yakṣmāmājanmano |
aditirvāstunāthaśca vāsudevagaṇāḥ smṛtāḥ |
agnirvāyaḥ prajāsaktaścatvāro'ṅgirasaḥ smṛtāḥ || 142 ||

10.142 Aditi und Vāstunātha werden als die Baugrundgottheiten genannt. [Die Hauptzeile schreibt „vāsudevagaṇāḥ“; der Kontext der Liste legt Vāstu nahe, ohne eine sichere Emendation zu liefern.] Agni, Vāyu und die beschädigte Gruppe „prajāsakta“ werden als vier Aṅgiras-Gestalten bezeichnet.

tiṣṭhanti munirupeṇa devarūpeṇa ca dvidhā |
lakṣmīssarasvatī vighnā tisrastu gṛhadevatāḥ || 143 ||

10.143 Sie erscheinen zweifach: in Weisen- und in Göttergestalt. Lakṣmī, Sarasvatī und Vighnā gelten als die drei Hausgottheiten.

ityete'ṣṭādaśa proktāḥ gaṇā madhyottamādhamāḥ |
uttamā madhyamā ścāpi parivāreṣu saṃmatāḥ || 144 ||

10.144 So sind die achtzehn Scharen in vorzügliche, mittlere und niedrigste gegliedert beschrieben. Die vorzüglichen und mittleren gelten als geeignete Begleitgottheiten.

Kapitel 11: Materialien der Götterbilder

Hinweis zur Quelle: Die Nummern 2, 25, 26, 27, 28, 31, 32, 33, 34, 35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54 fehlen in der Vorlage. Erhaltene Fragmente bleiben stehen.

Hinweis zur Nummerierung: Die Nummern 66 sind mehrfach vorhanden. Die deutsche Zuordnung unterscheidet weitere Vorkommen durch Buchstaben; die Sanskritnummer bleibt erhalten.

| pādmasaṃhitāyām |
ekādaśo'dhyāyaḥ |
pratimādravyādividhiḥ |
śrībhagavān |
ataḥ paraṃ pratikṛterdravyasya vidhirucyate |
yanmayaṃ pratimādravyaṃ tadanekaṃ pracakṣate || 1 ||

11.1 Der erhabene Herr sprach: Nun folgt die Vorschrift über das Material des Götterbildes. Die Stoffe, aus denen ein Bild bestehen kann, werden als vielfältig beschrieben.

pravakṣyāmi pratimāvidhi muttamam vidadhyādardhacitraṃ vā kevalaṃ vā samarcayet || 3 ||

11.3 [Nach einer Lücke:] Ich erkläre die vorzügliche Bildvorschrift … man fertige ein Relief oder verehre eine selbständige Bildgestalt. [Die Variante unterscheidet vollplastisches Bild und Relief; der Anschluss ist beschädigt.]

citraṃ vvyardhacitraṃ vā |
uktadravyaphalanirdeśaḥ |
nirdoṣā ratnajāssarvāssarvakāmaphalapradāḥ |
suvarṇaṃ rajataṃ tāmraṃ trividhaṃ lohamiṣyate || 4 ||

11.4 Alle fehlerlosen Edelsteinbilder gewähren die Frucht sämtlicher Wünsche. Bei den Metallen werden drei Arten genannt: Gold, Silber und Kupfer.

hiraṇmayī pratikṛtissarva saṃpatkarī bhavet |
vittaṃ yaśaśca vijayo vijñānaṃ rājatīphalam || 5 ||

11.5 Ein goldenes Bild soll allen Wohlstand bringen; Reichtum, Ruhm, Sieg und unterscheidende Erkenntnis werden als Früchte eines silbernen genannt.

buddhiśśāntaśca saubhāgyamaudumbaryā'rcayābhavet |
śilāyāścāturvidhyam |
śilā caturvidhā brahman varṇabhedaissitādibhiḥ || 6 ||

11.6 Ein kupfernes Bild soll Einsicht, Frieden und Glück bringen. Stein wird nach den Farben, beginnend mit Weiß, in vier Arten unterschieden, Brahmā.

śubhrā śilā brāhmaṇasya kṣatriyasya tu pāṭalā |
vaiśyasya pītā śūdrasya kṛṣṭhā mukhyā yathoditā || 7 ||

11.7 Weißer Stein gilt vorrangig für den Brahmanen, rötlicher für den Kṣatriya, gelber für den Vaiśya und schwarzer für den Śūdra.

brāhmaṇasya catasrassyastisro rājño viśo dvayī |
ekaiva syāccaturdhasya gauṇo'yaṃ vidhirīritaḥ || 8 ||

11.8 Als nachgeordnete Regel werden dem Brahmanen alle vier, dem König drei, dem Vaiśya zwei und der vierten Gruppe nur eine Art zugewiesen. [Die Quelle ordnet Materialien hier historisch nach Varṇa.]

uttamāśilā |
śaṅkhacakragadāpadmaśakti candanamālikāḥ |
siṃhamātaṅgasāraṅgavarāhakuśakuṇḍikāḥ || 9 ||

11.9 Wo im Stein Zeichen wie Muschel, Diskus, Keule, Lotus, Speer, Sandelholz, Girlande, Löwe, Elefant, Antilope, Eber, Kuśagras oder Wassergefäß erscheinen,

śrīvatsacāmaracchatradhvajamatsya vihaṅgamāḥ |
śīlāsu yatra dṛśyanai tilataṇḍulavālukāḥ || 10 ||

11.10 ferner Śrīvatsa, Wedel, Schirm, Fahne, Fisch oder Vogel sowie sesam-, reis- oder sandähnliche Zeichnungen,

tāśśubhā yajamānasya śubhadāḥ pārthivasya ca |
śilādārvādīnāṃ garbhadoṣaparīkṣopāyaḥ |
garbhavatyaśśilā varjyā garbhā hyantaravasthitāḥ || 11 ||

11.11 gelten diese Steine als günstig und dem Stifter wie dem König heilsam. Steine mit innerem „garbha“, Einschlüssen oder verborgenen Hohlräumen, sollen vermieden werden.

yathopalabdhuṃ śakyante taṃ prakāramimaṃ śṛṇu |
navanītaṃ māhiṣajaṃ śṛṅgaṃ meṣasya cūrṇitam || 12 ||

11.12 Höre das Verfahren, durch das solche inneren Befunde erkennbar werden sollen: frische Büffelbutter, pulverisiertes Widderhorn

cūrṇaṃ ca kuruvindasya sampeṣya payasā gavāṃ |
limpecchilāṃtathā dāru garbhavyaktistato bhavet || 13 ||

11.13 und Kuruvinda-Pulver verreibe man mit Kuhmilch. Damit bestreiche man Stein beziehungsweise Holz; so sollen die inneren Befunde sichtbar werden.

vīdhikā yadi dṛśyante maṇḍalāvartakāni ca |
dhvaniśca śithilo yāsu sparśe cauṣṇyamathāpi vā || 14 ||

11.14 Zeigen sich streifenförmige Linien, kreisende Flecken oder Wirbel, klingt der Stein dumpf oder fühlt er sich warm an,

tāsu garbhāsspuṭaṃ santi yatnenotpāṭayettu tāḥ |
pāṭale maṇḍale paṃsūn pāṭalān śvetapaṅkaje || 15 ||

11.15 so befinden sich darin nach der Textlehre deutlich innere Einschlüsse; man entferne solche Stücke sorgfältig. In einem rötlichen Kreis werden rötlicher Staub, in einem weißen Lotuszeichen

śvetapāṃsūn sthitāvantargarbharūpeṇa saṃsthitān |
nirdiśetkapile varṇe snigdhe ca kamaṭhaṃ sthitam || 16 ||

11.16 weißer Staub als innerer Inhalt angenommen; bei glatter, gelbbrauner Färbung wird eine Schildkröte im Innern angezeigt.

gaulīṃ kapote māñjiṣṭhe varṇe lohitadarduram |
śuklaṃ ḍiṇḍīravarṇe tu raktapīte kacchapam || 17 ||

11.17 Bei Taubenfarbe eine kleine Eidechse, bei Krappfarbe ein roter Frosch, bei Schaumfarbe ein weißer [Frosch], bei rotgelber Farbe eine Schildkröte.

gaulikaṃ pātamañjīṣṭhe |
kusumbhapītavarṇe tu pītaṃ varṣābhuvaṃ sthitam |
śuklahemanibhevarṇe garbhe kṣudravihaṅgamam || 18 ||

11.18 Bei gelber Saflorfarbe wird ein gelber Frosch, bei hellgoldener Farbe ein kleiner Vogel als innerer Inhalt angegeben.

kālāyasasame varṇe godhāmantaravasthitām |
guḍavarṇe tu pāṣāṇakhadyotaṃ madhusanni bhe || 19 ||

11.19 Bei einer Farbe wie schwarzes Eisen eine Waraneidechse; bei Rohrzuckerfarbe Stein; bei honigähnlicher Farbe ein Leuchtkäfer … [Die Satzgrenzen der Aufzählung sind teilweise elliptisch.]

sāraṅgasadṛśe varṇe vṛścikaṃ ṅaḍgasanni bhe |
salilaṃ śalabhaṃ nīle rūkṣe phenakameva ca || 20 ||

11.20 Bei antilopenähnlicher Farbe ein Skorpion, bei schwertähnlicher Wasser, bei blauer ein Falter und bei rauer Färbung Schaum.

mūṣikāṃ kapile kṛṣṭhe kaṣṇāhiṃ śaṣpasannibhe |
matsyamevaṃ vidhaṃ garbhaṃ maṇ‍ḍale varṇabhedataḥ || 21 ||

11.21 Bei gelbbrauner Farbe eine Maus, bei schwarzer eine schwarze Schlange, bei grasähnlicher ein Fisch: Solche inneren Inhalte werden nach den verschiedenen Farben der Flecken bestimmt.

kṛṣṇaśiṃśupasannibhe |
budho niścinuyātsarvamuddharecca prayatnataḥ |
garbhavaddāruśilayā pratimāṃ kurute yadi || 22 ||

11.22 Der Kundige erkenne dies alles und entferne die betreffenden Stücke sorgfältig. Fertigt man ein Bild aus Holz oder Stein mit solchen inneren Befunden,

ajñānādvā'tha lobhādvāyajamāna stvarānvitaḥ |
samulaghātaṃ hanyacca sa kulā nyātmanāmaja || 23 ||

11.23 weil der Stifter unwissend, gierig oder in Eile ist, so droht der Text ihm und seiner Familie mit vollständiger Vernichtung, Ungeborener.

ssamanvitaḥ sthāpakaśca vinaśyati |
garbhāgarekṛte paścājjuhuyācchāntaye guruḥ || 24 ||

11.24 [Die Zusatzlesart bezieht auch den Installierenden ein.] Wird ein solches Inneres nachträglich geöffnet beziehungsweise entdeckt, bringe der Guru ein Befriedungsopfer dar. [„garbhāgare“ ist hier unsicher; der Fortgang bricht ab.]

sthānaṃ tasya. strī śilayā bhavet || 29 ||

11.29 [Nach einer Lücke:] … es soll aus weiblich eingestuftem Stein bestehen. [Der Bezug fehlt.]

yoṣicchilā |
ratnanyāsastu kartavyo na śilāyāmiti kramat |
devīnāṃ ca śrīyādīnāṃ nirmāṇe strī śīlā varā || 30 ||

11.30 Die Edelsteindeponierung ist der Reihe nach auszuführen, jedoch nicht im Stein [an der hier gemeinten Stelle]. Für die Herstellung der Göttinnen, beginnend mit Śrī, gilt weiblich eingestufter Stein als vorzüglich. [Der Zusammenhang des ersten Halbverses ist unklar.]

asyārdhasyasaṅgatiścivnyā pārśve nyasyecca vardhanīm |
astramantreṇa saṃsiddhān siddhārdhān dikṣu pātayet || 55 ||

11.55 [Nach einer großen Lücke; ein Zusatz vermerkt selbst den unklaren Anschluss:] Seitlich stelle man die Vardhanī-Kanne auf, nach der Variante rechts. Mit dem Astra-Mantra geweihte Senfsamen streue man in die Richtungen.

dakṣiṇe vardhanīṃ nyaset |
puṇyāhaṃ vācayitvātu cakramudrāṃ pradarśayete |
mahāmudrāṃ pradarśyātha praṇamyāñjalimudrayā || 56 ||

11.56 Nach dem Tagessegen zeige man die Cakra-Mudrā, dann die Mahāmudrā und verneige sich mit der Añjali-Geste.

āvāhayettato devaṃ mūrtimantreṇa sarvagam |
mahākumbhe pratiṣṭhāpya pūjayeddeśikaḥ kramāt || 57 ||

11.57 Mit dem Mūrti-Mantra rufe der Lehrer den alldurchdringenden Gott herbei, mache ihn im großen Krug gegenwärtig und verehre ihn der Reihe nach.

vardhanya mantrarājānaṃ kumbheṣvaṣṭasu pūjayet |
viṣṇvādimūrtīstadanu paramānnaṃ nivedayet || 58 ||

11.58 In der Vardhanī verehre er den König der Mantras, in den acht Krügen die Gestalten, beginnend mit Viṣṇu. Danach bringe er süße Milchspeise dar.

homaṃ kuryāccaturdikṣu kuṇḍe vā sthaṇḍile'pi vā |
pālāśasamidhaḥ puṣpaṃ phalamājyaṃ sapallavam || 59 ||

11.59 In den vier Richtungen vollziehe er Homa in Feuergruben oder auf einem ebenen Opferplatz: Palāśa-Brennholz, Blumen, Früchte, Ghee und junge Blätter

juhuyānmulamantreṇa vṛthagaṣṭottaraṃ śatam |
caruṇā ca nṛsuktena vṛthakkuṇḍacatuṣṭaye || 60 ||

11.60 opfere er jeweils einhundertachtmal mit dem Mūlamantra; gekochte Speise außerdem mit dem Puruṣa-Sūkta, gesondert in jeder der vier Feuergruben.

prācinakuṇḍe juhuyātsarpiṣā vanadevatāḥ |
parvatān gaṇḍaśailāṃśca tatra śṛṅgāṇi nirjharān || 61 ||

11.61 Im östlichen Feuer opfere er Ghee für die Waldgottheiten, Berge, Felsmassen, Gipfel und Wasserfälle,

pārṣadān |
samudrāṃśca tathā vṛkṣānoṣadhīśca vanaspatīn |
jarāyujānaṇḍajāṃśca svedajānudbhijastathā || 62 ||

11.62 für die Meere, Bäume, Kräuter und Waldgewächse sowie die aus Mutterleib, Ei, Feuchtigkeit und Sprossung entstandenen Lebewesen,

tathā sarvāṇi bhūtāni mantraistaddhevtāparaiḥ |
svāhāntaistairvyāhṛtibhiḥ pūrṇāhutyantamabjaja || 63 ||

11.63 für sämtliche Wesen mit auf ihre Gottheiten bezogenen, auf „svāhā“ endenden Mantras und mit den Vyāhṛtis bis zur vollen Abschlussspende, Lotusgeborener.

palalaṃ rajanīcūrṇaṃ lājāpūpāḥ karambhiṇaḥ || 66 ||

11.66 [Die Vorlage setzt hier vor Vers 64 eine erste Nummer 66:] Sesamspeise, Kurkumapulver, Puffreis, Kuchen und Getreidebrei …

carastairbaliṃ dravyairbhūtebhyo nikṣipedguruḥ || 64 ||

11.64 … mit diesen Gaben bringe der Guru den Wesen ein Bali-Opfer dar. [Die gestörte Nummernfolge 63–66–64–65–66 bleibt erhalten.]

pālāśaṃ |
hotavyaṃ svapnapataye sarpiṣā'ṣṭottaraṃ śatam |
vādyaistathā brahmaghoṣairvato ghoṣayenniśi || 65 ||

11.65 Für den Herrn der Träume opfere man einhundertachtmal Ghee. Nachts sollen Instrumente und heilige Rezitationen erklingen.

upoṣya darbhaśayyāyāṃ śucirniyatamānasaḥ |
japannaṣṭottaraśataṃ svapnādipatimātmavān || 66 ||

11.66b Fastend, rein und mit beherrschtem Geist lege man sich auf ein Darbhalager; gesammelt wiederhole man einhundertachtmal [den Mantra] des Herrn der Träume.

svapetsvapne tataśśailaṃ yadi paśyetsamujvalam |
prātareva śilāgrāhyā śāntiṃ kuryādadarśane || 67 ||

11.67 Dann schlafe man. Sieht man im Traum einen hell leuchtenden Fels, nehme man am Morgen den Stein. Bleibt dieses Traumbild aus, vollziehe man einen Befriedungsritus.

durdarśane vā purvoktadurnimittodaye tathā |
śilāṃ muhūrte saṃpaśyecchobhave deśikottamaḥ || 68 ||

11.68 Ebenso bei einem schlechten Traumbild oder den bereits genannten ungünstigen Vorzeichen. Der vorzügliche Lehrer betrachte den Stein zu einem günstigen Zeitpunkt.

yakṣāḥ piśācā nāgādyāḥ yatra tiṣṭhanti nityaśaḥ |
sarve te hyapagacchantu sannidhattāṃ sadāhariḥ || 69 ||

11.69 „Ihr Yakṣas, Piśācas, Nāgas und übrigen Wesen, die ihr stets hier wohnt: Zieht alle fort; Hari möge hier beständig gegenwärtig sein!“

ityuktvā mantrasaṃsiddhān siddhārdhāṃ statra nikṣipet |
baliṃ dadyācca bhūtebhyaḥ pratyāśaṃ sarvamantrataḥ || 70 ||

11.70 Nach diesen Worten streue man mit Mantras geweihte Senfsamen aus. Den Wesen bringe man in jeder Richtung mit den betreffenden Formeln ein Bali-Opfer dar.

puṇyāhaṃ vācayitvā ca pauruṣeṇa śilāḥ spṛśet |
mūlamantreṇa datvā'rghyaṃ japedaṣṭottaraṃ śatam || 71 ||

11.71 Nach dem Tagessegen berühre man die Steine mit dem Puruṣa-Sūkta. Mit dem Mūlamantra bringe man Arghya dar und wiederhole ihn einhundertachtmal.

prāsādasyānurūpeṇa pātayotsūtramañjasā |
śilā sthsapatayaśchindyuḥ rathakārasya śāsanāt || 72 ||

11.72 Dem Tempel entsprechend lege man die Richtschnur an. Auf Anweisung des Baukundigen sollen die Steinmetzen die Steine schneiden.

sirīvaiṣamyeṇa varjyāvarjyaśilānirūpaṇam |
śāntidā dakṣiṇa sirā prāksirā jayadāyinī |
śrīkarī paścimasirā puṣṭiṃ dadyādudaksirā || 73 ||

11.73 Nach Süden verlaufende Adern sollen Frieden, östliche Sieg, westliche Wohlstand und nördliche Gedeihen bringen. [Ein ausführlicher Quellenzusatz besteht auf „sirā“, Ader, statt „śirā“ oder „grīvā“; diese Unterscheidung wird beachtet.]

dakṣiṇagrivā. atra etadādiṣu ślokeṣu sirāśabdanthāne śirā iti tālavyādiḥ kvacitko śe duśyate. nāḍīparyāyassirāśabda evasādurbhavati varjayetkoṇasirasam ityataḥ sirāśabdasya sāntatvaṃ abhyupagantavyam. ātraiva dakṣiṇasirā ityatra dakṣiṇa grīvā. iti pāṭhāntaraṃtu bhramakṛtam. tathaiva koṇasirasaṃ ityatra dantyasthāne koṇaśirasam iti lavyaniveśaśca |
varjayetkoṇasirasaṃ yadi kuryātkulakṣayaḥ |
śilā'nayananiyamaḥ |
yasyāṃ diśi mukhaṃ dhāmna stasyāṃ pratikṛteśśiraḥ || 74 ||

11.74 Diagonal verlaufende Adern meide man; der Text droht andernfalls mit Familienverfall. Der Kopf des Bildes sei beim Transport beziehungsweise bei der Ausrichtung in derselben Richtung wie die Front des Tempels.

vyatyāse yajamānasya rājño rāṣṭrasya vāstutaḥ |
ālayasya ca sarveṣāmacirātkalpate vipat || 75 ||

11.75 Bei Umkehrung wird dem Stifter, dem König, dem Reich, dem Grundstück und dem Tempel baldiges Unheil vorausgesagt.

mūlabhāgaścilānāṃ cetupariṣṭādbhavettathā |
adhastācchecchirobhāgo vipatsyādrājarāṣṭrayoḥ || 76 ||

11.76 Liegt der ursprüngliche untere Teil des Steins oben und sein Kopfteil unten, soll dies König und Reich schaden.

mahākumbhasthatoyena snāpayeduddhṛtāṃ śilām |
viṣṇvādikumbhateyaiśca pauruṣaṃ sūktamuccaran || 77 ||

11.77 Den gewonnenen Stein bade man mit dem Wasser des großen Kruges sowie der Viṣṇu- und übrigen Krüge unter Rezitation des Puruṣa-Sūkta.

pariṣiñcecchilāṃ bhūyo vardhanīsthena vāriṇā |
śriyādidevīpratimārhaśilāvidhiḥ |
devīnāṃ bimba śuddhyardhaṃ pṛthakevādhivāsayet || 78 ||

11.78 Danach besprenge man ihn nochmals mit dem Wasser der Vardhanī. Für die Reinheit beziehungsweise Vollendung der Göttinnenbilder vollziehe man einen gesonderten Adhivāsa.

sidhyarthaṃ |
madhyakumbhercayeddhevīṃ śriyaṃ trailokyamātaram |
aṣṭakumbheṣu sampūjyā devyaścāṣṭau yathākramam || 79 ||

11.79 Im mittleren Krug verehre man Śrī, die Mutter der drei Welten; in den acht Krügen die acht Göttinnen der Reihe nach.

homādi pūrvavatkṛtvā bimbarthā strīśilā bhavet |
astrīyā śilayā devyo vihitāścetpramādataḥ || 80 ||

11.80 Feueropfer und weitere Riten führe man wie zuvor aus. Der für ihr Bild bestimmte Stein sei weiblich eingestuft. Werden Göttinnen versehentlich aus anders eingestuftem Stein geschaffen,

lobhana mahatā yuktā hanyussvaviṣayāḥ prajāḥ |
tasminneva kṣaṇe grāhyāḥ parivāśilāśśubhāḥ || 81 ||

11.81 so wird ihnen zugeschrieben, von großer Gier erfüllt die Bewohner ihres Bereichs zu schädigen. Zur selben Zeit nehme man auch die geeigneten Steine für die Begleitgottheiten.

śilāsaṅgrahaṇaṃ kuryātteṣāṃ mantrairyathākramam |
śilāṃ gṛhītvātāṃ samyagāropyaśakaṭādiṣu || 82 ||

11.82 Ihre Steingewinnung vollziehe man der Reihe nach mit ihren Mantras. Dann lade man den gewonnenen Stein sorgfältig auf Wagen und andere Transportmittel.

nītvā dhāmni sthapatayo rathakāramatānugāḥ |
kuryurarcāṃ yathāśāstraṃ coditairlakṣaṇairyutām || 83 ||

11.83 Die Handwerker bringen ihn zum Heiligtum und fertigen nach den Anweisungen des Baukundigen ein Bild, das die vorgeschriebenen Merkmale besitzt.

śīlāsaṅgrahaṇe karma yaduktaṃ bahirālayāt |
tatsarvamathavā kuryādaṅkurādikamālaye || 84 ||

11.84 Oder man vollziehe sämtliche außerhalb des Tempels für die Steingewinnung beschriebenen Riten, beginnend mit der Keimung, im Tempel selbst.

anyarthaṃ gṛhītamuktāyāḥ punaradhivāsena grahaṇānujñā |
śilā gṛhītvā vidhavattyaktāṃ kartumaśaktitaḥ |
anyārthamapitāṃ viddhi śuddhāṃ bhuyo'dhivāsanāt || 85 ||

11.85 Ein ordnungsgemäß gewonnener Stein, der liegen gelassen wurde, weil man das Vorhaben nicht ausführen konnte, wird durch erneuten Adhivāsa wieder rein, auch für einen anderen Zweck.

dārusaṅgrahaṇakālaḥ |
kārtikādyaṣṭamāneṣu praśasto dārusaṅgrahaḥ |
praśastaṃ sarvamāneṣu śilāsaṃgrahaṇaṃ matam || 86 ||

11.86 Holzgewinnung gilt in den acht Monaten, beginnend mit Kārttika, als günstig; Steingewinnung gilt in allen Monaten als günstig.

upādeyadārunirdeśaḥ |
candanaścāguruścaiva kāsmaryo haricandanaḥ |
kesaraḥ khatiraścaiva kuravaścāsana stathā || 87 ||

11.87 [Geeignete Hölzer:] Candana, Aguru, Kāśmarya, Haricandana, Kesara, Khadira, Kurava und Asana,

madhuko devadāruśca jātirbilvaśśamī tathā |
śākaśca panasaścaiva kadambastilakastathā || 88 ||

11.88 Madhūka, Devadāru, Jāti, Bilva, Śamī, Śāka, Panasa, Kadamba und Tilaka,

nameruḥ phalinī caiva surabhiścampaka sathā |
śiṃśupā kṣīrikā sālo bhījakaḥ kuruvidandakaḥ || 89 ||

11.89 Nameru, Phalinī, Surabhi, Campaka, Śiṃśupā, Kṣīrikā, Sāla, Bījaka und Kuruvindaka,

tiniśaścandanaścūtastamālastaralo'rjunaḥ |
kuṭajaḥ karakelīca saptaparṇo madhuṣṭhilaḥ || 90 ||

11.90 Tiniśa, Candana, Cūta, Tamāla, Tarala, Arjuna, Kuṭaja, Karakelī, Saptaparṇa und Madhuṣṭhila,

varaṇo niculaścaiva punnāgaḥ khadirastathā |
rājavṛkṣaśca ityete pratimārthamudāhṛtāḥ || 91 ||

11.91 Varaṇa, Nicula, Punnāga, Khadira und Rājavṛkṣa: Diese werden für Götterbilder genannt. [Die Sanskritnamen werden ohne unsichere botanische Gleichsetzungen wiedergegeben; Wiederholungen bleiben bestehen.]

sāravanto ghanopetā ssarvadoṣavivarjitāḥ |
etaiḥ kāryā pratikṛtirva rjitairnakadācana || 92 ||

11.92 Sie sollen kernholzreich, dicht und frei von allen Fehlern sein. Aus ihnen fertige man das Bild, niemals aus den ausgeschlossenen Hölzern.

varjanīyānidārūṇi |
varjanīyānapi tarūnabhidhānsāmi tān śuṇu |
svayaṃ śuṣkāśca dagdhāśca svayaṃ bhagnā hatatvacaḥ || 93 ||

11.93 Auch die zu meidenden Bäume nenne ich; höre zu: von selbst vertrocknete, verbrannte, von selbst gebrochene und ihrer Rinde beraubte,

vakrā ghuṇakṣatāścaiva koṭarāḥ pakṣisevitāḥ |
caṇḍālādyadhamaiśśaśvatsevitāḥ pratilomajaiḥ || 94 ||

11.94 krumme, von Holzwürmern beschädigte, hohle, von Vögeln bewohnte sowie solche, die beständig von den in der Quelle als niedrig eingestuften Caṇḍālas und Pratiloma-Geborenen genutzt werden,

nivāsavṛkṣāścaityasthāḥ devatādhiṣṭhitāstathā |
śmaśānasthāśca mārgasthā devālayasamīpagāḥ || 95 ||

11.95 Wohn- oder Aufenthaltsbäume, Bäume an Heiligtümern oder von Gottheiten bewohnte, Bäume auf Verbrennungsplätzen, an Wegen und in Tempelnähe,

kūpasthāśca taṭākasthā vikṛtāścaiva varjitāḥ |
varjitai starubhiḥ kuryātpratimāṃ cetpramādataḥ || 96 ||

11.96 an Brunnen oder Wasserbecken sowie missgestaltete Bäume. Wird aus Nachlässigkeit aus einem ausgeschlossenen Baum ein Bild gefertigt,

kartā kārayitā cobhau sānvavāyau vinaśyataḥ |
dārusaṅgrahaṇepi śilāgrahaṇavadeva vidhiḥ |
dārusaṃgrahaṇe deśe pūrvavacchādhivāsanam || 97 ||

11.97 so droht der Text Ausführendem und Auftraggeber samt ihren Familien mit Untergang. Am Ort der Holzgewinnung vollziehe man den Adhivāsa wie zuvor.

caiva |
śilāgrahaṇavaddhomassarvaḥ kāryo yathāvidhi |
anokahānāmaṅgāni pravālādīni pūrvavat || 98 ||

11.98 Alle Feueropfer sind wie bei der Steingewinnung vorschriftsgemäß auszuführen. Baumteile, junge Triebe und weitere Gaben soll der Lehrer wie zuvor

juhuyādagnikuṇḍe ca prācīne deśikottamaḥ |
prakṣālayedvṛkṣamūlaṃ vāsanā taṃ prakoṇakam || 99 ||

11.99 im östlichen Feuer opfern. Den Wurzelbereich des Baumes wasche man; den betreffenden Stamm- oder Ansatzbereich bedecke man mit Stoff

tatra |
ācchādayetsadarbheṇa mūlamantraṃ samuccharan |
mūrtibhiśca dvādaśabhiḥ matsyādibhiranukramāt || 100 ||

11.100 und Darbhagras unter dem Mūlamantra. Mit den zwölf Gestalten, beginnend mit Matsya, der Reihe nach …

samuccaret |
vṛkṣopasthānam |
hutvā vyāhṛtibhiḥ paścādupatiṣṭheta bhūruham |
karmaṇā pūrvavṛtteva sthāvarākāramāśśitam || 101 ||

11.101 … und danach mit den Vyāhṛtis opfere man und trete an den Baum heran: „Du hast durch früheres Handeln eine unbewegliche Gestalt angenommen.

vṛṇomi viṣṇorbimbārthaṃ sarvasaṃpatkaraṃ tava |
sthāvaratvādito gaccha divyaṃ rūpamanuttamam || 102 ||

11.102 Ich wähle dich für ein Bild Viṣṇus; dies soll dir alles Gedeihen bringen. Geh aus diesem unbeweglichen Dasein zu einer unvergleichlichen göttlichen Gestalt!

namāmi viṣṇoḥ pūjārthaṃ |
bhuṅkṣva bhogāṃśca vipulān vāsudevaprasādataḥ |
hinasmi nāhaṃ vṛkṣa tvāṃ kintu muñcāmi janmataḥ || 103 ||

11.103 Genieße durch Vāsudevas Gnade große Freuden. Baum, ich verletze dich nicht; vielmehr befreie ich dich von dieser Geburt.“ [Dies ist die rituelle Deutung des Fällens innerhalb der Quelle.]

bhinadmi |
ityupasthāya mantreṇa rakṣāsūtreṇa veṣṭayet |
anuktamanyatkartavyaṃ śilāgrahaṇavanniśi || 104 ||

11.104 Nachdem man sich mit diesem Mantra an ihn gewandt hat, umwinde man ihn mit einem Schutzfaden. Alles Weitere, hier nicht eigens Genannte, vollziehe man nachts wie bei der Steingewinnung.

vṛkṣacchedanekāladigādinirdeśaḥ |
prabhāte deśika ssnātvā muhūrte śobhane śuciḥ |
chindyādvṛkṣaṃ kuṭhāreṇa prāṅmukhaḥ puruṣātmanā || 105 ||

11.105 Am Morgen bade der Lehrer und setze zu einem günstigen Zeitpunkt, rein und nach Osten gewandt, mit der Axt den Schnitt an, unter dem Puruṣa-Mantra beziehungsweise in Puruṣa-Vergegenwärtigung.

rathakārastato vṛkṣaṃ chedayedgurvanujñayā |
chinnavṛkṣapatanedigbhedenaphalabhedaḥ |
prācyāmudīcyāṃ patitastarurabhyudayāvahaḥ || 106 ||

11.106 Dann lasse der Baukundige mit Erlaubnis des Gurus den Baum fällen. Fällt er nach Osten oder Norden, gilt dies als Zeichen des Gedeihens.

prakāṇḍena śākhayā bhimbhanirmāṇam tatsaṃskāraśca |
kuryādbimbaṃ prakāṇḍena śākhayā cānurupayā |
kumbhedakena taṃ siñceddhyātvā tatrasthitāṃ harim || 107 ||

11.107 Das Bild fertige man aus dem Stamm oder einem geeigneten Ast. Mit Krugwasser begieße man das Holz und meditiere über Hari, der darin gegenwärtig ist.

mūlamantreṇa paritaspiñcetkaravāriṇā |
gurave dakṣiṇāṃ dadyātpurvavatkamalāsana || 108 ||

11.108 Mit dem Mūlamantra besprenge man es ringsum mit Wasser aus der Hand. Dem Guru gebe man die Gabe wie zuvor, Lotusgeborener.

rathakārasyabimbanirmāṇānujñā |
devālaye drumaṃ nītvā rathakāreṇa kārayet |
bimbamatyadbhutākāraṃ dhāmamānānusārataḥ || 109 ||

11.109 Man bringe das Holz zum Tempel und lasse den Baukundigen daraus ein Bild von überaus wunderbarer Gestalt herstellen, den Tempelmaßen entsprechend.

ālaye cādhivāsādi sthāpayitvā drumaṃ bhuvi |
kuryādbhahirvane yadvatsarvaṃ tadvadyathāvidhi || 110 ||

11.110 Auch im Tempel kann man das Holz auf den Boden legen und Adhivāsa und die übrigen Riten ebenso vorschriftsgemäß ausführen, wie sie draußen im Wald beschrieben wurden.

asaṃskṛtataruṇābiṃbanirmāṇedoṣaḥ |
asaṃskṛtena taruṇā yathoktavidhinā yadi |
kuryātpratikṛtiṃ mohāttadanardhāya kevalam || 111 ||

11.111 Fertigt man aus Verblendung ein Bild aus Holz, das nicht nach dem genannten Verfahren geweiht wurde, so soll dies allein Unheil bewirken.

Ein hinduistischer Tempelinnenraum in Singapur: Raum, Wege und Ausstattung dienen der Verehrung.

Kapitel 12: Bildmaße und Maßeinheiten

pādmasaṃhitāyām |
dvādaśodyāyaḥ |
śrībhagavān |
mūlaberapramāṇādividhiḥ |
athātatsaṃpravakṣyāmi mūlaberasamucchrayam |
garbhavistāramānaṃ vā dvāradairghyamathāpi vā || 1 ||

12.1 Der erhabene Herr sprach: Nun erkläre ich die Höhe des fest installierten Hauptbildes. Als Bezugsmaß kann die Breite des Allerheiligsten oder die Türhöhe dienen,

dhruva |
prāsādapādamānaṃ vā hastamānamathāpi vā |
yajamānapramāṇaṃ vā stambhamānamathāpi vā || 2 ||

12.2 ferner das Maß der tragenden Tempelglieder, ein Hastamaß, das Körpermaß des Stifters oder die Säulenhöhe.

kuryāddhuvapratikṛtiṃ grāmāderanukūlikām |
pratimāyāḥ mānaṃ uttamādibhedaśca |
pratimāgarbhavistāra tulyā śreṣṭhā caturmukha || 3 ||

12.3 Das feste Bild gestalte man so, dass es der Siedlung und den übrigen Beteiligten zuträglich ist. Ein Bild, dessen Höhe der Breite des Allerheiligsten gleicht, gilt als vorzüglich, Viergesichtiger.

sāmyā |
navābhāgai kahīnā tu pratimā madhyamā bhavet |
pañcabhāgaikahīnā tu jaghanyā parikīrtatā || 4 ||

12.4 Ist es um ein Neuntel geringer, gilt es als mittel; um ein Fünftel geringer als kleinste Ausführung.

saptadā gararbhavistāraṃ vibhajya dvau vivarjayet |
śiṣṭabhāga samucchrāyā śroṣṭhā syādathavābjaja || 5 ||

12.5 Oder man teile die Breite des Allerheiligsten in sieben Teile und lasse zwei weg. Ein Bild von der Höhe der übrigen fünf Teile gilt dann als vorzüglich, Lotusgeborener.

madhyamā pañcasūtryaṃśaiḥ tribhadvābhyā kanīyasī |
dvārādhyārdhasamucchrāyā śroṣṭhā pādādhikā punaḥ || 6 ||

12.6 Als mittlere Form wird eine Dreierquote bei Fünfteilung, als kleinste eine Zweierquote bei Dreiteilung genannt. [Diese Lesung ist beschädigt und ergibt keine stetig abnehmende Reihe.] Das Anderthalbfache der Türhöhe gilt als vorzüglich, das um ein Viertel vergrößerte Maß

yadvāpyardha |
madhyamā dvāramātrā tu kaniṣṭhā madhyamā bhavet |
dvāraṃ ṣoḍaśadhā kṛtvā nyunai kadvitrabhiḥ kramāt || 7 ||

12.7 als mittel, die Türhöhe selbst als kleinste Form. [„madhyamā“ steht hier zusätzlich und widersprüchlich.] Oder man teile die Türhöhe in sechzehn Teile und vermindere sie der Reihe nach um einen, zwei oder drei.

śreṣṭhā madhyā kaniṣṭhā syāditthaṃ pādādiṣu kramāt |
uttamā pañcabhirhasteḥ tribhirekena cetare || 8 ||

12.8 So entstehen vorzügliche, mittlere und kleinste Form; entsprechend verfahre man mit den tragenden Gliedern und weiteren Bezugsmaßen. Nach Hastas gelten fünf als vorzüglich, drei und einer als die anderen beiden Stufen.

sthitasya kautukasyāya mucchrasassamudīritaḥ |
āsīnamūrtimānam |
garbagehasya vistāraṃ tridhā bhaṅtkvā dvayī bhavat || 9 ||

12.9 Diese Höhen wurden für ein stehendes Kultbild genannt. [Für ein sitzendes:] Man teile die Breite des Allerheiligsten in drei; zwei Teile ergeben

uttamā pañcadhātryaṃśaiḥ madhyamārdha kanīyasī |
bahirbhaśet |
āsīnā cāthavā śreṣṭhā garbhavistāra sammitā || 10 ||

12.10 die vorzügliche Form, drei Fünftel die mittlere, die Hälfte die kleinste. Oder die vorzügliche sitzende Gestalt entspricht der Breite des Allerheiligsten.

navabhāgaikahīnā tu madhyamā pañcadhā kṛte |
ekenā caramā proktā saptadhā ṣaḍbhiruttamā || 11 ||

12.11 Um ein Neuntel vermindert gilt sie als mittel, um ein Fünftel vermindert als kleinste. Bei Siebenteilung werden sechs Teile als vorzüglich genannt,

saptathaiva tribhirmadhyā tridhā dvābhyāṃ kanīyasī |
dvārādiṣu sthitasyaiva samāsīnonnati kramāt || 12 ||

12.12 drei Siebtel als mittel und zwei Drittel als kleinste. [Diese überlieferte Reihe ist numerisch widersprüchlich.] Bei Tür und weiteren Bezugsmaßen erfolgt die Bemessung der sitzenden Gestalt wie die der stehenden.

hastaissastabhirāsīnā śroṣṭhā madhyā tu pañcabhiḥ |
śayanamūrtimānam |
tribhirjaghanyā vakṣyāmi śayanasyāpi connatim || 13 ||

12.13 Eine sitzende Gestalt von sieben Hastas ist vorzüglich, eine von fünf mittel, eine von drei die kleinste. Nun erkläre ich auch die Ausdehnung der liegenden Gestalt.

āyāmaṃ garbhagehasya bhaṅtkvā ṣoḍaśadhā punaḥ |
avaśiṣṭadaśāṃ śena śayitasyottamonnatiḥ |
āyāmamaṣṭadā kṛtvā hitvādvau mūndhnapārśvataḥ || 14 ||

12.14 Man teile die Länge des Allerheiligsten in sechzehn; die verbleibenden zehn Teile ergeben das vorzügliche Maß der liegenden Gestalt. Für die mittlere teile man die Länge in acht, lasse am Kopfende zwei Teile frei

ekamaṃśaṃ caraṇataśśiṣṭāṃ śenaiva madhyamā |
āyāmaṃ saptadhā kṛtvā mūrdhna dvāvekamaṅghritaḥ || 15 ||

12.15 und am Fußende einen; die übrigen ergeben das mittlere Maß. Für die kleinste teile man die Länge in sieben und lasse am Kopf zwei Teile, an den Füßen einen frei.

paṃcamataḥ |
hitvā kaniṣṭhāśeṣeṇa śayānasyākṛtirbhavet |
vistāre vā caturdhā tu kṛte teṣvekamuddharet || 16 ||

12.16 Aus dem verbleibenden Maß bilde man die kleinste liegende Gestalt. Oder man teile die Breite in vier und ziehe einen Teil ab.

śiṣṭena dviguṇena syācchayanasyottamonnatiḥ |
kṛtvaivaṃ pañcabhāgena syācchayānasya madhyamā || 17 ||

12.17 Das Doppelte des Restes ergibt die vorzügliche Länge der liegenden Gestalt. Entsprechend verfahre man mit einer Fünfteilung für die mittlere. [Die Hauptzeile erläutert den Abzug bei der Fünfteilung nicht eigens; eine Variante nennt das Dreifache.]

triguṇena |
garbha vistāramānena śayānasyādhamā bhavet |
dviguṇā dvāramānena śayānasyottamonnatiḥ || 18 ||

12.18 Die Breite des Allerheiligsten selbst ergibt die kleinste liegende Gestalt. Das Doppelte der Türhöhe ergibt die vorzügliche Länge.

adhyardhamānai rmadhyā syātsapādā caramā bhavet |
uttamādikramo yādṛgdvāramāśritya kīrtataḥ || 19 ||

12.19 Das Anderthalbfache gilt als mittel, das Eineinviertelfache als kleinste Form. Die auf die Tür bezogene Staffelung

dhruvaberasya yādṛksyāt stambhadyāśrayaṇe'pi ca |
saptabiḥ pañcabhirha staistrsibhiśśreṣṭhā yathākramam || 20 ||

12.20 gilt beim Hauptbild entsprechend auch mit Säulen und weiteren Bezugsmaßen. Nach Hastas sind sieben, fünf und drei die drei Stufen.

yāne'pyāsanavanmānaṃ viśvarūpaṃ sthitāṃ yathā |
garbhagehaṃ tridhā kṛtvā dvibhāgaṃ cottamaṃ bhavet || 21 ||

12.21 Bei einer fahrenden oder reitenden Gestalt gilt das Maß der sitzenden, bei Viśvarūpa das der stehenden. Zwei Drittel des Allerheiligsten gelten als vorzüglich,

pañcadā tu kṛte tasmin tribhago madhyamo bhavet |
garbhārdhamadhamaṃ dhāmnā sarvasādhāraṇe vidhiḥ || 22 ||

12.22 drei Fünftel als mittel, die Hälfte als kleinste Form. Dies ist die für Heiligtümer allgemein geltende Regel.

yajamānānuguṇyenamurtimānam |
yajamānādyanuguṇe vidhiradyābhidīyate |
labdhāṃśamaṅgulīkuryātprāsādasya caturmukha || 23 ||

12.23 Nun wird die dem Stifter und den weiteren Beteiligten entsprechende Bemessung erklärt. Die ermittelten Tempelanteile rechne man in Aṅgulas um, Viergesichtiger.

aṅgulividhiḥ |
tatrāṅgulividhiṃ vakṣye yathātadavadhāraya |
paṃcadhāṅgulirākhyātā ucyante tā vidhāḥ kramāt || 24 ||

12.24 Ich erkläre die Aṅgula-Regel; verstehe sie genau. Fünf Arten des Fingermaßes werden der Reihe nach genannt:

mānaṃ mānā ntaraṃ mātrā muṣṭirdeha stathaiva ca |
vakṣyamāṇakrameṇaiṣāṃ bhedānāṃ lakṣaṇaṃ śṛṇu || 25 ||

12.25 Māna, Mānāntara, Mātrā, Muṣṭi und Deha. Höre ihre Merkmale in der nun folgenden Ordnung.

vātāyanapathaṃ prāpya ye yānti raviraśmayaḥ |
teṣu sūkṣmā visarpanti reṇavaḥ paramāṇavaḥ || 26 ||

12.26 Die feinsten Staubteilchen, die in einem durch das Fenster eintretenden Sonnenstrahl schweben, heißen Paramāṇus.

te'ṣṭau keśāhvaya ste'ṣṭau līkṣo yūkastadaṣṭakam |
tadaṣṭakaṃ yavā ste'ṣṭauvaṅgu lissamudāhṛtā || 27 ||

12.27 Acht davon ergeben ein Keśa, acht Keśas eine Līkṣā, acht Līkṣās eine Yūkā, acht Yūkās ein Yava und acht Yavas ein Aṅgula.

taduttamāṅgulissapta yavā ssaiva tu madhyamā |
yavāṣṣaḍadhamā proktā mānāṅgulamidaṃ bhavet || 28 ||

12.28 Dies ist das große Fingermaß; sieben Yavas ergeben das mittlere, sechs das kleine. Diese Maße heißen Mānāṅgula.

vinyastaistiryagaṣṭābhiryavai rmānāntarāgulam |
śālībhirvā ṛjunya staistribhirmānā ntaraṃ bhavet || 29 ||

12.29 Acht quer nebeneinander gelegte Gerstenkörner ergeben ein Mānāntarāṅgula; oder drei gerade angeordnete Reiskörner.

ācāryadakṣiṇakare madhyamāṅgulimadhyame |
parvaṇorantaraṃ dīrghaṃ mātrāṅgulamudāhṛtam || 30 ||

12.30 Der Abstand zwischen den beiden Gelenken des mittleren Fingergliedes am rechten Mittelfinger des Ācārya heißt Mātrāṅgula.

caturdhā vibhajedeko bhāgo muṣṭyaṅguliḥ smṛtā |
kautukāyāmamānam |
yatkiñcitkautukāyāmaṃ vibhajya daśadhā punaḥ || 31 ||

12.31 Teilt man [das betreffende Maß] in vier, gilt ein Teil als Muṣṭyaṅgula. [Der Bezug ist knapp und nicht eindeutig.] Die jeweils gewählte Bildhöhe teile man in zehn;

ekaṃ dvādaśadhā bhāgaṃ kṛtvā teṣvekamaṅgulam |
ucchrāyaḥ pratimāyāssyā nmahāmānāṅgulāśrayaḥ || 32 ||

12.32 einen dieser Teile wiederum in zwölf: Einer davon ist das körperbezogene Aṅgula. Die Bildhöhe beruht auf dem großen Mānāṅgula. [Die Zusatzlesart benennt ausdrücklich Dehāṅgula für das aus der Bildhöhe gewonnene Maß.]

detaddehāṃgulaṃ smṛtam |
prāsādavedikādīnāmaṅgulanirdeśaḥ |
prāsādādīṃśca tenaiva kuryunmānāntareṇa vā |
vedikā pīṭhaśibikā rathādīnāṃ vidhiḥ punaḥ || 33 ||

12.33 Tempelbauten errichte man mit diesem Maß oder mit Mānāntara. Für Altäre, Sockel, Sänften, Wagen und ähnliche Gegenstände

mānāntarāṅgulenai va bhavennanyena kevacit |
yāgopakaraṇānāṃ ca kuryānmātrāṅgulena ca || 34 ||

12.34 verwende man ausschließlich Mānāntarāṅgula. Opfergeräte bemesse man mit Mātrāṅgula.

homāṅgāni sruvādīni kuṇamuṣṭyaṅgulāśrayaḥ |
dehalabdhāṅgulenapratimāṅgamānam |
dehalabdhāṅgulenaiva pratimāṅgāni kalpayet || 35 ||

12.35 Feueropfergeräte wie der Sruva-Löffel beruhen auf Muṣṭyaṅgula. Die einzelnen Glieder des Götterbildes bemesse man dagegen mit dem aus dessen Körperhöhe gewonnenen Aṅgula.

yairyāvadbhirvibhāgāṃ śairarcyamānamudāhṛtam |
grāmādīnāṃ mānāṅgulenai vāyavibhāgaḥ |
mānāṅgulena tanmānamaṅgulīkṛtya tatpuvaḥ || 36 ||

12.36 Das für das zu verehrende Bild angegebene Maß aus den jeweiligen Anteilen rechne man in Mānāṅgulas um.

śayyāvadbhirvamānāṃ |
āyavyayādau saṃyojya grāmāderyacchubhaṃ bhavet |
tattathā vakṣyate brahman idānīmavadhāryatām || 37 ||

12.37 Dann prüfe man es mittels Āya, Vyaya und den weiteren Berechnungen darauf, was der Siedlung günstig ist. Das wird nun erklärt, Brahmā; höre aufmerksam.

laldhāṃśamaṅgulīkṛtya tadaṅgulamathāṣṭabhiḥ |
vardhayeddhrāsayeccaiva punardvādaśasaṅkhyayā || 38 ||

12.38 Das ermittelte Maß in Aṅgulas multipliziere man mit acht und teile es durch zwölf.

āyaṃ śiṣṭāṅgu laṃ jñeyaṃ vyayairnavabhiredhayet |
daśabhiḥ kṣapayecchiṣṭamaṅgulaṃ vyayasaṃjñitam || 39 ||

12.39 Der Rest heißt Āya. Für Vyaya multipliziere man mit neun und teile durch zehn; der verbleibende Rest heißt Vyaya.

āyassamagraśubhado vyasassvalpaśubhāvahāḥ |
pratikūle viparyāse grāmādeḥ kamalāsana || 40 ||

12.40 Āya soll umfassendes Glück, Vyaya nur geringes Glück bringen. Bei ungünstiger Umkehrung wird für die Siedlung die gegenteilige Wirkung angenommen, Lotusgeborener. [Die Vergleichsregel ist hier nicht vollständig ausformuliert.]

tribharvṛddhau kṣayo'ṣṭābhiśśiṣṭaṃ yonirudāhṛtā |
dhvajādyaṣṭau āyāḥ |
dhvajo dhūmastathā saṃhaśśvāvṛṣo gardabhaḥ karī || 41 ||

12.41 Man multipliziere mit drei und teile durch acht; der Rest heißt Yoni. Ihre acht Namen lauten: Fahne, Rauch, Löwe, Hund, Stier, Esel, Elefant

kāka ityucyate yoni ssā śubhā śubhalakṣaṇā |
dhvajassiṃho gajo'vaḍvān śubhayoniśśubhāvahaḥ || 42 ||

12.42 und Krähe. Sie zeigen günstige oder ungünstige Beschaffenheit an. Fahne, Löwe, Elefant und Stier gelten als günstige, Wohlergehen verheißende Yonis.

dhūmadhvāṅkṣakharaśvānaḥ pratikūlā viyonayaḥ |
nakṣatrādikalpanaprakāraḥ |
aṣṭābhirvardhate hānau saptaviṃśatisaṅkhyayā || 43 ||

12.43 Rauch, Krähe, Esel und Hund gelten als ungünstig. Für das Mondhaus multipliziere man mit acht und teile durch siebenundzwanzig.

śiṣṭamṛkṣamiti proktaṃ grāmāde stacchubhaṃ bhavet |
navabhirvardhate hānau pastabhiśśiṣṭamaṅgulam || 44 ||

12.44 Der Rest heißt Ṛkṣa und soll der Siedlung günstig sein. Man multipliziere mit neun und teile durch sieben;

vārāste śubhadāssaumyāḥ krūrāssyurbhayadāyinaḥ |
vṛddhau caturbhirnavabhiśśiṣṭaṃ hānavathāṃśakam || 45 ||

12.45 der Rest bezeichnet den Wochentag. Milde Tage gelten als günstig, grausame als furchtbringend. Multipliziert man mit vier und teilt durch neun, heißt der Rest Aṃśa.

taskaro bhuktiśaktiśca dhanyo naravatiḥ klibaḥ |
sunītiḥ prīṃrāyuṣmān eteṃśāssamudīritāḥ || 46 ||

12.46 Die Aṃśas werden Dieb, Genusskraft, der Begüterte, Menschenherr, Kraftloser, gute Führung, Zuneigung und Langlebiger genannt. [Die Worttrennung von „bhuktiśakti“ ist unsicher; bei Zusammenlesung ergeben sich nur acht statt der rechnerisch erwarteten neun Namen. Die Variante verändert außerdem „sunīti“.]

nirbhītiḥ |
tāladhanuḥ krauśādinirūpaṇam |
mānāṅgulai rdvādaśabhiḥ mānaṃ tālāhyayaṃ matam |
dvautālau kathito hastasai hyaṣṭau dhanurucyate || 47 ||

12.47 Zwölf Mānāṅgulas bilden das Maß Tāla. Zwei Tālas heißen Hasta, acht Hastas Dhanus.

dvetālekathitā hastāstasyā |
sa eva daṇḍassayugaḥ krośastaiḥ paṃca bhiśśataiḥ |
krośaiścaturbhirgaupānaṃ yojanaṃ taccaturgaṇam || 48 ||

12.48 Dasselbe Maß heißt auch Daṇḍa und Yuga. Fünfhundert davon ergeben einen Krośa; vier Krośas ein Gaupāna und das Vierfache davon ein Yojana. [„Gaupāna“ und „Yuga“ sind hier überlieferte Maßbezeichnungen; sie werden nicht durch geläufigere Reihen ersetzt.]

grāmasya yajamānasya rājño janapadasya ca |
āyādiranukūlaścetpratimāssarvasiddhidāḥ || 49 ||

12.49 Sind Āya und die übrigen Werte für Siedlung, Stifter, König und Land günstig, sollen die Bilder alle Vollendungen gewähren.

āyādireṣa vijñeyo mūlaberasamāśrayaḥ |
na tadaṅgeṣu bimbeṣu lohajeṣvitareṣu vā || 50 ||

12.50 Diese Āya-Berechnung ist auf das fest installierte Hauptbild zu beziehen, nicht auf dessen zugehörige Bilder aus Metall oder anderen Stoffen. [Die Variante hat eine abweichende Verneinungsfügung.]

tadanaṅgeṣu |
śraddhābimbeṣu vijñeyastathā bhavanakautuke |
prasthādimānabhedāḥ |
prasthā dīnā tuṃ maryādā prasaṅgāducyate' dhunā || 51 ||

12.51 Sie gilt auch für aus persönlichem Glauben gestiftete Bilder und für das zum Gebäude gehörige Kultbild. Bei dieser Gelegenheit werden nun die Maße von Prastha und den weiteren Einheiten erklärt.

derapi.13. mayā |
catvāro vrīyaḥ kuñjāste'ṣṭau mañjiṣṭha ucyate |
te śataṃ ṣaṣṭiradhikaṃ niṣkaṃ niṣkāṣṭakaṃ phalam || 52 ||

12.52 Vier Reiskörner ergeben eine Kuñjā; acht davon eine Mañjiṣṭha. Hundertsechzig davon ergeben ein Niṣka, acht Niṣkas ein Phala. [Die Namen „Kuñjā“, „Mañjiṣṭha“ und „Phala“ stehen so in der Vorlage; mögliche Schreibfehler werden nicht still berichtigt.]

phalāni pañca kuḍubhaṃ prasthaṃ syāttu caturgaṇam |
taccaturguṇakaṃ vidyādāḍhakaṃ tadvayaṃ śivam || 53 ||

12.53 Fünf Phalas ergeben ein Kuḍubha, das Vierfache einen Prastha, wiederum das Vierfache einen Āḍhaka und dessen Doppeltes einen Śiva.

taddvayaṃ droṇamuditaṃ khārī tadvitayaṃ bhavet |
tatkhārītritayaṃ bhāraṃ parimāṇamudīritam || 54 ||

12.54 Das Doppelte davon heißt Droṇa, das Doppelte eines Droṇa Khārī und drei Khārīs ein Bhāra. So wird die Maßordnung angegeben.

Kapitel 13: Traggerüst, Sockel und Schlangenlager

Hinweis zur Quelle: Die Nummern 41, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59, 60, 61, 62, 63, 64, 65 fehlen in der Vorlage. Erhaltene Fragmente bleiben stehen.

pādmasaṃhitāyām |
trayodaśo'dhyāyaḥ |
śrībhagavān |
śūlasthāpanavidhiḥ |
athātatsaṃpravakṣyāmi śūlasya sthāpanāvidhim |
sajātīyavijātīya śūlākārapramāṇādividhiḥ |
sthirāṇi candanādīni dārūṇi ghanavanti ca || 1 ||

13.1 Der erhabene Herr sprach: Nun erkläre ich das Einsetzen des Śūla, des inneren Traggerüsts. Feste, dichte Hölzer wie Sandelholz

adhivāsya yathāpūrvaṃ gṛyāhṇīddeśikottamaḥ |
vṛkṣajātīyayā vyaktyā śūlaṃ yadyekayā bhavet || 2 ||

13.2 gewinne der vorzügliche Lehrer nach dem bereits beschriebenen Adhivāsa. Besteht das Gerüst aus einem einzigen Stück einer Holzart,

vṛkṣajātiryathā proktā |
uttamaṃ tadvijānīyāt parvabhiryadi madhyamam |
nānājātīyayā tacchedadhamaṃ kamalāsana || 3 ||

13.3 gilt es als vorzüglich; ist es aus verbundenen Teilen derselben Art hergestellt, als mittel; aus verschiedenen Holzarten als geringste Ausführung, Lotusgeborener.

bahvībhi |
śilpibhistakṣayitvā tu asāraṃ vyavanīya tu |
sāreṇa kārayecchūlaṃ prāmāṇaṃ tasya kathya te || 4 ||

13.4 Die Handwerker sollen das Holz bearbeiten und das Nichtkernholz entfernen. Aus dem Kernholz fertige man das Gerüst. Nun werden seine Maße angegeben.

aṅgulīnāṃ caturviṃśacchataṃ kautukamunna tam |
dvyadhikā ṣaṣṭirāyāmo vaṃśadaṇ‍ḍasya kathya te || 5 ||

13.5 Bei einer Bildhöhe von einhundertvierundzwanzig Aṅgulas beträgt die Länge des mittleren Rückenstabs zweiundsechzig Aṅgulas.

tasya mūlāgramadhyāni vistīrṇāni yathākramam |
tasyāryaṅgulamānāni sārdhāni trīṇi tāni ca || 6 ||

13.6 Für seine Breiten unten, oben und in der Mitte werden der Reihe nach dreieinhalb Aṅgulas sowie weitere beschädigte Maßwörter genannt. [Die vollständige Verteilung ist nicht sicher rekonstruierbar.]

yavāṣṣaṭca tathā nāhaṣṣodaśāṅgulasamitaḥ |
mūlasya syāttathā madhye nāhaḥ pañcadaśāṅgulaḥ || 7 ||

13.7 Hinzu kommen sechs Yavas; der Umfang unten beträgt sechzehn Aṅgulas, in der Mitte fünfzehn.

caturdaśāṅgulo nahastadagre kamalāsana |
vakṣodaṇḍaścatustriṃśadaṅgulasyatsamāyataḥ || 8 ||

13.8 Oben beträgt der Umfang vierzehn Aṅgulas, Lotusgeborener. Der Bruststab sei vierunddreißig Aṅgulas lang,

caturaṅgulavistāraṣṣodaśāṅgulamānataḥ |
dviśikhaṃ triśikhaṃ vāpi śikhā kiṃśukakuṭmalaḥ || 9 ||

13.9 vier Aṅgulas breit und sechzehn im Umfang. Er habe zwei oder drei Spitzen, deren Form einer Kiṃśuka-Knospe gleicht.

āyāmo bāhudaṇḍasya pañcaviṃśāṅgulo bhavet |
sārdhaṃ tyaṅgulakaṃ mūlaṃ vistīrṇaṃ tasya madhyamam || 10 ||

13.10 Der Oberarmstab sei fünfundzwanzig Aṅgulas lang, sein Ansatz dreieinhalb Aṅgulas breit; für die Mitte

dvyaṃgulaṃ tryaṃgulaṃ sardhamagraṃ tasya caturmukha |
prakoṣṭhamāyataṃ viṃśatyaṃgulaṃ dviyavādhikam || 11 ||

13.11 werden zwei beziehungsweise dreieinhalb Aṅgulas und für das Ende ein weiterer nicht sicher abgegrenzter Wert genannt, Viergesichtiger. Der Unterarm sei zwanzig Aṅgulas und zwei Yavas lang.

mūlamadhyāgravistāraḥ dvyaṃgulastryaṃgulo'pi vā |
sārdhastathāṃgulāni syustrīṇi vidyādyathākramam || 12 ||

13.12 Für die Breiten des Unterarms an Ansatz, Mitte und Ende nennt die beschädigte Zeile zwei, drei, einen halben zusätzlichen Anteil und drei Aṅgulas. [Eine verlässliche Zuordnung zu drei Positionen ist nicht möglich.]

suṣiraṃ bāhumūlaṃ syādagraṃ bāhuprakoṣṭhayoḥ |
vithunaṃ kalpanīyaṃ syānnī cabāhurapīdṛśaḥ || 13 ||

13.13 Der Oberarmansatz sei hohl beziehungsweise mit einer Aufnahme versehen; die Enden von Oberarm und Unterarm erhalten zusammenpassende Verbindungen. Der untere Arm werde entsprechend ausgeführt.

āyāmaḥ kalpadaṇḍasya ṣodaśāṃgulasammitaḥ |
vistārastasya madye syāccaturaṃgulasaṃmitaḥ || 14 ||

13.14 Der als Kalpadaṇḍa bezeichnete Stab sei sechzehn Aṅgulas lang und in der Mitte vier Aṅgulas breit.

ṣoḍaśāṃgulanāhaśca tasya madhyaḥ prakīrtitaḥ |
āyāmaḥ pārśpadaṇḍasya kāryo dvāttriṃśadaṃgulaḥ || 15 ||

13.15 Sein mittlerer Umfang beträgt sechzehn Aṅgulas. Der Seitenstab sei zweiunddreißig Aṅgulas lang.

pārśvadaṇḍaparīṇāhaścaturaṅgulasaṃmitaḥ |
dviśikhaśca kaṭīdaṇḍo vakṣodaṇ‍ḍo niyogataḥ || 16 ||

13.16 Für seinen Umfang werden vier Aṅgulas genannt. Der Hüftstab habe zwei Spitzen und werde dem Bruststab entsprechend eingerichtet.

daṇḍayoḥ pārśvayossamyagūrdhvadaṇḍasya cāyatiḥ |
ekaviṃśāṃgulo daṇḍo jaṅghādaṇḍasamo bhavet || 17 ||

13.17 Die beiden Seitenstäbe und der obere Stab werden in ihrer Länge aufeinander bezogen; einundzwanzig Aṅgulas werden genannt, gleich dem Unterschenkelstab. [Die Variante bietet siebenundzwanzig; die Satzglieder sind gestört.]

saptaviśāṃgulāsaina |
madhyāgramūlavistāraḥ krameṇa paripaṭhyate |
tryaṃgulo'rdhādhikassārdho dvyaṃgulaścaturaṃgulaḥ || 18 ||

13.18 Für Mitte, Ende und Ansatz werden der Reihe nach Breiten angegeben: dreieinhalb, zweieinhalb und vier Aṅgulas. [Der überlieferte Wortlaut enthält zusätzliche, nicht eindeutig zuzuordnende Halbanteile.]

jaṅghāyāstryaṃgulaṃ mūlaṃ sārdhadvyaṃgulamantaram |
ardhaṃ ca dvyagulaṃ tatra triguṇaṃ sahanaṃ matam || 19 ||

13.19 Der Unterschenkelansatz misst drei Aṅgulas, die Mitte zweieinhalb; am Ende werden zwei mit einem halben Anteil genannt. Das Dreifache gilt als zugehöriger Umfang. [Die letzte technische Bezeichnung ist beschädigt.]

ūrumūlaṃ ca suṣiraṃ dvyaṃgulaṃ ṣaḍyavādhikam |
ūrujaṅghāgrayorante mithunaṃ parikalpayet || 20 ||

13.20 Der Oberschenkelansatz sei mit einer Aufnahme von zwei Aṅgulas und sechs Yavas versehen. An den Enden von Ober- und Unterschenkel fertige man passende Verbindungen.

vaṃśadaṇḍamuraḥ kaṭyāḥ madhye nimne niveśayet |
śūlapramāṇamuditaṃ śūlasaṅkhyādhunocyate || 21 ||

13.21 Den Rückenstab setze man in die mittleren Vertiefungen von Brust- und Hüftstab. Damit sind die Gerüstmaße beschrieben; nun folgt die Anzahl der Stäbe.

śūlānāṃśaṅyā |
vaṃśadaṇḍaḥ kaṭīdaṇḍo vakṣodaṇḍastathaiva ca |
bāhudaṇḍāśca catvāraḥ prakoṣṭhena tathā vidhaḥ || 22 ||

13.22 Rückenstab, Hüftstab, Bruststab, vier Armstäbe samt den entsprechenden Unterarmteilen

pārśva |
jaṅghādaṇḍaśca ityete śūladaṇḍāstrayodaśa |
śleṣayettadyathāyegaṃ suṣiraṃ naivakārayet || 23 ||

13.23 und Unterschenkelstäbe: So werden dreizehn Gerüststäbe genannt. Man füge sie passend zusammen und lasse keine Hohlräume zwischen den Verbindungen. [Die Aufzählung ist nicht eindeutig in dreizehn Einzelstücke aufzulösen.]

na ca kīlaṃ vidhatavyaṃ śilpibhiśśūlakarmaṇi |
vaṃśadaṇḍaṃ kirīṭāntaṃ mūrdhāntaṃ vā pracakṣate || 24 ||

13.24 Beim Gerüstbau sollen die Handwerker keine Keile beziehungsweise Nägel verwenden. Der Rückenstab kann bis zur Krone oder bis zum Scheitel reichen,

pādāntaṃ vā yathāsthairyaṃ tathā kuryādvilakṣaṇaḥ |
lohapaṭṭena sanīnāṃ bandhanaṃ dṛḍhamācaret || 25 ||

13.25 oder bis zu den Füßen; der Kundige gestalte ihn so, dass Festigkeit gewährleistet ist. Die Verbindungen sichere man fest mit Metallbändern.

śūladaṇḍasyalohādibhedaḥ |
lohajāśśūladal‍ḍāsyurathavā vibhave sati |
vaṃśamūlaṃ catuṣkoṇamaṣṭāśraṃ madhyamiṣyate || 26 ||

13.26 Bei ausreichenden Mitteln können die Gerüststäbe auch aus Metall bestehen. Der Ansatz des Rückenstabs sei viereckig, die Mitte achteckig,

agraṃ muvṛttaṃ śūlāni vṛttānyanyāni vā vyathā |
vaṃśadaṇ‍ḍajamānasya ganādarvāgṛjurbhavet || 27 ||

13.27 das Ende gut gerundet. Die übrigen Stäbe können rund oder anders passend geformt sein. Der Rückenstab soll unterhalb des betreffenden Halsbereichs gerade sein. [Die Ortsbezeichnung der Hauptzeile ist beschädigt.]

vaṃśadaṇḍaṃ dadhāsasya vaṃśadaṇḍaṃ tathā nāsya |
upariṣṭādyathāyogaṃ kiñcidbhugnaṃ caturmukha |
pratimānāṃ yathābhāgaṃ vaṃśadaṇḍasthitirbhavet || 28 ||

13.28 Darüber kann er nach Bedarf leicht gebogen sein, Viergesichtiger. Seine Lage richtet sich nach der jeweiligen Haltung des Bildes.

vakṣodaṇḍaḥ kaṭīdaṇḍaḥ kiñcidbhugnaśikho bhavet |
bhujorudaṇḍayormūlaṃ nimnaṃ kṛtyā yathā śikham || 29 ||

13.29 Brust- und Hüftstab sollen leicht gebogene Enden besitzen. Am Ansatz der Arm- und Oberschenkelstäbe fertige man den Enden entsprechende Vertiefungen.

mukhaṃ sārthaṃ kirīṭasya śūladviguṇameva vā |
maulimūlasya vistārastryaṅgulaṃ vā yavatrayam || 30 ||

13.30 Für Gesicht samt Krone wird das Doppelte des betreffenden Gerüstmaßes genannt. Die Breite des Kronenansatzes beträgt drei Aṅgulas und drei Yavas. [Der genaue Vergleich im ersten Halbvers ist unsicher; Varianten verändern auch die Breitenangaben.]

śūlamūlasyavistārastryaṅgulaṃ ca caturyavam |tryaṃgulaṃ madhya hāgraṃ tu sārtha |
triyavaṃ tryaṃgulaṃ madhyaṃ sārdhatryaṃgulasammitam |
bāhvantamūlaberasya devīnāṃ śayane sati || 31 ||

13.31 Für Mitte und Ende folgen Maße von drei Aṅgulas mit drei Yavas beziehungsweise dreieinhalb Aṅgulas. Bei den Göttinnen neben einem liegenden Hauptbild reicht das Gerüst bis zur Armhöhe des Hauptbildes.

śūlamanyatra yānādau nāsikāntamathāpi vā |
cibukāntaṃ yathoccrāyaṃ brahmaṇaśśayane sati || 32 ||

13.32 Bei anderen Gestalten, etwa auf einem Fahrzeug, kann es bis zur Nase oder zum Kinn reichen, der jeweiligen Höhe entsprechend. Für Brahmā bei einem liegenden [Hauptbild]

śūlaṃ jānvantamanyatra bahusīmāntamiṣyate |
bhṛgvādiparivārāṇāṃ bāhusīmāntamucyate || 33 ||

13.33 soll das Gerüst bis zur Kniehöhe reichen, sonst bis zur Armhöhe. Für Bhṛgu und die übrigen Begleiter wird ebenfalls die Armhöhe genannt. [Die Bezugsfigur der Höhenvergleiche ist nicht an jeder Stelle ausdrücklich wiederholt.]

śūlānāṃjalādhivāsādi |
jalādhivāsanaṃ caiva sthāpanaṃ maṇḍape tathā |
homaṃ kumbhārcanaṃ dvārapūjā brāhmaṇatarpaṇam || 34 ||

13.34 Wasser-Adhivāsa, Aufstellung in der Halle, Feueropfer, Krugverehrung, Verehrung am Eingang und Bewirtung der Brahmanen

śuddhiśca śoṣa ṇādīni śūlānāṃ bimbavat smṛtam |
na divā piṇḍikāṃ rātrau adhivāsya samāhitaḥ || 35 ||

13.35 sowie Reinigung, Trocknung und die weiteren Handlungen gelten für die Gerüste wie für Bilder. Den Sockel weihe man gesammelt nachts, nicht am Tag.

śvobhūte vāstunā homaṃ dadyādvāstubaliṃ tathā |
garbhagehaśodhanam |
śodhayergarbhagehaṃ ca mārjanālepanādibhiḥ || 36 ||

13.36 Am nächsten Morgen bringe man das Vāstu-Feueropfer und Vāstu-Bali dar. Das Allerheiligste reinige man durch Fegen, Bestreichen und weitere Handlungen.

sūtraṃ candanato yona siktamāsphālayetkramāt |
sūtrāṇyudaṅgukhānyasṭau prāṅgukhāni tathaiva ca || 37 ||

13.37 Mit in Sandelwasser getauchten Schnüren schlage man die Linien an: acht nach Norden und ebenso viele nach Osten.

koṣṭhānyekonapañcāśannyūnādhikavivarjitāḥ |
bāhmaṇādisaṃjñakabhagavidhiḥ |
brāhmaṇo madhyamo bhāgaḥ daivikastu tadantaraḥ || 38 ||

13.38 So entstehen genau neunundvierzig Felder. Die Mitte heißt Brahma-Bereich, der anschließende Ring Daiva-Bereich,

tratīye mānuṣasturyaḥ pai śāco bhāga iṣyate |
arcanāpīṭhikā brāhme bhāge dhaive sthitirbhavet || 39 ||

13.39 der dritte Mānuṣa-, der vierte Paiśāca-Bereich. Der Verehrungssockel liegt im Brahma-Bereich, die stehende Gestalt im Daiva-Bereich.

mānuṣe parivārāssyurāyudhāni caturthake |
kiñcinmānuṣamāśritya daive syādāsanaṃ bhavet || 40 ||

13.40 Im Mānuṣa-Bereich stehen die Begleiter, im vierten die Waffen. Der Sitz liegt im Daiva-Bereich und greift etwas in den Mānuṣa-Bereich über.

divyamānuṣayeśśayyā pai śāce yānamiṣyate || &daive devyasthsitā vāstyurāsane tasya pārśvataḥ || 42 ||

13.42 Das Lager liegt in Daiva- und Mānuṣa-Bereich; das Fahrzeug wird im Paiśāca-Bereich vorgesehen. Die Göttinnen können im Daiva-Bereich stehen oder seitlich am Sitz angeordnet werden. [Die Vorlage verbindet diese Zeilen unter Nummer 42; Nummer 41 fehlt.]

śayane 'pi yathāyogaṃ yānārūḍhe'pi vai tathā |
sūtrāṇāmuṅmukhatā |
udaṅmukhāni sūtrāṇi daśa tāvannipātayet || 13. || 43 ||

13.43 Bei einer liegenden oder auf einem Fahrzeug befindlichen Gestalt verfahre man entsprechend. [Alternative Einteilung:] Man schlage zehn nach Norden gerichtete Schnüre an,

pāṅmukhānyapi koṣṭhānāmekāśītirbhavettataḥ |
madhyamo brahmaṇo bhāgaḥ daivassyāttadanantaraḥ || 44 ||

13.44 und ebenso viele nach Osten. So entstehen einundachtzig Felder. Die Mitte ist Brahmas Bereich, der nächste Ring der göttliche,

tṛtīyaḥ paitṛkasturyo mānuṣaḥ pañcamaḥ punaḥ |
paiśāca iti vā bhāgān kalpayedgarbhamandire || 45 ||

13.45 der dritte der Ahnenbereich, der vierte der menschliche und der fünfte der Paiśāca-Bereich. Auch so kann man das Allerheiligste gliedern.

ekabera bahubarādīnāṃ brāhmādibhāgabhedaḥ |
ekaberavidhirbrāhme bahubheraṃ tu daivike |
daive ca mānuṣe bhāge dvayorāsanamiṣyate || 46 ||

13.46 Bei nur einem Bild gilt die Einrichtung im Brahma-Bereich, bei mehreren im göttlichen. Für die sitzende Gestalt sind der göttliche und menschliche Bereich zusammen vorgesehen.

daivamānuṣapityreṣu śayanaṃ triṣu kārayet |
paiśāce mānuṣe caiva dvayoryānaṃ vidhīyate || 47 ||

13.47 Die liegende Gestalt ordne man in den drei Bereichen Daiva, Mānuṣa und Pitṛ an; für das Fahrzeug dienen Paiśāca- und Mānuṣa-Bereich.

uktasthānaviparyāse aniṣṭaphalaṃ |
uktasthānaviparyāse rājā rāṣṭraṃ ca naśyati |
tasmādyathoktabhege syusthsāpyā ṛddhimabhīppubhiḥ || 48 ||

13.48 Bei Vertauschung der genannten Standorte droht der Text König und Reich mit Untergang. Wer Gedeihen wünscht, installiere die Bilder daher in den vorgeschriebenen Bereichen.

kāmanānuguṇaṃ sthāpanābhūmiḥ |
catasraḥ sthāpanābhūmi kṛtvā madhye pade punaḥ |
muktikāmo'rcayeddhevaṃ pade tu tadanantare || 49 ||

13.49 Man lege vier Installationsbereiche an. Wer Befreiung wünscht, verehre den Gott im mittleren Feld; im anschließenden Feld … [Der Fortgang fehlt.]

catasraḥ ityādiśḷokadvayaṃ kvacinnadṛśyate. bhiryutam || 66 ||

13.66 [Nach einer großen Lücke bleibt lediglich ein Wortende mit der Bedeutung „versehen mit …“. Die vorausgehende Maß- und Sockelbeschreibung ist nicht überliefert.]

barhakam |
dalairdvādaśabhiryadvā yuktamaṣṭabhireva vā |
aṅghrimānavaśenaiva dalānāṃ drāghimā bhavet || 67 ||

13.67 … mit zwölf oder acht Blättern. Die Länge der Blätter richte sich nach dem Fußmaß.

ūrdhvacchadamuyuktaṃ tato'lpadalasaṃyutam |
madhye karṇikayā yuktaṃ kiñcitphullāmbubajākutim || 68 ||

13.68 Mit aufwärts gerichteten Blättern, weiteren kleineren Blättern und einer mittleren Samenkapsel gleiche der Sitz einem leicht geöffneten Lotus.

divye bhāgesthitasyaiṣa viṣṭarassamudīritaḥ |
ekaberādibhedena vedi kāmānam |
ekabere tadāyāmaṃ tridhā kṛtyaikabhāgikām || 69 ||

13.69 Dies ist der Sitz für die im göttlichen Bereich stehende Gestalt. Bei einem Einzelbild teile man dessen Länge in drei und nehme einen Teil

vistāraḥ |
vediṃ kuryāccaturthā vā turyāṃ śena prakalpayet |
utsedho'yaṃ snānavedervṛttā vṛttāyatā tuvā || 70 ||

13.70 für die Höhe des Badealtars; alternativ ein Viertel. Der Altar kann rund oder länglich-rund sein,

caturaśāyatā vāpi ṣa़ḍaśāṣṭāśrikāpi vā |
upānakaṭisaṃyuktā kartavyā dvādaśāṃgulā || 71 ||

13.71 auch rechteckig, sechseckig oder achteckig, mit Unterleiste und Hüftglied versehen. Zwölf Aṅgulas werden dafür genannt. [Der genaue Bezug dieses Maßes bleibt unklar.]

upanadādi |
āyataṃ nālametasya caturbhirathavāṅgulaiḥ |
viṃśatyā cāyataṃ tasya mukhaṃ makaravaktravat || 72 ||

13.72 Für die Ablaufröhre werden vier Aṅgulas und eine Länge von zwanzig Aṅgulas genannt; ihre Mündung gleiche einem Makaramaul.

kiñcinnimnaṃ ya thātasmānnālaṃ tiryagathosthitam |
upariṣṭācca tadvedervalayaṃ ca turaṅgulam || 73 ||

13.73 Sie liege leicht abgesenkt, sodass der Abfluss seitlich hinausführt. Oberhalb des Altars fertige man einen Rand von vier Aṅgulas

unnataṃ kārayettāvadvistāraṃ kamalāsana |
vedikānuguṇaṃ yadvā padmamevākhilaṃ bhavet || 74 ||

13.74 Höhe und ebensolcher Breite, Lotusgeborener. Oder die ganze Anlage werde als Lotus dem Altar entsprechend gestaltet.

devamukhādibhedena jalapraṇālībhedaḥ |
pratyaṅmukhasya devasya prāṅmukhasya tathā bhavet |
praṇālyudaṅmukhā kāryādakṣiṇedaṅmukhasya tu || 75 ||

13.75 Bei einer nach Westen oder Osten blickenden Gottheit führe der Ablauf nach Norden. Bei einer nach Süden oder Norden blickenden

praṇālī prāṅmakhā kāryā nānyatra vidhiriṣyate |
dārākulyāvidhiḥ |
dhārārulyā ca kartavyā yāvacchidraṃ bahisthitam || 76 ||

13.76 führe er nach Osten; eine andere Richtung ist nicht vorgesehen. Eine Abflussrinne reiche bis zur äußeren Öffnung.

upānadādi.13. yadvāśvabhraṃ |
hastihastādibhiśśvabhre jaladhārāṃ nipātayet |
vṛttaṃ vā caturaśraṃ vā śvabhraṃ kuryācchilādibhiḥ || 77 ||

13.77 Durch Elefantenrüssel- und ähnliche Ausläufe leite man den Wasserstrahl in ein Becken. Dieses sei rund oder quadratisch und aus Stein oder vergleichbarem Material hergestellt,

manoharamagādhaṃ ca bahi staddhevatālayāt |
āsīnamūrtividhiḥ |
āsīnasyābhidhāsyāmi pramāṇaṃ siṃhaviṣṭare || 78 ||

13.78 schön, nicht tief und außerhalb des Tempels gelegen. Nun erkläre ich das Maß des Löwensitzes für die sitzende Gestalt.

dehalabdhaṃgulaiṣṣaḍbhirutsedhaṃ triṃśatāpi ca |
dviguṇai rāyataṃ tasya siṃhairaṣṭābhirāsanam || 79 ||

13.79 Seine Höhe beträgt sechsunddreißig körperbezogene Aṅgulas, seine Länge das Doppelte. Acht Löwen

dhriyamāṇaṃ caturbhirvā teṣāṃ vaktrāṇi saṃhinat |
śiṣṭaṃ vapuḥ puruṣavaccaturbharbahubhiryutam || 80 ||

13.80 oder vier sollen den Sitz tragen. Ihre Gesichter sind löwenartig, der übrige Körper menschenartig und vierarmig.

bibhrāṇau viṣṭaraṃ dvābhyāṃ dvābhyāṃbadhvā jalaṃ hṛdi |
ratnaiḥ pariṣkṛtaṃ pīṭhaṃ siṃhairvā kevalai ryutam || 81 ||

13.81 Mit zwei Armen tragen sie den Sitz, die beiden anderen halten sie in Añjali vor dem Herzen. Der Sockel sei mit Edelsteinen geschmückt; alternativ wird er allein von Löwen getragen,

gajāṅghribhirvā tadyuktaṃ kuryānnaivānyathā vidhiḥ |
bhogaśayyāvidhiḥ |
bhogaśayyāśayānasya vakṣyāmi kamalāsana || 82 ||

13.82 oder besitzt Elefantenfüße. Eine andere Gestaltung ist hier nicht vorgesehen. Nun erkläre ich das Schlangenlager der genießend ruhenden Gestalt, Lotusgeborener.

vṛttāyataṃ yathāyogaṃ tathā trirmaṇḍalīkṛtam |
prādakṣiṇyena valayaiḥ pañcabhirvādha saptabhiḥ || 83 ||

13.83 Es sei passend länglich-rund, mit drei Windungen angelegt; oder mit fünf beziehungsweise sieben rechtsherum laufenden Ringen.

dehāṅgalaiścatustālamutsedhaṃ bhegamaṇḍalam |
madhyataḥ pādataḥ proktaṃ mūrdhanyadhikamaṃgulaiḥ || 84 ||

13.84 Die Windungsfläche ist in Mitte und Fußbereich vier Tālas hoch, nach körperbezogenen Aṅgulas bemessen; am Kopfende ist sie höher,

tribhirdiguṇitairyadvā valayāste yathoditāḥ |
paścātprabhṛti caikaikaṃ kiñcitkiñcitsamunnatam || 85 ||

13.85 und zwar um drei oder das Doppelte davon, also sechs Aṅgulas. Die genannten Windungen steigen vom hinteren Teil aus jeweils ein wenig an.

phaṇairayugmairnavabhissaptabhirvātha paṃcabhiḥ |
upetamuttamaṃ madhyamadhamaṃ saṃpracakṣate || 86 ||

13.86 Neun, sieben oder fünf Hauben in ungerader Zahl kennzeichnen vorzügliche, mittlere und kleinste Ausführung.

tritālamunnataṃ ṣaḍbhiraṃgulai rmadhyamaṃ phaṇam |
aṣṭāṃgulaṃ phaṇānāṃ syurantarālaṃ phaṇāstu te || 87 ||

13.87 Die mittlere Haube sei drei Tālas und sechs Aṅgulas hoch; zwischen den Hauben liegen acht Aṅgulas.

nimnāḥ krameṇa kartavyāḥ nyūnāḥ pañcacatustrībhiḥ |
aṃgulaiḥ kramaśasteṣāṃ vāstāro madhyamaḥ phaṇāḥ || 88 ||

13.88 Die weiteren Hauben werden der Reihe nach niedriger, um fünf, vier beziehungsweise drei Aṅgulas. Die Breite der mittleren Haube

dvātriṃśadaṃgulā stasya phaṇāḥ pārśve caturmukha |
viṃśatpaṃ ca caturbhiśca vistīrṇaṃ dvyaṃgulairapi || 89 ||

13.89 beträgt zweiunddreißig Aṅgulas; die seitlichen erhalten die in der beschädigten Folge genannten Breiten im Bereich von zwanzig mit fünf, vier beziehungsweise zwei zusätzlichen Aṅgulas, Viergesichtiger.

viṃśatyaṃgulavistārau śeṣau dvau phaṇinaḥ paṇau |
itareṣvapi sarveṣu hānirūhyā yathākramam || 90 ||

13.90 Die beiden äußersten Schlangenhauben sind zwanzig Aṅgulas breit. Bei den übrigen Ausführungen leite man die Verringerung entsprechend ab.

bidālavaktravadvaktraṃ daṃṣṭrayā pariśobhitam |
mīrdhninyastamahāratnaṃ tīkṣṇaśṛṅgasamanvitam || 91 ||

13.91 Das Gesicht gleicht einem Katzengesicht, mit hervortretendem Fangzahn, großem Edelstein auf dem Kopf und einer spitzen hornartigen Erhebung.

śanaiśśanairadho vaktaṃ yāvanmaulyagramānakam |
sarpakaṇṭhātphaṇotsedhaṃ catustālaṃ daśāṃgulam || 92 ||

13.92 Es neigt sich allmählich herab bis auf die Höhe der Kronenspitze. Vom Schlangenhals bis zur Haubenspitze werden vier Tālas und zehn Aṅgulas gemessen.

athavā śayanotsedhaṃ dāduśaṃ saṃpracakṣate |
kotukadvāracaraṇasamutsedhe tridhā kṛte || 93 ||

13.93 Oder die Höhe des Lagers wird folgendermaßen bestimmt: Man teile die Höhe des Bildes, der Tür oder der tragenden Tempelglieder in drei,

ekāṃ śena samutsedhaṃ bhogamaṇḍalamiṣyate |
caturthāṃ śena vā kuryādhbhegino bhogamaṇḍalam || 94 ||

13.94 und nehme einen Teil als Höhe der Schlangenwindungen; alternativ ein Viertel für die Windungsfläche der Schlange.

bhogapanasamutsedho bhogaśayyāvadiṣyate |
suvṛttaṃ devadevasya vṛṣṭhabhege samunnatam || 95 ||

13.95 Die Haubenhöhe richtet sich nach dem Schlangenlager. Hinter dem Gott der Götter ist die schön gerundete Form erhöht,

phaṇānāṃ maṇḍalaṃ yadvacchatraṃ tadvacca śobhanam |
devasya yaulerupari viṃśatyaṃgulamunnatam || 96 ||

13.96 und der Haubenkranz erscheint wie ein schöner Schirm, zwanzig Aṅgulas über der Krone des Gottes.

caturaśrāyataṃ pīṭhamathavā śayanaṃbhavet |
prāguktaiścaraṇai ryaktaṃ upadhānādisaṃmitam || 97 ||

13.97 Oder das Lager kann ein rechteckiger Sockel sein, mit den zuvor genannten Füßen sowie Kissen und weiteren Bestandteilen.

āsanaṃ padmamātraṃtu viśvamūrtervidhīyate |
yānāsanamūrtanirūpaṇam |
yāne garutmato'dhantātpadmamāsanamiṣyate |
tasminvidadhyātpakṣīndraṃ devayāmārdhasaṃyutam || 98 ||

13.98 Für Viśvamūrti ist ein reiner Lotussitz vorgesehen. Bei der auf Garuḍa fahrenden Gestalt liegt unter Garuḍa ein Lotussitz; darauf gestalte man den Vogelkönig mit der halben Höhe des Gottes.

bṛhadbhujaṃ garutmantamāruhya sthitamacyutaṃ |
kuryāddevaṃ sthitādīnāmāsanāni prakalpayet || 99 ||

13.99 Den Gott Acyuta gestalte man auf Garuḍa mit seinen mächtigen Armen beziehungsweise Schwingen stehend. So richte man die Sitze für stehende und weitere Gestalten ein.

adhivāsitaśūlasthāpanavidhiḥ |
tato mūhūrte saṃprāpai śobhane deśikottamaḥ |
adhivāsitaśūlāni hyuddhṛtyādhyaryubhissaha || 100 ||

13.100 Zu einem günstigen Zeitpunkt nehme der vorzügliche Lehrer gemeinsam mit den Adhvaryus die durch Adhivāsa vorbereiteten Gerüste auf,

dhama pradakṣīṇīkṛtya tūryaghoṣamudīrya ca |
śūlāni sthāpayecchvabhre ratnanyāse yathodite || 101 ||

13.101 umschreite unter Instrumentenklang das Heiligtum rechtsherum und setze die Gerüste in die Grube über der vorgeschriebenen Edelsteindeponierung.

pratiṣṭhāpañcakavidhiḥ |
sthānāsthāpane caiva tathāsaṃsthāpanā'pi ca |
prasthāpanā pratiṣṭhā ca pratiṣṭhā paṃcakaṃ smṛtam || 102 ||

13.102 Fünf Arten der Installation werden genannt: Sthāpana, Āsthāpana, Saṃsthāpana, Prasthāpana und Pratiṣṭhā.

yā pratiṣṭhā bhavet sthāne sthāpanā sā prakīrtatā |
yā pratiṣṭhāsane proktā sā cāsthāpanasaṃjñitā || 103 ||

13.103 Die Installation einer stehenden Gestalt heißt Sthāpana; die einer sitzenden Āsthāpana.

śayane yā pratiṣṭhā ca sā ca saṃsthāpanā matā |
yāne ca yā pratiṣṭhā sā nāmnā prasthāpanā bhavet || 104 ||

13.104 Die Installation einer liegenden Gestalt heißt Saṃsthāpana, die einer auf einem Fahrzeug befindlichen Prasthāpana.

pratimā yā'rcanā pīṭhe karmārceti prakīrtitā |
tasyāṃ yā ca kriyā proktā sāpratiṣṭheti kīrtitā || 105 ||

13.105 Das Bild auf dem Verehrungssockel heißt Karmārcā; der daran vollzogene Installationsritus wird Pratiṣṭhā genannt.

parimoṣṭvyādibhedrena ānīnādiśūlasthāpanam |
ācāryasthsāpayecchūlaṃ sthānakaṃ parameṣṭhinaḥ |
asīnaṃsthāpayetpuṃsā viśvena śayitaṃ tathā || 106 ||

13.106 Der Ācārya installiere das Gerüst der stehenden Gestalt mit Parameṣṭhin, das der sitzenden mit Puruṣa und das der liegenden mit Viśva,

sarveṇa viśvarūpaṃ tu nivṛtyā yānakaṃ bhavet |
devīśūlaṃ tathā sthāpya ratnanyāsopari kramāt || 107 ||

13.107 Viśvarūpa mit Sarva und die Fahrzeugsgestalt mit Nivṛtti. Ebenso setze man die Göttinnengerüste der Reihe nach über die Edelsteindeponierungen. [Die Namen bezeichnen hier die zugehörigen Mantra-Prinzipien; ihre Formeln werden an dieser Stelle nicht ausgeschrieben.]

brahmādi devatānāṃ tu śūlānyātmīyavidyayā |
bhittiśūlasthānam |
evaṃ saṃsthāpya śūlāni bhittiśūlaṃ vinikṣipet || 108 ||

13.108 Die Gerüste Brahmās und der übrigen Gottheiten installiere man mit ihrer jeweiligen Formel. Danach setze man das Wandstützgerüst ein.

kakude vṛṣṭhapārśve tu sthānakasya samācaret |
āsīnasya tathā kṛtvā śayāvasyocyate'dhunā || 109 ||

13.109 Bei einer stehenden Gestalt bringe man es am oberen Rückenbereich an, ebenso bei einer sitzenden. Für die liegende Gestalt wird nun erklärt:

śayānādhāraśūle vai kuryādhūrdhvamukhe sthite |
divyamānuṣayormadhye vaṃśadaṇḍaṃ nidhāpayet || 110 ||

13.110 Das tragende Gerüst des Lagers richte man aufwärts aus; zwischen göttlichem und menschlichem Bereich setze man den Rückenstab ein.

vṛṣṭhapārśve tu kakude śayanādhāraśūlakam |
śayanādhāra śūledve kuryādūrdhva mukhesthite || 111 ||

13.111 Am oberen Rückenbereich ordne man das tragende Lagergerüst an; zwei Lagerstützen sollen nach oben gerichtet stehen.

divyamānuṣayormadhye śayitādhāraśūlakam |
ādhāraśūlaṃ śayane sthale kuryādvicakṣaṇaḥ || 112 ||

13.112 Zwischen göttlichem und menschlichem Bereich liegt die Stütze der ruhenden Gestalt. Der Kundige richte das Traggerüst am Lagerplatz ein. [Die Verse 110–112 enthalten Wiederholungen und lassen die Verbindungsstellen nicht vollständig eindeutig erkennen.]

ādhāraśūlamanyeṣāṃ bhittisaṃsthaṃ ca kārayet |
ādhāraśūlarahitedevasyasānnidhyātiśayaḥ |
ādhāraśūlarahite sarvatra sthāpane kṛte || 113 ||

13.113 Für die übrigen Gestalten kann die Stütze auch an der Wand befestigt werden. Wird eine Installation überall ohne zusätzliches Stützgerüst ausgeführt,

varapradhānaṃ sānnidhyamadhikaṃ bhavati dhruvam |
mahākumbhādiprokṣaṇaṃ |
mahākumbhādi kumbhānāṃ vāribhirmūlavidyayā || 114 ||

13.114 so soll die gnadenreiche Gegenwart des Gottes umso stärker sein. Mit dem Wasser aus dem großen und den übrigen Krügen, unter der Wurzelformel,

prokṣayeddarbhakūryena śūlāni sthāpitānyatha |
gurudakṣiṇā |
dakṣiṇāṃ guravedadyādyathā tuṣṭirbhavedguroḥ || 115 ||

13.115 besprenge man die installierten Gerüste mittels eines Darbhabüschels. Dem Guru gebe man eine Gabe, die ihn zufriedenstellt.

daśa niṣkaṃ suvarṇaṃ tu tasyārdhaṃ vā pradāpayet |
ṛtvijāmapi sarveṣāṃ daśaniṣkaṃ pradāpayet || 116 ||

13.116 Man gebe zehn Niṣkas Gold oder die Hälfte davon; auch den Opferpriestern gebe man zehn Niṣkas. [Ob die letzte Summe jedem oder allen zusammen gilt, wird nicht ausdrücklich geklärt.]

kāle tasmin samāhūya rathakāraṃ dvijottamaḥ |
preṣayottoṣayeccāpi yajamāno dhanairbhṛ śam || 117 ||

13.117 Zu dieser Zeit rufe der vorzügliche Brahmane den Baukundigen herbei und beauftrage ihn; der Stifter stelle ihn mit reichen Gaben zufrieden.

kulālaniyogaḥ |
kulālaṃ kuśalaṃ śāntaṃ vyādhihīnamadūṣitam |
rathakāro niyuñjita śāstrokte sarvakarmaṇi || 118 ||

13.118 Der Baukundige beauftrage einen geschickten, ruhigen, gesunden und untadeligen Töpfer mit sämtlichen in der Lehre vorgesehenen Arbeiten.

tadabhāve pāraśavaṃ yāvannayanamokṣaṇam |
rathakāro ktavidhinā kuśalassarvamācaret || 119 ||

13.119 Ist ein solcher nicht vorhanden, beauftrage er einen Pāraśava. Bis zum Öffnen der Augen führe der Kundige alles nach dem vom Baukundigen angegebenen Verfahren aus.

sthāpitaśūleddhāredoṣaḥ |
sthāpitaṃ nordharecchūlaṃ samuddhāre mahadbhayam |
kartuḥ kārayituścāpi bhavatyeva sa saṃśayaḥ || 120 ||

13.120 Ein einmal eingesetztes Gerüst darf man nicht wieder herausziehen. Geschieht dies, droht dem Ausführenden und dem Auftraggeber große Gefahr.

aṅgabhede'ṅgahānissyādyajamānasya niścitam |
śūlasthāpaneśubhaphalam |
śūlasthāpanamātreṇa yajamāno mahatphalam || 121 ||

13.121 Bricht ein Glied des Gerüsts, wird dem Stifter der Verlust eines entsprechenden Körpergliedes angedroht. Schon durch das Einsetzen des Gerüsts erlangt der Stifter große Frucht … [Der Schlusssatz bleibt in der Vorlage unvollständig.]

Kapitel 14: Modellierung und Farbgebung der Bilder

Hinweis zur Nummerierung: Die Nummern 67 sind mehrfach vorhanden. Die deutsche Zuordnung unterscheidet weitere Vorkommen durch Buchstaben; die Sanskritnummer bleibt erhalten.

pādmasaṃhitāyām |
caturdaśodhyāyaḥ |
śrībhagavān |
biṃbanirmāṇavidhiḥ |
bimbanirmāṇamadhunā vakṣyāmi kamalāsana |
lohapaṭṭena śūlānāṃ sandhiṃ badhvā dṛḍhaṃ yathā || 1 ||

14.1 Der erhabene Herr sprach: Nun erkläre ich die Herstellung des Bildes, Lotusgeborener. Die Verbindungen des Gerüsts sichere man fest mit Metallbändern.

aṣṭabandhena śūlāni limpetsarvāṇi sarvataḥ |
rajjubhirveṣṭayettāni dṛḍhāni cchidravarjitam || 2 ||

14.2 Alle Gerüstteile bestreiche man ringsum mit Aṣṭabandha-Bindemasse und umwickle sie fest und lückenlos mit Schnüren,

yathāsirābhirbahubhiśśarīraṃ badhyate tathā |
śūlarajvādīnāṃ asthisirāprakṛtitā |
śūlānyasthīni mṛnmāṃsaṃ sirāḥ pāśāstvacaḥ paṭāḥ || 3 ||

14.3 wie ein Körper von vielen Adern zusammengehalten wird. Die Gerüststäbe sind die Knochen, die Erde das Fleisch, die Schnüre die Adern und die Stofflagen die Haut.

ā pakvamṛdālephaneśubhaphalam. |
mṛdbhirālepanaṃ kuryādapakvābhiśca turmukha |
pakvābhirvarjayedbimbaṃ gṛhe devālaye'pi vā || 4 ||

14.4 Den Auftrag führe man mit ungebrannter Erde aus, Viergesichtiger. Ein Bild aus gebranntem Ton meide man sowohl im Haus als auch im Tempel.

apakvāssarvaphaladāḥ pakvāstu badoṣadāḥ |
kevalamṛdābiṃbanirmāṇam |
mṛdā kevalayā bimbaṃ kuryādvadvā trivastubhiḥ || 5 ||

14.5 Ungebranntes soll alle Früchte, Gebranntes dagegen viele Schäden bringen. Das Bild kann allein aus Erde oder aus der dreistoffigen Masse gefertigt werden.

mṛṇmaye kautuke purṇe sāṅgopāṅgaṃ yathāvidhi |
trivastuke mṛdālipte kaṅkaśarkarayā tathā || 6 ||

14.6 Ist das Erdbild mit sämtlichen Haupt- und Nebengliedern vollständig geformt, beziehungsweise die dreistoffige Form mit Erde und Kaṭaśarkarā-Masse überzogen,

kaṭaśarkarayā |
paṭenācchādya sarvāṅgaṃ varṇalepaṃ samācaret |
praśastamṛtti kāsthānāni. |
puṇyakṣetre nadītīre kāntāre parvate'pi vā || 7 ||

14.7 bedecke man den ganzen Körper mit Stoff und trage die Farbe auf. Geeignete Erde sammle man an einer heiligen Stätte, am Flussufer, im Wald oder auf einem Berg.

tadanu |
mṛdaṃ samagrāṃ gṛhṇīyātsarvadoṣavivarjitām |
nīcai radhyāsitāṃ caityaśmaśānādi vivarjitām || 8 ||

14.8 Sie sei von guter, einheitlicher Beschaffenheit und frei von Fehlern. Ausgeschlossen werden Erde von Heiligtums- und Verbrennungsplätzen sowie Orte, die von den im Text als niedrig eingestuften Gruppen bewohnt werden. [Die soziale Ausschlussregel gehört zur historischen Quelle.]

kalkopayogivyastvacaḥ |
khadiraudumbarāśvattha nyagrodhārjuna bhūruhām |
samuddhṛtya tvacassarvā māsaṃ vāriṣu nikṣipet || 9 ||

14.9 Man gewinne die Rinde von Khadira, Udumbara, Aśvattha, Nyagrodha und Arjuna und lege sie einen Monat lang in Wasser.

to yairmāsoṣitairmṛtsnāṃ miśrayetpīḍayecca tām |
tāṃ nūtanaiṣu bhāṇḍeṣu nikṣipyācchādya yatnataḥ || 10 ||

14.10 Mit diesem einen Monat angesetzten Wasser vermische und knete man die Erde. Man gebe sie in neue Gefäße und decke diese sorgfältig zu.

chāyāyāṃ nikṣipedbhāṇḍānyathā vātādi na spṛśet |
kalkaprativāpadravyavidhiḥ |
dhātukīyāstrayobhāgāṣṣaḍguṇā ca harītakī || 11 ||

14.11 Die Gefäße stelle man schattig auf, vor Wind und weiteren Einflüssen geschützt. Es folgen drei Teile Dhātukī, sechs Teile Harītakī

dhātrī ca dvādaśavidhā bhāgāṃstānekaviṃśatīḥ |
adhivāsakālamānam |
adhivāsyaikamāsaṃ tu bhāṇḍeṣu kamalāsana |
triphalena punarvārā tāṃ mṛdaṃ miśrayetsudhiḥ || 12 ||

14.12 und zwölf Teile Dhātrī, zusammen einundzwanzig Teile. Man lasse dies einen Monat in den Gefäßen ruhen, Lotusgeborener. Mit dem Triphalā-Wasser vermische der Kundige die Erde erneut.

chāyāyāṃ nātiśuṣkāṃ tāṃ viṃśatyekonayā mṛdam |
miśrayedvakṣyamāṇānāṃ puṇyakṣetrādi janmanām || 13 ||

14.13 Die im Schatten aufbewahrte, nicht zu trockene Erde vermische man mit neunzehn Erden von den nun genannten heiligen und weiteren Orten:

ekonaviṃśatimṛdaḥ |
puṇyakṣetre nadītīre parvate puline hṛde |
nirjharesaṅgame goṣṭhe devikakorvarayostathā || 14 ||

14.14 heilige Stätte, Flussufer, Berg, Sandbank, Gewässer, Wasserfall, Zusammenfluss, Rinderplatz sowie die beschädigt überlieferten Orte „devikā“ und „urvarā“,

śoṣavedigopurayoḥśoṣyavedikorvarayoḥ śoce devikorvarayoḥ |
śālikṣetre devakhā te śṛṅge ca vṛṣa hastinoḥ |
varāhakṛṣṭe valmīke kulīravasatau tathā || 15 ||

14.15 Reisfeld, natürliches Wasserbecken, Stierhorn und Elefantenstoßzahn, vom Eber aufgewühlter Boden, Ameisenhügel und Krebsloch,

vṛṣabha |
nalinyāṃ dīrghikāyāṃ ca mṛtsnāmekonaviṃśatim |
mṛdaḥ pramāṇam curṇavibhāgaśca |
mṛtsnābhirmuṣṭimātrābhiḥ purvoktāṃ miśrayenmṛdam || 16 ||

14.16 Lotusteich und langes Wasserbecken. Je eine Handvoll dieser neunzehn Erden mische man unter die zuvor bereitete Masse.

pūrvoktamānaistriphalā cūrṇaistāṃ miśrayetpuvaḥ |
tattribhāgaikabhāgaiśca kaṭaśarkaracūrṇitaiḥ || 17 ||

14.17 Dann mische man Triphalā-Pulver in den zuvor genannten Anteilen darunter und ein Drittel ihres Maßes an pulverisierter Kaṭaśarkarā.

nādeyaiślakṣṇapāṣāṇaiḥ mṛtturyāṃ śaiśca curṇitaiḥ |
yojanīyasurabhidravyāṇi |
candanaṃ kuṅkumaṃ koṣṭhaṃ śrīveṣṭaṃ haricandanam || 18 ||

14.18 Hinzu kommen fein zerriebene glatte Flusssteine im Viertelmaß der Erde. [Duftstoffe:] Sandelholz, Safran, Kuṣṭha, Śrīveṣṭa, Haricandana,

kunumaṃ kuṣṭhaṃ |
gulgaluṃ ca niśāṃ śuṣkāṃ haritālaṃ manaśśilām |
tamālapatrāṇyetāni candanādīni cūrṇayet || 19 ||

14.19 Guggulharz, getrocknete Kurkuma, Haritāla, Manaḥśilā und Tamāla-Blätter: Diese Stoffe pulverisiere man.

mṛdviṃśatyekabhāgai staiścūrṇaistattulyasaikataiḥ |
sūkṣmaiśca miśrayenmṛtsnāṃ kapittharasaturyakaiḥ || 20 ||

14.20 Von diesem Pulver verwende man ein Zwanzigstel des Erdmaßes, dazu ebenso viel feinen Sand und ein Viertelmaß Kapittha-Saft. [Der genaue Bezug des Viertels bleibt sprachlich knapp.]

cūrṇitairloharatnaiśca miśrayitvā tu mṛttikām |
sammiśraṇīya sne hadravadravyāṇi |
madhutai ladadhikṣīra ghṛtaiśśuktipramāṇakaiḥ || 21 ||

14.21 Mit pulverisierten Metallen und Edelsteinen vermische man die Erde; dann mit Honig, Öl, Sauermilch, Milch und Ghee, jeweils im Śukti-Maß,

atasītaila saṃmiśraiḥ punassaṃmiśrayenmṛdam |
saṃskṛtamṛdaḥ adhivāsaḥ |
itthaṃ tu saṃskṛtāṃ mṛtsnāṃ nikṣipya navabhājane || 22 ||

14.22 zusammen mit Leinöl. Die so bereitete Erde gebe man in ein neues Gefäß,

sahitaiḥ |
ācchādya navavastreṇa bhāṇḍaṃ dhānyeṣu nikṣipet |
arcayemmālamantreṇa mṛdbhāṇḍān deśikottamaḥ || 23 ||

14.23 bedecke es mit neuem Stoff und stelle es auf Getreide. Der vorzügliche Lehrer verehre die Erdgefäße mit dem Mūlamantra.

sarpiṣā juhuyādagnau mūlonāṣṭottaraṃ śatam |
catuṃ puruṣasū ktena pratyṛcaṃ juhuyādbhudhaḥ || 24 ||

14.24 Mit dem Mūlamantra opfere er einhundertachtmal Ghee, mit jedem Vers des Puruṣa-Sūkta gekochte Opferspeise.

saṃpātājyena siṃcettāṃ mṛdaṃ bhājanasaṃsthitām |
adhivāsavelā |
sadyo vā niśi vā mṛtsnā madhivāsya yathāvidhi || 25 ||

14.25 Mit Sampātājya benetze er die im Gefäß befindliche Erde. Nachdem sie unmittelbar oder über Nacht vorschriftsgemäß den Adhivāsa erhalten hat,

lepanakramaḥ tadvidyāca |
muhūrte śobhane bimbe pralimpenmṛttikāṃ guruḥ |
amaulikaṇṭhaparyantamālimpedyvoma vidyayā || 26 ||

14.26 trage der Guru sie zu einem günstigen Zeitpunkt auf das Bild auf: von der Krone bis zum Hals mit der Raumformel,

ākaṇṭhanābhiparyastaṃ viliṃ pedvāyuvidhyayā |
ānābhikaṭiparyantaṃ lepayedvahnividyayā || 27 ||

14.27 vom Hals bis zum Nabel mit der Luftformel, vom Nabel bis zur Hüfte mit der Feuerformel,

ākaṭerjānupaya ntamāliṃ pedvārividyayā |
ājānukaṭiparyantaṃ praliṃ pedbhūmividyayā || 28 ||

14.28 von der Hüfte bis zum Knie mit der Wasserformel, vom Knie bis zur Hüfte mit der Erdformel. [Die letzte Richtung steht so in der Vorlage und ist gegenüber der üblichen absteigenden Folge widersprüchlich; Vers 30 nennt Knie bis Fuß.]

ānābhikaṇṭhamālimpetpunaśśvasanavidyayā |
nābhyādiguhyaparyantamālimpeccikhilividyayā || 29 ||

14.29 [Die Quelle wiederholt und variiert die Folge:] Vom Nabel bis zum Hals trage man mit der Luftformel auf, vom Nabel bis zum Schambereich mit der Feuerformel,

guhyādijānuparyantamāliṃpedvārividyayā |
jānuprabhṛtipādāntamālimpatkṣitividyayā || 30 ||

14.30 vom Schambereich bis zum Knie mit der Wasserformel und vom Knie bis zum Fuß mit der Erdformel.

devyādīnāṃ mṛdālepevidyānirdeśaḥ |
devīnāṃ ca śriyādīnāṃ brahmādīnāṃ tathaiva ca |
ālevanaṃ prakurvīta kāle'smin bhūtavidyayā || 31 ||

14.31 Bei Śrī und den übrigen Göttinnen sowie Brahmā und den weiteren Gottheiten vollziehe man den Auftrag ebenfalls zu dieser Zeit mit den Elementformeln.

gurave dakṣiṇā deyā sa yathātuṣṭimāpnuyāt |
rajvādiveṣṭanam |
bimbhasya nāhamānaṃ yacchūlamūnamapohya tat || 32 ||

14.32 Dem Guru gebe man eine ihn zufriedenstellende Gabe. Vom vorgesehenen Umfang des Bildes ziehe man das Gerüstmaß ab,

aṣṭadhākṛtya teṣu trin rajvācā veṣṭayedguṇān |
mṛdbhirālepayetyraṃśaṃ dyauvastrakaṭaśarkaraiḥ || 33 ||

14.33 teile den Rest in acht und verwende drei Anteile für die Schnurumwicklung, drei für den Erdauftrag und zwei für Stoff und Kaṭaśarkarā.

aṣṭadhākṛtameteṣu trirajvā |
nārikelatvacā mṛtsnāṃ dvitīyāṃ miśrayetpunaḥ |
krameṇaparimāṇaṃ ca mukhabāhūruvakṣasām || 34 ||

14.34 Den zweiten Erdauftrag vermische man mit Kokosfasern. Dabei forme man der Reihe nach die vorgesehenen Maße von Gesicht, Armen, Oberschenkeln und Brust aus.

nāḍīkalpanam |
nāḍīmiḍāṃ piṅgalāṃ ca suṣumnāṃ tastubhiḥ kṛtām |
sitapītāruṇaistābhirveṣṭayedviṣṇu vigraham || 35 ||

14.35 Iḍā, Piṅgalā und Suṣumnā bilde man aus weißen, gelben und roten Fäden und umwinde damit Viṣṇus Gestalt. [Die Reihenfolge legt diese Farbzuordnung nahe, ohne jede einzeln zu wiederholen.]

nālikeratvacaṃ sūkṣmaṃ chitvācchitvā ca mṛttikām |
tṛtīyāṃ miśrayettāṃ ca lepayetpūrvaśoṣaṇe || 36 ||

14.36 Fein geschnittene Kokosfasern mische man unter die dritte Erdschicht. Diese trage man auf, wenn die vorherige getrocknet ist.

nālikeratvacāṃ sāram |
hastaṃ ca sāṃgulopetaṃ kṛtvālohena bandhayet |
karṇāvartaṃ tataḥ kutvālohena parivinyaset || 37 ||

14.37 Man forme die Hand samt Fingern und sichere sie mit Metall. Danach forme man die Ohrwindung und lege dort ebenfalls Metall an. [Die Variante bietet eine andere Bezeichnung für die Vertiefung.]

gartāvartam |
śarīra poṣaṇaṃ kuryādbhedarandhravivarjitam |
śarīraśoṣaṇam |
mṛtti kākaṭaśarkarayorlepanevidhiḥ |
hastena mṛttikā dadyātkūrcena kaṭaśa rkarām || 38 ||

14.38 Der Körper soll vollständig ausgeformt, frei von Brüchen und Löchern sein. Erde trage man mit der Hand, Kaṭaśarkarā mit einem Büschelpinsel auf.

kaṭaśarkaracūrṇāni triphalākṛṣitāmbunā |
piṣṭvā pūpākṛtiṃ kṛtvāśoṣayedātapena tāḥ || 39 ||

14.39 Kaṭaśarkarā-Pulver verreibe man mit Triphalā-Absud, forme daraus Fladen und trockne sie in der Sonne.

punassampeṣayetpiṇḍān kapittharasavāriṇā |
catustriḥ pañcakṛtvo vā kṛtvaivaṃ peṣayetpunaḥ || 40 ||

14.40 Diese Stücke zermahle man erneut mit Kapittha-Saft und Wasser. Dies wiederhole man drei-, vier- oder fünfmal und verreibe die Masse wiederum,

kārpāsatūlami litān kapittharasavāriṇā |
tāvatsampeṣa yedyāvadbāhubhyāṃ bāhṛmātrakam || 41 ||

14.41 mit Baumwollfasern und Kapittha-Saftwasser, bis die folgende, auf Armlänge und Ziehbarkeit bezogene Probe erreicht ist … [Die genaue Konsistenzangabe ist beschädigt.]

piṣṭakalpanam |
pratrikāyāssamuddhāre peṣaṇī na patedyapi |
kalkaṃ supiṣṭaṃ kūrcena śanai reva parāmṛśet || 42 ||

14.42 Beim Anheben des betreffenden Geräts soll der Mahlkörper nicht herabfallen. Die gut zerriebene Masse streiche man ganz langsam mit dem Pinsel auf. [Der Gegenstand der Haftprobe ist in Haupt- und Zusatzlesung nicht eindeutig.]

ghaṭikāyā |
tataḥ karaṇḍikāgreṇa listāṅgāni ca lepayet |
pūrṇeṣvaṅgeṣu sarveṣu paṭenācchādayeddhṛḍham || 43 ||

14.43 Dann glätte beziehungsweise bestreiche man die Glieder mit der Spitze eines Spatels. Sind alle Glieder vollständig, überziehe man sie fest mit Stoff.

kārpāpajaṃ dṛḍhaṃ celaṃ lomādibhiradūṣitam |
dhyānyarāśiṣu saṃsthāpya vācayitvā śiṣaṃ punaḥ || 44 ||

14.44 Der Baumwollstoff sei fest und nicht durch Haare oder Ähnliches verunreinigt. Man lege ihn auf Getreidehaufen und lasse den Segen sprechen.

dhyānena śuddhiṃ sampādya pujayedvāyuvidyayā |
mūlamantreṇa juhuyatsamidājyena vai śatam || 45 ||

14.45 Durch Meditation stelle man seine Reinheit her und verehre ihn mit der Luftformel. Mit dem Mūlamantra opfere man hundertmal Brennholz und Ghee,

caruṃ puruṣasūktena juhuyātṣoḍaśāhutīḥ |
muhūrteśobhane prāpte paṭenācchādyalepayet || 46 ||

14.46 mit dem Puruṣa-Sūkta sechzehn Spenden gekochter Speise. Zu einem günstigen Zeitpunkt lege man den Stoff auf und bestreiche ihn.

paṭeśaṃlepa yetpunaḥ |
yā śarkarā paṭe tasmin tayaivākalpayettataḥ |
śuklamṛttikayā lepaḥ kapittharasamiśrayā || 47 ||

14.47 Mit der auf dem Stoff befindlichen feinen Masse forme man die Oberfläche; der weitere Auftrag besteht aus weißer Erde, vermischt mit Kapittha-Saft.

kaṭiśarkarāṃ paṭe |
varṇalepavidhiḥ |
varṇālepaṃ tataḥ kuryācchilpiśāstravicakṣaṇaiḥ |
śvetaṃ pītaṃ tathā raktaṃ haritaṃ kṛṣṇameva ca || 48 ||

14.48 Anschließend sollen kundige Handwerker die Farben auftragen: Weiß, Gelb, Rot, Grün und Schwarz.

paṃcavarṇaṃ vṛthivyādi varṇānāmadhidevatāḥ |
uttamā dhātavaḥ proktāḥ madhyamā vṛkṣasambhavāḥ || 49 ||

14.49 Dies sind fünf Farben mit Erde und den übrigen Elementen als zugeordneten Gottheiten. Mineralische Farben gelten als vorzüglich, pflanzliche als mittel,

saṃyogajāssyuradhamāstraividyamaparaṃ śṛṇu |
varṇaṃ cāpyanuvarṇaṃ ca saṃskāraṃ ca tathaivaca || 50 ||

14.50 durch Mischung erzeugte als geringste. Höre eine weitere Dreiteilung: Varṇa, Anuvarṇa und Saṃskāra.

trividho varṇasaṃyogaśśāstreṣu samudīritaḥ |
varṇa ityucyate śuddho rājavattāni kārayet || 51 ||

14.51 So wird die Farbzusammenstellung in den Lehrwerken dreifach genannt. Varṇa bezeichnet die reine Farbe; die folgende Anweisung zu ihrer Herstellung ist beschädigt.

āvartādīni tārayet |
ānukāre ca ye varṇāḥ prāyaśaśśuddhivarjitāḥ |
anuvarṇā ime proktāssaṅkirṇān kathayāmi te || 52 ||

14.52 Die bei der Nachbildung verwendeten, überwiegend nicht reinen Farben heißen Anuvarṇa. Nun erkläre ich dir die Mischfarben.

śūklo raktaśca pītaśca kṛṣṇaścaiva caturvidhaḥ |
saṅkarāste ca catvāraḥ pratyekaṃ dvividhāḥ smṛtāḥ || 53 ||

14.53 Weiß, Rot, Gelb und Schwarz bilden vier Gruppen; jede dieser vier wird wiederum zweifach unterschieden.

śuklaścaiva valarkṣaśca śveto dvividha ucyate |
śakhṅagokṣīrakundābhaśśukla ityabhi saṃṅ‍ñitaḥ || 54 ||

14.54 Weiß wird in Śukla und Valarkṣa geteilt. Śukla gleicht Muschel, Kuhmilch und Kunda-Blüte,

dhiyate |
muktāsphaṭika cavdrābho vaḷarkṣa iti saṃjñitaḥ |
raktaścāpyaruṇaśśoṇa iti bhedena kathyate || 55 ||

14.55 Valarkṣa Perle, Bergkristall und Mond. Rot wird als Aruṇa und Śoṇa unterschieden.

vajrābho varṇābho |
japāśoṇitasaṅkā śo raktamarṇe'ruṇomataḥ |
kiṃśukāśokasaṅkā śaśśoṇa ityabhidhīyate || 56 ||

14.56 Aruṇa gleicht Hibiskusblüte und Blut, Śoṇa den Blüten von Kiṃśuka und Aśoka.

haritaścaiva pītaśca pītavarṇo dvidhā bhavet |
manaśśilāharītālanibho harita ucyate || 57 ||

14.57 Gelb wird in Harita und Pīta unterschieden. Harita wird mit Manaḥśilā und Haritāla verglichen. [Diese historische Farbgliederung entspricht nicht ohne Weiteres heutigen Farbnamen.]

haridrākuṅkumābhastu pīta ityabhi saṃjñitaḥ |
śyāmaśca kṛṣṇa varṇaśca kṛṣṇavarṇo dvidhā bhavet || 58 ||

14.58 Pīta gleicht Kurkuma und Safran. Die schwarze Farbgruppe wird in Śyāma und Kṛṣṇa geteilt.

dhīyate. saṃjitaḥ |
isdranīlanibhaḥ kṛṣṇaḥ kṛṣṇavarṇaḥ prakīrtitaḥ || 59 ||

14.59 Kṛṣṇa wird als dunkel wie ein Indranīla-Edelstein beschrieben. [Eine gesonderte Erklärung von Śyāma ist in diesem verkürzten Vers nicht erhalten.]

vaśrutaḥ |
śuklena miśrito rakto babhrurityabhidīyate |
śuklena miśritaḥ kāṣo varṇakaḥ parikīrtitaḥ || 60 ||

14.60 Mit Weiß vermischtes Rot heißt Babhru; mit Weiß vermischtes Dunkel heißt Varṇaka. [Das Wort für die dunkle Ausgangsfarbe ist beschädigt.]

pītena miśrataḥ kṛṣṇaḥ kāḷa ityarbhidhīyate |
pītakṛṣṇayutaśśuklaḥ karburassamudāhṛtaḥ || 61 ||

14.61 Schwarz mit Gelb heißt Kāla; Weiß mit Gelb und Schwarz heißt Karbura.

enaṃ saṅkarajānvarṇānuhāpohena yojayet |
uktoyaṃ varṇasaṃkṣepastaiḥ kuryā ccoditaiḥ kramāt || 62 ||

14.62 So wende man die durch Mischung entstandenen Farben mit Unterscheidung an. Damit ist eine Übersicht gegeben; man verwende sie der Reihe nach wie vorgeschrieben.

bhodhitaiḥ |
mūrtikalpanaparipāṭī |
prathamo dārusaṅghāto dvitīyaṃ rajjuveṣṭanam |
mṛdālepastṛtiyastu turiyaṃ nādibandanam || 63 ||

14.63 Die Herstellungsschritte sind: erstens das Holzgerüst, zweitens die Schnurumwicklung, drittens der Erdauftrag, viertens das Anbringen der Nāḍīs,

pañcamo rajjuveṣṭassyānnālikeratvacā punaḥ |
miśritā muttikā ṣaṣṭhīsaptamaṃ rajjuveṣṭanam || 64 ||

14.64 fünftens eine weitere Schnurumwicklung, sechstens mit Kokosfasern vermischte Erde, siebtens wiederum Schnurumwicklung,

aṣṭamaśśarkarālepo navamaṃ paṭayojanam |
bhūṣaṇaṃ daśamaṃ proktaṃ ekadaśamataḥ param || 65 ||

14.65 achtens der Śarkarā-Auftrag, neuntens die Stofflage, zehntens die Verzierung,

śūklālepanamuddiṣṭaṃ dvādaśaṃ varṇayojanam |
dvādaśaite ca nirdiṣṭāḥ pratimākaraṇe'bjaja || 66 ||

14.66 elftens der weiße Auftrag und zwölftens die Farbgebung. Diese zwölf Schritte sind für die Bildherstellung genannt, Lotusgeborener.

lepaśoṣaṇāvadhiḥ |
kālena varṣamātreṇa vastu śuṣyati nānyathā |
vidhyanusāraśuṣkamūrterāyaḥ |
sahasraṃ vatsarān yāti māsairdvādaśabhiḥ kṛtaiḥ || 67 ||

14.67 Die Masse trocknet erst innerhalb eines Jahres, nicht früher. Bei einer Herstellung über zwölf Monate soll das Bild tausend Jahre überdauern. [Eine Zusatzlesart nennt stattdessen einen Monat für das Trocknen beziehungsweise Reinwerden; der Widerspruch bleibt bestehen.]

māsamātreṇa vastu śudhyati. ca paṭe bhittau likhite phalakepi ca |
varṇa yogassamuddiṣṭo dravyotpattistatheva ca || 67 ||

14.67b [Die Vorlage vergibt erneut Nummer 67:] Auch für Bilder auf Stoff, Wand oder Tafel sind die Farbverwendung und die Herstellung der Stoffe entsprechend beschrieben.

yugabhedenartī nāṃvarṇabhedaḥ |
mūrtīnāṃ yugabhedena varṇabhedo vidhīyate |
kṛte vaḷarkṣasraitāyāmaruṇo dvāpare punaḥ || 68 ||

14.68 Die Farbe der Gestalten unterscheidet sich nach dem Weltzeitalter: Im Kṛta ist sie hellweiß, im Tretā rötlich,

pītaḥ kalau ghanaśyāmaḥ vāsudevaḥ varaḥ pumān |
raktassaṅkarṣaṇo devaḥ pradyumnaḥ kanakaprabhaḥ || 69 ||

14.69 im Dvāpara gelb und im Kali wolkendunkel für Vāsudeva, den höchsten Puruṣa. Saṅkarṣaṇa ist rot, Pradyumna goldglänzend,

śyāmo niruddhaḥ kathitaḥ kṛtādiṣu caturṣvapi |
dvādaśamūrtivarṇāḥ |
keśavaḥ kanakaprakhyassyā darjunasamākṛtiḥ || 70 ||

14.70 Aniruddha dunkel, in allen vier Weltzeitaltern. [Zu den zwölf Gestalten:] Keśava ist goldfarben; es folgt ein heller, als „arjuna“ bezeichneter Farbvergleich mit unsicherem Anschluss.

nārāyaṇaśśyāmavarṇo mādhavassphaṭikaprabhaḥ |
govindaḥ padmakiṃjalkanibho viṣṇurudāhṛtaḥ || 71 ||

14.71 Nārāyaṇa ist dunkel, Mādhava kristallklar, Govinda gleicht Lotusstaubfäden; Viṣṇu wird [hier ohne sichere anschließende Farbangabe] genannt.

aruṇāmbujasaṅkāśo madhusūdana ucyate |
trivakramaśśikhinibho vāmano bhālasūryavat || 72 ||

14.72 Madhusūdana gleicht einem rötlichen Lotus, Trivikrama dem Feuer und Vāmana der jungen Sonne.

śrīdhara ssitapadmābho hṛṣīkeśastaṭitprabhaḥ |
padmanābhaśśyāmavarṇo bandhūkakusumacchaviḥ || 73 ||

14.73 Śrīdhara gleicht einem weißen Lotus, Hṛṣīkeśa dem Blitz, Padmanābha ist dunkel; die Farbe einer Bandhūka-Blüte

pītapadmābhaḥ |
dāmodaro dvādaśai te kathitāḥ keśavādayaḥ |
caturviṃśatimūrtivarṇāḥ |
vāsudevādimūrtīnāṃ yo varṇaḥ pūrvamīritaḥ || 74 ||

14.74 gehört zu Dāmodara. Damit sind die zwölf, beginnend mit Keśava, genannt. Die zuvor beschriebenen Farben der Gestalten, beginnend mit Vāsudeva,

sa eva vāsudevādicaturṇāṃ tadbhuvāma pi |
śuddhaspaṭikasaṅkāśo vijñeyaḥ puruṣottamaḥ || 75 ||

14.75 gelten auch für die vier entsprechenden, aus ihnen hervorgehenden Gestalten. Puruṣottama ist wie reiner Bergkristall zu verstehen.

adhokṣajaśśyāmavarṇo nṛsiṃho hemasannibhaḥ |
pītavarṇo'cyutotīva raktavarṇojanārdanaḥ || 76 ||

14.76 Adhokṣaja ist dunkel, Nṛsiṃha goldfarben, Acyuta gelb und Janārdana intensiv rot.

upendraśśyāmalaḥ prokto hariḥ pītanibhaḥ smṛtaḥ |
kṛṣṇaḥ kṛṣṇāmbudaprakhyaścaturviṃśatimūrtiyaḥ || 77 ||

14.77 Upendra ist dunkel, Hari gelb und Kṛṣṇa wie eine dunkle Regenwolke. Damit sind die vierundzwanzig Gestalten beschrieben.

śriyādidevīnāṃ varṇāḥ |
suvarṇa nikaṣābhā śrīśśyāmā bhūrarjunacchaviḥ |
sarasvatī titā raktā pritiśśyamanibhā kṛtiḥ || 78 ||

14.78 Śrī glänzt wie Gold auf dem Prüfstein, Bhū ist dunkel, Sarasvatī hell; Prīti ist rot und Kṛti dunkel. [Zwischen Sarasvatī und Prīti steht ein beschädigtes Wort, das eine weitere Zuordnung offenlässt.]

nibhaśobhā devyasmsṛtā stutā || 79 ||

14.79 [Bruchstück:] … von entsprechendem Glanz werden die Göttinnen gepriesen. [Die ergänzende Lesart nennt ihre Billigung durch den Gott.]

devasya sammatā |
matsyādimūrtīnāṃvarṇāḥ |
matsyassphaṭikasaṅkāśaḥ kūrmaḥ kāñcanasannibhaḥ |
varāhaśśāmalanibho valarkṣakṛtireva vā || 80 ||

14.80 Matsya gleicht Bergkristall, Kūrma Gold, Varāha ist dunkel oder von heller Gestalt.

nṛsiṃhaścandravarṇābhaḥ prahlādaḥ kāñcanaprabhaḥ |
vāvanaśśyā malanibhaḥ kālavarṇo mahābaliḥ || 81 ||

14.81 Nṛsiṃha hat Mondfarbe, Prahlāda Goldglanz, Vāmana ist dunkel und Mahābali schwarz.

jāmadagnyassuvarṇābhaḥ rāghavaśśyāmalākṛtiḥ |
bharataśśyāmalo varṇo lakṣmaṇaḥ kanakaprabhaḥ || 82 ||

14.82 Jāmadagnya ist goldfarben, Rāghava dunkel; Bharata ist dunkel, Lakṣmaṇa goldglänzend.

śatrughno raktavarṇābhassītā hemanibhākṛtiḥ |
māṇḍavīraktavarṇābha ūrmīlā śyāmalaprabhāḥ || 83 ||

14.83 Śatrughna ist rot, Sītā goldfarben, Māṇḍavī rot und Ūrmilā dunkel.

śrutakīrtissitāṅgī ca hanūmān kanakaprabhaḥ |
aṅgado raktavarṇābhassugrīvo hemapihgalaḥ || 84 ||

14.84 Śrutakīrti ist hell, Hanumān goldglänzend, Aṅgada rot und Sugrīva goldbraun.

guhaśca nilavarṇābhaḥ kālavarṇo vibhīṣaṇaḥ |
nīlo nīlanibhaḥ prokto jāmbhavan kanakaprabhaḥ || 85 ||

14.85 Guha ist blau, Vibhīṣaṇa schwarz, Nīla blau und Jāmbavat goldglänzend.

balaḥ kṣīranibhaścaivaraktavarṇā ca revatī |
meghaśyāmo bhavetkṛṣṭo rukmiṇī kanakaprabhāḥ || 86 ||

14.86 Bala ist milchweiß, Revatī rot, Kṛṣṇa wolkendunkel und Rukmiṇī goldglänzend.

satyabhāmā bhavet śyāmā kalkī raktanibhaḥ smṛtaḥ |
anaṃtagaruḍādīnāṃvarṇāḥ |
anantaḥ kṣīrasaṅkaśaḥ yadvā hemasamākṛtiḥ || 87 ||

14.87 Satyabhāmā ist dunkel, Kalkin rot; Ananta gleicht Milch oder Gold.

garuḍaḥ kanakaprakhyo brahmā kanakasannibhaḥ |
viṣṇu śśyāmanibhaḥ proktaḥ rudraśśoṇitasannibhaḥ || 88 ||

14.88 Garuḍa und Brahmā sind goldfarben, Viṣṇu dunkel und Rudra blutrot.

hayagrīvo valarkṣassyātsenānī śśyāmalākṛtiḥ |
raktavarṇo bhaveccaṇḍaḥ pracaṇ‍ḍaśśveta sannibhaḥ || 89 ||

14.89 Hayagrīva ist hellweiß, der Heerführer dunkel, Caṇḍa rot und Pracaṇḍa weiß.

varṇakaḥ |
jayaḥ pītastataśśyāmo vijayaḥ padmasannibhaḥ |
padmī gadādhāro hemaḥ kṛṣmaḥ khaḍgadharo bhavet || 90 ||

14.90 Jaya ist gelb, Vijaya dunkel; der Lotusträger gleicht einem Lotus, der Keulenträger ist golden und der Schwertträger schwarz. [Die Satzgrenze vor „padmī“ wird entsprechend der anschließenden Waffenträgerfolge gesetzt.]

śārṅgadhārī hemanibhaśśvato vajradharo mataḥ |
śyāmo musaladhārī syātpāśadhṛkkanakaprabhaḥ || 91 ||

14.91 Der Śārṅga-Träger ist goldfarben, der Donnerkeilträger weiß, der Musalaträger dunkel und der Schlingenträger goldglänzend.

bhavet |
kṛṣṇo'ṅkuśadharo dhātā raktapītavapurdharaḥ |
vidhātā dhavalo bhadrassubhadro hyāruṇacchavi || 92 ||

14.92 Der Stachelhakenträger ist schwarz, Dhātṛ rotgelb, Vidhātṛ weiß; Bhadra und Subhadra werden mit rötlicher Farbe verbunden. [Ob beide dieselbe Farbe erhalten, ist im knappen Wortlaut nicht eindeutig.]

kṛtāntaśśyāmalo raktassuravidhyaṃsanaḥ smṛtaḥ |
kubherākṣo bhavetpītaḥ kubhero rakta dehabhṛt || 93 ||

14.93 Kṛtānta ist dunkel, Asuravidhvaṃsana rot, Kuberākṣa gelb und Kubera rot.

varṇabhṛt |
durjayaḥ kṛṣṇavarṇābhaḥ prabhavaśśvetasannibhaḥ |
syādviśvabhānano raktaḥ puṣkaraśśvetadehabhṛt || 94 ||

14.94 Durjaya ist schwarz; der hier als Prabhava bezeichnete, nach der Variante Prabala genannte Wächter ist weiß. Viśvabhāvana ist rot und Puṣkara weiß.

prabalaḥ |
sambhavaśśyāmalaḥ proktaḥ prabhavo raktasannibhaḥ |
suśobhano bhavet śyāmassubhadra śśyāma varṇabhak || 95 ||

14.95 Sambhava ist dunkel, Prabhava rot, Suśobhana dunkel und Subhadra ebenfalls dunkel. [Die Variante bietet für die letzte Angabe Weiß.]

śvetavarṇaṃ |
kumudaśśvetavarṇābhaḥ kumudākṣognisannibhaḥ |
puṇḍarīkastitaḥ proktaḥ vāmanaśśyāmalākṛtiḥ || 96 ||

14.96 Kumuda ist weiß, Kumudākṣa feuerfarben, Puṇḍarīka weiß und Vāmana dunkel.

rakto bhavet śaṅkukarṇassarvanetro'sitaprabhaḥ |
sumukhaśśyāmalaḥ proktaḥ raktābhassupratiṣṭhitaḥ || 97 ||

14.97 Śaṅkukarṇa ist rot, Sarvanetra schwarz, Sumukha dunkel und Supratiṣṭhita rot.

raktassūryassitaścandro bhomo raktassito budhaḥ |
bṛhaspatissuvarṇā bhaśśukraśśuklaśśanaiścaraḥ || 98 ||

14.98 Die Sonne ist rot, der Mond weiß, Mars rot, Merkur weiß, Jupiter goldfarben, Venus weiß,

kṛṣṇastāmrastathā rāhuḥ ketuḥ kuṣṇa udāhṛtaḥ |
kāmo raktassito hastivaktro raktaṣṣaḍānanaḥ || 99 ||

14.99 Saturn schwarz, Rāhu kupferfarben und Ketu schwarz. Kāma ist rot, der Elefantengesichtige weiß und der Sechsgesichtige rot.

durgā śyamā suvarṇābhaḥ dhanadaḥ kṣetrapālakaḥ |
nīlo brāhmī suvarṇābhā raktā māheśvarī bhavet || 100 ||

14.100 Durgā ist dunkel, Dhanada goldfarben und der Feldhüter blau. Brāhmī ist goldfarben, Māheśvarī rot.

kaumārī rakta varṇābhā vaiṣṇavī śyāmalaprabhā |
vārāhī śyāmavarṇabhā indrāṇī śyāmalā kṛtiḥ || 101 ||

14.101 Kaumārī ist rot, Vaiṣṇavī dunkel, Vārāhī dunkel und Indrāṇī ebenfalls dunkel.

varṇāsyāt. prabhaḥ || 102 ||

14.102 [Es bleibt nur ein Wortrest für „Glanz“ erhalten; eine sichere Farbzuordnung ist nicht möglich.]

ssmṛtaḥ |
yamaḥ kālo dhanirṛtirnīlasśyāmaḥ pracetanaḥ |
vāyurdhūmrassīta ścenduḥ rakto rudra udāhṛtaḥ || 103 ||

14.103 Yama ist schwarz, Nirṛti blau, Pracetas beziehungsweise Varuṇa dunkel, Vāyu rauchfarben, der Mond weiß und Rudra rot.

kṛtiḥ |
puruṣaśśyāmalo hemadyutissyādacyutassmṛtaḥ |
vasūṇāṃvarṇāsaṅgrahaḥ |
sito raktastathā pītaśśyāmo raktassitaprabhaḥ || 104 ||

14.104 Puruṣa ist dunkel, Acyuta goldglänzend. Für die Vasus folgt die Farbreihe: Weiß, Rot, Gelb, Dunkel, Rot, Weiß,

raktāsita |
babhruḥ pīto dharādīnāṃ vasūnāṃ varṇasaṅgrahaḥ |
pitṝṇāṃvarṇasaṅgrahaḥ |
raktaśśyetaḥ prabhā pītaśśyāmaśśyeto ruṇaprabhaḥ || 105 ||

14.105 Babhru und Gelb, der Reihe nach für Dhara und die übrigen. [Für die Ahnen:] Rot, Weiß, Gelb, Dunkel, Weiß, Rötlich

śvetaprabhāpi tā śyāmaśśveto ruṇadyutiḥ |
babhruḥ pitṝṇāṃ varrṇo'yaṃ krameṇa samudāhṛtaḥ |
marutāṃvarṇasaṃgrahaḥ |
dhūmro raktastadhā pītaśśyāmaśśveto' ruṇo'sitaḥ || 106 ||

14.106 und Babhru werden der Reihe nach genannt. [Für die Maruts:] Rauchfarben, Rot, Gelb, Dunkel, Weiß, Rötlich und Schwarz.

sito'ruṇaḥ |
varṇo'yaṃ marutāmuktassaptānāmānupūrvaśaḥ |
ṛśīṇāṃvarṇasaṃgrahaḥ |
kanakaśśyāmalaḥ pītaḥ kṛṣṇo caraktassito'sitaḥ || 107 ||

14.107 Dies sind die Farben der sieben Maruts. [Für die sieben Ṛṣis:] Goldfarben, Dunkel, Gelb, Schwarz, Rot, Weiß und Schwarz

varṇaḥ krameṇa saptānāmṛṣīṇāṃ samudāhṛtaḥ |
raktaḥ pītassitaśśyāmo raktapitassi tā sitaḥ || 108 ||

14.108 werden der Reihe nach genannt. [Für die Begleiter:] Rot, Gelb, Weiß, Dunkel, Rotgelb, Weiß und Schwarz. [Die Aufteilung in Einzelwerte ist in der Schlussgruppe nicht eindeutig.]

tadyutiḥ |
viśvādiparivārāṇāṃ varṇānukramaṇaṃ kṛtam |
apsarasāṃvarṇasaṅgrahaḥ |
śvetābhā kanakābhā ca śyāmā ca kanakaprabhā || 109 ||

14.109 Damit ist die Farbfolge der Begleiter, beginnend mit Viśva, angegeben. [Für die Apsarasen:] Weißglänzend, Goldglänzend, Dunkel, Goldfarben,

raktā kṛṣṇā ca pītā ca rūpamapsarasāṃ matam |
ādityāsaṃvarṇāḥ |
raktaḥ pīto'ruṇaśśyāmaśśveto babhruśca karburaḥ || 110 ||

14.110 Rot, Schwarz und Gelb gelten als ihre Farben. [Für die Ādityas:] Rot, Gelb, Rötlich, Dunkel, Weiß, Babhru und Karbura,

sāmidam |
varṇato haritaśśveta śoṇaḥ kundanibhastathā |
ādityānāmayaṃ varṇo dvādasānāṃ kramāt smṛtaḥ || 111 ||

14.111 ferner Harita, Weiß, Śoṇa und Kunda-Weiß. So werden die Farben der zwölf Ādityas angegeben. [Die erhaltene Liste enthält nur elf eindeutig lesbare Positionen.]

varṇako varṇakaḥ pāṭalo'sitaḥ || 112 ||

14.112 [Beschädigter Rest einer Farbreihe:] Varṇaka, Varṇaka, Rötlich und Schwarz; die Variante nennt Bunt, Rötlich und Schwarz.

śabalā pāṭalāsitāḥ |
ekadaśānāṃ rudrāṇāṃ varṇo'yaṃ samudīritaḥ |
aśvinorvarṇa |
aśvinau cāruṇau pītau mārkaṇḍeyastathā bhavet || 113 ||

14.113 Dies sind die Farben der elf Rudras. [Der größere Teil dieser Reihe fehlt.] Die Aśvins sind rötlich beziehungsweise gelb; entsprechend wird Mārkaṇḍeya zugeordnet. [Die genaue Farbverteilung bleibt knapp.]

samudāhṛtaḥ |
nāradabhṛgvādīnāṃvarṇāḥ |
nāradassphaṭikaḥ pīto bhṛgurdakṣastathāsitaḥ |
rakto manussanandaśca śyāmalaḥ kanakastathā || 114 ||

14.114 Nārada ist kristallhell, Bhṛgu gelb, Dakṣa schwarz, Manu rot, Sananda dunkel; anschließend folgt Goldfarben mit unsicherem Namensbezug.

pītassavatkumāraśca rakto hāhā ca pītalaḥ |
hūhūraktastathā śyāmaḥ mumbharuḥ kinnaraśśukaḥ || 115 ||

14.115 Sanatkumāra ist gelb, nach der Variante weiß. Hāhā und Hūhū werden mit Rot und Gelb verbunden, Tumburu mit Dunkel; der Kinnara wird als „śuka“, papageifarben, bezeichnet. [Die Satzglieder der Hauptzeile sind beschädigt.]

sitassanatkunura |
raktaḥ kiṃpuruṣaśśyāmaścitrasena stathā bhavet |
pīto viśvāvasuḥ prokto madhuśca madhuvarṇakaḥ || 116 ||

14.116 Der Kiṃpuruṣa ist rot, Citrasena dunkel, Viśvāvasu gelb und Madhu honigfarben.

Kapitel 15: Stehende, sitzende und liegende Gestalten

Hinweis zur Quelle: Die Nummern 7, 8, 9, 10, 11, 12, 87, 88 fehlen in der Vorlage. Erhaltene Fragmente bleiben stehen.

| pādmasaṃhitāyām |
paṃcadaśodhyāyaḥ |
sthitādimūrtinirdheśaḥ |
śrībhagavān |
bhedanathāto vakṣyāmi pratimānu sthitādiṣu |
sthitā mūrti stathāsīnā yānārūḍhā tathaiva ca || 1 ||

15.1 Der erhabene Herr sprach: Nun erkläre ich die Unterschiede der stehenden und weiteren Bilder. Die stehende, sitzende und auf einem Fahrzeug befindliche Gestalt

tāptisro dvividhāḥ proktā bhogayegaprabhedataḥ |
śayānasya tu pūrvoktau sargasaṃhārakāriṇau || 2 ||

15.2 werden jeweils in Bhoga- und Yoga-Form unterschieden. Bei der liegenden Gestalt kommen die bereits genannten schöpferischen und auflösenden Formen

sarva |
dvau cāparau caturbhedaśśayānaḥ kamalāsana |
ekaikā dvitridhā bhedā uttamādhamamadhyamāḥ || 3 ||

15.3 zu den beiden anderen hinzu; so gibt es vier Arten des Liegens, Lotusgeborener. Jede wird wiederum in zwei oder drei Ausführungsstufen unterschieden: vorzüglich, mittel und gering.

bhogamūrtiḥ tatra uttamā |
divye bhoge sthitaṃ devaṃ śaṅkhacakragadādharam |
śrībhūmisahitaṃ yuktamarcanā pīṭhaparśvayoḥ || 4 ||

15.4 [Vorzügliche stehende Bhoga-Form:] Der Gott steht im göttlichen Bereich, trägt Muschel, Diskus und Keule und ist von Śrī und Bhūmi begleitet. An den Seiten des Verehrungssockels

sanandasanakarṣibhyaṃ kṛtāñjalipuṭau sthitau |
utthitau vāmajānubhyāmitarābhyāṃ pratiṣṭhitau || 5 ||

15.5 stehen die Weisen Sananda und Sanaka mit gefalteten Händen, oder sie haben jeweils das linke Knie erhoben und stützen sich auf das andere.

pādayorubhayo rugre tavubhau kārayetsudhīḥ |
arcanāpīṭhikā pārśvabhūtaleṣvevamāsanam || 6 ||

15.6 Der Kundige gestalte die beiden vor den Füßen des Gottes. Ihr Sitz befindet sich auf dem Boden neben dem Verehrungssockel. [Die folgende Ausstattungsliste ist durch eine Lücke unterbrochen.]

ragraṃ saṃyuktam. gandharvau garudo nāradastathā || 13 ||

15.13 [Nach einer Lücke:] … Gandharvas, Garuḍa und Nārada,

gandharvo |
devatāścāpi munayassanti yatra niketane |
bhogasthānaṃ tu tadvidyāduttamaṃ kamalāsana || 14 ||

15.14 sowie Gottheiten und Weise befinden sich in diesem Heiligtum. Dies erkenne man als die vorzügliche stehende Bhoga-Form, Lotusgeborener.

madhyamābhogamūrtiḥ |
mahīsthāne patattrīndraṃ mahīṃ ca sanakāsane |
mārkaṇḍeyāsanāntetu ābhesau brahmaśaṅkarau || 15 ||

15.15 [Mittlere Form:] An Bhūmis Stelle stehe der Vogelkönig, Bhūmi am Sitz Sanakas; bei Mārkaṇḍeyas Sitz stelle man Brahmā und Śaṅkara bildlich dar.

bhānayedbrahmaśaṅkarau |
anye ca yatra pūrvoktāḥ bhogasthāne sa madyamaḥ |
jaghanyābhogamurtiḥ |
devaścaturbhujassārdhaṃ śrīdharābhyāmavasthitaḥ || 16 ||

15.16 Wo die übrigen zuvor Genannten hinzukommen, ist dies die mittlere Bhoga-Form. [Geringste Form:] Der vierarmige Gott steht zusammen mit Śrī und Dharā.

dakṣiṇe varadaṃ vāmaṃ siṃhakarṇamathāpi vā |
ūrumūlāśritaṃ vāpi śaṅkhacakradharau parau || 17 ||

15.17 Die rechte Hand zeigt Varada, die linke Siṃhakarṇa oder ruht am Oberschenkelansatz; die beiden anderen tragen Muschel und Diskus.

dakṣiṇe idaṃ padmaṃkvacinna |
brahmeśānau tu sābhāsau sarvamanyadyathoditam |
bhogasthāne yatra bhavejjaghanyaṃ tatpracakṣate || 18 ||

15.18 Brahmā und Īśāna sind bildlich angedeutet, alles Übrige entspricht dem Beschriebenen. Dies heißt die geringste stehende Bhoga-Form.

yogasthānamūrtalakṣaṇam. tatra uttamam |
śrībhūmisahito devaśśaṅkacakragadādharaḥ |
arcanāpīṭhikāpārśve mārcaṇḍeyo bhṛgustathā || 19 ||

15.19 [Vorzügliche stehende Yoga-Form:] Der Gott ist mit Śrī und Bhūmi vereint und trägt Muschel, Diskus und Keule. Neben dem Verehrungssockel stehen Mārkaṇḍeya und Bhṛgu.

sarvamanyadyathoktaṃ ca yogasthānaṃ taduttamam |
madhyamāyogamūrtiḥ |
nārado druhiṇasthāne śivasthāne khageśvaraḥ || 20 ||

15.20 Alles Weitere ist wie beschrieben: Dies ist die vorzügliche stehende Yoga-Form. [Mittlere Form:] Nārada tritt an Brahmās Platz, der Vogelkönig an Śivas;

te tadyogasthānamuttamam |
arcanāpīṭhapārśvetu brahmeśānau kṛtāñjalī |
yatho ktamanyatsarvaṃ ca yogasthāne sa madhyamaḥ || 21 ||

15.21 neben dem Verehrungssockel stehen Brahmā und Īśāna mit gefalteten Händen. Alles Weitere bleibt wie zuvor; dies ist die mittlere stehende Yoga-Form.

jaghanyāyogamūrtiḥ |
devaścaturbhujo divye bhāge brāhme'thavā yadi |
abhayaṃ dakṣiṇaṃ hastaṃ varadaṃ svāgataṃ tu vā || 22 ||

15.22 [Geringste Form:] Der vierarmige Gott steht im göttlichen oder im Brahma-Bereich. Die rechte Hand zeigt Abhaya, Varada oder die Willkommensgeste,

abhayamityardhaṃ kvacinna |
ūrumūlāśrayaṃ vāmaṃ sapallavamathāpi vā |
gadāmudramatho vāpi śaṅkhacakradharau parau || 23 ||

15.23 die linke ruht am Oberschenkelansatz, hält einen Zweig oder zeigt die Gadā-Geste; die beiden anderen tragen Muschel und Diskus.

brahmeśānādirahitaṃ nīca sā yogasaṃsthitiḥ |
bhogāsane tu asīnā mūrtiḥ tatra uttamā || sthānaprabhedaḥ kathitassaṃpratyāsīna ucyate || 24 ||

15.24 Ohne Brahmā, Īśāna und die weiteren Begleiter ist dies die geringste stehende Yoga-Form. Damit sind die stehenden Formen beschrieben; nun folgen die sitzenden.

sthiteḥ prabhedaḥ |
śrībhūmibhyāṃ sahāsīvassiṃhaviṣṭaramāśritaḥ |
brahmeśānau bhittapārśve sthitau yadvā sukhāsanau || 25 ||

15.25 [Vorzügliche sitzende Bhoga-Form:] Der Gott sitzt mit Śrī und Bhūmi auf dem Löwensitz. Brahmā und Īśāna stehen seitlich an der Wand oder sitzen bequem.

śrīdharābhyam |
bhuguṃ ca nāradaṃ ca dvau bhittipārśve samācaret |
bhṛguścanāradaścaiva bhitti pārśve samācarau |
ārcanāpīṭhikāpārśve ratiśāntī kṛtāñjalī || 26 ||

15.26 Auch Bhṛgu und Nārada stelle man seitlich an der Wand dar. Neben dem Verehrungssockel stehen Rati und Śānti mit gefalteten Händen. [Die Bhṛgu-Nārada-Zeile ist in der Vorlage doppelt enthalten.]

vṛṣṭhataścandrasūryādi sarvamanyadyathoditam |
bhogasanaṃ taduccaissyā |
āsīnāmadhyamā |
dāsīnassiṃhaviṣṭare || 27 ||

15.27 Hinten befinden sich Mond, Sonne und die übrigen wie beschrieben. Dies ist die vorzügliche Bhoga-Sitzgestalt. [Mittlere Form:] Der vierarmige Gott sitzt auf dem Löwensitz,

vāmotsaṅge śriyaṃ devīṃ samāropya caturbhujaḥ |
vāmahastena cāśliṣya yadvā bhūmiṃ yatho ditam || 28 ||

15.28 hat die Göttin Śrī auf seinen linken Schoß gehoben und umfasst sie mit dem linken Arm; oder Bhūmi wird entsprechend dargestellt.

citam |
sābhāsāvardhacitrau vā brahmeśau bhittipārśvayoḥ |
pūjāsikāmubhayataḥ kāryau ca bhṛgulāradau || 29 ||

15.29 Brahmā und Īśāna erscheinen gemalt oder im Relief an den Seitenwänden. Bhṛgu und Nārada stehen beiderseits des Verehrungssitzes.

dakṣaścaiva manuścaubau sacāmarakarau sthitau |
pṛṣṭhataścandrasūryādi bhoge madhyamamāsanam || 30 ||

15.30 Dakṣa und Manu stehen mit Wedeln in den Händen; hinten befinden sich Mond, Sonne und die übrigen. Dies ist die mittlere sitzende Bhoga-Form.

āsīnājaghanyā |
āsīnassahadevībhyāṃ brahmeśau bhittipārśvayoḥ |
bhittipārśve ratiśśāntissavālavyajane sthite || 31 ||

15.31 [Geringste Form:] Der Gott sitzt mit den beiden Göttinnen; Brahmā und Īśāna sind an den Seitenwänden, Rati und Śānti ebenfalls seitlich mit Haarwedeln.

bhogāsanaṃ tadadhamaṃ |
āsīneyogāsanam tatra uttamam |
yogāsanamathocyate |
siṃhāsane sukhāsīnaṃ brahmeśau bhittirśvayoḥ || 32 ||

15.32 Dies ist die geringste sitzende Bhoga-Form. Nun die Yoga-Sitzgestalt: Der Gott sitzt bequem auf dem Löwenthron, Brahmā und Īśāna stehen seitlich an der Wand,

ratissarasvatī ca dve sitavāladhivījane |
arcanāpīṭhikāpārśve śrībhūmī ca kṛtāñjalī || 33 ||

15.33 Rati und Sarasvatī tragen weiße Haarwedel; Śrī und Bhūmi stehen mit gefalteten Händen neben dem Verehrungssockel.

śrī bhūmyau. śrīmahyau |
pṛṣṭhataścandrasūryādi yāgāsanamidaṃ varam |
āsineyogemadhyamam |
siṃhāsane sukhāsīnāṃ brahmeśau bhittipārśvayoḥ || 34 ||

15.34 Hinten befinden sich Mond, Sonne und die übrigen. Dies ist die vorzügliche Yoga-Sitzgestalt. [Mittlere Form:] Der Gott sitzt bequem auf dem Löwenthron; Brahmā und Īśāna stehen seitlich,

āśīne śrī mahīdevyau sacāmarakaresthite |
arcanāpīṭhikāpārśve śrībhūmyau ca kṛtāñjalī || 35 ||

15.35 Śrī und Mahī mit Wedeln. Neben dem Verehrungssockel nennt die Hauptzeile erneut Śrī und Bhūmi mit gefalteten Händen, die Variante dagegen Rati und Śānti.

ratiśānti kṛtāṃjalī |
dakṣaścaiva manuścaiva bhittipārśve kṛtāñjalī |
pṛṣṭhataścandrasūryādi yoge tanmadhyamāsanam || 36 ||

15.36 Dakṣa und Manu stehen mit gefalteten Händen an den Seitenwänden, hinten Mond, Sonne und die übrigen. Dies ist die mittlere Yoga-Sitzgestalt.

yaugikaṃ madhyamāsanam |
jaghanyamāsanam |
siṃhāsane sukhāsīno deva ekaścaturbhujaḥ |
tyaktvāsarvaṃ parikaraṃ candrasūryādi vṛṣṭhataḥ || 37 ||

15.37 [Geringste Form:] Der vierarmige Gott sitzt allein bequem auf dem Löwenthron, ohne Begleiter; hinten befinden sich Mond, Sonne und die übrigen.

divye brāhme'thavā bhāge yoge tannīcamāsanam |
śeṣāsanam. tatrottamam |
śoṣāsanamatho vakṣye yathāvadavadhāraya || 38 ||

15.38 Im göttlichen oder Brahma-Bereich ist dies die geringste Yoga-Sitzgestalt. Nun erkläre ich den Sitz auf Śeṣa; verstehe ihn genau.

suvṛttaṃ bhogino bhogaṃ maṇḍalena sthitaṃ trivṛt |
kīñcidvṛttāyataṃ vā tu samunnamya sthitaṃ śiraḥ || 39 ||

15.39 Die drei Windungen der Schlange bilden eine gut gerundete oder leicht länglich-runde Sitzfläche; ihr Kopf ist erhoben.

samunnāhya |
tatra śrībhūmisahito viṣṭare tu sukhasanaḥ |
ratissarasvatī ca dve pūjāviṣṭarapārśvayoḥ |
devai rdevagaṇaiścaiva ṛṣibhirbhittipārśvayo || 40 ||

15.40 Darauf sitzt der Gott bequem mit Śrī und Bhūmi. Rati und Sarasvatī stehen neben dem Verehrungssitz; an den Seitenwänden sind Götter, göttliche Scharen und Ṛṣis,

kṛtāñjalipuṭāssarve śeṣāsanamidaṃ param |
śeṣāsanemadhyamam |
devaścaturbhujāsīnaḥ vāmotsaṅgārpitapriyaḥ || 41 ||

15.41 alle mit gefalteten Händen. Dies ist der vorzügliche Śeṣa-Sitz. [Mittlere Form:] Der vierarmige Gott sitzt mit seiner Geliebten auf dem linken Schoß.

mārkaṇḍeyo mahī caiva pūjā viṣṭarapārśvayoḥ |
bhṛguśca nāradaścaiva tiṣṭhatastitacāmarau || 42 ||

15.42 Mārkaṇḍeya und Mahī stehen neben dem Verehrungssitz, Bhṛgu und Nārada mit weißen Wedeln.

pūjāpīṭhasya |
pṛṣṭhataścandrasūryādi śeṣe tanmadhyamāsanam |
jaghanyaṃśeṣāsanam |
śriyā devya samāsīnaḥ pūjāpīṭhasya pārśvayoḥ || 43 ||

15.43 Hinten befinden sich Mond, Sonne und die übrigen. Dies ist die mittlere Śeṣa-Sitzgestalt. [Geringste Form:] Der Gott sitzt mit Śrī; neben dem Verehrungssockel

brahmā ca vasudhā caiva dharmo devo vṛṣaddhajaḥ |
yamo devo. yadvādevo |
devasya puraśśrīmān mārkaṇḍeyaḥ kṛtāñjaliḥ || 44 ||

15.44 stehen Brahmā und Vasudhā, ferner der Gott Dharma und der Stierbannerträger. [Die Satzverknüpfung und die Varianten sind unsicher.] Vor dem Gott steht der ehrwürdige Mārkaṇḍeya mit gefalteten Händen.

pṛṣṭhataścandrasuryādi śeṣe tannīcamāsanam |
śayanāsane uttamam |
sthityāsanabhidaḥ proktāḥ śayanasya bhidāṃ śṛṇu || 45 ||

15.45 Hinten befinden sich Mond, Sonne und die übrigen. Dies ist die geringste Śeṣa-Sitzgestalt. Stehen und Sitzen sind erklärt; höre nun die Unterschiede des Liegens.

anantabhogaśayane mṛdvāstaraṇakalpite |
sopadhāne śiraḥ pārśve pādapārśva tathaiva ca || 46 ||

15.46 Auf Anantas Windungslager, mit weicher Decke und Kissen am Kopf- und Fußende,

śīrṣe'sminbhogamāsthāya paramātmā sanātanaḥ |
devyorutsaṅgayoḥ pādau prasārya sukhavāhanau || 47 ||

15.47 ruht der ewige höchste Ātman, den Kopf auf der Windung, die Füße auf den Schößen der Göttinnen ausgestreckt, die sie behaglich pflegen.

devyau devasya vaktābjaṃ vīkṣamāṇe sukhāsane |
arcanāpīṭhapārśve tu ratiśāntī kutāṃjalī || 48 ||

15.48 Die beiden Göttinnen sitzen bequem und blicken auf das Lotusgesicht des Gottes. Rati und Śānti stehen mit gefalteten Händen neben dem Verehrungssockel.

indrādīn pādaparśve tu bhittau ca parikalpayet |
pṛṣṭhato bhittipārśve tu śaṅkhārdin dehasaṃyutān || 49 ||

15.49 Indra und die übrigen gestalte man an der Wand beim Fußende; an der rückwärtigen Wand Muschel und weitere Waffen in verkörperter Form.

devasya maulipārśve tu bhittau brahmādimūrtayaḥ |
sanandasanakādyanyān yathāpūrvaṃ prakalpayet || 50 ||

15.50 An der Wand beim Kopf des Gottes befinden sich Brahmā und die übrigen Gestalten. Sananda, Sanaka und die anderen ordne man wie zuvor an.

devasya purato bhittau hāhāhūhūstathaiva ca |
citrasenaścatraratho nṛttagītakriyāparau || 51 ||

15.51 An der Wand vor dem Gott stehen Hāhā, Hūhū, Citrasena und Citraratha, Tanz und Gesang hingegeben,

viṣṇulokodbhavāḥ kanyāḥ brahmalokasamudbhavāḥ |
rudrādilokajaḥ kanyā nānāvibhramasaṃyutāḥ || 52 ||

15.52 Mädchen aus Viṣṇus Welt, aus Brahmās Welt, aus Rudras und weiteren Welten, in vielfältig anmutigen Bewegungen,

tumbhururnaradaścaiva garuḍaḥ kinnarastathā |
vīṇādibhirvādayantastathoparimāharṣayaḥ || 53 ||

15.53 Tumburu, Nārada, Garuḍa und ein Kinnara mit Vīṇās und weiteren Instrumenten, darüber die großen Ṛṣis.

citrarūpeṇa sarve syuśśayane bhagamuttamam |
śayanemadhyamam |
śri mahyau mūrndha pārśve tu bāhvūrmūlaṃ samāśrite || 54 ||

15.54 Alle sind bildlich darzustellen. Dies ist das vorzügliche Bhoga-Liegen. [Mittlere Form:] Śrī und Mahī befinden sich am Kopfende bei den Armansätzen,

pādapārśve ratiśśāntaḥ pādaspṛṣṭe sukhāsane |
sanatkumārasanakau arcanāpīṭhapārśvayoḥ || 55 ||

15.55 Rati und Śānti sitzen bequem am Fußende und berühren die Füße. Sanatkumāra und Sanaka sind neben dem Verehrungssockel

ardhacitreṇa bhittisthau bhāgaśayyā tu madhyamā |
jaghanyaṃśayanāsanam |
śrīḥ pādapadmayugalaṃ karābhyāṃ vāhayetsukham || 56 ||

15.56 als Wandreliefs dargestellt. Dies ist das mittlere Bhoga-Lager. [Geringste Form:] Śrī pflegt mit beiden Händen behaglich die beiden Lotusfüße,

arcanāpīṭhikāpārśve ratiścaiva vasundharā |
citrābhāsena kuḍyasthe bhogaśayyā'dhamābhavet || 57 ||

15.57 Rati und Vasundharā sind neben dem Verehrungssockel an der Wand gemalt. Dies ist das geringste Bhoga-Lager.

śayaneyogāsanam tatra uttamam |
anantabhogaśayane tyaktasarvaparigrahaḥ |
yogamāsthāya śayitassvayameva paraḥ pumān || 58 ||

15.58 [Vorzügliches Yoga-Liegen:] Auf Anantas Windungslager ruht der höchste Puruṣa selbst im Yoga, nachdem er alle äußeren Beigaben abgelegt hat,

śrīvatsāṅkaḥ prasannāsyaḥ nilajīmūtasannibhaḥ |
dvibhujo yegaśayanamuttamaṃ samudāhṛtam || 59 ||

15.59 mit dem Śrīvatsa-Zeichen, heiterem Antlitz, dunkel wie eine Regenwolke und zweiarmig. Dies heißt das vorzügliche Yoga-Liegen.

yogaśayanemadhyamam |
sevito vainateyena sanniviṣṭena pārśvataḥ |
caturbhujaḥ parikarairanyaissarvairvivarjitaḥ || 60 ||

15.60 [Mittlere Form:] Er ist vierarmig, von Vainateya verehrt, der seitlich sitzt, und von allen übrigen Begleitern frei.

madhyamaṃ yogaśayanamucyate taccaturmukha |
jaghanyaṃ yogaśayanam |
dvābhyāṃ bhujābhyāṃ sahitastyaktasarvaparigrahaḥ || 61 ||

15.61 Dies wird das mittlere Yoga-Liegen genannt, Viergesichtiger. [Geringste Form:] Er besitzt zwei Arme und hat alle äußeren Beigaben abgelegt;

arcanāpīṭhikāpārśve śrībhūmī tu kṛtāṃjalī |
adhamaṃ yogaśayanaṃ saṃhāraśayanaṃ śṛṇu || 62 ||

15.62 Śrī und Bhūmi stehen mit gefalteten Händen neben dem Verehrungssockel. Dies ist das geringste Yoga-Liegen. Höre nun das auflösende Liegen.

saṃhāraśayane uttamam |
anantabhogaśayane anantaphaṇamaṇḍite |
śayito'ṣṭabhujo devaḥ bhrukuṭīkaṭilānanaḥ || 63 ||

15.63 Auf Anantas Windungslager, von dessen Hauben geschmückt, ruht der achtarmige Gott mit zusammengezogenen Brauen und zornigem Gesicht,

daṃṣṭrākarālaṃ bibhrāṇo mukhamekaṃ bhayānakam |
pralayāmbhodhinirghoṣagabhīrabhayadadhvanim || 64 ||

15.64 mit einem einzigen furchterregenden, fangzahnbewehrten Antlitz und einem tiefen, erschreckenden Laut wie das Tosen des Weltauflösungsmeeres,

bhayaṅkaram | pralayāmbhudanirghoṣaṃ gambhīra |
vamantamāntaraṃ vahniṃ mukhavāyusamīritam |
saṃhāraśayanaṃ śreṣṭhamidamāhurmanīṣiṇaḥ || 65 ||

15.65 inneres Feuer ausstoßend, das vom Atem seines Mundes angefacht wird. Dies nennen die Verständigen das vorzügliche auflösende Liegen.

saṃhāraśayanemadhyamam |
daṃṣṭrākarālavadanaṃ bhrukuṭīkuṭilekṣaṇam |
caturbhujaṃ gadākhaḍgaśaṅkhamadmavibhūṣitam || 66 ||

15.66 [Mittlere Form:] Mit fangzahnbewehrtem Gesicht, unter zusammengezogenen Brauen blickend, vierarmig und mit Keule, Schwert, Muschel und Lotus ausgestattet. [Die Variante nennt Keule, Muschel, Diskus und Bogen.]

gadāśaṅkacakracāpa |
arcanāpīṭhikāpārśve śrīkhagaundrau kṛtāṃjalī |
madhyamā saṃhṛtau śayyā kaniṣṭhaṃ śayanaṃ śṛṇu || 67 ||

15.67 Śrī und der Vogelkönig stehen mit gefalteten Händen neben dem Verehrungssockel. Dies ist das mittlere Auflösungslager. Höre die kleinste liegende Form:

kaniṣṭhāsaṃhāraśayanam |
keśairalakasaṅghaiśca virājitaśubhānanam |
nīlajīmūtasaṅkāśaṃ madhye haritapaṅkajam || 68 ||

15.68 Sein schönes Gesicht ist von Haaren und Locken geschmückt, seine Farbe gleicht einer dunklen Regenwolke; in der Mitte befindet sich ein grüner Lotus. [Andere Lesarten nennen einen gefüllten Lotus oder die Mitte des Meeres. Der folgende Vers geht ausdrücklich zum Schöpfungslager über; die Abschnittsgrenze ist gestört.]

madhyebharita padmajaḥ madhyevārīnidhe'bjaja. iti ca kośāntare |
sargaśayyā caturdikṣu bhittau vārinidhaṃ likhet |
brahmāṇaṃ ca catustāle śayanādbhittipārśvataḥ || 69 ||

15.69 [Schöpfungslager:] An den Wänden in allen vier Richtungen male man das Meer. Brahmā gestalte man vier Tālas über dem Lager an der seitlichen Wand,

upariṣṭhādabhimukhaṃ nābhernārāyaṇasya ca |
caturmukhaṃ caturbāhuṃ jaṭāmukuṭasaṃyutam || 70 ||

15.70 oberhalb und dem Nabel Nārāyaṇas zugewandt, viergesichtig, vierarmig und mit einer Flechtenkrone,

jaṭājūṭa samanvitam |
dvābhyāṃ karābhyāṃ mukhyābhyāṃ kṛtāṃjalipuṭaṃ sthitam |
darśayantaṃ karābhyāṃ vā yogamudrāṃ caturmukha || 71 ||

15.71 mit den beiden vorderen Händen in Añjali oder die Yoga-Mudrā zeigend, Viergesichtiger.

uttarābhyāmudastābhyā makṣamālāṃ sakuṇḍikām |
dhārayantaṃ sarasije svastikāsanabandhanam || 72 ||

15.72 Die beiden erhobenen hinteren Hände tragen Gebetskette und Wassergefäß. Er sitzt im Svastikāsana auf einem Lotus.

devasya śirasaḥ pṛṣṭhe śriyaṃ tasyākṣilakṣikām |
vāmajānuṃ samunnamya dakṣiṇena pratiṣṭhitām || 73 ||

15.73 Hinter dem Kopf des Gottes stelle man Śrī dar, ihren Blick auf ihn gerichtet, das linke Knie erhoben und auf dem rechten ruhend.

purataḥ pṛṣṭhe |
dakṣiṇaṃ puṣpahastaṃ tu vāmahastaṃ vasupradam |
anantaśayane'dhastātpūjāpīṭhasya pārśvayoḥ || 74 ||

15.74 Ihre rechte Hand trägt eine Blume, die linke gewährt Reichtum. Unterhalb von Anantas Lager, neben dem Verehrungssockel,

ānantaśayanādhastādarcanāpīṭha |nāradaṃ sanakaṃ caiva mānuṣe tu kṛtāṃjalī |
pādapārśve mahīṃ devīṃ pādaspṛṣṭāṃ tu kārayet || 75 ||

15.75 stehen Nārada und Sanaka im menschlichen Bereich mit gefalteten Händen. Am Fußende gestalte man die Göttin Mahī, die seine Füße berührt.

upariṣṭātsamudrāṇāṃ śaṅkhādīn dehasaṃyutān |
devasya pṛṣṭhabhittau tu dehalabdhāṅgulena ca || 76 ||

15.76 Oberhalb der Meeresdarstellung erscheinen Muschel und die weiteren Waffen verkörpert. An der rückwärtigen Wand des Gottes erhalten die Gestalten nach dem körperbezogenen Maß

caturviṃśāṅgulotsedhān śaṅkhādyāyudhadhāriṇaḥ |
śaṅkhacakragadākhaḍgadhanuḥ pañcāyudhāni ca || 77 ||

15.77 eine Höhe von vierundzwanzig Aṅgulas: die Träger der fünf Waffen Muschel, Diskus, Keule, Schwert und Bogen.

dvihastān puruṣākārān svacihnāṅkitamastakān |
śaṅkādhāraṃ prakurvīta lambakukhiṃ sitaprabham || 78 ||

15.78 Sie haben Menschengestalt, zwei Hände und ihr jeweiliges Zeichen auf dem Kopf. Der Muschelträger sei weiß und habe einen herabhängenden Bauch. [Die Variante bietet für den Bauch eine andere Lesung.]

nīlaṃ kukṣīṃ |
raktavarṇaṃ vivṛttākṣaṃ kuryāccakradharaṃ param |
gadādhāraṃ mahākāyaṃ vṛttākṣaṃ pītalaprabham || 79 ||

15.79 Der Diskusträger sei rot und großäugig; der Keulenträger großleibig, rundäugig und gelbglänzend.

hārim |
strīveṣā khaḍgadhārī tu sustavā śyāmalaprabhā |
śārṅgadhṛgghemavarṇābhaḥ mahākāyo mahodaraḥ || 80 ||

15.80 Die Schwertträgerin hat Frauengestalt, wohlgeformte Brüste und dunklen Glanz. Der Śārṅga-Träger ist golden, großleibig und großbäuchig.

vaina teyassuvarṇābhaḥ pakṣamaṇḍalamaṇḍitaḥ |
nānākañcuka saṃyuktāḥ nānāmbaradharā ime || 81 ||

15.81 Vainateya ist goldglänzend und mit ausgebreiteten Schwingen geschmückt. Diese Gestalten tragen verschiedene Obergewänder und Kleider,

nānānāṭaka |
daṃṣṭrākarālavadanāḥ bhrukuṭīkuṭilekṣaṇāḥ |
karaṇḍikāmukuṭinassarvābharaṇabhūṣitāḥ || 82 ||

15.82 haben furchterregende Gesichter mit Fangzähnen, blicken unter zusammengezogenen Brauen hervor, tragen Karaṇḍa-Kronen und jeglichen Schmuck.

vāmaiḥ karaistarjayantaḥ itarairbaddhamuṣṭayaḥ |
dhāvanto'bhimukhaṃ sarve madhukaiṭabhayordayoḥ || 83 ||

15.83 Mit den linken Händen drohen sie, die rechten sind zu Fäusten geballt. Alle stürmen Madhu und Kaiṭabha entgegen.

adhastātpādayoḥ pārśve kārayenmadhukaiṭabhau |
madhuśyāmau mahākāyau karaṇḍimukuṭojjvalau || 84 ||

15.84 Unterhalb beim Fußende gestalte man Madhu und Kaiṭabha: honigfarben beziehungsweise dunkel, großleibig und mit leuchtenden Karaṇḍa-Kronen,

jānumātraṃ samudrasthau khaṇḍadaṇḍāyudhodyatau |
daṃṣṭrākarālavadanau bhrukuṭīkaṭilekṣaṇau || 85 ||

15.85 bis zu den Knien im Meer stehend, Schwert und Stab als Waffen erhoben, mit fangzahnbewehrten Gesichtern und finsteren Blicken.

anantaphaṇivaktrāgnijvālābhiḥ pari tāpitau |
bhītau palāyitau vajrakalpairmuṣṭhibhirāhatau || 86 ||

15.86 Von den Feuerflammen aus Anantas Schlangenmündern versengt, erschrecken sie und fliehen, von donnerkeilgleichen Fäusten getroffen.

parito vṛto ssaptadaṇḍinaḥ || 89 ||

15.89 [Nach einer Lücke bleibt:] … ringsum die sieben Stabträger. [Die Variante bietet einen anderslautenden Wortrest.]

ssaptavardanāḥ |
sottarīyāśca sarve te racitāṃjalayaḥ sthitāḥ |
mūrndhi pārśve ca viṣṇuśca rudraścaiva caturbhujau || 90 ||

15.90 Alle tragen Obergewänder und stehen mit gefalteten Händen. Beim Kopf befinden sich ferner Viṣṇu und Rudra, beide vierarmig.

devasya purato bhittau kuryānmegha pathopari |
hāhāhūhūśca gandharvau kinnarastumburustathā || 91 ||

15.91 An der Wand vor dem Gott, oberhalb des Wolkenwegs, gestalte man die Gandharvas Hāhā und Hūhū, einen Kinnara und Tumburu,

payovahān. sarve cāpsarasaṅghātā nṛttagītaratāssadā |
anantaśayane ramye pūrvavattatra kalpite || 92 ||

15.92 sowie sämtliche Apsarasenscharen, stets Tanz und Gesang hingegeben. Auf dem schönen, wie zuvor gestalteten Ananta-Lager

sarvāścāpsarassaṅghauḥ |
caturbhujaśśyāmavarṇaśśaṅkhacakragadādhāraḥ |
pītāmbaradhassaumyaḥ karṇāntāyatalocanaḥ || 93 ||

15.93 ruht der vierarmige, dunkelfarbige Gott mit Muschel, Diskus und Keule, in gelbem Gewand, mild, mit weit zu den Ohren reichenden Augen.

dakṣiṇe ca bhuje mauliṃ prasāritatalāṅgulau |
nidhāya maulipaṭṭāntaṃ prasāritabhujetaraḥ || 94 ||

15.94 Die Krone legt er auf den rechten Arm mit ausgestreckter Hand und Fingern; den anderen Arm streckt er bis zum Kronenband aus. [Die Arm- und Handstellung ist im Wortlaut nicht vollständig eindeutig.]

śayito rājavaddhevaḥ kiñciddvāranirīkṣakaḥ |
sarve citreṇa rūpeṇa bhittisthāḥ pūrvamīritāḥ || 95 ||

15.95 So liegt der Gott wie ein König und blickt ein wenig zum Eingang. Alle zuvor Genannten befinden sich als bildliche Gestalten an der Wand.

uttamaṃ sṛṣṭiśayanametadāhurmanīṣiṇaḥ |
madhyamāsṛṣciśayyā |
bāhudvayasamopetaśśyāmalaḥ komalākṛtiḥ || 96 ||

15.96 Dies nennen die Verständigen das vorzügliche Schöpfungslager. [Mittlere Form:] Er besitzt zwei Arme, ist dunkel und von zarter Gestalt.

uttamaṃ sargaśayanam. itthaṃ śrīsṛṣṭi iti ca |
pṛṣṭhatasskandhapārśve tu prākca padmā pratiṣṭhitā |
brahmāṇaṃ bhittipārśve tu citreṇaiva prakalpayet || 97 ||

15.97 Hinten bei der Schulter ist Padmā wie zuvor angeordnet. Brahmā stelle man an der Seitenwand bildlich dar,

prāgvatpadmā prakīrtatā. sanakaṃ ca mahīṃ caiva pūjāpīṭhisya pārśvayoḥ |
ardhacitreṇa śeṣāssyussṛṣṭiśayyā tu madhyamā || 98 ||

15.98 Sanaka und Mahī neben dem Verehrungssockel; die übrigen erscheinen als Reliefs. Dies ist das mittlere Schöpfungslager. [Ein Zusatz meldet das Fehlen dieses Abschnitts in manchen Vorlagen.]

sanaka ityādi padyadvayaṃ kvacinna |
kanīyasisargaśayyā |
śiyraṃ mahīmadhastācca bhūtale pīṭhapārśvayoḥ |
brahmāṇaṃ bhittipārśve tu citrābhāsena kalpayet || 99 ||

15.99 [Kleinste Form:] Śrī und Mahī befinden sich unten auf dem Boden neben dem Sockel; Brahmā wird an der Seitenwand gemalt.

bhajadvayasamopetaḥ padmanābhaścaturmukha |
pralayodadhimadhyasthaśśayitā viśvakāraṇam || 100 ||

15.100 Mit zwei Armen versehen ruht Padmanābha, die Ursache des Alls, mitten im Weltauflösungsmeer, Viergesichtiger.

Kapitel 16: Fahrzeugsgestalten und Viṣṇus Erscheinungsformen

Hinweis zur Quelle: Die Nummern 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 36, 37, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53 fehlen in der Vorlage. Erhaltene Fragmente bleiben stehen.

pādmasaṃhitāyām |
ṣoḍaśo'dhyāyaḥ |
yānārūḍhamūrtilakṣaṇam tatra uttamam |
śrībhagavān |
yānārūḍasya bhodo'yaṃ adhunā saṃpradarśyate |
vaina teyaṃ suvarṇābhaṃ pakṣamaṇḍalamaṇḍitam || 1 ||

16.1 Der erhabene Herr sprach: Nun werden die Unterschiede der auf einem Fahrzeug befindlichen Gestalt dargestellt. Vainateya sei goldglänzend und mit einem Kranz aus Schwingen geschmückt,

nīlāgranāsāsaṃyuktaṃ nāgendrābharaṇai ryutam |
skandhe cāruhyā caraṇaṃ vāmamākuñcya dakṣiṇam || 2 ||

16.2 mit dunkler Schnabelspitze und Schmuck aus Schlangenkönigen. [Der Gott] steigt auf seine Schultern, zieht den linken Fuß an, den rechten …

nīlanāsāgra. karaiḥ || 3 ||

16.3 [Vom anschließenden Vers bleibt nur:] … mit Händen beziehungsweise Armen. [Die vollständige Haltung und die erste Waffenreihe fehlen.]

bhujaiḥ |
śaṅkhaṃ kaumodakīṃ carma cāpamanyaiḥ karairdadhat |
pṛṣṭhato bhittipārśve tu ātapatraṃ suradrumam || 4 ||

16.4 Mit den anderen Händen trägt er Muschel, Kaumodakī-Keule, Schild und Bogen. An der rückwärtigen Wand gestalte man Schirm und Götterbaum,

savandasanakau bhittau pārśvayoścandrabhāskarau |
yathā svāvāhane devassamāruhya sthitā yadi || 5 ||

16.5 Sananda und Sanaka an den Seitenwänden sowie Mond und Sonne. Die Gottheiten befinden sich jeweils auf ihren eigenen Fahrzeugen.

nṛvāhane |
arcanāpīṭhikāpārśve śrīmahyau tu kṛtāṃjalī |
surāsuramunīn nāgān siddhavidyādharāṃ stathā || 6 ||

16.6 Śrī und Mahī stehen mit gefalteten Händen neben dem Verehrungssockel. Götter, Asuras, Weise, Nāgas, Siddhas und Vidyādharas,

gandarvāpsaraso meghān kārayodbhittibhūmiṣu |
sarve citreṇa saṃyuktā yānārohaṇamuttamam || 7 ||

16.7 Gandharvas, Apsarasen und Wolken werden an den Wänden bildlich gestaltet. Dies ist die vorzügliche Fahrzeugsgestalt.

madhyamāmūrtiḥ |
devaṃ caturbhujaṃ kṛtvā śaṅkhacakragadādharam |
vāmotsaṅge samāropya ratiṃ dāḍimasannibhām || 8 ||

16.8 [Mittlere Form:] Man gestalte den Gott vierarmig mit Muschel, Diskus und Keule. Auf seinem linken Schoß sitzt Rati, von Granatapfelfarbe,

pāśāṅguśadharāṃ devīṃ kāmavihvalalocanām |
arcanāpīṭhikāpārśve śriyaṃ bhūmiṃ ca kārayet || 9 ||

16.9 die Göttin mit Schlinge und Stachelhaken, ihre Augen von Liebe bewegt. Neben dem Verehrungssockel gestalte man Śrī und Bhūmi.

nāradaśca bhṛguścaiva kṛḍye cāmaradhāriṇau |
prītaṃ sarasvatīṃ śāntiṃ kalpayet yāmyabhūmiṣu || 10 ||

16.10 Nārada und Bhṛgu erscheinen an der Wand als Wedelträger; Prīti, Sarasvatī und Śānti an der südlichen Wand,

dyasya |
puṣṭhiṃ tuṣṭiṃ ca kīrtaṃ ca kuḍye vāme ca kārayet |
puṣpamañjarihastāśaaca sitacāmaravījanāḥ || 11 ||

16.11 Puṣṭi, Tuṣṭi und Kīrti an der linken. Sie tragen Blütenzweige und schwenken weiße Haarwedel.

ardhacitreṇa vā sarve ābhāsenaiva vā vidhiḥ |
madhyamo vāhanārohaśśṛṇunīcaṃ caturmukha || 12 ||

16.12 Alle können als Reliefs oder als Malerei ausgeführt werden. Dies ist die mittlere Fahrzeugsgestalt; höre die geringste, Viergesichtiger.

madhyamaṃ yānamārohaṃ |
jaghanyāmūrtiḥ |
caturbhujaṃ viśālākṣaṃ bhinnāñjanacayaprabham |
mukhyābhyāṃ caiva hastābhyāṃ śārṅkhapañcaśarānapi || 13 ||

16.13 Vierarmig, großäugig, glänzend wie eine frisch aufgebrochene Masse dunkler Augensalbe; die beiden vorderen Hände tragen Śārṅga und fünf Pfeile,

ūrdhvābhyāmitarābhyāṃ ca śaṅgaṃ cakraṃ ca dhārayan |
niṣṭaptakanakaprakhyāṃ vāmotsaṅgasamarpitām || 14 ||

16.14 die beiden oberen Muschel und Diskus. Auf dem linken Schoß sitzt eine Göttin, glänzend wie geläutertes Gold,

niṣṭaptakāñcana |
lāvaṇyāmṛtatoyena siñcantīmiva sarvataḥ |
dakṣiṇaṃ puṣpahastaṃ vā vāmahastaṃ vasupradam || 15 ||

16.15 als übergieße sie alles ringsum mit dem Nektar ihrer Anmut. Ihre rechte Hand trägt eine Blume, die linke gewährt Reichtum.

arcanāpīṭhikāpārśve ratiṃ śāntiṃ ca kārayet |
citrābhāsena kuḍyasthāḥ nīcaṃ yānādhirohaṇam || 16 ||

16.16 Rati und Śānti gestalte man neben dem Verehrungssockel, als Malerei an der Wand. Dies ist die geringste Fahrzeugsgestalt.

viśvarūpamūrtiḥ tatra uttamā |
viśvarūpaṃ pravakṣyāmi śṛṇu paṅkajasambhava |
dvipādamekakaṇṭhaṃ ca caturdikṣu caturmukham || 17 ||

16.17 Nun erkläre ich Viśvarūpa; höre, Lotusgeborener. Die Gestalt hat zwei Füße, einen Hals und vier Gesichter in den vier Richtungen.

vāsudevamukhādūrdhvaṃ sarvadevamukhāni tu |
saṅkarṣaṇamukhādūrdhvaṃ sarvarṣīṇāṃ mukhāni ca || 18 ||

16.18 Über Vāsudevas Gesicht liegen die Gesichter aller Götter, über Saṅkarṣaṇas Gesicht die aller Ṛṣis,

pradyumnasya mukhādūrdhvaṃ dai tyadānavarakṣasām |
aniruddhamukhādūrdhvaṃ nāgagandharvakinnarāḥ || 19 ||

16.19 über Pradyumnas Gesicht die der Daityas, Dānavas und Rākṣasas, über Aniruddhas Gesicht die der Nāgas, Gandharvas und Kinnaras.

mukhānyetāni cānyāni yathāvibhavamādarāt |
kartavyāni caturvaktra samarthāni vicakṣaṇaiḥ || 20 ||

16.20 Diese und weitere Gesichter sollen die Kundigen nach ihren Möglichkeiten ehrfürchtig und passend gestalten, Viergesichtiger.

mukhānyetāni cendrādi. ekena vā sito varṇe vāsudevassanātanaḥ || 28 ||

16.28 [Nach einer größeren Lücke:] … mit einem beziehungsweise um einen vermindert; der ewige Vāsudeva ist von weißer Farbe. [Der erste Versrest erlaubt keine sichere syntaktische Verbindung.]

ekona |
evaṃ nārāyaṇo' nādirnīlanīradasannibhaḥ |
caturvaṃśatimūrtilakṣaṇam |
caturviṃśatimūrtīnāṃ lakṣaṇaṃ vakṣyate'dhunā || 29 ||

16.29 So ist der anfanglose Nārāyaṇa dunkel wie eine Regenwolke. Nun werden die Merkmale der vierundzwanzig Gestalten erklärt.

nāmanīlajīmūta |
keśavasyāmbujaṃ śaṅkhaṃ cakraṃ daṇḍastathāyudham |
prādakṣiṇyena bāhūnāmanyeṣāmucyate kramāt || 30 ||

16.30 Keśavas Attribute sind Lotus, Muschel, Diskus und Stab beziehungsweise Keule. Die Hände werden rechtsherum gezählt; ebenso folgen nun die übrigen Gestalten.

nārāyaṇaśśaṅkhapadmagadācakradharaḥ smṛtaḥ |
madhavo gadayā sārdhaṃ cakraśaṅkhambujāyudhaḥ || 31 ||

16.31 Nārāyaṇa trägt Muschel, Lotus, Keule, Diskus; Mādhava Keule, Diskus, Muschel, Lotus.

govindaścakradaṇḍābjaśaṅkhāyudhadharo bhavet |
viṣṇurgadābjaśaṅkhāridharassyānmadhusūdanaḥ || 32 ||

16.32 Govinda trägt Diskus, Stab, Lotus, Muschel; Viṣṇu Keule, Lotus, Muschel, Diskus. Madhusūdana

cakraśaṅkhābjadaṇḍāstradharaḥ kāryastrivikramaḥ |
padmadaṇḍāriśaṅkhāstro vāmanaśśaṅkhacakradhṛk || 33 ||

16.33 trägt Diskus, Muschel, Lotus, Stab. Trivikrama trägt Lotus, Stab, Diskus, Muschel. Vāmana trägt Muschel, Diskus,

madmaśaṅkhāpidaṇḍāstraḥ |
gadābjapāṇiścatathā śrīdharo dhṛtavārijaḥ |
sārdhaṃ cakragadāśaṅkhaiḥ hṛṣīkeśamataśśṛṇu || 34 ||

16.34 Keule und Lotus. Śrīdhara trägt Lotus, Diskus, Keule und Muschel. Höre nun Hṛṣīkeśa.

gācakrābjaśaṅkhāstradharaḥ paṅkaja nābhakaḥ |
padmacakrāmbujagadādharo dāmodaraḥ smṛtaḥ || 35 ||

16.35 Hṛṣīkeśa trägt [nach beschädigtem Beginn] Keule, Diskus, Lotus, Muschel. Es folgt Padmanābha; dann wird Dāmodara mit Lotus, Diskus, Wasserblume und Keule genannt. [Die Zuordnung um Padmanābha ist gestört; zudem stehen bei Dāmodara zwei Lotuswörter. Die Liste wird nicht anhand einer anderen Überlieferung korrigiert.]

nābhidhṛk. padmapāṇiścaturbhujaḥ || 38 ||

16.38 [Nach einer Lücke:] … vierarmig, mit Lotus in der Hand. [Ein Zusatz nennt Aniruddha mit Diskus, Stab und Muschel.]

aniruddho'ridaṇḍāstraśaṅkha |
cakramadmāmbujaissārdhaṃ gadāvān puruṣottamaḥ |
adhokṣajaḥ padmadaṇḍaśaṅkhacakradharaḥ smṛtaḥ || 39 ||

16.39 Puruṣottama trägt Diskus, Lotus, Wasserblume und Keule; Adhokṣaja Lotus, Stab, Muschel und Diskus. [Bei Puruṣottama enthält die Hauptzeile zwei Lotuswörter; eine Variante bietet Muschel.]

cakrapadmadharaśśaṅkha |
nṛsiṃhaścakrajalajagadaśaṅkhadharaḥ smṛtaḥ |
acyuto daṇḍapadmāriśaṃkhahastaścaturbhujaḥ || 40 ||

16.40 Nṛsiṃha trägt Diskus, Lotus, Keule, Muschel; Acyuta ist vierarmig mit Stab, Lotus, Diskus, Muschel.

janārdanaḥ padmacakraśaṃkhadaṇḍaścaturbhujaḥ |
upendra śśaṅkhadaṇḍāripadmāyudhavibhūṣitaḥ || 41 ||

16.41 Janārdana ist vierarmig mit Lotus, Diskus, Muschel, Stab; Upendra trägt Muschel, Stab, Diskus, Lotus.

padmadaṇḍādiśaṅkhāyudha |śaṃkhacakrābjadaṇḍāstraḥ harissyatkamalāsana |
kṛṣṇaśśaṃkhagadāpadmacakrapāṇiścaturbhujaḥ || 42 ||

16.42 Hari trägt Muschel, Diskus, Lotus, Stab, Lotusgeborener; Kṛṣṇa ist vierarmig mit Muschel, Keule, Lotus, Diskus.

dakṣiṇaṃ hastamārabhya pādakṣiṇyena kārayet |
mūrticihnāni śaṃkhādīnyāyudhāni vicakṣaṇaḥ || 43 ||

16.43 Beginnend bei der rechten Hand ordne der Kundige die Muschel und übrigen Waffen als Kennzeichen der Gestalten rechtsherum an.

vāsudevaḥ padmanābhaḥ nārāyaṇajanārdanau |
eteṣāṃ varṇabheto'sti na viśeṣosti cāyudhaiḥ || 44 ||

16.44 Vāsudeva, Padmanābha, Nārāyaṇa und Janārdana unterscheiden sich nach der Farbe, nicht nach den Waffen. [Diese Aussage steht neben der beschädigten Einzelaufzählung und wird nicht zu einer künstlich widerspruchsfreien Tabelle harmonisiert.]

pītāmburadharāssarvāścaturviṃśatimūrtayaḥ |
śrīvatsakaustubhākalpavanamālāvibhūṣitāḥ || 45 ||

16.45 Alle vierundzwanzig Gestalten tragen gelbe Gewänder, Śrīvatsa, Kaustubha, Schmuck und Waldgirlanden.

bhogārthina ścedbhittisthān devībhyāṃ sthāpayetsaha |
vinā tābhyāṃ mokṣakāmāḥ sthāpayeyuryathā vidhi || 46 ||

16.46 Wer Lebensgenuss wünscht, installiere die an der Wand befindlichen Gestalten mit den beiden Göttinnen; wer Befreiung wünscht, vorschriftsgemäß ohne sie.

sthaṃ supūjitaḥ |
sanatkumāreṇa tathā mūrtireṣā prajāpateḥ || 54 ||

16.54 [Nach einer größeren Lücke:] … von Sanatkumāra begleitet beziehungsweise verehrt: Dies ist die Gestalt Prajāpatis. [Die vorausgehende Beschreibung der ersten Typen fehlt.]

samanvitaḥ |
vaiṣṇavī |
bhinnāñjanacayassaumyaśśaṃkhacakragadādharaḥ |
pītāmbaradharo devo vanamālāvibhūṣitaḥ || 55 ||

16.55 [Vaiṣṇavī-Gestalt:] Der milde Gott ist dunkel wie frisch aufgebrochene Augensalbe, trägt Muschel, Diskus und Keule, gelbes Gewand und Waldgirlande.

varado dakṣiṇo hastassvāgatā bhayato'pi vā |
vāmena spṛṣṭakaṭābhūśśrībhūmibhyāṃ saha sthitaḥ || 56 ||

16.56 Die rechte Hand zeigt Varada, Willkommen oder Abhaya; mit der linken berührt er die Hüfte. Er steht zusammen mit Śrī und Bhūmi.

svāgato'bhaya |
nāradenāpi bhṛguṇā vaiṣṇavī mūrtirarcitā |
daivī |
śaṃkhacakragadāpadmaṃ dhārayantaṃ caturbhujam || 57 ||

16.57 Von Nārada und Bhṛgu verehrt heißt dies Vaiṣṇavī-Mūrti. [Daivī-Gestalt:] vierarmig mit Muschel, Diskus, Keule und Lotus,

śyāmalaṃ pītavasanaṃ vanamālāvibhūṣitam |
arcitaṃ brahmarudrābhyāṃ daivī mūrtarasau bhavet || 58 ||

16.58 dunkelfarbig, gelb gekleidet, mit Waldgirlande und von Brahmā und Rudra verehrt: Dies ist die göttliche, Daivī genannte Gestalt.

ārṣī |
śuddhasphaṭikasaṅkāśā pītavastrā caturbhujā |
dakṣiṇe jñānamudrā ca śaṃkhacakragadādharā || 59 ||

16.59 [Ārṣī-Gestalt:] wie reiner Bergkristall, gelb gekleidet, vierarmig, rechts die Erkenntnisgeste zeigend und Muschel, Diskus und Keule tragend,

śrīvatsāṅkā prasannasyā vanamālāvibhūṣitā |
sanandasanakābhyāṃ ca pūjitā mūrtirāṛṣī || 60 ||

16.60 mit Śrīvatsa, heiterem Antlitz und Waldgirlande, von Sananda und Sanaka verehrt: Dies ist die Ṛṣi-Gestalt, Ārṣī.

mānuṣīmūrtiḥ |
mānuṣī mūrtiradhunā kathya te kamalāsana |
caturaśrāyate dhāmni divye bhāge bhujadvayam || 61 ||

16.61 Nun wird die menschliche, Mānuṣī genannte Gestalt erklärt, Lotusgeborener. Im göttlichen Bereich eines rechteckigen Heiligtums installiere man den zweiarmigen,

vakṣyate |
śaṃkhacakradharaṃ saumyaṃ sthāpayenmukuṭojvalam |
devasya dakṣiṇe pārśve śriyaṃ devīṃ prakalpayet || 62 ||

16.62 milden Gott mit Muschel und Diskus, mit leuchtender Krone. Zu seiner Rechten ordne man die Göttin Śrī an,

tasyā dakṣiṇa to bhāge balabhadraṃ tu kārayet |
dakṣiṇe balabhadrasya pradyumnamapi kārayet || 63 ||

16.63 rechts von ihr Balabhadra und rechts von Balabhadra Pradyumna.

digbhāge |
devasya vāmapārśve tu aniruddhaṃ prakalpayet |
tasya pārśve tu vāme tu sāmbhaṃ kuryāccaturmukha || 64 ||

16.64 Links vom Gott ordne man Aniruddha an und links von diesem Sāmba, Viergesichtiger.

brahmāṇaṃ dakṣiṇe kuḍye sarve tu vinatātmajam |
sthānake sthānakāḥ proktā āsīne'pi tathā bhavet || 65 ||

16.65 Brahmā befindet sich an der rechten Wand, Vinatās Sohn an der gegenüberliegenden beziehungsweise im beschädigt überlieferten weiteren Bereich. Steht das Hauptbild, stehen auch diese; sitzt es, sitzen sie entsprechend.

caturbhujā tu karmārcā dvibhujā vāpi sā bhavet |
utsarvārcā pratikṛtissarvācaiva caturbhujā || 66 ||

16.66 Das für die Handlungen bestimmte Karmārcā-Bild kann vier- oder zweiarmig sein; das Festbild ist in allen Fällen vierarmig.

utsavārthā |
mānuṣyaṃ vāsudevasya proktaṃ sajkṣepato vidhiḥ |
āsurī |
āsurī mūrtirasitā ekavaktrā caturbhujā || 67 ||

16.67 Damit ist das Verfahren der menschlichen Gestalt Vāsudevas in Kürze erklärt. Die Āsurī-Gestalt ist schwarz, eingesichtig und vierarmig,

mānuṣyo vāsudevasya proktaḥ mānasya vāsudevasya iti ca kvacit |
daṃṣṭrākarālavadanā bhrukuṭī kuṭilekṣaṇā |
mukhye karadvaye bhāṇaṃ dhanurudhye'riśaṃkhakam || 68 ||

16.68 mit furchterregenden Fangzähnen und finsteren Augen. In den beiden vorderen Händen trägt sie Pfeil und Bogen, in den oberen Diskus und Muschel.

śārṅgahastaṃ lalāṭānta muddharedbhāṇahastakam |
nābhyantaṃ kaṭisūtrāntaṃ bhaṅgatrayasamanvitam || 69 ||

16.69 Die Hand mit dem Śārṅga-Bogen hebe man bis zur Stirn; die Pfeilhand reiche zum Nabel beziehungsweise Hüftband. Die Gestalt besitzt die dreifache Körperbeugung.

ntaṃ dakṣiṇaṃ bhāṇa bhāṇaṣastakam. dakṣiṇaṃ vāsu |
paiśācī |
paiśācīmūrtirādyā tu khaḍgakaumodakī tathā |
varadābhayadaṃ mukhyaṃ kālavarṇaṃ karadvayam || 70 ||

16.70 Die Paiśācī-Gestalt trägt Schwert und Kaumodakī-Keule; die beiden vorderen Hände gewähren Gabe und Furchtlosigkeit. Sie ist schwarz,

dharā |
daṃṣṭrākarālavadanaṃ bhrukuṭīkuṭilekṣaṇam |
aṣṭau ca mūrtayassarvāssarvābharaṇabhūṣitāḥ || 71 ||

16.71 mit fangzahnbewehrtem Gesicht und finsteren Augen. Alle acht Gestalten tragen sämtlichen Schmuck,

śrīvassakaustabhoraskāḥ vanamālā vibhūṣitāḥ |
āsāṃ pratiṣṭhāyāḥ phalam |
sthāpitā brahmaṇomūrtiḥ brahmabhūyāya kalpate || 72 ||

16.72 Śrīvatsa und Kaustubha auf der Brust sowie Waldgirlande. Die Installation der Brahmā-Gestalt soll zum Brahman-Sein führen.

sthāpayitvā brahmamūrtim |
prājāpatya pratiṣṭhāyāṃ prajābhirvardhate bhṛśam |
ante prajāpatipadaṃ labhate nātra saṃśayaḥ || 73 ||

16.73 Durch die Installation der Prajāpati-Gestalt mehrt sich die Nachkommenschaft; am Ende erlangt man zweifellos Prajāpatis Stätte.

sthāpitā vaiṣyavīmūrtiracirānmokṣadā bhavet |
daivī devatvaphaladā sarvakāmasamṛddhidā || 74 ||

16.74 Die installierte Vaiṣṇavī-Gestalt soll bald Befreiung gewähren; die Daivī-Gestalt Göttlichkeit und die Erfüllung aller Wünsche.

ārṣī mūrtarmaharṣitva prāptaye bhavati dhruvam |
śāpānugrahasāmardhyamapi tasya bhaviṣyati || 75 ||

16.75 Die Ārṣī-Gestalt soll zur Stellung eines großen Ṛṣi führen; auch die Fähigkeit zu Fluch und Gnade wird dem Verehrer zugeschrieben.

mānuṣī mūrtiracurādyaśase mahate bhavet |
trailokyaiśvaryasampacca sarvakālaṃ bhaviṣyati || 76 ||

16.76 Die Mānuṣī-Gestalt soll bald großen Ruhm und dauernden Reichtum der Herrschaft über die drei Welten bringen.

āsurīṃ mūrtimārādhya rakṣasāṃ ditijanmanām |
bhūtādīnāṃ ca sarveṣāṃ ādhipatyaṃ samaśnute || 77 ||

16.77 Durch die Verehrung der Āsurī-Gestalt soll man die Oberherrschaft über Rākṣasas, Daityas, Bhūtas und die übrigen entsprechenden Wesen erlangen.

paiśācamūrtayajane piśācāsurarākṣasāḥ |
vaśyā bhavanti sarve ca sarvakāmasamṛddhidāḥ || 78 ||

16.78 Durch die Verehrung der Paiśāca-Gestalt sollen Piśācas, Asuras und Rākṣasas beherrschbar werden und sämtliche Wünsche erfüllen. [Diese Aussagen geben die Wirkungszusagen der Quelle wieder.]

Kapitel 17: Avatāras von Matsya bis Balabhadra

Hinweis zur Quelle: Die Nummern 39, 79, 80, 85, 86, 87, 88, 92, 94, 95, 106, 107, 109, 110, 111, 112, 113, 114, 115, 116, 117, 118, 119 fehlen in der Vorlage. Erhaltene Fragmente bleiben stehen.

pādmasaṃhitāyām |
saptadaśo'dhyāyaḥ |
matsyādimūrtinirūpaṇam |
śrībhagavān |
matsyātidaśamūrtināṃ lakṣaṇaṃ kathyate'dhunā |
īṣadvaisthūla citrāṇi taistairva ktrairyutāni ca || 1 ||

17.1 Der erhabene Herr sprach: Nun werden die Merkmale der zehn Gestalten, beginnend mit Matsya, beschrieben, mit ihren unterschiedlichen Körperformen und den jeweiligen Gesichtern.

gātrāṇi |
matsyamūrti |
tatra matsyasya kāyaśca dairghyādvai ṣoḍaśāṅgulam |
daśāṅgulaṃ tu vaipulyānmīnākhyaṃ parikalpayet || 2 ||

17.2 Matsyas fischförmigen Körper gestalte man sechzehn Aṅgulas lang und zehn Aṅgulas breit.

śūlaṃ matsyākṛtiṃ kṛtvā śilāmṛtkāṣṭhajaṃ tu vā |
śūrpam |
ardhacitreṇa vākuryāccitrābhāsena vā punaḥ || 3 ||

17.3 Man fertige das Gerüst in Fischform, das Bild aus Stein, Erde oder Holz; auch als Relief oder gemalte Darstellung ist es möglich.

samudraṃtu likhedbhittau padmasyopari kalpayet |
pañcāyudhān likhedbhittau chatrādīnparikalpayet || 4 ||

17.4 An die Wand male man das Meer; [die Gestalt] ordne man auf einem Lotus an. Die fünf Waffen stelle man an der Wand dar und füge Schirm und weitere Ausstattungen hinzu.

padmaṃ copari. karmārcādīni biṃbāni saumyavaktrāścaturbhujāḥ || 5 ||

17.5 Die Bilder für die rituellen Handlungen und weiteren Zwecke haben milde Gesichter und vier Arme,

karmārcādiṣu bimbasya |
āsīvā vā sthitā vāpi śaṃkhacakragadādharāḥ |
kūrmamūrtiḥ |
kūrmavatkūrma mūrtiṃ tu kalpayetkamalāsana || 6 ||

17.6 sitzen oder stehen und tragen Muschel, Diskus und Keule. Die Kūrma-Gestalt bilde man wie eine Schildkröte, Lotusgeborener.

rūpaṃ |
tapanīyanibhaṃ kūrmaṃ vistāraṃ dvādaśāṅgulam |
śilāmṛtkāṣṭhajaṃ padmapīṭhe saṃsthāpayetprabhum || 7 ||

17.7 Die goldglänzende Schildkröte sei zwölf Aṅgulas breit. Den Herrn aus Stein, Erde oder Holz stelle man auf einen Lotussockel.

ābhāse vārdhacitre vā kṣīrodamathanaṃ likhet |
kacchapendrasya pṛṣṭho tu mandaraṃ parvato tamam || 8 ||

17.8 Gemalt oder als Relief stelle man das Quirlen des Milchozeans dar. Auf dem Rücken des Schildkrötenkönigs steht der vorzügliche Berg Mandara,

tasya dakṣiṇapārśve tu vāsudevaṃ sanātanam |
mandarasya gireragre nyastahastaṃ jagadgurum || 9 ||

17.9 rechts von ihm der ewige Vāsudeva, der Weltenlehrer, seine Hand auf die Spitze des Mandara gelegt.

vāmapārśva girestasya brahmāṇaṃ saha śaṅkaram |
vāsu keḥ pūrvabhāgaṃ tu gṛhṇantya surarākṣasāḥ || 10 ||

17.10 Links vom Berg befinden sich Brahmā und Śaṅkara. Asuras und Rākṣasas halten das vordere Ende Vāsukis,

gṛhṇantva |
pucchabhāgaṃ tu gṛhṇanti vākerdevatāgaṇāḥ |
karmārcādīni bimbāni saumyavaktrāścaturbhujāḥ || 11 ||

17.11 die Götterscharen sein Schwanzende. Die für Handlungen und weitere Zwecke bestimmten Bilder sind mildgesichtig und vierarmig.

karmārcādiṣu bimbasya |
varāhamūrtiḥ |
viṣṇormahāvarāhasya nirmāṇamadhunocyate |
naravatkaṇṭhaparyantaṃ vaktrasṛṣṭhirvarāhavat || 12 ||

17.12 Nun wird die Gestaltung Viṣṇus als großer Eber beschrieben. Bis zum Hals ist der Körper menschenartig, das Gesicht das eines Ebers.

caturbhujaṃ śaṅkhacakradhāriṇaṃ sphaṭikaprabham |
pītavastraṃ mukuṭinaṃ śyāmalākṛtimeva vā || 13 ||

17.13 Vierarmig, Muschel und Diskus tragend, kristallglänzend, in gelbem Gewand und mit Krone; oder die Gestalt sei dunkel.

satiryaksaṃsthitaṃ sūtre daivike sthāpayetpade |
śayanaṃ yānakaṃ caiva varāhasya tu neṣyate || 14 ||

17.14 Etwas schräg zur Bezugslinie stehend installiere man sie im göttlichen Feld. Liegende und auf einem Fahrzeug befindliche Formen sind für Varāha nicht vorgesehen.

pītivat |
sthāpayedekaberaṃ tu śaṅkacakragadādhāram |
āsane'pi tathā rūpaṃ brahmasthāne ṛjurbhavet || 15 ||

17.15 Bei einer Einzelbildanlage installiere man ihn mit Muschel, Diskus und Keule. Auch sitzend ist die entsprechende Gestalt möglich; im Brahma-Ort sei sie gerade ausgerichtet.

divye tu sthānake caiva ṛjvaṅgaṃ naiva kārayet |
uddhṛtya dharaṇīṃ devīṃ vāvahastasya kūrpare || 16 ||

17.16 Bei der stehenden Gestalt im göttlichen Bereich forme man den Körper dagegen nicht völlig gerade. Die Göttin Erde ist auf den linken Unterarm gehoben;

kaṭipradeśamālambya pāṇinā dakṣiṇena tu |
jighran devyāḥ stanaṃ devaśśrīvatsāṅkaḥ kirīṭavān || 17 ||

17.17 mit der rechten Hand stützt der Gott ihren Hüftbereich. Mit Śrīvatsa und Krone versehen nähert er seine Schnauze ihrer Brust, als rieche er daran.

bhūmyāḥ |
kṛtāñjalipuṭā devī śyāmavarṇā sumadhyamā |
kalpanīyā mahī devī deve tiṣṭhati padmaja || 18 ||

17.18 Die Göttin Mahī hat die Hände gefaltet, dunkle Farbe und eine schöne Taille. So gestalte man sie beim stehenden Gott, Lotusgeborener.

āsīne tu tathāsīnā puṣpahastā vasundharā |
vāme pārśve pratiṣṭhāpyā varāhavapuṣo hareḥ || 19 ||

17.19 Sitzt er, so sitze auch Vasundharā mit einer Blume in der Hand an der linken Seite Haris in Ebergestalt.

āropitavyā devasya vāmotsaṅge vasundharā |
āliṅgitā ca hastena vāmena prekṣitānanā || 20 ||

17.20 Oder Vasundharā sitzt auf seinem linken Schoß, vom linken Arm umfasst, während er ihr Gesicht betrachtet.

karmārcanādipratimā āsīnā vā sthitāpi vā |
devyā saha kroḍavaktrā saumyavaktrā caturbhujā || 21 ||

17.21 Das für die rituellen Handlungen und weitere Zwecke bestimmte Bild kann sitzen oder stehen, vierarmig, mit der Göttin und mit Ebergesicht oder mildem menschlichem Gesicht. [Die Variante bestätigt die alternative milde Form.]

saumyā vā syāt. itikvacit |
nṛsiṃhamūrtiḥ |
nṛsiṃhāmūrtirbahudhā tatra kācitpra darśyate |
vaktaṃ kesariṇo vaktraṃ vyāttāsyaṃ daṃṣṭrayā yutam || 22 ||

17.22 Nṛsiṃhas Gestalt ist vielfältig; einige Formen werden hier gezeigt. Sein Gesicht ist löwenartig, mit geöffnetem Maul und Fangzähnen,

śasyate |
bhrukuṭīkuṭilaṃ bhīmaṃ triṇetraṃ mukuṭojjvalam |
aṅgāntaraṃ narasyeva caturbhujamudā yudham || 23 ||

17.23 finsteren Brauen, furchterregend, dreiäugig und mit leuchtender Krone. Der übrige Körper ist menschenartig, vierarmig und mit erhobenen Waffen.

hṛtam |
raktakañcukasaṃyuktaṃ śrīvatsāṅkavirājitam |
śuddhasphaṭikasaṃkāśaṃ śaṅkhacakravirājitam || 24 ||

17.24 Er trägt ein rotes Obergewand, das Śrīvatsa-Zeichen, gleicht reinem Bergkristall und ist mit Muschel und Diskus geschmückt.

paryaṅkabandasaṃyuktamāsīnaṃ samyagāsane |
prasārya jānunorhastau mukhyau vistāritāṅgulī || 25 ||

17.25 Er sitzt fest im Paryaṅka-Sitz; die beiden vorderen Hände liegen mit gespreizten Fingern auf den Knien,

dambholibhīmanakhinau bhāge divye pratiṣṭitam |
ekabheravidhānaṃ cedāsīno vā sthito'pi vā || 26 ||

17.26 mit furchterregenden, donnerkeilgleichen Nägeln. So ist er im göttlichen Bereich installiert. Bei einer Einzelbildanlage kann er sitzen oder stehen;

śaṅkhacakragadāpāṇiḥ sthita ścetkamalāsana |
athavā daivike bhāge siṃhaviṣṭaraviṣṭhitam || 27 ||

17.27 steht er, trägt er Muschel, Diskus und Keule, Lotusgeborener. Oder er sitzt im göttlichen Bereich auf einem Löwensitz,

śrībhīmibhyāṃ sahāsīnāṃ baddhaparyaṅkabandanam |
yadvā bhūmitale pādamekaṃ saṃsthāpyadakṣiṇam || 28 ||

17.28 mit Śrī und Bhūmi, in geschlossener Paryaṅka-Haltung. Oder sein rechter Fuß steht auf dem Boden,

apareṇa sukhāsīno viṣṭare vipule dṛḍham |
yadvā prasārya jānūrdhvamutkṣipyopari jānunaḥ || 29 ||

17.29 während er mit dem anderen Bein bequem auf dem breiten, festen Sitz ruht. Oder er hebt ein Knie an,

prasavya |
vāhastaṃ prasāryānyahastaṃ kṛtvā'bhayapradam |
dakṣiṇaṃ jānuno'dhastāt sthāpayitvā tathāsane || 30 ||

17.30 legt die linke Hand darauf und zeigt mit der anderen Abhaya; das rechte Knie ist darunter angeordnet. [Die genaue Beinstellung ist in der beschädigten Formulierung nicht eindeutig.]

jānu cādhastāt |
śrībhūmisahito divye tirṣṭhabhāge yathāpuram |
yadvāṣṭabhūjasaṃyuktaṃ nṛsiṃhaṃ parikalpayet || 31 ||

17.31 Mit Śrī und Bhūmi befindet er sich wie zuvor im göttlichen Bereich. Oder man gestalte Nṛsiṃha achtarmig.

saṃprakalpayet |
cakraṃ khaḍgaṃ ca bāṇaṃ ca abhayaṃ dakṣiṇe bhuje |
pāñcajanyaṃ gadāṃ śārṅgaṃ vāma bāhṛṣu kārayet || 32 ||

17.32 Die rechten Arme tragen Diskus, Schwert und Pfeil und zeigen Abhaya; die linken tragen Pāñcajanya-Muschel, Keule und Śārṅga-Bogen.

bāhau tu |
jānūpari tathā vāmaṃ hastamekaṃ prasārayet |
yadvā bhujayugaṃ jānudvayasyopari kalpayet || 33 ||

17.33 Die weitere linke Hand strecke er über das Knie aus; oder ein Händepaar ruht auf beiden Knien.

athavā soḍaśabhujo narasiṃhaḥ praśasyate |
cakraṃ khaḍgaṃ saparaśuraṃ śūlaṃ bāṇaṃ tathāṅkuśam || 34 ||

17.34 Auch eine sechzehnarmige Nṛsiṃha-Gestalt wird gepriesen: Diskus, Schwert, Axt, Śūla, Pfeil, Stachelhaken

vajraṃ ca dakṣiṇabhujapradeśeṣvitapeṣvapi |
śaṅkhaṃ carma gadāṃ śaktiṃ śārṅgaṃ pāśaṃ ca tomaram || 35 ||

17.35 und Donnerkeil trägt sie rechts; links Muschel, Schild, Keule, Speer, Śārṅga-Bogen, Schlinge und Wurfspieß.

śiṣṭau karau yathāpūrvaṃ sthāpayejjānunordvayoḥ |
vāma jānūrdhvakaṃ kuryādadhastāditaraṃ punaḥ || 36 ||

17.36 Die beiden übrigen Hände ordne man wie zuvor über den Knien an; das linke Knie ist oben, das andere darunter.

jānuyugam |
utsaṅge devadevasya hiraṇyakaśipuṃ ripum |
nakhairvidāritoraskaṃ sravadrudhira paṅkilam || 37 ||

17.37 Auf dem Schoß des Gottes der Götter liegt der Feind Hiraṇyakaśipu, dessen Brust von den Nägeln aufgerissen ist und dessen Körper von strömendem Blut bedeckt ist,

rudhirastomasaṃbhūta sirāṇāṃ grāmasaṅkulam |
kuryācca dakṣiṇe pārśve vidhimanyatra śaṅkaram || 38 ||

17.38 mit hervortretenden, blutigen Adern. Rechts gestalte man Brahmā, auf der anderen Seite Śaṅkara.

piṅgalam. rahitaṃ vāpi kārayet || 40 ||

17.40 [Nach einer Lücke bleibt:] … oder ohne [die betreffenden Begleiter] gestalte man ihn. [Der genaue Bezug ist verloren.]

22. nṛsiṃhāṃ tatra. |
karmārcanādipratimāṃ saumyavaktrāṃ caturbhijāṃ |
vāmanamūrtiḥ |
vāmanasya harermūrtaṃ bahudhā saṃpracakṣate || 41 ||

17.41 Das für die rituellen Handlungen und weitere Zwecke bestimmte Bild sei mildgesichtig und vierarmig. Haris Vāmana-Gestalt wird in mehreren Arten beschrieben.

karmārcāścāthavā kuryāt |
vāmanaṃ vāmanākāraṃ śyāmalaṃ daṇḍadhāriṇam |
dvibhujaṃ mekhalādāmaśobhitaṃ śobhanākṛtim || 42 ||

17.42 Vāmana sei kleinwüchsig, dunkel, zweiarmig, mit Stab, Gürtelband und schöner Gestalt,

kaupīnācchādanadharaṃ mṛgājinadharaṃ vibhum |
yajñopavītinaṃ kākapakṣa saṃyutakuntalam || 43 ||

17.43 mit Lendentuch und Antilopenfell, heiliger Schnur und seitlichen Haarlocken in Kākapakṣa-Form.

maṃ |
īṣatkuñcitasavyāṅghriṃ dakṣiṇena ṛju sthitam |
dakṣiṇena tu hastena yācamānaṃ vastundharām || 44 ||

17.44 Das linke Bein sei leicht gebeugt, das rechte stehe gerade. Mit der rechten Hand bittet er um Erde.

dakṣiṇe ṛja saṃsthitam |
śobhitaṃ śobhanākāraṃ sthitaṃ vā śayanāsanam |
athavā garuḍārūḍhaṃ kalpayetkamalāsana || 45 ||

17.45 Schön gestaltet kann er stehen, liegen oder sitzen; auch auf Garuḍa kann er dargestellt werden, Lotusgeborener.

sthitaṃ śayānamāsīnamathavā garuḍaṇa sthitam |
ekaberavidhānaṃ cet sthāpayedbrahmaṇaḥ pade |
bahuberavidhānaṃ tu trailokyākramaṇodyatam || 46 ||

17.46 Bei einer Einzelbildanlage installiere man ihn im Brahma-Ort. Bei mehreren Bildern gestalte man Viṣṇu, bereit, die drei Welten zu durchschreiten,

viṣṇuṃ prakalpayeddivye bhāge'ṣṭabhujasaṃyutam |
caturbhujaṃ vā bahubhirbāhubhirvā samanvitam || 47 ||

17.47 im göttlichen Bereich, achtarmig, vierarmig oder mit vielen Armen.

tasya dakṣiṇapārśve tu vāmanaṃ vāmanākṛtim |
tasyāpasavye dai tyendraṃ baliṃ karakadhāriṇam || 48 ||

17.48 Zu seiner Rechten stehe Vāmana in kleiner Gestalt, an dessen linker Seite der Daityakönig Bali mit einem Wassergefäß,

bhuvanatrayadātāraṃ sabhāryaṃ sapurohitam |
vāmapārśve tu pakṣīndraṃ muṣṭinā śukraghātinam || 49 ||

17.49 als Geber der drei Welten, zusammen mit Gattin und Hauspriester. Links stehe der Vogelkönig, der Śukra mit der Faust schlägt.

vāmabhittau vidhātāra mupariṣṭādavasthitam |
kramamāṇasya devasya savyāṅghrikṣālanodyatam || 50 ||

17.50 An der linken Wand befindet sich Brahmā oben, bereit, den linken Fuß des ausschreitenden Gottes zu waschen.

pādodakasamudbhūtāṃ gaṅgāmākāśagāminīm |
tarjanyā vāmayā cāpi nirdiśantaṃ samuddhṛtam || 51 ||

17.51 Gaṅgā entsteht aus dem Fußwaschwasser und bewegt sich durch den Himmel. Mit dem linken Zeigefinger weist der Gott auf seinen erhobenen

caraṇaṃ savyamatyuccaiśśyāmalaṃ pītavāsanam |
śaṅkhacakragadā khaḍgadhanuḥ pāśādidhāriṇam || 52 ||

17.52 linken Fuß. Er ist dunkel, gelb gekleidet und trägt Muschel, Diskus, Keule, Schwert, Bogen, Schlinge und weitere Attribute.

śārṅgadhanuḥ pāśādi |
jāmbavantaṃ ca bhittau tu bherītāḍanatatparam |
devarṣigaṇasaṅghātān kṛtāñjalipuṭān sthitān || 53 ||

17.53 An der Wand gestalte man Jāmbavat beim Schlagen der Pauke und die versammelten Götter und Ṛṣis mit gefalteten Händen.

bhittau kṛtvātataḥ karmādyarcāṃ caiva caturbhujām |
bhārgavarāmamūrtiḥ |
kuryādbhārgavarāmasya nirmāṇamadhunocyate |
āsīnaṃ dvibhūjaṃ śāntaṃ jaṭāmukuṭadhāriṇam || 54 ||

17.54 Das für Handlungen bestimmte Bild sei vierarmig. Nun wird Bhārgava Rāma beschrieben: sitzend, zweiarmig, friedvoll und mit Flechtenkrone,

paraśuṃ saśaraṃ cāpaṃ dakṣiṇetarahastayoḥ |
dhārayantaṃ suvarṇābhaṃ brāhmyā lakṣmyā virājitam || 55 ||

17.55 Axt sowie Bogen und Pfeil in den beiden Händen, goldglänzend und von brahmanischer Würde geprägt.

śrīvatsenāṅkitoraskaṃ sopavīto ttarīyakam |
sthitaṃ vā kalpayeddevamekaberaṃ vidheḥ pade || 56 ||

17.56 Seine Brust trägt Śrīvatsa; er besitzt heilige Schnur und Obergewand. Auch stehend kann man ihn als Einzelbild im Brahma-Ort gestalten.

bahubere pade divye devīṃ vāme prakalpayet |
caturbhujā ca kamārcā jāmadagnyena vāsamā || 57 ||

17.57 Bei mehreren Bildern im göttlichen Bereich ordne man die Göttin links an. Das Karmārcā-Bild sei vierarmig oder der Jāmadagnya-Gestalt entsprechend,

bhaṅgatrayasamepetaṃ trayastriṃśatsulakṣaṇam |
yadvā caturbhujaṃ kuryājjāmadagnyaṃ caturmukha || 58 ||

17.58 mit dreifacher Beugung und den dreiunddreißig guten Merkmalen. Oder man gestalte Jāmadagnya vierarmig, Viergesichtiger,

śaṅkhacakradharaṃ śārṅgaśarahastaṃ yathāpuram |
śrī rāmamūrtiḥ |
rāmasya rāghavasyātha lakṣaṇaṃ vakṣyate'dhunā || 59 ||

17.59 mit Muschel, Diskus, Śārṅga und Pfeil wie zuvor. Nun werden die Merkmale Rāmas aus Raghus Geschlecht beschrieben.

tribhaṅgaṃ dvibhujaṃ ramya śyāmavarṇaṃ kirīṭinam |
śrīvatsāṅkaṃ prasannābhaṃ yadvā rāmaṃ caturbhujam || 60 ||

17.60 Mit dreifacher Beugung, zwei Armen, anmutig, dunkel, gekrönt, mit Śrīvatsa und heiterem Glanz; oder Rāma sei vierarmig.

ṛju sthitaṃ dakṣiṇena caraṇenetareṇa tu |
kuñcitenāṅghriṇā stokaṃ śaraśārṅgadhanurdharam || 61 ||

17.61 Er steht gerade auf dem rechten Bein, das andere ist leicht gebeugt; er trägt Pfeil und Śārṅga-Bogen.

uddharecca lalāṭāntaṃ vāmahastaṃ dhanurdharam |
antarālaṃ mukhamitaṃ śarahastaṃ tu dakṣiṇam || 62 ||

17.62 Die linke Bogenhand hebe man bis zur Stirn, mit einem Abstand von etwa einem Gesichtsmaß. Die rechte Pfeilhand

kaṭisūtrasamaṃ kuryāsmukhamānaṃ sagolakam |
antarālaṃ bhavesmuṣṭeḥ kaṭisūtrasya ca dvayoḥ || 63 ||

17.63 liege auf Höhe des Hüftbandes; zwischen Faust und Hüftband wird ein Gesichtsmaß samt einer zusätzlichen Rundung genannt. [Die genaue technische Maßangabe „sagolakam“ bleibt unsicher.]

aparābhyāṃ ca hastābhyāṃ śaṅkhaṃ cakraṃ ca dhārayet |
mukhaṃ dakṣiṇato bhaṅgaṃ madhyakāyaṃ tu vāmataḥ || 64 ||

17.64 Die beiden weiteren Hände tragen Muschel und Diskus. Das Gesicht neigt sich nach rechts, die Körpermitte nach links,

kaṭyāṃ dakṣiṇato bhaṅgaḥ kiñcidbhaṅgatrayaṃ matam |
kambugrīvaṃ mahūraskaṃ trayastriṃśatsulakṣaṇam || 65 ||

17.65 die Hüfte leicht nach rechts: Dies heißt die dreifache Beugung. Er besitzt einen muschelartigen Hals, breite Brust und die dreiunddreißig guten Merkmale.

pañcadīrghaṃ caturhrasvaṃ pañcasūkṣmaṃ ṣaḍunnatam |
saptaraktaṃ trigambhīraṃ trivistīrṇaṃ praśasyate || 66 ||

17.66 Fünf Teile sind lang, vier kurz, fünf fein, sechs erhöht, sieben rötlich, drei tief und drei breit.

yathātathā |
bāhū netrāntaraṃ caiva hanurnāsā tathaiva ca |
stanayorantaraṃ caiva paṃcadīrghaṃ praśasyate || 67 ||

17.67 Lang sind Arme, Augenabstand, Kinn, Nase und der Abstand zwischen den Brustwarzen. [Der Text fasst die beidseitigen Arme als eine Merkmalsgruppe.]

grīvā prajananaṃ pṛṣṭhaṃ hrasve jaṅgha ca pūjyate |
sūkṣmāṇyaṅguliparvāṇi keśadantanakhatvacaḥ || 68 ||

17.68 Kurz sind Hals, Geschlechtsteil, Rücken und Unterschenkel. Fein sind Fingergelenke, Haare, Zähne, Nägel und Haut.

imāni paṃca sūkṣmāṇi kathitāni mayā'nagha |
kakṣaḥ kūkṣiśca vakṣaśca ghrūṇaṃ skandho lalāṭikā || 69 ||

17.69 Diese fünf feinen Merkmale habe ich genannt, Schuldloser. Achselbereich, Bauch, Brust, Nase, Schultern und Stirn

ṣaḍunnatamidaṃ proktaṃ saptaraktamataḥ śṛṇu |
pāṇipādatalaṃ raktaṃ netrādyantaṃ nakhāni ca || 70 ||

17.70 sind die sechs erhöhten Teile. Höre die sieben rötlichen: Handflächen, Fußsohlen, Augenwinkel und Nägel,

pāṇipādatale rakte |
tālujihvā'dhareṣṭhaṃ ca saptaraktā ime smṛtāḥ |
svarassatvaṃ ca nābhiśca trigambhīraṃ praśasyate || 71 ||

17.71 Gaumen, Zunge und Unterlippe. Tief sind Stimme, inneres Wesen und Nabel.

uraśśiro lalāṭaśca trivisthiṇaṃ prakīrtatam |
evaṃ lakṣaṇasaṃyuktaṃ sarvalokasukhāvaham || 72 ||

17.72 Brust, Kopf und Stirn gelten als breit. Mit diesen Merkmalen versehen, allen Welten Wohlergehen bringend,

kuryāddhāśarathiṃ rāmaṃ mānāditrayasaṃyutam |
lakṣmaṇādīnāṃsthitiḥ |
lakṣmaṇaṃ kārayodvāme tathā lakṣaṇalakṣitam || 73 ||

17.73 gestalte man Daśarathas Sohn Rāma mit der dreifachen Maßabstufung. Links gestalte man Lakṣmaṇa mit entsprechenden Merkmalen,

jānakīṃ dakṣiṇe pārśve devīṃ vedisamusthitām |
bharataṃ dakṣiṇe bhittau sasugrīvavibhīṣaṇ || 74 ||

17.74 rechts die Göttin Jānakī auf einem Sockel. Bharata stelle man an der rechten Wand zusammen mit Sugrīva und Vibhīṣaṇa dar,

vedasamāśritām |
śatrughnaṃ cāṅgadaṃ caiva hanūmantaṃ ca vāmataḥ |
divye bhāge sthitasyeva parivārādikalpanam || 75 ||

17.75 Śatrughna, Aṅgada und Hanumān links. So werden die Begleiter des im göttlichen Bereich stehenden Rāma angeordnet.

bhadrāsane samāsīnaṃ tyaktvā tatsaśaraṃ dhanuḥ |
sukhāsīnam |
abhayo dakṣiṇo hasto vāmastu varado bhavet || 76 ||

17.76 Oder er sitzt auf einem Bhadra-Sitz, ohne Bogen und Pfeil; die rechte Hand zeigt Abhaya, die linke Varada.

jānakī tu sūkhāsīnā bhaveddakṣiṇapārśvataḥ |
lakṣmaṇo vāmapārśve tu sthitaśca racitāñjaliḥ || 77 ||

17.77 Jānakī sitzt bequem an seiner rechten Seite, Lakṣmaṇa steht links mit gefalteten Händen.

yadvā mahārhaśayane śayānaṃ parikalpayet |
pṛṣṭhato maulipārśva tu jānakī syātsukhāsanā || 78 ||

17.78 Oder man gestalte ihn auf einem kostbaren Lager liegend. Hinten beim Kopf sitzt Jānakī bequem.

śayitam. dakṣiṇaṃ dakṣiṇetaram |
kaṭispṛśaṃ karaṃ kuryādvaradaṃ vā yathāruci || 81 ||

17.81 [Nach einer Lücke:] Die Hand berühre die Hüfte oder zeige nach Wunsch Varada. [Welche Hand gemeint ist, ist im Resttext nicht sicher.]

dakṣiṇottarayorbhittyauḥ parivārā yathāpuram |
rāmasya bhrūpradeśāntaṃ bharataṃ parikalpayet || 82 ||

17.82 An der rechten und linken Wand stehen die Begleiter wie zuvor. Bharatas Höhe reiche bis zu Rāmas Brauen,

lakṣmaṇaṃ ca kapolāntaṃ cubukāntamathāpi vā |
śatrughnaṃ kaṇṭhamadhyāntaṃ sarve cāpaśarānvitāḥ || 83 ||

17.83 Lakṣmaṇas bis zu seinen Wangen oder seinem Kinn, Śatrughnas bis zur Halsmitte. Alle tragen Bogen und Pfeile.

bhaṅgādayaśca tadvatsyuḥ keśa bandhasanvitāḥ |
mukhadviguṇā yāmamadhyardhaṃ vā samunnatam || 84 ||

17.84 Beugungen und weitere Merkmale seien entsprechend; ihr Haar ist gebunden. Für die Höhe werden das Doppelte oder Anderthalbfache eines Gesichtsmaßes genannt … [Der Bezug bricht ab.]

varma. kabarīvālakai ryutā || 89 ||

17.89 [Nach einer Lücke:] … mit gebundenem Haar beziehungsweise Haargeflecht versehen.

kabalījālakai |
bibhrāṇā vāmahastena narasīruhakuṭmalam |
ūrupradeśaviśrāntavāmetarabhujā'thavā || 90 ||

17.90 [Eine Göttinnengestalt] trägt in der linken Hand eine Lotusknospe; oder der andere Arm ruht am Oberschenkel.

ūrupradeśaviśrāntasavyahastasaroruha |
savyeta reṇa bibrāṇā raktakañcukabandhanā || 91 ||

17.91 Sie trägt [die Blume] in der anderen Hand und ein rotes, eng anliegendes Obergewand. [Die Hauptzeile ist fragmentarisch; die Variante verändert die Armzuordnung.]

jānupradeśa. dhammillasaṃyutā devyo bharatādeścaturmukha |
hanūmānvāranākāraḥ kartavyo hevasannibhaḥ || 93 ||

17.93 Die Göttinnen Bharatas und der übrigen tragen einen Dhammilla-Haarknoten, Viergesichtiger. Hanumān gestalte man affenartig und goldfarben.

saṃpūllasaṃyutā devyo raktaveṣāḥ munmānaṃ tyraṃśameva vā |
mupānattyraṃśa |
ardhaṃ vā pādamathavā yathāvibhavamunnatiḥ || 96 ||

17.96 [Nach einer Lücke:] Seine Höhe betrage ein Drittel, die Hälfte oder ein Viertel des Bezugsmaßes, entsprechend den Möglichkeiten. [Die einleitende Maßbezeichnung ist beschädigt.]

sugrīvaṃ vānarākāraṃ rāmabāhusamucchrayam |
prāñjaliṃ vetrasahitaṃ sthitaṃ mukuṭadhāriṇam || 97 ||

17.97 Sugrīva gestalte man affenartig, bis zur Armhöhe Rāmas reichend, stehend, gekrönt, mit gefalteten Händen und einem Stab.

sāñjaliṃ vastraṃ |
hārādibhūṣaṇai ryuktaṃ kuryātkanakapiṅgalam |
aṅgadaṃ vānarākāraṃ rāmamānārdhamunnatam || 98 ||

17.98 Er trägt Halsketten und weiteren Schmuck und ist goldbraun. Aṅgada sei affenartig und halb so hoch wie Rāma,

kṛtāñjalipuṭaṃ vetrakṣurikāmaulidhāriṇam |
keśabandhayutaṃ vāpi bandhujīvasamadyutim || 99 ||

17.99 mit gefalteten Händen, Stab, kleinem Messer und Krone oder gebundenem Haar, von der Farbe einer Bandhujīva-Blüte.

vibhīṣaṇaṃ mahākāyaṃ ghoraṃ kālāyasaprabhaṃ |
daṃṣṭrākarālavadanaṃ bhrukuṭīkuṭilekṣaṇam || 100 ||

17.100 Vibhīṣaṇa sei großleibig, furchterregend, von der Farbe schwarzen Eisens, mit Fangzähnen und finsterem Blick,

raktākṣaṃ mukuṭopetaṃ kṛtāñjalipuṭaṃ sthitam |
rāmasya bāhuparyantaṃ samucchrāyaṃ prakalpayet || 101 ||

17.101 rotäugig, gekrönt und mit gefalteten Händen stehend. Seine Höhe reiche bis zu Rāmas Armen.

kṛtāṃjalipuṭaṃ saumyaṃ niṣādādhipatiṃ guham |
nīla nīrada saṅkāśaṃ rāmamānārdhamunnatam || 102 ||

17.102 Guha, den Herrn der Niṣādas, gestalte man mild und mit gefalteten Händen, dunkel wie eine Regenwolke und halb so hoch wie Rāma.

jīmūta |
svātantyraṃ pāratantyraṃ ca raghavasyobhayaṃ bhavet |
divye bhāge'thavā brāhme garbhagehe sthito yadi || 103 ||

17.103 Rāghava kann sowohl selbständig als auch als zugeordnete Gestalt erscheinen. Steht er im göttlichen oder im Brahma-Bereich des Allerheiligsten,

svatantro rāghavaḥ proktaḥ pade pūrvodite yadi |
caturbhujo garbagehe kalpitaḥ kamalāsana || 104 ||

17.104 gilt er als selbständiger Rāghava. Ist er vierarmig im zuvor genannten Bereich gestaltet, Viergesichtiger …

viśeṣāt |
paścādvimānaśobhārthaṃ kalpitaḥ paravānayam |
svatantre rāghave bhimbhān karmādyarthaṃ prakalpayet || 105 ||

17.105 … und dann zur Verschönerung des Vimāna angeordnet, ist er eine zugeordnete Gestalt. Für den selbständigen Rāghava fertige man Bilder für die rituellen Handlungen und weiteren Zwecke.

anyāṃstatsadṛśaṃ rāmaṃ lakṣmaṇaṃ janakatmajām |
siṃhāsane sahaikasmin prabhayā ca pariṣkṛtān || 108 ||

17.108 [Nach einer Lücke:] Entsprechend gestalte man Rāma, Lakṣmaṇa und Janakas Tochter gemeinsam auf einem Löwenthron, mit einer Prabhā-Umrahmung geschmückt.

yadvā caturbhujānkuryā tkarmādyarcāṃ caturmu |
viśeṣāt. senāpatiṃ kṛtvā viṣvaksenapade nyaset || 120 ||

17.120 Oder man gestalte die Handlungsbilder vierarmig … [Nach einer großen Lücke:] Einen Heerführer bilde man und setze ihn an Viṣvaksenas Ort.

senāpatiṃ cāpi |
guho vā tatra saṃsthāpyo viṣvakseno'thavā svayam |
rāmasya purataḥ kalpyaḥ mārutirmukhamaṇḍape || 121 ||

17.121 Dort kann auch Guha oder Viṣvaksena selbst stehen. Vor Rāma ordne man Māruti im vorderen Maṇḍapa an,

garuḍo vā yathāpūrvaṃ parivārān prakalpayet |
rāmasya balabhadrasya lakṣaṇaṃ vakṣyate'dhunā || 122 ||

17.122 oder Garuḍa; die Begleiter wie zuvor. Nun werden die Merkmale Rāmas als Balabhadra beschrieben.

dvibhujaṃ dhavalaṃ divye bhāge'tha parikalpayet |
musalaṃ lāṅgalaṃ caiva prasavyetarahastayoḥ || 123 ||

17.123 Im göttlichen Bereich gestalte man ihn zweiarmig und weiß, mit Musala und Pflug in den beiden Händen.

bibhrāṇamathavā nyastavāmahastaṃ kaṭisthale |
dakṣiṇābhayadaṃ yadvā caturbhujamudāyudham || 124 ||

17.124 Oder die linke Hand ruht auf der Hüfte und die rechte gewährt Furchtlosigkeit. Auch vierarmig mit erhobenen Waffen ist er möglich,

halaṃ ca dakṣiṇe haste vāme ca musalāyudham |
dhārayantaṃ vibhuṃ nilavasanaṃ śaṅkhacakriṇam || 125 ||

17.125 mit dem Pflug rechts und dem Musala links, in blauem Gewand, dazu Muschel und Diskus.

kirīṭinaṃ baddhakeśamathavā vāmapārśvataḥ |
revatīṃ kalpayeddevīṃ dakṣiṇe vā yathāruci || 126 ||

17.126 Er trage eine Krone oder gebundenes Haar. Die Göttin Revatī ordne man nach Wunsch links oder rechts an,

karaṇḍikāmakuṭinīmathavā kabarīdharām |
asitāṃ pāratantrya ca svātantrya ca yathāpuram || 127 ||

17.127 mit Karaṇḍa-Krone oder gebundenem Haar und dunkler Farbe. Selbständige und zugeordnete Darstellung werden wie zuvor unterschieden.

Aufbau und Bestandteile einer Pūjā

Begleitendes Video aus dem Themenbereich Puja; keine Rezitation oder Einzelversauslegung der Padma Samhita.

Kapitel 18: Kṛṣṇa, Kalkin und weitere Gestaltgruppen

Hinweis zur Quelle: Die Nummern 28, 53 fehlen in der Vorlage. Erhaltene Fragmente bleiben stehen.

pādmasaṃhitāyām |
aṣṭādaśo'dhyāyaḥ |
śrī kṛṣṇamūrtiḥ |
śrībhagavān |
yādavasyātha kṛṣṇasya nirmāṇamadhunocyate |
kalyāṇalakṣaṇayutaṃ tribhaṅgaṃ siṃhaviṣṭare || 1 ||

18.1 Der erhabene Herr sprach: Nun wird die Gestaltung Kṛṣṇas aus dem Yādava-Geschlecht erklärt: mit glückverheißenden Merkmalen, in dreifacher Beugung auf einem Löwensitz

tiṣṭhantaṃ rukmiṇītasyabhāmābhyāṃ sahitaṃ prabhum |
īṣatkuñcitavāmāṅghriṃ susthitetaramadbhutam || 2 ||

18.2 stehend, zusammen mit Rukmiṇī und Satyabhāmā, den linken Fuß leicht gebeugt, auf dem anderen sicher ruhend, von wunderbarer Gestalt,

meghaśyāmaṃ viśālākṣaṃ pītavastraṃ caturbhujam |
devīsavyabhujanyastavāmahastasaroruham || 3 ||

18.3 wolkendunkel, großäugig, gelb gekleidet und vierarmig. Seine linke Lotushand liegt auf dem linken Arm der Göttin.

devībhyāṃ dvibhujanyasta |
adhomukhaṃ tu hastāgraṃ nābhisūtrasamanvitam |
vāmetarakaraspṛṣṭakrīḍāyaṣṭimanoharam || 4 ||

18.4 Die Fingerspitzen weisen nach unten bis zur Nabellinie. Die andere Hand berührt anmutig den Spiel- beziehungsweise Hirtenstab,

tatkaraṃ kaṭisūtrānta mudaste tu karadvayam |
śaṅkhacakradharaṃ kuryāddvibhujaṃ vā yathoditam || 5 ||

18.5 auf Höhe des Hüftbandes. Die beiden erhobenen Hände tragen Muschel und Diskus. Oder man gestalte ihn zweiarmig wie beschrieben.

muddhṛte ca karadvaye |
śrīvatsāṅkaṃ prasannābhaṃ vareṇyaṃ mukuṭojvalam |
baddhālakabharaṃ vāpi bhāge divye prakalpayet || 6 ||

18.6 Mit Śrīvatsa, heiterem Glanz, verehrungswürdig und mit leuchtender Krone oder gebundenen Locken ordne man ihn im göttlichen Bereich an.

rukmiṇīṃ dakṣiṇe pārśve satyabhāmāmathottare |
vinatānandanaṃ vāpi satyāsthāne prakalpayet || 7 ||

18.7 Rukmiṇī stehe rechts, Satyabhāmā links. An Satyabhāmās Stelle kann auch Vinatās Sohn stehen.

āsīnaṃ vā sukhaṃ sārdhaṃ devībhyāṃ saha viṣṭare |
vāhastena varadaṃ dakṣiṇenābhayapradam || 8 ||

18.8 Oder er sitzt bequem mit den Göttinnen auf einem Sitz; die linke Hand zeigt Varada, die rechte Abhaya.

yadvā śayīta nṛpavatparyaṅke śobhite bhṛśam |
bhogīndraśayane vāpi mahāparyaṅkamaṇḍite || 9 ||

18.9 Oder er ruht wie ein König auf einem reich geschmückten Lager, auch auf dem Lager des Schlangenkönigs, mit einer großen Liege ausgestattet.

pṛṣṭhato maulipārśva tu rukmiṇīṃ kārayetsudhīḥ |
satyabhāmā bhavetpādasaṃvāhanasamudyatā || 10 ||

18.10 Hinten beim Kopf gestalte der Kundige Rukmiṇī; Satyabhāmā ist mit der Pflege seiner Füße beschäftigt.

saṃvahayaṃtyau vā devyau hastābhyāṃ pādapaṅkajam |
tārkṣyārūḍhaṃ caturbāhuṃ bibhrāṇaṃ śarakārmukam || 11 ||

18.11 Oder beide Göttinnen pflegen mit ihren Händen seine Lotusfüße. [Eine weitere Form:] vierarmig auf Garuḍa, in den vorderen Händen Pfeil und Bogen tragend,

mukhyābhyāmaparābhyāṃ ca śaṅkhaṃ cakraṃ caturmukha |
āropya satyabhāmāṃ vā vāmotsaṅge caturbhujam || 12 ||

18.12 in den anderen Muschel und Diskus, Viergesichtiger. Oder er hat Satyabhāmā auf seinen linken Schoß gehoben,

āruhya yāntaṃ pakṣīndraṃ dvibhujaṃ vā yathāruci |
yadvā'rjunasya sārathyaṃ kurvāṇaṃ parikalpayet || 13 ||

18.13 und fährt auf dem Vogelkönig, vier- oder nach Wunsch zweiarmig. Oder man stelle ihn dar, wie er Arjunas Wagen lenkt.

rathasthitaṃ caturbāhuṃ pratodapragrahau dadhat |
vāmahastena mukhyena dakṣiṇena kareṇa tu || 14 ||

18.14 Er steht vierarmig auf dem Wagen; die vordere linke Hand hält Treibstock und Zügel. Mit der rechten Hand

kapidhvajāya prahvāya paravidyāmudīrayan |
aparābhyāṃ ca hastābhyāṃ śaṅkhacakradharaṃ prabhum || 15 ||

18.15 vermittelt er dem sich verneigenden Affenbannerträger das höchste Wissen; die beiden anderen Hände tragen Muschel und Diskus.

kirīṭinaṃ viśālākṣaṃ śrīvatsāṅkitavakṣanam |
dvibhujaṃ baddhakeśaṃ vā kuryātkamalasambhava || 16 ||

18.16 Er ist gekrönt, großäugig und trägt Śrīvatsa auf der Brust; oder man gestalte ihn zweiarmig mit gebundenem Haar, Lotusgeborener.

pārthaṃ ca prāṃjaliṃ prahvaṃ seṣuṃ seṣudhikārmukam |
kirīṭinaṃ śyāmavarṇaṃ kalpayetsyandhanasthitam || 17 ||

18.17 Pārtha steht auf dem Wagen, ehrfürchtig geneigt und mit gefalteten Händen, mit Pfeil, Köcher und Bogen, gekrönt und dunkel.

viśvarūpaṃ tu vā kuryātkeśavaṃ keśisūdanam |
bṛndāvanagataṃ kṛṣṇaṃ gavāmanucaraṃ prabhum || 18 ||

18.18 Oder man gestalte Keśava, den Bezwinger Keśins, als Viśvarūpa. [Eine weitere Form:] Kṛṣṇa in Vṛndāvana, der Herr, der den Kühen folgt,

īṣatkuñcitavāmāṅghrimitareṇa ṛju sthitam |
gacchantamapi gāyantaṃ vaṃśena paramādbhutam || 19 ||

18.19 den linken Fuß leicht gebeugt, auf dem anderen gerade stehend, auch gehend und auf wunderbare Weise mit der Flöte musizierend,

īkṣamāṇaṃ manāksavye pārśve puṣpāvataṃsitam |
vicitrapuṣpagrathitavanamālāvibhūṣitam || 20 ||

18.20 leicht nach links blickend, mit Blumen am Ohr und einer Waldgirlande aus vielfältig zusammengeflochtenen Blüten,

barhibarhaiśca rucirairvatsadāmavibhūṣaṇaiḥ |
bhūṣitaṃ devagandharvasiddhacāraṇasevitam || 21 ||

18.21 geschmückt mit schönen Pfauenfedern und Kälberstricken, von Göttern, Gandharvas, Siddhas und Cāraṇas verehrt.

kadambamūle vā madhyaṃdine kṛtvā pratiṣṭhitam |
vyatyāsena sthitaṃ padbhyāṃ vāmena ṛjunā sthitam || 22 ||

18.22 Oder man stelle ihn zur Mittagszeit unter einem Kadamba dar, mit gekreuzter Beinstellung, auf dem linken Bein gerade ruhend,

dakṣiṇaprapade nānyapṛṣṭhabhāgaspṛśā sthitam |
gobhissavatsairhariṇaiḥ pakṣibhiśca samāvṛtam || 23 ||

18.23 mit dem rechten Vorderfuß die Rückseite des anderen Fußes berührend; umgeben von Kühen, Kälbern, Antilopen und Vögeln,

nāṅghri |
ṛṣibhirdevagandharvaiḥ kinnarādyaiśca sevitam |
phaṇīndraṃ kāliyaṃ yadvā phaṇāpañcakasaṃyutam || 24 ||

18.24 verehrt von Ṛṣis, Göttern, Gandharvas, Kinnaras und weiteren Wesen. Oder [unter ihm] der Schlangenkönig Kāliya mit fünf Hauben,

purataḥ paruṣākāraṃ nāgākāraṃ ca pṛṣṭhataḥ |
kṛtāñjaliṃ durādharṣamākramya śirasi sthitam || 25 ||

18.25 vorn menschenartig, hinten schlangenförmig, mit gefalteten Händen und gewaltiger Gestalt. Auf dessen Kopf steht Kṛṣṇa,

vāmapādena gṛhṇantaṃ pucchaṃ vāmena pāṇinā |
dakṣiṇābhayadaṃ hastaṃ nṛtyantaṃ kārayedbudhaḥ || 26 ||

18.26 den linken Fuß darauf gesetzt, mit der linken Hand den Schwanz haltend, die rechte in Abhaya. So gestalte ihn der Kundige tanzend.

dakṣiṇenāpyabhayadam |
athavā kṛtatāṭaṃkaṃ kurvāṇaṃ nāṭyamadbhutam |
mahiṣītaṃ nāgarājasya bhikṣamāṇāṃ svakaṃ patim || 27 ||

18.27 Oder er vollführt einen wunderbaren Tanz; die Gemahlin des Schlangenkönigs bittet um das Leben ihres Gatten. [Der erste Halbvers mit „tāṭaṃka“ ist unsicher.]

athavetyardhaṃ bahuṣu na dṛśyate. devyorgṛhītvā hastābhyāṃ karāgraṃ madhyataḥ sthitam |
nṛtyantaṃ bahusāhapragopakanyābhirāvṛtam || 29 ||

18.29 [Nach einer Nummernlücke:] Er steht in der Mitte, hält die Fingerspitzen zweier Göttinnen mit seinen Händen und tanzt, von vielen Tausenden Hirtenmädchen umgeben.

devyau gṛhītvā |
navanītāya nṛtyantaṃ sarvena ṛjunā sthitam |
uddhṛtya dakṣiṇaṃ pādaṃ viparītamathāpi vā || 30 ||

18.30 Oder er tanzt um Butter, auf dem linken Fuß gerade stehend und den rechten erhoben; auch die umgekehrte Haltung ist möglich.

kārayedvāmahastaṃ tu cubukāntasamucchrayam |
abhītidaṃ dakṣiṇena varadaṃ vā yathāruci || 31 ||

18.31 Die linke Hand reiche bis zum Kinn; die rechte gewähre nach Wunsch Furchtlosigkeit oder Gabe.

prasārayedvāmahastaṃ |
madhyataḥ stananābhyoścha varado hasta iṣyate |
yādavendreṇa kṛṣṇena kriḍayā yadyathāśritam || 32 ||

18.32 Die Varada-Hand liegt zwischen Brust und Nabel. Welche Gestalt Kṛṣṇa, der Herr der Yādavas, in seinem Spiel auch angenommen hat,

kalpayitvā vapuntattadārādhyāṃ vibhavārthibhiḥ |
ekaberavibhānāṃ cet sthāpayedbrahmaṇaḥ pade || 33 ||

18.33 in eben dieser kann er gestaltet und von denen verehrt werden, die Fülle wünschen. Bei einer Einzelbildanlage installiere man ihn im Brahma-Ort.

karmārcādīni bimbāni kalpayedraghuvīravat |
rukmiṇīsyabhāmābhyāṃ saha pīṭhe prakalpayet || 34 ||

18.34 Die Handlungs- und weiteren Bilder fertige man wie bei Rāma, zusammen mit Rukmiṇī und Satyabhāmā auf einem Sockel.

rukmiṇī kanakaprakhyā satyā'nyā śyāmalā bhavet |
karaṇḍikāmakuṭinī yadvā dhammilladhāriṇī || 35 ||

18.35 Rukmiṇī ist goldfarben, Satyabhāmā dunkel; sie tragen Karaṇḍa-Krone oder Dhammilla-Haarknoten.

satyākhyā |
satyabhāmā kare padmaṃ dhārayeddakṣiṇe param |
ūrau viśrāmayedanyaṃ dhārayedanyathā'thavā || 36 ||

18.36 Satyabhāmā trägt rechts einen Lotus und lässt die andere Hand am Oberschenkel ruhen; auch eine andere passende Haltung ist möglich.

yathoktataravinyāsakalpanaṃ kamalāsana |
bālye'pi yā yā devī syātyā sā kalpyā yathāvidhi || 37 ||

18.37 Die Handstellungen richte man wie beschrieben ein, Lotusgeborener. Welche Göttin zur jeweiligen kindlichen Erscheinungsform gehört, gestalte man entsprechend der Vorschrift.

kalpimūrtiḥ |
nirmāṇamadhunā vakṣye kalki viṣṇormahātmanaḥ |
piṅgaśmaśruṃ vivṛttākṣaṃ raktābhaṃ hayavahanam || 38 ||

18.38 Nun erkläre ich die Gestalt des erhabenen Viṣṇu als Kalkin: mit gelbbraunem Bart, weit geöffneten Augen, rötlichem Glanz und einem Pferd als Reittier,

dvibhujaṃ carmavasanaṃ khaḍgakheṭakadhāriṇam |
jaṭāmukuṭasaṃyuktaṃ brahmalakṣmyā virājitam || 39 ||

18.39 zweiarmig, in Leder gekleidet, mit Schwert und Schild, Flechtenkrone und brahmanischer Würde.

paiśāce yānakaṃ kuryāddivye bhāge sthitirbhavet |
yadvā caturbhujaṃ kuryānmukhyābhyāṃ khaḍgakheṭakau || 40 ||

18.40 Die berittene Form liege im Paiśāca-, die stehende im göttlichen Bereich. Oder man gestalte ihn vierarmig, mit Schwert und Schild in den vorderen Händen,

aparābhyāṃ śaṅkhacakraṃ hastābhyāṃ dadhataṃ harim |
āsane kheṭakaṃ kha़ḍgaṃ na kurvīta kadācana || 41 ||

18.41 Muschel und Diskus in den anderen. Bei einer sitzenden Gestalt sollen Schwert und Schild niemals dargestellt werden.

abhayaṃ varadaṃ caiva karayugmaṃ prakalpayet |
śayanaṃ neṣyate tanya kalpiviṣṇo rmahātmanaḥ || 42 ||

18.42 Die beiden Hände zeigen stattdessen Abhaya und Varada. Eine liegende Gestalt des erhabenen Kalkin-Viṣṇu ist nicht vorgesehen.

ekaberavidhānaṃ cetkalpayedbrahmaṇaḥ pade |
āsīnāṃ sthānakaṃ caiva bhāge divye prakalpayet || 43 ||

18.43 Bei einer Einzelbildanlage ordne man ihn im Brahma-Ort an. Sitzende und stehende Formen können im göttlichen Bereich stehen.

tasya dakṣiṇapārśve tu yājñavalkyaṃ purohitam |
nāradaṃ dakṣiṇe pārśve bhittibhūmiṣu devatāḥ || 44 ||

18.44 Zu seiner Rechten stehe der Hauspriester Yājñavalkya; ebenfalls rechts wird Nārada genannt, die Gottheiten an den Wänden. [Die doppelte Richtungsangabe wird nicht still berichtigt.]

bhāge |
kalpayejjaṅgamān bimbān dvijānvā caturbhujān |
abhayaṃ varadaṃ caiva dvau bhūjau parikalpayet || 45 ||

18.45 Bewegliche Bilder gestalte man zwei- oder vierarmig; die beiden vorderen Arme zeigen Abhaya und Varada. [„dvijān“ ist im Zusammenhang als beschädigte Zweiarm-Angabe verstanden.]

caturbhuje śaṅkhacakre dvayoraparayorbhavet |
karmabiṃbasāmānyalakṣaṇam. |
śrīvatsevāṅkitoraskān jaṭāmukuṭasaṃyutān || 46 ||

18.46 Bei einer vierarmigen Gestalt tragen die anderen Hände Muschel und Diskus. Die Handlungsbilder besitzen Śrīvatsa auf der Brust und Flechtenkronen

kirīṭino vā kurvīta karmabimbāṃśca lohajān |
viṣṇoraṃśāvatārāṇāṃ kamān rcādyāstu kautukāḥ || 47 ||

18.47 oder königliche Kronen und bestehen aus Metall. Die für Handlungen und weitere Zwecke bestimmten Bilder von Viṣṇus Teilavatāras

dyarthāśca |
kalpanīyāścaturhastāḥ dvibhujā vā yathāruci |
daśatālena mīyantevarāhādyāścamūrtayaḥ || 48 ||

18.48 können nach Wunsch vier- oder zweiarmig sein. Varāha und die weiteren Gestalten werden nach dem Zehn-Tāla-System bemessen.

bāhyāṃścābhyantarāṃścaiva parivārān prakalpayet |
ādimūrteryathā tadvat na viśeṣostikaścana || 49 ||

18.49 Die äußeren und inneren Begleiter ordne man wie bei der ursprünglichen Gestalt an; darin besteht kein Unterschied.

lakṣmīnārāyaṇamūrtiḥ |
lakṣmīnārāyaṇaṃ kuryādbhujāṣṭakasamanvitam |
yadvā caturbhujaṃ śaṅkhacakrādyāyudhabhūṣitam || 50 ||

18.50 Lakṣmīnārāyaṇa gestalte man achtarmig oder vierarmig, mit Muschel, Diskus und weiteren Waffen.

vāmabhāge tu hastābhyāṃ varadaṃ paṅkajaṃ tu vā |
itarābhyāṃ ca hastābhyāmabhayaṃ cakrameva vā || 51 ||

18.51 Links zeigen die Hände Varada beziehungsweise tragen einen Lotus; die anderen zeigen Abhaya beziehungsweise tragen den Diskus. [Die Alternativen sind verkürzt formuliert.]

abhinnālakṣminārāyaṇamūrtiḥ |
vapuṣo dakṣiṇe bhāge viṣṇurvāme saroruhā |
pīnastanataṭo vāmaśśrī vatsāṅkastathetaraḥ || 52 ||

18.52 [Ungeteilte Doppelgestalt:] Die rechte Körperhälfte ist Viṣṇu, die linke die Lotusgöttin. Links befindet sich eine volle Brust, rechts das Śrīvatsa-Zeichen.

dakṣiṇo bhāgo viṣṇorvāmaḥ tiśīrṣaṃ ca tripādaṃ ca catuśśṛṅgaṃ caturmukha || 54 ||

18.54 [Nach einer Lücke beginnt eine andere, opferbezogene Gestalt:] zweiköpfig, dreifüßig und vierhörnig, Viergesichtiger. [Die Hauptlesung des Kopfwortes ist beschädigt; die Variante stützt zwei Köpfe.]

dviśīrṣaṃcatipādaṃ ca caturaṅgam |
saptahastaṃ japā tulyaṃ vanamālāvibhūṣitam |
abhītido mukhyahasto dakṣiṇo'nyo varapradaḥ || 55 ||

18.55 Siebenarmig, hibiskusfarben und mit Waldgirlande geschmückt. Die vordere rechte Hand gewährt Furchtlosigkeit, die andere Gabe;

sāmyam |
pañcautarakarāśca sruksruvādyāyudhabhūṣitāḥ |
ekadvityrādimūrtibhedaḥ |
ekamūrtirvāsudve lakṣmīnārāyaṇaḥ paraḥ || 56 ||

18.56 die fünf übrigen tragen Sruk, Sruva und weitere Opfergeräte. [Zu den Gestaltgruppen:] Als eine Gestalt gelten Vāsudeva und der höchste Lakṣmīnārāyaṇa jeweils für sich.

tau dvimūrtistrimūrtistu satyaścācyutapūruṣau |
caturmurtirvāsudevo bhavetsaṅkarṣaṇa stathā || 57 ||

18.57 Zusammen bilden sie die Zweiergruppe. Die Dreiergruppe besteht aus Satya, Acyuta und Puruṣa; die Vierergruppe aus Vāsudeva, Saṅkarṣaṇa,

pradyumnaścāniruddhaśca pañcamūrtimataśśṛṇu |
satyācyutau tathānantaḥ vāsudevaśca pūruṣaḥ || 58 ||

18.58 Pradyumna und Aniruddha. Höre die Fünfergruppe: Satya, Acyuta, Ananta, Vāsudeva und Puruṣa.

ṣaṇmūrtirannādhipatiśśaktīśaḥ kālanemijit |
trailokyamohano yajñavarāhā śceti paṃcamaḥ || 59 ||

18.59 Die Sechsergruppe nennt Annādhipati, Śaktīśa, Kālanemijit, Trailokyamohana, Yajña und als fünften Varāha … [Die überlieferte Zählung stimmt nicht mit der lesbaren Namensfolge überein.]

śaṅkhodaro nṛsiṃhaśca saptamūrtirathocyate |
catasro vāsudevādi mūrtayaḥ pūrvamīritāḥ || 60 ||

18.60 … ferner Śaṅkhodara und Nṛsiṃha. [Die Abgrenzung der Sechserliste ist beschädigt.] Nun die Siebenergruppe: die vier zuvor genannten Gestalten, beginnend mit Vāsudeva,

pūṣādayastathā tisrassaptamūrtirudāhṛtā |
hayagrīvo mukundaśca babhruścaiva vṛṣākapiḥ || 61 ||

18.61 und drei weitere, beginnend mit Pūṣan, ergeben sieben. [Die Dreierliste wird hier nicht ausgeschrieben.] Hayagrīva, Mukunda, Babhru, Vṛṣākapi,

śauriśca dāśārhaścaiva vaikuṇṭhaḥ puruṣastathā |
aṣṭamūrtiriti proktonavamūrtarathaucyate || 62 ||

18.62 Śauri, Dāśārha, Vaikuṇṭha und Puruṣa bilden die Achtergruppe. Nun wird die Neunergruppe genannt:

dāḷahaścaiva |
catasraḥ kathitāḥ pūrvaṃ vāsudevādaya stathā |
nārāyaṇo hayagrīvo viṣṇurvṛharisūkarau || 63 ||

18.63 die vier Vāsudeva-Gestalten sowie Nārāyaṇa, Hayagrīva, Viṣṇu, Nṛhari und Sūkara.

ṣa़ḍanneśādayaḥ proktāḥ vāsudevādimūrtayaḥ |
catasro daśamūrtissyādādimūrtirimā daśaḥ || 64 ||

18.64 Die sechs, beginnend mit Anneśa, zusammen mit den vier Vāsudeva-Gestalten bilden die Zehnergruppe; diese zehn zusammen mit der ursprünglichen Gestalt

syādekādaśamūrtissyātproktā dvādaśamūrtayaḥ |
catasro viṃśatiścaiva mūrtayaḥ pūrvamīnitāḥ || 65 ||

18.65 ergeben elf. Die zwölf und die vierundzwanzig Gestalten wurden bereits genannt.

pañcamūrtipratiṣṭhāvidhiḥ |
paṃcamūrti samudīryate |
sthāpayedvāsudevābhyāṃ mūrtiṃ garbhaṃ gṛhe sudhīḥ || 66 ||

18.66 [Installation der Fünfergruppe:] Der Kundige installiere die Vāsudeva-Gestalt im Allerheiligsten,

pratiṣṭhāyā |
divye bhāgethavā brāhme bahiḥ prāgdiśi pūruṣam |
satyamūrtiṃ dakṣiṇasyāṃ pratīcyāmacyutaṃ yathā || 67 ||

18.67 im göttlichen oder im Brahma-Bereich; außerhalb im Osten Puruṣa, im Süden Satya, im Westen Acyuta

anantākhyamutīcīne calāṃ vā yativā'calām |
dhāmne'ntarvāsudevassyāccaturmūrtiṣu pūrvavat || 68 ||

18.68 und im Norden Ananta, als bewegliches oder festes Bild. Bei der Vierergruppe befindet sich Vāsudeva wie zuvor im Innern des Heiligtums,

saṅkarṣaṇaṃ dakṣiṇasyāṃ bahirdiśi niveśayet |
pradyumnaṃ ca pratīcīne kauberyāmaniruddhakam || 69 ||

18.69 außen im Süden Saṅkarṣaṇa, im Westen Pradyumna und im Norden Aniruddha.

yāṃ yāṃ diśamadhiṣṭhāya sthitāḥ pūrvo ktamūrtayaḥ |
tattaddigābhimukhyena kalpayetkamalāsana || 70 ||

18.70 Die zuvor genannten Gestalten blicken jeweils in die Richtung, in der sie aufgestellt sind, Lotusgeborener.

dvāraṃ vātāyanaṃ vāpi kuryādbhittiṃna kalpayet |
śaṅkhacakragadāyuktā mukhyairabhayadā karaiḥ || 71 ||

18.71 Man schaffe einen Eingang oder ein Fenster, keine geschlossene Wand [vor ihnen]. Sie tragen Muschel, Diskus und Keule; die vorderen Hände gewähren Furchtlosigkeit.

Kapitel 19: Bewegliche Kultbilder und Bildmaße

Hinweis zur Quelle: Die Nummern 14, 15 fehlen in der Vorlage. Erhaltene Fragmente bleiben stehen.

pādmasaṃhitāyām |
ekonaviṃśo'dhyāyaḥ |
karmādhyarcāmūrtimānavidhiḥ |
tatrabahuberamānam |
śrībhagavān |
karmārcādiprakṛtiprakāraḥ kathyate'dhunā |
karmārcā cotsavārcā ca balyarcā ca tathaiva ca || 1 ||

19.1 Der erhabene Herr sprach: Nun wird die Gestaltung der für Handlungen und weitere Zwecke bestimmten Bilder erklärt: Karmārcā, Festbild und Bali-Bild,

snānatīrthobhayārcā ca svāpotthānārcayā saha |
pratimāṣṣaḍvidhātavyāḥ pūjāyāmuttamā bhavet || 2 ||

19.2 Badebild, Bild für das heilige Wasser beziehungsweise die Festbadung und Bild für Schlafen und Erwachen. Mit diesen sechs Bildern gilt die Verehrung als vorzüglich.

tisṛbhirmadhyamā jñeyā ādyā yā caramā bhavet |
bahubere vidhirayaṃ kathitaḥ kamalasana || 3 ||

19.3 Mit drei Bildern gilt sie als mittel, mit dem ersten allein als geringste. Dies ist die Vorschrift für eine Anlage mit mehreren Bildern, Lotusgeborener.

ekabaramānam |
ekabere tu karmārcāsnapanārcā ca neṣyate |
dhruvaberasamucchrāye vibhakte daśadā sati || 4 ||

19.4 Bei einer Einzelbildanlage sind ein gesondertes Karmārcā- und ein Badebild nicht vorgesehen. Teilt man die Höhe des festen Hauptbildes in zehn,

ekāṃ śena pratikṛteḥ karmārcāyāssamucchrayaḥ |
dvādaśāṃ śena yadvā syāt ṣoḍaśāṃ śena vā bhavet || 5 ||

19.5 so ergibt ein Teil die Höhe des Karmārcā-Bildes; alternativ ein Zwölftel oder ein Sechzehntel,

yadvā'ṣṭādaśabhāgena caturviṃśāṃśameva vā |
mahāberāṅgulāpekṣyā yadvā tasyāssamunnatiḥ || 6 ||

19.6 auch ein Achtzehntel oder Vierundzwanzigstel. Oder seine Höhe richtet sich nach den körperbezogenen Aṅgulas des großen Bildes:

caturviṃśāṅgulā yadvā bhavedaṣṭādaśāṅgulā |
ṣoḍaśāṅgulamānā vā yadvā syāddvādaśāṅgulā || 7 ||

19.7 vierundzwanzig, achtzehn, sechzehn oder zwölf Aṅgulas,

aṣṭāṅgulā'thavā yadvā ṣaḍaṃgulasamucchrayā |
caturaṅgulamānā vā yadvāmānāṃgulena tu || 8 ||

19.8 acht, sechs oder vier Aṅgulas. Oder man verwende das gewöhnliche Mānāṅgula,

pūrvoktāṃgulamānāni kartavyāni yathāruci |
balyādi mūrtimānam |
balitīrthapratikṛtiśśayanotthānakautukam || 9 ||

19.9 und wähle darin eines der zuvor genannten Maße nach Wunsch. Die Bilder für Bali, Festbadung, Schlafen und Erwachen

karmārcāsaṃmitotsedhaḥ kathitaḥ kamalāsana |
karmabimbasamutsedhastriguṇaḥ pariśiṣṭayoḥ || 10 ||

19.10 haben dieselbe Höhe wie das Karmārcā-Bild, Lotusgeborener. Die beiden übrigen erhalten dessen dreifache Höhe,

snapanotsavakāryārthaṃ bimbayorubhayorapi |
bhaṅktvā tidhā caturdhā vā dhruvaberasamucchrayam || 11 ||

19.11 nämlich die Bilder zum Baden und zum Fest. Oder man teile die Höhe des festen Hauptbildes in drei oder vier

ekabhāge nalotsedhaṃ kuryādutsavakautuke |
utsavārcātṛtīyāṃśaṃ turyāṃśaṃ vāmbujāsana || 12 ||

19.12 und nehme einen Teil für die Höhe des Festbildes. Ein Drittel oder ein Viertel des Festbildes, Lotusgeborener,

karmakautukamānaṃ syādbahvarcā derayaṃ kramaḥ |
ekabere tadardhā tu tattu ryāṃśakameva vā || 13 ||

19.13 ergibt das Karmārcā-Maß. Dies gilt für die Mehrbildanlage. Bei einer Einzelbildanlage wird die Hälfte oder ein Viertel des betreffenden Maßes genannt … [Der Anschluss bricht ab.]

cedayam. padmemekena kalpayet || 16 ||

19.16 [Nach einer Lücke:] … mit einem Teil gestalte man den Lotus. [Der vorausgehende Maßbezug fehlt.]

vistāratulitāyati |
upānahādipañcāṅgayuktaṃ vṛttaṃ sukhāvaham |
caturaśraṃ manohāri vistāratulitāyati || 17 ||

19.17 Der Sockel habe fünf Glieder, beginnend mit Upāna, und sei angenehm rund oder schön quadratisch, mit gleicher Länge und Breite.

tṛtīyabhāgavihitaprabhaśaṅkudvayāṅkitam |
pīṭhotsedhaṃ tidhā kṛtvā padmame kena kalpayet || 18 ||

19.18 Er besitzt zwei im Drittelbereich angeordnete Stifte für die Prabhā. Die Sockelhöhe teile man in drei und gestalte den Lotus aus einem Teil.

talairdvādaśabhiryuktamaṣṭābhivān yathāruci |
tāvadūrdhvadalopetaṃ madhye vipulakarṇikam || 19 ||

19.19 Er habe nach Wunsch zwölf oder acht Blätter, ebenso viele aufwärts gerichtete Blätter und eine breite mittlere Samenkapsel.

upacchadasamāyuktimīṣatphāmbhujākṛti |
pādamānaṃ dalāyāmaṃ kevalaṃ vā saroruham || 20 ||

19.20 Mit zusätzlichen kleineren Blättern gleicht er einem leicht geöffneten Lotus. Die Blattlänge entspricht dem Fußmaß. Auch ein Lotus allein

pīṭhaṃ vā kevalaṃ vāpi suṣiraṃ naivakārayet |
sthitasya kautukasyedaṃ pīṭhanirmāṇamīritam || 21 ||

19.21 oder ein Sockel allein ist möglich; Hohlräume vermeide man. So ist der Sockel eines stehenden Kultbildes beschrieben.

pi yathākāmaṃ |
āsīnapīṭhimānam. |
āsīnasyāyataṃ vṛttaṃ caturaśraṃ yadāyatam |
pratimārdhasamutsedhaṃ tattratīyāṃśameva vā || 22 ||

19.22 Für ein sitzendes Bild sei der Sitz länglich-rund oder rechteckig, halb so hoch wie das Bild oder ein Drittel seiner Höhe.

padmaṃ bahudalopetaṃ madhye vipulakarṇikam |
sakuñcitaprasavyāṅghriradhastāllambitetaraḥ || 23 ||

19.23 Der Lotus besitze viele Blätter und eine breite Samenkapsel. Der Gott zieht das linke Bein an und lässt das andere herabhängen;

padmamaṣṭadalopetaṃ |
adhyāsītāsanaṃ devo yathoktaṃ kamalāsana |
lambamānapadādhāraṃ kamalaṃ parikalpayet || 24 ||

19.24 so nimmt er den beschriebenen Sitz ein, Lotusgeborener. Unter den herabhängenden Fuß gestalte man einen stützenden Lotus.

śrībhūmyossanniveśaḥ |
śrīrdakṣiṇe dharā vāme devyau devasya kalpayet |
karmādibhimbaṣaṭkaṃ syācchrībhūmisahitaṃ sadā || 25 ||

19.25 Śrī ordne man rechts, Dharā links vom Gott an. Die sechs für Handlungen und weitere Zwecke bestimmten Bilder seien stets mit Śrī und Bhūmi verbunden.

śrīdarādevyorāsanasthitivikalpaḥ |
ekasminviṣṭare syātāṃ vṛthagvā vallabhe ubhe |
vāmaṃ sañkṣipya caraṇamitaraṃ lambayedadhaḥ || 26 ||

19.26 Die beiden Geliebten können auf einem gemeinsamen oder auf getrennten Sitzen sitzen. Śrī zieht das linke Bein an und lässt das andere herabhängen;

śrīrdharā tvavyathā sīnā sthite deve tathā sthitā |
prabhāyāḥ mānādi |
vṛttāṃ vṛttāyatāṃ vāpi prabhāṃ bimbānusārataḥ || 27 ||

19.27 Dharā sitzt umgekehrt. Steht der Gott, stehen auch sie. Die Prabhā gestalte man passend zum Bild rund oder länglich-rund,

sīnesthitedevetathāsthite |
kṛryānmanoharāṃ yasmāttejorāśiḥ prabhā matā |
dvyaṅgulaṃ kāṇḍamānaṃ syātpuṣpakṣetraṃ tadardhakam || 28 ||

19.28 schön anzusehen, denn sie gilt als eine Fülle von Licht. Ihr Kāṇḍa-Band sei zwei Aṅgulas breit, das Blumenfeld halb so breit.

ardhāṅgulaṃ bhavetkṣetraṃ kāṇḍaṃ tadanupūrvavat |
vetraṃ tadanu bhūyo'pi jvālāmāloparisthitā || 29 ||

19.29 Ein weiteres Feld sei einen halben Aṅgula breit; dann folgen wie zuvor ein Band und eine Vetra-Leiste, darüber ein Flammenkranz.

ardhāṅgulāntarālāssyurhvālāḥ pañcaśikhāstathā |
triśikhā vā yathāyogaṃ dakṣiṇāvartaśobhitāḥ || 30 ||

19.30 Die Flammen stehen einen halben Aṅgula auseinander und besitzen fünf oder nach Bedarf drei Spitzen, schön nach rechts gewendet.

prabhāyāṃmīnādimūrtikalpanam |
yugmā vā syurayugmā vā kāṇḍe kāṇḍe prakalpayet |
daśāvatāramūrtīrvā mīnādyāḥ keśavādikāḥ || 31 ||

19.31 Ihre Anzahl kann gerade oder ungerade sein. Auf den einzelnen Bändern können auch die zehn Avatāras, beginnend mit Matsya, oder die Gestalten, beginnend mit Keśava, dargestellt werden.

prabhāyāḥ pārśvayoḥ pṛṣṭhe śaṅkunālaṃ prakalpayet |
toraṇaprabhā |
bimbe yānādhirūḍhe kartavyā toraṇaprabhā || 32 ||

19.32 Hinten an den Seiten der Prabhā fertige man Hülsen für die Befestigungsstifte. Für ein Bild auf einem Fahrzeug ist eine torbogenförmige Prabhā vorgesehen.

antarbahiśca dāḍyārthamāyasaṃ tu niveśayet |
biṃbaprabhāsanānilohajānyeva. |
bimbaṃ prabhāmāsanaṃ vā lohajaṃ palikalpayet || 33 ||

19.33 Zur Festigkeit bringe man innen und außen Eisen ein. Bild, Prabhā und Sitz sollen aus Metall angefertigt werden.

lohamūrti nirmāṇakramaḥ |
dvāvayitvā madhūcchiṣṭaṃ pratimāṃ tena kalpayet |
dhānyārāśiṃ vinikṣipya tadūrdhve tilataṇḍulam || 34 ||

19.34 [Metallguss:] Man schmelze Bienenwachs und forme daraus das Bild. Auf einen Getreidehaufen lege man Sesam und enthülsten Reis,

cakrābjaṃ tu likhettasminprāgagrānnikṣipetkuśān |
vastraṃ ca nūtalanaṃ tasminvistīrya pratimāṃ kṣipet || 35 ||

19.35 zeichne darauf ein Cakra-Lotus-Muster, lege Kuśagras mit den Spitzen nach Osten aus, breite neuen Stoff darüber und lege das Bild darauf,

prācīnaśirasaṃ paścājjuhuyādanale guruḥ |
puṣpaissamidbhirlājaiśca sarpiṣāṣṭottaraṃ śataṃ || 36 ||

19.36 den Kopf nach Osten. Der Guru opfere einhundertachtmal Blumen, Brennholz, Puffreis und Ghee ins Feuer,

juhuyānmūlamantreṇa nṛsūktena caruṃ punaḥ |
hutvaivaṃ vidhinācāryassragvī kanakabhūṣaṇaḥ || 37 ||

19.37 mit dem Mūlamantra; danach gekochte Speise mit dem Puruṣa-Sūkta. Der mit Girlande und Goldschmuck versehene Ācārya vollziehe dies ordnungsgemäß,

saṃpātājyena saṃsicyetpratimāṃ tatvapaddhatim |
dhyāyettatra śubhe lagne pūjayenmūlavidyayā || 38 ||

19.38 besprenge das Bild mit Sampātājya und meditiere darin über die Ordnung der Tattvas. Unter günstigem Aszendenten verehre er es mit der Wurzelformel.

yajamāno guruṃ pūhya bahubhistoṣayoddhanaiḥ |
brāhmaṇān viduṣo vittairbahubhiḥ paritoṣayet || 39 ||

19.39 Der Stifter ehre den Guru und stelle ihn mit reichen Gaben zufrieden; ebenso die gelehrten Brahmanen.

sthipatiḥ pratimāṃ kuryādrathakārābhyanujñayā |
mānonmānapramāṇaistāṃ pratimāṃ kārayecchubhām || 40 ||

19.40 Mit Erlaubnis des Baukundigen fertige der Handwerker das Bild mit den vorgeschriebenen Höhen-, Umfangs- und weiteren Maßen schön an.

mṛdā lepaṃ tataḥ kuryācchilpaśāstrānusārataḥ |
lohavikalpaḥ |
suvarṇaṃ rajataṃ tāmraṃ viśuddhaṃ lohamuttamam || 41 ||

19.41 Dann bringe er nach der Bildhauerlehre den Tonmantel auf. Reines Gold, Silber oder Kupfer gilt als vorzügliches Metall.

ādhaya dhānya rāśyāṃ tu pūrvavannyāsakalpanam |
pūrvavaccaiva juhuyādācāryāścoditakramāt || 42 ||

19.42 Man lege es auf einen Getreidehaufen und vollziehe den Nyāsa wie zuvor; ebenso bringe der Ācārya die vorgeschriebenen Feueropfer dar.

rāśyādau |
drāvayitvā tataśśuddhaṃ lohaṃ nyāyasamārjitam |
sthapatiḥ pratimāṃ tena kuryācchāstroktavartmanā || 43 ||

19.43 Dann schmelze der Handwerker das reine, rechtmäßig erworbene Metall und fertige daraus nach dem gelehrten Verfahren das Bild.

lohajāṃ pratimāṃ caivaṃ kalpayetparamātmanaḥ |
sa yāti paramaṃ sthānaṃ punarāvṛttivarjitam || 44 ||

19.44 Wer so ein Metallbild des höchsten Ātman herstellen lässt, soll die höchste Stätte erreichen, von der es keine Wiederkehr gibt.

pratimāyāhastādi vaikalyeśānti |
pratimāhastapādādivaikalye śāntimācaret |
ācāryo danahūmādyaistataśśāntirbhaviṣyati || 45 ||

19.45 Bei Fehlbildungen an Händen, Füßen oder anderen Gliedern vollziehe der Ācārya Befriedungsriten durch Gaben, Feueropfer und weitere Handlungen.

samādadhyādavayavān vikalān sthapatiḥ punaḥ |
citrārdha citra citrābhāsādi nirūpaṇam |
citraṃ cāpyardhacitraṃ ca citrābhāsamiti tridhā || 46 ||

19.46 Der Handwerker setze die fehlerhaften Glieder erneut instand. Drei Arten der Bildgestaltung heißen Citra, Ardhacitra und Citrābhāsa.

kautukaṃ tatra dṛśyante yasminnavayavāssphuṭam |
sarve samantāccitraṃ tu tadvijñeyaṃ caturmukha || 47 ||

19.47 Sind sämtliche Glieder ringsum deutlich sichtbar, so ist das Bild als Citra, vollplastische Gestalt, zu verstehen, Viergesichtiger.

hastādyavayavā yasminpurobhāge samīkṣitum |
śakyaṃ nāparabhāge tu tadardhaṃ citramiṣyate || 48 ||

19.48 Sind Hände und weitere Glieder nur vorn, nicht aber hinten zu betrachten, heißt es Ardhacitra, Relief.

rūpitā pratimā yā tu varṇaireva sitādibhiḥ |
kuḍyādau citramābhāsaṃ tatkautukamudāhṛtam || 49 ||

19.49 Eine allein mit Farben wie Weiß an einer Wand oder auf ähnlichem Grund gestaltete Darstellung heißt Citrābhāsa, gemaltes Bild.

citramutkṛṣṭamityukta mardhaṃ madhyamamucyate |
ābhāsamadhamaṃ viddhi mandire vātha veśmani || 50 ||

19.50 Citra gilt als vorzüglich, Ardhacitra als mittel, Citrābhāsa als geringste Form, im Tempel wie im Haus.

sthāpayeddhruvabhimbhārthaṃ pūrvālābhe yathottaram |
pratimānāṃ tālādimānam |
ataḥ paraṃ pravakṣyāmi pratimāmānalakṣaṇam || 51 ||

19.51 Für das feste Hauptbild wähle man, wenn die jeweils vorhergehende Form nicht verfügbar ist, die nächste. Nun erkläre ich die Merkmale der Bildmaße.

e kādidaśaparyantaṃ saṅkhyayopeyuṣāṃ bhidāma |
tālānāmuttamādīnāṃ rūpāviṣkṛtipūrvakam || 52 ||

19.52 Die Tāla-Systeme von eins bis zehn werden mit ihren vorzüglichen, mittleren und geringsten Ausführungen anhand der jeweiligen Gestalten erläutert.

yatkiñcitpratimāmānaṃ vibhajya daśadā punaḥ |
ekaṃ dvādaśadā bhaṅtkra tatraikāṃśo'ṅgulaḥ smṛtaḥ || 53 ||

19.53 Man teile die Bildhöhe in zehn, einen dieser Teile wiederum in zwölf. Einer dieser kleinsten Teile gilt als Aṅgula.

aṅgulaṃ cāṣṭadhā kutvā tatraikāṃśo yavaḥ smṛtaḥ |
tenai vāṅgulamānena aṅgapratyaṅgakalpanā || 54 ||

19.54 Ein Achtel davon heißt Yava. Mit eben diesem Aṅgula-Maß werden Haupt- und Nebenglieder gestaltet.

dvādaśāṅgulakaṃ mānaṃ tālākhyamiha kathyate |
dvādaśāṅgulakastālo mukhyaśceti pratīrtitaḥ || 55 ||

19.55 Zwölf Aṅgulas heißen hier Tāla; dieses Zwölfermaß wird auch als Hauptmaß bezeichnet.

dvyaṅgulaṃ golakaṃ jñeyaṃ kaleti vyapadiśyate |
ekāṅgulaṃ bhavenmātrā bhāgo mātrācatuṣṭayam || 56 ||

19.56 Zwei Aṅgulas heißen Golaka beziehungsweise Kalā; ein Aṅgula heißt Mātrā, vier Mātrās bilden einen Bhāga.

uttamādhamamadhyāni tālāni kamalāsana |
ekādidaśaparyantaṃ saṅkhyayā cchedayanti ca || 57 ||

19.57 Die vorzüglichen, mittleren und geringsten Tāla-Systeme werden von eins bis zehn unterschieden, Lotusgeborener.

mīyate daśatālena vāsudevassanātanaḥ |
savārdhatālau brahmeśau navatālena devatāḥ || 58 ||

19.58 Der ewige Vāsudeva wird nach zehn Tālas bemessen, Brahmā und Īśa nach neuneinhalb, die Gottheiten nach neun.

aṣṭārdhatālau dvārasthāḥ kumudādigaṇāstathā |
āṣṭatālāṃśca manujān piśācādīṃśca saptakān || 59 ||

19.59 Die Torwächter und die Scharen um Kumuda erhalten achteinhalb Tālas, Menschen acht, Piśācas und ähnliche Wesen sieben.

ṣaṭtālān kubjakān viddhi paṃcatālāṃstu vāmanān |
catustālāni bhūtāni titālāḥ kinnarāstathā || 60 ||

19.60 Bucklige erhalten sechs, kleinwüchsige Gestalten fünf, Bhūtas vier und Kinnaras drei Tālas.

matsyā dvitālakā jñeyāstālenai kena pannagāḥ |
daśatālaṃ caturviṃśadaṅgulīnāṃ śataṃ bhavet || 61 ||

19.61 Fische erhalten zwei, Schlangen einen Tāla. Das vorzügliche Zehn-Tāla-Maß beträgt einhundertvierundzwanzig Aṅgulas,

uttamaṃ madhyamaṃ viṃśatkaniṣṭhaṃ ṣoḍaśa smṛtam |
navatālaṃ tu tacchreṣṭhaṃ yacchataṃ dvādaśādhikam || 62 ||

19.62 das mittlere einhundertzwanzig, das geringste einhundertsechzehn. Das vorzügliche Neun-Tāla-Maß beträgt einhundertzwölf Aṅgulas,

aṣṭādhikaṃ śataṃ madhyaṃ kanīyaścaturuttamam |
aṣṭatālāṃ śataṃ śreṣṭhaṃ madhyamaṃ ṣaṇṇavatyapi || 63 ||

19.63 das mittlere einhundertacht, das geringste einhundertvier. Beim Acht-Tāla-System sind hundert Aṅgulas vorzüglich und sechsundneunzig mittel,

caturthahīnamadhamamaṣṭatālaṃ prakīrtitam |
uttamādikramo'nyeṣu saptatālādiṣūhyate || 64 ||

19.64 vier weniger, also zweiundneunzig, die geringste Ausführung. Die Abstufung bei sieben und weniger Tālas ist entsprechend abzuleiten.

taccaturhina |
catuścaturvihīnāṃ cetkramādaṅgulibhirbhavet |
pūrvaṃ pūrvaṃ yathoktaṃ tattraividhyamavagamyatām || 65 ||

19.65 Jeweils vier Aṅgulas werden der Reihe nach abgezogen. So verstehe man die zuvor genannte Dreiteilung der einzelnen Systeme.

trayodaśārdhāṅgulikaṃ daśatālottame mukham |
ardhenāṅgulinā pīnaṃ madhyamaṃ saṃpracakṣate || 66 ||

19.66 Beim vorzüglichen Zehn-Tāla-Bild wird das Gesicht mit einer als „trayodaśārdha“ überlieferten Aṅgula-Zahl bemessen; die mittlere Stufe ist um einen halben Aṅgula geringer. [Die Zahlenform und ihre Variante sind unsicher; eine eindeutige Festlegung auf dreizehneinhalb oder sechseinhalb wäre ungeprüft.]

tiyārdhāṅgulikaṃ nāma |
ardhenāṅgulinā hīnamekaikamitareṣvapi |
dhruvāyāmuttamaṃ tālamarcāyāṃ madhyamaṃ bhavet || 67 ||

19.67 Auch bei den weiteren Stufen vermindert man jeweils um einen halben Aṅgula. Für das feste Hauptbild gilt das vorzügliche Tāla-System, für das Handlungsbild das mittlere.

Kapitel 20: Körperproportionen, Haltung und Schmuck

Hinweis zur Quelle: Die Nummern 28, 42, 43, 63, 64, 65, 66, 67, 68, 69, 70, 90, 109, 110 fehlen in der Vorlage. Erhaltene Fragmente bleiben stehen.

Hinweis zur Nummerierung: Die Nummern 99 sind mehrfach vorhanden. Die deutsche Zuordnung unterscheidet weitere Vorkommen durch Buchstaben; die Sanskritnummer bleibt erhalten.

pādmasaṃhitāyām |
viṃśo'dhyāyaḥ |
śrībhagavān |
pratimāmānavidhiḥ |
ataḥ paraṃ pravakṣyāmi pratimāmānamuttamam |
mānaṃ pramāṇamunmānaṃ iti mānaṃ tridhā bhāvet || 1 ||

20.1 Der erhabene Herr sprach: Nun erkläre ich die vorzügliche Bemessung des Bildes. Drei Maße heißen Māna, Pramāṇa und Unmāna. [Ein Quellenzusatz erweitert die Liste um Parimāṇa, Upamāna und Lambamāna auf sechs.]

parimāṇopa mānakam |laṃbāmānaṃ ṣaḍetāni mānāni kathayāmyaham|iti keṣucitkośeṣu pāṭhodṛśyate |
mānamutsedhamānaṃ syādunmānaṃ nahanaṃ matam |
mānaṃ ca tiryagūrdhvaṃ yattatpramāṇamihocyate || 2 ||

20.2 Māna bezeichnet die Höhe, Unmāna den Umfang; die quer und aufwärts genommenen Vergleichsmaße heißen hier Pramāṇa.

tatra pratikṛtestāvattadaṅgānāṃ kathyate |
utsedhamānaṃ mūrdhādi pādāntamanupūrvaśaḥ || 3 ||

20.3 Zuerst wird die Höhe des Bildes und seiner einzelnen Glieder vom Scheitel bis zu den Füßen der Reihe nach beschrieben.

tasyāḥ |
laddhānāṃ dehatastāvadaṅgulīnāṃ śatena tu |
caturviṃśatimānena pratimāṃ parikalpayet || 4 ||

20.4 Das Bild gestalte man mit einhundertvierundzwanzig aus seinem Körpermaß gewonnenen Aṅgulas.

labdhonadehīnāṃ tāvat |labdhānāṃ dehinām. dṛksūtrāntaṃ tadārabhyaṣaṭtriṃśadyavasammitam || 5 ||

20.5 [Der Anfang ist beschädigt:] Von dort bis zur Augenlinie werden sechsunddreißig Yavas gemessen.

utsūtrāntam |
tadvannāsāpuṭāntaṃ syāttadvacca cibukāvadhi |
tena keśāntamārabhya mukhamānaṃ caturmukha || 6 ||

20.6 Ebenso viel bis zu den Nasenflügeln und wiederum bis zum Kinn. So beträgt das Gesicht vom Haaransatz an, Viergesichtiger,

aṣṭottaraṃ yavaśataṃ cibukāvayavāvadhi |
galamardhāṅgulaṃ sārdhaṃ tryaṃgulaṃ kaṇṭhamiṣyate || 7 ||

20.7 bis zum Kinn einhundertacht Yavas. Für Gala wird ein halber Aṅgula, für Kaṇṭha dreieinhalb genannt. [Die beiden Halsbegriffe und der Anschluss sind nicht eindeutig abgegrenzt.]

karṇa |
hikkāsūtraṃ samārabhya hṛdayāntaṃ mukhe sthitam |
tataḥ prabhṛti nābhyantaṃ sārdhaṃ satridaśāṅgulam || 8 ||

20.8 Von der Kehlgrubenlinie bis zur Brust liegt ein Gesichtsmaß; von dort bis zum Nabel dreizehneinhalb Aṅgulas.

mukhonnataṃ |
tataḥ prabhṛti meḍhrāntaṃ tadvadutsedhamiṣyate |
tanmūlājjānuparyantaṃ trinyūnaṃ tridaśāṃgulam || 9 ||

20.9 Vom Nabel bis zum Geschlechtsteil gilt dieselbe Höhe; von dessen Ansatz bis zum Knie siebenundzwanzig Aṅgulas.

caturaṅgulamutsedhaṃ jānumaṇḍalamiṣyate |
akṣāntaṃ jānuno'dhantādūrutulyamitīritam || 10 ||

20.10 Der Kniebereich ist vier Aṅgulas hoch. Vom Knie abwärts bis zum Knöchel gilt dasselbe Maß wie für den Oberschenkel.

tatastālāntamutsedhaṃ caturaṃgulasaṃmitam |
dehāṅgulāni yāvanti daśa tāle'bhipūjite || 11 ||

20.11 Vom Knöchel bis zur Sohle werden vier Aṅgulas gemessen. Dies sind die Körperanteile im vorzüglichen Zehn-Tāla-System.

vibhajya tāvantyuktāni madhyame śrūyatāṃ kramaḥ |
trayodaśāṃgulaṃ vaktraṃ tristhānaṃ ca tadaṃgulam || 12 ||

20.12 Nachdem dessen Teile beschrieben sind, höre die mittlere Ausführung: Das Gesicht misst dreizehn Aṅgulas, ebenso die drei entsprechenden Rumpfabschnitte.

ṣaḍviṃśatyaṃgulotsedhamurumānamudāhṛtam |
tadvajjaṅghāsamutsedhaṃ uttareṇetaratsamam || 13 ||

20.13 Die Oberschenkelhöhe beträgt sechsundzwanzig Aṅgulas, ebenso die Unterschenkelhöhe. Alles Weitere entspricht der vorzüglichen Ausführung.

adhame daśatāle tu mukhaṃ śatayavaṃ matam |
tristhānaṃ tāvadevasyādūruryavaśatadvayam || 14 ||

20.14 Im geringsten Zehn-Tāla-System misst das Gesicht hundert Yavas; ebenso jeder der drei Rumpfabschnitte. Der Oberschenkel misst zweihundert Yavas,

tristhānasya tadeva syāt |
jaṅghā ca tatsamotsodhā mukhyenānyatsamaṃ matam |
viṃśadyavaśataṃ pādadrāghimā kamalāsana || 15 ||

20.15 der Unterschenkel ebenso viel. Die übrigen Maße gleichen der vorzüglichen Form. Die Fußlänge beträgt einhundertzwanzig Yavas, Lotusgeborener.

aṅguṣṭhaṃ vedamātraṃ syāttadāyāmā ca tarjanī |
ekatriṃśadyavāyāmā madhyamāṅguliriṣyate || 16 ||

20.16 Die große Zehe misst vier Aṅgulas, ebenso die zweite; die mittlere Zehe einunddreißig Yavas. [Die Variante gibt für die große Zehe drei Aṅgulas.]

aṃguṣṭhe tryaṃgulāyāmaṃ |
triṃśadyavā'nāmikāsyātkaniṣṭhā tryaṃgulāpi ca |
yavaiśca pañcabhiryaktā pārṣṇī ca caturaṅgulā || 17 ||

20.17 Die vierte Zehe misst dreißig Yavas, die kleine drei Aṅgulas und fünf Yavas; die Ferse vier Aṅgulas.

hikkā tayoradho bāhuraṅgulī saptaviṃśatiḥ |
tataśca maṇibandhāntaṃ ṣaḍviṃśatyaṃgulāyatam || 18 ||

20.18 Von der Kehlgrubenzone abwärts wird der Oberarm mit siebenundzwanzig Aṅgulas bemessen; bis zum Handgelenk folgen sechsundzwanzig Aṅgulas

hikkāntayeradho |
yavadvayena ca yutaṃ maṇibandhāttalaṃ punaḥ |
madhyamāṃgulamūlāntaṃ pañcāśadyavasaṃmitam || 19 ||

20.19 und zwei Yavas. Vom Handgelenk bis zum Ansatz des Mittelfingers misst die Handfläche fünfzig Yavas.

pañcāṃgulamathāṃṅguṣṭhaṃ tarjanī tadvadāyatā |
ṣaḍyavai ścādhikāyāmā madhyamā tu ṣa़ḍaṃgulā || 20 ||

20.20 Der Daumen misst fünf Aṅgulas, der Zeigefinger ebenso mit sechs Yavas zusätzlich. Der Mittelfinger misst sechs Aṅgulas

āyatā ṣaḍyavai ścāpi tatsamānāmikā matā |
kaniṣṭhāṅguṣṭhatulitā māṃpalagnavakhāvadhi || 21 ||

20.21 und sechs Yavas; der Ringfinger wird als gleich lang beschrieben. Der kleine Finger entspricht dem Daumen, bis zum im Fleisch liegenden Nagelansatz. [Die Bezugslängen sind im Satz nicht völlig eindeutig.]

ekāṅgulā sakhāyāmā śiṣṭā ṣaḍyavasaṃmitā |
bāhuvaccopabāhussyāccaturaṅgulamāyataḥ || 22 ||

20.22 Die Nagellänge beträgt einen Aṅgula, die übrigen Nägel sechs Yavas. Der Nebenarm entspricht dem Hauptarm. Anschließend wird ein Maß von vier Aṅgulas genannt,

śikhā |
caturyapaṃ cordhva kaṇaṃ nālaṃ cañcāṅgulāyatam |
liṅgaṃ pañcāṅgulāyāmaṃ muṣkaṃ tu caturaṅgulam || 23 ||

20.23 mit vier Yavas für den oberen Ohrbereich; der Ohrfortsatz misst fünf Aṅgulas. Das männliche Geschlechtsteil ist fünf, der Hodensack vier Aṅgulas lang. [Der Anschluss des Ohrmaßes an Vers 22 ist beschädigt.]

karṇam |
sārdhāṣṭāṅgulivistāraṃ lalāṭaṃ tadanantaram |
dvādaśāṃgulavistāraṃ bālacandrasamā kṛti || 24 ||

20.24 Die Stirn wird zunächst mit achteinhalb Aṅgulas Breite, anschließend mit zwölf Aṅgulas und der Form einer jungen Mondsichel beschrieben. [Die beiden Maßbereiche sind nicht klar abgegrenzt.]

kulam |
tatastu karṇayormadhyaṃ sārdhaṃ satridaśāṃgulam |
daśāṃgulamadhastasya vistāraṃ cibukasya tu || 25 ||

20.25 Zwischen den Ohren werden dreizehneinhalb Aṅgulas gemessen, darunter zehn. Das Kinn besitzt eine Breite von

sapādaṃ dvyaṃgulaṃ pūrṇaṃ cāpatulyākṛtirbhavet |
mūlamadhyāgravistāraḥ grīvāyāḥ kramaśo bhavet || 26 ||

20.26 zweieinviertel Aṅgulas und eine volle, bogenartige Form. Die Halsbreiten an Ansatz, Mitte und Ende betragen der Reihe nach

navāṃgulaṃ tathaikonaṃ sārdhaṃ saptāṃguli stathā |
hikkāntato ratho bāhumūlayorantaraṃ bhavet || 27 ||

20.27 neun, acht und siebeneinhalb Aṅgulas. Von der Kehlgrubenzone zu den beiden Armansätzen folgt eine Abstandsangabe … [Der folgende Vers fehlt.]

navāṅgulastathaikonaḥ sādhana sastāṅguliḥ daśāṃgulaṃ mānaṃ stanayorapi cāntaram |
ṣoḍaśāṃguvilastāraṃ tundamadhyamudāhṛtam || 29 ||

20.29 [Nach der Lücke:] Zehn Aṅgulas beträgt auch der Abstand zwischen den Brustwarzen. Die Bauchmitte ist sechzehn Aṅgulas breit. [Eine Zusatzlesart nennt zehn.]

daśāṅgulamitam |
aṣṭādaśāṃgulā śroṇī radharodara miṣyate |
kaṭipradeśavistārastryāṅgulastārdhaviṃśatiḥ || 30 ||

20.30 Der untere Bauch- beziehungsweise Beckenbereich ist achtzehn Aṅgulas breit; für die Hüftbreite nennt die beschädigte Zahlengruppe zwanzig mit einem Halbanteil und zusätzlich drei. [Keine sichere Gesamtzahl wird eingesetzt.]

ūrumūlasya vistārassārdhaṃ satridaśāṅgulam |
agramekāṃgulaṃ sārdhadvyaṃgulaṃ madhyamiṣyate || 31 ||

20.31 Der Oberschenkelansatz ist dreizehneinhalb Aṅgulas breit. [Es folgt das Geschlechtsteil:] das Ende ein Aṅgula, die Mitte zweieinhalb,

dvyaṃgulo mūlavistāro liṅgasya samudāhṛtaḥ |
vistīrṇaṃ tryaṃgulaṃ mūlaṃ madhyamarthādhikaṃ punaḥ |
vistīrṇamagramuṣkasya dvātriṃśadyavasaṃmitam || 32 ||

20.32 der Ansatz zwei. Der Hodensack ist am Ansatz drei, in der Mitte dreieinhalb und am Ende zweiunddreißig Yavas breit.

vistīrṇamekādaśabhiraṃgulai rūrumadhyamam |
agraṃ daśabhi retasya vistīrṇaṃ kamalāsana || 33 ||

20.33 Die Oberschenkelmitte ist elf, das Ende zehn Aṅgulas breit, Lotusgeborener.

savāṃgulaṃ jānucakraṃ pārśvamardhendusannibham |
revasyāt |
mūlaṃ navāṣṭau madhyaṃ syājjaṅghāgraṃ sārdhasaptakam |
vistīrṇo nalakābhāgaḥ sārdhaiśca caturaṃgulaiḥ || 34 ||

20.34 Der Kniebereich ist neun Aṅgulas breit und seitlich halbmondförmig. Der Unterschenkel misst am Ansatz neun, in der Mitte acht, am Ende siebeneinhalb; der Schienbeinbereich viereinhalb Aṅgulas.

vistīrṇanavakābhogaḥ |
aṅghrimūlasya vistārastryaṃgulassacaturyavaḥ |
sārdhapañcāṃgulaṃ madhyamagraṃ sārdhaṣaḍaṃgulam || 35 ||

20.35 Der Fuß ist am Ansatz drei Aṅgulas und vier Yavas breit, in der Mitte fünfeinhalb, vorn sechseinhalb.

sārdhamaṣṭāṃgulaṃ mūlaṃ bāhū saptāṃgulau punaḥ |
madhyāgre tulyavistāre prakoṣṭhāvayavaḥ punaḥ || 36 ||

20.36 Der Oberarm ist am Ansatz achteinhalb Aṅgulas breit, in Mitte und Ende jeweils sieben. Der Unterarm

sārdhena saptabhirmūle vistīrṇaṃ sārdhapañcabhiḥ |
madhye caturbhiragre syānmaṇibandhasya tūcyate || 37 ||

20.37 ist am Ansatz siebeneinhalb, in der Mitte fünfeinhalb und am Ende vier Aṅgulas breit. Für das Handgelenk folgt

paṃcāgulārdhasahitaḥ tadvatkaratalaṃ smṛtam |
aṃguṣṭhe mūlavistāro dvyaṃgulo madhyamāṃguliḥ || 38 ||

20.38 ein Maß von fünfeinhalb Aṅgulas, ebenso für die Handfläche. Der Daumenansatz ist zwei Aṅgulas breit, die Mitte ein Aṅgula

saṣaḍyavaṃ tu muṣṭyagramaṃgulenaiva saṃmitam |
tarjanyāmūlavistāro navabhispaṃmito yavaiḥ || 39 ||

20.39 mit sechs Yavas; das Ende wird mit einem Aṅgula angegeben. Der Zeigefingeransatz misst neun Yavas. [Die Daumenzeile ist beschädigt; „muṣṭyagram“ wird aus dem Zusammenhang als Endmaß gelesen.]

saṣḍayavamamuṣyāgramaṅganamanvitam |
madhya mekāṃgulaṃ saptayavamagramudāhṛtam |
mūlaṃ daśayavaṃ madhmaṃ madhyamāyā yavā nava || 40 ||

20.40 Die Zeigefingermitte misst einen Aṅgula, das Ende sieben Yavas. Der Mittelfinger misst am Ansatz zehn, in der Mitte neun Yavas,

agramekāṃgulaṃ proktamitarā tarjanīsamā |
mūlamaṣṭau kaniṣṭhāyāḥ yavāssaptaikamadhyamā || 41 ||

20.41 am Ende einen Aṅgula. Der Ringfinger entspricht dem Zeigefinger. Beim kleinen Finger betragen die Breiten am Ansatz acht, in der Mitte sieben Yavas,

ṣaḍyavāṃgulamagrebhyaḥ pādonā sakhavistṛtiḥ |
yavāssaptaina madhyamam. tarjanyantaśca madhyamā |
tayośca rekhayormadhye tarjanīmūlagāminī || 44 ||

20.44 am Ende sechs Yavas; die Nagelbreite ist um ein Viertel geringer. [Nach fehlenden Nummern folgen Reste über Handlinien:] Zwischen den betreffenden Linien verläuft eine Linie zum Zeigefingeransatz; die Variante nennt den Zwischenraum von Daumen und Zeigefinger.

tarjinyāṅguṣṭhamadhyagā |
rekhā kalpyā yathāśāstraṃ śāstrābhijñena śilpinā |
lalāṭasya ca vistārassapādadvyaṃgulo bhavet || 45 ||

20.45 Die Linien lege der kundige Handwerker nach der Lehre an. Für die Stirnausdehnung werden zweieinviertel Aṅgulas genannt. [Dies ist nicht ohne Weiteres mit der Stirnbreite in Vers 24 gleichzusetzen.]

tasyādhastādbhruvau kalpyau catvāriṃśadyavāyatau |
madhye yavena vistīrṇe yūkāgre cāpasannibhe || 46 ||

20.46 Darunter gestalte man die Brauen je vierzig Yavas lang, in der Mitte einen Yava breit, an den Enden fein wie eine Yūkā und bogenförmig.

tayormadhyaṃ navayavaṃ aṣṭādaśayavāyatam |
cakṣuḥ nīnikāyāmo vistāraśca yanaḥ smṛtaḥ || 47 ||

20.47 Zwischen ihnen liegen neun Yavas. Das Auge misst achtzehn Yavas in der Länge; für den Augenwinkel werden ein Yava Länge und Breite genannt.

aṃgulaṃ śvetabimbasya vistāraṃ kṛṣṭamaṇḍalam |
yavonamaṃgulaṃ jyotistanmadhye yavasaṃmitam || 48 ||

20.48 Das weiße Augenfeld ist einen Aṅgula breit, der dunkle Kreis einen Aṅgula abzüglich eines Yava; die leuchtende Mitte misst einen Yava.

yākamānā tu tanmadhye dṛṣṭiḥ pakṣmāvalī punaḥ |
ūrdhvā samanvitā sārdhatryaṃgulā daśabhiryavaiḥ || 49 ||

20.49 Im Zentrum liegt die Pupille von Yūkā-Größe. Die obere Wimpernreihe wird mit dreieinhalb Aṅgulas und einer weiteren Zehn-Yava-Angabe beschrieben,

vistīrṇātu yavāyāmā vistārastu tadardhakaḥ |
aśītiḥ pakṣmaromāṇi vakrāgrāṇyasitāni ca || 50 ||

20.50 die einzelnen Wimpern einen Yava lang und halb so breit. Es sind achtzig Wimpernhaare, mit gebogenen Spitzen und schwarz. [Die Maßzuordnung der beiden Verse bleibt teilweise unsicher.]

tadayāmā |
dvyaṃgulaṃ cakṣuṣormadhyaṃ madhyaṃ ca śrutyapāṅgayoḥ |
catvāriṃśadyavaṃ karṇavistāro dvyaṅgulo bhavet || 51 ||

20.51 Zwischen den Augen liegen zwei Aṅgulas, zwischen Ohr und äußerem Augenwinkel vierzig Yavas. Das Ohr ist zwei Aṅgulas breit.

śrotra |
ūrdhvaṃ karṇasya cāyāmassahārdhacaturaṃgulaḥ |
nālaṃ pañcāṃgulamitaṃ vistāraṣṣaḍyavaḥ punaḥ || 52 ||

20.52 Der obere Ohrbereich ist viereinhalb Aṅgulas lang, der Nāla fünf Aṅgulas lang und sechs Yavas breit.

paścāccaturyavā nālī nālatulyaṃ caturmukha |
śramaṇasya ca pippalyāḥ madhyagartaṃ caturyavam || 53 ||

20.53 Die hintere Rinne misst vier Yavas; für das mittlere Ohrloch zwischen den als Śramaṇa und Pippalī bezeichneten Teilen werden ebenfalls vier Yavas genannt. [Die technischen Ohrbezeichnungen sind im Text beschädigt.]

hi vaipulyaṃ |
trivaktrakarṇapippalyā gallapātramiva sthitam |
bandanaṃ tryaṃgulaṃ randhraṃ netrasūtra samunnatam || 54 ||

20.54 Die Ohr-Pippalī wird mit einer dreifachen Form und einem Blatt verglichen; für die Verbindung werden drei Aṅgulas genannt. Die Öffnung liegt auf Höhe der Augenlinie. [Die Variante nennt Śrīvatsa und ein anderes Blattwort.]

śrī vatsaṃ karṇapippalyā bhallapātramava gallapatra |
samaṃ matam |
nāsikāmūlamadhyāgravistāraḥ kathyate kramāt |
aṃgulaṃ cāṃgulaṃ sārdhadvyaṃgulaṃ sacaturyavam || 55 ||

20.55 Die Nasenbreiten an Wurzel, Mitte und Spitze werden der Reihe nach mit einem Aṅgula, einem Aṅgula und einer beschädigten Angabe von zweieinhalb Aṅgulas samt vier Yavas beschrieben.

dvyaṅgulaṃ yadvā |
aṃgulenonnataṃ mūlaṃ tena sārdhena madhyamam |
dvābhyāṃ yavābhyāṃ mūlena dvyaṃgulenāgramunnatam || 56 ||

20.56 Die Nasenwurzel ist einen Aṅgula hoch, die Mitte anderthalb; die Spitze zwei, mit einer zusätzlichen Zwei-Yava-Angabe in der Hauptzeile. [Die Verteilung des Zusatzes ist unsicher.]

ṣaḍyavaṃ suṣiraṃ tasya puṭamadhyaṃ caturyavam |
puṭapārśvasya vistāro dviyavaḥ parikīrtitaḥ || 57 ||

20.57 Das Nasenloch misst sechs Yavas, die Mitte der Nasenflügel vier, deren seitlicher Bereich zwei.

utsedho'rdhāṃgulastasya nāsikā tilapuṣpavat |
uttaroṣṭhāyataṃ sārdhaṃ caturaṃgulamiṣyate || 58 ||

20.58 Dessen Höhe beträgt einen halben Aṅgula. Die Nase gleiche einer Sesamblüte. Die Oberlippe sei viereinhalb Aṅgulas lang,

vistāro'rdhāṃgulastasya paraṃ sārdhāṃgulāyatam |
vistīrṇamaṃgulaṃ tasya pālī caikayavā matā || 59 ||

20.59 einen halben Aṅgula breit; für den weiteren Lippenbereich werden anderthalb Aṅgulas Länge, ein Aṅgula Breite und ein Yava Rand genannt. [Der Bezug von „paraṃ“ ist nicht eindeutig.]

cibukoṣṭhau daśayavau vistārāyāmasaṃmitau |
cibukoṣṭādaśayavau |
gulphaṃ pādāṅgulotsedhaṃ darpaṇodarasannibham || 60 ||

20.60 Für Kinn und Lippe werden zehn Yavas in Länge und Breite genannt; die spiegelartig gerundete Wange ist einen Viertel-Aṅgula erhöht. [Die Hauptlesung schreibt „gulpha“, Knöchel, die Variante „gaṇḍa“, Wange; dem Gesichtskontext wird mit Kennzeichnung gefolgt.]

gaṇḍam |
vistīrṇāvayavau tulyau rājadantau caturyavau |
dvāttriṃśaddaśanāḥ kalpyāḥ yathāśāstroktavartmanā || 61 ||

20.61 Die beiden großen Schneidezähne sind gleichmäßig, je vier Yavas bemessen. Insgesamt gestalte man zweiunddreißig Zähne nach der Lehre.

jihvā ṣaḍaṅgulāyāmā vistīrṇā tryaṅgulā bhavet |
rekhātrayāṅkitā grīvā hikkā sūtrāt stanasthiti || 62 ||

20.62 Die Zunge ist sechs Aṅgulas lang und drei breit. Der Hals trägt drei Linien. Von der Kehlgrubenlinie bis zur Brustlage … [Der Fortgang fehlt.]

līḍhā dvyaṃgulonnatametasya sphicau tanmadhyamaṃgulam || 71 ||

20.71 [Nach einer großen Lücke:] … zwei Aṅgulas erhöht; die beiden Gesäßteile und ihre Mitte werden mit einem Aṅgula in Beziehung gesetzt. [Der Satz ist nicht zuverlässig rekonstruierbar.]

dvyaṅgulau śatametasya |
aṅgulaṃ stanayormūlaṃ madhyaṃ saptāṅgulaṃ bhavet |
agraṃ tryaṃgulavistāramūrvormūlādiṣu triṣu || 72 ||

20.72 Für den Brustansatz wird ein Aṅgula, die Mitte sieben und das Ende drei genannt. [Der Zusammenhang ist nach der Lücke unklar.] An den drei Oberschenkelstellen

aṣṭāṃgulasta |
bhavetkrameṇa vistārassārdhassatridaśāṃgulaḥ |
dvādaśāṃgulayuktasyāttathaiva dvādaśāṃgulaḥ |
jānvaṣṭāṃgulavistāraṃ sārdhamaṣṭāṃgulaṃ bhavet || 73 ||

20.73 werden der Reihe nach dreizehneinhalb, zwölf und zwölf Aṅgulas Breite angegeben. Das Knie misst acht; für die folgende Stelle werden achteinhalb genannt. [Diese Reihe weicht von Vers 33–34 ab.]

jaṅghāmadhyaṃ suvistīrṇaṃ nālikā caturaṃgulā |
caturyavādhikā caiva gulphaśca caturaṅgulaḥ || 74 ||

20.74 Die Unterschenkelmitte ist entsprechend breit, der Schienbeinbereich vier Aṅgulas und vier Yavas; der Knöchel vier Aṅgulas.

nalakā |
vistāramānaṃ triguṇaṃ sarveṣāṃ nahanaṃ matam |
abhitido vā varado mukhyo vāmetaraḥ karaḥ || 75 ||

20.75 Der Umfang gilt bei allen Teilen als das Dreifache der Breite. Die vordere rechte Hand gewährt Furchtlosigkeit oder Gabe.

stanasūtrasamaṃ kāryaṃ aṅgulāgraṃ karasya tu |
tayorbhavedantarālaṃ dvādaśāṅgulamabjaja || 76 ||

20.76 Ihre Fingerspitzen seien auf Höhe der Brustlinie; der Abstand dazwischen beträgt zwölf Aṅgulas, Lotusgeborener. [Die zwei Bezugspunkte sind nicht vollständig ausgeschrieben.]

aṃguṣṭhatarjanīmadhye sanālaṃ kamalaṃ bhavet |
varade kamalākāraṃ likhetkaratalodare || 77 ||

20.77 Zwischen Daumen und Zeigefinger kann ein gestielter Lotus liegen. In die Handfläche der Varada-Hand zeichne man eine Lotusform.

adhomukhe vāmahaste mukhye kuryādgadāṃ śubhām |
catustālāyatāṃ mūle sthūlāmagre kṛśāmṛjum || 78 ||

20.78 In die nach unten gerichtete vordere linke Hand lege man eine schöne Keule, vier Tālas lang, unten kräftig, oben schmal und gerade.

tryaṃgulaṃ mūlanahanamagre sahanamaṃgulam |
dvyaṃgulaṃ sārdhamitaradgadāmadhyaṃ caturmukha || 79 ||

20.79 Ihr Umfang beträgt am Ansatz drei Aṅgulas, an der Spitze einen und in der Mitte zweieinhalb, Viergesichtiger.

kaṭiprasavyaṃ karayorantaraṃ dvyaṅgulaṃ bhavet |
kaṭispṛśaṃ karaṃ kuryātpra savyaṃ gadayā vinā || 80 ||

20.80 Zwischen linker Hand und Hüfte liegen zwei Aṅgulas. Ohne Keule kann die linke Hand die Hüfte berühren.

uddharedbāhusīmāntamūrdhvahastau dhṛtāyudhau |
bāhuprakoṣṭhayormadhyaṃ mūlamaṣṭāṃgulaṃ bhavet || 81 ||

20.81 Die beiden oberen, waffentragenden Hände hebe man bis zur Armgrenze. Der Zwischenraum zwischen Ober- und Unterarm beträgt am Ansatz acht Aṅgulas,

madhyaṃ daśāṃgulamitamagramānaṃ mukhaṃ smṛtam |
ūrdhve hastadvayāṅguṣṭho sahānāmikayā natam || 82 ||

20.82 in der Mitte zehn und am Ende ein Gesichtsmaß. Bei den oberen Händen sind Daumen und Ringfinger gebeugt,

tarbhanīmadhyamābhyāṃ tu dhārayantaṃ tathāmbujam |
cakraṃ sudarśanaṃ vṛttaṃ dvādaśāṅgulamānakam || 83 ||

20.83 während Zeige- und Mittelfinger den Lotus beziehungsweise das betreffende Attribut halten. Den Sudarśana-Diskus gestalte man rund und zwölf Aṅgulas groß.

dhārayoccakramaṃbujam |
aṣṭāṃgulamarakṣetraṃ dvyaṃgulā cakrapiṇḍikā |
tadvatsyānnemivalayaṃ caturjvālāsamanvitam || 84 ||

20.84 Das Speichenfeld misst acht Aṅgulas, die mittlere Nabe zwei, der äußere Radreifen ebenfalls zwei; vier Flammen gehören dazu.

nābhāpubhayato jvālā triśikhāvartaśobhitā |
adhyardhadvyaṅgulotsedhā vistīrṇārdhādikāṃgulā || 85 ||

20.85 Beiderseits der Nabe befinden sich dreispitzige, wirbelförmige Flammen, mit einer beschädigten Höhenangabe von anderthalb beziehungsweise zwei Aṅgulas und anderthalb Aṅgulas Breite.

nāsā hyubhayate. tāsāmubhaya nāsāmukhaṃ yato |
arāṇi yavatulyāni netratulyāni vā punaḥ |
aṣṭau dvādaśa vā ṣaḍvā ṣaḍjvālaṃ śaṅkhamiṣyate || 86 ||

20.86 Die Speichen sind yava- oder augenbreit; es können acht, zwölf oder sechs sein. Für die Muschel werden sechs Flammen vorgesehen.

vistāro'ṣṭāṃgulastasya dvādaśāṃgulamāyatam |
pradakṣiṇāvartayutaṃ jvālāgraṃ śaṅkhacakrayoḥ || 87 ||

20.87 Sie ist acht Aṅgulas breit und zwölf lang, mit rechtsläufiger Windung. Die Flammenspitzen von Muschel und Diskus

keśāntena samaṃ yadvā netrasūtreṇa tatsam |
sārdhāṃgulāntarādūrdhvaṃ jānunī dvyaṃgulāntare || 88 ||

20.88 liegen auf Höhe des Haaransatzes oder der Augenlinie. Danach folgen eine anderthalb-Aṅgula-Abstandsangabe und zwei Aṅgulas Abstand zwischen den Knien. [Der erste Bezug ist unklar.]

jaṅghayorvaṃśatiyavamantarālaṃ praśasyate |
akṣayostryaṃgulaṃ madhyaṃ tayossaptāṃgulaṃ bhavet || 89 ||

20.89 Zwischen den Unterschenkeln werden zwanzig Yavas empfohlen, zwischen den Knöcheln drei Aṅgulas; eine weitere Sieben-Aṅgula-Angabe ist in der Hauptzeile unklar, die Variante bezieht sie auf die Brust.

madhye stanayossaptacāṅgulam |
caraṇāṃguṣṭhayormadhyaṃ navāṃgulamudāhṛtam |
ṛjusthitasya caraṇaṃ śayyāyāṃ ṛju dakṣiṇam || 99 ||

20.99 [Erstes Vorkommen der Nummer 99, zwischen 89 und 91:] Zwischen den großen Zehen liegen neun Aṅgulas. Bei der gerade stehenden Gestalt steht der Fuß gerade; auf dem Lager ist der rechte ausgestreckt,

itaratkuṃcitaṃ saptaviṃśatyaṃgulamantaram |
aṃguṣṭhayorgulphamadhyaṃ caturaṃgula miṣyate || 91 ||

20.91 der andere gebeugt. Zwischen den großen Zehen liegen siebenundzwanzig Aṅgulas, zwischen den Knöcheln vier.

jānvantarālamuditaṃ sārdhaṃ satridaśāṃgulam |
savyetarakaraṃ mauleragrāntaṃ viniveśayet || 92 ||

20.92 Der Knieabstand beträgt dreizehneinhalb Aṅgulas. Die rechte Hand lege man bis zur Kronenspitze hin,

prasārayedvāmahastaṃ ājānukamalāsana |
dakṣiṇe kamalaṃ vāme gadāṃ haste prakalpayet || 93 ||

20.93 die linke strecke man bis zum Knie aus, Lotusgeborener. Rechts kann ein Lotus, links eine Keule angeordnet werden.

bhidhyate pratimābhaṃgaistribhiretaiścaturmukha |
abhaṅgasamabhaṅgābhyāmatibhaṅgena caiva hi |
śiromadhye nāsikāgre āsyamadhye galasya ca || 94 ||

20.94 Drei Beugungsarten unterscheiden das Bild: Abhaṅga, Samabhaṅga und Atibhaṅga. [Die folgende Lotlinie verläuft:] durch Scheitelmitte, Nasenspitze, Mundmitte, Halsmitte,

madhye ca hṛdaye nābhau madhye liṅgasya vāmataḥ |
bhāgeṣaḍaṅgule corau vāme madhye ca gulphayoḥ || 95 ||

20.95 Herz, Nabel, Mitte des Geschlechtsteils, links am Oberschenkel in einem Abstand von sechs Aṅgulas und zwischen den Knöcheln.

mānataḥ |
lambayetsutramābhaṅgaṃ bhinnā ca pratimā matā |
yathokta pratimāmānā dūnā vā tribhiraṅgulaiḥ || 96 ||

20.96 Führt man die Lotschnur so, gilt die Gestalt als Abhaṅga. Sie ist gegenüber dem zuvor genannten Bildmaß um drei Aṅgulas verkürzt.

dūnaiva |
śikhāmaṇigataṃ sūtraṃ vāma pūrigamadhyagam |
vāme lalāṭe makare vāme vāme ca cakṣuṣī || 97 ||

20.97 Eine vom Scheitelstein ausgehende Lotschnur verläuft durch den linken Pūrita-Bereich, links an Stirn und Makara-Zierglied, durch das linke Auge,

pūrita |
nābhau madhye nalakayormadhye ca yadi lambayet |
samabhaṅgaviśiṣṭhā sā nyūnaiṣā caturaṅgulaiḥ || 98 ||

20.98 den Nabel und zwischen den Unterschenkeln. So ist die Gestalt durch Samabhaṅga gekennzeichnet und vier Aṅgulas kürzer. [Die linkseitigen Bezugspunkte sind teilweise beschädigt.]

nālagayoḥ |
mūrdhni vāme lalāṭe ca vāmanetrasya madhyagam |
āsyamadhye tathā nābhau dakṣiṇe gulphamadhyagam || 99 ||

20.99b [Zweites Vorkommen der Nummer 99:] Die Schnur verläuft durch den Scheitel, die linke Stirn, die Mitte des linken Auges, die Mundmitte, den Nabel und rechts durch die Knöchelmitte.

sūtraṃ pralambayedevaṃ atibhaṅgā tu sā matā |
nyūnā pañcāṅgulai reṣā pratimā pūrvamā nataḥ || 100 ||

20.100 Eine so verlaufende Lotschnur kennzeichnet Atibhaṅga. Dieses Bild ist fünf Aṅgulas kürzer als das zuvor genannte Maß.

atibhaṅgaśśayānāyāḥ praśastorāmakṛṣṇayoḥ |
ati bhaṅgaśśayānasya |
kirīṭādīnāṃmānam. |
sahajānāṃ bhūṣaṇādikirīṭānāṃ caturmukha || 101 ||

20.101 Atibhaṅga wird für liegende Gestalten sowie für Rāma und Kṛṣṇa gepriesen. Nun folgen die Maße der natürlichen beziehungsweise ergänzenden Schmuckformen und Kronen, Viergesichtiger.

bhaṅgānāṃ tu kirīṭādibhūṣaṇāṃ tathaiva ca |vakṣyāmi mānamadhunā yathātathamanukramāt |
caturviṃśāṅgulāyāmaṃ yadvā pañcadaśāṅgulam || 102 ||

20.102 Ich erkläre ihre Maße der Reihe nach: Die Krone kann vierundzwanzig oder fünfzehn Aṅgulas hoch sein. [Die Zusatzlesart nennt achtzehn oder fünfzehn.]

kariṭamathavā bhavet aṣṭā daśāṅgulāyāmaṃ yadvā paṃcadaśāṅgulam |
mūlamadhyāgranahanaṃ kirīṭasya yathākramam |
triṃśatā saptabhirdvābhyāṃ ekenāpi tathāṅgulaiḥ || 103 ||

20.103 Für den Umfang an Kronenansatz, Mitte und Spitze nennt die beschädigte Zahlenfolge dreißig sowie sieben, zwei und eins. [Die drei gesuchten Umfänge lassen sich daraus nicht eindeutig bestimmen.]

tasya madhye caturdikṣu pūritāni tathāṅgulaiḥ |
tasya madhye caturdhikṣu pūritāni prakalpayet |
śobhayecca mahāratnai ragre caikaśikhā maṇiṃ || 104 ||

20.104 In der Mitte gestalte man in den vier Richtungen Pūrita-Zierglieder, mit großen Edelsteinen geschmückt; oben einen Scheitelstein.

ragrerdheśca mahāmaṇiḥ |
caturdaśāṅgulotsedhaṃ kalpayetkeśabandhanam |
mūlapaṭṭaṃ kirīṭasya vistīrṇaṃ dvyaṃgulaṃ bhavet |
ekāṃgulamamūṣyāgraṃ tryaṃgulaṃ ca śikhāmaṇiḥ || 105 ||

20.105 Die Haarbindung ist vierzehn Aṅgulas hoch, das Kronenbasisband zwei breit, sein oberer Teil ein Aṅgula; der Scheitelstein drei.

padmamaṣṭadalaṃ kuryādadhastācca śikhāmaṇeḥ |
dvigolakāyataṃ citrairanyairapica śobhayet || 106 ||

20.106 Unter dem Scheitelstein gestalte man einen achtblättrigen Lotus von zwei Golakas Ausdehnung und schmücke ihn mit weiteren Bildmotiven.

śirasaḥ pṛṣṭhabhāge syācchiraścakraṃ tu cakravat |
vinākṛtaṃ tu jvālābhiḥ padmaṃ yadvā yathāruci || 107 ||

20.107 Hinter dem Kopf befinde sich ein Kopfnimbus wie ein Diskus, jedoch ohne Flammen; nach Wunsch auch in Lotusform.

prakalpyaṃ madhyato dāma cakre golakamāyatam |
nahasaṃ dvyaṃgulaṃ tasya nālaṃ syādgolakāyatam || 108 ||

20.108 In dessen Mitte wird ein Band oder Gehänge von einem Golaka Länge angeordnet; sein Umfang beträgt zwei Aṅgulas, der Stiel ein Golaka. [Die Gliederbezeichnungen sind knapp und unsicher.]

cakragolaka. mahāratnapariṣkṛtam |
hārantra pariṣkṛtam |
kuryācca dakṣiṇe vakṣasthasale śrīvatsamaṅgulam || 111 ||

20.111 [Nach einer Lücke:] … mit großen Edelsteinen geschmückt. Rechts auf der Brust gestalte man Śrīvatsa von einem Aṅgula

ardhādhikaṃ trikoṇaṃ ca tanmadhye kamalālayām |
dvihastāmudyadambhejadhāriṇīṃ śriyamadbhutām || 112 ||

20.112 und einer Hälfte Größe, dreieckig; in seiner Mitte die wunderbare Śrī, Lotusbewohnerin, mit zwei Händen, die erhobene Lotusse tragen,

aparābhyāṃ ca hastābhyāṃ varābhayasamanvitām |
kirīṭahārakeyurasarvābharaṇabhūṣitām || 113 ||

20.113 während zwei weitere Hände Varada und Abhaya zeigen. Sie trägt Krone, Halskette, Oberarmspangen und sämtlichen Schmuck.

kuryādgolakavistāraṃ mukhe pañcāṅgulāyatam |
triguṇaṃ brahmasūtraṃ syānnābheścāpi pradakṣiṇam || 114 ||

20.114 Ihre Breite sei ein Golaka, die vordere Ausdehnung fünf Aṅgulas. Die heilige Schnur ist dreifach und verläuft rechts um den Nabel.

ekāṃgulaṃ cottarīyaṃ netrabandhena bandhayet |
vistīrṇaṃ dvyaṅgulaṃ madhye tvagramekāṅgulaṃ bhavet || 115 ||

20.115 Das Obergewand sei einen Aṅgula [im betreffenden Teil] und durch eine Netra-Bindung befestigt; in der Mitte zwei Aṅgulas breit, am Ende einen.

muktādāmapariṣkāraṃ sarvābharaṇabhūṣitam |
kukṣibandhanamāścaryaṃ netrabandhena yojayet || 116 ||

20.116 Das wunderbare Bauchband, mit Perlenketten und reichem Schmuck versehen, befestige man ebenfalls durch eine Netra-Bindung.

muktādāma ca keyūraṃ kuryātpūritasannibham |
saptāṅgulaiśca vistīrṇaṃ nānāratnapariṣkṛtam || 117 ||

20.117 Die Oberarmspange mit Perlenketten gleiche einer Pūrita-Form, sieben Aṅgulas breit und mit verschiedenen Edelsteinen geschmückt.

mūkhāyāmaṃ ca keyūraṃ kuryāttatra pṛthādaram |
gulikāṃgulavistīrṇā āyatādvyaṃgulena ca |
gulikānāṃ trayaṃ kuryānnetrabandhena bandhayet || 118 ||

20.118 Die Oberarmspange kann ein Gesichtsmaß lang sein, mit besonderer Ausformung; drei runde Zierstücke seien je einen Aṅgula breit und zwei lang und mit einer Netra-Bindung verbunden. [Die erste technische Ergänzung ist beschädigt.]

sarvaratnapariṣkārān valayāṃ strīn prakalpayet |
ekāṅgulaparīṇāhān kaṭakaiścopaśobhitān || 119 ||

20.119 Drei mit sämtlichen Edelsteinen geschmückte Armreifen plane man, einen Aṅgula im Umfang beziehungsweise in der Ringstärke, ergänzt durch Kaṭaka-Reifen.

sauvarṇānyaṃgulīyāni bandhānekamaṇīni ca |
pariṇāho bhavetaiṣāṃ dviyavastriyavo pi vā || 120 ||

20.120 Goldene Fingerringe seien mit einzelnen Edelsteinen besetzt; ihre Ringstärke beziehungsweise ihr Umfang wird mit zwei oder drei Yavas angegeben.

madhyamāmaṅguliṃ naiva maṇḍayedaṅgulīyakaiḥ |
tryaṃgulaḥ kaṭisūtrasya vistāro ratnaśobhitaḥ || 121 ||

20.121 Den Mittelfinger schmücke man nicht mit einem Ring. Das edelsteinbesetzte Hüftband sei drei Aṅgulas breit.

madhyamaṅgulikam |
tanmadhye makarī caiva pañcāṃgulasamāyatā |
trivalī |
cuturaṃgulavistārā daṃṣṭrākuṭilamānanam || 122 ||

20.122 In seiner Mitte befindet sich eine Makarī, fünf Aṅgulas lang und vier breit, mit gebogenem, fangzahnbewehrtem Gesicht,

vṛttākṣaṃ bhrukuṭīyuktamāsyanissṛtamauktikam |
kuryānmauktikadāmāni trīṇyāgulphaṃ prakalpayet || 123 ||

20.123 runden Augen und zusammengezogenen Brauen; aus ihrem Maul treten Perlen hervor. Drei Perlenketten lasse man bis zu den Knöcheln herabhängen.

pādākalpaṃ trikaṭakaṃ dvyaṃgulaṃ pariṇāhataḥ |
nūpuraṃ ca tathā kuryātkiṅkiṇījālamaṇḍitam || 124 ||

20.124 Der Fußschmuck besteht aus drei Reifen von zwei Aṅgulas Umfang beziehungsweise Stärke; ebenso gestalte man Fußspangen mit Netzen kleiner Glöckchen.

vastraṃ ca pītapūrvaṃ tadāgulphaṃ pārśvalambitam |
kalpayedvanamālāṃ tu nānāpuṣpasamujjvalām || 125 ||

20.125 Das gelbe und weitere vorgesehene Gewand fällt seitlich bis zu den Knöcheln. Man gestalte eine Waldgirlande aus vielfältig leuchtenden Blumen,

nānāratnamayīṃ vāpi yadvā kevalapaṅkajām |
karṇataścaraṇaṃ yāvallambayedadbhutākṛtim || 126 ||

20.126 oder aus verschiedenen Edelsteinen beziehungsweise ausschließlich Lotussen. Ihre wunderbare Form lasse man vom Ohrbereich bis zu den Füßen herabhängen.

athavā vallikākārāṃ nāhataścaturaṅgulām |
pradyotanasahasrābhaṃ dyotamānaṃ ca kaustubham || 127 ||

20.127 Oder sie gleiche einer Ranke und sei vier Aṅgulas im Umfang. Den klaren Kaustubha-Edelstein, strahlend wie tausend Sonnen,

valkalākārām |
lambayedurasi svacchamindirāsodaraṃ maṇim |
rūpasyā bharaṇānāṃ ca niyamassaṃpradarśitaḥ || 128 ||

20.128 Indirās Bruder, lasse man auf der Brust hängen. Damit sind die Vorschriften für Gestalt und Schmuck dargestellt.

kalphayedurasi. na hyaśeṣeṇa rūpaṃ me pratikarmāṇi vā punaḥ |
nirmātuṃ bhavatā śakyaṃ kimutānyaiḥ kuśilpibhiḥ || 129 ||

20.129 Nicht einmal du kannst meine Gestalt oder meinen Schmuck vollständig nachbilden – wie viel weniger andere, unvollkommene Handwerker!

tenehaśeṣa rūpaṃ me |
tathāpi śāstrāṇyālocya tat jñaiśśāstraṃ vimṛśyaca |
nyūnātirekarahitaṃ bimbaṃ kuryādyathātatham || 130 ||

20.130 Dennoch soll man nach sorgfältigem Studium der Lehrwerke und Beratung mit Kundigen das Bild so angemessen wie möglich herstellen, ohne Mangel und ohne Übermaß.

Kapitel 21: Śrī und die weiteren Göttinnen

Hinweis zur Quelle: Die Nummern 42, 43, 44, 51, 52, 53, 55, 56, 57, 58, 63, 64, 65 fehlen in der Vorlage. Erhaltene Fragmente bleiben stehen.

pādmasaṃhitāyām |
ekaviṃśo'dhyāyaḥ |
śrībhagavān |
śrīyādidevīmūrtimānam |
atha śriyādi devīnāṃ nirmāṇavidhirucyate |
daśatālādinā yena tālamānena kalpyate || 1 ||

21.1 Der erhabene Herr sprach: Nun folgt die Gestaltung der Göttinnen, beginnend mit Śrī. Nach welchem Tāla-System, etwa dem Zehn-Tāla-System, [der Gott] gestaltet ist,

nirmaṇamadhunocyate. ścaturmukha |
tadanantaratālena nādhikena samena vā || 2 ||

21.2 nach dem unmittelbar folgenden, kleineren System gestalte man die Göttinnen, nicht nach einem größeren oder gleich großen, Viergesichtiger.

stathābjaja |
yāvantyo yāśca yanmānā śśriyādeśśūlayaṣṭayaḥ |
tanmānāstāśca tāvatyaḥ kathyante saṃprati kramāt || 3 ||

21.3 Die Anzahl, Art und Maße der Gerüststäbe Śrīs und der übrigen Göttinnen werden nun der Reihe nach erklärt.

pañcatālamitāyāmā vaṃśayaṣṭiścaturmukha |
vistārastryaṅgulo mūle saha ṣaḍbhiryavairapi || 4 ||

21.4 Der Rückenstab ist fünf Tālas lang, Viergesichtiger. Seine Breite am Ansatz beträgt drei Aṅgulas und sechs Yavas.

sadviṣaḍbhi |
madhyatastryaṃgula ssārdhastryaṅgulaḥ punaragrataḥ |
caturdaśāṃgulo madhye mūle pañcadaśāṃgulaḥ || 5 ||

21.5 In der Mitte ist er drei, oben dreieinhalb Aṅgulas breit. Sein Umfang beträgt in der Mitte vierzehn, am Ansatz fünfzehn Aṅgulas,

ssāṣṭa |
nāhogre vaṃśayaṣṭessyātsārdhaṃ satridaśāṃgulam |
caturaśrassuvṛtto vā daṇḍaḥ kalpyaśca śilpibhiḥ || 6 ||

21.6 oben dreizehneinhalb. Die Handwerker können den Stab viereckig oder gut gerundet ausführen.

aṅgulaissaptaviṃśatyā vakṣodaṇḍassamāyataḥ |
vistāro madhyamastasya tryaṅgulaṣṣaḍyavādhikaḥ || 7 ||

21.7 Der Bruststab ist siebenundzwanzig Aṅgulas lang und in der Mitte drei Aṅgulas und sechs Yavas breit.

aṃgulairdaśabhirnāha ssaha pañcabhiraṃgulaiḥ |
kiṃśukasyeva mukulaṃ tasyāgre dve prakalpayet || 8 ||

21.8 Sein Umfang beträgt fünfzehn Aṅgulas; an seinen Enden gestalte man zwei Spitzen wie Kiṃśuka-Knospen.

saptapaṃcabhi |
bāhumūlaṃ caturviṃśatyaṃgulāyāmamiṣyate |
tryaṃgulārdhādiko mūlavistārastasya kalpyate || 9 ||

21.9 Der Oberarmstab ist vierundzwanzig Aṅgulas lang und am Ansatz dreieinhalb Aṅgulas breit,

aṅgulo'rdhā |
tryaṃgulo madhyavistārastasyāgraṃ dvyagulaṃ bhavet |
aṣṭādaśāṃgulāyāmaḥ prakoṣṭhastasya mūlataḥ || 10 ||

21.10 in der Mitte drei, am Ende zwei. Der Unterarm ist achtzehn Aṅgulas lang,

aṅgulo |
vistārastryaṃgulo madhye dvyaṃgulassacaturyavaḥ |
dvyaṃgulogre tayormūlaśūlayossuṣiraṃ bhavet || 11 ||

21.11 am Ansatz drei, in der Mitte zweieinhalb und am Ende zwei Aṅgulas breit. Die Ansätze dieser Gerüstteile besitzen Aufnahmeöffnungen.

dvyaṅgulaṃ prota |
āyāmaḥ kaṭidaṇ‍ḍasya bhavetpañcadaśāṃgulaḥ |
vistāro madhyamastasya tryaṃgulassahaṣaḍyavaḥ || 12 ||

21.12 Der Hüftstab ist fünfzehn Aṅgulas lang und in der Mitte drei Aṅgulas und sechs Yavas breit.

nahanaṃ madhyatastasya bhavetpañcadaśāṃgulam |
ṣaḍaṃgulaḥ pārśvayaṣṭeḥ pariṇāhaḥ prakīrtitaḥ || 13 ||

21.13 Sein mittlerer Umfang beträgt fünfzehn Aṅgulas; für den Seitenstab werden sechs Aṅgulas Umfang genannt.

bhavettadvāda |
pārśvadaṇḍau kaṭivakṣaśśū layorviniyojayet |
ṣaḍviṃśatyaṃgulāyāmamuraśśūlamudāhṛtam || 14 ||

21.14 Die beiden Seitenstäbe verbinde man mit Hüft- und Brustgerüst. Für den folgenden Stab werden sechsundzwanzig Aṅgulas Länge angegeben. [Die Hauptzeile nennt Bruststab, der Anschluss an Vers 16 legt Oberschenkelstab nahe; die Abweichung bleibt markiert.]

tryaṃgulo mūlavistārastasyāgraṃ dvyaṃgulaṃ bhavet |
vistīrṇaṃ dvyaṃgulaṃ madhyaṃ śūlasya ca caturyavam || 15 ||

21.15 Sein Ansatz ist drei, sein Ende zwei Aṅgulas breit, die Mitte zwei Aṅgulas und vier Yavas.

madhyaśūlasya |
pūruśūlasamāyāmaṃ jaṅghā śūlaṃ prakalpayet |
suṣiraṃ ca tayormūlamagraṃ mithunametayoḥ || 16 ||

21.16 Den Unterschenkelstab gestalte man so lang wie den Oberschenkelstab. Beide haben am Ansatz Aufnahmeöffnungen und an den Enden passende Verbindungen.

anukta pariṇāhānāṃ triguṇaṃ nahanaṃ matam |
trayodaśavidhaṃ śūlaṃ kṛtvā pūrvoktamānakam || 17 ||

21.17 Wo kein Umfang eigens angegeben ist, gilt das Dreifache der Breite. Man fertige das dreizehnteilige Gerüst mit den zuvor genannten Maßen.

jalādhivāsādyakhilaṃ kuryārcchrīsthāpane yathā |
svātanyraica pāratanyrai ratnanyāsaphurassaram || 18 ||

21.18 Wasser-Adhivāsa und sämtliche weiteren Riten vollziehe man wie bei Śrīs Installation. Bei selbständigen wie zugeordneten Gestalten gehe die Edelsteindeponierung voraus.

kuryācchraddhāparastathā |
śūlādisthāpayedrajjuveṣṭanādi yathāpuram |
kuryādāvarṇalepāntaṃ mānāgyatha nidarśyate || 19 ||

21.19 Danach setze man das Gerüst ein und führe Schnurumwicklung und alle weiteren Schritte bis zum Farbauftrag wie zuvor aus. Nun werden die Körpermaße angegeben.

utsedhamaṃgulaśataṃ viṃśamāsthāya kathyate |
uṣṇīṣamaṅgulamitaṃ tryaṃgulaṃ ca śirobhavet || 20 ||

21.20 Als Höhe werden einhundertzwanzig Aṅgulas zugrunde gelegt. Uṣṇīṣa misst einen, der Kopfbereich drei Aṅgulas.

sārdhaṃ tribhiryavairakṣisūtrāntaṃ caturaṃgulam |
saṅgamātpuṭasūtrāntaṃ tadvadambhoruhāsana || 21 ||

21.21 Bis zur Augenlinie werden vier Aṅgulas mit einer beschädigten zusätzlichen Yava-Angabe genannt; von dort bis zur Nasenflügellinie ebenso viel, Lotusgeborener.

cibukāntaṃ puṭādarvāksapādacaturaṃgulam |
caturaṅgulamānāsyādgrīvā hikkā guṇāttataḥ || 22 ||

21.22 Von den Nasenflügeln bis zum Kinn sind es viereinviertel Aṅgulas. Der Hals misst vier; von der Kehlgrubenlinie

guṇāttathā |
trayodaśāṃgulamitaṃ stanasūtrāntamīritam |
atonu nābhisīmāstaṃ bhavetpaṃcadaśāṅgulam || 23 ||

21.23 bis zur Brustlinie dreizehn, von dort bis zum Nabel fünfzehn Aṅgulas.

śroṇī ṣaḍaṃgulāyāmā yonissārdhāṅgulitrayam |
kaṭimānaṃ bhavetsārdhaṃ tryaṅgulaṃ corurāyatā || 24 ||

21.24 Der Beckenbereich ist sechs Aṅgulas lang, die Yoni dreieinhalb; auch für den Hüftabschnitt werden dreieinhalb genannt. Der Oberschenkel

corumānakam |
aṅgulaiḥ paṃcaviṃśatyā sārdhairjaṅghā ca tatsamā |
sārdhaṃ ca tryaṅgulaṃ jānustadvadakṣatalāvadhi || 25 ||

21.25 ist fünfundzwanzigeinhalb Aṅgulas lang, der Unterschenkel ebenso. Das Knie misst dreieinhalb, ebenso der Abschnitt vom Knöchel bis zur Sohle.

sārdhaṃ satyraṅgulam |
vistāro'ṣṭāṅgulastasya dvādaśāṃgulamāyatam |
pradakṣiṇāvartayutaṃ jvālāgraṃ śaṅkhacakrayoḥ || 26 ||

21.26 [Die Vorlage schiebt hier eine Waffenmaßfolge ein:] acht Aṅgulas breit, zwölf lang, mit rechtsläufiger Windung. Die Flammenspitzen von Muschel und Diskus

keśāntena samā yadvā yadvā sūtreṇa tatsamam |
sārdhāntarāṃśunā pūrvā guñjāni dvyaṅgulāntare || 27 ||

21.27 liegen auf Höhe des Haaransatzes oder der betreffenden Linie. Es folgen eine beschädigte anderthalb-Abstandsangabe und zwei Aṅgulas Abstand zwischen den Knien.

jaṅghayorviṃśatiyavamantarālaṃ pracakṣate |
akṣayostryaṃgulaṃ madhyaṃ stanayossaptamāṃgulam || 28 ||

21.28 Zwischen den Unterschenkeln liegen zwanzig Yavas, zwischen den Knöcheln drei Aṅgulas, zwischen den Brüsten sieben.

caraṇāṃguṣṭhayormadhyaṃ navāṃgulamudāhṛtam |
akṣātparataraṃ tālamaṃguṣṭhaṃ tribhiraṃgulaiḥ || 29 ||

21.29 Zwischen den großen Zehen liegen neun Aṅgulas. Vom Knöchel aus wird ein Tāla genannt; die große Zehe ist drei Aṅgulas

ardhena cāyataṃ dhve ca tarjanī syādyavādhikā |
yavonā madhyamānye dve yavahīne yathākramam || 30 ||

21.30 und einen halben lang, die zweite einen Yava länger, die mittlere einen Yava kürzer und die beiden übrigen der Reihe nach jeweils einen Yava kürzer.

vāyataṃ tadvat |
pārṣṇipārśvaparicchodo bhavecca caturaṃgulaḥ |
gulphaṃ tathāparimitaṃ tadviṃśatyaṃgulāyatam || 31 ||

21.31 Der Fersenbereich misst seitlich vier Aṅgulas, ebenso wird der Knöchel bemessen. Eine anschließende Längenangabe von zwanzig Aṅgulas bleibt ohne sicheren Bezug.

hikkāṃ tayoradho bāhussahārdhaikonaviṃśatiḥ |
aṃgalāni prakoṣṭhaṃ syāttadāyāmaṣṣaḍaṃgulaḥ || 32 ||

21.32 Unterhalb der Kehlgrubenlinie misst der Arm neunzehneinhalb Aṅgulas. Für den Unterarm folgen eine beschädigte Zuordnung und eine Sechs-Aṅgula-Längenangabe.

hikkāntatoradho |
tadvacca madhyamā śiṣṭā sārdhapaṃca daśāṃgulā |
daśāṃgulaṃ śiromānaṃ vistāro'ṣṭāguṃlo bhavet || 33 ||

21.33 Ebenso wird der Mittelfinger genannt, für den verbleibenden Teil fünfzehneinhalb Aṅgulas. Das Kopfmaß beträgt zehn, die Breite acht Aṅgulas. [Die Hand- und Armwerte sind nicht sicher zu trennen.]

lalāṭasya puronu syādaśītiyavasaṃmitam |
aṣṭāśītiyavaṃ mānaṃ tadanantaramiṣyate || 34 ||

21.34 Vorn an der Stirn werden achtzig Yavas gemessen, am folgenden Bereich achtundachtzig.

āyāmaśśravaṇasya syāddvātriṃśadyavasaṃmitaḥ |
nālāyāmasta thācordhvaṃ pippalyā dviyavo mataḥ || 35 ||

21.35 Die Ohrlänge beträgt zweiunddreißig Yavas; für Nāla und den oberen Pippalī-Bereich folgt eine Zwei-Yava-Angabe. [Die technische Zuordnung ist beschädigt.]

nālasya mūlavistāraṣṣaḍyavaistulito bhavet |
agraṃ caturyāvaṃ grīvā mūlaṃ caiva ṣa़ṃgulam || 36 ||

21.36 Der Nāla ist am Ansatz sechs Yavas, am Ende vier breit. Der Halsansatz misst sechs Aṅgulas,

sārdhaṃ pañcāṃgu lārdhāgraṃ skaṃdhaṃ ca dvyaṃgula bhavet |
hikkāntayoradho bāhvormūlaṃ dvātriṃśadaṃgulam || 37 ||

21.37 der obere Halsbereich fünfeinhalb; die Schulter zwei. Unterhalb der Kehlgrubenlinie beträgt der Abstand der Armansätze zweiunddreißig Aṅgulas.

lairagraṃ skandhāntaṃ |
aṣṭādaśāṃgulamurastanayorapi maṇḍalam |
aṃgulaiḥ pañcadaśabhiḥ paricchinnaṃ yathātatham || 38 ||

21.38 Die Brust misst achtzehn Aṅgulas; die Rundung jeder Brust wird mit fünfzehn Aṅgulas bemessen.

navāṃgulaṃ ca vistāra utsedhaścāpi tādṛśaḥ |
dvādaśāṃgulavistārastanayormadhyamiṣyate || 39 ||

21.39 Ihre Breite beträgt neun Aṅgulas, die Höhe ebenso. Zwischen den Brüsten werden zwölf Aṅgulas angegeben. [Dies weicht von der Sieben-Aṅgula-Angabe in Vers 28 ab.]

kṛṣṇamaṇ‍ḍalavistāro dvyaṃgulaṃ caturānana |
nāhastu kukṣimadhyasya syāttrayastriṃśadaṃgulaḥ || 40 ||

21.40 Der dunkle Brustwarzenhof misst zwei Aṅgulas, Viergesichtiger. Der Umfang der Bauchmitte beträgt dreiunddreißig Aṅgulas.

śroṇīmadhyaparīṇāha ssaptapaṃcadaśāṃgulaḥ |
kaṭimadhyaparīṇāho viṃśatyā saikayāṃgulaiḥ || 41 ||

21.41 Für den Beckenumfang wird eine beschädigte Zahl mit sieben und fünfzehn genannt; der mittlere Hüftumfang beträgt einundzwanzig Aṅgulas. [Die Variante verändert die erste Zahlengruppe.]

saptasapta. maṇḍalanāhanam |
ekāṃgulaṃ cākṣavṛttaṃ madhyamaṃ nahanaṃ matam || 45 ||

21.45 [Nach einer Lücke:] ein Aṅgula für den Knöchelkreis; der mittlere Umfang wird genannt. [Der Halbvers ist laut Quellenzusatz nur in einzelnen Vorlagen vorhanden und bleibt ohne sicheren Anschluss.]

ekāṅgulaṃ ityardhyaṃ kvacideva kośe'sti |
ṣa़ḍaṃgulaṃ talāgraṃ syādutsedhaścaturaṃgulaḥ |
dvyaṃgulo'ṅguṣṭhavistārastarja nyekāṃgulā bhavet || 46 ||

21.46 Das Vorderteil des Fußes misst sechs, die Höhe vier Aṅgulas. Die große Zehe ist zwei, die zweite einen Aṅgula breit. [Die Variante bietet an letzter Stelle elf und ist offensichtlich nicht glatt anschließbar.]

nyekādaśāṃgulā |
madhyamāditarāṃgulyo yavahīnāḥ kramātpūnaḥ |
aṃguṣṭhanakhavistārastryaṃgulaḥ parikīrtataḥ || 47 ||

21.47 Die mittlere und weiteren Zehen sind der Reihe nach jeweils einen Yava schmaler. Für den Nagel der großen Zehe nennt die Hauptzeile drei Aṅgulas Breite. [Dies übersteigt die zuvor genannte Zehenbreite und bleibt als Widerspruch stehen.]

tarjanī pādahīnā nyātkramādanyā yavonnatāḥ |
aṣṭādaśāṅgulaṃ madhyaṃ mūlāṃ bāhvostrayādhikaṃ || 48 ||

21.48 Der Nagel der zweiten Zehe ist um ein Viertel geringer, die übrigen jeweils um einen Yava. Der Armumfang beträgt in der Mitte achtzehn Aṅgulas, am Ansatz drei mehr.

yavonitāḥ |
prakoṣṭhamūlanahanaṃ bhavetpaṃcadaśāṃgulam |
dvādaśāṃgulamadhyāntaṃ maṇibandho navāṃgulaḥ || 49 ||

21.49 Der Unterarmumfang beträgt am Ansatz fünfzehn, in Mitte beziehungsweise Ende zwölf; das Handgelenk neun Aṅgulas.

vistīrṇaṃ tālamadhyardhaṃ caturaṃgulamiṣyate |
aṃguṣṭhamūla madhyardhamaṃgulaṃ nakhamaṅgulam || 50 ||

21.50 Die Handfläche ist viereinhalb Aṅgulas breit; der Daumenansatz anderthalb, der Nagel ein Aṅgula. [Die Formulierung des ersten Maßes ist beschädigt.]

talamadhya | yūkakā |
antarālaṃ navayavaṃ bhruvo stryaṃgulamīkṣaṇam || 54 ||

21.54 [Nach einer Lücke:] Zwischen den Brauen liegen neun Yavas; das Auge misst drei Aṅgulas.

yūṣikā. agraṃ dvyaṅgulamadhyardhaṃ ṣaḍyavaṃ śuṣiraṃ bhavet |
āpāṅgātkarṇamūlāntaṃ catvāriṃśadyavaṃ matam || 59 ||

21.59 [Nach einer weiteren Lücke, offenbar zur Nase:] Die Spitze misst zwei, die Mitte anderthalb Aṅgulas; die Öffnung sechs Yavas. Vom äußeren Augenwinkel bis zum Ohransatz sind es vierzig Yavas.

agraṃ dvayāṃ gulaṃ madhyam |
dvyaṅgulaḥ karṇavistāro vivaraṃ ca caturyavam |
caturaṅgulamaddhardhamoṣṭhamuttaramāyatam || 60 ||

21.60 Das Ohr ist zwei Aṅgulas breit, die Öffnung vier Yavas. Die Oberlippe ist viereinhalb Aṅgulas lang.

yavavistāramadharamekāṃgulasamāyatam |
dvyaṅgulaṃ caiva vistāraṃ cibukaṃ dvyaṃgulāyatam || 61 ||

21.61 Die Unterlippe ist einen Yava breit und einen Aṅgula lang; es folgen zwei Aṅgulas Breite und ein Kinnmaß von zwei Aṅgulas. [Der genaue Wechsel der Bezugsstücke ist unsicher.]

āpīḍā nāsikāyuktā karaṇḍamukuṭānvitā |
karṇikā maṇikeyūra kaṭakatrayahāriṇī || 62 ||

21.62 Die Göttin trägt Kopfschmuck mit Nasenzier beziehungsweise Nāsikā-Glied, Karaṇḍa-Krone, Ohrschmuck, Edelsteine, Oberarmspangen und drei Armreifen. [Die erste Schmuckverbindung ist beschädigt.]

mukānāsikayā. āsane'bhayado hasto dakṣiṇo varado'paraḥ |
dakṣiṇe padmamathavā savyaḥ kaṭakamudritaḥ || 66 ||

21.66 [Nach einer Lücke:] Im Sitzen zeigt die rechte Hand Abhaya, die andere Varada; oder rechts einen Lotus, links die Kaṭaka-Geste.

asīnā |
pāratantye vidhirayaṃ svātantyaitūcyate yathā |
caturbhujāṃ jaghanyābhyāṃ hastābhyāmajjadhāriṇīṃ || 67 ||

21.67 Dies gilt für die zugeordnete Gestalt. Für die selbständige wird Folgendes erklärt: vierarmig, mit Lotusblüten in den beiden hinteren Händen,

itaḥ vasundharāviśeṇāni sarvāṇidvitīyādtāni kośāntaredṛśyanai tadā anvayomṛgyaḥ |
śaṅkhacakradharāṃ vāpi mukhyābhyāṃ varadāyinīm |
abhītidāṃ ca koṭīradhāriṇīṃ bhayavarjitām || 68 ||

21.68 oder Muschel und Diskus; die vorderen Hände gewähren Gabe und Furchtlosigkeit. Sie trägt eine Krone und ist frei von Furcht. [Ein Quellenzusatz weist darauf hin, dass die folgenden Vasundharā-Beschreibungen in anderen Vorlagen anders gebeugt sind; ihr Anschluss ist unsicher.]

pāṇimukhyābhyām |
vasundharāhvayāṃ devīṃ dvihastāṃ kanakaprabhām |
dakṣiṇābhayadāmanyahastena vasudāyinīm |
guhītadāḍimaphalāṃ yadvā vāmakareṇa vā || 69 ||

21.69 Die Vasundharā genannte Göttin ist zweiarmig und goldglänzend; rechts gewährt sie Furchtlosigkeit, mit der anderen Hand Reichtum. Oder sie hält links einen Granatapfel,

cintāratnaṃ dhārayantīṃ hemasiṃhāsane sthitām |
vāmapādena saṃspṛṣṭanidhikumbhāmalaṃkṛtām || 70 ||

21.70 beziehungsweise einen Wunschedelstein. Sie steht oder sitzt auf einem goldenen Löwenthron, geschmückt, den linken Fuß an ein Schatzgefäß gelegt,

kalpakānokahacchāyāṃ samāśritya sthitāṃ tathā |
vāme pārśve mahīṃ devīṃ dvihastāṃ śyāmalaṃprabhām || 71 ||

21.71 im Schatten eines Wunschbaums. Links gestalte man die Göttin Mahī zweiarmig und dunkelglänzend,

stanabandha vihīnāṃ vā kuṇḍalāpīḍavarjitām |
susthitāṃ savyapādena cānyena ptokakuñcitām || 72 ||

21.72 ohne Brustband beziehungsweise ohne die genannten Ohr- und Kopfschmuckstücke, auf dem linken Fuß fest stehend, das andere Bein leicht gebeugt,

vihīnaiṣā |
puṣpaṃ dakṣiṇahasteva dhārayantīṃ śucismitām |
ūrupradeśaviśrāntavāmahastā malaṃkṛtām || 73 ||

21.73 rechts eine Blume tragend, mit reinem Lächeln, die linke Hand am Oberschenkel ruhend, schön geschmückt.

sottarīyāṃ yathāyogaṃ svātantrye śrīrudāhṛtā |
yogalakṣmīstu śrīvatsaṃ bhogalakṣmī rdvipārśvayo |
vīralakṣmīstu vai śeṣaṃ pṛthagbhavanakalpanam || 74 ||

21.74 Sie trägt ein passendes Obergewand; selbständig wird sie Śrī entsprechend beschrieben. Yogalakṣmī gehört zum Śrīvatsa, Bhogalakṣmī an die Seiten des Gottes; Vīralakṣmī erhält als Besonderheit ein eigenes Gebäude.

sottarīyā yathāyogaṃ svātaṃtrye śrīsamā matā ityanyadapyardaṃ kvacidadhikamasti |
ratissarasvatī tuṣṭirdevyo devasya dakṣiṇe |
ratissisdhūra sajkāśā sphaṭikābhā sarasvatī || 75 ||

21.75 Rati, Sarasvatī und Tuṣṭi stehen rechts vom Gott. Rati ist zinnoberfarben, Sarasvatī kristallhell,

tarirviḍūra |
haritālanibhā tuṣṭiśśrīvadabharaṇādayaḥ |
pāratanyre vidhirayaṃ svātaṃtrye tūcyate vidhiḥ || 76 ||

21.76 Tuṣṭi gleicht Haritāla; Schmuck und weitere Merkmale entsprechen Śrī. Dies gilt für zugeordnete Gestalten; nun folgt die selbständige Form.

tuṣṭiḥ prāgvadā |
ratyādayaśca turhastā mukhyau syātāṃ rateḥ karau |
varadābhayadāvanyau pāśāṅguśadharau punaḥ || 77 ||

21.77 Rati und die übrigen sind vierarmig. Ratis vordere Hände zeigen Varada und Abhaya, die anderen tragen Schlinge und Stachelhaken.

mukhyau hastau sarasvatyā dakṣiṇo jñānamudritaḥ |
vijñānapustakaṃ vāme jaghanye dakṣiṇekare || 78 ||

21.78 Sarasvatīs vordere rechte Hand zeigt die Erkenntnisgeste, links trägt sie ein Buch des Wissens; in der hinteren rechten Hand

akṣasūtra dharaṃ vāme sarve vajrādayaḥ sthitāḥ |
tuṣṭeśca pūrvavanmukhyau jaghanyau śaṅkhamambujam || 79 ||

21.79 die Gebetskette. Die hintere linke Hand und die folgenden Ausstattungen sind beschädigt überliefert; die Variante nennt Gewänder statt Donnerkeile. Tuṣṭis vordere Hände sind wie zuvor, die hinteren tragen Muschel und Lotus.

dharovāme sarve vastrādayaḥ |
kīrtaḥ prītiśca śāntiśca vāme devasya saṃsthitāḥ |
vāmāṅghrayassusthitāssyarīṣadanyena kuñcitāḥ || 80 ||

21.80 Kīrti, Prīti und Śānti stehen links vom Gott, sicher auf dem linken Fuß, das andere Bein leicht gebeugt.

ūrupradeśaviśrāntā vāmāḥ puṣpadharāḥ pare |
kīrtassphaṭikavarṇābhā nīlābhā prītiriṣyate || 81 ||

21.81 Die linken Hände ruhen am Oberschenkel, die rechten tragen Blumen. Kīrti ist kristallfarben, Prīti blau. [Mit dieser Farbangabe endet das erhaltene Kapitel; die entsprechende Aussage zu Śānti fehlt hier.]

Kapitel 22: Begleitgottheiten und ihre Merkmale

Hinweis zur Quelle: Die Nummern 6, 62 fehlen in der Vorlage. Erhaltene Fragmente bleiben stehen.

pādmasaṃhitāyām |
dvāviṃśodhyāyaḥ |
parivārāṇāṃ rūpavarṇādinirūpaṇam |
śrībhagavān |
rūpaṃ varṇaṃ tathākalpaṃ hastamudrāṃ tathaiva ca |
hastasaṅkhyāṃ yathā yogamavyaccāpi caturmukha || 1 ||

22.1 Der erhabene Herr sprach: Gestalt, Farbe, Schmuck, Handgesten, die jeweils passende Anzahl der Arme und weitere Merkmale, Viergesichtiger,

adhunā parivārāṇāṃ pravakṣyāmi yathātatham |
hayagrīvaḥ |
hayagrīvaṃ caturbāhuṃ śuddhasphaṭikasannibham || 2 ||

22.2 erkläre ich nun genau für die Begleitgottheiten. Hayagrīva sei vierarmig und reinem Bergkristall ähnlich,

aśvavaktraṃ mukuṭinaṃ dhautavastrauttarīyakam |
mukhyenai kena varadaṃ dakṣiṇenetareṇa tu || 3 ||

22.3 pferdegesichtig, gekrönt, mit reinem Gewand und Obergewand. Die vordere rechte Hand gewährt Gabe, die andere

vijñānapustakadharaṃ jaghanye ca karadvaye |
akṣa sūtraṃ ca śaṅkhaṃ ca bibhrāṇaṃ supariṣkṛtam || 4 ||

22.4 trägt das Buch des Wissens; die beiden hinteren tragen Gebetskette und Muschel. [Die Variante nennt Wassergefäß und Gebetskette.]

kuṅḍikāmakṣasūtraṃ ca |
kalpayetpuruṣākāra manantaraṃ ca kirīṭinam |
bhogibhoge sukhāsīnāṃ pṛṣṭhataḥ phaṇamaṇ‍ḍalaiḥ || 5 ||

22.5 [Übergang zu Ananta:] Man gestalte ihn menschenförmig und gekrönt, bequem auf Schlangenwindungen sitzend, mit einem Haubenkranz hinter sich …

kāraṃnadantam. varadaṃ vāmahastakam |
gadādhāraṃ kaṭīdeśamanalaṃbyātha vā sthitam || 7 ||

22.7 [Nach einer Lücke:] … die linke Hand gewährt Gabe; er trägt eine Keule und kann auch mit an die Hüfte gelegter Hand stehen.

dadhānaṃśaṅkhacakrake |
jaghanyābhyāṃ ca hassābhyāṃ śaṅkha cakradharo bhavet |
garuḍaḥ |
garuḍaṃ kanakaprakhyaṃ nīlanāsāgrasaṃyutam || 8 ||

22.8 Die beiden hinteren Hände tragen Muschel und Diskus. Garuḍa sei goldfarben, mit dunkler Schnabelspitze,

dakṣiṇetaravistīrṇaṃ vicitrapṛthuvakṣasam |
daṃṣṭrākarālavadanaṃ bhrukuṭīkuṭīlekṣaṇam || 9 ||

22.9 mit ausgebreiteten Seiten beziehungsweise Schwingen und breiter, schön gestalteter Brust, fangzahnbewehrtem Gesicht und finsteren Augen,

karaṇḍikā mukuṭināṃ sarvābharaṇa bhūṣitam |
vicitrakañcukadharaṃ bhujageṃdrai ralaṃkṛtam || 10 ||

22.10 mit Karaṇḍa-Krone, sämtlichem Schmuck, buntem Obergewand und Schlangenkönigen als Zierde.

hṛdipuṣpāṃjalidharaṃ sthitamāsīna meva vā |
dakṣiṇetarayoreka pādayoḥ kuñcitaṃ bhavet || 11 ||

22.11 Vor dem Herzen hält er Blumen in Añjali; er kann stehen oder sitzen. Eines der Beine ist gebeugt,

pṛṣṭhato'nyo yathāyogaṃ yadvā padmāsanaṃ bhavet |
sūryaḥ |
mārtāṇḍaṃ dvibhujaṃ raktaṃ raktāmbaradharaṃ sthitam || 12 ||

22.12 das andere entsprechend nach hinten angeordnet; auch Lotussitz ist möglich. Den Sonnengott Mārtaṇḍa gestalte man zweiarmig, rot, rot gekleidet und stehend,

pṛṣṭhabhāge śiraścakraṃ sthāne vipulamaṇḍalam |
bibhrāṇaṃ kamaladvandvaṃ hastābhyāṃ ca kirīṭinam || 13 ||

22.13 mit großem Nimbus hinter dem Kopf, zwei Lotusse in den Händen und einer Krone.

uraḥ pradeśe vipule syamantakamahāmaṇim |
āsīnāṃ vā sukhaṃ bimbepadme'ṣṭadalasaṃyute || 14 ||

22.14 Auf seiner breiten Brust trägt er den großen Syamantaka-Edelstein. Oder er sitzt bequem auf einem achtblättrigen Lotus im Sonnenscheibenbereich,

somaḥ |
pūrvādau vārijadale meṣaprabhṛtirāśibhiḥ |
sevitaṃ kalpaye tsomaṃ dvābhyāṃ kumudadhāriṇam || 15 ||

22.15 umgeben von den Tierkreiszeichen, beginnend mit Widder, auf den Lotusblättern von Osten an. Soma gestalte man mit zwei Händen, die Kumuda-Blüten tragen. [Eine Zusatzlesart nennt stattdessen die Göttin Durgā.]

ddevīṃ durgāṃ kumudadhāriṇīm |
kāmaḥ |
kāmaṃ raktanibhaṃ raktaprasavāmbaradhāriṇam |
hastābhyāmaikṣaṃ cāpaṃ bibhrāṇaṃ sumanaśśarān || 16 ||

22.16 Kāma sei rot, mit roten Blumen und rotem Gewand; seine Hände tragen den Zuckerrohrbogen und Blütenpfeile.

caturbhujaṃ caturvaktraṃ jaṭāmukuṭadhāriṇam |
varābhayapradaṃ mukhyahastābhyāmanyahastayoḥ || 17 ||

22.17 [Ohne klare neue Überschrift folgt eine Brahmā-artige Gestalt:] vierarmig, viergesichtig und mit Flechtenkrone; die vorderen Hände gewähren Gabe und Furchtlosigkeit,

kuṇḍikāmakṣasūtraṃ ca bibhrāṇaṃ ca sukhāsanam |
gajānanaḥ |
gajānanaṃ caturbhāhuṃ lambakukṣiṃ sitaprabham || 18 ||

22.18 die anderen tragen Wassergefäß und Gebetskette; er sitzt bequem. Gajānana gestalte man vierarmig, mit herabhängendem Bauch und weißem Glanz,

karaṇḍikā mukuṭinaṃ lambayajñopavītinam |
vāmahastena mukhyena saṃgṛhītamahāphalam || 19 ||

22.19 mit Karaṇḍa-Krone und herabhängender heiliger Schnur. Die vordere linke Hand hält eine große Frucht,

itareṇa tu hastena bhagnadasantaparigraham |
aparābhyāṃ ca hastābhyāṃ pāśāṅguśa dharaṃ prabhum || 20 ||

22.20 die andere den abgebrochenen Stoßzahn; die beiden hinteren Hände tragen Schlinge und Stachelhaken.

mudāyudham varāyudham |
ṣaṇmukhaḥ |
ṣaṇmukhaṃ ca caturbāhuṃ dāḍimīkusumaprabham |
varābhayapradau makhyau jaghanyau śaktito marau || 21 ||

22.21 Den Sechsgesichtigen gestalte man vierarmig, von der Farbe einer Granatapfelblüte. Die vorderen Hände gewähren Gabe und Furchtlosigkeit, die hinteren tragen Śakti-Speer und Tomara-Wurfspieß.

kalpayecchyāmalāṃ kātyāṃ caturbhirbāhubhiḥ kramāt |
gadādharāmabhayadāṃ śaṅkhacakravarāyudhāṃ || 22 ||

22.22 Kātyāyanī gestalte man dunkel und vierarmig, mit Keule, Abhaya-Geste, Muschel und Diskus.

kanyāṃ |
hārakeyūra mukuṭanūpurādivibhūṣitām |
athavāṣṭabhujāṃ gurgāṃ dakṣiṇe doścatuṣṭaye || 23 ||

22.23 Sie trägt Halskette, Oberarmspangen, Krone, Fußschmuck und weitere Zierden. Oder Durgā sei achtarmig, rechts

kaṭaka |
abhītiśaravistriṃśa cakramaṇḍalamaṇḍitām |
vāme gadā dhanuḥ khaḍgaśaṅkhayudha dharāṃ varāṃ || 24 ||

22.24 mit Abhaya, Pfeil, Schwert und Diskus, links mit Keule, Bogen, Schwert und Muschel. [Die doppelte Schwertnennung entspricht der Hauptlesung.]

athavā dvādaśabhujāṃ viśeṣassamudīryate |
dakṣiṇe paraśuṃ śūlaṃ vāme pāśāṅguśau tathā || 25 ||

22.25 Oder sie sei zwölfarmig; zusätzlich werden rechts Axt und Śūla, links Schlinge und Stachelhaken genannt.

ghaṇṭeti pañca pūrvāṇi yadvā dvādaśabāhukām |
anuktamāyudhaṃ kalpyaṃ bhuje nyasmin catuṣṭaye || 26 ||

22.26 Dann wird eine Glocke als weiterer Gegenstand genannt. Bei einer sechzehnarmigen Ausführung, wie die Variante liest, ordne man den vier weiteren Armen noch nicht genannte Waffen zu. [Die Hauptzeile wiederholt zwölf Arme; die Zählung ist gestört.]

ṣodaśabāhukām |
dvātriṃśadapi vā hastā śastramūhyaṃ tu coditam |
dhanadaḥ |
lambodaraṃ mahākāyaṃ kalpayeddhanadaṃ tataḥ || 27 ||

22.27 Auch zweiunddreißig Hände sind möglich; die Waffen bestimme man nach der Lehre. Dhanada gestalte man großleibig mit hängendem Bauch,

śāstrābudhyāmayoditam |
niṣṭaptakanakaprakhyaṃ varadaṃ daṇḍinaṃ tathā |
dhanadasyaparivāraḥ |
tasyadakṣiṇataḥ pārśve jṛmbhalo māṇibhradrakaḥ || 28 ||

22.28 glänzend wie geläutertes Gold, Gabe gewährend und mit Stab. Rechts von ihm stehen Jṛmbhala und Maṇibhadra,

kalpyaśśaṅkhanidhiṃcaiva vāmepārśve tu kalpayet |
nalakūbaramambhejanidhiṃ ca śibikuṇḍalam || 29 ||

22.29 sowie der Muschelschatz; links Nalakūbara, der Lotusschatz und der als Śibikuṇḍala überlieferte Begleiter.

jṛmbhalo hemavarṇābho maṇibhadro maṇiprabhaḥ |
nalakūbaranāmā tu śyāma varṇaḥ prakīrtitaḥ || 30 ||

22.30 Jṛmbhala ist goldfarben, Maṇibhadra edelsteingleich, Nalakūbara dunkel.

jṛṃbhalaṃ mahābhadram |
śibiḥ kuṇḍalavān raktassarve bhītivarapradāḥ |
rudraḥ |
rudraṃ trinetramaruṇaṃ jaṭāmukuṭadhāriṇam || 31 ||

22.31 Śibi mit Ohrringen ist rot; alle gewähren Furchtlosigkeit und Gabe. Rudra gestalte man dreiäugig, rötlich, mit Flechtenkrone,

caturbhujaṃ nīlakaṇṭhamindu rekhā vibhūṣitam |
vai yyāghra carmavasanaṃ sarvābharaṇabhūṣitaṃ || 32 ||

22.32 vierarmig, blaukehlig, mit Mondsichel, Tigerfellgewand und sämtlichem Schmuck.

vataṃsakam |
karābhyāmapi mukhyābhyāṃ varadābhayadaṃ sthitam |
aparābhyāṃ ca hastābhyāṃ bhibhrāṇaṃ paraśuṃ mṛgam || 33 ||

22.33 Die vorderen Hände gewähren Gabe und Furchtlosigkeit; die anderen tragen Axt und Antilope. So steht er.

kṣetrapālaḥ |
kṣetrapālaṃ caturbhāhuṃ karaṇḍimukuṭojvalam |
daṃṣṭrākarālavadanaṃ bhrukuṭīkuṭilekṣaṇam || 34 ||

22.34 Der Feldhüter sei vierarmig, mit leuchtender Karaṇḍa-Krone, furchterregendem Fangzahngesicht und finsterem Blick.

vāme kare daṇḍadharaṃ mukhye vāmetarekare |
dadhānaṃ tarjanīmudrāṃ pāśāṅguśamamukhyoḥ || 35 ||

22.35 Die vordere linke Hand trägt den Stab, die rechte zeigt die drohende Zeigefingergeste; die hinteren tragen Schlinge und Stachelhaken.

viṣvaksenaḥ |
viṣvaksenaṃ caturbāhuṃ śyāmavarṇaṃ kirīṭinam |
lambodaraṃ ca mukhyena kareṇābhayadāyinam || 36 ||

22.36 Viṣvaksena sei vierarmig, dunkel, gekrönt und großbäuchig. Die vordere rechte Hand gewährt Furchtlosigkeit,

dakṣiṇena prasarvyena samālambya kaṭiṃ sthitam |
āsīnamaparābhyāṃ ca hastābhyāṃ śaṅkhacakriṇam || 37 ||

22.37 die linke ruht auf der Hüfte; er kann stehen oder sitzen, mit Muschel und Diskus in den hinteren Händen.

athavā pūrvakarayorgadāmekatra kalpayet |
anyatra tarjanīmudrāṃ yadvā dakṣiṇahastayoḥ || 38 ||

22.38 Oder eine vordere Hand trägt die Keule, die andere zeigt die drohende Zeigefingergeste. Eine weitere Anordnung der rechten Hände lautet:

mukhye'bhītiramukhye tu cakramanyatra hastayoḥ |
gadāṃ mukhye jaghanye tu śaṅkhaṃ ca prikalpayet || 39 ||

22.39 vorn Abhaya, hinten Diskus; links vorn Keule, hinten Muschel.

śaṅkhacakradharaṃ yadvā sthitaṃ mukhye karadvaye |
bibrāṇaṃ kṣurikāṃ vetraṃ kṛtāñjalipuṭaṃ sthitam || 40 ||

22.40 Oder er steht mit Muschel und Diskus; die vorderen Hände halten kleines Messer und Stab und sind zugleich zur Añjali-Geste verbunden. [Die Kombination der Handstellungen ist im Wortlaut knapp.]

viṣvaksenamahiṣī |
devīṃ ca viṣvaksenasya vāmapārśve pratiṣṭhitām |
nāmnā puṣpadharāṃ kuryātkamalāmiva lakṣitām || 41 ||

22.41 Seine Göttin steht links, Puṣpadharā genannt, mit Merkmalen wie Kamalā. [Die Variante nennt sie Sūtravatī.]

sūtravatīṃ |
brāhmyadimūrtayaḥ |
brāhmyadi mātarassarvā brahmādyātmīyaśaktayaḥ |
rūpavarṇāyudhādīni brahmādīnāṃ bhajanti tāḥ || 42 ||

22.42 Brāhmī und die übrigen Mütter sind die eigenen Kräfte Brahmās und der entsprechenden Götter; Gestalt, Farbe und Waffen entsprechen diesen.

vīrabhadraḥ |
rudrarūpī vīrabhadrastāsāṃ paścāt sthito bhavet |
vināyakaḥ |
prāgbhāge vighnarāṭ tāsā magraṃ cāpi bhujadvayam || 43 ||

22.43 Hinter ihnen stehe Vīrabhadra in Rudras Gestalt, vor ihnen der Herr der Hindernisse. Dessen beide vorderen Arme

śriyaṃ cāpi |
pārśvataḥ sthitayossakhyornyasya skandhe sthitaṃbhavet |
ajāmukhāḥ |
āsanna prasavāpārśve 'jāmukhāḥ puruṣāḥ sthitāḥ || 44 ||

22.44 ruhen auf den Schultern zweier seitlicher Gefährten. [Es folgt eine beschädigte Gruppe:] Seitlich bei der bevorstehenden Geburt beziehungsweise bei einem Sitz stehen Männer mit Ziegengesichtern. [Der Bezug von „āsannaprasava“ ist unsicher.]

asanaṃprasavam iti pāṭhabhedaḥ |
divyāyudhadharā hyaṣṭau svacihnāṅkitamastakāḥ |
cakrī musalavān śaṅkhī khīḍgī caiva gadādharaḥ || 45 ||

22.45 Die acht göttlichen Waffenträger tragen ihr jeweiliges Zeichen auf dem Kopf: Diskusträger, Musalaträger, Muschelträger, Schwertträger, Keulenträger,

śārṅgī padvī tathāvajrī narākārā dvipāṇayaḥ |
dakṣiṇe tarṅanīmudrā vā maḥ kaṭyavalambataḥ || 46 ||

22.46 Śārṅga-Träger, Lotusträger und Donnerkeilträger. Sie sind menschenförmig und zweiarmig; rechts zeigen sie die drohende Zeigefingergeste, links berühren sie die Hüfte.

dhanukārā |
ādityāḥ |
ādityā dvādaśa tathā tadrūpādi dineśavat |
dvihastā vasavassarvekaraṇḍamukuṭānvitāḥ || 47 ||

22.47 Die zwölf Ādityas entsprechen in Gestalt und weiteren Merkmalen dem Sonnengott. Alle Vasus sind zweiarmig und tragen Karaṇḍa-Kronen,

pitaraḥ |
daṇḍinastomaradharāḥ pitaraśca dvipāṇayaḥ |
daṇḍāyudhā vāmahaste dakṣiṇābhayadāśca te || 48 ||

22.48 Stäbe und Tomara-Wurfspieße. Auch die Ahnen sind zweiarmig, links mit Stab, rechts Abhaya gewährend.

daṇḍāyudham |
viśvedevāḥ |
karaṇḍīkāmukuṭino viśvedavāśca tādṛśāḥ |
saptarṣayaḥ |
atrirbhṛguśca kutsaśca vasiṣṭho gautamastathā || 49 ||

22.49 Die Viśvedevās sind ebenso gestaltet und tragen Karaṇḍa-Kronen. Atri, Bhṛgu, Kutsa, Vasiṣṭha, Gautama,

kāśyapaścāṅgirāścaiva ete saptarṣayaḥ smṛtāḥ |
saptarṣayaḥ kare sarve bibhrāṇā jñānapustakam || 50 ||

22.50 Kāśyapa und Aṅgiras gelten hier als die sieben Ṛṣis. Alle halten in einer Hand ein Buch des Wissens,

vijñānamudrāmanya tra jaṭāmukuṭadhāriṇaḥ |
lakṣmyā virājitā brāhmyā |
rudrapāriṣadāḥ |
rudrāsvaikādaśa smṛtāḥ || rudravat || 51 ||

22.51 mit der anderen zeigen sie die Erkenntnisgeste. Sie tragen Flechtenkronen und strahlen brahmanische Würde aus. Die elf Rudras entsprechen Rudra.

sthitāḥ |
viṣṇu pāriṣadāḥ |
kumudādyāstu viṣṇupāriṣadeśvarāḥ |
karaiścaturbhirbhibhrāṇāśśaṅkhacakragadā stathā || 52 ||

22.52 Kumuda und die übrigen Herren der Viṣṇu-Begleiter sind vierarmig und tragen Muschel, Diskus und Keule;

dakṣiṇe tarjanīmudrā pītavastrāḥ kirīṭinaḥ |
upeṃdrādayaḥ |
upendrādyaṣṭakāṃ cāpi dvihastamariśaṅkhagam || 53 ||

22.53 rechts zeigen sie die drohende Zeigefingergeste, tragen gelbe Gewänder und Kronen. Die acht, beginnend mit Upendra, seien zweiarmig mit Diskus und Muschel.

viśvādayaśca dvibhujā gadākhaḍgāstradhāriṇaḥ |
karaṇjikāmukuṭinassarvābharaṇabhūṣitāḥ || 54 ||

22.54 Viśva und die übrigen sind zweiarmig, tragen Keule und Schwert, Karaṇḍa-Krone und sämtlichen Schmuck.

aśvinau |
aśvinau sadṛśau raktau sudhākalaśadhāriṇau |
karaṇḍikāmukuṭinau dvihastau bhuṣitau bhṛśam || 55 ||

22.55 Die Aśvins sind einander ähnlich, rot, zweiarmig, reich geschmückt, tragen Karaṇḍa-Kronen und Nektargefäße.

iṃdrā di dikpālāḥ |
śyāmaḥ kirīṭī dvibhujo vāsavo vajridakṣiṇaḥ |
vāmāvalambhitakaṭi ssarvākalpa pariṣkṛtaḥ || 56 ||

22.56 Vāsava ist dunkel, gekrönt und zweiarmig; rechts trägt er den Donnerkeil, links berührt er die Hüfte. Er besitzt sämtlichen Schmuck.

jvālāmaṇ‍ḍalamadhyastho jvālano dvibhujo bhavet |
varadaśśaktihastaśca karaṇḍimukuṭojvalaḥ || 57 ||

22.57 Agni steht in einem Flammenkranz, zweiarmig, Gabe gewährend und den Śakti-Speer tragend, mit leuchtender Karaṇḍa-Krone.

vai vasvataśca dvibhujaḥ kirīṭi mecakacchaviḥ |
dakṣiṇā bhayado daṇ‍ḍī nirṛtirbhīmadarśanaḥ || 58 ||

22.58 Vaivasvata beziehungsweise Yama ist zweiarmig, gekrönt und schwarzglänzend, rechts Abhaya gewährend und mit Stab. Nirṛti ist furchterregend,

meghasacchaviḥ dakṣiṇo bhītirutkhaḍgo karaṇḍimukuṭojvalaḥ || 59 ||

22.59 rechts Abhaya gewährend und mit erhobenem Schwert, mit leuchtender Karaṇḍa-Krone. [Die Varianten verändern die Zuordnung des Schwertes.]

dakṣiṇekhaḍgamanyaccadakṣiṇo kha़ḍgamasyaḥ |
varuṇaśśyāmalaḥ pāśahasto vāme'bhayapradaḥ |
karaṃḍimukuṭaścaiva vāyurdhūmro dvibāhukaḥ || 60 ||

22.60 Varuṇa ist dunkel, trägt eine Schlinge, gewährt links Abhaya und besitzt eine Karaṇḍa-Krone. Vāyu ist rauchfarben und zweiarmig,

dvihastakaḥ |
aṅguṇo dakṣiṇe haste vāmaḥ kaṭyavalambanaḥ |
maruto vāyunā tulyāssomaspomavadiṣyate || 61 ||

22.61 rechts mit dem als Stachelhaken gelesenen Attribut, links die Hüfte berührend. Die Maruts entsprechen Vāyu, Soma dem zuvor beschriebenen Mondgott.

īśāno rudravatkalpyasteṣāṃ vāhanamucyate |
brahmādīnāṃ vāhanāni. |
haṃso vidhārū rudrasya vṛṣassūryasyaghoṭakaḥ || 63 ||

22.63 Īśāna gestalte man wie Rudra. Nun ihre Fahrzeuge: Brahmās Fahrzeug ist der Haṃsa, Rudras der Stier, das des Sonnengottes das Pferd. [Vers 62 fehlt.]

makaraśśūrpakārāteśśaktapāṇeśca barhiṇaḥ |
durgāyāḥ kesarī prokto vighnarājasya mūṣakaḥ || 64 ||

22.64 Kāmas Fahrzeug ist der Makara, das des Speerträgers der Pfau, Durgās der Löwe und das des Herrn der Hindernisse die Maus.

naro yakṣādhirājasya śunāpīrasya kuṃjaraḥ |
aghnermeṣaḥ kṛtāṃ tasya lulāyo vāhanaṃ bhavet || 65 ||

22.65 Der Yakṣakönig hat einen Menschen als Träger, Indra einen Elefanten, Agni einen Widder und Kṛtānta einen Büffel.

piśāco nirṛteryānaṃ makaro varuṇasya tu |
prāṇasya hariṇaḥ proktassa eva marutāmapi || 66 ||

22.66 Nirṛtis Fahrzeug ist ein Piśāca, Varuṇas ein Makara, Vāyus eine Antilope; dieselbe dient auch den Maruts.

mūlaparivāraberayormānabhedaḥ |
ucchrāyaṃ mūlaberasya caturdhā vibhajettataḥ |
tatraikabhāgamucchrāyaṃ parivāreṣu kalpayet || 67 ||

22.67 Man teile die Höhe des Hauptbildes in vier; ein Teil ergibt die Höhe der Begleitbilder. [Ein Zusatz nennt eine alternative Teilung, ist aber beschädigt.]

triṣvekabhāgamucchrāyaṃtridvyekatadvaika |
mānāṅgulena vā yadvā dehalabdhāṅgulena vā |
vāmāṅgulena |
aṣṭāṅgula samucchrāyaṃ dvādaśāṅgulameva vā || 68 ||

22.68 Oder man bemesse sie in gewöhnlichen oder körperbezogenen Aṅgulas mit acht oder zwölf Aṅgulas Höhe,

dviguṇaṃ vā yathāyogamucchrāyaṃ parikalpayet |
sthāne mūlapratikṛteḥ parivārāśca te sthitāḥ || 69 ||

22.69 oder dem Doppelten, je nach Bedarf. Steht das Hauptbild, stehen auch die Begleiter.

āsīnāścāsane tasya śayyāyāṃ śayanaṃ vānā |
asīnā vā sthitā vāpi kāmacārāścaturmukha || 70 ||

22.70 Sitzt es, sitzen sie; beim liegenden Hauptbild können sie liegen, sitzen oder stehen, nach Wahl, Viergesichtiger.

parivārā |
pralambaphalakāyāma ghanavistāra nirṇayam |
kathyate paṃcatālasyādāyāmo ghanamaṅgulam || 71 ||

22.71 Nun wird die Länge, Dicke und Breite der Lottafel bestimmt: fünf Tālas lang und einen Aṅgula dick.

karṇikāḥ |
ardhāyāmaṃ ca vistāraṃ kuryā ttatsukṛtaṃ yathā |
pratimāstadaṅgānāṃ kauṭilyārjavasiddhaye || 72 ||

22.72 Die Breite beträgt die Hälfte der Länge. Diese sorgfältig gefertigte Tafel dient dazu, die Geradheit und Beugung des Bildes und seiner Glieder festzustellen.

lambamānaṃ yaducchiṣṭaṃ tadardhaṃ kamalāsana |
śikhāmaṇyādisuṣiramanekaṃ tatrakalpayet || 73 ||

22.73 Das übrige Lotmaß wird halbiert, Lotusgeborener. Man versehe die Tafel mit mehreren Öffnungen für die Bezugspunkte vom Scheitelstein an.

sūtrāṇi suṣiraistaistairlambayecca pṛthaksvayam |
jānīyādārjavaṃ tena pratyaṅgamavicārayan || 74 ||

22.74 Durch diese Öffnungen lasse man gesonderte Schnüre herabhängen. So bestimme man ohne bloßes Schätzen die Ausrichtung jedes einzelnen Gliedes.

Kapitel 23: Geräte und Sitze der Verehrung

Hinweis zur Quelle: Die Nummern 4, 5, 6, 7 fehlen in der Vorlage. Erhaltene Fragmente bleiben stehen.

pādmasaṃhitāyām |
trayoviṃśo'dhyāyaḥ |
pūjopakaraṇāni |
śrībhagavān |
ārādhanopakaraṇaṃ tasya lakṣaṇameva vā |
ucyate saṃprati brahman śrūyatāṃ tadaśeṣataḥ || 1 ||

23.1 Der erhabene Herr sprach: Nun werden die Geräte der Verehrung und ihre Merkmale erklärt, Brahmā; höre sie vollständig.

ucchrāyaṃ |
lohajān dīpikāstaṃbhān caturhastasamucchrayān |
trihastānekahastānvā dvihastānvā yathābalam || 2 ||

23.2 Metallene Lampenständer fertige man vier, drei, zwei oder einen Hasta hoch, nach den verfügbaren Mitteln,

tāmrajānvā rājatīyānayugmaisnehadhāraṇaiḥ |
yugmairvā vṛttivistīrṇai rbahvaśrairvā pariṣkṛtān || 3 ||

23.3 aus Kupfer oder Silber, mit einer geraden oder ungeraden Zahl von Ölbehältern, rund oder vieleckig und schön ausgearbeitet.

tālavālān darśanīyā. rajatasyobhayabhāve śuddhatāmramayāni vā |
havirdravyapramāṇāni vṛttāni parikalpayet || 8 ||

23.8 [Nach einer Lücke:] aus Silber; wenn die beiden höherwertigen Stoffe fehlen, aus reinem Kupfer. Die runden Gefäße bemesse man nach der Menge der Opferstoffe.

rājatānyubhayā |
darvīṃ hastāyatāmagramūlayormaṇḍalākṛtim |
pānīyapātraṃ sauvarṇamathavā kaladhautajam || 9 ||

23.9 Die Schöpfkelle sei einen Hasta lang, an Ansatz und Ende rund gestaltet. Das Trinkwassergefäß bestehe aus Gold oder Silber,

vṛttāyataṃ suvṛttaṃ vā bhavedāyatameva vā |
prasthamātrapramāṇāmbhaḥ pūrayogyāntarāṃ śubhām |
prasthamātrakṛtāmjujam ityantaṃpadyadvayaṃ kvacinna |
pādamānānusāreṇa pāduke raimaye śubhe |
yadvā raupyamaye tāmramaye vā pādasanni bhe |
tadādhāraṃ ca tallohaṃ nṛttaṃmadhye kṛtāmbujam |
pādāvanejanajalagrahaṇaṃ pātramadbhutam || 10 ||

23.10 sei länglich-rund, kreisrund oder länglich und fasse einen Prastha Wasser. Die Sandalen fertige man nach dem Fußmaß aus Gold, Silber oder Kupfer, fußförmig; ihre Unterlage aus demselben Metall, rund und mit einem mittleren Lotus. Das Gefäß zur Aufnahme des Fußwaschwassers gestalte man besonders schön. [Ein Quellenzusatz meldet das Fehlen eines Teils dieser Angaben in manchen Vorlagen.]

tripādvṛttaṃ sarojābhaṃ haimaṃ rājatameva vā || 11 ||

23.11 Es sei dreifüßig, rund und lotusartig, aus Gold oder Silber,

trivṛttaṃ vā |
tāmraṃ sacakracaraṇamapi vā pāvanaṃ satām |
ācāmavārigrahaṇapātramuttamalohajam || 12 ||

23.12 oder Kupfer, gegebenenfalls mit Rädern beziehungsweise Radfüßen versehen. Das Gefäß zur Aufnahme des Ācamana-Wassers bestehe aus vorzüglichem Metall,

sarojakarṇikākāraṃ kuryādadbhutadarśanam |
kaṅkataṃ kanakaṃ rūpyamapivā ṣṭāṅgulāyatam || 13 ||

23.13 wie die Samenkapsel eines Lotus geformt und schön anzusehen. Der Kamm sei aus Gold oder Silber, acht Aṅgulas lang,

ṣa़ḍaṅgulāyataṃ yadvā tadardhāṅgulavistṛtam |
viṃśatyā daśanai ryuktaṃ bhavedubhayato mukham || 14 ||

23.14 oder sechs, mit der genannten halben Aṅgula-Breite; er habe zwanzig Zähne und sei beidseitig verwendbar.

yadvā ṣoḍaśabhirdantairaṣṭābhirvā triyaṃgulam |
sauvarṇamaṃjanakṣodabhājanaṃ puṃmṛgākṛti || 15 ||

23.15 Oder sechzehn beziehungsweise acht Zähne und ein Maß von drei Aṅgulas. Das goldene Gefäß für Augensalbenpulver sei tierförmig,

sihmākāraṃ bhavedyadvā haṃsākāramathāpi vā |
śirobilaṃ śalākā ca dvādaśāṅgulamāyatā || 16 ||

23.16 etwa wie ein Löwe oder Haṃsa, mit einer Öffnung am Kopf. Das Auftragstäbchen sei zwölf Aṅgulas lang,

aṣṭāṃgulā vā sauvarṇī bhavedubhayato mukhā |
mukhaṃ ca kesaraphalapratimaṃ saṃhataṃ bhavet || 17 ||

23.17 oder acht, golden und beidseitig verwendbar; seine kompakte Spitze gleiche einer Kesara-Frucht.

darpaṇaṃ pratimāyānaṃ tadardhaṃ vāsuśo bhanam |
vṛttaṃ kāṃsyaṃmahāratnakhacitaṃ vā yathāvasu || 18 ||

23.18 Der Spiegel sei so hoch wie das Bild oder halb so hoch, schön rund, aus Bronze und nach Vermögen mit großen Edelsteinen besetzt.

pādayuktamayuktaṃ vā mukhamānamathāpi vā |
kārtasvaramayī vṛttā rājatī vā tha pāvanī || 19 ||

23.19 Er kann einen Fuß besitzen oder ohne Fuß sein, auch ein Gesichtsmaß groß. [Es folgt ein Gießgerät:] rund, aus Gold oder Silber,

yathāvanu |
aratnimānavistārā madhye'ṣṭadalasaṃyutā |
pratipadmadalaṃ madhye suṣirāṇi śataṃ bhavet || 20 ||

23.20 einen Aratni breit, in der Mitte mit einem achtblättrigen Lotus. In jedem Lotusblatt befinden sich hundert Löcher,

karṇikāyāṃ kesareṣu viṣṭareṣu śataṃ bhavet |
aṣṭottaraśataṃ bhūyaḥ paryantadalamadhyataḥ |
khacitaṃ ca mahāratnairenaṃ dhārāsahasrakam || 21 ||

23.21 in Samenkapsel, Staubfäden und den betreffenden Flächen weitere hundert, am äußeren Blattbereich nochmals einhundertacht. Mit Edelsteinen geschmückt heißt es das Tausendstrahl-Gerät. [Die Verteilung der Hundertergruppen ist knapp; keine nicht belegte Lochsumme wird ergänzt.]

idamardhaṃkvacinna. bimbānuguṇamānaṃ vā tālamānāvarāntakam || 22 ||

23.22 Oder sein Maß richte sich nach dem Bild, mit einem Tāla als Untergrenze. [Der vorausgehende Bezug ist in den Zusatzlesarten gestört.]

śaṅkhavadmādibimbānāṃ vā nyemānā |
atha vakṣyāmi saṃkṣepātpatākālakṣaṇaṃ dvija |
aṣṭatālāyataṃ vastraṃ daśatālāyataṃ tu vā || 23 ||

23.23 Nun erkläre ich in Kürze die Fahne, Zweimalgeborener. Ein Stoffstück sei acht oder zehn Tālas lang,

athanakṣyāmisaṃskṛtya yojayet ityantaṃ kvacinna |
āyāmasamavistīrṇa kṣaumaṃ kārpāsaṃjaṃ tu vā |
suślakṣṇaṃ śobhanākāraṃ nānāvarṇavicitritam || 24 ||

23.24 ebenso breit, aus Leinen oder Baumwolle, fein, schön und mit verschiedenen Farben gestaltet.

vidhāya sūtramārgeṇa caturaśraṃ purāsamam |
vibhajya koṇasūtrābhyāṃ pūrvabhāgaṃ tu lopayet || 25 ||

23.25 Man zeichne mit der Schnur ein gleichmäßiges Quadrat, teile es durch die beiden Diagonalen und entferne den vorderen Teil.

dakṣiṇottarapāścātyairbhāgai rekasitāṃ nayet |
tasyāḥ paścimapārśve tu yaṣṭiṃ saṃskṛtyayaujayet || 26 ||

23.26 Die südlichen, nördlichen und hinteren Teile verbinde man zu einer Einheit; hinten befestige man eine sorgfältig vorbereitete Stange.

vyākoca paṅkajākāraṃ śuddamuttamalohajam |
aḍhakā pūramānāmbhaḥ pūrayogyamahābilam || 27 ||

23.27 Ein weiteres Gefäß gleiche einem geöffneten Lotus, bestehe aus reinem, vorzüglichem Metall und besitze eine große Öffnung für eine Āḍhaka-Menge Wasser,

parimāṇavaramānā |
hastadīrghajalasrāvī pārśvamānopaśobhitam |
kalpayedaparaṃ snānapātraṃ muktāpariṣkṛtam || 28 ||

23.28 mit einem einen Hasta langen Ausguss an der Seite. So gestalte man ein weiteres, mit Perlen verziertes Badegefäß.

yadvā śaṅkhanibhākāramagratojalanālakam |
dhūpapātraṃ sarojābhaṃ suvarṇādivinirmitam || 29 ||

23.29 Oder es sei muschelförmig, mit einem vorderen Ausguss. Das Räuchergefäß gleiche einem Lotus und bestehe aus Gold oder einem anderen geeigneten Stoff,

hastamānāntarālaṃ syānnālayuktaṃ tripāt dvipāt |
pādayorapi tattatsyādutsedhaścaturaṃgulaḥ || 30 ||

23.30 mit einem Hasta Ausdehnung beziehungsweise Stiellänge und drei oder zwei Füßen; deren Höhe betrage vier Aṅgulas. [Die Hauptzeile und Varianten trennen Innenmaß und Stiellänge nicht sicher.]

hastamānāyatā tālamānayuktā. sadṛśākāraśobhitam || 31 ||

23.31 [Bruchstück:] … mit entsprechender schöner Form. [Der genauere Gegenstand ist nicht erhalten.]

samudrā |
indunālaṃ tathāṅghrau ca daṇḍāgre supratiṣṭhitam |
dīpapātraṃ tathā nāḷamadhye kumudakuṭmalam || 32 ||

23.32 Stiel und Fuß seien passend geformt, die Spitze fest auf dem Stab. Ebenso gestalte man das Lampengefäß mit einer Kumuda-Knospe in der Stielmitte.

bhujanālaṃ tathāṅghau bujunālaṃtathānaṅghri |
vartyādhāraiśśatenāpi yuktamaṣṭabhireva vā |
viśatyā vāṣṭabhiścaiva dvābhyāṃ vā daśabhiścatatam || 33 ||

23.33 Es kann hundert, acht, zwanzig, achtundzwanzig, zwei oder zehn Dochtauflagen besitzen. [Die Aufzählung ist durch wiederholte Achterangaben gestört.]

aṣṭabhirvā yathāśakti kalpayecchilpavittamaḥ |
śabdabrahmamayī ghaṇṭā hastotsedhapramāṇikā || 34 ||

23.34 Oder acht, nach Vermögen; so verfahre der kundigste Handwerker. Die Glocke, als Klang-Brahman verstanden, sei einen Hasta hoch.

brahmaṇḍagolakākārassaurāṣṭrāvayavo bhavet |
adhomukhastālamānavistārotsedhasaṃmitaḥ || 35 ||

23.35 Ihr Klangkörper gleiche dem Weltenei und bestehe aus dem als Saurāṣṭra bezeichneten Material; er sei nach unten geöffnet, einen Tāla breit und hoch.

pradīpatulyasaṃsthāna stīkṣṇābhyantaratālukaḥ |
tālonadaṇḍamūle syādagre su sthitapakṣirāṭ || 36 ||

23.36 Im Innern befinde sich der schmale Klöppel, von lampenähnlicher Form. Der Griff wird mit einem Tāla-Maß beschrieben; auf seiner Spitze steht der Vogelkönig.

tālena daṇ‍ḍo |
cakrāgrāṃ paṅkajāgraṃ vā ghaṇṭaiṣā parikīrtitā |
nālabandhāścasro'nyā ghaṇṭā pratidiśaṃ kṛtā || 37 ||

23.37 Oder die Glocke besitzt oben einen Diskus oder Lotus. Vier weitere Glocken können an den Stielbindungen in den vier Richtungen angebracht werden,

etasyā meva ghaṇṭāyāṃ yadvā vittānusārataḥ |
nīrājanakriyā pātyo hemādi dravyanirmitāḥ || 38 ||

23.38 an dieser Glocke selbst, entsprechend den Mitteln. Die Schalen für den Nīrājana-Lichtritus fertige man aus Gold und weiteren geeigneten Stoffen,

tritālāyata vistrīrṇā vṛttamadhyasaroruhaḥ |
navavāsaptavā paṃca tisraścaikāpi bhavet || 39 ||

23.39 drei Tālas lang und breit, rund, mit einem mittleren Lotus; es können neun, sieben, fünf, drei oder eine sein.

balipātraṃ catustrālaṃ hemādi dravyanirmitam |
vṛttaṃ vā caturaśraṃ vā bahvaśraṃ vā yathāruci || 40 ||

23.40 Das Bali-Gefäß sei vier Tālas groß, aus Gold oder anderen Stoffen, nach Wunsch rund, quadratisch oder vieleckig.

madhyato'ṣṭadaḷāṃbhojamathavā ṣoḍaśacchadam |
dvādaśacchadasaṃ yuktamapi vā parikalpayet || 41 ||

23.41 In der Mitte gestalte man einen Lotus mit acht, sechzehn oder zwölf Blättern.

muktātapatraṃ dhavalaṃ śaśibhimbasama prabham |
sitātapatrāṇi tathā barhipatra mayāni ca || 42 ||

23.42 Ein weißer Perlenschirm glänze wie die Mondscheibe; ferner weiße Schirme und solche aus Pfauenfedern,

balipātra |
ātapatrāṇyanekāni haimadaṇḍāni padmaja |
vyajanāni ca bhūyāṃsi kalyāṇāni mahānti ca || 43 ||

23.43 viele Schirme mit goldenen Stangen, Lotusgeborener, sowie zahlreiche große, schöne Fächer.

cāmarāṇi ca śubhrāṇi ratnākalpamayāni ca |
catuṣṭa mekadaṃbhāni pūjāṅgāni yathāyatham || 44 ||

23.44 Weiße Haarwedel und mit Edelsteinschmuck versehene Geräte sollen die Verehrung passend ergänzen. [Die zwischenstehende Gerätegruppe ist beschädigt und nicht sicher benennbar.]

meghaḍaṃ |
kalpayennāga latikā dalapātraṃ ca rai mayam |
aratnimānavistīrṇaṃ tanmānotsedhadaṇḍakam || 45 ||

23.45 Ein Gefäß für Betelblätter fertige man aus Gold. Es sei einen Aratni breit; sein Ständer entspreche diesem Höhenmaß.

saparyāviṣṭaraṃ brahman hastamānonnataṃ śubham |
tadvā nyūnasamutsedhaṃ yadvā vittānusārataḥ || 46 ||

23.46 Der schöne Sitz für die Verehrung sei einen Hasta hoch, Brahmā, oder niedriger, entsprechend den Mitteln.

aratnimātra vistāraṃ tanmānāyāmakalpanam |
saṃhmapādayutaṃ yadvā hastipāda catuṣṭayam || 47 ||

23.47 Breite und Länge betragen einen Aratni; er besitzt Löwenfüße oder vier Elefantenfüße,

śārdulapādamathavā hemaratna pariṣkṛtam |
caturaśraṃ madhyaklṛpta sarasīruhacitritam || 48 ||

23.48 auch Tigerfüße, mit Gold und Edelsteinen geschmückt, quadratisch und mit einem Lotusbild in der Mitte.

sacakraṃ pīṭhasahitaṃ mārgayuktaṃ sagātrakam |
yadvā cakravinirmuktaiṃ mārge hastaiḥ pariṣkṛtam || 49 ||

23.49 Er kann Räder, Sockel, seitliche Führung und tragende Glieder besitzen; oder ohne Räder sein und an den Seiten mit Haṃsas geschmückt. [Die Hauptlesung hat hier „Hände“, die Variante „Haṃsas“.]

haṃsaiḥ |
tapanīyyamayaṃ yadvā rajatādivirmitam |
dārujaṃ vā maṇicchannaṃ svarṇa paṭṭairvirājitam || 50 ||

23.50 Er bestehe aus Gold, Silber oder weiteren Stoffen, auch aus Holz, mit Edelsteinen bedeckt und goldenen Platten geschmückt.

paṭṭapariṣkṛtam |
snānāsanaṃ ca pūrvoktavistārotsedhasaṃmitaṃ |
dviguṇaṃ cāyataṃ klaptaṃ makarāsyāmbunālakam || 51 ||

23.51 Der Badesitz habe die zuvor genannte Breite und Höhe, die doppelte Länge und einen Ausguss in Form eines Makaramauls.

dviguṇāsyaṃ kagamaya |
caturaṅgulaparyantaṃ tālotsedhavirājitam |
kuryāccapūrva vattasya darśanīyamanuttamam || 52 ||

23.52 Für Rand beziehungsweise Fuß folgen vier Aṅgulas und ein Tāla Höhe; die Gestaltung sei wie zuvor schön und vorzüglich. [Die Maßbezüge sind im beschädigten Vers nicht eindeutig.]

caraṇaṃ |
alaṅgārāsanaṃcāpi pūrvo ktacaraṇai ryutam |
dviguṇāyāmavistāraṃ hemaratna vibhūṣitam || 53 ||

23.53 Der Sitz zum Schmücken des Bildes besitzt die zuvor genannten Füße, doppelte Länge und Breite sowie Gold- und Edelsteinschmuck.

pādahīnaṃ catustāla vistāraṃ dviguṇāyatam |
ghanaṃ ca dvyaṃgulaṃ tasya bhojanāsanamīritam || 54 ||

23.54 Der Speisesitz hat keine Füße, ist vier Tālas breit, doppelt so lang und zwei Aṅgulas dick.

yātrāsanaṃ ca vistīrṇaṃ dvihastaṃ hrasvapādakam |
dviguṇaṃ cāyataṃ tasya sālaṃ tālonnataṃ bhavet || 55 ||

23.55 Der Reisesitz ist zwei Hastas breit, doppelt so lang und kurzfüßig; seine Umfassung ist einen Tāla hoch.

yānaviṣṭarasālasya madhye dvāraṃ prakalpayet |
avatārakathopetaṃ hemaratnapariṣkṛtam || 56 ||

23.56 In der Mitte der Umfassung plane man einen Eingang. Sie werde mit Geschichten der Avatāras sowie Gold und Edelsteinen geschmückt.

āsanāni yathoktāni lohajāni caturmukha |
dārujāni yathālābhaṃ kalpayecchilpavittamaḥ || 57 ||

23.57 Die beschriebenen Sitze fertige der kundige Handwerker nach Verfügbarkeit aus Metall oder Holz, Viergesichtiger.

yadvā sanānāmāyāmo vistāraśconnatistathā |
arcāpramāṇānuguṇaṃ kalpayediti nirṇayaḥ || 58 ||

23.58 Oder Länge, Breite und Höhe der Sitze richte man nach dem Maß des Kultbildes; so lautet die Festlegung.

yatrāsanaṃ rathaṃ vāpi kuryādvittānusārataḥ |
sitāsitāruṇāmiśratukulaparikalpitān || 59 ||

23.59 Reisesitz oder Wagen gestalte man entsprechend den Mitteln. Aus weißen, schwarzen, roten oder gemischtfarbigen feinen Stoffen fertige man

dhvajān kārtasvaramayai rdaṃḍai ścāpi virājitān |
vāhanāni ca devānāṃ daṇḍāgre parikalpayet || 60 ||

23.60 Banner mit goldenen Stangen; an deren Spitzen gestalte man die Fahrzeuge der Gottheiten.

ścaparikalpitān |
plākṣānvā vaiṇavān daṇḍān kevalānparikalpayet |
jaladroṇīṃ kaṭāhaṃ ca hemādi dravyanirmitam || 61 ||

23.61 Auch schlichte Stangen aus Plakṣa-Holz oder Bambus sind möglich. Wasserwanne und Becken fertige man aus Gold und weiteren geeigneten Stoffen,

lākṣā |
agādhamabhiṣekārthaṃ devasya parikalpayet |
nānāvidhāni vādyāni vīṇādīni ca kalpayet || 62 ||

23.62 nicht tief, für das rituelle Bad des Gottes. Verschiedene Instrumente wie Vīṇās richte man ebenfalls her.

arghyapādyādi pātrāṇāṃ pātramānānusārataḥ |
caraṇāni suvarṇādi dravyaklaptāni kārayet || 63 ||

23.63 Die Füße beziehungsweise Ständer der Arghya-, Pādya- und übrigen Gefäße bemesse man nach den Gefäßen selbst und fertige sie aus Gold oder anderen geeigneten Stoffen.

Shiva als Nataraja: ein Vergleichsbild aus śivaitischer Tradition zur Bedeutung einer Mūrti.

Der Kriyāpāda in einfachen Worten

Einen Ort der Verehrung bereiten

Ein Heiligtum beginnt in diesen Kapiteln lange vor dem ersten fertigen Götterbild. Es beginnt damit, einen Ort aufmerksam wahrzunehmen. Wie liegt der Boden? Welche Umgebung trägt ihn? Wie soll ein Bau in die vorhandene Siedlung eingefügt werden? Wer baut, mit welchen Mitteln und unter welcher geistigen Leitung? Solche Fragen stehen am Anfang, weil der Tempel kein isolierter Gegenstand ist. Er gehört zur Erde, zu den Menschen und zu einer umfassenden göttlichen Ordnung.

Der Ācārya bereitet sich selbst vor, ehe er den Ort vorbereitet. Reinigung, Atemregulierung und Nyāsa verbinden die äußere Aufgabe mit seiner Sammlung. Er soll die Handlungen kennen und sie bewusst ausführen. Der Boden wird geprüft und bearbeitet, das Pflügen wird mit einer Widmung verbunden. In dieser Verbindung bleibt das Handwerk wirkliches Handwerk. Das Ritual nimmt ihm die Notwendigkeit sorgfältiger Arbeit nicht ab. Es gibt ihr eine religiöse Richtung.

Die Erde wird als Trägerin des Lebens angesprochen. Die Bitte bei der Grundlegung lässt sie als Gegenüber erscheinen, das die Gabe aufnehmen möge. Das Bauwerk soll auf einer tragfähigen Beziehung ruhen. Die Krüge und Einlagen der Gründung verbinden Stoffe aus verschiedenen Naturbereichen mit göttlichen Kräften. Der Tempel steht dadurch symbolisch in einer größeren Welt, deren Reichtum sich in seiner Grundlegung sammelt.

Die vielen Regeln über geeignete Orte, Zeichen und Voraussetzungen gehören zur historischen Welt des Werkes. Sie sind nicht sämtlich mit heutigen Erkenntnissen über Boden, Gesundheit oder Gesellschaft gleichzusetzen. Dennoch ist die Grundbewegung des Abschnitts verständlich: Ein bedeutendes Werk verdient Vorbereitung, und der Ort verdient Aufmerksamkeit. Wer den Tempel nur als fertige Fassade betrachtet, übersieht die unsichtbare Arbeit, auf der er ruht.

Die Mittel gehören zum Werk

Eine besonders klare Aussage betrifft die Herkunft der Mittel. Rechtmäßig erworbene Mittel tragen nach dem Text bleibende Frucht; ungerecht erworbene Mittel verlieren ihre heilsame Wirkung. Das religiöse Ziel macht die Herkunft des Besitzes nicht bedeutungslos. Der Bau soll nicht auf Unrecht gegründet werden. Dazu passt, dass man andere heilige Bauten nicht einfach ihrer Baustoffe berauben darf, um den eigenen Tempel auszustatten.

Diese Passage ist auch ohne Kenntnis der vielen Baumaße zugänglich. Die Art, wie etwas entsteht, gehört zu seinem Wert. Großzügigkeit ist nicht allein an der Größe des Ergebnisses zu erkennen. Sie betrifft auch die Weise des Gebens und die Beziehungen, die dabei bestehen. Ein prächtiges Heiligtum lässt sich im Verständnis der Quelle nicht von den Handlungen trennen, durch die es ermöglicht wurde.

Auch die vorläufige Kultstätte während der Bauzeit ist bedeutsam. Die Verehrung muss nicht warten, bis jede äußere Form vollendet ist. Ein geeigneter vorläufiger Ort hält den Zusammenhang von Bauarbeit und Gottesdienst lebendig. Die spätere Größe des Tempels hebt diese frühe Einfachheit nicht auf. Sie wächst aus ihr heraus.

Für heutige Leser kann darin eine Anregung liegen, eine ehrliche Praxis schon unter einfachen Bedingungen zu beginnen. Man muss nicht zunächst einen vollkommen eingerichteten Raum besitzen. Diese Folgerung ist eine heutige Übertragung; die Quelle selbst beschreibt konkrete vorläufige Heiligtümer und ihre rituelle Einrichtung.

Raum bekommt eine Richtung

Mit der Ausrichtung des Bauplatzes wird aus einer offenen Fläche ein gegliederter Raum. Himmelsrichtungen, Mitte, Eingänge, Umfassungen und Wege erhalten bestimmte Aufgaben. Die Ordnung soll die Bewegung der Menschen und die Stellung der Gottheiten zusammenführen. Wer sich im Tempel bewegt, durchläuft eine gestaltete Folge von Bereichen. Das Innere steht in Beziehung zum Äußeren; es wird durch die umgebenden Räume vorbereitet.

Die Kapitel über Sockel, Wände, Dachglieder und Abschlüsse zeigen eine große Freude an differenzierter Form. Ein Sockel ist keine beliebige Steinmasse, sondern eine Folge verschiedener Glieder. Ein Tempelabschluss ist nicht bloß ein Dach, sondern ein geordneter Aufbau. Die Namen und Varianten machen deutlich, dass die Tradition mehrere Gestaltungsweisen kannte. Sie ordnet sie nach Maßen, Proportionen und Funktionen.

Manche überlieferte Maßreihen sind beschädigt. Darum kann die Übersetzung nicht aus jeder Passage eine zuverlässige Bauzeichnung machen. Das ist eine Grenze der erhaltenen Textgestalt. Gerade bei technischen Anweisungen wäre eine glatte Ergänzung besonders irreführend: Ein einziges falsch ergänztes Zahlwort könnte die ganze Konstruktion verändern. Die gekennzeichneten Unklarheiten bewahren deshalb die Unterscheidung zwischen dem, was überliefert ist, und dem, was sich nur vermuten ließe.

Trotz dieser Grenzen ist das größere Anliegen sichtbar. Der Tempel soll in seinen Teilen zusammenstimmen. Proportion bedeutet hier, dass ein Teil nicht ohne Beziehung zum Ganzen gestaltet wird. Für den heutigen Leser kann dies eine Schule der Aufmerksamkeit sein: Sorgfalt zeigt sich auch an Übergängen, Trägern und unscheinbaren Verbindungen, nicht nur an den hervorgehobenen Mittelpunkten.

Ein Heiligtum hat ein Umfeld

Die Umfassungen, Hallen und Begleitstätten führen über das zentrale Gebäude hinaus. Ein Tempel braucht Zugänge und Bereiche für unterschiedliche Tätigkeiten. Seine Gestalt nimmt die Versammlung, die Bewegung und den Dienst auf. Dadurch erscheint Verehrung als etwas, das Menschen gemeinsam tragen. Das Heiligtum ist mehr als die einzelne Begegnung eines Menschen mit einem Bild.

Die Begleitgottheiten und Richtungshüter stellen den zentralen Gott in ein Beziehungsgefüge. Die Mitte bleibt Mitte, doch die Ränder werden nicht bedeutungslos. Torhüter markieren Übergänge, weitere Gestalten erhalten ihre Orte, und die äußeren Bereiche werden in die sakrale Ordnung einbezogen. Diese Anordnung ist in der Quelle konkret und verbindlich gedacht; sie sollte nicht unterschiedslos in psychologische Symbole verwandelt werden.

Als heutige Betrachtung kann man dennoch fragen, was den eigenen Raum der Sammlung trägt. Dazu gehören verlässliche Zeiten, ein geordneter Alltag und Menschen, die eine Praxis unterstützen. Solche Fragen sind keine versteckten Übersetzungen der Richtungsgottheiten. Sie entstehen im Gespräch mit dem Gedanken, dass eine Mitte durch ein tragfähiges Umfeld gestützt wird.

Vom Material zur Gestalt

Mit den Kapiteln über die Götterbilder verlagert sich der Blick auf Material und Körperform. Stein, Holz, Metall und modellierte Stoffe verlangen unterschiedliche Verfahren. Das Werk kennt tragende Gerüste, Sockel, Schlangenlager, Überzüge und Farbgebung. Die sichtbare Gestalt hat einen Herstellungsprozess, der verstanden und sorgfältig ausgeführt werden muss.

Ein Götterbild entsteht damit nicht allein aus einer inneren Vorstellung. Die Vorstellung braucht Hände, Werkzeuge und Kenntnisse. Der Handwerker erhält eine wichtige Aufgabe, weil die Form dem Gegenstand der Verehrung angemessen sein soll. Zugleich wird das Bild nicht schon durch kostbares Material zum fertigen Ort des Kultes. Die spätere Weihe, die der zweite Teil behandelt, gehört wesentlich hinzu.

Die Maße des Körpers sind Proportionssysteme. Gesicht, Rumpf, Arme, Hände, Beine und Schmuck werden aufeinander bezogen. Es geht nicht um die zufällige Vermessung eines einzelnen Menschen. Die Gestalt soll einen bestimmten Ausdruck tragen und in ihren Teilen zusammenpassen. Das erklärt die große Genauigkeit der Angaben, auch dort, wo sie dem heutigen Leser zunächst trocken erscheinen.

Solche Genauigkeit kann als Form der Hingabe verstanden werden, sofern man diesen Deutungsschritt offenlegt. Wer etwas für einen geliebten Menschen bereitet, achtet auf Einzelheiten; analog lässt sich die Sorgfalt für ein Gottesbild als Aufmerksamkeit der Verehrung lesen. Die Quelle selbst gibt zunächst handwerkliche und ikonographische Regeln. Die innere Haltung erschließt sich aus ihrem religiösen Zusammenhang.

Stehen, Sitzen und Ruhen

Die verschiedenen Körperhaltungen des Gottes zeigen unterschiedliche Weisen seiner Darstellung. Stehende, sitzende und liegende Gestalten brauchen jeweils eigene Proportionen und Begleiter. Eine ruhende Gestalt ist nicht einfach ein stehendes Bild, das zur Seite gelegt wurde. Die gesamte Komposition verändert sich. Das Schlangenlager, die Stellung der Göttinnen und die Verteilung der weiteren Gestalten gehören zu diesem Zusammenhang.

Auch die Hände und ihre Gegenstände sind bedeutungstragend. Muschel, Diskus, Keule, Lotus und weitere Attribute helfen, Gestalten zu unterscheiden. Die Quelle beschreibt nicht nur ein einziges unveränderliches Bildschema. Sie entfaltet eine Vielzahl göttlicher Erscheinungsweisen und ordnet ihnen charakteristische Merkmale zu.

Für die Betrachtung eines Bildes eröffnet dies eine langsamere Art des Sehens. Man kann bei Haltung, Händen und Blick verweilen, statt nur einen Namen zu erkennen. Was zeigt diese Gestalt? Welche Handlung, welche Ruhe, welche Beziehung tritt hervor? Eine solche Betrachtung braucht keine Behauptung, dass jedes Detail bereits vollständig verstanden sei. Sie kann gerade mit einer offenen, lernenden Aufmerksamkeit beginnen.


Viele Erscheinungen, eine Mitte

Die Avatāras erweitern das Bild Viṣṇus. Fisch, Schildkröte, Eber, Menschlöwe, Zwerg und die weiteren Gestalten zeigen, dass die göttliche Gegenwart nicht auf eine einzige Körperform begrenzt wird. Die Darstellungen greifen unterschiedliche Erzählzusammenhänge auf. Rettung, Tragen, Wiederherstellung und Schutz erscheinen in verschiedenen Bildern.

Die Kapitel schildern auch machtvolle und furchterregende Gestalten. Wer sie liest, sollte ihre erzählerische und kultische Funktion beachten. Sie sind nicht ohne Weiteres Handlungsanweisungen für das Verhalten eines Menschen. Der Text lässt göttliche Macht sichtbar werden, während die heutige spirituelle Einordnung zusätzlich nach der Haltung des Verehrers fragt.

Die Pāñcarātra-Ordnung der göttlichen Gestalten und Vyūhas gehört zum weiteren Zusammenhang. Vāsudeva und die mit ihm verbundenen Erscheinungsweisen bilden keine zufällige Sammlung. Die Gestaltvielfalt wird in eine Ordnung gebracht, in der der zentrale Gott in unterschiedlichen Beziehungen erfahrbar sein soll. Die philosophische Erörterung dieser Zusammenhänge steht im Jñānapāda; hier wird sie in Bilder und Räume übersetzt.

Die Verbindung der Werkbereiche ist deshalb wichtig. Wer nur die Maße liest, könnte die Bilder für bloße Formen halten. Wer nur die Philosophie liest, könnte übersehen, wie sehr die Tradition Erkenntnis, Verehrung und gemeinsames Handeln zusammenführt. Der Kriyāpāda zeigt, wie eine Lehre eine sichtbare Gestalt und einen begehbaren Ort erhält.

Göttinnen und Begleiter

Die Göttinnenkapitel geben Śrī, Bhū und weiteren Gestalten eigene Merkmale. Ihre Körperhaltung, Kleidung, Attribute und Stellung zum Gott werden sorgfältig beschrieben. Sie sind Bestandteil des ausgearbeiteten Bildprogramms. Auch hier ist die genaue Gestalt nicht durch eine allgemeine Rede von „Energie“ ersetzbar; die Quelle unterscheidet konkrete Gottheiten und Funktionen.

Die Begleiter erweitern den Kreis der Verehrung. Garuḍa, Torhüter, Ṛṣis und weitere Gestalten haben ihren jeweiligen Ort. Dadurch kann ein einzelnes Hauptbild in eine größere Darstellung eingebettet werden. Das Heiligtum erinnert an Beziehungen und Erzählungen, nicht nur an einen isolierten göttlichen Körper.

Eine heutige spirituelle Betrachtung kann daran die Bedeutung von Verbundenheit wahrnehmen. Hingabe geschieht in Beziehungen: zur gewählten Gottesgestalt, zur Lehre, zu Lehrenden und zur Gemeinschaft. Diese allgemeine Anregung darf die Unterschiede der historischen Gestalten nicht verwischen. Sie lädt vielmehr dazu ein, zunächst wahrzunehmen, wie reich die Quelle ihre Beziehungen ausarbeitet.

Auch die Geräte tragen die Verehrung

Am Ende des ersten Teils stehen Geräte und Sitze. Damit richtet sich die Aufmerksamkeit auf Dinge, die leicht als bloße Nebensachen erscheinen. Gefäße, Lampen, Sitzgelegenheiten und weitere Ausstattungsstücke ermöglichen die regelmäßigen Handlungen. Ihre Maße und Materialien stehen im Dienst der konkreten Verehrung.

Das ist ein passender Abschluss der Herstellungs- und Ausstattungslehre. Der große Tempel und das kleine Gefäß gehören zu derselben Aufgabe. Beide sollen brauchbar, angemessen und sorgfältig bereitet sein. Die religiöse Mitte hebt die alltäglichen Handgriffe nicht auf; sie gibt ihnen einen Zusammenhang.

Der zweite Teil wird zeigen, wie die vorbereiteten Bilder und Gegenstände geweiht werden. Dort treten Mantra, Herbeirufung, geistige Auflösung und Neuschöpfung, Gebet und Fest stärker hervor. Die Grenze zwischen den beiden Teilen ist deshalb inhaltlich begründet: Hier steht das Bereiten der Gestalt im Vordergrund, dort ihre rituelle Einsetzung.

Spirituelle Bedeutung für Yoga-Aspiranten

Wer Yoga übt, muss die Bauvorschriften nicht als persönliche Pflicht übernehmen. Der Text kann dennoch die Aufmerksamkeit vertiefen, mit der ein Übungsraum, ein Altar oder eine gemeinsame Aufgabe gestaltet wird. Ein klarer, gepflegter Ort kann Sammlung unterstützen. Seine äußere Ordnung ersetzt die innere Übung nicht, kann ihr aber dienen.

Eine konkrete heutige Anregung ist, vor der Meditation einen kleinen Bereich bewusst herzurichten: reinigen, das benötigte Material bereitlegen und die Absicht der Übung erinnern. Dies ist eine moderne Übung der Achtsamkeit, keine verkürzte Tempelweihe. Ebenso kann die Aussage über rechtmäßig erworbene Mittel dazu anregen, bei einem spirituellen Vorhaben nach Herkunft, Fairness und Umgang mit den Beteiligten zu fragen.

Der erste Teil des Kriyāpāda lädt so zu einer Hingabe ein, die sich auch in sorgfältigem Handeln zeigt. Ein Raum wird nicht allein durch seine Schönheit bedeutsam. Bedeutung wächst aus der Widmung, der wiederkehrenden Praxis und den Beziehungen, die darin gelebt werden. Diese Deutung bleibt an den Grundgedanken des Textes orientiert, ohne seine historischen Einzelvorschriften unterschiedslos auf die Gegenwart zu übertragen.

Weiterlesen und Praxis

Kapitel 24–32: Weihe, Gegenwart und Hausverehrung · Yoga und innere Sammlung · Erkenntnislehre

Bhakti Yoga

27.10.2026 - 27.10.2026 Mantra-Konzert mit Shamana OM

Konzert mit Shamana OM
Shamana OM
31.10.2026 - 31.10.2026 Mantra-Konzert mit Gruppe Mudita

Konzert mit der Gruppe Mudita
Gruppe Mudita

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Im Gespräch mit anderen Tantra-Schriften

Kamika Agama und Ajita Agama sind besonders passende Vergleichstexte für Tempel, Götterbilder und sakrale Ausstattung. Sie entfalten diese Themen in śivaitischer, die Padma Samhita in vaiṣṇavischer Ausrichtung. Ähnliche Gegenstände bedeuten deshalb keine überall gleichen Maße oder Rituale. Die Jayakhya Samhita eröffnet den Vergleich innerhalb des Pāñcarātra. Für dein Studium kann eine gemeinsame Frage leitend sein: Wie erhält die göttliche Gegenwart einen begehbaren Raum und eine sichtbare Gestalt?

Siehe auch

Die Padma Samhita lesen: Werküberblick · Yogapāda · Jñānapāda · Kriyāpāda 1–23 · Kriyāpāda 24–32 · Caryāpāda 1–28 · Caryāpāda 29–33 · Kriyāpāda in Devanagari · Caryāpāda in Devanagari · 108 Lesestellen und Mantras.

Veröffentlichte Tantra- und Āgama-Artikel zum Weiterstudieren:

Die Bezüge erläutern gemeinsame Fragen und unterschiedliche Antworten. Sie setzen weder dieselbe Ritualordnung noch eine nachgewiesene historische Abhängigkeit voraus.


Sorgfalt als Ausdruck der Hingabe

Ein heiliger Ort muss in deinem Alltag nicht groß sein. Ein sauberer Platz, eine bewusst bereitgelegte Matte und eine freundliche Haltung können den Anfang bilden. Die Tempelkapitel erinnern daran, wie viel Aufmerksamkeit im Vorbereiten liegt. Nimm diese Sorgfalt mit in deine nächste Aufgabe und würdige auch die Arbeit der Menschen, die sie ermöglichen. Darin kann Karma Yoga lebendig werden.

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