Padma Samhita 108 Inspirierende Verse und Mantras

Aus Yogawiki

108 inspirierende Stellen aus der Padma Samhita laden dazu ein, Yoga, Bhakti, Erkenntnis und gelebte Verehrung miteinander zu verbinden. Die Auswahl umfasst genau 108 nummerierte Lesestellen: je 27 aus den vier Pādas. Wo ein Gedanke über Versgrenzen hinwegführt, werden mehrere zusammengehörige Verse als eine Lesestelle wiedergegeben. Es handelt sich deshalb um 108 ausgewählte Stellen, nicht um exakt 108 einzelne Ślokas.

Du musst nicht alles auf einmal lesen. Wähle eine Stelle, die dich anspricht, und gib ihr heute Raum: vor der Meditation, bei einer bewussten Pause oder am Abend. Frage dich, wie aus dem gelesenen Wort eine freundliche Handlung, mehr Geduld oder ein tieferes Vertrauen werden kann. So wird die Auswahl zu einem Begleiter deiner eigenen Praxis.

Die Texte sind deutsche Übersetzungen der angegebenen Fundstellen, keine frei erfundenen Sinnsprüche. Einzelne Passagen bewahren historische Vorstellungen über Lehrer, Einweihung und rituelle Praxis. Unsichere Lesungen werden knapp erläutert. Die Auswahl ersetzt weder die vollständigen Werkbereiche noch ihre Quellenanmerkungen.


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Gemeinsames Mantrasingen lässt Worte zu einer lebendigen Hinwendung werden.

Yogapāda

1. Der erhabene Herr sprach: Die Bindung eines unzerstreuten Geistes an einen Gegenstand heißt Yoga, o Viergesichtiger. Dieser Yoga ist von zweierlei Art.
Quelle: Yogapāda 1.3.

2. Den Geist beständig bei den vorgeschriebenen Handlungen zu halten, mit der Haltung „Diese Handlung soll getan werden“, nennt man Karma Yoga.
Quelle: Yogapāda 1.4.

3. Den Geist fortwährend auf das höchste Heil auszurichten, soll man als Jñāna Yoga erkennen: als einen segensreichen Yoga, der alle Vollendung bewirkt.
Quelle: Yogapāda 1.5.

4. Wessen Geist in diesem zweifachen Yoga mit den genannten Merkmalen ruht, der gelangt auf geradem Weg zum höchsten Heil, das Befreiung heißt.
Quelle: Yogapāda 1.6.

5. Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Nichtstehlen, Brahmacarya, Mitgefühl, Aufrichtigkeit, Geduld, Standhaftigkeit, maßvolles Essen und Reinheit: Das sind die zehn Yamas.
Quelle: Yogapāda 1.8.

6. Als Niyama werden die mit Tapas beginnenden Haltungen bezeichnet: spirituelle Disziplin, Zufriedenheit, gläubiges Vertrauen, Geben und die Verehrung Haris das Hören der verbindlichen Lehre, sittliche Scheu und Japa gehören zu ihren Merkmalen. Nun werden die Körperhaltungen, angefangen mit Svastika, erläutert.
Quelle: Yogapāda 1.9–10.

7. Der erhabene Herr sprach: Wer durch die Yogaglieder Yama und Niyama sowie durch die Körperhaltungen gut gesammelt ist, soll zur Reinigung der Nāḍīs Prāṇāyāma üben.
Quelle: Yogapāda 2.1.

8. Auf diesen zwölf Speichen befinden sich zwölf göttliche Gestalten, beginnend mit Viṣṇu. Ich lasse das dort befindliche Rad durch meine eigene Māyā kreisen.
Quelle: Yogapāda 2.11.

9. Auf den Speichen wandert der Jīva der Reihe nach, o Lotosgeborener, wie eine Spinne sich inmitten ihres Fadengeflechts bewegt.
Quelle: Yogapāda 2.12.

10. Der Jīva bewegt sich, vom Prāṇa getragen; ohne ihn vermag er es nicht. Darüber befindet sich der Ort der Kuṇḍalī, seitlich und oberhalb des Nabels.
Quelle: Yogapāda 2.13.

11. Sie gleicht einem Lotosfaden, verläuft gerade nach oben bis zur Öffnung Brahmans und leuchtet wie ein Blitz; sie besitzt einen inneren Kanal. Sie heißt Vaiṣṇavī und Brahmanāḍī und ist der Weg zur Erlangung der Befreiung. Links und rechts von ihr liegen Iḍā und Piṅgalā.
Quelle: Yogapāda 2.18–19.

12. … und ihre vielfältigen Tätigkeiten so erkannt hat, o Lotosgeborener, soll sich auf dem nun zu beschreibenden Weg um die Reinigung der Nāḍīs bemühen.
Quelle: Yogapāda 2.38.

13. Auf diesem geeigneten Sitz nehme er nach eigener Wahl Svastika oder eine andere Haltung ein. Nach Osten gewandt sitze er mit aufrechtem Körper und gesammeltem Geist. Er richte den Blick auf die Nasenspitze, lasse die Zähne einander nicht berühren, lege die Zunge an den Gaumen und halte beide Arme entspannt. Er neige den Kopf ein wenig, bringe die Hände in die Yogamudrā und übe Prāṇāyāma in der vorgeschriebenen Weise. [Die Beschreibung der Kopfhaltung ist sprachlich beschädigt.]
Quelle: Yogapāda 3.4–6.

14. Wie einen ganz gefüllten Krug soll er den Körper mit Atem erfüllen. Durch dieses Füllen werden alle Nāḍīs vom Lebenswind erfüllt. Wenn dies geschieht, o Brahmā, bewegen sich die zehn Lebenswinde, und der Lotos des Herzens entfaltet sich sichtbar.
Quelle: Yogapāda 3.10–11.

15. Durch das Festhalten des Geistes wird auch der Atem festgehalten. Nun wird das Mittel zur Festigung des Geistes erklärt, o Lotosgeborener.
Quelle: Yogapāda 3.29.

16. Man ziehe gesammelt die Sinne von ihren Gegenständen zurück, führe Apāna nach oben und halte ihn oberhalb der Blase. Man verschließe mit beiden Händen die Ohren und die weiteren Sinnesöffnungen in entsprechender Weise. Wer auf dem beschriebenen Weg übt, gewinnt Herrschaft über den Geist.
Quelle: Yogapāda 3.30–31.

17. … möge man sich um das höchste Heil bemühen und sich Japa und Meditation widmen. Das geistige Vollziehen der täglichen Pflichten im eigenen Inneren soll man als Pratyāhāra erkennen und als Yogaglied üben. Oder man hält die Aufmerksamkeit an den achtzehn verschiedenen empfindlichen Körperstellen und zieht sie von einer Stelle zur nächsten zurück; auch dies gilt als Pratyāhāra. Genannt werden der große Zeh, der Knöchel und die Mitte des Unterschenkels die Mitte und der Ansatz des Oberschenkels, After, Herz, Geschlechtsorgan, Körpermitte, Nabel und Kehlgrube Gaumenwurzel, Nasenwurzel, die Region der Augen, die Mitte zwischen den Augenbrauen, Stirn und Scheitel.
Quelle: Yogapāda 4.8–12.

18. Diesen soll man aufmerksam meditieren und den Atem durch Anhalten dorthin führen. Im Erdanteil des Körpers soll der Yogi den geschmückten vierarmigen Hari als Aniruddha verehren, um vom Werden frei zu werden. Im Wasseranteil soll der Yogi mit erhobenem Geist Nārāyaṇa verehren. [Die Vorlage hat „pūrayet“; „verehren“ folgt dem Kontext, nicht einer stillen Sanskritkorrektur.] Im Feuer verehre er Pradyumna, im Wind Saṅkarṣaṇa und darüber, im Raumanteil, das höchste Selbst Vāsudeva.
Quelle: Yogapāda 4.22–24.

19. Der erhabene Herr sprach: Zunächst nehme man einen Yogasitz ein, lege die Hände vor dem Herzen zum Añjali zusammen, richte die Augen auf die Nasenspitze und lege die Zunge an den Gaumen. Ohne die Zähne aufeinanderzupressen, sitze man aufrecht und gesammelt. Dann ziehe man mit geläuterter Einsicht die Gesamtheit der Sinne zurück.
Quelle: Yogapāda 5.1–2.

20. Man meditiere über den den Sinnen entzogenen Herrn, der immerdar gegenwärtig ist und wie Millionen Sonnen leuchtet; oder über den Allgestaltigen, der im Lotos des Herzens sitzt.
Quelle: Yogapāda 5.9.

21. Er ist mit mannigfachen Gestalten erfüllt, besitzt viele Gesichter und viele Arme und ist mit zahlreichen göttlichen Waffen geschmückt. Man meditiere über den Gott in vielerlei Gestalten: friedvoll und furchtgebietend, mit erhobenen Waffen, mit zahllosen Augen, strahlend wie Millionen Sonnen.
Quelle: Yogapāda 5.10–11.

22. Durch solche Meditation vergeht die gesamte Unwissenheit des Yogis. In der Mitte des Herzenslotos ist Bewusstsein, ein unvergängliches Licht einer Kadamba-Knospe vergleichbar, jenseits des am Ende des Turīya genannten Bereiches, unendlich, voller Glückseligkeit, aus Bewusstsein bestehend, strahlend und alldurchdringend. [Der genaue Bezug von „turyāntānmaṇḍalātparam“ ist unsicher.]
Quelle: Yogapāda 5.12–13.

23. Die Einheit des individuellen Selbst und des höchsten Selbst, dieser beiden, soll man als Samādhi erkennen, der die edlen Ziele zur Vollendung bringt. [Die Variante lässt „alle Ziele“ lesen.]
Quelle: Yogapāda 5.17.

24. Wer in der Meditation „Ich selbst bin jenes höchste Brahman“ verweilt, bleibt unbewegt und fest wie ein Pfosten und nimmt die Sinnesgegenstände nicht mehr wahr.
Quelle: Yogapāda 5.18.

25. Wie Wasser, das von außen in das ruhige Meer eintritt, seine eigene Bewegtheit aufgibt, so löst sich der Jīva auf im höchsten Selbst, in Vaikuṇṭha, wenn der Yogi in Samādhi ruht. Bald erwacht das Verlangen nach der höchsten Wirklichkeit.
Quelle: Yogapāda 5.19–20.

26. Das Mittel dazu will ich dir nennen; höre, o Lotosgeborener. Man übe den zwölfsilbigen Mantra und richte den Geist auf Hari als das höchste Selbst an einem Ort ohne Sonnenlicht, wo ein wohlausgeführtes Rad-Lotosbild auf den Boden gezeichnet wurde. Darüber sitze man auf einem ausgebreiteten Sitz aus Kuśa-Gras. Der Yogi nehme Padmāsana ein, während der hellen Monatshälfte und des nördlichen Sonnenhalbjahres, und halte zunächst den Atem wie zuvor beschrieben an.
Quelle: Yogapāda 5.21–23.

27. Was braucht es noch vieler Worte? Die dem Prāṇāyāma Hingegebenen, von allen Verfehlungen gereinigt, werden nach Ablauf von drei Jahren auch mich sehen, o Brahmā, wie ich im Lotos des Herzens wohne. Nach drei Jahren hingebungsvoller Prāṇāyāma-Praxis wird ein Mensch zu einem im Yoga vollendeten Yogi, der den Atem und die Sinne beherrscht. Er isst wenig, schläft wenig und wird strahlend und kraftvoll.
Quelle: Yogapāda 3.15–17.

Oṃ Namo Nārāyaṇāya: Bedeutung und Aussprache

Begleitendes Video aus dem Themenbereich Om Namo Narayanaya; keine Rezitation oder Einzelversauslegung der Padma Samhita.

Jñānapāda

28. Saṃvarta sprach: Als der Erhabene so gesprochen hatte, antwortete ich mit gefalteten Händen: Möge mir reine Erkenntnis zuteilwerden, frei von Zweifel und Verwirrung durch die ich auf dem Weg der Erkenntnis das Leiden des Saṃsāra überquere. So angesprochen, lächelte der Herr der Götter und sagte:
Quelle: Jñānapāda 1.13–14.

29. Nachdem sie alle Lehrwerke durchforscht und immer wieder geprüft haben, preisen die Brahmankenner die nektargleiche Meditation über Nārāyaṇa.
Quelle: Jñānapāda 1.62.

30. Diese heilige, Verfehlungen tilgende Lehre hebt das gebundene Werden auf. Für diejenigen, die im Ozean des Saṃsāra versunken und in die Fesseln des Karma geraten sind gleicht sie einem großen Schiff, das über den Ozean des Werdens hinüberträgt. Wie der Veda unter Bezeichnungen wie Ṛgveda in vier Teile gegliedert ist so ist das Pāñcarātra nach unterschiedlichen Lehrsystemen vierfach gegliedert. Wie jeder Veda wiederum zahlreiche Zweige besitzt so gliedert sich jedes Lehrsystem nach seinen Verkündern. Die Kundigen erklären, dass die Bezeichnung Siddhānta einen sinngemäßen Grund hat. [Der Wortlaut des letzten Halbverses ist beschädigt.]
Quelle: Jñānapāda 1.75–78.

31. Vijñāna bedeutet Erkenntnis des erhabenen Herrn; aus dieser Erkenntnis erwächst, so wird gelehrt, Befreiung. Seine ursprüngliche Wirklichkeit ist ohne Anfang, Mitte und Ende, ohne Zunahme und Abnahme, unerschütterlich ewiges, unvergleichliches Licht, immerdar erfüllt und makellos, in allen Gestalten gegenwärtig und ohne Gestalt, jenseits der Dunkelheit und unvergänglich.
Quelle: Jñānapāda 2.6–7.

32. Die Yogis sollen über sie stets auf dem Sitz des Herzlotos meditieren. Die Weisen schauen beständig dieses höchste Ziel Viṣṇus.
Quelle: Jñānapāda 2.12.

33. Aus diesen vier Gestalten entstehen der Reihe nach vierundzwanzig weitere, o Brahmā, wie eine Lampe an einer anderen entzündet wird.
Quelle: Jñānapāda 2.21.

34. Nachdem der viergesichtige Lotosgeborene die Welt so geschaffen hatte, versenkte er sich in tiefe Meditation und dachte über seinen eigenen Ursprung nach. Während er meditierte, erschien vor ihm eine Lichtfülle, strahlend wie tausend Sonnen und wie eine Ansammlung von Blitzen. In ihrer Mitte sah er den höchsten Puruṣa mit reinem gelbem Gewand, vierarmig und Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotos tragend mit dem Śrīvatsa-Zeichen, freundlichem Antlitz und dem strahlenden Kaustubha-Juwel, geschmückt mit leuchtender Krone, Halsketten und weiteren Zierden. Als der Lotosgeborene diesen höchsten Puruṣa sah, dachte er: Dieser ist wahrhaftig der höchste Gott, der Herr der ganzen Welt.
Quelle: Jñānapāda 3.16–20.

35. Der erhabene Herr sprach: Erkenne mich als den Schöpfer aller Welten, den uranfänglichen höchsten Puruṣa, ohne Anfang, Mitte und Ende, unbeweglich und beständig. Ich bin die Ursache der ganzen Welt; daran sollst du nicht zweifeln. Ich bin erschienen, um deinen Zweifel zu lösen.
Quelle: Jñānapāda 3.23–24.

36. Der erhabene Herr sprach: Mit Schöpfung, Auflösung und Erhaltung aller Welten spiele ich lediglich, o Brahmā, aus einem mir eigenen Grund. [„kenāpi hetunā“ benennt einen unbestimmten Grund; daraus wird keine zusätzliche Zwecklehre abgeleitet.]
Quelle: Jñānapāda 3.27.

37. Indem ich selbst meine glückselige Gestalt annehme, die Vāsudeva genannt wird, löse ich diejenigen aus dem Saṃsāra, die sich allein mir hingeben.
Quelle: Jñānapāda 4.5.

38. Der erhabene Herr sprach: Wer vorgeschriebene vedische Handlungen mit dem Wunsch nach ihrer Frucht vollzieht, wird gebunden. Wer handelt, ohne nach der Frucht zu verlangen, wird nicht gebunden.
Quelle: Jñānapāda 4.14.

39. Wer nur die durch Augen und andere Sinne vermittelte Erkenntnis der Gegenstände kennt, wird gebunden. Wessen Erkenntnis auf den höchsten Gott gerichtet ist, wird befreit.
Quelle: Jñānapāda 4.15.

40. Der erhabene Herr sprach: Sie werden eben ich selbst; darin besteht kein Unterschied. Wie ich mich frei bewege, so auch die befreiten verkörperten Wesen. [„vivārāmi“ wird vorsichtig als „viharāmi“ verstanden.]
Quelle: Jñānapāda 4.17.

41. Der erhabene Herr sprach: Die dreifache Prakṛti gilt als Gegenstandsbereich des verkörperten Wesens, o Brahmā. Durch die Verbindung mit ihr wird das Lebewesen gebunden; ohne diese Verbindung wird es befreit. Der Puruṣa erkennt beständig die aus drei Eigenschaften bestehende Prakṛti. Sie aber bringt immer wieder verschiedenartige Schläfrigkeit und Trägheit hervor. Vom Schlaf überwältigt, vergisst er sein eigenes Wesen. Dies gilt als Bindung der Menschen. Was möchtest du darüber hinaus hören?
Quelle: Jñānapāda 4.24–26.

42. Der erhabene Herr sprach: Brahman ist durch Glückseligkeit gekennzeichnet, von der Natur des Nāda, unveränderlich, von Leiden und ähnlichen Begrenzungen unberührt, ohne Tätigkeit und ohne gedankliche Unterscheidung. Es ist frei von Gegensätzen, unbegrenzt, durch sich selbst erfahrbar, makellos, überaus fein, selbstbestimmt, frei, aus sich selbst leuchtend und anfangslos. Es ist unendlich, unerschöpflich, friedvoll, ohne Vergleich, ohne Zunahme, beständig, eines, immer glückselig, von der Natur des Bewusstseins, allgegenwärtig und höchst. Die Variante verbindet Bewusstsein und Glückseligkeit ausdrücklich zu „Cidānanda“.
Quelle: Jñānapāda 5.28–30.

43. Es ist frei von Kommen und Gehen, Vāsudeva genannt, alldurchdringend, Ursprung aller Wesen, Herr und höchster Puruṣa. Von Natur aus rein, ewig, ohne Wellen und Unruhe, grenzenlos, jenseits der Eigenschaften und zugleich mit Eigenschaften, gewährt es alle Wünsche.
Quelle: Jñānapāda 5.31–32.

44. Wie ein einziger Wind den Raum durchzieht und darin besteht, so durchdringt der ungeborene Herr selbst das gesamte bewegliche und unbewegliche Weltall.
Quelle: Jñānapāda 6.23.

45. Als verdichtetes Bewusstsein erhellt er sich selbst und den anderen Gegenstand, wie eine Lampe sich selbst und einen Krug sowie andere Dinge sichtbar macht. [Die Editionsnotiz berichtet, dass Vers 24 in einer Textfassung nach diesem Vergleich steht und der folgende mit „varṇaiḥ“ beginnende Halbvers dort fehlt.]
Quelle: Jñānapāda 6.25.

46. … wird das höchste Selbst, das die Welt erfüllt, von den Guten Bhagavān genannt. Wie Butter im Joghurt, Öl im Sesam und Süße im Zucker und Ähnlichem der Sache nach vom Stoff ungetrennt und ohne eigene sichtbare Gestalt darin bestehen, so wird [das Verborgene] durch das Vermögen seiner Erfassung erkannt, obwohl es nicht mit den Augen gesehen wird. So gelangt der ungeborene und gestaltlose höchste Puruṣa, das innere Selbst aller, durch die meditative Vergegenwärtigung der Erkennenden in den Bereich der Erfahrung.
Quelle: Jñānapāda 6.27–29.

47. Wie die einzelnen Regenströme aus den Wolken fallen und auf der Erde zusammenfließen, so gelangen die Yogis in Brahman zur Einheit. Das Wasser der Flüsse ist in vielerlei Hinsicht verschieden; wenn es aber ins Meer eingegangen ist, unterscheidet es sich nicht vom Wasser des Meeres. Ebenso bestehen die befreiten Seelen im höchsten Brahman in Einheit, o Viergesichtiger; darin liegt das Wohnen in derselben Welt. [Der Text verbindet die Einheitssprache ausdrücklich mit Sālokya.]
Quelle: Jñānapāda 6.50–52.

48. Der erhabene Herr sprach: Bei demjenigen entsteht reine Erkenntnis, frei von äußerer Trübung, dessen [Geist] durch die Handlungen der vollkommenen Gottesverehrung und durch die Yogaglieder, angefangen mit Yama, von anfangsloser Unwissenheit frei wird. Reinheit, Opferverehrung, spirituelle Disziplin und regelmäßiges Schriftstudium Brahmacarya, maßvolles Essen, Schweigen, Beherrschung der Sinne, Gewaltlosigkeit, Fasten, Baden und das Aufsuchen heiliger Orte … [Die Editionsnotiz vor diesem Vers meldet das Fehlen eines Halbverses in manchen Textzeugen.] … Losgelöstheit gegenüber Kindern und Ehepartner, das Meiden ungeeigneter Nahrung, Freundlichkeit ohne Härte, Dienst an den Älteren, Geduld, Freundschaft und Mitmenschlichkeit das Abstehen von den Partnern und dem Besitz anderer, die Beschäftigung mit der Lehre und Nichtanhaften an Genussgegenständen: Durch diese Mittel der Klärung des Geistes entsteht nach innen gerichtete Erkenntnis. Durch sie erkennen die Menschen jenes Ziel, nach dessen Erlangung sie nicht wiederkehren, frei von Geburt und Tod.
Quelle: Jñānapāda 7.2–7.

49. Das Handeln, das die Ursache des Saṃsāra bildet, vergeht durch Erkenntnis. Ist dieses ursächliche Karma erschöpft, folgt unmittelbar Befreiung.
Quelle: Jñānapāda 7.12.

50. Der erhabene Herr sprach: Vertrauen, Hingabe und Sammlung, mir ganz dargebracht, sind die Ursache, ausgeübt nach dem in der Lehre beschriebenen Verfahren; anders geschieht es nicht. Diese drei Ursachen werden für alle nach Befreiung Strebenden genannt. Ohne sie verbleiben die anderen Menschen im Saṃsāra, von Māyā beherrscht.
Quelle: Jñānapāda 7.39–40.

51. Sattva ist aufgrund seiner Reinheit erhellend und unverhüllt. Wahrhaftigkeit, Erkenntnis, Disziplin, Schweigen, Standhaftigkeit, Reinheit, Ruhe und Geduld … [Die Vorlage hat im Aufzählungsbeginn „satvaṃ“; die Überschrift stützt „satya“, Wahrhaftigkeit.] … und ähnliche heilsame Eigenschaften gehören zum sattvigen Menschen. Für Rajas werden Ichbezogenheit, Hochmut, Zorn und Heuchelei genannt. [„tridhā darmaḥ“ ist beschädigt.]
Quelle: Jñānapāda 7.61–62.

52. … als Dienende, stets auf seine Gnade ausgerichtet. Die Befreiung ohne Unterschied ist völlige Einheit von höchstem Selbst und Jīva. Wer die Einheit des Selbst in der Haltung „So’ham – Ich bin Er“ vergegenwärtigt, erlangt die Einheit von individuellem und höchstem Selbst als Befreiung. [Die anschließende Editionsnotiz bietet eine wesentlich abweichende Fassung: „keine Vereinigung zur Einheit“ beziehungsweise „für ihn keine Einheit von Jīvātman und Paramātman“. Dieser Gegensatz wird nicht harmonisiert.] In der gemischten Lehrweise bleibt man zunächst im Unterschied und erfreut den höchsten Gott durch Verehrung und weitere Handlungen. Danach, im Yoga gesammelt erlangt man durch ununterbrochene Erkenntnis Einheit im höchsten Selbst, dem verdichteten Bewusstsein. Diese Befreiung wird durch Sāyujya gekennzeichnet.
Quelle: Jñānapāda 8.31–34.

53. Ohne die entsprechenden Erfahrungen erschöpft sich das Karma nicht, o Brahmā. Doch das Feuer der Erkenntnis verwandelt gewiss sämtliche Handlungen in Asche.
Quelle: Jñānapāda 11.30.

54. Die Finsternis der Unwissenheit ist verschwunden; diese große Erkenntnis ist mir gezeigt worden. Alle meine Zweifel sind durch deine Gnade vergangen, Erhabener.
Quelle: Jñānapāda 12.62.

Ein stiller Augenblick hilft, einen gelesenen Vers innerlich nachklingen zu lassen.

Kriyāpāda

55. … lehre den geraden Weg, durch den die Frucht der Befreiung und auch andere Früchte wie der Himmel erlangt werden können.
Quelle: Kriyāpāda 1.3.

56. Auch dies sollst du mir sagen, wenn du mir Gnade erweist: Welcher Weg führt zu deiner Verehrung, o Madhusūdana?
Quelle: Kriyāpāda 1.4.

57. Der erhabene Herr sprach: Fertige aus Holz, Metall, Stein oder anderen Materialien ein wohlgestaltetes Bild und setze es nach dem in der Lehre beschriebenen Verfahren an meinem Ort ein und verehre mich nach der nun zu erklärenden Ordnung, o Lotosgeborener. Höre das Verfahren vom Pflügen des Bodens bis zur Weihe. [Ein eingeschobener Vers sagt sinngemäß: Wer sich durch Handlung oder Vermögen meiner Verehrung widmet, erlangt die Frucht ohne Wiederkehr und weitere Früchte. Die Quelle vermutet selbst Abschreibfehler in Frage und Antwort.]
Quelle: Kriyāpāda 1.5–6.

58. Ich werde das Verfahren erklären, durch das ich mich bald gnädig erweise. Wer die Wissensgebiete studiert und die Lehrwerke gehört hat verehrt mich durch Erkenntnis und Yoga. Aber auch andere, die nicht gelehrt, doch hingebungsvoll und mit Mitteln ausgestattet sind erlangen bald Vollendung, wenn sie mich an einem geeigneten Ort einsetzen. Erkenntnis und Yoga sind Mittel zur Befreiung.
Quelle: Kriyāpāda 1.7–9.

59. Wer mich an einem Ort einsetzt, erlangt Sattva; die Variante nennt Acyuta. Wer mich in einem Heiligtum einsetzt und selbst verehrt erlangt Vollendung nicht für sich allein: Auch den Menschen in seiner Nähe kommt sie zugute. Deshalb soll man mich an einem Ort einsetzen, o Brahmā.
Quelle: Kriyāpāda 1.10–11.

60. [Der Stifter sei] vertrauensvoll, gläubig und hingebungsvoll, mit Reichtum und Getreide ausgestattet tatkräftig, rein, geschickt, dankbar und frei von Habgier; Brahmane, Kṣatriya, Vaiśya, Śūdra oder aus einer Anuloma-Verbindung geboren. Erkenne einen mit diesen Eigenschaften ausgestatteten Menschen als Stifter. [Als Lehrer wähle man] einen Kenner des Pāñcarātra, friedvoll und in den Lehrsystemen gründlich geschult aus einer Bhāgavata-Familie, rein, frei von Gier und Heuchelei, ohne Verfehlung, aufrichtig, ohne Krankheit, auf das Unsichtbare ausgerichtet und gläubig. [„adṛṣṭaparam“ lässt auch einen Bezug auf überweltliche Früchte zu.] Einen solchen Bhāgavata-Ācārya soll der Einsichtige zuerst auswählen. Lehrer und Stifter sollen gemeinsam mit einem Astrologen an einem günstigen Tag …
Quelle: Kriyāpāda 1.15–19.

61. Der erhabene Herr sprach: Brahmā, ich beschreibe genau die Merkmale des Ācārya. Zunächst sei er ein gelehrter Brahmane, dem Pāñcarātra ergeben. Zuerst wähle man einen Ācārya, der frei von Fehlern und Träger aller guten Eigenschaften ist; denn von ihm hängen die Vollendungen ab.
Quelle: Kriyāpāda 24.1–2.

62. Er besitze wohlgeformte Glieder ohne Mangel oder Übermaß, sei rein, von glückverheißender Hand, gelehrt, von gutem Lebenswandel und Charakter.
Quelle: Kriyāpāda 24.3.

63. Er sei in heiliger Überlieferung und Verslehre bewandert, dem Dharma zugetan, kenne die fünf täglichen Kultzeiten, erfülle deren Pflichten und sei geduldig.
Quelle: Kriyāpāda 24.4.

64. Er beherrsche die Sinne, besitze Würde und unterscheidendes Urteilsvermögen, vollziehe die sechs Aufgaben, kenne die sechs Wege und sechs Glieder und sei frei von Habgier.
Quelle: Kriyāpāda 24.5.

65. Er sei in den sechzehn Nyāsas erfahren, mild, kenne die Unterschiede der Lehrsysteme, sei aufrichtig, mitfühlend, Brahman-kundig, wahrhaftig und von den Verständigen anerkannt. [Die Variante nennt Dharma-Kenntnis.]
Quelle: Kriyāpāda 24.6.

66. Er könne erklären, besitze Standfestigkeit und edle Haltung, gehe freundlich auf andere zu, spreche angenehm und mit einem Lächeln, sei sattvig und kundig im rechten Urteil.
Quelle: Kriyāpāda 24.7.

67. Er sei ansehnlich, jung, redegewandt und in Auseinandersetzungen erfahren, von scharfem Verstand, friedvoll und mit angemessenem Verhalten, Ort und Zeit vertraut. [Die Variante ergänzt Dankbarkeit.]
Quelle: Kriyāpāda 24.8.

68. Er sei ohne Missgunst, habe die Gegensatzpaare überwunden, begegne allen Wesen gleich und bleibe in Unglück wie Erfolg beständig derselbe.
Quelle: Kriyāpāda 24.9.

69. Er spreche maßvoll, widme sich der Meditation und der Betrachtung des zwölfsilbigen Mantras, pflege innere Verehrung und sei dem Pāñcarātra ergeben.
Quelle: Kriyāpāda 24.10.

70. Er sei selbständig, diene den Älteren, von guter Erscheinung und gläubig, schmähe das Heilige nicht, besitze gutes Gedächtnis und guten Ruf. [Die Variante nennt Schamgefühl beziehungsweise sittliche Zurückhaltung.]
Quelle: Kriyāpāda 24.11.

71. Er sei frei von übler Nachrede, mit allen guten Merkmalen versehen, kenne die Bedeutung der Lehrwerke und sei im Cakra-Maṇḍala eingeweiht.
Quelle: Kriyāpāda 24.12.

72. Er kann Hausvater, Brahmacārin oder Waldeinsiedler sein. Wer die genannten Eigenschaften besitzt, ist befugt.
Quelle: Kriyāpāda 24.13.

73. Für das Lehreramt und die Opferpriesterschaft wähle man solche Brahmanen, die diese Eigenschaften vereinen und die Handlungen durchführen können. Der sorgfältige Stifter wähle sie gemeinsam mit dem Guru. Als vier Altersstufen werden Knabe, Junger, Mittlerer und Alter genannt. [Die anschließende Erläuterung fehlt.]
Quelle: Kriyāpāda 24.14–15.

74. Brahmā sprach: Wie ist eine Installation des alldurchdringenden Gottes der Götter zu verstehen? Erhabener, beseitige meinen Zweifel durch eine bestimmte Antwort.
Quelle: Kriyāpāda 26.1.

75. Der erhabene Herr sprach: Obwohl Hari als innerstes Selbst aller entstandenen Wesen gegenwärtig ist, wird er durch die Kraft des Mantras und die geistige Größe des installierenden Gurus im Bild auf besondere Weise selbst gegenwärtig. Dort bittet der Mensch Hari um die Erfüllung all seiner Wünsche.
Quelle: Kriyāpāda 26.2–3.

76. Daher ist der Name Pratiṣṭhā, „festes Gegenwärtigwerden“, in der Welt sinnvoll. Wie das Feuer verborgen gegenwärtig ist, ohne bereits zu brennen, und durch das Reiben der Feuerhölzer sichtbar hervortritt und dann seine Wirkungen wie das Brennen entfaltet,
Quelle: Kriyāpāda 26.4–5.

77. so wird der allgegenwärtige Viṣṇu, den gewöhnliche Menschen nicht sehen, im Bild durch die Wirkkraft des Mantras des Mantrakundigen sichtbar.
Quelle: Kriyāpāda 26.6.

78. Deshalb installiere und verehre man Viṣṇu mit seinem ganzen Wesen. Ist das Bild von den Handwerkern nach dem in der Lehre vorgesehenen Verfahren hergestellt,
Quelle: Kriyāpāda 26.7.

79. sind Edelsteine und weitere Gaben in den Sockel des Handlungsbildes gelegt und seine beiden Augen angemessen geöffnet, sind sämtliche groben und feinen Glieder des Bildes nach der Lehre gut ausgeführt, so soll der vorzügliche Lehrer am Ende der Arbeit alles gemeinsam mit dem kundigen Baumeister sorgfältig prüfen und die Handwerker ihrer Leistung entsprechend mit Gaben zufriedenstellen, ebenso den Baukundigen mit verschiedenen erfreulichen Geschenken. Nachdem Handwerker und Baumeister gegangen sind,
Quelle: Kriyāpāda 26.8–11.

80. reinige man das Haus innen und außen durch Fegen und weitere Handlungen und führe brennende Darbhabündel ringsum, reinige Umfriedung, Maṇḍapa, Heiligtum und Gopura und besprenge sie mit den fünf Kuhprodukten. Man lasse mantraerfahrene Brahmanen den Tagessegen sprechen. Mit wasserbezogenen Ṛgversen besprenge der Ācārya erneut das Allerheiligste und den Außenbereich, gemeinsam mit den Brahmanen. Zahlreiche mit Kuhghee gespeiste Lampen seien entzündet, sodass das Heiligtum ringsum erhellt ist. Mit dunklem Aguru und weiteren Duftstoffen räuchere man es aus und schmücke es mit Kalkpulver, ungebrochenem Reis, Blumen und Dūrvā-Sprossen. Am Nachmittag vollziehe man das Befriedungsfeueropfer.
Quelle: Kriyāpāda 26.12–17.

81. Ein Zuwenig oder Zuviel bei Höhe, Umfang und weiteren Maßen ist nicht immer sicher erkennbar; dies alles soll durch das Feueropfer befriedet werden.
Quelle: Kriyāpāda 26.18.

Oṃ Namo Nārāyaṇāya: langsame Rezitation

Begleitendes Video aus dem Themenbereich Om Namo Narayanaya; keine Rezitation oder Einzelversauslegung der Padma Samhita.

Caryāpāda

82. [Zum geistigen Bad:] Nach dreimaligem Mundspülen lege man ein unbenutztes Gewand an, sitze bequem, reguliere den Atem und meditiere über mich im Herzlotus. Durch diese Meditation wird der Mensch von Verunreinigung befreit. Dies heißt geistiges Bad. Nach dem Bad verehre man Hari.
Quelle: Caryāpāda 3.11–12.

83. vom Aufstehen an heißt Abhigamana. In der Brahma-Muhūrta vor Sonnenaufgang erwache man und meditiere über den höchsten Nārāyaṇa.
Quelle: Caryāpāda 13.5.

84. Man richtet sich auf dem Lager auf und spricht Viṣṇus Namen. Der Kenner der Tattvas lässt diese der Reihe nach innerlich entstehen und bildet daraus den Körper. Unter innerlicher Mantrarezitation setzt er die sechs Mantraglieder in den Körper ein. Er meditiert über die zehn Avatāras und die vier Vyūhas; jede Gestalt ruft er einzeln bei ihrem Namen. Er hüllt seinen Körper in ein Gewand und setzt zuerst den rechten Fuß auf die Erde, während er sich an Trivikrama erinnert und innerlich spricht: „namaḥ kṣitidharāya“ – „Verehrung dem Träger der Erde.“ Der Name Trivikrama ist im Ausgangstext beschädigt geschrieben.
Quelle: Caryāpāda 13.6–9.

85. Dies geschieht bis zum Sonnenaufgang. Mit gefalteten Händen blickt man auf den Vertreiber der Dunkelheit und verehrt ihn mit den Mantras der eigenen Vedenschule, während man über seine Gegenwart im Herzen meditiert. Man grüßt der Reihe nach Lehrer, Ältere und Bhāgavatas, verneigt sich, kehrt in die eigene Wohnstätte zurück und tritt vorschriftsmäßig vor den Gott.
Quelle: Caryāpāda 13.27–28.

86. Dann beschafft man die benötigten Verehrungsmittel: verschiedene Blüten, Früchte, Wurzeln und Pflanzen, Joghurt und weitere geeignete Speisegaben, Reis, Rohzucker, Badezubehör, Gewänder und wohlschmeckendes Wasser, Darbha, Blätter und Brennholz, entsprechend den eigenen Kräften und Mitteln. Man bringt sie selbst oder durch geeignete Kulthelfer zum Verehrungsplatz; die betreffende Helferbezeichnung ist beschädigt.
Quelle: Caryāpāda 13.31–33.

87. Über Vāsudeva meditierend vollzieht man Aghamarṣaṇa, die rituelle Tilgung von Verfehlungen. Man steigt aus dem Wasser und verrichtet alle für die Mittagszeit bestimmten Handlungen. Lotusgeborener, dann verehrt man den Herrn der Götter bis zum Feueropfer. Lang auf der Erde ausgestreckt lobt man ihn mit folgendem Hymnus.
Quelle: Caryāpāda 13.41–42.

88. „Dir gebührt der Sieg, Lotusäugiger! Verehrung dir, der du die Welt hervorbringst. Verehrung dir, Herr der Sinne, großer Puruṣa, Erstgeborener!
Quelle: Caryāpāda 13.43.

89. Verehrung Vāsudeva, dessen Selbst friedvoll, unendlich und bewusst ist! Verehrung dir, dem Unbesiegten, dem Schatz der sechs göttlichen Vollkommenheiten!
Quelle: Caryāpāda 13.44.

90. Verehrung dir, der du viele Gestalten hast und unvergänglich bist! Verehrung dir, dem alles Durchdringenden, durch die Veden Erkennbaren, dem höchsten Selbst! Eine Variante sagt „unzerstörbar“.
Quelle: Caryāpāda 13.47.

91. Verehrung dir, dessen Wesen reines Bewusstsein ist, dem Grund des Vedānta – nach der Variante seiner Verkörperung! Verehrung dem Kleinsten, dem Größten an Ausdehnung und dem Erhabensten!
Quelle: Caryāpāda 13.48.

92. Verehrung dir in fünffacher Selbstgestalt, dem inneren Lenker aller! Deine Gestalt ist frei von gedanklicher Konstruktion; du bist Ursprung von Schöpfung, Erhaltung und Ende. Eine abweichende Lesart nennt die Ebergestalt.
Quelle: Caryāpāda 13.50.

93. Verehrung dir, der du die Form der Guṇas annimmst und ihre Form übersteigst, dem Einzelnen, dem Gesamten und der Gestalt beider. Die Variante zu „Gesamtes und Unmanifestes“ ist sprachlich beschädigt.
Quelle: Caryāpāda 13.51.

94. Dir ohne Anfang, Mitte und Ende sei immer wieder Verehrung! Die Variante ergänzt zugleich „dem, der sie besitzt“. Verehrung dem durch den Praṇava Bezeichneten, dem, dessen Gestalt der Praṇava ist!
Quelle: Caryāpāda 13.52.

95. Damit der Lauf der Welt Bestand hat, bringst du Gestalten wie Brahmā hervor. Verehrung dir, Viṣṇu, mit den verschiedenen Erscheinungen von Narasiṃha an!
Quelle: Caryāpāda 13.53.

96. Verehrung dem, dessen Wesen von Handlungen, ihren Reifungen und den leidbringenden Trübungen unberührt bleibt! Verehrung dem Brahman liebenden Gott, dem Schatz allen Glanzes!
Quelle: Caryāpāda 13.54.

97. Du verfügst ewig über die Mittel zum Schutz der vielen Welten. Verehrung dir, dessen Wesen Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit ist, dem Erwählenswerten!
Quelle: Caryāpāda 13.55.

98. Verehrung dem Opfernden, dem Opfer und dem zu Verehrenden! Verehrung dir, dessen Wesen die Frucht der Verehrung ist und der durch heiliges Studium erschlossen wird! Das letzte Kompositum ist beschädigt.
Quelle: Caryāpāda 13.56.

99. In den furchtbaren Ozean des Saṃsāra bin ich durch mein eigenes Handeln gefallen: grenzenlos, schwer zu durchqueren, unergründlich und voller Wirbel der Sinnesgegenstände. Ohne Schutzherrn, ohne Ausweg und voller Furcht bin ich. Hari, Ozean des Erbarmens, hebe mich in deinem höchsten Mitgefühl aus diesem unerträglichen, schwer überquerbaren Meer!
Quelle: Caryāpāda 13.58–59.

100. Wenn bei deiner Verehrung ein Mantra, eine Handlung oder etwas anderes unvollständig blieb, vergib mir, Gott, der du Verfehlungen erträgst!
Quelle: Caryāpāda 13.60.

101. Ein Gefäß von tausend Verfehlungen bin ich, gefallen in den furchtbaren Ozean des Werdens, ohne Ausweg, zu dir als Zuflucht gekommen. Hari, nimm mich allein aus deiner Gnade ganz zu dir!
Quelle: Caryāpāda 13.61.

102. Die Quellenanmerkung sagt, der vorherige Vers finde sich vollständig in Yāmunācāryas Stotraratna. Seit meiner Geburt bin ich dein Diener, dein Schüler und dein Kind; du bist mein Herr, Lehrer, meine Mutter und mein Vater, Mādhava.
Quelle: Caryāpāda 13.62.

103. Ich weiß nicht, was mir heilsam ist; allein dir wende ich mich zu. Erkenne dies, Govinda, und führe mich auf dem Weg, der zur Befreiung führt.
Quelle: Caryāpāda 13.63.

104. Du allein weißt, was mein höchstes Wohl ist und was dazu gehört oder nicht. Gib mir die Verbindung mit der rechten Einsicht, durch die ich zu dir gelange!“ Die Variante formuliert denselben Gedanken etwas anders.
Quelle: Caryāpāda 13.64.

105. Zu dieser Zeit ehrt man Gäste nach den eigenen Möglichkeiten. Erst nachdem die zu versorgenden Angehörigen gespeist sind, isst man selbst mit Selbstbeherrschung.
Quelle: Caryāpāda 13.66.

106. Schulüberlieferungen sowie die Ekāyana genannte Urschule, welche die drei Veden umfasst, bequem sitzend und gesammelt. Man lernt mit anderen, die ebenfalls rezitieren und in den sechs Vedāṅgas kundig sind, oder unterrichtet Schüler in den verschiedenen Lehrwerken.
Quelle: Caryāpāda 13.69–70.

107. Ein Quellenvermerk erklärt zwei Verse dieses Abschnitts für stellenweise fehlend. Man beschäftigt sich passend auch mit Itihāsas, Purāṇas und Dharmaśāstras, sofern sie auf seine Verehrung ausgerichtet sind. Man hält Gemeinschaft mit Brahmanen, die den Saṃsāra fürchten, den Sinn der Wirklichkeitslehre zu klären wissen und in Unterweisung und verwandten Tätigkeiten geübt sind.
Quelle: Caryāpāda 13.71–72.

108. Nach dem Essen legt man sich nieder. Mitten in der Nacht steht man auf, vollzieht Ācamana, sammelt sich und meditiert über den höchsten Puruṣa. In einer bequemen Yogahaltung verbindet man das eigene Selbst mit dem Selbst, nach dem gelehrten Verfahren und den eigenen Kräften, Viergesichtiger. Nach der Rücknahmeordnung löst man die Tattvas im eigenen Selbst auf oder das eigene Selbst im höchsten Selbst, das im Herzlotus gegenwärtig ist. Nach dem Yoga soll man laut Grundlesart den leidbringenden Schlaf meiden; die Variante sagt stattdessen, man solle sich dem leidmindernden Schlaf zuwenden. Brahmā, damit sind Yoga und die fünfte Zeit erklärt.
Quelle: Caryāpāda 13.75–78.

Das Licht im Herzen: ein Meditationsbild zur inneren Gotteserfahrung.

Mantras und Gebetsverse

Die folgenden Formeln und Gebete sind im vorliegenden Quellentext nachweisbar. Kurze, sicher erschlossene Mantras werden von längeren Gebetsabschnitten unterschieden. Die drei großen Hymnen werden zusammenhängend wiedergegeben, einschließlich der in ihrer Umgebung überlieferten Lesarten und der Hinweise auf beschädigte Stellen. Eine historisch belegte Formel ist nicht automatisch eine vollständige Anleitung zu ihrer rituellen Verwendung.

Die folgenden Gebete gehören zum zusätzlichen Mantra-Abschnitt. Sie verändern nicht die Zahl von genau 108 Lesestellen im vorangehenden Auswahlteil; Überschneidungen mit dieser Auswahl sind hier beabsichtigt.

Praṇava

IAST: oṃ
Devanagari: ॐ
Bedeutung und Beleg: Der Praṇava wird als heilige Grundsilbe betrachtet. Caryāpāda 23.176–177 erschließt A, U und M mit Lautnamen; die Deutung und Anwendung gehören in den dortigen Gesamtzusammenhang. Das Zeichen ॐ ist die gebräuchliche besondere Schreibgestalt, keine zusätzliche Silbe.

Der zwölfsilbige Vāsudeva-Mantra

IAST: oṃ namo bhagavate vāsudevāya
Devanagari: ओं नमो भगवते वासुदेवाय
Bedeutung: Oṃ, Verehrung dem erhabenen Vāsudeva.

Fundstelle: Caryāpāda 24.2–4, erschlossen aus der dortigen Lautfolge im Zusammenhang mit den Lautnamen aus Kapitel 23. Die Formel steht an dieser Stelle verschlüsselt, nicht als durchgehend ausgeschriebene Zeile. Mit Oṃ zählt sie zwölf Silben. Yogapāda 5.21 nennt denselben Mantratyp, schreibt ihn jedoch nicht selbst aus.

Der achtsilbige Nārāyaṇa-Mantra

IAST: oṃ namo nārāyaṇāya
Devanagari: ओं नमो नारायणाय
Bedeutung: Oṃ, Verehrung dem Nārāyaṇa.

Fundstelle: Caryāpāda 25.7–10. Die Identifikation beruht auf Lautchiffren, der ausdrücklichen Bezeichnung Aṣṭākṣara und der anschließenden Erklärung Nārāyaṇas. Einzelne Verbindungswörter sind beschädigt. Die zusätzliche Bīja-Angabe wird deshalb nicht zu einer weiteren sicheren Formel ergänzt. Mit Oṃ zählt die Grundform acht Silben.

Verehrung der Śrī

IAST: oṃ śriyai namaḥ
Devanagari: ओं श्रियै नमः
Bedeutung: Oṃ, Verehrung der Śrī.

Fundstelle: Caryāpāda 29.7. Der Text schreibt die Bildung eindeutig vor: Praṇava, der Name Śrī im Dativ und Namaḥ am Ende. Das ist eine grammatisch erschlossene Formel; der Vers nennt sie viersilbig. Das zuvor beschriebene einsilbige Śrī-Mantra hat eine beschädigte Lautanweisung und wird hier nicht ungeprüft ergänzt.

Verehrung des Trägers der Erde

IAST: namaḥ kṣitidharāya
Devanagari: नमः क्षितिधराय
Bedeutung: Verehrung dem Träger der Erde.

Fundstelle: Caryāpāda 13.9. Die Formel steht ausdrücklich im Text und wird beim ersten Auftreten auf die Erde innerlich gesprochen, während man sich an Trivikrama erinnert. Ein zusätzliches Oṃ steht hier nicht und wird nicht ergänzt.

Zur Gestalt der folgenden Gebete

IAST und Devanagari folgen der vorliegenden Quelle einschließlich ihrer Zusätze; die deutsche Übersetzung ist mit der vollständigen Ausgabe abgestimmt. Die Devanagari-Umschrift ist kein unabhängiger Textzeuge. Ein beschädigter Vers wird als beschädigt belassen. Wo ein Gebet in eine Ritualanweisung eingebettet ist, wird dieser Rahmen mitübersetzt und nicht als gesprochener Gebetswortlaut ausgegeben.


Nārāyaṇa als Gegenwart im Opferfeuer

Fundstelle: Kriyāpāda 26.22–23. Die Bitte gehört zur Einsetzung und verbindet Nārāyaṇa mit Jātavedas, dem Opferfeuer.

namastubhyaṃ bhagavate jātavedassvarūpiṇe |
nārāyaṇāya havyasya kavyasya ca yathātatham || 22 ||

नमस्तुभ्यं भगवते जातवेदस्स्वरूपिणे |
नारायणाय हव्यस्य कव्यस्य च यथातथम् || २२ ||

Kriyāpāda 26.22: „Verehrung dir, dem Erhabenen in der Gestalt Jātavedas, dir, Nārāyaṇa, der du die Gaben für Götter und Ahnen

hartre yaṣṭavyadevānāmātmane paramātmane |
sannidhatsvaciraṃ deva pratimāyāṃ hitāyanaḥ || 23 ||

हर्त्रे यष्टव्यदेवानामात्मने परमात्मने |
सन्निधत्स्वचिरं देव प्रतिमायां हितायनः || २३ ||

Kriyāpāda 26.23: übermittelst, du Selbst der zu verehrenden Gottheiten, höchstes Selbst! Sei lange in diesem Bild gegenwärtig, Gott, du Weg zum Heil!“

Bitte um bleibende Gegenwart und Wohlergehen

Fundstelle: Kriyāpāda 28.74–77. Der Lehrer bittet gemeinsam mit dem Stifter um Gegenwart im bereiteten Heiligtum und um Wohlergehen für das Gemeinwesen.

yajamānena sahitaḥ prahvastiṣṭhan gurussvayam |
bhaktavatsala bhaktānāmabhipretārthasādhaka || 74 ||

यजमानेन सहितः प्रह्वस्तिष्ठन् गुरुस्स्वयम् |
भक्तवत्सल भक्तानामभिप्रेतार्थसाधक || ७४ ||

Kriyāpāda 28.74: Der Guru selbst stehe demütig zusammen mit dem Auftraggeber und spreche: „Du liebst deine Verehrer und erfüllst die von ihnen ersehnten Anliegen.

prārthaye tvāmahaṃ deva madanugraha kāmyayā |
sannidhassva ciraṃ sthāne kalpite śraddhayā mayā || 75 ||

प्रार्थये त्वामहं देव मदनुग्रह काम्यया |
सन्निधस्स्व चिरं स्थाने कल्पिते श्रद्धया मया || ७५ ||

Kriyāpāda 28.75: Ich bitte dich, Gott, im Verlangen nach deiner Gnade: Sei lange gegenwärtig an diesem Ort, den ich mit Vertrauen bereitet habe.

prasīda deva deveśa pūjāmapi gṛhāṇa me |
grāmasya rājño rāṣṭrasya prajānāmindirā vara || 76 ||

प्रसीद देव देवेश पूजामपि गृहाण मे |
ग्रामस्य राज्ञो राष्ट्रस्य प्रजानामिन्दिरा वर || ७६ ||

Kriyāpāda 28.76: Sei gnädig, Gott, Herr der Götter, und nimm meine Verehrung an. Dem Dorf, dem König, dem Land und seinen Menschen, Gemahl der Indirā,

vaha |
dehi puṣṭiṃ ca tuṣṭiṃ ca gatiṃ ca paramāṃ tathā |
iti nijñāpya devāya deśikastantrapāragaḥ || 77 ||

वह |
देहि पुष्टिं च तुष्टिं च गतिं च परमां तथा |
इति निज्ञाप्य देवाय देशिकस्तन्त्रपारगः || ७७ ||

Kriyāpāda 28.77: gib Gedeihen, Zufriedenheit und den höchsten Weg.“ So trage der in den Tantras bewanderte Lehrer dem Gott die Bitte vor.

Sich der göttlichen Zuflucht anvertrauen

Fundstelle: Kriyāpāda 28.114–117. Das Bild der Erde, auf der ein Gestürzter wieder Halt findet, trägt die Bitte um Annahme. Die Lesart in Vers 116 ist für die Bedeutung wesentlich.

tasya haste prapūryātha imāṃ gādhāmūdīrayet |
tvayā vinā na mekiñcinmāṃ vinātavakastathā || 114 ||

तस्य हस्ते प्रपूर्याथ इमां गाधामूदीरयेत् |
त्वया विना न मेकिञ्चिन्मां विनातवकस्तथा || ११४ ||

Kriyāpāda 28.114: Damit fülle er dessen Hände und spreche diese Strophe: „Ohne dich habe ich nichts; und wer wäre ohne mich der Deine?

tasmānmā mātmasātkartuṃ prasīda parameśvara |
bhūmau skhalitapādānāṃ bhūmi revāvalambanam || 115 ||

तस्मान्मा मात्मसात्कर्तुं प्रसीद परमेश्वर |
भूमौ स्खलितपादानां भूमि रेवावलम्बनम् || ११५ ||

Kriyāpāda 28.115: Darum sei gnädig, höchster Herr, und nimm mich ganz zu dir. Für Menschen, deren Fuß auf der Erde ausgleitet, ist eben die Erde der Halt.

tvayyeva pratipannānāṃ tvameva śaraṇaṃ vibho |
iti vijñāpya deveśamācārya ssvasthamānasaḥ || 116 ||

त्वय्येव प्रतिपन्नानां त्वमेव शरणं विभो |
इति विज्ञाप्य देवेशमाचार्य स्स्वस्थमानसः || ११६ ||

Kriyāpāda 28.116: Für die, die sich dir zugewandt haben, bist allein du die Zuflucht, Allmächtiger.“ Eine Variante spricht von denen, die sich gegen ihn verfehlt haben; sie verstärkt das Bild vom Halt nach dem Straucheln. So bitte der Ācārya den Herrn mit gesammeltem Geist.

tvayivipratipannānāṃ |
dvādaśākṣaramuccārya bhagavatpādapaṅkaje |
nivedya karturātmānaṃ sārghya puṣpa purassaram || 117 ||

त्वयिविप्रतिपन्नानां |
द्वादशाक्षरमुच्चार्य भगवत्पादपङ्कजे |
निवेद्य कर्तुरात्मानं सार्घ्य पुष्प पुरस्सरम् || ११७ ||

Kriyāpāda 28.117: Er rezitiere den Zwölfsilbenmantra und bringe das Selbst des Auftraggebers, mit Arghya und Blume voran, am Lotusfuß des Erhabenen dar.

Garuḍa: Anrufung und Lobpreis

Fundstelle: Caryāpāda 10.84–93. Die Verse gehören zur Garuḍa-Fahne im Festdienst. Vers 86 und der Beginn von Vers 87 enthalten Handlungsanweisungen, nicht Gebetsworte.

mahābala mahābāho vainateya vayodhipa |
sannidhatsva paṭe tubhyaṃ samaḥ praṇavamūrtaye || 84 ||

महाबल महाबाहो वैनतेय वयोधिप |
सन्निधत्स्व पटे तुभ्यं समः प्रणवमूर्तये || ८४ ||

Caryāpāda 10.84: „Großmächtiger, starkarmiger Sohn Vinatās, Herr der Vögel, sei gegenwärtig in diesem Tuch. Verehrung dir, dessen Gestalt der Praṇava ist.

karmaṇāṃ siddhimāhotaḥ kuruṣva vihageśvara |
ahutavyāstrayo lokā devasyotsava saṃpadi || 85 ||

कर्मणां सिद्धिमाहोतः कुरुष्व विहगेश्वर |
अहुतव्यास्त्रयो लोका देवस्योत्सव संपदि || ८५ ||

Caryāpāda 10.85: Erfülle die Handlungen mit Gelingen, du Herbeigerufener, Herr der Vögel. Zum Fest des Gottes sind die drei Welten einzuladen.“

yajedātmīya gāyatryā tamarghyādyupacaryayā |
nivedayettatastasmai nivedyaṃ ca caturvidham || 86 ||

यजेदात्मीय गायत्र्या तमर्घ्याद्युपचर्यया |
निवेदयेत्ततस्तस्मै निवेद्यं च चतुर्विधम् || ८६ ||

Caryāpāda 10.86: Mit seiner eigenen Gāyatrī verehre man ihn durch Arghya und die weiteren Dienste und bringe ihm die vier Arten von Speise dar.

kumbhāya ca nivedyānnaṃ stotrergaruḍatoṣaṇam |
vāhanāya mahāviṣṇo stārkṣyāyā mitatejase || 87 ||

कुम्भाय च निवेद्यान्नं स्तोत्रेर्गरुडतोषणम् |
वाहनाय महाविष्णो स्तार्क्ष्याया मिततेजसे || ८७ ||

Caryāpāda 10.87: Auch im Krug bringe man Speise dar und erfreue Garuḍa durch Lobgesänge: „Dem Träger Mahāviṣṇus, Tārkṣya von unermesslichem Glanz,

garuḍāya samastubhyaṃ sarvasarpendra mṛtyave |
namo namaste pakṣīndra svādhyāyavapuṣe namaḥ || 88 ||

गरुडाय समस्तुभ्यं सर्वसर्पेन्द्र मृत्यवे |
नमो नमस्ते पक्षीन्द्र स्वाध्यायवपुषे नमः || ८८ ||

Caryāpāda 10.88: Garuḍa, dem Tod aller Schlangenkönige, sei Verehrung. Wieder und wieder Verehrung dir, Vogelkönig; Verehrung dir, dessen Leib heilige Rezitation ist.

vihagandre manaste'stu samutpāṭitakalpaka |
āhṛtāmṛtakuṃbhāya jananīdāsyamocine || 89 ||

विहगन्द्रे मनस्तेऽस्तु समुत्पाटितकल्पक |
आहृतामृतकुंभाय जननीदास्यमोचिने || ८९ ||

Caryāpāda 10.89: Verehrung dir, Herr der Vögel, der den Kalpa-Baum ausriss, den Nektarkrug herbeibrachte und seine Mutter aus der Knechtschaft befreite.

surāsurendrajayine nāgendrābharaṇāya te |
yadādhārmidaṃ sarvaṃ tadādhārāya te namaḥ || 90 ||

सुरासुरेन्द्रजयिने नागेन्द्राभरणाय ते |
यदाधार्मिदं सर्वं तदाधाराय ते नमः || ९० ||

Caryāpāda 10.90: Du besiegtest die Herren der Götter und Asuras und trägst Schlangenkönige als Schmuck. Du trägst den, der alles trägt: Dir sei Verehrung.

pakṣau yasya bṛhatsāma rathantaramapi dvayam |
akṣiṇī cāpi gāyatri trivṛtsāmaśiraḥ smṛtam || 91 ||

पक्षौ यस्य बृहत्साम रथन्तरमपि द्वयम् |
अक्षिणी चापि गायत्रि त्रिवृत्सामशिरः स्मृतम् || ९१ ||

Caryāpāda 10.91: Deine beiden Flügel sind Bṛhat- und Rathantara-Sāman, deine Augen Gāyatrī, dein Kopf das Trivṛt-Sāman.

stoma ātmā namastasmai vāmadevyāṅgasampade |
namaḥprāṇādi vāyūnā miśāya garuḍātmane || 92 ||

स्तोम आत्मा नमस्तस्मै वामदेव्याङ्गसम्पदे |
नमःप्राणादि वायूना मिशाय गरुडात्मने || ९२ ||

Caryāpāda 10.92: Dein Selbst ist der Stoma; Verehrung dir, dessen Glieder vom Vāmadevya erfüllt sind. Verehrung Garuḍa, dem Herrn der Lebenswinde vom Prāṇa an.

miśānāya garutmate |
doṣānapayāyākhaṇḍan guṇānāvaha sarvataḥ |
vighnāni jahi sarvāṇi ātmasātkūru māmapi || 93 ||

मिशानाय गरुत्मते |
दोषानपयायाखण्डन् गुणानावह सर्वतः |
विघ्नानि जहि सर्वाणि आत्मसात्कूरु मामपि || ९३ ||

Caryāpāda 10.93: Entferne alle Fehler und bringe von allen Seiten gute Eigenschaften herbei. Vernichte alle Hindernisse und nimm auch mich ganz zu dir.“

Der vollständige tägliche Devastotra-Lobpreis

Fundstelle: Caryāpāda 13.43–64. Der Hymnus führt von der Größe und Allgegenwart des Herrn zur Bitte um Vergebung, Führung und befreiende Einsicht. Die Quelle selbst weist bei Vers 61 auf Yāmunācāryas Stotraratna hin; dies ist ihr Überlieferungshinweis, keine hier neu behauptete Abhängigkeit des gesamten Hymnus.

devastotram. |
jitante puṇḍarīkākṣa namaste viśvabhāvana |
namaste'stu hṛṣīkeśa mahāpuruṣa pūrvaja || 43 ||

देवस्तोत्रम्. |
जितन्ते पुण्डरीकाक्ष नमस्ते विश्वभावन |
नमस्तेऽस्तु हृषीकेश महापुरुष पूर्वज || ४३ ||

Caryāpāda 13.43: „Dir gebührt der Sieg, Lotusäugiger! Verehrung dir, der du die Welt hervorbringst. Verehrung dir, Herr der Sinne, großer Puruṣa, Erstgeborener!

namaste vāsudevāya śāntānantacidātmane |
ajitāya samastubhyaṃ ṣāḍguṇyanidhaye namaḥ || 44 ||

नमस्ते वासुदेवाय शान्तानन्तचिदात्मने |
अजिताय समस्तुभ्यं षाड्गुण्यनिधये नमः || ४४ ||

Caryāpāda 13.44: Verehrung Vāsudeva, dessen Selbst friedvoll, unendlich und bewusst ist! Verehrung dir, dem Unbesiegten, dem Schatz der sechs göttlichen Vollkommenheiten!

śāntānana |
mahāvibhūtisaṃsthāya manaste puruṣottama |
sahasraśirase tubhyaṃ sahasracaraṇāya te || 45 ||

शान्तानन |
महाविभूतिसंस्थाय मनस्ते पुरुषोत्तम |
सहस्रशिरसे तुभ्यं सहस्रचरणाय ते || ४५ ||

Caryāpāda 13.45: Die Variante liest beim vorigen Vers „mit friedvollem Antlitz“. Verehrung dir, Puruṣottama, der du in großer Herrlichkeit bestehst, dir mit tausend Häuptern und tausend Füßen,

sahasrabāhave tubhyaṃ sahasranayanāyate |
amṛtāya namastubhyamekamūrtāya te namaḥ || 46 ||

सहस्रबाहवे तुभ्यं सहस्रनयनायते |
अमृताय नमस्तुभ्यमेकमूर्ताय ते नमः || ४६ ||

Caryāpāda 13.46: mit tausend Armen und tausend Augen! Verehrung dir, dem Unsterblichen, der einen Gestalt – nach der Variante: dem Gestaltlosen!

amūrtāya |
aneka mūrtaye tubhya makṣarāya ca te namaḥ |
vyāpine vedavedyāya namaste paramātmane || 47 ||

अमूर्ताय |
अनेक मूर्तये तुभ्य मक्षराय च ते नमः |
व्यापिने वेदवेद्याय नमस्ते परमात्मने || ४७ ||

Caryāpāda 13.47: Verehrung dir, der du viele Gestalten hast und unvergänglich bist! Verehrung dir, dem alles Durchdringenden, durch die Veden Erkennbaren, dem höchsten Selbst! Eine Variante sagt „unzerstörbar“.

makṣayāya |
cinmātrarūpiṇe tubhyaṃ namastraiyanta bhūmaye |
aṇiṣṭhāya sthaviṣṭhāya mahiṣṭhāya ca te namaḥ || 48 ||

मक्षयाय |
चिन्मात्ररूपिणे तुभ्यं नमस्त्रैयन्त भूमये |
अणिष्ठाय स्थविष्ठाय महिष्ठाय च ते नमः || ४८ ||

Caryāpāda 13.48: Verehrung dir, dessen Wesen reines Bewusstsein ist, dem Grund des Vedānta – nach der Variante seiner Verkörperung! Verehrung dem Kleinsten, dem Größten an Ausdehnung und dem Erhabensten!

mūrtaye |
nediṣṭhāya daviṣṭhāya kṣepiṣṭhāya ca te namaḥ |
varṣiṣṭhāya yaviṣṭhāya kaniṣṭhāya namo namaḥ || 49 ||

मूर्तये |
नेदिष्ठाय दविष्ठाय क्षेपिष्ठाय च ते नमः |
वर्षिष्ठाय यविष्ठाय कनिष्ठाय नमो नमः || ४९ ||

Caryāpāda 13.49: Verehrung dem Nächsten, dem Fernsten und dem Schnellsten! Verehrung dem Ältesten, dem Jüngsten und dem Kleinsten, immer wieder Verehrung!

pañcātmane namastubhyaṃ sarvāntaryāmiṇe namaḥ |
kalpanā poḍharūpāya sṛṣṭhisthitya ntahetave || 50 ||

पञ्चात्मने नमस्तुभ्यं सर्वान्तर्यामिणे नमः |
कल्पना पोढरूपाय सृष्ठिस्थित्य न्तहेतवे || ५० ||

Caryāpāda 13.50: Verehrung dir in fünffacher Selbstgestalt, dem inneren Lenker aller! Deine Gestalt ist frei von gedanklicher Konstruktion; du bist Ursprung von Schöpfung, Erhaltung und Ende. Eine abweichende Lesart nennt die Ebergestalt.

kroḍarūpāya |
namaste guṇarūpāya guṇarūpātivartine |
vyastāya ca samastāya samastavyastarūpiṇe || 51 ||

क्रोडरूपाय |
नमस्ते गुणरूपाय गुणरूपातिवर्तिने |
व्यस्ताय च समस्ताय समस्तव्यस्तरूपिणे || ५१ ||

Caryāpāda 13.51: Verehrung dir, der du die Form der Guṇas annimmst und ihre Form übersteigst, dem Einzelnen, dem Gesamten und der Gestalt beider. Die Variante zu „Gesamtes und Unmanifestes“ ist sprachlich beschädigt.

samastvavyaktamūrtayerūpiṇe |
ādimadhyāntaśūnyāya tadvadeva namo namaḥ |
praṇavapratipādyāya namaḥpraṇavarūpiṇe || 52 ||

समस्त्वव्यक्तमूर्तयेरूपिणे |
आदिमध्यान्तशून्याय तद्वदेव नमो नमः |
प्रणवप्रतिपाद्याय नमःप्रणवरूपिणे || ५२ ||

Caryāpāda 13.52: Dir ohne Anfang, Mitte und Ende sei immer wieder Verehrung! Die Variante ergänzt zugleich „dem, der sie besitzt“. Verehrung dem durch den Praṇava Bezeichneten, dem, dessen Gestalt der Praṇava ist!

tadvate ca |
lokayātrāprasidhyarthaṃ nṛṣṭa brahmādirūpiṇe |
namastubhyaṃ nṛsiṃhādimūrtibhedāya viṣṇave || 53 ||

तद्वते च |
लोकयात्राप्रसिध्यर्थं नृष्ट ब्रह्मादिरूपिणे |
नमस्तुभ्यं नृसिंहादिमूर्तिभेदाय विष्णवे || ५३ ||

Caryāpāda 13.53: Damit der Lauf der Welt Bestand hat, bringst du Gestalten wie Brahmā hervor. Verehrung dir, Viṣṇu, mit den verschiedenen Erscheinungen von Narasiṃha an!

vipākaiḥkarmabhiḥklaiśairaspṛṣṭavapuṣe namaḥ |
namo brahmaṇyadevāya tejasāṃ nidhaye namaḥ || 54 ||

विपाकैःकर्मभिःक्लैशैरस्पृष्टवपुषे नमः |
नमो ब्रह्मण्यदेवाय तेजसां निधये नमः || ५४ ||

Caryāpāda 13.54: Verehrung dem, dessen Wesen von Handlungen, ihren Reifungen und den leidbringenden Trübungen unberührt bleibt! Verehrung dem Brahman liebenden Gott, dem Schatz allen Glanzes!

nityasādhāraṇānekalokarakṣāparicchada |
saccidānandarūpāya vareṇyāya namo namaḥ || 55 ||

नित्यसाधारणानेकलोकरक्षापरिच्छद |
सच्चिदानन्दरूपाय वरेण्याय नमो नमः || ५५ ||

Caryāpāda 13.55: Du verfügst ewig über die Mittel zum Schutz der vielen Welten. Verehrung dir, dessen Wesen Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit ist, dem Erwählenswerten!

yajamānāya yajñāya yaṣṭavyāya namo namaḥ |
ijyāphalātmane tubhyaṃ namassvādhyāyaśūtine || 56 ||

यजमानाय यज्ञाय यष्टव्याय नमो नमः |
इज्याफलात्मने तुभ्यं नमस्स्वाध्यायशूतिने || ५६ ||

Caryāpāda 13.56: Verehrung dem Opfernden, dem Opfer und dem zu Verehrenden! Verehrung dir, dessen Wesen die Frucht der Verehrung ist und der durch heiliges Studium erschlossen wird! Das letzte Kompositum ist beschädigt.

namaḥparama hiṃsāya samassatvaguṇāyate |
sthitāya parame pyūmni bhūyo bhūyo namo namaḥ || 57 ||

नमःपरम हिंसाय समस्सत्वगुणायते |
स्थिताय परमे प्यूम्नि भूयो भूयो नमो नमः || ५७ ||

Caryāpāda 13.57: Verehrung dem höchsten [vermutlich: Haṃsa], dir von reinem Sattva, der du im höchsten Raum bestehst! Immer wieder Verehrung! Die Quelle schreibt „parama hiṃsāya“; dieser Wortlaut wird nicht als gesicherter Gottesname ausgegeben.

saṃsārasāgare ghore viṣayāvartasaṅkule |
apāre dustare'gādhe patitaṃ karmabhissvakaiḥ || 58 ||

संसारसागरे घोरे विषयावर्तसङ्कुले |
अपारे दुस्तरेऽगाधे पतितं कर्मभिस्स्वकैः || ५८ ||

Caryāpāda 13.58: In den furchtbaren Ozean des Saṃsāra bin ich durch mein eigenes Handeln gefallen: grenzenlos, schwer zu durchqueren, unergründlich und voller Wirbel der Sinnesgegenstände.

anādhamagatiṃ bhīruṃ dayāyā parayā hare |
māmuddhara dayāsindho sindhorasmātsu dussahāt || 59 ||

अनाधमगतिं भीरुं दयाया परया हरे |
मामुद्धर दयासिन्धो सिन्धोरस्मात्सु दुस्सहात् || ५९ ||

Caryāpāda 13.59: Ohne Schutzherrn, ohne Ausweg und voller Furcht bin ich. Hari, Ozean des Erbarmens, hebe mich in deinem höchsten Mitgefühl aus diesem unerträglichen, schwer überquerbaren Meer!

dustarāt |
mantrahāniṃ kriyāhāniṃ hāniṃ vānyāṃ tvadarcane |
kṣamasva mama deva tvamaparādhasaho vyāsi || 60 ||

दुस्तरात् |
मन्त्रहानिं क्रियाहानिं हानिं वान्यां त्वदर्चने |
क्षमस्व मम देव त्वमपराधसहो व्यासि || ६० ||

Caryāpāda 13.60: Wenn bei deiner Verehrung ein Mantra, eine Handlung oder etwas anderes unvollständig blieb, vergib mir, Gott, der du Verfehlungen erträgst!

aparādhasahasrabhājanaṃ patitaṃ bhīmabhavārṇapodare |
agatiṃ kharaṇāgataṃ hare kṛpayā kevalamātmasātkuru || 61 ||

अपराधसहस्रभाजनं पतितं भीमभवार्णपोदरे |
अगतिं खरणागतं हरे कृपया केवलमात्मसात्कुरु || ६१ ||

Caryāpāda 13.61: Ein Gefäß von tausend Verfehlungen bin ich, gefallen in den furchtbaren Ozean des Werdens, ohne Ausweg, zu dir als Zuflucht gekommen. Hari, nimm mich allein aus deiner Gnade ganz zu dir!

idaṃ samagraṃ dadyaṃ śrīyāmunācāryakṛte stotra ratne dṛśyate |
janmaprabhṛtidāso'smi śiṣyo'smi tanayo'smite |
tvaṃ ca svāmī gururmātā pitā ca mama mādhava || 62 ||

इदं समग्रं दद्यं श्रीयामुनाचार्यकृते स्तोत्र रत्ने दृश्यते |
जन्मप्रभृतिदासोऽस्मि शिष्योऽस्मि तनयोऽस्मिते |
त्वं च स्वामी गुरुर्माता पिता च मम माधव || ६२ ||

Caryāpāda 13.62: Die Quellenanmerkung sagt, der vorherige Vers finde sich vollständig in Yāmunācāryas Stotraratna. Seit meiner Geburt bin ich dein Diener, dein Schüler und dein Kind; du bist mein Herr, Lehrer, meine Mutter und mein Vater, Mādhava.

nāhaṃ hitaṃ vijānāmi tvāṃ bhajāmveva kevalam |
budvaivaṃ naya govinda muktyupāyena vartmanā || 63 ||

नाहं हितं विजानामि त्वां भजाम्वेव केवलम् |
बुद्वैवं नय गोविन्द मुक्त्युपायेन वर्त्मना || ६३ ||

Caryāpāda 13.63: Ich weiß nicht, was mir heilsam ist; allein dir wende ich mich zu. Erkenne dies, Govinda, und führe mich auf dem Weg, der zur Befreiung führt.

tvameva vettā śreyo me naita detaditīti ca |
buddhiyogaṃ ca me dehi yena tvāmupayāmyaham || 64 ||

त्वमेव वेत्ता श्रेयो मे नैत देतदितीति च |
बुद्धियोगं च मे देहि येन त्वामुपयाम्यहम् || ६४ ||

Caryāpāda 13.64: Du allein weißt, was mein höchstes Wohl ist und was dazu gehört oder nicht. Gib mir die Verbindung mit der rechten Einsicht, durch die ich zu dir gelange!“ Die Variante formuliert denselben Gedanken etwas anders.

Der Lakṣmī-Hymnus

Fundstelle: Caryāpāda 15.88–111. Die Göttin wird als Mutter, Kraft, Wissen, Wohlergehen und ungetrennte Gegenwart beim höchsten Selbst gepriesen. Einzelne beschädigte Lesungen bleiben in der Übersetzung gekennzeichnet.

lakṣmīstotram. |
samāmi devi lokānāṃ janayi tryabdhisambhave |
sarvalokeśvareśeśa vallabhe durlabhe'dhamaiḥ || 88 ||

लक्ष्मीस्तोत्रम्. |
समामि देवि लोकानां जनयि त्र्यब्धिसम्भवे |
सर्वलोकेश्वरेशेश वल्लभे दुर्लभेऽधमैः || ८८ ||

Caryāpāda 15.88: „Ich verneige mich vor dir, Göttin, Mutter der Welten, aus dem Meer geboren, Geliebte des höchsten Herrn aller Welten, für Niedriggesinnte schwer erreichbar!“ Die Varianten nennen Lotusgeburt beziehungsweise Geduld; einzelne Wörter sind beschädigt.

tryabja |
durlabhe kṣame |
vāsudevāṅgasaṃsparśa sukhaikarasabhājane |
namaste sukhade devi devānāmadhidevate || 89 ||

त्र्यब्ज |
दुर्लभे क्षमे |
वासुदेवाङ्गसंस्पर्श सुखैकरसभाजने |
नमस्ते सुखदे देवि देवानामधिदेवते || ८९ ||

Caryāpāda 15.89: „Du erfährst die ungeteilte Wonne der Berührung von Vāsudevas Körper. Verehrung dir, freudespendende Göttin, Gottheit über den Göttern! Die Variante nennt dich glückverheißend.

śubhade |
yadṛcchayāpi te devi kaṭākṣāḥ patitāssakṛt |
kṣudreṣvapi pragalbhanaite trilokeśvarāḥkramāt || 90 ||

शुभदे |
यदृच्छयापि ते देवि कटाक्षाः पतितास्सकृत् |
क्षुद्रेष्वपि प्रगल्भनैते त्रिलोकेश्वराःक्रमात् || ९० ||

Caryāpāda 15.90: Wenn auch nur zufällig ein einziger deiner Seitenblicke auf geringe Menschen fällt, wachsen sie dadurch bis zu Herrschern der drei Welten heran.

na spṛśanti trilokeśānapi yānvīkṣaṇānite |
saṃpādyante kṣaṇātkṣudrā nākapṛṣṭhādapicyutāḥ || 91 ||

न स्पृशन्ति त्रिलोकेशानपि यान्वीक्षणानिते |
संपाद्यन्ते क्षणात्क्षुद्रा नाकपृष्ठादपिच्युताः || ९१ ||

Caryāpāda 15.91: Selbst Herrscher der drei Welten, die dein Blick nicht berührt, werden im Augenblick gering und fallen von der Höhe des Himmels.

lāvaṇyādiguṇā yatra kāṣṭhāmaśnu vate parām |
tāni tvadīyānyaṅgāni devi kastotumarhati || 92 ||

लावण्यादिगुणा यत्र काष्ठामश्नु वते पराम् |
तानि त्वदीयान्यङ्गानि देवि कस्तोतुमर्हति || ९२ ||

Caryāpāda 15.92: In deinen Gliedern gelangen Schönheit und alle weiteren Vorzüge zur höchsten Vollendung. Wer vermag diese Glieder zu preisen, Göttin?

tvaṃ māyā tvamavidyāsi tvaṃ śaktiḥ karmaṇāmapi |
caitanyaśaktistvamasi prakṛtistriguṇātmikā || 93 ||

त्वं माया त्वमविद्यासि त्वं शक्तिः कर्मणामपि |
चैतन्यशक्तिस्त्वमसि प्रकृतिस्त्रिगुणात्मिका || ९३ ||

Caryāpāda 15.93: Du bist Māyā, du bist Avidyā, du bist auch die Kraft der Handlungen. Du bist Bewusstseinskraft und die aus den drei Guṇas bestehende Prakṛti.

tvameva vidyātraiyyantā trayī ca tvaṃ parāvarā |
yasyāstavāyutāṃśāṃśe devyo vāgādayasthsitāḥ || 94 ||

त्वमेव विद्यात्रैय्यन्ता त्रयी च त्वं परावरा |
यस्यास्तवायुतांशांशे देव्यो वागादयस्थ्सिताः || ९४ ||

Caryāpāda 15.94: Du bist die Erkenntnis des Vedānta und die dreifache Vedenlehre, höhere und niedere. Göttinnen wie Vāc bestehen nur in einem Bruchteil eines zehntausendsten Teils von dir.

saccidānandarūpasya parasya paramātmanaḥ |
ānandādimayī mūrti kavibhaktā bhavatyasi || 95 ||

सच्चिदानन्दरूपस्य परस्य परमात्मनः |
आनन्दादिमयी मूर्ति कविभक्ता भवत्यसि || ९५ ||

Caryāpāda 15.95: Du bist die aus Glückseligkeit und weiteren Vollkommenheiten bestehende, ungetrennte Gestalt des höchsten Selbst, dessen Wesen Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit ist.

prabhāsi tasya nityā tvaṃ bhāsvataḥ paramātmanaḥ |
sandhyā tvamasi viprāṇāṃ vandanīyā dine dine || 96 ||

प्रभासि तस्य नित्या त्वं भास्वतः परमात्मनः |
सन्ध्या त्वमसि विप्राणां वन्दनीया दिने दिने || ९६ ||

Caryāpāda 15.96: Du bist der ewige Glanz dieses strahlenden höchsten Selbst. Du bist die Dämmerung, welche Brahmanen Tag für Tag verehren.

bhūrbhuvassvastvayī ca tvaṃ bhūrasi tvaṃ bhuvosi ca |
svarasi vyāhṛtiścāpi ṛgyagussāmakāraṇam || 97 ||

भूर्भुवस्स्वस्त्वयी च त्वं भूरसि त्वं भुवोसि च |
स्वरसि व्याहृतिश्चापि ऋग्यगुस्सामकारणम् || ९७ ||

Caryāpāda 15.97: Du bist die Dreiheit Bhūr, Bhuvaḥ und Svaḥ: Erde, Zwischenraum und Himmel. Du bist die heilige Vyāhṛti und der Ursprung von Ṛg-, Yajur- und Sāma-Veda.

tvamāhutistvamiṣṭaśca dakṣiṇāsi tvameva ca |
siddhiśca karmaṇāṃ tvatto nānyāsti kamalālaye || 98 ||

त्वमाहुतिस्त्वमिष्टश्च दक्षिणासि त्वमेव च |
सिद्धिश्च कर्मणां त्वत्तो नान्यास्ति कमलालये || ९८ ||

Caryāpāda 15.98: Du bist Opfergabe, Opfer und Dakṣiṇā. Lotusbewohnerin, das Gelingen der Handlungen kommt von dir; keine andere Quelle dafür besteht.

nītirānvīkṣakī vārtā vidyā cādyāsi laukikī |
dṛṣṭvā devi tvayā hīnaṃ mṛta prāyaṃ jagattrayam || 99 ||

नीतिरान्वीक्षकी वार्ता विद्या चाद्यासि लौकिकी |
दृष्ट्वा देवि त्वया हीनं मृत प्रायं जगत्त्रयम् || ९९ ||

Caryāpāda 15.99: Du bist Staats- und Lebensführung, prüfende Erkenntnis, Wirtschaft und die grundlegende weltliche Bildung. Ohne dich erschien die Dreiwelt nahezu tot, Göttin.

yatnairambhodhimathanaprāyairāvirbhabhūvitha |
anuṣaṅgikamutpannaṃ prāptamapsarasāmapi || 100 ||

यत्नैरम्भोधिमथनप्रायैराविर्भभूविथ |
अनुषङ्गिकमुत्पन्नं प्राप्तमप्सरसामपि || १०० ||

Caryāpāda 15.100: Darum tratest du durch gewaltige Bemühungen wie das Quirlen des Milchozeans hervor. Die dabei entstandenen Apsarās waren nur eine begleitende Gabe.

tādṛgevāmṛtādanyadindire harimandire |
hālāhalaṃ viṣaṃ cāpi janmanaśśreyase tava || 101 ||

तादृगेवामृतादन्यदिन्दिरे हरिमन्दिरे |
हालाहलं विषं चापि जन्मनश्श्रेयसे तव || १०१ ||

Caryāpāda 15.101: Ebenso waren der Unsterblichkeitstrank und die anderen Kostbarkeiten beiläufig, Indirā, Wohnstätte Haris. Auch das Hālāhala-Gift

pratyūharūpeṇotpannaṃ kṣīrapāridhisambhave |
abhyarhitā tapotpatti revaṃ nāma madhudviṣaḥ || 102 ||

प्रत्यूहरूपेणोत्पन्नं क्षीरपारिधिसम्भवे |
अभ्यर्हिता तपोत्पत्ति रेवं नाम मधुद्विषः || १०२ ||

Caryāpāda 15.102: entstand als Hindernis bei deiner heilbringenden Geburt, o aus dem Milchmeer Hervorgegangene. So hoch schätzte der Bezwinger Madhus dein Erscheinen,

kurmāditiryagyonitvaṃ yatprāptaṃ paramātmanaḥ |
tvaṃ sarvalokajananī janako jagatāṃ hariḥ || 103 ||

कुर्मादितिर्यग्योनित्वं यत्प्राप्तं परमात्मनः |
त्वं सर्वलोकजननी जनको जगतां हरिः || १०३ ||

Caryāpāda 15.103: dass das höchste Selbst dafür Tiergestalten wie die Schildkröte annahm. Du bist die Mutter aller Welten; Hari ist ihr Vater.

tvayā ca viṣṇunācaidvyāptaṃ sthāvarajaṅgumam |
mānaḥkośaṃ tathā goṣṭhaṃ māgṛhaṃ mā paricchadam || 104 ||

त्वया च विष्णुनाचैद्व्याप्तं स्थावरजङ्गुमम् |
मानःकोशं तथा गोष्ठं मागृहं मा परिच्छदम् || १०४ ||

Caryāpāda 15.104: Du und Viṣṇu durchdringt alles Unbewegliche und Bewegliche. Verlasse nicht unseren Schatz, unseren Viehbestand, unser Haus und unsere Ausstattung,

mā śarīraṃ kalatraṃ ca tyajethā mā ca santatim |
śrutavān śīlavān dakṣo buddhimān vittavānṛjuḥ || 105 ||

मा शरीरं कलत्रं च त्यजेथा मा च सन्ततिम् |
श्रुतवान् शीलवान् दक्षो बुद्धिमान् वित्तवानृजुः || १०५ ||

Caryāpāda 15.105: nicht unseren Körper, unsere Lebensgefährten und unsere Nachkommenschaft! Gelehrt, tugendhaft, tüchtig, einsichtsvoll, vermögend und aufrichtig,

vṛttivān bandhumān śrīmān paśumān dhānyavānapi |
guṇavān kīrtimān loke tathābhijanavān prabhuḥ || 106 ||

वृत्तिवान् बन्धुमान् श्रीमान् पशुमान् धान्यवानपि |
गुणवान् कीर्तिमान् लोके तथाभिजनवान् प्रभुः || १०६ ||

Caryāpāda 15.106: mit Lebensunterhalt, Angehörigen, Wohlstand, Vieh und Getreide versehen, voll guter Eigenschaften, angesehen und von geachteter Herkunft,

āyuṣmān vijayī bhūmāṃstathaipārogyavānapi |
ślāghyavān deva puruṣaḥkaṭākṣaviṣayāttava || 107 ||

आयुष्मान् विजयी भूमांस्तथैपारोग्यवानपि |
श्लाघ्यवान् देव पुरुषःकटाक्षविषयात्तव || १०७ ||

Caryāpāda 15.107: langlebig, siegreich, kraftvoll, gesund und lobenswert wird ein Mensch, wenn dein Blick ihn trifft, Göttin.

guṇairyathoktairahitastvaddarśanavivarjitaḥ |
krīḍābhūmirhareryasya vakṣobhūmissanātanī || 108 ||

गुणैर्यथोक्तैरहितस्त्वद्दर्शनविवर्जितः |
क्रीडाभूमिर्हरेर्यस्य वक्षोभूमिस्सनातनी || १०८ ||

Caryāpāda 15.108: Wer deines Blickes entbehrt, ist ohne diese Vorzüge. Haris ewige Brust ist der Ort deines Spiels.

ānantyāttanakalyāṇi guṇānāṃ varṇane kṣamaḥ |
na vācaspatirapyeṣa dūre syānmādṛśāṃ sthitiḥ || 109 ||

आनन्त्यात्तनकल्याणि गुणानां वर्णने क्षमः |
न वाचस्पतिरप्येष दूरे स्यान्मादृशां स्थितिः || १०९ ||

Caryāpāda 15.109: Glückverheißende, wegen der Unendlichkeit deiner Eigenschaften vermag selbst der Herr der Rede sie nicht angemessen zu schildern; wie viel weniger Menschen meinesgleichen!

prasīda devi padme tvaṃ padmahaste śucistite |
padmāsane padmayonerjanayitri haripriye || 110 ||

प्रसीद देवि पद्मे त्वं पद्महस्ते शुचिस्तिते |
पद्मासने पद्मयोनेर्जनयित्रि हरिप्रिये || ११० ||

Caryāpāda 15.110: Sei gnädig, Göttin Padmā, mit dem Lotus in der Hand und reinem Lächeln, auf dem Lotus sitzend, Mutter des Lotusgeborenen, Geliebte Haris!

padmapriye namastubhyaṃ viṣṇorvakṣasthsalālaye |
stutyantamitthamārādhyā devyassarvā śśriyādayaḥ || 111 ||

पद्मप्रिये नमस्तुभ्यं विष्णोर्वक्षस्थ्सलालये |
स्तुत्यन्तमित्थमाराध्या देव्यस्सर्वा श्श्रियादयः || १११ ||

Caryāpāda 15.111: Verehrung dir, die du den Lotus liebst und auf Viṣṇus Brust wohnst!“ So werden alle Göttinnen von Śrī an bis zum abschließenden Lobpreis verehrt.

Das Viṣvaksena-Gebet

Fundstelle: Caryāpāda 31.427–451. Die vollständige Schlusssequenz des Kapitels enthält die eröffnende Ritualanweisung, den Lobpreis, die Zufluchtsbitte und die abschließende Fruchtverheißung. Besonders die Verse 449–450 bringen das Vertrauen in anschaulichen Vogelbildern zum Ausdruck.

karṇikāyāṃ samāsīnaṃ sainānyaṃ samyagarcayet |
viṣvaksena namaste'stu namo mṛtyubhayāpaha || 427 ||

कर्णिकायां समासीनं सैनान्यं सम्यगर्चयेत् |
विष्वक्सेन नमस्तेऽस्तु नमो मृत्युभयापह || ४२७ ||

Caryāpāda 31.427: Der Heerführer wird auf dem Fruchtboden sitzend ordnungsgemäß verehrt: „Viṣvaksena, Verehrung sei dir! Verehrung dir, der die Furcht vor dem Tod nimmt!

tenādyam |
nemo nutyubhayānapi |
namaḥ pāriṣa deśāya dhuryaya jagatāṃ namaḥ |
carācarāṇāmadistvaṃ janma nāśo na vidyate || 428 ||

तेनाद्यम् |
नेमो नुत्युभयानपि |
नमः पारिष देशाय धुर्यय जगतां नमः |
चराचराणामदिस्त्वं जन्म नाशो न विद्यते || ४२८ ||

Caryāpāda 31.428: Verehrung dem Herrn des Gefolges, dem Träger der Weltenlast! Du bist der Ursprung des Beweglichen und Unbeweglichen; Geburt und Vernichtung sind dir nicht eigen.“ Die Variante verändert die Ursprungsaussage.

nādirna |
dhuramādhāya lokānāṃ tvayyeva puruṣottamaḥ |
yoganidrā sukhavaśaśśete śeṣe manohare || 429 ||

नादिर्न |
धुरमाधाय लोकानां त्वय्येव पुरुषोत्तमः |
योगनिद्रा सुखवशश्शेते शेषे मनोहरे || ४२९ ||

Caryāpāda 31.429: „Nachdem Puruṣottama dir die Last der Welten anvertraut hat, ruht er im Glück des Yoga-Schlafs auf dem schönen Śeṣa.

vividhāya ca |
ekāntināṃ tapobhakti prakarṣakṣīṇakarmaṇām |
bhagavatprāptaye dvāradṛṣṭayastvāṃ prabhūtaye || 430 ||

विविधाय च |
एकान्तिनां तपोभक्ति प्रकर्षक्षीणकर्मणाम् |
भगवत्प्राप्तये द्वारदृष्टयस्त्वां प्रभूतये || ४३० ||

Caryāpāda 31.430: Für die ausschließlich Hingegebenen, deren Karma durch die Tiefe von Askese und Hingabe geschwunden ist, bist du das Tor zum Erlangen des Herrn.“ Die Schlussverbindung des Verses ist beschädigt.

brahmāṇamāhuḥ kalpādau pālane madhuvidviṣam |
patiṃ paśūnāṃ saṃhāre jagatastasthuṣāmapi || 431 ||

ब्रह्माणमाहुः कल्पादौ पालने मधुविद्विषम् |
पतिं पशूनां संहारे जगतस्तस्थुषामपि || ४३१ ||

Caryāpāda 31.431: „Am Beginn der Weltperiode nennt man dich Brahmā, bei ihrer Erhaltung Madhudviṣ, beim Vergehen der beweglichen und stehenden Welt den Herrn der Geschöpfe.

pādena medinīṃ viśvāṃ madhyena paramambaram |
nākaṃ mūrdhnā tvamākramyatiṣṭhasyeko jaganmayaḥ || 432 ||

पादेन मेदिनीं विश्वां मध्येन परमम्बरम् |
नाकं मूर्ध्ना त्वमाक्रम्यतिष्ठस्येको जगन्मयः || ४३२ ||

Caryāpāda 31.432: Mit dem Fuß durchmisst du die ganze Erde, mit der Mitte den weiten Raum und mit dem Haupt den Himmel; du stehst als der Eine, der das ganze All ist.

viśvaṃ |
tvaṃ bhūmistvamapāṃ sthānaṃ tejaśca tvaṃ samiraṇaḥ |
ākāśastvaṃ tvāmiyante vibhūtirvāpya tiṣṭhati || 433 ||

विश्वं |
त्वं भूमिस्त्वमपां स्थानं तेजश्च त्वं समिरणः |
आकाशस्त्वं त्वामियन्ते विभूतिर्वाप्य तिष्ठति || ४३३ ||

Caryāpāda 31.433: Du bist Erde, du bist der Ort der Wasser, du bist Glanz und Wind, du bist Raum. Alles geht zu dir beziehungsweise besteht als deine Entfaltung“; die letzte Wendung ist beschädigt.

tvameva bhāskaro bhūtvā viśvaṃ tapasi viṣṭapam |
āhlādayasi tadbhūyassomo bhūtvākṛpā nidhiḥ || 434 ||

त्वमेव भास्करो भूत्वा विश्वं तपसि विष्टपम् |
आह्लादयसि तद्भूयस्सोमो भूत्वाकृपा निधिः || ४३४ ||

Caryāpāda 31.434: „Als Sonne erwärmst du die ganze Welt; als Soma erfreust du sie wieder, du Schatz des Mitgefühls.“ Die Variante der Anrede klärt die im Grundtext widersprüchlich wirkende Form.

nidhe |
satvarūpasya te rūpe guṇāvanyo rajastamaḥ |
śuklarūpe yathā rūpe śuklarūpasya vastunaḥ || 435 ||

निधे |
सत्वरूपस्य ते रूपे गुणावन्यो रजस्तमः |
शुक्लरूपे यथा रूपे शुक्लरूपस्य वस्तुनः || ४३५ ||

Caryāpāda 31.435: „Du bist von Sattva geprägt; die beiden anderen Guṇas, Rajas und Tamas, sind Formen an dir, wie weitere Farben an einem weißen Gegenstand.“ Die Schlusszeile ist gestört, die Variante nennt Schwarz; das genaue Gleichnis bleibt unsicher.

kṛṣṇa |
tvāṃ sṛṣṭvā bhagavānādau bhaṅtkvā tairhetubhiḥ punaḥ |
tvāṃ smṛtvā sattamaṃ paścātpumāneti tvadātmatām || 436 ||

कृष्ण |
त्वां सृष्ट्वा भगवानादौ भङ्त्क्वा तैर्हेतुभिः पुनः |
त्वां स्मृत्वा सत्तमं पश्चात्पुमानेति त्वदात्मताम् || ४३६ ||

Caryāpāda 31.436: „Der Herr erschafft dich am Anfang und löst dich durch jene Ursachen wieder auf. Wer dann deiner als des höchsten Guten gedenkt, gelangt zur Einheit mit deinem Wesen.“ Die Varianten lesen Hören beziehungsweise Erfahren; die Verbenfolge ist nicht vollständig gesichert.

tvāṃ śrutvā |
bhuktvā |
tvamātmavān |
vaibhave nijenaiva bhibhrāṇetvayi viṣṭapam |
pitāmahassukhaṃ śeṣe śeṣe'śeṣajagatpatiḥ || 437 ||

त्वां श्रुत्वा |
भुक्त्वा |
त्वमात्मवान् |
वैभवे निजेनैव भिभ्राणेत्वयि विष्टपम् |
पितामहस्सुखं शेषे शेषेऽशेषजगत्पतिः || ४३७ ||

Caryāpāda 31.437: „Während du durch deine eigene Macht die Welt trägst, ruht der Herr des ganzen Alls, von seiner Last befreit, glücklich auf Śeṣa.“ Der Grundtext enthält eine unklare zusätzliche Anrede an den Urvater; die Variante verdeutlicht das Abnehmen der Last.

vīta bhāra |
ṛgbhiḥ prātastuvanti tvāṃ yajurbhirmadhyamedine |
sāyāhne sāmabhiḥ puṇyaissūryātmānaṃ dvijātayaḥ || 438 ||

वीत भार |
ऋग्भिः प्रातस्तुवन्ति त्वां यजुर्भिर्मध्यमेदिने |
सायाह्ने सामभिः पुण्यैस्सूर्यात्मानं द्विजातयः || ४३८ ||

Caryāpāda 31.438: „Morgens preisen dich die Zweimalgeborenen mit Ṛgversen, mittags mit Yajus und abends mit heilvollen Sāman-Gesängen als das Selbst der Sonne.

pravṛttihetuṃ viśvasya tvāmeva prakṛtiṃ viduḥ |
pumāṃsamapyudāsīnaṃ tatsākṣiṇamakalmaṣam || 439 ||

प्रवृत्तिहेतुं विश्वस्य त्वामेव प्रकृतिं विदुः |
पुमांसमप्युदासीनं तत्साक्षिणमकल्मषम् || ४३९ ||

Caryāpāda 31.439: Dich erkennen sie als Prakṛti, den Anlass aller Weltentfaltung, und ebenso als den unbeteiligten, makellosen Puruṣa, ihren Zeugen.

na kiṅcidabhi rūpaṃ yadviśvaṃ te viṣṭavaṃ punaḥ |
nāstite nāmadheyaṃ catvaṃ nāmāgniṃ suhṛdvidaḥ || 440 ||

न किङ्चिदभि रूपं यद्विश्वं ते विष्टवं पुनः |
नास्तिते नामधेयं चत्वं नामाग्निं सुहृद्विदः || ४४० ||

Caryāpāda 31.440: Es gibt nichts in der Welt, das nicht eine deiner Gestalten wäre; und obwohl du keinen begrenzenden Namen hast, gehören dir die Namen.“ Diese Aussage ist nur sinngemäß aus der stark beschädigten Zeile und ihrer Variante erschließbar.

rūpeṇa |
saṅkhyā nāsti guṇānāṃ te tejasāmapi bhāsvataḥ |
ṣaḍguṇā iti uktatvātprameyādīn pracakṣate || 441 ||

रूपेण |
सङ्ख्या नास्ति गुणानां ते तेजसामपि भास्वतः |
षड्गुणा इति उक्तत्वात्प्रमेयादीन् प्रचक्षते || ४४१ ||

Caryāpāda 31.441: „Deine Eigenschaften und deine leuchtenden Kräfte sind unzählbar. Weil von sechs Eigenschaften gesprochen wird, beschreibt man sie in sechs Grundformen“; die anschließende Bezeichnung ist beschädigt.

śaknoṣi budhyase viśvaṃ bhibharti navikārayam | |
īśiṣe dviṣato haṃsi tvameva bhuvanatrayam || 442 ||

शक्नोषि बुध्यसे विश्वं भिभर्ति नविकारयम् | |
ईशिषे द्विषतो हंसि त्वमेव भुवनत्रयम् || ४४२ ||

Caryāpāda 31.442: „Du vermagst alles, erkennst das All, trägst es ohne Veränderung, herrschst darüber und vernichtest Widersacher: Du selbst bist die drei Welten.

hitaiṣī tvaṃ yathā svāmin bhaktānāṃ gatapāpmanām |
tathā ca bāndhapāsteṣāṃ sākṣādātmāhikaṃ bahu || 443 ||

हितैषी त्वं यथा स्वामिन् भक्तानां गतपाप्मनाम् |
तथा च बान्धपास्तेषां साक्षादात्माहिकं बहु || ४४३ ||

Caryāpāda 31.443: So wie du, Herr, das Wohl deiner von Vergehen befreiten Verehrer suchst, so tun es ihre Verwandten kaum; du bist unmittelbar ihr eigenes Selbst. Wozu noch viele Worte?

tvadāninava sindhūnāṃ dīdhitīnāmivāṃśumān |
svāminnāmnāyamūlānāṃ vidyānāṃ prabhavo bhavān || 444 ||

त्वदानिनव सिन्धूनां दीधितीनामिवांशुमान् |
स्वामिन्नाम्नायमूलानां विद्यानां प्रभवो भवान् || ४४४ ||

Caryāpāda 31.444: Wie die Sonne Ursprung ihrer Strahlen ist, so bist du, Herr, Ursprung der in der Offenbarung wurzelnden Wissensgebiete.“ Das vorangehende Wasser- beziehungsweise Stromgleichnis ist stark beschädigt; die Variante bietet keine eindeutige Lesung.

jalāmāmina sindurvai |
na tu tiṣṭhanti śāstrāṇi bahuni kathayannapi |
na ca tvadbhaktisārāṇāṃ kalyāṇāni vicintayan || 445 ||

जलामामिन सिन्दुर्वै |
न तु तिष्ठन्ति शास्त्राणि बहुनि कथयन्नपि |
न च त्वद्भक्तिसाराणां कल्याणानि विचिन्तयन् || ४४५ ||

Caryāpāda 31.445: „Auch wer viele Śāstras vorträgt und über das Heil deiner von Hingabe erfüllten Menschen nachdenkt, kommt damit an kein Ende.“ Die genaue Verbform ist in der Quelle gestört.

bhave'smin duḥ khabahule tvāmāhuryogināṃ gatim |
apāṃ śivānāmādhāramadhvagānāṃ vivāsinām || 446 ||

भवेऽस्मिन् दुः खबहुले त्वामाहुर्योगिनां गतिम् |
अपां शिवानामाधारमध्वगानां विवासिनाम् || ४४६ ||

Caryāpāda 31.446: „In diesem leidvollen Dasein nennen dich die Yogins ihre Zuflucht, wie heilvolles Wasser den durstigen Wanderern Halt gibt.

dhanyaṃ tava pradeśeṣu gatyantaramapaśyatām |
nirvāpayasi nocecca tvaṃ kaṭākṣasudhārasaiḥ || 447 ||

धन्यं तव प्रदेशेषु गत्यन्तरमपश्यताम् |
निर्वापयसि नोचेच्च त्वं कटाक्षसुधारसैः || ४४७ ||

Caryāpāda 31.447: Für uns, die keine andere Zuflucht sehen, ist dein Bereich gesegnet. Wenn du uns nicht mit dem Nektar deiner Seitenblicke kühlst,

duḥkhadāvāgni bhirdagdhā jantavastaṃ mahīmayāḥ |
viśālavakṣasaṃ śyāmaṃ puṇḍarīkanibhekṣaṇam || 448 ||

दुःखदावाग्नि भिर्दग्धा जन्तवस्तं महीमयाः |
विशालवक्षसं श्यामं पुण्डरीकनिभेक्षणम् || ४४८ ||

Caryāpāda 31.448: werden die Geschöpfe vom Waldbrand des Leidens verbrannt.“ Die letzte Verbindung ist beschädigt. „Zu dir, dem Breitbrüstigen, Dunklen, mit Augen wie Lotusblüten,

sālākāracaturbāhuṃ tvā mahaṃ kharaṇaṃ vraje |
cakravāka ivādityaṃ cātako vāridaṃ yathā || 449 ||

सालाकारचतुर्बाहुं त्वा महं खरणं व्रजे |
चक्रवाक इवादित्यं चातको वारिदं यथा || ४४९ ||

Caryāpāda 31.449: mit vier Armen wie mächtigen Śāla-Stämmen, nehme ich Zuflucht: wie der Cakravāka zur Sonne und der Cātaka zur Regenwolke,

cakorā iva śītāṃśu mārtastvāmahayāśraye |
etatpaṭhati yastotraṃ śrutibhissaṃsthitaṃ tvidam || 450 ||

चकोरा इव शीतांशु मार्तस्त्वामहयाश्रये |
एतत्पठति यस्तोत्रं श्रुतिभिस्संस्थितं त्विदम् || ४५० ||

Caryāpāda 31.450: wie die Cakoras zum Mond, so komme ich bedrängt zu dir.“ Wer diesen in der Offenbarung gegründeten Hymnus liest,

sthiram |
prīyate tasya bhagavān senānīravilambitam |
dadyācca sampadassarvāstasmaibhaktāya durlabhāḥ || 451 ||

स्थिरम् |
प्रीयते तस्य भगवान् सेनानीरविलम्बितम् |
दद्याच्च सम्पदस्सर्वास्तस्मैभक्ताय दुर्लभाः || ४५१ ||

Caryāpāda 31.451: dessen erbarme sich der erhabene Heerführer unverzüglich und gewähre diesem Verehrer sämtliche schwer erreichbaren Güter. Damit endet das Viṣvaksena-Gebet.

Weitere Mantras: Grenzen der sicheren Ausschreibung

Bezeichnung Fundstelle Sicherer Befund
Viṣṇu-Gāyatrī Caryāpāda 26.1–9 Als vierundzwanzigsilbig angekündigt; die Lautchiffren sind teilweise beschädigt. Keine ungeprüfte vollständige Rezitationsform wird ergänzt.
Sudarśana-Mantra Caryāpāda 32.1–14 Der sechssilbige Mantra ist Thema des Kapitels; seine Lautgewinnung bleibt an mehreren Stellen unsicher.
Sudarśana-Gāyatrī Caryāpāda 32.15–19 Teile wie „sudarśanāya“ und „mahācakrāya“ sind erkennbar; die vollständige Schlussbildung wird nicht als gesichert ausgegeben.
Narasiṃha-Mantras Caryāpāda 27.30–223 Mehrere unterschiedliche Formen und Silbenzahlen; die heute bekannte einzelne Formel ersetzt nicht diese verschiedenen, teils beschädigten Lautfolgen.
Fünf Upaniṣad-Mantras Caryāpāda 33.12–32 Parameṣṭhin, Pumān/Puruṣa, Viśva, Nivṛtta und Sarva sind benannt und mit Sehern, Metren und Gottheiten verbunden. Die vollständige Lautrekonstruktion ist nicht überall sicher.

Die Gesamtübersetzung erschließt diese Anweisungen und ihre Unsicherheiten. Sie behauptet keine vollständige Entschlüsselung aller Mantras. Für ihre traditionsgebundene Anwendung verweist das Werk selbst auf Guru, Einweihung und die jeweiligen Voraussetzungen.

Mit einer Stelle in die Praxis gehen

Wähle eine verständliche Lesestelle oder Gebetszeile. Lies sie langsam und frage dich, welche Haltung sie heute stärken kann. Eine Bitte um Führung kann helfen, die eigenen Grenzen anzuerkennen; ein Vers über Mitgefühl kann das Zuhören verändern. Das genaue Verstehen und die ehrliche Anwendung sind wichtiger als das rasche Durchlesen möglichst vieler Stellen.

Quellen und weiterführende Praxis

Grundlage ist die IAST-Sammelfassung „z pADMA.txt“. Die genau 108 Lesestellen sind mit Pāda, Kapitel und Versbereich nachgewiesen und enthalten innerhalb der Auswahl keine doppelt verwendeten Versnummern. Der zusätzliche Mantra- und Gebetsabschnitt darf bewusst auf einzelne dieser Stellen zurückgreifen. Alle Übersetzungen beziehen sich auf die vorhandene, teils beschädigte Quelle; fehlende Verse wurden nicht ergänzt.

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Im Gespräch mit anderen Tantra-Schriften

Zum Weiterlesen eignet sich die Ahirbudhnya Samhita für Zuflucht und Gnade, die Jayakhya Samhita für die Verbindung von Mantra und Verehrung und das Lakshmi Tantra für die göttliche Kraft. Vijnana Bhairava Tantra eröffnet viele kurze Zugänge zur Meditation; Mahanirvana Tantra verbindet innere Darbringung und Lebensführung. Nimm zunächst eine gemeinsame Frage mit: Welche Haltung stärkt dieser Text in mir? Kehre danach zu den jeweiligen Fundstellen zurück, damit die Inspiration in einem klaren Verständnis wurzelt.

Siehe auch

Die Padma Samhita lesen: Werküberblick · Yogapāda · Jñānapāda · Kriyāpāda 1–23 · Kriyāpāda 24–32 · Caryāpāda 1–28 · Caryāpāda 29–33 · Kriyāpāda in Devanagari · Caryāpāda in Devanagari · 108 Lesestellen und Mantras.

Veröffentlichte Tantra- und Āgama-Artikel zum Weiterstudieren:

Die Bezüge erläutern gemeinsame Fragen und unterschiedliche Antworten. Sie setzen weder dieselbe Ritualordnung noch eine nachgewiesene historische Abhängigkeit voraus.


Einen Vers leben

Wähle für heute eine einzige Stelle. Lies sie, schließe einen Moment die Augen und lass ihre Bedeutung in dir ankommen. Wenn sie von Geduld spricht, übe geduldiges Zuhören; wenn sie um Führung bittet, halte inne, bevor du handelst. So bleibt der Vers nicht auf der Seite. Er findet einen Platz in deinem Leben und kann dort zu Klarheit, Mitgefühl und Freude werden.

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