Padma Samhita Jnanapada

Aus Yogawiki

Der Jñānapāda der Padma Samhita beginnt mit einer Frage, die viele Suchende kennen: Weshalb führt das Wissen aus Büchern noch nicht von selbst zur Befreiung? Die Weisen haben viel gelernt und wünschen sich dennoch eine Erkenntnis, die den Menschen von innen her verwandelt. Aus dieser Sehnsucht entfaltet der Text seine Unterweisung über Vāsudeva, das höchste Brahman, die Welt und den Weg aus der Bindung.

Was trägt mich, wenn Gewissheiten schwanken? Der Jñānapāda nimmt diese Sehnsucht ernst. Er verbindet die Frage nach dem höchsten Selbst mit Hingabe, gelebter Aufrichtigkeit und der Offenheit für Gnade. Seine Bilder vom Licht laden dazu ein, beim Lesen immer wieder still zu werden und das Gelesene mit der eigenen Erfahrung ins Gespräch zu bringen.


Die zwölf Kapitel verbinden Jñāna Yoga mit Bhakti Yoga, ethischer Schulung und Meditation. Erkenntnis wächst hier nicht losgelöst vom Leben: Wahrhaftigkeit, Mitgefühl, Aufrichtigkeit, Schriftstudium und ein ruhiger Geist bereiten ihr den Boden. Zugleich betont das Werk die Gnade des göttlichen Herrn. Übung und das Empfangen von Gnade stehen nebeneinander.

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Swami Sivananda am Ganges: Studium und gelebte Praxis gehören zusammen.

Ein Weg durch die zwölf Kapitel

  • Kapitel 1 erzählt von der Suche nach Gewissheit, der Weitergabe der Lehre und ihrer Stellung unter den religiösen Überlieferungen.
  • Kapitel 2–3 entfalten die göttlichen Gestalten, die Schöpfung und Brahmās Begegnung mit dem höchsten Puruṣa.
  • Kapitel 4–6 fragen nach Bindung und Befreiung, Māyā und Prakṛti, dem Wesen Brahmans und seiner Gegenwart in allem.
  • Kapitel 7–8 behandeln die Läuterung des Geistes, Vertrauen, Hingabe, Sammlung, die drei Guṇas und unterschiedliche Weisen der Befreiung.
  • Kapitel 9–12 beschreiben die kosmischen Welten, die Früchte des Handelns und die höchste göttliche Wohnstätte. Am Ende steht die Weitergabe der Erkenntnis in der Folge der Lehrer.

Textgrundlage und Lesehinweise

Diese Ausgabe enthält alle 587 nummerierten Einheiten des Jñānapāda in der vorliegenden IAST-Grundlage, jeweils mit deutscher Übersetzung. Darunter befinden sich Fragmente; die Zahl ist deshalb nicht mit 587 vollständig erhaltenen Ślokas gleichzusetzen. In der Kapitelzählung fehlen keine Kapitel. Innerhalb der Kapitel fehlen jedoch insgesamt 33 Versnummern; diese Lücken werden jeweils angegeben. Die zweite Nummer 100 in Kapitel 1 wird in der deutschen Zuordnung als 100b kenntlich gemacht und im Sanskrit nicht umnummeriert.

Die Sanskritblöcke bewahren auch Zwischenüberschriften, Sprecherangaben, Lesarten und editorische Zusätze. Sie bilden die vorhandene Vorlage ab, keine neu hergestellte kritische Edition. Inhaltlich wichtige Abweichungen und beschädigte Lesungen werden unmittelbar erläutert. Das Devanagari ist aus derselben IAST-Fassung abgeleitet und kein unabhängiger Textzeuge.

Das Werk spricht aus einer ausgeprägt vaiṣṇavischen Perspektive. Seine scharfen Aussagen über andere religiöse Wege und seine historischen Zugangsbeschränkungen werden nicht verschwiegen. Sie sind Aussagen der Quelle und keine allgemeingültigen Urteile über andere Menschen oder Traditionen. Ebenso werden die Weltmaße der letzten Kapitel als religiöse Kosmologie gelesen, nicht als heutige Naturwissenschaft.


IAST und deutsche Übersetzung

Kapitel 1: Die Suche nach Befreiung und die Überlieferung

Hinweis zur Quelle: Die Nummern 18, 19, 20, 34, 110 fehlen in der Vorlage. Fragmente im Umfeld bleiben erhalten.

Hinweis zur Nummerierung: Die Nummer 100 kommt zweimal vor. Der zweite Eintrag wird in der deutschen Zuordnung mit „b“ unterschieden, ohne die Originalnummer umzuschreiben.

śrīrastu |
śrīmate rāmānujāyanamaḥ |
pādmasaṃhitāyāṃ jñānapādaḥ |
āsīnamāśrame kaṇvaṃ kaṇvāśramanivāsinaḥ |
niśreyasakaraṃ karma praṣṭumārobhiro munim || 1 ||

1.1 Die Bewohner von Kaṇvas Āśrama traten an den dort sitzenden Weisen heran, um ihn nach dem Handeln zu fragen, das zum höchsten Heil führt. Die einleitenden Verehrungsworte lauten: „Heil sei! Verehrung dem ehrwürdigen Rāmānuja! In der Padmasaṃhitā: der Jñānapāda.“

ṛṣayaḥ |
adhītāḥ kaṇva bhagavan sāṅgo paṅgāssaviturāḥ |
vedāstvatta stadarthāni śāstrāṇica yathātatham || 2 ||

1.2 Die Weisen sprachen: Ehrwürdiger Kaṇva! Von dir haben wir die Veden mit ihren Haupt- und Nebengebieten sowie die ihren Sinn erläuternden Lehrwerke eingehend studiert. [„saviturāḥ“ ist beschädigt.]

samastāni |
eteṣu yadadhīteṣu kaivalyāyanakalpate |
kāraṇaṃ tadapi tvattaśśrotavyaṃ nānyathāgatiḥ || 3 ||

1.3 Doch weshalb führt das Studium dieser Schriften nicht schon zur vollkommenen Befreiung? Auch den Grund dafür möchten wir von dir hören; einen anderen Weg sehen wir nicht.

kaṇvaḥ |
śrūyatāṃ munayassarvai yathāpūrvaṃ mayā śrutaṃ |
upasaṅgamya saṃvartamṛṣimarkamivāparam |
pradīptametamevārthaṃ pṛṣṭavānabhivādyatam || 4 ||

1.4 Kaṇva sprach: Hört alle, ihr Weisen, was ich früher vernommen habe. Ich suchte den Ṛṣi Saṃvarta auf, der wie eine zweite Sonne strahlte, verneigte mich vor ihm und stellte ihm genau diese Frage.

śṛraṇvatāṃ sa maharṣīṇāṃ saṃvarta ssarvavitsvayaṃ |
pā. ssaṃyatassvayam |
mahyaṃ śuśrūṣamāṇāya pratyuvāca yathātatham || 5 ||

1.5 Während die großen Weisen zuhörten, antwortete mir der allwissende Saṃvarta, da ich aufmerksam zu hören wünschte. Die Variante beschreibt ihn als „selbstbeherrscht“.

saṃvartaḥ |
adhītāssakalāvedā ssāṅgopaṅgāssavistarāḥ |
itihāsapurāṇāni vākovākya yutānica || 6 ||

1.6 Saṃvarta sprach: Ich hatte sämtliche Veden mit ihren Haupt- und Nebengebieten und ausführlichen Erläuterungen studiert; auch die Überlieferungen der Itihāsas und Purāṇas mit ihren Lehrgesprächen …

śrutāni teṣu sarveṣu dṛśyante sarvadevatāḥ |
svatantrāḥ phalamapyeṣu svargādanyanna dṛśyate || 7 ||

1.7 … hatte ich gehört. In ihnen allen erscheinen die verschiedenen Gottheiten als selbstständig. Als Frucht wird dort, so schien es mir, nichts anderes als der Himmel sichtbar.

vividhāni ca śāstrāṇi na tarkāśca pratiṣṭhitāḥ |
apavargaphalopāyaṃ na ca paśyāmi kuttacit || 8 ||

1.8 Die Lehrwerke sind verschieden, und die Schlussfolgerungen des Nachdenkens finden keinen festen Halt. Nirgendwo erkenne ich ein Mittel, dessen Frucht Befreiung ist.

śrutireva ca tasyāpi pramāṇamiti śaśruma |
niścayaṃ nādhigacchāmi manasā vimṛśannapi || 9 ||

1.9 Wir haben gehört, dass gerade die Śruti auch dafür die maßgebliche Erkenntnisquelle sei. Doch selbst bei gründlichem Nachdenken finde ich keine Gewissheit.

tato'haṃ bhṛśanirviṇṇassantaptahṛdayastathā |
siddhāśramaṃ samāsādya druhiṇaṃ samapūjayam || 10 ||

1.10 So war ich tief ernüchtert und im Herzen bekümmert. Ich begab mich zum Siddhāśrama und verehrte dort Brahmā.

atyugraṃ tapa ātiṣṭhaṃ tataḥ prītaḥ prajāpatiḥ |
ṛṣibhirdaivataissārdhaṃ svayamāgānmadantikam || 11 ||

1.11 Ich übte äußerst strenge Askese. Darüber erfreut, kam Prajāpati selbst mit Weisen und Gottheiten zu mir.

brahmāḥ |
varaṃ vṛṇīṣva bhadraṃ teyatte manasi vartate |
varārthināṃ dvijaśreṣṭha darśanaṃ varadaṃ mama || 12 ||

1.12 Brahmā sprach: Wähle einen Segen, der deinem Herzenswunsch entspricht. Heil sei dir, Bester der Zweimalgeborenen! Wer einen Segen sucht, dem gewährt meine Erscheinung Erfüllung.

saṃvartaḥ |
ityukto'haṃ bhagavatā pratyavocaṃ kutāñjaliḥ |
jñānaṃ bhavatu me śuddhaṃ nissaṃśayamanākulam || 13 ||

1.13 Saṃvarta sprach: Als der Erhabene so gesprochen hatte, antwortete ich mit gefalteten Händen: Möge mir reine Erkenntnis zuteilwerden, frei von Zweifel und Verwirrung …

yena sāṃsārikaṃ duḥkhaṃ tarāmi jñānavartmanā |
ityukto devadevastu prahasannidamabravīt || 14 ||

1.14 … durch die ich auf dem Weg der Erkenntnis das Leiden des Saṃsāra überquere. So angesprochen, lächelte der Herr der Götter und sagte:

brahmāḥ |
śṛṇu vipra pravakṣyāmi siddhyupāya manāmayam |
śrutireva dvijātīnāṃ niśśreyasakarī parā || 15 ||

1.15 Brahmā sprach: Höre, Brahmane, ich werde dir einen heilsamen Weg zur Vollendung erklären. Für die Zweimalgeborenen ist die Śruti das höchste Mittel zum höchsten Heil.

yato vai śrutimantreṇa nityamārādhayan harim |
kaivalyaṃ paramaṃ prāpto na bhūyassaṃsarediha || 16 ||

1.16 Wer Hari beständig mit den Mantras der Śruti verehrt und dadurch die höchste Befreiung erlangt, kehrt nicht mehr in diesen Kreislauf des Werdens zurück.

saṃvartaḥ |
bhagavan kena śāstreṇa dena ārādhyate paraḥ |
kīdṛśa stu paro devo vidhiḥ ko vā tadarcane || 17 ||

1.17 Saṃvarta sprach: Erhabener, durch welches Lehrwerk wird der höchste Gott verehrt? Wie ist dieser höchste Gott beschaffen, und welches Verfahren gilt seiner Verehrung?

mantreṇa staptaṃ tapomayā || 21 ||

1.21 „… mit dem Mantra … habe ich Askese geübt.“ [Nach den fehlenden Nummern 18–20 bleibt nur ein Satzfragment. Die Variante „svatastaptaṃ“ ist ebenfalls unvollständig.]

svatastaptaṃ |
tapobalena pātālaṃ praniśannāgapālitam |
tatrāpaśyaṃ sukhāsīnaṃ nāgeśaiḥ parivāritam || 22 ||

1.22 Durch die Kraft der Askese trat ich in die von Nāgas behütete Unterwelt ein. Dort sah ich ihn bequem sitzend, umgeben von den Nāga-Fürsten.

kapilaṃvṛtaṃ |
avocaṃ kapilaṃ viṣṇuṃ daṇḍavat praṇataḥ kṣitau |
jambūdvīpāduvṛttassaṃvartohaṃ prasīdame || 23 ||

1.23 Ich warf mich der Länge nach zu Boden und sprach zu Kapila, der hier als Viṣṇu angeredet wird: Ich bin Saṃvarta, aus Jambūdvīpa gekommen. Sei mir gnädig! [Die Variante „kapilaṃ vṛtam“ ergänzt: „Kapila, umgeben …“.]

viddhi māṃ bhagavan viṣṇo prāptaṃ druhiṇaśāsanāt |
jñānayogakriyācaryā mṛgyate yanmaharṣibhiḥ || 24 ||

1.24 Erkenne, o erhabener Viṣṇu: Ich bin auf Brahmās Geheiß gekommen. Erkenntnis, Yoga, rituelles Wirken und Lebensführung, wonach die großen Weisen suchen …

tadaśeṣeṇa viditaṃ bhavavidhvaṃsanaṃ tava |
saṃsārāpārapāthodhimagnaṃ māṃ bhṛśaduḥkhitam || 25 ||

1.25 … sind dir vollständig bekannt und vernichten die Bindung an das Werden. Ich bin in den grenzenlosen Ozean des Saṃsāra versunken und von tiefem Leid erfüllt.

trāyasva bhagavannārtaṃ kṛpayā parayāvibhau |
tvadṛte'nyona vettāsya mokṣopāyasya vartmanaḥ || 26 ||

1.26 Rette mich Bedrängten in deinem großen Mitgefühl, o allgegenwärtiger Herr! Außer dir kennt niemand diesen Weg zur Befreiung. Die Variante „darśakaḥ“ bedeutet: „niemand zeigt [ihn]“.

darśakaḥ |
ityuktaḥ kapilo devaḥ prasādātpadmajanmanaḥ |
pārśvasthaṃ padmamālokya prasīdannidamabravīt || 27 ||

1.27 So angesprochen, blickte der göttliche Kapila auf Padma, der an seiner Seite stand, und sprach freundlich. Der Wortlaut verweist dabei auf die Gunst des Lotosgeborenen; die Variante betont Kapilas gnädige Zuwendung.

prasādābhimukhastadā |
kapilaḥ |
he padma nāgarājendra janmavidhvaṃsahetukam |
mahopaniṣacaṃ sarvaṃ śrutavānasi manmukhāt || 28 ||

1.28 Kapila sprach: Padma, Fürst der Nāga-Könige! Aus meinem Mund hast du die ganze große Unterweisung gehört, die den Kreislauf der Geburten beendet.

śrāvyatāṃ sakalaṃ cāyaṃ saṃvarto vedapāragaḥ |
jñānānāṃ paramaṃ jñānaṃ sākṣā ddevasamāśritam || 29 ||

1.29 Lass auch Saṃvarta, der die Veden gründlich kennt, alles hören: die höchste unter den Erkenntnissen, unmittelbar auf den göttlichen Herrn bezogen …

dveda |
sātvikaṃ deva devasya samārādhanakarmajam |
mokṣyamāṇaiśca satataṃ mṛgyamāṇaṃ durāsadam || 30 ||

1.30 … von reiner, sattviger Art, aus der vollkommenen Verehrung des Herrn der Götter erwachsend, schwer erreichbar und von den nach Befreiung Strebenden unablässig gesucht.

saṃvartaḥ |
uktena kapilenaivaṃ padmākhyena mahātmanā |
uditaṃ yanmahacchāstraṃ tatsarvaṃ prabravīmite || 31 ||

1.31 Saṃvarta sprach: Auf diese Anweisung Kapilas hin verkündete der große Padma das erhabene Lehrwerk. Dieses Ganze will ich dir nun mitteilen.

īritaṃ |
sārdhakoṭipramāṇena brahmaṇākeśavāccrutam |
kapilāya dadaubrahmalakṣāṇāṃ pa़ñcakaṃpunaḥ || 32 ||

1.32 Brahmā hörte es von Keśava in einem Umfang von anderthalb Koṭis. Er gab Kapila eine Fassung von fünfhunderttausend Einheiten weiter. [Die Zahlen gehören zur Überlieferungserzählung und belegen keinen erhaltenen Textumfang.]

pramāṇaṃtat |
kapilo'picamadmāya prīdadau lakṣamātrayā |
padmo'pi dattavānmahya mayutagrandhasaṅkhyayā || 33 ||

1.33 Kapila wiederum übermittelte Padma hunderttausend Einheiten; Padma gab mir eine Fassung von zehntausend Texteinheiten.

saṃkhyayā brahmāloka pitāmahaḥ |
ārādhayan mahādevaṃ hariṃ nārāyaṇaṃ param || 35 ||

1.35 „… Brahmā, der Großvater der Welt … den großen Gott Hari, den höchsten Nārāyaṇa verehrend …“ [Nach der fehlenden Nummer 34 ist der Satzzusammenhang nicht vollständig erhalten.]

satataṃ dharmaṃ samāsthāya ye yajante vicakṣaṇāḥ || 36 ||

1.36 „Die Einsichtigen, die beständig im Dharma stehen und verehren …“ [Nur ein Halbvers ist vorhanden; er setzt sich in der nächsten Einheit fort.]

imaṃ |
te yānti vaiṣṇavaṃsthānaṃ punarāvṛttivarjitam |
evaṃ sarveṣukurvatsu mānaveṣu mumukṣuṣu || 37 ||

1.37 … gelangen zur Wohnstätte Viṣṇus, aus der es keine Wiederkehr gibt. Als alle nach Befreiung strebenden Menschen so handelten …

sṛṣṭikṣayo mahānāsī nnārakī bhūstṛṇāvṛtā |
pañcakālaparāssarve sarvecabhagavanmayāḥ || 38 ||

1.38 … nahm die Schöpfung stark ab, und der Boden der Höllen wurde von Gras bedeckt. Alle widmeten sich dem fünffachen Tagesdienst, alle waren ganz vom göttlichen Herrn erfüllt.

nānyaṃ yajantedhyāyanti ṛte nārāyaṇānnarāḥ |
evaṃ kārtayugedharme vartamāne mahāmune || 39 ||

1.39 Die Menschen verehrten und meditierten niemanden außer Nārāyaṇa. Als der Dharma des Kṛta-Zeitalters auf diese Weise herrschte, o großer Weiser …

lokakartāsvayaṃ brahmā nārāyaṇamupāgamat |
tuṣṭāvaca hṛṣīkeśaṃ puṇḍarīkākṣavidyayā || 40 ||

1.40 … begab sich Brahmā, der Weltschöpfer selbst, zu Nārāyaṇa. Er pries Hṛṣīkeśa mit der Puṇḍarīkākṣa-Vidyā.

bhūmau daṇḍapraṇāmaṃca kṛtvātūṣṇīṃ vyatiṣṭhata |
śrībhagavān |
lokāḥ kinnānuvartante śāsanaṃ tavaśāśvataṃ |
brahman tavādhikārovā prāpyate kinnurākṣataiḥ || 1. || 41 ||

1.41 Nachdem er sich der Länge nach zu Boden geworfen hatte, stand er schweigend da. Der erhabene Herr fragte: Brahmā, folgen die Welten nicht mehr deiner bleibenden Ordnung? Wird deine Amtsgewalt etwa angegriffen? [Das letzte Wort ist beschädigt; „rākṣataiḥ“ lässt keine sichere Benennung der Angreifer zu. Die isolierte „1.“ bleibt im Sanskrit erhalten.]

tadīyaṃvāpadaṃprāptuṃ natapasyanti kiṃsurāḥ |
ityukto deva devena pratyabhāṣatapadmabhūḥ || 42 ||

1.42 Oder üben die Götter Askese, um deinen Rang zu erlangen? So vom Herrn der Götter angesprochen, antwortete der Lotosgeborene:

brahmāḥ |
bhagavan bhūtabhavyeśa mamaśreya si jāgrati |
tvayi sarvatrakuśalaṃ vatarte sārvakālikam || 43 ||

1.43 Brahmā sprach: Herr über Vergangenes und Künftiges! Da du über mein Wohlergehen wachst, herrscht überall und jederzeit Wohlergehen.

kintu vakṣyāmi deveśa śraddadhānā jitendriyāḥ |
mahārahasyamāsthāya yajantesarvamānavāḥ || 44 ||

1.44 Doch eines will ich dir sagen, Herr der Götter: Alle Menschen verehren dich voller Vertrauen, mit beherrschten Sinnen, indem sie sich an die große geheime Unterweisung halten.

te yānti vaiṣṇavaṃsthānaṃ punarāvṛttivarjitam |
sasvargonāpi narakona janmamaraṇe ubhe || 45 ||

1.45 Sie gelangen zur Wohnstätte Viṣṇus ohne Wiederkehr. Daher gibt es weder Himmel noch Hölle, weder Geburt noch Tod. [Die erste Silbenfolge des zweiten Halbverses ist gestört; der Aufzählungssinn ist erkennbar.]

saṃvatan |
ityukto brahmaṇādevaḥ śaṅkhacakragadādharaḥ |
pārśvasthaṃ rudramālokya vyājahāra svayaṃhariḥ || 46 ||

1.46 Nachdem Brahmā so gesprochen hatte, blickte Hari, der Muschelhorn, Diskus und Keule trägt, auf Rudra an seiner Seite und sprach:

śrībhagavan |
ṣaṭ prakārāṇi tantrāṇi tvaddaivatyāśaṅkara |
parasvaraviruddhāni kuruṣva tvaṃ yathātatham || 47 ||

1.47 Der erhabene Herr sprach: Śaṅkara, schaffe sechs Arten von Tantras, die dich zur Gottheit haben und einander widersprechen.

avatāraiśca bahubhirmatsyādibhirahaṃ punaḥ |
tvatpraṇītāniśāstraṇi sthāpayāmi mahītale || 48 ||

1.48 Ich wiederum werde durch zahlreiche Erscheinungsformen, angefangen mit Matsya, die von dir hervorgebrachten Lehrwerke auf Erden verbreiten.

alpāyā senasulabhaṃ bhūyiṣṭhaṃ phalamadbhutam |
ṣaṭ prakārecaśāstre'smin darśaya sthema kāraṇam || 49 ||

1.49 Zeige in diesen sechs Arten der Lehre eine erstaunliche, überreiche Frucht, die mit geringer Mühe leicht erreichbar ist und Bestand ermöglicht. Die Variante liest „Wohlergehen“ statt „Bestand“.

kṣema |
yogaśāstrasya kartṛtveviriñco'dhikariṣyati |
sāṅkhyasyacāpinirmāṇe kapilo'dhikariṣyati || 50 ||

1.50 Viriñca soll mit der Abfassung der Yogalehre betraut sein; Kapila soll die Sāṃkhya-Lehre gestalten.

buddhamūrtiṃ samāsthāya buddhaśāstraṃ sṛjāmyaham |
jñānāpahnavaniṣṇātāṃ jñātṛjñeyāpalāpica || 51 ||

1.51 Indem ich die Gestalt Buddhas annehme, werde ich die buddhistische Lehre hervorbringen, die sich auf die Verneinung von Erkenntnis versteht und Erkennenden wie Erkanntes bestreitet. [Dies ist die polemische Darstellung des Werkes, keine sachliche Zusammenfassung buddhistischer Lehren.]

ārhatīṃ mūrtimāsthāya śāstraṃ śāsmi tathārhataḥ |
pañcarātrābhidhaṃ śāstraṃ mayāpūrvaṃ kṛtaṃkila || 52 ||

1.52 Auch in der Gestalt eines Arhat werde ich die Lehre der Arhats verkünden. Das Pāñcarātra genannte Lehrwerk habe ich schon zuvor geschaffen.

kāpālaṃ śuddhaśaivaṃ ca tathā pāśupataṃtrayam |
kuruṣvatrīṇiśāstrāṇi lokānāṃ mohanāyavai || 53 ||

1.53 Du aber schaffe die drei Lehren Kāpāla, Śuddhaśaiva und Pāśupata, um die Welten zu verwirren. [Der Text grenzt hier andere religiöse Wege aus seiner eigenen Perspektive ab.]

śāstrāṇi matpraṇītāni bhavadbhirvyākṛtānica |
ābhūtasaṃplavaṃ lokesthāsyanti mama śāsanāt || 54 ||

1.54 Die von mir hervorgebrachten und von euch erläuterten Lehrwerke sollen auf mein Geheiß bis zur Auflösung der Elemente in der Welt bestehen.

bhāḍhamityevatesarve praṇipatyābruvan harim |
kṛtakṛtyastadābrahmā sārdhaṃ devaissvamālayam || 55 ||

1.55 Alle verneigten sich vor Hari und antworteten: So sei es! Brahmā hatte seine Aufgabe erfüllt und kehrte mit den Göttern in seine eigene Wohnstätte zurück …

jagāma siddhagandharva cāraṇādibhirarcitaḥ |
saṃvartaḥ |
pañcarātreṇatulyāni tadā prabhṛtivaimune |
śaivādīnacaśāstrāṇi prathante śāsanāddhareḥ || 56 ||

1.56 … verehrt von Siddhas, Gandharvas, Cāraṇas und anderen. Saṃvarta sprach: Seit jener Zeit, o Weiser, verbreiten sich auf Haris Geheiß auch die śivaitischen und weiteren Lehrwerke, die dem Pāñcarātra gleichgestellt erscheinen.

vaiṣṇavyāmāyayāloke pracapantiniraṅkuśāḥ |
śaivādayopi samayāstatra tatra pratiṣṭhitāḥ || 57 ||

1.57 Durch Viṣṇus Māyā breiten sie sich ungehindert in der Welt aus. Auch die śivaitischen und anderen Überlieferungen sind an den verschiedensten Orten fest begründet.

pañcetare pañcarātramadūṣitamapi svayaṃ |
dūṣayantyeva sṛṣṭatvāt taddhūṣayitumīśvaraiḥ || 58 ||

1.58 Die fünf anderen [Lehren] tadeln selbst das untadelige Pāñcarātra, denn die Götter haben sie geschaffen, um es zu tadeln.

pāṣaṇ‍ḍeṣu nirasteṣu hetuvādānukūlatā |
jāyate viṣṇumāyābhiḥ patitānāṃ durātmanāṃ || 59 ||

1.59 „Wenn die abweichenden Lehren zurückgewiesen sind … entsteht eine Hinwendung zur Beweisführung bei den gefallenen, schlechtgesinnten Menschen durch Viṣṇus Māyā.“ [Der Zusammenhang der beschädigten Aussage ist unsicher; die abwertenden Bezeichnungen gehören zum Text.]

nāstikānindakājātāḥ vyādhibhiḥ paripīḍitāḥ |
jāyante camriyante ca pacyante nirayoṣvapi || 60 ||

1.60 Als Ungläubige und Verleumder werden sie geboren, von Krankheiten gequält. Sie werden geboren und sterben und werden auch in Höllen gestraft.

svargeṣu ca vatantyanye māyāmalinacetasaḥ |
taranticabhavāmbhodhiṃ māyayāye bahiṣkṛtāḥ || 61 ||

1.61 Andere verweilen in Himmelswelten, ihr Geist von Māyā getrübt. Den Ozean des Werdens überqueren diejenigen, die von Māyā freigelassen worden sind.

āloḍyasarvaśāstrāṇi vicārya ca punaḥ punaḥ |
nārāyaṇāmṛtadhyānamuśanti brahmavādinaḥ || 62 ||

1.62 Nachdem sie alle Lehrwerke durchforscht und immer wieder geprüft haben, preisen die Brahmankenner die nektargleiche Meditation über Nārāyaṇa.

brāhmaṇassarvavarṇeṣu yatiścāśramiṣūttamaḥ |
yadyadgaṅgā catīrtheṣu daivateṣvapicācyutaḥ || 63 ||

1.63 Wie der Brahmane unter den Varṇas, der Entsagende unter den Angehörigen der Lebensstände, die Gaṅgā unter den heiligen Badeorten und Acyuta unter den Gottheiten hervorgehoben werden …

tadvatsarveṣu śāstreṣu pañcarātraṃ praśasyate |
pañcarātro ktavadhinā yassamārādhayeddhariṃ || 64 ||

1.64 … so wird unter allen Lehrwerken das Pāñcarātra gepriesen. Wer Hari nach dem im Pāñcarātra beschriebenen Verfahren vollkommen verehrt …

kaivaryaṃ paramaṃprāpto na bhūyassaṃsarediha |
akṣayyaṃ phalamāpnoti sa pumānnātra saṃśayaḥ || 65 ||

1.65 … erlangt die höchste Befreiung und kehrt nicht in den Saṃsāra zurück. Dieser Mensch erlangt unvergängliche Frucht; daran besteht kein Zweifel.

kalyāṇakāriṇa stasya pitarassvargavāsinaḥ |
brahmaloke pi pūjyante kā kathā narakārṇave || 66 ||

1.66 Die im Himmel wohnenden Ahnen dieses heilsam Handelnden werden sogar in Brahmās Welt geehrt; um wie viel mehr [hilft dies] denen im Höllenozean! [Der Schluss ist elliptisch.]

mantraiśca vaiṣṇavairdattaṃ havyaṃ vā kavyamena vā |
tadakṣayaṃ bhavettena tṛpyanti pitrṛ devatāḥ || 67 ||

1.67 Was mit Viṣṇu-Mantras als Gabe für Götter oder Ahnen dargebracht wird, bleibt unvergänglich. Dadurch werden die Ahnen und Gottheiten zufriedengestellt.

āsphoṭayanti pitaraḥ pranṛtyanti pitāmahāḥ |
vaiṣṇavojāyate yeṣāmanvayeṣu mahāmatiḥ || 1. || 68 ||

1.68 Die Väter klatschen in die Hände, die Großväter tanzen, wenn in ihrem Geschlecht ein verständiger Verehrer Viṣṇus geboren wird.

pāñcarātroktavadhinā vāsudevaṃ samāśritaḥ |
nārāyaṇāmṛtadhyāna nirastāśeṣaviplavaḥ || 69 ||

1.69 Wer nach der Pāñcarātra-Unterweisung bei Vāsudeva Zuflucht nimmt, dessen Bedrängnisse werden durch die nektargleiche Meditation über Nārāyaṇa vollständig beseitigt.

etaccāstraṃ ca dātavyaṃ śiṣyāyānabhyasūyave |
mokṣamāṇāya nānyastme kastmeca yadṛcchayā || 70 ||

1.70 Diese Lehre soll einem Schüler gegeben werden, der frei von Missgunst ist und nach Befreiung strebt, nicht wahllos irgendeinem anderen.

trayīniṣṭhāya dātavyamadhyetavyaṃ ca vedavat |
mahopaniṣadākhyasya śāstrasyāsya mahāmate |
pañcarātrasamākhyāsau kathaṃloke pravartate || 71 ||

1.71 Sie soll einem in den drei Veden Gefestigten vermittelt und wie der Veda studiert werden. [Kaṇvas Frage schließt an:] Wie hat sich für dieses „große Upaniṣad“ genannte Lehrwerk, o Weiser, in der Welt die Bezeichnung Pāñcarātra eingebürgert?

saṃvartaḥ |
pañcetarāṇi śāstrāṇi rātrīyante mahāntyapi |
tatsannidhausamākhyāsau tena loke pravartate || 72 ||

1.72 Saṃvarta sprach: Die fünf anderen Lehrwerke werden in seiner Gegenwart gleichsam zur Nacht, selbst wenn sie groß sind. Daher hat sich diese Bezeichnung in der Welt verbreitet.

candratārāgaṇaṃ yadvacchobhate naiva vāsare |
tathetarāṇi śobha ntepañcanaivāsya sannidhau || 73 ||

1.73 Wie Mond und Sternenschar am Tage nicht leuchten, so leuchten die fünf anderen Lehren in seiner Gegenwart nicht.

pañcatvamathavā yadvaddhīpyamāne divākare |
ṛcchantirātraya stadvaditarāṇi tadantike || 74 ||

1.74 Oder: Wie die Nächte mit dem Aufstrahlen der Sonne zugrunde gehen, so ergeht es den anderen Lehren in seiner Nähe. [Das Wortspiel verbindet „fünf“ und „Nacht“ mit einer traditionellen Namensdeutung.]

idaṃ pavitraṃ pāpaghnaṃ śāstraṃ bhavavināśanaṃ |
saṃsārārṇavamagnānāṃ karmapāśānupeyuṣāṃ || 75 ||

1.75 Diese heilige, Verfehlungen tilgende Lehre hebt das gebundene Werden auf. Für diejenigen, die im Ozean des Saṃsāra versunken und in die Fesseln des Karma geraten sind …

mahāpotena sadṛśaṃ tārakaṃ bhavasāgarāt |
ṛgādibhedavat tantracāturvidhyaṃ |
ṛgādisaṃjñayā vedaścaturdā bhidyateyathā || 76 ||

1.76 … gleicht sie einem großen Schiff, das über den Ozean des Werdens hinüberträgt. Wie der Veda unter Bezeichnungen wie Ṛgveda in vier Teile gegliedert ist …

tadvatsiddhāntabhedena pañcarātraṃ caturvidhaṃ |
ṛgādayo yathā caikaṃ bhidyate bhahuśākhayā || 77 ||

1.77 … so ist das Pāñcarātra nach unterschiedlichen Lehrsystemen vierfach gegliedert. Wie jeder Veda wiederum zahlreiche Zweige besitzt …

tathā siddhā ntamekekaṃ vaktṛbhedena bhidyate |
siddhāntaṃ nāmacānvarthaṃ nirāhuriti vaṇ‍ḍitāḥ || 78 ||

1.78 … so gliedert sich jedes Lehrsystem nach seinen Verkündern. Die Kundigen erklären, dass die Bezeichnung Siddhānta einen sinngemäßen Grund hat. [Der Wortlaut des letzten Halbverses ist beschädigt.]

mīmāṃsādiṣu śāstreṣu ye siddhārthāmanīṣiṇaḥ |
teṣāmante'dhikārosminniti siddhaṃta saṃjñitaṃ || 79 ||

1.79 Wer die Ziele von Mīmāṃsā und anderen Lehrwissenschaften erreicht hat, ist am Ende dafür zugangsberechtigt: Daher heißt es Siddhānta. [Eine werkinterne Wortdeutung, keine historische Ableitung.]

siddhāntabheda nirūpaṇaṃ |
ekamūrtipradhānaṃtu mantrasiddhāntamucyate |
caturmūrtipradhānaṃtu yattadāgamasaṃjñitaṃ || 80 ||

1.80 Was eine einzige göttliche Gestalt in den Mittelpunkt stellt, heißt Mantra-Siddhānta. Was vier Gestalten in den Mittelpunkt stellt, wird Āgama genannt …

siddhāntamucyatesadbhardvatīyaṃ lokaviśrutaṃ |
navamūrtipradhānaṃca tantrasiddhantamucyate || 81 ||

1.81 … und von den Kundigen als das zweite, weithin bekannte Lehrsystem bezeichnet. Das System mit neun Gestalten im Mittelpunkt heißt Tantra-Siddhānta.

caturvaktre trivaktre vā deve yatrārcanāvidhiḥ |
tattantrāntavamiṣṭaṃ syāttantrametaccaturvidhaṃ || 82 ||

1.82 Wo ein vier- oder dreigesichtiger Gott verehrt wird, soll dies als Tantrāntara gelten. So ist die Tantra-Lehre vierfach. [Die Vorlage „tantrāntavam“ ist beschädigt; die Benennung wird durch 1.86 gestützt.]

catasraḥ kathitāḥ pūrvaṃ vāsudevādaya stathā |
nārāyaṇo hayagrīvo viṣṇu rnṛharisūkarau || 83 ||

1.83 Die vier bereits genannten Gestalten sind Vāsudeva und die weiteren; hinzu kommen Nārāyaṇa, Hayagrīva, Viṣṇu, Nṛhari und Sūkara.

tantrasaṅka ryedoṣaḥ |
sāṅkaryaṃ natu kurvīta siddhānteṣu parasparaṃ |
yadi saṅkarato mohāt rājārāṣṭaṃca naśyati || 84 ||

1.84 Die verschiedenen Lehrsysteme sollen rituell nicht miteinander vermischt werden. Geschieht dies aus Verblendung, so droht nach der Aussage des Textes der Untergang von König und Reich.

yena siddhāntamārgeṇa karṣaṇādikriyā kṛtā |
tenaiva sakalaṃ karma kuryāttantravibhāgavit || 85 ||

1.85 Nach demjenigen Lehrweg, nach dem das Pflügen und die weiteren Anfangsriten ausgeführt wurden, soll der Kenner der Tantra-Einteilungen sämtliche folgenden Riten vollziehen.

tattantrāntaramiṣṭaṃ syāt sarve sarvaphalapradāḥ |
teṣvayaṃ mantrasiddhāntaḥ pādmasaṃjño bhidhīyate || 86 ||

1.86 „Dies soll als Tantrāntara gelten“; alle gewähren alle Früchte. Unter ihnen wird der hier vorliegende Mantra-Siddhānta Padma genannt. [Der erste Halbsatz wirkt wie ein wiederholter oder eingeschobener Textbestand.]

ekaikavaktṛ bhedena siddhāntā bhahudhāsmṛtāḥ |
paṅgraho vistaraścaiva tantrāṇāṃ prakaṭīkṛtaḥ || 87 ||

1.87 Durch die Verschiedenheit der einzelnen Verkünder werden die Lehrsysteme als mannigfach angesehen. Zusammenfassungen und ausführliche Darstellungen der Tantras wurden offenbar gemacht …

siddhānte mantrasaṃsiddhai śśiṣyāṇāṃ hitakāmyayā |
tantrāṇāṃcaivasarveṣāṃ vaktā nārāyaṇassvayam || 88 ||

1.88 … von den in den Mantras des Lehrsystems Vollendeten, zum Wohl der Schüler. Der eigentliche Verkünder aller Tantras ist Nārāyaṇa selbst.

siddhādyairmantrasiddhāne |
anugrahārthaṃ bhaktānāṃ śrāvayāmāsa casvayam |
śrotāromūrtibhedāśca munayaśca pitāmahaḥ || 89 ||

1.89 Um seinen Verehrern Gnade zu erweisen, ließ er sie selbst hören. Die Hörer sind seine unterschiedlichen Gestalten, die Weisen und der Großvater Brahmā.

prayojanaṃ ca śāstrasya mokṣaḥ prakṛtidurlabhaḥ |
abhidheyaṃ bhagavatassamārādhanamuttamam || 90 ||

1.90 Das Ziel des Lehrwerks ist die schwer erreichbare Befreiung. Sein Gegenstand ist die vorzügliche, vollkommene Verehrung des erhabenen Herrn. [„prakṛtidurlabhaḥ“ lässt den genaueren Zusatz zu „schwer erreichbar“ offen.]

sambandho pīṣyate sadbhi ssādhya sādhana lakṣaṇaḥ |
śrutimūlamidaṃtantraṃ pramāṇaṃ kalpasūtravat || 91 ||

1.91 Die Beziehung zwischen beiden wird als die zwischen Ziel und Mittel verstanden. Dieses Tantra wurzelt in der Śruti und ist wie ein Kalpasūtra eine maßgebliche Quelle.

sarge sarge pyavicchinnaṃ devadevasyaśāsanāt |
cintāmaṇiryathā loke śabalā kalpakadrumaḥ || 92 ||

1.92 Auf Geheiß des Herrn der Götter besteht es ununterbrochen in jeder Schöpfung. Wie der Wunschjuwel, die Wunschkuh Śabalā und der Wunschbaum in der Welt …

arthibhyo vāñchitaṃ sarvaṃ prayacchati gatiṃ vinā |
pañcarātrākhya śāstraṃtu caturvargaphalapradam || 93 ||

1.93 … den Bittenden alles Gewünschte außer der endgültigen Befreiung geben, so gewährt die Pāñcarātra-Lehre dagegen die Früchte aller vier Lebensziele.

ratnaṃ |
śāstrāntaravyasanināmabhyāsaḥ kālayāpanam |
phalaṃ vā kiṅci devassāt yattatsādhubahiṣkṛtam || 94 ||

1.94 Die Beschäftigung derjenigen, die anderen Lehrwerken verfallen sind, ist [nach der Wertung dieses Textes] bloßer Zeitverbrauch; vielleicht ergibt sich eine geringe Frucht, die jedoch von den Guten verworfen wird. [Der zweite Halbvers ist beschädigt.]

devāsyadevasyāt |
vāsudevaṃ parityajya ye'nyaṃ devamupāsate |
narakāya bhavanyete nātrakāryā vicāraṇā || 95 ||

1.95 Wer Vāsudeva verlässt und einen anderen Gott verehrt, geht nach der hier vertretenen exklusiven Auffassung der Hölle entgegen; darüber solle kein Zweifel bestehen.

satyaṃ satyaṃ punassatyamuddhṛtya bhujamucyate |
vedaśāstrātparaṃnā sti nadaivaṃ keśavātparaṃ |
tasmādbhajasva deveśaṃ vidhinānenavai mūne || 96 ||

1.96 Wahr ist es, wahr und nochmals wahr, mit erhobenem Arm verkündet: Es gibt keine höhere Lehre als den Veda und keinen höheren Gott als Keśava. Deshalb verehre, o Weiser, den Herrn der Götter nach diesem Verfahren.

kaṇvaḥ |
kati bhedāni tantrāṇām nāmadheyāni kāni vā |
śrotumicchāmi viprendra paraṃ kautūhalaṃhime || 97 ||

1.97 Kaṇva sprach: Wie viele Arten von Tantras gibt es, und wie lauten ihre Namen? Ich möchte es hören, Bester der Brahmanen; meine Wissbegierde ist groß.

108 saṃhitānām nāmāni |
saṃvartaḥ |
śatamekamathāṣṭau ca purāṇe kaṇva śuśruma |
nāmadheyānicai teṣām śrūyatām kathyate mayā || 98 ||

1.98 Saṃvarta sprach: Von einhundertacht haben wir in der alten Überlieferung gehört, Kaṇva. Höre ihre Namen, die ich dir nennen werde. [Die Textform „śatamekamathāṣṭau“ ist nicht ganz glatt; der abschließende Vers 114 nennt ausdrücklich 108.]

pādmam padmodbhavam māyāvaibhavam nalakūbaram |
trailokyamonam viṣṇutilakam paramāhvayam || 99 ||

1.99 Genannt werden: Pādma, Padmodbhava, Māyāvaibhava, Nalakūbara, Trailokyamohana, Viṣṇutilaka und Parama.

nāradīyam dhanadīyam vāsiṣṭham pauṣka rāhvayam |
sanatkumāraṃ sasakaṃ satyākhyaṃ viśvasaṃhitā || 100 ||

1.100 Nāradiya, Dhanadīya, Vāsiṣṭha, Pauṣkara, Sanatkumāra, Sanaka, Satya und Viśvasaṃhitā. [Die Vorlage schreibt „sasakaṃ“; Sanaka ist eine vorsichtige Lesung.]

anantākhyaṃ mahīpraśnaṃ śrīpraśnaṃ puruṣottamam |
māhendhra saṃhitāpañca praśnākhyaṃ tatvasāgaram || 101 ||

1.101 Ananta, Mahīpraśna, Śrīpraśna, Puruṣottama, Māhendra-Saṃhitā, Pañcapraśna und Tattvasāgara. [Die Worttrennung bei „saṃhitāpañca praśna“ bleibt unsicher.]

vāgīśam sātvataṃcaiva draviṇaṃ śrīkarāhvayam |
sāṃvartaṃ viṣṇusadbhāvaṃ siddhāntaṃ viṣṇupūrvakam || 102 ||

1.102 Vāgīśa, Sātvata, Draviṇa, Śrīkara, Sāṃvarta, Viṣṇusadbhāva und Viṣṇusiddhānta.

vāsiṣṭhaṃ tathāhirbudhnyasaṃhitā |
viṣṇuvaibhavikaṃ sauraṃ saumya mīśyarasaṃhitā || 103 ||

1.103 Vāsiṣṭha und Ahirbudhnya-Saṃhitā, Viṣṇuvaibhavika, Saura, Saumya und Īśvara-Saṃhitā. [Die Aufzählung hat hier eine zusätzliche unnummerierte Zeile.]

gahasyaṃviṣṇupūrvakaṃ |
anantākhyaṃ bhāgavataṃ jayākhyaṃ mūlasaṃhitā |
puṣṭitantraṃ śaunakīyaṃ mārīcaṃ dakṣasaṃhitā || 104 ||

1.104 Ananta, Bhāgavata, Jayākhya, Mūlasaṃhitā, Puṣṭitantra, Śaunakīya, Mārīca und Dakṣasaṃhitā. Der vorausgehende Zusatz nennt außerdem einen Titel mit „Viṣṇu“ und einem beschädigten „…rahasya“.

aupendraṃ yogahṛdayaṃ hārītaṃ pārameśvaram |
ātreyaṃ māndaraṃ viṣvaktevamauśanasāhvayam || 105 ||

1.105 Aupendra, Yogahṛdaya, Hārīta, Pārameśvara, Ātreya, Māndara, Viṣvakteva und Auśanasa. [„viṣvakteva“ ist als Titel unsicher überliefert.]

vaikhānasaṃ vihajgendraṃ bhārgavaṃ parapūruṣam |
yājñavalkyaṃ gautamīyaṃ paulastyaṃ śākalāhvayam || 106 ||

1.106 Vaikhānasa, Vihagendra, Bhārgava, Parapūruṣa, Yājñavalkya, Gautamīya, Paulastya und Śākala.

jñānārṇavaṃ jāmadagnyaṃ yāmyaṃ nārāyaṇākhyakam |
pārāśaryaṃ ca jābālaṃ kāpilaṃ vāmanāhvayam || 107 ||

1.107 Jñānārṇava, Jāmadagnya, Yāmya, Nārāyaṇa, Pārāśarya, Jābāla, Kāpila und Vāmana.

jayottaraṃ bhārhaspatyaṃ jaiminaṃ sātvatāhvayam |
kātyāyanīyaṃ vālmīka maupagāyanasaṃhitāḥ || 108 ||

1.108 Jayottara, Bārhaspatya, Jaimina, Sātvata, Kātyāyanīya, Vālmīka und Aupagāyana-Saṃhitā.

hairaṇyagarbhamāgastyaṃ kāṇvaṃ bodhāyanāhvayam |
bhāradvājaṃ nārasiṃhaṃ gārgyamuttarapūrvakam || 109 ||

1.109 Hairaṇyagarbha, Āgastya, Kāṇva, Bodhāyana, Bhāradvāja, Nārasiṃha und ein mit „Uttara“ beginnender Gārgya-Titel.

śātātapaṃ cāṅgirasaṃ kāśyapaṃ paiṅgalāhvayam |
trailokyaṃ vihayaṃyogaṃ vāyavīyaṃ ca vāruṇam || 100 ||

1.100b Śātātapa, Āṅgirasa, Kāśyapa, Paiṅgala, Trailokya, Vihaya, Yoga, Vāyavīya und Vāruṇa. [Diese Stelle trägt in der Vorlage erneut die Nummer 100; sie wird nicht stillschweigend in 110 geändert. Die Worttrennung „trailokyaṃ vihayaṃyogaṃ“ ist unsicher.]

kṛṣṇaṃ cāmbharamāgneyaṃ markaṇḍeyasya saṃgrahaḥ |
mahāsavatkumārākhyaṃ vyāsākhyaṃ viṣṇusaṃhitā || 111 ||

1.111 Kṛṣṇa, Āmbhara, Āgneya, die Sammlung Mārkaṇḍeyas, Mahāsanatkumāra, Vyāsa und Viṣṇusaṃhitā. [Die Variante „kṛṣṇacāmara“ zeigt Unsicherheit bei den ersten Titeln.]

kṛṣṇacāmara |
mārkaṃḍeyaṃ pāriṣadaṃ brahmanāradasaṃhitā |
saṃvādaṃśukarudrābhyāmumāmāheśvarāhvayam || 112 ||

1.112 Mārkaṇḍeya, Pāriṣada, Brahmanārada-Saṃhitā, das Gespräch zwischen Śuka und Rudra sowie Umāmāheśvara. Die Variante bietet „Brahmannaraka-Saṃhitā“ statt „Brahmanārada“.

brahmannarakasaṃhitā |
dattātreyaṃ ca śarvākhyaṃ vārāhamihirāhvayam |
saṅkarṣaṇākhyaṃ pradyumnaṃ vāmanaṃ kalki rāghavam || 113 ||

1.113 Dattātreya, Śarva, Vārāhamihira, Saṅkarṣaṇa, Pradyumna, Vāmana, Kalki und Rāghava. Die überlieferte Verbindung der letzten Titel ist nicht eindeutig.

kalirāghavau |
prācetasākhyamityete śatamaṣṭottaraṃ smṛtam |
etāni tantra nāmāni mayoktāni mahāmate || 114 ||

1.114 Ferner Prācetasa: Diese werden als die einhundertacht erinnert. Ihre Tantra-Namen habe ich dir genannt, o verständiger Weiser.

tantrāstvaneke bhodhyante muktyupāyāḥ pṛthakpṛthak |
iti tantraṃ samākhyātaṃ śāstrameva manīṣibhiḥ || 115 ||

1.115 In ihnen werden die vielfältigen Wege zur Befreiung jeweils entfaltet; darum bezeichnen die Einsichtigen dieses Lehrwerk als Tantra. [Der erste Halbvers und seine Variante sind beschädigt; dies ist die erkennbare Namensdeutung.]

pā. mastrasai yona bhaudhyanai |
tantrāṇāṃ nāmadheyāni yo nityaṃ paṭhate naraḥ |
sarvapāpa vinirmuktau yāti brahma sanātanam || 116 ||

1.116 Wer die Namen der Tantras täglich rezitiert, wird nach der Verheißung von allen Verfehlungen frei und gelangt zum ewigen Brahman.

Kapitel 2: Göttliche Gestalten und die Entfaltung der Welt

Hinweis zur Quelle: Die Nummern 24 fehlen in der Vorlage. Fragmente im Umfeld bleiben erhalten.

dvitīyo'dhyāyaḥ |
saṃvartaḥ |
he padma nāgarājendra śrutavānasi yatpurā |
tantraṃ tadahamadhyāpyo mayi cedastyanugrahaḥ || 1 ||

2.1 Saṃvarta sprach: Padma, Fürst der Nāga-Könige! Wenn du mir deine Gnade schenken willst, lehre mich das Tantra, das du einst gehört hast.

śrīpadma uvācaḥ |
tatpa vakṣyāmi viprarṣatantraṃ vai lokaviśrutam |
jñāna yoga kriyā caryā catuṣpāda samanvitam || 2 ||

2.2 Padma sprach: Ich will dir, brahmanischer Weiser, das weithin bekannte Tantra erklären, das die vier Bereiche Erkenntnis, Yoga, rituelles Wirken und Lebensführung umfasst.

rahasyamadbhutaṃ dinyaṃ yanmayā kapilācchrutam |
saṃkṣiptaṃ ca mahārthaṃ ca sarvasiddhi prasādhanam || 3 ||

2.3 Es ist die wunderbare göttliche Geheimlehre, die ich von Kapila gehört habe: knapp zusammengefasst und doch von großer Bedeutung, ein Mittel zu jeder Vollendung.

sārdhakoṭi pramāṇena brahmaṇā keśapācchrutam |
tasmātsamuddhrataṃ tantraṃ vāridheramṛtaṃ yathā || 4 ||

2.4 Brahmā hörte sie von Keśava in einem Umfang von anderthalb Koṭis. Daraus wurde dieses Tantra herausgehoben wie der Nektar aus dem Meer.

vijñānamādau sakalaṃ sṛṣṭyupodghātamucyate |
tato yogaḥ kriyā paścāccaryā ca tadanantaram || 5 ||

2.5 Zunächst wird die Erkenntnis mit der Einführung in die Schöpfung vollständig erläutert, danach Yoga, dann Kriyā und anschließend Caryā.

vijñāna śabhdārthaḥ |
vijñānaṃ bhagavajñānaṃ tajñānānmuktirucyate |
bhagavataḥ ādyaṃrūpam |
ādimadhyānta rahitamavṛddhi kṣayamacyutam || 6 ||

2.6 Vijñāna bedeutet Erkenntnis des erhabenen Herrn; aus dieser Erkenntnis erwächst, so wird gelehrt, Befreiung. Seine ursprüngliche Wirklichkeit ist ohne Anfang, Mitte und Ende, ohne Zunahme und Abnahme, unerschütterlich …

nityaṃ nirupamaṃ jyoti rnityatṛptaṃ nirañjanam |
sarvākāraṃ nirākāraṃ tamasaḥ paramavyayam || 7 ||

2.7 … ewiges, unvergleichliches Licht, immerdar erfüllt und makellos, in allen Gestalten gegenwärtig und ohne Gestalt, jenseits der Dunkelheit und unvergänglich.

tatkāraṇavaśā ttasmādāvirāsītsanātanāt |
dvihastamekavaktraṃ ca śuddhasphaṭikasannibham || 8 ||

2.8 Aus diesem Ewigen trat aus einem bestimmten Grund eine Gestalt hervor: zweiarmig, mit einem Antlitz und reinem Kristall gleichend …

sahasrasavivahnīndu lajñakoṭi samaprabham |
marīci cakramadhyasthaṃ cakrādyayudhalāñcitam || 9 ||

2.9 … von unermesslicher Helligkeit, verglichen mit Sonnen, Feuer und Mond in gewaltiger Zahl, inmitten eines Strahlenkreises, durch Diskus und weitere Waffen gekennzeichnet. [Die genaue Zahlenverbindung ist beschädigt.]

śrīvatsakaustubhoraskaṃ vanamālāvirājitam |
kirīṭahārakeyūra valayādi vibhūṣitam || 10 ||

2.10 Ihre Brust trägt Śrīvatsa und Kaustubha; sie erstrahlt mit einer Waldblumengirlande und ist mit Krone, Halsketten, Oberarmreifen, Armringen und weiteren Schmuckstücken geschmückt.

pītāmbaradharaṃsaumyaṃ rūpamādyaṃ sanātanam |
sa vāsudevo vijñeyassṛjyaṃ sarvaṃ ca tanmukhāt || 11 ||

2.11 Diese freundliche, gelb gekleidete Gestalt ist die ursprüngliche und ewige. Man soll sie als Vāsudeva erkennen; alles zu Erschaffende geht von ihr aus.

dhyeyaśca yogibhirnatyaṃ hṛtvadmāhvayaviṣṭare |
paśyanti sūrayaśśaśva ttadviṣṇoḥ paramaṃ padam || 12 ||

2.12 Die Yogis sollen über sie stets auf dem Sitz des Herzlotos meditieren. Die Weisen schauen beständig dieses höchste Ziel Viṣṇus.

vāsudevāttato jāto vāsudevāhyayo'paraḥ |
ekavaktraścaturbāhuścakrā dyāyudhalakṣaṇaḥ || 13 ||

2.13 Aus Vāsudeva entstand ein weiterer, ebenfalls Vāsudeva genannter Herr: mit einem Antlitz, vier Armen und dem Diskus sowie weiteren Waffen als Kennzeichen.

sthityai cakraṃ sarasijaṃ dadhānaṃ sṛṣṭaye punaḥ |
muktaye pāñcajanyaṃ ca gadāṃ saṃhṛtaye tathā || 14 ||

2.14 Er trägt den Diskus zur Erhaltung, den Lotos zur Schöpfung, das Muschelhorn Pāñcajanya zur Befreiung und die Keule zur Auflösung.

śrīvatsa kaustubhorasko vanamālā vibhūṣitaḥ |
mayūrakaṇṭhavacchyāmaḥ pītanaisargikāmbaraḥ || 15 ||

2.15 Seine Brust trägt Śrīvatsa und Kaustubha; eine Waldblumengirlande schmückt ihn. Er ist dunkel wie der Hals eines Pfaus und trägt ein von Natur aus gelbes Gewand.

sa vāsudevo bhagavān sṛṣṭisthityantamuktidaḥ |
ātmānaṃ sa dvidhācakre punaḥ kenāpi hetunā || 16 ||

2.16 Dieser erhabene Vāsudeva bewirkt Schöpfung, Erhaltung, Auflösung und Befreiung. Aus einem bestimmten Grund teilte er sich erneut in zwei Gestalten.

tayoreko vāsudevaśśuddhasspaṭikasannibhaḥ |
nārāyaṇo dvitīyastu nīlāmbudasamaprabhaḥ || 17 ||

2.17 Die eine ist Vāsudeva, reinem Kristall gleichend; die zweite ist Nārāyaṇa, leuchtend wie eine dunkle Regenwolke.

saṅkarṣaṇo vāsudevāt tasmātpradyusnasaṃjñitaḥ |
pradyumnādaniruddhau'bhūt sarva ete caturbhujāḥ || 18 ||

2.18 Aus Vāsudeva entstand Saṅkarṣaṇa, aus diesem Pradyumna und aus Pradyumna Aniruddha. Sie alle besitzen vier Arme.

jñānādi guṇasāmānye vāsudevaḥ prakīrtitaḥ |
ṣaṇṇāṃguṇānāṃ vaiṣamyevakṣyaṃte mūrtayaḥ kramāt || 19 ||

2.19 Wenn Erkenntnis und die übrigen Eigenschaften im Gleichgewicht sind, spricht man von Vāsudeva. Nun werden die Gestalten nach dem unterschiedlichen Vorherrschen der sechs Eigenschaften beschrieben.

jñāne'dhiko bhavedbhrahman saṅkarṣaṇa samāhvayaḥ |
bale'dhikastupradyamna ssyādaiśvarye'niruddhakaḥ || 20 ||

2.20 Wo Erkenntnis vorherrscht, heißt die Gestalt Saṅkarṣaṇa, o Brahmā; wo Kraft vorherrscht, Pradyumna; wo Herrschaft vorherrscht, Aniruddha.

mūrtibhyaśca caturbhyaśca caturviṃśatimūrtayaḥ |
jāyantekramaśo brahman dīpāddhīpāntaraṃ yathā || 21 ||

2.21 Aus diesen vier Gestalten entstehen der Reihe nach vierundzwanzig weitere, o Brahmā, wie eine Lampe an einer anderen entzündet wird.

sarve caturbhujāḥ padma śaṅkhacakra gadādharāḥ |
vāsudevādādidevātprathamā tkeśavastathāḥ || 22 ||

2.22 Alle sind vierarmig und tragen Lotos, Muschelhorn, Diskus und Keule. Aus dem ursprünglichen Gott Vāsudeva entstanden zunächst Keśava …

nārāyaṇo mādhavaśca jajñire bhūsurottama |
saṅkarṣaṇācca goviṃdo viṣṇuśca madhusūdanaḥ || 23 ||

2.23 … Nārāyaṇa und Mādhava, o Bester der Brahmanen. Aus Saṅkarṣaṇa entstanden Govinda, Viṣṇu und Madhusūdana.

tramaste samajāyaṃta pradyumnācca trivikramaḥ |
vāmanaśśrī dharaścai te jajñiremunisattama || 25 ||

2.25 Diese drei entstanden [aus ihm]; aus Pradyumna wiederum Trivikrama, Vāmana und Śrīdhara, o Bester der Weisen. [Die Nummer 24 fehlt.]

aniruddhāddhṛṣīkeśaḥ padmanābhaśca suvrata |
dāmodaraśca tenetthaṃ dvādaśāṃśāḥ prajajñire || 26 ||

2.26 Aus Aniruddha entstanden Hṛṣīkeśa, Padmanābha und Dāmodara, o Gelübdetreuer. So gingen zwölf Teilgestalten hervor.

vāsudevācca tannāmnā tathā saṅkarṣaṇādapi |
praddhyamnādapi tannāmnā tannāmnaivāniruddhakāt || 27 ||

2.27 Aus Vāsudeva, Saṅkarṣaṇa, Pradyumna und Aniruddha entstanden außerdem jeweils Gestalten mit denselben Namen.

abhūvan kramaśastebhya ścaturbhyaḥ puruṣottamāḥ |
adhokṣajo nṛsiṃhaśca caturthaścācyuto mataḥ || 28 ||

2.28 Aus diesen vier entstanden der Reihe nach Puruṣottama, Adhokṣaja, Nṛsiṃha und als vierter Acyuta.

caturbhya eva tebhyomī jajñire ca yathākramam |
janārdanattathopeṃdro hariḥ kṛṣṇassamākhyayā || 29 ||

2.29 Aus eben diesen vier gingen in entsprechender Reihenfolge auch die Gestalten namens Janārdana, Upendra, Hari und Kṛṣṇa hervor.

vāsudevādādidevānmūrtyaṣṭakama jāyata |
brāhmīca mūrtiḥ prathamā prājāpatyāca vaiṣṇavī || 30 ||

2.30 Aus dem ursprünglichen Gott Vāsudeva entstand eine Gruppe von acht Gestalten: zunächst die brahmische, dann die zu Prajāpati gehörende und die vaiṣṇavische …

divyā cārṣī māsuṣī ca saptamī cāsurī matā |
paiśācī caramā tāsāṃ mūrtīnāmaparādaśa || 31 ||

2.31 … die göttliche, die zu den Ṛṣis gehörende, die menschliche, als siebte die asurische und zuletzt die paiśācische. Von diesen verschieden sind weitere zehn Gestalten …

mīnādyā jajñire vipra caturpyūhādyathākramam |
matsyaḥ kūrmo parāhaśca vāsudevādajāyata || 32 ||

2.32 … beginnend mit dem Fisch, die der Reihe nach aus dem vierfachen Vyūha hervorgingen. Matsya, Kūrma und Varāha entstanden aus Vāsudeva.

nṛsiṃho vāsuno rāmo jāmadagnyo'pyajāyata |
saṅkarṣaṇāttathā jajñe pradyumnā drāghavo balī || 33 ||

2.33 Nṛsiṃha, Vāmana und Rāma Jāmadagnya entstanden aus Saṅkarṣaṇa; aus Pradyumna entstand der kraftvolle Rāghava. [„vāsuno“ wird vorsichtig als Vāmana gelesen; „balī“ kann hier „kraftvoll“ bedeuten. Die behauptete Zehnerzählung ist aus dieser Textgestalt nicht eindeutig rekonstruierbar.]

aniruddhādabhūtkṛṣṇaḥ kalkīti daśa mūrtayaḥ |
saṅkarṣaṇācca puruṣassatyaḥ pradyumna sambhavaḥ || 34 ||

2.34 Aus Aniruddha entstanden Kṛṣṇa und Kalki: so die zehn Gestalten. Aus Saṅkarṣaṇa entstand ferner Puruṣa, aus Pradyumna Satya …

jāto'cyuto' niruddhācca buddhastelokya mohanaḥ |
daśārhaśśaurirannośo vāsudevādajāyata || 35 ||

2.35 … und aus Aniruddha Acyuta. Buddha, Trailokyamohana, Dāśārha, Śauri und Annośa entstanden aus Vāsudeva. [Die Abgrenzung von Eigennamen und Beinamen sowie „annośa“ sind unsicher.]

saṅkarṣaṇāddhayagrīvaśśajkho daranṛ kosarī |
vaikuṇṭhamūrtirādyātu mukundaśca vṛṣākapiḥ || 36 ||

2.36 Aus Saṅkarṣaṇa entstanden Hayagrīva, Śaṅkhodara und Nṛkesarī, ferner die ursprüngliche Vaikuṇṭha-Gestalt, Mukunda und Vṛṣākapi …

tatraivādi parāhaśca tatassaṅṇarṣaṇādapi |
anaṃtaḥ pannago jātassahapraphaṇavān balī || 37 ||

2.37 … sowie Ādivarāha. Aus Saṅkarṣaṇa entstand außerdem die mächtige Schlange Ananta mit ihren tausend Hauben.

sudarśanādyāyudhāni kirīṭādi vibhūṣaṇam |
murtyā virbhāvasamaye sahai vaitāni jajñire || 38 ||

2.38 Die Waffen, angefangen mit Sudarśana, und der Schmuck, angefangen mit der Krone, entstanden jeweils zugleich mit dem Offenbarwerden der Gestalten.

devyaśśriyādayastadvat mūrtabhedaṃ samāśritāḥ |
śrivatsādeva sakalā jjajñire divyalāñcanāt || 39 ||

2.39 Ebenso gingen die Göttinnen, angefangen mit Śrī, in ihren verschiedenen Gestalten sämtlich aus dem göttlichen Śrīvatsa-Zeichen hervor.

garuḍaḥ pakṣiṇāmindro vāhanaṃ bhalināṃ varaḥ |
vāsudevādi mūrti bhyaśchando mūrtirajāyata || 40 ||

2.40 Garuḍa, Herr der Vögel, Reittier und Bester der Mächtigen, entstand als Verkörperung der vedischen Versmaße aus den Gestalten Vāsudevas und der anderen.

kumudādyaśca bhūteśāssarve pāriṣadaissaha |
pādataścā niruddhasya samabhūvan sahasraśaḥ || 41 ||

2.41 Die Herren der Wesen, angefangen mit Kumuda, entstanden zu Tausenden samt ihrem Gefolge aus Aniruddhas Fuß.

sahasraśīrṣa caraṇahasta netrādbhutākṛteḥ |
aniruddhājjagajjajñe svāṅṇādeva yathākramam || 42 ||

2.42 Aus den eigenen Gliedern Aniruddhas mit seiner wunderbaren Gestalt aus tausend Köpfen, Füßen, Händen und Augen entstand die Welt der Reihe nach.

mukhādindraśca vahniśca chandhāṃsyaṅṇāni ṣaṭtathā |
dyaurmūdhno nayanātsūryo manasaścandramā api || 43 ||

2.43 Aus seinem Mund entstanden Indra, Feuer, die vedischen Versmaße und die sechs Vedāṅgas; aus seinem Haupt der Himmel, aus seinem Auge die Sonne, aus seinem Geist der Mond.

śrotrāddhiśo nabhonābheḥ padbhyāṃ bhūmi rajāyata |
prāṇādyāyustathā pānānmṛtyuḥ keśāttathambudaḥ || 44 ||

2.44 Aus seinen Ohren entstanden die Himmelsrichtungen, aus seinem Nabel der Luftraum, aus seinen Füßen die Erde; aus Prāṇa der Wind, aus Apāna der Tod, aus seinen Haaren die Wolken. [Die Vorlage „prāṇādyāyuḥ“ ist gestört.]

truṭyādi kālabhedaśca kālaścābhūttathā dhiyaḥ |
vanaspataya oṣadyo romakūpādvinissṛtāḥ || 45 ||

2.45 Aus seiner Einsicht entstanden die Zeit und ihre Unterteilungen, angefangen mit Truṭi. Bäume und Kräuter kamen aus seinen Haarporen hervor.

yajñāśca jajñire tasmādbahavo bahṛdakṣiṇāḥ |
cāturvarṇyaṃ kramādvaktra bhāhūru caraṇodbhavam || 46 ||

2.46 Aus ihm entstanden zahlreiche Opfer mit reichen Gaben. Die vier Varṇas gingen der Reihe nach aus Mund, Armen, Schenkeln und Füßen hervor.

evaṃ sṛṣṭvā hagatsarvaṃ viśvarūpadharo hariḥ |
āsai'nantāsanedevaśśrī bhūmibhyāṃ sahaprabhuḥ || 47 ||

2.47 Nachdem Hari in seiner Allgestalt so die ganze Welt geschaffen hatte, nahm der göttliche Herr gemeinsam mit Śrī und Bhūmi auf Ananta Platz …

madhye kṣīrārṇave śvetadvīpākhye hemanirmite |
prāsāde sevyamānaśca yogibhirvividhairapi || 48 ||

2.48 … in einem goldenen Palast auf der Śvetadvīpa genannten Insel mitten im Milchozean, verehrt von verschiedenartigen Yogis …

caṇ‍ḍādyai rdvārapālaiśca kumudādyanujīvibhiḥ |
pakṣīndra viṣvaksenābhyāṃ sevyamāno mudānvataḥ || 49 ||

2.49 … von den Torhütern, angefangen mit Caṇḍa, von den Dienern, angefangen mit Kumuda, sowie vom Vogelkönig und von Viṣvaksena, voller Freude …

śrīvatsavakṣā nitya śrīrajeyaśśāśvato dhruvaḥ |
aniruddho jagatsvāṃ śairindrādyaiḥ paripālayan || 50 ||

2.50 … Śrīvatsa auf der Brust, mit ewiger Herrlichkeit, unbesiegbar, beständig und fest. Als Aniruddha erhält er die Welt durch seine Teilgestalten, angefangen mit Indra.

Kapitel 3: Brahmā begegnet dem höchsten Puruṣa

pādmasaṃhitāyām |
tṛtīyo'dhyāyaḥ |
padmaḥ |
brahmaṇa ssṛṣṭiradhunā vakṣyate dvijasattama |
nārāyaṇo'sṛhajattoyaṃ tatraivāsīnmahārṇavaḥ || 1 ||

3.1 Padma sprach: Nun wird die Entstehung Brahmās erläutert, o Bester der Zweimalgeborenen. Nārāyaṇa erschuf das Wasser; daraus wurde der große Ozean.

aniruddhāṃśajā durgā māyārūpā sumohinī |
nyagrodhamasṛjattasmin māyārūpe mahādrume || 2 ||

3.2 Durgā, aus einem Anteil Aniruddhas hervorgegangen, von der Gestalt der Māyā und großer betörender Kraft, erschuf darin einen Nyagrodha-Baum. Auf diesem großen, aus Māyā gebildeten Baum …

aniruddhāṃśajaśśrīmān padmanābhaḥ purātanaḥ |
saṃhṛtya lokān puruṣaḥ parṇaparyaṅkameyivān || 3 ||

3.3 … nahm der uranfängliche, herrliche Puruṣa Padmanābha, ebenfalls aus einem Anteil Aniruddhas hervorgegangen, nach der Auflösung der Welten auf einem Blattlager Platz.

vaṭapatraśāyino nābhīpadme caturmukhasṛṣṭiḥ |
tatra puṃsaśśayānasya nāgaparyaṅkabhūṣite |
hiraṇmayaṃ padmagarbham nābheraṇḍamajāyata || 4 ||

3.4 Aus dem Nabel dieses ruhenden Puruṣa entstand ein goldenes Ei, das einen Lotos in sich trug. [Die zugleich genannte Ausschmückung mit einem Schlangenlager verbindet hier mehrere Schöpfungsbilder.]

tadaṇḍaṃ pañcabhūtātmabhūtaṃ śuddhamatarkitam |
aṇḍasya pardhamānasya madhye padmaṃ sitaprabham || 5 ||

3.5 Dieses reine, unergründliche Ei war von der Natur der fünf Elemente. In seiner sich ausdehnenden Mitte erschien ein weiß leuchtender Lotos …

sahasradalaparyantamantaḥ kesaramaṇ‍ḍitam |
madhye karṇikayā yuktamadbhutam sṛṣṭikāraṇam || 6 ||

3.6 … mit tausend Blütenblättern, innen von Staubgefäßen geschmückt, mit einem Fruchtboden in der Mitte: wunderbar und Ursprung der Schöpfung.

sraṣṭāramasṛjattasmin padmanābhaścaturmukham |
maṇikayā |
padmāsanam |
āsanaṃ brahmaṇo yasmātpadma mādāvabhūttataḥ || 7 ||

3.7 In ihm erschuf Padmanābha den viergesichtigen Schöpfer. Weil der Lotos ursprünglich Brahmās Sitz war … [Die beigefügten Lesarten nennen „mit dem Fruchtboden“ und „Lotos-Sitz“.]

anyeṣāmapi devānā māsanaṃ padmamiṣyate |
sanandanādīnāṃ sṛṣṭikāryavimukhatā |
sanandanādīnasṛjatsaṣṭyarthaṃ padmabhūssvayam || 8 ||

3.8 … gilt der Lotos auch als Sitz der anderen Gottheiten. Zur weiteren Schöpfung brachte der Lotosgeborene Sanandana und die anderen hervor.

sraṣṭuṃ mano na dadhire te ca svāyambhavāstadā |
sarve te yogino jātā vītarāgā vimatsarāḥ || 9 ||

3.9 Doch diese aus dem Selbstgeborenen Entstandenen richteten ihren Geist nicht auf das Schaffen. Sie alle wurden Yogis, frei von Leidenschaft und Neid.

brahmaṇaḥ krodhādrudrasṛṣṭiḥ |
teṣvevaṃ nirapekṣeṣu lokasṛṣṭau mahātmasu |
brahmaṇo bhūnmahān krodhastrailokyadahanakṣamaḥ || 10 ||

3.10 Da diese großen Seelen an der Schöpfung der Welten keinen Anteil nehmen wollten, entstand in Brahmā ein gewaltiger Zorn, der die drei Welten hätte verbrennen können.

bhrukuṭīkuṭilā ttasya lalāṭātkrodhadīpitāt |
samutpannastadā rudro yugāntāgni samaprabhaḥ || 11 ||

3.11 Aus seiner zornentflammten Stirn mit den zusammengezogenen Brauen entstand Rudra, strahlend wie das Feuer am Ende eines Weltzeitalters.

ardhanārīnaravapu rmahākāyaḥ pratāpavān |
saṃvibhajyātmano devaṃ naraṃ nārīṃ ca nirmame || 12 ||

3.12 Er war mächtig, von gewaltigem Leib, zur Hälfte weiblich und zur Hälfte männlich. Indem er seinen eigenen Körper teilte, schuf er einen Mann und eine Frau.

mithunājjajñire tasmādrudrāṇāṃ koṭayastathā |
sarve caturbhujāḥ krūrāḥ triṇetrāśśūlapāṇayaḥ || 13 ||

3.13 Aus diesem Paar entstanden unzählige Rudras: alle vierarmig, furchterregend, dreiäugig und den Dreizack in der Hand.

teṣu pradhānā viprendra rudrā ekādaśa smṛtāḥ |
marīcyādibhirjagatsṛṣṣiḥ |
rudrasṛṣṭhimapi brahmā vyarthamālokya lokakṛt || 14 ||

3.14 Unter ihnen gelten elf Rudras als die vornehmsten, o Bester der Brahmanen. Als Brahmā sah, dass auch die Rudra-Schöpfung [für sein Vorhaben] ungeeignet war …

marīcyādīn ṣaḍaparān manasā virmame punaḥ |
tairetadakhilaṃ sṛṣṭhaṃ trailokyaṃ sacarācaram || 15 ||

3.15 … schuf er aus dem Geist erneut sechs andere, angefangen mit Marīci. Durch sie wurde diese ganze dreiweltige Schöpfung mit allem Beweglichen und Unbeweglichen hervorgebracht.

brahmaṇaḥ paramapuruṣadarśanam |
evaṃ sṛṣṭvā jagadidaṃ padmayoniścaturmukhaḥ |
dhyānaṃ paramamātasthau kāraṇaṃ svasya cintayan || 16 ||

3.16 Nachdem der viergesichtige Lotosgeborene die Welt so geschaffen hatte, versenkte er sich in tiefe Meditation und dachte über seinen eigenen Ursprung nach.

dhyāyatastasya purataḥ tejaḥ puñjamivābhavate |
divākarasahasrābhaṃ vidyutsaṅghātasannibham || 17 ||

3.17 Während er meditierte, erschien vor ihm eine Lichtfülle, strahlend wie tausend Sonnen und wie eine Ansammlung von Blitzen.

tanmadhye puruṣaśreṣṭhaṃ pītanirmalavāsasam |
śaṅkhacakragadhāpadmaṃ dhārayantaṃ caturbhujam || 18 ||

3.18 In ihrer Mitte sah er den höchsten Puruṣa mit reinem gelbem Gewand, vierarmig und Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotos tragend …

śrīvatsāṅṇaṃ prasasnāsyaṃ kaustubhena virājitam |
sphutkirīṭahārādyai rbhūṣaṇai rupaśobhitam || 19 ||

3.19 … mit dem Śrīvatsa-Zeichen, freundlichem Antlitz und dem strahlenden Kaustubha-Juwel, geschmückt mit leuchtender Krone, Halsketten und weiteren Zierden.

taṃ dṛṣṭvā puruṣaśreṣṭhaṃ padmayoniracintayat |
eṣa eva paro devassarvasya jagataḥ prabhuḥ || 20 ||

3.20 Als der Lotosgeborene diesen höchsten Puruṣa sah, dachte er: Dieser ist wahrhaftig der höchste Gott, der Herr der ganzen Welt.

śruśrūṣamāṇāya |
nāsmātparataraḥ kaścīddhṛśyate puruṣaḥ sthitaḥ |
tameva saṃśaryān praṣṭuṃ vividhānupacakrame || 21 ||

3.21 Kein höherer Puruṣa ist sichtbar. So begann Brahmā, ihm seine verschiedenen Zweifel als Fragen vorzulegen. Der vorangestellte Zusatz „śuśrūṣamāṇāya“ bedeutet „dem zu hören Wünschenden“; seine Zuordnung bleibt offen.

brahmāḥ |
kastvamatyadbhutākāraḥ puruṣaḥ puruṣottama |
mahyaṃ jijñātamānāya ātsānaṃ darśayasvame || 22 ||

3.22 Brahmā sprach: Wer bist du, Puruṣa von so wunderbarer Gestalt, höchster Puruṣa? Offenbare dich mir, der dich erkennen möchte.

śrībhagavān |
sraṣṭāraṃ sarvalokānāṃ purāṇaṃ puruṣaṃ param |
anādimadhyanidhanaṃ viddhi māmacalaṃ dhruvam || 23 ||

3.23 Der erhabene Herr sprach: Erkenne mich als den Schöpfer aller Welten, den uranfänglichen höchsten Puruṣa, ohne Anfang, Mitte und Ende, unbeweglich und beständig.

kāraṇaṃ sarvalokasya mā ca bhūtsaṃśayastava |
saṃśayasya tvadīyasya cchettāraṃ māmupasthitam || 24 ||

3.24 Ich bin die Ursache der ganzen Welt; daran sollst du nicht zweifeln. Ich bin erschienen, um deinen Zweifel zu lösen.

brahmāḥ |
dhanyosmyanugṛhīto'smi pūrṇākāmo'smi śāśvata |
ajñātaṃ nāsti te jñeyaṃ kartavyaṃ nāsti cākṛtam || 25 ||

3.25 Brahmā sprach: Gesegnet bin ich, begnadet bin ich; mein Wunsch ist erfüllt, o Ewiger! Für dich gibt es nichts Erkennbares, das du nicht kennst, und nichts zu Tuendes, das ungetan geblieben wäre.

nānavāptamavāptavyaṃ triṣu lokeṣu vidyate |
kasya hetorjagatsraṣṭuṃ bhavān prerayase vada || 26 ||

3.26 In den drei Welten gibt es nichts zu Erlangendes, das du nicht erlangt hättest. Sage: Aus welchem Grund bewegst du dich dazu, die Welt zu erschaffen?

śrībhagavan |
krīḍāmi kevalaṃ brahman sṛṣṭisaṃhārapālanaiḥ |
lokānāmapi sarveṣāmahaṃ kenāpi hetunā || 27 ||

3.27 Der erhabene Herr sprach: Mit Schöpfung, Auflösung und Erhaltung aller Welten spiele ich lediglich, o Brahmā, aus einem mir eigenen Grund. [„kenāpi hetunā“ benennt einen unbestimmten Grund; daraus wird keine zusätzliche Zwecklehre abgeleitet.]

Kapitel 4: Bindung, Handeln und Befreiung

pādmasaṃhitāyām |
caturtho'dhyāyaḥ |
brahmāḥ |
vidhatse kena rūpeṇa kena rūpeṇa pāsi vā |
saṃhartuṃ yatase kena śuśrūṣā me vijṛmbhate || 1 ||

4.1 Brahmā sprach: In welcher Gestalt erschaffst du, in welcher erhältst du, und in welcher wirkst du an der Auflösung? Mein Wunsch, dies zu hören, wächst.

sṛṣṭhyarthāsa anantāsu śaktiṣu catasro mukhyāḥ |
śrī bhagavān |
anantāśśaktayassṛṣṭāḥ manasaiva caturmukha |
catasrastāsu nardiṣṭāḥ mukhyā viṣṇvādimūrtayaḥ || 2 ||

4.2 Der erhabene Herr sprach: Unzählige Kräfte wurden allein durch den Geist hervorgebracht, o Viergesichtiger. Vier unter ihnen werden als die hauptsächlichen bezeichnet, die Gestalten Viṣṇus und der anderen.

tatra tisrassaṃsāragocarāḥ caturthī mokṣadāyinī |
rajassatvasamomayya stisrassaṃsāragocarāḥ |
ānandākhyā caturthī tu bhukti muktipradāyinī || 3 ||

4.3 Drei bestehen aus Rajas, Sattva und Tamas und wirken im Bereich des Saṃsāra. Die vierte heißt Ānanda und gewährt Lebensgenuss sowie Befreiung.

sṛṣṭyādupayogino guṇāḥ |
rajo guṇena bhuvanaṃ sṛjāmi sacarācaram |
pālayāmi ca satvena tamasā saṃharāmi ca || 4 ||

4.4 Durch die Eigenschaft Rajas erschaffe ich die Welt mit allem Beweglichen und Unbeweglichen; durch Sattva erhalte ich sie und durch Tamas löse ich sie auf.

ānandhātmānamāsthāya vāsudevāhvaya ssvayam |
vipāśayāmi saṃsārāt ye māmeva bhajanti tān || 5 ||

4.5 Indem ich selbst meine glückselige Gestalt annehme, die Vāsudeva genannt wird, löse ich diejenigen aus dem Saṃsāra, die sich allein mir hingeben.

sṛjāmi pāmi hanmyeta drūpairbahmādibhistribhiḥ |
niṣkāmānāṃ bandhamokṣaḥ |
vāsudevatmarūpeṇa pareṇa bhavasāgarāt || 6 ||

4.6 In den drei Gestalten, angefangen mit Brahmā, erschaffe, erhalte und löse ich auf. In meiner höchsten Gestalt als Vāsudeva hingegen befreie ich aus dem Ozean des Werdens …

vipāśayāmi niṣkāmānye māmārādhayanti tān |
viṣṇvādiṣu catasṛṣu vāsudevamūrti rapavangapradā |
mukhyaścaturṇāme teṣāmucyate paramaḥ pumān || 7 ||

4.7 … diejenigen, die mich frei von eigennützigem Verlangen verehren. Unter diesen vier wird der höchste Puruṣa als der Vornehmste bezeichnet.

apavargakaratvena vāsudevassa īritaḥ |
brahmādayastato'nyetu saṃsārāhitadṛṣṭayaḥ || 8 ||

4.8 Weil er Befreiung gewährt, wird er Vāsudeva genannt. Die übrigen, angefangen mit Brahmā, richten ihre Tätigkeit auf den Saṃsāra.

brahmāḥ |
saṃsārī puruṣaḥ ko'sya mātre ke vā parāvare |
muktaḥ ko yasya mātre dyena vidyete varāvare || 9 ||

4.9 Brahmā sprach: Wer ist der im Saṃsāra lebende Puruṣa, und welche höchste und niedrigste Daseinsstufe besitzt er? Wer ist der Befreite, für den es solche höheren und niederen Stufen nicht gibt? [„mātre“ wird nach dem Zusammenhang als Stufe oder Maß verstanden.]

śrībhagavān |
puṇyapāpanimitte yassukhaduḥkhe niṣevate |
sāṃsārī sā parā mātrā bhrahmabhūya mitīnyate || 10 ||

4.10 Der erhabene Herr sprach: Wer durch Verdienst und Verfehlung bedingtes Glück und Leid erfährt, lebt im Saṃsāra. Seine höchste Stufe wird als Brahmās Dasein bezeichnet.

mātrā parā bhave ttasya sthāvaratvamasatsamam |
muktasparūpam |
saṃsāravāsanātītaṃ vimuktaṃ karmabandhanaiḥ || 11 ||

4.11 Seine niedrigste Stufe ist das unbewegliche Dasein, beinahe wie Nichtsein. [Die Vorlage schreibt erneut „parā“; die Gegenüberstellung legt „aparā“, niedrigste, nahe.] Wer über die Neigungen des Saṃsāra hinausgelangt und von den Bindungen des Karma frei ist …

ātmatṛptamudāsīnaṃ muktamāhurmanīṣiṇaḥ |
sadaika rūparūpasya mātrā kāpi na vidyate || 12 ||

4.12 … in sich selbst zufrieden und unbeteiligt, den nennen die Weisen befreit. Für den, dessen Wesen stets gleichbleibt, gibt es keine solche Abstufung.

brahmāḥ |
ke saṃsāraṃ prapadyante ke ca gacchanti nirvṛtim |
kautūhalaṃ hi bhagavan brūhi tattvaṃ yathātatham || 13 ||

4.13 Brahmā sprach: Wer tritt in den Saṃsāra ein, und wer gelangt zur Erlösung? Ich möchte es verstehen, Erhabener; erkläre mir die Wahrheit genau.

saṃsārabandhamokṣau |
śrībhagavān |
phala kāmanayā karma vihitaṃ vaidikaṃ bhajan |
badhyate nispṛhaḥ karma bhajamāno na badhyate || 14 ||

4.14 Der erhabene Herr sprach: Wer vorgeschriebene vedische Handlungen mit dem Wunsch nach ihrer Frucht vollzieht, wird gebunden. Wer handelt, ohne nach der Frucht zu verlangen, wird nicht gebunden.

jñānaṃ vaiṣayikaṃ yasya cakṣurādinibandhanam |
bhaddhyate sa pare deve yasya jñānaṃ sa mucyate || 15 ||

4.15 Wer nur die durch Augen und andere Sinne vermittelte Erkenntnis der Gegenstände kennt, wird gebunden. Wessen Erkenntnis auf den höchsten Gott gerichtet ist, wird befreit.

brahmāḥ |
muktātmanaśca bhavato bhedaḥ kaḥ puruṣottama |
etadācakṣva bhagavannā tiguhyaṃ yadi prabho || 16 ||

4.16 Brahmā sprach: Welcher Unterschied besteht zwischen der befreiten Seele und dir, höchster Puruṣa? Erkläre es mir, Herr, wenn es nicht allzu geheim ist.

muktātmanaḥ paramapuraṣasya ca bhedaḥ |
śrībhagavān |
ahamena bhavanyaite na bheda statra kaścana |
yathāhaṃ vivārāmyevaṃ tathā muktāśca dehinaḥ || 17 ||

4.17 Der erhabene Herr sprach: Sie werden eben ich selbst; darin besteht kein Unterschied. Wie ich mich frei bewege, so auch die befreiten verkörperten Wesen. [„vivārāmi“ wird vorsichtig als „viharāmi“ verstanden.]

brahmāḥ |
badhnanti puruṣaṃ ke te hetavaḥ karmahetavaḥ |
karmapāśairnagalitānpuruṣān bhrāmayantiye || 18 ||

4.18 Brahmā sprach: Welche Ursachen binden den Puruṣa, bewirken seine Handlungen und lassen die Menschen umherwandern, die in den Schlingen des Karma gefangen sind?

bandhahetavaḥ |
śrībhagavān |
tribhireva guṇairvyastaissamastaiḥ pūrvamīritaiḥ |
satvādibhiḥ kriyā cāpi trividhā sampravartate || 19 ||

4.19 Der erhabene Herr sprach: Durch die drei bereits genannten Eigenschaften, Sattva und die anderen, einzeln oder gemeinsam wirkend, entfaltet sich auch die dreifache Tätigkeit.

tayā saṃsāra mṛcchanti puruṣāḥ pūrvavṛttayaḥ |
evameva sura śreṣṭha yanmāṃ tvaṃ paripṛcchasi || 20 ||

4.20 Durch sie geraten die Menschen entsprechend ihren früheren Tätigkeiten in den Saṃsāra. So verhält es sich, Bester der Götter, mit dem, wonach du mich fragst.

brahmāḥ |
kathamebhirguṇai ryogaḥ puruṣasyopajāyate |
karmapāśairvamucyeta mokṣyamāṇaśca pūruṣaḥ || 21 ||

4.21 Brahmā sprach: Wie kommt der Puruṣa mit diesen Eigenschaften in Verbindung, und wie wird der nach Befreiung Strebende von den Fesseln des Karma frei?

viṣayavaśādguṇatrayayogaviyogau |
śrībhagavān |
puruṣasya guṇā ye te devādarmānuvartinaḥ |
viṣayasya vaśādete bhavantina bhavantica || 22 ||

4.22 Der erhabene Herr sprach: Diese Eigenschaften des Puruṣa, die ihn [in den verschiedenen Daseinsformen] begleiten, sind vom Gegenstandsbereich abhängig: Durch ihn treten sie auf oder hören auf. [Die Lesung „devādarmānuvartinaḥ“ ist beschädigt.]

viṣaya svarūpapraśnaḥ |
brahmāḥ |
kosau viṣaya ityuktaḥ puruṣāṇāṃ maheśvara |
yasya yogādbhava nyaite na bhavanti ca te guṇāḥ || 23 ||

4.23 Brahmā sprach: Was ist dieser Gegenstandsbereich der Menschen, o großer Herr, durch dessen Verbindung die Eigenschaften entstehen oder nicht entstehen?

viṣayanirūpaṇam |
śrībhagavān |
triguṇā prakṛtirbrahman viṣayo dehinaḥ smṛtaḥ |
tadyogādbhadhyate jantustadayogādvimucyate || 24 ||

4.24 Der erhabene Herr sprach: Die dreifache Prakṛti gilt als Gegenstandsbereich des verkörperten Wesens, o Brahmā. Durch die Verbindung mit ihr wird das Lebewesen gebunden; ohne diese Verbindung wird es befreit.

viṣayesmṛtāḥ |
jānāti puruṣo nityaṃ prakṛtiṃ trigṛṇātmikām |
sā ca prasūte satataṃ nidrālasyaṃ pṛthagvidham || 25 ||

4.25 Der Puruṣa erkennt beständig die aus drei Eigenschaften bestehende Prakṛti. Sie aber bringt immer wieder verschiedenartige Schläfrigkeit und Trägheit hervor.

svarūpaṃ vismaratyeṣa nidrayā vivaśassvayam |
sa bhandha iṣyate puṃsāṃ kiṃ bhūyaśśotumicchasi || 26 ||

4.26 Vom Schlaf überwältigt, vergisst er sein eigenes Wesen. Dies gilt als Bindung der Menschen. Was möchtest du darüber hinaus hören?

Meditative Betrachtung des inneren Lichtes

Begleitendes Video aus dem Themenbereich Meditation; keine Rezitation oder Einzelversauslegung der Padma Samhita.

Kapitel 5: Māyā, Schöpfung und das Wesen Brahmans

pādmasaṃhitāyām |
pañcamo'dhyāyaḥ |
brahmāḥ |
prakṛtyā tasya saṃyogo jāyate kena hetunā |
etadācakṣva bhagavan rahasyaṃ durlabhaṃ mama || 1 ||

5.1 Brahmā sprach: Aus welcher Ursache entsteht seine Verbindung mit der Prakṛti? Erkläre mir dieses schwer zugängliche Geheimnis, Erhabener.

matam |
śrībhagavān |
prakṛtyā puruṣasya saṃyoge hetuḥ |
manmāyā kāraṇaṃ brahmanna nādiravināśinī |
yunakti puruṣaṃ saiṣā prakṛtyā guṇarūpayā || 2 ||

5.2 Der erhabene Herr sprach: Meine Māyā ist die Ursache, o Brahmā, anfangslos und unvergänglich. Sie verbindet den Puruṣa mit der aus den Eigenschaften bestehenden Prakṛti.

bhagavataḥ prasādāt prakṛtyā viyogaḥ |
matprasādaṃ vinā tasya na virāmo sti kasya cit |
yāvannāhaṃ prasīdāmi tāvanmāyā duratyayā || 3 ||

5.3 Ohne meine Gnade kommt diese Verbindung für niemanden zum Stillstand. Solange ich meine Gnade nicht gewähre, bleibt Māyā schwer zu überwinden.

pūrṇakāmasya bhagavataḥ prasāde nibandhanam |
brahmāḥ |
pūrṇa kāmasya devasya prasāde kiṃ nibandhanam |
na jāne kāraṇaṃ tasya tanme brūhi nibandhanam || 4 ||

5.4 Brahmā sprach: Worauf beruht die Gnade eines Gottes, dessen Wünsche vollständig erfüllt sind? Ich kenne ihren Grund nicht; sage mir, worauf sie beruht.

śrībhagavāḥ |
varṇānāmāśramāṇāṃ ca maryādāyāmayākṛtā |
tāṃ ye samanuvarta nte prasāda steṣu me mahān || 5 ||

5.5 Der erhabene Herr sprach: Denjenigen, die sich an die von mir geschaffene Ordnung der Varṇas und Lebensstände halten, gilt meine große Gnade.

tasmātsaṃsāriṇāṃ puṃsāṃ matprasādaṃ vinā kvacit |
niśśreyasakaraṃ nāsyadbhadhyasva kamalāsana || 6 ||

5.6 Erkenne deshalb, o Lotosgeborener: Für die im Saṃsāra lebenden Menschen gibt es ohne meine Gnade kein anderes Mittel zum höchsten Heil. [Der Schluss ist sprachlich beschädigt.]

brahmāḥ |
bhagavan devadeveśa jānāmi puruṣottama |
tvāmeva jagatāṃ manye sraṣṭāpaṃ kamalekṣaṇa || 7 ||

5.7 Brahmā sprach: Ich erkenne dich, Herr der Götter, höchster Puruṣa! Dich allein betrachte ich als Schöpfer der Welten, o Lotosäugiger.

prabhavanti yato lokāḥ pralayaṃ yānti yatra ca |
bhagavan tadaśeṣeṇa jñātumicchāmi śaṃsa me || 8 ||

5.8 Ich möchte vollständig erkennen, woraus die Welten entstehen und worin sie sich wieder auflösen. Erkläre es mir, Erhabener.

śrotuṃ |
sṛṣṭyādinirūpaṇam |
śrībhagavān |
prakṛtiḥ puruṣaścobhe mama rūpe duratyaye |
anupraviśya dvitayāṃ kṣobhayāmyahamicchayā || 9 ||

5.9 Der erhabene Herr sprach: Prakṛti und Puruṣa sind beide meine schwer zu überwindenden Erscheinungsweisen. Ich trete in beide ein und setze sie nach meinem Willen in Bewegung.

prakṛti stri guṇā brahmannanādiravināśinī |
puruṣādhiṣṭhitā sūte sthāvarāṇi carāṇi ca || 10 ||

5.10 Prakṛti besteht aus drei Eigenschaften, o Brahmā; sie ist anfangslos und unvergänglich. Vom Puruṣa getragen, bringt sie das Unbewegliche und das Bewegliche hervor.

guṇasāmyātmana stasmātpuruṣādhiṣṭhi tātpunaḥ |
ajāyata mahattatvaṃ trividhaṃ trividhairgaṇaiḥ || 11 ||

5.11 Aus ihr, deren Eigenschaften im Gleichgewicht waren und die vom Puruṣa getragen wird, entstand das große Prinzip Mahat, dreifach durch die drei Eigenschaften.

ahaṅkārastato jāta stasya tisro vidhāḥ smṛtāḥ |
vai kārikastaijasaśca bhūtādiśceti tattridhā || 12 ||

5.12 Daraus entstand Ahaṃkāra. Seine drei Formen heißen Vaikārika, Taijasa und Bhūtādi. Die Variante nennt die letzte „Bhautika“.

bhautikaśceti |
vaikārikādahaṅkārātsātvikāḥ pañcahajñi re |
jñānendriyāṇi paṃcaiva rājasāttaijasātpunaḥ || 13 ||

5.13 Aus dem sattvigen Vaikārika-Ahaṃkāra entstanden die fünf Erkenntnissinne; aus dem rajasigen Taijasa wiederum …

karmendriyāṇi jātāni bhūtādestāmasādatha |
śabdatanmātramabhavattaccā kāśamajījanat || 14 ||

5.14 … die Handlungssinne. Aus dem tamasigen Bhūtādi entstand das feine Prinzip des Klanges, und dieses brachte den Raum hervor.

sparśatanmātramākāśā ttasmādvāyurajāyata |
rūpamātraṃ tato vāyo stasmādagnirajāyata || 15 ||

5.15 Aus dem Raum entstand das feine Prinzip der Berührung, daraus der Wind. Aus dem Wind entstand das feine Prinzip der sichtbaren Form, daraus das Feuer.

rasamātramajanyagne stasmādāpaḥ prajajñire |
gandhatasmātramadbhyopi gandhamātrāttathā mahī || 16 ||

5.16 Aus dem Feuer entstand das feine Prinzip des Geschmacks, daraus das Wasser. Aus dem Wasser entstand das feine Prinzip des Geruchs, daraus die Erde.

śabdaikaguṇamākāśaṃ śabdasparśaguṇo'nilaḥ |
śabdasparśau tathā rūpaṃ tadvadagnerudāhṛtam || 17 ||

5.17 Der Raum hat allein den Klang als Eigenschaft; der Wind Klang und Berührung. Für das Feuer werden Klang, Berührung und sichtbare Form genannt.

śabdassparśau raso rūpaṃ cāturguṇyapāṃ smṛtam |
śabdasparśau rūparasau gandhaḥ pañcaguṇā mahī || 18 ||

5.18 Das Wasser hat vier Eigenschaften: Klang, Berührung, Geschmack und sichtbare Form. Die Erde besitzt fünf: Klang, Berührung, Form, Geschmack und Geruch.

śabdasparśau rūparasau |
nānāvīryāḥ pṛthagbhūtāste sṛṣṭāssaṃhatiṃ vinā |
nāśaknuvanprajāssraṣṭuṃ tatasai saṃhatāssvayam || 19 ||

5.19 Diese geschaffenen Prinzipien besaßen unterschiedliche Kräfte, waren aber voneinander getrennt und konnten ohne Vereinigung keine Wesen hervorbringen. Darauf vereinigten sie sich.

mahadādi viśeṣāntāḥ pradhānapuruṣeritāḥ |
aṇ‍ḍaṃ mamāṃśabhūtasya padma nābhasya madmaja || 20 ||

5.20 Von Pradhāna und Puruṣa bewegt, [wirkten die Prinzipien] von Mahat bis zu den besonderen Elementen zusammen. Aus dem Nabel Padmanābhas, der eine Teilgestalt von mir ist, o Lotosgeborener …

nābherajāyata tato jagadyonirabhūdbhavān |
sargādau prakṛterevamudbhūtamakhilaṃ jagat || 21 ||

5.21 … entstand das Weltei und daraus du als Ursprung der Welt. So ging am Beginn der Schöpfung die ganze Welt aus Prakṛti hervor …

līyate prakṛtāveva kalpānte kamalāsana |
brahmāḥ |
manye tvayā jagatsṛṣṭaṃ vidhṛtaṃ ca tvayā vibho |
kālarūpa stvamevaikaḥ kalvānte sañcahartha ca || 22 ||

5.22 … und geht am Ende des Kalpa wieder in Prakṛti ein. Brahmā sprach: Ich erkenne: Du hast die Welt erschaffen und trägst sie, o Allgegenwärtiger. Du allein löst sie als Zeit am Ende des Kalpa wieder auf.

idānīṃ vada mejñānaṃ brahmasiddhidamacyuta |
yajjñātvā na punarjanma maraṇaṃ bhavabaddhanam |
brahmajñānadvai vidhyam |
śrībhagavān |
jñānaṃ dvividhamākhyātaṃ satvākhyaṃ cakriyātmakam |
satvākhyasya kriyākhyena siddhiravyabhicāriṇī || 23 ||

5.23 Nun erkläre mir, Acyuta, die Erkenntnis, die Brahman verwirklichen lässt und nach deren Erlangung Geburt, Tod und Bindung enden. Der Herr sprach: Erkenntnis wird zweifach beschrieben: als Sattva-Erkenntnis und als tätigkeitsbezogene. Durch die tätigkeitsbezogene wird die Sattva-Erkenntnis zuverlässig verwirklicht.

tatvākhyasya itikvacit itaḥ prabhṛtiślokeṣu satvaśabdasthāne sattā śabdaḥ kośāntare duśyate |
brahmāḥ |
jñānaṃ kriyātmakaṃ tāvat vada krīyagvidhaṃ prabho |
yonābhyastena satvākhyaṃ yāsyāmi brahma siddhidam || 24 ||

5.24 Brahmā sprach: Erkläre zunächst, wie die tätigkeitsbezogene Erkenntnis beschaffen ist. Durch ihre Übung möchte ich die Sattva-Erkenntnis erlangen, die zur Brahmanverwirklichung führt. [Die Editionsnotiz zu diesem Abschnitt nennt als Alternativen „Tattva“ beziehungsweise ab hier „Sattā“ statt „Sattva“; der Begriff ist daher nicht vorschnell auf den Sattva-Guṇa festzulegen.]

sādhanam |
satvakriyātmakajñāna lakṣaṇam |
śrī bhagavān |
yamaśca niyama ścaivakriyākhyaṃ dvividhaṃ smṛtam |
tābhyāṃ jñānaṃca satvākhyaṃ prāpnotyeva na saṃśayaḥ || 25 ||

5.25 Der erhabene Herr sprach: Die Tätigkeit wird zweifach beschrieben: als Yama und als Niyama. Durch beide erlangt man unzweifelhaft die Sattva-Erkenntnis.

śceti kriyāca dvividhā smṛtā |
brahmaṇyabhinnaṃ satvākhyaṃ jñānāj jñeyamavāpyate |
jñānānmuktaḥ parānande paramātmani padmaja || 26 ||

5.26 Die Sattva-Erkenntnis ist von Brahman ungetrennt. Durch Erkenntnis wird das zu Erkennende erreicht. Durch Erkenntnis befreit, [ruht man] im höchsten Selbst, der höchsten Glückseligkeit, o Lotosgeborener. [Der letzte Satz ist verkürzt überliefert.]

jñeyāt tvayā samyagupāyaḥ kathitaḥ purā |
idānīṃ deva deveśa brūhi me brahmalakṣaṇam || 27 ||

5.27 Brahmā [im fortlaufenden Gespräch]: Du hast das Mittel schon gut erklärt. Nun beschreibe mir, Herr der Götter, die Merkmale Brahmans. [Der Anfang „jñeyāt“ und die Variante „prāptum“ bleiben fragmentarisch.]

prāptum |
brahmalakṣaṇam |
śrībhagavān |
ānandalakṣaṇaṃ brahma nādarūpamavikriyam |
kleśādibhirasaṃspṛṣṭaṃ niṣkriyaṃ nirvikalpakam || 28 ||

5.28 Der erhabene Herr sprach: Brahman ist durch Glückseligkeit gekennzeichnet, von der Natur des Nāda, unveränderlich, von Leiden und ähnlichen Begrenzungen unberührt, ohne Tätigkeit und ohne gedankliche Unterscheidung.

advandvamanavacchinnaṃ svasaṃvedyaṃ nirañcanam |
susūkṣmaṃ svavaśaṃ svairaṃ svayaṃ jyoti ranādimat || 29 ||

5.29 Es ist frei von Gegensätzen, unbegrenzt, durch sich selbst erfahrbar, makellos, überaus fein, selbstbestimmt, frei, aus sich selbst leuchtend und anfangslos.

ranāmayāṃ |
anantamakṣayaṃ śāntamadṛṣṭā ntamavṛddhimat |
dhruvamekaṃ sadā nandaṃ cidrūpaṃ sarvagaṃ param || 30 ||

5.30 Es ist unendlich, unerschöpflich, friedvoll, ohne Vergleich, ohne Zunahme, beständig, eines, immer glückselig, von der Natur des Bewusstseins, allgegenwärtig und höchst. Die Variante verbindet Bewusstsein und Glückseligkeit ausdrücklich zu „Cidānanda“.

cidānandam |
gatāgatavinirmuktaṃ vāsudevāhvayaṃ vibhu |
prabhavaṃ sarvabhūtānāmīśvaraṃ puruṣottamam || 31 ||

5.31 Es ist frei von Kommen und Gehen, Vāsudeva genannt, alldurchdringend, Ursprung aller Wesen, Herr und höchster Puruṣa.

svabhāvanirmalaṃ nityaṃ nistaraṅgaṃ nirākulam |
nirmaryādaṃ guṇātītaṃ saguṇaṃ sarvakāmadam || 32 ||

5.32 Von Natur aus rein, ewig, ohne Wellen und Unruhe, grenzenlos, jenseits der Eigenschaften und zugleich mit Eigenschaften, gewährt es alle Wünsche.

hīnavarṇairasaṃsevyaṃ mokṣamāṇairatarkitam |
adhyeyaṃ dhyeyamāścaryamavājmanasagocaram || 33 ||

5.33 Nach dem sozialen Zugangsverständnis dieser Textstelle ist es für Angehörige niedriger Varṇas nicht zugänglich; für Befreiungssuchende nicht bloß durch Denken zu erfassen. Es ist zu studieren und zu meditieren, wunderbar, jenseits von Sprache und Denken. [Die soziale Einschränkung wird als Aussage der Quelle wiedergegeben.]

ṣāḍguṇyavigrahaṃ sarvaśakti svāśrayamāśrītam |
bhūteśaṃ bhūtakṛdbhūtaṃ tamasaḥ parataḥ sthitam || 34 ||

5.34 Seine Gestalt umfasst die sechs göttlichen Eigenschaften und alle Kräfte; es ruht in sich selbst. Es ist Herr, Schöpfer und Sein der Wesen und steht jenseits der Dunkelheit. [Die Verbindung „svāśrayamāśritam“ bleibt mehrdeutig.]

sthāna samāśritam. pradhānaṃ prakṛteranyadbhogyaṃ bhoktṛ niraṅkuśam |
pramāṇapratyayātītaṃ sarvatokṣiśiromukham || 35 ||

5.35 Es ist das Vornehmste, von Prakṛti verschieden, Erfahrbares und Erfahrender, uneingeschränkt, jenseits der durch Erkenntnismittel vermittelten Vorstellungen, überall Augen, Köpfe und Gesichter habend. [Die Varianten betreffen „Pradhāna“ und die Wortverbindung zum vorausgehenden Vers.]

pradhānāt |
sarvataḥ pāṇicaraṇaṃ sarvamāvṛtya viṣṭhitam |
bahirantasthsitaṃ vyāpi sarva tantrātiśāsanam || 36 ||

5.36 Überall hat es Hände und Füße; es durchdringt alles und besteht darin. Innen und außen gegenwärtig, allumfassend, gebietet es über sämtliche Lehrordnungen.

tiṣṭhati. māyārūpaṃcamāyābhi nnityatṛptamaṇoraṇu || 37 ||

5.37 Es erscheint als Māyā und durchbricht Māyā, ist stets erfüllt und feiner als das Feinste. [Der erste Zusatz „tiṣṭhati“ gehört wohl zum vorausgehenden Satz.]

māyātītaṃ matulaṃ mṛdu dīptimat |
amūrtaṃ mūrtamojasvi cidghanaṃ nirupadravam || 38 ||

5.38 Jenseits der Māyā, unvergleichlich, sanft und strahlend, gestaltlos und gestaltet, voller Kraft, verdichtetes Bewusstsein und frei von Bedrängnis.

Kapitel 6: Das Göttliche in allem und die Stellung der Seele

Hinweis zur Quelle: Die Nummern 37, 38 fehlen in der Vorlage. Fragmente im Umfeld bleiben erhalten.

pādmasaṃhitāyām |
ṣaṣṭho'dhyāyaḥ |
brahmāḥ |
sarvataḥ pāṇipādādi brahmaṇo rūpamiritam |
arūpasyāpi tatsarvaṃ kathayasva yathātatham || 1 ||

6.1 Brahmā sprach: Von Brahman heißt es, es habe überall Hände, Füße und weitere Glieder, obwohl es gestaltlos ist. Erkläre mir dies alles genau.

bhagavatassarvataḥ pāṇu pādāditya nirvacanam |
śrībhagavān |
carācaramidaṃ kṛtsnamākṣiptaṃ paramātmanā |
yatastatsarvapāṇitvaṃ tasya lakṣaṇamucyate || 2 ||

6.2 Der erhabene Herr sprach: Weil das höchste Selbst alles Bewegliche und Unbewegliche durchdringt, wird es dadurch gekennzeichnet, dass es überall Hände hat.

deśakālā viśeṣeṇa saṃyuktaṃ parameṣṭhinā |
yaugapadyena satataṃ sarvataḥ pātprabhustṛtaḥ || 3 ||

6.3 Weil alles ohne Begrenzung durch Ort oder Zeit zugleich und beständig mit dem Höchsten verbunden ist, wird der Herr als überall Füße habend gepriesen. [Der letzte Ausdruck ist beschädigt.]

tiryagūrdvamadhaścoccairgatvā bhāsayate jagat |
raviryathā tathā kṛtvā viśvataścakṣurucyate || 4 ||

6.4 Wie die Sonne nach allen Seiten, nach oben und unten reicht und die Welt erhellt, so wirkt er; deshalb heißt er „allseits Augen habend“.

sarvaṃ purasthsitaṃ tasya vastujātaṃ yata stataḥ |
viśvato mukhatā tasya brahmaṇaḥ kamalāsana || 5 ||

6.5 Weil die Gesamtheit aller Dinge vor ihm gegenwärtig ist, wird Brahman als „allseits Gesichter habend“ bezeichnet, o Lotosgeborener.

jñānendhiyāṇi sarvāṇi śrūyante śira uttamam |
tathā jñānāśrayatvena jñeyassarvaśirāḥ prabhuḥ || 6 ||

6.6 Alle Erkenntnissinne werden dem höchsten Körperteil, dem Kopf, zugeordnet. Als Grundlage der Erkenntnis soll man den Herrn daher als „allseits Köpfe habend“ erkennen.

vidūramavidūrasthaṃ tathā vyavahitetare |
śṛṇoti śabdasaṅghātaṃ tenāsau sarvataśśravāḥ || 7 ||

6.7 Er hört die Gesamtheit der Klänge, ferne und nahe, verdeckte und unverdeckte. Deshalb heißt er „allseits Ohren habend“.

bhinno vahnirayaḥ piṇ‍ḍādabhinna ina dṛśyate |
tadvadvyaktādbhahirbhūto vyaktamāvṛtya tiṣṭhati || 8 ||

6.8 Wie Feuer von einem Eisenklumpen verschieden ist und doch wie ungetrennt von ihm erscheint, so ist er jenseits des Offenbaren und durchdringt dennoch alles Offenbare.

ādarśe nirmale yadvadantasthā pratiyātanā |
dṛśyate tatra tadvatsyādvibhoravyaktarūpatā || 9 ||

6.9 Wie in einem reinen Spiegel ein darin befindliches Abbild sichtbar wird, so lässt sich die nicht offenbare Gestalt des Alldurchdringenden verstehen.

ādarśo nirmalo yadvanmalinena tirohitaḥ |
nendriyādhīnavijñāno rūpādiṣu caturmukha |
bhagavānamuto hetossarvajñaḥ kathato budhai || 10 ||

6.10 „Wie ein reiner Spiegel durch Schmutz verdeckt …“ [Ein zusätzliches Vergleichsfragment.] Seine Erkenntnis von Formen und anderen Gegenständen ist nicht von den Sinnen abhängig, o Viergesichtiger; deshalb nennen die Weisen den erhabenen Herrn allwissend.

parameṇa mahatvena saṃyogātparamātmanaḥ |
vyāpitvamucyate viṣṇorīśvarasya manīṣibhiḥ || 11 ||

6.11 Wegen seiner Verbindung mit höchster Größe sprechen die Einsichtigen von der Allgegenwart Viṣṇus, des Herrn und höchsten Selbst. Die Variante nennt hier „die großen Weisen“.

maharṣibhiḥ |
anāditva majatvena tathai vānantatā vibhoḥ |
parokṣatvena sarveṣāmapadityucyate nṛbhiḥ || 12 ||

6.12 Seine Anfangslosigkeit beruht darauf, dass er ungeboren ist; ebenso wird seine Unendlichkeit beschrieben. Weil er für alle der unmittelbaren Sinneswahrnehmung entzogen ist, nennen ihn die Menschen „ohne Füße“. [Die genaue Verknüpfung dieser Benennung ist sprachlich unsicher.]

asaṃvidvaṣayo brahman gandhaḥ puṣpādike yathā |
tribhirguṇairabaddhopi baddhavatteṣu tiṣṭhati || 13 ||

6.13 Er ist kein unmittelbar erfasster Gegenstand, o Brahmā, wie der Duft in Blumen und Ähnlichem [verborgen liegt]. Obwohl von den drei Eigenschaften ungebunden, verweilt er in ihnen, als wäre er gebunden.

yathā puṣkāraparṇeṣu svacchamambhaḥ pratiṣṭhitam |
antarbahirabhivyāpya tiṣṭhityeko mahārṇave || 14 ||

6.14 Wie klares Wasser auf Lotosblättern ruht, [ohne an ihnen zu haften], so besteht er. Der Eine durchdringt innen und außen, wie im großen Meer …

nimagnasyeva kumbhasya bahirantarapāṃ sthitiḥ |
parakṣetrakṣayoraikyamātmano śśruticoditam || 15 ||

6.15 … das Wasser sowohl innerhalb als auch außerhalb eines eingetauchten Kruges ist. Die Śruti lehrt die Einheit des höchsten Selbst und des Feldkenners. [„kṣetrakṣa“ ist eine beschädigte Form von Kṣetrajña.]

kṣetrakṣasyāsyabāhulyaṃ dehabhedātpratīyate |
ekasyaivahi bimbhasya darpaṇeṣu yathā tathā || 16 ||

6.16 Die Vielheit dieses Feldkenners erscheint durch die Verschiedenheit der Körper, wie sich ein einziges Bild in vielen Spiegeln zeigt.

bhūtādi pañcapaṅghātaṃ kṣetraṃ tatra vyavasthitaḥ |
jīvoyastaṃ viduḥ prājñāḥ kṣetrajñaṃ parasaṃjñitam || 17 ||

6.17 Die Zusammenfügung der fünf Elemente bildet das Feld. Den darin befindlichen Jīva kennen die Einsichtigen als den Feldkenner, der als höchstes [Selbst] bezeichnet wird.

abuddhibodhyamaspaṣṭaṃ vyaktasyopari viṣṭhitam |
parātparataraṃ viṣuṃ sūrayo jñānacakṣuṣā || 18 ||

6.18 Viṣṇu ist nicht durch bloßen Verstand zu erfassen, nicht deutlich gegenständlich, oberhalb des Offenbaren und höher als das Hohe. Die Weisen erkennen ihn mit dem Auge der Erkenntnis …

avyaktopari |
vidantina tamajñānāt jñānagocaramakṣaram |
parasya vyāpino dehacalanādyā na vibhramaḥ || 19 ||

6.19 … nicht durch Unwissenheit: den Unvergänglichen, der der Erkenntnis zugänglich ist. Die Bewegung des Körpers und ähnliche Vorgänge bedeuten keine Bewegung des höchsten, alldurchdringenden Selbst.

yathā ghaṭasthamākāśaṃ nīyamāne ghaṭe matiḥ |
yātīti vastuto naiva bhedausti parajīvayoḥ || 20 ||

6.20 Wenn ein Krug fortgetragen wird, meint man, der Raum im Krug gehe mit. In Wahrheit besteht entsprechend kein Unterschied zwischen höchstem Selbst und Jīva.

padmapatrasahasreṣu sūcībhinneṣvanu kramāt |
sūkṣmatvātkālabhedastu yathā naivopalabhyate || 21 ||

6.21 Wenn tausend Lotosblätter nacheinander mit einer Nadel durchstochen werden, nimmt man wegen der Feinheit der Zeitabstände deren Unterschied nicht wahr.

tathaiva paramātmāyāṃ nāmnāṇuḥ parikīrtitaḥ |
dūrasthamajñāḥ paśyanti hṛtvadme viṣṭhitaṃ sadā || 22 ||

6.22 Ebenso wird dieses höchste Selbst als „fein“ bezeichnet. Die Unwissenden sehen es als fern an, obwohl es immer im Herzlotos wohnt. [Die Zusätze „vijñānāt/vijñātaḥ“ variieren den Erkenntnisbezug.]

vijñānāt. vijñātaḥ |
vitatya vāyurākāśaṃ yathaika stiṣṭhati prabhuḥ |
tathā carācaraṃ viśvaṃ vyāpya tiṣṭhatyajassvayam || 23 ||

6.23 Wie ein einziger Wind den Raum durchzieht und darin besteht, so durchdringt der ungeborene Herr selbst das gesamte bewegliche und unbewegliche Weltall.

sraṣṭuṃ saṃhartumīśāno raśmīnabhyudito raviḥ |
yathā tathā jagatsarvaṃ sraṣṭu hartuṃ prabhurhariḥ || 24 ||

6.24 Wie die aufgegangene Sonne ihre Strahlen aussenden und zurücknehmen kann, so vermag Hari die ganze Welt hervorzubringen und zurückzunehmen.

kvacit kośe ayaṃ ślokaḥ svaṃparam ityasmādanantaraṃ dṛśyate. varṇaiḥ ityādyarddhaṃca nā sti |
svaṃ paraṃ cāpi viṣayaṃ prakāśayati cidghanaḥ |
yathā pradīpassvasyāpi ghaṭādeśca prakāśakṛt || 25 ||

6.25 Als verdichtetes Bewusstsein erhellt er sich selbst und den anderen Gegenstand, wie eine Lampe sich selbst und einen Krug sowie andere Dinge sichtbar macht. [Die Editionsnotiz berichtet, dass Vers 24 in einer Textfassung nach diesem Vergleich steht und der folgende mit „varṇaiḥ“ beginnende Halbvers dort fehlt.]

varṇaissitādibhirhīnasta dvadbhāsayate hariḥ |
ṣaḍbhirguṇai ranvita tvāt jñānādibhiranavyagaiḥ || 26 ||

6.26 Obwohl frei von Farben wie Weiß, erhellt Hari auf diese Weise. Weil er die sechs unvergänglichen Eigenschaften, angefangen mit Erkenntnis, besitzt …

tadvānadhyāsyate |
bhagavān kathitassadbhiḥ paramātmā jaganmayaḥ |
dadhni sarpi stile tailaṃ mādhuryaṃ ca guḍādiṣu || 27 ||

6.27 … wird das höchste Selbst, das die Welt erfüllt, von den Guten Bhagavān genannt. Wie Butter im Joghurt, Öl im Sesam und Süße im Zucker und Ähnlichem …

abhinnaṃ tasvato dvavyādamūrtaṃ tatra ca sthitam |
upalambhana sāmarthyāddṛśyate na tadīkṣyate || 28 ||

6.28 … der Sache nach vom Stoff ungetrennt und ohne eigene sichtbare Gestalt darin bestehen, so wird [das Verborgene] durch das Vermögen seiner Erfassung erkannt, obwohl es nicht mit den Augen gesehen wird.

sānnidyāt |
ajopyamūrtassa rveṣāmantarātmā paraḥ pumān |
jñānināṃbhāvanāyogādupalabhdhipathaṃ gataḥ || 29 ||

6.29 So gelangt der ungeborene und gestaltlose höchste Puruṣa, das innere Selbst aller, durch die meditative Vergegenwärtigung der Erkennenden in den Bereich der Erfahrung.

brahmāḥ |
carāca reṣu sarveṣu yadvastu vyāvya viṣṭhitam |
amūrtamapṛthagbhūtaṃ svasaṃ vedyaṃ vidanti ke || 30 ||

6.30 Brahmā sprach: Wer erkennt durch Wissen jene Wirklichkeit, die alles Bewegliche und Unbewegliche durchdringt, gestaltlos, ungetrennt und durch sich selbst erfahrbar ist? Die Variante liest „getrennt“ statt „ungetrennt“.

amūrtaṃ ca pṛthagbhūtam |
vidyayābhagavanmahyaṃ tānācakṣva yathātatham |
pañcarātravidhidīkṣitānāṃ viṣṇumāyo ttaraṇam |
śrībhagavān |
pañcarātroktamārgeṇa yo dīkṣāṃ cakrama़ṇ‍ḍale |
kṛtvā samarcanaṃ viṣṇoḥ dviṣaṭkākṣaravidyayā || 31 ||

6.31 Erkläre mir diese Menschen genau, Erhabener. Der Herr sprach: Wer nach dem im Pāñcarātra beschriebenen Weg die Einweihung im Rad-Maṇḍala vollzogen hat und Viṣṇu mit der zwölfsilbigen Vidyā verehrt …

ārādhayanti śāstroktavidhinā deśikottamāḥ |
teṣāṃ hṛdambuje sākṣādāvi rāsaiparaḥ pumān || 32 ||

6.32 … jene vorzüglichen Lehrer, die ihn nach dem vorgeschriebenen Verfahren verehren: In ihrem Herzenslotos erscheint der höchste Puruṣa unmittelbar.

taranti viṣṇumāyāṃ te na tarantītare janāḥ |
brahmāḥ |
vastu sākṣātkṛtaṃ kīdṛglakṣaṇaṃ tasya kīdṛśam |
bhagavan kathyatāṃ sarvaṃ mayi cedastyanugrahaḥ || 33 ||

6.33 Sie überqueren Viṣṇus Māyā; andere Menschen tun es nicht [so die Aussage des Textes]. Brahmā sprach: Wie ist die unmittelbar erfahrene Wirklichkeit beschaffen, und welche Merkmale besitzt sie? Erkläre alles, wenn du mir Gnade erweist.

vastusākṣātkṛtiḥ |
nididhyāsitavastu svarūpam |
śrībhagavān |
vālāgraśatabhāgasthaṃ pradhāna puruṣātmakam |
gamanāgamanairhīnamaṇiṣṭhaṃ tadaṇopari || 34 ||

6.34 Der erhabene Herr sprach: Sie findet in einem Hundertstel einer Haarspitze Raum, umfasst Pradhāna und Puruṣa, ist ohne Gehen und Kommen und noch feiner als das Feine.

mahiṣṭhaṃ mahato vastu paramānandavigraham |
vṛddhikṣayavinirmaktaṃ sarvagaṃ saṃvidātmakam || 35 ||

6.35 Sie ist größer als das Große, von der Gestalt höchster Glückseligkeit, frei von Wachstum und Schwinden, allgegenwärtig und von der Natur des Bewusstseins.

sadrūpaṃ praṇavā vedyamapratarkyaṃ pramāṇavat |
evaṃ vastu ca kāṃkṣante hṛdaye yoginassadā || 36 ||

6.36 Sie ist Sein, durch den Praṇava zu erkennen, nicht durch Schlussfolgerungen auszuschöpfen und doch der Erkenntnis zugänglich. Nach dieser Wirklichkeit verlangen die Yogis stets im Herzen. [„pramāṇavat“ ist in dieser Verbindung mehrdeutig.]

vedyaṃ pratarkapraṇavānvitam. tejaḥ puñjamivābhāti rūpaṃ sakalaniṣkalam |
saccidānandarūpādi rūpāṃ niṣkalasaṃjñitam || 39 ||

6.39 Die Gestalt leuchtet wie eine Fülle von Licht, zugleich gegliedert und ungegliedert. Was von der Natur von Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit ist, wird ungegliedert genannt. [Die Nummern 37–38 fehlen; die vorangestellten Fragmente betreffen Erkennbarkeit, Praṇava und eine Gestalt „mit Füßen und weiteren Gliedern“.]

tejaḥ ruñcaṃ sapādādirūpam |
prakṛti vikṛti nirūpaṇam |
prakṛtirvikṛtiśca sve sva rūpe paramātmanaḥ |
satvādiguṇasaṃghātaḥ prakṛtirvikṛtiḥ punaḥ || 40 ||

6.40 Prakṛti und Vikṛti sind eigene Erscheinungsweisen des höchsten Selbst. Die Zusammenfügung der Eigenschaften, angefangen mit Sattva, ist Prakṛti; Vikṛti wiederum …

puruṣaḥ paramātmākhyasteneyaṃtriguṇātmikā |
maramātmā dhiṣṭhitāyāḥ prakṛterjagatsargādiḥ |
adhiṣṭhitā jagastarvaṃ prasūte cetanātmakam || 41 ||

6.41 … wird hier als der Puruṣa bezeichnet, der höchstes Selbst heißt. Von ihm getragen bringt diese dreifache Prakṛti die ganze Welt mit ihren bewussten Wesen hervor. [Die ungewöhnliche Benennung des Puruṣa als Vikṛti bleibt als Textaussage stehen.]

saṃharatyapi tatsarvaṃ niyogā deva tasya sā |
saparamātmā nārāyaṇaḥ |
eka eva paro devo nānāśakti samanvitaḥ || 42 ||

6.42 Auf sein Geheiß nimmt sie alles auch wieder zurück. Es gibt nur einen höchsten Gott, der mit vielfältigen Kräften ausgestattet ist …

karoti sargasaṃhārau sa ca nārāyaṇassmṛtaḥ |
nānāthikkaiḥ puradvārairyathā puranivāsinaḥ || 43 ||

6.43 … und Schöpfung und Auflösung bewirkt; er wird Nārāyaṇa genannt. Wie die Bewohner einer Stadt durch Tore in verschiedenen Richtungen …

navadvāraiḥ |
antarviṃśanti yadvacca puruṣāḥ puruṣaṃ param |
upāsakā viśantyantarvidyayā parayā sadā || 44 ||

6.44 … ins Innere eintreten, so treten die Verehrenden durch höchste Erkenntnis in den höchsten Puruṣa ein. Eine Variante nennt „neun Tore“.

viśantyanyetanmayyā |
{ brahmarandhrādiṣu rukmābhatvādiguṇaviśiṣṭa brahmasvarūpa dhyāturdagdha kalmaṣasya brahmaprāptiḥ} |
jyotirmaṇ‍ḍalamadhyasthaṃ rukmābhaṃ puruṣaṃ paraṃ |
hṛtpadmakarṇikārūḍhaṃ śaṅkhacakragadādharam || 45 ||

6.45 Die Yogis vergegenwärtigen den höchsten Puruṣa goldglänzend inmitten eines Lichtkreises, auf dem Fruchtboden des Herzlotos sitzend, Muschelhorn, Diskus und Keule tragend …

caturbhujaṃ bhāvayanti sthāneṣveteṣu yoginaḥ |
brahmarandhre bhruvormadhye nabhicakregalāvaṭe || 46 ||

6.46 … vierarmig, an diesen Orten: an der Brahmanöffnung, zwischen den Augenbrauen, im Nabelrad und in der Kehlgrube …

bhāvarūpamayoginaḥ |
jīhvāgre dālumadhye ca bhāvayanto yatendriyāḥ |
pūrvajanmakṛtaṃ karma dagdhvā yānti sanātanam || 47 ||

6.47 … an der Zungenspitze und in der Mitte des Gaumens. Indem sie ihn mit beherrschten Sinnen vergegenwärtigen, verbrennen sie das Karma früherer Geburten und gelangen zum Ewigen.

niṣkāmakarmiṇāmanyeṣāmapi brahmaprāptikathanam. |
viṣṇorārādhanaparāḥ pañcakālaparāyaṇāḥ |
aṣṭāṅgayoga siddhāśca dvādaśākṣaracintakāḥ || 48 ||

6.48 Die der Verehrung Viṣṇus Hingegebenen, die dem fünffachen Tagesdienst folgen, im achtgliedrigen Yoga Vollendeten und über den zwölfsilbigen Mantra Meditierenden …

niṣṭhāśca |
vāśudevaśrayā martyā vāsudeva parāyaṇāḥ |
sarvapāpaviśuddhāśca yānti brahma sanātanam || 49 ||

6.49 … die Menschen, die bei Vāsudeva Zuflucht nehmen und ganz auf ihn ausgerichtet sind, gelangen, von allen Verfehlungen gereinigt, zum ewigen Brahman.

javatodivaḥ |
muktātma paramātmanossadṛṣṭāntaṃ bhedagarbhābhedanirūpaṇam |
varṣadhārāḥ pṛthagbhūtāḥ patantyo divi meghataḥ |
bhūmāvaikyaṃ yathā yānti tadvadbrahmaṇi yoginaḥ || 50 ||

6.50 Wie die einzelnen Regenströme aus den Wolken fallen und auf der Erde zusammenfließen, so gelangen die Yogis in Brahman zur Einheit.

arṇo nadīnāṃ bahṛdhā tatsvarūpādi bhedavat |
sarorūpādi |
praviṣṭaṃ vāridhervāri nodakādvyatiricyate || 51 ||

6.51 Das Wasser der Flüsse ist in vielerlei Hinsicht verschieden; wenn es aber ins Meer eingegangen ist, unterscheidet es sich nicht vom Wasser des Meeres.

tathaiva brahmaṇi pare muktātmāvaścaturmukha |
ekībhāvena tiṣṭhanti tatsālokyaṃ yathā bhavet || 52 ||

6.52 Ebenso bestehen die befreiten Seelen im höchsten Brahman in Einheit, o Viergesichtiger; darin liegt das Wohnen in derselben Welt. [Der Text verbindet die Einheitssprache ausdrücklich mit Sālokya.]

etadrahasyamuditaṃ niṣatsūpaniṣatsu ca |
yogaḥ prakāśitastubhyaṃ mayā kamalasambhava || 53 ||

6.53 Dieses Geheimnis wird in den Unterweisungen und Upaniṣaden verkündet. Diesen Yoga habe ich dir offenbart, o Lotosgeborener. [„niṣatsu“ ist nicht sicher zu bestimmen.]

In der Stille kann die Frage nach dem eigenen Selbst Raum gewinnen.

Kapitel 7: Wie befreiende Erkenntnis entsteht

Hinweis zur Quelle: Die Nummern 53, 59, 63, 64, 65 fehlen in der Vorlage. Fragmente im Umfeld bleiben erhalten.

pādmasaṃhitāyām |
saptamo'dhyāyaḥ |
brahmaprāpti sādhanajñānotpatti kāraṇa praśnaḥ |
brahmāḥ |
brahmaṇaḥ prāptyupāyasya jñānasyo tpattikāraṇam |
ucyatāṃ tadaśeṣeṇa prasādo mayi cettava || 1 ||

7.1 Brahmā sprach: Wenn du mir gnädig bist, erkläre vollständig, wodurch jene Erkenntnis entsteht, die das Mittel zur Erlangung Brahmans ist.

tpāda |
śrībhagavān |
niṣkāmakarmabhirnirmalīkṛta cittasya brahmajñānotpattinirūpaṇam |
bāhyo parāgarahitaṃ nirmalaṃ tasya jāyate |
vijñānaṃ yasya bhagavatsamārādhana karmabhiḥ || 2 ||

7.2 Der erhabene Herr sprach: Bei demjenigen entsteht reine Erkenntnis, frei von äußerer Trübung, dessen [Geist] durch die Handlungen der vollkommenen Gottesverehrung …

anādyavidyāvirayo yogaṅgaiśca yamādibhiḥ |
śaucamijyā tapaścaryā svādhyāyā bhyasanaṃ tathā || 3 ||

7.3 … und durch die Yogaglieder, angefangen mit Yama, von anfangsloser Unwissenheit frei wird. Reinheit, Opferverehrung, spirituelle Disziplin und regelmäßiges Schriftstudium …

idamardhaṃ kvacinna |
brahmācaryā mitāhāro maunamindriyanigrahaḥ |
ahiṃsā copavāsaśca snānaṃ tīrthaniṣevaṇam || 4 ||

7.4 … Brahmacarya, maßvolles Essen, Schweigen, Beherrschung der Sinne, Gewaltlosigkeit, Fasten, Baden und das Aufsuchen heiliger Orte … [Die Editionsnotiz vor diesem Vers meldet das Fehlen eines Halbverses in manchen Textzeugen.]

vairāgyaṃ putradā reṣu duṣṭāhāravivarjanam |
akrūratā vṛddhasevā kṣamā maityranṛśaṃsatā || 5 ||

7.5 … Losgelöstheit gegenüber Kindern und Ehepartner, das Meiden ungeeigneter Nahrung, Freundlichkeit ohne Härte, Dienst an den Älteren, Geduld, Freundschaft und Mitmenschlichkeit …

maityrādayastathā |
paradāraparasveṣu vai mukhyaṃ śāstrasevanam |
asaktatā bhogyavastuṣvtetai ścittaprasādhanaiḥ || 6 ||

7.6 … das Abstehen von den Partnern und dem Besitz anderer, die Beschäftigung mit der Lehre und Nichtanhaften an Genussgegenständen: Durch diese Mittel der Klärung des Geistes …

bhojanā dāvetai |
jñānaṃ pratyaṅmukhaṃ jātaṃ tena jānanti tatpadam |
yatprāpya na nivartanai janmamṛtyu vivarjitāḥ || 7 ||

7.7 … entsteht nach innen gerichtete Erkenntnis. Durch sie erkennen die Menschen jenes Ziel, nach dessen Erlangung sie nicht wiederkehren, frei von Geburt und Tod.

puruṣāḥ karmaniratā jñāna vijñānajanmani |
kathito heturiti madhunā kathayāmi caturmukha || 8 ||

7.8 Damit ist der Grund für das Entstehen von Wissen und unmittelbarer Erkenntnis bei den entsprechend Handelnden genannt. Nun werde ich weiter erklären, o Viergesichtiger. [Der Satzanfang ist etwas gestört.]

bandatvam |
śubhāśubhātmakaṃ karma kṛtvā māyāvaśaṃ gatāḥ |
bhogāyatanamāsthāya tattatkarma pravāhajam || 9 ||

7.9 Indem sie gute und schlechte Handlungen vollbringen und unter die Macht der Māyā geraten, nehmen sie jeweils einen aus ihrem Handlungsstrom entstandenen Körper als Ort der Erfahrung an …

bhogāṅṇāṃ tanum. niyatendriyāḥ |
saṃsṛtissā caturvaktra tasyāḥ karmaiva kāraṇam || 10 ||

7.10 … [und leben darin mit den Sinnen]. Dies ist der Saṃsāra, o Viergesichtiger; seine Ursache ist das Handeln. [Die kurze erste Zeile ist nur fragmentarisch erhalten.]

yotvatandritāḥ |muktīrjñānādike tasyāssaṃsṛterātmano bhavet |
karmādhike puvassaiva jāyate niravagrahā || 11 ||

7.11 Wenn Erkenntnis überwiegt, kann das Selbst von diesem Saṃsāra frei werden. Wenn dagegen das Handeln überwiegt, setzt er sich ungehindert fort. [Die vorausgehende Variante „unermüdlich“ hat keinen sicheren Satzanschluss.]

dharmadhikaiḥ punartvevaṃ jāyate niravagrahaḥ |
saṃsārahetubhūtaṃ tatkarmajñānena naśyati |
kṣīṇe karmaṇi saṃsārahetau mukti ranantarā || 12 ||

7.12 Das Handeln, das die Ursache des Saṃsāra bildet, vergeht durch Erkenntnis. Ist dieses ursächliche Karma erschöpft, folgt unmittelbar Befreiung.

ranantaram |
kalpate saṃsṛtiḥ karmahetu ruktā viniścitā |
karoti karma cāvidyāvivaśaḥ puruṣassvayam || 13 ||

7.13 Der Saṃsāra ist somit als durch Handeln verursacht festgestellt. Der Mensch selbst vollbringt Handlungen, von Unwissenheit überwältigt. [Die folgenden Lesarten variieren die Formulierung des Ursachenverhältnisses.]

karmarūpā heturvaniścitākarmaheturmuktā viniścitāiti ca pāṭhaḥ |
satvarajastamasāṃ śubhāśubhakarmahetutvam |
guṇā eva trayo vidyā samāsavyāsavṛttayaḥ |
taireva kurute karma śubhaṃ vā yadi vā śubham || 14 ||

7.14 Die drei Eigenschaften bilden die Unwissenheit, indem sie gemeinsam oder einzeln wirken. Durch sie vollzieht der Mensch gutes oder schlechtes Handeln. [„vidyā“ steht in einer sprachlich gestörten Verbindung; der folgende Vers erläutert ausdrücklich Avidyā.]

tenaiva |
taistribhirvividhā nidrā jāyate karmakāraṇam |
saiṣā'vidyā ca māyā ca kathyatekovidottamaiḥ || 15 ||

7.15 Durch diese drei entsteht vielfältiger Schlaf als Ursache des Handelns. Diesen nennen die Kundigen Avidyā und Māyā.

satvātsukhamayī nidrā rajasaḥ karmasaṅkulā |
tamaso mohinīḥ nāma tābhirnigalitaḥ pumān || 16 ||

7.16 Aus Sattva entsteht ein von Glück erfüllter Schlaf, aus Rajas ein von Tätigkeiten erfüllter, aus Tamas der sogenannte betörende. Von ihnen gefesselt …

saṃsā rato'vaśaḥ karma karoti janikāraṇam |
rādavaśa |
uktārthaprapañcanam |
satvādiguṇasaṃyuktaṃ mano bhūteṣu pañcasu || 17 ||

7.17 … handelt der Mensch im Saṃsāra unfrei und schafft Ursachen neuer Geburt. Der mit Sattva und den anderen Eigenschaften verbundene Geist wird auf die fünf Elemente gerichtet …

prayuktaṃ pañcadhā bhinnaṃ prasūte bahudhā kriyāḥ |
manassatvaguṇopetaṃ pṛthivīsthaṃ yadā bhavet || 18 ||

7.18 … und bringt, fünffach unterschieden, vielfältige Tätigkeiten hervor. Wenn der Geist mit Sattva verbunden im Erdelement steht …

pravṛttam. pālanāya nṛṇāṃ tathā || 19 ||

7.19 „… zum Schutz der Menschen ebenso.“ [Der Zusammenhang ist fragmentarisch; Varianten lauten „Schutz“, „zum Schutz“ und „Gras ebenso“. Eine vollständige Aussage lässt sich nicht sichern.]

pālanaṃ vā. pālanāyām. tṛṇaṃtathā |
rajasisthe prāṇahiṃsāṃ mṛgayābuddhimeva ca |
tamasisthe tu hṛdaye cchedanaṃ bhedanaṃ tathā || 20 ||

7.20 Steht er in Rajas, [entstehen] Schädigung von Lebewesen und Jagdgedanken; steht das Herz in Tamas, Schneiden, Spalten …

abhicāra vaśīkāra parasvaharaṇādikam |
satvasthe'psu jalakrīḍā jalapānaṃ caturmukha || 21 ||

7.21 … schädigende Rituale, Unterwerfung anderer, Aneignung fremden Besitzes und Ähnliches. Im Wasserbereich entstehen unter Sattva Wasserspiel und Wassertrinken, o Viergesichtiger …

nadītanaraṇamityādi karoti vivaśaḥ pumān |
rajasā ca jaladroṇyāmavagāhū nivajjanam || 22 ||

7.22 … das Überqueren von Flüssen und Ähnliches; der Mensch handelt unter diesen Einflüssen. Bei Rajas [folgen] das Eintauchen in Wasserbecken und Untertauchen …

rajasisthe |
setubandhaṃ samudrādau bāhūbhyāṃ taraṇaṃ tathā |
tamasisthe tu manasi jalatīre vimocanam || 23 ||

7.23 … der Bau von Dämmen etwa am Meer und Schwimmen mit den Armen. Bei einem tamasigen Geist [nennt der Text] ein Loslassen am Wasserufer …

manasyapyu. vāpitale |
kūpe vā patanaṃ śvabhre karoti puruṣassadā |
manastejasi satvasthe sūryacaṃdrādi darśanam || 24 ||

7.24 … und das Fallen in einen Brunnen oder eine Grube. Ist der Geist im Feuerelement sattvig, [entstehen] das Schauen von Sonne und Mond …

agnau tejasi. hṛditejapi |
paṭutvamuṣṇabhāvaśca ratna hemādi darśanam |
karoti rajasi prāpai khaḍgahastassamu tthitaḥ || 25 ||

7.25 … Schärfe, Wärme und das Betrachten von Edelsteinen und Gold. Wenn Rajas hinzutritt, steht der Mensch mit einem Schwert in der Hand auf …

dyataḥ |
mṛgānhanti tathā muṣṭidaṇḍaiśca bhṛśatāḍanam |
tamasisthe manasyagnau raktapuppādiṣu spṛhā || 26 ||

7.26 … tötet Tiere und schlägt heftig mit Fäusten oder Stöcken. Ist der Geist im Feuerelement tamasig, entsteht Verlangen nach roten Blüten und Ähnlichem.

śvasanasthe guṇe satve śīghrayānaṃ ca nartanam |
gānaṃ pralāpanaṃ karma karoti rajasi sthite || 27 ||

7.27 Im Windelement entstehen unter Sattva schnelles Gehen, Tanzen, Singen und Reden. Wenn der Geist in Rajas steht …

citte gajāśvarohādi tathordhvagamanādikam |
tamoguṇasthe manasi prāsādārohaṇādikam || 28 ||

7.28 … [entstehen] das Reiten auf Elefanten und Pferden und das Aufsteigen; bei tamasigem Geist das Besteigen von Palästen und Ähnliches.

naro |
citte vyomani satvasthe nirābhāsaṃ nirāśrayam |
gamanaṃ rājase citte dhṛṣṭhaṃ jāgarti yatpunaḥ || 29 ||

7.29 Wenn der Geist im Raumelement sattvig ist, [entsteht] ein Fortbewegen ohne sichtbare Grundlage und ohne Stütze. Beim rajasigen Geist [folgt] dasjenige, was im Wachen gesehen wurde … [Der zweite Halbvers ist beschädigt.]

svāpe tadīkṣitaṃ sarvaṃ mānase tamasi sthite |
sarvadaṣṭha vadā tmāyaṃ sukhaduḥkhaṃ na budhyate || 30 ||

7.30 … und im Schlaf als Ganzes wieder erscheint. Bei tamasigem Geist erkennt das Selbst weder Glück noch Leid, als wäre es von einer Schlange gebissen. [Der Vergleich steht in beschädigter Schreibweise.]

jñānavarjītaḥ vaśaṅgataḥ |
karoti triguṇairyaktaḥ karmabhistaiḥ pumānayam || 31 ||

7.31 Mit den drei Eigenschaften verbunden und durch diese Tätigkeiten [bestimmt], handelt dieser Mensch. [Nur ein Halbvers; die Zusätze lauten sinngemäß „ohne Erkenntnis“, „unter die Macht geraten“.]

vaśāsugaḥ |
saṃsāre pi gato janma nāśaṃ ca pratipadyate |
yadā prasādasumukhaḥ paramātmā sanātanaḥ || 32 ||

7.32 So gerät er in den Saṃsāra und erfährt Geburt und Untergang. Wenn das ewige höchste Selbst sich ihm gnädig zuwendet …

patate |
tadā māyāvi muktaśca yogayukto jitendriyaḥ |
vijñānena paraṃ brahma prāpnoti sukhalakṣaṇam || 33 ||

7.33 … wird er von Māyā frei, im Yoga gesammelt und Herr seiner Sinne. Durch Erkenntnis erreicht er das höchste Brahman, dessen Kennzeichen Glückseligkeit ist.

muktassan |
jīvasya guṇatraya yogāyogakāraṇanirūpaṇam |
brahmāḥ |
ebhirguṇai stathā yogo viyogo vā kathaṃ bhavet |
śrībhagavān |
puruṣasya guṇā ete trayopi kamalāsana || 34 ||

7.34 Brahmā sprach: Wie entstehen Verbindung und Trennung von diesen Eigenschaften? Der erhabene Herr sprach: Diese drei Eigenschaften des Puruṣa, o Lotosgeborener …

māyāyoga viyogābhyāṃ bhavanti na bhavanti ca |
māyānapāyinī nityā mayi tiṣṭhati śāśvatī || 35 ||

7.35 … treten durch die Verbindung mit Māyā auf und hören durch die Trennung von ihr auf. Māyā selbst besteht ewig und unvergänglich in mir.

māyāvaśaṃgatāssarve bhramantya jñānamohitāḥ |
brahmāmayo pi kimuta devādyāḥ kamalāsana || 36 ||

7.36 Alle geraten unter die Macht der Māyā und wandern umher, durch Unwissenheit verwirrt: selbst Brahmā und die anderen, um wie viel mehr die übrigen Götter, o Lotosgeborener!

bhagavatprasādānmāyānivṛttiḥ |
matprasādāvasānā yā madadhīnā vinaśyati |
māyāyogena badhyante mucyantetāṃ jayantiyo || 37 ||

7.37 Māyā untersteht mir; ihre Wirkung endet durch meine Gnade. Durch die Verbindung mit ihr werden die Wesen gebunden; wer sie überwindet, wird frei. [Die Lesarten betonen gleichermaßen „allein durch Gnade“.]

prasādāteva sā māyā. prasādāteva māyāyāḥ iti ca kośā stare. prasādādeva sā māyā. iti kvacit. vedvi kāraṇaṃ tatra tanme brūhi yathātatham || 38 ||

7.38 „… den Grund dafür … erkläre ihn mir genau.“ [Brahmās Frage ist nur als Fragment erhalten; vorausgehen mehrere Varianten zum Gnadensatz.]

vidhiḥ |
śrībhagavān |
śraddhā bhaktissamādhiśca mayi samyaksamarpitā |
kāraṇaṃ śāstradṛṣṭena vidhinā nānyathā bhavet || 39 ||

7.39 Der erhabene Herr sprach: Vertrauen, Hingabe und Sammlung, mir ganz dargebracht, sind die Ursache, ausgeübt nach dem in der Lehre beschriebenen Verfahren; anders geschieht es nicht.

sarveṣāṃ mokṣyamāṇānāṃ kāraṇa trayamīritam |
tairvinā saṃsarantyanye māyāpara vaśā janāḥ || 40 ||

7.40 Diese drei Ursachen werden für alle nach Befreiung Strebenden genannt. Ohne sie verbleiben die anderen Menschen im Saṃsāra, von Māyā beherrscht.

vaśaṅgatāḥ |
śraddhābhakti samādhīnāṃ viṣayaviśeṣanai yatyam |
mamāvatārarūpāṇi budhvā sṛṣṭāni manmukhāt |
adharmasyopaśāntyarthaṃ dharma kāma praṣṛddhaye || 41 ||

7.41 Man erkenne meine vielen Erscheinungsformen, die aus mir hervorgingen, um Unrecht zu beruhigen und Dharma sowie berechtigte Ziele zu fördern …

adarmotthāna |
bahūni boddhaṃ yogyāni trayaṃ tatra samācaret |
sarvākāravinirmuktaṃ rūpaṃ yatparamātmanaḥ || 42 ||

7.42 … und die dem Erkennen zugänglich sind; auf sie richte man jene drei Haltungen. Die von allen Gestalten freie Wirklichkeit des höchsten Selbst hingegen …

durvijñānaṃ tadeteṣāṃ śraddhādīnāmagocaram |
muktikāraṇamuddhaṣṭaṃ brahman bhūyaḥ kimiṣyate || 43 ||

7.43 … ist schwer zu erkennen und liegt außerhalb des Bereichs dieser Haltungen, angefangen mit Vertrauen. Die Ursache der Befreiung ist damit genannt, o Brahmā. Was möchtest du noch wissen? [Eine Variante bezieht die Unzugänglichkeit auf Matsya und die anderen Gestalten; sie verändert den Anschluss.]

matsyādīnāmagocaram |muktikāraṇa mityuktam |
cetanā cetanayorabhinnakāraṇatva nirūpaṇam |
brahmāḥ |
acetanaṃ cetanaṃ ca rūpaṃ sraṣṭuṃ samīkṣyate |
kimekayoni ssā sṛṣṭi ryoni bhedaḥ kimetayoḥ || 44 ||

7.44 Brahmā sprach: Bewusstes und Unbewusstes erscheinen als zu erschaffende Wirklichkeiten. Haben sie einen einzigen Ursprung, oder sind ihre Ursprünge verschieden?

śrībhagavān |
abhinnamekamavyaktaṃ rūpaṃ tatpara mātmanaḥ |
avibhaktaṃ vibhaktaṃ ca dadhni sarpiriva sthitam || 45 ||

7.45 Der erhabene Herr sprach: Es gibt eine einzige ungetrennte, nicht offenbare Wirklichkeit des höchsten Selbst, zugleich ungeteilt und unterschieden, wie Butter im Joghurt enthalten ist.

pūpeṇa paramātmanaḥ |
avyaktaṃ vyaktimāpannaṃ kadācitpuruṣecchayā |
mahān jāta statovyaktādahaṅkārattato'jani || 46 ||

7.46 Das Unoffenbare tritt zu einer bestimmten Zeit nach dem Willen des Puruṣa in Erscheinung. Aus ihm entstand Mahat, und daraus Ahaṃkāra.

āhaṅkārānmano jātaṃ tanmātrā pañcakaṃ tataḥ |
indriyāṇi daśaikaṃ ca samajāyata padmaja || 47 ||

7.47 Aus Ahaṃkāra entstanden der Geist, die fünf feinen Elemente und die elf Sinnesvermögen, o Lotosgeborener. [Die Aufzählung nennt den Geist gesondert, zählt ihn offenbar aber auch unter den elf mit.]

tanmātrapañcakaṃ jātamahaṅkarānmattataḥ |
mahābhūtaṃ pṛthivyādi pañcakaṃ tadana ntaram |
acetanāccetanācca sṛṣṭhirevamudāhṛtā || 48 ||

7.48 Danach entstanden die fünf groben Elemente, angefangen mit der Erde. So ist die Schöpfung aus dem Unbewussten und dem Bewussten beschrieben.

guṇatrayavaśāduttamādhamamadyamabhāvotpattiḥ |
tribhirevaṃ guṇai retai ruttamādhamamadyamāḥ |
jāyanai kāraṇavaśāttānbhravīmi kramādaham || 49 ||

7.49 Durch diese drei Eigenschaften entstehen je nach Ursache höchste, mittlere und niedrigste Zustände. Ich will sie der Reihe nach erklären.

teṣāṃ svarūpam |
bhāveṣu teṣu bhūyuṣṭhaṃ satvaṃ śreyāṃ ścaturmakha |
bhūyuṣṭharājaso madhyo jaghanyasta samādhikaḥ || 50 ||

7.50 Unter diesen Zuständen ist derjenige mit vorherrschendem Sattva der beste, o Viergesichtiger; mit vorherrschendem Rajas ist er mittel, mit überwiegendem Tamas der niedrigste.

uttamasatvabhāvārcanāyāḥ bhogamokṣa sādhanasvam |
tatra satvādhikai rbhavai rarcanā mama toṣiṇī |
bhogo vāpyapavargo vā phalaṃ teṣāṃ yathepsitam || 51 ||

7.51 Verehrung in vorwiegend sattvigen Zuständen erfreut mich. Ihre Frucht ist, je nach dem Wunsch der Verehrenden, Lebensgenuss oder Befreiung.

narāṇāmamaraiṣiṇām |
rajastamobhāvayoḥ kṣayuphalatvam |
rajasādhikabhāvena yajante ye dvijātayaḥ |
teṣāṃ triviṣṭape vāsaḥ punarāvṛttilakṣaṇaḥ || 52 ||

7.52 Die Zweimalgeborenen, die mit überwiegend rajasiger Haltung verehren, gelangen in den Himmel, doch dieser Aufenthalt endet mit ihrer Rückkehr.

rajodhikena bhāvena. yajante tamasādhikāḥ |
uṣitvā narake ghore janma syājjaṅgamādiṣu || 54 ||

7.54 Die mit vorherrschendem Tamas Verehrenden werden nach einem Aufenthalt in schrecklicher Hölle unter beweglichen und anderen Wesen wiedergeboren. [Die Nummer 53 fehlt; die vorausgehende Quellenzeile liefert den Bezug auf tamasige Verehrung.]

yajanaṃ tamasādhikaiḥ |
bhagavadyājināmevāpuna rāvṛttilakṣaṇa pharāvāpiḥ |
gatvā gatvā nivarta nte yajña dharma parāyaṇāḥ |
advāpi na nivarta nte ye mamārādhane sthitāḥ || 55 ||

7.55 Wer sich allein Opfern und Pflichterfüllung widmet, gelangt immer wieder [in andere Welten] und kehrt zurück. Wer in meiner Verehrung gefestigt ist, kehrt auch heute nicht zurück.

karma |
ābrahmasadanāllokāḥ jāyane'gavasthitāḥ |
malloka vāsino bhūyassaṃsaranti na kutracit || 56 ||

7.56 Die Welten bis hinauf zu Brahmās Wohnstätte sind dem Entstehen unterworfen. Die Bewohner meiner Welt kehren dagegen nirgends in den Saṃsāra zurück. [Der erste Halbvers ist teilweise gestört.]

tasmādbhajasvamāṃ brahman satvabhāvasthitassadā |
āhāratraividhyam |
satvādi guṇayuktānā māhāra strividhaḥ smṛtaḥ |
snigthāśca madhurā hṛdyā stiṣṭhataḥ prathame guṇe || 57 ||

7.57 Deshalb verehre mich stets in sattviger Haltung, o Brahmā. Nahrung wird nach den drei Eigenschaften unterschieden: Dem in der ersten Eigenschaft Gefestigten ist Nahrung lieb, die mild-fetthaltig, süß und dem Herzen angenehm ist.

māhārāstrīvidhāssmṛtāḥ |
kaṭvamlalavaṇaprāyā madyame tiṣṭataḥ priyāḥ |
rasahīnaṃ yātayāmaṃ pūtiganthaṃ ciroṣitam |
ucchiṣṭaṃ prītijananaṃ jaghanya guṇa vartinaḥ || 58 ||

7.58 Dem in der mittleren Eigenschaft Gefestigten ist vorwiegend scharfe, saure und salzige Nahrung lieb. Dem in der niedrigsten Eigenschaft Lebenden gefällt fade, abgestandene, übel riechende, lange aufbewahrte Nahrung und Essensreste.

pi guṇe smṛtāḥ. sattvasthasyordhvagamanaṃ sthitarma dhye rajo'dhike |
adho gatistāmasānāṃ trividhānāṃ tridhā gatiḥ || 60 ||

7.60 Wer in Sattva steht, steigt auf; wer in Rajas überwiegt, bleibt in der Mitte; der tamasige Mensch sinkt ab. So haben die drei Arten drei verschiedene Wege. [Die Nummer 59 fehlt.]

satvasya cordhva |
satyajñānādaya ssatvaniṣṭhasya guṇāḥ |
tatra satvaṃ narmalatvātpra kāśakamanāvṛtam |
satvaṃ jñānaṃ tapo maunaṃ dhṛtiśśaucaṃ śamaḥ kṣamā || 61 ||

7.61 Sattva ist aufgrund seiner Reinheit erhellend und unverhüllt. Wahrhaftigkeit, Erkenntnis, Disziplin, Schweigen, Standhaftigkeit, Reinheit, Ruhe und Geduld … [Die Vorlage hat im Aufzählungsbeginn „satvaṃ“; die Überschrift stützt „satya“, Wahrhaftigkeit.]

ityādayassatvaniṣṭhe guṇāḥ kalyāṇa kāriṇaḥ |
kāraṇāḥ |
ahaṅkārādayo rajoniṣṭhasya guṇāḥ |
ahaṅkāra stridhā darmaḥ krodho dambha itīritaḥ || 62 ||

7.62 … und ähnliche heilsame Eigenschaften gehören zum sattvigen Menschen. Für Rajas werden Ichbezogenheit, Hochmut, Zorn und Heuchelei genannt. [„tridhā darmaḥ“ ist beschädigt.]

guṇā rajoguṇasyaite tāmasasya tu kathyate |
tathā darvaḥ | sambhave |
dehaṃ tyajantassatvasthā lokān yānti sanātanān || 66 ||

7.66 „Dies sind die Eigenschaften des Rajas; nun werden die des Tamas genannt …“ [Die Nummern 63–65 fehlen.] Wer den Körper in sattvigem Zustand verlässt, gelangt in beständige Welten.

sāgaresaṅkale |
rajasthsasya pralīnasya jasma mātraṃ mahākule |
pralaye tamasisthasya puruṣasya caturmukha || 67 ||

7.67 Wer in einem rajasigen Zustand stirbt, wird in einem bedeutenden Geschlecht wiedergeboren; die Variante spricht von einem durch Tätigkeit erfüllten Umfeld. Stirbt jemand in Tamas, o Viergesichtiger …

karmasamākule |
mūḍhayoniṣu janma syānnikṛṣṭāsu punaḥ punaḥ |
tyajato'nte smṛtiryeṣu devasambhandhamātmanaḥ || 68 ||

7.68 … so wird er immer wieder in niedrigen, von Unwissenheit geprägten Daseinsformen geboren. Auf welche Zustände sich beim Verlassen des Körpers seine Erinnerung richtet …

tyajata ssaṃsmṛtīḥnityatontesmṛtiryoṣu |
bhāveṣu taṃ tamāpnoti puruṣo bhāvanāvaśāt |
puṃsāmevaṃ bahuvidhāḥ gatayassamudāhṛtāḥ || 69 ||

7.69 … eben diese erreicht der Mensch durch die Macht seiner inneren Ausrichtung. So sind die vielfältigen Wege der Menschen erklärt. [Die fragmentarischen Zusätze zu Vers 68 variieren Erinnerung und Körperbezug.]

Kapitel 8: Spirituelle Disziplin und kosmische Zeit

Hinweis zur Quelle: Die Nummern 6, 38, 39, 44 fehlen in der Vorlage. Fragmente im Umfeld bleiben erhalten.

aṣṭamo'dhyāyaḥ |
vijñānopāyata tapaścaryā svarūpapraśnaḥ |
brahmāḥ |
vijñānopāyārūpeṇa tapaścaryā ca kīrtitā |
bhagavan tattapaḥ krīdṛk kiṃ vā tatkathyatāṃ mama || 1 ||

8.1 Brahmā sprach: Spirituelle Disziplin wurde als Mittel zur Erkenntnis genannt. Wie ist dieses Tapas beschaffen, Erhabener? Erkläre es mir.

śrībhagavān |
vācikādi tapastraivadhyam |
vāṅmanaḥ kāyajatvena tapastattri vidhaṃ matam |
devadvijaguruprājña pūjanaṃ śaucamārjavam || 2 ||

8.2 Der erhabene Herr sprach: Tapas gilt als dreifach: durch Rede, Geist und Körper. Die Verehrung der Gottheiten, Zweimalgeborenen, Lehrer und Weisen, Reinheit und Aufrichtigkeit …

kārya |
ahiṃsanaṃ brahmacarmaṃ tapaśśārīramīritam |
anugrahaparaṃ vākyaṃ satyaṃ bhūto pakārakam || 3 ||

8.3 … Gewaltlosigkeit und Brahmacarya werden als körperliches Tapas bezeichnet. Eine Rede, die Gutes bewirken will, wahr ist und den Wesen hilft …

svādhyā yābhyasanaṃ ceti vācikaṃ kathitaṃ tapaḥ |
santoṣassatataṃ brahmacivtayā'tmavinigrahaḥ || 4 ||

8.4 … sowie regelmäßiges Schriftstudium heißen Tapas der Rede. Zufriedenheit, beständige Ausrichtung auf Brahman, Selbstbeherrschung …

yavyasanam |
bhāvaśuddhi ssaumyatā ca tapo mānasa mīritam |
sātvikādibhedena punastrai vidhyam |
śraddhadhānaiḥ kṛtaṃ samyagaphalākāṅkṣibhirnaraiḥ || 5 ||

8.5 … Reinheit der Haltung und Sanftmut heißen geistiges Tapas. Wenn es von vertrauensvollen Menschen richtig und ohne Verlangen nach Lohn geübt wird …

paumyabhāvaḥ naiva vijñānotpattikāraṇam || 7 ||

8.7 „… sanfte Haltung … ist nicht Ursache des Entstehens von Erkenntnis.“ [Nach der fehlenden Nummer 6 ist der Bezug der Verneinung nicht sicher. Sie darf nicht ohne Zusammenhang als Ablehnung der zuvor gepriesenen Sanftmut gelesen werden.]

caina |
sṛṣṭikāraṇa layādhiṣṭhāna sthitikālānāṃ nirūpaṇam |
brahmāḥ |
kutaḥ prasūtirjagatāṃ teṣāṃ nāśaḥ kvasaṃmataḥ |
kiyantaṃ kālameteṣāṃ sthitirma bhagavan vada || 8 ||

8.8 Brahmā sprach: Woraus entstehen die Welten, worin gehen sie zugrunde, und wie lange bestehen sie? Sage es mir, Erhabener.

śrībhagavān |
āpannā prakṛtirvyaktiṃ sūte sarvaṃ carācaram |
tatraiva līyate sarvaṃ brāhme āyuṣi ca sthitiḥ || 9 ||

8.9 Der erhabene Herr sprach: Die in Erscheinung getretene Prakṛti bringt alles Bewegliche und Unbewegliche hervor. In ihr löst sich alles wieder auf; der Bestand umfasst Brahmās Lebenszeit.

caturmukhāyaḥ parimāṇam |
kālo yugasahastrākhyaḥ divārātriśca tāvatī |
brahmaṇasaina mānena śatamāyuśca vatsarāḥ || 10 ||

8.10 Ein Zeitraum von tausend Yugas ist sein Tag; ebenso lang ist seine Nacht. Nach diesem Maß umfasst Brahmās Leben hundert Jahre.

brahmaṇa ekasmin dine caturdaśamanavaḥ |
bhavanti manavastasya dine tatra caturdaśa |
ekonasaptatiḥ kālo manorekasya kīrtitaḥ || 11 ||

8.11 Während eines solchen Tages gibt es vierzehn Manus. Die Zeit eines Manu wird als neunundsechzig [Yugas] bezeichnet. [Die Vorlage liest „ekonasaptatiḥ“, nicht die anderwärts geläufige Zahl einundsiebzig.]

parasmin brahmaṇi brahman arvācine layaṃ gate |
pralayo mahadākhyoyaṃ caturānana kīrtitaḥ || 12 ||

8.12 Wenn der nachgeordnete Brahmā im höchsten Brahman aufgeht, wird dies große Auflösung genannt, o Viergesichtiger.

pare |
avāntara layo dainandinaḥ |
avāntarāśca pralayā dinānāmavasānajāḥ |
avāntaraśca pralayo dinaṃdinamatho janāḥ |bhavanti tustairmahā pralayaśca punaḥ punaḥ cakravatpralayaḥ kālo |
sṛṣṭhisthitilayānāma viśrāntiḥ |
bhavantidhātṛbhistaistairma hāṃśca pralayaḥ punaḥ || 13 ||

8.13 Die zwischenzeitlichen Auflösungen entstehen am Ende der Tage. Mit den jeweiligen Schöpfern kommen solche Auflösungen und schließlich wieder eine große Auflösung. [Die Vorlage bewahrt zusätzliche, teilweise wiederholende Fassungen dieser Aussage.]

cakravadvartate kālo na virāmosti karhicit |
loko |
brahmāḥ |
kiṃrūpā prakṛtirdeva sūte kathamidaṃ jagate |
brūhi sarvamaśeṣeṇabha vagavan bhūtabhāvana || 14 ||

8.14 Wie ein Rad bewegt sich die Zeit; niemals gibt es einen Stillstand. Brahmā sprach: Wie ist Prakṛti beschaffen, und wie bringt sie diese Welt hervor? Erkläre alles vollständig, du Ursprung der Wesen.

prakṛtisvarūpa nirūpaṇam |
śrībhagavān |
asyūnādhikarūpāṇāṃ satvādhīnāṃ caturmukha |
guṇānāṃ saṃhatiryā sā prakṛtissadbhirucyate || 15 ||

8.15 Der erhabene Herr sprach: Die Vereinigung der Eigenschaften Sattva und der anderen, ohne dass eine überwiegt oder zurücktritt, wird von den Kundigen Prakṛti genannt.

bhagavadadhiṣṭhitāyāstasyā jagadyonitvam |
acetanā sā viśvasya yoni ravyākṛtā svayam |
nityā sūte jagatsarvaṃ niyogātparamātmanaḥ || 16 ||

8.16 Sie ist unbewusst, der Ursprung der Welt, selbst noch unentfaltet und ewig. Auf Geheiß des höchsten Selbst bringt sie die ganze Welt hervor.

ravyākṛtissvayaṃ |
avibhaktā vibhaktā ca dadhni sarpiriva sthitā |
saṅkarṣaṇākhyo bhagavān prakṛtāveva tāḥ prajāḥ || 17 ||

8.17 Sie besteht ungeteilt und gegliedert, wie Butter im Joghurt enthalten ist. Der erhabene Herr namens Saṅkarṣaṇa [bringt] die Wesen in eben dieser Prakṛti …

nityaṃ nūte. sṛjatprajāḥ || 18 ||

8.18 „… beständig hervor … erschuf die Wesen.“ [Nur ein Fragment und eine alternative Lesung sind vorhanden; ein weiterer Zusatz nennt das Hervorbringen von Mahat.]

sṛjaṃ mahat |
lokakartāsvayaṃ brahmā yathā pūrvaṃ yathākramam |
ityevaṃ sargasaṃhārau mayā samyagudīratau || 19 ||

8.19 Brahmā selbst, der Weltschöpfer, [schafft] wie zuvor und in der entsprechenden Reihenfolge. So habe ich Schöpfung und Auflösung ausführlich erläutert.

brahmā |
aiśvaryamaṣṭaguṇavatkiṃ tadhyadbhaktimān pumān |
āproti kīdṛksāyujyaṃ yuñjānasya sumedhasaḥ |
dadhadbhaktimān. tadyasmahimā |
labdhvā caiśvaryamakhilaṃ kena pratinivartate || 20 ||

8.20 Brahmā sprach: Wie ist die achtfache Macht beschaffen, die ein hingebungsvoller Mensch erlangt? Was ist Sāyujya für den verständigen Übenden? Und wodurch kehrt einer zurück, nachdem er umfassende Macht erreicht hat?

śrībhagavān |
aṇimādyaiśvaryanirūpaṇam |
aṇimā mahimā cāpi yāvānevāsya kāmyate |
tāva ntamiṣṭamāpnoti garimā laghimāpi vā || 21 ||

8.21 Der erhabene Herr sprach: Aṇimā, das Kleinwerden, und Mahimā, das Großwerden: Er erreicht die jeweils gewünschte Größe; ebenso Garimā, Schwere, und Laghimā, Leichtigkeit.

yāvatevāsya |
iṣyamāṇamavāpnoti laghimnātena pūraṣaḥ |
deśaṃ vidūramapyeṣa kṣaṇamātreṇa gacchati || 22 ||

8.22 Durch diese Leichtigkeit erreicht der Mensch das Gewünschte. Auch an einen sehr fernen Ort gelangt er in einem einzigen Augenblick.

dūraṃ vidūra |
yathā śālmanitūlasya tathā dehasya lāghasam |
garimṇā tena dehasya parvatasyena noddhṛtiḥ || 23 ||

8.23 Der Körper wird leicht wie die Faser des Śālmali-Baumes. Durch jene Schwere wird er hingegen wie ein Berg, der nicht emporgehoben werden kann.

āhāreṣu vihāreṣu yathākāmaṃ pravartate |
saṅkalpenaina bhūtāni vaśyāni kamalāsana || 24 ||

8.24 Beim Essen und in seinen Bewegungen handelt er nach Belieben. Durch bloßen Entschluss werden ihm die Wesen gefügig, o Lotosgeborener.

yathākarma |
parakāyapraveśaṃ ca yatheṣṭaṃ pratipadyate |
ebhiraṣṭabhirevaite viharanti yathepsitam || 25 ||

8.25 Er kann nach Wunsch in einen anderen Körper eintreten. Durch diese acht [Mächte] bewegen sich die Vollendeten nach Belieben. [Der Text benennt hier nicht jede der acht ausdrücklich als eigenes Lemma.]

yadi māṃ visma reyusai sukhanidrāvimohitāḥ |
madbhakri kṣaraṇādeva pratisroto vahā janāḥ || 26 ||

8.26 Wenn sie mich aber vergessen, vom glückerfüllten Schlaf betört, und ihre Hingabe an mich schwindet, bewegt sich ihr Lebensstrom zurück. [Die Lesung „smaraṇādeva“, „durch Erinnerung“, widerspricht an dieser Stelle dem Grundtext „kṣaraṇādeva“, „durch Schwinden“.]

smaraṇādeva |
jāyante punarutkṛṣṭavaṃ śeṣu mahatāṃ satām |
punarbha jeyurmā meva yajante siddhikāmyayā || 27 ||

8.27 Sie werden erneut in hervorragenden Geschlechtern großer und guter Menschen geboren. Wieder verehren sie mich, [doch zunächst] mit dem Wunsch nach Vollendungen.

yadite |
mucyante matprasādena janmano'smādvigarhitāt |
sāyujyādibhedena mukaistraividyam |
bhedena cāpyabhedena miśreṇa ca caturmukha || 28 ||

8.28 Durch meine Gnade werden sie von dieser unerwünschten Wiedergeburt frei. Befreiung wird, o Viergesichtiger, nach Unterschied, Nichtunterschied und einer gemischten Weise …

tridhaina muktiruditā bhede kaiṅkaryalakṣaṇā |
muktiryatheha lokeṣu paricaryāparā narāḥ || 29 ||

8.29 … dreifach beschrieben. Die Befreiung mit Unterschied ist durch Dienst gekennzeichnet. Wie Menschen in dieser Welt ganz dem Dienen gewidmet sind …

devasya tadvadenai te vai kuṇṭhe paramātmanaḥ |
loke tasya samīpasthā muktātmāna ssamāhitāḥ || 30 ||

8.30 … so wohnen die befreiten, gesammelten Seelen in Vaikuṇṭha, der Welt des höchsten Selbst, in seiner Nähe …

vasanti kiṅkarāssanta statprasādaparāssadā |
abheda muktiratyanta maikyaṃ syātparajīvayoḥ || 31 ||

8.31 … als Dienende, stets auf seine Gnade ausgerichtet. Die Befreiung ohne Unterschied ist völlige Einheit von höchstem Selbst und Jīva.

ātmano bhāvanā caikye sohamityevamātmikā |
yasya tasyaikatāpatti rmuktirjīvavarātmanoḥ || 32 ||

8.32 Wer die Einheit des Selbst in der Haltung „So’ham – Ich bin Er“ vergegenwärtigt, erlangt die Einheit von individuellem und höchstem Selbst als Befreiung. [Die anschließende Editionsnotiz bietet eine wesentlich abweichende Fassung: „keine Vereinigung zur Einheit“ beziehungsweise „für ihn keine Einheit von Jīvātman und Paramātman“. Dieser Gegensatz wird nicht harmonisiert.]

nātmaikatāpattiḥnāsyaikatāpatti rjīvātmaparamātmanoḥ itipāṭhāntaramadhikaṃ dṛśyate |
siddhāntemiśrarūpe tu bhedesthitvārcanādibhiḥ |
toṣayitvā paraṃ devaṃ tato yuktassamāhitaḥ || 33 ||

8.33 In der gemischten Lehrweise bleibt man zunächst im Unterschied und erfreut den höchsten Gott durch Verehrung und weitere Handlungen. Danach, im Yoga gesammelt …

vijñānentekatānena paramātmani cidghane |
aikyaṃ prāpnoti sā muktiruktā sāyujyalakṣaṇā || 34 ||

8.34 … erlangt man durch ununterbrochene Erkenntnis Einheit im höchsten Selbst, dem verdichteten Bewusstsein. Diese Befreiung wird durch Sāyujya gekennzeichnet.

aiśvaryamaṇimādyaṣṭa guṇāvāptissudurlabhā |
muktirvā varamānandaprāptirūpā yadīptitam |
puṃsāṃ tadubhayaṃ muktiḥ prasūte paramātmani || 35 ||

8.35 Die schwer erreichbare Macht mit den acht Eigenschaften, angefangen mit Aṇimā, oder Befreiung als höchste Glückseligkeit: Was der Mensch davon ersehnt, beides bringt [die Hinwendung zum] höchsten Selbst hervor. [Der Schluss „muktiḥ prasūte“ ist syntaktisch unsicher; die Variante nennt höchste Macht und alles Gewünschte.]

paramaiśvaryaṃ rūpaṃ nā sarvamīpsitam |
tatvapraśnaḥ |
brahmāḥ |
bahūni tatvānyuktāni śāstrairbahubhiracyuta |
teṣu tatyeṣu narveṣu bhāvanā vihitā kramāt || 36 ||

8.36 Brahmā sprach: Viele Lehrwerke nennen zahlreiche Wirklichkeitsprinzipien. Für sie alle wird der Reihe nach meditative Vergegenwärtigung vorgeschrieben.

satveṣu |
samādhirekatānaiva śāstravijñānamuttamam |
prasūte yena tadbrahma tatvebhyaḥ paramaṃ matam || 37 ||

8.37 Ununterbrochene Sammlung bringt die höchste Erkenntnis der Lehre hervor, durch die jenes Brahman [erkannt wird], das höher als die Prinzipien gilt. [Eine Variante spricht stattdessen vom Höchsten unter allen erstrebten Früchten.]

samādhiḥ ityardhasya sthāne samihitaiva sarveṣāṃ phalānāmuttamo ttamam itīyavadhikamasti. vaktavyāni tatastāni heto stānyavadhāraya || 40 ||

8.40 „Darum sind jene [Prinzipien] zu nennen; erkenne sie aus diesem Grund.“ [Die Nummern 38–39 fehlen; der erhaltene Halbvers setzt ein nicht vollständig erhaltenes Gespräch fort.]

avyaktāni. tanmātrapañcakānyekādaśa coktānyanukramāt || 41 ||

8.41 „… die fünf feinen Elemente und elf [Sinnesvermögen] werden der Reihe nach genannt.“ [Der Beginn fehlt; die Variante nennt zehn statt elf.]

tanmātrāpaṃcadhā hyevaṃ daśacāṃ bhorugasana. iti kvacit |
pṛthivyādīni bhūtāni pañcaivakamalāsana |
māyākālakalārāgavidyādīni yataḥ kramāt || 42 ||

8.42 Die fünf groben Elemente, angefangen mit der Erde, o Lotosgeborener; ferner Māyā, Zeit, Kalā, Rāga, Vidyā und weitere in ihrer Reihenfolge …

nandaścaiva mahānando mahāvidyā samīritā |
kṣetrajñaśca śivo brahmā puruṣastadanantaram || 43 ||

8.43 … Nanda, Mahānanda, Mahāvidyā, der Feldkenner, Śiva, Brahmā und danach Puruṣa …

satyācyutau tathā'nanto viṣṇussarvaśca nirvṛtiḥ |
śiro. catvāriṃśaddaśacaikaṃ caturmukha || 45 ||

8.45 … Satya und Acyuta, Ananta, Viṣṇu, Sarva und Nirvṛti. „Vierzig, zehn und eines, o Viergesichtiger.“ [Die Nummer 44 fehlt. Die gestörte Gesamtzählung bietet außerdem die Variante „vier und zehn“; daraus wird keine gesicherte Zahl der Prinzipien abgeleitet.]

catvāri daśacaiva |
tataḥ proktamidaṃ sarvaṃ yatrotpannaṃ carācaram |
tasya prapañco rupāṇi teṣāṃ nāmāni kaḥ kṣamaḥ || 46 ||

8.46 Dann ist dies alles genannt, worin Bewegliches und Unbewegliches entstanden ist. Wer vermöchte dessen ganze Entfaltung, die Gestalten und alle ihre Namen [vollständig darzustellen]?

tataḥ ityardasyasthāne. otaprotamidaṃ sarvaṃ yatrotpattiḥ kṣayastridhā itikvacit pāṭhaḥ ityeṣā kathitā tubhyaṃ tatvānāṃ nāmapaddhatiḥ || 47 ||

8.47 So ist dir die Namensfolge der Wirklichkeitsprinzipien erklärt. [Eine zusätzliche Lesart zum vorausgehenden Vers lautet sinngemäß: „Worin all dies verwoben ist, worin Entstehung und dreifacher Untergang [geschehen]“.]

digeṣā kadhitā |
saṃjñāvikalpaistatvāni bhāvayanta ssamādhibhiḥ |
yuñjānā yoginaśśaśvatprāpnu panti paraṃ padaṃ || 48 ||

8.48 Indem die Yogis die Prinzipien unter ihren verschiedenen Namen in Versenkung vergegenwärtigen und beständig üben, erreichen sie das höchste Ziel.

Kapitel 9: Die Gliederung der Welten

Hinweis zur Quelle: Die Nummern 12, 31, 48, 52, 57 fehlen in der Vorlage. Fragmente im Umfeld bleiben erhalten.

pādmasaṃhitāyām |
navamo'dhyāyaḥ |
bhuvanakośasvarūpanirūpaṇam |
brahmāḥ |
ajñānasāgaraṃ tīrtvā vidyāpāramupeyivān |
ucyatāṃ sāṃprataṃ mahyaṃ bhuvanāni caturdaśa || 1 ||

9.1 Brahmā sprach: Ich habe den Ozean der Unwissenheit überquert und das andere Ufer der Erkenntnis erreicht. Nun beschreibe mir die vierzehn Welten.

padmāgāra. nāmataścāpi jijñāsā parameśvara |
mānataścāpi vijñāne. iti kvacit. anyatrarūpato vāpi vijñāpaya pameśvara. iti |
śrībhagavān |
yatra pratiṣṭhitaṃ yacca mānaṃ rūpaṃ ca yādṛśam |
bhuvanānāṃ tadakhilaṃ caturmukhamukhai śśataiḥ || 2 ||

9.2 Der erhabene Herr sprach: Wo die Welten liegen, welches Maß und welche Gestalt sie besitzen: Wer vermöchte dies alles, selbst mit hundert viergesichtigen Mündern … [Die vorangestellten Lesarten erweitern Brahmās Frage um Namen, Maße und Formen.]

vaktuṃ niravaśeṣeṇa kaḥ kṣameta prapañcataḥ |
boddhuṃ vā nikhilaṃ śaktaḥ ko vā dhārayituṃ kṣamaḥ || 3 ||

9.3 … ausführlich und ohne Rest zu schildern? Wer vermöchte es vollständig zu verstehen oder im Gedächtnis zu behalten?

kṣamastatprapañcataḥ |
tadbhravīmi samāsena sarvaṃ tvaṃ budhyase yathā |
sukhaṃ |
pṛdhivyāḥ parimāṇam |
caturaśrā bhavati bhūḥ pañcauśatkoṭi yojanaiḥ || 4 ||

9.4 Darum werde ich es zusammengefasst erklären, sodass du es leicht verstehen kannst. Die Erde ist viereckig und erstreckt sich über fünfzig Koṭis Yojanas …

vistīrṇā sarvato dikṣu ghanaṃ vaikoṭiyojanam |
dvīpāni sapta santyatra tāvastastoyarāśayaḥ || 5 ||

9.5 … nach allen Richtungen; ihre Dicke beträgt eine Koṭi Yojanas. Auf ihr befinden sich sieben Kontinente und ebenso viele Meere.

āṅgulīyakavatsarve bhūmerupari viṣṭhitāḥ |
saptadvīpāḥ |
dvīpāni nāmabhistāvatkathyante kramaśaśṛṇu || 6 ||

9.6 Alle liegen ringförmig auf der Erde. Höre nun der Reihe nach die Namen der sieben Kontinente.

jambhūplakṣa kuśa krauñcāśśākadvīpastathā paraḥ |
śālmalī puṣkaro nāma saptamaścaturānana || 7 ||

9.7 Jambū, Plakṣa, Kuśa, Krauñca, Śākadvīpa, Śālmalī und als siebter Puṣkara, o Viergesichtiger.

saptasamudrāḥ || ānupūrvyātsamudrāṃśca kathayāmi yathātatham |
lavaṇekṣurasau paścāt maireya stadanantaram || 8 ||

9.8 Auch die Meere werde ich in der entsprechenden Folge nennen: das Salzmeer, das Zuckerrohrsaftmeer, danach das Meer des berauschenden Getränks …

lavaṇekṣu surākṣīradadhisarpi stathodakam |
sarpirdadhi payastvavyattataśśuddhodakaṃ param |
payāṃstyavyat payastvasvak paścimaśca śubhodakaḥ itica |
dvīpasamudraparimāṇam |
bhūbhāge madhyame jumbhūdvīpamānaṃ ca kathyate || 9 ||

9.9 … ferner die Meere aus geklärter Butter, Dickmilch, Milch und zuletzt reinem Wasser. Nun wird das Maß Jambūdvīpas in der Mitte der Erde beschrieben. [Die mitüberlieferte Variante ordnet Milch, Dickmilch und Butter anders an.]

tanmadhye madhyatoṃbūni dvīpaḥ nistārādvāridhi.kṣārastādṛgdhvi pāhyanantarāḥ iti kvacit |
lakṣayojanavistārassarvatastadanantaram |
vistāraṃ vāridhiḥ kṣārastādṛgdvīpamanantaram || 10 ||

9.10 Es erstreckt sich nach allen Seiten über hunderttausend Yojanas. Anschließend liegt das Salzmeer von gleicher Ausdehnung, danach der nächste Kontinent.

uttarottaramekaikaṃ dvīguṇāyāma vistaraḥ |
dvīpāni ṣaṭsamudrāśca pariśiṣṭhāścaturmukha || 11 ||

9.11 Jeder folgende ist in Länge und Breite doppelt so groß: die sechs verbleibenden Kontinente und die Meere, o Viergesichtiger.

vistarāḥ iti pāṭhaḥ śiṣṭobhāgaḥ prakāśate || 13 ||

9.13 „Der verbleibende Teil erscheint.“ [Die Nummer 12 und der vorausgehende Zusammenhang der Meru-Beschreibung fehlen. Die Variante „vistarāḥ“ betrifft die Ausdehnungen.]

merorbhāgaḥ |
kṣīte rūrdhvaṃ raimayaśca sarvato mūrdhnivistṛtaḥ |
dvātriṃśacca sahaprāṇāṃ yojanā nāmayāṃ punaḥ || 14 ||

9.14 Oberhalb der Erde erstreckt sich der kostbare [Meru] an seinem Gipfel nach allen Seiten; erneut werden zweiunddreißigtausend Yojanas genannt. [„raimaya“ und der genaue Maßbezug sind unsicher.]

nāṃ śatam |
karṇikāvacca bhūpadmamadhye samyagavasthitaḥ |
śṛṅgaiśśatasahasreṇa śatayojana vistṛtaiḥ || 15 ||

9.15 Er steht genau in der Mitte des Erdlotos wie dessen Fruchtboden, mit hunderttausend Gipfeln, die je hundert Yojanas breit sind …

tatsaṅkhyāpariṇāhaiśca tasya pārśvamahīdharān |
vakṣyāmi cānupūrvyeṇa yathā tadavadhāraya || 16 ||

9.16 … und einen entsprechenden Umfang besitzen. Seine seitlichen Gebirge werde ich der Reihe nach nennen; höre aufmerksam zu.

morordakṣiṇatastrayo varṣācalāḥ |
himavān hemakūṭasca niṣadhaśchāsya dakṣiṇe |
ete varṣācalāḥ proktā strayaḥ kamalasambhava || 17 ||

9.17 Südlich von ihm liegen Himavān, Hemakūṭa und Niṣadha. Diese drei heißen die Gebirge zwischen den Weltgebieten, o Lotosgeborener.

trīṇivarṣāṇi |
varṣaṃ bhāratamākhyāṃ prathamaṃ tadana ntaram |
nāmnā kiṃpuruṣaṃ tasmāddharivarṣamanantaram || 18 ||

9.18 Das erste Gebiet heißt Bhārata, das nächste Kiṃpuruṣa und das darauffolgende Harivarṣa.

uttaratastrayo varṣācalāḥ |
uttare meruśailasya kramā dvarṣamahīdharāḥ |
nīlaśśvetāhvayaśśṛṅgī nāmnā varṣatrayaṃ punaḥ || 19 ||

9.19 Nördlich des Meru liegen der Reihe nach die Grenzgebirge Nīla, Śveta und Śṛṅgin; die drei dortigen Gebiete heißen …

varṣeṣubhūdarāḥ |
trīṇivarṣāṇi |
ramyaṃ hiraṇmayaṃ varṣamuttarāḥ kurava stathā |
uktāni ṣaṭca varṣaṇi pratyekaṃ parimāṇataḥ || 20 ||

9.20 … Ramya, Hiraṇmaya und Uttarakuru. Damit sind sechs Gebiete genannt, deren Ausdehnung jeweils …

stridhā |
yojanānāṃ sahasrāṇi nava varṣaṃtu madhyamam |
ilāvṛtaṃ samākhyātaṃ tanmadhye merurīritaḥ || 21 ||

9.21 … neuntausend Yojanas beträgt. Das mittlere Gebiet heißt Ilāvṛta; in seiner Mitte steht Meru.

merurucyate |
meroścaturdaśaṃ tatra vistīrṇaṃ yojanāni ṣaṭ |
triṇī caiva sahasrāṇi catvārastatraparvatāḥ || 22 ||

9.22 Rings um Meru wird eine Ausdehnung von neuntausend Yojanas genannt. Dort stehen vier Berge … [Die Richtungsangabe „caturdaśaṃ“ ist beschädigt und wird vorsichtig auf die vier Seiten bezogen.]

viṣkambharūpai racitā yojanāyutamucbhritāḥ |
diśācanānāṃsāmāni |
mandharo diśi purvasyāṃ yāmyāyāṃ gandhamādanaḥ || 23 ||

9.23 … als Stützen angeordnet und zehntausend Yojanas hoch: Mandara im Osten, Gandhamādana im Süden …

.................... kaubherīmadhitiṣṭhati |
atra graṃdhapātaḥ supārśvanāmne girernardaśe nātra bhāvyam |
caturdakṣu catvāro vṛkṣāḥ |
diśānu tānu catvāro pṛkṣāḥ ketuvadunnatāḥ || 24 ||

9.24 „… befindet sich in der Richtung Kuberas [im Norden].“ [Die Vorlage markiert selbst eine Textlücke und merkt an, dass hier die Nennung des Berges Supārśva zu erwarten ist.] In den vier Richtungen stehen vier Bäume, hoch wie Feldzeichen.

kadambhabhūruho jambhūḥ pippalo viṭapī vaṭaḥ |
śatāni daśa caikaṃ ca teṣāṃ pratyekamāyatiḥ || 25 ||

9.25 Es sind Kadamba, Jambū, Pippala und Vaṭa. Jeder von ihnen ist eintausendeinhundert [Yojanas] hoch.

jambhūvṛkṣa prabhāvaḥ |
jambhvūtayā samākhyā syāt dvīpasya kamalāsana |
phalāni gajamānāni patitāni śilātale || 26 ||

9.26 Nach dem Jambū-Baum trägt der Kontinent seinen Namen, o Lotosgeborener. Seine elefantengroßen Früchte fallen auf felsigen Boden …

gajamānaṃ yathāaratnīnāṃ śatānyaṣṭauvekaṣaṣṭyadhikānitu |phalapramāṇaṃ saṃkhyāta mṛṣibhistatvadarśabhiḥ iti vāyupurāṇe. viṣṇu purāṇa vyākhyāne viṣṇu cattīyegajamānaṃ yathāpañconnatissaptagajasya dairghyamaṣṭau cahastāḥ pariṇāhamānam|ekadvavṛddhāvatha manthrabhadrau pajkīrṇanā go niyatapramāṇaḥ iti |
śrīryante śatadhā teṣāṃ rasavāha ssaridvarā |
jāmbhūnadīti kathitā tattaṭorvīnivāsinaḥ || 27 ||

9.27 … und zerbersten in hundert Stücke. Ihr Saft bildet einen vorzüglichen Fluss, Jāmbūnadī genannt. Die Bewohner seiner Ufer … [Ein längerer Editionszusatz erläutert „Elefantenmaß“ mit Zitaten: Er nennt im Vāyupurāṇa 861 Aratnis und führt aus einer Viṣṇupurāṇa-Erklärung Maße von fünf Hastas Höhe, sieben Länge und acht Umfang an; weitere Elefantenklassen werden mit Zunahmen von eins beziehungsweise zwei unterschieden. Diese Zusatzangaben werden nicht in den Vers eingearbeitet.]

suvaha ca saridvarā |
pītvā rasaṃ jarāmṛtyuvalīpalitavarjitāḥ |
na svedo na ca daurgandhyaṃ nendriyāṇāmapi kṣayaḥ || 28 ||

9.28 … trinken den Saft und bleiben frei von Altern, Tod, Falten und grauen Haaren. Bei ihnen gibt es weder Schweiß noch schlechten Geruch noch eine Abnahme der Sinneskraft.

daurbalyamindriyāṇām |
bhavanti teṣāṃ tīrorvī mṛdastadrasarañjitāḥ |
jāmbhānadākhyāṃ kalpante sauvarṇā kalpasampadaḥ || 29 ||

9.29 Die Erde an den Ufern wird von diesem Saft durchtränkt und verwandelt sich in den als Jāmbūnada bezeichneten Goldreichtum für Schmuck. [Der letzte Ausdruck kann auch allgemeiner reichen goldenen Schmuck bezeichnen.]

bhadra ketumālelāvṛtavarṣāṇāṃ sthānaviśeṣaḥ |
bhadrāśvavarṣamākhyātaṃ meroḥ prācyāṃ caturmukha |
paścimaṃ ketumālākhyametayorvarṣayoḥ punaḥ || 30 ||

9.30 Östlich des Meru liegt das Bhadrāśva genannte Gebiet, o Viergesichtiger; westlich liegt Ketumāla. Von diesen beiden Gebieten wiederum …

bhadrākhyaṃ varṣaṃ vai bhrājāṃ paścīmaṃ merorvanaṃ nandana muttaram |
catvāri sarāṃsi |
aruṇodaṃ saraḥ pūrvaṃ mahābhadraṃ tataḥ param || 32 ||

9.32 „… der Wald Vaibhrāja westlich des Meru, Nandana im Norden.“ [Die Nummer 31 fehlt.] Von den vier Seen liegt Aruṇoda im Osten, danach folgt Mahābhadra.

vairājam. śītodakaṃ pratīcīnamudīcīnaṃ tu mānasam |
devopabhogayogyāni sarāṃsi kathitāni te || 33 ||

9.33 Im Westen liegt Śītodaka, im Norden Mānasa. Damit sind die Seen genannt, die den Göttern zum Genuss dienen. [Die Zusätze variieren einzelne Namen.]

sahastodam sitodakam |
meroścaturdikṣu pratyekaṃ pañcapañca kesarācalāḥ |
śatātaśca mukundaśca kurarī mālyavānatha |
vaikaṅko nāmapañaite paurastyāḥ kesarācalāḥ || 34 ||

9.34 Śatāta, Mukunda, Kurarī, Mālyavat und Vaikaṅka heißen die fünf östlichen Kesarācala-Berge, die gleichsam die Staubgefäße des Weltlotos bilden. [Mehrere Namenslesungen sind unsicher; Varianten stehen im Sanskritblock.]

śītāmbhuśca sitāmbha ku mudhvāṃśca |
trikūṭoṅgirasaśco bhau pannagaḥ kūṭalāhyayaḥ |
niṣado dakṣiṇe tasya tāvantaḥ kesarācalāḥ || 35 ||

9.35 Trikūṭa, Aṅgiras, Pannaga, Kūṭala und Niṣadha sind die fünf Kesarācala-Berge im Süden. Die Variante nennt Rucaka anstelle eines Namens.

rucakāhvayaḥ |
śikhivāso tha vai dūryaḥ kapilo gandhamādanaḥ |
jārudhiḥ pañcamo brahman kesarāḥ pañcabhūdharā || 36 ||

9.36 Śikhivāsa, Vaidūrya, Kapila, Gandhamādana und als fünfter Jārudhi sind die fünf Berge [im Westen], o Brahmā.

vaidūrmaphalako. statharṣabhaḥ |
haṃsassamākhyayā nāgastathā kālāñjanaprabhaḥ || 37 ||

9.37 „… Ṛṣabha; Haṃsa, Nāga und Kālāñjanaprabha.“ [Die nördliche Namensliste ist unvollständig beziehungsweise mit Varianten vermischt; „Vaidūryaphalaka“ und „Sudarśita“ werden zusätzlich überliefert.]

studarśitaḥ |
udīcyāṃ kesarāḥ pañca viṃśatiḥ kesarācalāḥ |
meruśṛṃgamadhye brahmapurī sanniveśaḥ |
yojanānāṃ sahasrāṇāṃ dvātriṃśanmānasammite || 38 ||

9.38 Fünf liegen im Norden, insgesamt sind es zwanzig Kesarācala-Berge. Auf dem Gipfel des Meru mit einer Ausdehnung von zweiunddreißigtausend Yojanas …

vistāre mūrdhnā śailasya merorbhāge'tha madhyame |
caturbhīrdaśabhiścaiva sahasrairnirmitā purī || 39 ||

9.39 … liegt in dessen Mitte eine Stadt, die mit vierzehntausend Yojanas bemessen ist …

yojanaissaṃmito dhātuḥ karṇi kevācalāmbhuje |
vidikṣu dikṣu cāṣṭāsu parito brahmaṇaḥ purī || 40 ||

9.40 … Brahmās Stadt, gleich dem Fruchtboden im Gebirgslotos. Rings um sie, in den acht Haupt- und Zwischenrichtungen …

pūrvādidikṣu lokapālanagaryaḥ |
indrādilokapālānāṃ puraḥ pūrvādiṣu sthitāḥ |
puryaḥ |
vistārāyāmamānena śatayojanasaṃmitāḥ || 41 ||

9.41 … liegen die Städte der Welthüter, angefangen mit Indra im Osten, jeweils hundert Yojanas lang und breit.

purī bhavati māghaunī nāmnā cai vāmarāvatī |
sahasragopuradvāra prākāra parighākulā || 42 ||

9.42 Indras Stadt heißt Amarāvatī. Sie ist mit tausend Torbauten, Eingängen, Mauern und Befestigungen versehen.

tejovatī puryāgneyī yāmyā saṃyamanī purī |
rakṣovatī rākṣasī pūśsuddha vatyatha vāruṇī || 43 ||

9.43 Die Stadt des Feuers heißt Tejovatī, die Yamas Saṃyamanī, die des Rākṣasa-Hüters Rakṣovatī und die Varuṇas Śuddhavatī.

vāyorgandhavatī khyātā nāmnā saumyā mahodayā |
yaśaspinī bhavasyoktā kesarācalabhūmiṣu || 44 ||

9.44 Die Stadt des Windes heißt Gandhavatī, die nördliche Mahodayā und die Bhavas Yaśasvinī. Auf den Kesarācala-Bergen …

bhagavasmūrtī bhedānāṃ purassanti pariṣkṛtāḥ |
khyātā |
caturdikṣu gaṃgā vibhāgaḥ |
bhitvendumaṇ‍ḍalaṃ gaṅgā bhagavatpāda janmabhūḥ || 45 ||

9.45 … liegen geschmückte Städte der verschiedenen Gestalten des erhabenen Herrn. Gaṅgā, die aus seinem Fuß hervorgeht, durchbricht die Mondsphäre …

divaḥ patantī pratyāśamabhyāśaṃ bhrahmaṇaḥ puraḥ |
caturtikṣu vahantī sā caturdhābhavatisvayam || 46 ||

9.46 … und fällt aus dem Himmel in die Nähe von Brahmās Stadt. Von dort fließt sie in vier Richtungen und teilt sich selbst vierfach.

sitā cālakanandā ca sucakṣurbhadrayā saha |
catasro nāma bhedāśca digbhedāśca caturmukha || 47 ||

9.47 Sītā, Alakanandā, Sucakṣus und Bhadrā sind ihre vier Namen, entsprechend den vier Richtungen, o Viergesichtiger.

catvāri vahati svayam. dhvanā |
bhārataṃ varṣamabhyeti śailātsaptamukhā tataḥ || 49 ||

9.49 „… sie fließt selbst vierfach … gelangt vom Berg mit sieben Mündungen nach Bhāratavarṣa.“ [Die Nummer 48 und Teile des Zusammenhangs fehlen.]

svayam |
praviṣṭālakanandhā sā nadī trailokyapāvanī |
sucakṣuḥ paścimācchailā tketumālāt svayaṃ punaḥ || 50 ||

9.50 Die drei Welten reinigende Alakanandā tritt dort ein. Sucakṣus dagegen zieht vom westlichen Gebirge durch Ketumāla …

atītya varṣamambhodhimeti yoṣidyathā patim |
bhadrā girerudhīcinā deśā nuttarataḥ kurūn || 51 ||

9.51 … hindurch und gelangt zum Meer, wie eine Frau zu ihrem Gatten. Bhadrā kommt vom nördlichen Gebirge in die Länder der Uttarakurus …

khyāmbhodiṃ kurusaṃjñakam || 53 ||

9.53 „… das Meer … Kuru genannt.“ [Nach der fehlenden Nummer 52 ist nur ein beschädigtes Fragment vorhanden.]

kuravastathā |
patrāṇi lokapadmasya maryādā śailato bahi |
hemakūṭaśca niṣadho dakṣīṇottaramāya tau || 54 ||

9.54 Außerhalb der Grenzgebirge liegen die Blätter des Weltlotos. Hemakūṭa und Niṣadha erstrecken sich nach Süden und Norden …

maryādāparvatau jñeyau kailāso gandhamādanaḥ |
aśītiyojanāmāmau pūrvāparamahodadhī || 55 ||

9.55 … als Grenzgebirge. Kailāsa und Gandhamādana werden mit einer Ausdehnung von achtzig Yojanas genannt und berühren das östliche und westliche Meer … [Die Maß- und Richtungsbezüge sind sprachlich nicht sicher.]

saṃspṛśantau pāriyātra niṣadhāvadhibhūbhṛtau |
meroḥ paścimabhūbhāge pūrrottara mathāśritau || 56 ||

9.56 … bis zu den Grenzbergen Pāriyātra und Niṣadha. Im westlichen Gebiet des Meru liegen [weitere Bereiche] nach Osten und Norden. [Der zweite Halbvers ist beschädigt.]

niṣadhaḥ pāriyātraśca spṛśantāvadhibhūdarau. mānantyānna prapañcyate |
śailānāmantaradroṇyassevyante siddhacāraṇaiḥ || 58 ||

9.58 „… wegen ihrer Unendlichkeit werden sie nicht im Einzelnen beschrieben.“ Die Täler zwischen den Bergen werden von Siddhas und Cāraṇas bewohnt … [Die Nummer 57 fehlt.]

pāpadehināṃ |
anyaiśca puṇyakṛdbhistā daityadānavakinnaraiḥ |
bhaumā hyete kṛtāssvargāḥ durlabhāḥ pāpakarmabhiḥ || 59 ||

9.59 … sowie von anderen Verdienstvollen, Daityas, Dānavas und Kinnaras. Diese Orte sind irdische Himmel, für Menschen mit schlechtem Handeln schwer erreichbar.

lokarakṣārthāṃ bhadrāśvādiṣu bhagavato vāsaḥ |
jñānamūrtirhayagrivo bhadrāśve vasati svayam |
varṣeṣu mūrtayoviṣṇo rmaryādāparvateṣuca || 60 ||

9.60 Hayagrīva, die Gestalt der Erkenntnis, wohnt selbst in Bhadrāśva. Die Gestalten Viṣṇus befinden sich in den Weltgebieten und auf den Grenzgebirgen …

vasanti lokarakṣāyai nānārūpaviśeṣitāḥ |
kiṃpuruṣādīnāṃ bhogabhūmitvopapādanam |
yāni kiṃpuruṣādīni varṣā ṇyeteṣu padmaja || 61 ||

9.61 … in vielfältigen besonderen Formen, um die Welt zu schützen. In den Gebieten, angefangen mit Kiṃpuruṣa, o Lotosgeborener …

ṇyetāni |
nirātaṅkāḥ prajāśśaśvan śoko na bhayaṃ tathā |
nodanyā ca bubhukṣā ca na dveṣo nā yuṣuḥ kṣayaḥ || 62 ||

9.62 … sind die Bewohner stets frei von Bedrängnis. Es gibt weder Kummer noch Furcht, weder Durst noch Hunger, weder Hass noch eine Verkürzung der Lebenszeit.

santi teṣāṃ sahasrāṇi varṣāṇi dvau ca viṃśatiḥ |
āyurva teṣu deśeṣu bhaumamambho na varṣati || 63 ||

9.63 Ihre Lebenszeit beträgt zweiundzwanzigtausend Jahre. In diesen Ländern lässt der Gott keinen Regen auf die Erde fallen …

bhūmimindro |
devo na cartubhedosti na kālo yugabhedavān |
sadā kṛtayugaḥ kālo vartate caturānana || 64 ||

9.64 … und es gibt weder unterschiedliche Jahreszeiten noch einen Wechsel der Yugas. Immer herrscht dort die Zeit des Kṛta-Yuga, o Viergesichtiger.

devonaro nabhedosti |
dharmaścatuṣpātsakalo dhyānamevārcanaṃ hareḥ |
parvatāssaritaścāpi yatra yatra purāṇi ca || 65 ||

9.65 Dharma steht vollständig auf vier Füßen; Meditation selbst ist die Verehrung Haris. Berge, Flüsse und Städte finden sich dort allenthalben …

santi tatra |
grāmāśca santi bahavassya dharmaniratāssadā |
brāhmaṇā bhūmipāścāpi prajāpālanatatparāḥ || 66 ||

9.66 … und zahlreiche Dörfer. Die Brahmanen sind stets ihrem Dharma gewidmet, die Herrscher dem Schutz ihrer Untertanen.

sve sve karmaṇyabhiratāścāturvarṇyamavasthitāḥ |
cārurāśramyamapyevaṃ yathoktamavatiṣṭhate || 67 ||

9.67 Die Angehörigen der vier Varṇas widmen sich ihren jeweiligen Aufgaben. Ebenso besteht die vierfache Ordnung der Lebensstände in der beschriebenen Weise.

Vāsudeva: das Göttliche in allen Wesen

Begleitendes Video aus dem Themenbereich Vasudeva; keine Rezitation oder Einzelversauslegung der Padma Samhita.

Kapitel 10: Bhāratavarṣa und die weiteren Weltbereiche

Hinweis zur Quelle: Die Nummern 3, 4, 14, 18, 19, 20, 21 fehlen in der Vorlage. Fragmente im Umfeld bleiben erhalten.

pādmasaṃhitāyām |
daśamo'dyāyaḥ |
bhāratavarṣavarṇanam |
śrībhagavān |
ādākṣiṇātyādambhodherāśai lācca himālayāt |
deśo'yaṃ bhārataṃ varṣaṃ bhūreṣā karmaṇāṃ nṛṇām || 1 ||

10.1 Der erhabene Herr sprach: Das Land vom südlichen Meer bis zum Himalaya heißt Bhāratavarṣa. Es ist der Bereich menschlichen Handelns.

yojanāni sahasrāṇi vistāraścaiva kathyate |
svargāpavarga phaladaṃ karma kāryaṃ nṛṇāmiha || 2 ||

10.2 Seine Ausdehnung wird in Tausenden von Yojanas angegeben. Hier sollen die Menschen Handlungen vollziehen, deren Frucht Himmel oder Befreiung ist. [Eine genauere Zahl ist in dieser Textzeile nicht erhalten.]

yojanānāṃ mavasthitam |
kṛtādiyugabhedānāṃ caturṇāmiha sambhavaḥ |
dānāṃ yajñaṃ tapo martyāḥ paraloka phalārthinaḥ |
iha kurvanti yajñeśaṃ yajante puruṣottamam || 5 ||

10.5 Hier finden sich die vier Weltzeitalter, angefangen mit Kṛta. Menschen, die Früchte für die kommende Welt suchen, üben hier Geben, Opfer und Askese und verehren den höchsten Puruṣa als Herrn des Opfers. [Die Nummern 3–4 fehlen.]

vyavasthsitiḥ |
śreṣṭhaṃ tadbhārataṃ varṣaṃ sarvavarṣe'ṣu saṃmatam |
phalārthinaḥ kāmayante karmabhūṣu janiṃ bhudhāḥ || 6 ||

10.6 Bhāratavarṣa gilt als das beste aller Weltgebiete. Die Einsichtigen, die nach Frucht streben, wünschen sich eine Geburt in diesem Land des Handelns.

sahastāṇi tathai vāsmin divyāni puruṣaḥ paraḥ |
āste dhāmāni sadyaśca puṇyāssanti sahasraśaḥ || 7 ||

10.7 Hier weilt der höchste Puruṣa in Tausenden göttlicher Heiligtümer, und hier gibt es Tausende heiliger [Orte]. [Der letzte Bezug ist verkürzt.]

grāmāḥ puraḥ pattanāni bhavanti ca paraśśatam |
dvīpeṣu ṣaṭsu cānyeṣu santi varṣāṇi sapta vai || 8 ||

10.8 Es gibt Dörfer, Städte und Hafenstädte zu Hunderten. Auf den sechs anderen Kontinenten liegen jeweils sieben Gebiete …

pratyekaṃ sapta ca brahman bhavanti kulaparvatāḥ |
varṇānāmāśramāṇāṃ ca bhedāstatra vyavasthitāḥ || 9 ||

10.9 … und jeweils sieben Hauptgebirge, o Brahmā. Die Unterschiede der Varṇas und Lebensstände sind dort festgelegt.

puṣkaradvīpavarṇanam |
antime puṣkaradvīpe mānasottaraparvataḥ |
madhye valayavadbhāti tasyocchrāyo bhidhīyate || 10 ||

10.10 Auf dem letzten Kontinent, Puṣkaradvīpa, leuchtet das Mānasottara-Gebirge ringförmig in der Mitte. Seine Höhe wird nun genannt.

yojanānāṃ sahastrāṇi pañcāśattatsamunnatiḥ |
tāvānevasya vistāro dvīpaṃ tadvibhajanniva || 11 ||

10.11 Es ist fünfzigtausend Yojanas hoch und ebenso breit und scheint den Kontinent zu teilen.

sthitaśśailavaro brahman dve varṣe parima़ṇḍale |
śailasya cāntarmānasya bahiśca sadṛśe ubhe || 12 ||

10.12 Dieser vorzügliche Berg steht so, dass sich innerhalb und außerhalb des Mānasa zwei gleich große kreisförmige Gebiete befinden.

śailastāstaṃ mānasasya |
tanmūrdhni lokapālānā mindrādīnāṃ yadhā punaḥ |
purassanti puvastāsāṃ nāmānyapi yathāpuram || 13 ||

10.13 Auf seinem Gipfel liegen wiederum die Städte der Welthüter, angefangen mit Indra. Ihre Namen sind dieselben wie zuvor.

kramām. nyānyarṇavottaraiḥ || 15 ||

10.15 „… durch die nachfolgenden Meere …“ [Die Nummer 14 fehlt. Auch die Varianten ergeben keinen sicheren vollständigen Satz.]

nābhyarṇanāntaraiḥ nyānyarṇavāntaraiḥ |
lokālokācalavarṇanam |
svādūdakādbahirbhūmissarvā caiva hiraṇmayī |
tapanīyamayo brahman lokālokācalo bahiḥ || 16 ||

10.16 Außerhalb des Süßwassermeeres ist die gesamte Erde golden. Weiter außen liegt der aus Gold bestehende Lokāloka-Berg, o Brahmā.

bhūlokasya samastasya sālava ccaturaśrakam |
āvṛtya tiṣṭhatastasya yojanāyatamunnatiḥ || 17 ||

10.17 Er umschließt die gesamte Erdwelt wie eine viereckige Mauer. Seine Höhe beträgt [eine im Wortlaut nicht sicher erhaltene Zahl von] Yojanas.

samipam. lokālokassa ca punassamantādveṣṭito giriḥ |
bahiraṇ‍ḍakaṭāhena mahatā samanantaram || 22 ||

10.22 Der Lokāloka-Berg wird seinerseits ringsum unmittelbar von der großen äußeren Schale des Welteis umgeben. [Die Nummern 18–21 fehlen.]

lokasya ca punastasya. 11. mānasāt |
yojanānāmiyaṃ pṛthvī pañcāśatkoṭibhirmatā |
sahaivāṇ‍ḍakaṭāhena sadvīpābhdhimahīdharā |
anayā dhriyate sarvaṃ jagaddhātrī tataḥ smṛtā || 23 ||

10.23 Diese Erde mit Kontinenten, Meeren, Gebirgen und der Schale des Welteis gilt als fünfzig Koṭis Yojanas groß. Von ihr wird die ganze Welt getragen; deshalb heißt sie die Weltträgerin.

Kapitel 11: Unterwelten und Folgen des Handelns

pādmasaṃhitāyām |
ekādaśo'dhyāyaḥ |
uktānuvādapūrvakamatalādivarṇanam |
śrībhagavān |
eṣa bhūlokavistāraḥ kathitaḥ kavalāsana |
lokānadhastādadhunā sapta vacmi yathātatham || 1 ||

11.1 Der erhabene Herr sprach: Die Ausdehnung der Erdwelt ist beschrieben, o Lotosgeborener. Nun nenne ich die sieben darunterliegenden Welten genau.

atalaṃ prathamaṃ lokaṃ dvitīyaṃ vitalāhyayam |
atalaṃ prathamaṃ loko dvitīyaṃ vitalaṃ tadhā |tṛtīyaṃ nutalaṃ jñeyaṃ caturthaṃ nitalāhvam|| mahadrasātalaṃ caiva talātalamiti smṛtam || tṛtīyaṃ nitalaṃ viddhi jñeyaṃ turyaṃ gabhastimat || 2 ||

11.2 Die erste Welt heißt Atala, die zweite Vitala, die dritte Nitala und die vierte Gabhastimat. [Eine eingeschobene Alternativliste nennt Nutala, Nitala, Mahat beziehungsweise Rasātala und Talātala; die Fassungen werden nicht zu einer neuen Liste verschmolzen.]

pañcamaṃ mahadāhvānaṃ sutalaṃ ṣaṣṭhamīritam |
pātālaṃ saptamaṃ vidhyā tte caikaikaṃ samucchritāḥ || 3 ||

11.3 Die fünfte heißt Mahat, die sechste Sutala und die siebte Pātāla. Jede besitzt eine Höhe …

tekaikaṃ tu |
yojanānāṃ sahastrāṇi daśai teṣvatalādiṣu |
vasanti dānavā daityāḥ kāleyāḥ phaṇinastathā || 4 ||

11.4 … von zehntausend Yojanas. In diesen Welten, angefangen mit Atala, leben Dānavas, Daityas, Kāleyas und Schlangenwesen.

svargepi na bhavantyeva ye bhoga stvatalādiṣu |
bhakṣyaṃ bhohyaṃ tathā peyaṃ svādiṣṭaṃ guṇavattaram || 5 ||

11.5 Dort gibt es Genüsse, wie sie selbst im Himmel nicht vorkommen: köstliche und vorzügliche feste Speisen, Gerichte und Getränke.

prāsādabhūmayo ramyāḥ kānanāni ca nimnagāḥ |
nāgakanyāśca śataśassanti sarvāṅgaśobhanāḥ || 6 ||

11.6 Es gibt schöne Palastanlagen, Wälder und Flüsse sowie Hunderte von Nāga-Mädchen von vollkommener Schönheit.

kāñcanāni |
ratnānāṃ dīptījālena dhvāntedhvaste divāniśam |
nārkona candramāstatra janai rākāṅkṣyate kvacit || 7 ||

11.7 Da die Dunkelheit durch die Strahlen der Edelsteine Tag und Nacht vertrieben wird, verlangen die Bewohner dort weder nach Sonne noch nach Mond.

dhvānai'pāsai |
yāprīti rvasatāṃ tatra na sā muktātmanāmapi |
yadbhoktumiṣyate vastu dṛśyate tadupasthitam || 8 ||

11.8 Die Freude der dort Wohnenden ist [nach der übersteigernden Schilderung] selbst bei befreiten Seelen nicht zu finden. Was sie genießen möchten, steht sofort bereit.

ssarvadā |
na mṛgyatekvaci dvāpi vastu tadbhogatatparaiḥ |
svargādaṣṭaguṇaṃ bhogamatalādiṣu saptasu || 9 ||

11.9 Die dem Genuss Hingegebenen müssen den gewünschten Gegenstand nirgends suchen. In den sieben Welten, angefangen mit Atala, genießen sie achtfach größere Freuden als im Himmel …

ddhyātvā |
bhuñjate bhoganiratāḥ rakṣodai teyadānavāḥ |
na daridrā na rogārtā na kṛśā na ca duḥkhitāḥ || 10 ||

11.10 … die Rākṣasas, Daityas und Dānavas, dem Genuss gewidmet. Sie sind weder arm noch krank, weder ausgezehrt noch leidend.

bilāni śataśassanti vipulāni samantataḥ |
sahasraphaṇavānviṣṇuḥ kapilo sāma saptame || 11 ||

11.11 Überall gibt es Hunderte weiter Höhlen. Viṣṇu mit tausend Schlangenhauben, hier Kapila genannt, weilt in der siebten …

pātālākhye talādīnāmāste rakṣaṃśca kevalam |
sarvaiḥ pāriṣadaissārdhāṃ pure mahati śobhite || 12 ||

11.12 … Pātāla genannten Welt und schützt sie, gemeinsam mit seinem ganzen Gefolge, in einer großen, geschmückten Stadt.

rakṣāya. mavasthitaḥ |
saptānāmatalādīnāṃ śeṣākhyo balavattaraḥ || 13 ||

11.13 Unterhalb der sieben Welten, angefangen mit Atala, befindet sich der überaus mächtige Śeṣa. [Die Variante „adhasthitaḥ“ stützt die Ortsangabe.]

madhasthsitaḥ |
phaṇāsahasrasubhago maṇibhirdīpayan diśaḥ |
ananta iti ca prājñeḥ khyāto loke maharṣibhiḥ || 14 ||

11.14 Er ist herrlich mit tausend Hauben, deren Edelsteine die Richtungen erhellen. Die großen Weisen kennen ihn in der Welt auch als Ananta.

tasya mūrdhāni māleva dhriyate sakalā mahī |
kurvan surādidaiteyā nabalānātmatejasā || 15 ||

11.15 Auf seinem Haupt wird die ganze Erde wie eine Girlande getragen. Durch seine eigene Strahlkraft lässt er Götter, Daityas und andere kraftlos erscheinen.

kirīṭī srapagdharassubhrūrmadaghūṇitalocanaḥ |
nīlavāsāstitatanuḥ kailāsa iva bhūdharaḥ || 16 ||

11.16 Er trägt eine Krone und einen Kranz, hat schöne Brauen und vom Rausch bewegte Augen; in blauem Gewand, mit hellem Leib, gleicht er dem Kailāsa-Berg.

kirīṭasragdhaśśaśvat śaśvatsānnidhyā yayā |
lāṅgalaṃ musalaṃ bibhradāyudhaṃ daityadāraṇam |
upāsyamāno vāruṇyā śaśvatsannidadhānayā || 17 ||

11.17 Er trägt Pflug und Keule als Waffen, die Daityas zerschmettern, und wird von Vāruṇī verehrt, die stets an seiner Seite ist.

padādibhiḥ |kalpāvasāne vaktrebhyo yasya saṅkarṣaṇaśśivaḥ |
niṣkrāmati jagatsarvaṃ saṃhartuṃ viṣapāvakaḥ || 18 ||

11.18 Am Ende des Kalpa tritt aus seinen Mündern Śiva als Saṅkarṣaṇa hervor, ein Giftfeuer, um die ganze Welt aufzulösen. [Die Zuordnung der Namen in diesem Satz bleibt mehrdeutig.]

āste sampūjitassarvaiḥ pātālatalavāsibhiḥ |
nāsya varṇayutuṃ śaktā guṇā vaktṛśatairapi || 19 ||

11.19 Er weilt dort, von allen Bewohnern Pātālas verehrt. Selbst hundert Redner können seine Eigenschaften nicht vollständig schildern.

yadā madena murdānaṃ kampayannavatiṣṭhate |
tadā mahītalaṃ sarvaṃ sādrivāridhikānanam || 20 ||

11.20 Wenn er berauscht sein Haupt bewegt, dann gerät die ganze Erdoberfläche mitsamt Gebirgen, Meeren und Wäldern …

kampate kaḥ kṣametāsya balaṃ vaktumaśeṣataḥ |
adhassāccheṣaphaṇinaḥ kūrmaḥ kālā nalasthitiḥ || 21 ||

11.21 … ins Beben. Wer vermöchte seine Kraft vollständig zu beschreiben? Unter der Schlange Śeṣa befindet sich Kūrma, [verbunden mit] dem Feuer der Zeit …

navasthitaḥ nanasthitaḥ |
śikhāsahasrajaṭilo dussahaḥ kamalāsana |
ādhāraśaktire tasmāda dhastādvaiṣṇavī tanuḥ || 22 ||

11.22 … mit tausend Flammenzungen, unerträglich, o Lotosgeborener. Darunter ist die tragende Kraft, eine Erscheinungsweise Viṣṇus. [Die Verbindung zwischen Kūrma und dem Zeitfeuer ist im Wortlaut unsicher.]

vāsmāttasyā adhastāt |
anantaramathai tasyāḥ bhavatyaṇ‍ḍakaṭāhakaḥ |
karmaṇaḥ puṇyarūpasya kathitāḥ phalabhūmayaḥ || 23 ||

11.23 Unmittelbar darunter befindet sich die Schale des Welteis. Damit sind die Erfahrungsbereiche beschrieben, in denen verdienstvolles Handeln seine Früchte trägt.

adhunā pāparūpasya kathyante phalabhūmayaḥ |
bhuvo jalasya cādhasnānnarakākhyā bhuvassmṛtāḥ || 24 ||

11.24 Nun werden die Fruchtbereiche schlechten Handelns genannt. Unter Erde und Wasser liegen die als Höllen bezeichneten Welten.

rma |
rauravaṃ prathamaṃ taśca mahatpūrvamanantaram |
taptaputthalikā kumbhī śūlāropaṇamīritam || 25 ||

11.25 Zuerst Raurava, danach Mahāraurava, Taptaputthalikā, Kumbhī und Śūlāropaṇa, das Aufspießen. [Die Variante zu Taptaputthalikā ist beschädigt.]

taptalomayā |
sūcyagraṃca kṣuraṃ caiva khaḍgakṛntanamanvataḥ |
sūkaraṃ tailakumbhaṃca mahājvālā ca tāpanam || 26 ||

11.26 Sūcyagra, die Nadelspitze; Kṣura, das Rasiermesser; Khaḍgakṛntana, das Zerschneiden mit Schwertern; Sūkara, Tailakumbha, der Ölkessel; Mahājvālā, die große Flamme; und Tāpana, das Brennen.

khaḍgakartarimanyataḥ vyāghrasiṃhavṛkādikam |
taptastambhaṃ śunā bhakṣyaṃ śālmalī hemapuṣpitā || 27 ||

11.27 [Weitere Strafbilder sind] Tiger, Löwen und Wölfe, der glühende Pfosten, das Gefressenwerden von Hunden und die goldblühende Śālmalī. [Die Zusätze variieren Tiere und Schneidwerkzeuge.]

vyāghrasiṃha mṛgādikaṃ anyatra siṃha taptādiyantrakam. lālodakaṃ raktasindhu śśaktibhiśchedanaṃ tathā |
evamūdīni cānyāni phalānyāhurvikarmaṇām || 28 ||

11.28 Lālodaka, Wasser aus Speichel; Raktasindhu, der Blutstrom; und das Zerschneiden mit Speeren. Solche und andere [Leiden] nennt man die Früchte verfehlten Handelns. [„lālodaram“ steht als zusätzliche unsichere Lesart.]

lalodaram |
narakāṇāmasaṅkhyānā meṣā dikkathitā mayā |
patitāsteṣu pāpiṣṭhā jantavo bhuñjate phalam || 29 ||

11.29 Damit habe ich nur eine Richtung unter den unzähligen Höllen angedeutet. Die durch schwere Verfehlungen dort hineingeratenen Wesen erfahren die Früchte ihres Handelns.

na karmaṇāṃ kṣayo brahman vinā bhogaiḥ pṛthagvidaiḥ |
jñānāgnissarvakarmāṇi bhasmasātkurute dṛḍham || 30 ||

11.30 Ohne die entsprechenden Erfahrungen erschöpft sich das Karma nicht, o Brahmā. Doch das Feuer der Erkenntnis verwandelt gewiss sämtliche Handlungen in Asche.

Kapitel 12: Die höheren Welten und der Lauf der Gestirne

Hinweis zur Quelle: Die Nummern 5, 6, 19, 41 fehlen in der Vorlage. Fragmente im Umfeld bleiben erhalten.

pādmasaṃhitāyām |
dvādaśo'dhyāyaḥ |
bhuvarādiloka svarūpa nirūpaṇam |
brahmā |
vistāraḥ kathito bhūmeḥ lokāssaphtātalādikāḥ |
narakāṇi tathoktāni sāṃprataṃ bhagavanmama || 1 ||

12.1 Brahmā sprach: Die Ausdehnung der Erde, die sieben Welten von Atala an und die Höllen sind beschrieben. Nun, Erhabener …

bhuvaḥ prabhṛtilokānāṃ rūraṃ mānaṃ ca kathyatām |
śrībhagavān |
yāvatpramāṇā vṛthivī vistīrṇā parimaṇḍalā || 2 ||

12.2 … nenne mir Gestalt und Maße der Welten von Bhuvas an. Der erhabene Herr sprach: So weit sich die Erde kreisförmig ausdehnt …

tāvadbhuvasthsalaṃ brahman vistīrṇaṃ parimaṇḍalam |
bhūsūryayorantaramānādi |
upariṣṭātkṣitervyomni lakṣayojanasaṅkhyayā || 3 ||

12.3 … so weit erstreckt sich auch der Bhuvas-Bereich, o Brahmā. Hunderttausend Yojanas über der Erde im Raum …

ravistiṣṭhati tigmaissvairaṃśubhirbhāsayan jagat |
rathamāsthāya bhagavān bahuyojana vistṛtam || 4 ||

12.4 … befindet sich die Sonne und erhellt mit ihren scharfen Strahlen die Welt, auf einem Wagen, der viele Yojanas ausgedehnt ist.

meruṃ svaiḥ iti kvacit anyatra khestveram iti. vibhāga heturuṣasāmahnā mapi gatikramāt |
prāgbhāgehetupuruṣasāmānya vagati kramāt. yogināṃ paramaḥ panthāḥ smṛtaḥ kleśaparikṣaye || 7 ||

12.7 „… durch ihren Lauf Ursache der Einteilung von Morgen und Tagen … der höchste Weg der Yogis, wenn die Leiden erschöpft sind.“ [Die Nummern 5–6 fehlen; auch die Varianten ergeben keinen sicheren vollständigen Satz.]

idamardhaṃ kvacinnāsti. bhānussarvatra sammukhaḥ || 8 ||

12.8 „Die Sonne ist überall zugewandt.“ [Nur ein Halbvers; die Editionsnotiz meldet sein Fehlen in manchen Fassungen.]

bhānoḥ |
darśanādarśane bhāno rudayā stamayau matau |
yairmatra dṛśyate bhānussa teśāmudayassmṛtaḥ |
yāti yatra tirobhāvaṃ tatrāstamayadhīrnṛṇām || 9 ||

12.9 Das Sichtbarwerden und Verschwinden der Sonne gelten als Aufgang und Untergang. Wo die Sonne gesehen wird, dort ist ihr Aufgang; wo sie sich verbirgt, denken die Menschen an ihren Untergang.

yadāyatra dirobhāvastatrā |
sphītā bhavanti pūrvāhṇe rasmayo'rkasya santatāḥ |
hrasvībhavanti paścāttu yāvatteṣāmadarśanam || 10 ||

12.10 Am Vormittag breiten sich die Strahlen der Sonne immer weiter aus; danach werden sie kürzer, bis sie nicht mehr sichtbar sind.

varjayitvā purīṃ dhātussarvato merubhūdhare |
patanti bhānavo bhānostirya gūrdhvamadhastathā || 11 ||

12.11 Mit Ausnahme von Brahmās Stadt fallen die Sonnenstrahlen überall am Meru seitwärts, nach oben und nach unten.

sabhāṃ tu brahmaṇo gatvā prasthitaṃ pānti yo punaḥ |
brahmaṇastejasā tena nānyatra skhalanaṃ kvacit || 12 ||

12.12 Gelangen sie aber zu Brahmās Versammlungshalle, werden sie durch Brahmās Glanz [zurückgeleitet]; sonst werden sie nirgends aufgehalten. [Der erste Halbvers ist beschädigt.]

pratipadyanti te |
bhuvalokaḥ |
bhūsūryayorantarālaṃ bhuvasthsalamudāhṛtam |
vidyādharāśca gandharvā ssiddhāśca saha dānavaiḥ || 13 ||

12.13 Der Zwischenraum von Erde und Sonne heißt Bhuvas. Dort leben Vidyādharas, Gandharvas und Siddhas gemeinsam mit Dānavas …

vasanti muditā sveṣu pureṣveva pṛthakpṛthak |
sūryadhruvayorantarāle itaragrahanāṃ sthitiḥ |
lakṣe divākarasthānāśchaśinaḥ sthānamīritam || 14 ||

12.14 … erfreut, jeweils in ihren eigenen Städten. Hunderttausend [Yojanas] oberhalb des Sonnenortes wird der Ort des Mondes genannt.

tasyopariṣṭāttaṣṭhanti nakṣatrāṇi yathāyatham |
lakṣatrayamatītyordhvaṃ budhasya sthitirucyate || 15 ||

12.15 Über ihm stehen die Sternbilder in ihrer jeweiligen Anordnung. Dreihunderttausend [Yojanas] höher liegt der Ort Budhas, des Merkur.

uśanā tu sthito lakṣadvayamu ttīrya tiṣṭhati |
tadyojanānyatikramya bhaumanti ṣṭhati sarvadā || 16 ||

12.16 Uśanas, die Venus, befindet sich weitere zweihunderttausend darüber. Nach Überschreiten derselben Entfernung steht Bhauma, der Mars.

tāvatpramāṇe'vasthānaṃ guro stasyopari sthitiḥ |
śanaiścarastatpramāṇamatītyordhvaṃ ravessutaḥ || 17 ||

12.17 In gleichem Abstand darüber befindet sich Guru, der Jupiter; wiederum in dieser Entfernung Śanaiścara, der Sohn der Sonne, der Saturn.

lakṣalakṣa kramādūrdhvaṃ nakṣatraṃ munayaḥ pare |
parassahasraṃ ṛṣayassantyuparyūrdhva gāminaḥ || 18 ||

12.18 Je hunderttausend weiter oben [liegen] ein Sternbereich und die Weisen; über tausend Ṛṣis befinden sich darüber und steigen weiter auf. [Die astronomische Zuordnung ist in der Vorlage unklar.]

lakṣadvayātkramādūrdhvaṃ tisrassanti na santyasya māsapāsteṣvareṣu te |
meṣādayopyareṣvavaṃ mīnāntādvādaśa sthitāḥ || 20 ||

12.20 „Zweihunderttausend weiter oben … drei … die Monatshüter auf den Speichen.“ Die zwölf Zeichen von Widder bis Fische stehen auf den Speichen. [Die Nummer 19 fehlt; der Beginn der Radbeschreibung ist beschädigt.]

tisrassanti vasantyatra māsapakṣe vilāsite. anyatratisrassantivanantasya māsādyāsaiṣu rebhire |iti atra āśuddhamina bhāti viṣuvadvāyanadvayam || 21 ||

12.21 „… Tagundnachtgleiche und die beiden Sonnenhalbjahre.“ [Nur ein Fragment; die Quelle selbst bezeichnet die vorangestellten Varianten als offenbar fehlerhaft.]

viṣuvāhyamanadvayam |
sitāsitau ca pakṣau dvau yugabhedāśca vatsarāḥ |
truṭyādayaḥ kālabhedāścakradhārāsu viṣṭhitāḥ || 22 ||

12.22 Die helle und die dunkle Monatshälfte, die verschiedenen Yugas, die Jahre und die Zeitteilungen von Truṭi an befinden sich an den Radkränzen.

dhruvaḥ sthito nā bhimadhye prādakṣiṇyena rāśayaḥ |
prasavyena grahāssarve caranti gatirīdṛśī || 23 ||

12.23 Dhruva steht in der Mitte der Nabe. Die Tierkreiszeichen bewegen sich rechtsläufig, die Planeten linksläufig; so wird ihre Bewegung beschrieben.

kulālacakramadhyasthamṛtpiṇḍa sadṛśo dhruvaḥ |
bhramanti paritassarve dhruvaṃ jyotirgaṇāssadā || 24 ||

12.24 Dhruva gleicht dem Tonklumpen inmitten einer Töpferscheibe. Alle Himmelslichter kreisen beständig um ihn.

suvarlokaḥ |
ādityadhruvayormadhye deśasyvargasamāhyayaḥ |
vasanti tasmin gīrvāṇā vimāneṣu pṛthakpṛthak || 25 ||

12.25 Der Bereich zwischen Sonne und Dhruva heißt Svarga. Dort wohnen die Götter jeweils in eigenen himmlischen Fahrzeugen …

asaṅkhyātā nityatṛptāḥ jyotirmayavapurdharāḥ |
teṣāṃ gaṅgājalaṃ sevyaṃ puṣpāṇi surabhūruhām || 26 ||

12.26 … unzählbar, stets erfüllt, mit lichtvollen Körpern. Ihnen dienen das Wasser der Gaṅgā und die Blüten der himmlischen Bäume.

asaṅkhyānityatṛptāsai |
dhanaṃ ca cintāmaṇayaḥ striyaścāpsarasaḥ smṛtāḥ |
siddhādayo vapantismapureṣu nirupadravāḥ |
utendra mūrtirbhagavā nāsīvantatra sarvadā || 27 ||

12.27 Ihr Reichtum sind Wunschjuwelen, ihre Gefährtinnen Apsarasen. Siddhas und andere wohnen unbedrängt in ihren Städten; der erhabene Herr weilt dort stets als Upendra …

bhūsūryayorantarālaṃ bhuvasthsalamitismṛtam. idamardhaṃ atra pramādapatitaṃ kvacitko śe |
rakṣati svarganilayan devādīn svena tejasā |
bhūrbhavassvastrayolokāḥ lakṣāḥ pañcadaśa smṛtāḥ || 28 ||

12.28 … und schützt mit seiner Strahlkraft die im Himmel lebenden Götter und anderen Wesen. Die drei Welten Bhūr, Bhuvas und Svar werden zusammen mit fünfzehnhunderttausend [Yojanas] bemessen. [Eine Editionsnotiz kennzeichnet einen wiederholten Halbvers zum Bhuvas-Bereich als versehentlich eingeschoben.]

tataḥ paraṃ maharlokaḥ kotiyojanamāyataḥ |
sanandanādyā munayo vasanti daśakoṭayaḥ || 29 ||

12.29 Darüber liegt Maharloka, eine Koṭi Yojanas ausgedehnt. Dort wohnen Sanandana und andere Weise in einer Zahl von zehn Koṭis.

janolokādi nirūpaṇam |
tataḥ paraṃ janolokaḥ koṭidvayasamāyataḥ |
anantaraṃ tapolokaḥ sthitaḥ koṭibhiraṣṭabhiḥ || 30 ||

12.30 Darüber befindet sich Janoloka mit zwei Koṭis Ausdehnung; danach Tapoloka mit acht Koṭis.

yojanānāṃ satyalokaḥ punastriguṇamāyataḥ |
koṭitrayayutaṃ tasmādūrdhvaṃ dhātuḥ puraṃ sthitam || 31 ||

12.31 Satyaloka ist wiederum dreimal so ausgedehnt. Drei Koṭis darüber liegt die Stadt des Schöpfers.

yojanānāmityardhakvacinnāsti. sālaprāsādagopuram || 32 ||

12.32 „… mit Umfassungen, Palästen und Torbauten.“ [Nur ein Fragment; die Variante nennt die Fülle von Mauern und Befestigungen.]

sālaprākārasaṃkulam |
prakṛtimaṇ‍ḍalastha viṣṇulokaḥ |
uttareṇa brahmalo kāddviṣṇulokaṃ vidurbudhāḥ |
antaraṃ lokayoruktaṃ lakṣayojanasaṃmitam || 33 ||

12.33 Nördlich von Brahmās Welt kennen die Weisen Viṣṇus Welt. Der Abstand zwischen beiden wird mit hunderttausend Yojanas angegeben.

śivalokaḥ |
tāvatye vā ntarāle'sya dakṣiṇasyāṃ diśi sthitaḥ |
śivalokaścaturvaktra tasminnā ste śivassvayam || 34 ||

12.34 Im gleichen Abstand südlich davon liegt Śivas Welt, o Viergesichtiger. In ihr wohnt Śiva selbst.

urdhvakrameṇa bhagavataḥ pañcalokāḥ |
yojanānāṃ koṭi mūdhvan mullaṅghya purataḥ sthitaḥ |
sarvātvā bhagavāsūrdhvaṃ tasmātkoṭitrayāya te || 35 ||

12.35 Eine Koṭi Yojanas höher befindet sich der erhabene Herr als Sarvātman. In einem darüberliegenden Bereich von drei Koṭis …

koṭirūrdhve ullaṃghye puratasthsite |nivṛtyātmā nivasati bhagavānavyayassvayam |
tāvatyeva sthito māne viśvātmā viśvakṛddhariḥ || 36 ||

12.36 … wohnt der unvergängliche Herr selbst als Nivṛtyātman. Im gleichen Maß befindet sich Hari, Weltschöpfer und Viśvātman.

puruṣātmā purastāttu catuṣkoṭi pramāṇake |
sthitaḥ koṭīratītyordhvaṃ pañca paścādavasthitaḥ || 37 ||

12.37 Darüber, in einem Bereich von vier Koṭis, befindet sich Puruṣātman. Weitere fünf Koṭis höher …

parasmāttu. viṣṭaram |
adhyāste bhagavānnityaṃ śaṅkhacakra gadādaraḥ || 38 ||

12.38 … nimmt der erhabene Herr, Muschelhorn, Diskus und Keule tragend, beständig seinen Sitz ein. [Eine Variante liest „Weltbereich“ statt „Sitz“.]

viṣṭapaṃ |
paścaśaktimayo viṣṇuḥ koṭiyojanasaṃmite |
āste śrībhūmisahito vaina teyena sevitaḥ || 39 ||

12.39 Viṣṇu, die fünf Kräfte umfassend, weilt in einem eine Koṭi Yojanas bemessenen Bereich mit Śrī und Bhūmi, von Garuḍa bedient.

aṇ‍ḍabhittiḥ |
aṇ‍ḍabhittiruparyasya sthito rdhve koṭiyojane |
ghanaṃ ca tasyāḥ koṭyā tu saṃmitaṃ kamalāsana || 40 ||

12.40 Eine Koṭi Yojanas darüber befindet sich die Wand des Welteis. Auch ihre Dicke beträgt eine Koṭi, o Lotosgeborener.

sthitārdhā. taddaśo ttarasaṅkhye vāriṇā pariveṣṭitam || 42 ||

12.42 „… von einer zehnfachen Menge Wasser umgeben.“ [Die Nummer 41 fehlt; der Maßbezug wird durch den folgenden Abschnitt erläutert.]

taddheśāntarasaṃkhyena |
āvṛtyāṇḍaṃ yathāvāri sthitaṃ tadyattadagninā |
sa vāyunā tadvadeva sa vyomnā ca samāvṛtaḥ || 43 ||

12.43 Wie das Wasser das Weltei umgibt, so wird es selbst vom Feuer umgeben; das Feuer vom Wind und dieser wiederum vom Raum.

avṛtya tadyathāvāri vahninā parisaṅkhayā |
sarvaṃ daśottaraṃ vidyāttadvyoma mahatāvṛtam |
mahāṃśca sa pradhānena pradhānaṃ tamasāvṛtam || 44 ||

12.44 Man soll wissen: Jede Hülle ist zehnfach größer. Der Raum wird von Mahat umhüllt, Mahat von Pradhāna und Pradhāna von Dunkelheit.

mayā sarvapradhāneva. evaṃ nirūpaṇasya saṅgatiśvintyā |
tadanantamaparyantaṃ na saṅkhyā tatra vidyate |
hetubhūtama śeṣasya tamasaḥ prakṛtiḥ parā || 45 ||

12.45 Diese ist unbegrenzt und endlos; hier gibt es keine zählbare Grenze. Höher als diese ursächliche Dunkelheit ist Prakṛti. [Die Vorlage enthält dazu selbst den Hinweis, dass die Stimmigkeit dieser Darstellung zu überdenken sei; die begriffliche Spannung bleibt erhalten.]

saṅkhyā tatra na vidyate |
aṇ‍ḍānāmasaṅkhyātatvam |
aṇ‍ḍānāmīdṛśāṃ brahman sahasrāṇyayutāni ca |
bahunāpi kimu ktena saṅkhyā vaktuṃ na śakyate || 46 ||

12.46 Solcher Welteier gibt es Tausende und Zehntausende, o Brahmā. Was soll man noch viele Worte machen? Ihre Zahl lässt sich nicht nennen.

nārāyaṇenāntarbahirvyāptiḥ |
aṇḍāni tāni sarvaṇi vyāpya nārāyaṇaḥ sthitaḥ |
antaśca teṣāṃ bhagavān sarvavyāpī paraḥ pumān || 47 ||

12.47 Nārāyaṇa besteht, indem er alle diese Welteier durchdringt. In ihrem Inneren ist der erhabene Herr, der allgegenwärtige höchste Puruṣa …

bahiśca sākṣivatsarva mīkṣamāṇo'vatiṣṭhate |
catvārovyūhilokāḥ |
mahatastamaso bhāhye lokā ssubahuyojanāḥ || 48 ||

12.48 … und auch außerhalb besteht er, alles wie ein Zeuge schauend. Jenseits der großen Dunkelheit liegen weite Welten …

bhahyo yogaḥ |
catvāraḥ kramaśassanti caturbhissamadhiṣṭhitāḥ |
vyūhaiḥ krameṇa vakṣye tānaniruddhaḥ paraḥ smṛtaḥ || 49 ||

12.49 … vier an der Zahl, der Reihe nach von den vier Vyūhas bewohnt. Ich werde sie nennen: zunächst Aniruddha …

pradyumno'na ntaraṃ teṣāṃ saṅkarṣaṇa samāhvayaḥ |
vāsudevastataḥ paścādvyūhākhyaḥ kamalāsana || 50 ||

12.50 … danach Pradyumna, dann Saṅkarṣaṇa und schließlich der als Vyūha bezeichnete Vāsudeva, o Lotosgeborener.

vibhavākhyo vāsudevastadanantaramīritaḥ |
anādirvāsudevaśca tayorlokā vanukramāt || 51 ||

12.51 Danach werden Vāsudeva als Vibhava und der anfangslose Vāsudeva genannt; ihre beiden Welten folgen in dieser Reihenfolge.

pyūhākhyo vasudevastu |
tato nārāyaṇasyāpi lokastannikaṭe sthitaḥ |
ekaikasyāntaraṃ koṭiryohanānāmudīritā || 52 ||

12.52 Danach liegt in ihrer Nähe auch Nārāyaṇas Welt. Der Abstand zwischen den einzelnen Welten wird mit einer Koṭi Yojanas angegeben.

smṛtyo śrimahībhyāṃ saha sthitaḥ |
tāvāneva ca vistārasaiṣāmati manoharaḥ |
vaikuṇṭhalokaḥ |
tebhyo bahisthsito loko yatrāste bhagavānajaḥ || 53 ||

12.53 Ebenso groß ist ihre überaus schöne Ausdehnung. Außerhalb dieser Welten liegt die Welt, in der der ungeborene erhabene Herr wohnt. [Der vorausgehende Zusatz nennt sein Zusammensein mit Śrī und Mahī.]

anādirvāsudeśākhyaśśobhite maṇimaṇṭape |
śeṣabhogāsane divye śrībhūbhyāṃ samamāsthitaḥ || 54 ||

12.54 Als anfangsloser Vāsudeva sitzt er dort in einer herrlich geschmückten Edelsteinhalle auf dem göttlichen Sitz aus Śeṣas Windungen, gemeinsam mit Śrī und Bhū.

bhavati yatkiñcit |
vyāptyādibhistathāṣṭābhiśśaktibhiḥ parivāritaḥ |
vālavyajanahastābhi styevyamānābhirantike || 55 ||

12.55 Er ist von acht Kräften umgeben, angefangen mit Vyāpti. Sie halten Wedel in den Händen und dienen ihm in seiner Nähe.

seneśādyaiḥ pāriṣadaiśca krādyairāyudhairapi |
praṇamadbhissevyamānassāmīpyādipadasthitaiḥ || 56 ||

12.56 Die Diener, angefangen mit dem Heerführer, und die Waffen, angefangen mit dem Diskus, verneigen sich und dienen ihm; sie haben die Stufen der Nähe und verwandte Stellungen erlangt.

muktaiśca pañcakālajñaistiddhaiḥ kiṅkaratāṃ gataiḥ |
upāsyamānassatataṃ dvādaśākṣaracintakaiḥ || 57 ||

12.57 Beständig wird er von befreiten, im fünffachen Tagesdienst kundigen Vollendeten verehrt, die als Dienende wirken und über den zwölfsilbigen Mantra meditieren …

aṣṭāṅgayogasaṃsiddhairbahubhirbhagavanmayaiḥ |
pañcarātrārdhatatvajñairnityatṛptaistamīpagaiḥ || 58 ||

12.58 … von vielen im achtgliedrigen Yoga Vollendeten, ganz vom Göttlichen erfüllt, Kennern des wahren Sinns des Pāñcarātra, stets zufrieden und in seiner Nähe …

yathārhaṃ bhagavaccheṣakarmaniṣṭhermahātmabhiḥ |
digeṣā kathitā brahman dhanyānāṃ tatra tiṣṭhatām || 59 ||

12.59 … von großen Seelen, die sich jeweils ihrem angemessenen Dienst als dem Herrn Zugehörige widmen. Damit habe ich dir eine Andeutung von den Gesegneten gegeben, die dort wohnen, o Brahmā.

antargatānāṃ lokānā maṇḍeṣu bahirapyatha |
vistāraḥ kathyate naiva durgrahatvādbhavādṛśaiḥ || 60 ||

12.60 Die volle Ausdehnung der Welten innerhalb und außerhalb der Welteier wird hier nicht beschrieben, da sie für Wesen wie dich schwer zu erfassen ist.

kathito |
padārthanigamanam. |
sāramātraṃ samuddhṛtya sarpatassamudāhṛtam |
braṣmaṇākṛtajñatāprakāśanam |
brahmāḥ |
jñānaṃ bhagavataḥ kiñcidajñānaṃ ye na havyate || 61 ||

12.61 Nur das Wesentliche wurde aus allem herausgehoben und mitgeteilt. Brahmā sprach: „Ein wenig Erkenntnis des erhabenen Herrn, durch die Unwissenheit getilgt wird …“ [Der Beginn seines Dankes ist beschädigt.]

bhavati yatkiñcit |
naṣṭamajñāna timiraṃ jñānaṃ taddharśitaṃ mahat |
sarve ca saṃśayā naṣṭhāḥ prasādā dbhagavanmama || 62 ||

12.62 Die Finsternis der Unwissenheit ist verschwunden; diese große Erkenntnis ist mir gezeigt worden. Alle meine Zweifel sind durch deine Gnade vergangen, Erhabener.

dbhato mama |
yathoktajñānasya saṃpratāyaśuddhiḥ |
padmaḥ |
iti guhyatamaṃ jñānaṃ bhagavān brahmaṇe dadau |
brahmāpi tadyathātatvaṃ kapilāyāvatārayat || 63 ||

12.63 Padma sprach: So gab der erhabene Herr Brahmā diese überaus geheime Erkenntnis. Brahmā übermittelte sie ihrem wahren Sinn gemäß an Kapila.

kapilopi maharṣistat jñānaṃ mama yadhātatham |
dadau tubhyaṃ tadatyenaṃ pāraṃparyakramāgatam || 64 ||

12.64 Auch der große Weise Kapila gab mir diese Erkenntnis genau weiter. Dir wurde sie nun so übermittelt, wie sie in der Folge der Lehrer zu uns gelangt ist …

siddhāntajñānamutkṛṣṭaṃ tvayyanugrahakāmyayā |
bhagavanmayamākhyātaṃ rahasyataramadbhutam || 65 ||

12.65 … die vorzügliche Erkenntnis des Lehrsystems, aus dem Wunsch, dir Gnade zu erweisen: ganz vom göttlichen Herrn erfüllt, wunderbar und besonders geheim.

saṃvartajñarāna |
bhagavanmayamākhyātaṃ rahasyataramadbhutam |
bhagajjñānasya apātre anākhyeyatvam |
naitadguhyataraṃ jñānamākhyeyamatimānine |
nābhaktāya na hīnāya na cāśuśrūṣave punaḥ || 66 ||

12.66 Diese überaus geheime Erkenntnis soll keinem Hochmütigen, keinem Hingabelosen, keinem [nach der Wertung des Textes] Ungeeigneten und keinem, der nicht hören will, mitgeteilt werden.

nādīkṣitāya dātavyaṃ na kṛtaghnāya pāpine |
sa nāstikāya cākhyeyaṃ na ca pāṣaṇḍine tathā || 67 ||

12.67 Sie soll keinem Uneingeweihten, keinem Undankbaren oder Übeltäter, keinem Ungläubigen und keinem Anhänger einer als abweichend angesehenen Lehre gegeben werden.

na hīnavarṇine naiva piśunāya durātmane |
naiva cānupa nītāya na bāhyā gamasaṅgine || 68 ||

12.68 Auch keinem Angehörigen eines niedrigen Varṇa, keinem verleumderischen, übelgesinnten Menschen, keinem, der die Einführung in das vedische Lernen nicht empfangen hat, und keinem Anhänger einer fremden Āgama-Tradition. [Dies sind historische Zugangsbeschränkungen des Werkes.]

sannāya |
na cāpyasūyave cāpi tyaktācārāya parhicit |
yograpatra nirūpaṇam |
vaktavyaṃ ca vinītāya śuddhāya brahmacāriṇe || 69 ||

12.69 Ebenso wenig einem Missgünstigen oder jemandem, der die vorgeschriebene Lebensführung aufgegeben hat. Dagegen soll man sie einem Bescheidenen, Reinen und in Brahmacarya Lebenden mitteilen …

śuśrūṣave prasannāya vratine vaśine tathā |
āśramasthāya saṃsāravimukhāya mumukṣave || 70 ||

12.70 … der hören möchte, freundlich gestimmt ist, Gelübde hält und sich beherrscht, in einem Lebensstand verankert, vom Saṃsāra abgewandt und nach Befreiung strebend …

yataye |
jijñāsamānāya tathā pāñcarātro ditāṃ kriyām |
suśīlāya kṛtajñāya ṛjave ṛjubuddhaye || 71 ||

12.71 … der die im Pāñcarātra gelehrte Praxis kennenlernen will, von gutem Verhalten, dankbar, aufrichtig und geraden Sinnes ist …

ditikramām |
chandāṃsyadhītine sāṅgaṃ kulīnāya tapasvine |
traivarṇikāya saṃvarta maharṣe saṃhitāmimām || 72 ||

12.72 … die Veden mit ihren Hilfswissenschaften studiert hat, aus guter Familie stammt, Disziplin übt und einer der drei [vedisch zugangsberechtigten] Varṇas angehört. Einem solchen übermittle diese Saṃhitā, großer Weiser Saṃvarta.

Sanskrit in Devanagari

Die Umschrift folgt derselben IAST-Grundlage und ist kein unabhängiger Textzeuge. Sie enthält den gleichen Kapitelumfang wie die vorstehende Übersetzung, einschließlich der Quellenzusätze.

Kapitel 1

श्रीरस्तु |
श्रीमते रामानुजायनमः |
पाद्मसंहितायां ज्ञानपादः |
आसीनमाश्रमे कण्वं कण्वाश्रमनिवासिनः |
निश्रेयसकरं कर्म प्रष्टुमारोभिरो मुनिम् || १ ||

ऋषयः |
अधीताः कण्व भगवन् साङ्गो पङ्गास्सवितुराः |
वेदास्त्वत्त स्तदर्थानि शास्त्राणिच यथातथम् || २ ||

समस्तानि |
एतेषु यदधीतेषु कैवल्यायनकल्पते |
कारणं तदपि त्वत्तश्श्रोतव्यं नान्यथागतिः || ३ ||

कण्वः |
श्रूयतां मुनयस्सर्वै यथापूर्वं मया श्रुतं |
उपसङ्गम्य संवर्तमृषिमर्कमिवापरम् |
प्रदीप्तमेतमेवार्थं पृष्टवानभिवाद्यतम् || ४ ||

शृरण्वतां स महर्षीणां संवर्त स्सर्ववित्स्वयं |
पा. स्संयतस्स्वयम् |
मह्यं शुश्रूषमाणाय प्रत्युवाच यथातथम् || ५ ||

संवर्तः |
अधीतास्सकलावेदा स्साङ्गोपङ्गास्सविस्तराः |
इतिहासपुराणानि वाकोवाक्य युतानिच || ६ ||

श्रुतानि तेषु सर्वेषु दृश्यन्ते सर्वदेवताः |
स्वतन्त्राः फलमप्येषु स्वर्गादन्यन्न दृश्यते || ७ ||

विविधानि च शास्त्राणि न तर्काश्च प्रतिष्ठिताः |
अपवर्गफलोपायं न च पश्यामि कुत्तचित् || ८ ||

श्रुतिरेव च तस्यापि प्रमाणमिति शश्रुम |
निश्चयं नाधिगच्छामि मनसा विमृशन्नपि || ९ ||

ततोऽहं भृशनिर्विण्णस्सन्तप्तहृदयस्तथा |
सिद्धाश्रमं समासाद्य द्रुहिणं समपूजयम् || १० ||

अत्युग्रं तप आतिष्ठं ततः प्रीतः प्रजापतिः |
ऋषिभिर्दैवतैस्सार्धं स्वयमागान्मदन्तिकम् || ११ ||

ब्रह्माः |
वरं वृणीष्व भद्रं तेयत्ते मनसि वर्तते |
वरार्थिनां द्विजश्रेष्ठ दर्शनं वरदं मम || १२ ||

संवर्तः |
इत्युक्तोऽहं भगवता प्रत्यवोचं कुताञ्जलिः |
ज्ञानं भवतु मे शुद्धं निस्संशयमनाकुलम् || १३ ||

येन सांसारिकं दुःखं तरामि ज्ञानवर्त्मना |
इत्युक्तो देवदेवस्तु प्रहसन्निदमब्रवीत् || १४ ||

ब्रह्माः |
शृणु विप्र प्रवक्ष्यामि सिद्ध्युपाय मनामयम् |
श्रुतिरेव द्विजातीनां निश्श्रेयसकरी परा || १५ ||

यतो वै श्रुतिमन्त्रेण नित्यमाराधयन् हरिम् |
कैवल्यं परमं प्राप्तो न भूयस्संसरेदिह || १६ ||

संवर्तः |
भगवन् केन शास्त्रेण देन आराध्यते परः |
कीदृश स्तु परो देवो विधिः को वा तदर्चने || १७ ||

मन्त्रेण स्तप्तं तपोमया || २१ ||

स्वतस्तप्तं |
तपोबलेन पातालं प्रनिशन्नागपालितम् |
तत्रापश्यं सुखासीनं नागेशैः परिवारितम् || २२ ||

कपिलंवृतं |
अवोचं कपिलं विष्णुं दण्डवत् प्रणतः क्षितौ |
जम्बूद्वीपादुवृत्तस्संवर्तोहं प्रसीदमे || २३ ||

विद्धि मां भगवन् विष्णो प्राप्तं द्रुहिणशासनात् |
ज्ञानयोगक्रियाचर्या मृग्यते यन्महर्षिभिः || २४ ||

तदशेषेण विदितं भवविध्वंसनं तव |
संसारापारपाथोधिमग्नं मां भृशदुःखितम् || २५ ||

त्रायस्व भगवन्नार्तं कृपया परयाविभौ |
त्वदृतेऽन्योन वेत्तास्य मोक्षोपायस्य वर्त्मनः || २६ ||

दर्शकः |
इत्युक्तः कपिलो देवः प्रसादात्पद्मजन्मनः |
पार्श्वस्थं पद्ममालोक्य प्रसीदन्निदमब्रवीत् || २७ ||

प्रसादाभिमुखस्तदा |
कपिलः |
हे पद्म नागराजेन्द्र जन्मविध्वंसहेतुकम् |
महोपनिषचं सर्वं श्रुतवानसि मन्मुखात् || २८ ||

श्राव्यतां सकलं चायं संवर्तो वेदपारगः |
ज्ञानानां परमं ज्ञानं साक्षा द्देवसमाश्रितम् || २९ ||

द्वेद |
सात्विकं देव देवस्य समाराधनकर्मजम् |
मोक्ष्यमाणैश्च सततं मृग्यमाणं दुरासदम् || ३० ||

संवर्तः |
उक्तेन कपिलेनैवं पद्माख्येन महात्मना |
उदितं यन्महच्छास्त्रं तत्सर्वं प्रब्रवीमिते || ३१ ||

ईरितं |
सार्धकोटिप्रमाणेन ब्रह्मणाकेशवाच्च्रुतम् |
कपिलाय ददौब्रह्मलक्षाणां प़ञ्चकंपुनः || ३२ ||

प्रमाणंतत् |
कपिलोऽपिचमद्माय प्रीददौ लक्षमात्रया |
पद्मोऽपि दत्तवान्मह्य मयुतग्रन्धसङ्ख्यया || ३३ ||

संख्यया ब्रह्मालोक पितामहः |
आराधयन् महादेवं हरिं नारायणं परम् || ३५ ||

सततं धर्मं समास्थाय ये यजन्ते विचक्षणाः || ३६ ||

इमं |
ते यान्ति वैष्णवंस्थानं पुनरावृत्तिवर्जितम् |
एवं सर्वेषुकुर्वत्सु मानवेषु मुमुक्षुषु || ३७ ||

सृष्टिक्षयो महानासी न्नारकी भूस्तृणावृता |
पञ्चकालपरास्सर्वे सर्वेचभगवन्मयाः || ३८ ||

नान्यं यजन्तेध्यायन्ति ऋते नारायणान्नराः |
एवं कार्तयुगेधर्मे वर्तमाने महामुने || ३९ ||

लोककर्तास्वयं ब्रह्मा नारायणमुपागमत् |
तुष्टावच हृषीकेशं पुण्डरीकाक्षविद्यया || ४० ||

भूमौ दण्डप्रणामंच कृत्वातूष्णीं व्यतिष्ठत |
श्रीभगवान् |
लोकाः किन्नानुवर्तन्ते शासनं तवशाश्वतं |
ब्रह्मन् तवाधिकारोवा प्राप्यते किन्नुराक्षतैः || १. || ४१ ||

तदीयंवापदंप्राप्तुं नतपस्यन्ति किंसुराः |
इत्युक्तो देव देवेन प्रत्यभाषतपद्मभूः || ४२ ||

ब्रह्माः |
भगवन् भूतभव्येश ममश्रेय सि जाग्रति |
त्वयि सर्वत्रकुशलं वतर्ते सार्वकालिकम् || ४३ ||

किन्तु वक्ष्यामि देवेश श्रद्दधाना जितेन्द्रियाः |
महारहस्यमास्थाय यजन्तेसर्वमानवाः || ४४ ||

ते यान्ति वैष्णवंस्थानं पुनरावृत्तिवर्जितम् |
सस्वर्गोनापि नरकोन जन्ममरणे उभे || ४५ ||

संवतन् |
इत्युक्तो ब्रह्मणादेवः शङ्खचक्रगदाधरः |
पार्श्वस्थं रुद्रमालोक्य व्याजहार स्वयंहरिः || ४६ ||

श्रीभगवन् |
षट् प्रकाराणि तन्त्राणि त्वद्दैवत्याशङ्कर |
परस्वरविरुद्धानि कुरुष्व त्वं यथातथम् || ४७ ||

अवतारैश्च बहुभिर्मत्स्यादिभिरहं पुनः |
त्वत्प्रणीतानिशास्त्रणि स्थापयामि महीतले || ४८ ||

अल्पाया सेनसुलभं भूयिष्ठं फलमद्भुतम् |
षट् प्रकारेचशास्त्रेऽस्मिन् दर्शय स्थेम कारणम् || ४९ ||

क्षेम |
योगशास्त्रस्य कर्तृत्वेविरिञ्चोऽधिकरिष्यति |
साङ्ख्यस्यचापिनिर्माणे कपिलोऽधिकरिष्यति || ५० ||

बुद्धमूर्तिं समास्थाय बुद्धशास्त्रं सृजाम्यहम् |
ज्ञानापह्नवनिष्णातां ज्ञातृज्ञेयापलापिच || ५१ ||

आर्हतीं मूर्तिमास्थाय शास्त्रं शास्मि तथार्हतः |
पञ्चरात्राभिधं शास्त्रं मयापूर्वं कृतंकिल || ५२ ||

कापालं शुद्धशैवं च तथा पाशुपतंत्रयम् |
कुरुष्वत्रीणिशास्त्राणि लोकानां मोहनायवै || ५३ ||

शास्त्राणि मत्प्रणीतानि भवद्भिर्व्याकृतानिच |
आभूतसंप्लवं लोकेस्थास्यन्ति मम शासनात् || ५४ ||

भाढमित्येवतेसर्वे प्रणिपत्याब्रुवन् हरिम् |
कृतकृत्यस्तदाब्रह्मा सार्धं देवैस्स्वमालयम् || ५५ ||

जगाम सिद्धगन्धर्व चारणादिभिरर्चितः |
संवर्तः |
पञ्चरात्रेणतुल्यानि तदा प्रभृतिवैमुने |
शैवादीनचशास्त्राणि प्रथन्ते शासनाद्धरेः || ५६ ||

वैष्णव्यामाययालोके प्रचपन्तिनिरङ्कुशाः |
शैवादयोपि समयास्तत्र तत्र प्रतिष्ठिताः || ५७ ||

पञ्चेतरे पञ्चरात्रमदूषितमपि स्वयं |
दूषयन्त्येव सृष्टत्वात् तद्धूषयितुमीश्वरैः || ५८ ||

पाषण्‍डेषु निरस्तेषु हेतुवादानुकूलता |
जायते विष्णुमायाभिः पतितानां दुरात्मनां || ५९ ||

नास्तिकानिन्दकाजाताः व्याधिभिः परिपीडिताः |
जायन्ते चम्रियन्ते च पच्यन्ते निरयोष्वपि || ६० ||

स्वर्गेषु च वतन्त्यन्ये मायामलिनचेतसः |
तरन्तिचभवाम्भोधिं माययाये बहिष्कृताः || ६१ ||

आलोड्यसर्वशास्त्राणि विचार्य च पुनः पुनः |
नारायणामृतध्यानमुशन्ति ब्रह्मवादिनः || ६२ ||

ब्राह्मणस्सर्ववर्णेषु यतिश्चाश्रमिषूत्तमः |
यद्यद्गङ्गा चतीर्थेषु दैवतेष्वपिचाच्युतः || ६३ ||

तद्वत्सर्वेषु शास्त्रेषु पञ्चरात्रं प्रशस्यते |
पञ्चरात्रो क्तवधिना यस्समाराधयेद्धरिं || ६४ ||

कैवर्यं परमंप्राप्तो न भूयस्संसरेदिह |
अक्षय्यं फलमाप्नोति स पुमान्नात्र संशयः || ६५ ||

कल्याणकारिण स्तस्य पितरस्स्वर्गवासिनः |
ब्रह्मलोके पि पूज्यन्ते का कथा नरकार्णवे || ६६ ||

मन्त्रैश्च वैष्णवैर्दत्तं हव्यं वा कव्यमेन वा |
तदक्षयं भवेत्तेन तृप्यन्ति पित्रृ देवताः || ६७ ||

आस्फोटयन्ति पितरः प्रनृत्यन्ति पितामहाः |
वैष्णवोजायते येषामन्वयेषु महामतिः || १. || ६८ ||

पाञ्चरात्रोक्तवधिना वासुदेवं समाश्रितः |
नारायणामृतध्यान निरस्ताशेषविप्लवः || ६९ ||

एतच्चास्त्रं च दातव्यं शिष्यायानभ्यसूयवे |
मोक्षमाणाय नान्यस्त्मे कस्त्मेच यदृच्छया || ७० ||

त्रयीनिष्ठाय दातव्यमध्येतव्यं च वेदवत् |
महोपनिषदाख्यस्य शास्त्रस्यास्य महामते |
पञ्चरात्रसमाख्यासौ कथंलोके प्रवर्तते || ७१ ||

संवर्तः |
पञ्चेतराणि शास्त्राणि रात्रीयन्ते महान्त्यपि |
तत्सन्निधौसमाख्यासौ तेन लोके प्रवर्तते || ७२ ||

चन्द्रतारागणं यद्वच्छोभते नैव वासरे |
तथेतराणि शोभ न्तेपञ्चनैवास्य सन्निधौ || ७३ ||

पञ्चत्वमथवा यद्वद्धीप्यमाने दिवाकरे |
ऋच्छन्तिरात्रय स्तद्वदितराणि तदन्तिके || ७४ ||

इदं पवित्रं पापघ्नं शास्त्रं भवविनाशनं |
संसारार्णवमग्नानां कर्मपाशानुपेयुषां || ७५ ||

महापोतेन सदृशं तारकं भवसागरात् |
ऋगादिभेदवत् तन्त्रचातुर्विध्यं |
ऋगादिसंज्ञया वेदश्चतुर्दा भिद्यतेयथा || ७६ ||

तद्वत्सिद्धान्तभेदेन पञ्चरात्रं चतुर्विधं |
ऋगादयो यथा चैकं भिद्यते भहुशाखया || ७७ ||

तथा सिद्धा न्तमेकेकं वक्तृभेदेन भिद्यते |
सिद्धान्तं नामचान्वर्थं निराहुरिति वण्‍डिताः || ७८ ||

मीमांसादिषु शास्त्रेषु ये सिद्धार्थामनीषिणः |
तेषामन्तेऽधिकारोस्मिन्निति सिद्धंत संज्ञितं || ७९ ||

सिद्धान्तभेद निरूपणं |
एकमूर्तिप्रधानंतु मन्त्रसिद्धान्तमुच्यते |
चतुर्मूर्तिप्रधानंतु यत्तदागमसंज्ञितं || ८० ||

सिद्धान्तमुच्यतेसद्भर्द्वतीयं लोकविश्रुतं |
नवमूर्तिप्रधानंच तन्त्रसिद्धन्तमुच्यते || ८१ ||

चतुर्वक्त्रे त्रिवक्त्रे वा देवे यत्रार्चनाविधिः |
तत्तन्त्रान्तवमिष्टं स्यात्तन्त्रमेतच्चतुर्विधं || ८२ ||

चतस्रः कथिताः पूर्वं वासुदेवादय स्तथा |
नारायणो हयग्रीवो विष्णु र्नृहरिसूकरौ || ८३ ||

तन्त्रसङ्क र्येदोषः |
साङ्कर्यं नतु कुर्वीत सिद्धान्तेषु परस्परं |
यदि सङ्करतो मोहात् राजाराष्टंच नश्यति || ८४ ||

येन सिद्धान्तमार्गेण कर्षणादिक्रिया कृता |
तेनैव सकलं कर्म कुर्यात्तन्त्रविभागवित् || ८५ ||

तत्तन्त्रान्तरमिष्टं स्यात् सर्वे सर्वफलप्रदाः |
तेष्वयं मन्त्रसिद्धान्तः पाद्मसंज्ञो भिधीयते || ८६ ||

एकैकवक्तृ भेदेन सिद्धान्ता भहुधास्मृताः |
पङ्ग्रहो विस्तरश्चैव तन्त्राणां प्रकटीकृतः || ८७ ||

सिद्धान्ते मन्त्रसंसिद्धै श्शिष्याणां हितकाम्यया |
तन्त्राणांचैवसर्वेषां वक्ता नारायणस्स्वयम् || ८८ ||

सिद्धाद्यैर्मन्त्रसिद्धाने |
अनुग्रहार्थं भक्तानां श्रावयामास चस्वयम् |
श्रोतारोमूर्तिभेदाश्च मुनयश्च पितामहः || ८९ ||

प्रयोजनं च शास्त्रस्य मोक्षः प्रकृतिदुर्लभः |
अभिधेयं भगवतस्समाराधनमुत्तमम् || ९० ||

सम्बन्धो पीष्यते सद्भि स्साध्य साधन लक्षणः |
श्रुतिमूलमिदंतन्त्रं प्रमाणं कल्पसूत्रवत् || ९१ ||

सर्गे सर्गे प्यविच्छिन्नं देवदेवस्यशासनात् |
चिन्तामणिर्यथा लोके शबला कल्पकद्रुमः || ९२ ||

अर्थिभ्यो वाञ्छितं सर्वं प्रयच्छति गतिं विना |
पञ्चरात्राख्य शास्त्रंतु चतुर्वर्गफलप्रदम् || ९३ ||

रत्नं |
शास्त्रान्तरव्यसनिनामभ्यासः कालयापनम् |
फलं वा किङ्चि देवस्सात् यत्तत्साधुबहिष्कृतम् || ९४ ||

देवास्यदेवस्यात् |
वासुदेवं परित्यज्य येऽन्यं देवमुपासते |
नरकाय भवन्येते नात्रकार्या विचारणा || ९५ ||

सत्यं सत्यं पुनस्सत्यमुद्धृत्य भुजमुच्यते |
वेदशास्त्रात्परंना स्ति नदैवं केशवात्परं |
तस्माद्भजस्व देवेशं विधिनानेनवै मूने || ९६ ||

कण्वः |
कति भेदानि तन्त्राणाम् नामधेयानि कानि वा |
श्रोतुमिच्छामि विप्रेन्द्र परं कौतूहलंहिमे || ९७ ||

१०८ संहितानाम् नामानि |
संवर्तः |
शतमेकमथाष्टौ च पुराणे कण्व शुश्रुम |
नामधेयानिचै तेषाम् श्रूयताम् कथ्यते मया || ९८ ||

पाद्मम् पद्मोद्भवम् मायावैभवम् नलकूबरम् |
त्रैलोक्यमोनम् विष्णुतिलकम् परमाह्वयम् || ९९ ||

नारदीयम् धनदीयम् वासिष्ठम् पौष्क राह्वयम् |
सनत्कुमारं ससकं सत्याख्यं विश्वसंहिता || १०० ||

अनन्ताख्यं महीप्रश्नं श्रीप्रश्नं पुरुषोत्तमम् |
माहेन्ध्र संहितापञ्च प्रश्नाख्यं तत्वसागरम् || १०१ ||

वागीशम् सात्वतंचैव द्रविणं श्रीकराह्वयम् |
सांवर्तं विष्णुसद्भावं सिद्धान्तं विष्णुपूर्वकम् || १०२ ||

वासिष्ठं तथाहिर्बुध्न्यसंहिता |
विष्णुवैभविकं सौरं सौम्य मीश्यरसंहिता || १०३ ||

गहस्यंविष्णुपूर्वकं |
अनन्ताख्यं भागवतं जयाख्यं मूलसंहिता |
पुष्टितन्त्रं शौनकीयं मारीचं दक्षसंहिता || १०४ ||

औपेन्द्रं योगहृदयं हारीतं पारमेश्वरम् |
आत्रेयं मान्दरं विष्वक्तेवमौशनसाह्वयम् || १०५ ||

वैखानसं विहज्गेन्द्रं भार्गवं परपूरुषम् |
याज्ञवल्क्यं गौतमीयं पौलस्त्यं शाकलाह्वयम् || १०६ ||

ज्ञानार्णवं जामदग्न्यं याम्यं नारायणाख्यकम् |
पाराशर्यं च जाबालं कापिलं वामनाह्वयम् || १०७ ||

जयोत्तरं भार्हस्पत्यं जैमिनं सात्वताह्वयम् |
कात्यायनीयं वाल्मीक मौपगायनसंहिताः || १०८ ||

हैरण्यगर्भमागस्त्यं काण्वं बोधायनाह्वयम् |
भारद्वाजं नारसिंहं गार्ग्यमुत्तरपूर्वकम् || १०९ ||

शातातपं चाङ्गिरसं काश्यपं पैङ्गलाह्वयम् |
त्रैलोक्यं विहयंयोगं वायवीयं च वारुणम् || १०० ||

कृष्णं चाम्भरमाग्नेयं मर्कण्डेयस्य संग्रहः |
महासवत्कुमाराख्यं व्यासाख्यं विष्णुसंहिता || १११ ||

कृष्णचामर |
मार्कंडेयं पारिषदं ब्रह्मनारदसंहिता |
संवादंशुकरुद्राभ्यामुमामाहेश्वराह्वयम् || ११२ ||

ब्रह्मन्नरकसंहिता |
दत्तात्रेयं च शर्वाख्यं वाराहमिहिराह्वयम् |
सङ्कर्षणाख्यं प्रद्युम्नं वामनं कल्कि राघवम् || ११३ ||

कलिराघवौ |
प्राचेतसाख्यमित्येते शतमष्टोत्तरं स्मृतम् |
एतानि तन्त्र नामानि मयोक्तानि महामते || ११४ ||

तन्त्रास्त्वनेके भोध्यन्ते मुक्त्युपायाः पृथक्पृथक् |
इति तन्त्रं समाख्यातं शास्त्रमेव मनीषिभिः || ११५ ||

पा. मस्त्रसै योन भौध्यनै |
तन्त्राणां नामधेयानि यो नित्यं पठते नरः |
सर्वपाप विनिर्मुक्तौ याति ब्रह्म सनातनम् || ११६ ||

Kapitel 2

द्वितीयोऽध्यायः |
संवर्तः |
हे पद्म नागराजेन्द्र श्रुतवानसि यत्पुरा |
तन्त्रं तदहमध्याप्यो मयि चेदस्त्यनुग्रहः || १ ||

श्रीपद्म उवाचः |
तत्प वक्ष्यामि विप्रर्षतन्त्रं वै लोकविश्रुतम् |
ज्ञान योग क्रिया चर्या चतुष्पाद समन्वितम् || २ ||

रहस्यमद्भुतं दिन्यं यन्मया कपिलाच्छ्रुतम् |
संक्षिप्तं च महार्थं च सर्वसिद्धि प्रसाधनम् || ३ ||

सार्धकोटि प्रमाणेन ब्रह्मणा केशपाच्छ्रुतम् |
तस्मात्समुद्ध्रतं तन्त्रं वारिधेरमृतं यथा || ४ ||

विज्ञानमादौ सकलं सृष्ट्युपोद्घातमुच्यते |
ततो योगः क्रिया पश्चाच्चर्या च तदनन्तरम् || ५ ||

विज्ञान शभ्दार्थः |
विज्ञानं भगवज्ञानं तज्ञानान्मुक्तिरुच्यते |
भगवतः आद्यंरूपम् |
आदिमध्यान्त रहितमवृद्धि क्षयमच्युतम् || ६ ||

नित्यं निरुपमं ज्योति र्नित्यतृप्तं निरञ्जनम् |
सर्वाकारं निराकारं तमसः परमव्ययम् || ७ ||

तत्कारणवशा त्तस्मादाविरासीत्सनातनात् |
द्विहस्तमेकवक्त्रं च शुद्धस्फटिकसन्निभम् || ८ ||

सहस्रसविवह्नीन्दु लज्ञकोटि समप्रभम् |
मरीचि चक्रमध्यस्थं चक्राद्ययुधलाञ्चितम् || ९ ||

श्रीवत्सकौस्तुभोरस्कं वनमालाविराजितम् |
किरीटहारकेयूर वलयादि विभूषितम् || १० ||

पीताम्बरधरंसौम्यं रूपमाद्यं सनातनम् |
स वासुदेवो विज्ञेयस्सृज्यं सर्वं च तन्मुखात् || ११ ||

ध्येयश्च योगिभिर्नत्यं हृत्वद्माह्वयविष्टरे |
पश्यन्ति सूरयश्शश्व त्तद्विष्णोः परमं पदम् || १२ ||

वासुदेवात्ततो जातो वासुदेवाह्ययोऽपरः |
एकवक्त्रश्चतुर्बाहुश्चक्रा द्यायुधलक्षणः || १३ ||

स्थित्यै चक्रं सरसिजं दधानं सृष्टये पुनः |
मुक्तये पाञ्चजन्यं च गदां संहृतये तथा || १४ ||

श्रीवत्स कौस्तुभोरस्को वनमाला विभूषितः |
मयूरकण्ठवच्छ्यामः पीतनैसर्गिकाम्बरः || १५ ||

स वासुदेवो भगवान् सृष्टिस्थित्यन्तमुक्तिदः |
आत्मानं स द्विधाचक्रे पुनः केनापि हेतुना || १६ ||

तयोरेको वासुदेवश्शुद्धस्स्पटिकसन्निभः |
नारायणो द्वितीयस्तु नीलाम्बुदसमप्रभः || १७ ||

सङ्कर्षणो वासुदेवात् तस्मात्प्रद्युस्नसंज्ञितः |
प्रद्युम्नादनिरुद्धौऽभूत् सर्व एते चतुर्भुजाः || १८ ||

ज्ञानादि गुणसामान्ये वासुदेवः प्रकीर्तितः |
षण्णांगुणानां वैषम्येवक्ष्यंते मूर्तयः क्रमात् || १९ ||

ज्ञानेऽधिको भवेद्भ्रह्मन् सङ्कर्षण समाह्वयः |
बलेऽधिकस्तुप्रद्यम्न स्स्यादैश्वर्येऽनिरुद्धकः || २० ||

मूर्तिभ्यश्च चतुर्भ्यश्च चतुर्विंशतिमूर्तयः |
जायन्तेक्रमशो ब्रह्मन् दीपाद्धीपान्तरं यथा || २१ ||

सर्वे चतुर्भुजाः पद्म शङ्खचक्र गदाधराः |
वासुदेवादादिदेवात्प्रथमा त्केशवस्तथाः || २२ ||

नारायणो माधवश्च जज्ञिरे भूसुरोत्तम |
सङ्कर्षणाच्च गोविंदो विष्णुश्च मधुसूदनः || २३ ||

त्रमस्ते समजायंत प्रद्युम्नाच्च त्रिविक्रमः |
वामनश्श्री धरश्चै ते जज्ञिरेमुनिसत्तम || २५ ||

अनिरुद्धाद्धृषीकेशः पद्मनाभश्च सुव्रत |
दामोदरश्च तेनेत्थं द्वादशांशाः प्रजज्ञिरे || २६ ||

वासुदेवाच्च तन्नाम्ना तथा सङ्कर्षणादपि |
प्रद्ध्यम्नादपि तन्नाम्ना तन्नाम्नैवानिरुद्धकात् || २७ ||

अभूवन् क्रमशस्तेभ्य श्चतुर्भ्यः पुरुषोत्तमाः |
अधोक्षजो नृसिंहश्च चतुर्थश्चाच्युतो मतः || २८ ||

चतुर्भ्य एव तेभ्योमी जज्ञिरे च यथाक्रमम् |
जनार्दनत्तथोपेंद्रो हरिः कृष्णस्समाख्यया || २९ ||

वासुदेवादादिदेवान्मूर्त्यष्टकम जायत |
ब्राह्मीच मूर्तिः प्रथमा प्राजापत्याच वैष्णवी || ३० ||

दिव्या चार्षी मासुषी च सप्तमी चासुरी मता |
पैशाची चरमा तासां मूर्तीनामपरादश || ३१ ||

मीनाद्या जज्ञिरे विप्र चतुर्प्यूहाद्यथाक्रमम् |
मत्स्यः कूर्मो पराहश्च वासुदेवादजायत || ३२ ||

नृसिंहो वासुनो रामो जामदग्न्योऽप्यजायत |
सङ्कर्षणात्तथा जज्ञे प्रद्युम्ना द्राघवो बली || ३३ ||

अनिरुद्धादभूत्कृष्णः कल्कीति दश मूर्तयः |
सङ्कर्षणाच्च पुरुषस्सत्यः प्रद्युम्न सम्भवः || ३४ ||

जातोऽच्युतोऽ निरुद्धाच्च बुद्धस्तेलोक्य मोहनः |
दशार्हश्शौरिरन्नोशो वासुदेवादजायत || ३५ ||

सङ्कर्षणाद्धयग्रीवश्शज्खो दरनृ कोसरी |
वैकुण्ठमूर्तिराद्यातु मुकुन्दश्च वृषाकपिः || ३६ ||

तत्रैवादि पराहश्च ततस्सङ्णर्षणादपि |
अनंतः पन्नगो जातस्सहप्रफणवान् बली || ३७ ||

सुदर्शनाद्यायुधानि किरीटादि विभूषणम् |
मुर्त्या विर्भावसमये सहै वैतानि जज्ञिरे || ३८ ||

देव्यश्श्रियादयस्तद्वत् मूर्तभेदं समाश्रिताः |
श्रिवत्सादेव सकला ज्जज्ञिरे दिव्यलाञ्चनात् || ३९ ||

गरुडः पक्षिणामिन्द्रो वाहनं भलिनां वरः |
वासुदेवादि मूर्ति भ्यश्छन्दो मूर्तिरजायत || ४० ||

कुमुदाद्यश्च भूतेशास्सर्वे पारिषदैस्सह |
पादतश्चा निरुद्धस्य समभूवन् सहस्रशः || ४१ ||

सहस्रशीर्ष चरणहस्त नेत्राद्भुताकृतेः |
अनिरुद्धाज्जगज्जज्ञे स्वाङ्णादेव यथाक्रमम् || ४२ ||

मुखादिन्द्रश्च वह्निश्च छन्धांस्यङ्णानि षट्तथा |
द्यौर्मूध्नो नयनात्सूर्यो मनसश्चन्द्रमा अपि || ४३ ||

श्रोत्राद्धिशो नभोनाभेः पद्भ्यां भूमि रजायत |
प्राणाद्यायुस्तथा पानान्मृत्युः केशात्तथम्बुदः || ४४ ||

त्रुट्यादि कालभेदश्च कालश्चाभूत्तथा धियः |
वनस्पतय ओषद्यो रोमकूपाद्विनिस्सृताः || ४५ ||

यज्ञाश्च जज्ञिरे तस्माद्बहवो बहृदक्षिणाः |
चातुर्वर्ण्यं क्रमाद्वक्त्र भाहूरु चरणोद्भवम् || ४६ ||

एवं सृष्ट्वा हगत्सर्वं विश्वरूपधरो हरिः |
आसैऽनन्तासनेदेवश्श्री भूमिभ्यां सहप्रभुः || ४७ ||

मध्ये क्षीरार्णवे श्वेतद्वीपाख्ये हेमनिर्मिते |
प्रासादे सेव्यमानश्च योगिभिर्विविधैरपि || ४८ ||

चण्‍डाद्यै र्द्वारपालैश्च कुमुदाद्यनुजीविभिः |
पक्षीन्द्र विष्वक्सेनाभ्यां सेव्यमानो मुदान्वतः || ४९ ||

श्रीवत्सवक्षा नित्य श्रीरजेयश्शाश्वतो ध्रुवः |
अनिरुद्धो जगत्स्वां शैरिन्द्राद्यैः परिपालयन् || ५० ||

Kapitel 3

पाद्मसंहितायाम् |
तृतीयोऽध्यायः |
पद्मः |
ब्रह्मण स्सृष्टिरधुना वक्ष्यते द्विजसत्तम |
नारायणोऽसृहजत्तोयं तत्रैवासीन्महार्णवः || १ ||

अनिरुद्धांशजा दुर्गा मायारूपा सुमोहिनी |
न्यग्रोधमसृजत्तस्मिन् मायारूपे महाद्रुमे || २ ||

अनिरुद्धांशजश्श्रीमान् पद्मनाभः पुरातनः |
संहृत्य लोकान् पुरुषः पर्णपर्यङ्कमेयिवान् || ३ ||

वटपत्रशायिनो नाभीपद्मे चतुर्मुखसृष्टिः |
तत्र पुंसश्शयानस्य नागपर्यङ्कभूषिते |
हिरण्मयं पद्मगर्भम् नाभेरण्डमजायत || ४ ||

तदण्डं पञ्चभूतात्मभूतं शुद्धमतर्कितम् |
अण्डस्य पर्धमानस्य मध्ये पद्मं सितप्रभम् || ५ ||

सहस्रदलपर्यन्तमन्तः केसरमण्‍डितम् |
मध्ये कर्णिकया युक्तमद्भुतम् सृष्टिकारणम् || ६ ||

स्रष्टारमसृजत्तस्मिन् पद्मनाभश्चतुर्मुखम् |
मणिकया |
पद्मासनम् |
आसनं ब्रह्मणो यस्मात्पद्म मादावभूत्ततः || ७ ||

अन्येषामपि देवाना मासनं पद्ममिष्यते |
सनन्दनादीनां सृष्टिकार्यविमुखता |
सनन्दनादीनसृजत्सष्ट्यर्थं पद्मभूस्स्वयम् || ८ ||

स्रष्टुं मनो न दधिरे ते च स्वायम्भवास्तदा |
सर्वे ते योगिनो जाता वीतरागा विमत्सराः || ९ ||

ब्रह्मणः क्रोधाद्रुद्रसृष्टिः |
तेष्वेवं निरपेक्षेषु लोकसृष्टौ महात्मसु |
ब्रह्मणो भून्महान् क्रोधस्त्रैलोक्यदहनक्षमः || १० ||

भ्रुकुटीकुटिला त्तस्य ललाटात्क्रोधदीपितात् |
समुत्पन्नस्तदा रुद्रो युगान्ताग्नि समप्रभः || ११ ||

अर्धनारीनरवपु र्महाकायः प्रतापवान् |
संविभज्यात्मनो देवं नरं नारीं च निर्ममे || १२ ||

मिथुनाज्जज्ञिरे तस्माद्रुद्राणां कोटयस्तथा |
सर्वे चतुर्भुजाः क्रूराः त्रिणेत्राश्शूलपाणयः || १३ ||

तेषु प्रधाना विप्रेन्द्र रुद्रा एकादश स्मृताः |
मरीच्यादिभिर्जगत्सृष्षिः |
रुद्रसृष्ठिमपि ब्रह्मा व्यर्थमालोक्य लोककृत् || १४ ||

मरीच्यादीन् षडपरान् मनसा विर्ममे पुनः |
तैरेतदखिलं सृष्ठं त्रैलोक्यं सचराचरम् || १५ ||

ब्रह्मणः परमपुरुषदर्शनम् |
एवं सृष्ट्वा जगदिदं पद्मयोनिश्चतुर्मुखः |
ध्यानं परममातस्थौ कारणं स्वस्य चिन्तयन् || १६ ||

ध्यायतस्तस्य पुरतः तेजः पुञ्जमिवाभवते |
दिवाकरसहस्राभं विद्युत्सङ्घातसन्निभम् || १७ ||

तन्मध्ये पुरुषश्रेष्ठं पीतनिर्मलवाससम् |
शङ्खचक्रगधापद्मं धारयन्तं चतुर्भुजम् || १८ ||

श्रीवत्साङ्णं प्रसस्नास्यं कौस्तुभेन विराजितम् |
स्फुत्किरीटहाराद्यै र्भूषणै रुपशोभितम् || १९ ||

तं दृष्ट्वा पुरुषश्रेष्ठं पद्मयोनिरचिन्तयत् |
एष एव परो देवस्सर्वस्य जगतः प्रभुः || २० ||

श्रुश्रूषमाणाय |
नास्मात्परतरः कश्चीद्धृश्यते पुरुषः स्थितः |
तमेव संशर्यान् प्रष्टुं विविधानुपचक्रमे || २१ ||

ब्रह्माः |
कस्त्वमत्यद्भुताकारः पुरुषः पुरुषोत्तम |
मह्यं जिज्ञातमानाय आत्सानं दर्शयस्वमे || २२ ||

श्रीभगवान् |
स्रष्टारं सर्वलोकानां पुराणं पुरुषं परम् |
अनादिमध्यनिधनं विद्धि मामचलं ध्रुवम् || २३ ||

कारणं सर्वलोकस्य मा च भूत्संशयस्तव |
संशयस्य त्वदीयस्य च्छेत्तारं मामुपस्थितम् || २४ ||

ब्रह्माः |
धन्योस्म्यनुगृहीतोऽस्मि पूर्णाकामोऽस्मि शाश्वत |
अज्ञातं नास्ति ते ज्ञेयं कर्तव्यं नास्ति चाकृतम् || २५ ||

नानवाप्तमवाप्तव्यं त्रिषु लोकेषु विद्यते |
कस्य हेतोर्जगत्स्रष्टुं भवान् प्रेरयसे वद || २६ ||

श्रीभगवन् |
क्रीडामि केवलं ब्रह्मन् सृष्टिसंहारपालनैः |
लोकानामपि सर्वेषामहं केनापि हेतुना || २७ ||

Kapitel 4

पाद्मसंहितायाम् |
चतुर्थोऽध्यायः |
ब्रह्माः |
विधत्से केन रूपेण केन रूपेण पासि वा |
संहर्तुं यतसे केन शुश्रूषा मे विजृम्भते || १ ||

सृष्ठ्यर्थास अनन्तासु शक्तिषु चतस्रो मुख्याः |
श्री भगवान् |
अनन्ताश्शक्तयस्सृष्टाः मनसैव चतुर्मुख |
चतस्रस्तासु नर्दिष्टाः मुख्या विष्ण्वादिमूर्तयः || २ ||

तत्र तिस्रस्संसारगोचराः चतुर्थी मोक्षदायिनी |
रजस्सत्वसमोमय्य स्तिस्रस्संसारगोचराः |
आनन्दाख्या चतुर्थी तु भुक्ति मुक्तिप्रदायिनी || ३ ||

सृष्ट्यादुपयोगिनो गुणाः |
रजो गुणेन भुवनं सृजामि सचराचरम् |
पालयामि च सत्वेन तमसा संहरामि च || ४ ||

आनन्धात्मानमास्थाय वासुदेवाह्वय स्स्वयम् |
विपाशयामि संसारात् ये मामेव भजन्ति तान् || ५ ||

सृजामि पामि हन्म्येत द्रूपैर्बह्मादिभिस्त्रिभिः |
निष्कामानां बन्धमोक्षः |
वासुदेवत्मरूपेण परेण भवसागरात् || ६ ||

विपाशयामि निष्कामान्ये मामाराधयन्ति तान् |
विष्ण्वादिषु चतसृषु वासुदेवमूर्ति रपवन्गप्रदा |
मुख्यश्चतुर्णामे तेषामुच्यते परमः पुमान् || ७ ||

अपवर्गकरत्वेन वासुदेवस्स ईरितः |
ब्रह्मादयस्ततोऽन्येतु संसाराहितदृष्टयः || ८ ||

ब्रह्माः |
संसारी पुरुषः कोऽस्य मात्रे के वा परावरे |
मुक्तः को यस्य मात्रे द्येन विद्येते वरावरे || ९ ||

श्रीभगवान् |
पुण्यपापनिमित्ते यस्सुखदुःखे निषेवते |
सांसारी सा परा मात्रा भ्रह्मभूय मितीन्यते || १० ||

मात्रा परा भवे त्तस्य स्थावरत्वमसत्समम् |
मुक्तस्परूपम् |
संसारवासनातीतं विमुक्तं कर्मबन्धनैः || ११ ||

आत्मतृप्तमुदासीनं मुक्तमाहुर्मनीषिणः |
सदैक रूपरूपस्य मात्रा कापि न विद्यते || १२ ||

ब्रह्माः |
के संसारं प्रपद्यन्ते के च गच्छन्ति निर्वृतिम् |
कौतूहलं हि भगवन् ब्रूहि तत्त्वं यथातथम् || १३ ||

संसारबन्धमोक्षौ |
श्रीभगवान् |
फल कामनया कर्म विहितं वैदिकं भजन् |
बध्यते निस्पृहः कर्म भजमानो न बध्यते || १४ ||

ज्ञानं वैषयिकं यस्य चक्षुरादिनिबन्धनम् |
भद्ध्यते स परे देवे यस्य ज्ञानं स मुच्यते || १५ ||

ब्रह्माः |
मुक्तात्मनश्च भवतो भेदः कः पुरुषोत्तम |
एतदाचक्ष्व भगवन्ना तिगुह्यं यदि प्रभो || १६ ||

मुक्तात्मनः परमपुरषस्य च भेदः |
श्रीभगवान् |
अहमेन भवन्यैते न भेद स्तत्र कश्चन |
यथाहं विवाराम्येवं तथा मुक्ताश्च देहिनः || १७ ||

ब्रह्माः |
बध्नन्ति पुरुषं के ते हेतवः कर्महेतवः |
कर्मपाशैर्नगलितान्पुरुषान् भ्रामयन्तिये || १८ ||

बन्धहेतवः |
श्रीभगवान् |
त्रिभिरेव गुणैर्व्यस्तैस्समस्तैः पूर्वमीरितैः |
सत्वादिभिः क्रिया चापि त्रिविधा सम्प्रवर्तते || १९ ||

तया संसार मृच्छन्ति पुरुषाः पूर्ववृत्तयः |
एवमेव सुर श्रेष्ठ यन्मां त्वं परिपृच्छसि || २० ||

ब्रह्माः |
कथमेभिर्गुणै र्योगः पुरुषस्योपजायते |
कर्मपाशैर्वमुच्येत मोक्ष्यमाणश्च पूरुषः || २१ ||

विषयवशाद्गुणत्रययोगवियोगौ |
श्रीभगवान् |
पुरुषस्य गुणा ये ते देवादर्मानुवर्तिनः |
विषयस्य वशादेते भवन्तिन भवन्तिच || २२ ||

विषय स्वरूपप्रश्नः |
ब्रह्माः |
कोसौ विषय इत्युक्तः पुरुषाणां महेश्वर |
यस्य योगाद्भव न्यैते न भवन्ति च ते गुणाः || २३ ||

विषयनिरूपणम् |
श्रीभगवान् |
त्रिगुणा प्रकृतिर्ब्रह्मन् विषयो देहिनः स्मृतः |
तद्योगाद्भध्यते जन्तुस्तदयोगाद्विमुच्यते || २४ ||

विषयेस्मृताः |
जानाति पुरुषो नित्यं प्रकृतिं त्रिगृणात्मिकाम् |
सा च प्रसूते सततं निद्रालस्यं पृथग्विधम् || २५ ||

स्वरूपं विस्मरत्येष निद्रया विवशस्स्वयम् |
स भन्ध इष्यते पुंसां किं भूयश्शोतुमिच्छसि || २६ ||

Kapitel 5

पाद्मसंहितायाम् |
पञ्चमोऽध्यायः |
ब्रह्माः |
प्रकृत्या तस्य संयोगो जायते केन हेतुना |
एतदाचक्ष्व भगवन् रहस्यं दुर्लभं मम || १ ||

मतम् |
श्रीभगवान् |
प्रकृत्या पुरुषस्य संयोगे हेतुः |
मन्माया कारणं ब्रह्मन्न नादिरविनाशिनी |
युनक्ति पुरुषं सैषा प्रकृत्या गुणरूपया || २ ||

भगवतः प्रसादात् प्रकृत्या वियोगः |
मत्प्रसादं विना तस्य न विरामो स्ति कस्य चित् |
यावन्नाहं प्रसीदामि तावन्माया दुरत्यया || ३ ||

पूर्णकामस्य भगवतः प्रसादे निबन्धनम् |
ब्रह्माः |
पूर्ण कामस्य देवस्य प्रसादे किं निबन्धनम् |
न जाने कारणं तस्य तन्मे ब्रूहि निबन्धनम् || ४ ||

श्रीभगवाः |
वर्णानामाश्रमाणां च मर्यादायामयाकृता |
तां ये समनुवर्त न्ते प्रसाद स्तेषु मे महान् || ५ ||

तस्मात्संसारिणां पुंसां मत्प्रसादं विना क्वचित् |
निश्श्रेयसकरं नास्यद्भध्यस्व कमलासन || ६ ||

ब्रह्माः |
भगवन् देवदेवेश जानामि पुरुषोत्तम |
त्वामेव जगतां मन्ये स्रष्टापं कमलेक्षण || ७ ||

प्रभवन्ति यतो लोकाः प्रलयं यान्ति यत्र च |
भगवन् तदशेषेण ज्ञातुमिच्छामि शंस मे || ८ ||

श्रोतुं |
सृष्ट्यादिनिरूपणम् |
श्रीभगवान् |
प्रकृतिः पुरुषश्चोभे मम रूपे दुरत्यये |
अनुप्रविश्य द्वितयां क्षोभयाम्यहमिच्छया || ९ ||

प्रकृति स्त्रि गुणा ब्रह्मन्ननादिरविनाशिनी |
पुरुषाधिष्ठिता सूते स्थावराणि चराणि च || १० ||

गुणसाम्यात्मन स्तस्मात्पुरुषाधिष्ठि तात्पुनः |
अजायत महत्तत्वं त्रिविधं त्रिविधैर्गणैः || ११ ||

अहङ्कारस्ततो जात स्तस्य तिस्रो विधाः स्मृताः |
वै कारिकस्तैजसश्च भूतादिश्चेति तत्त्रिधा || १२ ||

भौतिकश्चेति |
वैकारिकादहङ्कारात्सात्विकाः पञ्चहज्ञि रे |
ज्ञानेन्द्रियाणि पंचैव राजसात्तैजसात्पुनः || १३ ||

कर्मेन्द्रियाणि जातानि भूतादेस्तामसादथ |
शब्दतन्मात्रमभवत्तच्चा काशमजीजनत् || १४ ||

स्पर्शतन्मात्रमाकाशा त्तस्माद्वायुरजायत |
रूपमात्रं ततो वायो स्तस्मादग्निरजायत || १५ ||

रसमात्रमजन्यग्ने स्तस्मादापः प्रजज्ञिरे |
गन्धतस्मात्रमद्भ्योपि गन्धमात्रात्तथा मही || १६ ||

शब्दैकगुणमाकाशं शब्दस्पर्शगुणोऽनिलः |
शब्दस्पर्शौ तथा रूपं तद्वदग्नेरुदाहृतम् || १७ ||

शब्दस्स्पर्शौ रसो रूपं चातुर्गुण्यपां स्मृतम् |
शब्दस्पर्शौ रूपरसौ गन्धः पञ्चगुणा मही || १८ ||

शब्दस्पर्शौ रूपरसौ |
नानावीर्याः पृथग्भूतास्ते सृष्टास्संहतिं विना |
नाशक्नुवन्प्रजास्स्रष्टुं ततसै संहतास्स्वयम् || १९ ||

महदादि विशेषान्ताः प्रधानपुरुषेरिताः |
अण्‍डं ममांशभूतस्य पद्म नाभस्य मद्मज || २० ||

नाभेरजायत ततो जगद्योनिरभूद्भवान् |
सर्गादौ प्रकृतेरेवमुद्भूतमखिलं जगत् || २१ ||

लीयते प्रकृतावेव कल्पान्ते कमलासन |
ब्रह्माः |
मन्ये त्वया जगत्सृष्टं विधृतं च त्वया विभो |
कालरूप स्त्वमेवैकः कल्वान्ते सञ्चहर्थ च || २२ ||

इदानीं वद मेज्ञानं ब्रह्मसिद्धिदमच्युत |
यज्ज्ञात्वा न पुनर्जन्म मरणं भवबद्धनम् |
ब्रह्मज्ञानद्वै विध्यम् |
श्रीभगवान् |
ज्ञानं द्विविधमाख्यातं सत्वाख्यं चक्रियात्मकम् |
सत्वाख्यस्य क्रियाख्येन सिद्धिरव्यभिचारिणी || २३ ||

तत्वाख्यस्य इतिक्वचित् इतः प्रभृतिश्लोकेषु सत्वशब्दस्थाने सत्ता शब्दः कोशान्तरे दुश्यते |
ब्रह्माः |
ज्ञानं क्रियात्मकं तावत् वद क्रीयग्विधं प्रभो |
योनाभ्यस्तेन सत्वाख्यं यास्यामि ब्रह्म सिद्धिदम् || २४ ||

साधनम् |
सत्वक्रियात्मकज्ञान लक्षणम् |
श्री भगवान् |
यमश्च नियम श्चैवक्रियाख्यं द्विविधं स्मृतम् |
ताभ्यां ज्ञानंच सत्वाख्यं प्राप्नोत्येव न संशयः || २५ ||

श्चेति क्रियाच द्विविधा स्मृता |
ब्रह्मण्यभिन्नं सत्वाख्यं ज्ञानाज् ज्ञेयमवाप्यते |
ज्ञानान्मुक्तः परानन्दे परमात्मनि पद्मज || २६ ||

ज्ञेयात् त्वया सम्यगुपायः कथितः पुरा |
इदानीं देव देवेश ब्रूहि मे ब्रह्मलक्षणम् || २७ ||

प्राप्तुम् |
ब्रह्मलक्षणम् |
श्रीभगवान् |
आनन्दलक्षणं ब्रह्म नादरूपमविक्रियम् |
क्लेशादिभिरसंस्पृष्टं निष्क्रियं निर्विकल्पकम् || २८ ||

अद्वन्द्वमनवच्छिन्नं स्वसंवेद्यं निरञ्चनम् |
सुसूक्ष्मं स्ववशं स्वैरं स्वयं ज्योति रनादिमत् || २९ ||

रनामयां |
अनन्तमक्षयं शान्तमदृष्टा न्तमवृद्धिमत् |
ध्रुवमेकं सदा नन्दं चिद्रूपं सर्वगं परम् || ३० ||

चिदानन्दम् |
गतागतविनिर्मुक्तं वासुदेवाह्वयं विभु |
प्रभवं सर्वभूतानामीश्वरं पुरुषोत्तमम् || ३१ ||

स्वभावनिर्मलं नित्यं निस्तरङ्गं निराकुलम् |
निर्मर्यादं गुणातीतं सगुणं सर्वकामदम् || ३२ ||

हीनवर्णैरसंसेव्यं मोक्षमाणैरतर्कितम् |
अध्येयं ध्येयमाश्चर्यमवाज्मनसगोचरम् || ३३ ||

षाड्गुण्यविग्रहं सर्वशक्ति स्वाश्रयमाश्रीतम् |
भूतेशं भूतकृद्भूतं तमसः परतः स्थितम् || ३४ ||

स्थान समाश्रितम्. प्रधानं प्रकृतेरन्यद्भोग्यं भोक्तृ निरङ्कुशम् |
प्रमाणप्रत्ययातीतं सर्वतोक्षिशिरोमुखम् || ३५ ||

प्रधानात् |
सर्वतः पाणिचरणं सर्वमावृत्य विष्ठितम् |
बहिरन्तस्थ्सितं व्यापि सर्व तन्त्रातिशासनम् || ३६ ||

तिष्ठति. मायारूपंचमायाभि न्नित्यतृप्तमणोरणु || ३७ ||

मायातीतं मतुलं मृदु दीप्तिमत् |
अमूर्तं मूर्तमोजस्वि चिद्घनं निरुपद्रवम् || ३८ ||

Kapitel 6

पाद्मसंहितायाम् |
षष्ठोऽध्यायः |
ब्रह्माः |
सर्वतः पाणिपादादि ब्रह्मणो रूपमिरितम् |
अरूपस्यापि तत्सर्वं कथयस्व यथातथम् || १ ||

भगवतस्सर्वतः पाणु पादादित्य निर्वचनम् |
श्रीभगवान् |
चराचरमिदं कृत्स्नमाक्षिप्तं परमात्मना |
यतस्तत्सर्वपाणित्वं तस्य लक्षणमुच्यते || २ ||

देशकाला विशेषेण संयुक्तं परमेष्ठिना |
यौगपद्येन सततं सर्वतः पात्प्रभुस्तृतः || ३ ||

तिर्यगूर्द्वमधश्चोच्चैर्गत्वा भासयते जगत् |
रविर्यथा तथा कृत्वा विश्वतश्चक्षुरुच्यते || ४ ||

सर्वं पुरस्थ्सितं तस्य वस्तुजातं यत स्ततः |
विश्वतो मुखता तस्य ब्रह्मणः कमलासन || ५ ||

ज्ञानेन्धियाणि सर्वाणि श्रूयन्ते शिर उत्तमम् |
तथा ज्ञानाश्रयत्वेन ज्ञेयस्सर्वशिराः प्रभुः || ६ ||

विदूरमविदूरस्थं तथा व्यवहितेतरे |
शृणोति शब्दसङ्घातं तेनासौ सर्वतश्श्रवाः || ७ ||

भिन्नो वह्निरयः पिण्‍डादभिन्न इन दृश्यते |
तद्वद्व्यक्ताद्भहिर्भूतो व्यक्तमावृत्य तिष्ठति || ८ ||

आदर्शे निर्मले यद्वदन्तस्था प्रतियातना |
दृश्यते तत्र तद्वत्स्याद्विभोरव्यक्तरूपता || ९ ||

आदर्शो निर्मलो यद्वन्मलिनेन तिरोहितः |
नेन्द्रियाधीनविज्ञानो रूपादिषु चतुर्मुख |
भगवानमुतो हेतोस्सर्वज्ञः कथतो बुधै || १० ||

परमेण महत्वेन संयोगात्परमात्मनः |
व्यापित्वमुच्यते विष्णोरीश्वरस्य मनीषिभिः || ११ ||

महर्षिभिः |
अनादित्व मजत्वेन तथै वानन्तता विभोः |
परोक्षत्वेन सर्वेषामपदित्युच्यते नृभिः || १२ ||

असंविद्वषयो ब्रह्मन् गन्धः पुष्पादिके यथा |
त्रिभिर्गुणैरबद्धोपि बद्धवत्तेषु तिष्ठति || १३ ||

यथा पुष्कारपर्णेषु स्वच्छमम्भः प्रतिष्ठितम् |
अन्तर्बहिरभिव्याप्य तिष्ठित्येको महार्णवे || १४ ||

निमग्नस्येव कुम्भस्य बहिरन्तरपां स्थितिः |
परक्षेत्रक्षयोरैक्यमात्मनो श्श्रुतिचोदितम् || १५ ||

क्षेत्रक्षस्यास्यबाहुल्यं देहभेदात्प्रतीयते |
एकस्यैवहि बिम्भस्य दर्पणेषु यथा तथा || १६ ||

भूतादि पञ्चपङ्घातं क्षेत्रं तत्र व्यवस्थितः |
जीवोयस्तं विदुः प्राज्ञाः क्षेत्रज्ञं परसंज्ञितम् || १७ ||

अबुद्धिबोध्यमस्पष्टं व्यक्तस्योपरि विष्ठितम् |
परात्परतरं विषुं सूरयो ज्ञानचक्षुषा || १८ ||

अव्यक्तोपरि |
विदन्तिन तमज्ञानात् ज्ञानगोचरमक्षरम् |
परस्य व्यापिनो देहचलनाद्या न विभ्रमः || १९ ||

यथा घटस्थमाकाशं नीयमाने घटे मतिः |
यातीति वस्तुतो नैव भेदौस्ति परजीवयोः || २० ||

पद्मपत्रसहस्रेषु सूचीभिन्नेष्वनु क्रमात् |
सूक्ष्मत्वात्कालभेदस्तु यथा नैवोपलभ्यते || २१ ||

तथैव परमात्मायां नाम्नाणुः परिकीर्तितः |
दूरस्थमज्ञाः पश्यन्ति हृत्वद्मे विष्ठितं सदा || २२ ||

विज्ञानात्. विज्ञातः |
वितत्य वायुराकाशं यथैक स्तिष्ठति प्रभुः |
तथा चराचरं विश्वं व्याप्य तिष्ठत्यजस्स्वयम् || २३ ||

स्रष्टुं संहर्तुमीशानो रश्मीनभ्युदितो रविः |
यथा तथा जगत्सर्वं स्रष्टु हर्तुं प्रभुर्हरिः || २४ ||

क्वचित् कोशे अयं श्लोकः स्वंपरम् इत्यस्मादनन्तरं दृश्यते. वर्णैः इत्याद्यर्द्धंच ना स्ति |
स्वं परं चापि विषयं प्रकाशयति चिद्घनः |
यथा प्रदीपस्स्वस्यापि घटादेश्च प्रकाशकृत् || २५ ||

वर्णैस्सितादिभिर्हीनस्त द्वद्भासयते हरिः |
षड्भिर्गुणै रन्वित त्वात् ज्ञानादिभिरनव्यगैः || २६ ||

तद्वानध्यास्यते |
भगवान् कथितस्सद्भिः परमात्मा जगन्मयः |
दध्नि सर्पि स्तिले तैलं माधुर्यं च गुडादिषु || २७ ||

अभिन्नं तस्वतो द्वव्यादमूर्तं तत्र च स्थितम् |
उपलम्भन सामर्थ्याद्दृश्यते न तदीक्ष्यते || २८ ||

सान्निद्यात् |
अजोप्यमूर्तस्स र्वेषामन्तरात्मा परः पुमान् |
ज्ञानिनांभावनायोगादुपलभ्धिपथं गतः || २९ ||

ब्रह्माः |
चराच रेषु सर्वेषु यद्वस्तु व्याव्य विष्ठितम् |
अमूर्तमपृथग्भूतं स्वसं वेद्यं विदन्ति के || ३० ||

अमूर्तं च पृथग्भूतम् |
विद्ययाभगवन्मह्यं तानाचक्ष्व यथातथम् |
पञ्चरात्रविधिदीक्षितानां विष्णुमायो त्तरणम् |
श्रीभगवान् |
पञ्चरात्रोक्तमार्गेण यो दीक्षां चक्रम़ण्‍डले |
कृत्वा समर्चनं विष्णोः द्विषट्काक्षरविद्यया || ३१ ||

आराधयन्ति शास्त्रोक्तविधिना देशिकोत्तमाः |
तेषां हृदम्बुजे साक्षादावि रासैपरः पुमान् || ३२ ||

तरन्ति विष्णुमायां ते न तरन्तीतरे जनाः |
ब्रह्माः |
वस्तु साक्षात्कृतं कीदृग्लक्षणं तस्य कीदृशम् |
भगवन् कथ्यतां सर्वं मयि चेदस्त्यनुग्रहः || ३३ ||

वस्तुसाक्षात्कृतिः |
निदिध्यासितवस्तु स्वरूपम् |
श्रीभगवान् |
वालाग्रशतभागस्थं प्रधान पुरुषात्मकम् |
गमनागमनैर्हीनमणिष्ठं तदणोपरि || ३४ ||

महिष्ठं महतो वस्तु परमानन्दविग्रहम् |
वृद्धिक्षयविनिर्मक्तं सर्वगं संविदात्मकम् || ३५ ||

सद्रूपं प्रणवा वेद्यमप्रतर्क्यं प्रमाणवत् |
एवं वस्तु च कांक्षन्ते हृदये योगिनस्सदा || ३६ ||

वेद्यं प्रतर्कप्रणवान्वितम्. तेजः पुञ्जमिवाभाति रूपं सकलनिष्कलम् |
सच्चिदानन्दरूपादि रूपां निष्कलसंज्ञितम् || ३९ ||

तेजः रुञ्चं सपादादिरूपम् |
प्रकृति विकृति निरूपणम् |
प्रकृतिर्विकृतिश्च स्वे स्व रूपे परमात्मनः |
सत्वादिगुणसंघातः प्रकृतिर्विकृतिः पुनः || ४० ||

पुरुषः परमात्माख्यस्तेनेयंत्रिगुणात्मिका |
मरमात्मा धिष्ठितायाः प्रकृतेर्जगत्सर्गादिः |
अधिष्ठिता जगस्तर्वं प्रसूते चेतनात्मकम् || ४१ ||

संहरत्यपि तत्सर्वं नियोगा देव तस्य सा |
सपरमात्मा नारायणः |
एक एव परो देवो नानाशक्ति समन्वितः || ४२ ||

करोति सर्गसंहारौ स च नारायणस्स्मृतः |
नानाथिक्कैः पुरद्वारैर्यथा पुरनिवासिनः || ४३ ||

नवद्वारैः |
अन्तर्विंशन्ति यद्वच्च पुरुषाः पुरुषं परम् |
उपासका विशन्त्यन्तर्विद्यया परया सदा || ४४ ||

विशन्त्यन्येतन्मय्या |
{ ब्रह्मरन्ध्रादिषु रुक्माभत्वादिगुणविशिष्ट ब्रह्मस्वरूप ध्यातुर्दग्ध कल्मषस्य ब्रह्मप्राप्तिः} |
ज्योतिर्मण्‍डलमध्यस्थं रुक्माभं पुरुषं परं |
हृत्पद्मकर्णिकारूढं शङ्खचक्रगदाधरम् || ४५ ||

चतुर्भुजं भावयन्ति स्थानेष्वेतेषु योगिनः |
ब्रह्मरन्ध्रे भ्रुवोर्मध्ये नभिचक्रेगलावटे || ४६ ||

भावरूपमयोगिनः |
जीह्वाग्रे दालुमध्ये च भावयन्तो यतेन्द्रियाः |
पूर्वजन्मकृतं कर्म दग्ध्वा यान्ति सनातनम् || ४७ ||

निष्कामकर्मिणामन्येषामपि ब्रह्मप्राप्तिकथनम्. |
विष्णोराराधनपराः पञ्चकालपरायणाः |
अष्टाङ्गयोग सिद्धाश्च द्वादशाक्षरचिन्तकाः || ४८ ||

निष्ठाश्च |
वाशुदेवश्रया मर्त्या वासुदेव परायणाः |
सर्वपापविशुद्धाश्च यान्ति ब्रह्म सनातनम् || ४९ ||

जवतोदिवः |
मुक्तात्म परमात्मनोस्सदृष्टान्तं भेदगर्भाभेदनिरूपणम् |
वर्षधाराः पृथग्भूताः पतन्त्यो दिवि मेघतः |
भूमावैक्यं यथा यान्ति तद्वद्ब्रह्मणि योगिनः || ५० ||

अर्णो नदीनां बहृधा तत्स्वरूपादि भेदवत् |
सरोरूपादि |
प्रविष्टं वारिधेर्वारि नोदकाद्व्यतिरिच्यते || ५१ ||

तथैव ब्रह्मणि परे मुक्तात्मावश्चतुर्मुख |
एकीभावेन तिष्ठन्ति तत्सालोक्यं यथा भवेत् || ५२ ||

एतद्रहस्यमुदितं निषत्सूपनिषत्सु च |
योगः प्रकाशितस्तुभ्यं मया कमलसम्भव || ५३ ||

Kapitel 7

पाद्मसंहितायाम् |
सप्तमोऽध्यायः |
ब्रह्मप्राप्ति साधनज्ञानोत्पत्ति कारण प्रश्नः |
ब्रह्माः |
ब्रह्मणः प्राप्त्युपायस्य ज्ञानस्यो त्पत्तिकारणम् |
उच्यतां तदशेषेण प्रसादो मयि चेत्तव || १ ||

त्पाद |
श्रीभगवान् |
निष्कामकर्मभिर्निर्मलीकृत चित्तस्य ब्रह्मज्ञानोत्पत्तिनिरूपणम् |
बाह्यो परागरहितं निर्मलं तस्य जायते |
विज्ञानं यस्य भगवत्समाराधन कर्मभिः || २ ||

अनाद्यविद्याविरयो योगङ्गैश्च यमादिभिः |
शौचमिज्या तपश्चर्या स्वाध्याया भ्यसनं तथा || ३ ||

इदमर्धं क्वचिन्न |
ब्रह्माचर्या मिताहारो मौनमिन्द्रियनिग्रहः |
अहिंसा चोपवासश्च स्नानं तीर्थनिषेवणम् || ४ ||

वैराग्यं पुत्रदा रेषु दुष्टाहारविवर्जनम् |
अक्रूरता वृद्धसेवा क्षमा मैत्य्रनृशंसता || ५ ||

मैत्य्रादयस्तथा |
परदारपरस्वेषु वै मुख्यं शास्त्रसेवनम् |
असक्तता भोग्यवस्तुष्व्तेतै श्चित्तप्रसाधनैः || ६ ||

भोजना दावेतै |
ज्ञानं प्रत्यङ्मुखं जातं तेन जानन्ति तत्पदम् |
यत्प्राप्य न निवर्तनै जन्ममृत्यु विवर्जिताः || ७ ||

पुरुषाः कर्मनिरता ज्ञान विज्ञानजन्मनि |
कथितो हेतुरिति मधुना कथयामि चतुर्मुख || ८ ||

बन्दत्वम् |
शुभाशुभात्मकं कर्म कृत्वा मायावशं गताः |
भोगायतनमास्थाय तत्तत्कर्म प्रवाहजम् || ९ ||

भोगाङ्णां तनुम्. नियतेन्द्रियाः |
संसृतिस्सा चतुर्वक्त्र तस्याः कर्मैव कारणम् || १० ||

योत्वतन्द्रिताः |मुक्तीर्ज्ञानादिके तस्यास्संसृतेरात्मनो भवेत् |
कर्माधिके पुवस्सैव जायते निरवग्रहा || ११ ||

धर्मधिकैः पुनर्त्वेवं जायते निरवग्रहः |
संसारहेतुभूतं तत्कर्मज्ञानेन नश्यति |
क्षीणे कर्मणि संसारहेतौ मुक्ति रनन्तरा || १२ ||

रनन्तरम् |
कल्पते संसृतिः कर्महेतु रुक्ता विनिश्चिता |
करोति कर्म चाविद्याविवशः पुरुषस्स्वयम् || १३ ||

कर्मरूपा हेतुर्वनिश्चिताकर्महेतुर्मुक्ता विनिश्चिताइति च पाठः |
सत्वरजस्तमसां शुभाशुभकर्महेतुत्वम् |
गुणा एव त्रयो विद्या समासव्यासवृत्तयः |
तैरेव कुरुते कर्म शुभं वा यदि वा शुभम् || १४ ||

तेनैव |
तैस्त्रिभिर्विविधा निद्रा जायते कर्मकारणम् |
सैषाऽविद्या च माया च कथ्यतेकोविदोत्तमैः || १५ ||

सत्वात्सुखमयी निद्रा रजसः कर्मसङ्कुला |
तमसो मोहिनीः नाम ताभिर्निगलितः पुमान् || १६ ||

संसा रतोऽवशः कर्म करोति जनिकारणम् |
रादवश |
उक्तार्थप्रपञ्चनम् |
सत्वादिगुणसंयुक्तं मनो भूतेषु पञ्चसु || १७ ||

प्रयुक्तं पञ्चधा भिन्नं प्रसूते बहुधा क्रियाः |
मनस्सत्वगुणोपेतं पृथिवीस्थं यदा भवेत् || १८ ||

प्रवृत्तम्. पालनाय नृणां तथा || १९ ||

पालनं वा. पालनायाम्. तृणंतथा |
रजसिस्थे प्राणहिंसां मृगयाबुद्धिमेव च |
तमसिस्थे तु हृदये च्छेदनं भेदनं तथा || २० ||

अभिचार वशीकार परस्वहरणादिकम् |
सत्वस्थेऽप्सु जलक्रीडा जलपानं चतुर्मुख || २१ ||

नदीतनरणमित्यादि करोति विवशः पुमान् |
रजसा च जलद्रोण्यामवगाहू निवज्जनम् || २२ ||

रजसिस्थे |
सेतुबन्धं समुद्रादौ बाहूभ्यां तरणं तथा |
तमसिस्थे तु मनसि जलतीरे विमोचनम् || २३ ||

मनस्यप्यु. वापितले |
कूपे वा पतनं श्वभ्रे करोति पुरुषस्सदा |
मनस्तेजसि सत्वस्थे सूर्यचंद्रादि दर्शनम् || २४ ||

अग्नौ तेजसि. हृदितेजपि |
पटुत्वमुष्णभावश्च रत्न हेमादि दर्शनम् |
करोति रजसि प्रापै खड्गहस्तस्समु त्थितः || २५ ||

द्यतः |
मृगान्हन्ति तथा मुष्टिदण्डैश्च भृशताडनम् |
तमसिस्थे मनस्यग्नौ रक्तपुप्पादिषु स्पृहा || २६ ||

श्वसनस्थे गुणे सत्वे शीघ्रयानं च नर्तनम् |
गानं प्रलापनं कर्म करोति रजसि स्थिते || २७ ||

चित्ते गजाश्वरोहादि तथोर्ध्वगमनादिकम् |
तमोगुणस्थे मनसि प्रासादारोहणादिकम् || २८ ||

नरो |
चित्ते व्योमनि सत्वस्थे निराभासं निराश्रयम् |
गमनं राजसे चित्ते धृष्ठं जागर्ति यत्पुनः || २९ ||

स्वापे तदीक्षितं सर्वं मानसे तमसि स्थिते |
सर्वदष्ठ वदा त्मायं सुखदुःखं न बुध्यते || ३० ||

ज्ञानवर्जीतः वशङ्गतः |
करोति त्रिगुणैर्यक्तः कर्मभिस्तैः पुमानयम् || ३१ ||

वशासुगः |
संसारे पि गतो जन्म नाशं च प्रतिपद्यते |
यदा प्रसादसुमुखः परमात्मा सनातनः || ३२ ||

पतते |
तदा मायावि मुक्तश्च योगयुक्तो जितेन्द्रियः |
विज्ञानेन परं ब्रह्म प्राप्नोति सुखलक्षणम् || ३३ ||

मुक्तस्सन् |
जीवस्य गुणत्रय योगायोगकारणनिरूपणम् |
ब्रह्माः |
एभिर्गुणै स्तथा योगो वियोगो वा कथं भवेत् |
श्रीभगवान् |
पुरुषस्य गुणा एते त्रयोपि कमलासन || ३४ ||

मायायोग वियोगाभ्यां भवन्ति न भवन्ति च |
मायानपायिनी नित्या मयि तिष्ठति शाश्वती || ३५ ||

मायावशंगतास्सर्वे भ्रमन्त्य ज्ञानमोहिताः |
ब्रह्मामयो पि किमुत देवाद्याः कमलासन || ३६ ||

भगवत्प्रसादान्मायानिवृत्तिः |
मत्प्रसादावसाना या मदधीना विनश्यति |
मायायोगेन बध्यन्ते मुच्यन्तेतां जयन्तियो || ३७ ||

प्रसादातेव सा माया. प्रसादातेव मायायाः इति च कोशा स्तरे. प्रसादादेव सा माया. इति क्वचित्. वेद्वि कारणं तत्र तन्मे ब्रूहि यथातथम् || ३८ ||

विधिः |
श्रीभगवान् |
श्रद्धा भक्तिस्समाधिश्च मयि सम्यक्समर्पिता |
कारणं शास्त्रदृष्टेन विधिना नान्यथा भवेत् || ३९ ||

सर्वेषां मोक्ष्यमाणानां कारण त्रयमीरितम् |
तैर्विना संसरन्त्यन्ये मायापर वशा जनाः || ४० ||

वशङ्गताः |
श्रद्धाभक्ति समाधीनां विषयविशेषनै यत्यम् |
ममावताररूपाणि बुध्वा सृष्टानि मन्मुखात् |
अधर्मस्योपशान्त्यर्थं धर्म काम प्रषृद्धये || ४१ ||

अदर्मोत्थान |
बहूनि बोद्धं योग्यानि त्रयं तत्र समाचरेत् |
सर्वाकारविनिर्मुक्तं रूपं यत्परमात्मनः || ४२ ||

दुर्विज्ञानं तदेतेषां श्रद्धादीनामगोचरम् |
मुक्तिकारणमुद्धष्टं ब्रह्मन् भूयः किमिष्यते || ४३ ||

मत्स्यादीनामगोचरम् |मुक्तिकारण मित्युक्तम् |
चेतना चेतनयोरभिन्नकारणत्व निरूपणम् |
ब्रह्माः |
अचेतनं चेतनं च रूपं स्रष्टुं समीक्ष्यते |
किमेकयोनि स्सा सृष्टि र्योनि भेदः किमेतयोः || ४४ ||

श्रीभगवान् |
अभिन्नमेकमव्यक्तं रूपं तत्पर मात्मनः |
अविभक्तं विभक्तं च दध्नि सर्पिरिव स्थितम् || ४५ ||

पूपेण परमात्मनः |
अव्यक्तं व्यक्तिमापन्नं कदाचित्पुरुषेच्छया |
महान् जात स्ततोव्यक्तादहङ्कारत्ततोऽजनि || ४६ ||

आहङ्कारान्मनो जातं तन्मात्रा पञ्चकं ततः |
इन्द्रियाणि दशैकं च समजायत पद्मज || ४७ ||

तन्मात्रपञ्चकं जातमहङ्करान्मत्ततः |
महाभूतं पृथिव्यादि पञ्चकं तदन न्तरम् |
अचेतनाच्चेतनाच्च सृष्ठिरेवमुदाहृता || ४८ ||

गुणत्रयवशादुत्तमाधममद्यमभावोत्पत्तिः |
त्रिभिरेवं गुणै रेतै रुत्तमाधममद्यमाः |
जायनै कारणवशात्तान्भ्रवीमि क्रमादहम् || ४९ ||

तेषां स्वरूपम् |
भावेषु तेषु भूयुष्ठं सत्वं श्रेयां श्चतुर्मख |
भूयुष्ठराजसो मध्यो जघन्यस्त समाधिकः || ५० ||

उत्तमसत्वभावार्चनायाः भोगमोक्ष साधनस्वम् |
तत्र सत्वाधिकै र्भवै रर्चना मम तोषिणी |
भोगो वाप्यपवर्गो वा फलं तेषां यथेप्सितम् || ५१ ||

नराणाममरैषिणाम् |
रजस्तमोभावयोः क्षयुफलत्वम् |
रजसाधिकभावेन यजन्ते ये द्विजातयः |
तेषां त्रिविष्टपे वासः पुनरावृत्तिलक्षणः || ५२ ||

रजोधिकेन भावेन. यजन्ते तमसाधिकाः |
उषित्वा नरके घोरे जन्म स्याज्जङ्गमादिषु || ५४ ||

यजनं तमसाधिकैः |
भगवद्याजिनामेवापुन रावृत्तिलक्षण फरावापिः |
गत्वा गत्वा निवर्त न्ते यज्ञ धर्म परायणाः |
अद्वापि न निवर्त न्ते ये ममाराधने स्थिताः || ५५ ||

कर्म |
आब्रह्मसदनाल्लोकाः जायनेऽगवस्थिताः |
मल्लोक वासिनो भूयस्संसरन्ति न कुत्रचित् || ५६ ||

तस्माद्भजस्वमां ब्रह्मन् सत्वभावस्थितस्सदा |
आहारत्रैविध्यम् |
सत्वादि गुणयुक्ताना माहार स्त्रिविधः स्मृतः |
स्निग्थाश्च मधुरा हृद्या स्तिष्ठतः प्रथमे गुणे || ५७ ||

माहारास्त्रीविधास्स्मृताः |
कट्वम्ललवणप्राया मद्यमे तिष्टतः प्रियाः |
रसहीनं यातयामं पूतिगन्थं चिरोषितम् |
उच्छिष्टं प्रीतिजननं जघन्य गुण वर्तिनः || ५८ ||

पि गुणे स्मृताः. सत्त्वस्थस्योर्ध्वगमनं स्थितर्म ध्ये रजोऽधिके |
अधो गतिस्तामसानां त्रिविधानां त्रिधा गतिः || ६० ||

सत्वस्य चोर्ध्व |
सत्यज्ञानादय स्सत्वनिष्ठस्य गुणाः |
तत्र सत्वं नर्मलत्वात्प्र काशकमनावृतम् |
सत्वं ज्ञानं तपो मौनं धृतिश्शौचं शमः क्षमा || ६१ ||

इत्यादयस्सत्वनिष्ठे गुणाः कल्याण कारिणः |
कारणाः |
अहङ्कारादयो रजोनिष्ठस्य गुणाः |
अहङ्कार स्त्रिधा दर्मः क्रोधो दम्भ इतीरितः || ६२ ||

गुणा रजोगुणस्यैते तामसस्य तु कथ्यते |
तथा दर्वः | सम्भवे |
देहं त्यजन्तस्सत्वस्था लोकान् यान्ति सनातनान् || ६६ ||

सागरेसङ्कले |
रजस्थ्सस्य प्रलीनस्य जस्म मात्रं महाकुले |
प्रलये तमसिस्थस्य पुरुषस्य चतुर्मुख || ६७ ||

कर्मसमाकुले |
मूढयोनिषु जन्म स्यान्निकृष्टासु पुनः पुनः |
त्यजतोऽन्ते स्मृतिर्येषु देवसम्भन्धमात्मनः || ६८ ||

त्यजत स्संस्मृतीःनित्यतोन्तेस्मृतिर्योषु |
भावेषु तं तमाप्नोति पुरुषो भावनावशात् |
पुंसामेवं बहुविधाः गतयस्समुदाहृताः || ६९ ||

Kapitel 8

अष्टमोऽध्यायः |
विज्ञानोपायत तपश्चर्या स्वरूपप्रश्नः |
ब्रह्माः |
विज्ञानोपायारूपेण तपश्चर्या च कीर्तिता |
भगवन् तत्तपः क्रीदृक् किं वा तत्कथ्यतां मम || १ ||

श्रीभगवान् |
वाचिकादि तपस्त्रैवध्यम् |
वाङ्मनः कायजत्वेन तपस्तत्त्रि विधं मतम् |
देवद्विजगुरुप्राज्ञ पूजनं शौचमार्जवम् || २ ||

कार्य |
अहिंसनं ब्रह्मचर्मं तपश्शारीरमीरितम् |
अनुग्रहपरं वाक्यं सत्यं भूतो पकारकम् || ३ ||

स्वाध्या याभ्यसनं चेति वाचिकं कथितं तपः |
सन्तोषस्सततं ब्रह्मचिव्तयाऽत्मविनिग्रहः || ४ ||

यव्यसनम् |
भावशुद्धि स्सौम्यता च तपो मानस मीरितम् |
सात्विकादिभेदेन पुनस्त्रै विध्यम् |
श्रद्धधानैः कृतं सम्यगफलाकाङ्क्षिभिर्नरैः || ५ ||

पौम्यभावः नैव विज्ञानोत्पत्तिकारणम् || ७ ||

चैन |
सृष्टिकारण लयाधिष्ठान स्थितिकालानां निरूपणम् |
ब्रह्माः |
कुतः प्रसूतिर्जगतां तेषां नाशः क्वसंमतः |
कियन्तं कालमेतेषां स्थितिर्म भगवन् वद || ८ ||

श्रीभगवान् |
आपन्ना प्रकृतिर्व्यक्तिं सूते सर्वं चराचरम् |
तत्रैव लीयते सर्वं ब्राह्मे आयुषि च स्थितिः || ९ ||

चतुर्मुखायः परिमाणम् |
कालो युगसहस्त्राख्यः दिवारात्रिश्च तावती |
ब्रह्मणसैन मानेन शतमायुश्च वत्सराः || १० ||

ब्रह्मण एकस्मिन् दिने चतुर्दशमनवः |
भवन्ति मनवस्तस्य दिने तत्र चतुर्दश |
एकोनसप्ततिः कालो मनोरेकस्य कीर्तितः || ११ ||

परस्मिन् ब्रह्मणि ब्रह्मन् अर्वाचिने लयं गते |
प्रलयो महदाख्योयं चतुरानन कीर्तितः || १२ ||

परे |
अवान्तर लयो दैनन्दिनः |
अवान्तराश्च प्रलया दिनानामवसानजाः |
अवान्तरश्च प्रलयो दिनंदिनमथो जनाः |भवन्ति तुस्तैर्महा प्रलयश्च पुनः पुनः चक्रवत्प्रलयः कालो |
सृष्ठिस्थितिलयानाम विश्रान्तिः |
भवन्तिधातृभिस्तैस्तैर्म हांश्च प्रलयः पुनः || १३ ||

चक्रवद्वर्तते कालो न विरामोस्ति कर्हिचित् |
लोको |
ब्रह्माः |
किंरूपा प्रकृतिर्देव सूते कथमिदं जगते |
ब्रूहि सर्वमशेषेणभ वगवन् भूतभावन || १४ ||

प्रकृतिस्वरूप निरूपणम् |
श्रीभगवान् |
अस्यूनाधिकरूपाणां सत्वाधीनां चतुर्मुख |
गुणानां संहतिर्या सा प्रकृतिस्सद्भिरुच्यते || १५ ||

भगवदधिष्ठितायास्तस्या जगद्योनित्वम् |
अचेतना सा विश्वस्य योनि रव्याकृता स्वयम् |
नित्या सूते जगत्सर्वं नियोगात्परमात्मनः || १६ ||

रव्याकृतिस्स्वयं |
अविभक्ता विभक्ता च दध्नि सर्पिरिव स्थिता |
सङ्कर्षणाख्यो भगवान् प्रकृतावेव ताः प्रजाः || १७ ||

नित्यं नूते. सृजत्प्रजाः || १८ ||

सृजं महत् |
लोककर्तास्वयं ब्रह्मा यथा पूर्वं यथाक्रमम् |
इत्येवं सर्गसंहारौ मया सम्यगुदीरतौ || १९ ||

ब्रह्मा |
ऐश्वर्यमष्टगुणवत्किं तध्यद्भक्तिमान् पुमान् |
आप्रोति कीदृक्सायुज्यं युञ्जानस्य सुमेधसः |
दधद्भक्तिमान्. तद्यस्महिमा |
लब्ध्वा चैश्वर्यमखिलं केन प्रतिनिवर्तते || २० ||

श्रीभगवान् |
अणिमाद्यैश्वर्यनिरूपणम् |
अणिमा महिमा चापि यावानेवास्य काम्यते |
ताव न्तमिष्टमाप्नोति गरिमा लघिमापि वा || २१ ||

यावतेवास्य |
इष्यमाणमवाप्नोति लघिम्नातेन पूरषः |
देशं विदूरमप्येष क्षणमात्रेण गच्छति || २२ ||

दूरं विदूर |
यथा शाल्मनितूलस्य तथा देहस्य लाघसम् |
गरिम्णा तेन देहस्य पर्वतस्येन नोद्धृतिः || २३ ||

आहारेषु विहारेषु यथाकामं प्रवर्तते |
सङ्कल्पेनैन भूतानि वश्यानि कमलासन || २४ ||

यथाकर्म |
परकायप्रवेशं च यथेष्टं प्रतिपद्यते |
एभिरष्टभिरेवैते विहरन्ति यथेप्सितम् || २५ ||

यदि मां विस्म रेयुसै सुखनिद्राविमोहिताः |
मद्भक्रि क्षरणादेव प्रतिस्रोतो वहा जनाः || २६ ||

स्मरणादेव |
जायन्ते पुनरुत्कृष्टवं शेषु महतां सताम् |
पुनर्भ जेयुर्मा मेव यजन्ते सिद्धिकाम्यया || २७ ||

यदिते |
मुच्यन्ते मत्प्रसादेन जन्मनोऽस्माद्विगर्हितात् |
सायुज्यादिभेदेन मुकैस्त्रैविद्यम् |
भेदेन चाप्यभेदेन मिश्रेण च चतुर्मुख || २८ ||

त्रिधैन मुक्तिरुदिता भेदे कैङ्कर्यलक्षणा |
मुक्तिर्यथेह लोकेषु परिचर्यापरा नराः || २९ ||

देवस्य तद्वदेनै ते वै कुण्ठे परमात्मनः |
लोके तस्य समीपस्था मुक्तात्मान स्समाहिताः || ३० ||

वसन्ति किङ्करास्सन्त स्तत्प्रसादपरास्सदा |
अभेद मुक्तिरत्यन्त मैक्यं स्यात्परजीवयोः || ३१ ||

आत्मनो भावना चैक्ये सोहमित्येवमात्मिका |
यस्य तस्यैकतापत्ति र्मुक्तिर्जीववरात्मनोः || ३२ ||

नात्मैकतापत्तिःनास्यैकतापत्ति र्जीवात्मपरमात्मनोः इतिपाठान्तरमधिकं दृश्यते |
सिद्धान्तेमिश्ररूपे तु भेदेस्थित्वार्चनादिभिः |
तोषयित्वा परं देवं ततो युक्तस्समाहितः || ३३ ||

विज्ञानेन्तेकतानेन परमात्मनि चिद्घने |
ऐक्यं प्राप्नोति सा मुक्तिरुक्ता सायुज्यलक्षणा || ३४ ||

ऐश्वर्यमणिमाद्यष्ट गुणावाप्तिस्सुदुर्लभा |
मुक्तिर्वा वरमानन्दप्राप्तिरूपा यदीप्तितम् |
पुंसां तदुभयं मुक्तिः प्रसूते परमात्मनि || ३५ ||

परमैश्वर्यं रूपं ना सर्वमीप्सितम् |
तत्वप्रश्नः |
ब्रह्माः |
बहूनि तत्वान्युक्तानि शास्त्रैर्बहुभिरच्युत |
तेषु तत्येषु नर्वेषु भावना विहिता क्रमात् || ३६ ||

सत्वेषु |
समाधिरेकतानैव शास्त्रविज्ञानमुत्तमम् |
प्रसूते येन तद्ब्रह्म तत्वेभ्यः परमं मतम् || ३७ ||

समाधिः इत्यर्धस्य स्थाने समिहितैव सर्वेषां फलानामुत्तमो त्तमम् इतीयवधिकमस्ति. वक्तव्यानि ततस्तानि हेतो स्तान्यवधारय || ४० ||

अव्यक्तानि. तन्मात्रपञ्चकान्येकादश चोक्तान्यनुक्रमात् || ४१ ||

तन्मात्रापंचधा ह्येवं दशचां भोरुगसन. इति क्वचित् |
पृथिव्यादीनि भूतानि पञ्चैवकमलासन |
मायाकालकलारागविद्यादीनि यतः क्रमात् || ४२ ||

नन्दश्चैव महानन्दो महाविद्या समीरिता |
क्षेत्रज्ञश्च शिवो ब्रह्मा पुरुषस्तदनन्तरम् || ४३ ||

सत्याच्युतौ तथाऽनन्तो विष्णुस्सर्वश्च निर्वृतिः |
शिरो. चत्वारिंशद्दशचैकं चतुर्मुख || ४५ ||

चत्वारि दशचैव |
ततः प्रोक्तमिदं सर्वं यत्रोत्पन्नं चराचरम् |
तस्य प्रपञ्चो रुपाणि तेषां नामानि कः क्षमः || ४६ ||

ततः इत्यर्दस्यस्थाने. ओतप्रोतमिदं सर्वं यत्रोत्पत्तिः क्षयस्त्रिधा इतिक्वचित् पाठः इत्येषा कथिता तुभ्यं तत्वानां नामपद्धतिः || ४७ ||

दिगेषा कधिता |
संज्ञाविकल्पैस्तत्वानि भावयन्त स्समाधिभिः |
युञ्जाना योगिनश्शश्वत्प्राप्नु पन्ति परं पदं || ४८ ||

Kapitel 9

पाद्मसंहितायाम् |
नवमोऽध्यायः |
भुवनकोशस्वरूपनिरूपणम् |
ब्रह्माः |
अज्ञानसागरं तीर्त्वा विद्यापारमुपेयिवान् |
उच्यतां सांप्रतं मह्यं भुवनानि चतुर्दश || १ ||

पद्मागार. नामतश्चापि जिज्ञासा परमेश्वर |
मानतश्चापि विज्ञाने. इति क्वचित्. अन्यत्ररूपतो वापि विज्ञापय पमेश्वर. इति |
श्रीभगवान् |
यत्र प्रतिष्ठितं यच्च मानं रूपं च यादृशम् |
भुवनानां तदखिलं चतुर्मुखमुखै श्शतैः || २ ||

वक्तुं निरवशेषेण कः क्षमेत प्रपञ्चतः |
बोद्धुं वा निखिलं शक्तः को वा धारयितुं क्षमः || ३ ||

क्षमस्तत्प्रपञ्चतः |
तद्भ्रवीमि समासेन सर्वं त्वं बुध्यसे यथा |
सुखं |
पृधिव्याः परिमाणम् |
चतुरश्रा भवति भूः पञ्चौशत्कोटि योजनैः || ४ ||

विस्तीर्णा सर्वतो दिक्षु घनं वैकोटियोजनम् |
द्वीपानि सप्त सन्त्यत्र तावस्तस्तोयराशयः || ५ ||

आङ्गुलीयकवत्सर्वे भूमेरुपरि विष्ठिताः |
सप्तद्वीपाः |
द्वीपानि नामभिस्तावत्कथ्यन्ते क्रमशशृणु || ६ ||

जम्भूप्लक्ष कुश क्रौञ्चाश्शाकद्वीपस्तथा परः |
शाल्मली पुष्करो नाम सप्तमश्चतुरानन || ७ ||

सप्तसमुद्राः || आनुपूर्व्यात्समुद्रांश्च कथयामि यथातथम् |
लवणेक्षुरसौ पश्चात् मैरेय स्तदनन्तरम् || ८ ||

लवणेक्षु सुराक्षीरदधिसर्पि स्तथोदकम् |
सर्पिर्दधि पयस्त्वव्यत्ततश्शुद्धोदकं परम् |
पयांस्त्यव्यत् पयस्त्वस्वक् पश्चिमश्च शुभोदकः इतिच |
द्वीपसमुद्रपरिमाणम् |
भूभागे मध्यमे जुम्भूद्वीपमानं च कथ्यते || ९ ||

तन्मध्ये मध्यतोंबूनि द्वीपः निस्ताराद्वारिधि.क्षारस्तादृग्ध्वि पाह्यनन्तराः इति क्वचित् |
लक्षयोजनविस्तारस्सर्वतस्तदनन्तरम् |
विस्तारं वारिधिः क्षारस्तादृग्द्वीपमनन्तरम् || १० ||

उत्तरोत्तरमेकैकं द्वीगुणायाम विस्तरः |
द्वीपानि षट्समुद्राश्च परिशिष्ठाश्चतुर्मुख || ११ ||

विस्तराः इति पाठः शिष्टोभागः प्रकाशते || १३ ||

मेरोर्भागः |
क्षीते रूर्ध्वं रैमयश्च सर्वतो मूर्ध्निविस्तृतः |
द्वात्रिंशच्च सहप्राणां योजना नामयां पुनः || १४ ||

नां शतम् |
कर्णिकावच्च भूपद्ममध्ये सम्यगवस्थितः |
शृङ्गैश्शतसहस्रेण शतयोजन विस्तृतैः || १५ ||

तत्सङ्ख्यापरिणाहैश्च तस्य पार्श्वमहीधरान् |
वक्ष्यामि चानुपूर्व्येण यथा तदवधारय || १६ ||

मोरोर्दक्षिणतस्त्रयो वर्षाचलाः |
हिमवान् हेमकूटस्च निषधश्छास्य दक्षिणे |
एते वर्षाचलाः प्रोक्ता स्त्रयः कमलसम्भव || १७ ||

त्रीणिवर्षाणि |
वर्षं भारतमाख्यां प्रथमं तदन न्तरम् |
नाम्ना किंपुरुषं तस्माद्धरिवर्षमनन्तरम् || १८ ||

उत्तरतस्त्रयो वर्षाचलाः |
उत्तरे मेरुशैलस्य क्रमा द्वर्षमहीधराः |
नीलश्श्वेताह्वयश्शृङ्गी नाम्ना वर्षत्रयं पुनः || १९ ||

वर्षेषुभूदराः |
त्रीणिवर्षाणि |
रम्यं हिरण्मयं वर्षमुत्तराः कुरव स्तथा |
उक्तानि षट्च वर्षणि प्रत्येकं परिमाणतः || २० ||

स्त्रिधा |
योजनानां सहस्राणि नव वर्षंतु मध्यमम् |
इलावृतं समाख्यातं तन्मध्ये मेरुरीरितः || २१ ||

मेरुरुच्यते |
मेरोश्चतुर्दशं तत्र विस्तीर्णं योजनानि षट् |
त्रिणी चैव सहस्राणि चत्वारस्तत्रपर्वताः || २२ ||

विष्कम्भरूपै रचिता योजनायुतमुच्भ्रिताः |
दिशाचनानांसामानि |
मन्धरो दिशि पुर्वस्यां याम्यायां गन्धमादनः || २३ ||

.................... कौभेरीमधितिष्ठति |
अत्र ग्रंधपातः सुपार्श्वनाम्ने गिरेर्नर्दशे नात्र भाव्यम् |
चतुर्दक्षु चत्वारो वृक्षाः |
दिशानु तानु चत्वारो पृक्षाः केतुवदुन्नताः || २४ ||

कदम्भभूरुहो जम्भूः पिप्पलो विटपी वटः |
शतानि दश चैकं च तेषां प्रत्येकमायतिः || २५ ||

जम्भूवृक्ष प्रभावः |
जम्भ्वूतया समाख्या स्यात् द्वीपस्य कमलासन |
फलानि गजमानानि पतितानि शिलातले || २६ ||

गजमानं यथाअरत्नीनां शतान्यष्टौवेकषष्ट्यधिकानितु |फलप्रमाणं संख्यात मृषिभिस्तत्वदर्शभिः इति वायुपुराणे. विष्णु पुराण व्याख्याने विष्णु चत्तीयेगजमानं यथापञ्चोन्नतिस्सप्तगजस्य दैर्घ्यमष्टौ चहस्ताः परिणाहमानम्|एकद्ववृद्धावथ मन्थ्रभद्रौ पज्कीर्णना गो नियतप्रमाणः इति |
श्रीर्यन्ते शतधा तेषां रसवाह स्सरिद्वरा |
जाम्भूनदीति कथिता तत्तटोर्वीनिवासिनः || २७ ||

सुवह च सरिद्वरा |
पीत्वा रसं जरामृत्युवलीपलितवर्जिताः |
न स्वेदो न च दौर्गन्ध्यं नेन्द्रियाणामपि क्षयः || २८ ||

दौर्बल्यमिन्द्रियाणाम् |
भवन्ति तेषां तीरोर्वी मृदस्तद्रसरञ्जिताः |
जाम्भानदाख्यां कल्पन्ते सौवर्णा कल्पसम्पदः || २९ ||

भद्र केतुमालेलावृतवर्षाणां स्थानविशेषः |
भद्राश्ववर्षमाख्यातं मेरोः प्राच्यां चतुर्मुख |
पश्चिमं केतुमालाख्यमेतयोर्वर्षयोः पुनः || ३० ||

भद्राख्यं वर्षं वै भ्राजां पश्चीमं मेरोर्वनं नन्दन मुत्तरम् |
चत्वारि सरांसि |
अरुणोदं सरः पूर्वं महाभद्रं ततः परम् || ३२ ||

वैराजम्. शीतोदकं प्रतीचीनमुदीचीनं तु मानसम् |
देवोपभोगयोग्यानि सरांसि कथितानि ते || ३३ ||

सहस्तोदम् सितोदकम् |
मेरोश्चतुर्दिक्षु प्रत्येकं पञ्चपञ्च केसराचलाः |
शतातश्च मुकुन्दश्च कुररी माल्यवानथ |
वैकङ्को नामपञैते पौरस्त्याः केसराचलाः || ३४ ||

शीताम्भुश्च सिताम्भ कु मुध्वांश्च |
त्रिकूटोङ्गिरसश्चो भौ पन्नगः कूटलाह्ययः |
निषदो दक्षिणे तस्य तावन्तः केसराचलाः || ३५ ||

रुचकाह्वयः |
शिखिवासो थ वै दूर्यः कपिलो गन्धमादनः |
जारुधिः पञ्चमो ब्रह्मन् केसराः पञ्चभूधरा || ३६ ||

वैदूर्मफलको. स्तथर्षभः |
हंसस्समाख्यया नागस्तथा कालाञ्जनप्रभः || ३७ ||

स्तुदर्शितः |
उदीच्यां केसराः पञ्च विंशतिः केसराचलाः |
मेरुशृंगमध्ये ब्रह्मपुरी सन्निवेशः |
योजनानां सहस्राणां द्वात्रिंशन्मानसम्मिते || ३८ ||

विस्तारे मूर्ध्ना शैलस्य मेरोर्भागेऽथ मध्यमे |
चतुर्भीर्दशभिश्चैव सहस्रैर्निर्मिता पुरी || ३९ ||

योजनैस्संमितो धातुः कर्णि केवाचलाम्भुजे |
विदिक्षु दिक्षु चाष्टासु परितो ब्रह्मणः पुरी || ४० ||

पूर्वादिदिक्षु लोकपालनगर्यः |
इन्द्रादिलोकपालानां पुरः पूर्वादिषु स्थिताः |
पुर्यः |
विस्तारायाममानेन शतयोजनसंमिताः || ४१ ||

पुरी भवति माघौनी नाम्ना चै वामरावती |
सहस्रगोपुरद्वार प्राकार परिघाकुला || ४२ ||

तेजोवती पुर्याग्नेयी याम्या संयमनी पुरी |
रक्षोवती राक्षसी पूश्सुद्ध वत्यथ वारुणी || ४३ ||

वायोर्गन्धवती ख्याता नाम्ना सौम्या महोदया |
यशस्पिनी भवस्योक्ता केसराचलभूमिषु || ४४ ||

भगवस्मूर्ती भेदानां पुरस्सन्ति परिष्कृताः |
ख्याता |
चतुर्दिक्षु गंगा विभागः |
भित्वेन्दुमण्‍डलं गङ्गा भगवत्पाद जन्मभूः || ४५ ||

दिवः पतन्ती प्रत्याशमभ्याशं भ्रह्मणः पुरः |
चतुर्तिक्षु वहन्ती सा चतुर्धाभवतिस्वयम् || ४६ ||

सिता चालकनन्दा च सुचक्षुर्भद्रया सह |
चतस्रो नाम भेदाश्च दिग्भेदाश्च चतुर्मुख || ४७ ||

चत्वारि वहति स्वयम्. ध्वना |
भारतं वर्षमभ्येति शैलात्सप्तमुखा ततः || ४९ ||

स्वयम् |
प्रविष्टालकनन्धा सा नदी त्रैलोक्यपावनी |
सुचक्षुः पश्चिमाच्छैला त्केतुमालात् स्वयं पुनः || ५० ||

अतीत्य वर्षमम्भोधिमेति योषिद्यथा पतिम् |
भद्रा गिरेरुधीचिना देशा नुत्तरतः कुरून् || ५१ ||

ख्याम्भोदिं कुरुसंज्ञकम् || ५३ ||

कुरवस्तथा |
पत्राणि लोकपद्मस्य मर्यादा शैलतो बहि |
हेमकूटश्च निषधो दक्षीणोत्तरमाय तौ || ५४ ||

मर्यादापर्वतौ ज्ञेयौ कैलासो गन्धमादनः |
अशीतियोजनामामौ पूर्वापरमहोदधी || ५५ ||

संस्पृशन्तौ पारियात्र निषधावधिभूभृतौ |
मेरोः पश्चिमभूभागे पूर्रोत्तर मथाश्रितौ || ५६ ||

निषधः पारियात्रश्च स्पृशन्तावधिभूदरौ. मानन्त्यान्न प्रपञ्च्यते |
शैलानामन्तरद्रोण्यस्सेव्यन्ते सिद्धचारणैः || ५८ ||

पापदेहिनां |
अन्यैश्च पुण्यकृद्भिस्ता दैत्यदानवकिन्नरैः |
भौमा ह्येते कृतास्स्वर्गाः दुर्लभाः पापकर्मभिः || ५९ ||

लोकरक्षार्थां भद्राश्वादिषु भगवतो वासः |
ज्ञानमूर्तिर्हयग्रिवो भद्राश्वे वसति स्वयम् |
वर्षेषु मूर्तयोविष्णो र्मर्यादापर्वतेषुच || ६० ||

वसन्ति लोकरक्षायै नानारूपविशेषिताः |
किंपुरुषादीनां भोगभूमित्वोपपादनम् |
यानि किंपुरुषादीनि वर्षा ण्येतेषु पद्मज || ६१ ||

ण्येतानि |
निरातङ्काः प्रजाश्शश्वन् शोको न भयं तथा |
नोदन्या च बुभुक्षा च न द्वेषो ना युषुः क्षयः || ६२ ||

सन्ति तेषां सहस्राणि वर्षाणि द्वौ च विंशतिः |
आयुर्व तेषु देशेषु भौममम्भो न वर्षति || ६३ ||

भूमिमिन्द्रो |
देवो न चर्तुभेदोस्ति न कालो युगभेदवान् |
सदा कृतयुगः कालो वर्तते चतुरानन || ६४ ||

देवोनरो नभेदोस्ति |
धर्मश्चतुष्पात्सकलो ध्यानमेवार्चनं हरेः |
पर्वतास्सरितश्चापि यत्र यत्र पुराणि च || ६५ ||

सन्ति तत्र |
ग्रामाश्च सन्ति बहवस्स्य धर्मनिरतास्सदा |
ब्राह्मणा भूमिपाश्चापि प्रजापालनतत्पराः || ६६ ||

स्वे स्वे कर्मण्यभिरताश्चातुर्वर्ण्यमवस्थिताः |
चारुराश्रम्यमप्येवं यथोक्तमवतिष्ठते || ६७ ||

Kapitel 10

पाद्मसंहितायाम् |
दशमोऽद्यायः |
भारतवर्षवर्णनम् |
श्रीभगवान् |
आदाक्षिणात्यादम्भोधेराशै लाच्च हिमालयात् |
देशोऽयं भारतं वर्षं भूरेषा कर्मणां नृणाम् || १ ||

योजनानि सहस्राणि विस्तारश्चैव कथ्यते |
स्वर्गापवर्ग फलदं कर्म कार्यं नृणामिह || २ ||

योजनानां मवस्थितम् |
कृतादियुगभेदानां चतुर्णामिह सम्भवः |
दानां यज्ञं तपो मर्त्याः परलोक फलार्थिनः |
इह कुर्वन्ति यज्ञेशं यजन्ते पुरुषोत्तमम् || ५ ||

व्यवस्थ्सितिः |
श्रेष्ठं तद्भारतं वर्षं सर्ववर्षेऽषु संमतम् |
फलार्थिनः कामयन्ते कर्मभूषु जनिं भुधाः || ६ ||

सहस्ताणि तथै वास्मिन् दिव्यानि पुरुषः परः |
आस्ते धामानि सद्यश्च पुण्यास्सन्ति सहस्रशः || ७ ||

ग्रामाः पुरः पत्तनानि भवन्ति च परश्शतम् |
द्वीपेषु षट्सु चान्येषु सन्ति वर्षाणि सप्त वै || ८ ||

प्रत्येकं सप्त च ब्रह्मन् भवन्ति कुलपर्वताः |
वर्णानामाश्रमाणां च भेदास्तत्र व्यवस्थिताः || ९ ||

पुष्करद्वीपवर्णनम् |
अन्तिमे पुष्करद्वीपे मानसोत्तरपर्वतः |
मध्ये वलयवद्भाति तस्योच्छ्रायो भिधीयते || १० ||

योजनानां सहस्त्राणि पञ्चाशत्तत्समुन्नतिः |
तावानेवस्य विस्तारो द्वीपं तद्विभजन्निव || ११ ||

स्थितश्शैलवरो ब्रह्मन् द्वे वर्षे परिम़ण्डले |
शैलस्य चान्तर्मानस्य बहिश्च सदृशे उभे || १२ ||

शैलस्तास्तं मानसस्य |
तन्मूर्ध्नि लोकपालाना मिन्द्रादीनां यधा पुनः |
पुरस्सन्ति पुवस्तासां नामान्यपि यथापुरम् || १३ ||

क्रमाम्. न्यान्यर्णवोत्तरैः || १५ ||

नाभ्यर्णनान्तरैः न्यान्यर्णवान्तरैः |
लोकालोकाचलवर्णनम् |
स्वादूदकाद्बहिर्भूमिस्सर्वा चैव हिरण्मयी |
तपनीयमयो ब्रह्मन् लोकालोकाचलो बहिः || १६ ||

भूलोकस्य समस्तस्य सालव च्चतुरश्रकम् |
आवृत्य तिष्ठतस्तस्य योजनायतमुन्नतिः || १७ ||

समिपम्. लोकालोकस्स च पुनस्समन्ताद्वेष्टितो गिरिः |
बहिरण्‍डकटाहेन महता समनन्तरम् || २२ ||

लोकस्य च पुनस्तस्य. ११. मानसात् |
योजनानामियं पृथ्वी पञ्चाशत्कोटिभिर्मता |
सहैवाण्‍डकटाहेन सद्वीपाभ्धिमहीधरा |
अनया ध्रियते सर्वं जगद्धात्री ततः स्मृता || २३ ||

Kapitel 11

पाद्मसंहितायाम् |
एकादशोऽध्यायः |
उक्तानुवादपूर्वकमतलादिवर्णनम् |
श्रीभगवान् |
एष भूलोकविस्तारः कथितः कवलासन |
लोकानधस्तादधुना सप्त वच्मि यथातथम् || १ ||

अतलं प्रथमं लोकं द्वितीयं वितलाह्ययम् |
अतलं प्रथमं लोको द्वितीयं वितलं तधा |तृतीयं नुतलं ज्ञेयं चतुर्थं नितलाह्वम्|| महद्रसातलं चैव तलातलमिति स्मृतम् || तृतीयं नितलं विद्धि ज्ञेयं तुर्यं गभस्तिमत् || २ ||

पञ्चमं महदाह्वानं सुतलं षष्ठमीरितम् |
पातालं सप्तमं विध्या त्ते चैकैकं समुच्छ्रिताः || ३ ||

तेकैकं तु |
योजनानां सहस्त्राणि दशै तेष्वतलादिषु |
वसन्ति दानवा दैत्याः कालेयाः फणिनस्तथा || ४ ||

स्वर्गेपि न भवन्त्येव ये भोग स्त्वतलादिषु |
भक्ष्यं भोह्यं तथा पेयं स्वादिष्टं गुणवत्तरम् || ५ ||

प्रासादभूमयो रम्याः काननानि च निम्नगाः |
नागकन्याश्च शतशस्सन्ति सर्वाङ्गशोभनाः || ६ ||

काञ्चनानि |
रत्नानां दीप्तीजालेन ध्वान्तेध्वस्ते दिवानिशम् |
नार्कोन चन्द्रमास्तत्र जनै राकाङ्क्ष्यते क्वचित् || ७ ||

ध्वानैऽपासै |
याप्रीति र्वसतां तत्र न सा मुक्तात्मनामपि |
यद्भोक्तुमिष्यते वस्तु दृश्यते तदुपस्थितम् || ८ ||

स्सर्वदा |
न मृग्यतेक्वचि द्वापि वस्तु तद्भोगतत्परैः |
स्वर्गादष्टगुणं भोगमतलादिषु सप्तसु || ९ ||

द्ध्यात्वा |
भुञ्जते भोगनिरताः रक्षोदै तेयदानवाः |
न दरिद्रा न रोगार्ता न कृशा न च दुःखिताः || १० ||

बिलानि शतशस्सन्ति विपुलानि समन्ततः |
सहस्रफणवान्विष्णुः कपिलो साम सप्तमे || ११ ||

पातालाख्ये तलादीनामास्ते रक्षंश्च केवलम् |
सर्वैः पारिषदैस्सार्धां पुरे महति शोभिते || १२ ||

रक्षाय. मवस्थितः |
सप्तानामतलादीनां शेषाख्यो बलवत्तरः || १३ ||

मधस्थ्सितः |
फणासहस्रसुभगो मणिभिर्दीपयन् दिशः |
अनन्त इति च प्राज्ञेः ख्यातो लोके महर्षिभिः || १४ ||

तस्य मूर्धानि मालेव ध्रियते सकला मही |
कुर्वन् सुरादिदैतेया नबलानात्मतेजसा || १५ ||

किरीटी स्रपग्धरस्सुभ्रूर्मदघूणितलोचनः |
नीलवासास्तिततनुः कैलास इव भूधरः || १६ ||

किरीटस्रग्धश्शश्वत् शश्वत्सान्निध्या यया |
लाङ्गलं मुसलं बिभ्रदायुधं दैत्यदारणम् |
उपास्यमानो वारुण्या शश्वत्सन्निदधानया || १७ ||

पदादिभिः |कल्पावसाने वक्त्रेभ्यो यस्य सङ्कर्षणश्शिवः |
निष्क्रामति जगत्सर्वं संहर्तुं विषपावकः || १८ ||

आस्ते सम्पूजितस्सर्वैः पातालतलवासिभिः |
नास्य वर्णयुतुं शक्ता गुणा वक्तृशतैरपि || १९ ||

यदा मदेन मुर्दानं कम्पयन्नवतिष्ठते |
तदा महीतलं सर्वं साद्रिवारिधिकाननम् || २० ||

कम्पते कः क्षमेतास्य बलं वक्तुमशेषतः |
अधस्साच्छेषफणिनः कूर्मः काला नलस्थितिः || २१ ||

नवस्थितः ननस्थितः |
शिखासहस्रजटिलो दुस्सहः कमलासन |
आधारशक्तिरे तस्माद धस्ताद्वैष्णवी तनुः || २२ ||

वास्मात्तस्या अधस्तात् |
अनन्तरमथै तस्याः भवत्यण्‍डकटाहकः |
कर्मणः पुण्यरूपस्य कथिताः फलभूमयः || २३ ||

अधुना पापरूपस्य कथ्यन्ते फलभूमयः |
भुवो जलस्य चाधस्नान्नरकाख्या भुवस्स्मृताः || २४ ||

र्म |
रौरवं प्रथमं तश्च महत्पूर्वमनन्तरम् |
तप्तपुत्थलिका कुम्भी शूलारोपणमीरितम् || २५ ||

तप्तलोमया |
सूच्यग्रंच क्षुरं चैव खड्गकृन्तनमन्वतः |
सूकरं तैलकुम्भंच महाज्वाला च तापनम् || २६ ||

खड्गकर्तरिमन्यतः व्याघ्रसिंहवृकादिकम् |
तप्तस्तम्भं शुना भक्ष्यं शाल्मली हेमपुष्पिता || २७ ||

व्याघ्रसिंह मृगादिकं अन्यत्र सिंह तप्तादियन्त्रकम्. लालोदकं रक्तसिन्धु श्शक्तिभिश्छेदनं तथा |
एवमूदीनि चान्यानि फलान्याहुर्विकर्मणाम् || २८ ||

ललोदरम् |
नरकाणामसङ्ख्याना मेषा दिक्कथिता मया |
पतितास्तेषु पापिष्ठा जन्तवो भुञ्जते फलम् || २९ ||

न कर्मणां क्षयो ब्रह्मन् विना भोगैः पृथग्विदैः |
ज्ञानाग्निस्सर्वकर्माणि भस्मसात्कुरुते दृढम् || ३० ||

Kapitel 12

पाद्मसंहितायाम् |
द्वादशोऽध्यायः |
भुवरादिलोक स्वरूप निरूपणम् |
ब्रह्मा |
विस्तारः कथितो भूमेः लोकास्सफ्तातलादिकाः |
नरकाणि तथोक्तानि सांप्रतं भगवन्मम || १ ||

भुवः प्रभृतिलोकानां रूरं मानं च कथ्यताम् |
श्रीभगवान् |
यावत्प्रमाणा वृथिवी विस्तीर्णा परिमण्डला || २ ||

तावद्भुवस्थ्सलं ब्रह्मन् विस्तीर्णं परिमण्डलम् |
भूसूर्ययोरन्तरमानादि |
उपरिष्टात्क्षितेर्व्योम्नि लक्षयोजनसङ्ख्यया || ३ ||

रविस्तिष्ठति तिग्मैस्स्वैरंशुभिर्भासयन् जगत् |
रथमास्थाय भगवान् बहुयोजन विस्तृतम् || ४ ||

मेरुं स्वैः इति क्वचित् अन्यत्र खेस्त्वेरम् इति. विभाग हेतुरुषसामह्ना मपि गतिक्रमात् |
प्राग्भागेहेतुपुरुषसामान्य वगति क्रमात्. योगिनां परमः पन्थाः स्मृतः क्लेशपरिक्षये || ७ ||

इदमर्धं क्वचिन्नास्ति. भानुस्सर्वत्र सम्मुखः || ८ ||

भानोः |
दर्शनादर्शने भानो रुदया स्तमयौ मतौ |
यैर्मत्र दृश्यते भानुस्स तेशामुदयस्स्मृतः |
याति यत्र तिरोभावं तत्रास्तमयधीर्नृणाम् || ९ ||

यदायत्र दिरोभावस्तत्रा |
स्फीता भवन्ति पूर्वाह्णे रस्मयोऽर्कस्य सन्तताः |
ह्रस्वीभवन्ति पश्चात्तु यावत्तेषामदर्शनम् || १० ||

वर्जयित्वा पुरीं धातुस्सर्वतो मेरुभूधरे |
पतन्ति भानवो भानोस्तिर्य गूर्ध्वमधस्तथा || ११ ||

सभां तु ब्रह्मणो गत्वा प्रस्थितं पान्ति यो पुनः |
ब्रह्मणस्तेजसा तेन नान्यत्र स्खलनं क्वचित् || १२ ||

प्रतिपद्यन्ति ते |
भुवलोकः |
भूसूर्ययोरन्तरालं भुवस्थ्सलमुदाहृतम् |
विद्याधराश्च गन्धर्वा स्सिद्धाश्च सह दानवैः || १३ ||

वसन्ति मुदिता स्वेषु पुरेष्वेव पृथक्पृथक् |
सूर्यध्रुवयोरन्तराले इतरग्रहनां स्थितिः |
लक्षे दिवाकरस्थानाश्छशिनः स्थानमीरितम् || १४ ||

तस्योपरिष्टात्तष्ठन्ति नक्षत्राणि यथायथम् |
लक्षत्रयमतीत्योर्ध्वं बुधस्य स्थितिरुच्यते || १५ ||

उशना तु स्थितो लक्षद्वयमु त्तीर्य तिष्ठति |
तद्योजनान्यतिक्रम्य भौमन्ति ष्ठति सर्वदा || १६ ||

तावत्प्रमाणेऽवस्थानं गुरो स्तस्योपरि स्थितिः |
शनैश्चरस्तत्प्रमाणमतीत्योर्ध्वं रवेस्सुतः || १७ ||

लक्षलक्ष क्रमादूर्ध्वं नक्षत्रं मुनयः परे |
परस्सहस्रं ऋषयस्सन्त्युपर्यूर्ध्व गामिनः || १८ ||

लक्षद्वयात्क्रमादूर्ध्वं तिस्रस्सन्ति न सन्त्यस्य मासपास्तेष्वरेषु ते |
मेषादयोप्यरेष्ववं मीनान्ताद्वादश स्थिताः || २० ||

तिस्रस्सन्ति वसन्त्यत्र मासपक्षे विलासिते. अन्यत्रतिस्रस्सन्तिवनन्तस्य मासाद्यासैषु रेभिरे |इति अत्र आशुद्धमिन भाति विषुवद्वायनद्वयम् || २१ ||

विषुवाह्यमनद्वयम् |
सितासितौ च पक्षौ द्वौ युगभेदाश्च वत्सराः |
त्रुट्यादयः कालभेदाश्चक्रधारासु विष्ठिताः || २२ ||

ध्रुवः स्थितो ना भिमध्ये प्रादक्षिण्येन राशयः |
प्रसव्येन ग्रहास्सर्वे चरन्ति गतिरीदृशी || २३ ||

कुलालचक्रमध्यस्थमृत्पिण्ड सदृशो ध्रुवः |
भ्रमन्ति परितस्सर्वे ध्रुवं ज्योतिर्गणास्सदा || २४ ||

सुवर्लोकः |
आदित्यध्रुवयोर्मध्ये देशस्य्वर्गसमाह्ययः |
वसन्ति तस्मिन् गीर्वाणा विमानेषु पृथक्पृथक् || २५ ||

असङ्ख्याता नित्यतृप्ताः ज्योतिर्मयवपुर्धराः |
तेषां गङ्गाजलं सेव्यं पुष्पाणि सुरभूरुहाम् || २६ ||

असङ्ख्यानित्यतृप्तासै |
धनं च चिन्तामणयः स्त्रियश्चाप्सरसः स्मृताः |
सिद्धादयो वपन्तिस्मपुरेषु निरुपद्रवाः |
उतेन्द्र मूर्तिर्भगवा नासीवन्तत्र सर्वदा || २७ ||

भूसूर्ययोरन्तरालं भुवस्थ्सलमितिस्मृतम्. इदमर्धं अत्र प्रमादपतितं क्वचित्को शे |
रक्षति स्वर्गनिलयन् देवादीन् स्वेन तेजसा |
भूर्भवस्स्वस्त्रयोलोकाः लक्षाः पञ्चदश स्मृताः || २८ ||

ततः परं महर्लोकः कोतियोजनमायतः |
सनन्दनाद्या मुनयो वसन्ति दशकोटयः || २९ ||

जनोलोकादि निरूपणम् |
ततः परं जनोलोकः कोटिद्वयसमायतः |
अनन्तरं तपोलोकः स्थितः कोटिभिरष्टभिः || ३० ||

योजनानां सत्यलोकः पुनस्त्रिगुणमायतः |
कोटित्रययुतं तस्मादूर्ध्वं धातुः पुरं स्थितम् || ३१ ||

योजनानामित्यर्धक्वचिन्नास्ति. सालप्रासादगोपुरम् || ३२ ||

सालप्राकारसंकुलम् |
प्रकृतिमण्‍डलस्थ विष्णुलोकः |
उत्तरेण ब्रह्मलो काद्द्विष्णुलोकं विदुर्बुधाः |
अन्तरं लोकयोरुक्तं लक्षयोजनसंमितम् || ३३ ||

शिवलोकः |
तावत्ये वा न्तरालेऽस्य दक्षिणस्यां दिशि स्थितः |
शिवलोकश्चतुर्वक्त्र तस्मिन्ना स्ते शिवस्स्वयम् || ३४ ||

उर्ध्वक्रमेण भगवतः पञ्चलोकाः |
योजनानां कोटि मूध्वन् मुल्लङ्घ्य पुरतः स्थितः |
सर्वात्वा भगवासूर्ध्वं तस्मात्कोटित्रयाय ते || ३५ ||

कोटिरूर्ध्वे उल्लंघ्ये पुरतस्थ्सिते |निवृत्यात्मा निवसति भगवानव्ययस्स्वयम् |
तावत्येव स्थितो माने विश्वात्मा विश्वकृद्धरिः || ३६ ||

पुरुषात्मा पुरस्तात्तु चतुष्कोटि प्रमाणके |
स्थितः कोटीरतीत्योर्ध्वं पञ्च पश्चादवस्थितः || ३७ ||

परस्मात्तु. विष्टरम् |
अध्यास्ते भगवान्नित्यं शङ्खचक्र गदादरः || ३८ ||

विष्टपं |
पश्चशक्तिमयो विष्णुः कोटियोजनसंमिते |
आस्ते श्रीभूमिसहितो वैन तेयेन सेवितः || ३९ ||

अण्‍डभित्तिः |
अण्‍डभित्तिरुपर्यस्य स्थितो र्ध्वे कोटियोजने |
घनं च तस्याः कोट्या तु संमितं कमलासन || ४० ||

स्थितार्धा. तद्दशो त्तरसङ्ख्ये वारिणा परिवेष्टितम् || ४२ ||

तद्धेशान्तरसंख्येन |
आवृत्याण्डं यथावारि स्थितं तद्यत्तदग्निना |
स वायुना तद्वदेव स व्योम्ना च समावृतः || ४३ ||

अवृत्य तद्यथावारि वह्निना परिसङ्खया |
सर्वं दशोत्तरं विद्यात्तद्व्योम महतावृतम् |
महांश्च स प्रधानेन प्रधानं तमसावृतम् || ४४ ||

मया सर्वप्रधानेव. एवं निरूपणस्य सङ्गतिश्विन्त्या |
तदनन्तमपर्यन्तं न सङ्ख्या तत्र विद्यते |
हेतुभूतम शेषस्य तमसः प्रकृतिः परा || ४५ ||

सङ्ख्या तत्र न विद्यते |
अण्‍डानामसङ्ख्यातत्वम् |
अण्‍डानामीदृशां ब्रह्मन् सहस्राण्ययुतानि च |
बहुनापि किमु क्तेन सङ्ख्या वक्तुं न शक्यते || ४६ ||

नारायणेनान्तर्बहिर्व्याप्तिः |
अण्डानि तानि सर्वणि व्याप्य नारायणः स्थितः |
अन्तश्च तेषां भगवान् सर्वव्यापी परः पुमान् || ४७ ||

बहिश्च साक्षिवत्सर्व मीक्षमाणोऽवतिष्ठते |
चत्वारोव्यूहिलोकाः |
महतस्तमसो भाह्ये लोका स्सुबहुयोजनाः || ४८ ||

भह्यो योगः |
चत्वारः क्रमशस्सन्ति चतुर्भिस्समधिष्ठिताः |
व्यूहैः क्रमेण वक्ष्ये ताननिरुद्धः परः स्मृतः || ४९ ||

प्रद्युम्नोऽन न्तरं तेषां सङ्कर्षण समाह्वयः |
वासुदेवस्ततः पश्चाद्व्यूहाख्यः कमलासन || ५० ||

विभवाख्यो वासुदेवस्तदनन्तरमीरितः |
अनादिर्वासुदेवश्च तयोर्लोका वनुक्रमात् || ५१ ||

प्यूहाख्यो वसुदेवस्तु |
ततो नारायणस्यापि लोकस्तन्निकटे स्थितः |
एकैकस्यान्तरं कोटिर्योहनानामुदीरिता || ५२ ||

स्मृत्यो श्रिमहीभ्यां सह स्थितः |
तावानेव च विस्तारसैषामति मनोहरः |
वैकुण्ठलोकः |
तेभ्यो बहिस्थ्सितो लोको यत्रास्ते भगवानजः || ५३ ||

अनादिर्वासुदेशाख्यश्शोभिते मणिमण्टपे |
शेषभोगासने दिव्ये श्रीभूभ्यां सममास्थितः || ५४ ||

भवति यत्किञ्चित् |
व्याप्त्यादिभिस्तथाष्टाभिश्शक्तिभिः परिवारितः |
वालव्यजनहस्ताभि स्त्येव्यमानाभिरन्तिके || ५५ ||

सेनेशाद्यैः पारिषदैश्च क्राद्यैरायुधैरपि |
प्रणमद्भिस्सेव्यमानस्सामीप्यादिपदस्थितैः || ५६ ||

मुक्तैश्च पञ्चकालज्ञैस्तिद्धैः किङ्करतां गतैः |
उपास्यमानस्सततं द्वादशाक्षरचिन्तकैः || ५७ ||

अष्टाङ्गयोगसंसिद्धैर्बहुभिर्भगवन्मयैः |
पञ्चरात्रार्धतत्वज्ञैर्नित्यतृप्तैस्तमीपगैः || ५८ ||

यथार्हं भगवच्छेषकर्मनिष्ठेर्महात्मभिः |
दिगेषा कथिता ब्रह्मन् धन्यानां तत्र तिष्ठताम् || ५९ ||

अन्तर्गतानां लोकाना मण्डेषु बहिरप्यथ |
विस्तारः कथ्यते नैव दुर्ग्रहत्वाद्भवादृशैः || ६० ||

कथितो |
पदार्थनिगमनम्. |
सारमात्रं समुद्धृत्य सर्पतस्समुदाहृतम् |
ब्रष्मणाकृतज्ञताप्रकाशनम् |
ब्रह्माः |
ज्ञानं भगवतः किञ्चिदज्ञानं ये न हव्यते || ६१ ||

भवति यत्किञ्चित् |
नष्टमज्ञान तिमिरं ज्ञानं तद्धर्शितं महत् |
सर्वे च संशया नष्ठाः प्रसादा द्भगवन्मम || ६२ ||

द्भतो मम |
यथोक्तज्ञानस्य संप्रतायशुद्धिः |
पद्मः |
इति गुह्यतमं ज्ञानं भगवान् ब्रह्मणे ददौ |
ब्रह्मापि तद्यथातत्वं कपिलायावतारयत् || ६३ ||

कपिलोपि महर्षिस्तत् ज्ञानं मम यधातथम् |
ददौ तुभ्यं तदत्येनं पारंपर्यक्रमागतम् || ६४ ||

सिद्धान्तज्ञानमुत्कृष्टं त्वय्यनुग्रहकाम्यया |
भगवन्मयमाख्यातं रहस्यतरमद्भुतम् || ६५ ||

संवर्तज्ञरान |
भगवन्मयमाख्यातं रहस्यतरमद्भुतम् |
भगज्ज्ञानस्य अपात्रे अनाख्येयत्वम् |
नैतद्गुह्यतरं ज्ञानमाख्येयमतिमानिने |
नाभक्ताय न हीनाय न चाशुश्रूषवे पुनः || ६६ ||

नादीक्षिताय दातव्यं न कृतघ्नाय पापिने |
स नास्तिकाय चाख्येयं न च पाषण्डिने तथा || ६७ ||

न हीनवर्णिने नैव पिशुनाय दुरात्मने |
नैव चानुप नीताय न बाह्या गमसङ्गिने || ६८ ||

सन्नाय |
न चाप्यसूयवे चापि त्यक्ताचाराय पर्हिचित् |
योग्रपत्र निरूपणम् |
वक्तव्यं च विनीताय शुद्धाय ब्रह्मचारिणे || ६९ ||

शुश्रूषवे प्रसन्नाय व्रतिने वशिने तथा |
आश्रमस्थाय संसारविमुखाय मुमुक्षवे || ७० ||

यतये |
जिज्ञासमानाय तथा पाञ्चरात्रो दितां क्रियाम् |
सुशीलाय कृतज्ञाय ऋजवे ऋजुबुद्धये || ७१ ||

दितिक्रमाम् |
छन्दांस्यधीतिने साङ्गं कुलीनाय तपस्विने |
त्रैवर्णिकाय संवर्त महर्षे संहितामिमाम् || ७२ ||

Vom Schriftwissen zur befreienden Erkenntnis

Am Anfang steht keine Gleichgültigkeit gegenüber dem Lernen. Die Fragenden haben die Schriften ernsthaft studiert. Gerade deshalb bemerken sie, dass die Fülle des Wissens ihre tiefste Frage noch nicht beantwortet hat: Wie wird das Leiden des Saṃsāra überwunden? Saṃvarta bittet in 1.13–14 um eine reine, zweifelsfreie Erkenntnis, die ihn tatsächlich hinüberführt.

Der Jñānapāda versteht diese Erkenntnis als Erkenntnis des erhabenen Herrn. In 2.6 wird Vijñāna ausdrücklich so erklärt. Die Welt erscheint nicht unabhängig vom Göttlichen: Sie entsteht in ihm, wird von ihm getragen und von ihm durchdrungen. Dennoch bleibt die höchste Wirklichkeit größer als jede einzelne Erscheinung.

Für heutige Yoga-Aspiranten liegt darin eine anregende Unterscheidung: Über eine Lehre sprechen zu können und sich durch sie verwandeln zu lassen, sind unterschiedliche Schritte. Svādhyāya, Nachdenken und Meditation können einander ergänzen. Die Worte einer Schrift gewinnen Tiefe, wenn sie zu einer ehrlichen Frage an das eigene Leben werden.

Handeln ohne Anhaften

Kapitel 4.14 formuliert klar: Wer nur nach den Früchten seines Handelns verlangt, wird gebunden; wer ohne dieses Verlangen handelt, wird nicht gebunden. Der Text verwirft das Handeln also nicht pauschal. Entscheidend ist auch die Haltung, aus der es geschieht.

In Kapitel 7 wird die Läuterung des Geistes mit einer ganzen Reihe von Haltungen verbunden: Gewaltlosigkeit, maßvolles Essen, Selbstbeherrschung, Geduld, Freundlichkeit, Dienst an Älteren und Aufrichtigkeit. Die Aufzählung umfasst außerdem traditionelle Formen von Tapas, Gelübden und Entsagung. Man sollte sie nicht auf eine einzige Lieblingsübung verkürzen.

Eine heutige Anwendung kann darin bestehen, bei einer Aufgabe aufmerksam zu bleiben und zugleich das Bedürfnis nach Anerkennung zu beobachten. Das ist eine praktische Annäherung an Karma Yoga, keine vollständige Umsetzung der historischen Lebensordnung des Werkes.

Māyā, die drei Guṇas und das Vergessen des eigenen Wesens

Māyā verbindet den Puruṣa mit der dreifachen Prakṛti. Der Text beschreibt Bindung auch als ein Vergessen des eigenen Wesens, ähnlich einem Überwältigtwerden durch Schlaf. Damit ist nicht einfach jeder körperliche Schlaf als spirituelles Versagen gemeint. Die Schlafbilder erläutern eine Unklarheit des Bewusstseins und seine Verstrickung in Erfahrungen.

Sattva, Rajas und Tamas erscheinen als unterschiedliche Prägungen des Geistes und des Handelns. Sattva erhellt, Rajas bewegt und bindet an Tätigkeit, Tamas verdunkelt. Kapitel 7 schildert diese Einflüsse bis in sehr konkrete Vorstellungen und Handlungen hinein. Einige Zuordnungen sind sprachlich beschädigt und sollten nicht zu einer vermeintlich exakten Psychologie ausgebaut werden.

Praktisch lässt sich fragen: Was bringt Klarheit in meinen Geist? Was verstärkt Unruhe, und was macht mich stumpf? Eine solche Selbstbeobachtung ist hilfreich, wenn sie freundlich und ohne starre Selbstverurteilung geschieht. Sie ist eine heutige Anwendung der Guṇa-Lehre.

Vertrauen, Hingabe und Sammlung

In 7.39–40 nennt der Text drei tragende Haltungen: Śraddhā, Bhakti und Samādhi – Vertrauen, Hingabe und Sammlung. Sie sollen dem göttlichen Herrn ganz dargebracht werden. Erkenntnis ist damit kein bloßes gedankliches Beherrschen eines Gegenstandes; der ganze Mensch ist angesprochen.

Der Text betont zugleich die göttliche Gnade. Das kann für heutige Leser eine Erinnerung sein, die Praxis ernst zu nehmen, ohne jede innere Entwicklung als persönliche Leistung besitzen zu wollen. Aufmerksamkeit lässt sich üben; tiefe Einsicht bleibt auch etwas, wofür man sich öffnet.


Brahman: Licht, Bewusstsein und göttliche Gegenwart

Die Beschreibung Brahmans in Kapitel 5.28–38 gehört zu den besonders erhebenden Passagen: unveränderlich, frei von Gegensätzen, aus sich selbst leuchtend, unendlich, friedvoll, von der Natur des Bewusstseins. Der Text spricht zugleich von Gestaltlosigkeit und göttlicher Gestalt, von einem Jenseits der Eigenschaften und von vollkommenen göttlichen Eigenschaften.

Diese Sprache lädt zur Betrachtung ein, statt das Göttliche auf einen einzelnen Begriff festzulegen. Das Bild der Lampe in 6.25 erklärt Bewusstsein als dasjenige, das sich selbst und anderes offenbar macht. Der Vergleich mit Öl im Sesam und Butter im Joghurt in 6.27–29 beschreibt eine Gegenwart, die nicht immer unmittelbar sichtbar ist, aber erschlossen werden kann.


Einheit, Nähe und Dienst

Der Jñānapāda enthält starke Aussagen über Einheit. In 4.17 sagt der Herr von den Befreiten: „Sie werden eben ich selbst.“ In Kapitel 6 erscheinen Regen und Flusswasser als Bilder des Zusammenfließens. Zugleich beschreibt der Text befreite Seelen als Dienende in Gottes Nähe.

Kapitel 8.28–34 unterscheidet ausdrücklich drei Weisen: Befreiung mit Unterschied, ohne Unterschied und eine gemischte Form. Dienst in der Nähe des Herrn und Einheit mit dem höchsten Selbst werden damit innerhalb desselben Werkes besprochen. Die abweichende Lesart zu 8.32 verneint die Einheit sogar ausdrücklich. Wer diese Spannung wahrnimmt, liest genauer, als wenn er alle Stellen einer einzigen späteren philosophischen Formel unterordnet.

Für die spirituelle Betrachtung können beide Zugänge wertvoll sein: sich als dem Göttlichen zugehörig zu erfahren und in der Meditation nach dem innersten Selbst zu fragen. Welche Deutung ein bestimmter Vers trägt, muss dennoch an seinem Wortlaut entschieden werden.

Die kosmischen Welten lesen

Die letzten vier Kapitel entfalten ein großes Bild von Kontinenten, Meeren, Gebirgen, Himmelswelten und Unterwelten. Nicht jedes räumliche Detail ist sicher überliefert. Der Text selbst bemerkt mehrfach, dass die Wirklichkeit umfassender sei, als seine Schilderung wiedergeben könne.

Wesentlich ist der Unterschied zwischen beglückenden Erfahrungen und endgültiger Befreiung. Auch überaus schöne Welten gehören zur Ordnung vergänglicher Früchte. Die lebhafte Beschreibung der Unterwelten als Orte außergewöhnlichen Genusses zeigt zudem, dass „unten“ hier nicht automatisch „Hölle“ bedeutet. Die Höllen als Strafbereiche werden erst gesondert behandelt.

Das Schlusskapitel führt über zahllose Welteier hinaus zur göttlichen Gegenwart, die alles innen und außen durchdringt. Für eine heutige Meditation kann dies die Vorstellungskraft weiten: Das eigene Leben ist eingebettet in eine Wirklichkeit, die sich nicht auf die gegenwärtigen Sorgen reduzieren lässt. Diese Betrachtung ist eine spirituelle Anwendung, keine naturwissenschaftliche Bestätigung der kosmischen Maße.

Saraswati steht für Wissen und Sprache. Die Abbildung begleitet die Frage, wie Lernen zu Einsicht wird.

Der Jñānapāda in einfachen Worten

Du kannst vieles gelernt haben und dennoch nach einer tieferen Gewissheit suchen. Diese Sehnsucht ist der Ausgangspunkt des Textes. Die Fragenden haben ihre bisherigen Wege ernst genommen; gerade deshalb bemerken sie, dass angesammeltes Wissen nicht jede Unruhe löst. Sie wünschen sich eine Erkenntnis, die nicht nur eine weitere Antwort liefert, sondern den Menschen von innen her verändert. Der Weg beginnt mit der Bereitschaft, diese offene Frage anzuerkennen.

Die Lehre wird im Gespräch weitergegeben. Ein Suchender hört, fragt nach und empfängt eine Unterweisung, die vor ihm bereits andere empfangen haben. So steht das eigene Lernen in einem größeren Zusammenhang. Der Lehrer ist nicht nur Lieferant einzelner Sätze. Er erschließt eine Richtung, in der die gehörten Worte bedacht und gelebt werden können. Zugleich erzählt das Werk seine Überlieferung aus der eigenen religiösen Perspektive. Seine Würdigung des eigenen Weges muss nicht als Abwertung aller heutigen anderen Wege übernommen werden.

Im Mittelpunkt steht Vāsudeva, die höchste Wirklichkeit, von der die Welt getragen wird. Die Vielheit der Erscheinungen entfaltet sich nicht außerhalb eines göttlichen Grundes. Der Text beschreibt Formen und Kräfte, Schöpfung und Rücknahme, Ruhe und Bewegung. Diese Beschreibungen wollen einen Zusammenhang verständlich machen: Die einzelnen Dinge sind nicht der letzte Maßstab des Wirklichen. Was wir sehen, ist in eine umfassendere Gegenwart eingebettet.

Dennoch bleibt diese Gegenwart nicht auf ihre sichtbaren Erscheinungen begrenzt. Sie wird als friedvoll, unvergänglich und aus sich selbst leuchtend beschrieben. Das Bild des Lichtes hilft, diese Sprache zu verstehen. Licht macht anderes sichtbar und zeigt zugleich sich selbst. Entsprechend wird Bewusstsein als dasjenige betrachtet, durch das Erkennen überhaupt möglich ist. Der Text bleibt dabei nicht bei einem unpersönlichen Begriff stehen. Er spricht zugleich vom erhabenen Herrn, an den sich der Mensch mit Hingabe wenden kann.

Der Mensch verstrickt sich, wenn er sein eigenes Wesen vergisst und sich ganz von den Bewegungen der Natur bestimmen lässt. Die Welt der Erfahrungen zieht ihn an: Er möchte Angenehmes festhalten, Unangenehmes abwehren und sich seiner Stellung versichern. Aus dem Handeln entstehen Folgen, und neue Wünsche setzen das Handeln fort. Die Quelle beschreibt diese Bindung mit Begriffen wie Māyā, Prakṛti und den drei Guṇas. Ihre Bilder vom Vergessen und vom Schlaf machen verständlich, dass Unwissenheit mehr sein kann als das Fehlen einzelner Informationen.

Sattva, Rajas und Tamas bezeichnen unterschiedliche Prägungen. Klarheit, antreibende Unruhe und Verdunkelung wirken auf den Geist und sein Tun. Die ausführlichen Zuordnungen des Textes gehören zu seiner historischen Lehre; nicht jede davon ist sicher überliefert. Als heutige Frage lässt sich aufnehmen, welche Gewohnheiten die Aufmerksamkeit erhellen und welche sie zerstreuen. Diese Betrachtung braucht keine starre Selbstverurteilung. Sie kann mit der nüchternen Bereitschaft beginnen, die eigenen Bewegungen genauer wahrzunehmen.

Handeln wird deshalb nicht einfach verworfen. Es kann binden, wenn es ausschließlich am begehrten Ergebnis haftet; es kann aber auch zur Läuterung beitragen. Wahrhaftigkeit, Mitgefühl, Geduld, Selbstbeherrschung und Aufrichtigkeit bereiten einen anderen Umgang mit der Welt vor. Der Weg der Erkenntnis wird dadurch zu einer Frage des Lebens. Wie begegne ich anderen? Wie gehe ich mit meinen Wünschen um? Kann ich eine Aufgabe sorgfältig erfüllen, ohne meinen ganzen Wert von ihrem Erfolg abhängig zu machen? Diese Fragen sind heutige Annäherungen an die im Text gelehrte Haltung.

Studium und innere Übung gehören zusammen. Eine Lehre muss zunächst gehört und verstanden werden. Danach braucht sie Raum zum Nachdenken und zur Sammlung. Wer nur möglichst viele Sätze sammelt, kann die ursprüngliche Frage aus dem Blick verlieren. Wer nur einer inneren Stimmung folgt, übersieht vielleicht die Korrektur, die ein genauer gelesener Vers ermöglicht. Die beiden Bewegungen können einander stützen: Die Schrift gibt Richtung, die eigene aufmerksame Betrachtung lässt ihre Bedeutung tiefer werden.

Vertrauen, Hingabe und Sammlung tragen diesen Weg. Vertrauen öffnet für die Möglichkeit, dass die gegenwärtige Verstrickung nicht das letzte Wort ist. Hingabe richtet den ganzen Menschen auf das Göttliche aus. Sammlung führt die Aufmerksamkeit aus ihrer Zerstreuung zurück. Im Text werden diese Haltungen dem göttlichen Herrn dargebracht. Erkenntnis erscheint damit nicht als Besitz, durch den man über alles andere verfügt, sondern als eine Beziehung, in der sich die eigene Sicht verändern kann.

Auch Gnade hat ihren Platz. Die Praxis ist wichtig, doch nicht jede innere Öffnung wird als vollständig selbst hergestellte Leistung beschrieben. Das kann heutigen Lesern helfen, Anstrengung und Empfänglichkeit zusammenzuhalten. Man kann regelmäßig üben und zugleich darauf verzichten, jede Erfahrung zu erzwingen. Eine stille Zeit wird nicht wertlos, weil sie unspektakulär bleibt. Diese heutige Anwendung nimmt die im Werk vorhandene Verbindung von Übung und göttlicher Zuwendung auf, ohne sie auf eine psychologische Technik zu reduzieren.

Bei der Befreiung verwendet der Text verschiedene Bilder. Er spricht von Einheit mit dem höchsten Selbst, vom Zusammenfließen wie Wasser und von bleibender Nähe zum Herrn. Ebenso bleibt die Sprache des Dienstes erhalten. Diese Aussagen müssen nicht vorschnell in eine einzige Formel gepresst werden. Die Quelle selbst unterscheidet verschiedene Weisen der Befreiung, und manche Lesarten widersprechen einander. Ein sorgfältiger Leser darf diese Spannung stehen lassen. Die Frage nach dem innersten Selbst und die freudige Zugehörigkeit zum Göttlichen begegnen innerhalb desselben Werkes.

Die großen Weltenbilder erweitern schließlich den Horizont. Kontinente, Meere, Himmelsräume, Unterwelten und göttliche Wohnstätten werden beschrieben. Sie sind religiöse Kosmologie, keine moderne Landkarte. Auch außergewöhnlich schöne Daseinsbereiche gehören zum Zusammenhang von Handlung und Frucht. Ihre Genüsse sind deshalb nicht einfach mit endgültiger Befreiung gleichzusetzen. Das Werk führt den Blick über das besonders Angenehme hinaus zu einer Wirklichkeit, die nicht von seinem Wechsel abhängt.

Am Ende steht die Auflösung des Zweifels und die Weitergabe der Lehre. Das Empfangene soll nicht beim einzelnen Hörer enden. Wer klarer sieht, kann anders leben und anderen eine Orientierung eröffnen. Für heutige Yoga-Aspiranten liegt darin eine schlichte Einladung: Verbinde die Suche nach Wahrheit mit Aufrichtigkeit, Hingabe und geduldiger Sammlung. Erwarte nicht, jede beschädigte oder schwierige Stelle sofort zu verstehen. Gib dem klar Erkannten einen Platz im Leben. So kann das Studium mehr werden als ein Vorrat an Gedanken: ein Weg, auf dem Aufmerksamkeit und Herz gemeinsam reifen.

Bedeutung für Yoga-Aspiranten

Lies den Jñānapāda langsam. Ein Vers über Geduld oder das Licht des Bewusstseins kann für einen Tag genügen. Frage nicht nur, was er behauptet, sondern auch, welche Haltung er in dir anregt. Lass dabei unsichere Stellen offen, statt ihnen vorschnell eine gewünschte Bedeutung zu geben.

Die vielleicht stärkste Einladung lautet: Verbinde die Suche nach Wahrheit mit der Weise, wie du lebst. Ein klarer Geist, ein freundliches Wort und eine aufrichtige Handlung können den Boden bereiten, auf dem Meditation tiefer wird. So wird das Studium zu einem Teil der Sādhanā.

Quellen und verwandte Texte

Primäre Quelle: „z pADMA.txt“, Jñānapāda, Kapitel 1–12, einschließlich der dort überlieferten Varianten, Lücken und editorischen Zusätze. Die deutsche Fassung ist eine Übersetzung dieser Grundlage. Es wurde keine unabhängige kritische Edition erstellt.

Zum weiteren Vergleich: Sattvata Samhita, Ahirbudhnya Samhita, Jayakhya Samhita, Lakshmi Tantra, Vishnu Samhita, Parama Samhita, Parameshvara Samhita, Ishvara Samhita, Narada Samhita, Parashurama Kalpasutra. Die Aufzählung im ersten Kapitel nennt zahlreiche Titel; sie beweist nicht, dass jede heute unter einem ähnlichen Namen bekannte Schrift dieselbe Textgestalt besitzt.

Bhakti Yoga

27.10.2026 - 27.10.2026 Mantra-Konzert mit Shamana OM

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Shamana OM
31.10.2026 - 31.10.2026 Mantra-Konzert mit Gruppe Mudita

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Im Gespräch mit anderen Tantra-Schriften

Die Ahirbudhnya Samhita vertieft die Beziehung von Nārāyaṇa, göttlicher Kraft, Erkenntnis und Gnade. Im Lakshmi Tantra wird diese Welt aus der Lehre Lakṣmīs erschlossen. Tripura Rahasya verbindet in einer shaktischen Tradition Hingabe mit der Frage nach dem Bewusstsein; das Shiva Sutra formuliert diese Frage in knappen śivaitischen Lehrsätzen. Beim Vergleich lohnt es sich, auf drei Unterschiede zu achten: Wer spricht? Wie wird Bindung erklärt? Wie verhalten sich Erkenntnis und Hingabe zueinander? So weitet sich das Verständnis, ohne alle Texte auf dieselbe Aussage festzulegen.

Siehe auch

Die Padma Samhita lesen: Werküberblick · Yogapāda · Jñānapāda · Kriyāpāda 1–23 · Kriyāpāda 24–32 · Caryāpāda 1–28 · Caryāpāda 29–33 · Kriyāpāda in Devanagari · Caryāpāda in Devanagari · 108 Lesestellen und Mantras.

Veröffentlichte Tantra- und Āgama-Artikel zum Weiterstudieren:

Die Bezüge erläutern gemeinsame Fragen und unterschiedliche Antworten. Sie setzen weder dieselbe Ritualordnung noch eine nachgewiesene historische Abhängigkeit voraus.


Erkenntnis darf im Leben reifen

Vielleicht bleibt nach dem Studium zunächst eine offene Frage. Halte sie mit Geduld, statt sie vorschnell zu schließen. Verbinde Lernen mit Meditation und einer aufrichtigen Handlung. Das Bild des Lichtes lädt dich ein, wacher zu sehen; die Sprache der Gnade erinnert daran, auch empfangen zu können. So dürfen Klarheit und Vertrauen gemeinsam wachsen.

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