Ich

Aus Yogawiki

Ich : Artikel am Entstehen. Hier erscheint in Kürze ein Artikel zum Thema Ich. Video und Audio zum Thema kannst du dir schon anschauen oder anhören.

Ich - erläutert vom Yoga Standpunkt aus

Ich

Ich bezeichnet den Menschen als Individuum im Unterschied zum Du. Ich – Du – Es sind drei Aspekte, mit denen der Mensch in Beziehung tritt. Ich heißt Beziehung zu mir selbst. Du bist die Beziehung zu einem Wesen. Es ist die Beziehung zu dem, was man nicht als Individuum wahrnimmt.

Ich – Du – Es sind drei Begriffe, mit denen man menschliche Erfahrungen unterscheidet. Ich ist die Selbstbezeichnung eines Menschen für die eigene Individualität. Man spricht manchmal auch vom höheren Ich und vom niederen Ich. Das niedere Ich kümmert sich um Körper, Sinne und Vergnügen. Das höhere Ich strebt nach höheren Erfahrungen, strebt danach, andere glücklich zu machen und das zu tun, was die eigentlichen Aufgaben sind. Das niedere Ich wird von Emotionen, Trieben und Wünschen beherrscht. Das höhere Ich will sich für Inspiration öffnen.

Ich heißt auf Sanskrit Ahamkara. Ahamkara bedeutet der Ich – Macher. Aham heißt ich bin und kara heißt Macher / Ursache. Das Ich identifiziert sich mit dem Körper und einer Psyche. Der Mensch ist eigentlich Bewusstsein, Atman, Selbst. Und dieses Atman, das Selbst, das Bewusstsein, Brahman ist eins mit der Weltenseele. Letztlich ist Atman, Selbst, eins mit Brahman, dem Göttlichen an sich. Wenn Brahman sich mit einem Körper, einer Psyche identifiziert, dann wird Brahman zu Jiva, zur individuellen Seele und diese empfindet sich als „Ich“. Die Aufgabe des Menschen ist es, das Ich-Gefühl zu überwinden und sich als Einszu erfahren mit dem Unendlichen.

Solange wir karmische Aufgaben haben, haben wir auch noch ein Ich. Denn man braucht Körper und Psyche, um etwas zu bewirken. Aber man kann das Ich lösen und als Instrument sehen. So wie man einen Hammer oder einen Löffel gut verwenden kann, so kann man den Körper und die Psyche gut verwenden. Körper und Psyche sind Instrumente der Wahrnehmung. Und um diese Aufgabe erfüllen zu können, braucht es das Ich, das die Verbindung zum Atman und Körper ist, zu den Instrumenten des Lernens und den Instrumenten, um Aufgaben zu erfüllen. Aber man sollte nicht am Ich hängen. Man sollte lernen, über die Kränkungen des Ichs hinaus zu gehen.

Die fünf Kleshas und das Ich

Patanjali beschreibt im 2. Kapitel des Yoga Sutras die 5 Kleshas. Dort gibt es die 5 Kleshas als Ursache des Leidens. Klesha heißt Leid verursachende Verhaftungen.

Da gibt es zuerst Avidya, die Unwissenheit: Man vergisst, was man wirklich ist. Dann gibt es Asmita: Ich oder Identifikation. Man identifiziert sich mit etwas. Aus dieser Identifikation mit Körper und Psyche kommt Raga (Mögen) und Dvesha (Nicht-Mögen, Ablehnung). Und dann entsteht Abhinivesha (Furcht vor dem Vergehen).

Damit ist eine der Grundursachen des Leidens das Ich. Wenn man über das Leiden hinausgehen will, muss man das Ich überwinden. Denn das Ich ist die Identifikation von Körper und Psyche. Du identifizierst dich mit deinem Künstlertum, du identifizierst dich mit deinen Handwerksfähigkeiten usw. Daraus entsteht ein Mögen oder ein Nicht-Mögen. Du magst z.B. bestimmte Dinge, die deine Talente fördern. Anderes magst du nicht. Und du hast vielleicht Angst davor, Deine Talente zu verlieren. Du magst es auch, dich mit deinem Intellekt zu identifizieren. Du hast vergessen, dass du das unsterbliche Selbst bist.

Ahamkara, Asmita führt dazu, dass du denkst, ein kluger, intelligenter Mensch zu sein. Du magst intellektuelle Herausforderungen und du magst zeigen, dass du besser bist als andere. Du magst es nicht, wenn du zu vielen stupiden Tätigkeiten nachgehen musst und andere Menschen so dumm sind. Und du hast Angst davor, dass du deine geistigen Fähigkeiten verlierst. Wenn du z.B. feststellt, dass andere Menschen klüger sind als du oder wenn anderen nicht so viel wissen wie Du, dann bist Du tief gekränkt. So ist „Ich“ das Prinzip mit dem du dich Identifizierst, was zu Wünschen, Abneigungen und zu Ängsten führt.

Der spirituelle Aspirant lernt, sein Ich spielerisch einzusetzen, sich vom Ich zu lösen und zu wissen „Ich bin das unsterbliche Selbst, Atman“.

Mehr zum Thema Ich findest du auch unter den Stichworten Jiva (die individuelle Seele), Atman (wahres Selbst). Und vielleicht willst du auch wissen: Wer bin ich?

Ich Video

Hier findest du ein Video zu Ich mit einigen Informationen und Anregungen:

Audiovortrag zu Ich

Hier kannst du die Tonspur des Videos zu Ich anhören:

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Viveka Chudamani - Das Ich ist nicht das wahre Selbst

Du bist nicht das Wahrnehmbare sondern die Essenz

- Kommentar zum Viveka Chudamani Vers 218 von Sukadev Bretz -

So wie ein Tor, der die Reflexion der Sonne sieht, die sich im Wasser eines Eimers spiegelt, und es für die Sonne hält, hält der verblendete Unwissende die Wiederspiegelung seines Bewusstseins – die in seinem Intellekt als „Ich“ erscheint – für das wahre Selbst.

Du bist das unsterbliche Selbst

Das ist eine wunderschöne Analogie die Shankara hier gibt. Du bist das Unsterbliche Selbst. Du bist nicht das Ich.

Es gibt die Sonne und diese Sonne spiegelt sich in einem Eimer Wasser wieder. Angenommen du hättest zehn Eimer Wasser, dann könntest du sagen, dass es zehn widergespiegelte Sonnen gibt. Wenn du diese zehn widergespiegelten Sonnen siehst, dann könntest du annehmen, dass es da jetzt zehn Sonnen gibt. Aber jede Spiegelung ist nur eine Spiegelung der Sonne. Die einzelne widergespiegelte Sonne ist nicht die Sonne. Aber sie hat bestimmte Eigenschaften der Sonne. Eine Eigenschaft der Sonne ist zum Beispiel zu strahlen. Und so ist die Widerspiegelung der Sonne in einem Wassereimer auch strahlendes Licht.

Menschen identifizieren sich mit den Upadhis

So ähnlich auch ist das Unsterbliche Selbst. Du bist der Atman. Du bist letztlich Eins mit der Weltenseele und nicht nur du. Alle verschiedenen Individualseelen existieren nicht wirklich als individuelle Seelen. Sie alle existieren nur als eine unendliche Seele und diese unendliche Seele spiegelt sich in den Upadhis, den begrenzenden Attributen. Und mit diesen begrenzenden Attributen identifizieren sich dann die Menschen.

Man könnte sagen, so wie sich eine Sonne widergespiegelt in einem Eimer mit Wasser, würde sich das Wasser dann identifizieren mit der widergespiegelten Sonne im Eimer. Und so ähnlich reflektiert das Unsterbliche Selbst in diesem Körper-Psyche-Geflecht dieses kosmische Selbst und scheint zum individuellen Selbst zu werden. Aber dieses individuelle Selbst hat immer noch tief im Inneren das Bewusstsein: ich bin unendlich und ewig. Und deshalb wird das individuelle Selbst niemals damit zufrieden sein, begrenzt zu sein, denn das Selbst weiß ganz tief im Inneren, dass es unendlich und ewig ist. Warum sollte ich zufrieden sein, mich mit etwas Kleinem zu begnügen? Ich bin das Unendliche und das Ewige.

Glück liegt nicht in äußeren Dingen

Und dieses unendliche Selbst weiß auch noch als Individuum, dass es reines, unendliches, kosmisches Bewusstsein ist. Ich weiß alles. Ich bin die Grundlage hinter dem ganzen Universum. Und weil das kosmische Selbst das weiß, ist das gespiegelte Selbst im Individuum nie zufrieden mit dem, was es weiß. Es gehört zum Menschsein dazu, nie zufrieden zu sein. Warum? Es ist in dir die Bewusstheit, dass du unendliches Bewusstsein bist. Das kosmische Bewusstsein weiß auch, dass es auch unendliches Glück ist, unendliche Freude ist. Und weil du als unendliches Selbst weißt, dass du unendliche Freude, unendliches Glück bist, wirst du nie mit begrenzter Freude zufrieden sein. Begrenzte Freude reicht nie aus. Egal, was du bekommst, egal wie du vorübergehend glücklich bist, du wirst nicht dauerhaft glücklich sein, weil du weißt, dass es mehr geben muss.

Ohne Spiritualität wirst du nie zufrieden sein

Denke darüber nach und sei dir bewusst, dass die spirituelle Suche das Wichtigste ist. Die spirituelle Suche ist in dir enthalten. Es ist das natürlichste von der Welt. Ohne Spiritualität wirst du nicht zufrieden sein. Mit Spiritualität kannst du das Höchste erfahren und der Sehnsucht deiner Seele gerecht werden.

Viveka Chudamani - Überwinde das Ich-Gefühl

Richte deinen Geist auf Befreiung aus

- Kommentar zum Viveka Chudamani Vers 302 von Sukadev Bretz -

Das Ich-Gefühl (ahankara) umschlingt den Schatz der Absoluten Glückseligkeit (brahmanandanidhi) wie eine mächtige schreckliche Schlange mit ihren drei furchterregenden Köpfen, den drei Grundeigenschaften der Natur (guna) und bewahrt ihn für sich selbst/ zum eigenen Nutzen. Der Weise spaltet die drei Köpfe und tötet die Schlange mit dem großen leuchtenden Schwert der Erkenntnis in Übereinstimmung mit den Lehren der Schriften (shruti). Dann erst kann er diesen glückverheißenden Schatz genießen.

Du bist das unsterbliche Selbst. Du bist der Atman. Und was ist dieser Atman? Sat-Chid-Ananda. Ananda ist Freude. Shankara nennt es brahmananda, die Freude des Selbst. Brahma, das Selbst, das Absolute ist dein wahre Natur und dein Schatz, nach dem du strebst. Es ist immer wieder wichtig zu verstehen, dass du danach suchst. Du suchst nach diesem Schatz des Selbst. Du willst herausfinden, wer du bist. Letztlich ist jede Art der Freude, nach der du suchst, eine Widerspiegelung dieser unendlichen Freude in dir. Woher kommt es, dass du diese Freude nicht erfährst? Shankara sagt hier, dass Ahamkara der Grund dafür ist, das Ich-Gefühl. Das Ich-Gefühl hat drei Köpfe, wie eine Schlange. In Indien werden Schlangen oft als Beispiel verwendet. Hier ist die Schlange das Bedrohliche, das, was dich in Angst und Schrecken versetzt. Sie hat drei Köpfe, drei Gunas: Sattva, Rajas und Tamas. Alle drei sind in dir. Ich nehme an du kennst sie?

Tamas ist Trägheit, Dunkelheit, Depressivität, Faulheit. Rajas ist Unruhe und Sattva ist die Reinheit. Und wie kannst du die drei überwinden? Du überwindest sie, indem du diese drei zunächst einmal spaltest. Das kann man unterschiedlich interpretieren. Man kann sagen, dass man jeden einzelnen Kopf spaltet, man könnte aber auch sagen, dass man sie sich erst einmal bewusst macht.

Anstatt zu sagen: „Oh ich bin so traurig. Ich habe überhaupt keine Energie.“ Also Ahamkara, die Identifikation walten zu lassen, könntest du sagen, dass in deinem Chitta Tamas ist. Nicht ich bin traurig, ich bin müde, ich bin antriebslos, sondern in meinem Chitta ist Tamas. Oder in meinem Manas (Denken und Fühlen) ist Tamas.

So kannst du das sagen oder anstatt zu sagen, dass du sehr aufgeregt bist, kannst du sagen: „In meinem Manas, meinem Denken und Fühlen ist gerade Rajas.“

Oder anstatt zu sagen: „Ich fühle mich so leicht, ich hatte so tolle Erfahrungen“ sagst du: „Mein Manas ist gerade sehr sattvig.“ Indem du daran arbeitest, dich nicht mit deinen Gedanken und Gefühlen zu identifizieren, kannst du zu den nächsten Schritten kommen. 

Shankara sagt dann, dass das Schwert der Unterscheidung kommt. Du schneidest durch. Du sagst, dass du nicht Rajas, Sattva oder Tamas bist. Ich bin nicht der Gemütszustand der durch Sattva, Rajas und Tamas geht. Ich bin das unsterbliche Selbst. Daher bin ich Sat-Chid-Ananda-Swarupoham.

In diesem Sinne spalte zunächst Rajas, Sattva und Tamas und zum Zweiten spalte das Ich vom Gemütszustand und dann erkenne, wer du wirklich bist. Dann erfährst du Sat-Chid-Ananda, deine wahre Natur.

Ich Verbesserungsvorschläge und Ergänzungen

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Siehe auch

Ich gehört zu den Themengebieten Psychologie, Philosophie.

Begriffe im Alphabet vor und nach Ich

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Literatur

Seminare und Ausbildungen

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Weitere Infos

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