Meru Tantra

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Meru Tantra (Sanskrit: मेरुतन्त्रम्, Merutantram) ist ein umfangreiches Tantra, das die Wege der Gottesverehrung, die Kraft des Mantra und die Verantwortung spiritueller Übertragung zusammenführt. Seine erste Frage reicht hinter jede äußere Form: Wenn die Götter über Shiva meditieren – worüber meditiert Shiva selbst? Aus dieser Frage der Devi entfaltet sich ein Gespräch über Mahamaya, Mahakala, die Vielgestaltigkeit der Verehrung und die Möglichkeit der Befreiung.

Shiva und Parvati: Am Anfang des Meru Tantra steht die Frage der Göttin nach der höchsten Wirklichkeit.

Der Name wird im Werk selbst erklärt: Das von Mahakala gelehrte Tantra sei zum „Meru unter allen“ geworden und zeige den Weg zu einer fünften Befreiung (1.25–26). Meru bezeichnet hier zunächst den überragenden Rang, den das Werk für seine Lehre beansprucht. Eine Gleichsetzung des gesamten Textes mit einer bestimmten Chakra- oder Weltenberg-Meditation ergibt sich aus dieser Stelle nicht.

Die 35 Prakāśas, wörtlich „Erhellungen“, behandeln unter anderem Diksha, tägliche Verehrung, Homa, Mudra, Yantra und zahlreiche Gottheiten. Die Kapitelkolophone nennen Shiva als Verkünder und stellen das Werk unter die Zustimmung Mahamayas und Mahakalas. Dies ist die traditionelle Selbsteinordnung; daraus folgt keine historisch gesicherte Verfasserschaft oder Entstehungszeit.

Die Kapitel 1–10 entfalten Grundlagen, Übertragung und Ritualpraxis, 11–15 Mantras und vedische Bezugstexte, 16–20 die verschiedenen Ganesha-Überlieferungen. Auf Surya und die Planeten folgen die göttlichen Mütter, Richtungshüter und Lampenriten (21–25), dann Vishnus Gestalten, Begleiter, Waffen und Kräfte (26–30), Shiva und Bhairava (31–32), Yantras (33), Hanuman (34) und Kartaviryarjuna mit einer ausführlichen Lampenordnung (35). Diese Themenübersicht erleichtert die Orientierung; sie ersetzt die wechselnden Gesprächs- und Ritualzusammenhänge nicht.

Gerade diese Breite macht das Meru Tantra für das vergleichende Studium der Tantra Schriften interessant: Es verbindet Shiva, Shakti, Vishnu, Ganesha, Surya, die Matrikas, Hanuman und weitere Gottheiten in einem weit ausgreifenden Ritual- und Mantrakosmos. Zugleich bleibt die Frage des ersten Prakāśa nach der höchsten Wirklichkeit ein geistiger Bezugspunkt. Das Werk kann daher sowohl als historische Ritualenzyklopädie als auch als Zeugnis dafür gelesen werden, wie äußere Verehrung, Mantra, Diksha, Meditation, Erkenntnis und Befreiung miteinander verbunden wurden.

Die überlieferte Textgestalt enthält deutlich zeitgeschichtliche Passagen: 35.147–150 erwähnt arabische und „Firangi“-Sprache, Khane, Schahs, Engländer und London. Diese Bezüge werden als Bestandteil der Vorlage erhalten. Ohne eine eigene Überlieferungsuntersuchung lässt sich daraus keine einheitliche Datierung aller Textschichten ableiten. Auch die unterschiedlichen Jahresangaben des Quellenkopfs und Titelblatts bleiben getrennt dokumentiert.

Stand dieser Ausgabe: Alle 35 Prakāśas sind in deutscher Lesefassung bearbeitet. Teil 1 enthält die Prakāśas 1–18, Teil 2 die Prakāśas 19–35. Hinzu kommen die vollständigen Sanskrit-Lesefassungen und 108 ausgewählte Verse und Mantras. Beschädigte oder nicht sicher deutbare Stellen sind lokal gekennzeichnet; vollständige Bearbeitung bedeutet keine Rekonstruktion verlorener oder verderbter Lesungen.

Sanskrit und Begleitartikel: Meru Tantra Sanskrit IAST · Meru Tantra Sanskrit IAST Teil 2 · Meru Tantra Sanskrit Devanagari · Meru Tantra Sanskrit Devanagari Teil 2 · Meru Tantra Sanskrit Devanagari Teil 3 · Meru Tantra 108 Inspirierende Verse und Mantras

Was Yoga-Aspiranten aus dem Meru Tantra lernen können

Das Meru Tantra beginnt mit einer heilsamen Erschütterung des Selbstverständlichen. Selbst göttliche Macht ist nicht mit höchster Erkenntnis gleichzusetzen. Als die Götter von umfassenderen Zeitdimensionen hören, lassen sie ihren Hochmut fallen (1.15–19). Für heutige Aspiranten liegt darin eine Einladung: Auch langjährige Übung darf offen bleiben für Fragen, die das eigene Bild von sich selbst erweitern.

Besonders deutlich wird das Werk bei Guru und Schüler. Es kritisiert Lehrer, die Geld suchen, und Schüler, die nur außergewöhnliche Kräfte gewinnen wollen (1.68). Dagegen nennt es Mitgefühl, innere Sammlung, wahrhaftiges und freundliches Sprechen sowie Hilfsbereitschaft als wesentliche Eigenschaften (1.74–75; 1.81–84). Die folgende praktische Übertragung auf heutiges Yoga ist eine Erläuterung: Prüfe einen spirituellen Weg auch daran, wie er dein Verhalten im Alltag verändert. Wirst du aufmerksamer, ehrlicher und hilfreicher?

Hoffnungsvoll ist die Aussage, dass verschiedene Wege Erfüllung und Befreiung vermitteln können, wenn Lehrer und Schüler von Hingabe und Vertrauen getragen werden (1.67). Diese Aussage steht im Werk neben strengen historischen Rangordnungen. Sie bedeutet deshalb keine unterschiedslose Gleichsetzung aller Rituale, wohl aber eine Würdigung ernsthafter, angemessener Praxis.

Wie dieses Werk gelesen werden kann

Lies zunächst die grundlegenden Aussagen über Verehrung und Übertragung. Die späteren technischen Abschnitte erschließen sich leichter, wenn Mantra, Nyasa, Puja und Puraścaraṇa als Bestandteile eines zusammenhängenden Ritualsystems verstanden werden. Ein Mantra ist dort nicht nur ein Wort; zu ihm gehören Überlieferung, Einweihung, Gottheit, Anwendung und Voraussetzungen.

Der Text enthält auch soziale Ausschlussregeln, sexuelle und substanzgebundene Riten sowie Verfahren der Einflussnahme und Schädigung. Sie gehören zur historischen Darstellung. Ihre Übersetzung bedeutet keine heutige Zustimmung. Die Lesefassung unterscheidet Grundtext, Anmerkungen der Edition und gegenwärtige Praxisanregungen. Ein Artikel ersetzt keine traditionelle Einweihung.

Mahakala, Mahamaya und die Dimension der Zeit

Die kosmischen Zeitvergleiche des ersten Kapitels relativieren die Lebensdauer von Menschen und Göttern. Was aus einer Perspektive unvorstellbar lang erscheint, wird aus einer umfassenderen Perspektive zu einem Atemzug (1.7–14). Mahamaya ist hier die Macht, in deren Rhythmus kosmisches Werden und Vergehen erscheint; Mahakala bezeichnet die darüber hinausführende Größe.

Der Wasservergleich in 1.28–36 führt von der Vielheit der Tropfen zum Meer. Er stellt verschiedene Daseinszustände, den Aufstieg durch Verehrung und die Befreiung durch Brahman-Erkenntnis nebeneinander. Für Meditation kann dieser Vergleich eine behutsame Betrachtung anregen: Gedanken und Rollen kommen und gehen; welche Wirklichkeit wird durch ihr Kommen und Gehen nicht erschöpft? Diese Frage ist eine heutige Meditationsanregung, keine zusätzlich behauptete Ritualanweisung des Werkes.

Shiva und Shakti im Meru Tantra

Schon die erste Strophe verehrt „sie“ und „ihn“. Die Göttin spricht anschließend von sich als höchster Shakti und von Shiva als höchstem Shiva (1.5), fragt aber weiter nach der Wirklichkeit ihrer beider Meditation. Das Gespräch bewahrt so die Offenheit der Erkenntnissuche auch auf der Ebene göttlicher Gestalten.

Das in vielen tantrischen Auslegungen geläufige Begriffspaar von Bewusstsein und schöpferischer Kraft kann bei der Orientierung helfen. Die konkrete Erzählung des Meru Tantra sollte dabei in ihren eigenen Bezeichnungen gelesen werden: Mahamaya und Mahakala sind hier keine beliebig austauschbaren Namen für moderne psychologische Zustände.

Kali und Shiva als begleitendes Bild der Verbindung von göttlicher Kraft und göttlichem Bewusstsein.

Guru, Schüler und Verantwortung der Übertragung

Die Verse 1.67–84 gehören zu den für heutiges spirituelles Leben besonders ergiebigen Abschnitten. Ein Guru soll nach innen gewandt und mitfühlend sein. Ein Schüler soll nicht nach dem Besitz des Lehrers greifen, sondern Japa, Meditation und den Befreiungsweg suchen. Wahrhaftigkeit, maßvolle Sprache und Hilfsbereitschaft werden ausdrücklich genannt.

Vertrauen erscheint damit nicht als bloße Bewunderung. Es steht in einem Gefüge von Eignung, Prüfung und Verantwortung. Zugleich sind manche historische Vorschriften – etwa die Standesordnung und Ausschlüsse in 1.77 und 1.85 – nicht als heutige normative Kriterien zu übernehmen. Auch ist die schwierige Lesung in 1.76 offen auszuweisen, statt dem Sanskrit unbemerkt ein gewünschtes Ideal der Unparteilichkeit einzuschreiben.

Diksha – Einweihung und innere Transformation

Vers 1.71 erklärt Dīkṣā durch Geben und Auflösen: Erkenntnis und unmittelbares Verstehen werden gegeben, Ansammlungen unheilsamer Taten schwinden. Es handelt sich um eine traditionelle Bedeutungsdeutung des Wortes. Die Einweihung wird dabei an den Empfang durch einen guten Guru gebunden.

Für das Verständnis ist entscheidend, dass äußere Handlung und innere Veränderung zusammengehören. Das Werk erklärt nicht jede beliebige Rezitation zur vollzogenen Einweihung. Seine Warnung vor gewinnsüchtiger Weitergabe (1.84) verdeutlicht, dass Übertragung eine Verpflichtung für den Lehrenden darstellt.

Mantra, Bija und heilige Sprache

Ein Bija ist eine Keimsilbe; es hat nicht in jedem Fall eine wörtliche deutsche Bedeutung. Das erste Kapitel ordnet Mantras nach historischen sozialen und rituellen Voraussetzungen und unterscheidet ausgeschriebene Namensformeln von verschlüsselten Silbenanweisungen. Die Formelbeschreibung in 1.55–56 ist zum Beispiel keine zweifelsfrei ausgeschriebene Rezitationsformel.

Die folgenden Kapitel vertiefen die Saṃskāras, also die rituellen Zurüstungen und Läuterungen, und die Einweihung. Für heutige Praxis lässt sich daraus die Wertschätzung sorgfältiger Aussprache, regelmäßiger Übung und einer verantwortlichen Beziehung zur Überlieferung ableiten. Eine solche Übertragung auf den Alltag darf die konkreten historischen Vorschriften nicht ersetzen oder als deren vollständige Erklärung ausgegeben werden.

Puja – äußere Form und innere Verehrung

Das erste Kapitel nennt die sattvische Verehrung die höchste und hebt innerhalb dieser die geistige Puja hervor (1.104–105). Die große Zahl äußerer Formen darf deshalb den Blick auf die innere Ausrichtung nicht verstellen. Zugleich bleibt das Meru Tantra ein Werk mit ausführlichen Ritualvorschriften; es verwirft äußere Verehrung nicht pauschal.

Eine heutige, allgemein zugängliche Anregung besteht darin, vor einer vertrauten Puja einen Moment still zu werden und die Absicht der Verehrung zu klären. Was du darbringst, kann Ausdruck von Dankbarkeit sein. Diese Praxisanregung steht neben der historischen Übersetzung und beansprucht nicht, einen besonderen Meru-Tantra-Ritus zu ersetzen.

Meru Tantra und andere Tantra Schriften

Das Meru Tantra steht im Yoga Wiki in einem großen Zusammenhang bereits erschlossener Tantra Schriften. Ein Vergleich zeigt sowohl gemeinsame Grundmotive als auch deutliche Unterschiede. Begriffe wie Mantra, Diksha, Nyasa, Puja, Yantra, Guru, Shakti und Moksha erscheinen in vielen Werken, werden aber je nach Tradition verschieden gewichtet.

Schrift Gemeinsamkeiten mit dem Meru Tantra Besonderer Schwerpunkt bzw. Unterschied
Kularnava Tantra Guru, Einweihung, Mantra, Kula, spirituelle Reife und Befreiung stärker auf Kaula-Lehre, Guru-Schüler-Verhältnis und die innere Bedeutung des Kula-Weges konzentriert
Rudrayamala Tantra Shiva-Shakti-Rahmen, Mantra, Ritual, Göttinnenverehrung und vielfältige Praxisformen gehört zu einem umfangreichen Yamala-Komplex; Überlieferung und Textgestalt unterscheiden sich deutlich vom enzyklopädisch aufgebauten Meru Tantra
Mahanirvana Tantra Ritual, soziale Ordnung, Mantra, Shiva und Shakti stärker systematisierende Verbindung von Ritual, Dharma und gesellschaftlicher Ordnung; andere historische und textliche Schichtung
Dakshinamurti Samhita Mantra, Nyasa, Yantra, Guru, Göttinnenverehrung stärker durch Sri Vidya und Dakshinamurti geprägte Mantra- und Ritualtradition
Nitya Shodashikarnava und Yogini Hridaya Shakti, Mantra, Yantra, innere und äußere Verehrung klarer Schwerpunkt auf Tripura Sundari, Sri Vidya und Shri Chakra
Tantraloka Einweihung, Mantra, Ritual, Shakti, Befreiung philosophisch-systematische Synthese des nichtdualen kaschmirischen Shaivismus bei Abhinavagupta
Vijnana Bhairava Tantra Meditation, Bewusstsein, Bhairava, unmittelbare Gotteserfahrung wesentlich stärker auf meditative Zugänge konzentriert und erheblich weniger ritualenzyklopädisch
Svacchanda Tantra und Netra Tantra Bhairava, Mantra, Ritual, Schutz, Einweihung stärker innerhalb spezifischer shaivitischer Āgama- und Bhairava-Traditionen verankert
Jayakhya Samhita und Paushara Samhita Mantra, Einweihung, Puja, Tempel- und Ritualpraxis gehören zur vaiṣṇavischen Pāñcarātra-Tradition und entwickeln ihre Theologie von Vishnu, Narayana und Vasudeva aus

Das Meru Tantra fällt innerhalb dieses Spektrums besonders durch seine große Vielfalt auf. Es beschränkt sich weder auf eine einzige Gottheit noch auf nur eine Praxisform. Ganesha, Surya, Vishnus Avatare, Shiva, Bhairava, die Matrikas, Yantras, Mantras, Homa, Puja und zahlreiche spezielle Riten stehen nebeneinander. Diese Breite unterscheidet das Werk etwa vom meditationszentrierten Vijnana Bhairava Tantra oder von der klar auf Shri Vidya ausgerichteten Yogini Hridaya.

Gleichzeitig ist Vorsicht vor vorschnellen Gleichsetzungen wichtig. Ähnliche Begriffe belegen nicht automatisch direkte historische Abhängigkeit. Der Vergleich hilft vielmehr, das Meru Tantra als eigenständige Stimme in der vielgestaltigen Tantra- und Āgama-Literatur zu verstehen.


Werkstruktur

Die folgenden Themenangaben orientieren sich an den Kolophonen. „Letzte Versnummer“ ist keine philologisch bereinigte Verszahl: Unregelmäßige Nummerierungen, Prosapassagen und Kommentare müssen gesondert berücksichtigt werden. Die Endnummern summieren sich auf 14.630.

Prakāśa Thema Letzte Versnummer
1 Grundordnung der Wege 108
2 Saṃskāras – rituelle Läuterungen 254
3 Dīkṣā – Einweihung 617
4 Homa – Feueropfer 146
5 Āhnika – tägliche Praxis 924
6 Puraścaryā – vorbereitende Mantrapraxis 612
7 Festigung der Siddhi 210
8 Kennzeichen der Mudrās 160
9 Verehrung mit irdenen Kultformen 202
10 Puraścaryā und kaulischer Lebenswandel 932
11 Mantras und ihre Verfahren im Kali-Zeitalter 773
12 Vedische Mantras im Kali-Zeitalter 466
13 Die neun Planetengottheiten 342
14 Pratyaṅgirā-Mantras 210
15 Vedische Yantras 391
16 Gaṇapati-Mantras der südlichen Überlieferung 173
17 Gaṇapati-Mantras der oberen Überlieferung 837
18 Gaṇapati-Mantras der östlichen Überlieferung 237
19 Gaṇapati-Mantras der westlichen Überlieferung 796
20 Gaṇapati-Mantras der nördlichen Überlieferung 182
21 Sūrya-Mantras 128
22 Die neun Planetengottheiten 201
23 Mantras der acht Mātṛkās, beginnend mit Brāhmī 1404
24 Mantras der zehn Richtungshüter 237
25 Ritus der Lampendarbringung 98
26 Mantras der zehn Avatāras 1338
27 Mantras der vierundzwanzig Gestalten 376
28 Mantras der Viṣṇu Nahestehenden 112
29 Mantras der Waffen 134
30 Mantras der Kräfte Viṣṇus 153
31 Śiva-Mantras 491
32 Mantras für Bhairava und weitere Gottheiten 415
33 Yantras der Gottheiten 562
34 Hanumān-Mantras 193
35 Kārtavīryārjuna-Mantras 216

Deutsche Übersetzung des Meru Tantra

Erster Prakāśa – Grundordnung der Wege

Eingangsverehrung: Om. Verehrung dem ehrwürdigen Ganesha. Verehrung Gauri und Shankara. Nun beginnt das Meru Tantra.


Die höchste Wirklichkeit und die Frage der Göttin

1.1 Durch sie erscheint das Unwirkliche wie wirklich, während das Wirkliche nicht hervortritt. Ist er erkannt, erscheint sie nicht mehr: Ihr und ihm sei immer wieder Verehrung!

1.2 Als Jalandhara die gesamte Welt der Götter, Gegengötter und Menschen besiegt hatte, nahmen sie alle eine feine Gestalt an und suchten bei Mahesha Zuflucht.

1.3 Sie sahen ihn seit Tausenden göttlicher Jahre in tiefer Versenkung. Die Anhänger des linken und des rechten Weges richteten ihre Bitten und Verehrung an ihn. Die grammatischen Bezüge der überlieferten zweiten Vershälfte sind unregelmäßig.

1.4 Da verneigte sich die göttliche Mutter, die zur Erkenntnis erwacht war, und fragte ihn: „Brahma, Vishnu und die anderen meditieren über dich. Über wen aber meditierst du?“

1.5 „Mich nennt man die höchste Shakti, dich nennt man den höchsten Shiva. Gibt es auch für uns beide eine Wirklichkeit, über die wir meditieren sollen? Erkläre sie mir bitte in deiner Gnade.“

1.6 Als Maheshvara ihre Worte gehört hatte, lächelte er ein wenig. Er ließ Brahma, Indra und die anderen Platz nehmen und sprach Folgendes.


Die Weite kosmischer Zeit

1.7 Sadashiva sprach: Die höchste Lebensspanne des Menschen beträgt hundert Sonnenjahre. Ein Jahr der Menschen gilt den göttlichen Wesen als ein Tag; ihre Lebensspanne beträgt wiederum hundert ihrer Jahre.

1.8 Dieses Maß steigert sich weiter; damit wird das Maß des Kali-Yuga bestimmt. Nach dem Zeugnis der Dharma-Schriften werden die folgenden Maße als um eine Hälfte vermehrt, nochmals entsprechend vermehrt und vollständig bestimmt. Die komprimierte Zahlenangabe ist in dieser Lesung nicht eindeutig; eine sichere Zuordnung aller Faktoren lässt sich daraus nicht gewinnen.

1.9 Dies ist die von Shiva festgelegte Bestimmung, das weitergehende Maß der Lebenszeit Indras. Das Jahr wird nach dem Maß des Krita[-Zeitalters] bestimmt; die Zeit erfüllt den Leib. Die Lesung dieses Verses ist stark unsicher; insbesondere die Bezüge von „aindrāyurmānavamparam“ und „kṛtipramāṇam“ bedürfen eines Druckvergleichs.

1.10 Die Dauer von vierzehn Indras wird ein Tag Brahmas genannt. Für Mahamaya, über die ich meditiere, ist dies ein Ausatmen.

1.11 Die Entfaltung der Welt entspricht dem Tag Brahmas; das Anhalten des Atems seiner Nacht. So gilt eine ihrer Zeitstunden als ein Jahr Brahmas.

1.12 Brahma lebt hundert solcher ihrer Zeitstunden, gleich einem kleinen Insekt. Eine ihrer lichten Monatshälften hat die Gestalt Satis, die dunkle die Gestalt Parvatis.

1.13 Vishnu lebt nur eine ihrer Jahreszeiten, ich, Shiva, nur eines ihrer Jahre. Sie aber, die Gemahlin Mahakalas, erreicht auf diese Weise hundert Jahre.

1.14 Mahakala bleibt immer bestehen: Wieder und wieder legt er seinen Leib wie eine Schlange ihre Haut ab und ist erneut jung; er ist mit Samaya verbunden. Der Schluss „samayā viṣayīkṛtaḥ“ ist mehrdeutig; ob hier eine weibliche Macht oder ein Zeitbezug gemeint ist, bleibt offen.

1.15 Als die Göttin, Brahma, Vishnu und die Götter diese Worte hörten, ließen sie ihren Hochmut vergehen. Von Ehrfurcht erfüllt verneigten sie sich erneut.


Die Frage nach Befreiung

1.16 Die Götter sprachen: Beschütze uns, beschütze uns, großer Gott, der du die Zufluchtsuchenden liebst! Wir alle waren vom Ichdünkel erfüllt und sagten: „Wir sind die Herren!“

1.17 Obwohl wir besiegt wurden, schämen wir uns nicht und wünschen weiterhin Jalandharas Tod. Wir sind nur Mücken, o Gott; auch du wirst [im Verhältnis zur höchsten Wirklichkeit] nicht einmal einer Mücke gleich. Der letzte Ausdruck ist sprachlich unsicher.

1.18 Vor ihm sind selbst jener und du nicht einmal dem Bruchteil eines Viertels von uns gleich [so der schwer verständliche überlieferte Vergleich]. Wie kann Mahakala erkannt werden? Sage es uns, Sadashiva! Die Pronominalbezüge sind beschädigt oder stark verkürzt; eine eindeutige Rangfolge wird hier nicht ergänzt.

1.19 Wie viele Arten der Befreiung gibt es, o Gott? Welche ist die höchste, und wodurch wird sie erlangt? Sage es uns, wenn du der Göttin, Vishnu und den Göttern deine Gnade schenken willst.

1.20 Ishvara sprach: Durch seine Macht wird alles aus dem Wort des Veda erkannt. Die durch seine Maya hervorgebrachte Welt lässt wiederum Wachstum und Freude entstehen. Die zweite Vershälfte ist in der vorliegenden Lesung syntaktisch unsicher.

1.21 Ich habe hundertacht Tantras geschaffen. Je nachdem, worum man mich bat, wandte ich mich meinerseits mit der Bitte an die Göttin.

1.22 Für die Göttinnen, die Begleiter Shivas und die Götter wurden jeweils jene Wege offenbart, auf denen die vier Arten der Befreiung erlangt werden.

1.23 Deshalb, Herrin der Götter, sind jene Götter vom Ichdünkel verblendet: Sie schmähen andere Gottheiten und beschäftigen sich ständig mit den sechs rituellen Wirkhandlungen.

1.24 Vom Kali-Zeitalter ihres Glücks beraubt, verlieren sie sich in Essen, Trinken und sexueller Vereinigung. Dadurch werden sie mittellos und gleichen ruhelosen Totengeistern.

1.25 Solche Götter sind tatsächlich zu sehen; dies habt ihr zutreffend ausgesprochen. [Nun folgt] die Essenz des Veda, die Essenz des Dharma, das höchste Herz der Tantras:

1.26 Was Mahakala als Mittel zur fünften Befreiung gelehrt hat, ist zum Meru unter allen geworden. Deshalb trägt dieses Tantra den Namen Meru.

1.27 Hört diese anschauliche, das Herz erfreuende Lehre! Fragt ohne Scheu und beseitigt dadurch eure eigenen Zweifel.


Das Gleichnis vom Wasser

1.28 Wie Wolken Wasser aus dem Meer aufnehmen und in Strömen herabregnen lassen, während der Wind es in Tropfen zerteilt,

1.29 so zieht Mahamaya Teilchen aus Mahakala hervor. Durch ihre Handlungen voneinander geschieden, werden sie zu vielen Millionen Göttern.

1.30 Wie Tropfen durch die Eigenschaft ihrer Nähe in Bewegung geraten, so führen die Eigenschaften der Verehrungswege zum Zustand einer Gottheit. Das Wort „codyatām“ und damit die genaue Aussage des Vergleichs sind unsicher.

1.31 Wie Flusswasser in eine Vertiefung fällt, zu einem stehenden Gewässer wird und in die Tiefe gerät, so wird auch ein Gott von Verblendung erfasst.

1.32 Dann wird er wieder Mensch und wieder Tier – wie das verbleibende Wasser eines Gewässers, das erneut von den Sonnenstrahlen aufgenommen wird, wieder als Regen fällt und wieder Wasser wird.

1.33 So altert und leidet das individuelle Wesen durch unheilsame Handlungen in vielerlei Geburten. Wie aber eine Wassermenge auf gutem Weg aus einem Bach in einen großen Fluss gelangt,

1.34 anschließend in das Meer eintritt und durch das Eingehen in das untermeerische Feuer nicht zurückkehrt, so gelangt auch das individuelle Wesen zunächst zum Zustand einer Gottheit.

1.35 Nachdem es den Zustand Vishnus und Shivas erlangt hat, wird es Mahakala. Wie ferner ein wenig Wasser aus dem Meer genommen und durch glückliche Fügung wieder dort hineingegeben wird,

1.36 und damit Meer wird, so werden auch die Söhne Brahmas durch Brahman-Erkenntnis frei, indem sie die stufenweise Ordnung der Verehrung hinter sich lassen.


Linker und rechter Weg

1.37 Die Göttin sprach: Durch die Unterscheidung in links und rechts und durch jeweils fünf aufeinander bezogene Formen wird Verehrung als linker oder rechter Weg gepriesen.

1.38 Dabei gibt es Handlungen für weltlichen Genuss, Handlungen für Befreiung und Handlungen für beides. Welche Gottheit wird jeweils erlangt, und welche ist die allerhöchste unter allen? Das überlieferte „sarvāśyas“ ist unsicher.

Die folgende Erzählung begründet historische kaulische Ritualformen einschließlich Rauschtrank, Fleisch und sexueller Vereinigung. Sie dokumentiert die Sicht des Textes und ist keine Empfehlung zur heutigen Selbstanwendung.

1.39 Shiva sprach: Als in einem früheren Weltzeitalter Götter und Gegengötter den großen Ozean quirlen ließen, entstand daraus die dunkle Surā, einen Krug tragend.

1.40 Die Göttin hatte helle Glieder, ein rötliches Gewand, ein leuchtend grünes Oberteil und eine weiße Umhüllung. Sie bezauberte selbst die drei Welten. Die nebeneinanderstehenden dunklen und hellen Farbangaben der Verse 39–40 werden nicht vereinheitlicht.

1.41 Als die Danavas sie sahen, besiegten sie kraft des Segens Shukracharyas die Götter. Sie ergriffen die Göttin und tranken den berauschenden Trank aus ihrem Krug.

1.42 Als die dort versammelten Shaktis die Götter fliehen sahen, tranken auch sie diese geheiligte Surā, die Mutter der Gottheiten.

1.43 Die göttlichen Mütter gewährten Surā viele Segnungen: „Wer uns mit ihr sättigt und anschließend den Rest zu sich nimmt, wird zweifellos von unserer Gestalt und zum Gefäß sowohl weltlichen Genusses als auch der Befreiung.“

1.44 „Surā ist Ganga, Surā ist Sindhu, Surā ist die Göttin Sarasvati. Surā ist Godavari und Reva; Surā selbst ist die höchste Stätte.“

1.45 „Die Toren, die Surā schmähen, bleiben Geburt für Geburt Toren.“ Während die Gandharvas jene Shaktis priesen, begannen diese und die Danavas

1.46 gemeinsam mit den geschwächten Göttern erneut, den Ozean zu quirlen. Dhanvantari erschien, den Krug mit Unsterblichkeitsnektar in der Hand.

1.47 Vom Rauschtrank berauscht fragten sie: „Was ist das, was dieser Mann gebracht hat?“ Vishnu sprach freundlich, indem er sie beschwichtigte und zugleich täuschte:

1.48 „Ihr sollt die früheren Götter sein, weil ihr diesen Rauschtrank getrunken habt. Was zuvor hervorkam, wird als Nektar bezeichnet. Dies hier aber ist für die [übrigen] Götter bestimmt: ein kraftloser Trank, den ein Mann gebracht hat.“ Die zeitlichen Bezüge von „agre“ sind in der vorliegenden Lesung unklar.

1.49 Dann nahm Vishnu die Gestalt Mohinis an und ließ mit der linken [Hand] die früheren Götter davon trinken. [Es folgen] alle Shaktis und die rötlichen Bhairavas und anderen; ihre Mantras werden hervorgebracht. Die Schlusslesung „uddharedaśyavarṣan“ ist beschädigt; der vollständige Satzsinn ist nicht sicher herstellbar.

1.50 Mit der rechten [Hand] ließ er die Götter den Unsterblichkeitsnektar trinken. Deren jeweilige Mantras bedrängten die früheren Götter. Im Kampf entstand großes Wehgeschrei; Shukracharya erkannte das ganze Geschehen.

1.51 Da nahm er mit vor Zorn geröteten Augen Wasser in seine Hand und sprach einen Fluch: „Schande, Schande! Das Wissen der Feinde der Götter ist durch diesen Rauschtrank geraubt worden.

1.52 Deshalb sollen alle, die ihn trinken, zu Sündern werden. Sie sollen in eine schreckliche Hölle geraten und schon hier wie Pishachas, unheilvolle Geister, umhergehen.“

1.53 Als Surā diesen furchtbaren Fluch hörte, flammte sie auf, als wolle sie die drei Welten verbrennen. Götter und Gegengötter erbebten.

1.54 Darauf pries ich die Göttin mit vortrefflichen Hymnen, die Keimsilben in sich trugen. Shukra wurde ihr zu Füßen gelegt: „Dies ist dein Sohn; nimm ihn an.“

1.55 Mit Maya oder Rama [als Bezeichnung einer Keimsilbe] und einer Anrede aus drei Lauten [beginnt die Formel]; dann folgt „Befreie vom Fluch Shukras“, danach wiederum die betreffenden Laute. Die Silbenanweisung ist textlich unsicher; aus ihr wird hier keine rezitierbare Formel rekonstruiert.

1.56 Der Mantra wird von der Keimsilbe jener Göttin umschlossen, die verehrt wird. Er ist dir als sechzehnsilbig erklärt worden und soll hundertachtmal über dem betreffenden Gegenstand gesprochen werden.

1.57 Er macht das zu Behandelnde frei vom Fluch und zu einem Gefäß für Genuss und Befreiung. Wer, o Göttin, diese Einweihungsfolge in seiner Überlieferung empfangen hat,

1.58 ist ein seltener Kaula, o Göttin: ein Gebender, ein Genießender und ein reinigendes Feuer. Der Weg, auf dem dies maßgeblich ist, wird der linke Weg genannt.

1.59 Wer in den Kula-Weg eingetreten ist, soll mit freudigem Sinn Rauschtrank, Fleisch, Fisch, Mudra [hier eine rituelle Speise] und sexuelle Vereinigung pflegen.

1.60 Der Kaulika entspricht dem Daumen, der Vama-Weg dem Zeigefinger, der China-Krama dem Mittelfinger und der Siddhanta-Weg dem folgenden Finger.

1.61 Der Shabara-Weg ist der kleine Finger. So ist der linke Weg fünffach. Diejenigen aber, die den Unsterblichkeitsnektar tranken, sind Soma-Trinker, stolz auf ihre Kraft.

1.62 Mit Lakshmi kamen die Soma-Trinker hervor, mit hundert Bemühungen [so die unsichere Wendung]. Ihre Verehrung wird als rechter Weg gelehrt und ist von Zweimalgeborenen zu vollziehen.

1.63 Die vedische Verehrung gilt als die höchste; die Smarta-Verehrung als die nächsthöhere mittlere, die puranische als mittlere und die tantrische als niedrigere.

1.64 Die örtlich überlieferte und Kali zugehörige Verehrung gilt als die unterste. Wenn der linke Weg in den rechten eintritt, dann [folgt eine gestörte Textstelle];

1.65 dann wird [der Praktizierende] von Hindernissen bedrängt und erlangt keine Vollendung. Wenn hingegen der rechte Weg in den linken eintritt, dann werden die betreffenden Gottheiten

1.66 ihn der beiden Welten verlustig gehen lassen und den Anhänger des linken Weges verschlingen. Deshalb soll man den eigenen überlieferten Kula-Weg kennen und entsprechend Verehrung üben. Der Anfang dieses Verses ist sprachlich unsicher; die Warnung vor der Vermischung der Wege ist der klare Zusammenhang.


Guru, Schüler und Einweihung

1.67 Sind Schüler und Guru von Hingabe und Vertrauen erfüllt und besitzen sie die erforderlichen Eigenschaften vollständig, so kann jeder Weg sogleich weltliche Erfüllung und Befreiung gewähren.

1.68 Im Kali-Zeitalter streben Gurus nach Geld und Schüler nach besonderen Kräften. Deshalb erlangt keiner von beiden Vollendung; die Gottheiten werden zum Gegenstand eines Schauspiels.

1.69 Wie Zweimalgeborene vor dem Empfang des heiligen Bandes nicht zum Studium und zu ihren entsprechenden Pflichten berechtigt sind,

1.70 so haben Nicht-Eingeweihte keine Befugnis zu den betreffenden Mantras und zur Verehrung der Gottheit. Deshalb soll man sich selbst durch den Mantra weihen und läutern lassen.

1.71 Erkenntnis und unmittelbares Verstehen werden gegeben, die Ansammlungen unheilsamer Taten werden aufgelöst: Deshalb heißt es Dīkṣā, wenn es aus dem Mund eines guten Gurus empfangen wird.

1.72 Ein schlechter Guru ist selbst zugrunde gegangen; wie sollte er einen anderen hinüberführen? Guru soll sein, wer mit den zwanzig umfassenden Vorzügen ausgestattet ist.

1.73 Er soll hervorragend sein, die genannten körperlichen Merkmale besitzen, rein gekleidet und ansprechend sein. Er soll die Wahrheit aller Glieder des Weges und die Verfahren aller Mantras kennen.

1.74 Er soll Zeichen, Ausdruck und Verhalten verstehen und sich von schlechten Menschen fernhalten. Nach innen gewandt, den Blick nicht im Äußeren verlierend, soll er umfassend kundig sein und Ort und Zeit kennen.

1.75 Seine Weisung soll wirksam sein; er soll mitfühlend und friedvoll sein und Veda und Vedangas kennen. Er soll sich den täglichen, den anlassbezogenen und den auf ein bestimmtes Ziel gerichteten, untadeligen Handlungen widmen.

1.76 Als Guru gilt, wer nicht begehrlich ist, nicht verletzt und [nach dem überlieferten Wort „pakṣapātī“] Partei ergreift. Der Mantra eines anders beschaffenen Gurus führt zu Tod und schlimmem Leid. Hier liegt eine auffällige Lesung vor: „pakṣapātī“ bedeutet nicht „unparteiisch“. Eine vermutete Negation wird nicht stillschweigend eingesetzt; auch „ahisaka“ ist orthographisch unregelmäßig.

Die folgenden sozialen Rangordnungen und Zugangsbeschränkungen geben historische Vorschriften wieder; sie sind keine heutigen Empfehlungen.

1.77 Ein solcher Brahmane soll zum Guru genommen werden; ist keiner vorhanden, ein entsprechend beschaffener Kshatriya, Vaishya oder Shudra. Gegen die Rangfolge der sozialen Stände soll keine Einweihung erteilt werden.

1.78 Auf dem rechten Weg gilt [die Einweihung] durch Vater, mütterlichen Großvater, leiblichen Bruder oder einen Haushälter als kraftlos; auf dem linken Weg als überaus wirksam. Die Zugehörigkeit von „gṛhasthasya“ zur Aufzählung ist auslegungsbedürftig.

1.79 Der Guru soll einen Schüler prüfen, der die von Kundigen beschriebenen Merkmale besitzt: zwölf Jahre, die Hälfte davon oder wiederum die Hälfte. Dann soll er ihm die Einweihung geben.

1.80 Der Schüler soll die Verbindlichkeit des Guru-Wortes verstehen und Freude am Dienst für den Guru haben. Er soll frei von Befangenheit, Selbstüberhebung und Stolz sein und ein Führender seines Kula werden können.

1.81 Er soll kein Verlangen nach dem Besitz des Gurus haben, wohl aber nach dessen Gnade. Er soll sich Japa und Meditation widmen und den Weg zur Befreiung einschlagen.

1.82 Er soll mit den Mitteln zur Versenkung ausgestattet, körperlich rein und rechtschaffen sein, fest in seinen Gelübden, von gutem Verhalten und erfüllt von Vertrauen und Hingabe.

1.83 Er soll demütig, wahrhaftig, maßvoll und freundlich sprechen, von guten Menschen anerkannt, entgegenkommend und liebevoll sein, standhaft und allen hilfreich.

1.84 Einen stets freundlich zugewandten Menschen soll man zum Schüler machen, um die Gottheit zu erfreuen. Wer aus Habgier oder ähnlichen Motiven Einweihung gibt, zieht den Fluch der Gottheit auf sich.

1.85 Bei einem Schüler eines anderen, bei [„ceṣṭavaṃśe“, unklarer Lesung], einem Betrüger, einem vermeintlich Gelehrten, einem Frauenfeind, einem [„sāmaye“, hier unklar], einem Ängstlichen und einem körperlich beeinträchtigten Menschen bleibt die Einweihung nach dieser Vorschrift fruchtlos. Die Aufzählung ist teilweise beschädigt und enthält historische Ausschlusskriterien.


Historische Zuordnungen von Mantras

1.86 Ohne den Pranava ist der Veda nicht [vollständig]; der Mantra ist aus dem Veda hervorgegangen. Deshalb ist der Mantra auf den Veda bezogen, und der Agama gilt als ein Glied des Veda.

1.87 Handlungen wie Unterwerfung und Heranziehung, die sichtbare und unsichtbare Ergebnisse bringen, werden nach dieser Darstellung sämtlich durch den Veda vollzogen, ebenso Planetenopfer und ähnliche Riten.

1.88 Ohne Veda gibt es keine Opfer, und die Veden sind nicht ohne Opfer. Deshalb ist der Mantra auf den Veda bezogen; was nicht Veda ist, wird hier nicht als Mantra bezeichnet.

1.89 Für Shudras gibt es nach dieser Regel keine darüber hinausgehende Befugnis zum Mantra. So viele Silben eines [ihnen nicht zugestandenen] Mantras man einem Shudra mitteilt,

1.90 so viele Vergehen vom Gewicht einer Brahmanentötung entstehen dadurch. Deshalb soll man ihn zunächst rituell vorbereiten und ihm danach einen tantrischen Mantra geben, unter Auslassung [der in „svārhokāreṇa“ unsicher bezeichneten Lautbestandteile].

1.91 Auch Frauen und Shudras sollen, nachdem sie die entsprechende Weihe empfangen haben, nach dem in ihrem eigenen Agama gelehrten Weg Verehrung üben.

1.92 Eine Witwe [empfängt sie] mit Zustimmung des Sohnes, ein unverheiratetes Mädchen mit Erlaubnis des Vaters. Eine Ehefrau wird vom Ehemann eingeweiht, denn dieser gilt ihr stets als Guru.

1.93 Auch soll sie ihn mit allen Mitteln der Verehrung als Gott verehren. Für Frauen und Shudras ist der shaivische oder vaishnavische [Mantra] einer, der auf „Verehrung“ endet.

1.94 Indem man ihn als Namensmantra versteht, soll man sogar Chandalas einweihen.

1.95 Die Mantras werden in fünf Klassen eingeteilt: Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas, Shudras und solche der Pulastya-Klasse. Sie sollen in der entsprechenden absteigenden Zuordnung weitergegeben werden.

1.96 Die Maya-Keimsilbe gilt als Brahmane, die Shri-Keimsilbe als Kshatriya; die Kama-Keimsilbe als Vaishya, die Vagbhava-Keimsilbe wird Shudra genannt. Für „Shri“ steht in der Vorlage die unsichere Lesung „śī“; die Zuordnung folgt dem erkennbaren Kontext.

1.97 Ein Mantra, der diese vier Keimsilben nicht enthält, heißt Paulastya. Man soll einem Menschen eines niedriger eingestuften Standes keinen Mantra einer höher eingestuften Klasse geben.

1.98 Die Shakti-Mantras im Anushtubh-Metrum, Nila-Sarasvati, die nach dem Kalpa gelehrte vedische [Form] und Vindhyavasini sollen von Brahmanen weitergegeben werden. Die syntaktische Zusammengehörigkeit der mittleren Glieder ist unsicher.

1.99 Die als Pashupata, Saudarshani und Narasimhi bezeichneten [Formeln] sowie diejenige Kartaviryas sollen von Brahmanen und Kshatriyas weitergegeben werden, nicht von anderen.

1.100 Dakshinamurti und Aghora sollen an die drei Stände weitergegeben werden.

1.101 Der achtsilbige [Mantra], Hayagriva, Uma-Maheshvara, Lakshmi-Narayana, Vasudeva und Varaha,

1.102 Agni, der Surya-[Mantra] mit „Ghṛṇi“, Tara und die weiteren sowie Aruneshvara sollen an alle Stände weitergegeben werden; ebenso Kalika und Shyamala.

1.103 [Es folgen] Chinnamasta, Matangi, Bagala, Ugratara, die [Mantras] der Yoginis und der Gemahlinnen der Yakshas sowie diejenigen Tripuras, Batukas und anderer.


Drei Formen der Verehrung

1.104 Shabara- und Paulastya-[Mantras] soll ein Zweimalgeborener nicht rezitieren. Die Verehrung wird als dreifach gelehrt; unter ihren Formen ist die sattvische die höchste.

1.105 In ihr gilt die geistige Puja als vorzüglichste Form der Verehrung. Der rechte Weg ist rajasisch, ebenso die Verehrung an einem Bildnis,

1.106 mit sämtlichen gesprochenen Darbringungen; dadurch wird dessen besondere Gestalt bestimmt. Als tamasische Verehrung gilt die Darbringung von Bali-Opfern an heiligen Sitzen und ähnlichen Orten. Die mittlere Wendung ist syntaktisch unsicher.

1.107 Daher wird der linke Weg unter Ausschluss des ersten Standes gepriesen. Dies ist die höchste beschriebene Ordnung des linken und des rechten Weges.

1.108 Sie wird in allen Tantras geheim gehalten. Was möchtet ihr darüber hinaus hören?

Kolophon: So endet im Meru Tantra, das von Shiva verkündet und von Mahamaya und Mahakala gebilligt ist, die erste Erhellung über die Grundordnung.


Prakāśa 2 – Saṃskāras – rituelle Läuterungen

Der zweite Prakāśa fragt nach der Wirksamkeit spiritueller Praxis und entfaltet ein System der Weihen und Mantraläuterung. Die folgenden sozialen Vorschriften, körperbezogenen Riten und divinatorischen Diagramme dokumentieren historische Lehren. Sie sind keine Empfehlungen zur Selbstanwendung und keine überprüften Vorhersageverfahren.

Die Frage nach Wirksamkeit und Läuterung

2.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Hunderte Menschen, o Gott, folgen hier dem tantrischen Weg; doch nirgends sieht man eine Vollendung. Was soll dann im Jenseits geschehen?

2.2 Wenn das Karma maßgeblich ist, wozu dient die Verehrung einer Gottheit? Wenn aber die Gottesverehrung wahrhaft wirksam ist, warum leiden die Übenden?

2.3 Beseitige diesen Zweifel! Was leisten die Mantra-Diagramme? Und wie sollen die tantrischen Saṃskāras, die rituellen Weihen und Läuterungen, ausgeführt werden? Erkläre mir das.

2.4 Ishvara sprach: Drei Handlungen werden während der Schwangerschaft vollzogen, zehn vom Zeitpunkt der Geburt an und danach nochmals drei. So werden sechzehn Saṃskāras überliefert.

2.5 Ebenso soll der Guru für die Zweimalgeborenen drei Handlungen am Mantra vollziehen, sodann zehn [im Zusammenhang mit] den Schülern und, wenn der Mantra vollendet ist, nochmals drei. Die syntaktische Verbindung mit „śiṣyān“ ist unregelmäßig.

2.6 Für Frauen und Shudras werden sechs Lebensweihen gelehrt; entsprechend werden auch sechs Mantra-Weihen genannt.

2.7 Für Chandalas und andere sind vier vorgeschrieben; dieselben gelten für ihre Mantras. Die nach dem Yavana-Ritualsystem genannten drei gelten entsprechend auch für dessen Mantras.

Historische Lebensweihen

2.8 Höre, wie sie nach der Unterscheidung in linken und rechten Weg zu vollziehen sind. Auf dem linken Weg wird für Feueropfer und ähnliche Riten anstelle von geklärter Butter Rauschtrank vorgesehen.

2.9 Bei der Zubereitung der Speisen und ähnlichen Verrichtungen wird Fleisch verwendet. Für die weiteren Bereiche gelten bestimmte Regeln; ebenso sind sexuelle Vereinigung, Enthaltsamkeit und die zum jeweiligen Ritus gehörigen Mudras zu berücksichtigen. Die Lesung „śailādau“ ist hier nicht sicher erklärbar.

2.10 Zuerst erfolgt die Empfängnisweihe nach dem in der eigenen Ritualüberlieferung vorgeschriebenen Weg. Dies gilt für die Anhänger des rechten Weges; auf dem linken vollzieht man das weitere entsprechende Ritualglied.

2.11 Mit Mantras und dem rituellen Trank sättigt man die zugehörige Gottheit und die Yoni. An den Gliedern der Frau vollzieht man die Platzierung der Mantras der Gottheit.

2.12 Nachdem man alle Nyasas am eigenen Körper ausgeführt hat, betrachtet man sie als Bhairavi. Selbst zu Bhairava geworden, vollzieht man die geschlechtliche Vereinigung.

2.13 In einer bequemen Haltung, während das Glied in die Yoni eingeführt ist, rezitiert man diesen Mantra fünftausendmal; dadurch, so die Verheißung, erhält man den gewünschten Sohn.

2.14 „Lakshmi“, „Herrin des Lebens“ und „beschütze mich“ bilden die genannte neunsilbige Formel. Ihr [Prinzip] ist der Mond, seines die Sonne; der Embryo verbleibt auf der Erde. Die Formel ist durch Benennungen verschlüsselt; der letzte Ausdruck ist nicht eindeutig.

2.15 Als zweite Weihe wird Pumsavana ausgeführt, der Ritus zur Erlangung eines männlichen Kindes. Ein Kundiger soll ihn im dritten Monat vollziehen.

2.16 An dem durch die vedische Vorschrift bestimmten Tag folgt er seiner eigenen Ritualüberlieferung. An die Stelle des vornehmlichen vedischen Feueropfers tritt dabei [auf tantrischem Weg die Verehrung] der eigenen Gottheit.

2.17 Mit dem „Ursachenstoff“ bringt er vier Opfergaben dar; den männlichen Gottheiten ihres Umkreises jeweils zwei,

2.18 den weiblichen jeweils eine. Dies gilt für den linken Weg; das Übrige wurde zuvor beschrieben. Nachts bringt man Bhairava eine Bali-Gabe mit rituellem Trank und Opfertier dar.

2.19 Die dritte Weihe heißt Simanta, das Scheiteln des Haares. Im vierten, sechsten beziehungsweise achten Monat gilt ihre Ausführung als vorzüglich, mittel beziehungsweise weniger günstig.

2.20 An einem astrologisch bestimmten Tag folgt man der eigenen Ritualvorschrift. Der Anhänger des linken Weges schreibt den Mantra der Gottheit am Haarscheitel mit „surucā“. Das hier bezeichnete Schreibmittel ist nicht gesichert.

2.21 Er legt den krankheitsbeseitigenden Mantra durch Nyasa auf ihre Glieder. Danach soll er aus Furcht vor dem Fluch der Gottheit keinen Geschlechtsverkehr mehr mit dieser Ehefrau haben.

2.22 Erfolgt eine Vereinigung aus Begierde oder Verblendung, zu ungünstiger Zeit oder entgegen der Vorschrift, so führt dies zum Fall [der durch Simanta geheiligten Verbindung]. Die Schlusswendung ist undeutlich; eine konkrete medizinische Folge lässt sich daraus nicht sicher übersetzen.

2.23 Als vierte Weihe vollzieht der Brahmane nach seiner eigenen Ritualvorschrift Jatakarman, den Geburtsritus; dieser gilt auch für weibliche Kinder und Shudras.

2.24 Bei der Geburt eines Brahmanenmädchens oder eines Shudrasohnes wird der Ritus schweigend, nach vorherigem Gedenken an Vishnu, ausgeführt.

2.25 Der Anhänger des linken Weges soll die Weihe zur Erzeugung geistiger Auffassungskraft nicht [in der gewöhnlichen Form] vollziehen. Stattdessen schreibt er mit einem goldenen Griffel, dessen Spitze mit dem „Ursachenstoff“ versehen ist,

2.26 die Wurzelkeimsilbe an den Gaumen und den Mantra auf die Zunge. Danach sättigt er die Gottheit durch Darbringung; die übrigen Handlungen sind wie auf dem rechten Weg.

2.27 Die fünfte Weihe heißt Namengebung. Sie ist für alle vorgesehen und findet nach Ablauf der geburtsbedingten rituellen Absonderung an einem günstigen Tag statt.

2.28 Man vollzieht die Namengebung nach der eigenen Ritualvorschrift. Die sechzehn in den Tantras genannten Buchstabendiagramme

2.29 sind zu prüfen, damit der gewählte Name fruchtbar wird. Ist bei der Namengebung kein solcher Name gegeben worden, so soll ein entsprechend kundiger Guru

2.30 ihn bei der vollständigen Weihe durch Übergießen geben. Das Verfahren wird mitsamt seiner Grundlage erklärt, denn durch die Eigenschaften der Laute entsteht für die Brahmanen Vollendung.

Buchstaben-, Sternen- und Zahlendiagramme

2.31 Ich erkläre das Sternendiagramm zur Mantra-Vollendung der Kinder: a und ā gehören zu Ashvini; i zu dem Aryaman-[Sternbild]; ī, u und ū zum Feuer-Sternbild. Die Benennung des zweiten Sternbildes ist gegenüber der üblichen Reihenfolge auffällig und bleibt unverbessert.

2.32 ṛ, ṝ, ḷ und ḹ gehören zu Rohini; e zu Mrigashiras, ai zum Shiva-Sternbild Ardra, o und au zu Punarvasu; ka zu Pushya, kha und ga zum Schlangen-Sternbild Ashlesha.

2.33 Zum Ahnen-Sternbild Magha gehören gha und ṅa; zum Bhaga-Sternbild ca; zum Aryaman-Sternbild cha und ja; zu Hasta jha und ña; zum Tvashtri-Sternbild ṭa und ṭha; zu Svati ḍa; zum Sternbild der beiden Herren ḍha und ṇa.

2.34 Zu Anuradha gehören ta, tha und da; zu Jyeshtha dha; zu Mula na, pa und pha; zu Purvashadha ba und zum Vishvadeva-Sternbild bha.

2.35 Zu Shravana gehört ma; zu Dhanishtha ya und ra; zu Shatataraka la; zu Purvabhadra va und śa; zum vorletzten Sternbild ṣa, sa und ha.

2.36 Zu Revati gehören laṃ, kṣaṃ, aṃ und aḥ. Vom Sternbild des Mantralauts aus zählt man bis zum Sternbild des Anfangslautes des betreffenden Namens; die Ergebnisse wiederholen sich in drei Durchläufen.

2.37 [Die Ergebnisse sind:] Verlust der Stellung, Umgang mit guten Menschen, vielfältige Freundschaft, etwas dem Tod Vergleichbares; ferner erlangt der Übende bei seinem Vorhaben seelische Bedrängnis oder körperliche Krankheit.

2.38 [Weiter:] Feindschaft und Anfeindung durch viele, Unglück und Verlust von Wohlstand. Man soll das Verfahren anwenden, nachdem man diese Ergebnisse des Sternendiagramms verstanden hat. Die genaue Gliederung der Ergebnisreihe in 2.37–38 ist nicht zweifelsfrei.

2.39 Nachdem man anhand der im Sternendiagramm genannten Buchstaben die Sternbilder des Übenden und des Gegenstandes seiner Übung bestimmt hat, prüft man das Gana-Diagramm; ebenso bei Frau und Mann und bei vertauschter Reihenfolge.

2.40 Die festen Sternbilder, die heftigen unter Ausschluss Maghas und das Rudra-Sternbild gelten als Menschengruppe. Die Sternbilder Vishnus, das letzte, Mitras, Aditis, des Mondes, des Windes, des Götterpriesters, der Hand und des Pferdes

2.41 bilden die Göttergruppe; die übrigen sind Rakshasas. Für Übungsgegenstand und Übenden gilt: Die Verbindung von Mensch und Gott bringt rasch Frucht, die umgekehrte nur mit Mühe.

2.42 Bei Mensch und Dämon führt die Annahme des Mantras, auch in umgekehrter Reihenfolge, zum Tod. Bei Gott und Dämon entsteht Kampf; die umgekehrte Verbindung bleibt fruchtlos. Dies sind die tradierten Zuordnungsbehauptungen des Diagramms.

2.43 Bei Mantras der Planeten und Nebenplaneten prüft man das Monddiagramm. Die Zahlenfolge wird mit vier, drei, drei, zwei, zwei, zwei angegeben; es sind sechs [Gruppen].

2.44 Darauf werden die sechs Buchstabenklassen auf die weiteren sechs [Felder] verteilt. Je nachdem, wo vom Feld des Namenslautes aus der Anfangslaut des Mantras liegt, ergibt sich folgende Frucht:

2.45 günstig, dienend, nährend, krankheitsbringend, einen Sohn gebend, heilvoll, Glück in der Beziehung zur Frau bringend, Windstörungen verursachend, glückverheißend, zum Gelingen eines Vorhabens führend,

2.46 Gewinn bringend oder Ausgaben bewirkend. So sind die Buchstaben in den Diagrammen erklärt. Für Frauen, Shudras und Angehörige der als Pratiloma bezeichneten Verbindungen wird Verehrung mit Namensmantras vorgesehen.

2.47 Die zuvor genannten Tierkreiszeichen, beginnend mit den Fischen, werden den mit den Brahmanen beginnenden Ständen zugeordnet. Man soll einen dem betreffenden Stand nach vorzüglichen Mantra annehmen, besonders einen vedischen.

2.48 Nun erkläre ich für den Kaula-Weg das zur Vollendung führende Fünf-Elemente-Diagramm. Man ordnet die fünf Prinzipien Luft, Feuer, Erde, Wasser und Raum an.

2.49 Darunter werden jeweils zwei Vokale geschrieben; anschließend die mit ya beginnenden [Laute], die mit ka beginnenden sechs Klassen sowie śa, ṣa, sa, ha und kṣa.

2.50 Der Name wird wiederholt geschrieben, entsprechend der Silbenzahl des Mantras; ebenso wird der Mantra wiederholt, bis beide Reihen gleichzeitig enden.

2.51 Nachdem man so weit geschrieben hat, prüft man die Elementzugehörigkeit der Laute. Bei gleichem Element setzt man einen ganzen Wert an, bei einem befreundeten dessen Stärke. Der genaue Zahlenfaktor für das befreundete Element ist hier nicht eindeutig ausgesprochen.

2.52 Bei neutralem Verhältnis setzt man ein Viertel an. Die Summe, durch fünf geteilt, ergibt den günstigen Wert. Für den ungünstigen Wert gilt: bei feindlichem Verhältnis ein Ganzes, bei gleichem die Hälfte,

2.53 bei befreundetem ein Viertel. So ergibt sich entsprechend der ungünstige Wert in Bruchteilen.

2.54 Wenn der günstige Wert größer und der ungünstige klein ist, soll man die Mantrapraxis ausführen. Andernfalls, so die Darstellung, bemächtigen sich Bhutas, Vetalas und Pishachas des Mantras.

2.55 Erde und Wasser sind befreundet, ebenso Feuer und Luft. Neutral ist das Verhältnis zwischen Feuer und Erde sowie zwischen Wasser und Luft.

2.56 Bei entgegengesetzter Verbindung besteht Feindschaft. So ist das Fünf-Elemente-Diagramm beschaffen. Nun erkläre ich das Diagramm der Kategorien „vollendet“ und so weiter; nach seiner Kenntnis soll man den Namen bestimmen.

2.57 Für den rechten Verehrungsweg, den eigenen Mantra und die eigene Gottheit verwendet man ein zwölfspeichiges Diagramm. Unter Auslassung der als Kuta und Shandha bezeichneten Laute

2.58 schreibt man die Buchstaben von a bis kṣa, vom Osten bis zum Ishvara-[Nordost-]Bereich. Vom Anfangslaut des eigenen Namens aus zählt man bis zum Anfangslaut des Mantras.

2.59 Dabei folgen wiederholt die Kategorien „vollendet“, „zu vollenden“, „wohl vollendet“ und „feindlich“. Ein „vollendeter“ Mantra gelangt mit der Zeit zur Wirkung; ein „zu vollendender“ kann gelingen oder auch nicht.

2.60 Ein „wohl vollendeter“ wirkt bereits durch seinen Empfang; der „feindliche“ schneidet die Wurzel ab. Nun erkläre ich das Siddhi-Buchstabendiagramm für die Praxis der Mahavidyas. Die knappe zweite Aussage kann auch als „schneidet die Wurzel des Feindes ab“ gelesen werden; die folgenden Schadenszuordnungen sprechen für Vorsicht bei dieser Deutung.

2.61 Darin sind nach der grundlegenden Reihenfolge sechzehn Felder zu bestimmen. In diese Felder setzt man geordnet die Buchstaben der Matrika.

2.62 Die Felder werden durch die Wortzahlen Erde, drei, Pfeile, Zahl, Erde, Mond, Meere, Sonne, Richtungen, sechs, Könige, Stier, fünf, Glieder, Mondtage und Vishvedevas bezeichnet. Die überlieferte Wortzahlenfolge enthält mehrdeutige Glieder; sie wird nicht zu einer ungesichert rekonstruierten Zahlentafel umgeformt.

2.63 Zunächst sind in den Vierergruppen und in den Zwischenrichtungen die mit „vollendet“ beginnenden Kategorien zu bestimmen. Vom jeweils erreichten Feld aus verfährt man nach der Weisung des Gurus mit dem vorderen Finger. Die konkrete Zählbewegung ist nur verkürzt angegeben.

2.64 „Vollendet–vollendet“ wird durch die vorgesehene Rezitation wirksam; „vollendet–zu vollenden“ durch deren Verdoppelung. „Vollendet–wohl vollendet“ ist bereits erlangt; „vollendet–feindlich“ tötet Angehörige der Abstammungslinie.

2.65 „Zu vollenden–vollendet“ gelingt unter sehr großer Mühe; „zu vollenden–zu vollenden“ verursacht großes Leid. „Zu vollenden–wohl vollendet“ gelingt durch Verehrung; „zu vollenden–feindlich“ nimmt dem Übenden seine Grundlage.

2.66 „Wohl vollendet–vollendet“ gelingt durch die halbe Rezitationszahl; die folgende Verbindung durch eine vielfache Zahl. Zweimal „wohl vollendet“ gelingt sehr rasch; „wohl vollendet–feindlich“ vernichtet die Familie. Die Angabe „bahurūpāt“ zur zweiten Verbindung ist nicht präzise.

2.67 „Feindlich–vollendet“ tötet den Sohn, „feindlich–zu vollenden“ die Tochter; „feindlich–wohl vollendet“ tötet die Ehefrau; „feindlich–feindlich“ vernichtet den Übenden.

2.68 Hier ist der gebräuchliche Name zu verwenden, auf dessen Anruf jemand aufmerksam wird. Bei einem aus Keimsilben bestehenden Mantra sind dagegen die Buchstaben eines sechsblättrigen [Diagramms]

2.69 zu berücksichtigen: Man zeichnet einen schönen sechsblättrigen Lotus und setzt die Matrika-Laute unter Auslassung der Kuta- und Shandha-Laute hinein.

2.70 Wo der Anfangslaut des eigenen Namens liegt, beginnt die Prüfung. Die Ergebnisse sind Wohlstand, Armut, Standhaftigkeit, Streit mit Angehörigen und Ungewissheit

2.71 sowie vollständiger Untergang, jeweils entsprechend den vom Anfangslaut aus erreichten Feldern. Nun erkläre ich, auf welche Weise die Vollendung eines Mantras möglich wird.

2.72 Ich beschreibe das Guthaben-Schulden-Buchstabendiagramm. Seine Zahlen werden durch Raum, Pfeile, sechs, drei, Mond, Meere, Glieder, sechs und Krita bezeichnet; die elf Vokale werden entsprechend eingetragen. Die Zahl der genannten Wortzahlglieder und der Felder ist in dieser Lesung nicht eindeutig zur Deckung zu bringen.

2.73 Darunter schreibt man die mit ka beginnenden und bis ḍha [reichenden, dann die weiteren] Buchstaben in der durch Hara bezeichneten Zahl. Darunter folgen zwei, Erde, sieben, Meere, Raum, drei, sieben, Pfeile, Ozeane,

2.74 sechs und fünf: Dies sind die Zahlen des Übenden; die Mantrazahlen wurden zuvor genannt. Die Zahlenwerte der nach Vokalen und Konsonanten getrennten Mantralaute werden einzeln

2.75 zusammengezählt; ebenso verfährt man mit dem Namen des Übenden. Beide Divisionsreste werden festgehalten; [verglichen wird], inwieweit der Zahlenwert des Mantras den des Namens

2.76 übersteigt. Dieser Mantra kann gegeben werden, er ist vollendet. Durch entsprechend viele Wiederholungszyklen lassen sich auch zunächst nicht vollendbare [Verbindungen] zur Vollendung führen. Der Satzübergang 2.75–76 lässt die Richtung des Vergleichs nicht völlig sicher erkennen; 2.78 erläutert ausdrücklich den Gegenfall.

2.77 Auch geringere Werte können unter geeigneter Planetenkonstellation und Sternbildzuordnung ausgeglichen werden. Man soll erneut vorbereitende Mantrapraxis ausführen, um den Mantra wieder zu entfachen.

2.78 Der Übende gilt als Schuldner, wenn seine Zahl größer ist. Führt er so viele Zyklen aus, wie der Überschuss beträgt,

2.79 und werden diese als Purascharana bezeichneten [Vorbereitungen] vollzogen, so entsteht Gleichheit. Nach einer weiteren Purascharana wird er fähig, das Vorhaben zu verwirklichen.

2.80 Ist ein Vorhaben vollbracht, so wird [der Mantra] wiederum stumpf. Nach erneutem Japa in entsprechender Zahl ist er wieder zu einem einzelnen Werk fähig. Hier ist eine in allen Tantras geheim gehaltene Grundregel offengelegt.

2.81 Bei dieser Gelegenheit erkläre ich das Ringer-Buchstabendiagramm zur Bestimmung des Sieges zweier Kämpfer. Das Diagramm wird folgendermaßen angelegt:

2.82 Man schreibt die Wortzahlen fünf, fünf, Feuer, Rama, Feuer, Geschmacksarten, Jahreszeiten, das Antlitz Ugras, Raum, Erde und fünf. Darunter werden, unter Auslassung der Shandha-Laute,

2.83 die elf Vokale geschrieben; die letzten werden ausgelassen. Darunter schreibt man die mit ka, ca und ṭa beginnenden Konsonanten unter Auslassung von ṅa, ña und ṇa. Die Formulierung zur Auswahl der elf Vokale bleibt knapp und auslegungsbedürftig.

2.84 Für beide werden die Zahlenwerte ihrer Namenslaute addiert und der Rest [nach Teilung] durch zwei bestimmt. Bei Gleichheit werden beide Summen zusammengezählt und der Rest nach Teilung durch acht genommen.

2.85 Bei den Resten, die als „sva“, Veden, Jahreszeiten, Pfeile, Berge, Feuer und Erde bezeichnet sind, siegt der zuerst Genannte. Bei gleichen Werten beider bleibt hier ein Streit ohne Mantra und Yantra. „sva“ ist als erstes Zahlwort unklar; auch die Schlussaussage ist verkürzt.

2.86 Ich erkläre das Diebesdiagramm, anzuwenden auf den Eigentümer und den Dieb: sechs, Veden, drei, Pfeile, sieben, Meere, Berge, zwei, Geschmacksarten, Raum und Erde

2.87 sind die oberen Zahlen; das Übrige geschieht wie zuvor. Die Zahlensumme wird durch acht geteilt und der Rest betrachtet. Der kleinere Wert bedeutet Verlust, der größere Sieg. Dies ist geheim zu halten.

2.88 Nun erkläre ich das Königsdiagramm, das den Sieg zweier Herrscher bestimmt. Die Zahlen der acht Klassen sind [in der überlieferten Folge]: Feuer, Pfeile, sechs, Veden, Zahl, Mond und Feuer. Die angekündigten acht Klassen haben hier nur sieben klar trennbare Zahlwörter.

2.89 Man verteilt die Buchstaben beider [Namen] und bestimmt den Rest nach Teilung durch sieben. Der größere Rest bedeutet Sieg; bei Gleichheit entscheidet die Stärke der Buchstabenklasse, bei gleicher Klasse die Kraft des Lebensatems.

2.90 Ich erkläre das Streit-Buchstabendiagramm, das im Streit den Sieg anzeigt. Man schreibt als Zahlen Feuer, Mond, Veden, Paar und Mond und die fünf Vokale.

2.91 Darunter stehen die mit ka beginnenden Konsonanten. Die Zahlen der Namenslaute beider werden durch fünf geteilt; ein größerer Rest bedeutet Sieg, ein kleinerer Niederlage.

2.92 Höre das Buchstabendiagramm, das bei Liebe oder Kampf den Sieg zwischen Frau und Mann bestimmt. [Die Zahlwörter lauten:] Erde, sechs, fünf, Feuer, Veden, Feuer, zwei, Erde, Raum, Pfeile, Pfeile, Krita,

2.93 drei, zwei, Erde. Darunter schreibt man die mit ka beginnenden, zuvor genannten Buchstaben. Man sammelt die Zahlenwerte der Namenslaute nach den verschiedenen, in ihrer Reihenfolge erklärten Klassen.

2.94 Nach Teilung durch sieben bedeutet der größere Rest Sieg, der kleinere Niederlage. Bei gleichen Resten entscheidet man anhand von Lebensatem und Buchstabenklasse.

2.95 Hört, ihr Gottheiten, das Diagramm für den Sieg eines Heerführers: Geschmacksarten, Feuer, Augen, Yuga, Schlangen, sechs, „go“, Meere, Feuer,

2.96 Raum und Erde [sind die Zahlen]. Darunter schreibt man die zuvor genannten Anfangsvokale. Bei der Summe ihrer Zahlen und dem Rest nach Teilung durch acht bedeutet der größere Wert Sieg. „go“ ist ein mehrdeutiges Wortzahlsymbol.

2.97 Man schreibt die Buchstaben von ka bis ha unter Auslassung von ṅa, ña und den Shandha-Lauten. [Die Zahlenfolge lautet:] Geschmacksarten, Feuer, Veden, Paar, Glieder, sechs, Krita, Feuer, Mond, Null und Erde.

2.98 Nach Eintragung der Zahlen bestimmt man die Summen für den Boten und den Kranken. Ist der Rest nach Teilung durch acht [beim Kranken] größer, so bleibt der Kranke nach dieser Deutung am Leben.

2.99 Bei Gleichheit verfährt man wie zuvor. Damit sind die sechzehn Buchstabendiagramme beschrieben. Man soll sie aus dem Mund des Gurus verstehen und entsprechend die Namengebung vollziehen.

Weitere Lebensweihen und ihre tantrischen Entsprechungen

2.100 Die sechste Weihe ist Annaprashana, das erstmalige Essen fester Nahrung; sie gilt für alle. Sie erfolgt nach der eigenen Ritualvorschrift, für Shudras und andere ohne die betreffenden Mantras.

2.101 Dabei werden die Ahnen einbezogen; auf dem linken Weg die Bhairavas und die acht Gottheiten des Ritualkreises. Nach der Verehrung reicht man den verbliebenen Anteil

2.102 mit rituellem Trank und Früchten, während der Wurzelmantra gesprochen wird. Wer diesen Ritus empfangen hat, erleidet nach der Verheißung kein Unglück durch Hunger.

2.103 Höre nun, Parvati, die siebte Weihe, Chuda, das erste Haarscheren. Sie ist für alle vorgesehen und soll Verfehlungen der Kindheit beseitigen.

2.104 Bei Buddhisten und Yavanas wird dabei kein Haarschopf belassen. Auch bei Mädchen soll der Ritus zur Mehrung von Glück und Gesundheit vollzogen werden.

2.105 Auf dem linken Weg wird das Haar entsprechend der Keimsilbe des Mantras behandelt; man gibt es in den rituellen Trank und vergräbt es in der Erde. Dies ist die Besonderheit des linken Weges. Die Wendung über Haar und Mantrakeim bestimmt die genaue Form nicht eindeutig.

2.106 Als achte Weihe erkläre ich das Anlegen des Munja-Gürtels. Es heißt Upanayana, weil der Schüler zum Guru hingeführt wird.

2.107 Nach der eigenen Ritualvorschrift soll man den Brahman-Glanz verleihenden Ritus vollziehen. Zweimalgeborene des linken Weges müssen zuvor die Kula-Einweihung empfangen.

2.108 Danach erfolgt die Einweihung in die Savitri; die umgekehrte Reihenfolge bewirkt den Fall. Ebenso erfolgt zuerst die Einweihung in eine geringere Gottheit und danach in eine größere.

2.109 Wenn der Mantra einer großen Gottheit vollendet ist, sind die kleineren von selbst unterworfen. Für sie soll man die Mantra-Einweihung empfangen und vorbereitende Mantrapraxis beginnen.

2.110 Man soll auch die besonderen Anwendungen ausführen, niemals jedoch [in dieser Weise den Mantra] der eigenen erwählten Gottheit [einsetzen]. Diesen soll man nur einem guten Schüler oder guten Sohn weitergeben.

2.111 Wer aus Habgier oder Furcht einem anderen einen vollendeten Mantra gibt, bewirkt die Vollendung des Schülers, zieht aber selbst als Guru einen Fluch auf sich.

2.112 Welche Gottheit auch immer auf einem Weg besonders verehrt wird: Die ihr eigene heilige Formel nimmt auf diesem Weg wie ein König den höchsten Rang ein.

2.113 Hundertacht Tantras habe ich gelehrt, Parvati. Je nachdem, wonach jemand fragte, wurde die Vorzüglichkeit des betreffenden Gegenstandes beschrieben.

2.114 Im Meru Tantra spreche ich unparteiisch und der Sache gemäß: Unter allen gilt das Vedische als das Höchste; danach folgt das vortreffliche Smarta-System.

2.115 Danach folgt das Tantra; innerhalb dessen die Samhitas, dann die Arnavas, die Yamalas und ihre Verbindungen, Mantrishani und Tandava. Die Lesung „sahitā“ wird im Sinn von Samhita verstanden; einzelne Titel oder Gattungsbezeichnungen sind nicht eindeutig.

2.116 [Es folgen] Indrajala, Kakshaputi, buddhistische, jainistische und Shabara-Lehren. Diese sind als schrittweise niedriger eingestuft zu verstehen; je nach Eignung kommt einer von ihnen der Vorrang zu.

2.117 Die Verehrung eines niedriger Eingestuften führt zum Fall; ein niedriger Eingestufter fällt gewiss auch durch [unangemessene Wahl] eines höheren. Erkenntnis aber soll man jedem geben, der entsprechend seiner eigenen Lebensordnung handelt.

2.118 Als zehnte Weihe gilt das Prajapatya-Gelübde. Ein Anhänger des vedischen Weges folgt seiner eigenen Ritualvorschrift; ein Tantriker hingegen

2.119 empfängt bei der diesem Gelübde entsprechenden Weihe einen Ganesha-Mantra: auf dem rechten Weg Vakratunda und verwandte Formen, auf dem linken Ucchishta und verwandte Formen. Die Vorlage bezeichnet in 2.118 und 2.120 beide Weihen als die zehnte; dies wird nicht stillschweigend umnummeriert.

2.120 Als zehnte Weihe vollzieht man das vedische Soma-Gelübde nach der eigenen Ritualvorschrift. An dessen Stelle soll der Tantriker

2.121 einen Bhairava-Mantra empfangen: auf dem linken Weg den Batuka-Bhairavas, auf dem rechten den einer der Formen Kalabhairavas.

2.122 Denn Bhairava ist [in der vorliegenden Lesung] ein Vernichter der Purascharana-Übenden. Mittellose Übende sollen Svarnakarshana-Bhairava annehmen. Die erste Aussage ist im Zusammenhang auffällig; ein möglicherweise ausgefallenes Bezugswort wie „Hindernisse“ wird nicht unbelegt ergänzt.

2.123 Als elfte Weihe soll der Zweimalgeborene das Feuer-Gelübde nach der häuslichen Ritualvorschrift vollziehen. An dessen Stelle soll der Tantriker

2.124 zunächst aus dem Mund des Gurus die Mantras der begleitenden Gottheiten empfangen, ferner die Mantras für Puja und ähnliche Riten, ihre Unterweisung und die Vorschriften für die verwendeten Stoffe.

2.125 Die zwölfte Weihe heißt Vaishvadeva-Gelübde. An ihre Stelle tritt im tantrischen Weg die Einweihung in den Mantra der eigenen erwählten Gottheit.

2.126 Die dreizehnte Weihe wird Godana genannt. An ihrer Stelle soll der Tantriker die Befreiung von allen Verfehlungen vollziehen.

2.127 An einem geeigneten Ort sitzend, stellt er einen Spiegel oder einen mit Wasser gefüllten Krug vor sich und betet mit wahrhaftigen Worten:

2.128 „Ich wünsche die vorbereitende Mantrapraxis zu vollziehen und bemühe mich, meine Verfehlungen zu tilgen. Bis zum Nachmittag werde ich Japa üben; die Gottheiten mögen meine Zeugen sein.

2.129 Erde, Wasser, Feuer, Raum, Luft, Sonne, Mond und Sterne: Solange in meinem Leib Verfehlungen verbleiben, ihr Gottheiten,

2.130 soll mein Spiegelbild durch diese Verfehlungen getrübt erscheinen. Sind sie zur Ruhe gekommen, soll es entsprechend [klar] in der Spiegelfläche sichtbar sein.“ Die überlieferte Lesung „milano“ ist wahrscheinlich auf Trübung bezogen; die Spiegelfläche wird wörtlich mit Quecksilber bezeichnet.

2.131 Rein und ganz von Sein und Bewusstsein erfüllt, betrachtet er den Menschen der Verfehlung: schwarz, daumengroß und in der rechten Bauchseite befindlich.

2.132 Dessen Kopf besteht aus Brahmanentötung, seine Arme aus Golddiebstahl, sein Herz aus dem Trinken von Rauschtrank und seine Hüfte aus dem Vergehen am Lager des Gurus.

2.133 Seine beiden Füße bestehen aus der Gemeinschaft mit Schuldigen, seine Körperhaare aus geringeren Verfehlungen. Er trägt eine von Hautflechten befallene Haut, ist übel, blickt abwärts und ist unerträglich anzusehen.

2.134 Nachdem er ihn so vorgestellt hat, rezitiert der Übende und betrachtet, wie dieser Mensch der Verfehlung allmählich schwindet. Am Ende des Japa schaut er erneut [in den Spiegel oder das Wasser].

2.135 Wenn im Spiegel oder der entsprechenden Fläche das gesamte Spiegelbild klar erscheint, gilt die Verfehlung als gewichen und die Eignung zur vorbereitenden Mantrapraxis als erlangt.

2.136 Die vierzehnte Weihe heißt Samavartana, die Heimkehr nach der Schülerzeit. An ihrer Stelle sollen Tantriker die vorbereitende Mantrapraxis ausführen.

2.137 Ein Kaulika vollzieht zunächst tagsüber eine kurze Puja, rezitiert bis zum Abend und führt nachts die Verehrung des Ritualkreises aus,

2.138 zusammen mit den Shaktis und unter Einbeziehung der fünf mit M beginnenden Ritualbestandteile. So erlangt er nach dieser Vorschrift Vollendung; auf andere Weise nicht, selbst durch Millionen Rezitationen.

2.139 Die fünfzehnte Weihe ist die Eheschließung; sie ist für alle vorgesehen. Bei einer Witwe soll eine Vermählung mit einem Pippala-Baum vollzogen werden.

2.140 Von allen Verfehlungen befreit, gelangt sie dadurch nach dieser Lehre zur Stätte Vishnus. Gehört sie nicht dem Brahmanenstand an, so kann sie entsprechend auch einen anderen Mann zum Gatten nehmen.

2.141 Die sechzehnte Weihe heißt Pitrimedha, der Ritus für die Verstorbenen. Der vedische Anhänger folgt seiner häuslichen Ritualvorschrift; der Tantriker setzt an die Stelle der [sonst vorgesehenen] Gottheit seine eigene.

2.142 Nach deren Aufstellung vollzieht er das Ahnenopfer. Die teilnehmenden Brahmanen sollen dem Weg des Verstorbenen folgen oder, wenn solche fehlen, dem Weg des Auftraggebers.

2.143 Man vollzieht das Ahnenopfer mit ungekochten Gaben; der Anhänger des linken Weges dagegen das Fleisch-Ahnenopfer. Für die Verehrung des Ritualkreises sind Brahmanen des Kaula-Weges vorgesehen, die mit ihren Shaktis verbunden sind.

2.144 Tulasi wird dabei vermieden; verehrt wird mit Bhringaraja. Die Speisen werden aus kaulischen Ritualstoffen zubereitet und die Opferballen mit Blut besprengt.

2.145 Ein hervorragender Übender, der durch diese sechzehn Weihen geläutert wurde, gilt dann als zu Lebzeiten befreit und in seiner Wirkmacht einer Gottheit gleich.

Erwachen des Mantras und Aufhebung von Flüchen

2.146 Nun erkläre ich die sechzehn am Mantra vollzogenen Weihen. Werden sie ausgeführt, so werden die Mantras von den Flüchen befreit, die Gottheiten über sie verhängt haben.

2.147 Zuerst beschreibe ich das Erwachen aller Mantras. Der Guru soll es vollziehen, damit der Schüler Vollendung erlangt.

2.148 Bei der Rezitation des Pranava und der Feuerkeimsilbe ist [der betreffende Mantra] feuriger Art; der andere ist mondhaft. Für den feurigen Mantra ist die Zeit des Schlafes dann, wenn der Atem durch Ida fließt.

2.149 Für den mondhaften gilt dies beim Fließen durch Pingala. In den jeweils anderen Zuständen sind sie wach. Ein Mantra, der zur Zeit seines Erwachens rezitiert wird, wird erweckt.

2.150 Oder man umschließt ihn mit den bei a beginnenden und bei la endenden Lauten, zunächst mit Bindu, dann mit Visarga, und rezitiert ihn allein zu den drei Tageszeiten. Die genaue Buchstabenauswahl des Ausdrucks „lāntānādyān“ ist nicht völlig sicher.

2.151 So rezitiert wird der erwünschte Mantra erweckt und gewährt rasch Vollendung. Höre nun, Parvati, wie die Shabara-Mantras erweckt werden.

2.152 Man nimmt ein mit Asche und den weiteren Mitteln gereinigtes Bronzegefäß und rezitiert in der Nacht zum Sonntag in jeder Nachtwache hundertachtmal.

2.153 Mit einem Stab aus Khadira-Holz schlägt man an das Bronzegefäß und spricht in der eigenen Sprache: „Erwache, du Mantra!“ In der vierten

2.154 Nachtwache bringt man im Bronzegefäß eine Bali-Gabe dar: für Bhairava ein eiergeborenes Tier, einen Hahn; bei anderen Gottheiten wird eine Kokosnuss aufgebrochen. „maṇḍajam“ ist offenbar eine unregelmäßige Lesung im Umfeld der Bezeichnung eines eiergeborenen Tieres.

2.155 Als die früheren Götter vom Rauschtrank und die Götter vom Unsterblichkeitsnektar betört waren, sprach der erhabene Madhusudana:

2.156 „Wer unter euch verdient Verehrung, wer ist der Höchste? Sagt es!“ Die berauschten Götter antworteten jeweils: „Ich bin der Höchste!“

2.157 Der Erhabene lächelte ein wenig und verblendete sie durch seine eigene Maya. Er sagte: „Wessen Wort zum Fluch und zur Segnung wirksam ist,

2.158 der ist hier der höchste Gott, sei er nun ein früherer oder ein späterer.“ Als sie diese Worte Vishnus hörten, verfluchten sie einander.

2.159 Daher, o Göttin, bedürfen ihre Mantragestalten der Befreiung vom Fluch durch Saṃskāras. Welcher Mensch könnte ohne Aufhebung des Fluches Vollendung erlangen?

2.160 Die ehrwürdige Göttin sprach: Wer hat welchen Fluch ausgesprochen? Was geschieht bei der Rezitation eines verfluchten Mantras? Wie werden die Mantras fluchfrei und wirksam? Sage es mir.

2.161 Ishvara sprach: Wenn am Anfang, in der Mitte und am Ende die Luft[-Keimsilbe] steht, wenn [der Mantra] mit vier beginnt oder eine einzelne Keimsilbe hat und eine Verbindung an einer Stelle hergestellt wird,

2.162 oder wenn er von einem anderen [Laut] überlagert ist, so werden demjenigen, der diesen Mantra rezitiert, durch Karttikeyas Fluch die Wünsche zerschnitten. Die Klassifikationsbedingungen in 2.161–162 sind verkürzt und teilweise unklar; aus ihnen lässt sich keine sichere allgemeine Prüfregel bilden.

2.163 Wenn am Anfang, in der Mitte oder am Ende zwei Erdkeimsilben stehen oder Vajrin am Anfang doppelt, in der Mitte dreifach und [am Ende] doppelt erscheint,

2.164 so sind diese beiden Mantraformen durch Shukras Fluch blockiert und ohne Genuss- und Befreiungsfrucht. Sie sind sowohl auf dem linken als auch auf dem rechten Weg bekannt.

2.165 Wo keine der Keimsilben hrīṃ, sauṃ, preṃ und śrīṃ erscheint und auch kein huṃ vorhanden ist, haben die Götter den Mantra seiner Kraft beraubt. Die Trennung der mittleren Keimsilben in der zusammengeschriebenen Vorlage ist nicht vollständig gesichert.

2.166 Wird ein solcher Mantra rezitiert, vernichtet er die Wirkmacht des Mantrapraktizierenden. Bei einem kraftlosen Mantra des linken Weges folgt nach dieser Aussage zweifellos der Tod.

2.167 Wenn am Anfang kein hrīṃ, in der Mitte kein klīṃ und am Ende kein kro steht, so ist dieser Mantra durch den Fluch der Sonne abgewandt. Die Schlusskeimsilbe ist in der Vorlage als „kro“ überliefert.

2.168 Wer einen abgewandten Mantra verehrt, dem ist die Gottheit abgewandt. Selbst wenn ein Vorhaben durch glückliche Fügung gelingt, wird die Welt ihm abgewandt sein.

2.169 Wenn am Anfang, am Ende und in der Mitte weder haṃ noch saṃ erscheint, sind diese Mantras durch den Fluch des Götterlehrers taub gemacht worden.

2.170 Wer einen tauben Mantra rezitiert, erleidet Vergesslichkeit und wird nach dieser Behauptung selbst taub; so hat Mahakala gesprochen.

2.171 Der Laut ha gilt als Sonnenkeim, sa als Mondkeim; ra wird als Feuerkeim bezeichnet. Diese sind meine drei Augen. Die Wortfügung vor „drei Augen“ ist beschädigt, die Zuordnung der drei Laute jedoch erkennbar.

2.172 Wenn in einem fünfsilbigen Mantra auch nur einer von ihnen fehlt, so ist er durch meinen Fluch augenlos und bringt Leid, Kummer und Krankheit.

2.173 Wenn weder am Anfang noch in der Mitte oder am Ende hsauṃ, haṃsa, hauṃ, eṃ, śrūṃ, hrūṃ, namaḥ oder hrīṃ vorhanden ist,

2.174 so ist der Mantra durch den Fluch des Götterkönigs festgenagelt, Parvati. Wer einen solchen festgenagelten Mantra rezitiert, erlangt keine Vollendung.

2.175 Wenn ein ra in der Mitte, ein phaṭ am Ende und zwei la [vorgesehen sind], oder zwei phaṭ und drei la fehlen, so ist der Mantra zum Stillstand gebracht. Die Bedingungen und die Reichweite der Verneinung sind in der überlieferten Fassung uneindeutig.

2.176 Durch den Fluch Bhairavas entsteht niemals eine gute Vollendung; gewöhnlich entsteht vielmehr sehr großes Leid.

2.177 Wenn die ersten sieben Silben eines Mantras der Reihe nach mit ra oder ya verbunden sind,

2.178 so ist der Mantra durch den Fluch von Luft und Feuer verbrannt und quält den Übenden. Deshalb soll ein hervorragender Übender ihn zur Erlangung der Vollendung läutern lassen, o Göttin.

2.179 Wenn phaṭ durch Zwischenräume von zwei, drei, sechs oder acht Silben getrennt erscheint, wird [der betreffende Mantra folgendermaßen] bezeichnet:

2.180 Durch Narasimhas Fluch erschrocken, versetzt er stets in Schrecken, auch im Traum. Bei dem Übenden zeigt sich nirgends Vollendung.

2.181 Befinden sich oṃ, haṃ oder sa im Nabel [der Mitte], so ist der Mantra ängstlich. Durch Brahmas Fluch hat er geringe Wirksamkeit und verursacht äußerst große Mühsal.

2.182 Wenn am Anfang, in der Mitte und am Ende zusammen vier ma vorkommen, ist der Mantra unrein; durch Mayas Fluch bewirkt er Verunreinigung.

2.183 Steht huṃ am Anfang oder in der Mitte oder stehen am Ende zwei phaṭ, so ist er durch Rudras Fluch zurückgewiesen und bewirkt die Zurückweisung des angestrebten Gegenstandes.

2.184 Stehen am Anfang zwei Pranavas und am Ende vaṣaṭ, o Schönangesichtige, so ist er durch Balas Fluch gespalten und verursacht Streit in der Familie.

2.185 Ein dreisilbiger Mantra ohne ha und sa wird als tief schlafend bezeichnet. Durch den Fluch Simhas nimmt er die ersehnte Frucht fort.

2.186 Ein achtzehnsilbiger Mantra, dem fünf phaṭ vorausgehen, ist durch Chamundas Fluch rauschhaft verwirrt und nicht günstig.

2.187 Stehen fünf phaṭ in der Mitte, so ist er durch Kalikas Fluch bewusstlos. Er macht [den Übenden] bewusstlos, insbesondere einen Anhänger des linken Weges.

2.188 Stehen entsprechend fünf phaṭ am Ende, so ist er durch Rambhas Fluch seiner Zeugungskraft beraubt und verursacht Schwächung.

2.189 Ein achtzehnsilbiger Mantra mit insgesamt vier phaṭ am Anfang, in der Mitte und am Ende ist mangelhaft; durch Bhairavas Fluch verursacht er Verlust.

2.190 Ein neunzehnsilbiger Mantra mit krīṃ, kro und oṃ ist durch Kamas Fluch zerrüttet und führt durch Begierde zum Zusammenbruch.

2.191 Ein siebensilbiger Mantra ist ein Kind, ein achtsilbiger ein Knabe, ein sechzehnsilbiger ein Jüngling; als erwachsen gilt einer mit der durch „Raum–Meere“ bezeichneten Zahl von Silben, also vierzig.

2.192 Bei dreißig, bei der durch „Kalas“ bezeichneten Zahl, bei hundert sowie bei den durch „Veden–Kashtha“ bezeichneten Silbenzahlen [gelten weitere Alterszustände]. Sie alle wurden einmal von Kala verflucht und verursachen Leiden. Die Wortzahlen und die ausgelassenen Zustandsbezeichnungen lassen sich aus dieser Lesung nicht sicher vervollständigen.

2.193 Ein neunsilbiger Mantra mit oṃ wurde durch Chamundas Fluch als samenlos verflucht und verursacht beständige Hoffnungslosigkeit.

2.194 Der als „Schwert“ bezeichnete [Mantra] zerschneidet den Übenden zweifellos mit einem Schwert. Wenn am Ende weder namaḥ noch svāhā steht und auch in der Mitte

2.195 vaṣaṭ, vauṣaṭ, huṃ und phaṭ nicht vorkommen, dann erleidet der Verehrer dieses Mantras nach drei Jahren den Verlust seines Landes oder Aufenthaltsortes. Die Verbindung des ersten Satzes in 2.194 mit der folgenden Definition ist unsicher.

2.196 Ein Mantra, bei dem phaṭ am Anfang, in der Mitte und am Ende vorkommt, ist durch Kaumaris Fluch ohne Vollendung und bewirkt keine Vollendung.

2.197 Ein zehnsilbiger Mantra ist durch Ganeshas Fluch träge. Seine Rezitation verursacht nach dieser Darstellung Torheit in jeder Geburt.

2.198 Steht am Anfang eine Konsonantenverbindung mit nur einem Vokal, so ist dies ein Kuta. Durch Matangis Fluch entsteht daraus Schaden durch Täuschung oder Verwicklung.

2.199 Ein zweisilbiger Mantra ist durch den Fluch des Ashvineya ohne Stärke. Er vernichtet die Kraft des Übenden und zerstört die Armee eines Königs.

2.200 Ein viersilbiger Mantra ist durch den Fluch des Schlangenfeindes schielend geworden. Nach der Rezitation eines schielenden Mantras kann man mit den Augen nicht sehen.

2.201 Sechssilbige Mantras wurden durch Ravanas Fluch samenlos. Ihre Rezitation bringt kein Wachstum der Familie und auch sonst kein Glück mit Frauen.

2.202 Bei den durch „dreieinhalb–sieben–Sonnen“ bezeichneten [Silbenzahlen] bewirkt Dhumavatis Fluch, dass der Geist des Übenden bei der Rezitation verwirrt wird. Die Zahlenangabe „sārdhatrisaptasūryāṇām“ ist nicht eindeutig auflösbar.

2.203 Ein Mantra mit zwanzig, einundzwanzig oder dreißig Silben ist von Tara verflucht und „umarmt“; seine Rezitation führt nach dieser Verheißung rasch zum Tod. Die Form „āliṅgitena“ ist grammatisch auffällig.

2.204 Ein zweiundzwanzigsilbiger Mantra ist durch Sarasvatis Fluch verblendet. Er macht den Übenden von Trinken und ähnlichen Lastern abhängig.

2.205 Ein vierundzwanzigsilbiger Mantra, o Schönangesichtige, ist durch Rajamatangis Fluch hungrig und verursacht Armut.

2.206 Ein dreiundzwanzigsilbiger oder durch „Rudra“ bezeichneter elfsilbiger Mantra ist durch den Fluch eines Kaulika überheblich; durch ihn entsteht bei den Menschen Trägheit.

2.207 Ein Mantra mit sechsundzwanzig, neunundzwanzig, dreißig oder nochmals sechsundzwanzig Silben ist durch Pushans Fluch verstümmelt und erfüllt keine Wünsche. Die doppelte Nennung von sechsundzwanzig steht so in der Vorlage.

2.208 Ein Mantra mit achtundzwanzig oder einunddreißig Silben ist durch Nandishas Fluch äußerst grausam. Nachdem er das Angestrebte vernichtet hat, geht auch der Übende zugrunde.

2.209 Ein achtunddreißigsilbiger Mantra ist durch den Fluch der Mütter äußerst zornig. Durch seine Rezitation bringt man den eigenen Untergang selbst hervor.

2.210 Mantras mit vierzig bis dreiundsechzig Silben sind durch den Fluch der beschämten Matrikas schamgebeugt; ebenso werden ihre Übenden beschämt.

2.211 Mantras mit fünfundsechzig Silben sind stillen Gemüts; durch Kamas Fluch bringt ihre Rezitation keine Frucht der Unternehmung. Mantras mit den durch Dhatri, Dhriti, zweimal Dhriti, Zahl, Glieder, Zahl, Paar, zweimal „go“ und Hände bezeichneten Silbenzahlen sowie mit dreihundert Silben sind von Chinnamasta verflucht. Die lange Wortzahlenreihe wird wegen mehrdeutiger Glieder nicht in eine scheinbar sichere Zahlentabelle überführt.

2.212 „Ihr sollt ohne Zuneigung sein und den Übenden Furcht bereiten!“ Werden sie jedoch von begehrlosen Opfernden rezitiert, vernichten sie die Anhänglichkeit an den Samsara.

2.213 Mantras mit vierhundert bis tausend Silben sind durch Yajnas Fluch sehr alt; für stärkende und ähnliche Riten sind sie ausgeschlossen.

2.214 Mantras mit mehr als tausend Silben heißen durch den Fluch des Strafträgers Dandaka und sind bedrängt. Ihre Rezitation bringt Mühsal.

2.215 Mantras mit mehr als zweitausend Silben sind durch Bhargavas Fluch siebenfach zerbrochen. Sie gelten als solche, die die Vollendung zerteilen.

2.216 Hört noch etwas anderes, ihr Götter: Als die Seher rezitierten, ohne Vollendung zu erlangen, sprachen sie einen überaus schrecklichen Fluch aus.

2.217 Die Gottheiten gaben eine Zusicherung angesichts der ausbleibenden Vollendung. Deshalb soll der Guru bei der Unterweisung den betreffenden Mantra reinigen. Die Formulierung über die Zusicherung ist verkürzt.

Innere Läuterung und die zehn Mantra-Saṃskāras

Der folgende Abschnitt beschreibt ein initiationsgebundenes Verfahren des Gurus, einschließlich Atemverhaltung und körperlicher Verschlüsse. Er dient der Textdokumentation, nicht als allgemeine Übungsanleitung. Der längere Siddhasana-Zusatz in eckigen Klammern der Sanskritausgabe ist eine Ṭippanī mit einem Zitat aus der Shiva Samhita; er wird nicht als Meru-Tantra-Grundtext übersetzt.

2.218 Ich erkläre das Verfahren; hört, ihr Götter! Der Guru sitzt in Siddhasana und presst den Bereich zwischen After und Geschlechtsorgan fest

2.219 mit der linken Ferse. Darüber legt er den rechten Fuß so, dass die beiden Knöchelgelenke einander drücken.

2.220 So wird die Haltung eingerichtet. Mit der rechten Ferse drückt er dann die Wurzel des Geschlechtsorgans und sitzt mit unbewegtem Körper.

2.221 Der Guru zieht den After zusammen und hebt den als Apana bezeichneten Lebenswind an. Dann hält er den Prana-Wind vollständig zurück.

2.222 Mit einheitlich ausgerichtetem Blick und Geist vereinigt er Apana und Prana im Muladhara, in der ihrem Wesen nach bewussten Kundalini, im höchsten Selbst.

2.223 Dort betrachtet der gute Guru den eigenen Mantra, bei dem ein Fehler entstanden ist. Dann führt er dessen Silben der Reihe nach einzeln

2.224 auf dem Weg der Sushumna in das Muladhara und anschließend in die Chakras Svadhishthana, Manipura und Anahata.

2.225 Er lässt sie jeweils durchdringend auch in Vishuddha und Ajna eintreten. Nachdem er sie so zum Brahmarandhra geführt hat, betrachtet er sie als mit dem Nektar der Mondsphäre

2.226 übergossen. Der Verständige soll die Mantralaute auf diese Weise deutlich vergegenwärtigen. Danach rezitiert er den Mantra, nachdem er den Nyasa des Sehers und der weiteren Zuordnungen vollzogen hat.

2.227 Durch eintausendacht Rezitationen wird der Mantra rein. Erst danach soll er ihn, von den genannten Flüchen befreit, weitergeben.

2.228 Die Frucht einer Segnung ist gering [gegenüber] den Folgen früherer Verfehlungen und anderer Ursachen. Nun wird das Verfahren zur Beseitigung ausgesprochener Flüche und ähnlicher Hindernisse erklärt. Das Verhältnis der beiden Aussagen im ersten Halbvers ist nicht eindeutig.

2.229 Auf einer Platte aus Shriparni-, Sandel-, Mango- oder einem entsprechenden Holz zeichnet man mit Moschus, Kumkum und ähnlichen Stoffen das Fünf-Elemente-

2.230 Diagramm. Darin ruft man Sarasvati in ihrer Matrika-Gestalt an. Nachdem die Puja vorschriftsgemäß vollzogen wurde, rezitiert man hundertachtmal

2.231 die Matrika. Aus ihr entnimmt man den gewünschten Mantra: die Vokale, Konsonanten, Bindus und die zur Visarga-Bildung geeigneten Laute,

2.232 jeden einzeln; dann fügt man sie nach der Weisung des Gurus zusammen und bringt den empfangenen Mantra hervor. Dies wird Erzeugung genannt.

2.233 Man setzt den Pranava an Anfang und Ende und rezitiert die einzelnen Mantralaute, jeweils vom Pranava umgeben, hundertachtmal. Dies heißt Belebung.

2.234 Mit Rochana und Kumkum schreibt man den Mantra auf Birkenrinde. Jeden Laut besprengt oder schlägt man hundertmal mit Sandelwasser,

2.235 während man die Luftkeimsilbe ausspricht. Dies heißt Schlagen. Stumpf gewordene Shabara-Mantras werden nach diesem Schlagen zur Vollendung fähig.

2.236 Man schreibt den Mantra auf die zuvor genannte Platte, nimmt so viele Karavira-Blüten, wie er Silben hat, und spricht [den Mantra].

2.237 Jeden Laut schlägt man mit diesen Blüten hundertmal, während man die Feuerkeimsilbe ausspricht. Dies wird Erweckung genannt.

2.238 Auf der Platte zeichnet man wie zuvor mit den genannten Stoffen einen achtblättrigen Lotus. In seinen Mittelpunkt schreibt man mit einer einzelnen Malati-Knospe

2.239 jeden Laut des Mantras. Dann nimmt man so viele Zweige des Bodhi-Baumes, wie der Mantra Silben hat, und spricht den Mantra aus.

2.240 Mit der Formel „Diesen Mantra übergieße ich; Verehrung“ vollzieht man das Übergießen. Man verwendet mit verschiedenen Wohlgerüchen versehene Zweige entsprechend der Silbenzahl.

2.241 Dies geschieht hundertachtmal und heißt Abhisheka. Wie Wasser den Menschen reinigt, so reinigt dieses Übergießen den Mantra.

2.242 Der Lichtmantra wird im Feuerkreis des Muladhara betrachtet. Man vergegenwärtigt, wie der zu läuternde Mantra darin verbrannt [und gereinigt] wird.

2.243 Drei Unreinheiten werden an diesem Mantra unterschieden: die als „ānana“ bezeichnete angeborene, die hinzugekommene karmische und die als „yoga“ bezeichnete mayische. Die Ausdrücke „ānana“ und „yoga“ sind in diesem Zusammenhang auffällig; sie werden nicht stillschweigend durch geläufigere Lehrbegriffe ersetzt.

2.244 Man betrachtet, wie jede einzelne durch den Lichtmantra verbrannt wird. Dann vergegenwärtigt man: „So ist mein Mantra frei von Verunreinigung geworden.“

2.245 Der Lichtmantra gilt als zweisilbig: Pranava und hauṃ. Dies ist die Reinigung von Befleckung; auch diese Anwendung soll vollzogen werden. Die Ṭippanī erklärt den Ausdruck „Veda-Anfang“ als oṃ; diese Erklärung gehört zum Kommentar, nicht zu einem zusätzlichen Grundtextvers.

2.246 Wie zuvor schreibt man den Mantra mit Kumkum und den weiteren Stoffen auf die Platte. Ein Kupfergefäß oder ein entsprechendes Gefäß wird mit reinem, mit Kampfer beduftetem Wasser

2.247 gefüllt. [Man schreibt und] bespricht das Wasser hundertachtmal mit dem Mantra. Dann besprengt man mit diesem Mantra und mit Wassertropfen von Kusha-Gras

2.248 jeden Laut dreimal. Dies heißt Stärkung oder Erfüllung. Für diejenigen, die durch die vorbereitende Mantrapraxis erschöpft sind, entspricht es einer Heimkehr nach der Schülerzeit.

2.249 Mit Moschus und ähnlichen Stoffen schreibt man den Mantra in die Mitte eines Kupfergefäßes. In einem anderen Gefäß hält man mit Kampferstückchen beduftetes Wasser bereit.

2.250 Man nimmt es mit dem Arghya-Gefäß auf und spricht den betreffenden Mantra mit der auf namaḥ endenden Formel „Diesen Mantra sättige ich“. So vollzieht man die sättigende Darbringung, Tarpana.

2.251 Den Mantra, dem oṃ, hrīṃ und śrīṃ vorangestellt sind, rezitiert man hundertachtmal. Dies heißt Entfachung und ist für alle Mantras vorgesehen.

2.252 Den rezitierten Mantra geheim zu halten, ihn also nicht öffentlich bekannt zu machen, heißt Bewahrung. Damit sind die zehn in allen Tantras geheim gehaltenen Saṃskāras erklärt.

2.253 So sind elf [einschließlich des Erwachens], zehn und fünf Saṃskāras genannt. Für jeden Mantra werden noch gesondert erklärt: Japa, Feueropfer, sättigende Darbringung,

2.254 Besprengung und Speisung von Brahmanen. So sind sechzehn Saṃskāras des Mantras gelehrt. Was möchtest du noch hören? Die Gesamtzählung ergibt sich im Zusammenhang aus elf Zurüstungen einschließlich des Erwachens und fünf abschließenden Praxisgliedern; die Formulierung in 2.253 ist gedrängt.

Kolophon: So endet im Meru Tantra, das von Shiva verkündet und von Mahamaya und Mahakala gebilligt ist, Prakāśa 2 über Saṃskāras – rituelle Läuterungen.


Prakāśa 3 – Dīkṣā – Einweihung

Die Einweihung wird hier als umfassendes Ritual der Vorbereitung, Prüfung und Übertragung beschrieben. Historische soziale Wertungen sowie initiationsgebundene körperliche und rituelle Verfahren werden als Textzeugnisse wiedergegeben.

Voraussetzungen und Vorbereitung der Einweihung

3.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Wie geschieht die Einweihung auf dem linken, wie auf dem rechten Weg? Welche Handlungen sind dabei unerlässlich? Gib mir darüber eine klare Entscheidung.

3.2 Ishvara sprach: Höre, Göttin! Ich erkläre das in allen Tantras geheim gehaltene fünffache Einweihungsverfahren. Seine allerhöchste Form ist für Könige bestimmt.

3.3 Die vorzügliche Form gilt für die Großen und die ihnen Gleichgestellten, die mittlere für gewöhnliche Menschen; für Brahmanen wird eine kleine Form, für Entsagende ebenfalls eine geringe Form gelehrt.

3.4 Deshalb erkläre ich dir zuerst die allerhöchste Form. Wer sie kennt, kann die Unterschiede der vorzüglichen und der weiteren Formen verstehen.

3.5 Bei diesem allerhöchsten Verfahren wird zunächst ein Ritualpavillon errichtet. Seine Grundfläche soll zwölf Fingerbreiten über dem umgebenden Boden liegen.

3.6 Der Boden ist durch Ausgraben zu reinigen, bis unter die vorgesehene Tiefe der Feuergruben und sonstigen Anlagen. Frei von Knochen, Insekten, Spelzen, Kohle und Unrat ist er heilbringend.

3.7 Andernfalls entfernt man die betreffende Erde und füllt mit günstiger Erde von außerhalb des Dorfes auf. Brahmanen und die weiteren Stände verwenden Erde ihrer jeweiligen Farbe.

3.8 Nach sorgfältiger Einebnung nimmt man ein weites Gefäß, zeichnet eine Linie bei einem Achtel [seiner Höhe], füllt es bis dorthin mit Wasser und bewegt es über die Fläche.

3.9 Wo das Wasser über die Linie steigt, füllt man auf; wo es darunter bleibt, senkt der Kundige den betreffenden Bodenbereich. Die Handhabung des Gefäßes und die Bezugspunkte sind verkürzt beschrieben.

3.10 Auf dem so geebneten Boden bestimmt man die Himmelsrichtungen. Dazu nimmt man Schnur, Zirkel und Pflöcke und verfährt nachts.

3.11 Ein Röhrchen mit Öffnungen an beiden Enden wird auf den Polarstern ausgerichtet. So bestimmt man die Süd-Nord-Richtung. Um die Mitte zeichnet man vom Zentrum aus einen Kreis.

3.12 Dann zeichnet man eine Linie im Kreis und mit demselben Zirkel einen Bogen; von diesem wiederum einen weiteren Bogen.

3.13 Auf diese Weise entstehen sechs Bögen und damit ein sechsblättriger Lotus. Je drei Blätter werden nördlich und südlich angeordnet; durch ihre Mitte

3.14 zieht man eine lange Linie, die die Ost-West-Richtung bestimmt. [Die Konstruktion wird] dreifach [gegliedert]. Zwischen den südwestlich und nordöstlich gelegenen

3.15 Bögen spannt man durch deren Mitte die Nordost-Südwest-Schnur; entsprechend ergibt sich an den beiden anderen Bögen die Südost-Nordwest-Richtung.

3.16 Die in den Zwischenrichtungen liegenden Schnüre werden vom Kreis aus gleich weit nach außen verlängert. Dort schlägt man Pflöcke ein.

3.17 Um die Köpfe der vier Pflöcke wird eine feste Schnur gebunden. So entsteht ein genau nach den Richtungen ausgerichtetes Quadrat mit gleichen Diagonalen.

3.18 Nachdem der Verständige zuerst Ganesha verehrt und den Segen eines glücklichen Tages hat aussprechen lassen, errichtet er unter fünf Arten festlichen Klanges den glückverheißenden Pavillon.

3.19 Für eine Kula-Einweihung soll der Pavillon zwanzig Ellen messen, damit Rauschtrank, Fleisch und die beteiligten Frauen darin Platz finden.

3.20 Im Siddhanta-Verfahren des linken Weges misst er achtzehn Ellen, weil dort die Feuergruben weniger zahlreich sind; auch bei einer größeren Anlage sind es fünf. Der letzte Maßbezug ist verkürzt.

3.21 Bei vedischen Riten mit vielen Gegenständen und neun Feuergruben beträgt das Maß sechzehn Ellen. Bei wenigen Gruben und wenigen Gegenständen beträgt es vier Ellen.

3.22 Auf dem rechten Weg misst der Pavillon bei reichlichem Zubehör zwölf Ellen, bei geringerem zehn; für Vaishyas stets neun Ellen.

3.23 Für Shudras sind sieben Ellen, für Angehörige gemischter Stände fünf vorgesehen. Damit sind die in allen Tantras geheim gehaltenen Maße der Pavillons genannt.

3.24 Verschiedene Ellenmaße werden gelehrt; höre nun ihre Bestimmung. Maßgeblich sind die Gerstenkörner, wie sie am jeweiligen Ort und zur jeweiligen Zeit wachsen.

3.25 Die Breite von acht nebeneinanderliegenden Gerstenkörnern bildet eine Fingerbreite für die Zweimalgeborenen; sieben für Shudras und sechs für Angehörige gemischter Stände und die weiteren Gruppen.

3.26 Bei nichtvedischen Riten der Brahmanen und anderer nimmt man Reiskörner in der Hälfte dieser Zahl. Dieses Maß gilt dort, wo der Ausführende selbst maßgeblich ist; andernfalls gilt Folgendes:

3.27 Die Länge zwischen den beiden Gelenken des mittleren Abschnitts am rechten Mittelfinger des Lehrers heißt Maß-Fingerbreite.

3.28 Nach diesem Maß bestimmt man die Höhe von Götterbildern, Tempelbauten und ähnlichen Anlagen sowie von Altären, Sockeln, Sänften und Wagen.

3.29 Man bildet mit den vier Fingern ohne den Daumen eine Faust und teilt ihr Maß in vier. Ein Teil heißt Faust-Fingerbreite.

3.30 Die Zubehörteile des Feueropfers, Opferlöffel und andere Geräte, Feuergruben, Erdaltäre, Plattformen, Opferschnüre und Munja-Gürtel werden nach diesem Faustmaß gefertigt.

3.31 Man teilt die Körperhöhe eines Menschen in zehn Teile und einen dieser Teile nochmals in zwölf. Einer davon ist eine Fingerbreite.

3.32 Dieses Maß heißt die aus dem Körper gewonnene Fingerbreite. Vierundzwanzig solcher Fingerbreiten bilden wiederum eine Elle.

3.33 Danach werden Länge und Höhe der einzelnen Glieder von Bildern männlicher und weiblicher Gestalten bestimmt. Damit ist die geheime Maßregel offenbart.

3.34 Bei einem Feueropfer mit zehn Millionen Darbringungen und reichlichen Mitteln [misst der Pavillon] vierzehn Ellen, andernfalls zwölf; bei hunderttausend Darbringungen zehn Ellen.

3.35 Man teilt den Pavillon in neun Felder; im mittleren liegt der Altar. Die Pfeiler stehen an dessen Ecken; ihre nach außen sichtbare Höhe beträgt die Hälfte [des Pavillonmaßes].

3.36 Ein Fünftel wird in die Erde eingelassen; die Dicke wird mit dem durch „āśā“ bezeichneten Teil der Schnur bemessen. Am Kopf wird aus einem Zehntel ein krugförmiger Abschluss gebildet. Die überlieferte Dickenangabe ist unklar.

3.37 Der Altar soll entsprechend seinem Längenmaß hoch sein. An den Fugen der neun Holzfelder stellt man Pfeiler auf, deren Länge einem Drittel des Pavillonmaßes entspricht. Die Aussage zur Altarhöhe bedarf eines Vergleichs mit der Druckvorlage.

3.38 So sind es zwölf [Pfeiler]; ein Fünftel steckt im Boden, ein Zehntel bildet den oberen Abschluss. Der Abschluss des mittleren Pfeilers wird trommelförmig gestaltet.

3.39 Von der halben Höhe der äußeren Pfeiler aus bringt man zwölf Querverbände an. Bei der Einweihung auf dem rechten Weg gestaltet man den oberen Abschluss lotusförmig.

3.40 Bei der Einweihung auf dem linken Weg ist er dreikantig, bei einem Vishnu-Ritus muschelförmig. Ein viereckiger Altar mit vier Ecken gewährt alle Früchte.

3.41 Bei der Aufstellung der Glieder und der weiteren [Kultbestandteile] ist der Altar lotusförmig. Für Könige gilt der ringsum günstige Sarvatobhadra-Altar, für Weihebegießungen der vierfach günstige Chaturbhadra-Altar.

3.42 Bei der Eheschließung heißt der Altar Shridhara und hat zwanzig Ecken. Für die Einweihung auf dem linken Weg wird ein verborgener dreieckiger Altar verwendet.

3.43 Über den Pfeilern legt man unbeschädigte, zusammenpassende [Hölzer] auf. Blätter derselben Art werden zusammengebunden und am Hals der Pfeiler befestigt.

3.44 Man deckt den Bau ringsum mit Kokospalmblättern und Bambus, sodass weder Sturmwind noch Regen oder Ähnliches eine Gefahr bilden.

3.45 In den zuvor bestimmten Richtungen werden vier Eingänge angelegt. Die Schwelle misst ein Fünftel [der betreffenden Seite]; die beiden Türpfosten werden doppelt so hoch gemacht.

3.46 Diese Eingangsanordnung gilt für den linken Weg. Beim vorzüglichsten Pavillon des rechten Weges fertigt man eine schöne Schwelle von zwei Ellen und acht Fingerbreiten.

3.47 Beim mittleren Pavillon beträgt sie zwei Ellen und eine halbe Fingerbreite. Die Lesung „sārddhāṅgulakaradvayam“ ist ungewöhnlich; das möglicherweise gemeinte Maß wird nicht frei korrigiert.

3.48 Beim kleinsten beträgt sie zwei Ellen; ihre Höhe gilt als doppelt so groß. Eine Elle außerhalb des östlichen Eingangs,

3.49 vom Gebäude entfernt, errichtet man beim vorzüglichsten, mittleren und kleinsten Pavillon ein Brett von sieben, sechs beziehungsweise fünf Ellen Höhe. Seine Breite beträgt entsprechend viele [weitere] Fingerbreiten. Der Multiplikator im Ausdruck „tadguṇa“ ist nicht eindeutig.

3.50 Es ist fünf Fingerbreiten dick, rechteckig, nicht quadratisch, und hat eine Spitze von einer Spanne Höhe. Auf beiden Seiten des Eingangs

3.51 stellt man zwei Bretter auf. Beim vorzüglichsten, mittleren und kleinsten Pavillon betragen ihre Längen jeweils zweieinhalb Ellen,

3.52 zweieinviertel und zwei Ellen; ein Fünftel wird in die Erde eingelassen. Auf beiden Seiten spricht man dabei den mit „Agni preise ich“ beginnenden Gayatri-Vers.

3.53 Mit Holz derselben Art verbindet man beide oben: Der Querbalken hat den gleichen inneren Abstand und ist rechteckig, nicht quadratisch.

3.54 Man bindet eine Girlande aus Darbha-Gras daran; dies ist die Vorschrift für den Osteingang. Ebenso verfährt man im Süden, wo das Tor aus Plaksha-Holz besteht.

3.55 Mit der bei „Zur Nahrung dich“ beginnenden Formel stellt man es auf und bindet wie zuvor eine Girlande daran. Im Westen wird ein solches Tor aus Udumbara-Holz gefertigt.

3.56 Man verwendet den mit „Agni, komm her“ beginnenden Mantra; bei einem vedischen Opfer [nennt die Vorlage hier] Plaksha-Holz. Man verfährt wie zuvor. Ebenso wird ein Tor aus Banyan-Holz

3.57 mit dem bei „Zum Heil die göttlichen [Wasser]“ beginnenden Mantra im Norden aufgestellt. In die Mitte der darüberliegenden Querhölzer bohrt man eine Öffnung.

3.58 Aus Holz derselben Art wie der Torbogen gestaltet man einen schönen Dreizack für ein Shiva-Opfer, jeweils der höchsten, mittleren oder kleinsten Anlage entsprechend.

3.59 Seine Länge wird mit den Wortzahlen Vishva, Isha und Glieder [nach den drei Größenklassen] bemessen; seine Breite beträgt ein Viertel davon. Bei einem Vishnu-Ritus sind Muschel, Rad, Keule und Lotus mit einem Zwölftel [des entsprechenden Maßes] vorgesehen.

3.60 Sie werden der Reihe nach, beginnend im Osten, angebracht. Ein Sonnenritus folgt dabei dem Vishnu-Ritus. Die mittlere Spitze [des Dreizacks] ist gerade, die beiden seitlichen etwas gekrümmt.

3.61 So wird der Dreizack gestaltet. Für Ganesha, die Göttin und weitere Gottheiten gilt die Anordnung wie für Shiva. Vor dem Pavillon wird anschließend eine Stange aufgestellt, die zehn Ellen über den Boden ragt.

3.62 Zwei Ellen des Bambus stecken im Boden; er ist mit sauberem Stoff umhüllt. Die Fahne ist eine Elle breit und fünf Ellen lang.

3.63 Darauf zeichnet man die Mantra-Gottheit mit ihren Waffen und ihrem Reittier, versehen mit Glocke und Yakschweifwedel und in der Farbe der Gottheit.

3.64 Nachdem die Hauptfahne aufgestellt ist, richtet man in den zehn Richtungen die Banner der Richtungshüter ein; sie haben die halbe Größe der Hauptfahne.

3.65 Mit dem jeweils vedisch vorgeschriebenen Mantra und in der zugehörigen Farbe stellt man sie in der betreffenden Richtung auf: Im Osten eine gelbe Fahne mit dem Mantra „Indra als Beschützer“.

3.66 Im Südosten steht eine gelbbraune Fahne mit dem bei „Du, Agni“ beginnenden Anrufungsmantra; im Süden eine schwarze mit dem bei „Einen guten Weg für uns“ beginnenden Mantra.

3.67 Im Südwesten steht eine rauchfarbene mit dem bei „Die keinen Soma pressen“ beginnenden Mantra; im Westen eine weiße mit dem bei „Dich suche ich mit dem heiligen Wort“ beginnenden Mantra.

3.68 Im Nordwesten steht eine grüne mit dem Mantra „Mit deinen Gespannen zu uns“; im Norden eine mondfarbene mit dem Mantra „Wir [leben] in Somas Ordnung“.

3.69 Im Nordosten steht eine sehr weiße Fahne mit dem bei „Jenen Herrn“ beginnenden Mantra. Zwischen Nordost und Ost setzt man Shesha mit roter Fahne.

3.70 Zwischen West und Südwest setzt man Brahma mit roter Fahne. Auf dem linken Weg gilt ein vedischer Mantra als einem Blitzschlag gleich.

3.71 Für Brahmanen führt der linke Weg nach dieser Aussage zur Hölle. Wo ein besonderer Mantra fehlt, verwendet man Namensmantras, die mit Pranava beginnen und mit der Herzformel enden,

3.72 auf dem rechten Weg; auf dem linken lässt man den Pranava fort. Über dem Pavillon befestigt man einen sehr weißen Baldachin.

3.73 Man schmückt ihn mit Blumengirlanden und umgibt ihn mit einer langen Girlande aus Mango- und Ashvattha-Blättern.

3.74 Die Pfeiler werden mit feinem Stoff umwickelt. In der Mitte errichtet man aus ungebrannten Ziegeln einen Altar, dessen Sockel eine Elle breit ist.

3.75 Seine Höhe beträgt entsprechend den Größenverhältnissen ein Elftel, Neuntel, Siebtel, Fünftel oder Drittel der Pavillonlänge.

3.76 Der Pavillon soll so bemessen sein, dass alle Gegenstände Platz finden. Ein Feueropfer mit zehntausend Darbringungen kann auf einem Erdaltar vollzogen werden.

3.77 Eine Feuergrube von einer Elle gilt für bis zu einer Million Darbringungen. Mit jeder weiteren Million wird sie um jeweils eine Elle vergrößert.

3.78 Bei zehn Millionen Darbringungen sind es zehn Ellen; so gilt es für vedische Riten. Feueropfer mit Rauschtrank, Fleisch und ähnlichen Stoffen werden ausschließlich in einer Grube vollzogen.

3.79 Bei fünfzig Darbringungen entspricht das Grubenmaß dem Unterarm mit geschlossener Faust; bei hundert einer Unterarmlänge.

3.80 Bei tausend beträgt es eine Elle, bei zehntausend zwei, bei hunderttausend vier und bei einer Million sechs Ellen.

3.81 Für ein Feueropfer mit zehn Millionen Darbringungen werden auf dem linken Weg acht Ellen vorgeschrieben. Bei einer einzigen Feuergrube ist die quadratische Form vorgesehen.

3.82 Sie gilt besonders für Brahmanen und für Stillstellungsriten und liegt im Osten. Bei einer Anlage aus neun Gruben befindet sich im Südosten eine Grube in Yoni-Form.

3.83 Sie dient dem Genuss und dem Wunsch nach einem Sohn; bei Anhängern des linken Weges entspricht sie der quadratischen [Hauptform]. Im Süden ist eine halbmondförmige Grube für alle Handlungen der Vaishyas vorgesehen.

3.84 Für andere wird sie zum Tötungsritus genannt; sie gehört auch zur Anlage mit vier Gruben. Im Südwesten steht die dreieckige Grube, die als feindvernichtend gilt.

3.85 Sie dient auch dem Erzeugen von Zwietracht und ist besonders Shudras zugeordnet. Die runde Grube ist für Kshatriyas vorrangig und für alle bei Shakti-Riten vorgesehen.

3.86 Sie wird im Westen angelegt und gilt auch für Buddhisten und andere als wirksam. Die sechseckige Grube dient der Vertreibung und besonders dem Abschneiden oder Trennen.

3.87 Sie wird im Nordwesten angelegt und besonders den gemischten Ständen zugeordnet. Im Norden liegt die Grube für nährende Riten, die Lebensunterhalt und Zufriedenheit geben soll.

3.88 Mit ihr wird bei allen Anwendungen die Zuneigung anderer bewirkt. Die achteckige Grube gilt als befreiend und wird im Nordosten angelegt.

3.89 Sie soll Befreiung aus Gefangenschaft, von Krankheit und Sorge bewirken. Dies ist die Reihenfolge für acht Gruben; bei neun Gruben

3.90 ist die neunte quadratisch und liegt zwischen Osten und Nordosten. Bei einer Anlage aus fünf Gruben liegt die fünfte im Nordosten.

3.91 Bei einer gleichartigen Grubenanordnung wird im vedischen Ritus außen nicht [weiter] gegraben. Eine weitere, fünfeckige Grube gilt als Mittel gegen Schadenszauber. Die erste Vorschrift ist verkürzt und nicht eindeutig rekonstruierbar.

3.92 Eine weitere siebeneckige Grube dient der Abwehr von Geisterwesen. Nun wird zuerst die Anlage der quadratischen Feuergrube beschrieben.

3.93 Die vorzügliche Grube besitzt Nabel und Yoni sowie drei umlaufende Ränder. Für Shudras werden zwei Ränder, für gemischte Stände ein Rand genannt.

3.94 So breit die Grube ist, so tief wird sie ausgehoben. Nachdem man für das gewünschte Maß die Himmelsrichtungen bestimmt hat,

3.95 legt der Baukundige ein regelmäßiges Quadrat mit gleichen Diagonalen an. Die Diagonale der einelligen [Grube] wird zur Seite der zweelligen.

3.96 Aus der Diagonale der zweelligen wird das Seitenmaß der dreielligen; entsprechend verfährt man bei vier und mehr Ellen. Die Grube schließt überall mit dem Bodenniveau ab. Die überlieferten geometrischen Maßgleichsetzungen sind nicht als exakte moderne Flächenberechnung zu verstehen.

3.97 Außen werden ihre Ränder nach Vierundzwanzigsteln bemessen. [Der erste] ist zwölf Fingerbreiten breit und vier Fingerbreiten hoch.

3.98 Darüber liegt der weitere Rand von acht Fingerbreiten Breite und acht Höhe; [der nächste] ist vier Fingerbreiten breit und ebenso hoch, entsprechend der Hälfte. Die Staffelung der Höhen ist in dieser Fassung nicht völlig eindeutig.

3.99 Die Yoni ist zwölf Fingerbreiten lang, in der Breite um ein Drittel geringer, eine Fingerbreite hoch und entsprechend in das Innere hineinragend.

3.100 Sie besitzt zwei rundliche Wölbungen und gleicht einem Ashvattha-Blatt. Ein daumenbreiter Rand umgibt sie; innen und außen soll eine tragfähige Begrenzung vorhanden sein.

3.101 Westlich der Yoni, außerhalb der drei Ränder, befindet sich eine quadratische Plattform von einem Achtel der Grubenbreite.

3.102 Ebenso groß sind ihre Länge und Höhe. In ihrer Mitte verläuft eine Rinne; im Bereich der Yoni ist sie rund und misst ein Sechstel der Grube.

3.103 Bei den östlichen, südöstlichen und südlichen Gruben zeigt die Yoni nach Norden; bei den übrigen nach Osten. Bei der Yoni-Grube selbst wird eine zusätzliche Yoni weggelassen.

3.104 Vom Mittelpunkt der Grube aus zeichnet man mit einem Zirkel, der auf ein Zwölftel des Durchmessers geöffnet ist, [einen Kreis]; weiter außen

3.105 folgt ein Kreis mit einem Sechstel. Der erste Kreis bildet den Lotuskern. Zwischen diesem Kern und dem äußeren Kreis zeichnet man acht Blätter.

3.106 So ist der Nabel sechs Fingerbreiten hoch. Dies wurde für die viereckige Grube erklärt. Ein Vierundzwanzigstel des gewünschten Quadrates wird als ein Teil bezeichnet.

3.107 Um fünfeinviertel solcher Teile verlängert man die Mittelschnur nach Osten. Dann unterteilt man das Quadrat in vier Teile.

3.108 Vom Mittelpunkt aus führt man den Zirkel zu den beiden westlichen [Punkten] und bildet Halbkreisbögen. Von ihren äußeren Enden spannt man beiderseits die Schnur bis zum Feuer-[Südost-]Bereich. Die Stellung des Wortes „Rudra“ in der Konstruktionsangabe ist unklar.

3.109 So entsteht eine nordwärts gerichtete Yoni-Grube, die einem Ashvattha-Blatt gleicht. Die früheren Maße gelten auch hier; die wohlgestalteten Ränder folgen der Yoni-Form. [Für die nächste Form] teilt der Kundige ein quadratisches Feld in zehn.

3.110 Der Tantra-Kenner lässt oben und unten je einen Teil fort, spannt vorn die Sehnenschnur und schlägt nach ihrem Maß einen Bogen. So entsteht eine schöne halbmondförmige Grube.

3.111 Liegt ihr Rücken im Süden, ist sie für den Tötungsritus bestimmt; bei den übrigen Anwendungen liegt er im Norden. Die Yoni ist im Westen vorgesehen.

3.112 Ein Dreieck wird mit seiner Spitze nach Osten angelegt, alle drei Schenkel gleich. In den anderen Tantras ist eine Unterbrechung beschrieben; hier wird es ohne Unterbrechung gelehrt.

3.113 Bei einem einelligen [Grundmaß] beginnt das Seitenmaß mit einer Elle und wächst um zwölf [Fingerbreiten]. Für zwei und drei Ellen folgen die Wortzahlgruppen „drei–fünf“ und „Sonne–Erde“. Die kompakte Maßreihe ist nicht zweifelsfrei in moderne Zahlenwerte auflösbar.

3.114 Bei vier Ellen folgen „drei–Mond“, bei fünf „drei–go“, bei sechs „drei–Jahr–Rama“, bei sieben „drei–Krita–Ozeane“. Die Maßangaben werden als überlieferte Wortzahlgruppen bewahrt; die jeweiligen Einheiten und Lesungen sind unsicher.

3.116a Bei acht Ellen folgen die Wortzahlgruppen „Krita–Berge–Erde“, [danach] „göttlich–Vishva–Krankheit–Feuer“ und für das Seitenmaß von zehn Ellen „Veden–Feuer–Dhriti–Paar“. Erstes Vorkommen der Originalnummer 116; Nummer 115 fehlt. Die Maßreihe ist beschädigt und wird nicht als gesicherte Berechnung ausgegeben.

3.116b Für die runde Grube nimmt man die halbe Breite des Quadrates, vermehrt um deren Achtzehntel, als Zirkelradius und zeichnet den Kreis. Zweites Vorkommen der Originalnummer 116.

3.117 Man nimmt die halbe Breite des Quadrates, vermehrt um deren Sechzehntel, und zeichnet mit dieser Zirkelöffnung einen schönen Kreis.

3.118 Mit demselben Zirkelmaß markiert man wie zuvor sechs Punkte und verbindet sie durch die entsprechenden Seiten. So entsteht die sechseckige Grube.

3.119 Man teilt das gewünschte Quadrat in vierundzwanzig Teile. Vom Mittelpunkt aus zeichnet man mit dem Zirkel einen Kreis mit zwölf Teilen als Radius,

3.120 dann einen zweiten mit fünfzehn Teilen. In die Haupt- und Zwischenrichtungen spannt man acht Schnüre.

3.121 Vom Schnittpunkt der Nordostschnur mit dem inneren Kreis zieht man eine Linie zum Schnittpunkt der Ostschnur mit dem äußeren Kreis,

3.122 von dort zum Schnittpunkt der Südschnur mit dem inneren Kreis. So entsteht ein Blatt; entsprechend zeichnet man acht Blätter.

3.123 Ein Kreis mit einem Teil als Radius bildet den Lotuskern; ein weiterer mit sechs Teilen als Radius bildet den Bereich der Staubfäden.

3.124 Lotuskern und Staubfäden sind ein Sechstel des Durchmessers hoch. Man hebt die Grube nach der vom Guru erklärten Methode so aus, dass eine Lotusgestalt entsteht.

3.125 Auch Hals und Rand werden lotusförmig gestaltet. Mit Sand wird die Anlage so eingerichtet, dass sie dem Quadrat entspricht.

3.126 Für die nächste Form nimmt man die Breite des gewünschten Quadrates, vermehrt um ein Zwölftel, und schlägt damit einen Kreis. Man setzt Zeichen in den acht Richtungen

3.127 und verbindet sie der Reihe nach mit gleichen Seiten. So entsteht eine achteckige Grube; Hals und Ränder folgen derselben Form.

3.128 Man nimmt die halbe Breite des gewünschten Quadrates, vermehrt um deren Siebtel, als Kreisradius. Darauf setzt man fünf Markierungen

3.129 in gleichen Abständen und verbindet sie mit Schnüren als Sehnen. Lässt man die Bögen fort, ergibt sich eine fünfeckige Grube.

3.130 Man vermehrt die halbe Breite des gewünschten Quadrates um ein Fünftel und zeichnet damit einen Kreis, den man vollständig in sieben Teile gliedert.

3.131 Die weiteren Grubenformen sind für tantrische und Smarta-Riten bekannt. Die vedische Überlieferung nennt Gruben ohne Nabel und ohne Yoni.

3.132 Die neunte Grube, diejenige des Lehrers, ist quadratisch und vedisch. Reichen die Mittel bei einem tantrischen Ritus nicht für acht, legt man vier Gruben in den Hauptrichtungen an.

3.133 Ist auch dies nicht möglich, wird nur eine quadratische Grube angelegt. Für die Verehrung der Shakti auf dem linken Weg dient eine Yoni-Grube.

3.134 Eine Grube mit übermäßigen Maßen verursacht viele Fehler. Wer Gutes wünscht, soll deshalb ihre Maße sorgfältig prüfen.

3.135 Bei zu großer Tiefe entsteht nach dieser Deutung Krankheit, bei zu geringer Verlust von Kühen und Vermögen; bei einer schiefen Grube Kummer, bei unterbrochenem Rand Tod.

3.136 Ohne Rand entsteht Trauer, bei übermäßigem Rand Vermögensverlust. Eine Grube ohne Yoni gilt als Ursache des Todes der Ehefrau.

3.137 Eine Grube ohne Hals gilt als nachkommenvernichtend. Eine schmucklose Grube mit zerfallenem Rand

3.138 führt nach dieser Deutung zum Untergang des Auftraggebers; bei Rissen entsteht ein heftiger Schlag. Zu lange Schnüre bewirken Feindschaft mit Freunden, zu kurze Armut.

3.139 Ohne Abfluss entsteht eine Bauchkrankheit, bei einem Loch in der Grube üble Nachrede. Treten solche Störungen auch an einer vorschriftsmäßigen Grube als ungewöhnliche Ereignisse auf, werden ihnen dieselben Folgen zugeschrieben.

3.140 Fünf Ränder erhalten die durch „sechs, Eigenschaften, Meere, Feuer und Augen“ bestimmten Maße, wenn sich Lehrer und Auftraggeber in religiöser Ordnung oder Stand unterscheiden. „Eigenschaften“ dient hier als Wortzahlsymbol, gewöhnlich für drei.

3.141 Zwei Ränder von einem Sechstel und einem Achtel werden für kaulische, linksgerichtete, buddhistische, jainistische und Shabara-Verfahren genannt.

3.142 Ist der Pavillon so errichtet, beginnt die Vastu-Verehrung. Sie wird auch in einem neuen Haus vollzogen; andernfalls drohen nach dieser Lehre große Störungen.

3.143 Diese Verehrung wird zweifach beschrieben, als Smarta- und als tantrische Form. Einst lebte ein mächtiger Asura namens Vastu.

3.144 Er besiegte die drei Welten und dreiundfünfzig Gottheiten. Alle, die ihm im Kampf entgegentraten, bedrängte er schwer.

3.145 Wieder und wieder wurden sie besiegt; er selbst wurde zum Herrn der Geschöpfe. Nach tausend göttlichen Jahren suchten die Götter Zuflucht

3.146 bei Vishnu, bei mir und bei Parvati. Der Dämonenkönig hörte davon; von Narada angestachelt eilte er herbei, um zu kämpfen.

3.147 Fünf Jahre kämpften wir mit ihm. Dann sprach der Dämon, stolz auf seine Kraft und durch Vishnus Maya verblendet,

3.148 zufrieden die Worte: „Wählt einen Segen, wählt!“

3.149 „Weder Indra noch Kubera haben, selbst mit ihren Heeren, einen Kampf geboten, der mich so erfreute. Du aber, Träger der verfilzten Haare,

3.150 hast mit Vishnus Hilfe und mit Parvati als deiner Körperhälfte so gekämpft, dass ich, der höchste Herr der drei Welten, zufrieden bin.

3.151 Es gibt nichts, das ich nicht geben könnte. Ihr drei sollt bitten!“ Als er dies hörte, wurde Vishnu durch eine Bewegung der Brauen Shivas und der Göttin aufgefordert.

3.152 Er sprach: „Du bist hochbeglückt, Dämonenkönig! Versprich auf meine Bitte dreimal Wahrhaftigkeit. Dann werden ich, Shiva und Parvati unseren Wunsch aussprechen; ein anderer Gott nicht.“

3.153 Der Dämon sprach dreimal das Versprechen. Da bat Vishnu: „Zeige uns das Mittel, durch das dein Tod rasch eintreten kann.“ Der Dämonenkönig erkannte Vishnus List und sprach zu ihm:

3.154 „Alle müssen in den Rachen der Zeit eingehen, Hari. Doch wer geht, um sein eigenes Versprechen zu halten, der lebt [in Wahrheit weiter].

3.155 Nur habe ich keinen Nachkommen, der mir gedient hätte. Zeigt einen Weg dafür; dann möge dieser Leib fallen.“ Die genaue Beziehung zwischen fehlender Nachkommenschaft und fortdauernder Verehrung ist in der knappen Formulierung nicht völlig klar.

3.156 In diesem Augenblick, ihr Götter, erklang eine körperlose Stimme: „Dämonenkönig, trauere nicht! Aus der Erde bist du geboren.

3.157 Gehe in sie zurück. Höre den auf dich bezogenen Segen: Menschen aller Stände, die sich zum eigenen Wohnen ein neues Haus bauen,

3.158 werden dort ohne deine Feier von vielerlei Leiden bedrängt. Deine Dienerinnen, Kalakarni und die anderen, und deine mit Vinayaka beginnenden

3.159 Diener werden sie quälen. So lautet die Weisung des höchsten Herrn.“ Als er diese Worte hörte, grub er eine große Höhlung

3.160 und trat hinein. Die Götter füllten sie mit Erde und Steinen. Die von ihm besiegten Gottheiten fürchteten, er könnte wieder hervorkommen,

3.161 und nahmen, dreiundfünfzig an der Zahl, über ihm ihren festen Wohnsitz. Deshalb müssen sie verehrt werden, wenn man glücklich in einem Haus wohnen möchte.

3.162 Hört das Verfahren für den linken und den rechten Weg, ihr Götter. An einem Stein oder Bildnis vollzieht man [die Verehrung] mit dem bei „Herr der Wohnstätte“

3.163 und „Erkenne uns“ beginnenden Mantra, mit Anrufung und Puja. Die übrigen verehrt man mit ihren Namensmantras; danach wird [die Anlage] vervollständigt.

3.164 In der südwestlichen Hausecke bereitet man eine schöne quadratische, ebene Fläche und einen eine Spanne hohen Altar.

3.165 Er misst eine Elle in Länge und Breite. Darauf zeichnet der Kundige ein Diagramm mit einundachtzig Feldern; darin stehen die vedischen Gottheiten.

3.166 In den neun mittleren Feldern verehrt man zuerst Brahma, nordöstlich davon Apavatsa und im Osten Aryaman in drei Feldern.

3.167 Im Südosten steht Savitar, Vivasvan in drei [südlichen] Feldern; Indra im Südwesten und Mitra in den drei westlichen Feldern. Die Ortsangabe bei Vivasvan ist in der Vorlage unregelmäßig.

3.168 Im Nordwesten steht Rajayakshman, im Norden Sumeru in drei Feldern; in den vier Feldern des Nordostens Isha. [Es folgen] von der Ecke aus die Gottheiten.

3.169 Shikhin, Parjanya, Apas und Diti werden für die jeweils acht und zwei [Felder] genannt. Diese fünf Gottheiten soll man der Reihe nach im linken Umlauf bestimmen. Hier werden fünf angekündigt, aber nur vier Namen klar genannt; die Feldverteilung ist nicht eindeutig.

3.170 Jayanta, Indra, Surya, Satya und Vrisha [stehen in der betreffenden Folge]; im Südostbereich Antariksha, Vata, Pushan und Savitra.

3.171 Diese vier Gottheiten beginnen bei Isha. Dann folgen in den fünf südlichen [Positionen], jeweils paarweise, Vitatha, Griharaksha und Yama,

3.172 Gandharva und Bhringaraja. Im südwestlichen Viererbereich stehen, von Nordost aus gerechnet, Jaya, Mriga, die Ahnen und Dauvarika.

3.173 Danach stehen im Westen fünf, jeweils in zwei Feldern: Sugriva, Pushpadanta, Varuna, Asura und Shesha. Im Nordwesten, von Isha aus, Ahi,

3.174 Rudra, Papayaksha und Roga; in den fünf nördlichen [Positionen] Mukhya, Bhallata, Soma, Bhujanga und Aditi.

3.175 Diese fünfundvierzig Gottheiten sollen mit Hingabe verehrt werden. Auf dem tantrischen Weg dagegen verwendet man ein Diagramm mit vierundsechzig Feldern.

3.176 Man zieht je zwei Schnüre an den Ecken und verehrt Brahma in den vier mittleren Feldern. Von dessen Ostseite aus stehen in jeweils zwei Feldern

3.177 Aryaka, Vivasvan, Mitra und Mahidhara. Savitra, Savitar, Shakra, Indrajit, Rudra und Rudrajaya,

3.178 Apavatsa und [„Suraka“, unsichere Lesung] stehen als shaivische Gottheiten in den halben Eckfeldern. Sharva, Guha, Aryaman, Jambhaka und Pilipicchaka,

3.179 Charaki, Vidari und Putana verehrt man vom Osten aus. Isha, Parjanya, Jayanta, Shakra, Bhaskara,

3.180 Satya, Vrisha und Antaka stehen der Reihe nach in den östlichen Feldern. Agni, Pushan, Vitatha, Yama und Griharakshaka,

3.181 Gandharva, Bhringaraja und Mriga stehen im Süden. Nirriti, Dauvarika, Sugriva,

3.182 Varuna, Pushpadanta sowie die als Sura, Shesha und Roga bezeichneten stehen im Westen. Im Norden folgen Vayu, Naga, Mukhya,

3.183 Soma, Bhallata, Argala, Aditi und Diti. Brahmas Platz ist rot; die Hauptrichtungen werden gelb, die Zwischenrichtungen weiß gestaltet.

3.184 Die weiteren Hauptrichtungsfelder werden grün, die Zwischenrichtungsfelder schwarz. Die Umgrenzung ist rötlich; so entsteht ein schönes Mandala.

3.185 Mit Reis, Mungbohnen und Gerste, der Reihe nach mit Honig, geklärter Butter und Milch getränkt, bringt man hundertacht beziehungsweise achtundzwanzig

3.186 Opfergaben je Gottheit aus den genannten Stoffen dar und verehrt sie vorschriftsgemäß. Als Bali gibt man ihnen Milchreis mit Beilagen.

3.187 So vollzieht man jedes Jahr bei Sonne im Löwen am Vollmondtag die Vastu-Puja im eigenen Haus und in Ritualpavillons. Nach der Verheißung entstehen dann weder vorzeitiger Tod noch Krankheit noch Furcht vor Geistern und Totengeistern.

3.188 Weder Schlangenplage noch gegenseitiger Streit oder anderes Unheil entstehen. Reich an Söhnen, Enkeln, Vermögen, Gesundheit, Vieh und Dienerinnen lebt der Bewohner dort lange, gesund, siegreich und angesehen.

3.189 Ein guter Lehrer soll dies jährlich in Königspalästen, den Häusern der Hauptgemahlin, der Ratgeber, Minister und Heerführer sowie in der Stadt vollziehen, um die genannten Wirkungen zu erzielen.

3.190 Geschieht es nicht oder in anderer Weise, können Mühsal und entsprechende ungünstige Folgen eintreten. Für Bhairavas, Gebietshüter und besonders Yoginis

3.191 bringen die Anhänger des linken Weges Bali-Opfer aus Büffeln oder Hähnen dar. Werden diese Gottheiten auf dem linken Weg verehrt, werden sie nach der Darstellung überaus hungrig.

3.192 Sie verlangen Opfergaben und töten den Übenden, wenn diese fehlen. Von Rauschtrank und Fleisch berauscht und durch frühere [Handlungen] angetrieben,

3.193 wünschen sie nur gelegentlich Gutes. Deshalb verehren gute Menschen sie nicht auf dem linken Weg. Der Bezug der abschließenden Wendung über morgendliche Nähe ist nicht sicher verständlich.

3.194 Ob daraus Heil entsteht oder nicht, verhält sich bei Menschen wie in der Lehre: Solange jemand keinen Rauschtrank und kein Fleisch zu sich nimmt, ist er nicht danach gierig. Hat er davon genossen, ist sein Geist darauf gerichtet – wo bleiben dann Japa und Gottheiten?

3.195 Wer beim Verzicht auf Rauschtrank, Fleisch und Ähnliches ebenso unverändert erscheint wie bei reichlichem Genuss, gilt als Vollendeter; ein anderer als fehlgehend.

3.196 Selbst die Gemeinschaft mit Vollendeten soll man erst nach solcher Prüfung suchen. Wozu viele weitere Worte? Vom linken Weg kommt [nach der hier vertretenen Wertung] völliger Untergang.

3.197 Bedenkt dies, ihr Götter: Der eigene Dharma soll zum Heil führen. Nachdem auf diese Weise die Befriedung des Baugrundes vollzogen ist, folgt zur Erkenntnis des Günstigen und Ungünstigen

3.198 sieben oder neun Tage vor dem Einweihungstag die Aussaatzeremonie, die alle Wünsche erfüllen soll.

3.199 Nördlich des Pavillons, in einem anderen, gut abgeschlossenen Gebäude, errichtet der Anhänger des rechten Weges einen Pavillon in Ost-West-Ausrichtung.

3.200 Für die Einweihung auf dem linken Weg wird eine Süd-Nord-Ausrichtung gepriesen. Auf dem mit Kuhdung bestrichenen Boden zeichnet man auf dem rechten Weg

3.201 mit ölvermengtem Reispulver, auf dem linken mit ölvermengtem Vijaya-Saft fünf Linien von jeweils fünf Ellen Länge.

3.202 Quer dazu werden elf Linien im Abstand einer Spanne gezogen. So entstehen vierzig Felder; vierundzwanzig davon

3.203 bilden den Umgang [die genaue Feldzuweisung ist in der Wortfügung unsicher]. Dieser wird mit rotem Pulver gefüllt. Die vier hinteren Felder heißen Brahmas Platz.

3.204 Vom südöstlichen bis zum nordöstlichen Feld füllt man in der Schöpfungsreihenfolge mit gelbem, rotem und schwarzem Pulver.

3.205 Die beiden anschließenden Umgangsfelder werden rot gefüllt. Vor ihnen liegen vier Felder, die als Vishnus Platz gelten.

3.206 Sie werden wie zuvor mit Farbpulvern gefüllt; davor liegen wiederum Umgangsfelder. Man fertigt vier sanduhrtrommelförmige [Gefäße], die Vishnu zugeordnet sind.

3.207 Mit Durva-Gras, Mango-Trieben und Ashvattha-Blättern versehen und mit Faden umwunden, stellt man sie in die vier Felder von Vishnus Platz.

3.208 Die Brahma zugehörigen, vorrangigen [Gefäße] sind fünf und aus Holz; Länge, Höhe und Ausdehnung werden mit sechzehn Fingerbreiten angegeben. Sie werden dahinter

3.209 an Brahmas Platz aufgestellt und wie zuvor mit Trieben und Fäden versehen. Die vier Shiva zugehörigen Schalen sind zwölf Fingerbreiten hoch.

3.210 Man wäscht und umwindet sie mit Fäden und stellt sie wie zuvor, beginnend im Südosten, auf Reishäufchen, Duftstoffe und Sitze aus Darbha-Büscheln.

3.211 Die Gefäße werden mit Sand, Erde und Kuhdung gefüllt, begleitet von Muschelhorn, den fünf Festklängen und dem Segen der Brahmanen.

3.212 Dann legt man zehn Arten Saatgut in ein goldenes oder entsprechendes Gefäß. Der Mantrapraktizierende rezitiert vaṃ und wäscht sie anschließend mit Milch.

3.213 Die zehn sind Priyangu, Shyamaka, Sesam, Senf, Reis, Mungbohnen, Adhaki, Nishpava, Khalva und Masha-Bohnen.

3.214 Zuerst streut man sie in das Brahma-Gefäß, dann in das Vishnu- und schließlich in das Shiva-Gefäß, begleitet von den fünf Instrumenten und dem Klang heiliger Rezitation.

3.215 Man besprengt sie mit Kurkuma und den weiteren Stoffen und deckt sie mit Tüchern zu. Zu beiden Dämmerungszeiten und auch nachts bringt man Bali-Gaben dar.

3.216 Nach dem vom Guru gelehrten Verfahren werden sie vor den drei Gefäßgruppen dargebracht, neun Tage lang, jeweils für die betreffende Gottheit.

3.217 Am ersten Tag sind gekochter Reis, Sesam, Puffreis und geröstetes Mehl, mit Kurkumapulver vermischt, als Bali für die Bhutas vorgesehen.

3.218 Am zweiten Tag gibt man entsprechend Sesamgebilde für die Ahnen; am dritten mit Sauermilch vermischtes Röstmehl und Puffreis für die Yakshas.

3.219 Am vierten wird den Nagas Röstmehl mit Kokoswasser gegeben; am fünften bringt man Brahma freudig Lotus und ungebrochene Reiskörner dar.

3.220 Am sechsten wird für Shiva gekochte Speise mit Kuchen gepriesen; am siebten bringt man Vishnu gekochten Reis dar.

3.221 [Auf dem linken Weg] steht Vetala an Brahmas Platz; ihm wird ein Widder geopfert, ihr Götter. An Vishnus Platz steht Bhairavi; ihre Opfergabe ist eine Ziege.

3.222 Bhairava steht an Shivas Platz und verlangt einen Büffel als Opfergabe. Als Rauschtränke gelten der Reihe nach Zucker-, Honig- und Mehlgärtrank.

3.223 Für die Bhutas sind Fisch und Fleisch mit Rauschtrank vorgesehen; für die Ahnen Hasenfleisch, für die Yakshas Hahn und Honig beziehungsweise Honigtrank.

3.224 Frösche und Mäuse sind die Opfergabe für die Nagas: Dies sind die Bali-Gaben des linken Weges. Nach Ablauf der neun Tage prüft man,

3.225 welches Saatgut gut aufgegangen, welches verdorben und welches mittelmäßig ist. Gutes Aufgehen bedeutet Vollendung, verkümmerter Wuchs Hindernisse.

3.226 Von Insekten gefressene Saat bringt keine Frucht, aufgerissene bedeutet völligen Untergang. An Priyangu wird die Vollendung, an Shyamaka das Glück mit Frauen erkannt.

3.227 Sesam zeigt die Freude verehrungswürdiger Menschen an, Senf das Ausbleiben von Schadenszauber; Reis allgemeine Anerkennung, Mungbohnen die Gnade der Gottheit.

3.228 Adhaki betrifft vierfüßige Tiere, Nishpava Felder und Häuser, Khalva das Gelingen guter Handlungen; Masha-Bohnen zeigen Befriedung im Kampf an.

3.229 Auf dem linken Weg bedeutet das Aufgehen aller Samen Vollendung, andernfalls Fall. [Nun folgen die Zeitbestimmungen:] Von Chaitra an werden für die Einweihung Leid, Festigung und Erlangung von Kostbarkeiten genannt,

3.230 dann Niedrigkeit, Tod, Verlust von Angehörigen, Leid, Freude, Wachstum, Leid, Anfeindung und Tadel. Die Monatsreihe ist in 3.229–230 dichter gegliedert als die zwölf Monate; die genaue Zuordnung bleibt unsicher.

3.231 [Eine weitere Folge lautet:] Armut, umfassendes Wissen, Glück, Vorzüglichkeit, Wohlergehen, Erkenntnis, Verlust der Auffassungskraft, Goldgewinn und Wachstum der Erkenntnis,

3.232 Wohlstand, Vollendung und Vorrang. Schaltmonate und ausgefallene Monate sind zu meiden. [Es folgen:] seelische Qual, Wohlstand, Glück, Glück und Mantra-Vollendung,

3.233 Vollendung bei einer geringeren Gottheit, rasche Vollendung, gute Einsicht, Freundschaft mit Gottheiten, Verlust von allem, Streit und große Furcht,

3.234 Wohlstand, Krankheit, Vollendung durch Japa, Kummer, Hitze oder Bedrängnis, Herrschaft und alle Vollendungen. Dies sind der Reihe nach die Früchte der Sternbilder, auf dem rechten und dann auf dem linken Weg. Die Grenzen der Aufzählungen in 3.231–234 sind nicht völlig klar; deshalb erfolgt keine freie Zuweisung zu einzelnen Sternbildern.

3.235 Die Frucht des Mondtages wird der Reihe nach als Verlust der Einsicht und gute Vollendung bezeichnet. Mantrapraktizierende ohne Gauri fallen ab, solche ohne Ganesha werden von Leid betroffen.

3.236 Alle Mantras gelangen zur Vollendung; [an einer anderen Stelle der Reihe] gelangen sie niemals zur Vollendung. [Es folgen:] Wohlstand, mühsame Vollendung, Torheit und Untergang des Gurus,

3.237 Stumpfheit, Beseitigung von Unheil und vollständige Frucht. Die lichte Monatshälfte ist vorzüglich, nicht die dunkle; die helle ist für Hari noch günstiger.

3.238 Es werden Vollendung aller Mantras und große Furcht genannt; besonders Vollendung für Brahma und Verlust von Söhnen, außer [bei Riten] für die Ahnen. Die Zuordnung dieser Aussagen zu einzelnen Mondtagen fehlt in der vorliegenden Textgestalt.

3.239 Die Früchte der Wochentage lauten der Reihe nach: Einsicht, Stumpfheit, Tod, Mangel an Beauftragung beziehungsweise Handlungsfähigkeit, Söhne, Vermögensgewinn und Tod.

3.240 Die bei Vishkumbha beginnenden Yogas haben ihrem Namen entsprechende Folgen. Die bei Ananda beginnenden Yogas entfalten überall ihre vollständige Wirkung.

3.241 Man handelt in einem Karana unter Ausschluss von Vishti; so entsteht rasch Vollendung. Im letzten Teil von Vishti ist jede Vollendung möglich; ein festes Karana verleiht Beständigkeit.

3.242 Nun die Früchte des Aszendenten, ihr Götter: Vermögen, Getreide, Gedeihen, Herrschaft oder Vollendung bei der Gottheit, Verlust und Vernichtung der Auffassungskraft,

3.243 Gewinn von Juwelen und Wohlstand, Vermögen, Getreide und Vollendungen, vollständige Vollendung, Machtglanz, Verlust und Vernichtung des Verstehens,

3.244 Wiedererlangung des Früheren, Mantra-Vollendung, Vieh, großes Vermögen, beständiges Leid und Verlust. Für Anhänger des linken Weges ist Zwillinge günstig. Die beiden Aszendentenreihen sind nicht eindeutig voneinander abgegrenzt.

3.245 Für Anhänger des linken Weges und Yavanas ist vielfach das sonst Entgegengesetzte günstig. Ungünstige Planeten sind im dritten, sechsten und elften Haus günstig; günstige Planeten in Eck- und Dreieckshäusern.

3.246 Im achten Haus bringen alle den Tod; im zwölften und sechsten [werden Verlust oder] Krankheit genannt. Einen Mantra soll man bei starkem Mond empfangen, andernfalls droht Unheil.

3.247 Der Stärke des Geburtssternbezugs entsprechend zeigt sich die Gnade der Gottheit. Dharma, Herrschaft und Vollendung gebend, mittelmäßig und vernichtend sind

3.248 der Reihe nach früher Morgen, Vormittag, Mittag, Nachmittag und Abend. Bei Mondfinsternis entsteht Armut, bei Sonnenfinsternis umfassender Wohlstand. Auch dies sind werkinterne astrologische Zuschreibungen.

3.249 Wenn der Guru [unter einem ungünstigen Blick?] an einer schönen Siddha-Stätte erscheint oder durch glückliche Fügung eintrifft, ist dies die Zeit der Einweihung. Am Tag vor der Einweihung beendet man zunächst die morgendlichen Pflichten. Die Lesung „gurāvaśubhadṛṣṭe“ ist unsicher und wird nicht als gesicherte Zeitregel aufgelöst.

3.250 Man schmückt den eigenen Körper, verehrt Ganesha vorschriftsgemäß im eigenen Haus und lässt den Segen eines glücklichen Tages aussprechen.

3.251 Nach sättigender Darbringung an die Nandimukha-Ahnen begibt man sich, von den fünf Festklängen begleitet und mit den vorgeschriebenen Gegenständen versehen, zum Haus des Gurus. Die Ausstattung zur Berufung des Lehrers und der Opferpriester ist zehnfach.

3.252 Dazu gehören gleichmäßige Sitze aus Shriparni-Holz von einer Elle Ausdehnung und acht Fingerbreiten Höhe.

3.253 Aus siebenundzwanzig Darbha-Halmen geflochtene Unterlagen, deren Spitze mit einem Knoten versehen ist, heißen Vishtara; so wird ihre Form für alle Opfer beschrieben.

3.254 Für die Fußwaschung dienen Kupfergefäße mit angenehm warmem Wasser, für die Ehrengabe Muscheln mit Duftstoffen, Blumen und Wasser; schöne kupferne Wasserkrüge werden mit Wasser zum rituellen Schlürfen gefüllt.

3.255 Für die Honiggabe dienen zweiteilige Bronzegefäße, gefüllt mit Sauermilch und den weiteren Bestandteilen. Ferner bereitet man kostbare Gewänder, Ringe und schönen Schmuck sowie Schirme aus Madhuka-Blättern und Turbane vor.

3.256 Auch Sandalen, mit Überzügen und Schmuck versehen, werden gebracht. Wer dies tut, erlangt eine Frucht, die der Ehrung bei einem großen Opfer gleicht.

3.257 Die anderen Brahmanen werden mit der Honiggabe geehrt. Dem Lehrer soll der von Hingabe Erfüllte liebevoll das Doppelte darbringen.

3.258 Wo der Lehrer nur ebenso wie die anderen Brahmanen geehrt wird, ist die Frucht des Opfers gering, wie die Ernte eines Feldes bei ausbleibendem Regen.

3.259 So geht man zum Haus des Gurus, verneigt sich vor seinen Sandalen, übergibt die Gegenstände der Berufung, fasst den feierlichen Entschluss und erwählt den Guru.

3.260 Man nennt den gewünschten Mantra und spricht: „Zum Empfang dieses Mantras, du Vorzüglicher unter den Brahmanen, erwähle ich dich als meinen Guru.“

3.261 So spricht der Schüler seine Wahl aus; der Guru antwortet: „Ich bin erwählt.“ Der Schüler sagt: „Guru, vollziehe die dir angemessene Handlung.“

3.262 Der Lehrer antwortet: „Ich werde sie vollziehen.“ Auf seine Anweisung beruft man dann acht Brahmanen, die Veda und Vedangas gründlich kennen

3.263 und Verehrer der betreffenden Gottheit sind, als Opferpriester. Sind vier Feuergruben vorhanden, werden vier Opferpriester vorgesehen.

3.264 Dann geht der Guru mit dem Schüler zum Opferhaus. Er setzt sich an dessen Eingang und beginnt mit der Prüfung.

3.265 Dem Schüler gibt er ein mit dem Wurzelmantra besprochenes Zahnreinigungsholz. Nach der Reinigung der Zähne [wird es] vorn auf einen eine Elle messenden Erdaltar

3.266 gebracht beziehungsweise geworfen; der Guru prüft es. In welcher Richtung seine Spitze liegt, ergibt folgende, im Osten beginnende Deutung. Die Handlungsangabe „catasro…“ ist beschädigt.

3.267 Gedeihen, Herzensqual, Verlust von Angehörigen, Einsicht, Trauer, Unruhe, Glück und Erkenntnisgewinn sind der Reihe nach die Früchte.

3.268 Fällt es in eine ungünstige Richtung, vollzieht man Sühne: eintausendacht oder hundert oder zwanzig [Darbringungen].

3.269 Die betreffenden Namen werden von der Waffenformel umschlossen, mit svāhā verbunden und um die Worte „Beseitige, beseitige die Fehler“ sowie abschließendes namaḥ ergänzt.

3.270 Man opfert ausschließlich geklärte Butter; ebenso verfährt man bei einem schlechten Traum. Das Zahnreinigungsholz wird erneut gegeben. Ist das Ergebnis wieder ungünstig,

3.271 auch noch beim dritten Mal, soll man die betreffende Gottheit nicht annehmen. Auf dem linken Weg führt schon ein einziges solches Zeichen nach dieser Aussage dazu, dass der Schüler den Guru zugrunde richtet.

3.272 Danach wird die Traumprüfung vollzogen. Ihr Verfahren wird für vedische Anhänger, Anhänger des rechten Weges, Vishnu-Verehrer und Anhänger des linken Weges erklärt.

3.273 Man rezitiert die bei „Was im Wachen fernhin aufsteigt, das Göttliche“ beginnenden Mantras, richtet sich gesammelt auf die drei Gottheiten, isst Opferspeise und schläft auf der rechten Seite. Den Traum prüft man nach der Unterweisung.

3.274 „Erhabener, Herr der Götter, Dreizackträger, dessen Reittier der Stier ist: Zeige mir im Traum während des Schlafes die günstige oder ungünstige Frucht!“

3.275 So schläft man auf einem mit Kusha-Gras bestreuten Lager, hat nur einmal gegessen und den Geist gesammelt. Gegen Ende der Nacht sieht man einen günstigen oder ungünstigen Traum.

3.276 „Om; Verehrung dem alle Welten umfassenden Vishnu, dem mächtigen, dem Herrn des Alls von allumfassender Gestalt, dem Herrn der Träume: Verehrung!“ Die Ṭippanī schreibt die im Grundtext durch „Herz“ angedeutete Verehrungsformel aus; sie ist kein weiterer Vers.

3.277 „Bringe den Traum herbei!“ – so lautet die Fortsetzung des Mantras. Fastend, mit beherrschten Sinnen, begibt man sich nachts auf ein Darbha-Lager, damit sich ein entsprechender Traum einstellt.

3.278 [Bei einem weiteren Verfahren] isst man und legt sich auf ein sehr sauberes Lager auf dem Erdboden. Um Mitternacht steht man auf und wäscht die Füße.

3.279 Man vollzieht die rituelle Mundreinigung, verehrt die Gottheit und erinnert sich ihrer am eigenen Scheitel. Man betrachtet die Einheit Shivas mit der Gottheit und rezitiert Folgendes. „Am eigenen Scheitel“ folgt der ausdrücklich so erklärenden Ṭippanī; der Grundtext hat eine unklare Form.

3.280 „Verehrung dem Ungeborenen, dem Dreiäugigen, dem Goldbraunen, dem Großherzigen, dem Vama, dem Allgestaltigen! Verehrung dem Herrn der Träume!

3.281 Teile mir im Traum stets jedes Vorhaben vollständig mit. Durch deine Gnade, Maheshvara, werde ich das Gelingen der Handlung bewirken.“

3.282 Wie sich dies für Eingeweihte im Traum ergibt, sollen alle Götter aufmerksam hören. Der erste Halbvers wiederholt das Wort „eingeweiht“ in grammatisch unregelmäßiger Form.

3.283 Nach der Verehrung eines irdenen Shiva-[Lingas] rezitiert man den zwölfsilbigen Mantra. Ein Zehntel der Rezitationszahl wird mit in geklärte Butter getauchten Bilva-Blättern geopfert.

3.284 Nach sättigender Darbringung und Besprengung speist man Brahmanen. So wird der Mantra vollendet und teilt im Traum mit, was im Herzen liegt.

3.285 Pranava, zweimal „hali“, „dem Dreizackträger“, die doppelte ṭha-Silbe und „Bringe den Traum herbei“ bilden den als zwölfsilbig bezeichneten Mantra. Die verschlüsselte Silbenanweisung wird nicht ohne Lesungssicherung zu einer Rezitationsformel ergänzt.

3.286 Ein Traum in der ersten Nachtwache trägt nach dieser Deutung innerhalb eines Jahres Frucht, in der zweiten innerhalb von sechs Monaten, in der dritten innerhalb von drei Monaten.

3.287 In der vierten sind es ein Monat, am frühen Morgen tritt die Frucht rasch ein. Erneutes Einschlafen hebt die Traumfrucht auf; der Traum soll ausgesprochen werden, nicht anders. Die letzte Vorschrift lässt ihren genauen Adressaten offen.

3.288 Ein Traum, der aus im Herzen liegender Sorge entsteht, besitzt keine solche Vorhersagefrucht. Übermaß von Vata erzeugt Träume von jähem Auffliegen und ähnlichen Vorgängen.

3.289 Pitta erzeugt Licht, Feuer, Gelb, Rot und Zorn im Traum; Schleim weiße, kalte Erscheinungen, Liegen und kraftloses Sitzen.

3.290 Bei Vata folgt morgens Gliederschmerz, bei Pitta Brennen der Augen; bei Kapha beständiges Zittern [so die Lesung]. Bei zwei beteiligten Störungen treten zwei Erscheinungen auf, bei dreien alle drei. Die Schlusswörter sind teilweise beschädigt; dies ist historische Traumphysiologie, keine medizinische Diagnose.

3.291 Ein Vollendeter, der eigene Guru, eine Gottheit, ein freundliches Mädchen, Ganga-Bhagirathi, die Sonne, ein Träger religiöser Zeichen oder das Linga Shivas,

3.292 ein Kind, ein Schirm, ein Wagen, eine Lampe, ein Palast, ein Lotus, ein Fluss, ein Elefant, ein Stier, eine Girlande, das Meer oder ein Früchte tragender Baum,

3.293 ein Berg, loderndes Feuer, rohes Fleisch, Rauschtrank, Planeten, Sterne, Mond, Sonne, Edelsteine und Schmuck,

3.294 ein Thron, ein Himmelswagen, eine Fahne, Musik, eine Weihebegießung, weißes Sandelholz, Gewänder, Reis, Kumkum und Honig,

3.295 ein König, weißer Senf, Frauen, ein neues Gefäß, Milchreis, ein Pferd, Früchte, gekochte Speise, Sauermilch und ein spielendes Kind,

3.296 Milch, Musikinstrumente, ein Blauhäher, ein Pfau, eine Manguste, eine Antilope, ein Gebundenes oder Einzelnes [unklare Wendung], eine Blume, gute Worte und Augensalbe,

3.297 ein voller Krug, ein Spiegel, Fisch, Rauschtrank, Speise, ein Leichnam ohne Klagegeschrei, religiöse Stirnzeichen und ein Banner,

3.298 Bharadvaja-Vögel und Könige, Vedaklang, Gesang, eine Peitsche, glückverheißende Lieder, ein Elefantenhaken und ein geliebter Kampfgeber [unklare Wendung]:

3.299 Wer als Übender diese Dinge im Traum sieht, erlangt nach der Überlieferung Vollendung. Ein von Krankheit oder anderem Bedrängter wird sein Leid los, ein gewöhnlicher Mensch erlangt Glück.

3.300 Bei auf ein bestimmtes Ziel gerichteten Handlungen gelten als günstig: eine Frau im Traum, die nach Vereinigung verlangt, ein Fluss, das Meer und ein weißgekleideter Brahmane,

3.301 Sonnenaufgang, Sonnen- oder Mondfinsternis und das Besteigen von Häusern, Palästen, Elefanten, Pferden, Stieren, Bergen oder Feuer,

3.302 das Essen von Reis mit Sauermilch und gegartem Fleisch, das Beschmiertsein mit Würmern und Kot sowie das Übergossenwerden mit Blut,

3.303 Betelkauen, Trinken von Rauschtrank, Begrüßung mit Sauermilch und ausgebreiteter Mondschein: Dies sind im Traum gute Zeichen für das Gelingen eines Vorhabens.

3.304 Wen im Traum eine schwarzgekleidete, mit dunkler Salbe bestrichene Frau umarmt, für den soll dies nach dieser Deutung die letzte Nacht sein.

3.305 Entsprechend bedeutet eine rote Frau Krankheit, eine rötliche Trauer, eine blaue Streit und Tötung, eine gelbe Abgabenpflicht. Diese Farbreihe beschreibt historische Omenvorstellungen.

3.306 Wen dagegen eine weißgekleidete Frau mit weißer Girlande und weißer Salbe im Traum umarmt, dessen Wohlergehen entfaltet sich nach allen Seiten.

3.307 Wer erwacht, während im Traum Speise, Lager, Getränk, Körper, Fahrzeug oder Haus brennen, dem wird allseitiges Wohlergehen zugeschrieben.

3.308 Wird man von einer weißen Schlange in die rechte Hand gebissen, wird man innerhalb von zehn Tagen zum Genießer; ein Kranker wird von seiner Krankheit frei.

3.309 Wer mit Fesseln und vielen Schlingen gebunden ist, dessen Ansehen wächst. Milchtrinken bedeutet Vermögensverlust.

3.310 Beim Trinken von Rauschtrank oder Blut gewinnt ein Brahmane Wissen und großen Reichtum. Sauermilch zu sehen bedeutet Freude, Weizen Vermögenszuwachs.

3.311 Durch Siddhi [der Ausdruck bleibt unklar] wird das Erlangen von Wissen angezeigt, durch Senf Gewinn; der Empfang von Sauermilch bringt Güter, der Empfang geklärter Butter sicheren Sieg.

3.312 Das Essen geklärter Butter bedeutet Mühsal um Vermögen, das Essen von Sauermilch dagegen Sieg. Wer die Verehrung von Lingas sieht, dem entsteht ein Geschäft oder Rechtsverfahren.

3.313 Wer inmitten eines Teiches auf einem unbewegten Lotusblatt Milchreis mit geklärter Butter isst, soll als künftiger Herrscher der Erde gelten.

3.314 Was Gottheiten, Träger religiöser Zeichen, Kühe, Ahnen, Brahmanen oder Könige einem Menschen im Traum sagen, soll genau so eintreten.

3.315 Wer ein Dorf oder eine Stadt mit Speisen umgibt, erlangt bei einem Dorf die Herrschaft über einen Bezirk, bei einer Stadt wird er König.

3.316 Mond, Sterne oder Sonne zu ergreifen und zu berühren, Erde und Meer zu verschlingen oder Feinde zu töten,

3.317 im Streit, beim Spiel oder über Feinde zu siegen, eine Stute, Büffelkuh, Löwin, Kuh, Elefantenkuh und ähnliche Tiere zu melken,

3.318 Gunst von Guru und Brahmanen, Heil von Gottheiten und Vollendeten, Baden, Königsweihe, Abschneiden des eigenen Kopfes und der eigene Tod,

3.319 das Überqueren heiliger Gewässer und schwieriger Stellen, die Geburt eines Kalbes, Elefanten oder Fohlens, der Empfang von Feuer, die Umarmung einer fremden Frau, ihr Erlangen und Weinen,

3.320 Beschmieren mit Kot, das Sehen von Kunda-, Jati- und Bakula-Blüten, Sieg in Kampf, Spiel und Gedränge sowie Fesselung,

3.321 das Erlangen und Besteigen von Haustieren, Menschen oder Wildtieren, der Empfang eines Pfaus, weiße Kleidung sowie das Tragen von Blumen und Sandelholz,

3.322 das Essen aus Gefäßen aus Edelstein, Silber, Gold und Ähnlichem: Wenn der Übende dies sieht, ist nach dieser Deutung Vollendung in verschiedener Hinsicht zu erwarten.

3.323 Bei Menschen mit einem konkreten Anliegen bedeutet es dessen Gelingen, bei anderen Vermögensgewinn. [Ungünstig sind dagegen:] eine unfruchtbare Frau, Leder, Spelzen, Feuer und Ähnliches, Salz, Kohle und Brennstoff,

3.324 Kot, ein Eunuch, ein Wahnsinniger, Öl, ein Träger verfilzten Haares und Ähnliches, Fett oder Arznei, ein Kranker, ein Entsagender, ein Nackter, ein Verlassener und ein Hungernder,

3.325 ein Mensch mit gelöstem Haar, ein Ausgestoßener, Salbung, Blut, Pfeilverletzung, Katzenkampf, Baumwolle, eine Schwangere und eine menstruierende Frau,

3.326 Rohzucker, Buttermilch, ein Ockergekleideter, Schlamm, Rizinus im Haus, das Herabfallen eines Vajra und ähnlicher Gegenstände, Rauschtrank, Tierkot, ein Blinder, Buckliger, übel Redender, Tauber oder Hinkender,

3.327 Erbrechen, ein leerer Krug, ein Wäscher und schmutzige Kleidung. Werden diese Dinge gesehen, gelingt nach der Überlieferung das Vorhaben nicht; einem Kranken wird Tod vorhergesagt. Diese diskriminierenden und bedrohlichen Traumwertungen sind historische Textaussagen, keine Urteile über Menschen oder belastbare Prognosen.

3.328 Wer Ashoka, Karavira oder Palasha in Blüte und dazu Wasser im Traum sieht, erlangt nach dieser Deutung Trauer.

3.329 Das Eingehen in eine andere Gestalt, der Weg nach Süden, Versinken im Schlamm und Baden bedeuten Verlust von Sohn oder Ehefrau.

3.330 Kühe, Elefanten, Vögel und Brahmanen gelten auch dann als günstig, wenn sie dunkel erscheinen. Wer jedoch mit rotem Duftstoff, rotem Gewand und Girlanden oder schwarz ausgestattet nach Süden blickt

3.331 und auf Esel, Kamel oder Büffel reitet, soll keine drei Monate mehr leben. Wessen Eingang zu Kloster oder Haus im Traum verschlossen wird

3.332 und sich nicht wieder öffnet, dessen Leben soll nur noch bis Monatsende reichen. Wer im Traum Erbrechen, Harn, Kot, Geburt von Nachkommen oder Samenerguss erlebt, dem werden zehn Monate Lebenszeit zugeschrieben.

3.333 Wer von entstellten schwarzen Männern mit erhobenen Waffen bedrängt oder mit Steinen geschlagen wird, dem wird zweifellos Tod vorausgesagt.

3.334 Wer auf Büffel, Kamel oder Esel reitet, mit Öl gesalbt und kahlgeschoren nach Süden zieht, dem wird ebenfalls Tod vorausgesagt.

3.335 Sieht man Paläste, Planeten, Mond, Sonne, Berge oder Bäume fallen, bedeutet dies den Verlust einer Stellung.

3.336 Ebenso [ungünstig sind] der Verlust eigener Glieder, die Überwältigung durch Krankheit, das Ausfegen des Hauses und sein Bestreichen mit Kuhdung oder Erde.

3.337 Wer einen Fluss überquert und am anderen Ufer ein anderes Gewand anlegt, wird als Kranker von Krankheit befreit; einem Gesunden wird Verlust zugeschrieben.

3.338 Tiere mit grammatisch männlichem Namen, der Potaki-Vogel, eine Sau, Pingala, eine Spitzmaus, eine Eidechse, Kuckucke und Schakale gelten links als günstig. Die Ṭippanī erklärt Pingala hier als Prostituierte; diese Deutung gehört zum Kommentar.

3.339 Tiere mit grammatisch weiblichem Namen, der Blaukehlvogel, Affe, Ruru-Antilope, Chikara, Priyaka-Antilope, Geier, Krähe, Bär und Hund gelten rechts als günstig.

3.340a Werden sie so gesehen, bedeutet dies für Kranke das Ende der Krankheit, für Übende Vollendung und für Gesunde Vermögensgewinn und günstigen Verlauf vieler Unternehmungen. Erstes Vorkommen der Originalnummer 340.

3.341 [Zur Sühne] fastet der Hauspriester drei Nächte, isst danach Opferspeise und bringt hundert milchige, mit geklärter Butter bestrichene Holzstäbe

3.342 des Palasha-Baumes mit der Gayatri dar. Ein Shudra badet, isst Opferspeise und stiftet eine Lampe im Haus eines Brahmanen, in einem Vishnu- oder Shiva-Tempel.

3.343 Erst nachdem ein günstiger Traum gesehen wurde, soll man den Mantra empfangen. Andernfalls bringt sein Empfang Verlust; man soll dann eine andere Gottheit in Betracht ziehen.

3.344 Nach solcher wiederholten Prüfung beginnt die Guru-Verehrung. Man vollzieht die rituelle Mundreinigung und richtet die allgemeine Ehrengabe her.

3.345 Mit ihrem Wasser besprengt man [den Ort] und verehrt den Eingang. Der Lehrer vertreibt dann himmlische Hindernisse durch Klatschen

3.346 und im Zwischenraum befindliche der Reihe nach durch die inneren Mantras; irdische durch drei Fersenstöße.

3.347 Er zieht den Körper etwas zusammen und berührt den linken Türpfosten. Er weist die Hindernisse fort und lässt rechts einen Weg frei.

3.348 Mit dem rechten Fuß zuerst betritt er den Ritualpavillon; auf dem linken oder einem Shakti-Weg mit dem linken Fuß voran.

3.349 Im Südwesten verehrt er Brahma und den Herrn des Baugrundes. Den Opferplatz besprengt er mit Arghya-Wasser und Kuhprodukten.

3.350 Dann vollzieht er die vierfache Reinigung, beginnend mit dem Ansehen: Er betrachtet [den Ort] mit dem Wurzelmantra und besprengt ihn mit dem Waffenmantra.

3.351 Mit dem Waffenmantra erfolgt das Schlagen, mit der Schutzpanzerformel das Übergießen. Man räuchert mit Sandelholz und Agaru und [spricht] siebenmal die Waffenformel. Die Wortfügung verbindet Duftstoffe und Mantras nur verkürzt.

3.352 Der Mantrapraktizierende streut Jaya, Sandelholz, weißen Senf, Durva, Asche, ungebrochene Reiskörner, Kusha und Puffreis im Pavillon aus, um Hindernisse abzuwehren.

3.353 Mit einem Darbha-Büschel und dem Waffenmantra fegt er diese zusammen und legt sie im Nordosten als Sitz für das Vardhani-Gefäß nieder.

3.354 Nachdem der Tagessegen gesprochen und die Brahmanen sorgfältig zufriedengestellt wurden, zeichnet er auf dem Altar das Sarvatobhadra-Mandala.

3.355 Höre seine Form, die bei vedischen und Smarta-Riten als günstig gilt. Man zeichnet quadratische Felder in der Anzahl des Quadrates von Dhriti, also achtzehn mal achtzehn.

3.356 In den Ecken füllt man je drei Felder als Mondsichel weiß aus. Aus fünf Eckfeldern bildet man eine schwarze Kette.

3.357 Beiderseits der Kette liegt eine blaue Ranke in elf Feldern; an beiden Seiten ein rötlicher Bhadra-Bereich aus neun Feldern.

3.358 Der als Wasserbecken bezeichnete Bereich hat vierundzwanzig weiße Felder; die innere Umgrenzung ist gelb. In der Mitte liegt ein schöner sechzehnblättriger Lotus, außen umgeben

3.359 von Weiß, Rot und Schwarz: So ist das Sarvatobhadra-Mandala beschaffen. Nun erkläre ich ein anderes, das bei tantrischen Handlungen verwendet wird.

3.360 Man zeichnet ein Quadrat aus sechzehn mal sechzehn Feldern. Die sechs mal sechs mittleren Felder werden ausgewischt; darin zeichnet man [den Lotus].

3.361 Man lässt außen ein Zwölftel der Länge frei und legt von der Mitte aus vorschriftsgemäß drei konzentrische Kreise an.

3.362 Der innere Kreis bildet den Lotuskern, der zweite die Staubfäden, der äußere die Blätter; die Blattspitzen liegen im freigelassenen Bereich.

3.363 An den Enden der Staubfäden und seitlich setzt man Halbmonde an. Davor ordnet man in den Ecken Füße aus je drei Feldern an.

3.364 Die übrigen Teile [des Sockels] sind gelb. Weiter außen werden zwei Feldreihen ausgewischt und als Umgang eingerichtet, in den vier Richtungen und ihrer Mitte. Nach diesem Vers enthält die Vorlage ein unnummeriertes Sarvatobhadra-Diagramm aus abgekürzten Feldzeichen. Es ist in den Sanskritfassungen vollständig erhalten; da seine Zeichenlegende fehlt und einzelne Reihen unregelmäßig sind, wird hier keine erfundene deutsche Farblegende eingesetzt.

3.365 Der Reihe nach bildet man mit zwei beziehungsweise vier Feldern die vier Eingänge. Mit je drei und einem Feld an beiden Seiten jedes Eingangs

3.366 entstehen Schmuckfelder. Daran schließen sich weitere Schmuckfelder aus je drei Feldern an; aus jeweils sechs Feldern bildet man die Eckbereiche.

3.367 Weiß ist Reispulver. Begrenzungslinien und Blätter werden in Höhe und Breite jeweils eine Fingerbreite stark angelegt.

3.368 Damit versieht man die Teile des Sockels und die vier Eingänge. Nichtbrahmanen sollen auch die Blätter rot ausfüllen.

3.369 Rot gewinnt man aus Saflorpulver; damit werden die Schmuckfelder der Eingänge gefüllt. Die Füße sind für alle Stände gelb.

3.370 Gelb ist Kurkumapulver; damit färbt man das Innere des Sockels und den Lotuskern. Ein Brahmane gestaltet auch die weiteren Schmuckfelder gelb, [die angrenzenden Bereiche] schwarz. Die Abgrenzung der Farbfelder ist hier verkürzt.

3.371 Grün entsteht aus Bilva-Blattpulver. Damit füllt man die ansprechenden, mit Blatt-, Wurzel- und Fruchtgestalten geschmückten [Ranken].

3.372 In den vier mittleren Umgängen legt man Wunschranken an; ihre Verbindungen und die Ranken selbst werden ausgefüllt, die Staubfäden gelb und rot.

3.373 Der kundige Guru füllt sie mit verschiedenfarbigen Pulvern. Die Ecken werden schwarz; außen liegen drei Linien.

3.374 Diese werden der Reihe nach weiß, rot und schwarz gestaltet. So ist das in allen Tantras gelehrte Sarvatobhadra-Mandala beschrieben.

3.375 Nun erkläre ich das Sarvatobhadra-Mandala für die göttlichen Wesen auf dem rechten Weg. Es besteht aus zwölf mal zwölf Feldern.

3.376 Wie zuvor liegt in seiner Mitte ein schöner Lotus in einem Bereich von sechs [Feldern]. Eine Feldreihe bildet den Sockel; die Schmuckfelder der Eingänge sind wie zuvor.

3.377 Die Eckbereiche umfassen sechs Felder und werden wie zuvor eingefärbt. Füße des Sockels, Umgrenzungen, Lotus und weitere Teile entsprechen der früheren Beschreibung.

3.378 Auf dem linken Weg besteht das Mandala aus acht mal acht Feldern. In der Mitte liegt ein Lotus aus vier Feldern; außen herum kann ein Umgang

3.379 mit Wunschranken angelegt werden. Dieser Lotus ist stets vorgesehen. In den vier Hauptrichtungen zeichnet man weitere Lotusse aus je vier Feldern.

3.380 In den Zwischenrichtungen liegen vier Vierergruppen von Feldern. Zwischen den vier Lotussen und den Umgängen entstehen Hakenkreuzformen.

3.381 Jede besteht aus vier Feldern in den vier Zwischenrichtungen. Man füllt sie mit weißen, kurkumagelben, roten und blauen Pulvern.

3.382 Die Hakenkreuzformen beginnen im Nordosten; das Übrige ist wie zuvor beschrieben. Dieses schöne Mandala wird Navanaga genannt.

3.383 Nach demselben Verfahren, mit mittleren Eingängen und unter Auslassung der Zwischenrichtungen, [entsteht die Variante] aus einzelnen Viererfeldern, die Fünf-Lotus-Mandala genannt wird.

3.384 Der Lotus hat die zuvor beschriebene Form; Eingänge und Viererfelder werden wie die Svastika-Bereiche gestaltet. Der Umgang wird farbig ausgefüllt; [die Anordnung gilt] am Sockel für göttliche Wesen. Der letzte Bezug ist verkürzt.

3.385 Nun erkläre ich das Wasser-Mandala zur Einsetzung des Mantras. Man legt ein Quadrat aus vierundsechzig Feldern an.

3.386 In den zuletzt erreichten Richtungsbereichen werden Felder ausgewischt; die mittleren Quadrate, beginnend im Osten, heißen Torhüterfelder. Die erste Richtungsangabe ist textlich unklar.

3.387 Diese füllt man gelb, dunkel und grün. Unter Auslassung je eines Eckfeldes werden fünf [Felder] als Füße bezeichnet.

3.388 Sie werden gelb, weißlich, rot, gelb und schwarz ausgefüllt. Die Eckfelder färbt man, vom Südosten aus, rot, grün und schwarz.

3.389 Danach [ordnet man] die Hälfte so, wie ein Baldachin befestigt wird. In der Mitte zeichnet man vier weiße Kreise. Der Vergleich mit dem Baldachin bestimmt die Geometrie nicht eindeutig.

3.390 Der erste Kreis hat einen Radius, der durch „sechs–Feuer–Isha“ [bezogen auf den Sockel] bezeichnet wird. Er ist gelb, bildet den Lotuskern und wird von einer weißen Linie umgeben. Die Maßzuordnung bleibt unsicher.

3.391 Der zweite hat den doppelten Durchmesser und trägt die Staubfäden; deren Wurzeln sind gelb, die Mitte rot und die Spitzen weiß.

3.392 Davor legt man einen weißen Bereich von zweiundsiebzig Teilen an. Der dritte Kreis hat einen Durchmesser von einem Drittel [des Bezugsmaßes]. Das Bezugsmaß ist nicht ausdrücklich genannt.

3.393 Darin liegt ein weißer achtblättriger Lotus mit roten Spitzen. Unter den Blättern ist es weiß, außen schwarz; wie zuvor zieht man eine weiße Linie.

3.394 Außen legt man sechzehn mit dem Kreis verbundene Ecken an, dunkel, gelb, rot und weiß. Zwischen innerem und äußerem [Bereich]

3.395 zieht man fünf schöne Linien: weiß, gelb, rot, dunkel und grün. So wird das Innere des Sockels ausgefüllt. Man zeichnet Vajra, Speer, Stab, Schwert, Schlinge, Haken und Keule,

3.396 beginnend im Osten, und im Nordosten den Dreizack, dazu Rad und Lotus. Dann nimmt man auf dem Altar nach Osten gewandt den Sitz ein: schweigend im gebundenen Lotussitz, mit geradem Körper und beherrschten Sinnen.

3.397 Der hervorragende Lehrer stellt die Gegenstände der Verehrung rechts auf, links einen schönen Krug,

3.398 gefüllt mit wohlriechendem Wasser zur Handwaschung. Dahinter steht ein weiteres Gefäß; dann entzündet er die günstigen Lampen.

3.399 Fächer, Spiegel, Schirm und Yakschweifwedel werden in den Richtungen angeordnet. Der Mantra-Kenner weiht sie alle nach dem noch zu beschreibenden Verfahren.

3.400 Nach der Reinigung der Hände spricht er dreimal den Pranava und bindet gesammelt die Richtungen mit dem Pfeilmantra. Die Ṭippanī erläutert Pranava und Pfeilformel; sie wird als Kommentar, nicht als weiterer Grundtext behandelt.

3.401 Ich werde dasjenige umfassend erklären, was aus dem großen Prinzip entstanden ist. Danach vollzieht man die Reinigung der Elemente und die Einsetzung des Lebensatems.

3.402 Mit gesammeltem Geist führt der Lehrer Nyasa und die weiteren Handlungen aus. Er setzt den Seher auf den Scheitel und das Versmaß in den Mund.

3.403 Die Gottheit des Wurzelmantras setzt er in das Herz. Danach führt er vorschriftsgemäß den sechs- oder fünfgliedrigen Nyasa aus.

3.404 Bei einem Mantra mit fünf Gliedern wird das Auge ergänzt. Bei einem Mantra ohne besondere Gliedformeln werden die Glieder aus ihm selbst gebildet.

3.405 Dann führt er die weiteren Nyasas nach der Mantravorschrift aus. Der Mantra-Kenner richtet im eigenen Körper den Yoga-Sitz ein.

3.406 Auf diesem aus dem Körper bestehenden Sitz meditiert er über die Gottheit des Mantras. Er zeigt die Mudras und bereitet die vorzügliche Ehrengabe vor.

3.407 Rechts stellt er das mit Wasser gefüllte Besprengungsgefäß auf. Jeweils gibt der Verehrer der Gottheit etwas Wasser aus dem Muschelhorn hinzu,

3.408 sowie [in die vorgesehenen Gefäße] Fußwaschwasser, Mundreinigungswasser und Honiggabe. Dann besprengt er gesammelt mit dem durch den Wurzelmantra geweihten Wasser aus dem Besprengungsgefäß

3.409 sich selbst, das Mandala und die Gegenstände der Verehrung. Der gute Lehrer [verwendet] Duftstoffe, Blumen und die weiteren Gaben an ihren jeweiligen Plätzen.

3.410 Der Mantra-Kenner verehrt den Yoga-Sitz gemäß dem Nyasa-Verfahren bis zum Abschluss der Sitzverehrung und verehrt darauf seine erwählte Gottheit.

3.411 In die Gottheit verwandelt, bringt er fünf Handvoll Blumen dar: am Scheitel, am Herzen, an der Basis, an den Füßen und am gesamten Körper.

3.412 Mit Speisegaben, den vorgeschriebenen Sandelstoffen und allen Darbringungen verehrt er die Erwählte nach dem vom Guru gewiesenen Weg.

3.413 Er vollendet dies alles unter Verwendung des Besprengungswassers. Das verbliebene Wasser im Gefäß wird fortgegeben und wie zuvor neu eingefüllt.

3.414 Der Guru verehrt das Mandala mit Sandelholz und den weiteren Gaben. Zuerst füllt er den Lotuskern mit unenthülstem Reis, dann mit geschältem Reis.

3.415 Darüber legt er Darbha-Gras. Siebenundzwanzig lange Kusha-Halme mit abgeschnittenen Wurzeln,

3.416 deren Spitzen einen Brahma-Knoten tragen, heißen Kurcha-Büschel. Man verehrt von der tragenden Shakti an bis zum Mantra des Sitzes.

3.417 Darauf steht ein unbeschädigter Krug aus Gold oder einem entsprechenden Material, außen vollständig mit einem dreifachen Faden umwunden.

3.418 Sein Inneres wird mit Sandelholz, Agaru und Kampfer versehen. Der gute Lehrer stellt ihn hier ohne Rezitation des Pranava auf. Die Reichweite von „vinā“ ist grammatisch auslegungsbedürftig.

3.419 In den Krug gibt man neun Edelsteine, darüber das Kurcha-Büschel, Durva, Sandelholz und eine Ehrengabe.

3.420 [Genannt werden] Pushpa[-Stein], Saphir, Katzenauge, Koralle und Perle. Am Ende rezitiert man den Wurzelmantra und betrachtet die Einheit mit dem eigenen Selbst.

3.421 Der hervorragende Übende betrachtet den Krug als ungetrennt vom Sitz. Danach füllt er ihn mit einem Absud aus fünfzig Heilpflanzen,

3.422 zusammen mit einer weiteren. Dies sind die den Lauten zugeordneten Pflanzen: Sandelholz, rotes Sandelholz und Agaru,

3.423 Kampfer, Ushira, Kushtha, Balaka, Keshara, Kankola, Muskatnuss, Jatamansi und Mura,

3.424 Granthika, Rochana, Jatipatra, Pippala, Bilva, Prishthiparni, Chitraka, Mudgaparni und Kusha,

3.425 Katphala, Gunja, Udumbara, Kashmari, Padmakosha, Shankhapushpi und Mayurashikha,

3.426 Plaksha, Agnimantha, Shalaparni und nochmals Kusha, Pashanabhedaka, Krishna, Shashipushpi und Rohini,

3.427 Shyona, Chhinnaruha, Patali, Mukhakarnika, Tulasi, Shikhari, Indravalli und Bhringi [es folgt eine unklare Wortverbindung],

3.428 ferner Rajita, Patalamuli, Kritanjali, Durva, die als Shridevakanya bezeichnete [Pflanze], Abhaga und Bhadramustaka. Einzelne Pflanzennamen und ihre Wortgrenzen sind textlich unsicher; botanische Gleichsetzungen werden nicht erzwungen.

3.429 Mit Gewürznelken zusammen werden sie als fünfzig gezählt. [Alternativ verwendet man] einen Absud aus der Rinde milchsaftführender Bäume und den als Brahma-Bhuru bezeichneten Rinden,

3.430 oder günstiges Wasser, das durch Duftpaste und Blumen beduftet ist. Mit solchem Absud oder Wasser füllt man [das Gefäß] und bewegt darin das Muschelhorn.

3.431 Nun wird die achtfache Duftmischung jeder Gottheit genannt: Sandelholz, Agaru, Kampfer, Rochana, Kumkum, Moschus,

3.432 rotes Sandelholz und Wasser werden für Ganesha genannt. Hribera, Sandelholz, Kushtha, Agaru, Kumkum, Mura, Sihlaka und Jatamansi sind die Vishnu zugehörige Mischung.

3.433 Sandelholz, Agaru, Kampfer, Chaura, Kumkum, Rochana, Jatamansi und Kapi gelten als die acht Duftstoffe für Shakti.

3.434 Jala, Kashmira, Kushtha, rotes und gewöhnliches Sandelholz, Tagara, Agaru und Kampfer sind die acht Duftstoffe für Shiva.

3.435 Jala, Kashmira, Kushtha, rotes und gewöhnliches Sandelholz, Tagara, Agaru und Kampfer werden auch als achtfache Duftmischung der Sonne genannt.

3.436 [Eine weitere Reihe nennt:] Gorochana, Bronze, Kampfer, Agaru, Kumkum, Sandelholz, die beiden Mada[-Stoffe], Varida und aus Blättern Gewonnenes. Die angekündigte Achtzahl und diese überlieferte Reihe stimmen nicht eindeutig überein.

3.437 Durch die Verbindung der acht Duftstoffe und die Befähigung des Lehrers wird das Wasser im Krug mit Kraft erfüllt; so verstehen es die Kundigen.

3.438 Zuerst verehrt man die zehn Kräfte des Feuers: Dhumrarchis, Ushma, Jvalini, Jvalini, Visphulingini, Sushri, Surupa, Kapila, Havyavaha und Kavyavaha. Die beiden ähnlich geschriebenen Jvalini-Namen werden in der IAST-Vorlage durch unterschiedliche Vokallängen unterschieden.

3.439 Danach verehrt man die zwölf Sonnenkräfte: Tapini, Tapini, Dhumra, Marichi, Jvalini und Ruchi,

3.340b Sushumna, Bhogada, Vishva, Bodhini, Dharini und Kshama. Danach verehrt der gute Guru die sechzehn Mondkräfte. Zweites Vorkommen der Originalnummer 340, an der Position von 440; die überlieferte Nummer bleibt erhalten.

3.441 Amrita, Manada, Pushta, Pushti, Tushti, Rati, Dhriti, Shashini, Chandrika, Kanti, Jyotsna, Shri, Priti und Angada,

3.442 Purna und Purnamrita. [Anschließend werden] Kanti, Dipina und die aus den Lauten entstandenen Kräfte genannt. Aus den Unterscheidungen des Veda-Anfangs entstehen fünfzig Kräfte mit Bindu. Die Übergangswörter sind beschädigt und die Gruppenabgrenzung ist nicht völlig eindeutig.

3.443 Man ruft sie herbei, setzt sie ein und verehrt sie der Reihe nach: Nivritti, Pratishtha, Vidya, Shanti, Riddhi, Dipika,

3.444 Rechika, Mochika, Para, Sukshma, Sukshmamrita, Jnanamrita, Apyayani, Vyapini und Vyomarupika,

3.445 Ananta, Srishti, Riddhi, Smriti, Medha, Kantika, Lakshmi, Dyuti, Sthira, Chhiti, Siddhi, Jara und Palini,

3.446 Kshanti, Ishvari, Rati, Kama, Varada, Ahladini, Dirgha, Tikshna, Raudri, Bhaya, Nidra und Tandrika,

3.447 Kshut, Krodhini, Kriya, Utkari, Mrityu, Pita, Sita, Aruna, Asita und Ananta. Man verehrt sie jeweils in den entsprechenden Zwischenbereichen. Die Namen sind technische Bezeichnungen der Kalas; Wiederholungen werden nicht beseitigt.

3.448 [Es folgen die Mantras, beginnend mit] „Der Schwan, der im Reinen wohnt“, „Dich, Vishnu“, „Den Dreiäugigen“, die Gayatri sowie „Vishnu [bereite] den Mutterschoß“.

3.449 Bei der Verehrung der aus den fünf Unterscheidungen des Pranava hervorgehenden Kräfte ruft der Verständige die zehn bei Srishti beginnenden Kräfte herbei und macht sie gegenwärtig.

3.450 Nach der Rezitation des mit „Der Schwan, der im Reinen wohnt“ beginnenden Verses verehrt er sie, setzt ihren Lebensatem ein und führt ihre Puja aus.

3.451 Ebenso verehrt der Kundige nach der genannten Methode die bei Jara, Tikshna, Pita und Nivritti beginnenden Gruppen.

3.452 A, u, m, Bindu und Nada, ferner Shakti und Shanti: Diese sieben werden als Unterscheidungen des Pranava genannt.

3.453 Die letzten beiden werden gesondert erklärt. Dann nimmt man Triebe von Ashvattha, Panasa und Mango

3.454 und bindet sie mit einer Indravaruni-Ranke fest an die Krugöffnung. Man betrachtet sie über dem Krug als Wunschbaum.

3.455 Darauf stellt man eine mit Reis gefüllte Schale und eine Kokosnuss und betrachtet diese als Frucht des Wunschbaumes.

3.456 Dann umhüllt man den Krug mit zwei Seidentüchern. So ist die Aufstellung des Hauptkruges beschrieben.

3.457 In den beim Osten beginnenden Richtungen, nahe den Torbögen, zeichnet man nach den Möglichkeiten achtblättrige Mandalas.

3.458 An jedem Eingang legt man darauf einen Reishaufen und stellt darüber einen gefüllten Krug. Darin verehrt man folgende [Gottheiten]:

3.459 im Osten Budha, im Süden Vara, im Westen Vakpati und im Norden Vighnesha. Dann stellt man in den beim Südosten beginnenden Richtungen weitere Krüge auf.

3.460 Darin verehrt man Amrita, Durjaya, Siddharthaka und Mangala. Danach verehrt man in den bei Rudra beginnenden Richtungen die mit Rudra beginnenden [Richtungsgottheiten].

3.461 Die Richtungshüter werden in den Mandalas und über den Krügen verehrt. Davor [stehen die Richtungselefanten] Airavata, Pundarika, Vamana, Kumuda, Anjana,

3.462 Pushpadanta, Sarvabhauma und Supratika. Danach kehrt der Guru zu seinem Altar zurück und nimmt seinen Sitz ein.

3.463 Mit dem Wurzelmantra vergegenwärtigt er dort die Gestalt und ruft in dieser Gestalt seine erwählte Gottheit an, um sie zu verehren.

3.464 Der Mantrapraktizierende erinnert den Wurzelmantra in den Matrikas. Er lässt das Bewusstsein durch die Nasenspitze hervortreten

3.465 in den Matrika-Lotus seiner mit einer großen Blume versehenen Hände. Er hebt diese bis zum Kopf und ruft [die Gottheit] darin an.

3.566a Dann vollzieht er Einsetzung, Vergegenwärtigung, Festhalten, Zuwendung und Gliederung. Erstes Vorkommen der Originalnummer 566, an der Position von 466; die Nummer wird nicht stillschweigend berichtigt.

3.467 Es folgen Verhüllung, Verwandlung in Nektar und Erhebung zum Höchsten; der Reihe nach werden die zugehörigen Mudras

3.468 ausgeführt und die entsprechenden Darbringungen vorbereitet, beginnend mit dem Sitz und bis zu den Blumen.

3.469 Dann folgen die im Mantraverfahren genannten Glieder und Umkreisgottheiten; ganz am Ende die Verehrung der Richtungshüter und ihrer Waffen.

3.470 So verehrt man mit Räucherwerk, Licht und Speisegabe. Nach der Speisegabe werden rings um das Mandala der Reihe nach

3.471 junge Triebe, Keimlinge und Blätter aufgestellt. Rechts vom Altar richtet man einen vorzüglichen Erdaltar ein.

3.472 Man setzt das Feuer ein, weiht es und beginnt den Vaishvadeva-Ritus. Dort verehrt man die Gottheit vorschriftsgemäß mit Duftstoffen und den weiteren Gaben.

3.473 Nach den Opfergaben mit den vom Pranava eingeleiteten Vyahritis opfert man mit dem Wurzelmantra Milchreis und geklärte Butter.

3.474 Nach fünfundzwanzig [solchen Gaben] opfert man nochmals mit den Vyahritis, verehrt [die Gottheit] mit Sandelholz und setzt sie in die Gestalt auf dem Sockel ein.

3.475 Nach Entlassung des Feuers bringt man den Begleitern eine Bali-Gabe aus dem vorgesehenen Milchreis dar, zusammen mit Sandelholz, Blumen und ungebrochenem Reis.

3.476 Man entfernt die Speisegabe und reinigt die Stelle. Danach verehrt man erneut mit den fünf Gaben und zeigt

3.477 Spiegel, Fächer, Schirm, Yakschweifwedel und Mundduft. Gesammelt rezitiert der Mantrapraktizierende den Wurzelmantra tausendmal.

3.478 Diese Rezitation bringt er der Gottheit zur Förderung des Gedeihens dar. An der zuvor im Nordosten angelegten Streuung

3.479 stellt er ein mit Wasser gefülltes, mit Gold und Stoff versehenes Gießgefäß auf. Darin verehrt er die schreckliche Waffengottheit,

3.480 die [in der unklaren Anfangswendung] ein Schild trägt und auf einem Löwen sitzt. Er verehrt sie stehend, nimmt das Gefäß auf und umschreitet [den Ort] nach rechts.

3.481 Dabei spricht er: „Beschütze dies, Herrin der Welt!“ Mit unter Pranava freigegebenem Wasser führt er die Gottheit hindurch. Die konkrete Handlung des letzten Halbverses bleibt unsicher.

3.482 Das Gefäß stellt er an seinen Platz zurück und verehrt es mit der phaṭ-Formel. Der gute Lehrer setzt sich erneut und verehrt es mit Duftstoffen und den weiteren Gaben.

3.483 Dann weiht er das Feuer sorgfältig und bereitet Charu, gekochte Opferspeise, mit Kuhmilch zu, in einem von der Gottheit bevorzugten und mit der Pfeilformel gereinigten Gefäß.

3.484 Den aus Shali gewonnenen Reis bespricht er mit dem Wurzelmantra. Er gibt ihn im Maß von fünfzehn Handvoll unter der Pfeilformel zum Kochen hinein. Der Satzbau der Mengen- und Mantraangabe ist unregelmäßig.

3.485 Mit einem gereinigten Gefäß bedeckt er die Öffnung. Mit huṃ und dann mit dem Wurzelmantra

3.486 kocht der nach Osten gewandte Guru die Speise. Ist sie gar, übergießt er sie unter dem Wurzelmantra mit geklärter Butter aus dem Opferlöffel und nimmt sie vom Feuer.

3.487 Unter huṃ stellt er sie auf mit der Waffenformel geweihtes Kusha-Gras und teilt sie in drei: Ein Teil ist für die Gottheit, ein weiterer für das Feuer.

3.488 Den Rest isst der mantrakundige Guru gemeinsam mit dem Schüler. Das vorgeschriebene, eine Spanne lange und mit der Herzformel besprochene Zahnreinigungsholz

3.489 gibt er dem Schüler. Dieser reinigt die Zähne, spült das Holz ab und wirft es fort.

3.490 Nach vorschriftsmäßiger Mundreinigung verbindet der Mantra-Kenner [den Mantra beziehungsweise die Schutzbindung] mit dem Haarschopf des Schülers und seinem eigenen. Nachts schläft er mit dem Schüler auf dem Kusha-Lager am Altar. Dies heißt die vorbereitende Weihenacht. Die Bindung am Haarschopf ist sprachlich verkürzt beschrieben.

3.491 In der Morgendämmerung stehen sie auf, baden und vollziehen die Dämmerungsriten. Guru, Schüler und Opferpriester begeben sich zum Opferhaus.

3.492 Alle opfern in ihren jeweiligen Feuergruben Sesam mit geklärter Butter, eintausendachtmal mit dem zu vollendenden Mantra.

3.493 Oder sie bringen hundertacht Gaben aus den in der Vorschrift genannten Stoffen dar. Der beste Mantra-Kenner lässt den gebadeten Schüler die fünf Kuhprodukte trinken.

3.494 Er führt ihn zur Grube, betrachtet ihn mit göttlichem Blick und vereinigt das Bewusstsein im Herzlotus des Schülers mit sich selbst.

3.495 Darin reinigt der Lehrer der Reihe nach die sechs Wege: Kalas, Prinzipien, Welten, Laute, Wörter und Mantras.

3.496 An den Füßen des Schülers betrachtet der Guru diese Kräfte: Nivritti, Pratishtha, Vidya und Shanti,

3.497 als fünfte Shantyatita. Nun wird ihre Reinigung erklärt. Der Guru berührt den Schüler mit dem Kurcha-Büschel und opfert in seiner eigenen Grube.

3.498 Mit in geklärte Butter getauchtem Sesam bringt er acht Gaben dar und spricht den mit Pranava beginnenden, mit der doppelten ṭha-Formel endenden Mantra: „Den betreffenden Weg dieses [Schülers] reinige ich.“

3.499 Er betrachtet, wie der Weg der Kalas in den Weg der Prinzipien eingeht. Den Weg der Prinzipien stellt er sich dann im Bereich des Geschlechtsorgans des Schülers vor.

3.500 Bei Ganesha- und Shiva-Riten sind es sechsunddreißig: Shiva, Shakti, Sadashiva, Maheshvara

3.501 und Vidya bilden die fünf reinen Prinzipien. Die sieben rein-unreinen sind Maya, Vidya, Kala, Raga, Zeit, Niyati

3.502 und Purusha. Dann [folgen die als „rein“ überlieferten, im Zusammenhang unreinen] Prinzipien: Prakriti, Buddhi, Ahamkara, Manas, zehn Sinnes- und Handlungsvermögen, die feinen Elemente und die fünf groben Elemente. Die Vorlage hat hier „śuddhāni“, obwohl die übliche Gruppierung „unrein“ erwarten lässt.

3.503 Die Vishnu-Prinzipien werden als zweiundzwanzig bezeichnet: individuelles Leben, Prana, Manas, Buddhi, die feinen Elemente und die fünf groben Elemente,

3.504 die zehn Sinnes- und Handlungsvermögen, der Herzlotus, Sonne, Mond und Feuer sowie Vasudeva, Sankarshana, Pradyumna und Aniruddha. Die ausgeschriebene Liste überschreitet die angekündigte Zahl; sie wird vollständig wiedergegeben.

3.505 Die Sonnen-Prinzipien sind grobe und feine Elemente, Manas, Erkenntnissinne, Prakriti und Buddhi und werden als vierundzwanzig bezeichnet. Auch hier lässt sich die angekündigte Gesamtzahl aus den ausdrücklich genannten Gruppen nicht ohne Ergänzung herstellen.

3.506 Die zehn Shakti-Prinzipien lauten: Atman, Vidya, Shiva; Shiva, Vidya, Atman; nochmals Atman, Vidya, Shiva

3.507 und „alle Prinzipien“. Wie zuvor vollzieht man die Opfergaben [auf den Körper bezogen]. Den Weg der Prinzipien betrachtet man als im Weg der Welten aufgegangen.

3.508 Im Nabel des Schülers betrachtet man die vierzehn Welten, der Reihe nach Patala, Rasatala, Mahatala,

3.509 Talatala, Sutala, Vitala, Atala, Bhuh, Bhuvah, Svah, Mahah, Janah, Tapah und Satya. Die Opferfolge ist wie zuvor.

3.510 Den Weg der Welten betrachtet man als im Weg der Laute aufgegangen. Im Herzen vergegenwärtigt man die Buchstaben von a bis kṣa.

3.511 Den Weg der Laute betrachtet man als im Weg der Wörter aufgegangen. Die Opferfolge ist wie zuvor. An der Stirn vergegenwärtigt man dann

3.512 den Weg der Wörter in Gestalt der Wörter und Laute des Wurzelmantras. Die entsprechenden Opferhandlungen werden wie zuvor vollzogen. Eine Wortfügung der zweiten Vershälfte ist beschädigt.

3.513 Den Weg der Wörter betrachtet man als im Weg des Mantras aufgegangen. Der vollständige Mantra ist dieser Mantra-Weg; er wird am Scheitel des Schülers vergegenwärtigt.

3.514 Die Opferfolge ist wie zuvor. Dieser Weg geht in den höchsten Shiva ein, der im Brahmarandhra betrachtet wird. Dies ist die Reinigung der sechs Wege.

3.515 Dann lässt der gute Guru die aufgelösten Wege in der Schöpfungsfolge aus Shiva wieder entstehen. Er betrachtet den Schüler mit göttlichem Blick

3.516 und fügt ihm sein zuvor im Guru befindliches Bewusstsein wieder ein. Danach opfert der hervorragende Lehrer mit den großen Vyahritis.

3.517 Entsprechend der Entfaltung der Glieder und ihrer Funktionen opfert er erneut geklärte Butter. Zur Durchtrennung sämtlicher Karma-Bindungen verwendet der Verständige den Brahmarpana-Mantra.

3.518 Der Mantra-Kenner bringt acht Opfergaben allein aus geklärter Butter dar, vollzieht die vollständige Opfergabe und preist danach mit dem Wurzelmantra.

3.519 Er bittet das Feuer und bringt mit dessen Gliedmantra eine Gabe dar. Er füllt den Opferlöffel mit geklärter Butter, legt eine Blume mit der Vorderseite nach unten darauf, setzt einen zweiten Löffel darüber und lässt dort die Blume fallen.

3.520 Mit beiden Händen, muschelförmig zusammengelegt, vollzieht man die volle Gabe mit Fleisch, Masha-Bohnen und dem als Tirtha bezeichneten rituellen Trank.

3.521 Dazu dient der auf svāhā endende Wurzelmantra; ein vedischer Anhänger verwendet Früchte [und das entsprechende andere Verfahren]. Auf dem rechten Weg tritt man mit dem rechten Fuß voran zur vollständigen Opfergabe.

3.522 Ein Anhänger des linken Weges tritt beim Shakti-Opfer mit dem linken Fuß voran. Dann verehrt der Mantra-Kenner erneut mit Duftstoffen und dem Wurzelmantra.

3.523 Der Lehrer entlässt die Gottheit aus der Feuergrube und setzt sie in den Krug ein. Dort verehrt er sie vorschriftsgemäß mit ihren Gliedern und Umkreisgottheiten.

3.524 Er vereinigt die sieben Vyahritis, Feuerzungen, Glieder und Gestalten, besprengt das Feuer mit Milch und betet:

3.525 „O Feuer, du große Kraft, Geber aller Wünsche! Sei auch bei einer weiteren Handlung wieder wohlwollend gegenwärtig.“

3.526 Nach dieser Bitte entlässt er das Feuer. Dann entlässt er Brahma und gibt einem Brahmanen

3.527 ein aus zweiunddreißig Pala Kupfer gefertigtes Gefäß, gefüllt mit Reis und versehen mit Gold und einer Ehrengabe.

3.528 Er übergibt es zur Zufriedenheit des Brahmanen; dies heißt das volle Gefäß. Danach gibt man die umliegenden Grasstreuungen ins Feuer, nicht jedoch die Einfassungshölzer.

3.529 Bei täglichen und anlassbezogenen Riten wirft der gute Lehrer auch diese hinein. Mit einem Tuch und dem Augenmantra werden dem Schüler die Augen verbunden.

3.530 Man nimmt seine Hand an der Feuergrube und führt ihn zum Mandala. Seine zusammengelegten Hände werden mit Blumen gefüllt; er lässt sie [vor der Gottheit] fallen,

3.531 während der Guru zur Freude der Gottheit den Wurzelmantra spricht. Dann nimmt er die Augenbinde ab und setzt den Schüler auf ein Kusha-Lager.

3.532 Der gute Guru lässt den Schüler den folgenden Mantra sprechen. Von Guru-Hingabe erfüllt rezitiert der Schüler diesen Vers:

3.533 „Ihm, der mir, dem durch das Dunkel des Nichtwissens Erblindeten, mit dem Stäbchen der Erkenntnissalbe die Augen geöffnet hat – diesem ehrwürdigen Guru sei Verehrung!“

3.534 Am Ende vollzieht er das Verehrungsverfahren und bringt [den Schüler rituell] neu hervor. Der Schüler legt die Nyasas des gegebenen Mantras auf seinen Körper. Die erste Vershälfte ist in der Vorlage beschädigt.

3.535 Mit den fünf Gaben verehrt er seine erwählte Gottheit im Krug und führt nach der tantrischen Vorschrift die vollständige Gliederung aus.

3.536 Der geschmückte Schüler wird in das Mandala gesetzt. Der Guru hält den an der Krugöffnung befindlichen Götterbaum über seinen Kopf.

3.537 Unter den fünf Festklängen und den Segensworten der Brahmanen besprengt er den ruhig sitzenden, gesammelten Schüler mit den Blumen des Kruges.

3.538 Auf dieselbe Weise, wie die Gottheiten in die Krüge eingesetzt wurden, [erfolgt die Weihe] mit deren nektarhaftem und mit den Lauten verbundenem Wasser.

3.539 Dann begießt er den Schüler rasch zur Erlangung des Gedeihens. Er nimmt das zuvor verehrte, mantragestaltige Gießgefäß

3.540 und begießt den guten Schüler mit dessen Wasser. Mit dem verbleibenden Wasser lässt der Guru ihn die rituelle Mundreinigung vollziehen.

3.541 Er macht ihn vollständig zur Gestalt der betreffenden Gottheit. Auf Geheiß des Gurus legt der Schüler zwei reine, schöne Gewänder an.

3.542 Nach der Mundreinigung nähert er sich [der Gottheit beziehungsweise dem Guru]. Der Kundige spricht den Mantra genau in sein rechtes Ohr; bei einem Brahmanen mit vorangestelltem oṃ.

3.543 Bei anderen spricht der Verständige den Mantra entsprechend. Der Guru betrachtet, wie die lichtgestaltige heilige Formel aus ihm hervorgeht.

3.544 Der Schüler betrachtet sie als in ihn eingegangen, besonders mit dem Bewusstsein: „Ich bin die Gottheit.“ Er rezitiert den vom Guru mitgeteilten Mantra hundertachtmal,

3.545 oder achtundzwanzigmal oder achtmal. Der Schüler vergegenwärtigt die Einheit von Guru, Gottheit, Selbst und Mantra.

3.546 Hingebungsvoll verneigt sich der Übende wiederholt vor dem Guru. Bei Verehrungshandlungen sind die achtgliedrige und die fünfgliedrige Verneigung vorgesehen.

3.547 Die Verneigung mit beiden Händen, beiden Knien, Brust, Kopf, Blick und Geist heißt achtgliedrig.

3.548 Hände, Knie, Kopf, Wort und Blick bilden die fünfgliedrige. Der Schüler soll die Weisung des Lehrers stets nach entsprechender Überlegung ausführen.

3.549 Er übergibt den Opferpriestern ehrfürchtig Schmuck und Gewänder, in der Haltung einer Darbringung an Gott und erfreut durch den Segen der Brahmanen.

3.550 Dem Guru soll der Schüler die Hälfte seines Vermögens, die Hälfte davon oder ein Zehntel geben, ohne seinen Besitz arglistig zu verbergen.

3.551 Kühe, Land, Gold, Wald, Haus, Feld sowie Speise und Kleidung soll er entsprechend seinen Mitteln und ohne Bedrängnis darbringen.

3.552 Auch auf andere Weise soll er sich bemühen, den Guru zufriedenzustellen, den Geist beständig auf ihn richten und seiner gedenken.

3.553 Der hervorragende Übende trägt den Staub seiner Lotusfüße als Schmuck. Dann speist er die Brahmanen mit vielerlei festen, zu leckenden und zu saugenden Speisen

3.554 und gibt reichliche Ehrengaben. So ist die aus Ritualhandlungen bestehende, Wohlstand verleihende Einweihung beschrieben.

3.555 Diese Einweihungsfolge wird für Könige, wohlhabende Vaishyas und erwerbstätige Brahmanen gelehrt, die Vollendung zusammen mit weltlicher Erfüllung wünschen.

3.556 Höre nun die aus Lauten bestehende Einweihung, die Erkenntnis verleiht. Das den Lauten als ihre Grundnatur und ihr Selbst zugeordnete Prinzip

3.557 ist nach den Lehrern auch im Körper vorhanden. Deshalb setzt der gute Lehrer die Laute auf den Körper des Schülers.

3.558 Dann nimmt er die an ihren jeweiligen Orten befindlichen Laute in umgekehrter Reihenfolge zurück. Durch seine eigene Befähigung lässt er den Schüler das Wesen der Gottheit erlangen.

3.559 Weil die Prinzipien in ihr aufgegangen sind, wird der Schüler von göttlichem Wesen. Nun erkläre ich die Kala-Einweihung, welche die acht Siddhis, beginnend mit Kleinheit, verleihen soll.

3.560 Im vedischen Bereich ist die Einweihung mit fünf Kalas vorgesehen, auf dem rechten Weg mit achtunddreißig, auf dem linken mit einundfünfzig. Sie wird von einem Guru empfangen, dessen Mantra vollendet ist.

3.561 So empfangen führt sie rasch zur Vollendung; die verkehrte Form zum Gegenteil. Als fünf Elementkräfte werden die mit Nivritti beginnenden Kalas genannt.

3.562 Der Verständige durchdringt mit ihnen der Reihe nach den aus Elementen bestehenden Körper des Schülers. Nivritti liegt von den Füßen bis zu den Knien.

3.563 Von den Knien bis zum Nabel liegt Pratishtha, vom Nabel bis zur Kehle Vidya.

3.564 Von der Kehle bis zur Stirn liegt Shanti; von der Stirn bis zum Scheitel Shantyatita.

3.565 In der Auflösungsfolge durchdringt der Kundige einen Ort nach dem anderen und [setzt die Kräfte] nach eigener Weisung wieder an ihren Platz. Dies heißt Einweihung mit fünf Kalas.

3.566b Hört, ihr Gottheiten, das Verfahren der Einweihung mit achtunddreißig Kalas. Wo der Reihe nach die zwölf mit ka beginnenden Laute stehen,

3.567 und wo die mit bha beginnenden in umgekehrter Folge liegen, betrachtet man an diesen beiden Orten die zwölf Sonnenkräfte beziehungsweise die sechzehn Mondkräfte. Zweites Vorkommen der Originalnummer 566 im vorherigen Vers; die Nummernfolge läuft hier regulär weiter.

3.568 Am Ort der mit ya beginnenden Laute betrachtet man die zehn Feuerkräfte. Dann werden Laute und Kalas aus den Buchstabenorten zurückgenommen.

3.569 Anschließend lässt man den Schüler neu entstehen. Dies ist das Verfahren der Kala-Einweihung. Auf dem Kaula- und linken Weg ist die nichtvedische Einweihung fruchtbar.

3.570 Die anderen Formen gehören zum rechten Weg; andernfalls kommt es zum Fall. Nun erkläre ich die als „veda“ bezeichnete Einweihung, deren Empfang dem Menschen Glück bringt. Der Zusammenhang beschreibt Durchdringung; die Lesung kann auf Vedha-Einweihung zielen, wird aber nicht stillschweigend vereinheitlicht.

3.571 Schon im selben Augenblick wird er in der Welt zu Lebzeiten befreit. Im Muladhara des Schülers betrachtet man einen vierblättrigen Lotus.

3.572 In dessen Mitte liegt ein Dreieck, darin Kundalini: die Göttin in dreifacher Windung, von der Gestalt eines Blitzbündels.

3.573 Sie ist unmittelbar Mahadeva, reine Erkenntnisgestalt, feiner als das Feinste und die sechs Chakras durchdringend.

3.574 Die göttliche Kraft zieht durch die Sushumna zu Shivas Wohnstätte. Die auf den Blättern stehenden, bei va beginnenden und bei sa endenden Laute werden am Lotusort zurückgenommen.

3.575 Der Guru vereinigt [die Kraft] mit dem sechsblättrigen Lotus des Svadhishthana, dessen Blätter die bei ba beginnenden und bei la endenden Laute tragen, und lässt sie diesen durchdringen. Der längere Klammerzusatz der Sanskritausgabe erläutert die Chakra-Buchstaben als Kommentar; er ist kein zusätzlicher Meru-Tantra-Vers.

3.576 Er führt die dortigen Laute in den Bindu, diesen in den zehnblättrigen Nabel-Lotus mit den bei ḍa beginnenden und bei pha endenden Lauten und durchdringt ihn.

3.577 Die Laute vereinigt er mit Rudra, Rudra mit dem Herzlotus, dessen Blätter die bei ka beginnenden und bei ṭha endenden Laute tragen, und durchdringt [diesen Bereich] in Ishvara.

3.578 Die Laute nimmt er in diesen auf und führt ihn in den Kehllotus. Im sechzehnblättrigen Lotus vereinigt er sorgfältig die Vokale

3.579 mit Sadashiva. Diesen führt der Lehrer in den zweiblättrigen Lotus zwischen den Brauen, der la und kṣa trägt, und durchdringt ihn. Die auffällige Lesung la statt des häufig gelehrten ha wird bewahrt.

3.580 So führt er sich selbst zusammen mit der Shakti bis zum höchsten Shiva. Der der Weisung des Lehrers folgende Schüler, dessen Nichtwissen verbrannt ist,

3.581 bemüht sich auf Erden, nachdem er unmittelbares Verstehen erlangt hat, und wird allwissend. Er wird selbst Sadashiva – dies ist wahr, ohne Zweifel.

3.582 Diese heilvolle, erkenntnisverleihende Einweihung wird als „veda“-gestaltig bezeichnet. [Für die folgende Form] meditiert der Guru über seinen eigenen Guru in Shiva-Gestalt in seiner Hand.

3.583 Er rezitiert die Wurzelformel, die sechs Glieder und den Matrika-Mantra. Voll Mitgefühl legt er seine rechte Hand auf den Kopf des Schülers

3.584 und unterweist ihn danach. Dies heißt Berührungseinweihung und verleiht große Vollendung. [Für die nächste Form] richtet der Guru den Geist auf Sadashiva als reines Bewusstsein.

3.585 Er betrachtet alle Mantras als aus ihm hervorgegangen und wird selbst von dessen Wesen: „Durch die Gnade des Gurus bin ich allein Sadashiva geworden.“

3.586 In dieser Meditation unterweist er; dies heißt Worteinweihung. [Für die nächste Form] schließt er die Augen und meditiert über die Gottheit im höchsten Selbst.

3.587 Mit Augen, die von der Freude dieser Schau erfüllt sind, blickt der heiteren Sinnes gestimmte Guru den Schüler an und unterweist ihn anschließend.

3.588 Diese Blickeinweihung eines im Mantra Vollendeten ist fruchtbar und führt zur Vollendung. Wenn allein durch den Blick, das Wort oder die Berührung des Gurus

3.589 unmittelbar Erkenntnis entsteht, heißt dies Shambhavi-Einweihung. Um weltliche Erfüllung und Befreiung zu ermöglichen, soll der Guru den Schüler vorschriftsgemäß prüfen

3.590 und ihm erst dann den Mantra mitteilen; andernfalls bleibt er fruchtlos. Wer entgegen der Ordnung gibt und wer entgegen der Ordnung empfängt,

3.591 zieht als Gebender wie als Empfangender den Fluch des Kula auf sich. Wenn Guru und Schüler sich aus Verblendung nicht gegenseitig prüfen,

3.592 sondern Unterweisung geben und empfangen, erlangen beide den Zustand eines Pishacha. Wer eine schriftwidrige Unterweisung empfängt und wer sie erteilt,

3.593 muss nach dieser Darstellung einundzwanzig furchtbare Höllen erleiden. Wer törichterweise Unterweisung ohne vorherige Weihe erteilt,

3.594 dessen Mantras vergehen wie Reissaat im Sand. In einem Ungeeigneten bleibt Mantra-Erkenntnis niemals bestehen.

3.595 Deshalb muss der Unterweisung eine Prüfung vorausgehen; andernfalls bleibt sie fruchtlos. Einem guten, sehr hingebungsvollen Schüler wird unmittelbares Verstehen mitgeteilt.

3.596 Er erlangt es, sage ich dir, wie geklärte Butter schließlich aus Kuhmilch gewonnen wird. Wer aus Geldverlangen, Furcht, Habgier oder ähnlichen Motiven einen Ungeeigneten einweiht,

3.597 zieht den Fluch der Gottheit auf sich, und das Vollzogene wird entstellt. Nachdem der Guru auf diese Weise Einweihung gegeben hat, vollzieht er die vollständige Weihebegießung.

3.598 Ohne diese Begießung erlangt der Übende weder vollständiges Erwachen noch Lehrerschaft noch den erstrebten guten Weg. Die Lesung „vinayenābhiṣekeṇa“ ist auffällig; die Übersetzung folgt dem Zusammenhang als „ohne diese Begießung“.

3.599 Deshalb unterweist und begießt der Guru den geliebten Schüler. In einem sehr schönen Pavillon legt er große Ritualdiagramme an.

3.600 In die Mitte des Diagramms stellt er einen mit salzhaltigem Wasser gefüllten Krug; in die anderen [Bereiche] weitere Krüge, versehen mit Stoff und Gold.

3.601 Auf die Blätter werden verschiedene [Gefäße] gestellt. In der Mitte verehrt man die erwählte Gottheit, an den äußeren Stellen ihre Glieder- und Umkreisgottheiten.

3.602 Der Lehrer berührt den mittleren Krug und rezitiert die vier Veden mit ihren Gliedern. Dann begießt er mit diesem Wasser

3.603 den Schüler: Dies ist die vollständige Weihebegießung. Weil aus den Gottheiten alle Tantras und aus den Tantras die Seher

3.604 hervorgegangen sind, wird der Schüler zum gemeinsamen Gefäß aller Tantras. Er trägt den Namen Acharya; der Guru gibt ihm einen neuen Namen.

3.605 Wer von einem solchen Lehrer die Einweihung empfängt, hat Anteil an Vollendung. Er wird in den hauptsächlichen Mantraverfahren befähigt.

3.606 Alle Gottheiten sind ihm zugewandt oder unterstellt. Im Veda ist der Weg sattvisch; genau dieses Verfahren bildet den als rechts bezeichneten Weg.

3.607 Als Besonderheit soll der Verständige Wasser heiliger Stätten herbeibringen: von Ganga, Yamuna, Sarasvati und dem großen Meer,

3.608 von Sindhu, Godavari, Reva, Kaveri, Prithudaka, Mahendraja, Sarayu, Charmanvati und Pushkara,

3.609 von Mahanadi, Vedika, Kshipra, Vetravati, Kurukshetra, Gandaki, Purna und Manasa.

3.610 Man gibt es in den Krug und rezitiert auch Mantras aus verschiedenen Tantras. Mit diesem Wasser begossen wird der Mensch nach der Lehre vollendet.

3.611 Dies dient der Anwendung und der Weitergabe an andere. Auf dem linken Weg steht in der Mitte ein Krug mit dem als Tirtha bezeichneten rituellen Trank; die übrigen sind Wasserkrüge.

3.612 Welche Gottheiten der Guru in den günstigen Krug gerufen hat, sie alle sollen gegenwärtig sein und als Mantras an seiner Öffnung erscheinen.

3.613 Ein selbst Vollendeter soll vor niemandem den Kopf neigen. Um wessentwillen er den Kopf neigt, dem wird hier zweifellos Tod angekündigt. Dies ist eine werkinterne Behauptung über rituelle Macht, keine allgemeine Empfehlung für das Verhalten von Lehrern.

3.614 Wenn auf dem linken Weg der Guru eines Menschen auf diese Weise vollendet ist und der Schüler ohne Ichdünkel stets der Gottheit hingegeben bleibt,

3.615 wenn sein Geist auf die Gottheit und nicht auf den Genuss der drei [Ritualstoffe] gerichtet ist, dann allein gilt er auf dem linken Weg als vollendet; ein anderer als für die Hölle bestimmt.

3.616 Er wird in dieser und der anderen Welt arm, leidend und unwissend. Man soll das Verfahren der handlungsbezogenen Einweihung nach Kräften und entsprechend der Weisung des Gurus vollziehen.

3.617 Damit ist diese Grundwahrheit erklärt. Was möchtet ihr noch hören?

Kolophon: So endet im Meru Tantra, das von Shiva verkündet und von Mahamaya und Mahakala gebilligt ist, Prakāśa 3 über Dīkṣā – Einweihung.


Prakāśa 4 – Homa – Feueropfer

Feueropfer, Mantra und Gottheit

4.1 Die Seher baten die Göttin mit einem Zeichen, weil sie mehr hören wollten. Um ihren Wunsch zu erfüllen, richtete sie ihre Frage an den Gott.

4.2 Die Göttin sprach: Diese Seher, Shiva, die sich vedischen und Smarta-Riten widmen, möchten fragen. Beseitige ihre Zweifel; außer dir ist niemand dazu imstande.

4.3 Ishvara sprach: Die Seher und auch die Götter mögen aussprechen, was sie im Sinn haben, bis die Zeit zur Tötung Jalandharas gekommen ist.

4.4 Die Seher sprachen: Wo ist das Feuer, wo sind die Götter? Wie werden die Götter im Feuer verehrt, und wie empfangen sie die Opfergaben? Weshalb gibt es unterschiedliche Formen? Erkläre es uns.

4.5 Ishvara sprach: Nicht im Himmel, nicht an heiligen Badeplätzen, nicht in Pflanzen und nicht in den Sternen befinden sich die Gottheiten, ihr Seher: Die Mantras selbst sind die Gottheiten.

4.6 Um den Übenden die Frucht ihrer Praxis zu geben, haben die Götter die jeweiligen Gestalten angenommen. Ihre eigentliche Wesensgestalt aber sind allein die Mantras, nichts anderes.

4.7 Rituell geläuterte, sattvische Mantras schenken Wohlergehen hier und jenseits. Auch in einer weiteren Geburt bestehen sie zweifellos in Gestalt eines Samens fort.

Die Vorbereitung des Opferfeuers

4.8 Unter ihnen werden die vedischen Mantras als Gold bezeichnet. Durch ihren Dienst gerät ein Mensch nicht auf einen schlechten Weg.

4.9 Wer die Zweimalgeborenheit erlangt hat und dennoch tantrische Mantras verwendet, gleicht einem Menschen, der töricht Gold wegwirft und wie ein gewöhnlicher Händler mit Silber umgeht. Die Schlusslesung ist verkürzt; der Gold-Silber-Vergleich wird im folgenden Vers fortgesetzt.

4.10 Auch die tantrischen Mantras sind ihrer rettenden Kraft wegen silberartig. Sie bringen hier und jenseits Frucht, sind aber für eine andere Geburt kein bleibend guter Same.

4.11 Diejenigen mit etwas Rajas und Sattva werden nach dem Ende leidvoller Erfahrung erneut fruchtbar, wie Banyan, Udumbara und Pippala.

4.12 Tamasische, gewöhnliche Mantras bringen große Früchte in dieser Welt, nicht im Jenseits – wie Weintrauben, Datteln, Jackfrucht und ähnliche Früchte [im Unterschied zu den langlebigen Bäumen].

4.13 Was mit diesen Mantras ins Feuer gegeben wird, verbrennt der Reiniger entsprechend. Der Planet nimmt dessen günstige Wirkung auf, wie eine Körperbahn den aus Nahrung entstandenen Saft.

4.14 Ist eine solche Bahn fehlerfrei, führt sie den Nahrungssaft leicht weiter. Ebenso übermittelt ein der Gottheit angemessener Planet die günstige Wirkung.

4.15 In den drei vom Sonnensternbild aus gezählten Sternbildern wächst die günstige Wirkung in der Sonnenbahn. Sie nährt die göttlichen Mantras und vernichtet die anderen wie [diejenigen] des linken Weges.

4.16 In den nächsten drei Sternbildern bringt die Bahn des Saturn geistige Entfaltung. In den drei folgenden nährt die Venusbahn auch die Anhänger des linken Weges.

4.17 In den nächsten drei bewirkt die Saturnbahn Zweifel am Mantra. In den darauf folgenden drei nährt die Mondbahn alle Mantras. Saturn ist in der Vorlage zweimal genannt; eine andere Planetenzuordnung wird nicht eingesetzt.

4.18 In den nächsten drei liegt die Marsbahn, welche die Früchte vernichtet; in den folgenden drei die Jupiterbahn, die rasche Mantra-Vollendung gewährt.

4.19 Danach folgen drei Sternbilder der Rahubahn, die für den wahrhaft Handelnden nicht [günstig ist; die Wortfügung ist beschädigt]. In den letzten drei bewirkt die Ketubahn die Gegenwart der Mantra-Gottheit im wirklich Seienden. Der genaue Sinn des letzten Ausdrucks bleibt unsicher.

4.20 Man addiert Mondtag und Wochentag und betrachtet den Rest nach Teilung durch drei. Entsprechend befindet sich das Feuer auf der Erde, im Himmel oder unter der Erde; das Tantra [unterscheidet ferner] das unmittelbar sichtbare Feuer. Die Zuordnung der Reste und Aufenthaltsorte ist textlich nicht eindeutig.

4.21 Im Himmel tötet es den Übenden, auf der Erde nimmt es Vermögen; das unmittelbar sichtbare Feuer gewährt auf der Erde als Allgestaltiges Frucht. Die Spannung zwischen den beiden Erdbezügen wird nicht stillschweigend geglättet.

4.22 Ein vedischer Anhänger setzt das Feuer nach seinem Ritualsystem ein. Ein Tantriker vollzieht achtzehn Weihen der Feuergrube.

4.23 Er betrachtet die Grube mit dem Wurzelmantra, besprengt sie mit dem Waffenmantra und schlägt sie mit Kusha-Gras, während er dreimal den Waffenmantra spricht.

4.24 Dann wird die Grube mit der Schutzpanzerformel benetzt. Unter dem Waffenmantra gräbt man eine Fingerbreite Erde aus.

4.25 Mit Daumen und Ringfinger hebt man diese Erde unter der Waffenformel heraus und füllt die Stelle mit reiner Erde unter der Herzformel wieder auf.

4.26 Mit der Waffenformel wird eingeebnet, mit der Schutzpanzerformel besprengt und mit Holz oder einem entsprechenden Gerät unter demselben Mantra festgestampft.

4.27 Mit Kusha-Gras und der Schutzpanzerformel fegt man die Grube aus; unter derselben Formel bestreicht man sie mit Kuhdungwasser.

4.28 Mit der Schutzpanzerformel betrachtet man darin die Feuer-, Sonnen- und Mondkräfte. Jeder Rand wird mit einem dreifachen Faden umwunden.

4.29 Dreimal vollzieht man mit der Schutzformel die Grubenverehrung: „Om, dem Sitz als dieser betreffenden Grube sei Verehrung.“

4.30 Mit den jeweils angepassten Worten „Dies ist die Ehrengabe“ und den weiteren Formeln führt man die gesamte Verehrung aus. Ebenso verehrt man Nabel und Ränder.

4.31 Mit dem Waffenmantra betrachtet man die Grube als vajra-fest. Zur Abwehr austretender Feuerflammen legt man mit der Herzformel und Kusha-Gras

4.32 vier Bahnen in den vier Richtungen der Grube an. Mit unversehrten Grashalmspitzen, die durch den Waffenmantra geweiht sind, bewirkt man an den Grubenwänden

4.33 die Abwehr der Blicke von Bhutas und Totengeistern sowie von Waffen und ähnlichen Einwirkungen. Dies sind die achtzehn Weihen. Das Verb der Abwehr ist in der Vorlage entstellt.

4.34 Durch dieses Verfahren wird die Grube geöffnet beziehungsweise erschlossen. Beim Feueropfer des linken Weges werden nur die ersten vier Weihen ausgeführt.

4.35 Mit der Herzformel zieht man je drei Linien nach Osten und Norden. Die Gottheiten der nach Osten gerichteten Linien sind Vishnu, Isha und Vasava.

4.36 Diejenigen der nach Norden gerichteten sind Brahma, Sonne und Mond. Man zeichnet mit einem Darbha-Stängel; auf dem linken Weg unter dem Waffenmantra.

4.37 In einem Dreieck beziehungsweise im Sechseck aus zwei Dreiecken verehrt man die sechs bei Vishnu, Isha und Vasava beginnenden Gottheiten.

4.38 Auf dem linken Weg wird die erwählte Göttin im Dreieck verehrt. Nach Besprengung mit dem Pranava verehrt man den Yoga-Sitz.

4.39 Ich erkläre sein Verfahren: Zuunterst betrachtet man das Mandala, darüber Kalagnirudra, mit seiner Shakti verbunden.

4.40 Darüber betrachtet man die Schildkröte, auf ihrem Rücken die Erde; darauf die Weiße Insel, vom Nektarmeer umgeben.

4.41 Dort betrachtet und verehrt man Mandara-, Parijata-, Santana- und Harichandana-Bäume sowie Wunschbäume.

4.42 In einem solchen Bereich stellt man sich ein schönes Haus aus Edelsteinen vor, in seiner Mitte einen goldenen Sitz und dessen Füße.

4.43 [Zunächst werden] die bei Dharma beginnenden menschlichen Ziele [genannt]. Dharma, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und Herrlichkeit werden als die Glieder des Sitzes bezeichnet.

4.44 In seiner Mitte betrachtet man einen Lotus mit einer aus Glückseligkeit bestehenden Wurzelknolle. Sein Stängel ist Bewusstsein, seine Staubfäden bestehen aus den Erscheinungswandlungen.

4.45 Seine Blätter sind Prakriti, sein Kern die fünfzig Laute. Darin liegen die drei Kreise der Sonne, des Mondes und des Feuers.

4.46 In den beim Osten beginnenden Richtungen befinden sich Sattva, Rajas und Tamas; dann Atman zusammen mit dem inneren Selbst und darüber das höchste Selbst.

4.47 Im Maya-Prinzip [liegt] das Erkenntnis-Selbst, im Kala-Prinzip gegründet; dann Vidya-Prinzip und höchstes Prinzip. Dies wird Yoga-Sitz genannt. Die grammatische Verbindung der Prinzipien ist verkürzt; eine zusätzliche kosmologische Stufe wird nicht ergänzt.

4.48 Auf den Staubfäden des Lotus verehrt man, vor sich beginnend im Rechtsumlauf und bis zur Mitte, Jaya und Vijaya,

4.49 Ajita, Apara, Jita, Nitya, Vilasini, Dogdhri, Aghora und Mangala. Die überlieferte Verbindung „cāparāñca jitām“ kann auch als ein Name gelesen werden; die Namensgliederung bleibt unsicher.

4.50 Man spricht: „Hrīṃ, Verehrung dem Lotussitz aller Kräfte.“ Nach einer Blumengabe mit gefalteten Händen verehrt man Bhuvaneshvari in der Feuergrube.

4.51 Man vollzieht die Verehrung von der Anrufung bis zur Erhebung zum Höchsten und betrachtet dort die Göttin Shiva als von Liebesverlangen erfüllt und in ihrer fruchtbaren Zeit.

4.52 So meditiert und verehrt man bei Ganesha-, Shiva- und Shakti-Riten. Bei Vishnu- und Sonnenriten betrachtet man Lakshmi in ihrer fruchtbaren Zeit.

4.53 Man betrachtet das Feuer als aus ihrer Vereinigung mit Narayana entstanden. Ein unverheiratetes Mädchen bringt Feuer aus dem Wald beziehungsweise Reibefeuer oder aus dem Haus eines Brahmanen.

4.54 Oder eine verheiratete Frau führt es nach ihrer Reinigung gesammelt mit der linken Hand herbei, in einem schönen Kupfergefäß oder ähnlichem, das mit einem weiteren Gefäß bedeckt ist.

4.55 Auch in einer neuen Schale kann das Feuer herbeigebracht werden. Mit der Waffenformel gibt man es in das Gefäß und schützt es mit der Schutzpanzerformel.

4.56 In einer alten Schale, in einer Scherbe, einem zerbrochenen Gefäß oder auf einem Brandstück darf das Feuer nicht herbeigebracht werden; dies gilt als Ursache von Krankheit, Verlust und Furcht.

4.57 Den fleischverzehrenden Anteil des Feuers sondert man mit der Waffenformel nach Südwesten ab. Den göttlichen Anteil setzt der Verständige mit dem Wurzelmantra vor sich hin.

4.58 Dann weiht man das Feuer durch Ansehen und die weiteren Saṃskāras und ruft die Lichtkraft in Gestalt einer Lampenflamme herbei.

4.59 Man erinnert die Einheit der erwählten Gottheit, des Feuers und des irdischen Feuers. Mit der Feuerkeimsilbe verbindet man es mit Bewusstsein.

4.60 Nach Besprechung mit oṃ verwandelt man es durch die Kuh-Mudra in Nektar, schützt es mit der Pfeilformel und verhüllt es mit der Schutzpanzerformel.

4.61 Nach der Verehrung führt man es dreimal im Rechtsumlauf um die Grube. Unter dem Pranava [setzt man es] dann vor sich in die eigene Grube.

4.62 Der Lehrer berührt den Boden, erkennt darin die Yoni der Göttin und gibt das Feuer als Samen Shivas hinein.

4.63 Nach der Vereinigung vollzieht man im Geist die Mundreinigung für Gott und Göttin. [Dann spricht man:] „Bewusstseinsgoldener, schlage, schlage; koche, koche; brenne, brenne,

4.64 lass alles erkennen; svāhā.“ Mit vorangestelltem Pranava gilt dies als vierundzwanzigsilbiger Mantra. Nach seinem Aussprechen entfacht man das Feuer.

4.65 „Ich verehre das entzündete Feuer, den Kenner aller Geburten, den Opferverzehrer, goldfarben, makellos, hell entfacht und nach allen Seiten gewandt.“

4.66 Mit diesem Mantra tritt man an das entzündete Feuer heran. Man soll es nur mit dem Mund anblasen, denn aus dem Mund ist es entstanden,

4.67 nicht mit Kusha-Gras, Palasha-Blättern oder irgendeinem unreinen Gegenstand. Dann setzt man mit den Mantras die Zungen des Feuers auf den Körper.

4.68 Der Reihe nach auf Stirn, Geschlechtsorgan, Schenkel, Scheitel, Mund, Nase, Augen und den gesamten Körper. Diese Zungen werden in drei Formen beschrieben.

4.69 Die sieben sattvischen Zungen heißen Hiranya, Kanaka, Rakta, Krishna, Suprabha, Bahurupa und Atirakta.

4.70 Sie werden mit den bei der Feuer[-Silbe] beginnenden, mit Bindu versehenen Lauten von ya bis sa verbunden. Danach setzt der Mantrapraktizierende der Reihe nach die Glieder des Feuers auf.

4.71 Sie heißen Sahasrarchis, Svastipurna, Uttishthapurusha, Dhumavyapin, Saptajihva und Dhanurdhara.

4.72 Im Rechtsumlauf setzt man die acht Gestalten des Feuers auf den Körper: auf Scheitel, Mund, Seite, Hüfte, Fuß, Hüfte, Seite und Schulter.

4.73 Ihre Formeln beginnen mit oṃ und dem Wort „dem Feuer“ und enden mit namaḥ. [Die Gestalten sind:] Jatavedas, Saptajihva, als dritte Havyavaha,

4.74 Ashvodaraja, Vaishvanara, Kaumaratejas, Vishvamukha und Devamukha. Dies sind die acht Gestalten.

4.75 Nachdem man sie im Rechtsumlauf vergegenwärtigt hat, reinigt man die Ränder mit Wasser und legt vier Gruppen von Darbha-Gras aus,

4.76 mit den Spitzen nach Osten und Norden; die früheren werden entfernt. Bei einer Grube mit einem Rand liegt das Gras unterhalb des Randes,

4.77 bei zwei Rändern auf dem zweiten, bei drei auf dem mittleren. Bei einem Sand-Erdaltar wird es außen auf dem Boden ausgelegt.

4.78 Zwischen sich und dem Rand lässt der Kundige Platz für die Einfassungshölzer. Auf dem mittleren Rand

4.79 ordnet man armlange, frische Hölzer einer einzigen Baumart an: Palasha, Kashmari, Bilva oder Vikankata.

4.80 Nach vorschriftsmäßiger Atemregelung und Ausbreitung weiteren Kusha-Grases ordnet man gemäß der eigenen häuslichen Ritualordnung, vom Nordwesten nach Osten,

4.81 die beiden Opferlöffel, das Pranita-Gefäß, die Besprengungsgefäße, das Buttergefäß, die Einfassungshölzer und die Kusha-Büschel an.

4.82 Die Gefäße liegen zunächst mit der Öffnung nach unten. Dazu stellt man Opferstoffe, Bali-Gaben, Duftstoffe, Blumen und ungebrochenen Reis bereit.

4.83 Nach Besprengung mit dem Reinigungsbüschel und Bereitung ihrer Plätze füllt man die beiden Besprengungsgefäße mit günstigem Wasser.

4.84 Man legt die Reinigungsgräser hinein, füllt vollständig auf und stellt das Gefäß im Norden hin; die Kundigen nennen es Pranita.

4.85 Etwas Wasser aus diesem Gefäß wird in das Besprengungsgefäß gegeben. Mit dessen Wasser und dem Wurzelmantra besprengt man sämtliche Opfergeräte.

4.86 Man beruft einen Shakti verehrenden Brahmanen, der in den Mantra der Gottheit eingeweiht ist, und setzt ihn südlich der Grube auf einen Kusha-Sitz.

4.87 „Ich, mit diesem Namen und aus dieser Abstammungslinie, erwähle dich, mit deinem Namen und deiner Abstammungslinie, als Brahman-Priester bei diesem Feueropfer als Bestandteil der Einweihung.“

4.88 Nach dieser Berufung ehrt man ihn mit Gewand und Schmuck. Ist kein Brahmane verfügbar, fertigt man einen stellvertretenden Knaben aus Kusha-Gras.

4.89 In der Mitte der Grube betrachtet man innerhalb eines Sechsecks [den Sitz] mit goldenem Lotuskern und verschiedenfarbigen Staubfäden, umgeben von vier Eingängen.

4.90 Er ist achtblättrig und von einem Quadrat umschlossen. Dies ist der Verehrungssitz des Feuers. Darin verehrt man, beginnend mit dem Mandala,

4.91 den erkenntnisgestaltigen Yoga-Sitz und auf den acht Blättern im Rechtsumlauf bis zur Mitte Pita, Shveta, Aruna,

4.92 Krishna, Dhumra, Tivra, Visphulingini, Ruchira und Jvalini. So wird der gesamte Sitz verehrt.

4.93 „Dem Lotussitz aller Kräfte – Verehrung“ lautet die als zwölfsilbig bezeichnete Formel. Sie ist der Feuermantra zur Verehrung des gesamten Sitzes.

4.94 Dann meditiert man über das Opferfeuer, dessen Arme mit Segensgeste, Svastika[-Zeichen], Speer und Furchtlosigkeitsgeste geschmückt sind.

4.95 Es ist zinnoberrot, sitzt auf einem Lotus, trägt goldenen Schmuck, hat drei Augen und eine Krone aus verfilztem Haar, ein gelbes Gewand und eine rote Girlande.

4.96 Nach solcher Betrachtung verehrt man es mit den Gaben und diesem Mantra: „Vaishvanara, Jatavedas, bringe hierher, Rotäugiger,

4.97 vollbringe alle Handlungen; svāhā.“ Mit oṃ am Anfang gilt dieser Mantra der Feuerverehrung als siebenundzwanzigsilbig. Der lange Nyasa-Zusatz in eckigen Klammern der Vorlage zu 4.96 gehört zur Ṭippanī.

4.98 Danach meditiert und verehrt man die Feuerzungen im Sechseck. Alle leuchten wie Flammen und zeigen mit ihren Händen Segen und Furchtlosigkeit.

4.99 Im Nordosten steht die goldglänzende Hiranya für friedvolle und stärkende Riten; im Osten die katzenaugensteinfarbene Kanaka für Stillstellung.

4.100 Im Südosten steht Rakta, der aufgehenden Sonne gleich, für Zwietracht; im Südwesten Krishna, wie eine Masse schwarzer Augensalbe, für Tötungsriten.

4.101 Im Westen steht Suprabha, rubinrot und Reichtum gebend; im Nordwesten Atirakta, wie Jaya leuchtend, für Unterwerfung. Der Farbvergleich mit „Jaya“ ist nicht eindeutig.

4.102 Bahurupa steht in der Mitte des Sechsecks, mit sechs Farben versehen. Sie gilt als Bewirkerin vieler Vorhaben und auch als Vernichterin.

4.103 Erscheint die zur Handlung passende Zunge in ihrer Richtung als Flamme, so gilt dies als Gelingen; bei entgegengesetzter Erscheinung als Gegenteil.

4.104 Bei Vishnu-Riten heißen die Feuerzungen Prabha, Dipti, Prakasha, Marichi, Tapini, Karala und Leliha.

4.105 Sie stehen im Nordosten, Osten, Südosten, Südwesten, Westen, Nordwesten und in der Mitte. Alle zeigen Segen und Furchtlosigkeit.

4.106 Nach dieser Verehrung verehrt man vor der Gottheit und in den Richtungen die sechs Glieder, auf den Blättern die Umkreisgottheiten,

4.107 dann Indra und die weiteren Richtungshüter mit ihren Waffen und nochmals das gesamte Feuer. Danach hält man die Opferlöffel mit der Öffnung nach unten und erhitzt sie.

4.108 Mit den Spitzen des Kusha-Grases reinigt man ihre Spitzen, mit dessen Mitte ihre Mitte und mit dessen Wurzeln ihre Wurzeln. Nach dreifacher Reinigung erhitzt man sie erneut.

4.109 Man hält sie in der linken Hand, besprengt sie mit dem Besprengungswasser aus den Fingerspitzen der rechten Hand und erhitzt sie nochmals.

4.110 Das Kusha-Gras gibt man ins Feuer. Die beiden Löffel legt man rechts auf ein Kusha-Lager und beginnt die Weihe der geklärten Butter.

4.111 Man nimmt das Buttergefäß, besprengt es mit dem Mantra und füllt die durch Ansehen und die weiteren Weihen gereinigte Butter hinein.

4.112 Im Nordwesten legt man außen Glut aus und setzt das Gefäß mit der Herzformel darauf. Dies heißt Erwärmen. Dann gibt man zwei Kusha-Halme hinein.

4.113 Dies heißt Beleuchten. Nun das Aufleuchtenlassen: Man nimmt einen brennenden Kusha-Halm, zeigt ihn [der Butter] und gibt ihn unter der Herzformel

4.114 ins Feuer. Man nimmt die Butter von der Glut und gibt die Glut ins Feuer zurück. Nach Wasserberührung führt der Mantra-Kenner die Läuterung durch Hochziehen aus.

4.115 Mit dem Waffenmantra nimmt er zwei eine Spanne lange Kusha-Halme zwischen Daumen und Ringfinger und zieht sie durch die Butter.

4.116 Dann zieht er die Butter mit den beiden Halmen fest auf sich zu; dies heißt Zusammenläutern. So sind sechs Weihen genannt.

4.117 Geklärte Kuhbutter gilt als vorzüglich, Büffelbutter als mittel und Ziegenbutter als gering; Schafbutter und entsprechende andere Arten sind untersagt.

4.118 Im Laden gekaufte geklärte Butter gilt, wenn sie wohlschmeckend ist, wie Kuhbutter. Dann legt man zwei eine Spanne lange Kusha-Halme hinein,

4.119 knüpft einen Knoten und betrachtet ihre beiden Spitzen als lichte und dunkle Monatshälfte. Links vergegenwärtigt man Ida, rechts Pingala und in der Mitte

4.120 Sushumna. Danach beginnt das Feueropfer. Mit der Herzformel nimmt man im Löffel Butter von der rechten Seite auf.

4.121 Man opfert sie in das rechte Auge des Feuers mit „Dem Agni svāhā“. Entsprechend nimmt man Butter von links und opfert sie in sein linkes Auge

4.122 mit „Dem Soma svāhā“. Bei jeder Gabe lautet der Verzicht: „Nicht mein.“ Mit der Herzformel nimmt man Butter aus der Mitte und opfert sie in das mittlere Auge

4.123 als dritte Gabe mit „Agni und Soma svāhā“. Dann nimmt man nochmals mit der Herzformel Butter von der rechten Seite.

4.124 In den Mund des Feuers opfert man mit „Agni, dem Gutvollender des Opfers, svāhā“. Danach opfert man Butter mit den vom Pranava eingeleiteten Vyahritis.

4.125 Der gute Lehrer opfert dreimal mit dem Feuermantra. Die Weihen des Feuers, beginnend mit Empfängnis und bis zur Eheschließung,

4.126 sind bei günstigen Handlungen mit jeweils acht Buttergaben zu vollziehen. Zuerst spricht man den Pranava, dann den Namen der Handlung

4.127 und „Ich vollziehe [dies], svāhā“. So ist das Verfahren bei allen Handlungen: Empfängnisweihe, Pumsavana, Scheitelritus, Geburtsritus,

4.128 erstes Hinausführen, erste Nahrung, Haarscheren, Schüleraufnahme des Feuers und Mahanama-Gelübde,

4.129 großes Gelübde, Upanishad-Gelübde, Godana, Heimkehr und Eheschließung. Bei einem Shakti-Ritus wird die Vagbhava-Keimsilbe vorangestellt.

4.130 Dann verehrt und entlässt man die Eltern des Feuers, Gott und Göttin. Fünf Holzstäbe, an Wurzel und Spitze mit Butter bestrichen,

4.131 gibt man ins Feuer und opfert wie zuvor jeweils eine Gabe unter der entsprechenden Keimsilbe und dem jeweiligen Namen.

4.132 Danach opfert man für die Glieder des Feuers und seine acht Gestalten. Die ausführlich ausgeschriebenen Formeln in der Sanskritvorlage stehen hier als Kommentarzusatz.

4.133 Es folgen Indra und die weiteren Richtungshüter sowie ihre Waffen. Dann [opfert man] mit dem zuvor genannten Feuermantra, der auf vauṣaṭ endet.

4.134 Mit zehn, jeweils die vorangehenden Bestandteile einschließenden Erweiterungen, beginnend beim Pranava, bringt man zuerst zehn Gaben mit dem Ganesha-Mantra dar.

4.135 Dann opfert man viermal mit dem vollständigen Mantra. Der Guru verehrt sorgfältig den Sitz der Gottheit im Feuer

4.136 und darauf die erwählte Gottheit, die Feuergestalt angenommen hat. Mit Butter und dem Feuermantra bringt der Mantrapraktizierende fünfundzwanzig

4.137 Gaben in den Mund des Feuers dar. Dies heißt Vereinigung der Münder. Der das Selbst Kennende betrachtet die Einheit von Selbst, Feuer und Gottheit.

4.138 Mit dem Wurzelmantra opfert er elf Buttergaben. Dies nennen die hervorragenden Lehrer Verbindung der Bahnen.

4.139 Für die Glieder und alle Umkreisgottheiten bringt er je eine Gabe dar, vorschriftsgemäß in allen beim Osten beginnenden Richtungen und Gruben.

4.140 Der Guru verteilt das nach dem genannten Verfahren geweihte Feuer. Alle Opferpriester verehren die genannte Gottheit mit Sandelholz und den weiteren Gaben,

4.141 zusammen mit allen ihren Umkreisgottheiten, und opfern dann fünfundzwanzigmal mit dem Wurzelmantra ihre bevorzugte Speise, mit geklärter Butter vermischt.

4.142 Butter wird mit dem kleinen Opferlöffel, Holz mit der Hand, das Übrige mit dem großen Löffel oder der Hand dargebracht. Dabei verwendet man die göttliche oder die den Sehern zugeordnete Handstelle.

4.143 Wer nicht in die Flamme oder in ein mangelhaftes Feuer opfert, bekommt nach dieser Lehre Verdauungsschwäche, Krankheit und Armut.

4.144 Mit Duftstoffen, Blumen und Räucherwerk bringt man ehrfürchtig Bali-Gaben dar, gesondert für die Sternbilder, Wochentage und Tierkreiszeichen.

4.145 Nach dem Wort „den Gottheiten“ nennt man Tag und Nacht, dann die Wochentage und alle Wesen und spricht namaḥ.

4.146 So habe ich, ihr Götter, das tantrische Feueropferverfahren erklärt. Fragt weiter; auch das Verborgene werde ich euch Zufluchtsuchenden sagen.

Kolophon: So endet im Meru Tantra, das von Shiva verkündet und von Mahamaya und Mahakala gebilligt ist, Prakāśa 4 über Homa – Feueropfer.


Prakāśa 5 – Āhnika – tägliche Praxis

Der fünfte Prakāśa entfaltet die tägliche Verehrung von der morgendlichen Sammlung bis zur Rückkehr der göttlichen Gegenwart in das Herz. Er verbindet ausführliche Ritualordnungen mit vereinfachten Formen für Krankheit, Reise und fehlende Mittel. Körperbezogene Verfahren, Materialvorschriften, Wirkungsversprechen und soziale Ausschlüsse werden als historische Textaussagen übersetzt. Die Versnummern der Vorlage bleiben auch bei Fehlzählungen erhalten; Buchstabenzusätze unterscheiden wiederholte Nummern.

Tägliche Verehrung und persönliche Voraussetzungen

5.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Wie sollen Reiche, Menschen mit mittleren Mitteln, Arme, [„hāsin“, unklare Bezeichnung], Menschen in der Fremde und Gefangene

5.2 sowie körperlich Beeinträchtigte, von geburts- oder todesbedingter Unreinheit Betroffene und Anhänger des linken Weges ohne die erforderlichen Ritualgegenstände, o Schatz des Mitgefühls,

5.3 nach dem Geheimnis der sechs Überlieferungen ihre tägliche Praxis vollziehen? Erkläre auch die Tagesordnung derjenigen, die sich vor der Öffentlichkeit scheuen, o Herr.

5.4 Ishvara sprach: Was Mahakala lehrte und Mahamaya hörte, das geheimste Geheimnis, das in allen Tantras verborgen ist,

5.5 die geheime tägliche Praxis der Überlieferungen, erkläre ich nun. Hört alle, ihr Götter: Sie führt die Übenden zur Vollendung.

5.6 Die tägliche Praxis wird nach den drei Gunas dreifach beschrieben. Nach der Verschiedenheit der Berechtigten ist jede dieser Formen wiederum dreifach.

5.7 Sie ist rein, gemischt oder abgesunken und bringt entsprechende Früchte. Beim Unterlassen der abgesunkenen Form entsteht kein ritueller Fehler. Die Schlussfügung über ihre Fruchtbarkeit ist grammatisch unsicher.

5.8 Eine geistige Verehrung ohne Ichdünkel, auf Erkenntnis gegründet und von einem Entsagenden mit ruhigem Geist ausgeführt, gilt als rein.

5.9 Wird dieselbe von einem Haushälter, einem Mittellosen, Kranken, Reisenden oder Gefangenen

5.10 aus Hingabe vollzogen, so gilt sie als gemischt, weil für ihn [grundsätzlich] die Berechtigung zur äußeren Puja besteht. Erfolgt sie hingegen aus Furcht vor Kälte, wegen der Ausgaben oder anderer Beschäftigungen,

5.11 oder unter dem Einfluss von Frauen und anderen [so die schwierige Lesung], gilt die geistige Verehrung des Haushälters als abgesunken. Äußere Puja und ähnliche Handlungen, die in Abgeschiedenheit regelmäßig

5.12 und hingebungsvoll von einem Haushälter ausgeführt werden, gelten als reine rajasische Praxis. Wird für die Verehrung etwas erbeten, wobei Vertrauen und Hingabe vorhanden sind,

5.13 oder erfolgt sie aus Furcht vor Menschen oder Gottheit, ist sie mit Mühsal vermischt. Werden jedoch im Namen der Gottheit Mittel erbettelt, um Menschen zu täuschen,

5.14 und wird die Handlung diesem Zweck untergeordnet, ist dies abgesunkenes Rajas. Wer den linken Weg annimmt, den Kaula-Dharma prüft

5.15 und dabei andere religiöse Wege nicht hasst, übt reines Tamas. Wer Handlungen aus Verlangen nach diesseitigen oder jenseitigen Ergebnissen

5.16 auf dem linken Weg vollzieht, übt gemischtes Tamas. Trinken und Essen aus Zungengier, geschlechtliche Vereinigung aus Begierde

5.17 oder Handlungen zur Tötung und ähnlichen Zwecken bilden abgesunkenes Tamas. Reines Sattva führt zur Befreiung, gemischtes Sattva zum Himmel.

5.18 Abgesunkenes Sattva bringt eine diesseitige Vollendung und menschliche Geburt. Reines Rajas führt zum Himmel, gemischtes Rajas zur Erfüllung von Wünschen.

5.19 Abgesunkenes Rajas kann selbst in einer Tiergeburt Glück bringen. Durch sattvisches Tamas erlangt ein Mensch eine göttliche Geburt.

5.20 Durch gemischtes Tamas wird er leidend, durch das niedrigste Tamas zum Höllenbewohner. Fünf Arten der Handlung werden gelehrt, die fünf Arten der Befreiung vermitteln.

5.21 [Genannt werden] Annäherung, Beschaffung, Verehrung, Studium und Leuchten beziehungsweise Sammlung. Kehren, Bestreichen und Reinigen des Tempels

5.22 mit Hingabe und Aufrichtigkeit bilden die Annäherung und fördern Gesundheit. Das Zusammentragen aller Gegenstände der Verehrung, der Dienst an den Verehrern

5.23 und ihre erfreuliche Zuwendung heißen Beschaffung; sie verleihen die Gestalt der Gottheit. Nach der Verehrung des Sitzes und der vorbereitenden Glieder wird mit sechzehn oder den sonst vorgesehenen Gaben

5.24 die Puja an einem Bildnis oder Yantra vollzogen: Dies heißt Verehrung und erfüllt das Erwünschte. Das gründliche Studium der betreffenden Schrift und das Erschließen der Mantrabedeutung

5.25 zusammen mit Japa bilden das Studium und führen zur Vereinigung mit der Gottheit. Die klare Vergegenwärtigung der Einheit von Guru, Gottheit, Selbst und Kala

5.26 ist Vereinigung; sie vernichtet den feinen Leib und vollzieht die Verehrung der Zeit. Die fünfte Handlungsbezeichnung ist in 5.21 und 5.26 nicht einheitlich überliefert. In der letzten Nachtwache gedenkt man der erwählten Gottheit.

5.27 Man erhebt sich über die rechte Körperseite und setzt den linken Fuß auf die Erde. Dann geht man hinaus und verrichtet sorgfältig das Notwendige.

5.28 Man legt die Nachtkleidung ab, zieht zwei Gewänder an und vollzieht die Mundreinigung. Mit gereinigtem Körper begibt man sich in den Raum der Gottesverehrung.

5.29 Die verwelkten Opfergaben werden entfernt; man bringt eine Handvoll Blumen dar. Nach Darbringung [des Wassers] im Arghya-Gefäß reicht man der Gottheit das Zahnreinigungsmittel.

5.30 Nach der Gesichtswaschung gibt man Wasser zur Mundreinigung und ein reines, schönes Tuch zum Trocknen der Hände.

Erwachen und Erinnerung an den Guru

5.31 Dann betrachtet man am Scheitel einen tausendblättrigen Lotus. Darin erinnert man den eigenen ehrwürdigen Guru, hell wie Kampfer.

5.32 Er ist sehr freundlich, mit leuchtendem Schmuck und weißem Sandelholz versehen. Seine Hände zeigen Segen, Furchtlosigkeit und Erkenntnisgeste und tragen ein Buch.

5.33 Er ist weißgekleidet, friedvoll und mit weißen Blumen geschmückt. Auf seinem linken Schoß sitzt die rote Shakti und umarmt ihn.

5.34 Sie trägt rotes Gewand, roten Schmuck, rotes Sandelholz und eine rote Girlande; in der linken Hand hält sie spielerisch einen Lotus, mit der rechten umarmt sie ihn.

5.35 So meditiert man über den nach innen gewandten Shakta-Yogi in Shiva-Gestalt. Vom Paar seiner Lotusfüße strömt Nektar herab.

5.36 Der Schüler betrachtet den eigenen Körper als von diesem Strom übergossen und verehrt den Guru mit äußeren oder geistig dargebrachten Duftstoffen und Blumen.

5.37 Mit seinen verschiedenen überlieferten Namen und Guru-Lobpreisungen verneigt man sich, spricht die Herzformel und betrachtet, wie er im eigenen Herzen aufgeht.

5.38 Dann [betrachtet man] vom Muladhara bis zum Brahmarandhra eine aufsteigende Lichtsäule innerhalb der Sushumna, tausend Lotusfasern gleich.

5.39 Man meditiert über den Wurzelmantra als von deren Wesen und betrachtet den eigenen Körper als von diesem Licht umhüllt. Dann vollzieht man drei Atemregelungen.

5.40 Mit dem Wurzelmantra führt man den Nyasa des Sehers und der weiteren Zuordnungen sowie den Gliedernyasa aus und betrachtet die Gottheit im Herzen.

5.41 „Ursprünglicher Gott, der du das Bewusstsein der drei Welten bist, ehrwürdiger Shankara: Auf Geheiß deiner Füße werde ich morgens aufstehen und dir zur Freude meinen Weg durch das Weltleben gehen.

5.42 Während ich nach deiner Weisung den Weg durch das Weltleben gehe, Shankara, Gott der Götter, mögen Wettstreit, Missachtung, Streit, Unachtsamkeit und Ängste mich nicht überwältigen, o Herr.“

5.43 So bittet man den Herrn der Götter und empfängt seine Erlaubnis. Nach einem Gebet an die Erde setzt man den dem fließenden Atem entsprechenden Fuß auf den Boden.

5.44 „Göttin, deren Gürtel das Meer und deren Brüste die Berge sind, Gemahlin Vishnus: Verehrung dir! Verzeihe mir, dass meine Füße dich berühren.“

5.45 Dann geht man aus dem Haus nach Süden oder Südwesten, bei jedem Schritt der Waffenformel gedenkend und weit vom Wohnort eines Brahmanen entfernt.

5.46 Mehr als eine Pfeilschussweite vom Dorf entfernt prüft man den Boden und wählt einen Ort für die Körperausscheidung, frei von Insekten und Frauen [so die historische Vorschrift]. Dort spricht man:

5.47 „Mögen Seher, Götter, Gandharvas, Yakshas und Rakshasas sich erheben! Räumt ringsum diesen Ort, damit ich Kot und Harn ausscheiden kann.“

5.48 Mit diesem Mantra und mit Erdklumpen und Gras weist man die Gottheiten fort und verrichtet die Ausscheidung. Danach begibt man sich bekleidet zum Wasser. Die Wortfügung über das Gewand ist verkürzt.

5.49 Man blickt nicht in die betreffende Richtung und reinigt sich mit aufgenommenem Wasser. Erde verwendet man einmal am Geschlechtsorgan, siebenmal am After und zehnmal an der linken Hand.

5.50 An beiden Händen verwendet man siebenmal Erde, an beiden Füßen dreimal. Nach dem Wasserlassen verwendet man fünfmal Erde an linker Hand und Geschlechtsorgan, dreimal an beiden Händen und einmal an den Füßen, oder man verfährt entsprechend.

5.51 Die Reinigung soll Geruch und Anhaftung beseitigen und inneres Unbehagen nehmen. Nach dem Stuhlgang spült man den Mund zwölfmal aus.

5.52 Zuerst wäscht man die Füße, dann vollzieht man dreimal die rituelle Mundreinigung. Ein Zahnreinigungsholz aus Mango, Banyan, Khadira, Karanja, Kakubha oder einer entsprechenden Baumart

5.53 soll so dick wie die Spitze des kleinen Fingers und zwölf Fingerbreiten lang sein; so lehren es die Tantra-Kundigen.

5.54 Man spricht krīṃ, dann „dem Kamadeva, dem bei allen Menschen Beliebten“ und abschließend namaḥ. Dies wird als fünfzehnsilbiger Mantra zur Zahnreinigung bezeichnet.

5.55 Man wäscht das Zahnreinigungsholz ab und wirft es vor sich [in Richtung des Kopfes] fort. Wer den Wurzelmantra täglich sprechen will, soll zur Erlangung der Vollendung die Zeichen beobachten.

Bad und innere Reinheit

5.56 Nun wird das Bad zur Vollendung von Puja und Feueropfer erklärt. Mit einem durch den Waffenmantra geweihten Grabstab nimmt man Erde von einem reinen Ort, besprengt sie unter derselben Formel und geht zum Wasser.

5.57 Dort wäscht man zuerst die Uferstelle mit Waffenmantra-Wasser, säubert sie und legt an einer Seite

5.58 Kuhdung, Darbha und besprochenen Sesam nieder. Mit Erde und Kuhdung vollzieht man eine Reinigung bis zur Hüfte.

5.59 Mit herausgeschöpftem Wasser folgt das Reinigungsbad; danach das vedische Bad und die zugehörige sättigende Darbringung.

5.60 Nun das tantrische Bad: Mit dem Waffenmantra nimmt man Erde auf, bespricht sie und entfernt Gras und andere Bestandteile

5.61 unter der Haarschopfformel. Dreimal spricht man den Wurzelmantra darüber, bestreicht den Körper vom Scheitel bis zu den Füßen und verneigt sich vor dem Wasser.

5.62 „Die Wasser tragen alle Wesen; sie gehören Vishnu von unvergleichlichem Glanz, sind von seiner Gestalt und aus ihm entstanden. Vor diesen Wassern verneige ich mich.“

5.63 Man formt die zuwendende Mudra, regelt den Atem, taucht schweigend unter und erhebt sich wieder, im Wasser bis zum Nabel stehend.

5.64 Unter Nennung von Monat und weiteren Zeitangaben fasst man den Entschluss zum tantrischen Bad und vollzieht mit dem Wurzelmantra drei Atemregelungen.

5.65 Nach dem sechsgliedrigen Nyasa stellt man sich vor sich einen heiligen Badeplatz vor, als ein eine Elle großes Quadrat im Wasser.

5.66 „Die heiligen Gewässer im Inneren des Weltalls werden von deinen Strahlen berührt, Sonne. Kraft dieser Wahrheit gewähre mir den heiligen Badeplatz, Herr der Götter, Schöpfer des Tages.“

5.67 So bittet man die Sonne und durchdringt mit kroṃ und der Haken-Mudra die Sonnensphäre, um daraus die heiligen Gewässer hierher anzurufen.

5.68 „Ganga, Yamuna, Godavari, Sarasvati, Narmada, Sindhu und Kaveri: Seid in diesem Wasser gegenwärtig.“

5.69 Nach diesen Worten setzt man die heiligen Gewässer in das Wasser ein. Mit dem Wurzelmantra ruft man die Kraft der heiligen Gewässer herbei, betrachtet die Sonnensphäre und verehrt sie mit ihrem Mantra.

5.70 „Ich verehre die ehrwürdige Kraft der heiligen Gewässer: ganz Glückseligkeit, Vernichterin aller Verfehlungen, mondhell, dreiäugig, in den beiden oberen Händen Schlinge und Haken tragend, mit einem nektargefüllten Krug und einer Perlengebetskette, begleitet von Ganga, Sindhu und den vorzüglichen Flüssen.“

5.71 [Der Mantra nennt] hrāṃ, hrīṃ, hrūṃ, hraiṃ, hrauṃ, hraḥ, dann „ganz von Glückseligkeit erfüllte Kraft der heiligen Gewässer“, zweimal hili und die Feuergemahlin [svāhā].

5.72 Dies wird als der zweiundzwanzigsilbige große Mantra der Tirtha-Shakti bezeichnet. Das Wasser wird achtmal mit dem Ganga-Mantra besprochen.

5.73 Man spricht Pranava, namaḥ, „Erhabene, Mutter, Ambika, Ambalika, große Girlandenträgerin, komm, komm, Erhabene,

5.74 Wurzelbecken aller heiligen Gewässer“, die Maya- und Shri-Keimsilbe, dann „du, die du auf Shivas Haarflechten thronst, Ganga, Ganga-Mutter“ und die doppelte ṭha-Formel.

5.75 Dies heißt der Ganga-Mantra mit dreiundfünfzig Silben. Mit [der Keimsilbe] Bhuvaneshvaris bewegt man das Wasser, mit der Nektarsilbe verwandelt man es in Nektar.

5.76 Man verhüllt es mit der Schutzpanzerformel und schützt es mit dem Waffenmantra. Mit dem Wurzelmantra ruft man darin die Gottheit mit ihren Gliedern und Umkreisgottheiten an.

5.77 Man meditiert über sie im Wasser, betrachtet den heiligen Strom als aus ihren beiden Füßen hervorgegangen und taucht unter Erinnerung des Wurzelmantras dreimal ein.

5.78 Danach erinnert man die Gottheit im Herzen und begießt den Kopf mit der Krug-Mudra. [Man verwendet] die drei Weltenformeln und Wurzelmantras mit vorangestelltem Pranava und Keimlaut. Die genaue Verbindung dieser Formeln ist verkürzt.

5.79 „Aus dem Verlangen, das gesamte Weltall zu erschaffen, entsteht immer wieder die lichte Zeugungskraft. Die göttlichen Wasser, Mütter aller Wesen, mögen mich reinigen.

5.80 Was als Unheil in Gestalt von Unreinheit in allen Wesen wohnt, mögen sie durch ihre Berührung abwaschen. Die göttlichen Wasser mögen mich reinigen.

5.81 Welches Unglück in meinen Haaren, am Scheitel, auf dem Kopf, an Stirn, Ohren und Augen haftet, mögen die Wasser tilgen. Verehrung euch!“

5.82 Mit dem Wurzelmantra, verbunden mit namaḥ und svāhā, vollzieht man dreimal die Mundreinigung. Nach dreifacher sättigender Darbringung an die Gottheit geht man aus dem Wasser ans Ufer.

5.83 Man zieht zwei gewaschene Gewänder an, reinigt die Hände mit Erde und Wasser und vollzieht die Mundreinigung. Dies ist das göttliche Badeverfahren.

5.84 Ein Mantrabad ist bei kaltem Ort oder kalter Jahreszeit, bei Wassermangel, an einem unzugänglichen Ort, bei körperlicher Schwäche oder im Alter zu vollziehen.

5.85 Man wäscht die Füße mit herbeigebrachtem Wasser, vollzieht die Mundreinigung, reinigt wie zuvor den Ort und die zehn Richtungen und setzt sich.

5.86 Man nimmt Wasser auf die Handfläche und vollzieht die Krug-Nyasas, die Matrika-Nyasas und sämtliche Nyasas des Wurzelmantras.

5.87 Am Ende der Nyasas berührt man das Wasser. Dieses Mantrabad ist besser als ein bloßes Wasserbad ohne die Weihehandlungen.

5.88 Man erinnert den fest gegenwärtigen Lotusäugigen, den Herrn in Mantragestalt. Aus dem Wasser seiner Füße fällt ein Strom auf den eigenen Kopf.

5.89 Man betrachtet, wie er durch eine feine Öffnung in den Körper eintritt und sämtliche darin befindliche Unreinheit auswäscht.

5.90 Im selben Augenblick wird der Mantrapraktizierende makellos wie ein Kristall. Dieses vorzügliche Bad gilt als achtmal wirksamer als das Mantrabad.

5.91 Wer stets einen reinen Geist hat, ist bei allen Handlungen rein. Nun das geistige Bad: Im Geist, mit dem Wurzelmantra,

5.92 regelt man den Atem und vollzieht es in innerer Vergegenwärtigung bekannter heiliger Badeplätze. Oder man macht mit Shiva-Mantras den Badeplatz zu Shiva selbst.

5.93 Die Besprengung mit den Samhita-Mantras heißt Shiva-Bad. Alle durch ein Bad eingeleiteten Handlungen sind rein und führen zur Vollendung.

5.94 Deshalb soll man zuvor eines dieser Bäder entsprechend der körperlichen Kraft vollziehen. Danach trägt man das Stirnzeichen des eigenen Standes oder der Gottheit auf.

5.95 Man verwendet Erde heiliger Orte, die günstige Frucht bringt, oder handelt nach dem Empfinden der Hingabe. Für einen Brahmanen gilt das aufrechte Zeichen, für einen Kshatriya das dreifache Querzeichen.

5.96 Für einen Vaishya gilt der Halbmond, für Shudras die Kreisform. Das aufrechte Zeichen wird mit Erde, das dreifache Querzeichen mit Asche aufgetragen.

5.97 Die übrigen können nach Vorliebe mit Safran, Moschus oder kühlenden Stoffen aufgetragen werden. Ein Vishnu-Verehrer trägt das aufrechte Zeichen, ein Shiva-Verehrer die drei Querlinien.

5.98 Für Ganesha gilt der Halbmond, für Devi-Verehrer der Kreis. Wer Narayana hingegeben ist, [trägt nach der schwierigen Lesung] Mond und Dreizack. Diese Zuordnung ist auffällig und wird nicht stillschweigend geändert.

5.99 Wer die heilige Asche auf der Stirn trägt, ist von Brahmas, Vishnus und Shivas Wesen. Vorschriftsgemäß getragen verleiht Vibhuti Gedeihen.

5.100 Beliebig und nachlässig getragen macht sie den Menschen zu Asche [so die Warnung des Textes]. Die Asche wird aus einem Shiva-Feuer oder einem Agni-Soma-Feuer gesammelt,

5.101 oder aus dem Hochzeitsfeuer; sie soll gut gebrannt, rein und wohlriechend sein. Kuhdung einer braunen Kuh wird beim Fallen in einem Tuch aufgefangen.

5.102 Er darf nicht durchnässt, gärend, übelriechend oder abgestanden sein. Bei bereits gefallenem Dung entfernt man Ober- und Unterseite und nimmt den Rest unter der Herzformel auf. Zu Ballen geformt wird er mit dem Wurzelmantra ins Shiva-Feuer gegeben.

5.103 Unverbrannte und [übermäßig] verbrannte Teile werden entfernt. Man nimmt die weiße Asche, siebt sie durch ein Tuch und gibt sie in den Aschebehälter.

5.104 Die Asche wird gesammelt, solange die Gottheit noch nicht entlassen ist; nach ihrer Entlassung gilt sie als wilde Chanda-Asche.

5.105 Oder man bereitet die Asche für Zweimalgeborene so: Unter dem Sadyojata-Mantra bringt man Kuhdung herbei, mit dem Vamadeva-Mantra gibt man ihn in ein Gefäß und mit dem Aghora-Mantra verbrennt man ihn.

5.106 Mit dem Tatpurusha-Mantra nimmt man sie heraus und mit dem Ishana-Mantra reinigt man sie. Die so geweihte Asche wird mit den bei „Feuer ist Asche“ beginnenden Mantras [besprochen]. Die ausgeschriebenen Mantras gehören zum Editionszusatz; gerade hier ist dessen Klammerung fehlerhaft. Sie werden nicht als zusätzliche Grundtextverse behandelt.

5.107 Man bespricht sie mit dem bei „Deine heilvolle Gestalt, Rudra“ beginnenden Yajus unter der Rudra-Bezeichnung sowie mit den Namen in der Dativform, denen oṃ vorangeht und namaḥ folgt.

5.108 Mit den Anfangslauten der fünf Silben und den Gliedern der Lautreihe, verbunden mit der Herzformel Haras, trägt man die drei Querlinien auf; auf dem Scheitel mit dem fünfsilbigen Mantra.

5.109 Unter diesen Namen tragen Zweimalgeborene die Asche erneut auf: Brahma wird an der Stirn erkannt, der Opferträger Agni am Herzen,

5.110 Skanda am Nabel, Pushan an der Kehle, Rudra am rechten Oberarm, Aditya an dessen Mitte und der Mond am Handgelenk.

5.111 Vamadeva liegt am linken Oberarm, der Wind an dessen Mitte, die Vasus am Handgelenk und Hari am Rücken.

5.112 Shambhu wird am oberen Rücken genannt, Shiva als höchstes Selbst. Man trägt Asche auf, die mit Moschus und ähnlichen Stoffen vermischt ist.

5.113 Nichtzweimalgeborene zeichnen die drei Linien mit dem Wurzelmantra oder dem fünfsilbigen Shiva-Mantra auf die Stirn; sie sind von Brahmas, Vishnus und Shivas Wesen.

5.114 Die mit dem Wurzelmantra geweihte Asche nimmt man mit den drei mittleren Fingern; oder die drei Linien werden mit Ringfinger, Mittelfinger und Daumen aufgetragen.

Verehrung der Tagesübergänge

5.115 Nun erkläre ich die tantrische Dämmerungspraxis. Mit dem Wurzelmantra vollzieht man dreimal die Mundreinigung, bindet den Haarschopf und führt drei Atemregelungen aus.

5.116 Dem Handnyasa folgt die Platzierung der Glieder auf dem Körper. Mit der Kuh-Mudra verwandelt man das Wasser vor sich in Nektar und bespricht es siebenmal mit dem Wurzelmantra.

5.117 Mit den Matrika-Lauten von a bis kṣa, jeweils mit Bindu, besprengt man bei jedem Laut den Kopf mit Kusha-Gras und außerdem dreimal mit dem Wurzelmantra.

5.118 Man meditiert mit dem Mantra über die Gottheit im Erkenntniskreis, nimmt Wasser und [weiht es] mit den Mantras und elementgestaltigen Keimsilben.

5.119 Mit laṃ, vaṃ, raṃ und haṃ bespricht man das Wasser siebenmal, danach nochmals siebenmal mit dem Wurzelmantra. Die Vorlage nennt hier vier Keimsilben; eine fünfte wird nicht ergänzt.

5.120 Das Wasser hält man in der linken Hand. Mit den von ihr herabtropfenden Tropfen besprengt man durch die rechte Hand den Kopf und spricht den Wurzelmantra.

5.121 Ein Anhänger des linken Weges vertauscht die Hände. Mit dem verbleibenden Wasser, als Lichtkraft gedacht, nähert man sich der Nase und betrachtet:

5.122 Die Gottheit tritt ein, reinigt im Inneren die Unreinheit und geht durch das rechte Nasenloch wieder hinaus. Unter dieser Vorstellung [nimmt man es] in die rechte Hand,

5.123 betrachtet links einen Vajra-Felsen und wirft es unter dem Waffenmantra darauf. Danach wäscht der Mantra-Kenner die Hände und vollzieht mit dem Wurzelmantra die Mundreinigung.

5.124 Mit der Gayatri oder dem Wurzelmantra gibt man drei Ehrengaben und sättigt die in der Sonnensphäre befindliche erwählte Gottheit.

5.125 Mit Wasser und dem Wurzelmantra spricht man: „Die betreffende Gottheit sättige ich“, und vollzieht dies dreimal; Anhänger des linken Weges verwenden den rituellen Ursachenstoff.

5.126 Die Gayatri der erwählten Gottheit rezitiert man achtundzwanzigmal. Fehlt eine solche, verwendet ein Anhänger der vedischen Ordnung die Brahma-Gayatri.

5.127 Ein Tantriker rezitiert die Shiva-Gayatri: „Om. Wir erkennen jenen großen Herrn; wir meditieren über den von reiner Sprache. Jener Shiva möge uns erleuchten.“

5.128 Danach rezitiert man schweigend, mit reinem Geist, den Wurzelmantra hundertachtmal, preist die erwählte Gottheit, verneigt sich und bringt ihr die Rezitation dar.

5.129 Man setzt die Gottheit aus der Sonnensphäre ins eigene Herz ein und verneigt sich vor den Gurus. Dies ist die tantrische Dämmerungspraxis.

5.130 Sie wird zu den drei Tageszeiten vollzogen; bei ihrer Unterlassung entsteht keine Frucht. Wird sie durch äußere Umstände versäumt, rezitiert man den Wurzelmantra hundertmal

5.131 zur Sühne und vollzieht dann die zur gegenwärtigen Zeit gehörige Praxis. Nach der vedischen sättigenden Darbringung führt man die tantrische aus.

5.132 Nach drei Atemregelungen vollzieht man mit dem Wurzelmantra den Nyasa des Sehers, des Versmaßes und der Gottheit. Vor sich verwandelt man mit der Kuh-Mudra

5.133 und vaṃ das Wasser in Nektar und betrachtet darin die Gottheit in ihrem Kreis, mit Gliedern und Umkreisgottheiten. Dann spricht man den Wurzelmantra

5.134 und „Die betreffende Gottheit sättige ich“, hundertachtmal, halb so oft oder achtundzwanzigmal, in ihren Lotusmund.

5.135 Mit dem Wasser des heiligen Badeplatzes, als Nektar betrachtet, sättigt man die Gottheit und ebenso jede ihrer Umkreisgottheiten einmal.

5.136 Danach nimmt man die Gottheit ins eigene Herz zurück und entlässt die Sonne am Badeplatz. Nach Verneigung vor Guru, Richtungshütern und Himmelskörpern nimmt man das Gefäß in die Hand

5.137 und geht zu einem schönen, fehlerfreien, menschenleeren Ort. Bis zur Ankunft zu Hause soll man nicht in andere Richtungen schauen.

5.138 Man umschreitet den Opferbezirk nach rechts, wäscht Füße und Hände, vollzieht die Mundreinigung und stellt sich an den Eingang des Verehrungsraumes.

5.139 Dort verneigt man sich im Geist vor dem Guru, der eigenen erwählten Gottheit und den Richtungshütern.

5.140 Zur Beseitigung der Verfehlungen, die früher, an diesem Tag oder an einem anderen Tag begangen wurden, spricht man zwei Mantras:

5.141 „O Gott, dieses gewöhnliche Bewusstsein, dieser Geist ist von Verfehlung überwältigt. Entferne die Verfehlung aus meinem Bewusstsein; phaṭ, huṃ, Verehrung dir!

5.142 Sonne, Mond, Yama, Zeit und die fünf großen Elemente sind hier Zeugen der guten und schlechten Handlungen der Menschen.“

5.143 Man spricht huṃ phaṭ und blickt mit zorniger Entschlossenheit zu beiden Seiten. Nach dieser ersten Handlung zur Entfernung der Verfehlungen [gilt]:

5.144 „Was an hartnäckiger Verfehlung besteht, soll hier fernbleiben. Ist die Verehrung vorüber, mag es an seinen Ort zurückkehren.

5.145 Was geringere Verfehlung ist, möge zugrunde gehen.“ [Der Schluss handelt vom Verlassen beziehungsweise der Unterbrechung der Puja und raschem Wunscherfolg, ist jedoch in der vorliegenden Wortfügung nicht sicher übersetzbar.]

5.146 Danach wäscht man Füße und Hände, vollzieht sorgfältig die Mundreinigung und gibt der Sonne die Ehrengabe. Ihr Verfahren wird nun erklärt.

5.147 Auf mit Kuhdung bestrichenem Boden zeichnet man mit Zinnober ein Mandala und nimmt dann den eigenen Sitz ein.

5.148 Nach Osten gewandt verneigt man sich hingebungsvoll vor der erwählten Gottheit und führt mit dem Sonnenmantra drei Atemregelungen aus.

5.149 Hrīṃ, hrīṃ, sa bilden den genannten dreisilbigen Sonnenmantra. Man setzt Indra und die weiteren Gottheiten auf und meditiert mit ungeteilter Aufmerksamkeit über die Sonne.

5.150 „Ich verehre Bhanu, den Herrn aller Welten: In seinen Lotushänden hält er zwei Lotusse und zeigt Furchtlosigkeit und Segen; seine Krone ist mit Rubinen besetzt, seine Glieder leuchten rötlich, er hat drei Augen, sitzt auf einem roten Lotus und ist der einzige Ozean aller vorzüglichen Eigenschaften.“

5.151 Man verehrt ihn nach seiner Ritualvorschrift mit den Gaben und zeichnet vor sich mit Wasser ein quadratisches Mandala.

5.152 Darauf stellt man ein wassergefülltes Kupfergefäß mit Unterlage. Man gibt Duftstoffe, Blumen, ungebrochenen Reis, Darbha, Durva und Senf hinein,

5.153 dazu Sesam, die vorgeschriebenen Blumen und Gerste. Während man das Gefäß berührt, bespricht man es mit dem Sonnenmantra hundertachtmal.

5.154 Dann erhebt man sich, hebt das Gefäß mit beiden Händen bis zum Kopf und bringt mit dem Sonnenmantra die Ehrengabe dar.

5.155 Man spricht hrīṃ hrīṃ saḥ, dann die Worte „mit Planeten, Tierkreiszeichen und Sternbildern“, anschließend „Yogas und Karanas“, „auf dem umgebenen Sitz

5.156 befindlicher ehrwürdiger Surya: Dies ist deine Ehrengabe, svāhā“. Dies gilt als vierunddreißigsilbiger Mantra zur Darbringung des Sonnen-Arghya.

5.157 Mit ungeteilter Aufmerksamkeit rezitiert man den Sonnenmantra nach Kräften. Der gute Lehrer betrachtet Surya im Wasser der Ehrengabe.

5.158 Nach Lobpreis und Verneigung entlässt er den Tagesschöpfer aus dem Mandala. Dann erhebt er sich und vollzieht vorschriftsgemäß die Eingangsverehrung.

Eintritt in den Verehrungsraum

5.159 Man besprengt den Eingang mit Arghya-Wasser und verehrt in seiner Mitte den Hindernisherrn, rechts von ihm Mahalakshmi und links Sarasvati.

5.160 In der Mitte verehrt man die Glückskraft des Eingangs; die beiden Pfosten werden rechts und links bis nach oben in je fünf Bereiche geteilt.

5.161 Man spricht den Anfangslaut des jeweiligen Namens mit Bindu, dann den Namen im Dativ und die Herzformel als Abschluss; so verehrt man diese Gottheiten.

5.162 [Es sind] Ganapati, Kshetrapala und rechts Shankhanidhi mit Vasudhara; links

5.163 Padmanidhi mit Vasumati. Darunter rechts und links verehrt man Maya-Shakti und Herz-Shakti, Ganga und Yamuna,

5.164 Dhatri und Vidhatri, dann „daṃ, der Schwelle immer wieder Verehrung“. Damit ist zunächst die Verehrung des westlichen Eingangs beschrieben.

5.165 Nandi und Mahakala stehen rechts und links der Tür. Nach solcher Verehrung verehrt man den Nord-, Ost- und Südeingang.

5.166 Ihre Torhüter sind der Reihe nach Ganesha und der Stier, Bhringiriti und Skanda sowie Uma und Chandeshvara.

5.167 Bei Vishnu heißen sie Nanda und Sunanda, Chanda und Prachanda, Bala und Prabala, Bhadra und Subhadra.

5.168 Die Torhüter Ganeshas heißen Vakratunda, Ekadanta, Mahodara, Gajanana, Lambodara und Vikata,

5.169 Vighnaraja und Dhumravarna, der Reihe nach vom Westeingang aus. Bei der Göttin sind die folgenden acht Yoginis die Torhüterinnen:

5.170 Brahmi, Maheshvari, Kaumari, Vaishnavi, Varahi, Indrani, Chamunda und Shri.

5.171 Nun erkläre ich die in den Tantras geheim gehaltene Meditation über die Eingangsgottheiten, durch welche diese selbst das Tor der Gottheit öffnen.

5.172 „Ich verehre den heldenhaften Vighneshvara: elefantengesichtig, dreiäugig, mit rundem Bauch, in den Händen Schlinge, Haken, Frucht und Lotusblatt.“

5.173 [Meditation über] Mahalakshmi mit vier Händen, die zwei Lotusse, Segen und Furchtlosigkeit zeigen; ihr Körper glänzt wie gereinigtes Gold, sie hat drei Augen.

5.174 [Meditation über] Sarasvati mit Gebetskette, Buch, Furchtlosigkeits- und Segenshand, dreiäugig, weiß, weißgekleidet und auf einem weißen Lotus sitzend.

5.175 „Ich betrachte den Herrn dieses Gebietes: schwarzgestaltig, dreiäugig und scharf, mit Schädel, Dreizack und glänzendem Schwert.“

5.176 „Ich verehre Shankhanidhi, perlenhell, mit reichem Gefäß: Mit dem rechten Arm umfasst er Vasundhara, links hält er eine Muschel.“

5.177 „Stets verehre ich Padmanidhi, der Vasumati umarmt, auf der Stirn das Lotuszeichen trägt und links einen blauen Lotus hält.“

5.178 „Ich verehre die dunkle Maya, Wurzel des Samsara, dreiäugig, mit den Händen Segen und Furchtlosigkeit zeigend und Haken und Schlinge tragend.“

5.179 „Ich verehre Ganga, die vorzüglichste aller Flüsse: rötlich leuchtend, auf einem Wassertier reitend, mit Schlinge, Haken, Segen und Furchtlosigkeit.“

5.180 „Ich verehre Kalindi von dunkler Gestalt, auf einer schwarzen Schildkröte reitend, mit einer Girlande blauer Lotusse am Hals und Händen, die Segen und Furchtlosigkeit zeigen.“

5.181 „Ich verehre Dhatri, den Schöpfer der Welten, dunkelgestaltig, auf Garuda reitend und Muschel, Rad, Keule und Lotus tragend.“

5.182 „Ich verehre Vidhatri, rot, mit Augen wie rote Lotusse, dreiäugig, auf einem Schwan reitend, mit Wasserkrug sowie Segens- und Furchtlosigkeitsgeste.“

5.183 „Ich verehre die unten befindliche Schwelle, auf einem Löwen reitend, dunkelgestaltig, Schwert und Schild tragend, westwärts blickend und wohlwollend.“

5.184 Am Westeingang klatscht man dreimal und öffnet die Tür. Dann streut der Kundige mit dem Waffenmantra geweihte Senfkörner, Reis

5.185 und Blumen in das Innere des Pavillons. Mit der Pfeil-Mudra und dem Waffenmantra [spricht der Lehrer]:

5.186 „Mögen Bhutas und Pishachas in alle Richtungen weichen, ebenso die anderen Gottheiten, die hier auf der Erde wohnen.

5.187 Mögen die erdverbundenen Wesen zurückweichen. Die Hindernisse schaffenden Wesen sollen auf Shivas Geheiß verschwinden.“

5.188 Nach jedem der beiden Verse spricht er die Waffenformel und weist mit der Pfeil-Mudra die Wesen aus dem Pavillon. Den austretenden Hinderniswesen

5.189 gibt er Raum, indem er seine linke Körperseite einzieht. Unter Erinnerung des Waffenmantras und mit drei Stößen der linken Ferse

5.190 vertreibt er die irdischen Hindernisse, mit dreimaligem Klatschen die im Luftraum und mit seitlichem Blick die himmlischen.

5.191 Er betritt den Tempel mit dem rechten Fuß zuerst; ein Shakta mit dem linken. Der Eingang wird mit einem Tuch verhüllt.

5.192 Mit den fünf Kuhprodukten und Arghya-Wasser besprengt er das Innere, das durch Kehren und Bestreichen einer reinen Spiegelfläche gleichgemacht wurde,

5.193 makellos, geschmückt mit Räucherwerk, Lampen und Blumengirlanden und gestaltet mit fünffarbigen Pulvern. Dies heißt Reinigung des Ortes.

Sitz und Vorbereitung der Gaben

5.194 Im Südwesten verehre man den Vastu Purusha mit Sandelduft und weiteren Gaben; dort ebenso den Herrn des Baugrundes mit der Huldigung an Brahma.

5.195 Man verehre den roten Herrn des Lichtes, umgeben von zwölf roten Shaktis, und richte dann folgende Bitte an Bhairava.

5.196 „Du überaus Scharfer, Großleibiger, dem Feuer am Ende eines Weltzeitalters vergleichbar: Verehrung dir, Bhairava! Gewähre mir die Erlaubnis.“

5.197 Mit der Formel Om Phat betrete man die Verehrungsstätte und bereite den Sitzplatz durch die vier Handlungen vor, die mit dem rituellen Betrachten beginnen.

5.198 Bei dieser Vorbereitung verehre man die Gottheiten des heiligen Sitzes, angefangen bei der tragenden Shakti bis hin zur Altarstätte; darauf lege man den eigenen Sitz aus.

5.199 Der eigene Verehrungssitz soll aus Stoff, Fell und Kusha bestehen, übereinander angeordnet. Nachdem man sich ordnungsgemäß gesetzt hat, gedenke man Vishnus und des Guru.

5.200 Als Seher der Sitzformel wird Meruprishtha genannt, als Versmaß Savitri und als Gottheit die Erde; ihre Anwendung gilt dem eigenen Sitz.

5.201 „Erde, du trägst die Welten; Göttin, Vishnu trägt dich. Trage auch mich, o Göttin, und mache meinen Sitz rein.“

5.202 An den vier Ecken des Sitzes verehre man, beginnend im Südosten, Ganesha, Saraswati, Durga und den Hüter des Feldes.

5.203 Nach Norden oder Osten gewandt, nehme man Svastikasana oder Padmasana ein, mit aufrechtem Körper und beständigem Geist. Die ausführlichen Haltungsbeschreibungen in der Vorlage gehören zur Anmerkung.

5.204 Rechts von sich stelle man die Gegenstände der Verehrung auf, links einen schönen Krug, gefüllt mit wohlriechendem Wasser.

5.205 Hinter sich stelle man Gefäße zum Waschen der Hände und ringsum glückverheißende Lampen, die mit Ghee oder anderem Brennstoff leuchten.

5.206 Spiegel, Wedel, Schirm, Fächer und Sandalen ordne man an den jeweils passenden Stellen an und bereite sie gesammelt rituell vor.

5.207 Blumen, Speisegaben, Duftstoffe und anderes betrachte man mit der Naracha-Mudra und der Formel Hrim Hrum Phat, wobei man die rituellen Verpflichtungen berücksichtigt.

5.208 Dabei werden Verunreinigungen der Blumen und übrigen Gaben berücksichtigt, die man gesehen, von denen man gehört oder die man selbst erkannt hat: Berührung durch nach damaliger Ordnung als unberührbar Geltende oder Erwerb auf unrechtmäßige Weise,

5.209 ebenso Berührung mit bereits dargebrachten Resten oder das Darüberkriechen von Insekten. Durch das rituelle Betrachten der Speisegaben und übrigen Gegenstände sollen solche Fehler zuvor aufgehoben werden.

5.210 Dann berühre man unter der Formel Ram die Flamme der Lampe. So soll die Lampe glückverheißend, vom Makel des Fleischverzehrens frei und freudespendend werden.

5.211 Als „Fleischverzehrerin“ gilt sie, wenn Motten, Insekten, Haare und Ähnliches in ihr verbrennen, oder wenn das verwendete Ghee und andere Brennstoffe mit Fett, Mark und dergleichen verbunden sind.

5.212 Alle solche unbewusst entstandene Verunreinigung soll durch diese Berührung verschwinden. Der Mantrakundige spreche die Keimsilbe Kshaum und berühre mit dem den Göttern zugeordneten Teil der Hand das Wasser.

5.213 Der Übende betrachte das Trinkwasser im Krug sorgfältig, fasse den links stehenden Krug mit der linken Hand

5.214 und setze ihn auf die Gefäßunterlage. Ein Mangel, der hier unwissentlich entstanden sein mag, etwa durch Berührung des Wassers mit einem Leichnam im Gewässer oder durch Verunreinigung an seinem Aufbewahrungsort,

5.215 und ähnliche Beeinträchtigungen sollen dadurch verschwinden; so wird das Wasser für die Götterverehrung geeignet. Darauf falte der Gereinigte die Hände an seiner linken und rechten Seite.

5.216 Er verneige sich vor dem Guru, vor Ganapati und vor seiner vor ihm gedachten erwählten Gottheit; dann nehme der Mantrakundige wohlriechende, mit Sandel bestrichene Blumen.

5.217 Mit der Formel Haum und dem Waffenmantra reibe er sie zwischen den Händen, nehme die Blume in die linke Hand und führe sie um den Kopf.

5.218 Dabei wiederhole er Om, rieche anschließend an der Blume und spreche, mit Haum und Om beginnend, den folgenden Vers.

5.219 „Mögen alle, die mich verletzen, überall vergehen. Mögen Tod, Krankheit, Furcht und Leid auf das Haupt des Feindes fallen.“ Dies ist eine historische feindabwehrende Ritualformel, keine Empfehlung für die heutige Praxis.

5.220 Mit dem Waffenmantra und der Naracha-Mudra werfe man die Blume nach Nordosten; dann reinige man die Hände mit demselben Mantra und klatsche dreimal.

5.221 Mit dem Waffenmantra vollziehe man aufwärts gerichtet und in den Himmelsrichtungen die rituelle Abschirmung. Die dadurch hervortretende Glut werde mit der Feuermauer-Mudra gefasst.

5.222 Mit dem Dreizack schütze man sich und vollziehe dreimal Pranayama. Dann führe man die Reinigung der Elemente aus; deren Verfahren erkläre ich nun.

Die Elemente im Körper und ihre innere Auflösung

5.223 Von den Füßen bis zu den Knien stelle man sich den Bereich der Erde vor: viereckig, mit einem Rad versehen, gelb, mit der Keimsilbe Lam und Brahma als Gottheit.

5.224 Dieser Bereich wird von der Nivritti genannten Kraftstufe beherrscht. So stelle man sich die Gestalt im Zusammenhang mit der Entstehung der Lebewesen vor.

5.225 Von den Knien bis zum Nabel liegt der Bereich des Wassers: weiß leuchtend, einem Halbmond mit zwei Spitzen ähnlich und mit einem Lotus gekennzeichnet.

5.226 Er wird außerdem als sechseckig und mit sechs Punkten versehen beschrieben; er trägt die Keimsilbe Vam, die Kraftstufe Pratishtha und Vishnu als Gottheit. Die unterschiedlichen Formangaben stehen so nebeneinander im Text.

5.227 Vom Nabel bis zur Kehle stelle man sich den roten Bereich mit Rudra als Gottheit vor, verbunden mit der Keimsilbe Ram und der Vidya genannten Kraftstufe.

5.228 Leuchtend, mit einem Svastika versehen und dreieckig ist dieser Bereich: Man betrachte das Feuerelement als dem großen Weltenbrand vergleichbar.

5.229 Von der Kehle bis zwischen die Augenbrauen liegt ein Bereich, der als sechseckig, mit sechs Punkten gezeichnet, kreisförmig und schwarz beschrieben wird.

5.230 Dies ist der Bereich des Windes, von der Kraftstufe Shanti beherrscht, mit Shiva als Gottheit und der Keimsilbe Yam. So betrachte man ihn als Gestalt des Lebenshauches.

5.231 Von der Augenbrauenmitte bis zur Brahmaöffnung wird der Bereich des Raumes angesetzt: kreisförmig, rauchfarben und mit einer hoch aufragenden Fahne gekennzeichnet.

5.232 Er wird von der Kraftstufe Shantyatita beherrscht, trägt Shiva als Gottheit und die Keimsilbe Ham. So meditiere man über die Elemente und setze sie im Körper ein.

5.233 Man bilde innerlich den Lotus, dessen Wurzel aus Dharma hervorgeht und dessen Stängel Erkenntnis ist; in seiner Mitte stelle man das individuelle Leben wie eine kleine Lampenflamme vor.

5.234 Der Übende führe dieses individuelle Leben auf dem Weg der Sushumna zum höchsten Selbst und verbinde es durch das yogische Verfahren mit dem Soham-Mantra damit.

5.235 Ebenso stelle er sich alle Elemente darin aufgelöst vor. Dann vergegenwärtige er sich in der linken Bauchseite den „Menschen der Verfehlung“.

5.236 Dieser in der linken Bauchseite befindliche Mensch der Verfehlung ist schwarz wie Ruß; Kopf und Schultern bestehen aus Brahmanentötung, seine beiden Arme aus Golddiebstahl.

5.237 Sein Herz besteht aus Alkoholtrinken, seine Hüften aus dem Beischlaf mit der Frau des Lehrers, seine beiden Füße aus der Gemeinschaft mit solchen Tätern; Glieder und Nebenglieder sind weitere schwere Verfehlungen.

5.238 Die Haare bestehen aus geringeren Verfehlungen; Bart und Augen sind rot. Man stelle ihn sich grausam und zornig vor, mit Schwert und Schild. Die Gestalt verkörpert die im Text vorausgesetzte historische Sündenordnung.

5.239 Durch das Verfahren von Einatmung und weiteren Atemphasen, mit angehaltenem Lebenshauch und der Wind-Keimsilbe, lasse man ihn vom Wind austrocknen.

5.240 Dann lasse man ihn durch das aus dem Muladhara aufsteigende Feuer vollständig verbrennen; anschließend wird eine Dauer von zweiunddreißig Zeiteinheiten genannt.

5.241 Der Mantrakundige atme ihn samt der Asche durch Ida aus. In der linken Nadi vergegenwärtige er die Mond-Keimsilbe, die wie Jasmin und zehntausend Monde strahlt.

5.242 Er verbinde sie mit dem Mond an der Stirn; dann folgen sechzehn Zeiteinheiten und in der Sushumna vierundsechzig Zeiteinheiten mit der Wasser-Keimsilbe.

5.243 Man meditiere über eine aus Unsterblichkeitstrank bestehende Schöpfung in Gestalt der fünfzig Laute; aus ihr bilde man geistig den Körper und wende sich dem Weg der Pingala zu.

5.244 In zweiunddreißig Zeiteinheiten festige der Mantrakundige ihn mit der Keimsilbe Lam. So ist der ganze Körper neu entstanden und zur Verehrung der Gottheit befähigt.

5.245 Die im Selbst aufgelösten Wirklichkeitsprinzipien führe man wieder an ihre eigenen Orte; vom höchsten Selbst führe man das individuelle Selbst zum Herzlotus zurück. Die Richtungsformulierung der Vorlage ist an dieser Stelle knapp und nicht ganz eindeutig.

5.246 Mit dem Hamsa-Mantra stelle man sich ordnungsgemäß vor: Der Körper ist als Lichtgestalt neu entstanden und zur Verehrung der Gottheit geeignet.

5.247 Eine Verehrung ohne Reinigung der Elemente soll, ähnlich einer schädigenden Ritualhandlung, das entgegengesetzte Ergebnis hervorbringen – wie Verehrung ohne Hingabe.

Einsetzung des Lebenshauches

5.248 Nach solcher Elementereinigung vollziehe man die Einsetzung des Lebenshauches. Als Seher ihres Mantras gelten Brahma, Vishnu und Maheshvara. Die lange eingeschobene Anmerkung bietet zusätzliche Formeln; sie ist nicht Teil dieses Verses.

5.249 Rig-, Yajur- und Samaveda gelten als seine Versmaße, Pranashakti als Gottheit. Die Seher werden am Kopf, die Versmaße am Mund und die Gottheit am Herzen eingesetzt.

5.250 Die Keimsilbe Am wird mit Huldigung im Genitalbereich eingesetzt, die Shakti Hrim an den Füßen und der „Riegel“ Krom am Nabel; die Anwendung ist das Bestehenbleiben des Lebenshauches.

5.251 Für das Herz werden Om, Am, Hlim und Krom sowie A und die mit Nasallaut versehene Ka-Gruppe gesprochen; hinzu treten die Bezeichnung der fünf Elemente und das lange A. Die Lesart Hlim weicht hier von Hrim in benachbarten Formeln ab.

5.252 Für den Kopf folgen I und die Cha-Gruppe sowie die mit dem Klang beginnende Reihe und der Abschluss Svaha; danach dieselben Keimsilben, U und die entsprechende retroflexe Ta-Gruppe mit der beim Hören beginnenden Reihe.

5.253 Nach der Bezeichnung „von deren Wesen“ spreche man für die Haarspitze Vashat. Dann folgen wieder jene Keimsilben, E, die dentalen Ta-Laute und die bei der Sprache beginnende Reihe.

5.254 Nach Ai spreche man die Panzerformel mit Hum. Anschließend folgen die zuvor genannten vier Keimsilben, O und entsprechend die Pa-Gruppe.

5.255 Man bezeichne das Wesen der mit Sprache beziehungsweise ihrer Betätigung beginnenden Reihe und spreche Au sowie die Augenformel mit Vaushat; dann folgen die vier Keimsilben, A, die entsprechende Ya-Gruppe und die mit dem Geist beginnende Reihe.

5.256 Nach der Bezeichnung „von deren Wesen“ folgen der letzte Vokal und die Waffenformel mit Phat. Ebenso setze man die Formeln an den Händen ein, von den Daumen bis zu den Handflächen.

5.257 Am, Hrim und Krom setze man der Reihe nach unterhalb des Nabels, unterhalb der Kehle und im oberen Körperbereich ein; danach folgt die Einsetzung auf den acht Blättern des Herzlotus. Die Begrenzungen der drei Körperzonen sind im Grundtext verkürzt bezeichnet.

5.258 Von Osten aus setze man nacheinander die Laute Lam, Ram, Ham, Sham mit retroflexem Zischlaut, Yam, Vam, Sam, Sham mit palatalem Zischlaut und Ksham auf den Blättern und in der Mitte des Herzens ein.

5.259 Nach dieser Einsetzung in den Richtungen meditiere man über Pranashakti im Herzen. Höre, Geliebte: Ihre hier zu verwendende Meditationsgestalt beschreibe ich nun.

5.260 „Ich verneige mich vor der roten, dreiäugigen Göttin, die auf einem roten Lotus in einem Boot auf dem roten Meer sitzt und in ihren Lotushänden Schlinge, Stachel, Bogen, vorzügliches Schwert, Pfeile, Dreizack und Schädelschale trägt.“ Damit endet die Meditation über Pranashakti.

5.262a Man lege die Hand auf das Herz, spreche die zuvor genannten Keimsilben und die acht mit Ya beginnenden Laute, dann Hamsa und Soham sowie: „Meine Lebenshauche – hier die Lebenshauche.“ Die Vorlage springt nach Vers 260 unmittelbar zu 262; eine selbständige Nummer 261 fehlt.

5.263 Dann spreche man: „Mein individuelles Leben ist hier gegenwärtig“, wiederhole die vorangehenden Worte und nenne anschließend „meine Sprache, meinen Geist und mein Auge“.

5.264 Es folgen Gehör, Geruch und Lebenshauche sowie die Bitte: „Hierhergekommen, mögen sie glücklich lange verweilen.“ Man schließe mit Svaha und wiederhole danach Om.

5.265 Man meditiere über den lichtgestaltigen Körper: Dies ist die Einsetzung des Lebenshauches. Nach dreimaligem Pranayama vollziehe man den Matrika Nyasa.

Atemregelung und Lautkräfte

5.266 Drei Arten des Pranayama werden genannt: tantrisch, vedisch und yogisch. Ihnen werden der Reihe nach Vollendung, Tilgung von Verfehlungen und yogische Verwirklichung als Frucht zugeordnet.

5.267 Die tantrische Form gilt als zweifach: nach den Alphabetkräften und nach dem Mantra. Wird die erste am Anfang und Ende der Mantrawiederholung ausgeführt,

5.268 soll sie alle Fehler wie die Vertauschung von Lauten beseitigen. Höre darüber: Durch die linke Seite atme man mit den Vokalen ein, beim Anhalten folgen die mit Ka beginnenden Laute.

5.269 Durch die rechte Nasenseite atme man mit den bei Ya beginnenden Alphabetlauten aus. Man halte den Lebenshauch nur dem eigenen Vermögen entsprechend und wiederhole das Mantra ausschließlich geistig.

5.270 Beim mantraorientierten Verfahren hält man die Nase mit kleinem Finger, Ringfinger und Daumen. So ist die dreifache Atemregelung beschrieben; was man darüber hinaus geistig vollzogen hat,

5.271 sei es Mantrawiederholung oder Verehrung, dessen Fehler soll dieses Verfahren beseitigen. Nun folgt die Gayatri zusammen mit ihrem Schluss und den sieben vorangestellten Weltenrufen.

5.272 Jeder Weltenruf wird mit Om verbunden; dreimalige Wiederholung gilt hier als vorzüglich. Als Zeitmaß wird auch das Führen des Daumens vom Ansatz bis zur Spitze des Mittelfingers beschrieben.

5.273 Die Kundigen nennen dies eine Matra; sie dient der Bemessung der yogischen Übung. Ein weiteres Maß ist die Zeit, in der die Hand einmal um das Knie geführt wird.

5.274 Ebenso gilt die Dauer eines eigenen Atemzuges als Matra. Die unterste Stufe umfasst zwölf, die mittlere vierundzwanzig solcher Einheiten.

5.275 Die höchste umfasst sechs Gruppen, hier gewöhnlich als sechsunddreißig Einheiten verstanden; dies soll die drei Yogaformen fördern. Ist das alleinige Anhalten vollendet, entsteht die dem Raja Yoga zugeschriebene Verwirklichung.

5.276 Der Text verbindet damit das Zurückhalten der Zeugungskraft, langes Leben und das Verschwinden von Falten und grauem Haar. Sind Einatmung und Anhalten vollendet, werden die Wirkungen des Kriya Yoga genannt.

5.277 Zu den zuvor genannten Wirkungen soll die Freiheit von Beeinträchtigung durch Kälte, Hitze, Hunger und Durst treten. Wenn Einatmung, Anhalten und Ausatmung gleich werden,

5.278 gilt der Hatha Yoga als vollendet und auf die acht übernatürlichen Fähigkeiten wie das Kleinwerden ausgerichtet. Die unterste Stufe bringt geringe, die mittlere mittlere und die höchste sämtliche Früchte hervor.

5.279 Durch drei Jahre ununterbrochene Übung sollen alle Früchte entstehen. Damit, Schönangesichtige, habe ich dir das Verfahren des Pranayama erklärt. Diese Aussagen geben die traditionellen Wirkungszuschreibungen des Textes wieder.

Sinn und Formen des Nyasa

5.280 Der Seher wird aufgrund seines Lehrercharakters am Kopf eingesetzt, das Versmaß aufgrund seiner Lautgestalt am Mund; die Gottheit, die den Geist kennt, soll im Herzen getragen werden.

5.281 Der Text leitet „Rishi“ deutend von einer Wurzel für Bewegung beziehungsweise Erreichen ab: Der erste Laut bezeichnet das Erlangen, der zweite Erkenntnis; der Rishi ist somit der, der Erkenntnis vermittelt. Dies ist eine traditionelle Sinndeutung, keine moderne Wortherkunft.

5.282 Das Versmaß wird mit einer Wurzel für Wünschen verbunden, weil es hier wirkt und der Mund den Wunsch zum Ausdruck bringt; eine zweite Deutung erklärt es aus dem Verhüllen des Mantrasinns.

5.283 Die Wurzel div wird im Sinn des Spielens verstanden. Die Gottheit wird außerdem so genannt, weil sie dem Übenden das Erwünschte gibt.

5.284 Das eigene Bewusstseinswesen besteht schützend im Herzen. Deshalb verneige man sich davor und berühre es mit dem bezeichneten Finger; die Fingerangabe der Vorlage ist nicht eindeutig.

5.285 Svaha wird mit dem vollständigen Herbeiholen der Welten verbunden; dafür werden hier der herangezogene Ring- und Zeigefinger vorgesehen.

5.286 Das Wort Vashat gehört zur Haarspitze: Durch diese wird der eigene Körper erfasst. Deshalb wird Vashat mit dem Mittelfinger verbunden.

5.287 Die Bezeichnung des Panzers wird vom Ergreifen her gedeutet; mit Hum wird er gefasst. Am Körper geschieht die Panzerhandlung auch mit Zeige- und Ringfinger.

5.288 Vaushat bewirkt dem Text zufolge wirklichkeitsgemäße Erkenntnis; diese entsteht durch die Augen. Deshalb wird Vaushat dort eingesetzt, mit den beim Zeigefinger beginnenden Fingern.

5.289 Bei Gottheiten wie Kubera wird wegen der Einäugigkeit die Einzahl verwendet; bei Vishnu und ähnlichen die Zweizahl, bei Rudra und ähnlichen die Bezeichnung der drei Augen.

5.290 Die Waffe vertreibt das aus Unwissenheit entstandene Leiden des Übenden, angefangen bei den inneren Beeinträchtigungen; Phat wird mit den beiden Händen ausgeführt.

5.291 Nach dem Pranayama mit den Alphabetkräften vollziehe man die Einsetzungen. Es werden einundzwanzig genannt, auch entsprechend den unterschiedlichen Anliegen.

5.292 Sie unterscheiden sich nach der Befähigung der Ausführenden, nach verpflichtender täglicher Anwendung und nach der Gottheit. Ihr Geheimnis wird nun erläutert.

5.293 Bei einer männlichen Gottheit gilt die ausschließlich aus Vokalen bestehende Matrika als tägliche Form. Durch ihre Einsetzung sollen die Eigenschaften und Voraussetzungen der Verehrung im Übenden zur Vollendung gelangen; das entsprechende Wort ist in der Vorlage unsicher.

5.294 Seher ist Brahma, Gottheit die Matrika genannte Sarasvati. Die Konsonanten sind Keimsilben, Gayatri ist das Versmaß, die Vokale gelten als Shaktis.

5.295 Das Unmanifestierte wird als Riegel angegeben; die Anwendung dient dem Gelingen des Erwünschten. Man beginne an der rechten Handfläche, dann am Handrücken und am äußeren Handrand.

5.296 Es folgen Daumen und die übrigen Finger; links geht man in umgekehrter Folge vor. Die Vokale mit Nasalpunkt werden nacheinander eingesetzt: Dies ist die erste Einsetzungsform.

5.297 Wird diese Einsetzung in entgegengesetzter Richtung ausgeführt, heißt sie auflösende Einsetzung. Sie wird zu Beginn für die Beseitigung von Verfehlungen, Feinden und Ähnlichem angewandt.

5.298 Wird die Einsetzung allein mit Vokalen samt Visarga ausgeführt, heißt sie schöpferische Einsetzung; am Beginn einer Anwendung soll sie deren Gelingen dienen.

5.299 Von der linken Handfläche bis zum kleinen Finger setze man die acht bei dem vokalischen L beginnenden Vokale ein; entsprechend verfahre man von der rechten Handfläche aus.

5.300 Dort beginnt die Folge bei A; die Laute werden mit Nasalpunkt und Visarga verbunden. Dieser Nyasa betrifft Erhaltung und Fortbestand des Körpers; Seher, Gottheit und übrige Angaben sind wie zuvor.

5.301 Die fünfzehn Laute von Ka bis zum retroflexen Na setze man an den Fingergliedern der rechten Hand ein, vom Daumen bis zum kleinen Finger.

5.302 Alle tragen den Nasalpunkt. An der linken Hand verfahre man ebenso mit den beim dentalen Ta beginnenden Lauten; anschließend werden beide Hände vom Daumen bis zum kleinen Finger einbezogen.

5.303 Die fünf folgenden Laute spreche man gemeinsam mit abschließender Huldigung, während die Hand auf die jeweilige Stelle gelegt wird. Dies ist die Einsetzung zur Reinigung der Hände; die Anfangsbezeichnung der Fünfergruppe ist im Grundtext beschädigt.

5.304 Zwischen A und langem A steht die Ka-Gruppe, zwischen I und langem I die Cha-Gruppe, zwischen U und langem U die retroflexe Ta-Gruppe, zwischen E und Ai die dentale Ta-Gruppe.

5.305 Zwischen O und Au steht die Pa-Gruppe, zwischen A und Ah die bei Ya beginnende Reihe. Mit diesen nasalierten Lauten vollziehe man die Einsetzungen an den Fingern und anschließend am Herzen und den weiteren Körperstellen.

5.306 Auch hierfür gelten die entsprechenden Angaben zu Seher und übrigen Bestandteilen sowie zur Anwendung: Reinigung der sechs Glieder und Aufhebung von Verfehlungen, die etwa aus Zorn entstanden sind.

5.307 Durch dreimaliges Klatschen und das Waffenmantra grenze man die Richtungen ab. Danach meditiere man über die am Kopf befindliche weiße, lotusfarbene Gestalt.

5.308 In der Mitte des Lotus vergegenwärtige man das eigene Mantra, in den acht Staubfadenbereichen je ein Vokalpaar und auf sieben Blättern die mit Ka beginnenden sieben Lautgruppen.

5.309 Auf dem achten Blatt betrachte man Lam und Ksham. Solche Betrachtung soll Krankheit und vorzeitigen Tod beseitigen.

Innere und äußere Matrika

5.310 Nun werde ich die innere Einsetzung der Alphabetkräfte erklären, die innere Vollendung bewirkt. Wer sie vollzogen hat, dessen Geist wendet sich als Yogi nicht der Verfehlung zu. Die angehängte Anmerkung ergänzt das im Grundtext nicht ausgeführte Verfahren aus einem anderen Tantra.

5.311 Nachdem sie im Muladhara den Klang vernommen hat, erwacht die Shakti Kundalini: bisweilen einem Feuer vergleichbar, ihrem Wesen nach feinstes Licht.

5.312 Nun erkläre ich die äußere Einsetzung. Im zuvor genannten Lautlotus an der Brahmaöffnung meditiere man über Sarasvati, die Matrika genannt wird.

5.313 „Ich verneige mich vor Bharati: Ihr schönes Gesicht, ihre Arme, Füße, ihr Bauch und ihre Brust bestehen aus den fünfzig unterschiedlichen Lauten. In ihrer strahlenden Haartracht trägt sie die Mondsichel; sie ist weiß wie Mond und Jasmin, dreiäugig, auf einem Lotus sitzend und von vollen Brüsten und Hüften geprägt. Ihre Hände tragen Rosenkranz, Krug und Zeichen des Wissens beziehungsweise Schreibens; die Wortfolge dieser Handattribute ist beschädigt. Ihr Schmuck sind die Laute.“ Der folgende unnummerierte Zusatz erläutert das Lautdiagramm: Vom Wurzelzentrum bis zur Brahmaöffnung soll der Bewusstseinspunkt betrachtet und die Matrika mit seinem ausströmenden Nektar gesättigt werden; andere Tantras verwenden eine abweichende Hamsa-Form. Im äußeren Quadrat werden Richtungshüter und Waffen verehrt. Die Textdatei enthält danach lediglich den Hinweis „Abbildung“, kein auswertbares Bild.

5.314 Die Vokale setze man an Stirn und Gesichtsumkreis, Augen, Ohren, Nasenseiten, Wangen, Lippen, beiden Zahnreihen, Scheitel und Mund ein.

5.315 Der Einsichtige setze die Ka- und Cha-Gruppen an den Gelenkstellen der Arme bis zu den Fingerspitzen ein; die retroflexe und dentale Ta-Gruppe entsprechend an den Beinen. Danach folgen beide Körperseiten und der Rücken.

5.316 Die Pa-Gruppe wird an den Körperseiten, am Rücken, Nabel und Bauch eingesetzt; die vier mit Ya beginnenden Laute an Herz, Schultern und oberem Rücken. Darauf folgt die Sechsergruppe, die mit dem palatalen Sha beginnt.

5.317 Diese wird vom Herzen aus an beiden Armen, beiden Beinen, am Bauch und am Gesicht eingesetzt. Dieser Nyasa soll ausgelassene Laute und Lautlängen bei der Rezitation ergänzen.

5.318 Wird die Einsetzung von Ksha rückwärts bis A ausgeführt, heißt sie auflösender Nyasa; sie wird auch Bindu-Nyasa genannt.

5.319 Bei den dem linken Weg Folgenden, die den Dienst an der Shakti vollziehen, soll der auf die innere Einsetzung folgende Bindu-Nyasa das Zurückhalten des Samens bewirken.

5.320 Der Text gestattet im folgenden sexuellen Ritualzusammenhang den Genuss bis zur Erregung beziehungsweise Befeuchtung der Shakti. Die Meditation über die Gottheit wird für den linken und rechten Weg beschrieben.

5.321 „Verneigt euch vor der Herrin der Laute, der Roten, auf einem Lotus Wohnenden, deren Gestalt sich unter der Fülle ihrer Brüste neigt. Sie hat drei Augen und die Mondsichel im Haar; beständig hält sie Rosenkranz, junges Reh, erhobenes Beil und das Wissen in ihren Händen.“

5.322 Ist das Anliegen des Shakta erfüllt, vollziehe er den Visarga-Nyasa; darauf soll der Bindu entlassen werden. Deshalb werden Bindu und Visarga hier auf das Zurückhalten und Aussenden bezogen.

5.323 Diese beiden Einsetzungen werden für den Shakta des linken Weges oder den Kaulika gelehrt. Wird jedoch vor der Befriedigung der Shakti alles freigesetzt – auch bei ausgeführtem Nyasa –,

5.324 so droht der Text Hölle für die Dauer des Bestehens von Mond und Sonne an; schon in dieser Welt solle der Betreffende ohne Nachkommen und ohne geistigen Glanz bleiben. Die Deutung folgt dem sexuellen Zusammenhang; der Satzbau von Vers 323 ist unsicher.

5.325 Wer sich um Genuss und Befreiung willen unvorbereitet auf den linken Weg einlässt, gleicht nach diesem Bild jemandem, der ohne Schutzmantra den Edelstein einer Schlange ergreifen will.

5.326 Der Matrika-Nyasa mit Visarga wird wie der einfache Matrika-Nyasa ausgeführt; der Unterschied besteht darin, dass die Laute mit abschließendem Visarga gesprochen werden.

5.327 Für die Erhaltung werden die mit Bindu und Visarga verbundenen Laute vom retroflexen Da bis zum retroflexen Tha eingesetzt. Die Angaben zum Mantra bleiben wie zuvor; nun folgt die Meditation für die sechs Glieder.

5.328 Man meditiere über die zinnoberleuchtende, reich geschmückte, dreiäugige Gestalt, die Wissen, Rosenkranz, junges Reh und die Wunschgewährung trägt; ebenso über die seitlich stehende goldglänzende Göttin, deren Lotushände Buch und Lautgirlande halten.

5.329 Vedische Schüler sollen die Nyasas in der Folge Erhaltung, Auflösung, Schöpfung ausführen; Hauslebende in der Folge Auflösung, Schöpfung, Erhaltung.

5.330 Waldbewohner und Entsagende folgen nacheinander Schöpfung, Erhaltung und Auflösung.

Kalas und Gottheitenpaare

5.331 So ist die ausführliche Lehre vom Matrika-Nyasa dargelegt. Nun werde ich den Nyasa der Kala-Matrika erklären; als sein Seher wird

5.332 Prajapati genannt, als Versmaß Gayatri und als Gottheit die Matrika genannte Sarasvati. Seine Anwendung dient dem Gelingen des Erwünschten.

5.333 Die sechs Glieder werden mit Om versehen, jeweils zwischen den kurzen und langen Lautformen. Höre nun, Geliebte, die Meditation beim Nyasa der Kala-Matrika.

5.334 „Ich verneige mich vor Sharada, die dem vollen Mond gleicht und sich unter der Fülle ihrer Brüste neigt. Ihre Hände tragen Lotus, Rad, Schnur, Reh, Buch, Lautgirlande, Beil, weiße Schädelschale und einen goldenen Krug, der von ausfließendem Nektar glänzt. Ihre fünf dreiäugigen Gesichter leuchten wie Perle, Blitz, Regenwolke, Kristall und Hibiskus.“

5.335 Nach dieser Meditation setze man die bei A beginnende Matrika ein, mit Om umschlossen, mit Nasalpunkt, dem im Dativ genannten Namen der jeweiligen Kala und abschließender Huldigung.

5.336 Dies geschieht an den zuvor genannten Stellen der einfachen Lauteinsetzung. Die Kalas heißen Nivritti, Pratishtha, Vidya, Shanti und Riddhika,

5.337 Dipika, Rechika, Mochika, Apara, Sukshma, Sukshmamrita, Jnanamrita und Apyayini,

5.338 Vyapini, Vyomarupa, Ananta, Srishti, Samriddhika, Smriti, Medha, Kanti, Dyuti, Lakshmi, Sthira und Sthiti,

5.339 Siddhi, Jara, Palini, Kshanti, Ishvarika, Rati, Kamika, Varada, Hladini und Priti,

5.340 Dirgha, Tikshna, Raudri, Maya – eine Anmerkung bietet die Lesart „Maya“ mit kurzem erstem Vokal –, Nidra, Tandrika, Kshudha, Krodhini, Kriya, Utkari und Mrityu,

5.341 sowie Pita, Shveta, Aruna, Asita und Nata. Damit ist die Kala-Matrika genannt; man setze sie an den A und den weiteren Lauten entsprechenden Stellen ein. Einzelne Namen und die Abgrenzung zusammengesetzter Namen bleiben textlich unsicher.

5.342 Die aus den Vokalen hervorgehenden Kalas entstehen aus Sadashiva als Klangwesen. Sie tragen Rosenkranz, Buch, Schlinge und Schädelschale

5.343 in ihren Händen und werden mit gelbem Duftstoff bestrichen meditiert. Die zehn Kalas der Ka- und Cha-Gruppe werden hier als aus Vishnus U-Laut entstanden bezeichnet.

5.344 Sie sind rot, tragen Lotus und Rosenkranz und gewähren Gaben. Auch die zehn Kalas der retroflexen und dentalen Ta-Gruppe werden als aus Vishnus U-Laut entstanden bezeichnet. Die doppelte Herkunftsangabe wird nach der Vorlage beibehalten.

5.345 Diese sind dunkel und zeigen Furchtlosigkeit, Muschel, Lotus und Wunschgewährung. Aus Rudras M-Laut entstehen die neun Kalas der Pa- und Ya-Gruppen.

5.346 Sie gleichen dem Herbstmond; die Übenden sollen sie mit Furchtlosigkeitsgeste, Dreizack, Schädelschale und Wunschgewährung in den Händen betrachten.

5.347 Bei den fünf mit Sha beginnenden Lauten wird Ishvara dem Bindu zugeordnet. Die zugehörigen Kräfte zeigen mit ihren zarten Händen Furchtlosigkeit und tragen Reh und Beil sowie die Wunschgewährung.

5.348 Sie sind rot und werden beim Kala-Nyasa so meditiert. Für die mit Keshava beginnende Matrika ist Narayana als Seher angegeben; das vorangehende Wort ist nicht sicher zu bestimmen.

5.349 Das Versmaß ist die als Amrita beginnende Gayatri, Gottheit Lakshmi-Hari. Die sechs Glieder werden mit den je zweimal verwendeten Keimsilben der Shakti, Shri und Kama versehen.

5.350 „Ich verehre Lakshmi-Hari, wolken- und blitzfarben, Muschel, Rad, Keule, Lotus, Krug, Spiegel, weiteren Lotus und Buch tragend.“

5.351 Die Shaktis sitzen lächelnd auf dem Schoß ihrer Geliebten. Nach dieser Meditation setze man die Laute ein, die von den Keimsilben Shakti, Shri und Kama umschlossen sind.

5.352 Mit Om beginnend und mit der Huldigung abschließend spreche man Keshava und die weiteren Gottheiten zusammen mit ihren Shaktis in der grammatischen Zweizahl des Dativs; man setze sie an den bei A beginnenden Stellen ein.

5.353 Der Kala-Nyasa ist die tägliche Form der Shaktas, dieser dagegen die der Vishnuverehrung. Keshava ist mit Kirti verbunden und Narayana mit Kanti.

5.354 Madhava gehört zu Tushti, Govinda zu Pushti, Vishnu zu Dhriti und Madhusudana zu Shanti.

5.355 Trivikrama ist mit Kriya verbunden, Vamana mit Daya, Shridhara mit Medha und Hrishikesha mit Harsha.

5.356 Zu Padmanabha gehört Shraddha, zu Damodara Lajja und zu Vasudeva Lakshmi; danach steht eine beschädigte Götterbezeichnung zusammen mit Sarasvati.

5.357 Pradyumna gehört zu Priti, Aniruddha zu Rati, der Radträger zu Jaya, der Keulenträger zu Durga und der Sharnga-Bogenträger zu Prabha.

5.358 Der Schwertträger ist mit Sama verbunden, der Muschelträger mit Chanda, der Pflugträger mit Vani und der Mörserkeulenträger mit Vilasini.

5.359 Der Dreizackträger gehört zu Vijaya – alternativ Vinoda –, der Schlingenträger zu Viraja, der Stachelträger zu Vishva und Mukunda zu Vinaya.

5.360 Nandaja ist mit Sunada verbunden, Nandi mit Satya, Nara mit Riddhi, Narakajit mit Samriddhi und Hari mit Shuddhi. Die Namensformen Sunada und Samriddhi sind in der Vorlage unregelmäßig geschrieben.

5.361 Krishna gehört zu Buddhi, Satya zu Bhuti und Satvata zu Mati; Bhudhara ist mit Kledini verbunden, Vishvamurti mit Klinna.

5.362 Vaikuntha gehört zu Vasudha, Purushottama zu Vasuda, Bali zu Para und Balanuja zu Parayana.

5.363 Bala gehört zu Sukshma, Vrishaghna zu Sandhya, Vrisha zu Prajna, Hamsa zu Prabha und Varaha zu Nisha.

5.364 Vimala ist mit Medha und Narasimha mit Vidyut verbunden. Damit ist die bei Keshava beginnende Matrika genannt; die Verbindung mit den bei Ya beginnenden Lauten erfolgt wie zuvor.

5.365 Nun werde ich für die Verehrer Shivas die bei Shrikantha beginnende Matrika erklären. Als Seher gilt Dakshinamurti, als Versmaß Gayatri.

5.366 Gottheit ist Hara, dessen eine Hälfte die Bergtochter bildet; die Anwendung dient sämtlichen Vollendungen. Die Konsonanten als Keimsilben setzt man im Genitalbereich ein, die Vokale als Shaktis an den Füßen.

5.367 Wie zuvor stellt man die Lautgruppen zwischen kurze und lange Vokale; ebenso wird Hrasaum mit sechs Langvokalformen verbunden. Damit setzt man die sechs Glieder am Körper ein.

5.368 „Beständig suchen wir Zuflucht bei der Gestalt, die zur Hälfte Ambika, zur Hälfte der Herr ist: bandhuka-rot und goldfarben, dreiäugig, mit der Mondsichel geschmückt. Ihre Arme tragen Blut beziehungsweise ein blutfarbenes Attribut, Rosenkranz, Schlinge, Stachel und Wunschgewährung.“ Die Zusammensetzung des ersten Handattributes ist in der Vorlage unklar.

5.369 Man spreche Hrasaum und die Matrika-Laute, dann die Gottheit mit ihrer Shakti im Dativ und abschließender Huldigung; die Einsetzung erfolgt an den Matrika-Stellen. Die grammatische Anweisung ist stellenweise beschädigt.

5.370 Bei den zehn mit Ya beginnenden Lauten nenne man Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark, Samen, Lebenshauche, Kraft und Zorn beziehungsweise Selbst; die Schlussglieder der überlieferten Aufzählung sind nicht eindeutig abgegrenzt.

5.371 Shrikantha ist mit Purnodari verbunden, Ananta mit Viraja, Sukshmesha mit Shalmalli und Trimurtika mit Lolakshi.

5.372 Amaresha gehört zu Vartulakshi, Varshisha zu Dirghagona, Bharabhuti zu Dirghamukhi und Tithisha zu Gomukhi.

5.373 Sthanvisha ist mit Dirghajihva verbunden, Hara mit Kundodari, Jhintisha mit Urdhvakeshi und Bhautika mit Vikritasya.

5.374 Sadya gehört zu Jvalamukhi, Anugraha zu Ulkamukhi, Akrura zu Shrimukhi und Mahasena zu Vidyamukhi.

5.375 Krodhana ist mit Mahakali verbunden, Chandesha mit Sarasvati; Panchantaka wird mit Sarvasiddhi-Gauri verbunden genannt.

5.376 Shivottamesha setze man zusammen mit Trailokyavidya ein, Ekarudra mit Mantrashakti und Kurmesha mit Ashtashakti.

5.377 Ekanetra ist mit Bhutamatra verbunden, Chaturanana mit Lambodari und Ajesha mit Dravini.

5.378 Sarvesha gehört zu Nagari, Somesha zu Khechari, Langalisha zu Manjari und Darukesha zu Rupini.

5.379 Ardhanarisha ist mit Varini verbunden, Umakanta mit Kakodari; Ashadhi wird als mit Putana verbunden bezeichnet.

5.380 Chandisha gehört zu Bhadrakali, Atrisha zu Yogini, Minesha zu Shankhini und Meshesha zu Tarjani.

5.381 Lohita ist mit Kalaratri verbunden, Shikhisha mit Kubjini, Chagalanda mit Kapardini und Dvidandisha mit Vajra.

5.382 Mahakala gehört zu Jaya, Balisha zu Sumukheshvari, Bhujanga zu Rechani und Pinaki zu Madhavi.

5.383 Khadgisha ist mit Varuni verbunden, Bakesha mit Vayavi, Shveta mit Rakshovidarini und Bhagu mit Sahaja.

5.384 Nakulisha gehört zu Lakshmi, Shivesha zu Vyapini und Samvartaka zu Mahamaya. Dies sind die Matrikas.

5.385 Die mit Shrikantha beginnenden Bezeichnungen werden im Dativ verwendet; die Formulierung zum letzten Namensbestandteil ist nicht eindeutig. Alle Rudras gelten als rot und tragen Dreizack und Schädelschale.

5.386 Die Shaktis befinden sich auf den Sitzen der Rudras, mit zinnoberroten Körpern; ihre Lotushände sind mit rotem Wasserlotus und Schädelschale geschmückt.

5.387 Wer die zehn Mahavidyas verehrt, besitzt die Befähigung zur Einsetzung der Matrika mit vorangestellter Keimsilbe der Bhuvaneshvari.

5.388 Seher ist Shakti, Versmaß Gayatri und Gottheit die aus den Matrikas bestehende Bhuvaneshi; die Anwendung dient dem Gelingen des Erwünschten.

5.389 Mit den sechs Lautgruppen zwischen kurzen und langen Lautformen werden wie zuvor die sechs Körperglieder und ebenso die beim Daumen beginnenden Handstellen versehen. Ein Wort der entsprechenden Körperanweisung ist beschädigt.

5.390 „Möge die dreiäugige Herrin der Welt uns Glück gewähren: Auf einem Lotus sitzend, strahlt sie wie zehn Millionen aufgehende Sonnen; ihre vollen Brüste sind hoch gewölbt. Mondsichelkrone, Halskette, Hüftgürtel und Fußringe schmücken sie. In ihren Lotushänden trägt sie Rosenkranz, Schlinge, Stachel und Buch.“

5.391 Man setzt den Matrika-Lauten die Keimsilbe der Lajja voraus. Dieser Matrika-Nyasa der Bhuvaneshi dient der Erlangung von Herrschaft.

5.392 Hauslebende, die Wohlstand wünschen, sollen die Shri-Keimsilbe voranstellen. Seher ist Bhrigu, Versmaß Gayatri; die Gottheit besitzt Matrika-Gestalt.

5.393 Als Gottheit wird Lakshmi genannt. Für die sechs Glieder und den übrigen Nyasa wird die Shri-Keimsilbe vorangestellt; die zusätzliche Anweisung zum Austausch zweier Lautbezeichnungen ist in der Vorlage nicht sicher lesbar.

5.394 „Man meditiere über die Herrin der Welt, blitzgirlandenhell, unter der Fülle ihrer Brüste geneigt und von leuchtenden Edelsteinen umstrahlt. Vier dem Schneegebirge gleichende Elefanten übergießen sie aus Nektarkrügen, die sie mit ihren Rüsseln emporheben. Ihre Lotushände tragen Rosenkranz, zwei Lotusse und Buch.“ Das Wort für die Elefanten ist in der überlieferten Zeile offenbar entstellt; die Rüssel machen das Bild erkennbar.

5.395 Für das Erlangen einer begehrten Frau wird der Matrika-Nyasa mit vorangestellter Kama-Keimsilbe gelehrt; als Seher gilt Sammohana. Dies gehört zum historischen Anziehungsritual des Textes.

5.396 Versmaß ist Gayatri, Gottheit die aus den Matrikas bestehende große Göttin Sammohani. Die sechs Glieder werden nach dem vorigen Verfahren eingesetzt.

5.397 „Man meditiere über die Mutter aller Wesen, strahlend wie zehn Millionen junge Sonnen, dreiäugig und mit dem jungen Mond geschmückt. Ihre Lotushände tragen einen Kristallrosenkranz, den Zuckerrohrbogen, die fünf Liebespfeile und das Wissen.“

5.398 Durch den Matrika-Nyasa mit den Keimsilben Shakti, Shri und Kama sollen die vielfältig beschriebenen Mantrafehler wie die feindliche Zuordnung verschwinden.

5.399 Seher ist Mahasammohana, Versmaß Gayatri, die Göttin heißt Sammohani. Der Nyasa gleicht dem zuvor beschriebenen Matrika-Nyasa.

5.400 „Ich meditiere über Sammohani, rot, dreiäugig, mit dem jungen Mond im Haar und von der Fülle ihrer Brüste geprägt. Mit neun Armen trägt sie Rosenkranz, Zuckerrohrbogen, Schlinge, zwei Lotusse, Stachel, Wunschgewährung und ein neues Buch.“ Die überlieferte Aufzählung und Armzahl sind nicht vollständig deckungsgleich.

Ganesha-Matrika und Prapancha-Yaga

5.401 Zur Beseitigung aller Hindernisse soll dieser Nyasa unbedingt ausgeführt werden. Seher der Ganesha-Matrika ist Ganaka.

5.402 Versmaß ist Nicrid-Gayatri, Gottheit Shakti-Vinayaka. Nach Einsetzung der Glieder mit den bezeichneten, unter anderem langvokalischen Lautformen meditiere man über den Elefantengesichtigen.

5.403 „Ich verehre den roten, dreiäugigen Ganapa: Seine Hände tragen Dreizack und Stachel und zeigen Wunschgewährung und Furchtlosigkeit. Seine Geliebte, die einen roten Lotus hält, umfasst ihn.“

5.404 Vighnesha ist mit Hri verbunden, Vighnaraja mit Shri, Vinayaka mit Pushti und Shivottama mit Shanti.

5.405a Vighnakrit gehört zu Svasti, Vighnaharta zu Sarasvati, Gana zu Svaha und Ekadanta zu Sumedha.

5.405b Dvidanta gehört zu Kanti, Gajavaktra zu Kamini, Niranjana zu Mohini und Kapardi zu Nati. Die Vorlage wiederholt hier die Nummer 405; die folgende Nummer 406 fehlt.

5.407 Dirghajihva ist mit Parvati verbunden, Shankukarna mit Jvalini, Vrishadhvaja mit Nanda und Gananayaka mit Suyasha; eine Anmerkung nennt stattdessen Suresha.

5.408 Gajendra gehört zu Kamarupini, Shurpakarna zu Uma, Trilochana zu Tejovati und Lambodara zu Satya.

5.409 Mahananda ist mit Vighneshi verbunden, Chaturmurti mit Svarupa, Sadashiva mit Kamada und Amoda mit Madajihva.

5.410 Durmukha gehört zu Bhuti, Sumukha zu Bhautika, Pramoda zu Sita und Ekapada zu Rama.

5.411 Dvijihva ist mit Mahishi verbunden, Shura mit Jambhini, Vira mit Vikarna und Shanmukha mit Bhrikuti.

5.412 Varada gehört zu Lajja, Vamadeva zu Dirghaghona und Dvirada zu Yamini. Dazwischen nennt die Vorlage Dhanurdhara und Vakratunda; die grammatische Paarung ist hier unsicher.

5.413 Sinisha ist mit Ratri verbunden, Kamandha mit Gramani, Matta mit Shashiprabha und Vimatta mit Lolalochana.

5.414 Mattavahana gehört zu Chanchala, Jati zu Dipti, Mundi zu Subhaga und Khadgi zu Durbhaga.

5.415 Varenya ist mit Shiva verbunden, Vrishaketana mit Bhaga, Bhaktapriya mit Bhagini und Ganesha mit Bhogini.

5.416 Meghanada gehört zu Subhaga, Vyapi zu Kalaratri und Ganeshvara zu Kalika. Damit ist die Vighnesha-Matrika genannt.

5.417 Die Verbindung der bei Ya beginnenden Laute mit Haut und weiteren Körperbestandteilen ist wie zuvor. Nun wird der Nyasa des Prapancha-Yaga erklärt, der Genuss und Befreiung verleiht.

5.418 Dreimal vollziehe man Pranayama mit dem Mahaganesha-Mantra. Seher des Prapancha-Yaga ist Ganaka.

5.419 Das Versmaß ist die mit Nicrid näher bezeichnete Gayatri, Gottheit Mahaganapati. Man setze diese Angaben am Kopf und den übrigen Stellen ein, die Keimsilbe Gam im Genitalbereich.

5.420 Die Shakti Svaha wird an den Füßen eingesetzt; die Anwendung dient dem Gelingen des Erwünschten. Om, Shrim, Hrim, Klim, Glaum und Gam werden mit den sechs Langvokalformen verbunden.

5.421 Nach ihrer Aussprache vollziehe man die Einsetzung an den Körpergliedern und den beim Daumen beginnenden Handstellen. Mit dem Waffenmantra und zweimaligem Klatschen schirme man die Richtungen ab.

5.422 Mit dem Schnippen von Zeigefinger und Daumen vergegenwärtige man die zehn Richtungen. Anschließend meditiere man über Ganapa, um das Erwünschte zu erreichen.

5.423 „Ich verehre den elefantengesichtigen, mondgeschmückten, roten, dreiäugigen Herrn, den seine auf dem Schoß sitzende, lotustragende Geliebte innig umfasst. Seine Hände tragen Zitrusfrucht, Keule, Dreizack, Rad, Lotus, Schlinge, weiteren Wasserlotus, Reisspitze, eigenen Stoßzahn und Edelsteinkrug.“ Die Zusammensetzung des Dreizackattributes ist in der Vorlage verkürzt.

5.426a Danach wiederhole man achtmal das Mahaganapati-Mantra. Für die einsilbige Keimsilbe Gam gilt Ganaka als Seher. Die Vorlage nummeriert diesen auf 423 folgenden Vers als 426; zur Unterscheidung von der späteren regulären 426 steht hier 426a.

5.425 Gottheit ist Vighneshvara, das Versmaß heißt Nicrid-Gayatri. Die Anwendung dient der vollständigen Ausführung des Prapancha genannten Opfers mit seinen Gliedern.

5.426b Vorgesehen sind vierundvierzig Wiederholungen. Dann vollziehe man die Einsetzung der Glieder mit dem G-Laut und den sechs Langvokalen.

5.427 Man betrachte ihn mit Keule, Schlinge und Stachel in den Händen: dreiäugig, dickbäuchig, vorzüglich, zinnoberfarben, mit dem Mond im Haar und mit Schlangen geschmückt; die Schläfenflüssigkeit des Elefanten fließt herab.

5.428 Danach wiederhole man einmal die mit „Dich, den Herrn der Scharen“ beginnende vedische Formel. Seher des Ganesha-Mala-Mantras ist Ganaka, sein Versmaß wird als bemessen und Ganapati als Gottheit bezeichnet.

5.429 Der Text erschließt die Formel aus Hrim, Krom, Om und der Huldigung; es folgen die im Dativ genannten Anrufungen des Herrn allen Wissens, des Gewährers aller Anliegen und des Stillers allen Leides.

5.430 Dann folgen die Aufforderungen „Komm, komm, Erhabener“, eine in der Vorlage beschädigte Handlungsaufforderung und zweimal „Lähme“, anschließend Hrim, Gam, Gam mit langem A, die Huldigung und Svaha.

5.431 Mit Krom und Hrim wird die Formel abgeschlossen; sie wird als fünfundfünfziglautig bezeichnet. Man wiederhole sie viermal und setze sie mit den Angaben zu Seher und übrigen Bestandteilen ein.

5.432 Nach vorausgehendem Nyasa und der Meditation über die Matrika folgt eine dreifache Wiederholung; mit den sieben bei den Vokalen beginnenden Gruppen setze man die sieben Planeten ein.

5.433 Ihre Stellen sind nacheinander Mund, beide Arme, beide Beine, Bauch und Herz. Dann folgen Om, die Maya-Keimsilbe, Hamsa, Soham und Svaha.

5.434 Diese Formel wird als achtlautig und als Mantra des Prapancha-Yaga bezeichnet. Als ihr Seher wird Brahma genannt.

5.435 Das vorzügliche Versmaß wird als Parama-Gayatri bezeichnet. Gottheit ist das höchste Licht, dessen Wesen Bewusstsein ist.

5.436 Es ist im Ende der Dreiheit ungehindert, ewig, alldurchdringend und unbefleckt. Mit den fünf rückwärts angeordneten Lauten des Prapancha-Mantras

5.437 und mit den zwischen kurze und lange Vokale gestellten Ka- und weiteren Gruppen, verbunden mit Om, Maya und den übrigen bezeichneten Lauten von Hari und Hara,

5.438 vollziehe der Lehrer die sechs Glieder samt ihren Abschlussformeln. „Verehrt jenes höchste Licht: Die Seher erkennen es durch fünf Mantras, beginnend beim Veda-Anfang, als einzige Wurzel der Welt; es ist Sein und Bewusstsein, alldurchdringend, unvergänglich, unerschütterlich und ein voller Ozean des Erbarmens.“ Ein Verbindungswort der Vorlage bleibt unklar.

5.439 Nach Om und Maya spreche man einzeln alle nasalierten Laute bis Ksha, danach Hamsa, Soham und Svaha, und vergegenwärtige sie im Herzen.

5.440 „Diese Laute opfere ich in das Feuer des Selbst.“ Nachdem man sie so bis Ksha geopfert hat, opfere man sie erneut rückwärts bis A.

5.441 Die Laute mit Visarga bis Ksha setze man an den Matrika-Stellen ein. So ist der Matrika-Nyasa namens Prapancha-Yaga erklärt.

5.442 Danach vollziehe man als einundzwanzigsten den Yogapitha genannten Nyasa. Dessen Verfahren wurde zuvor genannt; anschließend führe man die Einsetzungen des eigenen erwählten Mantras aus.

5.443 Dann folgen die im jeweiligen Ritualabschnitt gelehrten Einsetzungen und die zugehörigen Mudras. Wer täglich nach dem in den Agamas gelehrten Weg Nyasa ausführt,

5.444 erlangt dem Text zufolge das Sein der Gottheit, und die Vollendung des Mantras entsteht. Wer vom Panzer des Nyasa umhüllt ist und die Mantrawiederholung innig liebt,

5.445 vor dessen Anblick fliehen die Hindernisse wie Elefanten vor einem Löwen. Wer dagegen verblendet die Mantrawiederholung ohne die Gesamtheit der Einsetzungen ausführt,

5.446 wird gewiss von Hindernissen bedrängt wie ein junges Wildtier von Tigern. Je umfassender die Ausführung der Nyasas, desto reichlicher sollen auch ihre Früchte sein.

5.447 Der vorgeschriebene Nyasa darf nicht aufgegeben werden; nach eigenem Anliegen kann man mehr ausführen. Mit Om und Klim bilde man die Mudra, zeige sie mit dem Grundmantra und setze sie mit der Keimsilbe Hasaum ein.

Meditation mit und ohne Eigenschaften

5.448 Dann meditiere der Mantrakundige nach dem im jeweiligen Ritualabschnitt angegebenen Verfahren. Meditation wird als zweifach beschrieben: mit Eigenschaften und ohne Eigenschaften.

5.449 Im eigenen Herzlotus, dessen Mitte und Staubfäden leuchten, der voll erblüht und mit den Kreisen von Mond, Sonne und Feuer geschmückt ist,

5.450 verehre man die eigene erwählte Gottheit in der durch die Agamas gelehrten Gestalt. Eine solche Vergegenwärtigung heißt Meditation mit Eigenschaften.

5.451 Die Erkenntnis der Einheit von individuellem Leben und Brahman – „Ich bin Das“ – erkennen die Vedakundigen als Meditation ohne Eigenschaften.

Das innere Opfer

5.452 Nun erkläre ich die innere Verehrung; höre aufmerksam zu. Man ziehe durch die linke Nadi ein, ziehe den Afterbereich leicht zusammen, atme auf dem ausgeglichenen beziehungsweise mittleren Weg aus und bringe die Zunge an den Gaumen.

5.453 Man verbinde Shakti mit dem höchsten Shiva und ziehe den unteren Bereich leicht zusammen. So verehre der Mantrakundige am heiligen Sitz nach dem Verfahren des Nyasa.

5.454 Man meditiere dort über die erwählte Gottheit in ihrer Gestalt und verehre sie mit geistigen Gaben, vom Sandelduft bis zum Mahl.

5.455 Zur Zeit der Speisung vollziehe man innerlich das Opfer für alle Götter. Im Muladhara vergegenwärtige man die Opfergrube, die vom Kundalini-Feuer hell erstrahlt.

5.456a Ihr Viereck besteht aus Selbst, innerem Selbst, höchstem Selbst und Erkenntnisselbst; im mit Dharma und Adharma verbundenen Dreieck gehe jeder Darbringung das Grundmantra voraus.

5.457 Dann opfere man jedes Einzelne mit dem Gedanken: „Ich opfere, Svaha.“ Als Opfergaben dienen Ichhaftigkeit, Unwahrheit, Verleumdung, Begierde, Zorn und weitere innere Bindungen.

5.458 Der Geist selbst heißt Opferlöffel; Sushumna wird als der bezeichnete innere Opferweg genannt, wobei das entsprechende Wort beschädigt ist. Am Ende werde man ganz davon erfüllt und wiederhole hundertachtmal

5.459 das Grundmantra. Für das Gelingen aller Dinge bringe man dies der Gottheit dar. Dann verneige man sich vor dem Guru und richte den äußeren Verehrungskreis ein.

Träger und Einsetzung der äußeren Verehrung

5.460 Ein goldgefertigter Sitz soll Herrscher gefügig machen; ein mit Silber ausgestattetes Yantra gilt als Spender aller Herrlichkeit.

5.461 Ein reines Kristall-Yantra soll den Herzenswunsch erfüllen; ein aus Rubin gefertigtes soll Herrschaft, Genuss und Befreiung verleihen.

5.462 Ein aus Smaragden gefertigtes Yantra soll sämtliche Feinde vernichten; ein aus drei Metallen bestehendes gilt als Mittel zu allen Vollendungen.

5.463 Weißes Sandelholz gilt als kraftspendend, rotes Sandelholz als stärkend. Ein Verehrungssitz aus Shriparni-Holz wird als Spender von Reichtum und Herrschaft bezeichnet.

5.464 Ein Sitz aus Bilva soll reichlichen Wohlstand bringen, einer aus Birkenrinde vierfüßige Tiere. Bei einem Stein aus der Gandaki sollen Genuss und Befreiung nahe sein.

5.465 Ein auf dem Boden mit Zinnoberpulver gezeichnetes Yantra soll alle Wünsche erfüllen; ein aus Blei oder Bronze gefertigtes soll dagegen Besitz und Nachkommenschaft nehmen.

5.466 Man soll es niemals auf der hier als „fremde Tafel beziehungsweise Wand“ bezeichneten Unterlage aufstellen; wer dies aus Verblendung tut, dessen Familie soll zugrunde gehen. Die Unterlagenbezeichnung ist textlich unsicher.

5.467 Der schöne Verehrungssitz soll in Ost-West- und Süd-Nord-Richtung das angegebene Maß einer Aratni beziehungsweise entsprechender Fingerbreiten haben; zusätzlich wird ein Pala-Maß genannt. Die Verbindung von Längen- und Gewichtsmaß ist in der Vorlage nicht eindeutig.

5.468 Man fertige ihn ringsum viereckig und vorne um die Hälfte erhöht; auf diesem Sitz lasse man den Verehrungskreis ausführen.

5.469 Bei Sitzen aus Rubin und ähnlichem Material ist ein geringeres Maß kein Fehler; bei Shriparni, Sandelholz und ähnlichen Materialien ist ein größeres Maß kein Fehler.

5.470 Für eine neue Kultgestalt wähle man eine günstige Konstellation wohlgesinnter Planeten und berücksichtige Mondtag und weitere Zeitmerkmale.

5.471 Zuerst übergieße man sie mit Honig, Ghee und Milch, dann mit Kokoswasser und anschließend mit einem Absud vorzüglicher Kräuter.

5.472 Zur gewählten Aszendentenzeit rufe man die Gottheit herbei, verehre sie, setze sie in den Kreis ein und verehre sie mit frischen Duftstoffen und Blumen, Räucherwerk, Lichtern, Speisegabe und Spiegel.

5.473 Drei Nächte lang, o Göttin, verehre man zu den drei Tagesübergängen; nachts vollziehen die Anhänger des linken Weges die Verehrung mit den fünf Makaras.

5.474 Der Kaulika vollzieht in der zweiten Nacht auch die Shakti-Verehrung. Nachdem dies drei Tage lang geschehen ist, gehe man zur täglichen Ordnung über.

5.475 Dieses Verfahren bei der Einsetzung der Göttin bewirkt ihre Gegenwart. Es wird hier für Frauen, Shudras, Anhänger des linken Weges und Kaulikas angegeben.

5.476 Der Text grenzt nun die nach vedischem Weg Lebenden von den zuvor Genannten ab: Sie sollen keine schweren Verfehlungen begehen; die geringeren, durch die Verehrung der Tagesübergänge getilgten Verfehlungen werden mit erneutem Dasein verbunden. Der Bezug des ersten Satzes und einzelne Wörter sind beschädigt.

5.477 Von solchen Verfehlungen werden sie nicht befleckt und heißen deshalb „Nicht-Pashus“. Gelangt ein von Anhängern des linken Weges verehrtes Yantra in ihren Blick,

5.478 so soll dies die zugehörige Gottheit beunruhigen und den Übenden verwirren. Ein nach dem rechten Weg verehrtes Yantra hingegen wird als sonnen- und feuergleich leuchtend beschrieben.

5.479 Verfehlte Menschen können es nicht anschauen, so wie Eulen nur in der Dunkelheit sehen. Wie der Sonnenaufgang von allen Menschen ersehnt wird,

5.480 so gilt den Verdienstvollen das nach dem rechten Weg eingesetzte Yantra. Beide Wege werden zugleich auf das für alle Wesen gleichermaßen erfahrbare Leid und Glück bezogen.

5.481 Linker und rechter Weg sind in diesem Sinn Wege zu den Göttern. Auf der linken Seite besitzen Frauen den Vorrang,

5.482 auf der rechten Männer; entsprechend unterscheidet sich, was auf dem jeweiligen Weg getan oder unterlassen werden soll. Nun werden nach damaliger Geburtsordnung als Kunda oder Golaka bezeichnete Menschen und aus ihrer Kaste ausgeschlossene Zweimalgeborene genannt.

5.483 Brahmanen ohne die vorgeschriebenen Lebensweihen heißen Vratyas. Alkohol, Fleisch und Geschlechtsverkehr werden hier als Handlungen bezeichnet, welche die Brahmaneneigenschaft beeinträchtigen.

5.484 Nichtbrahmanen, die dem linken Weg folgen, können nach Aussage des Textes durch dessen beziehungsweise durch kaulische Ausführung zweifellos Vollendung erlangen.

5.485 Bei anderen soll eine so erlangte Vollendung ausschließlich zur Hölle führen. Anschließend wird für den Brahmanen zunächst die Beseitigung der Herstellungsspur des Feuers mit vedischen Mantras vorgeschrieben. Die sozialen Ausschlüsse in diesem Abschnitt gehören zur historischen Ritualordnung.

5.486 Hierfür wird das siebenteilige Agni-Lied genannt, das mit der Bitte um das siegbringende Ross beginnt. Das Versmaß ist Trishtubh, Gottheit Agni; die Seherangabe bleibt im Grundtext unvollständig.

5.487 Dieses Lied mit der Nennung Agnis wiederhole man hundertmal. Dann übergieße man mit duftendem Wasser unter Rezitation des vollständigen Liedes.

5.488 Hundertmaliges Übergießen gilt als dieses Agnyuttarana. Ein aus Metall bestehendes Yantra reinige man regelmäßig mit Erde und Wasser.

5.489 Holz reinige man mit den bezeichneten pulverförmigen Stoffen, Edelstein und Ähnliches allein mit Wasser. Das so gewaschene Yantra schmücke man mit Sandel und weiteren Gaben.

5.490 Man stelle es auf den Sitz vor sich und bringe eine Handvoll Blumen dar. Mit dem Grundmantra vollziehe man die entsprechende Handlung an der eigenen Gottheitsgestalt; die Schlussanweisung ist verkürzt.

5.491 Mit Sandelwasser zeichne man unter der Fisch-Mudra ein Dreieck, das von einem Kreis umschlossen wird; außen darum zeichne man ein Quadrat.

5.492 Man verehre es mit Duftstoffen und der Huldigung an den göttlichen Kreis; die Gliedergottheiten werden an den vier beim Südosten beginnenden Ecken und vor ihm eingesetzt.

5.493 Während man das Waffenmantra spricht, besprenge man die Muschelunterlage und stelle sie auf. Unter der entsprechenden Bezeichnung setze man die Unterlage in den Kreis.

5.494 Man spreche Mam und Ram, bezeichne den Dharma verleihenden, aus zehn Kalas bestehenden Feuerkreis im Dativ und nenne die Gottheit.

5.495 Dann folgt die Huldigung an die Unterlage des Arghya-Gefäßes. Die Muschel werde mit dem eigenen Mantra gewaschen; man erkläre: „Ich stelle das Arghya-Gefäß dieser Gottheit auf.“

5.496 So sprechend stelle man es auf die Unterlage und verehre es mit Am, der Bezeichnung des Sonnenkreises, dem Namen der Gottheit und der Huldigung an ihr Arghya-Gefäß.

5.497 In diesem Gefäß vergegenwärtige man auch den Erdkreis; darin ein Sechseck, dessen Glieder wie zuvor verehrt werden.

5.498 Dort verehre man die zwölf genannten Sonnen-Kalas im Uhrzeigersinn. Dann spreche man über dem als Nektar betrachteten Wasser nach dem Grundmantra die Matrika.

5.499 Während man sie rückwärts spricht, fülle man das Gefäß. Dazu dient die Formel mit Om und der Huldigung an den aus sechzehn Kalas bestehenden Mondkreis.

5.500 Beim Füllen der Muschel folgt die Huldigung an den Arghya-Nektar der jeweiligen Gottheit. Als Zutaten werden Duftstoff, Blumen, ungebrochener Reis, Gerste, Kusha-Spitzen, Sesam und Senf genannt.

5.501 Dazu kommt Durva-Gras: So werden, ihr Götter, acht Bestandteile des Arghya-Gefäßes angegeben. Nach Verehrung dieses Wassers mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben verehre man

5.502 die sechzehn Mond-Kalas. Danach vollziehe der Übende an allen Kalas die Einsetzung des Lebenshauches und schließe die Verehrung ab.

5.503 Wie zuvor rufe man das heilige Gewässer herbei und verbinde es dort mit dem Grundmantra. Unter dem Grundmantra lege man eine Blume hinein; anschließend folgt das als Pfeil bezeichnete Mantra.

5.504 Der Übende zeige die Galini-Mudra und verwandle das Wasser ordnungsgemäß mit der Dhenu-Mudra und der Svadha-Keimsilbe in Nektar.

5.505 Dort meditiere er über die erwählte Gottheit und vervollständige ihre Glieder durch Anga-Nyasa; mit dem Waffenmantra bilde er die zehn geschützten Richtungen.

5.506 Er betrachte das Gefäß mit dem Mantra, sichere es mit der Muschel-Mudra und belebe es dann mit der Yoni-Mudra.

5.507 Dort verehre er die erwählte Gottheit mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben; nach Verehrung der sechs Glieder bespreche er es mit dem Grundmantra.

5.508 Nach achtmaliger Wiederholung bringe er das Arghya mit der Fisch-Mudra dar. Etwas Wasser aus der Muschel gebe er in das Wasser des Kruges.

5.509 Nördlich des Arghya stelle man nacheinander in Dreiecken Fußwaschwasser, Mundspülwasser und die süße Madhuparka-Gabe auf.

5.510 Jedes Gefäß bespreche man achtmal mit dem Grundmantra. Madhuparka besteht hier aus Sauermilch mit Honig; daran schließt die Frage an, was bei fehlenden Zutaten verwendet werden kann.

5.511 Genannt werden Sauermilch, Milch, Rohzucker und Honig; für Ghee gebe es keinen Ersatz. Göttin, die höchste Stätte wird „Honig“ genannt.

5.512 Die Handlung, die diese nährt, heißt Madhuparka. Für die Shiva-Verehrung werden Bronze- oder Silbergefäße genannt, für Hari eine vorzügliche Muschel.

5.513 Für den linken Weg wird die „große Muschel“, im tantrischen Sprachgebrauch eine Schädelschale, vorgesehen; für den Herrn der Planeten ein Kristallgefäß. Rechts stelle man das Sprenggefäß auf und fülle es mit Wasser.

5.514 Etwas Arghya-Wasser mische man in das Sprengwasser. Dann stelle man ein Gefäß für das erneute Mundspülen auf.

5.518a Fußwaschwasser wird mit Shyamaka, Durva, Lotus und Vishnukranta bereitet; Mundspülwasser mit Jasmin, Gewürznelke und Kankola. Die Vorlage gibt diesem zwischen 514 und 516 stehenden Vers die Nummer 518; die Unterscheidung lautet hier 518a.

5.516 In das Sprenggefäß gebe man unter Om Kusha, Blumen, Gerste, Reis, das als Bahumula bezeichnete Duftgras und Tamala; die Anmerkung deutet die beiden letzten Stoffe als Ushira und Sandelholz.

5.517 Das erneute Mundspülwasser besteht aus reinem Wasser. Fehlen die jeweiligen Zutaten, kann gewaschener, reiner Reis gegeben werden.

5.518b Nun nenne ich die günstigen und ungünstigen Wirkungen der Arghya- und übrigen Gefäße: Gold soll alle Wünsche erfüllen, Silber langes Leben und Kinder verleihen.

5.519 Ein Kupfergefäß soll Glück in Partnerschaft und Lebensführung bringen, ein irdenes Gefäß Dharma vermehren; eine Kokosnussschale soll die Gottheit erfreuen.

5.520 Ein Bilva-Gefäß soll Wohlstand bringen, eines aus dem Brahmabaum die Brahmaneneigenschaft; Eisen wird für Tötungs- und Vertreibungsrituale, Stein für Lähmungsrituale vorgesehen.

5.521 Holz dient der Mantraverehrung, ein Kürbisgefäß dem linken Weg. Auch Gefäße aus Edelstein und anderen Stoffen, mit glückverheißenden Zeichen versehen,

5.522 sollen bei Arghya, Speisegabe, Verehrung und Darbringung aus gefalteten Händen ehrfürchtig behandelt werden. Gefäße verdienen Achtung; sie werden hier als besonders wichtig bezeichnet.

5.523 Bali-Gaben, Feueropfer und andere Handlungen gelingen ohne Gefäß nicht. Als vorzüglich gilt ein Gefäß von sechsunddreißig Fingerbreiten.

5.524 Das mittlere ist um ein Drittel kleiner, das kleinste misst zwölf Fingerbreiten. Keines soll weniger als acht Fingerbreiten messen.

5.525 Man fertige Gefäße in Form einer Nabelvertiefung, eines weißen Lotus, einer Muschel oder eines blauen Wasserlotus.

5.526 Weiß und die folgenden Farben gelten der Reihe nach für Brahmanen und die weiteren Stände als besonders günstig. Unter Aussprache des Grundmantras besprenge man mit dem Wasser des Sprenggefäßes

5.527 sich selbst, die Opfergegenstände, die Verehrungsgaben und den Kreis; man zeige die Dhenu-Mudra. Dies gilt als Reinigung der Gegenstände.

5.528 Am Yogapitha verehre man die durch Nyasa eingesetzten Gottheiten an ihren jeweiligen Stellen. Auf dem Edelsteinsitz verehre man dann die eigene Gottheit in innerer Vergegenwärtigung.

5.529 Mit dem Grundmantra meditiere man über sich selbst als Gestalt der Gottheit. Fünf Blumendarbringungen erfolgen am Kopf, am Herzen, im unteren Körperbereich,

5.530 an den Füßen und am ganzen Körper. Man verehre mit Sandel und weiteren Gaben sowie mit vier Diensten und bringe die Speisegabe dar.

Inneres Opfer und göttlicher Sitz

5.531 Das Übrige vollende man nach dem vom Guru gelehrten Verfahren. Gesammelt verwende man bei all diesen Handlungen das Wasser des Sprenggefäßes.

5.532 Danach folgt die Arghya-Handlung. Nun wird das innere Opfer erklärt: Im Muladhara stelle man sich eine viereckige Feuergrube vor.

5.533 Darin meditiere man über das Feuer in Gestalt der Kundalini und spreche das Grundmantra. In das durch die Opfergaben von Dharma und Adharma angefachte Feuer des Selbst opfere man geistig.

5.534a „Auf dem Weg der Sushumna opfere ich beständig achtmal.“ Am Ende des Verses spreche man: „Ich opfere Verdienst, Svaha.“

5.534b Dann folgen erneut Grundmantra und Vers sowie „Ich opfere Verfehlung“; weiter werden Tun und Nichttun, Entschluss, unterscheidende Vorstellung und Dharma genannt. Die Vorlage wiederholt hier 534 und lässt 535 aus.

5.536 Jedes spreche man gesondert mit abschließendem Svaha. Dann rezitiere man: „Mit den Händen des Leuchtens und der Selbstwahrnehmung ergreifend, in dem Zustand jenseits des gewöhnlichen Geistes,

5.537 opfere ich in das Feuer, das vom Öl der Kräfte von Dharma und Adharma erfüllt ist.“ Man gebe die Darbringung mit Svaha und halte den Lebenshauch durch Pranayama an.

5.538 Man vergegenwärtige das eigene Selbst als reines Bewusstsein, frei von allen begrenzenden Bestimmungen. Nach dreimaligem Pranayama vollziehe man die Einsetzungen von Seher und übrigen Mantrabestandteilen.

5.539 Man errichte den Verehrungssitz und verehre seine Gottheiten: die Guru-Reihe im Norden, Mahaganapati im Süden.

5.540 Unterhalb der Gottheit verehre man die sieben mit dem Feuer beginnenden Ebenen; darüber Manduka und Rudra als Feuer der Zeit.

5.541 Man verehre die Urnatur, die tragende Shakti, die Schildkröte und die abschließend genannte tragende Gestalt; dann Varaha und auf seiner Stoßzahnspitze die Erde. Die Namenslesart vor Varaha ist unsicher.

5.542 Auf der Erde stelle man das Nektarmeer vor, darin eine Insel aus neun Edelsteinen, in ihrer Mitte einen goldenen Berg und darüber den Nandana-Hain.

5.543 In dessen Mitte stehen Wunschbäume, zwischen ihnen befindet sich ein Edelsteinboden; außen liegt eine goldene Umfassung und in ihrer Mitte ein Edelsteinpavillon.

5.544 In diesem befindet sich ein goldener Altar; in der Mitte des Altars vergegenwärtige man einen Edelsteinthron und verehre ihn mit Sandel und weiteren Gaben.

5.545 Den tragenden Sitz des Verehrungskreises betrachte man als Löwenthron. Seine Beine verehre man der Reihe nach vom Südosten bis zum Nordosten.

5.456b Dharma erscheint als vielfarbiger Stier, Erkenntnis als schwarzer Löwe, Entsagung gelb wie ein Geistwesen und Herrschaft als schwarzer Elefant. Die Vorlage trägt hier, zwischen 545 und 547, erneut die Nummer 456; sie wird als 456b erhalten.

5.547 Unterhalb des Sitzes verehre man Adharma und die weiteren Gegenprinzipien in unterschiedlichen Farben. In seiner Mitte verehre man Maya und Vidya sowie Ananta als Gestalt der Wirklichkeitsprinzipien.

5.548 Auf seinem Haupt verehre man den Lotus: Seine acht Blätter sind die acht Naturprinzipien, seine Wurzel ist Wonne, sein Stängel Bewusstsein, seine Staubfäden sind die Entfaltungen.

5.549 Seine Mitte besteht aus den Matrikas. Auf seinen Blättern verehre man nacheinander die acht Siddhis, beginnend mit dem Kleinwerden. Ihre Namen nenne ich nun.

5.550 Kleinwerden, Großwerden, Schwerwerden, Leichtwerden, Erlangen, ungehinderte Wunscherfüllung, Herrschaft und Verfügungsgewalt sind die acht Siddhis.

5.551 Unter der Lotusmitte liegen nacheinander Sonne, Mond und Feuer. Dort verehre man die mit Sattva beginnenden Gunas und entsprechend davor die Dreiheit.

5.552 Dies sind Brahma, Vishnu und Mahesha. Dann folgen in den Richtungen und in der Mitte Erkenntnis, Maya, Kala, Vidya und das höchste Wirklichkeitsprinzip.

5.553 Auf den Staubfäden und in der Mitte verehre man von Osten aus der Reihe nach die neun Shaktis des im jeweiligen Mantra gelehrten Sitzes.

5.554 Mit dem Sitzmantra verehre man ringsum den Sitz durch Duftstoffe und weitere Gaben; die Namen der jeweiligen Gottheiten stehen im Dativ mit abschließender Huldigung.

5.555 In der Mitte bringe der Übende mit dem Sitzmantra eine Handvoll Blumen dar. Dann spreche er das Grundmantra und den Namen des Sitzes im Genitiv.

5.556 Mit „Ich bilde die Gestalt“ setze er die Gestalt in die Mitte. Wiederum spreche er das Grundmantra und danach den Namen der Gottheit.

5.557 Mit „Ich verehre die Gestalt“ verehre er sie durch eine Blume. Wer auf einem einzigen Sitz eine andere Verehrung ohne zugehöriges Yantra ausführt,

5.558 zieht sich nach dem Text den Fluch der Gottheit zu und gelangt in die Raurava-Hölle. Die folgende Halbstrophe wiederholt die Fluchandrohung bei einer offenbar unpassenden Verbindung von Tantra und Yantra, lässt den Gegensatz jedoch sprachlich unvollständig.

5.559 Eine Gottheit herbeizurufen und dann eine andere zu verehren oder auf einem fremden Yantra eine andere Verehrung auszuführen, gilt als Anlass für den Fluch der Gottheit.

5.560 Werden mehrere Gestalten auf einem Sitz verehrt, sind Sandel, Blumen, Räucherwerk, Licht und weitere Gaben jeweils gesondert mit dem zugehörigen Mantra darzubringen.

5.561 In einer zerbrochenen, gesprungenen, verbrannten, verrückten oder maßwidrigen Kultgestalt, die beschädigt, von ungeeigneten Tieren berührt oder auf unreinen Boden gefallen ist,

5.262b ferner in einer mit einem anderen Mantra verehrten oder durch Berührung mit einem nach damaliger Ordnung Ausgeschlossenen verunreinigten Gestalt nehmen die Götter keine Gegenwart an. Die Vorlage setzt diesen zwischen 561 und 563 stehenden Vers irrtümlich als 262; hier lautet seine Kennzeichnung 262b.

5.563 Die Verehrung erfolgt in der Reihenfolge Ganesha, Surya, Vishnu, Isha und Devi. Für die Verehrung der Götter werden zehn Orte bestimmt.

5.564 Die Gegenwart sämtlicher Gottheiten entsteht durch das Mantra: Das Mantra wird mit dem Leben verglichen, das Bild und die übrigen Träger mit dem Körper.

5.565 Selbst bei vollständiger Ausstattung entsteht ohne Mantra keine Frucht. Als Verehrungsorte werden Shivalinga, Edelstein, Yantra, Shalagrama, Krug und Sonne genannt,

5.566 weiter Opferfläche, Feuer, Kopf und Herz. Unmittelbar auf bloßem Boden ausgeführte Verehrung wird hier als schädlich für Kinder, Lebensdauer und Vermögen bezeichnet.

Kultgestalten und Shalagrama-Steine

5.567 Die erste Kultgestalt Vishnus im Haus eines Hauslebenden soll zehn oder fünfzehn Fingerbreiten messen. Die Bezeichnung Vishnus ist in der Vorlage entstellt.

5.568 Man verehre ein Shivalinga, das die fünf Maßbeziehungen erfüllt. Hauslebenden soll es Genuss, Befreiung, Reichtum und Gesundheit verleihen.

5.569 Die fünf Maße betreffen die Breite des Linga-Kopfes sowie Längenmaße des Linga, seines Sockel- beziehungsweise Ausflussbereichs und der Wasserableitung;

5.570 die Gleichheit der fünf, einschließlich des Linga-Sitzes, heißt „fünffache Maßbeziehung“. Die Aufzählung ist nicht vollständig eindeutig. Hört nun von der höchst wunderbaren Entstehung der Shalagramas.

5.571 Einst übte Gandaki Askese mit dem Wunsch: „Mögen alle Gottheiten meine Söhne werden, um den Menschen Glück zu bringen.“

5.572 Brahma, Vishnu und Maheshvara freuten sich über ihre Askese und waren bereit, eine Gabe zu gewähren. Sie wählte ihre Sohnschaft; als sie diese Gabe nicht gewähren konnten, verfluchte sie die Götter im Zorn.

5.573 „Weil ihr mich immer wieder getäuscht habt, Götter, sollt ihr in einer Insektengeburt entstehen!“ Erzürnt verfluchten auch sie Gandaki.

5.574 „Weil du, durch deine Askese überheblich geworden, uns unbedacht verflucht hast, werde durch die Reifung dieser Tat zu einem schwarzen Fluss!“

5.575 Als die gegenseitigen Flüche bekannt wurden, entstand großer Aufruhr. Die erschütterten Götter gingen zu Brahma und trugen ihm ihre Bitte vor.

5.576 „Brahma, rette jene, die sich im Zorn gegenseitig mit diesem großen Fluch getroffen haben!“ Als Brahma die Worte der Götter hörte, wandte er sich an Shankara.

5.577 Shiva sagte zum Schöpfer: „Ich bewirke die Auflösung; du bewirkst die Schöpfung. Vishnu aber ist der Erhalter und von besonderer Einsicht.

5.578 Ihn soll man befragen, damit beiden Seiten entsprechend geholfen werde.“ Nachdem Vishnu die Worte Maheshvaras gehört hatte, sprach er.

5.579 „Höre, Brahma; höre, Mahadeva; hört, Göttin und Gajanana: Wenn meine beiden Gefährten, die Brahmanen, durch einen Fluch zu Krokodil und Elefant

5.580 geworden sein werden, werde ich ihnen Befreiung gewähren. Wenn der Leib zerfallen sein wird, werdet ihr aus dessen Fett und Mark hervorgehen.

5.581 Als Vajra genannte Insekten werdet ihr im Inneren der Steine entstehen. Gandaki sei schon heute ein heiliger großer Fluss, der Ganga gleich.

5.582 An der Gandaki, südlich des Königs der Berge, erstreckt sich zehn Yojanas weit dieses heilige Gebiet auf Erden; seine nähere Namensbezeichnung ist in der Vorlage unsicher.

5.583 Es heißt Chakra-Tirtha und ist in den drei Welten berühmt. Wo ein Shalagrama-Stein und ein Dvaravati-Stein

5.584 zusammenkommen, dort ist zweifellos Befreiung. Diese Verbindung erfreut alle Gottheiten und gewährt Genuss und Befreiung.

5.585 Die in den Steinen dieses Flusses befindlichen Götter sollen, abgesehen vom erdigen Anteil, sämtlich Vajra-Insekten werden.

5.586 Dadurch werdet auch ihr zu Söhnen Gandakis.“ Die Götter werden durch Verehrung eines Bildes oder eines Baumes nicht in derselben Weise erfreut,

5.587 wie durch die Verehrung eines Gandaki-Steines. Nachdem Brahma Vishnus Worte gehört hatte, fragte er:

5.588 „Welche Art Stein soll verehrt werden, Vishnu? Welcher ist welcher Gottheit lieb? Welche Frucht bringt er, wer ist dazu befähigt und nach welchem Weg geschieht es? Sage dies.“

5.589 Vishnu antwortete auf Brahmas Worte: „Brahmanen und die weiteren Stände sollen zur Erlangung von Glück Steine der jeweils eigenen zugeordneten Farbe verehren.

5.590 Ein glatter, glänzender Stein verleiht Mantravollendung; ein rauer tut dies nicht. Ein weißlicher tilgt Verfehlungen, ein schmutziger erzeugt eine zu Verfehlungen geneigte Gesinnung.

5.591 Ein gelber soll Kinder verleihen, ein mangofarbener sie nehmen. Ein blauer schenkt Wohlstand, ein rauchfarbener nimmt die Einsicht.

5.592 Ein roter bringt Krankheit, ein zinnoberfarbener großen Streit. Ein krummer erzeugt Armut, ein ebenmäßiger verwirklicht alle Anliegen.

5.593 Ein übergroßer verkürzt das Leben; ein kleiner soll, nach der schwierigen Lesart, geringe Einsicht beseitigen. Ein gekennzeichneter Stein bringt Verehrungsfrucht, ein unmarkierter bleibt ohne Frucht.

5.594 Ein bräunlicher bringt geistige Verwirrung, ein gesprenkelter Augenleiden. Ein fest verbundener beziehungsweise anhaftender soll Bruch und Streit bringen; ein Stein mit vielen Radzeichen Vorrang.

5.595 Ein radloser Stein, dem auch andere Merkmale fehlen, bringt vielfältige Not. Ein Stein mit ungewöhnlich gewundener Nabelmarkierung soll viel Vermögen und Nahrung hervorbringen.

5.596 Ein Narasimha-Stein soll bei Hauslebenden die Familienlinie abbrechen lassen; ein Stein mit Linienwirbeln bringt Leid. Je feiner er ist, desto mehr wird er mit Unsterblichkeitstrank verbunden.

5.597 Je glatter und glänzender, desto mehr Wohlstand. Höre nun die unterschiedlichen Formen: Als Lakshmi-Hari erkennt man den Stein, der Lotus und Rad trägt.

5.598 Auch eine alleinige Waldgirlande kennzeichnet eine den Hauslebenden erwünschte Form. Als Vasudeva gilt der Stein, an dessen Öffnung zwei Räder liegen.

5.599 Sie sind unmittelbar benachbart und ebenmäßig; der Stein ist weiß und beseitigt Verfehlungen. Samkarshana erkennt man an einem Räderpaar vorne und hinten.

5.600 Die Räder sind verbunden, im vorderen Bereich liegt ein großes, schönes Edelsteinmerkmal. Pradyumna hat ein feines Rad und eine langgestreckte Öffnung.

5.601 Sein Hohlraum enthält viele Löcher; er ist gelb und erfüllt Wünsche. Aniruddha dagegen ist blau, rund und sehr schön.

5.602 An seiner Öffnung befinden sich zwei Linien, sein Rücken ist mit einem Lotus gezeichnet. Keshava erkennt man an einem oder zwei Rädern.

5.603 Sie können vorne oder hinten liegen; der Stein ist viereckig und glückbringend. Narayana ist dunkel, mit einem Rad am Nabel und einer Erhebung.

5.604 Er besitzt eine lange Linie; die rechte Seite wird als breit und günstig beschrieben, doch ist ein Wort unklar. Ein Stein in Haris Gestalt hat eine nach oben gerichtete Öffnung.

5.605 Seine Öffnung erscheint löwenähnlich; er gewährt Genuss und Befreiung. Als Parameshthin erkennt man einen Stein mit Lotus und Rad.

5.606 Er hat Bilva-Form, ist weißlich und besitzt hinten eine große Höhlung. Vishnu dagegen ist schwarz, mit großen Rädern, Schönangesichtige.

5.607 Über seiner Öffnung sieht man in der Mitte eine Linie. Narasimha ist bräunlich, hat eine ausgeprägte Öffnung und einen großen Rachen.

5.608 Dort befinden sich drei oder fünf Punkte; für Hauslebende ist diese Form nicht günstig. Kapila-Narasimha gleicht Rohzucker und Lackharz.

5.609 Er hat in der Mitte zwei große Räder und an der Öffnung eine schöne Linie. Mahanarasimha besitzt die zuvor genannten Merkmale.

5.610 Hinzu kommen mähnenartige Linien und ein langer, furchterregender Rachen. Lakshmi-Narasimha erkennt man an vier Rädern und Punkten.

5.611 Er hat die zuvor genannten Merkmale und ist mit einer Waldgirlande geschmückt. Varaha wird an ungleichmäßigen Shakti-, Linga- und Radmerkmalen erkannt; die genaue Gruppierung ist sprachlich unsicher.

5.612 Er ist groß, saphirblau und von drei Linien gekennzeichnet. Prithvi-Varaha heißt ein Stein in Ebergestalt.

5.613 Er ist nicht gekrümmt, trägt eine einzelne Linie und soll verlorene Herrschaft zurückgeben. Matsya erkennt man an drei Punkten.

5.614 Er wird als bronzeartig und goldglänzend, langgestreckt sowie Genuss und Befreiung gewährend beschrieben. Der Kurma genannte Stein hat einen runden, erhöhten Rücken.

5.615 Er ist grün und mit einem Kaustubha-Merkmal versehen. Als Stein Kurmas gilt, was Schildkrötengestalt besitzt.

5.616 Mit einem Rad gekennzeichnet und rund, verleiht er bei Verehrung eine hohe Stätte. Hayagriva besitzt eine stachelförmige Linie nahe dem Rad.

5.617 Sein regenwolkenblauer Rücken trägt viele Punkte. Den friedvollen Hayagriva erkennt man an einem pferdehalsähnlichen Stein.

5.618 Er besitzt eine lange Linie, oder seine Linie hat die entsprechende Form.

5.619 Als Hayashirsha gilt, wessen Öffnung einem Pferdekopf gleicht oder lotusförmig ist; sein Kopf trägt ein Rosenkranzmerkmal.

5.620 Vaikuntha ist sesamfarben, mit einem Rad und einer Fahne sowie einer Linie über der Öffnung; für den Verehrer gilt er als sehr günstig.

5.621 Shridhara ist durch eine Waldgirlande gekennzeichnet, einer Kadamba-Blüte ähnlich und mit fünf Linien versehen.

5.622 Vamana erkennt man daran, dass er sehr klein und rund ist, der Atasi-Blüte gleicht und oben einen Punkt trägt.

5.623 Dadhi-Vamana besitzt oben und unten ein Rad, leuchtet stark und ist klein; er verleiht reichliche Nahrung und Wohlergehen.

5.624 Sudarshana ist dunkel und stark leuchtend; links hat er ein Rad, rechts eine einzige Linie.

5.625 Sahasrarjuna trägt unterschiedliche Linien; eine Reihe ähnelt einem Reiher. Er soll verlorenes Eigentum zurückgeben.

5.626 Der große Damodara hat in der Mitte ein Rad, gleicht Durva-Gras, besitzt eine enge Öffnung und eine gelbe Linie; er verleiht Reichtum.

5.627 Radha-Damodara erkennt man an Rädern oben und unten, einer nicht sehr langen Öffnung und einer senkrechten Linie in der Mitte; er gewährt Genuss.

5.628 Damodara erkennt man auch an zwei Rädern und einer feinen Öffnung; verehrt, schenkt er stets Glück.

5.629 Ananta ist vielfarbig, durch einen Schlangenleib gekennzeichnet und von vielen Rädern durchzogen; er gewährt die Frucht aller Wünsche.

5.630 Purushottama heißt, wer in den Haupt- und Zwischenrichtungen nach oben gerichtete Öffnungen zeigt; er verleiht die Ziele des menschlichen Lebens.

5.631 Yogeshvara erkennt man an einem Linga auf seinem Haupt; er beseitigt Verfehlungen wie Brahmanentötung und verleiht yogische Vollendung.

5.632 Padmanabha ist rot und mit Lotus und Schirm versehen. Wer ihn mit Tulasi verehrt, wird nach Aussage des Textes selbst aus Armut heraus zu einem Vermögenden; die Pflanzenbezeichnung ist beschädigt.

5.633 Hiranyaksha flammt in Strahlen, gleicht Mond und Kristall oder besitzt mannigfaltige goldene Linien.

5.634 Garuda erkennt man an zwei Flügeln in der Mitte und einer sehr langen sichtbaren Linie; ihm wird die Vernichtung von Schlangengift zugeschrieben.

5.635 Janardana erkennt man an vier klar abgegrenzten Rädern auf seinem Bauch; er stellt die Ahnen zufrieden.

5.636 Lakshmi-Narayana besitzt eine Waldgirlande am Bauch, eine kleine Öffnung und vier Räder; er verleiht Genuss und Befreiung.

5.637 Hrishikesha erkennt man an der Halbmondform. Durch seine Verehrung soll man den Himmel und die erwünschten Sinnesfreuden erlangen.

5.638 Lakshmi-Narahari ist schwarz, mit Punkten versehen und mit zwei ebenmäßigen Rädern an der linken Seite; er erfüllt die Wünsche der Hauslebenden.

5.639 Trivikrama ist dunkel und stark leuchtend, mit zwei Rädern links und einer Linie rechts.

5.640 Als Krishna gilt ein schwarzer Stein mit oder ohne Rad, mit rechtsläufigem Wirbel und einer Waldgirlande.

5.641 Chaturmukha erkennt man an zwei Rädern in der Mitte und vier seitlichen Linien; er verleiht Kenntnis von Veda, Lehrschriften und Agamas.

5.642 Damit sind diese unterschiedlichen Gestalten Vishnus genannt. In ihnen rufe man Hari herbei und entlasse ihn am Ende der Verehrung; eine eigene dauerhafte Einsetzungszeremonie soll hier nicht ausgeführt werden.

5.643 Shalagramas werden in gerader Zahl verehrt, jedoch nicht zu zweit. Wer sämtliche Wünsche erfüllen möchte, soll sie nicht in ungerader Zahl verehren.

5.644 Wer täglich zwölf Steine mit Hingabe verehrt, dessen Dharma soll von Tag zu Tag wachsen und dessen Verfehlungen sollen schwinden.

5.645 Shiva heißt ein Stein, der Linga-Gestalt angenommen hat; ist diese natürlich entstanden, soll er Mantravollendung bewirken.

5.646 Tryambaka erkennt man an drei Punkten und einer dreizackförmigen Linie; er soll verlorene Lebensdauer wiederbringen.

5.647 Dhurjati erkennt man an drei Linien, die verfilzten Haarsträhnen gleichen; diese geeignete Form verleiht Erkenntnis.

5.648 Shambhu ist weißlich, mit einem schwarzen Punkt auf dem Kopf, bilvagroß und leuchtend; seine Verehrung soll Frauen gefügig machen.

5.649 Ishvara erkennt man an einem roten Punkt auf dem Kopf, einem oder zwei Rädern und einem Kuhhufmerkmal im Inneren beziehungsweise an der Unterseite.

5.650 Mrityunjaya wird als Vernichter vorzeitigen Todes erkannt: Unten liegt ein Rad, darüber eine weiße Linie mit Dreizackform.

5.651 Chandrashekhara heißt, wer einen Halbmond auf dem Haupt und zwei Räder in der Mitte trägt; seiner Verehrung wird die Beseitigung von Krankheit zugeschrieben.

5.652 Chandra nennt die Vorlage eine bräunliche Form mit rauem Haupt und einer Linie zwischen den Rädern; sie soll die Nachkommen des Feindes töten. Der Gottesname ist angesichts der Beschreibung möglicherweise entstellt, wird aber nicht stillschweigend geändert.

5.653 Nun werde ich die den Shaktis zugeordneten Shalagramas erklären, die durch Insekten entstanden sind und durch deren Verehrung die Göttin Bhavani sehr erfreut wird.

5.654 Shrividya zeigt unten ein Rad und oben einen Schirm, außen ein glockenmarkiertes Haupt. Ist der Stein glatt und glänzend, darf er von allen verehrt werden.

5.655 Mahakali erkennt man an den genannten Kennzeichen. Die anschließend beschriebenen Steine besitzen zwei Öffnungen oder weitere solche Merkmale und sind mit einem Dreieck gezeichnet.

5.656 Welche Waffengestalt sich innen zeigt, dieser Göttin ordne man den Stein zu. Einen Göttinnenstein mit Rad verehre man nach dem rechten Weg.

5.657 Nach dem linken Weg verehrt, soll er Glück in beiden Welten bringen. Einen Göttinnenstein ohne Rad verehre man nach dem linken Weg.

5.658 Brahmanen sollen ihn nicht berühren, da dies Erregung beziehungsweise Störung hervorruft. Ein Sonnenstein ist im Kali-Zeitalter meist sehr selten, ihr Götter.

5.659 Er gleicht Kristall und soll, in eine bestimmte Lage gebracht, oberhalb der Sonne Feuer freisetzen; besprengt soll er Regen erzeugen. Die erste Ortsangabe ist beschädigt, weshalb das behauptete Verfahren nicht eindeutig übersetzbar ist.

5.660 Bei einem falschen Eid soll er Aussatz hervorrufen. Ein Stein mit solchen und ähnlichen Merkmalen gilt als Sonnenstein.

5.661 Ganesha erkennt man an einem Rüsselzeichen, einer rüsselförmigen Steingestalt oder der Ähnlichkeit mit einem Elefantengesicht.

5.662 Hat ein Stein in der Mitte ein großes Rad und in einer bestimmten Richtung ein kleines, gehört er dem Hüter dieser Richtung; seine Verehrung soll dort Herrschaft verleihen.

5.663 Wo zwei halbmondförmige Stücke erscheinen, liegt ein Mondstein vor; ein mit einem Dreieck versehener gilt als Marsstein.

5.664 Ein pfeilförmiges Zeichen kennzeichnet den Merkurstein, ihr Götter; ein langgestrecktes Viereck den Jupiterstein.

5.665 Der Venusstein ist fünfeckig, der Saturnstein bogenförmig; Rahus Stein ähnelt einer Worfelschwinge, Ketus Stein einer Fahne.

5.666 Wenn das schreckliche Kali-Zeitalter gekommen ist, vermischt mit linkem Brauch, ohne Unterscheidung erlaubter und verbotener Speisen und nach der polemischen Sprache des Textes voller Fremdvölker,

5.667 wenn die Menschen von Begierde und Zorn beherrscht und von Frauen überwältigt sind: Wo gibt es dann Schüler, Guru und Mantra, wo Wiederholung und Vollendungen?

5.668 Nach zehntausend Jahren des Kali-Zeitalters soll der Vishnu-Stein die Erde verlassen, nach der Hälfte dieser Zeit das Wasser der Ganga, nach der Hälfte davon die übrigen Gottheitensteine.

5.669 Im Kali-Zeitalter gelten Mantrawiederholung und Shalagrama-Verehrung als besonders segensreich, ebenso das Geben entsprechend den eigenen Mitteln zur Zeit der Arghya-Darbringung an die Sonne.

Herbeirufung und Vergegenwärtigung

5.670 Herbeirufung und weitere Handlungen werden an Kultgestalten und anderen Trägern vollzogen; sie werden hier als dreifach bezeichnet. Zuerst erfolgt die Herbeirufung mit dreimaliger Wiederholung des Grundmantras.

5.671 Man stelle sich vor: Die Gottheit kommt in feiner Gestalt aus ihrer eigenen Welt und ist in den Kultbildern gegenwärtig. Dann führe der Einsichtige auf dem Weg der Sushumna

5.672 das Licht von seinem eigenen Ort herbei, lasse es durch die Nasenöffnung austreten, setze es in die mit Blumen gefüllten Hände und bringe es auf dem Haupt der Gottheit dar.

5.673 Mit der Avahani genannten Mudra setze er das Licht der Gottheit in ihre Kultgestalt ein und spreche das Grundmantra. Dies gilt als Herbeirufung.

5.674 Das Einsetzen des allgegenwärtigen Herrn in das Yantra nennen die Kundigen Aufstellung. Dann festige man seine Gegenwart mit der zweimaligen Bitte: „Bleibe hier.“

5.675 Nach dem Grundmantra nenne man die Gottheit und füge diese Worte an; man zeige die Aufstellungs-Mudra und vergegenwärtige sie dabei.

5.676 Man betrachte die Gottheit als beständig gegenwärtig und bitte: „Herr der Götter, der du durch Hingabe leicht erreichbar bist, mit deinem ganzen Umkreis,

5.677 bleibe hier fest gegenwärtig, solange ich dich verehre.“ Nach dieser Bitte an den Herrn der Götter vollziehe man das Herstellen seiner Nähe.

5.678 Man spreche das Grundmantra, rede die Gottheit an und sage zweimal: „Sei hier nahe gegenwärtig.“

5.679 Mit der Mudra des Naheseins erfreue man den bei einem befindlichen Gott. Danach spreche man erneut das Grundmantra und vollziehe die nächste Festigung der Gegenwart.

5.680 Man rede die Gottheit an und sage zweimal: „Bleibe hier gebunden.“ Man betrachte sie als voller Erbarmen und durch die Hingabe festgehalten.

5.681 So stelle man sich die Gottheit als fest in der Kultgestalt gegenwärtig vor. Dann wende der Lehrer sie durch Aussprache des Grundmantras dem Verehrer zu.

5.682 Er rede sie an und sage: „Wende dich mir zu.“ Er meditiere über den ihm zugewandten Gott mit freudig leuchtendem Lotusgesicht.

5.683 Dazu zeige er die Mudra des Zuwendens; dies gilt als diese Handlung. Dann vollziehe der Mantrakundige unter Aussprache des Grundmantras die Umhüllung der Gottheit.

5.684 Er rede sie an, sage „Sei umhüllt“, zeige die Umhüllungs-Mudra und vergegenwärtige den Vorgang.

5.685 Er betrachte den durch Hingabe bezauberten Gott, dessen Augen sich vor Staunen weiten. Dann erfolgt das Vervollständigen seiner Glieder, beginnend beim Herzen.

5.686 Nachdem die sechs Gliedermantras eingesetzt sind, spreche man das Grundmantra, rede die Gottheit an und sage: „Sei mit allen Gliedern versehen.“

5.687 Man meditiere über die Glieder im Gott und setze die Gliedergottheiten ein. Denn die verschiedenen Wesensformen haben einen ungetrennten Zweck.

5.688 Diese Einheit von Gliedern und Gliederträger entsteht durch das Vervollständigen. Nun erkläre ich die Verwandlung in Nektar: Man setze die Gottheit auf ihren Sitz.

5.689 Man bilde sorgfältig die Dhenu-Mudra über dem Haupt der Gottheit und stelle sich vor, dass Nektar herabregnet; dazu verwende man Arghya-Wasser.

5.690 Man besprenge dreimal mit dem Grundmantra und dem belebenden Dipini-Mantra sowie nochmals dreifach mit den Matrika-Lauten von A bis Ksha.

5.691 Das Dipini-Mantra wird aus der Vagbhava-Keimsilbe, der zweimaligen Aufforderung „Sprich“, der Anrufung der Sprachgöttin und erneut Vagbhava gebildet; danach folgen Klim und Anrufungen der Benetzenden mit der Bitte, große Erregung hervorzurufen.

5.692 Zweimal folgt „Bewirke“, dann die Kama-Keimsilbe, Om und zweimal „Bewirke Befreiung“, schließlich zweimal die Prasada-Keimsilbe. Die Formel wird als siebenunddreißiglautig bezeichnet.

5.693 Dieses Dipini-Mantra gilt als Mehrung der göttlichen Gegenwart. Nach dem Grundmantra und der Anrede der Gottheit sage man: „Sei in Nektar verwandelt.“ Dies ist die Nektarverwandlung.

5.694 Nun erkläre ich die Erhebung zur höchsten Gestalt. Man bilde die große Mudra, spreche das Grundmantra und die Gottesanrede wie zuvor und sage: „Sei zur höchsten Gestalt erhoben.“ Über dem Haupt der Gottheit betrachte man die Mehrung des höchsten Nektars und berühre ihr Herz.

5.695 Dann vollziehe man die Einsetzung des Lebenshauches. Anstelle von „mein“ spreche man den Namen der Gottheit; alles Übrige geschieht wie zuvor.

5.696 Danach zeige man die im jeweiligen Gottheitenritual gelehrten Mudras. Durch den Körper hindurch erfüllen sie das eigene Selbst mit Freude.

5.697 Diese Kräfte, die mühelos Freude vermitteln, heißen Mudras; sie erfreuen und lassen die Menge der mit Planeten und Ähnlichem verbundenen Beeinträchtigungen zerfließen.

5.698 Weil sie erfreuen und zerfließen lassen, werden sie hier sinndeutend Mudras genannt. Danach verehre man die Gottheit mit den Diensten, die nach eigenen Möglichkeiten verfügbar sind.

Die Dienste der Verehrung

5.699 Zunächst wird die Verehrung mit sechzehn Diensten beschrieben: Sitz, Willkommen, Arghya, Fußwaschwasser und Mundspülwasser,

5.700 Madhuparka, erneutes Mundspülen, Bad, Gewand, Schmuck, Duftstoff, Blumen, Räucherwerk, Licht, Speisegabe und Verneigung.

5.701 Diese sechzehn Dienste verwende man bei der Verehrung. Die mittlere Form umfasst zehn Dienste und wird von Hauslebenden ausgeführt.

5.720a Arghya, Fußwaschwasser, Mundspülwasser, Madhuparka, erneutes Mundspülen sowie Duftstoff und die folgenden Gaben bis zur Speise bilden die zehn Dienste. Die Vorlage nummeriert diesen Vers zwischen 701 und 703 als 720; hier wird er als 720a geführt.

5.703 Die fünfteilige Verehrung umfasst Duftstoff und die folgenden Gaben bis zur Speise. Sie kann von Nicht-Hauslebenden oder von Hauslebenden ausgeführt werden, die durch andere Aufgaben beansprucht sind.

5.704 Der Lehrer vollziehe zunächst die Verehrung mit einem vedischen Mantra und danach mit tantrischen Mantras; Anhänger des linken Weges und Shudras verfahren nach dem Tantra.

5.705 Für alle Dienste wird eine fünfzehnlautige Formel vorgesehen: Sie beginnt mit Om und den angegebenen Keimsilben, bittet wiederholt „Nimm dies an“ und schließt mit Svaha. Die Wiederholungszahl von „dies“ ist zwischen Grundtext und Anmerkung unterschiedlich.

5.706 Ein dem Veda Folgender kann das tantrische Mantra auch nach dem vedischen sprechen. Der Shudra soll nach dieser historischen Vorschrift überall die Huldigung an die Stelle von Svaha setzen.

5.707 Links von der Gottheit bringe man mit dem Grundmantra den Sitz dar. Er kann aus Blumen, Holz, Stoff, Fell, Gras oder Metall bestehen.

5.708 Der Blumensitz wird aus Blumen und weiteren Pflanzen, verbunden mit Kusha und Durva, gefertigt; vielfarbig, duftend und weich soll er alle Wünsche erfüllen.

5.709 Ein Sitz, der ausschließlich aus den für die jeweilige Gottheit verbotenen Blumen besteht, soll dagegen die Wünsche des Übenden vereiteln.

5.710 Als geeignete Hölzer werden Opferholz, Bilva, Sandel, Gambhari und Shriparni genannt; ihnen wird Wunscherfüllung zugeschrieben.

5.711 Ausgeschlossen sind dornige und Milchsaft führende Hölzer, Palmen und Shala. Ebenso meide man an Heiligtümern oder Verbrennungsstätten gewachsenes Holz sowie Bibhitaka.

5.712 Vier vorzügliche Stoffarten werden genannt: Wolle beziehungsweise Haargewebe, Bast, Seide und Baumwolle; die jeweils vorangehende gilt als höherwertig.

5.713 Felle von Löwe, Tiger, Hyäne, Ziege, Büffel, Elefant, Pferd und Schwarzantilope

5.714 gelten hier als vorzügliche Sitzmaterialien. Verboten sind Felle von Esel, Hund, Schakal, Wolf, Rind, Hase und Affe. Dies ist die historische Materialliste des Textes.

5.715 Kusha, Kasha, Shara, Granthi, Gerste, Durva, Balvaja, Virana, Nada und Gundra bilden zehn Arten des Grassitzes. Fehlt die vorangehende, verwende man die nächste; die jeweils frühere gilt als besser. Diese Sitze sollen der Form des Yogapitha entsprechen.

5.716 Gold, Silber, Kupfer und Zinn werden in absteigender Wertigkeit genannt; Eisen, Bronze, Blei und Messing gelten als verboten.

5.717 Man stelle sich vor, dass die Gottheit mit ihren Gliedern und ihrem Umkreis zur Verehrung gekommen ist, und spreche nach dem Grundmantra das Willkommen.

5.718 Dann bringe man Arghya am Haupt dar. Drei Zeitpunkte werden genannt: bei der Ankunft, bei der Verehrung des zum Bad gesetzten Gottes

5.719 und am Ende der Verehrung, wenn er gehen möchte. Man gebe mit Arghya-Zutaten versehenes Wasser unter Aussprache des Dienstmantras.

5.720b Für das Fußwaschwasser gibt es drei Zeitpunkte: Ankunft, Bad und Beginn der Speisung. Padya bedeutet das Waschen der Füße.

5.721 Mundspülwasser aus reinem Wasser wird sechsmal genannt: beim Fußwaschen, beim Madhuparka, beim Bad, beim Gewand, bei der heiligen Schnur und beim Essen.

5.722 Man gebe Honig in ein Bronzegefäß und bringe ihn am Lotusmund der Gottheit dar; tagsüber wird er mit Sauermilch verbunden. Dabei spricht man das Dienstmantra.

5.723 Für das erneute Mundspülen bringe man am Mund der Gottheit Wasser mit Pulvern von Muskatnuss, Gewürznelke, Kardamom, Kampfer und Kankola dar.

5.724 Man salbe die Gestalt mit duftenden Ölen, reibe sie mit wohlriechender Amalaki und weiteren Stoffen ab und bade sie anschließend mit warmem Wasser.

5.725 Mit duftendem Wasser übergieße man sie unter dem Grundmantra entsprechend den eigenen Möglichkeiten; ferner gesondert mit Milch, Sauermilch, Ghee, Honig und Zucker.

5.726 Auch Kokoswasser, Palmfruchtwasser, vielfältige Duftstoffe und Duftwasser werden verwendet.

5.727 Ebenso Zuckerrohrsaft, mit Kampfer und anderem beduftetes Wasser sowie reines Wasser; entsprechend dem eigenen Vermögen übergieße man unter dem Grundmantra.

5.728 Auch duftender Saft von Banane, Jackfrucht und Ashvattha wird genannt. Man übergieße nach Möglichkeit hundert-, tausend- oder zehntausendmal.

5.729 Nach Verehrung der Muschel bade man mit ihr die Gottheit in ungeteilter Sammlung. Die Muschel erfreut alle Gottheiten, die Sonne jedoch nach dieser Vorschrift niemals.

5.730 Shiva erfreut sich am Übergießen mit den fünf Nektaren und heiligem Wasser, jedoch nicht mit Muschelwasser; danach folgt reines Wasser.

5.731 Das Bad wird mit dem Purusha-Sukta, dem Grundmantra oder den drei entsprechenden Formeln ausgeführt. Vishnu bringe man vorzugsweise ein gelbes Seidengewand dar.

5.732 Shiva, Sarasvati und Parshvanatha erhalten Weiß; Shakti, Sonne, Ganesha, Mars und der Buddha erhalten Rot.

5.733 Bhairava, Kali und ähnliche Gottheiten erhalten Schwarz, Radha und ähnliche Blau. Das Gewand soll unversehrt, fleckenlos, frisch und von niemand anderem getragen sein.

5.734 Baumwolle, Seide oder besonders das als Rankava bezeichnete Wollgewebe gelten als geeignet. Durch Öl und Ähnliches verunreinigter Stoff soll Krankheit bringen, durchlöcherter den Verlust der rituellen Zugehörigkeit.

5.735 Fremder Stoff soll Armut bringen, abgetragener die Lebensdauer verkürzen, verbrannter Not verursachen und bereits am Körper getragener Knechtschaft.

5.736 Von einer Nadel durchstochener Stoff soll Hautausschläge hervorrufen, schmutziger den Glanz nehmen; mit Haaren behafteter soll beim Einsatz in der Verehrung den Verlust von Kindern verursachen.

5.737 Die anschließend vorausgesetzten Schmuckstücke sind vielfältig, etwa Kronen; die Kundigen sollen sie nach männlichen und weiblichen Formen unterscheiden.

Duftstoffe und Blumen

5.738 Duftstoffe werden als fünffach beschrieben: Pulver, Geriebenes, Rauchessenz, vermischte Paste und tierischer Duftstoff. Sie erfreuen die Himmelsbewohner.

5.739 Pulver aus wohlriechenden Blättern heißen Duftpulver; dies ist die erste Art.

5.740 Die zweite Art ist geriebener Duftstoff: Sandel, Sarala, Devadaru, schwarzes Agarholz und Kadamba.

5.741 Die dritte entsteht aus Sandel, Agarholz und weiteren Stoffen, die in Shatapatri-Saft eingelegt und mithilfe der bezeichneten Apparatur in einer Glasflasche aufbereitet werden. Die Anmerkung deutet die Pflanze als Shatavari.

5.742 Genannt werden schwarzes Agarholz, Sandel, Devadaru, gelbes Sandelholz, Balaka, Bhadramusta, Shilarasa, Kundara, Kolaka, Sevanti, Kaka und das nach einem Pferd benannte Harzholz; mehrere Handelsnamen sind nicht eindeutig botanisch bestimmbar.

5.743 Man gibt sie in eine mit Lehm und Stoff geschützte Glasflasche; am Hals wird eine metallene beziehungsweise mit Fäden befestigte Vorrichtung angebracht. Die Duftkundigen gewinnen daraus Rauchessenz in einem harten Glasgefäß. Die Apparaturbeschreibung ist sprachlich beschädigt.

5.744 Sie heißt Mahamoda, erfreut die Götter und soll Geister, Yakshas und Schlangenwesen erschrecken; ihr werden Linderung von Fieber, Appetitlosigkeit und Erbrechen sowie, auf der Stirn getragen, Abwehr des bösen Blicks zugeschrieben.

5.745 Werden verschiedene Duftstoffe in ihren jeweiligen Anteilen mit Duftwasser verrieben, entsteht die vierte, Sammarda genannte Art.

5.746 Ein Teil Moschus und zwei Teile Mustaka werden genannt; je halb so viel Kardamom, Jatamansi, Rinde, Kushtha und Shilarasa.

5.747 Hinzu kommen vier Teile Balaka sowie in Ghee geröstetes Nakhi, Sugandhakokila, Lohabana und Rajavacha.

5.748 Safran wird mit acht Teilen, Mura mit sechzehn angegeben; schwarzes Agarholz und Kaliya erhalten je acht Teile.

5.749 Auch die Anteile von Sevanti und Kaka werden gemeinsam verrieben. Diese Mischung heißt Kamoda und erfreut Gottheiten und Könige; die letzten Anteilsangaben bleiben im Grundtext unvollständig.

5.750 Moschus und das als Chautumada bezeichnete tierische Duftsekret bilden die tierisch entstandene fünfte Duftart, die Götter und Dämonen erfreuen soll.

5.751 Blumengaben werden in fünf Stufen eingeteilt: höchste, nachgeordnete, vorzügliche, mittlere und geringe. Ihre Merkmale werde ich erklären.

5.752 Die höchste ist eine goldene Blume; sie bleibt stets geeignet und wird nach vorausgehender Salbung dargebracht. Als nachgeordnete gelten Blumen aus Silber und Kupfer.

5.753 Auch diese sind geeignet; hierfür nennt der Text drei Jahre beziehungsweise ein Jahr. Tulasi, Ketaki, Lotus, Karavira und Malati

5.754 gelten als die fünf vorzüglichen natürlichen Blumen. Zehn mittlere sind Mallika, Kunda, Mandara, Bakula, Arjuna, Kimshuka,

5.755 Parijata, Ashoka, Bilva und Champaka. Andere schönfarbige und wohlriechende Blumen bilden die geringere Stufe; die entsprechende Schlussformulierung ist beschädigt.

5.756 Man verehre mit den im jeweiligen Mantraverfahren erlaubten Blumen. Nicht darzubringen sind zu Boden gefallene, erhitzte oder von Insekten angefressene.

5.757 Ebenso ungeeignet sind am Körper getragene, bereits beschnupperte, verwelkte, vom Vortag stammende, scharf riechende oder duftlose Blumen; auch nach dem Mittagsbad gepflückte werden hier ausgeschlossen.

5.758 Blatt, Blume oder Frucht sollen nicht nach unten gekehrt dargebracht werden; das wird als leidbringend bezeichnet. Man bringe sie so dar, wie sie gewachsen sind.

5.759 Bei bildhaft angeordneter Verehrung gilt eine abweichende Lage nicht als Fehler. Das Verbot der nach unten gerichteten Darbringung gilt auch nicht für die gemeinsame Blumengabe aus gefalteten Händen.

5.760 Bei Tulasi, Bilva, Champaka, Wasserblumen, Bakula und Agastya sowie bei Blumen im Haus des Kranzmachers besteht kein Fehler durch das Aufbewahren vom Vortag.

5.761 Shiva verehre man nicht mit Ketaki oder Kutaja, Hari nicht mit ungebrochenem Reis, Durga nicht mit Durva und die Sonne nicht mit Bilvablättern.

5.762 Ganesha verehre man nicht mit Tulasi; die jeweils ausgeschlossenen Gaben werden weggelassen. Die Göttin verehre man nicht mit Arka-Blumen und die Sonne nicht mit Tagara.

5.763 Ganesha und der Sonne sind rote Blumen besonders lieb. Fehlen Blumen, kann man junge Triebe verwenden; fehlen auch diese, Knospen.

5.764 Fehlen sie, nehme man Früchte oder Blätter; fehlen auch diese, Gräser oder Kusha. Genannt werden Holzapfel, Granatapfel, Jujube, Jambu, Tamarinde, Amalaki und Mango.

5.765 Auch Matulunga, Zitrone und Jackfrucht gelten als vorzüglich. Nach dem Blumendienst vollziehe man die Verehrung der Umkreise.

Verehrung der Umkreise

5.766 Mit den vom Mantra umschlossenen, nasalierten Matrika-Lauten verehre man nacheinander die Glieder der Gottheit durch Duftstoffe, Blumen und weitere Gaben.

5.767 Die Matrikas werden ihren Stellen entsprechend als zur Auflösung gehörige Glieder eingeordnet. Zuerst verehre man den jeweiligen Umkreis, danach die Gottheit.

5.768 So verehre man alle vorgeschriebenen umgebenden Gottheiten. Auf den Staubfäden, beginnend im Südosten, verehre man Herz und die weiteren Glieder.

5.769 Die Augen liegen in der Mitte, die Waffe in den Richtungen. Die Gliedergottheiten sind mit schnee-, kristall-, dunkel-, blau-, schwarz- und rotfarbenem Glanz zu meditieren.

5.770 Sie sind weibliche Gestalten der Hauptgottheit und zeigen Wunschgewährung und Furchtlosigkeit; ihre Stellen sind nacheinander Südosten, Nordosten, Südwesten, Nordwesten, Mitte und Richtungen.

5.771 Bei der Verehrung der Umkreise gilt die Vorderseite der Gottheit als Osten. Von dort aus verehrt man ihr Gefolge im Uhrzeigersinn.

5.772 Die Gliedermantras haben bei der Verehrung Om als Abschluss, bei der Feuerdarbringung Svaha. Die Gliedergottheiten stehen der Hauptgottheit zugewandt.

5.773 Dann verehre man die Weltenhüter in ihren jeweiligen Richtungen und vor ihnen ihre Waffen. Nun wird ihre Meditationsgestalt beschrieben.

5.774 „Ich verehre Indra, Herrn der Götter, auf Airavata reitend, tausendäugig und zweiarmig, mit gelbem Vajra.“ Die zweimalige Farb- beziehungsweise Sitzbezeichnung ist in der Vorlage entstellt.

5.775 Man betrachte Agni, den roten Herrn des Feuerglanzes, mit weißem Speer in der Hand, geschmückt, auf einem Widder reitend und mit schönen Augen; eine zusätzliche Bezeichnung ist unklar.

5.776 Yama, Herr der Verstorbenen, ist schwarz, sitzt auf einem Büffel, trägt den Stab der Zeit, ist furchtbar und von schrecklichen Boten umgeben.

5.777 Nirriti, Herr der Rakshasas, sitzt auf einem Leichnam, ist rauchfarben, trägt ein Schwert und hat gelbbraunen Bart und Schnurrbart.

5.778 „Ich verneige mich vor Varuna, Herrn der Wasserwesen: Auf einem Makara sitzend, blitzgleich, weißleibig und dickbäuchig, trägt er die Schlinge in seiner Lotushand.“

5.779 „Ich verehre Vayu, dem Lebenshauch lieb, rauchfarben, mit rotem Stachel in der Hand, auf seinem Waldtier reitend und rasch dahineilend.“ Der Name des Reittiers ist beschädigt.

5.780 „Ich verehre Kubera, Herrn der Yakshas, weiß, eine weiße Keule und ein Trinkgefäß tragend, auf einem von Menschen getragenen Thron sitzend.“ Die Thronbezeichnung ist mehrdeutig.

5.781 Man betrachte den weißen Herrn des Wissens mit blauem Dreizack, auf dem Stier reitend, dreiäugig, mit dem Mond an der Stirn und aufgetürmtem Flechthaar.

5.782 „Ich verehre Ananta, den hellen Herrn der Schlangen, dessen Haupt vom Kranz der Hauben geschmückt ist, mächtig und hoch aufgerichtet, das Rad tragend und die Welt umfassend.“ Das letzte Eigenschaftswort ist beschädigt.

5.783 „Ich verehre den Schöpfer, Herrn der Welten, rot, glückverheißend, den Lotus tragend, auf dem Schwan reitend und den Veda rezitierend.“

5.784 Nach erneutem Grundmantra spreche man den Namen der Göttin im Dativ und füge an: „mit ihren Gliedern und ihrem Gefolge“.

5.785 Mit abschließender Huldigung verehre der Übende sie dreimal durch Duftstoffe, Blumen und weitere Gaben. Dann betrachte und verehre er das Räuchergefäß mit dem Waffenmantra.

Räucherwerk und Licht

5.786 Mit Herz- und Waffenmantra verehre er die Glocke und lasse sie erklingen. Dann wird Räucherwerk dargebracht; Ganesha ist Guggulu besonders lieb.

5.787 Der Göttin ist Sarja-Harz lieb, Mahesha das Harz des Devadaru, Vishnu schwarzes Agarholz und der Sonne der Sinhla genannte Stoff.

5.788 Nun nenne ich das zehnteilige Räucherwerk der Shakti: je ein Teil Shaileya, Sandel, Nakha, Kushtha und Sarja-Harz.

5.789 Von Shilarasa, Agarholz und Jatamansi werden je zwei Teile genannt, von Honig sechs und von Zucker acht. Dieses Räucherwerk soll Shakti erfreuen beziehungsweise bezaubern.

5.790 Haritaki, Sarja-Harz, Mura und Jatamansi werden mit je einem Teil genannt, Lackharz mit drei, Shailaja und Musta mit je vier.

5.791 Nakha erhält fünf Teile, Kushtha sechs und Agarholz zwölf. Dies ist das zehnteilige Räucherwerk für Shiva, Ganesha und Vishnu; die Gottesbezeichnung am Anfang der Schlussgruppe ist verkürzt.

5.792 Honig, Musta, Ghee, Duftstoff, Guggulu, Agarholz, Shailaja, Sarala, Sihla und Senf bilden das zehnteilige Räucherwerk für die übrigen Gottheiten.

5.793 Räucherwerk stelle man links oder vorne, nicht rechts auf; man lege es weder unmittelbar auf den Boden noch auf den Sitz oder auf Stoff.

5.794 Man bringe es auf einer geeigneten Unterlage dar. Mit Körperfett oder Mark verbundenes Räucherwerk ist unerwünscht; für Vishnu wird holzstämmiges Räucherwerk genannt, wobei die Satzverbindung knapp bleibt.

5.795 Nach Verehrung mit seinem eigenen Mantra bringe man unter Glockenklang die Lampe dar; nach den verfügbaren Mitteln können verschiedene Instrumente hinzutreten.

5.796 Das elflautige Glockenmantra setzt sich aus Om, der Bezeichnung des Siegesklangs, „Mantramane“ und Svaha zusammen; ihm wird das Gewähren aller Vollendungen zugeschrieben.

5.797 Bei Herbeirufung, Arghya, Räucherwerk, Blumen, Speisegabe und Licht lasse man die Glocke erklingen, besonders bei Räucherwerk und Licht.

5.798 Außerhalb der Verehrungszeit soll man sie nicht läuten; wer Vollendung begehrt, soll die Verehrung nicht ohne sie ausführen.

5.799 Mit Kuhghee oder Öl und einem Docht mit kleinem Kern zeige man das Licht hoch erhoben; niemals verwende man hierfür Körperfett und Ähnliches.

5.800 Man soll Ghee und andere Brennstoffe nicht vermischen. Für die Darbringung einer Lampe mit gemischtem Brennstoff droht der Text die Tamisra-Hölle an.

5.801 Man bewege die Lampe in einer dem Kreisen einer Taube vergleichbaren Weise vor allen Gliedern der Gottheit und spreche dann folgenden Vers.

5.802 „Dieses große Licht leuchtet hell und vertreibt überall die Dunkelheit. Nimm diese Lampe an: Licht im Äußeren und im Inneren.“

5.803 Rechts wird Senföl, links Sesamöl vorgesehen; rechts ein weißer, links ein roter Docht.

5.804 Die Lampe soll in einem Gefäß dargebracht werden, niemals unmittelbar auf dem Boden. Wer sie auf den Erdboden stellt, dem droht der Text hundert Jahre in einer leidvollen Hölle an.

5.805 Die Lampe soll nicht ausgelöscht werden, da dies Wohlstand vernichte. Nach Fußwasch- und Mundspülwasser bringe man die Speisegabe dar.

Speisegabe und Feueropfer

5.806 Man stelle ein goldenes Gefäß mit Unterlage in den Kreis; die viereckige Anordnung werde nach dem in der Lehrschrift angegebenen Verfahren vorbereitet.

5.807 Man besprenge mit dem Waffenmantra, schütze mit der Rad-Mudra und lasse Fehler durch Berührung, Blicke und Ähnliches mit der Wind-Keimsilbe austrocknen.

5.808 Während man mit der Spitze der rechten Hand berührt, verbrenne man diese Fehler mit der Feuer-Keimsilbe. Mit Vam verwandle man die Gabe in Nektar und bespreche sie mit dem Grundmantra.

5.809 Nach achtmaliger Besprechung berühre man sie ordnungsgemäß mit beiden Händen, zeige die Dhenu-Mudra und verehre sie mit Duftstoffen und Blumen.

5.810 Nach Verehrung der Gottheit bringe man in ungeteilter Sammlung eine Handvoll Blumen dar: „Diese göttliche, sorgfältig bereitete vorzügliche Speise im goldenen Gefäß,

5.811 fünffach und mit den sechs Geschmacksrichtungen versehen, nimm für meine Vollendung an.“ Unter dem Grundmantra mit abschließendem Svaha bringe man Wasser dar.

5.812 Man berühre das Gefäß mit beiden Händen und spreche nach der Bezeichnung der Speisegabe die Huldigung. Nachdem man Wasser in die rechte Hand der Gottheit gegeben hat, spreche man:

5.813 „Du bist die Unterlage des Nektars, Svaha.“ Die Formel gilt als elflautig. Mit der rechten Hand zeige man die einem aufgeblühten Wasserlotus ähnliche Geste.

5.814 Nach der Speiseaufnahme-Mudra bringe man fünf Opfergaben an die Lebenshauche dar. Die Verbindung von kleinem Finger, Ringfinger und Daumen bildet die Prana-Mudra.

5.815 Mit ihr nehme man einen Bissen und spreche die Darbringung an Prana mit Svaha. Bei Verbindung von Zeigefinger, Mittelfinger und Daumen nenne man Apana im Dativ und schließe mit Svaha; danach folgt Vyana.

5.816 Für Vyana bringe man mit Mittelfinger, Ringfinger und Daumen und abschließendem Svaha dar. Für Udana verwende man alle Finger außer dem kleinen und ebenfalls Svaha.

5.817 Mit allen Fingern bringe man Samana einen Bissen mit Svaha dar. Dann nehme man gutes Wasser in einem goldenen oder anderen geeigneten Gefäß und verwandle es mit der Dhenu-Mudra

5.818 in Nektar. Bei der Darbringung an die Gottheit spreche man: „Verehrung dir, Herr der Götter! Die dargebrachte Speise ist rein, von natürlicher Beschaffenheit, wohlgekühlt und vermag allen höchste Sättigung zu geben.

5.819 Du bist von höchster Wonne erfüllt: Nimm dieses vorzügliche Wasser an.“ So sprechend stelle man das Wassergefäß links von der Gottheit auf.

5.820 Die drei Stände sollen der Gottheit gekochte Speise darbringen: in Ghee zubereitete, in Milch gekochte oder allein auf Feuer gegarte.

5.821 Für den Shudra wird mit Zuckerrohrsirup verbundene Speise empfohlen. Danach bringe man eine Handvoll Blumen dar und sichere mit dem Waffenmantra

5.822 die Richtungen; rings um die Gottheit stelle man einen Vorhang. Dann spreche man die Huldigung zur aus Nektar bestehenden Speisegabe.

5.823 Man zeige die Dhenu-Mudra und stelle sich die Gottheit essend vor. Nach hundertachtmaliger Wiederholung des Grundmantras gebe man Wasser.

5.824 Nach der Speise gebe man Mundspülwasser und vollziehe das Feueropfer. Im wie zuvor vorbereiteten Feuer rufe der Mantrakundige die Gottheit herbei.

5.825 Nach ihrer Verehrung bringe er mit dem Grundmantra fünfundzwanzig Darbringungen aus Ghee, Opferspeise, Sesam oder gutem Milchreis dar.

5.826 Auch mit Sesam vermischter Reis oder allein Blumen sind möglich. Für jede Glieder- und Umkreisgottheit gebe man eine eigene Darbringung.

5.827 Nachdem man Gottheit und Feuer entlassen hat, kehre man zum Verehrungsplatz zurück, setze sich auf den Sitz und bringe mit den Mantras die Gabe an die Wesen dar.

Gaben an die Wesen

5.828 Im Nordosten zeichne man einen Kreis und stelle darin ein Gefäß auf seine Unterlage, gefüllt mit Speise, Beilagen, Wasser, Blumen und weiteren Gaben. Dort verehre man die Wesen und bringe ihnen Bali dar.

5.829 „Ihr Furchtbaren, die furchtbare Werke tun und an furchtbaren Orten wohnen, ihr feuerförmigen Yoginis und Herren der Scharen,

5.830 ihr auf der Erde Wandelnden, im Raum Wandelnden und in der Zwischenwelt Weilenden: Mögen alle Wesen mit erfreutem Geist diese Gabe annehmen.“

5.831 Mit der linken Hand gieße man einen Wasserstrahl in dieses Gefäß. Dann nehme man eine Handvoll Blumen und bitte die Wesen:

5.832 „Alle Wesen, die hier auf Erden wohnen, mögen die ordnungsgemäß dargebrachte Gabe annehmen, Zufriedenheit erlangen und ringsum an andere Orte weiterziehen. Verehrung sei ihnen.“

5.833 Nach Blumengabe und Verneigung sage man: „Bewegt euch nach eurem Wohlgefallen.“ Mit der Naracha-Mudra entlasse man dann die Wesen und die übrigen Empfänger.

5.834 Man betrachte die Gottheit als gesättigt und die Speisegabe als ihres feinen Wesens entnommen; dann stelle man das Gefäß nach Südwesten.

5.835 Mit Kuhdung, Wasser und dem Waffenmantra bereite man die Stelle beziehungsweise die Speisegabe vor. Man nehme den Rest der Gottheit und spreche die Huldigung an den Empfänger der verbliebenen Gaben.

5.836 Man lege ihn im Nordosten nieder und wasche die Hände. Erneut gebe man Mundspülwasser und Mittel zur Reinigung der Hände.

5.837 Nach reinem Mundspülwasser bedufte man die Hände. Dann gebe man Vishnu das zwölfteilige Tambula.

5.838 Es besteht aus Khadira-Extrakt, Kardamom, Gewürznelke, Kampfer, Kalkpulver, Betelblatt, Tamala, Muskatnuss, Muskatblüte, Moschus und Safran,

5.839 sowie Arekanuss. Für die Sonne wird ein zehnteiliges Tambula genannt, ohne Moschus und Tamala. Dann folgt die Form für Ganesha.

5.840 Diese umfasst fünf Bestandteile: Kalkpulver, Khadira, Betelblatt, Arekanuss und Kampfer. Für die Göttin beziehungsweise Mahesha wird die Ergänzung durch Muskat genannt; die Zuordnung der letzten Halbstrophe ist nicht eindeutig.

5.841 Danach bringe man Schmuck wie Kronen dar, zeige den Spiegel und stelle Schirm und Wedel bereit.

Lichtschwenken und Mantrawiederholung

5.842 Man lege Durva, ungebrochenen Reis und einen Reinheitsring auf das Haupt der Gottheit und vollziehe das Lichtschwenken für Dharma, Wunscherfüllung und Wohlstand.

5.843 Auf einer goldenen, silbernen oder bronzenen, schön anzusehenden Platte zeichne man mit Kumkum einen sehr schönen achtblättrigen Lotus.

5.844 In seine Mitte setze man eine große Lampe, auf seine acht Blätter acht kleinere. Die Lampenschalen werden aus Gerste und Weizen mit Zucker und Milch geformt, ringförmig geschmückt und mit Ghee gefüllt.

5.845 Der Mantrakundige bespreche sie mit dem neunlautigen Ratneshvari-Mantra. Die angegebene Reihe beginnt mit Shrim, Hrim, Glum und Stum und wird wiederholt; der Schluss ist im Grundtext gegenüber der Anmerkung abweichend überliefert.

5.846 So ist die Formel der Ratneshvari bezeichnet; dann verehre man sie mit dem Grundmantra. Man hebe die Platte immer wieder bis zur Höhe des Hauptes.

5.847 Neunmal schwenke man sie und zeige die Rad-Mudra. Nach der Verneigung vor der Gottheit vollziehe man dreimal Pranayama.

5.848 Mit dem Grundmantra führe man die vorausgehenden Einsetzungen vollständig aus. Für die anschließende Wiederholung werden tausendacht sowie weitere Hunderterzahlen genannt; die Wortfolge mit „neun, zwei, drei hundert“ ist nicht eindeutig.

5.849 Auch hundertachtmal kann man das Grundmantra unermüdlich wiederholen. Nach Abschluss lege man die Gebetskette auf den Kopf, nehme Wasser aus dem Arghya-Gefäß und spreche:

5.850 „Du Hüter des Geheimsten vom Geheimen, nimm unsere Mantrawiederholung an. Durch deine Gnade, Gott und Herr der Welt, möge mir Vollendung zuteilwerden.“

5.851 Man gebe Wasser in die rechte Hand der Gottheit und übergebe so die Wiederholung. Japa und Gebetskette sollen verhüllt und an einem geschützten Ort bewahrt werden. Darauf folgen Gesang und Lob unter Glockenklang.

5.852 Nach der hier vorausgesetzten Ständeordnung verwendet der Brahmane vedische Mantras, der Kshatriya Samhitas, der Vaishya puranische Texte und der Shudra volkssprachliche Formen.

5.853 Anhänger des linken Weges sollen am Ende der Dienste eine sättigende Darbringung mit Alkohol vollziehen. Das Feueropfer ist für sie nicht täglich verpflichtend, die sättigende Darbringung dagegen schon.

5.854 Kaulikas vollziehen dies zusammen mit ihrer Shakti und verwenden auch deren Restgabe. Einem Shudra, der aus Verblendung oder Verlangen Purana, Smriti oder Samhita rezitiert, droht der Text Hölle gemeinsam mit seinen Ahnen an.

5.855 Hört ein Shudra bewusst den Veda und lässt ein Zweimalgeborener ihn hören, sollen beide in dieser Welt Leid und in der anderen Hölle erfahren. Die Satzbildung ist unregelmäßig; die Ausschlussabsicht ist deutlich.

5.856 Wer als Shudra aus Überheblichkeit aufgrund von Stellung oder Reichtum den Veda hört, soll Nachkommenschaft und Vermögen verlieren.

5.857 Wurde der Veda unwissentlich gehört beziehungsweise durch einen Zweimalgeborenen zu Gehör gebracht, sollen beide durch drei Prajapatya-Sühnen gereinigt werden. Diese Verse dokumentieren historische Bildungs- und Kastenbeschränkungen; sie sind keine heutige Zugangsnorm.

Gebete der Hingabe

5.858 Dann nehme man das Arghya-Gefäß und spreche nach dem Grundmantra: „Was immer ich getan habe, richtig oder unrichtig, nimm all dies, erhabener Gott, als meine Verehrung an.“

5.859 Mit etwas Arghya-Wasser in der rechten Hand der Gottheit übergebe der Kundige die vollzogene Verehrung. Nach hingebungsvoller Verneigung vor dem Herrn der Götter bringe er sie mit diesen Versen dar:

5.860 „Was allein aus Hingabe gegeben wurde – Blatt, Blume, Frucht, Wasser und die dargebrachte Speise –, nimm es voller Erbarmen an.

5.861 Ich kenne die Herbeirufung nicht, ich kenne die Entlassung nicht; auch die Verehrung kenne ich nicht. Du bist meine Zuflucht, höchster Herr.

5.862 In Tat, Geist und Wort habe ich keine andere Zuflucht als dich. Du bist der innere Zeuge der Wesen, höchster Herr.

5.863 Herr, durch welche der tausend Geburten ich auch wandern mag: In jeder möge meine Hingabe an dich stets unerschütterlich und unvergänglich sein.

5.864 Gott ist Geber und Genießer; Gott ist diese ganze Welt. Gott herrscht überall. Was Gott ist, das bin auch ich.“

Darbringung an Brahman und Rückkehr ins Herz

5.865 Dann übergebe man die Verehrung mit Wasser aus dem Arghya-Gefäß. Mit dem Mantra der Darbringung an Brahman vollziehe man anschließend diese umfassende Hingabe.

5.866 Die Formel beginnt mit Om und „Das ist die Wirklichkeit“. Dann nennt man Lebenshauch, Einsicht, Körper, Pflichten und Befähigung sowie die Zustände des Wachens, Träumens und Tiefschlafs und das durch Geist, Wort und Tat Vollzogene.

5.867 Es folgen die inneren Vorgänge und die durch Bauch und Geschlechtsorgan vollzogenen Handlungen: „Was erinnert, gesprochen oder getan wurde – möge dies alles eine Darbringung an Brahman sein.“

5.868 Mit Bhuh und Svaha endet dieses als sechsundsechziglautig bezeichnete Mantra. Dann entlasse man die Gottheit zusammen mit ihrem Gefolge.

5.869 Nach Blumengabe und Verneigung stelle man sich vor, dass die gesamte Strahlenschar vor der Gottheit in ihr aufgeht.

5.870 Man meditiere über Shiva als Lichtgestalt und bitte immer wieder: „Vergib.“ Mit dieser Bitte lasse man die Gottheit im eigenen Herzlotus aufsteigen und gegenwärtig werden.

5.871 „Gehe, gehe, Bester der Götter, an deine eigene Stätte, höchster Herr – an jene höchste Stätte, die selbst Brahma und die anderen Götter nicht kennen.“

5.872 Nach Entlassung mit diesem Mantra meditiere man mit der Einatmung und der folgenden Formel über die Gottheit und setze sie im Herzen ein.

5.873 „Bleibe, bleibe an der höchsten Stätte, an deiner eigenen Stätte, höchster Herr: in meinem Herzen, wo Brahma und alle anderen Götter weilen.“

5.874 Nachdem man sie so eingesetzt und verehrt hat, betrachte man das eigene Selbst als ganz von ihr erfüllt. Im Nordosten zeichne man einen Kreis mit Tor, jedoch ohne Lotus.

5.875 Für die Verehrung des Empfängers der verbliebenen Gaben werden bei der Fünfgottheitenverehrung fünf entsprechende Anordnungen geschaffen; man verehre sie vom Nordosten aus.

5.876 Für Ganesha wird Lambodara genannt, für die Sonne Tejashchandra, für Hari Vishvaksena und für Mahesha Ishvari.

5.877 Für Bhavani wird Chandeshvara genannt. Mit entsprechenden Mantras verfahre man so: „Leckbares, Saugbares, Speise, Getränk, verbliebene Gaben und Salbmittel

5.878 gebe ich dir, dem Empfänger der verbliebenen Gaben, auf Geheiß Shri Shivas.“ Nach Darbringung des Speiserestes verneige man sich und entlasse den Empfänger.

5.879 Dann bringe man dem Sonnenherrn mit Hrim, Hrim und Sah sowie der Huldigung die Verehrung zur Behebung von Lücken dar.

5.880 „Verehrung dir, Vivasvat, du Leuchtender mit Vishnus Glanz, Erzeuger der Welt, Reiner, Savitri, der die Handlungen ermöglicht.“

5.881 Mit gefalteten Händen und beständigem Geist spreche man: „Was an meinem Opfer, meiner Askese oder meiner Verehrung lückenhaft ist, möge durch die Gnade des Sonnenherrn vollständig werden.“

5.882 Dann vermische man etwas von den verbliebenen Duftgaben mit Arghya-Wasser und bespreche es achtmal mit dem Grundmantra.

5.883 Mit diesem Wasser besprenge man unter dem Grundmantra den Ort. Der Mantrakundige trage die verbliebene heilige Gabe unter dem Grundmantra auf dem Kopf.

5.884 Nach dem Trinken des Fußwaschwassers verteile man die Speisegabe an die Verehrer der Gottheit, esse auch selbst davon und lebe freudig, ganz von ihr erfüllt.

5.885 Der Shaiva gilt als zum Empfang von Shivas verbliebenen Gaben befähigt; anderen droht der Text Hölle an. Beim Zusammentreffen der fünf besteht jedoch kein Fehler.

5.886 Bei einem selbst entstandenen Linga beziehungsweise dessen heiligem Wasser und Gnadengabe sollen sowohl Shaivas als auch Nicht-Shaivas durch hingebungsvolle Verehrung von der Menge ihrer Verfehlungen befreit werden; die erste Wortverbindung ist verkürzt.

5.887 Wer ein von einem Shudra eingesetztes Linga verehrt, sich davor verneigt oder dessen Prasada empfängt, dem droht der Text Hölle an. Auch dies ist eine historische Ausschlussvorschrift.

Verkürzte tägliche Ordnung

5.888 Nach dem morgendlichen Aufstehen gedenke man des Guru und der weiteren Verehrungswürdigen und vollziehe ordnungsgemäß Bad, Sandhya und sättigende Darbringung nach vedischem und tantrischem Verfahren.

5.889 Nach der Rückkehr ins Haus vollziehe man dreimal Pranayama sowie Matrika-Nyasa und die Einsetzungen von Versmaß, Seher und Gottheit.

5.890 Nach dem Hand- und Körperglieder-Nyasa des betreffenden Mantras sowie der Festigung folgen Mantrabad und Verehrung der Gottheit mit fünf Diensten.

5.891 Im Zusammenhang mit dem Vaishvadeva gebe man fünf Darbringungen; man opfere mit dem Grundmantra und wiederhole es hundertachtmal.

5.892 Die vedische Verehrung reicht bis zur Gabe an die Krähen, danach folgt das Essen der verbliebenen Gaben. Dann bitte man die Gottheit und vollziehe abends die Sandhya.

5.893 Während das Gotteshaus erleuchtet ist, geschieht dies: So ist die verkürzte tägliche Ordnung beschrieben. Nun erkläre ich eine weitere Form für die zehn genannten Umstände beziehungsweise Orte.

Verehrung bei Reise, Krankheit und Not

5.894 Unterwegs, auf Reisen, in schwer zugänglicher Lage, bei Krankheit, großer Furcht, im Gefängnis, an ungünstigem Ort oder bei Gefahr durch Schlangen, Tiger und Ähnliches,

5.895 auch beim Einfall eines fremden Heeres, vollziehe man Hand-Nyasa und weitere Handlungen, soweit möglich. Bad und andere Vorbereitungen werden innerlich vorgestellt; dann verehre man geistig.

5.896 Im Herzen vergegenwärtige man den Yogapitha und verehre dort, in der innerlich vorgestellten Erdsphäre, die Gottheit.

5.897 Wie die Verehrung draußen mit Blumen und weiteren Gaben vollzogen wird, so soll sie auch im Herzen ausgeführt werden, um alle Anliegen zu erfüllen.

5.898 Auch das Feueropfer vollziehe man geistig. Dies ist die tägliche Ordnung in Not. Nun erkläre ich die tägliche Form für den durch Krankheit beeinträchtigten Menschen; die Gesundheitsbezeichnung der Vorlage ist entstellt.

5.899 Wenn eine Krankheit so weit fortgeschritten ist, dass Nahrungsenthaltung erforderlich erscheint, soll man die Verehrung auf der Opferfläche und an Kultgestalten aussetzen.

5.900 Man soll weder baden noch den Zahnreinigungszweig verwenden oder ein Feueropfer ausführen. Stattdessen richte man die Betrachtung auf den Sonnenkreis oder auf die Kultgestalt.

5.901 Nach einmaliger Wiederholung des Grundmantras bringe man eine Blume mit ungebrochenem Reis dar. Wer von schwerster Krankheit, Alter oder beeinträchtigten Sinneskräften überwältigt ist, kann seine Verpflichtung auch durch Angehörige derselben rituellen Gemeinschaft erfüllen lassen.

5.902 Nach Genesung bade man, verehre Feuer und Gottheiten sowie Guru und Brahmanen und spreche vor ihnen:

5.903 „So lange war meine Verehrung unterbrochen. Möge daraus durch eure Gnade kein Fehler entstehen.“ Nach dieser Bitte verfahre man wieder wie zuvor.

5.904 Einen durch Krankheit entstandenen Ritualmangel gleiche man durch Mantrawiederholung, Meditation, Feueropfer oder Geben aus.

5.905 Bei zeitweiliger Unreinheit durch Geburt oder Tod vollziehe man die von der Überlieferung erlaubte vedische Tagespflicht; tantrische Verehrung und weitere Handlungen geschehen ausschließlich geistig.

5.906 Bei einer auf ein bestimmtes Anliegen gerichteten Anwendung verfahre man wie zuvor, jedoch außerhalb des Hauses mit dem Verstorbenen. Für den linken Brauch wird keine solche Unreinheit angesetzt.

5.907 Wer ohne Verlangen, mit Erkenntnis, gemäß seiner Überlieferung und dem Dharma-Weg, nach den verfügbaren Möglichkeiten hingebungsvoll die Meditation des linken Weges vollzieht, ohne das Wesen von Schrift und Gottheit zu kennen, wird als Guhyaka bezeichnet. Die Verbindung der Voraussetzungen und des mangelnden Wissens ist im Grundtext spannungsvoll.

5.908 Wer auf dem linken Weg Erkenntnis sucht, dabei aber nur Freude begehrt, soll dort als von Hunger und Durst gequälter Geist entstehen. Deshalb prüfe man den Dharma sorgfältig.

5.909 Die Verehrung kann mit Wasser vollzogen werden. Ist kein Yantra vorhanden, verehre man die Gottheit mit innerlich vorgestellten Blumen und weiteren Gaben.

Hingabe als Leben der Verehrung und Schlussbetrachtung

5.910 Hingabe, Vertrauen und innere Vergegenwärtigung werden das Leben der Verehrung genannt. Nun erkläre ich die tägliche Ordnung für Menschen mit geringer Auffassungsgabe und für verkürzte Ausführung.

5.911 Sie verehren den Edelsteinpavillon, die Vierheit von Dharma und den weiteren Sitzkräften, den roten Lotus, die Grundgestalt und die sechs Glieder.

5.912 Fehlen die Gegenstände, stelle man ihre Darbringung innerlich vor und verehre mit reinem Wasser und beständigem Geist. Der Grundtext lässt die ausdrückliche Anweisung zur Vorstellung sprachlich verkürzt; die Anmerkung erläutert sie.

5.913 Allgemein ist Verehrung dreifach: höchste, mittlere und geringste. Nach Befähigung und Anlass teilt sie sich wiederum in hundert Formen.

5.914 Die mit vollständiger Ausstattung ausgeführte Verehrung gilt als höchste; die mit jeweils verfügbaren Gegenständen vollzogene als mittlere.

5.915 Die allein mit Blättern, Blumen und Wasser vollzogene heißt geringste. Wird die Verehrung von makellosen Brahmarshis nach sämtlichen vedischen Vorschriften ausgeführt,

5.916 so gilt sie als sattvig und befreiend. Wird sie von asketisch beständigen Königssehern vollzogen, die das Wesen des Erhabenen kennen,

5.917 so gilt sie als rajassig und freudebringend. Wird sie von Frauen, Kindern, Alten und anderen hingebungsvollen Menschen mit ungebrochenem Geist

5.918 täglich vollzogen, so wird sie als tamassig bezeichnet. Der Text geht dann zu einer polemischen Abgrenzung gegenüber denjenigen über, die den Veda nicht ausführen können, und gegenüber Tantras in den verschiedenen Weltaltern.

5.919 Diese Tantras seien von Brahmanen benannt beziehungsweise verkündet worden, die aus einem Anteil des Kali hervorgehen. Vom Kali getrieben folgen Brahmanen jenen Tantrawegen,

5.920 von Begierde, Habgier und Ähnlichem ergriffen und ihrer Brahmaneneigenschaft beraubt. Sie sollen zu Fremdvölkischen werden und nach Erschöpfung ihres Verdienstes in Raurava

5.921 fallen. Wer dies erkennt, soll daher das Vedische nicht aufgeben. Anschließend werden verborgene Lehren und ihre Gliederung in Ullasas beziehungsweise Patalas angesprochen; die Wortfolge ist beschädigt und erlaubt keine sichere durchgehende Übersetzung.

5.922 In Adhyayas gegliederte Werke gelten als Rezitationsstudium für Zweimalgeborene. Für wen ein Tantra verfasst wurde, der besitzt darin den Vorrang.

5.923 Was im Meru Tantra gelehrt wird, soll feststehen und sich nicht anders verhalten. Damit, ihr Götter, ist die Entscheidung über eure Frage ausgesprochen.

5.924 Eine Handlung, die nach sorgfältiger Prüfung vollzogen wird, führt nicht zum Leid. Deshalb soll die im Veda gelehrte Handlung zum höchsten Heil ausgeführt werden.

Kolophon: So endet im Meru Tantra, das von Shiva verkündet und von Mahamaya und Mahakala gebilligt ist, Prakāśa 5 über Āhnika – tägliche Praxis.


Prakāśa 6 – Puraścaryā – vorbereitende Mantrapraxis

Bedeutung und Glieder der Puraścaraṇa

6.1 Die Göttin sprach: Herr, erkläre die Bedeutung des Wortes Purashcharana und das zugehörige Verfahren, ohne das die vedischen und die übrigen Mantras nicht zur Vollendung gelangen.

6.2 Ishvara sprach: Vor dir werde ich das Geheimnis aller Mantras erklären: die für das Kali-Zeitalter bestimmte Essenz aller Tantras, die verborgen gehalten wurde.

6.3 Ein Mantra gilt als Mittel zur Verwirklichung von Dharma, Wohlstand, Wunscherfüllung und Befreiung. Was man vorab ausführt, damit es wirksam wird,

6.4 heißt Purashcharana-Handlung. Dies betrifft die Mantras vom Veda bis zu den Shabara-Formeln; ihr Verfahren werde ich erklären.

6.5 Mantrawiederholung, Feueropfer, sättigende Wasserdarbringung, Besprengung und Speisung von Brahmanen: Manche bezeichnen dies als seine fünfgliedrige Gestalt.

6.6 Es gibt jedoch auch Mantras mit vier, drei, zwei oder einem Glied, sowohl im Veda als auch im Tantra und in der Shabara-Überlieferung.

6.7 Manche Mantras besitzen sechs Glieder; ich werde dies den noch Unkundigen erklären. Genannt werden das Abwaschen der Verfehlungen, die Arghya-Gabe an die Sonne, Mantrawiederholung und Verneigungen,

6.8 sowie Götterverehrung: Diese fünf bilden eine fünfgliedrige Form. Darauf folgen Feuerdarbringung, Opfer, Verehrung, rituelle Handlung und Kreisverehrung.

6.9 Durch die Vereinigung von Fahne und Linga, Mantrawiederholung, Bali und große Bali-Gabe ergibt sich eine elfgliedrige Form. Die vorausgehende Aufzählung ist in ihrer Abgrenzung nicht vollständig eindeutig.

6.10 Zur sechzehngliedrigen Form besitzen die Gruppen der Kaulikas die Befähigung. Zunächst soll man sämtliche Verfehlungen tilgen oder das die Vollendung Bindende bearbeiten; die Alternative ist sprachlich knapp gefasst.

6.11 Nachdem die vorhandenen Verfehlungen beseitigt sind, führe man die vorbereitende Praxis nach dem gelehrten Weg aus; dann liegt ihre Vollendung nicht fern.

6.12 Die hier gemeinte Tilgung sämtlicher Verfehlungen gilt für die dem vedischen Weg Folgenden; Tantriker, Kaulikas und Anhänger des linken Weges werden dazu nicht als befähigt angesehen.

6.13 Für diese vedische Handlung wird ihnen hier keine Berechtigung eingeräumt. Das folgende Verfahren wird von denen ausgeführt, die einen Überlieferungszweig des Rigveda studieren; seine nähere Bezeichnung ist im Grundtext unsicher.

Vedische Läuterungsriten

6.14 Nach dem Bad und den notwendigen Verrichtungen, zusammen mit seiner Frau und auf einer Darbha-Unterlage, regle man den Lebenshauch, fasse den rituellen Entschluss und verehre Ganesha.

6.15 Nach dem Verfahren des eigenen häuslichen Ritualleitfadens setze man das Feuer ein. Die Opfergabe wird mit Ghee versehen; die anschließende Anweisung zum zweimaligen Aufnehmen ist beschädigt.

6.16 Mit dem sechsstrophigen Lied, das Agni um Führung bittet, opfere man. Bei jedem Mantra spreche man als Loslassformel: „Dies gehört Agni, nicht mir.“

6.17 Die Verse werde ich hier anführen, damit keine Verwechslung der Überlieferungszweige entsteht.

6.18 „Agni, führe uns auf gutem Weg zum Wohlergehen, Gott, der du alle Wege kennst. Halte die krumme Verfehlung von uns fern; dir wollen wir reichlich Worte der Verehrung darbringen.“

6.19 „Bringt dem Reinen, Leuchtenden die Opfergabe dar, Agni, wohl bereitet. Er durchdringt mit seinem Wissen alle göttlichen und menschlichen Geburten.“ Ein Wort der Opferbeschreibung ist in der Vorlage beschädigt.

6.20 „Zu Agni gehen die gottwärts gerichteten Lieder und Gedanken, Reichtum erbittend: zu dem schön Anzuschauenden, Schönantlitzigen, dem Eigenen, dem Opferträger und hilfreichen Wirker der Menschen.“

6.21 „Agni, halte Krankheit von uns fern; mögen die Menschen nicht der Feuerlosigkeit verfallen. Verehre uns erneut zum guten Besitz hin die verehrungswürdigen Götter mit allen Unsterblichen.“ Die mittlere Satzverbindung ist in der Vorlage entstellt.

6.22 „Agni, führe uns aufs Neue mit Wohlergehen über alle Schwierigkeiten hinaus. Sei für unsere Kinder und Nachkommen eine weite, große, geräumige Burg und schenke Heil und Frieden.“

6.23 „Die Sänger, von ihrem Denken zum Sprechen bewegt und nach dem Göttlichen strebend, führen die gottwärts gerichtete Gabe. Mit Opferlohn verbunden bringen sie Agni die mit Ghee versehene Darbringung.“ Die genaue Wortgestalt der zweiten Hälfte ist unsicher.

6.24 Dann opfere man mit dem achtzehnstrophigen Purusha-Lied und lasse los mit: „Für Purusha, den Samen der Welt, nicht für mich.“

6.25 So spricht der Nicht-Vaishnava; der Vaishnava sagt: „Für Narayana, nicht für mich.“ Nun wird dieses den Göttern und Göttinnen liebe Lied vorgetragen.

Der kosmische Purusha

6.26 „Tausend Köpfe hat Purusha, tausend Augen und tausend Füße. Er umschloss die Erde von allen Seiten und ragte noch zehn Fingerbreiten darüber hinaus.

6.27 Purusha allein ist dies alles: was geworden ist und was werden wird. Er ist Herr der Unsterblichkeit und dessen, was durch Nahrung heranwächst.

6.28 So groß ist seine Herrlichkeit; doch Purusha ist noch größer. Ein Viertel von ihm sind alle Wesen, drei Viertel sind das Unsterbliche im Himmel.

6.29 Mit drei Vierteln erhob sich Purusha nach oben; ein Viertel entstand wieder hier. Von dort breitete er sich überall über das Essende und das Nichtessende aus.

6.30 Aus ihm entstand Viraj, aus Viraj wiederum Purusha. Als er geboren war, reichte er über die Erde hinaus, nach hinten und nach vorne.

6.31 Als die Götter das Opfer mit Purusha als Opfergabe ausbreiteten, war der Frühling seine Butter, der Sommer sein Brennholz und der Herbst seine Opfergabe.

6.32 Sieben waren seine Umfassungen, dreimal sieben die bereitgelegten Hölzer. Als die Götter das Opfer vollzogen, banden sie Purusha als Opfertier.

6.33 Den zuerst geborenen Purusha besprengten sie als Opfer auf dem Opfergras. Mit ihm opferten die Götter, die Sadhyas und die Seher.

6.34 Aus jenem allumfassenden Opfer wurde die mit Sauermilch vermischte Butter gesammelt. Es bildete die Tiere der Luft, der Wildnis und der Siedlungen.

6.35 Aus jenem allumfassenden Opfer entstanden die Rigverse und die Samangesänge; daraus entstanden die Versmaße und daraus die Yajusformeln.

6.36 Daraus entstanden die Pferde und alle Tiere mit zwei Zahnreihen. Daraus entstanden die Rinder, daraus Ziegen und Schafe.

6.37 Als sie Purusha aufteilten, in wie viele Teile gliederten sie ihn? Was war sein Mund, was seine Arme, was seine Schenkel und was werden seine Füße genannt?

6.38 Der Brahmane war sein Mund, zum Herrscher wurden seine Arme. Seine Schenkel waren der Vaishya; aus seinen Füßen entstand der Shudra.

6.39 Aus seinem Geist entstand der Mond, aus seinem Auge die Sonne. Aus seinem Mund entstanden Indra und Agni, aus seinem Lebenshauch Vayu.

6.40 Aus seinem Nabel entstand der Zwischenraum, aus seinem Kopf der Himmel; aus seinen Füßen die Erde, aus seinem Gehör die Himmelsrichtungen. So ordneten sie die Welten.

6.41 Ich kenne jenen großen Purusha, sonnenfarben, jenseits der Dunkelheit. Er gestaltet alle Formen, gibt ihnen Namen und bleibt sie erkennend gegenwärtig.

6.42 Was der Schöpfer zuerst verkündete und Shakra, der Kundige, in den vier Richtungen: Wer ihn so erkennt, wird schon hier unsterblich. Einen anderen Weg zu diesem Ziel gibt es nicht.

6.43 Mit dem Opfer opferten die Götter dem Opfer; dies waren die ersten Ordnungen. Mit ihrer Größe erreichten sie den Himmel, wo die früheren Sadhya-Götter sind.“

Weitere Läuterungshymnen

6.44 Dann opfere man mit dem zweiundzwanzigstrophigen Lied, das mit der Besinnung auf Agni beginnt. Für die ersten drei wird hier „Für Agni, nicht für mich“ als Loslassformel genannt.

6.45 Bei der vierten heißt es „Für Indra, nicht für mich“, bei der fünften und sechsten „Für Mitra und Varuna“. Für die siebte und achte folgt die nächste Zuordnung.

6.46 Sie lautet „Für Vayu und Surya“; bei der neunten und zehnten „Für die Ashvins“, bei der elften und zwölften „Für die Maruts“. Die folgende Hymnenreihe stimmt bei den ersten Zuordnungen nicht vollständig mit dieser Zählanweisung überein.

6.47 Bei der dreizehnten und vierzehnten heißt es „Für alle Götter“, bei der fünfzehnten „Für Anumati und den Opferträger Agni“.

6.48 Bei der sechzehnten gilt die Darbringung Anumati, bei der siebzehnten und achtzehnten Agni Vaishvanara.

6.49 Bei der neunzehnten und zwanzigsten heißt es „Für Himmel und Erde“, bei den letzten beiden „Für Agni“. Höre nun diese Verse.

6.50 „Agni, des ersten Vorausschauenden, gedenke ich: Viele entzünden ihn, der den fünf Völkern gehört. Ihn, der in jede Gemeinschaft eingegangen ist, erbitten wir. Er befreie uns aus Bedrängnis.“

6.51 „Ihm gehört alles, was atmet, blinzelt und sich bewegt, alles Geborene und noch Entstehende. Agni preise ich, hilfesuchend rufe ich ihn an. Er befreie uns aus Bedrängnis.“

6.52 „Indras, des ersten Vorausschauenden und Vritra-Töters, gedenke ich; die Lobgesänge haben ihn erreicht. Er kommt dem Ruf des freigebigen Wohltäters entgegen. Er befreie uns aus Bedrängnis.“

6.53 „Er führt in den Kampf und besitzt Gewalt in der Schlacht; er vereinigt die drei nährenden Kräfte. Indra preise ich, hilfesuchend rufe ich ihn an. Er befreie uns aus Bedrängnis.“ Die Beschreibung der drei Kräfte ist textlich unsicher.

6.54 „Euer gedenke ich, Mitra und Varuna, ihr Kenner der Wahrheit, von wahrer Kraft, die ihr zur Festigung aufsteigt. Als mächtige Könige schützt ihr vom gemeinsamen Wagen aus. Ihr beide befreit uns von Schuld.“ Mehrere Wortformen sind beschädigt.

6.55 „Ihr beide bewahrt die gemeinsame Ordnung und wahres Gesetz; auch das gegenseitige Fehlverhalten tritt vor euch. Mitra und Varuna preise ich, hilfesuchend rufe ich sie an. Sie mögen uns von Schuld befreien.“ Die erste Hälfte ist nur dem Sinn nach erschließbar.

6.56 „Wir bedenken die ausgebreiteten Wirkungen Vayus und Savitris: Sie tragen und schützen das Lebendige und umfassen die ganze Welt. Sie beide mögen uns von Schuld befreien.“

6.57 „Unsere besten Segenswünsche stehen fest in der Ordnung dieser beiden Götter. Vayu und Savitri preise ich, hilfesuchend rufe ich sie an. Sie beide mögen uns von Schuld befreien.“

6.58 „Die besten Wagenfahrer unter den Wagenfahrern rufe ich um Hilfe, die am willigsten mit gut gelenkten Pferden zum Heil kommen; ihre Kraft bleibt unter den Göttern ungeschwächt. Sie beide mögen uns von Schuld befreien.“

6.59 „Als ihr mit dem dreirädrigen Wagen zu Suryas Hochzeitsfahrt kamt und die Versammlung suchtet: Hilfesuchend preise und rufe ich alle Götter an. Ihr beide möget uns von Schuld befreien.“ Die Nennung aller Götter steht hier in Spannung zur Zweizahl und wird nach der Vorlage erhalten.

6.60 „Der Maruts gedenke ich; sie mögen für uns sprechen. Alle mögen dieses ganze Wort schützen. Ich rufe die gut gelenkten um Hilfe. Sie mögen uns von Verfehlung befreien.“

6.61 „Scharfe Waffen und gewaltige Kraft werden ihnen zugeschrieben; die Himmelsmacht wirkt in den Schlachten. Die Marut-Götter preise ich, hilfesuchend rufe ich sie an. Sie mögen uns von Verfehlung befreien.“ Die erste Hälfte einschließlich der Nennung Vishnus ist beschädigt.

6.62 „Der Götter gedenke ich; sie mögen für uns sprechen. Alle mögen dieses ganze Wort schützen. Ich rufe sie um Hilfe. Sie mögen uns von Verfehlung befreien.“

6.63 „Was mich durch menschliche oder göttliche Ursache schmerzt: Alle Götter preise ich, hilfesuchend rufe ich sie an. Sie mögen uns von Verfehlung befreien.“

6.64 „Möge Anumati heute unserem Opfer unter den Göttern zustimmen. Mögen sie und Agni, der Opferträger, dem Gebenden Freude sein.“

6.65 „Anumati, stimme du zu und schaffe uns Heil. Treibe uns zu Entschlusskraft und Tüchtigkeit an; verlängere unser Leben.“

6.66 „Möge Vaishvanara von fern zu unserer Hilfe kommen, Agni zu unseren guten Lobgesängen.“ Die erste Zeile ist in der Vorlage entstellt.

6.67 „Im Himmel begehrt, auf Erden begehrt, ist Agni in alle Pflanzen eingegangen. Vaishvanara Agni, mit Kraft begehrt, schütze uns tags und nachts vor Schaden.“ Die wiederholte Partizipform bleibt mehrdeutig.

6.68 „Ihr beide habt euch mit unermesslichen Kräften ausgebreitet und seid Grundlage der Güter geworden. Himmel und Erde preise ich, hilfesuchend rufe ich sie an. Sie mögen uns aus Bedrängnis befreien.“

6.69 „Ihr weiten Welträume, schafft uns freien Raum; ihr Herrinnen des Feldes, sprecht für uns. Himmel und Erde preise ich, hilfesuchend rufe ich sie an. Sie mögen uns aus Bedrängnis befreien.“

6.70 „Was wir Menschen unwissend an Schuld begangen haben, du Jüngster, davon mache uns vor Aditi schuldlos. Löse unsere Verfehlungen nach allen Seiten, Agni.“

6.71 „Wie ihr, verehrungswürdige Vasus, ein gefesseltes Rind aus der Bindung löstet, so befreit auch uns aus Bedrängnis. Verlängere unser Leben immer weiter, Agni.“ Die Fesselungsbeschreibung ist beschädigt.

6.72 Darauf opfere man mit den vier folgenden Anrufungen an Indra und Varuna. Die Loslassformel lautet jeweils „Für Indra und Varuna“, nicht anders.

6.73 „Mit jener strebenden Kraftgestalt, die euch beiden, Indra und Varuna, gehört, befreit mich aus Bedrängnis.“ Die Gottesnamen und das Kraftattribut sind in der Vorlage unregelmäßig geschrieben.

6.74 „Mit jener machtvollen Gestalt, die euch beiden, Indra und Varuna, gehört, befreit mich aus Bedrängnis.“

6.75 „Mit jener schützenden Gestalt, die euch beiden, Indra und Varuna, gehört, befreit mich aus Bedrängnis.“

6.76 „Mit jener strahlenden Gestalt, die euch beiden, Indra und Varuna, gehört, befreit mich aus Bedrängnis.“

6.77 Dann opfere man mit acht Formeln, die mit der Frage nach dem bei Indra und Varuna Befindlichen beginnen. Die Loslassformel gilt stets beiden.

6.78 „Was euch beiden, Indra und Varuna, im Feuer als Bindung oder Groll innewohnt, das opfere ich euch hiermit ab.“ Das entscheidende Substantiv ist beschädigt; seine Bedeutung bleibt unsicher.

6.79 „Was euch beiden, Indra und Varuna, bei den zweifüßigen Wesen als Bindung oder Groll innewohnt, das opfere ich euch hiermit ab.“

6.80 „Was euch beiden, Indra und Varuna, in den Pflanzen als Bindung oder Groll innewohnt, das opfere ich euch hiermit ab.“

6.81 „Was euch beiden, Indra und Varuna, in den Bäumen als Bindung oder Groll innewohnt, das opfere ich euch hiermit ab.“ Obwohl acht Formeln angekündigt wurden, stehen hier nur vier. Dann folgt der als siebzehnstrophig und dreiundsechzigteilig bezeichnete Pavamana-Abschnitt; die erste Strophe umfasst drei Satzteile.

6.82 Shaktas verwenden die Loslassformel an die Pavamani-Göttinnen mit „nicht für mich“; für Nicht-Shaktas folgt eine abweichende Form.

6.83 Sie gilt Pavamani in der Einzahl, bei Shaivas dagegen dem männlichen Pavamana, nicht anders.

6.84 „Pavamana, der heute mit dem Läuterer wirkt, der unter den Menschen Sehende, der reinigende Priester: Er möge mich reinigen.“

6.85 Auch die zweite Strophe besitzt drei Satzteile. Bei der Loslassformel werden die göttlichen Wesen, die Maruts und alle Götter mit „nicht für mich“ verbunden.

6.86 „Die göttlichen Wesen mögen mich reinigen, die Gedanken mit dem Geist mögen mich reinigen. Alle Wesen mögen mich reinigen. Jatavedas, reinige mich.“

6.87 Die dritte Strophe besitzt vier Satzteile. Die Loslassformel lautet: „Dies gehört Agni Jatavedas, nicht mir.“ Auch sie wird nun vorgetragen.

6.88 „Jatavedas, Besitzer des Läuterers, reinige mich mit deinem Läuterer. Mit reinem göttlichem Glanz, Agni, durch deine Entschlusskraft gemäß den Kräften.“ Der letzte Ausdruck bleibt sprachlich schwierig.

6.89 Die vierte Strophe hat drei Satzteile und die Loslassformel an Agni; die fünfte ebenfalls drei und die Loslassformel an Savitri. Beide lauten:

6.90 „Mit jenem Läuterer, der in deiner Flamme ausgespannt ist, Agni, reinige unser heiliges Wort.“

6.91 „Gott Savitri, reinige mich von allen Seiten durch beides: durch den Läuterer und durch deinen Antrieb.“

6.92 Die sechste Strophe hat vier Satzteile. Bei ihrer Loslassformel spreche man „Für die Allgöttliche, nicht für mich“. Sie lautet:

6.93 „Die reinigende, allen Göttern zugehörige Göttin ist gekommen; in ihr ruhen die vielen Gestalten, deren Rücken gestärkt sind. Mit ihr gemeinsam uns freuend, mögen wir Herren der Güter sein.“ Die mittlere Zeile ist beschädigt.

6.94 Bei der siebten gilt die Loslassformel Vaishvanara, dem raschen, freudebringenden Wind sowie Himmel und Erde.

6.95 „Vaishvanara reinige mich mit seinen Strahlen, der rasche, freudebringende Wind mit dem Lebenshauch. Himmel und Erde, saftreich und an Nahrung reich, mögen mich reinigen.“

6.96 Die siebte Strophe hat vier Satzteile, die achte drei. Bei der achten lautet die Loslassformel „Für Savitri und Agni, nicht für mich“. Sie lautet:

6.97 „Mit Savitris drei großen, höchsten göttlichen Gedanken, mit wirksamen Kräften, Agni, reinige mich.“

6.98 Die folgende neunte Strophe besitzt vier Satzteile; ihre Gabe wird dem himmlischen Brahman überlassen. Von der zehnten an gilt sie den Pavamani-Göttinnen. Die Verse lauten:

6.99 „Womit die Götter sich reinigten und die Wasser den himmlischen Bereich: Mit jenem himmlischen Brahman reinige mich und dieses heilige Wort.“ Die Bezeichnung des himmlischen Bereichs ist beschädigt.

6.100 „Wer die Pavamani-Verse studiert, den von den Sehern gesammelten Saft, der genießt alles gereinigt und durch Matarishvan wohlschmeckend gemacht.

6.101 Wer die Pavamani-Verse studiert, den von den Sehern gesammelten Saft, für den melkt Sarasvati Milch, Ghee, Honig und Wasser.

6.102 Die Pavamani-Kräfte führen zum Heil, geben reichlich Milch und sind saftvoll. Der von den Sehern gesammelte Saft ist als Unsterblichkeitstrank in den Brahmanen niedergelegt.

6.103 Die Pavamani-Kräfte mögen uns diese Welt und jene gewähren, unsere Wünsche gedeihen lassen – Göttinnen, von den Göttern gesammelt.

6.104 Die Pavamani-Kräfte führen zum Heil, geben reichlich Milch und lassen Ghee fließen. Der von den Sehern gesammelte Saft ist als Unsterblichkeitstrank in den Brahmanen niedergelegt.

6.105 Mit jenem tausendströmigen Läuterer, durch den die Götter sich immer wieder reinigen, mögen die Pavamani-Kräfte mich reinigen.“

6.106 Bei der sechzehnten Strophe ist die Loslassformel wie zuvor; für den vedisch Gelehrten gilt besonders: „Für den zu Prajapati gehörenden Läuterer.“ Höre die sechzehnte Strophe.

6.107 „Mit dem zu Prajapati gehörenden goldenen Läuterer von hundertfacher Ausdehnung reinigen wir, die Brahman kennen, das heilige Wort.“

6.108 Man nennt Indra zusammen mit guter Führung, Soma zusammen mit Wohlergehen und Varuna zusammen mit rechter Ausrichtung.

6.109 Dann nennt man König Yama zusammen mit den tilgenden Kräften und Jatavedas zusammen mit der Nahrung spendenden Kraft.

6.110 Bei der Loslassformel der siebzehnten Strophe füge man „nicht für mich“ an. Wer mit diesen Versen die Besprengung ausführt, gilt als im Wasser der Ganga gebadet.

6.111 „Indra reinige mich mit guter Führung, Soma mit Wohlergehen, Varuna mit rechter Ausrichtung. König Yama reinige mich mit den tilgenden Kräften, Jatavedas mit der Nahrung spendenden Kraft.“

6.112 Mit dem zwanzigstrophigen Lied über die Kränkung der Götter opfere man; die erste Loslassformel gilt den Adityas. „Wenn wir Götter beleidigt haben, ihr Götter, dann befreit mich davon, Adityas: durch die Wahrheit der Wahrheit.“

6.113 Bei der zweiten Strophe lautet die Loslassformel „Für Agni Garhapatya, nicht für mich“, bei der dritten gilt sie Himmel, Erde und Sarasvati.

6.114 „Wenn wir, Götter, aus Verlangen zu leben Unwahres gesprochen haben, möge Agni, das häusliche Feuer, mich von dieser Schuld befreien. Was wir an Schlechtem getan haben, davon mache er mich schuldlos.“

6.115 „Durch die Wahrheit, Himmel und Erde, und durch die Wahrheit, Sarasvati, schützt uns vor begangener Schuld und vor allem, was wir unwahr gesprochen haben.“

6.116 Bei der vierten gilt die Loslassformel Jatavedas, bei der fünften Agni Garhapatya, jeweils mit „nicht für mich“.

6.117 „Von der Anklage eines Angehörigen oder Nichtangehörigen, eines Älteren oder Jüngeren, von unerkannter und göttlich verursachter Schuld befreie uns, Jatavedas.“

6.118 „Was wir mit Sprache, Geist, Armen, Schenkeln, Knien oder Geschlechtsorganen an Unwahrem beziehungsweise Unrechtem getan haben, davon befreie mich Agni, das häusliche Feuer. Von allem Schlechten, das wir getan haben, mache er mich schuldlos.“

6.119 Bei der sechsten gilt die Loslassformel den Reichsträgern und den mit Bharas bezeichneten Mächten; bei der siebten und achten Agni Garhapatya, bei der neunten Agni. Die erste Göttergruppe ist textlich unsicher.

6.120 „Was ich mit den Händen an Schuld beging, nach dem Gewinn der Würfel gierend: Der Fernsehende und der Reichsträger mögen diese Schulden vertreiben.“ Die überlieferten Namens- und Verbformen sind beschädigt.

6.121 „Was ich an Schulden machte, ohne zu spielen, oder was ich den Menschen zu geben versprach: Davon befreie mich Agni, das häusliche Feuer. Von allem Schlechten mache er mich schuldlos.“

6.122 „Was meine Mutter, als ich im Mutterleib war, oder mein Vater an Schuld beging: Davon befreie mich Agni, das häusliche Feuer. Von allem Schlechten, das wir getan haben, mache er mich schuldlos.“

6.123 „Wenn der Sohn, freudig saugend, Mutter oder Vater bedrängte: Von dem, womit ich die Eltern verletzte, werde ich schuldenfrei, Agni.“

6.124 Bei der zehnten und elften Strophe gilt die Loslassformel Agni Garhapatya, bei der zwölften Agni und danach wieder Agni Garhapatya.

6.125 „Wenn ich Zwischenraum, Erde oder Himmel, Mutter oder Vater verletzt habe: Davon befreie mich Agni, das häusliche Feuer. Von allem Schlechten, das wir getan haben, mache er mich schuldlos.“

6.126 „Was wir durch Verwünschung, Schädigungsrede oder weitere üble Rede an neuer oder alter Schuld begangen haben: Davon befreie mich Agni, das häusliche Feuer. Von allem Schlechten mache er mich schuldlos.“ Die drei Redeformen sind nicht sicher zu unterscheiden.

6.127 „Ich überschreite das Schlechte und lasse Schuld und Befleckung an der höchsten Versammlungsstätte zurück. Wo die gut Handelnden hingehen, nicht die Übeltäter, dahin steige ich auf, in die Welt der gut Handelnden.“ Der abschließende Bezug auf Trita ist verkürzt.

6.128 „Die Götter legten diese Schuld auf Trita; Trita legte sie auf die Menschen. Was davon mich erreicht hat, davon befreie mich Agni, das häusliche Feuer. Von allem Schlechten mache er mich schuldlos.“

6.129 Bei der vierzehnten und fünfzehnten Strophe gilt die Loslassformel den Wassern, bei den nächsten beiden Varuna, bei der achtzehnten und neunzehnten Agni und Varuna.

6.130 „Die im Himmel entstandenen Wasser, die in Wassern entstandenen, die aus Pflanzen entstandenen und die aus Feuer geborenen: Diese reinigenden Wasser mögen uns reinigen.“

6.131 „Was wir, ihr Wasser, nachts oder tags an neuem oder altem Unrecht tun: Reinigt uns davon, ihr Goldfarbenen.“

6.132 „Varuna, höre heute diesen meinen Ruf und sei gnädig. Nach Hilfe verlangend rufe ich dich an.“

6.133 „Darum komme ich, dich mit heiligem Wort verehrend; darum bittet der Opfernde mit seinen Gaben. Sei ohne Zorn auf uns bedacht, Varuna, weithin Gepriesener; raube uns nicht das Leben.“

6.134 „Agni, der du den Zorn des Gottes Varuna kennst, wende ihn von uns ab. Du vorzüglicher Opferer und Opferträger, du Hellflammender, löse allen Hass von uns.“

6.135 „Sei uns, Agni, bei diesem Aufleuchten der Morgenröte mit deiner Hilfe der Nächste. Gewinne uns Varuna durch Verehrung geneigt, suche Erbarmen und sei uns leicht zu rufen.“

6.136 Bei der zwanzigsten Strophe gilt die Loslassformel Agni. Dann folgt das achtstrophige Vaishvanara-Lied; seine Loslassformel lautet „Für Agni Vaishvanara“.

6.137 „Du bist der Tatkräftige, Agni, durch den Geist eingesetzt; tatkräftig trägst du die Opfergabe. Gib uns Heilung.“ Die wiederholte Eigenschaftsbezeichnung ist nicht sicher lesbar.

6.138 „Möge Vaishvanara von fern zu unserer Hilfe kommen, Agni zu unseren guten Lobgesängen.“

6.139 „Wir erbitten den wahrheitsgemäßen Vaishvanara, Herrn des Lichtes der Wahrheit, die unaufhörliche tragende Kraft.“

6.140 „Der eine Seher wächst durch die Wunderwerke Vaishvanaras und seine eigene Schau. Beide Eltern ehrend wurde Agni geboren: Himmel und Erde, reich an schöpferischer Kraft.“ Die erste Zeile ist beschädigt.

6.141 „Im Himmel begehrt, auf Erden begehrt, ist Agni in alle Pflanzen eingegangen. Vaishvanara Agni, mit Kraft begehrt, schütze uns tags und nachts vor Schaden.“ Die Partizipformen entsprechen der unsicheren Lesart in Vers 67.

6.142 „Als du geboren warst, Agni, schautest du die Welten, wie ein Hirte die Herde rings betrachtet. Vaishvanara, finde dem heiligen Wort einen Weg. Begleitet uns stets mit Wohlergehen.“ Die Anrede wechselt am Schluss in die Mehrzahl.

6.143 „Als du geboren wurdest, Agni, erfülltest du, mit deiner Flamme leuchtend, Himmel und Erde. Durch deine Größe befreitest du die Götter von feindlicher Rede, Vaishvanara Jatavedas.“

6.144 „Agni, bewahre unter unseren freigebigen Förderern unversehrte Herrschaft und heldenhafte Kraft. Mögen wir durch deinen Beistand, Vaishvanara Agni, hundertfachen und tausendfachen Gewinn erringen.“ Die erste Halbzeile ist in der Vorlage stark entstellt; die Übersetzung ihres Mittelteils bleibt unsicher.

6.145 „Mögen wir in Vaishvanaras Wohlwollen stehen; denn er ist König und Herrlichkeit der Welten. Hier geboren, überschaut Vaishvanara dieses ganze All und strebt zur Sonne.“ Der Wortlaut der ersten Halbzeile enthält verdoppelte und beschädigte Silben.

6.146 Danach vollzieht man das Svishtakrit-Opfer und nimmt die Umlegehölzer zusammen. Mit dem gefüllten Krug begibt man sich zu einer Wegkreuzung im Südwesten.

6.147 Nach dem Waschen der Füße und dem rituellen Schluck Wasser schaut der nach Osten Gewandte zusammen mit seinen Ehefrauen in diesem Krug nach dem günstigen oder ungünstigen Spiegelbild.

6.148 Dann rezitiert er den mit „siṃhe me manyuḥ …“ bezeichneten Anuvaka. Mit „Mögen die Wasser und Heilpflanzen uns gute Freunde sein“ gießt er etwas Wasser aus. Der erste zitierte Textanfang ist in der Vorlage nicht sicher lesbar.

6.149 Nachdem er ein wenig Wasser auf die Erde gegossen hat, erhebt er sich mit dem Krug. Mit „Mögen sie jenem schlechte Freunde sein …“ wirft er den Krug hinter sich. Der Klammerzusatz vervollständigt die Formel: „… der uns hasst und den wir hassen.“

6.150 Er wirft ihn in die Richtung, in der sich sein Feind befindet. Danach berührt er Wasser und betritt sein eigenes Haus.

6.151 Dies führt er eine Woche lang zu den drei Tagesübergängen aus und prüft jeweils sein Bild. Wenn er im Wasser ein klares Spiegelbild sieht,

6.152 gilt der Opferherr als gründlich gereinigt; anderenfalls wiederholt er das Verfahren. Dann empfängt er Segensworte und bewirtet Brahmanen.

6.153 Während der gesamten Durchführung wahrt er Schweigen. Er nimmt nur einmal täglich eine als Opferkost geeignete Speise zu sich und lebt sexuell enthaltsam.

6.154 Mit beherrschten Sinnen und auf dem Boden schlafend wird er, so der Text, von der in früheren Geburten erworbenen Schuld frei, welche die Mantra-Siddhi behindert; andernfalls nicht.

6.155 Um Verfehlungen zu beseitigen, die man in diesem Leben aus Unwissenheit oder Unachtsamkeit begangen hat, bringt man mit den Kushmandi-Formeln Feueropfer dar.

6.156 Auch wer aus einer Familie stammt, deren Vorfahren in der vedischen Überlieferung bewandert waren, selbst aber nach der Wertung dieser Passage aus mangelnder Einsicht auf den kaulischen Weg geraten ist und unter Armut und anderem leidet,

6.157 soll, wenn ihn dies innerlich bedrückt, das Verfahren im Verborgenen ausführen, um alle Freuden und einen gesicherten Stand in beiden Welten zu erlangen.

6.158 Bei Golddiebstahl, Trinken von Surā, Kuh- oder Brahmanentötung und Verkehr mit der Frau des Lehrers wird dieses Gelübde ein Jahr lang vorgeschrieben.

6.159 Bei Diebstahl, Tötung einer Leibesfrucht, Samenerguss außerhalb der Vagina, Vertrauensbruch und Entwendung anvertrauten Gutes werden zehntausend [Wiederholungen beziehungsweise Opfer] vorgeschrieben. Die konkrete Zähleinheit wird hier nicht erneut genannt.

6.160 Ebenso werden zehntausend genannt beim Nichterlangen des Erwünschten, bei bedrohlichem Planeteneinfluss sowie beim Annehmen von Gaben anlässlich einer Mond- oder Sonnenfinsternis, im Wasser oder in einem Shiva-Heiligtum. Die syntaktische Zuordnung der ersten Glieder dieser Aufzählung bleibt unsicher.

6.161 Bei falschem Zeugnis, Wucher, Entziehung eines Lebensunterhalts, Erhebung von Abgaben und Eingriffen in die Rechte von Gottheiten oder Brahmanen soll man nach dem Ende einer Notlage hunderttausend vollziehen. Besonders der Zusammenhang von „Notlage“ und den vorangehenden Vergehen ist nicht eindeutig.

6.162 Bei Teilnahme an einem Saṃskāra-Mahl, Verkehr mit einer Prostituierten, Tiertötung und Verbrauch von für Gottheiten bestimmten Gütern werden hunderttausend genannt; bei Versäumung der drei Sandhyā-Zeiten ein Tag. Die Wertung des Saṃskāra-Mahls wird hier nicht näher begründet.

6.163 Nachdem Kopf- und Barthaar entfernt und ein Bad in einem heiligen Gewässer genommen worden sind, opfert man nach den vorgeschriebenen Ghee-Anteilen mit den Kushmandi-Formeln.

6.164 Täglich rezitiert man die Savitri und, nach Vermögen, weitere Reinigungsformeln. Der Brahmane soll Milch trinken, der Kshatriya dünnen Getreidebrei zu sich nehmen. Die Zusätze erläutern die Gayatri samt Vyahritis und nennen weitere Reinigungsmantras; außerdem beschreiben sie die Konsistenz des Breis.

6.165 Der Vaishya verzehrt Āmikṣā, sofern er dazu imstande ist. Ersatzweise hält man sich an gekochten Reis, Getreidemehl, geröstete Körner oder Ghee. Āmikṣā wird im Zusatz als durch Zugabe von Sauermilch zu heißer Milch entstehendes Gericht erklärt.

6.166 Andere Nahrung soll nicht genommen werden; sexuelle Enthaltsamkeit und die übrigen Regeln gelten wie zuvor. Für das Feueropfer wird Kuhghee, bei dessen Fehlen Büffelghee verwendet.

6.167 Die erste Formel beginnt „yad devā devaheḍanam“. Dabei lautet die Widmung „Den Göttern, den Adityas“. Der Zusatz erläutert, dass nach jeder Formel der Name ihrer Gottheit in die entsprechende Widmung einzusetzen ist.

6.168 Bei der zweiten lautet sie „Allen Göttern“; bei der dritten verfährt man ebenso mit der zu ihr gehörenden Widmung. Die dritte Strophe selbst wird anschließend angegeben. Der Zusatz nennt hierfür Himmel und Erde sowie Sarasvati und die Formel „Dies ist für sie, nicht für mich“.

6.169 „Was wir, ihr Götter, als Kränkung der Götter begangen haben: Davon mögen mich die Adityas lösen, durch die Wahrheit der Weltordnung.“ Die Schlusswörter der Vorlage sind sprachlich unregelmäßig.

6.170 „Wenn wir aus dem Wunsch zu leben Unwahres gesprochen haben, ihr Götter, dann befreit uns hier davon, ihr einträchtigen Allgötter.“

6.171 „Durch Wahrheit, Himmel und Erde, und durch Wahrheit, Sarasvati, schützt uns vor begangener Schuld, vor allem Unwahren, das wir ausgesprochen haben.“

6.172 Die Widmung gilt Indra und Agni, Mitra und Varuna, Soma, Dhatr und Brihaspati. Nun wird die vierte Strophe genannt.

6.173 „Indra und Agni, Mitra und Varuna, Soma, Dhatr und Brihaspati mögen uns von der Schuld lösen, von allem Unwahren, das wir ausgesprochen haben.“

6.174 Als fünfte gilt die zuvor genannte Formel mit dem Anfang „sajāta …“; als sechste die bereits angeführte „yad vācā yan manasā“. Der Klammerzusatz zur fünften erbittet von Jatavedas Befreiung von Schuld und fügt die Widmung „Dies ist für Jatavedas, nicht für mich“ hinzu; sein einleitender Wortlaut ist beschädigt.

6.175 Bei der siebten lautet die Widmung „Dem Licht, nicht mir“; ihre Strophe folgt. Bei der achten lautet sie „Agni, nicht mir“; auch sie wird nun angegeben.

6.176 „Durch jenes Licht, durch das Trita [aus seiner Not] hervorkam, durch das die Sonne aus der Finsternis befreit wurde und Indra alle Feinde vertrieb, habe ich das Licht der Lichter erreicht.“ Die Trita betreffende Wendung und der Strophenschluss sind in dieser Vorlage nicht zuverlässig lesbar.

6.177 „Was ich hier an Darlehen nicht zurückgezahlt habe und wodurch ich unter Yamas Verwahrung gehe: Davon werde ich nun schuldenfrei, Agni; noch zu Lebzeiten erstatte ich es dir.“

6.178 Die neunte Opfergabe erfolgt wie zuvor mit „yan mayi mātā …“; die zehnte mit dem ebenfalls schon angeführten „yad ā … mātaram“. Die Textanfänge werden in der Vorlage nur abgekürzt und teilweise entstellt wiederholt.

6.179 Die elfte Opfergabe erfolgt mit der zuvor genannten Formel „yad antarikṣaṃ pṛthivī …“, die zwölfte mit „yad āśasā niśasā …“.

6.180 Die drei daran anschließenden Strophen ergeben zusammen fünfzehn Opfergaben. Die sechzehnte wird mit der schon genannten Formel „yad āpo naktam …“ dargebracht.

6.181 Bei ihr lautet die Widmung „Den goldfarbenen Wassern“. Dann folgen die fünf bereits angeführten Strophen mit dem Anfang „imaṃ me varuṇa …“.

6.182 Mit den zugehörigen Widmungen ergeben sich so einundzwanzig Opfergaben. Bei der zweiundzwanzigsten gilt die Widmung Indra und Agni; die Strophe wird nun genannt.

6.183 „Ich schaue Schreckliches, o Träger des Reiches: die Verfehlungen, die aus dem Würfelspiel stammen, dieses nicht Erstattete. Dadurch ist selbst der vermeintlich Schuldenfreie verschuldet und gerät in Yamas Welt an den Strick.“ Mehrere Wörter sind entstellt; diese Übersetzung gibt den erkennbaren Zusammenhang nur vorläufig wieder.

6.184 Die sechs Formeln mit dem Anfang „adīvyam … yad aham …“ folgen wie zuvor. Bei den nächsten beiden lautet die Widmung „Varuna, nicht mir“.

6.185 „Deinen Zorn, Varuna, wenden wir durch Verehrung ab; mit Opfern und Gaben nahen wir dir. Weiser Herrscher, löse die von uns begangenen [Verfehlungen] und gib uns eine Wohnstatt.“ Die überlieferte Strophe ist an mehreren Stellen beschädigt; insbesondere der letzte Satz bleibt unsicher.

6.186 „Löse von uns die oberste Schlinge Varunas, löse die unterste und die mittlere. Dann mögen wir, Aditya, in deiner Ordnung schuldlos sein und Aditi angehören.“

6.187 Bei der einunddreißigsten gilt die Widmung den hier genannten Mächten Śaṃkuśuka, Vikuśuka und dem Laut der Nirriti. Die Strophe lautet sinngemäß: „Śaṃkuśuka, Vikuśuka und der Laut der Nirriti: Sie mögen die Krankheit von uns Schuldlosen weit, weit entfernen.“ Namen und Flexionsformen sind in der Vorlage unsicher.

6.188 Bei den beiden nächsten gilt die Widmung Agni, bei der darauf folgenden Tvashtṛ. Bei der fünfunddreißigsten gilt sie dem lebenskräftigen Agni.

6.189 „Fort mit Krankheit, Schadenzauber und Nirriti! Was davon uns trifft, das senden wir dem zu, von dem es kommt.“ Der erste Halbvers ist beschädigt; die Rücksendung von Unheil ist als historische Ritualsprache wiedergegeben.

6.190 „Mit böser Rede und Gegenrede, mit Schlag und Gegenschlag: Was uns damit entgegentritt, dem senden wir es zurück.“ Die paarweise genannten Ausdrücke sind nicht durchgehend sicher lesbar.

6.191 „Mögen wir mit Glanz und Ruhm, mit unseren Leibern und mit heilsamem Geist zusammenkommen. Tvashtṛ möge uns hier Reichtum gewähren und abwischen, was am Leib verletzt ist.“

6.192 „Dieser erwählenswerte Agni setzt dir von allen Seiten Lebenskraft ein. Dein Atem kehrt zu dir zurück; die Krankheit sende ich von dir fort.“

6.193 Bei der sechsunddreißigsten lautet die Widmung „Agni, dem Lebensspender“; bei der darauf folgenden:

6.194 „Agni, Varuna, Aditi und allen Göttern.“ Die Vorlage schreibt an der Stelle des Namens Aditi eine unregelmäßige Form.

6.195 „Agni, Lebensspender, an der Opfergabe erfreut, mit Ghee als Antlitz und Ghee als Ursprung, gedeihe! Trinke das Ghee, den lieblichen Honig der Kuh, und beschütze diesen Menschen wie ein Vater seinen Sohn.“

6.196 „Agni, verleihe diesem Menschen Leben und Glanz; Varuna, schärfe seine feurige Kraft. Aditi, gewähre ihm Schutz wie eine Mutter. Ihr Allgötter, lasst ihn hohes Alter erreichen.“

6.197 Bei den drei Opfergaben ab der achtunddreißigsten gilt die Widmung dem sich läuternden Agni; bei den beiden folgenden Agni Jatavedas.

6.198 „Agni, läutere unsere Lebenskräfte, bringe uns Stärkung und Nahrung. Halte das Unheil fern.“ Die Verbform der ersten Halbzeile ist in der Vorlage entstellt.

6.199 „Agni, läutere dich; verleihe diesem Menschen Glanz und heldenhafte Kraft, Wachstum und Reichtum mir.“ Der Wortlaut weist Ausfälle auf; die Verteilung der Bitten bleibt daher vorläufig.

6.200 „Agni ist der Seher, der sich läuternde, der zu den fünf Völkern gehörende Opferpriester. Ihn, den an Gütern Reichen, rufen wir an.“

6.201 „Agni, vertreibe unsere schon entstandenen Nebenbuhler; Jatavedas, wehre auch die noch nicht entstandenen ab. Leuchte uns wohlgesinnt und ohne Zorn. Mögen wir in deinem dreifachen Schutz geborgen sein.“ Der Strophenschluss ist beschädigt.

6.202 „Mit Heldenkraft und Macht vertreibe unsere entstandenen Nebenbuhler; Jatavedas, wehre die noch nicht entstandenen ab. Sprich wohlgesinnt für uns, damit wir unsere Nebenbuhler zurückdrängen.“ Die ersten Wörter sind nicht eindeutig gegliedert.

6.203 Bei der dreiundvierzigsten lautet die Widmung „Agni, dem Vritra-Töter“, bei der folgenden „Agni“, dann der Morgenröte und dem Sonnenuntergang. Der zweite Tageszeitname ist in der Vorlage entstellt.

6.204 „Agni, wer uns ringsum wie ein Wolf zu töten trachtet: Diesen erschlage, Vritra-Töter, und bringe uns Güter.“

6.205 „Agni, wer uns feindlich gegenübertritt, sei er einer der Unseren oder ein Fremder: Ihn machen wir zum Brennholz und legen ihn dir ins Feuer, Agni.“

6.206 „Wer uns verflucht, obwohl wir nicht fluchen, und wer uns Fluchenden flucht: Auf ihn mögen Morgenröte und Sonnenuntergang alles Unheil häufen.“

6.207 Bei der sechsundvierzigsten gilt die Widmung den Göttern, bei der nächsten Agni Jatavedas und danach Agni.

6.208 „Wer als Nebenbuhler oder feindlicher Sterblicher uns angreift, ihr Götter: Lasst von ihm nichts übrig, wie von verbrennendem Brennholz.“ Ein Ausdruck im ersten Halbvers bleibt unsicher.

6.209 „Wer mich hasst, Jatavedas, und wen ich hasse, wer gegen mich steht: Verbrenne sie alle, Agni, die ich hasse und die mich hassen.“

6.210 „Wer uns feindlich gesinnt ist, wer uns hasst, wer uns schmäht: Entferne sie alle aus den Richtungen.“ Der syntaktische Anschluss der Richtungen ist nicht eindeutig überliefert.

6.211 Bei der fünfzigsten gilt die Widmung dem vedakundigen Brahmanen und Agni, bei der nächsten ebenso, bei der letzten Vaishvanara.

6.212 „Geschärft ist mein heiliges Wort, geschärft sind Tatkraft und Stärke. Geschärft und siegreich ist die Herrschaft dessen, dessen Opferpriester ich bin.“

6.213 „Ich erhebe ihre Arme, ihren Glanz und ihre Kraft. Durch das heilige Wort schwäche ich die Feinde und erhebe die Meinen.“

6.214 „Mein Geist kehre zurück, mein Leben kehre zurück; mein Sehen und mein Hören kehren zurück. Mein Atem, mein Entschluss, mein Bewusstsein und mein Erlerntes mögen zu mir zurückkehren.“

6.215 „Vaishvanara, der für meinen Leib wirkt, möge alle Verfehlungen abwehren.“ Der Anfang dieser nur halbversigen Nummer ist beschädigt.

6.216 Nach diesen Opfergaben stellt man sich, Brennholz in der Hand, südlich des Feuers mit dem Gesicht nach Norden auf und preist Agni mit zwölf Strophen.

6.217 „Vaishvanara melden wir, was an Verpflichtung gegenüber den Göttern besteht. Er versteht diese Fesseln zu lösen; er befreie uns von Übel und Tadel.“ Die Wendung über die Verpflichtung ist sprachlich beschädigt.

6.218 „Vaishvanara möge uns mit seinen Läuterungsmitteln reinigen. Welche Verpflichtung ich hoffend eingehe, unwissend und mit begehrendem Geist: Die darin liegende Schuld sende ich fort.“ Die Satzglieder der ersten Hälfte sind nicht eindeutig verbunden.

6.219 „Ihr beiden glückverheißenden Sterne dort am Himmel, Vṛttau genannt: Gewährt hier die Gabe des Unsterblichen, diese Lösung der Bindung.“ Der Name der beiden Sterne und die Schlusswendung sind unsicher.

6.220 „Öffne dich, schaffe freie Räume, löse die Bande und das Gebundene. Wie ein Kind aus dem Mutterleib hervorkommt, so [lass den Gebundenen] alle [Wege] durchschreiten.“ Die Ergänzungen in eckigen Klammern verdeutlichen einen im beschädigten Text nicht vollständig erhaltenen Satzbezug.

6.221 „Der wissende Prajapati, Erstgeborener der Weltordnung, möge es bewusst annehmen. Was wir gegeben haben, folge jenseits des Alters einem unzerschnittenen Faden.“ Der Bezug zwischen Gabe und Faden bleibt in dieser Lesung unsicher.

6.222 „Nicht alle folgen diesem Faden, deren den Vätern bestimmte Gabe … Andere geben einem Nichtverwandten; wenn sie zu geben vermögen, ist ihnen der Himmel …“ Der Vers ist so stark entstellt, dass eine vollständige zusammenhängende Übersetzung ohne Textrekonstruktion nicht verantwortbar ist; die Auslassungspunkte markieren ungesicherte Satzteile.

6.223 „Ergreift beide [den Weg], haltet gemeinsam daran fest; fördert mit Ghee den gemeinsamen Pfad. Was ihr an verdienstvoller Gabe bereitgestellt und ins Feuer gegeben habt: Daran haltet hier als Ehepaar fest.“ Der letzte Halbvers, besonders die Bezeichnung des Paares, ist beschädigt.

6.224 „Wenn ich den Luftraum, die Erde oder den Himmel, die Mutter oder den Vater verletzt habe: Agni, das Hausfeuer, befreie mich von dieser Schuld und den Verfehlungen, die wir begangen haben; er mache mich schuldlos.“

6.225 „Die Erde ist unsere Mutter, Aditi unser Ursprung; der Luftraum ist unser Bruder und [Schutz vor] Beschuldigung. Der Himmel ist unser Vater; vom Vater her sei uns Heil. Als Verwandter mögest du mich nicht von der Welt trennen.“ Die zweite Vershälfte ist nicht sicher lesbar.

6.226 „Wo wohlgesinnte Menschen guter Taten sich freuen, nachdem sie die Krankheit ihres Leibes abgelegt haben, dort im Himmel mögen wir Vater und Sohn wiedersehen.“ Die Beschreibung ihres körperlichen Zustands im dritten Versviertel ist entstellt und nicht verlässlich übersetzbar.

6.227 „Welche Nahrung ich unter unwahrem Versprechen esse, ihr Götter – zu geben beabsichtigend oder nicht, zu handeln beabsichtigend –, und was in den Augen der Götter daran schuldhaft ist: Was immer ich angenommen habe, davon mache Agni mich schuldenfrei.“ Die Abstufung der Absichten ist sprachlich unsicher.

6.228 „Welche Nahrung in vielfältiger Gestalt, welches Gewand, Gold, welche Kuh, Ziege oder welches Schaf ich angenommen habe und was daran in den Augen der Götter schuldhaft ist: Davon mache Agni mich schuldenfrei.“

6.229 Nachdem man sich Agni auf diese Weise verehrend genähert hat, legt man das in der Hand gehaltene Brennholz mit dem folgenden Mantra ins Feuer. Die Widmung gilt Vaishvanara.

6.230 „Welche Schuld ich jemals in Gedanken oder Worten begangen habe: Löse mich von all dem, denn du weißt, wie es wirklich ist. Svaha.“ Die unmittelbar vor dem Verb „lösen“ stehende Wortfolge ist beschädigt.

6.231 Danach führt man Japa und das hier beschriebene Feueropfer aus. Dies gilt als Sühne und Beseitigung der in diesem Leben begangenen Verfehlungen.

6.232 Damit wurde das Verfahren für die Zweimalgeborenen dargelegt; nun folgt das für Shudras. Am achten Tag der hellen Monatshälfte des Margashirsha beginnt man rein und nach Vollzug der täglichen Pflichten.

6.233 Man nimmt eine einzige Mahlzeit aus Opferkost; am neunten Tag verfährt man ebenso. Am zehnten lebt man von ungebeten erhaltener Nahrung, am elften fastet man.

6.234 Am zwölften Tag lässt man das Haar entfernen und verehrt Brahmanen und Gottheiten. Vom Guru empfängt man den Mantra „namo nārāyaṇāya“ mit dem Bija der eigenen erwählten Gottheit und den zugehörigen Bestandteilen,

6.235 den achtsilbigen Mantra, und vollzieht achthunderttausend Wiederholungen. Dabei isst man die Speisereste Zweimalgeborener und widmet sich ihrem Dienst. Die ausgeschriebene Formel „namo nārāyaṇāya“ allein hat sieben Silben; die vom Text genannte Achtersilbigkeit setzt einen hier nicht eindeutig ausgeschriebenen Zusatz voraus.

6.236 Man rezitiert bis zum Mittag, schläft auf dem Boden und wahrt sexuelle Enthaltsamkeit. Nach vollendeter Rezitationszahl gilt man als schuldlos; zeigt sich dies nicht, wird das Verfahren wiederholt.

6.237 Nun wird das Zeichen der Schuldlosigkeit genannt, das auch für die beiden zuvor beschriebenen Feueropfer gilt. Am Anfangstag des Opfers beschafft man einen festen, unbeschädigten irdenen Krug,

6.238 reinigt ihn und stellt ihn an einen sauberen Ort. Man füllt ihn mit Wasser aus einem heiligen Badeort oder einer entsprechenden Quelle, in der dem Krug angemessenen Menge.

6.239 In ein Glasgefäß gibt man ein Pala Kuhurin aus Śṛṅgaladvīpa und vollzieht bei beiden Gefäßen die Verehrung Haris und Haras. Der Ortsname ist in der Vorlage nicht sicher bestimmbar.

6.240 Am Prüfungstag spricht man nach der Verehrung zu dem Wasser: „Die Wasser sind unmittelbar Narayana; in den Wassern ist alles gegründet.

6.241 Durch diese Wahrheit möge mir wahre Erkenntnis über meine Schuld zuteilwerden.“ Nach diesem Gebet an das Wasser bringt man eine Handvoll Blumen dar. Die Verbindung von „meine Schuld“ und „Erkenntnis“ ist in der Vorlage unregelmäßig.

6.242 Man betrachtet das Spiegelbild des eigenen Körpers im Wasser und in der anderen Flüssigkeit. Erscheint es im Wasser ebenso wie dort, gilt die Verfehlung als getilgt.

6.243 Ist das Spiegelbild im Wasser trüb, gilt die Schuld als noch nicht getilgt und die Sühne wird wiederholt. Ist das Spiegelbild dagegen sehr klar,

6.244 gilt die Schuld als getilgt und die Voraussetzung zur Vollendung der Purashcharana als erreicht. Wird irgendein vedischer Mantra mit einer Gesamtzahl von hundert Millionen Silben rezitiert,

6.245 tilgt dies nach dem Text die Schuld einer Geburt. Ein Namensmantra Vishnus, meiner selbst, Ganeshas, der Sonne oder deiner selbst [der Göttin] vermag dies mit der Hälfte.

6.246 Ein tantrischer Mantra tilgt sie mit der Hälfte davon, ein Prakrit-Mantra wiederum mit der Hälfte und ein Apabhramsha-Mantra mit nochmals der Hälfte. Dies alles, sagt der Text, wird geheim gehalten. Die letzte Sprachbezeichnung ist in der Vorlage als „apadaṃśa“ entstellt.

6.247 Nun will ich die Orte der Rezitation nennen, künstlich geschaffene und natürliche, gesondert für die verschiedenen Gottheiten; in den Tantras werden sie geheim gehalten.

6.248 Das Gebiet Mahaganapatis, Mapura am Narmada-Ufer und der große Verbrennungsplatz Mapura verleihen nach dem Text Vollendung der Ganesha-Mantras. Die Abgrenzung der beiden Nennungen Mapuras ist nicht eindeutig.

6.249 Prabhasa, Kurukshetra, Pushkara, der Berg Bhrigu und das Yamuna-Ufer sowie Kashi verleihen Vollendung der Sonnenmantras. Die Verbindung von Yamuna-Ufer und Kashi ist in der Vorlage unklar.

6.250 Ayodhya, Mathura, Maya, Kashi, Badarikashrama, Gaya, das Gandaki-Ufer und Dvaraka verleihen Vishnu-Siddhi.

6.251 Kedara, Tryambaka, Kashi, Kanchi, Avanti, Wälder, das Ganga-Ufer, Vaidyanatha und Ramesha verleihen Shiva-Siddhi.

6.252 Jvalamukhi, Prayaga, Kamini, Malikapada und das Sarasvati-Ufer fördern die Vollendung des Shakti-Mantras. Zwei der Ortsnamen sind in dieser Lesung nicht sicher identifizierbar.

6.253 Das Ufer bei Kamaleshvari, Mekala, der Yaksha-Berg sowie Anga, Vanga und Kalinga verleihen Vollendung bei den kleineren Gottheiten.

6.254 Kamarupa und der dortige heilige Ort, Hingula, Vindhyavasini, Jalandhara und Purnagiri verleihen Vollendung auf dem linken Weg.

6.255 Ufer von Lotusteichen sowie Haine von Bananen, Zuckerrohr und Arka sind Ganesha besonders lieb, ebenso ein mit Vidruma bedeckter Ort. Ob Vidruma hier Koralle oder eine entsprechend benannte Pflanze meint, ist nicht eindeutig.

6.256 Lotusteiche und die zugehörigen Waldgebiete, Karavira- und Arka-Haine, Weizen- und Durva-Felder sowie Felsen sind dem Sonnengott lieb.

6.257 Hari freut sich in der Nähe von Tulasi, Ashvattha, Dhatri, Zuckerrohr und Shalagrama-Steinen, ferner in einem Kuhstall, einem von vedakundigen Menschen bewohnten Dorf und in der Nähe vedischer Gelehrter.

6.258 [Für Shiva eignen sich] ein nach Westen gerichtetes Linga, ein Shiva-Tempel ohne Nandi, ein heiliges Ufer, die Nähe eines Banyanbaums, ein Zusammenfluss, ein Wald und ein See.

6.259 Shakti freut sich an Bananen- und Mangobäumen, Jasmin und Sevanti, an einem hier Carcari genannten Hain, an einem in den Schriften genannten Flussufer und an einem einsamen Ort.

6.260 Kleinere Gottheiten freuen sich an Teichrändern, an Orten mit Nimba, Kola, Shakhota und Madhuka, an Ameisenhügeln und in trockenen Flussbetten.

6.261 Die Gottheiten des linken Weges freuen sich am Totenort und Verbrennungsplatz, an Drei- und Vierwegekreuzungen, in verlassenen Häusern und an Orten mit Leichen.

6.262 Für vedische Praxis gelten das Haus, der Kuhstall, der Garten, eine Bergkuppe, ein Fluss, dessen Zusammenfluss und ein Tempel als besonders geeignet.

6.263 Vedische Vollendung wird dort verortet, wo weder Kühe noch Brahmanen getötet werden und Shudras nicht zu hören sind. Der letzte Ausdruck ist verkürzt; die Aussage gehört zu den historischen Ausschlussregeln des Textes.

6.264 Wo sich keine Fremdvölker, als Irrlehrer Bezeichneten, Betrüger, Könige, Minister und jungen Frauen aufhalten, sei die Vollendung nahe. Diese soziale Bewertung wird dokumentiert, nicht als heutige Auswahlregel übernommen.

6.265 Man soll nicht in verfallenen Tempeln, Gärten oder Häusern, an alten Bäumen und entsprechenden Flussstellen, an Fluss- und Berghängen oder in Erdspalten wohnen. Die gemeinsame Beziehung des ersten Eigenschaftswortes auf die ganze Reihe ist nicht völlig klar.

6.266 So nimmt der einsichtige Lehrer den Boden rituell in Besitz. Er verehrt die Erde und Varaha und beachtet die Kraft des „Erdsohnes“, des Mars.

6.267 Er erklärt: „Für die Vollendung der Purashcharana dieses bestimmten Mantras nehme ich diesen Boden in Besitz. Möge dieser Mantra zur Vollendung gelangen.“

6.268 Man nimmt zehn runde Pflöcke von je einer Spanne Länge, gewonnen aus einem der genannten Bäume, darunter Nyagrodha und milchsaftführende Bäume. Die übrigen Baumbezeichnungen der Aufzählung sind beschädigt.

6.269 Acht werden in den acht Richtungen eingeschlagen. Der neunte wird zwischen Nordosten und Osten unter der Vorstellung „oben“ gesetzt, der weitere zwischen Westen und Südwesten unter der Vorstellung „unten“. Mit dem Waffenmantra wird die rituelle Anordnung befestigt.

6.270 Mit dem Waffenmantra verehrt man auf ihnen die göttliche Waffe. Ist das Gebiet so befestigt, wird der Mantrin nach dem Text nicht von Hindernissen überwältigt.

6.271 In den Richtungen richtet man für die Richtungshüter Bali-Gaben aus Masha-Bohnen und gekochter Speise her. In der Mitte verehrt man Kshetrapala und Ganesha,

6.272 als Dritten den Vastu-Purusha, und bringt ihnen drei Bali-Gaben dar. In der Mitte des Gebietes betrachtet man dann das Kurma-Chakra.

6.273 Wer das Kurma-Chakra nicht kennt, dem entsteht ein großes Hindernis. Es wird vierfach unterschieden: das allgemeine, das für ein Land, für ein Dorf und für ein Haus.

6.274 Man zeichnet zwei Kreise mit einer Unterteilung in neun Felder. Die sieben Lautgruppen, beginnend mit der Ka-Gruppe, schreibt man von Osten aus in die Richtungen; La und Ksha

6.275 schreibt man in den Nordosten. Im inneren Kreis werden die Vokale, von Osten beginnend, je zu zweien in die Felder gesetzt; das Shri-Bija steht im Mittelfeld.

6.276 Die allgemeine Schildkröte blickt stets nach Osten. Die Richtung, in der sich der Anfangsbuchstabe des Landes befindet,

6.277 bestimmt den Kopf der Landesschildkröte. Bei der Dorfschildkröte sind zwei Kopfzuordnungen zu beachten, eine nach dem Vokal und eine nach dem Konsonanten.

6.278 Der Kopf der Hausschildkröte liegt in der Richtung der Haustür. Beiderseits des Kopfes folgen die Hände, dann die Flanken und die Füße.

6.279 Ein Schwanz und in der Mitte ein Rücken vervollständigen die sechsfach gegliederte Gestalt. Bei größter Feindschaft [der Lautzuordnung] droht Lebensverlust, bei Feindschaft Vermögensverlust,

6.280 bei geringer Feindschaft verminderte Freude. Nun werden diese Beziehungen genannt: a–ga, ṛ–ccha, ḷ–pa, jā–ha, pa–ṣa, e–na, i–ra, u–la,

6.281 pha–dha, bha–ra und ya–sa werden als stark feindlich bezeichnet. Danach folgen ja–cha, o–ṭū, ya–ḍa, gā–da, ja–ṭa, rā–kha, bu–dha und ra–la. Die Lautpaare sind teilweise entstellt; sie werden hier als technische Angaben der Vorlage bewahrt, nicht zu einem neuen Schema berichtigt.

6.282 Feindschaft besteht in der fünften Gruppe; geringe Feindschaft wird für ka–ra, ca–ṭa, pa–ca, ta–ra und ra–la genannt. Die Zuordnung zur vorangegangenen Liste bleibt unsicher.

6.283 In derselben Gruppe besteht größte Freundschaft. Man verdoppelt die eigene Gruppenzahl, addiert die Gruppenzahl des Ortes und bestimmt den Rest bei Teilung durch acht.

6.284 Dann verdoppelt man die Gruppenzahl des Ortes, addiert die eigene Gruppenzahl und bestimmt wiederum den Achterrest. Beide Berechnungen dienen dem Ort; maßgeblich ist, welcher Rest größer ist.

6.285 [Ist das Verhältnis günstig,] gewährt der Ort dem dort Verweilenden Gewinn; im umgekehrten Fall gibt der Übende dem Ort seinen Besitz. Am Kopf gelingt jedes Ziel, an den Händen nur wenig, an der Hüfte nichts; an den Füßen droht Dienstbarkeit, am Schwanz Tod. Die erste Aussage ist in der Vorlage beschädigt.

6.286 In Kurukshetra, Prayaga, am Zusammenfluss der Ganga mit dem Meer, in Mahakala und in Kashi braucht die Kurma-Zuordnung nicht erwogen zu werden.

6.287 Ist der Anfangslaut von Gebiet, Übendem und Mantra derselbe, dann verleiht der Mantra nach dem Text sicher die Frucht aller Vollendungen.

6.288 Amrita, Vrishabha, der König der Berge und Vasuki sowie Arthakrit und Shaktikrit werden, von Osten beginnend, mit Bali verehrt. Die Reihung dieser Namen und Richtungen ist nicht ganz eindeutig.

6.289 In der Mitte verehrt man Padmayoni, Mahashankha und die Chaya genannte Macht. Der Hausbewohner errichtet sein Haus auf dem Rücken der Schildkröte und vollzieht dort Japa.

6.290 Nun erkläre ich die Mala. Sie ist zweifach: fest und beweglich. Die feste ist für Menschen mit beständigem Geist bestimmt, die bewegliche für solche mit beweglichem Geist.

6.291 Die feste Lautkette wird aus den mit Bindu versehenen Buchstaben der Matrika von A bis Ksha gebildet, in vorwärts und rückwärts verlaufender Reihenfolge. Jeder Laut wird mit dem Mantra verbunden rezitiert; dies gilt als alle Vollendungen verleihend.

6.292 Auch vedische Formeln können so verwendet werden. Andere bezeichnen diese feste Kette ebenfalls als Buchstabenkette von A bis Ksha. Für einhundertacht Wiederholungen werden die Laute nochmals entsprechend angeschlossen; die genaue Ergänzungsfolge wird hier nicht ausgeführt.

6.293 Nun die bewegliche Gebetskette: Für Abhicara nennt der Text eine Perlenzahl entsprechend den fünfzehn Mondtagen, für Befreiung fünfundzwanzig, für regelmäßiges Japa eine Zahl entsprechend den siebenundzwanzig Mondhäusern.

6.294 Dreißig fördern Dharma, vierundfünfzig das gewünschte Ziel, hundert Gleichmaß und einhundertacht alle Vollendungen. Der Ausdruck für das durch hundert Perlen erreichte Ergebnis lässt auch eine andere Deutung zu.

6.295 Rudraksha dient allen Vollendungen, Edelsteine sollen Reichtum bringen. Muschelmaterial führt nach dem Text verlorenen Besitz zurück, Bergkristall gewährt Genuss.

6.296 Putrajiva-Samen sollen Söhne gewähren, Lotussamen Gedeihen fördern, Korallen gefügig machen und Perlen Befreiung verleihen.

6.297 Kusha-Knoten tilgen nach dem Text Schuld, Gold erfüllt Wünsche; Silber fördert die Wunscherfüllung und Indraksha ein günstiges Ziel. Die letzte Wirkungsangabe ist nicht sicher lesbar.

6.298 Kurkuma wird der Einflussnahme auf Frauen, Darvi der Einflussnahme auf Männer zugeordnet; Lack dem Vertreiben von Fieber, Muschelmaterial der Zufriedenstellung der Ahnen.

6.299 Arka ist für Vertreibung bestimmt, Shriphala für das Erlangen von Erkenntnis, Padmaka-Holz für Zufriedenheit und Devadaru für Krankheitsfreiheit.

6.300 Mit schwarzem Holz werden tamasische Handlungen verbunden, mit Elfenbein sämtliche Zwecke und mit Kupfer Verblendungsrituale.

6.301 Eisen wird Tötungsritualen zugeordnet, weißer Lotus dem Erwerb von Reichtum, Sandelholz der Abwehr von Gift und weißes Holz der Stärkung. Die Gift betreffende Form ist nicht ganz eindeutig.

6.302 Rotes Sandelholz beziehungsweise dessen Samen werden für Yakshini-Sadhana und entsprechende Verfahren genannt.

6.303 Nimba dient im Text dem Bannen von Geisterwesen, Shami dem Bannen von Menschen, Mahanimba dem Bannen von Dakinis und Bhunimba dem Stillstellen von Krankheiten.

6.304 Indra-Baumholz wird dem Stillstellen von Schulden, Affenknochen dem Schadenzauber, Bärenknochen der Vollendung im Wald und Tigerknochen den dortigen Gottheiten zugeordnet. Besonders die beiden letzten Zuordnungen sind knapp und unsicher formuliert.

6.305 Mit Menschenknochen sollen Rakshasas, mit Pferdeknochen Viras beeinflusst werden; Eselsknochen werden kleineren Siddhis, Elefantenknochen gesellschaftlicher Achtung zugeordnet.

6.306 Eine Kette aus gebrannten Tonperlen gilt als für Shabara-Mantras wirksam. Der Brahmane soll mit Kusha-Knoten rezitieren, der König mit Goldperlen.

6.307 Der Vaishya rezitiert mit Putrajiva-Samen; Lotussamen stehen allen offen. Zwischen Rudraksha-, Bergkristall- oder Indraksha-Perlen soll nichts anderes eingefügt werden.

6.308 Wer andere Materialien dazwischen einfügt und damit rezitiert, beeinträchtigt nach dem Text Wunscherfüllung und Befreiung. Eine Ganesha-Mala wird am vierten Mondtag unter Ganesha-Mantras aufgefädelt.

6.309 Eine Sonnen-Mala wird am siebten Mondtag oder am Sonntag mittags mit den Sonnenmantras aufgefädelt, eine Vishnu-Mala am zwölften Mondtag mit Vishnu-Mantras.

6.310 Eine Shiva-Mala wird am dreizehnten Mondtag in der Dämmerung mit seinen Mantras hergestellt. Für die Shaktis werden der achte, vierzehnte oder neunte Mondtag sowie der Dienstag genannt,

6.311 und zwar eine Nacht der hellen Monatshälfte gemäß den Vorschriften. Für die Freude der Göttin wird die Mala auf Seidenfaden geknüpft.

6.312 Auch die Vishnu-Mala soll auf Seide, ersatzweise auf Wolle oder Bast aufgefädelt werden; die Shiva-Mala auf Baumwollfaden.

6.313 Höre nun die allgemeine Vorschrift für den Faden bei den meisten Gottheiten: Man nimmt einen knotenfreien Faden, der von einer rechtschaffenen Frau aus einer Brahmanenfamilie gefertigt wurde,

6.314 wäscht ihn sorgfältig und legt ihn dreifach, dann dieses Dreifache nochmals dreifach zusammen.

6.315 Eine Kette wird aus ein-, zwei-, vier-, fünf- oder sechsgesichtigen Rudrakshas hergestellt; verschiedene Arten soll man dabei nicht miteinander mischen.

6.316 Gesicht wird an Gesicht, Rückseite an Rückseite angeordnet. Als Gesicht der Rudraksha gilt die erhöhte, als Rückseite die vertiefte Seite.

6.317 Eine Perle von der Größe einer Dhatri-Frucht gilt als vorzüglich, eine jujubengroße als mittel, eine kichererbsengroße als gering; noch kleinere gelten als unheilvoll.

6.318 Eine Meru-Perle wird eingefügt. Die erste Perle soll groß sein, die folgenden zunehmend kleiner. Die nähere Bestimmung der Meru-Perle im ersten Halbvers ist beschädigt.

6.319 Die Kette wird schlangenförmig abgestuft, mit einem Brahma-Knoten bei jeder Perle; oder sie wird ohne Zwischenknoten zu einem festen Ring gefügt.

6.320 Der sogenannte Brahma-Knoten wird durch dreifaches Umschlingen, Durchführung durch die Mitte und eine weitere halbe Windung im Uhrzeigersinn gebildet. Einzelne technische Wörter sind beschädigt; die Beschreibung reicht nicht für eine eindeutige Rekonstruktion des Knotens.

6.321 Der Übende nimmt zuvor nur eine Mahlzeit zu sich, vollzieht die täglichen Pflichten und knüpft die genannten Perlen selbst, rein und aufmerksam.

6.322 Weiße, rote, goldfarbene und schwarze [Perlen] werden den vier sozialen Ständen von den Brahmanen an zugeordnet. Für die Herstellung der Japa-Mala gilt unter diesen ein Brahmane als bevorzugt.

6.323 Ist ein solcher nicht verfügbar, können Angehörige der jeweiligen eigenen Gruppe herangezogen werden. Im Kali-Zeitalter, sagt der Text, ist ein Brahmane, der seinem Dharma treu bleibt, schwer zu finden.

6.324 Eine übergroße oder überkleine, gesprungene, brüchige, ungewöhnlich leichte, gebrochene, bereits getragene oder verwitterte Rudraksha gilt als ungeeignet.

6.325 Wenn die Perlen aneinander reiben, wird nach dem Text die Wirkung des Japa beeinträchtigt. Deshalb setzt man Knoten dazwischen, jedoch keine Perlen anderer Art.

6.326 Die eingesichtige Rudraksha ist Shiva. Japa mit einer solchen Kette soll Brahmanentötung und andere Verfehlungen tilgen und den Verehrenden Erwünschtes gewähren. Die letzte Wendung ist nicht ganz sicher lesbar.

6.327 Die zweigesichtige heißt Uma-Shankara. Sie soll Kuhschlachtung und andere Verfehlungen tilgen und Glück im Leben des Hausbewohners schenken.

6.328 Die dreigesichtige hat die Gestalt Agnis und soll die Schuld der Tötung einer Frau und andere Verfehlungen tilgen. Durch Tragen oder Japa werden Dharma, Wohlstand und Wunscherfüllung verheißen.

6.329 Die viergesichtige ist Brahma und soll die Schuld der Tötung eines Lehrers und Ähnliches tilgen. Alle Wissensgebiete erschließen sich, und Vollendung der Rede entsteht.

6.330 Die fünfgesichtige ist unmittelbar Shiva und tilgt nach dem Text jede Schuld. Ihr Japa verleiht den Feueropfern der Shiva-, Ganesha- und Shakti-Verehrer Vollendung.

6.331 Die sechsgesichtige ist Karttikeya; sie tilgt die Schuld gebrochener Gelübde. Vorschriftsgemäß am rechten Arm getragen, verheißt sie Sieg im Kampf.

6.332 Die siebengesichtige ist der große Naga Ananta. Ihr Japa verheißt unzählige Vollendungen und Schutz vor dem Tod durch Schlangengift.

6.333 Die achtgesichtige ist Ganesha, Beseitiger aller Hindernisse. Durch ihr Japa sollen alle inneren Feinde, angefangen mit Begierde und Zorn, schwinden.

6.334 Die neungesichtige ist Bhairava. Durch ihr Japa werden die Gottheiten des linken Weges günstig gestimmt; am linken Arm getragen, soll sie Schuld tilgen.

6.335 Die zehngesichtige ist Janardana. Durch Japa und Tragen sollen Pishachas, Besessenheitsmächte, Vetalas, Brahmarakshasas und Schlangen vertrieben werden.

6.336 Die elfgesichtige ist unmittelbar Rudra. Wer sie trägt und mit ihr rezitiert, erlangt nach dem Text die Frucht des Pferdeopfers und weiterer großer Opfer.

6.337 Die zwölfgesichtige ist der Sonnengott Bhaskara. Tragen und Japa verleihen Glanz und Macht sowie die Frucht des Gomedha-Opfers.

6.338 Die dreizehngesichtige verkörpert die Allgötter. Beim Shraddha getragen, verleiht sie nach dem Text den Ahnen einen unvergänglichen Weg.

6.339 Japa mit vierzehngesichtigen Rudrakshas bringt eine unbegrenzte Frucht; der Übende wird von Göttern und Menschen geachtet und erlangt ein unvergängliches Ziel.

6.340 Nun beschreibe ich die Vorbereitung der Mala: Man wäscht sie mit Panchagavya. Dafür wird Milch von einer goldfarbenen Kuh, Dung von einer weißen,

6.341 Urin von einer kupferfarbenen, Sauermilch von einer dunkelfarbigen und Ghee von einer schwarzen Kuh genannt. Ebenso wird auf Panchamrita verwiesen, ohne dessen Zusammensetzung hier näher auszuführen.

6.342 Wo Kühe dieser Farben leicht verfügbar sind, beschafft man die fünf Kuhprodukte entsprechend dieser Farbordnung.

6.343 Fehlen die entsprechenden Farben, liegt kein Fehler vor; die Mengen sollen jedoch nicht unterschritten werden. Gegenüber dem Kuhdung nimmt man die doppelte Menge Urin und die vierfache Menge Ghee,

6.344 die achtfache Menge Milch und ebenso Sauermilch für das Panchagavya. Den Urin nimmt man mit der Gayatri, den Dung mit „gandhadvārām …“.

6.345 Die Milch nimmt man mit „āpyāyasva …“, die Sauermilch mit „dadhikrāvṇaḥ …“, das Ghee mit „tejo ’si śukram …“ und das Kusha-Wasser mit „devasya tvā …“. Die in Klammern ausgeführten Formeln gehören zu den Zusätzen der Vorlage.

6.346 Mit Panchagavya und dem Sadyojata-Mantra wird gewaschen; mit Sandelholz, Aguru und anderen Duftstoffen wird unter dem Vamadeva-Mantra eingerieben.

6.347 Unter dem Aghora-Mantra wird mit schwarzem Aguru und Guggulu geräuchert; unter dem Tatpurusha-Mantra wird mit Sandelpaste und entsprechenden Stoffen gesalbt.

6.348 Mit „īśānaḥ sarvavidyānām …“ wird jede Perle hundertmal besprochen. Auch die Meru-Perle wird mit diesem und mit dem Aghora-Mantra besprochen.

6.349 Nun eine andere Weihe der Mala: Neun Ashvattha-Blätter werden lotusförmig angeordnet; darauf legt man sie nieder.

6.350 Perlen und Faden werden mit Duftwasser gewaschen. Dann bespricht man jede Perle der Reihe nach mit einem Matrika-Laut, dem „oṃ hrīṃ“ vorangestellt ist.

6.351 Auch den Faden legt man dort nieder und verehrt ihn. Danach opfert man Sesam und andere Stoffe oder reines Ghee, gesondert mit den Sadyojata-Mantras,

6.352 mit jedem der fünf Mantras einhundertacht oder achtundzwanzig Opfergaben. Ist ein Feueropfer nicht möglich, wird Japa vorgeschrieben. Danach fädelt man die Mala auf.

6.353 Sie wird wie ein Kuhschwanz abgestuft oder mit gleichmäßigen Perlen und einer Meru-Perle gestaltet. Dann zeigt man die acht Mudras, beginnend mit der Anrufung, und vollzieht Waschen und die übrigen Handlungen mit den Sadyojata-Mantras wie zuvor.

6.354 Bei kaulischen Verfahren besteht die Besonderheit im Benetzen der Perlen mit Surā. Die am Kopf getragene Kette hat sechsunddreißig, die Halskette zweiunddreißig Perlen.

6.355 Am Ellbogen werden sechzehn, an den Handgelenken zweiunddreißig genannt. Eine als heilige Schnur getragene Kette wird aus einhundertacht Perlen gebildet.

6.356 Die Brustkette hat die Hälfte davon; im Haarschopf wird eine einzelne Perle genannt, an den Ohren die Zahl sechs. So ist die Ordnung des Tragens dargelegt.

6.357 Die genannten Zahlen sollen nicht unterschritten werden; eine größere Zahl schadet nicht. Wer Rudraksha so trägt, wird nach dem Text am Lebensende Shiva.

6.358 Er erwirbt großes religiöses Verdienst und wird schon hier glücklich. Beim Bad, beim Geben, bei Japa, Homa, Vaishvadeva und der Verehrung der Götter,

6.359 bei Sühne, Ahnenritual und besonders bei der Einweihung soll Rudraksha getragen werden. Was immer ein Brahmane an vedischer Handlung

6.360 beständig unter ihrem Tragen vollzieht, soll Frucht tragen. An Hals, Kopf, Hand, Ohren und als heilige Schnur

6.361 getragen, macht Rudraksha nach dieser Lobpreisung den Menschen zu Rudra. Selbst wenn er Fleisch isst, Alkohol trinkt und mit Menschen außerhalb der gesellschaftlich anerkannten Gruppen verkehrt,

6.362 werde er unmittelbar gereinigt, wenn er Rudraksha am Kopf trägt. Danach bezeichnet der Text die Wesen, die Götter nähren, als göttliche Opfertiere der vedischen Ordnung; der genaue Satzbau ist unsicher.

6.363 Für jene, die solche Tiere im kaulischen Ritual töten, sei Yama der strafende Herr. Zu ihrem Schutz gebe es auf Erden nichts außer Rudraksha. Der Bezug von „ihrem“ ist im Wortlaut nicht eindeutig.

6.364 Rudrakshas gelten als Verleiher der Vollendung der Mantras aller Gottheiten. Wenn selbst ein Schwein mit einer Rudraksha am Hals stirbt,

6.365 erlangt auch dieses Rudra – wie viel mehr dann ein Mensch. Ob rituell unrein, in verbotenen Handlungen befangen oder mit allen Verfehlungen belastet: Durch das Tragen von Rudraksha werde er von jeder Schuld frei. Diese Verse sind religiöse Lobpreisung, keine Aufhebung ethischer Verantwortung.

6.366 Selbst wer ohne Hingabe und mit schuldhaftem Verhalten ständig eine Rudraksha-Kette am Hals trägt, wird nach dieser Lobpreisung in Rudras Welt geehrt.

6.367 Wer dagegen aus Unwissenheit vedische Handlungen ohne Rudraksha vollzieht, erlangt nach der hier vertretenen Auffassung deren Frucht nicht, auch wenn er Brahmane ist.

6.368 Nun wird die Mala-Weihe für Shudras und Frauen beschrieben. Man verehrt hingebungsvoll Ganesha, Surya, Vishnu, Isha und Durga.

6.369 Die Mala wird einhundertachtmal mit dem Bija „kroṃ“ besprochen und drei Tage in Panchagavya gelegt.

6.370 Am vierten Tag nimmt man sie heraus und wäscht sie unter dem Waffenmantra. Unter dem Herzmantra knüpft man sie und legt sie auf den Ritualplatz.

6.371 Die gereinigte Mala wird dort in ein goldenes Gefäß gelegt und mit Panchamrita und kühlem Wasser gebadet.

6.372 Dann vollzieht der Übende die Besprengung mit duftendem Sandelholz, Moschus, Safran und entsprechenden Stoffen unter dem in der Vorlage „dhasauṃ“ geschriebenen Mantra. Diese Silbenfolge wird nicht stillschweigend berichtigt.

6.373 Man verehrt die neun Planetengottheiten und ebenso die Richtungshüter.

6.374 Danach bringt man nach Vermögen Sesam mit Ghee ins Feuer und gibt dem Guru Gold als Dakshina entsprechend der Zahl der Perlen.

6.375 Man bewirtet Brahmanen, die den betreffenden Mantra rezitieren, oder vedakundige Brahmanen. Fehlt ein goldenes Gefäß, darf ein Ashvattha-Blatt genommen werden.

6.376 Damit ist die Weihe der Mala beschrieben; das Japa soll dadurch Vollendung verleihen. Für Ketten aus Knochen und ähnlichen Stoffen bei Kaulas und Anhängern des linken Weges

6.377 will ich nun die in den Tantras geheim gehaltene Weihe zur Erlangung der Siddhi darlegen. Zunächst ehrt man den Handwerker mit Kleidung, Duftstoffen und Salbung.

6.378 Der Text schreibt sodann vor, die fünfzigperlige Kette freudig anfertigen zu lassen, mantrageweihten Rauschtrank zu trinken und die Kette in die Vagina einer menstruierenden Frau einzulegen. Dies ist die sachliche Dokumentation eines historischen, initiationsgebundenen Sexualrituals, keine Praxisempfehlung.

6.379 Nach einer Nacht wird sie herausgenommen; die Perlen werden mit reinem Wasser gewaschen und unter dem Wurzelmantra mit Vijaya-Saft besprengt. Vijaya bezeichnet hier den entsprechenden rituellen Pflanzenstoff.

6.380 Nach Waschen und Räuchern fädelt man sie mit einem geeigneten Faden auf. Für das Japa der eigenen erwählten Gottheit wird Blau, für Tötungsrituale Schwarz genannt,

6.381 für Verblendung Grün, für Bannung Rauchfarbe und eine weitere, unklar zugeordnete gelbliche Farbe; für Befriedung und Gedeihen Weiß, für Entzweiung beziehungsweise Vertreibung Rot, für Gefügigmachen Gelb und für Verwirrung bräunliche Farbe. Die Zuordnung bei „dviṣitālabham“ ist textlich unsicher.

6.382 Nach der Chakra-Puja bringt der Übende mit dem Wurzelmantra eintausendacht Opfergaben aus Alkohol und Fleisch dar.

6.383 Dann lässt er vorschriftsgemäß ein Bali-Opfer, etwa eines Büffels, darbringen und bewirtet Handwerker und Sadhakas in einer der Perlenzahl entsprechenden Anzahl.

6.384 Die so geweihte Mala zeigt man dem Guru. Mit ihr rezitiert man nur den Mantra, für den sie hergestellt wurde.

6.385 Beim Rezitieren eines anderen Mantras droht nach dem Text der Fluch der Gottheit. Man verwendet einen festen Faden und rezitiert so, dass die Mala verborgen bleibt.

6.386 Ist der Faden abgenutzt, wird die Kette neu geknüpft und hundertmal rezitiert. Man berührt den Faden nicht mit dem Zeigefinger und schüttelt oder schwenkt die Kette nicht.

6.387 Man berührt sie nicht mit der linken Hand und lässt sie nicht aus der Hand gleiten. Beim Weiterschieben soll der Daumen nicht zugleich eine andere Perle berühren.

6.388 Beim Japa soll der Kundige keinen Mantra überspringen; beim Weiterbewegen lässt er die Perlen nicht aneinanderschlagen.

6.389 Klappern wird mit Streit, Schaukeln und unruhiger Bewegung mit Tod, Verrutschen mit Feindschaft und Aufspringen mit Krankheit verbunden. Die Abstufung der beiden Bewegungsangaben ist in der Vorlage unsicher.

6.390 Fällt die Kette aus der Hand, gilt dies als großes Hindernis, reißt der Faden, als Zeichen des Untergangs. Alternativ kann man an den Fingern zählen; dies wird nun erklärt.

6.391 Die sogenannte Hand-Mala beginnt am mittleren Glied des Ringfingers und läuft über den kleinen Finger bis zur Wurzel des Mittelfingers.

6.392 Die beiden mittleren Glieder von Mittel- und Ringfinger werden als Meru angesetzt. Eine weitere Zählung beginnt an der Wurzel des Ringfingers und führt über den kleinen Finger

6.393 bis zur Spitze des Zeigefingers und zur Wurzel des Mittelfingers, mit zehn Zählstellen. Alternativ werden die unteren Glieder von Mittel- und Ringfinger als Meru angesetzt.

6.394 Dabei werden die mittleren Glieder des Ringfingers und die Wurzel des Zeigefingers für die Japa-Zählung genannt. So wird eine dreifache Zählweise unterschieden. Der Wortlaut erlaubt keine widerspruchsfreie Rekonstruktion aller Fingerpositionen.

6.395 Die zuerst dargestellte dreifache Weise wird als Finger-Japa bezeichnet. Eine andere Weise, heißt es anschließend, werde von mir nicht anerkannt. Die Abgrenzung dieser Aussage ist in der Vorlage unklar.

6.396 Das Zählen an den Linien der Finger heißt Linien-Japa. Während der Rezitation sollen die Finger niemals auseinandergehalten werden.

6.397 Durch die Zwischenräume auseinandergehaltener Finger fließe, so die rituelle Vorstellung, das Japa ab. Man überschreitet die vorgesehene Grenze nicht und hält die Handfläche leicht eingezogen.

6.398 Die zählende Hand wird nicht gezeigt; andernfalls nähmen Rakshasas die Frucht. Zwanzig hinderliche Verhaltensweisen sollen aufgegeben werden,

6.399 zwanzig die Vollendung fördernde Verhaltensweisen dagegen gepflegt werden. Aufzugeben sind Habgier, Zorn, Neid, Begierde, Hass und Schlagen,

6.400 Heuchelei, Vertreibungszauber, Einölen, gefällige Unwahrheit, Gesang, Instrumentalspiel, Rauschtrank und Aufenthalt im Schatten von Vibhitaka- und Karanja-Bäumen,

6.401 Fleisch, das Annehmen von Gaben, Blumenschmuck, Betel und Umgang mit als sündhaft bewerteten Menschen. Die Lesung für „Annehmen von Gaben“ ist entstellt. Nun höre, was zu tun ist.

6.402 Zu pflegen sind Mantra, Zurückhaltung, Nachdenken über die Bedeutung des Mantras, tägliche und anlassbezogene Pflichten, vedische Riten, Schweigen und das Vermeiden fremder Gesellschaft,

6.403 Schlafen auf dem Boden, Baden zu den drei Tageszeiten, tägliche Verehrung, regelmäßiges Geben, Verehrung der Füße des Gurus sowie die Einladung zur Bewirtung,

6.404 Baden mit Panchagavya, Tragen des rituellen Reinigungsrings, Verehrung zu den drei Sandhya-Zeiten, die fünf großen Opfer und Tarpana,

6.405 ferner das Tragen der vorgeschriebenen Kleidung. Nun die Ausgleichshandlungen: Entfährt einem während des Schweigens ein Wort, spricht man den Pranava.

6.406 Wird ein ungehöriges Wort gesprochen, vollzieht man einmal Pranayama. Nach längerem Reden führt man den Glieder-Nyasa aus und setzt dann Japa fort.

6.407 Ebenso verfährt man nach Niesen und dem Berühren rituell als unberührbar geltender Stellen. Nach Unterbrechung des Schweigens rezitiert man einen Vishnu-Mantra oder erinnert sich an Hari.

6.408 Nach dem Anblick eines nach der damaligen Ordnung Ausgestoßenen oder eines Angehörigen einer ausgegrenzten Gruppe soll man etwas als lichtvoll Bewertetes ansehen: Sonne, Feuer, Mond, Planeten, Weise, Gestirne und Sterne,

6.409 gelehrte Brahmanen. Andere werden hier als nicht lichtvoll bewertet. Diese Abwertung gibt die historische Sicht der Passage wieder. Nach Niesen, Abgang von Darmwind oder Gespräch mit den genannten ausgegrenzten Personen

6.410 unterbricht man Japa, vollzieht Achamana, Pranayama und den sechsfachen Nyasa und rezitiert dann weiter. Ist kein Wasser vorhanden, erinnert man sich an Hari.

6.411 Nach dem Anblick von Katze, Hahn, Kranich, Hund, Geier, Vogel oder Affe wird Achamana vor Fortsetzung des Rituals, nach Berührung ein Bad vorgeschrieben.

6.412 Wenn einem unbeabsichtigt eine Unwahrheit entfahren ist, rezitiert man das Rudra- und das Purusha-Gebet. Nicht rezitieren soll man mit zu vielen Kleidern oder nur einem Kleid, mit aufgelöstem Haar oder verhülltem Hals,

6.413 mit Turban, Obergewand bestimmter Art, nackt oder mit bedecktem Kopf, mit sorgenvoll zerstreutem Geist, zornig, nach Erbrechen oder hungrig,

6.414 mit unter den Unterschenkeln verborgenen Füßen, in einem Fahrzeug oder Bett, liegend, mit ungewaschenen Füßen oder nach Westen beziehungsweise Süden gewandt. „Ungewaschen“ setzt eine in der Wortverbindung nur unsicher erkennbare Verneinung voraus.

6.415 Ebenso werden schmutzige, halbe, doppelte, verrutschte, rote oder fettige Kleidung und eine doppelte Kaccha-Anordnung beanstandet,

6.416 ferner außenliegende, fehlende oder einfache Kaccha, fehlendes Obergewand, bloßes Lendentuch, eine hier unklar bezeichnete Fußstellung und genähte Kleidung. Kaccha meint die jeweilige Anordnung des durchgezogenen Tuchendes; mehrere Kleidungsbegriffe sind nur knapp genannt.

6.417 Wer aus Unachtsamkeit unter solchen Bedingungen rezitiert, dessen Japa-Frucht nehmen nach dem Text Rakshasas. Man beseitigt die betreffende Ursache und wiederholt das Japa.

6.418 Ist die vorgeschriebene Enthaltsamkeit durch Verkehr mit der eigenen Ehefrau unbeabsichtigt gebrochen worden, badet man am Morgen, bleibt in feuchter Kleidung und trägt schweigend zehn Krüge Wasser

6.419 zum Haus eines vedakundigen Brahmanen; bei Verkehr mit einer anderen Frau werden tausend genannt. Japa ist die wiederholte Rezitation der Silben; es wird dreifach unterschieden.

6.420 Das stimmliche Japa gilt als die niedrigere, das körperliche als die mittlere und das geistige als die höchste Form. Wenn jemand mit hohen, tiefen und verbundenen Tonlagen und mit klaren Wörtern und Silben

6.421 den Mantra hörbar ausspricht, heißt dies stimmliches Japa und gilt als die niedrigere Form. Wenn man den Mantra leise ausspricht und die Lippen nur wenig bewegt,

6.422 sodass niemand anderes ihn hören kann, ist dies das körperliche Japa, die mittlere Form. Wenn man die Silbenfolge mit dem Geist an ihren jeweiligen Stellen hervorbringt,

6.423 unter Vergegenwärtigung ihrer Bedeutung, ist dies das höchste, geistige Japa. Stimmliches Japa dient den sechs rituellen Wirkhandlungen, körperliches allen Vollendungen.

6.424 Geistiges Japa führt zur Befreiung; anderes Japa dient geringeren Wirkhandlungen. Die Gottheit, die durch beständiges Japa gepriesen wird, wird gnädig.

6.425 „Durch Japa kommt Vollendung, durch Japa kommt Vollendung; durch Japa ist Vollendung nicht fern.“ Wie ein Mensch mit geringen Ansprüchen durch Geld zufriedengestellt wird,

6.426 so die kleineren Gottheiten durch Bali-Gaben und äußere Verehrung. Wie ein tugendhafter Herr durch große Tugenden gewonnen wird,

6.427 so gewähren ich, du, Vishnu und Surya durch Japa Frucht. Der Kommentar bezieht auch Ganesha ein. Der Sitz wird zweifach unterschieden: für regelmäßige Übung und für besondere Wünsche.

6.428 Für die regelmäßige Übung wird ein schöner, weicher, sauberer, quadratischer Sitz von zwei Hasta Seitenlänge und vier Fingerbreiten Höhe beschrieben, mit Lagen aus Kusha-Gras, Fell und einer oberen Auflage.

6.429 Dieser angenehme Sitz verleiht nach dem Text Vollendung des Japa. Nun werden die zweckgebundenen Sitze genannt: Für Erkenntnisvollendung wird ein bestimmtes Fell vorgeschrieben; die Tierbezeichnung „… yihā …“ ist in der Vorlage beschädigt.

6.430 Tigerfell wird allen Siddhis zugeordnet, Schafwolle der Beseitigung von Krankheit, Seide dem Gedeihen und Rohrgeflecht der Mehrung des Wohlstands.

6.431 Ein weißer Wollstoff fördert Dharma, ein roter materielle Ziele, ein gelber die Wunscherfüllung; ein schwarzer soll Menschen außerhalb der Zweimalgeborenen Befreiung gewähren. Die Lesung für „rot“ ist entstellt; die soziale Einschränkung wird unverändert dokumentiert.

6.432 Ein gefärbter Stoff wird der Befreiung von Leid zugeordnet; Blau gilt als ungünstig. Der Einsichtige meidet die verbotenen Sitze und verwendet einen erlaubten.

6.433 Nun die verbotenen: Ein Holzsitz soll Trauer, ein Bambussitz Armut und ein bloßer Stoffsitz Verlust des eigenen Ortes bewirken.

6.434 Ein Steinsitz wird mit Vertreibung, ein Sitz aus Erde mit Fieber verbunden. Der Kommentar unterscheidet Erde ausdrücklich von Stein und Ziegeln.

6.435 Unmittelbares Sitzen auf dem Erdboden gilt als leidbringend, auf Blättern als geistig verwirrend, auf gewöhnlichem Gras als bedrückend; auch ein Ziegelsitz wird ausgeschlossen.

6.436 Für Hausbewohner soll das Fell der schwarzen Antilope geistige Unruhe bringen; ein Brahmacharin, Waldasket, Sannyasin oder Snataka könne dagegen damit Vollendung erreichen.

6.437 Zu einer günstigen Stunde, unter geeignetem Mondhaus und an einem günstigen Mondtag badet man vorschriftsgemäß und stellt Brahmanen durch Speise, Kleidung und weitere Gaben zufrieden.

6.438 Den eigenen Guru erfreut man durch Land, Geld, Kleidung, Schmuck und entsprechende Gaben. Erst mit seiner Zustimmung beginnt man Japa.

6.439 Am Ort der Rezitation zeichnet man ein Dreieck, darum einen Kreis und darum ein Quadrat. Dort verehrt man den Hüter des Gebietes.

6.440 Man ruft ihn mit Worten wie „Komm hierher“ und stellt vor dem Dreieck ein mit Nahrung, Wasser und Weiterem gefülltes Bali-Gefäß auf.

6.441 Für Anhänger des linken Weges nennt der Text ein Büffelopfer, für Kaulas einen Ziegenbock, für Siddhantins ein Schaf. Die Darbringung erfolgt mit dem nachfolgend erläuterten Mantra.

6.442 Man spricht „ehy ehi“, dann das in der Vorlage unsichere „vidraṣī“, „puruṣa“, zweimal „jaya“, danach zweimal „nartaya“ und „vighna vighna mahā …“.

6.443 Es folgen „bhairava“, „kṣetreśa“, „kṣetrapāla“, „baliṃ gṛhṇa gṛhṇa svāhā“. Der ausgeschriebene Kommentartext in 6.442 hat „nartaya“ nur einmal; diese Abweichung wird nicht aufgelöst.

6.444 Dieser Kshetrapala-Bali-Mantra wird als dreiundvierzigsilbig bezeichnet. Ihm samt seinem Gefolge bringt man die Bali-Gabe dar; man isst sie nicht selbst.

6.445 An einem günstigen, nach den Einweihungsregeln bestimmten Tag beginnt die Purashcharana. Zunächst verneigt man sich vor Guru und Brahmanen und verehrt Ganesha.

6.446 Nach der Ausrufung des heilvollen Tages spricht man mit Kusha-Gras in der Hand: „Sonne, Mond, Yama, Zeit, beide Dämmerungen, Wesen, Tag und Nacht,

6.447 Wind, Richtungshüter, Erde, Raum und im Himmel wandelnde Götter: Folgt Brahmas Gebot und seid hier gegenwärtig.“

6.448 Nach dieser Rezitation legt man Kusha, Sesam und unversehrte Reiskörner in ein Kupfergefäß und fasst, nach Norden gewandt, den Sankalpa, beginnend mit der Jahresangabe.

6.449 Man nennt die zwanzig Bestimmungen bis hin zum gewünschten Ziel: Jahr, Jahreszeit, Monat, Monatshälfte und die fünf Kalenderglieder,

6.450 die Stellung der neun Planeten, Tagesabschnitt und Muhurta, ferner die örtlichen Angaben, verbunden mit dem eigenen Anliegen.

6.451 Man nennt „auf diesem Kontinent, in diesem Landesteil“, dann Gotra und Pravara, den eigenen Namen und die der sozialen Gruppe entsprechende Namensendung: Sharma, Varma,

6.452 Gupta oder Dasa. „In dem Wunsch, die Vollendung dieses Mantras zu erlangen, werde ich die Purashcharana mit dieser festgelegten Zahl von Wiederholungen ausführen.“

6.453 Oder man nimmt sich im Geist vor: „Ich werde sie innerhalb dieser Zahl von Tagen ausführen, sofern kein Hindernis eintritt.“

6.454 Den Wunsch spricht man aus und verwirklicht ihn durch Handeln. Nachdem man Guru, Ganapati, Durga und mich verehrt und sich verneigt hat,

6.455 vollzieht man mit dem eigenen Wurzelmantra dreimal Pranayama, danach den Nyasa des Sehers und der weiteren Zuordnungen sowie den Glieder-Nyasa.

6.456 Man meditiert über die Gottheit im Herzen, legt die Mala in ein Gefäß, besprengt sie mit Arghya-Wasser und richtet folgendes Gebet an sie:

6.457 „Om. Mala, Mala, Mahamaya, Verkörperung aller Kräfte! Die vier Lebensziele sind in dich gelegt; darum gewähre mir Vollendung.“

6.458 Nach der Verehrung nimmt man die Mala in die rechte Hand. Zuvor spricht man Ganeshas Bija; der Zusatz nennt „gaṃ“.

6.459 „Mala, mache [die Übung] frei von Hindernissen.“ Mit diesen Worten nimmt man sie in die rechte Hand und meditiert innerlich über Shiva. Nummernhinweis: Die Vorlage trägt an dieser Stelle irrtümlich „559“, zwischen 458 und 460; hier wird zur Orientierung 6.459 verwendet, die Abweichung bleibt dokumentiert.

6.460 Man vergegenwärtigt den Guru auf dem Scheitel mit der ihm zugehörigen Farbe und Gestalt; den Mantra meditiert man in der Halsmitte als gelb und golden leuchtend.

6.461 Mahamaya vergegenwärtigt man im Herzen und sich selbst zu den Füßen des Gurus. Anschließend führt man im Ajna Chakra Guru, Mantra, sich selbst

6.462 und die Göttin zur Einheit. Durch den Weg der Sushumna lässt man diese eine, als Guru erscheinende Wirklichkeit die sechs Chakras durchschreiten.

6.463 Nachdem man Mahamaya in jedem der sechs Chakras kurz und aufmerksam vergegenwärtigt hat, lässt man sie mit dem Wurzelmantra zum „ursprünglichen sechzehnspeichigen Chakra“ herabkommen. Die Bewegungsanweisung ist sprachlich knapp und nicht völlig eindeutig.

6.464 In diesem ursprünglichen sechzehnspeichigen Chakra meditiert der Übende über die Göttin, die ihm Freude schenkt, und beginnt den als Jatakarma bezeichneten Geburtsritus.

6.465 Oberhalb der Augenbrauen wird das Ende der drei Nadis angesetzt. Diese Stelle der drei Wege wird als sechseckig und vier Fingerbreiten groß beschrieben.

6.466 Die Kenner des Kula-Yoga nennen dieses Chakra Ajna-Chakra. Im Hals befindet sich die Umschlingung der drei Nadis,

6.467 Sushumna, Ida und Pingala. Dieser sechseckige, sechs Fingerbreiten große, weiße Bereich in der Halsmitte heißt hier Tattva-Chakra.

6.468 Im Herzen kommen die drei Gottheiten zur Einheit. An dieser Stelle befindet sich ein sechzehnspeichiges Gebilde von sieben Fingerbreiten Ausdehnung.

6.469 Es gehört als ursprüngliches sechzehnspeichiges Chakra zu den zuvor beschriebenen yogischen Vorgängen, den Meditationsgegenständen, Mantras und der innerlich vollzogenen Rezitation.

6.470 Weil das Herz deren Anfang ist, heißt es „ursprünglich“. Dort entstand zuerst der Pranava. Die anschließende Wendung über den „Sohn des Ursprünglichen“ ist in der Vorlage nicht eindeutig verständlich.

6.471 Wie Wasser ohne Damm sofort in die Tiefe abfließt, so entweicht nach der rituellen Vorstellung ein Mantra ohne seine schützende Einfassung.

6.472 Darum beginnen Angehörige der vier Stände und weiterer Gruppen ihre Rezitation bei allen Bemühungen mit einer solchen Einfassung zu beiden Seiten des Mantras.

6.473 Für Zweimalgeborene wird der Pranava als Einfassung der Mantras bezeichnet; für andere der vierzehnte Vokal, verbunden mit Mondsichel und Anusvara. Der Text gibt hier die Lautbeschreibung, nicht eine eindeutig ausgeschriebene Formel.

6.474 Nach dieser Vergegenwärtigung legt man die Mala auf den mittleren Bereich des Mittelfingers und bewegt sie mit der Daumenspitze, ohne sie mit dem Zeigefinger zu berühren.

6.475 Wer während der Rezitation des vorigen Mantras bereits die nächste Perle mit dem Daumen berührt, dessen Japa gilt nach dem Text als fruchtlos.

6.476 Man hält die Mala mit der rechten Hand nahe am eigenen Herzen. Ihr Mantra lautet „hrīṃ siddhyai namaḥ“. Dann betet man:

6.477 „Mala, erfreue alle Gottheiten und gewähre Heil. Schenke mir Gutes, du Glückverheißende, und vermehre Ruhm und Tatkraft.“

6.478 Der hier für Gebet und Verehrung genannte Mala-Mantra wird als fünfsilbig bezeichnet. Danach richtet man folgendes Gebet an die eigene erwählte Gottheit:

6.479 „Du Hüter des Geheimsten unter den Geheimnissen, nimm unser vollzogenes Japa an. Durch deine Gnade möge mir Vollendung zuteilwerden, o Gott, Herr der Welt.“

6.480 Unter Rezitation des Wurzelmantras übergibt man das Japa mit Arghya-Wasser in die Hand der Gottheit. Zur Mittagszeit wird folgendermaßen verfahren:

6.481 Man badet wie zuvor; der Kundige vollzieht alle beschriebenen Handlungen bis einschließlich Nyasa,

6.482 Verehrung und Feueropfer und beginnt dann Japa. Bis zum Tagesende setzt er es fort, badet danach erneut,

6.483 vollzieht die Sandhya wie zuvor, verehrt die Gottheit nochmals und entlässt sie. Zur Zeit des Sternenaufgangs nimmt er regelmäßig seine Mahlzeit zu sich.

6.484 Man lebt von geeigneten Knollen, Früchten und Wurzeln, von lauterer Almosenspeise oder von Opferkost; als besonders hoch gilt das Milchgelübde. Nun werden diese Nahrungsformen näher beschrieben.

6.485 Als vorzügliche Knollen beziehungsweise Wurzeln werden Ayushkara, Lotuswurzel, Pindaraka, Kaseruka, Raktahasti, Shankha, Madhu und Shaluka genannt. Mehrere Pflanzennamen und ihre Wortgrenzen sind unsicher.

6.486 Weintrauben, Mango, Jambu, Jackfrucht, Kapittha, Datteln, Granatapfel, Kokosnuss, Parushaka, Kshirinika, Banane und Dhatri gelten als reine Früchte.

6.487 Patramula, Tvacamula, Vimula, Jati, Akavaku und Kuvaku werden als reinigende Wurzeln genannt. Der Wortlaut ist beschädigt; diese Namen lassen sich daraus nicht zuverlässig botanisch bestimmen.

6.488 Geeignet ist Almosenspeise von reinen, rechtschaffenen, wohlhabenden Zweimalgeborenen aus anerkannten Familien, die vedische Lebensführung pflegen.

6.489 Charu, Wurzeln, Früchte, Milch, Sauermilch, gekochte Almosenspeise und Getreidemehl bilden die sieben Arten von durch Almosen erlangter Nahrung für Menschen im Gelübde.

6.490 Als Opferkost werden fünfzig Arten angekündigt. Zunächst nennt der Text weiße, aufbereitete beziehungsweise in der kühlen Jahreszeit gewachsene Reiskörner der drei Arten Shashtika, Nivara und Shali; die einleitenden Eigenschaften sind nicht ganz sicher lesbar.

6.491 Es folgen Mungbohnen, Gerste, schwarzer Sesam, Kulmasha, Triputa, Kangu und Makushtha sowie eine in der Vorlage nicht eindeutig gegliederte weitere Getreidebezeichnung.

6.492 An Blattgemüsen werden Kalakamsha, Vastuka, Karambu, Hilamochika, Chakravati, Chakramarda, Palanka und Shatapushpika genannt; einzelne Namen sind unsicher überliefert.

6.493 Hinzu kommen eine weiße, im Winter wachsende Wurzel, Rajika, Masha und Sesam beziehungsweise eine unklar verbundene Bezeichnung daraus, Lotusfasern, Musali, Ghonta, Shatamuli und Vidarika.

6.494 Ferner alle Pindalu-Arten, Padma, eine „Varavusha“ gelesene Pflanze, Ayushkara, Kanchyuka, Shringataka und Kaseruka.

6.495 Genannt werden Meer- und Steinsalz, Sauermilch und Ghee von Kuh oder Büffel, gehaltvolle süße Milch sowie eine weitere, in der Vorlage beschädigte Bestimmung von Milch und Samen.

6.496 Jackfrucht, Mango, Amala und Tamarinde sowie Zuckerrohrprodukte unter Ausschluss von Phanita werden genannt. Heilmittel gelten als geeignete Opferkost, außer Fisch, Alkohol und Fleisch. Die Gliederung der Zuckerrohrprodukte ist unsicher.

6.497 Kuhmilch wird als vorzüglich bezeichnet, Surabhi-Milch als mittel und Büffelmilch als gering; andere Milch wird für Gelübdeübende ausgeschlossen. Da auch Surabhi eine Kuhbezeichnung sein kann, ist die Unterscheidung der ersten beiden Arten hier nicht gesichert.

6.498 Wer die nach der Schrift verbotenen Speisen meidet, gilt als mittlerer Übender; wer sich an das hält, was nach Land und Familie erlaubt beziehungsweise verboten ist, als geringerer. Die zweite Halbzeile ist sprachlich verkürzt.

6.499 Nun werden siebenundzwanzig verbotene Speisen angekündigt: weiße Mudra beziehungsweise Mungart, Linsen, Kodrava und drei Arten von Kichererbsen,

6.500 Masha-Bohnen, Erdsalz, Stoffe mit verändertem Geschmack, Honig, Lauge beziehungsweise alkalische Salze, Zwiebel, Grinjana und eine als „kācabhojana“ überlieferte, nicht sicher bestimmte Speise,

6.501 Fleisch, erhitztes Salz, Ramatha, Nalaka, abgestandene Speise, Öl, Betel und kleines Getreide,

6.502 Patola, Aubergine, Rettich, Kalinjaka, verbrannte oder zweimal gekochte Speise, mit Jaggery zubereitete Speise und Palmfrucht. Einige Pflanzennamen bleiben unbestimmt.

6.503 Hört nun, ihr Götter, die Besonderheiten nach Stand und Lebensstadium: Mantrageweihtes Sesamöl gilt als reinigend und selbst für Götter schwer zu erlangen.

6.504 Der Hausbewohner soll sich damit vor dem Bad einreiben. Zweimalgeborene nehmen ihre Speise mit den vorgeschriebenen einleitenden und abschließenden Ghee-Gaben zu sich; die zweite Ritualbezeichnung ist in der Vorlage entstellt.

6.505 Man reinigt die Speise mit vedischen Mantras und Besprengung, bespricht sie erneut mit dem Wurzelmantra und isst unter dem Herzmantra.

6.506 Bei der Mahlzeit und bei Durst trinkt man Wasser, das mit dem Wurzelmantra besprochen wurde. Als Essunterlage dient ein Palasha-Blatt; andere Blätter sollen grundsätzlich vermieden werden.

6.507 Fehlt dieses, sind Banane, Madhuka oder Sarjaka zulässig. Nach dem Essen schläft man auf einer sehr sauberen Lagerstätte am Boden,

6.508 mit ungebrauchter Decke und einer reinen Darbha-Unterlage, die mit dem Wurzelmantra besprochen wurde, mit beherrschtem Zorn und beherrschten Sinnen.

6.509 Nachts schläft man mit dem Kopf nach Osten und meditiert dabei über die erwählte Gottheit. Um Mitternacht erhebt man sich und reinigt die Füße,

6.510 vollzieht Achamana, verehrt die Gottheit und führt die vorher beschriebene Berührung aus. Dann rezitiert man nach Vermögen und bringt das Japa dem Herrn dar. Die genaue Berührungsanweisung ist verkürzt.

6.511 Danach schläft man wieder und berichtet dem Guru den gesehenen Traum. Dieses Japa-Verfahren ist für im Wald lebende Brahman-Sucher beschrieben.

6.512 Drohen Störungen im Land oder andere Gefahren, kann die Durchführung bis zum Abschluss freier gestaltet werden. Auch für einen dringlichen Fall wird folgende Zeitordnung genannt.

6.513 Japa bis zum Mittag gilt als vorzüglich, eine Dauer von drei Praharas als mittel und dreieinhalb Yamas als geringer; dies ist die Kennzeichnung für den notwendigen Ausnahmefall. Das Verhältnis von Endzeit und Dauer ist in der Vorlage nicht erläutert.

6.514 Fünf Verfahren zur Vollendung des Japa werden gelehrt. Beim ersten rezitiert man täglich bis zum Mittag,

6.515 bringt ein Zehntel der Zahl als Feueropfer mit den vorgeschriebenen Stoffen dar und vollzieht anschließend Tarpana, Marjana und Brahmanenbewirtung,

6.516 jeweils mit einem Zehntel der vorangehenden Zahl. Dies ist das erste Verfahren. Beim zweiten rezitiert man zunächst hunderttausendmal,

6.517 vollzieht das zugehörige Feueropfer und die weiteren Glieder und beginnt dann das nächste Hunderttausend. Beim dritten wird zunächst die gesamte Rezitationszahl abgeschlossen,

6.518 danach das Feueropfer und anschließend Tarpana und die übrigen Handlungen wie zuvor. Das vierte Verfahren sieht für Mittellose eine verdoppelte Rezitation vor,

6.519 wenn Feueropfer und die weiteren Glieder nicht möglich sind; für Könige und weitere Gruppen werden drei- und entsprechend höhere Vielfache genannt. Beim fünften Verfahren gilt: Was der jeweiligen Gottheit besonders lieb ist,

6.520 wird verdoppelt, um sie rasch zufriedenzustellen. Alle Göttinnen lieben Japa; auf dem linken Weg lieben sie Bali-Gaben.

6.521 Mahadeva liebt Homa, Bhaskara Tarpana, Ganesha Marjana und Vishnu die Bewirtung von Brahmanen.

6.522 Ist eine vorherige Sühne unterblieben, wird der Brahmane durch vier Purashcharanas rein; für Kshatriyas und die folgenden Gruppen werden drei, zwei und eine genannt.

6.523 Nun wird eine weitere Art der Purashcharana beschrieben: Bei einer Sonnen- oder Mondfinsternis bleibt man rein und hat zuvor gefastet.

6.524 In einem ins Meer mündenden Fluss steht man bis zum Nabel im Wasser und rezitiert gesammelt vom Beginn bis zum Ende der Verfinsterung.

6.525 Während dieser ganzen Zeit wird rezitiert; danach folgen Feueropfer und die weiteren Handlungen, zuletzt die Bewirtung der Brahmanen. Dies gilt einer Purashcharana als gleichwertig.

6.526 Es dient als Sühne für die Durchführung und zur Beseitigung ihrer Fehler. Wo in den Tantras keine Zahl für Japa oder Homa genannt ist,

6.527 gilt dieses geheim gehaltene Purashcharana-Verfahren. Für Mantras des linken Weges wird nun noch ein anderes genannt.

6.528 Vom achten bis zum vierzehnten Tag der dunklen Monatshälfte meditiert man über die Gottheit und rezitiert vierzigtausendmal.

6.529 Anschließend opfert man ein Zehntel im Feuer, vollzieht Tarpana und Abhisheka. Ist der Guru selbst nicht vollendet, ihr Götter, erlangt der Schüler keine Siddhi.

6.530 Dann ist ein Gegenverfahren erforderlich, das nun als Geheimnis genannt wird: Mit den Bindu-tragenden Matrika-Lauten in vorwärts und rückwärts verlaufender Reihenfolge

6.531 fasst man den Mantra ein und rezitiert ihn täglich hundertmal einen Monat lang. Danach folgen Feueropfer und die weiteren Glieder; so soll der Mantra wirksam werden.

6.532 Dabei sind sämtliche täglichen Verrichtungen der Purashcharana auszuführen. Für die Vollendung eines vedischen Mantras werden die Laute mit ihren Akzenten

6.533 und mit Bindu eingesetzt, vorwärts und rückwärts. A, I, U und Ṛ werden je dreifach unterschieden: kurz, lang und überlang.

6.534 Ḷ erscheint zweifach, kurz und überlang; die E-Reihe ebenfalls zweifach, lang und überlang. Mit Anusvara und Visarga

6.535 werden so vierundzwanzig Vokale angegeben. Es folgen die vier mit Ka beginnenden Konsonanten sowie besondere nasale beziehungsweise Yama-Laute und Ka mit Jihvamuliya. Die genaue Aufzählung ist in der Vorlage beschädigt.

6.536 Dadurch wird die Ka-Gruppe zehnfach; die mit Ca beginnenden weiteren Gruppen umfassen fünfzehn Laute. In der Pa-Gruppe kommt Pa mit Upadhmaniya hinzu, sodass dort sechs gezählt werden.

6.537 Die acht mit Ya beginnenden Laute werden ebenfalls zur vedischen Matrika gerechnet. Im Rigveda werden Ḷ und Ksha zusätzlich genannt, im Atharvaveda Ksha. Der Bezug der beiden unterschiedlichen La-Aufzählungen bleibt unklar.

6.538 Täglich rezitiert man einhundertachtmal während eines Monats; unter Auslassung der Tage ohne vedisches Studium wird außerdem eine Frist von vierzig Tagen genannt.

6.539 Alle Glieder einschließlich Homa werden regelmäßig vollzogen. Einen Mantra einer kleineren Gottheit soll man dagegen mit den Lauten der Bhuta-Lipi einfassen.

6.540 Vorwärts und rückwärts hundertmal wiederholt, soll er innerhalb eines Monats wirksam werden. Die Lautfolge beginnt mit den Vokalen, dann Ha, Ya, Va, Ra, La; in jeder Konsonantengruppe folgen der erste, letzte, zweite, vierte

6.541 und dritte Laut. Danach kommen die drei Zischlaute. So besteht die Folge aus zweiundvierzig Lauten. Der Klammerzusatz in 6.540 schreibt die betreffende, jeweils nasalierte Folge aus.

6.542 Bei einer furchterregenden Gottheit wird dagegen eine Rezitationszahl von eintausendacht genannt. Man verehrt sie dreimal täglich mit Duftstoffen und Blumen sowie nochmals nach Mitternacht.

6.543 Wird dies sechs Monate lang mit den kaulischen und weiteren vorgesehenen Mitteln ausgeführt, wird sie gnädig. Ungeeignete Menschen, die vom Guru den Rang eines Acharya oder einen entsprechenden Rang erhalten haben,

6.544 sollen nicht allein auf diese Stellung beziehungsweise eine bloße Anweisung hin Purashcharana ausführen. Der Satz ist beschädigt; die genaue Einschränkung bleibt unsicher. Nun folgt ein Verfahren für Könige, Begünstigte oder Menschen von empfindlicher Konstitution,

6.545 durch das sie Vollendung erlangen sollen: die vorbereitende Verwendung der den Lauten zugeordneten Pflanzen. Sie wird siebenfach beschrieben und soll innerhalb einer der Lautzahl entsprechenden Monatszahl wirksam sein.

6.546 Aus dem Holz der den Mantralauten zugeordneten Pflanzen fertigt man geeignete Perlen. Sie werden nach der Lautfolge vorwärts und rückwärts angeordnet.

6.547 Auch aus Wurzeln und anderen Pflanzenteilen werden entsprechende Perlen gefertigt. Die Mala soll die Gestalt zweier Schlangen haben; mit ihr wird täglich rezitiert.

6.548 Beim ersten Verfahren entspricht die Rezitationszahl der Perlenzahl der Mala. Beim zweiten werden gleich große Perlen auf goldenen Faden gezogen,

6.549 als Halskette gestaltet und ständig am Hals getragen. Beim dritten werden sie entsprechend auf Silberfaden gezogen und verehrt,

6.550 gemäß den Ritualvorschriften der zugehörigen Gottheit. Das vierte Verfahren besteht im täglichen Bad mit einem Absud der Lautpflanzen.

6.551 Das fünfte verbindet Wasser beziehungsweise Zubereitungen dieser Pflanzen mit Kuhghee; die konkrete Anwendung ist im Vers nicht vollständig ausgedrückt. Das sechste ist das Einreiben mit ihrem Pulver.

6.552 Das siebte ist das tägliche Tragen ihrer Asche. Bleibt die Siddhi wegen Feindschaft gegen Brahman beziehungsweise die heilige Überlieferung, gegen den Guru oder gegen Frauen aus,

6.553 oder infolge eines Fluches oder einer rituellen Blockierung, werden acht Gegenmittel genannt: Erhitzen und Sättigen, Verflüssigen, Erwecken und Gefügigmachen,

6.554 Bedrängen, Nähren, Austrocknen und Verbrennen. „Erhitzen und Sättigen“ bildet dabei ein gemeinsames Verfahren. Man nimmt Birkenrinde und zeichnet darauf einen achtblättrigen Lotus.

6.555 Mit den acht Duftstoffen der Gottheit oder mit Rochana und Sandelholz schreibt man den Mantra, verflochten mit den Buchstaben des Namens des Übenden,

6.556 bis beide vollständig sind. An Anfang und Ende setzt man den Pranava und die zugehörigen Bestandteile sowie den Namen des Übenden. Auf die acht Blätter

6.557 schreibt man jeweils zwei Vokale und meditiert über die nektarartige Kraft; der Zusatz nennt das Bija „vaṃ“. Danach wird das Schriftstück eingerollt und mit Erde umhüllt,

6.558 für Brahmanen und die weiteren Gruppen in den zugehörigen Farben, beginnend mit Weiß; darüber kommt ein reines Tuch. Es wird mit den drei süßen Stoffen in ein kleines irdenes Gefäß gegeben.

6.559 Dieses kleine Gefäß setzt man in einen neuen, mit Milch gefüllten Krug. Man richtet das Feuer ein und stellt den Krug daneben. Dies ist die reguläre Nummer 6.559, zu unterscheiden vom Zahlfehler bei 6.459.

6.560 Mit dem Wurzelmantra werden eintausendacht Opfergaben der drei süßen Stoffe dargebracht. Die anschließende Handlungsanweisung für den Krug ist verkürzt.

6.561 Nach Abschluss des Opfers versenkt man den Krug in einem Gewässer und erfreut den eigenen Guru und Brahmanen mit Speise, Dakshina und weiteren Gaben.

6.562 Dies heißt „Erhitzen und Sättigen“. Bleibt die Vollendung aus, führt man das „Verflüssigen“ durch; sein Verfahren wird nun beschrieben.

6.563 Mit dem Bija „vaṃ“ verflochten schreibt man den Mantra auf Birkenrinde, mit Ushira, Rochana, Shila, Kampfer und Safran.

6.564 Das Schriftstück wird in Milch, Ghee, Honig und Wasser gelegt. Durch Verehrung, Japa und Homa gilt der Mantra als „verflüssigt“ und fruchtbringend.

6.565 Wird er auch dadurch nicht wirksam, führt man die „Erweckung“ aus: Man rezitiert ihn, eingefasst mit dem Vagbhava-Bija; der Zusatz nennt „aiṃ“.

6.566 So erweckt soll er wirksam werden. Anderenfalls folgt das „Gefügigmachen“: Mit Kucandana, Mahadaru, Kurkuma und Manahshila

6.567 schreibt man den Mantra auf geeignete Birkenrinde und trägt ihn am Hals; dadurch werde er gefügig. Anderenfalls führt man das „Bedrängen“ aus. Diese historischen Stoffangaben sind keine Empfehlung zur eigenen Herstellung oder Anwendung.

6.568 Man rezitiert das erste Wort mit tiefem Akzent, das zweite mit hohem, das dritte wiederum mit tiefem und das vierte mit hohem,

6.569 und fährt auf diese Weise durch alle Wörter des Mantras fort. Beim tief akzentuierten Wort wird die Gottheit unten vergegenwärtigt,

6.570 beim hoch akzentuierten oben. Eintausendachtmal wird rezitiert; danach schreibt man den Mantra mit dem Milchsaft der Arka-Pflanze auf Birkenrinde.

6.571 Man tritt mit dem linken Fuß auf das Schriftstück und bringt einhundertacht Feueropfer dar. Der so „bedrängte“ Mantra werde günstig gestimmt.

6.572 Bleibt die Vollendung aus, soll er „genährt“ werden. Dafür schreibt man den Mantra, mit dem in der Vorlage „soṃ“ genannten Bija eingefasst, auf Birkenrinde,

6.573 mit Rochana und Safran, und legt ihn in Sauermilch und Milch. Dies heißt Nähren. Nun wird das Austrocknen beschrieben.

6.574 Mit Opferasche schreibt man den eigenen Mantra, mit dem Wind-Bija verflochten, auf Birkenrinde und trägt ihn am Hals.

6.575 Dies heißt Austrocknen. Nun das Verbrennen: Die einzelnen Mantrateile werden nach den vier Richtungen hin

6.576 mit dem Bija „raṃ“ umgeben und mit Öl aus Palasha-Samen auf Birkenrinde geschrieben. Das Schriftstück wird am Hals getragen. Dies ist das als „Verbrennen“ bezeichnete Verfahren.

6.577 Nun die Purashcharana der Shabara-Mantras: In Kamarupa, wo Kamaksha als Gottheit verehrt wird,

6.578 befindet sich der Kama-Berg; dieser Ort wird Kama-Pitha genannt. Dort schreibt man den Mantra in der vorgeschriebenen Folge auf Bambus.

6.579 Der Guru soll ihn vorlesen, danach rezitiert man selbst. Fehlt ein Guru, schreibt man den Mantra am Fuß dieses Berges an einem heiligen Kalendertag

6.580 und liest ihn vor; dann gilt das Kama-Pitha selbst als Guru. Oder man begibt sich zum Yogini-Berg im Süden,

6.581 wo die Göttin Yogamba verehrt wird, schreibt den Mantra dort und liest ihn vor; ebenso wird die Nähe von Jvalamukhi oder Hingulaja genannt.

6.582 Dort schreibt und rezitiert man den Mantra; andernfalls, sagt der Text, werde er nicht wirksam. Besonders hervorgehoben wird der Empfang des Mantras am Kama-Pitha in Gegenwart einer Frau.

6.583 Oder der Mantraempfang wird für alle Länder folgendermaßen beschrieben: Man schreibt den Mantra auf ein Palmblatt und legt es an beziehungsweise in einen gefüllten Krug.

6.584 Man meditiert über die Sonne als Guru und rezitiert dreimal; die Sonne ist der Guru. Nun höre die Einweihung in tantrische Mantras ohne anwesenden menschlichen Guru.

6.585 Am dreizehnten Tag der hellen Monatshälfte, bei günstiger Stellung von Mond und Mondhaus, begibt man sich vor Dakshinamurti und verehrt ihn.

6.586 Man richtet einen Kalasha ein, schreibt den Mantra auf Palmblatt, legt ihn davor und verehrt die Gottheit.

6.587 Mit der Vergegenwärtigung „Die Gottheit ist der Guru“ rezitiert man den Mantra deutlich einhundertachtmal. Dies wird Mantraempfang genannt.

6.588 Dieses geheime Verfahren soll verborgen bleiben wie ein Liebhaber der Mutter. Weil Fehler wie Habgier bei einem Guru Menschen beunruhigen können, nimmt man die Schrift als Guru und empfängt den Mantra von Dakshinamurti. Diese werkinterne Ausnahmeregel steht neben den strengen Warnungen vor unautorisiertem Mantragebrauch am Kapitelende.

6.589 Ist der Mantra so wirksam geworden, Göttin, können zahlreiche Siddhis entstehen, die den Weg zur Befreiung hemmen und die Kraft der Askese aufzehren.

6.590 Wer sich in geringfügigen Siddhis verliert, erlangt die höheren Fähigkeiten wie Anima nicht; wer sich in Anima und die weiteren Kräfte verliert, für den wird selbst die Rede von Befreiung äußerst fern.

6.591 Geringe asketische Kraft kann in einem Augenblick schwinden, mittlere durch Hochmut. Dies ist der Zugang zur Siddhi; nun beschreibe ich seine Merkmale.

6.592 Wenn im Traum oder vor den offenen Augen plötzlich etwas Wunderbares geschieht, das große Freude auslöst, soll man es niemandem außer dem Guru mitteilen.

6.593 Wer eine diesseitige Siddhi erlangen will, soll sie nicht öffentlich bekannt machen. Wer aus Verblendung oder aufgeregter Begeisterung die durch den Mantra erlangte Freude verbreitet, von dem entfernen sich selbst schon nahe Vollendungen.

6.594 Dann entstehen auch Leiden und verschiedene Formen der Trauer. Geringer Nahrungsbedarf, wenig Schlaf und beständige geistige Heiterkeit

6.595 sowie ein leuchtender Leib und sich bewahrheitende Rede werden als Zeichen genannt. Für den der Mantra-Verehrung hingegebenen Menschen entstehen in den ersten drei Jahren

6.596 zahlreiche Hindernisse, die zum Aufgeben der Regeln verleiten. Wenn er dadurch weder im Handeln noch im Geist erschüttert wird,

6.597 kommen nach Ablauf dieser drei Jahre selbst stolze und selbstbewusste Könige und Herrscher mit eindringlichen Bitten zu ihm:

6.598 „Herr, erweise mir Gnade zu meiner Erhebung.“ Sie sehen ihn in geistigem Glanz und Macht leuchten.

6.599 Sie vermögen die Größe dieses hervorragenden Weisen nicht ausführlich zu schildern. Nach dem neunten Jahr, sagt der Text, vollendet sich der König der Mantras von selbst.

6.600 Rede und Wünsche werden wirksam; der Übende ist Geber und Genießer, ohne selbst zu betteln. Nun erkläre ich, wie ein mittelloser Mensch Mantra-Siddhi erlangen kann.

6.601 Ein Brahmane, der das Feueropfer nicht ausführen kann, rezitiert das Doppelte; für die anderen Stände werden das Dreifache und entsprechend weitere Vielfache vorgeschrieben.

6.602 Durch eine dem Doppelten der Homa-Zahl entsprechende Rezitation wird Tarpana ersetzt; fehlt Marjana, wird eine dem Doppelten der Tarpana-Zahl entsprechende Rezitation genannt. Die Bezugsgrößen folgen dem vorliegenden Wortlaut und werden nicht nach einem anderen Ritualschema berichtigt.

6.603 Für die Brahmanenbewirtung wird jedoch kein Ersatzverfahren in der heiligen Überlieferung genannt. Um alle Ritualglieder zu vervollständigen, sollen Brahmanen unter allen Umständen bewirtet werden.

6.604 Allein durch ihre Zufriedenstellung wird, so der Text, ein unvollständiges Verfahren vollständig. Handlungen ohne Brahmanenbewirtung seien so fruchtlos wie Samen auf salzigem Ödland.

6.605 Danach erfreut man den Guru mit einer Kuh, Kleidung und weiteren Gaben. Ist der Guru zufrieden, wird auch der Mantra günstig gestimmt und für den Mantrin wirksam.

6.606 Ein zufällig gehörter, durch Täuschung oder Gewalt erlangter, bloß von einem anderen genannter oder wie ein Lied aufgenommener Mantra bringt durch Japa keinen Nutzen.

6.607 Wer nur in einem Buch geschriebene Mantras ansieht und rezitiert, dem schreibt diese Passage eine der Brahmanentötung gleichkommende Verfehlung zu. Dies dokumentiert den strengen Übertragungsvorbehalt des Werkes.

6.608 Der Verständige soll sich nicht durch das Nachsinnen über unzählige Millionen Mantras verwirren lassen. Ein einziger, aus dem Mund des Gurus empfangener Mantra kann alle Vollendungen gewähren.

6.609 Ein Guru soll in die Kula-Überlieferung aufgenommen sein, ihren Lebenswandel verkörpern, von allen Sadhakas geachtet werden, die Zeichen der Vollendung besitzen und jedem Lebewesen gleich begegnen.

6.610 Er kennt weder bevorzugte Freunde noch Feinde und kann alle Wege aufzeigen. Nur einen solchen soll man auf dem linken Weg als Guru annehmen, niemals einen anderen.

6.611 Andernfalls fällt der Kaula in dieser wie in der jenseitigen Welt. Auf dem rechten Weg führt die Übung auch ohne Siddhi zur Verminderung der Schuld;

6.612 auf dem linken Weg dagegen droht nach dem Text bei Gebrauch der vier M-Bestandteile ohne die genannten Voraussetzungen die Hölle. So ist die Purashcharana erklärt. Was möchtet ihr noch hören?

Kolophon: So endet im von Shiva verkündeten, von Mahamaya und Mahakala gebilligten Meru Tantra die sechste Erhellung über die Purashcharana.

Siebter Prakāśa – Festigung der Siddhi

Das Kapitel verbindet Regeln der Lebensführung mit saisonalen Festen und historischen Wirkritualen. Deren Darstellung ist keine Anleitung zur Einflussnahme auf andere Menschen.

7.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: In diesem schrecklichen Kali-Zeitalter werden Menschen schon durch geringe Siddhis überheblich. Wie kann ihre Vollendung beständig werden?

7.2 Wie können ihre Nachkommenschaft gedeihen, die göttliche Gnade in ihrer Familie fortbestehen und der Übende Befreiung erlangen? Erkläre dies, du Schatz des Mitgefühls.

7.3 Der Herr sprach: Durch Aufgeben des Ich-Dünkels, Verzicht auf wunschgetriebene Handlungen und Erfüllung des eigenen Dharma stellt sich dies alles ohne Mühe ein.

7.4 Wer dazu nicht imstande ist, soll wenigstens das Verbotene aufgeben und das Vorgeschriebene tun. So kann die Vollendung bis zu Kindern und Enkeln fortbestehen.

7.5 Zunächst nenne ich die Verbote; höre, Geliebte. Am Ort einer Gottheit oder des Gurus, auf dem Verbrennungsplatz und an einer Wegkreuzung soll man Schuhtragen, unangemessenes Sitzen, Entleerung, Geschlechtsverkehr und Entsprechendes meiden. Die ersten beiden Glieder sind nur stichwortartig genannt.

7.6 Man soll keine berauschte Frau, keine Frau aus einer ausgegrenzten Gruppe, kein junges Mädchen, keine menstruierende Frau, keine Frau mit erschlafften Brüsten, keine als unschön angesehene, keine mit offenem Haar und keine von Verlangen erfüllte Frau schmähen.

7.7 Man soll weder die Genitalien eines Mädchens noch die Paarung von Tieren oder eine nackte beziehungsweise entblößte Frau anstarren. Fremdes Eigentum und die Ehepartner anderer soll man unangetastet lassen.

7.8 Vor Getreide, Kühen, Guru, Gottheit, Feuer, Kusha und Büchern streckt man die Füße nicht aus; auch steigt man nicht darüber hinweg.

7.9 Trägheit, Überheblichkeit, Verblendung, Verfluchen, Verleumdung, Streit, Missgunst, Selbstbeweihräucherung und Herabsetzung anderer soll man meiden.

7.10 Träger religiöser Zeichen, Gelübdeübende, Brahmanen, Veden, Vedangas und Samhitas sowie Puranas, Agamas und Lehrschriften soll man nicht einmal im Geist schmähen.

7.11 Joch, Stößel, Stein, Seil, Herd, Mörser, Worfelkorb, Besen, Stab, Fahne, Musikinstrument und Waffe,

7.12 Krug, Yakschweifwedel, Schirm, Spiegel, Schmuck und weitere zum Gebrauch geeignete Dinge, ferner alle Opfermaterialien,

7.13 Gegenstände an großen heiligen Stätten oder im Tempel, als göttlich bezeichnete und als von Wesen bewohnte Dinge: Über all dies soll man niemals hinwegsteigen oder es mit den Füßen berühren.

7.14 Man soll sich keiner Versammlung anschließen, die allgemein verhasst ist, zügellos umherschweift oder auf die Schädigung anderer ausgerichtet ist.

7.15 Gaben soll man nicht zum Zweck des eigenen Genusses annehmen. Für die Verehrung der Gottheit und die Bewirtung von Gästen darf man auch durch Zuwendungen Mittel erwerben. Der Zusatz bietet statt „durch Gaben“ die Lesung „mit Bemühen“.

7.16 Man hält sich nicht im Schatten von Vibhitaka, Karanja, Arka und Snuhi auf, ebenso nicht im Schatten von Pfosten, Lampen, Menschen oder anderen Lebewesen.

7.17 Man meidet den Kontakt mit von Nagelspitzen oder Haaren abgeschütteltem Wasser und mit Wasser aus Badetüchern; ebenso mit von Eseln, Hunden oder Ziegen aufgewirbeltem Staub.

7.18 Man überschreitet weder einen Linga-Ort noch abgelegte Opfergaben, auch nicht im Fluss. Solche Gaben lässt man im Fluss forttragen oder gibt sie einem in Shiva eingeweihten Menschen. Die erste Zeilenverbindung ist nicht ganz eindeutig.

7.19 Man übertritt nicht die Anweisung des Gurus, antwortet nicht widerspenstig und spricht nicht zur Unzeit Unangenehmes; insbesondere meidet man Begierde und Zorn.

7.20 Vor dem Guru spricht man nicht mit unbedecktem Mund. Auch ein demonstratives Auftreten unter Berufung auf Nichtdualität und eigene Gottheitenverehrung unterlässt man in seiner Gegenwart; der Ausdruck „advaita“ ist hier ohne nähere Erläuterung gebraucht.

7.21 Sandalen, Yogagurt und andere Zeichen des Gurus werden weder überschritten noch berührt; gleichartige Würdezeichen trägt der Schüler nicht vor ihm.

7.22 In seiner Gegenwart liegt man nicht auf einem Ruhebett, streckt nicht die Füße aus, macht keine lässigen Körperverdrehungen und treibt keine Spielereien.

7.23 Man überschreitet seinen Schatten nicht, geht ihm nicht voraus und stellt vor ihm die eigene Macht nicht zur Schau.

7.24 Man pflegt keinen Hochmut und keinen aufdringlichen Auftritt. In Gegenwart des übergeordneten Gurus verneigt man sich nicht gesondert vor dem eigenen Guru.

7.25 Sieht der Guru seinen Schüler dazu ansetzen, soll er ihn daran hindern. Dem Guru erteilt man keine Befehle und spricht ihn nicht mit dem bloßen „du“ an.

7.26 Bei Anrede und Gespräch verwendet man Ehrentitel wie „Shri“, „Natha“, „Deva“ oder „Svamin“. Auch in einer Notlage soll man keinen Schwur auf den Namen des Gurus

7.27 oder Shivas ablegen. Geschieht es dennoch aus Unachtsamkeit, erfüllt man das Beschworene sorgfältig und vollzieht abschließend Verehrung, Japa und Feueropfer.

7.28 Wird das beschworene Vorhaben nicht erfüllt, vollzieht man zur Sühne tausend Wiederholungen des Wurzelmantras.

7.29 Man spricht keine Worte, welche Menschen aufwühlen, empfindliche Stellen verletzen oder ihre Lebensordnung erschüttern.

7.30 Auch ein glänzendes oder innerlich erwünschtes Gewand soll man nicht wählen, wenn es in der Umgebung Feindseligkeit hervorruft. Das erste Wort des Verses ist beschädigt; die Kleiderregel bleibt als Sinnzusammenhang erkennbar.

7.31 Ein Eingeweihter, der die im Tantra gelehrten Regeln des Verhaltens für diese und die jenseitige Welt respektvoll befolgt, erlangt Frieden. Die Wortverbindung „tantroktānyasamācārān“ ist in der Vorlage unregelmäßig.

7.32 Bei erst allgemeiner beziehungsweise geringer Siddhi soll der Übende seinen eigenen Mantra nicht zum Schutz anderer einsetzen, selbst nicht in großer Not.

7.33 Auf ausdrückliche Weisung des Gurus oder bei Furcht und eigenem Anliegen wird eine Ausnahme angedeutet. Mit tiefem Mitgefühl soll man sich jedoch stets der Schutzlosen erbarmen. Das genaue Verhältnis von Ausnahme und allgemeinem Gebot bleibt sprachlich unklar.

7.34 Wo immer in einer Stadt Missgunst gegen den Guru laut wird, soll man nicht bleiben, sondern fortgehen und ihn im Herzen vergegenwärtigen.

7.35 Auch an einem Ort, wo Vishnu, Shiva, die heilige Lehre, der Veda, Surya, Ganesha oder Bhavani geschmäht werden, soll man nicht verweilen.

7.36 Weder in Tat, Geist noch Wort soll man die Ehepartner anderer begehren. Man spreche wahr und pflege gutes Verhalten, Gleichmut und Standhaftigkeit,

7.37 Kraft, Mitgefühl und beständige Hinwendung zur göttlichen Shakti. Bei Ankunft und Abschied verneigt man sich vor den Sandalen des Gurus. Die Aufzählung der Tugenden ist teilweise beschädigt.

7.38 Nach der Verneigung verlässt man das Haus des Gurus rückwärts. Man bleibt frei von Schmutz und sorgt für Kopf- und Barthaar; der letzte Ausdruck bezeichnet wörtlich Entfernen beziehungsweise Auszupfen.

7.39 Die Gottheit Vishnu soll man oberhalb von Mond und Sonne, in Kühen, Ashvattha und weiteren Erscheinungen sowie im Leib von Guru und Brahmanen vergegenwärtigen. Die räumliche Angabe am Anfang ist nicht eindeutig.

7.40 Man dient Mutter und Vater, Vishnu und ebenso den willkommenen Gästen. Vishnu ist als Stütze des Alls zu erkennen, und das eigene Selbst ist wie Vishnu zu erkennen.

7.41 Was man in seiner besonderen Übung vollzieht, soll vor anderen verborgen bleiben. Auch der Mantra wird zur Erlangung seiner Vollendung stets geschützt.

7.42 Den Namen des Gurus nennt man nicht beiläufig. Ist seine Nennung nötig, setzt man „oṃ śrī“ davor und eine göttliche Ehrenbezeichnung dahinter,

7.43 verbindet ihn mit „pāda“, faltet die Hände am Scheitel und schließt mit „namaḥ“. Anschließend werden Namen Haris und Shivas sowie eine fünfzehnsilbige Bezeichnung genannt; deren syntaktischer Bezug ist in der Vorlage nicht gesichert.

7.44 Tägliche, anlassbezogene und wunschgebundene Handlungen setzen jeweils die vorangehende Stufe voraus. Wird diese Ordnung übergangen, Göttin, zieht die Verehrung eine Folge von Schwierigkeiten nach sich.

7.45 Die täglich ausgeführte Puja heißt Nitya. Die anlassbezogene wird mit ihrer Zahl und einer fünffachen Steigerung an einem besonderen Tag in Verbindung gebracht; die Mengenangabe ist nicht eindeutig formuliert.

7.46 Auch wenn eine tägliche Handlung einmal ausgefallen ist, wird eine anlassbezogene nachgeholt beziehungsweise angeschlossen. Die reine anlassbezogene Puja wird in zwanzig Arten unterschieden; der erste Halbvers ist unsicher.

7.47 Als Anlässe werden heilige Kalendertage, große astronomische Konstellationen, Vyatipata und Vaidhriti, Anfänge von Manu-Perioden und Weltaltern sowie Erscheinungstage einer Gottheit genannt,

7.48 ferner Pushya, Sonntag, die Geburtstage der drei Gurus und der eigene Geburtstag, der Einweihungstag und Navaratri,

7.49 außerdem Gandanta-Übergänge. Höre nun die Tage, an denen Verehrung notwendig ist; ohne ihre Beachtung bleibe besondere Puja fruchtlos. Die Vorlage sagt an dieser Stelle verkürzt „wird fruchtlos“.

7.50 Dazu gehören die Ankunft des Lehrers, die Begegnung mit Viras und Angehörigen der eigenen Gemeinschaft, Mond- und Sonnenfinsternis, ein Gewinn, ein Feueropfer und ein großes Fest,

7.51 der Aufenthalt an einem Pitha oder das Erreichen einer heiligen Stätte, der Besuch eines Tirtha oder einer Gottheit, Krankheit, Not, Fehler, schlechte Gesellschaft und ungünstige Vorzeichen.

7.52 Entsprechend der Zeit, dem Vertrauen, den verfügbaren Mitteln, dem Angemessenen, der eigenen Kraft und dem Ort soll man die Puja vollziehen.

7.53 Für anlassbezogene Verehrung werden Morgen, Mittag und Abenddämmerung genannt; als Gottheiten Ganesha, Surya, Vishnu, Isha und die Shaktis. Eine eindeutige Einzelzuordnung aller fünf zu den drei Zeiten wird hier nicht ausgeführt.

7.54 Wer die Gottheit im Jahreslauf nicht mit Damana verehrt, dessen Frucht der Jahresverehrung nehme der Liebesgott an sich.

7.55 Die drei Monate von Chaitra an gelten als geeignet, jeweils der frühere als besser. Genannt werden der achte, neunte, Vollmond-, Neumond- und vierzehnte Mondtag.

7.56 Am Vorabend eines dieser Tage, zur Dämmerung, hat man die täglichen Pflichten erfüllt und ist rein; zusammen mit Menschen derselben Einweihungsordnung

7.57 begibt man sich zur Damana-Pflanze, setzt sich, vollzieht dreimal Pranayama und anschließend den Nyasa des Sehers und der weiteren Zuordnungen.

7.58 „Aus der Asche Kamas hervorgegangen, von der Sonne genährt, aus Wasser entstanden: Verehrung dir, der du Weise, Gandharvas, Götter und andere bezauberst.

7.59 Damana, komm herbei, damit die jährliche Verehrung vollständig werde. Verzeihe und sei gegrüßt.

7.60 Aus Shivas Gnade entstanden, sei hier gegenwärtig. Für Shivas Werk sollst du auf sein Gebot hin herausgenommen und mitgeführt werden.“

7.61 Nach dieser Anrede an Damana verehrt der Übende dort Kamadeva sowie Rati und Priti mit ihren jeweiligen Mantras.

7.62 Der Mantra „oṃ klīṃ kāmadevāya namaḥ“ wird als neunsilbig genannt. Für Rati lautet er „śrīṃ śrīṃ śrīṃ kroṃ ratyai namaḥ“, als achtsilbig bezeichnet.

7.63 Ersetzt man Rati durch Priti, entsteht deren ebenfalls achtsilbiger Mantra. Dann kehrt man heim; am nächsten Tag

7.64 vollzieht man die täglichen Pflichten, begibt sich mit vertrauten Personen zu Damana und gräbt die Pflanze aus oder schneidet sie unter Wurzel- und Waffenmantra ab.

7.65 Man bringt sie nach Hause und besprengt sie mit Wasser unter dem folgenden Mantra: „oṃ aghore aiṃ oṃ ghore hrīṃ …“

7.66 Es folgen „ghoraghoratare śrīṃ sarvataḥ sarvasarvebhyaḥ namas te rudrarūpebhyo hrīṃ śrīṃ“. Diese Folge gibt die ausgeschriebenen Bestandteile des vorliegenden Textes wieder.

7.67 Der Mantra wird als vierunddreißigsilbig bezeichnet; man legt ihn rituell in die Damana-Pflanze. Auf dem Kultplatz oder Sitz teilt man diese in neun Portionen.

7.68 Man zeichnet einen achtblättrigen Lotus, ordnet darauf die Portionen an und salbt sie mit Sandelholz, Aguru, Kampfer und weiteren Duftstoffen. Sandelholz wird im Wortlaut zweimal genannt.

7.69 Mit den Bindu-tragenden Lauten des Anandeshi-Bijas, jeweils mit „namaḥ“ abgeschlossen, werden sie gesondert verehrt. Dabei rezitiert man dieses Bija und bittet um Verzeihung. Die Bezeichnung des Bijas ist nicht eindeutig gegliedert.

7.70 Am Verehrungsort zeichnet man ein Sarvatobhadra-Mandala. In seinen acht Richtungen werden Krüge aus Gold oder anderen Materialien aufgestellt.

7.71 Wer dazu nicht imstande ist, stellt nur einen Krug in der Mitte auf. Dort vollzieht man die Verehrung vom eigenen Sitz bis zum Yoga-Pitha.

7.72 Südlich davon zeichnet man mit Sindura einen achtblättrigen Lotus, umgeben von zwei Kreisen und einer äußeren quadratischen Einfassung.

7.73 Mit Pulver in fünf Farben zeichnet man in die Mitte Ashoka, richtet ein Gebet an ihn und verehrt ihn mit Sandelholz und weiteren Gaben:

7.74 „Verehrung dir, Ashoka, der du den Kummer der Gattin Kamas beseitigst. Nimm stets meine Trauer und meinen Schmerz und erwecke Freude in mir.“

7.75 Südlich davon verehrt man in einem gleichartigen Mandala Kala, mit fünf Farben dargestellt, Segen und Schwert haltend.

7.76 „Der als mächtige Zeit vom kleinsten Augenblick bis zur Weltenauflösung reicht und das ganze All bemisst: Diesem Wesen der Zeit gilt meine Verehrung.“

7.77 Unterhalb von Ashoka vollzieht man in einem geeigneten dreieckigen Mandala die Pitha-Verehrung von Manduka bis Jnanatman.

7.78 Auf den äußeren acht Blättern werden acht Shaktis verehrt: Saubhagya, Hridya, Vrisha, Dhriti, Rati,

7.79 Priti, Vasantiki und Nirvana; in der Mitte Kamuka. Dann ruft man Kamadeva mit seiner Gayatri an:

7.80 „Wir erkennen den Liebesgott; über den mit Blumenpfeilen meditieren wir. Möge der Körperlose unseren Geist anregen.“

7.81 Nach Vollzug der Riten bis zur Prana-Pratishtha zeigt man die Mudras für Schlinge, Stachelstock, Bogen und Pfeil und meditiert anschließend:

7.82 Er ist jugendlich, rot, in rote Gewänder gekleidet, mit roter Duftsalbe und roten Girlanden geschmückt; an seiner linken und rechten Seite stehen

7.83 Rati und Priti. In den unteren Händen trägt er Zuckerrohrbogen und Blumenpfeile, oben eine Schlinge. Dann verehrt man die drei mit den zuvor genannten Mantras. Eine vierte Hand wird hier nicht vollständig beschrieben.

7.84 Über die glückverheißende Rati meditiert man als hellhäutig, rot gekleidet, mit allem Schmuck geschmückt und zwei Lotusse in den Händen haltend.

7.85 Priti wird als dunkel, rot gekleidet, vollständig geschmückt, mit Betel im Mund und mit Krug und Blumen in den leuchtenden Händen verehrt.

7.86 Vor Kamadeva verehrt man Vasanta, den Frühling, mit einem Nektarkrug in der linken und Blumen in der rechten Hand.

7.87 Man meditiert über den schönen, hellen Vasanta inmitten eines Kadamba-Waldes, mit roten Girlanden und Gewändern, die Welt bezaubernd.

7.88 Sein für Verehrung und weitere Handlungen bestimmter siebensilbiger Mantra lautet „vaṃ vasantāya namaḥ“. Danach beginnt die Gliederverehrung in Südosten, Nordosten, Südwesten, Nordwesten, Mitte

7.89 und den vier Hauptrichtungen. Mit den verlängerten Lautformen des Bija Anangas und den zugehörigen Schlussformeln verehrt man Herz und die weiteren sechs Glieder. Die genaue Verteilung der Silben ist im Wortlaut verkürzt.

7.90 Auf dem davor liegenden achtblättrigen Lotus verehrt man, vom Gesicht der Gottheit aus im Uhrzeigersinn, Kama, Bhashmasharira, Ananga und Manmatha,

7.91 den Freund Vasantas, Smara, den Träger des Zuckerrohrbogens und den Blumenpfeilträger; außerhalb davon die Weltenhüter und ihre Waffen.

7.92 Dann rezitiert man die Kama-Gayatri in der vorgesehenen Zahl und betet mit zwei Strophen zu Vasanta und Kamadeva:

7.93 „Verehrung dir, Vasanta, Freund der Bäume, Sträucher und Schlingpflanzen, Bringer tausendfacher Freude, Gestalt der Liebe: Verehrung dir.“

7.94 „Verehrung dem Blumenpfeilträger, der der Welt Freude schenkt, Manmatha, dem Führer der Welt, dem Geliebten von Rati und Priti.“

7.95 Nach der Verneigung vor Kamadeva vollzieht man den Wurzel-Nyasa und ruft die eigene Gottheit in den mittleren Krug, um sie mit ihren Gliedern zu verehren.

7.96 „Herr der Götter, Allgegenwärtiger, ich habe dich jetzt zu dieser Zeit angerufen. Nach deinem Gebot möge das Fest mit den mir verfügbaren Mitteln vollständig vollzogen werden.“

7.97 Dann verehrt man die Gottheit samt ihren Umkreisen mit Damana, bringt Räucherwerk und Licht dar und vollzieht das tägliche Feueropfer.

7.98 Mit den in ihrem Ritual vorgesehenen Stoffen wird Homa in dreifacher Zahl des Japa genannt. Nach Abschluss der übrigen Verehrung betet man:

7.99 „Du von allen Gestalten, Herr der Welt, Geber der Frucht erwünschter Ziele: Erfülle die Wünsche in meinem Herzen, o Gott, Herr des Herrn der Liebe.“

7.100 Nach diesem Gebet entlässt man die Gottheit, erfreut den Guru mit materiellen Gaben und bewirtet Brahmanen. So lautet das Verfahren.

7.101 Shambhu gewährte dem Naga namens Pavitra den Segen: „Wer das Anlegen der Pavitra-Schnur unterlässt, dessen Frucht soll dir gehören.“

7.102 Das Pavitra-Fest wird zwischen dem Eintritt der Sonne in die Zwillinge und ihrem Eintritt in die Waage vollzogen. Ashadha gilt als bester Monat, Shravana als mittlerer,

7.103 Bhadrapada als geringerer. Die helle Monatshälfte ist vorzüglich, die dunkle mittel. Am achten, vierten, vierzehnten

7.104 oder auch neunten Mondtag soll es vollzogen werden. Für die Weltalter von Krita an werden der Reihe nach Gold, Silber, Kupfer und im Kali-Zeitalter Baumwolle als geeignete Materialien genannt.

7.105 Für Hausbewohner wird Seide, für Waldasketen Bast, für Buddhisten Lotusfaser und für Shudras Leinen genannt.

7.106 Für Brahmacharins wird Darbha, für Vaishyas Hanf, für Gelübdeübende Munja-Gras und für Kampfeswillige Schafwolle vorgesehen.

7.107 Ein Strang besteht aus neun Fäden. Eine Pavitra aus einhundertacht Strängen gilt als vorzüglich, eine mit der halben Zahl als mittel.

7.108 Die geringere hat siebenundzwanzig Stränge und entsprechend viele Fingerbreiten Länge. Für die Gottheiten der Umkreise fertigt der Kundige passende Schnüre.

7.109 Für die vorzügliche werden sechsunddreißig, für die mittlere vierundzwanzig und für die geringere zwölf Fingerbreiten angegeben. Danach wird eine weitere Pavitra beschrieben. Das Verhältnis dieser Maße zur Längenangabe im vorigen Vers bleibt offen.

7.110 Sie reicht von der Schulter bis zum Nabel und hat zehn Knoten. Diese Pavitra ist für Schüler bestimmt, die den rituellen Ablauf kennen.

7.111 Für andere kann man die Länge nach Wunsch wählen und kleine Knoten setzen. Bei der vorzüglichen Ausführung werden die Knoten mit sechsundzwanzig Fäden umwickelt,

7.112 bei der mittleren mit vierundzwanzig, bei der geringeren mit zwölf. Die Knoten werden am Vortag unter dem Schutzpanzer-Mantra gefertigt.

7.113 Nachts bringt man die Pavitra-Schnüre gemeinsam mit Angehörigen derselben Einweihungsordnung herbei. Am Kultplatz färbt beziehungsweise schmückt man sie mit Sindura, Safran und rotem Sandelholz,

7.114 Moschus, Kampfer, Lack, rotem Ocker und entsprechenden Stoffen. Man ordnet die Knoten auf dem Pitha an und verehrt in den neun Fäden

7.115 neun Gottheiten: Omkara, Mond, Feuer, Brahma, Naga, Guru, Sonne, Shiva als Göttin und Shiva als Gott.

7.116 Auch alle weiteren Gottheiten werden verehrt. Mit dem Kopfmantra werden die Schnüre besprochen, mit dem Herzmantra besprengt und mit dem Waffenmantra geschützt.

7.117 In ihren zehn Knoten verehrt man zehn Shaktis: Kriya, Paurushi, Vira, Gayatri, Aparajita,

7.118 Vijaya, Jaya, Mukti, Sadashiva und Manonmani. Danach werden auf den Pavitra-Schnüren mit den Wurzelmantras die sechs Glieder verehrt. Die grammatische Gestalt des neunten Namens ist auffällig und bleibt erhalten.

7.119 Die erste große Pavitra legt man an den Krug. Nach Nyasa und den weiteren Handlungen wird die Verehrung wie zuvor vollzogen.

7.120 Man ruft die Gottheit in den Krug und verehrt sie samt den Umkreisen. Mit ihrem Wurzelmantra bringt man die Pavitra dar.

7.121 Den Gottheiten bringt man die Schnüre dar und sättigt Arme und Schutzlose. Nach reichlicher Gabe isst man selbst schweigend.

7.122 Damit ist das Verfahren des Pavitra-Anlegens deutlich beschrieben. Nun erkläre ich die wunschgebundenen Handlungen, zunächst die Befriedung.

7.123 Shanti heißt die Beseitigung von Krankheit, Schadenzauber und ähnlichem Leid der Menschen. Tag und Nacht werden in sechs Teile geteilt; dem fünften wird Befriedung zugeordnet.

7.124 Als Jahreszeit wird der frühe Winter genannt. Wenn der Atem am unteren Bereich der Nase fließt, gilt das Wasserelement als aktiv; diesem wird die befriedende Handlung zugeordnet.

7.125 Für die Befriedung von Feindschaft wird ein weißes quadratisches Mandala beschrieben; darin erfolgt Verehrung mit Sandelholz und dem Bija „vaṃ“.

7.126 Der Handelnde ist nach Norden gewandt, verehrt Rati und zeigt die Lotus-Mudra.

7.127 Er sitzt im Padmasana; der Befriedungsmantra endet auf „namaḥ“. Genannt werden ein Kusha-Sitz und die Mrigi-Mudra beim Feueropfer.

7.128 Als Mrigi gilt die Opferhandstellung mit freigelassenem kleinem Finger. Für die Befriedung werden die drei Uttara-Mondhäuser, heilige Kalendertage und Brahmanen genannt; der letzte Bezug ist knapp formuliert.

7.129 Nun das Gefügigmachen: Es bedeutet, Götter, Rakshasas, Könige, Menschen, Schlangen, Frauen, Pferde und Elefanten unter die eigene Verfügung bringen zu wollen.

7.130 Diesem Verfahren werden der erste Tagesabschnitt und der Frühling zugeordnet. Nach oben gerichteter Atemfluss gilt als Anzeige des Feuerelements.

7.131 Dazu werden ein rotes Dreieck, die Verehrung des Feuers mit „raṃ“ und eine Ausrichtung nach Osten beschrieben.

7.132 Vani wird verehrt, die Schlingen-Mudra gezeigt und Svastikasana eingenommen. Der Mantra endet auf „svāhā“.

7.133 Als Sitz nennt der Grundtext Ziegenfell, als Opferhandstellung die Mrigi-Mudra; Opferstoffe und Meditationsgestalt sind rot. Der Zusatz führt als abweichende Angabe Nashornfell an.

7.134 Als Mondhäuser nennt die Vorlage Mriga, das letzte Mondhaus, Chitra, das Mitra zugeordnete Mondhaus, Vishakha und Krittika. Nun folgt Stambhana: das Unterbinden einer Tätigkeit.

7.135 Stambhana wird dem späten Winter und dem sechsten Tagesabschnitt zugeordnet; es betrifft das Stillstellen von Feuer, Wasser, einem Heer oder einem zornigen giftzähnigen Wesen.

7.136 Für dessen Tarpana wird mit Schafblut vermischtes Wasser genannt; die Handlung wird kniend ausgeführt.

7.137 Das Stillstellen von Ehebrechern, Buddhisten und Krankheiten sowie von Totengeistern und Rakshasas wird als rechtmäßig bewertet. Diese polemische Zusammenstellung gehört zum historischen Text. Atem entlang der Nasenscheidewand gilt dabei als Zeichen des Erdelements.

7.138 In einem gelben achteckigen Mandala wird die Erde mit dem Bija „laṃ“ verehrt.

7.139 Der Handelnde blickt nach Osten, verehrt Rama und zeigt im Vikatasana die Keulen-Mudra.

7.140 Der Homa-Mantra endet bei diesem Verfahren auf „vaṣaṭ“. Ein Elefantenfellsitz und die Keulen-Mudra für die Darbringung werden genannt.

7.141 Die Opferstoffe und die Kleidung sind gelb. Als Mondhäuser gelten Bharani, Chitra, Rohini und die drei Uttaras.

7.142 Nun die Entzweiung: Sie bedeutet die Zerstörung der Zuneigung zweier Menschen. Ihr werden der Sommer und der zweite Tagesabschnitt zugeordnet.

7.143 Mittig verlaufender Nasenatem gilt als Anzeige des Raumelements. In einem runden rauchfarbenen Mandala wird dieses Element verehrt.

7.144 Unter dem Bija „haṃ“ erfolgt die Ausrichtung nach Südwesten. Verehrt wird Dhumavati; gezeigt wird die Stößel-Mudra.

7.145 Der Homa-Mantra endet auf „phaṭ“; die Sitzhaltung heißt Kukkutasana. Als Unterlage werden Schakalfell oder Eisen genannt.

7.146 Opferstoffe und Kleidung sind rauchfarben. Die Vorlage nennt eine Vierergruppe ab Ardra sowie Mula und Jyeshtha; die vollständige Auflösung der Vierergruppe wird nicht gegeben.

7.147 Nun die Vertreibung: Sie meint das Forttreiben von Feinden aus ihrem Aufenthaltsort. Ihr werden die Regenzeit und der dritte Tagesabschnitt zugeordnet.

7.148 Seitwärts verlaufender Atem gilt als Anzeige des Windelements. Dieses wird mit dem Bija „yaṃ“ verehrt.

7.149 Das Windmandala ist schwarz, sechseckig und mit sechs Punkten versehen; genannt wird eine Unterlage aus Hirschfell oder einem entsprechenden Stoff.

7.150 Durga wird verehrt, die Blitz-Mudra gezeigt und Vajrasana eingenommen; bei der Feuerdarbringung endet der Mantra auf „phaṭ“.

7.151 Die Meditationsgestalt ist rauchfarben, die Opferstoffe sind schwarz. Als günstig gelten die „schnellen“ Mondhäuser; der Zusatz nennt Hasta, Ashvini, Pushya und Abhijit.

7.152 Marana heißt das beabsichtigte Nehmen des Lebens eines Feindes. Brahmanen und andere rechtschaffene Menschen sollen davon ausgeschlossen bleiben.

7.153 Auch Frauen und Kinder werden ausgenommen. Genannt werden Feinde eines Königs und eine Anwendung aus Zorn beziehungsweise zum Schutz der Menschen. Der genaue Zusammenhang der letzten beiden Motive bleibt sprachlich unsicher.

7.154 Aus Habgier oder Furcht soll ein Mantrin solche Handlungen nicht vollziehen. Zur Sühne der damit verbundenen Schuld schreibt der Text ein Ausgleichsritual vor.

7.155 Hierfür werden zehntausend Mantrawiederholungen und ebenso viele Feueropfer mit Ghee-Milchreis oder schwarzem Sesam und Ghee genannt.

7.156 Während solcher Handlungen wird Selbstschutz gefordert. Als Zeiten werden der vierte oder sechste Tagesabschnitt und der Herbst angegeben.

7.157 Verehrung und weitere Riten entsprechen beim Feuermandala denen des Gefügigmachens. Die Ausrichtung ist nach Süden; verehrt wird Bhadrakali.

7.158 Die Schwert-Mudra und Bhadrasana werden genannt. Die Feueropfer erfolgen mit einem auf „huṃ“ endenden Mantra; als Unterlage folgt die Angabe Büffelfell oder Eisen.

7.159 Die Shukari-Mudra entsteht durch Zusammenziehen der Hand. Die Meditationsgestalt und die Opferstoffe sind schwarz.

7.160 Der Text nennt „heftige“ und „scharfe“ Mondhäuser, günstige Mond- und Sternenkraft für den Handelnden und fehlende entsprechende Kraft beim Gegner; ferner Stehen auf einem Fuß.

7.161 Für Tarpana werden heißes Wasser und Pfeffer genannt. Die Handlung wird im Stehen mit einem auf den Boden gesetzten Fuß ausgeführt.

7.162 Dabei steht der Handelnde auf dem linken Fuß. Nun folgen vermischte Angaben, darunter weitere Abhicara-Verfahren.

7.163 Für diese wird eine Südausrichtung auf einem Schaffell- oder Eisensitz und die Shukari-Mudra beim Feueropfer angegeben.

7.164 Eine auf Reichtum gerichtete Handlung erfolgt nach Westen gewandt, unter den als Mriga, letztes Mondhaus, Chitra und Mitra-Mondhaus bezeichneten Konstellationen, mit einer rajasischen Meditationsgestalt.

7.165 Für Verblendung werden Kuhfell, ein auf „svāhā“ endender Mantra und Kurkuma-Wasser für Tarpana genannt.

7.166 Svati und Rohini gelten dabei als vorzüglich, ferner ein bequemer Sitz. Für sämtliche Handlungen wird auch das Rudra zugeordnete Mondhaus genannt.

7.167 Für verschiedenartige Zwecke wird Tigerfell angegeben. Mit unbewegtem Geist meditiert man über eine allseits schützende Gestalt; die entsprechende Wortverbindung ist in der Vorlage beschädigt.

7.168 Oder der Übende meditiert für seine Vorhaben über eine Gestalt, die einen Nektarregen ergießt und wie der Vollmond leuchtet.

7.169 Für Lebensverlängerung werden Shravana und eine rajasische Gottheitsgestalt genannt. Zur Überwindung vorzeitigen Todes werden die Purva- und die drei Uttara-Konstellationen angeführt; der Umfang der Purva-Angabe bleibt unklar.

7.170 Der Homa-Mantra endet dabei auf „vaṣaṭ“, die Gottheit wird rajasisch meditiert. Für Heranziehungsrituale gilt die Ausrichtung nach Südosten.

7.171 Für deren Durchführung gelten die beim Gefügigmachen beschriebenen Bestimmungen. Wer die Vollendung aller Erkenntnis anstrebt, blickt dagegen nach Nordosten.

7.172 Für alle auf Wissen gerichteten Handlungen wird ein weißer Wollstoff als Sitz genannt. Bei Gedeihensritualen erhält der Mantra den Zusatz „vauṣaṭ“.

7.173 Die Hamsi-Mudra lässt den Zeigefinger frei; sie wird bei diesem Homa verwendet. Die Gottheit wird in der jeweils vorgeschriebenen Form meditiert.

7.174 Zur Beseitigung von Furcht endet der Opfermantra auf „vaṣaṭ“. Eine von großem Glück erfüllte Meditationsgestalt gilt als furchtlos machend.

7.175 Bei Handlungen zum Brechen eines Mantras lautet die Schlussformel „vaṣaṭ“; beim Zerschneiden „phaṭ“. Die Meditationsgestalt ist dabei tamasisch.

7.176 Für Wohlergehen wird nach Norden gewandtes Japa auf Ruru-Hirschfell genannt. Im Kampf meditiert man die Gottheit tamasisch, dem Feuer am Ende eines Weltalters gleich.

7.177 Nun erkläre ich, welche Gottheiten bei wunschgebundenen Handlungen zu verehren sind: Stets verehrt man Ganesha, die Herren des Wochentages und den Herrn des Mondtages.

7.178 Danach folgen die Herren des Mondhauses und die über die jeweilige Handlung waltenden Gottheiten. Anschließend verehrt man die eigene erwählte Gottheit und vollzieht Homa.

7.179 Die Wochentagsherren sind paarweise, vom Sonntag an: Surya und Shiva, Soma und Ambika, Guha und Angaraka, Budha und Vishnu, Brahma und Brihaspati,

7.180 Shukra und Indra sowie Shani und Kala. So sind die an den Wochentagen zu verehrenden Gottheiten genannt. Nun höre die Herren der Mondtage.

7.181 Brahma, Vidhatr, Vishnu, Yama, der kühlstrahlende Mond, Guha, Indra, die Vasus, die Nagas, Dharma, Shiva und Divakara,

7.182 Kandarpa, Kali, die Allgötter und die Ahnen. Danach beginnt die Reihe der Mondhausgottheiten: die Ashvins, Yama, Feuer, Brahma, Mond, Shiva, Aditi,

7.183 Guru, die Schlangen, die Ahnen, Bhaga, Aryaman, Divakara, Tvashtṛ, Vayu, Indra und Agni gemeinsam, Mitra und der Götterherr Indra,

7.184 Nirriti, Wasser, die Allgötter, Vidhi, Hari, die Vasus, Varuna, Ajaikapad, Ahirbudhnya und Pushan.

7.185 Dies sind die achtundzwanzig Mondhausgottheiten einschließlich Abhijit. Ihren Namen wird der Pranava vorangestellt; sie stehen im Dativ und enden mit „namaḥ“.

7.186 Diese Namensmantras werden für Verehrung und die entsprechenden Handlungen verwendet.

7.187 Nur wer seinen Mantra zur Wirksamkeit gebracht hat, soll wunschgebundene Verfahren vollziehen. Anderenfalls wirken sie verkehrt, und der Handelnde gelangt nach dem Text in die Hölle.

7.188 Dem Guru hingegeben, rein, gebadet und mit den Vorschriften vertraut, führt man solche Handlungen für sich oder für andere aus.

7.189 Ein ausgezeichneter Mantrakenner kann die sechs Wirkhandlungen für andere vollziehen; jedoch nur für die nachfolgend bezeichneten Menschen, niemals unterschiedslos für alle:

7.190 für einen König, Königssohn, Wohlhabenden oder anderen Menschen, sofern er gläubig und hingebungsvoll ist und seinen Besitz rechtmäßig erworben hat,

7.191 dankbar, freigebig, Verehrer von Guru und Gottheit, von gutem Charakter und aufrichtiger Hingabe. Für einen solchen soll der Lehrer handeln.

7.192 Der auftraggebende König oder andere Mensch verneigt sich vor dem Sadhaka und wählt ihn nach den bei der Einweihung beschriebenen Regeln zum Ausführenden.

7.193 Der Sadhaka soll gesammelt, ein Brahmane, zufrieden, rein, sinnenbeherrscht, frei von Zorn, Hochmut und Erregung sein.

7.194 Den täglichen und anlassbezogenen Pflichten hingegeben, kann er verschiedene gewünschte Zwecke verfolgen. Nach einer grausamen Handlung soll er sich einölen,

7.195 baden, seine erwählte Gottheit samt Gliedern und Umkreisen verehren und zum eigenen Schutz eintausendachtmal den Mantra rezitieren.

7.196 Mit „Beschütze mich, beschütze mich“ verneigt er sich und entlässt die Gottheit. Auch durch wohlgesinnte, vertraute Freunde lässt er Schutzriten vollziehen,

7.197 mit Mrityunjaya und weiteren Mantras, Sonnenverehrung, Arghya-Gaben, Japa, Homa, Puja und der Zufriedenstellung von Brahmanen.

7.198 Erst wenn man die Durchführung vom Guru und aus der Schrift gründlich verstanden hat, soll man solche Verfahren ausführen; andernfalls entsteht Leid.

7.199 Der auftraggebende König erfreut anschließend den Sadhaka mit Geld und wiederholten Verneigungen, bis dieser zufrieden ist.

7.200 Bei einem mit wirksamem Mantra Ausgestatteten gelingen die sechs Handlungen, sagt der Text; bei einem anderen gelingen sie nicht und ziehen den Fluch der Gottheit nach sich.

7.201 Wer wunschgebundene Verfahren ausführt, dem wird hier kein jenseitiger Gewinn verheißen. Allein das Gelingen des Verfahrens ist seine Frucht, keine darüber hinausgehende.

7.202 Mit Homa, Tarpana, Mantras und den verschiedenen besonderen Meditationen werden die sechs Wirkhandlungen für sich oder andere vollzogen.

7.203 Zur Sühne der Fehler solcher Anwendungen und zum eigenen Schutz rezitiert der Mantrin unter Meditation und Nyasa hunderttausendmal.

7.204 Andernfalls erlangt er keine Frucht und zieht den Fluch der Gottheit auf sich. Helligkeit des Feuers, Rauchfarbe, Geräusch, Geruch, Flammenform und Verhalten eines Boten werden als günstige oder ungünstige Zeichen gedeutet.

7.205 Auch die nach mantrischer Besprechung vorgenommene Prüfung und Erscheinungen des körperlichen Ergriffenseins werden genannt. Guru-Hingabe ist stets, besonders während des Rituals, zu pflegen.

7.206 Für diesseitige und jenseitige Ziele gilt der Guru als Zuflucht. Tötung, Vertreibung und entsprechende Handlungen geringerer Anhänger des linken Weges

7.207 werden durch kleinere Gottheiten bewirkt; diese vermögen kein eigentliches Glück zu schenken. Für Anhänger des linken Weges, die ganz auf das Höchste ausgerichtet sind, gibt es dagegen ein höchstes Ziel.

7.208 Ansehen und Besitz reichen nur so weit, wie es bestimmt ist. Anhänger des rechten Weges vollziehen hier niemals das als verwerflich Bezeichnete.

7.209 Ihnen werden geistige Wirksamkeit und eine dauerhafte jenseitige Frucht zugesprochen. Menschen aus einer als rein geltenden Überlieferung, die nach deren Ritualordnung geweiht sind,

7.210 und dann auf den linken Weg abfallen, begehen nach dieser polemischen Passage eine besonders schwere Verfehlung. Damit ist die anschließende Lebensführung erklärt. Was möchtest du noch hören?

Kolophon: So endet im von Shiva verkündeten, von Mahamaya und Mahakala gebilligten Meru Tantra die siebte Erhellung über die Festigung der Siddhi.

Achter Prakāśa – Kennzeichen der Mudras

Mudra bezeichnet hier vor allem rituelle Handgesten. Mehrere Beschreibungen sind sprachlich verkürzt oder beschädigt; sie werden nicht durch erfundene Fingerstellungen ergänzt. Die Benennungen können von anderen Überlieferungen abweichen.

8.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Erkläre die Merkmale der Mudras, die auf dem linken und rechten Weg gleichermaßen gelten, alle Gottheiten erfreuen und die Verehrung fruchtbar machen.

8.2 Der ehrwürdige Shiva sprach: Ich werde die Kennzeichen der Mudras jeweils unter Voranstellung ihres Namens erklären. Wer sie regelmäßig vollzieht, dem schenken die Gottheiten Wohlergehen.

8.3 Bei der Ankusha-Mudra werden Ringfinger und kleiner Finger rückseitig verbunden, der Zeigefinger beim Daumen gekrümmt und der Mittelfinger gerade gehalten. Die erste Fingerverbindung ist im Wortlaut verkürzt.

8.4 Eine weitere, Kantha-Mudra genannte Geste wird mit beiden Händen gebildet und umfasst den Halsbereich: Dabei ruht der rechte Daumen der einen Faust am linken. Die genaue Anordnung ist nicht eindeutig beschrieben.

8.5 Bei der Feuerwall-Mudra haben beide Hände die Dreizackform; sie werden gekreuzt um das Feuer geführt. Sie wird auch Waffen-Mudra genannt.

8.6 Bei den Finger-Nyasa-Mudras berührt man nacheinander die fünf Finger: vier mit dem Daumen, den Daumen mit dem Zeigefinger.

8.7 Für die Herz-Mudra streckt man die vier Finger außer dem Daumen gesondert aus und legt sie mit dem zugehörigen Mantra auf das Herz.

8.8 Bei der Kopf-Mudra wird die Handfläche seitlich ausgerichtet; die vier ausgestreckten Finger werden an den Kopf gelegt.

8.9 Bei der Shikha-Mudra bildet man eine Faust mit herausragendem Daumen und berührt damit unter dem Shikha-Mantra den Haarschopf.

8.10 Bei der Kavacha-Mudra bilden die Finger eine röhrenartige Form; die Hände werden von den Schultern bis zum Nabel geführt.

8.11 Bei der Drei-Augen-Mudra liegt der Zeigefinger am rechten Auge, der Mittelfinger an der Stirn und der Ringfinger am linken Auge. Sie gehört zu dreiäugigen Gottheiten.

8.12 Bei der Zwei-Augen-Mudra liegt der Zeigefinger am rechten und der Mittelfinger am linken Auge; sie wird etwa bei Surya und Vishnu verwendet.

8.13 Eine weitere Geste wird durch Schnippen der Daumen- und Zeigefingerspitzen beider Hände gebildet und gilt als alles Unheil abwehrend. Die Vorlage schreibt „acht Mudras“; im Zusammenhang könnte eine Bezeichnung der Waffen-Mudra vorliegen, doch wird der Text nicht stillschweigend emendiert.

8.14 Dies sind die Mudras der sechs Glieder für tägliche und anlassbezogene Handlungen. Nun beschreibe ich die sechs Mudras für wunschgebundene Riten.

8.15 Die Daumen werden seitlich verbunden, die Zeigefinger gerade aneinandergelegt, die Mittelfinger beider Hände rückseitig verbunden und die übrigen entsprechend angeordnet.

8.16 Einige Finger werden ineinandergeführt und über den Handrücken angehoben. Dies wird als Namaskara-Mudra Lalitas bezeichnet. Die Verteilung der „übrigen“ Finger bleibt in diesen beiden Versen unvollständig beschrieben.

8.17 Bei Kshobhini werden die Zeigefinger gerade gehalten, die übrigen Finger mit den Nägeln aneinandergelegt und die Daumen an den mittleren Gliedern der kleinen Finger angesetzt.

8.18 Bei Dravini sind Zeige- und Mittelfinger gerade, kleine Finger und Ringfinger verbunden; die Daumen liegen an den Spitzen der kleinen Finger.

8.19 Bei Anukarshini werden kleine Finger, Mittelfinger und Daumen auf nicht vollständig erläuterte Weise verbunden, die Zeigefinger teilweise gebeugt, die Mittelfinger gerade gehalten und die übrigen Spitzen zusammengeführt. Die doppelte Mittelfingerangabe macht die Vorlage widersprüchlich.

8.20 Die Herz-Mudra für wunschgebundene Riten und in Shaiva-Agamas wird mit beiden Händen als Fäusten gebildet; die Daumen legt man an das Herz.

8.21 Bei der Kopf-Mudra werden beide Fäuste vor der Stirn gehalten; die Zeigefinger weisen nach oben und werden an den Spitzen mit den Daumen verbunden.

8.22 Bei der Shikha-Mudra werden die Hände in Faustform gehalten, die Daumen an ihren Spitzen verbunden und die kleinen Finger nach oben gestellt. Die zusätzliche Angabe „geöffnet“ ist nicht eindeutig mit der Faustform vereinbar.

8.23 Bei der Kavacha-Mudra bilden verbundene Daumen und Zeigefinger eine Dreiecksform; die Geste wird an Scheitel, Gesicht, Seiten, Hände und Herz geführt.

8.24 Bei der Augen-Mudra ist der Mittelfinger gerade, Zeige- und Ringfinger bilden eine Bogenform; Daumen und kleiner Finger werden an den Spitzen verbunden. Die Bogenbezeichnung ist in der Vorlage beschädigt.

8.25 Bei der Waffen-Mudra werden die Hände zunächst gegeneinandergeschlagen; danach erzeugt man mit dem über die Daumenspitze gebogenen Zeigefinger ein Schnippgeräusch.

8.26 Bei Galini werden kleiner Finger und Daumen der jeweils anderen Hand verbunden; Zeige-, Mittel- und Ringfinger bleiben ungekrümmt aneinandergelegt.

8.27 Bei der Bogen-Mudra werden kleine Finger und Ringfinger beider Hände sowie Zeige- und Mittelfinger entsprechend verbunden; die Geste wird an der rechten Schulter gezeigt. Die Art der Verflechtung ist knapp beschrieben.

8.28 Bei der Muschel-Mudra umfasst die rechte Faust den linken Daumen; die Spitzen der linken Finger werden mit dem rechten Daumen verbunden.

8.29 Bei der Yoni-Mudra werden die kleinen Finger und Zeigefinger beider Hände verbunden; die Handflächen sind gegeneinander gewendet. Die weitere Anordnung von Daumen und Ringfingern ist im Vers nicht vollständig ausgedrückt.

8.30 Bei der Fisch-Mudra legt man die linke Hand mit der Fläche nach unten und darüber die rechte in derselben Richtung; die Daumen werden bewegt.

8.31 Bei der Anrufungs-Mudra bildet man mit beiden Händen Anjali und legt die Daumen an die Grundglieder der Ringfinger.

8.32 Wird diese Anrufungs-Mudra nach unten gewendet, heißt sie Sthapani; sie dient dem rituellen Einsetzen.

8.33 Die Geste des Gegenüberstellens wird mit zwei Fäusten gebildet, aus denen die Daumen herausragen; sie dient der Ausrichtung der Gottheit auf den Verehrenden.

8.34 Sakalikarani heißt der sechsfach ausgeführte Glieder-Nyasa, durch den der Gottheit ihre Glieder rituell zugeordnet werden.

8.35 Bei der Verhüllungs-Mudra wird die linke Faust mit ausgestrecktem, nach unten weisendem Zeigefinger kreisend bewegt.

8.36 Die Mahamudra zur höchsten Vergegenwärtigung wird mit ineinandergehakten Daumen und ausgestreckten Handfingern gebildet.

8.37 Bei der Geste des Herbeiführens der Gegenwart werden beide Fäuste eng zusammengefügt, während die Daumen aufgerichtet sind.

8.38 Bei der Zurückhaltungs-Mudra werden die Daumen in die Fäuste eingeschlossen und die Fäuste ohne Zwischenraum zusammengefügt.

8.39 Die Ganesha liebe Stoßzahn-Mudra wird mit der rechten, nach oben gerichteten Faust gebildet, aus der der Mittelfinger gerade herausragt.

8.40 Bei der Schlingen-Mudra hakt man den rechten Zeigefinger in den linken, bildet mit den übrigen Fingern Fäuste und verbindet Zeigefinger und Daumen.

8.41 Bei Vashakari werden die nach unten gerichteten Finger ineinander verschränkt; die beiden Daumen stehen aufgerichtet und aneinandergelegt.

8.42 Für die folgende Geste werden die kleinen Finger der ausgestreckten Hände an ihren Spitzen verbunden und von den Mittelfingern fest umschlossen; die Ringfingerspitzen werden zusammengeführt.

8.43 Die Zeigefinger werden an den Ringfingerspitzen über den Mittelfingern angeordnet und die Daumen verbunden. Dies heißt Unmadini. Der Wortlaut der Zeigefingerstellung ist nicht ganz eindeutig.

8.44 Sind die kleinen Finger von den Mittelfingern fest umschlossen und die Ringfinger an ihren Spitzen gerade verbunden, heißt die Geste Mahankusha. Die übrige Fingerstellung bleibt vorausgesetzt.

8.45 Bei der Vighna-Mudra weist der ausgestreckte Mittelfinger nach unten; aus der Faust tritt der Daumen zwischen Zeige- und Mittelfinger hervor.

8.46 Bei der Axt-Mudra werden die Finger quer verbunden, die Hände ausgestreckt und die Handflächen aneinandergelegt. Die Angabe über Verbindung beziehungsweise Abstand ist sprachlich unklar.

8.47 Bei der Ladduka-Mudra zeigt die rechte Handfläche nach oben; die Finger sind locker gebeugt und die Handfläche bildet eine Vertiefung.

8.48 Bijapura wird durch die nach oben gerichtete linke Faust dargestellt. Die sechs Gesten von der Stoßzahn-Mudra an sowie als siebte die Ankusha-Mudra gehören Ganesha.

8.49 Bei der Segen gewährenden Mudra werden die Finger eng zusammengehalten und die geöffnete rechte Hand langsam nach unten geneigt.

8.50 Als Furchtlosigkeit verleihende Mudra wird die nach außen gerichtete linke Hand genannt, bei der Daumen und kleiner Finger verbunden sind.

8.51 Die nächsten Wörter nennen den gerade verbundenen rechten Mittel- und Zeigefinger, ohne den Anschluss eindeutig zu machen. Bei der Schild-Mudra wird die linke Hand seitwärts ausgestreckt und gebeugt geführt; sie gilt als Shakti lieb.

8.52 Bei einer weiteren Bogen-Mudra wird die Spitze des linken Mittelfingers mit der Zeigefingerspitze verbunden; an der linken Schulter wird die Spitze des kleinen Fingers mit dem rechten Daumen gedrückt. Die Zuordnung des kleinen Fingers ist verkürzt.

8.53 Bei der Stößel-Mudra legt man die rechte Faust über die linke. Sie gilt als hindernisbeseitigend.

8.54 Bei der Durga-Mudra werden ebenfalls beide Fäuste gebildet, die rechte über die linke gelegt und am Kopf gehalten.

8.55 Die Pfeil-Mudra besteht aus der rechten Faust mit lang ausgestrecktem Zeigefinger. Die acht Gesten von Vara an ergeben mit Schlinge und Stachelstock zehn Shakti-Mudras.

8.56 Bei der Rad-Mudra werden die Handflächen gegeneinander gewendet; die Daumen schiebt man zwischen kleine Finger und Ringfinger.

8.57 Bei der Keulen-Mudra sind die Hände gerade und die Finger ineinander verschränkt; die beiden Mittelfinger liegen aneinander und sind weit ausgestreckt.

8.58 Bei der Lotus-Mudra werden die Hände einander zugewandt, die Daumen verbunden und die übrigen Finger zusammengeführt und aufgerichtet.

8.59 Bei der Flöten-Mudra werden kleiner Finger und Daumen der beiden Hände miteinander verbunden; der linke Daumen liegt innen, die übrigen Finger sind gebeugt und ein kleiner Finger weist nach oben. Die genaue Rechts-links-Zuordnung ist unvollständig.

8.60 Bei Shrivatsa werden Mittel- und Ringfinger durch die Daumen gebunden, die Hände zusammengefügt und die Zeigefinger an die Wurzeln der kleinen Finger gelegt.

8.61 Bei Kaustubha weisen Mittel-, Ringfinger und Daumen verbunden nach oben; kleine Finger und Zeigefinger sind verschränkt, die Hände seitwärts ausgerichtet.

8.62 Bei der Waldgirlanden-Mudra bilden Zeigefinger und Daumen einen geschlossenen Griff. Mit beiden Händen fährt man wie entlang einer Girlande vom Hals bis zu den Füßen.

8.63 Bei der Erkenntnis-Mudra werden Zeigefinger und Daumen verbunden am Herzen gehalten; alternativ wird die lotusartige linke Hand auf den Scheitel gelegt. Die Beziehung beider Varianten ist nicht weiter erläutert.

8.64 Bei der Vishva-Mudra wird der aufgerichtete linke Daumen vom rechten umschlossen; die übrigen Finger beider Hände legen sich darum. Die Geste wird am Herzen gehalten.

8.65 Für die folgende Geste werden Unterarme verschränkt, Handgelenke und Ellbogen zusammengeführt und in der Mitte die Zeigefinger umeinandergelegt.

8.66 Die Mittelfinger werden verbunden, die Daumen und übrigen Finger ineinandergeführt; nahe dem rechten Ohr gehalten, heißt dies Khechari. Die Beschreibung erlaubt keine vollständig sichere Rekonstruktion.

8.67 Bei der nächsten Geste verbindet man die kleinen Finger an ihren ersten Gliedern und die Ringfinger darunter an den mittleren Gliedern.

8.68 Oberhalb davon werden wiederum Ringfinger mit den Nagelspitzen verbunden; die Handballen bleiben auseinander, Zeigefinger und Daumen berühren sich. Die Wiederholung der Ringfingerbezeichnung ist in der Vorlage nicht aufgelöst.

8.69 Dies wird Varayoni beziehungsweise Bija-Mudra genannt. Ohne die Bija-Vidya, sagt der Text, seien Verehrung, Japa und die weiteren Handlungen vergeblich.

8.70 Bei der Garuda-Mudra werden die Hände entgegengesetzt ausgerichtet, die kleinen Finger verschränkt und die Zeigefinger miteinander verbunden; zwei weitere Finger werden wie Füße gestaltet. Welche Finger zuletzt gemeint sind, bleibt unklar.

8.71 Bei der Nrisimha-Mudra liegen die Hände unterhalb des Kinns zwischen den Knien; der Mund ist geöffnet, die Zunge bewegt sich leckend, die Augen schauen furchterregend und die Gestalt erzittert.

8.72 Eine weitere Narahari-Mudra richtet alle Finger nach unten; die Daumen beider Hände drücken die kleinen Finger nieder.

8.73 Bei Varahi liegt die rechte Handfläche nach oben, die linke darüber nach unten; die Fingerspitzen werden verbunden und nach unten geneigt.

8.74 Bei Hayagriva werden über der linken Hand gleich ausgerichtete Finger nach unten gehalten; ein Mittelfinger hält den anderen nieder und beugt ihn. Die Zuordnung zu den Händen ist im Text verkürzt.

8.75 Bei der Kama-Mudra bilden beide Hände eine Höhlung; die Mittelfinger liegen rückseitig, die Zeigefinger und beide Daumen werden bei ihnen angeordnet. Die Satzverbindung bleibt unklar.

8.76 Bei der die drei Welten bezaubernden Mudra werden Fäuste mit den Daumen am Scheitel gehalten. Die Gesten von Chakra bis Bogen und Pfeil werden Hari zugeordnet.

8.77 Bei der Vidhu-Mudra werden beide Hände lotusähnlich gehalten und die Mittelfinger zusammengefügt. Die Geste wird vor dem Mond gezeigt; die Schlussangabe ist knapp.

8.78 Bei der Sonnen-Mudra wird die linke Hand unten und die nach oben geöffnete andere darüber gehalten, sodass eine Lotusform entsteht. Beide Gesten gelten als Bhaskara lieb.

8.79 Bei der Linga Mudra umschließt der linke Daumen den rechten; die linken Finger werden von den rechten umschlossen. Sie gilt als Shiva lieb.

8.80 Bei der Dreizack-Mudra hält der Daumen den kleinen Finger fest, während die drei übrigen Finger ausgestreckt werden.

8.81 Bei der Mala-Mudra verbindet man Daumen- und Zeigefingerspitze fest und streckt die drei übrigen Finger aus; sie dient der Vollendung des Japa.

8.82 Bei der Hirsch-Mudra stehen Zeigefinger und kleiner Finger nach oben; die Spitzen von Ringfinger, Daumen und Mittelfinger werden seitlich verbunden.

8.83 Bei der Shiva besonders lieben Khatvanga-Mudra werden alle fünf Finger der rechten Hand zusammengeführt und nach oben ausgestreckt. Die zusätzliche Angabe „sechsgesichtig“ ist nicht erklärt.

8.84 Bei Kapalini hält man die linke Hand an der linken Schulter wie eine Schale. Sie gilt als Bhairava lieb.

8.85 Bei der Damaru-Mudra bildet man eine lockere Faust, hebt den Mittelfinger und bewegt die Hand neben dem Ohr. Diese zehn werden dem Dreizackträger zugeordnet.

8.86 Bei der Asana genannten Lotusgeste sitzt man bequem; beide Hände liegen knospenförmig und nach unten gerichtet auf den jeweiligen Knien.

8.87 Bei Kushala werden die Hände angehoben, in Schlangenhaubenform bewegt und auf ihren jeweiligen Seiten gehalten.

8.88 Man bildet mit der linken Hand eine feste Faust, streckt den Zeigefinger aus und führt ihn zum linken Ohr. Diese Geste heißt Saubhagyadayini, „Glück verleihend“.

8.89 Mit der rechten Hand bildet man eine Faust, die den Daumen einschließt. Diese Geste heißt „Ergreifen der Feindeszunge“ und gilt als feindvernichtend.

8.90 Bei der als Sagata, wohl Begrüßung, bezeichneten Mudra hält man beide offenen Hände im Abstand einer Spanne nahe an den Oberschenkeln und neigt sich.

8.91 Bei der Arghya-Mudra bildet man einen festen, lückenlosen Anjali. Der anschließende Vergleich mit Fäusten und Ohren ist in der Vorlage nicht eindeutig auflösbar.

8.92 Die Padya-Mudra ähnelt der Arghya-Mudra; als Besonderheit werden an beiden Händen Daumen und Zeigefinger verbunden.

8.93 Bei der Achamana-Mudra bildet die Handfläche eine Vertiefung, drei Finger vom kleinen Finger an werden zusammengehalten, und die Daumenspitze berührt den Zeigefinger. Die Lage der drei Finger ist nur knapp bezeichnet.

8.94 Wird diese Geste nach unten gewendet und werden Ringfinger- und Daumenspitze verbunden, heißt sie Madhuparka-Mudra.

8.95 Bei der Bade-Mudra ist die rechte Faust nach unten gerichtet und mit dem kleinen Finger verbunden. Was der kleine Finger berührt, bleibt unausgesprochen; die Geste wird als beim Bad unermesslich fruchtbringend gepriesen.

8.96 Bei der Kleidungs-Mudra wird die rechte Hand nach oben geöffnet und der Mittelfinger mit dem Daumen berührt. Sie gehört zum Darbringen beziehungsweise Anlegen eines Gewandes.

8.97 Wird die Geste nach unten gewendet und werden Ringfinger- und Daumenspitze verbunden, heißt sie Schmuck-Mudra.

8.98 Durch Verbindung von kleinem Finger und Daumen wird nochmals eine Bade-Mudra genannt, anschließend aber ihre Verwendung beim Herstellen, Anlegen oder Wiederaufrichten der heiligen Schnur. Die Benennung ist in der Vorlage inkonsistent.

8.99 Bei der Duft-Mudra wird die Hand nach oben geöffnet und die Spitze des kleinen Fingers mit der Daumenspitze berührt; sie dient dem Auftragen von Duftstoff.

8.100 Bei der Blumen-Mudra richtet man die Hand nach unten und verbindet Zeigefinger- und Daumenspitze für die Verehrung.

8.101 Bei der Räucher-Mudra wird die Hand ausgestreckt; wie zuvor berührt die Daumenspitze die Zeigefingerspitze. Sie dient dem Räuchern der Gottheit und entsprechender Kultobjekte.

8.102 Bei der Licht-Mudra, die allen lieb ist, berührt die Daumenspitze die Mittelfingerspitze wie zuvor.

8.103 Die Speiseopfer-Mudra entspricht der vorigen, mit dem Unterschied, dass die Ringfingerspitze mit der Daumenspitze verbunden wird.

8.104 Bei der Grasa-Mudra zeigt man die linke Hand als voll erblühten Lotus. Nun werden die fünf Mudras der fünf Lebenswinde erläutert.

8.105 Die Prana-Mudra wird vor dem Essen gezeigt: Kleiner Finger und Ringfinger werden sorgfältig mit der Daumenspitze verbunden.

8.106 Bei der Apana-Mudra werden Zeige- und Mittelfinger entsprechend verbunden. Ihr Zeigen soll den Yogi von Behinderungen des Lebenswindes und ähnlichen Störungen befreien.

8.107 Bei der Vyana-Mudra werden Mittel- und Ringfinger verbunden. Der den ganzen Körper durchziehende Lebenswind werde dadurch günstig gestimmt.

8.108 Bei der Udana-Mudra werden Zeige-, Mittel- und Ringfinger mit dem Daumen verbunden. Der Text preist sie als alle Krankheiten beseitigend.

8.109 Bei der Samana-Mudra berühren sich alle fünf Finger. Die Namensmantras beginnen mit Om, nennen den jeweiligen Lebenswind im Dativ und enden mit „namaḥ“.

8.110 Werden kleiner Finger und Daumen verbunden und die drei übrigen Finger gerade gehalten, heißt die Geste Mahayoni; sie erfreut Sundari.

8.111 Die Hände werden gedreht, die Finger miteinander verbunden und nach innen geführt angehoben; beide Zeigefinger bleiben gerade.

8.112 Dann vollzieht man die Verneigung. Dies ist die Geste des Aufrichtens der Shakti; die zuvor herbeigeführte Shakti kehrt dadurch segenspendend an ihren eigenen Ort zurück.

8.113 Bei der Sieben-Zungen-Mudra sind die Finger beider Hände ausgebreitet; kleine Finger, Daumen und Handgelenke werden paarweise verbunden.

8.114 Bei der Mudra für Bali an die Wesen werden alle Finger zusammengeführt; die hohle Hand hat eine Öffnung wie einen Krähenschnabel.

8.115 Bei Naracha wird die rechte Hand an den Rücken der linken geführt; beide Zeigefinger werden langsam gerade ausgestreckt, die übrigen Finger geschlossen. Der Anfang des Verses ist sprachlich verkürzt.

8.116 Bei der Rücknahme-Mudra liegt die linke Hand nach unten gerichtet oberhalb der rechten; die Finger werden verschränkt und beide Hände gewendet. Sie dient der Entlassung bei Bali und ähnlichen Riten und erfreut die Gottheit.

8.117 Bei der Blitz-Mudra weist der linke Zeigefinger nach oben, der andere nach unten; beide werden verbunden. Sie gilt als feindvernichtend.

8.118 Bei einer Vidhu genannten Mudra bildet man eine Faust und verbindet Zeigefinger und Daumen. Sie wird bei der abschließenden vollständigen Darbringung verwendet.

8.119 Bei Kalakarni sind die Daumen beider Fäuste aufgerichtet und seitlich aneinandergelegt; die Fäuste stehen einander gegenüber.

8.120 Bei der Staunen-Mudra, die Ergriffensein durch Verwunderung ausdrückt, wird die rechte Faust locker gebildet und der Zeigefinger an die Nase gelegt.

8.121 Bei der Nada-Mudra hält der Zeigefinger den Daumen in der Faust fest. Sie wird von Selbstbeherrschten gepflegt und als das Brahman offenbarend gepriesen.

8.122 Bei der Gebets-Mudra hält man die Hände mit ausgestreckten Fingern vor das eigene Herz, einander zugewandt und aneinandergelegt.

8.123 Die hohe Lakshmi-Mudra gilt als alles Gedeihen schenkend: Man fügt die Hände zusammen und streckt die Finger aus. Eine weitere Unterscheidung von der vorherigen Geste wird hier nicht erläutert.

8.124 Bei der Nahrung genannten Mudra werden die Hände vor dem Nabel ausgestreckt und nach unten gerichtet; die Zeigefinger berühren sich beziehungsweise den bezeichneten Bereich. Die Berührungsstelle ist nicht eindeutig. Die Geste gilt als nahrungspendend.

8.125 Bei der Fangzahn-Mudra nimmt man zunächst die Rad-Mudra ein und drückt die Mittelfinger mit den Zeigefingern. Sie gilt als jede Verfehlung tilgend.

8.126 Bei der Rücken-Mudra wird die rechte Hand ausgestreckt vor dem Nabel frei gehalten und betrachtet.

8.127 Bei der Elefantenohr-Mudra werden die Handrücken zusammengebracht, die Hände nach oben gerichtet und die Daumen miteinander verschränkt.

8.128 Bei der Geste des Ausschüttelns eines Gewandes werden kleiner Finger und linker Zeigefinger im Verhältnis zu Spitzen, Wurzeln und Rückseiten von Mittel- und Ringfinger angeordnet. Der Vers ist zu verkürzt, um eine sichere vollständige Fingerstellung wiederzugeben.

8.129 Bei der Vapi-Mudra wird ein Teil des rechten Ringfingers an der linken Hand angeordnet; rechter Daumen und kleiner Finger kommen hinzu, darüber die entsprechenden linken Finger. Die Beschreibung bleibt mehrdeutig.

8.130 Bei der Wagen-Mudra halten die Zeigefinger die Ringfinger; die Mittelfinger werden von den Rückseiten her gegenseitig niedergedrückt. Die genaue Überlagerung ist nicht eindeutig.

8.131 Nun werden die vierundzwanzig Gayatri-Mudras genannt, die vor dem Japa zu zeigen sind, zusammen mit ihren Gottheiten und Wirkungen.

8.132 Bei Sumukha werden die Hände mit gebeugten Fingern zusammengeführt. Ihre Shakti heißt Prahladini, die einem freundlichen Antlitz Freude schenkt.

8.133 Bei Samputa werden die Hände wie zwei Lotusknospen zusammengelegt. Ihre Shakti heißt Nityavishva und erfreut die ganze Welt.

8.134 Bei Vitata sind die Hände zusammengefügt, die Finger nicht lang ausgestreckt. Ihre Shakti heißt Hridaya und erreicht die Herzen aller.

8.135 Bei Vistirna werden die Hände zusammengehalten, wobei zwei Finger voneinander gelöst sind. Ihre Shakti heißt Vimala; durch ihre Kraft werde man fleckenlos.

8.136 Bei Dvimukha stehen die Hände einander gegenüber; nur die kleinen Finger sind verbunden. Ihre Shakti wird Sada genannt.

8.137 Bei Trimukha sind die beiden Ringfinger verbunden, die übrigen Finger auseinandergehalten. Ihre Shakti heißt Prabhavati.

8.138 Bei Chaturmukha werden die Mittelfinger beider zusammengehaltener Hände verbunden, die übrigen Finger bleiben getrennt. Ihre Shakti heißt Lila.

8.139 Bei Panchamukhi werden entsprechend die Zeigefinger verbunden, die übrigen Finger getrennt. Ihre Shakti ist Shanti, die Frieden schafft.

8.140 Bei Shanmukha werden alle Finger außer den beiden kleinen Fingern verbunden. Ihre Shakti heißt Durga.

8.141 Bei Adhomukha weisen beide Hände nach unten und werden an den gebeugten Spitzen verbunden. Ihre Shakti ist Sarasvati.

8.142 Bei Vyapakanjalika werden die Hände ähnlich, jedoch nach oben geöffnet gehalten. Ihre Gottheit ist Vishvarupa.

8.143 Bei der Wagen-Mudra sind die Fingerspitzen gebunden und die Fäuste nach unten gerichtet. Ihre Shakti wird Visha genannt; die Lesung des Namens ist unsicher.

8.144 Bei Yamas Schlinge sind die Zeigefinger der beiden Fäuste ineinandergehakt. Die Gottheitsbezeichnung „vāmā lopā“ ist in der Vorlage nicht sicher zu gliedern.

8.145 Bei Granthita liegen die Finger in den Zwischenräumen der jeweils anderen Hand; die Handflächen zeigen nach oben und die Daumen sind aufgerichtet. Ihre Shakti heißt Vama.

8.146 Bei Sammukhonmukha sind die Finger beider Hände miteinander verbunden, die rechte Hand weist nach unten, die linke nach oben. Ihre Shakti heißt Apyayini.

8.147 Bei Vilamba sind beide Hände nach oben geöffnet und an den äußeren Enden angehoben. Ihre Shakti heißt Vimala.

8.148 Bei Mushtika werden beide Fäuste miteinander verbunden und nach oben gerichtet. Ihre Shakti heißt Tamomayi.

8.149 Bei Matsya sind die Hände einander zugewandt, Ringfinger und kleine Finger verbunden, die übrigen Fingerspitzen nach oben zusammengeführt. Ihre Shakti heißt Hiranmayi.

8.150 Bei Kurma weist die linke Hand nach unten und wird rückseitig von der rechten umfasst beziehungsweise bedeckt. Ihre Shakti ist Sukshma, die subtile Ziele verwirklicht.

8.151 Bei Varahi wird die geöffnete linke Hand über die rechte gelegt und dann nach unten geneigt. Ihre Shakti heißt Vishvayonika.

8.152 Bei Simhakranta werden die Finger wie junge Blätter ausgebreitet und vor der Göttin gezeigt. Ihre Shakti heißt Gadarupa. Überlieferungshinweis: Obwohl 8.131 vierundzwanzig Gayatri-Mudras ankündigt, führt die vorliegende Folge 8.132–152 nur einundzwanzig benannte Beschreibungen aus; fehlende Gesten werden nicht ergänzt.

8.153 Man soll die Mudras nicht vor einer großen Menschenversammlung zeigen; andernfalls, sagt der Text, werden die Gottheiten unruhig und die Handlung bleibt fruchtlos.

8.154 Wie Mütter sich freuen, wenn sie die Gebärden eines Kindes sehen, so freuen sich die Gottheiten über die Mudras ihrer Verehrer.

8.155 Die Gottheiten der nördlichen Überlieferung werden durch die fünf [M-Bestandteile] zufriedengestellt; fehlt einer, verfluchen sie nach dem Text den Übenden.

8.156 Bei den Gottheiten der westlichen Überlieferung ist das Trinken von Surā freigestellt; sie verlangen die übrigen vier M-Bestandteile und verfluchen den Übenden bei deren Fehlen.

8.157 Bei den Gottheiten der östlichen Überlieferung wird auch das Fleisch als fakultativ bezeichnet. Der folgende Halbvers ist beschädigt und enthält zugleich eine Fünferangabe; welche weiteren Bestandteile verbindlich sein sollen, lässt sich daraus nicht zuverlässig übersetzen.

8.158 Bei den Gottheiten der südlichen Überlieferung sind vier M-Bestandteile verboten; fehlt jedoch der eine verbleibende, drohe ebenfalls ein Fluch. Im Kapitelzusammenhang liegt der Bezug auf Mudra nahe, wird an dieser Stelle aber nicht ausgeschrieben.

8.159 Darum sollen Mudras gemäß der jeweiligen Sampradaya erlernt werden. Wer sie kennt, erlangt nach der Verheißung des Textes auf jedem Weg Befreiung.

8.160 Damit habe ich dir das in allen Tantras geheim gehaltene höchste Wesen der Mudras erklärt. Was möchtest du noch hören?

Kolophon: So endet im von Shiva verkündeten, von Mahamaya und Mahakala gebilligten Meru Tantra die achte Erhellung über die Kennzeichen der Mudras.

Neunter Prakāśa – Verehrung irdener Lingas und weiterer Kultformen

9.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Wunschgebundene Anwendungen gewähren keinen jenseitigen Gewinn; wer nur anderen Zwecken nachgeht, findet auch hier kein Wohlergehen. Im Kali-Zeitalter sucht der Schüler Siddhi und der Guru Geld. Der erste Halbvers ist sprachlich verkürzt.

9.2 Die Götter verlangen Verehrung, der Geist verlangt Sinnesgegenstände. So ist selbst die eigene leibbezogene Vollendung fern; wie sollte diejenige für andere erreicht werden?

9.3 Wenn es daher ein Mittel gibt, das ohne Purashcharana und ähnliche Verfahren hier und jenseits Vollendung bringt, ohne Tadel hervorzurufen, dann erkläre es.

9.4 Der Herr sprach: Die als Agamas verbreiteten Schriften sind von meinen Teilgestalten geschaffen. Ihre Lehren kommen und gehen und werden nicht von allen Wesen gleichermaßen anerkannt. Die erste Vershälfte ist in der Vorlage unregelmäßig.

9.5 Wenn zweieinhalbtausend Jahre des Kali-Zeitalters vergangen sind, ihr Götter, verlassen nach dieser Darstellung alle Götterscharen die Erdoberfläche.

9.6 Der Veda, unmittelbar Narayana, wird bis zum Ablauf von zehntausend Jahren bestehen. Doch auch er wird dort unzugänglich, wo die Agamas vorherrschen. Dies ist eine werkinterne heilsgeschichtliche Behauptung.

9.7 Zur Erhebung der Rechtschaffenen habe ich auf Mahakalas Geheiß den Langlebigen die Verehrung eines aus Erde geformten Lingas gelehrt.

9.8 Ihr Verfahren will ich nun erklären; die Götter mögen aufmerksam hören. Durch sie liegt die Vollendung in dieser und der jenseitigen Welt gleichsam in der eigenen Hand.

9.9 Für die Verehrung irdener Lingas gilt: Nach dem Bad und den täglichen Pflichten begibt sich der Einsichtige zu einer reinen Stelle des Erdbodens.

9.10 Erde von acht Orten gilt als alle Ziele erfüllend: aus dem Inneren beziehungsweise Wurzelbereich eines Shami-Baums, von der Wurzel eines Ashvattha, von einem einsamen Flussufer,

9.11 von einer Bergkuppe, einem heiligen Badeort, einem Kuhstall, einem Tulasi-Hain oder unter einem Banyanbaum. Dort bespricht man die Erde und betet zu ihr.

9.12 „hrīṃ pṛthivyai namaḥ“ wird als sechssilbiger Mantra genannt. Damit verehrt man die Erde und richtet dieses Gebet an sie:

9.13 „Du Erde trägst alles; beschütze mich. Diese Erde werde ich für ein Linga entnehmen. Sei mir dabei stets wohlgesinnt.“

9.14 Dann nimmt man Erde, entfernt sorgfältig die Steinchen und legt sie für die tägliche Verehrung in ein reines Gefäß.

9.15 An einem günstigen Tag empfängt man von einem guten Guru, von der Sonne oder einer anderen Gottheit die Formeln für die sieben Verehrungshandlungen und für Guha und Ganesha. Das Verb „empfangen“ ist im nächsten Verszusammenhang vorausgesetzt.

9.16 Zum Entnehmen der Erde dient „oṃ harāya namaḥ“, zum Zusammenfügen „oṃ maheśvarāya namaḥ“.

9.17 Zum Aufrichten dient „oṃ śūlapāṇaye namaḥ“. Auf einem mit Tuch und weiteren Auflagen bedeckten Pitha wird das Linga mit „oṃ pinākadhṛte namaḥ“

9.18 eingesetzt. Es stellt den heilbringenden Geliebten der Göttin dar. Entsprechend dem jeweiligen Anliegen meditiert man über Shiva.

9.19 Mit „oṃ paśupataye namaḥ“ wird gebadet, mit „oṃ śivāya namaḥ“ unter den fünf Darbringungen verehrt.

9.20 Mit „oṃ mahādevāya namaḥ“ wird die Gottheit entlassen. Anschließend nennt der Text eine Ganesha-Formel aus „hrīṃ gaṃ gloṃ gaṇataye glauṃ gaṃ hrīṃ“; die Wortform „gaṇataye“ und die Silbenzahl sind in dieser Lesung nicht gesichert.

9.21 Die Kumara-Formel lautet „aiṃ huṃ kṣaṃ klīṃ kumārāya namaḥ“ und wird als zehnsilbig bezeichnet. Nach Empfang dieser Mantras rezitiert man achttausendmal.

9.22 Man bringt Räucherwerk dar und meditiert zur Vollendung des Mantras über den Guru im Herzen. An einem günstigen Tag beginnt die Verehrung für das gewünschte Ziel: rein, nach den täglichen Pflichten und nach Darbringung von Arghya an die Sonne.

9.23 Man nimmt Erde und Wasser, bespricht das Wasser mit „vaṃ“, gießt es hinzu, formt eine Masse in gewünschter Größe und legt sie in ein Gefäß.

9.24 Unter Vergegenwärtigung der Zeit und des Herzenswunsches fasst man den Entschluss: „Ich werde hier diese bestimmte Anzahl irdener Lingas verehren.“

9.25 Nach diesem Sankalpa nimmt man etwas von der Erdmasse und formt mit Ganeshas Mantra einen Ganesha als Türhüter.

9.26 Er ist dickbäuchig, steht auf seiner Maus, hält eine Frucht und zeigt Furchtlosigkeit. Man setzt ihn auf den Pitha und vollzieht als Brahmane anschließend

9.27 den vorgeschriebenen Rudra-Nyasa samt mantrischer Einfassung. Nun höre den geheim gehaltenen Nyasa für Nichtbrahmanen bei dieser Erdverehrung.

9.28 Für diesen Parthiva genannten, einem Wunschedelstein gleichen Vidya-Mantra ist Brahma, der Zügelung und Gnade bewirkt, als Seher angegeben.

9.29 Die Gottheit ist Kamadugha, das Versmaß Gayatri. „oṃ hrīṃ hrauṃ“ gilt als Bija, „hrīṃ“ als Shakti und „namaḥ“ als Kilaka.

9.30 Seine Anwendung ist die Linga-Verehrung zur Erfüllung des erstrebten Ziels. Den Nyasa-Mantras werden „oṃ hrīṃ hrauṃ“ vorangestellt.

9.31 Dann folgt „śivāya“, anschließend die jeweilige Gliederbezeichnung. Die göttlichen Bestimmungen beginnen mit „sarvajñāya“, dem Allwissenden, und „sarvatṛptāya“, dem in allem Erfüllten,

9.32 dann „nityam aluptaśaktaye“, dessen Kraft nie versiegt, „sarvajñānaśaktaye“, der Kraft allen Wissens, „nityānandaśaktaye“, der Kraft ewiger Wonne, und „anantaśaktiśivāya“, Shiva von unendlicher Kraft.

9.33 Nach dem Finger-Nyasa setzt man dieselben Formeln am Herzen und den weiteren Gliedern ein. Der ausschließlich vedisch geschulte Brahmane nimmt dagegen die Erde mit dem Sadyojata-Mantra,

9.34 gibt unter dem Vamadeva-Mantra Wasser hinzu und knetet sie, formt das Linga mit Aghora und verehrt es mit Tatpurusha.

9.35 Er setzt es mit dem Rudra-Sukta ein und entlässt die Gottheit mit Ishana. Zunächst wird Ganesha geformt und in die Mitte des Pitha gesetzt.

9.36 Danach werden die gewünschten Lingas von gleicher Größe angefertigt, größer als ein Daumen und höchstens eine Spanne hoch.

9.37 Man gestaltet das irdene Linga schön, weder kleiner noch größer, in Form einer reifen Jambu-Frucht; es soll alle Wünsche erfüllen.

9.38 Ein übermäßig dickes Linga wird mit Armut, ein abgeplattetes mit Krankheit, ein zu großes mit Trennung und ein zu kleines mit ausbleibender Vollendung verbunden.

9.39 Ein zweiteiliges gilt als todesbringend, eines ohne passende Basis als nicht glückbringend. Aus der übrigen Erde formt man Kumara unter seinem Mantra.

9.40 Er wird am Ende der Linga-Reihe aufgestellt und mit seinem eigenen Mantra verehrt. Wer das irdene Linga so verehrt, erlangt nach dem Text die beschriebene Frucht.

9.41 Ein tantrischer Verehrer verwendet für das gewünschte Ergebnis die fünf Bijas „oṃ hrauṃ hrīṃ jūṃ saḥ“ und die zugehörigen Mantras. Die folgende Bezeichnung „māsamantraiḥ“ ist nicht eindeutig.

9.42 Der Anhänger des linken Weges verehrt mit vorangestelltem Prasada-Bija, der Kaula mit dem Para-Prasada-Bija und den zugehörigen Formeln.

9.43 Bei der Anrufung meditiert man über den herbeigekommenen Shiva als im Linga gegenwärtig. Entsprechend dem jeweiligen Wunsch

9.44 gibt es unterschiedliche Meditationsformen. Auch Basis beziehungsweise Yoni und Kama werden genannt; ihr genauer syntaktischer Bezug ist unsicher. Wo keine besondere Meditation angegeben wird, gilt die folgende.

9.45 Der Einsichtige vergegenwärtigt sich selbst als Shiva: fünfgesichtig, dreiäugig, vierarmig und mit allem Schmuck versehen,

9.46 mit blauem Hals, dem Mond als Zeichen, reinem Bergkristall gleich, mit Tigerfell als Obergewand und einer Schlange als heiliger Schnur,

9.47 den Herrn mit Wasserkrug und Gebetskette, die Hände in Segen und Furchtlosigkeit, den sich Verneigenden Gaben gewährend,

9.48 auf dem Rücken des Stiers, eine Körperhälfte als Uma tragend, mit verfilztem, rötlichbraunem Haar sowie leuchtenden Zähnen und Nägeln,

9.49 von Nektar überströmt, göttlich und mit himmlischer Fülle versehen, umgeben von den Gottheiten der Richtungen und von Göttern wie Asuras verehrt,

9.50 ewig, beständig, rein, fest, unvergänglich und unerschöpflich: den alldurchdringenden Ishana, Rudra in der Gestalt des Alls.

9.51 Nach dieser sorgfältigen Meditation beginnt der Zweimalgeborene die Verehrung: „Du wirst von Menschen, Vollendeten, Göttern, Asuras und anderen verehrt.

9.52 Auch ich verehre dich mit Hingabe; nimm mich an, Maheshvara. Herr, Gebieter der ganzen Welt, solange meine Verehrung dauert,

9.53 sei liebevoll in diesem Linga gegenwärtig.“ Nach diesem Gebet an den Herrn der Götter verehrt man das irdene Linga.

9.54 Jedes Linga wird einzeln verehrt und die Gottheit jeweils entlassen. Am Ende wird Karttikeya verehrt. Dies gilt als vorzügliche Form.

9.55 Wer alle Lingas gemeinsam und rasch verehrt, vollzieht nach dem Urteil der Ritualkundigen die mittlere Form der Verehrung.

9.56 Meditation, Duftstoff und Blume werden bei jedem einzeln dargebracht; Räucherwerk, Licht und Speiseopfer entsprechend ihrem Anteil.

9.57 Von Osten aus entgegen dem Uhrzeigersinn verehrt man in den acht Richtungen Sharva, Bhava, Rudra, Ugra, Bhima und Pashupati,

9.58 Mahadeva und Ishana, der Reihe nach in den Gestalten Erde, Wasser, Feuer, Wind, Raum, Opferherr, Mond und Sonne.

9.59 So sind die Elemente und weiteren Gestalten Sharva und den übrigen zugeordnet. Danach verehrt man Indra und die anderen Richtungshüter mit Räucherwerk, Licht, Speise, Verneigung und Umrundung.

9.60 Dann rezitiert man den Mantra: „oṃ hrauṃ hrīṃ hrūṃ oṃ namaḥ śivāya prasannāya …“

9.61 Er endet mit „pārijātāya svāhā“ und wird als einundzwanzigsilbig bezeichnet. Am Ende der Verehrung rezitiert man ihn einhundertachtmal mit ungeteilter Aufmerksamkeit.

9.62 Eine Bilva-Frucht oder ein Bilva-Blatt, mit Ghee bestrichen und mit Sesam versehen, wird geopfert; elf Opfergaben werden genannt. Danach verneigt man sich ausgestreckt auf der Erde.

9.63 Mit Om beginnend, dem Gottesnamen im Dativ und „namaḥ“ verehrt man Anantadeva. Für seine Gattin steht der Gottesname im Genitiv und „patnyai namaḥ“; die Zusätze schreiben beide Formeln aus.

9.64 Tarpana erfolgt mit denselben Namen im Akkusativ und „tarpayāmi“, unter Verwendung von Bilva-Blättern, Wasser und unversehrten Reiskörnern.

9.65 Als acht Namen werden Bhava, Sharva, Ishana, Pashupati, Rudra, Ugra, Bhima und Mahat genannt. Die letzte Benennung weicht von „Mahadeva“ in 9.58 ab.

9.66 Täglich bewirtet man ein Ehepaar in der Vorstellung, es seien Parvati und Shiva; ersatzweise einen Shiva-Verehrer oder, wenn dieser fehlt, einen ausgezeichneten Vedakenner.

9.67 Wer auf diese Weise das vorzügliche irdene Linga verehrt, erlangt nach der Verheißung des Textes innerhalb eines Monats Vollendung.

9.68 Wer ohne diese irdene Linga-Verehrung einen anderen Gott verehrt, dessen Puja sowie Bad und Gaben seien vergeblich. Dies ist der ausschließliche Vorranganspruch dieser Passage.

9.69 Für wunschgebundene Riten gilt nun Folgendes: Wer Wissen sucht, fertigt tausend Lingas aus Reismehl.

9.70 Verehrt er jeweils zwei gemeinsam einen Monat lang, erlangt er nach dem Text gewiss Wissen. Die zugehörige Meditation wird anschließend beschrieben.

9.71 Wer nach demselben Verfahren Lingas aus frischer Butter verehrt, erhält rasch Wissen und Ruhm in allen vier Richtungen.

9.72 „Ich verehre Mahesha, dem Götter und Vollendete dienen, den Wissensspender, dessen Blick auf ein Buch gerichtet ist. Über ihn, dessen Lotusfüße von Verehrern verehrt werden, den Wünsche gewährenden Herrn, meditiere ich stets.“

9.73 Ein so verehrtes Linga aus weißem Aguru fördert die Einsicht, eines aus schwarzem Aguru das Bewahren des Gelernten.

9.74 Ein Linga aus Kichererbsenmehl fördert nach demselben Verfahren die Urteilskraft; eines aus Reis soll stockende Rede beseitigen.

9.75 Wer Wissen sucht, meditiert über Shiva an der Wurzel des Banyanbaums, Axt und Hirsch haltend, Segen und Erkenntnis-Mudra zeigend.

9.76 Wer täglich fünfhundert irdene Lingas einzeln einen Monat lang verehrt, erlangt eine allseitige [Erfüllung beziehungsweise Erkenntnis]. Das Bezugswort der weiblichen Schlussform ist nicht ausgesprochen.

9.77 „Der mit der rechten Hand das Antlitz des auf seinem rechten Schoß sitzenden Ganesha streichelt und mit der anderen Guha auf dem Schoß der Bergestochter an seiner linken Seite; der mit den übrigen Händen Segen und Furchtlosigkeit zeigt, mondhell, von den drei Welten verehrt, blauhalsig und dreiäugig: Er beschütze uns.“

9.78 Zur Versöhnung zweier verfeindeter Menschen werden zehntausend Lingas aus Erde von beiden Flussufern gefertigt und verehrt.

9.79 Dabei meditiert man über Harihara, mit Muschel, Lotus und Dreizack, mit der Farbe von Saphir und Herbstmond und mit reichem Schmuck.

9.80 Für die Verbindung beziehungsweise Eintracht eines Ehepaares wird Ardhanarishvara meditiert, mit einem nektargefüllten Krug, Schlinge und Stachelstock.

9.81 Wer einen Sohn ersehnt, fertigt eintausendfünfhundert Lingas aus Reismehl oder fünfzigtausend aus Erde.

9.82 Als Meditation dient die mit „auf seinem rechten Schoß“ beginnende Strophe 9.77. Die Verehrung erfolgt einzeln; als Speisegabe werden Reis mit Sauermilch und nach Wunsch Mehlspeisen genannt.

9.83 Wer eine Gefährtin ersehnt, fertigt fünfhundert Lingas aus Adhaki-Mehl oder fünfzigtausend aus Erde. Jeweils zwei werden gemeinsam verehrt; dazu gilt folgende Meditation.

9.84 „Kampferweiß, Verkörperung des Mitgefühls, Essenz des Daseins, mit dem König der Schlangen als Girlande, stets im Lotus des Herzens weilend: Vor Bhava zusammen mit Bhavani verneige ich mich.“

9.85 Für ein Tötungsritual nennt der Text siebenhundert Lingas aus Haaren und Knochen, alternativ aus Eisen oder Hülsenmaterial. Diese Angaben werden als historische Ritualvorschrift dokumentiert.

9.86 Für Vertreibung nennt er tausend Lingas aus Zuckerrohr, für Entzweiung zehntausend aus Erde eines Verbrennungsplatzes.

9.87 Je nach Zweck reicht die angegebene Zahl von tausend bis hunderttausend. Für Vertreibung, Tötung und Entzweiung wird folgende Meditationsgestalt verwendet:

9.88 „An Kalis Lotushand gelehnt, die Menge der Feinde auf den Dreizack gespießt, mit einer Schädelgirlande am Hals und einem Gebrüll, das alle erschreckt.“

9.89 Soll Befreiung ohne vorgängige Erkenntnis erreicht werden, schreibt der Text die Verehrung von zehn Millionen Lingas vor. Dazu folgt die Meditation.

9.90 „Der den Menschen die durch Yogamaya verhüllte Erkenntnis wieder verleiht, gegründet im Wesen aller Dinge: Über diesen Weltenherrn, Vernichter der Schuld des Kali-Zeitalters, von Shiva als Göttin umarmt, von achtfacher Gestalt, meditiere ich.“

9.91 Wer Genuss ersehnt, fertigt hunderttausend Lingas aus Blumen und erlangt nach dem Text himmlische Freuden. Dazu gilt folgende Meditation.

9.92 „Ich verehre den heiteren Mahesha, dem Götter und Vollendete dienen, im Wald der Wunschbäume, auf einem Ruhebett zusammen mit der Bergestochter, erfreut am Gesang und schönen Tanz himmlischer Frauen.“

9.93 Für einen unbehinderten Aufenthalt in Kashi und den Gewinn beider Welten werden zehntausend Lingas aus Dhatri-Früchten genannt.

9.94 Wer tausend Lingas aus Messing verehrt, oder ein einziges zu den drei Sandhya-Zeiten, erhält nach dem Text das gewünschte Land.

9.95 Wer Schönheit sucht, verehrt dreitausend aus Gorochana; wer Ausstrahlung sucht, ebenso viele aus Safran. Der Zusatz bezeichnet den letzteren Stoff als aus Blüten gewonnen.

9.96 Wer im Frühling täglich hundert Lingas aus Madhuka-Blüten verehrt, wird für Frauen begehrenswert; die genaue Schlussformulierung ist unsicher. Dazu folgt die Meditation.

9.97 „Stets meditiere ich über Mahesha, silbernem Berg gleich, mit dem schönen Mond als Schmuck, edelsteinglänzend, mit Axt und Hirsch sowie den Gesten von Segen und Furchtlosigkeit; heiter im Lotussitz, rings von Göttern gepriesen, mit Tigerfell bekleidet, Ursprung der Welt, von der Welt verehrt, Beseitiger aller Furcht, fünfgesichtig und dreiäugig.“

9.98 Wer eine Pilgerreise ersehnt, verehrt zweitausend Lingas einzeln mit Bilva-Blättern. Dazu wird folgende Meditation genannt.

9.99 „Der den Stolz des Liebesgottes überwunden hat, den Schlangenkönig als heilige Schnur trägt, auf dem weißen Stier reitet und den Herrn der Nacht am Haupt trägt; der von Brahma, Hari, Sonne und anderen verehrt wird und verehrungswürdig ist: Der Geliebte der Bergestochter schenke uns seine Segnungen.“

9.100 Tausend Lingas aus Yakshakardama fördern Zuneigung; ebenso werden fünftausend aus Jaggery zur Mehrung der Zuneigung genannt. Der Zusatz erklärt Yakshakardama als Duftmischung aus Safran, Aguru, Moschus, Kampfer und Sandelholz.

9.101 Durch Verehrung von hunderttausend Jaggery-Lingas werde man Herrscher. Eine Frau werde ihrem Ehemann besonders lieb, wenn sie tausend verehrt.

9.102 Mit Lingas aus frischer Butter soll das Erwünschte erreicht werden; dieselbe Wirkung wird Lingas aus Asche, Kuhdung oder Sand zugeschrieben.

9.103 Wer Freundschaft sucht, verehrt ein Jahr lang jeden Monat dreitausend mit beständigem Geist; er werde zum Freund der Welt.

9.104 Wer einen Monat lang täglich achthundert verehrt und zugleich die Schriften studiert, werde selbst seinem Lehrer an Wissen überlegen.

9.105 Wer morgens täglich drei Kuhdung-Lingas mit Brihati- und Bilva-Blättern verehrt und Jaggery als Speise darbringt,

9.106 erlangt nach drei Monaten beträchtlichen Reichtum. Wer elf Kuhdung-Lingas verehrt,

9.107 morgens, mittags, abends und um Mitternacht, täglich während sechs Monaten, erlangt nach dem Text alle Formen des Wohlstands.

9.108 Zur Verblendung von Dieben, Zolleinnehmern oder schlechten Herrschern werden achthundert Lingas täglich während dreier Monatshälften genannt.

9.109 Wer das Kuhdung-Linga mit Nimba-Blättern verehrt und über den zornigen Maheshvara meditiert, besiegt nach dem Text seine Feinde.

9.110 Wer tausend Lingas aus Kurkumateig verehrt, bewirkt Stambhana; mit fünftausend wird diese Wirkung gegenüber einem König verheißen.

9.111 Täglich fünfhundert während eines Monats werden zur Lösung von Fesseln genannt; fünftausend zur Befreiung aus einer Festung.

9.112 Zur Befreiung aus Gefängnis und ähnlicher Haft werden zehntausend genannt; wer in einer stark gesicherten Festung eingeschlossen ist, werde nach sechs Monaten frei.

9.113 Die Verehrung von zehntausend Lingas soll die Furcht vor einem mächtigen König beseitigen; alternativ werden täglich fünfhundert während dreier Monatshälften genannt.

9.114 Wer einen Monat lang täglich zweihundert verehrt, brauche Diebe nicht zu fürchten und kehre wohlbehalten aus der Fremde zurück.

9.115 Bei Furcht vor Dakinis und entsprechenden Wesen werden siebentausend oder täglich fünfhundert während sechs Monaten genannt; so ende diese Bedrohung.

9.116 Wer fünf Jahre lang jeden Monat fünftausend verehrt, werde selbst von einer aus früherer Geburt herrührenden Armut frei.

9.117 Wer täglich elf Lingas aus Shali-Reismehl verehrt, verbrenne innerhalb eines Monats jede Verunreinigung.

9.118 Wer aus schwarzem Sesam ein Linga formt und drei Jahre lang verehrt, dessen Verfehlungen würden vollständig getilgt.

9.119 Wer im späten Winter ein Linga aus vielerlei Blumen verehrt, werde schuldlos; ebenso durch dreijährige Verehrung eines Kristall-Lingas.

9.120 Zur Abwendung früher Witwenschaft werden dreißigtausend Lingas genannt. Durch zehntausend erlange ein unverheiratetes Mädchen einen guten Ehemann.

9.121 Wer täglich elf silberne Lingas verehrt, bei dem stellen sich nach dem Text alle guten Eigenschaften ein.

9.122 Wer zehntausend Lingas aus Sesammehl verehrt oder täglich elf während eines Jahres, werde Dorfherr.

9.123 Zur Sühne für die Aneignung brahmanischen Eigentums verehrt man ein goldenes Linga zu den drei Tagesübergängen, nimmt nur nachts Nahrung und widmet sich dem Rudra-Sukta.

9.124 Wer zehntausend Lingas aus Salz einzeln verehrt, dessen Glück wächst, selbst wenn er mittellos ist.

9.125 Wer während einer Jahreszeit täglich hundert Lingas aus Nahrung herstellt und verehrt, dem wird reicher Ertrag auf dem Feld verheißen.

9.126 In der Regenzeit werden zehntausend Lingas aus Zucker oder elf aus Dhattura-Blüten genannt. Ein eigener Zweck wird in diesem Vers nicht ausdrücklich angegeben.

9.127 Zehntausend Lingas aus Gerstenmehl oder Salz werden mit dem Anspruch verbunden, die drei Welten gefügig zu machen.

9.128 Wer dreihundert Kuhdung-Lingas einzeln verehrt, überwinde kleinere Krankheiten, nach sechs Monaten auch schwere. Dies ist eine religiöse Wirkungsverheißung des Werkes.

9.129 Wenn eine Handlung keine Frucht zeigt, soll der Betreffende zehntausend Lingas aus Früchten verehren.

9.130 Zehntausend Lingas aus Durva oder Guduchi sollen vor frühem Tod schützen; dasselbe wird solchen aus Nivara-Mehl zugeschrieben.

9.131 Wer sechs Monate lang ein Linga aus Saphir oder Kupfer verehrt, erreicht nach dem Text das Gedeihen.

9.132 Ein Kristall-Linga wird als Yogeshvara bezeichnet. Durch hunderttausend Verehrungen erlange man umfassende Herrschaft beziehungsweise Besitz.

9.133 Zur Befreiung aus der Ahnenwelt oder zur Befreiung der Ahnen werden zehntausend Verehrungen eines silbernen Lingas genannt.

9.134 Wer zehntausend Verehrungen eines goldenen Lingas vollzieht, erlangt seinem Sankalpa gemäß Satyaloka. Der Wortlaut weist bei „Verehrung“ eine beschädigte Form auf.

9.135 Wer langes Leben sucht, verehrt ein Linga aus Blei, Zinn oder Bronze; wer Wohlgeruch des Körpers wünscht, eines aus Schwefel.

9.136 Ein Mittelloser verehrt tausendmal ein einzelnes hölzernes Linga und werde so von Armut frei. Die nähere Bestimmung des Holzes am Versanfang ist entstellt.

9.137 Für Kraft wird Kampfer genannt, für Rinderbesitz Weizenmehl, für Freude Mungbohnenmehl; Zweimalgeborene sollen täglich drei entsprechende Lingas verehren.

9.138 Wer Duft ersehnt, verehrt täglich tausend aus Moschus; ein Linga aus Masha-Mehl soll beständige Versorgung mit Mehlspeisen gewähren.

9.139 Ein Linga aus Gerste soll die Yama-Welt fernhalten; eines aus Priyangu-Mehl mache allen Wesen lieb. Ein unpassender Klammerzusatz nennt hier Blei und wird nicht mit dem Grundtext harmonisiert.

9.140 Wer eines aus weißem Sesam herstellt, werde Herrscher von Shvetadvipa. Aus dem, was einem besonders lieb ist, soll man ein Linga formen; dadurch werde das betreffende Gut erlangt.

9.141 Wer im Sommer eintausend bis zehntausend Lingas aus Jasminblüten verehrt, erlange eine „doppelte Gestalt“. Ob Schönheit, Kraft oder eine andere Verdoppelung gemeint ist, wird nicht erklärt.

9.142 Ein im Herbst aus blauen Lotusblüten geformtes Linga verleiht nach dem Text das Gelingen jedes beliebigen Vorhabens.

9.143 Wer im frühen Winter ein schönes Linga aus Jati-Blüten formt und hingebungsvoll verehrt, erfreut sich zusammen mit Shiva.

9.144 Unter den weichen Lingas gilt das irdene als vorzüglich; unter den harten zunächst Stein, über Stein aber Bergkristall.

9.145 Über Bergkristall steht Rubin, darüber ein als Kashmira bezeichneter Stoff, darüber Pushparaga und darüber Saphir.

9.146 Über Saphir steht Gomeda, darüber Koralle, darüber Perle und darüber Silber.

9.147 Über Silber steht Gold, darüber Diamant, darüber Quecksilber und darüber das Bana-Linga. Diese Materialrangfolge wird als historische Kultlehre wiedergegeben.

9.148 Ein im Wasser der Narmada befindliches Linga heißt Bana-Linga. Als weitere Erklärung wird ein von Banasura verehrtes Linga genannt.

9.149 Das Essen einer Shiva dargebrachten Speise bei einem Bana-Linga, einem selbstentstandenen Linga, einem Mondstein-Linga oder dem im Herzen verehrten Linga gilt dem Chandrayana-Gelübde als gleichwertig.

9.150 Beim Bana-Linga entfällt die Unterscheidung von annehmbarer und nicht annehmbarer Opfergabe. Das dargebrachte Wasser und die Speise dürfen als Prasad angenommen werden.

9.151 Das aus Shivas Namen bestehende Linga ist von den großen Weisen stets zu verehren; unter allen Lingas gilt es als das verehrungswürdigste.

9.152 Ein schönes Linga von vier Fingerbreiten Höhe, mit Basis und nach den fünf Maßlinien gestaltet, heißt vorzüglich.

9.153 Die halbe Größe wird als geringer, deren Hälfte als noch geringer bezeichnet. Ein noch kleineres soll nicht verehrt werden und bringe keine gute Frucht.

9.154 Bei Rudraksha und Shiva-Linga werden größere Exemplare gelobt; beim Shalagrama und Narmada-Linga werden dagegen jeweils kleinere bevorzugt.

9.155 Brahmane, Kshatriya, Vaishya, Shudra oder ein Mensch aus einer Anuloma-Verbindung soll das Linga beständig und ehrfürchtig mit dem jeweils zugeordneten Mantra verehren.

9.156 Für Brahmanen gilt die Verehrung mit vedischem Mantra als vorzüglich; tantrisch Eingeweihte verehren nach der tantrischen Vorschrift. Eine unvedische Weise wird hier ausgeschlossen.

9.157 Bei Menschen, deren Geist nach der polemischen Darstellung durch die Flüche Dadhichis, Gautamas und anderer versengt ist, entstehe kein Vertrauen in reine vedische Handlung.

9.158 Wer vedische und Smarta-Pflichten missachtet und stattdessen anderes tut, erlangt nach dieser Passage keine Ritualfrucht. Viele werden im Kali-Zeitalter durch das irdene Linga Vollendung erreichen.

9.159 Im Krita-Zeitalter gilt ein Edelstein-Linga als vorzüglich, im Treta ein goldenes, im Dvapara eines aus Quecksilber und im Kali ein irdenes.

9.160 Mit den verfügbaren Gaben, getragen von Hingabe und Vertrauen, soll man das irdene Linga nach der schriftlichen Vorschrift verehren.

9.161 Die fünf Maßlinien brauchen beim irdenen Linga nicht eigens geprüft zu werden; man gestaltet es nach bestem Vermögen und in angemessener Weise schön.

9.162 Wer es in zwei getrennten Teilen herstellt, erlangt keine Verehrungsfrucht. Lingas aus Edelstein, Gold, Quecksilber, Teig oder Kristall

9.163 sollen aus einem Stück bestehen. Auch weitere bewegliche und unbewegliche Formen werden genannt; anschließend wird für fest installierte Formen Zweiteiligkeit zugelassen. Die Abgrenzung der beiden Regeln ist sprachlich nicht völlig klar.

9.164 Für Brahmanen wird weiße, für Kshatriyas rote, für Vaishyas gelbe und für Shudras schwarze Erde genannt; ersatzweise nimmt man die verfügbare.

9.165 „Dem Bhava, der das Werden aufhebt, dem Mahadeva gilt unsere Meditation; dem Ugra, der das Schreckliche beseitigt, dem Sharva, der den Mond am Haupt trägt.“

9.166 Dieser Mantra wird für Menschen aus den als Viloma bezeichneten Verbindungen angegeben. Nach Abschluss der Verehrung bringt man dreimal eine Handvoll Blumen dar.

9.167 Man rezitiert den fünfsilbigen Mantra einhundertachtmal und trägt dann zur Freude der Gottheit das folgende Lob vor.

9.168 „Verehrung dir, dessen Wesen Om ist, der einen Leib aus Lauten beziehungsweise aus dem Unvergänglichen trägt. Verehrung dir als innerem Klang, als Bindu und Kala.

9.169 Verehrung dir, der du ohne Zeichen bist und als Linga erscheinst, der du jenseits der Gestalt bist. Du bist die Mutter aller Welten, du selbst der Vater des Alls.

9.170 Du bist Beschützer, Wohlwollender, Freund und Geliebter in Shivas Gestalt. Du bist Guru, Ziel und Zeuge, Vater und Großvater.

9.171 Verehrung dir, göttlicher Rudra, von unermesslicher Sonnenkraft; Verehrung dem göttlichen Bhava, der als Dharma dem Wohl dient.

9.172 Verehrung Shiva, dem Hüter der Erde, der stets die Asuras bezwingt; Verehrung dem Herrn der gebundenen Wesen, dessen Feuerkraft unermesslich ist.

9.173 Verehrung dir, Bhima, dessen Gestalt der Raum ist und dessen Wesen Klang. Verehrung dir, Mahadeva, Soma und Unsterblichkeit.

9.174 Verehrung dir, Ugra, als Opferherr und im Handeln Wirkender. Verehrung dir als Om, dessen Reittier der Stier des Dharma ist.

9.175 Durch diese von mir vollzogene Verehrung des irdenen Lingas möge der göttliche Rudra das ersehnte Ziel gewähren.“

9.176 Nach Lobpreis, Japa und Verneigung wird die Gottheit entlassen. Nun wird die Ordnung mit bis zu elf Lingas erläutert.

9.177 Täglich verehrt man ein Linga mit sechzehn Darbringungen, Drona-Blüten und Ghee.

9.178 Nach hundert Tagen wird Freiheit von allen Schulden verheißen. Bei zwei Lingas täglich verwendet man ebenfalls sechzehn Darbringungen, Jasminblüten und Jaggery als Speise.

9.179 Dreihundert Tage werden genannt, anschließend eine Zehntausenderzahl und der Gewinn eines Sohnes; das Verhältnis der Zahlen ist beschädigt. Bei täglich drei Lingas werden wiederum sechzehn Darbringungen verwendet,

9.180 Karanja-Blüten und Kampfer als dargebotener Stoff. Nach fünfhundert Tagen wird eine schöne Tochter verheißen.

9.181 Bei täglich vier Lingas werden sechzehn Darbringungen, Gerste als Speise und Champaka-Blüten genannt.

9.182 Nach fünfhundert Tagen werde eine Heirat erreicht. Anschließend springt die Vorlage zu sechs Lingas mit Bakula-Blüten und Honig als Gabe; eine Fünferstufe ist hier nicht ausgeführt.

9.183 Nach dreihundert Tagen werde man von schwerem Streit frei. Bei täglich sieben Lingas werden hundertblättrige Lotusblüten verwendet,

9.184 Reis mit Sauermilch als Gabe und eine Dauer von fünfhundert Tagen. So werde das im Geist erstrebte Pilgerziel beziehungsweise die Begegnung mit der dortigen Gottheit erreicht.

9.185 Bei täglich acht Lingas verwendet man Bilva-Blätter, Laddu als Gabe und sechzehn Darbringungen.

9.186 Nach dreihundert Tagen wird der Zugang zu großer Vidya verheißen. Danach folgen täglich neun Lingas; die anschließende Angabe verbindet die Speisegabe mit „fünf Monaten“ und ist nicht eindeutig.

9.187 Mit Bandhuka-Blüten wird verehrt; der Mensch werde schuldenfrei und wohlhabend. Bei täglich zehn Lingas während eines Jahres werden Kanchana-Blüten verwendet,

9.188 als Speise Kuchen. Dies wird mit der Ankunft aus einem fernen Land verbunden. Bei täglich elf Lingas wird eine fünfteilige Speisegabe genannt,

9.189 ferner Karavira-Blüten. Gold, Silber, Perlen, Korallen und alles entsprechend Gewünschte werde dadurch erlangt.

9.190 Nun erkläre ich den feierlichen Abschluss, der nach vollendeter Linga-Verehrung und bei erfülltem Herzenswunsch zu vollziehen ist.

9.191 Man lässt ein Linga aus Gold, Silber oder Kupfer in passender Größe herstellen und soll dabei die eigenen Mittel nicht aus Geiz verbergen.

9.192 Das Zusammentreffen von Ardra, Montag und vierzehntem Mondtag heißt Mahashaiva-Yoga. Treffen zwei davon zusammen, heißt es Shaiva-Yoga; eines allein kennzeichnet einen Shiva-Tag.

9.193 Die große Verbindung verleiht nach dem Text unbegrenzte Frucht, die zweifache reiche Frucht, die einfache die jeweils genannte Frucht.

9.194 Am ersten Tag fastet man und verehrt Parameshvara. Danach wählt man den Acharya und Brahmanen für das Feueropfer.

9.195 Man verehrt Ganesha und Amba, setzt Shiva ein und verehrt ihn; nach der Prana-Pratishtha wird das Feuer eingerichtet.

9.196 Den Acharya und die Opferpriester gewinnt man durch Dakshina und weitere Gaben. Die Zahl der Feueropfer entspricht der Zahl der verehrten Lingas.

9.197 Wer langes Leben wünscht, opfert Ghee, wer Reichtum wünscht, Milchreis; für andere Anliegen werden Sesam und Ghee genannt.

9.198 Nachts hält man mit Gesang und Musik Wache. Es folgen Tarpana, Marjana und die Bewirtung der Brahmanen,

9.199 ferner einer Gruppe von Knaben und Mädchen zur Freude der Gottheit mit Ambika. Nach erneuter Verehrung übergibt man das Linga dem Guru.

9.200 Mit Kleidung, Schmuck und weiteren Gaben erfreut man den Guru sorgfältig. Nach reichlicher Dakshina isst man gemeinsam mit Freunden.

9.201 So ist der hohe Abschluss der Linga-Verehrung beschrieben; damit ist das Verfahren für irdene Kultformen erklärt, das alle Wünsche erfüllen soll,

9.202 zusammen mit seinem Abschlussfest. Was möchtest du noch hören?

Kolophon: So endet im von Shiva verkündeten, von Mahamaya und Mahakala gebilligten Meru Tantra die neunte Erhellung mit der Beschreibung des Verfahrens der Parthiva-Verehrung.

Zehnter Prakāśa – Purashcharana und kaulische Lebensführung

Die Göttin fragt nach dem Verhältnis der unterschiedlichen Wege. Der folgende Abschnitt stellt zunächst grundlegende Haltungen vor und behandelt danach Eignung, Übertragung und besondere kaulische Rituale. Letztere sind historische Dokumentation, keine Empfehlung zur Selbstpraxis.

10.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Bald lehrst du den rechten, bald den linken Weg, bald den Sonnen- oder den Shiva-Weg, bald die obere, südliche, nördliche oder westliche Überlieferung,

10.2 ferner die untere Überlieferung, den Ganesha- und den Vishnu-Weg, an anderen Stellen persische, buddhistische oder als heterodox bezeichnete Wege.

10.3 Im jeweiligen Abschnitt lobst du sie, an anderer Stelle tadelst du sie wieder; auch einen Weg ohne Gottheit, Vedanta und vedische Überlieferung nennst du,

10.4 Pflichten nach Kontinent, Landesteil, Familie, Region, Zeit und sozialer Gruppe.

10.5 Dieses Tantra gilt als das vorzüglichste Tantra. Wenn du mir gnädig bist, erkläre mir die Wahrheit und befreie mich von meinen Zweifeln.

10.6 Der ehrwürdige Shiva sprach: Wie groß ist die Macht der Zeit! In jedem Tantra fragst du erneut nach dem Vorrang des jeweiligen Weges, und ich verkünde ihn mit Selbstbewusstsein.

10.7 Nun ist durch die Zeit eine sattvische Einsicht entstanden: Du hast zum Wohl aller nach der Wahrheit gefragt. Diese werde ich erklären.

10.8 Wie die Stimme des Vaters einem Kind wohltut, so der Klang des Veda. Wenn zehntausend Jahre des Kali-Zeitalters vergangen sind,

10.9 wird der Veda, unmittelbar Narayana, von den der Zeit unterworfenen Wesen nicht mehr gehört. Daran, Göttin, ist das Herannahen dieser Zeit zu erkennen.

10.10 Laute des Sprechens, Gähnens, Niesens und weiterer Körpervorgänge entstehen und vergehen. Als ebenso vergänglich sollen die Götter die vom Veda verschiedenen Schriften erkennen.

10.11 Solange eine Lehre in dieser Welt verbreitet ist, besteht für ihre Anhänger Wohlergehen. Der vedische Weg ist heute gehemmt,

10.12 darum führen die Begründer der anderen Wege und die Schüler ihrer Überlieferungen Menschen auf ihren jeweiligen Weg; solange dies trägt, entsteht entsprechendes Glück.

10.13 Wie menschliche Erkenntnis durch die sechs Sinne entsteht, so wird der Sinn des Veda durch seine sechs Hilfswissenschaften erschlossen.

10.14 Wie der Mensch fünf Handlungsorgane hat, so habe ich die fünf Überlieferungsrichtungen als die Handlungsorgane des großen Herrn der Zeit beschrieben.

10.15 Die obere Überlieferung entspricht seiner sprachlichen Tätigkeit. Ihre Erkenntnisgrundlage sind die Veden und die Smritis als deren Teilbereiche.

10.16 Ihre Glieder sind die Puranas, ihre Gottheiten Gayatri und weitere. Als Brahmane gilt hier, wer aus brahmanischer väterlicher und mütterlicher Herkunft stammt und die entsprechenden Samskaras empfangen hat,

10.17 brahmanische Lebensführung pflegt und Brahma-Vidya besitzt. Ein solcher, so der Text, hat selbst uns Götter unter seiner Macht; die Wirklichkeit folgt seinem Wort.

10.18 Fehlt eines dieser Merkmale, folgt sein Wort der Wirklichkeit. Fehlen zwei, Göttin, gilt er durch seine Lebensführung als Brahmane.

10.19 Fehlen drei, erlangt er Vollendung auf dem tantrischen Weg; fehlen vier, sind die kaulischen und ähnlichen Wege für ihn bestimmt.

10.20 Entsprechend diesen unterschiedlichen Merkmalen soll die jeweilige Ordnung des Dharma unter Berücksichtigung von Land, Familie, sozialer Gruppe und Zeit bestimmt werden.

10.21 Unwahres Reden und Diebstahl werden auf allen Wegen getadelt. Herkunft, Tätigkeit, Japa und Askese allein sind dabei nicht ausschlaggebend; die Verbindung des zweiten Halbverses mit dem folgenden ist verkürzt.

10.22 Wer wahrhaftig ist, wird als zu Lebzeiten befreit gepriesen; in der Wahrheit ist alles gegründet. Ahimsa, Nichtverletzen, ist höchster Dharma, verwirklicht in Wort, Körper und Handeln.

10.23 Wo diese Haltung feststeht, entscheiden weder äußere Lebensform noch soziale Herkunft allein; ein solcher Mensch gilt als einem Befreiten gleich. Nachdem er hier Wohlergehen erfahren hat, erreicht er zuletzt das höchste Ziel.

10.24 Wer im Herzen darin gegründet ist, anderen kein Leid zuzufügen, den erkenne selbst in der Zeitgebundenheit als befreit: Er ist ohne Zweifel ein Jivanmukta.

10.25 Die durch geschlechtliche Vereinigung entstehende Welt der Sinneserfahrung hat er im Geist losgelassen; darum heißt er zu Lebzeiten befreit.

10.26 Zufrieden mit dem, was ihm zufällt, lobt und tadelt er nicht aus Anhaftung; weder Freude noch Schmerz beherrschen ihn. So wird er von der Bindung an Handlungen frei. Eine Wortgruppe des letzten Halbverses ist beschädigt.

10.27 Er gibt das Glück der Sinnesgegenstände auf, ruht in tiefer Zufriedenheit und lässt die Zeit vergehen, solange der Körper noch erhalten werden muss.

10.28 Frei von Begierde, Zorn und ähnlichen Regungen übt er in der Einsamkeit Askese, ohne irgendeine Frucht zu begehren. Eben dieser ist zu Lebzeiten befreit.

10.29 Mahakalas Gemahlin ist schwer zu erkennen und schwer zu überwinden. Wird sie durch Verehrung ihrer Erscheinungsformen gnädig, gewährt sie selbst Befreiung.

10.30 Wie eine Mutter sich von ihren klugen, geliebten Kindern überlisten lässt, so lässt auch sie sich überlisten. Wer dies erreicht, heißt zu Lebzeiten befreit.

10.31 Essen, Trinken und geschlechtliche Vereinigung hat sie als Mittel der Bindung hervorgebracht. Wer dies als Bindung erkennt, kann sich daraus lösen.

10.32 Die Götter wünschen Verehrung und sind insofern durch das Annehmen von Gaben gebunden. Wer wie Shuka nichts annimmt, ist ein solcher zu Lebzeiten Befreiter.

10.33 Wer den Körper bei seiner täglichen Reinigung als Ausscheidungsgebilde erkennt und dessen Identifikation mit dem Körper sich aufgelöst hat, ist zu Lebzeiten befreit. Das Wort für die Reinigung ist in der Vorlage beschädigt.

10.34 Dies ist ein leicht zugängliches Mittel; daran soll man nicht zweifeln. Wer sein ganzes Leben durch Studium und Übung des Veda führt, erlangt Befreiung.

10.35 „Wer bin ich? Was wird hier gesehen? Wer ist der Handelnde? Wohin geht dieses im Bewusstsein?“ Wer beständig so betrachtet, gelangt zur Auflösung in Mahakala. Der genaue Bezug der letzten Frage ist grammatisch knapp.

10.36 Die Aussage über das Überlisten der Göttin durch Anhänger des linken und kaulischen Weges, Wissende und Menschen ohne Guru ist in der Vorlage widersprüchlich gegliedert. Erkennbar ist die Abgrenzung: Nicht jeder vermag die bindende Macht zu überwinden; eine eindeutige Zuordnung der genannten Gruppen bleibt ungesichert.

10.37 Wer gebunden ist, löse die Fesseln seiner Bindung. Wer Mahakala vergegenwärtigt, wird dadurch zu Lebzeiten befreit. Die erste Halbzeile enthält beschädigte Wortformen.

10.38 Die Arten von Bindung und Befreiung habe ich in diesem Tantra zusammengestellt. Wer sie durch den Weg des Gurus erkennt, löst diese Bindung.

10.39 Wer jedoch durch einen schlechten Guru oder bloßen Erkenntnisanschein aus einem Buch den eigenen Dharma aufgibt und sich unvorbereitet in diesen Weg stürzt, geht nach der Warnung des Textes zugrunde.

10.40 Darum werde ich die Ordnung für geeignete Anhänger des linken Weges erklären: Für wen Genuss und Befreiung möglich sind und für wen ein schlechter Ausgang droht.

10.41 Auf dem linken Weg sollen nur geeignete Schüler angenommen werden. Dadurch wächst die geistige Kraft des Gurus, und auch der Schüler erlangt Wohlergehen.

10.42 Wer aus Verblendung oder Habgier einen Ungeeigneten einweiht, wird nach dem Text arm; der Schüler wird zum Gefäß des Leidens.

10.43 Fehlt einem Brahmanen eines der zuvor genannten Merkmale, soll er sich dessen bewusst und davon innerlich berührt sein, obwohl er einen gewissen brahmanischen Stand besitzt:

10.44 „Ich habe nicht die Eignung für alle brahmanischen Handlungen erlangt. Wie werde ich in dieser und der jenseitigen Welt Wohlergehen gewinnen?“

10.45 Gegenüber fremdem Besitz sei er wie blind, gegenüber den Ehepartnern anderer ohne sexuelles Begehren und gegenüber Verleumdung wie stumm. So soll er sich beständig prüfen.

10.46 Einem solchen Brahmanen wird hier wirkliche Eignung zugesprochen. Auch Nichtbrahmanen, die denken: „Wir hängen an Fleisch und Alkohol,

10.47 wie können wir Befreiung erlangen?“, gelten als Schüler, wenn sie sich ernsthaft dieser Frage zuwenden und die zuvor beschriebenen Eigenschaften besitzen.

10.48 Ein Brahmane mit allen fünf Merkmalen gilt hier als Kala selbst. Ich, Brahma und Vishnu folgen seinem Gebot.

10.49 Wendet er sich jedoch dem linken Weg zu, werde er als Hund wiedergeboren. Ein Brahmane mit vier Merkmalen wird als mittlerer bezeichnet. Dies ist die hier vertretene historische Rangordnung.

10.50 Wird einem der beiden aus einem ungünstigen Umstand heraus ein tantrischer Mantra übertragen, wirkt er beim ersten unmittelbar, beim zweiten durch die vorgeschriebenen Handlungen. Die Zuordnung von Geben und Empfangen ist im Wortlaut knapp.

10.51 Wer drei Merkmale besitzt, erlangt nach den jeweiligen Vorschriften Frucht durch vedische und tantrische Verfahren, nicht durch den linken Weg.

10.52 Bei zwei Merkmalen gelten der linke und rechte Mantraweg als gleich fruchtbar, der vedische dagegen nicht.

10.53 Bei nur einem Merkmal gilt der linke Weg als fruchtbringend. Für die vom Text von Shudras bis zu Yavanas zusammengefassten Gruppen wird die Siddhi auf dem linken Weg verortet.

10.54 Ein Brahmane auf dem linken Weg soll Tulasi und einen vaishnavischen Brahmanen nicht berühren und sich nicht vor einem vedischen Brahmanen verneigen. Diese sektiererische Abgrenzung wird als Textaussage dokumentiert.

10.55 Ein nach dieser Rangordnung geringerer Brahmane sowie Kshatriyas und weitere Gruppen können hingegen auch bei Hinwendung zum linken Weg durch Vishnu-Gelübde gereinigt werden. Die Begründung über ihre Wegzugehörigkeit bleibt sprachlich unklar.

10.56 Nun will ich offen die Ordnung erklären, die den Anhängern des linken Weges Wohlergehen bringt: Satsang, Unterscheidungskraft und ein beständiger Blick.

10.57 Wie sollte jemand, dem diese fehlen, auf diesem Weg Wohlergehen erlangen? Wer an weltlicher Freude hängt und zugleich behauptet: „Ich bin ein Kenner Brahmans“,

10.58 hat sowohl den verantwortlichen Weg des Handelns als auch Brahman-Erkenntnis verfehlt; man meide ihn wie einen vom Weg Abgekommenen. Wo Alkohol, Fleisch, Rauschtrank, Fisch und Beziehungen zu Frauen

10.59 vielfach vorkommen, wird der linke Weg als geordneter Zugang beschrieben. Wer dagegen äußerlich auf dem rechten Weg bleibt und heimlich Fleisch und entsprechende Stoffe genießt,

10.60 gelangt nach der Warnung des Textes in eine schreckliche Hölle und wird als Wurm im Unrat geboren. Deshalb sollen Zweimalgeborene die vedische Dharma-Ordnung pflegen.

10.61 Wer Fleisch ohne Bali isst, Alkohol ohne Verehrung trinkt oder außerhalb des Duti-Rituals mit der Frau eines anderen verkehrt, dem wird ein höllischer Ausgang zugeschrieben.

10.62 Wer Kula-Dharma ausübt, ohne die Einweihungsvereinbarungen und Verhaltensregeln verstanden zu haben, wird, ob Guru oder Schüler, zum „Opfertier“ der Yoginis.

10.63 Wer als für den linken Weg Bestimmter Befreiung wünscht, ohne diesen Weg zu kennen, gleicht einem Menschen, der den uferlosen Ozean allein mit seinen Armen durchschwimmen möchte.

10.64 Menschen außerhalb der vorgeschriebenen Handlungen und der Varna-Ashrama-Ordnung können nach dem Text im kaulischen oder linken Weg sowohl Genuss als auch Befreiung finden.

10.65 „Mögen alle Verwandten mich tadeln, mögen Kinder und andere mich verlassen, mögen die Menschen über mich lachen oder Könige mich bestrafen,

10.66 möge ich ständig unter Krankheit, Armut und Leid stehen, möge Lakshmi bleiben oder gehen: Diesen Weg gebe ich nicht auf.“

10.67 Wer eine solche feste Hingabe besitzt, kann auf dem linken Weg Vollendung erreichen. Weder aus Geldgier noch aus Zorn, Hass oder Neid,

10.68 weder aus Begierde noch aus Furcht soll der empfangene Weg aufgegeben werden. Wer auf diesem Weg die Göttin nicht täglich verehrt, begegnet nach dem Text Hindernissen.

10.69 Wer durch das Mitgefühl des Gurus gereinigt ist, dessen leibliche Verunreinigung abgefallen ist und der sich der Kula-Verehrung widmet, dieser ist ein Kaula, kein anderer.

10.70 Wer weiß schon, was im Verborgenen geschieht und wem welche Frucht zukommt? Als vorzügliche Anschauung gilt hier eine, die unmittelbar Frucht zeigt. Die Gegenüberstellung ist sprachlich knapp.

10.71 Einige nennen sich große Meister, obwohl ihnen die Unterweisung eines Gurus fehlt; selbst zuvor verblendet, führen sie andere in die Irre.

10.72 Unverständige behaupten: „Alkohol soll getrunken, Fleisch gegessen und die Freude mit einer Geliebten genossen werden – darin besteht das vorgeschriebene Verhalten.“

10.73 Wenn Weise allein durch Alkoholtrinken Siddhi erlangten, warum sind dann nicht alle dem Trinken Ergebenen Vollendete?

10.74 Wenn allein Fleischessen zu einem heiligen Ziel führte, wären alle Fleischfresser befreit; sie essen schließlich nichts anderes.

10.75 Wenn geschlechtliche Vereinigung allein Befreiung bewirkte, ihr Götter, wären alle befreit – wer würde dann noch wiedergeboren?

10.76 Auf einer Schwertschneide zu gehen, sich an einem Tigerohr festzuhalten oder von Schlangen umgeben zu sein, ist leichter als der Kula-Weg. Der Schlangen betreffende Ausdruck lässt auch eine andere konkrete Deutung zu.

10.77 Ungeweihter, zweckloser Alkoholkonsum ist das hier verbotene Surā-Trinken, Göttin; in Veda und weiteren Schriften gilt er als schwere Verfehlung.

10.78 Für die als Pashu bezeichneten Menschen sollen Alkohol und Fleisch weder gerochen noch betrachtet, insbesondere nicht genossen werden; Kaulas wird dagegen im entsprechenden Ritual große Frucht zugesprochen.

10.79 Elf Arten berauschender Getränke gelten für Zweimalgeborene als unrein; als zwölfte wird Surā genannt und innerhalb dieser Reihe als vorzüglich bezeichnet. Die positive Wertung steht im Zusammenhang des kaulischen Rituals.

10.80 Brahmane, Kshatriya und Vaishya sollen daher außerhalb der dafür geltenden Ausnahme keinen Surā trinken. Schon beim Anblick wird das Hinschauen zur Sonne vorgeschrieben.

10.81 Bei bloßem Kontakt werden drei Pranayamas genannt; bei Berührung des Körpers bis zu den Knien ein Bad, bis zum Nabel ein Fasttag.

10.82 Oberhalb des Nabels werden drei Nächte angesetzt. Für tatsächliches Surā-Trinken beschreibt die historische Vorschrift anschließend das Einführen eines glühenden Stabes

10.83 in den Mund, um durch Verbrennung Reinigung zu erreichen. Diese gefährliche körperliche Bestrafung ist ausschließlich dokumentierter Quellentext. Wer zum eigenen Nutzen Lebewesen durch Gewalt tötet, Geliebte,

10.84 verbleibe so viele Tage in einer schrecklichen Hölle, wie das Tier Haare hat, und werde danach in Tiergeburten wiedergeboren.

10.85 Zustimmender, Zerleger, Töter, Käufer, Verkäufer, Zubereiter, Darbietender und Essender werden als acht gleichermaßen Beteiligte bezeichnet. Die Aufzählung ist in der Vorlage nicht ganz regelmäßig gegliedert.

10.86 Wer das Tier mit Geld erwirbt, gilt als Beteiligter an seiner Tötung; ebenso werden Essen und Genießen zusammengeordnet. Tötung, Fesselung und verwandte Handlungen bilden weitere Formen der Beteiligung; der Satzbau ist beschädigt.

10.87 Ohne vorgeschriebene Regel solle nicht einmal ein Grashalm abgeschnitten werden; bei regelkonformem Handeln werde dagegen selbst durch Tötung einer Kuh oder eines Brahmanen keine Schuld angesetzt. Diese extreme ritualistische Behauptung wird als Aussage des Werkes dokumentiert und nicht als ethische Rechtfertigung übernommen.

10.88 Als vorzüglich gilt unter Kaulas, Anhängern der oberen Überlieferung und des linken Weges derjenige, der geeignet, hingebungsvoll und dem Guru dienend ist. Die Rangordnung der Gruppen ist im Wortlaut mehrdeutig.

10.89 Die westliche Überlieferung wird mit Auflösung, die nördliche mit Gnade verbunden; die östliche heißt Mantra-Yoga, die südliche Bhakti-Yoga.

10.90 Die westliche heißt Karma-Yoga, die nördliche Jnana-Yoga. An die Stelle des Matrika-Nyasa tritt auf dem linken, kaulischen Weg

10.91 ein Nyasa namens Prapancha-Yoga, der nun erläutert wird. Zunächst werden Paare aus Göttinnennamen und Weltbereichen genannt: Shri mit Prapancha, Maya mit Kontinent,

10.92 Kamala mit Meer, Vishnuvallabha mit Berg, Padmadharini mit Stadt, Samudratanaya mit heiligem Sitz, Lokamatrika mit Kultgebiet,

10.93 Kamalavasini mit Wald, Indira mit Ashrama, Ma mit Höhle, Rama mit dem Verborgenen und Padma mit dem Gehenden. Einige Wortgrenzen dieser Reihe sind unsicher.

10.94 Narayanapriya wird mit den aus dem Boden wachsenden Wesen, Dvilakshmi mit den aus Feuchtigkeit geborenen, Mahalakshmi mit den eiergeborenen und Lakshmika mit den aus dem Mutterleib geborenen Wesen verbunden.

10.95 Diese sechzehn Paare werden an den Vokalstellen eingesetzt. Bei den Verschlusslauten folgen Zeitmaße mit Shaktis: Arya mit Lava, Ama mit Truti und Chandika mit Kala.

10.96 Es folgen Durga mit Kashtha, Shiva mit Nimesha, Aparnika mit Atemzug, Ambika mit Ghatika und Sati mit Muhurta,

10.97 Ishvari mit Prahara, Shankari mit Tag, Ishani mit Dämmerung und Parvati mit Nacht.

10.98 Danach wird Sarvamangala zusammen mit Sthiti eingesetzt, Dakshayani mit dem Wochentag und Haimavati mit der folgenden Kalendergröße.

10.99 Dies ist das Mondhaus; Mahamaya wird mit Yoga, Maheshvari mit Karana und Mridani mit der Monatshälfte verbunden.

10.100 Rudrani gehört zum Monat, Sharvani zum Tierkreiszeichen, Parameshvari zur Jahreszeit und Kali zum Halbjahreslauf der Sonne.

10.101 Katyayani wird mit Jahr, Gauri mit Weltalter und Bhavani mit Weltenauflösung verbunden. An den mit Ya beginnenden Lautstellen setzt man anschließend

10.102 Brahmi mit den fünf Elementen ein, Vagishvari mit den fünf feinen Sinnesqualitäten und Vani mit den fünf Handlungsorganen,

10.103 Savitri mit den Erkenntnissinnen, Sarasvati mit den Lebenswinden, Gayatri mit den Gunas und Vak mit dem inneren Organ,

10.104 Sharada mit den Bewusstseinszuständen, Bharati mit den Körperbestandteilen und Priya mit den Doshas. Mit der Vidya wird dann der den ganzen Körper umfassende Nyasa vollzogen.

10.105 Nach den drei Tara-Lauten und der Wurzel-Vidya spricht man den jeweiligen Matrika-Laut und danach der Reihe nach beispielsweise „prapañcarūpāyai śriyai namaḥ“: „Verehrung Shri in der Gestalt der entfalteten Welt“.

10.106 Entsprechend werden die mit Prapancha beginnenden Weltbereiche und die zugehörigen Lautverbindungen an den für den Matrika-Nyasa genannten Körperstellen eingesetzt.

10.107 Für den umfassenden Nyasa folgen auf die drei Tara-Laute und den Wurzelmantra die Bestimmung als Gestalt des Prapancha sowie „āryāparāmbādevyai namaḥ“. Die Verbindung der Göttinnenbezeichnungen ist im Wortlaut nicht völlig eindeutig.

10.108 So erfolgt Prapancha-Nyasa. Nun wird Bhuvana-Nyasa erläutert: Nach den drei Tara-Lauten und dem Wurzelmantra spricht man die nach Gruppen geordneten Buchstaben

10.109 mit Anusvara und danach den jeweiligen Weltennamen von den unteren Ebenen an. Die folgenden Bestandteile nennen hundert, zehn Millionen und die Bezeichnung des Geheimen; ihre genaue syntaktische Verknüpfung ist nicht gesichert.

10.110 Es folgen Yogini, der Name der Wurzelgöttin, Adhara-Shakti und „devyai namaḥ“. Damit wird an den genannten Körperstellen Nyasa vollzogen.

10.111 Die Laute werden von A an in Dreiergruppen gegliedert und mit der Mondsichel versehen; danach werden an jeweils zwei Stellen zwei Laute verwendet. Die genaue Verteilung ist verkürzt.

10.112 Die sieben Gruppen von Ka an sowie La und Ksha werden auf vierzehn Stellen bezogen. Die Weltennamen lauten Atala, Vitala,

10.113 Sutala, Mahatala, Talatala, Rasatala, Patala, Bhur, Bhuvar, Svar, Mahar, Jana und Tapas,

10.114 zuletzt Satya. Nun die anstelle von „guhya“ einzusetzenden näheren Bestimmungen: An zweiter Stelle Guhyantara, dann Atiguhya und Achintya,

10.115 Mahaguhya, Svatantra und Paramaguhya. An der Yogini-Stelle werden anschließend Omkara, Rahasya und Jnana genannt,

10.116 ferner Rahasya mit Kriya an der achten Stelle, Rahasya mit Dakini und Maharahasya mit Hakini,

10.117 Mahagupta mit Kakini, Guptatara mit Shakini, Gupta mit Shrihakini sowie Mahakaya mit Yakini. Die Reihenfolge und einige Zuordnungen sind in der Vorlage nicht vollständig eindeutig.

10.118 Der Anhänger des linken Weges setzt diese der Reihe nach ein an Knöcheln, Becken und Knien, Oberschenkeln und nochmals Knöcheln, Muladhara, Svadhishthana und Nabel. Die wiederholte Knöchelbezeichnung weist auf eine beschädigte Körperstellenliste hin.

10.119 Es folgen Herz, Schulterbereich, Hals, Stirn und Brahmarandhra. Danach spricht man die drei Tara-Laute, den Wurzelmantra und die vierzehnfach zugeordnete Lautform „vaṃ“;

10.120 mit „adhipāyai parāmbāyai devyai namaḥ“ wird der umfassende Nyasa vollzogen. Nun wird der Murti-Nyasa erläutert; zunächst spricht man dreimal den Pranava,

10.121 dann den Wurzelmantra. Die folgenden Namen werden im Dativ mit „namaḥ“ an den bezeichneten Körperstellen eingesetzt.

10.122 Die Anfangsbestimmung verbindet Ma und Priya; am Kopf stehen Keshava und Akshaya, am Gesicht Narayana mit einer unsicher überlieferten Shakti, an der rechten Schulter Madhava

10.123 zusammen mit Ishani, an der linken Govinda mit Ugra. Vishnu wird am oberen Auge genannt; an der rechten Seite Madhusudana.

10.124 Riddhi folgt an der linken Seite; an der rechten Hüfte stehen Trivikrama und Rukmini, an der linken Vamana und Kanti. Eine erwartbare Gottheitszuordnung zur linken Seite bleibt im Wortlaut unausgeführt.

10.125 Am rechten Oberschenkel werden die unsicher gelesenen Namen „dhīdhara“ und „uddhāra“, am linken „doṣākara“ und „sthiti“ genannt; Ekanasa und Hrishikesha werden am rechten Knie eingesetzt.

10.126 Ekarini und Padmanabha am linken Knie, Oghavati und Damodara am rechten Unterschenkel; anschließend folgt Vasudeva,

10.127 zusammen mit Arkamana am linken Unterschenkel, Anjanaprabha mit Sankarshana am rechten Fuß und Pradyumna

10.128 mit Asthimala am linken Fuß; Aniruddha wird mit Dhara verbunden. Diese sechzehn Zuordnungen werden mit den vorangestellten nasalierten Lauten eingesetzt. Einzelne Körperstellen und Namen fehlen oder sind beschädigt.

10.129 Dieser Nyasa ist für Vishnu-Verehrer bestimmt. Beim Shaiva-Nyasa werden am rechten Fuß Karabhadra und Bhava genannt,

10.130 am linken Khagabala und Sharva; danach Gatida und Phalaprada, Riddhi mit Daksha sowie Ishana mit Jagatsthana. Die genaue Paarbildung und Körperzuordnung ist ab hier nicht sicher.

10.131 Es folgen Tatpurusha und Uduvallabha, Aghora und Jnananadi sowie Tanka mit Dhara.

10.132 Anschließend werden Vamadeva, Sadya und die beschädigte Folge „jaṣṭaṅkadharadāminī“ genannt. Nun der Brahma-Nyasa: an den Füßen Brahma und Pakshini,

10.133 an den Unterschenkeln Prajapati und Ranjani, an den Knien Vedhas und Lakshmi, an den Oberschenkeln Srashtr und Haritanana,

10.134 an der Stirn Lalita und der Viergesichtige, am Brahmarandhra Kshama und Hiranyagarbha.

10.135 Nach den drei Tara-Lauten und dem Wurzelmantra spricht man „śrītrimūrti“ und „āryāparāmbādevyai namaḥ“ für den umfassenden Nyasa.

10.136 Wer diesen Nyasa vollzieht und danach Japa und die weiteren Übungen ausführt, wird nach der Verheißung des Textes nicht von Bhutas, Pretas oder entsprechenden Wesen bedrängt.

10.137 Nun beschreibe ich nach der Lehre des Vamachara die Gefäße und die zugehörigen Gegenstände. Ohne eine geeignete Unterlage werden weder die Teilkräfte noch die Muttergottheiten zufriedengestellt.

10.138 Vierfüßige, dreifüßige, sechsfüßige und runde Unterlagen beziehungsweise Gefäßformen werden den Ständen von den Brahmanen an zugeordnet.

10.139 Als Materialien werden Kokosnussschale, Gold, Silber, Glas, Muschelschale, Stein, Schneckenmuschel, geeignetes Holz, Schildkrötenpanzer, Schädel, Flaschenkürbis und Ton genannt.

10.140 Sie werden für die verschiedenen Stände als vorzüglich, mittel oder gering eingestuft. Das Gefäß soll weder übermäßig groß noch zu klein sein; gerissene und zerbrochene Gefäße sind zu meiden.

10.141 Gefäße aus Kupfer, Bronze und entsprechenden Metallen sollen hierfür nicht verwendet werden. Gold wird mit Brahman-Vollendung, Silber mit dem Ende des Leidens verbunden.

10.142 Stein steht für Befriedung, Ton für Bannung, Kokosnussschale für Gefügigmachen und verwandte Zwecke, Schildkrötenpanzer für Erkenntnis und Muschelschale für Befreiung.

10.143 Ein Gefäß aus einem heiligen Baum gilt als schuldtilgend, ein irdenes als den Lebensunterhalt fördernd; ein Schädel wird der Vira-Siddhi, ein Flaschenkürbis den Yoga-Siddhis zugeordnet.

10.144 Für die nun beschriebene Reis-Surā werden zwölf Prastha Wasser und vier Prastha Reis genannt. Zunächst wird ein halbes Prastha Reis gekocht und eine gleich große Menge eines „sundara“ genannten Bestandteils hinzugegeben. Die Benennung dieses Bestandteils ist nicht sicher.

10.145 Die Mischung bleibt zwei Tage an einem vor Kälte und ähnlichen Einflüssen geschützten Ort. Danach wird sie auf das Feuer gesetzt und zu breiartiger Beschaffenheit gekocht.

10.146 Dann werden ein Viertel Prastha Reis und ebenso viel des zuvor genannten Bestandteils hinzugefügt. Wieder bleibt die Mischung zwei Tage stehen; das Verfahren wird wiederholt.

10.147 Der gewonnene Auszug wird zum Reis gegeben; dies wird dreifach wiederholt. Das Ergebnis heißt Reis-Surā. Ob „arka“ hier Auszug oder Destillat bezeichnet, ist ohne ergänzende Verfahrensangaben nicht sicher.

10.148 Dieses Getränk wird rituell mit Soma gleichgesetzt und soll die Frucht eines Soma-Opfers gewähren. Beim Duti-Ritual gilt sein Genuss in der entsprechenden Verbindung als Soma-Trinken.

10.149 Was anderen durch das Soma-Opfer erreichbar ist, soll hier Kaulas beziehungsweise Anhängern des linken Weges ohne jene Mühe Genuss und Himmel gewähren. Ein Wort der ersten Halbzeile ist entstellt.

10.150 Eine entsprechende Zubereitung aus Gerstenmehl heißt Gersten-Soma, eine aus Gerste und Reis Shakti-Soma.

10.151 Gekochter und zerstoßener Weizen wird mit einer gleichen Menge Vishva, im Kommentar als trockener Ingwer erklärt, vermischt und zwölf Tage von Varuni umgeben aufbewahrt.

10.152 Dieses Getränk heißt Surya und soll die Berauschung der Yoginis steigern. Nach der Chakra-Puja getrunken, wird ihm die Frucht des Vajapeya-Opfers zugeschrieben.

10.153 Eine dreifache beziehungsweise mit einem weiteren Anteil verbundene Aufbereitung heißt Agni; ihr Genuss soll die Frucht einer Feuerstiftung verleihen. Die Mengenangabe dieses Verses ist beschädigt und nicht zuverlässig rekonstruierbar.

10.154 Wird die Agni-Zubereitung sieben Tage im Varuni-Gerät behandelt und erhitzt, heißt sie Anala und wird als schwere Verfehlungen tilgend gepriesen. Die genaue Gerätefunktion ist hier nicht erläutert.

10.155 Für eine weitere Zubereitung werden zehn Prastha Jaggery und ebenso viel Babul-Rinde genannt, ferner Jambu-Rinde und Dhataki-Blüten; Kokosblüten in halber Menge schließen sich an. Die Bezugsgröße der Halbierung ist nicht eindeutig.

10.156 Es folgen weitere halbierte Mengenangaben für Blüten und Haritaki, dieselbe Menge Vibhitaka und ein Viertel davon für die drei scharfen Gewürze.

10.157 Ebenso viel Chitraka wird genannt, darauf eine zwölfteilige Mengenangabe für Jaggery. Mit der Hand wird vorwärts und rückwärts gerührt; das Verhältnis zur bereits genannten Jaggery-Menge bleibt unklar.

10.158 Täglich zu den drei Tagesübergängen werden einhundertacht Rührbewegungen genannt. Nach zwölf Tagen gilt die Zubereitung als gereift; anschließend wird sie im Varuni-Gerät erhitzt.

10.159 Sie ist als Gaudi bekannt und gilt als stark berauschend. Nach der Werktradition wurde sie einst von Shiva hergestellt und von den Bhairavas selbst getrunken.

10.160 Bei einer weiteren Variante wird Wasser in doppelter Menge des Makaranda mit Jaggery verbunden; die Reifung dauert sechzehn Tage, die übrigen Schritte entsprechen dem Vorigen. Makaranda kann hier Blütennektar beziehungsweise eine süße Ausgangsflüssigkeit bezeichnen.

10.161 Diese Zubereitung wird als allen Gottheiten lieb und für Einflussnahme besonders wirksam gepriesen: Selbst die Shaktis der Götter sollen gefügig werden, umso mehr menschliche Frauen. Die Aussage dokumentiert einen historischen Machtanspruch, keine heutige Praxisempfehlung.

10.162 Haritaki, Chitraka, Pfeffer, Dhataki, Madhuka-Blüten und Honig werden in jeweils um einen Anteil steigender Menge genannt.

10.163 Dazu kommen achtzig Anteile Jaggery; alles Weitere folgt dem vorherigen Verfahren. Dies gilt als ein ansprechendes Getränk für Yoginis.

10.164 Nun kündigt der Text eine berauschende beziehungsweise Bindu bereitende Zubereitung an: Büffelsauermilch und eine als vierhundertfach bezeichnete Jaggery-Menge. Gerade diese außergewöhnliche Mengenlesung bleibt ungesichert.

10.165 Saft zerdrückter reifer Bananen wird mit einem Viertel der Sauermilchmenge angesetzt; alles wird vermischt und in einen Krug gegeben.

10.166 Dies gilt als Surā überlegen und wird für Brahmanen gepriesen. Surā selbst wird dreifach unterschieden: aus Jaggery, aus Honig beziehungsweise Blütensaft und aus Mehl.

10.167 Diese drei gelten hier als Shudras angemessen, nicht als Getränk für Kshatriyas oder Vaishyas. Die von kaulischen Brahmanen getrunkene „Surā der Brahman-Wonne“ dagegen

10.168 soll nicht wahnsinnig machen, sondern Einsicht fördern. Sie wird als beständige Vergegenwärtigung Brahmans erklärt. Damit wechselt die Passage ausdrücklich von der Stoffbeschreibung zur geistigen Deutung.

10.169 Entsteht bei einem Brahmanen bloße Begierde nach Alkohol, soll er nach der historischen Vorschrift wie ein Chandala ausgeschlossen werden; er sei dann weder ein wahrer Anhänger des linken Weges noch ein Kaula.

10.170 Im Mund der kaulischen und linken Verehrer, sagt der Text, wohnen Gottheiten; sie nehmen den Duft der Opferstoffe auf. Ein so verstandener Zweimalgeborener sei verehrungswürdig.

10.171 Wo diese Gottheiten nicht gegenwärtig sind, greift der Text zur abwertenden Bezeichnung Chandala. Mehl-Surā wird allen Siddhis, Jaggery-Surā dem Genuss zugeordnet.

10.172 Honig-Surā gilt als befreiend, Trauben-Surā als Herrschaft gewährend, Zuckerrohr-Surā als Wissen verleihend und Dattel-Surā als feindvernichtend.

10.173 Palm-Surā wird Bannung, Jackfrucht-Surā dem Guten, Kokos-Surā dem Wohlstand und Nimba-Surā der Krankheitsbeseitigung zugeordnet.

10.174 Madhuka-Surā soll Erkenntnis, Maireya die Tilgung von Schuld bewirken. Was freudig, wohlschmeckend, wohlriechend und ansprechend ist,

10.175 gilt als vorzüglicher Rauschtrank zur Freude der Göttin und der Gottheiten. Es folgt eine historische Mischung von Alkohol, Fleisch, Vijaya und acht Duftstoffen, die zu Kügelchen verarbeitet und für die Verehrung in Wasser gegeben wird.

10.176 Die nächste Zubereitung nennt Dhattura-Samen, Vijaya, Jati-Blatt und -Frucht, Akarakarabha sowie Rinde des Vatsa-Baums.

10.177 Hinzu kommt Alkohol; die Anteile werden als ansteigend bezeichnet. Die zu Kügelchen verriebene Mischung heißt hier Bindu beziehungsweise „acht Duftstoffe“ und wird als den Gottheiten lieb bezeichnet. Die Passage enthält giftige und berauschende Pflanzen und wird ausschließlich als historische Textüberlieferung wiedergegeben.

10.178 Brahmanen sollen die Verehrung mit Jaggery-Buttermilch und einem weiteren, als „madhubhojin“ überlieferten süßen Stoff vollziehen. Diese Handlung soll nicht unterlassen werden; die zweite Stoffbezeichnung ist unsicher.

10.179 Bei versehentlicher Unterlassung drohe der Fluch der Gottheit. Als Ersatz wird Tarpana mit Vijaya-Saft genannt.

10.180 Wie ein an Opium gewöhnter Mensch ohne dieses unruhig wird, so werden die Mantragottheiten der kaulischen und linken Wege als erschöpft und verlangend dargestellt:

10.181 Ohne Alkohol und Fleisch bedrängen sie den Übenden; durch beide gewähren die Mantras ihren Verehrern Genuss.

10.182 Ohne diese Stoffe bleiben sie nach dieser Darstellung fruchtlos und verwirren den Übenden. Darum, sagt der Text, betreten selbst einfache Menschen den linken Weg nicht ohne Überlegung.

10.183 Fleisch wird dreifach unterschieden: von luft-, land- und wasserbewohnenden Tieren. Je nach Verfügbarkeit wird eine Art für Tarpana verwendet.

10.184 Vor dem Töten soll das Tier mit dem folgenden Mantra besprochen und mit Duftstoff, Blumen und Reiskörnern verehrt werden; andernfalls drohe nach dem Text die Hölle.

10.185 „Dieser Leib ist von Shiva geschaffen; darum bist du zu Shivas Wesen gelangt. Erwache, Opfertier: Du bist nicht Nicht-Shiva, du bist Shiva.“ Die Eingangsform „śivā“ ist in der Vorlage unregelmäßig.

10.186 Im Wasser sei Brahma, im Duft Vishnu, im daraus entstehenden Zustand Rudra und in der Freude der höchste Atman gegenwärtig; darum werde dieser Opferstoff rituell verwendet. Der Bezug des dritten Gliedes bleibt mehrdeutig.

10.187 Fehlt Fleisch, werden Knoblauch, frischer oder getrockneter Ingwer, Zwiebel oder Linsenbällchen als Ersatz genannt.

10.188 Tarpana kann auch allein mit Alkohol ohne Fisch und Fleisch erfolgen. Verehrung mit Fleisch und Fisch, aber ohne den flüssigen Opferstoff, soll dagegen nicht stattfinden.

10.189 Schon ein sesamkorngroßes Stück Fleisch und ein Tropfen von halber Sesamkorngröße genügen nach dieser Aussage für die göttliche Vergegenwärtigung; andernfalls entstehe die Vorstellung eines Totengeistes. Der genaue Bezug der beiden Mengen bleibt sprachlich knapp.

10.190 Für kaulische Brahmanen wird der rituelle Genuss zugelassen, für Kshatriyas beim Herannahen eines Kampfes, für Vaishyas bei einem hier „golambhana“ genannten Anlass und für Shudras bei sexueller Vereinigung. Der vaishyische Anlass ist nicht sicher bestimmbar.

10.191 Nach Verehrung von Göttern und Ahnen gemäß der Shakti-Lehre, unter Erinnerung an den Guru, gelten rituelles Trinken und Fleischessen hier als nicht schuldhaft.

10.192 Sie sollen der Beständigkeit der Brahman-Meditation und der Zufriedenstellung der Gottheit dienen. Wer sie dagegen nur zur eigenen Befriedigung genießt, gilt als schuldig.

10.193 Wer Fisch, berauschende Getränke und entsprechende Stoffe außerhalb der Opferzeit genießt, begeht nach dem Text eine schwere Verfehlung.

10.194 Wie das Soma-Trinken von Brahmanen bei vedischen Opfern nicht getadelt wird, so wird hier der rituelle Genuss der Kaulas am Ende der Puja verteidigt.

10.195 Die fünf Mudras dürfen erst nach gründlichem Verständnis durch den Guru und die Kula-Schriften verwendet werden; andernfalls gilt der Übende als abgefallen.

10.196 Wer ohne Mantrawiederholung, Guru-Hingabe, Gottheitenverehrung und Vira-Fest trinkt, zieht nach dem Text einen göttlichen Fluch auf sich.

10.197 Als du, Göttin, beim Opfer Dakshas deinen Körper aufgegeben hattest, nahm ich ihn auf meine Schulter und wollte den Scheiterhaufen betreten.

10.198 Wo ich in das als Vadava-Feuer bezeichnete Feuer eintreten wollte, löschte Indra es rasch mit Wasser. Die genaue Beziehung von Scheiterhaufen und untermeerischem Feuer ist in dieser Fassung nicht erläutert.

10.199 Während ich so ein Jahr umherwanderte, entstand starker Schweiß; seine fallenden Tropfen versengten die Erde.

10.200 Darauf wurde Vishnu um Schutz für die Erde gebeten. Mit feinen Pfeilen zerteilte er deine Glieder,

10.201 machte vierundachtzig Teile daraus und ließ sie zur Erde fallen. Der anschließende Satz über meinen vom Wind bedrängten Zustand und das Schwinden der Ordnung ist beschädigt.

10.202 Vishnu erschien und fiel mir zu Füßen. Ich hob ihn auf und umarmte ihn; dabei vergaß ich den Schmerz um dich.

10.203 Brahma und die übrigen Götter sowie Narada und die großen Weisen priesen mich. Dann sprach Vishnu, Parvati:

10.204 „Mahesha, du verleihst Erkenntnis. Wie konntest du der Verblendung verfallen und mit Satis Körper ins Opferfeuer eintreten wollen?

10.205 Die Frau folge dem Gatten, nicht der Mann ihr: Wie konntest du dieses Schriftwort missachten und verwirrt werden?“ Diese Aussage gehört zur historischen Erzählung und befürwortet eine geschlechtsspezifische Todesfolge; sie ist keine heutige Handlungsnorm.

10.206 Während Vishnu so sprach, richtete Brahma an mich und Hari weitere Worte: Durch Satis Glieder sei die Erdoberfläche

10.207 an verschiedenen Stellen mit einem Leichnam in Berührung gekommen und dadurch für brahmanische Handlungen ungeeignet. Es müsse die Reinheit dieser Erde beziehungsweise der Brahmanen gewahrt werden,

10.208 damit das Wort Brahmas wahr bleibe. Darauf meditierte ich und sprach mit Vishnus Zustimmung:

10.209 „Wo vedische Handlung erloschen ist, soll das Tantra verbreitet werden. Für Brahmanen, deren Stand durch Fluch verbrannt ist und die vom Klang-Brahman abgeschnitten sind,

10.210 ist dieser Kula-Dharma ein Mittel zu Genuss und Befreiung. Brahmanen, die an den Pithas geboren sind und deren brahmanischer Stand als durch Fluch beeinträchtigt gilt,

10.211 sind zu diesem Kula-Weg berechtigt. Weil die Verehrung innerhalb ihrer Überlieferung erfolgt, heißt er Kaulina-Weg.“

10.212 Darunter wird der linke Weg eingeordnet; Kshatriya- und Vaishya-Opferherren dieser Brahmanen werden ihm zugewiesen.

10.213 Darunter wiederum steht nach dieser Rangordnung der Siddhanta-Weg, für den Shudras berechtigt seien. Wer jedoch ohne Kenntnis der Überlieferungsfolge in den Kula-Dharma eintritt,

10.214 wird nach der Warnung des Textes mittellos, ohne Nachkommenschaft und krank. Wer in der Kula-Erkenntnis nicht gefestigt ist und dennoch Fleisch genießen will,

10.215 gilt als schwer schuldig und von den Ritualhandlungen ausgeschlossen. Für einen Menschen ohne die vereinbarten Verhaltensregeln, der zügellos und selbstsüchtig lebt,

10.216 gibt es keine Siddhi; seine Familie gehe zugrunde. Mit ihm soll man sich nicht verbinden. Wer die schriftlichen Regeln aufgibt und allein nach Belieben handelt,

10.217 erlangt weder hier Siddhi noch jenseits das höchste Ziel und wird in Welt und vedischer Ordnung getadelt.

10.218 Wer Kula-Stoffe verwendet, obwohl er einem anderen Lehrweg angehört, wird nach der polemischen Drohung in so vielen niederen Daseinsformen geboren, wie sein Körper Haare hat.

10.219 Wer durch Alkohol so aufgebläht beziehungsweise benommen ist, dass er nichts mehr erkennt, keine Meditation, Askese, Dharma oder gute Handlung kennt,

10.220 weder Gottheit, Guru noch Selbst bedenkt und nur an Sinnengenuss hängt, fällt nach der ausdrücklichen Warnung des Textes ab, auch wenn er sich Kaula nennt.

10.221 Der Kenner der drei Lingas, der die sechs Stützpunkte durchdringt und die Pitha-Orte erreicht, soll den Bereich des großen inneren Opfers aufsuchen.

10.222 Indem er wiederholt vom Muladhara zum Brahmarandhra geht, findet er durch die Mudra der Kundalini-Shakti und des Bewusstseinsmondes eine Stätte der Freude. Die genaue Verbindung der beiden letzten Begriffe ist mehrdeutig.

10.223 Er widmet sich dem Trinken des Nektars, der aus dem Lotus im inneren Raum hervorströmt. Dies heißt hier wahres „Trinken des Süßen“; die anderen sind bloße Alkoholtrinker.

10.224 Wer mit dem Schwert der Erkenntnis Verdienst und Schuld durchtrennt und den Geist beständig im Höchsten auflöst, dieser Yogakenner heißt in dieser inneren Deutung „Fleischesser“.

10.225 Wer die eigenen Sinne durch den Geist zügelt und im Selbst zusammenführt, heißt hier „Fischesser“; die anderen leben bloß nach Art von Fischern.

10.226 Die zuvor unerwachte Shakti ist beim Kaula erwacht. Wer sich dieser Kraft zuwendet, heißt wahrer Verehrer der Shakti.

10.227 So habe ich die verborgene Bedeutung der fünf Mudras erklärt. Wer sie aus dem Mund des Gurus richtig versteht und entsprechend lebt, wird befreit. Der Text kündigt fünf Bestandteile an, führt ihre inneren Entsprechungen hier jedoch nicht alle gleich ausdrücklich aus.

10.228 Nun wird eine Form der Verehrung beschrieben, die selbst auf dem linken Weg schwer zugänglich ist. Zunächst werden Selbst, Ort, Mantra, Opferstoffe und Gottheit gereinigt.

10.229 Bad, Sandhya, Reinigung der Elemente, Pranayama, Einsetzen der Lebenskräfte, Matrika-Nyasa und die weiteren vorbereitenden Handlungen bilden die Reinigung des eigenen Wesens.

10.230 Der Ort wird durch Fegen und Bestreichen spiegelblank gemacht und mit Baldachin, Räucherwerk, Lampen und weiteren Gegenständen versehen; dies heißt Ortsreinigung.

10.231 Die Buchstaben des Wurzelmantras werden mit den Matrika-Lauten verflochten und dreimal vorwärts und rückwärts wiederholt; dies heißt Mantrareinigung.

10.232 Der Ritualkundige besprengt die Opferstoffe mit Wurzel- und Waffenmantra und zeigt die Kuh-Mudra; dies ist die Reinigung der Materialien.

10.233 Er setzt die Gottheit auf den Pitha, vergegenwärtigt sie mit ihren Gliedern, besprengt sie unter dem Wurzelmantra mit Arghya-Wasser und zeigt die Lichtdarbringung.

10.234 Nach dieser Reinigung der Gottheit folgt die Verehrung. Sie gilt dann als fruchtbar, andernfalls als fruchtlos.

10.235 Verehrung ohne Mandala wird als unwirksam bezeichnet. Deshalb zeichnet man dieses vorschriftsgemäß unter Mantras und verehrt darin.

10.236 „Was als ungeteiltes Mandala die ganze Welt durchdringt und trägt, wodurch die drei Welten geschmückt sind: Dieses Mandala ist Sadashiva.“

10.237 Udyana wird quadratisch, Kamarupa kreisförmig, Jalandhara halbmondförmig und Purnagiri als volle Gestalt beschrieben. Die letztgenannte Form wird nicht genauer geometrisch bestimmt.

10.238 Nach Verehrung des Mandalas setzt man die Unterlagen und der Reihe nach fünf Gefäße ein: Muschel-, Arghya-, Genuss-, Verehrungs- und Bali-Gefäß.

10.239 Sie werden von der eigenen rechten zur linken Seite angeordnet, verehrt und mit mantrageweihtem Asava gefüllt, o Kuleshvari.

10.240 Dazu kommen Alkohol und Fleisch in Masha-großer Menge. Verdorbene, abgestandene, übrig gebliebene, übelriechende oder duftlose Stoffe

10.241 sowie Stoffe aus fremden Gefäßen machen Tarpana nach dem Text fruchtlos. Wohlschmeckende, berauschende und nektarähnliche Materialien,

10.242 die den Göttinnen angenehm sind, machen es dagegen fruchtbar. Ungeweihte Surā wird als schuldhaft und als Ursache von Streit, Krankheit und Leid beschrieben,

10.243 als zerstörerisch für Leben, Wohlstand, Ruhm, Glück, Dharma und Wissen. Darum werden Kula-Stoffe vor ihrer Verwendung vorschriftsgemäß geweiht.

10.244 Vorschriftsgemäß geweihter Surā schreibt der Text umgekehrt die Beseitigung von Krankheit, Leid und Not sowie die Mehrung von Leben, Wohlstand, Ruhm, Glück, Dharma und Wissen zu.

10.245 Ohne Weihe geraten Geber und Empfänger nach der Warnung des Werkes in die Hölle. Ohne vorausgehende rituelle Vorbereitung der Stoffe sollen hier weder Vergegenwärtigung noch Japa stattfinden.

10.246 Wer es dennoch tut, begegnet nach dieser Darstellung auf Schritt und Tritt Leid. Mantra und Asava werden als wechselseitig aufeinander angewiesen bezeichnet; die Form „āśaya“ in der Vorlage ist dabei unsicher.

10.247 Durch Blick, Berührung, Meditation, Mantra, Mudra und Reinigung wird der Stoff für Tarpana geeignet und der Gottheit erfreulich.

10.248 Man ruft die vierundneunzig Kalas an, die aus Feuer, Sonne, Mond und den Lauten des Pranava hervorgehen, und verehrt sie.

10.249 Dabei meditiert man über die eigene Gottheit und bedenkt die Bedeutung der Strophen. Dann rezitiert man die folgenden Verse; höre, Geliebte.

10.250 „Du bewirkst die ungeteilte, einheitliche Wonne, bist das Wesen des höchsten Nektars und erscheinst als freies Aufleuchten. Du Nektargestaltige, lege [deine Kraft hier] hinein.“ Das Objekt des Schlussverbs ist erst aus dem Folgenden zu erschließen.

10.251 „Du im Akula ruhende Nektargestalt, höchste Spenderin reiner Erkenntnis, du von Feuchtigkeit beziehungsweise liebender Ergriffenheit Erfüllte: Lege Unsterblichkeit in diesen Stoff.“

10.252 „Du von dieser Gestalt, du Wesen der Elemente, berühre ihn mit der Hand. Als höchste Nektargestalt erstrahle in mir.“ Die Satzverbindung von Berührung und Gestaltwerdung bleibt in dieser Lesung unsicher.

10.253 Die Formel beginnt „oṃ klīṃ hrauṃ jūṃ saḥ amṛte amṛtodbhave amṛteśvari amṛtavarṣiṇi“: „Du Unsterbliche, aus Nektar Hervorgegangene, Herrin und Regenspenderin des Nektars“.

10.254 Es folgt „amṛtaṃ srāvaya srāvaya svāhā“: „Lass Nektar fließen, lass ihn fließen, Svaha.“ Dieser Amriteshi-Mantra zur Stoffreinigung wird als fünfunddreißigsilbig bezeichnet.

10.255 Man bespricht dreimal mit dem zuvor genannten und dreimal mit dem Dipani-Mantra, berührt das Verehrungsgefäß und verehrt unter der Kuh-Mudra.

10.256 „Aus dem Weltenei hervorgegangen, mit dem ganzen Saft der Agamas erfüllt: Führe den lebenspendenden Nektarsaft dieses großen Rauschtranks herbei.“ Die erste Hälfte ist beschädigt; diese Übersetzung bleibt vorläufig.

10.257 Mit dem gereinigten Stoff, Duftstoffen, Blumen und Reiskörnern und unter allen beim Nyasa genannten Mantras überströmt man auch das eigene Selbst rituell.

10.258 Am Scheitel vergegenwärtigt man die ehrwürdige Guru-Reihe, im Muladhara die Paduka. Zuerst erfolgt Tarpana für den göttlichen Überlieferungsstrom: Adinatha, Sadashiva,

10.259 Ishvara, Rudra, Vishnu und Brahma jeweils mit ihren Gattinnen – zusammen zwölf. Danach folgt der Strom der Siddhas.

10.260 Genannt werden die vier mit Sanaka beginnenden Weisen, Sujata, Charubhushita, Sanatkumara, Vyasa, Vamadeva, Shuka,

10.261 Dattatreya und Raivataka, zusammen zwölf. Danach werden sechs menschliche Gurus genannt, zunächst Nrisimha, Mahesha und Bhaskara. Nummernhinweis: Die Vorlage hat hier irrtümlich 361 zwischen 260 und 262; die Orientierung verwendet 10.261.

10.262 Es folgen Mahendra, Madhava und Vishnu. An die Namen werden ehrende Shiva-Bezeichnungen angefügt: im Siddha-Strom Mahashiva, im menschlichen Strom Sadashiva,

10.263 im göttlichen Strom Parama-Shiva. Danach vollzieht man die Pitha-Verehrung, ruft die Göttin an und verehrt sie mit zwei Gebetsstrophen.

10.264 „Du wohnst im großen Lotuswald und verkörperst die Wonne des Urgrundes. Mutter, dem Wohl aller Wesen hingegeben, höchste Herrin, komm heute hierher.

10.265 Herrin der Götter, durch Hingabe leicht erreichbar, mit allem Schmuck versehen: Bleibe hier fest gegenwärtig, solange ich dich verehre.“

10.266 Nach Meditation und Mudras bringt man Duftstoffe, Blumen, Reiskörner und weitere Gaben dar. Dem bewusstseinsartigen, unermesslichen, eigenschaftslosen und körperlosen

10.267 Brahman wird zum Wohl der Übenden eine Gestalt vorgestellt. Verehrungsorte sind Linga, Ritualboden, Feuer, Wasser, Tafel, Scheitel, Mandala,

10.268 Kultbild, Wand und Herz: diese zehn werden genannt. Menschen, die den rituellen Handlungen folgen, machen so das Gestaltlose zum Gestalttragenden.

10.269 Wie die im ganzen Körper der Kuh entstehende Milch durch die Zitze hervorströmt, so erstrahlt die allgegenwärtige Gottheit im Kultbild und in den anderen Verehrungsformen.

10.270 Durch ihre ursprüngliche Gegenwart in allem, durch die besondere Verehrung und durch das Vertrauen des Übenden erlangt die Gottheit dort erfahrbare Nähe.

10.271 Die im Körper der Kuh befindliche Milch nährt sie nicht unmittelbar. Wird daraus durch geeignete Verarbeitung Ghee gewonnen, kann dieses wiederum Nahrung sein.

10.272 Ebenso ist der höchste Herr wie das Ghee verborgen in jedem Körper gegenwärtig; ohne Hinwendung und Verehrung gewährt er den Menschen jedoch nicht die entsprechende Frucht.

10.273 Man vergegenwärtigt die Gottheit vollständig mit ihren Gliedern, setzt ihre Lebenskräfte und Sinne ein und verehrt sie dann; andernfalls gilt die Handlung als fruchtlos.

10.274 Fehlen Mantra, Handlung, Yantra oder einzelne Glieder, werden „laṃ“ und „kṣaṃ“ als deren vervollständigende Kräfte genannt. Die genaue Verfahrensweise ist hier nicht erläutert.

10.275 Wer die Durchdringung des Yantras durch die mantragestaltige Gottheit nicht versteht, dessen Verehrung und weitere Handlungen bleiben nach dem Text vergeblich, Shambhavi.

10.276 Auf dem linken und kaulischen Weg wird die Gottheit im Yantra-Pitha, auf dem rechten im Kultbild verehrt; im vedischen Bereich gilt eine selbstentstandene Erscheinungsform als glückbringend.

10.277 Weil die vedische Überlieferung als anfangslos gilt, erscheint ihre Gottheit als selbstentstanden. Die tantrische Verehrung wird dagegen mit Hervortreten und Vergänglichkeit verbunden; die etymologische Wortverbindung ist unsicher.

10.278 Weil es die durch Begierde, Zorn und andere Fehler entstehenden Leiden „zügelt“, heißt es Yantra. Darin wird die Gottheit gründlich verehrt.

10.279 Bei Verehrung des rechten Weges wird das Yantra rechtsläufig gezeichnet, bei kaulischen und verwandten Verfahren linksläufig. Dies wird als enthülltes Geheimnis bezeichnet.

10.280 Mit sechzehn Darbringungen, Duftstoffen, Blumen und Reiskörnern verehrt man die Gottheit samt Gliedern und Umkreisen. Die zusätzliche Zeit- beziehungsweise Sechserangabe im ersten Halbvers ist nicht sicher lesbar.

10.281 Die jeweiligen Namen werden mit Om am Anfang und „namaḥ“ am Ende verwendet. Danach folgt nach dem Agama-Verfahren Tarpana mit Sauermilchtropfen.

10.282 Mit Daumen und Ringfinger hebt man die Tropfen geräuschlos an und bringt sie zum Mund der Gottheit. Die anschließende Angabe zum Gefäß und zur Zahl acht ist beschädigt.

10.283 Nach einer Tarpana-Darbringung rezitiert man Wurzel- und Paduka-Mantra, erinnert sich an die innere Shakti und sättigt die Gottheit des eigenen Körpers.

10.284 Der Daumen gilt als Sitz Bhairavas, der Ringfinger als Sitz Chandikas. Deshalb erfolgt Tarpana mit diesen beiden; die so gebildete Anordnung ist ihnen lieb.

10.285 Für Gefügigmachen werden Daumen und Mittelfinger, für Abhicara Daumen und Zeigefinger verwendet.

10.286 Für Bannung werden kleiner Finger und Daumen verbunden. Nach diesem Tarpana für die Gottheiten verehrt man die Guru-Reihe.

10.287 Der gesammelte Verehrer meditiert die Guru-Reihe in weiblicher Gestalt: in den Händen Mudra und eine mit Rauschtrank gefüllte Schädelschale, glänzend wie geschmolzenes Gold, mit roten Blumen, Salben und Gewändern, mit mitfühlendem Seitenblick und roten Augen, umgeben von Siddhas. Die zusammengesetzte Haar- und Gewandbeschreibung ist nicht vollständig sicher lesbar.

10.288 Nach dieser Verehrung bringt man Räucherwerk, Licht, Speise, Früchte wie Bananen und Betel dar.

10.289 Auf dem linken und verwandten Wegen wird zuerst Batuka verehrt; er gilt dort als vorrangig. Die folgende Wendung über die aus Surā und weiteren Stoffen bereiteten Gaben ist verkürzt.

10.290 Ohne ihn nimmt die Gottheit die Gabe nicht an; darum ist seine Verehrung erforderlich. Wer Batuka übergeht und unmittelbar Mahadeva verehrt,

10.291 erlangt nach dem Text keine Puja-Frucht und erzürnt Batuka. Deshalb verehrt man ihn samt Gefolge mit Duft, Blumen, Rauschtrank und Fleisch.

10.292 Unter den jeweiligen Mantras und Regeln wird die Gottheit erfreut. Danach bringt man dem Feldherrn Bali dar; höre seinen Mantra.

10.293 Er beginnt mit zweimal Om, dann „devīputra baṭukanātha kapilajaṭābhārabhāsura piṅgala“: „Sohn der Göttin, Herr Batuka, leuchtend mit der Fülle rötlichbrauner Haarflechten, Goldbrauner“.

10.294 Es folgen „trinetra agnijvālāmukha imaṃ pūjābaliṃ gṛhṇa gṛhṇa huṃ phaṭ svāhā“: „Dreiäugiger, dessen Mund Feuerflammen gleicht, nimm diese Verehrungs-Bali-Gabe an.“ Der Mantra wird als sechsundvierzigsilbig bezeichnet.

10.295 Nach seiner Rezitation spricht man: „Batuka, durch diese Bali-Gabe erfreut, Verleiher aller Vollendungen,

10.296 von Bhutas und Vetalas umgeben, schenke mir stets Frieden.“ Der folgende Mantra beginnt mit dreimal Om und nennt nacheinander, jeweils mit „allen“ verbunden,

10.297 die Yoginis, Dakinis, Shakinis und Bewohnerinnen der drei Welten im Dativ Plural; danach „namaḥ imaṃ pūjābaliṃ gṛhṇīta“: „Verehrung; nehmt diese Verehrungs-Bali-Gabe an“.

10.298 Er endet mit „huṃ phaṭ svāhā“ und wird als vierundvierzigsilbig bezeichnet.

10.299 „Welche Yogini auch immer – wild, friedvoll, überaus furchterregend, höherstehend, im Himmel, auf Erden oder im Raum wandelnd –, sie sei mir stets wohlgesinnt.“

10.300 Der nächste siebzehnsilbige Mantra lautet „oṃ oṃ oṃ sarvabhūtebhyaḥ sarvabhūtapatibhyo namaḥ“: „Verehrung allen Wesen und allen Herren der Wesen“.

10.301 „Die Wesen von vielfältiger Gestalt, göttlich, irdisch, im Luftraum oder in den Unterwelten wohnend, durch Verbindung mit Shiva erfüllt,

10.302 von Dhruva und den Wahrhaftigen bis zu Indra und den in ihren Ordnungen Stehenden: Mögen sie freudig gesättigt werden und diese Bali-Gabe annehmen.“

10.303 Der nächste Mantra beginnt mit dreimal Om, „ehy ehi devīputra baṭukanātha ucchiṣṭahārin“, dann viermal „haṃ hūṃ“: „Komm, Sohn der Göttin, Herr Batuka, Empfänger der Überreste“.

10.304 Es folgt „kṣetrapāla sarvavighnān nāśaya nāśaya sarvopacārasahitām imaṃ pūjābalim“: „Feldhüter, beseitige alle Hindernisse; diese mit allen Darbringungen versehene Bali-Gabe …“

10.305 Er endet „gṛhṇa gṛhṇa huṃ phaṭ svāhā“ und wird als vierundsechzigsilbiger Kshetrapala-Mantra bezeichnet, der alle Siddhis verleihe.

10.306 „Ich wohne in seinem Gebiet als Diener Kshetrapalas. Durch diese Bali-Gabe erfreut, gewähre er mir umfassenden Schutz.“

10.307 Ein weiterer Mantra beginnt mit dreimal Om, „huṃ śrīṃ hūsauṃ hrīṃ hrīṃ huṃ huṃ“, gefolgt von „bhairavādhiṣṭhitāya …“. Die Bija-Lesung weicht im Klammerzusatz ab und wird nicht vereinheitlicht.

10.308 Es folgen die Worte über „Akshobhyanandas Herz“, „mantrasiddhaye avatara avatara kṣetrapāla mahākṣetrapālāya vauṣaṭ hum“: eine Bitte um Herabkunft zur Vollendung des Mantras. Die Namens- und Kasusverbindungen sind teilweise beschädigt.

10.309 Dieser Mantra wird als neunundvierzigsilbig und als den höchsten Kshetrapala besonders erfreuend bezeichnet.

10.310 Eine weitere Formel beginnt mit dreimal Om und „amukakṣetrapālāya rājarājeśvara imāṃ pūjābalim“; „amuka“ bezeichnet den jeweils einzusetzenden Namen des Feldhüters.

10.311 Es folgen zweimal „gṛhṇa“ und die als „dviṭha“ bezeichnete Schlussformel. Dieser Mantra für Rajarajeshvara gilt als alle gewünschten Ziele gewährend; der Schluss wird im Grundvers nur verschlüsselt angegeben.

10.312 „Durch diese Bali-Gabe möge der Gott Rajarajeshvara, Batuka mit seinem Kreis, mir stets gnädig sein.“

10.313 Batuka erhält die Bali-Gabe im Westen, die Yoginis im Norden, die Wesen im Osten und Kshetrapala im Süden. „Paścāt“ kann auch „danach“ heißen; hier legt die Richtungsfolge Westen nahe.

10.314 Rajarajeshvara wird in der Mitte verehrt und erhält dort die Gabe. Für Batukas Bali verwendet man Daumen und Ringfinger,

10.315 für die Yoginis Zeige-, Mittel-, Ringfinger und Daumen, für die Wesen alle Finger.

10.316 Für Kshetrapala werden Daumen und Zeigefinger, für Rajarajeshvara Daumen und Mittelfinger verwendet.

10.317 Nach Verehrung Batukas und der weiteren Gottheiten zeigt man die Kula-Lampen. Der Verehrer fertigt sie aus feinem Teig, vier Fingerbreiten hoch,

10.318 in schöner Damaru- beziehungsweise Dreiecksform, mit Raum für ein Karsha Ghee. Es werden neun, sieben oder fünf Lampen genannt.

10.319 Inneres und äußeres Licht werden in der Vorstellung vereint; die hell leuchtenden Lampen werden dreimal vor beziehungsweise über der Göttin kreisend geführt und dargebracht.

10.320 „Göttin, neunfache Gestalt, mit allen Chakras und ihrer Herrin verbunden: Nimm dieses Aratrika zu meiner Vollendung an.“

10.321 Nach dem Zeigen der Kula-Lampen folgt die Shakti-Verehrung, mit Vertrauen und Hingabe und in Verehrung des Staubes der Guru-Füße.

10.322 Die eigene Shakti beziehungsweise die eingeweihte Shakti eines Vira, als Verkörperung des Gurus, erhält zuerst das Getränk; erst danach trinkt der Verehrer. So wird die schriftliche Regel formuliert.

10.323 Wer einen Kula-Stoff genießt, ohne ihn zuvor der Shakti dargebracht zu haben, dessen Puja gilt als fruchtlos und erfreut die Gottheit nicht.

10.324 Als acht Kula-Gruppen werden Chandali, Charmakari, Matangi, Pulkasi, Shvapachi, Khataki, Kaivarti und Vishvayonika genannt. Diese historischen Gruppenbezeichnungen werden nicht zu einer heutigen sozialen Rangordnung umgedeutet.

10.325 Nun die acht Akula-Gruppen: Kuduki, Sautriki, eine von Waffen beziehungsweise einem entsprechenden Gewerbe lebende Frau und Ranjaki,

10.326 Gayaki, Rajaki, Shilpi und Kaushiki. Die so bezeichneten Frauen sollen Mantraübertragung besitzen und die Einweihungsregeln einhalten; mehrere Berufs- und Gruppennamen sind nicht eindeutig bestimmbar.

10.327 Man vollzieht nötigenfalls eine unmittelbare Weihe mit den jeweils zugehörigen Mantras und verehrt die Frau auf dem Kula-Weg unter Vergegenwärtigung der Shakti.

10.328 Kommt zur Zeit der Puja von selbst eine Kumari, eine Gelübdeübende oder eine Trägerin der Yoga-Mudra, soll sie ehrfürchtig verehrt werden. Dieser Vers bezeichnet eine Verehrung und legt für sich genommen keine sexuelle Handlung fest.

10.329 Fehlt eine Frau aus den genannten Gruppen, wird eine Angehörige der vier Stände verehrt. Genannt werden Schönheit, Jugend, Friedfertigkeit, Zugewandtheit, Freude und Reinheit,

10.330 Gesundheit, Hingabe, Leben nach der Lehre, Freiheit von Gier, gutes Verhalten, ein lächelndes Gesicht und freundliche Worte. Die Verbindung von „mūḍha“ und „śāstra“ ist beschädigt und lässt die entsprechende Eigenschaft unsicher.

10.331 Weiter werden Hingabe an Guru und Gottheit, ein guter Geist, Freude am Kula-Weg, Freiheit von Neid, Unterscheidungsvermögen und Bereitschaft zur Gottesverehrung genannt.

10.332 Dagegen werden unangenehmer Geruch, Leid, Unwissenheit, hohes Alter, geistige Verwirrung, Verrat von Geheimnissen, unredliche Argumentation, verwerfliches Verhalten, Starrsinn, Schamlosigkeit und Streitlust ausgeschlossen,

10.333 ferner als unschön oder entstellt bewertete Gestalt, Abweichen vom Weg, Bosheit, Gehbehinderung und Blindheit, selbst bei vorhandener Mantraübertragung. Diese diskriminierenden Auswahlkriterien gehören zur historischen Ritualordnung.

10.334 Danach bringt der Mantrin die gesamte Verehrung mit mantrageweihtem Wasser und dem mit „itaḥ pūrvam …“ beginnenden Mantra der Göttin dar.

10.335 Das Übrige erfolgt wie auf dem rechten Weg. Die verbleibenden Opferreste werden Sheshika dargebracht; ihr Mantra wird nun genannt.

10.336 Er lautet „eṃ namaḥ ucchiṣṭacāṇḍālini mātaṅgi sarvavaśaṅkari svāhā“ und wird als einundzwanzigsilbig bezeichnet: eine Anrufung Matangis als Herrin der Reste und der Einflussnahme.

10.337 Mit diesem Mantra übergibt man die abgelegten Gaben an Sheshika und meditiert über die Göttin Ucchishta-Matangi als die Welt Bezaubernde.

10.338 „Ich verneige mich vor Matangi, der Göttin mit sanftem Lächeln und papageiengrüner Gestalt, vertieft in Vina-Spiel und Gesang, in blauem Gewand, mit Bimba-roten Lippen, frisch rot gefärbten Füßen, lieblichen Gliedern, weißen Muschelohrringen und leuchtendem Rubinschmuck.“ Eine zusammengesetzte Haarbeschreibung ist im Wortlaut nicht sicher lesbar.

10.339 Danach erhebt man das Gefäß mit beiden Händen und bringt es samt Begleitgabe dem ehrwürdigen Guru dar, der als unmittelbar gegenwärtiger Para-Shiva verstanden wird.

10.340 Gemeinsam mit Viras aus einer verlässlichen Überlieferung vollzieht man die Verehrung, erkennt einander an den vorgesehenen Zeichen und trinkt jeweils mit Zustimmung.

10.341 Das Gefäß wird mit der linken Hand erhoben, mit der anderen die Mudra gebildet und die Begleitgabe vorschriftsgemäß genommen; dabei wird ein Mantra gesprochen. Die Einzelzuordnung der Hände ist im Text knapp.

10.342 „Ich trinke dieses reine Amrita, Heilmittel gegen das Werden, das Bhairava als Mittel zur Überwindung des bloßen Alkoholtrinkens gelehrt hat.“

10.343 „Weil die Wirklichkeit im Wesen freie Selbstmacht ist, aus Wonne besteht und alle Erscheinungen aus ihr bestehen, sind die Erscheinungen in diesem Saft gesammelt.“ Die Anfangslesung „vitta“ bleibt unsicher. Nummernhinweis: Die Vorlage hat hier 243 zwischen 342 und 344; die Orientierung verwendet 10.343.

10.344 „Zur Entfaltung der eigenen Freiheit wird dieser göttliche Saft getrunken. Darum trinke ich, in meinen Wünschen erfüllt, diese göttliche Surā.“

10.345 Mit dieser Formel und dem Wurzelmantra nimmt der Mantrakenner, ihr Götter, gesammelt und langsam das Getränk zu sich.

10.346 Zuerst nimmt der Guru ein Masha-großes Stück Fleisch und eine kleine Handvoll beziehungsweise einen Schluck des Getränks; das Übrige gibt er den Schülern.

10.347 Man nimmt das vom Guru Gegebene samt Begleitgabe an. Vor Frauen, Guru, Älteren und anderen Ehrwürdigen sitzend,

10.348 soll man nicht einfach trinken; auch nicht ohne Mantra. Wer ohne Mantra trinkt, wird hier als gewöhnlicher Alkoholtrinker bezeichnet. Der Anschluss an die vorherige Sitzregel ist verkürzt.

10.349 Man betrachtet die mantrisch begleitete Aufnahme als Opfer in die bewusstseinsartige Kundalini, die im Wurzeldreieck des eigenen Wesens mit dem Glanz von zehn Millionen Sonnen erstrahlt.

10.350 „Dies ist jenes höchste Amrita, das das unendliche Gefäß erfüllt; seine Annahme ist Opfer in das Feuer des höchsten Ich-Bewusstseins.“

10.351 Guru, Gottheit und Mantra werden als Einheit betrachtet. Nach Unterweisung trinkt man bis zur vorgesehenen Stufe des Ullasa; damit ist ein traditionell bestimmter Zustand gemeint, kein grenzenloser Konsum.

10.352 Alkohol nach dem Essen und Essen nach dem Alkohol werden hier als „Gift“ bezeichnet; als „Amrita“ gilt die gemeinsame, rituell geordnete Aufnahme. Dies ist die Wertung des Ritualtextes, keine ernährungsmedizinische Aussage.

10.353 Mit fester Begleitgabe aufgenommen gilt das Getränk als Amrita; Trinken ohne diese wird als bloßes Giftessen bezeichnet.

10.354 Drei Arten des Trinkens werden unterschieden: göttlich, heldenhaft und pashuhaft. Göttlich heißt es vor der Göttin, heldenhaft auf dem vorgeschriebenen Erd- beziehungsweise Ritualsitz.

10.355 Beliebiges Trinken nach eigenem Verlangen heißt pashuhaft. Nun wird die kaulische Lebensordnung beschrieben, die Frucht in beiden Welten gewähren soll.

10.356 Das als „Zusammenführen der Gefäße“ bezeichnete Ritual stiftet Verbundenheit. Die anschließende Aussage über Beschützer, Vater und Freund ist beschädigt; erkennbar wird die besondere Bindekraft dieses Rituals betont.

10.357 Überlieferungshinweis: In der vorliegenden Kapiteldatei ist keine eigene Endmarke 357 vorhanden. Der auf 356 folgende mehrzeilige Block endet mit 358; sein Inhalt wird unter 10.358 vollständig bearbeitet. Es wird kein zusätzlicher Vers erfunden.

10.358 Das Zusammenführen der Gefäße soll nicht mit Uneingeweihten, Regelverletzern, Mantraunkundigen, Menschen ohne Gottheitsbindung, Verleumdern oder Übertretern der Einweihungsvereinbarungen erfolgen. Weitere abgrenzende Ausdrücke der Liste sind beschädigt. Geeignet sind dagegen friedvolle Verehrer der Göttin, die nicht nach fremdem Besitz greifen,

10.359 Kenner der Kula-Unterweisung und Förderer dieses Weges, die Frauen zugetan sind und von ihnen geachtet werden, glücklich, von ansprechendem Wesen und sanft in der Rede,

10.360 diskret im Kula-Weg, wissend, wohlgestaltet, in den Verfahren erfahren, mit Mitteln und günstigen Voraussetzungen ausgestattet und der rituellen Wunscherfüllung zugewandt,

10.361 als „brahmamukta“ Bezeichnete und von Königen Geachtete, die durch günstige Fügung zusammentreffen. Das gemeinsame Gefäßritual soll beiden Wohlergehen mehren; die Bedeutung von „brahmamukta“ bleibt hier offen.

10.362 Dennoch soll nicht einfach ein einziges gemeinsames Trinkgefäß verwendet werden, selbst gegenüber einem Kuleshvara. Andernfalls wenden sich nach dem Text die Mantras ab und Hindernisse entstehen.

10.363 Das eigene, für die rituelle Aufstellung bestimmte Gefäß soll selbst Bhairava nicht überlassen werden; aus Unachtsamkeit getan, ziehe dies einen göttlichen Fluch nach sich.

10.364 Sitz, Speise, Gefäß, Lager und weitere Gegenstände sollen nicht mit Unkundigen oder rituell Ungeeigneten vermischt werden.

10.365 Auch die Zugehörigkeit zu den Überlieferungsrichtungen wird berücksichtigt: Östliche und südliche sowie nördliche und westliche Überlieferung werden jeweils miteinander verbunden.

10.366 Ein von Yogis oder Yoginis übergebenes volles Gefäß wird unter Paduka- und Wurzelmantra besprochen und dann angenommen.

10.367 Auch ein unvermutet erhaltenes rituelles Gefäß nimmt man hingebungsvoll an, rezitiert wie zuvor und erinnert sich beim Genuss an den Guru.

10.368 Überreste des Gurus und seiner Shakti sowie bestimmter älterer Angehöriger der Guru-Ordnung dürfen angenommen werden, nicht beliebiger anderer Personen. Die genaue Abstufung von älterem und jüngerem Guru ist im Wortlaut unklar. Nummernhinweis: Die Vorlage trägt hier 268 zwischen 367 und 369; die Orientierung verwendet 10.368.

10.369 Ältere geben an Jüngere, nicht umgekehrt. Als von der Shakti verbleibende Gabe wird das Getränk, als vom Vira verbleibende Gabe die feste Begleitspeise genannt.

10.370 Eigene Reste gibt man nicht beliebig weiter, fremde nimmt man nicht beliebig an. In der hier genannten Ausnahme werden Reste von Frauen angenommen, die eigenen ihnen jedoch nicht gegeben.

10.371 Auch beim eigenen Gefäßaustausch richtet man ein Mandala ein, setzt das Gefäß darauf, verehrt die Göttin und vollzieht Tarpana und die weiteren Handlungen.

10.372 Beide erheben ihre Gefäße und übergeben sie einander in die Hände, während sie ihre Einheit vergegenwärtigen. Dies heißt Zusammenführen der Gefäße.

10.373 Nun erkläre ich die in den Tantras geheim gehaltene Chakra-Puja, die das erstrebte Ziel gewähren soll; etwas Höheres gebe es nicht, sagt der Text.

10.374 Sie gilt als allen Gottheiten lieb und als wunscherfüllend. Auch vedische Verehrer sollen sie nach der hier vertretenen Auffassung für ihre Anliegen durch einen entsprechend gewählten Priester

10.375 kaulisch vollziehen lassen. Es folgt eine Begründungserzählung: Nachdem Lakshmi den Asura Kola getötet hatte, trank sie sein Blut vollständig.

10.376 Vom Trinken berauscht, wurde sie von Brahmanen ausgelacht. Auch Brahma, Vishnu und ich werden im folgenden Satz als Beteiligte beziehungsweise Fragende genannt; die genaue Verbindung ist beschädigt.

10.377 Als Mahalakshmi dies bemerkte, verschwand sie in der Erde. Alles verlor Shri, seine Fülle und Schönheit, und sah aus, als liege es im Sterben.

10.378 Dharma kam nicht mehr zur Entfaltung, die Götter wurden nicht erfreut. Nachdem hundert Jahre vergangen waren, suchten die Betroffenen Zuflucht bei Brahma.

10.379 Auch er hatte seinen Glanz verloren und erschien wie ein Armer. Die Weisen fragten: „Schöpfer, woher kommt dieser Verlust der Shri?“

10.380 Brahma erklärte das von den Brahmanen ausgelöste Gelächter und verwies auf ihre große Macht; Vishnu sei schweigend dabeigestanden.

10.381 Auch Shiva habe sich, aus Rücksicht auf ihre Seite, an der Verspottung beteiligt. Darum sei Shri zornig geworden und nach Rasatala gegangen.

10.382 Die Brahmanen wurden von Shri verlassen, und deshalb sei die Welt glanzlos geworden. „Darum sollen Vishnu, Shiva, ich und ihr mit Indra an der Spitze,

10.383 ferner Nagas, Ahnen, Siddhas, Richtungshüter, Yakshas und Rakshasas diese Göttin verehren und mit großen Lobpreisungen preisen.“

10.384 Alle versammelten sich und gingen zum Berg Shrishaila. Dort sahen sie einen kleinen Abglanz Shris und begannen ihre Verehrung.

10.385 Auf vedischen und tantrischen Wegen priesen sie sie mit vielfältigen Hymnen. Nach drei Jahren erschien Shri sichtbar.

10.386 Sie schaute mitfühlend auf sie und fragte lächelnd: „Warum haben die Brahmanen mich verspottet, und warum haben die Götter mich bedrängt?

10.387 Warum verehrt ihr nun erneut mich, die schwer zu schauen ist?“ Ich antwortete: „Du durchdringst die ganze Welt.

10.388 Sie kennen deine Macht nicht und verlachen dich wegen deiner Handlung. Dies erkennend lachte auch ich, du Zeugin der Herzen.“ Der genaue Sinn der Rechtfertigung Shivas bleibt in der Vorlage nicht völlig klar.

10.389 „Brahmanen, Götter und Asuras haben deine Macht nicht erkannt. Sei nun gnädig, Herrin, und erhalte den Lauf der Welt.“

10.390 Als Shri meine Worte hörte, sprach sie: „Diese Surā ist meine Schwester. Wer sie zum Hauptbestandteil der Verehrung

10.391 einer Gottheit macht, erfreut diese Gottheit. Wie diese ganze Entfaltung der Maya ohne mich vergeblich ist,

10.392 so sind alle Verehrungen ohne Chakra-Puja vergeblich. Wer in dieser Welt Genuss und jenseits göttliches Dasein

10.393 erstrebt, soll deshalb die mantrisch begleitete Chakra-Puja vollziehen.“ Nun beschreibe ich dieses allen Gottheiten liebe, geheime Verfahren.

10.394 Die gesamte Chakra-Puja wird achtfach unterschieden, nach ihren Anlässen: bei einem plötzlich auftretenden Vorhaben, bei dessen Vollendung,

10.395 am Festtag einer Gottheit, bei Ankunft eines Kaula, bei der Uma-Maheshvara-Konstellation, bei Shakti-Sangama,

10.396 während Balis Herrschaft und am Kama-Tag. Sie gilt als große Freude schenkend. Abenddämmerung, Abhijit oder Mitternacht werden als Zeiten genannt, verbunden mit dem achten Mondtag.

10.397 Eine entsprechende Verbindung mit dem neunten Mondtag heißt Uma-Maheshvara; Dienstag zusammen mit dem achten oder vierzehnten Mondtag heißt Shakti-Sangama.

10.398 Die fünf Tage vom dreizehnten Tag der dunklen Ashvina-Hälfte an heißen Balis Herrschaft; sie werden mit freiem Festspiel verbunden.

10.399 Montag zusammen mit dem dreizehnten Mondtag heißt Kama-Tag. Am Vortag badet man, verehrt die Göttin, vergegenwärtigt sein Anliegen

10.400 und fasst den Sankalpa für die Chakra-Puja. Ein tierisches Bali-Opfer wird genannt; sein Verfahren sowie eine Ersatzform werden anschließend beschrieben.

10.401 Bali wird dreifach unterschieden: tantrisch, Smarta und vedisch. Die tantrische Form wird zunächst in acht Arten eingeteilt.

10.402 Genannt werden Mensch, Büffel, Wildschwein, Ziegenbock, Schafbock, Sarasa-Vogel, Taube und Hahn; jeweils das zuvor Genannte gilt in dieser historischen Rangfolge als höher.

10.403 Für das Kali-Zeitalter behauptet der Text den Vorrang eines Menschenopfers an einem großen Pitha. Die folgende Beschreibung des Opfers ist teilweise beschädigt. Diese Passage dokumentiert historische Gewaltvorstellungen und ist keine zulässige Praxisanweisung.

10.404 Der Text nennt körperliche Merkmale wie schwarze Gesichtsbehaarung, soziale Herkunft sowie Erwerb oder vermeintlich schicksalhafte Ankunft. Mehrere Ausdrücke der Merkmalsliste sind unklar.

10.405 Eine einjährige oder halbjährige Versorgung wird als Voraussetzung genannt; gewaltsame Beschaffung durch Diebe und ähnliche Täter wird ausgeschlossen. Auch diese Einschränkung ändert nichts am gewaltsamen Charakter der beschriebenen Opferidee.

10.406 Ein Büffel wird als zwischen fünf und zehn Jahre alt beschrieben, aus dem Wald oder von besonders wildem Wesen, gesund und einfarbig schwarz.

10.407 Es folgen rote Augen, aufrechte Hörner, langer Schwanz und kräftiger Körper; danach wird allgemein ein gesundes, einfarbiges Tier in der Farbe der Gottheit genannt.

10.408 Ein unversehrter, gehörnter Herdenführer mit ausgeprägtem Eigengeruch, der durch Pflanzenstoffe gemildert wird, gilt als besonders geeignet. Im Anschluss an die Büffelbeschreibung ist hier offenbar der Ziegenbock gemeint; sein Name wird nicht erneut ausgesprochen.

10.409 Ihm werden Eignung für alle sozialen Gruppen und Gottheiten sowie ein besonderer Rang im Opfer zugesprochen.

10.410 Für den Schafbock gelten ähnliche Merkmale wie für die Ziege, gewöhnlich mit Hörnern, mancherorts auch ohne. Verletzte, kastrierte, sehr junge oder alte Tiere werden ausgeschlossen.

10.411 Für den Sarasa-Vogel werden ein Alter über zwei Jahre, Aufzucht im Haus, Stärke und entsprechendes Körpergewicht genannt; der Vergleich mit dem zuvor beschriebenen Tier ist unklar.

10.412 Eine Taube soll kräftig am Hals sein, dort blau schimmern, über ein Jahr alt und im Haus aufgezogen sein.

10.413 Ein Hahn, der morgens vor allen anderen kräht, kräftig, bunt oder einfarbig ist, gilt als bevorzugt.

10.414 Ein Mensch darf nach dieser Vorschrift von Zweimalgeborenen nicht getötet werden, ein Büffel nicht von einem Brahmanen. Hähne werden hinsichtlich ihres Opferranges Schweinen gleichgestellt.

10.415 Als Ersatz nennt der Text Kürbis, Kokosnuss, Bilva-Frucht und Zuckerrohr, die in ein Tuch gehüllt und geteilt werden.

10.416 Dies heißt bei den Anhängern der Dharma-Schriften Smarta-Bali. Auch hier gilt in der genannten Reihenfolge jeweils das Vorherige als vorzüglicher und die Gottheit erfreuend.

10.417 Die Gottheit wird durch das erfreut, worauf sich die stärkste Hingabe des Verehrers richtet. Der weitere Halbvers verbindet dies mit Yamas, Niyamas und der eigenen Gestalt, bleibt aber syntaktisch unvollständig.

10.418 Als vedisches Bali wird gekochter Reis mit gekochten Masha-Bohnen und Rochana genannt; für eine besonders wilde Gottheit kommen Bällchen hinzu.

10.419 Nach Verehrung der Gabe mit Duft, Blumen und Reiskörnern beginnt die Formel mit Om, zweimal „kāli“, dann „yajñeśvari loha …“

10.420 und endet „daṇḍāyai namaḥ“. Sie wird als sechzehnsilbig bezeichnet; einhundertacht Wiederholungen werden genannt, danach erhebt sich der Übende.

10.421 Das Opfertier wird als Gestalt der Göttin vergegenwärtigt und mit einer unter dem Wurzelmantra besprochenen Blume, Reiskörnern und Sandelholz bedacht.

10.422 Eine Bewegung des Tieres wird im Ritualtext als Annahmezeichen gedeutet; ohne ein solches Zeichen soll keine Tötung erfolgen. Diese Deutung stellt keine tatsächliche Zustimmung eines Lebewesens dar.

10.423 Der Handelnde wird nach Norden, die Opfergabe nach Osten ausgerichtet beschrieben. Danach folgt das Gebet:

10.424 „Als Opfergabe bist du, Lebewesen, durch mein Geschick hierhergekommen. Ich verneige mich vor dem Allgestaltigen in der Gestalt dieser Gabe.

10.425 Durch die Gabe zur Freude Chandikas sollen die Nöte des Gebers schwinden. Dir, Gabe für Chamunda, gilt meine Verehrung.“

10.426 „Die Opfertiere seien vom Selbstentstandenen für das Opfer geschaffen; darum töte ich dich heute“, lautet die historische Rechtfertigung der folgenden Strophe. Ihr beschädigter Schluss behauptet die rituelle Aufhebung des Tötungscharakters. Nummernhinweis: Die Quelle wiederholt hier 425; zur Orientierung wird 10.426 verwendet.

10.427 Mit „oṃ śrīṃ hrīṃ śrīṃ“ wird die Gabe als Shivas Gestalt vergegenwärtigt und unter Atemanhalten eine Blume auf ihren Kopf gelegt; das Wort für die Atemphase ist beschädigt.

10.428 Es folgt die Anrede an die Klinge als Werkzeug Chandikas und als Mittel zum Erreichen der Götterwelt. Ein mit „hrīṃ hrīṃ khaḍga …“ beginnender Mantra begleitet ihre Verehrung.

10.429 Die Vorlage verbindet die Tötung mit „māṃ hrūṃ phaṭ“ und fordert einen einzigen Schlag. Dies ist die übersetzte Aussage des historischen Textes, keine Empfehlung oder Legitimation von Gewalt.

10.430 Ein beim Schlag entstehender Laut wird als ungünstiges Zeichen und als Vorzeichen eines Reichsverlustes innerhalb eines Jahres gedeutet. Die verneinende Wendung im ersten Halbvers ist unsicher.

10.431 Nach der Bali-Darbringung und den täglichen Pflichten werden im dritten Tagesabschnitt beziehungsweise danach Frauen und Männer eingeladen.

10.432 „Zur Freude dieser Göttin, zur Erfüllung meines Herzenswunsches und zum Fest der Chakra-Puja bist du von mir für morgen eingeladen.“

10.433 Mehr als acht Frauen werden genannt; eine geringere Zahl wird „für mich“ zugelassen. Männer sollen weniger zahlreich sein als Frauen; eine größere Zahl wird als ungünstig bezeichnet. Die erste Zahlenregel ist sprachlich knapp.

10.434 Einzuladen sind Eingeweihte, die kaulische Gelübde beachten; die östliche und südliche Überlieferung werden hier ausgenommen.

10.435 In jener Nacht verehrt man die Gottheit aufmerksam und rezitiert eine Formel, die „kula“ zweimal und danach „kulaje piśācini“ enthält.

10.436 Mit „svāhā“ abgeschlossen wird sie als dreizehnsilbig bezeichnet und eintausendachtmal rezitiert. Danach werden nächtliche Zeichen für Hindernis oder Gelingen des Chakras betrachtet.

10.437 Zeigen sich Hindernisse, wird das Fest ausgesetzt oder zunächst Befriedung vollzogen: Feueropfer für Ganesha, die Planeten und Bhairava.

10.438 Draußen erfolgt eine Bali-Gabe mit einer Formel, die dreimal Om, „namaḥ“ und die Anrede des namentlich bestimmten Kshetrapala enthält.

10.439 Es folgen „ehy ehi bhagavan pūjāṃ gṛhṇa gṛhṇa baliṃ bhakṣa bhakṣa cakravighnakarān stambhaya stambhaya“: „Komm, Herr, nimm die Verehrung und Gabe an, halte die Störer des Chakras zurück“.

10.440 Der Schluss lautet „huṃ phaṭ svāhā“; die Formel wird als siebenundvierzigsilbig bezeichnet. Nach den Tagespflichten verehrt man abends das Chakra.

10.441 Man zeichnet das zur eigenen Vidya gehörende Chakra, stellt einen mit dem rituellen Getränk gefüllten Krug in seine Mitte und ruft darin die Göttin zur Verehrung an.

10.442 Verschiedene Fleisch- und Fischarten sowie die vier Arten von Speisen werden mit Begleitgaben bereitgestellt.

10.443 Nach vollständiger Verehrung der Göttin samt Gliedern und Umkreisen werden auch Shaktis und Viras mit Blumen, Reiskörnern und weiteren Gaben verehrt.

10.444 Im Inneren des Verehrungsraums wird Ucchishta-Bhairava in einem Dreieck innerhalb einer äußeren Einfassung mit kräftigen Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben verehrt.

10.445 „Beim großen Fest der Chakra-Puja können Verunreinigungen durch Speisereste entstehen. Zu ihrer Behebung verehre ich Bhairava.“

10.446 Die Formel beginnt mit dreimal Om, „ucchiṣṭabhairava ehy ehi“, dann „baliṃ gṛhṇa gṛhṇa huṃ phaṭ svāhā“ und wird als zweiundzwanzigsilbig bezeichnet. Nummernhinweis: Die Vorlage hat hier 336 zwischen 445 und 447; verwendet wird 10.446.

10.447 Am Ende der Verehrung wird ihm mit dieser Formel Bali dargebracht. Beim Betreten des Puja-Raumes verneigt man sich vor den im Chakra Versammelten.

10.448 Der Guru nimmt das mit dem als Amrita geweihten Getränk gefüllte Gefäß, besprengt die Angehörigen der Einweihungsordnung und rezitiert den folgenden Friedenshymnus.

10.449 „Die Göttinnen vergegenwärtigen Haras Lotusfüße, die gnädig Amrita und Befreiung gewähren und Einsicht in unzählige Lehrsysteme eröffnen. Ich verneige mich vor der Schar der zufriedenen Yoginis.“ Die erste zusammengesetzte Eigenschaft ist nicht eindeutig lesbar.

10.450 „Mit dem Haupt verneige ich mich vor dem Herrn Bhairava, dem Geliebten Bhairavis, inmitten des Yogini-Chakras und umgeben vom Kreis der Mütter.

10.451 Verehrung dem ehrwürdigen Herrn als Arzt, der die Dunkelheit des anfangslosen, schrecklichen Samsara zerstört und das Heilmittel des Kula bereitet.

10.452 Mögen alle Nöte, Verfehlungen und Krankheiten, die aus dem Übertreten der Einweihungsregeln entstanden sind, durch die Zusammenkunft im göttlichen Chakra schwinden.

10.453 Mögen Leben, Gesundheit, Wohlstand, Ruhm, Gewinn, Heil, Sieg, Ausstrahlung und Erfüllung guter Wünsche entstehen. Mögen alle Gottheiten schützen.

10.454 Der göttliche Kulesha schenke Frieden den Verehrern und Beschützern, den Meistern der Selbstbeherrschung, Yogis und Asketen, der Welt, dem Land und dem Herrscher.

10.455 Mögen die Gemeinschaften der Übenden sich freuen, ebenso die Betrachtenden und die durch den Guru verbundenen Überlieferungslinien, alle dem Kula und Kaula hingegebenen Menschen und die Shambhavas, die besondere Stufen erschließen.“ Einzelne Gruppenbezeichnungen sind beschädigt.

10.456 „Mögen die vollendeten Gurus und ihre Überlieferungsströme, Ältere und Jüngere, Eingeweihte, Batukas und Kumaris sich freuen; ebenso die aus den sechs Yogini- und Vira-Gemeinschaften Hervorgegangenen, Herrscher, Kühe, Brahmanen und rechtschaffene Menschen.

10.457 Mögen die in guter Lebensführung Kundigen, untadelig Ausgerichteten, Neidlosen, Unvergleichlichen und Ungestörten sich freuen; ebenso die stets dem Fleckenlosen zugewandten, tief friedvollen Gurus, deren Geist die Eigenschaften überschreitet und deren Kummer und Zweifel geschwunden sind.

10.458 Mögen die dem Yoga Ergebenen, die mit Kula-Yoga Verbundenen, Acharyas, Samayins, Sadhakas und Putrakas sich freuen; ebenso Kühe, Brahmanen, junge Frauen, Entsagende und Kumaris, die in innerer Hinwendung und Guru-Hingabe leben.

10.459 Mögen die Gemeinschaften der Übenden und die in Anima und weiteren Siddhis Gefestigten sich freuen. Auf Feinde der Einweihungsordnung sollen die Flüche der Yoginis fallen. Möge jener vollendete Shambhavi-Zustand aufleuchten, in dem die Lotusfüße des Gurus erreicht werden.“ Der Fluchteil wird als Bestandteil der historischen Hymne bewahrt.

10.460 „Die Göttinnen, die in den Stufen der Chakras, in den Nadis, im Wunschbaum der Haarporen, in den Körperbestandteilen, im Atem und den unzähligen Wellen des Herzens wohnen: Mögen sie, die gegnerische Kräfte verzehren, durch kaulische Verehrung gesättigt sein.“ Die Atembezeichnungen sind teilweise beschädigt.

10.461 „Die aus Kula hervorgegangenen Göttinnen in Erde, Wasser und Feuer, die Mutterkräfte in ihren Sitzen, die nektarartigen Göttinnen im Nektarkreis des inneren Raums und die allgegenwärtigen Beschützerinnen des Kula-Weges: Sie alle mögen mir Frieden gewähren.

10.462 Ob oben im Weltenei, in einer Stadt, am Himmel, auf der Erde, im Ungeteilten, in der Unterwelt, im Feuer, in Wasser oder Wind, in heiligen Gebieten, Pithas und Neben-Pithas: Die von den Viras verehrten Göttinnen mögen uns schützen, erfreut durch die vorgesehenen Gaben.

10.463 Brahma, Shri, Shesha, Durga, Guha, Batukas und ihre Scharen, Bhairavas, Kshetrapalas, Vetalas, Adityas, Rudras, Planeten, Vasus, Weise, Siddhis, Guhyakas, Bhutas, Gandharvas, Vidyadharas, Rishis, Ahnen, Kinnaras, Yakshas, Nagas, Yogameister, Charanas, Menschen, Asketen und Götter: Alle im Chakra Gegenwärtigen mögen schützen.

10.464 Alle im Körper wohnenden Gottheiten, Ganesha, Feldhüter, Bhairavas, Yoginis, Batukas, Yakshas, Ahnen, Bhutas, Pishachas, Planetenmächte, auf Erde, in Richtungen und Himmel Wandelnde, Vetalas und Dienergeister mögen durch die rituelle Darbringung dieses Kula-Schülers gesättigt werden.

10.465 Wenn Guru, Gottheiten, Ahnen, Veden, Agamas und Yoginis wahrhaftig sind und die höchste Gottheit erfreut ist; wenn die Veden Erkenntnisgrundlage sind, diese Shakti-Lehre gültig und das Gebot wirksam ist: Dann möge mir stets Gelingen zuteilwerden.“ Mehrere Verknüpfungen sind sprachlich unsicher.

10.466 „Mögen alle Sadhakas, die mit Mudras beziehungsweise ihren Gefährtinnen und den Herren ihrer Scharen verbunden sind, die Yoginis und die Feldhüter in meinem Körper gesättigt sein.

10.467 Von Shiva bis zum Wind, von Brahma bis zum Grashalm, von der Zeitordnung bis Shiva möge alles durch dieses Trinkopfer gesättigt werden.“ Die letzte kosmologische Reihe ist beschädigt.

10.468 Danach hebt der Guru das Gefäß an und vollzieht die Entlassung. Er verteilt den Inhalt des Kruges an den Schüler und gesondert an die Yoginis,

10.469 ebenso an Viras und die übrigen und nimmt selbst einen Anteil. Für Frauen und Männer können getrennte Sitzbereiche vorgesehen werden,

10.470 oder sie werden paarweise, in Reihen oder in Kreisform angeordnet.

10.471 Alle im Chakra werden als Shiva und Shakti verehrt. Für die dort befindlichen mantrisch geweihten Viras erklärt der Text die gewöhnliche Unterscheidung zwischen zu Tuendem und zu Unterlassendem für aufgehoben.

10.472 Was dort geschieht, ob gewöhnlich als gut oder schlecht bewertet, diene nach diesem Anspruch der Freude der Gottheit. Dies ist die interne Ritualtheologie der Passage, keine allgemeine Aufhebung von Verantwortung oder Zustimmungserfordernissen.

10.473 Plaudern wird Japa gleichgesetzt, Schläfrigkeit Samadhi, ungewöhnliche Bewegung Verehrung und Erbrechen einer Bali-Gabe an Bhairava.

10.474 Vereinigung mit der Shakti wird als Befreiung, das dortige Sprechen als Hymnus, Berührung der Glieder als Nyasa und Essen als Feueropfer gedeutet.

10.475 Anschauen heißt Meditation, Niederlegen wird mit einer hier „candana“ gelesenen Gabe verbunden; die durch Ullasa hervorgerufenen Bewegungen gelten als heilige Handlung. Die zweite Gleichsetzung ist textlich unsicher.

10.476 Wer hier zwischen geboten und verboten unterscheidet, wird von dieser Passage getadelt. Die im Chakra Versammelten gelten ihr als höchste Yogis.

10.477 Dadurch sollen Menschen unmittelbar göttliche Würde erlangen. Freude, Beruhigung von Zorn, Niederfallen und Singen,

10.478 Flöten- und Vina-Spiel, Dichten, Weinen, Sprechen, Aufstehen und Gähnen,

10.479 Gehen und ungewöhnliche Bewegung werden als Yoga bezeichnet. Wenn Ullasa entsteht, nachdem die Verformungen des Geistes losgelassen sind,

10.480 nehmen die hervorragenden Yogis nach dem Text den Zustand der Gottheit an. Wer Kaulas, die als von Bhairava ergriffen gelten, töricht schmäht,

10.481 den vernichten nach seiner Drohung die Yoginis. Was bei kaulischen Menschen aus hingebungsvoller Ergriffenheit als Wunderbares hervortritt,

10.482 sei, ob gewöhnlich als gut oder schlecht beurteilt, Ausdruck ihrer Reinheit durch die Bindung des Geistes an die Gottheit.

10.483 Eine Anrufung beginnt: „oṃ namo bhagavati madyamāṃsavihāriṇi ratipriye cakradevi kaulikavallabhe“: „Verehrung dir, Göttin, die im rituellen Genuss von Alkohol und Fleisch weilt, Freude an Vereinigung hat, Herrin des Chakras, den Kaulas lieb“.

10.484 Mit der Bitte um wahrhaftige Offenbarung des im Geist liegenden Anliegens werden Getränk und feste Gabe den Kaulas dargebracht; darauf sollen sie die entsprechende Aussage machen. Der genaue Schluss der Bitte ist verkürzt.

10.485 Ist ein Nichtkaula anwesend, erscheine diese inspirierte Rede nicht. Die vom Getränk Ergriffenen im Chakra sollen weder geschmäht noch ausgelacht oder zornig angefahren werden.

10.486 Vorgänge im Chakra sollen nicht nach außen getragen werden. Gegen die Beteiligten soll weder feindselig noch schädigend gehandelt werden.

10.487 Was zu schützen ist, wird sorgfältig geschützt und vertraulich bewahrt. Die im Chakra vom Rausch Ergriffenen sollen unter der Vorstellung der Gottheit betrachtet werden.

10.488 Wer sie hingebungsvoll weder schmäht noch auslacht, erreiche den Yogini-Zustand. Während das Bhairavi-Chakra besteht, gelten alle sozialen Stände als zweimalgeboren.

10.489 Nach seinem Ende werden die Stände wieder getrennt betrachtet. So wird die besondere Kraft des Chakras im Dienst der Göttinnenverehrung beschrieben.

10.490 Ob Frau, Mann, als Shandha bezeichneter Mensch, Chandala oder höchster Brahmane: Im Chakra besteht nach dieser Aussage kein Unterschied; alle gelten als Gottheiten gleich.

10.491 Alle Männer im Chakra werden als Shiva, alle Frauen als Parvati betrachtet. Darum soll keine trennende Bewertung vorgenommen werden.

10.492 Selbst tausend Krüge Alkohol und hundert Lasten Fleisch erfreuen Mahamaya nach dieser Passage nicht ohne das „Amrita“ der sexuellen Vereinigung. Dies ist die historische Sakralisierung eines Sexualrituals.

10.493 Ein Mann soll sich keiner Frau sexuell nähern, die nicht zustimmt oder nicht eingeweiht ist. Eine durch die vorgeschriebene unmittelbare Weihe vorbereitete, zustimmende Frau wird als Ritualpartnerin zugelassen. Das ausdrückliche Verbot bei fehlendem Einverständnis bleibt wesentlich.

10.494 Tausend Chakra-Pujas sollen einem vertriebenen König seine Herrschaft zurückgeben, fünfzig einen Sohn und zehn Krankheitsfreiheit gewähren.

10.495 Einer Chakra-Puja mit einem hier als „Entgleiten der Rati“ beschriebenen Vorgang wird die Erlangung universeller Herrschaft innerhalb eines Jahres zugeschrieben. Ob die Wendung einen sexuellen Vorgang oder die Personifikation Rati meint, bleibt ungesichert.

10.496 Für das Erlangen einer ersehnten Gefährtin werden fünf, für Reichtum sieben Feiern genannt. So endet diese Beschreibung der Chakra-Puja.

10.497 Der Text schreibt einem Mann Verdienst zu, der einem beim Chakra berauschten Kula-Yogi Schwester, Tochter oder Ehefrau „übergibt“, auch außerhalb des Chakras. Diese patriarchale Verfügungsbehauptung wird sachlich dokumentiert; der Vers benennt weder Alter noch eigenes Einverständnis der betroffenen Person und darf daher nicht als dessen Ersatz verstanden werden.

10.498 Tägliche Verehrung gilt als vorzüglich, Verehrung an Festtagen als mittel, monatliche als geringer; noch längere Abstände werden als fruchtlos bezeichnet.

10.499 Monatlich, nach einem zusätzlichen Monat, halbjährlich oder jährlich wird der Guru hingebungsvoll verehrt; bei seiner Ankunft auch seine Frau und Kinder. Fehlt er, werden Angehörige seiner Linie, sein Schüler oder ein anderer Yogi durch Chakra-Puja und Kula-Gaben erfreut.

10.500 Bei Krankheit, Not, Fehlern, schlechter Gesellschaft und ungünstigen Vorzeichen wird die Yogini-Schar zur Befriedung dieser Schwierigkeiten verehrt.

10.501 Nun folgt die gesonderte Navaratri-Verehrung: Am ersten Tag der hellen Ashvina-Hälfte wird ein einjähriges Mädchen als Kumari verehrt.

10.502 Am zweiten Tag ein zweijähriges, danach entsprechend aufsteigend bis zu einem neunjährigen am neunten Tag. Die Vorlage fordert ansprechende Gestalt und körperliche Unversehrtheit; dies ist eine historische Auswahlregel.

10.503 Die neun göttlichen Namen lauten Shuddha, Bala, Lalita, Malini, Vasundhara, Sarasvati, Rama, Gauri und Durga.

10.504 Das morgens eingeladene Kind wird nach Beendigung der Gottheitenverehrung, nach Salbung und Bad, zum Verehrungsplatz gebracht.

10.505 Man lässt es vor der Gottheit Platz nehmen und verehrt es mit Duftstoffen, Blumen, Reiskörnern, Räucherwerk, Licht und Kula-Lampen.

10.506 Es wird mit Speisen und Getränken, Milch, Ghee, Honig, dem hier ebenfalls genannten Fleisch sowie Früchten wie Banane und Kokosnuss bewirtet. Dieser Abschnitt beschreibt Kumari-Verehrung, keine sexuelle Handlung.

10.507 Der Verehrer selbst nimmt mit seiner Shakti teil, in der als Yauvana-Ullasa bezeichneten Ritualstufe, und rezitiert den eigenen Mantra nach Vermögen in täglich um eins gesteigerter Zahl.

10.508 Das geschmückte Kind wird als die eigene erwählte Gottheit vergegenwärtigt; man verneigt sich in dieser Haltung und entlässt es.

10.509 Jede der neun Göttinnen wird mit dreifachem Tara am Anfang, ihrem Namen im Dativ und „devatāyai namaḥ“ beziehungsweise der entsprechenden Schlussverbindung gesondert verehrt.

10.510 Ein fünfjähriger Knabe als Batuka und ein neunjähriger als Ganesha werden entsprechend am Ende beziehungsweise am Anfang mit Duftstoffen und weiteren Gaben verehrt.

10.511 Man bringt die Navaratri-Puja der Göttin dar, gibt Betel und Dakshina und entlässt die Kumari.

10.512 Wer diese Verehrung von neun Kumaris jährlich vollzieht, wird nach dem Text hier glücklich und nach dem Tod göttlich.

10.513 Als anderes Verfahren wird die Verehrung von neun erwachsenen, ansprechenden Frauen als neun Muttergottheiten beschrieben.

10.514 Die Namen sind Hrillekha, Angana, Rakta, Mahocchushma, Karalika, Iccha, Jnana, Kriya und Durga; hinzu kommen Batuka und Ganesha.

10.515 Sie werden wie zuvor verehrt und mit den rituellen Stoffen erfreut. Der Verehrer erlange umfassenden Wohlstand und werde Shiva und der Göttin lieb.

10.516 An einem Freitag, dem hier hervorgehobenen Wochentag, lädt man eine erwachsene, wohlgesinnte und ansprechende Frau mit den geforderten Eigenschaften ein,

10.517 aus einer Kula- oder Akula-Gruppe, in der als „puṣpiṇī“ bezeichneten menstruierenden Phase. Nach Salbung und Bad nimmt sie auf einem Sitz Platz.

10.518 Sie wird mit Duftstoffen, Blumen und Schmuck versehen; ebenso schmückt sich der Sadhaka selbst.

10.519 Man ruft die Gottheit in ihr an und verehrt sie nach der vorgesehenen Ordnung. Die Verbindung mit „Monatsfolge“ ist im Wortlaut knapp. Nach den einzelnen Verehrungshandlungen folgen Räucherwerk, Licht und Kula-Lampen.

10.520 Unter der Vorstellung der Gottheit wird sie mit Stoffen der sechs Geschmacksrichtungen und den vorgesehenen Speisen hingebungsvoll bewirtet.

10.521 Die Partnerin wird in der bis Praudha reichenden Ullasa-Stufe betrachtet; der Verehrer selbst rezitiert in Yauvana-Ullasa, ganz auf ihre göttliche Vergegenwärtigung gerichtet,

10.522 mit unverändertem Geist eintausendachtmal. Nach Darbringung des Japa und der weiteren Handlungen verbringt er die Nacht mit ihr.

10.523 Wird dieses Ritual freitags ausgeführt, verheiße es Befreiung von der Schuld der Aneignung brahmanischen Eigentums; nach fünf Freitagen das Ende von Armut.

10.524 Nach sieben Freitagen werden unversehrte Nachkommenschaft und Wohlstand, nach neun Vereinigung mit der Gottheit verheißen.

10.525 Nun die Verehrung von Paaren zur Erfüllung verschiedener Wünsche: Sie wird bei Sonnenübergängen, Tagundnachtgleichen oder Sonnenwenden durchgeführt.

10.526 Genannt werden Gauri und Shiva, Rama und Vishnu, Vani und Brahma, Shachi und Indra, Rohini und Mond sowie Svaha und Feuer,

10.527 Bhadrakali und Virabhadra, Bhairavi und Bhairava. Obwohl die Vorlage anschließend von neun Paaren spricht, sind hier nur acht Paare ausgeschrieben; kein neuntes wird ergänzt.

10.528 Mit dreifachem Tara, dem jeweiligen Namen im Dativ und „namaḥ“ werden sie unter Duftstoffen und Blumen verehrt und mit den vorgesehenen rituellen Gaben erfreut.

10.529 Die Paare werden in die bis Praudha reichenden Ullasa-Stufen geführt; dadurch seien die genannten Gottheiten zufriedengestellt.

10.530 Jährliche Durchführung soll Leid fernhalten. Für einen Sohn werden neun Wiederholungen, für Reichtum monatliche Feiern genannt.

10.531 An Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen wird das Verfahren mit Befreiung aus Haft verbunden; acht Wiederholungen werden für die Erlangung männlicher Zeugungsfähigkeit genannt.

10.532 Nun wird die Gottheitsverehrung auf kaulischem Weg über eine Monatshälfte beschrieben, zur Tilgung von Schuld und Entstehung von Wohlergehen. Der Wortlaut der Zeitbestimmung ist teilweise beschädigt.

10.533 Am ersten Tag der hellen Magha-Hälfte verzichtet man tagsüber auf Nahrung, badet, trägt weiße Kleidung und vollzieht abends die Sandhya.

10.534 Man verehrt die Sonne nach der eigenen Überlieferung mit allen vorgesehenen Stoffen und rezitiert gesammelt bis zum Monduntergang.

10.535 So verfährt man täglich bis zum vierzehnten Tag der hellen Hälfte. Am Vollmondtag verehrt man nach Vermögen Shaktis und Kaulas.

10.536 In Yauvana-Ullasa vergegenwärtigt man die Gottheit im Mond. Diese Verehrung während der hellen Hälfte soll die in der Nacht begangenen Verfehlungen tilgen.

10.537 Wer entsprechend auch in der dunklen Monatshälfte verfährt, erlange nach dem Text die Erfüllung aller Wünsche.

10.538 Am ersten Tag der hellen Vaishakha-Hälfte, Herrin, erhebt man sich zur Brahma-Muhurta, badet und vollzieht Sandhya.

10.539 An einem angenehmen, abgeschiedenen Ort richtet man sich nach Osten und schmückt sich mit Duftstoffen und Blumen.

10.540 Nach den vorbereitenden Dämmerungsriten meditiert man beim Sonnenaufgang die eigene Gottheit im Sonnenkreis und verehrt sie samt Umkreisen mit allen Darbringungen.

10.541 Es folgen Chakra-Puja und Kula-Lampen. Shiva in Gestalt des Gurus erhält Fisch, Fleisch und die weiteren Speisen;

10.542 auch der Göttin werden die Gaben dargebracht. Ihren verbleibenden Anteil nimmt der Verehrer gemeinsam mit seiner Shakti an, in Yauvana-Ullasa und mit ungeteilter Aufmerksamkeit.

10.543 Er meditiert die Göttin im Sonnenkreis, rezitiert eintausendachtmal, bringt die Verehrung dar und entlässt die Gottheiten.

10.544 Vom ersten Tag der hellen bis zum vierzehnten Tag der dunklen Hälfte wird Japa und Verehrung täglich beständig fortgesetzt.

10.545 Am Neumondtag werden Kaulas paarweise verehrt, in einer ungeraden Anzahl von Paaren, beginnend mit drei. Dadurch sollen die tagsüber begangenen Verfehlungen getilgt werden.

10.546 Eine entsprechende Verehrung mittags verleihe Kraft; abendliche Verehrung lasse den Ruhm bis in die fernsten Richtungen reichen.

10.547 Verehrung zu beiden Dämmerungen gewähre allseitiges Gedeihen; bei den drei Sandhyas würden die Yoginis dem Verehrer günstig gestimmt beziehungsweise gefügig.

10.548 Die fünfzig Paare von Shrikantha an werden nach dem zuvor beschriebenen Verfahren und ohne Geiz verehrt.

10.549 Die Paare werden in die bis Praudha reichenden Ullasa-Stufen geführt; erfreut sollen sie dem zufriedenen Sadhaka die gewünschte Frucht gewähren.

10.550 Die Reihen von Keshava, Ganesha und Kama-Pitha an werden ebenso verehrt; dadurch werde man in den jeweiligen Welten geehrt. Nummernhinweis: Die Vorlage trägt hier 150 zwischen 549 und 551; die Orientierung verwendet 10.550.

10.551 Die tausendmal zehn Millionen Yoginis, die sich im Luftraum, auf der Erde, in den Himmelsrichtungen, im Wasser, auf Bergen und überall bewegen, und ebenso viele Bhairavas –

10.552 sie alle sind zum Schutz des Kula eingesetzt. An besonderen Tagen sind sie sämtlich freudig gestimmt.

10.553 Sie bedrängen die Sadhakas nicht, während sie ihre jeweilige Verehrung erwarten; unverehrt bereiten sie jedoch Hindernisse, verehrt werden sie gnädig. Die gedruckte grammatische Randbemerkung ist unklar.

10.554 Sie schützen diejenigen, die dem Guru ergeben sind, recht handeln und die Lehre geheim halten; Hingabelose, Übeltäter und Offenleger der Geheimnisse richten sie nach dieser Aussage zugrunde.

10.555 Nun werde ich die Bestimmung des Sinnes der Lehrschriften über den Weg des Kulachara darlegen. Ist in einer Kaula-Familie der ältere Angehörige nicht eingeweiht,

10.556 der jüngere aber eingeweiht, dann soll der jüngere die Kula-Verehrung durchführen. Am Ende soll er die übrig gebliebene Opfergabe nehmen und dem älteren darbieten.

10.557 Der jüngere soll sodann dessen Speiserest empfangen: So lautet die Bestimmung. Wenn während der Verehrung der Guru, ein Älterer oder eine andere verehrungswürdige Person eintrifft,

10.558 soll man sich verneigen, den Stand des Rituals erklären und mit ihrer Erlaubnis den Rest ausführen. Die tägliche Verehrung geschehe bei Tag, die anlassbezogene bei Nacht.

10.559 Die auf einen besonderen Wunsch gerichtete Verehrung findet zur vorgeschriebenen Zeit statt. Wo viele zusammenkommen, soll jeder seinem eigenen Guru Reverenz erweisen und nach seinem eigenen Überlieferungsweg das Mantra mit Tarpana verehren.

10.560 Ohne Sitz, ohne Bad, ohne Duftstoffe, Blumen und ungebrochene Reiskörner, ohne Wein und ohne Fleisch soll nach dieser Ritualordnung keine Kula-Puja stattfinden.

10.561 Man soll weder schwatzend noch ohne Mantra verehren; ebenso wenig ohne Shakti trinken oder mit nur einer Hand die Verehrung vollziehen.

10.562 Man soll nicht mit einer Hand trinken. Die Vorlage hat anschließend wörtlich: »Man vollziehe das Ausspucken im Chakra«; dies widerspricht dem ausdrücklichen Verbot in 10.576–577 und dürfte eine Textstörung enthalten. Den Kreis betrete und verlasse man mit einer Verneigung.

10.563 Die schwer verständliche Sitzregel untersagt das Stehen beziehungsweise Verweilen auf einem Sitz im Shri-Chakra und nennt ebenso den Vira-Sitz. Man soll den Shri-Chakra nicht einseitig anordnen und nicht mit nur einem Gefäß verehren. Die genaue räumliche Vorschrift bleibt in dieser Lesart unsicher.

10.564 Der Anblick des Shri-Chakra nehme den Augen der Menschen ihre Verfehlungen. Fehle dieser Anblick, seien die beiden Augen eines Kaulika, so die drastische Bildrede, nur zwei Wunden.

10.565 Alle im Kreis anwesenden Shaktis und Kaulikas soll man als Shiva und Gauri betrachten und keinen verachten, ob ihr Verhalten den gewöhnlichen Regeln entspricht oder nicht.

10.566 Wer das Haus des Kula-Lehrers aufsucht, soll zur Reinigung von Verfehlungen hingebungsvoll um den rituellen Nektar und Speise bitten; fehlen diese, soll er Wasser trinken.

10.567 Ein Gefäß, das der Kula-Lehrer oder die Shakti hingebungsvoll reicht, soll man nach einer Verneigung annehmen. Für die Missachtung droht der Text mit Höllenfolge.

10.568 Der Vers zählt als ungeeignete Zustände beziehungsweise Erscheinungsweisen auf: mit Kopftuch oder Obergewand bekleidet, nackt, mit gelöstem Haar, bereits gesättigt, ungebadet, ohne ausreichende Hingabe und im Streit abgewandt. Der Zusammenhang der letzten Bestimmung ist sprachlich nicht eindeutig.

10.569 Ein vedisch geschulter Zweimalgeborener, dessen Familie diese Überlieferung nicht besitzt, der aber die entsprechenden Standessakramente empfangen hat, werde durch den Genuss der Kula-Substanzen mittellos.

10.570 Wer den Yoga-Nektar ausspuckt, über beziehungsweise um das Weingefäß tritt oder mit hochgerecktem Hals trinkt, ziehe nach der Ritualordnung den Fluch der Gottheit auf sich. Die Bewegungsregel um das Gefäß ist nicht ganz eindeutig.

10.571 Wer auf demselben Sitz zusammensitzt, aus derselben Schüssel isst oder aus demselben Trinkgefäß trinkt, gelange nach dieser strengen Vorschrift in die Hölle.

10.572 Wer Kula-Substanzen genießt, während der Guru, ein Angehöriger seiner Linie, sein Sohn, ein eigener Älterer oder der Kula-Lehrer im selben Dorf weilt,

10.573 und dies ohne Erlaubnis tut, wird mit der Raurava-Hölle bedroht. Mit Speiseresten verunreinigt soll man weder den Kreis noch die Kula-Substanzen oder den Guru berühren.

10.574 Man soll sich außerhalb mit Wasser reinigen und dann die Kula-Substanzen reichen lassen. Das Trinkgefäß soll nicht dadurch gefüllt beziehungsweise versorgt werden, dass man den Weinbehälter hochhebt; die genaue Handhabung bleibt im Wortlaut knapp.

10.575 Das Genussgefäß und den Weinkrug soll man niemals achtlos absetzen beziehungsweise hinwerfen. Wer mitten im Kreis, in vermeintlicher Reinlichkeitsabsicht, Hände und Mund wäscht,

10.576 gilt als Tor und werde zum Ziel von Unglück. Wer Ausspucken, Stuhlgang, Wasserlassen oder das Entweichen von Darmwinden

10.577 innerhalb des Shri-Chakra zulässt, werde zum Opfertier der Yoginis. Zerbricht im Kreis ein Krug oder fällt ein Gefäß um,

10.578 oder erlischt die Lampe, kündige dies eine Bedrängnis des Landes an; die Chakra-Puja soll dann verlassen beziehungsweise beendet werden. Scherze, Geschwätz, Verspottung und übermäßiges Reden

10.579 sowie Gleichgültigkeit, Furcht und Zorn soll man im Kreis vermeiden. Mit dem Gefäß in der Hand soll man sich dort nicht verneigen; ein volles Gefäß

10.580 soll man nicht lange in der Hand halten. Die anschließende Handlungsregel für den Gefäßträger ist in der Vorlage unklar. Man soll das Gefäß weder mit den Füßen berühren noch jemals zerbrechen.

10.581 Es soll nicht einhändig gereicht werden; kein Tropfen soll zu Boden fallen. Man soll das Gefäß nicht von seinem Platz bewegen und nicht ohne Mudra trinken.

10.582 Auch soll man beim Trinken des Weins nicht reden und Gefäße nicht miteinander verwechseln. Zwei Anteile des Gefäßes sollen mit Wein gefüllt sein, ein dritter Anteil leer bleiben; die Formulierung des letzten Bruchteils ist sprachlich verkürzt.

10.583 Gefäße sollen weder gegeneinander noch auf den Boden geschlagen werden. Ein Gefäß soll nicht zusammen mit seiner Unterlage hochgehoben und nicht ohne Unterlage abgestellt werden.

10.584 Man soll das Gefäß nicht völlig leeren und nicht darüber hinwegsteigen. Der Schluss nennt die Reinigung des Gefäßes im Zusammenhang mit Kuhdung sowie einen Brahmanen am Ende der Verneigung; der genaue Wortlaut ist gestört und erlaubt keine sichere Handlungsübersetzung.

10.585 Das Erörtern des Dharma-Shastra, der Umgang mit einer nicht zum Kula gehörenden Frau, die Gemeinschaft mit vedischen Schriftgelehrten und das Vollziehen vedischer Opferhandlungen

10.586 zerstörten nach dieser sektiererischen Abgrenzung Wunschverwirklichung, Vermögen, Lebensdauer, Ruhm, Gewinn, Erkenntnis und Wohlergehen. Deshalb solle ein Anhänger des Kaula-Weges sie niemals ausüben. Dies dokumentiert die Position des Textes, keine allgemeine Abwertung anderer Wege.

10.587 Wer die im Shri-Chakra befindlichen Kula-Substanzen einem Außenstehenden gibt, gilt hier als schwerer Frevler und wird mit der Raurava-Hölle bedroht.

10.588 Selbst mit einem Feind soll im Kreis kein Wortstreit geführt werden. Man soll ihn wie Vater und Mutter ansehen und seine harten Worte ertragen.

10.589 Der Wissende soll den verehrten Guru, die Kula-Schriften und die verehrungswürdigen Stätten mit Hingabe nennen, ihnen das Ehrenwort »Shri« voranstellen und sich verneigen.

10.590 Man halte sich an die überlieferte Folge: Mantra, Verhalten und alles Weitere werden fruchtbar, wenn sie aus dem Mund des Gurus empfangen wurden; anders, so der Text, nicht.

10.591 Die heilige Lehrschrift soll täglich verehrt und nicht im Haus eines Uneingeweihten niedergelegt werden. Der Tantriker soll den Kula-Schriften so treu zugewandt sein wie seiner eigenen Gattin.

10.592 Die Schriften der als »Pashu« bezeichneten Außenstehenden soll er dagegen wie die Gattin eines anderen meiden. Für die Sakramente soll er vedische Mantras, deren Gestalt hier als aufgeteilt, auseinandergelegt und in der Lautfolge verändert beschrieben wird,

10.593 nach der eigenen Überlieferung rezitieren; durch diese bestehe hier die festgelegte Ordnung. Ein Verhalten, das dem Dharma-Shastra widerspricht, wird als kaulisch bezeichnet. Die genaue Bedeutung der Mantrabearbeitung bleibt in diesem Wortlaut offen.

10.594 Die anschließend genannten Frauen soll man nicht zu diesem Zweck in den Kreis rufen; man soll sie wie die Göttin verehren. Mit ihnen soll kein Geschlechtsverkehr stattfinden; darauf setzt der Text eine Höllendrohung.

10.595 Genannt werden: die Mutter, die Frau des Gurus, die Schwester, die Tochter der Schwester, die Frau des Bruders, die Frau eines Vira, ein Mädchen und eine Frau, die ein Gelübde hält,

10.596 ferner Frauen mit beeinträchtigtem oder entstelltem Körper, eine aufgewühlte Frau und weitere, in der Vorlage nicht eindeutig bestimmte Zustände, die Schwiegertochter, eine bereits einmal aus Begehren aufgesuchte Frau sowie eine alte oder als nicht anziehend bezeichnete Frau. Die Aufzählung bewahrt historische Wertungen; einige Glieder bleiben sprachlich unsicher.

10.597 Eine anziehende, erwachsene junge Kaula-Frau, schön gekleidet, mit lieblichem Lächeln, rötlichen Augenwinkeln und dunklem Teint, soll verehrt werden.

10.598 Eine Kula-Yogini soll niemals unvermittelt oder mit Gewalt sexuell in Anspruch genommen werden. Der Text erlaubt den Verkehr im Kreis mit einer Frau, die von sich aus erregt ist oder selbst darum bittet. Dies steht im Zusammenhang des initiationsgebundenen Rituals unter Erwachsenen.

10.599 Rohes Fleisch, einen Weinkrug, einen brünstigen Elefanten, den Anblick eines Siddha, einen Mangobaum, einen Ashoka-Baum und spielfreudige Mädchen,

10.600 einen einzeln stehenden Baum, eine Verbrennungsstätte, eine Gruppe von Frauen und eine Frau in rotem Gewand soll man beim Anblick hingebungsvoll grüßen.

10.601 Die Shakti des Gurus, ältere und jüngere Angehörige der Überlieferung, Kula-Lehrer, die Schriften der Kula-Lehre, Kula-Substanzen und Kaulikas,

10.602 ferner Anreger, Hinweisgeber, Vortragende, Wegweiser, Unterweisende und Erkenntnis vermittelnde Lehrer, Yogis, Yoginis und vollendete Menschen,

10.603 sowie junge Frauen, Mädchen, nackte oder geistig verwirrte Frauen soll man weder schmähen noch verabscheuen, auslachen oder missachten. Die in 10.601 begonnene Aufzählung wird hier durch das Verbot abgeschlossen.

10.604 Zu keinem Kula-Yogi soll man verletzend oder unwahr sprechen. Eine Kula-Frau soll man nicht als hässlich oder als allzu dunkel beschimpfen.

10.605 Man soll das Tun und Unterlassen der hingebungsvollen Viras nicht ausforschen. Eine gestürzte beziehungsweise als gefallen bezeichnete, nackte, geistig verwirrte oder mit entblößter Brust dastehende Frau soll man nicht anstarren.

10.606 Bei Tag soll man nach dieser Regel keinen Geschlechtsverkehr haben und die Vulva einer Frau nicht betrachten. Selbst eine Frau, der hundert Verfehlungen zugeschrieben werden, soll man nicht einmal mit einer Blume schlagen.

10.607 Man soll die Fehler von Frauen nicht aufzählen, sondern ihre guten Eigenschaften hervorheben. In den Kula-Bäumen, heißt es weiter, wohnen stets die Kula-Yoginis.

10.608 Von deren Blättern soll man nicht essen, besonders nicht von Arka-Blättern. Unter Kula-Bäumen soll man nicht schlafen und ihnen keinen Schaden zufügen.

10.609 Bei ihrem Anblick soll man sich hingebungsvoll verneigen und sie niemals fällen. Als solche Bäume werden Shleshmantaka, Karanja, Aksha, Nimba, Ashvattha und Kadamba

10.610 sowie Bilva, Vata, Udumbara und Chincha genannt: Diese zehn sind überliefert. Die von Bhrigu gelehrten Sühnehandlungen, den förmlichen Entsagungsstand und die Übernahme entsprechender Gelübde

10.611 sowie Pilgerreisen und ähnliche Unternehmungen soll der Kaulika nach dieser Abgrenzung meiden. Wer den Guru verachtet, der ihm auch nur eine Silbe gegeben hat,

10.612 werde durch hundert Geburten als Hund gehen und danach als Chandala geboren werden. Der zweite Halbvers billigt die Tötung eines Einzelnen, sofern sie vielen Sicherheit bringe. Diese historische Gewaltlegitimation wird hier dokumentiert, nicht als Handlungsregel übernommen.

10.613 Innerlich kaulisch, äußerlich shaivisch, unter den Menschen vaishnavisch: O Göttin, das Kaula-Geheimnis soll man bewahren wie das Wasser im Innern einer Kokosnuss.

10.614 Der Verständige soll den Guru bekannt machen, das Mantra jedoch sorgsam geheim halten. Durch das Verbergen des einen und das Bekanntmachen des anderen würden Vermögen und Lebensdauer schwinden.

10.615 Wer aus allen anderen Lebensordnungen herausgefallen ist, möge beim Kulachara Zuflucht nehmen; wer aber aus dem Kulachara herausfällt, wird mit der Raurava-Hölle bedroht.

10.616 Ein rechter Guru soll den Vamachara keinem Außenstehenden offenlegen. Wenn der Schüler von der vorgeschriebenen Lebensführung abfällt, werde auch der Guru zum Mitverantwortlichen an der Verfehlung.

10.617 Wenn ein dem Kaulika lieber Mensch in große Bedrängnis gerät, soll zur Linderung seines Leidens eine Verehrung von acht mal acht vollzogen werden.

10.618 Je nach Schwere soll sie an einem Tag, über acht oder sechzehn Tage, über zweiunddreißig Tage – so erklärt die Randglosse das Wort »Zähne« – oder über vierundsechzig Tage ausgeführt werden.

10.619 Man soll sie selbst durchführen oder durchführen lassen, ohne bei den Mitteln zu geizen. Dabei soll man fasten, sich reinigen und die zuvor beschriebenen Nyasas vollziehen.

10.620 Wenn die Menschenwelt schläft, soll der großgesinnte Verehrer mit frohem Herzen handeln. Brahmi, Maheshvari, Kaumari und Vaishnavi,

10.621 Varahi, Indrani, Chamunda und die große Rama: Diese habe ich dir als die acht Mütter genannt.

10.622 Asitanga, Guru, Chanda, Krodha, Unmatta, Kapalin, Bhishana und Samhara werden hier als die acht Bhairavas genannt. Die Vorlage liest beim zweiten Namen »Guru«; diese Lesart wird beibehalten.

10.623 Nach der rituellen Mundspülung soll man diese acht Paare wie zuvor mit den höchsten Opfergaben verehren. Die Feier reicht bis zur Praudha-Stufe des Ullasa; das Vorhaben gelinge dadurch ohne Zweifel, so die Zusage.

10.624 Wird sie zur Freude der Gottheit vollzogen, ist sie eine ausgezeichnete Purashcharana. Für einen Menschen ohne Hingabe an den Guru sind Askese, Wissen, Gelübde und Kula-Zugehörigkeit

10.625 allesamt vergeblich, wie vielerlei Schmuck an einem Leichnam. Deshalb soll man dem Guru stets durch Gedanken, Worte und körperliches Handeln dienen.

10.626 Wer im Guru nur einen Menschen, im Mantra nur Sprachlaute und in den Kultbildern nur Stein sieht, wird mit Höllenfolge bedroht. Dieser vom Guru gewiesene Weg des Kula-Agama

10.627 ist, wenn er richtig ausgeübt wird, ein Mittel sowohl zu Bhukti, erfülltem Erleben, als auch zu Mukti, Befreiung.

10.628 Selbst ein Brahmane mit guten Eigenschaften wird ohne Hingabe nicht gepriesen; selbst ein als Mleccha bezeichneter Außenstehender ohne solche Vorzüge gilt bei vorhandener Hingabe als Schüler.

10.629 Durch Wort, Gedanken und körperliches Handeln soll man für das Wohl des Gurus wirken. Für gegenteiliges Handeln droht der Text dem Schüler die Wiedergeburt als Wurm im Kot an.

10.630 Das Verlassen des Gurus führe zum Tod, das Aufgeben des Mantras zu Armut; wer Guru und Mantra aufgibt, gelange in die Raurava-Hölle. Diese Drohungen gehören zur historischen Bindungsrhetorik des Textes.

10.631 Ein hartes Wort des Gurus soll man im Herzen als Segen betrachten; selbst wenn man geschlagen wird, soll man sich verneigen und es als Gnade deuten. Die Lesart »purusha« steht hier offenbar für ein hartes Wort. Die Vorschrift legitimiert Gewalt durch einen Lehrer und ist keine Empfehlung für heutige Lehrer-Schüler-Beziehungen.

10.632 Alle Gegenstände des Genusses und alle Speisen soll man dem Guru darbieten; mit seiner Erlaubnis soll man sie freudig als seinen verbleibenden Anteil empfangen.

10.633 Die Regel untersagt Darlehensaufnahme, Darlehensgabe sowie Kauf und Verkauf im Umgang mit »Nicht-Gurus«, wie die Vorlage wörtlich liest; ebenso die Heirat mit einer Frau aus deren Familie. Die ungewöhnliche Lesart lässt den genau gemeinten Personenkreis unsicher.

10.634 Den in knapper Form gelehrten geheimen Sinn soll man nicht wahllos jemandem mitteilen. Wer ihn dennoch mitteilt, verliere zweifellos beides; welche beiden Güter gemeint sind, wird hier nicht ausdrücklich gesagt.

10.635 Selbst wenn ein Schüler seinen ganzen Besitz hingibt, empfängt er ohne Hingabe an den Guru keine Frucht. Denn die Hingabe selbst ist der entscheidende Grund.

10.636 Einen Gegenstand, den der Guru begehrt, soll man nicht selbst genießen. Ist seine Nutzung notwendig, soll sie mit dessen Erlaubnis geschehen.

10.637 Wer sich auch nur einen ganz geringen Besitz des Gurus aneignet, ohne dass er ihm gegeben wurde, werde als Tier wiedergeboren und von Fleischfressern verzehrt.

10.638 Das Übertreten eines Auftrags, das Entwenden von Besitz und ein dem Guru missliebiges Verhalten werden »Verrat am Guru« genannt; wer dies tut, gilt als Frevler. Freunde, Vertraute, Diener und Dienerinnen des Gurus soll man nicht missachten.

10.639 Andere religiöse Überlieferungen, Veden, Lehrschriften und Agamas soll man nicht schmähen. Beim Anblick der Sandalen, des Sitzes, des Gewandes, des Fahrzeugs, des Wedels und ähnlicher Dinge des Gurus soll man ihm Verehrung erweisen und diese Dinge nicht zum eigenen Genuss begehren.

10.640 Was der Guru sagt, ob gut oder schlecht, soll der Schüler ohne Eigenwillen ausführen; der Guru sei die Ursache sowohl von Zurechtweisung als auch von Gnade. Diese Forderung uneingeschränkten Gehorsams ist eine historische Lehrposition, keine Aufhebung persönlicher Verantwortung.

10.641 Alles, was aus dem Mund des Gurus hervorgeht, wird als Lehrschrift bezeichnet. Ist man selbst fähig, eine Aufgabe für den Guru auszuführen, soll man dafür keinen anderen schicken.

10.642 Umfangreiche Arbeiten soll man zusammen mit anderen und mit großer Hingabe erledigen. Ob stehend, wachend, schlafend, essend oder trinkend: Man soll an den Guru denken.

10.643 Mit innerlich auf ihn gerichtetem Geist soll man seinen Auftrag erfüllen. Auf Herkunft, Bildung, Vermögen und Ähnliches soll man sich nichts einbilden.

10.644 Wer vor dem Guru unwahr spricht, lade nach der drastischen Rangordnung des Textes eine Schuld auf sich, die nicht einmal durch die Tötung einer Kuh oder eines Brahmanen entstehe.

10.645 Dem Guru soll der Löwenthron, den Älteren ein vorzüglicher Sitz, den Jüngeren ein regelgemäßer Sitz und den übrigen ein gleichartiger beziehungsweise gewöhnlicher Sitz gegeben werden.

10.646 Auch wer durch Herkunft, Bildung oder Reichtum hervorragt, soll beim Anblick des Gurus aus der Ferne freudig eine vollständige Niederwerfung ausführen und ihn dreimal rechtsläufig umschreiten.

10.647 Wenn der eigene Guru mit dessen Guru zusammentrifft, soll man zunächst den eigenen Guru grüßen; dieser verneige sich dann vor seinem Guru, worauf der Schüler seinen Gruß ausspreche. Die knappe Reihenfolge wird hier nach dem Zusammenhang wiedergegeben.

10.648 Dem Guru gelten drei Verneigungen, den Älteren eine; vor anderen Verehrungswürdigen werden die Hände zusammengelegt, gegenüber den übrigen genügt ein äußerer Gruß.

10.649 Göttern, Gurus, Kula-Lehrern, Älteren, Alten, an Askese Reichen, an Wissen Überlegenen, Menschen, die ihre Aufgabe erfüllen, und vedischen Gelehrten soll man stets Reverenz erweisen.

10.650 Keinen solchen Gruß soll man nach dieser historischen Ausschlussregel einem von einer Frau Verfluchten, einem vom Guru Verfluchten, einem Häretiker, einem als gefallen Bezeichneten, einem Betrüger, einem Übeltäter, einem Undankbaren oder einem außerhalb der anerkannten Lebensstände Stehenden erweisen. Das erste Glied ist in der Vorlage unsicher.

10.651 Der Vers liest wörtlich vom Essen »nach der Darbringung« an den im selben Dorf weilenden Guru, droht dann aber mit unreiner Speise und Wiedergeburt als Schwein. Wahrscheinlich fehlt eine Verneinung; der überlieferte Widerspruch wird nicht stillschweigend beseitigt.

10.652 Ein Schüler im selben Dorf soll den Guru zu den drei Tagesübergängen grüßen. Wer einen Krosha entfernt wohnt, soll ihm täglich hingebungsvoll Reverenz erweisen.

10.653 Bei einer Entfernung von einem halben Yojana soll der Schüler ihn an den fünf Festterminen grüßen. Von einem bis zu zwölf Yojanas Entfernung

10.654 soll der auswärts wohnende Schüler nach jeweils so vielen Monaten, wie die Entfernung Yojanas beträgt, hingebungsvoll zu ihm kommen und sich verneigen.

10.655 Ein sehr weit entfernt lebender Schüler soll kommen, wenn sich der Wunsch dazu regt. Einen König, eine Gottheit und den Guru soll man nicht mit leeren Händen aufsuchen.

10.656 Nach Kräften soll man Früchte, Blumen, Gewänder, Geld und Ähnliches darbieten. Ein Brahmane, der diese Verehrung unterlässt, werde nach der Drohung des Textes zum Brahmarakshasa.

10.657 Die Shakti des Gurus, seine Söhne und der ältere Bruder werden dem Guru gleichgestellt. Die Jüngeren soll man wie sich selbst behandeln und wie eigene Kinder beschützen.

10.658 Die eigene Mantrapraxis, Askese und religiöse Übung soll der Lehrer nicht zur Schau stellen; Wissen, Askese und Pflichten der sozialen und religiösen Lebensordnungen soll er dagegen erläutern.

10.659 Wer in den sechs Ritualhandlungen vollkommen erfahren ist, gibt und genießt, ohne zu betteln, gilt als Kula-Lehrer; ein anderer sei nur eine Nachahmung eines solchen Lehrers.

10.660 Wer Pinda, Pada, Rupa und das makellose, über die Form Hinausgehende richtig erkennt, ist ein Guru, der andere emporführen kann. Die vier Begriffe bleiben hier technische Bezeichnungen, die der Vers nicht näher erklärt.

10.661 Wer die drei hier als »Fessel-Stillstellung«, »Veda-Einweihung« und »Ergreifen des Pashu« überlieferten Vorgänge kennt, wird Guru genannt, o Geliebte. Die Fachwörter sind in dieser Lesart unsicher; sie werden nicht durch eine neue Textfassung ersetzt.

10.662 Wer den geheimen Sinn und die Ordnung von Pashu und Pasha kennt, o Schöngestaltete, wird Guru genannt. Die Vorlage wiederholt »Pashu« in einer sprachlich unklaren Zusammensetzung.

10.663 Abscheu, Zweifel, Furcht, Scham, als Fünftes Widerwille, ferner Familienbindung, Verhaltenskonvention und Shakti: Diese werden als acht Fesseln bezeichnet. Beim letzten Glied liest die Vorlage tatsächlich »Shakti«; die ungewöhnliche Lesart bleibt sichtbar.

10.664 Wer durch Fesseln gebunden ist, heißt Pashu; wer von ihnen frei ist, heißt Maheshvara. Deshalb gilt hier als Guru derjenige, der die Fesseln löst, und kein anderer.

10.665 Wer die Frucht der Bewegung des Jiva in den sieben Lotuszentren von der Wurzel bis zum Brahmarandhra kennt, ist ein Guru, o Geliebte, und kein anderer. Die Verbindung »jivachala« bleibt sprachlich knapp.

10.666 Als Guru gilt, wer dem von der Furcht vor dem Samsara bedrängten Schüler mit Fürsorge durch Gelübde, Fasten und geregelte Übung seine Ängste nimmt.

10.667 Selten ist im Kali-Zeitalter ein Guru, der seinem Schüler in einem Augenblick die eigene geistige Kraft vermittelt, ohne dass äußere Verrichtungen und Ähnliches vorausgehen müssen.

10.668 Der verständige Mensch soll denjenigen als Guru wählen, durch dessen Begegnung höchste Glückseligkeit entsteht, und keinen anderen.

10.669 Die drei Welten mit allem Beweglichen und Unbeweglichen sind vom Zweifel aufgezehrt – so der offenbar gemeinte Sinn der gestörten ersten Zeile. Selten auf Erden ist ein Guru, der seinerseits diesen Zweifel aufgezehrt hat.

10.670 Wie eine Biene auf der Suche nach Honig von Blüte zu Blüte zieht, so möge ein nach Erkenntnis verlangender Schüler von einem Guru zu einem anderen gehen.

10.671 Auch ein innerlich losgelöster Guru soll auf Shivas Geheiß eine Zeit lang warten, bis der Schüler geeignet ist, und ihm die Lehre erst dann übergeben.

10.672 Die kaulische Überlieferung soll nirgends abreißen. Solange die Überlieferung besteht, besteht auch der Zugang zur Stätte beziehungsweise zum Zustand der Yoginis.

10.673 Wenn Guru und Schüler aus Verblendung Unterweisung geben und empfangen, ohne einander geprüft zu haben, droht beiden die Existenz als Pishacha.

10.674 Wer Unterweisung erteilt, ohne die vorbereitenden Sakramente vollzogen zu haben, ist unverständig. Sein Mantra geht zugrunde wie Reissaat in Sandboden.

10.675 Wer aus Geldgier, Furcht, Habgier oder ähnlichen Gründen einen Ungeeigneten einweiht, ziehe den Fluch der Gottheit auf sich; sein Tun bleibe ohne Frucht.

10.676 Nach der regelgemäßen Verehrung des Kula-Kreises mit den Kula-Substanzen zeigt der Lehrer diesen dem Schüler vollständig. Dies gilt als kaulische Einweihung.

10.677 Bei der als Gandusha bezeichneten historischen Einweihung nimmt der Lehrer die geweihte, mit dem Nektar des Panchagavya verbundene Substanz in den Mund und besprengt damit den ihm lieben Schüler.

10.678 Mit einer Muschel oder einem Krug, gefüllt mit Wein, einem lebenden Fisch und den fünf Nektaren,

10.679 wird dann mittels junger Zweige der Kula-Bäume die Besprengung vollzogen. Diese wird auf dem Kula-Weg als Purnabhisheka, vollständige Weihe, bezeichnet. Die Angaben dokumentieren ein initiationsgebundenes Ritual.

10.680 Kaulikas, die ohne Purnabhisheka sterben, würden nach der Drohung des Textes bis zur Auflösung der Elemente als Pishachas weiterbestehen.

10.681 Hunderttausende geringerer und Millionen schwerster Verfehlungen verbrenne diese Einweihung in einem Augenblick, wenn der Guru sie vorschriftsgemäß vollzieht.

10.682 Wie Eisen, das vom »König der Säfte« – die Glosse erklärt: Quecksilber – durchdrungen wird, zu Gold werde, so erlange das von der Einweihung durchdrungene Selbst rasch den Zustand Shivas. Das Bild stammt aus der traditionellen Alchemie.

10.683 Wessen Karma im Feuer der Einweihung verbrannt ist, wessen Bindung an Maya durchschnitten wurde und wer, frei vom Verlangen nach Weltlichem, die höchste Stufe der Erkenntnis erreicht hat, der wird Shiva.

10.684 Das Shudra-Sein des Shudra und das Brahmanen-Sein des Brahmanen sind vergangen: Bei einem Menschen, der das Sakrament der Einweihung empfangen hat, besteht kein Unterschied der Geburtsstände.

10.685 Wie ein geweihtes Linga aus Holz, Stein, Metall, Erde oder Edelstein »Mahadeva« genannt wird, so verhält es sich mit den Eingeweihten aller Stände.

10.686 Wird ein Angehöriger einer ausgegrenzten Gemeinschaft früher eingeweiht als ein Zweimalgeborener, gilt nach der Entscheidung der Kula-Lehrschrift der zuerst Eingeweihte als der Ältere.

10.687 Auch wer vor der Shakti des Gurus und dessen Söhnen eingeweiht wurde, soll diese wie den Guru verehren und sie niemals missachten.

10.688 Auf dem kaulischen und dem linken Weg gilt die durchdringende Vedha-Einweihung als fruchtbringend; die anderen Einweihungen gehören zum rechten Weg. Bei einer abweichenden Vermischung droht der Text den Verlust des religiösen Status an.

10.689 Was ein geeigneter Schüler durch einen geeigneten Lehrer nach vorausgegangener Einweihung empfängt, vom Guru verwirklicht und in der Überlieferungslinie weitergegeben, gelangt ohne Zweifel zur Vollendung.

10.690 Einen Monat lang wird das von der Bhuta-Lipi umschlossene Mantra tausendfach in vorwärts und rückwärts gerichteter Folge rezitiert; dadurch werde das Mantra wirksam.

10.691 Der Mantrin verehrt das mit den Buchstaben der Matrika verbundene Mandala in vorwärts und rückwärts gerichteter Folge; nach sechs Monaten werde das Mantra vollendet.

10.692 Dem Mantra werden die Silben der drei Tattvas und die Matrika-Laute vorangestellt. Bei hundertfacher Wiederholung in Vorwärts- und Rückwärtsfolge werde es nach einem Monat vollendet.

10.693 Schon durch die Rezitation der Matrika gelten Millionen und Abermillionen Mantras als rezitiert; daran sei kein Zweifel, denn die gesamte Wirklichkeit gehe aus ihr hervor.

10.694 Am Anfang bestehe die Unreinheit der Geburt, am Ende die Unreinheit des Todes. Ein Mantra, für das keine Purashcharana vollzogen wurde, gelange nicht zur Vollendung.

10.695 Wenn jemand, durch Speise und Trank eines anderen genährt, religiöses Verdienst erwirbt, gehört die Hälfte der Frucht dem Speisenspender und die Hälfte dem Handelnden; daran bestehe kein Zweifel.

10.696 Mit wohlriechenden Blumen, Schmuck, Duftstoffen und Ähnlichem geschmückt, habe der Verehrer die Vollendung gleichsam in der Hand; anders gelinge sie nach dieser Aussage selbst in Millionen Geburten nicht.

10.697 Ganz darin gegründet, mit Lebenskraft und Gedanken darauf gerichtet und darin seine höchste Zuflucht sehend, soll er das Mantra langsam wiederholen und dabei dessen höchsten Sinn erforschen.

10.698 Vom Japa ermüdet, soll er wieder meditieren; von der Meditation ermüdet, wieder Japa üben. Wer Japa und Meditation miteinander verbindet, dem wird das Mantra rasch offenbar und wirksam.

10.699 Für eine besondere Anwendung soll der Mantrin mit reinem Herzen und geregelter Lebensführung das Mantra, das Fluch und Gnade vermitteln könne, so viele Hunderttausendmal wiederholen, wie die Zahl der Tattvas angibt.

10.700 Darauf folgt im geweihten Opferfeuer eine Anzahl von Darbringungen, die einem Zehntel der Rezitation entspricht, mit Reis und Sesam, verbunden mit den drei süßen Stoffen.

10.701 Mit Duftstoffen, Blumen, ungebrochenem Reis, Schmuck, neuen Gewändern, festen und weichen Speisen, Essen, Getränken und ansprechenden Kula-Substanzen soll der Kreis der Yoginis ausführlich und regelgemäß erfreut werden.

10.702 Erst nach Nyasa, Japa, Meditation, Feueropfer, Verehrung und Tarpana soll man die besonderen Anwendungen ausführen. Ihre Vollendung wird dann als zweifellos zugesagt.

10.703 Am Ende der Anwendung soll vorschriftsgemäß die Chakra-Puja stattfinden. Mit Meditation und Nyasa verbunden wird das Mantra hunderttausendmal wiederholt,

10.704 um Fehler der Anwendung zu befrieden und das eigene Wohl zu fördern. Zu kennen sind dabei Tonführung, Laute, Wörter, Verdoppelungen, Bindu und die Kennzeichnung des lebendigen Mantrabewusstseins,

10.705 sowie kurze, lange und überlange Vokale und die weiteren Lautmerkmale. Auf dieser Grundlage werden die Ritualhandlungen ausgeführt. An der Wurzel wird das Prasada-Bija vorgestellt, strahlend wie die junge Sonne,

10.706 am Scheitel das Para-Bija, leuchtend wie zehntausend Monde. Ihre Strahlen berühren und vereinen sich in einer Fülle von Glückseligkeit.

10.707 Von der Wurzel bis zum Brahmarandhra strahlt ihr ununterbrochenes Licht; der höchste Nektar durchtränkt den ganzen Körper von Kopf bis Fuß. So soll man sich täglich vorstellen. Dadurch werde man von fremden Ritualanwendungen nicht bedrängt.

10.708 Nun werde ich zum Wohl der Welt Meditation, Japa und Weiteres erklären, wodurch beim Auftreten eigener Krankheiten und anderer Bedrängnisse Befriedung entstehen soll. Die folgenden Heilungszusagen sind religiöse Aussagen des Textes, keine medizinischen Befunde.

10.709 Auf einem weichen Sitz und nach der Verehrung des Gurus meditiert man am oberen Ende des Kopfes in der Mitte einer vollständigen Mondscheibe

10.710 über das Shri-Prasada-Para-Bija, verbunden mit den sechzehn Vokalen, glückverheißend und weiß wie Perle, Bergkristall, Kampfer, Jasmin und Mond.

10.711 Man stellt sich den eigenen Körper – oder den Körper eines anderen – von dem Nektar überflutet vor, der aus Mond und Bija hervorgeht.

10.712 Wenn man das Shri-Prasada-Para-Mantra eintausendachtmal wiederholt und, mit der Taruna-Stufe des Ullasa verbunden, das Mandala verehrt,

10.713 dann, so die Zusage an die Götter, entstehe keine Furcht vor vorzeitigem Tod, schwerer Krankheit, Alter oder Sterben und auch nicht vor Grahas, Anfällen, Vetalas, Geistern, Wahnsinn und Ähnlichem.

10.714 Frei von Alter, seelischem Leid und Krankheit, mit Kindern und Enkeln gesegnet und von allen Menschen geehrt, lebe man mehr als hundert Jahre. Dies gehört zur traditionellen Fruchtverheißung.

10.715 Bei Fieber, geistiger Verwirrung und ähnlichen Leiden wird bei der Rezitation die Gegenwart des Bija im Kopf vorgestellt; je nach Ort des Leidens auch an der Wurzel, am Brahma-Knoten oder an der entsprechenden Körperstelle.

10.716 Bei schwerer Krankheit wird diese Kraft wie zuvor den ganzen Körper durchdringend vorgestellt. Alle Krankheiten kämen augenblicklich zur Ruhe, behauptet der Text.

10.717 Wer sie in den zehn Sinnes- und Handlungsvermögen meditiert, erlange deren volle Kraft; wer sie stets am Scheitel betrachtet, werde frei von Alter und Tod. Auch dies ist eine spirituelle Wirksamkeitszusage.

10.718 In der Mitte des Herzlotus, innerhalb einer Sonnenscheibe, wird das Para-Prasada-Bija vorgestellt, der aufgehenden Sonne gleich,

10.719 leuchtend wie Hibiskus, Bandhuka-Blüte, Zinnober, Rubin und Lotus, umgeben von zwanzig Verschlusslauten.

10.720 Der Verehrer stellt sich vor, dass der Glanz dieser Ausstrahlung die drei Welten in Edelsteinlicht verwandelt; dabei befindet er sich auf der Yauvana-Stufe des Ullasa.

10.721 Er rezitiert regelmäßig eintausendachtmal während eines Mandala-Zeitraums. Götter, Danavas, Gandharvas, Siddhas, Charanas, Guhyakas,

10.722 Vidyadharas, Weise, Yakshas, Nagas, Apsaras und Frauen, ferner Löwen, Tiger, Schlangen, Antilopen und andere gefährliche Tiere könne er dadurch unter seinen Einfluss bringen – um wie viel mehr gewöhnliche Menschen, behauptet der Text.

10.723 Er erlange Herrschaft in dieser Welt und himmlische Genüsse. Wer beim Japa im Scheitel eines anderen meditiere, mache diesen bald gefügig. Die Passage dokumentiert eine historische Vorstellung magischer Beherrschung, keine Empfehlung zur Einflussnahme auf andere.

10.724 Es folgt eine destruktive Ritualvorstellung: Im Feuerkreis innerhalb des Muladhara-Lotus wird das Para-Prasada-Bija wie das Feuer am Weltende betrachtet.

10.725 Zehn durchdringende Laute umgeben es in umgekehrter Folge; der Ausführende stellt sich selbst als das Weltbrandfeuer vor, furchterregend für alle Wesen.

10.726 Nach Süden beziehungsweise Nordosten gerichtet und in der Yauvana-Stufe des Ullasa wird das Mantra während eines Mandala-Zeitraums eintausendachtmal rezitiert. Die Verbindung der beiden Richtungen bleibt im Wortlaut knapp.

10.727 Als Ziele nennt der Text grausame Übeltäter, grundlose Feinde sowie Geister, mächtige Grahas, Vetalas, Pishachas und Brahmarakshasas.

10.728 Diese werden im Feuer verbrennend vorgestellt; sie sollten augenblicklich wie Motten zugrunde gehen. Die Vorstellung des Bija am Scheitel eines Menschen wird ausdrücklich mit dessen Tod verbunden. Damit beschreibt der Text ein Schädigungsritual, das hier nicht als Selbstpraxis empfohlen wird.

10.729 Für die anschließend wieder behandelten Opfer werden Hölzer von Khadira, weißem Mandara, Amrita und Bhanu sowie Panasa, Udumbara, Ashvattha, Plaksha oder Apamarga genannt,

10.730 alternativ Nandyavarta, weißer Lotus und Hayari-Blüten. Eine einzelne Gabe oder die in einem Halbvers zusammen genannten Stoffe werden mit Sesam und Reis verbunden,

10.731 gegebenenfalls mit den drei süßen Stoffen, mit Speisen oder Milchreis. Je nach Vorhaben beträgt die Opferzahl tausend bis zehntausend.

10.732 Dies dient der Vollendung des zuvor beschriebenen sattvischen Japa. Befriedung, Stärkung, Versöhnung und Hilfeleistung gehören zur sattvischen Art.

10.733 Zur rajasischen Art nennt der Text Kadamba, Ashoka, Bakula, Punnaga, Mango, Madhuka, zwei Champaka-Arten, Palasha, Patala, Shri und Kapittha,

10.734 ferner Malati, Mallika, Jati, Bandhuka, roten Lotus, Kumari, roten Mandara, erneut Jati, Kunda, Hibiskus und weitere Blüten,

10.735 verbunden mit Kokosnuss, Banane, Trauben, Zuckerrohr, Reisflocken sowie Sandelholz, Agaru, Kampfer, Rochana, Safran und Ähnlichem.

10.736 Dazu kommen andere günstige Stoffe, Shami-Blätter, Früchte und Wasser. Die jeweils in einem Halbvers genannten Gruppen werden getrennt wie zuvor im rajasischen Feueropfer verwendet.

10.737 Je nach Vorhaben werden tausend bis zehntausend Darbringungen genannt. Stillstellung, Gefügigmachen, Verblendung und Wunderwirkungen gelten als rajasisch.

10.738 Die tamasische Passage nennt dagegen Nimba, Aksha, Bhaskara, Unmatta, Karavira, Visha, Dandi, Kutaja sowie dunkle Hölzer und weitere nicht eindeutig lesbare Baumnamen.

10.739 Hinzu treten Hausruß, Kohlen von der Verbrennungsstätte, Gift und mindere Gifte, der Saft von Unmatta, Leichenasche und Staub aus der Fußspur des Feindes. Daraus wird dessen Abbild hergestellt. Mehrere genannte Pflanzen sind giftig; die Aufzählung dokumentiert die historische Textstelle.

10.740 Alternativ wird ein hölzernes Abbild aus einem Baum seines Feldes genannt; die betreffende Besitzangabe ist gestört. Nach einer rituellen Lebensübertragung wird das Abbild über der Feuergrube aufgehängt.

10.741 Ein irdenes Abbild wird nach der Vorschrift unter der Feuergrube vergraben. Der Ausführende wird als innerlich verfinstert, mit äußerst grimmigem Blick und voller Zorn beschrieben.

10.742 Im Feuer aus giftigem Holz soll die tamasische Handlung vollendet werden; der Ausdruck am Versanfang bleibt unklar. Töten, Vertreiben, Feindschaftstiften und das Hervorrufen eines Pishacha-Zustands werden als tamasisch bezeichnet. Die beigefügte Glosse erklärt die grammatische Zusammenfassung der ersten drei Handlungen.

10.743 Ein Feueropfer mit Senf und Salz soll Frauen herbeiziehen. Zuerst wird Selbstschutz, dann die jeweilige Anwendung verlangt. Auch diese Beherrschungsabsicht wird lediglich als Textinhalt dokumentiert.

10.744 Für das folgende Yantra werden ein Dreieck, ein Sechseck, eine achtteilige Umfassung und die äußere Erdbegrenzung gezeichnet. In die Mitte kommt das Wurzelmantra zusammen mit dem Namen der betreffenden Person. In der Quelle steht hier eine Abbildungsmarke.

10.745 Die sechs Mantraglieder werden in das Sechseck, die Vokale in die Staubfäden, die Lautgruppen in die Blütenblätter und das Mantra in die vier Ecken der äußeren Begrenzung eingetragen.

10.746 Das Bild wird ansprechend mit Pulvern in fünf Farben ausgeführt. Dann werden der Reihe nach ein, drei, sechs, acht und vier Krüge aufgestellt,

10.747 von der Mitte bis zum äußeren Viereck also insgesamt zweiundzwanzig; als Alternativen nennt der Text achtzehn, zehn, sieben, vier oder einen Krug.

10.748 Edelsteine entsprechen den Knochen, Fäden den Adern, Erde dem Fleisch, Wasser dem Blut, Stoff der Haut, das Zweigbüschel dem Haarschopf und die Kokosnuss dem Kopf.

10.749 So wird die Kruggottheit mit Mantra und Lebenskraft verbunden verehrt. Genannt werden die Trimurti und die Mütter mit ihren Bhairavas; die Verbindung »amshadi« ist hier nicht eindeutig.

10.750 In den Zwischenrichtungen werden außerdem Guru, Vighnesha, Durga und der Feldhüter in den Krügen regelgemäß verehrt.

10.751 Der erfahrene Mantrakenner besprengt den ihm lieben Schüler zur Befriedung aller Verfehlungen. Lebensdauer, Wohlstand, Ausstrahlung, Glück, Wissen und Gesundheit werden als Früchte genannt.

10.752 Ein so geweihter König erlange die Erde bis zu den vier Meeren; ein mittelloser Mensch gewinne großen Reichtum und Macht.

10.753 Eine unfruchtbare Frau empfange durch diese Weihe einen Sohn mit allen guten Eigenschaften; Geisterbedrängnis, vorzeitiger Tod und Krankheiten würden verschwinden. Dies sind traditionelle Verheißungen, keine gesicherten Wirkungen.

10.754 Auf eine Dreimetallplatte oder Birkenrinde geschrieben, verehrt und getragen, soll dieses vortreffliche Yantra, o Göttin, umfassenden Schutz gewähren.

10.755 Akula wird Shiva genannt, Kula wird Shakti genannt. Kaulikas, o Geliebte, sind diejenigen, die sich auf die innere Verbindung von Kula und Akula verstehen.

10.756 Weil er Ursprung aller Wege ist, die Freude des Geistes in Bewegung setzt und Ursache von Opfer und allen weiteren Handlungen ist, wird er Amnaya genannt. Der Vers bietet eine traditionelle Sinndeutung des Wortes.

10.757 Damit wurde die Entfaltung des kaulischen Weges dargelegt. Als für diese Ordnung zuständig bezeichnet der Text diejenigen, die außerhalb der vedischen Pflichten stehen.

10.758 Weil die Sinne schwer zu bezwingen sind und Begierde, Habgier und Ähnliches entstehen, wird dieser kaulische Weg im Kali-Zeitalter, so die ausdrückliche Warnung des Textes, häufig zur Ursache des Höllengangs.

10.759 Durch missbrauchten Kaulismus gehe Dharma verloren, durch Alchemie das Vermögen, durch die als »Phiranga« bezeichnete Krankheit das Liebesvermögen und durch Neid auf andere die Befreiung. Im Kali-Zeitalter werde es, o Götter, in jedem Haus Heuchelei und Verfehlung geben.

10.760 Wie Prakriti ohne Purusha nichts hervorbringt, so vermag auch der Gott ohne Shakti nichts zu vollbringen. Die Randglosse ergänzt ausdrücklich den vergleichenden Sinn des ersten Halbverses.

10.761 Ohne Shakti kann der Gott keine Frucht gewähren; deshalb soll durch die Verbindung des männlichen Prinzips mit Shakti das Mantra zur Vollendung gelangen.

10.762 Auf dem kaulischen und dem linken Weg wird die männliche Gottheit allein nicht wirksam. Man meditiert sich selbst als Shiva und die verehrte Gottheit in Gestalt der Shakti.

10.763 Im rituellen Umgang mit den fünf Makaras werde die Gottheit erfreut. Auf dem rechten Weg wird sie als Mutter betrachtet, auf dem Kaula-Weg als Frau beziehungsweise Partnerin.

10.764 Bei wem die jeweilige Haltung fest geworden ist, dessen Gottheit sei zufrieden. Dieses Geheimnis solle so verborgen bleiben wie ein Liebhaber der eigenen Mutter: Der Text verwendet hier einen bewusst anstößigen Geheimhaltungsvergleich.

10.765 Nun werde ich ein noch tieferes, in allen Tantras verborgenes Geheimnis erklären: wie die Gottheit selbst ein Mantra übermittelt.

10.766 Die in den Amnayas gelehrten Laute sollen als Bezeichnungen für Mond und weitere Größen verstanden werden, verbunden mit vier Vokalen und mit jeweils aufsteigenden Zahlenwerten.

10.767 Damit wurde die Zeichenordnung der östlichen Gottheit genannt. Auch die als »anama« beginnenden Laute sollen bei der Zahlenverbindung berücksichtigt werden; die technische Bezeichnung bleibt in dieser Lesart unklar.

10.768 Im südlichen Amnaya stehen die Zahlen ohne diese »anama«-Laute. Je zwei, zwei, eine und nochmals zwei Lautgruppen dienen als Zeichen; die Zuordnung wird hier nur knapp angegeben.

10.769 Die Laute folgen der Ordnung der Amnayas und der Mantras; für die westliche und nördliche Gottheit werden die Vokale in der entsprechenden Folge verwendet.

10.770 Im oberen Amnaya werden die Laute nach den Zeichenordnungen der vier Amnayas zu einer gemeinsamen Gruppe verbunden. Der letzte Hinweis auf das Vedische bleibt unvollständig.

10.771 Die an einem Ort in einer bestimmten Reihenfolge gelehrten Laute werden in eben dieser Reihenfolge mit den Zahlen eins und den folgenden verbunden.

10.772 Die Summe der Zahlenwerte der Mantralaute wird mit dem Zahlenwert des eigenen Namens verbunden. Ergibt sich daraus eine Wurzel, tritt nach der Lehre die Traumerscheinung ein.

10.773 Ergibt sich keine solche Wurzel, werden die Zahlenwerte des Gottheitsnamens hinzugefügt; ist weiterhin keine passende Wurzel zu gewinnen, die Zahlenwerte des Pitha-Namens.

10.774 Kommt auch dann keine Wurzel zustande, trete kein Traum ein. Selbst wenn das Mantra von einem Guru empfangen wurde, könne es nach dieser Zahlenlehre zerstörerisch wirken.

10.775 Man zeichnet ein Raster in Süd-Nord- und Ost-West-Richtung, mit einer der Wurzelzahl entsprechenden Zahl von Feldern, und trägt die Zeichen beziehungsweise Zahlen von eins an so ein,

10.776 dass sich in allen Richtungen dieselbe Summe ergibt. Das Verfahren wird nun beschrieben: Die erste Eintragung geschieht im Westen, dann wird die nördliche Mitte beziehungsweise deren Nähe genannt; die Ortsangabe ist verkürzt.

10.777 Die zweite Eintragung folgt dem »Pferdezug«, die nächste dem »Ministerzug«. Danach wird vom Anfang bis zum Ende wiederum im Pferdezug geschrieben, wie zuvor.

10.778 Es folgt der Ministerzug; ist dieser versperrt, der Königszug. Dann wiederum Ministerzug und wie zuvor Pferdezug.

10.779 So verfährt man wiederholt auf dem vom Guru gezeigten Weg. Dadurch werden die Teile nach und nach in allen Richtungen gleichmäßig ausgefüllt.

10.780 In die vier Gruppenfelder werden die Mantras gleichmäßig eingetragen. Nach Festlegung der Mitte wird das letzte Zeichen in die nordöstliche Richtung gesetzt,

10.781 das vorletzte nach Südosten, das erste nach Südwesten und das zweite nach Nordwesten; dann werden die Zahlen entsprechend angeordnet.

10.782 O Ambika, die Zahlen werden in den Richtungen vollständig eingetragen, und ihre Gegenwerte in die jeweils entgegengesetzte Richtung gesetzt. Die genaue Rechenregel bleibt im überlieferten Wortlaut unklar.

10.783 So wird die vollständige Anordnung gleichmäßiger Felder beschrieben. Alternativ wird eine Folge von Dividend- und Divisor-Feldern genannt.

10.784 Der einleitende Halbvers über ein Verstehen ohne Lehrer und ohne göttliche Hilfe ist sprachlich gestört. Es folgt die Ritualzeit: An einem Sonntag soll man vor Sonnenaufgang baden.

10.785 Bei Sonnenaufgang wird das Arghya dargebracht; nach einer Verneigung geht man ins Haus. Man soll niemanden ansehen, den die historische Rangordnung als niedriger einstuft, und kein Wort sprechen.

10.786 Zu einer günstigen Stunde wird das vollständige Yantra auf Birkenrinde, Kupfer, ein Blatt oder eine vorbereitete Fläche geschrieben, mit den acht Duftstoffen der jeweiligen Gottheit.

10.787 Zuerst werden Ganesha, dann die Planeten und Richtungshüter verehrt. Das Yantra wird an einem abgeschiedenen Ort geschrieben; an diesem Tag gilt Schweigen.

10.788 Man soll nichts als unrein Geltendes ansehen, sexuell enthaltsam leben und Opferspeise essen. Oberhalb des Yantra wird das Mantra, nördlich davon zweimal die Silbe »tha« eingetragen; die genaue Silbengestalt ist der Sanskritvorlage zu entnehmen.

10.789 Es folgen weitere, sprachlich gedrängte Angaben zu einer Dativendung, zur Zielperson und zur rechten Seite, wiederum mit einer doppelten »tha«-Silbe. Genannt werden safranfarbenes, gelbes, schwarzes und weißes Tuch,

10.790 außerdem blaues Tuch im Maß einer Handspanne. Nach Besänftigung der Amnaya-Gottheit wird das Yantra darin eingewickelt; für den Brennstoff wird ein Kudava als Maß genannt.

10.791 Den Amnayas vom östlichen an werden Sesamöl, Büffelbutter, ein weiterer in der Vorlage unklarer Büffelstoff, Kuhbutter und Tierfett zugeordnet. Die unklare Stoffbezeichnung wird nicht zu einer Rezeptangabe ergänzt.

10.792 Mit ungebrochenem Reis wird auf dem Boden ein achtblättriger Lotus angelegt. Nördlich des Fruchtbodens wird Vighna-Ganapa verehrt,

10.793 in der Mitte die erwählte Gottheit, südlich der Feldhüter und auf den acht Blättern die acht Richtungshüter; danach werden sie rituell verabschiedet.

10.794 Anschließend wird auf dem Fruchtboden die Lampe aufgestellt, rituell eingesetzt, entzündet und verehrt.

10.795 Dort schläft man aufmerksam, mit dem Kopf in der Richtung der Gottheit des eigenen Amnaya. Ein von Verfehlungen freier Mensch erlange an diesem Tag die Begegnung mit der Gottheit beziehungsweise ihrer Schar.

10.796 In welcher Gestalt die Gottheit das Mantra übermittelt, in dieser Gestalt soll der Guru meditiert werden; Menschen dieser Erscheinungsart soll man ehren.

10.797 Der Text unterscheidet nach Schuldgrad und Wesensgruppe: Für mittlere Verfehlungen wird der erste Sonntag, für schwere der zweite genannt; ein schuldloser Mensch der menschlichen Gruppe empfange das Mantra am dritten Sonntag.

10.798 Für mittlere beziehungsweise schwere Schuld folgen der vierte und fünfte Sonntag; für eine als rakshasisch bezeichnete Gruppe werden der siebte und sechste genannt. Die Zuordnung der Schuldgrade ist hier in der Vorlage nicht widerspruchsfrei.

10.799 Spätestens am siebten Sonntag werde das Mantra sicher empfangen. Dies wird als tiefstes, in allen Tantras verborgenes Geheimnis bezeichnet.

10.800 Auch einem Mleccha soll es gegeben werden, wenn er seiner eigenen Lebenspflicht ergeben ist; selbst einem Brahmanen nicht, wenn er diese Pflicht aufgibt. Wer es aus Habgier oder Begierde weitergibt, verliere beide Welten.

10.801 Nun werde ich das tief verborgene Geheimnis der Pithas erklären. Durch dessen Kenntnis gelangen die Sadhakas zur Vollendung, so die Aussage des Textes, und nicht anders.

10.802 Es gibt einundfünfzig Pithas, an denen die Gottheiten der fünf Amnayas wohnen, o Götter, sowie dreiunddreißig

10.803 Upapithas. Diese Nebenstätten sind den Gottheiten des sechsten Amnaya zugeordnet. Sodann wird die Region oberhalb des Herzens genannt:

10.804 Wo die oberhalb des Herzens befindlichen Körperteile der Göttin niederfielen, haben nach dieser Zuordnung die vedischen Wege und der rechte Weg ihre Stätten der Vollendung; anderswo der linke Weg.

10.805 Der Laut a gehört zum ursprünglichen Pitha Kamarupa. An diesem Pitha, o Göttin, habe ich den Kula-Weg in Gang gesetzt.

10.806 Dort fiel deine Yoni nieder. Als ich sie sah, schuf ich das ihr Wohlgefällige: die Kula-Lehre, die wissenden Kaulas Befreiung gewährt.

10.807 Den Anhängern des »Fünften« werde dort rasch Vollendung zuteil, anderen nicht. Wer die Siddhis wie Anima begehrt, soll diese Stätte aufsuchen und schauen. Der Ausdruck »Fünftes« verweist hier auf den zuvor behandelten Ritualzusammenhang.

10.808 Dort liegt die Wurzel der Shri-Vidya; Monat für Monat fließe Menstrualblut. Wenn es an einem Kula-Siddha fehle, komme dieser Fluss zum Stillstand, so die sakrale Überlieferung des Textes.

10.809 In der Umgebung werden auf deinen Hinweis zwei Upapithas genannt. Das aus Körperhaar entstandene Vamsha-Pitha wird mit einer als »Shabara-Cheraki« überlieferten Vollendung verbunden; diese Bezeichnung bleibt unsicher.

10.810 Zum Laut ā gehört das Pitha Kashika. Die Aussage über deine Gabe und eine eingetretene Teilung ist sprachlich unklar. Selbst bei der Weltauflösung gehe es nicht unter; es wird mit Maheshvara verbunden.

10.811 Dort gebe es weder Sünde noch Verdienst; durch das Ablegen des Körpers erlange man den höchsten Zustand. Der Vers spricht von zwei Früchten und von Befreiung am Upapitha, ohne die Zuordnung ganz klar auszuführen.

10.812 Vor der Bhairavi-Pein, die dort Schritt für Schritt eintritt, könne selbst ich nicht schützen. Aus deinen beiden Brüsten gingen dort zwei Ströme hervor: Asi und Varuna.

10.813 Das Gebiet eine Yojana außerhalb Kashis gilt als Götterland. Dort verehrte Mantras sollen unmittelbar Frucht bringen.

10.814 In den vier Richtungen wohnen die Gottheiten der Amnayas jeweils an ihrem Ort. Ihre Vollendung werde schon durch die Purashcharana erreicht.

10.815 Der jenseits des Ganges gelegene Teil Kashis ist heilig; durch Vyasas Fluch wurde er zugleich zum wunderbaren »Eselfeld«.

10.816 Dort trete die Vollendung des betreffenden Amnaya unmittelbar ein. Am Ufer der Asi liege das südliche Upapitha Saranatha; dort seien die Mantras des rechten Weges vollendungswirksam.

10.817 Nördlich der Varuna liege entsprechend das nördliche Saranatha. Dieses Upapitha bringe besonders die Mantras des linken Weges zur Vollendung. Die ungewöhnliche örtliche Zuordnung wird aus der Vorlage übernommen.

10.818 Zum Laut i gehört Nepala. Dort befindet sich dein verborgener Körperbereich, o Parvati; deshalb heißt es eine Ursprungsstätte des linken Weges.

10.819 Dort werden je sechsundfünfzig Lakhs, also 5.600.000 Bhairavis und Bhairavas, ferner zweitausend Shaktis und dreihundert Pithas genannt.

10.820 Auch vierzehn Verbrennungsstätten seien dort gegenwärtig, außerdem acht Pithas, die dem rechten Weg Vollendung gewähren.

10.821 An vier Pithas würden vedische Mantras vollendet. Wo deine körperliche Unreinheit niederfiel, entstand ein Upapitha.

10.822 Es liegt östlich von Nepala, von Kiratas umgeben. Dort seien dreißigtausend Wesen göttlicher Herkunft gegenwärtig.

10.823 Der Laut ī entstand am Raudra-Berg. Dort fiel dein linkes Auge nieder; deshalb wird er ein großes Pitha genannt.

10.824 Durch Japa eines beliebigen Mantras entstehe dort Vollendung. Durch Vamachara, o Götter, werde dort die Gottheit geschaut.

10.825 Als Ursprungsstätte des Lautes u wird Kashmir genannt. Dort fiel dein linkes Ohr nieder; deshalb ist es ein vorzügliches Pitha.

10.826 Wer dort das Mantra irgendeiner Gottheit wiederholt, werde in den Wissensgebieten bewandert und erkenne die Wirklichkeit.

10.827 Für diejenigen, die vom vedischen, kaulischen, smritischen oder rechten Weg abgefallen sind, o Herrin der Götter,

10.828 habe ich dort Pilgerstätten geschaffen, die Sühne ermöglichen und unmittelbar Gewissheit vermitteln. Im Kali-Zeitalter werde ich sie sehr verborgen halten; dann seien sie von Mlecchas umgeben, so die historische Aussage.

10.829 Der Laut ū entstand in Kanyakubja. Dort fiel dein überaus schönes rechtes Ohr nieder.

10.830 Dieses Gebiet zwischen Ganges und Yamuna heißt Antarvedi; es ist als Wohnstätte der Soma-Trinker bestimmt.

10.831 Dort schufen Brahma und die übrigen Götter ihre jeweiligen Pilgerstätten. An jedem Ort würden dort vedische Mantras vollendet, o Götter.

10.832 Aus deiner körperlichen Unreinheit, o Göttin, entstand dort am Ufer der Yamuna das in der Welt als Indraprastha bekannte Upapitha.

10.833 Durch die Kraft dieses Pitha gewann Brahma die Veden wieder, die er vergessen hatte. Deshalb entstand die Pilgerstätte, die das Wissen der Nigamas erschließt.

10.834 Dort übte Kali Askese und begehrte den Segen, dass Menschen, die sie erfreuen, mit den fünf Ritualmitteln oder ohne sie, das Gewünschte erlangen mögen. Der Wechsel der Redeebenen ist im Vers gedrängt.

10.835 Nachdem sie dort von Mahakala den Segen erhalten hatte, regte sie die Welt zur Praxis des »Fünften« an und gewährte sichtbar Vollendung.

10.836 Der Laut ṛ entstand am Purnagiri, wo deine Nase niederfiel. Deshalb gelinge dort die vollständige Vollendung des Yoga; die über den Mantras waltenden Gottheiten würden unmittelbar sichtbar.

10.837 Als Ursprungsstätte des nächsten Vokals wird der Arbuda-Berg genannt. Die Vorlage wiederholt »ṛ«; der Reihenfolge nach wäre der lange Vokal zu erwarten. Der dort niedergefallene linke Körperteil wird im Vers nicht eindeutig benannt.

10.838 Die Shakti heißt dort Ambika und liebt stets die jeweilige überlieferte Lebensweise. Der Vers verbindet eine Purashcharana zur Zeit des Genusses mit der Zusage von Befreiung durch tausend sexuelle Vereinigungen. Die Verbindung der Zahlenangaben ist im Wortlaut nicht ganz klar; es handelt sich um eine initiationsgebundene Ritualbehauptung.

10.839 Dort ist die Stätte himmlischer Frauen und deiner Erscheinungsform, o Parvati. Diese Göttin legte in meiner Gegenwart ein großes Gelübde ab:

10.840 »Der Mann, der in meinem Gebiet zwölf Jahre lang das Brahmacharya vollständig bewahrt, soll allein mein Gatte werden.«

10.841 Selbst ein Buddhist sei dort drei Tage vor Ablauf eines Jahres gestrauchelt. Der linke Weg lasse sich dort vollenden; auf dem rechten Weg träten Hindernisse auf.

10.842 Der Laut ḷ entstand bei Amratakeshvara. Dort fiel deine rechte Wange nieder; dieses Pitha ist überaus wunderbar.

10.843 Dort wohnen Yakshas wie Dhanada und Yakshinis wie Dhanada. Durch die Wiederholung ihrer Mantras werde ihre Vollendung erlangt.

10.844 Der nächste Vokal entstand einst in Ekamra, wo deine Nägel herabfielen und die Vidyadharas viel Askese übten. Die Vorlage schreibt erneut »ḷ«, ohne die erwartete Länge kenntlich zu machen.

10.845 Für Lernende gewähre dieses Pitha das erwünschte Wissen. Durch Sarasvata-Japa verstehe man dort sogar eine zuvor nie gehörte Schrift.

10.846 Der Laut e entstand in Trisrotas, wo deine drei Bauchfalten niederfielen. Dein Gewand wurde von drei Winden erfasst und fiel nach Osten, Westen und Süden.

10.847 Diese drei Orte sind Upapithas. Dort gelinge dem Hausvater die Vollendung, nach der historischen Einschränkung des Textes jedoch nur einem Zweimalgeborenen; die Mantras seien dort auf Stärkung gerichtet.

10.848 Der Laut ai entstand in Kamakota, wo dein Nabel niederfiel. Dort würden alle Kama-Mantras ohne Zweifel vollendet.

10.849 Wer dich als Kamani am Ufer der als Chhachhika überlieferten Stätte verehrt, erlange die Fähigkeit zum Liebesgenuss mit sechzehntausend Frauen. Diese Überhöhung gehört zur historischen Fruchtverheißung.

10.850 In den vier Richtungen entstanden dort Upapithas, o Parvati. Es ist die Stätte der Apsaras; die auf die Verbindung mit Frauen bezogenen Mantras

10.851 würden dort sämtlich rasch wirksam. Schon durch den Anblick erlange man die erwünschte, erfreuliche Vollendung.

10.852 Der Laut o entstand am Kailasa im Innern des Himalaya. Dort fielen deine Finger nieder; ihre Gelenke nahmen die Gestalt von Lingas an.

10.853 Welches Mantra ein Zweimalgeborener dort auch an den Fingern abzählend rezitiert: Schon durch die Purashcharana werde die Gottheit erfreut.

10.854 Der Laut au entstand einst am Bhrigu-Pitha. Dort fielen deine Zähne nieder; deshalb ist diese Stätte überaus wunderbar.

10.855 Alle vedischen und in den Ritualhandbüchern gelehrten Mantras seien dort in ihrer eigenen Gestalt gegenwärtig und würden durch Verehrung unmittelbar vollendet.

10.856 Der Laut aṃ entstand in Kedara. Dort fiel deine rechte Handfläche nieder; an diesem Pitha liegen die Siddhis gleichsam in der Hand.

10.857 Südlich davon befindet sich das Upapitha namens Agastya-Ashrama. Dort fiel dein Armreif nieder, der alle Vollendungen gewähren soll.

10.858 Westlich davon entstand aus deinem Ring ein wunderbares Pitha. Dort wurde die Göttin Indrakshi einst von Indra verehrt.

10.859 Weiter westlich, am Ufer der Revati, fiel dein Reif nieder. Selbst ein Gefallener werde dort befreit; die Göttin wird Rajarajeshvari genannt.

10.860 Auch dort werde durch Vamachara rasch Vollendung erreicht; schon durch Japa würden Yakshinis sichtbar.

10.861 Der Laut aḥ entstand in Chandrapura, wo deine linke Wange niederfiel. Dort würden sämtliche Mantras ohne Zweifel vollendet.

10.862 Der Laut ka entstand am Shri-Pitha, wo dein Haupt niederfiel. Menschen mit Verfehlungen könnten im Kali-Zeitalter meist nur schwer dorthin gelangen.

10.863 Dort spielen alle Shaktis nachts nach ihrem Willen. Den Achtsamen bedrängen sie nicht; wer gegen die Ordnung handelt, werde von ihnen verschlungen.

10.864 Aus deinem Ohrschmuck entstand östlich davon ein Upapitha. Dort wohnt die Shakti Brahmi, die das Wissen um Brahman offenbart.

10.865 Aus einem halben Ohrschmuck entstand im Südosten ein Upapitha. Dort gilt Maheshvari als die Shakti, die den Mund reinigt.

10.866 Südlich davon fielen deine blattförmigen Schmuckgebilde nieder; daraus entstand ein Upapitha. Dort wohnt die siegverleihende Shakti Kaumari.

10.867 Im Südwesten fiel deine Halskette nieder. Es entstand ein von Vaishnavi bewohntes Upapitha, das Vollendung in der Illusionskunst Indrajala gewähren soll.

10.868 Westlich davon fiel deine Nasenperle nieder. Daraus entstand das von Varahi beherrschte Upapitha, dem die Bezwingung von Feinden zugeschrieben wird.

10.869 Im Nordwesten fiel dein Kopfschmuck nieder. Es entstand ein von Chamunda beherrschtes Upapitha, das Vollendung im Umgang mit niederen Gottheiten gewähren soll.

10.870 Aus deinem Haarschmuck entstand im Nordosten ein Upapitha. Es wird von Mahalakshmi beherrscht und dient der Vollendung der Suktas.

10.871 Der Laut kha entstand bei Omkara im Gebiet von Amarakantaka. Durch das Niederfallen deines Arms entstand das von Narmada beherrschte Pitha.

10.872 Dort übten die vorzüglichen Weisen, sich verneigend und verehrend, große Askese; die großen Rishis wurden noch zu Lebzeiten befreit.

10.873 Nördlich davon entstand durch das Niederfallen deines Obergewandes ein Upapitha. Es ist die Wohnstätte Jyotishmatis, an der Lichtmantras offenbar werden.

10.874 Wo deine Brust niederfiel, entstand ein überaus wunderbares Pitha, berühmt durch die Flamme. Dort übte der Feuergott Askese. Der in der Lautfolge zu erwartende ga-Laut wird in diesem Vers nicht ausdrücklich genannt.

10.875 Er erlangte den Rang des Mundes der Götter und wohnt am dortigen Upapitha, das als Jvalamukhi berühmt ist: Dieses Feuer ist der Mund der Gottheiten.

10.876 Dort wird mit der für die Purashcharana vorgeschriebenen Substanz und in ihrer vorgeschriebenen Zahl das Feueropfer vollzogen; dadurch entstehe Mantra-Vollendung.

10.877 Goraksha erlangte dort einst die acht Siddhis. Schon der Anblick dieser Stätte soll den Menschen alle Vollendungen gewähren.

10.878 Malava gehört zum Laut gha; dort befindet sich deine linke Schulter. Es wurde von Gandharvas verehrt und wird mit der Kenntnis der Ragas verbunden.

10.879 Der Laut ṅa entstand in Kulantaka, wo deine Achsel niederfiel. Anwendungen zur Erzeugung von Feindschaft, zur Vertreibung und zum Töten würden dort wirksam; diese Zuordnung wird als historischer Textinhalt wiedergegeben.

10.880 Der Laut ca entstand in Kottaka, wo deine linke Achsel ruht. Dort erlangten die Rakshasas die als »Sieg über die Götter« bezeichnete Vollendung.

10.881 Als Ursprungsstätte des Lautes cha wird Gokarna genannt. Dort fiel dein Bauch nieder; es ist ein überaus wunderbares Pitha.

10.882 Zum Laut ja gehört die Stätte Matureshvara. Dort fiel deine erste Bauchfalte nieder; das Pitha offenbart die Shiva-Mantras.

10.883 Attahasa ist die Stätte des Lautes jha. Dort fiel die nächste Bauchfalte nieder; es gilt als Ort der Vollendung von Ganesha-Mantras.

10.884 Viraja ist die Stätte der folgenden Bauchfalte und gewährt rasche Vollendung aller Vishnu-Mantras. Die Vorlage nennt erneut »ja«; in der alphabetischen Folge wäre ña zu erwarten.

10.885 Die nächste Ursprungsstätte ist Rajagriha, wo deine Blasen- beziehungsweise Unterbauchregion niederfiel. Unterhalb davon fiel eine kleine Schelle nieder und begründete ein Upapitha. Der zugehörige Laut ist in der Vorlage nur verkürzt angegeben.

10.886 Dieses heißt Ghantika; dort werde Indrajala wirksam. In Rajagriha selbst würden die Wissensgebiete der Upavedas vollendet.

10.887 Der Laut ṭha entstand in Mahapatha, wo dein Gesäß niederfiel. Dort hätten Zweimalgeborene, die der Text aufgrund ihrer Herkunft abwertet, ihren eigenen Körper dargebracht.

10.888 Nach einer neuen Geburt hätten sie im Kali-Zeitalter Wege wie den Aghora-Weg verbreitet, die der körperlichen Annehmlichkeit dienten und den vedischen Weg untergrüben. Dies ist eine polemische Wertung des Textes.

10.889 Der Laut ḍa entstand in Kollagiri, wo deine Hüft- beziehungsweise Schamregion niederfiel. Dort sei die Vollendung in der Verehrung sämtlicher Waldgottheiten nahe.

10.890 Der Laut ḍha entstand in Elapura, wo dein rechter Oberschenkel niederfiel.

10.891 Der Laut ṇa entstand in Kaleshvara, wo dein linker Oberschenkel niederfiel. Dort würden die Mantras des Mrityunjaya und zur Verlängerung des Lebens vollendet.

10.892 Jayanti ist die Stätte des Lautes ta; dort fiel dein rechtes Knie nieder. Durch Japa werde dort der Dhanurveda, das Wissen des Bogenschießens, vollendet.

10.893 Der Laut tha entstand in Ujjayini, wo dein linkes Knie niederfiel. Als Ort der Vollendung der Kavacha-Mantras wird es Avanti genannt.

10.894 Der Laut da entstand in Yogini, wo dein Unterschenkel niederfiel. Dort würden kaulische und linkshändige Mantras vollendet, andere nicht.

10.895 Der Laut dha entstand in Kshirika, wo dein linker Unterschenkel niederfiel. Dort würden Vaitalika- und Shabara-Mantras vollendet.

10.896 Hastinapura wird als Ursprungsstätte des Lautes na genannt. Dort fielen dein rechter Knöchel und dein Fußschmuck nieder.

10.897 Aus dem Fußschmuck entstand das als Nupurarnava bekannte Upapitha. Am Haupt- und Nebenpitha würden Sonnenmantras vollendet.

10.898 Das Pitha des Lautes pa heißt Uddisha. Dort fiel dein linker Knöchel nieder; es gewähre dem dort übenden Sadhaka Vollendung.

10.899 Das große Tantra namens Uddisha werde dort wirksam. Wo dein Fußschmuck niederfiel, entstand das Upapitha Damara.

10.900 Prayaga ist die Stätte des Lautes pha. Wo dort deine Körpersäfte niederfielen, sieht man weiße Erde.

10.901 Zwischen Ganges und Yamuna sowie an den gegenüberliegenden Ufern fielen deine Knochen an verschiedenen Stellen nieder. Vorzügliche Zweimalgeborene

10.902 betteten sie dort in die Erde; so entstanden die Pithas. Östlich des Ganges befindet sich ein wunderbares Upapitha mit Bagala und weiteren Gottheiten.

10.903 Nördlich davon liegt ein wunderbares Upapitha mit Chamunda und weiteren Gottheiten; zwischen Ganges und Yamuna befindet sich die Stätte von Rajarajeshvari und Ishvara.

10.904 Am südlichen Ufer der Yamuna wohnt Bhuvaneshi. Deshalb wird Prayaga König der Pilgerstätten und König der Pithas genannt.

10.905 Shashthisha ist die Stätte des Lautes ba. Dort fiel deine rechte Ferse nieder, o Göttin; dort werde die Paduka-Siddhi vollendet.

10.906 In Mayapura fiel deine linke Ferse nieder; dies ist die Stätte des Lautes bha. Dort würden die Illusionskräfte von Göttern, Danavas und Gandharvas vollendet.

10.907 Der Laut ma entstand am Pitha Malaya, wo dein Blut niederfiel. Es ist die Stätte der Mantra-Vollendung rotgewandeter und weiterer buddhistischer Gruppen, wie sie der Text bezeichnet.

10.908 Der Laut ya entstand am Shrishaila, wo deine Galle niederfiel, o Ambika. Dort würden alle Mantras vollendet, besonders die vaishnavischen.

10.909 Die Stätte des Lautes ra ist der Meru genannte Gipfel des Himalaya. Dort fiel dein Fett nieder; dort werde die Verehrung des Svarnakarshana-Bhairava vollendet.

10.910 Der Laut la entstand am Giri-Pitha, wo deine Zungenspitze niederfiel. Durch Japa werde dort gewiss die Vollendung der Rede erlangt.

10.911 Mahendra ist die Stätte des Lautes va; dort fiel dein Mark nieder. Dort würden sämtliche Shakti-Mantras ohne Zweifel vollendet.

10.912 Vamana ist die Stätte des Lautes śa, entstanden aus deinem Daumen. Durch Japa erlange man dort eine führende Stellung unter den Mantrakennern.

10.913 Der Laut ṣa entstand in Hiranyapura aus deinem linken Daumen. Deshalb wurde dieses Pitha besonders dem linken Weg zugeordnet.

10.914 Am Pitha Mahalakshmis entstand der Laut sa. Dort fiel der Glanz deines Körpers nieder; alle Vollendungen sollen dort entstehen.

10.915 Der Laut ha entstand an der Stätte Atris, wo deine Ader niederfiel. Alle sichtbar werdenden Siddhis seien dort gegenwärtig.

10.916 Am Chhaya-Pitha entstand der als la überlieferte weitere Laut. Dort sah ich deinen Schatten, der die Erscheinung Satis angenommen hatte; deshalb heißt es Chhaya-Pitha, Schattenstätte.

10.917 Am Chhatra-Pitha entstand der Laut kṣa. Wo dort dein Haarbüschel niederfiel, o Göttin, sei die Vollendung nahe.

10.918 Damit habe ich dir, o Göttin, das Geheimnis der Entstehung der Pithas erklärt. Nun werde ich ein weiteres, überaus wunderbares Geheimnis darlegen.

10.919 Im Kali-Zeitalter sind die Gurus habgierig und die Schüler begierig nach Siddhis. Deshalb entsteht nirgends Vollendung, sondern Tag für Tag nur Verfall.

10.920 Darum werde ich zur Vollendung etwas erklären, das in allen Tantras verborgen ist. Es soll einem guten, hingebungsvollen Schüler gegeben werden, keinem anderen.

10.921 Der Name Rama im Dativ, mit »namah« abgeschlossen, erhält die vorangestellten Bijas Tara, Maya, Rama und Kama und wird von den Ständen vom Brahmanen an rezitiert. Die Glosse nennt:
oṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ rāmāya namaḥ
»Om, Hrim, Shrim, Klim – Verehrung dem Rama.« Als historische Standeszuordnung nennt sie außerdem oṃ rāmāya namaḥ für Brahmanen, hrīṃ rāmāya namaḥ für Kshatriyas, śrīṃ rāmāya namaḥ für Vaishyas und klīṃ rāmāya namaḥ für Shudras.

10.922 Dieses Mantra soll von einem alten Brahmanen empfangen werden, den man bei dieser Gelegenheit erfreut. Es gilt als von sich aus vollendetes Mantra; erneut verwendet der Text den Geheimhaltungsvergleich mit dem Liebhaber der Mutter.

10.923 Mit dem ersten Bija wird der sechsgliedrige Nyasa ausgeführt. Zuvor soll der bereits erklärte Matrika-Nyasa stattfinden.

10.924 Für Gajanana und die betreffende göttliche Gruppe werden die Ganesha-Matrikas genannt; für die Shakti-Verehrung steht eine unklare Bezeichnung »laghumatra«; bei Shiva und verwandten Gottheiten die Reihe von Shrikantha an.

10.925 Die Reihe von Keshava an wird für Vishnu, Sonne, Planeten und weitere Gottheiten genannt. Zur Reinigung des Körpers gilt überall der Pitha-Nyasa. Die Glosse nennt beispielhaft Kamarupa am Kopf, Kashika am Mund, Nepala am rechten Auge, Raudraparvata am linken Auge, Kashmir am rechten Ohr und Kanyakubja am linken Ohr, jeweils mit Bija, Pitha-Namen und »namah«. Die Ohrzuordnung im Nyasa unterscheidet sich von der zuvor erzählten Körperteil-Legende; beide Angaben bleiben erhalten.

10.926 Verehrung und die weiteren Handlungen sowie die Purashcharana erfolgen wie zuvor. Bei den sechs Ritualhandlungen und dem zugehörigen Lobpreis setzt sich der Ausführende an die Stelle des Verehrers.

10.927 An die Stelle des zu Vernichtenden wird der Feind, an die eigene Stelle die Gottheit gedacht. So würden alle Anwendungen gelingen und am Ende Befreiung erlangt. Die schädigende Zielsetzung gehört zur historischen Ritualbeschreibung.

10.928 Die eigene Lebenspflicht soll keinesfalls aufgegeben werden. Die Menschen, für deren Unterhalt man verantwortlich ist, soll man achten und versorgen; Verletzendes soll man unterlassen. Mutter und Vater

10.929 soll man wie Gottheiten dienen: So ist dieses Geheimnis offenbart. Der Mantrageber werde stets leidend, der Mantraempfänger mittellos – Nummernhinweis: Die Vorlage druckt hier 629 zwischen 928 und 930; die fortlaufende Orientierung lautet 10.929.

10.930 so werde es im Kali-Zeitalter häufig sein, weil Guru und Schüler nicht unterscheiden können. Erst nachdem man die Lehrschrift verstanden hat, soll man einen Guru wählen; dann erlange man Wohlergehen.

10.931 Damit ist die Ordnung der Einweihung zusammen mit dem Kulachara erklärt, o Göttin, ohne bloße anpreisende Rede. Was möchtest du noch hören?

10.932 In diesem auf dem Meru von Shiva verkündeten, durch Meru bekannt gemachten und selbst einem Meru unter den Tantras gleichenden Werk wurde die Bestimmung der Purashcharana und der weiteren Gegenstände dargelegt.

Kolophon: So endet im von Shiva verkündeten Meru-Tantra, gebilligt von Shri Mahamaya und Mahakala, der zehnte Prakāśa über Purashcharana und kaulische Lebensführung.

Elfter Prakāśa: Vedische Mantras und ihre überlieferten Anwendungen

Das Kapitel verbindet vedische Mantras, Gottheitenmeditation und historische Wirkrituale. Heilungs- und Schädigungsbehauptungen werden als Aussagen der Quelle übersetzt. Initiationsriten, extreme Entbehrung und schädigende Handlungen sind keine Empfehlungen zur Selbstpraxis. Beschädigte Lesarten werden lokal kenntlich gemacht.

11.1 Die verehrte Göttin sprach: Mahadeva, welche vedischen Mantras werden im überaus schrecklichen Kali-Zeitalter bestehen bleiben, an welchen Orten und mit welchen fruchtbringenden Ritualordnungen?

11.2 Wie viel vedisches Ritual wird im Brahma- und im Padma-Purana gelehrt? Welche Zweige und Unterzweige der vedischen Überlieferung werden erhalten bleiben?

11.3 Der verehrte Maheshvara sprach: Im Kali-Zeitalter ist bei den Menschen das Verständnis vedischen Handelns sehr selten. Es gleicht dem Wunsch, ohne Boot ans andere Ufer des Meeres zu gelangen.

11.4 Aus Unwissenheit wenden sie sich deshalb, o Göttin, dem linken und dem Kaula-Weg zu. Ohne Erkenntnis der Wirklichkeit gehen sie zugrunde und verlieren, so die polemische Aussage, ihre menschliche Stellung.

11.5 Manche werden unter dem Vorzeichen der Hingabe an dich von Betrügern unterwiesen, geben das vedische Handeln auf und werden zu Herrschern der Yavanas. Dies ist eine historische religiöse Abgrenzung des Textes.

11.6 Während zehntausend Jahren des Kali-Zeitalters wird Vishnu im mittleren Land verweilen; auch am Vindhya und stellenweise im Himalaya wird diese Gottheit gegenwärtig sein.

11.7 Dies dauert bis zum Abschluss der Übergangszeit des Kali. Danach, wenn die Welt Frauen, Fleisch und Wein zugewandt und vom Dharma abgewandt ist,

11.8 werden dennoch alle in den vier Veden enthaltenen Mantras auf der Erde bestehen bleiben, bis das Kali-Zeitalter vollendet ist.

11.9 In dessen abschließender Übergangsphase bleiben dreißig Mantras auf Erden. Dann wird Vishnu in Gestalt Kalkis geboren werden.

11.10 O Göttin, ich erkläre nun die Praxis der im Kali-Zeitalter fortbestehenden Mantras. Am Anfang der Übung des Selbststudiums stehen vierzehn Gelübde.

11.11 Nach dem Scheren von Haar und Bart soll man sie in Reinheit und auf Anordnung des Gurus vollziehen. Oder man beginnt nach der zuvor beschriebenen Ordnung, von Verfehlungen gereinigt, das Studium.

11.12 Der Schüler soll, o Göttin, dem Auftrag des Gurus folgend, demütig an einem reinen, abgeschiedenen Ort die betreffenden Abschnitte rezitieren. Die Zeitangabe »pradosha« ist im Verhältnis zu den später genannten Rezitationsverboten nicht eindeutig.

11.13 Das Prajapatya-Gelübde besteht aus drei Tagen mit Essen am Morgen, drei mit Essen am Abend, drei mit ungebeten erhaltener Nahrung und zuletzt drei Tagen ohne Nahrung.

11.14 Beim Atikricchra-Gelübde wird in den ersten drei Dreitagesabschnitten entsprechend nur je ein Bissen gegessen; in den letzten drei Tagen wird gefastet. Die folgenden Entbehrungsriten sind historische Beschreibungen, keine Anleitung zu eigenständigem Fasten.

11.15 Beim Shishu-Santapana-Gelübde werden täglich Bad und Sandhya vorschriftsgemäß vollzogen und eine Woche lang gefastet.

11.16 Beim Tapta-Kricchra werden je drei Tage lang heißes Wasser, heiße Milch und heißes Ghee getrunken; der Übende bleibt gesammelt und badet einmal täglich.

11.17 Kuhurin, Kuhdung, Milch, Dickmilch, Ghee und Kusha-Wasser sowie eine Nacht des Fastens bilden das als Kricchra-Santapana bezeichnete Gelübde. Die unzuträglichen Stoffe werden hier ausschließlich als Bestandteil der Quelle dokumentiert.

11.18 Wer Kuhurin und die übrigen Stoffe jeweils drei Tage lang zu sich nimmt und danach weitere drei Tage fastet, vollzieht nach der Benennung des Textes das Maha-Santapana.

11.19 Beim Chandrayana wird in der dunklen Mondhälfte die Nahrung täglich um einen Bissen vermindert; am Neumond wird nicht gegessen. In der hellen Hälfte wird sie entsprechend wieder vermehrt.

11.20 Eine mittlere Form des Chandrayana verwendet einen Bissen im Maß eines Pala: In der hellen Hälfte nimmt die Zahl der Bissen zu, in der dunklen ab.

11.21 Beim Shishu-Chandrayana isst der Brahmane nach den täglichen Pflichten morgens vier Bissen und nach Sonnenuntergang weitere vier.

11.22 Beim Yati-Chandrayana werden mit beherrschtem Geist zur Mittagszeit acht Bissen Opferspeise gegessen.

11.23 Das Paraka genannte Gelübde besteht darin, nach Bad, Sandhya und den weiteren Pflichten zwölf Tage lang nicht zu essen, mit festem Geist und ohne Nachlässigkeit.

11.24 Beim vorzüglichen Saumya-Kricchra folgen an sechs Tagen nacheinander Ölkuchen, Honig, Buttermilch, Wasser, geröstetes Getreidemehl und Fasten.

11.25 Wer jede dieser Stufen jeweils drei Nächte lang vorschriftsgemäß ausführt, vollzieht ein mit Tulapurusha verglichenes und hier Stomayana genanntes Gelübde. Die zusätzliche Dreizahl bleibt im Wortlaut unklar.

11.26 Mit beherrschtem Geist und festem Vorsatz werden jeweils drei Bissen Opferspeise zu sich genommen. Die abschließende Benennung des Chandrayana-Gelübdes ist in der Vorlage beschädigt; sie scheint eine Rishi-Form zu bezeichnen.

11.27 Der Vers nennt ferner Siebentagesabschnitte, drei Tage mit Kuhmilch und sechs Tage des »Luftessens«, also ohne feste Nahrung, und bezeichnet dies als Stomayana. Die genaue Verbindung der Abschnitte ist nicht eindeutig.

11.28 Beim Parna-Kricchra werden täglich jeweils verschiedene Pflanzenwässer getrunken. Genannt werden Parna, Durva, Gerste, Bilva-Blatt und Kusha; ein weiterer Ausdruck ist gestört. Die Klammerglosse bietet zusätzlich Parna, Udumbara und Raji. Eine sichere vollständige Zutatenfolge lässt sich daraus nicht gewinnen.

11.29 Durch diese Gelübde gereinigt, dem Dienst am Guru zugewandt, soll man von Almosen oder Opferspeise leben und während des Essens schweigen.

11.30 Nach dem Anblick von Menschen aus als Pratiloma bezeichneten Verbindungen, menstruierenden Frauen, Yavanas, Buddhisten, Kaulikas, Menschen ohne anerkannte Lebensordnung und Shudras soll nach dieser historischen Ausschlussregel keine Shruti rezitiert werden.

11.31 Im vierten Nachtviertel werden die Füße gewaschen und die weiteren Vorbereitungen getroffen; auf dem Sitz niedergelassen, wiederholt man den bereits erlernten Veda.

11.32 Man soll niemanden schmähen oder schmeichelnd preisen und keine Unwahrheit sprechen. Beim Anblick einer schönen Frau soll man über den ewigen Vishnu meditieren.

11.33 Am Anfang und Ende der Rezitation wird »Hari Om« ausgesprochen; ebenso erweist man dem Guru zu Beginn und Abschluss eine achtgliedrige Niederwerfung.

11.34 Wenn die Chaturthi in das erste Nachtviertel fällt, gehe Sarasvati zu Ganesha; deshalb soll der Herr der Scharen verehrt werden. Die Syntax der Zeitangabe ist verkürzt.

11.35 Im vierten Tagesviertel soll man nach der Verehrung die rituelle Verabschiedung vollziehen; Sarasvati und Ganesha werden erfreut und die zurückgekehrte Göttin betrachtet.

11.36 Im vierten Nachtviertel meditiert man: »Sie wohnt in meinem Mund«, und rezitiert erneut. Fällt jedoch ein rezitationsfreier Zeitpunkt an, soll keine Rezitation stattfinden.

11.37 Wenn die Saptami anderthalb Nachtviertel umfasst – die Zeitregel ist knapp –, gehe Bharati zu Karttikeya, um zu singen. Deshalb soll man ihn verehren,

11.38 Skanda zusammen mit Sarasvati, und durch ihre Kraft das Gelernte bewahren. Im verbleibenden Teil der Nacht meditiert man über ihre Rückkehr und rezitiert wieder.

11.39 Wenn die Trayodashi eindeutig in die erste Nachthälfte fällt, geht die Göttin der Rede tanzend zum Kailasa, um das Pradosha-Gelübde zu vollziehen

11.40 und Shiva zu verehren. Deshalb soll man dann nicht rezitieren. Was man entgegen dieser Regel erzwingt, werde vergeblich.

11.41 Zu dieser Pradosha-Zeit soll man ihrer Verehrung und Meditation zugewandt sein, Pranayama üben oder schweigen. Ein Shakti-Verehrer erlange dadurch nach drei Jahren Vollendung.

11.42 Die Sandhya soll niemals und nirgends ausgelassen werden. Die morgendliche Sandhya wird bei noch sichtbaren Sternen, die abendliche bei noch sichtbarer Sonne vollzogen.

11.43 Je näher innerhalb des hier mit fünf beziehungsweise zwanzig Muhurtas begrenzten Zeitraums der Zeitpunkt an Abhijit heranrückt, desto vorzüglicher sei er. Die Bezugspunkte der Zeitrechnung werden hier nicht vollständig erläutert.

11.44 Wird die Hauptzeit der Sandhya versäumt, ist nach der Feuerhandlung eine zusätzliche Sühne-Darbringung vorgesehen. Der genaue Bezug der abschließenden Steigerung ist in der Vorlage unklar.

11.45 Wenn die Zeit über die folgende Sandhya hinaus verstrichen ist, wird dafür eine hundertachtfache Gayatri-Rezitation verlangt; die Grenze zwischen den beiden Fällen ist sprachlich gedrängt.

11.46 Wer durch den König festgehalten oder durch eine unabweisbare Aufgabe verhindert wurde, vollzieht drei Pranayamas und wiederholt die Gayatri hundertachtmal.

11.47 Danach zu essen gilt in diesem Zusammenhang als nicht tadelnswert; dies ist die genannte Wiedergutmachung. Nun werde ich die Gayatri erklären, die Mutter der Veden und der Mantras.

11.48 Durch sie wird Brahman mit Eigenschaften besungen und das eigenschaftslose Brahman erschlossen. Ohne sie, so die Lehre des Textes, entsteht für niemanden Befreiung.

11.49 Sie ist die Gestalt Mahamayas, die Mahakala selbst rezitiert. Durch ihre Kraft sind ich und du hervorgegangen, einem weiteren Kala gleich; die Schlusswendung bleibt knapp.

11.50 Als Rishi der Gayatri gilt der große Asket Vishvamitra, ihr Versmaß ist Gayatri, ihre Gottheit Savitar.

11.51 Die sieben Vyahritis, beginnend mit Bhuh, werden nacheinander an Herz, Mund, beiden Schultern, beiden Oberschenkeln und Bauch eingesetzt. Dies gilt als der erste Nyasa.

11.52 Beim folgenden Laut-Nyasa werden zunächst die Übergänge zwischen Zehen und Fuß, zwischen Fuß und Knöchel, zwischen Knöchel und Knie sowie zwischen Knie und Oberschenkel genannt,

11.53 dann Geschlechtsorgan, Nabel, Herz und Kehle. Es folgen die Gelenke an den Fingerwurzeln, Handgelenke und Ellenbogen,

11.54 Schulteransatz, Mund, Nase, beide Wangen, beide Augen, Brauen, Kopf, die Stelle unter dem Haarknoten und das linke Ohr,

11.55 dann rechtes Ohr, Mund und Scheitel. Dort werden die Laute der Gayatri der Reihe nach eingesetzt. Dies heißt der zweite Nyasa, der Akshara-Nyasa; die genaue Verteilung auf die zahlreichen genannten Stellen wird nicht weiter erläutert.

11.56 Die zehn Wörter der Gayatri werden an Kopf, Brauenmitte, Augen, Mund, Kehle, Herz, Nabel, Knöcheln, Knien und Füßen eingesetzt.

11.57 Am Kopf erfolgt ferner der Shironyasa der Gayatri; dies gilt als der dritte Nyasa. Im folgenden Verfahren wird das Herz Brahma, der Kopf Vishnu zugeordnet,

11.58 der Haarschopf Rudra, die schützende Hülle Ishvara, die Augen Sadashiva und die Waffe dem Selbst aller Wesen.

11.59 Dies ist der vierte, sechsgliedrige Nyasa. Beim nächsten Verfahren werden Füße, Knie, Hüfte, Nabel, Herz, Kehle und Stirn

11.60 der Reihe nach mit den Vyahritis verbunden, der Scheitel mit Parabrahman. Dieser erneute Vyahriti-Nyasa wird als fünfter bezeichnet.

11.61 »Tat savitur« gehört zum Herzen, »varenyam« zum Kopf, »bhargo devasya« zum Haarschopf und »dhimahi« zur schützenden Hülle.

11.62 »Dhiyo yo nah« gehört zu den Augen, der übrige Teil zur Waffe. Dies ist der sechste Nyasa. Alle sechs sollen Verfehlungen tilgen.

11.63 Nach drei Pranayamas folgt die Meditation. Ich erkläre nun die Gayatri-Meditation, die das Herz der Verehrenden erfreut.

11.64 Ich verehre Gayatri mit fünf dreiaugigen Gesichtern im Glanz von Perle, Koralle, Gold, Blau und Weiß. Ihre Krone trägt die Mondsichel; ihr Wesen sind die Laute, die den Sinn der Wirklichkeit verkörpern. In ihren Händen zeigt beziehungsweise trägt sie Segensgewährung, Furchtlosigkeit, Elefantenhaken, Peitsche, eine reine Schädelschale, eine Schlinge, Muschel, Diskus und zwei Lotusblumen.

11.65 Dann wird die Göttin mit acht Umfassungen verehrt. Nach der anfänglichen Verehrung der Götterherrin werden die Gottheiten an den Spitzen der Ecken verehrt.

11.66 Beginnend an der südöstlichen Ecke des Dreiecks und rechtsläufig werden Brahmi, Maheshvari und Vaishnavi verehrt: die erste Umfassung.

11.67 Davor folgen in den acht Richtungen Aditya, Usha, Ravi, Prajna, Bhanu, Prabha, Bhaskara und Sandhya: die zweite Umfassung.

11.68 An den Staubfäden des achtblättrigen Lotus werden die sechs Glieder der Gayatri verehrt: die dritte Umfassung. In den Mitten der Blätter folgen

11.69 Prahladini, Prabha, Nitya, Bilvarudra, Vilasini, Prabhavati, Jaya und Shanta: die vierte Umfassung.

11.70 An den Blattspitzen werden Kanti, Durga, Sarasvati, Bilvarupa, Vishala, Ishani, Vyapini und Vimala verehrt: die fünfte Umfassung.

11.71 Auf dem davor liegenden achtblättrigen Lotus werden die Shaktis Tamoharinika, Vishvayoni und Jayavaha verehrt,

11.72 ferner Padmalaya, Parashobha und Padmarupa: die sechste Umfassung. Danach folgen die sieben Mütter von Brahmi an, mit Aruna als achter. Die Vorlage nennt für den achtblättrigen vorigen Kreis nur sechs Namen und ist bei der folgenden Umfassungszahl beschädigt.

11.73 Ravi, Sita, Kuja, Rahu, Shani, Chandra, Budha und Guru bilden die als achte bezeichnete Umfassung in den acht Richtungen des Vierecks.

11.74 Danach heißt es, die Richtungshüter gehörten zur siebten und ihre Waffen zur achten Umfassung. Diese Zählung stimmt nicht bruchlos mit den vorherigen Listen überein. So wird die Göttin verehrt; anschließend werden ihre Mudras gezeigt.

11.75 Die Gayatri soll stets mit den drei Vyahritis verbunden rezitiert werden. Als Purashcharana werden vierundzwanzig Lakhs, also 2.400.000 Wiederholungen, angegeben.

11.76 Milchreis, Sesam, Durva-Gras, gekochter Reis und geeignete Opferhölzer werden jeweils tausendmal als gesonderte Substanzen dargebracht, um das Mantra zu vollenden.

11.77 Nach Tarpana und den weiteren Handlungen wird der Guru sorgfältig erfreut. Erst mit dessen Erlaubnis soll der Kundige die besonderen Anwendungen ausführen.

11.78 Mit Sesam werden so viele Tausend Opfergaben dargebracht, wie die Zahl der Tattvas angibt. Dadurch werde der Mantrin von allen Verfehlungen frei und erlange langes Leben.

11.79 Für langes Leben nennt der Text dreitausend Opfer mit Ghee und Opferspeise, mit Ghee allein oder mit Sesam, der mit Durva verbunden ist.

11.80 Jede Substanz wird ferner für eine sechsmonatige Opferpraxis genannt. Mit roten und weißen Arka-Blüten werden bei beherrschten Sinnen zehntausend Opfergaben dargebracht; die genaue Verbindung der Zeit- und Zahlenangaben bleibt knapp.

11.81 Für brahmanische Ausstrahlung werden Blüten des Brahma-Baumes dargebracht. Wer Befreiung sucht, soll die Gayatri mit ihrem vierten Pada rezitieren.

11.82 Der vierte Pada wird in der Vorlage als »parorajase sāvadom« angegeben; seine Lautgestalt ist unsicher. Sein Rishi heißt Vimala, sein Versmaß Gayatri und seine Gottheit – wie die Glosse mit dem folgenden Vers verbindet – Paramatman.

11.83 Zuerst wird der Pranava-Nyasa vollzogen, dann wie zuvor der Nyasa der sieben Vyahritis, der Gayatri und die weiteren Verfahren.

11.84 Das Herz wird Brahmatman, der Kopf Vishnvatman zugeordnet,

11.85 der Haarschopf Rudratman, die schützende Hülle Ishvaratman, die Augen Sadashivatman und die Waffe Sarvatman, dem Selbst aller Wesen.

11.86 Kein Mantra sei höher als dieses, keine Askese höher als diese. Vor ihm erschienen alle anderen Mantras, einschließlich der Mahavidyas, wie bloße Grashalme: eine traditionelle Verherrlichung der Gayatri.

11.87 Nun werde ich ein Geheimnis erklären, das alle vedischen Mantras zur Vollendung bringen soll und sorgsam zu bewahren sei; erneut gebraucht der Text den Vergleich mit dem verborgenen Liebhaber einer Mutter.

11.88 Wer es einem Habgierigen, Undankbaren, Glaubensleugner, Betrüger, Hochmütigen oder Guru-Hasser mitteilt, ziehe einen Fluch auf sich.

11.89 Vedische Mantras, deren Handlung als Bewegung beziehungsweise Ingangsetzung bezeichnet wird, sollen stets mit dem ersten Pada der Gayatri verbunden rezitiert werden,

11.90 und zwar eintausendachtmal. Erhaltende Mantras werden entsprechend mit dem mittleren Pada verbunden, zerstörende mit dem letzten.

11.91 Durch die Kraft der Gayatri trete die Vollendung gewiss ein. Damit ist die verborgene Gayatri-Ordnung in Kürze erklärt.

11.92 Für das Yantra wird ein achtblättriger Lotus mit Hrim im Fruchtboden gezeichnet. Auf jedes Blatt in den Haupt- und Zwischenrichtungen kommen jeweils zwei Vokale.

11.93 An den Staubfäden und ihren Spitzen werden die Laute der Gayatri jeweils zu dritt eingetragen. Außerhalb, zwischen zwei Kreislinien, werden

11.94 die Konsonanten von ka an sowie die Formel »oṃ āpo jyotī raso'mṛtaṃ brahma bhūr bhuvaḥ svar om« geschrieben: »Om. Die Wasser, Licht, Lebenssaft, Unsterblichkeit, Brahman; Erde, Zwischenraum und Himmel – Om.« Dieses Yantra soll alle Ziele erfüllen.

11.95 Alle Wesen fürchten den Tod, jederzeit und bei allen Unternehmungen. Ist diese Furcht beziehungsweise der Tod bezwungen, könne der Mensch alles von den göttlichen Kräften bis zur Befreiung verwirklichen.

11.96 Dafür werde ich das Mantra namens Mrityunjaya, »den Tod bezwingend«, erklären. Durch seine Verehrung gebe es in der eigenen Familie keine kurze Lebensdauer, so die Verheißung.

11.97 »Wir verehren den Dreiäugigen, den Duftenden, der das Gedeihen mehrt. Wie eine reife Gurkenfrucht von ihrer Bindung, möge ich vom Tod gelöst werden, nicht von der Unsterblichkeit.«

11.98 Sein Rishi ist Vasishtha, sein Versmaß Anushtubh, seine Gottheit Tryambaka. Der sechsgliedrige Nyasa erfolgt mit Lautgruppen von drei, vier, acht, neun, fünf und drei Silben. Die Glosse ordnet »tryambakam« dem Herzen, »yajamahe« dem Kopf, »sugandhim pushtivardhanam« dem Haarschopf, »urvarukam iva bandhanat« der schützenden Hülle, »mrityor mukshiya« den drei Augen und »ma'mritat« der Waffe zu, jeweils mit der zugehörigen Abschlussformel.

11.99 Danach erfolgt der Laut-Nyasa in Osten, Westen, Süden und Norden sowie den Zwischenrichtungen, anschließend an Nabel, Herz, Kehle und Bauch. Die ausführliche Glosse nennt die ersten acht Einsetzungen als tryaṃ im Osten, baṃ im Westen, kaṃ im Süden, yaṃ im Norden, jāṃ im Südosten, maṃ im Südwesten, he im Nordwesten und suṃ im Nordosten; danach gaṃ am Nabel, dhiṃ am Herzen, puṃ an der Kehle und ṣṭiṃ am Bauch.

11.100 Es folgen Geschlechtsorgan, After, beide Oberschenkelwurzeln, beide Oberschenkelmitten, die Knie, beide Knieumfänge und die Brüste. Die Glosse ordnet ihnen vaṃ, rddhaṃ, naṃ, uṃ, rvāṃ, ruṃ, kaṃ, miṃ, vaṃ, vaṃ, ndhaṃ und nāt zu; die Schreibungen werden aus der Vorlage übernommen.

11.101 Danach werden an beiden Flanken, Füßen und Händen sowie an Nase und Kopf jeweils die Mantralaute eingesetzt. Die Glosse nennt mṛṃ und tyoḥ an den Flanken, muṃ und kṣīṃ an den Füßen, yaṃ und māṃ an den Händen, mṛṃ an der Nase und tāt am Kopf. Dies ist der zweite Nyasa.

11.102 Die elf Wörter werden an Kopf, Brauen, Augen, Mund, beiden Wangen, Herz und Bauch eingesetzt. Die Glosse ordnet Tryambaka dem Kopf, yajamahe den Brauen, sugandhim den Augen, pushtivardhanam dem Mund, urvarukam den Wangen, iva dem Herzen und bandhanat dem Bauch zu.

11.103 Es folgen Knöchel, Oberschenkel, Knie und Füße. Die Glosse präzisiert mrityoh an den Oberschenkeln, mukshiya an den Knien, ma an den Knöcheln und mritat an den Füßen. So werden nach vorausgegangenem Matrika-Nyasa die drei Nyasas vollzogen; die Worttrennung der Glosse bleibt als überlieferte Ritualsegmentierung sichtbar.

11.104 Ich verehre den dreiäugigen Shiva, den Geliebten des Kailasa, rein wie ein klarer Lotus, mit einer Krone, die den Mond trägt: Zwei Hände gießen aus zwei Krügen Nektar über seinen Kopf, zwei weitere halten die Krüge; zwei tragen Antilope und Gebetskette, und das im Schoß ruhende Händepaar hält eine Fülle von Nektar.

11.105 Auf dem beim fünfsilbigen Mantra beschriebenen Pitha wird der Stierbannerträger verehrt. Seine Gestalt wird mit dem Wurzelmantra nach dem nun erklärten Verfahren vorgestellt.

11.106 Zuerst werden die Glieder, dann die Erscheinungsformen verehrt, von Osten an rechtsläufig: »Dem Ishana in Sonnengestalt«,

11.107 »dem Mahadeva in Mondgestalt«, »dem Bhava in Erdgestalt«, »dem Sharva in Wassergestalt«,

11.108 »dem Rudra in Feuergestalt«, »dem Ugra in Windgestalt«, »dem Bhima in Raumgestalt« und schließlich dem Pashupati im Dativ,

11.109 »in Gestalt des Opferherrn«. An den Blattspitzen werden danach Rama, Raka, Prabha, Jyotsna, Purna, Isha, Purani und Sudha verehrt; die Trennung von Purna und Isha ist aus der Achterordnung erschlossen.

11.110 Diese bilden die dritte Umfassung. Zur vierten gehören Vidya, Vishva, Sita, Yukta, Sara, Sadhya, Shiva und Nisha.

11.111 Arya, Prajna, Prabha, Moha, Shanti, Kanti, Dhriti und Mati bilden die fünfte Umfassung. Zur sechsten gehören

11.112 Dhara, Maya, Sati, Padma, Shanta sowie die nicht sicher trennbare Namensfolge »magho dvayamala«. In der siebten stehen die Welthüter, in der achten ihre Waffen.

11.113 Mit beherrschten Sinnen meditiert man so und wiederholt das Mantra hunderttausendmal. Mit zehn mit Ghee verbundenen Substanzen werden insgesamt zehntausend Opfergaben dargebracht.

11.114 Genannt werden Bilva, Palasha, Khadira, Vata, Sesam, Senf, Milchreis, Dickmilch und Durva, je tausendmal. Die Aufzählung nennt ausdrücklich nur neun Substanzen; die angekündigte Zehnzahl wird nicht durch eine erfundene Zutat vervollständigt.

11.115 Nach Tarpana und Besprengung werden Brahmanen und Guru zufriedengestellt. Nach diesem Vollzug gilt das große Mantra als für besondere Anwendungen geeignet.

11.116 Für Wohlstand werden zehntausend Opfer mit Bilva-Holz genannt, für brahmanische Ausstrahlung Opfer mit dem Holz des Brahma-Baumes.

11.117 Zehntausend Opfer mit Khadira sollen Befriedung und Stärkung gewähren; ebenso wird ein regelgemäßes Opfer mit Vata-Holz beschrieben.

11.118 Durch zehntausend solcher Opfer werde der Sadhaka reich an Geld und Getreide. Dieselbe Zahl von Sesamopfern soll von allen Verfehlungen befreien.

11.119 Zehntausend Opfer mit weißem Senf sollen einem König den Sieg über Feinde gewähren; durch dasselbe Verfahren werde ein vorzeitiger Tod abgewehrt.

11.120 Ein Feueropfer mit Milchreis soll Schutz, Wohlstand, Ruhm und Ausstrahlung bringen. Mit in Kuhmilch gekochtem Reis soll ein schädigender Zauber vernichtet werden.

11.121 Dasselbe Opfer gilt als befriedend und Wohlstand bringend. Durch ein Opfer mit Dickmilch sollen zwei einander feindlich Gesinnte wieder ins Gespräch kommen.

11.122 Täglich hundertacht Durva-Opfer sollen alle Krankheiten überwinden und langes Leben gewähren. Diese Aussagen sind traditionelle Wirksamkeitsverheißungen.

11.123 Am Geburtstag werden Milchreisopfer mit Ghee beschrieben, für untadeligen Wohlstand, Gesundheit und großen Ruhm.

11.124 Hundertzwanzig mit Kuhmilch und Ghee benetzte Durva-Opfer am Geburtstag sollen von allen Krankheiten befreien und ein glückliches hundertjähriges Leben gewähren.

11.125 Kashmari-Holz, Ghee und Milchreis werden jeweils dreihundertmal dargebracht. Zum Abschluss werden Brahmanen mit süßen Speisen bewirtet.

11.126 Der eigene Guru wird respektvoll mit reichlich Getreide und weiteren Gaben erfreut. Gesundheit, langes Leben und Wohlstand werden als Frucht genannt.

11.127 Wer an jedem Parvan Milchreis mit Ghee opfert, erlange nach sechs Monaten königlichen Wohlstand, so die Zusage.

11.128 Eine junge Frau bringt reine geröstete Reiskörner dar, um einen Gatten zu finden. Opfer mit Holz milchsaftführender Bäume sollen Brahmanen und weitere Menschen gefügig machen; diese zweite Absicht wird als historische Beherrschungsvorstellung dokumentiert.

11.129 Nach dem Bad wird das Mantra der Sonne zugewandt tausendmal wiederholt. Dadurch sollen seelisches und körperliches Leid verschwinden und langes Leben entstehen; mit diesem Mantra könne man alle eigenen Wünsche verwirklichen, heißt es.

11.130 Nun werde ich zur Beseitigung der Armut das Mantra des Herrn des Reichtums erklären. Als Rishi wird Medhatithi, als Versmaß Gayatri genannt.

11.131 Seine Gottheit ist Sadasaspati; Körper- und Hand-Nyasa werden erwähnt. Innerhalb eines Monats werden vierzigtausend Wiederholungen vollzogen.

11.132 Zur Freude der Gottheit wird diese monatliche Rezitation sechs Monate lang ausgeführt. Dies gilt als Purashcharana; dazu werden nach Kräften Brahmanen gespeist.

11.133 Ich verehre Kubera, auf einem Pferd reitend, mit einer Lanze in der Hand, den Geliebten Chitrinis, Herrn der Schätze, goldfarben und Anführer der Gandharvas.

11.134 Das Mantra: »Den wunderbaren Herrn der Versammlung, den Freund Indras, den begehrenswerten Geber von Gewinn, habe ich mit meiner Bitte aufgesucht.« Die vedische Zeile ist in der Vorlage mehrfach beschädigt; diese Übersetzung gibt den erkennbaren Sinn wieder, keine rekonstruierte Rezitationsfassung.

11.135 Wer monatlich vierzigtausend Wiederholungen vollzieht, dessen Armut beseitige der große Schatzmeister.

11.136 Nun werde ich ein Mantra erklären, das alle Ziele erfüllen und den Sieg im Kampf gewähren soll. Höre, woran ich mich zur Tötung Jalandharas erinnere.

11.137 »Für Jatavedas wollen wir Soma pressen, für den wissenden Feuergott, der die Feindseligkeit verbrennt. Er, Agni, möge uns über alle Bedrängnisse und Übel hinüberführen, wie ein Boot über den Strom.« Die gedruckte Lautgestalt des vedischen Verses weist Unregelmäßigkeiten auf; sie bleibt im Sanskritartikel erhalten.

11.138 Das Versmaß ist Trishtubh; als Rishi wird Marichi Kashyapa genannt, als Gottheit Jatavedas-Agni. Der sechsgliedrige Nyasa wird vollzogen.

11.139 Die sechs Gruppen zählen neun, sieben, sechs, sieben, acht und sieben Mantralaute. Die Glosse ordnet die Abschnitte von »Jatavedase sunavama« an Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger, Ringfinger, kleinen Finger sowie Handflächen und Handrücken zu; entsprechend folgt der Herz-Nyasa. Der anschließende Laut-Nyasa beginnt an beiden großen Zehen, Knöcheln, Unterschenkeln und Knien.

11.140 Danach folgen beide Oberschenkel, Hüfte, Geschlechtsorgan, Nabel, Herz und beide Brüste. Die ausführliche Glosse verteilt die Laute des Verses einzeln auf diese und die folgenden Körperstellen; sie enthält mehrere von der Hauptzeile abweichende Schreibungen.

11.141 Es folgen beide Flanken, Rücken, Schultern, deren Zwischenräume, beide Arme und Oberarme sowie beide Ellenbogen,

11.142 beide Unterarme, Handgelenke, Handflächen, Mund, Nase, Augen und Ohren,

11.143 Brauenmitte, Kopf und Scheitel. Dies ist der zweite Nyasa. Beim folgenden Wort-Nyasa werden Haarschopf, Stirn, Augen und Ohren genannt. Die Glosse ordnet ihnen Jatavedase, sunavama, somam und aratiyatah zu.

11.144 Dann folgen Oberlippe, Unterlippe, Zunge, Kehle, Arme, Herz, Bauch, Hüfte, Genitalbereich, Oberschenkel, Knie, Unterschenkel und Füße. Die Glosse ordnet ihnen nidahati, vedah, sah, nah, parishadat, durgani, vishva, nava, iva, sindhum, durita, ati und agnih zu. Damit ist der Wort-Nyasa erklärt; nun folgt die Meditation.

11.145 Ich verehre die dreiäugige Durga, leuchtend wie eine Kette von Blitzen, furchterregend auf dem Rücken des Löwen, von Mädchen mit glänzenden Schwertern und Schilden bedient. Sie trägt in ihren Händen Diskus, Schwert, Schild, Pfeil, Schlinge und Haken und zeigt den drohenden Zeigefinger. Ihr Wesen ist Feuer, sie trägt den Mond. Die Waffenfolge der Vorlage ist an einer Stelle verkürzt.

11.146 Nach dem Anlegen des zuvor beschriebenen glückverheißenden Sarvatobhadra-Mandalas werden im Sechseck seines Fruchtbodens die Stützen von Manduka an verehrt,

11.147 ferner die zuvor genannten höchsten Prinzipien. An den Staubfäden davor folgen von Osten an Jaya, Vijaya, Bhadra, Rudra und Kali,

11.148 Sumukhi, Durmukhi, Chandramukhi und Simhamukhi. In der Mitte wird Durga verehrt, sodann ihr Sitz mit dem Löwenmantra.

11.149 Das siebzehnsilbige Löwenmantra wird in der Glosse ausgeschrieben:
oṃ vajranakhadaṃṣṭrāya mahāsiṃhāya huṃ phaṭ namaḥ
»Om. Verehrung dem großen Löwen mit diamantgleichen Krallen und Fangzähnen. Hum Phat.«

11.150 Mit dem Wurzelmantra wird die Gestalt vorgestellt; in ihr wird die Göttin angerufen und verehrt. An den Staubfäden werden die sechs Glieder verehrt, dann auf den acht Blättern von Osten an

11.151 Jatavedas, als zweiter Saptajihva, dann Havyavahana, der im Bauch entstandene Feueraspekt, Vaishvanara und Kaumara-Tejas,

11.152 Vishvamukha und Devamukha. In den vier Feldern des Pitha werden der Erd-, Wasser- und Feueraspekt sowie das als »niratmakam« überlieferte vierte Prinzip verehrt; dessen Lesart ist unklar.

11.153 Es folgen die Namen Nivritti, Pratishtha, Vidya, Shanti, Gaunika, Pusha, Vani, Vithi, Shachi und Toyatmika.

11.154 Ferner Nitya, Dayavati und die als achte bezeichnete Karini, dann die als neunte bezeichnete Tiraskriya. Diese Ordnungszahlen stimmen nicht eindeutig mit der fortlaufenden vorigen Namensliste überein.

11.155 Danach werden Devamata, Damana, Priya, Samaradhya, Nandini und eine als »sharireshu vimardini« überlieferte Benennung genannt; die letzte Worttrennung ist unsicher.

11.156 Es folgen Padma, Dandini, Tigma, Durga, Gayatri, Niravadya, Vishalakshi, Saumya und die als »sayam« überlieferte Bezeichnung.

11.157 Ferner Svarodvaha, Nadini, Vedana, Vahnigarbhini, Simhavasa, Dhumra und die nicht sicher trennbare Folge »durvishamhari ramsuka«.

11.158 Den Abschluss bilden Tapahara, Tyaktadosha und Nihsapatna. Außerhalb werden Welthüter und ihre Waffen verehrt; die Puja wird wie zuvor beendet. Unsichere Namen dieser Liste bleiben ausdrücklich offen.

11.159 Das Mantra wird so viele Tausendmal wiederholt, wie es Laute besitzt. Für die einzelnen Feueropfer wird die Zahl durch »Veda, Veda, Ozean« bezeichnet, also 444. Genannt werden Sesam, weißer Senf und Chitraka,

11.160 dessen Wurzeln sowie Opferhölzer von Vata, Udumbara, Pippala, Arka und Plaksha; hinzu kommen Ghee und Opferspeisen. Die Randbemerkung betrifft die grammatische Form des Wortes für Opferholz.

11.161 Alle Gaben werden mit Ghee benetzt; zuletzt folgen Sesam- und Ghee-Darbringungen. Danach werden Tarpana mit Sesam und die Besprengung des eigenen Körpers vollzogen.

11.162 Nach der Verehrung der Erdgöttin wird der eigene Guru erfreut. Ist das Mantra durch Japa und die weiteren Handlungen vollendet,

11.163 gilt der Sadhaka als berechtigt zur »Feuerwaffe«, Agneyastra. Ihre Ordnung wird nun erklärt: Das in umgekehrter Lautfolge angeordnete Mantra heißt Agneyastra.

11.164 Rishi und die übrigen Zuordnungen bleiben wie zuvor; die sechs Glieder werden umgekehrt gebildet. Die Vorlage beginnt den Herzabschnitt mit der rückläufigen Lautfolge »gnityatāridudhuṃ siṃ«.

11.165 Für den Kopf nennt sie »vavenāśvā viṇirgādu«; ebenso sind die weiteren Abschnitte aus den zuvor genannten Lauten rückläufig zu bilden. Die Glosse ergänzt den Haarschopfabschnitt. Diese technischen Rückwärtsfolgen werden nicht zu einer neuen Rezitationsfassung korrigiert.

11.166 Auch Laut- und Wort-Nyasa folgen den zuvor genannten Gruppenzahlen; Japa und Verehrung geschehen nach der bereits beschriebenen Ordnung.

11.167 Zur Vollendung werden 4.144 Feueropfer mit einem in Panchagavya gekochten Charu beschrieben.

11.168 Die Verehrung erfolgt wie zuvor, der Japa rückläufig. Überall soll der Lehrer zusätzlich die doppelte Zahl von Gayatri-Wiederholungen vollziehen.

11.169 Für grausame Handlungen wird die umgekehrte Folge vorgeschrieben, für Befriedung und Stärkung die natürliche Vorwärtsfolge. Die folgende Darstellung dokumentiert die historische Lehre von magischen Waffen.

11.170 Der mit gni beginnende fünfsilbige Pada verkörpert die fünf Erkenntnissinne; die Glosse nennt Hören, Tasten, Schmecken, Riechen und Sehen. Der zweite, mit dhum beginnende fünfsilbige Abschnitt verkörpert die Handlungsorgane. Weitere rückläufige Nyasa-Formeln stehen in der Glosse.

11.171 Der dritte, mit shva beginnende fünfsilbige Abschnitt umfasst die fünf Elemente Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum. Der vierte, mit tya beginnende siebensilbige Abschnitt verkörpert die sieben Körperstoffe; die Glosse nennt Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark und Samen.

11.172 Der fünfte, mit dah beginnende sechssilbige Abschnitt verkörpert die sechs Wogen beziehungsweise Grundbedrängnisse; der nächste, mit to beginnende sechssilbige Abschnitt die sechs Hüllen.

11.173 Der mit so beginnende fünfsilbige Abschnitt umfasst die Sinnesgegenstände von Klang an. Der achte, mit se beginnende fünfsilbige Abschnitt umfasst die Tätigkeiten von Sprechen an.

11.174 So wird die Einteilung durch die Verbindung mit den Tattvas erklärt. Aus den Lauten der jeweiligen Abschnitte entstehen die Feuergottheiten; ihre Formeln beginnen mit Tara, dem Om-Laut.

11.175 Sie gleichen der Hauptgestalt und strahlen entsprechend ihrer jeweiligen Tätigkeit. Haare und Gewänder lodern, die Fangzähne sind gewaltig, ihre Erscheinung ist furchterregend.

11.176 Die aus den Sinnesabschnitten entstandenen Gottheiten blicken aufwärts; die aus dem Elementabschnitt entstandenen blicken seitwärts. Eine Lesart nennt statt des Blicks die Ausrichtung der Gesichter.

11.177 Die aus den Lauten der Körperstoffe entstandenen blicken in beide Richtungen; die aus den Wogen hervorgegangenen haben aufwärts gerichtete, die aus den Hüllen entstandenen seitwärts gerichtete Gesichter.

11.178 Die aus den Sinnesgegenstandsgruppen entstandenen Gottheiten haben in zwei Richtungen gewendete Gesichter. Alle zuvor genannten werden als geschlechtsneutral bezeichnet, die aus den Sinnesgegenständen hervorgegangenen als weiblich; die Abgrenzung ist im Wortlaut nicht ganz klar.

11.179 Mit ihnen solle der Mantrin das Land des Feindes samt Bergen und Wäldern verbrennen können. Die Einleitung dieses Waffenrituals wird einem menschlichen Nakshatra zugeordnet.

11.180 Die Anwendung wird einem asurischen, die günstige Rücknahme einem göttlichen Nakshatra zugeordnet. Beginn an Nanda-Tithis und Aussenden der Waffe an Rikta-Tithis werden vorgeschrieben.

11.181 An Bhadra-Tithis erfolgt die Rücknahme beziehungsweise Heranziehung; Japa und die weiteren Handlungen gelten dann als günstig. Als Wochentage werden Dienstag für den Beginn und Samstag für das Aussenden genannt.

11.182 Die Rücknahme erfolgt Donnerstag oder Freitag. Bei festen Tierkreiszeichen beginnt das Ritual, bei beweglichen wird die Waffe ausgesandt.

11.183 Bei zweifachen Zeichen wird sie zurückgenommen. In der dunklen Mondhälfte wird das Waffenritual vollzogen und im Zusammenhang mit dem Mond ausgesandt; die letzte Zeitangabe ist knapp.

11.184 In der hellen Mondhälfte wird die Waffe schrittweise wieder in sich aufgenommen. Der Vers verbindet Aussenden und Rücknahme in beiden Mondhälften zusätzlich mit der Sonne; das genaue Zeitmodell bleibt unklar.

11.185 Nach Westen gewandt werden die Handlungen ausgeführt. Holzstücke des zum Geburtsstern gehörenden Baumes werden mit dem Namen des Betroffenen und dem Handlungsziel verbunden.

11.186 Mit Senföl und Sesam werden für die einzelnen Bestandteile je siebentausend Opfergaben genannt; dadurch solle der Feind in Yamas Stadt gelangen, also sterben. Dies ist die ausdrücklich destruktive Zielsetzung der Quelle.

11.187 Ein weiteres historisches Schädigungsritual beschreibt sieben Nächte von Pfefferopfern mit Senföl während der Regenzeit, wobei der Ausführende nasse Kleidung trägt.

11.188 Der Feind solle dadurch von einem dem Weltbrand gleichen Fieber ergriffen werden. Anschließend wird beschrieben, den Namen des Feindes auf ein Palmblatt zu schreiben,

11.189 ihn mit dem Agneyastra-Mantra zu umgeben und das Blatt in der Mitte der Feuergrube zu vergraben. Ein zornig vollzogenes Pfefferritual solle ihn ebenfalls mit Fieber schlagen.

11.190 Wird das Blatt wieder aufgenommen und in kaltes Wasser geworfen, solle der Betroffene gefügig werden. Für die folgende Variante nennt die Quelle Meerwasser, Asafoetida, Gift, Kreuzkümmel und einen als »lohita« bezeichneten roten Stoff beziehungsweise Blut; die letzte Stoffzuordnung ist unsicher.

11.191 In die gekochte Mischung wird ein aus dem Nakshatra-Baum hergestelltes Abbild mit dem Gesicht nach unten gelegt. Ein Stab aus einem Giftbaum

11.192 dient zum Schlagen auf den Kopf des Abbilds, während das Mantra rückwärts rezitiert wird. Dem Feind wird dadurch Tod nach sieben Tagen durch verwirrendes Fieber zugeschrieben. Die Passage ist eine historische magische Gewaltvorstellung.

11.193 Bei einer weiteren Visualisierung werden die Füße des Feindes von der großen Schlange am Sonnenwagen ergriffen, ihr Gift durchdringt ihn; er erscheint nackt, mit Öl bestrichen und von Sonnenstrahlen verbrannt.

11.194 So mit dem Gesicht nach unten vorgestellt, wird der Feind mit einer Tarpana-Handlung aus heißem Wasser verbunden, während der Ausführende zur Sonne blickt. Dies solle ihn dem Tod zuführen.

11.195 Zur Erzeugung von Feindschaft wird die Göttin dunkel wie eine Gewitterwolke, mit Keule und Dreizack, meditiert. Die Opferbeschreibung nennt Baumwollsamen, Blätter und Schaffett; die Wendung über das Heranholen mit dem Nagel bleibt unklar.

11.196 Für die nächste Handlung wird die furchterregende Durga mit drohendem Zeigefinger und Dreizack vorgestellt.

11.197 Mit jungen Blättern eines Giftbaums, benetzt mit Büffelbutter, werde nach dieser Behauptung das große Heer des Feindes vertrieben. Die Glosse bietet als Variante die augenblickliche Vertreibung des Heeres.

11.198 Eine weitere dreitägige Opferbeschreibung verbindet die zuvor erklärte Göttinnenmeditation mit Charu, Pfeffer und Ziegenblut; auch ihr wird die Vertreibung des feindlichen Heeres zugeschrieben.

11.199 Durga wird von Feuer und Dreizacken umgeben, wie das Weltbrandfeuer lodernd meditiert. Opfer mit Dhattura-Samen und Senföl oder mit Pfeffer und Senf sollen den Feind verwirren. Die giftigen Stoffe gehören zur historischen Ritualbeschreibung.

11.200 Durga wird dunkel wie schwarzes Augenschminkmittel, mit Dreizack und Schwert vorgestellt. Ein Opfer mit Holz des Nakshatra-Baums und dem als Vrana-Baum bezeichneten Holz soll den Feind binnen eines Monats bezwingen.

11.201 Es folgt das Bild der Göttin auf einem Löwen, dem fliehenden Feind nachjagend, mit vom Bogen abgeschossenen Pfeilen, deren Spitzen Feuerflammen gleichen;

11.202 während sie diese Pfeile aussendet, wird Durga meditiert und, mit Blick auf die Sonnenscheibe, ein Tarpana mit heißem Wasser beschrieben. Dies solle den Feind vertreiben.

11.203 Atidurga wird mit unfehlbarer Lanze und Keule vorgestellt, leuchtend wie tausend Blitzketten. Opfer mit Nimba- und Bibhitaka-Holz sowie Kodrava, mit Büffelbutter benetzt, sollen das Heer des Feindes lähmen.

11.204 Durga wird mit einem Netz von Pfeilen und einem Haken vorgestellt. Nächtliche Opfer mit Salz und süßen Stoffen beziehungsweise dem Holz der Zielperson sollen nach sieben Tagen Könige gefügig machen. Die Verbindung der Brennstoffangabe ist knapp.

11.205 Vishvadurga wird rot, mit Schlinge und Haken meditiert. Nächtliche Opfer mit Blüten und Früchten der Phalini, besprengt mit Sandelwasser, sollen die Welt dem Ausführenden unterwerfen.

11.206 Sindhudurga wird wie der Herbstmond leuchtend, mit Schlinge und Haken und von höchstem Nektar erfüllt beziehungsweise diesen verströmend meditiert. Mit süßen Stoffen benetztes Vetasa-Holz dient nach der Vorschrift einem Opfer zur Sicherung des Lebensunterhalts.

11.207 Agnidurga wird im Glanz einer Hibiskusblüte vorgestellt. Ein Opfer mit einem Salzabbild und den drei süßen Stoffen soll die gewünschte Frau herbeiziehen. Dies dokumentiert die historische Absicht magischer Einflussnahme.

11.208 Atidurga wird dem mit »ati« beginnenden Mantraabschnitt zugeordnet. Die folgenden Angaben zu einem Abschnittsende und zum Beginn einer weiteren Durga-Form sind beschädigt; die Silben du und ga werden ausdrücklich genannt, eine sichere vollständige Abgrenzung ist nicht möglich.

11.209 Der in diesem Mantra mit »vishva« beginnende Abschnitt wird Vishvadurga genannt.

11.210 Der mit »sindhu« beginnende und bei der angegebenen va-Silbe endende Abschnitt heißt Sindhudurga; der mit »agni« beginnende und mit »tya« endende heißt Agnidurga. Die überlieferten Grenzen passen nicht ohne Weiteres zu einer gewöhnlichen Worttrennung.

11.211 Im Hof wird ein erhöhter Ritualplatz angelegt. Dort wird die Göttin täglich mit duftenden Blumen und weiteren Gaben nach der zuvor beschriebenen Ordnung verehrt.

11.212 Nachts wird eine Bali-Gabe aus Charu dargebracht. Ihr werden umfassende Vollendung und die Abwehr von Schadenzauber, Krankheit, Furcht, Feindschaft und Geistern zugeschrieben.

11.213 Nach regelgemäßer Verehrung des Feuers mit Duftstoffen und schönen Blumen steht der Mantrin davor und rezitiert das Mantra mit ungeteiltem Geist. Dieser Japa soll alle Vollendungen gewähren.

11.214 Nach Westen gewandt werden mit süßen Stoffen benetzte Salzgaben in einer an die Lautzahl des Mantras gebundenen Anzahl geopfert; dadurch solle der Feind unter die eigene Gewalt geraten.

11.215 Für die nächste Handlung wird Reis gewaschen und gereinigt, in Panchagavya gelegt und im geweihten Feuer

11.216 unter Mantrarezitation gekocht. Nach dem Herunternehmen und der Verehrung folgt im entfachten Feuer wie zuvor

11.217 ein achttausendfaches Opfer mit Charu und Ghee. Der abschließende Vorgang in einem Blatt beziehungsweise Gefäß heißt im Wortlaut »Erhitzung«; der Guru gibt der betreffenden Person davon zu essen.

11.218 Der Schüler wird geehrt; Wasser und eine Sampata-Handlung im Hof werden erwähnt, doch ist die Satzfügung unklar. Schadenzauber, Geister, Grahas und Krankheiten sollten verschwinden; ein von anderen ausgesandter Zauber solle zu seinen Urhebern zurückkehren.

11.219 Mit Reis, Opferspeise, Milch, Hölzern milchsaftführender Bäume, Ghee und den drei süßen Stoffen werden jeweils tausend Darbringungen genannt. Der Sadhaka werde dadurch zu einer Stätte des Wohlstands.

11.220 Wenn die Sonne im Widder steht, geht der Mantrakenner an einem geeigneten Tag zu einem wasserreichen Fluss und rezitiert beständig das Mantra.

11.221 Er entnimmt Sand, reinigt ihn, verbindet ihn mit Panchagavya und röstet ihn im geweihten Feuer unter Mantrarezitation mit einem Löffel aus dem Brahma-Baum.

11.222 Die Sonne in Löwe, Widder oder Schütze, die achte Tithi der dunklen Mondhälfte sowie Vishakha, Krittika, Mula, Hasta, Uttara und Magha

11.223 ferner Rohini, Shravana, Samstag und Donnerstag werden als auszunehmende Zeiten für das Einsetzen des Sandes genannt. Die Negation steht erst in diesem Vers und bezieht sich nach dem Satzbau auf die vorangehende Liste.

11.224 Der geweihte Sand dient dem Schutz von Haus, Dorf und Land. Als Mengen werden Prastha, Adhaka und Ghata genannt; ihre genaue Zuordnung zu den Größenklassen ist im Wortlaut verkürzt.

11.225 Nach dem Japa wird der Sand an neun Stellen ausgestreut. Der Lehrer verehrt dort, von der Mitte an, die Göttin und ihre Waffen bis zur Schädelschale.

11.226 Diskus, Muschel, Schwert, Schild, Pfeile, Bogen, Dreizack und Schädelschale werden mit ihren jeweiligen Mantras verehrt; am Ende folgt die Bali-Gabe.

11.227 Auch Nakshatras, Planeten, Tierkreiszeichen und Welthüter erhalten Bali. Wo dieser Schutz eingerichtet ist, soll Wohlstand wachsen.

11.228 Niedere Grahas, schwere Krankheiten, Furcht, Geister und kriechende Tiere würden durch dieses Verfahren verschwinden, so die religiöse Zusage.

11.229 Sechzehn Kudavas gereinigten Sandes werden in ein aus dem Brahma-Baum gefertigtes Gefäß mit Panchagavya gegeben. Die Glosse erklärt ein Kudava als vier Palas.

11.230 Wo dies vorschriftsgemäß aufgestellt wird, bleibe Wohlstand und nehme täglich zu. Die anschließende Erwähnung unzeitigen Regens gehört dem Sinn nach zu den im folgenden Vers zu beseitigenden Störungen.

11.231 Große Unheilszeichen, Schadenzauber, Feindschaft, Krankheit und Grahas sollen verschwinden. Ebenso wird das Einsetzen von Charu, Kuhsubstanzen und Steinen nach dieser Ordnung genannt.

11.232 Für die Mischung werden ein Prastha Kuhurin – laut Glosse sechzehn Palas –, halb so viel Kuhdung, Milch im Siebenfachen der Ghee-Menge und Dickmilch im Dreifachen der Kuhurinmenge genannt.

11.233 Die Ghee-Menge entspricht der Kuhurinmenge; alternativ werden gleiche Mengen aller Bestandteile angegeben. Die Kühe werden als braun, weiß, hellrauchfarben und rötlich beschrieben.

11.234 Fehlen solche Tiere, sollen alle weiß sein, oder alle Stoffe von einer braunen Kuh stammen. Auf einer Tafel aus dem Brahma-Baum wird ein Raster von neunundvierzig Feldern angelegt.

11.235 Die Eckfelder bleiben ausgenommen; in das Mittelfeld kommt Hrim. Vom darüberliegenden Feld an wird rechtsläufig weitergeschrieben; was genau einzutragen ist, wird hier nicht erneut ausgeschrieben.

11.236 Die Göttin wird darin angerufen und mit den üblichen Gaben verehrt. Nach Feueropfer und Sampata wird die Tafel wie zuvor vergraben und Bali dargebracht; die Frucht sei die bereits genannte.

11.237 Es folgt ein schönes Viereck mit neun Feldern. In die Mitte werden das Maya-Bija und der Name der betreffenden Person geschrieben.

11.238 Vom darunterliegenden Feld an werden rechtsläufig die acht zuvor genannten Abschnitte des Wurzelmantras eingetragen.

11.239 Zwischen zwei äußeren Kreisen umgibt man es mit den Matrika-Lauten; darum liegt ein weiteres Viereck. Dieses zum Tragen bestimmte Diagramm soll vor der Furcht vor allen Wesen schützen und Wohlstand, Ruhm und Lebensdauer gewähren.

11.240 Wer Aussenden und Zurücknehmen des Agneyastra kennt und durch gute Eigenschaften hervorragt, dem seien die drei Welten untertan, so die Verherrlichung des Textes.

11.241 Nun werde ich das Atidurga-Mantra erklären, das als Tageswaffe bezeichnet wird. In umgekehrter Folge gebildet, gilt es als magische Waffe.

11.242 Der Vers ordnet die bereits überlieferte Jatavedas-Zeile um: Er beginnt mit »ati durgani vishva naveva sindhum duritatyagnih«, setzt mit »jatavedase sunavama somam aratiyato nidahati vedah« fort und endet mit »sa nah parishat«. Der Sinn bleibt die Anrufung Agnis zum Hinüberführen über Bedrängnisse; die rituelle Umstellung wird nicht in einen neuen Sanskrittext harmonisiert.

11.243 Körper- und Laut-Nyasa sind zuvor erklärt. In dieser neuen Lautfolge werden auch die Laute und Wörter eingesetzt.

11.244 Die Meditation bleibt wie zuvor; für das Krityastra wird die umgekehrte Folge genannt. Nyasa, Meditation, Rishi und Versmaß entsprechen den früheren Angaben.

11.245 Ebenso gelten Purashcharana und die übrigen Vorbereitungen. Nun erklärt der Text die Anwendungen: Der Feind wird innerhalb der Sonnenscheibe vorgestellt, gekrümmt und von Gift getroffen.

11.246 Er wird als von der aus der Wurzel aufsteigenden Kundalini ergriffen meditiert. Auch eine Vorstellung im Muladhara und seines Todes wird genannt. Nach der Schädigungsbehauptung der Quelle sterbe er binnen zwei Tagen an Fieber.

11.247 Im Svadhishthana wird der Feind als von der Tageswaffe durchbohrt vorgestellt und von dem durch die fünf Winde angefachten Feuer verbrannt. Die Rezitation solle ihn unmittelbar dem Tod zuführen.

11.248 Im Manipura wird er mit vom Feuer loderndem Körper meditiert. Durch die Rezitation der Tageswaffe solle er unter die Gewalt des Todes geraten.

11.249 Die Stelle liest »anahita«, dem Zusammenhang nach wohl das Anahata-Zentrum: Dort werde der Feind vom Mantrafeuer verbrannt, mit einer Schlinge gebunden und von Yamas Dienern fortgeführt. Die auffällige Lesart bleibt gekennzeichnet.

11.250 Im Vishuddha wird der Feind mit dem Tagespfeil durchdrungen und mit dem Gesicht nach unten vorgestellt; nach drei Tagen solle er leblos sein.

11.251 Im Ajna wird er geistig durch das Feuer des Pfeils verbrannt. Die Todesdrohung erstreckt der Text ausdrücklich auch auf seine Kinder, Freunde und Gattin.

11.252 Eine weitere Anwendung verbindet nabeltiefes Stehen im Wasser, die Betrachtung der Sonnenscheibe und hundertacht Mantrawiederholungen mit dem Bild des verbrannten Feindes; innerhalb von sieben Tagen solle dieser zu Yama gelangen.

11.253 Von einem Dienstag an wird eine Woche lang jeweils von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang rezitiert. Dem Feind wird dadurch eine schwere, als Sannipata bezeichnete Erkrankung und der Tod zugeschrieben.

11.254 Drei Nächte beziehungsweise Tage ohne Nahrung in einem Durga-Heiligtum, verbunden mit dem Bild des vom Mantra durchbohrten Feindes, werden als weitere tödliche Fieberanwendung beschrieben.

11.255 Beim fortwährenden Blick auf Durga und bei der Mantrarezitation wird der Feind als vom Dreizack durchbohrt und von der Tageswaffe bedrängt vorgestellt. Starkes Fieber solle ihn zu Yamas Gast machen.

11.256 Der Feind wird in der Sonnenscheibe von den Schlangen des Sonnenwagens gebissen und vom Giftfeuer verbrannt vorgestellt. Ein Tarpana mit heißem Wasser und dem Tagespfeil-Mantra wird damit verbunden und als tödlich behauptet.

11.257 Eine aus der Sonnenscheibe hervortretende Flamme ergreift in der Visualisierung den Körper des Feindes; durch Japa solle er zu Yama gelangen.

11.258 Der Feind wird in einer von einem Graha ergriffenen Scheibe, von Mantrapfeilen durchbohrt und fortgesetzt geschlagen vorgestellt. Zehntausend Wiederholungen sollen bewirken, dass Yamas Bote ihn rasch fortführt; die einleitende Himmelsangabe ist nicht völlig klar.

11.259 Die Göttin erscheint wie das Feuer am Weltende, wie eine zweite Kalaratri, schrecklich, mit Dreizack und Schlinge, auf dem Rücken eines Löwen,

11.260 im Innern der Sonnenscheibe. Aus ihren drei roten Augen springen Funken, die den verstörten Körper des Feindes verbrennen.

11.261 Sie trägt gewaltige Fangzähne, ihr Gesicht ist durch bewegte, zusammengezogene Brauen furchterregend; mit ihrem schrecklichen Zeigefinger bedroht sie den Feind.

11.262 Das Strahlennetz ihrer Fangzähne erhellt die Himmelsrichtungen; mit dem Dreizack reißt sie die Brust des Feindes auf.

11.263 Mit einem durch das Waffenmantra vollzogenen Nyasa und im Glanz des Weltbrandfeuers werden drei Tage Japa genannt, um den eigenen Feind zu töten. Die Passage bleibt eine historische Gewaltbeschreibung.

11.264 Eine weitere Gestalt trägt rotes Gewand und drei rote Augen, ist zornig und jagt auf dem Löwen dem fliehenden Feind nach. Nachdem sie ihm mit dem Schwert den Kopf abgeschlagen hat, steigt sie augenblicklich in den Himmel.

11.265 Mit dieser Durga-Meditation verbindet der Text drei Tage Mantrarezitation ohne Nahrung und behauptet wiederum den Tod des Feindes. Diese Handlungen sollen tagsüber, nicht nachts stattfinden.

11.266 Deshalb heißen sie Tageswaffe. Nun wird die Nachtwaffe beschrieben: Ein lebender Büffel wird mit dem Gesicht nach Westen aufgestellt.

11.267 Die folgende Anweisung verbindet das Eingraben beziehungsweise Befestigen des Tieres mit einer dreieckigen Feuergrube an seinem Kopf; die genaue Satzfügung ist unklar. Darin wird Feuer entfacht.

11.268 Dreiecksanordnung, Mantralaute und Name der Zielperson werden miteinander verbunden; tausend Opfer mit Karaskara-Holz, das mit Armblut benetzt ist, werden genannt. Dabei wird die Göttin in der Sonnenscheibe meditiert.

11.269 Sie gleicht dem Weltbrandfeuer, ist schrecklich, mit zweiunddreißig Armen geschmückt, leuchtet von erhobenen Waffen und tanzt auf dem Kopf eines Löwen.

11.270 Mit gewaltigen Fangzähnen, höchst furchterregend, flammendem Haar und brüllendem Mund trägt sie blutnasses Fleisch als Gewand; ihre drei wilden Augen rollen.

11.271 Dieses Verfahren solle den Feind, von heftigem Fieber bedrängt, zusammen mit Kindern, Freunden und weiteren Angehörigen sterben lassen.

11.272 Danach beschreibt der Text das Aufhängen von Schlangen mit nach oben gerichteten Köpfen. Durga wird in der Sonnenscheibe vorgestellt, strahlend wie tausend Sonnen,

11.273 mit tausend Händen und Füßen, tausend Augen, Köpfen und Gesichtern, ihr Körper von tausend Schlangen umwunden, die drei Welten erschreckend.

11.274 Mit dieser Vorstellung und demselben Mantra wird ein Tarpana aus heißem Wasser beschrieben. Der Feind solle, von der Schlinge der Zeit gebunden, sein Leben verlieren.

11.275 Die Göttin erscheint im Glanz von zehntausend Mittagssonnen, brüllend wie Narasimha, auf einem furchterregenden Löwenthron und mit schrecklich zerreißender Macht.

11.276 Der Feind wird von ihrem Dreizack durchbohrt vorgestellt. Drei Tage Mantrarezitation und das Eingießen heißen Wassers in den Schlangenmund werden mit seiner Tötung verbunden. Dies dokumentiert zugleich eine historische Tierquälerei und wird nicht als Praxis empfohlen.

11.277 Ein aus dem Nakshatra-Baum gefertigtes, rituell belebtes Abbild wird in heißes Wasser gelegt und nach der vorgeschriebenen Ordnung gepresst.

11.278 Die Göttin wird dabei leuchtend wie Sonne, Mond und Feuer, mit Schwert und Schild und von Hunderten Funken aus ihren drei Augen umgeben vorgestellt,

11.279 auf einem Löwen, mit Schlangenschmuck, die drei Welten erschreckend und den Feind mit dem Schwert zerschneidend. Zehntausend Mantrawiederholungen werden als tödlich wirksam behauptet.

11.280 Im Durga-Heiligtum wird eine dreieckige Feuergrube angelegt. Für das darin entfachte Feuer wird ein aus Büffeldung hergestelltes Abbild beschrieben,

11.281 rot gefärbt und rituell belebt, das nachts stückweise mit Ziegenblut geopfert wird. Ein weiterer Ausdruck zur Herstellung des Abbilds ist in der Vorlage unklar.

11.282 Durga wird auf der Brust des Büffels tanzend vorgestellt, dessen Körper sie mit dem Dreizack spaltet, furchtbar anzusehen,

11.283 erschreckend durch unablässiges lautes Lachen, von Göttern verehrt, einem lodernden Feuer gleich und mit drei rollenden Augen,

11.284 mit gebissener Unterlippe und einem von Fangzähnen schrecklichen Gesicht, umgeben von Mädchen mit Schwertern und Schilden. Die Verbindung der Lippenbeschreibung ist sprachlich gestört.

11.285 Dadurch solle der Feind in Yamas Haus gelangen. Der Text nennt dies nochmals Tageswaffe und bezeichnet die nächtliche Form als Krityastra; die Benennung überschneidet sich mit der vorherigen Nachtwaffen-Passage.

11.286 Die Göttin Kundalini wird in Schlangengestalt aus dem Wurzelzentrum aufsteigend vorgestellt, durch den Brahmarandhra in den Himmel gelangend,

11.287 den Feind mit dem Mund ergreifend und in ihr eigenes Haus zurückkehrend, im Feuer der Weltauflösung lodernd. Der damit verbundene Japa solle den Feind binnen sieben Tagen töten.

11.288 Für einen Dienstag wird ein Opfer im Feuer einer Verbrennungsstätte mit weißem Senf und Senföl beschrieben; ein Pashu-Mantra wird genannt. Die Flamme des Krityastra solle den Feind unmittelbar zu Yama senden.

11.289 An einer Chaturdashi um Mitternacht werden Knochen der Verbrennungsstätte, mit dem als Vrana-Öl bezeichneten Stoff bestrichen, im Leichenfeuer geopfert. Der Text behauptet dadurch den Tod des verängstigten Feindes.

11.290 Eine weitere Variante verwendet ein Abbild aus gemahlenen Getreidehülsen, rituell belebt und mit Vrana-Öl bestrichen, das nachts stückweise mit Ziegenblut geopfert wird. Als Frist der behaupteten Tötungswirkung werden sieben Tage genannt.

11.291 Es folgt eine besonders problematische Schädigungsbehauptung: Unter Berührung von Sand der Verbrennungsstätte und Reiskörnern wird Japa beschrieben, ferner Wasser an einem abgeschiedenen Teich, das durch die Rezitation erhitzt werde. Wer davon trinke, solle sterben. Dies ist keine belegte Mantrawirkung und keine Empfehlung zur Verunreinigung von Wasser.

11.292 Für eine dunkle Chaturdashi an einem Dienstag nennt der Text besprochene Leichenasche mit Büffelbutter, in einer an die Lautzahl des Mantras gebundenen Anordnung.

11.293 Daraus wird ein Abbild hergestellt, durch Japa rituell belebt und im Feuer aus Verbrennungsholz geopfert. Binnen drei Chaturdashi-Terminen solle der Feind sterben.

11.294 Asche der Verbrennungsstätte und weißer Senf werden in Panchagavya gegeben. Es folgt die Vorstellung des Büffels und der Göttin im Glanz eines Flammenfeuers.

11.295 Die Mischung wird unter Mantrarezitation im Feuer aus giftigem Holz geröstet; im Durga-Heiligtum werden damit zehntausend Opfer beschrieben.

11.296 Die zurückbehaltene Asche wird nach der Quelle in das feindliche Heer gestreut. Dieses solle dadurch zerfallen und von Fieber verwirrt werden,

11.297 seine Waffen wegwerfen und im Kampf fliehen. In Häuser, Dörfer und weitere Orte gestreut, solle die Asche rasche Vertreibung bewirken. Nummernhinweis: Die Vorlage druckt 397 zwischen 296 und 298; hier wird fortlaufend 11.297 verwendet.

11.298 An sieben Wochentagen, jeweils zur Kulika-Zeit, werden Steinchen aus Durga-Heiligtümern der sieben Richtungen gesammelt, unter Ausschluss der Indra-Richtung im Osten, und mit dem Mantra besprochen.

11.299 Zuvor wird ein Büffel mit Panchagavya von einer Büffelkuh rituell beschenkt beziehungsweise durch Tarpana verehrt. Die erneut besprochenen Steinchen werden in Haus, Dorf oder Stadt verstreut; der Text behauptet die schnelle Zerstörung des Landes durch das Mantrafeuer.

11.300 Die drei Pflanzen Brahmadandi, Markatika und Vajrakantakika werden an einem Dienstag zur Kulika-Zeit aufgenommen und mit dem Mantra besprochen. Dies solle den Feind samt Kindern und Gattin vertreiben beziehungsweise vernichten.

11.301 Der Mantrin vergräbt sie zusammen an einem Ort innerhalb eines Mandala. Der folgende Hinweis auf sechs Punkte, eine Sechsergruppe und ein mit Reis verbundenes Abbild ist beschädigt; eine sichere räumliche Anordnung lässt sich daraus nicht übersetzen.

11.302 Unter Berührung dieses Abbilds wird an der achten Tithi der dunklen Mondhälfte ab Mittag das Mantra rezitiert; mit dem Namen des Feindes verbunden wird es auf der Verbrennungsstätte vergraben. Der Text behauptet die Vernichtung des Feindes samt Familie und Verwandtschaft.

11.303 Schädelscherben in einer der Lautzahl des Krityastra entsprechenden Anzahl werden nach einer rituellen Lebensübertragung berührt und mit dem Waffenmantra besprochen.

11.304 An einer dunklen Chaturdashi, die auf einen Dienstag fällt, werden sie mit Ziegenblut bestrichen und auf der Verbrennungsstätte im Feuer aus Giftbaumholz geopfert. Die Krityastra-Flamme solle den Feind durch schweres Fieber töten.

11.305 Eine weitere Beschreibung setzt eine Schlange in einen mit Ziegenblut gefüllten Krug, der mit einer Schädelschale und einem roten Tuch bedeckt wird.

11.306 Der Krug wird mit roten Blumen und weiteren Gaben verehrt und unter Berührung zehntausendmal mit dem Mantra besprochen. Als Zeitpunkt wird Dienstag genannt; die Ortsangabe »inmitten der Richtungen« bleibt knapp.

11.307 Im Feuer aus Karaskara-Holz, das rituell mit dem Krityastra entfacht wird, folgen zehntausend Opfer mit Vrana-Öl; danach wird das Tuch wieder

11.308 bis zum Kopf hochgenommen beziehungsweise zusammen mit der Kopfbedeckung entfernt – die Wendung ist unklar – und eine abschließende Opferhandlung ausgeführt. Der Schadenzauber solle den Feind binnen drei Tagen töten.

11.309 Es folgt eine sprachlich unvollständige Beschreibung mit einem Prastha besprochener Büffelbutter, einer vollständigen Umwicklung mit Kusha-Gras und ritueller Lebensübertragung. Der Träger dieser Umwicklung ist im Vers nicht eindeutig benannt.

11.310 Im Karaskara-Feuer werden Vrana-Öl und anschließend ein Gewand geopfert; dem Verfahren wird der Tod des Feindes innerhalb eines Tages zugeschrieben.

11.311 In einer dreieckigen Feuergrube wird das Feuer mit dem Mantra entfacht und mit Duftstoffen und Blumen verehrt; zehntausend Darbringungen werden genannt.

11.312 Sieben Tage lang folgen Senf, gekochter Reis, Sesam und Öle. Dann beschreibt der Text die rituelle Belebung und Verehrung einer Büffelkuh kurz vor dem Gebären, unter Berührung und Mantrarezitation.

11.313 Das Tier wird in einer ausdrücklich gewaltsamen Opferbeschreibung von Kopf bis Genitalbereich dem Feuer dargebracht. Daraus solle eine lodernde Kritya hervorgehen, die selbst einen von Ishvara geschützten Feind verschlinge. Dies ist die dokumentierte Aussage des historischen Textes, keine zulässige Selbstpraxis.

11.314 Diese Kritya kehre ins Feuer zurück und begehre auch den Ausführenden. Wer solche Handlungen vollziehe, solle daher zum eigenen Schutz Mrityunjaya und weitere Mantras rezitieren. Die Quelle benennt damit selbst die Rückwirkung ihrer Schädigungsrituale.

11.315 Nun beginnt die Vorbereitung des Trishakti-Mantras: Japa der großen Vyahritis, Feueropfer und Tarpana. Das mit Om beginnende Mantra wird zehntausendmal wiederholt, gefolgt von tausend Ghee-Opfern sowie Tarpana und den weiteren Handlungen.

11.316 Dadurch werde die Befähigung zur Verehrung aller Gottheiten erworben. Ohne diese Vorbereitung entstehe keine Vollendung des Trishakti-Mantras.

11.317 »Om, Bhuh: dem Feuer, der Erde und dem Großen – Svaha. Om, Bhuvah: dem Wind, dem Zwischenraum und dem Großen.« Die zweite Formel enthält in dieser Zeile keine ausgeschriebene Schlussanrufung.

11.318 »Om, Suvah: der Sonne, dem Himmel und dem Großen. Om, Bhuh, Bhuvah, Suvah: dem Mond, den Sternen, den Richtungen und dem Großen – Svaha.«

11.319 Die anschließend genannten Früchte werden gewöhnlich mit tausend Opfern verbunden; nach Ort und Zeit gilt ein zehntausendfaches Opfer als vorzüglicher.

11.320 Ein hunderttausendfaches Opfer soll den jeweiligen Herzenswunsch erfüllen. Nun werden die Anwendungen der Reihe nach erklärt: Ein Ghee-Opfer gewähre Ausstrahlung.

11.321 Udumbara-Holz soll die Fähigkeit zu allen Handlungen verleihen. Wer Vieh und Ähnliches begehrt, opfert Milch oder Dickmilch.

11.322 Apamarga-Samen dienen der Befriedung aller Unheilszeichen. Opfer mit Arka-Holz sollen Gold nach Wunsch gewähren.

11.323 Zwei miteinander verknotete Jati-Ranken, mit Ghee verbunden und zehntausendmal dargebracht, sollen dauernden Wohlstand bringen.

11.324 Wer eine Tochter beziehungsweise eine junge Frau begehrt – »kanya« ist ohne weiteren Zusatz mehrdeutig –, bringt Handvoll Sesam und Reis dar. Apamarga-Holz wird für den Wunsch nach Rama, der Glücksgöttin, genannt.

11.325 Palasha- und Ashoka-Holz dienen nach dem Text dem Gefügigmachen; Durva dem Wunsch nach langem Leben. Für Reichtum nennt die beschädigte Schlusszeile offenbar Blumen.

11.326 Holz des Vyadhighata, mit Ziegenblut verbunden, wird einem Schädigungszauber zugeordnet.

11.327 Der folgende Vers über bereits Geborene und im Entstehen Begriffene, den Zorn eines Herrn und Tod ist sprachlich gestört. Als Opferstoff nennt er sämtlichen Reis beziehungsweise verschiedene Reissorten; eine sichere Bestimmung des Handlungsziels ist nicht möglich.

11.328 Mit reichlich Reis und Durva werden sieben Opferhandlungen genannt. Ein Opfer mit Eulen- und Krähenfedern soll dagegen Feindschaft erzeugen.

11.329 Bei einer als »svapnagraha« bezeichneten Traumbedrängnis werden tausend Opfer mit Ghee einer braunen Kuh genannt. Das bei der Sampata-Handlung verbleibende Ghee wird mit einem Vacha-Endstück bewegt und besprochen. Die abschließenden Aussagen über Mutterschaft und geistige Kraft sind nicht vollständig miteinander verbunden.

11.330 Einen Monat lang täglich der Sonne zugewandt zehntausendmal zu rezitieren, soll einen tugendhaften Sohn gewähren.

11.331 Welcher Gegenstand besonders gewünscht wird, von diesem werden zehntausend Gaben mit Ghee geopfert, sofern er als Opferstoff geeignet ist. Dadurch werde der gewünschte Gegenstand erlangt; der Schluss vergleicht dies mit der Erlangung eines Sohnes.

11.332 Nun werde ich die Praxis des Trishakti-Mantras erklären, durch dessen Gnade Brahma, Vishnu, Shiva und nochmals Hari als vollendet bezeichnet werden. Die Wiederholung Vishnus unter dem Namen Hari steht so in der Vorlage.

11.333 Gayatri, Agneyastra und das Tryambaka-Mantra bilden zusammen das hundertlautige Trishakti-Mantra. Die Glosse erklärt die Verbindung der drei vedischen Verse. Ihr Hinweis, wie beim Wort »varenyam« die Hundertzahl vervollständigt wird, enthält keine eindeutige abweichende Schreibweise; daher wird keine neue Formel daraus hergestellt.

11.334 Seine Rishis und Versmaße sind die drei bereits genannten. Seine Gottheit ist das höchste Licht, den Sinnen unzugänglich und durch die Veden erkennbar.

11.335 Die sechs Glieder und die vorausgehenden Nyasas werden mit festgelegten Lautgruppen gebildet. Die Zahlenwörter und ihre Glossen sind nicht einheitlich: Genannt beziehungsweise erläutert werden unter anderem dreizehn, elf, zweiundzwanzig, fünfzehn und siebzehn. Eine widerspruchsfreie Sechseraufteilung wird aus dieser Stelle nicht erzwungen.

11.336 Wir verehren jenes höchste Licht: jenseits aller Maße, Ursprung der Worte der Shruti und Ursache der Welt, alles Bewegliche und Unbewegliche durchdringend, von den besten Weisen mit gezügelten Sinnen meditiert. Es ist von Sonne und gewaltigem Feuer erfüllt, sein Leib sind die hundert Laute, sein Wesen ist Om; es ist unablässig und eine Stätte ewiger Glückseligkeit. Das erste Wort der Vorlage ist gestört.

11.337 Auf einem Sonnen-Pitha wird es verehrt, mit den sechs Gliedern als erster Umfassung. Danach folgen drei Umfassungen mit den Shaktis der Gayatri.

11.338 Die fünfte Umfassung hat die Form eines umlaufenden Weges; dort stehen vierundvierzig Shaktis, beginnend mit der als »Jatavadya« überlieferten Benennung.

11.339 Es werden die beim Agneyastra beschriebenen Shaktis genannt, danach vier Gruppen beziehungsweise Umfassungen mit den Shaktis des Mrityunjaya. Die Verbindung der beiden Aussagen ist in der Vorlage gedrängt.

11.340 Welthüter und ihre Waffen bilden die zehnte und elfte Umfassung. Das Mantra wird hunderttausendmal rezitiert; Milch, gekochter Reis und weitere Gaben werden geopfert, danach folgt Tarpana.

11.341 Ist das Mantra so vollendet, werde der Mantrin der Sonne gleich. Opfer mit in Milch getauchten Stücken der Nektarranke – laut Glosse Guduchi –

11.342 sollen langes Leben ohne seelisches und körperliches Leid gewähren. Dieselbe Frucht wird Ghee-benetzter Durva zugeschrieben.

11.343 Opfer mit roten Lotusblüten und den drei süßen Stoffen sollen dem Kundigen binnen sechs Monaten die große Glücksgöttin beziehungsweise großen Wohlstand gewähren.

11.344 Rote Wasserlilien mit den drei süßen Stoffen dienen umfassendem Wohlstand. Opfer mit Shri-Blüten, laut Glosse Bilva-Blüten, sollen den Verehrer zur Wohnstätte Ramas machen.

11.345 Täglich werden tausend Opfer mit Milchreis und reinem Sesam genannt; außerdem die Speisung von zwölf Brahmanen, entsprechend der Sonnenzahl, mit süßen Speisen.

11.346 Dadurch werde man von allen Verfehlungen und Krankheiten frei, überwinde Schadenzauber, Feindschaft und Grahas und lebe lange.

11.347 Wer täglich morgens badet, jeweils hundertmal rezitiert und zur Sonne blickt, lebe hundert Herbste. Die Aussage gibt die traditionelle Lebensverheißung wieder.

11.348 Für das höchste Heil und die Befreiung von allen Verfehlungen wird das mit Gayatri beginnende Mantra täglich hundertachtmal rezitiert.

11.349 Zur Vernichtung aller Feinde beginnt es mit dem Trishtubh-Vers, laut Glosse »Om Jatavedase«; zur Mehrung von Lebensdauer und Gesundheit mit Tryambaka.

11.350 Nun wird die Ordnung des Tvarita-Rudra erklärt. Weder im Veda noch im Agama gebe es ein anderes Mantra, das so rasch Vollendung gewähre.

11.351 »Dem Rudra, der im Feuer ist, der in den Wassern ist, der in den Pflanzen ist; dem Rudra, der in alle Welten eingegangen ist – diesem Rudra sei Verehrung.«

11.352 Als Rishi wird Atharvan, als Versmaß Anushtubh und als Gottheit Rudra genannt. Die sechs Glieder werden der Reihe nach eingesetzt.

11.353 Die nächste Zeile nennt jedoch einen fünfgliedrigen Nyasa. Die Glosse ordnet die fünf Abschnitte »yo rudro agnau«, »yo apsu«, »ya oshadhishu«, »yo rudro vishva bhuvana vivesha« und »tasmai rudraya namo astu« den fünf Fingern zu und überträgt dies auf Herz und die weiteren Körperstellen. Es folgt ein ausführlicher Laut-Nyasa von Kopf und Stirn über Gesicht, Arme, Rumpf und Beine bis zu den Füßen und zum ganzen Körper; die Lautliste enthält Abweichungen vom Mantratext. Danach wird meditiert.

11.354 Vierarmig, dreiäugig und reinem Bergkristall gleich, mit zwei vollständig mit Nektar gefüllten Krügen in zwei Händen,

11.355 mit den beiden anderen Händen die Yoga-Mudra bildend, fest sitzend: So erscheint Shankara, der Herr der Frucht aller Wünsche, der Schatz des Mitgefühls.

11.356 Für eine grimmige Handlung wird er dagegen als furchterregende Gestalt mit feurigen Augen meditiert, zweiarmig, mit Schlange und Dreizack in den Händen und verfilztem Haar.

11.357 Während der Purashcharana werden Schlafen auf dem Boden, einmal täglich Opferspeise, sexuelle Enthaltsamkeit und wahrhaftiges Sprechen vorgeschrieben.

11.358 Hunderttausend Mantrawiederholungen, Feueropfer mit Arka-Holz und Ghee, Tarpana, Besprengung und Brahmanenspeisung dienen der Mantra-Vollendung.

11.359 Täglich wird wie zuvor ein irdenes Linga verehrt. Die Glosse verweist auf die jeweils dem gewünschten Ziel entsprechende Form der irdenen Linga-Puja. Ist das Mantra so vollendet, gilt der Mantrin als zu besonderen Anwendungen befähigt.

11.360 Nun werden die Früchte von zwanzigtausend Feueropfern genannt: Udumbara-Holz für Nahrung, Khadira-Holz für Ausstrahlung.

11.361 Apamarga-Holz soll Geisterbedrängnis beseitigen. Gegen Graha-Bedrängnis wird Japa in der Nähe eines Ashvattha-Baumes genannt.

11.362 Trockene Hölzer des Bodhi-Baumes mit dreieckigen Spitzen, mit gesalzener Dickmilch bestrichen, werden unter dem mit Svaha endenden Mantra geopfert.

11.363 Nach jeweils fünfzehn Darbringungen wird »Geh, geh!« ausgesprochen. Während des Opfers wird Bali in der Menge einer menschlichen Mahlzeit gegeben. So solle die bedrängende Macht den Menschen verlassen.

11.364 Opfer mit hundertblättrigen Lotusblüten sollen den Herzenswunsch erfüllen; gerösteter Reis soll dem, der eine Frau sucht, eine schöne Gattin gewähren.

11.365 Gerösteter Reis mit Charu oder weiße Blumen werden an einem grünen Ort geopfert. Dadurch solle die Welt gefügig werden.

11.366 Für die Beeinflussung einer Frau wird eine erhöhte Stelle links, nicht rechts, genannt. Zur Befriedung eines feindlichen Heeres folgen Sesam und Ghee in gleicher Menge.

11.367 Am Opferplatz wird ein mit Wasser gefüllter Krug aufgestellt; nach achttausend Mantrawiederholungen werden Schalen hineingegeben. Die genaue Handhabung der Schalen bleibt knapp.

11.368 Mit den Besprengungen wird ihre Halle rechtsläufig besprengt. Ebenso soll zur Befriedung von Grahas, Dorf und Königreich verfahren werden; der Bezug des ersten Personalpronomens ist unklar.

11.369 Dazu wird eine Vastu-Puja auf vierundsechzig glückverheißenden Feldern vollzogen.

11.370 Ishana und der Herr der Wesen erhalten Bali. So soll Befriedung für Vieh und Bevölkerung entstehen.

11.371 Bei allen Unheilszeichen sitzt man nachts außerhalb des Dorfes und rezitiert Tvarita-Rudra gemeinsam mit vielen anderen.

11.372 Dazu wird ein Feueropfer mit Ghee-benetztem Palasha-Holz vollzogen. In der Richtung, in der das Unheilszeichen erschien, erhält Ishana Bali,

11.373 danach der Hüter der Richtung und der Herr der Tiere. Wer Wachstum begehrt, rezitiert hunderttausendmal und bringt Sesam mit Ghee dar.

11.374 Bali und Verehrung gelten Shiva und Varuna. Wenn die Befähigung für irgendein Vorhaben gesucht beziehungsweise erlangt wird,

11.375 wird Tvarita-Rudra fünfzigtausend- bis hunderttausendmal rezitiert. Durch seine Gnade sollen alle Wünsche erfüllt werden.

11.376 Wer Wohlstand oder Befriedung begehrt, rezitiert dieses Mantra hunderttausendmal. Für Wohlstand wird Bilva-Holz, für Befriedung Shami-Holz

11.377 mit Ghee geopfert, gefolgt von Tarpana und Besprengung. Entsprechend wird bei allen Vorhaben verfahren; auch Gerste wird als Opferstoff genannt.

11.378 Für einen Sohn werden hunderttausend Opfer mit Milchreis genannt, für Wissen entsprechend Shri-Früchte und für langes Leben Durva.

11.379 Ferner werden Sesam mit Ghee, für Ausstrahlung Ghee allein und für Stärkung sowie Zufriedenheit Reis genannt. Eine Ghee-Schreibung ist in der Vorlage fehlerhaft.

11.380 Für alle Wünsche wird Milchreis mit Zucker geopfert. Gegen heftiges Fieber nennt die Quelle Honig, Lotus, Ghee und Mangoblätter.

11.381 Zur Beseitigung aller Krankheiten wird Japa der Sonne zugewandt beschrieben, je nach Schwere der Erkrankung tausend-, zehntausend- oder hunderttausendmal. Dies sind religiöse Heilungszusagen, keine medizinisch gesicherten Verfahren.

11.382 Am Ende des Japa folgt ein weiterer Nyasa. Der Haupttext nennt sechs Glieder, doch die beigefügte Zahlenliste und die Glosse stimmen nicht überein; die Glosse beginnt bereits mit »dhruvasu tvasu kshitishu« aus dem späteren Varuna-Mantra. Der Übergang ist offenbar in der Vorlage durcheinandergeraten.

11.383 Als Stellen werden Füße, Unterschenkel, Knie, Oberschenkel, Genitalbereich, Glied, Nabel, Bauch, Herz, Kehle, Mund und Nase genannt. Die lange Glosse mischt einen Laut-Nyasa des Varuna-Verses mit den sechs Gliedern des Rudra-Mantras. Diese beiden Schichten werden nicht stillschweigend zu einer neuen Ordnung verbunden.

11.384 Dann folgen Augen, Brauenmitte, Stirn und Scheitel. An diesen Stellen werden die sechzehn Wörter des Mantras eingesetzt. Damit endet nach der Hauptzeile die Tvarita-Rudra-Ordnung.

11.385 Nun wird die Ordnung des Varuna-Verses erklärt. Wo ein Verehrer dieses Mantras lebt, entstehe keine Dürre, so die Zusage.

11.386 Der vedische Vers ist in der Vorlage stark beschädigt. Er nennt das Wohnen an festen Wohnstätten, Varuna, das Sprechen, den Schoß Aditis und endet mit der Bitte: »Kommt stets mit Wohlergehen zu uns.« Die dazwischenstehenden Verbindungen lassen sich ohne Rekonstruktion nicht zuverlässig vollständig übersetzen; der gesamte Sanskritwortlaut bleibt im Begleitartikel erhalten.

11.387 Als Rishi wird Vasishtha, als Versmaß Anushtubh und als Gottheit Varuna genannt. Die sechs Glieder werden mit Gruppen von acht, sechs, acht, acht, sieben und sechs Lauten gebildet.

11.388 Der Laut-Nyasa beginnt an beiden Fußspitzen, Zehenwurzeln, Knöcheln, Knien, Oberschenkeln, After und Glied. Die hier eingesetzte Glosse gehört dagegen erkennbar zum sechzehnteiligen Wort-Nyasa des vorigen Rudra-Mantras; diese Verschiebung wird nicht verdeckt.

11.389 Es folgen Muladhara, Nabel, Bauchseiten, Rücken, Herz, Brust, Kehle, beide Handspitzen und Fingerwurzeln,

11.390 beide Handgelenke, Ellenbogen und Schulteransätze, Mund, Wangen und Nasenöffnungen,

11.391 Augen, Ohren, Brauenmitte, Stirn, Scheitel und schließlich der ganze Körper. Nach dem sukzessiven Einsetzen der Mantralaute folgt die Meditation.

11.392 Ich meditiere zur Erlangung von Fülle den gnädigen, segenspendenden Gott, mondhell, auf einem Lotus sitzend, mit Pfeil und Haken sowie den Gesten der Furchtlosigkeit und Segensgewährung, am ganzen Körper mit Perlenschmuck geziert.

11.393 Varuna wird auf dem mit Dharma und den weiteren Stützen aufgebauten Pitha verehrt. Nach seinen Gliedern werden Shesha, Vasuki, Takshaka,

11.394 Karkotaka, Padma, Mahapadma, Shankhapala und Kulika verehrt, ferner Indra und die anderen Richtungshüter sowie ihre Waffen.

11.395 Das Mantra wird hunderttausendmal rezitiert; ein Zehntel dieser Zahl wird als Feueropfer mit Ghee-benetztem Milchreis vollzogen. Danach folgen Tarpana und die weiteren Handlungen.

11.396 Zur Befreiung von Schulden werden täglich hundertacht Wiederholungen genannt. Dieser Japa soll anerkannten, unvergänglichen Wohlstand gewähren.

11.397 Vier Tage lang werden jeweils tausend Gaben aus weißen Zuckerrohrstücken, mit Ghee benetzt, geopfert: für Schuldenfreiheit und großen Wohlstand.

11.398 Drei Tage lang werden milchbenetzte Vetasa-Hölzer bei beherrschten Sinnen geopfert, um Regen zu erlangen.

11.399 Wenn die Sonne in Shatabhisha steht, werden vierhundert Gaben aus Milchreis mit Ghee genannt, zur Beseitigung von Schulden, für Vermögen, Einfluss und Gesundheit. Ein freitags vollzogenes Milchreisopfer mit Ghee soll großen Wohlstand gewähren und über alle Bedrängnisse hinwegführen.

11.400 Dreitägige Opfer mit je vierhundert Reisgaben und Ghee, wobei der Ausführende verborgen bleibt, sollen feindliche Soldaten lähmen. Abends nach Westen gewandte Feuerverehrung und vierhundert Mantrawiederholungen sollen dagegen von allen Bedrängnissen befreien.

11.401 Nach Westen gewandt wird Tarpana mit reinem Wasser vollzogen, zur Beseitigung aller Bedrängnisse und zur beständigen Mehrung des Wohlergehens.

11.402 Wozu hier viele Worte? Mit diesem Mantra soll der Sadhaka, Japa und Feueropfer hingegeben, alle Wünsche erfüllen können.

11.403 Ein Gefesselter werde durch zehntausend Wiederholungen befreit. Durch Japa bei Tag und Nacht sei auch gegenwärtig Vollendung möglich.

11.404 Wer so einen Tag und eine Nacht ohne Nahrung und mit reinem Verhalten verbringt, dessen eiserne Fesseln und erst recht hölzerne Bindungen sollen zerspringen. Einem nichtvedischen Tantriker dürfe diese Lehre nach der Ausschlussregel des Textes nicht gegeben werden.

11.405 Nun wird das Mantra des Herrn der Nahrung erklärt, ohne Nyasa, Rishi-Zuordnung und weitere Vorschriften, auch ohne Puja. Allein durch Japa solle man niemals ohne Nahrung bleiben.

11.406 »Herr der Nahrung, gib uns Anteil an Nahrung, frei von Krankheit und voller Kraft. Führe den Spender sicher hinüber; verleihe uns Stärke, den Zweifüßigen und den Vierfüßigen.« Die gedruckte Wortfolge ist an mehreren Stellen unregelmäßig.

11.407 Mit diesem Mantra werden täglich hundertacht Nahrungsgaben geopfert. Die entsprechende Nahrung werde dadurch unfehlbar verfügbar; die abschließende Jahresangabe ist beschädigt.

11.408 Mit allen nötigen Geräten wird das Feuer in der Grube eingerichtet. Hunderttausend Nahrungsgaben sollen einen bis zum Lebensende unerschöpflichen Vorrat bewirken.

11.409 Wer damit in den Wald geht, nach der Sthalipaka-Ordnung ein Kochopfer vorbereitet und ein mit Udumbara-Holz gespeistes Feuer entfacht,

11.410 dessen Feld solle selbst bei ausbleibendem Regen unerschöpflichen Reis tragen; um wie viel mehr bei gutem Regen, sagt der Text.

11.411 Nun wird die Ordnung des Salzmantras erklärt. Nach dem abschließenden Zusatzwort wird jeweils Salz geopfert.

11.412 »Salz, im Wasser bist du entstanden – die Anfangslesart ist gestört –, grimmig bist du, grimmig ist dein Herz. Die Erde ist die Mutter des Salzes, Varuna sein Vater.«

11.413 »Wenn Salz geopfert wird, wo bleiben Schlaf und Freude? Salz verbrennt und kocht; Salz schneidet und spaltet.«

11.414 »Verbrenne die Glieder der genannten Person, verbrenne Fleisch und Haut, verbrenne Haut, Knochen und Mark; verbrenne, was meinen Hassern bis in die Knochen gehört.« Die Lesart »daha mam« ist im Kontext gestört und wird nicht als gesicherte neue Mantraform ausgegeben.

11.415 »Auch wenn er hundert Yojanas entfernt oder jenseits von hundert Flüssen wohnt: Verbrenne ihn und bringe ihn rasch zu mir, durch die Kraft von Feuer und Salz.« Die Schlussverbindung ist im Wortlaut unregelmäßig.

11.416 »Auch in einer Stadt mit eisernen Mauern und Riegeln aus hundert schwarzen Schlangen sollen sie hierher unter meine Gewalt kommen, vom Salzmantra angetrieben.« Diese Verse sind historische Zwangs- und Schädigungsformeln.

11.417 »Deine Nacht ist die große Nacht, deine Nacht die große Finsternis.« Als Rishi wird Angiras, als Versmaß Anushtubh genannt.

11.418 Die Gottheiten sind Agni, die Nacht, Durga und Bhadrakali. Mit Lautgruppen des Chiti-Mantras in den Zahlen fünf, drei, fünf, vier, fünf und zwei

11.419 werden die sechs Glieder gebildet. Die Formel beginnt mit Tara, dann zweimal »chiti«, danach »chandali«.

11.420 Es folgen »mahalyahali«, der Name der Zielperson, »me vasham anaya« und Svaha. Das Mantra zählt nach der Angabe vierundzwanzig Laute; sein Sinn ist die Aufforderung, die betreffende Person unter die eigene Gewalt zu bringen. Die ungewöhnliche Lautfolge bleibt in der Sanskritvorlage erhalten.

11.421 Danach folgt die Meditation über die vier Gottheiten von Agni an. Ihre Meditationsbilder werden nun erklärt; höre aufmerksam.

11.422 Ich verehre Agni, leuchtend wie frischer Safran, dreiäugig und mit hundert schönen Schmuckformen geziert. In seinen Händen trägt er Opferlöffel und Lanze und zeigt Segen und Furchtlosigkeit; er sitzt auf einem roten Lotus.

11.423 Ich verneige mich vor Yamavati, dunkel glänzend wie eine Regenwolke, mit dem Mond verbunden, die Brust mit Perlenketten geschmückt. Sie trägt Schädelschale, Schlinge, Haken und Dreizack und ist in Blau gekleidet. Der Ausdruck zum Mond ist nicht eindeutig.

11.424 Ich gedenke Durgas, dunkel wie eine Gewitterwolke, mit Schwert, Muschel, Dreizack und Schild, die junge Mondsichel im Haar, furchterregend, dreiäugig, die Feinde bezwungen und kundig in ihrer Zerschlagung.

11.425 Bhadrakali möge mir Fülle gewähren: mit Beil, Schädelschale, Trommel und Dreizack, mit der Mondsichel geschmückt, aufwärts strebendem rötlichbraunem Haar und weißen, schrecklichen Fangzähnen.

11.426 Die fünf Verse werden zehntausendmal rezitiert; ein Zehntel davon folgt als Feueropfer mit Ghee-benetzter Opferspeise im verehrten Feuer.

11.427 Nach dieser Purashcharana gilt man als kundig in den Anwendungen. Für Gefügigmachen und Herbeiziehen werden Agni und Yamavati meditiert, für Tötung Durga und Bhadrakali.

11.428 Nächtliche Mantrarezitation in knietiefem Wasser soll die gewünschte Zielperson augenblicklich zum Diener machen.

11.429 Eintausendacht Wiederholungen in nabeltiefem Wasser mit ungeteiltem Geist sollen die Zielperson gefügig machen.

11.430 Sieben Tage Rezitation der fünf Verse in halstiefem Wasser sollen Könige unterwerfen. Diese Formen werden als historische Zwangsrituale dokumentiert.

11.431 Das mit dem Namen der Zielperson verbundene Mantra wird auf ein Palmblatt geschrieben und nachts in Wasser mit Milch erhitzt. Die Quelle schreibt dem Vorgang eine zwingende Wirkung zu.

11.432 Ein entsprechendes Palmblatt wird im Heiligtum Bhadrakalis vergraben; dies gilt als Anwendung zum Gefügigmachen aller Wesen.

11.433 Eine weitere Variante erhitzt das beschriebene Palmblatt über Khadira-Feuer und behauptet die Unterwerfung der Person innerhalb eines Monats.

11.434 Für das folgende Feueropfer wird eine dreieckige, den Lehrschriften entsprechende Grube mit rituell geweihtem Feuer verwendet.

11.435 Mit Dickmilch gewaschenes und mit Milch gereinigtes, fein gemahlenes Salz wird geopfert; binnen sieben Tagen solle dies die Welt unterwerfen.

11.436 Steinsalz, mit Dickmilch, Honig und Ghee benetzt, solle sogar die Götter gefügig machen, um wie viel mehr irdische Herrscher, so die Behauptung.

11.437 Ein Prastha reinen Salzes wird in fünf Teile geteilt und fünf Tage lang mit je einem Vers geopfert. Die im Namen bezeichnete Person solle bald unterworfen werden.

11.438 Fünfzig Opfergaben aus reinem Salz mit süßen Stoffen sollen das gewünschte Gefügigmachen bewirken; tägliche Opfer mit reinem Salz sollen Feinde unterwerfen.

11.439 Fein gemahlenes Salz mit den drei süßen Stoffen wird als Mittel zur Unterwerfung von Frauen, Männern und Königen bezeichnet.

11.440 Von der zweiten bis zur achten Tithi der dunklen Mondhälfte wird das Mantra rezitiert. Fünf gleichartige, vollständig ausgebildete Figuren werden hergestellt.

11.441 Eine besteht aus dem Holz des Zielpersonen-Baumes, eine aus Teig, eine aus Ton aus der Hand des Töpfers und eine aus Sand.

11.442 Für die fünfte nennt der Text ein Kudava gereinigtes, gemahlenes Salz, dessen Herkunftsbezeichnung unklar ist. Es wird nacheinander mit Milch, Dickmilch, Ghee und Honig besprengt und mit Rohzucker, Ghee und Honig vermischt.

11.443 Daraus entsteht eine ansprechend geformte Figur mit allen Gliedern. Mittels Prana-Pratishtha-Mantras wird ihr rituell Leben ins Herz eingesetzt; danach wird sie mit Blumen und weiteren Gaben verehrt.

11.444 In der Nacht der dunklen Ashtami, nach Ablauf eines Nachtviertels, folgt der Matrika-Nyasa und unmittelbar danach der Nyasa dieses Mantras.

11.445 Die vierundzwanzig Laute des Chiti-Mantras, beginnend mit Om, werden gesammelt an den folgenden Stellen eingesetzt:

11.446 Scheitel, Stirn, beide Augen, Ohren und Nasenöffnungen, Mund, Kinn, Kehle, beide Brüste, Bauchseiten, Nabel und beide Hüftseiten. Die Glosse verteilt die einzelnen Mantralaute in dieser Folge, enthält aber eine von der Grundform abweichende Silbe.

11.447 Danach folgen Glied und After; die verbleibenden vier Laute werden an beiden Oberschenkeln, Knien, Unterschenkeln und Füßen eingesetzt.

11.448 Nach diesem Nyasa am ganzen Körper trägt der rituell Gereinigte rote Kränze, rote Salbung und rotes Gewand. Die hölzerne Figur

11.449 wird mit dem Gesicht nach unten in der Feuergrube vergraben, die Teigfigur unter dem Sitz. Auf die Tonfigur wird mit dem eigenen Fuß getreten.

11.450 Die Sandfigur wird über der Feuergrube aufgehängt. Anschließend wird die Salzfigur unter Berührung mit Japa verbunden.

11.451 Die fünf Verse werden entsprechend dem Nyasa eintausendachtmal rezitiert. Danach werden die Chiti-Laute erneut an der Figur eingesetzt; die Hauptzeile nennt die Brüste, während die Glosse eine vollständige aufsteigende Körperfolge erläutert.

11.452 Diese beginnt bei großen Zehen und deren Gelenken, Vorderfüßen, Unterschenkeln, Knien, Oberschenkeln, After, Glied, Nabel, Bauch und Herzlotus,

11.453 und führt über beide Brüste, Hals, Kinn, Mund, Nasenöffnungen, Ohren und Augen bis zur Stirn und zum Scheitel.

11.454 Das Feuer wird mit Holz des Geburtsstern-Baumes der Zielperson entzündet. Darin wird die im Mantra genannte Gottheit verehrt; ein silbernes Gefäß wird bereitgestellt.

11.455 Mit Kusha, Lotus, Senf, Blumen und Wasser wird Arghya dargebracht, danach die Verneigung. Zu Beginn und Ende der Anwendung werden die folgenden Anrufungen mit gesammelt gehaltenem Geist verwendet.

11.456 Der erste Satz über das Besprechen des Salzes und das nächtliche Feuer ist sprachlich unvollständig. Erkennbar ist die Bitte: »Sei in der Nacht durch die Mantrarezitation gesättigt, zusammen mit ihr.«

11.457 »Jatavedas, großer Gott, glänzend wie erhitztes Gold, Gemahl der Svaha, Verzehrer des Alls, verbrenne das Salz, Vernichter der Feinde!«

11.458 »Herrin, Nacht, Sharvani, durch dich wird die Welt verschlungen und freigegeben. Große Göttin, Verehrung sei dir; Segensspenderin, erfülle den Wunsch!«

11.459 »Dunkle große Göttin, Mahadeva treu ergeben, töte den Mann und bringe die mir Liebe unter meine Gewalt.« Die Satzfügung ist unregelmäßig, die gewaltsame und zwingende Absicht jedoch erkennbar; sie wird als historische Formel dokumentiert.

11.460 »Durga, frei von Bedrängnis, Riegel der Burg beziehungsweise schwer zugänglichen Verehrung – die Wortfügung ist mehrdeutig –, Göttin mit Diskus und Muschel, Schrecken böser Feinde,

11.461 Verehrung sei dir! Verbrenne meine Feinde und bringe sie unter meine Gewalt, Chandika. Shakambhari, große Göttin, Makellose, sei meine Zuflucht!«

11.462 »Bhadrakali, Gewährerin der von Bhava begehrten Rudra-Vollendung, schlage meine Gegner, schlage sie; trockne sie aus, quäle sie, quäle sie!« Die erste Verbindung ist sprachlich gedrängt.

11.463 »Zerschneide sie mit Dreizack, Schwert, Lanze, Vajra und weiteren Waffen und führe sie in Yamas Haus. Große Göttin, Mahakali, deren Wesen die Laute sind, beschütze uns!«

11.464 Unter Vorstellung der Zielperson wird die Figur in sieben Teile zerlegt und mit den fünf Versen im entfachten Feuer geopfert.

11.465 Als Reihenfolge nennt der Text zuerst den rechten Fuß, dann die rechte Hand, als drittes den Kopf und danach die linke Hand,

11.466 als fünftes den oberhalb der Mitte liegenden Teil, als sechstes den unteren und als siebtes den linken Fuß.

11.467 Alternativ werden die genannten Teile jeweils nochmals in sieben Teile zerlegt. Nach der Feuerverehrung folgt die vollständige Niederwerfung.

11.468 Der Auftraggeber erfreut seinen Guru mit Geld und Getreide. Der Mantrin könne mit diesem Verfahren Asuras und Götter unterwerfen,

11.469 um wie viel mehr Menschen, Könige, Minister und Königsfrauen. Für eine Tötungsanwendung werden die vier zuvor beschriebenen Figuren

11.470 wie zuvor aufgestellt; eine weitere wird nach der nun folgenden Ordnung hergestellt.

11.471 Der Text nennt Bala, Mulanakhi, Sesam, die drei scharfen Gewürze und Ramatha sowie Name und Fußspurstaub der Zielperson als Bestandteile beziehungsweise Zuordnungen eines Abbilds. Trotz des zuvor angekündigten Tötungsziels spricht der Vers hier von Gefügigmachen.

11.472 Mit Büffelurin zerrieben und mit dem zuvor beschriebenen Salz verbunden wird daraus eine Figur hergestellt, der rituell Leben eingesetzt wird.

11.473 Japa, Puja und die weiteren Handlungen geschehen nach der zuvor beschriebenen Ordnung. Danach wird nachts in einer Feuergrube mit Altarfläche das Feuer entzündet.

11.474 Durga oder Bhadrakali wird regelgemäß verehrt; der Sadhaka hält ein scharfes Schneidwerkzeug in der linken Hand.

11.475 Von der linken bis zur rechten Fußseite wird die Figur stückweise geopfert; dabei werden Nahrungslosigkeit und Sinnesbeherrschung verlangt.

11.476 Von der dunklen Ashtami bis zur dunklen Chaturdashi wird dieses Opferverfahren ausgeführt.

11.477 Durch drei Wochen Anwendung solle der eigene Feind getötet werden. Diese Zusage schließt die historische Salzritual-Passage ab.

11.478 Als Nakshatra-Bäume werden der Reihe nach Karaskara, Amalaki, Udumbara, Jambu, Khadira, Kushtha, Vamsha, Pippala und Nagara genannt,

11.479 dann Rohita, Palasha, Plaksha, Vata, Shilabhava, Partha, Vaikankata, Bakula und Sarala,

11.480 ferner Sarja, Vanjula, Panasa, Arka, Shami, Kadamba, Nimba, Amra, Madhuka und Lodhra. Damit endet diese Mantra-Ordnung. Die Liste nennt mehr als die gewöhnlichen siebenundzwanzig Nakshatras; ihre überlieferte Gestalt wird beibehalten.

11.481 Für denjenigen, der die drei täglichen Sandhyas jeweils mit tausend Wiederholungen vollzieht, werde ich nun leicht zugängliche Verse zur Vollendung erklären.

11.482 Sie werden ohne besondere Zuordnung von Versmaß, Gottheit und Rishi sowie ohne Nyasa und Meditation jeweils achttausendmal rezitiert; dann sei ihre Vollendung nahe.

11.483 Zum Wohl aller Menschen werde ich diese Verse hier mitteilen.

11.484 »Die Pflanzen, die vom Himmel herabkamen, sprachen: Welchen Lebenden wir erreichen, dieser Mensch soll keinen Schaden erleiden.« Die erste Vershälfte weist in der Vorlage eine unregelmäßige Worttrennung auf.

11.485 Ein Opfer mit allen Heilpflanzen soll beständig wohlschmeckende Nahrung gewähren. Von den Vorräten des Speichers wird jeweils ein Viertel als Opfergabe genannt.

11.486 Innerhalb eines Jahres würden diese Vorräte wieder vollständig. Wer dies dreimal vollziehe, erlange einen unerschöpflichen Vorrat; die zusätzliche Zehntausendzahl ist nicht eindeutig angebunden.

11.487 Der vedische Text ist am Anfang beschädigt. Sein erkennbarer Sinn lautet: »Süßes werde ich sprechen; eine süße, für Götter und Menschen hörenswerte Rede will ich erheben. Die Götter mögen mich schützen, die Väter mir zustimmen.« Die Lesart des Schlusses weicht von einer glatt lesbaren Formel ab.

11.488 Bei einer Krankheit, die großem Schadenzauber zugeschrieben wird und trotz Gegenmaßnahmen nicht zur Ruhe kommt, werden mit diesem Vers tausend Ghee-Opfer zur Befriedung genannt.

11.489 »Verehrung sei den Schlangen, allen, die auf der Erde sind; denen im Zwischenraum und denen im Himmel – diesen Schlangen sei Verehrung.«

11.490 Ein Monat mit je tausend Opfern aus Ghee und Milchreis an einer Schlangenstätte soll Gold hervorbringen.

11.491 »Die Pfeile der Zauberwesen, die bei den Bäumen sind und die in Höhlen liegen – diesen Schlangen sei Verehrung.« Die Bildverknüpfung bleibt im vedischen Wortlaut knapp.

11.492 Nach dem Anblick einer Schlange, die in eine Höhle eingetreten ist, werden dort tausend Ghee-Opfer beschrieben; sie sollen hundert Einheiten Gold gewähren.

11.493 Der Vers ruft Agni auf, seine Kraft wie ein weites Fangnetz zu entfalten, wie ein mächtiger König mit Gefolge vorzurücken und die Rakshasas mit seinen heißesten Waffen zu durchbohren. Mehrere Wörter der Vorlage sind beschädigt; dies ist die Übersetzung des erkennbaren Sinns, keine rekonstruierte Rezitationsfassung.

11.494 Wer diesen als Pratyangira bezeichneten Vers täglich zu den drei Sandhyas rezitiert, dessen durch Feuer verursachtes Leid solle auf den Feind fallen.

11.495 »Erhebe dich, Agni, breite dich vor uns aus; verbrenne die Feinde, du mit scharfen Waffen. Wer gegen uns Feindseligkeit entfacht hat, den brenne nieder wie trockenes Holz.« Die gedruckte Lautfolge ist mehrfach gestört.

11.496 Mit Gift versehener Senf und rote Dornen werden unter Nennung des Feindes geopfert; der Text schreibt dem die Zerstörung seines Dorfes zu. Diese Schädigungsabsicht wird ausschließlich dokumentiert.

11.497 Zehntausend Wiederholungen werden zur Beseitigung eines entstandenen Zorns genannt. Ein Monat mit tausend Senfopfern soll einen Mann gefügig machen.

11.498 »Von Halm zu Halm treibst du hervor, von Knoten zu Knoten. So breite uns aus, o Durva, mit tausend und mit hundert Trieben.«

11.499 »Die du dich hundertfach ausbreitest und tausendfach hervorwächst: Dir, göttlicher Ziegelstein, wollen wir mit Opfergabe dienen.« Der Wechsel von der Pflanze zum geweihten Ziegel steht in der überlieferten Formel.

11.500 Mit diesen beiden Versen werden zehntausend Durva-Sprossen geopfert, um ein tödliches Geschehen im Dorf abzuwehren; mit der doppelten Zahl eines in einer Stadt.

11.501 Mit der dreifachen Zahl soll ein solches Geschehen im Königreich, mit der sechsfachen eine schwere Krankheit und mit hunderttausend Opfern eine in vielen Ländern entstandene tödliche Bedrängnis abgewehrt werden. Dies sind historische Schutz- und Heilungsbehauptungen.

11.502 »Süß sei uns der Herr des Waldes, süß sei die Sonne; unsere Kühe mögen uns Süße gewähren.«

11.503 Mit Ghee benetztes Udumbara-Holz wird je nach Wunsch zehntausendmal bis zur als Prayuta bezeichneten höheren Zahl geopfert. Der Schluss des Verses ist beschädigt; eine genauere Fruchtzuordnung bleibt offen.

11.504 »Schnell, sich schärfend, furchtbar wie ein Stier, immer wieder zuschlagend und die Völker erschütternd, kampfrufend, unermüdlich wach und einzigartiger Held: Indra besiegte hundert Heere zugleich.« Die Lautgestalt der Vorlage ist stellenweise fehlerhaft.

11.505 »Mit dem kampfrufenden, wachen, siegreichen, streitbaren, unerschütterlichen, kühnen Indra siegt und haltet stand, Männer, mit dem kraftvollen, die Pfeile in der Hand tragenden Kämpfer!«

11.506 »Er herrscht mit Pfeilträgern und Köcherträgern; Indra vereinigt sich mit der Schar im Kampf. Im Zusammenstoß siegreich, Soma trinkend, mit starken Armen und gewaltigem Bogen, schießt er mit bereitgelegten Pfeilen.« Mehrere Komposita sind in der Vorlage gestört.

11.507 »Brihaspati, fahre mit dem Wagen umher, Rakshasas vernichtend und Feinde abwehrend. Brich die Heere, zerschlage sie im Kampf; sei siegreich der Beschützer unserer Wagen!«

11.508 »Die Kräfte kennend, beständig, der erste Held, mächtig, schnell und gewaltig, ein Bezwinger der Helden, aus Kraft geboren: Indra, Kenner der Rinder, besteige den siegbringenden Wagen!«

11.509 »Den Zerbrecher der Rinderhürde, den Finder der Rinder, den mit dem Vajra im Arm, der siegt und mit Kraft den Widerstand zermalmt – ihm folgt heldenhaft, ihr Verbundenen! Freunde, schließt euch Indra an!« Die Wiedergabe folgt dem erkennbaren Sinn der beschädigten Zeile.

11.510 »Indra, der Held von hundert Kräften, dringt gewaltsam in die Umhegungen ein, unerschütterlich, Schlachten bezwingend und unwiderstehlich. Er schütze unsere Heere in den Kämpfen!«

11.511 »Indra sei ihr Führer, Brihaspati ihre rechte Seite; Opfer und Soma sollen vorangehen. An der Spitze der siegreichen, durchbrechenden Götterheere mögen die Maruts ziehen!«

11.512 »Der mächtigen Schar Indras, des Königs Varuna, der Adityas und Maruts, der hochgesinnten, welterschütternden Götter: Ihr Siegesruf ist aufgestiegen.«

11.513 »Ermutige unsere Waffen, Maghavan, erhebe den Mut meiner Kämpfer! Vritra-Bezwinger, stärke die Kraft der Streitrosse; die Rufe unserer siegenden Wagen mögen aufsteigen!«

11.514 »Indra sei mit uns, wenn die Banner zusammentreffen; unsere Pfeile mögen siegen. Unsere Helden mögen überlegen sein. Ihr Götter, beschützt uns in den Schlachten!«

11.515 »Verwirre ihren Sinn, ergreife ihre Glieder und dringe in sie ein. Ziehe gegen sie, verbrenne ihre Herzen mit Kummer; unsere Feinde mögen von blinder Finsternis umfangen werden.« Dies ist eine historische Feindformel.

11.516 »Fliege, abgeschossen, hinaus, du durch heilige Kraft geschärfter Pfeil! Erreiche die Feinde, dringe in sie ein; verschone keinen von ihnen!«

11.517 »Zieht voran und siegt, Männer! Indra gewähre euch Schutz. Mächtig seien eure Arme, damit ihr unbezwingbar seid.«

11.518 »Wo die Pfeile zusammenfallen, wie junge Männer ohne Haarschopf – der Vergleich ist mehrdeutig –, dort mögen Indra, Brihaspati und Aditi uns Schutz gewähren, an allen Tagen Schutz.«

11.519 »Deine lebenswichtigen Stellen bedecke ich mit Rüstung. König Soma umhülle dich mit Unsterblichkeit; Varuna schaffe dir weiteren Raum. Über deinen Sieg mögen sich die Götter freuen!«

11.520 Mit diesem Anuvaka werden die eigene Person und die Waffen besprochen, bevor man in den Kampf zieht. Dadurch werde der Sieg gewiss, so die Verheißung.

11.521 Hört man von einem Räuber, Tiger, Büffel, Löwen, einer Schlange oder einem Rakshasa, soll der Zweimalgeborene an jenem Ort diesen Anuvaka im Geist vergegenwärtigen.

11.522 So gelange man sicher hindurch. Alternativ werden damit besprochene Reiskörner oder Kusha-Gräser ausgestreut; dadurch soll Schutz entstehen.

11.523 »Sieben sind deine Opferhölzer, Agni, sieben deine Zungen, sieben die Rishis und sieben deine lieben Stätten. Sieben Opferpriester verehren dich siebenfach. Erfülle die sieben Ursprungsstätten mit Ghee – Svaha!«

11.524 Tausend bis hunderttausend Ghee-Opfer mit diesem Vers sollen Ausstrahlung gewähren. Danach wird ein zehntausendfaches Opfer genannt,

11.525 mit Ghee-benetztem Udumbara-Holz, das innerhalb von sechs Monaten bis zu sieben Tolas Gold bringen soll.

11.526 Der Vers ruft Prajapati, den Herrn der Welt, an, dessen Wohnstätten oben und hier seien, und bittet: »Gewähre dieser geistlichen und dieser königlichen Macht großen Schutz – Svaha.« Die erste Hälfte ist in der Vorlage sprachlich gestört.

11.527 Als Widmung folgt »Dies ist für Indra, Svaha«. Achttausend Ghee-Opfer sollen von Vastu-Fehlern des Wohnorts befreien.

11.528 In jenem Haus sollen vorzeitiger Tod, seelische Beunruhigung, Leiden der Wöchnerin und Furcht beim Alleinsein ausbleiben.

11.529 »Agni, läutere unsere Lebenskräfte, führe uns Stärke und Nahrung zu; wehre das Unglück fern von uns ab.« Nach tausend Ghee-Opfern mit diesem Vers wird das Haus des Feindes aufgesucht.

11.530 Dieser solle einen freundlich wie einen Freund empfangen; das Wort für den Empfang ist auffällig. Es folgt: »Den goldhändigen Savitar rufe ich um Hilfe an; er möge wissend den göttlichen Ort bestimmen.« Die Schlusszeile dieser Anrufung ist beschädigt.

11.531 Mit diesem Vers werden zehntausend Ghee-benetzte Hölzer von Udumbara und Arka geopfert, um Gold und Vermögen zu vermehren.

11.532 »Indra, den Retter, Indra, den Beschützer, Indra, den Helden, der bei jedem Ruf leicht zu rufen ist, rufe ich an: Shakra, den viel Angerufenen. Maghavan Indra möge uns Wohlergehen schenken!«

11.533 »Die große Mutter derer, die gute Gelübde halten, die Gefährtin der kosmischen Wahrheit rufen wir um Hilfe an: machtvoll, nicht alternd, weiträumig, guten Schutz und gute Führung gewährend – Aditi.«

11.534 Allein durch die Rezitation dieses Mantras soll schwer zu Überwindendes rasch überquert werden; wer auf einem Schiff oder Boot ist, solle nicht im Wasser versinken.

11.535 »Dich rufen wir, den Herrn der Scharen, den Seher unter den Sehern, von unvergleichlichem Ruhm, den ältesten König der heiligen Worte. Brahmanaspati, höre uns und nimm mit deinen Hilfen auf deinem Sitz Platz!«

11.536 Mit diesem Vers werden Gerste, Sesam sowie Apamarga- und Udumbara-Holz geopfert. Ein Wort zwischen Gerste und Sesam ist beschädigt und lässt sich nicht sicher als weiterer Stoff bestimmen.

11.537 Die Stoffe werden jeweils in Prastha-Mengen bis zu einer Hunderttausendzahl dargebracht; dadurch soll Vermögen wachsen. Ein weiteres Opfer findet an einer Wegkreuzung statt,

11.538 mit tausend Nimba-Blättern zum Gefügigmachen. Außerdem wird ein Linga aus Ameisenhügelerde geformt und gebadet.

11.539 »Glückverheißendes mögen wir mit den Ohren hören, ihr Götter; Glückverheißendes mit den Augen sehen, ihr Verehrungswürdigen. Mit festen Gliedern und gesunden Körpern euch preisend, mögen wir die von den Göttern gewährte Lebenszeit durchleben.«

11.540 Ein Mensch mit beeinträchtigten Sinnen soll diesen Vers zweihunderttausendmal rezitieren; dadurch würden seine Sinne vollständig und sexuelle Unfähigkeit behoben. Dies ist eine traditionelle Heilungsbehauptung.

11.541 »Dich, der du Gesänge liebst, mögen diese Lieder von allen Seiten erreichen. Die mit dem Wachstum des Lebens wachsenden Lobpreisungen mögen dir wohlgefallen.« Der Wortlaut ist beschädigt; die Übersetzung gibt den erkennbaren Lobcharakter wieder.

11.542 Eine Tag-und-Nacht-Rezitation dieses Verses in halstiefem Wasser soll selbst außerhalb der Regenzeit Regen hervorbringen.

11.543 »Was im Wachen als göttliches Licht weit hinauszieht und im Schlaf ebenso zurückkehrt, das Fernschweifende, das eine Licht der Lichter – mein Geist möge von heilsamem Entschluss erfüllt sein.«

11.544 »Wodurch verständige, besonnene Menschen ihre Werke beim Opfer und in den Versammlungen vollbringen, das einzigartige Geheimnis im Innern der Wesen – mein Geist möge von heilsamem Entschluss erfüllt sein.« Die Wörter für Handelnde und Einzigartigkeit sind in der Vorlage gestört.

11.545 »Was Erkenntnis, Bewusstsein und Standfestigkeit ist, das unsterbliche innere Licht in den Wesen, ohne das keine Handlung vollbracht wird – mein Geist möge von heilsamem Entschluss erfüllt sein.« Die Vorlage schreibt an der Stelle der Standfestigkeit eine abweichende Lautform.

11.546 »Durch das Unsterbliche ist alles umfasst, das Vergangene, die gegenwärtige Welt und das Zukünftige; durch es entfaltet sich das Opfer mit seinen sieben Opferpriestern – mein Geist möge von heilsamem Entschluss erfüllt sein.«

11.547 »In dem die Rig-, Sama- und Yajur-Verse ruhen wie Speichen in der Nabe eines Wagens, in das das ganze Bewusstsein der Wesen eingewoben ist – mein Geist möge von heilsamem Entschluss erfüllt sein.«

11.548 »Was die Menschen lenkt wie ein guter Wagenlenker die Pferde mit den Zügeln, im Herzen gegründet, nicht alternd und von größter Schnelligkeit – mein Geist möge von heilsamem Entschluss erfüllt sein.« Die Vorlage weist einige Lautfehler auf.

11.549 Zehntausend Wiederholungen dieser Verse sollen Festigkeit des Geistes hervorbringen. Für das folgende Verfahren wird an einem Montag die Gottheit in einem vorzüglichen irdenen Linga angerufen.

11.550 Nach den täglichen Pflichten werden hundertacht ungebrochene Reiskörner gesammelt und an vier Stellen niedergelegt; die genaue Verteilung wird nicht ausdrücklich aufgeschlüsselt.

11.551 Mit innerlich gefasstem Entschluss wird das irdene Linga verehrt. Nach der Puja werden die Verse einmal rezitiert und Reiskörner niedergelegt.

11.552 Im ersten Nachtviertel geschieht dies am oberen Abschnitt beziehungsweise Scheitel des Lingas, in den folgenden Vierteln an den Seiten von Süden an.

11.553 Dazwischen wird nachts Japa vollzogen; man solle im Traum das gewünschte Vorhaben sehen. Bleibt dies aus, wird die Handlung bis zum Abend fortgesetzt und danach gegessen; die Zeitfolge ist knapp.

11.554 An den vier Seiten werden jeweils drei Reiskörner angeordnet. Die glückverheißenden Verse werden achttausendmal rezitiert.

11.555 Dann entstehe gewiss ein wahrer Traum, in dem Vergangenes, Gegenwärtiges oder Zukünftiges gesehen werde.

11.556 »Agni, du kennst den Zorn des Gottes Varuna; wende ihn von uns ab. Du, der am besten opfert und die Gaben am besten trägt, hell leuchtend: Löse alle Feindschaft von uns!«

11.557 Mit diesem Vers werden tausend bis hunderttausend Ghee-Opfer beschrieben. Wer Söhne begehrt, erhalte gute Söhne; wer Vieh begehrt, erhalte Vieh.

11.558 Nun werde ich das vorzüglichste Shri-Sukta samt seiner Ordnung erklären. Im Kali-Zeitalter gebe es für die Menschen nichts Gleichwertiges zur Beseitigung der Armut.

11.559 »Jatavedas, bringe mir Lakshmi: goldfarben, leuchtend, mit einer Kette aus Gold und Silber, mondhell und golden.«

11.560 »Bringe mir jene Lakshmi, Jatavedas, die nicht wieder fortgeht, bei der ich Gold, Rinder, Pferde und Menschen gewinnen möge.«

11.561 »Die Göttin Shri rufe ich an: Pferde gehen ihr voran, Wagen stehen in ihrer Mitte, Elefantenrufe kündigen sie an. Die Göttin Shri möge mir ihre Gunst schenken.«

11.562 »Die Lächelnde, von goldenen Mauern Umgebene, Feuchte, Leuchtende, Erfüllte und Erfüllung Schenkende, auf dem Lotus Ruhende und Lotusfarbene – diese Shri rufe ich hier an.«

11.563 »Zur mondhellen, strahlenden, durch Tapas leuchtenden, großmütigen Shri, die in der Welt von den Göttern geliebt wird, nehme ich Zuflucht, zur Lotusgöttin. Mein Unglück möge vergehen; dich wähle ich.« Die Lautgestalt weist kleinere Störungen auf.

11.564 »Sonnenfarbene, aus deiner Askese entstand der Herr des Waldes, dein Baum, der Bilva. Seine Früchte mögen durch die Kraft der Askese die innere Verblendung und das äußere Unglück vertreiben.« Die Anfangssilbe der Vorlage ist verderbt.

11.565 »Der Freund der Götter möge zu mir kommen, und Ruhm zusammen mit dem Juwel. In diesem Land bin ich hervorgetreten; Ruhm und Gedeihen möge er mir schenken.«

11.566 »Die ältere Schwester, Alakshmi, von Hunger und Durst befleckt, vertreibe ich. Entferne aus meinem Haus alle Not und alles Nichtgedeihen.«

11.567 »Die durch Duft offenbar wird, die Unbezwingbare, stets Genährte, mit fruchtbarem Dung Verbundene, die Herrin aller Wesen – diese Shri rufe ich hier an.« Karishini bewahrt den landwirtschaftlichen Bezug des Verses.

11.568 »Mögen wir Herzenswunsch und Absicht, Wahrhaftigkeit der Rede, Fülle an Vieh und Nahrung erlangen. Shri und Ruhm mögen in mir wohnen.«

11.569 »Durch Kardama entstand Nachkommenschaft. Kardama, werde in mir gegenwärtig; lass Shri in meiner Familie wohnen, die Mutter mit dem Lotuskranz.«

11.570 »Die Wasser mögen nährende Feuchtigkeit hervorbringen. Chiklita, wohne in meinem Haus; lass die Göttin, die Mutter Shri, in meiner Familie wohnen.« Die Schlusszeile ist in der Vorlage unvollständig geschrieben, ihr Satzsinn jedoch erkennbar.

11.571 »Jatavedas, bringe mir Lakshmi: feucht, lotustragend, nährend, goldfarben, mit goldener Girlande, sonnenhaft und golden.«

11.572 »Jatavedas, bringe mir Lakshmi: feucht, lotusreich, stützend, rötlichgolden, mit Lotusgirlande, mondhell und golden.« Die Namens- und Eigenschaftsfolge wird entsprechend dieser Vorlage wiedergegeben.

11.573 »Bringe mir jene Lakshmi, Jatavedas, die nicht fortgeht, bei der ich viel Gold, Rinder, Dienerinnen, Pferde und Menschen gewinnen möge.« Die soziale Besitzsprache gehört zum historischen Text.

11.574 Für den mit »Hiranyavarnam« beginnenden Vers gilt Lakshmi als Rishi. Für die vierzehn übrigen Verse der Herrin werden Ananda und Kardama genannt,

11.575 ferner Chiklita; zusammen mit Lakshmi sind dies vier Rishis, wobei die drei als ihre Söhne verstanden werden. Die drei ersten Verse haben das Versmaß Anushtubh. Die grammatische Zuordnung der Namen ist in der Vorlage verkürzt.

11.576 »Kam sosmitam« hat das Versmaß Brihati, die mit Mond beziehungsweise Sonnenfarbe beginnenden Verse Trishtubh; für die acht Verse von »Upaitu mam« an

11.577 wird Anushtubh genannt, für den abschließenden Vers »Tam ma avaha« Prastarapankti. Die Gottheiten sind Shri und Vibhavasu, das Feuer.

11.578 Die Konsonanten gelten als Bijas, die Vokale als Shaktis, die Bindus als Kilaka. Es folgt der sechsgliedrige Nyasa von den Daumen an.

11.579 Dazu dienen die Namen Hiranya, Chandra, Rajataprabha, Hiranyasraj, Hiranyakshi und Hiranyavarnika. Die Glosse ordnet sie Daumen, Zeigefingern, Mittelfingern, Ringfingern, kleinen Fingern sowie Handflächen und Handrücken zu.

11.580 Mit diesen Namen im Dativ und abschließendem »namah« wird der Glieder-Nyasa vollzogen. Die fünfzehn Verse werden sodann an Scheitel, Augen, Ohren, Nase, Mund, Kehle, Armen, Händen und Nabel,

11.581 ferner an den als Guda und Payu bezeichneten unteren Körperstellen, Oberschenkeln, Knien, Unterschenkeln und Füßen eingesetzt. Die beiden ähnlichen Bezeichnungen des unteren Körperbereichs stehen so in der Vorlage. Nach diesen beiden Nyasas folgt die Meditation.

11.582 Möge Shri, die Mutter der Welt, uns beständig Fülle schenken: auf einem roten Lotus sitzend und wie dessen Pollen leuchtend, in ihren Lotushänden Segen, Furchtlosigkeit und zwei Lotusblumen tragend, mit Edelsteinkrone und vielfältigem Schmuck geziert.

11.583 Ein sechseckiger Lotus wird gezeichnet; von der südöstlichen Ecke an werden darin die Gliedergottheiten verehrt. Außen auf den acht Blättern folgen

11.584 Padmasana, Padmavarna, Padmastha, Padmalochana, Tarpayanti, Tripti und Jvalanti,

11.585 sowie Svarnaprakara; außerdem werden Indra und die übrigen Richtungshüter mit ihren Waffen genannt. Die Darbringungen beginnen mit Anrufung, Sitz, Arghya, Fußwasser und Mundspülung,

11.586 gefolgt von Madhuparka, Bad, Gewand, Schmuck, Sandel, Blumen, Räucherwerk, Licht, Speise und ritueller Verabschiedung.

11.587 Diese Gaben werden mit den fünfzehn Versen verbunden. Danach werden Früchte und Betel dargebracht und vor Shri die Lichter geschwenkt.

11.588 Anschließend wird Ghee mit den fünfzehn Versen geopfert. Die Göttin erhält Wasser zum Mundspülen; mit »Tam ma avaha«

11.589 wird sie in das eigene Herz zurückgeführt. Mit zusammengelegten Händen wird das Shri-Sukta rezitiert. Dies ist die tägliche Puja; nun folgt die Purashcharana.

11.590 Beim täglichen Bad wird man unter diesen Versen dreimal besprengt. Der Sonne zugewandt wird Japa vollzogen und in entsprechender Zahl Tarpana dargebracht.

11.591 Von der ersten Tithi der hellen Mondhälfte bis zur Ekadashi werden mit unbewegtem Geist zwölftausend Wiederholungen ausgeführt.

11.592 Dabei werden sexuelle Enthaltsamkeit sowie saubere Kleidung und Zähne verlangt. Lotusblüten mit den drei süßen Stoffen und Milchreis mit Ghee

11.593 sowie Bilva-Holz und Ghee werden täglich dreihundertmal dargebracht. An der Dvadashi werden zwölf gute Brahmanen gespeist. Dadurch werde das Mantra vollendet.

11.594 Kunda, Mandara, Kumuda, Malati, Lotus, Ketaka, Nandyavarta, Jati, Kalhara, Champaka und rote Wasserlilien gehören zu den Blumen, die Lakshmi besonders liebt.

11.595 Dreimal täglich soll das Feueropfer regelgemäß stattfinden. Wer dies sechs Monate lang vollzieht, werde selbst zum Besitzer eines Lakh, also eines Vermögens von hunderttausend Einheiten.

11.596 In einen eben aufblühenden Lotus wird frische Butter gegeben, in die Mitte bei den Staubfäden und zwischen die Blütenblätter. Die Blüte wird im gut entfachten Feuer geopfert.

11.597 Freitags werden Verehrung und hundertacht Wiederholungen genannt. Nach vierzig solchen Vollzügen werde große, beständige Lakshmi erlangt; die Zeiteinheit ist im Vers nicht ausdrücklich wiederholt.

11.598 Mit dem vierten Vers werden elf Ghee-Opfer dargebracht. Nach sechs Monaten solle dadurch die große Indira gegenwärtig sein.

11.599 Wer die segenspendende Göttin Shri dauerhaft in seiner Familie wünscht, soll rein und innerlich zugewandt täglich Ghee opfern.

11.600 Wer Wohlstand sucht, rezitiert beständig die fünfzehn Shri-Verse. Mit fünf Versen wird Shri in einem Lotus oder in Gold angerufen.

11.601 Als Gaben werden gekochte Nahrung, feste Speisen, Milch und Dickmilch dargebracht. Dazu wird ein Sthalipaka aus Reis und Milch bereitet.

11.602 Nach dem Chandrayana-Gelübde nimmt man bei Shri Zuflucht. Zuvor wird mit Aufgüssen beziehungsweise Abkochungen aller Heilpflanzen gebadet.

11.603 »Upaitu mam devasakhah« wird bei einer Königsweihe verwendet, »manasah kamam« bei einer Besprengung für jemanden, der Vieh begehrt.

11.604 Mit »kam sosmitam« badet der nach Nachkommenschaft Verlangende unter reinem Gelübde; mit »ashvapurvam« der gesammelt nach Königsherrschaft Verlangende. Die Vorlage schreibt beim zweiten Versanfang eine abweichende Form.

11.605 Der Brahmane badet auf dem für ihn vorgeschriebenen Fell, der König auf Tigerfell, der Kshatriya auf dem Fell einer Ruru-Antilope, der Vaishya auf Ziegenfell. Danach folgt das Feueropfer.

11.606 Mit dem Vers »chandram« werden Lotusblüten und Ghee geopfert; mit »adityavarne« wird ein Bilva-Opfer vorgeschrieben.

11.607 Das Feuer wird aus Bilva-Holz entfacht, darin Reis geopfert. Zehntausend Gaben werden für den Wunsch nach Shri genannt; schon der erste vollständige Vollzug soll grenzenlosen Wohlstand bringen.

11.608 Wer zehnmal zehntausend Ghee-Opfer unter dem Sukta vollzieht, erlange unaussprechlichen, ununterbrochenen und dauerhaften Wohlstand.

11.609 Wer dazu nicht imstande ist, soll vorzugsweise zehntausendmal Japa üben. Bei einer Prayuta-Zahl sorgfältiger Wiederholungen werde grenzenlose Shri erlangt.

11.610 Zehnmal zehntausend Wiederholungen sollen Shri gewähren. Darüber hinaus werden tägliche Lotusopfer, auch in Zehntausenderzahlen, gefordert.

11.611 Nach Verehrung der höchsten Shri trägt der Kundige Bilva-Früchte bei sich. Von Bilva lebend, bei einem Bilva-Baum wohnend und Bilva mit Ghee opfernd, erlange er nach einundzwanzig Nächten höchste Vollendung.

11.612 Mit welchem Wunsch man bei beherrschten Sinnen Lotus oder Bilva opfert: Dieser Wunsch solle sich erfüllen.

11.613 Man soll Shri niemals aus kleinlicher Geldgier anrufen. Die zweite Halbzeile ist beschädigt; sie warnt ebenfalls vor einem bloß geringfügigen beziehungsweise ungeordneten Wunschmotiv beim Feueropfer.

11.614 Wer etwas Großes oder eine bestimmte Gabe begehrt, verehrt Shri mit Edelsteinen und angemessenen Gaben. Der als »ajyakama« überlieferte Ausdruck ist hier nicht sicher zu deuten.

11.615 Nach dem Haupt-Tarpana werden die folgenden Shaktis verehrt: Shri, Lakshmi, Varada, Vishnupatni, Vasuda, Vasurupa und Hiranmayi. Die Formel beginnt jeweils mit Om, setzt den Namen in den Dativ mit »namah« und fügt die Bitte hinzu, die Genannte möge gesättigt sein; die Glosse erläutert dies am Namen Shri.

11.616 Es folgen Padma, Malini, Rama, Rajataprabha, Suvarna, Pragraha, Svarnaprakara, Padmamalini, Indra, Vishvapriya, Aishvarya, Bhukti und Pramukti. Einzelne Namensgrenzen sind in der Vorlage nicht ausdrücklich markiert.

11.617 Dann Vishuddharddhi, Samriddhi, Tushti, Pushti, Dhana, Bhuvaneshi, Shuddha, Bhogini und Bhogada,

11.618 sowie Dhatri und Vidhatri. Der Text spricht von zweiunddreißig Shaktis; bei dieser Worttrennung ergeben sich nur einunddreißig eindeutig benannte Einträge. Tarpana erfolgt mit Om, dem Namen im Dativ und »namah«.

11.619 Mit diesen Namen und der Aufforderung »Nimm meine Bali-Gabe an« wird täglich am Ende der Puja Bali dargebracht. Nun folgen die Verhaltensregeln.

11.620 Man soll rein auf einem Lager schlafen, mit einer erwachsenen jungen Partnerin oder allein. Man soll sich niemals verunreinigen und keine als verwerflich geltende Nahrung essen.

11.621 Über Drona, Pankaja, Bilva und Padma soll man niemals hinwegsteigen, da sie Lakshmi lieb sind. Pankaja und Padma sind beide Lotusbezeichnungen; die Wiederholung bleibt erhalten.

11.622 Sahadevi, Indravalli, Shridevi, Vishnuvallabha, Kanya, Jambu und junge Triebe werden als ständig am Kopf zu tragende Pflanzen beziehungsweise Pflanzenteile genannt. Nicht alle Benennungen lassen sich hier botanisch eindeutig bestimmen.

11.623 »Erde, sei uns freundlich, frei von Dornen, eine gute Wohnstätte; gewähre uns weiten Schutz. Das Übel möge von uns hinwegschwinden.« Die letzte Bitte ist in der Vorlage an den Erdvers angefügt.

11.624 Ein Brahmane, der diesen Vers täglich rein rezitiert, erlange großes Land, frei von Rivalen und Hindernissen.

11.625 »Jenen höchsten Schritt Vishnus schauen die Weisen immerdar, wie ein Auge, das am Himmel ausgespannt ist.«

11.626 Fehler wie das Essen fremder Speisen gelten als Hindernisse der Mantra-Vollendung. Die Rezitation dieses Verses im Wasser soll sie beseitigen.

11.627 »Durch den dunklen Luftraum zieht Savitar, Unsterbliches und Sterbliches zur Ruhe bringend. Auf seinem goldenen Wagen kommt der Gott, die Welten überschauend.«

11.628 Wer mit diesem Vers die Sonne zu den drei Sandhyas verehrt und bei beherrschten Sinnen hundertachtmal rezitiert, erlange volle Lebensdauer ohne Krankheit.

11.629 Hundertacht Wiederholungen, nachts mit Meditation über die Sonne verbunden, und ein Ghee-Opfer mit diesem Vers sollen langes Leben gewähren.

11.630 »Zu Sadyojata nehme ich Zuflucht; Sadyojata sei Verehrung. Sei mir in jedem Werden gegenwärtig und führe mich über das Werden hinaus. Verehrung dem Ursprung des Werdens.« Die knappe Wortfolge »bhave bhave natibhave« lässt mehrere Nuancen zu.

11.631 »Verehrung Vamadeva, dem Ältesten, dem Höchsten, Rudra, der Zeit, dem Wandler der Teile, dem Wandler der Kraft, der Kraft selbst, dem Brecher der Kraft, dem Bezwinger aller Wesen und dem, der den Geist über den Geist hinausführt.« Die Form »kalavikarana« wird gemäß der Vorlage als Wandlung der Teile gelesen.

11.632 »Den Nichtschrecklichen, den Schrecklichen und den überaus Schrecklichen, allen, allen Gestalten Sharvas und Rudras, sei Verehrung.«

11.633 »Wir erkennen Tatpurusha; über Mahadeva meditieren wir. Möge Rudra uns inspirieren.«

11.634 »Herr aller Wissensgebiete, Herr aller Wesen, Gebieter über das heilige Wort und über Brahma: Brahman, Shiva, möge mir günstig sein – Sadashiva, Om.«

11.635 Diese Anrufungen, abgeschlossen durch Mrityunjaya, werden täglich sechzigmal rezitiert. Die Glosse schreibt dafür nochmals den Tryambaka-Vers aus. Von Shankara werde so beständig Frieden für Frauen, Männer und Rinder erlangt.

11.636 Mit diesen sechs Versen beziehungsweise Formeln wird täglich Ghee geopfert. An den fünf Parvan-Terminen wird für Wohlergehen ein Rudra-Feuer eingerichtet.

11.637 »Die Strahlen tragen den Gott Jatavedas empor, die Sonne, damit alle sie sehen.«

11.638 Wer mit diesem Vers täglich zu den drei Sandhyas die Sonne verehrt, dessen Herzleiden würden beseitigt und dessen Gesundheit gemehrt, behauptet der Text.

11.639 »Soma, mit den Vätern vereint, hast du Himmel und Erde ausgespannt. Was wir dir als Gabe darbringen, nimm gnädig an. Sei uns heilsam, den Zweifüßigen und den Vierfüßigen.« Die mittlere Verbindung ist in der Vorlage beschädigt.

11.640 Wer nachts mit Opferholz in der Hand Soma, den Mond, mit diesem Vers verehrt, dessen Leid soll sich auflösen.

11.641 Wer ihn am Vollmond beim Aufgehen gesammelt verehrt, erhalte auch Gewänder und gelange in die Welt des Mondes.

11.642 »Vishnus Heldentaten will ich verkünden: Er maß die irdischen Räume, stützte die obere Wohnstätte und schritt dreifach weit aus.« Der am Versende angefügte Wortrest ist beschädigt und nicht sicher übersetzbar.

11.643 »Du bist Vishnus Stirn; ihr steht an Vishnus ...« – die folgende Gegenstandsbezeichnung ist verderbt. Erkennbar folgen: »Du bist Vishnus Naht, du bist Vishnus fester Halt. Du gehörst Vishnu; für Vishnu nehme ich dich.« Die technische Objektzuordnung bleibt teilweise offen.

11.644 »Schaut Vishnus Werke, durch die du die heiligen Ordnungen erkennst: Er ist Indras verbundener Freund.«

11.645 Wer täglich Indra und Vishnu verehrt und mit diesen drei Versen, rein und mit Opferholz in der Hand, vor sie tritt,

11.646 erlange Dharma, Einsicht, Vermögen, Söhne, Gesundheit und brahmanische Ausstrahlung sowie die ewige höchste Stätte von der Natur des Lichts.

11.647 »Entfalte deine Kraft wie ein weites Fangnetz; ziehe wie ein mächtiger König mit Gefolge voran. Dem Netz folgend, durchbohre die Rakshasas mit deinen heißesten Waffen.« Dies wiederholt die Agni-Anrufung aus 11.493 in erneut beschädigter Lautgestalt.

11.648 »Deine Flammenwirbel fliegen schnell; berühre die Feinde kühn, hell leuchtend. Agni, schleudere mit deiner Zunge Hitze und Funken aus, entsende deine Feuerbrände nach allen Seiten, ungebunden.«

11.649 »Sende deine Späher aus, du Schnellster; sei der untrügliche Schützer dieses Volkes. Wer uns fern oder nahe schaden will, Agni, dessen Angriff möge uns nicht überwältigen.« Die Wortfolge der Vorlage ist mehrfach gestört.

11.650 »Erhebe dich, Agni, breite dich aus; verbrenne die Feinde, du mit scharfen Waffen. Wer Feindseligkeit gegen uns entfacht hat, den brenne nieder wie dürres Holz.« Dies ist eine erneute Fassung der Anrufung aus 11.495.

11.651 »Richte dich auf, wehre von uns ab und offenbare deine göttlichen Kräfte, Agni. Löse die festen Stützen der Zauberwesen; zermalme verwandte wie fremde Feinde.« Der letzte Feindbezug ist aus dem Zusammenhang erschlossen.

11.652 »Deine Gunst kennt, o Jüngster, wer deiner heiligen Anrufung einen Weg bereitet. Ihm mögen alle Tage günstig sein, Reichtum und Glanz entgegenleuchten.« Einige Wörter des zweiten Halbverses sind beschädigt.

11.653 »Glücklich und freigebig sei der Mensch, der dich mit Opfergabe und Lobpreis erfreuen möchte, während seiner Lebenszeit im eigenen Haus. Ihm seien alle Tage günstig und sein Weg gesegnet.« Die Vorlage erlaubt nur diese sinngemäße Wiedergabe des gestörten Satzes.

11.654 »Ich preise deine Gunst; unser Ruf möge zu dir dringen. Mit guten Pferden und guten Wagen wollen wir dich ehren; erhalte uns Tag für Tag Herrschaftskraft.« Die erste Vershälfte enthält mehrere unklare Lautfolgen.

11.655 »Hier möge man dir beständig dienen, abends und morgens, dir, der Tag für Tag leuchtet. Freudig und wohlgemut wollen wir dir nahe sein und den Glanz der Menschen überragen.« Die Formulierung folgt dem erkennbaren Sinn, nicht einer neu hergestellten Sanskritfassung.

11.656 »Wer mit guten Pferden, schönem Gold und einem an Gütern reichen Wagen zu dir kommt, dessen Retter und Freund wirst du, wenn er dir menschliche Gastfreundschaft erweist.«

11.657 »Durch Worte stifte ich eine große Verbindung und Verwandtschaft; diese empfing ich von meinem Vater Gotama. Erkenne unser Wort, o jüngster, einsichtsvoller Opferpriester, du aus dir selbst Geborener.« Die Namens- und Schlussverbindung ist beschädigt.

11.658 »Deine wachen, raschen, wohltätigen, unermüdlichen Wächter, Agni, mögen uns schützen.« Die zweite Vershälfte ist stark entstellt; die Schutzbitte und der Bezug auf Agnis Wächter sind erkennbar, eine vollständige Einzelwortübersetzung nicht.

11.659 »Deine Wächter, Agni, schützten den blinden Mamateya vor Gefahr. Der Allwissende beschützte sie bei ihrem guten Tun; die Täuschenden vermochten sie nicht zu täuschen.« Die Vorlage schreibt die Personenbezeichnung und mehrere weitere Wörter fehlerhaft.

11.660 »Mit dir als Gefährten, von dir geschützt, mögen wir unter deiner Führung Kräfte und Güter erringen.« Die folgende Bitte um gute Führung und Preis ist abgebrochen; der erhaltene Vers ist nicht vollständig sicher übersetzbar.

11.661 Der Anfang ist stark beschädigt. Erkennbar folgt: »Agni, mit Opferholz wollen wir dir dienen; nimm den vorgetragenen Lobpreis an. Schütze uns hier vor dem Fluch des Rakshasa, vor Übelrede und Tadel.« Eine Glättung der unlesbaren Anfangsfolge unterbleibt.

11.662 »Den Rakshasa-Töter, den Kraftvollen, salbe ich; zum weitesten Schutz des Freundes nehme ich Zuflucht. Agni, geschärft und durch Einsicht entzündet, schütze uns vor Schaden bei Tag und bei Nacht.«

11.663 »Agni strahlt mit großem Licht und macht durch seine Größe alles sichtbar. Er bezwingt die bösen, ungöttlichen Täuschungen und schärft seine Waffen, um die Rakshasas zu treffen.« Die Waffenbezeichnung ist in der Vorlage gestört.

11.664 »Mögen auch deine Stimmen beziehungsweise Kräfte im Himmel widerhallen, Agni, scharf bewaffnet, um Rakshasas zu schlagen. Seine Flammen zerbrechen im machtvollen Auflodern die ungöttlichen Umwallungen.« Die genaue Deutung mehrerer Wörter bleibt unsicher.

11.665 Wenn ein Brahmane von Räubern umringt ist, soll er dieses Sukta rezitieren. Es nehme den Feinden das Leben und lasse keine Furcht entstehen, so die historische Schutzbehauptung.

11.666 »Mit dem Herrn des Feldes als unserem Helfer wollen wir gewinnen. Er lasse Rinder und Pferde gedeihen und sei uns gnädig.« Die Schlussform der Vorlage ist beschädigt.

11.667 Wer als Zweimalgeborener täglich rein diesen Vers des Feldherrn rezitiert und zur Sonne blickt, erhalte ein vorzügliches Feld.

11.668 Nun werde ich die in den Tantras verborgene Ordnung des Purusha-Sukta erklären. Sein Versmaß ist Anushtubh, das des letzten Verses Trishtubh.

11.669 Die Gottheit ist Purusha, der Same der Welt; als Rishi gilt Narayana. Nach dem vorgeschriebenen Bad wendet man sich mit reinem Geist nach Osten.

11.670 Der erste Vers wird an der linken, der zweite an der rechten Hand eingesetzt, der dritte am linken, der vierte am rechten Fuß.

11.671 Der fünfte gehört zum linken, der sechste zum rechten Knie, der siebte zur linken und der achte zur rechten Hüfte.

11.672 Der neunte wird am Nabel, der zehnte am Herzen, der elfte an der Kehle und der zwölfte am linken Arm eingesetzt.

11.673 Der dreizehnte gehört zum rechten Arm, der vierzehnte zum Mund, der fünfzehnte zu den Augen und der sechzehnte zum Scheitel. Nach diesem Nyasa folgt die Puja.

11.674 Im Wasser, im Feuer, im Herzen, in der Sonne, auf dem Ritualplatz und in Kultbildern –

11.675 diese sechs gelten als geeignete Orte der Verehrung Haris. Weil die Wasser seine Wohnstätte sind, ist Hari stets in ihnen. Für die rituell Handelnden ist Vishnu im Feuer, für die Yogis im Herzen.

11.676 Für die Gelehrten ist Hari die Sonne, für Menschen mit geformtem innerem Vorstellungsvermögen der Ritualplatz, für Menschen mit geringer Einsicht das Kultbild, so die Rangordnung des Textes. Die Bilder werden wiederum in sechs Arten eingeteilt.

11.677 Es gibt natürliche und künstlich hergestellte, unbewegliche und bewegliche sowie unbelebte und lebendige Darstellungen Haris.

11.678 Höre, Göttin, ich werde ihre Merkmale der Reihe nach erklären. Die natürlichen sind zweifach: der überaus heilige Shalagrama,

11.679 und, wenn dieser fehlt, der ebenso heilige Chakra-Stein aus Dvaraka. Künstlich hergestellte Bilder werden in zehn Arten eingeteilt; die jeweils früher genannte gilt als vorzüglicher.

11.680 Genannt werden Bilder aus Edelstein, Gold, Silber, Kupfer, Messing, Bergkristall, dem als »rotes Blei« bezeichneten Material, Holz und Erde sowie gemalte Bilder.

11.681 Unbewegliche Formen sind heilige Gebiete wie Haridvara und Gaya. Von Gottheiten geschaffene Gestalten gelten als zugleich beweglich und unbeweglich.

11.682 Dazu zählen Jagannatha, Venkatesha und die als »Pandurabhra« überlieferte Gestalt sowie weitere. Als lebendige Darstellungen gelten Brahmanen und Kühe, als unbelebte der Pippala-Baum. Die Einordnung des lebenden Baumes ist die religiöse Klassifikation der Quelle.

11.683 Zuerst wird der Mantra-Nyasa am eigenen Körper und an den Gottheitsdarstellungen vollzogen. Mit den Gayatri-Lauten an den Gliedern verehrt man den unvergänglichen Vishnu.

11.684 Mit dem ersten Vers wird Purushottama angerufen, mit dem zweiten ein Sitz, mit dem dritten Fußwasser dargebracht. Die Glosse identifiziert das sechzehnversige Sukta durch seinen Anfang »sahasrashirsha purushah«; sie druckt den vollständigen Hymnus hier nicht aus.

11.685 Mit dem vierten Vers folgt Arghya, mit dem fünften Wasser zum Mundspülen, mit dem sechsten das Bad und mit dem siebten das Gewand.

11.686 Mit dem achten wird die heilige Schnur, mit dem neunten Salbung, mit dem zehnten Blumen und mit dem elften Räucherwerk dargebracht.

11.687 Mit dem zwölften folgt Licht, mit dem dreizehnten Speise, mit dem vierzehnten die Verneigung und mit dem fünfzehnten die rechtsläufige Umschreitung.

11.688 Bei Bad, Gewandgabe und Speise wird auch Mundspülwasser gereicht. Nach Kräften folgt Dakshina; mit dem sechzehnten Vers die vollständige Darbringung.

11.689 Danach wird nochmals rechtsläufig umschritten und gesammelt nach Kräften Japa geübt. Das Sukta wird der Gottheit gewidmet.

11.690 Rechts von der Gottheit wird mit dem ersten Vers eine Feuergrube oder ein erhöhter Ritualplatz angelegt, mit dem zweiten besprengt.

11.691 Mit dem dritten wird das Feuer eingesetzt, mit dem vierten angefacht und mit dem fünften Ghee sowie Charu erhitzt.

11.692 Mit dem sechsten wird im Feuer ein Lotussitz vorgestellt; der Herr der Götter wird darin im Glanz des Weltbrandfeuers meditiert. Die gedruckte Verbindung zum Feuer ist unregelmäßig.

11.693 Dann werden Duft, Blumen, Räucherwerk und Licht dargebracht. Nach Einholung der Erlaubnis folgen die Handlungen vom siebten Vers an der Reihe nach.

11.694 Zunächst werden entsprechend viele mit Ghee beträufelte Opferhölzer dargebracht, dann Ghee und anschließend Charu.

11.695 Nach dem Opfer und der rituellen Bitte um Erlaubnis wird in der Nähe des göttlichen Feuers das folgende Lob gesprochen.

11.696 »Sieg sei dir, Lotusäugiger! Verehrung dir, der die Welt hervorbringt. Verehrung dir, Hrishikesha, großer Purusha, Erstgeborener!«

11.697 »Du bist die gemeinsame höchste Gottheit der Götter und Danavas. Immer nehme ich Zuflucht bei deinen beiden Füßen.«

11.698 »Du allein bist Schöpfer und Auflöser der Welt, unmanifest und zustimmende Gegenwart, ohne Eigenschaften und doch von Maya umhüllt.«

11.699 »Den furchtbaren Ozean des Samsara, die Stätte unendlicher Leiden, überqueren die Verständigen, indem sie bei dir allein Zuflucht nehmen.«

11.700 »Du hast weder begrenzte Form noch Gestalt, weder Waffen noch festen Wohnort; dennoch offenbarst du dich deinen Verehrenden in menschlicher Gestalt.«

11.701 »Du bist niemandem schlechthin fern, und doch bist du niemandem ein gewöhnlicher Gegenstand unmittelbaren Sehens. Ohne Hingabe bist du für niemanden erreichbar, Herr.«

11.702 »Die ursprüngliche Ursache aller Wirkungen, der höchste Sinn aller Worte, die höchste Vollendung der Yogis: Als solches erkennen sie deine höchste Stätte.«

11.703 »Ich fürchte mich, Herr der Götter, in diesem Samsara voller großer Furcht. Beschütze mich, Lotusäugiger; ich kenne die höchste Stätte nicht.«

11.704 »Zu allen Zeiten und in allen Richtungen, Unerschütterlicher, bedrängt mich große Furcht, auch wenn sie in meinen Körper eingedrungen ist.« Die letzte Verbindung ist in der Vorlage knapp.

11.705 »Auch in anderen Geburten habe ich keine andere Zuflucht als deine Lotusfüße. Was ich an Einsicht erlangt habe ...« Der folgende Ausdruck lautet wörtlich »ohne Erkenntnis« und lässt die Satzverbindung offen; er wird nicht durch eine frei erfundene Gewissheit ersetzt.

11.706 »Möge dies, o Gott, auch in einer anderen Geburt nicht verloren gehen. Selbst wenn ich in leidvollen Umständen geboren werde, möge mein Verlangen auf dich gerichtet bleiben.«

11.707 »Wenn dieses Verlangen nicht vergeht, bin ich allezeit vom Guten getragen. In allen Geburten möge ich allein Vishnus Füße begehren.«

11.708 »Das klare Sukta des Purusha Hari bringt Segen und Ruhm. Es ist heilige Selbsterkenntnis und höchstes Wissen des Yoga.«

11.709 Nach diesem Lob des Opferfeuers folgt die rituelle Verabschiedung. Wenn ein Mensch dadurch von Verfehlungen gereinigt ist,

11.710 beginnt er, mit dem zuvor Gelernten vertraut, die besonderen Anwendungen. Die einleitende Lesart »parade« ist unklar. Fällt die Ekadashi der hellen Mondhälfte auf einen günstigen Wochentag,

11.711 soll ein Ehepaar im Heiligtum fasten. An der Dvadashi wird für den Wunsch nach einem Sohn ein Vishnu geweihter Charu bereitet.

11.712 Nach der Verehrung Janardanas mit den sechzehn Versen wird der Charu unter dem Purusha-Sukta zum Essen gereicht, mit dem Wunsch nach einem Sohn.

11.713 Dadurch werde bald ein Vishnu ergebener Sohn geboren, der die Familie fortsetzt. An zwölf Dvadashis wird Milch-Charu geopfert; die Glosse erläutert, dass zuerst mit dem Purusha-Sukta geopfert und der Rest von der Frau gegessen wird.

11.714 Wer so opfert, gelange zur höchsten Stätte Vishnus. Von Margashirsha an werden in den Monaten der Reihe nach Keshava,

11.715 Narayana, Madhava, Govinda, Vishnu, Madhusudana, Trivikrama, Vamana, Shridhara, Hrishikesha, Padmanabha und Gadadhara verehrt. Der letzte Name steht so in der Vorlage.

11.716 Nach der Puja wird das Sukta hundertachtmal rezitiert und das Feueropfer wie zuvor vollzogen. Dadurch sollen alle Wünsche erfüllt werden.

11.717 Nun erklärt der Text ein Verfahren für einen Sohn, wenn eine Frau keinen Sohn hat, ihr Sohn gestorben ist oder sie nur Töchter geboren hat. Die Bevorzugung männlicher Nachkommen ist die historische Wertung der Quelle.

11.718 Zu jedem Vers werden hundertacht Ashvattha-Hölzer mit Ghee geopfert und das Feuer verehrt.

11.719 Nach erneuter Vishnu-Puja folgen täglich hundertacht Ghee-Opfer, in Reinheit und mit gezügelter Rede.

11.720 Das bei der Sampata-Handlung verbleibende Ghee wird zum Verzehr durch die Frau aufbewahrt. Nachdem sie ihren Gatten und Vishnu gegrüßt hat, nimmt sie es zu sich.

11.721 Brahmanen werden zufriedenstellend bewirtet; nach Empfang ihres Segens kehrt das Paar heim. Nach höchstens sieben Wiederholungen werde die Frau schwanger, behauptet der Text. Dies ist keine gesicherte Fruchtbarkeitswirkung.

11.722 Für eine andere Form der Übung lebt man im Wald, badet dreimal täglich und rezitiert das Sukta zu den drei Tageszeiten jeweils hundertachtmal.

11.723 Ein Monat mit Früchten als Nahrung und ein Monat mit Wasser werden genannt; täglich wird die Sonne mit diesem Mantra verehrt. Tausend Ghee-Opfer und eine dreijährige tägliche Rezitationszeit folgen, wobei die Zeitverknüpfung im Wortlaut verkürzt ist.

11.724 Wer ihm hingegeben, innerlich gesammelt und ausschließlich auf ihn gerichtet zehn Jahre lang übt, schaue den makellosen Gott Narayana unmittelbar.

11.725 Nun werde ich für Menschen im Familienleben die Praxis der Befreiung zu Lebzeiten erklären. Wer seiner eigenen Lebenspflicht zugewandt ist, auf gerechte Weise lebt und reine Gelübde hält,

11.726 steht um Mitternacht vom Schlaf auf, reinigt sich und schweigt. Wenn die Menschen schlafen, soll der Yogakundige Yoga üben.

11.727 An einem ebenen, windstillen und geräuschlosen Ort wird ein Sitz eingerichtet und der linke Fuß auf das rechte Knie gelegt. Die ausführliche Glosse beschreibt den beidseitigen Lotussitz, aufrechte Haltung, Blick zur Nasenspitze, geistiges Om, Einatmung und das innere Aufwärtsführen des Prana vom Nabel über Herz, Brust, Kehle und Brauenmitte zum Brahmarandhra; sie nennt Atemanhalten nach Vermögen und langsames Ausatmen. Durch Wiederholung würden zehn Arten innerer Klänge offenbar. Dies ist eine historische fortgeschrittene Yogabeschreibung, keine Aufforderung zu eigenständiger Atemretention.

11.728 Der rechte Fuß wird auf das linke Knie gelegt. Mit zusammengelegten Händen, gesammelt und mit im Yoga geschlossenen Augen sitzt man ruhig.

11.729 Ohne Zweifel wird Om im eigenen Herzen betrachtet. Darin werden das eigene Selbst, die Sinne und der Geist gesammelt.

11.730 Man soll nichts anderes zum Gegenstand des Bewusstseins machen, weder nach außen sehen noch hören; sitzend und nach Sammlung des Atems wird ohne Beunruhigung weiter meditiert.

11.731 Mit dem Atem wird der Geist zum Nabel geführt. Wiederholt ein- beziehungsweise ausatmend hebt der ganz darauf Gerichtete die Yoga-Sammlung empor; die Atemrichtung ist sprachlich nicht durchgehend eindeutig.

11.732 Der Geist wird zum Herzen geführt, ohne nach außen zu sehen oder zu hören. Danach wird das Bewusstsein vom Herzen weiter aufwärts gelenkt.

11.733 Genannt werden Samana, Schlüsselbeingegend, Mund, Nase, Augen und Brauen. Zwischen den Brauen liegt die höhere Stätte; dort befindet sich ihr Zugangsweg.

11.734 Nach Festhalten der Sammlung an der Stirn wird sie zum Scheitel geführt. Zu geeigneter Zeit wird ausgeatmet und wiederum vom Nabel her geatmet.

11.735 Dies wird als höchste Stätte Brahmans, des höchsten Selbst, bezeichnet. So gesammelt erkennt man das eigene Selbst als das große Selbst.

11.736 Ob jemand ein reiner, tugendhafter Mensch ist oder zuvor schlecht gehandelt hat: Wenn er das höchste Brahman erfährt und diesen Weg erkennt, wird er rein.

11.737 Selbst wer von allen Verfehlungen gebunden ist, soll innerlich gesammelt rezitieren und erlange die höchste Stätte. Die mittlere Wendung über das Überwinden und die Gottheit ist in der Vorlage beschädigt; sie wird nicht frei ergänzt.

11.738 Darüber hinaus soll täglich eine gesonderte Dharana geübt werden: auf Sonne, Feuer, Mond, Baumwipfel, Berggipfel, Meer oder einen anderen Gegenstand, an dem der Geist Freude findet.

11.739 Die Sammlung soll jedoch nicht in sinnliches Begehren übergehen. Geht die Kraft der Dharana verloren, soll man darin eine Quelle großen Leids erkennen. Die erste Halbzeile ist verkürzt.

11.740 Wer vom Yoga abfällt, werde in einer reinen Familie rechtschaffener Menschen geboren. Durch die Kraft eines solchen Japa werde Brahman am Scheitel erkannt.

11.741 Dann wird durch den Scheitel das höchste Licht zum Sternenpfad emporgeführt. Der Yogi erreicht den Herrn des Yoga, jenseits der Gegensätze und höher als das Höchste.

11.742 Hari ganz ergeben, soll man überall durch das Selbst das Selbst schauen. Nach dem Bad werden die Laute beziehungsweise Vokale rezitiert; dies gilt als höchste Reinigung.

11.743 Selbst ein mit Verfehlungen beladener Mensch werde mit der Zeit tugendhaft. Beständig darauf gerichtet, wahrhaftig und frei von Missgunst, rezitiert der Brahmane jenen Vers und wird allmählich vom Guten erfüllt.

11.744 Mit welchem Wunsch ein Glaubender den Vers beständig rezitiert: Dieser Wunsch werde durch hingebungsvolles Tun erfüllt.

11.745 Ob Feueropfer, Japa oder vorzügliche Darbringung: Das Ziel, um dessentwillen die Handlung vollzogen wird, komme zur Vollendung.

11.746 Das höchste, durch Erkenntnis zugängliche Ziel ist allgegenwärtig. Durch äußerste Bemühung um das heilige Wort gelangt man zum ewigen Brahman; die Verbindung der ersten Satzglieder bleibt in der Vorlage knapp.

11.747 Das mit »Sahasrashirsha« beginnende Sukta soll alle Wünsche erfüllen. Es gilt selbst als Narayana, dessen Leib den Veda in sich trägt.

11.748 Brahma, Indra, Rudra und Parjanya sind in diesem Sukta gegründet. In ihm soll die ganze bewegliche und unbewegliche Welt geschaut werden; die zeitliche Angabe »nach dem Hingang« bleibt mehrdeutig.

11.749 Auch wenn das Ziel noch nicht erreicht wird, soll man die Hingabe nicht aufgeben. Denn der erhabene Purushottama wird als derjenige überliefert, der mit seinen Verehrenden Mitgefühl hat.

11.750 Für die Verehrung dieses Gottes werden täglich selbst gesammelte Waldfrüchte beziehungsweise Waldprodukte nach der Aranyaka-Ordnung als Charu dargebracht.

11.751 Mit »Narayana sei die Darbringung, Svaha« wird geopfert. Bis zur Zahl von tausend soll er dem Opfernden das göttliche Auge gewähren.

11.752 Oder es werden tausend Charu-Gaben mit diesem einen Mantra geopfert. Dadurch erlange man die Früchte der eigenen Wünsche und wandle mit voller menschlicher Lebensdauer oder als Siddha auf Erden. Millionen Suktas gebe es, doch dieses sei besonders lieb, weil es Hari, den Herrn aller, den seinen Verehrenden Zugewandten, besingt.

11.753 Stets zu meditieren ist Narayana in der Mitte der Sonnenscheibe, auf einem Lotussitz ruhend, mit Armreifen, Makara-Ohrringen, Krone und Halskette, goldenem Leib, Muschel und Diskus in den Händen.

11.754 Wer allein dieses Sukta rezitiert, nachdem er Narayanas verehrungswürdige Füße gegrüßt hat, gelange durch die Rezitation zur Stätte des höchsten, ewigen Vishnu, frei von Alter und Tod.

11.755 Die Weisen verehren Hari beständig: im Feuer mit Opfergaben, im Wasser mit Blumen, im Herzen durch Meditation und in der Sonnenscheibe durch Japa.

11.756 Bilva-Blätter, Shami-Blätter, Bhringaraka-Blätter, Malati und Kusha-Blätter sollen Hari unmittelbar erfreuen.

11.757 Was sonst nicht erreichbar ist, wird nach der Zusage durch bloße innere Meditation auf ihn und durch die Gnade des Gottes der Götter, des Diskusträgers, erreichbar.

11.758 Mit Blättern, Blumen, Früchten und Wasser, auch mit ehrlich erworbenen beziehungsweise gekauften Gaben, ist der uralte Purusha allein durch Hingabe zugänglich. Warum bemüht man sich dann nicht um Befreiung?

11.759 So wurde die Verehrungsordnung Vishnus, des Purusha, freudig erklärt, o Göttin und ihr großen Weisen: um den Weg zur Befreiung bewusst zu machen, nicht um weltliche Begierden zu fördern. Die Anrede verbindet in der Vorlage Göttin und Weise.

11.760 »Ihr Pflanzen, deren König Soma ist, die ihr über die Erde verbreitet und aus Brihaspati hervorgegangen seid: Verleiht dieser hier Kraft!«

11.761 »Die Pflanzen, die vom Himmel herabkamen, sprachen: Welchen lebenden Menschen wir erreichen, dieser soll keinen Schaden erleiden.« Dieser Vers wiederholt 11.484.

11.762 »Die ihr dies hier hört und die ihr weit in die Ferne gegangen seid: Alle Pflanzen, kommt zusammen und verleiht dieser hier Kraft!«

11.763 »Keinen Schaden erleide, wer euch ausgräbt, und auch nicht derjenige, für den ich euch ausgrabe. Alles Zweifüßige und Vierfüßige unter uns möge frei von Krankheit sein.«

11.764 »Die Pflanzen sprechen miteinander, zusammen mit ihrem König Soma: Für wen der Brahmane die Handlung vollzieht, den, o König, führen wir sicher hinüber.«

11.765 Wer diese Verse sechs Monate lang an den Parvan-Terminen rezitiert, werde als Arzt zu einem Menschen mit »Nektarhänden«; andere erlangten Wohlergehen. Dies ist ein religiöses Ideal der Heilkunst, keine medizinische Qualifikation durch Rezitation.

11.766 Nach der Verehrung Rudras im Herbst werden die Pflanzenverse beständig rezitiert. Krankheiten und fünf als Verdauungsstörungen bezeichnete Leiden sollten dadurch ausbleiben; die Fünferzuordnung wird nicht erläutert.

11.767 Sieben Nächte lang werden sie jeweils siebenmal gesammelt wiederholt. Der Brahmane nimmt bei den Pflanzen Zuflucht und rezitiert dieses Sukta beständig.

11.768 Er bittet die Pflanzen: »Kommt aus dem Feld des Feindes hierher.« Nach Verehrung Varunas im eigenen Feld erlange er die Pflanzen des Feindes, so die historische Konkurrenzvorstellung der Quelle.

11.769 »Brihaspati, was an dir verehrungswürdig, strahlend und voll Einsicht unter den Menschen leuchtet, was in der Wahrheit geboren durch Kraft erglänzt: Verleihe uns diesen vielfältigen Reichtum!« Die Wortgestalt des Verses ist stellenweise beschädigt.

11.770 Wer Regen begehrt, hält seine Nahrung geregelt und nimmt bei Brihaspati Zuflucht, mit Milchreis als Gabe und mit Feueropfer.

11.771 Danach verwendet der nach Regen verlangende Brahmane diesen Vers und verehrt Parjanya; dadurch erlange er guten Regen.

11.772 Zum Schutz des Dharma werden im Kali-Zeitalter diese und weitere Verse hier und dort auf Erden fortbestehen, bei einzelnen Brahmanen und in einzelnen Ländern.

11.773 Damit wurde dieses in allen Tantras verborgene Prinzip erklärt. Was soll nun weiter dargelegt werden, o Göttin und ihr Götter? Sagt es mir.

Kolophon: So endet im von Shiva verkündeten Meru-Tantra, gebilligt von Shri Mahamaya und Mahakala, der elfte Prakāśa über die im Kali-Zeitalter fortbestehenden Mantras samt ihrer Ritualordnung.

Zwölfter Prakāśa: Rudra-Verehrung und vedische Göttinnenhymnen

Das Kapitel verbindet vedische Mantras, Gottheitenmeditation und historische Wirkrituale. Heilungs- und Schädigungsbehauptungen werden als Aussagen der Quelle übersetzt. Initiationsriten, extreme Entbehrung und schädigende Handlungen sind keine Empfehlungen zur Selbstpraxis. Beschädigte Lesarten werden lokal kenntlich gemacht.

12.1 Der verehrte Vishnu sprach: Gott der Götter, Mahadeva, der du deinen Verehrenden Gnade erweist: Du bist die Zeit der Welten, und diese Göttin ist die höchste Mahamaya.

12.2 Welche Mantras und Suktas erfreuen euch beide? Erkläre, wodurch erfülltes Erleben und Befreiung entstehen und keinerlei Leid bleibt.

12.3 Der verehrte Shiva sprach: Vishnu, du hast nach einem Geheimnis gefragt, das nach dieser Überlieferungsregel keinem tantrischen Zweimalgeborenen mitzuteilen ist. Im Tantra wird eine tamasische Gestalt behandelt; du aber fragst nach der sattvischen.

12.4 Erkenne mein Shatarudriya als die gemeinsame Stätte von Genuss und Befreiung, als das Beste der vier Veden und den Herrn der Mantras und Lobgesänge.

12.5 Seine Versmaße sind Anushtubh und weitere; als Rishi gilt Aghora. Seine Gottheit ist Rudra, Aditya, der höchste Purusha.

12.6 Für den Nyasa wird »ya te rudra« am Haarschopf, »asmin mahaty« am Kopf, »sahasrani« an der Stirn und der Hamsa-Vers zwischen den Brauen eingesetzt.

12.7 »Rudra, mit deiner heilsamen, nichtschrecklichen, das Böse vertreibenden Gestalt, mit dieser friedvollsten Gestalt blicke uns an, du Glück bringender Herr des Berges.«

12.8 »Die ihr in diesem großen Ozean, im Zwischenraum, gegenwärtig seid: Tausend Yojanas weit weg entspannen wir eure Bogen.« Die gedruckte Verbindung vor »Bogen« ist fehlerhaft.

12.9 »Die Tausende und Abertausende Rudras auf Erden: Tausend Yojanas weit weg entspannen wir ihre Bogen.«

12.10 »Der Schwan im Reinen, der Vasu im Zwischenraum, der Opferpriester am Altar, der Gast im Haus.« Der bekannte Vers wird hier nur mit diesen Teilen zitiert; eine Ergänzung aus anderen Fassungen unterbleibt.

12.11 Tryambaka wird an den Augen, »namah stutyaya« an den Ohren, »ma nas toke« an der Nase und »avatatya« am Mund eingesetzt. Die Glosse zitiert den Mrityunjaya-Vers mit einer fehlerhaften Form an der Stelle der Bitte um Befreiung vom Tod.

12.12 »Verehrung dem auf dem Pfad und auf dem Weg, dem im dürftigen Land und in der Niederung, dem im Wasserlauf und im Teich, dem am Fluss und im kleinen Gewässer.« Der erste Ausdruck lautet in der Vorlage »stutyaya« und ist im Kontext auffällig.

12.13 »Schädige nicht unsere Nachkommen und Kinder, nicht unsere Lebenszeit, nicht unsere Rinder und Pferde. Töte nicht unsere Helden in deinem Zorn, Rudra. Mit Opfergaben rufen wir dich allezeit an.«

12.14 »Entspanne deinen Bogen, Tausendäugiger mit hundert Köchern. Stumpfe die Spitzen der Pfeile ab und sei uns heilsam und wohlgesinnt.«

12.15 Die beiden mit »nilagriva« beginnenden Verse werden an Kehle und Halsumgebung eingesetzt; »namaste ayudhaya« und »ya te hetih« an Armen und Unterarmen.

12.16 »Die blauhalsigen, weißkehligen Sharvas, die unterhalb der Erde wandeln: Tausend Yojanas weit weg entspannen wir ihre Bogen.«

12.17 »Die blauhalsigen, weißkehligen Rudras, die im Himmel wohnen: Tausend Yojanas weit weg entspannen wir ihre Bogen.«

12.18 »Verehrung deiner Waffe, der ungespannten und doch gewaltigen; Verehrung deinen beiden Armen und deinem Bogen.«

12.19 »Deine Waffe, Freigebigster, und der Bogen in deiner Hand: Mit dieser nicht krankmachenden Macht beschütze uns von allen Seiten.«

12.20 »Die an den heiligen Übergängen umherziehen, mit scharfen Waffen in den Händen und mit Köchern: Tausend Yojanas weit weg entspannen wir ihre Bogen.«

12.21 Dieser Vers wird an den Händen eingesetzt. An den Fingern vom Daumen an folgen die fünf Formeln von Sadyojata an; am Herzen wird die folgende Formel eingesetzt.

12.22 »Verehrung euch, den machtvoll Wirkenden, den Herzen der Götter; Verehrung den Schwächenden, den Prüfenden und den Unbezwingbaren.« Die seltenen Benennungen sind in der Vorlage nicht weiter erklärt und lassen auch andere Nuancen zu.

12.23 »Namo ganebhyah« wird am Rücken, »namo hiranyabahave« an den Flanken und »namas takshabhyah« an beiden Bauchseiten eingesetzt.

12.24 »Verehrung euch Scharen und Scharenführern, euch Verbänden und Verbandsführern, euch Kundigen und ihren Anführern, euch Vielgestaltigen und Allgestaltigen.«

12.25 »Verehrung dem Goldarmigen, dem Heerführer und Herrn der Richtungen; den Bäumen mit grünem Haar und dem Herrn der Tiere; dem gelbrötlich Leuchtenden, dem Herrn der Wege; dem Grünhaarigen mit heiliger Schnur, dem Herrn der Wohlgenährten; dem Bablusha.« Die letzte Benennung ist abweichend geschrieben und der Satz endet dort.

12.26 »Verehrung euch Zimmerleuten und Wagenbauern, euch Töpfern und Schmieden, euch Nishadas und Vogelfängern, euch Hundeführern und Jägern.«

12.27 »Vijyam dhanuh« wird am Bauch, »hiranyagarbhah« am Nabel, »midhushtama« an der Hüfte und »ye bhutanam« im verborgenen Körperbereich eingesetzt.

12.28 »Der Bogen des Haarknotenträgers sei entspannt, sein Pfeil ohne Spitze. Seine Pfeile seien machtlos, sein Köcher fern.« Die letzten beiden Ausdrücke sind in der Vorlage beschädigt.

12.29 »Am Anfang entstand der goldene Keim; geboren, war er der eine Herr alles Gewordenen. Er hielt diese Erde und den Himmel. Welchem Gott wollen wir mit Opfergabe dienen?« Die Frageform bezeichnet im vedischen Kontext zugleich den göttlichen »Ka«.

12.30 »Freigebigster, Heilsamster, sei uns heilsam und wohlgesinnt. Lege deine Waffe auf den höchsten Baum; komm, mit Fell bekleidet und den Pinaka tragend, zu uns.«

12.31 »Die Herren der Wesen, mit bloßem Kopf oder mit Haarknoten: Tausend Yojanas weit weg entspannen wir ihre Bogen.«

12.32 Die fünf Verse von Jatavedas an, samt ihrem abschließenden »Kopf«, werden am Apana-Bereich eingesetzt. »Ma no mahantam« gehört zu den Oberschenkeln, »esha te« zu den Knien. Die genaue Fünferabgrenzung ist im folgenden Zitat nicht eigens markiert.

12.33 »Für Jatavedas wollen wir Soma pressen, für den wissenden Feuergott, der die Feindseligkeit verbrennt. Agni möge uns über alle Bedrängnisse und Übel hinüberführen, wie ein Boot über den Strom.«

12.34 »Der Kraftvolle mit den Kraftvollen, der große Herrscher über Himmel und Erde, mächtig und in den Kämpfen anzurufen: Indra mit den Maruts möge uns helfen.« Die erste Hälfte ist in der Vorlage beschädigt.

12.35 »Dessen Lauf wie der Lauf der Sonne unerreichbar ist, dessen Kraft in jedem Kampf Vritra bezwingt, der Kraftvollste mit seinen eigenen Gefährten: Indra mit den Maruts möge uns helfen.«

12.36 »Dessen Wege wie die Strahlen des Himmels machtvoll und unbezwingbar verlaufen, der Feindschaft überwindet und durch Heldentaten siegt: Indra mit den Maruts möge uns helfen.« Mehrere Wörter sind entstellt; die Übersetzung folgt dem erkennbaren Sinn.

12.37 »Der unter den Angiras der größte Angiras wurde, der Kraftvolle als Freund der Kraftvollen, durch Feuer, Verse und Wege hervorragt: Indra mit den Maruts möge uns helfen.« Die mittlere Wortfolge bleibt unsicher.

12.38 »Schädige nicht unsere Großen und nicht unsere Kleinen, nicht die Heranwachsenden und nicht die Erwachsenen. Töte nicht Vater und Mutter; verletze nicht unsere lieben Körper, Rudra.«

12.39 »Dies sei dir, Rudra, die Wohnstätte; ziehe über Mujavat hinaus. Mit entspanntem Bogen, Pinaka tragend und mit Fell bekleidet, komm heilsam und verletze uns nicht.« Der Anfang ist beschädigt und lässt keine sichere vollständige Ritualobjektzuordnung zu.

12.40 »Samsrishtajit« wird an den Unterschenkeln, »vishvam bhutam« an den Knöcheln, »ye patham« an den Füßen und »adhyavochat« als Schutzpanzer eingesetzt.

12.41 »Im Zusammenstoß siegreich, Soma trinkend, mit starken Armen und erhobenem Bogen, mit bereitgelegten Pfeilen schießend. Brihaspati, fahre mit dem Wagen umher, Rakshasas vernichtend und Feinde abwehrend.« Das Zitat verbindet Teile der zuvor behandelten Kampfverse.

12.42 »Alles Gewordene, die Welt, was vielfältig geboren wurde und geboren wird: All dies ist Rudra. Diesem Rudra sei Verehrung.« Das zusätzliche Wort »mitram« ist in der überlieferten Satzfügung nicht sicher zuzuordnen.

12.43 »Die Hüter der Wege, die Nahrung tragen und um Lebensdauer kämpfen: Tausend Yojanas weit weg entspannen wir ihre Bogen.« Die beiden mittleren Eigenschaften sind in der Vorlage unregelmäßig geschrieben.

12.44 »Der höchste Fürsprecher sprach, der erste göttliche Arzt. Alle Schlangen bezwingend, treibe er sämtliche Zauberwesen nieder und fort.«

12.45 Als weiterer Schutz wird »namo bilmine« eingesetzt, »namo astu« an den Augen und »pramuncha dhanvanah« am dritten Auge.

12.46 »Verehrung dem Helmträger und dem Gepanzerten, dem Gerüsteten und dem durch Schutzwehr Geschützten; dem Berühmten und dem mit berühmtem Heer, der Trommel und dem Trommelschläger.«

12.47 »Verehrung dem Blauhalsigen, Tausendäugigen, Freigebigen, und auch seinen Gefährten habe ich Verehrung erwiesen.«

12.48 »Löse die Sehne von beiden Enden deines Bogens. Die Pfeile in deiner Hand lege fern von uns ab, Erhabener.«

12.49 Damit ist der erste Nyasa an sechsundzwanzig Gliedern erklärt. Danach wird mit »ye etavantah« die Bindung beziehungsweise Sicherung der Richtungen vollzogen.

12.50 »So viele und noch mehr Rudras sich über die Richtungen ausgebreitet haben: Tausend Yojanas weit weg entspannen wir ihre Bogen.« Der Anfang ist in der Vorlage abweichend geschrieben.

12.51 Dieser Nyasa soll zur Rezitation aller Mantras befähigen. Wer ihn vollzieht, gehe selbst im Feuer nicht zugrunde, so die Schutzverheißung.

12.52 Das zehnsilbige Mantra lautet:
oṃ namo bhagavate rudrāya
»Om. Verehrung dem erhabenen Rudra.« Mit ihm wird am Ende des Nyasa die Verneigung vollzogen.

12.53 Danach folgt der Laut-Nyasa desselben Mantras an Kopf, Nase, Stirn, Mund, Kehle und Herz,

12.54 ferner an rechter und linker Hand, Nabel und beiden Füßen. Die Glosse verteilt die zehn Laute in dieser Folge; sie schreibt beim Mund eine vom Grundmantra abweichende Silbe.

12.55 Durch diesen zweiten Nyasa werde man zur Anwendung aller Mantras befähigt. Nun höre den dritten Nyasa.

12.56 Die Formeln von Sadyojata an werden an Füßen, Herz, Mund und Scheitel eingesetzt. Der Text nennt für die fünf Formeln nur vier Ortsangaben; eine zusätzliche wird nicht erfunden. Bei diesem dritten Nyasa trete Shivas Lichtkraft ein.

12.57 Man spricht »Hamsah, so'ham« – »Hamsa; ich bin Das« – und vergegenwärtigt diesen Sinn. Dann werden in den acht Richtungen die Richtungshüter mit ihren jeweiligen Mantras eingesetzt.

12.58 »Indra, den Retter, Indra, den Beschützer, den bei jedem Ruf leicht zu rufenden Helden, rufe ich an: Shakra, den viel Angerufenen. Maghavan Indra möge uns Wohlergehen schenken.« Die Vorlage liest im Schluss »Madhava« statt der zuvor verwendeten Form.

12.59 »Agni, du kennst den Zorn des Gottes Varuna; wende ihn von uns ab. Bester Opferer, bester Träger der Gaben, hell Leuchtender: Löse alle Feindschaft von uns!«

12.60 »Leicht und furchtlos mache er uns den Weg unter dem Stern, zu dem König Yama geht. Dort weihten ihn die Götter; diese seine wunderbare Macht verehren wir mit Opfergabe.« Die Beziehung der Pronomen ist im Zitat knapp.

12.61 »Suche den, der keinen Soma presst und kein Opfer vollzieht; folge dem Weg des Diebes. Suche einen anderen als uns. Verehrung sei dir, Göttin Nirriti.« Einige verbindende Wörter sind beschädigt.

12.62 »Dich suche ich mit heiliger Rede und Verehrung; dies erbittet der Opfernde mit seinen Gaben. Ohne Zorn, Varuna, nimm hier von uns Kenntnis, Weitgerühmter; raube uns nicht die Lebenszeit.«

12.63 »Komm mit deinen Hunderten und Tausenden Gespannen zu unserem Opfer. Vayu, erfreue dich an dieser Soma-Pressung. Schützt uns allezeit mit Wohlergehen!«

12.64 »Soma, in deiner Ordnung, den Geist in unseren Körpern tragend, mögen wir mit Nachkommenschaft vereint leben.«

12.65 »Ihn, den Herrscher des Beweglichen und Herrn des Feststehenden, rufen wir um Hilfe an, der die Einsicht belebt. Pushan möge durch sein Wissen unser Wachstum fördern, ein untrüglicher Hüter zum Wohlergehen.« Die mittleren Formen sind unregelmäßig.

12.66 »Mögen die Rudras und Berge uns ihre Gaben gewähren, einträchtig im Ruf zum Kampf gegen Vritra. Dem Preisenden ist der Vajra zugeteilt; die Götter mit Indra an der Spitze mögen uns schützen.« Der erste Halbvers ist beschädigt.

12.67 Mit diesem Vers wird nach oben gegrüßt; nach unten mit dem Erdmantra. So werde man von Verfehlungen frei. »Erde, sei uns freundlich, frei von Dornen, eine gute Wohnstätte; gewähre uns weiten Schutz. Das Übel möge von uns schwinden.« Der angefügte Schluss ist stark fehlerhaft geschrieben.

12.68 Wenn Geister, Räuber und andere Bedrängnisse den durch Nyasa Leuchtenden sehen, seien sie machtlos und fliehen weit fort.

12.69 »Mano jyotih« wird im verborgenen Körperbereich eingesetzt, »abodhy agnih« am Bauch, »murdhanam« am Herzen und »marmani te« am Mund.

12.70 »Das Licht des Geistes möge das Ghee annehmen und das unterbrochene Opfer wieder zusammenfügen. Die Morgenröten und Untergänge, die auseinandergeraten sind, verbinde ich mit der gepriesenen Opfergabe.« Mehrere Wörter der zweiten Hälfte sind beschädigt.

12.71 »Agni ist durch das Opferholz der Menschen erwacht, der nahenden Morgenröte wie einer Kuh entgegen. Wie mächtige Zweige, die emporstreben, richten sich seine Strahlen zum Himmel.« Der Wortlaut ist unregelmäßig, das Bild des Aufsteigens jedoch erkennbar.

12.72 »Den Kopf des Himmels, den tätigen Lenker der Erde, Vaishvanara, den aus der Wahrheit geborenen Agni, den Seher, Weltherrscher und Gast der Menschen, schaffen die Götter als Gefäß an ihrem Mund.« Der letzte Ausdruck bezieht sich auf Agni als Empfänger der Opfergaben.

12.73 »Deine lebenswichtigen Stellen bedecke ich mit Rüstung. König Soma umhülle dich mit Unsterblichkeit; Varuna schaffe dir weiteren Raum. Über deinen Sieg mögen die Götter sich freuen.«

12.74 Der mit Jatavedas beginnende Vers gehört zum Kopf. Dies wird als vierter Nyasa bezeichnet.

12.75 »Ob du Jatavedas, der Läuternde, Vaishvanara oder das Blitzfeuer bist: Gewähre den Geschöpfen Frieden, dem Opfernden Raum, Stärke und Gedeihen; wende dich uns zu.« Die Schlussform ist beschädigt.

12.76 Der Shiva-Sankalpa gehört zum Herzen, das Purusha-Sukta zum Kopf, »adbhyah sambhutah« zum Haarschopf und der Pratiratha-Hymnus zum Schutzpanzer.

12.77 »Aus den Wassern und dem Saft der Erde hervorgebracht, entstand er am Anfang aus Vishvakarman. Tvashtar gestaltet seine Form; am Anfang entstand alles aus diesem Purusha.« Die letzten Wörter der Vorlage sind gestört.

12.78 »Ich kenne diesen großen Purusha, sonnenfarben, jenseits der Finsternis. Wer ihn erkennt, wird schon hier unsterblich. Kein anderer Weg führt zu diesem Ziel.«

12.79 »Prajapati bewegt sich im Innern des Mutterleibs; ungeboren wird er vielfältig geboren. Die Weisen erkennen seinen Ursprung; die Einsichtigen suchen die Stätte der Lichtstrahlen.«

12.80 »Dem, der für die Götter leuchtet, der ihr vorausgehender Priester ist und vor den Göttern geboren wurde, dem Glanz Brahmans sei Verehrung.«

12.81 »Als die Götter am Anfang den Glanz Brahmans hervorbrachten, sprachen sie: Wer als Brahmane dies erkennt, unter dessen Gewalt werden die Götter sein.«

12.82 »Shri und Lakshmi sind deine Gemahlinnen, Tag und Nacht deine Seiten, die Sterne deine Gestalt, die Ashvins dein geöffneter Mund. Gewähre das Erwünschte, gewähre mir jene Welt, gewähre mir alle Welten.« Die erste Bitte ist in der Vorlage unregelmäßig segmentiert.

12.83 Das Shatarudriya gilt als Waffe. Damit ist der fünfgliedrige, als fünfter gezählte Nyasa erklärt, der alle erwünschten Ziele erfüllen soll.

12.84 »Du, Agni, bist Rudra, Herr des großen Himmels; du beherrschst die machtvolle Schar der Maruts. Mit rötlichen Winden ziehst du, Frieden bringend; als Pushan beschützt du uns selbst.« Mehrere Formen des Zitats sind beschädigt.

12.85 »Ihr Götter, gründet euch in den Göttern: Ihr Ersten in den Zweiten, ihr Zweiten in den Dritten, ihr Dritten in den Vierten.«

12.86 »Ihr Vierten in den Fünften, ihr Fünften in den Sechsten, ihr Sechsten in den Siebten, ihr Siebten in den Achten.«

12.87 »Ihr Achten in den Neunten, ihr Neunten in den Zehnten, ihr Zehnten in den Elften, ihr Elften in den Zwölften.«

12.88 »Ihr Zwölften in den Dreizehnten, ihr Vierzehnten in den Fünfzehnten, ihr Fünfzehnten in den Sechzehnten, ihr Sechzehnten in den Siebzehnten.« Der Übergang von dreizehn zu vierzehn fehlt in der Vorlage und wird nicht ergänzt.

12.89 »Ihr Siebzehnten in den Achtzehnten, ihr Achtzehnten in den Neunzehnten, ihr Neunzehnten in den Zwanzigsten, ihr Zwanzigsten in den Einundzwanzigsten.«

12.90 »Ihr Einundzwanzigsten in den Zweiundzwanzigsten, ihr Zweiundzwanzigsten in den Dreiundzwanzigsten, ihr Dreiundzwanzigsten in den Vierundzwanzigsten, ihr Vierundzwanzigsten in den Fünfundzwanzigsten.«

12.91 »Ihr Fünfundzwanzigsten in den Sechsundzwanzigsten, ihr Sechsundzwanzigsten in den Siebenundzwanzigsten, ihr Siebenundzwanzigsten in den Achtundzwanzigsten, ihr Achtundzwanzigsten in den Neunundzwanzigsten.« Die zweite Zahl ist in der Vorlage beschädigt, aber aus der fortlaufenden Reihe erkennbar.

12.92 »Ihr Neunundzwanzigsten in den Dreißigsten, ihr Dreißigsten in den Einunddreißigsten, ihr Einunddreißigsten in den Zweiunddreißigsten, ihr Zweiunddreißigsten in den Dreiunddreißigsten.«

12.93 »Gründet euch, ihr dreimal elf Götter; die dreimal dreiunddreißig mögen höher werden, auf höherem Weg und von höherem Wesen. Um welchen Wunsch ich dieses Opfer vollziehe, der möge sich erfüllen. Wir mögen Herren der Güter sein. Bhuh, Bhuvah, Svah, Svaha.« Die beiden Gruppenzahlen stehen so nebeneinander in der Quelle.

12.94 Nach diesem fünfgliedrigen Nyasa wird Shiva mit einer achtgliedrigen Niederwerfung gegrüßt. Der Japa wird Rudra dargebracht; danach folgt erneut die Anrufung.

12.95 »Am Anfang entstand der goldene Keim; geboren, war er der eine Herr alles Gewordenen. Er hielt diese Erde und den Himmel. Welchem Gott wollen wir mit Opfergabe dienen?«

12.96 »Durch seine Größe wurde er der eine mächtige König der atmenden und blinzelnden Welt; seiner Gewalt unterstehen Zweifüßige und Vierfüßige. Welchem Gott wollen wir mit Opfergabe dienen?« Der Versanfang ist verkürzt.

12.97 »Brahman wurde zuerst im Osten geboren; Vena enthüllte es mit seinem Glanz. Er offenbarte seine tiefsten und höchsten Stätten, den Ursprung des Seienden und des Nichtseienden.« Mehrere Formen der Vorlage sind entstellt; die Wiedergabe bleibt sinngemäß.

12.98 »Der große Himmel und die Erde mögen dieses Opfer benetzen und uns mit ihren Gaben erfüllen.«

12.99 »Lass Erde und Himmel widerhallen; die vielfältig ausgebreitete Welt möge dich beachten. Trommel, vereint mit Indra und den Göttern, treibe die Feinde weit und immer weiter fort.«

12.100 »Agni, führe uns auf gutem Weg zum Reichtum, du Gott, der alle Wege kennt. Halte die krumme Verfehlung von uns fern; dir bringen wir reichste Worte der Verehrung dar.«

12.101 »Agni, mit deiner opferwürdigen Gestalt komme und erhebe dich selbst. Schaffe diesem Menschen viele Güter; werde selbst zum Opfer und nimm im Opfer deinen eigenen Ursprungsort ein.« Die Zahl- beziehungsweise Wortform vor den Gütern ist in der Vorlage unklar.

12.102 »Jatavedas ...« Der Versanfang ist beschädigt. Erkennbar folgt eine Anrufung Agnis mit Ghee-haltigen Opfergaben und die Bitte: »Mit diesen unbegrenzten Tagen und mit hundert eisernen Burgen beschütze uns.« Die erste Satzhälfte lässt sich nicht vollständig sichern.

12.103 »Yama, setze dich auf dieses ausgebreitete Opfergras, vereint mit den Angiras und den Vätern. Die von Sehern gepriesenen Mantras mögen dich herbeitragen. König, erfreue dich an dieser Opfergabe.«

12.104 Nach dieser Verehrung der Gottheit folgt die Verbindung mit den Göttern: »Isha wohne in meiner Nase, Mond und Sonne in meinen Augen,

12.105 die Ashvins in meinen Ohren, die Rudras in meinem Glied, die Adityas an meinem Scheitel und Mahadeva an meinem Kopf.

12.106 Vasudeva sei am Haarschopf, Pinakin am Rücken, Shailin vor mir, Shiva und Shankara an meinen Seiten.

12.107 Überall sei Vayu, und ringsum außerhalb mögen viele Kränze von Feuerflammen mich umgeben.

12.108 Alle Gottheiten mögen in allen meinen Gliedern wohnen.« Nach der Bitte »Verweile in mir« wird die entfaltete Welt innerlich als Opfer dargebracht.

12.109 »Agni ruht in meiner Rede; die Rede im Herzen, das Herz in mir, ich in der Unsterblichkeit, die Unsterblichkeit in Brahman.«

12.110 »Vayu ruht in meinem Atem; der Atem im Herzen, das Herz in mir, ich in der Unsterblichkeit, die Unsterblichkeit in Brahman.«

12.111 »Die Sonne ruht in meinem Auge; das Auge im Herzen, das Herz in mir, ich in der Unsterblichkeit, die Unsterblichkeit in Brahman.«

12.112 »Der Mond ruht in meinem Geist; der Geist im Herzen, das Herz [in mir], ich in der Unsterblichkeit, die Unsterblichkeit in Brahman.« »In mir« fehlt an dieser Stelle und ist nur nach der ausdrücklich wiederkehrenden Formel in eckigen Klammern ergänzt.

12.113 »Die Richtungen ruhen in meinem Gehör; das Gehör im Herzen, das Herz in mir, ich in der Unsterblichkeit, die Unsterblichkeit in Brahman.«

12.114 »Die Wasser ruhen in meinem Samen; der Samen im Herzen, das Herz in mir, ich in der Unsterblichkeit, die Unsterblichkeit in Brahman.«

12.115 »Die Erde ruht in meinem Körper; der Körper im Herzen, das Herz in mir, ich in der Unsterblichkeit, die Unsterblichkeit in Brahman.«

12.116 »Pflanzen und Bäume ruhen in meinen Körperhaaren; die Haare im Herzen, das Herz in mir, ich in der Unsterblichkeit, die Unsterblichkeit in Brahman.«

12.117 »Indra ruht in meiner Kraft; die Kraft im Herzen, das Herz in mir, ich in der Unsterblichkeit, die Unsterblichkeit in Brahman.«

12.118 »Parjanya ruht in meinem Scheitel; der Scheitel im Herzen, das Herz in mir, ich in der Unsterblichkeit, die Unsterblichkeit in Brahman.«

12.119 »Ishana ruht in meinem Eifer beziehungsweise Zorn; dieser Eifer im Herzen, das Herz in mir, ich in der Unsterblichkeit, die Unsterblichkeit in Brahman.« Manyu bezeichnet hier die innere Antriebskraft mit ihrer zornhaften Seite.

12.120 »Das Selbst ruht in meinem Selbst; das Selbst im Herzen, das Herz in mir, ich in der Unsterblichkeit, die Unsterblichkeit in Brahman.«

12.121 »Mein Selbst kehre wieder, mein Leben kehre wieder; mein Atem und meine Absicht kehren wieder. Vaishvanara, durch seine Strahlen wachsend, wohne im Innern als Hüter der Unsterblichkeit.«

12.122 Nach diesen Nyasas meditiert man sich selbst als Ishvara. Dann wird die Linga-Puja nach der für das irdene Linga beschriebenen Ordnung vollzogen.

12.123 »Menschen, Siddhas, Götter, Asuras und weitere Wesen haben dich verehrt. Mit Hingabe verehre ich dich; nimm mich an, Maheshvara.«

12.124 »Deine wachen Rosse mögen dich herbeibringen, Tag für Tag mit weißen, leuchtenden Pferden, mit kraftvollen, gedankenschnellen Winden. Beschütze mich rasch, Sharva, und komme zu meiner Opfergabe.« Die Verbindung von Rossen, Winden und Wasser ist im Mittelteil beschädigt.

12.125 »Dies sei dir, Rudra, die Wohnstätte; ziehe über Mujavat hinaus. Mit entspanntem Bogen, Pinaka tragend und mit Fell bekleidet, komme heilsam und verletze uns nicht.« Der Anfang ist wie in 12.39 unregelmäßig.

12.126 »Vier Hörner hat er, drei Füße, zwei Köpfe und sieben Hände. Dreifach gebunden brüllt der Stier; der große Gott ist in die Sterblichen eingegangen.«

12.127 »Sei gnädig, Herr der Götter; zeige dein freundliches Antlitz, Shankara. Sei hier friedvoll und wende dich mir zu.«

12.128 »Herr, Gebieter der ganzen Welt, bis zum Ende der Puja sei in diesem Linga liebevoll gegenwärtig.«

12.129 Danach wird der Abhisheka nacheinander mit den fünf Nektaren und anschließend mit reinem Wasser vollzogen. Dann beginnt die weitere Verehrung.

12.130 Es folgt der Rudra-Guss, dessen Ordnung nun erklärt wird. Die beiden Rezitationskapitel beginnen mit »namaste rudra« und »agna vishnu«.

12.131 Ihre gemeinsame Wiederholung heißt Avartana und soll die Frucht eines Bades im Ganges gewähren. Wer täglich einen Abhisheka mit dieser Wiederholung vollzieht,

12.132 dessen an diesem Tag entstandene und schicksalsbedingte Verfehlungen würden vernichtet. Sind diese bereits durch die Sandhya getilgt, betrifft die Wirkung Verfehlungen aus früheren Geburten.

12.133 Auf eine vollständige Rezitation des mit »namaste« beginnenden Textes folgt ein Abschnitt des anderen; ebenso wird mit den weiteren, durch Anfangswörter angedeuteten Teilen verfahren. Die verkürzten Anfangszitate sind beschädigt und erlauben keine sichere vollständige Zyklenbeschreibung.

12.134 Dies heißt Rudriya und tilge schwere Verfehlungen. Wer damit täglich das Linga begießt,

12.135 dessen in früheren Geburten angesammelte Verfehlungen würden Jahr für Jahr vernichtet. Wenn die Verfehlungen aus sieben Geburten getilgt sind, wachse Lakshmi.

12.136 Die Familienlinie werde beständig und der Ruhm reiche in alle Richtungen. Die Gestalt des Verehrers werde im Quecksilber – so erklärt die Glosse »suta« – ebenso sichtbar wie im Wasser.

12.137 Elf Rudriyas bilden den ersten Rudra. Wer damit das Linga begießt, werde den Sohn der Sonne, Yama, nicht sehen.

12.138 Elf solcher Rudras heißen Maharudra. Dieser soll Mittellosen Vermögen gewähren und schwerste Verfehlungen tilgen.

12.139 Ein damit vollzogenes Feueropfer gewähre die Frucht eines Soma-Opfers und mindere auch die Schuld eines Menschen, der zur betreffenden Einweihung nicht berechtigt ist.

12.140 Elf Maharudras heißen Atirudra. Dieser tilge außerordentlich schwere Verfehlungen und gelte als entsprechend begründete Wiedergutmachung.

12.141 Vertrauensbruch, Verrat am eigenen Herrn, ungerechte Bestrafung, Undankbarkeit und die Vernichtung eines Schutzsuchenden, obwohl man ihn schützen könnte,

12.142 sind die fünf überaus schweren Verfehlungen. Auch Askese an einem verfluchten Ort und verbotene Handlungen werden genannt; Atirudra solle ihre Folgen tilgen.

12.143 Die beiden Rezitationstexte werden so vorgetragen, wie sie in der eigenen Veda-Schule gelernt wurden. Die Überlieferung des eigenen Zweigs soll nicht zerschnitten werden.

12.144 Enthält der eigene Zweig keinen Rudra-Text, wird die Taittiriya-Fassung verwendet. Die Schule des Auftraggebers wird durch den ausführenden Brahmanen berücksichtigt.

12.145 Alternativ wird die Taittiriya-Überlieferung genannt; eine andere Schule wird dann nicht einbezogen. Die Vermischung der Schulen im Ritual soll dem Auftraggeber schaden, so die historische Regel.

12.146 Wer mich aus Geldgier für einen anderen begießt, gilt hier als töricht und wird mit der Stellung eines Chandala und sieben Geburten in Armut bedroht.

12.147 Wenn ein Hausvater meine Verehrung um Geldes willen ausführt, nennt der Vers Japa, Spende und einen Rudra-Anteil als Wiedergutmachung. Der genaue Umfang des letzten Ausdrucks bleibt unklar.

12.148 Wer Brahmanenbesitz verzehrt, werde als Krähe geboren; wer Shiva-Besitz verzehrt, als Hahn, wer Nahrung der Göttin verzehrt, als Affe und wer Vishnu-Besitz verbraucht, als Maus.

12.149 Brahmanen sollen die zurückbleibenden Gaben Chandis, Chandishas und Vinayakas nicht als Prasada annehmen, außer soweit sie selbst dargebracht wurden. Die Regel gehört zur besonderen Ritualordnung dieses Abschnitts.

12.150 Die Aussage über Menschen, die in einer früheren Geburt mit Vermögen nicht ordnungsgemäß ehrten und später meine Priester werden, ist widersprüchlich formuliert; der Schluss spricht von höchstem Wohlergehen. Eine eindeutige moralische Aussage lässt sich nicht ohne Eingriff herstellen.

12.151 Wer in seinem Veda-Zweig keinen Rudra-Text hat, rezitiert den Taittiriya-Rudra mit den Zusätzen; ebenso verfährt, wessen eigener Zweig verloren ist.

12.152 Nun wird das Rudra-Kapitel mit seinen Mantra-Anwendungen erklärt. Nach der Zugangsbeschränkung des Textes soll es einem nicht entsprechend vorbereiteten Tantriker niemals mitgeteilt werden.

12.153 »Om. Verehrung deinem Zorn, Rudra, und Verehrung deinem Pfeil. Verehrung deinem Bogen und deinen beiden Armen.«

12.154 »Mit deinem heilsamsten Pfeil, deinem heilsam gewordenen Bogen und deinem heilsamen Köcher, Rudra, sei uns gnädig.« Die Köcherbezeichnung ist in der Vorlage abweichend geschrieben.

12.155 »Rudra, mit deiner heilsamen, nichtschrecklichen, das Böse vertreibenden Gestalt, mit dieser friedvollsten Gestalt blicke uns an, du Glück bringender Herr des Berges.«

12.156 »Den Pfeil, den du in der Hand zum Abschuss hältst, Herr des Berges, mache heilsam. Verletze weder den Menschen noch die bewegte Welt.«

12.157 »Mit heilsamer Rede sprechen wir dich an, Herr des Berges.« Der Vers geht unmittelbar in eine Anwendung über: Hunderttausend Opfer mit reinem Kuhghee werden genannt,

12.158 ferner Madhvika, Madhuka, Honig und Sesam mit Dickmilch. Auf welches Vorhaben man dies auch richtet, es solle gelingen. Die beiden ersten Stoffnamen bleiben ohne unsichere botanische Gleichsetzung.

12.159 Elf Tage lang jeweils tausend solche Opfer sollen ein Kindersterben im Dorf beenden.

12.160 Nach zwölf Tagen solle das Sterben Heranwachsender enden; fünfzehn Tage Feueropfer sollen Bedrängnisse des Königreichs beseitigen.

12.161 Zwanzig Nächte sollen Not im Land, ein Monat Not auf der Erde beseitigen. Die Passage enthält traditionelle kollektive Schutzverheißungen.

12.162 Bei Bedrängnis des Viehs werden im Stall zehntausend Opfer mit Vaikankata-Holz genannt, laut Glosse einer Dornbaumart. Zehntausend Rudra-Opfer sollen umfassende Befriedung bringen.

12.163 »Damit unsere ganze Welt frei von Krankheit und wohlgesinnt sei.« Zehntausend Wiederholungen sollen von einem Fluch lösen; hunderttausend morgendliche Wiederholungen im kalten Wasser sollen Glück bringen.

12.164 »Der höchste Fürsprecher sprach, der erste göttliche Arzt. Alle Schlangen bezwingend, treibe er sämtliche Zauberwesen nieder und fort.«

12.165 Die Purashcharana zählt hunderttausend Wiederholungen; dazu werden Ghee und Senf geopfert. Dies soll Krankheiten beseitigen. Nun folgt eine weitere Anwendung.

12.166 Siebenmal besprochene Senfkörner werden rings um einen Kranken ausgestreut; dadurch soll Schutz aus allen zehn Richtungen entstehen.

12.167 Auf einer Reise werden ebenso siebenmal besprochene Senfkörner in die zehn Richtungen gestreut, damit der Weg sicher sei.

12.168 Ein Mensch, dessen Zustand Brahmarakshasas, Yakshas, Pishachas, Totengeistern oder anderen Wesen zugeschrieben wird, wird nach der historischen Vorschrift mit siebenmal besprochenen Senfkörnern beworfen beziehungsweise geschlagen. Das ist keine Empfehlung zum Umgang mit Erkrankten.

12.169 Die folgende Passage nennt wiederholte Mantrarezitation, nach Geld Verlangende, das Mitnehmen von Geld und Sandel in der Hand. Ihre Satzverbindung ist beschädigt und erlaubt keine verlässliche vollständige Anwendungserklärung.

12.170 Es werden das Festhalten am Haarschopf, Rezitation während einer ganzen Nacht und das Bewerfen mit weißen Senfkörnern beschrieben, um eine Skanda und anderen Grahas zugeschriebene Bedrängnis zu vertreiben. Die gewaltsame Behandlung bleibt als historische Angabe gekennzeichnet.

12.171 Ein in den Lehrschriften beschriebenes Arzneimittel wird mit diesem Mantra besprochen und gegeben. Seine Eigenschaften sollen dann sofort wirken; ohne dies sei die Wirkung von der Tithi abhängig, behauptet der Text.

12.172 Besprochenes Wasser soll von Wesen verursachte Schmerzen lindern; bei einer Graha-Zuschreibung werden außerdem Senfkornwürfe genannt.

12.173 Das Tragen besprochener Asche soll alle Geisterbedrängnis überwinden. Tags und nachts wird ferner ein Dreizack besprochen,

12.174 und nach tausend Wiederholungen in ein Schlangengewässer geworfen; die Schlangen sollten dadurch ihre Kraft verlieren und zugrunde gehen. Die Quelle beschreibt hier eine destruktive magische Handlung.

12.175 Besprochene Asche wird in ein von Schlangen besetztes Haus gestreut, begleitet von Klatschen. Dadurch sollen die Schlangen vertrieben werden.

12.176 »Jener Kupferrote, Rötliche, Braune, ganz Glückverheißende, und die Tausende Rudras rings um ihn in den Richtungen: Ihren Zorn bitten wir ab.«

12.177 »Jener Blauhalsige, tief Rote, der herabzieht: Ihn sahen die Hirten, ihn die Wasserträgerinnen und alle Wesen. Möge er, von uns geschaut, uns gnädig sein.«

12.178 Mit diesen beiden Versen wird die Sonne bei Aufgang und Untergang jeweils hundertachtmal verehrt. Nach drei Jahren werde unerschöpflicher Wohlstand erlangt.

12.179 Shiva wird mit Milch gebadet, über der tausend Wiederholungen vollzogen wurden; nach einem Jahr sei er erfreut. Ein Ghee-Guss soll Regen bringen.

12.180 Zehntausend Opfer mit Atasi-Blüten sollen einen Unfügsamen gefügig machen; Savitar werde zum Segensspender.

12.181 Zehntausend Arka-Hölzer werden mit dem aus der Arka-Wurzel stammenden Milchsaft benetzt geopfert. Wer dazu fähig ist, rezitiert im Wasser. Der giftige Pflanzensaft wird ausschließlich als Quellenangabe genannt.

12.182 Am Ende des Feueropfers lasse der Sonnengott Regen fallen. Die beiden Mantras sollen ihren Verehrenden die gewünschte Vollendung gewähren.

12.183 »Verehrung dem Blauhalsigen, Tausendäugigen, Freigebigen und seinen Gefährten.« In der Nähe des Ritualplatzes wird Milchreis mit Ghee bereitet.

12.184 Von der dunklen Ashtami bis zur dunklen Chaturdashi wird er täglich nach tausend Mantrawiederholungen aufgestellt. Der Gottheit werden tausend Karshapanas dargebracht.

12.185 Ist das Mantra vollendet, entstehe Gewinn durch Unternehmung, andernfalls die Hälfte. Auch die Darbringung eines Sonnensteins, eines Stiers und weiterer Gaben wird mit erneutem Gewinn verbunden. Als Vorbereitung werden hunderttausend Wiederholungen genannt.

12.186 Das Feueropfer geschieht mit Milchreis und Ghee; die besondere Anwendung soll nicht mitgeteilt werden. Es folgt: »Löse die Sehne von beiden Enden deines Bogens; lege die Pfeile in deiner Hand fern von uns ab, Erhabener.«

12.187 »Entspanne deinen Bogen, Tausendäugiger mit hundert Köchern; stumpfe die Pfeilspitzen ab und sei uns heilsam und wohlgesinnt.«

12.188 »Der Bogen des Haarknotenträgers sei entspannt, sein Pfeil ohne Spitze. Seine Pfeile seien machtlos und sein Köcher fern.« Die letzten Formen sind wie zuvor beschädigt.

12.189 »Deine Waffe, Freigebigster, und der Bogen in deiner Hand: Mit dieser nicht krankmachenden Macht beschütze uns von allen Seiten.«

12.190 »Verehrung deiner ungespannten und doch gewaltigen Waffe; Verehrung deinen beiden Armen und deinem Bogen.«

12.191 »Die Waffe deines Bogens möge uns von allen Seiten verschonen. Deinen Köcher lege weit von uns fort.«

12.192 Mit fünftausend Wiederholungen werden Waffen besprochen, gebunden und abgewehrt beziehungsweise fortgeschleudert. Dadurch sollen die Feinde fortgehen; die Bewegungsfolge ist im Wortlaut verkürzt.

12.193 Wer Feindschaft hervorrufen will, opfert zehntausend spitze Darbha-Teile. Eine weitere Angabe nennt Rohzucker, das Aussprechen beziehungsweise Erinnern des Feindnamens und das Opfer; die Wortverbindung ist nicht eindeutig.

12.194 Schon durch einen als Japa-Pressung bezeichneten Vollzug solle der Feind gewaltsam vertrieben werden. Ein ganzer Tag Japa solle ihn samt Dorf vertreiben.

12.195 Für einen König wird eine Tag-und-Nacht-Zeit beziehungsweise eine zusätzliche halbe Tageszeit genannt; für einen Vaishya ein Viertel, für einen Einmalgeborenen ein Sechstel. Die Bezugsgröße der Bruchteile ist nicht vollständig klar; die soziale Abstufung ist historisch.

12.196 Zum Gefügigmachen der Stände von Brahmanen an werden der Reihe nach Palasha-, Ashvattha-, Bilva- und Apamarga-Hölzer genannt, mit Dickmilch, Honig und Ghee verbunden,

12.197 jeweils zehntausendmal geopfert. Für die als niedriger eingestuften Gruppen nennt der Text Varuna-, Arka- und Vetasa-Holz

12.198 sowie Shakhotaka, insgesamt zweitausendachthundert Gaben. Danach werden Saugandhika-, Utpala- und Kumuda-Blüten genannt; ein dazwischenstehendes Wort ist beschädigt.

12.199 Hunderttausend solcher mit Sandel bestrichenen Blüten werden hingebungsvoll auf dem Linga dargebracht, jeweils mit den sechs Mantras. Dadurch soll ein entthronter König wieder König werden.

12.200 Wer Vermögen begehrt, erlange es durch diese Verehrung Shambhus. Wer hunderttausend Sesamkörner einzeln auf Shiva darbringt,

12.201 stehe nach der Bildrede beständig auf den Köpfen seiner Feinde. Zehntausend Opfer mit dem Holz des Raja-Baumes

12.202 sollen raschen Sieg über Gegner im Kampf, am Königshof und beim Spiel gewähren. Sechstausend Guggulu-Opfer bei Dakshinamurti

12.203 sollen das jeweilige Vorhaben rasch gelingen lassen; bei achttausend gelinge sogar das scheinbar Unmögliche.

12.204 Achttausend Opfer mit der in der Küche zubereiteten Speise sollen den Vorrat des Ausführenden unerschöpflich machen.

12.205 Nun werde ich dir zum Wohl der Welt einen zusätzlichen Vers dieses Abschnitts erklären. Höre aufmerksam.

12.206 »Verehrung sei dir, Erhabener: dem Herrn des Alls, Mahadeva, dem Dreiäugigen, dem dreifachen Purusha, dem Zerstörer der drei Städte, den drei Zeiten, dem Zeitfeuer-Rudra, dem Blauhalsigen, dem Herrn aller, Sadashiva, dem verehrten Mahadeva.« Die Benennungen Tripurusha und Trikala stehen so in dieser Vorlage.

12.207 Wer diese Anrufung zehntausendmal rezitiert und zu jedem Namen tausend Ghee-benetzte Bilva-Blätter opfert, werde von der Welt geehrt.

12.208 »Verehrung dem Goldarmigen, dem Heerführer und Herrn der Richtungen; den grünhaarigen Bäumen und dem Herrn der Tiere; dem gelbrötlich Leuchtenden und Herrn der Wege; dem Grünhaarigen mit heiliger Schnur, dem Herrn der Wohlgenährten.«

12.209 »Verehrung dem Braunen, dem Durchbohrenden und Herrn der Nahrung; der Waffe Bhavas und dem Herrn der Welten; Rudra mit gespanntem Bogen, dem Herrn der Felder; dem Wagenlenker, dem Unverletzlichen und Herrn der Wälder.« Die Bezeichnung des Unverletzlichen ist unregelmäßig geschrieben.

12.210 Als Purashcharana werden tausend Wiederholungen genannt. Für die Sicherheit eines in den Kampf Gezogenen wird dieser Abschnitt rezitiert.

12.211 Durch die Kraft des Japa solle er von feindlichen Hand- und Wurfwaffen nicht verletzt werden. Vor dem mit »sutaya« beginnenden Teil wird nun ein Zusatz genannt.

12.212 Die ersten beiden Anrufungen enthalten unverständliche Folgen wie »lalalatatayinam« und »nanananatatayinam«; nur »Verehrung dem Herrn ...« ist sicher erkennbar. Danach: »Verehrung dem Roten, dem Baumeister, dem Herrn der Bäume; dem die Welt Erweiternden, Raum Schaffenden, dem Herrn der Pflanzen.«

12.213 »Verehrung dem Ratgeber, dem Händler, dem Herrn des Dickichts; dem laut Rufenden und Aufschreienden, dem Herrn der Heere.« Die Vorlage schreibt beim letzten Substantiv eine verkürzte Form.

12.214 »Verehrung dem alles Umfassenden, dem Dahineilenden, dem Herrn der Wesen; dem Standhaltenden und Durchbohrenden, dem Herrn der angreifenden Scharen; dem Köcherträger, dem Hervorragenden, dem Herrn der Diebe; dem mit Schwertscheide und Köcher, dem Herrn der Räuber.«

12.215 Die Purashcharana umfasst fünftausend Wiederholungen. Wer diesen Abschnitt rezitiert, brauche im Wald Tiger, Räuber und Ähnliches nicht zu fürchten.

12.216 »Verehrung dem Täuschenden und Überlistenden, dem Herrn der heimlichen Diebe; dem Schleichenden und Umherziehenden, dem Herrn der Wälder; den Tötungswilligen und dem Herrn der Plünderer; den nachts Umherziehenden und dem Herrn der Zerschneidenden.« Zwei Gruppenbezeichnungen sind in der Vorlage beschädigt und nur sinngemäß wiedergegeben.

12.217 »Verehrung dem Turbanträger, dem Berggänger, dem Herrn der Landräuber; euch Pfeilträgern und Bogenträgern, euch Spannenden und Anlegenden, euch Ausziehenden und Abschießenden.«

12.218 Die Purashcharana zählt achttausend Wiederholungen. Der Japa soll heftige Schmerzen durch Wunden und Ähnliches beseitigen.

12.219 »Verehrung euch Aussendenden und Treffenden, euch Schlafenden und Wachenden, euch Liegenden und Sitzenden, euch Stehenden und Laufenden.« Die Form für »Treffende« ist in der Vorlage beschädigt.

12.220 »Verehrung den Versammlungen und ihren Leitern, den Pferden und ihren Herren.«

12.221 Die Purashcharana zählt neuntausend Wiederholungen. Dieser Abschnitt wird zur Befriedung des viergliedrigen Heeres rezitiert.

12.222 »Verehrung euch von allen Seiten Angreifenden und Durchbohrenden, euch Scharen und gewaltig Wirkenden.« Die zweite Gruppenbezeichnung ist in der Vorlage fehlerhaft.

12.223 »Verehrung den Scharen und ihren Führern, den Verbänden und ihren Führern, den Kundigen und ihren Anführern, den Vielgestaltigen und Allgestaltigen.«

12.224 »Verehrung den Großen und Kleinen, den Wagenkämpfern und Wagenführern, den Heeren und Heerführern, den Wagenlenkern und Zügelhaltern, den Großen und den Jungen.«

12.225 »Verehrung den Zimmerleuten und Wagenbauern, Töpfern und Schmieden, Vogelfängern und Nishadas, Pfeilmachern und Bogenmachern, Jägern und Hundeführern, Hunden und ihren Herren.« Das Wort für Hundeführer ist in der Vorlage verkürzt.

12.226 Die Purashcharana zählt sechzehntausend Wiederholungen. Nach einer Bali-Gabe für bedrängende Grahas soll die Rezitation Gesundheit bringen.

12.227 »Verehrung Bhava und Rudra, Sharva und Pashupati, dem Blauhalsigen und Weißkehligen, dem mit Haarknoten und dem mit geschorenem Haar.«

12.228 »Verehrung dem Tausendäugigen und dem mit hundert Bogen, dem Bergherrn und dem Strahlend-Durchdringenden, dem Freigebigsten und Pfeilträger, dem Kleinen und Zwerggestaltigen, dem Großen und Größeren, dem Alten und immer weiter Wachsenden.«

12.229 Zehntausend Wiederholungen bilden die Purashcharana für Wohlstand. Wer diesen Abschnitt zu den drei Sandhyas rezitiert, werde innerhalb eines Jahres vom Glück begünstigt.

12.230 »Verehrung dem Vordersten und Ersten, dem Schnellen und Regsamen, dem im raschen Strom und im fließenden Wasser, dem in der Welle und im ruhigen Wasser, dem im Strom und auf der Insel.« Die beiden Wasserbegriffe und die Inselbezeichnung sind in der Vorlage beschädigt.

12.231 Die Purashcharana zählt fünftausend Wiederholungen. Als Frucht werden eine führende Stellung in der Schar, Zufriedenheit und Anerkennung durch andere genannt; die Satzfügung ist knapp.

12.232 »Verehrung dem Ältesten und Jüngsten, dem früher und später Geborenen, dem Mittleren und noch Unentwickelten, dem Letzten und dem an der Wurzel.«

12.233 »Verehrung dem in der Menschenwelt und dem Umherziehenden, dem bei Yama und dem im sicheren Frieden, dem in Lobversen und dem am Abschluss, dem im fruchtbaren Feld und auf der Tenne.« Mehrere seltene Bezeichnungen sind in dieser Lesart unsicher.

12.234 »Verehrung dem im Wald und im Dickicht, dem im Klang und im Widerhall.«

12.235 Zehntausend Wiederholungen bilden die Purashcharana. Durch Japa soll man unter den eigenen Angehörigen hervorragen.

12.236 »Verehrung dem mit raschem Heer und raschem Wagen, dem Helden und Durchbrecher, dem Gerüsteten und Geschützten, dem Helmträger und Gepanzerten, dem Berühmten und dem mit berühmtem Heer.« Die Heldenbezeichnung ist als »shara« überliefert und damit unsicher.

12.237 Die Purashcharana zählt fünftausend Wiederholungen. Angeborenes Hinken solle verschwinden und die Paduka-Siddhi erreicht werden; dies ist eine historische Heilungs- und Wunderverheißung.

12.238 »Verehrung der Trommel und dem Trommelschläger, dem Kühnen und Erkundenden, dem Boten und Entsandten, dem Träger von Schwertscheide und Köcher.«

12.239 »Verehrung dem mit scharfem Pfeil und dem Bewaffneten, dem auf dem Pfad und auf dem Weg, dem im kargen Land und in der Niederung, dem im Wasserlauf und im Teich, dem am Fluss und im kleinen Gewässer.«

12.240 Zwanzigtausend Wiederholungen bilden die Purashcharana. Dieser Anuvaka soll Sieg im Kampf gewähren.

12.241 »Verehrung dem im Brunnen und in der Vertiefung, dem im Wasser und außerhalb des Wassers, dem in der Wolke und im Blitz, dem im Herbsthimmel und in der Hitze.« Die letzten beiden Begriffe sind in der Vorlage deutlich beschädigt; die Wiedergabe ihrer Bedeutung bleibt unsicher.

12.242 »Verehrung dem im Sturm und im Regen beziehungsweise Sonnenstrahl, dem am Wohnort und dem Hüter der Wohnstätte.« Der zweite Ausdruck lautet »reshmya« und ist nicht eindeutig.

12.243 Die Purashcharana zählt sechstausend Wiederholungen. Ist die Sonne von einem Graha ergriffen, wird diese Besprechung verwendet; die anschließende Aussage über das Freigeben von Wasser ist im Zusammenhang nicht eindeutig.

12.244 »Verehrung Soma und Rudra, dem Kupferroten und Rötlichen, dem Heilbringenden und Herrn der Tiere, dem Gewaltigen und Furchterregenden.« Die Heilbringer-Bezeichnung ist in der Vorlage abweichend geschrieben.

12.245 »Verehrung dem vor uns und in der Ferne Treffenden, dem Tötenden und noch stärker Tötenden, den Bäumen mit grünem Haar und dem Hinüberführenden.«

12.246 »Verehrung dem Ursprung des Heils und dem Ursprung der Freude, dem Heil Schaffenden und Freude Schaffenden, dem Heilsamen und dem Allerheilsamsten.«

12.247 Nach zehntausend Wiederholungen als Purashcharana folgen zu den drei Tageszeiten je hundertacht Wiederholungen. Die Quelle beschreibt dazu das Einnehmen von Aschewasser und das Bestreichen des Körpers damit.

12.248 Nach drei Monaten solle Schwindsucht, nach einem Jahr eine als »chitra« bezeichnete Hautveränderung verschwinden; kleinere Leiden nach drei Tagen. Eine weitere Krankheitsbezeichnung ist beschädigt. Diese Fristen sind religiöse Heilungsbehauptungen, keine Behandlungsempfehlung.

12.249 »Verehrung dem am heiligen Übergang und am Ufer, dem auf dieser und jener Wasserseite, dem Hinüberführenden und Herausführenden.« Die beiden letzten Namen lauten in der Vorlage »acharya« und »adhmana« und sind in diesem Zusammenhang nicht sicher übersetzbar.

12.250 »Verehrung dem im jungen Gras und im Schaum, dem im Sand und im strömenden Wasser.«

12.251 Die Purashcharana zählt sechstausend Wiederholungen. Wer sechs Monate an einer Pilgerstätte rezitiert, erlange noch in diesem Leben deren überlieferte Frucht.

12.252 »Verehrung dem im unfruchtbaren Land und dem Umherziehenden, dem im steinigen Boden und in der Wohnstätte, dem mit Haarknoten und langem Haar.« Mehrere Ortsnamen sind in der Vorlage abweichend geschrieben.

12.253 »Verehrung dem im Viehhof und im Haus, dem auf dem Lager und im Wohnraum, dem im dichten Land und im Verborgenen, dem im Herzen und im Niedergelegten beziehungsweise in der Wohnstätte.« Die letzten beiden Zuordnungen bleiben unsicher.

12.254 »Verehrung dem im Staub und im aufgewirbelten Staub, dem im Trockenen und im Grünen, dem im harten Boden und im Gras.« Die beiden letzten seltenen Wörter sind nur annähernd wiedergegeben.

12.255 Neuntausend Wiederholungen bilden die Purashcharana. Dadurch sollen Alchemie und ein als rajasisch bezeichnetes Verfahren gelingen; der zweite Gegenstand bleibt unbestimmt.

12.256 Hierzu gehört noch ein ergänzender Anuvaka. Er wird nach der mit »rajasyaya« und »namah« endenden Anrufung rezitiert.

12.257 »Verehrung dem Nächsten und dem Schlankgliedrigen, dem Jenseitigen und noch weiter Jenseitigen, dem Höchsten und dem Rauch, dem Fortnehmenden und dem Hinüberführenden.«

12.258 »Verehrung dem Zwerggestaltigen und dem Goldenen beziehungsweise Hirschgleichen, dem Heilsamen und dem Grünhaarigen.« Die Bedeutung von »harinya« ist hier nicht eindeutig.

12.259 Die Purashcharana zählt achttausend Wiederholungen. Besprengung mit Wasser und Opfergras soll die als Bala-Grahas bezeichneten Kinderbedrängnisse beseitigen.

12.260 »Verehrung dem Weiten und der Sonne, dem Blatt und dem abgefallenen Laub, dem die Waffe Erhebenden und Zuschlagenden, dem Bedrängenden und heftig Bedrängenden.« Die zweite Benennung liest die Vorlage als »surya«.

12.261 Neuntausend Wiederholungen bilden die Purashcharana. Einem Trauernden wird besprochenes Wasser zur Beruhigung seines Kummers gegeben.

12.262 Der Zusatz lautet: »Verehrung euch machtvoll Wirkenden, überall den Herzen der Götter.« Wer diesen auch bei den besonderen Anwendungen rezitiert,

12.263 soll durch zehntausend Sesamopfer, für die eine Gesamtmenge von tausend Palas genannt wird, binnen eines Jahres königliche Anerkennung und Stellung erlangen.

12.264 Elftausend mit Ghee bestrichene Stücke eines als »gomadya« überlieferten Stoffes werden geopfert; der Stoff ist nicht sicher bestimmbar. Außerdem werden elf Kühe als Spende gegeben.

12.265 Wer nach der Purashcharana hunderttausend Gaben aus Sesam und Reis opfert, in dessen Haus wohne königliche Lakshmi selbst.

12.266 Durch Sesam- und Getreideopfer werde Lakshmi beständig. Danach wird ein Abbild eines Königs aus Shatapushpa beschrieben,

12.267 mit tausend Opfergaben, wodurch der König gefügig werden solle. Hunderttausend Lotus- und Wasserlilienopfer sollen königlichen Wohlstand verleihen.

12.268 Der Text nennt ein Abbild aus Kichererbsen und hunderttausend Guggulu-Kugeln als Opfer; dadurch solle ein geraubtes Lehnsfürstentum zurückgewonnen werden. Die Verbindung zwischen Abbild und Opfergaben ist verkürzt.

12.269 Hunderttausend Bilva-Holzopfer bei Dakshinamurti sollen das Gebiet eines Lehnsfürsten gewähren. Der Baumname ist in der Vorlage fehlerhaft geschrieben, aus dem Zusammenhang aber erkennbar.

12.270 An einer großen Wegkreuzung wird ein Linga aus Ameisenhügelerde aufgestellt, mit Panchagavya gebadet und mit dem Rudra-Kapitel besprochen. Die Glosse betrifft eine grammatische Unregelmäßigkeit.

12.271 Mit »ma nas toke« folgt ein Abhisheka. Milchreis mit Ghee wird dargebracht und den Wesen Bali gegeben.

12.272 Drei Monate dieses Vollzugs sollen große Macht und Wohlstand bringen. Für die nächste Anwendung wird bei Dakshinamurti ein Pala oder ein halbes Pala

12.273 des als Shvetambara bezeichneten Stoffes pulverisiert, in ein Kupfergefäß gelegt, mit Ghee einer braunen Kuh verrührt und mit Pradipini besprochen. Der Stoff ist nicht sicher identifiziert.

12.274 Nach achttausend Wiederholungen dieses Mantras wird die Mischung nach der Quelle getrunken; dadurch solle das eigene Wort überall unwidersprochen gelten. Wegen der unklaren Substanz ist dies keine nachzubildende Rezeptur.

12.275 Zehntausend Ghee-benetzte Udumbara-Hölzer sollen einen zum Herrn vieler Kühe machen, dessen Herde nicht abnimmt.

12.276 Achttausend Bilva-Holzopfer sollen acht Goldstücke gewähren; bei noch nicht vollendetem Mantra acht Silberstücke.

12.277 Fehlt Bilva, wird Amalaki genannt; fehlt dieses, Udumbara; dann Haimavati und schließlich Bibhitaka.

12.278 Wer hunderttausend Lotusblüten mit Sandel und Kuhghee opfert, zu dem komme Lakshmi von selbst.

12.279 »Du Gepanzerter, Herr der Nahrung, du Arme, Blaurote Gestalt: Erschrecke diese Menschen und diese Tiere nicht, schädige sie nicht; nichts von dem Unseren möge erkranken.« Die Schlusswörter der Vorlage sind beschädigt.

12.280 Ghee-Opfer mit diesem Vers bis zur Zahl zehntausend sollen unerschöpfliche Gewänder gewähren.

12.281 »Rudra, deine heilsame Gestalt, die allezeit Heilmittel ist, Heilmittel für den Leidenden: Mit ihr sei uns gnädig, damit wir leben.« Danach beginnt eine beschädigte Anweisung über Wolle beziehungsweise ein Material für den folgenden Faden; sie lässt sich nicht vollständig sichern.

12.282 Ein Faden aus elf Einzelfäden wird hergestellt, tausendmal besprochen und mit elf Knoten versehen.

12.283 Nach Verehrung und Räucherung wird die Schnur an der linken Hand einer Schwangeren befestigt; sie solle dadurch leicht einen Sohn gebären.

12.284 An der rechten Hand eines Kindes befestigt, soll derselbe besprochene Faden dessen Wohlergehen sichern.

12.285 Ein als »dhanika« bezeichneter Geldbesitzer beziehungsweise Schuldner trägt ihn am Oberarm oder Hals; dadurch brauche er seinen Gläubiger nicht zu fürchten. Die Personenbezeichnung passt nicht eindeutig zum zweiten Halbvers.

12.286 »Dem starken Rudra mit dem Haarknoten, dem Herrn mächtiger Helden, bringen wir unsere Andacht dar, damit Zweifüßigen und Vierfüßigen Heil werde und alles in diesem Dorf wohlgenährt und frei von Krankheit sei.« Der Versanfang ist verkürzt.

12.287 Täglich eintausendacht Sesamopfer sollen bewirken, dass man von Menschen ungebeten Vermögen erhält.

12.288 Zehntausend Ghee-benetzte Durva-Sprossen sollen selbst einen durch schweres Fieber dem Tod nahen Menschen am Leben erhalten. Dies ist eine traditionelle Heilungszusage.

12.289 Zehntausend Opfer mit Honig, Milchreis und Ghee sollen von schweren Grahas, Fieber und Schadenzauber befreien.

12.290 Zehntausend Vaikankata-Hölzer mit Ghee sollen durch Fieber und ähnliche Leiden verursachte Bedrängnis sofort beseitigen.

12.291 Wenn jemand um Vermögen und Ähnliches willen bedrängt wird – die Bezeichnung der Bedrängenden ist unklar –, werden zehntausend Getreidehülsen geopfert; dadurch soll sein Wohlergehen wachsen.

12.292 Hunderttausend Opfer mit Vaikankata, Udumbara und Sesam werden als Mittel zur Erlangung umfassender Kraft beschrieben.

12.293 Bei einem Unglück unter Kühen oder anderen Tieren wird an jenem Ort Feuer eingerichtet und Vaikankata-Holz mit Ghee geopfert.

12.294 Zehntausend Gaben sollen Befriedung bringen. Ebenso werden zehntausend Ghee-benetzte Palasha-Hölzer genannt; dadurch sollen Grahas, die schweres Fieber und andere Leiden verursachen,

12.295 Rakshasas, Geister, Vetalas, Totengeister und Pishachas den betroffenen Menschen, Elefanten oder das Pferd verlassen und weit fortgehen.

12.296 Für ein Haus, in dem es bei einer Geburt, einer Wöchnerin, einem Todesfall oder sonstigem Verlust zu Bedrängnis kommt, wird folgende Befriedung gelehrt.

12.297 Der Brahmane opfert zehntausend Ghee-benetzte Sesamgaben. In jenem Gebiet solle dann keine Furcht vor Seuche, Tigern und Ähnlichem bestehen.

12.298 Nun wird Befriedung für einen Ort erklärt, an dem die Gottheiten in Unruhe geraten sind. In der Mitte der Stadt wird ein Feuer eingerichtet.

12.299 In den vier Richtungen werden vier gerüstete, schützende Männer aufgestellt. Danach wird die Handlung aufmerksam vollzogen.

12.300 Eintausendacht Ghee-benetzte Sesamgaben werden geopfert. Um Mitternacht folgen Reis mit Ghee, Sesam,

12.301 Teig, Masha-Reis, Krishara und süßer Milchreis; diese Bali-Gaben werden an verschiedenen Stellen im Siedlungsgebiet verteilt,

12.302 auf Palasha-Blättern zuerst für die Rudras, dann für die Rakshasas. Ein Halbmonat dieses Verfahrens soll alle Bedrängnisse beseitigen.

12.303 »Sei uns gnädig, Rudra, schenke uns Wohlergehen. Dem Herrn mächtiger Helden dienen wir mit Verehrung. Das Heil und Glück, das Vater Manu durch Opfer gewann, mögen wir unter deiner Führung erlangen, Rudra.« Der Anfang ist in der Vorlage gestört.

12.304 Tausend Wiederholungen im Wasser und Shiva-Verehrung am Ufer sollen bewirken, dass eine geliebte Person, wie fern sie auch sei, binnen drei Tagen mit einem zusammentrifft.

12.305 »Schädige nicht unsere Großen und Kleinen, nicht die Heranwachsenden und Erwachsenen. Töte nicht Vater und Mutter; verletze nicht unsere lieben Körper, Rudra.«

12.306 Zehntausend Sesamopfer werden für die Gesundheit der Kinder und Angehörigen genannt; sie sollen sofort von Shitala und ähnlichen Krankheiten befreien. Die Krankheit wird im religiösen Sprachgebrauch zugleich mit einer Göttin verbunden.

12.307 Die beiden Mantras »ma nas toke« und »ma no mahantam« gelten als in allen Tantras verborgen. Ich werde sie dem Weisen zur Erfüllung der Aufgaben der Götter erklären. Die Glosse wiederholt beide Schutzgebete vollständig mit einigen Schreibfehlern.

12.308 Zuerst reinigt sich der Ausführende durch Atikricchra, Kricchra oder Chandrayana; danach beginnt er mit gereinigtem Körper den Japa.

12.309 Dabei lebt er von Gemüse, Gerstenspeise, Milch, Almosen oder Ghee. Die Rezitation zählt zehntausend Wiederholungen.

12.310 Bereits nach tausend Wiederholungen wird das Mantra als für Anwendungen geeignet bezeichnet. Nach einer Anwendung soll einen Tag und eine Nacht ununterbrochen Japa stattfinden.

12.311 Ein Zehntel der Zahl wird mit Ghee-benetztem Udumbara-Holz geopfert; danach ebenso viel Ghee mit den großen Vyahritis.

12.312 Nach dem Verzehr des verbleibenden Opferanteils werde unvergängliche Frucht erlangt. Bei erneuter Anwendung soll auch die Sühne wiederholt werden.

12.313 Außerdem wird ein Bad mit siebenmal besprochenem Sesamöl beschrieben, das von der Schuld aus Tötungs- und ähnlichen Ritualen befreien solle. Diese Behauptung hebt die schädigende Natur solcher Handlungen nicht auf.

12.314 Für brahmanische Ausstrahlung werden achttausend Opfer mit Ghee-benetzten Hölzern genannt; Heilpflanzen gelten für alle Vorhaben als geeignet.

12.315 Nach zehntägigem Fasten werden zehntausend Ghee-benetzte Lotusblüten geopfert, wenn Lakshmi beziehungsweise der Anblick Shivas begehrt wird. Die zweite Zielangabe ist in der Vorlage grammatisch unregelmäßig.

12.316 Ebenso werden zehntausend Ghee-benetzte Apamarga-Samen für die Erfüllung aller Ziele genannt.

12.317 Für tausend Kühe werden Opfer mit Kuhmilch oder achttausend Ghee-Darbringungen beschrieben.

12.318 Nach zehntägigem Fasten werden zehntausend Ghee-benetzte Bilva-Früchte geopfert. Dadurch erhalte man achttausend

12.319 Goldstücke bei vollendetem Mantra, andernfalls Silberstücke. Für den Wunsch »Die genannte Frau möge meine Gattin werden« folgt eine weitere Opferbeschreibung;

12.320 sie verwendet Jati-Blüten mit Ghee und Honig. Danach beginnt eine neue Vorschrift: Wenn eine braune Kuh ein Stierkalb geboren hat – ein weiterer Zustand der Kuh ist nicht eindeutig benannt –,

12.321 werden ihr Ghee und ihre Milch genommen und damit Charu gekocht. Hundertacht und anschließend achttausend Opfer werden genannt.

12.322 Der besprochene Charu wird gemeinsam mit der Ehefrau gegessen. Dadurch sollen acht langlebige Söhne gezeugt werden, so die Verheißung.

12.323 Achttausend Durva-Sprossen mit Dickmilch, Milch und Ghee werden für langes Leben geopfert.

12.324 Wer Kleinvieh begehrt, opfert achttausend Blüten von Kusha und Kasha, verbunden mit Dickmilch, Honig und Ghee.

12.325 Nach drei Nächten Fasten wird an einer großen Wegkreuzung ein Abbild aus Kuhdung hergestellt und vor der Gottheit aufgestellt.

12.326 Nach dessen Verehrung folgen eintausendacht Opfer auf dem Boden. Dadurch solle ein König gefügig werden.

12.327 Ein scharfes Öl wird siebenmal besprochen und auf beide Hände aufgetragen. Wen der Ausführende damit berührt, der solle seiner Gewalt unterliegen. Dies ist eine historische Beherrschungsbehauptung.

12.328 Hunderttausend Bilva-Holzopfer mit Dickmilch, Honig und Ghee sollen den nach brahmanischer Ausstrahlung Verlangenden zu einer Fülle von Lichtkraft machen.

12.329 Achttausend ebenso benetzte Udumbara-Hölzer werden der Vertreibung eines Feindes zugeordnet.

12.330 Zur Abwehr aller Bedrängnisse werden sieben Steinchen tausendmal besprochen und in die vier Richtungen gestreut,

12.331 ferner nach oben, nach unten und in die unmittelbare Nähe. Dieses Verfahren soll auf Reisen auch die Furcht vor Räubern und Tigern beseitigen.

12.332 »Fern sei dein Rinder und Menschen treffendes Geschoss; deine Gunst sei uns, Herr mächtiger Helden. Beschütze uns und sprich für uns, Gott; gewähre uns Schutz aus zweifacher Kraft.« Mehrere Formen sind in der Vorlage beschädigt.

12.333 »Preise den Berühmten, den in der Höhlung Sitzenden, den Jungen, Gewaltigen, Furchterregenden und Grimmigen. Sei dem Sänger gnädig, Rudra, wenn du gepriesen wirst; deine Heere mögen andere als uns treffen.« Die Richtungsangabe im letzten Halbvers ist gestört.

12.334 »Rudras Waffe möge uns verschonen, ebenso die böse Absicht des zornig Schädigenden. Löse die gespannten Bogen von den Freigebigen; Freigebiger, sei unseren Kindern und Nachkommen gnädig.«

12.335 »Freigebigster, Heilsamster, sei uns heilsam und wohlgesinnt. Lege deine Waffe auf den höchsten Baum; komm mit Fell bekleidet und den Pinaka tragend zu uns.«

12.336 Bei großer Gefahr, etwa durch Tiger oder Räuber, werden diese vier Verse im Geist vergegenwärtigt; sie sollen die Furcht beseitigen.

12.337 »Du Zerstreuender, tief Roter, Verehrung sei dir, Erhabener. Deine tausend Waffen mögen andere als uns treffen.« Die erste Benennung ist unregelmäßig geschrieben.

12.338 Bei einem Konflikt mit einflussreichen Menschen werden zehntausend Wiederholungen genannt; dadurch solle auch der König gefügig und besonders wohlgesinnt werden. Die Vorlage schreibt beim Rezitationsverb eine abweichende Form.

12.339 »Tausende und Abertausende Waffen liegen in deinen Armen. Du bist ihr Herr, Erhabener; wende ihre Spitzen von uns fort.«

12.340 Bei drohendem Tod eines bedeutenden Menschen oder Bedrängnis eines Königs wird ein Feueropfer mit Vaikankata-Holz beschrieben,

12.341 ferner mit Udumbara, Shalmali, Sesam oder Gerste, jeweils elfmal besprochen. Der anschließende Bezug auf die Erde ist unvollständig.

12.342 Danach werden die Wesen mit Krishara oder Milchreis verehrt; auch eine Bali-Gabe aus Katzenfleisch wird genannt. Dadurch sollen die Bedrängnisse verschwinden. Das Tieropfer wird hier ausschließlich als Quelleninhalt dokumentiert.

12.343 »Die Tausende und Abertausende Rudras auf Erden: Tausend Yojanas weit weg entspannen wir ihre Bogen.«

12.344 Angehörige anderer Veda-Schulen sollen am Satzende den Zusatz rezitieren. Es folgt der beschädigte Anfang »in diesem großen Ozean ...«; die anschließenden Wörter lassen sich nicht sicher vollständig übersetzen.

12.345 »Die blauhalsigen, weißkehligen Sharvas unterhalb der Erde: Tausend Yojanas weit weg entspannen wir ihre Bogen.«

12.346 »Die blauhalsigen, weißkehligen Rudras, die im Himmel wohnen: Tausend Yojanas weit weg entspannen wir ihre Bogen.«

12.347 »Die in den Bäumen sind, gelbrötlich, blauhalsig und tief rot: Tausend Yojanas weit weg entspannen wir ihre Bogen.«

12.348 »Die Herren der Wesen, mit bloßem Kopf und mit Haarknoten: Tausend Yojanas weit weg entspannen wir ihre Bogen.«

12.349 »Die in den Speisen die Menschen treffen und die aus Gefäßen Trinkenden: Tausend Yojanas weit weg entspannen wir ihre Bogen.« Der erste Ausdruck ist in der Vorlage verkürzt.

12.350 »Die Hüter der Wege, Nahrung tragend und um Lebensdauer kämpfend: Tausend Yojanas weit weg entspannen wir ihre Bogen.« Die beiden mittleren Benennungen bleiben unsicher.

12.351 »Die an den heiligen Übergängen umherziehen, mit scharfen Waffen und Köchern: Tausend Yojanas weit weg entspannen wir ihre Bogen.«

12.352 »So viele und noch mehr Rudras über die Richtungen ausgebreitet sind: Tausend Yojanas weit weg entspannen wir ihre Bogen.«

12.353 Diese neun Verse werden mit den Zusätzen rezitiert, um Lebensgenuss zu gewähren; ohne die Zusätze gelten sie als Erkenntnis vermittelnd. Die Zählung ist angesichts des eingeschobenen Verses 344 nicht völlig eindeutig.

12.354 »Verehrung den Rudras auf Erden, deren Pfeile die Nahrung ist. Ihnen gelten die zehn gefalteten Finger nach Osten, Süden, Westen, Norden und oben. Verehrung sei ihnen; sie mögen uns schützen und gnädig sein. Wen wir hassen und wer uns hasst, den legen wir in ihre Kiefer.«

12.355 »Verehrung den Rudras im Zwischenraum, deren Pfeile die Winde sind. Ihnen gelten die zehn gefalteten Finger nach Osten, Süden, Westen und oben.« Die Nordrichtung und der längere Schluss fehlen in diesem Zitat.

12.356 »Verehrung den Rudras im Himmel, deren Pfeile der Regen ist. Ihnen gelten die zehn gefalteten Finger nach Osten, Süden, Westen und oben.« Auch hier sind Nordrichtung und längerer Schluss nicht ausgeschrieben.

12.357 Mittags werden mit diesen Mantras Ghee und Dornen geopfert. Diesem Mantra wird eine dem Pratyangira-Mantra entsprechende Anwendung zugeschrieben.

12.358 Der mit »namaste« beginnende Teil wird mit Mrityunjaya abgeschlossen. Für die Taittiriya- und andere Schulen werden sieben Zusätze genannt; die genaue Zuordnung ist knapp.

12.359 Die fünf Formeln von Sadyojata an und »tryambakam yajamahe« bilden sechs Verse, die hier Tvarita-Rudra genannt werden. Die Glosse verweist für die ersten fünf auf ihre bereits mehrfach erfolgte Wiedergabe.

12.360 Die folgende vedische Zeile ist stark beschädigt. Erkennbar sind die Anrufung von Agni und Vishnu, gemeinsames Wohlgefallen, Wachstum, Angiras und helle Kräfte; eine vollständige sichere Übersetzung ist ohne Rekonstruktion nicht möglich.

12.361 Dieser Abschnitt wird täglich nach der Sandhya stehend zu den drei Zeiten eintausendachtmal rezitiert. Nach sechs Monaten werde die Rede wahr beziehungsweise wirksam.

12.362 »Nahrungskraft, Hervorbringung, Hingabe, Ausbreitung, Lernen, Tatkraft, Ton, Lobvers, das Hören und die Überlieferung, Licht und Himmelswelt mögen mir durch das Opfer zuteilwerden.« Die als »shruva« überlieferte Benennung ist unklar; sie wird hier im Zusammenhang des Hörens nur annähernd erfasst.

12.363 »Prana, Apana, Vyana, Lebenskraft, Bewusstsein, Gelerntes, Rede, Geist, Auge, Gehör, Geschick und Kraft mögen mir durch das Opfer zuteilwerden.«

12.364 »Lebensstärke, Ausdauer, Selbst, Leib, Schutz, Rüstung, Glieder, Knochen, Gelenke, Körper, Lebensdauer und Alter mögen mir durch das Opfer zuteilwerden.«

12.365 »Vorrang, Herrschaft, Eifer, Zorneskraft, Stärke, Sieg, Größe, Weite, Ausdehnung, Überlegenheit, Länge, Gewachsenes und Wachstum mögen mir durch das Opfer zuteilwerden.« Mehrere Wörter dieser Reihe sind beschädigt; die Bedeutungsabstufungen bleiben deshalb teilweise unsicher.

12.366 »Wahrheit, Vertrauen, die bewegte Welt, Vermögen, das All, Größe, Spiel, Freude, Geborenes und künftig Geborenes, guter Lobgesang und gutes Tun mögen mir durch das Opfer zuteilwerden.«

12.367 Die überlieferte Reihe nennt wörtlich Wahrheit, Tod, Schwindsucht, Gesundheit, Lebenskraft, langes Leben, »nicht Freund«, Furcht, Glück, Lager und guten Morgen, jeweils mit »mögen mir durch das Opfer zuteilwerden«. Offenbar fehlen bei mehreren ursprünglich günstigen Bitten Negationen beziehungsweise Anlaute; die widersprüchliche Lesart wird nicht stillschweigend normalisiert.

12.368 »Führung, Erhaltung, Sicherheit, Festigkeit, das All, Größe, Bewusstsein, Erkenntnis, Hervorbringung, Fortpflanzung, Pflug und Heimkehr mögen mir durch das Opfer zuteilwerden.« Die letzten Ausdrücke erlauben weitere Deutungen.

12.369 »Heil, Freude, Liebes, Wunscherfüllung, Verlangen, Frohsinn, Glücksanteil, Besitz, Gutes, Besseres, Wohlstand und Ruhm mögen mir durch das Opfer zuteilwerden.«

12.370 »Stärkung, freundliche Wahrhaftigkeit, Milch, Saft, Ghee, Honig, gemeinsames Essen und Trinken, Ackerbau, Regen, Sieg und pflanzliches Wachstum mögen mir durch das Opfer zuteilwerden.«

12.371 »Besitz und Reichtum, Genährtes und Nahrungskraft, Fülle und Macht, Vollständigkeit und größere Vollständigkeit, Getreide, Vorrat, Speise und Hunger mögen mir durch das Opfer zuteilwerden.« Die Formen für Getreide und Vorrat sind beschädigt und werden nur annähernd wiedergegeben.

12.372 »Besitz und zu Erkennendes, Gewordenes und Zukünftiges, leichter Gang und guter Weg, Gedeihen und Wachstum, Geordnetes und Ordnung, Einsicht und gute Einsicht mögen mir durch das Opfer zuteilwerden.«

12.373 »Reis, Gerste, schwarze Bohnen, Sesam, Mungbohnen, Khalva, Priyangu, das als ›nava‹ verkürzt überlieferte Getreide, Shyamaka, Wildreis, Weizen und Linsen mögen mir durch das Opfer zuteilwerden.« Unsichere Getreidenamen werden nicht botanisch erfunden.

12.374 »Stein, Erde, Hügel, Berge, Sand, Bäume, Gold, Metall, dunkles Metall, rotes Metall, Blei und Zinn mögen mir durch das Opfer zuteilwerden.« Die historischen Metallbegriffe sind nicht überall eindeutig modernen Legierungen zuzuordnen.

12.375 »Feuer, Wasser, Gewächse, Heilpflanzen, angebaute und wild reifende Pflanzen, Haustiere und Wildtiere, Besitz und Erwerb, Gewordenes und Gedeihen mögen mir durch das Opfer zuteilwerden.«

12.376 »Gut, Handlung, Kraft, Zweck und Vermögen, Zugang, Fortgang und Weg mögen mir durch das Opfer zuteilwerden.« Die letzten drei Bewegungsbegriffe sind in der Vorlage nicht eindeutig abgegrenzt.

12.377 »Agni und Indra, Soma und Indra, Savitar und Indra, Sarasvati und Indra, Pushan und Indra, Brihaspati und Indra mögen mir durch das Opfer gegenwärtig werden.«

12.378 »Mitra und Indra, Varuna und Indra, Dhatri und Indra, Tvashtar und Indra, die Maruts und Indra, alle Götter und Indra mögen mir durch das Opfer gegenwärtig werden.«

12.379 »Erde und Indra, Zwischenraum und Indra, Himmel und Indra, Jahre und Indra, Sterne und Indra, Richtungen und Indra mögen mir durch das Opfer gegenwärtig werden.«

12.380 »Amshu, Rashmi, Adabhya, Adhipati, Upamshu, Antaryama, Aindravayava, Maitravaruna, Ashvina, Pratiprasthana, Shukra und Manthin mögen mir durch das Opfer zuteilwerden.« Dies sind technische Namen von Soma-Gefäßen beziehungsweise Soma-Anteilen; mehrere Schreibungen sind in der Vorlage verkürzt.

12.381 »Agrayana, Vaishvadeva, Dhruva, Vaishvanara, Aindragni, Mahavaishvadeva, Marutvatiya, Nishkevalya, Savitra, Sarasvata, Palkivata und Hariyojana mögen mir durch das Opfer zuteilwerden.« Die überlieferten Ritualnamen werden ohne eine neue fachliche Rekonstruktion beibehalten.

12.382 »Opferlöffel, Soma-Becher, Vayavya-Gefäße, der Drona-Krug, Presssteine, die beiden Pressunterlagen, Putabhrit und Adhavaniya, Altar, Opfergras, Abschlussbad und der Svaha-Ruf mögen mir durch das Opfer zuteilwerden.« Einige Gerätenamen sind beschädigt geschrieben.

12.383 »Feuer, Dharma, Arka, Sonne, Atem, Pferdeopfer, Erde, Aditi, Diti, Himmel, Finger, Shakvari-Verse und Richtungen mögen mir durch das Opfer zuteilwerden.« Die ungewöhnlichen Formen »dharma« und »angulayah« stehen so in der Vorlage.

12.384 »Rig-Verse, Sama-Gesänge, Stoma, Yajus-Formeln, Einweihung, Askese, Opferhandlungen, Jahr, Tag und Nacht, Oberschenkel und Knie sowie Brihat und Rathantara mögen mir durch das Opfer zuteilwerden.« Die Verbindung von Körperteilen und Gesängen ist in der Vorlage unkommentiert.

12.385 »Ungeborene Tiere und Kälber, männliche und weibliche Tiere von anderthalb, zwei, zweieinhalb, drei und vier Jahren mögen mir durch das Opfer zuteilwerden.« Die Zahlenpaare geben die traditionellen Viehklassen wieder.

12.386 »Ausgewachsene männliche und weibliche Tiere, Zuchtstier, unfruchtbare Kuh, Stier, großes Tier, Zugochse und Milchkuh mögen mir zuteilwerden; meine Lebensdauer möge durch das Opfer gefördert werden.« Die als »brihat« überlieferte Tierbezeichnung ist unklar.

12.387 »Eins und drei, drei und fünf, fünf und sieben, sieben und neun, neun und elf, elf und dreizehn, dreizehn und fünfzehn, fünfzehn und siebzehn, siebzehn und neunzehn, neunzehn und einundzwanzig, einundzwanzig und dreiundzwanzig, dreiundzwanzig und fünfundzwanzig, fünfundzwanzig und siebenundzwanzig, siebenundzwanzig und neunundzwanzig, neunundzwanzig und einunddreißig, einunddreißig und dreiunddreißig mögen mir durch das Opfer zuteilwerden.« Die paarweise Wiederholung entspricht dieser Vorlage.

12.388 »Vier, acht, zwölf, sechzehn, zwanzig, vierundzwanzig, achtundzwanzig, zweiunddreißig, sechsunddreißig, vierzig, vierundvierzig und achtundvierzig mögen mir durch das Opfer zuteilwerden.« Die Vorlage verwendet zwischen den Gliedern mehrfach die Ziffer 2 als Wiederholungszeichen; deren typographische Funktion wird nicht als weiterer Zahlenwert in die Reihe eingefügt.

12.389 »Nahrungskraft, Vieh, Tatkraft, Haupt, Vyashniya, Antyayana, Antya, Bhauvana, Bhuvana und Adhipati mögen durch das Opfer gefördert werden.« Die letzten technischen Benennungen sind teilweise verderbt und bleiben unübersetzt erhalten.

12.390 Damit ist der Rudra-Text erklärt, der alle Wünsche erfüllen soll. Eine Rezitation ohne vedische Tonführung beziehungsweise mit der hier unklar als »vakshara« bezeichneten Form gilt als Rudra-Lobgesang zur Befriedung.

12.391 »Ida, die Götterruferin, Manu, der Opferführer, und Brihaspati mögen die Lobgesänge verkünden; alle Götter mögen gute Worte sprechen. Mutter Erde, verletze mich nicht. Süßes will ich denken, Süßes hervorbringen, Süßes sprechen und sagen. Eine süße Rede will ich den Göttern erheben, eine für Menschen hörenswerte. Die Götter mögen mich schützen, die Väter zustimmen. Om, Frieden, Frieden, Frieden.« Einzelne Wörter vor der Schlussformel sind in der Vorlage unregelmäßig.

12.392 Auch der verbleibende Zusatz wird rezitiert. Dies ist die Rudra-Ordnung: Für Stärkung wird ein Abhisheka vollzogen, für Befriedung ein Feueropfer.

12.393 Wer Vollendung begehrt, rezitiert in einer der Lautzahl entsprechenden Anzahl. Schon hier werde er von vielen Rudras erfüllt, Shiva selbst und kein anderer.

12.394 Eine der Wortzahl entsprechende Anzahl vollständiger Wiederholungen soll Einsicht beziehungsweise wirksame Bitte hervorbringen; eine der Satzzahl entsprechende Anzahl alle Verfehlungen tilgen.

12.395 Eine der Verszahl entsprechende Anzahl soll alle geringeren Verfehlungen tilgen. Die Rezitation dieses Anuvaka soll bedrängende Grahas und Krankheiten überwinden.

12.396 Nun werde ich das Devi-Sukta erklären, das alle gewünschten Ziele gewährt. Die Anweisung für jemanden, der zum Rudra-Vollzug nicht imstande ist, ist beschädigt; sie nennt die Rezitation dieses Hymnus davor beziehungsweise als entsprechenden Ersatz.

12.397 Das Devi-Sukta: »Ich wandle mit den Rudras und Vasus, mit den Adityas und allen Göttern. Ich trage Mitra und Varuna, ich Indra und Agni, ich beide Ashvins.«

12.398 »Ich trage Soma, ich Tvashtar, Pushan und Bhaga. Ich verleihe dem Opfernden Besitz, dem, der Gaben darbringt und Soma presst.« Die Eigenschaft Somas und eine Bezeichnung des Opfernden sind in der Vorlage beschädigt.

12.399 »Ich bin die Herrscherin, die Sammlerin der Schätze, die Wissende, die Erste unter den Opferwürdigen. Die Götter haben mich an vielen Orten eingesetzt, mit vielen Wohnstätten, in vieles eingehend.«

12.400 »Durch mich isst Nahrung, wer sieht, wer atmet und wer das Gesprochene hört. Ohne es zu wissen, leben sie in mir. Höre, du Hörender: Vertrauenswürdiges sage ich dir.« Das Wort für das Nichtwissen ist fehlerhaft geschrieben.

12.401 »Ich selbst verkünde dies, von Göttern und Menschen geliebt: Wen ich liebe, den mache ich mächtig, zum Brahman-Kenner, zum Rishi, zu einem Menschen guter Einsicht.« Der Schluss ist in der Vorlage grammatisch gestört.

12.402 »Ich spanne für Rudra den Bogen, damit sein Pfeil den Feind des heiligen Wortes treffe. Ich führe den Kampf für das Volk; ich bin in Himmel und Erde eingegangen.«

12.403 »Ich gebäre den Vater am Gipfel dieser Welt; mein Ursprung liegt in den Wassern, im Innern des Ozeans. Von dort breite ich mich über alle Welten aus und berühre mit meiner Größe auch jenen Himmel.« Die letzte Verbindung ist fehlerhaft geschrieben.

12.404 »Ich wehe wie der Wind und bringe alle Welten in Bewegung. Über den Himmel und über die Erde hinaus reicht die Größe, zu der ich geworden bin.«

12.405 Dieses Devi-Sukta gilt als das vorzüglichste aller Suktas und als Grundlage der Mantra-Vollendung der Zweimalgeborenen.

12.406 Nun werde ich dir, Vishnu, das Sukta Ganapatis erklären. Ohne dessen Praxis werden alle Mantras von Hindernissen gestört.

12.407 Deshalb wird zuerst Ganesha erfreut; danach beginnt die Praxis der jeweiligen Gottheit und soll ohne Hindernisse gelingen.

12.408 Schlaf, Trägheit, Hunger, Zorn, Habgier, Verblendung, sexuelles Begehren, Unachtsamkeit und Krankheit gelten als Hindernisse der Mantrapraxis.

12.409 Deshalb wird hier das Sukta samt Ordnung erklärt, damit die Vorhaben der Rezitierenden nicht aufgehalten werden. Das Wort für die Rezitierenden ist in der Vorlage abweichend geschrieben.

12.410 Der zwölfversige Hymnus des großartigen Ganesha hat Gritsamada als Rishi; seine Gottheit ist Ganapa.

12.411 Die ersten drei Verse haben das Versmaß Trishtubh, die folgenden neun Gayatri.

12.412 Als Gottheit wird Mahaganapati genannt. Die Zweckbestimmung wird entsprechend dem jeweiligen Vorhaben ausgesprochen.

12.413 »Dich rufen wir, den Herrn der Scharen, den Seher unter den Sehern, von unvergleichlichem Ruhm, den ältesten König der heiligen Worte. Brahmanaspati, höre uns und nimm mit deinen Hilfen auf deinem Sitz Platz!«

12.414 »Setze dich unter die Scharen, Ganapati; man nennt dich den weisesten der Seher. Ohne dich wird nichts getan, auch in der Ferne. Erhebe den großen, reichen, vielfältigen Lobgesang!« Der Schluss ist in dieser Lesart unsicher.

12.415 Der dritte Vers ist stark verstümmelt. Er nennt eine strahlende Schar, Hände mit Muschel und weiteren Gegenständen, Festigkeit des Gelübdes und »die durch mich geworden sind«. Eine zusammenhängende vollständige Übersetzung ist ohne neue Textrekonstruktion nicht möglich.

12.416 »Komm zu uns, Indra, mit machtvoller, großer rechter Hand; ergreife für uns den vielfältigen Gewinn.« Die gedruckten Wörter für Hand und Gewinn sind beschädigt, der Bittsinn bleibt erkennbar.

12.417 »Wir kennen dich als reich an Werken, reich an Gaben, von großem Maß und mächtig in deinen Hilfen.« Die mittlere Eigenschaft ist nur annähernd übersetzbar.

12.418 »Weder Götter noch Sterbliche halten dich, Held, vom Geben ab, dich Furchtbaren.« Die abschließende Verbform ist gestört.

12.419 »Kommt, wir wollen Indra preisen, den selbstherrlichen Herrn des Gutes; er möge unsere Bitte um Gabe nicht zurückweisen.« Die Schlussverbindung bleibt unsicher.

12.420 »Stimme den Lobgesang an und singe dazu; der gesungene Saman möge gehört werden.« Der folgende Satz über die Schar beziehungsweise ihre Kraft ist beschädigt und nicht sicher vollständig zu übersetzen.

12.421 »Bringe uns mit deiner rechten Hand ... Indra; schließe uns nicht vom Gut aus.« Der Mittelteil ist stark entstellt. Nummernhinweis: Die Vorlage druckt 42 zwischen 420 und 422; hier lautet die Orientierung 12.421.

12.422 »Tritt vor und bringe herbei, du Kühner ... das Gut der Menschen, auch dessen, der nicht preist.« Die Satzmitte ist beschädigt; die Bitte um das Herbeibringen von Gut bleibt erkennbar.

12.423 »Indra, welche Nahrungskraft du besitzt, ... mit den Sängern ... stelle sie bei uns bereit, von uns gepriesen.« Die verbindenden Wörter lassen sich nicht zuverlässig übersetzen.

12.424 Der letzte Vers ist stark beschädigt. Er nennt Nahrungskraft beziehungsweise Siegesgut, »für uns«, »alles Glänzende« und rasches Erlangen oder Wirken. Eine vollständige zusammenhängende Übersetzung wird hier nicht erfunden; der Sanskritwortlaut bleibt erhalten.

12.425 Die sechs Anfänge »gananam tva«, »ni shu sida«, »tvesham ganam«, »a tu na indra«, »vidma hi« und »na hi tva shura« werden für den Nyasa verwendet. Die Glosse ordnet sie Daumen, Zeigefingern, Mittelfingern, Ringfingern, kleinen Fingern sowie Handflächen und Handrücken zu und verlangt jeweils den vollständigen Vers.

12.426 Von den Daumenspitzen bis zu Handflächen und Handrücken werden sie eingesetzt; außerdem bilden sie von »gananam tva« an die sechs Glieder von Herz bis Waffe.

12.427 Nach diesen beiden Nyasas wird mit den sechs Versen der ganze Körper durchdrungen. Danach folgt ein Nyasa mit allen zwölf Versen.

12.428 Seine Stellen sind Kopf, Mund, Augen, Ohren, Nase, Kehle, Herz, Arme, Bauch und Nabelmitte,

12.429 ferner Knöchel und Füße; jeder der zwölf Verse erhält seinen Ort. Auch die Laute des Mantraraja werden für diesen dritten Nyasa genannt; ihre Verbindung mit dem Vers-Nyasa bleibt knapp.

12.430 Mit dem sechssilbigen Mantra folgt der vierte Nyasa. Zehn Verse sichern die Richtungen, je einer gehört zu Füßen und Kopf.

12.431 Nach dieser Nyasa-Ordnung werden die Gottheit, ihre Glieder und Umfassungen mit dem tantrischen Mantra und den zwölf vedischen Versen verehrt,

12.432 mit sechzehn Darbringungen und den zugehörigen Pitha-Gottheiten. Als vielfältige Speisegaben werden Modakas und zubereitete Laddus genannt,

12.433 ferner Milchreis, Milchkonfekt, Zuckerrohrstücke, Zuckerrohrsaft, Bananen, Jackfrucht und weitere Früchte, um den Herrn der Scharen zu erfreuen,

12.434 Kokosnüsse, Granatäpfel und vielerlei andere Früchte sowie Betel mit Kampfer und reichliche Dakshina-Gaben.

12.435 Nach der mittäglichen Verehrung beginnt der Japa. Zuerst wird der Mantraraja zwölfmal rezitiert.

12.436 Dann werden die zwölf Verse vollständig und ohne Nachlässigkeit rezitiert; nach zwölf Durchgängen wird erneut der Mantraraja gesprochen. Die Wendung »antar-dvadasha-patha« lässt auch eine Einschaltung innerhalb der Zwölferfolge zu.

12.437 In dieser Reihenfolge soll, o Hari, die vedische Mantrarezitation täglich vollzogen werden. Sie soll Vollendung gewähren.

12.438 Durch den Japa des Sukta und des Mantras sollen rasch alle Siddhis entstehen. Alternativ wird zu Beginn das Vakratunda-Mantra rezitiert,

12.439 sechsundzwanzigmal, dann in der Mitte das Ganesha-Sukta, danach erneut sechsundzwanzigmal das sechssilbige Vakratunda-Mantra. Die Glosse nennt:
oṃ vakratuṇḍāya huṃ
»Om, dem mit dem gebogenen Rüssel – Hum.«

12.440 So verbunden wird der zwölfversige Hymnus rezitiert, und diese umschlossene Sukta-Rezitation hundertachtmal vollzogen, o Hari.

12.441 Als Purashcharana werden einundzwanzigtausend Sukta-Wiederholungen genannt. Das Feueropfer umfasst ein Zehntel der Rezitation und verwendet Milchreis und Ghee,

12.442 Zucker, fünf Arten Speise, Karavira-Blüten, Bilva-Blätter, Zuckerrohr, Granatäpfel und Bananen,

12.443 sowie mit Wasser verbundene beziehungsweise die als »sodaka« unklar geschriebenen Süßspeisen und in Ghee gebackene Laddus. Fehlen die genannten Stoffe, werden Sesam und Ghee geopfert.

12.444 Tarpana erfolgt in einem Zehntel der Feueropferzahl mit Kuhmilch, alternativ mit Zuckerrohrsaft oder, wenn dieser fehlt, mit Zuckerwasser.

12.445 Ein Zehntel der Tarpana-Zahl bildet die Besprengung mit reinem Wasser. Ein Zehntel davon entspricht der Zahl der zu speisenden Brahmanen.

12.446 Sie erhalten Milchreis, Süßspeisen, Modakas, Laddus, Kuchen und Fladen mit Ghee und Zucker,

12.447 ferner Mangosaft – so erklärt die Glosse »sahakara« – mit Ghee und Bananen. Das so vollendete Sukta gilt als fruchtbringend.

12.448 Es soll unvergleichliche Macht und Fülle, Einsicht, Wissen, Ruhm, Kraft und Vollendung der Rede gewähren; am Ende gelange man in Brahmans Stätte.

12.449 Für welches Vorhaben dieser vorbereitende Japa auch ausgeführt wird, es soll durch Ganapatis Gnade gelingen.

12.450 Genannt werden Bindung, Vertreibung, Feindschaft, Tötung, Befreiung aus Fesseln, Gefügigmachen, Streitgespräch, große Unheilszeichen und die Furcht vor einem fremden Heer,

12.451 ferner große Wildnis, Kampf, feindliche Übermacht und Notlagen. Für Bindung, Vertreibung und Feindschaft nennt der Text Senf mit Eisen,

12.452 Eulen- und Krähenfedern als Opfer in menschenleerem Wald. Für Tötung wird zorniger nächtlicher Japa auf einer Verbrennungsstätte beschrieben.

12.453 Sesam, Mallata-Blüten, Senf, Salz und Schafhaare werden als Gaben dieser Tötungsanwendung genannt. Die Pflanzenbezeichnung bleibt ohne sichere Identifikation.

12.454 Erneut wird zorniger nächtlicher Japa auf der Verbrennungsstätte genannt. Zum Herbeiziehen von Zielpersonen werden Früchte und Samen von Unmatta,

12.455 Geierfedern und Arka-Milchsaft geopfert; nach sieben Tagen solle die Herbeiziehung gelingen. Die giftigen Stoffe und Zwangsabsichten werden als historische Quellenangaben dokumentiert.

12.456 Zum Gefügigmachen wird Japa besonders in einem Shiva-Heiligtum beschrieben, von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang.

12.457 Drei Nächte lang wird das Wurzelmantra in der beschriebenen Umschließung rezitiert; tagsüber folgt ein Feueropfer mit Honig, Blumen und Früchten,

12.458 ferner Malati-Blättern mit Ghee, rotem Sandel, Modakas und Sesam mit Ghee.

12.459 Tarpana mit Zuckerrohrsaft soll sofortiges Gefügigmachen bewirken. Als Ziele nennt der Text Könige, Königssöhne, königliche Bedienstete und Minister;

12.460 selbst Ishvara werde gefügig, um wie viel mehr Menschen, so die Überhöhung. Für Befreiung aus Fesseln wird nächtlicher Japa in einem Shiva-Heiligtum genannt.

12.461 Dabei gelten Fastengelübde, sexuelle Enthaltsamkeit und Sinnesbeherrschung; einundzwanzigtausend Wiederholungen werden genannt. Tagsüber folgt im Shiva-Heiligtum das Feueropfer

12.462 mit Ghee-benetztem Milchreis, das die Befreiung aus Fesseln bewirken soll. Das allgemeine Feueropfer wird jeweils mit den einzelnen Versen regelgemäß vollzogen.

12.463 Am Anfang stehen zwölf Darbringungen mit zwölf Mantrawiederholungen; danach folgen die Opfer entsprechend den einzelnen Mantra- beziehungsweise Versabschnitten.

12.464 Am Ende stehen erneut zwölf Darbringungen mit dem Mantraraja. Entsprechend wird auch beim allgemeinen Japa verfahren.

12.465 So geschieht das Feueropfer des mit Mantras umschlossenen Ganesha-Sukta. Damit sind die Rudra-Ordnung und ebenso das Devi-Sukta

12.466 dir, Vishnu, erklärt worden, denn zwischen uns beiden besteht kein Unterschied. Wenn du darüber hinaus etwas zu wissen wünschst, frage danach.

Kolophon: So endet im Meru-Tantra, gebilligt von Shri Mahamaya und Mahakala, der zwölfte Prakāśa über die im Kali-Zeitalter wirksamen vedischen Mantras.

Dreizehnter Prakāśa: Die neun Grahas und ihre vedische Verehrung

13.1 Die verehrte Göttin sprach: Ach, die Himmelskörper bringen im Kali-Zeitalter häufig Leid. Wie werden sie nach dem vedischen Weg verehrt, und welche Mantras gehören dazu?

13.2 Wie lässt sich erreichen, dass sie den Menschen keine Fehler, Krankheiten und weiteren Bedrängnisse zufügen? Erkläre ihre Verehrungsordnung nach dem vedischen Weg. Die mittlere Leidensbezeichnung ist in der Vorlage beschädigt.

13.3 Der verehrte Shiva sprach: Gut hast du nach der Verehrung der Grahas gefragt, Göttin. Sie bedrängen alle ohne Rücksicht auf den Zeitpunkt mit Leid, so die astrologische Sicht des Textes.

13.4 Selbst hochstehende Planeten können einen Weltherrscher erniedrigen; stehen sie in Erniedrigung, können sie einen Herrschersohn zum Diener machen. Die erste Aussage steht so in der Vorlage und wird nicht an eine andere astrologische Regel angeglichen.

13.5 Die Sonne ist das Selbst der Zeit, der weißstrahlende Mond ihr Geist; Mars die innere Kraft, Merkur die Rede, Jupiter Erkenntnis und Glück.

13.6 Venus ist Begehren, Saturn Leid, Rahu Schatten und Ketu der flammende Schweif. Durch Verehrung der Grahas soll ein Sterblicher die drei Zeiten erkennen.

13.7 Wer die Grahas auf vedischem Weg verehrt, genieße in ihren Welten gemeinsam mit ihnen Glück.

13.8 Das Sonnenmantra hat Hiranyastupa als Rishi, Trishtubh als Versmaß und Savitar als Gottheit.

13.9 »Durch den dunklen Luftraum zieht Savitar, Unsterbliches und Sterbliches zur Ruhe bringend. Auf seinem goldenen Wagen kommt der Gott, die Welten überschauend.« Die Glosse verteilt sechs Abschnitte auf die Finger und Handflächen, entsprechend auf die sechs Körperglieder; beim Wort-Nyasa führt sie von Kopf, Augen, Ohren, Nase, Mund und Kehle über Arme, Hände, Nabel, Glied und After zu Oberschenkeln, Knien, Unterschenkeln und Füßen.

13.10 Die sechs Abschnitte werden für den Hand- und sechsgliedrigen Nyasa aufgeteilt. Danach folgt der Wort-Nyasa dieses Mantras.

13.11 Dazu dienen die für die Verse des Shri-Sukta genannten Körperstellen. Anschließend wird die Sonne meditiert.

13.12 Auf einem Lotus sitzend, einen Lotus in der Hand, im Glanz des Lotusinnern, mit sieben Pferden und sieben Schwertern, in Kalinga geboren – so beginnt das Bild des Sonnengottes. »Sieben Schwerter« steht tatsächlich in der Vorlage.

13.13 Vishvamitra wird als Ahnherr und Trishtubh als Versmaß genannt, dazu die Abstammung aus Kashyapas Linie. Der Gott trägt rote Gewänder und roten Schmuck. Diese Rishi-Angabe weicht von 13.8 ab.

13.14 Sein Körper ist mit rotem Duftstoff gesalbt; Banner und Fahnen sind rot. Er trägt Krone, Armreifen und einen roten Schirm.

13.15 Er sitzt auf einem Wagen und blickt nach Osten. Links steht seine Adhidevata Agni, rechts die Pratyadhidevata Ishvara.

13.16 So wird Bhanu auf einer zwölf Fingerbreiten großen Unterlage aus Shriparna oder entsprechendem Material verehrt, mit einer Anordnung aus Blüten beziehungsweise aufgequollenen Reiskörnern; der Ausdruck »phullakshata« ist mehrdeutig.

13.17 Auch Adhidevata und Pratyadhidevata werden verehrt. Das Mantra wird so viele Hunderttausendmal rezitiert, wie es Laute hat; das Feueropfer beträgt ein Zehntel davon.

13.18 Bei einem verminderten Feueropfer wird zusätzlicher Japa genannt, auch für die beiden Begleitgottheiten. Karavira und andere Blumen werden mit rotem Sandel verbunden,

13.19 ferner Durva-Sprossen und Reiskörner für das Tarpana des Sonnengottes. Für das folgende Agni-Mantra gelten Madhuchchhandas als Rishi, Gayatri als Versmaß und Agni als Gottheit.

13.20 Als Zweckbestimmung wird die Freude Savitars ausgesprochen.

13.21 »Agni preise ich, den vorausgehenden Priester, den göttlichen Vollzieher des Opfers, den Opferpriester, der Schätze gewährt.«

13.22 Für die nächste Formel werden Vamadeva als Rishi, Anushtubh als Versmaß und Rudra als Gottheit genannt; ihr Zweck ist ebenfalls die Freude Savitars.

13.23 Der Vers ruft den König des Opfers, Rudra, den wahrhaft opfernden Priester von Himmel und Erde, sowie den goldgestaltigen Agni um Hilfe an. Die Wortfolge, besonders die Verbindung von Donner und Savitar, ist beschädigt und nicht vollständig sicher zu übersetzen.

13.24 Das Feueropfer verwendet Arka-Holz, ersatzweise Lotus-Samen, dann Gerste, Sesam, Ghee oder die drei süßen Stoffe.

13.25 Sonntags soll man vor dem Anblick der Sonne und nachts nicht essen. Salz, Buttermilch, Tagesschlaf und Geschlechtsverkehr werden an diesem Tag gemieden.

13.26 Das Sukta wird zu den drei Tageszeiten rezitiert und mit besonderer Verehrung verbunden. Ist das Mantra vollendet, sollen Könige zu Dienern des Verehrers werden.

13.27 Schon sein Fußwaschwasser solle Krankheiten beseitigen. Ein vollendeter Mantrin, dessen Tod bevorsteht, sehe seinen Schatten ohne Kopf. Beides sind traditionelle Wirksamkeits- beziehungsweise Vorzeichenbehauptungen.

13.28 Bei Kushtha und anderen schweren Erkrankungen lässt der Sadhaka Arghya zur Gesundheit darbringen, mit den einzelnen Versabschnitten und danach mit den drei ganzen Versen.

13.29 So wird die Sonne vierundzwanzigfach verehrt und mit Tarpana bedacht. Dreimal täglich vollzogen, solle dies auch schwer behandelbare Leiden beseitigen; die Zählweise wird nur angedeutet.

13.30 Genannt werden Karavira-Blüten, roter Sandel und gewöhnlicher Sandel, Durva, ungebrochener Reis, Kusha-Spitzen und Sesam; die abschließende Dreierangabe ist nicht eindeutig zugeordnet.

13.31 Diese gelten als acht notwendige Bestandteile der Verehrung. In ein Kupfergefäß werden außerdem Moschus, Safran und Kampfer gegeben.

13.32 Mit den Mantras oder der Gayatri kniet man auf dem Boden, blickt zur Sonne, verneigt sich und reicht Arghya mit ungeteiltem Geist.

13.33 Mit dem unter den Versen dargebrachten Wasser wird der Kopf besprengt. Besonders sonntags werden die zuvor genannten Verbote beachtet.

13.34 Kushtha und andere schwere Krankheiten sollen nach sechs Monaten verschwinden; für geringere Hautleiden wird die Ausführung zu zwei Sandhyas genannt.

13.35 Schon die Verehrung zu einer Sandhya soll Suryavarta und ähnliche Leiden beseitigen. Als weitere Fristen werden siebzig Tage, ein Mandala-Zeitraum und einundzwanzig Tage genannt.

13.36 Je nach Schwere auch sieben Tage oder ein Tag. Bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang soll man nicht schlafen; durch Verehrung werde das Erwünschte erreicht. Diese Krankheitsfristen sind historische Behauptungen, keine gesicherten Therapieangaben.

13.37 »Heute aufgehende, mitrahaft leuchtende Sonne, die du zum höheren Himmel emporsteigst: Vernichte mein Herzleiden und meine Gelbfärbung.«

13.38 »Meine Gelbfärbung legen wir in die Papageien und in die Ropanaka-Vögel; auch in die gelben Vögel legen wir meine Gelbfärbung.« Die Vogelarten bleiben teilweise nur durch ihre überlieferten Namen bestimmbar.

13.39 »Diese Sonne ist mit aller Macht aufgegangen. Sie bezwingt den, der mich hasst; ich möge dem Hassenden nicht verfallen beziehungsweise keine Schuld an ihm auf mich laden.« Die Schlussbitte erlaubt beide Nuancen.

13.40 Der elfversige Hymnus hat Hiranyastupa als Rishi, Trishtubh und Jagati als Versmaße und Savitar als Gottheit.

13.41 »Zuerst rufe ich Agni zum Wohlergehen, Mitra und Varuna hier um Hilfe. Ich rufe die Nacht, die die Welt zur Ruhe bringt; ich rufe den Gott Savitar um Beistand.«

13.42 »Durch den dunklen Luftraum zieht Savitar, Unsterbliches und Sterbliches zur Ruhe bringend. Auf seinem goldenen Wagen kommt der Gott, die Welten überschauend.«

13.43 »Der Gott fährt abwärts und aufwärts, der Verehrungswürdige mit seinen beiden glänzenden Rossen. Savitar komme aus der Ferne und wehre alle Übel ab.«

13.44 »Den geschmückten, vielgestaltigen, goldgefügten, großen Wagen hat der buntstrahlende Savitar bestiegen; er durchmisst die dunklen Räume und entfaltet seine Macht.« Einzelne Wagenbegriffe sind in der Vorlage beschädigt.

13.45 »Die dunklen, weißfüßigen Rosse haben sichtbar gemacht, was ihren Wagen mit goldener Deichsel trägt. Alle Völker und Welten ruhen beständig im Schoß des göttlichen Savitar.« Die erste Satzverbindung ist gestört.

13.46 »Drei Himmel gibt es: zwei sind Savitars Schoß, einer gehört dem siegreichen Yama. Wie an einem Radstift ruhen die Unsterblichen daran. Wer dies erkannt hat, möge es hier sagen.«

13.47 »Der schön geflügelte Herr überschaut die Zwischenräume, von tiefer Macht und guter Führung. Wo ist jetzt die Sonne? Wer weiß es? Welchen Himmel hat ihr Strahl überspannt?« Die erste Hälfte enthält mehrere beschädigte Formen.

13.48 »Er überschaute die acht Richtungen der Erde, die drei Wüstenräume und die sieben Ströme. Der goldäugige Gott Savitar ist gekommen und bringt dem Gebenden erwünschte Schätze.«

13.49 »Der goldhändige Savitar, über die Menschen wachend, geht zwischen Himmel und Erde. Er wehrt Krankheit ab, führt die Sonne und umhüllt den Himmel mit dunklem Luftraum.«

13.50 »Der goldhändige Herr guter Führung, gnädig und selbstmächtig, komme zu uns. Rakshasas und Zauberwesen abwehrend, steht der gepriesene Gott jeden Abend bereit.«

13.51 »Deine uralten, staubfreien, gut bereiteten Wege im Zwischenraum, Savitar: Auf diesen leicht begehbaren Wegen beschütze uns heute und sprich für uns, Gott.« Die Staubfreiheitsbezeichnung ist in der Vorlage verkürzt.

13.52 Für ein Bad werden Karavira, Hibiskus, Musta, Devadaru, Manahshila, Safran, Kardamom, Padmaka-Holz, Madhuka-Blüten und Balaka genannt. Manahshila ist eine traditionelle arsenhaltige Mineralsubstanz; diese Zusammenstellung ist keine Badeempfehlung.

13.53 Wer diesen Hymnus täglich rezitiert oder dessen Sonne astrologisch als ungünstig gilt, soll nach der Quelle mit solchem Wasser zur Freude der Sonne baden.

13.54 Ein Sonnenverehrer gibt nach Vermögen safranfarbenes Tuch, Gold, Rubin und eine Kuh, entweder alles oder eine dieser Gaben.

13.55 Wer dazu nicht imstande ist, gibt Weizen. Ein von der Sonne Bedrängter lebt nach der Vorschrift von Speise mit Rohzucker und trägt eine Arka-Wurzel.

13.56 Nun wird das Mondmantra erklärt: Gautama gilt als Rishi, Gayatri als Versmaß und Soma als Gottheit.

13.57 »Schwelle an, Soma; deine Kraft möge von allen Seiten zusammenströmen. Sei bei uns, wenn Nahrungskraft und Gewinn sich vereinen.«

13.58 Der sechsgliedrige Nyasa wird mit sa, verbunden mit den sechs langen Vokalformen und Bindu, vollzogen. Die Glosse nennt sāṃ, sīṃ, sūṃ, saiṃ, sauṃ und eine unvollständig geschriebene letzte Form. Wort-Nyasa und Richtungszuordnung folgen den beim Rudra beschriebenen Stellen.

13.59 Der Mond wird mit Krone, weißem Gewand, zehn Pferden und weißem Schmuck vorgestellt, zweiarmig, mit einer Schlinge in der Hand und aus Atris Linie stammend.

13.60 Er gilt hier als im Land der Yavanas geboren; sein Körper ist mit weißem Duftstoff gesalbt, Banner und Fahnen sind weiß, Armreifen und Edelsteine schmücken ihn.

13.61 Weißgestaltig, auf einem Wagen, nach Nordwesten blickend, wird er mit seinen beiden Begleitgottheiten betrachtet. Die Glosse nennt die Wasser als Adhidevata und Uma als Pratyadhidevata.

13.62 So wird der Mond mit beiden Gottheiten auf einem vierundzwanzig Fingerbreiten großen, aus weißem Reis gebildeten Viereck verehrt.

13.63 Das Mantra wird so viele Hunderttausendmal rezitiert, wie es Laute besitzt; diese Regel gilt für alle folgenden Grahas. Für die beiden Begleitgottheiten gelten Japa und weitere Handlungen wie zuvor.

13.64 Tarpana wird mit weißem Reis, weißen Blumen, Sandel, Muschel und weißer Durva beschrieben. Für das Feueropfer werden Palasha-Hölzer verwendet,

13.65 mit Ghee benetzt; als Ersatz nennt die Vorlage ein nicht sicher bestimmbares »vara«-Holz. Bei Unvermögen oder fehlendem Material folgt zusätzlicher Japa in Höhe eines Zehntels.

13.66 Für das Wassermantra werden Medhatithi als Rishi, Anushtubh als Versmaß und die Wasser als Gottheiten genannt; der Zweck ist die Freude des Mondes.

13.67 »Soma sagte mir: In den Wassern sind alle Heilmittel und Agni, der allen Wohlergehen bringt.«

13.68 Für das folgende Mantra werden Dirghatamas als Rishi, Jagati als Versmaß und Uma als Gottheit genannt; sein Zweck ist die Freude des Mondes.

13.69 »Gauri hat die Wasser ausgemessen und gestaltet: einfüßig, zweifüßig, vierfüßig, achtfüßig und zehnfüßig geworden, tausendlautige im höchsten Raum.« Das Bild verbindet die Göttin mit der vielfältigen Entfaltung der Rede.

13.70 Am Vollmond wird gefastet und abends der Mond verehrt. Zu seiner Freude wird Milch-Arghya aus einer Muschel dargebracht.

13.71 Das Mond-Sukta wird wie zuvor rezitiert. Durch die Verehrung des Mondes werde man friedvoll, beherrscht, wohlbeleumundet, wohlhabend, freigebig und schön.

13.72 Der dreiundzwanzigversige Hymnus hat Gautama als Rishi, Trishtubh als angegebenes Versmaß und den Mond als Gottheit. Die Angabe eines einzigen Versmaßes wird aus der Quelle übernommen.

13.73 »Soma, durch Einsicht erkannt, führst du auf dem geradesten Weg. Unter deiner Führung teilten unsere weisen Väter unter den Göttern die Schätze.« Eine zusätzliche Anrede ist in der Vorlage beschädigt.

13.74 »Soma, durch deine Taten bist du von guter Tatkraft, durch dein Geschick höchst geschickt, allwissend; durch deine Macht kraftvoll, durch deinen Glanz strahlend, die Menschen überschauend.«

13.75 »Deine Ordnungen gleichen denen des Königs Varuna; weit und tief ist deine Stätte, Soma. Rein bist du, lieb wie Mitra und geschickt wie Aryaman.«

13.76 »Deine Stätten im Himmel, auf Erden, in Bergen, Pflanzen und Wassern: Mit ihnen allen nimm wohlgesinnt und ohne Zorn unsere Opfergaben an, König Soma.«

13.77 »Soma, du bist der gute Herr, König und Vritra-Bezwinger; du bist heilsame Tatkraft.« Die erste Anrede ist beschädigt.

13.78 »Soma, du Guter, wir wollen dich als Kraft zum Leben bei uns tragen, dich, den Lob liebenden Herrn der Pflanzen.« Die Satzfügung ist in der Vorlage unregelmäßig.

13.79 »Soma, dem Großen gewährst du seinen Anteil und dem nach Wahrheit strebenden Jungen die Fähigkeit zum Leben.«

13.80 »Soma, König, beschütze uns von allen Seiten vor dem Schädigenden. Ein Freund wie du wird nicht verletzt.« Der Schluss kann auch den von Soma geschützten Freund meinen.

13.81 »Soma, deine Hilfen, die dem Opfernden Freude bringen: Mit ihnen sei unser Beschützer.«

13.82 »Nimm dieses Opfer und dieses Wort an und komme herbei. Soma, sei uns zum Wachstum gegenwärtig.«

13.83 »Soma, wir, die wir Worte kennen, stärken dich durch Lieder. Kehre bei uns ein mit deiner Gnade.«

13.84 »Soma, sei uns ein guter Freund: das Haus vermehrend, Krankheit vertreibend, Güter findend und Nahrungskraft mehrend.«

13.85 »Soma, erfreue dich in unserem Herzen wie Kühe auf der Weide, wie ein Mensch im eigenen Haus.« Der Vergleichsträger der letzten Zeile ist beschädigt.

13.86 »Welcher sterbliche Mensch sich an deiner Freundschaft erfreut, göttlicher Soma, der ist geschickt und dein Seher.« Die Vorlage ist am Übergang zum zweiten Halbvers unregelmäßig.

13.87 »Bewahre uns vor Verfluchung, Soma, schütze uns vor Bedrängnis. Sei uns ein hilfreicher Freund.«

13.88 »Schwelle an, Soma; deine Kraft möge von allen Seiten zusammenströmen. Sei bei uns, wenn Nahrungskraft und Gewinn sich vereinen.«

13.89 »Schwelle an, höchst Erfreuender, Soma, mit all deinen Strahlen beziehungsweise Stängeln. Sei unser ruhmreichster Freund zum Wachstum.« Amshu trägt hier beide Bildmöglichkeiten.

13.90 »Deine Säfte, Nahrungskräfte und sieghaften Kräfte mögen sich vereinen. Zur Unsterblichkeit anschwellend, Soma, begründe im Himmel den höchsten Ruhm.«

13.91 »Deine Stätten, die mit Opfergabe verehrt werden, mögen das Opfer ganz umfassen. Das Haus vermehrend, hinüberführend, mit guten Helden, schreite durch die Häuser, Soma.« Die Quelle nennt zusätzlich »viraha«, Heldenvernichter; die Verbindung mit dem Schutzsinn bleibt widersprüchlich.

13.92 »Soma gibt die Milchkuh, das schnelle Pferd und den tatkräftigen Sohn, der im Haus, bei der Beratung und in der Versammlung tüchtig ist und dem Vater Gehör schenkt – demjenigen, der ihm eine Gabe reicht.«

13.93 »Dich, im Kampf unbezwingbar, in den Schlachten geliebt, Gewinner von Licht und Wasser, Hüter des Besitzes, im Streit geboren, gute Wohnstatt und guten Ruhm gebend, dich Siegenden wollen wir preisen, Soma.« Mehrere Komposita sind in der Vorlage beschädigt.

13.94 »Soma, du hast alle diese Pflanzen hervorgebracht, die Wasser und die Rinder. Du hast den weiten Zwischenraum ausgespannt und mit Licht die Finsternis vertrieben.«

13.95 »Mit göttlichem Geist, göttlicher Soma, erkämpfe uns einen Anteil am Reichtum, du Kraftvoller. Niemand soll dich daran hindern; du gebietest über Heldenkraft. Sorge für beide Seiten im Streben nach Gewinn.« Der Schluss ist unsicher überliefert.

13.96 Für das Bad zur Freude des Mondes werden Panchagavya, Silber, Perle, Muschel, Perlmuschelschale und Kumuda-Blüten ins Wasser gegeben.

13.97 Als Spenden werden nach Vermögen ein weißer Stier, ein Ghee-Krug, eine Muschel, ein Bronzegefäß, eine Perlenkette oder Silber genannt.

13.98 Ein Mondverehrer isst nach der Vorschrift Milchreis mit weißen beziehungsweise süßen, duftenden Früchten und trägt eine Soma-Wurzel. Die Pflanzenidentität bleibt offen.

13.99 Wer Sonne und Mond so verehrt, könne selbst Krankheiten beseitigen, die schwersten Verfehlungen zugeschrieben werden, behauptet der Text.

13.100 Mit Wasser und weißen Blumen wird der Entschluss verbunden: Zuerst wird die Krankheit genannt, danach die Absicht ihrer Beseitigung ausgesprochen.

13.101 Ort, Zeit, Familienlinie und weitere Angaben werden genannt; der Name der betreffenden Person steht im Genitiv. Die Handlung wird mit Bezug auf den Vers und seine Ritualordnung angekündigt.

13.102 Man erklärt: »Ich werde Arghya darbringen« oder »Ich vollziehe Tarpana«. Danach wird der Haarknoten gebunden und die rituelle Vertreibung störender Wesen vollzogen.

13.103 Nach einer Bitte an die Erde nimmt man auf dem eigenen Sitz Platz. Mit dem Sudarshana-Mantra werden die Richtungen gesichert.

13.104 Die Formel beginnt mit »zur Abwehr aller Krankheiten«, nennt Sharnga mit seinen Pfeilen, den König der Waffen und Sudarshana im Dativ.

13.105 Sie endet mit »namah« und wird als siebenundzwanziglautig bezeichnet. Danach folgen die Reinigung der Elemente und die Einsetzung der Lebenskraft.

13.106 Mit dem Vers werden die eigenen Glieder berührt. Nach der Meditation über Guru, höheren Guru und höchsten Guru folgt der Nyasa.

13.107 »Udyann adya mitramaho« wird an der rechten Hand eingesetzt, mit der Bitte: »Mitra schütze mich vor den Folgen dessen, was ich hier getan habe.«

13.108 »Arohann uttaram divam« wird an der linken Hand eingesetzt: »Ravi schütze mich stets vor der Verfehlung, das Gebotene nicht getan zu haben.«

13.109 »Hridrogam mama surya« gehört zum Herzen: »Surya schütze mich stets vor aus Unwissenheit begangenen Verfehlungen.«

13.110 »Harimanam cha« wird an Nase und Kopf eingesetzt: »Bhanu schütze mich allezeit vor allen Wesen.« Die Angabe nennt zwei Stellen für diesen Abschnitt.

13.111 »Shukeshu me harimanam« gehört zum rechten Fuß: »Bhanu schütze mich stets vor der Schuld verbotenen Gehens beziehungsweise verbotener Verbindung.«

13.112 »Ropan akasu dadhmasi« gehört zum linken Fuß: »Pushan schütze mich vor der Schuld aus der Verbindung mit einer menstruierenden Frau.« Diese Reinheitswertung gehört zur historischen Vorschrift.

13.113 »Atho haridraveshu me« gehört zum Nabel: »Hiranyagarbha schütze mich stets vor der aus Finsternis entstandenen Verfehlung.«

13.114 »Harimanam nidadhmasi« wird an Zunge und Mund eingesetzt: »Marichi schütze mich stets vor Verfehlungen durch Mund und Zunge.«

13.115 »Udagad ayam adityo« gehört zum rechten Auge: »Aditya schütze mich stets vor Verfehlungen, die aus dem Sehen entstehen.«

13.116 »Vishvena sahasa saha« gehört zum linken Auge: »Savitar schütze mich vor der Schuld, etwas nicht anzusehendes gesehen zu haben.« Die zitierte Form unterscheidet sich vom vorigen Verswortlaut.

13.117 »Dvishantam mahyam randhayan« wird als Schutzpanzer eingesetzt: »Bhanu schütze mich vor Verfehlungen, die mit Haut und Körperhaaren verbunden sind.«

13.118 »Mo aham dvishater agham« gehört zur Waffe: »Bhaskara schütze mich stets vor Schuld, die durch das Stiften von Feindschaft entsteht.«

13.119 Der Purusha-Sukta-Nyasa wird zuerst am Bild der Gottheit, dann am eigenen Körper vollzogen. Danach meditiert man wie zuvor den Sonnengott.

13.120 Mit den sechzehn Versen des Purusha-Sukta wird die Puja ausgeführt. Duftstoffe, Reiskörner und Blumen sollen rot sein.

13.121 Als Speisegabe gilt Milchreis. Der Rishi der drei verwendeten Verse ist der Kanva Praskanva, ihr Versmaß Anushtubh und ihre Gottheit

13.122 Shri Surya. In der hellen Mondhälfte wird gesagt: »Mitra, dies ist dein Arghya«; in der anderen: »Ich vollziehe Tarpana für Mitra.«

13.123 Entsprechend werden Ravi und Surya angesprochen. Beim halben Vers lautet die Zuordnung »Arghya für Mitra und Ravi«.

13.124 Beim ganzen Vers werden die drei Namen gemeinsam eingesetzt; der Kundige soll die Zuordnung entsprechend erschließen. In der dunklen Mondhälfte wird durchgehend Tarpana für Surya ausgesprochen.

13.125 Auch mit dem ganzen Vers kann Tarpana erfolgen. Als besondere Zeitbestimmung gilt jeder Sonntag, nicht ein anderer Wochentag.

13.126 Dadurch sollen geringere Krankheiten verschwinden; zwölf Brahmanen werden gespeist. Bei schwerer Krankheit nennt der Text tausend; die anschließende Krankheitsbezeichnung ist gestört.

13.127 Bei Bedrängnis des Landes werden der Sonne nochmals tausend Arghyas dargebracht. Dadurch sollen alle frei von Krankheit werden.

13.128 Sohn, Gattin und Freund des Verehrers sollen gesund werden; er selbst erlange großen Wohlstand und das makellose Brahman.

13.129 Die Sonne gilt hier als an der hellen Saptami des Shravana, unter Vishakha, an einem Freitag hervorgetreten. An diesem Termin wird ihre Verehrung besonders hervorgehoben.

13.130 Der Mond gilt als an der hellen Ashtami des Magha, unter Krittika, an einem Donnerstag geboren. Dann ist seine Verehrung besonders günstig.

13.131 Nun wird das Marsmantra erklärt: Virupa ist der Rishi, Angaraka die Gottheit und Gayatri das Versmaß.

13.132 »Agni ist der Kopf des Himmels, der Gipfel und Herr dieser Erde. Er belebt die Samenkräfte der Wasser.«

13.133 Mit dem Bija aṃ werden der sechsgliedrige und der Finger-Nyasa vollzogen. Der zweite, der Wort-Nyasa, folgt den beim Rudra genannten Körperstellen.

13.134 Mars trägt rotes Gewand, ist rot und mit rotem Duftstoff gesalbt. Mit roten Blumen verehrt, erscheint er vierarmig und gekrönt,

13.135 mit Segens- und Furchtlosigkeitsgeste, Keule und Dreizack, auf einem Widder. Kuja wird hier mit Vasishthas Linie und dem Rishi Jamadagni verbunden.

13.136 Als Versmaß wird nun Jagati genannt, als Herkunft Avanti; Banner und Fahnen sind rot. Diese Angaben weichen teilweise von 13.131 ab und werden als überlieferte Bildbeschreibung erhalten.

13.137 In einem Dreieck aus mit rotem Sandel vermischtem Reis wird Mars angerufen, begleitet von der Erde als Adhidevata und Shanmatura, Skanda, als Pratyadhidevata.

13.138 Das Mantra wird so viele Hunderttausendmal rezitiert, wie es Laute hat. Das Opfer verwendet Khadira-Holz mit den drei süßen Stoffen; Tarpana folgt wie zuvor. Für das Erdmantra gelten Medhatithi, Gayatri und die Erde als Rishi, Versmaß und Gottheit.

13.139 »Erde, sei freundlich, frei von Dornen, eine gute Wohnstätte; gewähre uns weiten Schutz. Das Übel möge von uns hinwegschwinden.«

13.140 Für das Skanda-Mantra werden Dirghatamas als Rishi und Trishtubh als Versmaß genannt. Es wird zur Freude Kujas rezitiert.

13.141 »Als du bei deiner ersten Geburt wiehertest, aus dem Meer oder aus dem Urstoff emporsteigend, mit den Flügeln des Falken und den Vorderläufen der Antilope: Groß und preiswürdig ist deine Geburt, Rennpferd.« Die letzten Wörter sind beschädigt.

13.142 Wer Mars erfreuen will, lebt von Opferspeise. Ein Kranker trägt nach der Vorschrift eine Gojihva-Wurzel, besonders am Dienstag.

13.143 Ist das Marsmantra vollendet, werde man im Kampf siegreich. Feinde gingen von selbst zugrunde; der folgende Vergleich mit Blick, Schatten und Feuer ist nicht eindeutig verbunden.

13.144 Für den dreißigversigen Hymnus werden Virupa und Angiras als Rishis, Gayatri als Versmaß und Agni als Gottheit genannt; er dient der Freude Kujas.

13.145 »Dient Agni mit Opferholz, weckt den Gast mit Ghee; bringt hier die Opfergaben dar.«

13.146 »Agni, nimm meinen Lobpreis an, wachse durch dieses Hervorbringen und erfreue dich an unseren guten Hymnen.«

13.147 »Agni, den Boten, stelle ich voran; den Träger der Opfergaben rufe ich an. Lass die Götter hier Platz nehmen.«

13.148 »Agni, deine großen, hellen Flammen steigen, wenn du entzündet bist, zum Himmel empor.«

13.149 »Meine Ghee-reichen Gaben mögen zu dir gelangen, Erfreulicher. Agni, nimm unsere Opfergaben an.« Die Anrede in der ersten Hälfte ist unregelmäßig.

13.150 »Agni preise ich, den erfreulichen Opferpriester, den Ritualkundigen, buntstrahlend und lichtreich.« Der letzte kurze Zusatz ist beschädigt und nicht sicher übersetzbar.

13.151 »Den alten, zu suchenden Opferpriester, den geliebten Agni, den Seher und die Tatkraft, den Glanz der Opfer.« Die letzte Genitivform ist fehlerhaft geschrieben.

13.152 »Erfreue dich, du höchste Angiras-Gestalt, fortgesetzt an diesen Opfergaben. Agni, führe das Opfer mit deiner Tatkraft.«

13.153 »Mit dem bereitwilligen Opferholz, hell Leuchtender, bringe hier wissend das göttliche Volk herbei.«

13.154 »Den begeisterten, nicht trügenden Opferpriester, mit Rauch als Banner und reichem Licht, das Zeichen der Opfer, suchen wir.«

13.155 »Agni, beschütze uns vor dem schädigenden Gegner, Gott; überwinde die Feindschaft, du aus Kraft Geborener.« Die mittleren Wörter sind beschädigt.

13.156 »Agni schmückt mit altem Denken seinen eigenen Leib; als Seher wächst er durch den begeisterten Sänger.«

13.157 »Den Sohn der Kraft rufe ich an, Agni mit läuternder Flamme, bei diesem gut vollzogenen Opfer.«

13.158 »Agni, du mitrastrahlender, setze dich mit deiner hellen Flamme und mit den Göttern auf unser Opfergras.«

13.159 »Wer Agni eine Gabe darbringt ... dem möge er Güter erleuchten.« Der Mittelteil ist stark beschädigt; eine sichere vollständige Übersetzung ist nicht möglich.

13.160 »Agni ist der Kopf des Himmels, der Gipfel und Herr dieser Erde. Er belebt die Samenkräfte der Wasser.«

13.161 »Agni, deine reinen, hell glänzenden Lichter und Flammen steigen empor.«

13.162 »Du gebietest über erwünschte Gabe, Agni, Herr des Himmelslichts. Als dein Sänger möge ich in deinem Schutz sein.«

13.163 »Dich, Agni, fördern die Einsichtigen durch ihre Gedanken. Unsere Lieder mögen dich stärken.«

13.164 »Wir erwählen die Freundschaft Agnis, des untrüglichen, selbstmächtigen Boten ...« Die übrige Wortfolge ist beschädigt und nicht sicher vollständig übersetzbar.

13.165 »Agni ist von reinster Ordnung, rein, rein als begeisterter Seher; als Reiner leuchtet er, wenn er angerufen wird.« Die Wiederholung des Reinheitswortes entspricht der Vorlage.

13.166 »Meine Gedanken und Lieder mögen dich alle Tage stärken, Agni; erkenne unsere Freundschaft.«

13.167 »Wenn ich du wäre und du ich ... dann wären die Segenswünsche hier wahr.« Der hypothetische Vergleich ist im Wortlaut beschädigt; sein erkennbarer Kern wird ohne Ergänzung wiedergegeben.

13.168 »Denn du bist das Gut und der Herr der Güter, Agni, der Lichtreiche. Mögen wir an deiner Gunst teilhaben.«

13.169 »Zu dir, Agni, dessen Ordnung feststeht, strömen die rufenden Lieder wie Flüsse zum Meer.«

13.170 »Den jungen Herrn der Menschen, den Seher, den ... mit vielen Gütern, Agni, schmücke ich mit meinen Gedanken.« Eine Eigenschaft in der Mitte ist entstellt.

13.171 »Dem Wagenlenker der Opfer, dem Scharfzahnigen, Mächtigen, Agni, dienen wir mit Lobgesängen.« Die Schlussform ist fehlerhaft.

13.172 »Dieser Sänger, Agni, möge bei dir ... sein. Sei ihm gnädig, du Läuternder.« Die Verbindung in der ersten Hälfte lässt sich nicht zuverlässig sichern.

13.173 »Du bist einsichtig ... wie ein beständig wachender Seher; Agni, du leuchtest im Himmel.« Die erste Hälfte ist stark beschädigt.

13.174 »Vor den Übeln und vor den Kämpfen, Agni, Seher, verlängere uns das Leben, du Guter.«

13.175 Für ein Mars erfreuendes Bad werden Vishvambala – laut Glosse getrockneter Ingwer –, Sandel, Ramatha – laut Glosse Asafoetida –, Asana-Blüten, Phalini und Bakula genannt.

13.176 Als Gaben zur Freude des Erdensohnes werden rote Wasserblumen, Kupfer, Koralle, Linsen, kräftig rotes Tuch und Ashvari-Blüten genannt.

13.177 Mars gilt hier als unter Purvashadha, an der hellen Dashami des Bhadrapada, an einem Mittwoch geboren. Dann findet sein großes Fest statt.

13.178 Nun wird das Merkurmantra erklärt: Als Rishi nennt die Vorlage »Bauddha«, als Versmaß Trishtubh und als Gottheit den Erkenntnis schenkenden Budha, hier »Buddha« geschrieben.

13.179 »Erwache, Agni, werde wieder wach. Du und dieser Opfernde mögen Opfer und gemeinnützige Werke miteinander verbinden. An dieser höheren Versammlungsstätte mögen alle Götter und der Opfernde Platz nehmen.«

13.180 Nach dem sechsgliedrigen Nyasa mit buṃ folgt die Meditation: Merkur trägt gelbes Gewand, ist gelb und mit gelbem Duftstoff gesalbt,

13.181 wird mit gelben Blumen verehrt und trägt Schwert, Schild, Keule und Segensgeste. Er wird als aus Sindhu und aus Atris Linie stammend beschrieben.

13.182 Dann werden Bharadvaja als Rishi, Magadha als Geburtsland und Brihati als Versmaß genannt. Merkur trägt Krone, gelben Schirm, gelbe Banner und Fahnen. Die abweichenden Zuordnungen bleiben sichtbar.

13.183 Mit Armreifen und Edelsteinen geschmückt wird Budha zusammen mit Vishnu als Adhidevata und ebenfalls Vishnu als Pratyadhidevata meditiert.

13.184 In einem aus kurkumagefärbtem Reis gebildeten pfeilförmigen Mandala innerhalb einer viereckigen Begrenzung wird Budha angerufen und verehrt. Die Vorlage verbindet Pfeil- und Viereckform ohne weitere Erklärung.

13.185 Das Mantra wird entsprechend seiner Lautzahl in Hunderttausendern rezitiert; ein Zehntel folgt als Opfer mit Apamarga-Holz, danach Tarpana.

13.186 Die Adhidevata Merkurs ist Vishnu als Trivikrama. Für sein Mantra gelten Medhatithi als Rishi und Gayatri als Versmaß.

13.187 »Vishnu hat dies durchschritten und seinen Schritt dreifach gesetzt. Alles ist in seinem staubigen Fußtritt geborgen – Svaha.« Die Schlusswendung ist in der Vorlage beschädigt.

13.188 Die Pratyadhidevata ist Vishnu als Narayana. Sein Mantra hat Dirghatamas als Rishi und Trishtubh als Versmaß.

13.189 »Vishnus Heldentaten will ich verkünden: Er maß die irdischen Räume, stützte die obere Wohnstätte und schritt dreifach weit aus, der Weitgepriesene.«

13.190 Milchreis wird als Nahrung vorgeschrieben, Flaschenkürbis ausgeschlossen. Unreine Kleidung soll vermieden und die Wurzelranke von Vriddhadaru getragen werden.

13.191 Ist das Merkurmantra vollendet, werde man redegewandt und gelehrt, von Gegnern unbesiegbar und selbst siegreich.

13.192 Für den zwölfversigen Hymnus werden die Allgötter als Rishis und Budha als Gottheit genannt; die Versmaße umfassen Brihati, Trishtubh, Jagati und Gayatri.

13.193 »Erwacht einmütig, Freunde! Entzündet gemeinsam Agni, ihr vielen, die ihr zusammenwohnt. Dadhikra, Agni, die Göttin Morgenröte und Indra rufe ich euch zur Hilfe an.« Die Schlussanrede ist beschädigt.

13.194 »Macht eure Gedanken erfreulich und breitet sie aus. Bereitet ein Boot, das mit Rudern hinüberführt; bereitet Nahrung und Lebensunterhalt. Führt das Opfer vorwärts, Freunde!« Einzelne Handlungswörter sind gestört.

13.195 »Schirrt die Pflüge an, breitet die Joche aus und sät hier den Samen in den bereiteten Boden. Durch das Lied möge Ertrag entstehen; die Sicheln mögen sich bald dem Reifen nähern.« Der mittlere Satz ist nur sinngemäß sicher.

13.196 »Die Seher schirren die Pflüge an und spannen die Joche einzeln aus, die Besonnenen in guter Gesinnung gegenüber den Göttern.«

13.197 »Bereitet die Tröge und befestigt die Seile. Wir wollen aus dem Brunnen schöpfen und die unerschöpfliche, gut zu bewässernde Stelle tränken.« Die Negation in der Vorlage ist im Zusammenhang auffällig.

13.198 »Bereitet Trog und Brunnen mit guten Riemen und guter Schöpfvorrichtung; bewässert den unerschöpflichen Vorrat.« Die Gerätebezeichnungen sind beschädigt geschrieben.

13.199 »Erfreut die Pferde und gewinnt; bereitet einen Wagen, der Wohlergehen trägt. Schöpft aus dem hölzernen Trog, dem Brunnen mit steinernem Rad und unversiegendem Behälter, der den Menschen zum Trunk dient.« Mehrere Komposita sind unregelmäßig.

13.200 »Errichtet die Hürde, die euch schützt; näht breite, starke Rüstungen. Baut unangreifbare eiserne Burgen. Euer Becher möge nicht auslaufen; befestigt ihn!«

13.201 »Eure göttliche, opferwürdige Einsicht wende ich zur Hilfe hierher. Möge sie uns melken wie eine große Kuh, die zur Weide zieht, mit tausend Strömen ihrer Milch.« Die Anrede an die Götter ist grammatisch gestört.

13.202 »Gießt den goldfarbenen Trank in Indras Schoß; bearbeitet ihn mit steinernen Werkzeugen. Umfasst ihn mit zehn Bändern und schirrt den Träger an beide Deichseln.« Die Bildsprache verbindet Soma-Bereitung und Wagenbau; einzelne Wörter bleiben unsicher.

13.203 »Der Träger bewegt sich zwischen beiden Deichseln wie zwischen zwei Gattinnen. Stellt den Baum im Wald auf, setzt ihn nieder und grabt die Quelle.« Die erste Hälfte ist beschädigt.

13.204 Der letzte Vers enthält stark verderbte Werkzeug- und Arbeitsbezeichnungen. Erkennbar sind die Aufforderungen, etwas einzusetzen, anzutreiben und zum Gewinn von Nahrungskraft zu bewegen, sowie Indra hier zum Soma-Trinken herbeizuführen. Eine vollständige sichere Übersetzung ist nicht möglich.

13.205 Für ein Bad werden Haritaki, Kaliphala – laut Glosse Bibhitaka –, Kuhdung, Reis, Rochana, Gold, Amalaki, Perlen und Honigwasser genannt. Die umfangreiche Wörterbuchglosse erläutert die Mehrdeutigkeit von »ka«, hier Wasser; sie ist keine zusätzliche Ritualzutat.

13.206 Zur Freude Merkurs werden blaues Tuch, Mungbohnenspeise, Gold, Wollstoff oder Malati-Blüten gespendet.

13.207 Budha gilt als an der hellen Dvadashi des Nabhasya an einem Montag als Sohn Taras und des Mondes geboren; dann wird sein Fest gefeiert. Die zusätzliche Bezeichnung »dvijanman« ist syntaktisch unklar.

13.208 Nun wird das Jupiter-Mantra erklärt: Gritsamada ist sein Rishi, Trishtubh sein Versmaß und der vom Götterkönig Verehrte seine Gottheit.

13.209 »Brihaspati, was an dir verehrungswürdig, strahlend und voller Einsicht unter den Menschen leuchtet, was durch Kraft erglänzt und aus der Wahrheit geboren ist: Verleihe uns diesen vielfältigen Reichtum.«

13.210 Mit bṛṃ werden die sechs Glieder und die weiteren Nyasas vollzogen. Höre nun die Meditation über Brihaspati.

13.211 Er trägt Wasserkrug, Stab und Gebetskette und zeigt die Segensgeste, ist gelb und strahlt mit goldener Krone.

13.212 Vasishtha wird als Rishi-Zuordnung genannt, Sindhu als Herkunft, Anushtubh als Versmaß und Angiras als Familienlinie. Er trägt gelbes Gewand und wird von den Göttern gepriesen. Die Abweichungen zur Mantra-Zuordnung in 13.208 bleiben erhalten.

13.213 Mit gelben Bannern, Fahnen, Schirm und Salbung sowie Armreifen geschmückt wird er mit Indra als Adhidevata und Brahma als Pratyadhidevata meditiert und angerufen. Nummernhinweis: Die Vorlage druckt 313 zwischen 212 und 214; hier lautet die Orientierung 13.213.

13.214 Er wird in einem länglichen, sechs Fingerbreiten messenden Viereck aus kurkumagefärbtem Reis und mit Mantra-Anordnung verehrt.

13.215 Das Mantra wird entsprechend seiner Lautzahl in Hunderttausendern rezitiert. Das Opfer verwendet Pippala-Holz mit den drei süßen Stoffen; Tarpana fünf gelbe Gaben, die hier nicht einzeln benannt werden.

13.216 Für das Indra-Mantra werden Gritsamada als Rishi, Trishtubh als Versmaß und Indra als Gottheit genannt.

13.217 Indra ist die Adhidevata Gurus; der Zweck des Mantras ist dessen Freude.

13.218 »Indra, verleihe uns die besten Güter, Einsicht und Geschick, Glück, wachsenden Reichtum und Unversehrtheit der Körper, Süße der Rede und gute Tage.« Die Formulierung vor der Rede ist beschädigt.

13.219 Für das nächste Mantra gelten Gritsamada als Rishi, Trishtubh als Versmaß und Brahmanaspati als Gottheit; dieser wird als Pratyadhidevata Jupiters bezeichnet.

13.220 »Brahmanaspati, du bist der Lenker dieses gepressten Soma; erkenne uns und fördere die Nachkommenschaft. Alles Gute, das die Götter schützen, mögen wir mit guten Helden in der Versammlung machtvoll verkünden.« Einzelne Verbindungen sind gestört.

13.221 Als Gaben werden Reis mit Dickmilch, Gold und gelbes Tuch genannt. Am Arm wird beständig eine Brahma-Wurzel getragen.

13.222 Ist das Guru-Mantra vollendet, entstehe Vollendung der Rede. Der zweite Halbvers nennt leuchtende Kraft im Körper und das Erschließen von Sinn durch die eigene Kraft, bleibt aber syntaktisch unklar.

13.223 Der elfversige Hymnus hat Vamadeva als Rishi, Jagati als Versmaß und Brihaspati als Gottheit.

13.224 »Der mit Macht die Grenzen festigte, Brihaspati, an drei Stätten durch seinen Ruf gegenwärtig: Ihn, den angenehmzüngigen, setzten die alten, sinnenden Seher vor sich.« Die erste Ortsbezeichnung ist beschädigt.

13.225 »Die Bewegten, sich Erfreuenden, haben dich, Brihaspati, den gut Erkennbaren, umgeben ... bewahrt seinen Ursprung.« Der Mittelteil ist stark entstellt und nicht vollständig sicher übersetzbar.

13.226 »An deiner höchsten, fernsten Stätte, Brihaspati, sitzen die, welche die Wahrheit berühren. Für dich gegrabene Brunnen, von Stein erschlossen, träufeln ringsum Honig.« Die letzte Ortsangabe der Vorlage ist unklar.

13.227 »Brihaspati, zuerst geboren aus dem großen Licht im höchsten Raum, siebenmündig, mit sieben Strahlen, vertrieb durch seinen Ruf die Finsternis. Mit seiner gut preisenden, versekundigen Schar zerbrach er durch den Ruf die Umschließung.« Die Quelle hat beim zu zerbrechenden Gegenstand eine beschädigte Form.

13.228 »Brihaspati, der die Opfergaben fördert, trieb brüllend die rufenden Kühe heraus. So wollen wir dem Vater, dem allgöttlichen Kraftvollen, mit Opfern, Geist und Gaben dienen. Brihaspati, mögen wir gute Nachkommenschaft und Helden haben und Herren von Gütern sein.«

13.229 »Der König überragt alle feindlichen Menschen durch Macht und Heldenkraft, der Brihaspati gut ehrt, ihn preist und ihm den ersten Anteil gewährt.« Die Anfangsform ist unregelmäßig.

13.230 »Er wohnt fest gegründet in seinen Wohnstätten; für ihn strömt Ila zu allen Zeiten. Die Menschen verneigen sich freiwillig vor ihm, bei dessen Königtum das heilige Wort vorangeht.«

13.231 »Unwiderstanden gewinnt er die Güter von Gegnern und Angehörigen. Den König, der dem hilfesuchenden Brahman-Kenner Raum und Wohlergehen schafft, schützen die Götter.« Einzelne Formen sind beschädigt.

13.232 »Indra und Brihaspati, trinkt Soma bei diesem Opfer, euch erfreuend, ihr Machtvollen. Die Tropfen mögen in euch eingehen; gewährt uns Besitz mit unversehrter Heldenschar.« Die letzte Anrede ist unregelmäßig überliefert.

13.233 »Brihaspati und Indra, stärkt uns; eure Gunst sei bei uns. Beschützt unsere Gedanken, weckt unsere Einsichten und schwächt die feindseligen Absichten unserer Gegner.« Der Schluss ist stark beschädigt und nur sinngemäß wiedergegeben.

13.234 Ein Bad mit Madayanti-Trieben, Madhuka, weißem Senf und Malati-Blüten soll Guru erfreuen.

13.235 Gespendet werden Kurkuma, Zucker, gelbes Tuch, Gold und Messing; wenn diese fehlen, Kichererbsen.

13.236 Guru gilt als an der hellen Ekadashi des Phalguna, unter Pushya, an einem Freitag geboren. Dann wird sein Fest gefeiert.

13.237 Nun wird das Venusmantra erklärt: Bharadvaja ist sein Rishi, Trishtubh sein Versmaß und der Lehrer der Daityas seine Gottheit.

13.238 »Das eine deiner Antlitze ist hell, das andere opferwürdig; in den verschieden gestalteten Tagen gleichst du dem Himmel. Du bewahrst alle wunderbaren Kräfte, Selbstmächtiger; heilsam ist hier deine Gabe, Pushan.« Der Vers nennt Pushan, obwohl er hier Venus zugeordnet wird.

13.239 Nach dem sechsgliedrigen Nyasa mit śuṃ wird Shukra meditiert: in weißem Gewand, von weißer Farbe, mit weißem Duftstoff gesalbt,

13.240 mit weißen Blumen verehrt, gekrönt, vierarmig, mit Stab, Gebetskette und Wasserkrug; Shaunaka wird als Rishi-Zuordnung genannt.

13.241 Er zeigt die Segensgeste, hat Pankti als Versmaß, stammt aus Kikata und aus Bhrigus Linie und trägt weißen Schirm, weiße Banner und Fahnen. Die Glosse erläutert eine grammatische Form; die Zuordnungen unterscheiden sich von 13.237.

13.242 Mit Armreifen, auf einem Wagen, weiß geschmückt wird er in einem weißen, neun Fingerbreiten großen Fünfeck meditiert.

13.243 Indrani ist seine Adhidevata, Shakra seine Pratyadhidevata. Mit ihnen wird der Lehrer der Daityas im Mandala verehrt.

13.244 Das Mantra wird entsprechend seiner Lautzahl in Hunderttausendern rezitiert. Das Opfer verwendet Udumbara-Holz mit den drei süßen Stoffen; Tarpana und weitere Handlungen folgen dem Mondritual.

13.245 Für das Indrani-Mantra werden Vrishakapi als Rishi und Pankti als Versmaß genannt. Es dient der Freude Shukras.

13.246 »Unter diesen Frauen habe ich Indrani als glücklich gehört. Ihr Gatte stirbt nicht wie ein anderer an Alter; Indra steht über allen.« Die mittlere Verbindung ist verkürzt.

13.247 Für das nächste Mantra werden Madhuchchhandas und Gayatri genannt. Als Gottheit steht hier »Shukra«, obwohl der folgende Vers Indra anruft und 13.243 Shakra als Begleitgottheit nennt. Der Zweck bleibt die Freude Shukras.

13.248 »Indra rufen wir für euch von allen Menschen herbei. Er möge ganz der Unsere sein.«

13.249 Als Nahrung wird zubereiteter Reis genannt. Der Verehrer trägt ausschließlich weiße Kleidung und eine Muni-Wurzel, laut Glosse die Wurzel Agastyas.

13.250 Als Zeichen der Vollendung des Shukra-Mantras nennt der Text gefügige Frauen, gelingende Reisen, Glanz und Einfluss auf Herrscher. Die letzte Verbindung ist sprachlich gestört.

13.251 Für den folgenden Hymnus werden Bharadvaja als Rishi, Trishtubh und Jagati als Versmaße und Pushan als Gottheit genannt. Die Verszahlangabe ist beschädigt.

13.252 »Das eine deiner Antlitze ist hell, das andere opferwürdig; in den verschiedenen Tagen gleichst du dem Himmel. Alle wunderbaren Kräfte bewahrst du, Selbstmächtiger; heilsam ist deine Gabe, Pushan.« Daran schließen sich im selben nummerierten Eintrag Eigenschaften an: ziegenbespannt, Vieh fördernd, Nahrungskraft gewährend, Einsicht belebend und in allen Welten gegründet; mehrere Formen sind gestört.

13.253 »Mit seinem Treibstock bewegt Pushan ...; die Welten überschauend zieht der Gott.« Die mittlere Wortfolge ist nicht zuverlässig lesbar.

13.254 »Deine goldenen Schiffe, Pushan, die im inneren Meer und im Zwischenraum fahren: Mit ihnen ... wünschen wir dich nach Suryas Verlangen herbei.« Der zweite Halbvers ist stark beschädigt und bleibt teilweise offen.

13.255 »Pushan, guter Verwandter von Himmel und Erde, Herr der Nahrung, freigebig und reich an Glanz ...« Die anschließende Aussage darüber, was die Götter Surya gaben, ist nicht sicher vollständig zu übersetzen.

13.256 Für ein Venus erfreuendes Bad werden Triphala mit Wurzeln, Kardamom, Safran und Manahshila in Wasser genannt. Die arsenhaltige Mineralsubstanz macht dies zu einer historischen Rezeptangabe, nicht zu einer Anwendungsempfehlung.

13.257 Ein weißes Pferd, Silber, Sandel, weißes Tuch und Ghee werden gespendet, ersatzweise Reis.

13.258 Die helle Navami des Chaitra wird mit der Geburt Ramas und Bhargavas verbunden. Rama wird Punarvasu zugeordnet, Shukra Magha; die genaue Verbindung mit einem Freitag ist in der knappen Formulierung nicht eindeutig.

13.259 Nun wird das Saturnmantra erklärt: Sindhudvipa ist sein Rishi, Gayatri sein Versmaß und Shanaishchara seine Gottheit.

13.260 »Die göttlichen Wasser mögen uns zum Segen und zum Trinken dienen; Wohlergehen mögen sie uns zuströmen lassen.«

13.261 Nach dem sechsgliedrigen Nyasa mit śaṃ wird Saturn meditiert: mit Dreizack, im Glanz eines Saphirs, aus Saurashtra stammend, segenspendend und auf einem Geier. Die zusätzliche Sitzbezeichnung »shashasana« ist unklar.

13.262 Bhrigu wird als Rishi-Zuordnung, Kashyapa als Familienlinie und Gayatri als Versmaß genannt. Der Gott trägt Krone, schwarzes Gewand, schwarze Farbe, schwarze Salbung und schwarzen Schmuck.

13.263 Mit Armreifen und Krone, auf einem Lotus sitzend, wird er mit Prajapati als Adhidevata verehrt. Die Pratyadhidevata ist hier als »Padma« überliefert; das folgende Mantra richtet sich jedoch an Yama. Diese Abweichung bleibt gekennzeichnet.

13.264 Das Mandala besteht aus schwarzem Pulver mit Moschus. Shami-Holz wird geopfert, Tarpana mit einem eisernen Arghya-Gefäß vollzogen. Schwarze Blumen, dunkler Sandel und Agaru werden genannt; die genaue Verbindung der letzten Stoffe ist verkürzt.

13.265 Für das mit »brahma jajnanam« beginnende Mantra werden Hiranyagarbha als Rishi und Trishtubh als Versmaß genannt. Es dient Saturns Freude und der Beseitigung vielfältiger Bedrängnis; der Text verweist nur auf den Anfang des bereits zitierten Verses.

13.266 »Presst Soma für Yama, bringt Yama die Opfergabe. Zu Yama gelangt das wohlbereitete Opfer mit Agni als Boten.«

13.267 Saturnverehrer essen nach der Vorschrift Krishara, tragen Vyaghri-Wurzeln – laut Glosse Shri-Brihati – am Hals und führen täglich eine Ölsalbung aus.

13.268 Mit der Vollendung des Saturnmantras seien alle Mantras vollendet. Schon durch das Anblasen des Verehrers würden alle Krankheiten verschwinden, behauptet der Text.

13.269 Für den neunversigen Hymnus wird Sindhudvipa als Rishi genannt; die Versmaße heißen in der Vorlage Baddhamana, Pratishtha und Anushtubh.

13.270 Die Gottheiten sind die Wasser; der Zweck ist Saturns Freude. Durch Rezitation dieser neun Verse sollen aus Begierde entstandene Verfehlungen verschwinden.

13.271 »Ihr Wasser seid wahrlich Freude bringend. Verleiht uns Kraft und großes, erfreuliches Schauen.« Die Anfangsform ist fehlerhaft geschrieben.

13.272 »Lasst uns hier an eurem heilsamsten Saft teilhaben, wie liebevolle Mütter.«

13.273 »Zu jenem Ziel wollen wir gelangen, zu dessen Wohnstätte ihr uns belebt. Ihr Wasser, bringt uns neu hervor.«

13.274 »Die göttlichen Wasser mögen uns zum Segen und zum Trinken dienen; Wohlergehen mögen sie uns zuströmen lassen.«

13.275 »Die Wasser, Herrinnen der erwünschten Güter, die über die Menschen wachen, bitte ich um Heilmittel.«

13.276 »Soma sagte mir: In den Wassern sind alle Heilmittel und Agni, der allen Wohlergehen bringt.«

13.277 »Wasser, erfüllt meinen Leib mit Heilmittel und Schutz, damit ich lange die Sonne sehe.«

13.278 »Wasser, führt hinweg, was an Übel in mir ist, wenn ich Feindschaft begangen, geflucht oder Unwahrheit gesprochen habe.« Die beiden letzten Tätigkeiten sind in der Vorlage beschädigt geschrieben.

13.279 »Heute bin ich den Wassern gefolgt und habe mich mit ihrem Saft verbunden. Agni, komm voller Nahrungskraft und verbinde mich mit Glanz.«

13.280 Für ein Saturn erfreuendes Bad werden Rasanjana, schwarzer Sesam, Shatapushpa, Ghana, Bala, Lajjalu und Lodhra genannt. Die Glossen erläutern Ghana durch einen weiteren Pflanzennamen und Lajjalu als Lajjavati; keine sichere moderne Rezeptur wird daraus abgeleitet.

13.281 Gespendet werden eine schwarze Kuh, eine Büffelkuh, Eisen, Öl und Blei; bei geringeren Mitteln Eisen oder die als Marata bezeichnete Gabe, deren Bedeutung unklar bleibt.

13.282 Saturn gilt als am vierzehnten Tag der dunklen Hälfte des Jyeshtha, an einem Dienstag unter Rohini, von der Sonne geboren. An diesem Termin wird er zu seiner Freude verehrt.

13.283 Nun wird das Rahu-Mantra erklärt: Vamadeva ist sein Rishi, Gayatri sein Versmaß und der Sohn Simhikas seine Gottheit.

13.284 »Mit welcher wunderbaren Hilfe kommt der stets wachsende Freund zu uns? Mit welcher machtvollsten Gunst?« Die knappe vedische Frage ist in der Vorlage unregelmäßig segmentiert.

13.285 Nach dem sechsgliedrigen Nyasa mit rāṃ wird Rahu meditiert: mit furchterregendem Gesicht, Schwert, Schild, Dreizack und einem weiteren, als »brihat« unvollständig bezeichneten Attribut.

13.286 Er trägt schwarzes Gewand, ist schwarz und mit schwarzem Duftstoff gesalbt; schwarze Blumen dienen seiner Verehrung, Armreifen und Krone schmücken ihn.

13.287 Er stammt aus dem östlichen Land, ist grimmig, hat die als »Antirasa« überlieferte Rishi-Zuordnung, die Patali-Linie und Anushtubh als Versmaß. Diese Angaben unterscheiden sich von 13.283.

13.288 Er sitzt auf einem Wagen unter schwarzem Schirm, mit schwarzen Bannern und Fahnen. Schlangen sind seine Adhidevata, Kala seine Pratyadhidevata.

13.289 So wird er im Südwesten auf einem krokodilförmigen, zwölf Fingerbreiten großen Mandala mit dunklem Reis verehrt.

13.290 Das Feueropfer verwendet mit süßen Stoffen benetzte Durva. Tarpana und die weiteren Handlungen erfolgen mit den entsprechenden Gaben; auch kaulische Brahmanen sollen zufriedengestellt werden.

13.291 Für das Schlangenmantra werden Sarparaja als Rishi, Gayatri als Versmaß und die Schlangen als Gottheiten genannt; es dient Rahus Freude.

13.292 »Diese bunte Kuh ist herangeschritten und hat sich vor der Mutter niedergelassen; weitergehend erreicht sie den Vater, den Himmel.« Die vedische Bildrede wird hier der Schlangenverehrung zugeordnet.

13.293 Für das Kala-Mantra werden Kanvacharya als Rishi und Gayatri als Versmaß genannt; sein Zweck ist die Freude Rahus.

13.294 »Nirriti möge uns nicht wieder und wieder mit ihrem Unheil erschlagen ... zusammen mit dem Durst.« Der Anfang und die Schlussverbindung sind beschädigt; eine vollständige sichere Übersetzung ist nicht möglich.

13.295 Als Nahrung werden Masha-Bohnen, als zu tragende Wurzel Durva genannt. Menschen, die als verwerflich geltenden Tätigkeiten nachgehen, soll man nicht schmähen; Gefangene soll man befreien.

13.296 Ist das Rahu-Mantra vollendet, sollen Daityas, Rakshasas und Guhyakas den Auftrag des Sadhaka erfüllen; im Kampf werde er stets siegreich.

13.297 Für den fünfzehnversigen Hymnus gelten Vamadeva als Rishi, Nicrid-Gayatri – in der Vorlage verkürzt – als Versmaß und der Götterführer als Gottheit.

13.298 »Mit welcher wunderbaren Hilfe kommt der stets wachsende Freund zu uns? Mit welcher machtvollsten Gunst?«

13.299 »Welcher wahrhafte, stärkste Rausch des Trankes möge dich erfreuen, damit du selbst fest eingeschlossene Güter aufbrichst?« Die mittlere Wortfolge ist gestört.

13.300 »Wende dich deinen Freunden zu, Beschützer der Sänger; sei mit hundert Hilfen gegenwärtig.«

13.301 »Wende dich uns zu wie ein gedrehtes Rad, mit den Gespannen der Menschen.« Einzelne Formen sind beschädigt.

13.302 »Mit deiner vorwärtsdrängenden Tatkraft gehst du wie auf großer Bahn ... mit der Sonne.« Die Schlussverbindung ist nicht zuverlässig lesbar.

13.303 »Wenn, Indra, deine Antriebe sich zusammen mit den Rädern ausspannen ... am Bogen und an der Sonne.« Der Text ist hier so beschädigt, dass die Bildfolge nicht sicher vollständig erschlossen werden kann.

13.304 »Darum nennt man dich den Gabenreichen, Herrn der Kraft, den unermüdlich leuchtenden Geber.« Der letzte Ausdruck ist unsicher.

13.305 »Darum ... dem sich Mühenden, der Soma presst ... schon zuvor ... großes Gut.« Die Wortverbindungen dieses Verses sind stark entstellt; eine zusammenhängende Übersetzung wird nicht erfunden.

13.306 Der Vers nennt große Macht, hundert Gaben und ein künftiges Wirken. Die übrige Wortfolge ist so beschädigt, dass weder Subjekt noch vollständiger Sinn zuverlässig bestimmbar sind.

13.307 »Deine hundert Hilfen mögen uns schützen, deine tausend Hilfen und alle deine erwünschten Gaben.«

13.308 »Erwähle uns hier zur Freundschaft, zum Wohlergehen und zu großem, himmlischem Reichtum.« Die Schlussform ist gestört.

13.309 »Indra, umfange uns alle Tage mit Reichtum und mit all deinen Hilfen.« Die Einleitung ist fehlerhaft geschrieben.

13.310 »Öffne für uns jene rinderreichen Umhegungen, Indra, mit neuen Hilfen.« Die Vorlage ist mehrfach beschädigt; die Bitte um Öffnung und Viehreichtum ist erkennbar.

13.311 »Unser kühner, strahlender Wagen, Indra, möge unerschüttert sein, nach Rindern strebend ...« Die letzte Bewegungsangabe ist nicht sicher lesbar.

13.312 »Mache unseren Ruhm zum höchsten unter den Göttern, o Sonne, wie den höchsten Himmel über uns.« Die Anrede an die Sonne steht so am Ende dieses Indra zugeordneten Hymnus.

13.313 Für das Bad werden Nagavalli, Nagabala, Kumari, Chakra, Bhaskara, Vacha, Guduchi und Tagara genannt, verteilt auf vier Gefäße. Einige Pflanzennamen bleiben ohne sichere botanische Zuordnung.

13.314 Zur Freude Rahus werden Blei, eine Decke, Gold und ein Widder gespendet. Fehlen diese, nennt die Glosse als Ersatz drei Stücke Guggulu; sie erläutert damit die überlieferte Form »tripuran«.

13.315 Simhika gebar ihren Sohn am Vollmond des Ashvina unter Bharani. Dann wird Rahu besonders verehrt.

13.316 Nun wird das Ketu-Mantra erklärt: Madhuchchhandas ist sein Rishi, Gayatri sein Versmaß; als Gottheiten werden die Ketus im Plural genannt.

13.317 »Ein Zeichen schaffend für den Zeichenlosen, Gestalt für den Gestaltlosen, o Männer, bist du zusammen mit den Morgenröten geboren.« Die Anrede und Verbform sind in der Vorlage nicht völlig einheitlich.

13.318 Nach dem sechsgliedrigen Nyasa mit kaṃ folgt ihre Meditation: rauchfarbene Augen und Arme, Schlingen in den Händen, entstellte Gesichter,

13.319 Kronen, Geier als Reittiere, kräftig und aus dem mittleren Land stammend, mit bunten Gewändern, bunten Körperfarben und bunten Salbungen.

13.320 Sie haben verschiedene Versmaße, Gautama als Rishi-Zuordnung und Jaiminis Familienlinie; ihre Banner und Fahnen sind schwarz und rötlichbraun, ihre Köpfe gekrönt. Die Glosse erläutert ein Wortbildungssuffix.

13.321 Mit Armreifen, auf Wagen sitzend, von kräftiger Gestalt werden sie mit Brahma als Adhidevata und Chitragupta als Pratyadhidevata meditiert.

13.322 Im Nordwesten werden sie in einem fahnenförmigen Mandala von anderthalb Fingerbreiten mit buntem Reis und Blumen angerufen und verehrt. Die ungewöhnlich kleine Maßangabe steht so in der Vorlage.

13.323 Das Mantra wird entsprechend seiner Lautzahl in Hunderttausendern rezitiert. Es folgt ein Kusha-Feueropfer mit den drei süßen Stoffen und eine Verehrung mit verschiedenfarbigen Gaben.

13.324 Für das Brahma-Mantra gelten Vamadeva als Rishi, Trishtubh als Versmaß und Brahma als Gottheit. Es dient Ketus Freude.

13.325 »Brahman wurde zuerst im Osten geboren; Vena offenbarte es mit seinem Glanz, seine tiefsten und höchsten Stätten und den Ursprung des Seienden und Nichtseienden.« Wie bei früheren Zitaten ist die Lautfolge beschädigt.

13.326 Für das Chitragupta-Mantra gelten Praskanva als Rishi, Brihati als Versmaß und Chitragupta als Gottheit; es dient Ketus Freude. Nummernhinweis: Die Vorlage druckt 226 zwischen 325 und 327; hier lautet die Orientierung 13.326.

13.327 »Morgenröte, belebe die vielfältige Nahrungskraft unter den Menschen. Mit ihr bringe die gut Handelnden zu den Opfern, die dich als Träger der Gaben preisen.« Einige Formen sind fehlerhaft überliefert.

13.328 Ein Ketu-Verehrer soll stets das Gewand eines Brahmanen tragen, sich nicht an einer niedrigen Stelle niedersetzen und keine verbrannte Speise essen.

13.329 Als Zeichen der Vollendung des Ketu-Mantras gelten allgemeine Anerkennung und die Fähigkeit des Sadhaka, auf vielerlei Weise verborgen und unsichtbar zu bleiben.

13.330 Für den als zehnversig bezeichneten Hymnus werden Madhuchchhandas als Rishi, Gayatri als Versmaß und Chandra und die Maruts als Gottheiten genannt. Die folgenden nummerierten Einträge enthalten nur sieben Verse; eine Ergänzung unterbleibt.

13.331 »Sie schirren den hellen, rötlichen, um das Feststehende wandelnden an. Die Lichter leuchten am Himmel.« Die erste Bildverbindung ist knapp.

13.332 »Mit denen, die selbst das Feste aufbrechen, die das Verborgene finden und Indra herbeitragen, fandest du ... den Glanz.« Der Schluss und mehrere Formen sind beschädigt.

13.333 »Die Gottbegehrenden ... gemäß dem Denken ... fanden Gut durch Lieder und priesen das Große.« Die Verbindungen sind so entstellt, dass keine sichere vollständige Übersetzung möglich ist.

13.334 »Mit Indra wirst du geschaut, mit dem furchtlosen Opfernden ...« Die Schlusszeile über gemeinsame Freude ist beschädigt und bleibt offen.

13.335 Der Vers nennt makellose, rasche und begehrte Scharen Indras sowie einen Lobgesang. Die übrige Wortfolge ist nicht zuverlässig verständlich.

13.336 »Von dort komm herbei, du Umherziehender, oder vom Lichtraum des Himmels. In ihm vereinen sich die Lieder.«

13.337 »Von hier erbitten wir Gewinn, vom Himmel oder von der Erde her, von Indra oder aus dem großen Zwischenraum.« Die Schlussformen sind beschädigt.

13.338 Ein Bad mit Sahadevi, Lajjalu, Bala, Musta und Priyangu soll Shikhin, Ketu, erfreuen.

13.339 Zur Freude Ketus werden Wollstoff, ein Zicklein, Banner und eine gelblich leuchtende Fahne gegeben; alternativ Rajamasha-Bohnen.

13.340 Die Ketus entstanden nach dieser Überlieferung in der hellen Hälfte des Ashadha unter dem Rudra-Nakshatra. Ihr großes Fest soll deshalb an einem Sonntag stattfinden; eine Tithi wird hier nicht genannt.

13.341 So wurde die Verehrung der Grahas nach dem vedischen Weg erklärt. Wer sie beständig ausführt, dem liege die Vollendung gleichsam auf der Hand.

13.342 Wer der Verehrung der Grahas zugewandt ist, erlange Glück hier und jenseits. Was soll ich nun erklären? Die Gottheiten mögen es sagen.

Kolophon: So endet im von Shiva verkündeten Meru-Tantra, gebilligt von Shri Mahamaya und Mahakala, der dreizehnte Prakāśa über die Darlegung der neun Grahas.

Vierzehnter Prakāśa: Mantra-Verzicht und Pratyangira

14.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Erhabener, Herr der Götter! Wenn selbst ein wissender Guru aus Habgier einen Mantra erteilt hat und daraus Leiden entsteht,

14.2 was soll dann geschehen, o Gott, wenn sich kein Wohlergehen einstellt? Wodurch lässt sich Glück in dieser Welt und im Jenseits erlangen?

14.3 Der große Gott sprach: Im Kali-Zeitalter, o Göttin, sind die Gurus häufig von Habgier erfüllt; die Schüler suchen Annehmlichkeiten und besitzen keine Hingabe. Darum kommt es nirgends zu Vollendung.

14.4 Die Annahme eines Mantras führt unter solchen Umständen meist nur zu Leiden. Deshalb werde ich ein in allen Tantras verborgen gehaltenes Verfahren erklären.

14.5 Zunächst soll der Mantra aufgegeben und dann Pratyangira verehrt werden. Ich beschreibe die Ordnung des Mantra-Verzichts, durch die sich nach der Lehre Wohlergehen einstellt.

14.6 Dazu werde ein gelehrter Brahmane aufgesucht, der in den Tantras gründlich bewandert ist. Am Morgen gehe der Betroffene zu dessen Haus und trage ihm sein Leiden vor.

14.7 Dieser vollziehe darauf das besondere Verfahren des Mantra-Verzichts. Zunächst werde in einem ansprechenden Raum nach der Einweihungsordnung ein Krug

14.8 auf einem Mandala aufgestellt und mit reinem Wasser heiliger Stätten gefüllt. Mit dem rückwärts gesprochenen tantrischen Mantra werde die gewählte Gottheit darin angerufen.

14.9 Nach ihrer rituellen Vervollständigung werde sie samt ihrem Kreis verehrt. So verehre der Mantra-Kundige seine gewählte Gottheit mit ihrem gesamten Gefolge.

14.10 Mit dem umgekehrten Mantra bringe er tausend oder hundertacht Feueropfer aus Kuh-Ghee dar. Darauf werde die Gottheit durch die entsprechende Wasserspende zufriedengestellt. [Die Vorlage bietet für Ghee die beschädigte Form „goghata“.]

14.11 Mit der Brahmarpana-Formel folgen Opfergaben aus Gerstenspeise und Milchspeise an die Gottheiten der Haupt- und Zwischenrichtungen sowie nach unten und oben. [Eingeschobene Formel:] „Om, das ist das Seiende. Was immer in den Bereichen von Lebenskraft, Verstand, Körper, Lebensordnung und Befugnis, im Wachen, Träumen und Tiefschlaf, mit Geist, Rede oder Tat, im Innern, durch Bauch oder Geschlechtsorgan erinnert, gesprochen oder getan wurde: Dies alles möge Brahman dargebracht sein. Bhuh, Svaha!“ [Die Wortverbindung vor „Bauch“ ist beschädigt; der Gesamtgedanke ist die Hingabe aller Handlungen an Brahman.]

14.12 „Komm, Indra, Herr der Götter, du mit hundert Willenskräften, Gemahl der Shachi! Verehrung sei dir. Nimm diese Gabe mit Blumen, Räucherwerk und den übrigen Darbringungen an.“

14.13 „Komm mit deinem Glanz, o Herr, Träger der Opfergaben und Spender von Gnaden! Nimm diese bereitete Gabe mit Blumen und Räucherwerk an.“

14.14 „Herr der Verstorbenen, komm herbei, dessen Glanz dunkler Augensalbe gleicht! Nimm diese dargebrachte Gabe an; sei wohlgestimmt und gewähre Segen.“

14.15 „Verehrung dir, Herr der Rakshasas, Nirriti, der du hierhergekommen bist! Nimm Opfergabe und Verehrung an, die ich dir mit Hingabe darbringe.“

14.16 „Komm, Hüter der westlichen Richtung, Herr der Wasser! Verehrung sei dir. Nimm die mit Hingabe dargebrachte Verehrung an und erfreue dich daran.“

14.17 „Du mächtiger Wind, Herr des Lebenshauchs, komm mit deinem Gefolge! Nimm freundlich die Gabe an, die ich nach der Ordnung bereitet habe.“

14.18 „Kubera und Herr der Sterne, kommt herbei, ihr erhabenen Götter! Erfreut euch an Blumen und Räucherwerk und gewährt mir Segen.“

14.19 „Isha, komm herbei, Erhabener, Grundlage aller Erkenntnis, o Herr! Sei durch Blumen, Räucherwerk und die übrigen Gaben erfreut und gewähre Gedeihen.“

14.20 „Komm, Brahman, Herr aller Welten! Nimm die Verehrung an, du Erster unter den Brahmanen, Schöpfer der Welt. Verehrung sei dir!“

14.21 „Komm, Vishnu, erhabenster Segenspender, Lenker des Alls! Mit höchster Hingabe verehrt, gewähre mir Wohlergehen.“

14.22 Danach werde die Mantra-Gottheit samt ihrem Gefolge mit dem rückwärts gesprochenen Mantra, Blumen, Räucherwerk und weiteren Gaben verehrt.

14.23 Darauf bete der Kundige zur verehrten Mantra-Gottheit: „Mit unbeständigem Sinn habe ich, ohne die angemessenen Möglichkeiten und Ersatzformen zu bedenken,

14.24 einen Mantra angenommen, der mir Leiden gebracht hat. Wende den daraus entstandenen Fehler ab! Möge das Unheil von mir ferngehalten werden und mir bleibendes Heil zuteilwerden.

14.25 Möge allein die läuternde Hingabe mein Wohlergehen entfalten.“ Nach diesem Gebet an den Herrn des Mantras werde der Mantra rückwärts auf ein Yantra

14.26 mit reinem Kampfer und Sandelholz geschrieben und dargebracht. Das Yantra werde über dem Krug niedergelegt, begleitet von höchster Hingabe.

14.27 Man binde das Yantra auf den eigenen Kopf und bade mit dem durch Mantras gereinigten Wasser des Kruges. Anschließend werde ein weiterer Krug mit Wasser gefüllt.

14.28 In ihn werde das Mantra-Yantra gelegt und der Krug vollständig gefüllt. Dann werde er einem Fluss oder einem anderen reinen Gewässer

14.29 übergeben. Anschließend seien Brahmanen nach den eigenen Möglichkeiten zu ehren. Bei demjenigen, der diese Ordnung vollzogen hat, vergehen die durch den schwer zu bewältigenden Mantra verursachten Leiden,

14.30 so versichert der Text, ohne Zweifel. Allmählich entsteht ausgeprägte Heiterkeit des Geistes, und seine Familie gedeiht fortwährend.

14.31 Nun werde ich Pratyangira erklären, die das Wesentliche in sich trägt und Wohlergehen verleiht. Schon wo der Blick ihres Verehrers hinfällt, nähern sich Geister, Totengeister und die über sie herrschenden Mächte

14.32 nicht mehr. Das angestrebte Ziel wird erreicht; dem Übenden gewährt sie Frieden, Stärkung und Gedeihen. [Dies sind die Wirksamkeitsbehauptungen der Quelle.]

14.33 Wer die beiden Kulas kennt, um das Selbst und die weiteren Grundlagen weiß, die Bedeutung des Mantras versteht, sich an die Lebensordnung hält und in Rede und Geist rein ist,

14.34 wessen Denken friedvoll und dessen Inneres heiter ist, wer Zorn und Sinne bezwungen hat, frei von Heuchelei, Ichüberhebung und Verblendung und reich an Erkenntnis ist,

14.35 wer im Yoga der Meditation gefestigt ist und das Erstrebte zu verwirklichen vermag: Ein solcher wird, wenn er diesen König der Mantras empfängt, selbst zu einem Herrscher.

14.36 Nun erkläre ich die rituelle Zuordnung und die vierzig Hymnenverse. Als Seher wird Pratyangira genannt, als Versmaß Anushtubh.

14.37 Die Gottheit ist die furchtbare Kritya, oder auch Mahadeva beziehungsweise Hari. Die Anwendung gilt allen entsprechenden angestrebten Zielen.

14.38 Zunächst wird zur Reinigung des Körpers das Prajapatya-Gelübde vorgeschrieben. Es folgen Reinigung mit Kusha-Wasser und nochmals mit den fünf Kuhprodukten.

14.39 Während drei Tagen werde ausschließlich Opferspeise gegessen und der Mantra hundertachtmal rezitiert. Danach gelte er als vollendet und könne für die jeweiligen Handlungen eingesetzt werden. [Historische Ritualvorschrift; keine Ernährungs- oder Reinigungsempfehlung.]

14.40 Der Mantra solle erst rezitiert werden, nachdem die Ordnung der Richtungshüter, Mudras, Sitze und angefügten Mantra-Elemente verstanden ist. Andernfalls erlange er keine Vollendung. Dieser König der Mantras werde als stets rein bezeichnet.

14.41 Mit ihm würden alle Gegner überwunden und die gewünschten Ziele erreicht. Gegen einen Brahmanen eingesetzt, bringe der Mantra jedoch das entgegengesetzte Ergebnis hervor.

14.42 Vor Rezitation, ritueller Anwendung und vorbereitender Mantra-Praxis sei zunächst ein Friedensritus zu vollziehen. Dessen Ordnung wird nun erklärt.

14.43 Als Seher des Friedensgebets gilt der Nachkomme Brihaspatis, als Gottheiten die Vishvedevas, als Versmaß Shakvari; seine Bestimmung ist die Befriedung.

14.44 „Wir erwählen das Heil und den Segen, um zum Opfer zu gelangen, um zum Herrn des Opfers zu gelangen. Göttliches Wohlergehen sei mit uns!“ [Die Vorlage schreibt im zweiten Glied „pajña“ statt des durch den Zusammenhang gestützten „yajña“.]

14.45 „Wohlergehen sei den Menschen! Heilkräftiges wachse empor. Heil sei unseren Zweifüßern, Heil den Vierfüßern!“

14.46 „Verehrung Brahman, Verehrung Agni! Verehrung der Erde, Verehrung den Heilpflanzen!“

14.47 „Verehrung erweise ich dem Herrn der Rede, Verehrung dem großen Vishnu! Bewege unseren Geist zum Guten.“

14.48 Diese Worte werden dreimal mit vorangestelltem Om ausgesprochen; am Mantra-Ende folgt „Shanti“. Nach hundertacht Wiederholungen der Gayatri beginne die rituelle Handlung.

14.49 Am Ende werde dasselbe wiederholt und die Handlung abgeschlossen. Bei allen diesen Mantras ist Om die Keimsilbe und Hrim die Kraft.

14.50 Alle seien von Tara und Maya – Om und Hrim – umschlossen zu rezitieren, nicht für sich allein. So würden sie rasch wirksam; dies sei die Festlegung der Tantras.

14.51 Als Seher werden die beiden Ashvins, als Versmaß Anushtubh und als Gottheit Kritya genannt. Der Mantra ist zur Erlangung des Erstrebten bestimmt.

14.52 „Die grausame Kritya, welche unsere Feinde wie eine Braut herrichten: Vertreibe sie durch die heilige Kraft! Sie möge zu ihrem Urheber zurückkehren.“ [Die umfangreiche eingeschobene Glosse nennt abweichend Brahma als Seher, Pratyangira als Gottheit, Om als Keimsilbe und Hrim als Kraft; die Anwendung gilt der Vernichtung von Schadenszauber. Sie zählt mit den umschließenden Silben 37 Silben und gliedert den Nyasa in Abschnitte von 8, 3, 4, 4, 5 und 8 Silben. Zu Herz, Kopf, Haarschopf, Schutzpanzer, drei Augen und Waffe werden die sechs Satzteile des Mantras gelegt, jeweils mit Om beginnend und Hrim endend, dazu die üblichen Schlussworte Namah, Svaha, Vashat, Hum, Vaushat und Phat. Anschließend wird ein weiterer Nyasa vom Kopf an erwähnt. Die Zahlen und die tatsächliche Gliederung der beschädigten Fassung sind nicht durchgehend vereinbar.]

14.53 Die sechs Glieder des Mantras werden mit den durch die Zahlwörter Naga, Tri, Abdhi, Abdhi, Veda und Naga bezeichneten Silbengruppen gebildet, jeweils mit Om am Anfang und Hrim am Ende. [Die Zahlenfolge weicht teilweise von der Glosse bei 52 ab; keine Harmonisierung.]

14.54 Die Mantra-Wörter werden auf Kopf, Brauenmitte, Mund, Kehle, beide Arme, Herz, Nabel, beide Oberschenkel, Knie und Füße gelegt.

14.55 Dies geschieht in vierzehn aufeinanderfolgenden Zuordnungen, ebenfalls von Om und Hrim umschlossen. Danach wird die Göttin mit Löwengesicht, offenen Haaren und unbekleidet vorgestellt,

14.56 dunkel, mit Schwert und Schild in den Händen, mit hervorstehenden Fangzähnen, überall Schrecken erregend. Sie verschlingt die Feinde mit Rudras Glut: So lautet die Meditation. [Das Wort vor „Glut“ ist in der Vorlage beschädigt.]

14.57 Vorgeschrieben sind zehntausend Mantra-Wiederholungen und ein Feueropfer mit einem Zehntel dieser Zahl, bei dem Apamarga-Holz, Opferstoffe und Ghee verwendet werden.

14.58 Die Göttin wird im Dreieck verehrt, ihre Glieder auf den sechs Blütenblättern; hinzu kommen die Richtungshüter und ihre Waffen. So wird die Verehrungsordnung beschrieben.

14.59 Nach dieser Mantra-Vollendung werden für eine Anwendung hundert Rezitationen und hundert Feueropfer genannt. Mit zehn Mantras werden Gaben in den Himmelsrichtungen dargebracht.

14.60 Die Formel beginnt: „Das Übel, das sich mir vom Osten her durch böse Tat nähert – Indra, der König der Götter, möge es zerbrechen …“ [Die eingeschobene Glosse bietet die gesamte, in 60–62 erklärte Formel; sie enthält die nachfolgenden Verben des Verwirrens, Vernichtens und Tötens sowie die Bitte um eigenes Heil und Frieden. Damit wird Indra im Osten verehrt.]

14.61 Darauf folgen die Worte „er möge es bedrängen“, „verwirren“, „vernichten“ und „töten“; anschließend wird die Opfergabe genannt. [„Añjayatu“ ist in diesem Zusammenhang nicht eindeutig; die Wiedergabe bleibt vorläufig.]

14.62 „Er möge ihm diese Gabe zukommen lassen. Für mich sei das Werk heilbringend; Friede und Wohlergehen seien mir!“ So wird die Opferformel angegeben. [Der Wortlaut ist im Abschnitt um „mama“ beschädigt; die Glosse zu 60 stützt den Sinn.]

14.63 Mit vorangestelltem Om zählt sie der Quelle zufolge 68 Silben. Mit ihr wird die Gabe verteilt. Für die übrigen Richtungen werden die Richtungsbezeichnung und der Gottesname entsprechend ausgetauscht. [Die eingeschobene Glosse erläutert denselben Austausch bei den Richtungshütern.]

14.64 An die Stelle von Indra tritt dabei Agni und so weiter. Auf diese Weise entstehen zehn Mantras, mit denen die Gaben jeweils in der zugehörigen Richtung dargebracht werden.

14.65 Auf diese Weise soll der von einem Feind ausgesandte Schadenszauber rasch vernichtet werden.

14.66 Der Seher ist Pratyangira, das Versmaß Anushtubh, die Gottheit Kritya; die Anwendung dient der Niederhaltung eines Gegners.

14.67 „Die mit Haupt und Ohren versehene, Vishnus Gestalt tragende, Furchterregende – wer sie heute hierhergesandt hat … verbinde stets mit Wohlergehen!“ [Die syntaktische Verbindung zwischen dem Urheber der Sendung und der Schlussbitte fehlt oder ist verderbt; keine eindeutige Gesamtübersetzung möglich.]

14.68 Vamadeva ist der Seher, Gayatri das Versmaß und Kritya die Gottheit. Wie zuvor gilt die Anwendung der Abwehr von Gegnern.

14.69 „Auf dessen Weisung du hier sprichst … zu eben diesem kehre von hier zurück; ich sei nicht …, der Schuldlose.“ [Die übrigen Wörter sind in der vorliegenden Lesung nicht sicher auflösbar.]

14.70 Vriddha-Vasishtha ist der Seher, Anushtubh das Versmaß und Kalagni-Rudra die Gottheit. Die Anwendung gilt der Vernichtung eines Feindes.

14.71 „Wende dich gegen den Urheber … mit ihrer Kraft. Schneide ihm die Lebenszeit ab und seine Nachkommenschaft, o Menschenfresserin!“ [Der erste Halbvers ist beschädigt; die gewaltsame Schlussforderung wird als historischer Textinhalt wiedergegeben.]

14.72 Urdhvasya ist der Seher, Anushtubh das Versmaß; die Yatudhanis sind die Gottheiten. Die Anwendung dient der Aufhebung von Schadenszauber.

14.73 „Der dich, Kritya, hier gemacht hat: Zu ihm gehe zurück, du Erneuerte! Alle Yatudhanis seien da, um die Kritya zu vernichten.“ [Der Anschluss von „asatih“ ist unsicher.]

14.74 Nun wird die als außergewöhnlich bezeichnete Anwendung dieser fünf Verse beschrieben. Das aus fünf Versen bestehende Sukta wird am achten Tag der hellen Monatshälfte eingesetzt.

14.75 Auch der Vollmond eines günstigen Monats wird genannt. Dazu soll ein gerader Stab aus Udumbara-Holz in der Länge eines Menschen herbeigebracht werden.

14.76 Der Text verbindet das Halten des Stabes und hundertacht Rezitationen des Sukta mit der Erinnerung an den Namen des Gegners; dieser werde durch mächtige Grahas verbrannt. [Die Vorlage liest „shatanama“, wörtlich „hundert Namen“; die Beziehung zum Gegner ist aus dem anschließenden Satz erschlossen.]

14.77 Für einen Beginn am ersten Mondtag wird ein gerader Bibhitaka-Stab von acht Spannen Länge genannt.

14.78 Mit dem Aussprechen des gegnerischen Namens und der Sukta-Rezitation verbindet die Quelle die Behauptung, der Gegner werde von schwerer Krankheit ergriffen und sterbe.

14.79 Ein weiteres beschriebenes Schädigungsritual besteht aus hundertacht Feueropfern während sieben Nächten mit Karaskara- und Arka-Holz, bestrichen mit einem „Agnimukha“ genannten Öl. [Die genaue Bezeichnung des Öls bleibt ungesichert.]

14.80 Dies soll den Gegner vernichten; alternativ behauptet der Text dieselbe tödliche Wirkung für einen Monat bloßer Rezitation.

14.81 Ferner beschreibt er, wie im Heiligtum Ishvaras die Buchstaben des gegnerischen Namens, vom Mantra umschlossen, auf ein Palmblatt geschrieben werden; erwähnt wird dazu Holz vom Verbrennungsplatz. [Das zu diesem Holz gehörige Schreibgerät ist nicht ausdrücklich erhalten.]

14.82 Nach hundertacht Rezitationen wird das Blatt nach der Ritualbeschreibung eine Spanne tief in der Erde vergraben. Dem Gegner werde dadurch augenblicklich Fieber verursacht.

14.83 Darauf werde er unverzüglich vernichtet. Am Ende seien nach Vermögen Kühe, Land, Gold und andere Gaben als Vergütung darzubringen. [Der Bezug des ersten Satzes ist knapp; dies ist die behauptete Wirkung eines historischen Schädigungsrituals.]

14.84 Mahadeva ist der Seher, Anushtubh das Versmaß und Kritya die Gottheit; die Anwendung dient der Niederhaltung des Gegners.

14.85 „Kritya, kehre rasch zum Haus deines eigenen Urhebers zurück! Vernichte sein Vieh und entziehe ihm seine Kraft!“

14.86 Agastya ist der Seher, Anushtubh das Versmaß und Kritya die Gottheit. Die Anwendung wird als Zerstückelung des Gegners bezeichnet.

14.87 „Der dich, Kritya, hier mit Sachkenntnis geschaffen hat …: Wende dich zu ihm zurück und zerhaue seinen Leib wie einen Baum!“ [Die Verbindung zu „upagrahan“ ist unklar.]

14.88 Vasishtha ist der Seher, Anushtubh das Versmaß und Rudra die Gottheit. Die Anwendung gilt dem Zerschneiden eines Gegners.

14.89 [Der Mantra ist weitgehend verderbt. Erkennbar sind Anrufungsbestandteile zu Brahman, Vishnu, Agni, dem Dämonentöter und dem Einfüßigen; eine zusammenhängende Übersetzung würde eine neue Rekonstruktion erfordern.]

14.90 Brahma wird als Seher genannt, Anushtubh als Versmaß und Kritya als Gottheit. Die Anwendung gilt dem Zerschneiden eines Gegners.

14.91 „Wie dich einst die Angiras, die Bhrigus, die Atris und Vasishtha gebändigt haben, so … mich!“ [Die Schlussform ist beschädigt; ob eine Bitte um Schonung oder eine andere Abwehrwendung vorliegt, bleibt offen.]

14.92 Agni ist der Seher, Trishtubh das Versmaß und Kritya die Gottheit. Die Anwendung gilt ebenfalls dem Zerschneiden eines Gegners.

14.93 „Der deine Gelenke zusammenfügte wie die eines Wagens …“ [Die weitere Lesung ist stark verderbt; ein verlässlicher Satzsinn lässt sich daraus nicht gewinnen.]

14.94 Nun wird die als günstig bezeichnete Anwendung dieses aus fünf Versen bestehenden Abschnitts erklärt. Drei Tage lang erfolgt die Rezitation bei einer Ernährung mit der Milch einer braunen Kuh.

14.95 Der Übende solle die Gegensatzpaare wie Hunger und Durst überwinden und in geschlechtlicher Enthaltsamkeit leben. Bei dieser Anwendung seien Begierde, Zorn und die übrigen inneren Regungen als die Feinde zu verstehen.

14.96 Achttausend Feueropfer mit Palasha-Holz, getränkt in süßen Stoffen und Dickmilch, sollen brahmanischen Glanz verleihen. [Die Form bei „Dickmilch“ ist beschädigt.]

14.97 Als Vergütung wird eine Kuh genannt. Achthundert Opfer mit milchbenetztem Palasha-Holz während sieben Tagen sollen die Grahas

14.98 und die ihnen zugeordneten weiteren Mächte vertreiben und überall Frieden schaffen. Auf dieselbe Weise mit Pippala-Holz zu opfern, soll Ruhm verleihen.

14.99 An einem Flussufer, einem Verbrennungsplatz oder einem Heiligtum Bhadrakalis werde ein Haufen der dabei entstandenen Asche bereitet; dabei werde innerlich an einen Namen gedacht.

14.100 Es folgen achttausend Rezitationen und eine Wirkung nach sieben Tagen. [Das Wort für diese Wirkung, „kshari“, ist nicht zuverlässig deutbar.] Dieselbe Asche werde einen Tag und eine Nacht lang mit Mantras besprochen und in einen Kuhstall gestreut.

14.101 Dadurch soll den Kühen dort augenblicklich Wohlergehen zuteilwerden. Ferner wird Fasten am Vollmondtag und in der folgenden Nacht das Tragen eines Ringes

14.102 zum eigenen Schutz beschrieben, verbunden mit achttausend Rezitationen. Der Betreffende werde an Befehlsgewalt und Wohlstand einem Großkönig gleich.

14.103 Hundertacht tägliche Rezitationen in einem Vishnu-Tempel sollen innerhalb von sechs Monaten die Wünsche erfüllen. [Die Glosse ergänzt das im Satz fehlende „mögen sein“.]

14.104 Nach einem Jahr solcher Rezitation werde man Brahma gleich. Dem Rezitierenden sollen hundert Lasten Sesam als Vergütung gegeben werden.

14.105 Bhrigu ist der Seher, Anushtubh das Versmaß und Kritya die Gottheit. Die Anwendung dient dem Sieg in der Schlacht.

14.106 „Kritya, wer uns im Kampf oder sonst als Mensch verletzt: Ihn durchbohre, o Göttin; dringe mit deiner eigenen Waffe in seinen Leib!“ [Die syntaktische Rolle von „agni“ im zweiten Halbvers ist unsicher.]

14.107 Agastya ist der Seher, Anushtubh das Versmaß und die Göttin Kritya die Gottheit. Die Anwendung gilt dem Sieg in Streitfällen und ähnlichen Auseinandersetzungen.

14.108 [Der Mantra ist stark verderbt. Erkennbar sind der Name Sarasvati und die Schlussforderung, „nichts von ihm übrigzulassen“; der übrige Wortlaut erlaubt keine zuverlässige Übersetzung.]

14.109 Mahadeva ist der Seher, Kritya die Gottheit und Anushtubh das Versmaß. Die Anwendung gilt dem Sieg in Streitfällen und ähnlichen Auseinandersetzungen.

14.110 „… ein Gegner … mit dem Geist …; ob er fern ist oder nahe: Trinke das Blut aus seinem Herzen!“ [Der erste Halbvers ist beschädigt; die gewaltsame Forderung des zweiten bleibt deutlich.]

14.111 Agni ist der Seher, Anushtubh das Versmaß und Kritya die Gottheit. Der Mantra wird für die Verwirklichung schwer erreichbarer Vorhaben eingesetzt.

14.112 „Kritya, von wem du mit Täuschung ausgesandt bist, um uns zu töten: dessen … wie ein Donnerkeil …“ [Der zweite Halbvers ist verderbt; keine Ergänzung zu einem vermeintlich vollständigen Mantra.]

14.113 Gautama ist der Seher, Anushtubh das Versmaß und Kritya die Gottheit. Die Anwendung dient der Vernichtung von Dieben und anderen Bedrohungen auf dem Weg.

14.114 [Stark beschädigter Mantra mit einzelnen erkennbaren Wendungen zum Fortgehen, zur Nacht und zu Kritya; am Ende steht eine Aufforderung zum Zerschneiden. Eine zusammenhängende Übersetzung bleibt offen.]

14.115 Nun wird die Anwendung dieses Abschnitts erklärt. Die tägliche Rezitation beginnt am ersten Tag der hellen Monatshälfte

14.116 und dauert bis zum Vollmond, mit täglich tausendacht Wiederholungen. Als Nahrung nennt die Quelle Milch einer braunen Kuh und als Opfer geeigneten gekochten Reis

14.117 oder erbettelte Speise aus dem Haus eines vedisch Gelehrten. Der Übende werde fähig, jeden Schadenszauber allein durch seinen Anblick abzuwehren – um wie viel mehr dann Geister!

14.118 Er überwinde vorzeitigen Tod, Yakshas, Gandharvas, Rakshasas, Skanda-Grahas, Brahmarakshasas sowie Fallsucht und weitere Leiden.

14.119 Alle Krankheiten würden vergehen, das Gedeihen nehme immer weiter zu, und im Haus des Übenden kämen sämtliche Störungen zur Ruhe. [Rituelle Heilsbehauptungen der Quelle, keine medizinische Aussage.]

14.120 Tägliche hundertacht Opfer mit Ghee bestrichenen Reiskörnern sollen alle Krankheiten vernichten und Tag für Tag Heil bewirken.

14.121 Tausendacht Opfer einer mit Ghee versehenen Speise aus Sesam und Masha-Bohnen gelten als rasche Befriedung sämtlicher Krankheiten.

14.122 Hundertacht Opfer aus Palasha-Blüten und mit Kuh-Ghee vermischtem Sesam während eines Monats sollen jedes Leiden beseitigen.

14.123 Auch großes Unheil werde befriedet, und ein hundertjähriges Leben werde erlangt. Dem Mantra-Rezitierenden seien ein goldener Ring und weitere Vergütungen zu geben.

14.124 Angiras ist der Seher, Gayatri das Versmaß und Agni die Gottheit. Die Anwendung gilt dem Zerschneiden aller Feinde.

14.125 [Beschädigter Mantra: Erkennbar sind Bezüge auf Zweifüßiges, Vierfüßiges und Achtfüßiges sowie eine Wendung zu Häusern. Die Verben und ihre Bezüge sind nicht sicher lesbar; keine Rekonstruktion.]

14.126 Der erhabene Jvara, das Fieber, ist der Seher; Trishtubh ist das Versmaß und Mrityu, der Tod, die Gottheit. Als Anwendung wird ein den Feind treffendes Altern beziehungsweise Aufreiben bezeichnet. [Der Schluss ist grammatisch unregelmäßig.]

14.127 „Wen wir hassen und wer uns hasst, dessen Lebenswandel böse ist … zu diesem … zum Tod!“ [Der mittlere Teil und die Satzverknüpfung sind verderbt.]

14.128 Brahma ist der Seher, Anushtubh das Versmaß und Agni die Gottheit. Die Anwendung gilt dem Säen von Feindschaft unter Gegnern.

14.129 [Der Mantra ist verderbt. Erkennbar sind ein Fluch sowie Namens- oder Anrufungsbestandteile zu Brahma und wohl Brahmanaspati; ein zuverlässiger Gesamtinhalt lässt sich nicht herstellen.]

14.130 Bhauma ist die Gottheit, Kashyapa der Seher und Anushtubh das Versmaß. Die Anwendung dient der Vertreibung eines Gegners.

14.131 „Ob Verwandter oder Nichtverwandter, wer gegen uns …: dessen …“ [Die Fortsetzung ist beschädigt und nicht sicher zu übersetzen.]

14.132 Nun wird die Anwendung dieses als fünfversig bezeichneten Abschnitts erklärt. An einem zum Meer fließenden Fluss werden hundertacht Rezitationen genannt. [Im vorangehenden Block sind nur vier Mantra-Verse eindeutig abgesetzt; keine fünfte Formel ergänzt.]

14.133 Die Rezitation geschieht fortwährend bei Tag und Nacht; unter gedanklicher Ausrichtung auf das Ziel werden achtundzwanzig Handvoll Wasser dargebracht und anschließend erneut rezitiert.

14.134 Nach sieben Tagen, so behauptet die Quelle, erkranke und sterbe der Gegner. Eine weitere Anwendung nennt einen Bibhitaka-Stab von einer Spanne Länge.

14.135 Er werde gehalten, während unter Erinnerung an den gegnerischen Namen täglich hundertacht Mantra-Wiederholungen erfolgen. Dadurch werde das Geschlecht des Gegners vernichtet, bekannte wie unbekannte Angehörige. [Der letzte Ausdruck der Vorlage ist beschädigt; die Wiedergabe bezeichnet den erkennbaren Sinn.]

14.136 Wer ohne erlittenes Unrecht hasst, werde aussätzig. Weiter nennt der Text täglich achtundzwanzig Rezitationen mit Blick auf die Sonne und Erinnerung an den Gegner; diesem werde Fieber zugefügt.

14.137 Achthundert Feueropfer mit sesamölbestrichenem Holz sollen Söhne, Ehefrau, Pferde, Elefanten und weiteren Besitz des Gegners vernichten.

14.138 Als Vergütung werde Gold gegeben; nach der Anwendung seien Befriedung und Sühne vorgeschrieben, um die Schuld zu lösen. Brahmanen und Gottverehrern dürfe niemals etwas Widerwärtiges zugefügt werden. [Die Quelle beschränkt ihr Verbot auf diese Gruppen; eine allgemeine ethische Billigung der vorher beschriebenen Gewalt folgt daraus nicht.]

14.139 Kalagni-Rudra ist die Gottheit, Upamanyu wird als Seher genannt und Brihati als Versmaß. Die Anwendung gilt der Vernichtung eines Feindes.

14.140 „Geh voran … mit dem Fluch auf dem Wagen …; der Feind bleibt nicht, o Kritya, wie ein Wolf … aus dem Haus.“ [Der Wortlaut ist beschädigt; die Beziehungen zwischen den Satzteilen bleiben offen.]

14.141 Sabhyatapas wird als Seher genannt, Brihati als Versmaß und Jvalana, das Feuer, als Gottheit. Die Anwendung gilt der Vertreibung eines Gegners.

14.142 „… uns vor dem Fluch … wie Feuer …; schlage unsere Feinde, wie der himmlische Blitz einen Baum!“ [Der erste Halbvers ist stark beschädigt.]

14.143 Angiras ist der Seher, Anushtubh das Versmaß und Kritya die Gottheit. Die Anwendung betrifft Elefanten, Ziegen, Pferde und weiteres sowie die Verblendung der Gegner. [Der Zusammenhang der Tierliste mit dem Anwendungsziel ist sprachlich verkürzt.]

14.144 „Schaffe uns im Osten Freiheit von Feinden, im Süden Heil! Bringe uns im Westen beständige Furchtlosigkeit und im Norden Schutz für das Haus!“

14.145 Kashyapa ist der Seher, Brihati das Versmaß und die Göttin Kritya die Gottheit. Die Anwendung gilt dem Erschrecken der Gegner.

14.146 „Geh fort, Kritya, bleibe nicht stehen …“ [Die weiteren Wendungen um ein Tier beziehungsweise dessen Feind sind verderbt; eine sichere Übersetzung bleibt offen.]

14.147 Nun wird die Anwendung dieses Abschnitts beschrieben. Sie beginnt am achten Tag der dunklen Monatshälfte und reicht bis zum achten Tag der hellen Hälfte.

14.148 Die Verehrung eines Maheshvara-Lingas mit Rezitation soll augenblicklich Schadenszauber und verwandte Einwirkungen vernichten, auch bei Pferden und Elefanten.

14.149 Sie soll schwere Krankheit beseitigen. Unter Berührung von Rudra und Kalika erfolgende Rezitation vernichte den Gegner selbst dann, wenn Ishvara ihn beschütze. [Die Wortverbindung zu Rudra und Kalika ist nicht völlig eindeutig.]

14.150 Vor Rudra, nach Süden gewandt, werden täglich hundertacht Wiederholungen während einundzwanzig Tagen vorgeschrieben. Dadurch werde des Gegners

14.151 Ehefrau samt weiteren Angehörigen vernichtet. Die Vergütung bestehe aus zwei Decken. Zugleich wird sorgfältiger Eigenschutz durch Rudra-Nyasa gefordert.

14.152 Sharva ist der Seher; erwähnt werden alle Götter und das Versmaß Anushtubh. Die Anwendung dient dem Verbrennen von Städten und anderem. [Die Zuordnung „alle Götter“ ist grammatisch verkürzt.]

14.153 „Du mit dem Feuer im Mund, von schrecklicher Gestalt, Menschen vernichtend, mit geöffnetem Rachen: Nimm entgegen …!“ [Die Schlusswendung ist beschädigt; keine Ergänzung einer Brandformel.]

14.154 Arka ist der Seher, Anushtubh das Versmaß und Kritya die Gottheit. Die Anwendung dient der Besänftigung des Zorns eines sehr erzürnten Königs oder einer vergleichbaren Person.

14.155 „Du bist Indra, Yama und Varuna; du bist die Wasser und der Wind. Du bist Brahma und Rudra, Tvashtar und Prajapati.“ [Das zusätzliche Wort „ratha“, Wagen, ist in der Aufzählung nicht sicher anschließbar.]

14.156 Als Versmaß gilt Devi-Gayatri, als Gottheiten die beiden Ashvins, als Seher Indra. Die Anwendung dient rascher Beseitigung von Krankheit.

14.157 „Kehrt euch her, kehrt zurück, Jahreszeiten und Jahreskreise! Ebenso Tage und Nächte, Jahre, Himmelsrichtungen und Zwischenrichtungen: Wendet euch mir zu!“

14.158 Galava ist der Seher, Mitra die Gottheit und Trishtubh das Versmaß. Die Anwendung gilt einem außergewöhnlichen Werk.

14.159 „Du bringst Yama, Varuna, Soma, die Wasser, Agni und den Wind hierher, ebenso die Tiere, und bewirkst Wunderbares.“

14.160 Vishnu ist sowohl Seher als auch Gottheit, Anushtubh das Versmaß. Die Anwendung dient dem Schutz eines beliebigen Menschen.

14.161 [Stark beschädigter Mantra. Erkennbar ist ein im Innern des Meru ruhender, dem All heilsamer Purusha; ferner werden die Hölle Kumbhipaka und ein Soma-Trinker genannt. Der Zusammenhang ist nicht verlässlich übersetzbar.]

14.162 Wer diesen aus fünf Versen bestehenden Abschnitt hier täglich rezitiert, soll von der Furcht vor seelischem und körperlichem Leiden befreit werden, das aus früheren Handlungen erwachsen ist.

14.163 Nun wird noch ein im Anhang stehender einzelner Vers genannt. Wer ihn beständig rezitiert, werde von Feinden nicht überwältigt.

14.164 [Der Vers ist fast durchgehend verderbt. Indra und Agni sind erkennbar; darüber hinaus ist keine belastbare Gesamtübersetzung möglich.]

14.165 Shukra ist der Seher, Brahman die Gottheit und Anushtubh das Versmaß. Die Anwendung wird auf Frauen und die Aufhebung von Verblendung bezogen. [Die knappe Fügung „striyo vai mohanashaya“ lässt offen, ob eine von Frauen ausgehende Verblendung oder ihre eigene gemeint ist.]

14.166 „… rot, geschmückt, trage alles Unheil fort … Arten von Krityas … zur Vernichtung des Feindes …“ [Der Satz ist beschädigt; die erhaltenen Wörter lassen sich nicht sicher zu einer vollständigen Aussage verbinden.]

14.167 Die Vasus sind die Seher, der höchste Atman die Gottheit und Anushtubh das Versmaß. Die Anwendung gilt der Vernichtung eines schwer zu tötenden Gegners.

14.168 „Wie … zuvor Sitzenden …, so wollen wir, mit dir als Gefährtin, sein Bewegliches und Unbewegliches …“ [Wesentliche Verbformen sind verderbt; keine eindeutige Übersetzung des ganzen Verses.]

14.169 Agni ist die Gottheit, Indu der Seher und Anushtubh das Versmaß. Die Anwendung gilt der Vernichtung eines Feindes.

14.170 „Erhebe dich …“ [Der übrige Mantra mit Bezug auf Kritya und eine Gegenhandlung ist stark beschädigt und bleibt unübersetzt.]

14.171 Shantayana ist der Seher, der höchste Atman die Gottheit und Anushtubh das Versmaß. Die Anwendung betrifft jene Kräfte, welche die Askese behindern,

14.172 etwa Habgier und Trägheit sowie die weiteren erkennbaren Hindernisse, die die geistige Disziplin beeinträchtigen.

14.173 Gegen solche Hindernisse werde bei der Rezitation der folgende, mit „Svayudhah“ beginnende Vers gesprochen. [Der Wortlaut vor „pathet“ ist beschädigt.]

14.174 „Unsere Feinde sind mit eigenen Waffen versehen … Hindernis … deine Glieder …“ [Die weitere Aufforderung ist verderbt; sie lässt sich nicht zuverlässig als vollständiges Gebet übersetzen.]

14.175 Bhagiratha ist der Seher, Brahma die Gottheit und Anushtubh das Versmaß. Die Anwendung gilt der Vernichtung böser Gegner und des Bösen.

14.176 „Lass ihm nichts Zweifüßiges übrig, auch nichts Vierfüßiges …“ [Die folgende Wendung über Angehörige beziehungsweise Abstammung ist beschädigt; die vollständige Forderung bleibt offen.]

14.177 Wer diesen aus fünf Versen bestehenden Abschnitt täglich hundertachtmal rezitiert und Rudra verehrt, dessen Feinde sollen zugrunde gehen.

14.178 Alle Krityas würden befriedet und alle Menschen unter seinen Einfluss gebracht. Tausend Rezitationen im Heiligtum Rudras sollen Krankheit vertreiben.

14.179 Beschrieben werden achttausend Feueropfer mit Baumwollsamen, Salz und Ghee sowie achtundzwanzig Rezitationen mit Ausrichtung auf die Sonne.

14.180 Dies soll den Blick lähmen und selbst das Meer austrocknen können. Durch wiederholtes inneres Nachsinnen darüber entstehe Gelehrsamkeit. [Außerordentliche Wirksamkeitsbehauptungen der Quelle.]

14.181 Angiras ist der Seher, Kala und Mrityu sind die Gottheiten, Anushtubh das Versmaß. Die Anwendung gilt der Erlangung von etwas sehr schwer Erreichbarem.

14.182 „Von einem feindlich Gesinnten bist du ausgesandt …“ [Die restliche Lesung ist stark verderbt; keine zusammenhängende Übersetzung möglich.]

14.183 Angiras ist der Seher, Mahadeva die Gottheit. Die Versmaßangabe ist in der Vorlage durch ein wiederholtes „niyoga“ gestört. Die Anwendung gilt dem Abschneiden des Bösen.

14.184 „So bist du von uns durch die heilige Kraft vollständig …, o Göttin. Geh und schlage die Böswilligen, nicht uns!“ [Der Anfang enthält eine beschädigte Verbform; auch die Mitte ist nicht vollständig gesichert.]

14.185 Angiras ist der Seher, Anushtubh das Versmaß und die Göttin Kritya die Gottheit. Die Anwendung gilt dem Austrocknen der Gegner.

14.186 „Wie ein vom Blitz getroffener Baum bis zur Wurzel verdorrt, so soll jener verdorren, der mir Böses antun will.“

14.187 Katha ist der Seher, Mahadeva die Gottheit und Anushtubh das Versmaß. Bei einem von einer Frau ausgeführten Schadenszauber und ähnlichen Einwirkungen wird die Wiederholung in jeder Nacht- beziehungsweise Tageswache vorgeschrieben.

14.188 „Wie etwas Zurückgeworfenes zu ebenjenem zurückläuft, so möge das Böse zu dem zurücklaufen, der mir Böses antun will.“ [Das Vergleichswort „pratishuka“ ist unsicher; die Rückwendung des Übels ist eindeutig.]

14.189 Bhrigu ist der Seher, die Vishvedevas sind die Gottheiten und Anushtubh das Versmaß. Die Anwendung dient dem Wohlergehen an einem gefährlichen Ort.

14.190 „… die uns … zu vernichten suchen: Die Götter mögen all dies abschütteln; der Schutzpanzer der heiligen Kraft sei mein …“ [Anfang und Schluss sind beschädigt; keine vollständige Rekonstruktion.]

14.191 Nun folgt die Anwendung dieser Gruppe von fünf Versen. Hundertacht Feueropfer mit Sesam und Reis, bestrichen mit Ghee, werden genannt.

14.192 Innerhalb von acht Monaten soll daraus eine starke Vermehrung von Nahrung und anderen Gütern entstehen. Wer lange leben möchte, bringe der Göttin hundertacht Gaben von Amrita dar. [Ob hier ein bestimmter pflanzlicher Opferstoff oder „Nektar“ gemeint ist, wird im Vers nicht erläutert.]

14.193 Am eigenen Geburtstag vollzogen, soll dies während des betreffenden Jahres vor vorzeitigem Tod schützen. Außerdem würden alle Verfehlungen getilgt und Frieden des Geistes entstehen.

14.194 Nach achthundert Opfern mit Palasha-Blüten werde der hervorragende Brahmane von Brahman-Glanz erfüllt; sein Körper strahle überaus hell.

14.195 Achttausend Opfer mit Holz des Brahma-Baums, Blüten, Bakula und ungebrochenen Reiskörnern, mit Ghee versehen, sollen schwere Verfehlungen tilgen. [Die genaue Gliederung von „kusumair bakulakshataih“ ist nicht eindeutig; „vrita“ wird hier im Zusammenhang als beschädigtes „ghrita“ verstanden.]

14.196 Wer mit diesem Abschnitt das Feuer verehrt, dem werde innerhalb eines Jahres die Tilgung aller Verfehlungen zuteil.

14.197 Tausendacht Mantra-Wiederholungen bilden den Abschluss. Eine der Silbenzahl des Mantras entsprechende Anzahl von Brahmanen werde mit erlesenen, der Gottheit erfreulichen Speisen bewirtet. [Der Satz wird in 198 fortgeführt; die kurze Randglosse ist beschädigt.]

14.198 Zu bewirten seien Brahmanen, die zur Verehrung der Gottheit befähigt sind; fehlen solche, dann vedisch Gelehrte, weil der Mantra vom Veda erfüllt ist.

14.199 Fehlen auch diese, sollen andere bewirtet werden, die in der betreffenden Überlieferung stehen. So ist das in allen Tantras geheim gehaltene Aufgeben eines Gurus erklärt.

14.200 Wie könnte jemand, der selbst keine Vollendung erlangt hat, einen Schüler hinüberführen? Nun werde ich das in allen Tantras geheim gehaltene Aufgeben einer Gottheit erklären.

14.201 Nach Erledigung der täglichen Pflichten erfolgt die Verehrung der Gottheit. Darauf wird ein förmlicher Entschluss gefasst, der das Aufgeben der bisherigen Gottheitsbindung bezeichnet.

14.202 Unter Nennung des eigenen Namens und der Abstammungslinie und mit innerer Erinnerung an Hari wird die Gottheit angerufen, sei es in Abwesenheit oder in Gegenwart des Gurus:

14.203 „Du bist der Herr der drei Welten, der Herr des Alls, Maheshvara … Dass ich dich mit meinem geringen Verstand als einen mit zwei Armen oder mit einer anderen begrenzten Gestalt meditiert habe: Vergib mir diese hundertfache Verfehlung!“ [Die zweite Verszeile über Inneres, Frieden und Bewusstsein ist stark beschädigt und bleibt offen.]

14.204 „Deine Gestalt ist in Sonne, Mond, Feuer, Isha, Ganesha, Vishnu, Brahma, Indra, Shakti, Menschen und Nagas gegenwärtig. Ich aber habe dich auf einen kleinen Bereich beschränkt meditiert und verehrt. Vergib mir, Erhabener, diese hundertfache Verfehlung!“

14.205 „Weder die Götter noch die Manus noch Bharati erkennen dich vollständig. Was soll ich mit meinem schwachen Verstand noch viele Worte machen? Ich habe dich in begrenzter Weise meditiert und dadurch gefehlt. Vergib mir dieses Unrecht, Quell des Mitgefühls, Freund der Hilflosen!“ [Der Satzanfang ist textlich gestört; die Aufzählung und der Sinn der Bitte sind erkennbar.]

14.206 „Mit dem Geist meditiere ich, doch deine Gestalt kenne ich nicht. Ich betrachte sie als aus den Silben des Mantras bestehend, als jene deine Gestalt, von der die Veden sprechen. Vollendung erwächst aus Japa, nicht aus äußerlich vollzogener Verehrung und Ähnlichem.“

14.207 Nach diesem Gebet an den Herrn der Götter und erneuten ausgestreckten Verneigungen wird alles zum Mantra und zum Kultbild Gehörende dem Guru übergeben.

14.208 Ist dieser nicht vorhanden, wird es einem Priester oder einem Verehrer der Gottheit gegeben. Von diesem Tag an wird die Rezitation in allen entsprechenden Fällen verdoppelt. [Auf welchen verbleibenden Mantra dies genau bezogen ist, wird hier nicht ausgeführt.]

14.209 Wie zuvor werden Brahmanen bewirtet und der Guru sowie die weiteren Beteiligten zufriedengestellt. So habe ich dir das Aufgeben einer Gottheit erläutert.

14.210 Damit habe ich für wohlgesittete Menschen im Kali-Zeitalter die Ordnung anhand vedischer Mantras dargelegt. Was möchtest du noch hören?

Kolophon: So endet im von Shiva verkündeten Meru-Tantra, gebilligt von Shri Mahamaya und Mahakala, der vierzehnte Prakāśa über die Darlegung des Pratyangira-Mantras.

Fünfzehnter Prakāśa: Vedische Yantras und die Ordnung des Dharma

15.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: O Gott, ich habe die im Veda gelehrten Mantras gehört, die im Kali-Zeitalter Vollendung verleihen. Nun möchte ich die Yantras hören, die das Gewünschte gewähren.

15.2 Shiva sprach: Für Brahmanen gibt es keinen anderen Weg als die Veden; für Könige gilt die Smriti als Weg, für die Vaishyas die Puranas

15.3 und für die Shudras die Tantras. Durch den Einfluss der Fehler des Kali-Zeitalters wird das Denken aller von Verlangen beherrscht; daraus entsteht Leiden. [Die soziale Zuordnung ist die historische Position dieser Textstelle.]

15.4 Ein Brahmane, der den vedischen Handlungen hingegeben ist, gilt im Kali-Zeitalter selbst als Brahma; wer die vedischen Handlungen aufgibt, wird dagegen als Brahmarakshasa bezeichnet.

15.5 Er pflege die Verehrung an den drei Tageswenden, sei der Hingabe an den Guru ergeben und unterlasse das Studium an den vorgeschriebenen Ruhetagen. Seine mitfühlenden Lehrer gewinne er durch aufrichtigen Dienst und widme sich fortwährend dem Studium.

15.6 Wer keine fremde Speise isst und Geschenke von Shudras ablehnt, dessen Werk mit vedischen Mantras gelinge schon durch seine Ausführung, auch ohne weitere Rezitation und Verehrung. Für andere gelte dies keineswegs. [Historische Reinheits- und Standesvorschriften der Quelle.]

15.7 Zuerst werde ich das hervorragende Gayatri-Yantra erklären. Es besteht aus einem achtblättrigen Lotus, in dessen Mitte Hrim steht.

15.8 Auf jedes Blatt in den Haupt- und Zwischenrichtungen werden je zwei Vokale geschrieben, auf die Staubfäden beziehungsweise ihre Spitzen jeweils drei Silben der Gayatri.

15.9 Außerhalb werden zwei Kreise gezogen; in den Zwischenraum kommen die mit Ka beginnenden Buchstaben sowie die Formel „Om, die Wasser, das Licht, der Lebenssaft, das Unsterbliche, Brahman,

15.10 Bhuh, Bhuvah, Suvah, Om“. Dies heißt Gayatri-Yantra. Es wird auf Gold oder anderem Metall ausgeführt und am Arm getragen.

15.11 Es soll mühelose Erlangung des Erstrebten bewirken; der Geist erfreue sich am Dharma, die Nachkommenschaft bleibe ununterbrochen und der Ruhm wachse. Nun werde ich das außerordentliche Yantra Sarasvatis

15.12 erklären, das Einsicht verleiht. Dazu wird ein achtblättriger Lotus gezeichnet. In einem Sechseck seiner Mitte steht Om zusammen mit der Bezeichnung der Zielperson; in die sechs Ecken kommt die Vagbhava-Keimsilbe.

15.13 „Der Stier unter den heiligen Versmaßen, der Allgegenwärtige, ist aus den Versmaßen, aus dem Unsterblichen hervorgegangen. Dieser Indra erfülle mich mit Einsicht! O Gott, möge ich zum Gefäß des Unsterblichen werden.“ [Einzelne Formen sind in der Vorlage gestört; übersetzt ist der erkennbare Wortlaut.]

15.14 Je fünf Silben dieses Verses werden auf die acht Blätter geschrieben; alternativ nennt die Quelle die Silben des Mantras auf den Blättern. Außen folgen vier Kreise.

15.15 In zwei der dazwischenliegenden Bahnen werden die folgenden beiden Verse eingetragen, im äußeren Kreis die Buchstaben der Matrika. [Der Übergang vor „allekhyam“ ist beschädigt.]

15.16 „Mein Körper sei tüchtig, meine Zunge voller Süße! Mögen wir das Verlangen und die Absicht des Geistes sowie die Wahrheit der Rede erlangen.“

15.17 „Der als Erster unter den Göttern, der Herr des Alls, Rudra, der große Seher, Hiranyagarbha bei seiner Geburt schaut: Dieser Gott verbinde uns mit heilsamer Erinnerung.“

15.18 Außen wird ein Bhupura gezogen; in seine Ecken werden die Keimsilben Aim, Klim, Saum und Hrim geschrieben. Das Yantra wird auf Stoff, Gold oder einem anderen Träger hergestellt.

15.19 Wer es an einem günstigen Tag ordnungsgemäß anfertigt und trägt, werde einsichtig, bewahre Gehörtes im Gedächtnis, sei frei von Krankheit und spreche freundlich.

15.20 Er werde umfassend gelehrt und vergesse nach und nach auch die Veden und Agamas nicht mehr. Umfassendes Wissen und beständige Übung würden ihm zuteil. [Die Schlusswendung ist sprachlich unregelmäßig.]

15.21 Nun wird das Tryambaka-Yantra erklärt, das höchste Vollendung verleihen soll. In die Mitte eines achtblättrigen Lotus wird Om geschrieben.

15.22 In dessen Innerem stehen der Name der Zielperson und das vom Ausführenden gewünschte Ziel. Je zwei Vokale kommen auf die Staubfäden, auf die Blätter die Silben des Tryambaka-Mantras,

15.23 je vier auf jedes Blatt. Außen wird das Ganze mit den Buchstaben umgeben. [„Janaksharaih“ ist unklar.] Der folgende Vers, ergänzt um die Namensbuchstaben der Zielperson,

15.24 wird als Umfassung des Yantras und entsprechend in seinem Innern geschrieben. Sein Seher ist Gritsamada, sein Versmaß Trishtubh und seine Gottheit Rudra.

15.25 „… Rudra … Verehrung …; richte die Helden durch deine Heilmittel auf! Als besten Heiler unter den Heilern höre ich dich preisen.“ [Der erste Halbvers ist in der Vorlage stark verderbt; keine vollständige Rekonstruktion des vedischen Zitats.]

15.26 Im Bhupura und den weiteren Umfassungen steht die Keimsilbe Tham, in den Richtungen Bam. Dieses Tryambaka-Yantra solle sorgfältig geheim gehalten werden.

15.27 Es wird als Spender von Lebensdauer, Gesundheit, Glück, Dharma, Wohlergehen, Freude und Befreiung bezeichnet.

15.28 Was bedarf es vieler Worte? Durch die Macht dieses Yantras erlange man ohne Zweifel das Gewünschte und höchste Fülle. [Die Glosse ergänzt die grammatische Verbindung zur Fülle.]

15.29 Auf einem Brett aus dem Holz des Brahma-Baums wird ein Felderdiagramm angelegt. In das mittlere Feld kommt Hrim samt der Bezeichnung der Zielperson. [Die Zahlenverbindung lautet in der Vorlage „ekonapañcaṣaṭkoṣṭhe“; eine sichere Felderzahl wird aus dieser unregelmäßigen Form nicht festgesetzt.]

15.30 Es wird mit höchster Hingabe verehrt. Feueropfer mit Ghee versehenem Sesam und Reis sollen innerhalb von acht Monaten große Vollendung bewirken.

15.31 Wer lange leben möchte, bringe der Göttin am eigenen Geburtstag hundertacht Amrita-Opfer dar. Damit werde für das betreffende Jahr vorzeitiger Tod überwunden, jede Verfehlung getilgt und Frieden des Geistes erlangt.

15.32 Wer als hervorragender Brahmane achthundert Opfer aus Palasha-Blüten darbringt, dessen Körper werde vom Glanz Brahmans erfüllt und leuchte überaus hell.

15.33 Achttausend Opfer mit Holz des Brahma-Baums, Blüten und Bakula, mit Ghee versehen, sollen schwere Verfehlungen tilgen. [Die Aufzählung „bakulashataih“ ist beschädigt; nicht stillschweigend an 14.195 angeglichen.]

15.34 Wer mit eben diesem Abschnitt den Aghamarshana-Ritus zur Tilgung von Verfehlungen vollzieht, dessen sämtliche Verfehlungen würden innerhalb eines Jahres aufgehoben.

15.35 Wer nach der Sonne ausgerichtet steht und achtundzwanzigmal rezitiert, erlange den Lohn eines Bades in der Ganga.

15.36 Wer für sich oder für andere in knietiefem Wasser rezitiert, dem könnten die von Grahas verursachten Störungen nichts anhaben.

15.37 Vor sich werde Sandelholz bereitgestellt, vermischt mit Safran und Kampfer.

15.38 Nach hundertacht Rezitationen wird ein Kranker mit Kusha-Büscheln besprengt. Dadurch sollen die durch Grahas und Upagrahas verursachten Beeinträchtigungen verschwinden.

15.39 Ebenso sollen Belastungen durch Geister, Totengeister und Pishachas augenblicklich vergehen, ferner Fallsucht und andere Krankheiten. Einer unfruchtbaren Frau werde ein Sohn, einer unverheirateten Frau ein Gatte und einem um eine Tochter Bittenden eine Tochter zuteil. [Religiöse Wirksamkeitsbehauptungen; keine medizinischen Zusagen.]

15.40 Achttausend Rezitationen bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, in nabeltiefem Wasser stehend, sollen binnen „Naga“-Tagen starken Regen bewirken. [Das Zahlwort Naga bezeichnet hier wahrscheinlich acht; der Text schreibt die Zahl nicht aus.]

15.41 Achttausend Feueropfer mit milchbenetztem Vanjula-Holz sollen nach sieben Tagen starken Regen herbeiführen. Entsprechende Opfer mit Ghee gelten der Erlangung allen Wohlergehens.

15.42 Die Gottheit des folgenden fünfversigen Abschnitts ist Kritya, das Versmaß Anushtubh; als Seher gilt Pratyangira.

15.43 „Was mir, o Karali, an der Tür, im Haus, in der Wohnung …, was mit meinen Haaren, Nägeln, beim Färben oder Zähneputzen …“ [Die Verknüpfung und die zugehörigen Verben fehlen beziehungsweise sind beschädigt; vermutlich werden Ansatzpunkte für Schadenszauber aufgezählt, doch bleibt dies eine Deutung.]

15.44 „… wie ein Kind aus dem Haus des Vaters …; sprenge ihre Köpfe …!“ [Der übrige Wortlaut ist verderbt; die gewaltsame Aufforderung ist deutlich erhalten.]

15.45 [Dieser Mantra ist in der vorliegenden Fassung so stark beschädigt, dass keine zuverlässige zusammenhängende Übersetzung möglich ist.]

15.46 „Jene sterblichen Menschen, die gegen uns handeln, o Agni, und dabei vom Unsterblichen sprechen …: Ihre Lebenszeiten, Jatavedas, ergreife mit deiner Flamme wie Trockenes …!“ [Mehrere Verbformen und der Vergleich am Ende sind beschädigt.]

15.47 „Du von Rudras Gestalt, Herrin Rudras, schwarzfarbig, Furchterregende, Göttin, Göttin, große Göttin: Der mächtige Feind möge zugrunde gehen!“

15.48 Hundertacht Rezitationen unter Berührung eines Ashvattha-Baums am Tag des Saturn sollen Lebensdauer, Gesundheit und Herrschaft verleihen.

15.49 Zunächst werden Seher, Versmaß, Gottheit und die weiteren Zuordnungen ins Gedächtnis gerufen. Danach wird der Nyasa der Mantras vollzogen; so lautet die Regel.

15.50 „Kham, Phat! Schlage, meine Kritya, die du wie rauchloses Feuer strahlst! Göttin, Göttin, große Göttin: Mein Feind möge zugrunde gehen!“

15.51 Mit den ersten anderthalb Versvierteln, verbunden mit den jeweiligen Namen, werden die sechs Glieder und der Finger-Nyasa gebildet. Die Namen werden nun der Reihe nach genannt.

15.52 „Du Schwarzgekleidete“ gehört zum Herzen, „du auf dem Löwen Reitende“ zum Kopf, „du von großer Kraft“ zum Haarschopf und „du große Bhairavi“ zum Schutzpanzer.

15.53 „Du Abschneiderin aller Krityas“ wird den Augen zugeordnet; „du Abschneiderin aller von anderen ausgesandten Mantras“ gehört zur Waffe.

15.54 Zuvor werden Eigenschutz, Versiegelung der Richtungen, Reinigung der Elemente, Einsetzung der Waffe und sämtliche Matrika-Nyasas vollzogen.

15.55 Zuerst wird die Gayatri rezitiert, danach dieser Mantra – die Glosse nennt „Tryambakam yajamahe“. Darauf folgt Jatavedas, in der Glosse mit „Jatavedase sunavama somam“ bezeichnet, und erneut die Gayatri.

15.56 Wieder folgt der Grundmantra, laut Glosse „Tryambakam“, dann der Vers „Tam agnivarnam tapasa …“. [Die eingeschobene Formel lautet dem erkennbaren Sinn nach:] „Zur Göttin Durga, feuerfarben, durch Askese leuchtend, strahlend und mit den Früchten der Handlungen verbunden, nehme ich Zuflucht. Verehrung der gut Hinüberführenden!“ [Die Schlusswörter der Formel sind beschädigt.] Anschließend folgen die Gayatri, der Grundmantra und „Tvam paraya …“; auch die kurze Glosse hierzu gibt nur den Mantra-Anfang an.

15.57 Wieder folgen jener Vers „Tam agnivarnam“, der Grundmantra und ein mit „Vishvanaro …“ bezeichneter Vers; dann die Gayatri, der Grundmantra und der als „Yajanajinam“ überlieferte Versanfang. [Die beiden letzten Mantra-Anfänge sind beschädigt; keine Ergänzung vollständiger Formeln.]

15.58 In dieser Weise werden je nach Gewicht des Wunsches tausend bis hunderttausend Wiederholungen vorgesehen.

15.59 Was auch immer gewünscht wird, soll auf diese Weise vollständig erlangt werden. Der Text versichert, dass bei ordnungsgemäßer Anwendung der Wunsch ohne Zweifel erfüllt werde.

15.60 Die Anwendungen des fünfversigen Abschnitts wurden bereits erklärt. Seine fünf Verse bilden fünf Glieder; der fünfte Vers wird noch einmal für die Waffe verwendet.

15.61 Vor jeder Rezitation wird der folgende Vers hundertachtmal gesprochen. Dann werde der Übende von Begierde und ähnlichen Kräften nicht bedrängt.

15.62 „… Lobgesänge …, du Träger des Donnerkeils …; schlage die Hasser der heiligen Kraft nieder!“ [Die erste Vershälfte ist beschädigt; keine vollständige Wiederherstellung.]

15.63 Eigenwille und andere schädliche Regungen behindern hier den Dharma. Wer gefasst rezitiert, soll damit die Vernichtung solcher Gegner erreichen.

15.64 „Du mit knotigen Ohren, du mit ungleichen Augen, säulenartigen Brüsten und großem Bauch: Schlage die Feinde mit dem Dreizack! Zürne, trinke Blut!“ [Furchterregende Anrufung der Quelle, keine Empfehlung zur Praxis.]

15.65 Angiras ist der Seher, Anushtubh das Versmaß und Kritya die Gottheit. Die Anwendung dient der Vernichtung aller Krankheiten und der Vermehrung von Freude.

15.66 „… dein zorniges Antlitz …; bringe Freude und Wonne! Vernichte Tod, Furcht, Zorn und Gift …!“ [Die Wörter um „Kubera“, „Tür“ und den Schluss sind nicht sicher miteinander zu verbinden.]

15.67 Mit je zwei Versvierteln, verbunden mit den bei „Krishnambara“ beginnenden Namen, werden wie zuvor die sechs Glieder und die Zuordnungen zu den Fingern gebildet.

15.68 Auch die übrige Ausführung einschließlich Eigenschutz erfolgt wie zuvor. Der Mantra wird auf die bereits beschriebene Weise mit Gayatri und den weiteren Formeln verbunden. [Die Lesung „gayatryadimataih“ ist gestört.]

15.69 Je nach Gewicht der Aufgabe werden tausend oder achttausend Wiederholungen genannt. Das Vorhaben werde mit Sicherheit verwirklicht; diese Rede sei heilig. [Die Schlusswendung ist in der Vorlage unregelmäßig.]

15.70 Ein Fehler im Mantra führe zu geistiger Zerstreutheit, ein Fehler des Gurus zu Bedrängnis, ein Fehler in der Gottheitsbindung zu seelischen und körperlichen Leiden. Darum solle die fehlerhafte Bindung aufgegeben werden.

15.71 Das Aufgeben eines Mantras ist bereits beschrieben; nun wird das Aufgeben eines Gurus erläutert. Es soll am Mondtag derjenigen Gottheit stattfinden, zu der der Mantra gehört.

15.72 Unter Benennung des betreffenden Mangels wird der Entschluss gefasst, den Guru aufzugeben und einen anderen Guru anzunehmen, sei es einen Menschen oder eine Gottheit.

15.73 Aus der Gruppe von acht Gottheiten wird eine als Guru gewählt, geprüft anhand der astrologischen Rashi-Kuta-Zuordnung. Ist die jeweils zuerst genannte nicht verfügbar, folgt die nächste.

15.74 Genannt werden Dakshinamurti, Sonne, Mond, Feuer, die Gottheiten des Mantra-Kreises, die Gottheit der Gemeinschaft und der Herr des Kula

15.75 sowie die Gottheit des Landes. Dies sind die acht; alternativ kann ein Mensch mit den erforderlichen Merkmalen gewählt werden. Nach Verehrung des Guru-Paares folgt eine ausgestreckte Verneigung auf der Erde. [Am Anfang von 74 steht zusätzlich „apo“, Wasser; seine Zugehörigkeit zur ausdrücklich achtgliedrigen Liste bleibt unklar. „Guru-Paar“ wird nicht erläutert.]

15.76 Unter Nennung des Gottesnamens werden die Gaben in dessen Namen dargebracht. Es folgt eine Anordnung bei einem dreiblättrigen Palasha-Zweig, östlich beziehungsweise rechts von einem Bündel. [Die räumlichen Beziehungen sind in der vorliegenden Lesung nicht eindeutig.]

15.77 Auf einer Spanne werden Kusha-Halme ausgebreitet. Darüber steht im Osten ein mit Wasser gefüllter Krug, im Westen ein mit Milch gefüllter,

15.78 im Norden ein mit alkoholischem Getränk gefüllter. Der Schüler stellt sich vor, dass das Bewusstsein des früheren Gurus in den neuen Guru eingegangen sei. Dann lässt er eine Opferstätte herrichten.

15.79 Dort wird die Göttin angerufen und nach ihrer Verehrung das Feueropfer vollzogen. [Die eingeschobene Anweisung zu Mantra-Buchstaben, vier Ecken und einem „Auslassen“ ist beschädigt und nicht sicher zuzuordnen.]

15.80 Mit Ghee und dem Grundmantra werden hundertacht Opfer vollzogen und die Sampata-Tropfen auf das Yantra gegeben. Anschließend wird es in der Erde vergraben.

15.81 Dies geschieht an den jeweiligen Orten zum Schutz von Haus, Dorf oder Reich. Den Mondhäusern, Planeten, Tierkreiszeichen und Weltenhütern werden Gaben dargebracht.

15.82 Wo dieser Schutz eingerichtet wird, soll der Wohlstand wachsen. Kleine Grahas, schwere Krankheiten, Diebe, Geister und kriechende Tiere würden durch dieses Verfahren verschwinden.

15.83 Damit ist das Yantra des Jatavedas-Mantras beschrieben. Es solle ausschließlich von vedisch Befähigten ausgeführt werden; andernfalls bringe es Leiden.

15.84 Nun werde ich das Yantra der Gottheiten erklären, denen die Versabschnitte des umgekehrten Jatavedas-Mantras zugeordnet sind. [Die Wortverbindung vor „padah“ ist beschädigt.]

15.85 Es wird ein quadratisches Mandala mit neun Feldern gezeichnet. Im mittleren Feld steht die Maya-Keimsilbe mit der Zielbezeichnung. [Die Vorlage bietet hier „sasandhyam“, nicht das erwartbare „sasadhyam“; die Wiedergabe nach dem Zusammenhang bleibt vorläufig.]

15.86 Vom darunterliegenden Feld aus werden im Uhrzeigersinn die acht Abschnitte des Mantras eingetragen. Außen folgen zwei Kreise; in deren Zwischenraum

15.87 kommen die Matrika-Buchstaben als Umfassung. Außen wird der Bhupura gezeichnet. Dieses Yantra soll Geister und Krankheiten abwehren. [Die Bezeichnung vor „yantram“ ist beschädigt.]

15.88 Es gilt als Spender von Schutz, Lebensdauer, Ruhm, Einsicht und Fülle. Auf Goldblech oder einem anderen Träger geschrieben, wird es am Oberarm, am Hals oder am Kopf getragen.

15.89 Nun erkläre ich das Yantra der drei Kräfte, beginnend mit Gayatri, das alle Ziele gewähren soll. Dazu wird ein achtblättriger Lotus gezeichnet.

15.90 In seiner Mitte steht ein Sechseck; in dessen Innerem Om mit der Bezeichnung der Zielperson, umgeben von den sieben Vyahritis. In die sechs Ecken kommen die Silben des mit Om erweiterten fünfgliedrigen Shiva-Mantras,

15.91 jeweils eine Silbe. An die entsprechenden Spitzen werden weitere Zeichen gesetzt. [Die Wendung „shuddhitah“ ist hier nicht eindeutig.] Auf dem ersten Blatt steht die erste Hälfte der Gayatri, auf dem zweiten die erste Hälfte des Jatavedas-Mantras,

15.92 auf dem dritten die erste Hälfte des Tryambaka-Mantras. Danach nennt die Quelle die Silbenfolge „om hrim tham cam kam sam … haum yam mam … pacam“.

15.93 Es folgen „soham vam tham namah shivaya“, Maya, „lam … sam kantham“, Tara, Maya und Dhruva. [Die in 92–93 überlieferte Zeichenfolge ist an mehreren Stellen gestört. Die technischen Ersatznamen werden erhalten, ohne daraus einen vermeintlich gesicherten vollständigen Mantra zu bilden.]

15.94 Dieser als neunundzwanzigsilbig bezeichnete Mantra gehört auf das vierte Feld. Auf dem fünften steht die zweite Hälfte des Tryambaka-Mantras,

15.95 auf dem sechsten die zweite Hälfte des Jatavedas-Mantras und auf dem siebten die zweite Hälfte der Gayatri. Die mit „Om apo jyotih“ beginnende Formel

15.96 gilt als siebzehnsilbiges Haupt der Gayatri und kommt auf das achte Blatt. Außen werden zwei Kreise gezogen.

15.97 Zwischen ihnen stehen die Matrika-Buchstaben als Umfassung; außerhalb liegt der Bhupura. In dessen Ecken wird das Chintamani-Kuta geschrieben.

15.98 Die Chintamani-Zeichengruppe wird durch die Ersatznamen Agni, Brahma, Vrisha, Nidra, nochmals ein mit dem Auge verbundenes Zeichen, Shakra und anschließend Mondzeichen angegeben. [Die verschlüsselte Buchstabenfolge ist in dieser Lesung nicht eindeutig auflösbar.]

15.99 Auf die Staubfäden kommen von Osten an jeweils zwei Vokale. So wird das Yantra des hundertsilbigen Mantras beschrieben.

15.100 Wer es trägt, erlange Gesundheit, Land, Getreide, Geld und weitere Güter sowie beständige Fülle und lebe hundert Herbste.

15.101 Es wird auf Kupferblech oder einem anderen Träger gezeichnet. Hundertacht Rezitationen folgen, ebenso viele Feueropfer mit Ghee und das Beträufeln mit den Sampata-Tropfen.

15.102 Nach nochmals ebenso vielen Rezitationen wird es in Stadt, Dorf, Bergwerk oder anderen Orten aufgestellt. Es soll den Kühen sowie den Menschen Gesundheit und Gedeihen verleihen. [Die Verbindung „gosatya“ ist beschädigt; die Zuordnung zu Menschen bleibt vorläufig.]

15.103 Wer es beständig am Hals oder am rechten Arm trägt, soll vor Furcht durch Feinde, Tiger und weitere Gefahren geschützt sein.

15.104 Nun erkläre ich das hervorragende Varuna-Yantra. In die Mitte eines achtblättrigen Lotus kommt ein Sechseck; in dessen Mitte Om mit der Bezeichnung der Zielperson.

15.105 Der sechssilbige Varuna-Mantra lautet „Varunaya namah“. Je eine seiner Silben wird in jede der sechs Ecken geschrieben.

15.106 Auf die Staubfäden kommen von Osten an paarweise die Vokale. Auf dem östlichen Blatt wird Om angebracht, gefolgt von fünf zugehörigen Buchstaben. [Welche fünf gemeint sind, ist aus „svavarnan“ allein nicht sicher zu bestimmen.]

15.107 Für das zweite Blatt wird „kshitishu kshiptam“, für das dritte „to …“, für das vierte „vismrityasham“ und „varunamumoca tat“ angegeben. [Die Mantra-Fragmente sind beschädigt; ihre genaue Aufteilung ist nicht eindeutig.]

15.108 Für das fünfte Blatt folgt „avocan“, für das sechste „adime rupa“, für das siebte „yuyam praptah“ und für das letzte „svastibhih sada nah“. [Erhaltene Anweisungsfragmente, keine gesicherte vollständige Formel.]

15.109 Außen werden zwei Kreise gezogen, zwischen denen Om steht. Dies ist das Yantra zur Befreiung von Schulden; es soll jede Form von Gedeihen verleihen.

15.110 Es gilt als umfassend schützend, Einfluss verleihend und Scharen von Feinden vernichtend. Was bedarf es vieler Worte? Es soll den Menschen das Gewünschte geben.

15.111 Nun erkläre ich ein glückbringendes Yantra mit dem Vers „Yad adya kac …“. In der Lotusmitte steht Om, in dessen Innerem die Zielbezeichnung; auf den acht Blättern

15.112 stehen zunächst „yad adya“, auf dem zweiten „kacca“, danach „… vritraha“; für das vierte wird „udaga“, für ein weiteres „abhi surya“ genannt. [Die Stellenfolge bis zum sechsten Blatt ist in der Vorlage beschädigt und unvollständig bezeichnet.]

15.113 Auf dem siebten steht „sharvam … indra“, auf dem achten „vashe“. Außen folgen zwei Kreise mit den Matrika-Buchstaben im Zwischenraum.

15.114 Das Ganze wird von einem Bhupura umgeben. Das Yantra soll Einfluss und Glück sowie Gold, Edelsteine, Getreide und alle weiteren Güter verleihen.

15.115 Mit Gold umhüllt wird es am Oberarm oder am Hals getragen. Es ist Ganesha lieb und soll auch Reichtum der Rede gewähren.

15.116 Zunächst erkläre ich den vedischen Mantra, der große Fülle bewirkt und insbesondere den Verehrern der Gemahlin Vishnus zugutekommt.

15.117 Ein vierblättriger Lotus wird gezeichnet; in seiner Mitte steht der Name der Zielperson im Innern von Om. Auf die vier Blätter kommen die Versabschnitte, von der eigenen Vorderseite aus nach Osten und Süden fortschreitend. [Der Wortlaut der Anweisung ist verkürzt und stellenweise gestört.]

15.118 Vamadeva ist der Seher, Trishtubh das Versmaß und Brihaspati die Gottheit. Die Anwendung gilt der Erlangung des Erstrebten.

15.119 „… dem Vater, dem Gott aller … wollen wir durch Opfer, Verneigung und Gaben dienen. Mögen wir Brihaspatis Nachkommen sein, reich an Helden und Herren der Güter!“ [Der erste Versabschnitt ist beschädigt.]

15.120 Außen folgt ein achtblättriger Lotus. Auf den Blättern der Hauptrichtungen stehen die Viertel des Verses „Yuyam asman …“, auf denen der Zwischenrichtungen die Viertel des Verses „Evendragni …“.

15.121 Für den ersten gilt Gautama als Seher, Trishtubh als Versmaß und Agni als Gottheit. Für den zweiten werden Indra und Agni als Gottheiten, Trishtubh als Versmaß und Chandra als Seher genannt.

15.122 „Führt uns zu Besserem und aus Bedrängnissen heraus, ihr Maruts …! Nehmt unsere Darbringung an, ihr Siegreichen! Mögen wir Herren der Güter sein!“ [Einzelne Wörter und Flexionsformen sind beschädigt; die Gottheitsanrede im Vers weicht von der Zuordnung Agni in 121 ab.]

15.123 „Indra und Agni, … des ausgepressten Soma …, gewährt uns …! Mitra und Varuna mögen dies für uns groß machen, Aditi, der Strom, Erde und Himmel.“ [Die erste Vershälfte ist stark beschädigt.]

15.124 Außen wird ein weiterer achtblättriger Lotus angelegt. Darauf werden die Silben des Verses „Tvam soma …“ verteilt; genannt werden die Zahlen fünf, Anga, Abdhi, Shara und Ritu,

15.125 Veda, sechs und sechs. [Die Zahlwörter stehen gewöhnlich für 6, 4, 5, 6 und 4; der Anfang der Zahlenfolge ist gestört.] An die Spitzen kommen die Silben des Verses „Prajapate …“, mit der Folge Veda, fünf, sieben, sieben, „Gavendra“ und sechs. [Die zweite Folge ist unvollständig beziehungsweise beschädigt; keine schematische Ergänzung.]

15.126 Die Seher-, Gottheits- und Versmaßzuordnungen werden in einer gestörten Reihe mit Agni, Gautama, Soma und Trishtubh angegeben; für den folgenden Vers erscheinen Hiranyagarbha und Trishtubh. [Eine eindeutige Zuordnung sämtlicher Namen ist in dieser Lesung nicht möglich.]

15.127 „Du, Soma, wirst durch Einsicht erkannt; du … den geradesten Weg. Unter deiner Führung haben unsere einsichtigen Väter … den Anteil …“ [Mehrere zentrale Wörter sind verderbt; keine vollständige Übersetzung des vedischen Verses.]

15.128 „Prajapati, kein anderer als du hat all diese entstandenen Wesen umfasst. Was wir ersehnen, wenn wir dir opfern, möge uns zuteilwerden. Mögen wir Herren der Güter sein!“ [Die Wendung vor „juhumas“ ist in der Vorlage beschädigt; übersetzt ist der erkennbare Sinn.]

15.129 Außen folgen zwei Kreise. Zwischen ihnen werden die Matrika-Buchstaben mit Bindu als umlaufende Umfassung geschrieben.

15.130 Außerhalb wird in die Ecken jeweils die Keimsilbe Shrim geschrieben. Das Yantra kann am Oberarm, am Hals oder auf dem Kopf getragen werden.

15.131 Es soll Kühe, Elefanten, Pferde, Büffel, reiche Ernte und Land verleihen sowie eine Nachkommenschaft mit Söhnen und Enkeln.

15.132 Nun erkläre ich ein weiteres Yantra, das Lakshmi gewährt. In die Mitte eines Sechsecks wird Om zusammen mit dem Namen der Zielperson geschrieben.

15.133 In die Ecken kommt die Shri-Keimsilbe. Außen wird ein achtblättriger Lotus gezeichnet; auf seine Staubfäden kommen der Reihe nach je zwei Vokale.

15.134 „Lakshmi, die aus dem Meer entstanden ist, die nährende Kuh der Wesen, reich seit alters; die Göttin … Vishvavasu …: Sie möge sich stets in unserem Haus wohlfühlen!“ [Die Wortverbindung im zweiten Halbvers ist beschädigt.]

15.135 Je vier Silben dieses Verses werden auf die Blätter geschrieben. Außen folgen zwei Kreise, deren Zwischenraum mit dem Vers

15.136 „Ashvadayi …“ umgeben wird. Außen folgt ein weiterer Kreis; dessen Zwischenraum wird von den Buchstaben A bis Ksha umfasst.

15.137 Außerhalb steht ein Quadrat mit der Shri-Keimsilbe in seinen Ecken. In dem Haus, in dem dieses Shri liebe Yantra aufgestellt wird,

15.138 füllt Rama den Ort beständig mit Geld, verschiedenem Getreide, Pferden, Kühen und weiteren Gütern und erfreut sich dort ihres Aufenthalts.

15.139 Nun erkläre ich das Yantra Bharatis, das alle Wünsche gewähren soll. In der Mitte eines Sechsecks steht Om, das den Namen der Zielperson in sich trägt.

15.140 In die sechs Ecken werden von Osten an der Reihe nach Aim, Klim, Saum, Saum, Klim und Aim geschrieben. Außen folgt wiederum ein achtblättriger Lotus.

15.141 Auf jedes Blatt kommt ein Viertel der beiden folgenden Verse. Soma ist der Seher, Vach die Gottheit und Trishtubh das Versmaß.

15.142 „Wenn die Rede auch die Bewusstlosen anspricht, setzt sie sich als freudige Herrscherin der Götter nieder. Vierfach melkte sie Nahrung und Milch. Wer ist wohl zu ihrem Höchsten gelangt?“ [Die Wiedergabe folgt der vorliegenden, teilweise unregelmäßigen Lesung.]

15.143 „Die Götter brachten die Göttin Rede hervor; die vielgestaltigen Tiere lassen sie ertönen. Diese Kuh, die Rede, komme zu uns, gepriesen, mit wohlklingender Stimme Nahrung und Kraft spendend!“

15.144 Außen werden fünf Kreise gezogen, die vier Bahnen bilden. Für den folgenden Vers ist Dirghatamas der Seher, Trishtubh das Versmaß und Vani die Gottheit.

15.145 „Vier begrenzte Stufen hat die Rede. Die einsichtigen Brahmanen kennen sie. Drei, verborgen in der Höhle, bewegen sich nicht nach außen; die vierte Stufe der Rede sprechen die Menschen.“

15.146 Dieser Vers kommt in die erste Bahn. Für die zweite folgt ein Vers mit Vishvamitra als Seher, Trishtubh als Versmaß und Vach als Gottheit.

15.147 „Sasarpari, das Nichtverstehen verdrängend, ertönte mächtig, von Jamadagni gegeben. Die Tochter der Sonne breitete … unsterblichen Ruhm unter den Göttern aus.“ [Name und Schluss des Verses sind in der Vorlage teilweise beschädigt.]

15.148 Nach diesem Vers wird in die dritte Bahn der nächste geschrieben. Seher und weitere Zuordnungen gelten wie zuvor. Die Anwendung aller wird als „Vastu-Siddhi“ bezeichnet. [Ob hier ein Bau- beziehungsweise Wohnziel oder eine verderbte Bezeichnung für Sprachvollendung vorliegt, wird nicht stillschweigend entschieden.]

15.149 „Sasarpari brachte den … Ruhm unter die fünf Menschengruppen. Sie … neues Leben verleihend, die mir die … Jamadagnis gegeben haben.“ [Mehrere Wörter sind beschädigt; keine vollständige Satzrekonstruktion.]

15.150 Die vierte Bahn wird von den Matrika-Buchstaben umfasst. Außen folgt der Bhupura mit der Vagbhava-Keimsilbe in seinen Ecken.

15.151 Dieses hervorragende Yantra wird auf Goldblech oder einem anderen Träger geschrieben. Vach wird darin angerufen und nach der Ordnung verehrt.

15.152 Unter Beachtung der Zuordnung von Seher und weiteren Elementen wird es an einem günstigen Tag angelegt. Sein Träger werde zum Herrscher unter Dichtern und Logikern.

15.153 Wird es mit zerriebener Vacha und dem Saft der Betelranke geschrieben, so ströme die Rede hervor wie die bewegten Wogen des Himmelsflusses. [Rituelle Aussage der Quelle; Vacha wird hier als Schreibstoff genannt.]

15.154 Nun erkläre ich das besonders einflussverleihende Yantra des Verses „Yad adya …“. In die Mitte eines achtblättrigen Lotus wird

15.155 ein Sechseck gezeichnet. In dessen Mitte steht Hrim mit der Zielbezeichnung; in den sechs Ecken von Osten an stehen Am, Shrim, Hrim, Klim,

15.156 Glaum und Gam. Auf das erste Lotusblatt kommt die erste Zeichengruppe der Shrividya: „ka e i la hrim“. [Die hier wiedergegebene Vorlage schreibt den langen Vokal ī; die Lesefassung der Gruppe bleibt in ihrem überlieferten Umfang erhalten.]

15.157 Auf das zweite Blatt kommt „yad adya kacca vritrahan“, auf das dritte die zweite Zeichengruppe der Shrividya.

15.158 Sie wird als „a sa ka da la hrim“ angegeben. Auf das vierte Blatt kommt „udaga adhi surya“. [Die zweite Shrividya-Gruppe ist in dieser Vorlage beschädigt; keine Korrektur anhand anderer Fassungen.]

15.159 Auf das fünfte Blatt kommt die dritte Shrividya-Gruppe, „sa ka la hrim“. Auf das sechste Blatt wird geschrieben:

15.160 „sarvam tad indra te vashe“; auf das siebte „ganapataye varada“. Auf dem achten Blatt

15.161 steht „sarvajanam me vashamanaya svaha“, „Bringe alle Menschen unter meinen Einfluss, Svaha“. Außen folgen zwei Kreise mit den Matrika-Buchstaben dazwischen.

15.162 In die Ecken des Bhupura kommen der Reihe nach Shrim, Hrim, Klim und Glaum. Das als Einflussmittel bezeichnete Yantra wird mit goldener Nadel auf Gold, Stoff oder einem anderen Träger ausgeführt.

15.163 Nun erkläre ich das Ganesha-Yantra des Samvada-Sukta. In der Mitte eines vierblättrigen Lotus wird ein sechsblättriger angelegt.

15.164 Im mittleren Feld steht Om mit der Zielbezeichnung. Es folgen Am, Shrim, Hrim, Klim, Glaum und Gam; auf dem östlichen Blatt steht

15.165 „ganapataye“, auf dem südlichen „vara varada“, auf dem dritten „sarvajanam me“ und auf dem vierten „vashamanaya svaha“.

15.166 Außen folgt ein achtblättriger Lotus mit je einem Halbvers des Samvada-Sukta auf jedem Blatt. Dieses wird nun genannt.

15.167 [Der erste Vers des Sukta ist in dieser Vorlage stark verderbt. Erkennbar sind Agni, das Entzünden und eine Bitte um Güter; eine zuverlässige vollständige Übersetzung bleibt offen.]

15.168 „Geht gemeinsam, sprecht miteinander! Eure Gedanken mögen miteinander übereinstimmen, so wie einst die Götter einträchtig ihren Opferanteil verehrten.“ [Die Vorlage enthält mehrere Schreibfehler; der Satzsinn bleibt erkennbar.]

15.169 „Gemeinsam sei euer Entschluss, gemeinsam eure Versammlung, gemeinsam euer Denken, vereint euer Sinn. Einen gemeinsamen Entschluss spreche ich für euch aus.

15.170 Mit gemeinsamer Opfergabe opfere ich für euch. Gemeinsam sei eure Absicht, gemeinsam seien eure Herzen! Gemeinsam sei euer Denken, damit ihr gut miteinander lebt.“ [Der letzte Satz ist in der Vorlage beschädigt; die Wiedergabe folgt den erkennbaren Wörtern und dem Zusammenhang.]

15.171 Als Seher dieses Samvada-Sukta wird Samvartana genannt. Für den ersten Vers ist Agni die Gottheit, für die übrigen das gemeinsame Erkennen beziehungsweise Einvernehmen. [Die Verbindung vor „sanjnanam“ ist beschädigt.]

15.172 Das Versmaß des dritten Verses ist Trishtubh, das der übrigen Anushtubh. Außen werden drei Kreise mit zwei Bahnen gezogen; in der ersten steht der Vers „Jatavedase sunavama …“

15.173 als Umfassung, in der zweiten die Matrika-Buchstaben. Außen folgt der Bhupura; darin werden vier Versabschnitte

15.174 in die Ecken beziehungsweise Zwischenrichtungen geschrieben. Sie werden nun genannt:

15.175 „Bewege unseren Geist zum Guten! Dem Geist der Maruts, Svaha! Indra ist der König des Alls. Heil sei uns, den Zweifüßern, Heil den Vierfüßern!“ [Einzelne Formen der Vorlage sind beschädigt; die Anordnung der vier Abschnitte bleibt wie angegeben.]

15.176 Bei Zwietracht unter Menschen gilt dieses Yantra als hervorragendes Mittel zur Stiftung von Freundschaft. Es soll die Welt bezaubern, Einfluss, Schönheit, Glück und Gedeihen verleihen.

15.177 Nun wird das Yantra der Verbindung von Gayatri und Bhuvaneshvari erklärt. Zunächst wird ein achtblättriger Lotus gezeichnet; in seiner Mitte

15.178 werden nach der Überlieferung des Gurus sechs ansprechende Dreiecke in sechsfacher Anordnung eingefügt. Im Sechseck steht die Zielperson zusammen mit dem Vorhaben des Ausführenden.

15.179 Dazu kommt Hrim, umschlossen von den drei Vyahritis in umgekehrter Reihenfolge. Alternativ wird der Mantra in der Mitte nochmals von drei Vyahritis umgeben. [Die Vorlage wiederholt die Anweisung teilweise; die Glosse erklärt eine ungewöhnliche Zahlenflexion als archaischen Sprachgebrauch.]

15.180 In der Anordnung der Dreiecke beziehungsweise zwölf Blätter stehen die beiden Keimsilben Kham und Im. Außerhalb der Dreiecke wird jeweils an beiden Seiten weitergeschrieben.

15.181 Im Uhrzeigersinn werden jeweils zwei mit Bindu versehene Silben der Gayatri, der Mutter der Götter, in umgekehrter Textfolge angebracht.

15.182 An den Spitzen der Dreiecke steht die Shani-Keimsilbe mit Om. Kettenartige Linien verbinden beziehungsweise gliedern die Zwischenräume.

15.183 So entstehen sechs Keimsilben und außen zwei kettenartige Umfassungen. Danach werden zwei Kreise gezogen, in deren Bahn rückwärts

15.184 der Jatavedas-Mantra geschrieben wird, jede Silbe mit Bindu. Außen werden weitere Kreise und vier Bahnen genannt. [Die Angabe „zwei Kreise“ und „vier Bahnen“ ist ohne zusätzliche Linien geometrisch nicht vereinbar; keine Ergänzung vorgenommen.]

15.185 In der ersten Bahn stehen die Matrika-Buchstaben mit Bindu in gewöhnlicher, in der zweiten in umgekehrter Reihenfolge. Außen folgt ein Achteck.

15.186 In seine acht Ecken kommt die Chintamani-Zeichengruppe. Außerhalb werden sechzehn Dreizacke gezeichnet.

15.187 Dieses Yantra der Veda-Kundigen soll sämtliche Vorhaben vollenden, alles Glück hervorbringen und alle Feinde vernichten.

15.188 In diesem Yantra gilt die Mantra-Verehrung Bhuvaneshvaris als die höchste. Vedisch Befähigte sollen sie vollziehen, um das Yantra zur Vollendung zu bringen.

15.189 Ich erkläre nun das Verfahren: Ein vedisch Befähigter zeichnet dieses Yantra sorgfältig mit Safran und anderen Stoffen auf Goldblech oder einen anderen Träger.

15.190 In der Mitte des Yantras wird die Göttin verehrt; außen werden drei Bahnen angelegt. In der ersten stehen die sechs Glieder, in der zweiten die vier Hauptrichtungen.

15.191 Dort werden Hrillekha, Gagana, Rakta und Karalika verehrt. In der dritten Bahn werden Brahma und die weiteren Gottheiten in den acht Richtungen verehrt.

15.192 Außen wird ein sechzehnblättriger Lotus gezeichnet; darin werden Karali, Vikarali, Dhuma, Sarasvati, Shri,

15.193 Durgamukhi, Lakshmi, Shruti, Smriti, Shri, Shraddha, Medha, Mati, Kanti und Arya verehrt. [Die überlieferte Namensreihe ergibt bei dieser Trennung nur fünfzehn Namen und wiederholt Shri; keine sechzehnte Gestalt ergänzt.]

15.194 Außen folgt ein Lotus mit zweiunddreißig Blättern. Darin werden Vidya, Hri, Pushti, Prajna, Sinivali, Kuhu,

15.195 Rudra, Vithya, Prabha, Nanda, Apyayini, Siddhida, Shubha, Kalaratri, Bhadrakali, Maharatri, Kapalini,

15.196 Vikriti, Danda, Mundini, Duhkhanda, Shikhandini, Nishumbha-Shumbha-Mathani und Mahishasura-Mardini,

15.197 Indrani, Rudrani, Shankarardha-Sharirini, Nari, Narayani, Trishulini, Palini, Ambika und Hladini verehrt. Sie werden als zweiunddreißig Shaktis bezeichnet. [Die Trennung einzelner Namensverbindungen, besonders am Anfang von 195, ist unsicher; die hier lesbaren Namen werden ohne zahlenbedingte Streichung erhalten.]

15.198 Außen folgt ein Lotus mit vierundsechzig Blättern. Darin werden Pingalakshi, Vishalakshi, Samriddhi und Vriddhi verehrt,

15.199 ferner Shraddha, Svaha, Svadha, Maya, Nidra, Vasundhara, Trilokadhatri, Gayatri, Savitri und Tridasheshvari,

15.200 Surupa, Bahurupa, Skandamatri, Achyutapriya, Vimala, Shyamala, Aruni und nochmals Aruni,

15.201 Prakriti, Vikriti, Srishti, Sthiti und Samhriti,

15.202 Sandhya, Matrika, Hamsi, Sati, Somarddhika, Para, Devamatri, Bhagavati, Devaki und Kamalasana,

15.203 Trimukhi, Saptakamukhi, Surasura-Vimardini, Lamboshthi, Ardhamukhika, Bahushishna und Krishodari,

15.204 Ratharekha, Shashirekha, Para, Gaganavegini, Kshitivega, Patalavega und Madanatura,

15.205 Ananga, Anangamadana, Anangamekhala, Anangakusuma, Vishvarupa und Daityabhayankara,

15.206 Akshobhya, Satyavada, Tandrarupa, Shucivrata, Varada und Vishveshi. Außen folgen die Richtungsherren. [Wiederholte Namen und beschädigte Namensformen der Vorlage bleiben erhalten; die Liste wird nicht nach anderen Texten auf vierundsechzig normalisiert.]

15.207 Vor beziehungsweise bei ihrer Verehrung werden auch ihre Waffen verehrt. Damit ist die Verehrungsordnung dargelegt. Auch ein tantrischer Verehrer erlange durch diese Verehrung das Gewünschte.

15.208 Nun erkläre ich das Jatavedas-Durga-Yantra, das das Erstrebte gewährt. In die Mitte eines achtblättrigen Lotus kommt Om.

15.209 In dessen Innerem steht Hrim und darin der Name der Zielperson. Auf die Blätter kommen der Reihe nach jeweils einzelne Silben des Mantras, beginnend mit Om und Hrim,

15.210 gefolgt von „Durgayai namah“. Außen werden drei Kreise gezogen; in der ersten Bahn stehen die Silben

15.211 des Jatavedas-Mantras, in der zweiten die Matrika-Buchstaben. Außen folgt ein Quadrat. Dies wird das Durga-Yantra genannt.

15.212 Es soll Fallsucht, mächtige Geister und kleine Grahas abwehren, Männern Sieg und Frauen Söhne verleihen. So lautet die Versicherung der Quelle.

15.213 Nun erkläre ich das hervorragende Yantra des Shri-Sukta. In die Mitte eines achtblättrigen Lotus wird die Keimsilbe Shrim

15.214 zusammen mit dem Namen der Zielperson geschrieben. Auf die acht Blätter kommen Halbverse der fünf mit „Kardama …“ beginnenden Verse, insgesamt zehn. [Acht Blätter und zehn Halbverse sind in dieser Anweisung nicht eindeutig einander zugeordnet; keine eigenständige Diagrammkorrektur.]

15.215 „Zur Fülle … und wer den Sängern Fülle gibt …; in Fülle gekleidet gelangten sie zur Unsterblichkeit …“ [Der Vers ist stark beschädigt. Der Zusammenhang von Fülle, den Lobpreisenden und Unsterblichkeit ist erkennbar, die vollständige Aussage nicht.]

15.216 Ferner wird ein Viertel beziehungsweise eine Hälfte des Verses „Shriya …“ eingetragen; vom Mantra „Shrish ca te …“ kommen je eine Hälfte auf zwei Stellen. [Die Formulierung „caturthardham“ und die räumliche Zuordnung sind nicht eindeutig.]

15.217 Außen folgen zwei Kreise beziehungsweise Bahnen. Die erste wird mit dem folgenden Vers, die andere mit den Matrika-Buchstaben beschrieben. [Die Zahl der Kreise und die daraus entstehenden Bahnen ist im Wortlaut nicht widerspruchsfrei.]

15.218 „Wer Fülle begehrt, soll rein und gesammelt täglich Ghee opfern und beständig das fünfzehnversige Shri-Sukta rezitieren.“

15.219 Außen wird ein Quadrat mit der Shri-Keimsilbe in den vier Ecken gezeichnet. So ist das Yantra des vedischen Shri-Mantras

15.220 von mir erklärt. Wer es ordnungsgemäß trägt, erlange überreiche Fülle mit Kindern, Gesundheit, Land, Getreide, Geld, Kühen und Ernte und lebe hundert Herbste.

15.221 Es wird auf Kupferblech geschrieben; darauf folgen hundertacht Rezitationen, achtundzwanzig Feueropfer und die Besprengung mit Sampata-Tropfen.

15.222 In der Mitte des Hofes aufgestellt, wird Lakshmi darin angerufen und verehrt. Mit Opfergaben wird Lakshmi samt ihrem Gefolge erfreut.

15.223 Dann sollen an diesem Ort alle Güter wachsen: Söhne, Frauen, Freunde, Diener, Getreide, Wagen, Elefanten, Kühe und Stiere sowie unermessliches Wohlergehen.

15.224 Nun erkläre ich das Yantra des Purusha-Sukta. In der Mitte einer sechseckigen Lotusmitte steht Om mit der Zielbezeichnung.

15.225 Die Silben von „sahasrara hum phat“ werden einzeln auf die Blätter verteilt, von der eigenen Vorderseite aus im Uhrzeigersinn. An den Verbindungsstellen

15.226 stehen sechs Namensmantras, jeweils mit Svaha endend: zuerst „Acakraya“, dann „Vicakraya“, „Sucakraya“, als vierter „Dhicakraya“,

15.227 dann „Sancakraya“ und als sechster „Jvalacakraya“. Außen folgt ein vierblättriger Lotus; auf seinen Staubfäden

15.228 stehen in den vier Richtungen der Reihe nach die Silben von „klim krishna klim“. Auf die Blätter kommen jeweils drei Silben des Vasudeva-Mantras.

15.229 Dieser zwölfsilbige Mantra lautet „Om namo bhagavate vasudevaya“ – Verehrung dem erhabenen Vasudeva.

15.230 Außen folgt ein achtblättriger Lotus. Auf seine Staubfäden wird jeweils eine Silbe von „Om namo narayanaya“ geschrieben.

15.231 Auf jedes Blatt kommen vier Silben des Narasimha-Mantras. Dieser beginnt mit Shrim, Hrim, Shrim und „Jayalakshmi-priyaya“, „dem Geliebten der sieghaften Lakshmi“, gefolgt von „nityamudita-

15.232 manase“, „dessen Geist stets freudig ist“, und „lakshmisitardhadehaya“. [Diese letzte Verbindung zur Hälfte des Leibes und Lakshmi ist beschädigt.] Es folgen Shrim, Hrim, Shrim und Namah. Die Silbenzahl wird durch „rada“ bezeichnet. [Das Zahlwort verweist gewöhnlich auf 32 Zähne; die tatsächliche beschädigte Formel wird nicht entsprechend ergänzt.]

15.233 Außen folgt ein sechzehnblättriger Lotus. Auf die Staubfäden wird der Reihe nach „Om namo bhagavate mahasudarshanaya

15.234 hum phat“ geschrieben, ein als sechzehnsilbig bezeichneter Mantra. Auf die Blätter kommen der Reihe nach die Verse des Purusha-Sukta. Außen folgen zwei Kreise.

15.235 Ihre Zwischenbahn wird von den Matrika-Buchstaben mit Bindu umfasst. Außen folgt der Bhupura; in dessen vier

15.236 Ecken steht Om. Dies heißt Purusha-Yantra. Es wird als heilig, alle Verfehlungen tilgend und Kinder, Lebensdauer, Schönheit und Ruhm verleihend beschrieben.

15.237 Das Yantra wird mit frischer Butter bestrichen; nach hundertacht Wiederholungen des Purusha-Sukta wird diese Butter einer Frau nach ihrem rituellen Bad am Ende der Menstruation gegeben.

15.238 Die auf dem Yantra befindliche Butter soll bewirken, dass die Frau schwanger wird und einen guten, redegewandten, in allen Agamas kundigen Sohn gebiert. Dieselbe Butter wird auch bei Vergiftung und Sannipata-Leiden genannt,

15.239 ferner bei stechenden Schmerzen, Auszehrung und Blässekrankheit: Ihr Verzehr soll Krankheit beseitigen. Bei Aussatz und verwandten Hautleiden, Wunden, Brüchen, Fisteln, Phiranga und Shitala werde durch das Aufzeichnen Wohlergehen erlangt. [Historische Heil- und Fruchtbarkeitsbehauptungen; die Krankheitsnamen werden nicht ohne Weiteres mit heutigen Diagnosen gleichgesetzt.]

15.240 Nun erkläre ich das alle Ziele erfüllende Yantra des als fünfversig bezeichneten Sukta „Kshetrasya pati …“, des Herrn des Feldes.

15.241 In die Mitte eines achtblättrigen Lotus kommt ein sechsblättriger; in dessen Mitte wird Om und darin die Keimsilbe Hum geschrieben.

15.242 In diese Keimsilbe kommt der Name der Zielperson. In jede Ecke kommt je eine Silbe des Chakra-Mantras „sahasrara hum phat“.

15.243 An den Verbindungsstellen des Sechsecks stehen die zuvor genannten sechs Namensmantras. Auf die acht Blätter kommen jeweils vier Silben

15.244 des Varaha-Mantras; das letzte Blatt erhält fünf. Der Mantra beginnt mit Om, Namo Bhagavate und „Varaharupaya“, „dem in Ebergestalt“. Danach folgen die Vyahritis und „Pataye“, „dem Herrn“.

15.245 „Bhupatitvam me dehi dapaya svaha“ bedeutet: „Gib mir Herrschaft über die Erde, lass sie mir zukommen, Svaha.“ Dieser Varaha-Mantra wird als dreiunddreißigsilbig bezeichnet. [Die vollständige Silbenfolge wird aus der verkürzten Vorschrift nicht neu zusammengesetzt.]

15.246 Außen folgen sechzehn Blätter, auf die jeweils ein Halbvers geschrieben wird. Diese Verse werde ich nun nennen; höre aufmerksam zu!

15.247 „Herr des Feldes, melke für uns eine süße Woge wie eine Kuh ihre Milch, Süße verströmend, wie gut gereinigtes Ghee! Die Herren der rechten Ordnung seien uns gnädig.“

15.248 „Mit dem Herrn des Feldes wollen wir wie mit einem wohlgesinnten Freund … Kühe und Pferde gedeihen lassen …“ [Der zweite Teil des Verses ist beschädigt; keine vollständige Übersetzung möglich.]

15.249 „Süß seien die Pflanzen, der Himmel und die Wasser; süß sei uns der Zwischenraum. Der Herr des Feldes sei uns süß. Unversehrt wollen wir ihm nachgehen.“ [Die Schlusswendung ist in der Vorlage gestört.]

15.250 „Glücklich seien die Zugtiere, glücklich die Männer, glücklich pflüge der Pflug! Zum Guten werden die Riemen befestigt, zum Guten schwinge den Treibstock!“

15.251 „Shuna und Sira, nehmt diese Rede an! … Mit der Milch, die ihr im Himmel bereitet, benetzt uns!“ [Die mittlere Passage ist beschädigt; der erhaltene Wortlaut verbindet Himmel und nährende Flüssigkeit.]

15.252 „Wende dich uns zu, glückverheißende Furche! Wir verehren dich, Sita, damit du uns Glück und gute Frucht bringst.“

15.253 „Indra ergreife die Furche, Pushan leite sie! Reich an Milch möge sie uns Jahr um Jahr spenden.“ [Am Anfang schreibt die Vorlage „indramitam“; die Wiedergabe folgt dem erkennbaren Zusammenhang.]

15.254 „Glücklich mögen uns die Pflugscharen die Erde aufreißen, glücklich die Pflüger mit ihren Zugtieren vorangehen! Glück bringe Parjanya mit süßen Wassern. Shuna und Sira, legt Glück in uns!“

15.255 Die Gottheit ist der Herr des Feldes, als Seher wird Vamadeva genannt. Daneben werden Pulastya als Seher sowie Anushtubh und Trishtubh als Versmaße aufgeführt. [Die Zuordnung ist nicht weiter aufgeschlüsselt; entgegen der Ankündigung in 240 stehen in 247–254 acht Verse.]

15.256 Außen werden drei Kreise mit zwei Bahnen gezeichnet. Die erste wird mit der Keimsilbe Glaum umfasst, die zweite mit den Matrika-Buchstaben.

15.257 Außen folgt der Bhupura; in seine Ecken kommt Glaum, in die Richtungen Hum. Dieses Yantra wird an einem günstigen Tag

15.258 ordnungsgemäß mit einer goldenen Nadel auf Kupferblech geschrieben und im Haus, am Tor, auf dem Feld, in der Stadt

15.259 oder im Land aufgestellt. Dort sollen Tag für Tag alle Güter wachsen: Elefanten, Pferde, Kühe, Büffel, Stiere, Kamele, Maultiere

15.260 sowie Geld, Getreide, Land, Ernte, Kleider, Edelsteine und Schmuck. Weitere Reichtümer sollen erfreuen und hinzukommen.

15.261 Nun erkläre ich das Yantra des Sukta „A gavah …“. In die Mitte eines Sechsecks wird die Kama-Keimsilbe mit der Zielbezeichnung geschrieben.

15.262 In die sechs Ecken kommt jeweils eine Silbe von „Om namah krishnaya“. Außen folgt ein vierblättriger Lotus.

15.263 In die Kreisbereiche kommen die Silben „klim krishna klim“, auf die Blätter jeweils drei Silben des Vasudeva-Mantras.

15.264 Außen wird ein Lotus mit Blättern in der Zahl der Richtungen angelegt. Auf die Staubfäden kommt der zehnsilbige Mantra „Gopijanavallabhaya svaha“.

15.265 Auf seine Blätter kommen jeweils zwei Silben eines zwanzigsilbigen Mantras. Dieser wird mit den Ersatznamen Maya und Rama begonnen, gefolgt von „Gopala“, dann „Vishadharaya“,

15.266 „Vasudevaya hum phat svaha“. Außen wird ein sechzehnblättriger Lotus gezeichnet, auf dessen Staubfäden die Vokale stehen. [Die Zusammensetzung mit „Vishadhara“ bleibt wie überliefert; keine stillschweigende Umdeutung.]

15.267 Auf die Blätter kommen die folgenden Verse, jeweils ein Halbvers pro Blatt, in ansprechender Anordnung.

15.268 „Die Kühe sind gekommen und haben Heil gebracht. Sie mögen sich im Stall niederlassen und uns erfreuen. Reich an Nachwuchs, vielgestaltig seien sie hier und geben Indra an vielen Morgen Milch.“ [Einzelne Formen der Vorlage sind beschädigt.]

15.269 „Indra fördert den Opfernden und den Spendenden; er gibt ihm Frucht und nimmt sie ihm nicht wieder fort. Immer wieder seinen Reichtum mehrend, bringt er den Gottverehrer in einen unversehrten Bereich.“ [Die Wortverbindungen sind teilweise gestört; übersetzt ist der erkennbare Gedankengang.]

15.270 „Sie gehen nicht verloren, kein Dieb …; kein Feind wagt sie zu bedrängen. Mit ihnen dient ihr Besitzer den Göttern und gibt Gaben; lange bleibt der Herr der Kühe mit ihnen verbunden.“

15.271 „Nicht das staubaufwirbelnde Pferd …; sie gelangen nicht zum Ort der Zurichtung … Auf weitem, furchtlosem Gelände gehen die Kühe jenes opfernden Menschen umher.“ [Die erste Vershälfte ist beschädigt; die Art der dort abgewehrten Gefahr bleibt offen.]

15.272 „Die Kühe sind Bhaga, die Kühe sind mir Indra; die Kühe sind der erste Anteil des Soma. Diese Kühe, ihr Menschen, sind Indra. Mit Herz und Geist wünsche ich mir Indra.“ [Die Vorlage enthält im ersten Halbvers eine gestörte Wortverbindung.]

15.273 „Ihr Kühe macht selbst den Mageren kräftig und selbst den Unansehnlichen schön. Ihr bringt Heil ins Haus, ihr mit heilbringender Stimme; in Versammlungen wird eure große Kraft gepriesen.“

15.274 „Reich an Nachwuchs, gutes Gras weidend, an gut zugänglicher Tränke trinkend: Kein Dieb soll über euch herrschen, kein Böswilliger; Rudras Waffe möge euch meiden!“ [Die Schlusswendung ist stark beschädigt; die Wiedergabe bleibt vorläufig.]

15.275 „… dieses …; die Kraft des Stieres …, Indra, in deiner Stärke …“ [Der letzte Vers ist in dieser Vorlage weitgehend verderbt und lässt sich nicht zuverlässig als Ganzes übersetzen.]

15.276 Außen werden zwei Kreise gezeichnet; in ihre Bahn kommen die mit Ka beginnenden und bei A endenden Buchstaben. Außen wird sorgfältig der Bhupura angelegt. [Die ungewöhnliche Endangabe A bleibt wie überliefert.]

15.277 In die Ecken kommt Glaum, in die Richtungen „Bhuh“. Dies ist das Gopala-Yantra. Im Haus ordnungsgemäß aufgestellt,

15.278 soll es bewirken, dass die Kühe reichlich Milch geben, zusammen mit den Stieren gesund, mit vollen Eutern, vielgestaltig und stattlich sind.

15.279 Lakshmi mit Geld, Getreide, Land und Edelsteinen sowie beständiger Ruhm sollen dann dauerhaft in diesem Haus wohnen.

15.280 Nun wird ein weiteres Yantra erklärt, das Kühen und anderen Tieren reiches Gedeihen verschafft. In der Mitte eines achtblättrigen Lotus steht Om mit der Zielbezeichnung.

15.281 Auf jedes Blatt kommt ein Vers des Sukta „A gavah …“. Außen folgen zwei Kreise, deren Bahn von den Matrika-Buchstaben umfasst wird.

15.282 Außen steht ein Quadrat. Wird dieses Yantra im Haus aufgestellt, soll es beständig mit Kühen, Pferden, Stieren und anderen Tieren gefüllt sein.

15.283 Nun erkläre ich das Yantra des Herrn des Tages zur Abwehr von Krankheit. In die Mitte eines Sechsecks wird die Zielbezeichnung zusammen mit Om geschrieben.

15.284 In die Ecken kommen der Reihe nach die Silben von Om, Hrim, Soham und Hamsa. Außen folgt ein vierblättriger Lotus; auf dessen Staubfäden

15.285 stehen von Osten an Hrim, Hrim und Hamsa. Auf die Blätter kommen die Viertel des Verses „Udyann adya …“. Außen wird

15.286 ein achtblättriger Lotus gezeichnet, auf dessen Staubfäden jeweils eine Silbe von „Ghrinih surya aditya“ steht.

15.287 Auf die Blätter kommen die Abschnitte des mit „Shukeshu me …“ beginnenden Verses. Außen folgen zwei Kreise mit einer Matrika-Umfassung in ihrer Bahn.

15.288 In die Ecken des äußeren Bhupura wird „am hrim hrim sah“ geschrieben. Dieses Sonnen-Yantra soll alle Grahas vernichten.

15.289 Es soll Glanz, Fülle, Genuss, Macht und Standhaftigkeit mehren. Es wird mit rotem Sandelholz auf einen mit Kuhdung bestrichenen Boden

15.290 unter Verwendung einer Kupfernadel gezeichnet. Darin wird die Gottheit angerufen und verehrt; am Ende wird eine besondere Arghya-Gabe bereitet und dargebracht.

15.291 Es gilt als Mittel zur Befriedung von Aussatz, Auszehrung und anderen Leiden sowie zur Beseitigung kleinerer Krankheiten. Auf Kupferblech geschrieben und im Haus aufgestellt,

15.292 soll es bei täglicher ordnungsgemäßer Verehrung Aussatz und weitere Krankheiten, Fallsucht, Gedächtnisverlust sowie angeblich durch Schadenszauber verursachte Leiden vertreiben.

15.293 Auf Goldblech geschrieben wird es in Öl gelegt; die drei mit „Udyann adya …“ beginnenden Verse werden tausendmal rezitiert.

15.294 Dadurch soll bei einem geschwächten Körper Aussatz vergehen. Ferner wird dasselbe Yantra in frische Butter eingezeichnet.

15.295 Nach hundertacht Rezitationen der drei Verse wird die Butter entnommen und gegessen. Dem Kranken werde dadurch Heilung zuteil, versichert der Text. [Historische Heilbehauptung, keine Anleitung zur Behandlung von Krankheiten.]

15.296 Nun erkläre ich ein weiteres Yantra aus Gayatri und Sonnen-Mantra, das der Sonne lieb ist und sämtliche Krankheiten vernichten soll.

15.297 In die Mitte eines Kreises wird Om mit der Zielbezeichnung geschrieben. Außen folgt ein Dreieck mit der als „mantragara“ überlieferten Beschriftung,

15.298 jeweils einer Silbe pro Ecke. Außen wird erneut ein Kreis gezeichnet, in den die fünf Silben von „Yaksharajaya“ kommen. [Die Beschriftung des Dreiecks in 297 ist nicht zuverlässig lesbar; sie wird nicht auf drei Silben zurechtgelegt.]

15.299 In ein äußeres Sechseck kommt jeweils eine Silbe von „sahasraram hum phat“. Danach folgt ein Achteck.

15.300 In seine Felder werden die Silben von „Ghrini, Surya, Aditya“ verteilt. Auf die Blattspitzen kommen die beiden Keimsilben Shri und Hrim.

15.301 Dieses Sonnen-Yantra soll Lebensdauer und Gesundheit vermehren, kinderlosen Frauen einen Sohn und Frauen Glück verleihen.

15.302 Königen soll es Sieg, Kranken die Beseitigung von Krankheit bringen. Was bedarf es vieler Worte? Ordnungsgemäß am Arm getragen, gewähre es die entsprechenden Früchte.

15.303 Nun werde ich ebenso das höchste, innerste Wesentliche erklären, das ich erkannt und als Essenz des Atharvan dargelegt habe.

15.304 Als ich in Gestalt eines Shabara über die Erde wanderte, erkannte ich: Im Kali-Zeitalter werden die Menschen nach Wunscherfüllung und Besitz streben.

15.305 Durch Mantras schlechter Gurus oder solche, die sie in Büchern gesehen haben, werden sie von den Verpflichtungen und der rechten Lebensordnung abfallen, zerstreut und mittellos werden.

15.306 Durch Unrecht werden manche von Geistern ergriffen, von Schadenszauber, Krityas, Krankheiten und großen Grahas bedrängt. Für sie habe ich dieses göttliche Yantra offengelegt.

15.307 Es wird eine an eine Mridanga erinnernde Gestalt beschrieben, mit einem Kopf eines Totengeistes ohne Nase und weitere Sinnesmerkmale. [Die Anordnung der vier Sinnesmerkmale zur Mitte ist beschädigt; die Zeichenvorschrift bleibt deshalb unvollständig verständlich.]

15.308 Eine Querlinie wird gezeichnet, die über den Kopfbereich hinausreicht. An beiden Seiten werden an den Enden je zwei Spitzen beziehungsweise Spieße angebracht.

15.309 Darunter steht eine senkrechte Linie von der Breite des Spießes. Es folgen Angaben zu Kopf und Hand; die Mitte soll wie ein Spieß gestaltet werden. [Die Wortverbindung „mundo hastabhidhah“ ist nicht sicher zu deuten.]

15.310 An der Stelle des Geschlechtsorgans wird eine nach hinten gerichtete Linie angebracht. An den Stellen der Füße werden zwei Dreizacke mit Sockeln gezeichnet.

15.311 Nach Herstellung dieser Totengeistgestalt werden die folgenden Keimsilben eingetragen. Genannt werden Kopf, Hand und rechter Arm, oberhalb davon ein achtblättriger Lotus.

15.312 In einem Abschnitt der Linie beziehungsweise des Kopfes wird eine Endung mit Ng sowie Dam und Nam geschrieben; über dem linken Arm stehen die beiden Silben „homo“. [Die technischen Zeichenangaben sind beschädigt und werden nicht zu einem ausführbaren Diagramm ergänzt.]

15.313 Für die Hälfte des Kopfbereichs werden weitere undeutliche Zeichen genannt. Ein Haarschopf wird eingezeichnet; im Herzbereich steht Sam, quer und aufwärts angeordnet. [Die Zeichenfolge „sasmivashtash“ ist nicht zuverlässig auflösbar.]

15.314 In die Mitte und an die beiden Seiten werden der Reihe nach neun Abschnitte eingetragen. Der erste wird als „aliyam“ bezeichnet. [Die Lesung der Beschriftung ist unsicher.]

15.315 Im zweiten Abschnitt steht die Erd-Keimsilbe, im dritten „ahina“, im vierten „sarahiyam“, im fünften „vihaka“.

15.316 Der sechste wird als „traiyaka“, der siebte als „nambuda“, der achte erneut als „traiyaka“ und der letzte als „nastaram na“ bezeichnet. [Die Zeichenwörter in 314–316 sind unsicher überliefert; sie werden weder übersetzt noch zu bekannten Formeln normalisiert.]

15.317 Außen wird eine Anordnung von sechs Feldern angelegt, beginnend mit zwei. In die obere Reihe kommen der Reihe nach sechs, drei und zwei. [Die Verbindung „shatkatradvitaya“ ist unregelmäßig.]

15.318 Für die untere Reihe werden sieben und acht sowie eine weitere undeutliche Angabe genannt. Weitere Zeichen stehen in und außerhalb eines als „peshi“ bezeichneten Bereichs; genannt werden „trase“ und „mama hrida“. [Die letzte Feldzahl und die genaue räumliche Anordnung sind nicht sicher lesbar.]

15.319 Rechts neben dem Fuß steht der Name der Zielperson, links der betreffende Mantra. Das Yantra wird mit Tinte auf ein Blatt geschrieben und in dunklen Stoff

15.320 sorgfältig eingewickelt, sodass daraus ein Docht entsteht. Am Sonntagabend wird der Platz mit Kuhdung bestrichen. [Die zusätzliche Benennung „kusha“ für den Docht bleibt in ihrem Sinn offen.]

15.321 Dort wird mit weißen ungebrochenen Reiskörnern ein achtblättriger Lotus angelegt. In seiner Mitte wird zuerst Ganadhipa verehrt.

15.322 Zu seiner Rechten wird der Herr des Ortes verehrt, auf den Blättern Indra und die übrigen Richtungshüter. In der Lotusmitte wird die Lampe

15.323 ordnungsgemäß aufgestellt, darüber beziehungsweise darauf das Ölgefäß mit einem Kudava Sesamöl. [Die genaue Anordnung von Lampe und Gefäß ist sprachlich nicht eindeutig.]

15.324 Es wird ein entsprechendes Gefäß aus Ton oder Metall verwendet. Nach Verehrung der Lampe und der übrigen Bestandteile lässt man die betreffende Person am Abend dort Platz nehmen.

15.325 Ihr wird das gewünschte Yantra gezeigt; während sie auf die Lampe blickt, soll sie meditieren. Zur Zufriedenheit der über der Lampe waltenden Gottheit samt ihrem Kreis

15.326 werden ungekochte Lebensmittel und eine weitere Gabe an einen vedisch Gelehrten mit Familie gegeben. Solange die Lampe brennt, wird sie ohne Nachlässigkeit betrachtet. [Die Lesung „arkam“ für die zusätzliche Gabe ist unklar.]

15.327 Liegt nach der Deutung der Quelle eine Störung durch eine Gottheit vor, spreche die Lampe selbst aus, was unverzüglich getan werden müsse; darauf trete sicher Befriedung ein.

15.328 Wenn die Ursache im Körper von einem Rakshasa oder ähnlichen Wesen ausgehe, solle das Angezeigte sogleich geschehen; dadurch erlange der Kranke Wohlbefinden. [Die Anrede beziehungsweise Wortform „satyavadini“ ist nicht eindeutig zuzuordnen.]

15.329 Bei Schadenszauber und Kritya-Einwirkung beginne die Lampe zu zittern, bald schwach, bald heftig. [Überlieferte Orakeldeutung, kein diagnostisches Verfahren.]

15.330 Ein einziger Sonntag soll eine geringfügige Störung beseitigen; zwei Sonntage sollen durch Kritya verursachtes Unheil vernichten.

15.331 Nach drei Durchführungen werde ein mit dem Verhalten des Übenden verbundener Fehler getilgt. Vier Lampenriten sollen eine als „Mantra-Verzehr“ bezeichnete Störung beseitigen. [Beide Fehlerbezeichnungen sind in der Vorlage unklar.]

15.332 Eine mit dem Lebens-Mantra eines schlechten Gurus verbundene Störung soll durch sechs Durchführungen verschwinden, eine Krankheit durch sieben Lampenriten. Dies wird als überaus außergewöhnlich bezeichnet.

15.333 Es folgen weitere Zeichen der Flamme beziehungsweise ihrer Öffnungen: drei …, ein Spalt, ein Fenster, eine innere Schwärzung oder ein sichtbares Loch. [Die erste Vershälfte ist stark beschädigt; eine eindeutige Zeichenbeschreibung ist nicht möglich.]

15.334 Ist die Flamme dreispitzig, zweifarbig oder kraftlos, werde dies als Ende der Lebenszeit gedeutet; der Kranke werde nicht weiterleben. [Historische Todesvorhersage der Quelle, keine verlässliche Aussage über einen Krankheitsverlauf.]

15.335 So ist dieses vollendete Yantra beschrieben, das tantrischen Übenden Vollendung verleihen soll. Für Menschen, die ihren eigenen Dharma aufgegeben haben, sollen Kundige es jedoch nicht ausführen.

15.336 Wer sich an den brahmanischen Dharma hält, benötige keine vorbereitende Sonderhandlung: Yantras und Mantras würden ihm von selbst wirksam, so die Versicherung der Quelle.

15.337 Die achtzehn Puranas wurden von Vyasa verfasst; das von Gautama dargelegte Nyaya dient der Verwirklichung des Dharma.

15.338 Im Kali-Zeitalter werde es viele verkehrte Argumentationen geben, die den Veda zerstören. Ein Brahmane, der sie studiert, werde als Totengeist oder Brahmarakshasa wiedergeboren. [Polemische Wertung des Textes.]

15.339 Die Mimamsa mit Anerkennung eines göttlichen Herrn vollende die menschlichen Lebensziele. Die auf Handlung gerichtete Mimamsa ohne göttlichen Herrn gewähre Genuss und Himmel.

15.340 Achtzehn Smritis werden genannt; die Reihe beginnt mit Parashara, Shankha, Likhita, Vyasa, Vasishtha und dem Seher Kashyapa,

15.341 gefolgt von Agastya, Yama, Harita, Divodasa, Prajapati, dem erhabenen Paithinasi, Jamadagni und Gautama

15.342 sowie Bharadvaja. Diese werden als Begründer des Dharma-Shastra bezeichnet. Ihre unterschiedlichen Ansichten seien nach zehn Unterschieden zu verstehen. [Die ausdrücklich achtzehnteilige Reihe enthält hier nur fünfzehn Namen; die zehn Unterschiede werden nicht einzeln erläutert.]

15.343 Manchmal unterscheiden sich die Aussagen eines Sehers aufgrund verschiedener Zeiten. Deshalb soll Dharma unter Berücksichtigung von Gemeinschaft, Familie und Land gelehrt werden.

15.344 Shiksha, Kalpa, Grammatik, Nirukta, Verslehre und Jyotisha – letzteres mit den drei Bereichen Berechnung, Samhita und Hora –

15.345 sind die sechs Vedangas; hinzu kommen die vier Veden. Was zu den vierzehn Wissensgebieten gehört, wird als Mittel des Dharma bezeichnet. [Vier weitere Gebiete werden in dieser Versfolge nicht ausdrücklich ergänzt.]

15.346 Wo deren Vollendung erreicht ist, sind die Seher und die weiteren Kräfte von selbst vollendet. Was dazu im Widerspruch steht, könne für die sozialen Stände kein Mittel zur Verwirklichung des Dharma sein.

15.347 Ayurveda, Dhanurveda, Gandharva-Wissen, politische Ordnung, Handwerkskunst, Rechenkunst und Zeichenkunde:

15.348 Diese sieben werden als Wissenschaften des materiellen Lebensziels bezeichnet. Was sie darlegen, vermöge durch entsprechendes Handeln das betreffende menschliche Ziel zu verwirklichen.

15.349 Literatur, Agama, die Lehre von der Förderung sexueller Kraft und das Verhalten im Bereich des Begehrens bilden vier Arten des Kama-Shastra. Ihr Verständnis und ihre Anwendung sollen sich auf Guru und Lehrschrift stützen.

15.350 Sie sollen der Verwirklichung des Begehrens dienen, ohne Dharma und die weiteren Lebensziele zu verletzen. Ohne Guru und ohne Einsicht geht das menschliche Lebensziel verloren.

15.351 Yoga-Shastra und Vedanta sind die beiden Mittel zur Befreiung. Andere volkssprachliche beziehungsweise gewöhnliche Schriften werden hier als bloßer Schein des Dharma bezeichnet. [„Prakrita“ kann die Sprache oder den als gewöhnlich bewerteten Charakter bezeichnen; die abschätzige Wertung stammt aus der Quelle.]

15.352 In diesem furchtbaren Kali-Zeitalter, das Geschlechtsorgan und Bauch ergeben ist, werde unter Millionen kaum ein Einzelner alle heilsamen Handlungen fördern

15.353 und sich als Einsichtiger dem Dharma widmen. Für ihn wird dies gelehrt: Er möge einen guten Sohn hervorbringen, eine Leuchte der Familie. Das entsprechende Verfahren wird nun erklärt.

15.354 Beim ersten fruchtbaren Zyklus wird der Garbhadhana-Samskara genannt, ferner Simantonnayana und Pumsavana.

15.355 Diese drei Samskaras sollen den Embryo brahmanisch prägen. Wer auf diese Weise aus brahmanischem Samen hervorgeht, gilt als entsprechend geweiht.

15.356 Für das Kind folgen die mit Jatakarma beginnenden Riten und Annaprashana. Vier kindliche Samskaras werden zur Vollendung brahmanischer Prägung genannt. [Die Glosse erläutert: zur Vermehrung brahmanischen Glanzes. Die vier werden hier nicht vollständig einzeln benannt.]

15.357 Gelübdebindung, Abschluss der Schülerzeit und ordnungsgemäßes Veda-Studium: Diese drei Samskaras werden für die Jugend als Träger brahmanischer Prägung bezeichnet.

15.358 Wer so durch zehn Samskaras geweiht ist und die zehn Pflichten erfüllt, gelte als Brahmane; alle Mantras stünden ihm zu Gebote.

15.359 Rakshasas, mächtige Wesen und Mlecchas könnten ihn beim Anblick dieser zehn Handlungen nicht bedrängen und flöhen in die Ferne. [Historische Abgrenzungs- und Wirksamkeitsbehauptung.]

15.360 Die erste Pflicht ist der Erwerb von Vermögen zum Unterhalt der Familie auf eine der zehn vorgesehenen Weisen.

15.361 Als erste Erwerbsweise wird das Ausführen eines Opfers für einen dazu befugten Auftraggeber genannt, als zweite die Vergütung für die Unterweisung eines geeigneten Schülers.

15.362 Als dritte gilt die Annahme von Gaben unter Vermeidung ungeeigneter Geber, ungünstiger Zeiten, unzulässiger Geschenke und eines belasteten Herkunftsbereichs.

15.363 Als vierte gilt angesammeltes Vermögen aus rechtmäßiger Erbfolge; als fünfte das in der Familie erlangte Vermögen. [Die Abgrenzung dieser beiden Arten bleibt im knappen Wortlaut unscharf.]

15.364 Als sechste gilt der Erwerb durch die bereits genannten zulässigen Erwerbsmittel, als siebte das, was durch Unterweisung in einem guten Mantra erlangt wird.

15.365 Ordnungsgemäß betriebener Ackerbau ist die achte Erwerbsweise, eine den zeitlichen Umständen entsprechende Vergütung die neunte.

15.366 Die jeweils früher genannte Erwerbsweise gilt als höherwertig; eine Gabe wird als doppelt bezeichnet. [Worauf sich das Doppelte bezieht, bleibt offen; eine zehnte Erwerbsweise wird nicht eindeutig benannt.] Damit ist die erste Pflicht, der Vermögenserwerb, erklärt.

15.367 Die zweite Pflicht ist der Unterhalt: zunächst des eigenen Körpers, danach der treuen Ehefrau, dann der Mutter und des Vaters,

15.368 ferner der Brüder, Gurus, Söhne, Töchter, des mütterlichen Großvaters und der Schwiegermutter. Dies ist der Kreis der zu Versorgenden; in Notzeiten wird das Verfügbare entsprechend verteilt.

15.369 Es werden Anteile von einem an aufwärts bemessen und ihnen zugeteilt. Beim Anteil des Sohnes werden dessen eigene Unterhaltspflichten berücksichtigt. So bewahre der Brahmane seine brahmanische Stellung. [Der Schluss enthält eine beschädigte Verbform.]

15.370 Die dritte Pflicht ist das tägliche Bad; wer es unterlässt, wird vom Text als Shudra bezeichnet. Zehn nach ihrer Qualität unterschiedene Bäder werden genannt, zunächst eine als „varnataru“ überlieferte Form, dann ein Bad mit Einölung,

15.371 ferner Haimodaka, Matra, Bhuma, Vibhuti, Gayatra, Vayavya, Kayika und Manasa. [Mehrere Bezeichnungen sind beschädigt. Sicher erkennbar sind Bezüge auf Asche, Gayatri, Luft, Körper und geistiges Baden; die unklaren Formen werden nicht normalisiert.]

15.372 Die vierte Pflicht ist Sandhya, in zehn Arten gegliedert. Als Hauptform gilt die bereits beschriebene Verehrung mit Mudras und tausendacht Wiederholungen.

15.373 Aus der Ausführung an zwei beziehungsweise einer Tageswende ergeben sich drei Unterscheidungen. Ferner werden Formen mit Verehrung, mit Mudras und ohne Mudras genannt. [Die Vorlage nummeriert diesen Vers irrtümlich 273; die Orientierung folgt der fortlaufenden Reihe.]

15.374 Vier Rezitationszahlen werden unterschieden: tausendacht, hundertacht, achtundzwanzig oder acht. Ohne Rezitation wird die Sandhya-Arghya-Gabe mit Gayatri dargebracht. [Die überlieferte Wortfolge enthält ein zusätzliches „na“ und ist dadurch nicht völlig eindeutig.]

15.375 Diese wird als zehnte Form der Sandhya bezeichnet. Wer sie unterlässt, wird als Shudra eingestuft. Die fünfte Pflicht ist die Gottverehrung in täglicher oder wunschbezogener Form; zusammen mit den fünf großen Opferpflichten ergeben sich zehn Handlungen.

15.376 Die fünf Opfer gelten den Göttern, Wesen, Sehern, Menschen und Ahnen. Auch sie werden jeweils in fünf Rangstufen gegliedert, von der höchsten Hauptform an abwärts.

15.377 Die Abstufungen ergeben sich jeweils durch das Wegfallen eines Bestandteils. Als Form des Götteropfers wird zunächst das Tränken beziehungsweise Erfreuen der Gottheiten genannt,

15.378 dann die Vaishvadeva-Feuergabe, die Gabe bei der täglichen Verehrung, die Agnihotra-Gabe und die Rezitation des betreffenden Sukta.

15.379 Drei Arten der Bali-Gabe werden genannt: das Weggießen von Wasser nach der Reinigung, die Gabe nach dem Vaishvadeva-Ritus mit einem hier als „yanvata“ überlieferten Mantra

15.380 und als dritte der Rest der eigenen Speise. Dies bildet das Opfer an die Wesen, das geringfügige Bedrängnisse abwehren soll.

15.381 Nach der Verehrung wird täglich mit gesammeltem Geist ein Ashtaka rezitiert; ist dies nicht möglich, genügt Meditation. Auch die Rezitation vedischer Verse wird genannt.

15.382 Ist dies nicht möglich, wird das tägliche Rezitieren des eigenen Veda vorgeschrieben. Dies gilt als Seheropfer; dadurch bleibe man, so die Quelle, Geburt um Geburt Brahmane.

15.383 Morgens werden nach Vermögen rohe Lebensmittel gegeben, ebenso bei Opferbeginn und nach dem Vaishvadeva-Ritus: Dies gilt als Menschenopfer im Sinne der Fürsorge für Menschen. Das Ahnenopfer wird zweifach beschrieben: als Tarpana und als Hantakara-Gabe.

15.384 Wie sich das Lernen des Kindes vom umfassenderen Wissen des Gelehrten unterscheidet, so richtet sich der Geist der Menschen guter Herkunft auf den vedischen Weg. [Die Vergleichsführung ist im Original knapp.]

15.385 Der Geist der Menschen im Kali-Zeitalter erfreue sich dagegen meist am Kaula-Weg, der durch Speise, Trank und Frauen reizvoll erscheine. Dadurch werde menschliche Wiedergeburt schwer erreichbar. [Polemische Bewertung dieses Abschnitts.]

15.386 Ein unwissender Kaulika, der fällt, werde als Schwein wiedergeboren; ein Wissender, der vom Vamachara abfällt, werde zum Hund. [Religiöse Drohvorstellung der Quelle.]

15.387 Im linken Weg und im Kaula-Weg sei Vollendung in dieser Welt möglich, wenn jemand streng verborgen bleibe und sich täglich Opfergaben, Verehrung und den weiteren Pflichten widme;

15.388 andernfalls werde er erniedrigt oder von allen ausgeschlossen. Im Kali-Zeitalter führe die Metallverwandlung meist zum Verlust des Vermögens,

15.389 der tantrische Weg zu Schmähung, der Kaula-Weg zu verschiedenen Leiden. Shaivas, Vaishnavas und andere gelangten durch gegenseitigen Hass in die Hölle.

15.390 Einen einzigen reinen Weg habe ich gesehen, der in beiden Welten Frucht bringt: den Weg des Veda. Hier gewähre er Vollendung, jenseits das höchste Ziel.

15.391 So habe ich dir zum Wohl aller im Kali-Zeitalter die in allen Tantras verborgen gehaltene Wahrheit mitgeteilt. Was möchtest du noch hören?

Kolophon: So endet im von Shiva verkündeten Meru-Tantra, gebilligt von Shri Mahamaya und Mahakala, der fünfzehnte Prakāśa über die Darlegung der vedischen Yantras.

Sechzehnter Prakāśa: Ganesha-Mantras der südlichen Überlieferung

16.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Wenn ein Guru, der selbst keine Vollendung erreicht hat, einem Schüler einen Mantra erteilt – oder wenn der Guru zwar mit anderen Mantras vollendet ist, aber nicht mit diesem –,

16.2 oder wenn ein Schüler einer anderen Überlieferungsrichtung angehört und die Gottheit dieser anderen Richtung verehrt: Welche Vollendung kann ihm dann zuteilwerden, o Herr der Götter?

16.3 Ishvara sprach: Ein Guru der südlichen Überlieferung gilt als in alle Überlieferungsrichtungen eingeweiht; ebenso derjenige der oberen in die übrigen, derjenige der östlichen in die nachfolgenden.

16.4 Der westlichen Überlieferung werden zwei weitere Richtungen zugeordnet, die nördliche umfasst noch die untere. Für die untere wird keine darüber hinausgehende Guru-Befugnis anerkannt. [Hier wird eine textinterne Rangordnung der Amnayas dargelegt; die knappe Zählweise ist nicht vollständig erläutert.]

16.5 Für den Verehrer der südlichen Richtung wird Kala genannt; derjenige der oberen erlangt Vereinigung mit der Gottheit, derjenige der östlichen Gleichgestaltigkeit. [Die erste Zuordnung ist in der Form „kala“ unvollständig oder beschädigt.]

16.6 Der nächste erlangt Nähe, der weitere die Welt der Gottheit; der untere Weg gewährt Frucht in dieser Welt. Doch Verzicht auf Habgier und Hilfe für andere bringen auch auf dem unteren Weg ein gutes künftiges Ergebnis.

16.7 Wenn ein Guru, der mit einem anderen Mantra Vollendung erlangt hat, einen Mantra weitergibt, erreicht der Schüler durch das vorgeschriebene Verhalten Vollendung.

16.8 Gibt der Guru aus Mitgefühl einen von ihm selbst vollendeten Mantra, liegen dem Schüler die Vollendungen schon ohne Rezitation und Verehrung zur Hand. Ein von einem unvollendeten Guru gegebener Mantra kann dagegen viele Hindernisse mit sich bringen.

16.9 In diesem Fall soll zunächst der Mantra des Herrn der Hindernisse vollendet werden. Wenn danach der Übende von Verfehlungen frei ist und die vorbereitende Praxis durchführt, werde der hervorragende Mantra von selbst wirksam.

16.10 Ich erkläre nun nach den verschiedenen Überlieferungsrichtungen den aus einer einzigen Keimsilbe bestehenden Hindernis-Mantra, der in allen Tantras verborgen ist und Vollendung gewährt.

16.11 Für die vedische Form wird zunächst das bloße Ga genannt. In der südlichen Überlieferung trägt es Bindu, für die Anhänger des östlichen Weges zwei Punkte.

16.12 Für die westliche Form werden beide verbunden; in der oberen Überlieferung heißt die Silbe Gaum, in der nördlichen Glaum und in der unterirdischen wiederum Gaum. [Die überlieferte Doppelung von Gaum wird nicht stillschweigend korrigiert.]

16.13 Ganapa ist der Seher, Nivrit das Versmaß und Vighna die Gottheit. Für das Herz wird „Ganamjayaya svaha“ genannt, für den Kopf „Ekadamshtraya hum phat“.

16.14 „Acalakarnine namah“ gehört zum Haarschopf; danach wird der Schutzpanzer erwähnt. „Gajavaktraya namah“ wird den Augen zugeordnet. [Die Zuordnung des Schutzpanzers ist im Wortlaut nicht eindeutig ausgeführt.]

16.15 „Mahadashanacandaya hum phat“ gehört zur Waffe. Der tantrische Nyasa wird mit der Keimsilbe in Verbindung mit den sechs langen Vokalen vollzogen. [Ein Wort vor „Waffe“ ist beschädigt.]

16.16 Darauf wird mit gezügelter Rede und heiterem Geist Ganapati meditiert: rot gekleidet, von roter Farbe und mit rotem Duftstoff gesalbt,

16.17 mit roten Blumen verehrt, dickbäuchig, den Mond auf dem Haupt tragend, dreiäugig, klein von Gestalt, als verehrungswürdiger Herr der Hindernisse mit Elefantenrüssel.

16.18 In seinen linken und rechten Händen trägt er Schlinge und Elefantenhaken. Auf einem Lotussitz, mit allem Schmuck versehen, wird Vighna-Vinayaka betrachtet.

16.19 Auf einem Sitz aus Shriparni-Holz oder anderem geeignetem Material wird er mit Safran und weiteren Gaben verehrt. Der Kundige fertigt das Yantra mit drei Quadraten an.

16.20 In ihrer Mitte liegt ein achtblättriger Lotus als Verehrungssitz Ganeshas. Darin werden nach der bereits beschriebenen Ordnung Pavillon und weitere Bestandteile vorgestellt.

16.21 Vom Ozean bis zur Erde wird die Anordnung gezeichnet, wobei der Ozean als aus Zuckerrohrsaft bestehend gilt. Es folgen Juweleninsel und weitere Bereiche; die Verehrung geschieht im achtblättrigen Lotus. [Die Lesung „ishtadala“ steht im Kontext der zuvor genannten acht Blätter.]

16.22 In der Mitte wird der Gott verehrt; auf den Blättern folgen der Reihe nach Tivra, Jvalini, Nanda, Bhogada, Kamarupini,

16.23 Ugra, Tejasvati und Satya; als neunte kommt Vighnanashini hinzu. Nun höre den Sitz-Mantra mit seinen Anfangs-, Mittel- und Schlussgliedern.

16.24 „Om sarvashakti-kamalasanaya namah“ – Verehrung dem Lotussitz aller Kräfte. In den vier Hauptrichtungen von Osten an werden der Sitz und Ganadhipa verehrt,

16.25 ferner der helle Ganesha, der rote Gananayaka und der blaue Ganakrida. Auf den Staubfäden folgt dann die Verehrung

16.26 der sechs Glieder dieses Mantras: in Südost, Nordost, Südwest, Nordwest, in der Mitte und in den Zwischenbereichen. Die zugehörigen Gottheiten werden meditiert

16.27 als Frauen von vornehmer Gestalt, in den Farben Schneeweiß, Kristallhell, Dunkel, Blau, Schwarz und Rot, mit den Gesten der Segensgewährung und Furchtlosigkeit.

16.28 Vakratunda, Ekadamshtra, Mahodara, Gajanana, Lambodara, Vikata, Vighnaraj und Dhumravarna

16.29 werden auf den Blättern von Osten an verehrt; an den Blattspitzen Brahmi und die weiteren Mütter. Ihre Meditation erkläre ich nun in der angegebenen Umlaufrichtung.

16.30 Brahmi wird hell vorgestellt, mit einem Antilopenfell geschmückt. In ihren Händen trägt sie Gebetskette, Stab und Wassergefäß. [Die Verbindung um „mayodanda“ ist beschädigt; ein weiteres Handattribut ist nicht sicher abzugrenzen.]

16.31 Maheshi wird als glückverheißend und mondhell meditiert; sie trägt Dreizack, Axt, Damaru-Trommel und menschliche Schädelschale.

16.32 Kaumari, eine Stätte des Mitgefühls, ist rot wie ein Indragopa-Insekt. Sie hält Schnur beziehungsweise Bogensehne, Khatvanga, Stab und Elefantenhaken. [Das erste Attribut lautet „guna“ und bleibt mehrdeutig.]

16.33 Vaishnavi wird mit dem Glanz einer dunklen Wolke betrachtet; in ihren Lotushänden trägt sie Diskus, Muschelhorn, Schädelschale und Glocke.

16.34 Indrani ist blau und reich geschmückt. Ihre Lotushände tragen Wurfspeer, Elefantenhaken, Vajra und Blitz. [Die Verbindung der letzten Attribute ist im Original knapp.]

16.35 Varahi, die Shakti von der Farbe eines dunklen Berges aus Augensalbe, trägt Pflug, Keule, Schwert und Schild.

16.36 Chamunda wird rot meditiert, mit einer Schädelgirlande geschmückt; in den Händen trägt sie Speer, Schild, Schädelschale und Menschenkopf.

16.37 Mahalakshmi wird mit goldenem Glanz betrachtet, Gebetskette, Zitrusfrucht, Schädelschale und Lotus in den Händen.

16.38 In den beiden Bahnen zwischen den drei Quadraten werden die Richtungshüter und ihre Waffen verehrt. So lautet die Verehrung des Beseitigers der Hindernisse.

16.39 Wer auf diese Weise Ganesha verehrt, der die Hindernisse vernichtet, für den soll selbst ein von einem unvollendeten Guru empfangener Mantra Vollendung bewirken.

16.40 Nach hunderttausend Mantra-Wiederholungen folgt ein Feueropfer mit einem Zehntel dieser Zahl. Genannt werden Modaka-Süßspeisen, flachgedrückte Reiskörner, Puffreis, geröstetes Mehl, Zuckerrohrstücke,

16.41 Kokosnüsse, Sesam und Bananen. Mit jedem Stoff werden gesondert tausendzweihundertfünfzig Opfer dargebracht.

16.42 Ferner wird ein Opfer mit Sesam, bestrichen mit den drei süßen Stoffen, genannt. Milchspeise mit Ghee soll als Opfer das gewünschte Ergebnis verleihen.

16.43 Wer Fülle begehrt, opfere am vierten Mondtag vierhundert Kokosnussgaben. Auch wird eine tägliche Opferfolge vom Beginn der hellen Monatshälfte

16.44 bis zum vierten Tag beschrieben; damit würden alle Lebewesen unter Einfluss gebracht. Ein Opfer mit Ghee vermischtem Sesam soll Fülle, Einfluss und Ruhm verleihen.

16.45 Sieben Tage langes Opfern mit Puffreis und den drei süßen Stoffen soll dem, der eine Braut sucht, eine Braut, und dem, der einen Sohn begehrt, einen Sohn verschaffen.

16.46 Vier Nächte langes Opfern mit dickmilchbenetztem Salz wird für Einflussrituale und ähnliche Ziele genannt; der gewünschte Einfluss stelle sich ein.

16.47 Unter Berücksichtigung von Gewicht und Leichtigkeit der Aufgabe sowie ihrer Erreichbarkeit wird die Opferzahl festgelegt, beginnend bei tausend.

16.48 Wo keine Zahl ausdrücklich angegeben ist, reicht diese Bemessung bis zu zehn Millionen. Es folgen Materialien für ein Vighna-Bild: Wurzel des weißen Arka-Baums, rotes Sandelholz, gutes Holz,

16.49 ferner ein undeutlich bezeichnetes Elefantenmaterial und Elefantenstoßzahn. Nach Herstellung und Verehrung des Vighna-Bildes wird unter dessen Befragung der Mantra rezitiert. [Die Materialbezeichnung „gajakshatrotina“ ist beschädigt.]

16.50 Fastend und gereinigt wird es bei einer Mondfinsternis erhoben. Im Haarschopf getragen soll es Sieg in Rechtsstreitigkeiten und im Kampf gewähren.

16.51 Aus Rochana-Pulver wird mit diesem Mantra ein Stirnzeichen bereitet. Dadurch sollen alle Könige und Menschen unter Einfluss geraten.

16.52 Mit Butter wird der Name der Zielperson vorwärts, die Vighna-Keimsilbe rückwärts geschrieben; die Butter wird in Wasser gestellt.

16.53 Nach hundertacht Rezitationen wird sie schweigend verzehrt. Nach sieben Tagen, behauptet die Quelle, werde die Zielperson dem Ausführenden gefügig.

16.54 Ganesha wird wie zuvor je nach Vorhaben mit Wasser oder Reiswasser und weiteren Stoffen durch Tarpana erfreut. Der Mantra wird mit Om eingeleitet.

16.55 Für einen Entsagten und bei der Verehrung wird er mit Namah abgeschlossen. Nun erkläre ich Lakshmi-Ganapati in der südlichen Überlieferung.

16.56 Die Verbindung mit Gaja-Lakshmi gilt als überaus selten. Der Mantra beginnt mit Shrim, Gam und „Saumyaya“, gefolgt von „Mahaganapataye“

16.57 und „Vara varada sarvajanam me vashamanaya svaha“. Er wird als neunundzwanzigsilbig bezeichnet. Sinngemäß: „Dem freundlichen großen Ganapati; erlesener Segenspender, bringe alle Menschen unter meinen Einfluss, Svaha.“

16.58 Antaryamin ist der Seher, eine mit Trivrit verbundene Gayatri das Versmaß und Lakshmi-Ganesha die Gottheit. Mit den beiden Anfangskeimsilben, den sechs langen Vokalen und den zugehörigen Schlussformeln werden die sechs Glieder gebildet.

16.59 Die Gottheit wird goldglänzend und gelb gekleidet meditiert. Von der oberen rechten Hand an bis zur unteren rechten trägt sie Muschelhorn, Diskus, Keule und die Geste der Furchtlosigkeit.

16.60 Mit dem Rüssel hält sie einen goldenen Krug; sie sitzt auf einem Lotus. Auf dem linken Schoß sitzt Vishnu-Lakshmi und umarmt sie mit dem rechten Arm.

16.61 Die Verehrung erfolgt auf dem zuvor beschriebenen Sitz der neun Kräfte von Tivra an, mit zwei achtblättrigen Lotussen, leuchtender Mitte und Staubfäden, umgeben von drei Quadraten mit vier Toren.

16.62 Mit dem Grundmantra wird die Gestalt vorgestellt, darin die Gottheit angerufen und verehrt. Den ersten Kreis bilden die Glieder, den zweiten Vakratunda und die weiteren Gestalten.

16.63 Darauf folgen Anima, Mahima, Laghima, Garima, Ishitva, Vashitva, Prakamya und Prapti, die acht außergewöhnlichen Fähigkeiten.

16.64 Den vierten Kreis bilden die Mütter; außen folgen die Weltenhüter und ihre Waffen. Vorgeschrieben werden hunderttausend Rezitationen und Feueropfer mit süß getränktem Bilva-Holz, danach Tarpana und die weiteren Abschlussriten. Anschließend können wunschbezogene Rituale erfolgen.

16.65 Tausendfache Opfer mit Shri-Früchten und süßen Stoffen gelten als Spender großer Fülle sowie von Söhnen, Freunden und Ehepartnern.

16.66 Wer während vierzig Tagen vierhundertvierzig Tarpana-Gaben aus reinem Wasser darbringt, erlange die gewünschte Fülle.

16.67 Mit Om beginnend und ohne die Rama-Keimsilbe zählt dieser Mantra achtundzwanzig Silben. Nyasa und Meditation bleiben wie zuvor; der Unterschied der Verehrung wird nun erklärt.

16.68 Zuerst kommen die Glieder, dann Balaka, Vimala, Kamala, Vanamala, Vibhishika, Malika,

16.69 Vashankara und Vasumala; an beiden Seiten Shankha und Padma. Es folgen die Weltenhüter und ihre Waffen. Nun werden wunschbezogene Anwendungen genannt.

16.70 Dreihunderttausend Rezitationen, bis zur Brust im Wasser stehend und die Gottheit in der Sonnenscheibe meditierend, sollen Vermögen vermehren.

16.71 Die gleiche Zahl von Rezitationen an der Wurzel eines Bilva-Baums soll dieselbe Frucht bringen. Ghee bestrichener Reis als Opfer in einem Feuer aus Ashoka-Holz

16.72 oder auch Arka-Holz soll Einfluss über die Welt verleihen. Ein König erlange durch Milchspeise-Opfer in einem Khadira-Feuer Fülle. [Die Glosse ergänzt das Verb „erlangt“.]

16.73 Shrim wird als einsilbiger Mantra genannt, Nivrit als Versmaß, Bhrigu als Seher und die alles gewährende Lakshmi als Gottheit. Mit der Keimsilbe und den sechs langen Vokalen werden die sechs Glieder gebildet.

16.74 Lakshmi wird auf einem Lotus sitzend, goldglänzend meditiert; in den beiden oberen Händen hält sie Lotusse, die untere rechte gewährt Furchtlosigkeit, die linke Segen.

16.75 Vier Elefanten, hell wie der Himalaya, besprengen sie aus Nektarkrügen an ihren Rüsselspitzen. Sie trägt feines Gewebe und eine Krone.

16.76 So wird die Göttin, Haris Geliebte, meditiert, voll Verlangen, ihren Verehrern Gnade zu schenken. Auf einem mit Dharma und den weiteren Kräften vorgestellten Sitz, einem achtblättrigen Lotus mit Bhupura,

16.77 wird Rama angerufen und in der Mitte mit Duftstoff und weiteren Gaben verehrt. Es folgen Vibhuti, Unnati, Hrishti, Kirti, Sannati,

16.78 Vyushti, Utkrishti und Riddhi in den acht Richtungen. In der Mitte wird der aus allen Kräften bestehende Thron verehrt.

16.79 Mit vorangestellter Keimsilbe wird der Sitz dargebracht; mit dem Grundmantra die Gestalt vorgestellt. Nach Verehrung der sechs Glieder folgt die Verehrung im achtblättrigen Lotus.

16.80 In den vier Hauptrichtungen, vor der Göttin beginnend, stehen Vasudeva, Halayudha, Pradyumna und Aniruddha; in den Zwischenrichtungen folgen der Reihe nach

16.81 Damaka, Salila, Guggula und Kurantaka. Vor der rechten Hand der Göttin wird der Schatz Shankha verehrt,

16.82 links der Schatz Padma. Auf dem zweiten achtblättrigen Lotus folgen Balaka, Vimala, Kamala, Vanamalika,

16.83 Vibhishika, Malika, Shankari und Vasumalika, danach die Weltenhüter und ihre Waffen. So lautet die Verehrung Shris.

16.84 Der Text nennt zwölf Lakhs, also 1.200.000 Rezitationen, und danach „dessen Tausend“ als Opferzahl. Geopfert werden Lotusse mit den drei süßen Stoffen, ferner siebenundzwanzig Shri-Früchte. [Die Angabe zur Opferzahl ist nicht eindeutig; keine Gleichsetzung mit einem üblichen Zehntel vorgenommen.]

16.85 Alternativ werden drei mit süßen Stoffen versehene Früchte genannt; danach folgen Tarpana und die weiteren Abschlussriten. Mit so vollendetem Mantra soll der Übende seine eigenen Wünsche verwirklichen.

16.86 Dreihunderttausend Rezitationen, bis zur Brust im Wasser stehend und Shri in der Sonne vergegenwärtigend, sollen binnen kurzer Zeit von Armut befreien.

16.87 Dieselbe Zahl im Heiligtum Madhusudanas oder unter einem Bilva-Baum soll innerhalb eines Jahres das Erstrebte gewähren. Der Übende erlange bald große Mengen von Gütern.

16.88 Mit Ghee versehener Reis, geopfert in einem Feuer aus Ashoka-Holz, soll die gesamten drei Welten unter Einfluss bringen.

16.89 In einem ordnungsgemäß mit Khadira und Lotusmaterial entzündeten Feuer wird Reis mit den drei süßen Stoffen geopfert. Dadurch werde das Königshaus gefügig; der Übende werde wohlhabend und besitzreich.

16.90 Ein Opfer aus gereinigtem Reis in einem Arka-Feuer soll königliche Fülle, Lebensdauer, Söhne und Glück verleihen. [Die Glosse erklärt das Wort „kam“ als Glück.]

16.91 Hunderttausend Opfer mit Lotussen und den drei süßen Stoffen sollen einen von Unglück betroffenen Menschen zur Fülle führen. Geld, Getreide und weiterer Besitz sollen ihn zufriedenstellen.

16.92 Im Haus eines Brahmanen wird ein Bilva-Baum gepflanzt und gepflegt. Dort wird das Shri-Sukta rezitiert und geopfert,

16.93 mit Blüten, Früchten, gutem Opferholz und Stammstücken des Baums, jeweils mit den drei süßen Stoffen verbunden, während der Übende an seiner Wurzel verweilt.

16.94 Bei Darbringung von Bilva enthaltender Opferspeise werde Rama bald sichtbar gegenwärtig. Wie könnte dann in seiner Familie Mangel herrschen? [Die Satzverbindung um „havishyani“ ist gestört.]

16.95 Nun erkläre ich den Shakti-Ganapa-Mantra. Seine drei Silben werden als „hra hrim hrim“ angegeben; Virat ist sein Versmaß und Bhargava sein Seher. [Die erste Silbe erscheint in der Vorlage als „hrā“; keine Angleichung an andere Mantra-Fassungen.]

16.96 Shakti-Ganapa ist die Gottheit. Die sechs Glieder werden mit Ga und den sechs langen Vokalen gebildet. Danach wird Gajanana meditiert.

16.97 Oben rechts hält er den Elefantenhaken, links die Schlinge; unten links die Zitrusfrucht und rechts seinen eigenen Stoßzahn. Er ist goldfarben. [Die Vorlage schreibt „svayam“, wohl eine beschädigte Bezeichnung des eigenen Stoßzahns; die Wiedergabe bleibt vorläufig.]

16.98 Mit dem Rüssel hält er Modakas, an den Ohren lange Wedel. Verehrt wird er auf dem zuvor genannten Sitz der neun Kräfte.

16.99 Die Gottheit steht in einem achtblättrigen Lotus, umgeben von drei Quadraten. Den ersten Verehrungskreis bilden die Glieder, den zweiten die Mütter,

16.100 den dritten die Weltenhüter und den vierten die Waffen. Hunderttausend Rezitationen werden bei Opferspeisenernährung und beherrschten Sinnen vorgeschrieben.

16.101 Ein Zehntel dieser Zahl wird als Feueropfer aus mit Ghee getränkten Kuchen dargebracht. Nach dieser Mantra-Vollendung können wunschbezogene Handlungen erfolgen.

16.102 Am vierten Tag der hellen Monatshälfte wird Vinayaka verehrt. Vor ihm folgen Opfer aus Kuchen mit Rohrzucker und gekochten, mit Ghee versehenen Speisen,

16.103 vermischt mit Pfeffer, Kshuraka und Steinsalz, insgesamt dreitausend Darbringungen.

16.104 Nach sieben Tagen soll daraus Gewandtheit in Prosa und Vers entstehen. Ein Honigopfer wird als Mittel beschrieben, einen König unter Einfluss zu bringen.

16.105 Wer eine Braut sucht, opfert Puffreis unter Voranstellung ihres Namens vor den Mantra und bewirtet sieben Mädchen oder eine einzelne. Dadurch, behauptet die Quelle, erlange er die gewünschte Frau.

16.106 Weiter wird Gold in der Menge eines Karsha oder eines Pala genannt, das bei einer Sonnen- oder Mondfinsternis mit Mantras besprochen wird,

16.107 tausendachtmal. Es wird in sieben Teile geteilt; ein Teil wird im eigenen Haus unter vorheriger Meditation der Gottheit

16.108 eingenommen, die übrigen an den folgenden Morgen einzeln, ebenfalls nach Meditation. [Der Übergang von Gold zu einer trinkbaren Zubereitung ist in der Vorlage nicht erklärt. Keine Zubereitung ergänzt; dies ist keine Einnahmeempfehlung.]

16.109 Dadurch werde man an Verstand Budha gleich, an Gelehrsamkeit Guru, an Dichtkunst Kavi und im Widerstreit Shani.

16.110 Für eine unfruchtbare Frau wird am Tag des Bades nach der Menstruation die Verehrung Vinayakas beschrieben; danach werden Kurkuma und Vacha in einer durch Nishka, Hälfte und Viertel bezeichneten Menge genannt.

16.111 Mit Kushta in Kuhurin zerrieben werde die Mischung tausendmal besprochen. Die Frau bewirte ihren Guru mit Speisen, gebe ihm eine Vergütung und trinke danach das Mittel. [Die Mengenverteilung ist nicht eindeutig; die Glosse erläutert „kanya“ hier allgemein als Frau. Historische Rezeptangabe, keine Empfehlung zum Verzehr.]

16.112 Darauf werde ihr ein Sohn mit allen guten Merkmalen, langem Leben, Schönheit, Einsicht und Fülle geboren, so die Behauptung der Quelle.

16.113 Mit Om am Anfang wird derselbe Mantra viersilbig; sein Versmaß heißt Gayatri. Die sechs Glieder bleiben wie zuvor. Die Gottheit wird goldglänzend und goldgekleidet meditiert,

16.114 mit großen Knien, dickem Bauch, langen Armen und ausgeprägten Augen. Oben rechts hält sie eine Schlinge, unten links eine Gebetskette,

16.115 unten rechts den eigenen Stoßzahn, oben den Elefantenhaken, mit dem Rüssel einen Modaka. „Ich meditiere Ganesha, mit goldenem Schmuck versehen, mit seiner Shakti vereint und von der Welt verehrt.“

16.116 Die Verehrung erfolgt wie zuvor. Vorgesehen sind dreihunderttausend Rezitationen, ein Feueropfer mit Ghee bestrichenem Sesam sowie Tarpana und die weiteren Abschlussriten.

16.117 Tägliche Opfer mit Ghee-Speise sollen reichlich Nahrung verschaffen; Opfer mit Milchspeise sollen große Fülle verleihen.

16.118 „Gam kshipraprasadanaya namah“ ist der als zehnsilbig bezeichnete Mantra des rasch Gnädigen. Ganaka ist der Seher, Virat das Versmaß.

16.119 Die Gottheit ist Kshipraprasadana-Vinayaka. Der Kundige bildet die sechs Glieder mit der Keimsilbe und den sechs langen Vokalen.

16.120 Für die Meditation werden die Waffen jeweils von links oben im Uhrzeigersinn aufgezählt: Schlinge und Elefantenhaken sowie ein glänzendes Blattende werden in den Händen getragen. [Die Attributfolge ist verkürzt; ein weiteres Handattribut ist nicht sicher erkennbar.]

16.121 Im Rüssel hält er eine Zitrusfrucht; er ist dreiäugig und rot gekleidet. „Ganesha mit dem Vollmond auf dem Haupt schütze stets seinen Verehrer!“

16.122 Er wird auf dem zuvor genannten Sitz der neun Kräfte verehrt. Mit dem Grundmantra wird die Gestalt vorgestellt und darin Vighneshvara verehrt. Den ersten Kreis bilden die Glieder, den zweiten acht Ganas:

16.123 Vighna, Vinayaka, Shura, Vira, Varada, Ibhavaktra, Ekadanta und Lambodara.

16.124 An den Blattspitzen werden die Mütter verehrt, außen die Weltenhüter und Waffen. Hunderttausend Rezitationen und ein Feueropfer mit Sesam und den drei süßen Stoffen werden genannt,

16.125 alternativ mit den zuvor erwähnten acht Opferstoffen. Danach folgen Tarpana und weitere Abschlussriten. Eine mit Zucker und Ghee versehene Opferspeise

16.126 soll Fülle verleihen; reines Ghee als Opfer soll Menschen unter Einfluss bringen. Eine weitere Ghee enthaltende Gabe wird nochmals als Mittel zur Fülle genannt. [Der zu Ghee gehörige Opferstoff ist im zweiten Halbvers nicht ausdrücklich bezeichnet.]

16.127 Vierzig Tage langes Opfern mit Kokosnuss soll sämtliche Güter und täglichen Erfolg in den gewünschten Vorhaben gewähren.

16.128 Für Wunscherfüllung werden Puffreis, Kangu-Getreide und flachgedrückter Reis genannt, ferner die acht Opferstoffe mit den drei süßen Stoffen.

16.129 Dadurch würden Könige und deren Frauen unter Einfluss gebracht. Danach wird eine Zahl von vierhundertvierundvierzig genannt

16.130 für die morgendlichen Tarpana-Gaben aus Wasser mit den Mantras Vighneshas. Gute Opferhölzer werden ebenfalls erwähnt; das Werk gelinge ohne Zweifel. [Die Verbindung von Tarpana und Holzgabe ist im Satz nicht ausgeführt; die Glosse ergänzt „Werk“.]

16.131 Ganesha wird als aus der Sonnenscheibe herbeikommend und im zuvor beschriebenen Chakra stehend vorgestellt; so wird Tarpana vollzogen. Auch die beim dreisilbigen Mantra genannten Anwendungen können hier erfolgen.

16.132 „Om tham namah“ gilt als viersilbiger Mantra Herambas. Ganaka ist der Seher und Gayatri das Versmaß. [Die Vorlage schreibt ṭhāṃ; die Silbenform wird nicht an andere Heramba-Mantras angeglichen.]

16.133 Die Gottheit ist der fünfgesichtige Heramba mit dem Löwen als Reittier. Die sechs Glieder werden aus Keimsilbe und sechs langen Vokalen gebildet.

16.134 Seine fünf Elefantengesichter gleichen Perlen, Blitz, Wolke, Milch und Safran. Er ist gekrönt und trägt ein Schwert.

16.135 Ferner werden Elefantenhaken, Dreizack, Hammer, Schädelschale, der eigene Stoßzahn, die Gesten der Furchtlosigkeit und Segensgewährung sowie Modaka

16.136 und Axt und Gebetskette in seinen Lotushänden genannt. So wird der unvergängliche Heramba meditiert, strahlend wie zehn Millionen Sonnen. [Die Attributliste ist umfangreicher als eine eindeutige Handzuordnung; keine Attribute gestrichen.]

16.137 Ein achtblättriger Lotus wird gezeichnet, umgeben von drei Quadraten mit vier Toren. Darin wird zuerst der Sitz verehrt.

16.138 Seine Formel wird angegeben als „Om hum hum mahasimhaya gam herambasanaya namah“, Verehrung dem großen Löwen als Sitz Herambas, und als siebzehnsilbig bezeichnet. [Die beiden Hum-Silben sind in der Vorlage unterschiedlich lang markiert.]

16.139 Mit dieser Formel wird der Sitz dargebracht und verehrt. Mit Om und der Keimsilbe wird die Gestalt vergegenwärtigt.

16.140 Zunächst werden die Glieder verehrt, danach die Weltenhüter und außerhalb deren Waffen. So ist die Verehrung Herambas beschrieben.

16.141 Nach dreihunderttausend Rezitationen folgt ein Feueropfer mit einem Zehntel dieser Zahl aus Sesam und den drei süßen Stoffen, anschließend Tarpana und die weiteren Riten.

16.142 Nach Mantra-Vollendung folgen Anwendungen: Am vierzehnten, achten und sechsten Mondtag werden jeweils Kuchen, Krishara-Speise und Modakas zur Verwirklichung des Erstrebten geopfert.

16.143 Auch an den Festtagen wird mit den bereits genannten Stoffen geopfert. Was auch immer der Übende wünsche, könne er dadurch erreichen. Alternativ werden die bei Kshipraprasadana beschriebenen Anwendungen genannt.

16.144 Om, der Name Ganesha in der Dativform und Namah bilden einen als siebensilbig bezeichneten Mantra. Mit abschließendem Om wird er achtsilbig; alternativ beginnt er mit der Shakti-Keimsilbe. [Die behauptete Silbenzahl ist mit der knappen Namensangabe nicht eindeutig vereinbar; keine Erweiterung ergänzt.]

16.145 Agni ist der Seher, Gayatri das Versmaß und Subrahmanya-Vinayaka die Gottheit. Mit der Feuer-Keimsilbe und den langen Vokalen werden die sechs Glieder gebildet.

16.146 Er wird rot gekleidet, rotfarbig und mit rotem Duftstoff gesalbt meditiert, mit roten Blumen verehrt und die Verfehlungen seiner Verehrer tilgend.

16.147 In den Händen hält er Hammer, Shakti-Speer, Lotus und Elefantenhaken; sein Gesicht gleicht dem Mond, und er trägt vielfältigen Schmuck.

16.148 So wird Subrahmanya-Ganadhipa, die Feinde vernichtend, meditiert und auf dem bereits verehrten Sitz als allgegenwärtiger Herr verehrt.

16.149 Auf den Staubfäden stehen die sechs Glieder, auf den acht Blättern von Osten an Jayanta, Agnivesha, Krittikaputra,

16.150 Bhutapati, Senani, Guha, Hemasutraka und Vishalaksha. Sie tragen Shakti-Speer und Spieß.

16.151 An den Blattspitzen werden von Osten an Devasenapati, Shakti, Vighna und der Hahn verehrt,

16.152 ferner Medha, der Pfau, der Vajra und Dhi. Danach folgen die Weltenhüter und ihre Waffen. Dies ist die Verehrung Subrahmanyas.

16.153 Hunderttausend Rezitationen werden genannt, dazu zehntausend Feueropfer mit Ghee und Milchspeise; hervorragende Brahmanen werden zufriedengestellt.

16.154 Ist der Mantra auf diese Weise vollendet, können gewünschte Ziele verfolgt werden. Täglich wird die Gottheit mit süßen Speisen erfreut; als enthaltsam lebender Gott wird sie mit göttlicher Gesinnung verehrt.

16.155 Wer den Subrahmanya-Mantra ordnungsgemäß verehrt, erlange ohne Zweifel Genüsse in dieser Welt und im Jenseits, so die Quelle.

16.156 Der nächste Mantra beginnt mit Om, Hum, Gam, Glaum und „Haridra-Ganapataye“, gefolgt von „Vara varada sarvajana-

16.157 hridayam stambhaya stambhaya svaha“: „Erlesener Segenspender, hemme die Herzen aller Menschen, hemme sie, Svaha.“ Er wird als zweiunddreißigsilbig bezeichnet. Madana ist der Seher und Anushtubh das Versmaß.

16.158 Haridra-Ganapa ist die Gottheit. Die sechs Glieder werden mit der Keimsilbe und den sechs langen Vokalen gebildet. Der Mantra wird für Brahmanen und die weiteren Berechtigten genannt.

16.159 Nun erkläre ich das Verfahren seines Empfangs. Am vierten Tag der hellen Monatshälfte

16.160 wird reine Kurkuma herbeigebracht, von einem Mädchen fein zermahlen, auf den ganzen Körper aufgetragen und danach mit reinem Wasser abgewaschen.

16.161 Mit höchster Hingabe und heiterem Inneren werden zunächst die Lotusfüße des Gurus ordnungsgemäß verehrt, mit goldenem Ring, Halsketten, Schmuck und schönen Kleidern.

16.162 Von ihm wird nach der bereits genannten Ordnung der heilige Mantra empfangen. Danach wird er mit duftenden Blumen wie eine Gottheit verehrt.

16.163 Haridra-Ganapa wird gelb gekleidet, gelbfarbig, mit gelbem Duftstoff gesalbt, mit gelben Blumen verehrt und auf einem Juwelenthron sitzend meditiert.

16.164 Er trägt gelben Schmuck, hat drei Augen und sechs Arme. Seine Hände zeigen Segen, Furchtlosigkeit und die Zornesgeste und tragen Elefantenhaken, Schlinge und Axt.

16.165 Mit reinem Geist wird der Herr Haridra-Ganapa so meditiert. Auf dem zuvor genannten Sitz wird er mit den Gliedern, Müttern und Richtungsherren verehrt. [Die Glosse nennt als Lesart „beim Einsilbigen“.]

16.166 Nach vierhunderttausend Rezitationen folgt ein Feueropfer mit einem Zehntel dieser Zahl aus Reis, vermischt mit Kurkumapulver. Danach werden Brahmanen bewirtet.

16.167 Es folgt eine weitere Rezitation von etwas mehr als tausend Wiederholungen, dazu ein Zehntel als Feueropfer aus gut bereiteten Kuchen mit Ghee und Rohrzucker.

16.168 Ebenso oft wird Haridra-Ganapa mit hingebungsvollem Tarpana verehrt. Mädchen und enthaltsame Schüler werden entsprechend bewirtet.

16.169 Das gewünschte Ergebnis werde sicher erlangt. Ein Puffreisopfer soll einem Mann eine Braut und einem Mädchen einen Bräutigam verschaffen.

16.170 Für eine unfruchtbare Frau nach dem Bad am Ende der Menstruation wird die Verehrung Ganadhipas beschrieben. Steinsalz, Vacha und Kurkuma werden in einem Pala Kuhurin zerrieben,

16.171 tausendmal mit Mantras besprochen, und Mädchen sowie Schüler mit Modakas bewirtet. Nach dem Trinken der Zubereitung werde der Frau ein Sohn geboren, ein „Meer guter Eigenschaften“. [Historische Fruchtbarkeitsbehauptung; keine Empfehlung, diese Stoffmischung einzunehmen.]

16.172 Der verehrte Mantra soll Rede und Gegner zum Stillstand bringen sowie Wasser, Feuer, Löwen, Diebe, Waffen und weitere Gefahren hemmen.

16.173 Damit sind acht Ganapa-Formen der südlichen Überlieferung beschrieben.

Kolophon: So endet im von Shiva verkündeten Meru-Tantra, gebilligt von Shri Mahamaya und Mahakala, der sechzehnte Prakāśa über die Ganapati-Mantras der südlichen Überlieferung.

Siebzehnter Prakāśa: Ganesha-Mantras der oberen Überlieferung

17.1 Ishvara sprach: Nun erkläre ich die Vollendung verleihenden Ganesha-Formen der oberen Überlieferung. Höre zunächst von Mahaganapati, der Genuss und Befreiung gewährt.

17.2 Der Mantra beginnt mit Tara, der Shri-Keimsilbe, Hrillekha, Kama, der Erd-Keimsilbe und der Ganesha-Keimsilbe; danach folgen „Ganapataye vara vara-

17.3 da sarvajanam me vashamanaya svaha“. Er wird als achtundzwanzigsilbig bezeichnet; sein Seher ist Ganaka. [Die Trennung von „varada“ über die Versgrenze wird im Zusammenhang gelesen.]

17.4 Nivrit-Gayatri ist das Versmaß und Mahaganapati die Gottheit. Gam ist die Keimsilbe, Hrim die Kraft; Ga wird mit den sechs langen Vokalen verbunden.

17.5 Die sechs Glieder werden mit den sechs bei Om beginnenden Keimsilben einzeln und mit den entsprechenden Schlussformeln gebildet.

17.6 Alternativ werden Finger-Nyasa und sechs Glieder mit der eigenen Keimsilbe, vorangestelltem Om und den sechs langen Vokalen ausgeführt.

17.7 Die zweiundzwanzig Silben des bei „Ganapati“ beginnenden Mantra-Teils werden auf Brahmarandhra, die beiden Ohren, die Augen, die Nasenöffnungen und den Mund gelegt,

17.8 dann auf den Ansatz des rechten Arms, seine Mitte, das Handgelenk, die Fingerwurzeln und die Fingerspitzen; ebenso auf den linken Arm.

17.9 So werden die folgenden Silben zugeordnet; danach folgen die übrigen auf Manipura, Svadhishthana und Muladhara. [Die Aufzählung enthält eine Wiederholung und macht die vollständige Zählung nicht eindeutig.]

17.10 Om wird auf die Ferse gelegt, Shri auf den Mund, Hrim auf das Herz, Shrim auf den After, Glaum auf die Füße und die Keimsilbe erneut auf das Herz und die einzelnen Glieder. [Die wiederholte Shri-Zuordnung bleibt wie überliefert.]

17.11 Mit den verbleibenden Mantra-Silben erfolgt der den ganzen Körper umfassende Nyasa. Nach dieser Einsetzung wird die Gottheit im Herzen betrachtet.

17.12 In einem Meer aus Zuckerrohrsaft liegt eine glückverheißende Insel aus neun Edelsteinen; ihr kühler Boden wird vom glitzernden Wasser der Wellen gewaschen.

17.13 Dufttragender Wind, von den Eigenschaften dieses Wassers erfüllt, umspielt sie. Herabfallende Blüten der Wunschbäume schmücken sie.

17.14 Sie ist mit vielerlei Blüten und Früchten übersät, von zahlreichen Vögeln belebt und von Scharen himmlischer Tänzerinnen besucht.

17.15 Tausend Flammenkränze und aufsteigendes Mondlicht erfüllen sie; glänzende Rubinflächen lassen ihren Boden rötlich leuchten.

17.16 In den Blüten der Wunschbäume erklingt das liebliche Summen der Bienen. In ihrer Mitte wird der Parijata-Wunschbaum betrachtet.

17.17 Unter ihm wird ein aus neun Edelsteinen bestehender, mit Blüten geschmückter Thron vorgestellt. [Die zusätzliche Angabe „yugapatte … shatkena“ zur Konstruktion ist nicht eindeutig.]

17.18 In dessen Mitte steht der Buchstabenlotus, darin ein sechsspeichiges Diagramm und in der Lotusmitte Ganesha als Mahaganapati.

17.19 Er ist mit verschiedenem Juwelenschmuck versehen, hat einen Stoßzahn und ein Elefantengesicht. In seinen Lotushänden trägt er Diskus, Elefantenhaken, Lotus, Zitrusfrucht, Keule, Bogen und Spieß.

17.20 Seine Shakti, die einen Lotus emporhält, umarmt ihn. Der segensreiche Herr trägt die Mondsichel auf dem Haupt, ist dreiäugig, strahlend und ein Quell des Mitgefühls.

17.21 Mit dem Rüssel hält er einen juwelenbesetzten Krug empor, aus dessen Öffnung beständig Edelsteine, Perlen, Korallen und weitere Kostbarkeiten strömen,

17.22 rings vor dem Gesicht des Übenden. Mit den Bewegungen seiner Ohren vertreibt er immer wieder Bienenschwärme, die nach seiner Schläfenflüssigkeit verlangen.

17.23 Von Göttern und Asuras verehrt, leuchtet er mit einer Krone aus kostbaren Edelsteinen, elefantengesichtig und mit vielerlei Schmuck versehen. [Die zusätzliche Körperbezeichnung „urukara“ ist nicht sicher deutbar.]

17.24 Nach dieser Meditation wird Ganapati mit allen Verehrungsgaben auf dem zuvor beschriebenen Sitz aus Dharma und weiteren Kräften verehrt, der die neun Shaktis von Tivra an enthält.

17.25 Das Verehrungs-Yantra Ganeshas heißt Matrika-Lotus. Es ist von drei Quadraten mit vier Toren umgeben.

17.26 In seiner Mitte steht ein Sechseck, darin ein Dreieck. Vor der Gottheit, außerhalb des Dreiecks, werden die weiteren Gottheiten mit ihren Mantras verehrt.

17.27 Für Lakshmi-Narayana wird Om Shrim vorangestellt und Namah angefügt. Mit dieser Formel wird das Paar verehrt und unter einem Bilva-Baum stehend meditiert.

17.28 Lakshmi trägt zwei Lotusse, Hari Muschelhorn und Diskus. Für Gauri und Hara wird „Om hrim gauriharabhyam namah“ als neunsilbiger Mantra angegeben. [Der Gauri-Name ist in der Vorlage beschädigt.]

17.29 Dieses Paar wird rechts von der Gottheit verehrt, gold- und silberglänzend. [Die Ortsangabe „jatadhastat“ ist nicht sicher lesbar; kein Baumname ergänzt.]

17.30 Die Göttin trägt Schlinge und Elefantenhaken, Hara Beil und Spieß. Für Rati und Kama wird „Om klim ratikamabhyam namah“ als neunsilbiger Mantra genannt.

17.31 Hinter der Hauptgottheit, unter einem Pippala-Baum, werden Rati und Kama verehrt: mit zwei gestielten blauen Lotussen beziehungsweise Bogen und Blütenpfeilen.

17.32 „Om glaum mahivarahabhyam namah“ wird als zehnsilbig bezeichnet. Im Norden, unter einem Priyangu-Baum, werden Mahi und Varaha verehrt.

17.33 Ihre Arme tragen die genannten Attribute sowie Keule und Diskus. [Die ersten Attribute „shukravijyagraka“ sind beschädigt.] Für Lakshmi und Ganaka folgt „Om gam lakshmiganakabhyam namah“, als zehnsilbiger Mantra bezeichnet.

17.34 Das mit Lakshmi verbundene Ganaka-Paar wird vor der Hauptgottheit im Dreieck verehrt. In den sechs Ecken werden die jeweiligen Mantras mit Om Gam beginnend und Namah endend gesprochen.

17.35 In der vorderen Ecke wird Amoda mit Siddhi verehrt, in der Feuerecke Pramoda mit Samriddhi.

17.36 In der Ishana-Ecke wird Sumukha mit Kanti verehrt, in der westlichen Ecke Durmukha mit Madanavati.

17.37 In der südwestlichen Ecke steht Vighna mit Madadrava, in der nordwestlichen Vighnakartar mit Dravini.

17.38 Die weiblichen Kräfte tragen Schlinge und Elefantenhaken und gewähren Furchtlosigkeit. Sie sind rot, mit roten Kleidern, Salben und Schmuck versehen und von Wonne beziehungsweise Rausch bewegt.

17.39 Außerhalb des Sechsecks wird rechts der Schatz Shankha mit Vasudhara verehrt,

17.40 links der Schatz Padma mit Vasumati. Der erste gleicht Perlen, der zweite Rubinen. Wie Wolken lassen sie beständig Ströme von Reichtum auf die Menschen niedergehen.

17.41 Auf den Staubfäden werden die Glieder verehrt, auf den Blättern Brahmi und die weiteren Mütter, im Quadrat die Weltenhüter und ihre Waffen wie zuvor. So wird die Gottheit mit sechs Verehrungskreisen verehrt.

17.42 Mit Hingabe erfolgen hundertelftausend Rezitationen. Ein Zehntel davon wird als Feueropfer mit den acht beim einsilbigen Mantra genannten Stoffen dargebracht. [Die Glosse erläutert eine archaische grammatische Form.]

17.43 Danach folgen Tarpana in einem Zehntel der Opferzahl und die Weihe mit dem Mantra. Brahmanen werden mit Speisen der sechs Geschmacksrichtungen bewirtet, reich vergütet, verehrt und entlassen. So soll der Mantra vollendet werden.

17.44 Anschließend wird der Guru ordnungsgemäß verehrt und sorgfältig zufriedengestellt. Erst danach werden wunschbezogene Rituale vollzogen; andernfalls komme es nicht zu Vollendung.

17.45 Nach Verehrung Ganapas mit roten Blumen folgen achttausend Rezitationen und danach ein Feueropfer mit Karavira-Blüten,

17.46 in einem Zehntel der Rezitationszahl, versehen mit den drei süßen Stoffen. Dadurch, so die Quelle, werde ein König mitsamt seinen Ministern zum folgsamen Diener.

17.47 Entsprechende Opfer mit Palasha-Blüten und den drei süßen Stoffen sollen alle Hindernisse unter Kontrolle bringen.

17.48 Ein beherrschter Mantra-Kundiger soll durch entsprechende Ghee-Opfer großen und lang anhaltenden Ruhm erlangen.

17.49 Opfer mit Ghee getränktem Getreide sollen zur Stellung eines Ministers führen. Danach beschreibt die Quelle tausendacht Rezitationen und ein Opfer aus Salz, Ghee und alkoholischem Getränk, dessen Asche gereinigt wird.

17.50 Diese Asche werde mit Ghee in die Hand genommen und gegen eine Frau geschlagen beziehungsweise auf sie geworfen. Der Text behauptet, sie werde dadurch bis zum Tod gefügiger als eine Dienerin. [Historisches Ritual sexueller beziehungsweise persönlicher Unterwerfung; keine Billigung von Zwang oder Gewalt.]

17.51 Hunderttausend Rezitationen in einem Shiva-Heiligtum und ein Feueropfer mit einem Zehntel dieser Zahl aus Milchspeise und den drei süßen Stoffen sollen vielfältige Güter, Genuss und Befreiung gewähren.

17.52 Tausendacht Opfer mit Jati-Blüten sollen dem Übenden Gedächtniskraft und Einsicht in die Bedeutung des Veda verleihen.

17.53 Dreißigtausend Opfer aus Durva und Ghee sollen vorzeitigen Tod und Krankheit beseitigen und das Leben verlängern.

17.54 Zehntausend Opfer mit gelben Blumen und Ghee sollen eine feindliche Armee mitsamt Dienern, Elefanten und Kämpfern lähmen. Auch das Anhalten von Strömen und von Rede wird behauptet.

17.55 Dreißigtausend Opfer mit Bibhitaka-Holz sollen Scharen von Feinden sowie die Bewohner von Dorf, Land oder Stadt vertreiben.

17.56 Tausendacht Opfer mit Arushka-Holz sollen Witwen hinsichtlich ihres Lebens und Vermögens unter Einfluss bringen. [„Randa“ ist eine abwertende historische Bezeichnung für Witwen beziehungsweise alleinstehende Frauen.]

17.57 Zum Entzweien zweier Menschen beschreibt die Quelle ihre Namenseintragung auf Neem-Blättern, einmal mit Pferde-, einmal mit Büffelblut. [Die Glosse erläutert, dass „Blut“ beim zweiten Tier sinngemäß ergänzt wird.]

17.58 Es folgen zwanzigtausend Opfer mit scharfem Öl; an den Mantra wird eine Formel mit den Namen beider Personen angefügt,

17.59 mit der Aufforderung „Entzweie diese Person mit jener, Svaha“. Abseits vollzogen, soll das Ritual zwischen Freunden lebenszerstörende Feindschaft hervorrufen.

17.60 Ein weiteres Schädigungsritual nennt einen acht Finger langen menschlichen Knochen als Pflock, umwickelt mit Leichenhaar und tausendachtmal mit Mantras besprochen.

17.61 Er wird nachts zur Kulika-Zeit am Tor des Gegners verehrt. Nach sieben Tagen werde dieser, so die Quelle, „Gast Yamas“, also sterben. [Historische Schadensmagie, keine Handlungsanweisung für heutige Praxis.]

17.62 Hunderttausend Rezitationen am Eingang einer Naga-Höhle sollen bewirken, dass tausende Naga-Mädchen erscheinen,

17.63 ohne Scheu und nach Genuss verlangend. Sie geben Rasayana, Edelsteine und Juwelen sowie das jeweils Gewünschte.

17.64 Hunderttausend Rezitationen auf einem Berggipfel bei festem Gelübde sollen die von Göttern und Asuras begehrte Schwert-Vollendung verleihen.

17.65 Die Quelle nennt eine Mischung aus Kampfer, Lajjalu, weißer Girikarnika, Nandyavarta und Madhupushpi,

17.66 die zerrieben, zu einer Pille geformt und zwanzigtausendmal besprochen wird. Als Augensalbe verwendet, soll sie verborgene Schätze sichtbar machen. [Historische magische Rezeptangabe; keine Empfehlung, Pflanzenmischungen am Auge anzuwenden.]

17.67 Nach hundertacht Rezitationen wird ein von Schmerz gequälter Kranker dreimal angeblasen. Dies soll jeden Schmerz beseitigen.

17.68 An einem geschützten, angenehmen und mit Kuhdung bestrichenen Ort wird nach dem Bad ein neuer, mit Sandelholz und weiteren Stoffen bestrichener Krug aufgestellt,

17.69 mit duftendem Wasser gefüllt und mit einer Schale verschlossen. Darauf wird eine mit dem Ghee einer braunen Kuh gefüllte Lampe gesetzt.

17.70 Die Lampe und ein Mädchen beziehungsweise ein Junge werden mit Verehrungsgaben geehrt. Unter Berührung der dort sitzenden Person folgen hundertacht Rezitationen.

17.71 Beim Blick in die Lampe soll das Kind alles über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aussprechen können. [Überlieferte Orakelvorstellung.]

17.72 Alternativ wird vor der Lampe Mahaganapati meditiert und rezitiert. Dann soll Ganesha im Traum Glück und Unglück anzeigen.

17.73 Rezitation während einer Finsternis im Wasser soll die Fähigkeit verleihen, Getreide, Tiere und Frauen anzuziehen. [Die Quelle behandelt diese unterschiedlichen Ziele in derselben Aufzählung.]

17.74 Hunderttausend Rezitationen unter einem Nyagrodha-Baum sollen die Yakshini Vata herbeirufen, die Geld und weitere Güter herbeischafft.

17.75 Nach nächtlichem Fasten und ordnungsgemäßem Bad wird Vacha herbeigebracht. Nach Ganesha-Verehrung wird die Pflanze berührt und der Mantra zehntausendmal rezitiert.

17.76 Danach wird sie pulverisiert; die Quelle nennt die Einnahme eines Karsha zusammen mit dem Ghee einer braunen Kuh am Morgen. Innerhalb von sieben Tagen werde der Betreffende zum Dichter.

17.77 Dies werde sicher geschehen. Nun folgt ein Quecksilberverfahren. Zunächst werde Quecksilber hundertachtmal in einem Tuch gereinigt. [Der folgende Abschnitt dokumentiert historische Alchemie mit giftigen Stoffen; keine Herstellungs- oder Einnahmeempfehlung.]

17.78 Die Quelle beschreibt eintägiges Verreiben mit Saft von Baumwollblättern, Kumari und Akashavalli, bis das Material silberähnlich werde.

17.79 Danach nennt sie gereinigtes Kupfer, Gold und Eisen in einer teilweise beschädigten Verhältnisfolge. [Die Zuordnung von doppeltem, anderthalbfachem und halbem Anteil ist nicht verlässlich; keine praktisch verwendbare Rezeptur rekonstruiert.]

17.80 Es folgt die Beschreibung einer rußartigen Masse und weiterer Bearbeitung mit Baumwoll- und Kumari-Flüssigkeit sowie saurer Getreideflüssigkeit während eines Tages.

17.81 Daraus wird eine Kugel gebildet und in der sauren Flüssigkeit aufbewahrt. Nach hunderttausend Mantra-Rezitationen in einem Shiva-Heiligtum gelte sie als vollendet.

17.82 Im Mund getragen soll sie Sieg im Kampf und Unverwundbarkeit gegenüber allen Wesen und Waffen verleihen.

17.83 Auch Schlangen- und andere Gifte könnten ihren Träger angeblich nicht töten; sein Körper werde diamantfest, und er erlange die Fähigkeit, sich im Himmel zu bewegen. [Diese Behauptungen begründen keinen Schutz vor Verletzungen oder Vergiftungen.]

17.84 Er werde schattenlos, unsichtbar und könne im Wasser gehen. In dem Haus, in dem die Kugel aufbewahrt werde, bleibe Lakshmi beständig; nach dem Wunsch des Übenden könne sie auch die Sicht anderer hemmen.

17.85 Ein weiteres Verfahren nennt Brahmadandi und Lajjalu, an einem Sonntag unter Pushya gesammelt, sowie Vajranuka und drei Metalle, die damit verrieben werden.

17.86 Sobald die Masse rußartig ist, wird daraus eine Kugel geformt. [Die Stoffbezeichnung Vajranuka bleibt ungesichert.]

17.87 Nach Ganesha-Verehrung wird die Kugel aufgenommen; der Übende betrachtet sie entsprechend, hält sie in der Hand und rezitiert den Mantra.

17.88 Getragen im Mund, im Haarschopf, an der Hand oder an der Schulter, soll sie Diebe, Tiger, Schlangen und weitere Gefahren fernhalten.

17.89 Der Übende werde nicht von Hindernissen überwältigt; Könige würden ihm gefügig, und schönen Frauen werde er besonders lieb. [Magische Wirkungszuschreibungen der Quelle.]

17.90 Eine weitere Mischung nennt zu gleichen Teilen Dhattura, Rochana, Shankhapushpi, weiße Aparajita, Sahadevi, Brahmadandi, Kampfer und dunkles Agarholz.

17.91 Sie wird zerrieben, zu einer Kugel geformt und mit zwölftausend Rezitationen verbunden. Als Stirnzeichen soll sie durch Ganeshas Macht Menschen verblenden. [Die Quelle nennt unter anderem den giftigen Stechapfel; das Rezept wird nicht als Kosmetik empfohlen.]

17.92 Dirghatunda und Amrita werden an einem Sonntag unter Pushya gesammelt und zerrieben. Mit ihrem Pulver werden die Hände bestrichen, begleitet von tausendacht

17.93 Mantra-Wiederholungen. Zeigt man Elefanten diese Hände, so sollen selbst Tiere von Airavatas Größe fliehen.

17.94 Wenn ein König Elefanten fangen möchte, beschreibt der Text zunächst die Errichtung einer festen Elefantenfanghalle im Elefantenwald.

17.95 Sie sei groß, quadratisch und fest eingefriedet. Darin werde eine erhöhte quadratische Fläche angelegt, in deren nördlichem Bereich die vorgeschriebene Feuergrube und ein Sarvatobhadra-Mandala eingerichtet werden.

17.96 Ganapa wird mit vielerlei Gaben verehrt und die äußere Aufstellung vorgenommen. Je drei Opfer folgen mit Tara, Shri, Maya und Kama, sodann mit Glaum, Gam und „Ganapataye“.

17.97 Ebenso wird mit „Vara varada“ und „Sarvajanam me vashamanaya svaha“ geopfert. Insgesamt werden siebenundzwanzig Gaben mit Opferholz und Kuh-Ghee genannt.

17.98 Darauf folgen drei Opfer mit dem Samriddhi-Mantra. Bhuh, Bhuvah, Svah sowie Agni und Jatavedas werden genannt; anschließend neun Opfer mit dem Grundmantra. [Die genaue Zuordnung der eingeschobenen Namen zur Formel ist verkürzt.]

17.99 Mit dem ganzen Grundmantra erfolgen Wiederholungen entsprechend seiner Silbenzahl und Opfer aus Ghee sowie aus den acht Stoffen mit den drei süßen Zutaten.

17.100 Täglich werden zahlreiche Brahmanen entsprechend der Zahl der Gottheiten des Kultortes bewirtet; durch deren Segenswünsche werde das Vorhaben gestärkt.

17.101 Der Guru erhalte fünfzig Elefanten, deren Gegenwert oder ein Zehntel davon als Vergütung und werde so zufriedengestellt.

17.102 Mit den jeweiligen Mantras werden Ghee-Opfer für die vier Gottheitenpaare, die sechs Ganeshas, das Schatzpaar, die Glieder, die Mütter und die Richtungsherren dargebracht.

17.103 Die vier Paare sind Lakshmi und Narayana, Gauri und Hara, Kama und Rati sowie Prithvi und Varaha.

17.104 Es folgen Siddhi und Amoda, Riddhi und Pramoda, Sumukha mit Kanti sowie Durmukha mit seiner geliebten Madanavati,

17.105 Vighna mit Madanadrava und Vighnakartar mit Dravini. Dies sind die sechs Ganeshas; hinzu kommen die beiden Schätze

17.106 Shankha und Padma. Ihre Mantras bestehen aus der jeweiligen Keimsilbe, dem Namen und Namah. Nach Abschluss des Feueropfers wird die Speisegabe dargebracht.

17.107 Vighnesha wird noch einmal samt Gliedern und Verehrungskreis geehrt und dann ins eigene Herz zurückgenommen. Danach kann der Übende nach Belieben gehen.

17.108 Nach vierundvierzig Tagen sollen durch Vinayakas Macht Elefanten und hunderte Jungtiere in die Fangstätte geraten,

17.109 ebenso Scharen von Elefantenkühen, wie Wasser in einen Krug fällt. In der beschriebenen Feuergrube wird Ganesha in der genannten Gestalt verehrt.

17.110 Darin wird Feuer entzündet; hunderttausend Opfer mit Blumen, Milch, Ghee, Zucker

17.111 und Honig werden genannt, mit jedem Stoff gesondert. [Die anschließende Stoffbezeichnung ist beschädigt.] Aus der Mitte der Feuergrube soll eine „Vetala“ genannte Kugel hervortreten.

17.112 Wer sie erlangt, werde zum Herrn der Fähigkeiten von Anima an. Es folgt eine weitere Vorschrift: Zur Brahma-Stunde am Neumondtag erhebt sich der Übende

17.113 und nimmt Kuhdung einer braunen Kuh; außerdem wird ein als „padmakhanda“ bezeichnetes Stück genannt. Zehntausend Rezitationen und das Vergraben am Tor sollen Tiger, Eber, Feinde und Diebe fernhalten. [Die Materialfügung ist nicht eindeutig.]

17.114 Eine weitere Mischung nennt Jati, Dhattura, Manjishtha, Pracanda und Hastayojini; danach folgen beschädigte Angaben zu Haarspitze, Ohrbereich, Haut, Zunge und Augen,

17.115 sowie zu Nase und Geruchsbereich. Daraus werde eine Pille bereitet und unter Berührung tausendachtmal mit Mantras besprochen. [Die Stoffliste ist nicht zuverlässig lesbar; keine verwendbare Rezeptur rekonstruiert.]

17.116 Die Quelle nennt sehr kleine Mengen, verglichen mit Gunja-, Gersten- und Senfkörnern, und behauptet, die Einnahme durch eine Frau bewirke Unterwerfung. [Historisches Zwangsritual mit potenziell giftigen Stoffen; keine Anwendungsempfehlung.]

17.117 Tausendacht Rezitationen bei beherrschten Sinnen und ein Feueropfer von einem Zehntel dieser Zahl aus Puffreis und Oleanderblüten sollen eine Braut aus guter Familie verschaffen. Danach folgt die Meditation Vinayakas.

17.118 Nach Verehrung mit Duftstoff und weiteren Gaben sollen hunderttausend Mantra-Wiederholungen aus Fesseln befreien. Anschließend wird eine Mischung mit Bilva-Blüten genannt,

17.119 Tagara, Devadaru, Priyangu, Agarholz, Sandelholz und Nagakeshara zu gleichen Teilen, mit Honig verbunden.

17.120 Daraus wird eine Kugel geformt und unter Berührung achttausendmal rezitiert. Die so als vollendet geltende Kugel soll als Räucherstoff Krankheit vertreiben.

17.121 Ihr Rauch soll einen Mittellosen wohlhabend und beliebt machen, einer unglücklichen Frau Glück und einem Mädchen einen Gatten verschaffen.

17.122 Hunderttausend Rezitationen an einem Gewässer sollen nach sieben Tagen Regen bewirken. Nun höre die wunschbezogenen Anwendungen eines Feueropfers von hunderttausend Gaben.

17.123 Kuhmilch als Opfer soll Kühe, Honig Gold, Ghee Fülle und Zucker Milch verschaffen. [Die letzte Zielangabe lautet „payase“ und wird entsprechend wiedergegeben.]

17.124 Dickmilch soll jedes Gedeihen, Ghee-Speise vermehrte Nahrung, Puffreis Ruhm und Sesam mit Reis Vermögen gewähren.

17.125 Saflor- oder Oleanderblüten werden für den Erwerb von Kleidern genannt; Gerste soll einen König, blaue Lotusse dessen Frau unter Einfluss bringen.

17.126 Weiße Wasserlilien sollen den Minister beeinflussen. Ein weiteres Ritual nennt ein Abbild aus einem als „pitrija“ bezeichneten Material zur Unterwerfung einer Frau. [Die Materialbezeichnung ist unklar.] Danach werden Banyan, Plaksha und Udumbara genannt.

17.127 Mit Opferholz dieser Bäume sollen die sozialen Stände von den Brahmanen an beeinflusst werden. Ein Salzopfer wird gegen ausbleibenden Regen genannt.

17.128 Dadurch soll Trockenheit enden und reichlicher Regen entstehen. Nun erkläre ich die Farben, in denen Mahaganapati für die wunschbezogenen Handlungen vorgestellt wird.

17.129 Gelb beim Hemmen, rot beim Unterwerfen, rauchfarben beim Vertreiben, schwarz beim Töten, tiefrot beim Anziehen, blassrot beim Entzweien, grün beim Erwerb von Vermögen und weiß zur Befreiung.

17.130 Nun erkläre ich das Tarpana Ganeshas, das jede gewünschte Frucht gewähren soll. Die Zahl wird zunächst durch die Zahlwörter „Tri-Veda“ bezeichnet. [Die genaue Zahlenverbindung ist an dieser Stelle nicht eindeutig.]

17.131 An einem abgeschiedenen, menschenleeren, angenehmen und ungestörten Ort, nach Bad und den übrigen Reinigungen sowie dem zuvor beschriebenen Nyasa,

17.132 wird in der Mitte eines Teichs ein blühender Lotuswald vorgestellt. Darin steht ein großer Lotus, der jungen Sonne gleich,

17.133 erhaben, duftend, schön und herzerfreuend, eben erst aufgeblüht. So wird er entsprechend der zuvor beschriebenen Mantra-Meditation betrachtet.

17.134 Auf einer reinen silbernen Treppe steigt die Gottheit aus der Sonnenscheibe herab und nimmt in der Lotusmitte Platz. [Die Verbfolge der Vorlage ist unregelmäßig; dies ist der erkennbare Ablauf.]

17.135 So wird Mahaganapati samt seinem Kreis meditiert und wie zuvor mit erlesenen Duftstoffen und Blumen verehrt. [Die Glosse ergänzt „ich erfreue durch Tarpana“.]

17.136 Man stellt sich vor, dass er die Spitze seines Rüssels auf den Kopf des Übenden legt und Juwelenströme herabregnen lässt. Auf das Haupt der Gottheit

17.137 werden mit Kampfer, Sandelholz, Safran und Moschus versetzte Wassergaben dargebracht, mit höchster Hingabe und heiterem Geist.

17.138 Nach dem jeweils angegebenen Namen wird „tarpayami“, „ich erfreue beziehungsweise tränke“, gesprochen. Nun höre die Ordnung des vedischen Tarpana.

17.139 Der vedisch Übende fügt nach „tarpayami“ Svaha an; ein anderer spricht Namah, ebenso der Anhänger des linken Weges.

17.140 Nach dem Grundmantra und dem Namen Mahaganapati werden zuerst zehn Tarpana-Gaben auf das Haupt der Gottheit dargebracht.

17.141 Danach sind die Gaben jeweils vierfach zu verstehen. Zunächst wird mit einer einzelnen Silbe des Grundmantras Tarpana vollzogen,

17.142 darauf viermal mit dem vollständigen Grundmantra. Auf diese Weise entstehen sechsundfünfzig Vierergruppen von Tarpana-Gaben.

17.143 Nach erneutem Tarpana mit dem Grundmantra folgen die Paare. Die Formel lautet: „Ich erfreue diese Göttin, verbunden mit jenem Gott.“ Dazwischen wird wieder der Grundmantra verwendet. [Die Glosse ergänzt die instrumentale Verbindung „mit jenem“.]

17.144 Dann heißt es: „Ich erfreue diesen Gott, verbunden mit jener Göttin.“ Wieder folgt der Grundmantra. So entstehen auch hier Vierergruppen.

17.145 Ebenso wird für die sechs Ganeshas mit ihren Gemahlinnen verfahren; dazwischen steht Tarpana mit dem Grundmantra. Die Zahl der Vierergruppen wird durch „Jina“ bezeichnet, gewöhnlich vierundzwanzig.

17.146 Vasundhara ist die Gemahlin des Schatzes Shankha, Vasumati diejenige Padmas. Mit beiden und dem dazwischengeschalteten Grundmantra entstehen acht Tarpana-Einheiten.

17.147 Danach folgt erneut Tarpana mit dem Grundmantra. Die Gesamtzahl wird in zwei Zahlwortfolgen angegeben. [„Bhu-bhu-catushka“ und „Veda-veda-krita“ lassen sich in dieser gestörten Fügung nicht sicher miteinander verbinden; keine Gesamtrechnung ergänzt.]

17.148 Nun erkläre ich die für tantrische Übende geeignete Tarpana-Ordnung. Zunächst erfolgt Tarpana mit dem Grundmantra, dann mit den einzelnen Mantra-Silben.

17.149 Es folgt eine Zahlwortreihe aus wiederholtem Bhu, Ku, zweimal fünf und zweimal Dik; dazwischen steht jeweils der Grundmantra. [Die Zuordnung dieser Zahlen zu den zuvor genannten Teilen ist nicht eindeutig; die Vierergruppierung wird am Schluss erneut erwähnt.]

17.150 Nach erneutem Tarpana mit dem Grundmantra folgt die Verehrung der Waffen Ganeshas, mit dazwischengeschalteter Formel. Ihre Reihenfolge wird nun genannt.

17.151 Zunächst wird die zugehörige Keimsilbe, dann Om ausgesprochen, danach „von solcher Wesensart“ und „diesem … Verehrung“.

17.152 Es folgt „Verehrung; ich erfreue diesen …, Svaha“. Dann werden Vighna, Bhum, Om, Rama, Maya, Shrim, Hrim, Klim, Vasudha und Gam genannt. [Die Glosse erklärt eine ungewöhnliche Kasusform von „Bhu“.]

17.153 An elfter Stelle werden die sechs Keimsilben Ganeshas gesprochen. Danach werden Mantra, Frucht, Kraft und Bindung des Lebenshauchs genannt,

17.154 ferner Durchdringung des Chakra, Tara, Erd-Wissen und die drei Welten. Diese gelten als Wesenszuordnungen; nun nenne ich ihre Gegenstände. [Die Zuordnung der Namen aus 152–154 ist im Wortlaut nicht vollständig aufgeschlüsselt.]

17.155 Zitrusfrucht, Axt, Bogen, Dreizack, Diskus, Lotus, Schlinge, blauer Lotus sowie eine beschädigte Verbindung zu Elefant und Stoßzahn,

17.156 ferner der Juwelenkrug im Rüssel: So werden die Waffen beziehungsweise Attribute bestimmt. Insgesamt entstehen zweiundzwanzig Tarpana-Einheiten.

17.157 Nach den sechs Keimsilben wird der jeweilige Name im Dativ gesprochen, sodann der gesamte Grundmantra. Darauf folgt „Ich erfreue diesen Ganapa, Svaha“, jeweils mit dazwischengeschaltetem Grundmantra.

17.158 Genannt werden Vighna, Vinayaka, Vira, Shura, Varada, Ibhavakra, Ekadanta, Lambodara und Ganeshvara,

17.159 Kshipraprasadana und Mahaganapati. Der Text zählt danach zwanzig Vierergruppen. Anschließend folgen die Gottheitenpaare. [Elf Namen und zwanzig Vierergruppen passen ohne weitere Erläuterung nicht unmittelbar zusammen; keine Namen gestrichen.]

17.160 Zuerst wird die Keimsilbe des jeweiligen Paars, dann die Ganeshas gesprochen. Das Paar wird wie zuvor angerufen, mit dazwischengeschaltetem Grundmantra.

17.161 Shrim, Hrim, Klim und Glaum sind die vier Keimsilben der Paare in ihrer Reihenfolge. Daraus entstehen sechzehn Vierergruppen.

17.162 Die Vinayakas werden mit voran- und nachgestellter Shri- und Ganesha-Keimsilbe durch Tarpana verehrt; dazwischen steht der Grundmantra. Die Vierergruppen werden wieder mit der Zahl „Jina“, vierundzwanzig, bezeichnet.

17.163 Wie zuvor erfolgt die Darbringung mit jeweils dazwischengeschaltetem Grundmantra. Vasundhara und Shankha werden mit Hrim und Gam verehrt.

17.164 Zuerst wird die weibliche, zuletzt die männliche Gestalt genannt; dabei werden die Keimsilben entsprechend umgekehrt. Für Vasumati und Padma lauten sie Glaum und Gam.

17.165 So entstehen acht Tarpana-Einheiten; am Ende folgt der Grundmantra. Die Gesamtzahl wird durch „Veda-Veda-Abdhi“, also vierhundertvierundvierzig, bezeichnet.

17.166 Bei einer kürzeren Form wird zunächst viermal mit dem Grundmantra Tarpana vollzogen; danach folgen die Paare, jeweils mit ihrer eigenen Keimsilbe beginnend und Svaha endend.

17.167 Dann folgen die sechs Ganapas und die beiden Schätze, dazwischen jeweils vier Wiederholungen des Grundmantras. Dies wird als kurzes Tarpana mit hundertacht Gaben bezeichnet.

17.168 Mahaganapati, Pushti, die vier Paare, die sechs Ganeshas und das Schatzpaar werden als dreizehn Einheiten zusammengefasst. [Die Zählung behandelt offenbar Verbindungen als Einheiten; die genaue Stellung Pushtis ist verkürzt.]

17.169 Diese werden ungetrennt verehrt, mit Grundmantra-Tarpana dazwischen; daraus werden zweihundertacht Gaben. Mit dem Grundmantra zusätzlich am Anfang und Ende

17.170 entsteht die Zahl zweihundertsechzehn. Dies gilt als mittleres Tarpana Mahaganapatis.

17.171 Alternativ beginnt man wie zuvor mit Tarpana durch den Grundmantra, dann mit jeder einzelnen seiner Silben,

17.172 jeweils unter Einschaltung des Grundmantras und vierfacher Darbringung. Die Zahl wird mit „Gaja-Ashvineya“, achtundzwanzig, bezeichnet; danach

17.173 folgt nochmals die mittlere Form. Dies wird als vollständiges tantrisch-vedisches Tarpana Mahaganapatis bezeichnet.

17.174 Nun werden nach Wunschziel und Körperglied verschiedene Tarpana-Formen beschrieben. Für Befreiung wird die Gottheit am Rüssel mit reinem Wasser erfreut.

17.175 Wer Fülle wünscht, bringt Kuhmilch auf Gajananas Haupt dar; für Begehren beziehungsweise Lust wird Honig im verborgenen Körperbereich genannt.

17.176 Honig an den Augen soll Anziehung und Unterwerfung bewirken, Ghee auf dem Rücken einen König beeinflussen.

17.177 Rizinusöl wird für die Unterwerfung einer Witwe genannt; Milch auf der Schulter soll Zuneigung vermehren.

17.178 Milch, Dickmilch und Honig am Rüssel sollen die Nachkommenschaft vermehren. Wer meinen geliebten Ganesha so ordnungsgemäß verehrt, erlange Genuss und Befreiung.

17.179 Durch eben diesen erhabenen Sohn wurde Divodasa vertrieben. Er richtete einen außerhalb des Veda stehenden, dem Kali-Zeitalter genehmen Weg ein

17.180 und führte hier bedeutende Gottheiten der südlichen Überlieferung ein. Durch ihre Verehrung geriet bei den Menschen der jeweils eigene Dharma in Missachtung.

17.181 Wie jemand, der den Geschmack nicht kennt, nach der Frucht des am Baum befindlichen berauschenden Safts verlangt, während er hungernd die auf der Erde liegende essbare Wurzel verschmäht … [Die Vergleichsformulierung ist beschädigt und wird nicht weiter geglättet.]

17.182 So sahen die Menschen Divodasas das rasche Wunder und nahmen innerlich den Dharma des linken Weges und der Kaulas an. [Die Wortverbindung „vamante“ ist unregelmäßig.]

17.183 Das Volk genießt den Dharma des Königs, der König trägt die Verfehlung des Volkes. Durch diese Verfehlung wurde jener König aus Kashi in den Himmel geschickt; durch die Gunst meines Sohnes nahm ich selbst Wohnung in Kashi.

17.184 Welche Gottheiten Ganaka auf dem linken Weg eingesetzt hatte, damit mein Eintritt in Kashi möglich werde, diese wurden von anderen auf entsprechende Weise zufriedengestellt.

17.185 Dabei baten die China-Ganas und ihre Gottheiten um Tarpana nach dem linken Weg. Ich gewährte es ihnen und legte es in den Tantras dar.

17.186 Kshatriyas und andere, die diesem Weg hingegeben sind, werden Viras; Frauen werden Yoginis. Ein Brahmane aber solle ihn meiden. [Standesbezogene Vorschrift dieser Erzählung.]

17.187 Als am Ende der Herrschaft Divodasas das Kali-Zeitalter eintrat, wurden die auf dem vedischen Weg handelnden Zweimalgeborenen von ihnen bedrängt.

17.188 Aus Furcht vor diesen Übeltätern suchten sie Zuflucht im Himalaya. Doch auch dort wurden sie angegriffen, mit dem Ziel, ihren Dharma zu zerstören.

17.189 Da priesen mich die Brahmanen mit vielen vedischen Hymnen. In ihrer Mitte erschien mein Linga mit einem Gesicht.

17.190 Bei seinem Anblick warfen sich die Viras mit acht Gliedern zu Boden und sprachen: „Herr der Götter, den von dir gelehrten Weg

17.191 missachten diese törichten Veda-Anhänger. Wir bemühen uns um ihre Erhebung. Dieses Karana ist läuternder als Ganga-Wasser! [Karana bezeichnet hier im Kontext die rituelle berauschende Flüssigkeit.]

17.192 Dieses Fleisch ist reiner, schmackhafter und nährender als Knollen, Wurzeln und Früchte. Wir geben es zur Erhebung der Dreimalgeborenen.

17.193 Die Fische stammen aus verschiedenen heiligen Gewässern, werden durch vielerlei Riten bereitet und gewähren Genuss und Befreiung. Wir bemühen uns, sie ihnen zu geben.

17.194 Der Inbegriff des Wesentlichen in dieser wesenlosen Welt sind die Frauen mit Gazellenaugen: Du, o Gott, hast eine in deine eigene Körperhälfte aufgenommen, Vishnu in sein Herz,

17.195 Brahma auf seinen Schoß und der Götterkönig auf seinen Sitz. Aus Mitgefühl, o Vater, bemühen wir uns, sie diesen Menschen zu geben.

17.196 Ebenso bemühen wir uns, Mudras zu geben, verbunden mit sechs Fleischarten, sechs Speisen, sechs heiligen Gewässern, den Gottheiten, sechs Düften und sechs Geschmacksrichtungen.

17.197 Doch sie nehmen all dies nicht an – wie Tiere, die Gras fressen und die beste Speise in einem goldenen Gefäß verschmähen!“ [Die Rede der Viras wird als Figurenrede der Erzählung wiedergegeben, nicht als heutige Bewertung von Menschen oder als Billigung der Verfügbarkeit von Frauen.]

17.198 Da sprach ich zum Schutz der Grundlage des Dharma: „Hört, ihr Viras, mein Wort, das von Mitgefühl für alle Lebewesen erfüllt ist!

17.199 In diesem sündhaften Kali-Zeitalter sollen die Menschen nicht auf den Kaula-Weg geführt werden. Unter zehn der allerkleinsten Lebensformen entsteht nur eine höhere Geburt.

17.200 Aus zehn Wurmgeburten entsteht eine Maus oder ein ähnliches Tier, aus zehn solcher Geburten eine Katze oder ein ähnliches Wesen.

17.201 Unter zehn davon wird eines zum Vogel, unter zehn Vogelgeburten eines zu einer Wildtierart.

17.202 Unter zehn solcher Geburten wird eines zum Büffel oder Stier, unter zehn davon eines zum Esel oder Kamel,

17.203 unter zehn davon eines zum Pferd oder einem ähnlichen Tier, unter zehn davon eines zum Menschen oder Elefanten.

17.204 Bedenkt dies stets im Hinblick auf die jeweilige Lebensdauer! Auch unter diesen Menschen entsteht nur ein Einzelner,

17.205 der sich auf irgendeinen Dharma stützt und meint: Ich bin befreit. Unter zehn davon entsteht einer innerhalb eines sozialen Standes,

17.206 unter zehn davon einer in einer als Anuloma geltenden Abstammungsverbindung, unter zehn davon einer als Zweimalgeborener.

17.207 Unter zehn Zweimalgeborenen wird mit Mühe einer zum gelehrten Brahmanen, unter zehn davon einer, der in den vorgeschriebenen Handlungen gefestigt ist.

17.208 Unter zehn Handelnden wird einer von guter Lebensführung, unter zehn davon einer zum Yogi, o Kind.

17.209 Unter zehn Yogis wird einer zum Erkennenden; unter zehn Erkennenden wird vielleicht einer befreit – vielleicht auch nicht.

17.210 So schwer ist Befreiung zu erlangen, und dieser Kreislauf besteht lange fort. Würden alle den Kaula-Weg betreten und dadurch befreit, wäre Brahmas Schöpfung rasch vernichtet.“ [Die abgestufte Geburtenlehre und die soziale Hierarchie gehören zur Argumentation der Erzählung.]

17.211 Durch diese Rede getäuscht, tanzten die vom Rausch verblendeten Viras. „Wir sind befreit, wir sind befreit!“ riefen sie und schlugen einander kraftvoll.

17.212 Wieder froh geworden, sprachen sie: „Ach, ihr Pashus seid in die tiefste Hölle geraten!“ [Pashu, wörtlich gebundenes Wesen oder Tier, ist hier eine polemische Gruppenbezeichnung.]

17.213 „Erbittet von uns einen Segen für eure Erhebung in einer anderen Geburt!“ Darauf erbaten die erfreuten Brahmanen diesen Segen:

17.214 „Möge unser Geist ohne Abweichen an jenem Kapalin Freude finden, der uns hier in Linga-Gestalt erscheint!“

17.215 Als die Viras dies hörten, sagten sie: „Wahr werde, was diese Pashus hier erbeten haben!

17.216 Warum lassen sie uns, die Herren Brahmas, Vishnus, Maheshas, Shaktis, der Sonne und der übrigen Götter, beiseite und erbitten so etwas?

17.217 Für den Vira gibt es berauschenden Trank, Mantra, Mudra, Fisch und Fleisch. Welch armselige Wahl! Wir Kaulas schenken Genuss und Befreiung; durch Genuss kommt uns Befreiung zu, doch diese Pashus haben sie verworfen.

17.218 Die Freude, die bei der Vereinigung von Linga und Yoni erfahren wird, verehrt den inneren Atman; dadurch werde man augenblicklich befreit.

17.219 Was nach vielerlei Riten bereitet dem Bauchfeuer geopfert wird, erfreut den inneren Atman; ist er dadurch zufrieden, tritt Befreiung ein. [Die Lesung „phalam“ bezeichnet hier Frucht beziehungsweise Ergebnis; die genaue Verbindung ist unregelmäßig.]

17.220 Sobald der selbst Nektar übertreffende berauschende Trank zum Herzen gelangt, verschwinden sämtliche leidvollen Bindungen, und Befreiung tritt ein.

17.221 Sobald der Duft der Mudra die Nase erreicht … Der Fisch wird als Essenz der Unsterblichkeit bezeichnet.

17.222 Wenn sein Genuss Unsterblichkeit bringt, was fehlt dann gegenüber dem vedischen Weg? Hört, ihr Pashus, dieses Wort, die Essenz des Tantra!

17.223 Ob gelehrt oder töricht, eingeweiht oder nicht: Wer hunderttausend Mudras vollzieht, soll Befreiung erlangen.

17.224 Die Ausführung der Mudras muss allerdings erlernt werden. Die großen Göttinnen von Chamunda an und die mächtigen Bhairavas

17.225 werden durch Mudras zufriedengestellt, nicht durch Verehrung mit Blumen und Ähnlichem. Wer die acht Mudras vollzogen hat, hat die große Verehrung vollbracht.

17.226 Die Stufe, die er erlangt, erreichen weder Brahma noch Shankara. Schon durch den Anblick von tausend Yonis komme sichere Befreiung.

17.227 Einst tadelte Vishnu den Kaula-Weg. Durch diese Verfehlung wurde er als Dasharathas Sohn geboren. [Ein zusätzliches „matta“ ist in der Vorlage nicht eindeutig anzuschließen.]

17.228 Weil er Shakti geschmäht hatte, wurde seine Sita von einem Rakshasa geraubt; Leiden und immer neue Trennung trafen ihn.

17.229 Nachdem er wieder einen erhabenen Leib erlangt hatte, übte er Askese. Danach wurde er im Hirtenstamm geboren und diente fortwährend Shakti.

17.230 In einer Hälfte seiner Gestalt genoss er beständig berauschenden Trank und Opfergaben; durch den Anblick der Yonis von sechzehntausend Frauen wurde er

17.231 zur Befreiung befähigt. Hört, ihr Pashus, dieses heilsame Wort! Ohne Fleisch, ohne …, ohne Fisch und geschlechtliche Vereinigung,

17.232 ohne Mudra oder eines dieser Elemente sei das Erstrebte nicht zu verwirklichen. Was haben diese Pashus also eigentlich erbeten?“ [In 231 steht „masa“, Monat, wo die Reihe ein weiteres Ritualelement erwarten lässt; keine stille Ergänzung von „madya“. Die Behauptungen von 211–232 gehören zur Rede der Viras, deren Selbstverständnis die Rahmenerzählung kritisch behandelt.]

17.233 Als die Viras so gesprochen hatten, antworteten die Seher, deren Gelübde gerühmt werden, innerlich erfreut und mit friedvollen Worten:

17.234 „Wir Brahmanen sind offenbar Pashus, deren Leben von pflanzlicher Speise abhängt. Ihr seid Löwen, die wie Löwen stets Fleisch genießen.

17.235 Wie Weidetiere allein durch Gras satt werden, so wir durch unsere Speise. Fleisch zu essen, sind wir nicht imstande.

17.236 Wie Löwen Fleisch und keine Getreidespeise als Nahrung haben, so ist Fleisch und Ähnliches die Nahrung der Vira-Löwen.“

17.237 Nach dieser Antwort sagten die Viras zu Maheshvara: „Diese Pashus in Brahmanengestalt möchten dir dienen.

17.238 Darum sei du Pashupati und bleibe hier in Nepal!“ Danach tranken sie wieder berauschenden Trank und wurden trunken.

17.239 Da erfreuten mich die Brahmanen mit vielerlei Hymnen, und ich sprach zu ihnen: „Wählt einen Segen, wählt!“

17.240 Sie antworteten: „O Gott, wie kann im Kali-Zeitalter Befreiung erlangt werden? Lehre uns den Dharma, durch den uns Heil zuteilwird!“

17.241 Auf diese Bitte erklärte ich die Wahrheit: „Ohne Erkenntnis gibt es hier keine Befreiung, ohne Dharma keine Erkenntnis. Darum, ihr Zweimalgeborenen, vollzieht täglich die vom Veda gelehrten Handlungen!

17.242 Wie ein mit Teig verborgener Angelhaken zum Fang von Fischen ausgeworfen wird, so verhält es sich mit dem Dienst an den Tantras.

17.243 Wenn ein Fisch durch glückliche Fügung den Teig verzehrt, ohne erfasst zu werden, wird er satt und bleibt am Leben.

17.244 Ebenso werden auf dem linken Weg diejenigen befreit, deren Verfehlungen im Feuer der Erkenntnis verbrannt sind; andere nicht. Darum soll er gemieden werden.

17.245 Die dem linken, außerhalb des Veda stehenden Weg Ergebenen loben ihren eigenen Dharma. Ihren Worten soll nicht gefolgt werden.

17.246 Wer in diesem furchtbaren Kali-Zeitalter nach seinen Möglichkeiten dem vedischen Weg dient, für den gibt es keine erneute Geburt im Kali-Zeitalter.

17.247 Nicht Yamas Welt, nicht die Hölle und nicht die Unterwelt sind damit gemeint: Als Brahmane im Kali-Zeitalter geboren zu werden, gilt hier selbst als Hölle.“ [Zuspitzende Polemik des Erzählabschnitts, nicht allgemeines Urteil dieser Ausgabe über tantrische Wege.]

17.248 Nun werde ich die Gottheiten erklären, die Ganesha für das gute Werk der Vertreibung Divodasas herbeigeführt hat.

17.249 Sie sind mir und Parvati lieb. Auf Ganeshas Geheiß erhob sich auch der verbrannte Kama erneut

17.250 und trat im Haus Divodasas in die Herzen aller ein. Ich erkläre seine Mantras, die in beiden Welten Frucht verleihen.

17.251 Zunächst gilt Klim als sein einsilbiger Keim-Mantra. Sammohana ist der Seher, Gayatri das Versmaß und Smara die Gottheit. Die sechs Glieder werden mit Keimsilbe und sechs langen Vokalen gebildet.

17.252 Er wird rot gekleidet, rotfarbig und mit rotem Duftstoff gesalbt meditiert, mit einer Krone und Schmuck aus vielerlei Edelsteinen geschmückt, glückverheißend.

17.253 „Ich betrachte Kamadeva, auf einem roten Lotus sitzend, mit Schlinge, Elefantenhaken, Zuckerrohrbogen und Blütenpfeilen in den Händen.“

17.254 Ein achtblättriger Lotus wird angelegt; in seiner Mitte wird Ananga verehrt. In der Lotusmitte liegt ein sechsblättriger Bereich, dessen Ecken die Glieder zugeordnet sind.

17.255 Vor der Gottheit beginnend bis zur Mitte werden auf den Staubfäden Mohini, Kshobhini, Trasini, Stambhini,

17.256 Akarshini, Dravini, Hradini, Klinna und Kledini verehrt. Im sechsblättrigen Bereich folgen Namen, die mit Madana, Ananga, Manmatha und Kusuma beginnen,

17.257 sowie Anangakusumatura, Anangashishira, Anangamekhala und Anangadipika. [Die Worttrennung der ersten Namen und die Zuordnung zur Sechserzahl sind in der Vorlage nicht eindeutig.]

17.258 Alle werden mit Lotus in der Hand und geschmückt meditiert. Außen folgt ein sechzehnblättriger Lotus; vor sich beginnend verehrt man

17.259 Yuvati, Vipralambha, Jyotsna, Sura, Madadrava, Surata, Varuni, Lola, Lila und Saudamani,

17.260 Kamachatra, Chandrarekha, Shuki, Madana, Yoni und Mayavati: junge Frauen mit lächelnden Gesichtern,

17.261 mit Wasserlilien in den Händen, von Liebessehnsucht erfüllt. An den Blattspitzen werden Kamas Begleiter verehrt: Vilasa, Vibhrama, Moha und Shoka,

17.262 Madanatura, Apatrapa, Yuvan, Chandana, Ratipriya, Cutapushpa, Grishma, Tapana und Urjaka,

17.263 Hemanta und Shishira sowie ein als „Madante“ überlieferter Name. Sie tragen Blütenpfeile und Köcher, sind rot und mit ihrem Sinn Frauen zugewandt,

17.264 mit Zuckerrohrbogen versehen. Außen werden in einem achtblättrigen Lotus Parabhu, Sarasaksha, Shuka und Megha verehrt,

17.265 Apanga, Uruvilasa, Hinacira und Ratipriya. In den vier Ecken der äußeren Einfriedung stehen

17.266 Madhavi, Malati, Harinakshi und Madotkata: dunkel, geschmückt, mit weißen Wedeln in den Händen.

17.267 Außerhalb folgen Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Vajra und die weiteren Waffen. Wer Smara so mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben verehrt,

17.268 erlange unvergleichliches Glück, die gewünschten Genüsse und große Fülle. Als vorbereitende Praxis werden zwölf Lakhs, also 1.200.000 Wiederholungen, genannt.

17.269 Ein Zehntel davon wird als Feueropfer aus Kimshuka-Blüten mit den drei süßen Stoffen dargebracht. Danach folgen Tarpana, Besprengung und die Bewirtung von Brahmanen.

17.270 Anschließend werden Guru und Brahmanen geehrt und zufriedengestellt. Nach dieser Mantra-Vollendung folgen die Anwendungen.

17.271 Tausendacht Opfer mit Ashoka-Blüten und den drei süßen Stoffen während dreier Tage sollen bewirken, dass der Übende allen lieb wird.

17.272 Mit diesem Mantra werden in einem ordnungsgemäß verehrten Feuer hundertacht Kuh-Ghee-Opfer unter Gewinnung der Sampata-Tropfen dargebracht.

17.273 Wird das so behandelte Ghee der eigenen Frau zu essen gegeben, werde sie, behauptet die Quelle, Geburt um Geburt den Anweisungen des Mannes folgen. [Historisches Unterwerfungsritual, keine Empfehlung für Beziehungen.]

17.274 Tägliche Opfer mit dickmilchbenetztem Puffreis während eines Mandala-Zeitraums sollen dem Übenden seine Wünsche erfüllen; ein Mädchen erlange einen geliebten Gatten.

17.275 Nun erkläre ich den Vollendung verleihenden Mala-Mantra Kamadevas. Er beginnt mit „Namah kamadevaya sarvajanapriyaya“, „Verehrung Kamadeva, der allen Menschen lieb ist“,

17.276 gefolgt von „Sarvajanasammohanaya“, „der alle Menschen bezaubert“, sowie „Jvaladvahnimaya, prajvala sarvajanasya hridayam mama

17.277 vasham kuru kuru svaha“: „Du aus loderndem Feuer, entflamme die Herzen aller Menschen, bringe sie unter meinen Einfluss, Svaha.“ Die Silbenzahl wird mit Naga und Krita, achtundvierzig, bezeichnet. Die sechs Glieder werden mit Klim und den sechs langen Vokalen gebildet.

17.278 Zunächst werden an den Fingern Kamas Silben vergegenwärtigt: die Göttin Dravini mit Dram und Kshobhini mit einer als „Drom“ überlieferten Keimsilbe.

17.279 Es folgen Vashikari mit Klim, Maheshvari mit der Verbindung Krum und Klim, Akarshini mit Sah sowie Sammohini mit Ham. [Die genaue Verteilung der mittleren Keimsilben ist in der Vorlage gestört.]

17.280 Kama, Manmatha, Kandarpa, Makaradhvaja und Minaketu werden auf die fünf Glieder und auf die Finger gelegt.

17.281 Vierzig Mantra-Silben werden auf die bei A beginnenden Matrika-Stellen gelegt; die Nase und weitere Körperglieder werden dabei gesondert genannt. [Die Ortsverbindung ist beschädigt.]

17.282 Auf Bauch, Herz, Kehle, Mund und Nase werden jeweils drei Silben gelegt; die verbleibenden werden übergreifend auf den Körper bezogen. [Die Zählung ist mit den vorher genannten vierzig Silben nicht vollständig erläutert.]

17.283 Mit dem ganzen Mantra folgt erneut der umfassende Nyasa. Danach wird der große Nyasa der Matrika-Buchstaben vollzogen.

17.284 Eine Silbe wird von der Kama-Keimsilbe umschlossen, danach das jeweilige Paar mit der Dual-Dativ-Endung und Namah genannt und auf die Matrika-Körperstellen gelegt.

17.285 Kama wird mit Rati, Kamada mit Priti, Kama mit Kanta und Kantimat mit Mohini eingesetzt.

17.286 Es folgen Kamanga mit Kamala, Kamacara mit Vilasini, Kama mit Kalpana, Kamuka mit Shyamala und Kamavardhana mit Shucismita.

17.287 Vishalaksha steht mit Rama, Ramana mit Lolajihvika, Ratinatha mit Digambara, Atiratipriya mit Rama, Ratrinatha mit Kubjika und Ramakanta mit Kanta.

17.288 Ramamana steht mit Nitya, Nishakara mit Kalparupa, Nandaka mit Bhogini, Nandana mit Kamada, Nandin mit Sulocana und Nandayat mit Pralapini.

17.289 Es folgen Panchabana und Madani, Ratibhanga und Kalipriya, Pushpadhanvan und Mrigakshi, Mahadhanu und Sumukha, Kramana und Nalini sowie Bhramana und Yajini.

17.290 Manmatha steht mit Madana, ein als „Morbhang“ überlieferter Name mit Mala, Shanta mit Mugdha und Bhramaka mit Rama.

17.291 Shringa steht mit Bhrama, Bhrantacara mit Lola, Bhramavaha mit Chancala und Mohana mit Dirghajihva.

17.292 Es folgen Modaka und Ratipriya, Lola und Mohakshi, Mohavardhana und Shringini sowie Madana und Patala.

17.293 Manmatha steht mit Madana, Matanga mit Mala, Bhringanayaka mit Hamsini und Gayaka mit Vishvatomukhi.

17.294 Genannt werden Gitijna und Jagadananda, Nartaka und Ramani, Kshvelaka mit Kanti sowie Unmatta mit Kalakanthika.

17.295 Es folgen Matta mit Vrikodara, Vilasin mit Shyama und Lobhavardhana mit Sarvottama. Nach der Einsetzung werden sie meditiert. [Die Namensreihen 285–295 enthalten mehrere unregelmäßige Formen; sie werden in ihrem lesbaren Umfang erhalten, nicht anhand fremder Listen vereinheitlicht.]

17.296 Verehrung und weitere Handlungen erfolgen wie zuvor, auf dem Krishna-Sitz. Auch die Anwendungen werden entsprechend den bei Krishna-Gopala genannten vollzogen.

17.297 Am dreizehnten Tag der hellen Monatshälfte, wenn dieser auf einen Montag fällt, werden tausendacht Wiederholungen und Betel genannt, der vom Rüssel eines Elefanten gegessen wurde.

17.298 Dies soll Männlichkeit, einen guten Sohn und das Erweichen der Geliebten bewirken. Nun folgt Kamas Gayatri; Verehrung und Nyasa entsprechen dem einsilbigen Mantra. Als Seher gilt Vatsyayana.

17.299 „Wir erkennen Kamadeva; wir meditieren den Träger der Blütenpfeile. Möge Ananga uns anregen!“

17.300 Sechsundneunzigtausend Wiederholungen werden genannt. Dadurch sollen alle Wünsche und im Jenseits ein guter Weg erlangt werden.

17.301 Zuerst wurde Kama von Ganesha in die Frauengemächer König Divodasas gesandt und trat in die Herzen der Frauen ein.

17.302 Darauf verdrängte er den Dharma und drang in das Herz des Königs. Als dessen Dharma schwach geworden war und ihn ein Fluch traf, wurde er aus Kashi vertrieben.

17.303 Es folgt eine knappe Aussage über Kama, Ganesha und Shiva; ihr erster Satzteil ist beschädigt. „Weil Vishnu von Kama erfüllt ist, darum ist Kama der Weg der Guten.“ [Die vorherige Rang- beziehungsweise Vergleichsaussage wird nicht ergänzt.]

17.304 Als Kama in die Frauengemächer eingetreten war, wurde Ganapa von Divodasas Glanz bedrängt und bemühte sich um Unterstützung.

17.305 Da meditierte er Mahakala und die ewige Mahamaya. Durch ihre Macht schaute er den höchsten Herrn.

17.306 In ihm entstand eine bestimmte Silbenreihe des Brahman-Verkünders. Diese rezitierte er ein Jahr lang in Losgelöstheit.

17.307 Am Ufer der Manikarnika erschienen ihm die Vollendungen. Darum wurde er in Kashi als Siddhivinayaka bekannt.

17.308 Zur Vollendung der Menschen nahm er verschiedene Gestalten an; dort ließ er Habgier, Hass und die übrigen Regungen einziehen. [Der zweite Halbvers führt die Verblendungserzählung fort.]

17.309 Dieser Mantra wird als Bezeichnung von „Kola“ und als Befreiung verleihend beschrieben. Durch seine Gunst wurde Divodasa mit seiner verborgenen Streitmacht in das Geschehen verwickelt. [Die Wortfolge um „guptasena“ und „prapancita“ ist nicht eindeutig; keine neue Deutung der Erzählung ergänzt.]

17.310 Deshalb wurde dieser Prapancha-Mantra in den Tantras offengelegt. Zur Erhebung der Nichtbrahmanen habe ich ihn als Gayatri gelehrt.

17.311 Alle diese Mantras, o Götter, führen zur Vereinigung mit der Gottheit. Fünf sind in ihm enthalten; aus ihnen habe ich den Mantra gebildet.

17.312 Er gehört zum Bereich der fünf Überlieferungsrichtungen. Nun erkläre ich ihn: Zuerst steht Om, der Mantra, der Mahakala bezeichnet.

17.313 Hrillekha bezeichnet Mahamaya. „Hamsa“, das lebendige Selbst bezeichnend, bildet als zweisilbiger Mantra den dritten Bestandteil.

17.314 Die von den Weisen so genannte Erkenntnis, welche die karmische Bindung des lebendigen Selbst durchschneidet, ist „Soham“, „Ich bin Das“: der vierte, zweisilbige Mantra.

17.315 Woraus die Erscheinungswelt hervorgegangen ist und was die Götter erfreut, ist „Svaha“, der fünfte zweisilbige Mantra.

17.316 So wird dieser König der Mantras als achtsilbig bestimmt. Brahma, von dem die Erscheinungswelt ihren Anfang nimmt, gilt als sein Seher.

17.317 Weil er den Singenden schützt, heißt sein Versmaß Gayatri. Obwohl er einer ist, hat sein Glanz kein Ende. Als Gottheit gilt das mit dem höchsten Wort bezeichnete höchste Licht.

17.318 Zunächst wird der schlichte Matrika-Nyasa ausgeführt, als zweiter der Matrika-Nyasa mit Bindu,

17.319 als dritter der mit den Kalas beginnende Matrika-Nyasa und als vierter der Nyasa der bei Keshava beginnenden Matrika-Zuordnungen.

17.320 Der fünfte Nyasa besteht aus Shiva und Shakti, der sechste aus den Matrika-Buchstaben mit vorangestellter Maya-Keimsilbe.

17.321 Der siebte beginnt mit der Shri-Keimsilbe, der achte mit der Kama-Keimsilbe vor den Matrika-Buchstaben.

17.322 Beim neunten werden Hrim, Rama und Kama vorangestellt; der zehnte verbindet die Matrika-Buchstaben mit dem Prapancha-Mantra.

17.323 Weil Kala alles durchdringt, gibt es hier keine besondere Gestaltmeditation und keine äußere Verehrung.

17.324 Die vorbereitende Praxis dieses Mantras beträgt achthunderttausend Wiederholungen. Danach werden Ugratara und weitere besonders furchterregende Mantras genannt.

17.325 Wer einen solchen Mantra von diesem umschlossen so oft rezitiert, wie seine Silbenzahl in Lakhs beträgt, dem erscheine die Mantra-Gottheit und werde zum Diener. Durch Mahakalas Macht stehe er den Himmelsbewohnern nicht nach. [Die Glosse erläutert ausdrücklich „nicht geringer“.]

17.326 Die acht Opferstoffe sind Holz von Banyan, Plaksha, Pippala und Udumbara, dazu Sesam, weißer Senf, Ghee und Opferspeise.

17.327 Für das Feueropfer werden Brahmanen verehrt; danach gelte der Mantra als vollendet, und alle Vorhaben gelängen. Nun werden die Anwendungen erklärt.

17.328 Je nach Aufgabe werden hunderttausend oder fünfzigtausend Feueropfer mit den acht Stoffen vorgeschrieben.

17.329 Bei Furcht vor Dieben und Feinden, Krankheit sowie Schlangen- oder Rakshasa-Einwirkung werden vierhundert, zweihundert oder hundert Opfer genannt.

17.330 Bei kleineren Krankheiten werden je nach Art der Störung sechstausend Opfer mit den acht Stoffen vorgesehen.

17.331 Die doppelte oder vierfache Zahl soll Besessenheit durch Geister und Grahas sowie Kritya-Einwirkungen vernichten.

17.332 Wer auf dem linken oder dem Kaula-Weg Rezitation und Verehrung unter Missachtung der vorgeschriebenen Ordnung vollzieht, werde von Bhairavas und ähnlichen Mächten ergriffen.

17.333 Bei Gedächtnisverlust sollen tausend Opfer mit den acht Stoffen augenblicklich einen Traum beziehungsweise Schlaf hervorrufen. [„Svapna“ lässt beide Bedeutungen zu; der therapeutische Zusammenhang wird nicht erklärt.]

17.334 Je zweitausend Opfer mit jedem der acht Stoffe sollen Fallsucht, Gedächtnisverlust und Auszehrungsleiden beseitigen.

17.335 Wer die acht Stoffe mit den drei süßen Zutaten opfert, dessen Genussfülle werde so groß, dass selbst der Reichtum Indras davor beschämt sei.

17.336 Hunderttausend oder fünfzigtausend solche Opfer sollen innerhalb von drei Jahren die drei Welten unter Einfluss bringen.

17.337 So sind Einflussrituale und weitere Anwendungen mit den acht Stoffen beschrieben. Ihre Steigerung richtet sich nach dem Gewicht der Aufgabe.

17.338 Hunderttausend ordnungsgemäße Opfer mit gereinigtem Sesam sollen schwere Verfehlungen rasch vernichten.

17.339 Hunderttausend Lotusopfer sollen große Fülle, Opferspeise soll Stärkung und Ghee soll Ruhm verleihen.

17.340 Auch ein Feueropfer mit Malati-Blüten soll umfassenden Einfluss gewähren.

17.341 Meersalz wird ebenfalls für Einflussrituale genannt. Danach beschreibt die Quelle das feine Mahlen von Reis,

17.342 dessen Pulver mit den drei süßen Stoffen zu einem Abbild der Zielperson geformt wird. Dieses wird verehrt und berührt.

17.343 Nach hundertacht Wiederholungen der Formel zur Einsetzung des Lebens wird das Abbild geteilt und nachts in der Reihenfolge des Nyasa geopfert.

17.344 Sieben Nächte solchen Handelns sollen einen Mann oder eine Frau unter Einfluss bringen. [Historisches Unterwerfungsritual; keine Empfehlung, den Willen anderer zu missachten.]

17.345 Für ein Abbild aus Meersalz wird dieselbe Wirkung behauptet. Darauf folgt ein weiteres Verfahren mit einem Feuer aus Banyan-Holz und Ghee-Opfern.

17.346 Hundertacht Opfer werden genannt; das Herabgefallene beziehungsweise die Asche wird mit einer aus verschiedenen Pflanzen und den fünf Kuhprodukten bereiteten Mischung verbunden.

17.347 Die Quelle beschreibt deren Erwärmung in einem auf dem Herd stehenden Krug und dieselbe Rezitationszahl. Danach werde das als alle Vollendungen verleihend bezeichnete Mittel entnommen. [Der Stoffübergang zwischen 346 und 347 ist nicht vollständig eindeutig.]

17.348 Als Körperauftrag, Stirnzeichen oder auf dem Kopf getragen soll es alle Störungen augenblicklich vertreiben. [Das erste Anwendungswort „lakshanat“ ist unsicher und wird nicht als Einnahmeanweisung ergänzt.]

17.349 Es soll Geister, Totengeister, Pishachas, Gifte und Krankheiten beseitigen, Einfluss auf Menschen sowie Fülle, Glück und Sieg verleihen.

17.350 Bei einem Feueropfer von tausend Gaben soll der Kundige dem Guru ein Pala oder ein halbes Pala guten Goldes geben.

17.351 Wie die Götter vom Wunschbaum die gewünschte Frucht erlangen, so erlangte Ganapa Vollendung durch den Prapancha-Mantra.

17.352 Hochgestellte Männer des Königs kamen zu ihm. Er wurde zum Verkünder aller Lehrschriften und zum Lehrer der Welt.

17.353 Alle Menschen außer den Brahmanen wurden dem tantrischen Weg zugeordnet; überall fand Verehrung mit den fünf Makaras statt.

17.354 Allmählich breitete sich dies an manchen Orten der Erde aus. Durch die Macht der fünf Makaras und der Mantras wurde auch der König verwirrt.

17.355 Durch Schriften, die in meinem Namen verfasst wurden, wandten sich die Menschen niederen Gottheiten zu. Vom Gebrauch der fünf Makaras eingenommen, sahen sie den Dharma nicht mehr.

17.356 Durch Ganeshas Macht erlangten sie rasch Erfolge und riefen: „Er ist wahrhaft das höchste Brahman, der Herr der Gurus, der Herr der acht Siddhis und in allen Wissensarten bewandert!

17.357 Aus Mitgefühl hat er die vier Veden durchgearbeitet und uns zu unserem Glück den Kaula-Weg gezeigt, der Genuss und Befreiung verleiht.“

17.358 Als die Brahmanen diese Worte der Menschen hörten, gingen sie zu ihm. Er empfing sie gastfreundlich und pries den Agama:

17.359 „O Brahmanen, das Opferwesen beruht vor allem auf der Verletzung von Lebewesen und soll nicht ausgeübt werden. Das vom Guru gelehrte Opfer besteht in den fünf Makaras.

17.360 Auch Askese soll nicht geübt werden, denn sie macht das Selbst leidend. Tantrische Handlungen sind zu vollziehen, niemals vedische.

17.361 Vedische Anhänger werden Pashus genannt, tantrische dagegen zu Lebzeiten Befreite. Sie vollziehen die inneren Handlungen. Bedenkt diese Wahrheit!

17.362 Was man gibt, erhält man: Das bestätigen Veden und Lehrschriften. Wie sollte man Glück erlangen, indem man sich selbst Leiden zufügt?

17.363 Großes Glück muss aus dem Samen des Glücks entstehen, ihr hervorragenden Brahmanen! Nehmt darum den Kaula-Weg an, der in beiden Welten Glück bringt; werdet befreit und gebt jene vedischen Handlungen auf!

17.364 Viele Jahre, Tage und Nächte habt ihr sie bereits vollzogen. Habt ihr dabei irgendeine Vollendung gesehen? Hier seht sie unmittelbar!

17.365 Das im Tantra gelehrte Pranagnihotra lässt die sechs Handlungen offenbar werden. Gebt jenes Agnihotra auf, vollzieht dieses und seht!“

17.366 Als sie diese Worte hörten, wurden sie durch Sarasvati verblendet, gaben den ganzen vedischen Weg auf und traten in den linken und den Kaula-Weg ein. [Die Rahmenerzählung bewertet die zuvor wiedergegebene Rede ausdrücklich als Verblendung.]

17.367 Nun erkläre ich das von Ganesha gezeigte Pranagnihotra: Für Erkennende bringt es rasche Vollendung, für andere raschen Fall. Die Ritualbeschreibung beginnt mit aufrechtem Sitzen im Lotussitz auf einem sehr weichen Sitz, nach Osten gewandt, innerlich heiter und gesammelt.

17.368 Im Muladhara wird ein Dreieck als Gestalt der Shakti betrachtet; in seiner Mitte die Maya-Keimsilbe, bestehend aus den Gunas.

17.369 Von der vorderen Ecke aus werden in den drei Ecken weitere Dreiecke vorgestellt. In ihrer Mitte wird Ha als Verkörperung von Sattva meditiert.

17.370 Innerhalb des Ha leuchtet Bewusstsein wie die Sonne. Dieses Licht wird als von dem sattvahaften Ha umschlossen betrachtet.

17.371 Ha ist mit dem rajashaften langen I verbunden; beide werden vom tamashaften R umgeben.

17.372 Nach dieser Meditation im Muladhara werden dort fünf Feuergruben vorgestellt: in der Mitte, im Osten, Westen, Norden und Süden. [Die Vorlage nummeriert diesen Vers irrtümlich 272.]

17.373 In ihnen brennen stets Feuer. Von der Mitte aus und dann von Osten an werden diese fünf Feuer genannt:

17.374 Avasathya, Satya, Garhapatya, Ahavaniya und als fünftes Anvaharya. [Die Bezeichnung „Satya“ wird wie überliefert erhalten.]

17.375 Sie sind Quellen von Lichtnetzen, von der Natur der Erkenntnis, makellos, im Dvadashanta gegenwärtig und wie die Sonnen am Weltende zu betrachten.

17.376 Die Matrika-Buchstaben werden als Ghee in umgekehrter Reihenfolge darin geopfert. Die erste Gruppe nennt Tram, Ksham, Ham, Sam und Sham mit retroflexem S. [Das zusätzliche „tram“ ist auffällig; keine Streichung zur Anpassung an andere Alphabete.]

17.377 Diese werden smaragdgleich betrachtet und sollen Erkenntnis der Lehrschriften verleihen. Sham mit palatalem S, Vam, Lam, Ram und Yam gleichen dem Gomedha-Edelstein; diese fünf gehören Rahu und sollen Sieg im Kampf geben.

17.378 Mam, Bham, Bam, Pham und Pam gehören Shani. Sie werden saphirgleich betrachtet und sollen Mantra-Vollendung gewähren.

17.379 Nam, Dham, Dam, Tham und Tam mit dentalen Lauten werden korallengleich vorgestellt. Sie gehören Bhauma und sollen Erfolg beim Spiel, im Streit und am Königshof verleihen.

17.380 Die retroflexen Laute ṇaṃ, ḍhaṃ, ḍaṃ, ṭhaṃ und ṭaṃ gehören Shukra; sie werden diamantgleich betrachtet und sollen Reisevorhaben begünstigen.

17.381 Ñam, Jham, Jam, Cham und Cam leuchten wie Topas. Sie gehören Guru und gelten als günstig für Heirat und ähnliche Vorhaben.

17.382 Ṅam, Gham, Gam, Kham und Kam werden katzenaugengleich betrachtet. Sie gehören Ketu und sollen Feinde vernichten.

17.383 Es folgen zwei Vokalreihen: aḥ, aṃ, auṃ, oṃ, aiṃ, e, ḷṃ, ḹṃ, perlenähnlich; danach ṛṃ, ṝṃ, ūṃ, uṃ, īṃ, āṃ, aṃ, sonnen- beziehungsweise diamantähnlich. Diese sollen königliche Vorhaben fördern. [Die Vorlage enthält Auslassungen und eine unklare Verbindung zwischen Sonnen- und Diamantvergleich; keine Vokale ergänzt.]

17.384 Nach der Meditation der Buchstaben mit ihren Planetenzuordnungen erfolgt das innere Opfer. Für Avasathya nennt die Vorlage kṣaṃ, śaṃ, maṃ, naṃ, ṇaṃ, ñaṃ, ṅaṃ, aḥ, eṃ und ūṃ.

17.385 Für die Satya-Grube folgen laṃ, vaṃ, bhaṃ, dhaṃ, ḍhaṃ, jhaṃ, ghaṃ, aṃ, ḷṃ und uṃ; danach haṃ, laṃ, baṃ, daṃ, ḍaṃ, jaṃ, gaṃ, auṃ, ḷṃ und īṃ.

17.386 Diese letzte Reihe gehört nach dem Satzanschluss zum Ahavaniya-Feuer. Für Anvaharya werden saṃ, raṃ, phaṃ, thaṃ, ṭhaṃ, chaṃ, khaṃ, oṃ, ṛṃ und iṃ genannt.

17.387 Für Garhapatya folgen paṃ, yaṃ, paṃ, taṃ, ṭaṃ, caṃ, kaṃ, aiṃ, ṛṃ und āṃ. Die Buchstaben werden in der angegebenen umgekehrten Ordnung geopfert. [Die Reihen 384–387 enthalten Doppelungen und Unregelmäßigkeiten; sie bleiben dokumentiert, ohne zu einem bereinigten Nyasa-System umgebaut zu werden.]

17.388 Vor jede einzelne Silbe treten Om und Maya; danach folgen Hamsa, Soham und Svaha. Mit dieser Formel wird die jeweilige Silbe in der genannten inneren Feuergrube geopfert.

17.389 A wird als Gestalt des höchsten Brahman betrachtet und dann geopfert. Danach wird die gesamte Welt des Lautes, einschließlich aller Lehrschriften, dargebracht.

17.390 In der Avasathya-Grube geschieht dies mit Ham nach der Unterweisung des Gurus. Berührung und die weiteren Eigenschaften der Luft werden mit Yam in der östlichen Grube geopfert.

17.391 Alle sichtbaren Formen werden mit Ram im Westen, alle Geschmäcke mit Vam in der nördlichen Grube geopfert. [Die Quelle nummeriert diesen Vers irrtümlich 291.]

17.392 Alle Gerüche werden mit Lam im Süden geopfert, in den Tag und Nacht lodernden Feuern, die dem Feuer der Weltauflösung gleichen.

17.393 In diesen Gruben wird das Opfer zusammen mit den Matrika-Buchstaben vollzogen. Der Übende erstrahlt als ewig reines Bewusstsein von höchster Wonne.

17.394 Die zuvor beschriebene Folge von Om, Opfer und Rezitation wird fünfzigmal vollzogen, verbunden mit ebenso vielen ordnungsgemäßen Einsetzungen. [Die Anfangsverbindung „dhruvayajna“ ist verkürzt und nicht vollständig eindeutig.]

17.395 Der Mantra-Kundige werde dadurch zu Lebzeiten befreit und langlebig, an Glanz der Sonne gleich, schaffend und auflösend wie Shambhu.

17.396 Wird täglich auf diese Weise gegessen, werden die Bissen der Reihe nach in die inneren Feuer von Garhapatya an geopfert, mit den folgenden fünf, dem Atharva-Parishishta zugeschriebenen Formeln.

17.397 Im Garhapatya: „Die goldfarbenen, reinen, läuternden Kräfte mögen, nachdem sie das Feuer entfaltet und dem Selbst gedient haben, aufwärts gehen. Svaha!“

17.398 Im Anvaharya, beim Apana: „Die himmelsglänzenden läuternden Kräfte mögen, nachdem sie das Feuer entfaltet und dem Selbst gedient haben, aufwärts, abwärts und seitwärts gehen. Svaha!“

17.399 Im Ahavaniya, beim Vyana: „Die roten, reinen, läuternden Kräfte mögen, nachdem sie das Feuer entfaltet und dem Selbst gedient haben, seitwärts, aufwärts und abwärts gehen. Svaha!“

17.400 Im Avasathya, beim Samana: „Die hellglänzenden, reinen, läuternden Kräfte mögen, nachdem sie das Feuer entfaltet und dem Selbst gedient haben, seitwärts, aufwärts und abwärts gleichmäßig gehen. Svaha!“

17.401 Nach diesen Darbringungen wird die folgende Formel gesprochen. Mit dieser inneren Vorstellung wird die gesamte Speise gegessen.

17.402 „Als Vaishvanara geworden opfere ich die vier Arten von Nahrung. Nach der fünften Ordnung möge sie aufwärts, abwärts und seitwärts gehen.“

17.403 Mit Svaha abgeschlossen wird diese Formel als vierunddreißigsilbig bezeichnet. Danach erfolgt schweigend das innere Opfer mit der geweihten Speise.

17.404 Mit der bei „Amrita …“ beginnenden Formel wird ein Schluck Wasser getrunken; danach folgen das vorgeschriebene Achamana und die reine Nachreinigung.

17.405 Von Muladhara bis Dvadashanta wird das lebendige Selbst betrachtet: das All durchdringend, ewig, eines, auf nichts anderes gerichtet,

17.406 in Prakriti gegenwärtig, heilvoll, ohne Anfang, Mitte und Ende, das Höchste. Mit reiner Opfersubstanz wird ihm dargebracht und es dadurch erfreut.

17.407 So nimmt der Mantra-Kundige die als herabfließender Nektar vorgestellte, von den fünfzig Buchstaben durchtränkte Opferspeise auf, während seine fünf inneren Feuer leuchten.

17.408 Wer morgens und abends dieses Pranagnihotra vollzieht, erfahre nie wieder das Leiden des Aufenthalts im Mutterleib. [Befreiungsversprechen der Quelle.]

17.409 Nun erkläre ich die Wahrheit, die der Erhebung eines Kaula dienen soll. Welche Gottheit auch immer auf dem linken Weg verehrt wird,

17.410 durch die fünf Makaras erfreut, gewährt sie dem Übenden das Erstrebte. Brahmanen aber haben nach dieser Textstelle keine Berechtigung zum Gebrauch der fünf Makaras.

17.411 Wer aus Unwissenheit, Verblendung oder durch den Umgang mit einem schlechten Guru an die fünf Makaras gerät, gelange in die Hölle.

17.412 Zu seiner Erhebung erkläre ich das Mittel des Pranagnihotra. Beim Essen von Fleisch wird vorgestellt, dass es in die westliche innere Feuergrube geopfert wird.

17.413 Es wird als Opfer verstanden, das von der Gottheit mit Agni als Mund genossen wird. Beim Geschlechtsverkehr wird der eigene Samen als Ghee betrachtet.

17.414 Damit wird das südliche Feuer als genährt vorgestellt; die Vereinigung wird bis zur Befriedigung der Partnerin vollzogen. [Initiationsgebundene Ritualdeutung der Quelle; die Praxis wird hier sachlich dokumentiert.]

17.415 Der Geist wird auf die volle Wirklichkeit gerichtet; dann kommt es zum Nachlassen der Erregung. Wenn die Gottheit zufrieden ist, gilt die nächtliche Handlung nach dieser Lehre nicht als Verfehlung.

17.416 Mudra wird mit dem Grundmantra in die östliche innere Feuergrube geopfert. Dadurch werde die Gottheit erfreut und der Übende nicht von Verfehlungen überwältigt.

17.417 Berauschender Trank wird in der nördlichen Grube dem Mund der Gottheit dargebracht. Nach dieser Deutung entsteht selbst durch seinen Geruch keine Verfehlung; die Handlung gilt als Dharma.

17.418 Fisch wird in der mittleren Grube unter Meditation des unterseeischen Feuers geopfert. Hat der Übende das Verlangen nach eigenem Genuss aufgegeben, soll dieses Verfahren Genuss und Befreiung verleihen.

17.419 So wurden die Brahmanen unterwiesen und dem linken Weg zugeordnet; durch verschiedene Mantras wurden sie zu Schülern gemacht. Für Erkennende sollten diese Genuss und Befreiung gewähren. [Die Sprecherform der Vorlage ist unregelmäßig; der Erzählzusammenhang bleibt erhalten.]

17.420 Nun wird Vagvadinis Mantra aus drei Kräften erklärt. Er beginnt mit Om, zweimal „vada“, „sprich“, und „Vagvadini“.

17.421 Darauf folgen Hrim, Klim, „Klinne kledini mahakshobham kuru“, dann Sauh, „Moksham kurushva“ und Om: „Du Feuchte, Benetzende, bewirke große Erregung; bewirke Befreiung.“

17.422 Vagvadinis Mantra wird als neunundzwanzigsilbig bezeichnet. Durch Teilungen nach neun, sieben und fünf entstehen daraus drei Mantras. [Die knappe Teilungsangabe erklärt nicht sämtliche Silben; keine zusätzliche Einteilung ergänzt.]

17.423 Ihre Gottheiten sind die drei Sprachgöttinnen Brahmas und der weiteren Götter; sie gelten als Kräfte von Entstehung, Erhaltung und Auflösung.

17.424 Für diese Formel werden weder Verehrung, Gestaltmeditation noch Versmaß und weitere Zuordnungen verlangt. Durch Ganeshas Gunst und Rezitation nach der Silbenzahl in Lakhs

17.425 erlange man rasch Vollendung der Rede. Nachdem das Entstehen oder ein anderer gewünschter Verlauf eines Vorhabens im Herzen vergegenwärtigt ist, wird der betreffende Mantra-Teil rezitiert und die Aussage einmal ausgesprochen. [Die Glossen erläutern diese Satzverbindung.]

17.426 Dann werde diese Rede wahr, ob sie einen Fluch oder einen Segen ausspricht. Durch Schweigen bleibe die Fähigkeit beständig; wer dazu nicht imstande ist, solle wenig sprechen.

17.427 Darauf wurde von Ganesha eine als „dreißig“ bezeichnete Bhairavi-Erklärung gegeben. „Vada vada Vagvadini aim“ wird als ein neunsilbiger Mantra genannt.

17.428 Weiter folgen „Klinne kledini mahabhage kuru“. Bhairavi ist hier die Gottheit; die Rezitation beträgt die Silbenzahl in Lakhs. [Die Verbindung dieser Teile zu der zuvor genannten Dreißig ist nicht ausgeführt.]

17.429 Verehrung, Nyasa und weitere Riten werden nicht verlangt; allein der Gebrauch der fünf Makaras wird zur Vollendung genannt. Dies sei in allen Tantras verborgen.

17.430 Wer dies auf dem Weg des Gurus verstanden hat, gelte als vollendet. Durch diese beiden Mantras seien viele Menschen zu Kaulas gemacht worden.

17.431 Nun erkläre ich die vor Brahmanen geheim zu haltende Tripurabhairavi, die auf dem Kaula-Weg, im linken Weg und im Siddhanta rasche Vollendung verleihen soll.

17.432 Ha, Sa und R, verbunden mit Ai sowie Nada und Bindu, werden als Vagbhava-Zeichengruppe bezeichnet.

17.433 Ha, Sa, Ka und ein weiterer durch „Ravi“ bezeichneter Laut werden mit langem I, Nada und Bindu verbunden. Diese als fünfgliedrig bezeichnete Gruppe heißt Kamaraja. [Die Form „ravau“ ist in der Vorlage unklar; keine vollständige Keimsilbe rekonstruiert.]

17.434 Ha, Sa und R mit Ai und Visarga bilden die dritte, als dreigliedrig bezeichnete Zeichengruppe.

17.435 Für Frauen wird bei der dritten Keimsilbe Bindu statt Visarga genannt.

17.436 Außerdem wird für sie in allen drei Gruppen zuerst Sa und dann Ha gesprochen; so soll ihnen der Mantra zur guten Vollendung erteilt werden. [Der Anschluss von „tribhih“ ist nicht eindeutig.]

17.437 Pankti ist das Versmaß, Dakshinamurti der Seher und Tripurabhairavi die Göttin, deren Lotusfüße von den Göttern verehrt werden.

17.438 Die drei Keimsilben werden auf die Körperbereiche von den Füßen zum Nabel, vom Nabel zum Herzen und vom Herzen zum Scheitel gelegt. [Die mittleren Ortswörter sind in der Vorlage beschädigt; diese Dreiteilung ist aus den erkennbaren Grenzen erschlossen.]

17.439 Die erste wird links, die zweite rechts und die dritte auf beide Seiten gelegt. Aim gehört zum Herzen, Klim zum Kopf und Sauh zum Haarschopf.

17.440 Aim gehört zum Schutzpanzer, Klim zu den Augen und Sauh zur Waffe. Die drei Mantra-Gruppen werden außerdem auf Kopf, Grundlage und Herz gelegt.

17.441 Danach wird mit den drei Keimsilben der Schutz des Körpers gebildet: Sie werden der Reihe nach auf Handgelenk, Handfläche und Fingerspitzen gelegt.

17.442 Zuerst rechts, dann links folgen Achsel, Ellbogen und Hand, sodann entsprechend beide Beine. Fußende, Herz und Geschlechtsorgan werden in der Reihenfolge der Auflösung einbezogen.

17.443 Dann werden die Keimsilben in der Reihenfolge der Schöpfung eingesetzt: zuerst linkes und rechtes Ohr, danach das Kinn,

17.444 beide Schläfen und Mund, die beiden Augen, die beiden Arme und das Herz, beide Ellbogen und die Hüfte,

17.445 beide Knie und Geschlechtsorgan, beide Füße und After, beide Flanken und Herz, beide Brüste und Kehle.

17.446 Dies ist der Nyasa der neun Yonis mit den drei Keimsilben. Mit der ersten wird „Ratyai namah“, Verehrung Rati, auf das Geschlechtsorgan gelegt.

17.447 Mit der mittleren folgt „Prityai namah“ auf das Herz; Manobhava wird mit der dritten in der Brauenmitte eingesetzt. [Das Wort „Herz“ steht in der Vorlage zusätzlich vor der Brauenmitte; die Stelle ist nicht völlig eindeutig.]

17.448 An denselben Stellen werden anschließend Amriteshi, Yogeshi und Vishvayoni mit den umgekehrten Keimsilben Sauh, Klim und Aim eingesetzt. Danach folgt der Gestalt-Nyasa.

17.449 Die erste Formel verbindet die als „shrom“ überlieferte Keimsilbe mit Ishanas Gestalt und einem beschädigten Namen „Manovaya“, abgeschlossen durch Namah. Ishana wird an der genannten Grundstelle eingesetzt. [Mantra-Anfang und Körperort sind textlich unsicher.]

17.450 Mit „shrem“ folgt die Tatpurusha-Gestalt als Makaradhvaja, abgeschlossen mit Namah, am Gesicht; darauf folgt das Herz.

17.451 Dort steht „hsrum, der Aghora-Gestalt, dem Wesen Kandarpas, Verehrung“. Es folgt „hsrim, der Vamadeva-Gestalt, dem Wesen Manmathas, Verehrung“.

17.452 Diese Formel wird im verborgenen Körperbereich eingesetzt; an den Füßen folgt „hskam, dem Wesen Sadyojatas, Kamadeva, Verehrung“. [Die Keimsilben werden nach der vorliegenden Fassung wiedergegeben, nicht vereinheitlicht.]

17.453 Die Gesichter werden der Reihe nach oben, nach Osten, Süden, Norden und Westen zugeordnet. Danach werden die fünf Pfeile auf die Glieder gelegt.

17.454 Als fünf Pfeil-Keimsilben nennt die Vorlage „hram hrim klim huma“. Sie werden vom Daumen bis zum kleinen Finger eingesetzt. [Die überlieferte Silbenfolge trennt nur vier beziehungsweise eine unklare letzte Verbindung ab; keine fünfte Keimsilbe ergänzt.]

17.455 Die Namen lauten Kshobhana, Dravana, Akarsha, Vashya und Unmada: Erregen, Erweichen, Anziehen, Unterwerfen und Berauschen. Dann folgen Stirn, Brauenmitte, Mund, Ohren, Augen und Kehle,

17.456 Herz, Nabel und Geschlechtsorgan als Orte der nachfolgend „acht“ genannten Shaktis. Die erste ist Shubhaga, die zweite Bhaga, die dritte Bhagasarpini,

17.457 die vierte Aparajeya, die fünfte Bhagamalini; hinzu kommen Ananga, Anangakusuma und Anangamekhala

17.458 sowie Anangamadana. Alle werden in träger Bewegung von Liebesrausch, mit saflorfarbenen Kleidern und grünen Gürteln meditiert. [Die Namensreihe ergibt neun statt der angekündigten acht; keine Streichung.]

17.459 Vagbhava, Kama, „Vum“, Strim und Sa werden als fünf mit Om verbundene Silben genannt. Danach folgt der als Schmuck-Nyasa bezeichnete Nyasa. [Die dritte Silbe ist in der Vorlage unsicher.]

17.460 Die Vokale werden auf Kopf, Brauenmitte, beide Ohren und Augen, Nase, Wangen, Lippen, Zahnreihen und Mund gelegt.

17.461 Danach folgen Kinn, Hals, Kehle, Flanken, beide Brüste, Armansätze, Ellbogen, Hände und deren Rückseiten,

17.462 beide Hände mit Ham und wiederum die Rückseiten, dann Nabel, Geschlechtsorgan, Oberschenkel, Knie und Unterschenkel,

17.463 Gesäß, Knöchel, große Zehen, Halsschmuckbereich, Hüfte und Herz. Weitere Angaben betreffen Ohrringe, Kopf und Armreifen; das Schlusswort „panaka“ bleibt unklar. [Die Zuordnung einzelner Buchstaben zu dieser umfangreichen Ortsliste ist nicht vollständig ausgeführt.]

17.464 Die Göttin wird in der Mitte des roten Herzlotus vorgestellt, einer Hibiskusblüte gleich, mit roten Kleidern und Schmuck.

17.465 Ihr Lächeln verzaubert vollkommen; sie ist dreiäugig, trägt den Mond auf dem Haupt und ist der Ozean, aus dem die ganze Schönheit der Welt hervorgeht.

17.466 Brahma, der Lotusäugige, Rudra, Isha und Shiva werden als Bestandteile ihrer Stätte genannt; sie trägt eine Gebetskette aus Perlen. [Die Verbindung um „aksha“ und „manda“ ist beschädigt; keine sichere Konstruktion des Sitzes ableitbar.]

17.467 Ihre Hände tragen ein Buch und zeigen Segen und Furchtlosigkeit. Sie ist süß von Wonne, ihre Augen bewegen sich im Rausch, ihr Körper ist durch rote Salbe schön. So wird Tripurabhairavi meditiert.

17.468 Nun erkläre ich das Verehrungs-Yantra Bhairavis und Balas. Nach der Überlieferung des Gurus wird ein Mandala aus neun Yonis angelegt.

17.469 Ha, Sa und R, verbunden mit Au und zwei Punkten, werden in das mittlere, nach vorn gerichtete Dreieck gesetzt.

17.470 In die acht weiteren Yonis kommt die Kama-Keimsilbe. Außen folgt ein achtblättriger Lotus, dessen Staubfäden je zwei Vokale tragen.

17.471 Auf die Blätter kommen der Reihe nach Ka, Ca, Ta mit retroflexem T, Ta mit dentalem T, Pa, Ya sowie Sha und Ksha. An den Blattverbindungen werden jeweils Om-Zeichen angebracht. [Die Formulierung zu den beiden Om ist verkürzt.]

17.472 An den Blattspitzen werden Dreizacke gezeichnet, außen der Bhupura. Auf die Dreizackspitzen kommen von Osten an jeweils drei Buchstaben.

17.473 Die Vorlage führt hierzu eine teilweise gestörte Konsonantenreihe auf, beginnend mit Kha, Ga, Gha, Ṅa, Cha und Ja, danach die weiteren Konsonanten bis zu den Zischlauten. [Die Reihe enthält Doppelungen und fehlende Glieder; eine eindeutige Verteilung auf alle Spitzen wird nicht rekonstruiert. Der vollständige überlieferte Wortlaut steht im separaten Sanskritartikel.]

17.474 Außen folgen zwei Kreise mit Matrika-Buchstaben in der Bahn, danach drei Quadrate und die Verehrung der Gottheiten.

17.475 In der ersten Bahn werden, hinter der Hauptgottheit beginnend und im Uhrzeigersinn, zwölf Kräfte verehrt, je drei in einer Richtung.

17.476 Sie heißen Vama, Jyeshtha, Raudri, Ambika, Iccha, Jnana, Kriya, Kubjika, Bimba, Vishaghnika,

17.477 Dustara und Nanda. Nun wird ihre Meditation bestimmt. Ihr Brahmanen, die ihr den Veda kennt, hört aufmerksam zu!

17.478 Sie tragen einen mondhellen Schirm, funkelnd von Perlen und reinen Edelsteinen, und zwei Wedel, weiß wie die Wellen der Ganga, o Tochter des Berges,

17.479 einen Betelkasten, strahlend von neun Edelsteinen, und ein kostbares Gefäß voller Girlanden aus Mallika, Malati, Jati und hundertblättrigen Lotussen,

17.480 ferner ein mit Schmuck gefülltes Gefäß, ein Tuch und zwei mit neun Edelsteinen verzierte Fächer,

17.481 geschmückt mit Pfauenfedern und Ushira, dazu Kampfer und Moschus sowie Kampferpulver,

17.482 einen goldenen Becher, einen diamantgeschmückten Kamm, einen Stift für Augenschminke und einen mit Kampfer gefüllten Kasten.

17.483 Diese höchsten Herrinnen stehen als Shaktis auf ihren Sitzen, von Osten an geordnet und mit allem Schmuck versehen. [Die zwölf Trägerinnen und die teilweise verbundenen Gegenstandsgruppen werden nicht künstlich eins zu eins neu verteilt.]

17.484 Nach Verehrung der Götterherrin in der Mitte wird der Totengeist-Thron verehrt, rotgolden und strahlend. Der Sitz aus fünf Toten soll unmittelbar Befreiung verleihen. [Einzelne beschreibende Wörter sind beschädigt.]

17.485 Die Formel lautet in der überlieferten Zeichenfolge „hskoḥ sadashiva-mahapreta-padmasanaya namah“ und wird als sechzehnsilbig bezeichnet. Sie gilt der Sitzverehrung.

17.486 Nach Verehrung des Thrones wird die von den Chakras umgebene Schöne angerufen. Die Mudras von Anrufung an sowie die Gesten des Segens und der Furchtlosigkeit werden gezeigt; dann wird Tripurabhairavi meditiert.

17.487 Sie steht in der Mitte des roten Herzlotus, rot wie eine Hibiskusblüte und mit goldenem Schmuck versehen.

17.488 Ihr Lächeln verzaubert vollkommen; sie ist dreiäugig, mondgekrönt und der Ozean, aus dem alle Schönheit der Welt hervorgeht.

17.489 Brahma, Sonne, Vishnu, Rudra, Isha und Shiva werden als Teile ihres Lagers genannt. Die große Göttin trägt eine Gebetskette aus Perlen. [Die Sechserliste wird nicht an den zuvor genannten Fünfersitz angepasst.]

17.490 Ihre Hände tragen ein Buch und zeigen Segen und Furchtlosigkeit. Die Göttin ist süß von Wonne, ihre Augen bewegen sich im Rausch.

17.491 So wird Tripurabhairavi mit ihrem schönen roten Leib unmittelbar betrachtet. Danach werden ihr zwanzig Mudras gezeigt.

17.492 Genannt werden Segen, Furchtlosigkeit, Buch, Gebetskette, Elefantenhaken, Schlinge, Bogen, Pfeil, Schädelschale und Lotus sowie Waffe. Bei der Schädelschalen-Mudra wird die linke Handfläche schalenförmig gehalten.

17.493 Zuerst stehen die vier Mudras von Anrufung an, am Schluss fünf Yoni-Mudras. Deren Merkmale werden nun erklärt. [Die zusammengezählten Gruppen ergeben in der vorliegenden Form nicht eindeutig zwanzig; keine Gesten gestrichen.]

17.494 Die Yoni-Mudra am Herzen wird als Erregerin der drei Welten, am Mund als deren Erweicherin, an der Brauenmitte als deren Anzieherin bezeichnet.

17.495 An der Stirn gilt sie als Unterwerferin der drei Welten, am Brahmarandhra als Spenderin von Freude. Danach wird über dem Sitz der Kreis der sechs Glieder verehrt.

17.496 Sie werden Südost, Nordost, Südwest, Nordwest, Mitte und weiteren Richtungsstellen zugeordnet. Danach wird Rati in der Feuerecke, Priti in der nördlichen Ecke

17.497 und Manobhava in der südlichen Ecke verehrt. Es folgen die Pfeile, je zwei hier und nach Norden, einer vorn; ebenso die Kama-Gestalten. [Die erste Richtungsangabe der Pfeilgruppe ist verkürzt.]

17.498 Darauf werden von Osten an Anangakusuma und als zweite Anangamekhala verehrt,

17.499 als dritte Anangamadana, danach Anangamadanatura, als fünfte Shubhaga, gefolgt von Bhaga und Bhagasarpini

17.500 sowie Bhagamala. Hier gilt die Rückseite der Gottheit als Osten. In den acht Yonis werden Brahmi und die übrigen Mütter verehrt; außen folgen zwei achtblättrige Lotusse.

17.501 Asitanga steht mit Brahmi, Ruru mit Maheshvari, Chanda mit Kaumari und Krodha mit Vaishnavi,

17.502 Unmatta mit Varahi, Kapalabhrit mit Mahendri, Bhishana mit Chamunda und Samhara mit Mahalakshmi.

17.503 Acht lange Vokale mit Bindu, dem jeweiligen Namen und Namah bilden die acht Verehrungsmantras der Shaktis.

17.504 Bei den Bhairava-Mantras entfällt Namah; die Vokale sind kurz und tragen Bindu. Danach werden die heiligen Sitze Kamarupa, Malaya und Kollagiri genannt,

17.505 Kulmantaka, ein als „Vacauhare“ überlieferter Ort, Jalandhara, Uddiyana und Devakota. Dies sind die acht Pithas. [Der fünfte Ortsname ist beschädigt; keine Angleichung an andere Pitha-Listen.]

17.506 Sie werden an den Verbindungsstellen von Westen an verehrt. Danach folgen als Bhairavas zunächst Hetuka und Tripurantaka,

17.507 Vetala, Agnijihva, Kalantaka, Kapalin, Ekapada und Bhimarupa. Außen im Bhupura

17.508 werden die Weltenhüter verehrt, oben und unten Brahma und Vishnu, in der angegebenen Folge von Westen an. Der Vatuka-Mantra beginnt mit Vam, nennt Vatuka im Dativ und endet mit Namah.

17.509 Zuerst wird ein Dreieck gezeichnet, außen Kreis und Quadrat. Nach Verehrung Vatukas und der weiteren Wesen mit den vorigen Mantras werden ihnen Bali-Gaben mit den nun folgenden Formeln dargebracht.

17.510 „Komm, komm, Sohn der Göttin, Herr Vatuka, mit deiner leuchtenden Masse brauner Haarflechten, Dreiäugiger, Flammenmündiger! Vernichte alle Hindernisse, vernichte sie!

17.511 Nimm die Gabe mit allen Verehrungsgaben an, nimm sie an, Svaha!“ Der Mantra Vatukas wird durch die Zahlwörter fünf, fünf und zehn bezeichnet. [Die überlieferte Zahlenfügung ist nicht eindeutig zu einer Silbenzahl aufzulösen.]

17.512 Aus dem zuvor aufgestellten Gefäß wird Wasser in ein anderes genommen; mit dem linken Daumen wird die Bali-Gabe abgegeben.

17.513 Für die Yoginis wird „Om yam yoginibhyah svaha“ genannt, danach nochmals ein mit einem Zeichen verbundenes Yogini-Wort und „Hum phat svaha“. Die Silbenzahl wird mit Dhriti bezeichnet. [Der mittlere Wortlaut ist beschädigt; keine vollständige Formel rekonstruiert.]

17.514 Die Gabe wird zwischen linkem Daumen und Ringfinger abgegeben. Für den nächsten Mantra wird Ksham mit seiner Kraft genannt; es folgen beschädigte Angaben zu Ort und Feld.

17.515 „Nimm die Gabe mit Räucherwerk, Licht und den übrigen Gaben an, nimm sie an, Svaha!“ Dies ist die Bali-Formel des Kshetrapala; ihre Zahlenangabe „acht-neun“ ist nicht eindeutig.

17.516 Sie wird mit Daumen und Zeigefinger oder nur mit dem Zeigefinger abgegeben. Für Ganapati folgen Gam, Gim, Gum, „Ganapataye vara varada sarva-

17.517 janam me vashamanaya balim grihna grihna svaha“: „Erlesener Segenspender, bringe alle Menschen unter meinen Einfluss; nimm die Gabe an, nimm sie an, Svaha!“ Die Formel wird als einunddreißigsilbig bezeichnet.

17.518 Mit linkem Daumen und Mittelfinger wird besprengt und die Gabe vorn abgegeben. Die Göttin, welche die übrigen Kultgaben empfängt, heißt hier Tripurachandika.

17.519 Der Übende soll niemals weniger als dreißigmal rezitieren. Der Kundige empfängt den Mantra von einem innerlich reinen Guru der betreffenden Überlieferung.

17.520 Mit festem Gelübde rezitiert er zur Vollendung zwölf Lakhs, also 1.200.000 Wiederholungen. Danach nennt der Text „dessen Tausend“ als Feueropferzahl mit frischen Palasha-Blüten und den drei süßen Stoffen oder mit Oleanderblüten. [Die Opferzahl ist nicht eindeutig formuliert.]

17.521 Er trägt rote Kleidung und Perlenschmuck, ist frohen Sinnes und mit Sandelholz, Agarholz und Kampfer gesalbt.

17.522 Er lebt enthaltsam und friedvoll, hält sich von den sechs gegen andere gerichteten Vorgehensweisen fern, ist allen Wesen freundlich, schweigsam und verehrt Kumaris. [Die sechs Vorgehensweisen werden hier nicht einzeln erläutert.]

17.523 Nun werden die Anwendungen der einzelnen Keimsilben beschrieben. Zunächst wird die Göttin weiß wie frischer Kunda-Jasmin vorgestellt, mit Perlennetzen geschmückt und vierarmig, mit Perlengehängen, Wissenssymbol und Gebetskette. [Die genaue Verteilung der Attribute ist verkürzt.]

17.524 Wer beherrscht ihre erste Keimsilbe hunderttausendmal rezitiert, dem entstehe Dichtkunst, reich an verschiedenen Versmaßen und schönen Bedeutungen.

17.525 Für die zweite Keimsilbe wird folgende Meditation genannt: Die Göttin ist rot und sitzt auf einem strahlenden Juwelensitz unter dem Wunschbaum.

17.526 „Ich verehre sie, die mit ihren sechs Armen Schlinge, Zitrusfrucht, Pfeile, Elefantenhaken, Schädelschale und Bogen trägt.“

17.527 Sie ist mit roten Blumen geschmückt; ihre Augen bewegen sich im Rausch, sie ist von spielerischer Anmut erfüllt und schön in frischer Jugend.

17.528 Wer sie so meditiert und beherrscht die mittlere Keimsilbe hunderttausendmal rezitiert, soll rasch die drei Welten erregen und wie zuvor an Vollendung teilhaben.

17.529 Nun folgt die Meditation der dritten Keimsilbe: Die Göttin trägt Gebetskette, Nektarkrug, eine Handgeste und Buch.

17.530 Sie gleicht frischem Kunda-Jasmin und dem Mond, mit strahlendem Perlenschmuck. Wer diese Shakti als Sein und Bewusstsein meditiert und beherrscht die Sarasvati-Keimsilbe rezitiert, erlange anerkannte Dichtkunst.

17.531 Zwanzigtausend Opfer aus Palasha-Blüten und den drei süßen Stoffen sollen Sarasvati erfreuen; der Übende werde dadurch zu einer Stätte des Glücks.

17.532 Opfer mit Jati, Karanja, Shami und Banyan-Holz sowie Bilva-Blüten und den drei süßen Stoffen sollen fremde Frauen und Könige geneigt machen.

17.533 Opfer mit Malati- und Bakula-Blättern, mit Sandelholzwasser benetzt, sollen nach und nach dichterische Begabung hervorbringen.

17.534 Der Mantra wird vorwärts und rückwärts rezitiert, mit Zielperson und Vorhaben in der Mitte; danach folgen Opfer aus Salz und Senf. Dadurch sollen Männer, Frauen und Könige unter Einfluss gebracht werden. [Die Glosse erläutert eine ungewöhnliche Kasusform.]

17.535 Bilva-Früchte mit den drei süßen Stoffen als Opfer sollen hervorragende Menschen erfreuen und die Fülle des Übenden vermehren.

17.536 Guduchi mit den drei süßen Stoffen als Opfer soll Krankheit und Feinde vernichten. So bleibt Tripurabhairavi in verborgener Gestalt in Kashi.

17.537 Nun erkläre ich die Reichtum verleihende Tripurabhairavi, von Gananatha herbeigerufen und nach Kaula-Lebensordnung verehrt.

17.538 Ha, Sa, Kha, Pha und R, verbunden mit dem Vokal Ri sowie Bindu und Nada, werden als erste fünfgliedrige Zeichengruppe beschrieben.

17.539 Die zweite Keimsilbe wird durch eine beschädigte Verbindung „rijamaih“, die dritte durch „katkau“ angegeben. Durch zweimalige Wiederholung werden die sechs Glieder gebildet. [Keine vollständigen Keimsilben rekonstruiert.]

17.540 Der Nyasa erfolgt wie zuvor. Zur Meditation wird die Göttin strahlend wie tausend aufgehende Sonnen, mondgekrönt und dreiäugig vorgestellt,

17.541 mit vielerlei Schmuck, alle Feinde zerschneidend, rot gekleidet und mit einer Reihe bluttriefender Köpfe geschmückt.

17.542 Sie trägt Damaru, Dreizack, Schwert, Schild, Pinaka-Bogen, Pfeile, Schlinge, Elefantenhaken und Buch

17.543 sowie Gebetskette und sitzt auf einem Leichenthron. Nach dieser Meditation wird zunächst ihr Sitz mit dem Sitz-Mantra verehrt.

17.544 Dieser verbindet die Anrufungen „Aghore“, „Ghore“, „Ghora“ und „Rudrarupebhyo namaste“ mit Aim, Om, Cam, Maya, Shrim und Hrim. Sinngemäß: „Verehrung euch, den nichtschrecklichen und schrecklichen Rudra-Gestalten, überall.“ [Die Reihenfolge enthält gestörte Wiederholungen; eine vollständige Mantra-Fassung wird nicht neu gebildet.]

17.545 Danach werden die Kräfte des Sitzes von hinten an verehrt: Vama, Jyeshtha, Raudri, Kali, Varalocana,

17.546 Kaladhya, Baladhya, Himkarini, Balapramathini und Sarvabhutadama,

17.547 Madani und Manonmani: diese zwölf Göttinnen der Reihe nach. Nach Einrichtung des Verehrungssitzes werden wie zuvor die Glieder verehrt.

17.548 Es folgen Rati und die beiden weiteren, die mit Ananga beginnenden Kräfte, die Paare von Brahmi an, die Mütter auf den acht Blättern sowie im Bhupura die Weltenhüter mit ihren Waffen, o höchste Herrin.

17.549 Alle übrigen Anwendungen entsprechen Tripurabhairavi. Nun wird der dreisilbige Mantra Chaitanya-Bhairavis erklärt; seine erste Keimsilbe beginnt mit Sa und Ha, verbunden mit A.

17.550 Die zweite wird aus Sa, Ka, La und langem I gebildet, die dritte aus Sa, Ha und Raudri, mit Visarga endend. [Raudri bleibt als technischer Buchstabenname erhalten.]

17.551 Die Göttin strahlt wie tausend aufgehende Sonnen, trägt vielfältigen Schmuck, eine Krone mit leuchtender Mondsichel und rote Kleider.

17.552 Sie ist ewig, trägt Schlinge und Elefantenhaken, links eine Schädelschale und ist mit den Gesten des Segens und der Furchtlosigkeit versehen, mit vollen, hohen Brüsten.

17.553 So wird sie auf dem zuvor beschriebenen Thron meditiert und verehrt. Durch zweimalige Wiederholung der drei Keimsilben werden die sechs Glieder auf dem Körper eingesetzt.

17.554 Das Mandala besteht aus Dreieck, Sechseck, achtblättrigem Lotus und einem Quadrat mit vier Toren.

17.555 Den ersten Kreis bilden die sechs Glieder; danach folgen Rati und die weiteren Kräfte. An der Spitze des Dreiecks steht Vasanta, links Kama und rechts der Mond. Die Pfeile werden wie zuvor verehrt.

17.556 Von Westen an folgen Dakini, Shakini, Lakini, Kakini, nochmals Shakini und Hakini; auf den acht Blättern die mit Anangakusuma beginnenden Kräfte wie zuvor. [Die doppelte Shakini bleibt erhalten; keine andere Yogini eingesetzt.]

17.557 Dann werden Parabhrit, Sarasa, Shuka, Megha, Apanga, Bhruvilasa, Hava und Bhava verehrt.

17.558 Vorbereitende Praxis, Anwendungen, Verehrung, Nyasa und die übrigen Bestandteile erfolgen wie zuvor.

17.559 Nun erkläre ich Bhuvaneshvara-Bhairavi. Die erste Keimsilbe verbindet Ha und Sa mit A.

17.560 Die zweite wird als Ha-Sa-Ka-La mit Hrim bezeichnet; die dritte verbindet Ha und Sa mit Au und endet auf Visarga. Mit der mittleren Keimsilbe und den sechs langen Vokalen werden die sechs Glieder gebildet.

17.561 Sie gleicht Hibiskus- und Granatapfelblüten, trägt die Mondsichel im aufgetürmten Haar, hat drei Augen und rote Kleider.

17.562 „Ich nehme Zuflucht zu der glückverheißenden Göttin, mit vielerlei Schmuck und vollen, hohen Brüsten, die Schlinge, Elefantenhaken, Segen und Furchtlosigkeit trägt.“

17.563 Was hier nicht ausdrücklich erläutert ist, entspricht Chaitanya-Bhairavi. Der Kreis der sechs Glieder wird wie zuvor ringsum verehrt.

17.564 Danach werden Rati und die übrigen im Dreieck verehrt, ferner Brahma, Vishnu und Mahesha; außen folgen weitere Gottheiten.

17.565 Dakini und die weiteren stehen im achtblättrigen Bereich, Hakini und die folgenden im sechsblättrigen; hinzu kommen Anangakusuma und die weiteren sowie Brahmi und die übrigen ringsum.

17.566 Im äußeren Quadrat werden die Weltenhüter und Vatuka mit den weiteren Wesen verehrt. „Catushshashti-yoginibhyah namah“, Verehrung den vierundsechzig Yoginis, wird als zehnsilbige Formel bezeichnet.

17.567 Auf den acht Blättern des äußeren Bereichs wird mit einer gemeinsamen Anrufung verehrt: „Verehrung den elf großen Kotis von Yoginis.“

17.568 Rezitation und Anwendungen entsprechen dem zuvor Gesagten. Nun erkläre ich Kamaleshvari-Bhairavi.

17.569 Anstelle von Ha-Sa wird Sa-Ha gesprochen; alle weiteren Mantra-Bestandteile bleiben wie zuvor. Vom König erkannt und verflucht, wurde sie zu einem Fluss im Himalaya.

17.570 Aus Furcht vor dem König gab sie den linken Weg auf. Weil sie für mein Werk Leiden erfahren hatte, wird sie im Kali-Zeitalter berühmt werden.

17.571 Wieder wird sie unter jenen Gottheiten sichtbar erscheinen. Die mit A beginnenden Buchstaben werden dann segenspendend sein. [Die Wiederholung von „varna“ ist in der Vorlage unregelmäßig.]

17.572 Wer an ihrem Ufer unter Aufgabe der fünf Makaras Verehrung vollzieht und mir ergeben ist, dem werde die Herrin der Stadt nicht gnädig. [Die negative Aussage ist im Wortlaut erhalten, auch wenn sie zur unmittelbar vorangehenden Aufgabe des linken Weges in Spannung steht.]

17.573 Bhuvaneshi-Bhairavi nahm für mein Werk eine andere Gestalt an und machte viele Schüler zu Kaulas und Anhängern des linken Weges. Meditation und Verehrung erfolgen dennoch wie zuvor nach dem rechten Weg. [Die unterschiedlichen Zuordnungen werden nicht harmonisiert.]

17.574 Nun erkläre ich Hasaradi-Bhairavi. Vor den Keimsilben Bhuvaneshvara-Bhairavis werden Ha, Sa und R gesprochen.

17.575 Bei allen drei Keimsilben ist der anfängliche Konsonantenteil als Ha-Sa-R zu verstehen. Die Verehrung und die übrigen Bestandteile erfolgen wie zuvor.

17.576 Nun erkläre ich die vollendete Kaulesha-Bhairavi. Bei den ersten und letzten Keimsilben der Hasaradi-Form entfällt R.

17.577 So entsteht die Kauleshvari-Vidya, die Kaulas Vollendung gewährt. Meditation und alles Weitere entsprechen Sampatprada-Bhairavi.

17.578 Obwohl die Gottheiten solche Handlungen vollzogen, konnten sie angesichts von Divodasas Glanz dort nicht bleiben. Da rief der Gott Dhundhi

17.579 Jayadurga herbei, die ihren Verehrern Sieg verleiht. Die Gottheiten der oberen Überlieferung werde ich kurz erklären.

17.580 „Durge durge durghate“ mit vorangestelltem Om wird als neunsilbig, mit Svaha am Ende als elfsilbig beschrieben. Dies sind ihre beiden Mantras.

17.581 Narada ist der Seher, Virat das Versmaß und Jayadurga die Gottheit, die Genuss und Befreiung als Frucht verleiht.

17.582 Mit den bei Om beginnenden fünf beziehungsweise sechs Mantra-Gliedern, den zugehörigen Schlussformeln und einer Betrachtung der Allherrin werden die sechs Glieder gebildet. [Die Anweisung nennt beide Zahlen; die genaue Teilung ist nicht eindeutig.]

17.583 Mit Safran und weiteren Stoffen werden zwei achtblättrige Lotusse gezeichnet, umgeben von drei Quadraten mit vier Toren.

17.584 Bei der Verehrung ihres Sitzes werden neun Kräfte geehrt: Prabha, Maya, Jaya, Suprabha und Vishuddhika,

17.585 Nadini, Suprabhava, Vijaya und Siddhida. [Die nachfolgende verschlüsselte Angabe zu den Verehrungssilben ist beschädigt und bleibt offen.]

17.586 Der Sitz-Mantra lautet sinngemäß: „Om, dem großen Löwen, dessen Waffen diamantfeste Krallen und Zähne sind, Hum Phat Namah.“ Mit ihm wird der Sitz verehrt.

17.587 Mit diesem Mantra wird der Sitz dargebracht; mit dem Grundmantra wird die Gestalt vorgestellt, darin die Gottheit angerufen und mit Sandelholz und weiteren Gaben verehrt.

17.588 Die Kreise bestehen der Reihe nach aus den Gliedern, den Kräften von Jaya und Suprabha an, den göttlichen Waffen, den Richtungsherren und deren Waffen. Nun folgt die Meditation.

17.589 „Ich verehre die wolkenfarbene Göttin, mondgekrönt, auf dem Löwen sitzend, dreiäugig, mit Diskus, Schwert, Schild und Muschelhorn in den Händen.“

17.590 Jaya, Vijaya, Kirti, Priti, Prabha, Shraddha, Medha und Shruti werden genannt, jeweils mit Om und dem zugehörigen Anfangslaut.

17.591 Als Waffen gelten Schwert, Muschelhorn, Keule, nochmals Schwert, Schlinge, Elefantenhaken, Pfeil und Bogen. Fünfhunderttausend Rezitationen werden vorgeschrieben. [Die doppelte Schwertbezeichnung bleibt erhalten.]

17.592 Ein Zehntel davon folgt als Feueropfer aus Ghee, danach Tarpana und die übrigen Riten. Nach Mantra-Vollendung können die Anwendungen erfolgen.

17.593 Wer vor dem Eintritt in die Schlacht diesen Mantra vielfach rezitiert, soll die Feinde vollständig vernichten.

17.594 Auch in Streitfällen und gerichtlichen Auseinandersetzungen soll seine Rezitation Sieg geben. Viele Wurf- und Handwaffen werden mit dieser Vidya

17.595 besprochen und sollen im Kampf Sieg verleihen. Durch diese Verehrung wurde Divodasa beim Anblick des Untergangs seines Heeres augenblicklich verwirrt.

17.596 Um König Divodasa zu vertreiben, wurde Vanadurga herbeigeführt; sie blieb jenseits der Ganga. Höre ihren Mantra.

17.597 „Erhebe dich, Purushi! Warum schläfst du? Besänftige meine Furcht, die hier gegenwärtig ist!

17.598 Ob es möglich oder unmöglich sei: Besänftige sie für mich, Erhabene, Svaha!“ Der Mantra wird durch Naga und Guna als siebenunddreißigsilbig bezeichnet.

17.599 Nachdem sie ihr Werk vollbracht hatte, wurde die Vidya von Gananatha versiegelt.

17.600 Erst wenn sie entsiegelt rezitiert wird, trete Vollendung ein.

17.601 Am Anfang werden die fünf Keimsilben Om, Hrim, Dum, Dum und Dum angefügt, am Ende Dum, Hrim und Om. [Die vorletzte Silbe erscheint in der Vorlage als „him“; keine gesicherte Aussprachefassung behauptet.]

17.602 Dadurch gelte die Vidya als entsiegelt und den Übenden gute Vollendung verleihend. Aranyaka ist der Seher, Anushtubh das Versmaß.

17.603 Vanadurga, Vernichterin aller Feinde, ist die Gottheit. Die sechs Glieder werden mit durch Ritu, acht, acht, Bhu und Bana bezeichneten Silbengruppen gebildet. [Die Zahlenreihe enthält nur fünf eindeutige Gruppen; keine sechste ergänzt.]

17.604 Die Mantra-Silben werden auf die Wurzeln der rechten Zehen, Knöchel, Knie, Oberschenkel, After, Geschlechtsorgan, Muladhara und Bauch gelegt,

17.605 ferner auf beide Flanken, Herz, beide Brüste, Kehle, Gelenke, Hände, Mund, Nase, Wangen und Ohren,

17.606 Brauenmitte und Kopf, nach der rituellen Ordnung. Die Göttin wird blitzähnlich, dreiäugig und auf einem roten Lotus stehend vorgestellt.

17.607 Sie trägt Diskus und Muschelhorn sowie die Gesten des Segens und der Furchtlosigkeit. Sie ist glückverheißend, mit goldglänzenden Kleidern, mondgekrönt und im Wald gegenwärtig,

17.608 heiter und reich mit Blumen geschmückt; neben ihr steht ein junges Reh. Nach dieser Meditation wird sie auf dem zuvor beschriebenen Sitz verehrt.

17.609 Zuerst werden die Glieder, dann die mit Arya beginnenden Kräfte, Diskus und weitere Waffen, die Mütter, die Weltenhüter und deren Waffen verehrt.

17.610 Die acht Kräfte heißen Arya, Durga, Bhadra, Bhadrakali, Ambika, Kshemya, Vedagarbha und Shankari.

17.611 Genannt werden Muschelhorn, Diskus, Schwert, Schild, Pfeil, Bogen, Spieß und Keule. Vierhunderttausend Rezitationen und ein Zehntel davon als Sesamopfer werden vorgeschrieben,

17.612 ferner Opfer aus Reis, Ghee, Sesam und Milchspeise, während Durga im Feuer betrachtet wird. Danach folgen Tarpana, Besprengung und die Ehrung von Brahmanen.

17.613 Der eigene Guru wird mit Geld, Getreide und weiteren Gaben erfreut. Nach dieser Mantra-Vollendung sollen die gewünschten Ziele verwirklicht werden.

17.614 Je nach Anwendung wird die im Wald wohnende Durga verschieden vorgestellt. Für eine Form wird sie dunkel und auf dem Haupt des Pferdefeindes stehend meditiert. [„Hayari“ bezeichnet gewöhnlich den Löwen; der Text verwendet hier den Ersatznamen.]

17.615 „Ich verehre sie mit sehr heiterem Gesicht, Muschelhorn, Diskus, Schwert, Pfeil, drohender Handgeste, Schild und Bogen in den Händen.“ [Zwei Schildwörter stehen nebeneinander; keine zusätzliche Waffe ergänzt.]

17.616 Täglich werden hundert Wiederholungen zum Eigenschutz und tausend für den anschließenden Vollzug weiterer Anwendungen genannt.

17.617 Wer für ein bestimmtes Ziel tausend- oder zehntausendmal rezitiert, soll es bald erreichen, selbst wenn es unmöglich erscheint.

17.618 Nach morgendlichem Bad und Nyasa werden täglich tausend Wiederholungen vollzogen, mit ungeteilter Erinnerung an die Göttin.

17.619 Dadurch sollen Gefahren durch grausame Schlangen, Grahas und Ähnliches befriedet werden. Opfer mit wildem Sesam oder Senf werden genannt,

17.620 alternativ mit Apamarga-Holz; sie sollen sämtliche Krankheiten einschließlich Fallsucht beseitigen. [Rituelle Heilbehauptung der Quelle.]

17.621 Opfer mit Banyan-Holz samt jungen Trieben sollen binnen zehn Tagen das gewünschte Vorhaben erfüllen.

17.622 Drei Tage oder sieben Nächte langes Opfern mit jeweils ganzen Rasna-Holzstücken wird ebenfalls zur Wunscherfüllung genannt.

17.623 Ein kriegerisches Ritual beschreibt dreißig Pfeile mit hellen Spitzen sowie tausend oder zehntausend Opfer mit scharfem Öl.

17.624 Die Pfeile werden mit dem Sampata-Öl verbunden, ordnungsgemäß verehrt und wie zuvor mit Mantras besprochen. [Die Wortverbindung „tailarasana“ ist unsicher.]

17.625 Der König nimmt sie als besonnener, regelgetreu handelnder Bogenschütze auf und dringt furchtlos mitten in das feindliche Heer ein. Seine Mittel sollen in allen Richtungen Erfolg haben.

17.626 Nach seiner Rückkehr erfreut er den Sieg gewährenden Guru mit Getreide, Geld, Kleidern und Schmuck.

17.627 Eine weitere Vorschrift nennt hundertacht Rezitationen über Leichenasche, die auf den Kopf einer Zielperson gestreut wird. Diese werde darauf von den Menschen gehasst und irre wie eine Krähe von Land zu Land.

17.628 Tausend Opfer mit vom Wind gefallenen Karaskara-Blättern und Staub aus den Fußspuren des Gegners

17.629 sollen ihn augenblicklich vertreiben. Tausend Opfer mit den Blüten des Giftbaums sollen ein Heer lähmen. [Die Glosse ordnet die erste Wirkung dem vorigen Vers, die zweite den Giftbaumblüten zu.]

17.630 Ebenso viele Opfer mit seinen Blättern sollen ein Heer zurücktreiben. Anschließend beschreibt die Quelle ein aus Giftbaumholz gefertigtes Abbild des Gegners,

17.631 in das rituell Leben eingesetzt wird. Am vierzehnten Tag der dunklen Monatshälfte wird es nachts zerteilt und mit Krähen- und Eulenfett verbunden.

17.632 Das Feueropfer damit soll den Gegner vernichten. Tausend Opfer mit Unmatta-Holz sollen ihn wahnsinnig machen. [Unmatta bezeichnet hier gewöhnlich Stechapfel; historische Schadensmagie.]

17.633 Weiter wird ein Gegnerabbild beschrieben, in das rituell Lebenshauch eingesetzt und das mit Gift und drei scharfen Gewürzen bestrichen in heißes Wasser gelegt wird.

17.634 Die Mantra-Rezitation soll dem Gegner augenblicklich Fieber verursachen; eine Milchbesprengung soll es wieder befrieden.

17.635 Ein Abbild aus Giftbaumholz in heißem Wasser soll den Gegner sofort in Wahnsinn versetzen; die Befriedung erfolge wie zuvor.

17.636 Die Göttin wird rot wie die Sonnenscheibe, mit Spieß und drohender Handgeste meditiert; zehntausend Rezitationen sollen Scharen von Feinden töten.

17.637 Als zornige Waldbewohnerin in der Sonne, mit Schwert und Schild, soll sie durch Vergegenwärtigung und Mantra-Rezitation feindliche Scharen bezwingen.

17.638 Sie wird ferner feuerähnlich, auf dem Löwen stehend, mit Pfeil und Bogen meditiert. Zehntausend Opfer mit Karaskara-Holz

17.639 sollen alle Gegner bald erkranken lassen; Opfer mit Giftbaumblättern sollen sie vernichten. [Die Glosse verdeutlicht den Bezug auf die Feinde.]

17.640 Blüten desselben Baums sollen Elefanten vertreiben; Opfer mit Rajavriksha-Holz sollen dagegen Krankheiten der Elefanten beseitigen.

17.641 Giftbaumblüten mit den drei süßen Stoffen sollen eine Elefantenherde rasch gefügig machen; Arka-Blätter

17.642 mit den drei süßen Stoffen sollen edle Elefanten hervorbringen. Eine Einreibung mit den fünf Kuhprodukten wird als Schutzmittel beschrieben

17.643 für Elefanten und Menschen. Die kundigen Ritualgelehrten nennen Ghee, Sesam, „Nityakatu“, Senf und die fünf Kuhprodukte

17.644 sowie Opferspeise und Reis, jeweils tausendmal geopfert, zur Vermehrung von Elefantenherden. [Die Bezeichnung „nityakatu“ ist nicht sicher zu bestimmen.]

17.645 Ein großer Brahma-Baum wird gefällt und in fünf Teile geteilt; daraus werden in der Ordnung der Richtungen fünf Waffen gefertigt.

17.646 Genannt werden Keule, Muschelhorn, Nandaka-Schwert, Diskus und Sharnga-Bogen; Kaumodaki wird anschließend als Name der Keule genannt. [Die Wortstellung der Reihe ist unregelmäßig.]

17.647 Sie werden in die fünf Kuhprodukte gelegt, begleitet von fünftausend Rezitationen und ebenso vielen Ghee-Opfern; die Sampata-Tropfen werden hinzugegeben.

17.648 Der Kundige wiederholt die vorherige Rezitationszahl. Danach werden fünf mit den Kuhprodukten gefüllte Behälter beziehungsweise Gottheitsgefäße eingerichtet.

17.649 In ihrer Mitte werden die Waffen auf ebenem Boden niedergelegt. Mit den jeweiligen günstigen Mantras folgen Befriedung, Bali- und Feuergaben.

17.650 So soll das Wohlergehen von Stadt, Dorf oder Land gesichert werden. Wo dieser Schutz besteht, wachse Lakshmi.

17.651 Geld und Getreide würden reichlich vorhanden sein, Furcht vor Feinden und Dieben verschwinde. Lotusopfer sollen einen König, blaue Lotusse seine Frau unter Einfluss bringen,

17.652 Kumuda-Blüten die Brahmanen, Kahlara-Blüten die Vaishyas, Salz die Shudras und Jati-Blüten ein Dorf.

17.653 Mukunda wird glückverheißend in der Sonnenscheibe meditiert, mit Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotus in den Händen; dabei wird die entsprechende Gottheitsform des Mantras beachtet.

17.654 Alternativ rezitiert der Mensch zu Füßen des Erhabenen. Kundige Mantra-Lehrer bezeichnen dieses Verfahren als alle Vollendungen verleihend.

17.655 Ein weiterer Einflussritus beschreibt ein Yantra mit dem von den Namensbuchstaben der Zielperson durchsetzten Mantra. Dazu wird Ton genommen, der an der Hand eines Töpfers haftet.

17.656 Das Yantra wird im Herzen eines daraus gefertigten Abbilds eingesetzt. Sieben Tage lang wird vor dem gegenüber aufgestellten Bild an den drei Tageswenden je hundertachtmal rezitiert; dadurch werde die Person gefügig.

17.657 Täglich achthundert Reisopfer sollen nach einem Jahr reichlich Reis verschaffen; Kuhmilchopfer sollen Viehreichtum verleihen.

17.658 Ghee-Opfer sollen viel Gold, Dickmilch sämtliche Vollendungen und Speiseopfer Überfluss an Nahrung bringen.

17.659 Honigopfer sollen einen Schatz an Edelsteinen erschließen, Durva-Opfer langes Leben verleihen.

17.660 Die Quelle beschreibt ferner weiße Gunja-Samen in der Menge eines Kudava, die mit diesem Mantra besprochen und in ein feindliches Heer gestreut werden.

17.661 Der gut rezitierte Mantra soll bewirken, dass das feindliche Heer lange von Fieber und anderen schweren Krankheiten bedrängt wird.

17.662 Durch Zwietracht unter Heerführern und anderen leitenden Personen sowie vielerlei Störungen werde es vernichtet. [Historische Schädigungsbehauptung; Gunja-Samen sind kein unbedenkliches Ritualmaterial.]

17.663 Nun erkläre ich den großen Mantra in Keimform. „Du“ wird als einsilbiger, vorzüglichster Mantra bezeichnet.

17.664 Kashyapa ist der Seher, Gayatri das Versmaß und Durga die Gottheit. Die sechs Glieder werden mit der Keimsilbe, den sechs langen Vokalen und Visarga gebildet.

17.665 Sie wird dunkel wie Durva, dreiäugig und in einem achtblättrigen Lotus stehend meditiert. Von unten rechts an trägt sie Spieß, Pfeil, Schwert, Diskus, Muschelhorn, Schild, Bogen und Schädelschale.

17.666 Vierhunderttausend Rezitationen und ein Zehntel als Sesamopfer werden genannt. Verehrung und Anwendungen entsprechen Navadurga.

17.667 Nun werde ich die Vermögen verleihenden Lakshmi-Mantras erklären, die Ganesha in Kashi im Zusammenhang mit dem König eingegrenzt beziehungsweise gebunden hat. [Die Lesung „surodhita“ ist nicht sicher; der königsbezogene Zusammenhang bleibt erhalten.]

17.668 „Namah kamalavasinyai svaha“ ist ein zehnsilbiger Mantra. Seher und weitere Zuordnungen entsprechen der südlichen Form; die Gottheit heißt Kamala.

17.669 Devi, Padmini, Vishnupatni, Varada und Kamalarupa werden im Dativ mit Om am Anfang und Namah am Ende auf die fünf Glieder gelegt. Nun wird ihre Meditation beschrieben.

17.670 Sie glänzt wie der Blitz, trägt zwei Lotusse und die Gesten des Segens und der Furchtlosigkeit, erleuchtet durch ihren Körperglanz die Welt und sitzt auf einem Lotus.

17.671 „Ich nehme Zuflucht zu ihr, schön durch Gürtel, Krone und Fußschmuck.“ Zuerst werden die Glieder, außen die acht Kräfte von Kamala an verehrt,

17.672 außerhalb die Weltenhüter und deren Waffen. Wer Lakshmi so verehrt, werde augenblicklich zum Herrn des Reichtums.

17.673 Fünfhunderttausend Rezitationen bei Opferspeisenernährung und beherrschten Sinnen werden vorgeschrieben; ein Zehntel davon wird mit Lotussen und den drei süßen Stoffen geopfert.

17.674 Dreihunderttausend Rezitationen in einem zum Meer fließenden Fluss, bis zum Hals im Wasser stehend, sollen Vermögen verschaffen. [Historische Vorschrift, keine Empfehlung zu gefährlichem Aufenthalt im Wasser.]

17.675 Nach Rama-Verehrung werden beim nördlichen Sonnenlauf tausend Opfer mit Nandyavarta-Blüten und ebenso viele mit honiggetränkten Bilva-Früchten genannt.

17.676 Am Vollmond oder fünften Mondtag werden weiße Lotusse, an Freitagen Lotusblüten geopfert. Wer dies einen Monat lang vollzieht, soll innerhalb eines Jahres reichen Besitz erlangen.

17.677 Was bedarf es vieler Worte? Wer diesen Mantra mit beherrschten Sinnen verehrt, erlange die gewünschten Ziele sowie Reichtum an Geld und Getreide.

17.678 Nun erkläre ich die Lakshmi, die Ganesha südwestlich von Sambaditya verehrte, damit ich die Herrschaft in Kashi erlange. Dort ist der elefantengesichtige Gott als Lakshmi-Vinayaka bekannt.

17.679 Ihre Vollendung wird nur auf dem rechten, nicht auf dem linken Weg erlangt. Die fünf Konsonanten Sa, Ha, Ka, La und R

17.680 werden mit langem I zur ersten Zeichengruppe verbunden. Als zweite wird Ham genannt; insgesamt wird der Mantra als dreisilbig bezeichnet. [Ein dritter Bestandteil ist in dieser knappen Vorschrift nicht eindeutig angegeben.]

17.681 Hari ist der Seher, Gayatri das Versmaß; die Gottheit ist Lakshmi-Mohini, Spenderin königlicher Oberherrschaft. Die Zeichengruppe gilt als Keim,

17.682 Shrim als Kraft. Mit den sechs langen Vokalen werden die sechs Glieder gebildet. Die Göttin wird flachsblütenfarben und mit Juwelenschmuck betrachtet.

17.683 Sechs Hände tragen Muschelhorn, Diskus, Keule, Lotus, Sharnga-Bogen und Pfeil; zwei weitere zeigen Segen und Furchtlosigkeit.

17.684 Ihr Verehrungs-Yantra besteht aus Dreieck, achtblättrigem Lotus und Bhupura. In der Mitte wird die Göttin verehrt, danach die sechs Glieder.

17.685 In den Dreiecksecken werden von Nordost an Gayatri, Savitri und Sarasvati verehrt, auf den acht Blättern Brahmi und die weiteren Mütter.

17.686 Im Bhupura erfolgt eine gemeinsame Anrufung: „Verehrung den achtzehn großen Kotis von Yoginis.“

17.687 Danach werden Indra und die weiteren Richtungshüter sowie ihre Waffen verehrt, anschließend erneut die Göttin mit Duftstoffen, Blumen und ungebrochenem Reis.

17.688 Vatuka, Kshetrapala und die Yoginis erhalten Bali-Gaben. Nach dieser Meditation der Achtarmigen folgen dreihunderttausend Rezitationen.

17.689 Ein Zehntel wird als Lotusopfer zur Erlangung der Oberherrschaft dargebracht. Wer Lakshmi so verehrt, erlange ohne Zweifel ein Reich, so die Quelle.

17.690 Nun erkläre ich den höchsten Nityaklinna-Mantra. Er beginnt mit Maya und „Nityaklinne madadrave“ und wird durch das Zahlwort Bhava bezeichnet.

17.691 Er endet auf Svaha. Brahma ist der Seher, Trishtubh das Versmaß, Nityaklinna die Gottheit, Hrim die Keimsilbe und die Schlussformel die Kraft. [Die Vorlage schreibt für die Kraft „svatha“; keine gesicherte Formel daraus abgeleitet.]

17.692 „Klinne“ gilt als Verriegelung. Herz und weitere Glieder werden mit je zwei Silben beziehungsweise den verbleibenden Abschnitten gebildet. [Der Wortlaut am Anfang der Nyasa-Anweisung ist gestört.]

17.693 Die Mantra-Silben werden der Reihe nach auf Herz, beide Augen, Ohren, Nasenöffnungen, Geschlechtsorgan, verborgenen Körperbereich und Füße gelegt.

17.694 Die Göttin ist rot, mit rotem Schmuck, roten Kleidern, roten Girlanden und roter Salbe, ihr Lotusgesicht lächelt lieblich.

17.695 Drei Augen leuchten in ihrem Gesicht; Schweißperlen schmücken ihre Stirn, die Krone trägt eine strahlende Mondsichel. [Die Vorlage liest „dharma“ statt der im Zusammenhang erwartbaren Schweißbezeichnung; die Wiedergabe bleibt vorläufig.]

17.696 Vier Arme tragen Schlinge, Elefantenhaken, Trinkgefäß und die Geste der Furchtlosigkeit. Sie sitzt auf einem Lotus, vom Rausch entspannt.

17.697 Nach dieser Meditation wird sie täglich auf dem zuvor beschriebenen Shakti-Sitz verehrt. Zuerst wird ein Dreieck gezeichnet, dann ein Sechseck,

17.698 außen ein achtblättriger Lotus, von einem Bhupura umgeben. In der Mitte wird die Göttin mit erlesenem Sandelholz und weiteren Gaben verehrt.

17.699 Die sechs Glieder werden der Reihe nach in der Mitte der Yoni, in Nordwest, Nordost, Südost, Südwest und vorn verehrt. [Die Richtungsfolge ist im Original knapp gefügt.]

17.700 In den drei Ecken stehen Kshobhini, Mohini und Loka; auf den acht Blättern Nitya, Niranjana, Klinna, Kledini, Madanatura, Madadrava, Dravini und Dravita.

17.701 An Torseiten, Ecken und Richtungen werden zwölf weitere Kräfte genannt: Madavila, Mangala, Manmatharta, Manasvini, Mahonmoda, Manamayi, Maya, Manda und Sitavati. [Die Namensreihe enthält nur neun eindeutig trennbare Namen; keine drei ergänzt.]

17.702 Man beginnt links am Tor vor der Göttin. Außen werden die Weltenhüter und außerhalb davon ihre Waffen verehrt.

17.703 Nach dieser Meditation wird der Mantra hunderttausendmal rezitiert; ein Zehntel folgt als Feueropfer mit süß bestrichenen Bandhuka-Blüten oder Opferspeise.

17.704 Ein weiteres Zehntel wird mit kampferduftendem Wasser als Tarpana dargebracht; danach folgen Selbstbesprengung und Bewirtung von Brahmanen.

17.705 Der Guru wird mit Geld, Schmuck und Kleidern erfreut. Nach Vollendung des Mantras können die Anwendungen erfolgen.

17.706 Wer dazu befugt ist, bleibt der täglichen Verehrung und tausendfachen Rezitation hingegeben. Nur so soll er die beschriebenen Anwendungen vollziehen.

17.707 Rote Lotusse mit den drei süßen Stoffen als Opfer sollen Lakshmi gewinnen; ebenso behandelte weiße Wasserlilien sollen Könige unter Einfluss bringen.

17.708 Mallika, Malati, Jati und hundertblättrige Lotusse, mit Milch einer weißen Kuh benetzt, die ein gleichfarbiges Kalb hat, sollen Gold verschaffen und Feinde sowie den Zorn von Königen hemmen. [Die Milch stammt selbstverständlich von der Kuh; das Kalb ist ihr Farbmerkmal in der Beschreibung.]

17.709 Ghee bestrichene Oleanderblüten als Opfer sollen rote Kleider, Erfolg im Handel, Einfluss auf Geister und Menschen sowie den gewünschten Erfolg bei Schmuck und Fahrzeugen gewähren.

17.710 Nächtliche Opfer mit Salz, weißem oder anderem Senf und dessen Öl werden als Mittel beschrieben, eine begehrte Frau herbeizuziehen.

17.711 Nachts geopferte, mit Öl bestrichene dunkle Oleanderblüten sollen dem Gegner innerhalb eines Monats heftige Schmerzen und Fieber zufügen.

17.712 Nächtliche Opfer mit Arushka-Samen und gutem Ghee sollen sogar ärztlich schwer behandelbare Wunden beseitigen.

17.713 Mit Öl dagegen werde der Leib des Gegners zerstört und er gelange zu Yama. Dasselbe wird von Ankolaka-Samen mit ihrem Öl behauptet.

17.714 Pfeffer mit Senf und Ghee als nächtliches Opfer soll die im Geist begehrte Frau, von Liebessehnsucht ergriffen, herbeiführen.

17.715 Sieben Nächte langes Opfern mit Pfeffer und Senf soll eine durch Reichtum, Ansehen oder Herkunft schwer erreichbare Frau herbeiziehen.

17.716 Täglich hundertacht Speiseopfer sollen ein mit Nahrung gefülltes Haus und die Möglichkeit ihres Genusses geben. Reis mit Ghee als Opfer soll reiche Reisvorräte verschaffen.

17.717 Ein weiteres Ritual beschreibt ein Abbild aus Material eines mit der Zielperson verbundenen Baums und aus deren Fußspurenstaub, das nachts mit Senf, Pfeffer und Salz geopfert wird. Die Zerteilung beginnt an Füßen, Unterschenkeln, Knien und Oberschenkeln,

17.718 setzt sich unterhalb des Nabels, am Herzen, Hals und an der Kehle fort und endet am Kopf. So werden zwölf Abschnitte geopfert.

17.719 Männer, Frauen und Könige sollen dadurch nach dem Willen des Ausführenden gefügig, fieberkrank oder dem Tod ausgeliefert werden. Danach nennt die Quelle ein Teigabbild mit Rohrzucker, Pfeffer und Kreuzkümmel.

17.720 Es wird mit der Zielperson verbunden, in Ghee aus dem namentlich zugeordneten Feueropfer zubereitet und unter Berührung tausendmal mit Mantras besprochen. [Die Wortverbindung „sadhyajnanamukta“ ist beschädigt.]

17.721 Nach Verehrung wird es mit Ghee verzehrt, während der Mantra mit Blick auf die Zielperson rezitiert wird. Männer, Frauen und Könige würden dadurch bis zum Tod gefügig.

17.722 Alternativ wird aus demselben Teig eine runde Form hergestellt, in deren Mitte der Name der Zielperson deutlich steht; sie wird wie zuvor zubereitet und gegessen.

17.723 Dies soll für ein Jahr Einfluss gewähren. Weitere mit eigenem Namen und Vorhaben verbundene Formen werden beschrieben, um die betreffende Person für diesen Zweck zu beeinflussen. [Die Angaben 710–723 dokumentieren historische Unterwerfungs- und Schädigungsrituale, keine Beziehungs- oder Praxisempfehlungen.]

17.724 Tarpana mit Kokoswasser soll eine Frau, kampferduftendes Wasser anwesende Menschen unter Einfluss bringen.

17.725 Salzwasser soll alle zu Dienern machen; für eine Frau wird salzhaltiges Wasser nochmals gesondert genannt.

17.726 Reines Wasser, einen Monat, einen halben Monat oder eine beschädigt bezeichnete kürzere Dauer lang im Namen einer Person dargebracht, soll beständigen Einfluss über sie verleihen.

17.727 Mit Ketaki duftendes Wasser sowie Wasser mit Jambu- und Bananenfrüchten soll Frauen so gefügig machen, dass sie selbst ihr geliebtes Leben hingäben.

17.728 Salzwasser mit Sesam soll Kinnaras beeinflussen; ein Monat Tarpana mit reinem Wasser soll eigenes Vermögen verschaffen. Nameru-duftendes Wasser wird zum Einfluss auf Könige genannt.

17.729 Ebenso soll moschusduftendes Wasser Könige beeinflussen; Champaka-duftendes Wasser soll alle erfreuen.

17.730 Tarpana mit Wasser, das nach Patali und hundertblättrigem Lotus duftet, soll bewirken, dass alle Menschen über den Übenden staunen.

17.731 Moschusduftendes Wasser wird als alle Vollendungen verleihend beschrieben. Mit „Indra“ und Sandelholz duftendes Wasser

17.732 soll die gewünschten Ziele verwirklichen. Reines heißes Wasser wird dagegen zur Tötung eines Gegners genannt und soll heftiges Fieber auslösen. [Die Glosse verbindet den ersten Halbsatz mit 731.]

17.733 Wasser mit Neem-Blattsaft soll unter Gegnern gegenseitige Feindschaft hervorrufen, durch die sie zugrunde gehen.

17.734 Sehr heißes Wasser soll Gegner schwer mit Durchfall und anderen Bauchleiden treffen. Diese Göttin gilt unter allen Vidyas als hervorragend und der Shrividya gleich.

17.735 Nun erkläre ich einen weiteren höchsten Nityaklinna-Mantra. Er beginnt mit Om, Hrim und Aim, gefolgt von „Nityaklinne madadrave“.

17.736 „Om hrim svaha“ bildet den Abschluss. Der durch das Zahlwort Tithi als fünfzehnsilbig bezeichnete Mantra gewährt das Erstrebte. Sammohana ist der Seher, Virat das Versmaß und Nityaklinna die Göttin, die die vier Lebensziele verleiht.

17.737 Ohne Vagbhava werden die sechs Glieder nach der Folge zwei, zwei, zwei, fünf, fünf und gesamter Mantra gebildet. Danach wird Nityaklinna vergegenwärtigt. [Die Zahlenverbindung ist knapp; die zweite Fünf erscheint als gleichbedeutendes Zahlwort Bana.]

17.738 Inmitten eines Meeres aus berauschendem Trank wird eine weite Insel vorgestellt, darauf ein lichtvoller Wald mit verschiedenen Wunschbäumen,

17.739 von lieblichem Bienensummen und sanftem Wind erfüllt. Inmitten schöner Gräser und Blüten steht ein Rubin-Pavillon.

17.740 In dessen Mitte steht ein Juwelenthron mit leuchtendem Dreieck; darin wird die Göttin in einem achtblättrigen Lotus sitzend vorgestellt.

17.741 „Ich erinnere mich an Nitya, mondgekrönt, rotlotusfarben und dreiäugig. Sie trägt Schlinge, Elefantenhaken, Wunschrankenzweig und Schädelschale und spielt mit einem weiteren Armpaar die liebliche Vina.“

17.742 Nach dieser Meditation wird ihr Sitz mit vier Kräften verehrt: ein achtblättriger Lotus mit Yoni in der Mitte.

17.743 „Am, Dravini und Vama, Verehrung“ wird im Nordosten gesprochen; „Im, Ahladakarini und Jyeshtha, Verehrung“ am als „gudasana“ überlieferten Ort. [Diese Ortsbezeichnung ist unsicher.]

17.744 „Um, Kshobhini und Raudri, Verehrung“ gehört zur westlichen Ecke; „Aim, der verborgenen Shakti, Verehrung“ in die Dreiecksmitte. Danach folgt „Hrim sarvashakti-kamalasanaya namah“.

17.745 Mit diesem als dreizehnsilbig bezeichneten Mantra wird der hervorragende Sitz der Göttin verehrt. Darauf wird Nityaklinna nach der folgenden Ordnung verehrt.

17.746 Auf den Staubfäden stehen die Glieder, auf den Blättern Nitya mit Im, Subhadra mit Mim sowie Mangala und Vanacarini,

17.747 Subhaga mit U und Um, Durbhaga mit Maim, Manonmani mit Om und Rudrarupini mit Maum. Die Namensmantras stehen im Dativ und enden auf Namah. [Die Silbenzuordnung zu Mangala und Vanacarini ist in der Vorlage nicht vollständig ausgeführt.]

17.748 Die Göttinnen spielen die Vallaki, sind warm, rot, bezaubernd, bewegen sich langsam im Rausch und tragen schönen Schmuck.

17.749 Mit der Kama-Keimsilbe, versehen mit Ha und zwei Punkten, sowie dem jeweiligen Namen im Dativ und Namah werden die mit Ananga beginnenden Gestalten verehrt.

17.750 Auf fünf Blättern, vor der Göttin beginnend im Uhrzeigersinn, stehen Ananga, Smara, Manmatha, Kama und Maraka. Sie tragen fünf Blütenpfeile, Schlinge, Elefantenhaken und Zuckerrohrbogen.

17.751 Hinter beziehungsweise neben ihnen stehen ihre Shaktis, geschmückt und mit Lotusgesichtern, und werden verehrt. [Die Verbindung „bhrunayukta“ ist nicht eindeutig; keine weitere Eigenschaft ergänzt.]

17.752 Außen folgt ein zehnblättriger Lotus. Von der Vorderseite der Göttin an im Uhrzeigersinn wird Ka mit Bindu und einer Vokalfolge unter Auslassung der als neutral bezeichneten Vokale verwendet.

17.753 Je ein solcher Laut wird vorangestellt; der Name steht im Dativ mit Namah am Ende. So entstehen der Reihe nach die Verehrungsmantras aller Gestalten.

17.754 Sie heißen Rati, Virati, Priti, Vipriti, Mati, Durbhati, Nidhriti, Vidhriti, Tushti und Vitushtika. [Einzelne Namensformen sind unregelmäßig überliefert.]

17.755 Sie tragen roten Schmuck, halten Vinas und lächeln. Außen folgen die Weltenhüter und außerhalb deren Waffen.

17.756 Dreihunderttausend Rezitationen werden genannt, dazu ein Zehntel als Ghee-Opfer; danach Tarpana und die übrigen Riten. Der Lehrer wird

17.757 mit Geld, Getreide und weiteren Gaben erfreut. Anschließend vollzieht der Kundige die beim vorherigen Mantra genannten Anwendungen nach der beschriebenen Ordnung.

17.758 Wer die bezaubernde Nityaklinna so mit Hingabe verehrt, erlange große Fülle und werde von Frauen um Zuneigung gebeten. [Die Glossen erläutern die Satzverbindung und die passive Konstruktion.]

17.759 Unter Beachtung der Überlieferung wird sie in den sechs Amnayas dauerhaft verehrt. Nun erkläre ich ihren großen zwölfsilbigen Mantra.

17.760 „Aim klim nityaklinne madadrave svaha“ ist die genannte Formel. Sammohana gilt als Seher.

17.761 Nivrit ist das Versmaß, Nityaklinna die Gottheit. Nach Bildung der sechs Glieder mit Vagbhava wird die Göttin meditiert.

17.762 Sie ist rot gekleidet, rotfarbig, mit rotem Duftstoff gesalbt und trägt Lotus, Elefantenhaken, Schlinge und Schädelschale in den Händen.

17.763 Ihr ganzer Körper ist von Rausch bewegt; sie ist dreiäugig und mondgekrönt. Auf dem Shakti-Sitz wird sie verehrt, zuerst mit den zuvor genannten Gliedern.

17.764 Außen folgen die bereits genannten Kräfte von Nitya an; sie sind rot und tragen blaue Lotusse und Schädelschalen in ihren Lotushänden.

17.765 Außerhalb werden Indra und die weiteren Richtungshüter sowie Vajra und die übrigen Waffen verehrt. Nun erkläre ich Mahakali, die alle Menschen bezaubert.

17.766 Sie wurde von Ganesha herbeigeführt und verbreitet den linken Weg. Auf diesem Weg soll ihre Vollendung rasch erlangt werden.

17.767 Sie steht nördlich von Durga und bewirkt Divodasas Vertreibung. Ihr Mantra beginnt mit Om, Kshrem, Kshrem, Krem, Krem, gefolgt von „Pashum grihana“, „Nimm das Opfertier an“, und den Schutz- und Waffenformeln Hum, Phat sowie Svaha. Die Silbenzahl wird mit Shakra bezeichnet. [Die verschlüsselte Zahl und die genaue Silbenzählung sind nicht erläutert.]

17.768 Nyasa, Mudras und weitere Überlegungen werden hier nicht verlangt. Die Göttin werde durch beliebige Speisen, Getränke und geschlechtliche Vereinigung erfreut.

17.769 In einem mit heißem Wasser gefüllten Krug wird Kalika mit Hingabe verehrt, zusammen mit Brahmi und den weiteren Shaktis.

17.770 Sie wird fünfgesichtig, überaus furchterregend, mit drei Augen in jedem Gesicht betrachtet; sie trägt Shakti-Speer, Dreizack, Bogen, Pfeil, Schild, Schwert sowie die Gesten von Segen und Furchtlosigkeit.

17.771 Die Göttin ist geschickt, mit Schlangenwindungen geschmückt und hält die Attribute in ihren Armen. Nach dieser Meditation soll der vollendete Übende sein innerlich vorgestelltes Ziel verwirklichen. [Die Armzuordnung ist im Wortlaut unregelmäßig.]

17.772 Brahmi, Maheshvari, Kaumari, Vaishnavi, Varahi, Indrani, Chamunda und als achte Chandika

17.773 werden rings bis zur Ishana-Richtung im Krugbereich vorgestellt. Kartikeya, Tamodevi und Mahakali, die Furcht vertreibt, werden zusätzlich genannt. [Die syntaktische Stellung Kartikeyas ist nicht eindeutig.]

17.774 Die Rezitation beträgt die Silbenzahl in Lakhs. Die Quelle nennt ein Feueropfer mit Ghee bestrichenen „Timi“, Fischen; danach Tarpana und die weiteren Riten. So gelte der Mantra als vollendet.

17.775 Ein Schädigungsritual verbindet die Nennung des gegnerischen Namens mit einem Seil und entzündetem Feuer; zornig wird dazu der Göttinnen-Mantra rezitiert. [Die Verbindung von Seil und Feuer ist beschädigt.]

17.776 Opfer aus Neem-Holz und Bibhitaka-Kohle sollen mit Kalikas Mantra den Gegner binnen sieben Tagen töten.

17.777 Vertreibung wird dem Nachmittag, Tötung der Abenddämmerung zugeordnet. Südlich von Dorf oder anderem Ort und nach Süden gewandt soll das Opfer mit denselben Stoffen den jeweiligen Zweck erfüllen.

17.778 Nun erkläre ich die von Mahaganapati verehrte Mahakritya. In der Erzählung wurden Frauen von ihrem ehelichen Treuegelübde abgebracht,

17.779 indem man ihnen vielerlei Wunder zeigte. Daraus sei eine große Ansammlung von Verfehlungen entstanden.

17.780 Als die Frauen zu Krityas geworden und die Hausgemeinschaften zerbrochen waren, suchten die Männer Zuflucht bei jener Macht und wurden wieder glückliche Hausväter.

17.781 Diese Kritya, Zierde des Hausstandes, werde ich erklären. Der Mantra beginnt mit Hrim und „Mahayogini Gauri bhuvana-

17.782 bhayankari hum“, „große Yogini, Gauri, Schrecken der Welt“. Er wird als sechzehnsilbig bezeichnet. Angiras ist der Seher und Devi-Gayatri das Versmaß.

17.783 Mit Phat am Ende wird dieselbe Formel dem Kopf zugeordnet. Durch dreimalige Wiederholung der beiden Formen werden die sechs Glieder gebildet.

17.784 Sie wird auf einem Löwen sitzend, mit schwarzem Gesicht, herabhängenden Brüsten, furchtbaren Fangzähnen, drei Augen und ringsum leuchtend meditiert.

17.785 Ein schwarzes Obergewand umhüllt sie; sie strahlt wie rauchloses Feuer. Sie trägt Dreizack, Diskus, Becher, Khatvanga, Segensgeste und Lotus.

17.786 Ihre große Zunge züngelt, ihr blitzender Blick erschreckt. So wird Kritya meditiert und ordnungsgemäß verehrt.

17.787 Von der Vorderseite der Göttin an werden Bhishana, Shrimati, Pratishtha und Vidya verehrt. Außen folgt ein vierblättriger Lotus.

17.788 Im Osten steht Shankari, weißfarbig und weißgekleidet, zweiarmig, freundlich, segenspendend, mit Schlinge und Elefantenhaken.

17.789 Im Süden steht Malika, mit langer Zunge und furchterregend. Nach der Verehrung werden täglich hundertacht Mantra-Wiederholungen genannt. [Die beiden übrigen Blätter werden hier nicht eigens beschrieben.]

17.790 Außen folgen die Weltenhüter und weitere Verehrung. Nun werden die Anwendungen erklärt. Für Tötungsrituale wird das Abbild zu einer bestimmten Zeit mit dem Gesicht nach unten angeordnet.

17.791 Darunter wird im Südosten eine dreieckige, eingefasste Feuerstelle beschrieben, mit einem mondhellen Feuer und Schilfgras als Umstreuung. [Die Glosse erläutert eine ungewöhnliche Lautverbindung.]

17.792 Bibhitaka dient als Einfassung. Die Quelle nennt für das Schädigungsopfer Krähen- und Eulenkot, bestrichen mit Neemöl.

17.793 Mit den Aufforderungen „Zerreiße ihn, trockne ihn aus, töte ihn“ werden hundertacht Mantra-Opfer beschrieben.

17.794 Nach dem vorgeschriebenen Abschluss wird vor dem Schädigungsfeuer eine Gabe mit den Worten dargebracht: „Wer mir an die Kehle greift, fern oder nahe … Gift, Fleisch und Blut …“ [Die Schlussformel ist beschädigt; keine vollständige Drohformel ergänzt.]

17.795 Das Feuer wird bewahrt und der Ritus nach neun Nächten abgeschlossen. Der Text behauptet darauf Tod beziehungsweise geistigen Untergang des Gegners. [Der zweite Halbvers ist nicht eindeutig gefügt.]

17.796 Eine weitere Schadensvorschrift nennt Pfeffer und weißen Senf, mit Arka-Milchsaft zerrieben und in Wasser eingerührt, während der Gegner mit festem Blick vorgestellt wird.

17.797 Unter schwarzer Kleidung und einer vorgestellten Niederwerfung des Gegners durch den Fuß werden Vajra und Spieß meditiert und die Flüssigkeit auf sein Abbild gegeben. Dies soll innerhalb von neun Nächten tödlich wirken.

17.798 Ein Opfer aus ölbenetztem Bibhitaka in einem Leichenfeuer soll den Gegner töten; die Quelle beruft sich dafür auf die Lehre Ushanas'. [Die zusätzliche Orts- oder Namensangabe „Harasiddha“ bleibt unklar.]

17.799 Es folgt ein Gegnerabbild auf einem der Zielkonstellation zugeordneten Brett, bestrichen mit Pfeffer und Arka-Milchsaft und mit einer Feuerhandlung verbunden.

17.800 Phat wird am Herzen eingesetzt; anschließend beschreibt die Quelle eine unklare Herstellung beziehungsweise Shiva-Handlung und das Versenken in einem Brunnen am vierzehnten Tag der dunklen Monatshälfte nach tausendfacher Rezitation.

17.801 Nach sofortigem Untertauchen werden hunderttausend Rezitationen und eine Shiva-Mudra genannt. Der Gegner sterbe binnen sechs Monaten. [Mehrere Handlungsbezüge sind beschädigt; keine praktisch geschlossene Vorschrift rekonstruiert.]

17.802 Auf ein vom Wind abgerissenes trockenes Bibhitaka-Blatt wird mit Blut aus dem Maul einer schwarzen Schlange

17.803 der Name des Gegners geschrieben, am Ende die Wind-Keimsilbe. Im Zusammenhang mit dessen Haus soll dies bewirken, dass er wie eine Krähe umherirrt. [Die Ortsanweisung ist sprachlich unvollständig.]

17.804 Vom Wind gefallene trockene Blätter, vom Blitz getroffenes Holz, Kamelknochen und Kohlen vom Verbrennungsplatz werden ebenfalls zur Vertreibung des Gegners genannt.

17.805 Zur Befriedung nennt die Quelle zerriebene Durva und Guduchi, Ghee, Sesam, Reis, Speisen und Palasha-Holz.

17.806 Bilva-Früchte und -Blätter sowie Nandyavarta sollen Fülle bringen; rote Blumen, Apamarga und weitere undeutlich bezeichnete Stoffe mit den drei süßen Zutaten dienen Einflussritualen.

17.807 Nach ordnungsgemäßer Befriedung wird dieser Kritya-Mantra täglich hundertachtmal rezitiert, um schwere Krankheit zu besänftigen.

17.808 Mit gesammeltem Geist gilt die Rezitation als besonders einflussverleihend. Innerlich wird Kritya auf einem Elefanten reitend oder vogelartig fliegend betrachtet.

17.809 Dadurch werde rasch Einfluss erlangt. Auf einem Pferd reitend wird sie als Beseitigerin der Furcht vor Dieben, Tigern, wilden Tieren und Wassergefahren verehrt. [Die Glosse verbindet die ersten vier Wörter mit dem vorigen Vers.]

17.810 Siebenfach besprochenes Wasser soll beim Trinken Einsicht und Redegewandtheit verleihen; dieselbe Zahl wird für eine Besprengung genannt. Selbst Gift werde durch siebenfache Besprechung zu Nektar. [Letzteres ist eine magische Behauptung und kein Schutz vor Vergiftung.]

17.811 Wer dies eine Monatshälfte, einen Monat, zwei Monate, sechs Monate oder ein Jahr lang vollzieht, erlange einen heiligen Weg nach dem Tod.

17.812 Nun erkläre ich die große Befriedung, die alle Störungen vernichtet, den Vamachara schützt und sämtliche Gottheiten erfreut.

17.813 Sie soll die auf dem linken Weg entstandenen Verfehlungen tilgen, Verdienst mehren, vorzeitigen Tod vernichten und Sieg fördern,

17.814 Lebensdauer bewahren, Stärkung, Fülle, Glück und Einfluss verleihen,

17.815 Söhne und Enkel geben, den Makel des Wohlstands beseitigen, schwere Krankheit befrieden und Fallsucht vernichten.

17.816 Yoginis, Geister, Vetalas, Totengeister, Kushmandas, Schlangen und besonders Dakinis sollen sich an dem betreffenden Ort nicht aufhalten.

17.817 Kritya wird ordnungsgemäß auf einem Tuch verehrt. Darauf wird ein sechzehnblättriger Lotus mit Yoni und Bindu gezeichnet.

17.818 In seiner Mitte folgt ein achtblättriger Lotus mit der bei A beginnenden Buchstabenreihe, darin ein Sechseck, unter Erinnerung an den Grundmantra.

17.819 Es werden Mondscheibe und Lotus sowie darüber eine Totengestalt gezeichnet. In ihrer Mitte steht ein mit Stoff und Edelsteinen geschmückter Krug.

17.820 In den Krug wird Kritya mit allen ihren Merkmalen eingesetzt, ordnungsgemäß verehrt und mit Milchspeise beschenkt.

17.821 Die Göttin wird als friedvoll in der Welt verehrt; vor ihr erfolgt das Feueropfer mit Ghee versehenem Apamarga, Sesam und Ghee,

17.822 ferner Durva, Mango-, Khadira- und Ashvattha-Holz, je achthundert Gaben, in einer Feuergrube oder auf einer geweihten ebenen Opferfläche.

17.823 Rechts wird Lakshmi nach der Ordnung meditiert; die Göttin steht im Krug, Shri wird zu ihrer Rechten vergegenwärtigt. [Die wiederholte Richtungsangabe bleibt wie überliefert.]

17.824 Links wird Hrillekha, die höchste Herrin, verehrt; wiederum links von ihr Gananayaka.

17.825 Zehntausend Wiederholungen des Grundmantras sollen Tod abwehren. Bei Tötung eines Embryos wird hunderttausendfache, bei Trinken von Alkohol tausendfache Rezitation genannt. [Die Einordnung als Verfehlung gehört zum Normensystem der Quelle.]

17.826 Bei Verrat am Guru nennt die Vorlage zehn Millionen sowie zusätzlich hundertacht, bei Vergehen gegen Brahman und beim Verkehr mit der Frau des Gurus ein Prayuta. Bei Trunkenheit und anderem Unrecht werden fünfhunderttausend Wiederholungen genannt. [Die Zuordnung der zusätzlichen Hundertacht und der Zahlenwert von Prayuta sind hier nicht weiter geklärt.]

17.827 Wer den linken, Kaula- oder Kapala-Weg betreten möchte, soll zuerst diesen „Parimala“ genannten Mantra vollenden.

17.828 Er soll Verfehlungen und Furcht vor Feinden beseitigen; Fehler des Gurus, des Schülers und aus rechtswidrigem Handeln entstandene Fehler sollen durch seine Rezitation verschwinden.

17.829 Auch ein im rechten Weg Gefestigter könne ihn zur Beseitigung von Leiden verwenden. Als Ersatzstoffe werden Shushkuli- und Phenika-Gebäck, Mungbohnen und weitere als „Vataka-Indira“ überlieferte Speisen im Zusammenhang mit Fleisch genannt. [Die genaue Aufteilung der Ersatzstoffe ist nicht eindeutig.]

17.830 Sauvira und saure Getreideflüssigkeit stehen für berauschenden Trank, die eigene Ehefrau gilt als Shakti, Auberginengemüse als Fischersatz. Dies soll sogar größere Vollendung als der linke Weg verleihen. [Die abschließende Vergleichsform ist in der Vorlage verkürzt.]

17.831 Nun erkläre ich Vighna als Bezauberer der drei Welten, der sich durch seine Kräfte vielfach in der Erscheinungswelt entfaltet.

17.832 Als Menschen wegen Divodasas Askeseglanz noch nicht in den Shakti-Weg eingetreten waren, erschien westlich von Kedara

17.833 Ganesha mit dem Namen Sammohana. Durch ihn wurde die ganze Stadt verblendet. Nun erkläre ich seinen Mantra, der in der oberen Überlieferung Vollendung verleiht.

17.834 Er beginnt mit „Vakratundaikadamshtraya“, gefolgt von Klim, Hrim, Shrim, Gam und „Ganapataye vara varada sarvajanam

17.835 me vashamanaya svaha“. Er wird als dreiunddreißigsilbig bezeichnet. Ganapa ist der Seher und Gayatri das Versmaß.

17.836 Trailokyamohana-Vighna ist die Gottheit. Die sechs Glieder werden der Reihe nach aus Silbengruppen gebildet, bezeichnet durch Rudra, Ishu, fünf, Veda, Anga und Netra,

17.837 also elf, fünf, fünf, vier, sechs und zwei. Meditation, Verehrung und sämtliche Anwendungen entsprechen Mahaganesha.

Kolophon: So endet im von Shiva verkündeten Meru-Tantra, gebilligt von Shri Mahamaya und Mahakala, der siebzehnte Prakāśa über die Ganapati-Mantras der oberen Überlieferung.

Achtzehnter Prakāśa: Ganesha und Bhuvaneshvari in der östlichen Überlieferung

18.1 Shiva sprach: Nun erkläre ich die Ganeshas der östlichen Überlieferung. Der Mantra beginnt mit Hrillekha, zweimal „Viri“, „Ganapate“ und zweimal „Vara“,

18.2 gefolgt von Da, „Sarvalokam me vashamanaya“ und der zweigliedrigen Schlussformel. Der als fünfundzwanzigsilbig bezeichnete Mantra soll Söhne und Enkel verleihen.

18.3 Ganaka ist der Seher, Gayatri das Versmaß und Viri-Vighnesha die Gottheit, die sichtbare und unsichtbare Früchte gewährt.

18.4 Die sechs Glieder werden aus den Silben des Grundmantras in Gruppen von vier, vier, fünf, fünf, fünf und zwei gebildet. [Die Zahlwortfolge enthält sowohl „ishu“ als auch „shara“, beide für fünf.]

18.5 Er wird zinnoberfarben und dreiäugig meditiert, links oben mit der Schlinge, rechts oben mit dem Elefantenhaken, unten rechts mit einer Schädelschale.

18.6 Mit der unteren linken Hand berührt er Pushtis Yoni. Er ist mondgekrönt und elefantengesichtig; Pushti umarmt ihn mit dem rechten Arm,

18.7 während sie mit der linken Hand die Spitze seines Linga berührt. In zwei oberen Händen

18.8 trägt sie zwei Lotusse. So wird Ganapati verehrt, auf dem zuvor genannten Sitz mit den neun Kräften. [Die Armzuordnung zwischen Gott und Shakti ist syntaktisch nicht durchgehend eindeutig.]

18.9 Mit dem Grundmantra wird die Gestalt vorgestellt, darin die Gottheit angerufen und verehrt. Zuerst folgen die Paare und die unbekleideten Amoda-Gestalten samt Gefolge.

18.10 Danach werden die Glieder, die Mütter, die Weltenhüter und außerhalb deren Waffen verehrt.

18.11 So wird Viri-Vighneshvara mit sechs Verehrungskreisen geehrt. Nun erkläre ich einen weiteren seiner Mantras.

18.12 Genannt werden zweimal Vara, Da und das Wort Loka; die verkürzte Form gilt als neunzehnsilbig. Nivrit ist ihr Versmaß. [Die vollständige Kürzung gegenüber dem vorigen Mantra wird nicht einzeln ausgeschrieben.]

18.13 Der Nyasa wird als der beim sechsunddreißigsilbigen Mantra genannte bezeichnet, jeweils mit vorangestellter Keimsilbe. Nun folgt die Meditation, die Handattribute von oben an aufzählend. [Der Bezug auf einen sechsunddreißigsilbigen Mantra ist hier nicht erläutert.]

18.14 Rechts trägt er Zitrusfrucht, Keule, Bogen, Diskus und Girlande, links Lotus, Schlinge, Pfeile, Stoßzahn und einen juwelenbesetzten Krug.

18.15 Die auf seinem Schoß sitzende Pushti, rötlich leuchtend und mit zwei Lotussen in den Händen, umarmt er. Er selbst ist rot; aus seinen Schläfen fließt die Elefantenflüssigkeit.

18.16 Der elefantengesichtige Gott wird dreiäugig, gelbgekleidet, mit erhobenem Geschlechtsorgan, Krone und Ohrringen meditiert. [Erotische Gottheitenikonographie des Textes.]

18.17 Nun erkläre ich Virinchi-Gananayaka, der von Brahma verehrt wird und nördlich außerhalb Kashis steht.

18.18 Auf Hrim und „Virinchi-Ganapataye“ folgen wie zuvor die bei „Vara“ beginnenden Worte. Der Mantra wird als sechsundzwanzigsilbig bezeichnet.

18.19 Die sechs Glieder werden aus Gruppen von vier, fünf, fünf, fünf, fünf und zwei Silben gebildet. Meditation und Verehrung erfolgen wie zuvor; als besondere Wirkung gilt:

18.20 Ein Opferkundiger könne die Veden samt ihren Hilfswissenschaften und Bedeutungen nach einmaligem Hören rezitieren. Er werde selbst zum Schöpfer und Auflöser nach der Ordnung.

18.21 Für alle diese Formen werden vierhunderttausend Wiederholungen als vorbereitende Praxis genannt. Geopfert wird mit den zuvor beschriebenen acht Stoffen und den drei süßen Zutaten.

18.22 Nach dieser Mantra-Vollendung können Anwendungen erfolgen. Opfer mit erblühten blauen Lotussen sollen die ganze Welt unter Einfluss bringen.

18.23 Sesam und Reis als Opfer sollen untadelige Fülle, Modakas mit Ghee Sieg verleihen.

18.24 Die drei süßen Stoffe als Opfer sollen einen König beeinflussen; verschiedene feste und weiche Speisen sollen das Erstrebte verwirklichen.

18.25 Nun wird der dreisilbige Shakti-Ganesha-Mantra genannt: „Hrim grim hrim“. Virat ist sein Versmaß, Bhargava

18.26 sein Seher und Shakti-Ganesha seine Gottheit. Die sechs Glieder werden mit der Keimsilbe und den sechs langen Vokalen gebildet.

18.27 Er wird als vierarmiger, goldfarbener, dreiäugiger Herr mit Elefantenantlitz, schönen Wedeln beziehungsweise großen Ohren, Schlinge und Elefantenhaken betrachtet.

18.28 Rechts hält er den eigenen Stoßzahn, links eine Zitrusfrucht, mit dem Rüssel Modakas.

18.29 Die Gottheit wird auf dem zuvor genannten Sitz der neun Kräfte von Tivra an verehrt, im achtblättrigen Lotus, umgeben von drei Quadraten.

18.30 Den ersten Kreis bilden die Glieder, den zweiten die Mütter, den dritten die Weltenhüter und den vierten Vajra und die weiteren Waffen.

18.31 Hunderttausend Wiederholungen bei Opferspeisenernährung und beherrschten Sinnen werden vorgeschrieben, dazu ein Zehntel als Opfer mit Ghee getränkten Kuchen.

18.32 Nach dieser Vollendung können wunschbezogene Handlungen erfolgen. Am vierten Tag der hellen Monatshälfte wird Vinayaka verehrt,

18.33 mit Kuchen und Rohrzucker, gekochten Speisen mit Ghee, Pfeffer, Kreuzkümmel und Steinsalz.

18.34 Dreitausend Opfer vor der Gottheit sollen innerhalb von sieben Tagen Gewandtheit in Prosa und Vers verleihen.

18.35 Honigopfer sollen einen König unter Einfluss bringen. Wer eine Braut begehrt, opfert Puffreis mit dem um ihren Namen erweiterten Mantra.

18.36 Nach Bewirtung eines oder sieben Mädchen soll er die Braut erlangen. Eine weitere Vorschrift nennt bei Sonnen- oder Mondfinsternis ein Pala Ghee einer braunen Kuh,

18.37 mit einem Karsha Vacha-Pulver vermischt und mit Mantras besprochen. Der Übende trinke dies beherrscht und in die Meditation der Gottheit vertieft.

18.38 Die Quelle fügt eine unregelmäßige Fastenvorschrift mit „solange das Leben dauert“ an und verspricht nach sieben Tagen eine Redegewandtheit wie die des Herrn der Rede. [Der Widerspruch wird nicht in eine sichere Fastendauer umgedeutet; keine Einnahme- oder Fastenempfehlung.]

18.39 Für eine unfruchtbare Frau wird am Tag ihres rituellen Bades die Verehrung Vinayakas genannt, danach Kurkuma, Steinsalz und Vacha in einer durch Nishka, Hälfte und Viertel bezeichneten Menge,

18.40 in einem Kudava Kuhurin zerrieben und tausendmal besprochen. Anschließend werden Mädchen mit guten Speisen bewirtet.

18.41 Nach einer Vergütung an den Guru trinke die Frau das Mittel; dadurch werde ihr ein Sohn mit allen guten Merkmalen geboren. [Historische Fruchtbarkeitsbehauptung, keine Empfehlung zum Verzehr.]

18.42 Nun erkläre ich eine Variante: Mit vorangestelltem Om ist der Mantra viersilbig. Shukra ist der Seher, Gayatri das Versmaß.

18.43 Shakti-Ganapa, der höchste Spender aller Vollendungen, ist die Gottheit. Die sechs Glieder bleiben wie zuvor; nun folgt die Meditation.

18.44 Er ist goldglänzend und goldgekleidet, dreiäugig und dickbäuchig; seine Hände tragen Schlinge, Gebetskette, Stoßzahn und Elefantenhaken.

18.45 Mit dem Rüssel hält er einen Modaka. Er trägt goldenen Schmuck, gleicht der Mittagssonne und ist mit seiner schönen Shakti verbunden.

18.46 Auf dem zuvor beschriebenen Sitz wird er angerufen und verehrt. Den ersten Kreis bilden die Glieder im sechsblättrigen Bereich,

18.47 im achtblättrigen Lotus folgen Vakratunda und die weiteren Gestalten, an den Blattspitzen die Mütter, im äußeren Bhupura die Weltenhüter

18.48 und außerhalb deren Waffen. Der Rest wird wie zuvor abgeschlossen. Hunderttausend Rezitationen und ein Zehntel davon

18.49 als Opfer mit Ghee bestrichenem Sesam werden genannt. Danach folgen Tarpana und die übrigen Abschlussriten; so gelte der Mantra als vollendet.

18.50 Nun kann der gesammelte Lehrer wunschbezogene Handlungen vollziehen. Tägliche Ghee-Speise-Opfer sollen nach einem Jahr reichliche Nahrung verschaffen.

18.51 Milchspeise und Ghee als Opfer sollen große Fülle geben; wer diese Form verehrt, soll eine Braut von Rambhas Schönheit erlangen.

18.52 Nun erkläre ich eine zwölfsilbige Variante. Sie beginnt mit Hrim, Gam, Hrim und „Mahaganapataye“

18.53 und endet auf Svaha. Nivrit-Gayatri ist das Versmaß, Ganaka der Seher und Shakti-Vinayaka die Gottheit.

18.54 Die sechs Glieder werden aus je einer, einer, einer, sieben und zwei Silben sowie dem ganzen Mantra gebildet.

18.55 Er trägt Perlenketten und den Mond; die Augen werden mit einer unklaren Schlangenbezeichnung beschrieben. Rechts hält er von oben an Lotus und Elefantenhaken, links oben

18.56 einen als „dashakumbha“ überlieferten Krug; die untere Hand erfreut die Yoni seiner Geliebten. Er hat ein Elefantengesicht und trägt eine juwelenbesetzte Krone. [Die Krugbezeichnung ist beschädigt.]

18.57 Nach dieser ordnungsgemäßen Vorstellung verehrt der Übende ihn zur Erlangung aller Vollendungen auf dem zuvor beschriebenen Sitz, nach der Ordnung Viri-Vighneshas.

18.58 Hunderttausend Rezitationen folgen, danach zehntausend Opfer mit Ghee-Kuchen in einem ordnungsgemäß verehrten Feuer.

18.59 Nach Tarpana und Besprengung werden Brahmanen bewirtet. Ist der Mantra so vollendet, werden die Anwendungen nach der Ordnung vollzogen.

18.60 Zuckerrohrstücke als Opfer sollen königliche Fülle verleihen; Bananen und Kokosnüsse sollen Menschen unter Einfluss bringen.

18.61 Flachgedrückter Reis mit Sesam soll einen König, geröstetes Mehl Brahmanen beeinflussen.

18.62 Ghee wird für Reichtum an Geld und Getreide geopfert. Auch die zuvor genannten Anwendungen gelten hier.

18.63 Nun erkläre ich einen weiteren Shakti-Ganesha-Mantra: „Om hrim gam hrim vashamanaya svaha“, dessen Silbenzahl durch Bhava bezeichnet wird.

18.64 Seher und weitere Zuordnungen bleiben wie zuvor. Die sechs Glieder werden nach einer verkürzten Zahlenfolge aus den Mantra-Silben und dem ganzen Mantra gebildet. Der Gott wird bandhukarot, dreiäugig, elefantengesichtig, mondgekrönt und mit einer Schlangengirlande meditiert; er trägt Schlinge, Elefantenhaken, Segensgeste und Zuckerrohr.

18.65 Mit dem Rüssel berührt er die Yoni seiner dunkelhäutigen Shakti, die ihn umarmt, sein Linga und einen Lotus in den Händen hält. So wird die vereinte Gestalt im Herzen betrachtet.

18.66 Die Verehrung erfolgt auf dem genannten Sitz wie zuvor. Dreihunderttausend Rezitationen und ein Zehntel als Feueropfer mit Ghee getränkten Kuchen werden genannt, danach Tarpana und weitere Riten.

18.67 Nach Meditation des eigenen Gurus wird dieser mit Geld und Getreide erfreut. Danach folgen die in der betreffenden Ritualordnung beschriebenen wunschbezogenen Anwendungen.

18.68 Kuchen mit den drei süßen Stoffen als Opfer sollen die Geliebte unter Einfluss bringen. Ganesha ist nicht ohne Shakti, und Shakti ist nicht ohne ihn.

18.69 Darum gilt den Kundigen die Verbindung mit Shakti als wesentlich. Deshalb erkläre ich zunächst die Shakti Shri Bhuvaneshvari.

18.70 Ihre Keimsilbe Hrim gilt als einsilbiger Mantra. Shakti, Vasishtha und Suta werden in der Seherangabe genannt. [Die Wortverbindung lässt die genaue Zuordnung dieser Namen offen.]

18.71 Gayatri ist das Versmaß; die Gottheit ist die höchste Kala, bezeichnet als Erkenntnis und Bewusstsein. Ha ist der Keim, langes I die Kraft.

18.72 R gilt als Verriegelung; die Anwendung dient allen Vollendungen. Mit der Keimsilbe und den sechs langen Vokalen werden die sechs Glieder gebildet.

18.73 Danach werden Auflösungs- und Schöpfungs-Matrika eingesetzt. Nun folgt der Mantra-Nyasa, der das Einswerden mit der Göttin bewirken soll.

18.74 Auf die Stirn wird Hom mit Hrillekha gelegt, auf den Mund Hram mit Bhaga; Rakta mit Hram auf das Herz, Karalika mit Hrim auf den After.

18.75 Hum mit Mahocchushma gehört zu den Füßen. Diese Kräfte werden auch den fünf Gesichtern zugeordnet, nach oben, Norden, Süden, Osten und der verbleibenden Richtung. [Die fünfte Richtung ist nicht deutlich benannt.]

18.76 Gayatri wird auf die Kehle, Savitri auf die linke Brust, Sarasvati auf die rechte und Brahmani auf die linke Schulter gelegt.

18.77 Vishnu wird auf das Herz, Mahesha auf die rechte Schulter und Brahma mit Gayatri auf die Stirn gelegt.

18.78 Vishnu mit Savitri kommt auf die Wange, Mahesha mit Vagishvari auf die linke Wange.

18.79 Der Herr des Reichtums wird zusammen mit Shri am linken Ohransatz eingesetzt.

18.80 Smara mit Rati kommt auf den Mund, Gana mit Pushti an den rechten Ohransatz; danach werden die beiden Schätze mit ihren Shaktis eingesetzt.

18.81 Genannt werden die Bereiche zwischen Ohr und Wange, Mundansatz, Halsansatz, beide Brüste, linke Schulter, Herz und rechte

18.82 Schulter sowie die beiden Flanken. Die acht Mütter werden auf Stirn, Schulter, Flanke, Bauch,

18.83 weitere Flanke und Schulter sowie Fuß, Kehle und Herz bezogen. [Die Ortsliste und die Achterzahl stimmen nicht eindeutig überein.] Mit dem Grundmantra wird der ganze Körper durchdrungen; danach wird die Göttin betrachtet.

18.84 Sie leuchtet wie die aufgehende Sonne, trägt den Mond auf dem Haupt, sitzt auf einem Lotus und hat drei Augen. Ihre vier Arme sind mit Schlinge, Elefantenhaken, Segens- und Furchtlosigkeitsgeste versehen; ihr Gesicht leuchtet in sanftem Lächeln.

18.85 Im Herzen wird die Göttin betrachtet, deren schlanker Leib sich unter der Fülle ihrer Brüste neigt. Das Mandala beginnt mit einem Sechseck, außen einem achtblättrigen Lotus,

18.86 dann einem sechzehnblättrigen Lotus und außen drei Quadraten mit vier Toren. Dies wird als hervorragendes Mandala bezeichnet.

18.87 Darin wird zuerst der Sitz mit neun Kräften verehrt: Jaya, Vijaya, Ajita, Aparajita,

18.88 Nitya, Vilasini, Dogdhri, Aghora und Mangala. Diese Kräfte stehen auf den Staubfäden und in der Mitte.

18.89 Mit dem Grundmantra wird der Sitz dargebracht und die Gestalt vorgestellt. Darin wird die Göttin mit ihren Gliedern und Verehrungskreisen angerufen.

18.90 Die Kräfte von Hrillekha an tragen Schlinge, Elefantenhaken, Segen und Furchtlosigkeit, glänzen mit vielfältigem Schmuck und gleichen den Elementen. [Der Vergleich „bhutanibha“ ist nicht näher erläutert.]

18.91 Sie werden der Reihe nach in Mitte, Osten, Süden, Norden und Westen verehrt; in den Ecken Südost, Nordost, Südwest und Nordwest folgen Herz und weitere Glieder.

18.92 Die Waffe wird in den Richtungen verehrt, die Paare an den Eckspitzen. Gayatri wird rötlich leuchtend, mit rotem Schmuck betrachtet,

18.93 viergesichtig, mit Stab, Wassergefäß, Gebetskette und Furchtlosigkeitsgeste. Vorne wird sie mit Brahma in entsprechender Gestalt verehrt. [Die letzte Handbezeichnung ist als „amiti“ beschädigt.]

18.94 Savitri trägt Diskus, Muschelhorn, Keule und Lotus in ihren Lotushänden, gelbe Kleider, Oberarm- und Armschmuck,

18.95 Krone, Halskette, Gürtel und Fußringe. Mit Vishnu in entsprechender Gestalt wird sie an der südwestlichen Eckspitze verehrt.

18.96 Sarasvati ist weiß, dreiäugig und weißgekleidet, vierarmig mit Beil, Gebetskette, Furchtlosigkeit und Segen.

18.97 Sie wird in der nordwestlichen Ecke zusammen mit Isha in gleicher Gestalt verehrt. Lakshmi sitzt auf dem Schoß ihres Geliebten und umarmt ihn mit dem rechten Arm,

18.98 mit der anderen Hand einen Lotus haltend. Dhanada wird gelb und dickbäuchig genannt, mit Juwelenkrug und Juwelenbehälter. [Der Vers mischt weibliche und männliche Formen; die genaue Attributzuweisung bleibt teilweise offen.]

18.99 Im Südosten sitzt Rati auf dem Schoß ihres Geliebten, umarmt ihn mit der linken Hand und hält mit der anderen einen Lotus. Er ist bandhukarot und trägt Pfeile, Schlinge, Elefantenhaken und Bogen.

18.100 Im Nordosten wird Vighnaraja mit seiner Geliebten verehrt. Er hält Elefantenhaken und Schlinge und berührt mit den Fingern ihren Intimbereich.

18.101 Er ist unbekleidet, trägt eine mit berauschendem Honigtrank gefüllte Schädelschale und hält mit dem Rüssel einen funkelnden Becher, aus dem Edelsteine strömen.

18.102 Pushti wird zinnoberrot, vom starken Rausch bewegt und unbekleidet verehrt; sie trägt einen roten Lotus, berührt mit der anderen Hand sein Geschlechtsorgan und umarmt den Geliebten.

18.103 Die Schätze werden in der Lotusmitte beziehungsweise an beiden Seiten des Sechsecks verehrt. Als erste Kräfte folgen Anangakusuma und Anangakusumatura,

18.104 Anangamadana und Bhuvanapalini; Gaganavega wird als sechste, Shashishirsha als siebte genannt,

18.105 zuletzt Gaganarekha. Sie stehen rings auf den Blättern, rot und schön geschmückt, mit Schlinge, Elefantenhaken, Segen und Furchtlosigkeit. [Eine fünfte Gestalt ist in dieser Reihe nicht eindeutig erhalten.]

18.106 Auf den sechzehn Blättern stehen Karali, Vikasalika, Sarasvati, Shri, Durga, Usha, Lakshmi, Shruti, Smriti und Dhriti,

18.107 Shraddha, Medha, Mati, Kanti und Arya. Diese als sechzehn bezeichneten Shaktis sind dunkel, tragen Schwert und Schild und werden im Uhrzeigersinn verehrt. [Nur fünfzehn Namen sind eindeutig trennbar; keine Ergänzung.]

18.108 Außerhalb werden Brahmi und die weiteren Mütter an den Blattverbindungen in Richtungsfolge verehrt. Außerhalb des Lotus folgen dienende Shaktis.

18.109 Sie heißen Anangarupa, Anangamadana, Madanatura, Bhuvanavega und Bhuvanapalika,

18.110 als sechste Sarvashishira, danach Anangavedana und Anangamekhala. Außen folgen die Richtungsherren.

18.111 Die dienenden Shaktis werden rot mit rotglänzendem Schmuck und langen, an den Rändern geröteten Augen vorgestellt. Links halten sie einen roten Lotus,

18.112 rechts der Reihe nach Becher, Palmfächer, Betel, Schirm, Wedel, Spiegel, Gewand und Blume.

18.113 Außerhalb werden Vajra und die weiteren Waffen verehrt. Es folgt eine Unterscheidung von Verehrungsumfängen; die erste Beschreibung ist beschädigt. Eine Form mit vier Kreisen gilt als vorzüglich.

18.114 Diese umfasst die Hrillekha-Gruppe, die Glieder, die Weltenhüter und deren Waffen. Die mittlere Form wird mit drei Kreisen aus Gliedern, Weltenhütern und Waffen beschrieben.

18.115 Die geringste Form hat zwei Kreise, Glieder und Weltenhüter. Auf Reisen oder wenn keine andere Möglichkeit besteht, gilt eine Verehrung allein mit den Gliedern.

18.116 Die Verehrung Bhuvaneshvaris soll niemals ausfallen. Wie beim Unterlassen der Sandhya entstehe nach der Quelle auch beim Unterlassen ihrer Verehrung Verfehlung.

18.117 Nach einer Woche ohne Verehrung drohe ein schwerer Fluch. Ein Anhänger des rechten Weges soll sie besonders freitags, einer des linken Weges sonntags nicht auslassen.

18.118 Wer sieben Freitage ohne Verehrung bleibt, soll gesammelt zweiunddreißig Lakhs, also 3.200.000 Mantra-Wiederholungen vollziehen.

18.119 Ein Zehntel davon wird mit den acht Stoffen und den drei süßen Zutaten geopfert; danach folgen Tarpana und weitere Riten nach der Lehrschrift.

18.120 Nun wird eine andere vorbereitende Praxis genannt: in einem Shiva-Heiligtum mit einem einzigen Linga, unter Zuflucht zu Dakshinamurti.

18.121 Sie umfasst Lotussitz auf Kusha, Schlafen auf Asche und die Zeit vom achten bis zum vierzehnten Tag der dunklen Monatshälfte.

18.122 Täglich werden Shiva und Shakti verehrt und tausend Mantra-Wiederholungen vollzogen. Geopfert wird mit Vyaghata-Holz, bestrichen mit Dickmilch, Honig und Ghee.

18.123 Darauf folgen etwas mehr als tausend Wiederholungen unter Meditation des Gesichts der Allherrin. So gelte der Mantra als vollendet.

18.124 Die acht Stoffe sind Ashvattha-, Udumbara-, Plaksha- und Banyan-Holz, Sesam, Senf, Milch und Ghee.

18.125 Mit jedem Stoff werden vierzigtausend Opfer genannt. Nach solcher Mantra-Vollendung soll der Übende alle Wünsche verwirklichen.

18.126 Tägliche Besprengung nach fünfundzwanzig Rezitationen soll Glück, das Trinken ebenso oft besprochenen Wassers Einsicht und Redegewandtheit verleihen.

18.127 Einsetzung und Rezitation an der Zungenspitze sollen Vollendung der Rede und Dichtkunst bewirken. Besprochene Augensalbe mit Kampfer und Agarholz wird als Einflussmittel genannt.

18.128 Ein Stirnzeichen aus Blut, Asche und roten Salben soll ebenfalls Einfluss verleihen. Tausend Rezitationen in knietiefem Wasser, unbewegt und mit geschlossenen Augen, sollen noch in derselben Nacht die gewünschte Frau herbeiziehen.

18.129 Puffreisopfer sollen eine Braut, Sesam Gesundheit, Dickmilch Stärkung und Reis eine entsprechende Wirkung gewähren. [Die Glosse deutet den letzten Fall als Einflussritual.]

18.130 Puffreis mit Brahmi-Saft und Vacha wird dreitausendmal besprochen und nach der Quelle einen Monat lang gegessen. Dies soll den Übenden Brihaspati gleich und zum Herrn aller Wissenschaften machen. [Historische Rezeptbehauptung, keine Einnahmeempfehlung.]

18.131 Süß bestrichenes Ashvattha-Holz soll Brahmanen, Lotusopfer sollen Könige und deren Minister unter Einfluss bringen.

18.132 Kumuda-Blüten werden für Königinnen genannt, danach Blüten einer als „Brahmakshetra“ bezeichneten Pflanze. Es folgt ein aus Reismehl und süßen Stoffen gefertigtes Abbild.

18.133 Nach ritueller Einsetzung des Lebens und Mantra-Besprechung wird es an einem Sonntag gegessen; dadurch soll ein gewünschter Mann, König oder eine Frau gefügig werden.

18.134 Mit Asche wird auf einem Brett die Shakti samt Zielbezeichnung eingezeichnet und einer Schwangeren gezeigt. Dies soll eine leichte Geburt bewirken. [Religiöse Heilsbehauptung, keine geburtshilfliche Maßnahme.]

18.135 Nun folgt eine Weiheordnung, die das Gewünschte verleihen soll. In einem Pavillon wird ein günstiges Mandala mit dem Sitz der Göttin angelegt.

18.136 Nach Verehrung des Sitzes werden Krüge in der Lotusmitte und an den Blattspitzen aufgestellt, aus Gold, Silber, gutem Kupfer

18.137 oder Ton. Fünf oder auch nur ein Krug werden unter lautem Instrumentalklang und Mantra-Spruch eingerichtet, verbunden mit den genannten Verehrungsgaben an die gewählte Gottheit.

18.138 In den Krügen werden die Mütter in Richtungsfolge verehrt. Bei fünf Krügen werden von der Mitte an

18.139 die fünf Kräfte von Hrillekha an verehrt. Danach folgt die Weihebesprengung, zunächst aus dem Ghee-Krug, dann mit Pflanzensud,

18.140 mit Öl, nochmals Pflanzensud und Honig, ferner mit einem Absud der Rinde des „Brahmanenbaums“.

18.141 Danach folgen Wasser aus den Torkrügen und zwischen den einzelnen Güssen das Waschen von Gesicht, Händen und Füßen sowie Achamana.

18.142 Nach jedem einzelnen Krugbad werden diese Reinigungen erneut mit dem entsprechenden Wasser vollzogen. Dadurch werde der Mensch befähigt beziehungsweise kraftvoll.

18.143 Brahmanen werden mit vielerlei Speisen bewirtet und erfreut. Dadurch soll große Fülle und beständiger Sieg erlangt werden.

18.144 Für einen Absud werden Früchte von Palasha, Ashvattha und Bilva, je ein halbes Pala, genannt, außerdem Agnimantha und eine beschädigte Stoffverbindung „lakshasevya“.

18.145 Prasarini, Kashmari und Rohini werden in der halben Menge aufgeführt; Udumbari, Patali und „Indu“ folgen mit einer undeutlichen Mengenangabe.

18.146 Mit dem Wasser dieses umfangreichen Absuds wird der Krug gefüllt. Jährliche Besprengung damit soll vorzügliche Langlebigkeit verleihen. [Die beschädigten Pflanzen- und Mengenangaben werden nicht zu einem verwendbaren Rezept ergänzt.]

18.147 Der Betreffende werde schön, gesund und sonnenhaft strahlend; Kamala werde seine Dienerin. Bei seinem Anblick verschwänden verschiedene Ängste, und sein Reichtum an Geld und Getreide wachse.

18.148 Alle Götter würden ihn ehren; selbst Schlangen und ihre Jungen, die auf seinem Weg liegen, würden ihn nicht beißen.

18.149 Nun erkläre ich einen hervorragenden dreisilbigen Mantra: „Aim hrim shrim“. Seher und weitere Zuordnungen bleiben wie zuvor. Mit den Anfangssilben beziehungsweise der mittleren Silbe und den sechs langen Vokalen werden Finger-Nyasa und sechs Glieder gebildet; die übrigen Nyasas entsprechen dem Vorigen.

18.150 Die Göttin wird bandhukarot, dreiäugig und mit Mondsichel meditiert; links trägt sie ein Juwelengefäß, rechts einen Lotus.

18.151 Der Mantra wird 1.200.000-mal rezitiert; ein Zehntel folgt als Feueropfer aus Opferspeise und den drei süßen Stoffen, danach Tarpana und weitere Riten.

18.152 Anschließend können wunschbezogene Anwendungen erfolgen. Blüten des Brahma-Baums als Opfer sollen Lakshmi gewähren.

18.153 Ein Jahr Rezitation mit Trinken von Brahmi-Ghee soll Dichtkunst verleihen. Salz mit weißem Senf als Opfer soll Frauen, Männer, Könige und andere unter Einfluss bringen.

18.154 Aragvadha-Blüten, mit Sandelholzwasser benetzt, werden für königliche Fülle mit feinen Gewändern und Edelsteinen genannt.

18.155 Opfer aus Sesam und Reis sollen die zuvor beschriebenen Früchte bringen. Auch die übrigen früheren Anwendungen gelten hier.

18.156 Nun erkläre ich einen weiteren dreisilbigen Mantra, der rasch Reichtum der Rede verleihen soll: „Aim hrim aim“. Seher und weitere Zuordnungen bleiben wie zuvor.

18.157 Die mittlere Silbe wird mit den langen Vokalen versehen und von Anfangs- und Endsilbe umschlossen; zusammen mit den Schlussformeln entstehen die sechs Glieder.

18.158 Der Nyasa entspricht dem beim einsilbigen Mantra beschriebenen. Die Göttin leuchtet hell, hat drei Augen und einen von der Fülle ihrer Brüste geneigten Leib.

18.159 Bhuvaneshvari wird mit Lotus, Juwelengefäß, Furchtlosigkeit und Segen in den Händen betrachtet, auf einem roten Lotus, mondgekrönt und mit Perlenketten geschmückt.

18.160 Sie wird auf dem Sitz der einsilbigen Form verehrt; Hrillekha und die übrigen Kräfte stehen wie zuvor an ihren Orten.

18.161 In den sechs Ecken folgen die Paare, auf den Staubfäden die sechs Glieder, auf den Blättern Brahmi und die anderen Mütter, entspannt und lächelnd auf dem Schoß ihrer jeweiligen Herren.

18.162 Diese Herren sind Asitanga, Ruru, Chanda, Krodha, Unmatta, Kapalin, Vibhishana und Samhara.

18.163 Ihre Hände tragen Spieß, Schädelschale, Totengestalt und kleine Trommel.

18.164 Sie tragen Elefantenhaut, sind von furchtbarer Gestalt und haben gekräuseltes beziehungsweise wirres Haar. So werden sie bei der Verehrung vergegenwärtigt.

18.165 Die Mütter werden mit langen, die Bhairavas mit kurzen Vokalen am Anfang verehrt. Auf den äußeren sechzehn Blättern stehen die zuvor genannten Kräfte von Karala an.

18.166 Danach folgen Anangarupa und die weiteren, die Weltenhüter und ihre Waffen. Die Rezitation wird mit „Tattva-Lakhs“ angegeben. [Die Zahl der Tattvas ist in dieser Stelle nicht erläutert; keine sichere Gesamtzahl festgesetzt.]

18.167 Ein Zehntel wird als Feueropfer aus Blüten des Brahma-Baums oder Rajavriksha mit den drei süßen Stoffen dargebracht; danach folgen Tarpana und weitere Riten.

18.168 Wer Bhuvaneshvari so verehrt, soll vom Rausch bewegte Frauen und Könige beeinflussen. Auch alle beim einsilbigen Mantra genannten Anwendungen gelten.

18.169 Nun erkläre ich einen weiteren dreisilbigen, Yantras und andere Mittel vollendenden Mantra: „Om hrim krom“. Seher und weitere Zuordnungen entsprechen der einsilbigen Form.

18.170 Mit Maya werden die Glieder gebildet. Im Herzen wird die Göttin auf einem Lotus meditiert, strahlend wie die aufgehende Sonne, mit Elefantenhaken, Schlinge, Furchtlosigkeit und Segen in den Händen.

18.171 Auf dem zuvor beschriebenen Sitz werden Hrillekha und die anderen Kräfte, auf den Staubfäden die sechs Glieder und auf den Blättern Brahmi und die übrigen Mütter verehrt.

18.172 Außen folgen Indra und die weiteren Richtungshüter sowie deren Waffen. Wer so mit Hingabe verehrt, werde Kubera gleich.

18.173 Alle Menschen würden ihm zugeneigt. Der Text nennt wiederum „Tattva-Lakhs“ als Rezitationszahl und „dessen Tausend“ als Opferzahl. [Beide Zahlenangaben sind in diesem Zusammenhang nicht ausreichend bestimmt.]

18.174 Geopfert wird mit Milchsaftbaum-Holz und den drei süßen Stoffen sowie mit gereinigtem Sesam und Milch in der genannten Zahl; danach folgen Tarpana und weitere Riten.

18.175 Als vier Opferbäume werden Ashvattha, Udumbara, Plaksha und Banyan genannt, mit jeweils sechstausend Gaben.

18.176 So ergibt sich ein im Agama beschriebenes Opfer von vierundzwanzigtausend Gaben. Das vom Übenden bewohnte Haus werde sonnenähnlich leuchtend,

18.177 sodass alle es nachts ohne Lampen wie von hundert Lampen erfüllt sehen. Dies wird der Gunst des Mantras zugeschrieben.

18.178 Salz mit weißem Senf und Kurkuma, mit Ghee versehen, soll als Opfer einen König und dessen Gemahlin unter Einfluss bringen.

18.179 Speiseopfer sollen das Haus mit Nahrung füllen; bei Opfern mit erblühten blauen Lotussen werde Lakshmi den Übenden nicht verlassen.

18.180 Blüten des Caturangula-Baums sollen Dichtkunst, Sesamopfer die Tilgung von Verfehlungen bewirken.

18.181 Wer lange leben möchte, opfert Ghee. Auch die früher genannten Anwendungen gelten. Ist der Mantra vollendet, soll er Genuss und Befreiung gewähren.

18.182 Nun erkläre ich „Vakratundaya hum“, einen als sechssilbig bezeichneten Mantra, der alle Vollendungen verleiht.

18.183 Frauen sollen die Schutzsilbe mit kurzem Vokal rezitieren. Bhargava ist der Seher, Anushtubh das Versmaß und Vakratunda, von Göttern und Asuras verehrt, die Gottheit.

18.184 Nach Reinigung der Hände mit dem Grundmantra werden bei beherrschten Sinnen die sechs Glieder aus dessen sechs Silben gebildet.

18.185 Die sechs Silben werden auf Brauenmitte, Kehle, Herz, Nabel und Grundlage gelegt; mit dem ganzen Mantra folgt der umfassende Nyasa. [Nur fünf Körperorte sind ausdrücklich genannt.]

18.186 Im Herzen wird er rot und lächelnd betrachtet, leuchtend wie die aufgehende Sonne, mit Schlinge, Elefantenhaken, Segen und Furchtlosigkeit in den Händen.

18.187 Vakratunda-Ganeshvara wird auf dem bekannten Sitz verehrt: zwei achtblättrige Lotusse, umgeben von drei Quadraten mit vier Toren.

18.188 In der Mitte steht die Gottheit, geehrt mit den Verehrungsgaben. Zuerst folgen die Glieder an ihren Orten, danach die acht Kräfte an den Blattwurzeln von Osten an:

18.189 Vidya, Vishvadhatri, Bhogada, Vighnanashini, Nidhiprada, Papaghni, Punya und Shashiprabha.

18.190 Auf den Blättern stehen die bereits genannten Fähigkeiten von Anima an; auf dem zweiten achtblättrigen Lotus Vakratunda und die weiteren Gestalten.

18.191 In den beiden Bahnen der Quadrate werden Weltenhüter und Waffen wie zuvor verehrt. So lautet Vakratundas Verehrung.

18.192 Die Rezitation beträgt die Silbenzahl in Lakhs; ein Zehntel wird mit den acht zuvor genannten, süß bestrichenen Stoffen geopfert.

18.193 Nach Mantra-Vollendung folgen wunschbezogene Handlungen. Vakratunda-Ganeshvara wird zunächst nach der früheren Ordnung durch Tarpana verehrt.

18.194 Vor ihm wird eine quadratische Feuergrube von einer Elle Seitenlänge angelegt. Das Feuer wird durch Reiben erzeugt oder aus dem Haus eines vedisch Gelehrten geholt.

18.195 Die rituelle Handlung beginnt mit drei Pranayamas; danach folgen Mantra-Nyasa und die sechs Glieder wie zuvor.

18.196 Das Feuer wird mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben verehrt und eingerichtet. Darin wird Ganesha mit einer Schlange als heiliger Schnur vorgestellt,

18.197 dickbäuchig, sonnenhaft, mit einem Stoßzahn und drei Augen, auf einem Lotus sitzend und vierarmig. [„Dreiäugig“ wird im Original wiederholt.]

18.198 Er trägt Krone, Halskette, Oberarmreifen und weiteren Schmuck. So wird Ganeshvara im Geist betrachtet und angerufen.

18.199 Nach Verehrung mit Duftstoffen und Besprengung des Feuers mit Wasser folgen tausendacht Ghee-Opfer mit dem sechssilbigen, durch Svaha abgeschlossenen Mantra. Damit gelte er als vollendet.

18.200 Am vierten Mondtag beider Monatshälften werden Opfer mit Kuchen genannt; der Text verbindet dabei tausend und hundert in einer gestörten Zahlenfügung. Nach einem Jahr soll Vermögen erlangt werden.

18.201 Täglich mittags werden vor ihm tausend, dreihundert oder hundertacht Wiederholungen vollzogen. Dies soll bald und mühelos große Fülle verleihen.

18.202 Heiterkeit des Geistes, Freude am Lobpreis, geringeres Schlafbedürfnis und das Erscheinen eines Elefanten im Traum werden als Zeichen der Mantra-Vollendung genannt. [Der Wortlaut zum Lobpreis ist nicht eindeutig.]

18.203 Drei Monate lang dreihundert Opfer mit der zuvor beschriebenen Reisspeise sollen den Übenden zu einer Stätte großer Schätze und Vaishravana gleich machen.

18.204 Tausend Opfer vor Ganesha aus flachgedrücktem Reis mit Rohrzucker, Kokosnuss mit Pfeffer und Kuchen mit Milch sollen Vermögen verschaffen.

18.205 Gutes Reismehl, Pfeffer und weitere Gewürze, Steinsalz, Kreuzkümmel, reichlich Rohrzucker und viel Ghee werden zu Kuchen verarbeitet,

18.206 von denen tausend vor Ganesha geopfert werden. Dadurch soll bald große Fülle entstehen.

18.207 Mit dem von den Namensbuchstaben der Zielperson umschlossenen Mantra werden Apamarga-Holz oder reife Jackfrüchte geopfert,

18.208 alternativ tausend Bananengaben, um einen Mann oder eine Frau zu beeinflussen. Tausend Puffreisopfer werden zur Erlangung einer Braut genannt.

18.209 Je tausend Ghee- und Milchopfer sollen Krankheit befrieden; hunderttausend Opfer aus sämtlichen genannten Gaben sollen den Tod überwinden.

18.210 Tausend Opfer mit Holz des Brahma-Baums und den drei süßen Stoffen sollen binnen eines Monats Sieg über die Feinde bringen.

18.211 Eine Schädigungsvorschrift nennt nachts tausendacht blutbestrichene Bibhitaka-Holzstücke im Feuer des Verbrennungsplatzes; dies soll den Gegner töten.

18.212 Ein auf den Boden gezeichnetes Gegnerbild, Feuer an dessen Bauchstelle und tausend Opfer mit weißem Senf sollen nach der Quelle innerhalb von sieben Tagen tödlich wirken.

18.213 Ganesha wird dabei wie eine rote Wolke vorgestellt, wie er den Gegner mit dem Rüssel ergreift

18.214 und in das gewaltige unterseeische Feuer wirft. Tausend Wiederholungen während dreier Tage sollen den Gegner vertreiben.

18.215 An einem zum Meer fließenden Fluss wird Wasser in den Händen genommen, tausendmal besprochen und auf den eigenen Kopf gegossen. Dies soll eine Ansammlung von Verfehlungen tilgen.

18.216 Dreitausend Wiederholungen am Samstag unter Berührung eines Ashvattha-Baums und Meditation Ganeshas sollen planetenbedingte Störungen beseitigen.

18.217 Tausend Opfer mit Vetasa-Holz sollen Regen bringen; Getreide wird für Vermögen, Speise für Nahrung geopfert.

18.218 Lotus- oder blaue Lotusblüten sollen Kleider verschaffen. Wer Land begehrt, opfert Palala mit Rohrzucker. [Palala bezeichnet hier eine zerkleinerte Sesam- beziehungsweise Speisezubereitung; der Vers erläutert sie nicht näher.]

18.219 Nach Ganapa-Verehrung werden Kurkuma, Steinsalz und Vacha in einer durch Nishka und halbe Anteile bezeichneten Menge zerrieben,

18.220 in einem Prasriti Kuhurin tausendmal besprochen und nach der Quelle einer unfruchtbaren, nach der Menstruation gebadeten und rotgekleideten Frau gegeben. Sie werde nach einem Jahr einen Sohn gebären. [Historische Fruchtbarkeitsbehauptung; keine Einnahmeempfehlung.]

18.221 Nach Fasten bei einer Mond- oder Sonnenfinsternis werden ein Pala Ghee einer braunen Kuh und ein halbes Pala Vacha-Pulver genannt.

18.222 Die Mischung werde tausendmal besprochen und getrunken; dadurch sollen große Einsicht und Dichtkunst entstehen. [Ein zweites „tausend“ steht in der Einnahmeanweisung unklar; keine Dosierung daraus rekonstruiert.]

18.223 Eine Fläche von der Größe einer Kuhhaut wird bestrichen und mit Stoff bedeckt; darauf wird ein mit Sandelholz und weiteren Gaben verehrter Krug aufgestellt.

18.224 Ein Junge oder Mädchen wird vor eine Lampe gesetzt; danach folgen tausendacht Wiederholungen des Mantras.

18.225 Unter Berührung soll das Kind alles aussprechen, was im Geist gefragt wird, über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. [Überlieferte Orakelvorstellung.]

18.226 Nun erkläre ich einen weiteren Vakratunda-Ganesha-Mantra: „Megholkaya svaha“, als sechssilbig bezeichnet. Bhargava ist der Seher, Anushtubh das Versmaß.

18.227 Der von den Göttern verehrte Vakratunda-Ganesha ist die Gottheit. Die sechs Glieder werden aus den sechs Mantra-Silben gebildet; Meditation, Verehrung und alles Weitere erfolgen wie zuvor.

18.228 Nun erkläre ich einen zweiunddreißigsilbigen Mantra. Er beginnt mit einer Anrufung als Geliebter des Wohlstands, Schatzspender und Edelsteinspender,

18.229 Dämonentöter und Vernichter der Stärke; danach folgt der erste sechssilbige Mantra. Seher, Meditation und Verehrung bleiben wie zuvor. Zwölftausend Wiederholungen und ein Zehntel als Feueropfer

18.230 mit Ghee bestrichener Opferspeise werden genannt; danach wird der Guru erfreut. Nach Mantra-Vollendung können die eigenen gewünschten Ziele verfolgt werden.

18.231 Alle beim sechssilbigen Mantra beschriebenen Anwendungen gelten. Nun folgt eine weitere ähnliche Variante.

18.232 Sie beginnt mit „Rayasposhasya dayita nidhido ratnado nriman rakshohano balagahano“ und endet mit „Vakratundaya hum“: Anrufung des dem Wohlstand verbundenen, schatz- und edelsteinspendenden, menschenreichen, dämonentötenden und Stärke überwindenden Vakratunda. [Mehrere grammatische Formen sind unregelmäßig; keine normalisierte Sanskritformel erzeugt.]

18.233 Die sechs Glieder werden mit Gruppen von fünf, drei, acht, vier, einer als „fünfte“ bezeichneten Gruppe und sechs Silben gebildet. Seher und weitere Zuordnungen bleiben wie zuvor. [Die Größe der fünften Gruppe ist nicht ausdrücklich angegeben.]

18.234 Auch die Anwendungen entsprechen dem Vorigen; besonders soll dieser Mantra Schätze verleihen. Nun erkläre ich Vakratundas Gayatri, die Ganapa lieb ist.

18.235 „Wir erkennen jenen Purusha; wir meditieren den mit dem gekrümmten Rüssel. Möge der Stoßzahntragende uns anregen!“

18.236 Zur Vollendung aller Mantras wird sie am Anfang und Ende rezitiert. Wer die vorbereitende Praxis vollzieht, spricht sie täglich hundertachtmal.

18.237 An Ganeshas Tag werden achtundzwanzig Wiederholungen genannt; bei der Rezitation eines anderen Mantras jeweils acht am Anfang und Ende, zur guten Vollendung. [Die Verbindung um „ganeshanadine“ ist in der Vorlage unregelmäßig.]

Kolophon: So endet im von Shiva verkündeten Meru-Tantra, gebilligt von Shri Mahamaya und Mahakala, der achtzehnte Prakāśa über die Ganapati-Mantras der östlichen Überlieferung.

Zum 19. Kapitel des Meru Tantra (und alle weiteren)

Spirituelle Orientierung zum ersten Prakāśa

Der erste Prakāśa führt von der Frage nach Shivas Meditation zur Prüfung der eigenen geistigen Haltung. Mahakala und Mahamaya öffnen den Blick für größere Zusammenhänge; Guru, Mantra und Einweihung führen ihn auf die Verantwortung des einzelnen Menschen zurück. Die Verehrung gewinnt Tiefe, wenn sie mit Erkenntnissuche und der Bereitschaft zur Veränderung verbunden wird. Die folgenden Grundgedanken werden in der Gesamtsynthese mit den späteren Kapiteln verbunden.

Fünf zentrale Lehren des ersten Prakāśa

1. Erkenntnissuche beginnt mit einer echten Frage. Die Göttin fragt selbst Shiva, worüber er meditiert (1.4–5). Spirituelle Größe schließt Fragen nicht aus. Für den Leser wird ihre Frage zu einer Einladung, hinter vertrauten Namen und Formen nach der gemeinten Wirklichkeit zu suchen.

2. Der eigene Rang ist kein Maß für das Unendliche. Die kosmischen Zeitvergleiche lassen den Hochmut der Götter zerfallen (1.15). Auch spirituelle Fähigkeiten und langjährige Erfahrung brauchen diese Offenheit: Sie sind kein endgültiger Besitz der Wahrheit.

3. Übertragung verlangt Verantwortung auf beiden Seiten. Vers 1.67 verbindet die Fruchtbarkeit des Weges mit Hingabe und Vertrauen bei Guru und Schüler. Der folgende Vers kritisiert auf beiden Seiten falsche Motive. Ein tragfähiger Weg fordert deshalb nicht nur Vertrauen vom Schüler, sondern auch Integrität vom Lehrer.

4. Reife zeigt sich im Umgang mit anderen. Der Schüler soll wahrhaftig, maßvoll und freundlich sprechen und allen hilfreich sein (1.83). Das Werk verbindet spirituelle Eignung ausdrücklich mit dem alltäglichen Handeln. Ein mitfühlendes Wort kann ein klareres Zeichen von Reife sein als eine beeindruckende Selbstdarstellung.

5. Innere Verehrung verdient besondere Aufmerksamkeit. Die geistige Puja wird innerhalb der sattvischen Verehrung hervorgehoben (1.104–105). Wer die äußere Form sorgfältig pflegt, kann zugleich auf Sammlung und Hingabe achten. Die stille innere Zuwendung gibt der sichtbaren Handlung ihre persönliche Tiefe.

Spirituelle Gesamtsynthese der 35 Prakāśas

Das Meru Tantra führt keine einzige geradlinige Methode vor. Es stellt viele Wege, Gottheiten, Mantras und rituelle Ziele nebeneinander. Seine gemeinsame Frage lautet, wie menschliches Leben mit göttlicher Gegenwart verbunden werden kann. Dabei stehen Bhukti, erfülltes Leben, und Mukti, Befreiung, häufig zusammen. Der Text kennt aber auch ihre Spannung: Begehrensfreie Verehrung wird ausdrücklich als Same der Befreiung bezeichnet, begehrensgebundene als Same weiteren Werdens (20.74).

Formen verehren und über die Form hinausfragen

Der Dialog beginnt mit der Frage nach der Wirklichkeit, auf die sogar Shiva seine Meditation richtet (1.4–5). Später erklärt das Werk, warum das Gestaltlose in einer Gestalt verehrt wird: Die allgegenwärtige Gottheit gewinnt durch besondere Hinwendung und das Vertrauen des Übenden erfahrbare Nähe (10.266–270). Das ist keine pauschale Verwerfung von Kultbildern. Form kann Sammlung ermöglichen, ohne das Göttliche auf diese eine Form zu begrenzen.

Die Bitte um Vergebung in 14.204–205 macht gerade diese Begrenzung zum Thema: Die göttliche Wirklichkeit ist in vielen Gottheiten, Menschen und anderen Wesen gegenwärtig, während der Verehrende sie nur ausschnitthaft erfasst. Harihara vereinigt Vishnu und Shiva in einem Bild (28.5); 30.1 spricht von der wechselseitigen Zugehörigkeit Gottes und seiner Shakti. Solche Stellen öffnen einen weiten Blick innerhalb eines Werkes, das zugleich erhebliche Rangunterschiede zwischen Traditionen behauptet.

Mantra, Körper und innere Aufmerksamkeit

Nyasa ordnet heilige Laute Körperstellen zu; Yantra macht Beziehungen von Mitte, Umkreisen, Richtungen und Gottheiten sichtbar; Puja verbindet Vorstellung, Sprache und Darbringung. Diese Formen gehören im Werk zu einer geregelten, häufig initiationsgebundenen Übertragung. Ihre Einzelangaben sollten nicht aus dem Zusammenhang zu beliebigen Techniken zusammengestellt werden.

Neben der äußeren Ordnung steht die innere Arbeit. 10.697 verlangt, bei langsamer Wiederholung den Sinn des Mantras zu erforschen; 10.698 verbindet Japa und Meditation. Kundalini, Ida, Pingala und Sushumna erscheinen in ausdrücklichen inneren Deutungen: 10.221–227 und 20.89–105 erklären bestimmte rituelle Bilder durch Sammlung, Erkenntnis und die Überwindung von Unwissenheit. In 20.97 werden Sushumna und Shakti, Jiva und Shiva aufeinander bezogen. Diese Deutung ist im Text vorhanden; sie macht nicht automatisch jede substanzgebundene oder sexuelle Passage des Werkes zu einer bloßen Metapher.

Göttliche Vielfalt als Schule der Hinwendung

Die langen Gottheitenabschnitte stellen unterschiedliche Bilder bereit: Ganesha nimmt Hindernisse in den Blick, Surya das sichtbare Licht (21.4–5; 21.128), Annapurna die Freude am Nahrunggeben (23.236–237). Vishnus Gestalten verbinden Schutz, Dharma und Hingabe; die Betrachtung Krishnas als Lehrer der Gita richtet sich auf Wachstum im Dharma und Vollendung im Yoga (26.772). Dakshinamurti wird um rechte Erkenntnis angerufen (31.449), Hanuman erscheint auch mit vor dem Herzen gefalteten Händen (34.164).

Diese Zusammenstellung ist eine heutige thematische Lesart. Die betreffenden Kapitel enthalten weit mehr, darunter sehr konkrete Macht-, Wohlstands- und Abwehrziele. Dennoch erlaubt die Vielfalt eine persönliche Frage: Welcher göttliche Name erinnert mich an eine Haltung, die ich im Umgang mit anderen verwirklichen möchte?

Hingabe braucht Unterscheidung und Verantwortung

Die Kritik an geldsuchenden Gurus und nach Kräften gierenden Schülern steht schon am Anfang (1.68). Später wird Hingabe höher gewichtet als Besitz (10.635), und das Bild der honigsuchenden Biene erlaubt dem Erkenntnissuchenden, über einen Lehrer hinauszugehen (10.670). Vertrauen und prüfende Aufmerksamkeit lassen sich daher textbezogen zusammendenken.

Ebenso deutlich sind einzelne ethische Aussagen: Frauen sollen nicht geschlagen oder herabgesetzt werden (23.938); heilsam heißt, keinem anderen Leid zu verursachen (25.32); nicht einmal in Gedanken soll man anderen schaden (26.1327). Dem stehen im selben Werk Schadenszauber, Unterwerfungsriten, soziale Ausschlüsse und diskriminierende Wertungen gegenüber. Diese Spannung wird nicht durch eine harmonisierende Gesamtauslegung beseitigt. Für heutige Aspiranten sind die nichtverletzenden Aussagen eine begründete Orientierung, keine Behauptung, das ganze Werk vertrete durchgehend dieselbe Ethik.

Erkenntnis, Hingabe und das eigene Herz

Die Rücknahme der Gottheit ins Herz verbindet äußere Verehrung mit innerer Gegenwart (26.720; 26.876). „Shiva bin ich“ erscheint als meditative Vergegenwärtigung des eigenen Selbst als Sadashiva (31.137). Solche Aussagen bezeichnen einen kontemplativen Zusammenhang; sie legitimieren weder persönliche Unfehlbarkeit noch das Überschreiten der Grenzen anderer Menschen.

Die Schlussverse nennen verschiedene Formen der Hinwendung: Licht für Kartavirya, Verneigung für Surya, Lob für Vishnu, Trankspende für Ganesha, Verehrung für Durga und Übergießen für Shiva (35.214–215). Für eine heutige, allgemein zugängliche Betrachtung kann darin die Erinnerung liegen, eine vertraute Form mit Aufmerksamkeit zu erfüllen. Nicht die Anhäufung außergewöhnlicher Verfahren entscheidet über die Qualität des Alltags, sondern auch die Bereitschaft, ehrlich, hilfreich und ohne Verletzungsabsicht zu handeln. Diese Schlussfolgerung ist eine gegenwärtige spirituelle Einordnung auf Grundlage der genannten Verse.

Eine thematische Lesereise bietet die Auswahl von 108 Versen und Mantras. Die vollständige Übersetzung wird in Meru Tantra Deutsch Teil 2 ab Prakāśa 19 fortgesetzt.

Fünf Anregungen für heutige Aspiranten

Die folgenden Anregungen sind eine gegenwärtige, allgemein zugängliche Übertragung. Sie sind keine zusätzlichen Verse und keine Anleitung zu initiationsgebundenen Ritualen.

1. Beginne die Meditation mit Offenheit. Nimm für einige Minuten eine ruhige Haltung ein. Lass die Frage aus 1.5 nachklingen: Welche Wirklichkeit suche ich hinter meinen Vorstellungen? Lass die Frage offen, ohne sofort eine Antwort erzwingen zu wollen.

2. Pflege einen vertrauten Mantra. Wiederhole einen dir vertrauten oder übertragenen Mantra aufmerksam und regelmäßig. Orientiere dich an Hingabe und Beständigkeit, wie sie 1.81–82 hervorheben, statt häufig nach vermeintlich mächtigeren Formeln zu wechseln.

3. Verbinde Dankbarkeit mit Unterscheidungskraft. Erinnere dich an das Gute, das du durch Lehrer empfangen hast. Prüfe zugleich, ob Lehre und Verhalten zusammenpassen. Die Kritik in 1.68 ist ein Anlass, sowohl eigene Erwartungen als auch materielle Interessen im Lehrverhältnis nüchtern anzusehen.

4. Mache freundliche Wahrhaftigkeit zur Übung. Wähle heute ein Gespräch, in dem du bewusst wahr, maßvoll und freundlich sprechen möchtest. Vers 1.83 gibt dafür einen konkreten Anhaltspunkt. Nach dem Gespräch genügt eine kurze, wohlwollende Selbstprüfung.

5. Ergänze äußere Verehrung durch einen stillen Moment. Wenn du eine Kerze entzündest, eine Blume darbringst oder dich innerlich verneigst, halte kurz inne. Lass die Handlung von Dankbarkeit getragen sein. Dies ist eine einfache Annäherung an innere Verehrung, kein Ersatz für einen besonderen Einweihungsritus.

Sammlung und freundliche Aufmerksamkeit verbinden das Schriftenstudium mit dem Alltag.

Textgrundlage und Hinweise zur Ausgabe

Grundlage ist der elektronische Sanskrittext M00195 des Muktabodha Indological Research Institute: Merutantra with ṭippani, mit Bearbeitung und Anmerkungen von Raghunātha Śāstrī; Datenerfassung unter Leitung von Mark S. G. Dyczkowski, Revisionsstand 5. April 2010. Der elektronische Kopf nennt Śrīveṅkateśvara, Bombay, 1908. Das wiedergegebene Titelblatt nennt Khemarāja Śrīkṛṣṇadāsa, Bombay, und „saṃskaraṇa san 1935“. Diese unterschiedlichen Angaben werden hier nicht zu einer ungesicherten bibliographischen Einheit verschmolzen.

Die digitalen Vorlagen stehen laut Quellenkopf unter Creative Commons BY-NC 4.0. Die vorliegende Aufbereitung entfernt Druckseitenmarker und technische Kopfzeilen, vereinheitlicht Zeilenumbrüche und ergänzt Kapitelüberschriften und Navigation. Sanskritlesungen und Versnummern bleiben erhalten. Die deutschen Kapitelbezeichnungen dienen der Orientierung; die überlieferten Sanskritkolophone stehen jeweils am Kapitelende.

In den Sanskritartikeln kennzeichnen eckige Klammern überlieferte Ṭippanī bzw. editorische Zusätze, nicht den Grundtext. In der deutschen Lesefassung werden auch Übersetzungs- und Lesungsanmerkungen ausdrücklich als solche beigefügt. Sie werden einschließlich ihrer stellenweise fehlerhaften Verschachtelung bewahrt. Besonders im Bereich von 5.106 ist die Klammerung unregelmäßig; bei der Auslegung muss dort der genaue Umfang eines Zusatzes eigens geprüft werden. Die hier vollständig wiedergegebenen Zusätze sind keine deutsche Kommentarübersetzung.

Das in der fortlaufenden Reihenfolge 32. Kapitel trägt im Kolophon die Bezeichnung „dvāviṃśaḥ“ und die Zahl 22. Die Überschrift verwendet zur Orientierung 32, der Sanskrittext bewahrt die abweichende Überlieferung. Zwei nicht UTF-8-konforme Apostrophbytes der Devanagari-Vorlage, im Bereich 23.510 und 23.688, sind als typographische Apostrophe wiedergegeben; ihre sprachliche Bedeutung ist damit nicht geklärt. Die entsprechende IAST-Fassung hat ebenfalls Apostrophe. Keine neue kritische Edition und kein vollständiger Abgleich mit einem Druckexemplar werden beansprucht.

Literatur

  • Merutantra, mit Ṭippanī, bearbeitet von Raghunātha Śāstrī. Bombay; zu den voneinander abweichenden Jahres- und Verlagsangaben siehe den Quellenabschnitt.
  • Muktabodha Indological Research Institute: Merutantra with ṭippani, elektronischer Text, Katalog M00195, IAST und Devanagari, Revision 2010.

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