Atma Upanishad: Unterschied zwischen den Versionen

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Die '''Atma Upanishad''' (Sanskrit: आत्मोपनिषत्, ''ātmopaniṣat'' f.) gehört zur Gruppe der [[Samanya Vedanta Upanishad]] und wird in der [[Muktika Upanishad|Muktika-Liste]] dem [[Atharvaveda]] zugeordnet. Im Mittelpunkt steht die Unterscheidung von äußerem, innerem und höchstem Selbst. Ihr Sanskrittext ist in unterschiedlichen Handschriften und Druckausgaben nicht immer gleich gegliedert; die folgende Ausgabe folgt der vollständig überlieferten Sanskrit-Documents-Fassung und nennt die verwendete Textgrundlage.
Inhaltlich behandelt die Schrift vor allem Körper und Organe; Antaratman und psychische Funktionen; Paramatman als reines, unteilbares [[Bewusstsein]]. Sie verbindet die Autorität der [[Upanishaden]] mit dem jeweiligen geistigen Milieu ihrer Überlieferung. Darum sollte sie zugleich aufmerksam, traditionssensibel und mit philosophischem Unterscheidungsvermögen gelesen werden.
[[Datei:RTEmagicC_meditation_Frau_am_see.jpg.jpg|thumb|Die Atma Upanishad lädt dazu ein, ihre Symbole in eine lebendige Praxis von Erkenntnis, Hingabe und innerer Sammlung zu verwandeln.]]
Für heutige Übende ist entscheidend, dass [https://www.yoga-vidya.de/yoga/ Yoga] hier nicht auf Körperübungen verkürzt wird. Studium, ethische Läuterung, [https://www.yoga-vidya.de/meditation/ Meditation], Hingabe und [[Selbsterkenntnis]] bilden einen Zusammenhang. Historische Ritualvorschriften oder außergewöhnliche Wirkungsbehauptungen werden in diesem Artikel als Quelleninhalt erklärt; sie sind nicht automatisch moderne Übungs- oder Heilversprechen.
[[Datei:Tropfen.jpg|thumb|Erfahre dich selbst!]]
Die '''Atma Upanishad''' ist ein Teil der indischen [[Heilig]]en [https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/indische-schriften/ Schriften], die [http://www.yoga-vidya.de/Yoga--Artikel/art_veden.html Veda] genannt werden. Sie gehört zum [[Atharvaveda]] und ist bei Deussen als [[reine Vedanta Upanishaden|reine Vedanta Upanishad]] aufgeführt. Die kurze Atma Upanishad nennt die Bestandteile, Eigenschaften und Funktionen von [[Körper]], individueller [[Seele]] und höchstem [[Selbst]].
Die '''Atma Upanishad''' ist ein Teil der indischen [[Heilig]]en [https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/indische-schriften/ Schriften], die [http://www.yoga-vidya.de/Yoga--Artikel/art_veden.html Veda] genannt werden. Sie gehört zum [[Atharvaveda]] und ist bei Deussen als [[reine Vedanta Upanishaden|reine Vedanta Upanishad]] aufgeführt. Die kurze Atma Upanishad nennt die Bestandteile, Eigenschaften und Funktionen von [[Körper]], individueller [[Seele]] und höchstem [[Selbst]].


[[Datei:Tropfen.jpg|thumb]]
== Atma Upanishad – Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung ==
 
Die folgende Studienfassung gibt jede nummerierte Vers- und jede wirkliche Prosatexteinheit einzeln wieder. Die Überschrift steht jeweils über dem Sanskrit; unmittelbar darunter folgen die eigene deutsche Übersetzung und eine vollständige, nach sinnvollen Wortgruppen gegliederte Wort-für-Wort-Erläuterung.
 
'''Eröffnungsvers der Atma Upanishad'''<br>
yatra nātmaprapañco'yamapahnavapadaṃ gataḥ |<br>
pratiyogivinirmuktaḥ paramātmāvaśiṣyate ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Wo diese Erscheinungswelt des Nicht-Selbst vollständig verneint ist und alle Gegenbegriffe aufgehoben sind, bleibt allein der höchste Atman.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yatra'' – wo; ''idam'' – dieses hier; ''pratiyogi'' – Gegenbegriff, Gegenüber; ''vinirmukta'' – vollständig befreit von; ''iṣyate'' – wird gelehrt; ''yatra nātmaprapañco'yamapahnavapadaṃ gataḥ'' – als Wortgruppe: Wo diese Erscheinungswelt des Nicht-Selbst vollständig verneint ist; ''pratiyogivinirmuktaḥ paramātmāvaśiṣyate'' – als Wortgruppe: alle Gegenbegriffe aufgehoben sind, bleibt allein der höchste Atman.
 
'''Shanti Mantra'''<br>
oṃ bhadraṃ karṇebhiḥ śruṇuyāma devāḥ | bhadraṃ paśyemākṣabhiryajatrāḥ |<br>
sthirairaṅgaistuṣṭuvām̐sastanūbhiḥ | vyaśema devahitaṃ yadāyuḥ ||<br>
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Om. Ihr Götter, mögen wir mit unseren Ohren hören, was heilsam ist, und mit unseren Augen sehen, was heilsam ist, ihr Verehrungswürdigen. Mögen wir euch mit standhaften Gliedern und Körpern preisen und die von den Göttern bestimmte Lebensspanne erfüllen. Möge Indra, der weithin Gerühmte, uns Wohlergehen schenken; möge Pushan, der Allwissende, uns Wohlergehen schenken; möge Tarkshya mit unversehrtem Rad uns Wohlergehen schenken; möge Brihaspati uns Wohlergehen gewähren. Om. Frieden, Frieden, Frieden.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''oṃ'' – Om; ''bhadram'' – heilsam, glückverheißend; ''karṇebhiḥ śṛṇuyāma'' – mögen wir mit den Ohren hören; ''akṣabhiḥ paśyema'' – mögen wir mit den Augen sehen; ''yajatrāḥ'' – ihr Verehrungswürdigen; ''sthiraiḥ aṅgaiḥ'' – mit standhaften Gliedern; ''vyaśema devahitaṃ yad āyuḥ'' – mögen wir die von den Gottheiten bestimmte Lebensspanne erfüllen; ''svasti naḥ'' – Wohlergehen für uns; ''Indra, Pūṣan, Tārkṣya, Bṛhaspati'' – die angerufenen Gottheiten; ''śāntiḥ'' – Frieden
 
=== 1. Kapitel ===
 
'''Erster Prosateil: äußerer Atman der Atma Upanishad'''<br>
oṃ athāṅgirāstrividhaḥ puruṣo'jāyatātmāntarātmā paramātmā ceti |<br>
tvakcarmamāṃsaromāṅguṣṭhāṅgulyaḥ pṛṣṭhavaṃśanakhagulphodara-<br>
nābhimeḍhrakaṭūrukapolaśrotrabhrūlalāṭabāhupārśvaśiro'kṣīṇi bhavanti<br>
jāyate mriyata ityeṣa ātmā |<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Nun lehrte Angiras: Der Purusha erscheint dreifach – als äußerer Atman, innerer Atman und höchster Atman. Haut, Fleisch, Haare, Glieder und Organe entstehen und vergehen; diese körperliche Gestalt heißt der äußere Atman.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''oṃ'' – Om, die heilige Silbe; ''atha'' – nun, darauf; ''puruṣa'' – Purusha, Geistwesen; ''ātman'' – Selbst; ''śrotra'' – Ohr, Gehör; ''jāyate'' – entsteht, wird geboren; ''iti'' – so; damit endet die Aussage; ''ātmā'' – das Selbst; ''oṃ athāṅgirāstrividhaḥ puruṣo'jāyatātmāntarātmā paramātmā ceti'' – als Wortgruppe: Nun lehrte Angiras; ''tvakcarmamāṃsaromāṅguṣṭhāṅgulyaḥ pṛṣṭhavaṃśanakhagulphodara-'' – als Wortgruppe: Der Purusha erscheint dreifach; ''nābhimeḍhrakaṭūrukapolaśrotrabhrūlalāṭabāhupārśvaśiro'kṣīṇi bhavanti'' – als Wortgruppe: als äußerer Atman, innerer Atman und höchster Atman.; Haut, Fleisch, Haare, Glieder und Organe entstehen und vergehen; ''jāyate mriyata ityeṣa ātmā'' – als Wortgruppe: diese körperliche Gestalt heißt der äußere Atman.
 
'''Zweiter Prosateil: innerer Atman der Atma Upanishad'''<br>
athāntarātmānāma pṛthivyāpastejovāyurākāśamicchādveṣasukhaduḥkha-<br>
kāmamohavikalpānādismṛtiliṅgodāttānudāttahrsvadīrghaplutaḥ<br>
khalitagarjitasphuṭitamuditanṛttagītavāditrapralayavijṛmbhitādibhiḥ<br>
śrotā ghrātā rasayitā netā kartā vijñānātmā puruṣaḥ<br>
purāṇanyāyamīmāṃsādharmaśāstrāṇīti śravaṇaghrāṇākarṣaṇakarmaviśeṣaṇaṃ<br>
karotyeṣo'ntarātmā |<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Der innere Atman umfasst Elemente, Wünsche und Abneigungen, Freude und Leid, Erinnerung, Wahrnehmung, Sprache, Handeln und unterscheidende Erkenntnis. Als der alte Purusha hört, riecht, schmeckt, denkt, entscheidet und versteht er die Lehren; so wird der innere Atman beschrieben.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''atha'' – nun, darauf; ''teja'' – Lichtglanz, feurige Kraft; ''tejas'' – Feuer, Lichtkraft; ''ākāśa'' – Raum, Äther; ''duḥkha'' – Leid; ''puruṣaḥ'' – [[Purusha]]; ''puruṣa'' – Purusha, Geistwesen; ''dharma'' – Dharma; Gesetz, Lehre, Eigenschaft; ''śāstra'' – Lehrschrift; ''iti'' – so; damit endet die Aussage; ''etad'' – dieses; ''athāntarātmānāma pṛthivyāpastejovāyurākāśamicchādveṣasukhaduḥkha-'' – als Wortgruppe: Der innere Atman umfasst Elemente; ''kāmamohavikalpānādismṛtiliṅgodāttānudāttahrsvadīrghaplutaḥ'' – als Wortgruppe: Wünsche; ''khalitagarjitasphuṭitamuditanṛttagītavāditrapralayavijṛmbhitādibhiḥ'' – als Wortgruppe: Abneigungen, Freude und Leid, Erinnerung, Wahrnehmung, Sprache, Handeln und unterscheidende Erkenntnis.; ''śrotā ghrātā rasayitā netā kartā vijñānātmā puruṣaḥ'' – als Wortgruppe: Als der alte Purusha hört; ''purāṇanyāyamīmāṃsādharmaśāstrāṇīti śravaṇaghrāṇākarṣaṇakarmaviśeṣaṇaṃ'' – als Wortgruppe: riecht, schmeckt, denkt, entscheidet und versteht er die Lehren; ''karotyeṣo'ntarātmā'' – als Wortgruppe: so wird der innere Atman beschrieben.
 
'''Dritter Prosateil: höchster Atman der Atma Upanishad'''<br>
atha paramātmā nāma yathākṣara upāsanīyaḥ |<br>
sa ca prāṇāyāmapratyāhāradhārṇādhyānasamādhiyogānumānātmacintakavaṭakaṇikā<br>
vā śyāmākataṇḍulo vā vālāgraśatasahasravikalpanābhiḥ sa labhyate<br>
nopalabhyate na jāyate na mriyate na śuṣyati na klidyate na dahyate na kampate<br>
na bhidyate na cchidyate nirguṇaḥ sākṣibhūtaḥ śuddho niravayavātmā kevalaḥ<br>
sūkṣmo nirmamo nirañjano nirvikāraḥ śabdasparśarūparasagandhavarjito nirvikalpo<br>
nirākāṅkṣaḥ sarvavyāpī so'cintyo nirvarṇyaśca punātyaśuddhānyapūtāni |<br>
niṣkriyastasya saṃsāro nāsti |<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Der höchste Atman ist das Unvergängliche, über das durch die Stufen des Yoga – Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi – meditiert wird. Subtiler als ein Samenkorn, ist er nicht als Gegenstand zu ergreifen. Er wird nicht geboren und stirbt nicht; er ist rein, ohne Teile, ohne Besitz, unveränderlich, jenseits von Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch, alldurchdringend, unvorstellbar, untätig und frei vom Samsara.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''atha'' – nun, darauf; ''yathā'' – wie; ''sa'' – er, dieser; ''ca'' – und; ''dhyāna'' – Meditation; ''vā'' – oder; ''labhyate'' – wird erlangt; ''na'' – nicht; ''jāyate'' – entsteht, wird geboren; ''śuddha'' – rein; ''ātman'' – Selbst; ''nirvikāraḥ'' – unveränderlich; ''tad'' – das, jenes; ''atha paramātmā nāma yathākṣara upāsanīyaḥ'' – als Wortgruppe: Der höchste Atman ist das Unvergängliche, über das durch die Stufen des Yoga; ''sa ca prāṇāyāmapratyāhāradhārṇādhyānasamādhiyogānumānātmacintakavaṭakaṇikā vā śyāmākataṇḍulo vā vālāgraśatasahasravikalpanābhiḥ sa labhyate'' – als Wortgruppe: Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi; ''nopalabhyate na jāyate na mriyate na śuṣyati na klidyate na dahyate na kampate'' – als Wortgruppe: meditiert wird.; ''na bhidyate na cchidyate nirguṇaḥ sākṣibhūtaḥ śuddho niravayavātmā kevalaḥ'' – als Wortgruppe: Subtiler als ein Samenkorn, ist er nicht als Gegenstand zu ergreifen.; ''sūkṣmo nirmamo nirañjano nirvikāraḥ śabdasparśarūparasagandhavarjito nirvikalpo nirākāṅkṣaḥ sarvavyāpī so'cintyo nirvarṇyaśca punātyaśuddhānyapūtāni'' – als Wortgruppe: Er wird nicht geboren und stirbt nicht; ''niṣkriyastasya saṃsāro nāsti'' – als Wortgruppe: er ist rein, ohne Teile, ohne Besitz, unveränderlich, jenseits von Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch, alldurchdringend, unvorstellbar, untätig und frei vom Samsara.
 
=== 2. Kapitel ===
 
'''2.1. Vers Atma Upanishad'''<br>
ātmasaṃjñaḥ śivaḥ śuddha eka evādvayaḥ sadā |<br>
brahmarūpatayā brahma kevalaṃ pratibhāsate || 1 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Das als Atman bezeichnete Gute ist rein, eins und immer nichtdual. In der Gestalt Brahmans leuchtet allein Brahman.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śuddha'' – rein; ''eka'' – eins; ''eva'' – allein, wahrlich; ''advaya'' – nichtdual, ohne ein Zweites; ''sadā'' – immer; ''brahma'' – Brahman, das Absolute; ''brahman'' – o Brahmane; Brahman; ''kevalam'' – einzig; ''ātmasaṃjñaḥ śivaḥ śuddha eka evādvayaḥ sadā'' – als Wortgruppe: Das als Atman bezeichnete Gute ist rein, eins und immer nichtdual.; ''brahmarūpatayā brahma kevalaṃ pratibhāsate'' – als Wortgruppe: In der Gestalt Brahmans leuchtet allein Brahman.
 
'''2.2. Vers Atma Upanishad'''<br>
jagadrūpatayāpyetadbrahmaiva pratibhāsate |<br>
vidyāvidyādibhedena bhāvābhāvādibhedataḥ || 2 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Auch als Welt mit Unterscheidungen wie Bejahung und Verneinung erscheint allein Brahman.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''jagat'' – Welt; ''api'' – auch; ''etad'' – dieses; ''brahma'' – Brahman, das Absolute; ''eva'' – allein, wahrlich; ''vidyā'' – Erkenntnislehre; ''jagadrūpatayāpyetadbrahmaiva pratibhāsate'' – als Wortgruppe: Auch als Welt mit Unterscheidungen wie Bejahung; ''vidyāvidyādibhedena bhāvābhāvādibhedataḥ'' – als Wortgruppe: Verneinung erscheint allein Brahman.
 
'''2.3. Vers Atma Upanishad'''<br>
guruśiṣyādibhedena brahmaiva pratibhāsate |<br>
brahmaiva kevalaṃ śuddhaṃ vidyate tattvadarśane || 3 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Auch in Unterscheidungen wie Lehrer und Schüler erscheint allein Brahman. In der Schau der Wahrheit besteht nur das reine Brahman.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''guru'' – Lehrer, Guru; ''brahman'' – o Brahmane; Brahman; ''eva'' – allein, wahrlich; ''kevalam'' – einzig; ''śuddha'' – rein; ''tattva'' – Wirklichkeit, Prinzip; ''guruśiṣyādibhedena brahmaiva pratibhāsate'' – als Wortgruppe: Auch in Unterscheidungen wie Lehrer und Schüler erscheint allein Brahman.; ''brahmaiva kevalaṃ śuddhaṃ vidyate tattvadarśane'' – als Wortgruppe: In der Schau der Wahrheit besteht nur das reine Brahman.
 
'''2.4. Vers Atma Upanishad'''<br>
na ca vidyā na cāvidyā na jagacca na cāparam |<br>
satyatvena jagadbhānaṃ saṃsārasya pravartakam || 4 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Da sind weder Wissen noch Unwissenheit, weder Welt noch etwas anderes. Das Erscheinen der Welt als wirklich setzt den Samsara in Gang.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''na'' – nicht; ''ca'' – und; ''vidyā'' – Erkenntnislehre; ''jagat'' – Welt; ''na ca vidyā na cāvidyā na jagacca na cāparam'' – als Wortgruppe: Da sind weder Wissen noch Unwissenheit, weder Welt noch etwas anderes.; ''satyatvena jagadbhānaṃ saṃsārasya pravartakam'' – als Wortgruppe: Das Erscheinen der Welt als wirklich setzt den Samsara in Gang.
 
'''2.5. Vers Atma Upanishad'''<br>
asatyatvena bhānaṃ tu saṃsārasya nivartakam |<br>
ghaṭo'yamiti vijñātuṃ niyamaḥ konvapekṣate || 5 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Ihr Erscheinen als unwirklich beendet den Samsara. Welche besondere Vorschrift wäre nötig, um zu erkennen: „Dies ist ein Topf“?
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tu'' – aber, hingegen; ''iti'' – so; damit endet die Aussage; ''asatyatvena bhānaṃ tu saṃsārasya nivartakam'' – als Wortgruppe: Ihr Erscheinen als unwirklich beendet den Samsara.; Welche besondere Vorschrift wäre nötig, um zu erkennen; ''ghaṭo'yamiti vijñātuṃ niyamaḥ konvapekṣate'' – als Wortgruppe: „Dies ist ein Topf“?
 
'''2.6. Vers Atma Upanishad'''<br>
vinā pramāṇasuṣṭhutvaṃ yasminsati padārthadhīḥ |<br>
ayamātmā nityasiddhaḥ pramāṇe sati bhāsate || 6 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Sobald ein taugliches Erkenntnismittel vorhanden ist, entsteht die Erkenntnis des Gegenstandes. Ebenso leuchtet das ewig vollendete Selbst auf, wenn das angemessene Erkenntnismittel wirksam ist.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''idam'' – dieses hier; ''ātman'' – Selbst; ''vinā pramāṇasuṣṭhutvaṃ yasminsati padārthadhīḥ'' – als Wortgruppe: Sobald ein taugliches Erkenntnismittel vorhanden ist, entsteht die Erkenntnis des Gegenstandes.; ''ayamātmā nityasiddhaḥ pramāṇe sati bhāsate'' – als Wortgruppe: Ebenso leuchtet das ewig vollendete Selbst auf, wenn das angemessene Erkenntnismittel wirksam ist.
 
'''2.7. Vers Atma Upanishad'''<br>
na deśaṃ nāpi kālaṃ vā na śuddhiṃ vāpyapekṣate |<br>
devadatto'hamityetadvijñānaṃ nirapekṣakam || 7 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Dazu sind weder ein bestimmter Ort noch eine bestimmte Zeit oder äußere Reinheit erforderlich. Die Erkenntnis „Ich bin Devadatta“ hängt von nichts anderem ab.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''na'' – nicht; ''vā'' – oder; ''aha'' – ich; ''iti'' – so; damit endet die Aussage; ''etad'' – dieses; ''vijñāna'' – unterscheidende Erkenntnis; ''na deśaṃ nāpi kālaṃ vā na śuddhiṃ vāpyapekṣate'' – als Wortgruppe: Dazu sind weder ein bestimmter Ort noch eine bestimmte Zeit oder äußere Reinheit erforderlich.; ''devadatto'hamityetadvijñānaṃ nirapekṣakam'' – als Wortgruppe: Die Erkenntnis „Ich bin Devadatta“ hängt von nichts anderem ab.
 
'''2.8. Vers Atma Upanishad'''<br>
tadvadbrahmavido'pyasyabrahmāhamiti vedanam |<br>
bhānuneva jagatsarvaṃ bhāsyate yasya tejasā || 8 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Ebenso ist die Erkenntnis „Ich bin Brahman“ beim Brahman-Erkenner unabhängig. Wie die Sonne die Welt erhellt, so wird alles durch das Licht dieser Erkenntnis erleuchtet.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''brahma'' – Brahman, das Absolute; ''aha'' – ich; ''iti'' – so; damit endet die Aussage; ''yasya'' – bei wem; ''tejas'' – Feuer, Lichtkraft; ''tadvadbrahmavido'pyasyabrahmāhamiti vedanam'' – als Wortgruppe: Ebenso ist die Erkenntnis „Ich bin Brahman“ beim Brahman-Erkenner unabhängig.; ''bhānuneva jagatsarvaṃ bhāsyate yasya tejasā'' – als Wortgruppe: Wie die Sonne die Welt erhellt, so wird alles durch das Licht dieser Erkenntnis erleuchtet.
 
'''2.9. Vers Atma Upanishad'''<br>
anātmakamasattucchaṃ kiṃ nu tasyāvabhāsakam |<br>
vedaśāstrapurāṇāni bhūtāni sakalānyapi || 9 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Was könnte das unwirkliche, nichtige Nicht-Selbst erhellen? Veden, Lehrschriften, Puranas und alle Wesen erhalten erst durch den Erkennenden ihren Sinn.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''sat'' – Wahrheit, Sein; ''tad'' – das, jenes; ''api'' – auch; ''anātmakamasattucchaṃ kiṃ nu tasyāvabhāsakam'' – als Wortgruppe: Was könnte das unwirkliche, nichtige Nicht-Selbst erhellen?; ''vedaśāstrapurāṇāni bhūtāni sakalānyapi'' – als Wortgruppe: Veden, Lehrschriften, Puranas und alle Wesen erhalten erst durch den Erkennenden ihren Sinn.
 
'''2.10. Vers Atma Upanishad'''<br>
yenārthavanti taṃ kiṃ nu vijñātāraṃ prakāśayet |<br>
kṣudhāṃ dehavyathāṃ tyaktvā bālaḥ krīḍati vastuni || 10 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Was könnte wiederum diesen Erkennenden erhellen? Ein Kind vergisst Hunger und körperlichen Schmerz und geht ganz in seinem Spiel auf.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tad'' – das, jenes; ''deha'' – Körper; ''tyaktvā'' – aufgegeben habend; ''yenārthavanti taṃ kiṃ nu vijñātāraṃ prakāśayet'' – als Wortgruppe: Was könnte wiederum diesen Erkennenden erhellen?; ''kṣudhāṃ dehavyathāṃ tyaktvā bālaḥ krīḍati vastuni'' – als Wortgruppe: Ein Kind vergisst Hunger und körperlichen Schmerz und geht ganz in seinem Spiel auf.
 
'''2.11. Vers Atma Upanishad'''<br>
tathaiva vidvānramate nirmamo nirahaṃ sukhī |<br>
kāmānniṣkāmarūpī saṃcaratyekacaro muniḥ || 11 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' So freut sich der Wissende ohne „mein“ und „ich“. Wunschlos, still und allein bewegt sich der Weise unter den Gegenständen des Begehrens.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''sam'' – zusammen, völlig; ''muni'' – Weiser; ''tathaiva vidvānramate nirmamo nirahaṃ sukhī'' – als Wortgruppe: So freut sich der Wissende ohne „mein“ und „ich“.; ''kāmānniṣkāmarūpī saṃcaratyekacaro muniḥ'' – als Wortgruppe: Wunschlos, still und allein bewegt sich der Weise unter den Gegenständen des Begehrens.
 
'''2.12. Vers Atma Upanishad'''<br>
svātmanaiva sadā tuṣṭaḥ svayaṃ sarvātmanā sthitaḥ |<br>
nirdhano'pi sadā tuṣṭo'pyasahāyo mahābalaḥ || 12 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Als Selbst von allem ruht er stets zufrieden in sich. Obwohl ohne Besitz, ist er immer erfüllt; obwohl ohne Begleiter, besitzt er große innere Kraft.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''eva'' – allein, wahrlich; ''sadā'' – immer; ''svayam'' – selbst, unmittelbar; ''api'' – auch; ''svātmanaiva sadā tuṣṭaḥ svayaṃ sarvātmanā sthitaḥ'' – als Wortgruppe: Als Selbst von allem ruht er stets zufrieden in sich.; Obwohl ohne Besitz, ist er immer erfüllt; ''nirdhano'pi sadā tuṣṭo'pyasahāyo mahābalaḥ'' – als Wortgruppe: obwohl ohne Begleiter, besitzt er große innere Kraft.
 
'''2.13. Vers Atma Upanishad'''<br>
nityatṛpto'pyabhuñjāno'pyasamaḥ samadarśanaḥ |<br>
kurvannapi na kurvāṇaścābhoktā phalabhogyapi || 13 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Auch ohne zu essen ist er innerlich erfüllt; ohne Vergleich schaut er alle gleich. Obwohl er handelt, ist er Nicht-Handelnder; obwohl Handlungsfrüchte erscheinen, ist er nicht ihr begrenzter Genießender.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''nitya'' – ewig, beständig; ''api'' – auch; ''kuru'' – tue, vollbringe; ''na'' – nicht; ''nityatṛpto'pyabhuñjāno'pyasamaḥ samadarśanaḥ'' – als Wortgruppe: Auch ohne zu essen ist er innerlich erfüllt; ohne Vergleich schaut er alle gleich.; ''kurvannapi na kurvāṇaścābhoktā phalabhogyapi'' – als Wortgruppe: Obwohl er handelt, ist er Nicht-Handelnder; obwohl Handlungsfrüchte erscheinen, ist er nicht ihr begrenzter Genießender.
 
'''2.14. Vers Atma Upanishad'''<br>
śarīryapyaśarīryeṣa paricchinno'pi sarvagaḥ |<br>
aśarīraṃ sadā santamidaṃ brahmavidaṃ kvacit || 14 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Obwohl er einen Körper hat, ist er körperlos; obwohl er begrenzt erscheint, ist er alldurchdringend. Der Brahman-Erkenner ist in Wahrheit stets körperloses Sein.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''api'' – auch; ''sadā'' – immer; ''idam'' – dieses hier; ''cit'' – reines Bewusstsein; ''śarīryapyaśarīryeṣa paricchinno'pi sarvagaḥ'' – als Wortgruppe: Obwohl er einen Körper hat, ist er körperlos; obwohl er begrenzt erscheint, ist er alldurchdringend.; ''aśarīraṃ sadā santamidaṃ brahmavidaṃ kvacit'' – als Wortgruppe: Der Brahman-Erkenner ist in Wahrheit stets körperloses Sein.
 
'''2.15. Vers Atma Upanishad'''<br>
priyāpriye na spṛśatastathaiva ca śubhā śubhe |<br>
tamasā grastavadbhānādagrasto'pi ravirjanaiḥ || 15 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Angenehmes und Unangenehmes, Gutes und Schlechtes berühren ihn nicht. Obwohl die Sonne nicht ergriffen wird, meinen Unwissende, sie werde von Rahu verschlungen.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''na'' – nicht; ''ca'' – und; ''api'' – auch; ''priyāpriye na spṛśatastathaiva ca śubhā śubhe'' – als Wortgruppe: Angenehmes und Unangenehmes, Gutes und Schlechtes berühren ihn nicht.; ''tamasā grastavadbhānādagrasto'pi ravirjanaiḥ'' – als Wortgruppe: Obwohl die Sonne nicht ergriffen wird, meinen Unwissende, sie werde von Rahu verschlungen.
 
'''2.16. Vers Atma Upanishad'''<br>
grasta ityucyate bhrāntyā hyajñātvā vastulakṣaṇam |<br>
tadvaddehādibandhebhyo vimuktaṃ brahmavittamam || 16 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Aus Irrtum nennen sie die Sonne verfinstert, weil sie ihr wirkliches Wesen nicht kennen. Ebenso halten Toren den von Körperbindungen freien Brahman-Erkenner für verkörpert.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''iti'' – so; damit endet die Aussage; ''deha'' – Körper; ''bandha'' – Bindung; ''grasta ityucyate bhrāntyā hyajñātvā vastulakṣaṇam'' – als Wortgruppe: Aus Irrtum nennen sie die Sonne verfinstert, weil sie ihr wirkliches Wesen nicht kennen.; ''tadvaddehādibandhebhyo vimuktaṃ brahmavittamam'' – als Wortgruppe: Ebenso halten Toren den von Körperbindungen freien Brahman-Erkenner für verkörpert.
 
'''2.17. Vers Atma Upanishad'''<br>
paśyanti dehivanmūḍhāḥ śarīrābhāsadarśanāt |<br>
ahinirlvayanīvāyaṃ muktadehastu tiṣṭhati || 17 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Sie sehen nur die Erscheinung des Körpers. Der Körper des Befreiten bleibt zurück wie die abgestreifte Haut einer Schlange.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''paśyanti'' – sehen sie; ''śarīra'' – Körper; ''mukta'' – befreit; ''deha'' – Körper; ''tiṣṭhati'' – bleibt er; ''paśyanti dehivanmūḍhāḥ śarīrābhāsadarśanāt'' – als Wortgruppe: Sie sehen nur die Erscheinung des Körpers.; ''ahinirlvayanīvāyaṃ muktadehastu tiṣṭhati'' – als Wortgruppe: Der Körper des Befreiten bleibt zurück wie die abgestreifte Haut einer Schlange.
 
'''2.18. Vers Atma Upanishad'''<br>
itastataścālyamāno yatkiñcitprāṇavāyunā |<br>
srotasā nīyate dāru yathā nimnonnatasthalam || 18 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Vom Lebenshauch ein wenig hierhin und dorthin bewegt, wird dieser Körper getragen wie ein Holzstück, das die Strömung über Höhen und Tiefen führt.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''cit'' – reines Bewusstsein; ''prāṇa'' – Prana, Lebenshauch; ''vāyu'' – Wind, Lebensluft; ''yathā'' – wie; ''itastataścālyamāno yatkiñcitprāṇavāyunā'' – als Wortgruppe: Vom Lebenshauch ein wenig hierhin; ''srotasā nīyate dāru yathā nimnonnatasthalam'' – als Wortgruppe: dorthin bewegt, wird dieser Körper getragen wie ein Holzstück, das die Strömung über Höhen und Tiefen führt.
 
'''2.19. Vers Atma Upanishad'''<br>
daivena nīyate deho yathā kālopabhuktiṣu |<br>
lakṣyālakṣyagatiṃ tyaktvā yastiṣṭhetkevalātmanā || 19 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Durch das Schicksal gelangt der Körper zu den jeweils reifen Erfahrungen. Wer jedoch alle sichtbaren und unsichtbaren Wege aufgibt und allein im reinen Selbst verweilt, bleibt davon frei.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''deha'' – Körper; ''yathā'' – wie; ''tyaktvā'' – aufgegeben habend; ''daivena nīyate deho yathā kālopabhuktiṣu'' – als Wortgruppe: Durch das Schicksal gelangt der Körper zu den jeweils reifen Erfahrungen.; ''lakṣyālakṣyagatiṃ tyaktvā yastiṣṭhetkevalātmanā'' – als Wortgruppe: Wer jedoch alle sichtbaren und unsichtbaren Wege aufgibt und allein im reinen Selbst verweilt, bleibt davon frei.
 
'''2.20. Vers Atma Upanishad'''<br>
śiva eva svayaṃ sākṣādayaṃ brahmaviduttamaḥ |<br>
jīvanneva sadā muktaḥ kṛtārtho brahmavittamaḥ || 20 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Ein solcher höchster Brahman-Erkenner ist unmittelbar Shiva. Schon im Leben ist er immer frei und hat das Ziel vollendet.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''eva'' – allein, wahrlich; ''svayam'' – selbst, unmittelbar; ''idam'' – dieses hier; ''jīva'' – individuelles Selbst; ''sadā'' – immer; ''muktaḥ'' – befreit; ''mukta'' – befreit; ''śiva eva svayaṃ sākṣādayaṃ brahmaviduttamaḥ'' – als Wortgruppe: Ein solcher höchster Brahman-Erkenner ist unmittelbar Shiva.; ''jīvanneva sadā muktaḥ kṛtārtho brahmavittamaḥ'' – als Wortgruppe: Schon im Leben ist er immer frei und hat das Ziel vollendet.
 
'''2.21. Vers Atma Upanishad'''<br>
upādhināśādbrahmaiva sadbrahmāpyeti nirdvayam |<br>
śailūṣo veṣasadbhāvābhāvayośca yathā pumān || 21 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Wenn die begrenzenden Beifügungen vergehen, geht er als Brahman in das nichtduale Brahman ein – wie ein Schauspieler, der mit dem Kostüm eine Rolle annimmt und ohne Kostüm wieder er selbst ist.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''nāśa'' – Auflösung, Vernichtung; ''brahma'' – Brahman, das Absolute; ''eva'' – allein, wahrlich; ''iti'' – so; damit endet die Aussage; ''yathā'' – wie; ''pumān'' – der Mensch; ''upādhināśādbrahmaiva sadbrahmāpyeti nirdvayam'' – als Wortgruppe: Wenn die begrenzenden Beifügungen vergehen, geht er als Brahman in das nichtduale Brahman ein; ''śailūṣo veṣasadbhāvābhāvayośca yathā pumān'' – als Wortgruppe: wie ein Schauspieler, der mit dem Kostüm eine Rolle annimmt und ohne Kostüm wieder er selbst ist.
 
'''2.22. Vers Atma Upanishad'''<br>
tathaiva brahmavicchreṣṭhaḥ sadā brahmaiva nāparaḥ |<br>
ghaṭe naṣṭe yathā vyoma vyomaiva bhavati svayam || 22 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Ebenso ist der höchste Brahman-Erkenner immer nur Brahman und nichts anderes. Wenn der Topf zerbricht, wird der eingeschlossene Raum als der eine Raum erkannt.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''sadā'' – immer; ''brahman'' – o Brahmane; Brahman; ''eva'' – allein, wahrlich; ''yathā'' – wie; ''bhavati'' – wird, ist; ''svayam'' – selbst, unmittelbar; ''tathaiva brahmavicchreṣṭhaḥ sadā brahmaiva nāparaḥ'' – als Wortgruppe: Ebenso ist der höchste Brahman-Erkenner immer nur Brahman und nichts anderes.; ''ghaṭe naṣṭe yathā vyoma vyomaiva bhavati svayam'' – als Wortgruppe: Wenn der Topf zerbricht, wird der eingeschlossene Raum als der eine Raum erkannt.
 
'''2.23. Vers Atma Upanishad'''<br>
tathaivopādhivilaye brahmaiva brahmavitsvayam |<br>
kṣīraṃ kṣīre yathā kṣiptaṃ tailaṃ taile jalaṃ jale || 23 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Wenn die begrenzenden Beifügungen sich auflösen, ist der Brahman-Erkenner selbst Brahman – wie Milch in Milch, Öl in Öl und Wasser in Wasser eins werden.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tathā'' – ebenso; ''eva'' – allein, wahrlich; ''brahman'' – o Brahmane; Brahman; ''svayam'' – selbst, unmittelbar; ''yathā'' – wie; ''tathaivopādhivilaye brahmaiva brahmavitsvayam'' – als Wortgruppe: Wenn die begrenzenden Beifügungen sich auflösen, ist der Brahman-Erkenner selbst Brahman; ''kṣīraṃ kṣīre yathā kṣiptaṃ tailaṃ taile jalaṃ jale'' – als Wortgruppe: wie Milch in Milch, Öl in Öl und Wasser in Wasser eins werden.
 
'''2.24. Vers Atma Upanishad'''<br>
saṃyuktamekatāṃ yāti tathātmanyātmavinmuniḥ |<br>
evaṃ videhakaivalyaṃ sanmātratvamakhaṇḍitam || 24 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Wie diese Stoffe in der Verbindung eins werden, so wird der Selbst-Erkenner im Selbst eins. Leibfreie Befreiung ist dieses ungeteilte, reine Sein.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tathā'' – ebenso; ''muni'' – Weiser; ''evam'' – auf diese Weise; ''eva'' – allein, wahrlich; ''sat'' – Wahrheit, Sein; ''saṃyuktamekatāṃ yāti tathātmanyātmavinmuniḥ'' – als Wortgruppe: Wie diese Stoffe in der Verbindung eins werden, so wird der Selbst-Erkenner im Selbst eins.; ''evaṃ videhakaivalyaṃ sanmātratvamakhaṇḍitam'' – als Wortgruppe: Leibfreie Befreiung ist dieses ungeteilte, reine Sein.
 
'''2.25. Vers Atma Upanishad'''<br>
brahmabhāvaṃ prapadyaiṣa yatirnāvartate punaḥ |<br>
sadātmakatvavijñānadagdhā vidyādivarṣmaṇaḥ || 25 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Nachdem der Entsagende den Zustand Brahmans erlangt hat, kehrt er nicht wieder. Die aus Unwissenheit hervorgegangenen Körper sind durch die Erkenntnis des Selbstseins verbrannt.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''sadā'' – immer; ''vidyā'' – Erkenntnislehre; ''brahmabhāvaṃ prapadyaiṣa yatirnāvartate punaḥ'' – als Wortgruppe: Nachdem der Entsagende den Zustand Brahmans erlangt hat, kehrt er nicht wieder.; ''sadātmakatvavijñānadagdhā vidyādivarṣmaṇaḥ'' – als Wortgruppe: Die aus Unwissenheit hervorgegangenen Körper sind durch die Erkenntnis des Selbstseins verbrannt.
 
'''2.26. Vers Atma Upanishad'''<br>
amuṣya brahmabhūtattvādbrahmaṇaḥ kuta udbhavaḥ |<br>
māyāklṛptau bandhamokṣau na staḥ svātmani vastutaḥ || 26 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Da dieser Yogi Brahman geworden ist, woher sollte für Brahman eine neue Geburt kommen? Bindung und Befreiung, von Maya entworfen, bestehen im Selbst nicht wirklich.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''brahma'' – Brahman, das Absolute; ''tattva'' – Wirklichkeit, Prinzip; ''brahman'' – o Brahmane; Brahman; ''māya'' – Maya, schöpferische Erscheinungskraft; ''tad'' – das, jenes; ''bandha'' – Bindung; ''mokṣa'' – Befreiung; ''na'' – nicht; ''amuṣya brahmabhūtattvādbrahmaṇaḥ kuta udbhavaḥ'' – als Wortgruppe: Da dieser Yogi Brahman geworden ist, woher sollte für Brahman eine neue Geburt kommen?; ''māyāklṛptau bandhamokṣau na staḥ svātmani vastutaḥ'' – als Wortgruppe: Bindung und Befreiung, von Maya entworfen, bestehen im Selbst nicht wirklich.
 
'''2.27. Vers Atma Upanishad'''<br>
yathā rajjau niṣkriyāyāṃ sarpābhāsavinirgamau |<br>
avṛteḥ sadasattvābhyāṃ vaktavye bandhamokṣaṇe || 27 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Wie Erscheinen und Verschwinden der Schlange das unbewegte Seil nicht verändern, so betreffen Bindung und Befreiung nur Verhüllung und Enthüllung, nicht das Selbst.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yathā'' – wie; ''bandha'' – Bindung; ''yathā rajjau niṣkriyāyāṃ sarpābhāsavinirgamau'' – als Wortgruppe: Wie Erscheinen; ''avṛteḥ sadasattvābhyāṃ vaktavye bandhamokṣaṇe'' – als Wortgruppe: Verschwinden der Schlange das unbewegte Seil nicht verändern, so betreffen Bindung und Befreiung nur Verhüllung und Enthüllung, nicht das Selbst.
 
'''2.28. Vers Atma Upanishad'''<br>
nāvṛttirbrahmaṇaḥ kvācidanyābhāvādanāvṛtam |<br>
astīti pratyayo yaśca yaśca nāstīti vastuni || 28 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Brahman ist niemals wirklich verhüllt, denn es gibt nichts anderes, das es verhüllen könnte. Die Gedanken „es ist“ und „es ist nicht“ entstehen nur im Intellekt.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''brahman'' – o Brahmane; Brahman; ''asti'' – ist; ''iti'' – so; damit endet die Aussage; ''nāvṛttirbrahmaṇaḥ kvācidanyābhāvādanāvṛtam'' – als Wortgruppe: Brahman ist niemals wirklich verhüllt, denn es gibt nichts anderes, das es verhüllen könnte.; ''astīti pratyayo yaśca yaśca nāstīti vastuni'' – als Wortgruppe: Die Gedanken „es ist“ und „es ist nicht“ entstehen nur im Intellekt.
 
'''2.29. Vers Atma Upanishad'''<br>
buddhereva guṇāvetau na tu nityasya vastunaḥ |<br>
atastau māyayā klṛptau bandhamokṣau na cātmani || 29 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Diese beiden Vorstellungen gehören nicht der ewigen Wirklichkeit an. Darum sind Bindung und Befreiung Schöpfungen Mayas und nicht Eigenschaften des Selbst.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''eva'' – allein, wahrlich; ''na'' – nicht; ''tu'' – aber, hingegen; ''nitya'' – ewig, beständig; ''tad'' – das, jenes; ''māya'' – Maya, schöpferische Erscheinungskraft; ''bandha'' – Bindung; ''mokṣa'' – Befreiung; ''ātman'' – Selbst; ''buddhereva guṇāvetau na tu nityasya vastunaḥ'' – als Wortgruppe: Diese beiden Vorstellungen gehören nicht der ewigen Wirklichkeit an.; ''atastau māyayā klṛptau bandhamokṣau na cātmani'' – als Wortgruppe: Darum sind Bindung und Befreiung Schöpfungen Mayas und nicht Eigenschaften des Selbst.
 
'''2.30. Vers Atma Upanishad'''<br>
niṣkale niṣkriye śānte niravadye niraṃjane |<br>
advitīye pare tattve vyomavatkalpanā kutaḥ || 30 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Wo wäre in der höchsten, dem Raum gleichen Wirklichkeit Platz für Vorstellungen – in ihr, die teil-los, untätig, friedvoll, makellos, unbefleckt und nichtdual ist?
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śānta'' – still, friedvoll; ''advitīye'' – im Nichtzweiten; ''tattva'' – Wirklichkeit, Prinzip; ''kutaḥ'' – woher?; ''niṣkale niṣkriye śānte niravadye niraṃjane'' – als Wortgruppe: Wo wäre in der höchsten, dem Raum gleichen Wirklichkeit Platz für Vorstellungen; ''advitīye pare tattve vyomavatkalpanā kutaḥ'' – als Wortgruppe: in ihr, die teil-los, untätig, friedvoll, makellos, unbefleckt und nichtdual ist?
 
'''2.31. Vers Atma Upanishad'''<br>
na nirodho na cotpattirna baddho na ca sādhakaḥ |<br>
na mumukṣurna vai mukta ityeṣā paramārthatā || 31 ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Es gibt weder Auflösung noch Entstehung, weder Gebundenen noch Übenden, weder Befreiungssuchenden noch Befreiten. Das ist die höchste Wahrheit.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''na'' – nicht; ''ca'' – und; ''vai'' – wahrlich, gewiss; ''mukta'' – befreit; ''iti'' – so; damit endet die Aussage; ''etad'' – dieses; ''na nirodho na cotpattirna baddho na ca sādhakaḥ'' – als Wortgruppe: Es gibt weder Auflösung noch Entstehung, weder Gebundenen noch Übenden, weder Befreiungssuchenden noch Befreiten.; ''na mumukṣurna vai mukta ityeṣā paramārthatā'' – als Wortgruppe: Das ist die höchste Wahrheit.
 
'''Upanishad-Schluss'''<br>
ityupaniṣat ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' So lautet die Upanishad.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''iti'' – so; damit endet die Aussage; ''upaniṣad'' – Upanishad, geheime Lehre; ''ityupaniṣat'' – als Wortgruppe: So lautet die Upanishad.
 
'''Abschließendes Shanti Mantra'''<br>
oṃ bhadraṃ karṇebhiḥ śruṇuyāma devāḥ | bhadraṃ paśyemākṣabhiryajatrāḥ |<br>
sthirairaṅgaistuṣṭuvām̐sastanūbhiḥ | vyaśema devahitaṃ yadāyuḥ ||<br>
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Om. Ihr Götter, mögen wir mit unseren Ohren hören, was heilsam ist, und mit unseren Augen sehen, was heilsam ist, ihr Verehrungswürdigen. Mögen wir euch mit standhaften Gliedern und Körpern preisen und die von den Göttern bestimmte Lebensspanne erfüllen. Möge Indra, der weithin Gerühmte, uns Wohlergehen schenken; möge Pushan, der Allwissende, uns Wohlergehen schenken; möge Tarkshya mit unversehrtem Rad uns Wohlergehen schenken; möge Brihaspati uns Wohlergehen gewähren. Om. Frieden, Frieden, Frieden.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''oṃ'' – Om; ''bhadram'' – heilsam, glückverheißend; ''karṇebhiḥ śṛṇuyāma'' – mögen wir mit den Ohren hören; ''akṣabhiḥ paśyema'' – mögen wir mit den Augen sehen; ''yajatrāḥ'' – ihr Verehrungswürdigen; ''sthiraiḥ aṅgaiḥ'' – mit standhaften Gliedern; ''vyaśema devahitaṃ yad āyuḥ'' – mögen wir die von den Gottheiten bestimmte Lebensspanne erfüllen; ''svasti naḥ'' – Wohlergehen für uns; ''Indra, Pūṣan, Tārkṣya, Bṛhaspati'' – die angerufenen Gottheiten; ''śāntiḥ'' – Frieden
 
'''Heilige Schlussformel'''<br>
|| hariḥ oṃ tatsat ||<br>
 
'''Deutsche Übersetzung:''' Hari Om. Das ist das Wahre.
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''hariḥ'' – Hari; ''oṃ'' – Om, die heilige Silbe; ''hariḥ oṃ tatsat'' – als Wortgruppe: Hari Om.; Das ist das Wahre.
 
== Atma Upanishad: Datierung, Inhalt und Bedeutung ==
 
=== Name, Einordnung und Überlieferung ===
 
Der Name bezeichnet die Lehre über die Unterscheidung von äußerem, innerem und höchstem Selbst. Als [[Samanya Vedanta Upanishad]] verbindet die Schrift upanishadische Befreiungssprache mit Begriffen, Bildern und Praktiken ihrer besonderen Tradition. Die Zuordnung zum [[Atharvaveda]] beruht vor allem auf dem Muktika-Kanon und den Kolophonen der späteren Sammlungen; sie bedeutet nicht zwingend, dass der gesamte Text schon zur ältesten Schicht dieses Veda gehörte.
 
Die Überlieferung ist handschriftlich. Abschnitts- und Verszahlen können deshalb zwischen Ausgaben abweichen, besonders bei Prosateilen, Schlussformeln und eingeschobenen Mantras. Diese Ausgabe gibt den benutzten Text vollständig wieder und gliedert lange Prosa für Übersetzung und Worterklärung in redaktionelle Sinnabschnitte. Solche Zwischenüberschriften sind keine vorgetäuschten alten Verszahlen.
 
=== Datierung ===
 
Die genaue Entstehungszeit ist nicht gesichert. Sprache, Systematisierung und Stellung im Muktika-Kanon sprechen für eine jüngere Upanishad, deren überlieferte Gestalt wahrscheinlich im ersten Jahrtausend n. Chr. oder im frühen Mittelalter gewachsen ist. Datierungen von Neben-Upanishaden sind grundsätzlich Näherungen: Ein alter Lehrgedanke, die erhaltene sprachliche Fassung und der Zeitpunkt der Aufnahme in eine Sammlung können verschiedenen Epochen angehören.
 
=== Aufbau und Inhalt ===
 
Der Text entfaltet Körper und Organe; Antaratman und psychische Funktionen; Paramatman als reines, unteilbares [[Bewusstsein]]. Seine Bewegung führt von sichtbaren Formen, kosmologischen Zuordnungen oder Regeln immer wieder zur Frage nach dem tragenden Bewusstsein. Selbst dort, wo Ritual, Gottheit oder [[Mantra]] im Vordergrund stehen, zielt die upanishadische Deutung auf eine Umwandlung des Erkennenden.
 
Für die Lektüre ist es hilfreich, drei Ebenen auseinanderzuhalten: Erstens die wörtliche historische Vorschrift oder Erzählung, zweitens ihre symbolische und meditative Bedeutung und drittens die philosophische Aussage über [[Atman]], [[Brahman]] und [[Moksha|Befreiung]]. Nicht jede Passage beansprucht auf allen drei Ebenen dieselbe Art von Wahrheit.
 
=== Philosophische Kernlehre ===
 
Die zentrale Perspektive lautet: die Unterscheidung von äußerem, innerem und höchstem Selbst. Die wechselnden Erfahrungen, Namen und Formen sind nicht das letzte Maß des Menschen. Freiheit entsteht, wenn Identifikation, Unwissenheit und zwanghafte Anhaftung durch klare [[Jnana|Erkenntnis]], Sammlung und eine gereifte Lebensführung durchschaut werden.
 
Diese Lehre darf nicht als bloße Behauptung „Alles ist eins“ missverstanden werden. Die Upanishaden verbinden Einsicht mit Disziplin: Der Geist soll wahrhaftig, ruhig und fein werden. Erst dann wird [[Advaita Vedanta|Nichtdualität]] zu gelebter Freiheit statt zu einem abstrakten Gedanken.
 
[[Datei:Padmakshi_medisitz.jpg|thumb|Studium wird in der upanishadischen Tradition durch Kontemplation, Meditation und verantwortliches Handeln vertieft.]]
 
=== Beziehungen zu anderen Schriften ===
 
Thematisch steht die Atma Upanishad besonders neben [[Savitri Upanishad]], [[Adhyatma Upanishad]], [[Akshi Upanishad]], [[Surya Upanishad]], [[Annapurna Upanishad]], [[Ekakshara Upanishad]], [[Akshamalika Upanishad]]. Gemeinsame Motive können wörtliche Übernahmen, geteilte mündliche Traditionen oder spätere Neuinterpretationen älterer Verse anzeigen. Ähnlichkeit allein beweist jedoch keine eindeutige chronologische Abhängigkeit.
 
Die [[Bhagavad Gita]] verbindet ebenfalls Erkenntnis, Hingabe und Handeln; das [[Yoga Sutra]] beschreibt die Sammlung des Geistes mit einer anderen systematischen Sprache. Ein Vergleich macht sichtbar, was allen Wegen gemeinsam ist und wo die Atma Upanishad einen eigenen Akzent setzt.
 
=== Bedeutung für die Tradition ===
 
Für die zugehörige Tradition legitimiert die Schrift Praxis nicht nur durch Vorschrift, sondern durch eine Sicht des Menschen und des Kosmos. Die im Text behandelten Themen – Körper und Organe; Antaratman und psychische Funktionen; Paramatman als reines, unteilbares Bewusstsein – erhalten dabei einen gemeinsamen inneren Bezug. Ritual und Symbol gewinnen ihren tiefsten Sinn, wenn sie Erinnerung, Sammlung, Selbsthingabe und Erkenntnis fördern.
 
Historisch war die Unterweisung häufig in eine [[Guru]]-Schüler-Beziehung eingebettet. Das gilt besonders für Bija-Mantras, Nyasa, Gelübde, intensive Atemmethoden oder weitreichende Formen der [[Sannyasa|Entsagung]]. Die schriftliche Überlieferung bewahrt die Lehre; sie ersetzt nicht in jedem Fall die persönliche Anleitung.
 
=== Bedeutung für heutige Yoga Aspiranten ===
 
Der moderne [[Yoga Aspirant]] kann die Schrift fruchtbar lesen, ohne jedes vormoderne Weltbild wörtlich übernehmen zu müssen. Er kann fragen: Welche Form von Unwissenheit wird hier beschrieben? Welche Haltung reinigt den Geist? Wie werden Körper, Atem, Gefühl, Denken und Bewusstsein miteinander verbunden? Und woran zeigt sich Befreiung im Umgang mit anderen Menschen?
 
Praktisch bedeutet dies: kurze Passagen regelmäßig studieren, zentrale Begriffe nachschlagen, die Lehre in stiller [[Meditation]] prüfen und ihre ethische Wirkung beobachten. Wachsende Geduld, Wahrhaftigkeit, Mitgefühl und Freiheit von zwanghaftem Begehren sind verlässlichere Zeichen als Visionen, Titel oder außergewöhnliche Erlebnisse.
 
=== Bedeutung für Yogalehrer und spirituelle Begleiter ===
 
Für [[Yogalehrer]] ist die Atma Upanishad eine Erinnerung an sorgfältige Kontextualisierung. Ein Lehrer sollte zwischen Textaussage, traditioneller Kommentierung, persönlicher Erfahrung und überprüfbaren körperlichen Wirkungen unterscheiden. Er sollte schwierige soziale, medizinische oder sektarische Aussagen weder verschweigen noch unkritisch bestätigen.
 
Ein verantwortlicher Lehrer führt nicht in Abhängigkeit. Er hilft Lernenden, Schrift, Vernunft, Gewissen und eigene Erfahrung miteinander ins Gespräch zu bringen. Wo Übungen Risiken bergen oder eine Einweihung voraussetzen, gehören klare Grenzen zur spirituellen Redlichkeit.
 
=== Bleibende Botschaft ===
 
Die bleibende Einladung der Atma Upanishad besteht in der vertieften Auseinandersetzung mit ihrem Kernanliegen: die Unterscheidung von äußerem, innerem und höchstem Selbst. Formen können verschieden sein; das Ziel ist eine Freiheit, die den ganzen Menschen verwandelt. Erkenntnis wird dann lebendig, wenn sie das Herz weitet, den Geist klärt und das tägliche Handeln wahrhaftiger macht.
 
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==Atma Upanishad mit Erläuterungen nach Paul Deussen==
==Atma Upanishad mit Erläuterungen nach Paul Deussen==
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Nunmehr das höchste Selbst:
Nunmehr das höchste Selbst:
Derjenige, welcher
Derjenige, welcher
nach den Bestandteilen [des Wortes [[Om]]] zu verehren, indem man ihn unter Atemhemmung, Zurückziehung von den Sinnendingen, [[Meditation]] und [[Yoga]]-Folgerung als das eigene Selbst überdenkt (-cintakam adverbial), als Kern des [[Feigenbaum]]es (Chand. 6,12,1), als des [[Hirse]]kornes Kern (Chand. 3,14,3), durch hunderttausendfache Zerlegung der Haaresspitze (Svet. 5,9. Dhyanabindu 6) usw. nicht erfaßt noch aufgefaßt wird, der nicht geboren wird und nicht stirbt (Kath. 2,18), nicht verdorrt (Chand. 6,11,2) und nicht verbrennt (Chand. 6,16,2), nicht zittert (Prasna 5,6. Yogasikha 1), nicht gespalten (Chand. 6,12,1) und nicht zersplissen wird (Bhag. G. 2,23), der [[guna]]-loser Zuschauer ist (Svet. 6,11), der reine, gliederlose Atman, der absolute, feine, teillose, fleckenlose (Svet. 6,19), selbstwahnlose (Maitr. 6,30), von [[Ton]], [[Gefühl]], [[Geschmack]], Gestalt und [[Geruch]] freie, wandellose (Brahmab. 8), wunschlose, alldurchdringende (Svet. 1,16), er, der undenkbare und unbeschreibliche, der das Unreine, Unheilige reinigt, dem kein Werk anhaftet und keine Nachwirkung der Werke, - das ist das höchste Selbst, der Purusha, - das ist das höchste Selbst, der Purusha!
nach den Bestandteilen [des Wortes [[Om]]] zu verehren, indem man ihn unter Atemhemmung, Zurückziehung von den Sinnendingen, [https://www.yoga-vidya.de/meditation/ Meditation] und [[Yoga]]-Folgerung als das eigene Selbst überdenkt (-cintakam adverbial), als Kern des [[Feigenbaum]]es (Chand. 6,12,1), als des [[Hirse]]kornes Kern (Chand. 3,14,3), durch hunderttausendfache Zerlegung der Haaresspitze (Svet. 5,9. Dhyanabindu 6) usw. nicht erfaßt noch aufgefaßt wird, der nicht geboren wird und nicht stirbt (Kath. 2,18), nicht verdorrt (Chand. 6,11,2) und nicht verbrennt (Chand. 6,16,2), nicht zittert (Prasna 5,6. Yogasikha 1), nicht gespalten (Chand. 6,12,1) und nicht zersplissen wird (Bhag. G. 2,23), der [[guna]]-loser Zuschauer ist (Svet. 6,11), der reine, gliederlose Atman, der absolute, feine, teillose, fleckenlose (Svet. 6,19), selbstwahnlose (Maitr. 6,30), von [[Ton]], [[Gefühl]], [[Geschmack]], Gestalt und [[Geruch]] freie, wandellose (Brahmab. 8), wunschlose, alldurchdringende (Svet. 1,16), er, der undenkbare und unbeschreibliche, der das Unreine, Unheilige reinigt, dem kein Werk anhaftet und keine Nachwirkung der Werke, - das ist das höchste Selbst, der Purusha, - das ist das höchste Selbst, der Purusha!


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== Atma Upanishad – vollständiger Text in Devanagari ==
यत्र नात्मप्रपञ्चोऽयमपह्नवपदं गतः ।<br>
प्रतियोगिविनिर्मुक्तः परमात्मावशिष्यते ॥<br>
ॐ भद्रं कर्णेभिः श्रुणुयाम देवाः । भद्रं पश्येमाक्षभिर्यजत्राः ।<br>
स्थिरैरङ्गैस्तुष्टुवाꣳसस्तनूभिः । व्यशेम देवहितं यदायुः ॥<br>
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥<br>
ॐ अथाङ्गिरास्त्रिविधः पुरुषोऽजायतात्मान्तरात्मा परमात्मा चेति ।<br>
त्वक्चर्ममांसरोमाङ्गुष्ठाङ्गुल्यः पृष्ठवंशनखगुल्फोदर-<br>
नाभिमेढ्रकटूरुकपोलश्रोत्रभ्रूललाटबाहुपार्श्वशिरोऽक्षीणि भवन्ति<br>
जायते म्रियत इत्येष आत्मा ।<br>
अथान्तरात्मानाम पृथिव्यापस्तेजोवायुराकाशमिच्छाद्वेषसुखदुःख-<br>
काममोहविकल्पानादिस्मृतिलिङ्गोदात्तानुदात्तह्र्स्वदीर्घप्लुतः<br>
खलितगर्जितस्फुटितमुदितनृत्तगीतवादित्रप्रलयविजृम्भितादिभिः<br>
श्रोता घ्राता रसयिता नेता कर्ता विज्ञानात्मा पुरुषः<br>
पुराणन्यायमीमांसाधर्मशास्त्राणीति श्रवणघ्राणाकर्षणकर्मविशेषणं<br>
करोत्येषोऽन्तरात्मा ।<br>
अथ परमात्मा नाम यथाक्षर उपासनीयः ।<br>
स च प्राणायामप्रत्याहारधार्णाध्यानसमाधियोगानुमानात्मचिन्तकवटकणिका<br>
वा श्यामाकतण्डुलो वा वालाग्रशतसहस्रविकल्पनाभिः स लभ्यते<br>
नोपलभ्यते न जायते न म्रियते न शुष्यति न क्लिद्यते न दह्यते न कम्पते<br>
न भिद्यते न च्छिद्यते निर्गुणः साक्षिभूतः शुद्धो निरवयवात्मा केवलः<br>
सूक्ष्मो निर्ममो निरञ्जनो निर्विकारः शब्दस्पर्शरूपरसगन्धवर्जितो निर्विकल्पो<br>
निराकाङ्क्षः सर्वव्यापी सोऽचिन्त्यो निर्वर्ण्यश्च पुनात्यशुद्धान्यपूतानि ।<br>
निष्क्रियस्तस्य संसारो नास्ति ।<br>
आत्मसंज्ञः शिवः शुद्ध एक एवाद्वयः सदा ।<br>
ब्रह्मरूपतया ब्रह्म केवलं प्रतिभासते ॥ १॥<br>
जगद्रूपतयाप्येतद्ब्रह्मैव प्रतिभासते ।<br>
विद्याविद्यादिभेदेन भावाभावादिभेदतः ॥ २॥<br>
गुरुशिष्यादिभेदेन ब्रह्मैव प्रतिभासते ।<br>
ब्रह्मैव केवलं शुद्धं विद्यते तत्त्वदर्शने ॥ ३॥<br>
न च विद्या न चाविद्या न जगच्च न चापरम् ।<br>
सत्यत्वेन जगद्भानं संसारस्य प्रवर्तकम् ॥ ४॥<br>
असत्यत्वेन भानं तु संसारस्य निवर्तकम् ।<br>
घटोऽयमिति विज्ञातुं नियमः कोन्वपेक्षते ॥ ५॥<br>
विना प्रमाणसुष्ठुत्वं यस्मिन्सति पदार्थधीः ।<br>
अयमात्मा नित्यसिद्धः प्रमाणे सति भासते ॥ ६॥<br>
न देशं नापि कालं वा न शुद्धिं वाप्यपेक्षते ।<br>
देवदत्तोऽहमित्येतद्विज्ञानं निरपेक्षकम् ॥ ७॥<br>
तद्वद्ब्रह्मविदोऽप्यस्यब्रह्माहमिति वेदनम् ।<br>
भानुनेव जगत्सर्वं भास्यते यस्य तेजसा ॥ ८॥<br>
अनात्मकमसत्तुच्छं किं नु तस्यावभासकम् ।<br>
वेदशास्त्रपुराणानि भूतानि सकलान्यपि ॥ ९॥<br>
येनार्थवन्ति तं किं नु विज्ञातारं प्रकाशयेत् ।<br>
क्षुधां देहव्यथां त्यक्त्वा बालः क्रीडति वस्तुनि ॥ १०॥<br>
तथैव विद्वान्रमते निर्ममो निरहं सुखी ।<br>
कामान्निष्कामरूपी संचरत्येकचरो मुनिः ॥ ११॥<br>
स्वात्मनैव सदा तुष्टः स्वयं सर्वात्मना स्थितः ।<br>
निर्धनोऽपि सदा तुष्टोऽप्यसहायो महाबलः ॥ १२॥<br>
नित्यतृप्तोऽप्यभुञ्जानोऽप्यसमः समदर्शनः ।<br>
कुर्वन्नपि न कुर्वाणश्चाभोक्ता फलभोग्यपि ॥ १३॥<br>
शरीर्यप्यशरीर्येष परिच्छिन्नोऽपि सर्वगः ।<br>
अशरीरं सदा सन्तमिदं ब्रह्मविदं क्वचित् ॥ १४॥<br>
प्रियाप्रिये न स्पृशतस्तथैव च शुभा शुभे ।<br>
तमसा ग्रस्तवद्भानादग्रस्तोऽपि रविर्जनैः ॥ १५॥<br>
ग्रस्त इत्युच्यते भ्रान्त्या ह्यज्ञात्वा वस्तुलक्षणम् ।<br>
तद्वद्देहादिबन्धेभ्यो विमुक्तं ब्रह्मवित्तमम् ॥ १६॥<br>
पश्यन्ति देहिवन्मूढाः शरीराभासदर्शनात् ।<br>
अहिनिर्ल्वयनीवायं मुक्तदेहस्तु तिष्ठति ॥ १७॥<br>
इतस्ततश्चाल्यमानो यत्किञ्चित्प्राणवायुना ।<br>
स्रोतसा नीयते दारु यथा निम्नोन्नतस्थलम् ॥ १८॥<br>
दैवेन नीयते देहो यथा कालोपभुक्तिषु ।<br>
लक्ष्यालक्ष्यगतिं त्यक्त्वा यस्तिष्ठेत्केवलात्मना ॥ १९॥<br>
शिव एव स्वयं साक्षादयं ब्रह्मविदुत्तमः ।<br>
जीवन्नेव सदा मुक्तः कृतार्थो ब्रह्मवित्तमः ॥ २०॥<br>
उपाधिनाशाद्ब्रह्मैव सद्ब्रह्माप्येति निर्द्वयम् ।<br>
शैलूषो वेषसद्भावाभावयोश्च यथा पुमान् ॥ २१॥<br>
तथैव ब्रह्मविच्छ्रेष्ठः सदा ब्रह्मैव नापरः ।<br>
घटे नष्टे यथा व्योम व्योमैव भवति स्वयम् ॥ २२॥<br>
तथैवोपाधिविलये ब्रह्मैव ब्रह्मवित्स्वयम् ।<br>
क्षीरं क्षीरे यथा क्षिप्तं तैलं तैले जलं जले ॥ २३॥<br>
संयुक्तमेकतां याति तथात्मन्यात्मविन्मुनिः ।<br>
एवं विदेहकैवल्यं सन्मात्रत्वमखण्डितम् ॥ २४॥<br>
ब्रह्मभावं प्रपद्यैष यतिर्नावर्तते पुनः ।<br>
सदात्मकत्वविज्ञानदग्धा विद्यादिवर्ष्मणः ॥ २५॥<br>
अमुष्य ब्रह्मभूतत्त्वाद्ब्रह्मणः कुत उद्भवः ।<br>
मायाक्लृप्तौ बन्धमोक्षौ न स्तः स्वात्मनि वस्तुतः ॥ २६॥<br>
यथा रज्जौ निष्क्रियायां सर्पाभासविनिर्गमौ ।<br>
अवृतेः सदसत्त्वाभ्यां वक्तव्ये बन्धमोक्षणे ॥ २७॥<br>
नावृत्तिर्ब्रह्मणः क्वाचिदन्याभावादनावृतम् ।<br>
अस्तीति प्रत्ययो यश्च यश्च नास्तीति वस्तुनि ॥ २८॥<br>
बुद्धेरेव गुणावेतौ न तु नित्यस्य वस्तुनः ।<br>
अतस्तौ मायया क्लृप्तौ बन्धमोक्षौ न चात्मनि ॥ २९॥<br>
निष्कले निष्क्रिये शान्ते निरवद्ये निरंजने ।<br>
अद्वितीये परे तत्त्वे व्योमवत्कल्पना कुतः ॥ ३०॥<br>
न निरोधो न चोत्पत्तिर्न बद्धो न च साधकः ।<br>
न मुमुक्षुर्न वै मुक्त इत्येषा परमार्थता ॥ ३१॥<br>
इत्युपनिषत् ॥<br>
ॐ भद्रं कर्णेभिः श्रुणुयाम देवाः । भद्रं पश्येमाक्षभिर्यजत्राः ।<br>
स्थिरैरङ्गैस्तुष्टुवाꣳसस्तनूभिः । व्यशेम देवहितं यदायुः ॥<br>
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥<br>
॥ हरिः ॐ तत्सत् ॥<br>
== Atma Upanishad – vollständiger Text in IAST ==
yatra nātmaprapañco'yamapahnavapadaṃ gataḥ |<br>
pratiyogivinirmuktaḥ paramātmāvaśiṣyate ||<br>
oṃ bhadraṃ karṇebhiḥ śruṇuyāma devāḥ | bhadraṃ paśyemākṣabhiryajatrāḥ |<br>
sthirairaṅgaistuṣṭuvām̐sastanūbhiḥ | vyaśema devahitaṃ yadāyuḥ ||<br>
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||<br>
oṃ athāṅgirāstrividhaḥ puruṣo'jāyatātmāntarātmā paramātmā ceti |<br>
tvakcarmamāṃsaromāṅguṣṭhāṅgulyaḥ pṛṣṭhavaṃśanakhagulphodara-<br>
nābhimeḍhrakaṭūrukapolaśrotrabhrūlalāṭabāhupārśvaśiro'kṣīṇi bhavanti<br>
jāyate mriyata ityeṣa ātmā |<br>
athāntarātmānāma pṛthivyāpastejovāyurākāśamicchādveṣasukhaduḥkha-<br>
kāmamohavikalpānādismṛtiliṅgodāttānudāttahrsvadīrghaplutaḥ<br>
khalitagarjitasphuṭitamuditanṛttagītavāditrapralayavijṛmbhitādibhiḥ<br>
śrotā ghrātā rasayitā netā kartā vijñānātmā puruṣaḥ<br>
purāṇanyāyamīmāṃsādharmaśāstrāṇīti śravaṇaghrāṇākarṣaṇakarmaviśeṣaṇaṃ<br>
karotyeṣo'ntarātmā |<br>
atha paramātmā nāma yathākṣara upāsanīyaḥ |<br>
sa ca prāṇāyāmapratyāhāradhārṇādhyānasamādhiyogānumānātmacintakavaṭakaṇikā<br>
vā śyāmākataṇḍulo vā vālāgraśatasahasravikalpanābhiḥ sa labhyate<br>
nopalabhyate na jāyate na mriyate na śuṣyati na klidyate na dahyate na kampate<br>
na bhidyate na cchidyate nirguṇaḥ sākṣibhūtaḥ śuddho niravayavātmā kevalaḥ<br>
sūkṣmo nirmamo nirañjano nirvikāraḥ śabdasparśarūparasagandhavarjito nirvikalpo<br>
nirākāṅkṣaḥ sarvavyāpī so'cintyo nirvarṇyaśca punātyaśuddhānyapūtāni |<br>
niṣkriyastasya saṃsāro nāsti |<br>
ātmasaṃjñaḥ śivaḥ śuddha eka evādvayaḥ sadā |<br>
brahmarūpatayā brahma kevalaṃ pratibhāsate || 1 ||<br>
jagadrūpatayāpyetadbrahmaiva pratibhāsate |<br>
vidyāvidyādibhedena bhāvābhāvādibhedataḥ || 2 ||<br>
guruśiṣyādibhedena brahmaiva pratibhāsate |<br>
brahmaiva kevalaṃ śuddhaṃ vidyate tattvadarśane || 3 ||<br>
na ca vidyā na cāvidyā na jagacca na cāparam |<br>
satyatvena jagadbhānaṃ saṃsārasya pravartakam || 4 ||<br>
asatyatvena bhānaṃ tu saṃsārasya nivartakam |<br>
ghaṭo'yamiti vijñātuṃ niyamaḥ konvapekṣate || 5 ||<br>
vinā pramāṇasuṣṭhutvaṃ yasminsati padārthadhīḥ |<br>
ayamātmā nityasiddhaḥ pramāṇe sati bhāsate || 6 ||<br>
na deśaṃ nāpi kālaṃ vā na śuddhiṃ vāpyapekṣate |<br>
devadatto'hamityetadvijñānaṃ nirapekṣakam || 7 ||<br>
tadvadbrahmavido'pyasyabrahmāhamiti vedanam |<br>
bhānuneva jagatsarvaṃ bhāsyate yasya tejasā || 8 ||<br>
anātmakamasattucchaṃ kiṃ nu tasyāvabhāsakam |<br>
vedaśāstrapurāṇāni bhūtāni sakalānyapi || 9 ||<br>
yenārthavanti taṃ kiṃ nu vijñātāraṃ prakāśayet |<br>
kṣudhāṃ dehavyathāṃ tyaktvā bālaḥ krīḍati vastuni || 10 ||<br>
tathaiva vidvānramate nirmamo nirahaṃ sukhī |<br>
kāmānniṣkāmarūpī saṃcaratyekacaro muniḥ || 11 ||<br>
svātmanaiva sadā tuṣṭaḥ svayaṃ sarvātmanā sthitaḥ |<br>
nirdhano'pi sadā tuṣṭo'pyasahāyo mahābalaḥ || 12 ||<br>
nityatṛpto'pyabhuñjāno'pyasamaḥ samadarśanaḥ |<br>
kurvannapi na kurvāṇaścābhoktā phalabhogyapi || 13 ||<br>
śarīryapyaśarīryeṣa paricchinno'pi sarvagaḥ |<br>
aśarīraṃ sadā santamidaṃ brahmavidaṃ kvacit || 14 ||<br>
priyāpriye na spṛśatastathaiva ca śubhā śubhe |<br>
tamasā grastavadbhānādagrasto'pi ravirjanaiḥ || 15 ||<br>
grasta ityucyate bhrāntyā hyajñātvā vastulakṣaṇam |<br>
tadvaddehādibandhebhyo vimuktaṃ brahmavittamam || 16 ||<br>
paśyanti dehivanmūḍhāḥ śarīrābhāsadarśanāt |<br>
ahinirlvayanīvāyaṃ muktadehastu tiṣṭhati || 17 ||<br>
itastataścālyamāno yatkiñcitprāṇavāyunā |<br>
srotasā nīyate dāru yathā nimnonnatasthalam || 18 ||<br>
daivena nīyate deho yathā kālopabhuktiṣu |<br>
lakṣyālakṣyagatiṃ tyaktvā yastiṣṭhetkevalātmanā || 19 ||<br>
śiva eva svayaṃ sākṣādayaṃ brahmaviduttamaḥ |<br>
jīvanneva sadā muktaḥ kṛtārtho brahmavittamaḥ || 20 ||<br>
upādhināśādbrahmaiva sadbrahmāpyeti nirdvayam |<br>
śailūṣo veṣasadbhāvābhāvayośca yathā pumān || 21 ||<br>
tathaiva brahmavicchreṣṭhaḥ sadā brahmaiva nāparaḥ |<br>
ghaṭe naṣṭe yathā vyoma vyomaiva bhavati svayam || 22 ||<br>
tathaivopādhivilaye brahmaiva brahmavitsvayam |<br>
kṣīraṃ kṣīre yathā kṣiptaṃ tailaṃ taile jalaṃ jale || 23 ||<br>
saṃyuktamekatāṃ yāti tathātmanyātmavinmuniḥ |<br>
evaṃ videhakaivalyaṃ sanmātratvamakhaṇḍitam || 24 ||<br>
brahmabhāvaṃ prapadyaiṣa yatirnāvartate punaḥ |<br>
sadātmakatvavijñānadagdhā vidyādivarṣmaṇaḥ || 25 ||<br>
amuṣya brahmabhūtattvādbrahmaṇaḥ kuta udbhavaḥ |<br>
māyāklṛptau bandhamokṣau na staḥ svātmani vastutaḥ || 26 ||<br>
yathā rajjau niṣkriyāyāṃ sarpābhāsavinirgamau |<br>
avṛteḥ sadasattvābhyāṃ vaktavye bandhamokṣaṇe || 27 ||<br>
nāvṛttirbrahmaṇaḥ kvācidanyābhāvādanāvṛtam |<br>
astīti pratyayo yaśca yaśca nāstīti vastuni || 28 ||<br>
buddhereva guṇāvetau na tu nityasya vastunaḥ |<br>
atastau māyayā klṛptau bandhamokṣau na cātmani || 29 ||<br>
niṣkale niṣkriye śānte niravadye niraṃjane |<br>
advitīye pare tattve vyomavatkalpanā kutaḥ || 30 ||<br>
na nirodho na cotpattirna baddho na ca sādhakaḥ |<br>
na mumukṣurna vai mukta ityeṣā paramārthatā || 31 ||<br>
ityupaniṣat ||<br>
oṃ bhadraṃ karṇebhiḥ śruṇuyāma devāḥ | bhadraṃ paśyemākṣabhiryajatrāḥ |<br>
sthirairaṅgaistuṣṭuvām̐sastanūbhiḥ | vyaśema devahitaṃ yadāyuḥ ||<br>
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||<br>
|| hariḥ oṃ tatsat ||<br>
== Atma Upanishad – vollständige gut verständliche deutsche Übersetzung ==
'''Eröffnungsvers der Atma Upanishad'''<br>
Wo diese Erscheinungswelt des Nicht-Selbst vollständig verneint ist und alle Gegenbegriffe aufgehoben sind, bleibt allein der höchste Atman.<br>
'''Shanti Mantra'''<br>
Om. Ihr Götter, mögen wir mit unseren Ohren hören, was heilsam ist, und mit unseren Augen sehen, was heilsam ist, ihr Verehrungswürdigen. Mögen wir euch mit standhaften Gliedern und Körpern preisen und die von den Göttern bestimmte Lebensspanne erfüllen. Möge Indra, der weithin Gerühmte, uns Wohlergehen schenken; möge Pushan, der Allwissende, uns Wohlergehen schenken; möge Tarkshya mit unversehrtem Rad uns Wohlergehen schenken; möge Brihaspati uns Wohlergehen gewähren. Om. Frieden, Frieden, Frieden.<br>
=== 1. Kapitel ===
'''Erster Prosateil: äußerer Atman der Atma Upanishad'''<br>
Nun lehrte Angiras: Der Purusha erscheint dreifach – als äußerer Atman, innerer Atman und höchster Atman. Haut, Fleisch, Haare, Glieder und Organe entstehen und vergehen; diese körperliche Gestalt heißt der äußere Atman.<br>
'''Zweiter Prosateil: innerer Atman der Atma Upanishad'''<br>
Der innere Atman umfasst Elemente, Wünsche und Abneigungen, Freude und Leid, Erinnerung, Wahrnehmung, Sprache, Handeln und unterscheidende Erkenntnis. Als der alte Purusha hört, riecht, schmeckt, denkt, entscheidet und versteht er die Lehren; so wird der innere Atman beschrieben.<br>
'''Dritter Prosateil: höchster Atman der Atma Upanishad'''<br>
Der höchste Atman ist das Unvergängliche, über das durch die Stufen des Yoga – Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi – meditiert wird. Subtiler als ein Samenkorn, ist er nicht als Gegenstand zu ergreifen. Er wird nicht geboren und stirbt nicht; er ist rein, ohne Teile, ohne Besitz, unveränderlich, jenseits von Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch, alldurchdringend, unvorstellbar, untätig und frei vom Samsara.<br>
=== 2. Kapitel ===
'''2.1. Vers Atma Upanishad'''<br>
Das als Atman bezeichnete Gute ist rein, eins und immer nichtdual. In der Gestalt Brahmans leuchtet allein Brahman.<br>
'''2.2. Vers Atma Upanishad'''<br>
Auch als Welt mit Unterscheidungen wie Bejahung und Verneinung erscheint allein Brahman.<br>
'''2.3. Vers Atma Upanishad'''<br>
Auch in Unterscheidungen wie Lehrer und Schüler erscheint allein Brahman. In der Schau der Wahrheit besteht nur das reine Brahman.<br>
'''2.4. Vers Atma Upanishad'''<br>
Da sind weder Wissen noch Unwissenheit, weder Welt noch etwas anderes. Das Erscheinen der Welt als wirklich setzt den Samsara in Gang.<br>
'''2.5. Vers Atma Upanishad'''<br>
Ihr Erscheinen als unwirklich beendet den Samsara. Welche besondere Vorschrift wäre nötig, um zu erkennen: „Dies ist ein Topf“?<br>
'''2.6. Vers Atma Upanishad'''<br>
Sobald ein taugliches Erkenntnismittel vorhanden ist, entsteht die Erkenntnis des Gegenstandes. Ebenso leuchtet das ewig vollendete Selbst auf, wenn das angemessene Erkenntnismittel wirksam ist.<br>
'''2.7. Vers Atma Upanishad'''<br>
Dazu sind weder ein bestimmter Ort noch eine bestimmte Zeit oder äußere Reinheit erforderlich. Die Erkenntnis „Ich bin Devadatta“ hängt von nichts anderem ab.<br>
'''2.8. Vers Atma Upanishad'''<br>
Ebenso ist die Erkenntnis „Ich bin Brahman“ beim Brahman-Erkenner unabhängig. Wie die Sonne die Welt erhellt, so wird alles durch das Licht dieser Erkenntnis erleuchtet.<br>
'''2.9. Vers Atma Upanishad'''<br>
Was könnte das unwirkliche, nichtige Nicht-Selbst erhellen? Veden, Lehrschriften, Puranas und alle Wesen erhalten erst durch den Erkennenden ihren Sinn.<br>
'''2.10. Vers Atma Upanishad'''<br>
Was könnte wiederum diesen Erkennenden erhellen? Ein Kind vergisst Hunger und körperlichen Schmerz und geht ganz in seinem Spiel auf.<br>
'''2.11. Vers Atma Upanishad'''<br>
So freut sich der Wissende ohne „mein“ und „ich“. Wunschlos, still und allein bewegt sich der Weise unter den Gegenständen des Begehrens.<br>
'''2.12. Vers Atma Upanishad'''<br>
Als Selbst von allem ruht er stets zufrieden in sich. Obwohl ohne Besitz, ist er immer erfüllt; obwohl ohne Begleiter, besitzt er große innere Kraft.<br>
'''2.13. Vers Atma Upanishad'''<br>
Auch ohne zu essen ist er innerlich erfüllt; ohne Vergleich schaut er alle gleich. Obwohl er handelt, ist er Nicht-Handelnder; obwohl Handlungsfrüchte erscheinen, ist er nicht ihr begrenzter Genießender.<br>
'''2.14. Vers Atma Upanishad'''<br>
Obwohl er einen Körper hat, ist er körperlos; obwohl er begrenzt erscheint, ist er alldurchdringend. Der Brahman-Erkenner ist in Wahrheit stets körperloses Sein.<br>
'''2.15. Vers Atma Upanishad'''<br>
Angenehmes und Unangenehmes, Gutes und Schlechtes berühren ihn nicht. Obwohl die Sonne nicht ergriffen wird, meinen Unwissende, sie werde von Rahu verschlungen.<br>
'''2.16. Vers Atma Upanishad'''<br>
Aus Irrtum nennen sie die Sonne verfinstert, weil sie ihr wirkliches Wesen nicht kennen. Ebenso halten Toren den von Körperbindungen freien Brahman-Erkenner für verkörpert.<br>
'''2.17. Vers Atma Upanishad'''<br>
Sie sehen nur die Erscheinung des Körpers. Der Körper des Befreiten bleibt zurück wie die abgestreifte Haut einer Schlange.<br>
'''2.18. Vers Atma Upanishad'''<br>
Vom Lebenshauch ein wenig hierhin und dorthin bewegt, wird dieser Körper getragen wie ein Holzstück, das die Strömung über Höhen und Tiefen führt.<br>
'''2.19. Vers Atma Upanishad'''<br>
Durch das Schicksal gelangt der Körper zu den jeweils reifen Erfahrungen. Wer jedoch alle sichtbaren und unsichtbaren Wege aufgibt und allein im reinen Selbst verweilt, bleibt davon frei.<br>
'''2.20. Vers Atma Upanishad'''<br>
Ein solcher höchster Brahman-Erkenner ist unmittelbar Shiva. Schon im Leben ist er immer frei und hat das Ziel vollendet.<br>
'''2.21. Vers Atma Upanishad'''<br>
Wenn die begrenzenden Beifügungen vergehen, geht er als Brahman in das nichtduale Brahman ein – wie ein Schauspieler, der mit dem Kostüm eine Rolle annimmt und ohne Kostüm wieder er selbst ist.<br>
'''2.22. Vers Atma Upanishad'''<br>
Ebenso ist der höchste Brahman-Erkenner immer nur Brahman und nichts anderes. Wenn der Topf zerbricht, wird der eingeschlossene Raum als der eine Raum erkannt.<br>
'''2.23. Vers Atma Upanishad'''<br>
Wenn die begrenzenden Beifügungen sich auflösen, ist der Brahman-Erkenner selbst Brahman – wie Milch in Milch, Öl in Öl und Wasser in Wasser eins werden.<br>
'''2.24. Vers Atma Upanishad'''<br>
Wie diese Stoffe in der Verbindung eins werden, so wird der Selbst-Erkenner im Selbst eins. Leibfreie Befreiung ist dieses ungeteilte, reine Sein.<br>
'''2.25. Vers Atma Upanishad'''<br>
Nachdem der Entsagende den Zustand Brahmans erlangt hat, kehrt er nicht wieder. Die aus Unwissenheit hervorgegangenen Körper sind durch die Erkenntnis des Selbstseins verbrannt.<br>
'''2.26. Vers Atma Upanishad'''<br>
Da dieser Yogi Brahman geworden ist, woher sollte für Brahman eine neue Geburt kommen? Bindung und Befreiung, von Maya entworfen, bestehen im Selbst nicht wirklich.<br>
'''2.27. Vers Atma Upanishad'''<br>
Wie Erscheinen und Verschwinden der Schlange das unbewegte Seil nicht verändern, so betreffen Bindung und Befreiung nur Verhüllung und Enthüllung, nicht das Selbst.<br>
'''2.28. Vers Atma Upanishad'''<br>
Brahman ist niemals wirklich verhüllt, denn es gibt nichts anderes, das es verhüllen könnte. Die Gedanken „es ist“ und „es ist nicht“ entstehen nur im Intellekt.<br>
'''2.29. Vers Atma Upanishad'''<br>
Diese beiden Vorstellungen gehören nicht der ewigen Wirklichkeit an. Darum sind Bindung und Befreiung Schöpfungen Mayas und nicht Eigenschaften des Selbst.<br>
'''2.30. Vers Atma Upanishad'''<br>
Wo wäre in der höchsten, dem Raum gleichen Wirklichkeit Platz für Vorstellungen – in ihr, die teil-los, untätig, friedvoll, makellos, unbefleckt und nichtdual ist?<br>
'''2.31. Vers Atma Upanishad'''<br>
Es gibt weder Auflösung noch Entstehung, weder Gebundenen noch Übenden, weder Befreiungssuchenden noch Befreiten. Das ist die höchste Wahrheit.<br>
'''Upanishad-Schluss'''<br>
So lautet die Upanishad.<br>
'''Abschließendes Shanti Mantra'''<br>
Om. Ihr Götter, mögen wir mit unseren Ohren hören, was heilsam ist, und mit unseren Augen sehen, was heilsam ist, ihr Verehrungswürdigen. Mögen wir euch mit standhaften Gliedern und Körpern preisen und die von den Göttern bestimmte Lebensspanne erfüllen. Möge Indra, der weithin Gerühmte, uns Wohlergehen schenken; möge Pushan, der Allwissende, uns Wohlergehen schenken; möge Tarkshya mit unversehrtem Rad uns Wohlergehen schenken; möge Brihaspati uns Wohlergehen gewähren. Om. Frieden, Frieden, Frieden.<br>
'''Heilige Schlussformel'''<br>
Hari Om. Das ist das Wahre.<br>
== Die fünf wichtigsten Empfehlungen der Atma Upanishad für ernsthafte Aspiranten ==
'''1. Mache die zentrale Lehre zur täglichen Kontemplation.'''<br>
Die Atma Upanishad richtet den Blick auf die Unterscheidung von äußerem, innerem und höchstem Selbst. Lies einen kurzen Abschnitt langsam, fasse ihn in einem eigenen Satz zusammen und bleibe danach einige Minuten in der Stille.<br>
'''2. Studiere Begriffe, aber bleibe nicht bei Begriffen stehen.'''<br>
Führe ein kleines Studienheft zu [[Atman]], [[Brahman]], Maya und Moksha. Prüfe danach in der [[Meditation]], worauf die Begriffe in deiner Erfahrung verweisen.<br>
'''3. Übe Sakshi Bhava im Alltag.'''<br>
Beobachte Gedanken, Gefühle und Rollen als wechselnde Inhalte des Bewusstseins. Das schafft Abstand, ohne Verantwortung zu vermeiden.<br>
'''4. Verbinde Erkenntnis mit Ethik.'''<br>
Wahrhaftigkeit, Ahimsa, Maß und Mitgefühl sind keine Nebensache. Sie machen den Geist klar genug für tiefere Einsicht.<br>
'''5. Lies vergleichend und mit offenem Urteil.'''<br>
Vergleiche die Aussagen mit älteren Upanishaden, der Bhagavad Gita und lebendiger Lehrerfahrung. Unterscheide poetische Symbolik, historische Weltbilder und unmittelbar prüfbare Praxis.<br>
'''Redaktioneller Hinweis:''' Die deutsche Fassung wurde für diesen Artikel neu formuliert und mit den genannten Vergleichsübersetzungen abgeglichen. Bei Komposita fasst die Wort-für-Wort-Erläuterung eng verbundene Wörter teilweise als Sinngruppe zusammen. Die Ausgabe ist eine Studien- und Lesefassung, keine neue kritische Sanskritedition.


===Fußnoten===
===Fußnoten===
<references/>
<references/>


==Siehe auch==
==Siehe auch==
* [[Savitri Upanishad]], [[Adhyatma Upanishad]], [[Akshi Upanishad]], [[Surya Upanishad]], [[Annapurna Upanishad]], [[Ekakshara Upanishad]], [[Akshamalika Upanishad]]
*[[Atma]]
*[[Atma]]
*[[Reine Vedanta Upanishaden]]
*[[Reine Vedanta Upanishaden]]
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*[[Reinkarnation]]
*[[Reinkarnation]]
*[[Erkenntnis]]
*[[Erkenntnis]]
*[[Meditation]]
*[https://www.yoga-vidya.de/meditation/ Meditation]


==Literatur==
==Literatur==
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*[https://www.yoga-vidya.de/shop/product_info.php?info=p927_Vedanta-fuer-Anfaenger/ Vedanta für Anfänger von Swami Sivananda]
*[https://www.yoga-vidya.de/shop/product_info.php?info=p927_Vedanta-fuer-Anfaenger/ Vedanta für Anfänger von Swami Sivananda]
*Heinrich Zimmer: Philosophie und Religion Indiens, Suhrkamp, 2001
*Heinrich Zimmer: Philosophie und Religion Indiens, Suhrkamp, 2001
* Paul Deussen: ''Sechzig Upanishad's des Veda''. Leipzig 1905. Vergleichsübersetzung für die von Deussen aufgenommenen Texte.
* K. Narayanasvami Aiyar: ''Thirty Minor Upanishads''. Madras 1914.
* T. R. Srinivasa Ayyangar und weitere Übersetzer: Ausgaben der Samanya-, Shaiva-, Shakta-, Vaishnava- und Sannyasa-Upanishaden auf Grundlage des Kommentars von Upanishad Brahma Yogin, Adyar Library.
* Patrick Olivelle: ''Saṃnyāsa Upaniṣads: Hindu Scriptures on Asceticism and Renunciation''. Oxford University Press, 1992. Besonders relevant für die Sannyasa-Texte.
* [https://sanskritdocuments.org/ Sanskrit Documents] – elektronische Sanskritausgaben.
* [https://sanskritdocuments.org/doc_upanishhat/atma.html Atma Upanishad – verwendete Devanagari-Textgrundlage]
* [https://archive.org/details/1UpanishadsRigVeda 108 Upanishads – englische Vergleichsübersetzungen nach Veda-Gruppen]
* [https://archive.org/details/sechzigupanishad00deusuoft Paul Deussen: Sechzig Upanishad's des Veda – Digitalisat]
* [https://archive.org/details/thirtyminorupani00xxxxuoft K. Narayanasvami Aiyar: Thirty Minor Upanishads – Digitalisat]
* [https://www.yoga-vidya.de/yoga-buch/krishnananda/upanishaden/ Upanishaden – kostenloses Online-Buch von Swami Krishnananda]
* [https://www.yoga-vidya.de/yoga-buch/andere-autoren/upanishaden/ Klassische Upanishaden – Die Weisheit des Yoga]


==Weblinks==
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==Seminare==
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==Multimedia==
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'''Klassische Schriften des Yoga: Veden, Upanishaden, Smritis, Puranas und Itihasas'''
'''Klassische Schriften des Yoga: Veden, Upanishaden, Smritis, Puranas und Itihasas'''
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'''Jnana Yoga und Vedanta Einführung'''
'''Jnana Yoga und Vedanta Einführung'''
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Aktuelle Version vom 31. August 2026, 19:50 Uhr

Die Atma Upanishad (Sanskrit: आत्मोपनिषत्, ātmopaniṣat f.) gehört zur Gruppe der Samanya Vedanta Upanishad und wird in der Muktika-Liste dem Atharvaveda zugeordnet. Im Mittelpunkt steht die Unterscheidung von äußerem, innerem und höchstem Selbst. Ihr Sanskrittext ist in unterschiedlichen Handschriften und Druckausgaben nicht immer gleich gegliedert; die folgende Ausgabe folgt der vollständig überlieferten Sanskrit-Documents-Fassung und nennt die verwendete Textgrundlage.

Inhaltlich behandelt die Schrift vor allem Körper und Organe; Antaratman und psychische Funktionen; Paramatman als reines, unteilbares Bewusstsein. Sie verbindet die Autorität der Upanishaden mit dem jeweiligen geistigen Milieu ihrer Überlieferung. Darum sollte sie zugleich aufmerksam, traditionssensibel und mit philosophischem Unterscheidungsvermögen gelesen werden.

Die Atma Upanishad lädt dazu ein, ihre Symbole in eine lebendige Praxis von Erkenntnis, Hingabe und innerer Sammlung zu verwandeln.

Für heutige Übende ist entscheidend, dass Yoga hier nicht auf Körperübungen verkürzt wird. Studium, ethische Läuterung, Meditation, Hingabe und Selbsterkenntnis bilden einen Zusammenhang. Historische Ritualvorschriften oder außergewöhnliche Wirkungsbehauptungen werden in diesem Artikel als Quelleninhalt erklärt; sie sind nicht automatisch moderne Übungs- oder Heilversprechen.

Erfahre dich selbst!

Die Atma Upanishad ist ein Teil der indischen Heiligen Schriften, die Veda genannt werden. Sie gehört zum Atharvaveda und ist bei Deussen als reine Vedanta Upanishad aufgeführt. Die kurze Atma Upanishad nennt die Bestandteile, Eigenschaften und Funktionen von Körper, individueller Seele und höchstem Selbst.

Atma Upanishad – Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung

Die folgende Studienfassung gibt jede nummerierte Vers- und jede wirkliche Prosatexteinheit einzeln wieder. Die Überschrift steht jeweils über dem Sanskrit; unmittelbar darunter folgen die eigene deutsche Übersetzung und eine vollständige, nach sinnvollen Wortgruppen gegliederte Wort-für-Wort-Erläuterung.

Eröffnungsvers der Atma Upanishad
yatra nātmaprapañco'yamapahnavapadaṃ gataḥ |
pratiyogivinirmuktaḥ paramātmāvaśiṣyate ||

Deutsche Übersetzung: Wo diese Erscheinungswelt des Nicht-Selbst vollständig verneint ist und alle Gegenbegriffe aufgehoben sind, bleibt allein der höchste Atman.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yatra – wo; idam – dieses hier; pratiyogi – Gegenbegriff, Gegenüber; vinirmukta – vollständig befreit von; iṣyate – wird gelehrt; yatra nātmaprapañco'yamapahnavapadaṃ gataḥ – als Wortgruppe: Wo diese Erscheinungswelt des Nicht-Selbst vollständig verneint ist; pratiyogivinirmuktaḥ paramātmāvaśiṣyate – als Wortgruppe: alle Gegenbegriffe aufgehoben sind, bleibt allein der höchste Atman.

Shanti Mantra
oṃ bhadraṃ karṇebhiḥ śruṇuyāma devāḥ | bhadraṃ paśyemākṣabhiryajatrāḥ |
sthirairaṅgaistuṣṭuvām̐sastanūbhiḥ | vyaśema devahitaṃ yadāyuḥ ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Deutsche Übersetzung: Om. Ihr Götter, mögen wir mit unseren Ohren hören, was heilsam ist, und mit unseren Augen sehen, was heilsam ist, ihr Verehrungswürdigen. Mögen wir euch mit standhaften Gliedern und Körpern preisen und die von den Göttern bestimmte Lebensspanne erfüllen. Möge Indra, der weithin Gerühmte, uns Wohlergehen schenken; möge Pushan, der Allwissende, uns Wohlergehen schenken; möge Tarkshya mit unversehrtem Rad uns Wohlergehen schenken; möge Brihaspati uns Wohlergehen gewähren. Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃ – Om; bhadram – heilsam, glückverheißend; karṇebhiḥ śṛṇuyāma – mögen wir mit den Ohren hören; akṣabhiḥ paśyema – mögen wir mit den Augen sehen; yajatrāḥ – ihr Verehrungswürdigen; sthiraiḥ aṅgaiḥ – mit standhaften Gliedern; vyaśema devahitaṃ yad āyuḥ – mögen wir die von den Gottheiten bestimmte Lebensspanne erfüllen; svasti naḥ – Wohlergehen für uns; Indra, Pūṣan, Tārkṣya, Bṛhaspati – die angerufenen Gottheiten; śāntiḥ – Frieden

1. Kapitel

Erster Prosateil: äußerer Atman der Atma Upanishad
oṃ athāṅgirāstrividhaḥ puruṣo'jāyatātmāntarātmā paramātmā ceti |
tvakcarmamāṃsaromāṅguṣṭhāṅgulyaḥ pṛṣṭhavaṃśanakhagulphodara-
nābhimeḍhrakaṭūrukapolaśrotrabhrūlalāṭabāhupārśvaśiro'kṣīṇi bhavanti
jāyate mriyata ityeṣa ātmā |

Deutsche Übersetzung: Nun lehrte Angiras: Der Purusha erscheint dreifach – als äußerer Atman, innerer Atman und höchster Atman. Haut, Fleisch, Haare, Glieder und Organe entstehen und vergehen; diese körperliche Gestalt heißt der äußere Atman.

Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃ – Om, die heilige Silbe; atha – nun, darauf; puruṣa – Purusha, Geistwesen; ātman – Selbst; śrotra – Ohr, Gehör; jāyate – entsteht, wird geboren; iti – so; damit endet die Aussage; ātmā – das Selbst; oṃ athāṅgirāstrividhaḥ puruṣo'jāyatātmāntarātmā paramātmā ceti – als Wortgruppe: Nun lehrte Angiras; tvakcarmamāṃsaromāṅguṣṭhāṅgulyaḥ pṛṣṭhavaṃśanakhagulphodara- – als Wortgruppe: Der Purusha erscheint dreifach; nābhimeḍhrakaṭūrukapolaśrotrabhrūlalāṭabāhupārśvaśiro'kṣīṇi bhavanti – als Wortgruppe: als äußerer Atman, innerer Atman und höchster Atman.; Haut, Fleisch, Haare, Glieder und Organe entstehen und vergehen; jāyate mriyata ityeṣa ātmā – als Wortgruppe: diese körperliche Gestalt heißt der äußere Atman.

Zweiter Prosateil: innerer Atman der Atma Upanishad
athāntarātmānāma pṛthivyāpastejovāyurākāśamicchādveṣasukhaduḥkha-
kāmamohavikalpānādismṛtiliṅgodāttānudāttahrsvadīrghaplutaḥ
khalitagarjitasphuṭitamuditanṛttagītavāditrapralayavijṛmbhitādibhiḥ
śrotā ghrātā rasayitā netā kartā vijñānātmā puruṣaḥ
purāṇanyāyamīmāṃsādharmaśāstrāṇīti śravaṇaghrāṇākarṣaṇakarmaviśeṣaṇaṃ
karotyeṣo'ntarātmā |

Deutsche Übersetzung: Der innere Atman umfasst Elemente, Wünsche und Abneigungen, Freude und Leid, Erinnerung, Wahrnehmung, Sprache, Handeln und unterscheidende Erkenntnis. Als der alte Purusha hört, riecht, schmeckt, denkt, entscheidet und versteht er die Lehren; so wird der innere Atman beschrieben.

Wort-für-Wort-Erläuterung: atha – nun, darauf; teja – Lichtglanz, feurige Kraft; tejas – Feuer, Lichtkraft; ākāśa – Raum, Äther; duḥkha – Leid; puruṣaḥPurusha; puruṣa – Purusha, Geistwesen; dharma – Dharma; Gesetz, Lehre, Eigenschaft; śāstra – Lehrschrift; iti – so; damit endet die Aussage; etad – dieses; athāntarātmānāma pṛthivyāpastejovāyurākāśamicchādveṣasukhaduḥkha- – als Wortgruppe: Der innere Atman umfasst Elemente; kāmamohavikalpānādismṛtiliṅgodāttānudāttahrsvadīrghaplutaḥ – als Wortgruppe: Wünsche; khalitagarjitasphuṭitamuditanṛttagītavāditrapralayavijṛmbhitādibhiḥ – als Wortgruppe: Abneigungen, Freude und Leid, Erinnerung, Wahrnehmung, Sprache, Handeln und unterscheidende Erkenntnis.; śrotā ghrātā rasayitā netā kartā vijñānātmā puruṣaḥ – als Wortgruppe: Als der alte Purusha hört; purāṇanyāyamīmāṃsādharmaśāstrāṇīti śravaṇaghrāṇākarṣaṇakarmaviśeṣaṇaṃ – als Wortgruppe: riecht, schmeckt, denkt, entscheidet und versteht er die Lehren; karotyeṣo'ntarātmā – als Wortgruppe: so wird der innere Atman beschrieben.

Dritter Prosateil: höchster Atman der Atma Upanishad
atha paramātmā nāma yathākṣara upāsanīyaḥ |
sa ca prāṇāyāmapratyāhāradhārṇādhyānasamādhiyogānumānātmacintakavaṭakaṇikā
vā śyāmākataṇḍulo vā vālāgraśatasahasravikalpanābhiḥ sa labhyate
nopalabhyate na jāyate na mriyate na śuṣyati na klidyate na dahyate na kampate
na bhidyate na cchidyate nirguṇaḥ sākṣibhūtaḥ śuddho niravayavātmā kevalaḥ
sūkṣmo nirmamo nirañjano nirvikāraḥ śabdasparśarūparasagandhavarjito nirvikalpo
nirākāṅkṣaḥ sarvavyāpī so'cintyo nirvarṇyaśca punātyaśuddhānyapūtāni |
niṣkriyastasya saṃsāro nāsti |

Deutsche Übersetzung: Der höchste Atman ist das Unvergängliche, über das durch die Stufen des Yoga – Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi – meditiert wird. Subtiler als ein Samenkorn, ist er nicht als Gegenstand zu ergreifen. Er wird nicht geboren und stirbt nicht; er ist rein, ohne Teile, ohne Besitz, unveränderlich, jenseits von Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch, alldurchdringend, unvorstellbar, untätig und frei vom Samsara.

Wort-für-Wort-Erläuterung: atha – nun, darauf; yathā – wie; sa – er, dieser; ca – und; dhyāna – Meditation; – oder; labhyate – wird erlangt; na – nicht; jāyate – entsteht, wird geboren; śuddha – rein; ātman – Selbst; nirvikāraḥ – unveränderlich; tad – das, jenes; atha paramātmā nāma yathākṣara upāsanīyaḥ – als Wortgruppe: Der höchste Atman ist das Unvergängliche, über das durch die Stufen des Yoga; sa ca prāṇāyāmapratyāhāradhārṇādhyānasamādhiyogānumānātmacintakavaṭakaṇikā vā śyāmākataṇḍulo vā vālāgraśatasahasravikalpanābhiḥ sa labhyate – als Wortgruppe: Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi; nopalabhyate na jāyate na mriyate na śuṣyati na klidyate na dahyate na kampate – als Wortgruppe: meditiert wird.; na bhidyate na cchidyate nirguṇaḥ sākṣibhūtaḥ śuddho niravayavātmā kevalaḥ – als Wortgruppe: Subtiler als ein Samenkorn, ist er nicht als Gegenstand zu ergreifen.; sūkṣmo nirmamo nirañjano nirvikāraḥ śabdasparśarūparasagandhavarjito nirvikalpo nirākāṅkṣaḥ sarvavyāpī so'cintyo nirvarṇyaśca punātyaśuddhānyapūtāni – als Wortgruppe: Er wird nicht geboren und stirbt nicht; niṣkriyastasya saṃsāro nāsti – als Wortgruppe: er ist rein, ohne Teile, ohne Besitz, unveränderlich, jenseits von Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch, alldurchdringend, unvorstellbar, untätig und frei vom Samsara.

2. Kapitel

2.1. Vers Atma Upanishad
ātmasaṃjñaḥ śivaḥ śuddha eka evādvayaḥ sadā |
brahmarūpatayā brahma kevalaṃ pratibhāsate || 1 ||

Deutsche Übersetzung: Das als Atman bezeichnete Gute ist rein, eins und immer nichtdual. In der Gestalt Brahmans leuchtet allein Brahman.

Wort-für-Wort-Erläuterung: śuddha – rein; eka – eins; eva – allein, wahrlich; advaya – nichtdual, ohne ein Zweites; sadā – immer; brahma – Brahman, das Absolute; brahman – o Brahmane; Brahman; kevalam – einzig; ātmasaṃjñaḥ śivaḥ śuddha eka evādvayaḥ sadā – als Wortgruppe: Das als Atman bezeichnete Gute ist rein, eins und immer nichtdual.; brahmarūpatayā brahma kevalaṃ pratibhāsate – als Wortgruppe: In der Gestalt Brahmans leuchtet allein Brahman.

2.2. Vers Atma Upanishad
jagadrūpatayāpyetadbrahmaiva pratibhāsate |
vidyāvidyādibhedena bhāvābhāvādibhedataḥ || 2 ||

Deutsche Übersetzung: Auch als Welt mit Unterscheidungen wie Bejahung und Verneinung erscheint allein Brahman.

Wort-für-Wort-Erläuterung: jagat – Welt; api – auch; etad – dieses; brahma – Brahman, das Absolute; eva – allein, wahrlich; vidyā – Erkenntnislehre; jagadrūpatayāpyetadbrahmaiva pratibhāsate – als Wortgruppe: Auch als Welt mit Unterscheidungen wie Bejahung; vidyāvidyādibhedena bhāvābhāvādibhedataḥ – als Wortgruppe: Verneinung erscheint allein Brahman.

2.3. Vers Atma Upanishad
guruśiṣyādibhedena brahmaiva pratibhāsate |
brahmaiva kevalaṃ śuddhaṃ vidyate tattvadarśane || 3 ||

Deutsche Übersetzung: Auch in Unterscheidungen wie Lehrer und Schüler erscheint allein Brahman. In der Schau der Wahrheit besteht nur das reine Brahman.

Wort-für-Wort-Erläuterung: guru – Lehrer, Guru; brahman – o Brahmane; Brahman; eva – allein, wahrlich; kevalam – einzig; śuddha – rein; tattva – Wirklichkeit, Prinzip; guruśiṣyādibhedena brahmaiva pratibhāsate – als Wortgruppe: Auch in Unterscheidungen wie Lehrer und Schüler erscheint allein Brahman.; brahmaiva kevalaṃ śuddhaṃ vidyate tattvadarśane – als Wortgruppe: In der Schau der Wahrheit besteht nur das reine Brahman.

2.4. Vers Atma Upanishad
na ca vidyā na cāvidyā na jagacca na cāparam |
satyatvena jagadbhānaṃ saṃsārasya pravartakam || 4 ||

Deutsche Übersetzung: Da sind weder Wissen noch Unwissenheit, weder Welt noch etwas anderes. Das Erscheinen der Welt als wirklich setzt den Samsara in Gang.

Wort-für-Wort-Erläuterung: na – nicht; ca – und; vidyā – Erkenntnislehre; jagat – Welt; na ca vidyā na cāvidyā na jagacca na cāparam – als Wortgruppe: Da sind weder Wissen noch Unwissenheit, weder Welt noch etwas anderes.; satyatvena jagadbhānaṃ saṃsārasya pravartakam – als Wortgruppe: Das Erscheinen der Welt als wirklich setzt den Samsara in Gang.

2.5. Vers Atma Upanishad
asatyatvena bhānaṃ tu saṃsārasya nivartakam |
ghaṭo'yamiti vijñātuṃ niyamaḥ konvapekṣate || 5 ||

Deutsche Übersetzung: Ihr Erscheinen als unwirklich beendet den Samsara. Welche besondere Vorschrift wäre nötig, um zu erkennen: „Dies ist ein Topf“?

Wort-für-Wort-Erläuterung: tu – aber, hingegen; iti – so; damit endet die Aussage; asatyatvena bhānaṃ tu saṃsārasya nivartakam – als Wortgruppe: Ihr Erscheinen als unwirklich beendet den Samsara.; Welche besondere Vorschrift wäre nötig, um zu erkennen; ghaṭo'yamiti vijñātuṃ niyamaḥ konvapekṣate – als Wortgruppe: „Dies ist ein Topf“?

2.6. Vers Atma Upanishad
vinā pramāṇasuṣṭhutvaṃ yasminsati padārthadhīḥ |
ayamātmā nityasiddhaḥ pramāṇe sati bhāsate || 6 ||

Deutsche Übersetzung: Sobald ein taugliches Erkenntnismittel vorhanden ist, entsteht die Erkenntnis des Gegenstandes. Ebenso leuchtet das ewig vollendete Selbst auf, wenn das angemessene Erkenntnismittel wirksam ist.

Wort-für-Wort-Erläuterung: idam – dieses hier; ātman – Selbst; vinā pramāṇasuṣṭhutvaṃ yasminsati padārthadhīḥ – als Wortgruppe: Sobald ein taugliches Erkenntnismittel vorhanden ist, entsteht die Erkenntnis des Gegenstandes.; ayamātmā nityasiddhaḥ pramāṇe sati bhāsate – als Wortgruppe: Ebenso leuchtet das ewig vollendete Selbst auf, wenn das angemessene Erkenntnismittel wirksam ist.

2.7. Vers Atma Upanishad
na deśaṃ nāpi kālaṃ vā na śuddhiṃ vāpyapekṣate |
devadatto'hamityetadvijñānaṃ nirapekṣakam || 7 ||

Deutsche Übersetzung: Dazu sind weder ein bestimmter Ort noch eine bestimmte Zeit oder äußere Reinheit erforderlich. Die Erkenntnis „Ich bin Devadatta“ hängt von nichts anderem ab.

Wort-für-Wort-Erläuterung: na – nicht; – oder; aha – ich; iti – so; damit endet die Aussage; etad – dieses; vijñāna – unterscheidende Erkenntnis; na deśaṃ nāpi kālaṃ vā na śuddhiṃ vāpyapekṣate – als Wortgruppe: Dazu sind weder ein bestimmter Ort noch eine bestimmte Zeit oder äußere Reinheit erforderlich.; devadatto'hamityetadvijñānaṃ nirapekṣakam – als Wortgruppe: Die Erkenntnis „Ich bin Devadatta“ hängt von nichts anderem ab.

2.8. Vers Atma Upanishad
tadvadbrahmavido'pyasyabrahmāhamiti vedanam |
bhānuneva jagatsarvaṃ bhāsyate yasya tejasā || 8 ||

Deutsche Übersetzung: Ebenso ist die Erkenntnis „Ich bin Brahman“ beim Brahman-Erkenner unabhängig. Wie die Sonne die Welt erhellt, so wird alles durch das Licht dieser Erkenntnis erleuchtet.

Wort-für-Wort-Erläuterung: brahma – Brahman, das Absolute; aha – ich; iti – so; damit endet die Aussage; yasya – bei wem; tejas – Feuer, Lichtkraft; tadvadbrahmavido'pyasyabrahmāhamiti vedanam – als Wortgruppe: Ebenso ist die Erkenntnis „Ich bin Brahman“ beim Brahman-Erkenner unabhängig.; bhānuneva jagatsarvaṃ bhāsyate yasya tejasā – als Wortgruppe: Wie die Sonne die Welt erhellt, so wird alles durch das Licht dieser Erkenntnis erleuchtet.

2.9. Vers Atma Upanishad
anātmakamasattucchaṃ kiṃ nu tasyāvabhāsakam |
vedaśāstrapurāṇāni bhūtāni sakalānyapi || 9 ||

Deutsche Übersetzung: Was könnte das unwirkliche, nichtige Nicht-Selbst erhellen? Veden, Lehrschriften, Puranas und alle Wesen erhalten erst durch den Erkennenden ihren Sinn.

Wort-für-Wort-Erläuterung: sat – Wahrheit, Sein; tad – das, jenes; api – auch; anātmakamasattucchaṃ kiṃ nu tasyāvabhāsakam – als Wortgruppe: Was könnte das unwirkliche, nichtige Nicht-Selbst erhellen?; vedaśāstrapurāṇāni bhūtāni sakalānyapi – als Wortgruppe: Veden, Lehrschriften, Puranas und alle Wesen erhalten erst durch den Erkennenden ihren Sinn.

2.10. Vers Atma Upanishad
yenārthavanti taṃ kiṃ nu vijñātāraṃ prakāśayet |
kṣudhāṃ dehavyathāṃ tyaktvā bālaḥ krīḍati vastuni || 10 ||

Deutsche Übersetzung: Was könnte wiederum diesen Erkennenden erhellen? Ein Kind vergisst Hunger und körperlichen Schmerz und geht ganz in seinem Spiel auf.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tad – das, jenes; deha – Körper; tyaktvā – aufgegeben habend; yenārthavanti taṃ kiṃ nu vijñātāraṃ prakāśayet – als Wortgruppe: Was könnte wiederum diesen Erkennenden erhellen?; kṣudhāṃ dehavyathāṃ tyaktvā bālaḥ krīḍati vastuni – als Wortgruppe: Ein Kind vergisst Hunger und körperlichen Schmerz und geht ganz in seinem Spiel auf.

2.11. Vers Atma Upanishad
tathaiva vidvānramate nirmamo nirahaṃ sukhī |
kāmānniṣkāmarūpī saṃcaratyekacaro muniḥ || 11 ||

Deutsche Übersetzung: So freut sich der Wissende ohne „mein“ und „ich“. Wunschlos, still und allein bewegt sich der Weise unter den Gegenständen des Begehrens.

Wort-für-Wort-Erläuterung: sam – zusammen, völlig; muni – Weiser; tathaiva vidvānramate nirmamo nirahaṃ sukhī – als Wortgruppe: So freut sich der Wissende ohne „mein“ und „ich“.; kāmānniṣkāmarūpī saṃcaratyekacaro muniḥ – als Wortgruppe: Wunschlos, still und allein bewegt sich der Weise unter den Gegenständen des Begehrens.

2.12. Vers Atma Upanishad
svātmanaiva sadā tuṣṭaḥ svayaṃ sarvātmanā sthitaḥ |
nirdhano'pi sadā tuṣṭo'pyasahāyo mahābalaḥ || 12 ||

Deutsche Übersetzung: Als Selbst von allem ruht er stets zufrieden in sich. Obwohl ohne Besitz, ist er immer erfüllt; obwohl ohne Begleiter, besitzt er große innere Kraft.

Wort-für-Wort-Erläuterung: eva – allein, wahrlich; sadā – immer; svayam – selbst, unmittelbar; api – auch; svātmanaiva sadā tuṣṭaḥ svayaṃ sarvātmanā sthitaḥ – als Wortgruppe: Als Selbst von allem ruht er stets zufrieden in sich.; Obwohl ohne Besitz, ist er immer erfüllt; nirdhano'pi sadā tuṣṭo'pyasahāyo mahābalaḥ – als Wortgruppe: obwohl ohne Begleiter, besitzt er große innere Kraft.

2.13. Vers Atma Upanishad
nityatṛpto'pyabhuñjāno'pyasamaḥ samadarśanaḥ |
kurvannapi na kurvāṇaścābhoktā phalabhogyapi || 13 ||

Deutsche Übersetzung: Auch ohne zu essen ist er innerlich erfüllt; ohne Vergleich schaut er alle gleich. Obwohl er handelt, ist er Nicht-Handelnder; obwohl Handlungsfrüchte erscheinen, ist er nicht ihr begrenzter Genießender.

Wort-für-Wort-Erläuterung: nitya – ewig, beständig; api – auch; kuru – tue, vollbringe; na – nicht; nityatṛpto'pyabhuñjāno'pyasamaḥ samadarśanaḥ – als Wortgruppe: Auch ohne zu essen ist er innerlich erfüllt; ohne Vergleich schaut er alle gleich.; kurvannapi na kurvāṇaścābhoktā phalabhogyapi – als Wortgruppe: Obwohl er handelt, ist er Nicht-Handelnder; obwohl Handlungsfrüchte erscheinen, ist er nicht ihr begrenzter Genießender.

2.14. Vers Atma Upanishad
śarīryapyaśarīryeṣa paricchinno'pi sarvagaḥ |
aśarīraṃ sadā santamidaṃ brahmavidaṃ kvacit || 14 ||

Deutsche Übersetzung: Obwohl er einen Körper hat, ist er körperlos; obwohl er begrenzt erscheint, ist er alldurchdringend. Der Brahman-Erkenner ist in Wahrheit stets körperloses Sein.

Wort-für-Wort-Erläuterung: api – auch; sadā – immer; idam – dieses hier; cit – reines Bewusstsein; śarīryapyaśarīryeṣa paricchinno'pi sarvagaḥ – als Wortgruppe: Obwohl er einen Körper hat, ist er körperlos; obwohl er begrenzt erscheint, ist er alldurchdringend.; aśarīraṃ sadā santamidaṃ brahmavidaṃ kvacit – als Wortgruppe: Der Brahman-Erkenner ist in Wahrheit stets körperloses Sein.

2.15. Vers Atma Upanishad
priyāpriye na spṛśatastathaiva ca śubhā śubhe |
tamasā grastavadbhānādagrasto'pi ravirjanaiḥ || 15 ||

Deutsche Übersetzung: Angenehmes und Unangenehmes, Gutes und Schlechtes berühren ihn nicht. Obwohl die Sonne nicht ergriffen wird, meinen Unwissende, sie werde von Rahu verschlungen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: na – nicht; ca – und; api – auch; priyāpriye na spṛśatastathaiva ca śubhā śubhe – als Wortgruppe: Angenehmes und Unangenehmes, Gutes und Schlechtes berühren ihn nicht.; tamasā grastavadbhānādagrasto'pi ravirjanaiḥ – als Wortgruppe: Obwohl die Sonne nicht ergriffen wird, meinen Unwissende, sie werde von Rahu verschlungen.

2.16. Vers Atma Upanishad
grasta ityucyate bhrāntyā hyajñātvā vastulakṣaṇam |
tadvaddehādibandhebhyo vimuktaṃ brahmavittamam || 16 ||

Deutsche Übersetzung: Aus Irrtum nennen sie die Sonne verfinstert, weil sie ihr wirkliches Wesen nicht kennen. Ebenso halten Toren den von Körperbindungen freien Brahman-Erkenner für verkörpert.

Wort-für-Wort-Erläuterung: iti – so; damit endet die Aussage; deha – Körper; bandha – Bindung; grasta ityucyate bhrāntyā hyajñātvā vastulakṣaṇam – als Wortgruppe: Aus Irrtum nennen sie die Sonne verfinstert, weil sie ihr wirkliches Wesen nicht kennen.; tadvaddehādibandhebhyo vimuktaṃ brahmavittamam – als Wortgruppe: Ebenso halten Toren den von Körperbindungen freien Brahman-Erkenner für verkörpert.

2.17. Vers Atma Upanishad
paśyanti dehivanmūḍhāḥ śarīrābhāsadarśanāt |
ahinirlvayanīvāyaṃ muktadehastu tiṣṭhati || 17 ||

Deutsche Übersetzung: Sie sehen nur die Erscheinung des Körpers. Der Körper des Befreiten bleibt zurück wie die abgestreifte Haut einer Schlange.

Wort-für-Wort-Erläuterung: paśyanti – sehen sie; śarīra – Körper; mukta – befreit; deha – Körper; tiṣṭhati – bleibt er; paśyanti dehivanmūḍhāḥ śarīrābhāsadarśanāt – als Wortgruppe: Sie sehen nur die Erscheinung des Körpers.; ahinirlvayanīvāyaṃ muktadehastu tiṣṭhati – als Wortgruppe: Der Körper des Befreiten bleibt zurück wie die abgestreifte Haut einer Schlange.

2.18. Vers Atma Upanishad
itastataścālyamāno yatkiñcitprāṇavāyunā |
srotasā nīyate dāru yathā nimnonnatasthalam || 18 ||

Deutsche Übersetzung: Vom Lebenshauch ein wenig hierhin und dorthin bewegt, wird dieser Körper getragen wie ein Holzstück, das die Strömung über Höhen und Tiefen führt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: cit – reines Bewusstsein; prāṇa – Prana, Lebenshauch; vāyu – Wind, Lebensluft; yathā – wie; itastataścālyamāno yatkiñcitprāṇavāyunā – als Wortgruppe: Vom Lebenshauch ein wenig hierhin; srotasā nīyate dāru yathā nimnonnatasthalam – als Wortgruppe: dorthin bewegt, wird dieser Körper getragen wie ein Holzstück, das die Strömung über Höhen und Tiefen führt.

2.19. Vers Atma Upanishad
daivena nīyate deho yathā kālopabhuktiṣu |
lakṣyālakṣyagatiṃ tyaktvā yastiṣṭhetkevalātmanā || 19 ||

Deutsche Übersetzung: Durch das Schicksal gelangt der Körper zu den jeweils reifen Erfahrungen. Wer jedoch alle sichtbaren und unsichtbaren Wege aufgibt und allein im reinen Selbst verweilt, bleibt davon frei.

Wort-für-Wort-Erläuterung: deha – Körper; yathā – wie; tyaktvā – aufgegeben habend; daivena nīyate deho yathā kālopabhuktiṣu – als Wortgruppe: Durch das Schicksal gelangt der Körper zu den jeweils reifen Erfahrungen.; lakṣyālakṣyagatiṃ tyaktvā yastiṣṭhetkevalātmanā – als Wortgruppe: Wer jedoch alle sichtbaren und unsichtbaren Wege aufgibt und allein im reinen Selbst verweilt, bleibt davon frei.

2.20. Vers Atma Upanishad
śiva eva svayaṃ sākṣādayaṃ brahmaviduttamaḥ |
jīvanneva sadā muktaḥ kṛtārtho brahmavittamaḥ || 20 ||

Deutsche Übersetzung: Ein solcher höchster Brahman-Erkenner ist unmittelbar Shiva. Schon im Leben ist er immer frei und hat das Ziel vollendet.

Wort-für-Wort-Erläuterung: eva – allein, wahrlich; svayam – selbst, unmittelbar; idam – dieses hier; jīva – individuelles Selbst; sadā – immer; muktaḥ – befreit; mukta – befreit; śiva eva svayaṃ sākṣādayaṃ brahmaviduttamaḥ – als Wortgruppe: Ein solcher höchster Brahman-Erkenner ist unmittelbar Shiva.; jīvanneva sadā muktaḥ kṛtārtho brahmavittamaḥ – als Wortgruppe: Schon im Leben ist er immer frei und hat das Ziel vollendet.

2.21. Vers Atma Upanishad
upādhināśādbrahmaiva sadbrahmāpyeti nirdvayam |
śailūṣo veṣasadbhāvābhāvayośca yathā pumān || 21 ||

Deutsche Übersetzung: Wenn die begrenzenden Beifügungen vergehen, geht er als Brahman in das nichtduale Brahman ein – wie ein Schauspieler, der mit dem Kostüm eine Rolle annimmt und ohne Kostüm wieder er selbst ist.

Wort-für-Wort-Erläuterung: nāśa – Auflösung, Vernichtung; brahma – Brahman, das Absolute; eva – allein, wahrlich; iti – so; damit endet die Aussage; yathā – wie; pumān – der Mensch; upādhināśādbrahmaiva sadbrahmāpyeti nirdvayam – als Wortgruppe: Wenn die begrenzenden Beifügungen vergehen, geht er als Brahman in das nichtduale Brahman ein; śailūṣo veṣasadbhāvābhāvayośca yathā pumān – als Wortgruppe: wie ein Schauspieler, der mit dem Kostüm eine Rolle annimmt und ohne Kostüm wieder er selbst ist.

2.22. Vers Atma Upanishad
tathaiva brahmavicchreṣṭhaḥ sadā brahmaiva nāparaḥ |
ghaṭe naṣṭe yathā vyoma vyomaiva bhavati svayam || 22 ||

Deutsche Übersetzung: Ebenso ist der höchste Brahman-Erkenner immer nur Brahman und nichts anderes. Wenn der Topf zerbricht, wird der eingeschlossene Raum als der eine Raum erkannt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: sadā – immer; brahman – o Brahmane; Brahman; eva – allein, wahrlich; yathā – wie; bhavati – wird, ist; svayam – selbst, unmittelbar; tathaiva brahmavicchreṣṭhaḥ sadā brahmaiva nāparaḥ – als Wortgruppe: Ebenso ist der höchste Brahman-Erkenner immer nur Brahman und nichts anderes.; ghaṭe naṣṭe yathā vyoma vyomaiva bhavati svayam – als Wortgruppe: Wenn der Topf zerbricht, wird der eingeschlossene Raum als der eine Raum erkannt.

2.23. Vers Atma Upanishad
tathaivopādhivilaye brahmaiva brahmavitsvayam |
kṣīraṃ kṣīre yathā kṣiptaṃ tailaṃ taile jalaṃ jale || 23 ||

Deutsche Übersetzung: Wenn die begrenzenden Beifügungen sich auflösen, ist der Brahman-Erkenner selbst Brahman – wie Milch in Milch, Öl in Öl und Wasser in Wasser eins werden.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tathā – ebenso; eva – allein, wahrlich; brahman – o Brahmane; Brahman; svayam – selbst, unmittelbar; yathā – wie; tathaivopādhivilaye brahmaiva brahmavitsvayam – als Wortgruppe: Wenn die begrenzenden Beifügungen sich auflösen, ist der Brahman-Erkenner selbst Brahman; kṣīraṃ kṣīre yathā kṣiptaṃ tailaṃ taile jalaṃ jale – als Wortgruppe: wie Milch in Milch, Öl in Öl und Wasser in Wasser eins werden.

2.24. Vers Atma Upanishad
saṃyuktamekatāṃ yāti tathātmanyātmavinmuniḥ |
evaṃ videhakaivalyaṃ sanmātratvamakhaṇḍitam || 24 ||

Deutsche Übersetzung: Wie diese Stoffe in der Verbindung eins werden, so wird der Selbst-Erkenner im Selbst eins. Leibfreie Befreiung ist dieses ungeteilte, reine Sein.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tathā – ebenso; muni – Weiser; evam – auf diese Weise; eva – allein, wahrlich; sat – Wahrheit, Sein; saṃyuktamekatāṃ yāti tathātmanyātmavinmuniḥ – als Wortgruppe: Wie diese Stoffe in der Verbindung eins werden, so wird der Selbst-Erkenner im Selbst eins.; evaṃ videhakaivalyaṃ sanmātratvamakhaṇḍitam – als Wortgruppe: Leibfreie Befreiung ist dieses ungeteilte, reine Sein.

2.25. Vers Atma Upanishad
brahmabhāvaṃ prapadyaiṣa yatirnāvartate punaḥ |
sadātmakatvavijñānadagdhā vidyādivarṣmaṇaḥ || 25 ||

Deutsche Übersetzung: Nachdem der Entsagende den Zustand Brahmans erlangt hat, kehrt er nicht wieder. Die aus Unwissenheit hervorgegangenen Körper sind durch die Erkenntnis des Selbstseins verbrannt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: sadā – immer; vidyā – Erkenntnislehre; brahmabhāvaṃ prapadyaiṣa yatirnāvartate punaḥ – als Wortgruppe: Nachdem der Entsagende den Zustand Brahmans erlangt hat, kehrt er nicht wieder.; sadātmakatvavijñānadagdhā vidyādivarṣmaṇaḥ – als Wortgruppe: Die aus Unwissenheit hervorgegangenen Körper sind durch die Erkenntnis des Selbstseins verbrannt.

2.26. Vers Atma Upanishad
amuṣya brahmabhūtattvādbrahmaṇaḥ kuta udbhavaḥ |
māyāklṛptau bandhamokṣau na staḥ svātmani vastutaḥ || 26 ||

Deutsche Übersetzung: Da dieser Yogi Brahman geworden ist, woher sollte für Brahman eine neue Geburt kommen? Bindung und Befreiung, von Maya entworfen, bestehen im Selbst nicht wirklich.

Wort-für-Wort-Erläuterung: brahma – Brahman, das Absolute; tattva – Wirklichkeit, Prinzip; brahman – o Brahmane; Brahman; māya – Maya, schöpferische Erscheinungskraft; tad – das, jenes; bandha – Bindung; mokṣa – Befreiung; na – nicht; amuṣya brahmabhūtattvādbrahmaṇaḥ kuta udbhavaḥ – als Wortgruppe: Da dieser Yogi Brahman geworden ist, woher sollte für Brahman eine neue Geburt kommen?; māyāklṛptau bandhamokṣau na staḥ svātmani vastutaḥ – als Wortgruppe: Bindung und Befreiung, von Maya entworfen, bestehen im Selbst nicht wirklich.

2.27. Vers Atma Upanishad
yathā rajjau niṣkriyāyāṃ sarpābhāsavinirgamau |
avṛteḥ sadasattvābhyāṃ vaktavye bandhamokṣaṇe || 27 ||

Deutsche Übersetzung: Wie Erscheinen und Verschwinden der Schlange das unbewegte Seil nicht verändern, so betreffen Bindung und Befreiung nur Verhüllung und Enthüllung, nicht das Selbst.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yathā – wie; bandha – Bindung; yathā rajjau niṣkriyāyāṃ sarpābhāsavinirgamau – als Wortgruppe: Wie Erscheinen; avṛteḥ sadasattvābhyāṃ vaktavye bandhamokṣaṇe – als Wortgruppe: Verschwinden der Schlange das unbewegte Seil nicht verändern, so betreffen Bindung und Befreiung nur Verhüllung und Enthüllung, nicht das Selbst.

2.28. Vers Atma Upanishad
nāvṛttirbrahmaṇaḥ kvācidanyābhāvādanāvṛtam |
astīti pratyayo yaśca yaśca nāstīti vastuni || 28 ||

Deutsche Übersetzung: Brahman ist niemals wirklich verhüllt, denn es gibt nichts anderes, das es verhüllen könnte. Die Gedanken „es ist“ und „es ist nicht“ entstehen nur im Intellekt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: brahman – o Brahmane; Brahman; asti – ist; iti – so; damit endet die Aussage; nāvṛttirbrahmaṇaḥ kvācidanyābhāvādanāvṛtam – als Wortgruppe: Brahman ist niemals wirklich verhüllt, denn es gibt nichts anderes, das es verhüllen könnte.; astīti pratyayo yaśca yaśca nāstīti vastuni – als Wortgruppe: Die Gedanken „es ist“ und „es ist nicht“ entstehen nur im Intellekt.

2.29. Vers Atma Upanishad
buddhereva guṇāvetau na tu nityasya vastunaḥ |
atastau māyayā klṛptau bandhamokṣau na cātmani || 29 ||

Deutsche Übersetzung: Diese beiden Vorstellungen gehören nicht der ewigen Wirklichkeit an. Darum sind Bindung und Befreiung Schöpfungen Mayas und nicht Eigenschaften des Selbst.

Wort-für-Wort-Erläuterung: eva – allein, wahrlich; na – nicht; tu – aber, hingegen; nitya – ewig, beständig; tad – das, jenes; māya – Maya, schöpferische Erscheinungskraft; bandha – Bindung; mokṣa – Befreiung; ātman – Selbst; buddhereva guṇāvetau na tu nityasya vastunaḥ – als Wortgruppe: Diese beiden Vorstellungen gehören nicht der ewigen Wirklichkeit an.; atastau māyayā klṛptau bandhamokṣau na cātmani – als Wortgruppe: Darum sind Bindung und Befreiung Schöpfungen Mayas und nicht Eigenschaften des Selbst.

2.30. Vers Atma Upanishad
niṣkale niṣkriye śānte niravadye niraṃjane |
advitīye pare tattve vyomavatkalpanā kutaḥ || 30 ||

Deutsche Übersetzung: Wo wäre in der höchsten, dem Raum gleichen Wirklichkeit Platz für Vorstellungen – in ihr, die teil-los, untätig, friedvoll, makellos, unbefleckt und nichtdual ist?

Wort-für-Wort-Erläuterung: śānta – still, friedvoll; advitīye – im Nichtzweiten; tattva – Wirklichkeit, Prinzip; kutaḥ – woher?; niṣkale niṣkriye śānte niravadye niraṃjane – als Wortgruppe: Wo wäre in der höchsten, dem Raum gleichen Wirklichkeit Platz für Vorstellungen; advitīye pare tattve vyomavatkalpanā kutaḥ – als Wortgruppe: in ihr, die teil-los, untätig, friedvoll, makellos, unbefleckt und nichtdual ist?

2.31. Vers Atma Upanishad
na nirodho na cotpattirna baddho na ca sādhakaḥ |
na mumukṣurna vai mukta ityeṣā paramārthatā || 31 ||

Deutsche Übersetzung: Es gibt weder Auflösung noch Entstehung, weder Gebundenen noch Übenden, weder Befreiungssuchenden noch Befreiten. Das ist die höchste Wahrheit.

Wort-für-Wort-Erläuterung: na – nicht; ca – und; vai – wahrlich, gewiss; mukta – befreit; iti – so; damit endet die Aussage; etad – dieses; na nirodho na cotpattirna baddho na ca sādhakaḥ – als Wortgruppe: Es gibt weder Auflösung noch Entstehung, weder Gebundenen noch Übenden, weder Befreiungssuchenden noch Befreiten.; na mumukṣurna vai mukta ityeṣā paramārthatā – als Wortgruppe: Das ist die höchste Wahrheit.

Upanishad-Schluss
ityupaniṣat ||

Deutsche Übersetzung: So lautet die Upanishad.

Wort-für-Wort-Erläuterung: iti – so; damit endet die Aussage; upaniṣad – Upanishad, geheime Lehre; ityupaniṣat – als Wortgruppe: So lautet die Upanishad.

Abschließendes Shanti Mantra
oṃ bhadraṃ karṇebhiḥ śruṇuyāma devāḥ | bhadraṃ paśyemākṣabhiryajatrāḥ |
sthirairaṅgaistuṣṭuvām̐sastanūbhiḥ | vyaśema devahitaṃ yadāyuḥ ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Deutsche Übersetzung: Om. Ihr Götter, mögen wir mit unseren Ohren hören, was heilsam ist, und mit unseren Augen sehen, was heilsam ist, ihr Verehrungswürdigen. Mögen wir euch mit standhaften Gliedern und Körpern preisen und die von den Göttern bestimmte Lebensspanne erfüllen. Möge Indra, der weithin Gerühmte, uns Wohlergehen schenken; möge Pushan, der Allwissende, uns Wohlergehen schenken; möge Tarkshya mit unversehrtem Rad uns Wohlergehen schenken; möge Brihaspati uns Wohlergehen gewähren. Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃ – Om; bhadram – heilsam, glückverheißend; karṇebhiḥ śṛṇuyāma – mögen wir mit den Ohren hören; akṣabhiḥ paśyema – mögen wir mit den Augen sehen; yajatrāḥ – ihr Verehrungswürdigen; sthiraiḥ aṅgaiḥ – mit standhaften Gliedern; vyaśema devahitaṃ yad āyuḥ – mögen wir die von den Gottheiten bestimmte Lebensspanne erfüllen; svasti naḥ – Wohlergehen für uns; Indra, Pūṣan, Tārkṣya, Bṛhaspati – die angerufenen Gottheiten; śāntiḥ – Frieden

Heilige Schlussformel
|| hariḥ oṃ tatsat ||

Deutsche Übersetzung: Hari Om. Das ist das Wahre.

Wort-für-Wort-Erläuterung: hariḥ – Hari; oṃ – Om, die heilige Silbe; hariḥ oṃ tatsat – als Wortgruppe: Hari Om.; Das ist das Wahre.

Atma Upanishad: Datierung, Inhalt und Bedeutung

Name, Einordnung und Überlieferung

Der Name bezeichnet die Lehre über die Unterscheidung von äußerem, innerem und höchstem Selbst. Als Samanya Vedanta Upanishad verbindet die Schrift upanishadische Befreiungssprache mit Begriffen, Bildern und Praktiken ihrer besonderen Tradition. Die Zuordnung zum Atharvaveda beruht vor allem auf dem Muktika-Kanon und den Kolophonen der späteren Sammlungen; sie bedeutet nicht zwingend, dass der gesamte Text schon zur ältesten Schicht dieses Veda gehörte.

Die Überlieferung ist handschriftlich. Abschnitts- und Verszahlen können deshalb zwischen Ausgaben abweichen, besonders bei Prosateilen, Schlussformeln und eingeschobenen Mantras. Diese Ausgabe gibt den benutzten Text vollständig wieder und gliedert lange Prosa für Übersetzung und Worterklärung in redaktionelle Sinnabschnitte. Solche Zwischenüberschriften sind keine vorgetäuschten alten Verszahlen.

Datierung

Die genaue Entstehungszeit ist nicht gesichert. Sprache, Systematisierung und Stellung im Muktika-Kanon sprechen für eine jüngere Upanishad, deren überlieferte Gestalt wahrscheinlich im ersten Jahrtausend n. Chr. oder im frühen Mittelalter gewachsen ist. Datierungen von Neben-Upanishaden sind grundsätzlich Näherungen: Ein alter Lehrgedanke, die erhaltene sprachliche Fassung und der Zeitpunkt der Aufnahme in eine Sammlung können verschiedenen Epochen angehören.

Aufbau und Inhalt

Der Text entfaltet Körper und Organe; Antaratman und psychische Funktionen; Paramatman als reines, unteilbares Bewusstsein. Seine Bewegung führt von sichtbaren Formen, kosmologischen Zuordnungen oder Regeln immer wieder zur Frage nach dem tragenden Bewusstsein. Selbst dort, wo Ritual, Gottheit oder Mantra im Vordergrund stehen, zielt die upanishadische Deutung auf eine Umwandlung des Erkennenden.

Für die Lektüre ist es hilfreich, drei Ebenen auseinanderzuhalten: Erstens die wörtliche historische Vorschrift oder Erzählung, zweitens ihre symbolische und meditative Bedeutung und drittens die philosophische Aussage über Atman, Brahman und Befreiung. Nicht jede Passage beansprucht auf allen drei Ebenen dieselbe Art von Wahrheit.

Philosophische Kernlehre

Die zentrale Perspektive lautet: die Unterscheidung von äußerem, innerem und höchstem Selbst. Die wechselnden Erfahrungen, Namen und Formen sind nicht das letzte Maß des Menschen. Freiheit entsteht, wenn Identifikation, Unwissenheit und zwanghafte Anhaftung durch klare Erkenntnis, Sammlung und eine gereifte Lebensführung durchschaut werden.

Diese Lehre darf nicht als bloße Behauptung „Alles ist eins“ missverstanden werden. Die Upanishaden verbinden Einsicht mit Disziplin: Der Geist soll wahrhaftig, ruhig und fein werden. Erst dann wird Nichtdualität zu gelebter Freiheit statt zu einem abstrakten Gedanken.

Studium wird in der upanishadischen Tradition durch Kontemplation, Meditation und verantwortliches Handeln vertieft.

Beziehungen zu anderen Schriften

Thematisch steht die Atma Upanishad besonders neben Savitri Upanishad, Adhyatma Upanishad, Akshi Upanishad, Surya Upanishad, Annapurna Upanishad, Ekakshara Upanishad, Akshamalika Upanishad. Gemeinsame Motive können wörtliche Übernahmen, geteilte mündliche Traditionen oder spätere Neuinterpretationen älterer Verse anzeigen. Ähnlichkeit allein beweist jedoch keine eindeutige chronologische Abhängigkeit.

Die Bhagavad Gita verbindet ebenfalls Erkenntnis, Hingabe und Handeln; das Yoga Sutra beschreibt die Sammlung des Geistes mit einer anderen systematischen Sprache. Ein Vergleich macht sichtbar, was allen Wegen gemeinsam ist und wo die Atma Upanishad einen eigenen Akzent setzt.

Bedeutung für die Tradition

Für die zugehörige Tradition legitimiert die Schrift Praxis nicht nur durch Vorschrift, sondern durch eine Sicht des Menschen und des Kosmos. Die im Text behandelten Themen – Körper und Organe; Antaratman und psychische Funktionen; Paramatman als reines, unteilbares Bewusstsein – erhalten dabei einen gemeinsamen inneren Bezug. Ritual und Symbol gewinnen ihren tiefsten Sinn, wenn sie Erinnerung, Sammlung, Selbsthingabe und Erkenntnis fördern.

Historisch war die Unterweisung häufig in eine Guru-Schüler-Beziehung eingebettet. Das gilt besonders für Bija-Mantras, Nyasa, Gelübde, intensive Atemmethoden oder weitreichende Formen der Entsagung. Die schriftliche Überlieferung bewahrt die Lehre; sie ersetzt nicht in jedem Fall die persönliche Anleitung.

Bedeutung für heutige Yoga Aspiranten

Der moderne Yoga Aspirant kann die Schrift fruchtbar lesen, ohne jedes vormoderne Weltbild wörtlich übernehmen zu müssen. Er kann fragen: Welche Form von Unwissenheit wird hier beschrieben? Welche Haltung reinigt den Geist? Wie werden Körper, Atem, Gefühl, Denken und Bewusstsein miteinander verbunden? Und woran zeigt sich Befreiung im Umgang mit anderen Menschen?

Praktisch bedeutet dies: kurze Passagen regelmäßig studieren, zentrale Begriffe nachschlagen, die Lehre in stiller Meditation prüfen und ihre ethische Wirkung beobachten. Wachsende Geduld, Wahrhaftigkeit, Mitgefühl und Freiheit von zwanghaftem Begehren sind verlässlichere Zeichen als Visionen, Titel oder außergewöhnliche Erlebnisse.

Bedeutung für Yogalehrer und spirituelle Begleiter

Für Yogalehrer ist die Atma Upanishad eine Erinnerung an sorgfältige Kontextualisierung. Ein Lehrer sollte zwischen Textaussage, traditioneller Kommentierung, persönlicher Erfahrung und überprüfbaren körperlichen Wirkungen unterscheiden. Er sollte schwierige soziale, medizinische oder sektarische Aussagen weder verschweigen noch unkritisch bestätigen.

Ein verantwortlicher Lehrer führt nicht in Abhängigkeit. Er hilft Lernenden, Schrift, Vernunft, Gewissen und eigene Erfahrung miteinander ins Gespräch zu bringen. Wo Übungen Risiken bergen oder eine Einweihung voraussetzen, gehören klare Grenzen zur spirituellen Redlichkeit.

Bleibende Botschaft

Die bleibende Einladung der Atma Upanishad besteht in der vertieften Auseinandersetzung mit ihrem Kernanliegen: die Unterscheidung von äußerem, innerem und höchstem Selbst. Formen können verschieden sein; das Ziel ist eine Freiheit, die den ganzen Menschen verwandelt. Erkenntnis wird dann lebendig, wenn sie das Herz weitet, den Geist klärt und das tägliche Handeln wahrhaftiger macht.

Atma Upanishad mit Erläuterungen nach Paul Deussen

Artikel aus „Upanishaden. Die Geheimlehre des Veda“ in der Übersetzung von Paul Deussen, herausgegeben von Peter Michel, Marix Verlag, 2. Auflage, 2007, Wiesbaden, S. 750 - 752.

Einleitung

Die Lehre von den drei Atmans oder Selbsten, dem äußeren Selbst (dem Leib), dem inneren Selbst (der individuellen Seele) und dem höchsten Selbst (dem höchsten Brahman), welche in schöner, poetischer Form in dem Prajapati-Mythos Chand. 8,7-12 (oben S. 194-201) ihren Ausdruck fand, wird hier in trockenster Scholastik durch eine Aufzählung der Bestandteile, Eigenschaften und Funktionen der drei Selbst abgehandelt, wobei vielfache Rückbeziehungen auf die älteren Upanishaden vorkommen.

Die Atma Upanishad

I.

Darauf sprach Angiras: Dreifach ist der Mensch, nämlich äußeres Selbst, inneres Selbst und höchstes Selbst. Dasjenige Selbst, an welchem Haut, Knochen, Fleisch, Mark, Haare, Finger, Daumen, Rückgrat, Nägel, Knöchel, Bauch, Nabel, Scham, Hüften, Schenkel, Wangen, Brauen, Stirn, Arme, Seiten, Haupt, Aderwerk, Augen und Ohren sind, und welches geboren wird und stirbt, das heißt das äußere Selbst.

II.

Nunmehr das innere Selbst: Derjenige, welcher einerseits durch [die Wahrnehmungen von] Erde, Wasser, Feuer, Luft, Äther, sowie durch Wunsch, Haß, Lust, Schmerz, Begierde, Verblendung, Mißverstehen usw., indem er das Merkmal der Erinnerung besitzt[1], andererseits durch Sprechen - mit Hochton, Tiefton, kurz, lang, überlang, stockend, schreiend, herausplatzend, - durch Tanzen, Singen, Spielen, Ohnmächtigwerden, Gähnen usw. zu einem Hörenden, Riechenden, Schmeckenden, Denkenden, Erkennenden und Handelnden wird, und welcher als bewußtes Selbst, als Person (Purusha) zu unterscheiden weiß bei den Tätigkeiten des Hörens - ob es ein Puranam, Nyaya, Mimamsa oder Dharmasastram ist -, des Riechens, des Ansichnehmens,

dieser ist es, welcher das innere Selbst genannt wird.

III.

Nunmehr das höchste Selbst: Derjenige, welcher nach den Bestandteilen [des Wortes Om] zu verehren, indem man ihn unter Atemhemmung, Zurückziehung von den Sinnendingen, Meditation und Yoga-Folgerung als das eigene Selbst überdenkt (-cintakam adverbial), als Kern des Feigenbaumes (Chand. 6,12,1), als des Hirsekornes Kern (Chand. 3,14,3), durch hunderttausendfache Zerlegung der Haaresspitze (Svet. 5,9. Dhyanabindu 6) usw. nicht erfaßt noch aufgefaßt wird, der nicht geboren wird und nicht stirbt (Kath. 2,18), nicht verdorrt (Chand. 6,11,2) und nicht verbrennt (Chand. 6,16,2), nicht zittert (Prasna 5,6. Yogasikha 1), nicht gespalten (Chand. 6,12,1) und nicht zersplissen wird (Bhag. G. 2,23), der guna-loser Zuschauer ist (Svet. 6,11), der reine, gliederlose Atman, der absolute, feine, teillose, fleckenlose (Svet. 6,19), selbstwahnlose (Maitr. 6,30), von Ton, Gefühl, Geschmack, Gestalt und Geruch freie, wandellose (Brahmab. 8), wunschlose, alldurchdringende (Svet. 1,16), er, der undenkbare und unbeschreibliche, der das Unreine, Unheilige reinigt, dem kein Werk anhaftet und keine Nachwirkung der Werke, - das ist das höchste Selbst, der Purusha, - das ist das höchste Selbst, der Purusha!

Atma Upanishad – vollständiger Text in Devanagari

यत्र नात्मप्रपञ्चोऽयमपह्नवपदं गतः ।
प्रतियोगिविनिर्मुक्तः परमात्मावशिष्यते ॥

ॐ भद्रं कर्णेभिः श्रुणुयाम देवाः । भद्रं पश्येमाक्षभिर्यजत्राः ।
स्थिरैरङ्गैस्तुष्टुवाꣳसस्तनूभिः । व्यशेम देवहितं यदायुः ॥

ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

ॐ अथाङ्गिरास्त्रिविधः पुरुषोऽजायतात्मान्तरात्मा परमात्मा चेति ।
त्वक्चर्ममांसरोमाङ्गुष्ठाङ्गुल्यः पृष्ठवंशनखगुल्फोदर-
नाभिमेढ्रकटूरुकपोलश्रोत्रभ्रूललाटबाहुपार्श्वशिरोऽक्षीणि भवन्ति
जायते म्रियत इत्येष आत्मा ।
अथान्तरात्मानाम पृथिव्यापस्तेजोवायुराकाशमिच्छाद्वेषसुखदुःख-
काममोहविकल्पानादिस्मृतिलिङ्गोदात्तानुदात्तह्र्स्वदीर्घप्लुतः
खलितगर्जितस्फुटितमुदितनृत्तगीतवादित्रप्रलयविजृम्भितादिभिः
श्रोता घ्राता रसयिता नेता कर्ता विज्ञानात्मा पुरुषः
पुराणन्यायमीमांसाधर्मशास्त्राणीति श्रवणघ्राणाकर्षणकर्मविशेषणं
करोत्येषोऽन्तरात्मा ।
अथ परमात्मा नाम यथाक्षर उपासनीयः ।
स च प्राणायामप्रत्याहारधार्णाध्यानसमाधियोगानुमानात्मचिन्तकवटकणिका
वा श्यामाकतण्डुलो वा वालाग्रशतसहस्रविकल्पनाभिः स लभ्यते
नोपलभ्यते न जायते न म्रियते न शुष्यति न क्लिद्यते न दह्यते न कम्पते
न भिद्यते न च्छिद्यते निर्गुणः साक्षिभूतः शुद्धो निरवयवात्मा केवलः
सूक्ष्मो निर्ममो निरञ्जनो निर्विकारः शब्दस्पर्शरूपरसगन्धवर्जितो निर्विकल्पो
निराकाङ्क्षः सर्वव्यापी सोऽचिन्त्यो निर्वर्ण्यश्च पुनात्यशुद्धान्यपूतानि ।
निष्क्रियस्तस्य संसारो नास्ति ।
आत्मसंज्ञः शिवः शुद्ध एक एवाद्वयः सदा ।
ब्रह्मरूपतया ब्रह्म केवलं प्रतिभासते ॥ १॥

जगद्रूपतयाप्येतद्ब्रह्मैव प्रतिभासते ।
विद्याविद्यादिभेदेन भावाभावादिभेदतः ॥ २॥

गुरुशिष्यादिभेदेन ब्रह्मैव प्रतिभासते ।
ब्रह्मैव केवलं शुद्धं विद्यते तत्त्वदर्शने ॥ ३॥

न च विद्या न चाविद्या न जगच्च न चापरम् ।
सत्यत्वेन जगद्भानं संसारस्य प्रवर्तकम् ॥ ४॥

असत्यत्वेन भानं तु संसारस्य निवर्तकम् ।
घटोऽयमिति विज्ञातुं नियमः कोन्वपेक्षते ॥ ५॥

विना प्रमाणसुष्ठुत्वं यस्मिन्सति पदार्थधीः ।
अयमात्मा नित्यसिद्धः प्रमाणे सति भासते ॥ ६॥

न देशं नापि कालं वा न शुद्धिं वाप्यपेक्षते ।
देवदत्तोऽहमित्येतद्विज्ञानं निरपेक्षकम् ॥ ७॥

तद्वद्ब्रह्मविदोऽप्यस्यब्रह्माहमिति वेदनम् ।
भानुनेव जगत्सर्वं भास्यते यस्य तेजसा ॥ ८॥

अनात्मकमसत्तुच्छं किं नु तस्यावभासकम् ।
वेदशास्त्रपुराणानि भूतानि सकलान्यपि ॥ ९॥

येनार्थवन्ति तं किं नु विज्ञातारं प्रकाशयेत् ।
क्षुधां देहव्यथां त्यक्त्वा बालः क्रीडति वस्तुनि ॥ १०॥

तथैव विद्वान्रमते निर्ममो निरहं सुखी ।
कामान्निष्कामरूपी संचरत्येकचरो मुनिः ॥ ११॥

स्वात्मनैव सदा तुष्टः स्वयं सर्वात्मना स्थितः ।
निर्धनोऽपि सदा तुष्टोऽप्यसहायो महाबलः ॥ १२॥

नित्यतृप्तोऽप्यभुञ्जानोऽप्यसमः समदर्शनः ।
कुर्वन्नपि न कुर्वाणश्चाभोक्ता फलभोग्यपि ॥ १३॥

शरीर्यप्यशरीर्येष परिच्छिन्नोऽपि सर्वगः ।
अशरीरं सदा सन्तमिदं ब्रह्मविदं क्वचित् ॥ १४॥

प्रियाप्रिये न स्पृशतस्तथैव च शुभा शुभे ।
तमसा ग्रस्तवद्भानादग्रस्तोऽपि रविर्जनैः ॥ १५॥

ग्रस्त इत्युच्यते भ्रान्त्या ह्यज्ञात्वा वस्तुलक्षणम् ।
तद्वद्देहादिबन्धेभ्यो विमुक्तं ब्रह्मवित्तमम् ॥ १६॥

पश्यन्ति देहिवन्मूढाः शरीराभासदर्शनात् ।
अहिनिर्ल्वयनीवायं मुक्तदेहस्तु तिष्ठति ॥ १७॥

इतस्ततश्चाल्यमानो यत्किञ्चित्प्राणवायुना ।
स्रोतसा नीयते दारु यथा निम्नोन्नतस्थलम् ॥ १८॥

दैवेन नीयते देहो यथा कालोपभुक्तिषु ।
लक्ष्यालक्ष्यगतिं त्यक्त्वा यस्तिष्ठेत्केवलात्मना ॥ १९॥

शिव एव स्वयं साक्षादयं ब्रह्मविदुत्तमः ।
जीवन्नेव सदा मुक्तः कृतार्थो ब्रह्मवित्तमः ॥ २०॥

उपाधिनाशाद्ब्रह्मैव सद्ब्रह्माप्येति निर्द्वयम् ।
शैलूषो वेषसद्भावाभावयोश्च यथा पुमान् ॥ २१॥

तथैव ब्रह्मविच्छ्रेष्ठः सदा ब्रह्मैव नापरः ।
घटे नष्टे यथा व्योम व्योमैव भवति स्वयम् ॥ २२॥

तथैवोपाधिविलये ब्रह्मैव ब्रह्मवित्स्वयम् ।
क्षीरं क्षीरे यथा क्षिप्तं तैलं तैले जलं जले ॥ २३॥

संयुक्तमेकतां याति तथात्मन्यात्मविन्मुनिः ।
एवं विदेहकैवल्यं सन्मात्रत्वमखण्डितम् ॥ २४॥

ब्रह्मभावं प्रपद्यैष यतिर्नावर्तते पुनः ।
सदात्मकत्वविज्ञानदग्धा विद्यादिवर्ष्मणः ॥ २५॥

अमुष्य ब्रह्मभूतत्त्वाद्ब्रह्मणः कुत उद्भवः ।
मायाक्लृप्तौ बन्धमोक्षौ न स्तः स्वात्मनि वस्तुतः ॥ २६॥

यथा रज्जौ निष्क्रियायां सर्पाभासविनिर्गमौ ।
अवृतेः सदसत्त्वाभ्यां वक्तव्ये बन्धमोक्षणे ॥ २७॥

नावृत्तिर्ब्रह्मणः क्वाचिदन्याभावादनावृतम् ।
अस्तीति प्रत्ययो यश्च यश्च नास्तीति वस्तुनि ॥ २८॥

बुद्धेरेव गुणावेतौ न तु नित्यस्य वस्तुनः ।
अतस्तौ मायया क्लृप्तौ बन्धमोक्षौ न चात्मनि ॥ २९॥

निष्कले निष्क्रिये शान्ते निरवद्ये निरंजने ।
अद्वितीये परे तत्त्वे व्योमवत्कल्पना कुतः ॥ ३०॥

न निरोधो न चोत्पत्तिर्न बद्धो न च साधकः ।
न मुमुक्षुर्न वै मुक्त इत्येषा परमार्थता ॥ ३१॥

इत्युपनिषत् ॥

ॐ भद्रं कर्णेभिः श्रुणुयाम देवाः । भद्रं पश्येमाक्षभिर्यजत्राः ।
स्थिरैरङ्गैस्तुष्टुवाꣳसस्तनूभिः । व्यशेम देवहितं यदायुः ॥

ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

॥ हरिः ॐ तत्सत् ॥

Atma Upanishad – vollständiger Text in IAST

yatra nātmaprapañco'yamapahnavapadaṃ gataḥ |
pratiyogivinirmuktaḥ paramātmāvaśiṣyate ||

oṃ bhadraṃ karṇebhiḥ śruṇuyāma devāḥ | bhadraṃ paśyemākṣabhiryajatrāḥ |
sthirairaṅgaistuṣṭuvām̐sastanūbhiḥ | vyaśema devahitaṃ yadāyuḥ ||

oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

oṃ athāṅgirāstrividhaḥ puruṣo'jāyatātmāntarātmā paramātmā ceti |
tvakcarmamāṃsaromāṅguṣṭhāṅgulyaḥ pṛṣṭhavaṃśanakhagulphodara-
nābhimeḍhrakaṭūrukapolaśrotrabhrūlalāṭabāhupārśvaśiro'kṣīṇi bhavanti
jāyate mriyata ityeṣa ātmā |
athāntarātmānāma pṛthivyāpastejovāyurākāśamicchādveṣasukhaduḥkha-
kāmamohavikalpānādismṛtiliṅgodāttānudāttahrsvadīrghaplutaḥ
khalitagarjitasphuṭitamuditanṛttagītavāditrapralayavijṛmbhitādibhiḥ
śrotā ghrātā rasayitā netā kartā vijñānātmā puruṣaḥ
purāṇanyāyamīmāṃsādharmaśāstrāṇīti śravaṇaghrāṇākarṣaṇakarmaviśeṣaṇaṃ
karotyeṣo'ntarātmā |
atha paramātmā nāma yathākṣara upāsanīyaḥ |
sa ca prāṇāyāmapratyāhāradhārṇādhyānasamādhiyogānumānātmacintakavaṭakaṇikā
vā śyāmākataṇḍulo vā vālāgraśatasahasravikalpanābhiḥ sa labhyate
nopalabhyate na jāyate na mriyate na śuṣyati na klidyate na dahyate na kampate
na bhidyate na cchidyate nirguṇaḥ sākṣibhūtaḥ śuddho niravayavātmā kevalaḥ
sūkṣmo nirmamo nirañjano nirvikāraḥ śabdasparśarūparasagandhavarjito nirvikalpo
nirākāṅkṣaḥ sarvavyāpī so'cintyo nirvarṇyaśca punātyaśuddhānyapūtāni |
niṣkriyastasya saṃsāro nāsti |
ātmasaṃjñaḥ śivaḥ śuddha eka evādvayaḥ sadā |
brahmarūpatayā brahma kevalaṃ pratibhāsate || 1 ||

jagadrūpatayāpyetadbrahmaiva pratibhāsate |
vidyāvidyādibhedena bhāvābhāvādibhedataḥ || 2 ||

guruśiṣyādibhedena brahmaiva pratibhāsate |
brahmaiva kevalaṃ śuddhaṃ vidyate tattvadarśane || 3 ||

na ca vidyā na cāvidyā na jagacca na cāparam |
satyatvena jagadbhānaṃ saṃsārasya pravartakam || 4 ||

asatyatvena bhānaṃ tu saṃsārasya nivartakam |
ghaṭo'yamiti vijñātuṃ niyamaḥ konvapekṣate || 5 ||

vinā pramāṇasuṣṭhutvaṃ yasminsati padārthadhīḥ |
ayamātmā nityasiddhaḥ pramāṇe sati bhāsate || 6 ||

na deśaṃ nāpi kālaṃ vā na śuddhiṃ vāpyapekṣate |
devadatto'hamityetadvijñānaṃ nirapekṣakam || 7 ||

tadvadbrahmavido'pyasyabrahmāhamiti vedanam |
bhānuneva jagatsarvaṃ bhāsyate yasya tejasā || 8 ||

anātmakamasattucchaṃ kiṃ nu tasyāvabhāsakam |
vedaśāstrapurāṇāni bhūtāni sakalānyapi || 9 ||

yenārthavanti taṃ kiṃ nu vijñātāraṃ prakāśayet |
kṣudhāṃ dehavyathāṃ tyaktvā bālaḥ krīḍati vastuni || 10 ||

tathaiva vidvānramate nirmamo nirahaṃ sukhī |
kāmānniṣkāmarūpī saṃcaratyekacaro muniḥ || 11 ||

svātmanaiva sadā tuṣṭaḥ svayaṃ sarvātmanā sthitaḥ |
nirdhano'pi sadā tuṣṭo'pyasahāyo mahābalaḥ || 12 ||

nityatṛpto'pyabhuñjāno'pyasamaḥ samadarśanaḥ |
kurvannapi na kurvāṇaścābhoktā phalabhogyapi || 13 ||

śarīryapyaśarīryeṣa paricchinno'pi sarvagaḥ |
aśarīraṃ sadā santamidaṃ brahmavidaṃ kvacit || 14 ||

priyāpriye na spṛśatastathaiva ca śubhā śubhe |
tamasā grastavadbhānādagrasto'pi ravirjanaiḥ || 15 ||

grasta ityucyate bhrāntyā hyajñātvā vastulakṣaṇam |
tadvaddehādibandhebhyo vimuktaṃ brahmavittamam || 16 ||

paśyanti dehivanmūḍhāḥ śarīrābhāsadarśanāt |
ahinirlvayanīvāyaṃ muktadehastu tiṣṭhati || 17 ||

itastataścālyamāno yatkiñcitprāṇavāyunā |
srotasā nīyate dāru yathā nimnonnatasthalam || 18 ||

daivena nīyate deho yathā kālopabhuktiṣu |
lakṣyālakṣyagatiṃ tyaktvā yastiṣṭhetkevalātmanā || 19 ||

śiva eva svayaṃ sākṣādayaṃ brahmaviduttamaḥ |
jīvanneva sadā muktaḥ kṛtārtho brahmavittamaḥ || 20 ||

upādhināśādbrahmaiva sadbrahmāpyeti nirdvayam |
śailūṣo veṣasadbhāvābhāvayośca yathā pumān || 21 ||

tathaiva brahmavicchreṣṭhaḥ sadā brahmaiva nāparaḥ |
ghaṭe naṣṭe yathā vyoma vyomaiva bhavati svayam || 22 ||

tathaivopādhivilaye brahmaiva brahmavitsvayam |
kṣīraṃ kṣīre yathā kṣiptaṃ tailaṃ taile jalaṃ jale || 23 ||

saṃyuktamekatāṃ yāti tathātmanyātmavinmuniḥ |
evaṃ videhakaivalyaṃ sanmātratvamakhaṇḍitam || 24 ||

brahmabhāvaṃ prapadyaiṣa yatirnāvartate punaḥ |
sadātmakatvavijñānadagdhā vidyādivarṣmaṇaḥ || 25 ||

amuṣya brahmabhūtattvādbrahmaṇaḥ kuta udbhavaḥ |
māyāklṛptau bandhamokṣau na staḥ svātmani vastutaḥ || 26 ||

yathā rajjau niṣkriyāyāṃ sarpābhāsavinirgamau |
avṛteḥ sadasattvābhyāṃ vaktavye bandhamokṣaṇe || 27 ||

nāvṛttirbrahmaṇaḥ kvācidanyābhāvādanāvṛtam |
astīti pratyayo yaśca yaśca nāstīti vastuni || 28 ||

buddhereva guṇāvetau na tu nityasya vastunaḥ |
atastau māyayā klṛptau bandhamokṣau na cātmani || 29 ||

niṣkale niṣkriye śānte niravadye niraṃjane |
advitīye pare tattve vyomavatkalpanā kutaḥ || 30 ||

na nirodho na cotpattirna baddho na ca sādhakaḥ |
na mumukṣurna vai mukta ityeṣā paramārthatā || 31 ||

ityupaniṣat ||

oṃ bhadraṃ karṇebhiḥ śruṇuyāma devāḥ | bhadraṃ paśyemākṣabhiryajatrāḥ |
sthirairaṅgaistuṣṭuvām̐sastanūbhiḥ | vyaśema devahitaṃ yadāyuḥ ||

oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

|| hariḥ oṃ tatsat ||

Atma Upanishad – vollständige gut verständliche deutsche Übersetzung

Eröffnungsvers der Atma Upanishad
Wo diese Erscheinungswelt des Nicht-Selbst vollständig verneint ist und alle Gegenbegriffe aufgehoben sind, bleibt allein der höchste Atman.

Shanti Mantra
Om. Ihr Götter, mögen wir mit unseren Ohren hören, was heilsam ist, und mit unseren Augen sehen, was heilsam ist, ihr Verehrungswürdigen. Mögen wir euch mit standhaften Gliedern und Körpern preisen und die von den Göttern bestimmte Lebensspanne erfüllen. Möge Indra, der weithin Gerühmte, uns Wohlergehen schenken; möge Pushan, der Allwissende, uns Wohlergehen schenken; möge Tarkshya mit unversehrtem Rad uns Wohlergehen schenken; möge Brihaspati uns Wohlergehen gewähren. Om. Frieden, Frieden, Frieden.

1. Kapitel

Erster Prosateil: äußerer Atman der Atma Upanishad
Nun lehrte Angiras: Der Purusha erscheint dreifach – als äußerer Atman, innerer Atman und höchster Atman. Haut, Fleisch, Haare, Glieder und Organe entstehen und vergehen; diese körperliche Gestalt heißt der äußere Atman.

Zweiter Prosateil: innerer Atman der Atma Upanishad
Der innere Atman umfasst Elemente, Wünsche und Abneigungen, Freude und Leid, Erinnerung, Wahrnehmung, Sprache, Handeln und unterscheidende Erkenntnis. Als der alte Purusha hört, riecht, schmeckt, denkt, entscheidet und versteht er die Lehren; so wird der innere Atman beschrieben.

Dritter Prosateil: höchster Atman der Atma Upanishad
Der höchste Atman ist das Unvergängliche, über das durch die Stufen des Yoga – Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi – meditiert wird. Subtiler als ein Samenkorn, ist er nicht als Gegenstand zu ergreifen. Er wird nicht geboren und stirbt nicht; er ist rein, ohne Teile, ohne Besitz, unveränderlich, jenseits von Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch, alldurchdringend, unvorstellbar, untätig und frei vom Samsara.

2. Kapitel

2.1. Vers Atma Upanishad
Das als Atman bezeichnete Gute ist rein, eins und immer nichtdual. In der Gestalt Brahmans leuchtet allein Brahman.

2.2. Vers Atma Upanishad
Auch als Welt mit Unterscheidungen wie Bejahung und Verneinung erscheint allein Brahman.

2.3. Vers Atma Upanishad
Auch in Unterscheidungen wie Lehrer und Schüler erscheint allein Brahman. In der Schau der Wahrheit besteht nur das reine Brahman.

2.4. Vers Atma Upanishad
Da sind weder Wissen noch Unwissenheit, weder Welt noch etwas anderes. Das Erscheinen der Welt als wirklich setzt den Samsara in Gang.

2.5. Vers Atma Upanishad
Ihr Erscheinen als unwirklich beendet den Samsara. Welche besondere Vorschrift wäre nötig, um zu erkennen: „Dies ist ein Topf“?

2.6. Vers Atma Upanishad
Sobald ein taugliches Erkenntnismittel vorhanden ist, entsteht die Erkenntnis des Gegenstandes. Ebenso leuchtet das ewig vollendete Selbst auf, wenn das angemessene Erkenntnismittel wirksam ist.

2.7. Vers Atma Upanishad
Dazu sind weder ein bestimmter Ort noch eine bestimmte Zeit oder äußere Reinheit erforderlich. Die Erkenntnis „Ich bin Devadatta“ hängt von nichts anderem ab.

2.8. Vers Atma Upanishad
Ebenso ist die Erkenntnis „Ich bin Brahman“ beim Brahman-Erkenner unabhängig. Wie die Sonne die Welt erhellt, so wird alles durch das Licht dieser Erkenntnis erleuchtet.

2.9. Vers Atma Upanishad
Was könnte das unwirkliche, nichtige Nicht-Selbst erhellen? Veden, Lehrschriften, Puranas und alle Wesen erhalten erst durch den Erkennenden ihren Sinn.

2.10. Vers Atma Upanishad
Was könnte wiederum diesen Erkennenden erhellen? Ein Kind vergisst Hunger und körperlichen Schmerz und geht ganz in seinem Spiel auf.

2.11. Vers Atma Upanishad
So freut sich der Wissende ohne „mein“ und „ich“. Wunschlos, still und allein bewegt sich der Weise unter den Gegenständen des Begehrens.

2.12. Vers Atma Upanishad
Als Selbst von allem ruht er stets zufrieden in sich. Obwohl ohne Besitz, ist er immer erfüllt; obwohl ohne Begleiter, besitzt er große innere Kraft.

2.13. Vers Atma Upanishad
Auch ohne zu essen ist er innerlich erfüllt; ohne Vergleich schaut er alle gleich. Obwohl er handelt, ist er Nicht-Handelnder; obwohl Handlungsfrüchte erscheinen, ist er nicht ihr begrenzter Genießender.

2.14. Vers Atma Upanishad
Obwohl er einen Körper hat, ist er körperlos; obwohl er begrenzt erscheint, ist er alldurchdringend. Der Brahman-Erkenner ist in Wahrheit stets körperloses Sein.

2.15. Vers Atma Upanishad
Angenehmes und Unangenehmes, Gutes und Schlechtes berühren ihn nicht. Obwohl die Sonne nicht ergriffen wird, meinen Unwissende, sie werde von Rahu verschlungen.

2.16. Vers Atma Upanishad
Aus Irrtum nennen sie die Sonne verfinstert, weil sie ihr wirkliches Wesen nicht kennen. Ebenso halten Toren den von Körperbindungen freien Brahman-Erkenner für verkörpert.

2.17. Vers Atma Upanishad
Sie sehen nur die Erscheinung des Körpers. Der Körper des Befreiten bleibt zurück wie die abgestreifte Haut einer Schlange.

2.18. Vers Atma Upanishad
Vom Lebenshauch ein wenig hierhin und dorthin bewegt, wird dieser Körper getragen wie ein Holzstück, das die Strömung über Höhen und Tiefen führt.

2.19. Vers Atma Upanishad
Durch das Schicksal gelangt der Körper zu den jeweils reifen Erfahrungen. Wer jedoch alle sichtbaren und unsichtbaren Wege aufgibt und allein im reinen Selbst verweilt, bleibt davon frei.

2.20. Vers Atma Upanishad
Ein solcher höchster Brahman-Erkenner ist unmittelbar Shiva. Schon im Leben ist er immer frei und hat das Ziel vollendet.

2.21. Vers Atma Upanishad
Wenn die begrenzenden Beifügungen vergehen, geht er als Brahman in das nichtduale Brahman ein – wie ein Schauspieler, der mit dem Kostüm eine Rolle annimmt und ohne Kostüm wieder er selbst ist.

2.22. Vers Atma Upanishad
Ebenso ist der höchste Brahman-Erkenner immer nur Brahman und nichts anderes. Wenn der Topf zerbricht, wird der eingeschlossene Raum als der eine Raum erkannt.

2.23. Vers Atma Upanishad
Wenn die begrenzenden Beifügungen sich auflösen, ist der Brahman-Erkenner selbst Brahman – wie Milch in Milch, Öl in Öl und Wasser in Wasser eins werden.

2.24. Vers Atma Upanishad
Wie diese Stoffe in der Verbindung eins werden, so wird der Selbst-Erkenner im Selbst eins. Leibfreie Befreiung ist dieses ungeteilte, reine Sein.

2.25. Vers Atma Upanishad
Nachdem der Entsagende den Zustand Brahmans erlangt hat, kehrt er nicht wieder. Die aus Unwissenheit hervorgegangenen Körper sind durch die Erkenntnis des Selbstseins verbrannt.

2.26. Vers Atma Upanishad
Da dieser Yogi Brahman geworden ist, woher sollte für Brahman eine neue Geburt kommen? Bindung und Befreiung, von Maya entworfen, bestehen im Selbst nicht wirklich.

2.27. Vers Atma Upanishad
Wie Erscheinen und Verschwinden der Schlange das unbewegte Seil nicht verändern, so betreffen Bindung und Befreiung nur Verhüllung und Enthüllung, nicht das Selbst.

2.28. Vers Atma Upanishad
Brahman ist niemals wirklich verhüllt, denn es gibt nichts anderes, das es verhüllen könnte. Die Gedanken „es ist“ und „es ist nicht“ entstehen nur im Intellekt.

2.29. Vers Atma Upanishad
Diese beiden Vorstellungen gehören nicht der ewigen Wirklichkeit an. Darum sind Bindung und Befreiung Schöpfungen Mayas und nicht Eigenschaften des Selbst.

2.30. Vers Atma Upanishad
Wo wäre in der höchsten, dem Raum gleichen Wirklichkeit Platz für Vorstellungen – in ihr, die teil-los, untätig, friedvoll, makellos, unbefleckt und nichtdual ist?

2.31. Vers Atma Upanishad
Es gibt weder Auflösung noch Entstehung, weder Gebundenen noch Übenden, weder Befreiungssuchenden noch Befreiten. Das ist die höchste Wahrheit.

Upanishad-Schluss
So lautet die Upanishad.

Abschließendes Shanti Mantra
Om. Ihr Götter, mögen wir mit unseren Ohren hören, was heilsam ist, und mit unseren Augen sehen, was heilsam ist, ihr Verehrungswürdigen. Mögen wir euch mit standhaften Gliedern und Körpern preisen und die von den Göttern bestimmte Lebensspanne erfüllen. Möge Indra, der weithin Gerühmte, uns Wohlergehen schenken; möge Pushan, der Allwissende, uns Wohlergehen schenken; möge Tarkshya mit unversehrtem Rad uns Wohlergehen schenken; möge Brihaspati uns Wohlergehen gewähren. Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Heilige Schlussformel
Hari Om. Das ist das Wahre.

Die fünf wichtigsten Empfehlungen der Atma Upanishad für ernsthafte Aspiranten

1. Mache die zentrale Lehre zur täglichen Kontemplation.
Die Atma Upanishad richtet den Blick auf die Unterscheidung von äußerem, innerem und höchstem Selbst. Lies einen kurzen Abschnitt langsam, fasse ihn in einem eigenen Satz zusammen und bleibe danach einige Minuten in der Stille.

2. Studiere Begriffe, aber bleibe nicht bei Begriffen stehen.
Führe ein kleines Studienheft zu Atman, Brahman, Maya und Moksha. Prüfe danach in der Meditation, worauf die Begriffe in deiner Erfahrung verweisen.

3. Übe Sakshi Bhava im Alltag.
Beobachte Gedanken, Gefühle und Rollen als wechselnde Inhalte des Bewusstseins. Das schafft Abstand, ohne Verantwortung zu vermeiden.

4. Verbinde Erkenntnis mit Ethik.
Wahrhaftigkeit, Ahimsa, Maß und Mitgefühl sind keine Nebensache. Sie machen den Geist klar genug für tiefere Einsicht.

5. Lies vergleichend und mit offenem Urteil.
Vergleiche die Aussagen mit älteren Upanishaden, der Bhagavad Gita und lebendiger Lehrerfahrung. Unterscheide poetische Symbolik, historische Weltbilder und unmittelbar prüfbare Praxis.

Redaktioneller Hinweis: Die deutsche Fassung wurde für diesen Artikel neu formuliert und mit den genannten Vergleichsübersetzungen abgeglichen. Bei Komposita fasst die Wort-für-Wort-Erläuterung eng verbundene Wörter teilweise als Sinngruppe zusammen. Die Ausgabe ist eine Studien- und Lesefassung, keine neue kritische Sanskritedition.

Fußnoten

  1. Ich folge den Lesarten der Punaer Ausgabe, welche durch eine (in der Bibl. Ind. ausgelassene) Bemerkung des Kommentares unterstützt werden.


Siehe auch

Literatur


Weblinks

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