Tiruvelukkutrirukkai

Aus Yogawiki

Tiruvelukkutrirukkai (Tamil: திருவெழுகூற்றிருக்கை, wissenschaftliche Umschrift: Tiruveḻukūṟṟirukkai; auch Thiruvezhukootrirukkai, Thiruvezhukurrirukkai und Tiruvezhukootrirukkai) ist ein kurzes, kunstvoll gestaltetes Werk des tamilischen Dichterheiligen Tirumangai Alvar (Tirumaṅkai Āḻvār). Es verbindet Zahlen, Bilder und Erzählungen zu einem einzigen Gebet an Vishnu. Der Lobpreis gilt Aravamudan (Ārāvamutaṉ), dem Herrn von Tirukkudandai, dem heutigen Kumbakonam, der im Sarangapani-Tempel verehrt wird.

Vishnu auf Ananta: ein allgemeines Bildmotiv des ruhenden Herrn. Das Tiruvelukkutrirukkai mündet in die Verehrung Aravamudans in Tirukkudandai.

Das Gedicht führt vom Staunen über die Schöpfung zur innigen Bitte eines Menschen. Es erinnert an göttlichen Schutz, an heilige Handlungen und an die Sammlung des Geistes. Schließlich mündet alles in Sharanagati, die vertrauende Zuflucht zu Gott. Darin liegt seine berührende Kraft: Der Herr, der die Welten trägt, wird als Gegenüber des eigenen Herzens angerufen. Wer sich für Bhakti Yoga öffnet, kann in diesen Versen Mut finden, auch die eigene Sehnsucht und Verletzlichkeit in ein aufrichtiges Gebet zu legen.

Das Tiruvelukkutrirukkai gehört zum Nalayira Divya Prabandham, der Sammlung heiliger tamilischer Hymnen der Alvars. Im Teil Iyaṟpā trägt es in der hier verwendeten Ausgabe die Nummer 2672. Es besteht aus einem zusammenhängenden Gedicht mit 46 Zeilen. Die folgende vollständige Ausgabe gliedert es zur leichteren Lektüre in zwölf Sinnabschnitte: jeweils Tamil, Umschrift, deutsche Übersetzung und Erläuterung. Die Abschnitte sind Lesehilfen und keine zwölf selbstständigen Originalstrophen.[1]

Name und literarische Gestalt

Die heilige Anordnung in sieben Teilen

Der Titel lässt sich sinngemäß als „heilige Anordnung in sieben Teilen“ verstehen: tiru bedeutet heilig oder ehrwürdig, eḻu sieben, kūṟu Teil und irukkai ein Bestehen oder Angeordnetsein. Gemeint ist eine besondere dichterische Form, in der Zahlwörter und Zahlanklänge von eins bis sieben kunstvoll aufsteigen und wieder zurückführen. Die Zahlen sind in Gottesbilder, mythologische Erzählungen und religiöse Aufzählungen eingebettet. Die sprachliche Kunst dient dem Lobpreis: Jede neue Zahl erschließt einen weiteren Gesichtspunkt der göttlichen Fülle.[2]

Diese Form macht das aufmerksame Lesen zu einer Entdeckungsreise. Drei Welten, vier Himmelsrichtungen und fünf Sinne erscheinen als Teile einer geordneten Fülle. Dabei wird nicht jedes Wort, das wie eine Zahl klingt, auch als Zahl übersetzt. Ein Ausdruck kann „schöne Schwingen“ oder „Fluss“ bedeuten und dennoch fünf beziehungsweise sechs anklingen lassen. Gerade darin zeigt sich die sprachliche Feinheit des Gedichts.

Das Gedicht und der Tempelwagen

Das Tiruvelukkutrirukkai wird traditionell mit dem Rathabandha, einer Anordnung in Gestalt eines Wagens, verbunden. Die Zahlenglieder lassen sich zu einer entsprechenden Figur zusammenstellen. Im Sarangapani-Tempel ist eine solche Darstellung überliefert. Die Einordnung als Wagenbild dürfte allerdings zur späteren Rezeptionsgeschichte gehören; sie sollte nicht ohne Weiteres mit der ursprünglichen Niederschrift gleichgesetzt werden. Das Werk steht im Versmaß nilaimaṇṭila āciriyappā.[3]

Die Rezitation vor dem Beginn von Tempelwagenfesten verbindet die Wortkunst mit gemeinschaftlicher Verehrung. So begegnen sich dichterische Kunst und gemeinschaftliche Verehrung.[2] Für eine persönliche Betrachtung kann dieses Bild eine Frage öffnen: Welche Richtung geben wir unseren Kräften? Wohin lassen wir uns von Sehnsucht und Liebe führen?

Tirumangai Alvar und die Tradition

Der Dichter

Tirumangai Alvar zählt zu den zwölf Alvars der tamilischen Vishnu-Bhakti. Weitere Namen sind Kaliyan, Parakalan und Kalikandri. Seine überlieferte Gestalt verbindet leidenschaftlichen Einsatz, dichterische Kraft und tiefe Hingabe. Zu seinen sechs Werken gehören neben dem Tiruvelukkutrirukkai das Periya Tirumoli, Tirukkuruntantakam, Tirunetuntantakam, Siriya Tirumatal und Periya Tirumatal.[3]

Die historische Einordnung schwankt; häufig wird Tirumangai Alvar dem 8. Jahrhundert n. Chr. zugerechnet, daneben begegnen spätere Ansätze. Ein exaktes Entstehungsjahr des Tiruvelukkutrirukkai ist nicht gesichert. Die Lebenslegenden haben einen eigenen religiösen Sinn und sind von historisch überprüfbaren Lebensdaten zu unterscheiden.[4]

Aravamudan: der unerschöpfliche Nektar

Der Name Aravamudan lässt sich sinngemäß als „Nektar, an dem man sich niemals satttrinkt“ verstehen. Er bringt eine Erfahrung von Bhakti zum Ausdruck: Die Nähe des Göttlichen vertieft das Verlangen nach weiterer Nähe. In der traditionellen Auslegung ist Tiruvelukkutrirukkai daher ein Sharanagati-Prabandham, ein Gedicht der Zuflucht und Selbsthingabe.[2]

Die kosmischen Bilder erhalten von dieser Beziehung her ihre Wärme. Der Herr, der die Welten durchmisst und trägt, ist derselbe, an den sich ein einzelner Mensch mit seiner Not wendet. Seine Größe und seine Nähe gehören im Gebet zusammen. Wer den ruhenden Herrn betrachtet, darf zugleich an jene Kraft denken, die Gajendra aus seiner Bedrängnis befreit. Darin liegt ein Zugang zu Prapatti: Das Herz vertraut sich dem an, dessen Erbarmen es sucht.

Überlieferte Ehrenverse

Project Madurai stellt dem Gedicht zwei Taṉiyaṉ genannte Ehrenverse voran und schreibt sie Emperumanar, also Ramanuja, zu. Sie preisen den Dichter und eröffnen den Raum der Verehrung. Beide werden hier vollständig wiedergegeben, getrennt vom eigentlichen Werk.[1]

Die beiden einleitenden Ehrenverse

Ehrenvers 1 – Segen für den Dichter

Tamil

வாழிபரகாலன் வாழிகலிகன்றி,
வாழி குறையலூர் வாழ்வேந்தன், - வாழியரோ
மாயோனை வாள்வலியால் மந்திரங்கொள் மங்கையர்கோன்
தூயோன் சுடர்மான வேல்.

Umschrift

vāḻiparakālaṉ vāḻikalikaṉṟi,
vāḻi kuṟaiyalūr vāḻvēntaṉ, - vāḻiyarō
māyōṉai vāḷvaliyāl mantiraṅkoḷ maṅkaiyarkōṉ
tūyōṉ cuṭarmāṉa vēl.

Übersetzung

Es lebe Parakalan! Es lebe Kalikandri! Es lebe der König, der in Kuraiyalur wohnt! Es leuchte der strahlende, herrliche Speer des Reinen, des Herrn von Mangai, der dem Wunderbaren mit der Kraft seines Schwertes das Mantra abgewann.

Erläuterung: Der Ehrenvers spielt auf die Heiligenlegende an, in der Tirumangai dem verkleideten Herrn begegnet und das heilige Mantra empfängt. Die kämpferischen Bilder gehören zur überlieferten Gestalt Tirumangai Alvars; im Lobvers werden seine Kräfte in den Dienst der Hingabe gestellt.

Ehrenvers 2 – Die Füße des Gnadenregens

Tamil

சீரார் திருவெழு கூற்றிருக் கையென்னும் செந்தமிழால்,
ஆரா வமுதன் குடந்தைப் பிரான்றன் அடியிணைக்கீழ்,
ஏரார் மறைப்பொரு ளெல்லா மெடுத்திவ் வுலகுய்யவே
சோராமற் சொன்ன அருள்மாரி பாதம் துணைநமக்கே.

Umschrift

cīrār tiruveḻu kūṟṟiruk kaiyeṉṉum centamiḻāl,
ārā vamutaṉ kuṭantaip pirāṉṟaṉ aṭiyiṇaikkīḻ,
ērār maṟaipporu ḷellā meṭuttiv vulakuyyavē
cōrāmaṟ coṉṉa aruḷmāri pātam tuṇainamakkē.

Übersetzung

Unsere Zuflucht sind die Füße Arulmaris, des Gnadenregens: Unermüdlich brachte er im herrlichen, edlen Tamil des Tiruvelukkutrirukkai den ganzen erhabenen Sinn der Veden zum Ausdruck, zu Füßen Aravamudans, des Herrn von Kudandai, damit diese Welt Rettung finde.

Erläuterung: Arulmari, „Regen der Gnade“, ist hier ein Ehrenname Tirumangai Alvars. Seine Dichtung erscheint als Gabe, die vielen Menschen zugutekommen soll: Das empfangene Licht wird weitergegeben.

Vollständiger Grundtext in zwölf Sinnabschnitten

Die fortlaufende Nummer des gesamten Gedichts ist 2672. Die nachstehenden zwölf Abschnitte folgen seinen Sinnbewegungen; ihre Grenzen können innerhalb einer der 46 Verszeilen liegen. In der Umschrift kennzeichnen ā, ī, ū, ē, ō lange Vokale.

Abschnitt 1 – Der Lotus des Ursprungs

Tamil

ஒருபே ருந்தி யிருமலர்த் தவிசில்,
ஒருமுறை அயனை யீன்றனை

Umschrift

orupē runti yirumalart tavicil,
orumuṟai ayaṉai yīṉṟaṉai

Übersetzung

Aus deinem einen großen Nabel, auf dem Sitz der großen Lotusblüte, brachtest du einst Ayan hervor.

Erläuterung: Ayan ist Brahma, der Schöpfergott. Das Bild des aus Vishnus Nabel wachsenden Lotus führt die Schöpfung auf einen göttlichen Ursprung zurück. Das Wort für die große Blüte lässt zugleich die Zahl zwei anklingen: Zahlenkunst und Lobpreis beginnen gemeinsam.

Abschnitt 2 – Der Bogen Ramas

Tamil

ஒருமுறை
இருசுடர் மீதினி லியங்கா, மும்மதிள்
இலங்கை யிருகால் வளைய, ஒருசிலை
ஒன்றிய ஈரெயிற் றழல்வாய் வாளியில்
அட்டனை

Umschrift

orumuṟai
irucuṭar mītiṉi liyaṅkā, mummatiḷ
ilaṅkai yirukāl vaḷaiya, orucilai
oṉṟiya īreyiṟ ṟaḻalvāy vāḷiyil
aṭṭaṉai

Übersetzung

Einst vernichtetest du das dreifach ummauerte Lanka, über dem sich die beiden Himmelslichter nicht bewegen konnten: Du krümmtest die beiden Enden deines einen Bogens und sandtest den daran angelegten Pfeil mit seinen zwei scharfen Schneiden und seiner feurigen Spitze.

Erläuterung: Die beiden Lichter sind Sonne und Mond; die unüberwindlich scheinende Stadt gehört zur dichterischen Überhöhung Lankas. Der Vers erinnert an Rama und den Sieg über Ravana. Das Kamba Ramayana entfaltet diese Erzählwelt in großer tamilischer Dichtung; hier wird sie in wenigen Bildern gegenwärtig. Die Zahlen zwei, drei, zwei und eins verbinden sich mit einer Erzählung von göttlichem Schutz.

Abschnitt 3 – Der kleine Brahmacharin und die drei Welten

Tamil

மூவடி நானிலம் வேண்டி,
முப்புரி நூலொடு மானுரி யிலங்கும்.
மார்வினில், இருபிறப் பொருமா ணாகி,
ஒருமுறை யீரடி,மூவுல களந்தனை

Umschrift

mūvaṭi nāṉilam vēṇṭi,
muppuri nūloṭu māṉuri yilaṅkum.
mārviṉil, irupiṟap porumā ṇāki,
orumuṟai yīraṭi,mūvula kaḷantaṉai

Übersetzung

Du erbatest drei Schritte Land auf der Erde mit ihren vier Landschaften. Als ein zweimalgeborener junger Schüler trugst du die dreifache heilige Schnur und das Hirschfell auf deiner leuchtenden Brust. Dann maßest du mit zwei Schritten die drei Welten aus.

Erläuterung: Vamana tritt als bescheidener Bittsteller auf und offenbart sich als Trivikrama, dessen Schritte die Welten umfassen. „Zweimalgeboren“ bezieht sich auf Geburt und religiöse Initiation. Die vier Landschaften gehören zu einer traditionellen tamilischen Bezeichnung der Erde. Der Gegensatz zwischen kleiner Gestalt und weltumspannender Größe lässt die Unermesslichkeit des Göttlichen aufscheinen.

Abschnitt 4 – Die Rettung des Elefanten

Tamil

நாற்றிசை நடுங்க அஞ்சிறைப் பறவை
ஏறி, நால்வாய் மும்மதத் திருசெவி
ஒருதனி வேழத் தரந்தையை, ஒருநாள்
இருநீர் மடுவுள் தீர்த்தனை

Umschrift

nāṟṟicai naṭuṅka añciṟaip paṟavai
ēṟi, nālvāy mummatat tirucevi
orutaṉi vēḻat tarantaiyai, orunāḷ
irunīr maṭuvuḷ tīrttaṉai

Übersetzung

Du bestiegst den Vogel mit den schönen Schwingen, sodass die vier Himmelsrichtungen erbebten. Einst befreitest du im tiefen Wasser eines Teiches den einen, allein bedrängten Elefanten von seiner Not – ihn mit dem herabhängenden Rüssel, den drei Strömen des Brunstsaftes und den zwei Ohren.

Erläuterung: Der Vogel ist Garuda, der Elefant Gajendra. Hier kommt der Herr einem bedrängten Lebewesen zu Hilfe. Zum gemeinsamen Lesen eignen sich die Strophen 28 und 44 des Tirumalai, die ebenfalls an Gajendras Rettung erinnern. Zwei Ausdrücke tragen Zahlanklänge, ohne wörtlich Mengen zu nennen: añciṟai meint schöne Schwingen, nālvāy den herabhängenden Rüssel. So bleiben Zahlenspiel und anschaulicher Sinn miteinander verbunden.[5]

Abschnitt 5 – Der Herr der heiligen Handlungen

Tamil

முத்தீ
நான்மறை ஐவகை வேள்வி, அறுதொழில்
அந்தணர் வணங்கும் தன்மையை

Umschrift

muttī
nāṉmaṟai aivakai vēḷvi, aṟutoḻil
antaṇar vaṇaṅkum taṉmaiyai

Übersetzung

Du bist der, den die Brahmanen verehren, die drei Feuer hüten, die vier Veden kennen, die fünf Arten des Opfers vollziehen und die sechs ihnen anvertrauten Tätigkeiten ausüben.

Erläuterung: Die Zahlenfolge ordnet das religiöse Leben im Licht der Veden. Die fünf Opfer richten sich traditionell an Götter, Ahnen, Lebewesen, Menschen und die heilige Lehre; die sechs Tätigkeiten umfassen Studieren und Lehren, Opfern für sich und andere sowie Geben und Empfangen. Im Gedicht mündet dieses ganze Tun in Verehrung.[6]

Abschnitt 6 – Die Sammlung des Inneren

Tamil

ஐம்புலன்
அகத்தினுள் செறுத்து, நான்குடன் அடக்கி
முக்குணத் திரண்டவை யகற்றி, ஒன்றினில்
ஒன்றி நின்று,ஆங் கிருபிறப் பறுப்போர்
அறியும் தன்மையை

Umschrift

aimpulaṉ
akattiṉuḷ ceṟuttu, nāṉkuṭaṉ aṭakki
mukkuṇat tiraṇṭavai yakaṟṟi, oṉṟiṉil
oṉṟi niṉṟu,āṅ kirupiṟap paṟuppōr
aṟiyum taṉmaiyai

Übersetzung

Du bist der, den jene erkennen, die die fünf Sinne nach innen sammeln, zugleich die vier inneren Kräfte zügeln, von den drei Gunas zwei ablegen und in dem einen verbleibenden fest gegründet sind – jene, die so die beiden Arten des Wiedergeborenwerdens überwinden.

Erläuterung: Die hier gewählte traditionelle Deutung versteht unter den vier Kräften Manas, Buddhi, Chitta und Ahamkara. Von den drei Gunas werden Rajas und Tamas überwunden, während Sattva gestärkt wird. Die zweifache Geburt meint das durch gutes und schlechtes Karma bedingte Wiedergeborenwerden. Für die „vier“ bietet die Kommentierung weitere Lesarten; die Übersetzung folgt der Deutung auf das innere Instrument.[7]

Abschnitt 7 – Unermessliche Größe und tragende Kraft

Tamil

முக்கண் நாற்றோள்
ஐவாய் அரவோடு ஆறுபொதி சடையோன்
அறிவருந் தன்மைப் பெருமையுள் நின்றனை,
ஏழுல கெயிற்றினில் கொண்டனை

Umschrift

mukkaṇ nāṟṟōḷ
aivāy aravōṭu āṟupoti caṭaiyōṉ
aṟivarun taṉmaip perumaiyuḷ niṉṟaṉai,
ēḻula keyiṟṟiṉil koṇṭaṉai

Übersetzung

Du stehst in einer Größe, die selbst der mit den drei Augen und vier Armen, mit der fünfköpfigen Schlange und dem Fluss in seinem verfilzten Haar kaum erkennen kann. Du hast die sieben Welten auf deinem Hauer getragen.

Erläuterung: Der erste Satz meint Shiva mit Ganga im Haar; āṟu bedeutet hier „Fluss“ und klingt zugleich wie „sechs“. Der zweite Satz gilt Varaha, Vishnus Ebergestalt. Das Gedicht spricht aus vaishnavischer Sicht von der Unermesslichkeit seines Herrn. Im Varaha-Bild wird dieselbe Größe als bergende Kraft erfahrbar: Die Welt wird getragen.

Abschnitt 8 – Fülle, Schönheit und Schutz

Tamil

கூறிய
அறுசுவைப் பயனும் ஆயினை, சுடர்விடும்
ஐம்படை அங்கையுள் அமர்ந்தனை, சுந்தர
நாற்றோள் முந்நீர் வண்ண

Umschrift

kūṟiya
aṟucuvaip payaṉum āyiṉai, cuṭarviṭum
aimpaṭai aṅkaiyuḷ amarntaṉai, cuntara
nāṟṟōḷ munnīr vaṇṇa

Übersetzung

Du bist auch der Genuss der sechs bekannten Geschmacksarten. In deinen schönen Händen ruhen die fünf strahlenden Waffen. Du mit den vier herrlichen Armen, dessen Farbe dem Meer mit seinen drei Wassern gleicht!

Erläuterung: Die fünf Waffen Vishnus sind Muschel, Diskus, Keule, Bogen und Schwert. „Drei Wasser“ ist eine traditionelle Bezeichnung des Meeres, das Fluss-, Quell- und Regenwasser aufnimmt. Die sechs Geschmacksarten stehen im Lobpreis für die Fülle, die der Dichter bei seinem Herrn findet. Als ergänzende Betrachtung eignet sich Tirumalai 2: Auch dort wird Gottesnähe als unvergleichliche Süße erfahren.[8]

Abschnitt 9 – Der wache Schlaf und die Liebe der Göttinnen

Tamil

நின் ஈரடி
ஒன்றிய மனத்தால், ஒருமதி முகத்து
மங்கையர் இருவரும் மலரன, அங்கையில்
முப்பொழுதும் வருட அறிதுயில் அமர்ந்தனை

Umschrift

niṉ īraṭi
oṉṟiya maṉattāl, orumati mukattu
maṅkaiyar iruvarum malaraṉa, aṅkaiyil
muppoḻutum varuṭa aṟituyil amarntaṉai

Übersetzung

Mit einem Herzen, das ganz bei deinen beiden Füßen verweilt, streicheln die beiden Göttinnen, deren Antlitz jeweils dem unvergleichlichen Mond gleicht, zu allen drei Zeiten mit ihren blütengleichen schönen Händen deine Füße. So ruhst du im wissenden Schlaf.

Erläuterung: Die beiden Göttinnen werden als Shri Devi und Bhudevi verstanden. Der „wissende Schlaf“ ist Yoga Nidra, die wache göttliche Ruhe. „Drei Zeiten“ kann Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft umfassen. Die Szene verbindet Sammlung und Zärtlichkeit: Alle Aufmerksamkeit ist liebender Dienst. Auch das Amalanatipiran lädt dazu ein, bei der Schönheit der göttlichen Gestalt zu verweilen.[9]

Abschnitt 10 – Die Welt und die Liebe

Tamil

நெறிமுறை நால்வகை வருணமும் ஆயினை,
மேதகும் ஐம்பெரும் பூதமும் நீயே,
அறுபதம் முரலும் கூந்தல் காரணம்
ஏழ்விடை யடங்கச் செற்றனை

Umschrift

neṟimuṟai nālvakai varuṇamum āyiṉai,
mētakum aimperum pūtamum nīyē,
aṟupatam muralum kūntal kāraṇam
ēḻviṭai yaṭaṅkac ceṟṟaṉai

Übersetzung

Du bist die vier nach ihrer Ordnung unterschiedenen Varnas. Du selbst bist die fünf großen Elemente. Um der Frau willen, in deren Haar sechsfüßige Bienen summen, bezwangst du die sieben Stiere vollständig.

Erläuterung: Die vier Varnas und die fünf Elemente beschreiben soziale und kosmische Ordnungen der überlieferten Welt. Die sieben Stiere gehören zur Geschichte von Krishna und Nappinnai. Der dichterische Blick geht vom großen Ganzen zur persönlichen Liebe über. Die Aussage über die Varnas wird als historisches Weltbild wiedergegeben; aus ihr folgt keine heutige Rangordnung menschlicher Würde.

Abschnitt 11 – Die Vielheit im Einen

Tamil

அறுவகைச்
சமயமும் அறிவரு நிலையினை, ஐம்பால்
ஓதியை ஆகத் திருத்தினை, அறமுதல்
நான்க வையாய் மூர்த்தி மூன்றாய்
இருவகைப் பயனாய் ஒன்றாய் விரிந்து
நின்றனை

Umschrift

aṟuvakaic
camayamum aṟivaru nilaiyiṉai, aimpāl
ōtiyai ākat tiruttiṉai, aṟamutal
nāṉka vaiyāy mūrtti mūṉṟāy
iruvakaip payaṉāy oṉṟāy virintu
niṉṟaṉai

Übersetzung

Dein Wesen ist für die sechs religiösen Lehrwege schwer zu erkennen. Die Göttin mit dem fünffach herrlichen Haar hast du auf deiner Brust wohnen lassen. Du bist die vier Lebensziele, beginnend mit Dharma, die drei göttlichen Gestalten und die zweifache Frucht. Als der Eine hast du dich entfaltet und erfüllst alles.

Erläuterung: Die Göttin ist Lakshmi. Die vier Ziele sind Dharma, Artha, Kama und Moksha. Die „zweifache Frucht“ wird als Freude und Leid infolge des Karma erklärt; die drei Gestalten werden unter anderem auf Brahma, Vishnu und Shiva bezogen. Die sechs Lehrwege sind hier andere philosophisch-religiöse Schulen, deren Erkenntnisgrenze aus vaishnavischer Sicht benannt wird. „Fünffach“ bezeichnet in der herangezogenen Auslegung Eigenschaften des schönen Haares. Die Zahlenfolge kehrt schließlich zum Einen zurück. Im Horizont von Bhakti wird dieses Eine persönlich angerufen: Es ist der Herr, dessen Nähe der Dichter sucht.[10]

Abschnitt 12 – Die Zuflucht in Tirukkudandai

Tamil

குன்றா மதுமலர்ச் சோலை
வண்கொடிப் படப்பை, வருபுனல் பொன்னி
மாமணி யலைக்கும், செந்நெலொண் கழனித்
திகழ்வன முடுத்த, கற்போர் புரிசைக்
கனக மாளிகை, நிமிர்கொடி விசும்பில்
இளம்பிறை துவக்கும், செல்வம் மல்குதென்
திருக்குடந்தை, அந்தணர் மந்திர மொழியுடன்
வணங்க, ஆடர வமளியில் அறிதுயில்
அமர்ந்த பரம,நின் அடியிணை பணிவன்
வருமிடர் அகல மாற்றோ வினையே.

Umschrift

kuṉṟā matumalarc cōlai
vaṇkoṭip paṭappai, varupuṉal poṉṉi
māmaṇi yalaikkum, cenneloṇ kaḻaṉit
tikaḻvaṉa muṭutta, kaṟpōr puricaik
kaṉaka māḷikai, nimirkoṭi vicumpil
iḷampiṟai tuvakkum, celvam malkuteṉ
tirukkuṭantai, antaṇar mantira moḻiyuṭaṉ
vaṇaṅka, āṭara vamaḷiyil aṟituyil
amarnta parama,niṉ aṭiyiṇai paṇivaṉ
varumiṭar akala māṟṟō viṉaiyē.

Übersetzung

In Tirukkudandai im Süden, reich an Fülle, liegen Haine mit Blüten, deren Honig niemals versiegt, und Gärten voller üppiger Ranken. Die heranströmende Ponni bewegt kostbare Edelsteine in ihren Wellen. Leuchtende Felder mit rotem Reis und prächtige Haine umkleiden die Stadt. Sie birgt die Wohnstätten der Gelehrten und goldene Paläste; ihre hoch aufragenden Fahnen scheinen am Himmel die junge Mondsichel zu berühren. Dort verehren dich die Brahmanen mit heiligen Mantraworten. Höchster, der du auf dem Lager der Schlange mit erhobener Haube im wissenden Schlaf ruhst: Ich verneige mich vor deinen beiden Füßen. Nimm mein Karma hinweg, damit das kommende Leid weiche!

Erläuterung: Ponni ist die Kaveri, Tirukkudandai das heutige Kumbakonam. Die Bilder von Honig, Reisfeldern und Edelsteinen besingen die Fülle des heiligen Ortes. Am Ende wird der kosmische Lobpreis ganz persönlich: „Ich verneige mich.“ Die Bitte richtet sich auf Befreiung von bindendem Karma. Zum Weiterlesen bietet sich Tiruvaymoli 5.8 an, das ebenfalls Aravamudan in Tirukkudandai anruft.[11]

Überlieferte Schlussanrufungen

Tamil

திருமங்கையாழ்வார் திருவடிகளே சரணம்
எம்பெருமானார் திருவடிகளே சரணம்

Umschrift

tirumaṅkaiyāḻvār tiruvaṭikaḷē caraṇam
emperumāṉār tiruvaṭikaḷē caraṇam

Übersetzung

Die heiligen Füße Tirumangai Alvars sind meine Zuflucht. Die heiligen Füße Emperumanars sind meine Zuflucht.

Erläuterung: Emperumanar ist Ramanuja. Diese beiden Formeln schließen die Rezitation in der verwendeten Vorlage ab und stehen außerhalb des Gedichtes. Sie drücken die Verbundenheit mit Dichterheiligem und Lehrer aus.

Die Zahlen als Sprache der Verehrung

Die Zahlenkunst des Tiruvelukkutrirukkai ist eng mit seinem Inhalt verbunden. Die folgende Auswahl zeigt, wie kosmische Ordnung, spirituelle Sammlung und vertraute Gottesbilder zusammenfinden. Sie ist keine vollständige Rekonstruktion des Rathabandha.

Zahl Bilder und Begriffe im Gedicht Bedeutung im Zusammenhang
Eins Ein Ursprung; ein Bogen; der Eine Einheit und Sammlung
Zwei Zwei Himmelslichter; zwei Schritte; zwei Füße; zwei Göttinnen Weltordnung, göttliche Macht und persönliche Verehrung
Drei Drei Welten; drei Feuer; drei Gunas; drei Zeiten Kosmos, Ritual und innere Natur
Vier Vier Himmelsrichtungen; vier Veden; vier innere Kräfte; vier Lebensziele Weite und gegliederte Ordnung
Fünf Fünf Opfer; fünf Sinne; fünf Waffen; fünf Elemente Handeln, Wahrnehmen, Schutz und Weltgestalt
Sechs Sechs Tätigkeiten; sechs Geschmacksarten; sechsfüßige Bienen Religiöses Leben und sinnlich erfahrene Fülle
Sieben Sieben Welten; sieben Stiere Kosmisches Tragen und die Krishna-Erzählung

Die Übersetzung bewahrt diese Aufzählungen. Wo Zahlanklänge auf einem Wortspiel beruhen, wird der tatsächliche Sinn übersetzt und das Spiel erläutert. So bleibt beispielsweise die Ganga ein Fluss, obwohl ihr tamilischer Ausdruck zugleich an die Zahl sechs erinnert.

Was das Tiruvelukkutrirukkai im Herzen wecken kann

Vom Staunen zum Vertrauen

Das Gedicht ruft eine Welt voller Größe hervor. Der Lotus der Schöpfung öffnet sich; Trivikrama durchmisst den Kosmos; Varaha trägt die Welten. Doch diese Bilder führen zu einer ganz persönlichen Anrede. Der Dichter bleibt mit seinem Staunen in Beziehung: Du hast geschaffen, du hast gerettet, dir vertraue ich mich an.

Für die eigene Meditation kann darin eine sanfte Bewegung liegen. Nimm zunächst etwas wahr, das dich staunen lässt: den Himmel, einen Baum, die Stille am frühen Morgen. Verweile bei diesem Eindruck. Wenn Gebet zu deinem Weg gehört, lass daraus einen schlichten Dank entstehen. So können Wahrnehmung und Hingabe einander vertiefen.

Sammlung als liebevolle Ausrichtung

Die Passage über die Sinne und die inneren Kräfte kann streng klingen. Ihr Ziel ist die Hinwendung zum Herrn. Eine heutige Betrachtung darf hier mit kleinen Schritten beginnen: einen Augenblick bei einer Sache bleiben, einem Menschen ungeteilt zuhören, einen Vers ohne Eile lesen.

Konzentration gewinnt Wärme, wenn sie von Liebe getragen wird. Die Hände der Göttinnen, die bei den Füßen des Herrn verweilen, geben dafür ein zweites Bild. Sammlung wird zum aufmerksamen Dasein. Auch im Alltag kann solche Aufmerksamkeit eine Form von Seva sein.

Radha und Krishna als ergänzendes Bild der Gottesliebe. Im Tiruvelukkutrirukkai begegnet Krishnas Liebe in der Anspielung auf Nappinnai.

Sich helfen lassen

Die Rettung Gajendras berührt, weil sie die göttliche Macht auf ein einzelnes bedrängtes Wesen richtet. Der Dichter erinnert an eine Hilfe, die mitten in der Not kommt. Im Zusammenhang des ganzen Gedichts wächst daraus seine eigene Bitte um Befreiung.

Für heutige Leser kann dieses Bild Mut machen, Bedürftigkeit wahrzunehmen und Unterstützung anzunehmen. Vertrauen kann sich im Gebet ausdrücken und ebenso in dem ehrlichen Satz an einen vertrauten Menschen: Ich brauche Hilfe. Demut kann bedeuten, die eigenen Grenzen anzuerkennen und sich tragen zu lassen. In beidem darf die Hoffnung lebendig werden, mit dem Schweren nicht allein bleiben zu müssen.

Die Fülle des Lebens würdigen

Honig, Blüten, Wasser, Reisfelder und die junge Mondsichel begleiten den Schluss. Die Zuflucht zu Gott ereignet sich in einer sinnlich reichen Landschaft. Der Blick wird aufmerksam für das, was nährt und trägt.

Daraus lässt sich eine einfache Übung der Dankbarkeit gewinnen: Nimm bei einer Mahlzeit wahr, wie viele Gaben in ihr zusammenkommen – Erde, Wasser, Licht und menschliche Arbeit. Ein stiller Dank kann aus dem Gewöhnlichen einen Augenblick bewusster Verbundenheit machen. Diese Anregung ist eine heutige Weiterführung der Bilder des Gedichts.

Beziehung zu anderen tamilischen Schriften

Die sechs Werke Tirumangai Alvars

Das Periya Tirumoli entfaltet eine große Vielfalt von Tempelorten, Gottesgestalten und Stimmen der Sehnsucht. Im Tiruvelukkutrirukkai verdichtet sich der Blick auf eine einzige kunstvolle Gebetsbewegung. Zusammen mit Tirukkuruntantakam und Tirunetuntantakam zeigt es, wie unterschiedlich derselbe Dichter Lobpreis und inneres Verlangen gestalten kann.

Siriya Tirumatal und Periya Tirumatal greifen wiederum die literarische Gestalt des maṭal auf. Die Vielfalt dieser Werke lädt dazu ein, Tirumangai Alvar sowohl als großen Sprachkünstler als auch als Stimme leidenschaftlicher Bhakti zu lesen.[3]

Tiruvaymoli: dieselbe Zuflucht

Die traditionelle Auslegung stellt das Tiruvelukkutrirukkai neben Nammalvars Tiruvaymoli 5.8, wo ebenfalls Aravamudan in Tirukkudandai angerufen wird. Beide Begegnungen werden im Horizont der Zuflucht zu Gott gelesen.[2] Die gemeinsame Lektüre macht hörbar, wie derselbe heilige Ort unterschiedliche Stimmen des Herzens hervorruft.

Tirumalai und Amalanatipiran

Im Tirumalai des Tondaradippodi Alvar steht die Bitte um Gnade neben Selbstprüfung und Freude am Gottesnamen. Das Amalanatipiran des Tiruppan Alvar verweilt im liebenden Anschauen der göttlichen Gestalt. Beide können als ergänzende Lektüre neben Tiruvelukkutrirukkai stehen: Die einen Verse lassen das Herz sprechen, die anderen den Blick verweilen; Tirumangais Zahlenkunst führt beides in einer geordneten Folge zusammen.

Diese Verbindungen sind vergleichende Lesehinweise. Sie bedeuten nicht, dass die Werke dieselbe Form oder denselben unmittelbaren Tempelbezug haben: Tirumalai und Amalanatipiran richten sich auf Ranganatha in Srirangam, das hier behandelte Gedicht auf Aravamudan in Kumbakonam.

Gleichnamige Werke anderer Dichter

Eḻukūṟṟirukkai bezeichnet auch eine dichterische Form. Deshalb begegnen ähnlich benannte Werke bei Sambandar und Arunagirinathar. Sambandars Gedicht gehört zur Shiva-Dichtung des Tevaram; Arunagirinathars Werk ist in der hier verlinkten Tiruppugazh-Sammlung unter Nummer 1326 aufgenommen und gilt Murugan. Sie sind eigene Texte und dürfen nicht mit Tirumangai Alvars Gedicht vertauscht werden.[12]

Mit dem Gedicht leben

Die folgenden Anregungen verbinden Svadhyaya, Gebet und Meditation. Wähle zunächst eine aus, die dich anspricht, und gib ihr im Alltag einen kleinen, verlässlichen Platz.

  1. Eine Passage auswählen. Beginne mit der Rettung des Elefanten, dem Bild der göttlichen Ruhe oder dem Schlussgebet. Lies erst die Übersetzung und betrachte danach den tamilischen Text und die Umschrift.
  2. Einen Augenblick sammeln. Sitze bequem, atme ruhig und lass die Aufmerksamkeit bei einem einzigen Bild verweilen. Kehre freundlich zurück, wenn Gedanken abschweifen. So wächst Achtsamkeit durch geduldiges Wiederbeginnen.
  3. Eine Bitte aussprechen. Formuliere in eigenen Worten, wovon du frei werden möchtest: von einer verletzenden Gewohnheit, einer verhärteten Haltung oder der Angst, alles allein tragen zu müssen. Verbinde die Bitte mit einem kleinen nächsten Schritt.
  4. Einen Namen wiederholen. Wenn Vishnu-Bhakti deinem Weg entspricht, kannst du „Narayana“ oder Om Namo Narayanaya in stillem Japa wiederholen. Das Mantra ist eine ergänzende Praxis und kein wörtliches Zitat aus diesem Gedicht.
  5. Aufmerksamkeit schenken. Widme einem Menschen oder einer Aufgabe einen konkreten Dienst. Was sich in der Meditation sammelt, kann im Alltag als Geduld und Freundlichkeit weiterwirken.
Die Sammlung des Geistes kann in Meditation, Gebet und liebevollem Handeln Gestalt annehmen.

Video: Om Namo Narayanaya

Die Gruppe Mudita singt bei Yoga Vidya das Narayana-Mantra. Dieser ergänzende Kirtan lädt ein, die Lektüre in gemeinsames Singen oder stilles Zuhören übergehen zu lassen.[13]

Video: Gottesliebe als Erfüllung

Sukadev spricht über Naradas Bhakti Sutra 7. Der Vortrag ist eine ergänzende Betrachtung über Bhakti Yoga und die Freude der Gottesliebe.[14]

Gemeinsam auf Tamil und Deutsch lesen

Für tamilische Familien im deutschsprachigen Raum kann die Gegenüberstellung einen Raum gemeinsamer Begegnung öffnen. Eine Person liest den tamilischen Abschnitt, eine andere die deutsche Übersetzung. Danach kann ein Gespräch über das Bild entstehen: Was bedeutet es, getragen zu werden? Wann wird Aufmerksamkeit zu Liebe? Was möchten wir loslassen?

So wird tamilisches Erbe im gemeinsamen Lesen erfahrbar. Wer möchte, kann beim nächsten Treffen einen Abschnitt aus Tirumalai, Tiruvaymoli oder Tiruppavai hinzunehmen. Unterschiedliche Stimmen der Gottesliebe eröffnen neue Gespräche über Vertrauen, Freude und das, was ein Leben trägt.

Abschließende Betrachtung: bei dem Einen ankommen

Im Tiruvelukkutrirukkai steigen Zahlen auf und kehren zurück. Der Blick wandert durch die Welten, durch Geschichten göttlicher Hilfe und durch die Kräfte des eigenen Inneren. Schließlich findet diese Fülle in einer schlichten Geste zusammen: Der Dichter verneigt sich vor den Füßen des Herrn. Sein Staunen wird zu Hingabe, seine Sehnsucht zu Gebet.

Für die persönliche Betrachtung liegt darin eine tiefe Ermutigung. Du darfst mitbringen, was dein Leben heute ausmacht: deine Freude und deine Fragen, deine Fähigkeiten und deine Grenzen. Ein aufrichtiger Augenblick der Zuwendung kann ein Anfang sein. Vielleicht findest du ihn beim stillen Wiederholen eines Mantras, beim Lesen eines Verses oder in einer Handlung, die einem anderen Menschen guttut.

Die Bilder des Gedichts dürfen dabei nachklingen. Der Herr trägt die Welten; er hört den Ruf eines bedrängten Wesens; er ruht inmitten liebevoller Aufmerksamkeit. Aus solchen Bildern kann Vertrauen wachsen – und die Bereitschaft, selbst achtsamer, hilfsbereiter und gütiger zu werden. Wer anschließend im Tirumalai oder im Tiruvaymoli weiterliest, begegnet anderen Stimmen derselben lebendigen Sehnsucht nach Gottesnähe.

Lass die Lektüre einen Augenblick in Stille ausklingen. Nimm wahr, welche Bitte, welcher Dank oder welcher gute Entschluss in dir lebendig geworden ist. Möge daraus Klarheit wachsen, aus dem Vertrauen Mut und aus deiner Gottesliebe ein Mitgefühl, das auch andere trägt.

Diese Schlussbetrachtung ist eine heutige spirituelle Anregung zum Werk.

Textgrundlage und Hinweise zur Ausgabe

Vollständigkeit: Der Grundtext umfasst sämtliche 46 Zeilen der Project-Madurai-Fassung von Hymnus 2672. Die zwölf Sinnabschnitte teilen gelegentlich eine metrische Zeile. Ihre Überschriften und Nummern sind redaktionell. Zwei einleitende Ehrenverse und zwei abschließende Zufluchtsformeln werden gesondert wiedergegeben; sie zählen nicht zu den 46 Zeilen.

Textgestalt: Hauptgrundlage ist Project Madurai, E-Text Nr. 7. Für drei erkennbare problematische Lesungen wurde der Tamil-Text der JIR Foundation zum Vergleich herangezogen. Die poetischen Wortverbindungen bleiben ansonsten weitgehend erhalten; Leerzeichen und Interpunktion wurden stellenweise vereinheitlicht.

Stelle Project Madurai Verwendete Lesung
Zweiter Ehrenvers சேராமற் சோராமற்
Grundtext, Zeile 7 முப்புரி _லொடு முப்புரி நூலொடு
Grundtext, Zeile 9 களந்தானை களந்தனை

Umschrift: Aus dem hier abgedruckten Tamil erstellt. Lange Vokale und die besonderen Konsonanten ḷ, ḻ, ṟ, ṉ sind unterschieden. Die schriftnahe Transliteration bildet keine bestimmte Gesangsweise ab.

Übersetzung und Erläuterungen: Eigenständige deutsche Lesefassung des historischen Grundtextes. Die Zahlen und Bilder sind möglichst erkennbar bewahrt. Schwierige Ausdrücke wurden mit der traditionellen Kommentierung bei KOYIL verglichen. Besonders die vier inneren Kräfte, die beiden Arten der Geburt, die sechs Lehrwege, die drei göttlichen Gestalten und die zweifache Frucht verlangen Auslegung. Die gewählten Deutungen stehen jeweils bei den Abschnitten. Diese Leseausgabe ist keine historisch-kritische Handschriftenedition.

Quellen und weiterführende Lektüre

Danksagung und Herkunftsvermerk

Der historische Grundtext ist gemeinfrei. Project Madurai und seinen Mitwirkenden gebührt Dank für die elektronische Erschließung. Der Herkunftsvermerk der verwendeten Gesamtausgabe wird hier erhalten; deren pauschale Titelzeile über Tirumangais Werke beschreibt den gemischten Inhalt der Gesamtsammlung nur ungenau.

நாலாயிரத் திவ்வியப் பிரபந்தம், பாகம் 4
திருமங்கையாழ்வார் பாசுரங்கள் (பாடல்கள் 2032-2790)
nAlAyira tivya pirapantam -part 4 (verses 2032-2790)
tirumangkai AzvAr's periya tirumozi
In tamil script, unicode/utf-8 format

Acknowledgement:
Our Sincere thanks go to Dr.K. Kalyanasundaram for his assistance in the preparation of this work.
This webpage presents Etext in Tamil script in Unicode encoding (utf-8 format).

© Project Madurai, 1998-2021.
Project Madurai is an open, voluntary, worldwide initiative devoted to preparation
of electronic texts of tamil literary works and to distribute them free on the Internet.
Details of Project Madurai are available at the website
https://www.projectmadurai.org/
You are welcome to freely distribute this file, provided this header page is kept intact.

Einzelnachweise

  1. ↑ 1,0 1,1 Project Madurai: Nālāyira Tivviyap Pirapantam, Teil 4, Hymnen 2032–2790, Abschnitt Tiruvelukkutrirukkai, Nr. 2672.
  2. ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 KOYIL: Thiruvezhukūṟṟirukkai, Einführung zur Form und zur Auslegung als Zufluchtsgedicht.
  3. ↑ 3,0 3,1 3,2 Tamil Wiki: Tiruvelukkutrirukkai (Tirumangai Alvar), zur 46-zeiligen Form, zum Versmaß und zur späteren Deutung als Rathabandha.
  4. ↑ Thirumangai Alvar, Überblick über voneinander abweichende Datierungsansätze.
  5. ↑ KOYIL, Tiruvelukkutrirukkai, Abschnitt 4.
  6. ↑ KOYIL, Abschnitt 5.
  7. ↑ KOYIL, Abschnitt 6, mit alternativen Erklärungen zu nāṉkuṭaṉ aṭakki.
  8. ↑ KOYIL, Abschnitt 8.
  9. ↑ KOYIL, Abschnitt 9.
  10. ↑ KOYIL, Abschnitt 11, zu den mehrdeutigen Aufzählungen.
  11. ↑ KOYIL, Abschnitt 12.
  12. ↑ Tamil Wikisource: Tiruvelukkutrirukkai, dort das Werk Sambandars; Tamilsurangam, Tiruppugazh 1326, das Werk Arunagirinathars.
  13. ↑ Yoga-Vidya-Blog: Om Namo Narayanaya – Das Mantra für den Weltfrieden, mit dem Video der Gruppe Mudita.
  14. ↑ Yoga-Vidya-Blog: Neue Videos, „BS7 Bhakti Gottesliebe ist Erfüllung“.

Siehe auch

Seminare

Die Angebote zu indischen Schriften und Bhakti Yoga ermöglichen eine Vertiefung von Studium und Praxis. Kundalini Yoga, Chakras und Energiearbeit sind ergänzende Themen des Yoga-Vidya-Angebots; sie werden in diesem Gedicht nicht als eigene Übungssysteme gelehrt.

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