Tiruppavai

Aus Yogawiki

Tiruppavai (Tamil: திருப்பாவை, wissenschaftliche Umschrift: Tiruppāvai; auch Thiruppavai, Thiruppaavai oder Tirupavai) ist ein Zyklus von dreißig tamilischen Hymnen der Dichterheiligen Andal. Noch vor Sonnenaufgang rufen junge Hirtinnen einander zum gemeinsamen Aufbruch. Vögel werden wach, Muschelhörner erklingen, und ihre Lieder wenden sich Krishna zu. In dieser lebendigen Morgenwelt entfaltet Andal eine tiefe Sehnsucht: dem Göttlichen nahe zu sein, seine Gnade zu empfangen und ihm in Liebe zu dienen. Was mit einem festlichen Gelübde beginnt, wird zur Bitte um eine Verbundenheit, die das ganze Leben trägt.

Krishna-Murti bei Yoga Vidya: Andals Tiruppavai besingt die Nähe des göttlichen Geliebten.

Das Tiruppavai gehört zum Nalayira Divya Prabandham, der Sammlung der tamilischen Alvar-Hymnen. In der Sri-Vaishnava-Tradition nimmt es einen besonderen Platz ein. Während des tamilischen Monats Margazhi, ungefähr von Mitte Dezember bis Mitte Januar, werden seine Strophen besonders gepflegt.[1] Die dreißig Lieder verbinden Hingabe, gemeinsames Gottesgedenken, Freigebigkeit und die Sehnsucht nach göttlicher Gnade.

Andals Sprache verbindet Ehrfurcht mit Zärtlichkeit und heiterer Vertrautheit. Freundinnen necken eine Langschläferin; vor einer verschlossenen Tür warten sie geduldig im Tau. Krishna ist der Sohn Yashodas und zugleich Narayana, der höchste Herr. Das Göttliche begegnet inmitten des vertrauten Lebens. Darin liegt die berührende Kraft dieser Dichtung: Sie lässt ahnen, wie Hingabe den Blick auf die Welt verwandeln und das Herz für andere öffnen kann.

Für Menschen auf dem Weg von Yoga und Meditation kann Tiruppavai zu einem Begleiter des Herzens werden. Eine Strophe am Morgen, ein Name Krishnas, ein Augenblick stiller Dankbarkeit können genügen, um seine Bilder im Alltag lebendig werden zu lassen. Zum vergleichenden Studium tamilischer Spiritualität bieten sich auch Tiruvempavai und Unmai Neri Vilakkam an. Tiruppavai bewahrt dabei seine eigene, auf Vishnu und Krishna ausgerichtete Stimme.

Tiruppavai lesen und verstehen

Titel, Sprache und Aufbau

Tiru bedeutet „heilig“, „ehrwürdig“ oder „glückverheißend“. Pavai bezeichnet im Zusammenhang dieses Werkes das Gelübde und seine dichterische Form; das Wort kann auch auf ein Mädchen beziehungsweise eine weibliche Gestalt verweisen. Der Titel lässt sich sinngemäß als „Das heilige Pavai-Gelübde“ verstehen. Die einzelnen Lieder heißen Pasurams (tamilisch pācuram). Die Hauptstrophen 1–30 entsprechen den Nummern 474–503 in der hier verwendeten Ausgabe des Divya Prabandham.[2]

Strophen Bewegung des Gedichts
1–5 Einladung zum Gelübde, Einfachheit, Freigebigkeit und Segen für die Welt
6–15 Die Freundinnen wecken einander und versammeln sich
16–20 Am Tor des Hirtenhauses: Anrufung der Familie, Krishnas und Nappinnais
21–29 Lobpreis, Bitte und die Offenbarung des ersehnten liebevollen Dienstes
30 Die dichterische Girlande und die verheißene Frucht ihrer Rezitation

Drei Schlüssel zum Verständnis

  • Parai (paṟai): Zunächst die rituelle Trommel, um die die Mädchen bitten. Im Fortgang des Gedichts gewinnt die Bitte eine tiefere Bedeutung. Strophe 29 erklärt ausdrücklich, dass es ihnen um bleibende Verbundenheit und Dienst geht.
  • Nappinnai: Krishnas Gefährtin in der tamilischen Überlieferung. Sie wird in den Versen 18–20 angerufen und gehört wesentlich zur hier dargestellten göttlichen Liebeswelt.
  • Der Kehrvers: Die Formel ēlōr empāvāy kehrt am Ende der meisten Strophen wieder. Ihre genaue Aufteilung und Bedeutung werden unterschiedlich erklärt. Die deutsche Wendung „Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!“ ist eine sinngemäße Wiedergabe des gemeinschaftlichen Rufes, keine eindeutige Wort-für-Wort-Entsprechung. In Vers 30 steht eine verkürzte Schlussanrede.

Zur vorliegenden Übersetzung

Jede Texteinheit erscheint in der Reihenfolge Tamil-Schrift, buchstabengetreue römische Umschrift, eigene deutsche Übersetzung in Fettdruck und eigene Erläuterung in Kursivschrift. Die Übersetzung geht vom tamilischen Text aus. Sie löst dichterische Verkürzungen behutsam auf; notwendige Ergänzungen stehen in eckigen Klammern. In den Erläuterungen werden Textaussage, traditionelle Auslegung und heutige Praxisanregung unterschieden.

Die Umschrift bildet die tamilischen Buchstaben ab. Lange Vokale sind ā, ī, ū, ē, ō; ṭ, ṇ, ḷ bezeichnen Laute mit zurückgebogener Zunge. ḻ ist ein besonderer tamilischer Zungenlaut, ṟ ein kräftigeres r, ṉ das alveolare n. c und t werden je nach Stellung unterschiedlich ausgesprochen. Die Umschrift ist deshalb keine vollständige Ausspracheanleitung. Sanskritnamen erscheinen im deutschen Text meist in ihrer geläufigen Wiki-Schreibweise.

Überlieferte Eingangsverse zu Andal

Die beiden folgenden tamilischen Lobverse stehen in der Textquelle vor dem Tiruppavai. Sie gehören zu dessen liturgischem Rahmen und sind keine zusätzlichen Hauptstrophen Andals. Die Vergleichsausgabe auf Ramanuja.org schreibt sie Uyyakkondar zu.[3]

Eingangsvers 1 – Andals Girlande aus Liedern

அன்ன வயற்புதுவை ஆண்டாள் அரங்கற்குப்
பன்னு திருப்பாவைப் பல்பதியம்
இன்னிசையால் பாடிக்கொடுத்தாள் நற்பாமாலை
பூமாலை சூடிக் கொடுத்தாளைச் சொல்லு

aṉṉa vayaṟputuvai āṇṭāḷ araṅkaṟkup
paṉṉu tiruppāvaip palpatiyam
iṉṉicaiyāl pāṭikkoṭuttāḷ naṟpāmālai
pūmālai cūṭik koṭuttāḷaic collu

Andal aus Puduvai, dessen Felder von Schwänen belebt sind,
sang für Ranganatha die vielen Strophen des Tiruppavai in süßem Klang
und brachte ihm diese schöne Girlande aus Liedern dar.
Preise sie, die ihm die Blumengirlande schenkte, nachdem sie sie selbst getragen hatte!

Der Lobvers verbindet Andals Dichtung mit der Legende ihrer Blumengirlanden. Das eigene Leben und das eigene Lied werden zur Gabe. Die Verfasserschaft dieses Rahmenverses wird in der Vergleichsquelle Uyyakkondar zugeschrieben.

Eingangsvers 2 – Die leuchtende Ranke der Hingabe

சூடிக் கொடுத்தாள் சுடர்க் கொடியே தொல்பாவை
பாடி அருளவல்ல பல்வளையாய்
நாடி நீ வேங்கடவற்கு என்னை விதி ஒன்ற இம்மாற்றம்
நாங்கடவா வண்ணமே நல்கு.

cūṭik koṭuttāḷ cuṭark koṭiyē tolpāvai
pāṭi aruḷavalla palvaḷaiyāy
nāṭi nī vēṅkaṭavaṟku eṉṉai viti oṉṟa immāṟṟam
nāṅkaṭavā vaṇṇamē nalku.

Du leuchtende Ranke, die die Girlande erst trug und dann darbrachte!
Du mit den vielen Armreifen, die das alte Pavai-Lied gnädig zu singen vermag!
Du batest: „Führe mich zum Herrn von Venkata.“
Schenke uns, dass wir von diesem deinem Wort niemals abweichen.

Die Anrede wendet sich an Andal selbst. Ihr Wunsch nach Zugehörigkeit zum Herrn wird zur Orientierung der späteren Verehrer. Die dichte Wortfügung der dritten tamilischen Zeile wird sinngemäß wiedergegeben; andere Fassungen gliedern sie als ausdrücklich zitierten Wunsch.

Tiruppavai: Alle 30 Strophen mit deutscher Übersetzung

Einladung und Gelübde – Strophen 1–5

Strophe 1 – Der Ruf im Licht des vollen Mondes

மார்கழித் திங்கள் மதி நிறைந்த நன்னாளால்
நீராடப் போதுவீர் போதுமினோ நேரிழையீர்
சீர் மல்கும் ஆய்ப்பாடிச் செல்வச் சிறுமீர்காள்
கூர்வேல் கொடுந்தொழிலன் நந்தகோபன் குமரன்
ஏரார்ந்த கண்ணி யசோதை இளம் சிங்கம்
கார் மேனி செங்கண் கதிர் மதியம் போல் முகத்தான்
நாராயணனே நமக்கே பறை தருவான்
பாரோர் புகழப் படிந்தேலோர் எம்பாவாய்

mārkaḻit tiṅkaḷ mati niṟainta naṉṉāḷāl
nīrāṭap pōtuvīr pōtumiṉō nēriḻaiyīr
cīr malkum āyppāṭic celvac ciṟumīrkāḷ
kūrvēl koṭuntoḻilaṉ nantakōpaṉ kumaraṉ
ērārnta kaṇṇi yacōtai iḷam ciṅkam
kār mēṉi ceṅkaṇ katir matiyam pōl mukattāṉ
nārāyaṇaṉē namakkē paṟai taruvāṉ
pārōr pukaḻap paṭintēlōr empāvāy

Im Monat Margazhi, an diesem guten Tag des vollen Mondes,
kommt zum rituellen Bad, ihr schön geschmückten Mädchen!
Ihr beglückten jungen Frauen im reichen Hirtenort Ayarpadi:
Der Sohn Nandagopas, der mit scharfem Speer entschlossen schützt,
der junge Löwe Yashodas, der Frau mit den schönen Augen,
er mit dem wolkendunklen Leib, den rötlich leuchtenden Augen
und dem Antlitz wie Sonne und Mond –
Narayana allein wird uns die Parai-Trommel schenken.
Lasst uns das Gelübde erfüllen, sodass die Welt uns preist!
Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!

Andal eröffnet den Weg mit einem gemeinsamen Aufbruch. Krishna erscheint zugleich als vertrauter Sohn einer Hirtenfamilie und als Narayana, der höchste Herr. Die Parai-Trommel gehört zunächst zum Fest; ihre tiefere Bedeutung erschließt sich besonders in Strophe 29. Das „Wir“ trägt den ganzen Gesang: Niemand soll allein zurückbleiben.

Strophe 2 – Ein Gelübde der Einfachheit und Güte

வையத்து வாழ்வீர்காள் நாமும் நம்பாவைக்குச்
செய்யும் கிரிசைகள் கேளீரோ பாற்கடலுள்
பையத் துயின்ற பரமனடி பாடி
நெய்யுண்ணோம் பாலுண்ணோம் நாட்காலே நீராடி
மையிட்டு எழுதோம் மலரிட்டு நாம் முடியோம்
செய்யாதன செய்யோம் தீக்குறளைச் சென்றோதோம்
ஐயமும் பிச்சையும் ஆந்தனையும் கை காட்டி
உய்யுமாற் எண்ணி உகந்தேலோர் எம்பாவாய்.

vaiyattu vāḻvīrkāḷ nāmum nampāvaikkuc
ceyyum kiricaikaḷ kēḷīrō pāṟkaṭaluḷ
paiyat tuyiṉṟa paramaṉaṭi pāṭi
neyyuṇṇōm pāluṇṇōm nāṭkālē nīrāṭi
maiyiṭṭu eḻutōm malariṭṭu nām muṭiyōm
ceyyātaṉa ceyyōm tīkkuṟaḷaic ceṉṟōtōm
aiyamum piccaiyum āntaṉaiyum kai kāṭṭi
uyyumāṟ eṇṇi ukantēlōr empāvāy.

Ihr Menschen, die ihr in dieser Welt lebt,
hört, welche Übungen zu unserem Pavai-Gelübde gehören!
Wir singen von den Füßen des Höchsten, der sanft im Milchozean ruht.
Wir essen kein Ghee und trinken keine Milch; früh am Morgen baden wir.
Wir schwärzen die Augen nicht und schmücken unser Haar nicht mit Blumen.
Wir tun nicht, was sich nicht ziemt, und tragen keine böse Rede weiter.
Wir geben freigebig und reichen den Bittenden Almosen, nach Kräften.
Wir richten unseren Sinn auf den Weg zum Heil und freuen uns daran.
Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!

Die Sammlung des Herzens verbindet sich mit Freigebigkeit und einer sorgsamen Sprache. Die zeitweiligen Verzichte gehören zu diesem konkreten Gelübde. Sie sind kein allgemeines Verbot von Milch, Schmuck oder Blumen; Vers 27 wird gerade die Freude des gemeinsamen Festmahls besingen.

Strophe 3 – Segen für Felder, Tiere und Menschen

ஓங்கி உலகளந்த உத்தமன் பேர் பாடி
நாங்கள் நம் பாவைக்குச் சாற்றி நீராடினால்
தீங்கின்றி நாடெல்லாம் திங்கள் மும் மாரி பெய்து
ஓங்கு பெறும் செந் நெல் ஊடு கயலுகளப்
பூங்குவளைப் போதில் பொறி வண்டு கண் படுப்பத்
தேங்காதே புக்கிருந்து சீர்த்த முலை பற்றி
வாங்க குடம் நிறைக்கும் வள்ளல் பெரும் பசுக்கள்
நீங்காத செல்வம் நிறைந்தேலோர் எம்பாவாய்

ōṅki ulakaḷanta uttamaṉ pēr pāṭi
nāṅkaḷ nam pāvaikkuc cāṟṟi nīrāṭiṉāl
tīṅkiṉṟi nāṭellām tiṅkaḷ mum māri peytu
ōṅku peṟum cen nel ūṭu kayalukaḷap
pūṅkuvaḷaip pōtil poṟi vaṇṭu kaṇ paṭuppat
tēṅkātē pukkiruntu cīrtta mulai paṟṟi
vāṅka kuṭam niṟaikkum vaḷḷal perum pacukkaḷ
nīṅkāta celvam niṟaintēlōr empāvāy

Wenn wir den Namen des Erhabenen singen,
der sich erhob und die Welt durchmaß,
und für unser Pavai-Gelübde das rituelle Bad vollziehen,
wird das ganze Land vor Schaden bewahrt und dreimal im Monat vom Regen gesegnet.
Zwischen hochgewachsenem rotem Reis springen die Fische;
in den Blüten der Wasserlilien schlafen die gefleckten Bienen.
Tritt man zu den großen, freigebigen Kühen und melkt ihre vollen Euter,
füllen sich die Krüge ohne Ende.
Bleibendes Wohlergehen wird uns erfüllen!
Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!

Der die Welt durchmessende Herr ist Vamana beziehungsweise Trivikrama. Andals Hoffnung umfasst Regen, Nahrung und das Wohlergehen der Gemeinschaft. Der Segen wird in vollen Krügen und blühenden Feldern anschaulich. Gottesliebe umfasst hier auch die Sorge um das Leben, das uns anvertraut ist.

Strophe 4 – Regen wie der Segen des Herrn

ஆழி மழைக் கண்ணா ஒன்று நீ கை கரவேல்
ஆழி உள் புக்கு முகந்து கொடு ஆர்த்து ஏறி
ஊழி முதல்வன் உருவம் போல் மெய் கறுத்துப்
பாழிய் அம் தோளுடைப் பற்பனாபன் கையில்
ஆழி போல் மின்னி வலம்புரி போல் நின்று அதிர்ந்து
தாழாதே சார்ங்க முதைத்த சர மழை போல்
வாழ உலகினில் பெய்திடாய் நாங்களும்
மார்கழி நீராட மகிழ்ந்தேலோர் எம்பாவாய்

āḻi maḻaik kaṇṇā oṉṟu nī kai karavēl
āḻi uḷ pukku mukantu koṭu ārttu ēṟi
ūḻi mutalvaṉ uruvam pōl mey kaṟuttup
pāḻiy am tōḷuṭaip paṟpaṉāpaṉ kaiyil
āḻi pōl miṉṉi valampuri pōl niṉṟu atirntu
tāḻātē cārṅka mutaitta cara maḻai pōl
vāḻa ulakiṉil peytiṭāy nāṅkaḷum
mārkaḻi nīrāṭa makiḻntēlōr empāvāy

O mächtiger Herr des Regens, halte nichts zurück!
Tauche in den Ozean ein, schöpfe seine Wasser und steige donnernd empor.
Dein Leib werde dunkel wie die Gestalt des Herrn am Anfang der Weltzeit.
Blitze wie das Wurfrad in der Hand Padmanabhas mit den kraftvollen, schönen Schultern;
erdröhne wie sein rechtsgewundenes Muschelhorn.
Säume nicht: Ergieße dich wie der Pfeilregen aus seinem Sharnga-Bogen,
damit die Welt gedeihe
und auch wir freudig im Margazhi baden können.
Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!

Die Regenmacht wird mit Bildern Vishnus angesprochen. Der Eingang kann als Anrufung der Regenwolke beziehungsweise ihres göttlichen Lenkers verstanden werden; die genaue Zuordnung ist auslegungsabhängig. Padmanabha bedeutet „der mit dem Lotus im Nabel“. Der erbetene Regen soll der ganzen Welt Leben schenken.

Strophe 5 – Mit Stimme und Herz bei Krishna

மாயனை மன்னு வட மதுரை மைந்தனைத்
தூய பெரு நீர் யமுனைத் துறைவனை
ஆயர் குலத்தினில் தோன்றும் அணி விளக்கைத்
தாயைக் குடல் விளக்கம் செய்த தாமோதரனைத்
தூயோமாய் வந்து நாம் தூமலர் தூவித் தொழுது
வாயினால் பாடி மனத்தினால் சிந்திக்கப்
போய பிழையும் புகுதருவான் நின்றனவும்
தீயினில் தூசாகும் செப்பேலோர் எம்பாவாய்.

māyaṉai maṉṉu vaṭa maturai maintaṉait
tūya peru nīr yamuṉait tuṟaivaṉai
āyar kulattiṉil tōṉṟum aṇi viḷakkait
tāyaik kuṭal viḷakkam ceyta tāmōtaraṉait
tūyōmāy vantu nām tūmalar tūvit toḻutu
vāyiṉāl pāṭi maṉattiṉāl cintikkap
pōya piḻaiyum pukutaruvāṉ niṉṟaṉavum
tīyiṉil tūcākum ceppēlōr empāvāy.

Den Wunderbaren, den Sohn des ehrwürdigen nördlichen Mathura,
den Herrn am Ufer der wasserreichen, reinen Yamuna,
das schöne Licht, das im Geschlecht der Hirten aufstrahlt,
Damodara, der den Mutterschoß ehrte, der ihn getragen hat –
ihn wollen wir mit reinem Herzen aufsuchen,
mit reinen Blumen verehren, mit der Stimme besingen und im Geist betrachten.
Dann werden vergangene Verfehlungen und die noch bevorstehenden
wie Staub im Feuer vergehen.
Sprecht sein Lob! Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!

Stimme, Gedanken und Handlung wenden sich gemeinsam dem Göttlichen zu. Damodara erinnert an Krishna, den Yashoda mit einer Schnur band. Das Bild vom Staub im Feuer drückt Vertrauen in die verwandelnde Kraft der Bhakti aus und lädt zu einer aufrichtigen Neuorientierung ein.

Die Freundinnen erwachen – Strophen 6–15

Strophe 6 – Der Morgen klingt im Herzen

புள்ளும் சிலம்பின காண் புள்ளரையன் கோயிலில்
வெள்ளை விளி சங்கின் பேரரவம் கேட்டிலையோ
பிள்ளாய் எழுந்திராய் பேய் முலை நஞ்சுண்டு
கள்ளச் சகடம் கலக்கழியக் காலோச்சி
வெள்ளத்தரவில் துயிலமர்ந்த வித்தினை
உள்ளத்துக் கொண்டு முனிவர்களும் யோகிகளும்
மெள்ள எழுந்து அரி என்ற பேரரவம்
உள்ளம் புகுந்து குளிர்ந்தேலோர் எம்பாவாய்

puḷḷum cilampiṉa kāṇ puḷḷaraiyaṉ kōyilil
veḷḷai viḷi caṅkiṉ pēraravam kēṭṭilaiyō
piḷḷāy eḻuntirāy pēy mulai nañcuṇṭu
kaḷḷac cakaṭam kalakkaḻiyak kālōcci
veḷḷattaravil tuyilamarnta vittiṉai
uḷḷattuk koṇṭu muṉivarkaḷum yōkikaḷum
meḷḷa eḻuntu ari eṉṟa pēraravam
uḷḷam pukuntu kuḷirntēlōr empāvāy

Sieh, auch die Vögel lassen ihre Stimmen erklingen!
Hörst du nicht den mächtigen Ruf des weißen Muschelhorns
im Tempel des Herrn des Vogelkönigs?
Kind, steh auf! Er trank das Gift aus der Brust der Dämonin
und trat den trügerischen Wagen in Stücke.
Den Urgrund, der auf der Schlange in den Wassern ruht,
tragen Weise und Yogis in ihrem Herzen.
Behutsam erheben sie sich, und ihr lauter Ruf „Hari!“
dringt ins Herz und schenkt ihm Kühlung.
Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!

Der Vogelkönig ist Garuda, dessen Herr Vishnu ist. Die Kindheitsgeschichten beziehen sich auf Putana und den dämonischen Wagen. Der Morgen wird durch Vogelrufe, Tempelklang und Gottesnamen hörbar. „Kühlung“ ist ein Bild wohltuenden inneren Friedens.

Strophe 7 – Zwischen Vogelrufen und Butterquirlen

கீசு கீசு என்று எங்கும் ஆனைச் சாத்தான் கலந்து
பேசின பேச்சரவம் கேட்டிலையோ பேய்ப் பெண்ணே
காசும் பிறப்பும் கலகலப்பக் கை பேர்த்து
வாச நறும் குழல் ஆய்ச்சியர் மத்தினால்
ஓசை படுத்த தயிரரவம் கேட்டிலையோ
நாயகப் பெண் பிள்ளாய் நாராயணன் மூர்த்தி
கேசவனைப் பாடவும் நீ கேட்டே கிடத்தியோ
தேசமுடையாய் திறவேலோர் எம்பாவாய்

kīcu kīcu eṉṟu eṅkum āṉaic cāttāṉ kalantu
pēciṉa pēccaravam kēṭṭilaiyō pēyp peṇṇē
kācum piṟappum kalakalappak kai pērttu
vāca naṟum kuḻal āycciyar mattiṉāl
ōcai paṭutta tayiraravam kēṭṭilaiyō
nāyakap peṇ piḷḷāy nārāyaṇaṉ mūrtti
kēcavaṉaip pāṭavum nī kēṭṭē kiṭattiyō
tēcamuṭaiyāy tiṟavēlōr empāvāy

Hörst du nicht überall das „Kisu, kisu“,
das muntere Rufen der zusammengekommenen Vögel, du verträumtes Mädchen?
Hörst du nicht, wie die Hirtinnen mit duftendem Haar ihre Arme bewegen,
wie ihre Münzanhänger und Halsgeschmeide klirren
und die Quirle beim Buttern der Dickmilch tönen?
Du erste unter den Mädchen, wir singen von Keshava, der Gestalt Narayanas!
Hörst du uns und bleibst dennoch liegen?
Du Strahlende, öffne die Tür!
Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!

Die genaue Vogelart des tamilischen Namens an dieser Stelle ist nicht eindeutig; deshalb bleibt die Übersetzung allgemein. Der Zuruf an die Schlafende ist liebevoll neckend. Gotteslob und Alltagsarbeit erklingen nebeneinander: Auch ein gewöhnlicher Morgen kann zur Erinnerung an das Heilige werden.

Strophe 8 – Wir warten auf dich

கீழ் வானம் வெள்ளென்று எருமை சிறு வீடு
மேய்வான் பரந்தன காண் மிக்குள்ள பிள்ளைகளும்
போவான் போகின்றாரைப் போகாமல் காத்து உன்னைக்
கூவுவான் வந்து நின்றோம் கோதுகலம் உடைய
பாவாய் எழுந்திராய் பாடிப் பறை கொண்டு
மாவாய் பிளந்தானை மல்லரை மாட்டிய
தேவாதி தேவனைச் சென்று நாம் சேவித்தால்
ஆவாவென்று ஆராய்ந்து அருளேலோர் எம்பாவாய்

kīḻ vāṉam veḷḷeṉṟu erumai ciṟu vīṭu
mēyvāṉ parantaṉa kāṇ mikkuḷḷa piḷḷaikaḷum
pōvāṉ pōkiṉṟāraip pōkāmal kāttu uṉṉaik
kūvuvāṉ vantu niṉṟōm kōtukalam uṭaiya
pāvāy eḻuntirāy pāṭip paṟai koṇṭu
māvāy piḷantāṉai mallarai māṭṭiya
tēvāti tēvaṉaic ceṉṟu nām cēvittāl
āvāveṉṟu ārāyntu aruḷēlōr empāvāy

Der östliche Himmel wird hell;
sieh, die Büffel haben sich zum kurzen morgendlichen Weiden verstreut.
Die anderen Mädchen wollten bereits aufbrechen,
doch wir hielten sie zurück und sind gekommen, um dich zu rufen.
Du freudiges Mädchen, steh auf! Wir wollen singen und die Parai empfangen.
Wenn wir zu dem Gott der Götter gehen und ihn verehren,
der dem Pferdedämon das Maul aufriss und die Ringer bezwang,
wird er uns voll Erbarmen anhören und Gnade schenken.
Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!

Das Warten auf eine Freundin ist Teil des geistigen Weges. Der mächtige Bezwinger der Dämonen wird zugleich als aufmerksam Zuhörender erwartet. Für heutige Gemeinschaft kann darin eine Anregung liegen: Rücksicht und Geduld gehören zum gemeinsamen Aufbruch.

Strophe 9 – Öffne die geschmückte Tür

தூமணி மாடத்து சுற்றும் விளக்கெரியத்
தூபம் கமழத் துயிலணைமேல் கண் வளரும்
மாமான் மகளே மணிக் கதவம் தாழ் திறவாய்
மாமீர் அவளை எழுப்பீரோ உன் மகள் தான்
ஊமையோ அன்றி செவிடோ அனந்தலோ
ஏமப் பெருந் துயில் மந்திரப் பட்டாளோ
மாமாயன் மாதவன் வைகுந்தன் என்றென்று
நாமம் பலவும் நவின்றேலோர் எம்பாவாய்

tūmaṇi māṭattu cuṟṟum viḷakkeriyat
tūpam kamaḻat tuyilaṇaimēl kaṇ vaḷarum
māmāṉ makaḷē maṇik katavam tāḻ tiṟavāy
māmīr avaḷai eḻuppīrō uṉ makaḷ tāṉ
ūmaiyō aṉṟi ceviṭō aṉantalō
ēmap perun tuyil mantirap paṭṭāḷō
māmāyaṉ mātavaṉ vaikuntaṉ eṉṟeṉṟu
nāmam palavum naviṉṟēlōr empāvāy

Im Haus, das von klaren Juwelen strahlt, brennen ringsum die Lampen,
und Weihrauch duftet, während du auf deinem Lager schläfst.
Tochter unseres Onkels, öffne den Riegel der edelsteingeschmückten Tür!
Liebe Tante, willst du sie nicht wecken?
Ist deine Tochter stumm oder taub oder noch ganz verschlafen?
Hat ein Zauber sie in diesen tiefen, ungestörten Schlaf versetzt?
Wir rufen immer wieder seine vielen Namen:
Mamayan, Madhava, Vaikunthan!
Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!

Die Fragen gehören zum scherzhaften Drängen der Freundinnen. Das Gedicht verbindet vertraute Anrede mit Gottesgedenken durch Namen. Madhava und Vaikuntha öffnen die häusliche Szene auf die göttliche Wirklichkeit hin. Das freundschaftliche Drängen soll die Schlafende in den gemeinsamen Gesang einbeziehen.

Strophe 10 – Ein Schlaf, den selbst Kumbhakarna nicht kannte

நோற்றுச் சுவர்க்கம் புகுகின்ற அம்மனாய்.
மாற்றமும் தாராரோ வாசல் திறவாதார்
நாற்றத் துழாய் முடி நாராயணன் நம்மால்
போற்றப் பறை தரும் புண்ணியனால் பண்டு ஒரு நாள்
கூற்றத்தின் வாய் வீழ்ந்த கும்ப கரணனும்
தோற்றும் உனக்கே பெருந்துயில் தான் தந்தானோ
ஆற்ற அனந்தல் உடையாய் அருங்கலமே
தேற்றமாய் வந்து திறவேலோர் எம்பாவாய்.

nōṟṟuc cuvarkkam pukukiṉṟa ammaṉāy.
māṟṟamum tārārō vācal tiṟavātār
nāṟṟat tuḻāy muṭi nārāyaṇaṉ nammāl
pōṟṟap paṟai tarum puṇṇiyaṉāl paṇṭu oru nāḷ
kūṟṟattiṉ vāy vīḻnta kumpa karaṇaṉum
tōṟṟum uṉakkē peruntuyil tāṉ tantāṉō
āṟṟa aṉantal uṭaiyāy aruṅkalamē
tēṟṟamāy vantu tiṟavēlōr empāvāy.

Du Herrin, die durch ihr Gelübde in den Himmel gelangt!
Du öffnest die Tür nicht – gibst du uns auch keine Antwort?
Narayana trägt duftenden Tulasi auf seinem Haupt;
wenn wir ihn preisen, schenkt uns der Heilige die Parai.
Einst fiel Kumbhakarna durch ihn dem Tod in den Rachen.
Hat er, selbst im Schlaf von dir besiegt, dir seinen gewaltigen Schlummer überlassen?
Du tief Schlafende, du kostbares Juwel,
komm klaren Sinnes und öffne!
Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!

Kumbhakarna ist der riesenhafte Schläfer aus dem Ramayana, den Rama besiegt. Die Freundinnen machen ihre Ungeduld durch Übertreibung hörbar. Auch in einem ehrwürdigen Gebet haben Humor und menschliche Nähe ihren Platz.

Strophe 11 – Goldene Ranke der Hirten

கற்றுக் கறவைக் கணங்கள் பல கறந்து
செற்றார் திறலழியச் சென்று செருச் செய்யும்
குற்றம் ஒன்றில்லாத கோவலர்த்தம் பொற்கொடியே
புற்று அரவு அல்குல் புனமயிலே போதராய்
சுற்றத்து தோழிமார் எல்லாரும் வந்து நின்
முற்றம் புகுந்து முகில் வண்ணன் பேர் பாட
சிற்றாதே பேசாதே செல்வ பெண்டாட்டி நீ
எற்றுக்கு உறங்கும் பொருளேலோர் எம்பாவாய்

kaṟṟuk kaṟavaik kaṇaṅkaḷ pala kaṟantu
ceṟṟār tiṟalaḻiyac ceṉṟu ceruc ceyyum
kuṟṟam oṉṟillāta kōvalarttam poṟkoṭiyē
puṟṟu aravu alkul puṉamayilē pōtarāy
cuṟṟattu tōḻimār ellārum vantu niṉ
muṟṟam pukuntu mukil vaṇṇaṉ pēr pāṭa
ciṟṟātē pēcātē celva peṇṭāṭṭi nī
eṟṟukku uṟaṅkum poruḷēlōr empāvāy

Du goldene Ranke der untadeligen Hirten,
die viele Herden milchgebender Kühe melken
und im Kampf die Stärke ihrer Gegner brechen!
Du mit den Hüften wie die Haube der Schlange an ihrem Erdhügel,
du Pfau des offenen Landes, komm heraus!
Alle deine Freundinnen und Verwandten sind hier,
in deinem Hof, und singen den Namen des Wolkenfarbenen.
Du beglückte junge Frau, du bewegst dich nicht und sprichst kein Wort:
Warum schläfst du noch?
Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!

Die Bilder von Goldranke, Schlangenhaube und Pfau gehören zur tamilischen Schönheitssprache. Sie werden als poetische Bilder bewahrt. Die Freundinnen würdigen die Angesprochene und fordern zugleich ihre Teilnahme: Das gemeinsame Lob braucht ihre Stimme.

Strophe 12 – Im Tau vor deiner Schwelle

கனைத்து இளம் கற்றெருமை கன்றுக்கு இரங்கி
நினைத்து முலை வழியே நின்று பால் சோர
நனைத்து இல்லம் சேறாக்கும் நற் செல்வன் தங்காய்
பனித் தலை வீழ நின் வாசற் கடை பற்றிச்
சினத்தினால் தென் இலங்கைக் கோமானைச் செற்ற
மனத்துக்கு இனியானைப் பாடவும் நீ வாய் திறவாய்
இனித்தான் எழுந்திராய் ஈதென்ன பேர் உறக்கம்
அனைத்து இல்லத்தாரும் அறிந்தேலோர் எம்பாவாய்

kaṉaittu iḷam kaṟṟerumai kaṉṟukku iraṅki
niṉaittu mulai vaḻiyē niṉṟu pāl cōra
naṉaittu illam cēṟākkum naṟ celvaṉ taṅkāy
paṉit talai vīḻa niṉ vācaṟ kaṭai paṟṟic
ciṉattiṉāl teṉ ilaṅkaik kōmāṉaic ceṟṟa
maṉattukku iṉiyāṉaip pāṭavum nī vāy tiṟavāy
iṉittāṉ eḻuntirāy īteṉṉa pēr uṟakkam
aṉaittu illattārum aṟintēlōr empāvāy

Die jungen Milchbüffel brüllen in Sehnsucht nach ihren Kälbern;
bei dem Gedanken an sie fließt die Milch von selbst aus den Eutern
und macht den Boden des Hauses nass und schlammig.
Du Schwester des so reich Gesegneten!
Tau fällt auf unsere Köpfe, während wir an deiner Türschwelle stehen.
Wir singen von dem, der dem Herzen süß ist,
der im Zorn den König des südlichen Lanka bezwang.
Öffne deinen Mund, steh endlich auf! Was ist das für ein gewaltiger Schlaf?
Schon alle Häuser wissen davon.
Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!

Die Zuwendung der Muttertiere zu ihren Kälbern bildet den zärtlichen Hintergrund der Szene. Der Bezwinger des Königs von Lanka ist Rama. Die Sängerinnen verherrlichen Krishna und Rama als Erscheinungsweisen desselben Herrn. Ihre Hingabe bewährt sich auch im geduldigen Warten.

Strophe 13 – Venus steigt auf, Jupiter sinkt

புள்ளின் வாய் கீண்டானைப் பொல்லா அரக்கனைக்
கிள்ளிக் களைந்தானைக் கீர்த்தி மை பாடிப் போய்ப்
பிள்ளைகள் எல்லாரும் பாவைக் களம்புக்கார்
வெள்ளி எழுந்து வியாழம் உறங்கிற்று
புள்ளும் சிலம்பின காண் போதரிக் கண்ணினாய்
குள்ளக் குளிரக் குடைந்து நீராடாதே
பள்ளிக் கிடத்தியோ. பாவாய். நீ நன் நாளால்
கள்ளம் தவிர்ந்து கலந்தேலோர் எம்பாவாய்.

puḷḷiṉ vāy kīṇṭāṉaip pollā arakkaṉaik
kiḷḷik kaḷaintāṉaik kīrtti mai pāṭip pōyp
piḷḷaikaḷ ellārum pāvaik kaḷampukkār
veḷḷi eḻuntu viyāḻam uṟaṅkiṟṟu
puḷḷum cilampiṉa kāṇ pōtarik kaṇṇiṉāy
kuḷḷak kuḷirak kuṭaintu nīrāṭātē
paḷḷik kiṭattiyō. pāvāy. nī naṉ nāḷāl
kaḷḷam tavirntu kalantēlōr empāvāy.

Alle Mädchen sind zum Ort des Pavai-Gelübdes gegangen
und singen den Ruhm dessen, der den Vogelschnabel aufriss
und den bösen Dämon hinwegraffte.
Venus ist aufgegangen, Jupiter zur Ruhe gesunken;
sieh, auch die Vögel rufen!
Du mit den schönen, blütengleichen Augen,
liegst du noch im Bett, statt tief in das erfrischend kühle Wasser zu tauchen?
An diesem guten Tag, Mädchen, lass die Verstellung fahren und geselle dich zu uns!
Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!

Der aufgerissene Schnabel erinnert an Krishnas Sieg über Bakasura; die zweite Dämonenanspielung wird häufig auf Ravana bezogen. Der Vers nennt eine Himmelskonstellation, liefert für sich allein aber kein gesichertes Entstehungsdatum. Sein unmittelbarer Ruf lautet: Erwache und komm in die Gemeinschaft.

Strophe 14 – Du wolltest uns doch wecken

உங்கள் புழக்கடைத் தோட்டத்து வாவியுள்
செங்கழுனீர் வாய் நெகிழ்ந்து ஆம்பல் வாய் கூம்பின காண்
செங்கற் பொடிக் கூரை வெண்பல் தவத்தவர்
தங்கள் திருக்கோயில் சங்கிடுவான் போதன்றார்
எங்களை முன்னம் எழுப்புவான் வாய்பேசும்
நங்காய் எழுந்திராய் நாணாதாய் நாவுடையாய்
சங்கோடு சக்கரம் ஏந்தும் தடக்கையன்
பங்கயக் கண்ணானைப் பாடேலோர் எம்பாவாய்.

uṅkaḷ puḻakkaṭait tōṭṭattu vāviyuḷ
ceṅkaḻuṉīr vāy nekiḻntu āmpal vāy kūmpiṉa kāṇ
ceṅkaṟ poṭik kūrai veṇpal tavattavar
taṅkaḷ tirukkōyil caṅkiṭuvāṉ pōtaṉṟār
eṅkaḷai muṉṉam eḻuppuvāṉ vāypēcum
naṅkāy eḻuntirāy nāṇātāy nāvuṭaiyāy
caṅkōṭu cakkaram ēntum taṭakkaiyaṉ
paṅkayak kaṇṇāṉaip pāṭēlōr empāvāy.

Im Teich hinter eurem Garten öffnen die roten Wasserlilien ihre Blüten,
während die Ambal-Blüten sich schließen.
Asketen in ziegelroten Gewändern, mit weißen Zähnen,
sind zu ihren Tempeln aufgebrochen, um das Muschelhorn erklingen zu lassen.
Du hattest doch versprochen, uns als Erste zu wecken!
Steh auf! Schämst du dich nicht, du Wortgewandte?
Sing von dem Lotusäugigen,
der Muschelhorn und Wurfrad in seinen mächtigen Händen trägt.
Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!

Morgenblüten und Tempeldienst zeigen an, dass die Zeit gekommen ist. Das freundschaftliche Necken erinnert an ein gegebenes Versprechen. Eine heutige Anwendung ist, geistige Vorsätze in kleine verlässliche Handlungen zu übersetzen und sich dabei von anderen unterstützen zu lassen.

Strophe 15 – Komm und zähle uns selbst

எல்லே. இளம் கிளியே இன்னம் உறங்குதியோ
சில் என்று அழையேன் மின் நங்கையீர் போதருகின்றேன்
வல்லை உன் கட்டுரைகள் பண்டே உன் வாய் அறிதும்
வல்லீர்கள் நீங்களே நானே தான் ஆயிடுக
ஒல்லை நீ போதாய் உனக்கென்ன வேறுடையை
எல்லாரும் போந்தாரோ போந்தார் போந்து எண்ணிக்கொள்
வல் ஆனை கொன்றானை மாற்றாரை மாற்றழிக்க
வல்லானை மாயனைப் பாடேலோர் எம்பாவாய்

ellē. iḷam kiḷiyē iṉṉam uṟaṅkutiyō
cil eṉṟu aḻaiyēṉ miṉ naṅkaiyīr pōtarukiṉṟēṉ
vallai uṉ kaṭṭuraikaḷ paṇṭē uṉ vāy aṟitum
vallīrkaḷ nīṅkaḷē nāṉē tāṉ āyiṭuka
ollai nī pōtāy uṉakkeṉṉa vēṟuṭaiyai
ellārum pōntārō pōntār pōntu eṇṇikkoḷ
val āṉai koṉṟāṉai māṟṟārai māṟṟaḻikka
vallāṉai māyaṉaip pāṭēlōr empāvāy

„He, kleiner Papagei, schläfst du immer noch?“
„Ruft nicht so schrill, ihr Mädchen; ich komme schon!“
„Geschickt sind deine Ausreden – wir kennen deine Worte längst.“
„Geschickt seid vielmehr ihr! Nun gut, die Schuld soll bei mir liegen.“
„Komm rasch! Was hast du denn Besonderes vor?“
„Sind denn alle gekommen?“ – „Alle sind da. Komm und zähle sie selbst!“
Lasst uns den Wunderbaren besingen, der den starken Elefanten tötete
und die Macht seiner Widersacher zu brechen vermag.
Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!

Der lebendige Wortwechsel lässt die Freundinnen als eigene Stimmen hörbar werden. Die Bereitschaft, den Streit nicht fortzusetzen, wird traditionell auch als Haltung der Demut gelesen. Die poetische Szene bleibt zugleich ein Gespräch unter Vertrauten, in dem Witz die gemeinsame Hingabe begleitet.

Vor Krishna und Nappinnai – Strophen 16–20

Strophe 16 – Am Tor zu Nandagopas Haus

நாயகனாய் நின்ற நந்தகோபன் உடைய
கோயில் காப்பானே. கொடி தோன்றும் தோரண
வாயில் காப்பானே. மணிக் கதவம் தாள் திறவாய்
ஆயர் சிறுமியரோமுக்கு அறை பறை
மாயன் மணி வண்ணன் நென்னலே வாய் நேர்ந்தான்
தூயோமாய் வந்தோம் துயில் எழப் பாடுவான்
வாயால் முன்னம் முன்னம் மாற்றாதே அம்மா. நீ
நேய நிலைக் கதவம் நீக்கேலோர் எம்பாவாய்

nāyakaṉāy niṉṟa nantakōpaṉ uṭaiya
kōyil kāppāṉē. koṭi tōṉṟum tōraṇa
vāyil kāppāṉē. maṇik katavam tāḷ tiṟavāy
āyar ciṟumiyarōmukku aṟai paṟai
māyaṉ maṇi vaṇṇaṉ neṉṉalē vāy nērntāṉ
tūyōmāy vantōm tuyil eḻap pāṭuvāṉ
vāyāl muṉṉam muṉṉam māṟṟātē ammā. nī
nēya nilaik katavam nīkkēlōr empāvāy

Du Hüter des Hauses unseres Herrn Nandagopa,
du Wächter des Tores, über dem Fahnen und Festgirlanden wehen:
Öffne den Riegel der juwelengeschmückten Tür!
Uns jungen Hirtinnen hat der wunderbare, edelsteinfarbene Herr
schon gestern die laut tönende Parai versprochen.
Rein sind wir gekommen, um ihn mit unserem Gesang zu wecken.
Guter Hüter, weise uns nicht schon mit deinen ersten Worten zurück!
Öffne uns in Liebe die fest verschlossene Tür.
Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!

Nun führt der Weg von den Häusern der Freundinnen zum Haus Krishnas. Die Bitte beruft sich auf sein Versprechen. Die Tür kann in der Betrachtung zum Bild eines ersehnten Zugangs werden; im Gedicht bleibt sie zunächst die wirkliche Tür einer liebevoll ausgemalten häuslichen Welt.

Strophe 17 – Erwacht, ihr Geliebten des Hirtenhauses

அம்பரமே தண்ணீரே சோறே அறம் செய்யும்
எம்பெருமான் நந்தகோபாலா எழுந்திராய்
கொம்பனார்க்கு எல்லாம் கொழுந்தே குல விளக்கே
எம்பெருமாட்டி யசோதாய் அறிவுறாய்
அம்பரம் ஊட அறுத்து ஓங்கி உலகு அளந்த
உம்பர் கோமானே உறங்காது எழுந்திராய்
செம் பொற் கழலடிச் செல்வா பலதேவா
உம்பியும் நீயும் உறங்கேலோர் எம்பாவாய்.

amparamē taṇṇīrē cōṟē aṟam ceyyum
emperumāṉ nantakōpālā eḻuntirāy
kompaṉārkku ellām koḻuntē kula viḷakkē
emperumāṭṭi yacōtāy aṟivuṟāy
amparam ūṭa aṟuttu ōṅki ulaku aḷanta
umpar kōmāṉē uṟaṅkātu eḻuntirāy
cem poṟ kaḻalaṭic celvā palatēvā
umpiyum nīyum uṟaṅkēlōr empāvāy.

Unser Herr Nandagopala, der Kleidung, Wasser und Nahrung freigebig verschenkt,
steh auf!
Du zarter Trieb unter den rankengleichen Frauen, du Licht des Geschlechts,
unsere Herrin Yashoda, erwache!
Du König der Himmlischen, der hoch emporstieg,
den Himmel durchdrang und die Welt durchmaß: Schlafe nicht, steh auf!
Du beglückter Baladeva, dessen Füße rötlich goldene Reifen schmücken:
Du und dein jüngerer Bruder, schlaft nicht weiter!
Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!

Das Erwachen umfasst die ganze Familie. Nandas Freigebigkeit, Yashodas mütterliche Würde und Balaramas Nähe gehören zur Welt der Hingabe. Krishna ist der jüngere Bruder und zugleich der Weltendurchmesser. Die Dichtung hält häusliche Vertrautheit und göttliche Größe zusammen.

Strophe 18 – Nappinnai, öffne mit deiner lotusgleichen Hand

உந்து மத களிற்றன் ஓடாத தோள் வலியன்
நந்தகோபன் மருமகளே நப்பின்னாய்
கந்தம் கமழும் குழலி கடை திறவாய்
வந்து எங்கும் கோழி அழைத்தன காண் மாதவிப்
பந்தல் மேல் பல் கால் குயிலினங்கள் கூவின காண்
பந்து ஆர் விரலி உன் மைத்துனன் பேர் பாடச்
செந்தாமரைக் கையால் சீரார் வளை ஒலிப்ப
வந்து திறவாய் மகிழ்ந்தேலோர் எம்பாவாய்.

untu mata kaḷiṟṟaṉ ōṭāta tōḷ valiyaṉ
nantakōpaṉ marumakaḷē nappiṉṉāy
kantam kamaḻum kuḻali kaṭai tiṟavāy
vantu eṅkum kōḻi aḻaittaṉa kāṇ mātavip
pantal mēl pal kāl kuyiliṉaṅkaḷ kūviṉa kāṇ
pantu ār virali uṉ maittuṉaṉ pēr pāṭac
centāmaraik kaiyāl cīrār vaḷai olippa
vantu tiṟavāy makiḻntēlōr empāvāy.

Nappinnai, Schwiegertochter Nandagopas,
dessen Stärke der eines mächtigen Elefanten gleicht,
dessen Schultern niemals vor dem Kampf zurückweichen!
Du mit dem duftenden Haar, öffne die Tür.
Überall haben die Hähne gerufen,
und auf den Madhavi-Lauben singen die Kuckucke schon immer wieder.
Du, deren Finger den Ball umfassen: Wir wollen den Namen deines Geliebten singen.
Komm voller Freude; lass deine herrlichen Armreifen klingen
und öffne mit deiner roten, lotusgleichen Hand!
Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!

Nappinnai ist Krishnas Gefährtin in dieser tamilischen Überlieferung. Die Mädchen wenden sich auch an sie, um Zugang zum Geliebten zu finden. Die Familienbezeichnung für ihren Partner kann wörtlich einen angeheirateten beziehungsweise verwandtschaftlich verbundenen Mann bezeichnen; im Zusammenhang der nächsten Verse ist Krishna ihr Gemahl. Sie wird hier nicht durch Radha ersetzt.

Strophe 19 – Die Nähe der Geliebten

குத்து விளக்கெரிய கோட்டுக் கால் கட்டில் மேல்
மெத்தென்ற பஞ்ச சயனத்தின் மேல் ஏறிக்
கொத்தலர் பூங்குழல் நப்பினை கொங்கை மேல்
வைத்துக் கிடந்த மலர் மார்பா வாய் திறவாய்
மைத் தடம் கண்ணினாய் நீ உன் மணாளனை
எத்தனை போதும் துயிலெழ ஒட்டாய் காண்
எத்தனையேலும் பிரிவு ஆற்றகில்லாயால்
தத்துவம் அன்று தகவேலோர் எம்பாவாய்

kuttu viḷakkeriya kōṭṭuk kāl kaṭṭil mēl
metteṉṟa pañca cayaṉattiṉ mēl ēṟik
kottalar pūṅkuḻal nappiṉai koṅkai mēl
vaittuk kiṭanta malar mārpā vāy tiṟavāy
mait taṭam kaṇṇiṉāy nī uṉ maṇāḷaṉai
ettaṉai pōtum tuyileḻa oṭṭāy kāṇ
ettaṉaiyēlum pirivu āṟṟakillāyāl
tattuvam aṉṟu takavēlōr empāvāy

Die hohen Lampen brennen.
Auf dem Bett mit Beinen aus Elfenbein, auf dem sanften, vortrefflichen Lager,
ruhst du an Nappinnais Brust, deren Haar von Blütenbüscheln geschmückt ist.
Du mit der blütenschönen Brust, öffne deinen Mund und antworte uns!
Du mit den weiten, dunkel geschminkten Augen,
lässt du deinen Gemahl denn keinen Augenblick aufstehen?
Du vermagst nicht einmal die kürzeste Trennung zu ertragen!
Doch [uns fernzuhalten] entspricht weder eurem Wesen noch eurem Erbarmen.
Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!

Die innige Liebesszene gehört unverstellt zur Sprache der Bhakti. Die Freundinnen sprechen ihr Verlangen nach Teilhabe aus und berufen sich auf das Erbarmen des göttlichen Paares. Der Ausdruck für das Lager enthält die Zahl fünf und wird traditionell auf fünf Vorzüge eines vollkommenen Bettes bezogen. Die letzte Zeile ist gedrängt; der ergänzte Bezug ist gekennzeichnet.

Strophe 20 – Lass uns an eurer Nähe teilhaben

முப்பத்து மூவர் அமரர்க்கு முன் சென்று
கப்பம் தவிர்க்கும் கலியே துயில் எழாய்
செப்பம் உடையாய் திறல் உடையாய் செற்றார்க்கு
வெப்பம் கொடுக்கும் விமலா துயில் எழாய்
செப்பென்ன மென் முலைச் செவ்வாய்ச் சிறு மருங்குல்
நப்பின்னை நங்காய் திருவே துயில் எழாய்
உக்கமும் தட்டொளியும் தந்து உன் மணாளனை
இப்போதே எம்மை நீராட்டேலோர் எம்பாவாய்

muppattu mūvar amararkku muṉ ceṉṟu
kappam tavirkkum kaliyē tuyil eḻāy
ceppam uṭaiyāy tiṟal uṭaiyāy ceṟṟārkku
veppam koṭukkum vimalā tuyil eḻāy
ceppeṉṉa meṉ mulaic cevvāyc ciṟu maruṅkul
nappiṉṉai naṅkāy tiruvē tuyil eḻāy
ukkamum taṭṭoḷiyum tantu uṉ maṇāḷaṉai
ippōtē emmai nīrāṭṭēlōr empāvāy

Du Starker, der den dreiunddreißig Göttern vorangeht
und ihre Furcht vertreibt, erwache!
Du Wahrhaftiger, du Mächtiger, du Makelloser,
der seine Widersacher in glühende Bedrängnis bringt, erwache!
Edle Nappinnai, du Glückverheißende,
mit weichen Brüsten wie zierlichen Gefäßen, roten Lippen und schmaler Taille, erwache!
Gib uns Fächer und Spiegel, schenke uns die Nähe deines Gemahls
und lass uns jetzt das Bad vollziehen.
Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!

Die Zahl 33 bezeichnet hier die Götterschar. Nappinnai wird mit der ehrerbietigen Anrede „Tiru“ angerufen, die Glanz und glückverheißende Heiligkeit ausdrückt. Fächer und Spiegel bleiben konkrete Festgegenstände. Die Auslegung als Teilhabe an der Gnade vertieft diese Bilder, ohne ihre wörtliche Ebene aufzuheben.

Lobpreis und die innigste Bitte – Strophen 21–30

Strophe 21 – Vor dem Licht, das in der Welt erschienen ist

ஏற்ற கலங்கள் எதிர் பொங்கி மீதளிப்ப
மாற்றாதே பால் சொரியும் வள்ளல் பெரும் பசுக்கள்
ஆற்றப் படைத்தான் மகனே அறிவுறாய்
ஊற்றம் உடையாய் பெரியாய் உலகினில்
தோற்றமாய் நின்ற சுடரே துயில் எழாய்
மாற்றார் உனக்கு வலி தொலைந்து உன் வாசற் கண்
ஆற்றாது வந்து உன் அடி பணியுமா போலே
போற்றியாம் வந்தோம் புகழ்ந்தேலோர் எம்பாவாய்

ēṟṟa kalaṅkaḷ etir poṅki mītaḷippa
māṟṟātē pāl coriyum vaḷḷal perum pacukkaḷ
āṟṟap paṭaittāṉ makaṉē aṟivuṟāy
ūṟṟam uṭaiyāy periyāy ulakiṉil
tōṟṟamāy niṉṟa cuṭarē tuyil eḻāy
māṟṟār uṉakku vali tolaintu uṉ vācaṟ kaṇ
āṟṟātu vantu uṉ aṭi paṇiyumā pōlē
pōṟṟiyām vantōm pukaḻntēlōr empāvāy

Sohn dessen, der die großen, freigebigen Kühe besitzt:
Unaufhörlich geben sie Milch, bis die bereitgestellten Gefäße überquellen.
Erwache! Du Beständiger, du Großer,
du Licht, das sichtbar in dieser Welt erschienen ist, steh auf!
Wie deine Widersacher, ihrer Macht beraubt,
an deine Schwelle kommen und sich hilflos vor deinen Füßen verneigen,
so sind auch wir gekommen,
um dich zu ehren und dein Lob zu singen.
Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!

Die überströmende Milch ist ein Bild des Reichtums von Nandas Hirtenwelt. Die Sängerinnen kommen mit dem Lob auf den Lippen und ohne Anspruch auf eigene Macht. In der Sri-Vaishnava-Tradition wird solche Zuflucht unter dem Begriff Prapatti entfaltet.

Strophe 22 – Ein Blick wie Sonne und Mond

அம் கண் மா ஞாலத்து அரசர் அபிமான
பங்கமாய் வந்து நின் பள்ளிக் கட்டிற் கீழே
சங்கம் இருப்பார் போல் வந்து தலைப்பெய்தோம்
கிங்கிணி வாய்ச் செய்த தாமரைப் பூப் போலே
செங்கண் சிறுச் சிறிதே எம்மேல் விழியாவோ
திங்களும் ஆதித்தனும் எழுந்தாற் போல்
அம் கண் இரண்டும் கொண்டு எங்கள் மேல் நோக்குதியேல்
எங்கள் மேல் சாபம் இழிந்தேலோர் எம்பாவாய்

am kaṇ mā ñālattu aracar apimāṉa
paṅkamāy vantu niṉ paḷḷik kaṭṭiṟ kīḻē
caṅkam iruppār pōl vantu talaippeytōm
kiṅkiṇi vāyc ceyta tāmaraip pūp pōlē
ceṅkaṇ ciṟuc ciṟitē emmēl viḻiyāvō
tiṅkaḷum ātittaṉum eḻuntāṟ pōl
am kaṇ iraṇṭum koṇṭu eṅkaḷ mēl nōkkutiyēl
eṅkaḷ mēl cāpam iḻintēlōr empāvāy

Wie die Könige dieser weiten, schönen Welt,
deren Stolz zerbrochen ist und die sich unter deinem Ruhelager versammeln,
so sind auch wir zu dir gekommen.
Willst du deine rötlichen Augen nicht ein wenig zu uns öffnen,
wie eine Lotusblüte, deren Öffnung dem Mund eines Glöckchens gleicht?
Wenn du uns mit deinen beiden schönen Augen ansiehst,
als gingen Mond und Sonne zugleich auf,
wird der Fluch, der auf uns liegt, von uns weichen.
Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!

Der erbetene Blick bedeutet persönliche Zuwendung. Die vorsichtig geöffnete Blüte beschreibt das langsame Erwachen; Sonne und Mond verbinden Leuchtkraft und wohltuende Kühle. In der Hoffnung, dass der Fluch weicht, verdichtet sich das Vertrauen auf befreiende Gnade. Ein einziger Blick des Geliebten vermag die Welt der Bittenden zu verwandeln.

Strophe 23 – Wie ein Löwe aus der Berghöhle

மாரி மலை முழைஞ்சில் மன்னிக் கிடந்து உறங்கும்
சீரிய சிங்கம் அறிவுற்றுத் தீ விழித்து
வேரி மயிர் பொங்க எப்பாடும் பேர்ந்து உதறி
மூரி நிமிர்ந்து முழங்கிப் புறப்பட்டுப்
போதருமா போலே நீ பூவைப்பூ வண்ணா உன்
கோயில் நின்று இங்ஙனே போந்தருளிக் கோப்புடைய
சீரிய சிங்காசனத்து இருந்து யாம் வந்த
காரியம் ஆராய்ந்து அருளேலோர் எம்பாவாய்

māri malai muḻaiñcil maṉṉik kiṭantu uṟaṅkum
cīriya ciṅkam aṟivuṟṟut tī viḻittu
vēri mayir poṅka eppāṭum pērntu utaṟi
mūri nimirntu muḻaṅkip puṟappaṭṭup
pōtarumā pōlē nī pūvaippū vaṇṇā uṉ
kōyil niṉṟu iṅṅaṉē pōntaruḷik kōppuṭaiya
cīriya ciṅkācaṉattu iruntu yām vanta
kāriyam ārāyntu aruḷēlōr empāvāy

Wie ein herrlicher Löwe, der während der Regenzeit in seiner Berghöhle ruhte,
erwacht und mit feurigem Blick die Augen öffnet,
seine duftende Mähne aufrichtet, sich nach allen Seiten schüttelt,
sich mächtig streckt und brüllend hervortritt –
so komm auch du, dessen Farbe der dunklen Puvai-Blüte gleicht,
aus deinem Haus gnädig zu uns hervor.
Nimm Platz auf dem würdevollen Löwenthron
und höre in Gnade, weshalb wir gekommen sind.
Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!

Das Löwenbild verleiht Krishnas Erwachen königliche Würde. Der Vers schildert einen Vergleich; er nennt hier nicht ausdrücklich eine Verwandlung in Narasimha. Die Sängerinnen wünschen, dass der Herr ihre Bitte selbst hört. Ehrfurcht und Vertrauen geben ihrem Sprechen Kraft.

Strophe 24 – Gepriesen seien deine schützenden Taten

அன்று இவ் உலகம் அளந்தாய் அடி போற்றி
சென்றங்குத் தென் இலங்கை செற்றாய் திறல் போற்றி
பொன்றச் சகடம் உதைத்தாய் புகழ் போற்றி
கன்று குணில் ஆவெறிந்தாய் கழல் போற்றி
குன்று குடையாய் எடுத்தாய் குணம் போற்றி
வென்று பகை கெடுக்கும் நின் கையில் வேல் போற்றி
என்றென்றும் உன் சேவகமே ஏத்திப் பறை கொள்வான்
இன்று யாம் வந்தோம் இரங்கேலோர் எம்பாவாய்

aṉṟu iv ulakam aḷantāy aṭi pōṟṟi
ceṉṟaṅkut teṉ ilaṅkai ceṟṟāy tiṟal pōṟṟi
poṉṟac cakaṭam utaittāy pukaḻ pōṟṟi
kaṉṟu kuṇil āveṟintāy kaḻal pōṟṟi
kuṉṟu kuṭaiyāy eṭuttāy kuṇam pōṟṟi
veṉṟu pakai keṭukkum niṉ kaiyil vēl pōṟṟi
eṉṟeṉṟum uṉ cēvakamē ēttip paṟai koḷvāṉ
iṉṟu yām vantōm iraṅkēlōr empāvāy

Einst hast du diese Welt durchmessen – gepriesen seien deine Füße!
Du zogst nach Süden und bezwangst Lanka – gepriesen sei deine Stärke!
Du tratest den Wagen entzwei – gepriesen sei dein Ruhm!
Du schleudertest das Kalb wie einen Wurfstock – gepriesen seien deine geschmückten Füße!
Du hobst den Berg als Schirm empor – gepriesen sei deine Güte!
Gepriesen sei der Speer in deiner Hand, der siegreich die Feindschaft vernichtet!
Immerdar wollen wir deine Heldentaten preisen.
Heute sind wir gekommen, um die Parai zu empfangen. Erbarme dich unser!
Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!

Der wiederholte Lobpreis „Potri“ lässt sich als Hymnus sprechen. Das Kalb ist in der Krishna-Erzählung ein Dämon in Tiergestalt; der schützende Berg ist Govardhana. Der Vers verbindet Erinnerungen an Vamana, Rama und Krishna in der Verehrung des einen Herrn.

Strophe 25 – Geboren bei der einen, geborgen bei der anderen

ஒருத்தி மகனாய்ப் பிறந்து ஓர் இரவில்
ஒருத்தி மகனாய் ஒளித்து வளரத்
தரிக்கிலான் ஆகித் தான் தீங்கு நினைந்த
கருத்தைப் பிழைப்பித்துக் கஞ்சன் வயிற்றில்
நெருப்பென்ன நின்ற நெடுமாலே! உன்னை
அருத்தித்து வந்தோம் பறை தருதியாகில்
திருத்தக்க செல்வமும் சேவகமும் யாம் பாடி
வருத்தமும் தீர்ந்து மகிழ்ந்தேலோர் எம்பாவாய்

orutti makaṉāyp piṟantu ōr iravil
orutti makaṉāy oḷittu vaḷarat
tarikkilāṉ ākit tāṉ tīṅku niṉainta
karuttaip piḻaippittuk kañcaṉ vayiṟṟil
neruppeṉṉa niṉṟa neṭumālē! uṉṉai
aruttittu vantōm paṟai tarutiyākil
tiruttakka celvamum cēvakamum yām pāṭi
varuttamum tīrntu makiḻntēlōr empāvāy

Als Sohn der einen wurdest du geboren;
noch in derselben Nacht barg man dich bei einer anderen,
und als ihr Sohn wuchsest du im Verborgenen auf.
Der dich nicht ertragen konnte und dir Böses sann,
sah seine Pläne vereitelt:
Wie Feuer branntest du in Kamsas Innerem, o erhabener Herr!
Sehnsüchtig sind wir zu dir gekommen.
Schenkst du uns die Parai, werden wir deinen Reichtum, der Shri würdig ist,
und deine heldenhaften Taten besingen;
unser Leid wird schwinden, und wir werden uns freuen.
Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!

Die beiden Mütter sind Devaki und Yashoda. Die heimliche Rettung des Kindes führt mitten in die Gefährdung durch Kamsa. Die Sängerinnen erinnern an bewahrendes göttliches Handeln und schöpfen daraus Hoffnung für ihr eigenes Sehnen. „Shri“ verweist auf Lakshmi, die Göttin glückverheißender Fülle; das Wort bezeichnet auch Glanz und Herrlichkeit.

Strophe 26 – Die Gaben für das gemeinsame Fest

மாலே. மணிவண்ணா. மார்கழி நீராடுவான்
மேலையார் செய்வனகள் வேண்டுவன கேட்டியேல்
ஞாலத்தை எல்லாம் நடுங்க முரல்வன
பால் அன்ன வண்ணத்து உன் பாஞ்ச சன்னியமே
போல்வன சங்கங்கள் போய்ப் பாடுடையனவே
சாலப் பெரும் பறையே பல்லாண்டு இசைப்பாரே
கோல விளக்கே கொடியே விதானமே
ஆலின் இலையாய் அருளேலோர் எம்பாவாய்

mālē. maṇivaṇṇā. mārkaḻi nīrāṭuvāṉ
mēlaiyār ceyvaṉakaḷ vēṇṭuvaṉa kēṭṭiyēl
ñālattai ellām naṭuṅka muralvaṉa
pāl aṉṉa vaṇṇattu uṉ pāñca caṉṉiyamē
pōlvaṉa caṅkaṅkaḷ pōyp pāṭuṭaiyaṉavē
cālap perum paṟaiyē pallāṇṭu icaippārē
kōla viḷakkē koṭiyē vitāṉamē
āliṉ ilaiyāy aruḷēlōr empāvāy

O von Liebe Erfüllter, o Edelsteinfarbener!
Höre, was wir für das Margazhi-Bad brauchen,
um zu vollziehen, was die Früheren überliefert haben:
Muschelhörner, milchweiß wie dein Panchajanya,
deren weithin dröhnender Klang die ganze Welt erbeben lässt;
eine mächtig große Parai-Trommel und Sänger des Pallandu-Segens,
schöne Lampen, eine Fahne und einen Baldachin.
Du, der auf dem Blatt des Banyanbaumes ruht, schenke uns deine Gnade!
Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!

Muschelhorn, Trommel, Licht und Gesang schaffen einen gemeinschaftlichen Raum der Verehrung. Tiruppallandu ist der passende verwandte Text zum hier genannten Segensgesang. Das Kind auf dem Banyanblatt erinnert an Vishnu beziehungsweise Krishna, der auch beim Vergehen der Welt bestehen bleibt.

Strophe 27 – Gemeinsam in Freude essen

கூடாரை வெல்லும் சீர் கோவிந்தா உந்தன்னைப்
பாடிப் பறை கொண்டு யாம் பெறும் சம்மானம்
நாடு புகழும் பரிசினால் நன்றாகச்
சூடகமே தோள் வளையே தோடே செவிப் பூவே
பாடகமே என்றனைய பலகலனும் யாம் அணிவோம்
ஆடை உடுப்போம் அதன் பின்னே பாற் சோறு
மூட நெய் பெய்து முழங்கை வழி வாரக்
கூடி இருந்து குளிர்ந்தேலோர் எம்பாவாய்

kūṭārai vellum cīr kōvintā untaṉṉaip
pāṭip paṟai koṇṭu yām peṟum cammāṉam
nāṭu pukaḻum pariciṉāl naṉṟākac
cūṭakamē tōḷ vaḷaiyē tōṭē cevip pūvē
pāṭakamē eṉṟaṉaiya palakalaṉum yām aṇivōm
āṭai uṭuppōm ataṉ piṉṉē pāṟ cōṟu
mūṭa ney peytu muḻaṅkai vaḻi vārak
kūṭi iruntu kuḷirntēlōr empāvāy

Govinda, dessen Herrlichkeit selbst die Widerstrebenden überwindet!
Wir besingen dich und empfangen die Parai.
Die Ehrengabe, die wir erhalten, möge im ganzen Land gepriesen werden:
Wir werden uns mit Armspangen, Oberarmreifen, Ohrringen,
Ohrblüten, Fußringen und vielen weiteren Schmuckstücken zieren.
Wir werden schöne Gewänder tragen und danach Milchreis essen,
von Ghee so reich bedeckt, dass es beim Essen bis zu den Ellenbogen rinnt.
Beisammen werden wir sitzen und uns von Herzen erquicken.
Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!

Nach dem Verzicht des zweiten Verses erscheint die Fülle des Festes. Nahrung, Schönheit und Gemeinschaft werden als Gabe empfangen. Die Hingabe findet Ausdruck in einer Freude, die miteinander geteilt wird. Für eine heutige Praxis kann daraus Dankbarkeit beim gemeinsamen Essen wachsen.

Strophe 28 – Unsere Verbundenheit kann nicht vergehen

கறவைகள் பின் சென்று கானம் சேர்ந்து உண்போம்
அறிவு ஒன்றும் இல்லாத ஆய்க் குலத்து உந்தன்னைப்
பிறவி பெறுந்தனைப் புண்ணியம் யாம் உடையோம்
குறை ஒன்றும் இல்லாத கோவிந்தா உந்தன்னோடு
உறவேல் நமக்கு இங்கு ஒழிக்க ஒழியாது
அறியாத பிள்ளைகளோம் அன்பினால் உந்தன்னை
சிறு பேர் அழைத்தனமும் சீறி அருளாதே
இறைவா நீ தாராய் பறையேலோர் எம்பாவாய்

kaṟavaikaḷ piṉ ceṉṟu kāṉam cērntu uṇpōm
aṟivu oṉṟum illāta āyk kulattu untaṉṉaip
piṟavi peṟuntaṉaip puṇṇiyam yām uṭaiyōm
kuṟai oṉṟum illāta kōvintā untaṉṉōṭu
uṟavēl namakku iṅku oḻikka oḻiyātu
aṟiyāta piḷḷaikaḷōm aṉpiṉāl untaṉṉai
ciṟu pēr aḻaittaṉamum cīṟi aruḷātē
iṟaivā nī tārāy paṟaiyēlōr empāvāy

Wir gehen hinter den Kühen her, ziehen in den Wald und essen dort.
Wir gehören zum Hirtenvolk und besitzen keine gelehrte Weisheit.
Doch dieses Glück ist uns zuteilgeworden: Du wurdest unter uns geboren.
Govinda, dem nichts fehlt,
unsere Verbundenheit mit dir lässt sich niemals aufheben.
Wir sind unwissende Kinder; wenn wir dich aus Liebe
mit allzu vertraulichen Kosenamen gerufen haben, zürne uns nicht.
O Herr, schenke uns die Parai!
Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!

Die Sängerinnen berufen sich auf die Beziehung zu Krishna. Ihre Vertrautheit ist von Ehrfurcht durchdrungen, ihre fehlende Gelehrsamkeit schließt sie nicht von seiner Nähe aus. Dieser Vers trägt die Zuversicht der Sharanagati: Die Seele darf Zuflucht suchen, auch wenn sie sich unvollkommen weiß.

Strophe 29 – Für immer dir verbunden

சிற்றம் சிறு காலே வந்து உன்னை சேவித்து உன்
பொற்றாமரை அடியே போற்றும் பொருள் கேளாய்
பெற்றம் மேய்த்து உண்ணும் குலத்தில் பிறந்து நீ
குற்று ஏவல் எங்களைக் கொள்ளாமல் போகாது
இற்றைப் பறை கொள்வான் அன்று காண் கோவிந்தா
எற்றைக்கும் ஏழ் ஏழ் பிறவிக்கும் உன் தன்னோடு
உற்றோமே ஆவோம் உனக்கே நாம் ஆட்செய்வோம்
மற்றை நம் காமங்கள் மாற்றேலோர் எம்பாவாய்

ciṟṟam ciṟu kālē vantu uṉṉai cēvittu uṉ
poṟṟāmarai aṭiyē pōṟṟum poruḷ kēḷāy
peṟṟam mēyttu uṇṇum kulattil piṟantu nī
kuṟṟu ēval eṅkaḷaik koḷḷāmal pōkātu
iṟṟaip paṟai koḷvāṉ aṉṟu kāṇ kōvintā
eṟṟaikkum ēḻ ēḻ piṟavikkum uṉ taṉṉōṭu
uṟṟōmē āvōm uṉakkē nām āṭceyvōm
maṟṟai nam kāmaṅkaḷ māṟṟēlōr empāvāy

Höre, weshalb wir in aller Morgenfrühe zu dir kommen,
dich verehren und deine goldenen Lotusfüße preisen.
Du wurdest in jenem Geschlecht geboren,
das vom Hüten der Rinder lebt:
Du darfst uns den vertrauten Dienst an dir nicht verwehren.
Govinda, wir sind nicht gekommen, nur um heute die Parai zu erhalten.
Für immer, durch sieben mal sieben Geburten,
wollen wir dir verbunden sein und dir allein dienen.
Verwandle all unser anderes Begehren!
Hört, ihr Mädchen, unser Gelübde!

Hier wird die innerste Bitte des Tiruppavai ausgesprochen. Das Ziel ist bleibende Zugehörigkeit und liebevoller Dienst, in der Tradition Kainkarya genannt. „Sieben mal sieben Geburten“ weitet die Bitte über ein einzelnes Leben hinaus. Die Wünsche werden vor Krishna gebracht, damit die Liebe ihre Richtung bestimmen möge.

Strophe 30 – Die Frucht der dreißig Lieder

வங்கக் கடல் கடைந்த மாதவனை கேசவனை
திங்கள் திருமுகத்து சேய் இழையார் சென்று இறைஞ்சி
அங்கப் பறை கொண்ட ஆற்றை அணி புதுவைப்
பைங்கமலத் தண் தெரியல் பட்டர் பிரான் கோதை சொன்ன
சங்கத் தமிழ் மாலை முப்பதும் தப்பாமே
இங்கு இப்பரிசுரைப்பார் ஈரிரண்டு மால் வரை தோள்
செங்கண் திருமுகத்துச் செல்வத் திருமாலால்
எங்கும் திருவருள் பெற்று இன்புறுவர் எம்பாவாய்.

vaṅkak kaṭal kaṭainta mātavaṉai kēcavaṉai
tiṅkaḷ tirumukattu cēy iḻaiyār ceṉṟu iṟaiñci
aṅkap paṟai koṇṭa āṟṟai aṇi putuvaip
paiṅkamalat taṇ teriyal paṭṭar pirāṉ kōtai coṉṉa
caṅkat tamiḻ mālai muppatum tappāmē
iṅku ipparicuraippār īriraṇṭu māl varai tōḷ
ceṅkaṇ tirumukattuc celvat tirumālāl
eṅkum tiruvaruḷ peṟṟu iṉpuṟuvar empāvāy.

Die geschmückten Mädchen mit mondgleichen Gesichtern
gingen zu Madhava, zu Keshava, der das von Schiffen befahrene Meer gequirlt hat;
sie verneigten sich und empfingen dort die Parai.
Davon sang Kotai aus dem schönen Puduvai,
die Tochter Pattarpirans, der eine kühle Girlande frischer Lotusblüten trägt.
Wer diese dreißig Lieder der kunstvollen tamilischen Girlande
vollständig und in dieser Weise spricht,
wird durch den glückverheißenden Tirumal mit den vier berggleichen Schultern,
den rötlichen Augen und dem heiligen Antlitz
überall seine Gnade empfangen und Freude erfahren.
O ihr Mädchen!

Der Schluss nennt die Dichterin Kotai und ihren Vater Pattarpiran. Die dreißig Strophen werden zur sprachlichen Girlande. Das Versprechen der Gnade gehört als Fruchtverheißung zum Werk selbst. Die Einladung lautet, die Lieder vollständig zu bewahren und mit verständiger Hingabe zu sprechen.

Überlieferte Schlussverse und Segen

Diese nachgestellten Texte gehören zum liturgischen Rahmen der gewählten Ausgabe. Die dreißig Hauptstrophen sind mit dem vorangegangenen Lied abgeschlossen.

Lobvers 1 – Die Stadt, in der Kotai geboren wurde

கோதை பிறந்த ஊர் கோவிந்தன் வாழுமூர்
சோதி மணி மாடம் தோன்றும் ஊர்
நீதியால் நல்ல பத்தர் வாழும் ஊர் நான்மறைகள் ஓதுமூர்
வில்லிபுத்தூர் வேதக் கோனூர்

kōtai piṟanta ūr kōvintaṉ vāḻumūr
cōti maṇi māṭam tōṉṟum ūr
nītiyāl nalla pattar vāḻum ūr nāṉmaṟaikaḷ ōtumūr
villiputtūr vētak kōṉūr

Die Stadt, in der Kotai geboren wurde und Govinda wohnt,
die Stadt mit den leuchtenden, juwelengeschmückten Häusern,
die Stadt, in der gute Verehrer rechtschaffen leben und die vier Veden erklingen:
Das ist Villiputhur, die Stadt des Herrn der Veden.

Der Vers preist Srivilliputhur als heilige Heimat. Dichtung, Gottesgegenwart und gelebte Frömmigkeit werden in einer Stadt zusammengeführt. Er steht nach dem Hauptwerk und gehört zur späteren Verehrung Andals.

Lobvers 2 – Die dreißig Lieder als Same der heiligen Lehre

பாதகங்கள் தீர்க்கும் பரமன் அடி காட்டும்
வேதம் அனைத்துக்கும் வித்தாகும் கோதை தமிழ்
ஐயைந்தும் ஐந்தும் அறியாத மானிடரை
வையம் சுமப்பது வம்பு.

pātakaṅkaḷ tīrkkum paramaṉ aṭi kāṭṭum
vētam aṉaittukkum vittākum kōtai tamiḻ
aiyaintum aintum aṟiyāta māṉiṭarai
vaiyam cumappatu vampu.

Kotais tamilische Dichtung tilgt Verfehlungen und zeigt die Füße des Höchsten;
sie ist der Same aller Veden.
Menschen, die ihre fünfmal fünf und weiteren fünf Lieder nicht kennen –
vergeblich trägt die Erde ihre Last!

Die letzte Zeile ist eine scharfe poetische Überhöhung des Werkpreises. Sie drückt die Begeisterung seiner Verehrer aus. „Fünfmal fünf und fünf“ bezeichnet die dreißig Strophen. Der Vers gehört zum überlieferten Lob des Tiruppavai und ist keine zusätzliche Hauptstrophe Andals.

Segenslied – Segen auf Andals Lotusfüße

திருவாடிப் பூரத்து செகத்துதித்தாள் வாழியே
திருப்பாவை முப்பதும் செப்பினாள் வாழியே
பெரியாழ்வார் பெற்றெடுத்த பெண் பிள்ளை வாழியே
பெரும்புதூர் மாமுனிக்குப் பின்னானாள் வாழியே
ஒரு நூற்று நாற்பத்து மூன்றுரைத்தாள் வாழியே
உயரரங்கற்கே கண்ணியுகந்தருளிதாள் வாழியே
மருவாரும் திருமல்லி வள நாடி வாழியே
வண்புதுவை நகர்க் கோதை மலர்ப் பதங்கள் வாழியே

tiruvāṭip pūrattu cekattutittāḷ vāḻiyē
tiruppāvai muppatum ceppiṉāḷ vāḻiyē
periyāḻvār peṟṟeṭutta peṇ piḷḷai vāḻiyē
perumputūr māmuṉikkup piṉṉāṉāḷ vāḻiyē
oru nūṟṟu nāṟpattu mūṉṟuraittāḷ vāḻiyē
uyararaṅkaṟkē kaṇṇiyukantaruḷitāḷ vāḻiyē
maruvārum tirumalli vaḷa nāṭi vāḻiyē
vaṇputuvai nakark kōtai malarp pataṅkaḷ vāḻiyē

Gepriesen sei sie, die am heiligen Puram-Tag im Monat Adi in der Welt erschien!
Gepriesen sei sie, die die dreißig Strophen des Tiruppavai sprach!
Gepriesen sei die Tochter, die Periyalvar aufzog!
Gepriesen sei sie, die dem großen Weisen von Perumbudur zur jüngeren Schwester wurde!
Gepriesen sei sie, die einhundertdreiundvierzig Lieder verkündete!
Gepriesen sei sie, die ihre Girlande freudig dem erhabenen Ranganatha darbrachte!
Gepriesen sei sie aus dem duftreichen, fruchtbaren Land Tirumalli!
Gepriesen seien Kotais blütengleiche Füße aus der freigebigen Stadt Puduvai!

Die 143 Lieder beziehen sich auf das Nachiyar Tirumoli. Die Beziehung zum Weisen von Perumbudur wird traditionell auf Ramanuja bezogen und ist eine religiöse Verwandtschaftsaussage, keine Behauptung biologischer Geschwisterschaft. Der Segen führt die Verehrung der Dichterin über ihr Werk hinaus fort.

Zufluchtsformel – Abschließende Zuflucht

ஸ்ரீ ஆண்டாள் திருவடிகளே சரணம். மங்களம்

srī āṇṭāḷ tiruvaṭikaḷē caraṇam. maṅkaḷam

Die heiligen Füße Sri Andals sind unsere Zuflucht.
Möge Segen sein!

Die Schlussformel bündelt Dankbarkeit und Vertrauen. Die „Füße“ stehen in dieser ehrerbietigen Sprache für Zuflucht und die Bereitschaft, sich von der gelebten Hingabe der Heiligen führen zu lassen.

Andal, Tiruppavai und die Tradition der Alvars

Die Stimme einer Dichterheiligen

Andal, auch Kotai, Kodai oder in Sanskrit Goda genannt, ist die weibliche Dichterheilige unter den zwölf Alvars. Der Schlussvers des Tiruppavai verbindet ihren Namen mit dem schönen Puduvai, dem heutigen Srivilliputhur, und mit Pattarpiran, dem als Periyalvar verehrten Dichter. Ihre weitere große Dichtung ist das Nachiyar Tirumoli. Die Indologin Archana Venkatesan ordnet Kotai dem 9. Jahrhundert zu; genaue Lebensdaten sind nicht gesichert.[4]

Die Überlieferung verehrt Andal auch als Erscheinung Bhudevis, der göttlichen Erde und Gefährtin Narayanas.[5] Ihre Heiligenlegende erzählt von den Blumengirlanden, die sie zunächst selbst trug und dann dem Herrn darbrachte. Die hier aufgenommenen Eingangsverse erinnern ausdrücklich daran. Nach der Überlieferung erfüllte sich ihre Liebe in der Vereinigung mit Ranganatha in Srirangam. Diese Erzählungen erschließen die religiöse Bedeutung ihrer Gestalt; sie werden als Heiligenüberlieferung von historisch gesicherten Lebensdaten unterschieden.

Eine Girlande aus tamilischen Worten

Im Tiruppavai spricht Andal in der Rolle einer jungen Hirtin und lässt zugleich die Stimmen ihrer Gefährtinnen erklingen. Ihr Gedicht ist damit Gebet, szenische Dichtung und gemeinschaftlicher Gesang. Gerade die Vielfalt seiner Töne macht es einprägsam: freudige Einladung, neckende Ungeduld, königlicher Lobpreis und zärtliche Bitte.

In Strophe 30 nennt sie ihre Lieder eine tamilische Girlande. Das Bild verbindet Dichtung und Verehrung. Wie Blumen zu einem Kranz zusammenfinden, fügen sich die dreißig Strophen zu einer Darbringung. Deshalb gehört auch der Weg durch das ganze Werk zu seinem Sinn: Die letzte Bitte wächst aus den vorangegangenen Begegnungen heraus.

Margazhi und das Pavai-Gelübde

Der erste Vers führt in den winterlichen Monat Margazhi. Zum Gelübde gehören frühes Aufstehen, das rituelle Bad, Gotteslob, zeitweilige Einfachheit und Freigebigkeit. Das Gedicht spricht aus einer religiösen Festkultur, in der persönliches Wohlergehen, Fruchtbarkeit des Landes und die Nähe des Göttlichen zusammengehören.

In der traditionellen Auslegung erhalten diese Handlungen zusätzlich eine innere Bedeutung. Bhuvarahachariar Swamy betont die Sehnsucht der Seele nach bleibendem Dienst in der Nähe des Herrn. Auch das gemeinsame Erwachen wird in diesem Licht gelesen: Die Hingabe wird durch die Gemeinschaft anderer Gottliebender vertieft. So verbinden sich die anschaulichen Bilder von Trommel, Regen und Morgenbad mit der Sehnsucht nach einer tieferen Nähe zu Krishna.

Krishna mit den Gopis: Im Tiruppavai trägt die Gemeinschaft der Hirtinnen die Sehnsucht nach seiner Nähe.

Die spirituelle Bedeutung des Tiruppavai

Erwachen in Gemeinschaft

Die Sängerinnen nehmen einander mit. Sie warten, rufen, scherzen und bleiben an einer Tür stehen, obwohl der Tau auf ihre Köpfe fällt. Eine geistige Gemeinschaft wird hier durch konkrete Zuwendung sichtbar. Für Yoga-Aspiranten kann daraus eine einfache Frage entstehen: Wen ermutige ich auf dem Weg, und von wem lasse ich mich ermutigen?

Das Motiv des Erwachens berührt auch die Meditation. Ein Mensch kann den eigenen Tag im gewohnten Lauf beginnen oder kurz innehalten und sich bewusst ausrichten. Andals Morgenbilder laden zu dieser zweiten Möglichkeit ein. Aus dem dichterischen Bild des gemeinsamen Aufstehens kann so eine heutige Betrachtung über innere Wachheit entstehen.

Gnade, Zugehörigkeit und liebevoller Dienst

Strophe 28 vertraut auf eine Verbundenheit, die nicht aufgehoben werden kann. Strophe 29 bittet um ein Leben im Dienst des Geliebten. Das tamilische Wort für Dienen wird in der Sri-Vaishnava-Tradition mit dem Gedanken des Kainkarya verbunden: Die Hingabe möchte sich als Freude am Wohlgefallen des Herrn ausdrücken.

Das ist die besondere Richtung dieser Dichtung. Das Ziel erscheint als eine erfüllte Beziehung zu Krishna. Begriffe wie Prapatti und Sharanagati, die vertrauensvolle Zuflucht und Hingabe bezeichnen, helfen beim Verständnis ihrer traditionellen Auslegung. Die Verse legen jedoch kein abstraktes Lehrsystem in einzelnen Definitionen vor. Sie lassen den Weg als Stimme, Bild und Bitte erfahren.

Nappinnai und der Zugang zum göttlichen Paar

Die Gefährtinnen wenden sich nicht nur an Krishna. Sie bitten Nappinnai, die Tür zu öffnen, und rufen ihr Erbarmen an. So gehört die weibliche göttliche Gegenwart wesentlich zu ihrem Zugang. Nappinnai hat in dieser tamilischen Dichtung eine eigene Gestalt und einen eigenen Namen. Wer die Verse mit anderen Krishna-Traditionen vergleicht, sollte diese Eigenart bewahren.

Auch die sinnlichen Bilder von Schönheit und ehelicher Nähe verdienen eine achtsame Lektüre. Die Sprache der Liebe trägt die Sehnsucht nach dem Göttlichen. Ihr literarischer Reichtum wird verständlich, wenn Ehrfurcht und menschliche Vertrautheit zusammen gelesen werden.

Einfachheit und festliche Fülle

Vers 2 beschreibt den Verzicht auf Ghee, Milch und Schmuck; Vers 27 feiert Schmuck, schöne Gewänder und gemeinsam genossenen Milchreis. Beide gehören zum selben Weg. Sammlung bereitet das Herz, und die empfangene Gabe wird dankbar geteilt. Die Mitte bleibt die Beziehung zu Krishna, nicht das Besitzen oder Entbehren um seiner selbst willen.

Segen für die ganze Welt

Andals Gebet schaut auf Felder, Regen, Tiere und Nahrung. Das Wohlergehen der Welt hat einen Platz im Gotteslob. Eine heutige Antwort darauf kann sorgsamer Umgang mit Nahrung und Wasser sein, verbunden mit Hilfsbereitschaft gegenüber Menschen und Achtung vor Tieren. So lässt sich die im Gedicht besungene Fülle heute mit verantwortlichem Handeln verbinden.

Tiruppavai im Vergleich mit anderen tamilischen Schriften

Tiruvempavai teilt mit Tiruppavai die poetische Welt des morgendlichen Weckens und des Pavai-Gelübdes, gehört jedoch zur Shiva-Verehrung. Unmai Neri Vilakkam, Unmai Vilakkam und Tiruvarutpayan erschließen auf ihre Weise Erkenntnis, Gnade und Befreiung im Shaiva Siddhanta. Solche Vergleiche können den Blick weiten, wenn die jeweilige Tradition mit ihren eigenen Begriffen hörbar bleibt. Andals besondere Stimme ist die liebende Hinwendung zu Narayana und Krishna.

Gottesnamen und Rezitation im Tiruppavai

Das Tiruppavai lebt vom Lob göttlicher Namen. Sie lassen verschiedene Züge des einen verehrten Herrn aufscheinen: seine Größe, seine schützende Gegenwart und seine Nähe zur Hirtenwelt. Die folgenden Namen aus dem Haupttext geben Orientierung beim Lesen und Singen:

Name im deutschen Text Tamilische Form und Umschrift Fundstelle und Bedeutung im Gedicht
Narayana நாராயணன் – nārāyaṇaṉ Verse 1, 7 und 10: der höchste Herr, der zugleich als Krishna nahekommt.
Damodara தாமோதரன் – tāmōtaraṉ Vers 5: Krishna, dessen Leib von einer Schnur umwunden wurde; Erinnerung an seine Kindheit bei Yashoda.
Hari அரி – ari Vers 6: der ausdrücklich wiedergegebene Ruf der Weisen und Yogis.
Keshava கேசவன் – kēcavaṉ Verse 7 und 30: Name Krishnas beziehungsweise Vishnus; im Zusammenhang seines Lobes genannt.
Madhava மாதவன் – mātavaṉ Verse 9 und 30: Name Vishnus, traditionell mit seiner Verbundenheit zu Shri verstanden.
Govinda கோவிந்தன் – kōvintaṉ Verse 27–29: der vertraute Herr der Hirtenwelt und Adressat der abschließenden Bitte.
Tirumal திருமால் – tirumāl Vers 30: der glückverheißende, erhabene Vishnu.

Die Tabelle nennt die Grundformen; im Gedicht erscheinen auch grammatische Anrede- und Beugungsformen. Vers 24 wiederholt pōṟṟi, „gepriesen sei“. Vers 26 nennt das Pallandu, den Segensgesang. Die Schlussformel des überlieferten Rahmens lautet: „Die heiligen Füße Sri Andals sind unsere Zuflucht.“

Fünf Anregungen für Schriftenstudium und Alltag

  1. Beginne mit einer Strophe. Lies morgens ein Pasuram und seine Übersetzung. Wähle einen Satz, der dich durch den Tag begleiten darf. Die dreißig Strophen lassen sich auf dreißig Tage verteilen.
  2. Verbinde Stimme und Aufmerksamkeit. Wenn du Tamil lesen oder die Rezitation lernen möchtest, gehe langsam vor. Lass den Klang mit einem verstandenen Sinn zusammenkommen. Die römische Umschrift unterstützt das Lesen; für die Aussprache hilft eine sachkundige Rezitationsanleitung.
  3. Übe eine freundliche Sprache. Vers 2 verbindet Hingabe mit dem Verzicht auf verletzende Rede. Nimm dir eine konkrete Begegnung vor, in der du aufmerksam zuhören und wahrhaftig sprechen möchtest.
  4. Teile eine Gabe. Denke an die Freigebigkeit des Gelübdes und an das Mahl in Vers 27. Eine gemeinsam geteilte Mahlzeit oder eine hilfreiche Gabe kann zur einfachen Form gelebter Bhakti werden.
  5. Verweile bei Vers 29. Frage in einigen Minuten Stille: Welche Sehnsucht soll mein Handeln bestimmen? Wenn Krishna deine verehrte Gestalt ist, richte die Bitte um liebevollen Dienst unmittelbar an ihn.

Diese fünf Anregungen übertragen Motive des Gedichts auf die heutige persönliche Praxis.

Videos zu Andal und Krishna

Die folgenden Einbindungen sind auf den Yoga-Vidya-Wiki-Seiten Andal und Krishna belegt. Sie vertiefen Namen und Hintergrund; sie sind keine vollständige Tiruppavai-Rezitation.

Andal – Name und Aussprache

Sukadev über Krishna

Die Sehnsucht im Herzen bewahren

Krishna als Kind: Der göttliche Geliebte begegnet in Andals Liedern zugleich in vertrauter Nähe und erhabener Größe.

Das Tiruppavai entfaltet die Bilder eines heiligen Morgens und öffnet damit einen Weg für ein ganzes Leben. Am Anfang steht der Ruf zum Aufbruch. Eine Freundin nach der anderen kommt hinzu. Schließlich wird die tiefste Sehnsucht ausgesprochen: Möge unsere Verbundenheit bleiben; möge unser Leben zu einem Dienst der Liebe werden.

Vielleicht berührt dich das geduldige Warten der Freundinnen, das Aufgehen einer Blüte oder Krishnas Blick, der wie Sonne und Mond zugleich erscheint. Bewahre dieses Bild in der Stille. Lass es in einem liebevollen Wort, einer geteilten Gabe oder einem Augenblick dankbarer Aufmerksamkeit weiterleben. So kann der Gesang über die Zeit der Rezitation hinaus in deinem Alltag nachklingen.

Freie Betrachtung im Geist des Tiruppavai: Möge mein Herz zur Liebe erwachen. Möge ich andere auf ihrem Weg ermutigen. Möge das, was ich empfange, zum Segen werden. Möge meine Sehnsucht mich zu einem Leben führen, das von Dankbarkeit und Hingabe getragen ist.

Siehe auch

Andal, Alvars und vaishnavitische Texte

Weitere tamilische Schriften

Tantra-, Agama- und Yoga-Schriften zum vergleichenden Studium

Die Querverweise dienen dem vergleichenden Studium. Das Tiruppavai ist dabei als vaishnavitischer Bhakti-Hymnenzyklus von den tantrischen und agamischen Lehr- und Ritualschriften zu unterscheiden.

Quellen, Literatur und Editionshinweise

Textgrundlage und ergänzende Literatur

  • Project Madurai: Nalayira Divya Prabandham, Teil Ib, Verse 474–947. Tamilische Unicode-Ausgabe, 1998–2021, vorbereitet für die Veröffentlichung durch Dr. K. Kalyanasundaram. Die Hauptstrophen des Tiruppavai tragen dort die Nummern 474–503. Quelle des tamilischen Wortlauts einschließlich des Rahmens.[2]
  • Ramanuja.org: Tiruppavai, romanisierter Text mit Taniyans und Schlussversen. Für Versfolge und ausgewählte Lesungen verglichen; nicht als Vorlage der eigenen wissenschaftlichen Umschrift übernommen.[3]
  • Archana Venkatesan: The Secret Garland: Andal’s Tiruppavai and Nacciyar Tirumoli. New Delhi: Harper Collins, 2016; Einleitung und Auszüge auf der Website der Autorin. Zur Einordnung von Autorin, Werk und Refrain; die deutsche Gesamtübersetzung wurde nicht aus diesen modernen englischen Auszügen erstellt.[4]
  • U. Ve. E. S. Bhuvarahachariar Swamy: Sri Andal’s Tirup-Pavai. Traditionelle Erläuterungen, zugänglich über Ibiblio. Zur inneren Deutung von Gnade, Gelübde und Gemeinschaft.[5]

Umfang

Die Ausgabe enthält sämtliche 30 Hauptstrophen. Hinzu kommen die beiden tamilischen Eingangsverse, die drei nachgestellten Lob- und Segensgedichte sowie die abschließende Zufluchtsformel der gewählten Project-Madurai-Fassung. Die Zusatztexte werden ausdrücklich außerhalb der Zählung des Tiruppavai geführt. Ein Sanskrit-Taniyan, der in anderen liturgischen Fassungen vorangestellt wird, gehört nicht zum tamilischen Bestand der hier gewählten Grundfassung und wird nicht als Strophe Andals ergänzt.

Textentscheidungen

Die tamilischen Zeilen folgen Project Madurai; bloße HTML-Einrückungen werden entfernt. Einige erkennbare Übertragungsfehler sind mit Hilfe der romanisierten Vergleichsfassung bereinigt: im Kehrvers von Strophe 8 எம்பாயாய் zu எம்பாவாய்; in Strophe 9 நாமன் zu நாமம் und என்பாவாய் zu எம்பாவாய்; in Strophe 17 die Schreibungen உளகு zu உலகு und நீயுன் zu நீயும். In Strophe 30 wird das in der Quelle mit einem Verschiebezeichen nachgestellte சொன்ன an das Ende der vorausgehenden Zeile nach கோதை gesetzt. Überzählige Satzzeichen am Ende von நெடுமாலே in Strophe 25 werden vereinheitlicht. Die Umschrift folgt genau dem so dargestellten Tamiltext.

Der erste der beiden Eingangsverse und einzelne Wörter der Zusatztexte zeigen gegenüber anderen Überlieferungsfassungen Unterschiede. Hier wird grundsätzlich die gewählte tamilische Fassung bewahrt. Unsichere Deutungen betreffen insbesondere die Regenanrede in Strophe 4, den Vogelnamen in Strophe 7, die Verwandtschaftsbezeichnung in Strophe 18, die gedrängte Schlusszeile von Strophe 19 und den mehrdeutigen Kehrvers. Sie werden bei der jeweiligen Stelle erläutert. Das Wort caṅkam in Strophe 30 wird auf die kunstvolle tamilische Dichtung bezogen; es datiert Andals Werk nicht automatisch in die ältere Sangam-Epoche.

Die Ausgabe ist eine vollständige erläuterte Studienübersetzung, keine kritische Edition auf der Grundlage eines Handschriftenvergleichs. Die mythologischen Identifikationen in den Erläuterungen helfen, die knappen Anspielungen zu verstehen. Deutsch und Tamil müssen wegen unterschiedlicher Satzstruktur nicht dieselbe Zeilenzahl haben.

Medien und Seminarverweise

Bilddateinamen und Videoeinbindungen wurden anhand der Wiki-Seiten Krishna und Andal geprüft. Die Seminarfeed-Adressen sind auf den Wiki-Seiten Bhakti Yoga, Kundalini Yoga und Chakra belegt. Die Bilder veranschaulichen die Krishna-Verehrung; die Gopi-Darstellung stammt aus deren weiterem Bilderschatz. Quellenprüfung: 26. September 2026.

  1. ↑ Ramanuja.org: The Tiruppavai of Andal. Werkübersicht, Textzugänge und Einordnung in den Margazhi-Monat.
  2. ↑ 2,0 2,1 Project Madurai: Nalayira Divya Prabandham, Teil Ib, Verse 474–947. Tiruppavai: Gesamtzählung 474–503; mit tamilischen Lob- und Segensversen vor und nach dem Haupttext. Unicode-Ausgabe, 1998–2021.
  3. ↑ 3,0 3,1 Ramanuja.org: Tiruppavai, romanisierter Text. Vergleich der Versfolge und ausgewählter Lesungen; Zuschreibung der tamilischen Eingangsverse.
  4. ↑ 4,0 4,1 Archana Venkatesan: Andal–Tiruppavai, University of California, Davis. Wissenschaftliche Einführung mit ausgewählten englischen Übersetzungen; Auszug aus The Secret Garland, Ausgabe New Delhi 2016.
  5. ↑ 5,0 5,1 U. Ve. E. S. Bhuvarahachariar Swamy: Sri Andal’s Tirup-Pavai. Traditionelle Sri-Vaishnava-Auslegung, insbesondere Einleitung und Ausführungen zu den ersten Strophen.

Seminare

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Energiearbeit

30.10.2026 - 01.11.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe

Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…
Arjuna Wingen
04.11.2026 - 04.11.2026 Einführung in die Chakratherapie - Online Workshop

Uhrzeit: 18 - 21 Uhr
Ein Chakra ist ein feinstoffliches Kraftzentrum des Körpers, welches wichtige Körperfunktionen steuert und bestimmten Organen zug…
Beate Menkarski