Tirunetuntantakam
Tirunetuntantakam (Tamil: திருநெடுந்தாண்டகம், wissenschaftliche Umschrift: Tiruneṭuntāṇṭakam; auch Tiruneduntandakam, Thirunedunthandakam und Thirunedunthandagam) ist ein tamilisches Bhakti-Werk von Tirumangai Alvar mit 30 Strophen. Es gehört zum Nalayira Divya Prabandham und besingt Vishnu in seiner kosmischen Größe, an seinen heiligen Orten und als Geliebten des Herzens. Diese Ausgabe enthält den vollständigen Text, jeweils in tamilischer Schrift, Umschrift und eigener deutscher Übersetzung, ergänzt um kurze Erläuterungen.

Das Tirunetuntantakam nimmt dich auf einen Weg vom Staunen zur Sehnsucht mit. Zu Beginn leuchtet der Herr wie Blitz, Lampe und Mond; seine Füße reichen über die Sterne hinaus. Dann wird das Gedicht ganz persönlich: Eine Mutter spricht von ihrer Tochter, die Gottesnamen singt und Trost bei einem Papagei sucht. Schließlich erzählt die Liebende selbst von einer Begegnung, die sie nicht mehr loslässt. Eine Biene und ein Reiher sollen ihre Botschaft zum Geliebten tragen.
Für tamilische Hindus in Deutschland kann diese Dichtung vertraute Namen, Tempelbilder und Familienerinnerungen neu erschließen. Für Yoga-Aspiranten und Yoga-Vidyaner öffnet sie einen Zugang zu Bhakti Yoga, der auch dem Fragen und Vermissen Raum gibt. Die Liebe zum Göttlichen erscheint hier in ihrer ganzen Lebendigkeit: ehrfürchtig und kühn, dankbar und verletzlich, suchend und voller Hoffnung.
Autor, Entstehungszeit und Bedeutung des Titels
Tirumangai Alvar, auch Kaliyan, Parakalan und Tirumangai Mannan genannt, gehört zu den zwölf Alvar-Heiligen der tamilischen Vishnu-Verehrung. Seine Dichtung wird häufig dem 8. Jahrhundert zugeordnet; genaue Lebensdaten und die Entstehungsfolge seiner Werke bleiben unsicher. Eine neuere wissenschaftliche Edition seines Periya Tirumoli ordnet dieses Hauptwerk dem 8. Jahrhundert zu.[1]
Der Titel verbindet tiru, „heilig“ oder „glückverheißend“, mit neṭu, „lang“ beziehungsweise „groß“, und tāṇṭakam, der Bezeichnung einer poetischen Form. Sinngemäß ist es der „Heilige lange Tandakam-Hymnus“. Das verwandte Tirukkuruntantakam ist die kürzere Dichtung. Der Werktitel bezeichnet hier eine Versform; er benennt keine Anleitung zu einer Tanzübung.[2]
Die 30 Strophen bestehen in der hier verwendeten Druckanordnung jeweils aus acht Zeilen. Diese Zeilenanordnung darf nicht mit der Zahl metrischer Langzeilen verwechselt werden. Der weite Satzbau lässt Namen, Bilder und Anreden aufeinanderfolgen, bis sie in einer Bitte, einer Erinnerung oder einem Ausruf zusammenfinden.
Stellung im Divya Prabandham und in der Tradition
Tirunetuntantakam gehört zum zweiten Tausenderteil des Nalayira Divya Prabandham. In der verwendeten Project-Madurai-Datei stehen die Strophen unter den Sammlungsnummern 2052–2081; der Artikel zählt sie als eigenes Werk von 1 bis 30. Die traditionelle Sammlungszuordnung und die Aufteilung in elektronische Dateien sind dabei voneinander zu unterscheiden: Project Madurai stellt den Text in seiner Datei „Part 4“ bereit.[3]
In der sri-vaishnavischen Überlieferung wird das Werk als reifes, abschließendes Zeugnis Tirumangais verehrt. Diese traditionelle Einordnung ist keine gesicherte historische Datierung der einzelnen Dichtungen. Periyavaccan Pillai verfasste einen bedeutenden Kommentar. Auch die Überlieferung zu Parashara Bhattar und Nanjiyar verbindet das Werk mit theologischer Unterweisung und vertieftem Verstehen.[4]
Der Hymnus lebt außerdem in der Rezitation und in der Araiyar Sevai, einer Tempeltradition, die Gesang und ausdrucksvolle Darstellung verbindet. Die Szene mit der Mutter und der Wahrsagerin eignet sich besonders für die Darstellung verschiedener Stimmen. So wird der Text als gesungenes und dargestelltes Geschehen erfahrbar.[5]
Drei Stimmen: Lobpreis, Mutter und Liebende
Die folgende Gliederung hilft, die Sprecherwechsel zu verstehen:
- Verse 1–10: Der Dichter preist den Herrn, erinnert seine Erscheinungen und wendet sich an das eigene Herz. Die heiligen Orte werden zu Stationen einer inneren Pilgerschaft.
- Verse 11–20: Eine Mutter beschreibt die Sehnsucht ihrer Tochter. Ihre Sorge weicht am Ende einem Staunen über deren Hingabe.
- Verse 21–30: Die Liebende erzählt der Freundin von der Begegnung und der Trennung. Sie bittet Tiere um Botengänge, erinnert den Herrn und ruft seine Gnade an. Der letzte Vers nennt den Dichter und schließt mit einer religiösen Verheißung.
Die weibliche Stimme wird in der Tradition als Parakala Nayaki verstanden: Tirumangai spricht in der Rolle einer Liebenden. Diese dichterische Sprache steht in Beziehung zur tamilischen Akam-Dichtung, der Dichtung des inneren Liebeserlebens. Sie eröffnet eine Sprache für die Beziehung des Menschen zu Narayana. Ähnliche Wechsel von Liebenden-, Mutter- und Freundinnenstimme begegnen in Tiruviruttam; Periya Tirumatal gestaltet die leidenschaftliche Sehnsucht in einer anderen Form.
Tränen, blasse Haut, abgleitende Armreifen und Unruhe sind wiederkehrende Bilder dieser Liebesdichtung. Sie gehören zur poetischen Gestaltung. Die Leserin oder der Leser darf der Sehnsucht nachspüren und zugleich wahrnehmen, wie kunstvoll das Werk ihr eine Stimme gibt.
Tirunetuntantakam lesen: eine Einladung
Du musst die vielen Namen beim ersten Lesen noch nicht kennen. Beginne mit einer Strophe, die dich anspricht. In Vers 4 wendet sich der Dichter an sein Herz, in Vers 8 verbindet er die Tempelorte mit Gottes Gegenwart im Inneren. In den Versen 26 und 27 wird die ganze lebendige Umgebung zur möglichen Botin der Liebe.
Lies langsam, höre auf den tamilischen Klang und lass die deutsche Bedeutung nachklingen. Vielleicht vertieft ein Vers dein Gebet, vielleicht weckt er eine Frage. Auch das gemeinsame Lesen mit einer tamilischsprachigen Person kann bereichernd sein. Eine vertraute Geschichte oder die Erinnerung an Srirangam kann einem Namen plötzlich Wärme und Nähe geben.
Vollständiger Text: Tamil, Umschrift und deutsche Übersetzung
Alle 30 Strophen folgen der Reihenfolge Tamiltext, Umschrift und deutsche Übersetzung. Die Erläuterungen sind vom Werktext getrennt. Die deutsche Fassung ist eine eigene KI-gestützte Prosaübertragung; traditionelle Worterklärungen wurden bei schwierigen Stellen herangezogen. Die Umschrift bildet die tamilische Vorlage schriftgetreu ab und bewahrt deren Wortabstände. Hinweise zur Textgrundlage und zu einzelnen Lesungen stehen am Ende.
Verse 1–10: Die Stimme des Dichters
Vers 1: Licht, Erkenntnis und die Füße auf dem Haupt
Tamilische Schrift
மின்னுருவாய் முன்னுருவில் வேதம் நான்காய்
விளக்கொளியாய் முளைத்தெழுந்த திங்கள் தானாய்,
பின்னுருவாய் முன்னுருவில் பிணிமூப் பில்லாப்
பிறப்பிலியாய் இறப்பதற்கே எண்ணாது, எண்ணும்
பொன்னுருவாய் மணியுருவில் பூதம் ஐந்தாய்ப்
புனலுருவாய் அனலுருவில் திகழுஞ் சோதி,
தன்னுருவாய் என்னுருவில் நின்ற எந்தை
தளிர்ப்புரையும் திருவடியென் தலைமே லவ்வே.
Umschrift
miṉṉuruvāy muṉṉuruvil vētam nāṉkāy
viḷakkoḷiyāy muḷaitteḻunta tiṅkaḷ tāṉāy,
piṉṉuruvāy muṉṉuruvil piṇimūp pillāp
piṟappiliyāy iṟappataṟkē eṇṇātu, eṇṇum
poṉṉuruvāy maṇiyuruvil pūtam aintāyp
puṉaluruvāy aṉaluruvil tikaḻuñ cōti,
taṉṉuruvāy eṉṉuruvil niṉṟa entai
taḷirppuraiyum tiruvaṭiyeṉ talaimē lavvē.
Deutsche Übersetzung
Er erscheint wie ein Blitz, ist die vier Veden, das Licht einer Lampe und der aufsteigende Mond. Er ist die verborgene Wirklichkeit hinter der sichtbaren Gestalt, ungeboren, frei von Krankheit und Alter. Auf ihn richtet sich das Denken, statt dem Tod zu verfallen. Er ist wie Gold, von der Schönheit eines Edelsteins; er ist die fünf Elemente, Wasser und das Leuchten des Feuers. Mein Vater, der in seiner eigenen Gestalt in meinem Dasein gegenwärtig ist – seine heiligen Füße, zart wie junge Blätter, ruhen auf meinem Haupt.
Erläuterung: Die dicht gedrängten Bilder verbinden sichtbare Welt, Erkenntnis und göttliche Gegenwart. Die traditionelle Auslegung unterscheidet hier Körper, Atman und höchsten Herrn. Die deutsche Fassung bewahrt den poetischen Aufbau; sie ersetzt ihn nicht durch eine vollständige theologische Paraphrase. Die Füße auf dem Haupt sind ein Bild empfangener Gnade.
Vers 2: Die wolkenfarbene Gestalt
Tamilische Schrift
பாருருவில் நீரெரிகால் விசும்பு மாகிப்
பல்வேறு சமயமுமாய்ப் பரந்து நின்ற,
ஏருருவில் மூவருமே யென்ன நின்ற,
இமையவர்தந் திருவுருவே றெண்ணும் போது,
ஓருருவம் பொன்னுருவம் ஒன்று செந்தீ
ஒன்றுமா கடலுருவம் ஒத்து நின்ற,
மூவுருவும் கண்டபோ தொன்றாம் சோதி
முகிலுருவம் எம்மடிகள் உருவந் தானே.
Umschrift
pāruruvil nīrerikāl vicumpu mākip
palvēṟu camayamumāyp parantu niṉṟa,
ēruruvil mūvarumē yeṉṉa niṉṟa,
imaiyavartan tiruvuruvē ṟeṇṇum pōtu,
ōruruvam poṉṉuruvam oṉṟu centī
oṉṟumā kaṭaluruvam ottu niṉṟa,
mūvuruvum kaṇṭapō toṉṟām cōti
mukiluruvam emmaṭikaḷ uruvan tāṉē.
Deutsche Übersetzung
Er ist Erde, Wasser, Feuer, Wind und weiter Himmel; er durchdringt die verschiedenen religiösen Wege. Wenn man die schönen Gestalten der drei Himmlischen betrachtet, erscheint eine golden, eine wie rotes Feuer und eine wie das große Meer. Betrachtet man diese drei Gestalten in ihrem Grund, so ist da das eine Licht. Die wolkenfarbene Gestalt ist die Gestalt unseres Herrn.
Erläuterung: Die drei Gestalten beziehen sich auf Brahma, Shiva und Vishnu. Die Schlusswendung bekennt sich zum wolkenfarbenen Herrn. Der Vers steht in einer vishnuitischen Deutung der göttlichen Einheit; daraus sollte man keine pauschale Gleichsetzung aller religiösen Lehren ableiten.
Vers 3: Keine Gestalt erschöpft sein Wesen
Tamilische Schrift
திருவடிவில் கருநெடுமால் சேயன் என்றும்
திரேதைக்கண் வளையுருவாய்த் திகழ்ந்தா னென்றும்,
பொருவடிவில் கடலமுதம் கொண்ட காலம்
பெருமானைக் கருநீல வண்ணன் றன்னை,
ஒருவடிவத் தோருருவென் றுணர லாகா
ஊழிதோ றூழிநின் றேத்தல் அல்லால்,
கருவடிவில் செங்கண்ண வண்ணன் றன்னைக்
கட்டுரையே யாரொருவர் காண்கிற் பாரே?
Umschrift
tiruvaṭivil karuneṭumāl cēyaṉ eṉṟum
tirētaikkaṇ vaḷaiyuruvāyt tikaḻntā ṉeṉṟum,
poruvaṭivil kaṭalamutam koṇṭa kālam
perumāṉaik karunīla vaṇṇaṉ ṟaṉṉai,
oruvaṭivat tōruruveṉ ṟuṇara lākā
ūḻitō ṟūḻiniṉ ṟēttal allāl,
karuvaṭivil ceṅkaṇṇa vaṇṇaṉ ṟaṉṉaik
kaṭṭuraiyē yāroruvar kāṇkiṟ pārē?
Deutsche Übersetzung
Vom großen, dunklen Mal sagt man, seine heilige Gestalt sei rot im Treta-Zeitalter; man sagt, er habe weiß wie eine Muschel geleuchtet, als er den Nektar aus dem Meer gewann. Doch ihn, den Herrn von dunkelblauer Farbe, kann man nicht auf eine einzige Gestalt und eine einzige Farbe festlegen. Zeitalter um Zeitalter können wir ihn preisen. Wer aber vermag den Dunkelfarbenen mit den roten Augen allein durch Worte wirklich zu schauen?
Erläuterung: Der Vers spricht von wechselnden Erscheinungsfarben in verschiedenen Zeitaltern und vom Quirlen des Meeres. Die Übersetzung folgt der traditionellen Zuordnung von Rot zum Treta-Zeitalter und von Weiß zur Nektargewinnung. Im Mittelpunkt steht die Unerschöpflichkeit Vishnus, die sich mit einer einzigen Beschreibung nicht erfassen lässt.
Vers 4: Mein Herz, lebe in seiner Erinnerung
Tamilische Schrift
இந்திரற்கும் பிரமற்கும் முதல்வன் றன்னை
இருநிலம்கால் தீநீர்விண் பூதம் ஐந்தாய்,
செந்திறத்த தமிழோசை வடசொல் லாகித்
திசைநான்கு மாய்த்திங்கள் ஞாயி றாகி,
அந்தரத்தில் தேவர்க்கும் அறிய லாகா
அந்தணனை அந்தணர்மாட் டந்தி வைத்த
மந்திரத்தை, மந்திரத்தால் மறவா தென்றும்
வாழுதியேல் வாழலாம் மடநெஞ் சம்மே.
Umschrift
intiraṟkum piramaṟkum mutalvaṉ ṟaṉṉai
irunilamkāl tīnīrviṇ pūtam aintāy,
centiṟatta tamiḻōcai vaṭacol lākit
ticaināṉku māyttiṅkaḷ ñāyi ṟāki,
antarattil tēvarkkum aṟiya lākā
antaṇaṉai antaṇarmāṭ ṭanti vaitta
mantirattai, mantirattāl maṟavā teṉṟum
vāḻutiyēl vāḻalām maṭaneñ cammē.
Deutsche Übersetzung
Er ist der Ursprung Indras und Brahmas; er ist die fünf Elemente – weite Erde, Wind, Feuer, Wasser und Himmel. Er ist der Klang des wohlgeformten Tamil und das Wort des Nordens, die vier Himmelsrichtungen, Mond und Sonne. Selbst für die Götter im Himmelsraum ist der Reine schwer zu erkennen. Er ist das Mantra, das den Brahmanen für die Dämmerungsandacht anvertraut wurde. Mein argloses Herz, wenn du durch das Mantra stets in seiner Erinnerung lebst, kannst du wahrhaft leben.
Erläuterung: Das „Wort des Nordens“ bezeichnet Sanskrit. Tamil und Sanskrit erscheinen gemeinsam als Sprachen religiöser Erkenntnis. Der Hinweis auf das Mantra lädt zur Gotteserinnerung ein; der Vers schreibt an dieser Stelle keine einzelne Formel aus.
Vers 5: Die Füße über den Sternen
Tamilische Schrift
ஒண்மிதியில் புனலுருவி ஒருகால் நிற்ப
ஒருகாலுங் காமருசீர் அவுணன் உள்ளத்து,
எண்மதியுங் கடந்தண்ட மீது போகி
இருவிசும்பி னூடுபோ யெழுந்து மேலைத்
தண்மதியும் கதிரவனும் தவிர ஓடித்
தாரகையின் புறந்தடவி அப்பால் மிக்கு,
மண்முழுதும் அகப்படுத்து நின்ற எந்தை
மலர்புரையும் திருவடியே வணங்கி னேனே.
Umschrift
oṇmitiyil puṉaluruvi orukāl niṟpa
orukāluṅ kāmarucīr avuṇaṉ uḷḷattu,
eṇmatiyuṅ kaṭantaṇṭa mītu pōki
iruvicumpi ṉūṭupō yeḻuntu mēlait
taṇmatiyum katiravaṉum tavira ōṭit
tārakaiyiṉ puṟantaṭavi appāl mikku,
maṇmuḻutum akappaṭuttu niṉṟa entai
malarpuraiyum tiruvaṭiyē vaṇaṅki ṉēṉē.
Deutsche Übersetzung
Ein Fuß stand fest und drang mit leuchtendem Schritt durch die Wasser. Der andere überstieg jedes Maß, das der ruhmreiche Asura in seinem Herzen bedacht hatte. Er reichte über das Weltengewölbe hinaus, durch den weiten Himmel; der kühle Mond und die Sonne wichen aus. Er streifte die Sterne und ging noch über sie hinaus. Vor den blütengleichen heiligen Füßen meines Vaters, der so die ganze Erde umfasste, habe ich mich verneigt.
Erläuterung: Der Weltvermesser ist Vishnu als Trivikrama, verbunden mit der Geschichte von Vamana und König Bali. Die kosmische Größe mündet in die persönliche Verneigung vor den blütengleichen Füßen.
Vers 6: Komm, mein Herz, nach Kovalur
Tamilische Schrift
அலம்புரிந்த நெடுந்தடக்கை அமரர் வேந்தன்
அஞ்சிறைப்புள் தனிப்பாகன் அவுணர்க் கென்றும்,
சலம்புரிந்தங் கருளில்லாத் தன்மை யாளன்
தானுகந்த வூரெல்லாம் தந்தாள் பாடி,
நிலம்பரந்து வரும்கலுழிப் பெண்ணை யீர்த்த
நெடுவேய்கள் படுமுத்த முந்த வுந்தி,
புலம்பரந்த பொன்விளைக்கும் பொய்கை வேலிப்
பூங்கோவ லூர்த்தொழுதும் போது நெஞ்சே.
Umschrift
alampurinta neṭuntaṭakkai amarar vēntaṉ
añciṟaippuḷ taṉippākaṉ avuṇark keṉṟum,
calampurintaṅ karuḷillāt taṉmai yāḷaṉ
tāṉukanta vūrellām tantāḷ pāṭi,
nilamparantu varumkaluḻip peṇṇai yīrtta
neṭuvēykaḷ paṭumutta munta vunti,
pulamparanta poṉviḷaikkum poykai vēlip
pūṅkōva lūrttoḻutum pōtu neñcē.
Deutsche Übersetzung
Er hat mächtige, weit ausgreifende Arme, ist der König der Unsterblichen und der einzige Reiter des Vogels mit den schönen Flügeln. Den Asuras begegnet er stets als Gegner, ohne ihnen Nachsicht zu gewähren. Komm, mein Herz! Lass uns seine Füße und all die Orte besingen, an denen er gern wohnt, und das schöne Kovalur verehren. Dort schwemmt die anschwellende Pennai hohe Bambusrohre heran und treibt die Perlen weiter, die aus ihnen stammen; Teiche umgeben die weiten Felder, die goldenen Ertrag hervorbringen.
Erläuterung: Der geflügelte Träger ist Garuda. Kovalur ist Tirukkovalur. Die Bambusperlen gehören zur dichterischen Naturvorstellung. Die Anrede an das Herz verbindet Pilgerort und innere Ausrichtung – eine Verbindung, die auch Periya Tirumoli prägt.
Vers 7: Erscheinungen des Herrn in Kovalur
Tamilische Schrift
வற்புடைய வரைநெடுந்தோள் மன்னர் மாள
வடிவாய மழுவேந்தி யுலக மாண்டு,
வெற்புடைய நெடுங்கடலுள் தனிவே லுய்த்த
வேள்முதலா வென்றானூர் விந்தம் மேய,
கற்புடைய மடக்கன்னி காவல் பூண்ட
கடிபொழில்சூழ் நெடுமறுகில் கமல வேலி,
பொற்புடைய மலையரையன் பணிய நின்ற
பூங்கோவ லூர்த்தொழுதும் போது நெஞ்சே.
Umschrift
vaṟpuṭaiya varaineṭuntōḷ maṉṉar māḷa
vaṭivāya maḻuvēnti yulaka māṇṭu,
veṟpuṭaiya neṭuṅkaṭaluḷ taṉivē luytta
vēḷmutalā veṉṟāṉūr vintam mēya,
kaṟpuṭaiya maṭakkaṉṉi kāval pūṇṭa
kaṭipoḻilcūḻ neṭumaṟukil kamala vēli,
poṟpuṭaiya malaiyaraiyaṉ paṇiya niṉṟa
pūṅkōva lūrttoḻutum pōtu neñcē.
Deutsche Übersetzung
Mit seiner scharf geformten Axt brachte er die Könige mit ihren festen, berggleichen Schultern zu Fall; er herrschte über die Welt. Er besiegte auch Vel und die anderen – Vel, der seinen unvergleichlichen Speer ins weite Meer mit seinen Bergen schleuderte. Komm, mein Herz, lass uns das schöne Kovalur verehren, seine Wohnstatt! Die reine Jungfrau vom Vindhya wacht darüber. Duftende Haine umgeben seine langen Straßen, Lotusblüten bilden einen Saum, und dort steht der Herr, vor dem sich der herrliche Bergfürst verneigt.
Erläuterung: Axt, Weltherrschaft und Kampf gegen Vel verbinden mehrere Erscheinungen Vishnus. Die Axt gehört zu Parashurama; Vel wird auf Murugan, die schützende Jungfrau auf Durga bezogen. Diese Aussagen stehen in der vishnuitischen Erzählperspektive. Der Bergfürst wird traditionell als ein örtlicher Herrscher verstanden.
Vers 8: Tempelorte und das Herz
Tamilische Schrift
நீரகத்தாய். நெடுவரையி னுச்சி மேலாய்.
நிலாத்திங்கள் துண்டகத்தாய். நிறைந்த கச்சி
ஊரகத்தாய், ஒண்துரைநீர் வெஃகா வுள்ளாய்.
உள்ளுவா ருள்ளத்தாய், உலக மேத்தும்
காரகத்தாய். கார்வானத் துள்ளாய். கள்வா.
காமருபூங் காவிரியின் தென்பால் மன்னு
பேரகத்தாய், பேராதென் நெஞ்சி னுள்ளாய்.
பெருமான்உன் திருவடியே பேணி னேனே.
Umschrift
nīrakattāy. neṭuvaraiyi ṉucci mēlāy.
nilāttiṅkaḷ tuṇṭakattāy. niṟainta kacci
ūrakattāy, oṇturainīr veḵkā vuḷḷāy.
uḷḷuvā ruḷḷattāy, ulaka mēttum
kārakattāy. kārvāṉat tuḷḷāy. kaḷvā.
kāmarupūṅ kāviriyiṉ teṉpāl maṉṉu
pērakattāy, pērāteṉ neñci ṉuḷḷāy.
perumāṉuṉ tiruvaṭiyē pēṇi ṉēṉē.
Deutsche Übersetzung
Du in Nirakam! Du auf dem Gipfel des hohen Berges! Du in Nilattingal Tundam! Du in Urakam im reichen Kacci, du in Vekka mit seinen klaren Wasserplätzen! Du im Herzen derer, die an dich denken! Du in Karakam, das die Welt preist, du in Karvanam, du Dieb! Du in Perakam südlich der schönen, blütenreichen Kaveri! Du, der du mein Herz niemals verlässt – großer Herr, deine heiligen Füße habe ich in Liebe bewahrt.
Erläuterung: Viele der genannten Tempelorte liegen in oder bei Kanchipuram. Der Vers weitet die Reihe der Wohnstätten bis zum Herzen der Gottesverehrer. Die Anrede „Dieb“ ist vertrauliche Liebessprache: Der Herr hat das Herz an sich gezogen.
Vers 9: Wo bist du, mein Herr?
Tamilische Schrift
வங்கத்தால் மாமணிவந் துந்து முந்நீர்
மல்லையாய். மதிள்கச்சி யூராய். பேராய்,
கொங்கத்தார் வளங்கொன்றை யலங்கல் மார்வன்
குலவரையன் மடப்பாவை யிடப்பால் கொண்டான்,
பங்கத்தாய். பாற்கடலாய். பாரின் மேலாய்.
பனிவரையி னுச்சியாய். பவள வண்ணா,
எங்குற்றாய் எம்பெருமான். உன்னை நாடி
ஏழையேன் இங்கனமே ஊழிதரு கேனே.
Umschrift
vaṅkattāl māmaṇivan tuntu munnīr
mallaiyāy. matiḷkacci yūrāy. pērāy,
koṅkattār vaḷaṅkoṉṟai yalaṅkal mārvaṉ
kulavaraiyaṉ maṭappāvai yiṭappāl koṇṭāṉ,
paṅkattāy. pāṟkaṭalāy. pāriṉ mēlāy.
paṉivaraiyi ṉucciyāy. pavaḷa vaṇṇā,
eṅkuṟṟāy emperumāṉ. uṉṉai nāṭi
ēḻaiyēṉ iṅkaṉamē ūḻitaru kēṉē.
Deutsche Übersetzung
Du in Mallai, wo das Meer mit seinen Schiffen kostbare Edelsteine heranträgt! Du im ummauerten Kacci, du in Per! Du, der du deine Gestalt mit jenem teilst, der duftende Konrai-Girlanden an der Brust und die zarte Tochter des Bergkönigs auf seiner linken Seite trägt! Du im Milchmeer, du auf der Erde, du auf dem Gipfel des kühlen Berges, Korallenfarbener! Wo bist du, unser Herr? Dich suchend, wandere ich Armer so umher.
Erläuterung: Die Gestalt mit Konrai-Blüten und der Tochter des Bergkönigs ist Shiva mit Parvati. Das Bild verbindet ihre Erscheinung mit Vishnu. Mallai bezeichnet den Küstenort Mamallapuram. Die vielen Wohnstätten steigern hier die persönliche Frage: Wo kann ich dir begegnen?
Vers 10: Die vertraute Anrede
Tamilische Schrift
பொன்னானாய். பொழிலேழும் காவல் பூண்ட
புகழானாய். இகழ்வாய தொண்ட னேன்நான்,
என்னானாய்? என்னானாய்? என்னல் அல்லால்
என்னறிவ னேழையேன், உலக மேத்தும்
தென்னானாய் வடவானாய் குடபா லானாய்
குணபால தாயினாய் இமையோர்க் கென்றும்
முன்னானாய் பின்னானார் வணங்கும் சோதி.
திருமூழிக் களத்தானாய் முதலா னாயே.
Umschrift
poṉṉāṉāy. poḻilēḻum kāval pūṇṭa
pukaḻāṉāy. ikaḻvāya toṇṭa ṉēṉnāṉ,
eṉṉāṉāy? eṉṉāṉāy? eṉṉal allāl
eṉṉaṟiva ṉēḻaiyēṉ, ulaka mēttum
teṉṉāṉāy vaṭavāṉāy kuṭapā lāṉāy
kuṇapāla tāyiṉāy imaiyōrk keṉṟum
muṉṉāṉāy piṉṉāṉār vaṇaṅkum cōti.
tirumūḻik kaḷattāṉāy mutalā ṉāyē.
Deutsche Übersetzung
Du bist kostbar wie Gold, berühmt als Hüter der sieben Welten. Ich bin dein geringer, armer Diener. Was weiß ich anderes, als immer wieder zu rufen: Mein Elefant! Mein mächtiger Elefant! Du im Süden, den die Welt preist, du im Norden, du im Westen und im Osten! Du stehst den Unsterblichen stets vor Augen; du bist das Licht, vor dem sich die später Geborenen verneigen. Du Herr von Tirumulikalam, du bist der Ursprung.
Erläuterung: Die wiederholte Anrede eṉ āṉāy wird traditionell als „mein Elefant“ verstanden. Das Tier vergegenwärtigt Majestät und überwältigende Kraft. Die Übersetzung folgt dieser Auslegung. Der Ruf nach dem Herrn lässt sich neben dem Herzensgespräch des Periya Tiruvantati lesen.
Verse 11–20: Die Stimme der Mutter
Vers 11: Die Mutter fragt die Wahrsagerin
Tamilische Schrift
பட்டுடுக்கும் அயர்ந்திரங்கும் பாவை பேணாள்
பனிநெடுங்கண் ணீர்ததும்பப் பள்ளி கொள்ளாள்,
எட்டனைப்போ தெங்குடங்கால் இருக்க கில்லாள்
எம்பெருமான் திருவரங்க மெங்கே? என்னும்
மட்டுவிக்கி மணிவண்டு முரலும் கூந்தல்
மடமானை இதுசெய்தார் தம்மை, மெய்யே
கட்டுவிச்சி சொல் , என்னச் சொன்னாள் நங்காய்.
கடல்வண்ண ரிதுசெய்தார் காப்பா ராரே?
Umschrift
paṭṭuṭukkum ayarntiraṅkum pāvai pēṇāḷ
paṉineṭuṅkaṇ ṇīrtatumpap paḷḷi koḷḷāḷ,
eṭṭaṉaippō teṅkuṭaṅkāl irukka killāḷ
emperumāṉ tiruvaraṅka meṅkē? eṉṉum
maṭṭuvikki maṇivaṇṭu muralum kūntal
maṭamāṉai ituceytār tammai, meyyē
kaṭṭuvicci col , eṉṉac coṉṉāḷ naṅkāy.
kaṭalvaṇṇa rituceytār kāppā rārē?
Deutsche Übersetzung
Sie kleidet sich in Seide, ermattet und klagt; ihre Puppe beachtet sie nicht. Ihre langen, kühlen Augen füllen sich mit Tränen, und sie findet keinen Schlaf. Nicht einmal einen kurzen Augenblick bleibt sie auf meinem Schoß. Sie fragt: Wo ist das Tiruvarangam meines Herrn? Ich sagte zur Wahrsagerin: Sprich die Wahrheit! Wer hat dies meinem sanften Reh angetan, in dessen Haar die prächtigen Bienen vom Honig der Blüten berauscht summen? Sie antwortete: Liebe Frau, der Meeresfarbene hat dies getan. Wer könnte sie retten?
Erläuterung: Hier beginnt die Rede der Mutter. Die Wahrsagerin erkennt den Meeresfarbenen, also Vishnu, als Ursache der Sehnsucht. Der Schluss kann als Frage nach dem Retter gehört werden; die traditionelle Auslegung führt die Rettung auf denselben Herrn zurück. Die Szene gehört zur dichterischen Gestaltung der Bhakti.
Vers 12: Eine Tochter unter eigenen Flügeln
Tamilische Schrift
நெஞ்சுருகிக் கண்பனிப்ப நிற்கும் சோரும்
நெடிதுயிர்க்கும் உண்டறியாள் உறக்கம் பேணாள்,
நஞ்சரவில் துயிலமர்ந்த நம்பீ. என்னும்
வம்பார்பூம் வயலாலி மைந்தா என்னும்,
அஞ்சிறைய புட்கொடியே யாடும் பாடும்
அணியரங்க மாடுதுமோ தோழீ என்னும்,
எஞ்சிறகின் கீழடங்காப் பெண்ணைப் பெற்றேன்
இருநிலத்துஓர் பழிபடைத்தேன் ஏபா வம்மே.
Umschrift
neñcurukik kaṇpaṉippa niṟkum cōrum
neṭituyirkkum uṇṭaṟiyāḷ uṟakkam pēṇāḷ,
nañcaravil tuyilamarnta nampī. eṉṉum
vampārpūm vayalāli maintā eṉṉum,
añciṟaiya puṭkoṭiyē yāṭum pāṭum
aṇiyaraṅka māṭutumō tōḻī eṉṉum,
eñciṟakiṉ kīḻaṭaṅkāp peṇṇaip peṟṟēṉ
irunilattuōr paḻipaṭaittēṉ ēpā vammē.
Deutsche Übersetzung
Mit schmelzendem Herzen und tränenden Augen steht sie da, sinkt erschöpft nieder und seufzt tief. Sie weiß nichts mehr vom Essen, sie sucht keinen Schlaf. Du Vollkommener, der auf der Giftschlange ruht!, ruft sie. Du Held von Vayalali mit seinen duftenden Blütenfeldern! Wie der schön geflügelte Vogel auf seinem Banner tanzt sie und singt: Freundin, wollen wir im herrlichen Arangam tanzen? Ich habe eine Tochter geboren, die sich nicht unter meinen Flügeln halten lässt. In dieser weiten Welt habe ich mir Tadel eingehandelt. Ach, mein Unglück!
Erläuterung: Der Vogel auf dem Banner ist Garuda, das Schlangenlager Ananta. Die Mutter spricht von ihrem Wunsch, die Tochter unter den eigenen Flügeln zu halten. Das Bild macht ihre Sorge anschaulich; die Gottesliebe der Tochter entzieht sich ihrer Kontrolle.
Vers 13: Der Papagei soll die Namen sprechen
Tamilische Schrift
கல்லெடுத்துக் கல்மாரி காத்தாய். என்றும்
காமருபூங் கச்சியூ ரகத்தாய். என்றும்,
வில்லிறுத்து மெல்லியல்தோள் தோய்ந்தாய். என்றும்
வெஃகாவில் துயிலமர்ந்த வேந்தே. என்றும்,
,அல்லடர்த்து மல்லரையன் றட்டாய். என்றும்,
மாகீண்ட கத்தலத்தென் மைந்தா. என்றும்,
சொல்லெடுத்துத் தங்கிளியைச் சொல்லே என்று
துணைமுலைமேல் துளிசோரச் சோர்க்கின் றாளே.
Umschrift
kalleṭuttuk kalmāri kāttāy. eṉṟum
kāmarupūṅ kacciyū rakattāy. eṉṟum,
villiṟuttu melliyaltōḷ tōyntāy. eṉṟum
veḵkāvil tuyilamarnta vēntē. eṉṟum,
,allaṭarttu mallaraiyaṉ ṟaṭṭāy. eṉṟum,
mākīṇṭa kattalatteṉ maintā. eṉṟum,
colleṭuttut taṅkiḷiyaic collē eṉṟu
tuṇaimulaimēl tuḷicōrac cōrkkiṉ ṟāḷē.
Deutsche Übersetzung
Du hobst den Berg und schütztest vor dem Hagelregen!, ruft sie. Du in Urakam im schönen, blütenreichen Kacci! Du zerbrachst den Bogen und umarmtest die Schultern der Zarten! König, der in Vekka ruht! Du zerschlugst die Kraft der Ringer und tötetest sie damals! Mein Held, dessen Hände den Pferdedämon zerrissen! Sie nimmt diese Worte auf und sagt zu ihrem Papagei: Sprich sie nach! Dabei sinkt sie erschöpft nieder, und Tränen fallen auf ihre beiden Brüste.
Erläuterung: Der schützende Berg ist Govardhana. Der zerbrochene Bogen und die Umarmung erinnern an Rama und Sita, Ringer und Pferdedämon an Krishna. Die Liebende möchte die Namen auch aus dem Schnabel ihres Papageis hören.
Vers 14: Dank an den singenden Vogel
Tamilische Schrift
முளைக்கதிரைக் குறுங்குடியுள் முகிலை மூவா
மூவுலகும் கடந்தப்பால் முதலாய் நின்ற,
அளப்பரிய ஆரமுதை அரங்கம் மேய
அந்தணனை அந்தணர்தம் சிந்தை யானை,
விளக்கொளியை மரகதத்தைத் திருத்தண் காவில்
வெஃகாவில் திருமாலைப் பாடக் கேட்டு
வளர்த்ததனால் பயன்பெற்றேன் வருக. என்று
மடக்கிளியைக் கைகூப்பி வங்கி னாளே.
Umschrift
muḷaikkatiraik kuṟuṅkuṭiyuḷ mukilai mūvā
mūvulakum kaṭantappāl mutalāy niṉṟa,
aḷappariya āramutai araṅkam mēya
antaṇaṉai antaṇartam cintai yāṉai,
viḷakkoḷiyai marakatattait tiruttaṇ kāvil
veḵkāvil tirumālaip pāṭak kēṭṭu
vaḷarttataṉāl payaṉpeṟṟēṉ varuka. eṉṟu
maṭakkiḷiyaik kaikūppi vaṅki ṉāḷē.
Deutsche Übersetzung
Er ist der aufsteigende Lichtstrahl, die Wolke in Kurungudi, der Unvergängliche, der über die drei Welten hinaus als Ursprung besteht; der unermessliche, unerschöpfliche Nektar, der Reine in Arangam, der in den Gedanken der Brahmanen wohnt. Er ist das Lampenlicht, der Smaragd in Tiruttanka, Tirumal in Vekka. Als sie hörte, wie ihr Papagei ihn so besang, faltete sie vor dem sanften Vogel die Hände: Nun habe ich den Lohn dafür empfangen, dass ich dich aufzog. Komm zu mir!
Erläuterung: Das Lampenlicht verweist zugleich auf die Tempelgestalt in Tiruttanka. Der Papagei wird zum Gegenüber, das Gotteserinnerung wachhält. Die gefalteten Hände zeigen die Dankbarkeit der Liebenden. Auch beim gemeinsamen Kirtan kann die Stimme eines anderen die eigene Hingabe neu beleben.
Vers 15: Das Lied auf der Vina
Tamilische Schrift
கல்லுயர்ந்த நெடுமதிள்சூழ் கச்சி மேய
களிறென்றும் கடல்கிடந்த கனியே. என்றும்,
அல்லியம்பூ மலர்ப்பொய்கைப் பழன வேலி
அணியழுந்தூர் நின்றுகந்த அம்மான் என்றும்,
சொல்லுயர்ந்த நெடுவீணை முலைமேல் தாங்கித்
தூமுறுவல் நகையிறையே தோன்ற நக்கு,
மெல்விரல்கள் சிவப்பெய்தத் தடவி யாங்கே
மென்கிளிபோல் மிகமிழற்றும் என்பே தையே.
Umschrift
kalluyarnta neṭumatiḷcūḻ kacci mēya
kaḷiṟeṉṟum kaṭalkiṭanta kaṉiyē. eṉṟum,
alliyampū malarppoykaip paḻaṉa vēli
aṇiyaḻuntūr niṉṟukanta ammāṉ eṉṟum,
colluyarnta neṭuvīṇai mulaimēl tāṅkit
tūmuṟuval nakaiyiṟaiyē tōṉṟa nakku,
melviralkaḷ civappeytat taṭavi yāṅkē
meṉkiḷipōl mikamiḻaṟṟum eṉpē taiyē.
Deutsche Übersetzung
Du mächtiger Elefant, der im Kacci der hohen steinernen Mauern wohnt!, singt sie. Du süße Frucht, die im Meer ruht! Herr, der freudig im schönen Alundur steht, umgeben von Feldern und Teichen mit blühenden Wasserlilien! Sie hält die große Vina mit ihrem ausdrucksvollen Klang an der Brust. Ein kleines, reines Lächeln erscheint auf ihren Lippen; ihre weichen Finger röten sich beim Streichen der Saiten. So lässt mein argloses Mädchen ihre Stimme erklingen, zart wie ein Papagei.
Erläuterung: Die Vina ist ein Saiteninstrument. Stimme, Hände und Instrument wirken im Lied zusammen. Die Metaphern Elefant und süße Frucht geben göttlicher Majestät und Nähe eine sinnliche Gestalt. Die Szene verbindet Musik mit Hingabe.
Vers 16: Namen voller Erinnerung
Tamilische Schrift
கன்றுமேய்த் தினிதுகந்த காளாய். என்றும்,
கடிபொழில்சூழ் கணபுரத்தென் கனியே. என்றும்,
மன்றமரக் கூத்தாடி மகிழ்ந்தாய். என்றும்,
வடதிருவேங் கடம்மேய மைந்தா. என்றும்,
வென்றசுரர் குலங்களைந்த வேந்தே. என்றும்,
விரிபொழில்சூழ் திருநறையூர் நின்றாய். என்றும்,
துன்றுகுழல் கருநிறத்தென் துணையே என்றும்
துணைமுலைமேல் துளிசோரச் சோர்க்கின் றாளே.
Umschrift
kaṉṟumēyt tiṉitukanta kāḷāy. eṉṟum,
kaṭipoḻilcūḻ kaṇapuratteṉ kaṉiyē. eṉṟum,
maṉṟamarak kūttāṭi makiḻntāy. eṉṟum,
vaṭatiruvēṅ kaṭammēya maintā. eṉṟum,
veṉṟacurar kulaṅkaḷainta vēntē. eṉṟum,
viripoḻilcūḻ tirunaṟaiyūr niṉṟāy. eṉṟum,
tuṉṟukuḻal karuniṟatteṉ tuṇaiyē eṉṟum
tuṇaimulaimēl tuḷicōrac cōrkkiṉ ṟāḷē.
Deutsche Übersetzung
Du kraftvoller Jüngling, der mit Freude die Kälber hütete!, ruft sie. Meine süße Frucht in Kannapuram mit seinen duftenden Hainen! Du tanztest auf dem Dorfplatz und freutest dich daran! Du Held auf dem nördlichen Tiruvenkatam! König, der siegte und die Geschlechter der Asuras vernichtete! Du stehst in Tirunaraiyur mit seinen weiten Hainen! Mein Gefährte mit dichtem Haar und dunkler Gestalt! So ruft sie, während Tränen auf ihre Brüste fallen und sie in sich zusammensinkt.
Erläuterung: Die Strophe verwebt Erinnerungen an Krishna mit Tempelnamen. Das Sprechen der Namen wird für die Liebende zur Gegenwart des Geliebten. Trost und Vermissen liegen in dieser Bhakti-Dichtung dicht beieinander.
Vers 17: Der Ruf der Taube
Tamilische Schrift
பொங்கார்மெல் லிளங்கொங்கை பொன்னே பூப்பப்
பொருகயல்கண் ணீரரும்பப் போந்து நின்று
செங்கால மடப்புறவம் பெடைக்குப் பேசும்
சிறுகுரலுக் குடலுருகிச் சிந்தித்து, ஆங்கே
தண்காலும் தண்குடந்தை நகரும் பாடித்
தண்கோவ லூர்ப்பாடி யாடக் கேட்டு,
நங்காய்.நங் குடிக்கிதுவோ நன்மை? என்ன
நறையூரும் பாடுவாள் நவில்கின் றாளே.
Umschrift
poṅkārmel liḷaṅkoṅkai poṉṉē pūppap
porukayalkaṇ ṇīrarumpap pōntu niṉṟu
ceṅkāla maṭappuṟavam peṭaikkup pēcum
ciṟukuraluk kuṭalurukic cintittu, āṅkē
taṇkālum taṇkuṭantai nakarum pāṭit
taṇkōva lūrppāṭi yāṭak kēṭṭu,
naṅkāy.naṅ kuṭikkituvō naṉmai? eṉṉa
naṟaiyūrum pāṭuvāḷ navilkiṉ ṟāḷē.
Deutsche Übersetzung
Ihre zarten jungen Brüste werden goldblass; in ihren Augen, die kämpfenden Fischen gleichen, sammeln sich Tränen. Sie tritt hervor und bleibt stehen. Schon beim leisen Ruf, mit dem ein sanfter, rotfüßiger Tauber zu seiner Gefährtin spricht, schmilzt ihr ganzer Leib. In Gedanken versunken besingt sie Tankal, das kühle Kudandai und das kühle Kovalur und tanzt dazu. Als ich dies hörte, fragte ich: Mädchen, soll das unserer Familie zum Guten gereichen? Sie antwortet darauf, indem sie auch noch Naraiyur besingt.
Erläuterung: Der Ruf des Taubers zu seiner Gefährtin vertieft das Vermissen der Liebenden. Kudandai ist Kumbakonam. Die Mutter sorgt sich um das Ansehen der Familie; die Tochter antwortet mit einem weiteren Gottesort. Die Stimmen sprechen aus unterschiedlichen Erfahrungen.
Vers 18: Wohin die Tochter gehen will
Tamilische Schrift
கார்வண்ணம் திருமேனி கண்ணும் வாயும்
கைத்தலமும் அடியிணையும் கமல வண்ணம்,
பார்வண்ண மடமங்கை பித்தர் பித்தர்
பனிமலர்மேல் பாவைக்குப் பாவம் செய்தேன்,
ஏர்வண்ண என்பேதை எஞ்சொல் கேளாள்
எம்பெருமான் திருவரங்க மெங்கே? என்னும்,
நீர்வண்ணன் நீர்மலைக்கே போவேன் என்னும்
இதுவன்றோ நிறையழிந்தார் நிற்கு மாறே?
Umschrift
kārvaṇṇam tirumēṉi kaṇṇum vāyum
kaittalamum aṭiyiṇaiyum kamala vaṇṇam,
pārvaṇṇa maṭamaṅkai pittar pittar
paṉimalarmēl pāvaikkup pāvam ceytēṉ,
ērvaṇṇa eṉpētai eñcol kēḷāḷ
emperumāṉ tiruvaraṅka meṅkē? eṉṉum,
nīrvaṇṇaṉ nīrmalaikkē pōvēṉ eṉṉum
ituvaṉṟō niṟaiyaḻintār niṟku māṟē?
Deutsche Übersetzung
Sein heiliger Leib hat die Farbe einer Regenwolke; Augen, Mund, Handflächen und beide Füße haben die Farbe des Lotus. Er liebt die sanfte Erdgöttin innig, ist ganz verliebt in die Göttin auf der kühlen Blüte – so spricht meine schöne, arglose Tochter. Ach, welche Verfehlung habe ich begangen! Sie hört nicht auf mein Wort. Wo ist das Tiruvarangam meines Herrn?, fragt sie. Zum Nirmalai des Wasserfarbenen will ich gehen! Ist das nicht die Art derer, die ihre innere Fassung verloren haben?
Erläuterung: Die Erdgöttin und die Göttin auf dem Lotus sind Bhumi und Lakshmi. Der Text erinnert an die Liebe des Herrn zu seinen göttlichen Gefährtinnen. Zugleich beharrt die Tochter auf ihrem eigenen Weg zu ihm. Die Mutter beschreibt diese Leidenschaft mit Sorge.
Vers 19: Die Frage nach der anderen Tochter
Tamilische Schrift
முற்றாரா வனமுலையாள் பாவை மாயன்
மொய்யகலத் துள்ளிருப்பாள் அஃதும் கண்டும்
அற்றாள்,தன் நிறையழிந்தாள் ஆவிக் கின்றாள்
அணியரங்க மாடுதுமோ தோழீ. என்னும்,
பெற்றேன்வாய்ச் சொல்லிறையும் பேசக் கேளாள்
பேர்ப்பாடித் தண்குடந்தை நகரும் பாடி,
பொற்றாம ரைக்கயம்நீ ராடப் போனாள்
பொருவற்றா ளென்மகள்உம் பொன்னும் அஃதே.
Umschrift
muṟṟārā vaṉamulaiyāḷ pāvai māyaṉ
moyyakalat tuḷḷiruppāḷ aḵtum kaṇṭum
aṟṟāḷ,taṉ niṟaiyaḻintāḷ āvik kiṉṟāḷ
aṇiyaraṅka māṭutumō tōḻī. eṉṉum,
peṟṟēṉvāyc colliṟaiyum pēcak kēḷāḷ
pērppāṭit taṇkuṭantai nakarum pāṭi,
poṟṟāma raikkayamnī rāṭap pōṉāḷ
poruvaṟṟā ḷeṉmakaḷum poṉṉum aḵtē.
Deutsche Übersetzung
Die Göttin mit den jugendlich schönen Brüsten wohnt an der weiten Brust des Wunderbaren. Obwohl meine Tochter dies weiß, ist sie erschöpft, hat ihre Fassung verloren und seufzt. Freundin, wollen wir im schönen Arangam tanzen?, fragt sie. Mir, ihrer Mutter, hört sie nicht einmal für ein kurzes Wort zu. Sie besingt Per und die kühle Stadt Kudandai und ist fortgegangen, um im Wasser des Teiches mit den goldenen Lotusblüten zu baden. Meine Tochter ist ohnegleichen; ist auch eure goldene Tochter so?
Erläuterung: Die Göttin an der Brust des Herrn ist Lakshmi. Die Mutter wendet sich am Ende an eine andere Frau und fragt nach deren Tochter; „eure goldene Tochter“ ist eine liebevolle Anrede. Die Tempelnamen und das Lotusbad bleiben in der Sprache der Sehnsucht verwoben.
Vers 20: Die Mutter erkennt die Hingabe
Tamilische Schrift
தோராளும் வாளரக்கன் செல்வம் மாளத்
தென்னிலங்கை முன்மலங்கச் செந்தீ ஒல்கி,
பேராள னாயிரம் வாணன் மாளப்
பொருகடலை யரண்கடந்து புக்கு மிக்க
பாராளன், பாரிடந்து பாரை யுண்டு
பாருமிழ்ந்து பாரளந்து பாரை யாண்ட
பேராளன், பேரோதும் பெண்ணை மண்மேல்
பெருந்தவத்தள் என்றல்லால் பேச லாமே?
Umschrift
tōrāḷum vāḷarakkaṉ celvam māḷat
teṉṉilaṅkai muṉmalaṅkac centī olki,
pērāḷa ṉāyiram vāṇaṉ māḷap
porukaṭalai yaraṇkaṭantu pukku mikka
pārāḷaṉ, pāriṭantu pārai yuṇṭu
pārumiḻntu pāraḷantu pārai yāṇṭa
pērāḷaṉ, pērōtum peṇṇai maṇmēl
peruntavattaḷ eṉṟallāl pēca lāmē?
Deutsche Übersetzung
Er ließ den Reichtum des schwertkundigen Dämonen auf seinem Streitwagen vergehen und versetzte Lanka im Süden mit rotem Feuer in Schrecken. Er drang durch die meeresgleiche Festung und besiegte den kriegerischen Bana mit seinen tausend Armen. Er ist der mächtige Herr der Erde: Er hob sie empor, nahm sie in sich auf, brachte sie wieder hervor, durchmaß sie und herrschte über sie. Was könnte man von einem Mädchen, das die Namen dieses großen Herrn spricht, anderes sagen, als dass es auf Erden mit großer Askese gesegnet ist?
Erläuterung: Die Erinnerungen an Ravana und Bana führen zu Vishnu als Welterhalter. Entscheidend ist die veränderte Stimme der Mutter: Sie erkennt im Singen ihrer Tochter eine besondere geistliche Begabung. Von der Sorge führt der Abschnitt zum Staunen über Bhakti.
Verse 21–30: Die Liebende und das Schlusswort
Vers 21: Die Begegnung mit dem Geliebten
Tamilische Schrift
மைவண்ண நறுங்குஞ்சி குழல்பின் தாழ
மகரம்சேர் குழையிருபா டிலங்கி யாட,
எய்வண்ண வெஞ்சிலையே துணையா இங்கே
இருவராய் வந்தாரென் முன்னே நின்றார்
கைவண்ணம் தாமரைவாய் கமலம் போலும்
கண்ணிணையும் அரவிந்தம் அடியும் அஃதே,
அவ்வண்ணத் தவர்நிலைமை கண்டும் தோழீ.
அவரைநாம் தேவரென் றஞ்சி னோமே.
Umschrift
maivaṇṇa naṟuṅkuñci kuḻalpiṉ tāḻa
makaramcēr kuḻaiyirupā ṭilaṅki yāṭa,
eyvaṇṇa veñcilaiyē tuṇaiyā iṅkē
iruvarāy vantāreṉ muṉṉē niṉṟār
kaivaṇṇam tāmaraivāy kamalam pōlum
kaṇṇiṇaiyum aravintam aṭiyum aḵtē,
avvaṇṇat tavarnilaimai kaṇṭum tōḻī.
avarainām tēvareṉ ṟañci ṉōmē.
Deutsche Übersetzung
Duftende, dunkle Locken fielen ihm über den Rücken. An beiden Seiten glänzten und schwangen Ohrringe in Makara-Gestalt. Mit dem furchtbaren, schussbereiten Bogen als einzigem Beistand kamen sie zu zweit hierher und standen vor mir. Seine Hände glichen dem Lotus, sein Mund einer Lotusblüte; beide Augen waren Lotusblüten, ebenso seine Füße. Freundin, obwohl wir diese Schönheit sahen, hielten wir ihn für einen Gott und scheuten uns vor ihm.
Erläuterung: Hier beginnt die Erzählung der Liebenden an ihre Freundin. Die beiden Ankommenden werden als Rama und Lakshmana verstanden. Die Makara-Ohrringe tragen die Gestalt eines mythischen Wassertiers. In der Vision können verschiedene Erscheinungsweisen des Herrn ineinander übergehen.
Vers 22: Eine Melodie zieht das Herz an
Tamilische Schrift
நைவளமொன் றாராயா நம்மை நோக்கா
நாணினார் போலிறையே நயங்கள் பின்னும்,
செய்வளவி லென்மனமும் கண்ணு மோடி
எம்பெருமான் திருவடிக்கீழ் அணைய, இப்பால்
கைவளையும் மேகலையும் காணேன் கண்டேன்
கனமகரக் குழையிரண்டும் நான்கு தோளும்,
எவ்வளவுண் டெம்பெருமான் கோயில்? என்றேற்கு
இதுவன்றோ எழிலாலி? என்றார் தாமே.
Umschrift
naivaḷamoṉ ṟārāyā nammai nōkkā
nāṇiṉār pōliṟaiyē nayaṅkaḷ piṉṉum,
ceyvaḷavi leṉmaṉamum kaṇṇu mōṭi
emperumāṉ tiruvaṭikkīḻ aṇaiya, ippāl
kaivaḷaiyum mēkalaiyum kāṇēṉ kaṇṭēṉ
kaṉamakarak kuḻaiyiraṇṭum nāṉku tōḷum,
evvaḷavuṇ ṭemperumāṉ kōyil? eṉṟēṟku
ituvaṉṟō eḻilāli? eṉṟār tāmē.
Deutsche Übersetzung
Er entfaltete die herrliche Naivalam-Melodie und blickte mich an. Als wäre er ein wenig schüchtern, fügte er immer neue liebenswürdige Wendungen hinzu. Dabei eilten mein Herz und meine Augen zu den heiligen Füßen meines Herrn. Meine Armreifen und meinen Hüftschmuck sah ich nicht mehr; ich sah nur seine beiden schweren Makara-Ohrringe und seine vier Arme. Als ich fragte: Wie weit ist es zur Wohnstatt meines Herrn?, antwortete er selbst: Ist nicht hier das schöne Ali?
Erläuterung: Naivalam bezeichnet eine Melodie. Ali ist Tiruvali. Die vier Arme zeigen die göttliche Gestalt Vishnus. Die verlorenen Armreifen und der Hüftschmuck zeigen, wie sehr die Begegnung die Liebende aus ihrer gewohnten Fassung gebracht hat.
Vers 23: Die Hoffnung auf den Traum
Tamilische Schrift
உள்ளூரும் சிந்தைநோய் எனக்கே தந்தென்
ஒளிவளையும் மாநிறமும் கொண்டா ரிங்கே,
தெள்ளூரு மிளந்தெங்கின் தேறல் மாந்திச்
சேலுகளும் திருவரங்கம் நம்மூ ரென்னக்
கள்ளூரும் பைந்துழாய் மாலை யானைக்
கனவிடத்தில் யான்காண்பன் கண்ட போது,
புள்ளூரும் கள்வாநீ போகேல், என்பன்
என்றாலு மிதுநமக்கோர் புலவி தானே?
Umschrift
uḷḷūrum cintainōy eṉakkē tanteṉ
oḷivaḷaiyum māniṟamum koṇṭā riṅkē,
teḷḷūru miḷanteṅkiṉ tēṟal māntic
cēlukaḷum tiruvaraṅkam nammū reṉṉak
kaḷḷūrum paintuḻāy mālai yāṉaik
kaṉaviṭattil yāṉkāṇpaṉ kaṇṭa pōtu,
puḷḷūrum kaḷvānī pōkēl, eṉpaṉ
eṉṟālu mitunamakkōr pulavi tāṉē?
Deutsche Übersetzung
Er gab mir diesen Schmerz, der tief in meinen Gedanken wächst, und nahm mir den Glanz meiner Armreifen und meine schöne Farbe. Unsere Heimat ist Tiruvarangam, sagte er – dort springen die Fische, nachdem sie den klaren Saft der jungen Kokospalmen getrunken haben. Ihn mit dem grünen, von Honig überströmenden Tulasi-Kranz werde ich im Traum sehen. Wenn ich ihn sehe, werde ich sagen: Du Dieb, der auf dem Vogel reitet, geh nicht fort! Doch bleibt uns damit nicht immer noch das Leid der Liebe?
Erläuterung: Der Vogelreiter ist der Herr auf Garuda, der Kranz besteht aus Tulasi. Der Traum trägt die Hoffnung auf eine erneute Begegnung. Zugleich weiß die Liebende, dass auch eine erträumte Nähe das Vermissen neu wecken kann.
Vers 24: Die abgleitenden Armreifen
Tamilische Schrift
இருகையில்சங் கிவைநில்லா எல்லே பாவம்.
இலங்கொலிநீர் பெரும்பௌவம் மண்டி யுண்ட,
பெருவயிற்ற கருமுகிலே யொப்பர் வண்ணம்
பெருந்தவத்தர் அருந்தவத்து முனிவர் சூழ
ஒருகையில்சங் கொருகைமற் றாழி யேந்தி
உலகுண்ட பெருவாய ரிங்கே வந்து,என்
பொருகயல்கண் ணீரரும்பப் புலவி தந்து
புனலரங்க மூரென்று போயி நாரே.
Umschrift
irukaiyilcaṅ kivainillā ellē pāvam.
ilaṅkolinīr perumpauvam maṇṭi yuṇṭa,
peruvayiṟṟa karumukilē yoppar vaṇṇam
peruntavattar aruntavattu muṉivar cūḻa
orukaiyilcaṅ korukaimaṟ ṟāḻi yēnti
ulakuṇṭa peruvāya riṅkē vantu,eṉ
porukayalkaṇ ṇīrarumpap pulavi tantu
puṉalaraṅka mūreṉṟu pōyi nārē.
Deutsche Übersetzung
Die Muschelreifen bleiben an meinen beiden Händen nicht mehr sitzen. Ach, welch ein Elend! Seine Farbe gleicht einer dunklen Wolke mit mächtigem Bauch, die das große Meer mit seinem hell rauschenden Wasser gierig getrunken hat. Umgeben von Weisen, die große, schwer zu vollbringende Askese üben, trägt er in einer Hand das Muschelhorn, in der anderen den Diskus. Er, dessen großer Mund die Welt aufnahm, kam hierher, schenkte mir das Leid der Liebe und ließ in meinen fischgleichen Augen Tränen aufsteigen. Dann sagte er: Meine Heimat ist das wasserreiche Arangam – und ging fort.
Erläuterung: Die lockeren Armreifen gehören zu den traditionellen Bildern der durch Trennung geschwächten Liebenden. Muschelhorn und Diskus kennzeichnen Vishnu. Das wasserreiche Arangam ist Srirangam, Heimat Ranganathas.
Vers 25: Die Erinnerung an seine Schönheit
Tamilische Schrift
மின்னிலங்கு திருவுருவும் பெரிய தோளும்
கரிமுனிந்த கைத்தலமும் கண்ணும் வாயும்,
தன்னலர்ந்த நறுந்துழாய் மலரின் கீழே
தாழ்ந்திலங்கும் மகரம்சேர் குழையும் காட்டி
என்னலனும் என்னிறையும் எஞ்சிந் தையும்
என்வளையும் கொண்டென்னை யாளுங் கொண்டு,
பொன்னலர்ந்த நறுஞ்செருந்திப் பொழிலி னூடே
புனலரங்க மூரென்று போயி னாரே.
Umschrift
miṉṉilaṅku tiruvuruvum periya tōḷum
karimuṉinta kaittalamum kaṇṇum vāyum,
taṉṉalarnta naṟuntuḻāy malariṉ kīḻē
tāḻntilaṅkum makaramcēr kuḻaiyum kāṭṭi
eṉṉalaṉum eṉṉiṟaiyum eñcin taiyum
eṉvaḷaiyum koṇṭeṉṉai yāḷuṅ koṇṭu,
poṉṉalarnta naṟuñceruntip poḻili ṉūṭē
puṉalaraṅka mūreṉṟu pōyi ṉārē.
Deutsche Übersetzung
Er zeigte mir seine blitzend schöne Gestalt, die mächtigen Schultern, die Hände, die den Elefanten bezwangen, seine Augen und seinen Mund. Unter den frisch erblühten, duftenden Tulasi-Blüten hingen glänzend seine Makara-Ohrringe. Er nahm mir meine Schönheit, meine Fassung, mein Denken und meine Armreifen; mich selbst nahm er ganz in seinen Dienst. Durch die Haine mit ihren goldblühenden, duftenden Serunti-Bäumen ging er davon. Meine Heimat ist das wasserreiche Arangam, sagte er.
Erläuterung: Die Hände erinnern an Krishnas Bezwingung des Elefanten; die Namen und Kennzeichen verbinden sich in der Erinnerung an den Geliebten. Die Liebende beschreibt umfassend, wie die Begegnung ihr ganzes Dasein verändert hat.
Vers 26: Die Biene als Botin
Tamilische Schrift
தேமருவு பொழிலிடத்து மலாந்த போதைத்
தேனதனை வாய்மடுத்துன் பெடையும் நீயும்,
பூமருவி யினிதமர்ந்து பொறியி லார்ந்த
அறுகால சிறுவண்டே. தொழுதேன் உன்னை,
ஆமருவி நிரைமேய்த்த அமரர் கோமான்
அணியழுந்தூர் நின்றானுக் கின்றே சென்று,
நீமருவி யஞ்சாதே நின்றோர் மாது
நின்நயந்தாள் என்றிறையே இயம்பிக் காணே.
Umschrift
tēmaruvu poḻiliṭattu malānta pōtait
tēṉataṉai vāymaṭuttuṉ peṭaiyum nīyum,
pūmaruvi yiṉitamarntu poṟiyi lārnta
aṟukāla ciṟuvaṇṭē. toḻutēṉ uṉṉai,
āmaruvi niraimēytta amarar kōmāṉ
aṇiyaḻuntūr niṉṟāṉuk kiṉṟē ceṉṟu,
nīmaruvi yañcātē niṉṟōr mātu
niṉnayantāḷ eṉṟiṟaiyē iyampik kāṇē.
Deutsche Übersetzung
Du kleine Biene mit sechs Beinen und gesprenkeltem Leib! Du und deine Gefährtin trinkt den Nektar der geöffneten Blüten im duftenden Hain und ruht glücklich auf den Blumen. Ich verneige mich vor dir. Geh noch heute zum König der Unsterblichen, der zwischen den Kühen die Herden hütete und im schönen Alundur steht. Tritt ohne Furcht zu ihm und sage nur ein wenig: Eine Frau liebt dich. Versuche es!
Erläuterung: Die Biene darf mit ihrer Gefährtin in der Blüte ruhen; dieses Glück erinnert die Sprecherin an ihre eigene Sehnsucht. Der Hüter der Herden ist Krishna. Die zarte Bitte an ein kleines Tier gehört zur Botendichtung, die sich auch mit anderen Stimmen tamilischer Bhakti vergleichen lässt.
Vers 27: Die Botschaft des Reihers
Tamilische Schrift
செங்கால மடநாராய். இன்றே சென்று
திருக்கண்ண புரம்புக்கென் செங்கண் மாலுக்கு,
எங்காத லென்துணைவர்க் குரைத்தி யாகில்
இதுவொப்ப தெமக்கின்ப மில்லை, நாளும்
பைங்கானம் ஈதெல்லாம் உனதே யாகப்
பழனமீன் கவர்ந்துண்ணத் தருவன், தந்தால்
இங்கேவந் தினிதிருந்துன் பெடையும் நீயும்
இருநிலத்தி லினிதின்ப மெய்த லாமே.
Umschrift
ceṅkāla maṭanārāy. iṉṟē ceṉṟu
tirukkaṇṇa purampukkeṉ ceṅkaṇ mālukku,
eṅkāta leṉtuṇaivark kuraitti yākil
ituvoppa temakkiṉpa millai, nāḷum
paiṅkāṉam ītellām uṉatē yākap
paḻaṉamīṉ kavarntuṇṇat taruvaṉ, tantāl
iṅkēvan tiṉitiruntuṉ peṭaiyum nīyum
irunilatti liṉitiṉpa meyta lāmē.
Deutsche Übersetzung
Du sanfter Reiher mit den roten Beinen! Geh noch heute nach Tirukkannapuram zu meinem rotäugigen Mal. Wenn du meinem Gefährten von meiner Liebe erzählst, kann es für mich kein größeres Glück geben. Dieser ganze grüne Hain soll dir gehören; ich gebe dir täglich die Fische der feuchten Felder zum Fang und zur Nahrung. Komm dann hierher zurück und verweile glücklich mit deiner Gefährtin. Auf dieser weiten Erde könnt ihr in Freude leben.
Erläuterung: Der Reiher soll die Liebesbotschaft überbringen. Die angebotenen Fische und der Hain gehören zur erzählten Lebenswelt des Vogels. Die Strophe entfaltet die Großzügigkeit der Hoffnung: Für eine Nachricht an Vishnu möchte die Liebende alles Verfügbare schenken.
Vers 28: Der Wunsch nach bleibender Nähe
Tamilische Schrift
தென்னிலங்கை யரண்சிதறி அவுணன் மாளச்
சென்றுலக மூன்றினையும் திரிந்தோர் தேரால்,
மன்னிலங்கு பாரதத்தை மாள வூர்ந்த
வரையுருவின் மாகளிற்றைத் தோழீ, என்றன்
பொன்னிலங்கு முலைக்குவட்டில் பூட்டிக் கொண்டு
போகாமை வல்லேனாய்ப் புலவி யெய்தி,
என்னிலங்க மெல்லாம்வந் தின்ப மெய்த
எப்பொழுதும் நினைந்துருகி யிருப்பன் நானே.
Umschrift
teṉṉilaṅkai yaraṇcitaṟi avuṇaṉ māḷac
ceṉṟulaka mūṉṟiṉaiyum tirintōr tērāl,
maṉṉilaṅku pāratattai māḷa vūrnta
varaiyuruviṉ mākaḷiṟṟait tōḻī, eṉṟaṉ
poṉṉilaṅku mulaikkuvaṭṭil pūṭṭik koṇṭu
pōkāmai vallēṉāyp pulavi yeyti,
eṉṉilaṅka mellāmvan tiṉpa meyta
eppoḻutum niṉainturuki yiruppaṉ nāṉē.
Deutsche Übersetzung
Freundin, er zog aus, sodass die Festungen Lankas im Süden zerbrachen und der Dämon unterging. Er durchschritt die drei Welten und lenkte den einen Wagen, durch den die Könige im großen Bharata-Krieg zugrunde gingen. Diesen mächtigen Elefanten von berggleicher Gestalt will ich an den goldglänzenden Höhen meiner Brüste festhalten. Ich will verhindern können, dass er fortgeht, und ihm mein Liebesleid entgegenhalten, bis alle meine Glieder wieder Freude finden. Immer werde ich an ihn denken und in Liebe dahinschmelzen.
Erläuterung: Der Vers verbindet Rama, den Weltvermesser und Krishna als Wagenlenker im Mahabharata. Die körperliche Liebessprache bleibt in der Übersetzung erhalten. Sie gestaltet den Wunsch nach bleibender Nähe; das religiöse Gedicht spricht hier ausdrücklich in der Rolle der Liebenden.
Vers 29: In Demut an ihn denken
Tamilische Schrift
அன்றாயர் குலமகளுக் கரையன் றன்னை
அலைகடலைக் கடைந்தடைத்த அம்மான் றன்னை,
குன்றாத வலியரக்கர் கோனை மாளக்
கொடுஞ்சிலைவாய்ச் சரந்துரந்து குலங்க ளைந்து
வென்றானை, குன்றெடுத்த தோளி னானை
விரிதிரைநீர் விண்ணகரம் மருவி நாளும்
நின்றானை, தண்குடந்தைக் கிடந்த மாலை
நெடியானை அடிநாயேன் நினைந்திட் டேனே.
Umschrift
aṉṟāyar kulamakaḷuk karaiyaṉ ṟaṉṉai
alaikaṭalaik kaṭaintaṭaitta ammāṉ ṟaṉṉai,
kuṉṟāta valiyarakkar kōṉai māḷak
koṭuñcilaivāyc caranturantu kulaṅka ḷaintu
veṉṟāṉai, kuṉṟeṭutta tōḷi ṉāṉai
viritirainīr viṇṇakaram maruvi nāḷum
niṉṟāṉai, taṇkuṭantaik kiṭanta mālai
neṭiyāṉai aṭināyēṉ niṉaintiṭ ṭēṉē.
Deutsche Übersetzung
Ich habe an ihn gedacht: den Herrn der Tochter aus dem Hirtenvolk; den Gebieter, der das wogende Meer quirlte und es mit einer Brücke überspannte; den Sieger, der vom mächtigen Bogen Pfeile entsandte, den unvermindert starken Dämonenkönig tötete und sein Geschlecht vernichtete. Ich dachte an seine Schultern, die den Berg emporhoben, an ihn, der stets in Vinnagaram mit seinen weit bewegten Wassern steht, an Mal, der im kühlen Kudandai ruht. An diesen Erhabenen habe ich gedacht – ich, sein geringer Diener, einem Hund gleich.
Erläuterung: Die Tochter aus dem Hirtenvolk wird traditionell als Nappinnai verstanden. Meeresquirlung, Brückenbau und Govardhana-Erhebung verbinden mehrere Erzählungen Vishnus. Die Selbstbezeichnung als Hund ist eine konventionelle Sprache der Demut und Zugehörigkeit.
Vers 30: Gnade und die tamilische Wortgirlande
Tamilische Schrift
மின்னுமா மழைதவழும் மேக வண்ணா.
விண்ணவர்தம் பெருமானே. அருளாய், என்று,
அன்னமாய் முனிவரோ டமர ரேத்த
அருமறையை வெளிப்படுத்த அம்மான் றன்னை,
மன்னுமா மணிமாட மங்கை வேந்தன்
மானவேல் பரகாலன் கலியன் சொன்ன
பன்னியநூல் தமிழ்மாலை வல்லார் தொல்லைப்
பழவினையை முதலரிய வல்லார் தாமே.
Umschrift
miṉṉumā maḻaitavaḻum mēka vaṇṇā.
viṇṇavartam perumāṉē. aruḷāy, eṉṟu,
aṉṉamāy muṉivarō ṭamara rētta
arumaṟaiyai veḷippaṭutta ammāṉ ṟaṉṉai,
maṉṉumā maṇimāṭa maṅkai vēntaṉ
māṉavēl parakālaṉ kaliyaṉ coṉṉa
paṉṉiyanūl tamiḻmālai vallār tollaip
paḻaviṉaiyai mutalariya vallār tāmē.
Deutsche Übersetzung
Du Wolkenfarbener, wie eine mächtige Regenwolke, durch die Blitze ziehen! Herr der Himmelsbewohner, erweise mir Gnade! So rief Kaliyan, Parakalan mit dem ruhmreichen Speer, der Fürst von Mangai mit seinen hohen, kostbaren Häusern. Er besang den Herrn, der als Schwan die schwer zugänglichen Veden offenbarte, während Weise und Götter ihn priesen. Wer diese kunstvoll entfaltete tamilische Wortgirlande beherrscht, vermag die alten, seit Urzeiten wirkenden Taten an ihrer Wurzel abzuschneiden.
Erläuterung: Der Schwan ist die Hamsa-Erscheinung des Herrn als Offenbarer der Veden. Kaliyan und Parakalan sind Namen Tirumangai Alvars. Die abschließende Verheißung ist das religiöse Segenswort des Gedichts. Sie bezieht das Singen und Erlernen der Wortgirlande auf Befreiung von altem Karma.
Überlieferte Abschlussformel
Tamilische Schrift
திருமங்கையாழ்வார் திருவடிகளே சரணம்.
Umschrift
tirumaṅkaiyāḻvār tiruvaṭikaḷē caraṇam.
Deutsche Übersetzung
Die heiligen Füße Tirumangai Alvars sind meine Zuflucht.
Tirunetuntantakam hören
Die langen Satzbewegungen des Hymnus erschließen sich besonders gut im Hören. Eine Rezitation kann helfen, wiederkehrende Namen und Anreden zu erkennen. Für die gemeinsame Lektüre genügt zunächst eine Strophe: den Klang hören, die deutsche Bedeutung lesen und einen Augenblick nachspüren.
Tamilische Rezitation
Die folgende Aufnahme von Sri Rangam T. A. K. Srinivasachariar trägt den Titel Thirunedunthandakam und gehört zur Aufnahme des zweiten Tausenderteils des Divya Prabandham.
Was Tirunetuntantakam über Hingabe erzählt
Gottes Größe und persönliche Nähe. Der Herr durchmisst die Welten und wohnt zugleich im Herzen. Diese Spannung trägt die ersten zehn Strophen. Die Tempelnamen geben der Verehrung Orte; die Herzensanrede lässt sie im Inneren weiterleben. Auch Periya Tirumoli und Periya Tiruvantati laden dazu ein, äußere Begegnung und innere Gotteserinnerung zusammenzudenken.
Sehnsucht findet eine Stimme. Im Mittelteil spricht eine Mutter, die ihre Tochter liebt und ihr Erleben doch nicht vollständig versteht. Das Gedicht bewahrt beide Stimmen. Für heutige Leser kann darin eine Anregung liegen, auch in der eigenen Familie aufmerksam zuzuhören: Was bewegt einen anderen Menschen? Welche Worte, Lieder oder Gebete bedeuten ihm etwas? Die dichterische Begegnung kann eine Haltung des Respekts vertiefen.
Erinnerung verbindet. Papagei, Vina, Biene und Reiher gehören zur lebendigen Welt des Gedichts. Der Geliebte wird durch Klänge, Namen und Botschaften erinnert. Ein verwandter Reichtum an Stimmen begegnet in Tiruviruttam. Im Tirunetuntantakam zeigt er besonders anschaulich, wie Gottesliebe Wahrnehmung und Sprache verwandelt.
Gnade bleibt die Hoffnung. Nach aller Kühnheit und allem Vermissen steht im letzten Vers die Bitte um Gnade. Wer den Hymnus als Gebet liest, kann darin eigene Worte des Vertrauens finden. Die Nähe des Göttlichen wird ersehnt, erinnert und erbeten; sie bleibt ein Geschenk.

Für tamilische Hindus in Deutschland: ein Lied zwischen Generationen
Ein Werk wie Tirunetuntantakam kann im gemeinsamen Lesen neue Heimat finden. Eine Person erkennt einen Tempelnamen aus der Kindheit; eine andere hört zum ersten Mal von diesem Ort. Jemand liest Tamil flüssig, jemand anderes erschließt die Bedeutung auf Deutsch. Jede dieser Erfahrungen kann das Gespräch bereichern.
Eine schöne Möglichkeit ist die Lesung mit verteilten Stimmen: Eine Person übernimmt die Mutter, eine andere die Liebende. Lest jeweils nur eine Strophe und sprecht anschließend darüber, was euch berührt hat. Besonders die Verse mit dem Papagei und der Vina eignen sich, um über Musik, Erinnerung und Bhakti ins Gespräch zu kommen.
Auch die Ortsnamen können verbinden. Vielleicht gibt es in der Familie eine Erinnerung an Srirangam, Kanchipuram oder Tirupati. Erzählt davon: vom Klang eines Liedes, vom gemeinsamen Weg zum Tempel oder von einem Gebet am Hausaltar. So bekommt ein alter Name eine persönliche Geschichte, und die nächste Generation kann ihren eigenen Zugang dazu finden.
Die deutsche Übersetzung unterstützt dieses Teilen. Der tamilische Text bewahrt den Wortlaut und seinen Klang; beide können gemeinsam gelesen werden. Für eine weitere Begegnung bieten sich Amalanatipiran, Tiruppavai und Tiruppalliyezhuchi an – jedes Werk mit seiner eigenen Stimmung und Stimme.

Anregungen für Yoga-Aspiranten und Yoga-Vidyaner
Tirunetuntantakam kann die eigene Yoga-Praxis um die persönliche Sprache des Bhakti Yoga bereichern. Die folgenden Anregungen sind heutige Möglichkeiten der Betrachtung, die von einzelnen Motiven des Textes ausgehen.
- Mit dem Herzen sprechen: Nimm die Anrede aus Vers 4 auf. Frage dich in einem stillen Augenblick, woran sich dein Herz heute erinnern möchte. Formuliere eine einfache Bitte oder einen Dank.
- Bei einem Namen verweilen: Wähle einen dir vertrauten Gottesnamen. Wenn es deiner Praxis entspricht, verbinde ihn mit Japa, etwa Om Namo Narayanaya. Höre dem Klang zu und lass den Gedanken des Verses nachklingen.
- Einen Vers gemeinsam singen: Im Satsang kann eine Strophe gelesen und ihre Bedeutung miteinander betrachtet werden. Tamilische Aussprache und Melodie lassen sich am besten von einer kundigen Stimme lernen.
- Sehnsucht ins Gebet nehmen: Die Dichtung gibt dem Vermissen Worte. Du kannst einen eigenen Wunsch nach Klarheit, Nähe oder Vertrauen als Gebet aussprechen und anschließend einige Augenblicke still werden.
- Hingabe im Umgang mit Menschen zeigen: Auf das Lesen kann eine kleine Handlung der Seva folgen: aufmerksam zuhören, jemandem Zeit schenken oder eine Aufgabe für die Gemeinschaft übernehmen.
Weitere Anregungen bietet Yoga Vidya zu Yoga und seinen Übungswegen und zu Meditation. Eine Strophe kann vor der Meditation gelesen werden oder den Tag als leise Erinnerung begleiten.
Video: Vishnu und seine Bedeutung
Diese deutschsprachige Einführung von Yoga Vidya zu Vishnu ergänzt die Begegnung mit den vielen Erscheinungsweisen des Herrn im Gedicht.
Video: Bhakti und Hingabe
Eine Betrachtung von Yoga Vidya über Bhakti bietet weitere Anregungen zur persönlichen Gottesbeziehung.
Verwandte tamilische Schriften im Yoga Wiki
Periya Tirumoli ist das große Hymnenwerk Tirumangai Alvars. Periya Tirumatal und Siriya Tirumatal entfalten die leidenschaftliche Liebessehnsucht; Tiruvelukkutrirukkai verbindet Gotteslob mit einer besonderen dichterischen Zahlenordnung. Zusammen mit Tirukkuruntantakam und Tirunetuntantakam zeigen diese Werke die Vielfalt seiner Ausdrucksmöglichkeiten.
Tiruviruttam, Periya Tiruvantati und Tiruvaymoli von Nammalvar vertiefen die Sprache von Sehnsucht, Vertrauen und Gottesnähe. Acharya Hridayam führt in die sri-vaishnavische Deutung Nammalvars. Amalanatipiran verweilt bei der Schönheit Ranganathas; Tirumalai und Tiruppalliyezhuchi eröffnen weitere Stimmen seiner Verehrung. Alle diese Alvar-Hymnen gehören zum Zusammenhang des Nalayira Divya Prabandham.
Prameya Saram und Jnana Saram behandeln die Beziehung zwischen Erkenntnis, Zugehörigkeit und Dienen in verdichteter Lehrsprache. Wer die Vielfalt tamilischer Religiosität weiter kennenlernen möchte, findet in Tiruvasagam, Thirumandiram und Arunachala Puranam Zugänge zu shaivischen Traditionen; Tirumurukarruppatai führt zur Verehrung Murugans.
Die Sehnsucht darf zum Gebet werden
Tirunetuntantakam beginnt mit Licht und endet mit der Bitte um Gnade. Dazwischen spricht ein Mensch in vielen Stimmen: Er staunt, sucht, sorgt sich, erinnert sich und liebt. Tirumangai Alvar lässt diese Bewegungen nebeneinander bestehen. Die Dichtung findet Worte für Augenblicke, in denen Gottesnähe hell aufleuchtet, und für Zeiten, in denen sie vermisst wird.
Vielleicht bleibt dir die Anrede an das Herz. Vielleicht begleitet dich die kleine Biene, die eine große Botschaft tragen soll. Oder du erinnerst dich an die Mutter, deren Sorge schließlich in Staunen übergeht. Nimm das Bild mit, das dich angesprochen hat. Ein Vers muss nicht sofort ganz verstanden sein, um eine aufrichtige Frage oder einen dankbaren Gedanken zu wecken.
Für tamilische Hindus in Deutschland kann das gemeinsame Lesen einen lebendigen Faden zu den Stimmen der Überlieferung knüpfen. Für Yoga-Aspiranten kann es die eigene Meditation um Wärme und persönliche Ansprache bereichern. Im offenen Zuhören können beide Erfahrungen einander begegnen.
Die letzte Bitte des Hymnus lässt sich auch ganz leise sprechen: Erweise mir Gnade. Lass sie einen Augenblick nachklingen. Vielleicht wächst daraus die Bereitschaft, selbst gütiger zuzuhören, geduldiger zu antworten und mit wachem Herzen in den Tag zu gehen.
Siehe auch
- Tirumangai Alvar, Alvar, Nalayira Divya Prabandham
- Vishnu, Narayana, Ranganatha, Krishna, Rama
- Bhakti Yoga, Hingabe, Prapatti, Japa
- Satsang, Kirtan, Yoga, Meditation
Textgrundlage und Hinweise zur Ausgabe
Grundlage ist der vollständige Tamiltext in Project Madurai, Nalayira Tivya Pirapantam, Part 4, Unicode-Datei pmuni0007. Die Sammlungsnummern 2052–2081 entsprechen hier den Strophen 1–30. Jede Strophe umfasst in der Vorlage acht Druckzeilen; alle 240 Zeilen sind enthalten. Die abschließende Verehrungsformel wird zusätzlich wiedergegeben. Der Tamiltext wurde zuerst vollständig erfasst, danach vollständig transliteriert und anschließend ins Deutsche übertragen.
Einrückungen und zusätzliche Rezitationszeichen wie „(2)“ wurden entfernt. Sonstige Wortabstände und Schreibungen der Vorlage bleiben weitgehend erhalten. In Vers 30 wurde die beschädigte Folge „பன்னிய_ல்“ anhand der parallelen Lesung panniya nūl zu „பன்னியநூல்“ ergänzt; außerdem wurde in derselben Strophe der in Project Madurai fehlende Ortsname „மங்கை“ vor „வேந்தன்“ nach der Parallelüberlieferung eingefügt. Die Ausgabe ist keine kritische Neuedition.
Die Umschrift folgt der tamilischen Schrift, auch bei deren getrennt geschriebenen Wortteilen. Sie unterscheidet lange Vokale und die Konsonanten ṭ, ṇ, ḷ, ḻ, ṟ und ṉ; sie ist keine vollständige Ausspracheanleitung.
Die deutsche Fassung ist eine eigene KI-gestützte Prosaübersetzung, keine übernommene deutsche Internetübersetzung. Bei schwer verständlichen Bezügen wurden traditionelle Worterklärungen herangezogen, besonders in den Versen 1, 3, 7, 9, 10, 18–23 und 28–30. In Vers 10 folgt die Übersetzung der Anrede als „mein Elefant“, in Vers 19 der Frage nach der Tochter der angesprochenen Frau. In Vers 20 ist die Tausendzahl auf Banas Arme bezogen. Eine unabhängige tamilistisch-philologische Begutachtung liegt nicht vor. Erläuterungen und heutige Praxisanregungen sind redaktionelle Ergänzungen.
Quellen und weiterführende Lektüre
- Project Madurai: Nalayira Tivya Pirapantam, Part 4, vollständige tamilische Textgrundlage.
- KOYIL: Thirunedunthandakam, Werkübersicht und Links zur traditionellen Kommentierung aller 30 Strophen.
- KOYIL: Thirunedunthandakam – Introduction, traditionelle Einordnung.
- Tamil Wiki: Tirunetuntantakam, Gliederung und kulturelle Bedeutung.
- French Institute of Pondicherry: Tirumaṅkai Āḻvār’s Periya Tirumoḻi: Prayers of Place, wissenschaftlicher Zugang zum Hauptwerk des Dichters.
Herkunftshinweis der elektronischen Textgrundlage
Der Herkunfts- und Weitergabehinweis der verwendeten Project-Madurai-Sammeldatei wird hier bewahrt:
நாலாயிரத் திவ்வியப் பிரபந்தம், பாகம் 4
திருமங்கையாழ்வார் பாசுரங்கள் (பாடல்கள் 2032-2790)
nAlAyira tivya pirapantam -part 4 (verses 2032-2790)
tirumangkai AzvAr's periya tirumozi
In tamil script, unicode/utf-8 format
Acknowledgement:
Our Sincere thanks go to Dr.K. Kalyanasundaram for his assistance in the preparation of this work.
This webpage presents Etext in Tamil script in Unicode encoding (utf-8 format).
© Project Madurai, 1998-2021.
Project Madurai is an open, voluntary, worldwide initiative devoted to preparation
of electronic texts of tamil literary works and to distribute them free on the Internet.
Details of Project Madurai are available at the website
https://www.projectmadurai.org/
You are welcome to freely distribute this file, provided this header page is kept intact.
Einzelnachweise
- ↑ French Institute of Pondicherry: Tirumaṅkai Āḻvār’s Periya Tirumoḻi: Prayers of Place, Verlagsbeschreibung zur zeitlichen Einordnung.
- ↑ KOYIL: Thirunedunthandakam, Einführung zu Titel und Werk.
- ↑ Project Madurai: Nalayira Tivya Pirapantam, Part 4, vollständiger Tamiltext; KOYIL: Thirunedunthandakam, Einordnung im Divya Prabandham.
- ↑ KOYIL: Werkübersicht und Kommentartradition; Tamil Wiki: Tirunetuntantakam, zur traditionellen Stellung.
- ↑ Tamil Wiki: Tirunetuntantakam, Abschnitt zur Araiyar Sevai.