Arten von Mantras

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Om - Der Urklang - Mantra mit tiefer Wirkung

Welche Arten von Mantras gibt es? Was ist überhaupt ein Mantra? Wie verwendet man ein Mantra? Was ist der Nutzen von Mantras? Darum soll es in diesem Artikel gehen.

Was ist ein Mantra?

Ein Mantra ist eine mystische Klangenergie. Durch die Wiederholung eines Mantras erweckt man die eigene Energie (Shakti), verbindet sich mit der Kraft der großen Meister (Rishi) und erfährt eine göttliche Gegenwart.

Welche Arten von Mantras gibt es?

Man kann verschiedene Arten von Mantras unterscheiden:

Mantras für Japa und Meditation

Japa Mantras sind kurze Mantras, die man entweder in der Meditation geistig wiederholt oder immer wieder laut oder flüsternd rezitiert.

Mantras zur Rezitation und zum Singen

Grundsätzlich können auch die Japa Mantras gesungen werden. Es gibt aber noch weitere Mantras:

  • Veda Mantras sind Mantras aus den Veden
  • Manche Veda Mantras werden auch als Suktas, als Hymnen, bezeichnet
  • Kirtan ist ein Mantra oder auch ein spirituelles Lied, das im Wechselgesang gesungen wird
  • Ein Bhajan ist ein Lied, das man gemeinsam singt, oder das von einem geübten Sänger vorgesungen wird
  • Puja Mantras sind Mantras, die man in einer Puja rezitiert
  • Ein Shloka ist ein Vers aus einer Schrift
  • Eine Zusammenstellung von Shlokas wird Stotra genannt

Arten von Mantras

Auswahl von Dhyana Moksha Mantras

- Auszug aus dem Buch "Mantra Meditation" von Sukadev Bretz -

Moksha Mantra

Gemäß der Definition „mananāt trāyate iti mantraḥ“ – „Mantra ist das, was einem durch Daran-Denken zur Befreiung hilft“ - ist der ursprüngliche Mantra ein Moksha Mantra, also ein Mantra, der geeignet ist, einen durch beständige Wiederholung zur Befreiung, zur Erleuchtung zu führen. Diese Mantras sind für die Meditation am wichtigsten und wurden daher in diesem Buch hauptsächlich behandelt. Charakteristisch für einen Moksha Mantra ist, dass er allein durch die Kraft der Rezitation, durch die Kraft des Klanges zur Befreiung führt.

Dhyāna Mantra

Da Moksha Mantras für die Meditation, Dhyāna, verwendet werden können, sind sie gleichzeitig auch Dhyāna Mantras. Ein Dhyāna Mantra ist ein Mantra, der sich für die Mediation eignet. Alle Moksha Mantras sind gleichzeitig Dhyāna Mantras und werden daher auch Dhyāna Moksha Mantras genannt.

Es gibt weitere Dhyāna Mantras für abstrakte Meditationstechniken, die nicht zu den Moksha Mantras gehören und die du verwenden kannst, um nachzudenken und über die Überlegung dann in die reine Meditation zu kommen. Diese findest du unter dem Stichwort Nirguna Mantras

Es gibt auch andere Mantras, die man rezitiert, während eines Rituals einsetzt oder als Kirtan singt und die nicht gleichzeitig Dhyāna- und Moksha Mantras sind. Zum Beispiel werde ich manchmal gefragt, ob man auch „gaṇeśa śaraṇam“ als Meditationsmantra verwenden kann. - Klassischerweise nicht, denn „gaṇeśa śaraṇam“ ist ein Kirtan, aber kein Dhyāna Mantra für die Meditation.

Dhyāna Moksha Mantra

Ein Dhyāna Moksha Mantra ist ein Mantra, der durch die Kraft des Klanges allein zur Befreiung führt, also auch ohne dass man die Bedeutung kennt. Er hat immer einen Rishi, einen Meister, der das Mantra weitergegeben hat. Somit ist er verbunden mit der Kraft der Meister, die seit grauer Vorzeit den Mantra immer wieder wiederholt haben und damit die Gottverwirklichung erreicht haben. Mātrā, der Klang eines solchen Mantras ist so machtvoll, dass allein die Wiederholung den Geist zur Ruhe bringt oder in einen höheren Bewusstseinszustand hebt.

Moksha Mantras kannst du laut rezitieren, du kannst sie singen, du kannst aus ihnen auch ein Kirtan machen, du kannst mit den Moksha Mantras auch Japa im Alltag machen, aber insbesondere kannst du die Moksha Mantras zur Meditation verwenden. Ein Moksha Mantra, mit dem man meditiert, ist gleichzeitig ein Dhyāna Moksha Mantra.

Dīkshā Mantra

Ein Dīkshā Mantra ist ein Mantra, in das du eine Einweihung bekommen hast. Da bei einer Dīkshā, einer Einweihung, die Energie eines Meisters dabei ist, ist der Mantra dann auch dein Guru Mantra.

Typischerweise wird die Einweihung in ein Dhyāna Moksha Mantra gegeben, sodass ein Dīkshā Mantra in der Regel auch ein Moksha Mantra und ein Dhyāna Mantra der jeweiligen Tradition ist.

Aber es gibt auch Traditionen, die die Schüler zu bestimmten Lebensphasen in unterschiedliche Mantras einweihen, wo also ein Dīkshā Mantra für eine gewisse Zeitspanne gilt und nicht wie ein Moksha Mantra bis zur vollständigen Befreiung wiederholt wird.

Guru Mantra

Wenn du deinen Mantra von deinem persönlichen Guru, Lehrer/Lehrerin, Meister/Meisterin, bekommen hast, ist er dein Guru Mantra.

In der Regel hast du auch eine Einweihung von deinem Guru in dieses Mantra bekommen. Dann ist er gleichzeitig dein Dīkshā- und dein Guru Mantra.

Man kann aber auch von jemandem in ein Mantra eingeweiht werden, der dazu autorisiert ist, auch wenn der Einweihende nicht dein persönlicher Guru ist beziehungsweise kein Sadguru, also kein Selbstverwirklichter Meister. Dann bezieht sich die Bezeichnung Guru Mantra auf den Sadguru, der hinter der Tradition steht. In der Yoga Vidya Tradition ist Swami Sivananda der Sadguru.

Ishta-devatā Mantra = Gottheiten-Mantra

Ein Ishta-devatā Mantra ist ein Mantra, der mit einer bestimmten Ishta-devatā in Verbindung steht. Devatā heißt „Gottheit“ und meint auch ein Lichtwesen, eine Manifestation des Lichts, abgeleitet von deva = „himmlisch“, „göttlich“, „strahlend“. Ishta heißt unter anderem „geliebt“, „verehrt“, „akzeptiert/angenommen“. Ishta-devatā ist der Aspekt Gottes, den du verehrst, zu dem du eine besondere Liebe hast, den du als deinen „lieben Gott“ angenommen hast. Der Ishta-devatā Mantra ist der Mantra, der zu diesem Aspekt in Beziehung steht.

Ishta-devatā Mantras sind Saguna Mantras, also Mantras mit einem konkreten Gottesbezug. Viele Moksha Mantras sind zwar Ishta-devatā Mantras, aber nicht jeder Ishta-devatā Mantra zählt zu den Moksha Mantras. Sie können zum Beispiel Siddhi Mantras sein oder auch Kirtans, Sūktas, Shlokas und Stotras. Zu jedem göttlichen Aspekt findet man in der Regel viele Mantras in unterschiedlichen Kontexten.

Hier zwei Beispiele:

Shiva Mantras können sein:

Shiva Moksha Mantra: oṃ namaḥ śivāya
Shiva Gāyatrī: om, tat-puruṣāya vidmahe, mahādevāya dhīmahi, tan no rudraḥ pracodayāt
Shiva Vedānta Mantra: śivo’ham („Ich bin Shiva, reines Bewusstsein“)
Shiva Bīja Mantra: hrīṃ
Shiva Kirtans mit verschiedenen Namen für Shiva: zum Beispiel śiva śiva mahādeva.. und andere
108 Namen von Shiva
und vieles mehr

Vishnu Mantras können sein:

Vishnu Moksha Mantra: oṃ namo nārāyaṇāya
Vishnu Gāyatrī: oṃ nārāyaṇāya vidmahe, vāsudevāya dhīmahi, tan no viṣṇuḥ pracodayāt
Vishnu Mantra zur Rezitation: oṃ namo nārāyaṇāya dāso 'haṃ tava keśava
Nārāyaṇa Sūkta
Vishnu Sahasranāma: 1000 beziehungsweise 1008 Namen von Vishnu
und vieles mehr

Ishta Mantra - Lieblingsmantra

Ishta Mantra heißt „geliebter Mantra“, „Lieblingsmantra“ - ein Mantra, den du besonders gerne oder am liebsten wiederholst. Sei es in der Meditation, im Kirtan oder zwischendurch am Tag. Er kann identisch sein mit deinem Ishta-devatā- und deinem Dhyāna Moksha Mantra, muss aber nicht. Häufig, insbesondere in Indien, wird der Begriff Ishta Mantra zwar einfach als Abkürzung für Ishta-devatā Mantra verwendet, das muss aber nicht immer zutreffen. Es könnte auch ein beliebiger Mantra sein, den du besonders gern singst oder der dir wie ein Ohrwurm nicht aus dem Sinn geht, während du gleichzeitig einen anderen Hauptmantra für die Meditation hast.

Beispiel:

Angenommen, du hast den Shiva Mantra oder den Sarasvatī Mantra für die Meditation und das ist der göttliche Aspekt, zu dem du dich besonders hingezogen fühlst. Gleichzeitig spricht dich der Gāyatrī Mantra sehr an und du singst ihn gern. Oder du magst das Gaṇeśa śaraṇam-Kirtan ganz besonders. Dann ist das dein Ishta Mantra, den du auch zwischendurch wiederholen oder singen kannst.

Saguna Mantra - mit Attribut, konkret

Saguna Mantras sind zunächst die Moksha Mantras mit den verschiedenen Aspekten des Göttlichen. Sie richten sich an Aspekte von Īshvara, von Gott, von Shakti, der göttlichen Mutter, der allumfassenden kosmischen Energie. Saguna heißt wörtlich „mit Eigenschaft“, „mit Attribut“, also konkret. Guna bedeutet so viel wie Qualität, Eigenschaft, Essenz und sa = mit.

Saguna Moksha Mantras sind:

oṃ namaḥ śivāya
oṃ namo nārāyaṇāya
hare rāma hare kṛṣṇa-Mahāmantra
oṃ śrī-rāmāya namaḥ
oṃ namo bhagavate vāsudevāya
oṃ śrī-hanumate namaḥ
Oṃ gaṃ gaṇapataye namaḥ
oṃ śaravaṇabhavāya namaḥ
oṃ namo bhagavate śivānandāya
oṃ śrī-durgāyai namaḥ
oṃ śrī-mahā-lakṣmyai namaḥ
om aiṃ sarasvatyai namaḥ
oṃ śrī-mahā-kālikāyai namaḥ

Wenn man diese Mantras wiederholt, wird man sich zum einen mit dieser Kraft, Energieschwingung und mit den Qualitäten dieses Aspekts Gottes verbinden können und man wird schließlich über Saguna hinaus zu Nirguna geführt.

Wiederum gilt: Nicht jeder Saguna Mantra ist gleichzeitig ein Moksha Mantra. Saguna Mantras können ebenfalls einfach Mantras zur Rezitation, zum Singen als Kirtan, als Anrufung und so weiter sein.

Nirguna Mantras - ohne Attribut, abstrakt

Nirguna Mantras richten sich nicht an einen konkreten Aspekt des Göttlichen, sondern an das Göttliche an sich, an das, was jenseits dessen ist, was man sich vorstellen kann. Nirguna ist das Gegenstück zu Saguna, nämlich „ohne Eigenschaft“, „ohne Attribut“, also abstrakt. Moksha Mantras können Saguna- oder Nirguna Mantras sein.

Nirguna Moksha Mantras sind:

oṃ
so‘ham
Gāyatrī Mantra
Mahamrityunjaya Mantra
Navarna Shakti Mantra.

Abstrakte Mantras zur Vicāra Meditation

Das sind Mantras im Vedānta, der Philosophie der Einheit. Sie stammen meist aus den Upanishaden, dem metaphysisch-philosophischen Teil der Veden. Man kann sie als Grundlage für eine Vicāra Meditation nutzen, also einer Meditation des Nachdenkens, Hinterfragens und der Untersuchung, die dann schließlich über alles Nachdenken hinausführt zu einer Erfahrung des Göttlichen.

Die bekanntesten sind:

  • saccidānanda svarūpo’ham – „Meine wahre Natur ist Sein, Wissen/Bewusstein und Glückseligkeit“ (setzt sich grammatikalisch zusammen aus sat = Sein, Wahrheit; chit = Bewusstsein, Bewusstheit; ānanda = Wonne; sva = eigen, rūpa = Form, Gestalt, aham = ich)
  • und die vier Mahavakyas, die „großen Aussagen/Formeln“:

Diese sind zwar Dhyāna Mantras, weil man mit ihnen meditieren kann, aber es sind insofern keine Moksha Mantras, als es nicht ausreicht, sie einfach zu rezitieren. Sie führen nicht über die Kraft des Klanges zum Überbewusstsein, sondern man muss darüber nachdenken und über sie meditieren.

Gāyatrī Mantra

Gāyatrī Mantras sind Mantras in einem vedischen Versmaß mit drei mal acht Silben. Im engeren Sinne gibt es nur einen Moksha Gāyatrī Mantra, eben die „Ur-Gāyatrī“, der auch Sāvitrī Gāyatrī Mantra genannt wird, aus dem Rigveda:

oṃ bhūr bhuvaḥ svaḥ
tat savitur vareṇyam
bhargo devasya dhīmahi
dhiyo yo naḥ pracodayāt

Diese Ur-Gāyatrī hat keinen bestimmten göttlichen Aspekt, sondern Gott wird allgemein als Licht angerufen. Es gibt zwei Versionen davon. Die Kurzversion als Sāvitrī Gāyatrī Mantra umfasst die letzten drei Zeilen und darauf bezieht sich das Versmaß. Die Langversion, die uns als der Gayatri Mantra vertraut ist, ist mit vier Zeilen.

Es gibt weitere Mantras im Gāyatrī-Versmaß , die sich jeweils an einen bestimmten Aspekt des Göttlichen richten, zum Beispiel:

Shiva Gāyatrī

Oṃ
tat-puruṣāya vidmahe
mahādevāya dhīmahi
tan no rudraḥ pracodayāt

Vishnu Gāyatrī

Oṃ
nārāyaṇāya vidmahe
vāsudevāya dhīmahi
tan no viṣṇuḥ pracodayāt

Lakshmi Gāyatrī

Oṃ
mahādevyai ca vidmahe
viṣṇu-patnyai ca dhīmahi
tan no Lakshmiḥ pracodayāt

Krishna Gāyatrī

Oṃ
devakī-nandanāya vidmahe
vāsudevāya dhīmahi
tan naḥ kṛṣṇa pracodayāt

So gibt es auch Gāyatrīs für Ganesha, Rāma, Hanumān und so weiter. Es ist immer ein ähnlicher Aufbau: dreizeilige Mantras, die man auch in vier Zeilen darstellen kann und die immer enden mit „pracodayāt“, „möge es mich erleuchten“, „möge es mich antreiben“, „möge es mich zur Erleuchtung führen“. Sie sind eine Anrufung des Göttlichen, wobei immer auch die Lichtenergie des betreffenden Aspektes gemeint ist.

Siddhi Mantra

Siddhi Mantras sind Mantras, die besondere Kräfte erzeugen. Wenn du also einen Mantra wiederholst, um besondere Kräfte, besondere Fähigkeiten, zu bekommen, dann nutzt du den Mantra als Siddhi Mantra.

Bīja Mantra

Bīja Mantras sind Klangsilben, die keine übersetzbare Bedeutung haben, aber die Essenz eines Aspekts in sich enthalten und dadurch sehr intensiv wirken.

Weitere wichtige Arten von Mantras

Veda Mantras, Sūkta, Stotra, Shloka, Kirtan, Bhajan

Veda Mantra

Veda Mantras sind allgemein Mantras, die aus den Veden stammen. Jeder Vers, der in einem Veda vorkommt und eigenständig rezitiert wird, ist ein Veda Mantra. Zu diesen gehören unter anderem der Gāyatrī Mantra, einer der heiligsten Verse aus dem Rig Veda und der Mahamrityunjaya Mantra aus dem Śrī Rudram , einer Hymne aus dem Yajur Veda.

Sūkta

Su heißt gut. Sūkta heißt wörtlich „gut gesagt“, „wohl gesprochen“, „schön rezitiert“ und meint eine schöne Rezitation, einen guten Spruch, ein gutes Wort.

Sūktas gehören zu den Veda Mantras. Es ist ein feststehender Begriff für bestimmte Verse aus den Veden, die Mantra-Charakter haben. Sie werden bis heute rezitiert und gesungen und haben daher eine sehr starke Kraft. Es sind komplexere Mantras/Verse, die auch schwieriger zu rezitieren sind. Klassischerweise lernt und übt man sie in traditionellen Familien in Indien von Kind auf intensiv mit einem Lehrer.

Besonders bekannt sind das Śrī Sūkta an Lakshmi, das Nārāyana Sūkta als Hymne an Nārāyaṇa, die Urintelligenz hinter dem Universum und in allen Wesen, sowie auch das Chamakam - und das Śrī Rudram Sūkta.

Stotra

Stotra bedeutet wörtlich Lobgesang, Lobpreisung, Hymne und ist eine Zusammenstellung von Mantras aus verschiedenen Quellen. Jede solche Zusammenstellung von verschiedenen Mantras wird zum Stotra.

Beispiele dafür sind:

  • das Gajānanam Stotra, welches aus fünf Versen (= Dhyāna Shlokas, siehe unten) besteht, die man in fünf verschiedenen Werken findet
  • das Guruparamparā Stotra umfasst mehrere Mantras in der Lehrer-Schüler-Nachfolge
  • das Guru Stotra zur Verehrung des spirituellen Lehrers besteht aus Versen aus der Guru Gita. Aus einem langen Werk mit mehreren Hundert Versen wurden einige herausgenommen und zum Guru Stotra zusammengefasst.
  • Śani Stotra (Shani Stotra) , eine Sammlung von Versen an den Saturn aus drei verschiedenen Werken. Sie werden rezitiert, um die Energie des Saturn auszugleichen, für Disziplin und die Fähigkeit, voller Vertrauen auch durch schwierige Lebenssituationen zu gehen.

Shloka

Ein Shloka ist eine Strophe in einem bestimmtem Metrum, also einem bestimmten Versmaß. Shlokas sind Doppelverse, die in der Regel zwei Zeilen umfassen. Das Grundversmaß besteht aus vier mal acht Silben, es gibt aber auch einige andere Shloka-Versmaße. Die meisten indischen Schriften, zum Beispiel das Ramayana- und das Mahabharata-Epos einschließlich der Bhagavad Gita und das Shrimad Bhagavatam Purana sind im Shloka-Versmaß verfasst. Viele Stotras bestehen aus einer Zusammenstellung solcher Shlokas.

Dhyāna Shloka Mantras

Dhyāna Shloka Mantras sind Verse, die man zur Einleitung einer Meditation rezitieren kann. Wenn du also zum Beispiel mit dem Ganesha Mantra meditieren willst, kannst du vorher einen Ganesha Shloka rezitieren und dir dabei Ganesha vorstellen. Die Dhyāna Shlokas beschreiben den jeweiligen Aspekt Gottes meist bildlich wie eine Visualisierung. In der klassischen Yoga Meditation rezitiert man einen Shloka vor der Meditation, um sein Schwingungsniveau zu erhöhen, göttlichen Segen anrufen und sich auf den jeweiligen Aspekt einzustimmen. Dhyāna Shlokas helfen dir mit ihrer spirituellen Kraft, in einen meditativen Gemütszustand zu kommen.

Bekannt sind zum Beispiel die Ganesha-, Sharavanabhava-, Sarasvatī-, Guru- und Nārāyaṇī Dhyāna Shlokas, die im Gajānanaṃ Stotra zusammengefasst sind:

Ganesha Dhyāna Shloka

gajānanaṃ bhūta-gaṇādi-sevitaṃ ' kapittha-jambū-phala-sāra-bhakṣitam /
umā-sutaṃ śoka-vināśa-kāraṇaṃ ' namāmi vighneśvara-pāda-paṅkajam // 1 //
"Ich verneige mich zu den Lotosfüßen Ganeshas, der alle Hindernisse beseitigt.
Er ist der Sohn von Umā, vernichtet alle Sorgen,
hat eine Dienerschar und Engelswesen, Bhūta-gaṇas.
Er hat einen Elefantenkopf und liebt die Kapittha- und Jambū-Früchte."

Sharavanabhava Dhyāna Shloka

ṣaḍ-ānanaṃ kuṅkuma-rakta-varṇaṃ ' mahāmatiṃ divya-mayūra-vāhanam /
rudrasya sūnuṃ sura-sainya-nāthaṃ ' guhaṃ sadāhaṃ śaraṇaṃ prapadye // 2 //
„Ich suche Zuflucht bei Sharavanabhava, der in der Höhle meines Herzens wohnt.
Er hat sechs Gesichter und ist von tiefroter Farbe.
Er besitzt großes Wissen, reitet auf einem Pfau,
ist der Sohn Shivas und der Heerführer der Engelswesen."

Sarasvatī Dhyāna Shloka

yā kundendu-tuṣāra-hāra-dhavalā yā śubhra-vastrāvṛtā
yā vīṇā-vara-daṇḍa-maṇḍita-karā yā śveta-padmāsanā /
yā brahmācyuta-śaṅkara-prabhṛtibhir devaiḥ sadā pūjitā
sā māṃ pātu sarasvatī bhagavatī niḥśeṣa-jāḍyāpahā // 3 //
"Möge die Göttin Sarasvatī mich beschützen.
Sie trägt eine Girlande, weiß wie die Kundablume, weiß wie der Schnee und der Mond.
Sie trägt weiße Kleider, spielt die Vina und segnet uns.
Sie sitzt auf einem weißen Lotos
und wird verehrt von Brahma, Vishnu und Shiva.
Sie beseitigt alle Trägheit und Faulheit."

Guru Dhyāna Shloka

om
namaḥ śivāya gurave ' saccidānanda-mūrtaye /
niṣprapañcāya śāntāya ' (śrī)-śivānandāya te namaḥ // 4 //
„Dem Lehrer Shiva, der Gestalt von Sein,
Bewusstsein und Glückseligkeit,
der frei ist von weltlicher Illusion und friedvoll,
Sivananda, sei unsere Verehrung.“

Nārāyaṇī Dhyāna Shloka an die göttliche Mutter:

om
sarva-maṅgala-māṅgalye ' śive sarvārtha-sādhike /
śaraṇye tryambake gauri ' nārāyaṇi namo 'stu te // 5 //
Verehrung der dreiäugigen Mutter Nārāyaṇī.
Sie gewährt Schutz und Glück und alle Wünsche/Ziele.

In ähnlicher Weise gibt es Dhyāna Shlokas für jeden göttlichen Aspekt.

Auch die Guru Shlokas, also die Anrufung des spirituellen Lehrers, können als Dhyāna Shloka zur Einleitung der Meditation und Bitte um Führung rezitiert werden. Zum Beispiel:

gurur brahmā gurur viṣṇur
gurur devo maheśvaraḥ
guruḥ sākṣāt paraṃ brahma
tasmai śrī-gurave namaḥ

Auch für Oṃ gibt es einen Dhyāna Shloka, den Omkāra Dhyāna Shloka :

oṅkāraṃ bindu-saṃyuktaṃ
nityaṃ dhyāyanti yoginaḥ
kāmadaṃ mokṣadaṃ caiva
oṅkārāya namo namaḥ
„Oh du Klang Oṃ mit dem Punkt,
über dich meditieren die Yogis allezeit.
Du erfüllst alle Wünsche und du bringst Moksha, die höchste Befreiung.
Dich verehre ich wieder und wieder.“

Ein allgemeiner Dhyāna Shloka ist auch der Patañjali Mantra, welchen du vor jeder Meditation rezitieren kannst. Patañjali ist der Autor des Yoga Sutra, des Grundlagenwerks des Rāja Yoga, des Yoga der Geistesbeherrschung und der Meditation.

Kirtan (Kīrtana)

Im Sanskrit eigentlich „Kīrtana“, wörtlich "wiederholen", ist das Singen von spirituellen Liedern im Wechselgesang. Ein oder mehrere Sänger singen eine Zeile vor und alle anderen singen es nach. Wenn viele Menschen gemeinsam singen, nennt man es Sankīrtan.

Kirtan im weiteren Sinn ist nicht nur Mantrasingen, sondern jeder Gesang zur Verehrung des Göttlichen, also auch Lieder auf Deutsch, Englisch, Spanisch, Lateinisch und so weiter und in verschiedenen indischen Sprachen.

Kirtans sind meist eher kurz und werden mehrfach hintereinander wiederholt. Kirtans begleitet man mit Melodie- und Rhythmusinstrumenten wie Harmonium, Vina, Sitar, Tabla, Trommeln, Tanpura.

Auch Moksha Mantras, die man normalerweise eher rezitiert, kann man mit verschiedenen Melodien wie ein Kirtan singen.

Bhajan

Bhajans sind längere spirituelle Lieder. Bhajan ist Hindi von Sanskrit Bhajana. Es kommt vom Wortstamm „bhaj“, „verehren“ und bedeutet „Verehrung mit Musik und Gesang".

Der Begriff „Bhajan“ wird unterschiedlich verwendet.

  • In manchen Teilen Indiens ist Bhajan jedes spirituelle Lied, also mit Kirtan gleichgesetzt.
  • Längere Lieder, die man zusammen singt und nicht im Wechselgesang.
  • In der Vaiṣṇava- und anderen Bhakta-Richtungen sind Bhajans Hymnen, die überwiegend im 15.-19. Jahrhundert von großen Musikern, Dichter-Heiligen und Bhaktas wie Kabir, Tulsidas, Meera, Tukaram komponiert wurden. Dazu gehört zum Beispiel auch der Hanumān cālīsā (Chalisa) , die vierzig Strophen zur Verehrung von Hanumān, die Menschen oft tief im Herzen berühren.

Bhajans haben eher komplexere Melodien und Rhythmen und auch komplexere Texte, oft mit einer tief spirituellen oder philosophischen Bedeutung. Sie haben teilweise auch Gebetscharakter und sind Beschreibungen und Ausdruck der Liebe des Menschen zu Gott.

Bhajans sind meistens nicht auf Sanskrit sondern auf Hindi oder in einer der anderen indischen Sprachen, weil sie in neuerer Zeit, also seit dem indischen Mittelalter, komponiert wurden.

Siehe auch

Literatur

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