Sittlichkeit

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Sittlichkeit ist die Fähigkeit, sich an Sitten und Gebräuche zu halten. Im engeren Sinn bezieht sich Sittlichkeit auf Sexualität und Kleidungsstil. Als Sittlichkeit gilt, nicht zu viel Haut zu zeigen, andere nicht zu belästigen, zurückhaltend zu sein. Ein spiritueller Mensch will zum einen anderen mit Liebe und Einfühlungsvermögen behandeln, will aber auch nicht von zu engen Vorstellungen von Sittlichkeit eingeengt sein.

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Sittlichkeit - eine Tugend. Was ist Sittlichkeit ? Woher stammt das Wort? Wozu ist Sittlichkeit gut? Was sind Synonyme, was das Gegenteil von Sittlichkeit ? Umfangreicher Artikel mit Vortragsvideo und Tipps.

Sittlichkeit als hilfreiche Tugend

Aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

Sittlichkeit ist ein Ausdruck, der etwas altmodisch klingt und ich muss zugeben, ich habe ihn in meinen Vorträgen in den letzten Jahren nie verwendet. Dennoch, das Konzept hinter der Sittlichkeit ist auch ein hochaktuelles. Sittlichkeit heißt, dass man der Sitte entspricht. Sittlichkeit heißt auch Ethik, Sittlichkeit und es heißt auch Moral.

Natürlich, Ethik, Moral und Sitte, das sind nochmal drei unterschiedliche Dinge. Ich würde unter Ethik, und das ist ein Ausdruck, den ich sehr häufig gebrauche, eine übergeordnete Ethik verstehen, die auch dauerhaft wichtig ist. Die Grundethik im Yoga z.B. ist Ahimsa, Nichtverletzen oder positiv ausgedrückt Maitri, Freundlichkeit, Liebe, zweitens, SatyaWahrhaftigkeit, drittens, Asteya – Nicht-Stehlen, was auch Ehrlichkeit heißt und seinen Lebensunterhalt rechtmäßig zu verdienen.

Als viertes, Brahmacharya – Vermeidung von sexuellem Fehlverhalten. Und fünftens, AparigrahaUnbestechlichkeit. Fünf ewige Prinzipien, wie die sich konkret ausdrücken, das ist immer wieder unterschiedlich. Je nach Kultur, je nach Land, je nach Beruf, sogar je nach Lebensalter und es gibt dort durchaus auch eine individuelle Ethik, die sich aus den übergeordneten ethischen Prinzipien ableiten.

Genauso gibt es dann auch Berufsethik, also für eine bestimmte Berufsgruppe. Oder es gibt dann auch Moral und Moral hat etwas mit einem erhobenen Zeigefinger zu tun: "Du sollst!" Moral ist dann konkreter als Ethik. Und dann gibt es Sittlichkeit. Sittlichkeit heißt, es entspricht der Sitte und Sitte sind gute Gebräuche und gute Bräuche.

Jemand, der Sittlichkeit besitzt, der folgt dem, was in seiner Gruppe etabliert ist, wo man weiß, das ist gut. In früheren Zeiten hieß Sittlichkeit natürlich, dass man ehrlich ist, es hieß, dass man Pflichtbewusstsein hat, es hieß auch Pünktlichkeit, es hieß Wahrhaftigkeit und es hieß auch eine gewisse Freundlichkeit gegenüber anderen.

Früher gehörte zur Sittlichkeit aber auch noch dazu, ein gutes Betragen, es gehörte dazu, dass man auch Benimmesregeln folgt. Für Frauen war besonders Sittlichkeit wichtig, also, dass der Rock lang genug ist, dass der Ausschnitt nicht zu groß ist, in früheren Zeiten, auch in westlichen Gesellschaften, war ein Kopftuch wichtig, die Haare bei verheirateten Frauen mussten bedeckt sein.

Es gehörte dazu, eine gewisse Sprache zu haben, nicht anzügliche Bemerkungen machen. Für Frauen gehörte zur Sittlichkeit dazu, kleine Schritte zu gehen, es gehörte dazu, auch die Beine nicht zu öffnen usw. Also, hier würde man sagen, Sittlichkeit war dann bei Frauen insbesondere, dass sie versuchen, so wenig als sexuelle Wesen zu erscheinen, wie möglich.

Und diese Form von Sittlichkeit haben wir glücklicherweise überwunden, wobei man vielleicht etwas zu weit in die andere Richtung gegangen ist. Es ist auch nicht gut, wenn junge Mädchen – ich spreche jetzt nicht von drei-, vierjährigen, sondern von zwölf-, dreizehn, vierzehn-, fünfzehnjährigen – so angezogen sind, dass es sehr sexuell aufreizend ist und sie dann nachher irgendwo in Probleme kommen.

Also, auch hier in dieser Art, ist eine gewisse Sittlichkeit ist gut, ohne deshalb zu prüde zu sein. Männer sollten sich auch öfter mehr an Sittlichkeit halten, im Sinne von, nicht jeder schönen Frau hinterherpfeifen und anzügliche Bemerkungen zu machen. Dort wäre eine größere Sittlichkeit durchaus notwendig.

Und es ist durchaus gut, dass Frauen heute diese Form der Kleidungsstilsittlichkeit weniger haben als früher. Sittlichkeit in einem anderen Sinne verstanden, sich so zu verhalten, wie es irgendwo in die gesellschaftliche Gruppierung hineinpasst, um andere nicht zu verletzen, ist etwas Gutes. Nicht stur und nicht gegen ethische Prinzipien zu verstoßen und nicht scheinheilig, aber doch aus Respekt heraus.

Angenommen, du bist Arzt in einem Krankenhaus, da erfordert es die Sittlichkeit, dass du einen bestimmten Kleidungsstil pflegst, eine gewisse Pünktlichkeit hast, eine gewisse Vertraulichkeit hast. Angenommen, du bist Yogalehrer bei Yoga Vidya, dort hoffen wir, dass du weiß-gelb trägst, weil das die Kleidung des Yogalehrers ist, dass du im Umgang mit deinen Schülern respektvoll sprichst und dass du auch so sprichst, dass es für Teilnehmer erhebend ist.

Wir würden das nicht als Sittlichkeit bezeichnen, weil wir diesen Ausdruck nicht verwenden, aber es wäre etwas, was man auch als Sittlichkeit verstehen könnte. So überlege selbst. Was bedeutet Sittlichkeit für dich? Was hältst von diesem altertümlichen, veralteten Begriff? Ist es etwas, mit dem du etwas anfangen kannst? Sittlichkeit ist ein Wort aus alten Zeiten, das man heute aber immer noch mit neuer Bedeutung füllen kann, wenn man will.

Sittlichkeit in Beziehung zu anderen Eigenschaften

In diesem Yoga Wiki werden über 1000 Tugenden und Persönlichkeitsmerkmale beschrieben. Hier einige Erläuterungen, wie man die Eigenschaft der Sittlichkeit in Beziehung zu anderen Fähigkeiten und Verhaltensweisen sowie in Bezug auf Laster sehen kann:

Ähnliche Eigenschaften wie Sittlichkeit

Ähnliche Eigenschaften wie Sittlichkeit, also Synonyme zu Sittlichkeit sind z.B. Disziplin, Anstand, Tugend, Zucht, Pflichtbewusstsein, Moral, Gewissen, Verantwortungsbewusstsein.

Ausgleichende Eigenschaften

Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Sittlichkeit übertrieben kann ausarten z.B. in Unterwürfigkeit, Fügsamkeit, Unsicherheit, Selbstherrlichkeit, Unangreifbarkeit. Daher braucht Sittlichkeit als Gegenpol die Kultivierung von Spontanität, Liebe, Verständnis, Einfühlungsvermögen.

Gegenteil von Sittlichkeit

Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Sittlichkeit, Antonyme zu Sittlichkeit :

Sittlichkeit im Kontext von Tugendengruppen, Persönlichkeitsfaktoren und Temperamenten

Entwicklung von Sittlichkeit

Sittlichkeit kann man sehen als Tugend, als eine positive Eigenschaft. Vielleicht willst du ja Sittlichkeit in dir stärker werden lassen. Hierzu einige Tipps:

  • Nimm dir vor, eine Woche lang diese Eigenschaft der Sittlichkeit zu kultivieren. Vielleicht kannst du nicht alle guten Eigenschaften auf einmal kultivieren. Aber es ist möglich, innerhalb einer Woche oder innerhalb eines Monats eine Tugend, eine Eigenschaft, stark werden zu lassen.
  • Triff den Entschluss: "Während der nächsten Woche will ich die Tugend, die Eigenschaft, Sittlichkeit kultivieren, wachsen lassen, stärker werden lassen. Ich freue mich darauf, in einer Woche ein sittlicherer Mensch zu sein."
  • Nimm dir vor, jeden Tag mindestens eine Handlung auszuführen, die Sittlichkeit ausdrückt. Mache jeden Tag etwas, was du sonst nicht tun würdest, was aber diese Tugend zum Ausdruck bringt.
  • Wenn du morgens aufwachst, dann sage eine Affirmation, z.B.: "Ich entwickle Sittlichkeit."
  • Am Tag wiederhole immer wieder eine Autosuggestion, Affirmation wie z.B.: Ich bin sittlich."

Affirmationen zum Thema Sittlichkeit

Hier einige Affirmationen für mehr Sittlichkeit. Unter dem Stichwort "Affirmation" und "Wunderaffirmationen" erfährst du mehr zu Funktion und Wirkungsweise von Affirmationen.

Klassische Autosuggestion für Sittlichkeit

Hier die klassische Autosuggestion:

  • Ich bin sittlich.

Im Yoga verbindet man das gerne mit einem Mantra. Denn ein Mantra lässt die Affirmation stärker werden:

  • Ich bin sittlich. Om Om Om.
  • Ich bin ein Sittlicher, eine Sittliche OM.

Entwicklungsbezogene Affirmation für Sittlichkeit

Manche Menschen fühlen sich als Scheinheiliger oder als Heuchler, wenn sie sagen "Ich bin sittlich " - und sie sind es gar nicht. Dann hilft eine entwicklungsbezogene Affirmation:

  • Ich entwickle Sittlichkeit.
  • Ich werde sittlich.
  • Jeden Tag werde ich sittlicher.
  • Durch die Gnade Gottes entwickle ich jeden Tag mehr Sittlichkeit.

Dankesaffirmation für Sittlichkeit

  • Ich danke dafür, dass ich jeden Tag sittlicher werde.

Wunderaffirmationen Sittlichkeit

Du kannst es auch mit folgenden Affirmationen probieren:

  • Bis jetzt bin ich noch nicht sehr sittlich. Und das ist auch ganz verständlich, ich habe gute Gründe dafür. Aber schon bald werde ich Sittlichkeit entwickeln. Jeden Tag wird diese Tugend in mir stärker werden.
  • Ich freue mich darauf, bald sehr sittlich zu sein.
  • Ich bin jemand, der sittlich ist.

Gebet für Sittlichkeit

Auch ein Gebet ist ein machtvolles Mittel, um eine Tugend zu kultivieren. Hier ein paar Möglichkeiten für Gebete für mehr Sittlichkeit:

  • Lieber Gott, bitte gib mir mehr Sittlichkeit.
  • Oh Gott, ich verehre dich. Ich bitte dich darum, dass ich ein sittlicher Mensch werde.
  • Liebe Göttliche Mutter, ich danke dir. Ich danke dir dafür, dass ich jeden Tag die Tugend Sittlichkeit mehr und mehr zum Ausdruck bringe.

Was müsste ich tun, um Sittlichkeit zu entwickeln?

Du kannst dich auch fragen:

  • Was müsste ich tun, um Sittlichkeit zu entwickeln?
  • Wie könnte ich sittlich werden?
  • Lieber Gott, bitte zeige mir den Weg zu mehr Sittlichkeit.
  • Angenommen, ich will sittlich sein, wie würde ich das tun?
  • Angenommen, ich wäre sittlich, wie würde sich das bemerkbar machen?
  • Angenommen, ein Wunder würde geschehen, und ich hätte morgen Sittlichkeit kultiviert, was hätte sich geändert? Wie würde ich fühlen? Wie würde ich denken? Wie würde ich handeln? Als sittlicher Mensch, wie würde ich reagieren, mit anderen kommunizieren?

Vortragsmitschnitt zu Sittlichkeit - Audio zum Anhören

Hier kannst du einen Vortrag von Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya, anhören. Dieser Vortrag ist die Audio Version eines Videos zu Sittlichkeit, Teil des Yoga Vidya Multimedia Lexikons der Tugenden.

Siehe auch

Eigenschaften im Alphabet vor Sittlichkeit

Eigenschaften im Alphabet nach Sittlichkeit

Literatur

Weblinks

Seminare

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