Beherrschtheit

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Beherrschtheit ist die Fähigkeit, seine Impulse und Gefühle zu beherrschen. In vielen Situationen ist Beherrschtheit notwendig. Im Deutschen heißt es: Wer schreit, hat Unrecht. Auch wenn das oft nicht stimmt, gilt: Wer die Beherrschtheit verliert, wird nicht mehr ernst genommen. Gerade im politischen Engagement, im Beruf und auch im ehrenamtlichen Engagement ist Beherrschtheit wichtig, um seine Ziele verfolgen zu können.

Meditation hilft zur Steigerung der Konzentrationsfähigkeit und somit auch zur Beherrschtheit

Dabei muss Beherrschtheit aber auch ergänzt werden durch Offenheit, Authentizität und Ausgelassenheit - aber eben in anderen Situationen. Beherrschtheit kann auch heißen, sich je nach Situation für Ruhe und Coolness zu entscheiden, in anderen Situationen aber für Ausgelassenheit und Emotionalität.

Sukadev über Beherrschtheit

Niederschrift eines Vortragsvideos (2015) von Sukadev über Beherrschtheit

Beherrschtheit ist die Fähigkeit, sich zu beherrschen, ist die Fähigkeit, nicht einfach spontanen Emotionen, Gefühlen, Wünschen Ausdruck zu geben, es ist eine besondere Fähigkeit des Menschen. Tiere sind typischerweise spontan. Wenn ein Hund irgendetwas hört, fängt er an, zu bellen. Der fragt jetzt nicht: „Ist es angemessen, zu bellen, ist das jetzt das Richtige, störe ich jemand?“ Der bellt einfach. Und wenn er sein Fressen im Napf sieht, dann rennt er hin und frisst. Er überlegt jetzt nicht: „Sollte ich vielleicht heute mal etwas anderes essen oder wäre es klüger, zwei Stunden zu warten?“ Spontan einfach losrennen. Oder angenommen, eine Katze sieht eine andere Katze, die sie nicht mag, sie überlegt jetzt nicht: „Wie könnten wir jetzt geschickt miteinander umgehen?“ Sondern sie fängt an, zu fauchen und die Nackenhaare aufzustellen.

Manche Menschen sind so ähnlich, der Mensch hat ja die gleichen Fähigkeiten wie das Tier. Er kann also laut bellen, kann die Nackenhaare sträuben, kann gleich rennen, wenn es irgendwo was gibt, kann beleidigt sein, kann schmollen, kann schimpfen usw. Wenn ein Mensch so lebt, dann lebt er letztlich die Fähigkeiten, die auch schon ein Tier hat. Der Mensch hat aber auch die Fähigkeit, Beherrschtheit zu üben. Und diese Fähigkeit zur Beherrschtheit ist das, was den Mensch auf eine gewisse Weise zum Menschen macht. Ich selbst meine, Beherrschtheit muss auch ihre Grenzen haben, es ist auch mal gut, Ausgelassenheit zu üben, Begeisterung ist wichtig, Beständigkeit ist wichtig, aber auch Spontanität, Authentizität ist wichtig, aber eben auch die Fähigkeit zur Beherrschtheit. Am besten ist, man hat eine gewisse Freiheit und so hat man eine gewisse Bandbreite. Und dazu gehört es, dass du lernst, du kannst Beherrschtheit üben.

Wenn du z.B. dir vornimmst, „ich werde jetzt eine Woche lang auf Zucker verzichten“, dann wird schon gleich, nachdem du den Entschluss gefasst hast, ein paar Minuten später hast du Heißhunger auf Schokolade. Dann heißt Beherrschtheit, du verzichtest darauf. Oder du nimmst dir vor, jeden Morgen mal eine halbe Stunde früher aufzustehen für die Meditation. Beherrschtheit heißt, du machst das, ob du es magst oder nicht. Du nimmst dir vor, wenn du dich ärgerst, nicht die Stimme zu heben, keine Schimpfwörter zu verwenden, den anderen nicht zu bedrohen. Das sind übrigens so drei Dinge, die man tun kann, um zwischenmenschliche Beziehungen nicht zu gefährden, wenn du dich ärgerst. Ich sage es nochmal: Das erste ist, Stimme nicht heben, zweitens, den anderen nicht bedrohen, drittens, keine Schimpfwörter gebrauchen. Am besten auf alle drei verzichten, wenn du mindestens auf eines von diesen dreien verzichtest, ist schon einiges gewonnen. Wenn du auf alle drei verzichtest, dann hast du eine Grundbeherrschtheit.

Ärgerlich zu sein, ist nichts Tragisches, Ärger kann auch eine Kraft sein, Ärger gibt dir auch die Stärke, Dinge umzusetzen. Aber wenn du eine gewisse Beherrschtheit hast, dann wirst du die Stimme nicht heben, du wirst den anderen nicht bedrohen und du wirst keine Schimpfwörter gebrauchen. Diese Art von Beherrschtheit zu können, ist eine gute Übung, gerade für die eher cholerischen Menschen. Beherrschtheit kann aber auch heißen, nicht den Ängsten nachzugeben. Also, angenommen, du wirst gebeten, etwas zu tun und du hast Angst davor, Beherrschtheit heißt, du machst es trotzdem. Oder angenommen, du hast dich über etwas aufgeregt und du willst am liebsten den Kram hinwerfen, Beherrschtheit heißt, du machst es trotzdem. Du musst deinen Emotionen nicht folgen, du musst nicht deinen Wünschen folgen, du musst nicht deinen Ängsten, Ärger, Aufregungen folgen, du kannst Beherrschtheit üben. Wie schon gesagt, immer nur Beherrschtheit zu üben, ist vielleicht auch nicht das Richtige, aber die Fähigkeit zur Selbstbeherrschung, die Fähigkeit zur Geisteskontrolle, die Fähigkeit zur Emotionskontrolle, ist eine wichtige Fähigkeit, die man gut entwickeln und kultivieren kann.

Beherrschtheit und andere Tugenden

In diesem Yoga Wiki werden über 1000 Tugenden und geistigen Eigenschaften beschrieben. Hier einige Erläuterungen, wie man die Eigenschaft der Beherrschtheit in Beziehung zu anderen Tugenden und geistigen Eigenschaften sowie in Bezug auf Laster sehen kann:

Ähnliche Eigenschaften wie Beherrschtheit

Ähnliche Eigenschaften wie Beherrschtheit, also Synonyme zu Beherrschtheit sind z.B. Selbstbeherrschung, Zucht, Charakterstärke, Höflichkeit, Zurückhaltung .

Ausgleichende Eigenschaften

Durch Meditation kann man inneren Frieden erlangen

Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Beherrschtheit übertrieben kann ausarten z.B. in Scheinheiligkeit, Heuchelei, Oberflächlichkeit, Manipulation . Daher braucht Beherrschtheit als Gegenpol die Kultivierung von Spontanität, Ehrlichkeit, Authentizität .

Gegenteil von Beherrschtheit

Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Beherrschtheit, Antonym zu Beherrschtheit :

Beherrschtheit im Kontext von Tugendengruppen, Persönlichkeitsfaktoren und Temperamenten

Entwicklung von Beherrschtheit

Beherrschtheit kann man sehen als Tugend, als eine positive Eigenschaft. Vielleicht willst du ja Beherrschtheit in dir stärker werden lassen. Hierzu einige Tipps:

  • Nimm dir vor, eine Woche lang diese Eigenschaft der Beherrschtheit zu kultivieren. Du kannst nicht mehrere Tugenden auf einmal entwickeln. Aber es ist möglich, jede Woche eine Tugend, eine Eigenschaft, wachsen zu lassen.
  • Triff den Entschluss: "Während der nächsten Woche will ich die Tugend, die Eigenschaft, Beherrschtheit kultivieren, wachsen lassen, stärker werden lassen. Ich freue mich darauf, in einer Woche ein beherrschenderer Mensch zu sein."
  • Nimm dir vor, jeden Tag mindestens eine Handlung auszuführen, die Beherrschtheit ausdrückt. Mache jeden Tag etwas, was du sonst nicht tun würdest, was aber diese Tugend zum Ausdruck bringt
  • Wenn du morgens aufwachst, dann sage eine Affirmation, z.B.: "Ich entwickle Beherrschtheit '. Mehr Möglichkeiten zu Affirmationen findest du weiter unten
  • Am Tag wiederhole immer wieder eine solche Affirmation: "Ich bin beherrschend ".

Affirmationen zum Thema Beherrschtheit

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Affirmationen für mehr Beherrschtheit Unter dem Stichwort "Affirmation" und "Wunderaffirmationen" erfährst du mehr darüber.

Klassische Autosuggestion für Beherrschtheit

Shavasana - Tiefenentspannung. Es bieten sich Autosuggestion kurz danach an. Besonders wirkungsvoll.

Hier die klassische Autosuggestion:

  • Ich bin beherrschend

Im Yoga verbindet man das gerne mit einem Mantra. Denn ein Mantra lässt die Affirmation stärker werden:

  • Ich bin beherrschend . Om Om Om.
  • Ich bin ein Sich Beherrschender, eine Sich Beherrschende

Entwicklungsbezogene Affirmation für Beherrschtheit

Manche Menschen fühlen sich als Scheinheiliger oder als Heuchler, wenn sie sagen "Ich bin beherrschend " - und sie sind es gar nicht. Dann hilft eine entwicklungsbezogene Affirmation: * Ich entwickle Beherrschtheit

  • Ich werde beherrschend
  • Jeden Tag werde ich beherrschender
  • Durch die Gnade Gottes entwickle ich jeden Tag mehr Beherrschtheit

Dankesaffirmation für Beherrschtheit :

  • Ich danke dafür, dass ich jeden Tag beherrschender werde.

Wunderaffirmationen Beherrschtheit

Loslassen und ohne eigenen Willen etwas erreichen zu wollen, so wie hier in der sitzenden Vorwärtbeuge, kann eine Form der Beherrschtheit sein

Du kannst es auch mit folgenden Affirmationen probieren, die Sukadev Volker Bretz als Wunderaffirmationen bezeichnet:

  • Bis jetzt bin ich noch nicht sehr beherrschend . Und das ist auch ganz verständlich, ich habe gute Gründe dafür. Aber schon bald werde ich Beherrschtheit entwickeln. Jeden Tag wird diese Tugend in mir stärker werden.
  • Ich freue mich darauf, bald sehr beherrschend zu sein.
  • Ich bin jemand, der beherrschend ist.

Gebet für Beherrschtheit

Auch ein Gebet ist ein machtvolles Mittel, um eine Tugend zu kultivieren. Hier ein paar Möglichkeiten für Gebete für mehr Beherrschtheit :

  • Lieber Gott, bitte gib mir mehr Beherrschtheit
  • Oh Gott, ich verehre dich. Ich bitte dich darum, dass ich ein beherrschender Mensch werde
  • Liebe Göttliche Mutter, ich danke dir. Ich danke dir dafür, dass ich jeden Tag die Tugend Beherrschtheit mehr und mehr zum Ausdruck bringe

Was müsste ich tun, um Beherrschtheit zu entwickeln?

Du kannst dich auch fragen:

  • Was müsste ich tun, um Beherrschtheit zu entwickeln?
  • Wie könnte ich ich beherrschend werden?
  • Lieber Gott, bitte zeige mir den Weg zu mehr Beherrschtheit
  • Angenommen, ich will beherrschend sein, wie würde ich das tun?
  • Angenommen, ich wäre beherrschend, wie würde sich das bemerkbar machen?
  • Angenommen, ein Wunder würde geschehen, und ich hätte morgen Beherrschtheit kultiviert, was hätte sich geändert? Wie würde ich fühlen? Wie würde ich denken? Wie würde ich handeln? Als beherrschender Mensch, wie würde ich reagieren, mit anderen kommunizieren?

Vortragsmitschnitt zu Beherrschtheit - Audio zum Anhören

Hier kannst du einen Vortrag von Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya, anhören. Dieser Vortrag ist die Audio Version eines Videos zu Beherrschtheit, Teil des Yoga Vidya Multimedia Lexikons der Tugenden.

Siehe auch

Eigenschaften im Alphabet vor Beherrschtheit

Eigenschaften im Alphabet nach Beherrschtheit

Literatur

Weblinks

Seminare

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16. Jun 2017 - 18. Jun 2017 - Liebe, Mitgefühl, Freude und Gleichmut
Diese zu üben empfiehlt Patanjali im Yoga Sutra als Weg, einen klaren Geist zu entwickeln. Die Kräfte von Liebe, Mitgefühl, Freude und Gleichmut, die auch im Buddhismus eine wichtige Rolle spiel…
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18. Jun 2017 - 23. Jun 2017 - Hellseh Ausbildung
Hellsehen, Hellhören, Hellriechen – geht das wirklich und kann man es in einer Ausbildung lernen? – Du erfährst in dieser Hellseh Ausbildung, dass jeder die Fähigkeit hat, parapsychologische…
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18. Jun 2017 - 25. Jun 2017 - Ho'oponopono Ausbildung
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23. Jun 2017 - 25. Jun 2017 - Vipassana-Meditations-Schweigekurs
Vipassana ist die dem Buddha zugeschriebene Meditationsform. Intuitiv gewinnst du Einsicht in das Leben wie es wirklich ist. Du betrachtest einfach nur alle Vorgänge während des stillen Sitzens,…
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