Yogini Hridaya

Aus Yogawiki
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Yogini Hridaya (Sanskrit योगिनीहृदय, IAST Yoginīhṛdaya), auch Yoginihridaya, Yoginihridayam oder Yogini Hridaya Tantra, bedeutet „Herz der Yogini“. Gemeint ist das innerste Wesen der göttlichen Shakti, der lebendigen Kraft des Bewusstseins. Das Tantra gehört zur Shri Vidya, der Verehrung von Tripurasundari, der Schönen der drei Welten. In drei Kapiteln erschließt es die Zusammengehörigkeit von Shri Chakra, Mantra und Puja, der verehrenden Zuwendung zur Göttin.

Das Shri Chakra verbindet in der Shri Vidya die Betrachtung eines heiligen Diagramms mit der Verehrung der Göttin. Allgemeine Illustration.

Das Yogini Hridaya beginnt mit einer Frage: Welche Bedeutung hat die überlieferte Unterweisung, wenn ihr innerer Sinn noch nicht verstanden ist? Die Devi, die Göttin, bittet Bhairava, eine Gestalt Shivas, um Erklärung. Seine Antwort führt vom sichtbaren Diagramm zu den Kräften der Sprache und weiter zur bewussten Verehrung. Körper, Welt, Guru und eigenes Selbst erscheinen dabei als miteinander verbundene Bereiche einer umfassenden göttlichen Wirklichkeit.

Für Yogaübende liegt darin eine anregende Frage: Wie können äußere Handlung und innere Gegenwart zusammenfinden? Das Yogini Hridaya beschreibt Bewusstsein als die Gestalt des Selbst (1.50). Es führt die Betrachtung der Göttin zur Einsicht „Diese ist mein eigenes Selbst“ (2.72) und verbindet Verehrung mit Jivanmukti, Befreiung während des Lebens (3.1). Studium, Bhakti, Hingabe, und Meditation können einander auf diesem Weg vertiefen.

Der Artikel enthält den vollständigen hier vorliegenden Bestand der drei Kapitel: 86, 85 und 206 nummerierte Textblöcke, insgesamt 377, mit IAST und unmittelbar anschließender deutscher Übersetzung. Danach folgt der gesamte Sanskritbestand in Devanagari. Auch Sprecherwechsel, längere Einschübe, Lautfolgen und Schlussangaben sind enthalten. Einzelne schwierige Deutungen und beschädigte Lautlisten bleiben an den betreffenden Versen bezeichnet. Die Fassung umfasst somit alle drei Kapitel, ohne eine in jeder Einzelheit bereits gesicherte Übersetzung sämtlicher technischer Ausdrücke zu behaupten.

Name, Überlieferung und Einordnung

Yoginī kann eine Yogaübende oder eine göttliche Kraft bezeichnen. Im Titel des Yogini Hridaya ist besonders die höchste Göttin gemeint. Hṛdaya bedeutet Herz, Mitte oder Essenz. „Herz der Yogini“ bezeichnet hier deshalb den innersten Sinn der Unterweisung. Yoginīhṛdayam ist die entsprechende gebeugte Sanskritform mit Schluss-m. Als weitere Titel sind Nityāhṛdayatantra und Sundarīhṛdayatantra verzeichnet. Das Werk ist vom Yogini Tantra zu unterscheiden.

Ein historischer Verfasser des Sanskritgrundtextes ist nicht sicher bekannt. Der Dialog stellt die Lehre als göttliche Offenbarung dar. Auch die Entstehungszeit lässt sich nur annähernd angeben: Padoux und Jeanty ordnen die Schrift ungefähr dem 10. oder 11. Jahrhundert zu; der Katalog der Bibliothèque nationale de France nennt vorsichtig das 9. oder 10. Jahrhundert. Diese Ansätze sprechen für eine mittelalterliche Schrift, erlauben aber keine genaue Jahreszahl. Das Alter eines Kommentars, einer Handschrift oder einer Druckausgabe ist davon zu unterscheiden.[1][2]

Verhältnis zum Vamakeshvara Tantra

Schon Vers 1.1 nennt das Vamakeshvara Tantra. Das Yogini Hridaya gehört zu dessen Überlieferungszusammenhang und wird mit dem Nitya Shodashikarnava zusammen betrachtet. In der Ordnung aus fünf Kapiteln des Nitya Shodashikarnava und drei Kapiteln des Yogini Hridaya bildet es den zweiten Teil. Diese Gliederung wird unter anderem in der Einleitung zur Ausgabe der Vāmakeśvarīmata von 1945 erläutert. Die Titel und ihre Reichweite sind in der Überlieferung nicht überall einheitlich.[3]

Das Yogini Hridaya ist dabei keine bloße Inhaltszusammenfassung des Nitya Shodashikarnava. Es erschließt die verborgenen Zuordnungen von Diagramm, Laut und Ritual in einem eigenen Dialog. Der Artikel Vamakeshvara Tantra bietet die Zusammenschau beider Texte. Hier steht das Yogini Hridaya als selbstständig lesbarer Artikel mit seiner eigenen Kapitelzählung: 1.1–1.86, 2.1–2.85 und 3.1–3.206. Inhaltliche Überschneidungen sind deshalb beabsichtigt.

Kommentare und Ausgaben

Ein wichtiger Kommentar ist die Dīpikā des Amritanandanatha, der häufig ungefähr dem 14. Jahrhundert zugeordnet wird. Er erläutert die dichten Laut-, Bewusstseins- und Ritualzusammenhänge. Wo seine Erklärung für eine schwierige Stelle herangezogen wird, ist sie als Kommentar bezeichnet. Seine Auslegung und der Wortlaut des Grundtextes sind dabei zu unterscheiden.

Auch Bhaskararayas Setubandha gehört zur Kommentierung des zusammengehörigen Nitya-Shodashikarnava- und Yogini-Hridaya-Komplexes. Gopinath Kaviraj veröffentlichte das Yogini Hridaya mit Kommentierung in der Sarasvati Bhavana Granthamala, Band 7. Die erste Veröffentlichung erfolgte in Teilen 1923–1924; die erweiterte zweite Ausgabe erschien 1963. Vraj Vallabha Dwivedi legte eine weitere Bearbeitung mit Amritanandas Dīpikā und Hindi-Erläuterungen vor. André Padoux erschloss das Werk auf Französisch und später gemeinsam mit Roger-Orphé Jeanty auf Englisch.

Die verbreitete Umfangsangabe von 376 Strophen und die hier enthaltenen 377 nummerierten Einheiten sind nicht ohne Weiteres gleichzusetzen. Einige Blöcke haben weniger oder mehr als zwei Halbverse; hinzu kommen eingeschobene Aufzählungen und weitere Zeilen. Auch die Abgrenzung einzelner Verse unterscheidet sich zwischen Fassungen. Aus der Differenz der Gesamtzahlen lässt sich deshalb kein einzelner „fehlender Vers“ ableiten.

Inhalt und vollständige Kapitelübersicht

Die Themenangaben der Übersicht beschreiben den gelesenen Grundtext. Sie dienen der Orientierung und sind keine zusätzlichen Sanskrit-Kapiteltitel. Sanketa bedeutet Zeichen, Hinweis oder vereinbarte Bedeutung; in dieser Schrift bezeichnet es besonders den Schlüssel zu den inneren Zuordnungen.

Kapitel Umfang Inhalt Devanagari
1: Chakra-Sanketa 1.1–1.86 Die Frage der Göttin; Entstehung und Aufbau des Shri Chakra; Bewusstseins- und Lautstufen, Mudras und neun Verehrungsbereiche. Kapitel 1
2: Mantra-Sanketa 2.1–2.85 Mantragestalten und Bedeutungsebenen; Lautkräfte und Weltentfaltung; Guru, Göttin und Selbst; Kundalini. Kapitel 2
3: Puja-Sanketa 3.1–3.206 Drei Formen der Puja; Nyasa am Körper; Gottheiten des Shri Chakra; innere und äußere Verehrung, Japa, Bewusstseinszustände und Überlieferungsgebote. Kapitel 3

Schlüssel zum Verständnis

Göttin, Welt und Bewusstsein

Shiva bezeichnet im nichtdualistischen Verständnis den göttlichen Bewusstseinsgrund, Shakti seine lebendige Kraft. Nichtdualität bedeutet, dass die höchste Wirklichkeit nicht aus zwei voneinander unabhängigen Grundprinzipien besteht. Das Yogini Hridaya betrachtet Gegenstände und ihre Kräfte in diesem Zusammenhang: Jede Kraft wird auf die Göttin, jeder Kraftträger auf den großen Herrn bezogen (2.31).

Die Namen und Attribute der Tripurasundari sind deshalb zugleich Gegenstände der Betrachtung. Schlinge, Elefantenhaken, Pfeile und Bogen werden mit Wollen, Erkennen und Handeln verbunden (1.53). Ihre Bildgestalt erschließt, was im eigenen Leben als Willenskraft, Erkenntniskraft und Handlungskraft wirksam ist. Der Text ordnet diese Fähigkeiten in eine göttliche Weltdeutung ein.

Mantra und innere Vergegenwärtigung

Ein Mantra erscheint als Lautgestalt der Gottheit. Vidya, wörtlich Wissen, bezeichnet dabei häufig eine weiblich gedachte Mantrakraft. Bija heißt Keimsilbe. Solche Silben werden als Klänge bewahrt; sie haben nicht immer eine übersetzbare Satzbedeutung. Matrika ist die Mutter beziehungsweise göttliche Ordnung der Laute. Kala bedeutet je nach Zusammenhang Anteil, Teilkraft oder Entfaltungsstufe.

Bhavana ist die bewusste Vergegenwärtigung: Ein Zusammenhang wird innerlich betrachtet und lebendig gehalten. Japa bedeutet die Wiederholung eines Mantras. Nyasa bezeichnet das rituelle Zuordnen von Lauten und Gottheiten zu Körperstellen, Mudra eine Geste oder ein Siegel. Bindu ist der Punkt, im Lautzusammenhang auch ein nasaler Anteil; Nada der feine Klang. Visarga bedeutet Aussendung und bezeichnet zugleich einen Sanskritlaut sowie eine schöpferische Entfaltung.

Das Shri Chakra und seine neun Umfassungen

„Chakra“ meint im Yogini Hridaya häufig das Shri Chakra oder einen seiner Gottheitenkreise. Es bezeichnet nicht an jeder Stelle ein Körperchakra. Die neun Avaranas, Umfassungen oder Verehrungsbereiche, führen vom äußeren Quadrat zum Mittelpunkt. Ihre Reihenfolge wird in 1.80–1.85 genannt.

Bereich Gestalt Name Bedeutung
1 Dreifache quadratische Umfassung Trailokyamohana Die drei Welten bezaubernd oder verblendend
2 Sechzehnblättriger Lotus Sarvashaparipuraka Alle Hoffnungen erfüllend
3 Achtblättriger Lotus Sarvasamkshobhana Alles bewegend oder erschütternd
4 Vierzehn Dreiecke Sarvasaubhagyadayaka Alles Glück gewährend
5 Äußerer Kreis aus zehn Dreiecken Sarvarthasadhaka Alle Ziele verwirklichend
6 Innerer Kreis aus zehn Dreiecken Sarvarakshakara Umfassenden Schutz schaffend
7 Acht Dreiecke Sarvarogahara Alle Krankheiten wegnehmend
8 Zentrales Dreieck Sarvasiddhimaya Aus aller Vollendung bestehend
9 Bindu Sarvanandamaya Aus aller Glückseligkeit bestehend

Die Bedeutungen geben traditionelle Namen wieder. Der innerste Bereich wird als Fülle der Glückseligkeit verehrt. Die Bewegung zur Mitte kann die Sammlung unterstützen; die Entfaltung vom Mittelpunkt nach außen veranschaulicht die Vielfalt der Kräfte. Beide Betrachtungsrichtungen gehören zum Zusammenhang von Einheit und Vielfalt.

Sanskrit in IAST mit deutscher Übersetzung

Jeder nummerierte Textblock erhält einen eigenen deutschen Absatz. Auslassungspunkte am Anfang oder Ende zeigen einen Satzanschluss über die Versgrenze an. Eckige Klammern im Deutschen kennzeichnen Ergänzungen oder notwendige Hinweise. Eingeklammerte Sanskritzusätze und ungewöhnliche Lautfolgen bleiben sichtbar; sie werden nicht durch frei erfundene Bedeutungen ersetzt.

Die Ritualanweisungen und Wirkungsbehauptungen gehören zum historischen Text. Aussagen über Zwang, schädigende Handlungen, berauschende Stoffe oder Heilwirkungen sind keine heutigen Praxisempfehlungen. Einfache Anregungen für das eigene Schriftstudium und die Meditation stehen nach dem Sanskrittext.

Sanskrittitel
yoginīhṛdayam
Das Herz der Yogini.

Kapitel 1: Chakra, Göttin und Bewusstsein

Die Göttin fragt nach dem inneren Sinn der Unterweisung. Bhairava erläutert das Shri Chakra als Entfaltung der göttlichen Kraft. Die Betrachtung führt von Bewusstsein und Lautstufen zur Gestalt der Göttin und zu den neun Verehrungsbereichen.

atha prathamaḥ paṭalaḥ
Nun das erste Kapitel.

1.1
śrīdevyuvāca –
devadeva mahādeva paripūrṇaprathāmaya |
vāmakeśvaratantre'sminnajñātārthāstvanekaśaḥ || 1||
Die erhabene Göttin sprach: Gott der Götter, großer Gott, dessen Wesen die vollkommene Offenbarung ist! Viele Bedeutungen in diesem Vamakeshvara Tantra sind noch unverstanden.

1.2
tāṃstānarthānaśeṣeṇa vaktumarhasi bhairava |
śrībhairava uvāca
śṛṇu devi mahāguhyaṃ yoginīhṛdayaṃ param || 2||
Erkläre all diese Bedeutungen vollständig, Bhairava. Der erhabene Bhairava sprach: Höre, Göttin, das höchste Herz der Yogini, das große Geheimnis.

1.3
tvatprītyā kathayāmyadya gopanīyaṃ viśeṣataḥ |
karṇātkarṇopadeśena samprāptamavanītalam || 3||
Heute erkläre ich es dir aus Liebe. Es soll besonders sorgfältig geheim gehalten werden. Durch Unterweisung von Ohr zu Ohr ist es auf die Erde gelangt.

1.4
na deyaṃ paraśiṣyebhyo nāstikebhyo na ceśvari |
na śuśrūṣālasānāñca naivānarthapradāyinām || 4||
Man soll es weder den Schülern anderer noch Gottesleugnern geben, Herrin, auch nicht denen, die zu träge zum Dienst [am Lehrer] sind, und keinesfalls solchen, die Unheil verursachen.

1.5
parīkṣitāya dātavyaṃ vatsarārdhoṣitāya ca |
etajjñātvā vararohe sadyaḥ khecaratāṃ vrajet || 5||
Man soll es einem Geprüften geben, der ein halbes Jahr [beim Lehrer] gelebt hat. Wer dies erkennt, Schöne, erlangt sogleich den Zustand des Khechara, [des im freien Bewusstseinsraum Wandelnden].

1.6
cakrasaṅketako mantrapūjāsaṅketakau tathā |
trividhastripurādevyāḥ saṅketaḥ parameśvari || 6||
Dreifach ist das verborgene Verständnis der Göttin Tripura, höchste Herrin: Es erschließt das Chakra, das Mantra und die Verehrung.

1.7
yāvadetanna jānāti saṅketatrayamuttamam |
na tāvattripurācakre paramājñādharo bhavet || 7||
Wer diese drei höchsten Schlüssel nicht kennt, kann im Chakra der Tripura die höchste Weisung nicht tragen.

1.8
tacchaktipañcakaṃ sṛṣṭyā layenāgnicatuṣṭayam |
pañcaśakticaturvahnisaṃyogāccakrasambhavaḥ || 8||
Beim Hervorbringen [besteht das Chakra] aus fünf Shaktis, beim Auflösen aus vier Feuern. Das Chakra entsteht aus der Verbindung dieser fünf Shaktis und vier Feuer.

1.9
etaccakrāvatārantu kathayāmi tavānaghe |
yadā sā paramā śaktiḥ svecchayā viśvarūpiṇī || 9||
Nun erkläre ich dir, Makellose, wie dieses Chakra in Erscheinung tritt. Wenn die höchste Kraft aus eigenem Willen, als Gestalt des Alls …

1.10
sphurattāmātmanaḥ paśyettadā cakrasya sambhavaḥ |
śūnyākārādvisargāntād bindoḥ praspandasaṃvidaḥ || 10||
… ihr eigenes Aufleuchten schaut, entsteht das Chakra: aus dem Bindu, dessen Gestalt die Leere ist, der bis zum Visarga reicht und dessen Wesen pulsierendes Bewusstsein ist …

1.11
prakāśaparamārthatvāt sphurattālaharīyutāt |
prasṛtaṃ viśvalaharīsthānaṃ mātṛtrayātmakam || 11||
… dessen eigentliche Wirklichkeit Licht ist und der Wellen des Aufleuchtens in sich trägt, entfaltet sich [das Chakra] als Ort der Weltwellen, bestehend aus den drei Erkennenden.

1.12
baindavaṃ cakrametasya trirūpatvaṃ punarbhavet |
dharmādharmau tathātmāno mātṛmeyau tathā pramā || 12||
Dieses Bindu-Chakra wird wiederum dreifach. Dharma und Adharma sowie die Selbste; der Erkennende, das zu Erkennende und die Erkenntnis …

1.13
navayonyātmakaṃ cakraṃ cidānandaghanaṃ mahat |
cakraṃ navātmakamidaṃ navadhā bhinnamantrakam || 13||
… [bilden] das große Chakra aus neun Ursprüngen, verdichtetes Bewusstsein und Glückseligkeit. Dieses neunfache Chakra hat einen neunfach unterschiedenen Mantra.

1.14
baindavāsanasaṃrūḍhasaṃvartānalacitkalam |
ambikārūpamevedamaṣṭārasthaṃ svarāvṛtam || 14||
Die Bewusstseinskraft des Weltauflösungsfeuers ruht auf dem Sitz des Bindu. Dieses [Chakra] ist eben die Gestalt Ambikas, im Achteck befindlich und von Lauten umgeben.

1.15
navatrikoṇasphuritaprabhārūpadaśārakam |
śaktyādinavaparyantadaśārṇasphūrtikārakam || 15||
Das Zehneck verkörpert das Licht, das aus den neun Dreiecken aufleuchtet. Es lässt die zehn Laute von Shakti bis Nava erscheinen.

1.16
bhūtatanmātradaśakaprakāśālambanatvataḥ |
dvidaśārasphuradrūpaṃ krodhīśādidaśārakam || 16||
Da es sich auf die Offenbarung der zehn [Prinzipien], Elemente und feinstofflichen Sinnesgegenstände, stützt, leuchtet es als zweifaches Zehneck auf, als Zehnergruppe von Krodhisha an.

1.17
catuścakraprabhārūpasaṃyuktapariṇāmataḥ |
caturdaśārarūpeṇa saṃvittikaraṇātmanā || 17||
Durch die verbundene Entfaltung der Lichtgestalt der vier Chakras [erscheint es] in der Gestalt des Vierzehnecks, als Bewusstsein und Erkenntnisvermögen …

1.18
khecaryādijayāntārṇaparamārthaprathāmayam |
evaṃ śaktyanalākārasphuradraudrīprabhāmayam || 18||
… erfüllt vom Offenbarwerden der eigentlichen Bedeutung der Laute von Khechari bis Jaya. So besteht es aus dem leuchtenden Glanz Raudris, aufscheinend in den Gestalten von Shakti und Feuer.

1.19
jyeṣṭārūpacatuṣkoṇaṃ vāmārūpabhramitrayam |
cidaṃśāntastrikoṇaṃ ca śāntyatītāṣṭakoṇakam || 19||
Das Viereck hat die Gestalt Jyeshthas, die drei Umkreisungen die Gestalt Vamas; das innere Dreieck ist der Bewusstseinsanteil, und das Achteck [entspricht] Shantyatita, dem Bereich jenseits des Friedens.

1.20
śāntyaṃśadvidaśārañca tathaiva bhuvanārakam |
vidyākalāpramārūpadalāṣṭakasamāvṛtam || 20||
Die beiden Zehnecke und ebenso das [vierzehneckige] Bhuvana-Chakra gehören zum Anteil Shanti. [Das Ganze] ist vom achtblättrigen [Lotus] umgeben, der die Gestalt des Erkennens in der Vidya-Kala hat.

1.21
pratiṣṭāvapuṣā sṛṣṭasphuraddvyaṣṭadalāmbujam |
nivṛttyākāravilasaccatusṣkoṇavirājitam || 21||
[Es besitzt] den leuchtenden Lotus mit zweimal acht Blättern, hervorgebracht durch die Gestalt der Pratishtha, und erstrahlt im Viereck, das in der Gestalt der Nivritti aufleuchtet.

1.22
trailokyamohanādye tu navacakre sureśvari |
nādo binduḥ kalā jyeṣṭā raudrī vāmā tathā punaḥ || 22||
In den neun Chakras, beginnend mit dem »die drei Welten Verblendenden«, stehen, Herrin der Götter, Nada, Bindu, Kala, Jyeshtha, Raudri und Vama …

1.23
viṣaghnī dūtarī caiva sarvānandā kramāt sthitāḥ |
niraṃśau nādabindū ca kalā cecchāsvarūpakam || 23||
… ferner Vishaghni, Dutari und Sarvananda, in dieser Reihenfolge. Nada und Bindu sind ohne Teile; Kala ist das Wesen des Willens …

1.24
jyeṣṭā jñānaṃ kriyā śeṣamityevaṃ tritayātmakam |
cakraṃ kāmakalārūpaṃ prasāraparamārthataḥ || 24||
… Jyeshtha die Erkenntnis, das Übrige das Handeln. So ist das Chakra dreifach. Seiner wirklichen Entfaltung nach hat es die Gestalt der Kamakala, [der schöpferischen Kraft des Begehrens].

1.25
akule viṣusaṃjñe ca śakte vahnau tathā punaḥ |
nābhāvanāhate śuddhe lambikāgre bhruvo'ntare || 25||
In Akula, an der Vishu genannten [Stelle], in Shakta, im Feuer, im Nabel, im Anahata, im reinen [Zentrum], an der Spitze des Gaumenzäpfchens, zwischen den Brauen …

1.26
bindau tadardhe rodhinyāṃ nāde nādānta eva ca |
śaktau punarvyāpikāyāṃ samanonmani gocare || 26||
… im Bindu, in dessen Hälfte, in Rodhini, in Nada und Nadanta, ferner in Shakti, Vyapika, im Bereich von Samana und Unmani …

1.27
mahābindau punaścaiva tridhā cakraṃ tu bhāvayet |
ājñāntaṃ sakalaṃ proktaṃ tataḥ sakalaniṣkalam || 27||
… und wiederum im großen Bindu soll man das Chakra auf dreifache Weise vergegenwärtigen. Bis zum Ajna heißt es »mit Teilen«; danach [ist es] »mit und ohne Teile« …

1.28
unmanyantaṃ pare sthāne niṣkalañca tridhā sthitam |
dīpākāro'rdhamātraśca lalāṭe vṛtta iṣyate || 28||
… bis zu Unmani; an der höchsten Stätte ist es »ohne Teile«. So steht es dreifach. [Der Bindu] an der Stirn gilt als lampenförmig, rund und eine halbe Lautdauer messend.

1.29
ardhacandrastathākāraḥ pādamātrastadūrdhvake |
jyotsnākārā tadaṣṭāṃśā rodhinī tryasravigrahā || 29||
Der Halbmond darüber hat die entsprechende Gestalt und misst eine Viertel-Lautdauer. Rodhini ist wie Mondlicht, von dreieckiger Gestalt, und misst eine Achtel-Lautdauer. [Die Dīpikā erläutert tadaṣṭāṃśā als ein Achtel der ganzen Lautdauer, nicht ein Achtel des vorausgehenden Viertels; Druck S. 44.]

1.30
bindudvayāntare daṇḍaḥ śevarūpo maṇiprabhaḥ |
kalāṃśo dviguṇāṃśaśca nādānto vidyudujjvalaḥ || 30||
Zwischen zwei Punkten steht ein Stab, von der Gestalt einer Schädelnaht und wie ein Edelstein glänzend. [Nada misst] einen Kala-Anteil, Nadanta den nochmals halbierten Zeitanteil und strahlt wie ein Blitz. [Die Dīpikā erklärt śeva als Schädelnaht und die Zeiten als 1/16 beziehungsweise 1/32 einer Lautdauer; Druck S. 45–46.]

1.31
halākārastu savyasthabinduyukto virājate |
śaktirvāmasthabindudyatsthirākārā tathā punaḥ || 31||
[Der Nadanta] erstrahlt pflugförmig mit einem Punkt auf einer Seite. Shakti wiederum ist eine feste [gerade] Form mit einem links leuchtenden Punkt. [Die Dīpikā legt savya hier als rechte Seite aus; ihre Erläuterung zur geraden Gestalt Shaktis steht auf Druck S. 47.]

1.32
vyāpikā binduvilasattrikoṇākāratāṃ gatā |
bindudvayāntarālasthā ṛjurekhāmayī punaḥ || 32||
Vyapika nimmt die Gestalt eines Dreiecks an, in dem ein Punkt leuchtet. Zwischen zwei Punkten liegt wiederum eine gerade Linie …

1.33
samanā binduvilasadṛjurekhā tathonmanā |
śaktyādīnāṃ vapuḥ sphūrjaddvādaśādityasannibham || 33||
… [als] Samana; Unmana ist ebenfalls eine gerade Linie mit leuchtendem Punkt. Die Gestalt der mit Shakti beginnenden [Stufen] gleicht zwölf strahlenden Sonnen.

1.34
catuḥṣaṣṭistadūrdhvaṃ tu dviguṇaṃ dviguṇaṃ tataḥ |
śaktyādīnāṃ tu mātrāṃśo manonmanyāstathonmanī || 34||
[Der Zeitanteil beträgt] ein Vierundsechzigstel; darüber verdoppelt sich jeweils der Nenner. So [verhalten sich] die Lautzeit-Anteile von Shakti an bis zu Manonmani; sodann [folgt] Unmani. [Nach der Dīpikā: Shakti 1/64, Vyapika 1/128, Samana, hier Manonmani genannt, 1/256. Unmani liegt in dieser Auslegung jenseits bestimmter Lautdauer; Druck S. 50–51.]

1.35
daiśakālānavacchinnaṃ tadūrdhve paramaṃ mahat |
nisargasundaraṃ tattu parānandavighūrṇitam || 35||
Darüber liegt das höchste Große, unbegrenzt von Raum und Zeit, von Natur aus schön und in höchster Glückseligkeit kreisend.

1.36
ātmanah sphuraṇaṃ paśyedyadā sā paramā kalā |
ambikārūpamāpanna parā vāk sasudīritā || 36||
Wenn jene höchste Kala das Aufleuchten ihrer selbst schaut, nimmt sie die Gestalt Ambikas an und wird höchste Sprache, Para Vak, genannt.

1.37
bījabhāvasthitaṃ viśvaṃ sphuṭīkartuṃ yadonmukhī||
vāmā viśvasya vamanādaṅkuśākāratāṃ gatā || 37||
Wenn sie sich anschickt, das im Samen ruhende All offenbar zu machen, heißt sie Vama, weil sie das All aus sich hervorgehen lässt, und nimmt die Form eines Elefantenhakens an.

1.38
icchāśaktistadā seyaṃ paśyantī vapuṣā sthitā |
jñānaśaktistathā jyeṣṭā madhyamā vāgudīritā || 38||
Dann ist sie Willenskraft und steht in der Gestalt der schauenden Sprache, Pashyanti. Als Erkenntniskraft heißt sie Jyeshtha und wird mittlere Sprache, Madhyama Vak, genannt …

1.39
ṛjurekhāmayī viśvasthitau prathitavigrahā |
tatsaṃhṛtidaśāyāṃ tu baindavaṃ rūpamāsthitā || 39||
… aus einer geraden Linie bestehend, deren Gestalt beim Bestehen der Welt hervortritt. Im Zustand der Auflösung nimmt sie die Gestalt des Bindu an …

1.40
pratyāvṛttikrameṇaivaṃ śṛṅgaṭavapurujjvalā |
kriyāśaktistu raudrīyaṃ vaikharī viśvavigrahā || 40||
… und strahlt durch den Vorgang der Rückkehr in dreieckiger Gestalt. Diese Handlungskraft ist Raudri, die ausgesprochene Sprache, Vaikhari, deren Körper das All ist …

1.41
bhāsanādviśvarūpasya svarūpe bāhyato'pi ca |
etāścatastraḥ śaktyastu kā pū jā o iti kramāt || 41||
… weil sie die Weltgestalt sowohl in sich selbst als auch nach außen sichtbar macht. Diese vier Kräfte [heißen] der Reihe nach Ka, Pu, Ja und O.

1.42
pīṭhāḥ kande pade rūpe rūpātīte kramāt sthitāḥ |
caturastraṃ tatha binduṣaṭkayuktaṃ ca vṛttakam || 42||
Die [vier heiligen] Sitze befinden sich der Reihe nach in Kanda, Pada, Rupa und Rupatita. Ein Viereck, ein Kreis mit sechs Punkten …

1.43
ardhacandraṃ trikoṇaṃ ca rūpāṇyeṣāṃ krameṇa tu |
pīto dhūmrastathā śveto rakto rūpaṃ ca kīrtitam || 43||
… ein Halbmond und ein Dreieck sind ihre jeweiligen Formen. Als Farben werden Gelb, Rauchgrau, Weiß und Rot angegeben.

1.44
svayambhurbāṇaliṅgaṃ ca itaraṃ ca paraṃ punaḥ |
pīṭheṣvetāni liṅgāni saṃsthitāni varānane || 44||
Svayambhu, Bana-Linga, Itara und schließlich Para: Diese Lingas, [Zeichen des Göttlichen], befinden sich in den Sitzen, Schönangesichtige.

1.45
hemabandhūkakusumaśaraccandranibhāni tu |
svāvṛtaṃ trikūṭaṃ ca mahāliṅgaṃ svayambhuvam || 45||
Sie gleichen Gold, der Bandhuka-Blüte und dem Herbstmond. Das große, aus sich entstandene Linga ist von sich selbst umgeben und hat drei Spitzen. [Die Zuordnung von vier Lingas zu nur drei Farbbildern bleibt offen.]

1.46
kāditāntākṣaropetaṃ bāṇaliṅgaṃ trikoṇakam |
kadambagolakākāraṃ thādisāntākṣarāvṛtam || 46||
Das dreieckige Bana-Linga ist mit den Lauten von ka bis ta versehen; [das folgende Linga] gleicht einer runden Kadamba-Blüte und ist von den Lauten von tha bis sa umgeben.

1.47
sūkṣmarūpaṃ samastārṇavṛtaṃ paramaliṅgakam |
bindurūpaṃ parānandakandaṃ nityoditam || 47
Das höchste Linga ist fein, von allen Lauten umgeben, von der Gestalt des Bindu, die Wurzel höchster Glückseligkeit und ewig aufgegangen.

1.48
bījatrayayuktasya sakalasya manoḥ punaḥ |
etāni vācyarūpāṇi kulakaulamayāni tu || 48||
Dies sind die bezeichneten Gestalten des mit drei Keimsilben verbundenen vollständigen Mantra; sie bestehen aus Kula und Kaula.

1.49
jāgratsvapnasuṣuptyākhyaturyarūpāṇyamūni tu |
atītaṃ tu paraṃ tejaḥ svasaṃvidudayātmakam || 49||
Sie sind die Gestalten von Wachen, Träumen, Tiefschlaf und dem »Vierten«, Turiya. Jenseits [davon] liegt das höchste Licht, das im Aufgehen des eigenen Bewusstseins besteht.

Shiva und Shakti werden im Yogini Hridaya als Bewusstseinsgrund und göttliche Kraft aufeinander bezogen. Allgemeine Illustration.

1.50
svecchāviśvamayollekhakhacitaṃ viśvarūpakam |
caitanyamātmano rūpaṃ nisargānandasundaram || 50||
Die Gestalt des Selbst ist Bewusstsein: schön durch natürliche Glückseligkeit, von der Gestalt der Welt und geprägt vom Entwurf des Alls, der aus eigenem Willen entsteht.

1.51
meyamātṛpramāmānaprasaraiḥ saṃkucatprabham |
śṛṅgāṭarūpamāpannamicchājñānakriyātmakam || 51||
Sein Glanz zieht sich durch die Entfaltungen von Gegenstand, Erkennendem, Erkenntnis und Erkenntnismittel zusammen. Es nimmt dreieckige Gestalt an und besteht aus Wille, Erkenntnis und Handeln.

1.52
viśvākāraprathādhāranijarūpaśivāśrayam |
kāmeśvarāṅkaparyaṅkaniviṣṭamatisundaram || 52||
[Dieses Licht] ruht auf Shiva, seiner eigenen Gestalt, dem Grund der Offenbarung des Alls; es ist überaus schön und auf dem Schoß Kameshvaras wie auf einem Ruhebett niedergelassen …

1.53
icchāśaktimayaṃ pāśamaṅkuśaṃ jñānarūpiṇam |
kriyāśaktimaye bāṇadhanuṣī dadhadujjvalam || 53||
… strahlend, mit der Schlinge als Willenskraft, dem Elefantenhaken als Erkenntnis sowie Pfeilen und Bogen als Handlungskraft.

1.54
āśrayāśrayibhedena aṣṭadhā bhinnahetimat |
aṣṭāracakrasaṃrūḍhaṃ navacakrāsanasthitam || 54||
Durch die Unterscheidung von Träger und Getragenem hat es einen achtfach unterschiedenen Grund; es erhebt sich auf dem Achteck-Chakra und sitzt auf dem Sitz der neun Chakras.

1.55
evaṃrūpaṃ paraṃ tejaḥ śrīcakravapuṣā sthitam |
tadīyaśaktinikarasphuradūrmisamāvṛtam || 55||
In dieser Weise besteht das höchste Licht als Gestalt des Shri Chakra. Die aufleuchtenden Wellen seiner eigenen Schar von Kräften umgeben es.

1.56
cidātmabhittau viśvasya prakāśāmarśane yadā |
karoti svecchayā pūrṇavicikīrṣāsamanvitā || 56||
Wenn sie aus freiem Willen, von vollkommenem Schaffensdrang erfüllt, auf der Bewusstseinsfläche das All erhellt und seiner gewahr wird …

1.57
kriyāśaktistu viśvasya modanād drāvaṇāttathā |
mudrākhyā sā yadā saṃvidambikā trikalāmayī || 57||
… dann heißt die Handlungskraft Mudra, weil sie das All erfreut und zum Schmelzen bringt. Wenn dieses Bewusstsein als Ambika aus drei Kalas besteht …

1.58
trikhaṇḍārūpamāpannā sadā sannidhikāriṇī |
sarvasya cakrarājasya vyāpikā parikīrtita || 58||
… nimmt es die Gestalt der Trikhanda [»Dreiteiligen«] an, die stets Gegenwart bewirkt; sie wird als das gesamte königliche Chakra durchdringend beschrieben.

1.59
yoniprācuryataḥ saiṣā sarvasaṃkṣobhikā punaḥ |
vāmāśaktipradhāneyaṃ dvāracakre sthitā bhavet || 59||
Wegen des Vorherrschens der Yoni [des schöpferischen Ursprungs] ist sie wiederum die »alles Erschütternde«. In ihr überwiegt Vama-Shakti; sie steht im Chakra des Tores.

1.60
kṣubdhāviśvasthitikarī jyeṣṭāprācuryamāśritā |
sthūlanādakalārūpā sarvānugrahakāriṇī || 60||
Sie bewirkt das Bestehen der erschütterten Welt und nimmt das Übergewicht Jyeshthas an. Als grobe Nada-Kala gewährt sie allen Gnade.

1.61
sarvāśapūraṇākhye tu saiṣā sphuritavigrahā |
jyeṣṭāvāmāsamantvena sṛṣṭeḥ prādhānyamāśritā || 61||
Im Chakra namens »Erfüllung aller Hoffnungen« leuchtet ihre Gestalt. Durch das Gleichgewicht von Jyeshtha und Vama nimmt das Hervorbringen den Vorrang ein …

1.62
ākarṣiṇī tu mudreyaṃ sarvasaṃkṣobhiṇī smṛtā |
vyomadvayāntarālasthabindurūpā maheśvari || 62||
… und diese anziehende Mudra wird als »alles Erschütternde« bezeichnet. Höchste Herrin, sie hat die Gestalt eines Bindu zwischen zwei Räumen …

1.63
śivaśaktyātmasaṃśleṣāddivyāveśakarī smṛtā |
caturdaśāracakrasthā saṃvidānandavigrahā || 63||
… und heißt durch die Vereinigung von Shiva und Shakti »göttliches Ergriffensein bewirkend«. Im vierzehneckigen Chakra steht sie als Bewusstsein und Glückseligkeit. [Divyāveśakarī ist am Sanskritdruck S. 80 geprüft.]

1.64
bindvantarālavilasatsūkṣma rekhāśikhāmayī |
jyeṣṭāśaktipradhānā tu sarvonmādanakāriṇī || 64||
Als Spitze einer feinen Linie, die zwischen den Punkten aufleuchtet, bewirkt sie das Verzücken aller; in ihr überwiegt Jyeshtha-Shakti …

1.65
daśāracakramāsthāya saṃsthitā vīravandite |
vāmāśaktipradhānā tu mahāṅkuśamayī punaḥ || 65||
… und sie hat ihren Ort im zehneckigen Chakra, von Helden Verehrte. Diejenige, in der Vama-Shakti überwiegt, besteht wiederum aus dem großen Elefantenhaken …

1.66
tadvadviśvaṃ vamantī sā dvitīye tu daśārake |
saṃsthitā modanaparā mudrārūpatvamāsthitā || 66||
… und bringt ebenso das All hervor. Im zweiten Zehneck steht sie, ganz auf Erfreuen gerichtet, in der Gestalt einer Mudra.

1.67
dharmādharmasya saṃghaṭṭādutthitā vittīrūpiṇī |
vikalpotthakriyāloparūpadoṣavidhātinī || 67||
Aus dem Zusammenstoß von Dharma und Adharma hervorgegangen, besteht sie aus Gewahrsein und beseitigt den Fehler, der im Ausfall des Handelns durch begriffliche Vorstellungen liegt.

1.68
vikalparūparogāṇāṃ hāriṇī khecarī parā |
sarvarogaharākhye tu cakre saṃvinmayī sthitā || 68||
Die höchste Khechari beseitigt die Krankheiten in Gestalt unterscheidender Vorstellungen. Als Bewusstsein steht sie im Chakra, das »alle Krankheiten Beseitigendes« heißt.

1.69
śivaśaktisamāśleṣasphuradvyomāntare punaḥ |
prakāśayati viśvaṃ sā sūkṣmarūpasthita sadā || 69||
In dem Raum, der durch die innige Verbindung von Shiva und Shakti aufleuchtet, lässt sie das All erneut erscheinen und besteht dabei stets in feiner Gestalt.

1.70
bījarūpā mahāmudrā sarvasiddhimaye sthitā |
sampūrṇasya prakāśasya lābhabhūmiriyaṃ punaḥ || 70||
Die große Mudra in Samenform steht im Chakra »aus allen Vollendungen bestehend«. Diese [folgende Stufe] ist die Stätte, an der das vollständige Licht erlangt wird …

1.71
yonimudrā kalārūpā sarvānandamaye sthitā |
kriyā caitanyarūpatvādevaṃ cakramayaṃ sthitam || 71||
… die Yoni-Mudra als Kala steht im »aus aller Glückseligkeit bestehenden« Chakra. Weil Handeln Bewusstsein ist, steht es so als Chakra da.

1.72
icchārūpaṃ paraṃ tejāḥ sarvadā bhāvayed budhaḥ |
tridhā ca navadhā caiva cakrasaṅketakaḥ punaḥ || 72||
Der Verständige soll stets das höchste Licht als Willen vergegenwärtigen. Das verborgene Verständnis des Chakra ist wiederum dreifach und neunfach.

1.73
vahninaikena śaktibhyāṃ dvābhyāṃ caiko'praḥ punaḥ |
taiśca vahnitrayeṇāpi śaktīnāṃ tritayena ca || 73||
Ein [Chakra] besteht aus einem Feuer und zwei Shaktis; ein weiteres wiederum aus diesen zusammen mit drei Feuern und drei Shaktis …

1.74
padmadvayena cānyaḥ syād bhūgṛhatritayena ca |
pañcaśakti caturvahnipadmadvayamahītrayam || 74||
… und ein anderes aus den beiden Lotussen und den drei Erdhäusern. Fünf Shaktis, vier Feuer, zwei Lotusse und drei Erdumfassungen …

1.75
paripūrṇaṃ mahacakraṃ tatprakāraḥ pradarśyate |
tatrādyaṃ navayoni syāt tena dvidaśāsaṃyutam || 75||
… bilden das vollständige große Chakra. So wird seine Gliederung erklärt: Das erste besteht aus neun Yonis. Mit den beiden Zehnecken zusammen …

1.76
manuyoni paraṃ vidyāt tṛtīyaṃ tadanantaram |
aṣṭadvyaṣṭadalopetaṃ caturasratrayānvitam || 76||
… soll man das nächste als das [Chakra] mit vierzehn Yonis erkennen. Das dritte folgt darauf, versehen mit acht und zweimal acht Blättern sowie mit drei Vierecken.

1.77
cakrasya triprakāratvaṃ kathitaṃ parameśvari |
sṛṣṭiḥsyānnavayonyādipṛthvyantaṃ saṃhṛti punaḥ || 77||
Damit wurde die Dreiteilung des Chakra erklärt, höchste Herrin. Schöpfung verläuft von den neun Yonis bis zur Erde; Auflösung wiederum …

1.78
pṛthvyādinavayonyantamiti śāstrasya nirṇayaḥ |
etatsamaṣṭirūpaṃ tu tripurācakramucyate || 78||
… von der Erde bis zu den neun Yonis. So lehrt die Schrift. Diese Gesamtgestalt heißt Chakra der Tripura …

1.79
yasya vijñānamātreṇa tripurājñānavān bhavet |
cakrasya navadhātvaṃ ca kathayāmi tava priye || 79||
… durch dessen bloße Erkenntnis man Kenntnis der Tripura erlangt. Nun erkläre ich dir auch die Neunheit des Chakra, Geliebte.

1.80
ādimaṃ bhūtrayeṇa syād dvitīyaṃ ṣoḍaśārakam |
anyadaṣṭadalaṃ proktaṃ manukoṇamanantaram || 80||
Das erste besteht aus drei Erdlinien; das zweite hat sechzehn Speichen [Blätter]. Darauf folgt das achtblättrige, danach das vierzehneckige.

1.81
pañcamaṃ daśakoṇaṃ syāt ṣaṣṭhaṃ cāpi daśārakam |
saptamaṃ vasukoṇaṃ syānmadhyatryasramathāṣṭamam || 81||
Das fünfte und das sechste sind zehneckig. Das siebte hat acht Ecken; das achte ist das Dreieck in der Mitte.

1.82
navamaṃ tryasramadhyaṃ syāt teṣāṃ nāmānyataḥ śṛṇu |
trailokyamohanaṃ cakraṃ sarvāśāparipūrakam || 82||
Der neunte [Bereich] ist die Mitte des Dreiecks. Nun höre ihre Namen: das Chakra »Verblendung der drei Welten«, »Erfüllung aller Hoffnungen« …

1.83
sarvasaṃkṣobhaṇaṃ gauri sarvasaubhāgyadāyakam |
sarvārthasādhakaṃ cakraṃ sarvarakṣākaraṃ param || 83||
… »Erschütterung aller«, Gauri, »Gewährung allen Glücks«, das Chakra »Verwirklichung aller Ziele« und das höchste, »Schutz aller« …

1.84
sarvarogaharaṃ devi sarvasiddhimayaṃ tathā |
sarvānandamayaṃ cāpi navamaṃ śṛṇu sundari || 84||
… »Beseitigung aller Krankheiten«, Göttin, und »aus allen Vollendungen bestehend«. Als neuntes höre, Schöne: »aus aller Glückseligkeit bestehend«.

1.85
atra pūjyā mahādevī mahātripurasundarī |
paripūrṇaṃ mahācakramajarāmarakārakam || 85||
Hier ist die große Göttin Mahatripurasundari zu verehren. Das vollkommene große Chakra bewirkt [nach dem Anspruch des Textes] Freiheit von Alter und Tod.

1.86
etameva mahācakrasaṅketaḥ parameśvari |
kathitastripurādevyā jīvanmuktipravartakaḥ || 86||
Damit wurde der Schlüssel zu diesem großen Chakra der Göttin Tripura erklärt, höchste Herrin; er setzt die Befreiung zu Lebzeiten in Gang.

Kapitelkolophon
iti prathamaḥ paṭalaḥ samāptaḥ |
Damit ist das erste Kapitel beendet.

Die Begleitvideos zeigen allgemeine heutige Yogapraxis. Sie vermitteln keine vollständige Shri-Chakra-Verehrung oder Rekonstruktion der historischen Rituale.

Begleitvideo: Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev

Kapitel 2: Mantra, Überlieferung und Selbst

Das zweite Kapitel erschließt unterschiedliche Ebenen der Mantrabedeutung. Lautkräfte, Elemente, Göttin, Guru und eigenes Selbst werden miteinander verbunden. Die Beschreibung der Kundalini mündet in die Frage nach der eigenen tiefsten Natur.

atha dvitīyaḥ paṭalaḥ
Nun das zweite Kapitel.

Matrika bezeichnet die Mutter beziehungsweise göttliche Ordnung der Laute. Allgemeine Illustration zur Mantralehre.

2.1
mantrasaṅketaṃ divyamadhunā kathyāmi te |
yadvettā tripurākāro vīracakreśvaro bhavet || 1||
Nun erkläre ich dir den göttlichen Schlüssel zum Mantra. Wer ihn kennt, erhält die Gestalt Tripuras und wird Herr des Kreises der Helden.

2.2
karaśuddhikaro tvādyā dvitīyā cātmarakṣikā |
ātmāsanagatā devī tṛtīyā tadanantaram || 2||
Die erste [Vidya] reinigt die Hände; die zweite schützt das Selbst. Die dritte Göttin befindet sich auf dem Sitz des Selbst; danach …

2.3
cakrāsanagatā paścāt sarvamantrāsanasthitā |
sādhyasiddhāsanā ṣaṣṭhā māyālakṣmīmayī parā || 3||
… [folgt die] auf dem Sitz des Chakra, anschließend die auf dem Sitz aller Mantras. Die sechste [hat] den Sitz von Sadhya und Siddha; die höchste besteht aus Maya und Lakshmi …

2.4
mūrtividyā ca sā devī saptamo parikīrtitā |
aṣṭamyāvāhinī vidyā navamā bhairavī parā || 4||
… und diese Göttin, die Murti-Vidya [der heiligen Gestalt], wird als siebte bezeichnet. Die achte Vidya ruft herbei; die neunte ist die höchste Bhairavi …

2.5
mūlavidyā tathā khyātā trailokyavaśakāriṇī |
evaṃ navaprakārāstu pūjākāle prayatnataḥ || 5||
… auch als Wurzel-Vidya bekannt, welche die drei Welten unter ihre Macht bringt. So [sind sie] neunfach; bei der Verehrung sind sie sorgfältig …

2.6
etāḥ krameṇa nyastavyāḥ sādhakena kuleśvari |
pādāgrajaṅghājānūrugudaliṅgāgrakeṣu ca || 6||
… in dieser Reihenfolge vom Übenden [auf den Körper] aufzulegen, Herrin des Kula: auf Zehenspitzen, Unterschenkel, Knie, Oberschenkel, After und Spitze des Geschlechtsorgans.

2.7
ādhare vinyasanmūrti tasyāmāvāhinīṃ nyaset |
mūlena vyāpakanyāsaḥ kartavyaḥ parameśvari || 7||
Auf der Grundlage bringe man die Gestalt an und lege darauf die herbeirufende [Vidya]. Mit dem Wurzelmantra ist das umfassende Auflegen auszuführen, höchste Herrin.

2.8
akulādiṣu pūrvoktasthāneṣu paricintayet |
cakreśvarisamāyuktaṃ navacakraṃ puroditam || 8||
An den zuvor genannten Orten von Akula an soll man die schon beschriebenen neun Chakras zusammen mit ihren jeweiligen Herrinnen vergegenwärtigen.

2.9
tāsāṃ nāmāni vakṣyāmi yathānukramayogataḥ |
tatrādyā tripurā devī dvitīyā tripureśvarī || 9||
Ich nenne dir deren Namen in ihrer Reihenfolge: Die erste ist die Göttin Tripura, die zweite Tripureshvari.

2.10
tṛtīyā ca tathā proktā devī tripurasundarī |
caturthī ca mahādevī devī tripuravāsinī || 10||
Als dritte wird die Göttin Tripurasundari bezeichnet, als vierte die große Göttin Tripuravasini.

2.11
pañcamī tripurā śrīḥ syāt ṣaṣṭhī tripuramālinī |
saptamī tripurā siddhiraṣṭamī tripurāmbikā || 11||
Die fünfte ist Tripura Shri, die sechste Tripuramalini, die siebte Tripura Siddhi und die achte Tripurambika.

2.12
navamī tu māhadevī mahātripurasundarī |
pūjayecca kramādetā navacakre purodite || 12||
Die neunte ist die große Göttin Mahatripurasundari. Diese [neun Göttinnen] soll man nacheinander in den zuvor genannten neun Chakras verehren.

2.13
evaṃ navaprakārādyā pūjākāle tu pārvati |
ekākārā hyādyaśaktirajarāmarakāriṇī || 13||
So ist die ursprüngliche [Kraft] bei der Verehrung neunfach, Parvati. Die ursprüngliche Shakti selbst hat eine einzige Gestalt und bewirkt [dem Text zufolge] Freiheit von Alter und Tod.

2.14
mantrasaṅketakastasyā nānākāro vyavasthitaḥ |
nānāmantrakrameṇaiva pāramparyeṇa labhyate || 14||
Der Schlüssel zu ihrem Mantra besteht in vielerlei Gestalten; durch die verschiedenen Mantra-Folgen wird er innerhalb der Überlieferung erlangt.

2.15
ṣaḍvidhastaṃ tu deveśi kathayāmi tavānaghe |
bhāvārthaḥ sampradāyārtho nigamārthaśca kaulikaḥ || 15||
Ich erkläre ihn dir sechsfach, Herrin der Götter, Makellose: als Bhavartha, Sampradayartha, Nigamartha und Kaulika …

2.16
tathā sarvarahasyārtho mahātattvārtha eva ca |
akṣarārtho hi bhāvārthaḥ kevalaḥ parameśvari || 16||
… ferner als Sarvarahasyartha und Mahatattvartha. Die bloße Bedeutung der Laute ist der Bhavartha, höchste Herrin.

2.17
yoginībhistathā vīrairvīrendraiḥ sarvadā priye |
śivaśaktisamāyogājjanito mantrarājakaḥ || 17||
Aus der Vereinigung von Shiva und Shakti entsteht der König der Mantras, Geliebte. Yoginis, Helden und Herren der Helden [verehren ihn] stets …

2.18
tanmayīṃ paramānandananditāṃ spandarūpiṇīm |
nisargasundarīṃ devīṃ jñātvā svairamupāsate || 18||
… indem sie die Göttin als aus ihm bestehend erkennen, von höchster Glückseligkeit erfreut, als Pulsieren und von Natur aus schön; so verehren sie frei.

2.19
śivaśaktyātmasaṃghaṭṭarūpe brahmāṇi śāśvate |
tatprathāprasarāśleṣabhuvi tvaindropalakṣite || 19||
Im ewigen Brahman, dessen Gestalt das Zusammentreffen von Shiva und Shakti ist, auf dem Boden des innigen Zusammenhangs und der Ausbreitung ihres Offenbarwerdens, gekennzeichnet durch Indra …

2.20
jñātṛjñānamayākāramananānmantrarūpiṇī |
teṣāṃ samaṣṭirūpeṇa parāśaktistu mātṛkā || 20||
… ist sie durch das Vergegenwärtigen der aus Erkennendem und Erkenntnis bestehenden Gestalt eine Mantra-Gestalt. Als deren Gesamtgestalt ist die höchste Shakti die Matrika, die Mutter der Laute. [Mananāt, »durch Vergegenwärtigen«, folgt dem gedruckten Haupttext S. 126.]

2.21
madhyabinduvisargāntaḥ samāsthānamaye pare |
kuṭilārūpake tasyāḥ pratirūpe viyatkale || 21||
Im höchsten [Bereich], der zwischen mittlerem Bindu und Visarga seinen Ort hat, in ihrer gekrümmten Gestalt und deren Gegenbild, der Raum-Kala … [Die technischen Bezüge der folgenden Folge bis 2.25 bleiben teilweise vorläufig; die Bild- und Lautnamen sind keine vollständig entschlüsselte Mantra-Folge.]

2.22
madhyaprāṇaprathārūpapaspandavyomni sthita punaḥ |
madhyame mantrapiṇḍe tu tṛtīye piṇḍake punaḥ || 22||
… steht sie wiederum im pulsierenden Raum, dessen Gestalt das Offenbarwerden des mittleren Lebenshauchs ist: im mittleren Mantra-Block; im dritten Block wiederum …

2.23
rāhukūṭādvayasphūrjaccalattāsaṃsthitasya tu |
dharmādharmasya vācyasya viṣāmṛtamayasya ca || 23||
… [steht sie als] das bezeichnete Dharma und Adharma, bestehend aus Gift und Unsterblichkeitsnektar, dessen Bewegtheit im Aufleuchten der beiden Rahu-Spitzen ruht …

2.24
vācakrākṣarasaṃyogāt kathitā viśvarūpiṇī |
teṣāṃ samaṣṭirūpeṇa parāśaktiṃ tu mātṛkām || 24||
… durch die Verbindung der bezeichnenden Laute wird sie als Weltgestalt beschrieben. Als deren Gesamtgestalt [betrachtet man] die höchste Shakti, die Matrika …

2.25
kūṭatrayātmikāṃ devīṃ samaṣṭivyaṣṭirūpiṇim |
ādyāṃ śaktiṃ bhāvayanto bhāvārthamiti manvate || 25||
… die Göttin der drei Mantra-Blöcke, Gesamtgestalt und Einzelgestalt zugleich. Indem man so die ursprüngliche Kraft vergegenwärtigt, versteht man den Bhavartha.

2.26
sampradāyo mahābodharūpo gurumukhe sthitaḥ |
viśvākāraprathāyāstu mahattvañca yadāśrayam || 26||
Die Überlieferung verkörpert das große Erwachen und lebt im Mund des Lehrers. Auf ihr beruht die Größe, mit der die Weltgestalt offenbar wird.

2.27
śivaśaktyādyayā mūlavidyayā parameśvari |
jagatkṛtsnaṃ tayā vyāptaṃ śṛṇuṣvāvahitā priye || 27||
Von der Wurzel-Vidya, deren Anfang Shiva und Shakti sind, höchste Herrin, wird das ganze All durchdrungen. Höre aufmerksam, Geliebte.

2.28
pañcabhūtamayaṃ viśvaṃ tanmayī sā sadānaghe |
tanmayī mūlavidyā ca tadadya kathayāmi te || 28||
Das All besteht aus den fünf Elementen; stets besteht sie aus ihnen, Makellose, und auch die Wurzel-Vidya besteht aus ihnen. Dies erkläre ich dir jetzt.

2.29
hakārād vyoma sambhūtaṃ kakārāttu prabhañjanaḥ |
rephādagniḥ sakārācca jalatattvasya sambhavaḥ || 29||
Aus dem Laut ha entstand der Raum, aus ka der Wind; aus r das Feuer und aus sa das Wasserprinzip.

2.30
lakārāt pṛthivī jātā tasmād viśvamayī ca sā |
guṇāḥpañcadaśa proktā bhūtānāṃ tanmayī śivā || 30||
Aus la entstand die Erde. Darum besteht sie aus dem All. Fünfzehn Eigenschaften der Elemente werden genannt; aus ihnen besteht Shiva [hier: die Göttin].

2.31
yasya yasya padārthasya sā yā śaktirudīritā |
sā sā sarveśvarī devī sa sa sarvo maheśvaraḥ || 31||
Welche Kraft einem Gegenstand auch zugesprochen wird: Sie ist jeweils die Göttin, die Herrin aller. Der jeweilige [Kraftträger] ist der große Herr.

2.32
vyāptā pañcadaśārṇaḥ sā vidyā bhūtaguṇātmikāḥ |
pañcabhiśca tathā ṣaḍ bhiścaturbhirapi cākṣaraḥ || 32||
Sie ist als fünfzehnlautige Vidya ausgebreitet und besteht aus den Eigenschaften der Elemente, [gegliedert] in fünf, sechs und vier Laute.

2.33
svaravyañjanabhedena saptatriṃśatprabhedinī |
saptatriṃśatprabhedena ṣaṭ triṃśatattvarūpiṇī || 33||
Durch die Unterscheidung von Vokalen und Konsonanten [ist sie] siebenunddreißigfach, siebenunddreißigfach unterschieden, [zugleich] Gestalt der sechsunddreißig Wirklichkeitsprinzipien. [Die Wiederholung gehört zum Text.]

2.34
tattvātītasvabhāvā ca vidyaiṣaṃ bhāvyate sadā |
pṛthivyādiṣu bhūteṣu vyāpakaṃ cottarottaram || 34||
Diese Vidya, deren Wesen über den Wirklichkeitsprinzipien steht, ist stets zu vergegenwärtigen. Unter den Elementen, von Erde an, durchdringt das jeweils höhere …

2.35
bhūtaṃ tvadhastanaṃ vyāpyaṃ tad guṇā vyāpakāśrayāḥ |
vyāpyeṣvavasthitā devi sthūlasūkṣmavibhedataḥ || 35||
… das darunterstehende Element, welches das Durchdrungene ist. Dessen Eigenschaften beruhen auf dem Durchdringenden und befinden sich in den durchdrungenen [Elementen], Göttin, unterschieden nach grob und fein.

2.36
tasmādvyomaguṇaḥ śabdo vāyvādīn vyāpya saṃsthitaḥ |
vyomabījaistu vidyāsthairlakṣayecchabdapañcakam || 36||
Darum steht der Klang, die Eigenschaft des Raumes, so da, dass er Wind und die folgenden [Elemente] durchdringt. Mit den im Vidya-Mantra befindlichen Raum-Keimsilben soll man die fünf Arten des Klanges bezeichnen.

2.37
teṣāṃ kāraṇarūpeṇa sthita dhvanimayaṃ param |
bhaved guṇavatāṃ bījaṃ guṇānāmapi vācakam || 37||
Als deren Ursache steht das Höchste aus Klang bestehend da. Eine Keimsilbe, die den Träger der Eigenschaften bezeichnet, kann auch die Eigenschaften bezeichnen.

2.38
kāryakāraṇabhāvena tayoraikya vivakṣayā |
mahāmāyātrayeṇāpi kāraṇena ca bindunā || 38||
Weil Ursache und Wirkung eins genannt werden sollen, [vergegenwärtige man] durch die drei Mahamaya-[Silben] und den ursächlichen Bindu …

2.39
vāyvāgnijalabhūmīnāṃ sparśānāṃ ca catuṣṭayam |
utpannaṃ bhāvayed devi sthūlasūkṣmavibhedataḥ || 39||
… wie die vier Arten von Berührung in Wind, Feuer, Wasser und Erde entstehen, grob und fein unterschieden, Göttin.

2.40
rūpāṇāṃ tritayaṃ tadvat tribhī rephairvibhāvitam |
pradhānaṃ tejaso rūpaṃ tad bījena hi janyate || 40||
Ebenso werden die drei Arten sichtbarer Form durch drei r-Laute vergegenwärtigt. Die hauptsächliche [Eigenschaft] des Feuers ist die sichtbare Form; durch dessen Keimsilbe wird sie hervorgebracht.

2.41
vidyāsthaiścandrabījaistu sthūlasūkṣmo rasaḥ smṛtaḥ |
sambandho vidito loke rasasyāpyamṛtasya ca || 41||
Durch die Mond-Keimsilben im Vidya-Mantra wird Geschmack als grob und fein gedacht. Der Zusammenhang von Geschmack und Nektar ist in der Welt bekannt.

2.42
vasudhāyā guṇo gandhastallipirgandhavācikā |
bhuvanatrayasambandhāt tridhātvaṃ tu maheśvari || 42||
Geruch ist die Eigenschaft der Erde. Ihr Lautzeichen bezeichnet den Geruch. Bezogen auf die drei Welten ist er dreifach, höchste Herrin.

2.43
aśuddhaśuddhamiśrāṇāṃ pramātṝṇāṃ paraṃ vapuḥ |
krodhīśatritaye nātha vidyāsthena prakāśyate || 43||
Die höchste Gestalt der unreinen, reinen und gemischten Erkennenden wird durch die drei Krodhisha-[Laute] im Vidya-Mantra offenbart, Herr.

2.44
śrīkaṇṭhadaśakaṃ tadvadavyaktasyāpi vācakaḥ |
prāṇarūpasthito devi tadvadekādaśaḥ paraḥ || 44||
Ebenso bezeichnet die Zehnergruppe des Shrikantha das Unentfaltete. Der höchste elfte steht entsprechend als Lebenshauch da, Göttin.

2.45
ekaḥ sanneva puruṣo bahudhā jāyate hi saḥ |
rudreśvarasadeśākhyā devatā mitavigrahāḥ || 45||
Obwohl der Purusha einer ist, entsteht er doch auf vielerlei Weise. Die Gottheiten namens Rudra, Ishvara und Sadesha, von begrenzter Gestalt … [Jāyate, »entsteht«, nach dem Sanskritdruck S. 167.]

2.46
bindutrayeṇa kathitā amitāmitavigrahāḥ |
śāntiḥ śaktiśca śambhuśca nādatritayabodhanāḥ || 46||
… werden durch die drei Bindus bezeichnet, mit unbegrenzter und begrenzter Gestalt. Shanti, Shakti und Shambhu werden durch die drei Nadas kundgetan.

2.47
vāgurāmūlavalaye sūtrādyāḥ kavalīkṛtāḥ |
tathā mantrāḥ samastāśca vidyāyāmatra saṃsthitāḥ || 47||
Wie die Fäden und das Übrige im Grundring des Fangnetzes aufgenommen sind, so stehen auch sämtliche Mantras in dieser Vidya.

2.48
gurukrameṇa samprāptaḥ sampradāyārtha īritaḥ |
nigarbhārtho mahādevi śivagurvātmagocaraḥ || 48||
Der durch die Lehrerfolge empfangene [Sinn] heißt Sampradayartha, Überlieferungssinn. Der Nigarbha-Sinn, große Göttin, betrifft Shiva, Lehrer und Selbst …

2.49
tatprakāraṃ ca deveśi diṅmātreṇa vadāmi te |
śivagurvātmanāmaikyānusandhānāttadātmakam || 49||
Ihre Weise erkläre ich dir, Herrin der Götter, nur in den Grundzügen: Sie besteht in der Vergegenwärtigung der Einheit von Shiva, Lehrer und Selbst.

2.50
niṣkalatvaṃ śive budhvā tadrūpatvaṃ gurorapi |
tannirīkṣaṇasāmarthyādātmanaśca śivātmatām || 50||
Nachdem man Shivas Ungeteiltheit und ebenso die Gleichgestaltigkeit des Lehrers erkannt hat, soll man aus der Fähigkeit, ihn zu schauen, auch das eigene Selbst als Shiva …

2.51
bhāvayed bhaktinamraḥ san śaṅkonmeṣākalaṅkitaḥ |
kaulikaṃ kathayiṣyāmi cakradevatayorapi || 51||
… vergegenwärtigen, in Hingabe geneigt und unbefleckt vom Aufkommen des Zweifels. Ich erkläre nun den Kaulika-[Sinn]: die Einheit von Chakra und Gottheit … [Die Lesart śaṅkonmeṣa bezeichnet das Aufkommen von Zweifel. Eine abweichende Fassung hat hier saṅkoca, Zusammenziehen.]

2.52
vidyāgurvātmanāmaikyaṃ tatprakāraḥ pradarśyate |
lakāraiścaturasrāṇi vṛttatritayasaṃyutam || 52||
… sowie von Vidya, Lehrer und Selbst. Ihre Weise wird gezeigt: Aus den la-Lauten [entstehen] die Vierecke, verbunden mit den drei Kreisen …

2.53
saroruhadvayaṃ śaktairagnīṣomātmakaṃ priye |
hṛllekhātrayasaṃbhūtairakṣarairnavasaṅkhyakaiḥ || 53||
… aus den Shakti-[Lauten] das Lotuspaar, das aus Feuer und Mond besteht, Geliebte. Aus den neun Lauten, die aus den drei Hrillekhas hervorgehen …

2.54
bindutrayayutairjātaṃ navayonyātmakaṃ priye |
maṇḍalatrayayuktaṃ tu cakraṃ śaktyanalātmakam || 54||
… und mit den drei Bindus verbunden sind, entsteht das aus neun Yonis bestehende [Chakra]. Mit den drei Kreisen verbunden, besteht das Chakra aus Shakti und Feuer.

2.55
vyomabījatrayeṇaiva pramātṛtrityānvitam |
icchājñānakriyārūpamādanatrayasaṃyutam || 55||
Durch die drei Raum-Keimsilben ist es mit den drei Erkennenden verbunden; [es besitzt] die drei Madanas in der Gestalt von Wille, Erkenntnis und Handlung.

2.56
sadāśivāsanaṃ devi mahābindumayaṃ param |
itthaṃ mantrātmakaṃ cakraṃ devatāyāḥ paraṃ vapuḥ || 56||
Sein Sitz ist Sadashiva. Es ist der höchste große Bindu, Göttin. So besteht das Chakra aus Mantra und ist der höchste Körper der Gottheit.

2.57
ekādaśādhikaśatadevatātmatayā punaḥ |
gaṇeśatvaṃ mahādevyāḥ sasomaravipāvakaiḥ || 57||
Weil die große Göttin das Wesen von einhundertelf Gottheiten hat, ist sie Ganesha; durch Mond, Sonne und Feuer …

2.58
icchājñānakriyābhiśca guṇatrayayutaih punaḥ |
graharūpā ca sā devī jñānakarmendriyairapi || 58||
… und durch Wille, Erkenntnis und Handlung, wiederum mit den drei Grundeigenschaften verbunden, hat sie die Gestalt der Planeten. Durch die Erkenntnis- und Handlungsorgane …

2.59
tadarthaireva deveśi karaṇairāntaraiḥ punaḥ |
prakṛtyā ca guṇenāpi puṃstvabandhena cātmanā || 59||
… durch deren Gegenstände, Herrin der Götter, ferner durch die inneren Organe, durch Prakriti, Eigenschaft, die Bindung an das Personsein und das Selbst …

2.60
nakṣatravigrahā jātā yoginītvamathocyate |
tvagādidhātunāthābhirḍākinyādibhirapyasau || 60||
… wird sie zur Gestalt der Mondhäuser. Nun wird ihr Yogini-Sein erklärt: mit den Herrinnen der Körperbestandteile von Haut an, Dakini und den folgenden …

2.61
vargāṣṭakaniviṣṭābhiryoginībhiśca saṃyutā |
yoginīrūpamāsthāya rājate viśvavigrahā || 61||
… und mit den Yoginis, die in den acht Lautgruppen wohnen, verbunden, nimmt sie die Yogini-Gestalt an und strahlt als Weltgestalt.

2.62
prāṇāpānau samānaścodānavyānau tathā punaḥ |
nāgaḥ kūrmo'tha kṛkaro devadatto dhanañjayaḥ || 62||
Prana, Apana, Samana, Udana und Vyana, ferner Naga, Kurma, Krikara, Devadatta und Dhananjaya …

2.63
jīvātmā paramātmā caityetai rāśisvarūpiṇī |
akathāditripaṅktyātmā tārtīyādikrameṇa sā || 63||
… sowie individuelles und höchstes Selbst: Durch diese hat sie die Gestalt der Tierkreiszeichen. Ihr Wesen sind die drei Reihen, die mit a, ka und tha beginnen; in der mit dem dritten [Block] beginnenden Reihenfolge …

2.64
gaṇeśo'bhūnmahāvidyā parāvāgādivāṅmayī |
bījabindudhvanīnāṃ ca trikūṭeṣu grahātmikā || 64||
… wird die große Vidya Ganesha, bestehend aus den Sprachstufen von Para Vak an. Durch Keimsilbe, Bindu und Klang in den drei Mantra-Blöcken besteht sie aus den Planeten.

2.65
hṛllekhātrayasaṃbhūtaistithisaṃkhyaistathākṣaraiḥ |
anyairdvādaśabhirvarṇaireṣā nakṣatrarūpiṇī || 65||
Durch die aus den drei Hrillekhas entstehenden Laute, deren Zahl den [fünfzehn] Mondtagen entspricht, und durch die zwölf übrigen Laute hat sie die Gestalt der [siebenundzwanzig] Mondhäuser.

2.66
vidyāntarbhūtatadādyaiḥ śāktaiḥ ṣaḍbhistathākṣaraiḥ |
yoginītvaṃ ca vidyāyā rāśitvaṃ cāntyavarjitaiḥ || 66||
Durch die sechs zur Shakti gehörenden Laute – die im Vidya-Mantra enthaltenen [Shakti-Laute] samt den ihnen vorangehenden – erhält die Vidya ihr Yogini-Sein; durch [die Laute] unter Auslassung der letzten [Mantrasilben] ihr Tierkreis-Sein. [Die Dīpikā erklärt auf S. 195–196 die Sechsergruppe als drei Hrillekhas, hrīṃ, und die drei jeweils davorstehenden la. Für die zwölf Tierkreiszeichen werden die drei hrīṃ aus den fünfzehn Mantrasilben ausgenommen. Dies ist die Zählweise des Kommentars; hrīṃ zählt hier jeweils als eine Mantrasilbe.]

2.67
evaṃ viśvaprakārā ca cakra rūpā maheśvarī |
devyā dehe yathā prokto gurudehe tathaiva hi || 67||
So hat die große Herrin die Gestalt der Welt und die Gestalt des Chakra. Wie es am Körper der Göttin erklärt wurde, so [gilt es] auch am Körper des Lehrers.

2.68
tatprasādācca śiṣyo'pi tadrūpaḥ samprajāyate |
ityevaṃ kaulikārthastu kathito vīravandite || 68||
Durch seine Gnade nimmt auch der Schüler diese Gestalt an. Damit ist der Kaulika-Sinn erklärt, du von Helden Verehrte.

2.69
tathā sarvarahsyārthaṃ kathayāmi tavānaghe |
mūlādhāre taḍidrūpe vāgbhavākāratāṃ gate || 69||
Nun erkläre ich dir den Sinn des gesamten Geheimnisses, Makellose. Im Muladhara, blitzförmig und in die Gestalt des Vagbhava [des ersten Mantra-Blocks] eingegangen …

2.70
aṣṭātriṃśatkalāyuktapañcāśadvarṇavigrahā |
vidyā kuṇḍalinīrūpā maṇḍalatrayabhedinī || 70||
… erscheint die Vidya in der Gestalt Kundalinis, verbunden mit achtunddreißig Kalas. Ihr Körper besteht aus fünfzig Lauten; sie durchbricht die drei Kreise …

2.71
taḍitkoṭinibhaprakhyā bisatantunibhākṛtiḥ |
vyomendumaṇḍalāsaktā sudhāsrotaḥsvarūpiṇī || 71||
… strahlt wie zehn Millionen Blitze, hat die Gestalt einer Lotusfaser und ist mit dem Mondkreis im Raum verbunden, ein Strom des Unsterblichkeitsnektars …

2.72
sadā vyāptajagat kṛtsnā sadānandasvarūpiṇī |
eṣā svātmeti buddhistu rahasyārtho maheśvari || 72||
… durchdringt stets das ganze All und hat die Gestalt ewiger Glückseligkeit. Die Erkenntnis »Diese ist mein eigenes Selbst« ist der geheime Sinn, höchste Herrin.

2.73
mahātattvārthaṃ iti yattaca devi vadāmi te |
niṣkale parame sūkṣme nirlakṣye bhāvavarjite || 73||
Was nun Mahatattvartha, Sinn der großen Wirklichkeit, heißt, erkläre ich dir, Göttin: im ungeteilten Höchsten, Feinen, ohne wahrnehmbares Kennzeichen und frei von bestimmtem Sein …

2.74
vyomātīte pare tattve prakāśānandavigrahe |
viśvottīrṇe viśvamaye tattve svātmaniyojanam || 74||
… im höchsten Wirklichen jenseits des Raumes, von der Gestalt des Lichtes und der Glückseligkeit, jenseits der Welt und zugleich weltumfassend: darin das eigene Selbst einzusetzen.

2.75
tadā prakāśamānatvaṃ tejasāṃ tamasāmapi |
avinābhāvarūpatvaṃ tasmādviśvasya sarvataḥ || 75||
Dann [erkennt man] das Erhelltsein sowohl des Lichtes als auch der Dunkelheit und darum auf jede Weise die untrennbare Verbundenheit des Alls [mit diesem Wirklichen].

2.76
prakāśate mahātattvaṃ divyakrīḍārasojjvale |
nirastasarvasaṃkalpavikalpasthitipūrvakaḥ || 76||
Die große Wirklichkeit leuchtet auf im Glanz des Geschmacks göttlichen Spiels. Voraus geht die Aufhebung aller Zustände von Vorsatz und unterscheidender Vorstellung.

2.77
rahasyārtho mayā guptaḥ sadyaḥ pratyayakārakaḥ |
mahājñānārṇave dṛṣṭaḥ śaṅkā tatra na pārvati || 77||
Dieser geheime Sinn, den ich verborgen hielt, führt zu unmittelbarer Gewissheit. Er wird im „Großen Meer der Erkenntnis“ geschaut; daran besteht kein Zweifel, Parvati.

2.78
vidyāpīṭhanibaddheṣu saṃsthito divyasiddhidaḥ |
kaulācāraparairdevi pādukābhāvanāparaiḥ || 78||
Er ist in den an die Vidya-Sitze gebundenen [Überlieferungen] verankert und gewährt göttliche Vollendung. Von jenen, die der Kaula-Lebensweise und der Betrachtung der Sandalen [des Lehrers] hingegeben sind …

2.79
yoginīmelanodyuktaiḥ prāptavidyābhiṣecanaiḥ |
śaṅkākalaṅkavigataiḥ sadā muditamānasaiḥ || 79||
… die sich um die Begegnung mit Yoginis bemühen, die Weihe der Vidya empfangen haben, vom Makel des Zweifels frei sind und stets einen frohen Geist haben …

2.80
pāramparyeṇa vijñātarahasyārthaviśāradaiḥ |
labhyate nānyatha devi tvāṃ śapekulasundari || 80||
… und die durch Überlieferung den geheimen Sinn kundig erfasst haben, wird er erlangt, auf keine andere Weise, Göttin. Ich schwöre bei dir, Schönheit des Kula.

2.81
pāramparyavihīnā ye jñānamātreṇa garvitāḥ |
teṣāṃ samayalopena vikurvanti marīcayaḥ || 81||
Wer ohne Überlieferung ist und sich allein seiner Kenntnisse rühmt, den bringen die Strahlen [der göttlichen Kräfte] wegen der Verletzung der Verpflichtungen in Verwirrung.

2.82
yastu divyarasāsvādamodamānavimarśanaḥ |
devatātithinakṣatre vāre'pi ca vivasvataḥ || 82||
Wer aber im Verkosten des göttlichen Geschmacks ein freudiges Gewahrsein besitzt, an den Mondtagen und im Mondhaus der Gottheit und auch am Tag der Sonne … [Devatātithinakṣatre ist am Sanskritdruck S. 214 geprüft. Die Dīpikā erläutert dazu den achten und vierzehnten Mondtag sowie Pushya.]

2.83
marīcīn prīṇayatyeva madirānandaghūrṇitaḥ |
sarvadā ca viśeṣaṇa labhate pūrṇabodhatām || 83||
… die Strahlen erfreut, von der Freude am berauschenden Getränk bewegt, der erlangt stets und in besonderem Maße vollständiges Erwachen.

2.84
evaṃbhāvastu deveśi deśikendraprasādataḥ |
mahājñānamayo devi sadyaḥ samprāpyate naraiḥ || 84||
Dieser Zustand, Herrin der Götter, ganz aus großer Erkenntnis bestehend, wird von Menschen durch die Gnade des höchsten Lehrers unmittelbar erreicht.

2.85
evametatpradaṃ jñānaṃ vidyārṇāgamagocaram |
devi guhyapriyeṇaiva vyākhyātaṃ durgi ṣaḍ vidham |
sadyo yasya prabodhena vīracakreśvaro bhavet || 85||
So wurde diese Erkenntnis, die dies gewährt und zum Bereich der Vidya-Laute und der Überlieferung gehört, Göttin, von dem Freund des Geheimen sechsfach erklärt, Durga. Durch ihr unmittelbares Erwachen wird man Herr des Kreises der Helden.

Kapitelkolophon
iti dvitīyaḥ paṭalaḥ samāptaḥ |
Damit ist das zweite Kapitel beendet.

Begleitvideo: Aktiviere deine Chakren und meditiere mit Sukadev

Kapitel 3: Verehrung, Körper und innere Sammlung

Das dritte Kapitel verbindet die innere Haltung mit einem ausführlichen Ritualablauf. Es beschreibt das Setzen von Lauten und Gottheiten am Körper, die Verehrung der Kräfte des Shri Chakra und den inneren Japa. Die abschließende Betrachtung von Ich und Welt steht vor den letzten Unterweisungen zur Weitergabe der Lehre.

atha tṛtīyaḥ paṭalaḥ
Nun das dritte Kapitel.

Nadis und Kundalini als ergänzende Darstellung des yogischen Körpermodells. Die Abbildung bildet nicht alle besonderen Nyasa-Zuordnungen des Yogini Hridaya ab.

3.1
pūjāsaṅketamadhunā kathayāmi tavānaghe |
yasya prabodhamātreṇa jīvanmuktaḥ pramodate || 1||
Jetzt erkläre ich dir den Schlüssel zur Verehrung, Makellose. Allein durch dessen Verstehen erfreut sich der zu Lebzeiten Befreite.

3.2
tava nityoditā pūjā tribhirbhedairvyavasthitā |
parā cāpyaparā gauri tṛtīyā ca parāparā || 2||
Deine stets aufgehende Verehrung gliedert sich in drei Formen: die höchste, die niedere, Gauri, und als dritte die zugleich höchste und niedere.

3.3
prathamādvaitabhāvasthā sarvaprasaragocarā |
dvitīyā cakrapūjā ca sadā niṣpādyate mayā || 3||
Die erste ruht in der Nichtzweiheit und umfasst die gesamte Entfaltung. Die zweite ist die Verehrung des Chakra, die ich stets vollziehe.

3.4
evaṃ jñānamaye devi tṛtīyā tu parāparā |
uttamā sā parā jñeyā vidhānaṃ śṛṇu sāmpratam || 4||
So, Göttin aus Erkenntnis, ist die dritte die zugleich höchste und niedere. Die höchste soll als die vorzüglichste erkannt werden. Höre nun das Verfahren.

3.5
mahāpadmavanāntasthe vāgbhave gurupādukām |
āpyāyitajagadrūpāṃ paramāmṛtavarṣiṇīm || 5||
Im Innern des großen Lotuswaldes, im Vagbhava, [betrachte man] die Sandalen des Lehrers, deren Gestalt das All erfrischt und die höchsten Unsterblichkeitsnektar regnen lassen.

3.6
sañcintya paramādvaitabhāvanāmṛtaghūrṇitaḥ |
daharāntarasaṃsarpannādālokanatatparaḥ || 6||
Nachdem er sie vergegenwärtigt hat, vom Nektar höchster nichtdualer Betrachtung bewegt, widme er sich ganz dem Wahrnehmen des Klanges, der im inneren kleinen [Herzensraum] sich bewegt …

3.7
vikalparūpasaṃjalpavimukho'ntarmukhaḥ sadā |
citkalollāsadalitasaṃkocastvatisundaraḥ |
indriyaprīṇanadravyairvihitasvātmapūjanaḥ || 7||
… stets nach innen gewandt, abgewandt vom begrifflichen Reden; seine Begrenzung ist vom Aufleuchten der Bewusstseinskraft aufgebrochen, überaus schön [ist er], und mit die Sinne erfreuenden Gaben verehrt er sein eigenes Selbst. [Die Schlusszeile wurde nach dem Sanskritdruck S. 229 berichtigt.]

3.8
nyāsaṃ nirvartayedehe ṣoḍhānyāsapuraḥsaram |
gaṇeśaiḥ prathamo nyāso dvitīyastu grahairmataḥ || 8||
Er vollziehe das Auflegen [von Mantras] auf den Körper, beginnend mit dem sechsfachen Nyasa. Das erste Auflegen geschieht mit den Ganeshas, das zweite gilt den Planeten.

3.9
nakṣatraiśca tṛtīyaḥ syādyoginībhiścaturthakaḥ |
rāśibhiḥ pañcamo nyāsaḥ ṣaṣṭhaḥ pīṭhairnigadyate || 9||
Das dritte geschieht mit den Mondhäusern, das vierte mit den Yoginis; das fünfte Auflegen mit den Tierkreiszeichen, das sechste wird mit den heiligen Sitzen gelehrt.

3.10
ṣoḍhānyāsastvayaṃ proktaḥ sarvatraivāparājitaḥ |
evaṃ yo nyastagātrastu sa pūjyaḥ sarvayogibhiḥ || 10||
Dieses sechsfache Auflegen wird überall als unüberwindlich bezeichnet. Wer seine Glieder auf diese Weise mit ihm versehen hat, ist von allen Yogis zu verehren.

3.11
nāstyasya pūjyo lokeṣu pitṛmātṛmukho janaḥ |
sa eva pūjyaḥ sarveṣāṃ sa svayaṃ parameśvaraḥ || 11||
Für ihn gibt es in den Welten keinen Menschen, den er verehren müsste, angefangen mit Vater und Mutter. Er selbst ist von allen zu verehren; er selbst ist der höchste Herr.

3.12
ṣoḍhānyāsavihīnaṃ yaṃ praṇamedeṣa pārvati |
so'cirānmṛtyumāpnoti narakaṃ ca prapadyate || 12||
Wenn dieser sich vor jemandem verneigt, der des sechsfachen Auflegens entbehrt, Parvati, so trifft jenen bald der Tod, und er gelangt in die Hölle. [»Jenen« bezieht sich grammatisch am ehesten auf den Verehrten; dies ist eine historische Sanktionsdrohung.]

3.13
ṣoḍhānyāsaprakāraṃ ca kathayāmi tavānaghe |
vighneśo vighnarājaśca vināyakaśivottamau || 13||
Ich erkläre dir die Weise des sechsfachen Auflegens, Makellose: Vighnesha, Vighnaraja, Vinayaka und Shivottama …

3.14
vighnakṛdvighnahartā ca gaṇarāṭ gaṇanāyakaḥ |
ekadanto dvidantaśca gajavaktro nirañjanaḥ || 14||
… Vighnakrit, Vighnaharta, Ganarat, Gananayaka, Ekadanta, Dvidanta, Gajavaktra und Niranjana …

3.15
kapardavān dīrghamukhaḥ śaṅkukarṇo vṛṣadhvajaḥ |
gaṇanātho gajendraśca śūrpakarṇastrilocanaḥ || 15||
… Kapardavan, Dirghamukha, Shankukarna, Vrishadhvaja, Gananatha, Gajendra, Shurpakarna und Trilochana …

3.16
lambodaro mahānādaścaturmūrtiḥ sadāśivaḥ |
āmodo durmukhaścaiva sumukhaśca pramodakaḥ || 16||
… Lambodara, Mahanada, Chaturmurti, Sadashiva, Amoda, Durmukha, Sumukha und Pramodaka …

3.17
ekapādo dvijihvaśca śūro vīraśca ṣaṇmukhaḥ |
varado vāmadevaśca vakratuṇḍo dviraṇḍakaḥ || 17||
… Ekapada, Dvijihva, Shura, Vira, Shanmukha, Varada, Vamadeva, Vakratunda und Dvirandaka …

3.18
senānīrgrāmaṇīrmatto vimatto mattavāhanaḥ |
jaṭī muṇḍī tathā khaḍgī vareṇyo vṛṣaketanaḥ || 18||
… Senani, Gramani, Matta, Vimatta, Mattavahana, Jati, Mundi, Khadgi, Varenya und Vrishaketana …

3.19
bhakṣyapriyo gaṇeśaśca meghanādo gaṇeśvaraḥ |
taruṇāruṇasaṅkāśān gajavaktrān trilocanān || 19||
… Bhakshyapriya, Ganesha, Meghanada und Ganeshvara. [Man denke sie] von der Farbe der jungen Morgenröte, mit Elefantengesichtern und drei Augen …

3.20
pāśāṅkuśavarābhītihastān śaktisamanvitān |
etāṃstu vinyasedehe mātṛkānyāsavatpriye || 20||
… mit Schlinge, Elefantenhaken, Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste in den Händen, mit ihren Kräften verbunden. Diese lege man auf den Körper wie beim Auflegen der Matrika, Geliebte.

3.21
svaraistu sahitaṃ sūryaṃ hṛdayādhaḥ pravinyaset |
bindusthāne sudhāsūtiṃ yādivarṇacatuṣṭayaiḥ || 21||
Die Sonne, mit den Vokalen verbunden, lege man unterhalb des Herzens auf; den Mond, den Nektarerzeuger, an der Bindu-Stelle mit den vier Lauten von ya an.

3.22
bhūputraṃ locanadvandva kavargādhipatiṃ priye |
hṛdaye vinyasecchukraṃ cavargādhipatiṃ punaḥ || 22||
Den Sohn der Erde [Mars], Herrn der ka-Gruppe, [lege man] auf das Augenpaar, Geliebte; Shukra [Venus], Herrn der ca-Gruppe, wiederum auf das Herz.

3.23
hṛdayopari vinyaseṭṭavargādhipatiṃ budham |
bṛhaspatiṃ kaṇṭhadeśe tavargādhipatiṃ priye || 23||
Über dem Herzen lege man Budha [Merkur], Herrn der ṭa-Gruppe, auf; Brihaspati [Jupiter], Herrn der ta-Gruppe, in der Halsgegend, Geliebte.

3.24
nābhau śanaiścaraṃ devi pavargeśaṃ sureśvari |
vaktreśādicaturvarṇaiḥ sahitaṃ rāhumeva ca || 24||
Shanaishchara [Saturn], Herrn der pa-Gruppe, [lege man] auf den Nabel, Göttin, Herrin der Götter; Rahu, verbunden mit den vier Lauten von śa an, auf den Mund.

3.25
kṣakārasahitaṃ ketuṃ pāyau deveśi vinyaset |
[ raktaṃ śvetaṃ tathā raktaṃ śyāmaṃ pītaṃ ca pāṇḍuram |
kṛṣṇaṃ dhūmraṃ dhūmradhūmraṃ bhāvayedravipurvakān||
kāmarūpadharān devi divyāmbaravibhūṣaṇān |
vāmorunyastahastāṃśca dakṣahastavarapradān ||]
lalāṭe dakṣanetre ca vāme karṇadvaye punaḥ || 25||
Ketu, verbunden mit dem Laut kṣa, lege man auf den After, Herrin der Götter. [Zusatz der Quelle: Von der Sonne an vergegenwärtige man sie als rot, weiß, rot, dunkel, gelb, blass, schwarz, rauchfarben und tief rauchfarben; sie nehmen beliebige Gestalt an, Göttin, tragen göttliche Gewänder und Schmuck, halten die linke Hand auf dem linken Oberschenkel und gewähren mit der rechten Gaben.] Auf die Stirn, das rechte Auge, das linke und beide Ohren wiederum …

3.26
puṭayonirnāsikāyāśca kaṇṭhe skandhadvaye punaḥ |
paścātkūrparayugme ca maṇibandhadvaye punaḥ || 26||
… auf die beiden Nasenöffnungen, den Hals, die beiden Schultern, sodann die beiden Ellbogen und die beiden Handgelenke …

3.27
stanayornābhideśe ca kaṭibandhe tataḥ param |
ūruyugme tathā jānvorjaṅghayośca padadvaye || 27||
… auf die beiden Brüste, die Nabelgegend und danach die beiden Hüftseiten [nach der Kommentarauslegung], auf beide Oberschenkel, Knie, Unterschenkel und Füße [werden die Mondhäuser gelegt]. [Die Dīpikā, S. 237, versteht das grammatisch singularische kaṭibandha ausdrücklich als beide Hüftseiten. Zusammen mit den vorher genannten Orten ergeben sich so 27 Körperstellen.]

3.28
[ ādyayugmantathā caikaṃ tastrīṇi catuṣṭayam |
ekamekaṃ dvayañceti svarāḥ proktāścaturdaśa || 28||
[Die ersten zwei, dann einer, darauf drei, vier, einer, einer und zwei: So werden die vierzehn Vokale angegeben.] [Die ganze Passage ist bereits in der Quelle eingeklammert.]

3.29
vyañjaneṣvekamubhayaṃ dvayaṃ nyasyedataḥ param |
ekaṃ yugmaṃ dvayandvandvamekaṃ yugmaṃ dvayantataḥ || 29||
[Von den Konsonanten lege man anschließend einen, beide und zwei auf; einen, ein Paar, zwei, zwei, einen, ein Paar und danach zwei …]

3.30
ekaṃ trayaṃ tathā caikaṃ ekamekaṃ dvayantathā |
ekaṃ dvayaṃ trayaṃ paścāllakṣaṃ aṃ maścatuṣṭayam || 30||
[… einen, drei, ebenso einen, einen, einen und zwei, dann einen, zwei, drei, danach la, kṣa, aṃ und ma, eine Vierergruppe.] [Das Ende der Lautliste ist gestört; die Worttrennung ist vorläufig.]

3.31
aśvinyādeḥ puro bhage datvā cakramato nyaset ]
jvalatkālānalaprakhyā varadābhayapāṇayaḥ || 31||
[Nachdem man sie vor Ashvini und den folgenden angebracht hat, lege man nun den Kreis auf.] [Die Gottheiten] gleichen dem lodernden Feuer am Ende der Zeit; ihre Hände gewähren Gaben und Furchtlosigkeit …

3.32
natipāṇyo'śvinīpūrvāḥ sarvābharaṇabhūṣitāḥ |
etāstu vinyaseddevi sthāneṣveṣu surārcite || 32||
… oder sind zur Verehrung gefaltet. Von Ashvini an tragen sie allen Schmuck. Diese lege man auf die genannten Stellen, Göttin, du von Göttern Verehrte.

3.33
viśuddhau hṛdaye nābhau svādhiṣṭāne ca mūlake |
ājñāyāṃ dhātunāthāśca nyastavyā ḍādidevatāḥ || 33||
In Vishuddha, Herz, Nabel, Svadhishthana, Wurzelzentrum und Ajna sind die Herrinnen der Körperbestandteile, die Gottheiten von Dakini an, aufzulegen …

3.34
amṛtādiyutāḥ samyaṅnyastavyāśca sureśvari |
pāde liṅge ca kukṣau ca hṛdaye bāhumūlayoḥ || 34||
… jeweils zusammen mit Amrita und den folgenden, Herrin der Götter. Auf Fuß, Geschlechtsorgan, Bauch, Herz und Achseln …

3.35
dakṣiṇaṃ pādamārabhya vāmapādāvasānakam |
meṣādirāśayo varṇairnyastavyāḥ saha pārvati || 35||
… vom rechten Fuß beginnend und beim linken Fuß endend, sind die Tierkreiszeichen von Widder an zusammen mit den Lauten aufzulegen, Parvati.

3.36
[ catuṣkaṃ tritayaṃ trīṇi dvitayaṃ dvitayaṃ dvayam |
pañcakaṃ pañcakaṃ pañca pañcaktaṃ pañcakaṃ tataḥ||
catvāri merurmine syuḥ kanyāyāṃ pañca śādayaḥ | ]
pīṭhāni vinyaseddevi mātṛkāsthānake punaḥ |
teṣāṃ nāmāni vakṣyante śṛṇuṣvāvahitā priye || 36||
[Zusatz der Quelle: Vier, drei, drei, zwei, zwei, zwei, fünf, fünf, fünf, fünf, danach fünf; vier; [unklare Folge: merurmine]; in der Jungfrau fünf von śa an. Die Lautfolge ist gestört; die genaue Verteilung bleibt offen.] Sodann lege man die heiligen Sitze an den Stellen der Matrika auf, Göttin. Ihre Namen werden genannt; höre aufmerksam, Geliebte.

3.37
kāmarūpaṃ vārāṇasī nepālaṃ pauṇḍravardhanam |
carasthiraṃ kānyakubjaṃ pūrṇaśailaṃ tathārbudam || 37||
Kamarupa, Varanasi, Nepala, Paundravardhana, Charasthira, Kanyakubja, Purnashaila und Arbuda …

3.38
āmrātakeśvaraikāmraṃ trisrotaḥ kāmakoṭakam |
kailāsaṃ bhṛgunagaraṃ kedārapūrṇacandrake || 38||
… Amratakeshvara, Ekamra, Trisrotas, Kamakotaka, Kailasa, Bhrigunagara, Kedara und Purnachandra …

3.39
śrīpīṭhamoṅkārapīṭhaṃ jālandharaṃ mālavotkale |
kulāntaṃ devikoṭaṃ ca gokarṇaṃ māruteśvaram || 39||
… Shripitha, Omkarapitha, Jalandhra, Malava und Utkala, Kulanta, Devikota, Gokarna und Maruteshvara …

3.40
aṭṭahāsaṃ ca virajaṃ rājagehaṃ mahāpatham |
kolāpura melāpuraṃ oṅkārantu jayantikā || 40||
… Attahasa, Viraja, Rajageha, Mahapatha, Kolapura, Melapura, Omkara und Jayantika …

3.41
ujjayinyāpi citrā ca kṣīrakaṃ hastināpuram |
oḍḍīśaṃ ca prayāgākhyaṃ ṣaṣṭhaṃ māyāpuraṃ tathā || 41||
… Ujjayini, Chitra, Kshiraka, Hastinapura, Oddisha, Prayaga, Shashtha und Mayapura …

3.42
jaleśaṃ malayaṃ śailaṃ meruṃ girivaraṃ tathā |
mahendraṃ vāmanaṃ caiva hiraṇyapurameva cā || 42||
… Jalesha, Malaya, Shaila, Meru, Girivara, Mahendra, Vamana und Hiranyapura …

3.43
mahālakṣmīpuroḍyāṇaṃ chāyāchatramataḥ param |
ete pīṭhāḥ samuddiṣṭā mātṛkārūpakāḥ sthitāḥ || 43||
… Mahalakshmipura, Udyana und danach Chayachatra. Diese Sitze werden genannt; sie bestehen in der Gestalt der Matrika.

3.44
evaṃ ṣoḍhā puraḥ kṛtvā śrīcakranyāsamācaret |
śrīmattripurasundaryāścakranyāsaṃ śṛṇu priye || 44||
Nachdem man so die sechs [Auflegungen] vorangestellt hat, vollziehe man das Auflegen des Shri Chakra. Höre, Geliebte, das Chakra-Auflegen der erhabenen Tripurasundari …

3.45
yanna kasyacidākhyātaṃ tanuśuddhikaraṃ param |
caturastrādyarekhāyai nama ityādito nyaset || 45||
… das niemandem erzählt wurde und den Körper in höchstem Maße reinigt. Beginnend mit »Verehrung der ersten Linie des Vierecks« lege man auf …

3.46
dakṣāṃsapṛṣṭhapāṇyagrasphikkapādāṅgulīṣvatha |
vāmāṅghryaṅguliṣusphikke pāṇyagre cāṃsapṛṣṭhake || 46||
… auf die Rückseite der rechten Schulter, die Fingerspitzen, das Gesäß und die Zehen. Dann folgen links die Zehen, das Gesäß, die Fingerspitzen und die Schulterrückseite …

3.47
sacūlīmūlapṛṣṭheṣu vyāpakatvena sundari |
atraiva sthānadaśake aṇimādyāstu vinyaset || 47||
… einschließlich Haarwurzel und Rücken, umfassend, Schöne. Auf eben diese zehn Stellen lege man Anima und die folgenden [Vollendungen]. [Einzelne Ortsbezüge der Liste bleiben unsicher.]

3.48
siddhistadantaśca tanuvyāpakatvena sundari |
[ caturasramadhyarekhāyai nama ityapi vallabhe. ]
tasyāḥ sthāneṣu vinyasya brahmāṇyādyāstadāṣṭasu || 48||
Die Vollendung [werde] in deren Innern als den Körper durchdringend [aufgelegt], Schöne. [»Verehrung der mittleren Linie des Vierecks«, Geliebte.] Nachdem man dies aufgelegt hat, [lege man] Brahmani und die folgenden auf deren acht Stellen …

3.49
pādāṅguṣṭhadvaye pārśve dakṣe mūrdhanyapārśvake |
vāmadakṣiṇajānvośca bahiraṃsadvaye tathā || 49||
… auf beide große Zehen, die rechte Seite, den Scheitel und die andere Seite sowie das linke und rechte Knie und beide äußeren Schulterbereiche.

3.50
nyastavyāścaturasrāntyarekhāyai nama ityapi |
vinyased vyāpakatvena pūrvoktāntaśca vigrahe || 50||
Auch »Verehrung der letzten Linie des Vierecks« ist aufzulegen. Man lege sie umfassend in den Körper, innerhalb der zuvor genannten [Linie].

3.51
tasyāḥ sthāneṣu daśasu mudrāṇāṃ daśakaṃ nyaset |
brahmāṇyādyaṣṭasthānāntastāsāmaṣṭau nyasettataḥ || 51||
Auf ihre zehn Stellen lege man die zehn Mudras. Acht von ihnen lege man sodann innerhalb der acht Stellen von Brahmani und den folgenden.

3.52
śiṣṭe dve dvādaśānte ca pādāṅguṣṭhe ca vinyaset |
tadāntaḥ ṣoḍaśadalapadmāya nama ityapi || 52||
Die übrigen zwei lege man am Zwölffinger-Endpunkt und an der großen Zehe auf. In deren Innern [spreche man] auch »Verehrung dem sechzehnblättrigen Lotus« …

3.53
vinyasya taddale kāmākarṣiṇyādyāśca vinyaset |
dalāni dakṣiṇaśrotrapṛṣṭhamaṃsaṃ ca kūrparam || 53||
… und lege auf dessen Blätter Kamakarshini und die folgenden. Die Blätter [liegen] an Rückseite des rechten Ohres, Schulter und Ellbogen …

3.54
karapṛṣṭhaṃ corujānugulphapādatalaṃ tathā |
vāmapādatalādyevametadevāṣṭakaṃ matam || 54||
… an Handrücken, Oberschenkel, Knie, Knöchel und Fußsohle. Links folgen dieselben acht Stellen, beginnend mit der Fußsohle.

3.55
tadantare cāṣṭadalapadmāya nama ityapi |
vinyasya taddaleṣveṣu dakṣaśaṅkhe ca jatruke || 55||
In dessen Innern lege man auch »Verehrung dem achtblättrigen Lotus« auf; auf dessen Blätter an rechter Schläfe und Schlüsselbein …

3.56
ūrvantargulphagulphorujatruśaṅkhe ca vamataḥ |
anaṅgakusumādyāśca śaktīraṣṭau ca vinyaset || 56
… an der Innenseite des Oberschenkels und am Knöchel; links an Knöchel, Oberschenkel, Schlüsselbein und Schläfe. Dort lege man die acht Kräfte von Anangakusuma an auf.

3.57
tadantaścaturdaśāracakrāya nama ityapi |
vinyasya tasya koṇeṣu nyasecchaktīścaturdaśa || 57||
In dessen Innern lege man auch »Verehrung dem vierzehneckigen Chakra« auf; auf dessen Ecken lege man die vierzehn Kräfte …

3.58
sarvasaṅkṣobhiṇyādyāstu tasya koṇāni vacmyaham |
lalāṭaṃ dakṣabhāgaṃ ca dakṣagaṇḍāṃsamadhyataḥ || 58||
… von Sarvasankshobhini an. Ich nenne seine Ecken: die rechte Stirnseite und [die Stellen an] rechter Wange und Schulter …

3.59
pārśvāntarūrujaṅghāntarvāmajaṅghādi pārvati |
vāmorvantaṃ vāmapārśvaṃ vāmāṃsaṃ vāmagaṇḍakam || 59||
… an der inneren Seite, am Oberschenkel und Unterschenkel. Dann folgen links Unterschenkel, innere Oberschenkelseite, Seite, Schulter und Wange, Parvati …

3.60
lalāṭavāmamadhye ca tathā vai pṛṣṭhamityapi |
tato daśāracakrāya nama ityapi pārvati || 60||
… linke und mittlere Stirn sowie Rücken. Danach folgt: „Verehrung dem zehneckigen Chakra“, Parvati.

3.61
tasya koṇāni dakṣākṣināsāmūlāsyanetrake |
kukṣīśavāyukoṇeṣu jānudvayagudeṣu ca || 61||
Seine Ecken [liegen] an rechtem Auge, Nasenwurzel, Mund und [linkem] Auge, an der Nordost- und Nordwestecke des Bauches, an beiden Knien und am After …

3.62
kukṣinai ṝrtivahnyākhyakoṇeṣveṣu nyaset punaḥ |
sarvasiddhipradādīnāṃ śaktīnāṃ daśakaṃ tathā || 62||
… sowie an den Südwest- und Südostecken des Bauches; auf diese lege man wiederum die zehn Kräfte von Sarvasiddhiprada an. [Die als Ecken bezeichneten Körperstellen sind in der Vorlage zum Teil fehlerhaft geschrieben.]

3.63
tadantasca daśārādicakrāya nama ityapi |
vinyasya tasya koṇeṣu sarvajñādyāḥ pravinyaset || 63||
In dessen Innern lege man auch »Verehrung dem [inneren] zehneckigen Chakra« auf; auf seine Ecken lege man Sarvajna und die folgenden.

3.64
dakṣanāsā sṛkkiṇī cā stanaṃ vṛṣaṇameva ca |
sīvinī vāmamuṣkaṃ ca stanaṃ sṛkkiṇi nāsike || 64||
Rechte Nasenseite, Mundwinkel, Brust und Hoden, Dammnaht, linker Hoden, Brust, Mundwinkel und Nasenseite …

3.65
nāsāgraṃ caiva vijñeyaṃ koṇānāṃ daśakaṃ tathā |
tadantaraṣṭakoṇādicakrāya nama ityapi || 65||
… sowie die Nasenspitze sind als die zehn Ecken zu erkennen. In dessen Innern [lege man] auch »Verehrung dem achteckigen Chakra« …

3.66
vinyasya tasya koṇeṣu vaśinyādyaṣṭakaṃ nyaset |
cibukaṃ kaṇṭhahṛdayanābhīnāṃ caiva dakṣiṇam || 66||
… und auf seine Ecken die Achtergruppe von Vashini an. Als rechte [vier Ecken] sind die Seiten von Kinn, Hals, Herz und Nabel …

3.67
jñeyaṃ pārśvacatuṣkaṃ ca maṇipūrādi vāmakam |
catuṣṭayaṃ ca pārśvānāmetat koṇāṣṭakaṃ matam || 67||
… zu erkennen, als linke die Vierergruppe von Manipura an. Diese vier und vier Seiten gelten als die acht Ecken.

3.68
hṛdayasthatrikoṇasya caturdikṣu bahirnyaset |
śaracāpau pāśasṛṇī trikoṇāya namastathā || 68||
Außerhalb des Dreiecks im Herzen lege man in den vier Richtungen Pfeile, Bogen, Schlinge und Elefantenhaken auf. Dazu kommt: „Verehrung dem Dreieck“.

3.69
vinyasya tasya koṇeṣu agradakṣottareṣu ca |
kāmeśvaryādidevīnāṃ madhye devīṃ ca vinyaset || 69||
Auf dessen vordere, rechte und nördliche Ecke lege man die Göttinnen von Kameshvari an, und in die Mitte die Göttin selbst.

3.70
evaṃ mayodito devi ! nyāso guhyatamakramaḥ |
etad guhyatamaṃ kāryaṃ tvayā vai vīravandite || 70||
So habe ich dir, Göttin, das Auflegen in seiner geheimsten Folge erklärt. Dieses soll von dir höchst geheim gehalten werden, von Helden Verehrte.

3.71
samayasthāya dātavyaṃ na'śiṣyāya kadācana |
guptād guptataraṃ caitattavā'dya prakaṭīkṛtam || 71||
Es ist einem zu geben, der die Verpflichtungen einhält, niemals einem Nichtschüler. Dieses Geheimere als das Geheime habe ich dir heute offenbart.

3.72
mūladevyādikaṃ nyāsamaṇimāntaṃ punarnyaset |
[ trikoṇasthe mahābindau mahātripurasundarīm ] |
śirastrikoṇapūrvādi kāmeśvaryādikaṃ nyaset || 72||
Erneut lege man das mit der Wurzelgöttin beginnende und mit Anima endende Nyasa auf. [Im großen Bindu innerhalb des Dreiecks Mahatripurasundari.] Auf das Dreieck am Kopf lege man, vorn beginnend, Kameshvari und die folgenden.

3.73
bāṇānnetre bhruvoścāpau karṇe pāśadvayaṃ nyaset |
sṛṇidvayaṃ ca nāsāgre dakṣiṇāgraṃ tu vinyaset || 73||
Die Pfeile lege man auf die Augen, die Bogen auf die Brauen, das Schlingenpaar auf die Ohren und die beiden Elefantenhaken auf die Nasenspitze, beginnend rechts.

3.74
muṇḍamūlakrameṇaiva nyasedvāgdevatāṣṭakam |
baindavādīni cakrāṇi nyastavyāni varānane || 74||
In der Reihenfolge von der Schädelwurzel an lege man die acht Sprachgottheiten auf. Die Chakras von dem des Bindu an sind aufzulegen, Schönangesichtige.

3.75
netramūle tvapāṅge ca karṇapūrvottare punaḥ |
cūḍādikaṇṭhanimne'rdhaṃ śeṣārdhaṃ karṇapṛṣṭake || 75||
An Augenwurzel und äußerem Augenwinkel, vor und hinter dem Ohr, sodann vom Scheitel bis zur Vertiefung des Halses die Hälfte, die übrige Hälfte hinter dem Ohr …

3.76
karṇe pūrve tvapāṅge ca tasya mūle ca vinyaset |
hṛdaye manukoṇastha śaktayo'pi ca pūrvavat || 76||
… vor dem Ohr, am äußeren Augenwinkel und an der Augenwurzel lege man [die betreffenden Kräfte] auf. Im Herzen [lege man] die Kräfte des vierzehneckigen Chakra ebenfalls wie zuvor auf.

3.77
sarvasiddhyādikaṃ kaṇṭhe prādakṣiṇyena vinyaset |
nābhāvaṣṭadalaṃ tattu vaṃśe vāme ca pārśvake || 77||
Sarvasiddhi und die folgenden lege man rechtsherum um den Hals. Den achtblättrigen Lotus lege man am Nabel auf: an der Wirbelsäule und an der linken Seite …

3.78
udare savyapārśve ca nyasedādicatuṣṭayam |
vaṃśavāmāntarālādi nyasedanya catuṣṭayam || 78||
… am Bauch und an der rechten Seite lege man die erste Vierergruppe auf. Die andere Vierergruppe lege man beginnend im Zwischenraum zwischen Wirbelsäule und linker Seite auf.

3.79
svādhiṣṭhāne nyaset svasya pūrvāddakṣāvasānakam |
catasrastu catasrastu caturdikṣu kramānnyaset || 79||
Am eigenen Svadhishthana lege man von vorn bis rechts je vier und vier der Reihe nach in den vier Richtungen auf.

3.80
mūlādhāre nyasenmudrādaśakaṃ sādhakottamaḥ |
punarvaṃśe ca savye ca vāme caivāntarālake || 80||
Im Muladhara lege der vorzügliche Übende die zehn Mudras auf, wiederum an der Wirbelsäule, rechts, links und in den Zwischenräumen …

3.81
ūrdhvādho daśamudrāśca ūrdhvādhovarjitaṃ punaḥ |
brahmāṇyādyāṣṭakaṃ dakṣajaṅghāyāṃ tāstu pūrvavat || 81||
… oben und unten: so die zehn Mudras. Wiederum unter Auslassung von oben und unten [lege man] die acht von Brahmani an auf; am rechten Unterschenkel diese wie zuvor …

3.82
vāmajaṅghāṃ samārabhya vāmādikramato'pi ca |
siddhyaṣṭakaṃ nyasetteṣu dvayaṃ pādatale nyaset || 82||
… vom linken Unterschenkel an ebenfalls in der links beginnenden Reihenfolge. Auf diese [Stellen] lege man die acht Vollendungen; zwei lege man auf die Fußsohlen.

3.83
kāraṇātprasṛtaṃ nyāsaṃ dīpāddīpamivoditam |
evaṃ vinyasya deveśīṃ svābhedena vicintayet || 83||
Das Auflegen, das aus der Ursache hervortritt, erscheint wie eine Lampe aus einer anderen Lampe. Nachdem man so aufgelegt hat, betrachte man die Göttin als von sich selbst unverschieden.

3.84
tataśca karaśuddhyādinyāsaṃ kuryāt samāhitaḥ |
ahaṃ te kathayāmyadya vidyānyāsaṃ śṛnu priye || 84||
Danach vollziehe man gesammelt das mit der Handreinigung beginnende Auflegen. Nun erkläre ich dir das Vidya-Auflegen; höre, Geliebte.

3.85
mūrdhni guhye ca hṛdaye netreṣu tritayeṣu ca |
śrotrayoryugale caiva mukhe ca bhujayostathā || 85||
Auf Scheitel, Geschlechtsbereich und Herz, auf die drei Augen, auf das Ohrenpaar, den Mund und die Arme …

3.86
pṛṣṭhe jānvośca nābhau ca vidyānyāsaṃ vidhāya ca |
karaśuddhiṃ punaścaiva āsanādiṣaḍaṅgakam || 86||
… auf Rücken, Knie und Nabel vollziehe man das Vidya-Auflegen; dann erneut die Handreinigung und das mit dem Sitz beginnende sechsgliedrige [Auflegen].

3.87
śrīkaṇṭhādīni vāgdevīrādhāre hṛdaye punaḥ |
śikhāyāṃ baindavasthāne tvagnicakrādikā nyaset || 87||
Shrikantha und die folgenden, die Sprachgöttinnen und ferner die Feuer-Chakras [lege man] auf Grundlage, Herz, Scheitelhaar und Bindu-Stelle auf. [Die genaue Zuordnung der Gruppen ist aus diesem Vers allein nicht eindeutig.]

3.88
tattvatrayaṃ samastaṃ ca vidyābījatrayānvitam |
pādādinābhiparyantamāgalaṃ śirastathā || 88||
Die drei Wirklichkeitsprinzipien und ihre Gesamtheit, verbunden mit den drei Keimsilben der Vidya, [lege man] von den Füßen bis zum Nabel, bis zum Hals und bis zum Kopf …

3.89
vyāpakaṃ caiva vinyasya svātmīkṛtya paraṃ punaḥ |
santarpayet punardevīṃ saumyāgneyāmṛtadravaiḥ || 89||
… sowie umfassend auf. Nachdem man das Höchste zum eigenen Selbst gemacht hat, sättige man wiederum die Göttin mit mondhaften und feurigen Nektarflüssigkeiten.

3.90
evaṃ caturvidho nyāsaḥ kartavyo vīravandite |
ṣoḍhānyāso'ṇimādyaśca mūladevyādikaḥ priye || 90||
So ist das vierfache Auflegen auszuführen, von Helden Verehrte: das sechsfache Auflegen, das mit Anima beginnende und das mit der Wurzelgöttin beginnende, Geliebte …

3.91
karaśuddhyādikascaiva sādhakena susiddhaye |
prātaḥ kāle tathā pūjāsamaye homakarmaṇi || 91||
… und das mit der Handreinigung beginnende, durch den Übenden zur guten Vollendung. Am Morgen, zur Zeit der Verehrung, bei der Feueropferhandlung …

3.92
japakāle tathā teṣāṃ viniyogaḥ pṛthak pṛthak |
pūjākāle samastaṃ vā kṛtvā sādhakapuṅgavaḥ || 92||
… und beim Rezitieren geschieht ihre Anwendung je einzeln. Oder zur Verehrungszeit vollziehe der vorzügliche Übende sie alle …

3.93
ṣaṭtriṃśatattvaparyantamāsanaṃ parikalpya ca |
guptādiyoginīnāṃ ca mantreṇā'tha baliṃ dadet || 93||
… stelle sich einen Sitz bis zu den sechsunddreißig Wirklichkeitsprinzipien vor und gebe dann mit dem Mantra der Yoginis von Gupta an eine Opfergabe.

3.94
piṇḍarūpapadagranthibhedanād vighnabhedakam |
guhyahṛnmukhamūrdhasu vidyānyāsena sundari || 94||
[Das Auflegen] beseitigt Hindernisse durch das Durchbrechen der Knoten von Pinda, Rupa und Pada. Mit dem Vidya-Auflegen auf Geschlechtsbereich, Herz, Mund und Scheitel, Schöne …

3.95
yāgamandiragāṃścaiva vighnānutsārya mantravit |
[ apasarpantu te bhūtā ye bhūtā bhūmisaṃsthitāḥ||
ye bhūtā vighnakartāraste naśyantu śivājñayā ]
pārṣṇighātena bhaumāṃśca tālena ca nabhogatān || 95||
… vertreibe der Mantrakundige die im Opferhaus befindlichen Hindernisse. [»Weichen sollen jene Wesen, die auf der Erde stehen! Jene Wesen, die Hindernisse schaffen, sollen auf Shivas Befehl zugrunde gehen.«] Mit dem Aufstampfen der Ferse [vertreibe er] die irdischen und mit Händeklatschen die im Luftraum befindlichen [Hindernisse] …

3.96
astramantreṇa dṛṣṭyā ca divyān vighnānapohayet |
dikṣvadhordhvaṃ mahāvahniprākāraṃ paribhāvayet || 96||
… mit dem Waffenmantra und mit dem Blick beseitige er die himmlischen Hindernisse. In den Richtungen, unten und oben, vergegenwärtige er eine gewaltige Feuermauer.

3.97
sāmānyārghyeṇa deveśi! mārtaṇḍaṃ paripūjayet |
prakāśaśaktisahitamaruṇākalpamujjvalam || 97||
Mit der allgemeinen Ehrengabe verehre er Martanda [die Sonne], Herrin der Götter, verbunden mit der Kraft des Lichtes, leuchtend und von rötlicher Gestalt …

3.98
grahādiparivārañca viśvatejo'vabhāsanam |
saumyāgneyayutairdevi rocanāgurukuṅkumaiḥ || 98||
… mit dem Gefolge der Planeten und der folgenden, das Licht des Alls erhellend. Mit mondhaft-feurigen [Stoffen], Rochana, Aguru und Kumkuma, Göttin …

3.99
mūlamuccārayan samyagbhāvayeccakrarājakam |
yoginī mūlamantreṇa kṣipet puṣpāñjaliṃ tataḥ || 99||
… vergegenwärtige er sorgfältig das königliche Chakra und spreche dabei das Wurzelmantra aus. Danach streue er mit dem Wurzelmantra der Yogini eine Handvoll Blumen aus.

3.100
maṇimuktāpravālairvā vilomaṃ mūlavidyayā |
aśūnyaṃ sarvadā kuryācchūnye vighnāstvanekaśaḥ || 100||
Mit Edelsteinen, Perlen oder Korallen und der rückwärts gesprochenen Wurzel-Vidya halte er es stets unleer; denn bei Leere entstehen viele Hindernisse.

3.101
śrīcakrasyātmanaścaiva madhye tvarghyaṃ pratikṣipet |
caturasrāntarālasthakoṇaṣaṭke sureśvari || 101||
Die Ehrengabe stelle man zwischen dem Shri Chakra und sich selbst auf. In den sechs Ecken innerhalb des Vierecks, Herrin der Götter …

3.102
ṣaḍāsanāni sampūjya trikoṇasyāntare punaḥ |
pīṭhāni caturo devi kāpūjā o iti kramāt || 102||
… verehre er die sechs Sitze; im Innern des Dreiecks wiederum die vier heiligen Sitze, Göttin, in der Reihenfolge Ka, Pu, Ja und O.

3.103
arcayitvā'rghyapāde tu vahnerdaśa kalā yajet |
arghyapātraṃ pratiṣṭhāpya tatra sūryakalā yajet || 103||
Nachdem er diese verehrt hat, verehre er am Fuß des Ehrengabengefäßes die zehn Feuer-Kalas. Er stelle das Gefäß auf und verehre darin die Sonnen-Kalas.

3.104
pātre sūryakalāścaiva kabhādidvādaśārcayet |
vidhṛte tu punardravye ṣoḍaśendukalā yajet || 104||
Im Gefäß verehre er die zwölf Sonnen-Kalas, mit ka und bha beginnend. In der eingefüllten Flüssigkeit wiederum verehre er die sechzehn Mond-Kalas.

3.105
amṛteśīṃ ca tanmadhye bhāvayecca navātmanā |
navātmanā tato devi tarpayeddhātudevatāḥ || 105||
In deren Mitte vergegenwärtige er Amriteshi mit dem neunteiligen [Mantra]. Mit diesem neunteiligen [Mantra] sättige er sodann die Gottheiten der Körperbestandteile, Göttin.

3.106
ānandabhairavaṃ vauṣaḍantenaiva ca tarpayet |
tadājñāpreritaṃ tacca gurupaṅktau nivedayet || 106||
Anandabhairava sättige er mit [dem Mantra], der auf vauṣaṭ endet. Die durch dessen Weisung angeregte [Gabe] bringe er der Lehrerreihe dar.

3.107
tathaivārghyaṃ viśeṣeṇa sādhayet sādhakottamaḥ |
gurupādālimāpūjya bhairavāya dadet punaḥ || 107||
So bereite der vorzügliche Übende insbesondere die Ehrengabe. Nachdem er die Reihe der Lehrerfüße verehrt hat, gebe er wiederum Bhairava [seinen Anteil].

3.108
tadīyaṃ śeṣamādāya kāmāgnau viśvatastviṣi |
pādukāṃ mūlavidyāṃ ca japan homaṃ samācaret || 108||
Er nehme dessen Rest und vollziehe im allseits leuchtenden Feuer des Begehrens das Opfer, während er das Paduka- und das Wurzel-Vidya-Mantra rezitiert. [Viśvatastviṣi bedeutet hier „im allseits Leuchtenden“. Eine abweichende Form mit sthuṣi ist ebenfalls überliefert; ihre Deutung bleibt unsicher.]

3.109
mahāprakāśe viśvasya saṃhāravamanodyate |
marīcivṛttīrjuhuyānmanasā kuṇḍalīmukhe || 109||
Im großen Licht, das bereit ist, das All aufzulösen und hervorzubringen, opfere er im Geist die Bewegungen der Strahlen in Kundalinis Mund.

3.110
ahantedantayoraikyamunmanyāṃ sruci kalpitam |
mathanodrekasambhūtaṃ vasturūpaṃ mahāhaviḥ || 110||
Die Einheit von Ichheit und Diesheit wird als die große Opfergabe gedacht, deren Wesen aus dem Aufwallen des Reibens entsteht; [dargebracht wird sie] im Opferlöffel Unmani.

3.111
hutvā hutvā svayaṃ caivaṃ mahajānandavigrahaḥ |
svapradhāprasarākāraṃ śrīcakraṃ pūjayet sudhīḥ || 111||
Indem er immer wieder so opfert und selbst die Gestalt großer Glückseligkeit annimmt, verehre der Einsichtige das Shri Chakra als Entfaltung seines eigenen Offenbarwerdens.

3.112
gaṇeśaṃ dūtarīṃ caiva kṣetreśaṃ dūtikāṃ tathā |
bāhyadvāre yajed devi devīśca svastikādikāḥ || 112||
Ganesha und Dutari, den Herrn des Feldes und Dutika, verehre er am äußeren Tor, Göttin, sowie die Göttinnen von Svastika an.

3.113
tatascāntastrikoṇa'pi gurupaṅktiṃ tridhā sthitām |
tadantaśca mahādevīṃ tāmāvāhya yajet punaḥ || 113||
Danach verehre er im inneren Dreieck die dreifach stehende Lehrerreihe; in deren Innern rufe er die große Göttin herbei und verehre sie wiederum.

3.114
mahāpadmavanāntasthāṃ kāraṇānandavigrahām |
madaṅkopāśritāṃ devīmicchākāmaphalapradām || 114||
[Er betrachte sie] im Innern des großen Lotuswaldes, als ursächliche Glückseligkeit, die Göttin auf meinem Schoß, welche die Frucht von Wunsch und Begehren gewährt.

3.115
bhavatīṃ tvanmayaireva naivedyādibhirarcayet |
trikoṇe tatsphurattāyāḥ pratibimbākṛtīḥ punaḥ || 115||
Dich verehre er mit Speisen und anderen Gaben, die aus dir bestehen. Im Dreieck [verehre er] wiederum die Spiegelgestalten deines Aufleuchtens …

3.116
tattattithimayīrnityāḥ kāmyakarmānusāriṇīḥ |
tatra prakaṭayoginyaścakre trailokyamohane || 116||
… die Nityas, welche die jeweiligen Mondtage verkörpern und sich nach den auf ein Ziel gerichteten Handlungen richten. Im Chakra »Verblendung der drei Welten« befinden sich die offenen Yoginis.

3.117
mātṛkāsthūlarūpatvāttvagādivyāpakatvataḥ |
yoginyaḥ prakaṭā jñeyāḥ sthūlaviśvapradhātmani || 117||
Weil sie die grobe Gestalt der Matrika haben und Haut und die folgenden [Körperbestandteile] durchdringen, sind die Yoginis als »offen« zu erkennen, im Offenbarwerden der groben Welt.

3.118
aṇimādyā mahādevi siddhayo'ṣṭau vyavasthitāḥ |
tāstu raktatarā varṇairvarābhayakarāstathā || 118||
Die acht Vollendungen von Anima an sind dort angeordnet, große Göttin. Ihre Farben sind sehr rot; ihre Hände zeigen Gaben- und Furchtlosigkeitsgesten … [Die zweite Zeile folgt dem Sanskritdruck S. 311, dort 3.115.]

Die Devi als Gegenstand der Puja. Allgemeine Illustration zur Bildsprache der Göttin.

3.119
dhṛtacintāmahāratnā manīṣitaphalapradāḥ |
brāhmyādyā api tatraiva yaṣṭavyāḥ kramataḥ priye || 119||
… halten den großen Wunschedelstein und verleihen die gewünschte Frucht. Auch Brahmi und die folgenden sind dort der Reihe nach zu verehren, Geliebte.

3.120
brahmāṇī pītavarṇā ca caturbhiḥ śobhitā mukhaiḥ |
varadā'bhayahastā ca kuṇḍikā kṣalasatkarā || 120||
Brahmani ist gelb, mit vier Gesichtern geschmückt. Ihre Hände gewähren Gaben und Furchtlosigkeit; in ihnen glänzen Wassergefäß und Gebetskette.

3.121
māheśvarī śvetavarṇā trinetrā śūladhāriṇī |
kapālameṇaṃ paraśuṃ dadhānā pāṇibhiḥ priye || 121||
Maheshvari ist weiß, dreiäugig und trägt den Dreizack. In ihren Händen hält sie Schädelschale, Gazelle und Beil, Geliebte.

3.122
[ aindrī tu śyāmavarṇā ca vajrotpalalasatkarā ]
kaumārī pītavarṇā ca śaktitomaradhāriṇī || 122||
[Aindri ist dunkel und ihre Hände glänzen mit Vajra und Lotus.] Kaumari ist gelb und trägt Speer und Wurfspeer.

3.123
varadābhayahastā ca dhyātavyā parameśvarī |
vaiṣṇavī śyāmavarṇā ca śaṅkhacakravarābhayān || 123||
Die höchste Herrin ist mit Gaben- und Furchtlosigkeitshand zu meditieren. Vaishnavi ist dunkel und hält Muschelhorn, Diskus, Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste …

3.124
hastapadmaistu vibhrāṇā bhūṣitā divyabhūṣaṇaiḥ |
vārāhī śyāmalacchāyā potri vaktrasamujjvalā || 124||
… in ihren Lotushänden, mit göttlichen Schmuckstücken geschmückt. Varahi hat dunklen Glanz und leuchtet mit einem Ebergesicht …

3.125
halaṃ ca musalaṃ khaḍgaṃ kheṭakaṃ dadhatī bhujaiḥ |
[ aindrī śyāmalavarṇā ca vajradvayalasatkarā ] || 125||
… und hält Pflug, Keule, Schwert und Schild in ihren Armen. [Aindri ist dunkel und ihre Hände glänzen mit zwei Vajras.] [Die zwei Beschreibungen Aindris stehen bereits in der Quelle in Klammern.]

3.126
cāmuṇḍā kṛṣṇavarṇā ca śūlaṃ ḍamarukaṃ tathā |
khaḍgaṃ vetālakaṃ caiva dadhānā dakṣiṇaiḥ karaiḥ || 126||
Chamunda ist schwarz. In ihren rechten Händen hält sie Dreizack, Sanduhrtrommel, Schwert und einen Vetala [ein gespenstisches Wesen] …

3.127
nāgakheṭakaghaṇṭā khyān dadhānānyaiḥ kapālakam |
mahālakṣmīstu pītābhā padmadarpaṇameva ca || 127||
… in den anderen Händen Schlange, Schild, Glocke und Schädelschale. Mahalakshmi leuchtet gelb und hält Lotus und Spiegel …

3.128
mātuluṅgaphalaṃ caiva dadhāna parameśvarī |
evaṃ dhyātvā yajedetāścakreśīṃ tripurāṃ tataḥ || 128||
… sowie eine Zitronatzitrone, die höchste Herrin. Nachdem man sie so meditiert hat, verehre man sie und dann die Chakra-Herrin Tripura.

3.129
karmendriyāṇāṃ vaimalyāt karaśuddhikarī smṛtā |
kāyaśuddhibhavā siddhiraṇimā cātra saṃsthitā || 129||
Durch die Reinheit der Handlungsorgane heißt sie »Reinigerin der Hände«. Hier steht auch die Vollendung Anima, die aus der Reinheit des Körpers entsteht.

3.130
ṣoḍaśaspandasandohe camatkṛtimayoḥ kalāḥ |
prāṇādiṣoḍaśānāṃ tu vayunā prāṇanātmikāḥ || 130||
Im Verband der sechzehn Pulsationen [stehen] die Kalas als staunendes Erleben; sie sind die Lebendigkeit der sechzehn Winde von Prana an.

3.131
bīja bhūtāḥ svarātmatvāt kalanād bījarūpakāḥ |
antaraṅgatayā guptā yoginyaḥ saṃvyavasthitāḥ || 131||
Weil sie Vokale sind, sind sie Samen; durch ihr Gestalten haben sie Samengestalt. Wegen ihrer Innerlichkeit sind sie als verborgene Yoginis angeordnet.

3.132
kāmākarṣaṇarūpādyāḥ sṛṣṭeḥ prādhānyataḥ priye |
sarvāśāpūraṇākhye tu cakre vāmena pūjayet || 132||
Die mit der Anziehung des Begehrens beginnenden [Kräfte] verehre man wegen des Vorrangs der Schöpfung im Chakra »Erfüllung aller Hoffnungen« linksherum, Geliebte.

3.133
pāśāṅkuśadharā hyetā raktā raktāmbarā vṛtāḥ |
prāṇaśuddhimayī siddhirlaghimā bhokturātmanaḥ || 133||
Sie tragen Schlinge und Elefantenhaken, sind rot und in rote Gewänder gehüllt. Laghima ist die Vollendung der Reinigung des Lebenshauchs des Selbst als Genießendem.

3.134
tripureśī ca cakreśī pūjyā sarvopacārakaiḥ |
[ kaulikānubhavāviṣṭabhogapuryaṣṭakāśritāḥ || 134||
Die Chakra-Herrin Tripureshi ist mit allen Verehrungsgaben zu verehren. [Die in Kaulika-Erfahrung eingegangenen [Yoginis] ruhen auf der achtfachen Stadt des Erlebens …]

3.135
vāgbhavāṣṭakasambandhasūkṣmā vargasvarūpataḥ |
tāstu guptatarāḥ sarvāḥ sarvasaṃkṣobhaṇātmake || 135||
[… sie sind fein durch den Zusammenhang mit den acht Vagbhavas und das Wesen der Lautgruppen. Sie alle sind »noch verborgener« im »alles Erschütternden« …]

3.136
anaṅgakusumādyāstu raktakañcukaśobhitāḥ ]
[ veṇīkṛta lasatkeśāścāpabāṇadharāḥ śubhāḥ ] || 136||
[… Anangakusuma und die weiteren sind mit roten Obergewändern geschmückt.] [Ihre glänzenden Haare sind zu Zöpfen geflochten. Die Glückverheißenden halten Bogen und Pfeile.]

3.137
tattadākārabuddhyātmabhogyabhokturmahīśituḥ |
piṇḍādipadaviśrāntisaundaryaguṇasaṃyutā || 137||
[Die Göttin ist] mit der Schönheit des Ruhens in Pinda und den folgenden Stufen verbunden: [mit dem Ruhen] des Herrn, des Erlebenden jener Gegenstände, die aus dem jeweils ihre Gestalt annehmenden Intellekt bestehen. [Die Dīpikā, S. 322, erklärt mahīśitṛ als »Herr des Feldes«, den Erkennenden, und das Ruhen als Befreiung in Pinda, Pada, Rupa und Rupatita. Der lange Satz schließt in 3.138 an.]

3.138
cakreśvarī buddhiśuddhirūpā ca parameśvarī |
mahimāsiddhirūpā tu pūjyā sarvopacārakaiḥ || 138||
Die höchste Chakra-Herrin ist die Gestalt der Reinheit des Intellekts und die Vollendung Mahima; sie ist mit allen Verehrungsgaben zu verehren.

3.139
dvādaśagranthibhedena samullasitasaṃvidaḥ |
visargāntadaśaveśācchāktānubhavapūrvakam || 139||
Durch das Durchbrechen der zwölf Knoten leuchtet das Bewusstsein auf. Durch Eintritt in den Zustand am Ende des Visarga, dem die Erfahrung der Shakti vorausgeht … [Die Lautzuordnungen in 3.139–3.141 sind textnah, aber nur vorläufig erschlossen; eine vollständige Lauttabelle ergibt sich daraus noch nicht. Die Erläuterungen zu 3.143–3.145 berücksichtigen die bereits geklärten Aussagen des Kommentars.]

3.140
unmeṣaṣaktiprasaraīricchāśaktipradhānakaiḥ |
tadevā'kulasaṅghaṭṭarūpairvarṇacatuṣṭayaiḥ || 140||
… durch die Entfaltungen der sich öffnenden Kraft, in denen die Willenskraft vorherrscht, durch Vierergruppen von Lauten, die eben die Vereinigung mit Akula darstellen …

3.141
vedyoṣmarūpasāvarṇairmiśrecchābhāvitairapi |
kulaśaktisamāveśarūpavarṇadvayānvitaiḥ || 141||
… auch durch die entsprechenden Laute, deren erkennbarer Bereich die Zischlaute sind und die durch gemischten Willen vergegenwärtigt werden, verbunden mit zwei Lauten des Eingehens in die Kula-Shakti …

3.142
śakteḥ sāramayatvena prasṛtatvānmaheśvari |
sampradāyakramāyātāścakre saubhāgyadāyake || 142||
… [erscheinen die Yoginis], weil sie sich als das Wesentliche der Shakti ausbreiten, große Herrin, in der Folge der Überlieferung im Chakra, das Glück gewährt.

3.143
nirantaraprathārūpasaubhāgyabalayogataḥ |
anvarthasaṃjñake devi aṇimāsadṛśāḥ śubhāḥ || 143||
Durch die Verbindung mit der Kraft des Glücks, das in ununterbrochenem Offenbarwerden besteht, [weilen] in dem seinem Namen entsprechenden [Chakra], Göttin, die glückverheißenden, Anima ähnlichen [Göttinnen] … [Die Dīpikā, S. 331, versteht „ununterbrochenes Offenbarwerden“ als beständige Betrachtung der Nichtzweiheit mit Shiva. Dies ist die Erklärung des Kommentars.]

3.144
sarvasaṅkṣobhiṇīpūrvā dehākṣādiviśuddhidāḥ |
īśitvasiddhirapi ca proktarūpe puratraye || 144||
… Sarvasankshobhini und die folgenden, die Körper, Sinne und das Übrige reinigen. Auch die Vollendung Ishitva [gehört dazu]. In den drei bereits beschriebenen Städten …

3.145
yogādikleśabhedena siddhā tripuravāsinī |
etāḥ sampūjayed devi sarvāḥ sarvopacārakaiḥ || 145||
… ist Tripuravasini durch das Durchbrechen der Leiden wie der Verknüpfung [yoga] vollendet. Man verehre alle diese mit sämtlichen Verehrungsgaben, Göttin. [Die Dīpikā, S. 332, erläutert yoga hier als Verknüpfung des Erkennenden, der Erkenntnismittel und der Gegenstände. Gemeint ist in dieser Auslegung die Bindung an getrennt erscheinende Erkenntnisglieder; der Vers bezeichnet nicht pauschal die heutige Yogapraxis als Leiden.]

3.146
sadātanānā nādānāṃ navarandhrasthitātmanām |
mahāsāmānyarūpeṇa vyāvṛttadhvanirūpiṇī || 146||
Die immerwährenden Klänge, deren Wesen in den neun Körperöffnungen steht, [erscheinen] als unterschiedene Töne durch die Gestalt des großen Gemeinsamen …

3.147
asthirasthiravedyānāṃ chāyārūpairdaśārṇakaiḥ |
kulakaulikayoginyaḥ sarvasiddhipradāyikāḥ || 147||
… mit zehn Lauten, den Schattenbildern beweglicher und fester Erkenntnisgegenstände. Die Kula-Kaulika-Yoginis schenken alle Vollendungen.

3.148
śvetāmbaradharāḥ śvetāḥ śvetābharaṇabhūṣitāḥ |
mantrāṇāṃ svapradhārūpayogādanvarthasaṃjñke || 148||
Sie sind weiß, tragen weiße Gewänder und weißen Schmuck. Durch die Verbindung der Mantras mit der Gestalt ihres eigenen Offenbarwerdens [stehen sie] in dem seinem Namen entsprechenden [Chakra] …

3.149
sarvasiddhipradādyāstu cakre sarvārthasādhake |
lokatrayasamṛddhīnāṃ hetutvāccakranāyikā || 149||
… Sarvasiddhiprada und die folgenden im Chakra »Verwirklichung aller Ziele«. Weil sie Ursache der Fülle der drei Welten ist, [heißt] die Herrin dieses Chakra …

3.150
tripurā śrīrmaheśāni mantraśuddhibhavā punaḥ |
vaśitvasiddhirākhyātā etāḥ sarvāḥ samarcayet || 150||
… Tripura Shri, große Herrin. Als aus der Reinigung der Mantras hervorgehende [Vollendung] wird Vashitva, Herrschaftskraft, bezeichnet. Man verehre alle diese.

3.151
ūrdhvādhomukhayā devi kuṇḍalinyā prakāśitāḥ |
kulecchayā bahirbhāvāt kādivarṇaprathāmayī || 151||
Von der nach oben und nach unten gerichteten Kundalini offenbart, Göttin, durch den Willen des Kula nach außen tretend, bestehen sie aus dem Erscheinen der Laute von ka an …

3.152
nigarbhayoginīvācyāḥ svarūpāveśarūpake |
sarvāveśakara cakre sarvarakṣākare parāḥ || 152||
… und werden Nigarbha-Yoginis genannt. Im Chakra »Schutz aller«, das jeden Eintritt bewirkt und das Eingehen in die eigene Gestalt ist, [stehen] die höchsten …

3.153
sarvajñādyāḥ sthitā etāḥ saha pustākṣamālikāḥ |
mātṛmānaprameyāṇāṃ purāṇāṃ paripoṣiṇī || 153||
… Sarvajna und die folgenden, mit Buch und Gebetskette. Die drei Städte von Erkennendem, Erkenntnismittel und Erkenntnisgegenstand nährt …

3.154
tripurāmālinī khyātā cakreśī tripuramohinī |
nirūddhavāyusaṅghaṭṭasphaṭitagranthimūlataḥ || 154||
… die als Tripuramalini bekannte Chakra-Herrin, die drei Welten bezaubernd. Aus der Wurzel der durch das Zusammenstoßen des angehaltenen Lebenshauchs aufgesprungenen Knoten …

3.155
hṛdayāntarasaṃvittiśūnyaparyaṣṭakātmanā |
bījarūpasvarakalāspṛṣṭavargānusārataḥ || 155||
… durch die im Herzen als Bewusstsein und Leere bestehende Achtergruppe, entsprechend den von den Vokal-Kalas in Samenform berührten Lautgruppen …

3.156
rahasyayoginīrdevīḥ saṃsāradalanojjvale |
sarvarogahare cakre saṃsthitā vīravandite || 156||
… [erscheinen] die geheimen Yogini-Göttinnen. Im Chakra »Beseitigung aller Krankheiten«, das im Zerschlagen des Weltkreislaufs leuchtet, stehen sie, von Helden Verehrte.

3.157
vaśinyādyā raktavarṇā varadābhayamudritāḥ |
pustakaṃ japamālāṃ ca dadhānāḥ siddhayoginīḥ || 157||
Vashini und die folgenden, die vollendeten Yoginis, sind rot, zeigen Gaben- und Furchtlosigkeitsgesten und halten Buch und Gebetskette.

3.158
śuddhividyāviśuddhiṃ ca bhuktisiddhiṃ maheśvari |
īśvarīṃ tripurāṃ siddhāṃ pūjayed bindutarpaṇaiḥ || 158||
Die Herrin Tripura Siddha, [als] Reinigung der reinen Erkenntnis und Vollendung des Genusses, verehre man durch Bindu-Spenden, große Herrin.

3.159
śaktitrayātmikā devi ciddhāmaprasarāḥ punaḥ |
saṃvartāgnikalārūpāḥ paramātirahasyakāḥ || 159||
Die aus drei Kräften bestehenden [Göttinnen], Göttin, sind wiederum Entfaltungen des Bewusstseinslichtes, in der Gestalt der Kraft des Weltauflösungsfeuers, die höchsten, überaus geheimen …

3.160
pūrṇāpurṇasvarūpāyāḥ siddherhetuḥ sureśvari |
sarvasiddhimayākhye tu cakre tvāyudhabhūṣitāḥ || 160||
… Ursache der Vollendung, deren Gestalt erfüllt und unerfüllt ist, Herrin der Götter. Im Chakra »aus allen Vollendungen bestehend« stehen sie, mit Waffen geschmückt …

3.161
sthitāḥ kāmeśvarīpūrvāścatastraḥ pīṭhadevatāḥ |
āyudhāstvatiraktābhāḥ svāyudhojjvalamastakāḥ || 161||
… Kameshvari und die folgenden, die vier Gottheiten der heiligen Sitze. Die Waffen [als Gottheiten] sind überaus rot; über ihren Häuptern glänzen die eigenen Waffen …

3.162
varadābhayahastāśca pūjyā vrataphalapradāḥ |
tvadīyāśca madīyāśca puṃstrīvaśyavidhāyinaḥ || 162||
… ihre Hände zeigen Gaben- und Furchtlosigkeitsgesten. Sie sind zu verehren und verleihen die Frucht der Gelübde; deine und meine [Waffen] bewirken die Beherrschung von Männern und Frauen.

3.163
tvagasṛṅmāṃsamedosthiśuklānāṃ ca maheśvari |
dvitīyasvarasaṃyuktā ete bāṇāstvadīyakāḥ || 163||
[Die Lautzeichen] von Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen und dem Weißen [śukla; als Körpersubstanz auch als Samen deutbar], verbunden mit dem zweiten Vokal, sind deine Pfeile, große Herrin. [Śuklānāṃ ist eine belegte Lesart. Amritanandas Dīpikā erklärt zu einer abweichenden Textfassung die fünf Pfeillaute yāṃ rāṃ lāṃ vāṃ sāṃ. Dabei bezeichnet ā den zweiten Vokal; der Anusvara, ṃ, wird im Kommentar ausdrücklich aus dem Zusammenhang ergänzt. Diese fünf Laute lassen sich aus der hier stehenden Lesart allein nicht vollständig herleiten.]

3.164
vāmādīnāṃ purāṇāṃ tu jananī tripurāmbikā |
parasvātantryarūpatvādicchāsiddhirmaheśvari || 164||
Die Mutter der Städte von Vama an ist Tripurambika; weil sie die Gestalt höchster Freiheit ist, [ist sie] die Vollendung des Willens, große Herrin.

3.165
etāḥ sarvopacāreṇa pūjayettu varānane |
sarvānandamaye devi parabrahmātmake pare || 165||
Alle diese verehre man mit sämtlichen Verehrungsgaben, Schönangesichtige. Im höchsten Chakra »aus aller Glückseligkeit bestehend«, dessen Wesen das höchste Brahman ist …

3.166
cakre saṃvittirūpā ca mahātripurasundarī |
svairācāreṇa sampūjyā tvahantedantayoḥ sama || 166||
… [steht] Mahatripurasundari als Bewusstsein. In freier Lebensweise ist sie zu verehren, gleich in Ichheit und Diesheit.

3.167
mahākāmakalārūpā pīṭhavidyādisiddhidā |
mahāmudrāmayī devi pūjyā pañcadaśātmikā || 167||
Als große Kamakala verleiht sie die Vollendungen der heiligen Sitze, der Vidya und des Übrigen. Göttin, sie besteht aus der großen Mudra und ist als Fünfzehnfache zu verehren …

3.168
tattattithimayī nityā navamī bhairavī parā |
praticakraṃ samudrāstu cakrasaṅketacoditāḥ || 168||
… als Nitya des jeweiligen Mondtages, als neunte, höchste Bhairavi. Bei jedem Chakra [sind die Gottheiten] mit den Mudras [zu verehren], wie im Chakra-Schlüssel angegeben.

3.169
nityaklinnādikāścaiva kāmyakarmānusārataḥ |
caturasrāntarāle vā trikoṇe vā yajet sudhīḥ || 169||
Nityaklinna und die folgenden verehre der Einsichtige gemäß den auf ein Ziel gerichteten Handlungen im Innern des Vierecks oder im Dreieck.

3.170
alinā piśitairgandhairdhūpairārādhya devatāḥ |
cakrapūjāṃ vidhāyetthaṃ kuladīpaṃ nivedayet || 170||
Nachdem man die Gottheiten mit berauschendem Getränk, Fleisch, Duftstoffen und Räucherwerk verehrt und so die Chakra-Verehrung vollzogen hat, bringe man die Kula-Lampe dar …

3.171
antarbahirbhāsamānaṃ svaprakāśojjvalaṃ priye |
puṣpāñjaliṃ tataḥ kṛtvā japaṃ kuryāt samāhitaḥ || 171||
… die innen und außen scheint und durch ihr eigenes Licht leuchtet, Geliebte. Danach bringe man eine Handvoll Blumen dar und rezitiere gesammelt.

3.172
kūṭatraye mahādevi kuṇḍalītritaye'pi ca |
cakrāṇāṃ pūrvapūrveṣāṃ nādarūpeṇa yojitām || 172||
In den drei Mantra-Blöcken, große Göttin, und auch in den drei Kundalinis [vergegenwärtige man die Vidya], jeweils mit den vorhergehenden Chakras als Nada verbunden.

3.173
teṣu prāṇāgnimāyārṇakalābindvardhacandrikāḥ |
rodhinīnādanādāntāḥ śaktivyāpikalānvitāḥ || 173||
Darin [sind] Lebenshauch, Feuer, Maya-Laut, Kala, Bindu und Halbmond, Rodhini, Nada und Nadanta, verbunden mit Shakti und Vyapika …

3.174
samanā conmanā ceti dvādaśante sthitāḥ priye |
mūlakuṇḍalinīrūpe madhyame ca tataḥ punaḥ || 174||
… und Samana und Unmana: [Sie stehen] am Zwölffinger-Endpunkt, Geliebte. In der Gestalt der Wurzel-Kundalini und dann wiederum in der mittleren …

3.175
sṛṣṭyunmukhe ca viśvasya sthitirūpe maheśvari |
kevalaṃ nādarūpeṇa uttarottarayojitam || 175||
… welche der Schöpfung zugewandt ist, und in der Gestalt des Bestehens des Alls, große Herrin, [ist dies] allein als Nada mit dem jeweils Höheren verbunden.

3.176
śabalākārake devi tṛtīye dvādaśī kalā |
śūnyaṣaṭkaṃ tathā devi hyavasthāpañcakaṃ punaḥ || 176||
In der gemischten dritten [Gestalt], Göttin, [steht] die zwölfte Kala. Ferner die sechs Leeren, Göttin, und die fünf Zustände … [Die Aufzählung von sechs Leeren, fünf Zuständen und sieben Vishuvas wird bewahrt. Die anschließenden Einzelzuordnungen sind aus dieser Vorlage nicht lückenlos zu einem Übungsschema rekonstruiert.]

3.177
viṣuvaṃ saptarūpaṃ ca bhāvayan manasā japet |
agnyādidvādaśānteṣu trīṃstrīn tyaktvā varānane || 177||
… sowie das siebenfache Vishuva [die Verbindung oder Gleichlage] vergegenwärtige man im Geist und rezitiere. Von Feuer bis zum Zwölffinger-Endpunkt jeweils drei überspringend, Schönangesichtige …

3.178
śūnyatrayaṃ vijānīyādekaikāntarataḥ priye |
[ śūnyatrayāt pare sthāne mahāśūnyaṃ vibhāvayet ]
prabodha karaṇasyā'tha jāgaratvena bhāvanam || 178||
… soll man in den einzelnen Zwischenräumen die drei Leeren erkennen, Geliebte. [Jenseits der drei Leeren vergegenwärtige man an der höchsten Stätte die große Leere.] Sodann [ist] die Vorstellung des Erwachens der Erkenntnisorgane als Wachsein [zu betrachten].

3.179
vahnau devi mahājāgradavasthā tvindriyadvayaiḥ |
āntaraiḥ karaṇaireva svapnamāyāvabodhakaḥ || 179||
Im Feuer, Göttin, ist der große Wachzustand mit den beiden Arten von Sinnesorganen; allein mit den inneren Organen [geschieht] das Erkennen der Traum-Maya.

3.180
galadeśe suṣuptistu līnapūrvasya vedanam |
antaḥkaraṇavṛottīnāṃ layato viṣayasya tu || 180||
In der Halsgegend [liegt] der Tiefschlaf, das Erkennen des zuvor Aufgelösten; durch das Auflösen der Tätigkeiten des inneren Organs und des Gegenstandes …

3.181
pūrvārṇānāṃ vilomena bhrūmadhye bindusaṃsthitā |
turyarūpaṃ tathā cātra vṛttārdhādestu saṅgrahaḥ || 181||
… in umgekehrter Folge der vorhergehenden Laute [steht sie] zwischen den Brauen im Bindu. Dort ist auch die Gestalt des Vierten, die Zusammenfassung von Halbkreis und den folgenden [Stufen].

3.182
caitanyavyaktihetostu nādarūpasya vedanam |
turyātītaṃ sukhasthānaṃ nādāntādisthitaṃ priye || 182||
Das Erkennen des Nada, Ursache des Offenbarwerdens von Bewusstsein, [ist] das Jenseits-des-Vierten, die Stätte des Glücks, in Nadanta und den folgenden [Stufen], Geliebte.

3.183
atraiva japakāle tu pañcāvasthāḥ smared budhaḥ |
yogaḥ prāṇātmamanasāṃ viṣuvaṃ prāṇasaṃjñitam || 183||
Gerade beim Rezitieren soll sich der Verständige die fünf Zustände vergegenwärtigen. Die Verbindung von Lebenshauch, Selbst und Geist wird Prana-Vishuva genannt.

3.184
ādhāritthitanāde tu līnaṃ buddhyātmarūpakam |
saṃyogena viyogena mantrārṇānāṃ maheśvari || 184||
Im aus der Grundlage aufgestiegenen Nada [ist] das Wesen von Intellekt und Selbst aufgelöst; durch Verbindung und Trennung der Mantra-Laute, große Herrin …

3.185
anahatādyādhārāntaṃ nādātmatvavicintanam |
nādasaṃsparśanāttasya nāḍīviṣuvamucyate || 185||
… [geschieht] die Betrachtung als Nada von Anahata bis zur Grundlage. Durch seine Berührung mit Nada heißt es Nadi-Vishuva. [Die Zuordnung dieser Richtungsfolge innerhalb des gesamten Nadi-Schemas bleibt vorläufig.]

3.186
dvādaśagranthibhedena varṇānāmantare priye |
nādayogaḥ praśāntaṃ tu praśāntendriyagocaram || 186||
Durch das Durchbrechen der zwölf Knoten [geschieht] zwischen den Lauten, Geliebte, die Verbindung mit Nada: das Befriedete, das in den Bereich befriedeter Sinne fällt.

3.187
vahniṃ māyāṃ kalāṃ caiva cetanāmardhacandrakam |
rodhinīnādanādāntān śaktau līnān vibhāvayet || 187||
Feuer, Maya, Kala, Bewusstheit und Halbmond, Rodhini, Nada und Nadanta soll man sich als in Shakti aufgelöst vergegenwärtigen.

3.188
viṣuvaṃ śaktisaṃjñaṃ tu tadūrdhvaṃ nādacintanam |
tadūrdhvaṃ kālaviṣuvamunmanāntaṃ maheśvari || 188||
[Dies ist] das Shakti genannte Vishuva; darüber [geschieht] die Betrachtung des Nada. Darüber liegt Kala-Vishuva bis zum Ende von Unmana, große Herrin.

3.189
municandrā'ṣṭadaśabhistruṭibhirnādavedanam |
caitanyavyaktihetuśca viṣuvaṃ tattvasaṃjñitam || 189||
Das Erkennen des Nada in einer Dauer von muni–candra–aṣṭa–daśa Trutis ist Ursache des Offenbarwerdens von Bewusstsein und das Tattva genannte Vishuva. [Amritanandas Dīpikā erklärt die Zahl als 10817 Trutis: muni = 7, candra = 1, aṣṭa = 8, daśa = 10; rückläufige Anordnung der Zahlengruppen ergibt 10|8|1|7. Dies ist eine Kommentarentschlüsselung, keine ausgeschriebene Zahl des Grundtextes. Druck S. 373–374, dort 3.187.]

3.190
paraṃ sthānaṃ mahādevi nisargānandasundaram |
evaṃ cintayamānasya japakāleṣu pārvati || 190||
Die höchste Stätte ist von natürlicher Glückseligkeit schön, große Göttin. Wer während der Mantrawiederholung so betrachtet, Parvati …

3.191
siddhayaḥ sakalāstūrṇaṃ siddhyanti tvatprasādataḥ |
evaṃ kṛtvā japaṃ devyā vāmahaste nivedayet || 191||
… dem gelingen durch deine Gnade rasch alle Vollendungen. Nachdem man so rezitiert hat, bringe man [die Rezitation] der linken Hand der Göttin dar.

3.192
anāmāṅguṣṭhayogena tarpayeccakradevatāḥ |
madyaṃ māṃsaṃ tathā matsyaṃ devyāstu vinivedayet || 192||
Mit verbundenem Ringfinger und Daumen sättige man die Gottheiten des Chakra. Berauschendes Getränk, Fleisch und Fisch bringe man der Göttin dar.

3.193
kaulācārasamāyuktairvīraistu saha pūjayet |
puṣyabhena tu vāre ca saure ca parameśvari || 193||
Man verehre gemeinsam mit Helden, die mit der Kaula-Lebensweise verbunden sind, beim Mondhaus Pushya und am Tag der Sonne, höchste Herrin …

3.194
gurordine svanakṣatre caturdaśyaṣṭamīṣu ca |
cakrapūjāṃ viśeṣeṇa yoginīnāṃ samācaret || 194||
… am Tag des Lehrers, im eigenen Mondhaus und an den vierzehnten und achten Mondtagen. Zu diesen Zeiten vollziehe man besonders die Chakra-Verehrung der Yoginis.

3.195
catuḥṣaṣṭiyutāḥ koṭyo yoginīnāṃ mahaujasām |
cakrametat samāśritya saṃsthitā vīravandite || 195||
Vierundsechzig mal zehn Millionen Yoginis von großer Kraft haben in diesem Chakra ihren Sitz, von Helden Verehrte.

3.196
aṣṭāṣṭakaṃ tu kartavyaṃ vittaśāṭhyavivarjitam |
tvameva tāsāṃ rūpeṇa krīḍase viśvamohinī || 196||
Achtmal acht [Verehrungen oder Gruppen] sind auszuführen, ohne Hinterlist in Geldangelegenheiten. Du selbst spielst in ihren Gestalten, du die Welt Bezaubernde.

3.197
ajñātvā tu kulācāramayaṣṭvā gurupādukām |
yo'smin śāstre pravarteta taṃ tvaṃ pīḍayasi dhruvam || 197||
Wer sich dieser Lehrschrift zuwendet, ohne die Kula-Lebensweise zu kennen und ohne die Sandalen des Lehrers verehrt zu haben, den bedrängst du gewiss.

3.198
evaṃ jñātvā varārohe kaulācāraparaḥ sadā |
āvayoḥ śabalākāraṃ madyaṃ tatra nivedya ca || 198||
Nachdem man dies so erkannt hat, Schöne, stets der Kaula-Lebensweise hingegeben, bringe man dort das berauschende Getränk als die gemischte Gestalt von uns beiden dar … [Die Lesart madyaṃ tatra bedeutet „dort das berauschende Getränk“. Eine abweichende Fassung hat madyaṃ māṃsaṃ, „berauschendes Getränk und Fleisch“.]

3.199
tvatprathāprasarākārāstvāmeva paribhāvayet |
tvāmicchāvigrahāṃ devīṃ gururūpāṃ vibhāvayet || 199||
… und vergegenwärtige [die umgebenden Göttinnen], deren Gestalten aus der Ausbreitung deines Offenbarwerdens hervorgehen, als dich selbst. Dich, die Göttin, die nach ihrem Willen Gestalt annimmt, betrachte man in der Gestalt des Lehrers. [Die Dīpikā, S. 383–384, bezieht die erste Zeile auf die Gottheiten der Umkreise, die in der Hauptgöttin aufgehen. Die zweite erklärt sie durch die aus freiem Willen angenommene Erscheinung der Göttin zum Wohl der Welt.]

3.200
tvanmayasya guroḥ śeṣaṃ nivedyātmani yojayet |
yoginīnāṃ mahādevi baṭukāyātmarūpiṇe || 200||
Nachdem man [die Gabe] dem aus dir bestehenden Lehrer dargebracht hat, nehme man den Rest in sich auf. Dem Batuka, der das Selbst der Yoginis ist, große Göttin, … [Die Auflösung der knappen ersten Zeile folgt der Dīpikā, S. 384: Sie erläutert die Darbringung an den Lehrer und das anschließende Aufnehmen des Restes. „Der Yoginis“ in der zweiten Zeile ist eine Genitivverbindung und bezeichnet hier keine gesonderte Gruppe von Empfängerinnen.]

3.201
kṣetrāṇāṃ pataye mahyaṃ baliṃ kurvīta hetunā |
nityaṃ piban vaman khādan svecchācāraparaḥ svayam || 201||
… dem Herrn der Felder, mir, bringe man mit [dem als] Hetu [bezeichneten berauschenden Getränk] eine Opfergabe dar. Stets trinkend, ausstoßend [auch: erbrechend] und essend, selbst ganz der freien Lebensweise hingegeben … [Die Dīpikā, S. 385, erklärt die „Felder“ als Körper und Hetu ausdrücklich als berauschendes Getränk. Die historische Ritualbeschreibung ist keine heutige Praxisempfehlung.]

3.202
ahantedantayoraikyaṃ bhāvayan viharet sukham |
etatte kathitaṃ sarvaṃ saṅketatrayamuttamam || 202||
… vergegenwärtige man sich die Einheit von Ichheit und Diesheit und lebe glücklich. Damit ist dir der gesamte vorzügliche dreifache Schlüssel erklärt.

3.203
gopanīyaṃ prayatnena svaguhyamiva suvrate |
cumbake jñānalubdhe ca na prakāśyaṃ tvayānaghe || 203||
Man soll ihn mit Sorgfalt geheim halten wie das eigene Geschlechtsorgan, du treu Gelobende. Einem bloßen Ansauger [chumbaka; ein technischer Empfängerbegriff, dessen genaue Bedeutung hier vorläufig erschlossen ist] und einem nach Wissen Gierenden darfst du ihn nicht offenbaren, Makellose.

3.204
anyāyena na dātavyaṃ nāstikānāṃ maheśvari |
evaṃ tvayā'hamājñapto madicchārūpayā prabho || 204||
Nicht auf unrechte Weise ist er zu geben, auch nicht den Gottesleugnern, höchste Herrin. So wurde ich von dir angewiesen, die du meine Willensgestalt bist, Herr. [Die Anrede prabho, „Herr“, steht hier neben dem weiblichen Bezug „meine Willensgestalt“. Ein Sprecherwechsel ist an dieser Stelle nicht ausdrücklich angegeben.]

3.205
ajñānena tu yo dadyāt sa pareto bhaviṣyati |
saṅketaṃ yo vijānāti yoginīnāṃ bhavetpriyaḥ || 205||
Wer ihn aus Unwissenheit weitergäbe, wird ein Verstorbener sein. Wer den Schlüssel versteht, wird den Yoginis lieb.

3.206
sarvepsitaphalāvāptiḥ sarvakāmaphalāśrayaḥ |
yato'pi dṛśyate devi kathaṃ vidvānna cintayet || 206||
Aus ihm wird das Erlangen aller ersehnten Früchte und die Grundlage aller begehrten Ergebnisse sichtbar, Göttin. Wie sollte ein Wissender ihn also nicht betrachten?

Kapitelkolophon
iti tṛtīyaḥ paṭalaḥ samāptaḥ |
Damit ist das dritte Kapitel beendet.

Schlussangabe
|| iti yoginīhṛdayaṃ stotram ||
Damit [endet] das Yogini-Hridaya-Stotra, der „Lobgesang Herz der Yogini“.

Die Schlussbezeichnung „Stotra“ ist hier mit wiedergegeben; die Schrift als Ganze umfasst einen Lehrdialog über Chakra, Mantra und Verehrung.

Begleitvideo: 3-Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev

Sanskrit in Devanagari

Die folgenden drei Kapitel enthalten denselben Sanskritbestand wie die IAST-Fassung: sämtliche nummerierten Blöcke, Einschübe, Sprecherangaben und Schlussstücke. Die deutschen Anmerkungen zu schwierigen Stellen stehen beim jeweiligen Vers im vorangehenden Abschnitt.

Sanskrittitel
योगिनीहृदयम्

Devanagari: Kapitel 1

अथ प्रथमः पटलः

Dreidimensionale Darstellung des Shri Yantra. Allgemeine Illustration zur Entfaltung des Diagramms.

1.1
श्रीदेव्युवाच –
देवदेव महादेव परिपूर्णप्रथामय ।
वामकेश्वरतन्त्रेऽस्मिन्नज्ञातार्थास्त्वनेकशः ॥ १॥

1.2
तांस्तानर्थानशेषेण वक्तुमर्हसि भैरव ।
श्रीभैरव उवाच
शृणु देवि महागुह्यं योगिनीहृदयं परम् ॥ २॥

1.3
त्वत्प्रीत्या कथयाम्यद्य गोपनीयं विशेषतः ।
कर्णात्कर्णोपदेशेन सम्प्राप्तमवनीतलम् ॥ ३॥

1.4
न देयं परशिष्येभ्यो नास्तिकेभ्यो न चेश्वरि ।
न शुश्रूषालसानाञ्च नैवानर्थप्रदायिनाम् ॥ ४॥

1.5
परीक्षिताय दातव्यं वत्सरार्धोषिताय च ।
एतज्ज्ञात्वा वररोहे सद्यः खेचरतां व्रजेत् ॥ ५॥

1.6
चक्रसङ्केतको मन्त्रपूजासङ्केतकौ तथा ।
त्रिविधस्त्रिपुरादेव्याः सङ्केतः परमेश्वरि ॥ ६॥

1.7
यावदेतन्न जानाति सङ्केतत्रयमुत्तमम् ।
न तावत्त्रिपुराचक्रे परमाज्ञाधरो भवेत् ॥ ७॥

1.8
तच्छक्तिपञ्चकं सृष्ट्या लयेनाग्निचतुष्टयम् ।
पञ्चशक्तिचतुर्वह्निसंयोगाच्चक्रसम्भवः ॥ ८॥

1.9
एतच्चक्रावतारन्तु कथयामि तवानघे ।
यदा सा परमा शक्तिः स्वेच्छया विश्वरूपिणी ॥ ९॥

1.10
स्फुरत्तामात्मनः पश्येत्तदा चक्रस्य सम्भवः ।
शून्याकाराद्विसर्गान्ताद् बिन्दोः प्रस्पन्दसंविदः ॥ १०॥

1.11
प्रकाशपरमार्थत्वात् स्फुरत्तालहरीयुतात् ।
प्रसृतं विश्वलहरीस्थानं मातृत्रयात्मकम् ॥ ११॥

1.12
बैन्दवं चक्रमेतस्य त्रिरूपत्वं पुनर्भवेत् ।
धर्माधर्मौ तथात्मानो मातृमेयौ तथा प्रमा ॥ १२॥

1.13
नवयोन्यात्मकं चक्रं चिदानन्दघनं महत् ।
चक्रं नवात्मकमिदं नवधा भिन्नमन्त्रकम् ॥ १३॥

1.14
बैन्दवासनसंरूढसंवर्तानलचित्कलम् ।
अम्बिकारूपमेवेदमष्टारस्थं स्वरावृतम् ॥ १४॥

1.15
नवत्रिकोणस्फुरितप्रभारूपदशारकम् ।
शक्त्यादिनवपर्यन्तदशार्णस्फूर्तिकारकम् ॥ १५॥

1.16
भूततन्मात्रदशकप्रकाशालम्बनत्वतः ।
द्विदशारस्फुरद्रूपं क्रोधीशादिदशारकम् ॥ १६॥

1.17
चतुश्चक्रप्रभारूपसंयुक्तपरिणामतः ।
चतुर्दशाररूपेण संवित्तिकरणात्मना ॥ १७॥

1.18
खेचर्यादिजयान्तार्णपरमार्थप्रथामयम् ।
एवं शक्त्यनलाकारस्फुरद्रौद्रीप्रभामयम् ॥ १८॥

1.19
ज्येष्टारूपचतुष्कोणं वामारूपभ्रमित्रयम् ।
चिदंशान्तस्त्रिकोणं च शान्त्यतीताष्टकोणकम् ॥ १९॥

1.20
शान्त्यंशद्विदशारञ्च तथैव भुवनारकम् ।
विद्याकलाप्रमारूपदलाष्टकसमावृतम् ॥ २०॥

1.21
प्रतिष्टावपुषा सृष्टस्फुरद्द्व्यष्टदलाम्बुजम् ।
निवृत्त्याकारविलसच्चतुस्ष्कोणविराजितम् ॥ २१॥

1.22
त्रैलोक्यमोहनाद्ये तु नवचक्रे सुरेश्वरि ।
नादो बिन्दुः कला ज्येष्टा रौद्री वामा तथा पुनः ॥ २२॥

1.23
विषघ्नी दूतरी चैव सर्वानन्दा क्रमात् स्थिताः ।
निरंशौ नादबिन्दू च कला चेच्छास्वरूपकम् ॥ २३॥

1.24
ज्येष्टा ज्ञानं क्रिया शेषमित्येवं त्रितयात्मकम् ।
चक्रं कामकलारूपं प्रसारपरमार्थतः ॥ २४॥

1.25
अकुले विषुसंज्ञे च शक्ते वह्नौ तथा पुनः ।
नाभावनाहते शुद्धे लम्बिकाग्रे भ्रुवोऽन्तरे ॥ २५॥

1.26
बिन्दौ तदर्धे रोधिन्यां नादे नादान्त एव च ।
शक्तौ पुनर्व्यापिकायां समनोन्मनि गोचरे ॥ २६॥

1.27
महाबिन्दौ पुनश्चैव त्रिधा चक्रं तु भावयेत् ।
आज्ञान्तं सकलं प्रोक्तं ततः सकलनिष्कलम् ॥ २७॥

1.28
उन्मन्यन्तं परे स्थाने निष्कलञ्च त्रिधा स्थितम् ।
दीपाकारोऽर्धमात्रश्च ललाटे वृत्त इष्यते ॥ २८॥

1.29
अर्धचन्द्रस्तथाकारः पादमात्रस्तदूर्ध्वके ।
ज्योत्स्नाकारा तदष्टांशा रोधिनी त्र्यस्रविग्रहा ॥ २९॥

1.30
बिन्दुद्वयान्तरे दण्डः शेवरूपो मणिप्रभः ।
कलांशो द्विगुणांशश्च नादान्तो विद्युदुज्ज्वलः ॥ ३०॥

1.31
हलाकारस्तु सव्यस्थबिन्दुयुक्तो विराजते ।
शक्तिर्वामस्थबिन्दुद्यत्स्थिराकारा तथा पुनः ॥ ३१॥

1.32
व्यापिका बिन्दुविलसत्त्रिकोणाकारतां गता ।
बिन्दुद्वयान्तरालस्था ऋजुरेखामयी पुनः ॥ ३२॥

1.33
समना बिन्दुविलसदृजुरेखा तथोन्मना ।
शक्त्यादीनां वपुः स्फूर्जद्द्वादशादित्यसन्निभम् ॥ ३३॥

1.34
चतुःषष्टिस्तदूर्ध्वं तु द्विगुणं द्विगुणं ततः ।
शक्त्यादीनां तु मात्रांशो मनोन्मन्यास्तथोन्मनी ॥ ३४॥

1.35
दैशकालानवच्छिन्नं तदूर्ध्वे परमं महत् ।
निसर्गसुन्दरं तत्तु परानन्दविघूर्णितम् ॥ ३५॥

1.36
आत्मनह् स्फुरणं पश्येद्यदा सा परमा कला ।
अम्बिकारूपमापन्न परा वाक् ससुदीरिता ॥ ३६॥

1.37
बीजभावस्थितं विश्वं स्फुटीकर्तुं यदोन्मुखी॥
वामा विश्वस्य वमनादङ्कुशाकारतां गता ॥ ३७॥

1.38
इच्छाशक्तिस्तदा सेयं पश्यन्ती वपुषा स्थिता ।
ज्ञानशक्तिस्तथा ज्येष्टा मध्यमा वागुदीरिता ॥ ३८॥

1.39
ऋजुरेखामयी विश्वस्थितौ प्रथितविग्रहा ।
तत्संहृतिदशायां तु बैन्दवं रूपमास्थिता ॥ ३९॥

1.40
प्रत्यावृत्तिक्रमेणैवं शृङ्गटवपुरुज्ज्वला ।
क्रियाशक्तिस्तु रौद्रीयं वैखरी विश्वविग्रहा ॥ ४०॥

1.41
भासनाद्विश्वरूपस्य स्वरूपे बाह्यतोऽपि च ।
एताश्चतस्त्रः शक्त्यस्तु का पू जा ओ इति क्रमात् ॥ ४१॥

1.42
पीठाः कन्दे पदे रूपे रूपातीते क्रमात् स्थिताः ।
चतुरस्त्रं तथ बिन्दुषट्कयुक्तं च वृत्तकम् ॥ ४२॥

1.43
अर्धचन्द्रं त्रिकोणं च रूपाण्येषां क्रमेण तु ।
पीतो धूम्रस्तथा श्वेतो रक्तो रूपं च कीर्तितम् ॥ ४३॥

1.44
स्वयम्भुर्बाणलिङ्गं च इतरं च परं पुनः ।
पीठेष्वेतानि लिङ्गानि संस्थितानि वरानने ॥ ४४॥

1.45
हेमबन्धूककुसुमशरच्चन्द्रनिभानि तु ।
स्वावृतं त्रिकूटं च महालिङ्गं स्वयम्भुवम् ॥ ४५॥

1.46
कादितान्ताक्षरोपेतं बाणलिङ्गं त्रिकोणकम् ।
कदम्बगोलकाकारं थादिसान्ताक्षरावृतम् ॥ ४६॥

1.47
सूक्ष्मरूपं समस्तार्णवृतं परमलिङ्गकम् ।
बिन्दुरूपं परानन्दकन्दं नित्योदितम् ॥ ४७

1.48
बीजत्रययुक्तस्य सकलस्य मनोः पुनः ।
एतानि वाच्यरूपाणि कुलकौलमयानि तु ॥ ४८॥

1.49
जाग्रत्स्वप्नसुषुप्त्याख्यतुर्यरूपाण्यमूनि तु ।
अतीतं तु परं तेजः स्वसंविदुदयात्मकम् ॥ ४९॥

1.50
स्वेच्छाविश्वमयोल्लेखखचितं विश्वरूपकम् ।
चैतन्यमात्मनो रूपं निसर्गानन्दसुन्दरम् ॥ ५०॥

1.51
मेयमातृप्रमामानप्रसरैः संकुचत्प्रभम् ।
शृङ्गाटरूपमापन्नमिच्छाज्ञानक्रियात्मकम् ॥ ५१॥

1.52
विश्वाकारप्रथाधारनिजरूपशिवाश्रयम् ।
कामेश्वराङ्कपर्यङ्कनिविष्टमतिसुन्दरम् ॥ ५२॥

1.53
इच्छाशक्तिमयं पाशमङ्कुशं ज्ञानरूपिणम् ।
क्रियाशक्तिमये बाणधनुषी दधदुज्ज्वलम् ॥ ५३॥

1.54
आश्रयाश्रयिभेदेन अष्टधा भिन्नहेतिमत् ।
अष्टारचक्रसंरूढं नवचक्रासनस्थितम् ॥ ५४॥

1.55
एवंरूपं परं तेजः श्रीचक्रवपुषा स्थितम् ।
तदीयशक्तिनिकरस्फुरदूर्मिसमावृतम् ॥ ५५॥

1.56
चिदात्मभित्तौ विश्वस्य प्रकाशामर्शने यदा ।
करोति स्वेच्छया पूर्णविचिकीर्षासमन्विता ॥ ५६॥

1.57
क्रियाशक्तिस्तु विश्वस्य मोदनाद् द्रावणात्तथा ।
मुद्राख्या सा यदा संविदम्बिका त्रिकलामयी ॥ ५७॥

1.58
त्रिखण्डारूपमापन्ना सदा सन्निधिकारिणी ।
सर्वस्य चक्रराजस्य व्यापिका परिकीर्तित ॥ ५८॥

1.59
योनिप्राचुर्यतः सैषा सर्वसंक्षोभिका पुनः ।
वामाशक्तिप्रधानेयं द्वारचक्रे स्थिता भवेत् ॥ ५९॥

1.60
क्षुब्धाविश्वस्थितिकरी ज्येष्टाप्राचुर्यमाश्रिता ।
स्थूलनादकलारूपा सर्वानुग्रहकारिणी ॥ ६०॥

1.61
सर्वाशपूरणाख्ये तु सैषा स्फुरितविग्रहा ।
ज्येष्टावामासमन्त्वेन सृष्टेः प्राधान्यमाश्रिता ॥ ६१॥

1.62
आकर्षिणी तु मुद्रेयं सर्वसंक्षोभिणी स्मृता ।
व्योमद्वयान्तरालस्थबिन्दुरूपा महेश्वरि ॥ ६२॥

1.63
शिवशक्त्यात्मसंश्लेषाद्दिव्यावेशकरी स्मृता ।
चतुर्दशारचक्रस्था संविदानन्दविग्रहा ॥ ६३॥

1.64
बिन्द्वन्तरालविलसत्सूक्ष्म रेखाशिखामयी ।
ज्येष्टाशक्तिप्रधाना तु सर्वोन्मादनकारिणी ॥ ६४॥

1.65
दशारचक्रमास्थाय संस्थिता वीरवन्दिते ।
वामाशक्तिप्रधाना तु महाङ्कुशमयी पुनः ॥ ६५॥

1.66
तद्वद्विश्वं वमन्ती सा द्वितीये तु दशारके ।
संस्थिता मोदनपरा मुद्रारूपत्वमास्थिता ॥ ६६॥

1.67
धर्माधर्मस्य संघट्टादुत्थिता वित्तीरूपिणी ।
विकल्पोत्थक्रियालोपरूपदोषविधातिनी ॥ ६७॥

1.68
विकल्परूपरोगाणां हारिणी खेचरी परा ।
सर्वरोगहराख्ये तु चक्रे संविन्मयी स्थिता ॥ ६८॥

1.69
शिवशक्तिसमाश्लेषस्फुरद्व्योमान्तरे पुनः ।
प्रकाशयति विश्वं सा सूक्ष्मरूपस्थित सदा ॥ ६९॥

1.70
बीजरूपा महामुद्रा सर्वसिद्धिमये स्थिता ।
सम्पूर्णस्य प्रकाशस्य लाभभूमिरियं पुनः ॥ ७०॥

1.71
योनिमुद्रा कलारूपा सर्वानन्दमये स्थिता ।
क्रिया चैतन्यरूपत्वादेवं चक्रमयं स्थितम् ॥ ७१॥

1.72
इच्छारूपं परं तेजाः सर्वदा भावयेद् बुधः ।
त्रिधा च नवधा चैव चक्रसङ्केतकः पुनः ॥ ७२॥

1.73
वह्निनैकेन शक्तिभ्यां द्वाभ्यां चैकोऽप्रः पुनः ।
तैश्च वह्नित्रयेणापि शक्तीनां त्रितयेन च ॥ ७३॥

1.74
पद्मद्वयेन चान्यः स्याद् भूगृहत्रितयेन च ।
पञ्चशक्ति चतुर्वह्निपद्मद्वयमहीत्रयम् ॥ ७४॥

1.75
परिपूर्णं महचक्रं तत्प्रकारः प्रदर्श्यते ।
तत्राद्यं नवयोनि स्यात् तेन द्विदशासंयुतम् ॥ ७५॥

1.76
मनुयोनि परं विद्यात् तृतीयं तदनन्तरम् ।
अष्टद्व्यष्टदलोपेतं चतुरस्रत्रयान्वितम् ॥ ७६॥

1.77
चक्रस्य त्रिप्रकारत्वं कथितं परमेश्वरि ।
सृष्टिःस्यान्नवयोन्यादिपृथ्व्यन्तं संहृति पुनः ॥ ७७॥

1.78
पृथ्व्यादिनवयोन्यन्तमिति शास्त्रस्य निर्णयः ।
एतत्समष्टिरूपं तु त्रिपुराचक्रमुच्यते ॥ ७८॥

1.79
यस्य विज्ञानमात्रेण त्रिपुराज्ञानवान् भवेत् ।
चक्रस्य नवधात्वं च कथयामि तव प्रिये ॥ ७९॥

1.80
आदिमं भूत्रयेण स्याद् द्वितीयं षोडशारकम् ।
अन्यदष्टदलं प्रोक्तं मनुकोणमनन्तरम् ॥ ८०॥

1.81
पञ्चमं दशकोणं स्यात् षष्ठं चापि दशारकम् ।
सप्तमं वसुकोणं स्यान्मध्यत्र्यस्रमथाष्टमम् ॥ ८१॥

1.82
नवमं त्र्यस्रमध्यं स्यात् तेषां नामान्यतः शृणु ।
त्रैलोक्यमोहनं चक्रं सर्वाशापरिपूरकम् ॥ ८२॥

1.83
सर्वसंक्षोभणं गौरि सर्वसौभाग्यदायकम् ।
सर्वार्थसाधकं चक्रं सर्वरक्षाकरं परम् ॥ ८३॥

1.84
सर्वरोगहरं देवि सर्वसिद्धिमयं तथा ।
सर्वानन्दमयं चापि नवमं शृणु सुन्दरि ॥ ८४॥

1.85
अत्र पूज्या महादेवी महात्रिपुरसुन्दरी ।
परिपूर्णं महाचक्रमजरामरकारकम् ॥ ८५॥

1.86
एतमेव महाचक्रसङ्केतः परमेश्वरि ।
कथितस्त्रिपुरादेव्या जीवन्मुक्तिप्रवर्तकः ॥ ८६॥

Kapitelkolophon
इति प्रथमः पटलः समाप्तः ।

Devanagari: Kapitel 2

अथ द्वितीयः पटलः

2.1
मन्त्रसङ्केतं दिव्यमधुना कथ्यामि ते ।
यद्वेत्ता त्रिपुराकारो वीरचक्रेश्वरो भवेत् ॥ १॥

2.2
करशुद्धिकरो त्वाद्या द्वितीया चात्मरक्षिका ।
आत्मासनगता देवी तृतीया तदनन्तरम् ॥ २॥

2.3
चक्रासनगता पश्चात् सर्वमन्त्रासनस्थिता ।
साध्यसिद्धासना षष्ठा मायालक्ष्मीमयी परा ॥ ३॥

2.4
मूर्तिविद्या च सा देवी सप्तमो परिकीर्तिता ।
अष्टम्यावाहिनी विद्या नवमा भैरवी परा ॥ ४॥

2.5
मूलविद्या तथा ख्याता त्रैलोक्यवशकारिणी ।
एवं नवप्रकारास्तु पूजाकाले प्रयत्नतः ॥ ५॥

2.6
एताः क्रमेण न्यस्तव्याः साधकेन कुलेश्वरि ।
पादाग्रजङ्घाजानूरुगुदलिङ्गाग्रकेषु च ॥ ६॥

2.7
आधरे विन्यसन्मूर्ति तस्यामावाहिनीं न्यसेत् ।
मूलेन व्यापकन्यासः कर्तव्यः परमेश्वरि ॥ ७॥

2.8
अकुलादिषु पूर्वोक्तस्थानेषु परिचिन्तयेत् ।
चक्रेश्वरिसमायुक्तं नवचक्रं पुरोदितम् ॥ ८॥

2.9
तासां नामानि वक्ष्यामि यथानुक्रमयोगतः ।
तत्राद्या त्रिपुरा देवी द्वितीया त्रिपुरेश्वरी ॥ ९॥

2.10
तृतीया च तथा प्रोक्ता देवी त्रिपुरसुन्दरी ।
चतुर्थी च महादेवी देवी त्रिपुरवासिनी ॥ १०॥

2.11
पञ्चमी त्रिपुरा श्रीः स्यात् षष्ठी त्रिपुरमालिनी ।
सप्तमी त्रिपुरा सिद्धिरष्टमी त्रिपुराम्बिका ॥ ११॥

2.12
नवमी तु माहदेवी महात्रिपुरसुन्दरी ।
पूजयेच्च क्रमादेता नवचक्रे पुरोदिते ॥ १२॥

2.13
एवं नवप्रकाराद्या पूजाकाले तु पार्वति ।
एकाकारा ह्याद्यशक्तिरजरामरकारिणी ॥ १३॥

2.14
मन्त्रसङ्केतकस्तस्या नानाकारो व्यवस्थितः ।
नानामन्त्रक्रमेणैव पारम्पर्येण लभ्यते ॥ १४॥

2.15
षड्विधस्तं तु देवेशि कथयामि तवानघे ।
भावार्थः सम्प्रदायार्थो निगमार्थश्च कौलिकः ॥ १५॥

2.16
तथा सर्वरहस्यार्थो महातत्त्वार्थ एव च ।
अक्षरार्थो हि भावार्थः केवलः परमेश्वरि ॥ १६॥

2.17
योगिनीभिस्तथा वीरैर्वीरेन्द्रैः सर्वदा प्रिये ।
शिवशक्तिसमायोगाज्जनितो मन्त्रराजकः ॥ १७॥

2.18
तन्मयीं परमानन्दनन्दितां स्पन्दरूपिणीम् ।
निसर्गसुन्दरीं देवीं ज्ञात्वा स्वैरमुपासते ॥ १८॥

2.19
शिवशक्त्यात्मसंघट्टरूपे ब्रह्माणि शाश्वते ।
तत्प्रथाप्रसराश्लेषभुवि त्वैन्द्रोपलक्षिते ॥ १९॥

2.20
ज्ञातृज्ञानमयाकारमननान्मन्त्ररूपिणी ।
तेषां समष्टिरूपेण पराशक्तिस्तु मातृका ॥ २०॥

2.21
मध्यबिन्दुविसर्गान्तः समास्थानमये परे ।
कुटिलारूपके तस्याः प्रतिरूपे वियत्कले ॥ २१॥

2.22
मध्यप्राणप्रथारूपपस्पन्दव्योम्नि स्थित पुनः ।
मध्यमे मन्त्रपिण्डे तु तृतीये पिण्डके पुनः ॥ २२॥

2.23
राहुकूटाद्वयस्फूर्जच्चलत्तासंस्थितस्य तु ।
धर्माधर्मस्य वाच्यस्य विषामृतमयस्य च ॥ २३॥

2.24
वाचक्राक्षरसंयोगात् कथिता विश्वरूपिणी ।
तेषां समष्टिरूपेण पराशक्तिं तु मातृकाम् ॥ २४॥

2.25
कूटत्रयात्मिकां देवीं समष्टिव्यष्टिरूपिणिम् ।
आद्यां शक्तिं भावयन्तो भावार्थमिति मन्वते ॥ २५॥

2.26
सम्प्रदायो महाबोधरूपो गुरुमुखे स्थितः ।
विश्वाकारप्रथायास्तु महत्त्वञ्च यदाश्रयम् ॥ २६॥

2.27
शिवशक्त्याद्यया मूलविद्यया परमेश्वरि ।
जगत्कृत्स्नं तया व्याप्तं शृणुष्वावहिता प्रिये ॥ २७॥

2.28
पञ्चभूतमयं विश्वं तन्मयी सा सदानघे ।
तन्मयी मूलविद्या च तदद्य कथयामि ते ॥ २८॥

2.29
हकाराद् व्योम सम्भूतं ककारात्तु प्रभञ्जनः ।
रेफादग्निः सकाराच्च जलतत्त्वस्य सम्भवः ॥ २९॥

2.30
लकारात् पृथिवी जाता तस्माद् विश्वमयी च सा ।
गुणाःपञ्चदश प्रोक्ता भूतानां तन्मयी शिवा ॥ ३०॥

2.31
यस्य यस्य पदार्थस्य सा या शक्तिरुदीरिता ।
सा सा सर्वेश्वरी देवी स स सर्वो महेश्वरः ॥ ३१॥

2.32
व्याप्ता पञ्चदशार्णः सा विद्या भूतगुणात्मिकाः ।
पञ्चभिश्च तथा षड् भिश्चतुर्भिरपि चाक्षरः ॥ ३२॥

2.33
स्वरव्यञ्जनभेदेन सप्तत्रिंशत्प्रभेदिनी ।
सप्तत्रिंशत्प्रभेदेन षट् त्रिंशतत्त्वरूपिणी ॥ ३३॥

2.34
तत्त्वातीतस्वभावा च विद्यैषं भाव्यते सदा ।
पृथिव्यादिषु भूतेषु व्यापकं चोत्तरोत्तरम् ॥ ३४॥

2.35
भूतं त्वधस्तनं व्याप्यं तद् गुणा व्यापकाश्रयाः ।
व्याप्येष्ववस्थिता देवि स्थूलसूक्ष्मविभेदतः ॥ ३५॥

2.36
तस्माद्व्योमगुणः शब्दो वाय्वादीन् व्याप्य संस्थितः ।
व्योमबीजैस्तु विद्यास्थैर्लक्षयेच्छब्दपञ्चकम् ॥ ३६॥

2.37
तेषां कारणरूपेण स्थित ध्वनिमयं परम् ।
भवेद् गुणवतां बीजं गुणानामपि वाचकम् ॥ ३७॥

2.38
कार्यकारणभावेन तयोरैक्य विवक्षया ।
महामायात्रयेणापि कारणेन च बिन्दुना ॥ ३८॥

2.39
वाय्वाग्निजलभूमीनां स्पर्शानां च चतुष्टयम् ।
उत्पन्नं भावयेद् देवि स्थूलसूक्ष्मविभेदतः ॥ ३९॥

2.40
रूपाणां त्रितयं तद्वत् त्रिभी रेफैर्विभावितम् ।
प्रधानं तेजसो रूपं तद् बीजेन हि जन्यते ॥ ४०॥

2.41
विद्यास्थैश्चन्द्रबीजैस्तु स्थूलसूक्ष्मो रसः स्मृतः ।
सम्बन्धो विदितो लोके रसस्याप्यमृतस्य च ॥ ४१॥

2.42
वसुधाया गुणो गन्धस्तल्लिपिर्गन्धवाचिका ।
भुवनत्रयसम्बन्धात् त्रिधात्वं तु महेश्वरि ॥ ४२॥

2.43
अशुद्धशुद्धमिश्राणां प्रमातॄणां परं वपुः ।
क्रोधीशत्रितये नाथ विद्यास्थेन प्रकाश्यते ॥ ४३॥

2.44
श्रीकण्ठदशकं तद्वदव्यक्तस्यापि वाचकः ।
प्राणरूपस्थितो देवि तद्वदेकादशः परः ॥ ४४॥

2.45
एकः सन्नेव पुरुषो बहुधा जायते हि सः ।
रुद्रेश्वरसदेशाख्या देवता मितविग्रहाः ॥ ४५॥

2.46
बिन्दुत्रयेण कथिता अमितामितविग्रहाः ।
शान्तिः शक्तिश्च शम्भुश्च नादत्रितयबोधनाः ॥ ४६॥

2.47
वागुरामूलवलये सूत्राद्याः कवलीकृताः ।
तथा मन्त्राः समस्ताश्च विद्यायामत्र संस्थिताः ॥ ४७॥

2.48
गुरुक्रमेण सम्प्राप्तः सम्प्रदायार्थ ईरितः ।
निगर्भार्थो महादेवि शिवगुर्वात्मगोचरः ॥ ४८॥

2.49
तत्प्रकारं च देवेशि दिङ्मात्रेण वदामि ते ।
शिवगुर्वात्मनामैक्यानुसन्धानात्तदात्मकम् ॥ ४९॥

2.50
निष्कलत्वं शिवे बुध्वा तद्रूपत्वं गुरोरपि ।
तन्निरीक्षणसामर्थ्यादात्मनश्च शिवात्मताम् ॥ ५०॥

2.51
भावयेद् भक्तिनम्रः सन् शङ्कोन्मेषाकलङ्कितः ।
कौलिकं कथयिष्यामि चक्रदेवतयोरपि ॥ ५१॥

2.52
विद्यागुर्वात्मनामैक्यं तत्प्रकारः प्रदर्श्यते ।
लकारैश्चतुरस्राणि वृत्तत्रितयसंयुतम् ॥ ५२॥

2.53
सरोरुहद्वयं शक्तैरग्नीषोमात्मकं प्रिये ।
हृल्लेखात्रयसंभूतैरक्षरैर्नवसङ्ख्यकैः ॥ ५३॥

2.54
बिन्दुत्रययुतैर्जातं नवयोन्यात्मकं प्रिये ।
मण्डलत्रययुक्तं तु चक्रं शक्त्यनलात्मकम् ॥ ५४॥

2.55
व्योमबीजत्रयेणैव प्रमातृत्रित्यान्वितम् ।
इच्छाज्ञानक्रियारूपमादनत्रयसंयुतम् ॥ ५५॥

2.56
सदाशिवासनं देवि महाबिन्दुमयं परम् ।
इत्थं मन्त्रात्मकं चक्रं देवतायाः परं वपुः ॥ ५६॥

2.57
एकादशाधिकशतदेवतात्मतया पुनः ।
गणेशत्वं महादेव्याः ससोमरविपावकैः ॥ ५७॥

2.58
इच्छाज्ञानक्रियाभिश्च गुणत्रययुतैह् पुनः ।
ग्रहरूपा च सा देवी ज्ञानकर्मेन्द्रियैरपि ॥ ५८॥

2.59
तदर्थैरेव देवेशि करणैरान्तरैः पुनः ।
प्रकृत्या च गुणेनापि पुंस्त्वबन्धेन चात्मना ॥ ५९॥

2.60
नक्षत्रविग्रहा जाता योगिनीत्वमथोच्यते ।
त्वगादिधातुनाथाभिर्डाकिन्यादिभिरप्यसौ ॥ ६०॥

2.61
वर्गाष्टकनिविष्टाभिर्योगिनीभिश्च संयुता ।
योगिनीरूपमास्थाय राजते विश्वविग्रहा ॥ ६१॥

2.62
प्राणापानौ समानश्चोदानव्यानौ तथा पुनः ।
नागः कूर्मोऽथ कृकरो देवदत्तो धनञ्जयः ॥ ६२॥

2.63
जीवात्मा परमात्मा चैत्येतै राशिस्वरूपिणी ।
अकथादित्रिपङ्क्त्यात्मा तार्तीयादिक्रमेण सा ॥ ६३॥

2.64
गणेशोऽभून्महाविद्या परावागादिवाङ्मयी ।
बीजबिन्दुध्वनीनां च त्रिकूटेषु ग्रहात्मिका ॥ ६४॥

2.65
हृल्लेखात्रयसंभूतैस्तिथिसंख्यैस्तथाक्षरैः ।
अन्यैर्द्वादशभिर्वर्णैरेषा नक्षत्ररूपिणी ॥ ६५॥

2.66
विद्यान्तर्भूततदाद्यैः शाक्तैः षड्भिस्तथाक्षरैः ।
योगिनीत्वं च विद्याया राशित्वं चान्त्यवर्जितैः ॥ ६६॥

2.67
एवं विश्वप्रकारा च चक्र रूपा महेश्वरी ।
देव्या देहे यथा प्रोक्तो गुरुदेहे तथैव हि ॥ ६७॥

2.68
तत्प्रसादाच्च शिष्योऽपि तद्रूपः सम्प्रजायते ।
इत्येवं कौलिकार्थस्तु कथितो वीरवन्दिते ॥ ६८॥

2.69
तथा सर्वरह्स्यार्थं कथयामि तवानघे ।
मूलाधारे तडिद्रूपे वाग्भवाकारतां गते ॥ ६९॥

2.70
अष्टात्रिंशत्कलायुक्तपञ्चाशद्वर्णविग्रहा ।
विद्या कुण्डलिनीरूपा मण्डलत्रयभेदिनी ॥ ७०॥

2.71
तडित्कोटिनिभप्रख्या बिसतन्तुनिभाकृतिः ।
व्योमेन्दुमण्डलासक्ता सुधास्रोतःस्वरूपिणी ॥ ७१॥

2.72
सदा व्याप्तजगत् कृत्स्ना सदानन्दस्वरूपिणी ।
एषा स्वात्मेति बुद्धिस्तु रहस्यार्थो महेश्वरि ॥ ७२॥

2.73
महातत्त्वार्थं इति यत्तच देवि वदामि ते ।
निष्कले परमे सूक्ष्मे निर्लक्ष्ये भाववर्जिते ॥ ७३॥

2.74
व्योमातीते परे तत्त्वे प्रकाशानन्दविग्रहे ।
विश्वोत्तीर्णे विश्वमये तत्त्वे स्वात्मनियोजनम् ॥ ७४॥

2.75
तदा प्रकाशमानत्वं तेजसां तमसामपि ।
अविनाभावरूपत्वं तस्माद्विश्वस्य सर्वतः ॥ ७५॥

2.76
प्रकाशते महातत्त्वं दिव्यक्रीडारसोज्ज्वले ।
निरस्तसर्वसंकल्पविकल्पस्थितिपूर्वकः ॥ ७६॥

2.77
रहस्यार्थो मया गुप्तः सद्यः प्रत्ययकारकः ।
महाज्ञानार्णवे दृष्टः शङ्का तत्र न पार्वति ॥ ७७॥

2.78
विद्यापीठनिबद्धेषु संस्थितो दिव्यसिद्धिदः ।
कौलाचारपरैर्देवि पादुकाभावनापरैः ॥ ७८॥

2.79
योगिनीमेलनोद्युक्तैः प्राप्तविद्याभिषेचनैः ।
शङ्काकलङ्कविगतैः सदा मुदितमानसैः ॥ ७९॥

2.80
पारम्पर्येण विज्ञातरहस्यार्थविशारदैः ।
लभ्यते नान्यथ देवि त्वां शपेकुलसुन्दरि ॥ ८०॥

2.81
पारम्पर्यविहीना ये ज्ञानमात्रेण गर्विताः ।
तेषां समयलोपेन विकुर्वन्ति मरीचयः ॥ ८१॥

2.82
यस्तु दिव्यरसास्वादमोदमानविमर्शनः ।
देवतातिथिनक्षत्रे वारेऽपि च विवस्वतः ॥ ८२॥

2.83
मरीचीन् प्रीणयत्येव मदिरानन्दघूर्णितः ।
सर्वदा च विशेषण लभते पूर्णबोधताम् ॥ ८३॥

2.84
एवंभावस्तु देवेशि देशिकेन्द्रप्रसादतः ।
महाज्ञानमयो देवि सद्यः सम्प्राप्यते नरैः ॥ ८४॥

2.85
एवमेतत्प्रदं ज्ञानं विद्यार्णागमगोचरम् ।
देवि गुह्यप्रियेणैव व्याख्यातं दुर्गि षड् विधम् ।
सद्यो यस्य प्रबोधेन वीरचक्रेश्वरो भवेत् ॥ ८५॥

Kapitelkolophon
इति द्वितीयः पटलः समाप्तः ।

Devanagari: Kapitel 3

अथ तृतीयः पटलः

3.1
पूजासङ्केतमधुना कथयामि तवानघे ।
यस्य प्रबोधमात्रेण जीवन्मुक्तः प्रमोदते ॥ १॥

3.2
तव नित्योदिता पूजा त्रिभिर्भेदैर्व्यवस्थिता ।
परा चाप्यपरा गौरि तृतीया च परापरा ॥ २॥

3.3
प्रथमाद्वैतभावस्था सर्वप्रसरगोचरा ।
द्वितीया चक्रपूजा च सदा निष्पाद्यते मया ॥ ३॥

3.4
एवं ज्ञानमये देवि तृतीया तु परापरा ।
उत्तमा सा परा ज्ञेया विधानं शृणु साम्प्रतम् ॥ ४॥

3.5
महापद्मवनान्तस्थे वाग्भवे गुरुपादुकाम् ।
आप्यायितजगद्रूपां परमामृतवर्षिणीम् ॥ ५॥

3.6
सञ्चिन्त्य परमाद्वैतभावनामृतघूर्णितः ।
दहरान्तरसंसर्पन्नादालोकनतत्परः ॥ ६॥

3.7
विकल्परूपसंजल्पविमुखोऽन्तर्मुखः सदा ।
चित्कलोल्लासदलितसंकोचस्त्वतिसुन्दरः ।
इन्द्रियप्रीणनद्रव्यैर्विहितस्वात्मपूजनः ॥ ७॥

3.8
न्यासं निर्वर्तयेदेहे षोढान्यासपुरःसरम् ।
गणेशैः प्रथमो न्यासो द्वितीयस्तु ग्रहैर्मतः ॥ ८॥

3.9
नक्षत्रैश्च तृतीयः स्याद्योगिनीभिश्चतुर्थकः ।
राशिभिः पञ्चमो न्यासः षष्ठः पीठैर्निगद्यते ॥ ९॥

3.10
षोढान्यासस्त्वयं प्रोक्तः सर्वत्रैवापराजितः ।
एवं यो न्यस्तगात्रस्तु स पूज्यः सर्वयोगिभिः ॥ १०॥

3.11
नास्त्यस्य पूज्यो लोकेषु पितृमातृमुखो जनः ।
स एव पूज्यः सर्वेषां स स्वयं परमेश्वरः ॥ ११॥

3.12
षोढान्यासविहीनं यं प्रणमेदेष पार्वति ।
सोऽचिरान्मृत्युमाप्नोति नरकं च प्रपद्यते ॥ १२॥

3.13
षोढान्यासप्रकारं च कथयामि तवानघे ।
विघ्नेशो विघ्नराजश्च विनायकशिवोत्तमौ ॥ १३॥

3.14
विघ्नकृद्विघ्नहर्ता च गणराट् गणनायकः ।
एकदन्तो द्विदन्तश्च गजवक्त्रो निरञ्जनः ॥ १४॥

3.15
कपर्दवान् दीर्घमुखः शङ्कुकर्णो वृषध्वजः ।
गणनाथो गजेन्द्रश्च शूर्पकर्णस्त्रिलोचनः ॥ १५॥

3.16
लम्बोदरो महानादश्चतुर्मूर्तिः सदाशिवः ।
आमोदो दुर्मुखश्चैव सुमुखश्च प्रमोदकः ॥ १६॥

3.17
एकपादो द्विजिह्वश्च शूरो वीरश्च षण्मुखः ।
वरदो वामदेवश्च वक्रतुण्डो द्विरण्डकः ॥ १७॥

3.18
सेनानीर्ग्रामणीर्मत्तो विमत्तो मत्तवाहनः ।
जटी मुण्डी तथा खड्गी वरेण्यो वृषकेतनः ॥ १८॥

3.19
भक्ष्यप्रियो गणेशश्च मेघनादो गणेश्वरः ।
तरुणारुणसङ्काशान् गजवक्त्रान् त्रिलोचनान् ॥ १९॥

3.20
पाशाङ्कुशवराभीतिहस्तान् शक्तिसमन्वितान् ।
एतांस्तु विन्यसेदेहे मातृकान्यासवत्प्रिये ॥ २०॥

3.21
स्वरैस्तु सहितं सूर्यं हृदयाधः प्रविन्यसेत् ।
बिन्दुस्थाने सुधासूतिं यादिवर्णचतुष्टयैः ॥ २१॥

3.22
भूपुत्रं लोचनद्वन्द्व कवर्गाधिपतिं प्रिये ।
हृदये विन्यसेच्छुक्रं चवर्गाधिपतिं पुनः ॥ २२॥

3.23
हृदयोपरि विन्यसेट्टवर्गाधिपतिं बुधम् ।
बृहस्पतिं कण्ठदेशे तवर्गाधिपतिं प्रिये ॥ २३॥

3.24
नाभौ शनैश्चरं देवि पवर्गेशं सुरेश्वरि ।
वक्त्रेशादिचतुर्वर्णैः सहितं राहुमेव च ॥ २४॥

3.25
क्षकारसहितं केतुं पायौ देवेशि विन्यसेत् ।
[ रक्तं श्वेतं तथा रक्तं श्यामं पीतं च पाण्डुरम् ।
कृष्णं धूम्रं धूम्रधूम्रं भावयेद्रविपुर्वकान्॥
कामरूपधरान् देवि दिव्याम्बरविभूषणान् ।
वामोरुन्यस्तहस्तांश्च दक्षहस्तवरप्रदान् ॥]
ललाटे दक्षनेत्रे च वामे कर्णद्वये पुनः ॥ २५॥

3.26
पुटयोनिर्नासिकायाश्च कण्ठे स्कन्धद्वये पुनः ।
पश्चात्कूर्परयुग्मे च मणिबन्धद्वये पुनः ॥ २६॥

3.27
स्तनयोर्नाभिदेशे च कटिबन्धे ततः परम् ।
ऊरुयुग्मे तथा जान्वोर्जङ्घयोश्च पदद्वये ॥ २७॥

3.28
[ आद्ययुग्मन्तथा चैकं तस्त्रीणि चतुष्टयम् ।
एकमेकं द्वयञ्चेति स्वराः प्रोक्ताश्चतुर्दश ॥ २८॥

3.29
व्यञ्जनेष्वेकमुभयं द्वयं न्यस्येदतः परम् ।
एकं युग्मं द्वयन्द्वन्द्वमेकं युग्मं द्वयन्ततः ॥ २९॥

3.30
एकं त्रयं तथा चैकं एकमेकं द्वयन्तथा ।
एकं द्वयं त्रयं पश्चाल्लक्षं अं मश्चतुष्टयम् ॥ ३०॥

3.31
अश्विन्यादेः पुरो भगे दत्वा चक्रमतो न्यसेत् ]
ज्वलत्कालानलप्रख्या वरदाभयपाणयः ॥ ३१॥

3.32
नतिपाण्योऽश्विनीपूर्वाः सर्वाभरणभूषिताः ।
एतास्तु विन्यसेद्देवि स्थानेष्वेषु सुरार्चिते ॥ ३२॥

3.33
विशुद्धौ हृदये नाभौ स्वाधिष्टाने च मूलके ।
आज्ञायां धातुनाथाश्च न्यस्तव्या डादिदेवताः ॥ ३३॥

3.34
अमृतादियुताः सम्यङ्न्यस्तव्याश्च सुरेश्वरि ।
पादे लिङ्गे च कुक्षौ च हृदये बाहुमूलयोः ॥ ३४॥

3.35
दक्षिणं पादमारभ्य वामपादावसानकम् ।
मेषादिराशयो वर्णैर्न्यस्तव्याः सह पार्वति ॥ ३५॥

3.36
[ चतुष्कं त्रितयं त्रीणि द्वितयं द्वितयं द्वयम् ।
पञ्चकं पञ्चकं पञ्च पञ्चक्तं पञ्चकं ततः॥
चत्वारि मेरुर्मिने स्युः कन्यायां पञ्च शादयः । ]
पीठानि विन्यसेद्देवि मातृकास्थानके पुनः ।
तेषां नामानि वक्ष्यन्ते शृणुष्वावहिता प्रिये ॥ ३६॥

3.37
कामरूपं वाराणसी नेपालं पौण्ड्रवर्धनम् ।
चरस्थिरं कान्यकुब्जं पूर्णशैलं तथार्बुदम् ॥ ३७॥

3.38
आम्रातकेश्वरैकाम्रं त्रिस्रोतः कामकोटकम् ।
कैलासं भृगुनगरं केदारपूर्णचन्द्रके ॥ ३८॥

3.39
श्रीपीठमोङ्कारपीठं जालन्धरं मालवोत्कले ।
कुलान्तं देविकोटं च गोकर्णं मारुतेश्वरम् ॥ ३९॥

3.40
अट्टहासं च विरजं राजगेहं महापथम् ।
कोलापुर मेलापुरं ओङ्कारन्तु जयन्तिका ॥ ४०॥

3.41
उज्जयिन्यापि चित्रा च क्षीरकं हस्तिनापुरम् ।
ओड्डीशं च प्रयागाख्यं षष्ठं मायापुरं तथा ॥ ४१॥

3.42
जलेशं मलयं शैलं मेरुं गिरिवरं तथा ।
महेन्द्रं वामनं चैव हिरण्यपुरमेव चा ॥ ४२॥

3.43
महालक्ष्मीपुरोड्याणं छायाछत्रमतः परम् ।
एते पीठाः समुद्दिष्टा मातृकारूपकाः स्थिताः ॥ ४३॥

3.44
एवं षोढा पुरः कृत्वा श्रीचक्रन्यासमाचरेत् ।
श्रीमत्त्रिपुरसुन्दर्याश्चक्रन्यासं शृणु प्रिये ॥ ४४॥

3.45
यन्न कस्यचिदाख्यातं तनुशुद्धिकरं परम् ।
चतुरस्त्राद्यरेखायै नम इत्यादितो न्यसेत् ॥ ४५॥

3.46
दक्षांसपृष्ठपाण्यग्रस्फिक्कपादाङ्गुलीष्वथ ।
वामाङ्घ्र्यङ्गुलिषुस्फिक्के पाण्यग्रे चांसपृष्ठके ॥ ४६॥

3.47
सचूलीमूलपृष्ठेषु व्यापकत्वेन सुन्दरि ।
अत्रैव स्थानदशके अणिमाद्यास्तु विन्यसेत् ॥ ४७॥

3.48
सिद्धिस्तदन्तश्च तनुव्यापकत्वेन सुन्दरि ।
[ चतुरस्रमध्यरेखायै नम इत्यपि वल्लभे. ]
तस्याः स्थानेषु विन्यस्य ब्रह्माण्याद्यास्तदाष्टसु ॥ ४८॥

3.49
पादाङ्गुष्ठद्वये पार्श्वे दक्षे मूर्धन्यपार्श्वके ।
वामदक्षिणजान्वोश्च बहिरंसद्वये तथा ॥ ४९॥

3.50
न्यस्तव्याश्चतुरस्रान्त्यरेखायै नम इत्यपि ।
विन्यसेद् व्यापकत्वेन पूर्वोक्तान्तश्च विग्रहे ॥ ५०॥

3.51
तस्याः स्थानेषु दशसु मुद्राणां दशकं न्यसेत् ।
ब्रह्माण्याद्यष्टस्थानान्तस्तासामष्टौ न्यसेत्ततः ॥ ५१॥

3.52
शिष्टे द्वे द्वादशान्ते च पादाङ्गुष्ठे च विन्यसेत् ।
तदान्तः षोडशदलपद्माय नम इत्यपि ॥ ५२॥

3.53
विन्यस्य तद्दले कामाकर्षिण्याद्याश्च विन्यसेत् ।
दलानि दक्षिणश्रोत्रपृष्ठमंसं च कूर्परम् ॥ ५३॥

3.54
करपृष्ठं चोरुजानुगुल्फपादतलं तथा ।
वामपादतलाद्येवमेतदेवाष्टकं मतम् ॥ ५४॥

3.55
तदन्तरे चाष्टदलपद्माय नम इत्यपि ।
विन्यस्य तद्दलेष्वेषु दक्षशङ्खे च जत्रुके ॥ ५५॥

3.56
ऊर्वन्तर्गुल्फगुल्फोरुजत्रुशङ्खे च वमतः ।
अनङ्गकुसुमाद्याश्च शक्तीरष्टौ च विन्यसेत् ॥ ५६

3.57
तदन्तश्चतुर्दशारचक्राय नम इत्यपि ।
विन्यस्य तस्य कोणेषु न्यसेच्छक्तीश्चतुर्दश ॥ ५७॥

3.58
सर्वसङ्क्षोभिण्याद्यास्तु तस्य कोणानि वच्म्यहम् ।
ललाटं दक्षभागं च दक्षगण्डांसमध्यतः ॥ ५८॥

3.59
पार्श्वान्तरूरुजङ्घान्तर्वामजङ्घादि पार्वति ।
वामोर्वन्तं वामपार्श्वं वामांसं वामगण्डकम् ॥ ५९॥

3.60
ललाटवाममध्ये च तथा वै पृष्ठमित्यपि ।
ततो दशारचक्राय नम इत्यपि पार्वति ॥ ६०॥

3.61
तस्य कोणानि दक्षाक्षिनासामूलाऽऽस्यनेत्रके ।
कुक्षीशवायुकोणेषु जानुद्वयगुदेषु च ॥ ६१॥

3.62
कुक्षिनै ॠर्तिवह्न्याख्यकोणेष्वेषु न्यसेत् पुनः ।
सर्वसिद्धिप्रदादीनां शक्तीनां दशकं तथा ॥ ६२॥

3.63
तदन्तस्च दशारादिचक्राय नम इत्यपि ।
विन्यस्य तस्य कोणेषु सर्वज्ञाद्याः प्रविन्यसेत् ॥ ६३॥

3.64
दक्षनासा सृक्किणी चा स्तनं वृषणमेव च ।
सीविनी वाममुष्कं च स्तनं सृक्किणि नासिके ॥ ६४॥

3.65
नासाग्रं चैव विज्ञेयं कोणानां दशकं तथा ।
तदन्तरष्टकोणादिचक्राय नम इत्यपि ॥ ६५॥

3.66
विन्यस्य तस्य कोणेषु वशिन्याद्यष्टकं न्यसेत् ।
चिबुकं कण्ठहृदयनाभीनां चैव दक्षिणम् ॥ ६६॥

3.67
ज्ञेयं पार्श्वचतुष्कं च मणिपूरादि वामकम् ।
चतुष्टयं च पार्श्वानामेतत् कोणाष्टकं मतम् ॥ ६७॥

3.68
हृदयस्थत्रिकोणस्य चतुर्दिक्षु बहिर्न्यसेत् ।
शरचापौ पाशसृणी त्रिकोणाय नमस्तथा ॥ ६८॥

3.69
विन्यस्य तस्य कोणेषु अग्रदक्षोत्तरेषु च ।
कामेश्वर्यादिदेवीनां मध्ये देवीं च विन्यसेत् ॥ ६९॥

3.70
एवं मयोदितो देवि ! न्यासो गुह्यतमक्रमः ।
एतद् गुह्यतमं कार्यं त्वया वै वीरवन्दिते ॥ ७०॥

3.71
समयस्थाय दातव्यं नऽशिष्याय कदाचन ।
गुप्ताद् गुप्ततरं चैतत्तवाऽद्य प्रकटीकृतम् ॥ ७१॥

3.72
मूलदेव्यादिकं न्यासमणिमान्तं पुनर्न्यसेत् ।
[ त्रिकोणस्थे महाबिन्दौ महात्रिपुरसुन्दरीम् ] ।
शिरस्त्रिकोणपूर्वादि कामेश्वर्यादिकं न्यसेत् ॥ ७२॥

3.73
बाणान्नेत्रे भ्रुवोश्चापौ कर्णे पाशद्वयं न्यसेत् ।
सृणिद्वयं च नासाग्रे दक्षिणाग्रं तु विन्यसेत् ॥ ७३॥

3.74
मुण्डमूलक्रमेणैव न्यसेद्वाग्देवताष्टकम् ।
बैन्दवादीनि चक्राणि न्यस्तव्यानि वरानने ॥ ७४॥

3.75
नेत्रमूले त्वपाङ्गे च कर्णपूर्वोत्तरे पुनः ।
चूडादिकण्ठनिम्नेऽर्धं शेषार्धं कर्णपृष्टके ॥ ७५॥

3.76
कर्णे पूर्वे त्वपाङ्गे च तस्य मूले च विन्यसेत् ।
हृदये मनुकोणस्थ शक्तयोऽपि च पूर्ववत् ॥ ७६॥

3.77
सर्वसिद्ध्यादिकं कण्ठे प्रादक्षिण्येन विन्यसेत् ।
नाभावष्टदलं तत्तु वंशे वामे च पार्श्वके ॥ ७७॥

3.78
उदरे सव्यपार्श्वे च न्यसेदादिचतुष्टयम् ।
वंशवामान्तरालादि न्यसेदन्य चतुष्टयम् ॥ ७८॥

3.79
स्वाधिष्ठाने न्यसेत् स्वस्य पूर्वाद्दक्षावसानकम् ।
चतस्रस्तु चतस्रस्तु चतुर्दिक्षु क्रमान्न्यसेत् ॥ ७९॥

3.80
मूलाधारे न्यसेन्मुद्रादशकं साधकोत्तमः ।
पुनर्वंशे च सव्ये च वामे चैवान्तरालके ॥ ८०॥

3.81
ऊर्ध्वाधो दशमुद्राश्च ऊर्ध्वाधोवर्जितं पुनः ।
ब्रह्माण्याद्याष्टकं दक्षजङ्घायां तास्तु पूर्ववत् ॥ ८१॥

3.82
वामजङ्घां समारभ्य वामादिक्रमतोऽपि च ।
सिद्ध्यष्टकं न्यसेत्तेषु द्वयं पादतले न्यसेत् ॥ ८२॥

3.83
कारणात्प्रसृतं न्यासं दीपाद्दीपमिवोदितम् ।
एवं विन्यस्य देवेशीं स्वाभेदेन विचिन्तयेत् ॥ ८३॥

3.84
ततश्च करशुद्ध्यादिन्यासं कुर्यात् समाहितः ।
अहं ते कथयाम्यद्य विद्यान्यासं शृनु प्रिये ॥ ८४॥

3.85
मूर्ध्नि गुह्ये च हृदये नेत्रेषु त्रितयेषु च ।
श्रोत्रयोर्युगले चैव मुखे च भुजयोस्तथा ॥ ८५॥

3.86
पृष्ठे जान्वोश्च नाभौ च विद्यान्यासं विधाय च ।
करशुद्धिं पुनश्चैव आसनादिषडङ्गकम् ॥ ८६॥

3.87
श्रीकण्ठादीनि वाग्देवीराधारे हृदये पुनः ।
शिखायां बैन्दवस्थाने त्वग्निचक्रादिका न्यसेत् ॥ ८७॥

3.88
तत्त्वत्रयं समस्तं च विद्याबीजत्रयान्वितम् ।
पादादिनाभिपर्यन्तमागलं शिरस्तथा ॥ ८८॥

3.89
व्यापकं चैव विन्यस्य स्वात्मीकृत्य परं पुनः ।
सन्तर्पयेत् पुनर्देवीं सौम्याग्नेयामृतद्रवैः ॥ ८९॥

3.90
एवं चतुर्विधो न्यासः कर्तव्यो वीरवन्दिते ।
षोढान्यासोऽणिमाद्यश्च मूलदेव्यादिकः प्रिये ॥ ९०॥

3.91
करशुद्ध्यादिकस्चैव साधकेन सुसिद्धये ।
प्रातः काले तथा पूजासमये होमकर्मणि ॥ ९१॥

3.92
जपकाले तथा तेषां विनियोगः पृथक् पृथक् ।
पूजाकाले समस्तं वा कृत्वा साधकपुङ्गवः ॥ ९२॥

3.93
षट्त्रिंशतत्त्वपर्यन्तमासनं परिकल्प्य च ।
गुप्तादियोगिनीनां च मन्त्रेणाऽथ बलिं ददेत् ॥ ९३॥

3.94
पिण्डरूपपदग्रन्थिभेदनाद् विघ्नभेदकम् ।
गुह्यहृन्मुखमूर्धसु विद्यान्यासेन सुन्दरि ॥ ९४॥

3.95
यागमन्दिरगांश्चैव विघ्नानुत्सार्य मन्त्रवित् ।
[ अपसर्पन्तु ते भूता ये भूता भूमिसंस्थिताः॥
ये भूता विघ्नकर्तारस्ते नश्यन्तु शिवाज्ञया ]
पार्ष्णिघातेन भौमांश्च तालेन च नभोगतान् ॥ ९५॥

3.96
अस्त्रमन्त्रेण दृष्ट्या च दिव्यान् विघ्नानपोहयेत् ।
दिक्ष्वधोर्ध्वं महावह्निप्राकारं परिभावयेत् ॥ ९६॥

3.97
सामान्यार्घ्येण देवेशि! मार्तण्डं परिपूजयेत् ।
प्रकाशशक्तिसहितमरुणाकल्पमुज्ज्वलम् ॥ ९७॥

3.98
ग्रहादिपरिवारञ्च विश्वतेजोऽवभासनम् ।
सौम्याग्नेययुतैर्देवि रोचनागुरुकुङ्कुमैः ॥ ९८॥

3.99
मूलमुच्चारयन् सम्यग्भावयेच्चक्रराजकम् ।
योगिनी मूलमन्त्रेण क्षिपेत् पुष्पाञ्जलिं ततः ॥ ९९॥

3.100
मणिमुक्ताप्रवालैर्वा विलोमं मूलविद्यया ।
अशून्यं सर्वदा कुर्याच्छून्ये विघ्नास्त्वनेकशः ॥ १००॥

3.101
श्रीचक्रस्यात्मनश्चैव मध्ये त्वर्घ्यं प्रतिक्षिपेत् ।
चतुरस्रान्तरालस्थकोणषट्के सुरेश्वरि ॥ १०१॥

3.102
षडासनानि सम्पूज्य त्रिकोणस्यान्तरे पुनः ।
पीठानि चतुरो देवि कापूजा ओ इति क्रमात् ॥ १०२॥

3.103
अर्चयित्वाऽर्घ्यपादे तु वह्नेर्दश कला यजेत् ।
अर्घ्यपात्रं प्रतिष्ठाप्य तत्र सूर्यकला यजेत् ॥ १०३॥

3.104
पात्रे सूर्यकलाश्चैव कभादिद्वादशार्चयेत् ।
विधृते तु पुनर्द्रव्ये षोडशेन्दुकला यजेत् ॥ १०४॥

3.105
अमृतेशीं च तन्मध्ये भावयेच्च नवात्मना ।
नवात्मना ततो देवि तर्पयेद्धातुदेवताः ॥ १०५॥

3.106
आनन्दभैरवं वौषडन्तेनैव च तर्पयेत् ।
तदाज्ञाप्रेरितं तच्च गुरुपङ्क्तौ निवेदयेत् ॥ १०६॥

3.107
तथैवार्घ्यं विशेषेण साधयेत् साधकोत्तमः ।
गुरुपादालिमापूज्य भैरवाय ददेत् पुनः ॥ १०७॥

3.108
तदीयं शेषमादाय कामाग्नौ विश्वतस्त्विषि ।
पादुकां मूलविद्यां च जपन् होमं समाचरेत् ॥ १०८॥

3.109
महाप्रकाशे विश्वस्य संहारवमनोद्यते ।
मरीचिवृत्तीर्जुहुयान्मनसा कुण्डलीमुखे ॥ १०९॥

3.110
अहन्तेदन्तयोरैक्यमुन्मन्यां स्रुचि कल्पितम् ।
मथनोद्रेकसम्भूतं वस्तुरूपं महाहविः ॥ ११०॥

3.111
हुत्वा हुत्वा स्वयं चैवं महजानन्दविग्रहः ।
स्वप्रधाप्रसराकारं श्रीचक्रं पूजयेत् सुधीः ॥ १११॥

3.112
गणेशं दूतरीं चैव क्षेत्रेशं दूतिकां तथा ।
बाह्यद्वारे यजेद् देवि देवीश्च स्वस्तिकादिकाः ॥ ११२॥

3.113
ततस्चान्तस्त्रिकोणऽपि गुरुपङ्क्तिं त्रिधा स्थिताम् ।
तदन्तश्च महादेवीं तामावाह्य यजेत् पुनः ॥ ११३॥

3.114
महापद्मवनान्तस्थां कारणानन्दविग्रहाम् ।
मदङ्कोपाश्रितां देवीमिच्छाकामफलप्रदाम् ॥ ११४॥

3.115
भवतीं त्वन्मयैरेव नैवेद्यादिभिरर्चयेत् ।
त्रिकोणे तत्स्फुरत्तायाः प्रतिबिम्बाकृतीः पुनः ॥ ११५॥

3.116
तत्तत्तिथिमयीर्नित्याः काम्यकर्मानुसारिणीः ।
तत्र प्रकटयोगिन्यश्चक्रे त्रैलोक्यमोहने ॥ ११६॥

3.117
मातृकास्थूलरूपत्वात्त्वगादिव्यापकत्वतः ।
योगिन्यः प्रकटा ज्ञेयाः स्थूलविश्वप्रधात्मनि ॥ ११७॥

3.118
अणिमाद्या महादेवि सिद्धयोऽष्टौ व्यवस्थिताः ।
तास्तु रक्ततरा वर्णैर्वराभयकरास्तथा ॥ ११८॥

3.119
धृतचिन्तामहारत्ना मनीषितफलप्रदाः ।
ब्राह्म्याद्या अपि तत्रैव यष्टव्याः क्रमतः प्रिये ॥ ११९॥

3.120
ब्रह्माणी पीतवर्णा च चतुर्भिः शोभिता मुखैः ।
वरदाऽभयहस्ता च कुण्डिका क्षलसत्करा ॥ १२०॥

3.121
माहेश्वरी श्वेतवर्णा त्रिनेत्रा शूलधारिणी ।
कपालमेणं परशुं दधाना पाणिभिः प्रिये ॥ १२१॥

3.122
[ ऐन्द्री तु श्यामवर्णा च वज्रोत्पललसत्करा ]
कौमारी पीतवर्णा च शक्तितोमरधारिणी ॥ १२२॥

3.123
वरदाभयहस्ता च ध्यातव्या परमेश्वरी ।
वैष्णवी श्यामवर्णा च शङ्खचक्रवराभयान् ॥ १२३॥

3.124
हस्तपद्मैस्तु विभ्राणा भूषिता दिव्यभूषणैः ।
वाराही श्यामलच्छाया पोत्रि वक्त्रसमुज्ज्वला ॥ १२४॥

3.125
हलं च मुसलं खड्गं खेटकं दधती भुजैः ।
[ ऐन्द्री श्यामलवर्णा च वज्रद्वयलसत्करा ] ॥ १२५॥

3.126
चामुण्डा कृष्णवर्णा च शूलं डमरुकं तथा ।
खड्गं वेतालकं चैव दधाना दक्षिणैः करैः ॥ १२६॥

3.127
नागखेटकघण्टा ख्यान् दधानान्यैः कपालकम् ।
महालक्ष्मीस्तु पीताभा पद्मदर्पणमेव च ॥ १२७॥

3.128
मातुलुङ्गफलं चैव दधान परमेश्वरी ।
एवं ध्यात्वा यजेदेताश्चक्रेशीं त्रिपुरां ततः ॥ १२८॥

3.129
कर्मेन्द्रियाणां वैमल्यात् करशुद्धिकरी स्मृता ।
कायशुद्धिभवा सिद्धिरणिमा चात्र संस्थिता ॥ १२९॥

3.130
षोडशस्पन्दसन्दोहे चमत्कृतिमयोः कलाः ।
प्राणादिषोडशानां तु वयुना प्राणनात्मिकाः ॥ १३०॥

3.131
बीज भूताः स्वरात्मत्वात् कलनाद् बीजरूपकाः ।
अन्तरङ्गतया गुप्ता योगिन्यः संव्यवस्थिताः ॥ १३१॥

3.132
कामाकर्षणरूपाद्याः सृष्टेः प्राधान्यतः प्रिये ।
सर्वाशापूरणाख्ये तु चक्रे वामेन पूजयेत् ॥ १३२॥

3.133
पाशाङ्कुशधरा ह्येता रक्ता रक्ताम्बरा वृताः ।
प्राणशुद्धिमयी सिद्धिर्लघिमा भोक्तुरात्मनः ॥ १३३॥

3.134
त्रिपुरेशी च चक्रेशी पूज्या सर्वोपचारकैः ।
[ कौलिकानुभवाविष्टभोगपुर्यष्टकाश्रिताः ॥ १३४॥

3.135
वाग्भवाष्टकसम्बन्धसूक्ष्मा वर्गस्वरूपतः ।
तास्तु गुप्ततराः सर्वाः सर्वसंक्षोभणात्मके ॥ १३५॥

3.136
अनङ्गकुसुमाद्यास्तु रक्तकञ्चुकशोभिताः ]
[ वेणीकृत लसत्केशाश्चापबाणधराः शुभाः ] ॥ १३६॥

3.137
तत्तदाकारबुद्ध्यात्मभोग्यभोक्तुर्महीशितुः ।
पिण्डादिपदविश्रान्तिसौन्दर्यगुणसंयुता ॥ १३७॥

3.138
चक्रेश्वरी बुद्धिशुद्धिरूपा च परमेश्वरी ।
महिमासिद्धिरूपा तु पूज्या सर्वोपचारकैः ॥ १३८॥

3.139
द्वादशग्रन्थिभेदेन समुल्लसितसंविदः ।
विसर्गान्तदशवेशाच्छाक्तानुभवपूर्वकम् ॥ १३९॥

3.140
उन्मेषषक्तिप्रसरईरिच्छाशक्तिप्रधानकैः ।
तदेवाऽकुलसङ्घट्टरूपैर्वर्णचतुष्टयैः ॥ १४०॥

3.141
वेद्योष्मरूपसावर्णैर्मिश्रेच्छाभावितैरपि ।
कुलशक्तिसमावेशरूपवर्णद्वयान्वितैः ॥ १४१॥

3.142
शक्तेः सारमयत्वेन प्रसृतत्वान्महेश्वरि ।
सम्प्रदायक्रमायाताश्चक्रे सौभाग्यदायके ॥ १४२॥

3.143
निरन्तरप्रथारूपसौभाग्यबलयोगतः ।
अन्वर्थसंज्ञके देवि अणिमासदृशाः शुभाः ॥ १४३॥

3.144
सर्वसङ्क्षोभिणीपूर्वा देहाक्षादिविशुद्धिदाः ।
ईशित्वसिद्धिरपि च प्रोक्तरूपे पुरत्रये ॥ १४४॥

3.145
योगादिक्लेशभेदेन सिद्धा त्रिपुरवासिनी ।
एताः सम्पूजयेद् देवि सर्वाः सर्वोपचारकैः ॥ १४५॥

3.146
सदातनाना नादानां नवरन्ध्रस्थितात्मनाम् ।
महासामान्यरूपेण व्यावृत्तध्वनिरूपिणी ॥ १४६॥

3.147
अस्थिरस्थिरवेद्यानां छायारूपैर्दशार्णकैः ।
कुलकौलिकयोगिन्यः सर्वसिद्धिप्रदायिकाः ॥ १४७॥

3.148
श्वेताम्बरधराः श्वेताः श्वेताभरणभूषिताः ।
मन्त्राणां स्वप्रधारूपयोगादन्वर्थसंज्ञ्के ॥ १४८॥

3.149
सर्वसिद्धिप्रदाद्यास्तु चक्रे सर्वार्थसाधके ।
लोकत्रयसमृद्धीनां हेतुत्वाच्चक्रनायिका ॥ १४९॥

3.150
त्रिपुरा श्रीर्महेशानि मन्त्रशुद्धिभवा पुनः ।
वशित्वसिद्धिराख्याता एताः सर्वाः समर्चयेत् ॥ १५०॥

3.151
ऊर्ध्वाधोमुखया देवि कुण्डलिन्या प्रकाशिताः ।
कुलेच्छया बहिर्भावात् कादिवर्णप्रथामयी ॥ १५१॥

3.152
निगर्भयोगिनीवाच्याः स्वरूपावेशरूपके ।
सर्वावेशकर चक्रे सर्वरक्षाकरे पराः ॥ १५२॥

3.153
सर्वज्ञाद्याः स्थिता एताः सह पुस्ताक्षमालिकाः ।
मातृमानप्रमेयाणां पुराणां परिपोषिणी ॥ १५३॥

3.154
त्रिपुरामालिनी ख्याता चक्रेशी त्रिपुरमोहिनी ।
निरूद्धवायुसङ्घट्टस्फटितग्रन्थिमूलतः ॥ १५४॥

3.155
हृदयान्तरसंवित्तिशून्यपर्यष्टकात्मना ।
बीजरूपस्वरकलास्पृष्टवर्गानुसारतः ॥ १५५॥

3.156
रहस्ययोगिनीर्देवीः संसारदलनोज्ज्वले ।
सर्वरोगहरे चक्रे संस्थिता वीरवन्दिते ॥ १५६॥

3.157
वशिन्याद्या रक्तवर्णा वरदाभयमुद्रिताः ।
पुस्तकं जपमालां च दधानाः सिद्धयोगिनीः ॥ १५७॥

3.158
शुद्धिविद्याविशुद्धिं च भुक्तिसिद्धिं महेश्वरि ।
ईश्वरीं त्रिपुरां सिद्धां पूजयेद् बिन्दुतर्पणैः ॥ १५८॥

3.159
शक्तित्रयात्मिका देवि चिद्धामप्रसराः पुनः ।
संवर्ताग्निकलारूपाः परमातिरहस्यकाः ॥ १५९॥

3.160
पूर्णापुर्णस्वरूपायाः सिद्धेर्हेतुः सुरेश्वरि ।
सर्वसिद्धिमयाख्ये तु चक्रे त्वायुधभूषिताः ॥ १६०॥

3.161
स्थिताः कामेश्वरीपूर्वाश्चतस्त्रः पीठदेवताः ।
आयुधास्त्वतिरक्ताभाः स्वायुधोज्ज्वलमस्तकाः ॥ १६१॥

3.162
वरदाभयहस्ताश्च पूज्या व्रतफलप्रदाः ।
त्वदीयाश्च मदीयाश्च पुंस्त्रीवश्यविधायिनः ॥ १६२॥

3.163
त्वगसृङ्मांसमेदोस्थिशुक्लानां च महेश्वरि ।
द्वितीयस्वरसंयुक्ता एते बाणास्त्वदीयकाः ॥ १६३॥

3.164
वामादीनां पुराणां तु जननी त्रिपुराम्बिका ।
परस्वातन्त्र्यरूपत्वादिच्छासिद्धिर्महेश्वरि ॥ १६४॥

3.165
एताः सर्वोपचारेण पूजयेत्तु वरानने ।
सर्वानन्दमये देवि परब्रह्मात्मके परे ॥ १६५॥

3.166
चक्रे संवित्तिरूपा च महात्रिपुरसुन्दरी ।
स्वैराचारेण सम्पूज्या त्वहन्तेदन्तयोः सम ॥ १६६॥

3.167
महाकामकलारूपा पीठविद्यादिसिद्धिदा ।
महामुद्रामयी देवि पूज्या पञ्चदशात्मिका ॥ १६७॥

3.168
तत्तत्तिथिमयी नित्या नवमी भैरवी परा ।
प्रतिचक्रं समुद्रास्तु चक्रसङ्केतचोदिताः ॥ १६८॥

3.169
नित्यक्लिन्नादिकाश्चैव काम्यकर्मानुसारतः ।
चतुरस्रान्तराले वा त्रिकोणे वा यजेत् सुधीः ॥ १६९॥

3.170
अलिना पिशितैर्गन्धैर्धूपैराराध्य देवताः ।
चक्रपूजां विधायेत्थं कुलदीपं निवेदयेत् ॥ १७०॥

3.171
अन्तर्बहिर्भासमानं स्वप्रकाशोज्ज्वलं प्रिये ।
पुष्पाञ्जलिं ततः कृत्वा जपं कुर्यात् समाहितः ॥ १७१॥

3.172
कूटत्रये महादेवि कुण्डलीत्रितयेऽपि च ।
चक्राणां पूर्वपूर्वेषां नादरूपेण योजिताम् ॥ १७२॥

3.173
तेषु प्राणाग्निमायार्णकलाबिन्द्वर्धचन्द्रिकाः ।
रोधिनीनादनादान्ताः शक्तिव्यापिकलान्विताः ॥ १७३॥

3.174
समना चोन्मना चेति द्वादशन्ते स्थिताः प्रिये ।
मूलकुण्डलिनीरूपे मध्यमे च ततः पुनः ॥ १७४॥

3.175
सृष्ट्युन्मुखे च विश्वस्य स्थितिरूपे महेश्वरि ।
केवलं नादरूपेण उत्तरोत्तरयोजितम् ॥ १७५॥

3.176
शबलाकारके देवि तृतीये द्वादशी कला ।
शून्यषट्कं तथा देवि ह्यवस्थापञ्चकं पुनः ॥ १७६॥

3.177
विषुवं सप्तरूपं च भावयन् मनसा जपेत् ।
अग्न्यादिद्वादशान्तेषु त्रींस्त्रीन् त्यक्त्वा वरानने ॥ १७७॥

3.178
शून्यत्रयं विजानीयादेकैकान्तरतः प्रिये ।
[ शून्यत्रयात् परे स्थाने महाशून्यं विभावयेत् ]
प्रबोध करणस्याऽथ जागरत्वेन भावनम् ॥ १७८॥

3.179
वह्नौ देवि महाजाग्रदवस्था त्विन्द्रियद्वयैः ।
आन्तरैः करणैरेव स्वप्नमायावबोधकः ॥ १७९॥

3.180
गलदेशे सुषुप्तिस्तु लीनपूर्वस्य वेदनम् ।
अन्तःकरणवृओत्तीनां लयतो विषयस्य तु ॥ १८०॥

3.181
पूर्वार्णानां विलोमेन भ्रूमध्ये बिन्दुसंस्थिता ।
तुर्यरूपं तथा चात्र वृत्तार्धादेस्तु सङ्ग्रहः ॥ १८१॥

3.182
चैतन्यव्यक्तिहेतोस्तु नादरूपस्य वेदनम् ।
तुर्यातीतं सुखस्थानं नादान्तादिस्थितं प्रिये ॥ १८२॥

3.183
अत्रैव जपकाले तु पञ्चावस्थाः स्मरेद् बुधः ।
योगः प्राणात्ममनसां विषुवं प्राणसंज्ञितम् ॥ १८३॥

3.184
आधारित्थितनादे तु लीनं बुद्ध्यात्मरूपकम् ।
संयोगेन वियोगेन मन्त्रार्णानां महेश्वरि ॥ १८४॥

3.185
अनहताद्याधारान्तं नादात्मत्वविचिन्तनम् ।
नादसंस्पर्शनात्तस्य नाडीविषुवमुच्यते ॥ १८५॥

3.186
द्वादशग्रन्थिभेदेन वर्णानामन्तरे प्रिये ।
नादयोगः प्रशान्तं तु प्रशान्तेन्द्रियगोचरम् ॥ १८६॥

3.187
वह्निं मायां कलां चैव चेतनामर्धचन्द्रकम् ।
रोधिनीनादनादान्तान् शक्तौ लीनान् विभावयेत् ॥ १८७॥

3.188
विषुवं शक्तिसंज्ञं तु तदूर्ध्वं नादचिन्तनम् ।
तदूर्ध्वं कालविषुवमुन्मनान्तं महेश्वरि ॥ १८८॥

3.189
मुनिचन्द्राऽष्टदशभिस्त्रुटिभिर्नादवेदनम् ।
चैतन्यव्यक्तिहेतुश्च विषुवं तत्त्वसंज्ञितम् ॥ १८९॥

3.190
परं स्थानं महादेवि निसर्गानन्दसुन्दरम् ।
एवं चिन्तयमानस्य जपकालेषु पार्वति ॥ १९०॥

3.191
सिद्धयः सकलास्तूर्णं सिद्ध्यन्ति त्वत्प्रसादतः ।
एवं कृत्वा जपं देव्या वामहस्ते निवेदयेत् ॥ १९१॥

3.192
अनामाङ्गुष्ठयोगेन तर्पयेच्चक्रदेवताः ।
मद्यं मांसं तथा मत्स्यं देव्यास्तु विनिवेदयेत् ॥ १९२॥

3.193
कौलाचारसमायुक्तैर्वीरैस्तु सह पूजयेत् ।
पुष्यभेन तु वारे च सौरे च परमेश्वरि ॥ १९३॥

3.194
गुरोर्दिने स्वनक्षत्रे चतुर्दश्यष्टमीषु च ।
चक्रपूजां विशेषेण योगिनीनां समाचरेत् ॥ १९४॥

3.195
चतुःषष्टियुताः कोट्यो योगिनीनां महौजसाम् ।
चक्रमेतत् समाश्रित्य संस्थिता वीरवन्दिते ॥ १९५॥

3.196
अष्टाष्टकं तु कर्तव्यं वित्तशाठ्यविवर्जितम् ।
त्वमेव तासां रूपेण क्रीडसे विश्वमोहिनी ॥ १९६॥

3.197
अज्ञात्वा तु कुलाचारमयष्ट्वा गुरुपादुकाम् ।
योऽस्मिन् शास्त्रे प्रवर्तेत तं त्वं पीडयसि ध्रुवम् ॥ १९७॥

3.198
एवं ज्ञात्वा वरारोहे कौलाचारपरः सदा ।
आवयोः शबलाकारं मद्यं तत्र निवेद्य च ॥ १९८॥

3.199
त्वत्प्रथाप्रसराकारास्त्वामेव परिभावयेत् ।
त्वामिच्छाविग्रहां देवीं गुरुरूपां विभावयेत् ॥ १९९॥

3.200
त्वन्मयस्य गुरोः शेषं निवेद्यात्मनि योजयेत् ।
योगिनीनां महादेवि बटुकायात्मरूपिणे ॥ २००॥

3.201
क्षेत्राणां पतये मह्यं बलिं कुर्वीत हेतुना ।
नित्यं पिबन् वमन् खादन् स्वेच्छाचारपरः स्वयम् ॥ २०१॥

3.202
अहन्तेदन्तयोरैक्यं भावयन् विहरेत् सुखम् ।
एतत्ते कथितं सर्वं सङ्केतत्रयमुत्तमम् ॥ २०२॥

3.203
गोपनीयं प्रयत्नेन स्वगुह्यमिव सुव्रते ।
चुम्बके ज्ञानलुब्धे च न प्रकाश्यं त्वयानघे ॥ २०३॥

3.204
अन्यायेन न दातव्यं नास्तिकानां महेश्वरि ।
एवं त्वयाऽहमाज्ञप्तो मदिच्छारूपया प्रभो ॥ २०४॥

3.205
अज्ञानेन तु यो दद्यात् स परेतो भविष्यति ।
सङ्केतं यो विजानाति योगिनीनां भवेत्प्रियः ॥ २०५॥

3.206
सर्वेप्सितफलावाप्तिः सर्वकामफलाश्रयः ।
यतोऽपि दृश्यते देवि कथं विद्वान्न चिन्तयेत् ॥ २०६॥

Kapitelkolophon
इति तृतीयः पटलः समाप्तः ।

Schlussangabe
॥ इति योगिनीहृदयं स्तोत्रम् ॥

Ausgewählte Verse mit Übersetzung und Worterklärung

Hier einige ausgewählte Verse aus dem Yogini Hridaya mit Worterklärungen. Diese Verse gelten als besonders wichtig.

Aus dem ersten Kapitel: Die Frage und die drei Sanketas

Vers 1.1 – Die Frage nach den verborgenen Bedeutungen
श्रीदेव्युवाच ।
देवदेव महादेव परिपूर्णप्रथामय ।
वामकेश्वरतन्त्रेऽस्मिन्नज्ञातार्थास्त्वनेकशः ॥ 1.1 ॥
śrīdevy uvāca |
devadeva mahādeva paripūrṇaprathāmaya |
vāmakeśvaratantre'sminnajñātārthāstvanekaśaḥ || 1.1 ||

Übersetzung: O Gott der Götter, großer Gott, dessen Wesen die vollkommene Offenbarung ist: In diesem Vamakeshvara-Tantra gibt es viele noch unverstandene Bedeutungen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: deva-deva – Gott der Götter; mahā-deva – großer Gott; paripūrṇa-prathā-maya – aus vollkommener Offenbarung bestehend; vāmakeśvara-tantre asmin – in diesem Vamakeshvara-Tantra; ajñāta-arthāḥ – unverstandene Bedeutungen; tu – aber, nun; anekaśaḥ – vielfach.

Erläuterung: Die Devi bittet nicht lediglich um weitere Ritualanweisungen, sondern um das Verständnis dessen, was die überlieferte Unterweisung bedeutet. Bereits der Anfang stellt das Yogini Hridaya in den Zusammenhang des Vamakeshvara Tantra. „Offenbarung“ übersetzt hier prathā, das Sichzeigen oder Hervortreten. Es bezeichnet im Zusammenhang des Textes zugleich eine Eigenschaft des göttlichen Bewusstseins.

Vers 1.2 – Das Herz der Yogini
तांस्तानर्थानशेषेण वक्तुमर्हसि भैरव ।
श्रीभैरव उवाच ।
शृणु देवि महागुह्यं योगिनीहृदयं परम् ॥ 1.2 ॥
tāṃstānarthānaśeṣeṇa vaktumarhasi bhairava |
śrībhairava uvāca |
śṛṇu devi mahāguhyaṃ yoginīhṛdayaṃ param || 1.2 ||

Übersetzung: Jene Bedeutungen mögest du vollständig erklären, o Bhairava. [Bhairava spricht:] Höre, o Göttin, das große Geheimnis, das höchste Herz der Yogini.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tān tān arthān – jene jeweiligen Bedeutungen; aśeṣeṇa – ohne Rest, vollständig; vaktum arhasi – du mögest erklären; bhairava – o Bhairava; śṛṇu – höre; devi – o Göttin; mahā-guhyam – großes Geheimnis; yoginī-hṛdayam – Herz beziehungsweise Essenz der Yogini; param – höchstes.

Erläuterung: Zwischen den beiden Halbversen wechselt der Sprecher. Bhairava antwortet auf die Bitte der Göttin. Hridaya bedeutet Herz, Mittelpunkt oder Essenz. Die Yogini ist hier im höchsten Sinn die göttliche Bewusstseinskraft; der Titel bezeichnet nicht einfach das anatomische Herz einer Yogaübenden. Die Geheimnissprache verweist auf eine Unterweisung, deren Verständnis im ursprünglichen Zusammenhang persönliche Übermittlung voraussetzt.

Vers 1.3 – Überlieferung von Ohr zu Ohr
त्वत्प्रीत्या कथयाम्यद्य गोपनीयं विशेषतः ।
कर्णात्कर्णोपदेशेन सम्प्राप्तमवनीतलम् ॥ 1.3 ॥
tvatprītyā kathayāmyadya gopanīyaṃ viśeṣataḥ |
karṇātkarṇopadeśena samprāptamavanītalam || 1.3 ||

Übersetzung: Aus Liebe zu dir erkläre ich heute das besonders geheim zu Haltende, das durch Unterweisung von Ohr zu Ohr auf die Erde gelangt ist.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tvat-prītyā – aus Liebe zu dir, um dir zu gefallen; kathayāmi adya – ich erkläre heute; gopanīyam – geheim zu halten; viśeṣataḥ – besonders; karṇāt karṇa-upadeśena – durch Unterweisung von Ohr zu Ohr; samprāptam – gelangt; avanī-talam – Erdoberfläche, Menschenwelt.

Erläuterung: Die bildhafte Formulierung betont die mündliche Guru-Überlieferung. Im historischen Rahmen gehören Text und persönliche Unterweisung zusammen. Für heutiges Svadhyaya erinnert der Vers daran, dass technische Wörter durch einen Kommentar und durch Praxis verständlicher werden können. Der Wortlaut karṇopadeśena berichtigt einen erkennbaren Übertragungsfehler der Onlineabschrift.

Vers 1.6 – Die drei Schlüssel zur Unterweisung
चक्रसङ्केतको मन्त्रपूजासङ्केतकौ तथा ।
त्रिविधस्त्रिपुरादेव्याः सङ्केतः परमेश्वरि ॥ 1.6 ॥
cakrasaṅketako mantrapūjāsaṅketakau tathā |
trividhastripurādevyāḥ saṅketaḥ parameśvari || 1.6 ||

Übersetzung: Der Schlüssel zum Chakra sowie die Schlüssel zu Mantra und Verehrung: Dreifach ist die verborgene Unterweisung der Göttin Tripura, o höchste Herrin.

Wort-für-Wort-Übersetzung: cakra-saṅketakaḥ – Schlüssel oder geheime Zuordnung des Chakra; mantra-pūjā-saṅketakau – die beiden Schlüssel zu Mantra und Verehrung; tathā – ebenso; tri-vidhaḥ – dreifach; tripurā-devyāḥ – der Göttin Tripura; saṅketaḥ – vereinbarte Bedeutung, Hinweis, geheime Zuordnung; parama-īśvari – o höchste Herrin.

Erläuterung: Dieser Vers nennt die Gliederung des gesamten Werkes. Chakra meint hier vor allem das Shri Chakra, das Diagramm der Göttin. Mantra bezeichnet ihre Lautgestalt, Puja ihre Verehrung. Sanketa umfasst mehr als eine Definition: Gemeint sind Zuordnungen, die Diagramm, Laut, Gottheit und Praktizierenden miteinander verbinden. Die drei Kapitel erläutern unterschiedliche Zugänge zu derselben Wirklichkeit.

Shri Chakra und Bewusstseinsentfaltung

Vers 1.8 – Fünf Shaktis und vier Feuer
तच्छक्तिपञ्चकं सृष्ट्या लयेनाग्निचतुष्टयम् ।
पञ्चशक्तिचतुर्वह्निसंयोगाच्चक्रसम्भवः ॥ 1.8 ॥
tacchaktipañcakaṃ sṛṣṭyā layenāgnicatuṣṭayam |
pañcaśakticaturvahnisaṃyogāccakrasambhavaḥ || 1.8 ||

Übersetzung: Die Fünfheit der Shaktis [steht] zur Hervorbringung, die Vierheit der Feuer zur Auflösung. Aus der Verbindung der fünf Shaktis mit den vier Feuern entsteht das Chakra.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tat śakti-pañcakam – jene Fünfheit der Kräfte; sṛṣṭyā – durch beziehungsweise hinsichtlich der Hervorbringung; layena – durch beziehungsweise hinsichtlich der Auflösung; agni-catuṣṭayam – Vierheit der Feuer; pañca-śakti-catur-vahni-saṃyogāt – aus der Verbindung von fünf Kräften und vier Feuern; cakra-sambhavaḥ – Entstehung des Chakra.

Erläuterung: Die neun ineinandergreifenden Hauptdreiecke des Shri Chakra werden durch fünf Shakti- und vier Shiva- beziehungsweise Feuerdreiecke erschlossen. In der üblichen Darstellung weisen die fünf Shakti-Dreiecke nach unten und die vier Shiva-Dreiecke nach oben. Der Vers verbindet diese Gestalt mit Srishti, Hervorbringung, und Laya, Auflösung. Er beschreibt somit zugleich eine Geometrie und eine kosmologische Bedeutung.

Vers 1.9 – Der freie Wille der höchsten Kraft
एतच्चक्रावतारन्तु कथयामि तवानघे ।
यदा सा परमा शक्तिः स्वेच्छया विश्वरूपिणी ॥ 1.9 ॥
etaccakrāvatārantu kathayāmi tavānaghe |
yadā sā paramā śaktiḥ svecchayā viśvarūpiṇī || 1.9 ||

Übersetzung: Die Offenbarung dieses Chakra erkläre ich dir nun, o Makellose. Wenn jene höchste Kraft aus ihrem eigenen Willen die Gestalt der Welt annimmt …

Wort-für-Wort-Übersetzung: etat-cakra-avatāram – Offenbarung beziehungsweise Hervortreten dieses Chakra; tu – nun; kathayāmi – ich erkläre; tava – dir; anaghe – o Makellose; yadā – wenn; sā paramā śaktiḥ – jene höchste Kraft; sva-icchayā – durch ihren eigenen Willen; viśva-rūpiṇī – die Weltgestalt annehmend, weltgestaltig.

Erläuterung: Der Satz setzt sich im nächsten Vers fort. Shakti wird als frei und weltgestaltig angesprochen. Das Diagramm entsteht in dieser Sicht nicht unabhängig vom Bewusstsein. Es stellt eine Weise dar, wie sich die höchste Kraft selbst zeigt. Die Übersetzung lässt den Satzanschluss erkennbar, statt die beiden Verse zu einer unnummerierten Blockübersetzung zusammenzuziehen.

Vers 1.10 – Selbstwahrnehmung und Bindu
स्फुरत्तामात्मनः पश्येत्तदा चक्रस्य सम्भवः ।
शून्याकाराद्विसर्गान्ताद्बिन्दोः प्रस्पन्दसंविदः ॥ 1.10 ॥
sphurattāmātmanaḥ paśyettadā cakrasya sambhavaḥ |
śūnyākārādvisargāntādbindoḥ praspandasaṃvidaḥ || 1.10 ||

Übersetzung: … ihr eigenes lebendiges Aufleuchten schaut, dann entsteht das Chakra: aus dem Bindu, der die Gestalt des Leeren trägt, bis zum Visarga reicht und lebendig pulsierendes Bewusstsein ist …

Wort-für-Wort-Übersetzung: sphurattām ātmanaḥ – ihr eigenes lebendiges Aufleuchten; paśyet – schaut; tadā – dann; cakrasya sambhavaḥ – Entstehung des Chakra; śūnya-ākārāt – von dem die Leere zur Gestalt Habenden; visarga-antāt – bis zum Visarga Reichenden; bindoḥ – aus dem Bindu; praspanda-saṃvidaḥ – aus dem pulsierenden Bewusstsein.

Erläuterung: Bindu bezeichnet den Punkt und die verdichtete Quelle der Entfaltung. Visarga bedeutet Aussendung und ist zugleich eine Sanskrit-Lautbezeichnung. Der Vers arbeitet bewusst mit mehreren Bedeutungsebenen. „Leere“ ist hier im Zusammenhang eines schöpferischen Bewusstseins zu lesen. Die Reihe der Beschreibungen des Bindu wird im folgenden Vers weitergeführt.

Vers 1.11 – Die Welle der Entfaltung
प्रकाशपरमार्थत्वात्स्फुरत्तालहरीयुतात् ।
प्रसृतं विश्वलहरीस्थानं मातृत्रयात्मकम् ॥ 1.11 ॥
prakāśaparamārthatvātsphurattālaharīyutāt |
prasṛtaṃ viśvalaharīsthānaṃ mātṛtrayātmakam || 1.11 ||

Übersetzung: … dessen höchste Wirklichkeit Licht ist und der mit der Welle lebendigen Aufleuchtens verbunden ist, entfaltet sich [das Chakra] als Ort der Weltwellen, aus einer Dreiheit des Erkennenden bestehend.

Wort-für-Wort-Übersetzung: prakāśa-paramārthatvāt – aufgrund seines Wesens als höchste Lichtwirklichkeit; sphurattā-laharī-yutāt – aus dem mit einer Welle lebendigen Aufleuchtens Verbundenen; prasṛtam – entfaltet, hervorgegangen; viśva-laharī-sthānam – Ort der Wellen der Welt; mātṛ-traya-ātmakam – aus einer Dreiheit des Erkennenden bestehend.

Erläuterung: Prakasha bezeichnet das Licht beziehungsweise Offenbarsein des Bewusstseins. Die Wellenmetapher macht verständlich, dass die Entfaltung vielfältig erscheint und dennoch auf denselben Grund bezogen bleibt. Die knappe Wendung mātṛtraya ist ein technischer Ausdruck; ihre Einzelzuordnung verlangt Kommentierung. Der nächste Vers legt weitere triadische Beziehungen dar. Die Übersetzung bewahrt hier die Grundbedeutung „Erkennender“ von mātṛ.

Vers 1.13 – Das Chakra als Bewusstsein und Wonne
नवयोन्यात्मकं चक्रं चिदानन्दघनं महत् ।
चक्रं नवात्मकमिदं नवधा भिन्नमन्त्रकम् ॥ 1.13 ॥
navayonyātmakaṃ cakraṃ cidānandaghanaṃ mahat |
cakraṃ navātmakamidaṃ navadhā bhinnamantrakam || 1.13 ||

Übersetzung: Das große Chakra besteht aus neun Yonis und ist eine dichte Fülle von Bewusstsein und Wonne. Dieses neunfältige Chakra besitzt einen neunfach gegliederten Mantrazusammenhang.

Wort-für-Wort-Übersetzung: nava-yoni-ātmakam – aus neun Yonis bestehend; cakram – Chakra, Kreis oder Diagramm; cit-ānanda-ghanam – dichte Fülle von Bewusstsein und Wonne; mahat – groß; nava-ātmakam idam – dieses neunfältige; navadhā – neunfach; bhinna-mantrakam – mit gegliedertem Mantra beziehungsweise Mantrabestand.

Erläuterung: Yoni bedeutet Schoß oder Ursprungsstätte und bezeichnet hier auch die Dreiecksgestalt. Das Shri Chakra wird ausdrücklich als Chidananda, Bewusstsein und Wonne, verstanden. Seine Neunfältigkeit lässt sich auf mehreren Ebenen betrachten: Hauptdreiecke, rituelle Bereiche und zugehörige Kräfte. Diese Ebenen hängen zusammen, sind geometrisch aber nicht einfach dieselbe Zählung.

Vers 1.35 – Jenseits von Raum und Zeit
दैशकालानवच्छिन्नं तदूर्ध्वे परमं महत् ।
निसर्गसुन्दरं तत्तु परानन्दविघूर्णितम् ॥ 1.35 ॥
daiśakālānavacchinnaṃ tadūrdhve paramaṃ mahat |
nisargasundaraṃ tattu parānandavighūrṇitam || 1.35 ||

Übersetzung: Darüber [liegt] das höchste Große, nicht durch Raum und Zeit begrenzt, von Natur aus schön und von höchster Wonne bewegt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: daiśa-kāla-anavacchinnam – nicht durch Raum und Zeit begrenzt; tat-ūrdhve – darüber; param mahat – höchstes Großes; nisarga-sundaram – von Natur aus schön; tat tu – jenes aber; para-ānanda-vighūrṇitam – von höchster Wonne bewegt, durchdrungen.

Erläuterung: Der Vers steht nach einer Beschreibung feiner Laut- und Bewusstseinsstufen. Deren Gliederung weist über sich hinaus auf eine Wirklichkeit, die sich nicht räumlich oder zeitlich eingrenzen lässt. Die Schönheit der Tripurasundari besitzt damit eine Bedeutung, die über äußere Gestalt hinausgeht. Sie wird als natürliche Fülle des Bewusstseins verstanden.

Vers 1.50 – Die Natur des eigenen Bewusstseins
स्वेच्छाविश्वमयोल्लेखखचितं विश्वरूपकम् ।
चैतन्यमात्मनो रूपं निसर्गानन्दसुन्दरम् ॥ 1.50 ॥
svecchāviśvamayollekhakhacitaṃ viśvarūpakam |
caitanyamātmano rūpaṃ nisargānandasundaram || 1.50 ||

Übersetzung: Bewusstsein ist die eigene Natur: weltgestaltig, durchzogen von der aus eigenem Willen hervortretenden Darstellung der Welt, schön durch natürliche Wonne.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sva-icchā – eigener Wille; viśva-maya-ullekha-khacitam – mit weltumfassender Darstellung durchzogen; viśva-rūpakam – weltgestaltig; caitanyam – Bewusstsein; ātmanaḥ rūpam – eigene Natur, Gestalt des Selbst; nisarga-ānanda-sundaram – schön durch natürliche Wonne.

Erläuterung: Hier verbindet das Yogini Hridaya die göttliche Weltentfaltung mit der Frage nach dem Selbst. Chaitanya bezeichnet lebendiges Bewusstsein. Die Welt erscheint innerhalb seines Vermögens, ohne dass das Bewusstsein auf einen einzelnen Gegenstand reduziert wird. Eine heutige Betrachtung kann bei der unmittelbaren Tatsache ansetzen, dass alle Erlebnisse bewusst erscheinen; die kosmologische Folgerung gehört zur Lehre des Textes.

Vers 1.53 – Schlinge, Haken, Pfeile und Bogen
इच्छाशक्तिमयं पाशमङ्कुशं ज्ञानरूपिणम् ।
क्रियाशक्तिमये बाणधनुषी दधदुज्ज्वलम् ॥ 1.53 ॥
icchāśaktimayaṃ pāśamaṅkuśaṃ jñānarūpiṇam |
kriyāśaktimaye bāṇadhanuṣī dadhadujjvalam || 1.53 ||

Übersetzung: [Das göttliche Licht erscheint] strahlend und trägt die Schlinge aus Willenskraft, den Haken in Gestalt des Erkennens sowie Pfeile und Bogen aus Handlungskraft.

Wort-für-Wort-Übersetzung: icchā-śakti-mayam pāśam – die aus Willenskraft bestehende Schlinge; aṅkuśam – Haken, Elefantenstachel; jñāna-rūpiṇam – von der Gestalt des Erkennens; kriyā-śakti-maye – aus Handlungskraft bestehend; bāṇa-dhanuṣī – Pfeile und Bogen; dadhat – tragend; ujjvalam – strahlend.

Erläuterung: Die Attribute der Göttin sind zugleich Aussagen über ihre Kräfte. Pasha, Ankusha, Pfeile und Bogen erschließen Iccha Shakti, Jnana Shakti und Kriya Shakti. Die Bildgestalt ist somit Teil der Unterweisung und nicht nur schmückendes Beiwerk. Die hier gegebene Zuordnung folgt diesem Vers; andere Texte können dieselben Attribute ergänzend anders deuten.

Vers 1.55 – Das Shri Chakra als Gestalt des höchsten Lichtes
एवंरूपं परं तेजः श्रीचक्रवपुषा स्थितम् ।
तदीयशक्तिनिकरस्फुरदूर्मिसमावृतम् ॥ 1.55 ॥
evaṃrūpaṃ paraṃ tejaḥ śrīcakravapuṣā sthitam |
tadīyaśaktinikarasphuradūrmisamāvṛtam || 1.55 ||

Übersetzung: Das höchste Licht von solcher Gestalt besteht als Leib des Shri Chakra, umgeben von den aufleuchtenden Wellen seiner Schar von Kräften.

Wort-für-Wort-Übersetzung: evam-rūpam – von solcher Gestalt; param tejaḥ – höchstes Licht; śrī-cakra-vapuṣā – als Leib beziehungsweise Gestalt des Shri Chakra; sthitam – bestehend; tadīya-śakti-nikara – dessen Schar von Kräften; sphurat-ūrmi-samāvṛtam – von aufleuchtenden Wellen umgeben.

Erläuterung: Das Diagramm gilt als Vapus, Gestalt oder Leib, der göttlichen Wirklichkeit. Seine zugeordneten Gottheiten und Kräfte gehören zu ihrer Entfaltung. Diese Vorstellung verbindet äußere Verehrung und innere Bhavana: Das betrachtete Diagramm verweist auf einen Bewusstseinszusammenhang, den der Praktizierende vergegenwärtigt. Darin liegt ein wesentlicher Schlüssel des ersten Kapitels.

Video: Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev
Ergänzende heutige Meditationspraxis; keine vollständige Anleitung zur Shri-Chakra-Verehrung.

Die neun Umfassungen des Shri Chakra

Vers 1.80 – Die äußeren Bereiche des Shri Chakra
आदिमं भूत्रयेण स्याद्द्वितीयं षोडशारकम् ।
अन्यदष्टदलं प्रोक्तं मनुकोणमनन्तरम् ॥ 1.80 ॥
ādimaṃ bhūtrayeṇa syāddvitīyaṃ ṣoḍaśārakam |
anyadaṣṭadalaṃ proktaṃ manukoṇamanantaram || 1.80 ||

Übersetzung: Der erste [Bereich] besteht aus den drei Erdumfassungen, der zweite ist sechzehnteilig. Der nächste wird achtblättrig genannt; darauf folgt der vierzehnwinklige.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ādimam – das erste; bhū-trayeṇa – durch die drei Erdumfassungen; syāt – besteht, sei; dvitīyam – das zweite; ṣoḍaśa-arakam – sechzehnteilig; anyat aṣṭa-dalam – das nächste mit acht Blättern; proktam – genannt; manu-koṇam – vierzehnwinklig, mit Manu als Zahlwort für vierzehn; anantaram – danach.

Erläuterung: Die Aufzählung bewegt sich von außen nach innen. Das dreifache äußere Quadrat wird mit dem Erdprinzip verbunden. Es folgen der sechzehnblättrige und der achtblättrige Lotus sowie der Bereich der vierzehn Dreiecke. Die Sanskritzählung verwendet hier Manu als Zahlenbezeichnung. Für die spätere Navavarana Puja ist diese Folge grundlegend.

Vers 1.81 – Die inneren Dreieckskreise
पञ्चमं दशकोणं स्यात्षष्ठं चापि दशारकम् ।
सप्तमं वसुकोणं स्यान्मध्यत्र्यस्रमथाष्टमम् ॥ 1.81 ॥
pañcamaṃ daśakoṇaṃ syātṣaṣṭhaṃ cāpi daśārakam |
saptamaṃ vasukoṇaṃ syānmadhyatryasramathāṣṭamam || 1.81 ||

Übersetzung: Der fünfte [Bereich] ist zehnwinklig, und auch der sechste ist zehnteilig. Der siebte ist achtwinklig; der achte ist dann das mittlere Dreieck.

Wort-für-Wort-Übersetzung: pañcamam – das fünfte; daśa-koṇam – zehnwinklig; syāt – ist, sei; ṣaṣṭham ca api – und auch das sechste; daśa-arakam – zehnteilig; saptamam – das siebte; vasu-koṇam – achtwinklig; madhya-tryasram – mittleres Dreieck; atha aṣṭamam – dann das achte.

Erläuterung: Die beiden Bereiche mit jeweils zehn Dreiecken sind voneinander zu unterscheiden. Weiter innen liegen acht Dreiecke und das zentrale Dreieck. Vasu steht hier als Zahlenbezeichnung für acht. Diese Gliederung erklärt, weshalb die Rede von neun Chakras nicht bedeutet, dass neun voneinander unabhängige Yantras vorliegen.

Vers 1.82 – Der Mittelpunkt und die ersten Namen
नवमं त्र्यस्रमध्यं स्यात्तेषां नामान्यतः शृणु ।
त्रैलोक्यमोहनं चक्रं सर्वाशापरिपूरकम् ॥ 1.82 ॥
navamaṃ tryasramadhyaṃ syātteṣāṃ nāmānyataḥ śṛṇu |
trailokyamohanaṃ cakraṃ sarvāśāparipūrakam || 1.82 ||

Übersetzung: Der neunte [Bereich] liegt in der Mitte des Dreiecks. Höre nun ihre Namen: das Chakra, das die drei Welten bezaubert, und das alle Hoffnungen Erfüllende …

Wort-für-Wort-Übersetzung: navamam – das neunte; tryasra-madhyam – Mitte des Dreiecks; syāt – ist, sei; teṣām nāmāni – ihre Namen; ataḥ śṛṇu – höre nun; trailokya-mohanam – die drei Welten bezaubernd; cakram – Chakra; sarva-āśā-paripūrakam – alle Hoffnungen oder Wünsche erfüllend.

Erläuterung: Der neunte Bereich ist der Bindu, der Mittelpunkt im zentralen Dreieck. Anschließend beginnt die Namensliste der neun Umfassungen. Die Namen bezeichnen die verehrten Wirkweisen der göttlichen Kraft. Sie gehören zur religiösen Sprache des Rituals; ihre wörtlichen Bedeutungen werden in den folgenden Versen weitergeführt.

Vers 1.83 – Bewegen, Glück und Schutz
सर्वसंक्षोभणं गौरि सर्वसौभाग्यदायकम् ।
सर्वार्थसाधकं चक्रं सर्वरक्षाकरं परम् ॥ 1.83 ॥
sarvasaṃkṣobhaṇaṃ gauri sarvasaubhāgyadāyakam |
sarvārthasādhakaṃ cakraṃ sarvarakṣākaraṃ param || 1.83 ||

Übersetzung: … das alles Erschütternde, o Gauri, das alles Glück Gewährende, das Chakra, das alle Ziele verwirklicht, und das höchste, das umfassenden Schutz schafft …

Wort-für-Wort-Übersetzung: sarva-saṃkṣobhaṇam – alles erschütternd, bewegend; gauri – o Gauri; sarva-saubhāgya-dāyakam – alles Glück beziehungsweise Wohlergehen gewährende; sarva-artha-sādhakam – alle Ziele verwirklichende; cakram – Chakra; sarva-rakṣā-karam – allen Schutz hervorbringende; param – höchstes, erhabenes.

Erläuterung: Die Reihe nennt die Umfassungen drei bis sechs. Samkshobha bedeutet Aufrüttelung oder Bewegung und gehört zur Vorstellung einer dynamischen Shakti. Saubhagya umfasst Glück, Wohlergehen und günstige Fügung. Im Ritual werden diese Kräfte nicht isoliert, sondern als Glieder derselben Göttin verehrt.

Vers 1.84 – Heilung, Vollendung und Wonne
सर्वरोगहरं देवि सर्वसिद्धिमयं तथा ।
सर्वानन्दमयं चापि नवमं शृणु सुन्दरि ॥ 1.84 ॥
sarvarogaharaṃ devi sarvasiddhimayaṃ tathā |
sarvānandamayaṃ cāpi navamaṃ śṛṇu sundari || 1.84 ||

Übersetzung: … das alle Krankheiten Wegnehmende, o Göttin, ebenso das aus aller Vollendung Bestehende; und als neuntes höre das aus aller Wonne Bestehende, o Schöne.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sarva-roga-haram – alle Krankheiten wegnehmend; devi – o Göttin; sarva-siddhi-mayam – aus aller Vollendung bestehend; tathā – ebenso; sarva-ānanda-mayam ca api – und auch aus aller Wonne bestehend; navamam – das neunte; śṛṇu – höre; sundari – o Schöne.

Erläuterung: Die letzten drei Namen gehören zum Acht-Dreieck-Bereich, zum zentralen Dreieck und zum Bindu. Sarvanandamaya, aus aller Wonne bestehend, bezeichnet den innersten Bereich. „Alle Krankheiten wegnehmend“ ist die wörtliche Übersetzung eines traditionellen Chakra-Namens, kein hier gegebenes medizinisches Wirkversprechen. In der inneren Auslegung werden auch begrenzende Bewusstseinsformen als zu überwindende Leiden betrachtet.

Vers 1.85 – Mahatripurasundari im großen Chakra
अत्र पूज्या महादेवी महात्रिपुरसुन्दरी ।
परिपूर्णं महाचक्रमजरामरकारकम् ॥ 1.85 ॥
atra pūjyā mahādevī mahātripurasundarī |
paripūrṇaṃ mahācakramajarāmarakārakam || 1.85 ||

Übersetzung: Hier ist die große Göttin Mahatripurasundari zu verehren. Das vollkommene große Chakra führt [der Lehre zufolge] zu Freiheit von Altern und Sterben.

Wort-für-Wort-Übersetzung: atra – hier; pūjyā – zu verehren; mahā-devī – große Göttin; mahā-tripura-sundarī – große Schöne der drei Städte beziehungsweise Bereiche; paripūrṇam – vollkommen, vollständig; mahā-cakram – großes Chakra; ajara-amara-kārakam – Freiheit von Altern und Sterben bewirkend.

Erläuterung: Die Namensliste mündet in die Verehrung der Mahatripurasundari. Der Ausdruck ajara-amara bezeichnet im spirituellen Zusammenhang eine über Vergänglichkeit hinausgehende Verwirklichung. Der Vers fasst das Shri Chakra als Ganzes auf: Seine Entfaltung und sein Mittelpunkt gehören zusammen. Die religiöse Verheißung sollte nicht zu einer Aussage über körperliche Unsterblichkeit umformuliert werden.

Aus dem zweiten Kapitel: Mantra, Überlieferung und Kundalini

Vers 2.26 – Die lebendige Überlieferung
सम्प्रदायो महाबोधरूपो गुरुमुखे स्थितः ।
विश्वाकारप्रथायास्तु महत्त्वञ्च यदाश्रयम् ॥ 2.26 ॥
sampradāyo mahābodharūpo gurumukhe sthitaḥ |
viśvākāraprathāyāstu mahattvañca yadāśrayam || 2.26 ||

Übersetzung: Die Überlieferung, deren Wesen großes Erwachen ist, besteht im Mund des Gurus; auf ihr beruht die Größe des Hervortretens in Weltgestalt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sampradāyaḥ – Überlieferung, Traditionslinie; mahā-bodha-rūpaḥ – von der Gestalt großen Erwachens beziehungsweise Erkennens; guru-mukhe sthitaḥ – im Mund des Gurus befindlich; viśva-ākāra-prathāyāḥ – des Erscheinens in Weltgestalt; mahatvam ca – und die Größe; yat-āśrayam – welche darin ihre Grundlage hat.

Erläuterung: Das zweite Kapitel behandelt verschiedene Ebenen des Mantraverständnisses. Sampradaya bezeichnet hier mehr als die Zugehörigkeit zu einer Organisation. Die Lehre wird als lebendige Vermittlung von Bodha, Erkenntnis, verstanden. Ihre kosmologische Bedeutung soll sich durch Unterweisung erschließen. Die Übersetzung folgt dem verdichteten Satzbau; die Einzelzuordnung des letzten Ausdrucks verlangt weitere Kommentierung.

Vers 2.31 – Göttin und Gott in jedem Bereich
यस्य यस्य पदार्थस्य सा या शक्तिरुदीरिता ।
सा सा सर्वेश्वरी देवी स स सर्वो महेश्वरः ॥ 2.31 ॥
yasya yasya padārthasya sā yā śaktirudīritā |
sā sā sarveśvarī devī sa sa sarvo maheśvaraḥ || 2.31 ||

Übersetzung: Welche Kraft auch immer einem jeweiligen Gegenstand zugesprochen wird: Eben diese ist die Göttin, Herrin von allem, und jener [Gegenstand] ist jeweils der große Herr.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yasya yasya padārthasya – eines jeden jeweiligen Gegenstandes; sā yā śaktiḥ – diejenige Kraft, welche; udīritā – genannt, ausgesprochen; sā sā – eben diese jeweils; sarva-īśvarī devī – Göttin, Herrin von allem; saḥ saḥ sarvaḥ – jener jeweils, ein jeder; mahā-īśvaraḥ – großer Herr.

Erläuterung: Der Vers verbindet jeden Erfahrungsbereich mit Shiva und Shakti. Die Kraft eines Gegenstandes wird nicht aus dem göttlichen Zusammenhang ausgeschlossen. In dieser Sicht ist die Göttin nicht nur in einem besonderen Ritualort gegenwärtig. Ihre Verehrung kann zu einer umfassenderen Wahrnehmung der Welt führen. Das ist eine metaphysische Aussage der Schrift, keine naturwissenschaftliche Definition von Kraft.

Vers 2.70 – Die Mantrakraft als Kundalini
अष्टात्रिंशत्कलायुक्तपञ्चाशद्वर्णविग्रहा ।
विद्या कुण्डलिनीरूपा मण्डलत्रयभेदिनी ॥ 2.70 ॥
aṣṭātriṃśatkalāyuktapañcāśadvarṇavigrahā |
vidyā kuṇḍalinīrūpā maṇḍalatrayabhedinī || 2.70 ||

Übersetzung: Die Vidya hat die Gestalt der fünfzig Laute, verbunden mit achtunddreißig Kalas; sie ist Kundalini und durchdringt die drei Mandalas.

Wort-für-Wort-Übersetzung: aṣṭātriṃśat-kalā-yukta – mit achtunddreißig Kalas verbunden; pañcāśat-varṇa-vigrahā – mit den fünfzig Lauten als Gestalt; vidyā – Wissen, hier die göttliche Mantrakraft; kuṇḍalinī-rūpā – Kundalini als Gestalt habend; maṇḍala-traya-bhedinī – die drei Mandalas durchdringend.

Erläuterung: Das Yogini Hridaya verbindet die Mantralehre ausdrücklich mit Kundalini. Die fünfzig Laute beziehen sich auf eine tantrische Ordnung des Sanskritalphabets. Kala bezeichnet hier Teilkräfte beziehungsweise Wirkungsaspekte. Die drei Mandalas gehören zu einer überlieferten inneren Gliederung, die im Kommentar weiter erläutert wird. Der Vers bildet keine isolierte Atemanweisung.

Vers 2.71 – Strahlend und fein
तडित्कोटिनिभप्रख्या बिसतन्तुनिभाकृतिः ।
व्योमेन्दुमण्डलासक्ता सुधास्रोतःस्वरूपिणी ॥ 2.71 ॥
taḍitkoṭinibhaprakhyā bisatantunibhākṛtiḥ |
vyomendumaṇḍalāsaktā sudhāsrotaḥsvarūpiṇī || 2.71 ||

Übersetzung: Sie leuchtet wie Millionen Blitze und ist von einer Gestalt so fein wie eine Lotusfaser; mit dem Mondkreis im Raum verbunden, ist ihr Wesen ein Strom von Nektar.

Wort-für-Wort-Übersetzung: taḍit-koṭi-nibha-prakhyā – mit dem Glanz von Millionen Blitzen; bisa-tantu-nibha-ākṛtiḥ – mit einer Gestalt wie Lotusfaser; vyoma-indu-maṇḍala-āsaktā – mit dem Mondkreis im Raum verbunden; sudhā-srotaḥ-svarūpiṇī – einen Nektarstrom als eigenes Wesen habend.

Erläuterung: Die Bildsprache verbindet größte Leuchtkraft und äußerste Feinheit. Mond und Nektar stehen im tantrischen Zusammenhang für eine erfüllende innere Erfahrung. Die Beschreibung wird auf die im vorigen Vers genannte Vidya beziehungsweise Kundalini bezogen. Ihre Begriffe sollten nicht ohne Weiteres als anatomische oder biochemische Angaben behandelt werden.

Vers 2.72 – Die Kraft als eigenes Selbst erkennen
सदा व्याप्तजगत्कृत्स्ना सदानन्दस्वरूपिणी ।
एषा स्वात्मेति बुद्धिस्तु रहस्यार्थो महेश्वरि ॥ 2.72 ॥
sadā vyāptajagatkṛtsnā sadānandasvarūpiṇī |
eṣā svātmeti buddhistu rahasyārtho maheśvari || 2.72 ||

Übersetzung: Sie durchdringt stets die ganze Welt und ist ihrem Wesen nach beständige Wonne. Die Erkenntnis „Diese ist mein eigenes Selbst“ ist die geheime Bedeutung, o große Herrin.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sadā – stets; vyāpta-jagat-kṛtsnā – die ganze Welt durchdringend; sadā-ānanda-svarūpiṇī – beständige Wonne als eigenes Wesen habend; eṣā sva-ātmā iti – „diese ist das eigene Selbst“; buddhiḥ tu – die Erkenntnis aber; rahasya-arthaḥ – geheime Bedeutung; mahā-īśvari – o große Herrin.

Erläuterung: Die vorausgehende innere Symbolik wird auf eine Erkenntnis zugespitzt. Die Göttin wird nicht nur betrachtet, sondern als eigene tiefste Natur erkannt. In diesem Zusammenhang meint Buddhi die Einsicht, nicht bloß das Auswendiglernen eines Satzes. Der Vers ist ein besonders klarer Ausdruck des nichtdualistischen Zuges im Yogini Hridaya.

Video: Anahata-Chakra-Meditation mit Sukadev
Ergänzende Herzmeditation. Hridaya bezeichnet im Titel der Schrift besonders deren innerste Bedeutung.

Aus dem dritten Kapitel: Verehrung und innere Erkenntnis

Vers 3.1 – Das Ziel der Verehrung
पूजासङ्केतमधुना कथयामि तवानघे ।
यस्य प्रबोधमात्रेण जीवन्मुक्तः प्रमोदते ॥ 3.1 ॥
pūjāsaṅketamadhunā kathayāmi tavānaghe |
yasya prabodhamātreṇa jīvanmuktaḥ pramodate || 3.1 ||

Übersetzung: Nun erkläre ich dir die geheime Bedeutung der Verehrung, o Makellose. Durch deren bloßes Erwachen [im Verstehen] erfreut man sich als zu Lebzeiten Befreiter.

Wort-für-Wort-Übersetzung: pūjā-saṅketam – geheime Bedeutung der Verehrung; adhunā – jetzt; kathayāmi tava – ich erkläre dir; anaghe – o Makellose; yasya prabodha-mātreṇa – allein durch das Erwachen dazu beziehungsweise dessen Erkenntnis; jīvan-muktaḥ – zu Lebzeiten befreit; pramodate – erfreut sich.

Erläuterung: Das dritte Kapitel eröffnet die Rituallehre mit Jivanmukti, Befreiung während des Lebens. Äußerer Vollzug und inneres Verstehen sind dadurch von Anfang an verbunden. Prabodha bedeutet Erwachen oder klares Erkennen. Die Puja wird nicht nur als Bitte um ein zukünftiges Ergebnis eingeführt, sondern als möglicher Ausdruck befreiender Erkenntnis.

Vers 3.2 – Drei Formen der Puja
तव नित्योदिता पूजा त्रिभिर्भेदैर्व्यवस्थिता ।
परा चाप्यपरा गौरि तृतीया च परापरा ॥ 3.2 ॥
tava nityoditā pūjā tribhirbhedairvyavasthitā |
parā cāpyaparā gauri tṛtīyā ca parāparā || 3.2 ||

Übersetzung: Deine stets gegenwärtige Verehrung ist in drei Formen gegliedert: die höchste, die nicht-höchste, o Gauri, und als dritte die höchste und nicht-höchste verbindende.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tava – deine; nitya-uditā – stets aufgegangen, beständig gegenwärtig; pūjā – Verehrung; tribhiḥ bhedaiḥ – in drei Unterscheidungen; vyavasthitā – angeordnet; parā – höchste; ca api aparā – und auch nicht-höchste; gauri – o Gauri; tṛtīyā ca parā-aparā – und als dritte die höchste und nicht-höchste [verbindende].

Erläuterung: Para, Apara und Parapara bezeichnen drei Perspektiven des Vollzugs. Die Übersetzung „nicht-höchste“ gibt die Wortbildung wieder; sie sollte nicht vorschnell als Geringschätzung äußerer Verehrung verstanden werden. Die Schrift widmet gerade der ausdifferenzierten Ritualpraxis einen großen Teil ihrer Unterweisung. Der nächste Vers beginnt, die Formen näher zu bestimmen.

Vers 3.3 – Nichtdualität und Chakraverehrung
प्रथमाद्वैतभावस्था सर्वप्रसरगोचरा ।
द्वितीया चक्रपूजा च सदा निष्पाद्यते मया ॥ 3.3 ॥
prathamādvaitabhāvasthā sarvaprasaragocarā |
dvitīyā cakrapūjā ca sadā niṣpādyate mayā || 3.3 ||

Übersetzung: Die erste ruht in der nichtdualistischen Haltung und umfasst die gesamte Entfaltung. Die zweite ist die Chakraverehrung, und sie wird von mir stets vollzogen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: prathamā – die erste; advaita-bhāva-sthā – in der nichtdualistischen Haltung ruhend; sarva-prasara-gocarā – die ganze Entfaltung als ihren Bereich habend; dvitīyā – die zweite; cakra-pūjā ca – und die Chakraverehrung; sadā – stets; niṣpādyate mayā – wird von mir vollzogen.

Erläuterung: Die höchste Verehrung ist hier mit Advaita, Nichtdualität, verbunden. Sie bezieht sich auf die ganze Entfaltung und lässt sich deshalb nicht auf einen einzelnen äußeren Ort begrenzen. Zugleich wird die Chakra Puja ausdrücklich bejaht. Der Text unterscheidet Zugänge, die im weiteren Vollzug miteinander verbunden werden können.

Vers 3.183 – Fünf Zustände und die Verbindung von Atem, Selbst und Geist
अत्रैव जपकाले तु पञ्चावस्थाः स्मरेद्बुधः ।
योगः प्राणात्ममनसां विषुवं प्राणसंज्ञितम् ॥ 3.183 ॥
atraiva japakāle tu pañcāvasthāḥ smaredbudhaḥ |
yogaḥ prāṇātmamanasāṃ viṣuvaṃ prāṇasaṃjñitam || 3.183 ||

Übersetzung: Gerade während des Japa soll der Verständige die fünf Zustände vergegenwärtigen. Die Verbindung von Prana, Selbst und Geist heißt das als Prana bezeichnete Vishuva.

Wort-für-Wort-Übersetzung: atra eva – gerade hier; japa-kāle tu – während des Japa; pañca-avasthāḥ – fünf Zustände; smaret budhaḥ – der Verständige soll vergegenwärtigen; yogaḥ – Verbindung; prāṇa-ātma-manasām – von Prana, Selbst und Geist; viṣuvam – Ausgleich, Vereinigungspunkt; prāṇa-saṃjñitam – mit Prana bezeichnet.

Erläuterung: Die fünf Zustände werden im vorangehenden Zusammenhang als Wachen, Traum, Tiefschlaf, Turiya und Turiyatita entfaltet. Vishuva bezeichnet hier einen technischen Vereinigungspunkt, nicht bloß die astronomische Tagundnachtgleiche. Der Vers zeigt, wie das Yogini Hridaya Japa mit einer differenzierten inneren Yogapraxis verbindet. Die genaue Methode ergibt sich erst aus dem größeren Textzusammenhang.

Video: Aktiviere deine Chakren und meditiere mit Sukadev
Ergänzende Yogapraxis. Die speziellen Vishuva- und Mantra-Zuordnungen des Textes werden damit nicht vollständig vermittelt.

Vers 3.192 – Rituelle Gaben im Kaula-Kontext
अनामाङ्गुष्ठयोगेन तर्पयेच्चक्रदेवताः ।
मद्यं मांसं तथा मत्स्यं देव्यास्तु विनिवेदयेत् ॥ 3.192 ॥
anāmāṅguṣṭhayogena tarpayeccakradevatāḥ |
madyaṃ māṃsaṃ tathā matsyaṃ devyāstu vinivedayet || 3.192 ||

Übersetzung: Mit der Verbindung von Ringfinger und Daumen soll man die Gottheiten des Chakra sättigen; Wein, Fleisch und Fisch soll man der Göttin darbringen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: anāmā-aṅguṣṭha-yogena – durch Verbindung von Ringfinger und Daumen; tarpayet – man soll sättigen, rituell laben; cakra-devatāḥ – Gottheiten des Chakra; madyam – alkoholisches Getränk, Wein; māṃsam – Fleisch; tathā matsyam – und ebenso Fisch; devyāḥ tu – der Göttin; vinivedayet – man soll darbringen.

Erläuterung: Dieser Vers gehört zur konkreten Ritualsprache des Kaula. Die genannten Stoffe dürfen in einer historischen Übersetzung nicht ohne Kennzeichnung durch rein psychologische Begriffe ersetzt werden. Zugleich folgt daraus nicht, dass jede heutige Shri-Vidya-Tradition identische äußere Gaben verwendet. Innere Deutung, stellvertretende Opfermittel und konkrete Ritualformen sind jeweils traditionsabhängig. Der Artikel beschreibt den Text; er stellt keine Aufforderung zur Übernahme dieser einzelnen Handlung dar.

Vers 3.202 – Die Einheit von Ich und Dies
अहन्तेदन्तयोरैक्यं भावयन्विहरेत्सुखम् ।
एतत्ते कथितं सर्वं सङ्केतत्रयमुत्तमम् ॥ 3.202 ॥
ahantedantayoraikyaṃ bhāvayanviharetsukham |
etatte kathitaṃ sarvaṃ saṅketatrayamuttamam || 3.202 ||

Übersetzung: Die Einheit von Ichheit und Diesheit vergegenwärtigend, soll man glücklich leben. Damit ist dir diese ganze höchste dreifache Unterweisung erklärt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ahantā-idantayoḥ aikyam – Einheit von Ichheit und Diesheit; bhāvayan – vergegenwärtigend, betrachtend; viharet sukham – man soll glücklich leben, sich frei bewegen; etat te kathitam sarvam – dies alles ist dir erklärt; saṅketa-trayam uttamam – höchste dreifache Unterweisung.

Erläuterung: Ahanta bezeichnet die Ichhaftigkeit des Erlebens, Idanta das als „dies“ Erscheinende. Ihre Einheit bildet eine geistige Zusammenfassung der vorherigen Unterweisung. Bhavana soll über den abgegrenzten Ritualmoment hinausreichen. Das Yogini Hridaya verbindet die dreifache Erschließung von Chakra, Mantra und Puja mit einer Weise, bewusst zu leben. Die Lesung aikyam berichtigt hier eine offensichtliche Vokalverwechslung der Onlineabschrift.

Video: 3-Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev
Angeleitete Meditation aus der Yoga-Vidya-Praxis als Ergänzung zum Schriftstudium.

Bedeutung des Yogini Hridaya für Yogaübende

Das Yogini Hridaya verbindet sorgfältige Verehrung mit der Frage nach dem eigenen Bewusstsein. Seine äußeren Formen sind vielfältig: Diagramm, Bildgestalt, Laut, Geste und Opfergabe. Ihr Zusammenhang wird verständlicher, wenn man fragt, welche innere Aufmerksamkeit ihnen entspricht. Das dritte Kapitel stellt die nichtdualistische Betrachtung und die konkrete Chakraverehrung ausdrücklich nebeneinander (3.2–3.3).

Vom Klang zur Gegenwart

Für Mantra Yoga ist besonders anregend, dass ein Mantra im Yogini Hridaya mehr als eine mechanisch wiederholte Lautfolge ist. Die Betrachtung seiner Bedeutung gehört zur Unterweisung. In 2.70–2.72 wird die Vidya als Kundalini beschrieben und schließlich als eigenes Selbst erkannt. Klang, Kraft und Erkenntnis stehen hier in einem gemeinsamen Zusammenhang.

Das bedeutet nicht, dass ein einzelner Gedanke sofort eine außergewöhnliche Erfahrung hervorbringen muss. Eine heutige Annäherung kann schlicht beginnen: einen vertrauten Klang bewusst hören, die Bedeutung eines Gebets bedenken und wahrnehmen, wie Aufmerksamkeit gesammelt wird. Die besondere Mantra- und Nyasa-Praxis der Shri Vidya erschließt sich darüber hinaus durch ihre jeweilige Unterweisung.

Körper und Welt als Gegenstände der Betrachtung

Die zahlreichen Körperzuordnungen im dritten Kapitel zeigen, wie umfassend das Yogini Hridaya den Menschen betrachtet. Laute, Gottheiten, Planeten und heilige Orte werden am Körper vergegenwärtigt. Das ist eine tantrische Symbolordnung; sie ist nicht mit einer anatomischen Beschreibung gleichzusetzen. Für heutige Yogaübende kann sie die Frage öffnen, wie der eigene Körper mit Aufmerksamkeit und Achtung wahrgenommen wird.

Die Aussage aus 2.31 bezieht die Welt und ihre Kräfte auf Shiva und Shakti. Eine heutige Anregung daraus ist, die spirituelle Betrachtung auch im gewöhnlichen Leben fortzusetzen: beim Zuhören, im Umgang mit der Natur und bei alltäglichen Aufgaben. Mitgefühl, Wahrhaftigkeit und hilfreiches Handeln sind hier heutige Anwendungen einer solchen Betrachtung; sie werden nicht als zusätzliche Gebote dieser Verse ausgegeben.

Befreiung im Leben

Jivanmukti, Befreiung während des Lebens, wird zu Beginn des dritten Kapitels ausdrücklich genannt. In 3.202 mündet die Unterweisung in die Vergegenwärtigung der Einheit von „Ich“ und „Dies“: des erlebenden Selbst und der als Gegenstand erscheinenden Welt. Das anschließende „glücklich leben“ verbindet die Betrachtung mit dem Alltag. Die letzten vier Verse behandeln danach weiterhin Weitergabe und Geheimhaltung der Lehre.

Die Schrift verspricht auch Siddhis, Vollendungen und außergewöhnliche Fähigkeiten. Ihr religiöser Anspruch sollte weder verschwiegen noch zu einem persönlichen Erfolgsversprechen umformuliert werden. Für das eigene Studium kann die Frage nach Sammlung, Hingabe und Erkenntnis im Mittelpunkt stehen.

Das spirituelle Herz als allgemeines Bild innerer Sammlung. Hridaya bezeichnet im Titel der Schrift besonders die Essenz der Unterweisung.

Fünf Praxisanregungen zum Yogini Hridaya

Die folgenden Anregungen sind heutige Anwendungen ausgewählter Themen. Sie vermitteln keine vollständige historische Ritualpraxis und ersetzen keine besondere Diksha, Einweihung, oder traditionsspezifische Unterweisung.

1. Lies einen Vers und gib ihm Zeit.
Wähle beispielsweise 1.50, 2.72 oder 3.202. Lies den deutschen Absatz langsam, danach noch einmal. Frage dich: Was habe ich verstanden? Welcher Ausdruck braucht noch Erklärung? Verweile einige Augenblicke in Stille. So verbindet sich Swadhyaya, das eigene Schriftstudium, mit nachdenklicher Aufmerksamkeit.

2. Verbinde eine einfache Gabe mit bewusster Hingabe.
Wenn eine Puja oder ein Gebet zu deiner Praxis gehört, bringe eine Blume oder ein Licht mit einer klaren inneren Haltung dar. Nimm wahr, was du mit der Gabe ausdrückst. Die Unterscheidung der Verehrungsformen in 3.2–3.3 kann daran erinnern, dass äußere Handlung und inneres Verstehen zusammengehören.

3. Betrachte die Mitte eines Yantras.
Schau auf eine klare Darstellung des Shri Yantra. Orientiere dich an den äußeren Linien, den Lotusblättern, den Dreiecken und dem Bindu. Lass den Blick ohne Anstrengung ruhiger werden. Schließe dann die Augen und verweile kurz in Stille. Die Bereiche aus 1.80–1.85 dienen dabei als Orientierung, ohne dass du bereits sämtliche rituellen Zuordnungen kennen musst.

4. Wiederhole ein vertrautes Mantra aufmerksam.
Verwende ein Mantra, das dir bereits vertraut ist. Rezitiere es einige Minuten in deinem gewohnten ruhigen Rhythmus, ohne den Atem zu erzwingen. Höre den Klang und erinnere dich an seine Bedeutung. Bleibe danach kurz still. Das Yogini Hridaya regt dazu an, Japa mit Bewusstheit zu verbinden; die komplexen inneren Verfahren des dritten Kapitels lassen sich daraus allein noch nicht ableiten.

5. Lass das Studium in eine Begegnung hineinwirken.
Nimm die Betrachtung aus 2.31 oder 3.202 mit in den Tag. Höre einem Menschen aufmerksam zu oder erledige eine Aufgabe mit ungeteilter Gegenwart. Frage dich anschließend, ob deine Sicht auf „mich“ und „die anderen“ dadurch etwas weiter geworden ist. Solche Schritte verbinden Meditation mit Seva, hilfreichem Handeln.

Begleitvideo: Anahata-Chakra-Meditation mit Sukadev

Beziehungen zu anderen Schriften

Das Nitya Shodashikarnava und der übergreifende Artikel Vamakeshvara Tantra bilden die nächsten Bezugspunkte. Für das Verständnis von Göttin, Mantra und innerer Verehrung sind außerdem die Tripura Upanishad, Tripuratapini Upanishad und Bhavana Upanishad thematisch verwandte Texte.

Die Paratrimsika, Pratyabhijnahridaya, Shiva Sutra und Spandakarika eröffnen andere Zugänge zu Lautkraft, Bewusstsein und Wiedererkennen des Selbst. Gemeinsamkeiten einzelner Begriffe beweisen dabei keine direkte Textabhängigkeit. Jede Schrift besitzt ihre eigene Form der Unterweisung.

Das Yogini Hridaya lädt dazu ein, präzises Lesen und offene Betrachtung miteinander zu verbinden. Seine dichte Symbolsprache verlangt Geduld. Verständliche Verse können schon während dieses Lernens zum Begleiter werden: in der Hingabe an die Göttin, im achtsamen Umgang mit einem Mantra und in der stillen Erforschung des eigenen Bewusstseins.

Siehe auch

Literatur

  • Yoginīhṛdaya. Anonymer Sanskrittext in drei Kapiteln. Sanskrittext bei Sanskrit Documents.
  • Amritanandanatha: Dīpikā. Sanskritkommentar zum Yogini Hridaya.
  • Bhaskararaya: Setubandha. Kommentar zur zusammengehörigen Überlieferung von Nitya Shodashikarnava und Yogini Hridaya.
  • Gopinath Kaviraj (Hrsg.): Yoginīhṛdaya mit Kommentierung. Sarasvati Bhavana Granthamala, Band 7. Erste Veröffentlichung in Teilen 1923–1924; erweiterte zweite Ausgabe 1963. Digitalisat der zweiten Ausgabe.
  • Vraj Vallabha Dwivedi (Hrsg. und Erläuterer): Yoginīhṛdayam mit Amritanandas Dīpikā und Hindi-Erläuterungen. Digitalisat.
  • André Padoux: Le cœur de la yoginī: Yoginīhṛdaya, avec le commentaire Dīpikā d’Amṛtānanda. Französische Übersetzung mit Anmerkungen, 1994.
  • André Padoux mit Roger-Orphé Jeanty: The Heart of the Yogini: The Yoginihrdaya, a Sanskrit Tantric Treatise. Oxford University Press, 2013. Bibliografische Angaben.
  • Madhusudan Kaul Shastri (Hrsg.): The Vāmakeśvarīmatam with the Commentary of Rājānaka Jayaratha. Kashmir Series of Texts and Studies 66. Research Department, Jammu and Kashmir State, Srinagar 1945; Mercantile Press. Digitalisat.
  • Bibliothèque nationale de France: Tantra. Yoginīhṛdayatantra, Werkverzeichnis und Titelvarianten.
  1. André Padoux mit Roger-Orphé Jeanty: The Heart of the Yogini: The Yoginihrdaya, a Sanskrit Tantric Treatise. Oxford University Press, 2013. Bibliografische Angaben und Buchbeschreibung.
  2. Bibliothèque nationale de France: Tantra. Yoginīhṛdayatantra. Titelvarianten, Datierungsansatz, drei Kapitel und Angabe von 376 Strophen.
  3. Madhusudan Kaul Shastri (Hrsg.): The Vāmakeśvarīmatam with the Commentary of Rājānaka Jayaratha. Kashmir Series of Texts and Studies 66. Research Department, Jammu and Kashmir State, Srinagar 1945; Mercantile Press. Digitalisat, Einleitung.

Seminare

Kundalini Yoga

Das Yogini Hridaya verbindet die göttliche Mantrakraft mit Kundalini. Seminare zum Kundalini Yoga können helfen, Grundlagen der Energiearbeit, Meditation und achtsamen Körperwahrnehmung zu vertiefen.

16.10.2026 - 25.10.2026 Chakra-Kur - Reinigung der Chakras

Für die Reinigung der Chakras konzentrierst du dich unter Anleitung jeden Tag auf ein anderes Chakra. Die tägliche Meditation, Yoga Asanas und Pranyam…
Vani Devi Beldzik
25.10.2026 - 30.10.2026 Kundalini Yoga Meditation Kursleiter Ausbildung

Kundalini Yoga Meditationen sind ein faszinierendes weites Gebiet, dessen Potential noch bei weitem nicht ausgeschöpft ist. Kundalini Meditationen kön…
Adishakti Stein, Viveka Wilde

Indische Schriften

Gemeinsames Schriftstudium gibt Raum für Fragen, genaue Lektüre und Austausch. Die Beschäftigung mit Tantra und den Upanishaden kann den Blick auf Bewusstsein, Hingabe und spirituelle Lebensführung erweitern.

26.12.2026 - 02.01.2027 Indische Rituale Ausbildung

Du interessierst dich für indische Rituale? Du hast die einzigartige Gelegenheit, in dieser Rituale Ausbildung bei Yoga Vidya die kleine Puja, große P…
Sukadev Bretz, Shankari Winkelbauer
01.01.2027 - 10.01.2027 Yogalehrer Weiterbildung Intensiv A1 - Jnana Yoga und Vedanta

Kompakte, vielseitige Weiterbildung für Yogalehrer rund um Jnana Yoga und Vedanta.
Tauche tief ein ins Jnana Yoga und Vedanta, studiere die indischen S…
Vedamurti Dr Olaf Schönert

Chakras

Das Shri Chakra und die Körperchakras gehören zu unterschiedlichen, miteinander in Beziehung gesetzten Symbolordnungen. Eine Einführung unterstützt das Verständnis solcher Begriffe und verbindet es mit ruhiger Meditation.

16.10.2026 - 25.10.2026 Chakra-Kur - Reinigung der Chakras

Für die Reinigung der Chakras konzentrierst du dich unter Anleitung jeden Tag auf ein anderes Chakra. Die tägliche Meditation, Yoga Asanas und Pranyam…
Vani Devi Beldzik
18.10.2026 - 25.10.2026 Nada Yoga Grundausbildung

Nada Yoga bezeichnet das Jahrtausende alte Wissen um die Verbindung von Nada, dem Klang, den Nadis und Chakras (Energiebahnen und Körperzentren) und Na…
Anne-Careen Engel

Energiearbeit

Aufmerksamkeit für Prana, den Lebenshauch, kann die eigene Yogapraxis verfeinern. Angebote zur Energiearbeit geben Gelegenheit, Sammlung, Entspannung und einen bewussten Umgang mit den eigenen Kräften zu üben.

16.10.2026 - 25.10.2026 Chakra-Kur - Reinigung der Chakras

Für die Reinigung der Chakras konzentrierst du dich unter Anleitung jeden Tag auf ein anderes Chakra. Die tägliche Meditation, Yoga Asanas und Pranyam…
Vani Devi Beldzik
18.10.2026 - 23.10.2026 Tantra Vinyasa Yoga Ausbildung - Teil 2

Buchung nur nach Besuch von Teil 1 möglich (Termin: 18.-23.5.2025) möglich. www.yoga-vidya.de/ausbildung-weiterbildung
Vorkenntnisse: Lektüre der Bü…
Ravi Ott