Vamakeshvara Tantra

Aus Yogawiki

Vamakeshvara Tantra (Sanskrit: वामकेश्वरतन्त्र, IAST Vāmakeśvaratantra) bezeichnet hier den zusammengehörigen Überlieferungskomplex aus Nitya Shodashikarnava und Yogini Hridaya. Die vorliegende Gesamtfassung umfasst acht Kapitel in zwei Textteilen: fünf Kapitel der Vāmakeśvarīmata, die zum Textbestand des Nitya Shodashikarnava gehört, und drei Kapitel des Yogini Hridaya. Im Mittelpunkt steht Shakti, die göttliche Kraft, verehrt als Tripurasundari, die Schöne der drei Städte beziehungsweise Welten. Mantra, Meditation, Puja und das Shri Chakra, das heilige Diagramm der Göttin, erschließen unterschiedliche Zugänge zu dieser Wirklichkeit.[1] Für Aspiranten eignet sich besonders der separate Wiki Artikel Vamakeshvara Tantra Deutsche Lesefassung

Das Shri Yantra verbindet in der Shri Vidya die Betrachtung eines Diagramms mit der Verehrung der Göttin. Allgemeine Illustration, keine Abbildung der benutzten Edition.

Das Vamakeshvara Tantra lässt sich als Einladung zu einer aufmerksamen Begegnung mit Laut, Körper und Bewusstsein lesen. Sein erster Teil beginnt mit der Verehrung der Matrika, der göttlichen Mutter der Laute. Der zweite Teil fragt danach, wie das verehrte Diagramm, der gesprochene Mantra und die innere Erkenntnis zusammengehören. Wenn das Yogini Hridaya Bewusstsein als die natürliche Gestalt des Selbst beschreibt (II 1.50) oder die Göttin als das eigene Selbst erkennen lässt (II 2.72), berührt es eine Frage, die auch heutige Yogaübende begleiten kann: Wie wird aus äußerer Aufmerksamkeit eine bewusste Hinwendung zum eigenen inneren Erleben?

Zugleich ist dies eine historische Ritualschrift. Sie enthält genaue rituelle Zuordnungen, schwierige Lautchiffren, Geheimhaltungsgebote, Macht- und Schadensrituale sowie weitreichende Wirkungsbehauptungen. Die Übersetzung gibt auch diese Seiten wieder. Spirituelle Anregung entsteht hier durch ein waches Lesen, das Grundtext, Kommentar und eigene heutige Antwort unterscheidet.

Zum Umfang: Die Gesamtfassung enthält 378 nummerierte Blöcke in Teil I und 377 in Teil II, zusammen 755, jeweils mit deutschem Absatz; dazu kommen die zugehörigen unnummerierten Bestandteile. Anschließend folgt derselbe Sanskritbestand in Devanagari. Einzelne gestörte elektronische Lesungen, Chiffren und Deutungen bleiben offen und sind an Ort und Stelle bezeichnet. Vollständigkeit meint den Bestand der genau benannten Vorlagen, nicht sämtliche Varianten aller überlieferten Handschriften. Die beiden Teile wurden aus unterschiedlichen Quellen zusammengestellt; es wird keine einheitliche achtkapitelige Druckvorlage vorgetäuscht.

Titel, Werkverständnis und verwandte Artikel

Als gut lesbarer Artikeltitel dient Vamakeshvara Tantra; Vamakeshvaratantra ist die entsprechende Zusammenschreibung. Die wissenschaftliche Umschrift lautet Vāmakeśvaratantra. Tantra bezeichnet hier eine religiöse Lehrschrift. Der erste benutzte Teil trägt in seiner Ausgabe den Titel Vāmakeśvarīmatam: die Lehre oder Überlieferung der Vamakeshvari; mata bedeutet Lehre oder Auffassung. Der Name ist nicht allein aus seinem Klang mit einer bestimmten „linkshändigen“ Praxis gleichzusetzen.

Die Namen werden in den Quellen nicht überall im gleichen Umfang gebraucht. Der Cambridge-Handschriftenkatalog verzeichnet Vāmakeśvara, Vāmakeśvarīmata und Vāmakeśvaratantra als Alternativtitel zu Nityāṣoḍaśikārṇava.[2] Die Einleitung der Ausgabe von 1945 beschreibt darüber hinaus eine Gesamtordnung aus fünf Abschnitten und den drei Kapiteln des Yogini Hridaya. Jayarathas dort edierter Kommentar behandelt die fünf ersten Kapitel und zitiert das Yogini Hridaya an mehreren Stellen, ohne dessen drei Kapitel fortlaufend mit abzudrucken.[1]

Das Vamakeshvara Tantra ist in diesem Werkverständnis keine Inhaltszusammenfassung der beiden Schriften. Es ist ihr übergeordneter Überlieferungszusammenhang. Deshalb werden hier beide vollständigen verfügbaren Teiltexte wiedergegeben. Ihre eigene Kapitelzählung bleibt erhalten: I 1.1 bedeutet Teil I, Kapitel 1, Vers 1; II 1.1 bedeutet Teil II, Kapitel 1, Vers 1. Eine durchgehende ursprüngliche Zählung von 1 bis 8 wird nicht erfunden.

Nitya Shodashikarnava und Vamakeshvarimata

Teil I gehört zum gleichen Textbestand wie das Nitya Shodashikarnava. Dies wird durch den Kopf der bereitgestellten Sanskritdatei und durch entsprechende Textstellen belegt. Die hier benutzte Fassung bietet jedoch eigene Lesungen und eine teilweise abweichende Versabgrenzung. Beispielsweise entspricht die Frage nach der vollständigen Chakra-Verehrung in der bereitgestellten Nitya-Auswahl 1.24 hier I 1.23; die Nitya-Namen verteilen sich dort und hier unterschiedlich auf die Verse. Eine genaue Vergleichstabelle steht im Arbeitsarchiv.

Der bestehende Wiki-Artikel Nitya Shodashikarnava bietet bei der geprüften Revision neun ausgewählte Verse. Die hier wiedergegebenen fünf Kapitel erweitern diesen zugänglichen Übersetzungsbestand. Frühere Formulierungen wurden bei abweichendem Sanskrit nicht ungeprüft übernommen.[3]

Yogini Hridaya als zweiter Teil

Yoginīhṛdaya bedeutet „Herz der Yogini“: Herz im Sinne des inneren Kerns oder Geheimnisses. Die Göttin fragt gleich zu Beginn nach noch unverstandenen Bedeutungen „in diesem Vamakeshvara Tantra“ (II 1.1). Bhairava antwortet mit drei Schlüsseln: dem Verständnis von Chakra, Mantra und Verehrung (II 1.6). Diese drei Themen tragen seine drei Kapitel.

Der Wiki-Artikel Yogini Hridaya enthält bei der geprüften Revision dreißig ausgewählte Verse. Hier ist dagegen der vollständige nummerierte Bestand der benannten elektronischen Sanskritvorlage aufgenommen: 86, 85 und 206 Blöcke. Die vorhandene Wiki-Darstellung wurde für Orientierung und Schreibweisen berücksichtigt; die fehlenden Verse wurden aus Sanskrit neu übersetzt. Das Yogini Hridaya bleibt auch als eigener Artikel sinnvoll. Die Überschneidung ist in dieser Gesamtfassung ausdrücklich gewollt und sichtbar, nicht als neu entdeckte dritte Schrift ausgegeben.[4]

Hintergrund, Datierung und Editionsgeschichte

Das Vamakeshvara Tantra gehört zur Shri Vidya, der Überlieferung der Verehrung Tripurasundaris. Die Göttin erscheint als höchste Wirklichkeit, als Nitya-Göttinnen, als Mantra und als Gottheitenkreis. Lalita ist ein zentraler verwandter Name dieser Tradition; die Übersetzung ersetzt damit jedoch nicht pauschal jeden Namen Tripuras. Die Zusammengehörigkeit beider Teile beruht auf ausdrücklichen Titelbezügen und Editionszeugnissen, nicht bloß auf ähnlichen Gottheiten oder Begriffen.

Die religiöse Offenbarungsform ist ein Gespräch zwischen Devi und Bhairava, einer Gestalt Shivas. Daraus folgt keine historische Verfasserangabe. Eine genaue Entstehungszeit des fünfteiligen Grundtextes ist durch die hier geprüften Quellen nicht gesichert. Für das Yogini Hridaya nennt die Verlagsbeschreibung der Übersetzung von André Padoux und Roger-Orphé Jeanty ungefähr das 10. oder 11. Jahrhundert. Diese unsichere Einordnung darf nicht ohne Weiteres auf jede Textschicht des gesamten Vamakeshvara Tantra übertragen werden.[5]

Entstehung, spätere Redaktion, Alter einer Handschrift, Kommentierung und Druckjahr sind auseinanderzuhalten. Insbesondere sind 1945 als Editionsjahr von Teil I und 2007 als Datum seiner elektronischen Revision keine Entstehungsdaten des Tantra.

Textgrundlage von Teil I

Verwendet wurden die bereitgestellten IAST- und Devanagari-Dateien Muktabodha M00097, Revision 0 vom 16. Oktober 2007. Die Transkription entstand durch Mitarbeiter des Muktabodha Indological Research Institute unter Aufsicht von Mark S. G. Dyczkowski. Ihre Grundlage ist die Ausgabe Madhusudan Kaul Shastris von 1945 in den Kashmir Series of Texts and Studies, Band 66. Mitgedruckt ist Jayarathas Vāmakeśvarīmatavivaraṇa.[6]

Das sichtgeprüfte Vorwort nennt drei Vorlagen: eine Sharada-Handschrift des Research Department mit 63 Blättern, eine Abschrift des Department mit 109 Blättern und eine Sharada-Handschrift von Pandit Hara Bhatta Shastri mit 32 Blättern. Für die letzte wird „Samvat 61“ genannt; ohne sichere Bestimmung der Ära und des Jahrhunderts wird daraus hier keine christliche Jahreszahl berechnet. Die Handschriften selbst wurden nicht kollationiert. Grundtext und Kommentar wurden getrennt; die Rahmensprüche Jayarathas sind gesondert aufgenommen. Der fortlaufende Kommentar ist nicht vollständig übersetzt.

Textgrundlage von Teil II

Die unmittelbare Grundlage ist die Sanskrit-Documents-Transkription von Michael Magee. Sie umfasst alle drei Kapitel einschließlich eingeklammerter Zusätze und elektronischer Schlussangabe. Sie enthält zahlreiche Schreibfehler und nennt keine bestimmte Druckedition. Offensichtliche Schreibfehler wurden ausdrücklich redaktionell berichtigt; andere auffällige Formen bleiben erhalten. Die unveränderten und bearbeiteten Lesungen sind im Arbeitsarchiv einander zugeordnet. Reine Schreibberichtigungen sind dort vollständig protokolliert; inhaltlich wichtige Quellenentscheidungen und verbleibende Unsicherheiten stehen zusätzlich unmittelbar am Vers.[4]

Zur Prüfung schwieriger Stellen wurde zusätzlich ein Digitalisat des von Vrajavallabha Dwivedi bearbeiteten Yoginīhṛdayam mit Amritanandas Dīpikā und Hindi-Erläuterung benutzt. Sein Vorwort berichtet von den durch Gopinath Kaviraj herausgegebenen Teilen 1923 und 1924 sowie den Ausgaben 1963 und 1981. Dwivedi erklärt die Einbeziehung weiterer Handschriften aus Varanasi, Baroda und Udaipur. Der zugängliche Scan enthält kein verlässlich lesbares vollständiges Impressum; Jahr, Verlag und Reihe gerade dieser Bearbeitung bleiben deshalb hier unbestimmt. Eine Zugehörigkeit zu KSTS oder Tantrik Texts wird für diesen Scan nicht behauptet.[7]

Wesentliche Ergänzungen aus diesem Druck sind unmittelbar bezeichnet: der in der elektronischen Vorlage fehlende erste Halbvers von II 2.49, die erste Zeile von II 1.48 und abweichende Lesungen in II 2.51, II 3.108 und II 3.137. Die Dīpikā klärt außerdem die Lautdauern von II 1.29–1.34 und die Zahlenchiffre von II 3.189. Eine weitere gezielte Prüfung klärt unter anderem die Mantrazählung von II 2.66, die 27 Körperstellen bei II 3.27 sowie Lesungen und Satzbezüge in II 3.96, II 3.143–3.145 und II 3.199–3.201. Bei II 3.163 bleibt die belegte elektronische Variante gegenüber dem abweichenden Druckhaupttext sichtbar. Diese punktuelle Kollation ist keine vollständige Prüfung sämtlicher Verse am Druck.

Inhalt und vollständige Kapitelübersicht

Die Themenangaben beruhen auf dem für diese Bearbeitung gelesenen Grundtext; sie sind redaktionelle Orientierung, keine erfundenen Sanskrit-Kapiteltitel.

Teil und Kapitel Bestand Inhalt Devanagari
I, 1 1–168 Matrika-Anrufung; Tantraliste; Nityas; Shri Chakra; Lautchiffren, Meditation und Verehrung der Göttin. I, 1
I, 2 1–78 und unnummerierter Schluss-Halbvers Historische Anziehungs-, Schutz-, Unterwerfungs- und Schadensrituale; Diagramme und Wirkungsbehauptungen. I, 2
I, 3 1–28 und unnummerierter Schluss-Halbvers Mudras und ihre Handanordnungen, darunter Trikhanda, Khechari, Bija und Yoni. I, 3
I, 4 1–70, Nummer 58 zweimal; 71 Blöcke Shiva und Shakti; Erkennen, Handeln und Wollen; Keimsilben, Mantra-Waffen und Verehrung. I, 4
I, 5 1–33 Äußere und innere Verehrung; laute, leise und geistige Rezitation; Gebetsketten und Feueropfer. I, 5
II, 1 1–86 Schlüssel zum Chakra: Bewusstsein, Entstehung des Diagramms, Sprachstufen, Mudras und neun Teilchakras. II, 1
II, 2 1–85 Schlüssel zum Mantra: neun Vidyas und sechs Bedeutungsebenen; Elemente, Lautordnung, Lehrer und Selbst, Kundalini. II, 2
II, 3 1–206 einschließlich eingeklammerter und zusätzlicher Passagen Schlüssel zur Verehrung: drei Puja-Formen, sechsfaches Nyasa, Körper und Chakra, Gottheitenkreise, inneres Opfer, Rezitation und Geheimhaltung. II, 3

Die Summe von 755 nummerierten Blöcken ist nicht gleichbedeutend mit 755 überall unversehrten metrischen Doppelversen. Teil II enthält zum Beispiel längere Blöcke, eingeklammerte Zusatzzeilen und eine wiederholte Formulierung in II 2.33, die auch im geprüften Druck steht. Traditionelle Umfangsbezeichnungen wie „Vierhundert“ für den ersten Teil sind keine Aufforderung, fehlende Verse zu erfinden. Anrufungen, Sprecherangaben und Schlussstücke werden mit wiedergegeben. Die Schlussbezeichnung stotram im Yogini-Hridaya-E-Text bleibt als elektronische Schlussangabe erkennbar; sie macht aus der ganzen Schrift nicht ohne Weiteres eine Hymne.

Hinweise zur Lektüre

Vidya, wörtlich Wissen, meint häufig eine weiblich gedachte Mantraform; Bija eine Keimsilbe. Nyasa bezeichnet das rituelle Auflegen von Lauten oder Gottheiten auf den Körper. Mudra ist eine Geste oder ein Siegel. Chakra meint hier oft das Diagramm oder einen Gottheitenkreis, nicht automatisch ein Körperzentrum. Siddhi bedeutet Vollendung oder eine als außergewöhnlich vorgestellte Fähigkeit. Bindu ist ein Punkt, im Mantra auch ein nasaler Lautanteil; Nada der subtile Klang. Kala kann eine Kraft, einen Anteil oder eine bestimmte Entfaltungsstufe bezeichnen. Visarga heißt Aussendung und bezeichnet zugleich einen Laut beziehungsweise eine schöpferische Polarität. Technische Bedeutungen ergeben sich jeweils aus dem Zusammenhang.

Bei Lautchiffren können gewöhnliche Wörter wie Feuer oder Shiva für Sanskritlaute stehen. Keimsilben bleiben als Klangformen erhalten und erhalten keine erfundene Satzbedeutung. Nicht aufgelöste Chiffren werden auch nicht dadurch erklärt, dass man ihnen einen vertrauten spirituellen Namen gibt. Auslegungen Jayarathas und Amritanandas sind jeweils als Kommentar benannt.

Jeder nummerierte Block hat einen eigenen deutschen Absatz. Auslassungspunkte am Absatzrand zeigen einen Satzanschluss zum nächsten Vers, keine ausgelassene Übersetzung. Eckige Klammern im Deutschen kennzeichnen Ergänzungen und Hinweise. In Teil II sind eckige Klammern im Sanskrit bereits Zeichen der elektronischen Vorlage; ihr textkritischer Ursprung ist dort nicht erklärt. Sie werden bewahrt und nicht als selbständig geprüfte Handschriftenzusätze ausgegeben. Die technischen Lesungs- und Quellenvergleiche stehen im Arbeitsarchiv.

Historische Einordnung: Die folgenden Ritualanweisungen und Wirkungsbehauptungen sind Übersetzungen eines historischen Textes. Schadensrituale, Zwang gegen andere, problematische Stoffanwendungen und medizinische Versprechen werden damit nicht als heutige Praxis empfohlen. Die allgemeinen Anregungen nach dem Text vermitteln keine vollständige historische Ritualpraxis und ersetzen keine traditionsspezifische Diksha, Einweihung, oder Unterweisung.

Sanskrit in IAST und deutsche Übersetzung

Teil I: Vamakeshvarimata / Nitya Shodashikarnava

Dieser Teil folgt Muktabodha M00097 und umfasst dessen fünf Grundtextkapitel. Hinweise ohne Teilangabe innerhalb dieses Abschnitts beziehen sich auf Teil I.

Titel der Vorlage
atha
śrīvāmakeśvarīmatam
śrīmadrājānakajayarathaviracitavivaraṇopetam |
Nun die erhabene Vamakeshvarimata, versehen mit dem von Rajanaka Shri Jayaratha verfassten Kommentar.

Teil I, Kapitel 1

prathamaḥ paṭalaḥ |
Erstes Kapitel.

I 1.1
gaṇeśagrahanakṣatrayoginīrāśirūpiṇīm |
devīṃ mantramayīṃ naumi mātṛkāṃ pīṭharūpiṇīm || 1 ||
Ich verehre die Göttin, die aus Mantras besteht: Matrika, die Mutter der Laute, deren Gestalt Ganeshas, Planeten, Mondhäuser, Yoginis und Tierkreiszeichen sind und die die Gestalt der heiligen Sitze besitzt.

I 1.2
praṇamāmi mahādevīṃ mātṛkāṃ parameśvarīm |
kālahallohalollolakalanāśamakāriṇīm || 2 ||
Ich verneige mich vor der großen Göttin Matrika, der höchsten Herrin, die die gliedernde Bewegung der aufwogenden Unruhe der Zeit zur Ruhe bringt.

I 1.3
yadakṣaraikamātre'pi saṃsiddhe spardhate naraḥ |
ravitārkṣyendukandarpaśaṅkarānalaviṣṇubhiḥ || 3 ||
Wenn auch nur eine ihrer Silben vollkommen verwirklicht ist, wetteifert ein Mensch mit Sonne, Garuda, Mond, Liebesgott, Shankara, Feuer und Vishnu.

I 1.4
yadakṣaraśaśijyotsnāmaṇḍitaṃ bhuvanatrayam |
vande sarveśvarīṃ devīṃ mahāśrīsiddhamātṛkām || 4 ||
Ich verehre die Göttin, die Herrin aller, die herrliche, vollendete Matrika, durch deren Silbenmondlicht die drei Welten geschmückt sind.

I 1.5
yadakṣaramahāsūtraprotametajjagattrayam |
brahmāṇḍādikaṭāhāntaṃ vande tāṃ siddhamātṛkām || 5 ||
Ich verehre jene vollendete Matrika, auf deren großem Silbenfaden diese drei Welten bis zur Schale des Welteneies aufgereiht sind.

I 1.6
yadekādaśamādhārabījakoṇatrayodbhavam |
brahmāṇḍādikaṭāhāntaṃ jagadadyāpi dṛśyate || 6 ||
Die Welt bis zur Schale des Welteneies erscheint noch heute als aus den drei Ecken ihrer als Grundlage dienenden elften Keimsilbe [e] hervorgegangen.

Anmerkung: Jayaratha erläutert „ekādaśa“ ausdrücklich als den Vokal e. Die drei Ecken deutet er als Wollen, Erkennen und Handeln. Die Lautangabe [e] stammt aus dem Kommentar; sie wird nicht als zusätzliches Wort des Grundtextes ausgegeben.

I 1.7
akacādiṭatonnaddhapayaśākṣaravargiṇīm |
jyeṣṭhāṅgabāhuhṛtpṛṣṭhakaṭipādanivāsinīm || 7 ||
[Ich verehre sie,] deren Lautgruppen mit a, ka, ca, ṭa und ta beginnen und pa, ya und śa umfassen; sie wohnt im Haupt, in Armen, Herz, Rücken, Hüfte und Füßen. [Die auffällige Folge „akacādiṭatonnaddhapayaśā“ bleibt im Sanskrit unverändert; ihre Gliederung ist aus dem Kommentar erschlossen.]

I 1.8
tāmikārākṣaroddhārasārādhārāṃ parāparām |
praṇamāmi mahādevīṃ paramānandarūpiṇīm || 8 ||
Ich verneige mich vor jener großen Göttin, deren Gestalt höchste Wonne ist: der Höchsten und Nichthöchsten, deren wesentliche Grundlage die Heraushebung des Lautes i ist.

I 1.9
adyāpi yasyā jānanti na manāgapi devatāḥ |
keyaṃ kasmāt kva keneti svarūpārūpabhāvanām || 9 ||
Bis heute vermögen selbst die Gottheiten nicht im Geringsten zu erfassen, wie sie als gestaltetes und gestaltloses [Sein] zu denken ist: „Wer ist sie? Woher, wo und wodurch [ist sie]?“

Anmerkung: Der Bezug von yasyāḥ liegt bei der Göttin, nicht beim eigenen Wesen der Gottheiten. Jayaratha erklärt svarūpa als sattva (Sein) und arūpa als asattva (Nichtsein). Seine Deutung betrifft die Grenzen begrifflicher Bestimmung; der Vers bestreitet nicht einfach die Existenz der Göttin.

I 1.10
vande tāmahamakṣayyakṣakārākṣararūpiṇīm |
devīṃ kulakalollolaprollasantīṃ paraulijām || 10 ||
Ich verehre jene Göttin, deren Gestalt der unvergängliche Laut kṣa ist, die im Aufwogen der Kula-Kräfte erstrahlt und aus der höchsten Überlieferungsreihe hervorgeht. [„paraulijām“ wird hier mit Jayarathas Erklärung auf die höchste Reihe bezogen.]

Anmerkung: Die Devanagari-Datei hat anfangs eine abweichende Folge „akṣayayakṣa“. Sie wurde nach der IAST-Fassung und dem kontrollierten Druck S. 13 zu „akṣayyakṣa“ berichtigt; dies ist keine neue Handschriftenlesung.

I 1.11
vargānukramayogena yasyā mātraṣṭakaṃ sthitam |
vande tāmaṣṭavargotthamahāsiddhyaṣṭakeśvarīm || 11 ||
Ich verehre die Herrin der acht großen Vollkommenheiten, die aus den acht Lautgruppen hervorgehen; ihre acht Mütter sind gemäß der Reihenfolge dieser Gruppen angeordnet.

I 1.12
kāmapūrṇajakārākhyaśrīpīṭhāntarnivāsinīm |
caturājñākośabhūtāṃ naumi śrītripurāmaham || 12 ||
Ich preise Shri Tripura, die in den heiligen Sitzen namens Kama, Purna, Ja und [dem vierten] Shri Pitha wohnt und die Schatzkammer der vier Weisungsüberlieferungen ist. [Die verkürzten Sitznamen sind nicht stillschweigend ausgeschrieben.]

Sprecherwechsel: śrīdevy uvāca – Die erhabene Göttin sprach. [Aus der Kommentar-Einleitung übernommen.]

I 1.13
bhagavansarvamantrāśca bhavatā me prakāśitāḥ |
catuṣṣaṣṭistu tantrāṇi mātṛṇāmuttamāni tu || 13 ||
Erhabener, du hast mir alle Mantras offenbart und die vierundsechzig vorzüglichen Tantras der Muttergöttinnen:

I 1.14
mahāmāyā śambaraṃ ca yoginī jālaśambaram |
tattvaśambarakaṃ devaṃ bhairavāṣṭakameva ca || 14 ||
Mahāmāyā, Śambara, Yoginījālaśambara, Tattvaśambaraka, o Gott, und die acht Bhairava-[Tantras]; [die Lesung „devaṃ“ statt einer Anredeform ist auffällig.]

I 1.15
bahurūpāṣṭakaṃ jñānaṃ yāmalāṣṭakameva ca |
candrajñānaṃ vāsukiṃ ca mahāsaṃmohanaṃ tathā || 15 ||
Die acht Bahurūpa-[Texte], Jñāna und die acht Yāmala-[Texte], Candrajñāna, Vāsuki und Mahāsaṃmohana;

I 1.16
mahocchuṣmaṃ mahādeva vāthulaṃ ca nayottaram |
hṛdbhedaṃ mātṛbhedaṃ ca guhyatantraṃ ca kāmikam || 16 ||
Mahocchuṣma, o Mahadeva, Vāthula, Nayottara, Hṛdbheda, Mātṛbheda, Guhyatantra und Kāmika;

I 1.17
kālapādaṃ kālasāraṃ tathānyat kubjikāmatam |
nayottaraṃ ca vīṇādyaṃ trotulaṃ bhrātulottaram || 17 ||
Kālapāda, Kālasāra und ferner Kubjikāmata, Nayottara und den mit Vīṇā beginnenden [Titel], Troṭula [Vorlage: trotula] und Bhrātulottara. [Die erneute Nennung von Nayottara bleibt erhalten.]

I 1.18
pañcāmṛtaṃ rūpabhedaṃ bhūtoḍḍāmarameva ca |
kulasāraṃ kuloḍḍīśaṃ kulacūḍāmaṇiṃ tathā || 18 ||
Pañcāmṛta, Rūpabheda, Bhūtoḍḍāmara, Kulasāra, Kuloḍḍīśa und Kulacūḍāmaṇi;

I 1.19
sarvajñānottaraṃ deva mahāpicumataṃ tathā |
mahālakṣmīmataṃ deva siddhayogīśvarīmatam || 19 ||
Sarvajñānottara, o Gott, Mahāpicumata, Mahālakṣmīmata und Siddhayogīśvarīmata;

I 1.20
kurūpikāmataṃ deva rūpikāmatameva ca |
sarvavīramataṃ deva vimalāmatameva ca || 20 ||
Kurūpikāmata, o Gott, Rūpikāmata, Sarvavīramata und Vimalāmata;

I 1.21
aruṇeśaṃ modaneśaṃ viśuddheśvarameva ca |
evametāni śāstrāṇi tathānyānyapi koṭiśaḥ || 21 ||
Aruṇeśa, Modaneśa und Viśuddheśvara: diese Schriften und unzählige weitere,

I 1.22
bhavatoktāni me deva sarvajñānamayāni ca |
vidyāḥ ṣoḍaśa deveśa sūcitā na prakāśitāḥ || 22 ||
... die alles Wissen enthalten, hast du mir gelehrt, o Gott. Die sechzehn Vidyas jedoch, Herr der Götter, wurden angedeutet, aber nicht offenbart.

I 1.23
idānīṃ śrotumicchāmi tāsāṃ nāmāni śaṅkara |
ekaikacakrapūjāṃ ca paripūrṇāṃ samantataḥ || 23 ||
Jetzt möchte ich, o Shankara, ihre Namen hören und die Verehrung jedes einzelnen Chakra, vollständig nach allen Seiten hin,

I 1.24
anekadevatānāmamantramudrāgaṇaiḥ saha |
[śrībhairava uvāca – Sprecherangabe aus der Kommentar-Einleitung]
śṛṇu devi mahājñānaṃ vidyāṣoḍaśakārṇa-vam || 24 ||
... zusammen mit den Namen, Mantras und Mudra-Gruppen der zahlreichen Gottheiten. [Bhairava antwortet:] Höre, Göttin, das große Wissen, den Ozean der sechzehn Vidyas.

Anmerkung: Zwischen den beiden Halbversen steht im erklärenden Text der Sprecherwechsel zu Bhairava. Er gehört innerhalb dieser Versnummer an den Beginn der Antwort, nicht vor die Bitte der Göttin.

I 1.25
na kasyacinmayākhyātaṃ sarvatantreṣu gopitam |
tatrādau prathamā nityā mahātripurasundarī || 25 ||
Niemandem habe ich es mitgeteilt; in allen Tantras wird es verborgen gehalten. Darin ist zunächst die erste Nitya Mahatripurasundari.

I 1.26
tataḥ kāmeśvarī nityā nityā ca bhagamālinī |
nityaklinnāpi hi tathā bheruṇḍā vahnivāsinī || 26 ||
Danach [folgen] die Nitya Kameshvari und die Nitya Bhagamalini, ferner Nityaklinna, Bherunda und Vahnivasini;

I 1.27
mahāvidyeśvarī dūtī tvaritā kulasundarī |
nityā nīlapatākā ca vijayā sarvamaṅgalā || 27 ||
Mahavidyeshvari, Duti, Tvarita und Kulasundari, Nitya, Nilapataka, Vijaya und Sarvamangala;

I 1.28
jvālāmālivicitrā cetyevaṃ nityāstu ṣoḍaśa |
śṛṇu devi mahānityāmādau tripurasundarīm || 28 ||
Jvalamali und Vichitra: So sind es sechzehn Nityas. Höre zuerst von der großen Nitya Tripurasundari. [„jvālāmālivicitrā“ wird hier als zwei Namen gegliedert; andere Fassungen haben abweichende Namensformen.]

I 1.29
yayā vijñātayā devi jagatkṣobhaḥ prajāyate |
śaktyā śaktiṃ vinirbhidya bhūyo vahnipureṇa tu || 29 ||
Wenn sie erkannt wird, Göttin, entsteht Erregung in der Welt. Nachdem man ein Shakti-[Dreieck] mit einem Shakti-[Dreieck] durchdrungen und ferner mit dem Feuerdreieck ...

I 1.30
saṃpuṭīkṛtya sarvordhvaśaktiṃ vistārayedadhaḥ |
tathaiva vahnicakreṇa tāmevordhvaṃ vibhedayet || 30 ||
... eingeschlossen hat, erweitere man das oberste Shakti-[Dreieck] nach unten. Ebenso durchdringe man es nach oben mit dem Feuer-Chakra.

I 1.31
tata ūrdhvasthitāṃ śaktimūrdhvaṃ vistārayet kramāt |
punarādyaṃ vahnicakramadho vistārya sundari || 31 ||
Dann erweitere man das oben befindliche Shakti-[Dreieck] schrittweise nach oben. Nachdem man wiederum das erste Feuer-Chakra nach unten erweitert hat, Schöne,

I 1.32
granthibhedakrameṇaiva śaktimādyāṃ vibhedayet |
tathā sarvordhvavahnyantaśaktiṃ vistārayedadhaḥ || 32 ||
... durchdringe man das erste Shakti-[Dreieck] in der Reihenfolge der Schnittpunkte. Ebenso erweitere man das Shakti-[Dreieck] am Ende des obersten Feuers nach unten.

I 1.33
tāmādicakrādhaḥśaktyā vahninordhvaṃ vibhedayet |
punaḥ pūrvavadevādyāṃ śaktiṃ vistārya bhedayet || 33 ||
Man durchdringe es nach oben mit dem Feuer, [ausgehend] von der Shakti unter dem ersten Chakra. Wiederum erweitere man wie zuvor die erste Shakti und durchdringe ...

I 1.34
ūrdhvavahnim - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - - - - adhovahnimadhye vahnivivarjitam |
vistārya bhedayecchaktimadhastādūrdhvavahninā || 34 ||
... das obere Feuer; inmitten des unteren Feuers, ohne Feuer, erweitere und durchdringe man die Shakti von unten mit dem oberen Feuer. [Vorläufige geometrische Übersetzung: Die genaue Zuordnung von „vahnivivarjitam“ ist nicht gesichert. Die Strichfolgen stehen zwischen getrennt kommentierten Fragmenten.]

Anmerkung: Die geometrischen Verse 1.29–1.41 sind sprachlich übertragen, aber nicht durch eine unabhängig rekonstruierte Zeichnung verifiziert. Feuer und Shakti sind hier auch Bezeichnungen von Dreiecken.

I 1.35
ato madhyādiśaktyūrdhvaśaktiṃ vistārayedadha. |
tathaiva saṃpuṭīkuryāt sarvaṃ cakraṃ sureśvari || 35 ||
Dann erweitere man die Shakti oberhalb der mittleren ursprünglichen Shakti nach unten. Auf diese Weise schließe man das gesamte Chakra ein, Herrin der Götter. [„adha.“ steht so in der Vorlage; als „nach unten“ verstanden.]

I 1.36
tāṃ ca tena maheśāni vahnicakreṇa bhedayet |
granthibhedakrameṇādhaḥ sarvordhvātsarvabāhyataḥ || 36 ||
Man durchdringe sie, große Herrin, mit jenem Feuer-Chakra, in der Reihenfolge der Schnittpunkte nach unten, vom Allerobersten und vom Alleräußersten her,

I 1.37
madhyordhvaśaktiparyantam - - - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - - - - - - - ādiśaktyavadhipriye |
tato bāhyasthaśaktyantaḥśaktimūrdhvaṃ vikāsayet || 37 ||
... bis zur mittleren oberen Shakti, bis zur ursprünglichen Shakti, Geliebte. Dann entfalte man nach oben die Shakti innerhalb der äußeren Shakti. [Die beiden Grenzangaben bedürfen einer Überprüfung am Diagramm.]

I 1.38
sarvordhvavahnyadhovahniparyantaṃ vīravandite |
tathā vistārayecchaktimādyāmapyūrdhvamīśvari || 38 ||
Bis zum Feuer unter dem obersten Feuer, du von Helden Verehrte, erweitere man ebenso auch die ursprüngliche Shakti nach oben, Herrin.

I 1.39
tayā vibhedayedvahnicakraṃ sarvordhvasaṃsthitam |
sarvordhvavahnyadhobhāgagranthiparyantataḥ priye || 39 ||
Mit ihr durchdringe man das ganz oben befindliche Feuer-Chakra bis zum Schnittpunkt unter dem obersten Feuer, Geliebte.

I 1.40
vistārya vāhyaśaktiṃ tu sarvādhastādvibhedayet | *
tataḥ sṛṣṭyā mahācakraṃ prathamaṃ tu hutāśanam || 40 ||
Nachdem man die äußere Shakti erweitert hat, durchdringe man sie von ganz unten. Dann [ist] im großen Chakra das erste Feuer durch Schöpfung [bestimmt],

I 1.41
madhye tu dvitayaṃ sthityā saṃhāraṃ pañcamaṃ ca yat |
evametanmahācakraṃ mahāśrītripurāmayam || 41 ||
... die beiden mittleren durch Erhaltung und das fünfte durch Auflösung. So besteht dieses große Chakra aus der erhabenen Shri Tripura. [Welche fünf Glieder die Kurzfassung hier zählt, bleibt ohne gesicherten Diagrammabgleich offen.]

I 1.42
kledanaṃ drāvaṇaṃ caiva kṣobhaṇaṃ mohanaṃ tathā |
ākarṣaṇaṃ mahādevi jambhanaṃ stambhanaṃ tathā || 42 ||
[Seine Wirkungen sind] Befeuchten, Schmelzen, Erregen, Verblenden, Heranziehen, o große Göttin, Überwältigen und Stillstellen;

I 1.43
vyādhidāridryaśamanaṃ sarvadurnītināśanam |
śāntipuṣṭidhanārogyamantrasiddhikaraṃ param || 43 ||
[Das Chakra] besänftigt Krankheit und Armut, vernichtet alle schlechte Führung und bewirkt in höchstem Maße Frieden, Gedeihen, Wohlstand, Gesundheit und Mantra-Vollendung.

Anmerkung: Nach dem sichtbaren Haupttext der Ausgabe von 1945, S. 30, zu vyādhidāridryaśamanam berichtigt: „Besänftigung von Krankheit und Armut“. Die elektronische Erfassung hat vyādhidāsviśamanam. Beide Schriftfassungen sind entsprechend berichtigt; keine Handschriftenkonjektur.

I 1.44
bhogadaṃ mokṣadaṃ caiva khecaratvapravartakam |
sarvarakṣākaraṃ devi sarvānandakaraṃ tathā || 44 ||
Es gibt Genuss und Befreiung, bringt das Wandeln im Luftraum hervor, gewährt allen Schutz, Göttin, und bewirkt alle Wonne.

I 1.45
sarvakarmakaraṃ cāpi sarvakāryārthasādhakam |
sarvāveśakaraṃ devi sarvavedhakaraṃ punaḥ || 45 ||
Es vollbringt alle Handlungen, verwirklicht jedes Vorhaben, bewirkt jedes Eintreten [einer Kraft in einen Menschen] und jedes Durchdringen.

I 1.46
sarvatattvakaraṃ devi sarvājñānilayaṃ tathā |
sarvarddhisaṃyutaṃ caiva sarvaśreyaskaraṃ param || 46 ||
Es bringt alle Wirklichkeitsprinzipien hervor, ist die Stätte aller Weisungen, mit aller Fülle verbunden und bewirkt das höchste Wohl.

I 1.47
sarvamantramayaṃ devi sarvatīrthamayaṃ punaḥ |
sarvavratamayaṃ caiva sarvāmṛtamayaṃ tathā || 47 ||
Es besteht aus allen Mantras, aus allen heiligen Stätten, aus allen Gelübden und aus allem Unsterblichkeitsnektar.

I 1.48
sarvaduḥkhapraśanaṃ sarvaśokanivāraṇam |
sarvonmādakaraṃ devi sarvayogīśvarīmayam || 48 ||
Es beruhigt alles Leiden, beseitigt jeden Kummer, bewirkt jede Raserei und besteht aus allen Herrinnen des Yoga. [„sarvaduḥkhapraśanam“ wird als Beruhigung des Leidens verstanden.]

I 1.49
sarvapīṭhamayaṃ devi sarvajñānamayaṃ priye |
sarvadevamayaṃ devi sarvāhlādanakārakam || 49 ||
Es besteht aus allen heiligen Sitzen, aus allem Wissen und aus allen Gottheiten, Göttin, und bewirkt jede Freude.

I 1.50
sarvadaurbhāgyaśamanaṃ sarvavighnanivāraṇam |
sarvasiddhikaraṃ cakraṃ sarvāśāparipūrakam || 50 ||
Dieses Chakra besänftigt alles Unglück, beseitigt alle Hindernisse, gewährt alle Vollkommenheiten und erfüllt sämtliche Hoffnungen.

I 1.51
raudrābhicārakoccaṇḍaparamantraughabhakṣakam |
parasiddhyākarṣaṇaṃ ca parājñākarṣaṇaṃ tathā || 51 ||
Es verschlingt die Scharen fremder Mantras, die durch heftige Schadenszauberei gewaltig sind; es zieht die Vollkommenheiten und die Weisungsgewalt anderer an sich.

I 1.52
parasainyastambhakaṃ ca paravijñānamohanam |
paravaktrastambhakaṃ ca śastrastambhanakaṃ param || 52 ||
Es hält feindliche Heere auf, verwirrt fremde Erkenntnis, lässt fremde Münder verstummen und bringt Waffen zum Stillstand.

I 1.53
mahācamatkārakaraṃ mahābhuktipravartakam | *
mahāvaśyakaraṃ devi mahāsaubhāgyadāyakam || 53 ||
Es bewirkt großes Staunen, eröffnet großen Genuss, bringt große Unterwerfung hervor und verleiht großes Glück.

I 1.54
mahājvaraharaṃ devi mahāviṣaharaṃ param |
mahāmṛtyupraśamanaṃ mahābhayavināśanam || 54 ||
Es nimmt schweres Fieber und starkes Gift hinweg, beruhigt die große Todesgefahr und vernichtet große Furcht.

I 1.55
mahāpurakṣobhakaraṃ mahāsukhaśubhapradam |
mahālakṣmīmayaṃ devi mahāmaṅgalyadāyakam || 55 ||
Es versetzt große Städte in Erregung, gewährt großes Glück und Heil, besteht aus großer Fülle und verleiht großen Segen.

I 1.56
mahāprabhāvasaṃyuktaṃ mahāpātakanāśanam |
evametasya cakrasya prabhāvo varṇituṃ mayā || 56 ||
Es besitzt große Macht und vernichtet schwere Verfehlungen. Die Wirkkraft dieses Chakra kann ich auf diese Weise ...

I 1.57
na śakyate mahādevi kalpakoṭiśatairapi |
etadvāhyagataṃ padmamaṣṭapatraṃ samālikhet || 57 ||
... selbst in Hunderten von Millionen Weltaltern nicht beschreiben, große Göttin. Außerhalb davon zeichne man einen achtblättrigen Lotus.

I 1.58
tadbāhyato'pi deveśi ṣoḍaśāraṃ tathaivaca |
pariveśasamāyuktaṃ caturdvāropaśobhitam || 58 ||
Außerhalb davon ebenso einen sechzehnblättrigen [Lotus], Herrin der Götter, mit Umfassung versehen und durch vier Tore geschmückt.

I 1.59
saṃsthitā tu mahācakre mahātripurasundarī |
śṛṇu devi yathā sā tu pūjyate sādhakottamaiḥ || 59 ||
Mahatripurasundari befindet sich im großen Chakra. Höre, Göttin, wie die vorzüglichsten Übenden sie verehren.

I 1.60
vargānukramayogena devatāṣṭakasaṃyutā |
avargaḥ prathamo devi vaśinī tatra devatā || 60 ||
Sie ist mit acht Gottheiten entsprechend der Reihenfolge der Lautgruppen verbunden. Die erste ist die a-Gruppe; ihre Gottheit ist Vashini.

I 1.61
tatparastu kavargo yastatra kāmeśvarī sthitā |
modinī tu cavargasthā ṭavarge vimalā tathā || 61 ||
Danach kommt die ka-Gruppe, in der Kameshvari wohnt; Modini befindet sich in der ca-Gruppe und Vimala in der ṭa-Gruppe.

I 1.62
aruṇā tu tavargasthā pavarge jayinī sthitā |
sarveśvarī yavarge tu śavarge kaulinīti ca || 62 ||
Aruna befindet sich in der ta-Gruppe, Jayini in der pa-Gruppe, Sarveshvari in der ya-Gruppe und Kaulini in der śa-Gruppe.

I 1.63
etā vargāṣṭake devi aṣṭāvevahi devatāḥ |
arcitāḥ puruṣasyāśu prakurvanti vaśaṃ jagat || 63 ||
Diese acht Gottheiten gehören zu den acht Lautgruppen. Verehrt, unterstellen sie einem Menschen rasch die Welt.

Matrika bezeichnet die göttliche Ordnung der Laute. Die Abbildung illustriert das Thema, nicht die einzelnen Chiffren dieser Ausgabe.

I 1.64
uddharetprathamaṃ rephaṃ tadadhaḥ kuṭilāntagam |
tadapyavanibījasthaṃ ṣaṣṭhasvarasamanvitam || 64 ||
Zuerst hebe man repha [r] heraus, darunter den Laut nach kuṭila [nach dem Kommentar v]; auch diesen setze man auf die Erdkeimsilbe [l], verbunden mit dem sechsten Vokal [ū].

Anmerkung: Die Lautangaben in eckigen Klammern stammen aus Jayarathas unmittelbar folgendem Kommentar. Seine Ergebnisform „rblū/“ stimmt nicht glatt mit der zuvor genannten Folge r–v–l–ū überein. Der Schrägstrich ist ein Erfassungszeichen der E-Text-Mantraform und wird nicht als Sanskritwort übersetzt.

I 1.65
ūrdhvamardhendubindvāḍhyaṃ kārayetparameśvari |
etattadvaśinībījaṃ yoginīnāṃ mukhe sthitam || 65 ||
Oben versehe man [die Verbindung] mit Halbmond und Punkt, höchste Herrin. Das ist Vashinis Keimsilbe, die im Mund der Yoginis wohnt. [Der Kommentar schreibt „rblū/“, obwohl er zuvor v erklärt; diese Abweichung bleibt ungeklärt.]

I 1.66
dvitīyavargātprathamamaindrārūḍhaṃ maheśvari |
adhastānnābhasaṃ bījamāgneyasthaṃ samuddharet || 66 ||
Man hebe den ersten Laut der zweiten Gruppe [k], auf Indra [l] ruhend, heraus; darunter die Himmelskeimsilbe [h], auf Feuer [r] ruhend, höchste Herrin,

I 1.67
caturthasvarasaṃyuktaṃ bindukhaṇḍendvalaṅkṛtam |
etatkāmeśvarībījaṃ trailokyakṣobhakārakam || 67 ||
... verbunden mit dem vierten Vokal [ī], mit Punkt und Mondsichel geschmückt. Das ist Kameshvaris Keimsilbe, die die drei Welten erregt.

I 1.68
aruṇāpañcamasyādho vāruṇaṃ viniyojayet |
tadadho'pīndrabījaṃ tu sarvordhvabhiparaṃ priye || 68 ||
Unter den fünften Laut [n] der Aruna-[Gruppe] setze man den Wasserlaut [v]; darunter Indras Keimsilbe [l], ganz oben [den Punkt], mit ī verbunden, Geliebte. [Die Lautzuordnung folgt Jayaratha; die Erfassung „sarvordhvabhiparam“ bleibt auffällig.]

I 1.69
etattanmodinībījaṃ sarvatattvavaśaṅkaram |
vāyavyamindrabījasthaṃ ṣaṣṭhasvarasamanvitam || 69 ||
Das ist Modinis Keimsilbe, die alle Wirklichkeitsprinzipien unterwirft. Den Windlaut [y] setze man auf Indras Keimsilbe [l], verbunden mit dem sechsten Vokal [ū],

I 1.70
ardhendumastakākrāntaṃ bindunā paribhūṣitam |
etatte kathitaṃ devi vimalābījamuttamam || 70 ||
... mit dem Halbmond oben und dem Punkt geschmückt. Damit habe ich dir Vimalas vorzügliche Keimsilbe erklärt,

I 1.71
sarvapāpakṣayakaraṃ sarvopadravanāśanam |
jakāraṃ kālamārūḍhaṃ tadadho jvalanākṣaram || 71 ||
... die alle Verfehlungen aufhebt und alle Bedrängnisse vernichtet. Man setze j auf Kala [m] und darunter den Feuerlaut [r],

I 1.72
caturthasvarasaṃbhinnaṃ bindunādasamanvitam |
etattadaruṇābījamaruṇaṃ sarvamohanam || 72 ||
... durchsetzt mit dem vierten Vokal [ī], versehen mit Punkt und Klang. Das ist Arunas rote, alles bezaubernde Keimsilbe.

I 1.73
śivabījaṃ tadādisthamadhastādaindravāruṇau |
vāyavyamuparodbhinnaṃ saṃyojya parameśvari || 73 ||
Man verbinde Shivas Keimsilbe [h] mit dem davorstehenden [s], darunter Indra und Wasser [l, v], ferner Wind [y], durchsetzt mit dem nach u kommenden [ū], höchste Herrin.

I 1.74
jayinībījamevedaṃ nādabinduvibhūṣitam |
uddharenmodinīvargacaturthaṃ parameśvari || 74 ||
Dies ist Jayinis Keimsilbe, mit Klang und Punkt geschmückt. Man hebe den vierten Laut von Modinis Gruppe [jh] heraus, höchste Herrin,

I 1.75
adhaḥ kālāgnivāyavyān krameṇa viniyojayet |
dīrghāyurbījasaṃyuktānyathānukramayogataḥ || 75 ||
... und setze darunter nacheinander Kala, Feuer und Wind [m, r, y], verbunden mit der Keimsilbe langen Lebens [ū], in der angegebenen Reihenfolge,

I 1.76
uparīśvarabindvantānekatra surasundari |
etatsarveśvarībījaṃ sarvatraivāparājitam || 76 ||
... alles zusammen, oben abgeschlossen mit Ishvara und Punkt, Schöne unter den Göttern. Das ist Sarveshvaris Keimsilbe, die überall unbesiegt ist. [Die genaue graphische Funktion von „īśvara“ ist hier nicht unabhängig geklärt.]

I 1.77
kaulinīpañcamaṃ devi kālabījoparisthitam |
sarvādhastādapi tathā vahnibījaṃ niyojayet || 77 ||
Den fünften Laut von Kaulini [kṣ] setze man über Kalas Keimsilbe [m]; ganz darunter setze man die Feuerkeimsilbe [r],

I 1.78
caturthasvarasaṃyuktaṃ bindvindusamalaṅkṛtam |
etadbījavaraṃ bhadre kaulinīrūpamāsthitam || 78 ||
... verbunden mit dem vierten Vokal [ī] und geschmückt mit Punkt und Mond. Diese vorzügliche Keimsilbe, Gütige, trägt Kaulinis Gestalt.

I 1.79
evametāni bījāni kramādaṣṭau maheśvari |
kathitāni mahādevi - - - - - - - - - - - - - - - -
- - - - - - - - - - śṛṇu vidyāṅgarūpiṇīḥ || 79 ||
So wurden diese acht Keimsilben der Reihe nach erklärt, höchste Herrin, große Göttin. Höre nun die [Vidyas], die Glieder der Vidya bilden.

I 1.80
karaśuddhikarīṃ vidyāṃ tathāṅganyāsasaṃsthitām |
ātmāsanagatāṃ cāpi tathā cakrāsanasthitām || 80 ||
[Höre] die Vidya zur Reinigung der Hände, die für das Auflegen auf die Körperglieder, die zum eigenen Sitz gehörende und die auf dem Chakra-Sitz befindliche,

I 1.81
sarvamantrāsanagatāṃ sādhyasiddhāsanasthitām |
devyāvāhanavidyāṃ ca - - - - - - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - - - - - - - -mūlavidyāmapi priye || 81 ||
... die auf dem Sitz aller Mantras befindliche, die zum Sadhya-Siddha-Sitz gehörende, die Vidya zur Anrufung der Göttin und auch die Grundvidya, Geliebte.

I 1.82
vāgbhavaṃ prathamaṃ devi kāmarājaṃ dvitīyakam |
śāntāntaṃ kādisaṃyuktamaikārāntāntayojitam || 82 ||
Zuerst [nehme man] Vagbhava, Göttin, als Zweites Kamaraja; [als Drittes] den Laut nach dem auf ś Folgenden, verbunden mit dem vor ka Stehenden und mit dem nach dem auf ai Folgenden. [Jayaratha erklärt den dritten Teil als sauḥ; gemeint sind Lautoperationen, kein gewöhnlicher Satz.]

I 1.83
eṣā vidyā maheśāni karaśuddhikarī smṛtā |
e-omadhyagataṃ bījaṃ vāgvidhānāya kevalam || 83 ||
Diese Vidya gilt als Reinigung der Hände, höchste Herrin. Die zwischen e und o befindliche Keimsilbe, allein [mit Punkt], dient der Sprache,

I 1.84
rudrayāmalatantre tu nirdiṣṭaṃ paramākṣaram |
mādanaṃ śakrasaṃyuktaṃ caturthasvarasaṃyutam || 84 ||
... als höchster Laut im Rudrayamala Tantra bezeichnet. [Sodann] den zu Madana gehörenden Laut [k], verbunden mit Shakra [l] und dem vierten Vokal [ī],

I 1.85
ūrdhvamardhendubindvāḍhyam - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - - - - - - - - - ādyante tatparaṃ punaḥ |
śāntāntaṃ kādisaṃyuktamaikārāntāntayojitam || 85 ||
... oben mit Halbmond und Punkt versehen; am Ende des ersten [Gliedes] wiederum das darauf Folgende: den Laut nach dem auf ś Folgenden, mit dem vor ka Stehenden und mit dem nach dem auf ai Folgenden verbunden. [Der Satz wechselt zwischen der Erklärung von klīṃ und der umgestellten Gliederfolge aiṃ sauḥ klīṃ; die Deutung folgt Jayaratha.]

I 1.86
eṣā vidyā mahāvidyā yoginīnāṃ mahodayā |
kulavidyā maheśāni sarvakāryārthasādhakī || 86 ||
Diese große Vidya bringt den Yoginis großen Aufgang [ihrer Kraft]; sie ist die Kula-Vidya, höchste Herrin, und verwirklicht jedes Vorhaben.

I 1.87
anayā vidyayā gauri rakṣāmātmani kārayet |
etasyā eva vidyāyāḥ śivamāyāgnibindumat || 87 ||
Mit dieser Vidya bewirke man Schutz für sich selbst, Gauri. Von eben dieser Vidya [nehme man] die mit Shiva, Maya, Feuer und Punkt versehene ...

I 1.88
bījamādipade yuktvāṃ kāryātmāsanarūpiṇī |
punarvidyādyamasyordhvamantarantaṃ śivānvitam || 88 ||
... Keimsilbe [hrīṃ] an die Stelle des ersten Gliedes und bilde so die Vidya des eigenen Sitzes. Wiederum [verbinde man] das erste, mittlere und letzte Glied der Vidya oben mit Shiva [h]. [Für diesen zweiten Satz diskutiert Jayaratha zwei überlieferte Deutungen; keine davon wird als einzig mögliche ausgegeben.]

Anmerkung: Jayaratha stellt unterschiedliche Deutungen gegenüber, die er Ishvarashiva und Shankararashi zuordnet. Seine Erklärung ist daher selbst ein Zeugnis von Auslegungsvielfalt; keine harmonisierte Lautfolge wurde als Grundtext eingesetzt.

I 1.89
trailokyamohanīyaṃ sā vidyā cakrāsanasthitā |
punarādyāṃ mahāvidyāṃ śivacandrasamanvitām || 89 ||
Diese auf dem Chakra-Sitz befindliche Vidya bezaubert die drei Welten. Wiederum die ursprüngliche große Vidya mit Shiva und Mond [h und s] ...

I 1.90
kṛtvā kāmapradā vidyā sarvamantrāsanasthitā |
devyātmāsanavidyāyāḥ pūrvoktāyā yathākramam || 90 ||
... versehen, [ergibt] die wunscherfüllende Vidya auf dem Sitz aller Mantras. Bei der zuvor erklärten Vidya des eigenen Sitzes der Göttin, der Reihe nach,

I 1.91
antadeśe toyabinduśakraśaktīranukramāt |
saṃyojya parameśāni sākamardhendunā tataḥ || 91 ||
... verbinde man am Ende Wasser, Punkt, Shakra und Shakti [v, ṃ, l, ī] in ihrer Folge zusammen mit dem Halbmond, höchste Herrin.

I 1.92
kevalākṣarabhedena vidyā sādhyāsanasthitā |
haṃsasomasamārūḍhāmādyāmagnyāsanasthitām || 92 ||
Durch diese Änderung der einzelnen Silbe entsteht die Vidya auf dem Sadhya-Sitz. Die ursprüngliche [Vidya], auf Hamsa und Soma [h, s] gesetzt und auf dem Feuersitz [r] befindlich,

I 1.93
sarvārthasādhakī vidyā devyāvāhanakarmaṇi |
evametā mahāvidyā devi sarvārthasiddhidāḥ || 93 ||
... ist die alle Ziele verwirklichende Vidya für die Anrufung der Göttin. So verleihen diese großen Vidyas, Göttin, die Erfüllung aller Ziele.

I 1.94
mahātripurasundaryāṃ mūlavidyāṃ śṛṇu priye |
mādanaṃ tadadhaḥ śaktistadadho bindumālinī || 94 ||
Höre die Grundvidya Mahatripurasundaris, Geliebte: Madana [k], darunter Shakti [e], darunter Bindumalini [ī],

Anmerkung: Die drei Mantraglieder von 1.94–1.101 werden hier nach der vorliegenden Chiffrensprache übertragen. Die Ergebnisformen des Kommentars werden im Arbeitsarchiv dokumentiert. Eine geläufige Panchadashi-Folge wurde nicht an ihre Stelle gesetzt.

I 1.95
aindramākāśabījasthamadhastājjvalanākṣaram |
māyābindvīśvarayutā sarvopari niyojitā || 95 ||
... Indra [l], auf der Himmelskeimsilbe [h] ruhend, darunter der Feuerlaut [r]; Maya [ī], mit Punkt und Ishvara verbunden, wird ganz darüber gesetzt. [Die Funktionszuordnung folgt dem Kommentar; daraus darf nicht unbesehen ein standardisiertes Mantra anderer Fassungen eingesetzt werden.]

I 1.96
ayaṃ sa vāgbhavo devi vāgīśatvapravartakaḥ |
śivabījaṃ tridhā yuṅktvā sṛṣṭisthitilayakramaiḥ || 96 ||
Dies ist Vagbhava, Göttin, der Herrschaft über die Sprache hervorbringt. Nachdem man Shivas Keimsilbe dreifach nach Schöpfung, Erhaltung und Auflösung angeordnet hat,

I 1.97
dvayamādyena rahitamādyādho madanākṣaram |
punaḥ sthitiśivādhastādindrabījaṃ niyojayet || 97 ||
... halte man die beiden [folgenden] vom ersten getrennt; unter das erste setze man Madanas Laut [k], unter den Shiva der Erhaltung wiederum Indras Keimsilbe [l].

I 1.98
tathā layaśivādho'pi jvalanaṃ ca maheśvari |
caturthasvarasaṃyuktaṃ bindukhaṇḍendvalaṅkṛtam || 98 ||
Ebenso setze man unter den Shiva der Auflösung Feuer [r], verbunden mit dem vierten Vokal [ī] und geschmückt mit Punkt und Mondsichel.

I 1.99
evametanmahābījaṃ kāmarājaṃ mahodayam |
māyābījaṃ maheśāni mādanaṃ śakrasaṃyutam || 99 ||
So [entsteht] diese große Keimsilbe Kamaraja mit großer Entfaltung. [Sodann nehme man] Mayas Keimsilbe, höchste Herrin, und Madana, mit Shakra verbunden,

I 1.100
candrabījaṃ kevalaṃ tu viniyojyaṃ varānane |
tyaktvā sṛṣṭikramaṃ devi prāguccārakrameṇa tu || 100 ||
... ferner die Mondkeimsilbe und den einzelnen [Laut], Schöne. Unter Aufgabe der Schöpfungsfolge, jedoch mit der früheren Aussprachefolge,

I 1.101
saṃhārakramayogena śaktibījaṃ samuddharet |
evameṣā mahāvidyā mahātripurasundarī || 101 ||
... hebe man nach der Auflösungsfolge die Shakti-Keimsilbe heraus. So ist diese große Vidya Mahatripurasundari,

I 1.102
saṃsmṛtaiva mahādevi trailokyavaśakāriṇī |
etayaitasya cakrasya sādhako'rcanamārabhet || 102 ||
... die schon durch bloßes Erinnern die drei Welten unterwirft, große Göttin. Mit ihr beginne der Übende die Verehrung dieses Chakra.

I 1.103
kuṅkumāruṇadehastu vastrāruṇavibhūṣitaḥ |
tāmbūlapūritamukho dhūpāmodasugandhitaḥ * || 103 ||
Sein Körper ist durch Safran gerötet, er ist mit roten Gewändern geschmückt, sein Mund mit Betel gefüllt und er duftet nach Weihrauch;

I 1.104
karpūrakṣodadigdhāṅgo raktābharaṇamaṇḍitaḥ |
raktapuṣpāvṛto maunī raktagandhānulepanaḥ || 104 ||
seine Glieder sind mit Kampferpulver bestrichen, mit rotem Schmuck und roten Blumen bedeckt; schweigend trägt er rote Duftsalben.

I 1.105
raktāsanopaviṣṭastu lākṣāruṇagṛhasthitiḥ |
sarvaśṛṅgāraveśāḍhyastripurīkṛtavigrahaḥ || 105 ||
Er sitzt auf rotem Sitz, befindet sich in einem lackroten Haus, ist mit allem Liebesschmuck ausgestattet und hat seinen Leib zur Gestalt Tripuras gemacht.

I 1.106
manaḥsaṃkalparakto vā sādhakaḥ sthiramānasaḥ |
bhūpradeśe same śuddhe gomayenopalepite || 106 ||
Oder der standhafte Übende ist durch die Vorstellung seines Geistes gerötet. Auf einem ebenen, reinen, mit Kuhdung bestrichenen Stück Erde,

I 1.107
puṣpaprakarasaṃkīrṇe dhūpāmodasugandhite |
sindūrarajasā devi kuṅkumenāthavā punaḥ || 107 ||
... mit Blumen bestreut und nach Weihrauch duftend, zeichne man, Göttin, mit rotem Sindura-Pulver oder Safran ...

I 1.108
ālikhetprathamaṃ cakraṃ samarekhaṃ manoramam |
samatrikoṇaśaktyagraṃ saśrīkamatisundaram || 108 || *
... zunächst das Chakra mit gleichmäßigen Linien, anmutig, mit gleichmäßigen Dreiecken und Shakti-Spitzen, herrlich und sehr schön.

I 1.109
dhyātvā puratrayaṃ devi bījatrayasamanvitam |
sarvādyavidyayā devi karaśuddhiṃ tu kārayet || 109 ||
Nachdem man die drei Städte, verbunden mit den drei Keimsilben, meditiert hat, reinige man die Hände mit der allerersten Vidya, Göttin.

I 1.110
tata ātmāsanaṃ dadyāccakrāsanamatheśvari |
sarvamantrāsanaṃ devi sādhyasiddhāsanaṃ tathā || 110 ||
Dann gebe man den eigenen Sitz, den Chakra-Sitz, den Sitz aller Mantras und den Sadhya-Siddha-Sitz.

I 1.111
tato rakṣāṃ prakurvīta pūrvoktakulavidyayā |
ṣaḍaṅganyāsayogena namaskāraniyuktayā || 111 ||
Darauf bewirke man Schutz durch die zuvor beschriebene Kula-Vidya, verbunden mit Verehrung, durch Auflegen auf die sechs Körperglieder.

I 1.112
śikhālalāṭabhrūmadhyakaṇṭhahṛnnābhigocare |
ādhāre'pyūhakaṃ yāvannyāsamaṣṭabhirācaret || 112 ||
An Haarkrone, Stirn, Brauenmitte, Kehle, Herz und Nabel sowie an der Grundlage bis zu ūhaka [den Füßen] vollziehe man Nyasa mit den acht [Keimsilben]. [Jayaratha erläutert ūhaka hier als Hinweis auf den Fuß und die Acht als Vashinis und der anderen Göttinnen Keimsilben; die Übersetzung folgt dieser ausdrücklichen Erklärung.]

Allgemeine Darstellung der Devi. Die folgende Meditation beschreibt Tripurasundari ausführlich in ihrer roten, leuchtenden Gestalt.

I 1.113
tataḥ padmanibhāṃ devīṃ bālārkakiraṇāruṇām |
japākusumasaṅkāśāṃ dāḍimīkusumopamām || 113 ||
Dann [betrachte man] die Göttin, einem Lotus gleich, rot wie die Strahlen der jungen Sonne, Hibiskus- und Granatapfelblüten ähnlich,

I 1.114
padmarāgapratīkāśāṃ kuṅkumodakasaṃnibhām |
sphuranmukuṭamāṇikyakiṅkiṇījālamaṇḍitām || 114 ||
... einem Rubin und Safranwasser gleich, geschmückt mit funkelnden Kronenrubinen und einem Netz kleiner Glöckchen,

I 1.115
kālālikulasaṃkāśakuṭilālakapallavām |
pratyagrāruṇasaṃkāśavadanāmbhojamaṇḍalām || 115 ||
... mit lockigen Haarsträhnen, schwarzen Bienenschwärmen gleich, und einem Lotusantlitz wie frisch aufleuchtendes Rot,

I 1.116
kiṃcidardhendukuṭilalalāṭamṛdupaṭṭikām |
pinākidhanurākārasubhruvaṃ parameśvarīm || 116 ||
... mit sanfter Stirn, leicht wie ein Halbmond gebogen, und schönen Brauen in der Form von Shivas Bogen, die höchste Herrin,

I 1.117
ānandamuditollolalīlāndolitalocanām |
sphuranmayūkhasaṃghātavitatasvarṇakuṇḍalām || 117 ||
... deren Augen sich spielerisch im Aufwogen freudiger Wonne bewegen und deren goldene Ohrringe Scharen funkelnder Strahlen verbreiten,

I 1.118
sugaṇḍamaṇḍalābhogajitendvamṛtamaṇḍalām |
viśvakarmādinirmāṇasūtrasuspaṣṭanāsikām || 118 ||
... deren schöne, volle Wangen die Nektarscheibe des Mondes übertreffen, deren Nase nach den Gestaltungsregeln Vishvakarmans und anderer [Meister] klar geformt ist,

I 1.119
tāmravidrumabimbābharaktoṣṭhīmamṛtopamām |
smitamādhuryavijitamādhuryarasagocarām || 119 ||
... mit roten Lippen wie Kupfer, Koralle und Bimba-Frucht, nektargleich, deren süßes Lächeln alle erfahrbare Süße übertrifft,

I 1.120
anaupamyaguṇopetacibukoddeśaśobhitām |
kambugrīvāṃ viśālākṣīṃ mṛṇālalalitairbhujaiḥ || 120 ||
... geschmückt mit einem Kinn unvergleichlicher Schönheit, mit muschelförmigem Hals, großen Augen und lotusfasergleichen anmutigen Armen,

I 1.121
raktotpalasamākārasukumārakarāmbujām |
karāmbujanakhadyotavitānitanabhastalām || 121 ||
... mit zarten Lotushänden wie rote Wasserlilien, deren Nägel den Himmelsraum mit ihrem Glanz erfüllen,

I 1.122
muktāhāralatopetasamunnatapayodharām |
trivalībalanāyuktamadhyadeśasuśobhitām || 122 ||
... mit hochgewölbten, von Perlenschnüren geschmückten Brüsten und einer schönen Taille mit drei Falten,

I 1.123
lāvaṇyasaridāvatākāranābhivibhūṣitām |
anargharatnaghaṭitakāñcīyuktanitambinīm || 123 ||
... mit einem Nabel wie ein Strudel im Fluss der Schönheit und Hüften, die einen Gürtel aus unschätzbaren Edelsteinen tragen,

I 1.124
nitambabimbadviradaromarājyaparāṅkuśām |
kadalīlalitastambhasukumārorumīśvarīm || 124 ||
... deren Haarlinie der höchste Treibstachel für den Elefanten ihrer vollen Hüften ist, die Herrin mit zarten Schenkeln wie anmutige Bananenstämme. [Das erste Bild ist gedrängt; die Übersetzung bleibt vorläufig.]

I 1.125
lāvaṇyakadalītulyajaṅghāyugalamaṇḍitām | *
namadbrahmaśiroratnanirghṛṣṭacaraṇāmbujām || 125 ||
... geschmückt mit einem Paar Unterschenkeln wie schöne Bananenstämme, deren Lotusfüße von den Edelsteinen auf dem Haupt des sich verneigenden Brahma berührt werden,

I 1.126
śītāṃśuśatasaṃkāśakāntisantānahāsinīm |
lauhityajitasindūrajapādāḍimarāgiṇīm || 126 ||
... lächelnd in einer Folge von Glanz wie hundert Monde, in ihrer Röte Sindura, Hibiskus und Granatapfel übertreffend,

I 1.127
raktavastraparīdhānāṃ pāśāṅkuśakarodyatām |
raktapadmaniviṣṭāṃ tu raktābharaṇamaṇḍitām || 127 ||
... in rote Gewänder gehüllt, Schlinge und Treibstachel in den Händen erhoben, auf rotem Lotus sitzend und mit rotem Schmuck geziert,

I 1.128
caturbhujāṃ trinetrāṃ tu pañcabāṇadhanurdharām |
karpūraśakalonmiśratāmbūlāpūritānanām || 128 || *
... vierarmig und dreiäugig, mit Bogen und fünf Pfeilen, den Mund mit Betel gefüllt, der mit Kampferstückchen vermischt ist,

I 1.129
mahāmṛgamadoddāmakuṅkumāruṇavigrahām |
sarvaśṛṅgāraveśāḍhyāṃ sarvālaṅkārabhūṣitām || 129 ||
... mit einem durch Safran und starken Moschus geröteten Leib, reich an allem Liebesschmuck und mit sämtlichen Zierden ausgestattet,

I 1.130
jagadāhlādajananīṃ jagadrañjanakārikām |
jagadākarṣaṇakarīṃ jagatkāraṇarūpiṇīm || 130 ||
... die Freude der Welt hervorbringend, die Welt erfreuend und anziehend, die selbst die Ursache der Welt ist,

I 1.131
sarvamantramayīṃ devīṃ sarvasaubhāgyasundarīm |
sarvalakṣmīmayīṃ nityāṃ paramānandananditām || 131 ||
... die aus allen Mantras bestehende Göttin, schön durch alles Glück, erfüllt von aller Herrlichkeit, die Ewige, die sich in höchster Wonne freut.

I 1.132
mahātripuramudrāṃ tu smṛtvāvāhanarūpayā |
vidyayāvāhya subhage namaskāraniyuktayā || 132 ||
Nachdem man die große Tripura-Mudra vergegenwärtigt hat, rufe man, Glückliche, mit der zur Anrufung dienenden und mit Verehrung verbundenen Vidya ...

I 1.133
pūrvoktayā sādhakendro mahātripurasundarīm |
cakramadhye tu saṃcintya - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - - - - - - - tataḥ pūjanamārabhet || 133 ||
... der zuvor genannten, Mahatripurasundari herbei. Der treffliche Übende betrachte sie in der Mitte des Chakra und beginne dann die Verehrung.

I 1.134
śivāgnibindavo devi dinakṛdvahnibindavaḥ |
yugapatkramarūpeṇa yojanīyā maheśvari || 134 ||
Shiva, Feuer und Punkt sowie Sonne, Feuer und Punkt sind, Göttin, zugleich und in der Reihenfolge zu verbinden, höchste Herrin.

I 1.135
māyārdhendusamāyuktaṃ bījayugmaṃ yadutthitam |
māyālakṣmīmayaṃ tena pūjyāstatrāṣṭa mātaraḥ || 135 || *
Die so entstandenen zwei Keimsilben, verbunden mit Maya und Halbmond, bestehen aus Maya und Lakshmi; mit ihnen sind dort die acht Mütter zu verehren. [Jayaratha erklärt hrīṃ und śrīṃ.]

I 1.136
brahmaṇī paścimadvāre māheśvaryapi cottare |
pūrve caiva tathendrāṇī kaumārī dakṣiṇe tathā || 136 ||
Brahmani am westlichen Tor, Maheshvari im Norden, Indrani im Osten und Kaumari im Süden;

I 1.137
vaiṣṇavyapica vāyavye vārāhīmīśadiggatām |
cāmuṇḍāṃ devi cāgneye mahālakṣmīṃ tu nair-ṛte || 137 ||
Vaishnavi im Nordwesten, Varahi im Nordosten, Chamunda im Südosten und Mahalakshmi im Südwesten.

I 1.138
kāmākarṣaṇarūpā ca buddhyākarṣasvarūpiṇī |
ahaṅkārākarṣiṇī ca śabdākarṣasvarūpiṇī || 138 ||
[Es folgen] die das Begehren Anziehende, die den Verstand Anziehende, die das Ichbewusstsein Anziehende und die den Klang Anziehende;

I 1.139
sparśākarṣaṇarūpā ca rūpākarṣaṇakāriṇī |
rasākarṣakarī devī gandhākarṣakarī tathā || 139 ||
die Berührung Anziehende, die Form Anziehende, die Geschmack Anziehende und die Geruch Anziehende;

I 1.140
cittākarṣaṇarūpā ca dhairyākarṣasvarūpiṇī |
smṛtyākarṣaṇarūpā ca nāmākarṣaṇakāriṇī || 140 ||
die das Denken Anziehende, die Standhaftigkeit Anziehende, die Erinnerung Anziehende und die Namen Anziehende;

I 1.141
bījākarṣaṇarūpānyā ātmākarṣasvarūpiṇī |
amṛtasyākarṣaṇī ca śarīrākarṣaṇī parā || 141 ||
die Keimsilbe Anziehende, die Selbst Anziehende, die Unsterblichkeitsnektar Anziehende und die höchste, den Körper Anziehende.

I 1.142
ṣoḍaśāre mahādevi vāmamārgeṇa pūjayet |
māyālakṣmīkalābhistu kalāṣoḍaśakaṃ tvidam || 142 ||
Diese sechzehn Kräfte verehre man im sechzehnblättrigen [Lotus] auf dem linken Weg mit den Kräften von Maya und Lakshmi. [Hier erläutert Jayaratha eine Umlaufrichtung aus Sicht des Übenden.]

I 1.143
anaṅgakusumāṃ pūrve dakṣiṇe'naṅgamaṅgalām |
paścime'naṅgamathanāmuttare madanottarām || 143 ||
[Man verehre] Anangakusuma im Osten, Anangamangala im Süden, Anangamathana im Westen und Madanottara im Norden;

I 1.144
anaṅgalekhāmāgneye nair-ṛte'naṅgavāsinīm |
anaṅgāṅkuśāṃ vāyavya īśāne'naṅgamālinīm || 144 ||
Anangalekha im Südosten, Anangavasini im Südwesten, Anangankusha im Nordwesten und Anangamalini im Nordosten.

I 1.145
sarvasaṃkṣobhiṇī śaktiḥ sarvavidrāvaṇī tathā |
sarvākarṣakarī cānyā sarvāhlādakarī tathā || 145 ||
[Es folgen] die alles Erregende, die alles Vertreibende, die alles Anziehende und die alles Erfreuende;

I 1.146
sarvasaṃmohanī śaktiḥ sarvastambhanarūpiṇī |
sarvajambhanarūpā tu sarvato vaśakāriṇī || 146 ||
die alles Verblendende, die alles Stillstellende, die alles Überwältigende und die in jeder Hinsicht Unterwerfende;

I 1.147
sarvarañjanaśaktiśca sarvonmādasvarūpiṇī |
sarvārthasādhakī śaktiḥ sarvāśāparipūrakī || 147 ||
die alles Beglückende, die alles in Raserei Versetzende, die alle Ziele Verwirklichende und die alle Hoffnungen Erfüllende;

I 1.148
sarvamantramayī devī sarvadvandvakṣayaṅkarī |
vāmāvartakrameṇaiva paścimādeva dakṣiṇam || 148 ||
die Göttin aus allen Mantras und die alle Gegensatzpaare Aufhebende. In Linksumwendung nehme man vom Westen aus den Süden ...

I 1.149
gṛhītvā pūjayedetā devīstribhuvaneśvarīḥ |
sarvasiddhipradā śaktiḥ sarvasaṃpatpradā tathā || 149 ||
... [als weiteren Verlauf] und verehre diese Göttinnen, die Herrinnen der drei Welten. [Es folgen] die alle Vollkommenheiten und die allen Reichtum Verleihende;

I 1.150
sarvapriyaṅkarī cāpi sarvamaṅgalakāriṇī |
sarvakāmapradā devī sarvaduḥkhavimocinī || 150 ||
die alles Angenehme und alles Heilvolle Bewirkende, die alle Wünsche Gewährende und die von allem Leid Befreiende;

I 1.151
sarvamṛtyupraśamanī sarvavighnavināśinī |
sarvāṅgasundarī devī sarvasaubhāgyakāriṇī || 151 ||
die allen Tod Besänftigende, die alle Hindernisse Vernichtende, die an allen Gliedern Schöne und die alles Glück Bewirkende.

I 1.152
tathaiva devadeveśi punarevādyavidyayā |
dvitīyāvaraṇe devi devīdaśakamarcayet || 152 ||
Ebenso verehre man wiederum mit der ursprünglichen Vidya diese zehn Göttinnen in der zweiten Umhüllung, Göttin, Herrin des Gottes der Götter.

I 1.153
sarvajñā sarvaśaktiśca sarvaiśvaryapradāyinī |
sarvajñānamayī devī sarvavyādhivināśinī || 153 ||
[Es folgen] die Allwissende, die Allmächtige, die alle Herrschaft Verleihende, die aus allem Wissen Bestehende und die alle Krankheiten Vernichtende;

I 1.154
sarvādhārasvarūpā tu sarvapāpaharī tathā |
sarvānandamayī devī sarvarakṣāsvarūpiṇī || 154 ||
die Grundlage von allem, die alle Verfehlungen Hinwegnehmende, die ganz aus Wonne Bestehende und die allen Schutz Verkörpernde;

I 1.155
punareva maheśāni sarvepsitaphalapradā |
daśamī devatā khyātāḥ svanāmasadṛśodayāḥ || 155 ||
ferner die alle ersehnten Früchte Verleihende als zehnte Gottheit. Sie sind bekannt dafür, entsprechend ihren eigenen Namen wirksam zu werden.

I 1.156
evametā mahādevīrdevi sarvārthasiddhidāḥ |
pūrvoktena vidhānena tṛtīyāvaraṇe'rcayet || 156 ||
So verehre man diese großen Göttinnen, die alle Ziele verwirklichen, nach der zuvor beschriebenen Weise in der dritten Umhüllung.

I 1.157
ādyacakre maheśāni śṛṇu pūjāṃ yathākramam |
ekaikaṃ devatānāma pūrvoktaṃ bījasaṃyutam || 157 ||
Höre nun der Reihe nach die Verehrung im ursprünglichen Chakra, große Herrin: jeden zuvor genannten Gottheitsnamen, mit der Keimsilbe verbunden,

I 1.158
adhastāddevadeveśi vāmamārgeṇa pūjayet |
yāvaddakṣiṇamārgaṃ tu raktapuṣpairmaheśvari || 158 ||
... verehre man von unten aus auf dem linken Weg bis zur rechten Seite mit roten Blumen, höchste Herrin.

I 1.159
paścimottarapūrvādidakṣiṇānukrameṇa tu |
cakramadhye catuṣkaṃ tu krameṇa paripūjayet || 159 ||
In der Reihenfolge Westen, Norden, Osten und Süden verehre man die Vierergruppe in der Mitte des Chakra.

I 1.160
kāmabāṇānmaheśāni dhanustatpāśameva ca |
jambhamohavaśastambhapadaiḥ sahitamaṅkuśam || 160 ||
[Man verehre] Kamas Pfeile, seinen Bogen und seine Schlinge sowie den Treibstachel zusammen mit den Wörtern für Überwältigung, Verblendung, Unterwerfung und Stillstellung.

I 1.161
sarvamadhyatrikoṇe'pi pūjayenmūlavidyayā |
kevalākṣarabhedena samastavyastayeśvari || 161 ||
Im Dreieck in der Mitte von allem verehre man mit der Grundvidya, durch Unterscheidung der einzelnen Silben, zusammen und einzeln, Herrin:

I 1.162
kāmeśvarīmagrakoṇe vajreśīṃ dakṣiṇe tathā |
vāme'pi bhagamālāṃ tu madhye tripurasundarīm || 162 ||
Kameshvari an der vorderen Ecke, Vajreshi rechts, Bhagamala links und Tripurasundari in der Mitte.

I 1.163
evaṃ pūjāvidhānaṃ tu kṛtvādau sādhakottamaḥ |
dhūpagandhādinaivedyatarpaṇāni nivedayet || 163 ||
Nachdem der vorzügliche Übende zunächst diese Verehrung vollzogen hat, bringe er Räucherwerk, Duftstoffe, Speisegaben und Sättigungsgaben dar.

I 1.164
saṃkṣobhadrāvaṇākarṣāveśonmādamahāṅkuśāḥ |
khecarībījarūpādiyonimudrāstvanukramāt || 164 ||
[Die Mudras heißen] Erregung, Vertreibung, Heranziehung, Eintritt, Raserei, großer Treibstachel, Khechari, Keimgestalt und weitere sowie Yoni, in ihrer Reihenfolge. [„ādi“ lässt weitere Glieder zu; Jayaratha bezieht die Trikhanda-Mudra ein.]

I 1.165
viracya sādhakendrastu dhyānaṃ kuryātsamāhitaḥ |
binduṃ saṃkalpya vaktraṃ tu tadadhastātkucadvayam || 165 ||
Nachdem er sie gebildet hat, meditiere der treffliche Übende gesammelt. Er stelle sich den Punkt als Gesicht vor, darunter ein Paar Brüste,

I 1.166
tadadhaḥ saparārddhaṃ ca cintayettadadhomukham |
evaṃ kāmakalārūpamakṣaraṃ yatsamutthitam || 166 ||
Darunter stelle man sich die Hälfte des auf sa folgenden [Lautes ha] vor und betrachte dies nach unten gewandt. Das Unvergängliche, das so in Gestalt der Kamakala hervorgetreten ist, ...

Anmerkung: Der Satz läuft in 1.167 weiter. Jayaratha zerlegt saparārdha zunächst als „Hälfte des auf sa folgenden ha“ und erläutert eine Lautgestalt ohne vollen Vokal. Daneben legt er dieselbe Wendung über Bewusstsein, Atem und Körper sowie über weitere Lautoperationen aus. Diese mehrfache Auslegung wird hier nicht zu einer einzigen gesicherten Zeichenkonstruktion vereinheitlicht.

I 1.167
kāmādiviṣamokṣāṇāmālayaṃ paramaṃ dhruvam |
tadeva tattvapravaraṃ nijadehaṃ vicintayet || 167 ||
... die höchste, beständige Wohnstätte von Kama, Visha und Moksha [den drei zuvor erläuterten Mantragliedern] und den weiteren [Kräften und Vollendungen], eben dieses vorzüglichste Wirklichkeitsprinzip betrachte man als den eigenen Leib.

Anmerkung: Kama, Visha und Moksha werden hier als technische Namen aufgenommen; 4.17–4.18 erläutert die Beziehung zu den drei Mantragliedern. Jayaratha versteht ādi („und weiteres“) auch als Hinweis auf die anschließend behandelten begrenzten Siddhis. Der Anschluss an 1.166 wurde entsprechend berichtigt.

I 1.168
dhyātvā cakreṇa sahitāṃ tatastripurasundarīm |
svamudrayā sādhakendraḥ kṣamasveti visarjayet || 168 ||
Nachdem der treffliche Übende Tripurasundari zusammen mit ihrem Chakra meditiert hat, entlasse er sie mit der zugehörigen Mudra und den Worten: „Vergib!“

Kolophon des Kommentars
iti rājānakaśrīmajjayarathaviracite śrīvāmakeśvarīmatavivaraṇe prathamaḥ paṭalaḥ || 1 ||
Damit endet das 1. Kapitel in dem von Rajanaka Shri Jayaratha verfassten Kommentar zur Shri Vamakeshvarimata.

Begleitvideo: Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev

Allgemeine heutige Praxisergänzung; keine Rekonstruktion eines Rituals aus dem Vamakeshvara Tantra.

Teil I, Kapitel 2

dvitīyaḥ paṭalaḥ |
Zweites Kapitel.

I 2.1
yatrānena vidhānena sādhakena prapūjyate |
deśe vā nagare grāme jagatkṣobhaḥ prajāyate || 1 ||
Wo der Übende nach dieser Weise verehrt – in einem Land, einer Stadt oder einem Dorf –, entsteht Erregung in der Welt.

Anmerkung: Dieses Kapitel beschreibt historische Macht- und Zwangsrituale. Seine Anweisungsform ist Teil des übersetzten Originals; sie ist keine heutige Praxisempfehlung.

I 2.2
jvalatkāmāgnisantāpapratāpottaptamānasāḥ |
pipīlikāsthinyāyena dūrādāyānti yoṣitaḥ || 2 ||
Frauen kommen von fern wie Ameisen [zu] einem Knochen, ihre Gemüter erhitzt von der Glut des lodernden Feuers der Begierde.

Anmerkung: Die Lesung pipīlikāsthi ist bereits auf Druck S. 78 vorhanden. Der Vergleich verbindet pipīlikā (Ameise) und asthi (Knochen); im Deutschen ist nur der sprachlich notwendige Richtungsbezug ergänzt. Es wurde kein anderes Vergleichsobjekt eingesetzt.

I 2.3
mantrasaṃmūḍhahṛdayāḥ sphurajjaghanamaṇḍalāḥ |
taddarśanānmahādevi jāyante sarvayoṣitaḥ || 3 ||
Beim Anblick jenes [Übenden], große Göttin, werden alle Frauen durch den Mantra im Herzen verwirrt, während sich ihre Hüften bewegen.

I 2.4
japte lakṣaikamātre tu kṣubhyante bhūtale'ṅganāḥ |
yadi na kṣubhyatītthaṃ hi sādhakasya mano manāk || 4 ||
Schon bei hunderttausend Wiederholungen geraten die Frauen auf Erden in Erregung. Wenn dabei der Geist des Übenden selbst nicht im Geringsten erregt wird,

I 2.5
saṃkṣubhyanti tataḥ sarvāḥ pātāle nāgakanyakāḥ |
tāsāmapi yadā nāsau kṣobhaṃ yāti manāgapi || 5 ||
... werden darauf alle Naga-Mädchen der Unterwelt erregt. Wenn er auch ihretwegen nicht im Geringsten in Erregung gerät,

I 2.6
tataḥ svarganivāsinyo vidravanti surāṅganāḥ |
evaṃ lakṣatrayaṃ japtvā vratasthaḥ sādhakottamaḥ || 6 ||
... eilen dann die im Himmel wohnenden Götterfrauen herbei. Nachdem der vorzügliche Übende, sein Gelübde wahrend, dreihunderttausendmal rezitiert hat,

I 2.7
saṃkṣobhayati deveśi trailokyaṃ sacarācaram |
likhitvā vipulaṃ cakraṃ tanmadhye pratimāṃ yadi || 7 ||
... erregt er die drei Welten mit allem Beweglichen und Unbeweglichen, Herrin der Götter. Wenn er ein großes Chakra zeichnet und in dessen Mitte ein Bildnis ...

I 2.8
nāmnā likhati saṃyuktāṃ jvalantīṃ cintayettataḥ |
śatayojanamātrasthā tvadṛṣṭāpi ca yā bhavet || 8 ||
... mit dem Namen [der betreffenden Frau] einträgt, stelle er es sich brennend vor. Selbst eine Frau, die hundert Yojanas entfernt und ungesehen ist,

I 2.9
bhayalajjāvinirmuktā sāpyāyāti vimohitā |
tanmadhyago'thavā bhūtvā mantraṃ saṃcintayedyadā || 9 ||
... kommt dann verblendet, frei von Furcht und Scham. Oder wenn er sich in dessen Mitte befindet und den Mantra betrachtet,

I 2.10
sarvamātmānamaruṇaṃ sādhyamapyaruṇīkṛtam |
tataḥ saṃjāyate devi sarvasaubhāgyasundaraḥ || 10 ||
... sich ganz rot vorstellt und auch die Zielperson gerötet, dann wird er schön durch alles Glück, Göttin,

I 2.11
vallabhaḥ sarvalokasya sādhakaḥ parameśvari |
sarvaraktopacāraistu pūjyate mudrayā yutam || 11 ||
... und der Übende wird von der ganzen Welt geliebt, höchste Herrin. [Das Chakra] wird mit ausschließlich roten Gaben und zusammen mit der Mudra verehrt;

I 2.12
yasya nāmnaiva saṃyuktaṃ sa bhaveddāsavadvaśī |
adṛṣṭāyāstu saṃyojyaṃ nāma cakrasya madhyagam || 12 ||
... mit wessen Namen es verbunden ist, der wird wie ein Diener untertan. Der Name einer ungesehenen [Frau] ist in die Mitte des Chakra einzufügen;

I 2.13
viracya yonimudrāṃ tu tāmākarṣayati kṣaṇāt |
yakṣiṇīṃ cātha gandharvīṃ kinnarīṃ vāsureśvarīm || 13 ||
... nach dem Bilden der Yoni-Mudra zieht man sie augenblicklich herbei: eine Yakshini, Gandharvi, Kinnari oder Herrin der Asuras,

I 2.14
siddhakanyāṃ nāgakanyāṃ devakanyāṃ ca khecarīm |
vidyādharīmapsarasamṛṣikanyāmathorvaśīm || 14 ||
... ein Siddha-, Naga- oder Göttermädchen, eine Khechari, Vidyadhari, Apsaras, Tochter eines Rishi oder Urvashi,

I 2.15
madanodbhavavikṣobhajharajjaghanalambikām |
mahākāmakalādhyānātkṣobhayetsarvayoṣitaḥ || 15 ||
... deren herabhängender Schambereich infolge der vom Liebesgott hervorgerufenen Erregung feucht wird. Durch Meditation über die große Kamakala erregt man alle Frauen. [„jaghanalambikā“ wird hier auf den Schambereich bezogen; die genaue anatomische Bezeichnung bleibt unsicher.]

Anmerkung: Jayaratha erklärt jharat mit draveṇa: durch Flüssigkeit beziehungsweise fließend. Deshalb betrifft die Stelle körperliche sexuelle Erregung. Die elektronische Folge jharañj- wurde nach dem Druck S. 80 zu jharajj- berichtigt; die genauere anatomische Deutung des folgenden Kompositums bleibt vorläufig.

I 2.16
rocanākuṅkumābhyāṃ ca samabhāgaṃ ca candanam |
aṣṭottaraśataṃ japtvā tilakaṃ kārayedbudhaḥ || 16 ||
Der Kundige [verwendet] Rochana und Safran mit einem gleichen Anteil Sandelholz, rezitiert hundertachtmal und bringt ein Stirnzeichen an.

I 2.17
tato yamīkṣate vakti saṃspṛśeccintayecca yam |
arthena ca śarīreṇa so'vaśyaṃ yāti dāsatām || 17 ||
Wen er dann ansieht, anspricht, berührt oder bedenkt, der gerät mit Vermögen und Körper unweigerlich in Dienstbarkeit.

I 2.18
tathā puṣpaṃ phalaṃ gandhaṃ pānaṃ vastraṃ maheśvari |
śatamaṣṭottaraṃ japtvā yasyāḥ saṃpreryate striyāḥ || 18 ||
Ebenso [gilt dies für] Blume, Frucht, Duftstoff, Getränk oder Gewand: Wird es nach hundertacht Wiederholungen einer Frau übermittelt,

I 2.19
sadyaḥ ākarṣayetsādhvīṃ vimūḍhahṛdayāṃ satīm |
haṭhākṛṣṭiriyaṃ bhadre na kvacitpratihanyate || 19 ||
... zieht man die tugendhafte Frau sogleich herbei, während ihr Herz verwirrt wird. Diese gewaltsame Heranziehung, Gütige, wird nirgends aufgehalten.

Anmerkung: Der Text nennt diese Heranziehung ausdrücklich gewaltsam (haṭhākṛṣṭi). Eine Deutung als bloß freiwillige Anziehung würde den Wortlaut beschönigen.

I 2.20
likhedrocanayaikānte pratimāmavanītale |
surūpāṃ cāruśṛṅgāraveśābharaṇamaṇḍitām || 20 ||
Man zeichne mit Rochana an einem abgeschiedenen Ort auf den Erdboden ein schönes Bildnis, geschmückt mit anmutiger Liebeskleidung und Schmuck.

I 2.21
tadbhālatalahṛnābhijanmamaṇḍalayojitām |
janmanāmamahāvidyāmaṅkuśena vidarbhitām || 21 ||
An dessen Stirn, Herz, Nabel und Geschlechtsbereich [trage man] die große Vidya zusammen mit dem Geburtsnamen ein, durch den Treibstachel[-Mantra] verflochten.

I 2.22
sarvāṅgasandhisaṃlīnamālikhya madanākṣaram |
tadāśābhimukho bhūtvā tripurīkṛtavigrahaḥ || 22 ||
Nachdem man Madanas Laut in sämtliche Gliedergelenke eingezeichnet hat, wende man sich in ihre Richtung, den eigenen Leib zu Tripuras Gestalt gemacht,

I 2.23
baddhvā tu kṣobhiṇīṃ mudrāṃ vidyāmaṣṭottaraṃ japet |
niyojya dahanāgāre candrasūryakalālaye || 23 ||
... binde die erregende Mudra und rezitiere die Vidya hundertachtmal, [das Bild] im Feuerhaus anordnend, der Stätte der Mond- und Sonnenkräfte.

I 2.24
tato vihvalitāpāṅgāmanaṅgaśarapīḍitām |
procchalanmadakallolapracalajjaghanasthalām || 24 ||
Dann [stelle man sich die Frau vor] mit unruhigen Augenwinkeln, gepeinigt von den Pfeilen des Körperlosen, mit Hüften, die sich in hervorbrechenden Wogen der Erregung bewegen,

I 2.25
śakticakrocchalacchaktivalanākavalīkṛtām |
dūrīkṛtasvacāritrabhayalajjānayāṅkuśām || 25 ||
... verschlungen von der Bewegung der im Shakti-Chakra aufwallenden Kraft, während die Schranken von eigenem sittlichem Verhalten, Furcht, Scham und Anstand entfernt sind,

I 2.26
ākṛṣṭahṛdayāṃ naṣṭadhairyāmuttīrṇajīvitām |
vapraprākāraniviḍanadīyantrasurakṣitām || 26 ||
... mit fortgezogenem Herzen, verlorener Standhaftigkeit, über das Leben hinausgetrieben, [obgleich sie] durch Wälle, Mauern, dichte [Hindernisse], Flüsse und Vorrichtungen gut geschützt ist,

I 2.27
navānurāgasandhānavepamānahṛdambujām |
manodhikamahāmantravegenāpahṛtāṃśukām || 27 ||
... mit einem Herzlotus, der durch die Verbindung neuer Leidenschaft zittert, und einem Gewand, das die Gewalt des übermächtigen Mantra fortgerissen hat. [„manodhika“ ist sprachlich auffällig.]

I 2.28
vimūḍhāmiva vikṣubdhāmivāpluṣṭāmiva srutām |
likhitāmiva niḥsaṃjñāmiva pramathitāmiva || 28 ||
... wie betäubt, wie aufgewühlt, wie versengt und zerflossen, wie gemalt, wie bewusstlos und wie gewaltsam erschüttert,

I 2.29
dalitāmiva saṃbhrāntāmivottrāsamitāmiva |
galitāmiva saṃbhinnāmivākulitamānasām * || 29 ||
... wie zerschmettert, wie verwirrt, wie von Schrecken ergriffen, wie zerflossen und zerrissen, mit bestürztem Geist,

I 2.30
bhramanmantrānilodbhrāntapatrākārāṃ nabhastale |
bhramantīmānayennārīṃ yojanānāṃ śatādapi || 30 ||
... einem Blatt gleich, das der wirbelnde Mantra-Wind am Himmel umhertreibt: So führe man die umhergewirbelte Frau selbst aus hundert Yojanas Entfernung herbei.

I 2.31
athavā mātṛkāṃ sarvāṃ likhitvā cakrabāhyataḥ |
dhārayedbāhumūle yastvabadhyaḥ sarvajantuṣu || 31 ||
Oder wer die gesamte Matrika außen um das Chakra schreibt und es am Oberarm trägt, ist unter allen Lebewesen unverletzbar.

I 2.32
tathaiva hi maheśāni svasaṃjñākramayogataḥ |
candanāgurukarpūrairajarāmaratāṃ labhet || 32 ||
Ebenso erlange man, höchste Herrin, durch Verbindung mit dem eigenen Namen und mit Sandelholz, Agaru und Kampfer Freiheit von Alter und Tod.

I 2.33
etadeva vidhānena rocanāgurukuṅkumaiḥ |
likhitaṃ cakrayogena yasmiṃstasminnapi sthitam || 33 ||
Dieses [Chakra], nach der Vorschrift mit Rochana, Agaru und Safran geschrieben, mit der kreisförmigen [Anordnung der Matrika] verbunden und irgendwo angebracht,

I 2.34
sādhyanāma svanāmnā tu cakrasyāntarvidarbhitam |
karoti sakalaṃ lokamacirātpādavartinam || 34 ||
... mit dem Namen der Zielperson und dem eigenen Namen im Innern des Chakra verflochten, macht bald die ganze Welt zu [jemandem, der] zu den Füßen [des Übenden liegt].

I 2.35
madhyaṃ gatena bījena mahākāmakalātmanā |
ekamekamavaṣṭabhya sādhyanāmākṣaraṃ priye || 35 ||
Mit der in der Mitte befindlichen Keimsilbe, deren Wesen die große Kamakala ist, umschließe man einzeln jeden Laut des Namens der Zielperson, Geliebte,

I 2.36
bahirapyakhilaireva veṣṭayenmātṛkākṣaraiḥ |
hemamadhyagatāṃ kṛtvā dhārayedvāmake bhuje || 36 ||
... und umgebe ihn auch außen mit sämtlichen Matrika-Lauten. In Gold eingefasst trage man [dieses Schutzmittel] am linken Arm.

I 2.37
śikhāyāmathavā vastre dhārayedyatra tatra vā |
karoti dāsabhūtaṃ hi trailokyaṃ sacarācaram || 37 ||
Oder man trage es an der Haarkrone, im Gewand oder irgendwo sonst. Es macht die drei Welten mit allem Beweglichen und Unbeweglichen dienstbar.

I 2.38
saṃmohayati rājānaṃ vājinaṃ duṣṭakuñjaram |
cauraṃ kesariṇaṃ sarpaṃ paramantramahāgraham || 38 ||
[Die als Chakra getragene Göttin] verblendet König, Pferd, bösartigen Elefanten, Dieb, Löwen, Schlange und den mächtigen Ergreifer [in Gestalt] fremder Mantras, ...

Anmerkung: Der Druck S. 84 hat sarpaṃ („Schlange“), nicht das elektronisch erfasste sapraṃ. Die Göttin als Handelnde ergibt sich aus dhāritā cakrarūpiṇī in 2.39. mahāgraha wird als mächtiger Ergreifer beziehungsweise schädigende Besessenheitsmacht wiedergegeben; die genaue Binnenbeziehung zu „fremden Mantras“ bleibt auslegungsfähig.

I 2.39
śatruṃ vajrāśaniṃ śastraṃ ḍākinīṃ śākinīṃ tathā |
bhūtapretapiśācāṃśca dhāritā cakrarūpiṇī || 39 ||
... Feind, Vajra-Blitz, Waffe, Dakini und ebenso Shakini, ferner Bhutas, Pretas und Pishachas – wenn sie in Gestalt des Chakra getragen wird.

I 2.40
tena cakreṇa sandarbhya purāṇāṃ nāma sundari |
madhye catuṣpathe vāpi caturdikṣu nidhāpayet || 40 ||
Mit jenem Chakra verbinde man die Namen von Städten und lasse [es] in ihrer Mitte, an einer Kreuzung oder in den vier Himmelsrichtungen niederlegen.

I 2.41
mahāhallohelo devi tato lokasya jāyate |
yoṣitāṃ ca viśeṣeṇa tvadṛṣṭānāmapīśvari || 41 ||
Dadurch entsteht große Unruhe unter den Menschen, Göttin, besonders unter Frauen, selbst ungesehenen.

I 2.42
etanmadhyagatāṃ pṛthvīṃ saśailavanakānanām |
catuḥsamudraparyantāṃ jvalantīṃ cāpi cintayet || 42 ||
In dessen Mitte betrachte man die Erde mit Bergen, Wäldern und Hainen, bis zu den vier Meeren reichend und brennend.

I 2.43
ṣaṇmāsadhyānayogena jāyate madanopamaḥ |
dṛṣṭyaivākarṣayellokaṃ dṛṣṭyaiva kurute vaśam || 43 ||
Durch sechs Monate solcher Meditation wird man dem Liebesgott gleich; allein durch den Blick zieht man die Welt an und unterwirft sie.

I 2.44
dṛṣṭyā kṣobhayate nārīṃ dṛṣṭyā saṃharate viṣam * |
dṛṣṭyā karoti cāveśaṃ dṛṣṭyā sarvavimohanam || 44 ||
Durch den Blick erregt man eine Frau, durch den Blick beseitigt man Gift, bewirkt Eintritt [einer Kraft] und jede Verblendung.

I 2.45
dṛṣṭyā cāturthikādīṃśca nāśayedacirājjvarān |
etatprapūjitaṃ rātrau sindūreṇa vicitritam || 45 ||
Durch den Blick vernichtet man bald Viertagefieber und andere Fieber. Nachts verehrt und mit Sindura gezeichnet,

I 2.46
karoti mahadākarṣaṃ sudūrādapi yoṣitām |
sarvadikṣu vidikṣvevaṃ yathā devī prapūjyate || 46 ||
... bewirkt dieses [Chakra] eine große Heranziehung von Frauen, selbst aus sehr großer Ferne. So wie die Göttin in allen Haupt- und Zwischenrichtungen verehrt wird,

I 2.47
diganukramayogena tadā sarvaṃ jagadvaśe |
bhūrjapatre samālikhya rocanāgurukuṅkumaiḥ || 47 ||
... gerät nach der Reihenfolge der Richtungen die ganze Welt in Gewalt. Nachdem man [das Chakra] mit Rochana, Agaru und Safran auf Birkenrinde geschrieben hat,

I 2.48
saṃdarbhayettasya madhye nagaraṃ vāthavā param |
vipulaṃ deśamathavā viṣayaṃ maṇḍalaṃ ca vā || 48 ||
... verbinde man in seiner Mitte eine Stadt oder eine andere, ein großes Land, eine Provinz oder einen Bezirk,

I 2.49
svanāmadarbhitaṃ kṛtvā - - - - - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - - - - - - - - - yadi bhūmau nidhāpayet |
dhārayedathavā haste kaṇṭhe vā bhujamūlataḥ || 49 ||
... mit dem eigenen Namen verflochten. Wenn man es im Boden niederlegt oder an Hand, Hals oder Oberarm trägt,

I 2.50
śikhāyāmathavā vastre yatra tatra sthitaṃ ca vā |
cakrametanmahābhāge purakṣobhaṇamuttamamam || 50 ||
... an Haarkrone oder Gewand oder wo immer es sich befindet, ist dieses Chakra, Glückliche, ein vorzügliches Mittel zur Erregung einer Stadt.

I 2.51
arkakṣīraṃ kuṅkumaṃ ca dhattūrakarasaṃ tathā |
rocanālaktakaṃ lākṣārasaṃ mṛgamadotkaṭam || 51 ||
[Man nehme] Arka-Milchsaft, Safran, Dhattura-Saft, Rochana, roten Lack und Lacksaft, kräftig mit Moschus versehen;

I 2.52
ekīkṛtya cakrametallikhyate yasya saṃjñayā |
tasya coragrahavyādhiripusiṃhāhivājinām || 52 ||
... zusammengebracht, wird damit dieses Chakra unter jemandes Namen geschrieben. Für diese Person [besteht hinsichtlich] Dieben, Ergreifern, Krankheiten, Feinden, Löwen, Schlangen und Pferden,

I 2.53
yakṣarākṣasabhūtaughaśākinīduṣṭacetasām |
lūtādigardabhajvālā tathā śītalikodbhavam || 53 ||
... Scharen von Yakshas, Rakshasas und Bhutas, Shakinis und Böswilligen sowie vor der von Spinnen und anderem, Gardabhajvala und Shitalika ausgehenden ... [Die beiden letzten historischen Krankheitsnamen werden nicht mit heutigen Diagnosen gleichgesetzt.]

Anmerkung: lūtā bezeichnet die Spinne; Gardabhajvala und Shitalika bleiben historische Krankheitsbezeichnungen. Die Vorlage liefert hier keine medizinische Definition. Jayaratha unterbricht nach bhayaṃ na vidyate („es besteht keine Furcht“) und setzt anschließend mit tasya paramantrābhicārakam fort. Der gemeinsame negative Sinn wird im Deutschen kenntlich gemacht; die Auslassung des Prädikats beim Schadenszauber wird durch eine Ergänzung in eckigen Klammern überbrückt.

I 2.54
bhayaṃ na vidyate - - - - - - - - - - |
- - - - - - tasya paramantrābhicārakam |
nityasaṃdhāraṇāccāpi kālamṛtyuyamādayaḥ || 54 ||
... Bedrohung keine Furcht. [Auch] Schadenszauber mit fremden Mantras [vermag dieser Person nichts anzuhaben]. Durch beständiges Tragen [des Chakra] sind Zeit, Tod, Yama und andere ...

I 2.55
na śaktā hiṃsituṃ samyagromaikamapi sarvadā |
athavā madhyagāṃ devīṃ trikoṇobhayagāṃ tathā || 55 ||
... niemals imstande, auch nur ein einziges Haar wirklich zu verletzen. Oder [man zeichne] die Göttin in die Mitte und in die beiden Dreiecke,

I 2.56
adhastānnāmasaṃyuktāṃ rocanākuṅkumāṅkitām |
kuryādyastu ca saptāhāddāsavatkiṅkaro bhavet || 56 ||
... darunter mit dem Namen verbunden und mit Rochana und Safran gezeichnet. Wer dies tut, [bewirkt, dass die benannte Person] binnen sieben Tagen wie ein Diener zum Knecht wird. [Das Subjekt des Ergebnissatzes ist im Grundtext nicht ausdrücklich wiederholt.]

I 2.57
pītadravyeṇa vālikhya dhārayedindradiggatām |
nāmnā sarvajñabhūto'pi mūko bhavati tatkṣaṇām || 57 ||
Oder man zeichne [sie] mit einem gelben Stoff und trage [sie], nach Osten gewandt, mit dem Namen [der Zielperson]: Selbst ein Allwissender wird sogleich stumm.

I 2.58
mahānīlarasenāpi nāma saṃyojya pūrvavat |
dakṣiṇābhimukho vahnau dagdhvā taṃ mārayetkṣaṇāt || 58 ||
Auch mit dem Saft des großen Nila, den Namen wie zuvor einfügend, verbrenne man [das Diagramm], nach Süden gewandt, im Feuer und töte jene Person augenblicklich.

I 2.59
mahiṣāśvapurīṣābhyāṃ gomūtreṇa samaṅkitam |
kṣiptvāranālamadhyasthaṃ vidviṣṭaḥ sarvajantuṣu || 59 ||
Mit Büffel- und Pferdemist sowie Kuhurin gezeichnet und in saure Getreideflüssigkeit geworfen, [bewirkt es, dass die Zielperson] von allen Lebewesen gehasst wird.

I 2.60
yuktvā rocanayā nāma kākapakṣasya madhyagam |
lambamānaṃ tadākāśe uccāṭanakaraṃ param || 60 ||
Mit Rochana den Namen mitten auf einen Krähenflügel gesetzt, [lasse man ihn] im Luftraum hängen; dies bewirkt stärkste Vertreibung.

I 2.61
dugdhalākṣārocanādimahānīlarasādibhiḥ |
likhitvā dhārayeddevi cāturvarṇyaṃ vaśaṃ nayet || 61 ||
Mit Milch, Lack, Rochana, dem Saft des großen Nila und weiteren [Stoffen] geschrieben und getragen, Göttin, bringt [das Chakra] die vier gesellschaftlichen Klassen unter Gewalt.

I 2.62
etadeva vidhānena jalamadhye yadā kṣipet |
saubhāgyamatulaṃ tasya snānapānānna saṃśayaḥ || 62 ||
Wenn man dieses [Chakra] nach der Vorschrift in Wasser legt, entsteht durch Baden und Trinken unvergleichliches Glück für jene [Person], ohne Zweifel.

I 2.63
etanmadhyagatāṃ devi nagarīṃ vā varāṅganām |
saptāhātkṣobhayetsatyaṃ jvalamānāṃ vicintya tām || 63 ||
Stellt man sich eine Stadt oder eine schöne Frau in dessen Mitte brennend vor, Göttin, versetzt man sie binnen sieben Tagen in Erregung – wahrlich.

I 2.64
mahāpātakayuktātmā yadi devi prapūjayet |
śamīdūrvāṅkurāśvatthapallavairathavārkajaiḥ || 64 ||
Wenn selbst ein mit schweren Verfehlungen beladener Mensch, Göttin, mit Shami, Durva-Sprossen, Ashvattha-Blättern oder Arka-[Blättern] verehrt,

I 2.65
māsena hanti kaluṣaṃ saptajanmakṛtaṃ naraḥ |
likhitvā pītavarṇaṃ tu cakrametadyadārcayet || 65 ||
... vernichtet er in einem Monat die Befleckung aus sieben Geburten. Wenn man dieses Chakra gelb zeichnet und verehrt,

I 2.66
pūrvāśābhimukho bhūtvā stambhayetsarvavādinaḥ |
sindūrareṇulikhitaṃ pūjayeduttarāmukhaḥ || 66 ||
... nach Osten gewandt, bringt man alle Streitredner zum Verstummen. Das mit Sindura-Pulver gezeichnete [Chakra] verehre man nach Norden gewandt;

I 2.67
yadā tadāsya vaśago loko bhavati sarvadā |
cakraṃ gairikamālikhya pūjayetpaścimāmukhaḥ || 67 ||
... dann wird die Welt stets unter seiner Gewalt sein. Man zeichne das Chakra mit rotem Ocker und verehre es nach Westen gewandt;

I 2.68
sa ca sarvāṅganākarṣavaśyakṣobhakaro bhavet |
dakṣiṇābhimukho bhūtvā kṛṣṇavarṇaṃ yadārcayet || 68 ||
... so bewirkt man Heranziehung, Unterwerfung und Erregung aller Frauen. Wenn man es, nach Süden gewandt, schwarz verehrt,

I 2.69
yasya nāmnā tasya nityaṃ mantrahānistu jāyate |
tadvaddigantarāleṣu pūjitaṃ parameśvari || 69 ||
... unter jemandes Namen, tritt bei diesem beständig Verlust der Mantrakraft ein. Ebenso in den Zwischenrichtungen verehrt, höchste Herrin,

I 2.70
stambhavidveṣaṇavyādhiśatrūccāṭanakārakam |
rocanālikhitaṃ devi dugdhamadhye vaśaṅkaram || 70 ||
... bewirkt es Stillstellung, Verfeindung, Krankheit und Vertreibung von Feinden. Mit Rochana gezeichnet [und] in Milch [gelegt], bewirkt es Unterwerfung;

I 2.71
kṣiptaṃ gomūtramadhye vā śatrūccāṭanakārakam |
takramadhyagataṃ cakraṃ vidveṣaṇakaraṃ param || 71 ||
... in Kuhurin gelegt, bewirkt es Vertreibung von Feinden; in Buttermilch gelegt, starke Verfeindung;

I 2.72
jvalajjvalanamadhyasthaṃ sarvaśatruvināśanam |
athavā devadeveśi yadekānte catuṣpatham || 72 ||
... in loderndes Feuer gelegt, Vernichtung aller Feinde. Oder, Herrin des Gottes der Götter, wo sich eine abgelegene Kreuzung befindet,

I 2.73
tatsamīpe likheccakraṃ sindūreṇa mahāprabham |
sarvabāhyata ārabhya yāvanmadhyaṃ maheśvari || 73 ||
... zeichne man in ihrer Nähe das hellstrahlende Chakra mit Sindura. Von ganz außen bis zur Mitte, höchste Herrin,

I 2.74
akārādikṣakārāntāṃ mātṛkāṃ tatra vinyaset |
pūjayedrātrisamaye kulācārakrameṇa yaḥ || 74 ||
... lege man dort die Matrika von a bis kṣa auf. Wer es nachts gemäß dem Kula-Brauch verehrt,

I 2.75
tatkṣaṇāt maheśāni sādhakaḥ khecaro bhavet |
pūjayitvā mahādevi tadvadekataro girau || 75 ||
... wird augenblicklich zum Khechara, große Herrin. Nachdem man ebenso auf einem einzelnen Berg verehrt hat,

I 2.76
ajarāmaratāṃ samyaglabhate nātra saṃśayaḥ |
mahābhūtadine vāpi śmaśāne yadi pūjayet || 76 ||
... erlangt man wahrhaft Freiheit von Alter und Tod; daran besteht kein Zweifel. Oder wenn man am Tag des großen Bhuta auf dem Verbrennungsplatz verehrt,

I 2.77
pūrvavanniśi deveśi sādhakaḥ sthiramānasaḥ |
pādukākhaḍgavetālasiddhakravyamanaḥśilā || 77 ||
... nachts wie zuvor, standhaften Geistes, Herrin der Götter, [verwirklicht der Übende die Siddhis von] Sandalen, Schwert, Vetala, Siddha, Fleisch und Manahshila, ... [Die Aufteilung von „siddhakravya“ in zwei Glieder bleibt vorläufig; möglich ist auch „zubereitetes Fleisch“.]

Anmerkung: Auf Druck S. 91 steht im Haupttext siddhakravya; eine Fußnote nennt dravya als Lesart des Zeugen ग. Kravya bedeutet Fleisch, dravya dagegen Stoff oder Gegenstand. Die Handschriftenvariante wird hier verzeichnet, aber nicht unbemerkt in den Haupttext eingesetzt. Manahshila bezeichnet einen historischen mineralischen Ritualstoff; keine heutige Stoffanwendung wird empfohlen.

I 2.78
añjanaṃ vivaraṃ caiva ceṭakaṃ yakṣiṇīṃ tathā |
yatkiṃcitsiddhinicayaṃ vidyate bhuvanatraye || 78 ||
... Augensalbe, unterirdischem Zugang, dienstbarem Geist und Yakshini – was immer an Vollkommenheiten in den drei Welten existiert, ...

Unnummerierter Schluss-Halbvers
tatsarvameva sahasā sādhayetsādhakottamaḥ |
Dies alles verwirkliche der vorzügliche Übende rasch.

Kolophon des Kommentars
iti rājānakaśrīmajjayarathaviracite śrīvāmakeśvarīmatavivaraṇe dvitīyaḥ paṭalaḥ || 2 ||
Damit endet das 2. Kapitel in dem von Rajanaka Shri Jayaratha verfassten Kommentar zur Shri Vamakeshvarimata.

Teil I, Kapitel 3

tṛtīyaḥ paṭalaḥ
Drittes Kapitel.

Sprecherwechsel: śrīdevy uvāca – Die erhabene Göttin sprach. [Aus der Kommentar-Einleitung übernommen.]

I 3.1
bhagavaṃstripurāmudrāḥ sūcitā na prakāśitāḥ |
kathaṃ viracanaṃ tāsāṃ kriyate vada śaṅkaraḥ || 1 ||
Erhabener, die Mudras Tripuras wurden angedeutet, aber nicht erklärt. Sage, Shankara, wie sie gebildet werden. [Die Vorlage hat die auffällige Form „śaṅkaraḥ“.]

Anmerkung: Die Handanordnungen werden textnah beschrieben. Ein praktischer Abgleich sämtlicher Gesten wurde nicht durchgeführt; „Khechari“ bezeichnet hier eine Handmudra und darf nicht ungeprüft mit der später verbreiteten Zungentechnik gleichgesetzt werden.

Sprecherwechsel: śrībhairava uvāca – Der erhabene Bhairava sprach. [Aus der Kommentar-Einleitung übernommen.]

I 3.2
śṛṇu devi pravakṣyāmi mudrāḥ sarvārthasiddhidāḥ |
yābhirviracitābhistu saṃmukhā tripurā bhavet || 2 ||
Höre, Göttin, ich werde die Mudras erklären, die alle Ziele verwirklichen. Wenn sie gebildet werden, wendet Tripura sich [dem Übenden] zu.

I 3.3
parivartya karau spaṣṭāvaṅguṣṭhau kārayetsamau |
anāmāntargate kṛtvā tarjanyau kuṭilākṛtī || 3 ||
Man drehe beide Hände, halte die Daumen deutlich gleichmäßig, lege die Ringfinger nach innen und forme die Zeigefinger gekrümmt.

I 3.4
kaniṣṭhike niyuñjīta nijasthāne maheśvari |
trikhaṇḍaiṣā mahāmudrā tripurāhvānakarmaṇi || 4 ||
Die kleinen Finger bringe man an ihre eigene Stelle, höchste Herrin. Dies ist die große Trikhanda-Mudra für die Anrufung Tripuras.

I 3.5
madhyamāmadhyage kṛtvā kaniṣṭhe'ṅguṣṭharodhite |
tarjanyau daṇḍavatkṛtvā madhyamoparyanāmikā || 5 ||
Die kleinen Finger lege man zwischen die Mittelfinger, durch die Daumen festgehalten; die Zeigefinger halte man stabförmig und die Ringfinger über den Mittelfingern.

I 3.6
eṣā tu prathamā mudrā sarvasaṃkṣobhakāriṇī |
etasyā eva mudrāyā madhyame sarale yadā || 6 ||
Dies ist die erste Mudra, die alles erregt. Wenn bei eben dieser Mudra die beiden Mittelfinger gerade ...

I 3.7
kriyete parameśāni sarvavidrāviṇī smṛtā |
madhyamātarjanībhyāṃ tu kaniṣṭhānāmike same || 7 ||
... gemacht werden, höchste Herrin, heißt sie Sarvavidravini, die alles Vertreibende. Kleine Finger und Ringfinger [halte man] gleichmäßig zwischen Mittel- und Zeigefingern,

I 3.8
aṅkuśākārarūpābhyāṃ madhyage parameśvari |
iyamākarṣiṇī mudrā trailokyākarṣakāriṇī || 8 ||
... die wie Treibstacheln geformt sind, höchste Herrin. Dies ist die anziehende Mudra, die die drei Welten heranzieht.

I 3.9
sphuṭākārau karau kṛtvā tarjanyāvaṅkuśākṛtī |
parivartakrameṇaiva madhyage tadadhogate || 9 ||
Man öffne die Hände und mache die Zeigefinger treibstachelförmig; durch wechselweises Verschränken [bringe man sie] in die Mitte und nach unten.

I 3.10
krameṇa devi tenaiva kaniṣṭhānāmikādayaḥ |
saṃyojya niviḍāḥ sarvā aṅguṣṭhāvagradeśataḥ || 10 ||
In derselben Reihenfolge, Göttin, verbinde man kleine Finger, Ringfinger und weitere fest miteinander, die Daumen an den Spitzen.

I 3.11
mudreyaṃ parameśāni sarvāveśakarī smṛtā |
saṃmukhau tu karau kṛtvā madhyamāmadhyage'nuje || 11 ||
Diese Mudra gilt als die alles Eindringen Bewirkende, höchste Herrin. Man halte die Hände einander zugewandt, die kleinen Finger zwischen den Mittelfingern,

I 3.12
anāmike tu sarale tadbahistarjanīdvayam |
daṇḍākārau tatrāṅguṣṭhau madhyamā nakhadeśagā || 12 ||
... die Ringfinger gerade und außerhalb davon die beiden Zeigefinger; die Daumen seien stabförmig, die Mittelfinger an deren Nagelbereich.

I 3.13
mudraiṣonmādinī nāmnā kledinī sarvayoṣitām |
asyāstvanāmikāyugmamadhaḥ kṛtvāṅkuśākṛti || 13 ||
Diese Mudra heißt Unmadini, die alle Frauen befeuchtet. Wenn man bei ihr das Ringfingerpaar nach unten treibstachelförmig macht,

I 3.14
tarjanyāvapi tenaiva krameṇa viniyojayet |
iyaṃ mahāṅkuśā vidyā sarvakāmārthasādhakī || 14 ||
... und auch die Zeigefinger ebenso anordnet, [entsteht] diese Mahankusha-Vidya, die sämtliche Wünsche und Ziele verwirklicht.

I 3.15
savyaṃ dakṣiṇadeśaṃ tu dakṣiṇaṃ savyadeśataḥ |
bāhuṃ kṛtvā mahādevi hastau saṃparivartya ca || 15 ||
Man lege den linken Arm nach rechts und den rechten nach links, große Göttin, und drehe die Hände gegeneinander,

I 3.16
kaniṣṭhānāmike devi yuktvā tena krameṇa tu |
tarjanībhyāṃ samākrānte sarvordhvamapi madhyame || 16 ||
... verbinde die kleinen Finger und Ringfinger in dieser Reihenfolge und auch die ganz oben befindlichen Mittelfinger, von den Zeigefingern überlagert.

I 3.17
aṅguṣṭhau tu maheśāni kārayetsaralāvapi |
iyaṃ sā khecarī nāmnā mudrā sarvottamā priye || 17 ||
Die Daumen mache man ebenfalls gerade, große Herrin. Dies ist die Khechari genannte höchste Mudra, Geliebte.

I 3.18
racitaiva mahādevi sarvatejopahāriṇī |
baddhayaivaitayā devi dṛśyate sādhakottamaḥ || 18 ||
Schon gebildet, zieht sie alle Strahlkraft an sich. Ist sie gebunden, erscheint der vorzügliche Übende, Göttin,

I 3.19
sarvayoginivṛndaistu jvalatpāvakasannibhaḥ |
śākinīḍākinīvṛndai rākiṇīlākinīgaṇaiḥ || 19 ||
... allen Scharen der Yoginis wie loderndes Feuer. Von den Scharen der Shakinis und Dakinis, der Rakinis und Lakinis,

I 3.20
kākinīhākinībhistu dhyāteyaṃ parameśvari |
etayā jñātayā devi yoginīnāṃ bhavetpriyaḥ || 20 ||
... von Kakinis und Hakinis wird sie meditiert, höchste Herrin. Wer diese [Mudra] kennt, wird den Yoginis lieb.

I 3.21
ataḥ samayamudreyaṃ sarvāsāṃ parikīrtitā |
prayato'prayato vāpi śucau deśe'thavāśucau || 21 ||
Deshalb wird sie als die Samaya-Mudra aller bezeichnet. Gesammelt oder ungesammelt, an einem reinen oder unreinen Ort,

I 3.22
utthito vopaviṣṭo vā caṅkramanniścalo'thavā |
ucchiṣṭo vā śucirbhūtvā bhuñjāno maithune rataḥ || 22 ||
... stehend oder sitzend, gehend oder unbewegt, mit Speiseresten [verunreinigt] oder gereinigt, essend oder im Liebesakt, [kann man sie binden].

I 3.23
mudrāyā madhyamāṅgulyau parivartya krameṇa tu |
pārthivaṃ sthānakaṃ yuktvā sadyaḥ khecaratāṃ vrajet || 23 ||
Wenn man die Mittelfinger der Mudra in entsprechender Folge gegeneinander dreht und die erdbezogene Stellung einnimmt, erlangt man sogleich das Khechara-Sein. [Die Körperstellung erklärt erst der Kommentar näher.]

I 3.24
parivartya karau spaṣṭāvardhacandrākṛtī priye |
tarjanyaṅguṣṭhayugalaṃ yugapadbhāvayettataḥ || 24 ||
Man drehe die Hände, deutlich halbmondförmig, Geliebte, und bilde dann zugleich das Paar aus Zeigefingern und Daumen.

I 3.25
adhaḥkaniṣṭhāvaṣṭabdhe madhyame viniyojayet |
tathaiva kuṭile yojya sarvādhastādanāmike || 25 ||
Die Mittelfinger bringe man darunter, durch die kleinen Finger abgestützt; ebenso ordne man die gekrümmten Ringfinger ganz unten an.

I 3.26
bījamudreyamacirātsarvasiddhipravartakī |
madhyame kuṭile kṛtvā tarjanyuparisaṃsthite || 26 ||
Diese Bija-Mudra bringt bald alle Vollkommenheiten hervor. Man krümme die Mittelfinger und lege sie über die Zeigefinger,

I 3.27
anāmikāmadhyagate tathaivahi kaniṣṭhike |
sarvā ekatra saṃyojyā aṅguṣṭhaparipīḍitāḥ 27 ||
... ebenso die kleinen Finger zwischen die Ringfinger; alle sind zusammenzufügen und durch die Daumen festzuhalten. [Vor „27“ fehlt in der Vorlage der übliche Doppelstrich; die Nummer selbst ist vorhanden.]

I 3.28
eṣā tu prathamā mudrā yonimudreti saṃsmṛtā |
etā mudrā maheśāni tripurāyā mayoditāḥ || 28 ||
Diese vornehmste Mudra wird Yoni-Mudra genannt. Diese Mudras Tripuras habe ich dir erklärt, große Herrin.

Unnummerierter Schluss-Halbvers
pūjākāle prayoktavyā yathānukramayogataḥ |
Zur Zeit der Verehrung sind sie in der entsprechenden Reihenfolge anzuwenden.

Kolophon des Kommentars
iti śrīmadrājānakajayarathaviracite śrīvāmakeśvarīmatavivaraṇe tṛtīyaḥ paṭalaḥ || 3 ||
Damit endet das 3. Kapitel in dem von Rajanaka Shri Jayaratha verfassten Kommentar zur Shri Vamakeshvarimata.

Teil I, Kapitel 4

caturthaḥ paṭalaḥ |
Viertes Kapitel.

Sprecherwechsel: śrīdevy uvāca – Die erhabene Göttin sprach. [Aus der Kommentar-Einleitung übernommen.]

I 4.1
bhagavansarvamākhyātaṃ mudrāṇāṃ jñānamuttamam |
vadedānīṃ mahādevyā ekaikākṣarasādhanam || 1 ||
Erhabener, das vorzügliche Wissen um die Mudras ist vollständig erklärt. Sage nun, wie jede einzelne Silbe der großen Göttin verwirklicht wird,

I 4.2
mahājñānaprabhāvaṃ ca vyāptiṃ sthānodbhavaṃ layam |
sthūlasūkṣmavibhāgena śarīre parameśvara || 2 ||
... [erkläre] die Macht des großen Wissens, seine Durchdringung, seinen Bestand, Ursprung und seine Auflösung, nach grober und feiner Form im Körper, höchster Herr. [„sthānodbhavam“ kann auch auf den Ort des Hervorgehens bezogen werden.]

Sprecherwechsel: śrībhairava uvāca – Der erhabene Bhairava sprach. [Aus der Kommentar-Einleitung übernommen.]

I 4.3
śṛṇu devi mahājñānaṃ sarvajñānottaraṃ param |
yenānuṣṭhitamātreṇa bhavābdhau na nimajjati || 3 ||
Höre, Göttin, das große, höchste Wissen, das alles Wissen übersteigt: Schon durch seine Ausübung versinkt man nicht im Ozean des Werdens.

I 4.4
tripurā paramā śaktirādyā jātāditaḥ priye |
sthūlasūkṣmavibhāgena trailokyotpattimātṛkā || 4 ||
Tripura, die höchste, ursprüngliche Shakti, trat zu Anfang hervor, Geliebte. Nach grober und feiner Form unterschieden, ist sie die Mutter des Entstehens der drei Welten.

I 4.5
kavalīkṛtaniḥśeṣatattvagrāmasvarūpiṇī |
tasyāṃ pariṇatāyāṃ tu na kaścitpara iṣyate || 5 ||
Sie hat die Gestalt der restlos in sich aufgenommenen Gesamtheit aller Wirklichkeitsprinzipien. Wenn sie sich entfaltet hat, wird kein anderer Höchster anerkannt. [Jayaratha liest „tu“ auch im Sinn von „sogar“; der genaue Gegensatz bleibt auslegungsbedürftig.]

I 4.6
paro hi śaktirahitaḥ śaktaḥ kartuṃ na kiṃcana |
śaktastu parameśāni śaktyā yukto yadā bhavet || 6 ||
Denn der Höchste, ohne Shakti, vermag überhaupt nichts zu tun. Handlungsfähig ist er, höchste Herrin, wenn er mit Shakti verbunden ist.

Anmerkung: Die Verneinung gehört zu „ohne Shakti“: Nicht Shakti, sondern der von ihr getrennt gedachte Höchste wird als handlungsunfähig beschrieben.

I 4.7
śaktyā vinā śive sūkṣme nāma dhāma na vidyate |
jñātenāpi maheśāni karma śarma na kiñcana || 7 ||
Ohne Shakti gibt es am feinen Shiva weder Namen noch Erscheinungsstätte; selbst wenn er erkannt ist, gibt es weder Handlung noch Wohlergehen, große Herrin.

I 4.8
dhyānāvaṣṭambhakāle tu na ratirna matiḥ sthitiḥ |
praviśya paramārgāntaḥ sūkṣmākārasvarūpiṇī || 8 ||
Beim Verweilen in der Meditation gibt es weder Freude noch Erkenntnis [noch] Beständigkeit. In das Innere des höchsten Weges eingetreten, nimmt sie feine Gestalt an, ...

Anmerkung: Der Kommentar bezieht den ersten Halbvers auf den zuvor behandelten Shiva, sofern er als von Shakti getrennt gedacht wird. Er erklärt, dass Freude und Erkennen sonst eine Beziehung zu einem unterschiedenen Gegenstand voraussetzen. Der Vers ist daher kein allgemeines Urteil, Meditation mache freud- oder erkenntnislos. Vor sthitiḥ steht im Grundtext kein drittes na; [noch] kennzeichnet die aus dem Zusammenhang erschlossene Fortführung der Verneinung. Mit „praviśya“ beginnt die Beschreibung der Shakti, die in 4.9 weitergeht.

I 4.9
kavalīkṛtaniḥśeṣabījādyāṅkuratāṃ gatā |
vāmā śikhā tato jyeṣṭhā śṛṅgāṭākāratāṃ gatā || 9 ||
... sie, die Anfängliche, die sämtliche Keime in sich aufgenommen hat und zum Keimtrieb geworden ist: Vama, die Flamme; dann Jyeshtha, die die Gestalt eines dreifachen Gipfels annimmt, ...

I 4.10
raudrī tu parameśāni jagadgrasanarūpiṇī |
evaṃ sā paramā śaktirekaiva parameśvarī || 10 ||
... und Raudri, höchste Herrin, deren Gestalt das Verschlingen der Welt ist. So ist jene höchste Shakti die eine höchste Herrin.

I 4.11
tripurā trividhā devī brahmaviṣṇvīśarūpiṇī |
jñānaśaktiḥ kriyāśaktiricchāśaktyātmikā priye || 11 ||
Tripura ist die dreifache Göttin in Gestalt von Brahma, Vishnu und Isha, die Kraft des Erkennens, die Kraft des Handelns und ihrem Wesen nach die Kraft des Wollens, Geliebte.

I 4.12
trailokyaṃ saṃsṛjati - - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - asmāt tripurā parikīrtitā |
yadollasati śṛṅgāṭapīṭhātkuṭilarūpiṇī || 12 ||
Sie erschafft die drei Welten; deshalb heißt sie Tripura. Wenn sie aus dem dreigipfligen Sitz in gewundener Gestalt aufleuchtet,

I 4.13
śivārkamaṇḍalaṃ bhittvā drāvayantīndumaṇḍalam |
tadudbhavāmṛtasyandamadirānandananditā || 13 ||
... durchbricht sie den Shiva-Sonnenkreis und lässt den Mondkreis schmelzen, beglückt von der berauschenden Wonne des daraus strömenden Nektars.

I 4.14
kulayoṣitkulaṃ tyaktvā paraṃ puruṣameti sā |
nirlakṣaṇaṃ nirguṇaṃ ca kularūpavivarjitam || 14 ||
Als Frau des Kula verlässt sie das Kula und gelangt zum höchsten Purusha, der ohne Kennzeichen, ohne Eigenschaften und frei von Kula-Gestalt ist.

I 4.15
tataḥ svacchandarūpā tu paribhramya jagatpunaḥ |
tena cāreṇa saṃtuṣṭā punarekākinī satī || 15 ||
Dann wandert sie, frei in ihrer Gestalt, wiederum durch die Welt; durch dieses Wandern befriedigt, ist sie wieder allein ...

I 4.16
ramate - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - seyamavyaktā tripurā vyaktimāgatā |
tattvatrayavinirdiṣṭā varṇaśaktitrayātmikā || 16 ||
... und erfreut sich. Diese unoffenbare Tripura ist offenbar geworden, durch die drei Wirklichkeitsprinzipien bestimmt und aus den drei Lautkräften bestehend.

I 4.17
vāgīśvarī jñānaśaktirvāgbhavā mokṣarūpiṇī |
kāmarājā kāmakalā kāmarūpā kriyātmikā || 17 ||
Vagishvari ist Erkenntniskraft, Vagbhava und Gestalt der Befreiung; Kamaraja ist Kamakala, von der Gestalt des Begehrens und dem Wesen des Handelns.

I 4.18
śaktibījā parā śaktiricchaiva viṣarūpiṇī |
evaṃ devī tryakṣarā tu mahātripurasundarī || 18 ||
Die Shakti-Keimsilbe ist die höchste Shakti, das Wollen selbst, von der Gestalt des Giftes. So ist die Göttin Mahatripurasundari dreisilbig. [„Gift“ übersetzt viṣa wörtlich; es ist hier zugleich eine technische Zuordnung, keine Aussage, Shakti sei moralisch böse.]

I 4.19
pāramparyeṇa vijñātā bhavabandhavimocinī |
saṃsmṛtā pāpaharaṇī japtā mṛtyuvināśinī || 19 ||
Durch die Überlieferung erkannt, befreit sie aus der Bindung des Werdens. Erinnert, nimmt sie Verfehlungen hinweg; rezitiert, vernichtet sie den Tod.

I 4.20
pūjitā duḥkhadāridryavyādhidaurbhāgyaghātakī |
hutā vighnaughaśamanī dhyātā sarvārthasādhakī || 20 ||
Verehrt, vernichtet sie Leiden, Armut, Krankheit und Unglück; im Feueropfer dargebracht, besänftigt sie die Hindernisschar; meditiert, verwirklicht sie alle Ziele.

I 4.21
etasyāḥ śṛṇu deveśi bījatritayasādhanam |
dhavalāmbarasaṃvīto dhavalāmbaramadhyagaḥ || 21 ||
Höre die Verwirklichung ihrer drei Keimsilben, Herrin der Götter. In weiße Gewänder gehüllt und inmitten weißen Tuches,

I 4.22
pūjayeddhavalaiḥ puṣpairbrahmacaryarato naraḥ |
dhavalaireva naivedyairdadhikṣīraudanādibhiḥ || 22 ||
... verehre ein der Enthaltsamkeit ergebener Mensch mit weißen Blumen und weißen Speisegaben wie Dickmilch, Milch und gekochtem Reis,

I 4.23
saṃkalpadhavalairvāpi - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - - - - - - - - - yathākāmaṃ yathā labhet |
saṃpūjya parameśāni dhyāyedvāgīśvarīṃ parām || 23 ||
... oder mit in der Vorstellung weißen [Gaben], nach Wunsch und nach Verfügbarkeit. Nachdem er verehrt hat, meditiere er die höchste Vagishvari,

I 4.24
bījarūpāmullasantīṃ cidānandaprabodhinīm |
brahmagranthiṃ vinirbhidya jihvāgre dīparūpiṇīm || 24 ||
... in Keimsilbengestalt aufstrahlend, Bewusstseinswonne erweckend, den Brahma-Knoten durchbrechend und als Leuchte an der Zungenspitze erscheinend.

I 4.25
cintayennaṣṭahṛdayo grāmyo mūrkho'tipātakī |
śaṭho'pi yaḥ pādamekaṃ suspaṣṭaṃ vaktumakṣamaḥ || 25 ||
Auch wer innerlich verloren, ungebildet, töricht, schwer fehlgehend oder betrügerisch ist und nicht einmal einen einzigen Versfuß klar aussprechen kann – wenn er [so] meditiert,

I 4.26
jaḍo mūko'pi durmedhā gataprajño'pi naṣṭadhīḥ |
so'pi saṃjāyate vāgmī vācaspatirivāparaḥ || 26 ||
... wird selbst ein träger, stummer, unverständiger Mensch, dem Einsicht fehlt oder dessen Verstand verloren ist, beredt wie ein zweiter Herr der Sprache.

I 4.27
satpaṇḍitaghaṭāṭopajetā'pratihataprabhaḥ |
ṣaṭtarkapadavākyārthaśabdālaṅkārasāravit || 27 ||
Er besiegt die mächtige Schar guter Gelehrter, ist von ungehinderter Strahlkraft und kennt das Wesentliche der sechs Denksysteme, der Wörter und Sätze, ihrer Bedeutung und der sprachlichen Schmuckmittel.

I 4.28
vātorddhūtasamudrormimālātulyairupanyaset |
sukumāratarasphārarītyalaṅkārapūrvakaiḥ || 28 ||
Er trägt [seine Gedanken] vor wie Reihen windbewegter Meereswellen, mit besonders zarten, weit entfalteten Stilformen und Schmuckmitteln,

I 4.29
padagumphairmahākāvyakartā deveśi jāyate |
vedavedāntasiddhāntavedāṅgajñānapāragaḥ || 29 ||
... durch kunstvolle Wortverbindungen wird er zum Schöpfer großer Dichtungen. Er beherrscht das Wissen der Veden, des Vedanta, der Lehrsysteme und der Vedangas,

I 4.30
jyotiḥśāstretihāsādimīmāṃsāsmṛtivākyavit |
purāṇarasavādādigāruḍānekamantravit || 30 ||
... kennt die Aussagen der Gestirnskunde, der Überlieferungserzählungen, der Mimamsa und Smriti; er kennt Puranas, Alchemie und zahlreiche Garuda-Mantras,

I 4.31
pātālaśāstravijñānabhūtatantrārthatattvavit |
vicitracitrakarmādiśilpānekavicakṣaṇaḥ || 31 ||
... versteht die Wissenschaft der Unterwelt und die wirklichen Bedeutungen der Geister-Tantras und ist in vielen Künsten, darunter vielfältiger Malerei, kundig.

I 4.32
mahāvyākaraṇodāraśabdasaṃskṛtasarvagīḥ |
sarvabhāṣārutajñānasamastalipikarmavit || 32 ||
Seine gesamte Rede ist durch die erhabenen Sprachregeln der großen Grammatik geformt; er versteht alle Sprachen und Lautäußerungen und kennt sämtliche Schriftverfahren.

Anmerkung: Die im E-Text auffällige Folge sarvabhāpā wurde am Haupttext der Druckseite 111 als sarvabhāṣā („alle Sprachen“) erkannt und in beiden Schriftfassungen berichtigt.

I 4.33
nānāśāstrārthaśilpādivedavedāṅgaviśrutaḥ |
sarvavāṅmayavettā ca sarvajño devi jāyate * || 33 ||
Berühmt für die Bedeutung verschiedener Lehrwerke, für Künste, Veden und Vedangas, wird er Kenner aller Literatur und allwissend, Göttin. [„śastra“ steht in der Vorlage; die Übersetzung als Lehrwerke setzt die naheliegende Lesedeutung śāstra voraus.]

Anmerkung: Auf Druck S. 111 lautet der Beginn nānāśāstrārtha („Bedeutungen der verschiedenen Lehrschriften“), nicht nānāśastrārtha. Die Vokallänge ist in beiden Schriftfassungen berichtigt. Der Stern verweist im Druck auf einen zusätzlichen Vers des Zeugen ग; dieser ist eine Apparatergänzung, kein Bestandteil des hier übersetzten Haupttextes. Der Befund ist im Arbeitsarchiv dokumentiert.

I 4.34
yadā kāmakalārūpā madanāṅkurāgocare |
taruṇāruṇabimbārkakiraṇābhā maheśvari || 34 ||
Wenn [die Göttin] in Gestalt der Kamakala am Ort des Keimtriebes des Liebesgottes [erscheint], wie die Strahlen der jungen roten Sonnenscheibe,

I 4.35
sphuraddīpaśikhākārā bindudhārāpravarṣiṇī |
samastabhuvanābhogakavalīkṛtajīvitā || 35 ||
... in Gestalt einer flackernden Flamme, Ströme von Tropfen regnend und die Lebenskraft der gesamten Weite der Welten in sich aufnehmend,

I 4.36
mahāsvamahimākrāntidhvastāhaṅkṛtibhūmikā |
krameṇa ca tato'naṅgaparyantātprollasantyapi || 36 ||
... durch das Übergreifen ihrer eigenen großen Macht den Bereich der Ichbildung auflösend, von dort schrittweise bis zum Körperlosen aufstrahlend,

I 4.37
śarīrānaṅgaparyantamekaikamubhayātmikā |
tato bhavati deveśi sarvaśṛṅgāramāninām || 37 ||
... bis zur Grenze von Körper und Körperlosem, in jedem einzelnen [Bereich] von beider Wesen – dann wird der Übende unter allen, die stolz auf ihre Liebeskunst sind,

I 4.38
rāgiṇāṃ sādhako devi bādhako madanādhikaḥ |
taddṛṣṭipathagā nārī surī vā yadivāsurī || 38 ||
... den Leidenschaftlichen überlegen und übertrifft den Liebesgott. Eine Frau, die in seinen Blickbereich kommt, sei sie eine Göttin oder Asura-Frau,

I 4.39
vidyādharī kinnarī vā yakṣanāgāṅganāthavā |
pracaṇḍatarabhūpālakanyakāḥ siddhakanyakāḥ || 39 ||
... eine Vidyadhari, Kinnari, Yaksha- oder Naga-Frau, die Tochter eines überaus mächtigen Königs oder eine Siddha-Tochter,

I 4.40
jvalanmaṇḍaladuṣprekṣyamadanottaptamānasāḥ |
klinnāḥ pracalitāṅgyastu vimūḍhā madavihvalāḥ || 40 ||
... wird im Herzen vom Liebesfeuer erhitzt, dessen lodernder Kreis kaum anzusehen ist, feucht, mit bewegten Gliedern, betäubt und von Erregung überwältigt,

I 4.41
niveditātmasarvasvā jāyante vaśagāḥ priye |
calajjalendusadṛśī bālārkakiraṇāruṇā || 41 ||
... und gibt sich mit allem Eigenen hin und gerät unter seine Gewalt, Geliebte. Dem Mond auf bewegtem Wasser gleich, rot wie die Strahlen der jungen Sonne,

I 4.42
cintitā yoṣitāṃ yonau saṃkṣobhayati tatkṣaṇāt |
saiva sindūravarṇābhā hṛdaye cintitā satī || 42 ||
... im Geschlecht der Frauen vorgestellt, erregt [die Kraft] sie sogleich. Dieselbe, von Sindura-roter Erscheinung, im Herzen vorgestellt,

I 4.43
saṃmohonmādanāveśacittākarṣakarī smṛtā |
niyojitāthavā mūrdhni varṣantī raktabindavaḥ || 43 ||
... gilt als Verursacherin von Verblendung, Raserei, Eintritt und Anziehung des Denkens. Oder auf dem Scheitel angeordnet und rote Tropfen regnend,

Anmerkung: Die Form „raktabindavaḥ“ ist bereits Gegenstand von Jayarathas Kommentar. Er nennt sie eine besondere Textform und erläutert den Sinn mit einem erwarteten Akkusativ. Sie wurde deshalb nicht als bloßer OCR-Fehler korrigiert.

I 4.44
dhāraṇāsaṃprayogeṇa karoti vivaśaṃ jagat |
athānyaṃ saṃpravakṣyāmi prayogaṃ bhuvi durlabham || 44 ||
... macht sie durch die Anwendung der Konzentration die Welt willenlos. Nun werde ich eine andere, in der Welt schwer zugängliche Anwendung erklären,

I 4.45
yena vijñātamātreṇa sādhako madanāyate |
kāmasthaṃ kāmamadhyasthaṃ kāmodarapuṭīkṛtam || 45 ||
... durch deren bloße Kenntnis der Übende zum Liebesgott wird: Im Kama befindlich, in der Mitte von Kama befindlich, im Innern von Kama eingeschlossen,

Anmerkung: Die Kāma-Chiffre läuft über 4.45–4.46. Jayaratha bietet sowohl eine Körper- und Atemauslegung als auch eine Yantra-Auslegung. Beide werden nicht zu einer einzigen vermeintlichen Wortbedeutung vermischt. Die folgende Übersetzung bewahrt zunächst die wiederholte Chiffrensprache des Grundtextes.

I 4.46
kāmena sādhayetkāmaṃ kāmaṃ kāmeṣu nikṣipet |
kāmena kāmitaṃ kṛtvā kāmasthaḥ kṣobhayejjagat || 46 ||
... verwirkliche man Kama durch Kama und lege Kama in die Kamas. Mit Kama begehrt gemacht, im Kama befindlich, errege man die Welt. [„Kama“ bezeichnet hier mehrere Lautformen und rituelle Bezugspunkte. Die fünf Lautformen sind anhand des Kommentars erläutert; die gesamte räumliche und körperliche Deutung bleibt vorläufig.]

Anmerkung: In Jayarathas Yantra-Auslegung stehen die fünf Kāmas für hrīṃ, klīṃ, zwei e-Laute, vlaṃ und strīṃ. Die ersten beiden und der fünfte beruhen auf bestimmten Vorgänger- beziehungsweise Abstandsschritten in der Lautreihe; die Punktmarkierung ist durch eine zusätzliche Kommentarregel begründet. Die vierte Form lautet auf Druck S. 117 vlaṃ (व्लं), elektronisch dagegen blaṃ. Bei der fünften bestätigt der Druck den langen Vokal ī, wo der E-Text einmal i schreibt. Die einzelnen Lautoperationen sind im Arbeitsarchiv nachvollzogen. Die wechselnden Körper-, Orts- und Zeichnungsbezüge der gesamten Passage sind damit noch nicht vollständig geklärt.

I 4.47
śaktibījasvarūpāṃ tu sṛṣṭyā saṃhṛtisīmayā |
sṛṣṭisaṃhāraparyantaṃ śarīre paricintayet || 47 ||
[Die Göttin] in der Gestalt der Shakti-Keimsilbe betrachte man im Körper gemäß der Schöpfung bis zur Grenze der Auflösung, bis zu den Grenzen von Schöpfung und Auflösung.

I 4.48
yato bhavati deveśi vainateya ivāparaḥ |
nāgānāṃ darśanādeva jaḍīkaraṇakārakaḥ || 48 ||
Dadurch wird man wie ein zweiter Sohn Vinatas [Garuda], Herrin der Götter, und lässt die Nagas schon beim Anblick erstarren.

I 4.49
dāhināmamṛtāsāradhīradhārādharopamaḥ |
sthirakṛtrimaśaṅkākhyaviṣopaviṣanāśakaḥ || 49 ||
Für die von Brennen Geplagten wird man wie eine mächtige Regenwolke mit Nektarstrom, ein Vernichter von Giften und Nebengiften, die als unbeweglich, künstlich oder eingebildet bezeichnet werden. [Die historische Giftklassifikation wird nicht medizinisch modernisiert.]

I 4.50
duṣṭavyādhigrahānekaḍākinīrūpikāgaṇaḥ |
bhūtapretapiśācaughaistrinetra iva dṛśyate || 50 ||
Von schlimmen Krankheiten und Ergreifern, zahlreichen Gruppen von Dakinis und Rupikas sowie Scharen von Bhutas, Pretas und Pishachas wird er wie der Dreiäugige [Shiva] gesehen. [Die Kasusform „gaṇaḥ“ stimmt nicht glatt zum Instrumental des Folgesatzes; vorläufige syntaktische Angleichung nur im Deutschen.]

I 4.51
athavā yena vidyeyaṃ paripūrṇā vicintyate |
nābhimaṇḍalahṛtpadmamukhamaṇḍalamadhyagā || 51 ||
Oder wer diese Vidya vollständig betrachtet, in der Nabelregion, im Herzlotus und im Bereich des Mundes befindlich,

I 4.52
kevalaiva maheśāni padmarāgasamaprabhā |
tasyāṣṭaguṇamaiśvaryamacirātsaṃpravartate || 52 ||
... ganz allein, von rubingleichem Glanz, höchste Herrin – bei ihm entfaltet sich bald achtfache Herrschaft.

I 4.53
manasā saṃsmaratyasyā yadā nāmāpi sādhakaḥ |
tadaiva mātṛcakrasya vidito bhavati priye || 53 ||
Wenn der Übende auch nur ihren Namen im Geist erinnert, wird er schon dadurch dem Kreis der Muttergöttinnen bekannt, Geliebte.

I 4.54
yadaiva japate vidyāṃ mahātripurasundarīm |
tadaiva mātṛcakrājñā saṃkrāmatyasya vigrahe || 54 ||
Sobald er die Vidya Mahatripurasundari rezitiert, geht die Weisungsgewalt des Mutterkreises in seinen Leib über.

I 4.55
sarvāsāṃ sarvasaṃsthānāṃ yoginīnāṃ bhavetpriyaḥ |
putravatparameśāni dhyānādeva hi sādhakaḥ || 55 ||
Allen Yoginis in allen ihren Erscheinungsweisen wird der Übende allein durch Meditation lieb wie ein Sohn, höchste Herrin.

I 4.56
yadā tu parameśāni paripūrṇāṃ prapūjayet |
prayacchanti tadaivāsya khecaryaḥ siddhimuttamām || 56 ||
Wenn er aber die [Vidya] vollständig verehrt, höchste Herrin, schenken ihm die Khecharis höchste Vollkommenheit.

I 4.57
catuṣṣaṣṭiryataḥ koṭyo yoginīnāṃ mahaujasām |
cakrametatsamāśritya saṃsthitā vīravandite || 57 ||
Denn vierundsechzig Kotis [640 Millionen] machtvoller Yoginis haben in diesem Chakra ihren Aufenthalt, du von Helden Verehrte.

I 4.58
ādeḥ saṃbandhini pade madhye bījāṣṭakaṃ bahiḥ |
kalā dhyātvāṅganānaṅge jāyate'naṅgavatpriye || 58 ||
Wenn man [die Vidya] an dem zum Anfang gehörenden Ort in der Mitte, außen die acht Keimsilben und die Kräfte im Ananga [der Yoni] einer Frau meditiert, wird man dem Körperlosen [Liebesgott] gleich, Geliebte. [Die Anordnung folgt Jayarathas Erklärung; eine vollständige Rekonstruktion des Diagramms steht aus.]

Anmerkung: Jayaratha bezieht den „Anfang“ auf Vagbhava und beschreibt dessen Platztausch mit Kamaraja in der Mitte. bahiḥ („außen“) gehört nach seiner Erklärung bereits zum bījāṣṭaka, den acht Keimsilben der Vashini-Göttinnen; hinzu kommen die sechzehn Vokalkräfte. Die vorige deutsche Fassung hatte die acht Keimsilben unzutreffend in die Mitte gesetzt. „Ananga der Frau“ erklärt er als Yoni. Die Körperstelle und die sexuelle Zielrichtung werden damit kenntlich; eine vollständige graphische Rekonstruktion wurde nicht erstellt.

I 4.58 (zweites Vorkommen)
karaśuddhyādividyānāmekaikaṃ parameśvari |
rudrayāmalatantre tu karma proktaṃ mayā purā || 58 ||
Die einzelne Anwendung der Vidyas zur Reinigung der Hände und der weiteren [Vidyas], höchste Herrin, habe ich früher im Rudrayamala Tantra erklärt.

Anmerkung: Die Nummer 58 kommt in der Quelle unmittelbar nacheinander zweimal vor. Die zweite Stelle ist ein eigenständiger Vers und wird nicht ausgelassen oder als 59 umnummeriert. Beide Nummern 58 wurden auch auf Druck S. 121 bestätigt.

I 4.59
mādanairmadano bhūtvā pāśāṅkuśadhanuḥśaraiḥ |
kṣobhayetsvargabhūlokapātālatalayoṣitaḥ || 59 ||
Mit den zu Madana gehörenden [Mantras] zum Liebesgott geworden, errege man mit Schlinge, Treibstachel, Bogen und Pfeilen die Frauen des Himmels, der Erde und der Unterwelt.

I 4.60
tathaiva śāktairdeveśi tripurīkṛtavigrahaḥ |
sādhayeddevagandharvasiddhavidyādharānapi || 60 ||
Ebenso verwirkliche man mit den Shakti-[Mantras], den Leib zu Tripuras Gestalt gemacht, [Macht über] Götter, Gandharvas, Siddhas und Vidyadharas.

I 4.61
tatra śāktā mahāvajraprastārajanitāḥ śarāḥ |
mādanāstvādiparataḥ sarvādhaḥsthā niyojitāḥ || 61 ||
Dabei entstehen die Shakti-Pfeile aus dem großen Vajra-Prastara [einer Lautanordnung]. Die zu Madana gehörenden [Pfeile] aber sind die ganz unten stehenden [Lautkräfte], die nach dem Anfang [ha] angeordnet werden.

Anmerkung: Jayaratha erklärt die zweite Vershälfte ausdrücklich als ha gefolgt von den vier Halbvokalen ya, ra, la, va. Sie bezeichnen hier die untersten Elementkräfte. Sein Kommentar zu 4.63 ergänzt die Punktmarkierung: haṃ yaṃ raṃ laṃ vaṃ. Diese Folge ist anhand seiner Erläuterung nachvollzogen. Die Herleitung sämtlicher Shakti-Pfeile aus der Vajra-Lauttafel in der ersten Vershälfte bleibt davon zu unterscheiden und ist nicht vollständig rekonstruiert.

I 4.62
ādyantago mahāpāśaḥ pauruṣeyaḥ prakīrtitaḥ |
rudraśaktiḥ kuṇḍalākhyā māyā strīpāśa ucyate || 62 ||
Der auf den Anfang [a] folgende [Laut ā] wird als die große männliche Schlinge bezeichnet. Rudras Shakti, die Kundala genannte Maya [hier der Vokal ī], heißt die weibliche Schlinge.

Anmerkung: Jayaratha erklärt den männlichen Laut als ā, den weiblichen als den vierten Vokal ī. Maya meint hier ausdrücklich nicht die sonst häufig mit diesem Namen bezeichnete vierteilige Keimsilbe. Mit der im Kommentar zu 4.63 vorgeschriebenen Punktmarkierung lauten die Formen āṃ und īṃ. Die eigentümliche Zerlegung von kuṇḍalākhyā über zwei i-Laute ist seine Kommentarauslegung, keine gewöhnliche Wortübersetzung.

I 4.63
turīyamaruṇāvargāddvitīyamapi pārvati |
strīpuṃskodaṇḍayugalaṃ kāmāgnivyāpako'ṅkuśaḥ || 63 ||
Der vierte und der zweite Laut der Aruna-Gruppe [dha und tha], Parvati, bilden das Paar des weiblichen und männlichen Bogens. Kama, Feuer und der Durchdringende [k, r und o] bilden den Treibstachel.

Anmerkung: Die Aruna-Gruppe ist nach 1.62 die ta-Reihe: ta, tha, da, dha, na. Deren vierter und zweiter Laut sind dha und tha. Mit der von Jayaratha aus dem Mantrakontext ergänzten Punktmarkierung ergeben sich daraus dhaṃ und thaṃ; sein nachfolgendes Zitat führt das Paar in umgekehrter Reihenfolge an. k + r + o + ṃ ergibt kroṃ. Diese einzelnen Operationen sind nachvollzogen; sie beweisen keine vollständige Entschlüsselung aller Mantrapassagen des Tantra.

I 4.64
mudrā yāstripurāyāstu devi siddhyaṣṭakānvitāḥ |
tā eva sarvacakreṣu pūjākāle prapūjayet || 64 ||
Die Mudras Tripuras, die mit den acht Vollkommenheiten verbunden sind, verehre man zur Zeit der Verehrung in sämtlichen Chakras.

I 4.65
ataḥ pradhānavidyeyaṃ tripurā parameśvarī |
naitasyāḥ sadṛśī kācidvidyā deveśi vidyate || 65 ||
Deshalb ist diese Vidya Tripura, die höchste Herrin, die vornehmste. Keine andere Vidya ist ihr gleich, Herrin der Götter.

I 4.66
etāmeva purārādhya vidyāṃ tripurabhairavīm |
trailokyamohanaṃ rūpamakāṣīdbhagavānhariḥ || 66 ||
Nachdem er früher eben diese Vidya Tripurabhairavi verehrt hatte, nahm der erhabene Hari die Gestalt an, welche die drei Welten bezaubert.

I 4.67
kāmadevo'pi deveśi mahātripurasundarīm |
samārādhyābhavalloke sarvasaubhāgyasundaraḥ || 67 ||
Auch der Liebesgott wurde, nachdem er Mahatripurasundari verehrt hatte, in der Welt durch alles Glück schön.

I 4.68
mayāpi yadvratasthena kriyate'dyāpi sundari |
japyaṃ trisandhyametasyāstadetatpadasiddhaye || 68 ||
Auch ich rezitiere sie noch heute, mein Gelübde wahrend, zu den drei Tagesübergängen, Schöne, um eben diese Stellung zu verwirklichen.

I 4.69
madhyaprapūjanāddevi jāyate vākpatirnaraḥ |
tathaivāparakandarpo vāhyamadhyāntare'rcanāt || 69 ||
Durch Verehrung der Mitte wird ein Mensch zum Herrn der Rede; durch Verehrung zwischen dem Äußeren und der Mitte wird er ebenso zu einem weiteren Liebesgott.

I 4.70
sarveṇa sarvadā sarvadevīyuktena pārvati |
sādhayetkhecarīsiddhimaṇimādiguṇānvitām || 70 ||
Mit dem ganzen [Chakra], stets mit sämtlichen Göttinnen verbunden, Parvati, verwirkliche man die Khechari-Vollkommenheit, ausgestattet mit Eigenschaften wie Anima [Kleinwerden].

Kolophon des Kommentars
iti rājānakaśrīmañjayarathaviracite śrīvāmakeśvarīmatavivaraṇe caturthaḥ paṭalaḥ || 4 ||
Damit endet das 4. Kapitel in dem von Rajanaka Shri Jayaratha verfassten Kommentar zur Shri Vamakeshvarimata.

Teil I, Kapitel 5

pañcamaḥ paṭalaḥ
Fünftes Kapitel.

Sprecherwechsel: śrīdevy uvāca – Die erhabene Göttin sprach. [Aus der Kommentar-Einleitung übernommen.]

I 5.1
sarvameva tvayā proktaṃ tripurājñānamuttamam |
kāmatattvaṃ viṣajñānaṃ mokṣatattvaṃ trayaṃ tathā || 1 ||
Du hast das gesamte höchste Wissen um Tripura erklärt: das Prinzip des Begehrens, das Wissen um Gift und das Prinzip der Befreiung, ebenso die Dreiheit [als Ganzes].

I 5.2
idānīṃ japahomābhyāṃ vidhānaṃ vada śaṅkara |
yenānuṣṭhitamātreṇa mandabhāgyo'pi siddhyati || 2 ||
Erkläre nun, Shankara, das Verfahren mit Japa und Feueropfer, durch dessen bloße Ausübung selbst ein wenig Begünstigter Vollendung erlangt.

Sprecherwechsel: śrībhairava uvāca – Der erhabene Bhairava sprach. [Aus der Kommentar-Einleitung übernommen.]

I 5.3
śṛṇu devi pravakṣyāmi tripurāmantrasādhanam |
japahomavidhānaṃ tu samīhitaphalapradam || 3 ||
Höre, Göttin, ich werde die Verwirklichung des Tripura-Mantra erklären: das Verfahren von Japa und Feueropfer, das die ersehnte Frucht verleiht.

I 5.4
cakramabhyarcya vidhivatsakalaṃ parameśvari |
madhyaṃ vā kevalaṃ devi vāhyamadhyagataṃ tu vā || 4 ||
Nachdem man das gesamte Chakra vorschriftsgemäß verehrt hat oder allein die Mitte oder die mit dem Äußeren verbundene Mitte, höchste Herrin,

I 5.5
tadagre saṃsthito mantrī sahasraṃ yadi vā japet |
vratasthaḥ parameśāni tato'nantaphalaṃ labhet || 5 ||
... bleibe der Mantraübende davor und rezitiere etwa tausendmal; sein Gelübde wahrend, erlange er dadurch unendliche Frucht.

I 5.6
dhyātvā vā hṛdgataṃ cakraṃ tatrasthāṃ parameśvarīm |
pūrvoktadhyānayogena saṃcintya japamārabhet || 6 ||
Oder er meditiere das Chakra im Herzen und die höchste Herrin darin, betrachte sie nach der zuvor beschriebenen Meditation und beginne Japa.

I 5.7
nigadenopāṃśunā vā mānasenāpi suvrate |
pūrvoktanyāsasaṃnaddho mudrāsaṃnaddhavigrahaḥ || 7 ||
[Er rezitiere] hörbar, leise oder auch geistig, du Gelübdetreue, durch den beschriebenen Nyasa gerüstet und den Körper durch Mudra gerüstet.

I 5.8
muktāhāramayīṃ sphītavaiḍūryamaṇisaṃbhavām |
putrajīvakapadmākṣarudrākṣasphaṭikodbhavām || 8 ||
[Er verwende eine Gebetskette] aus Perlen, aus prächtigen Vaidurya-Edelsteinen, aus Putrajivaka-Samen, Lotussamen, Rudraksha oder Kristall,

I 5.9
prabālapadmarāgādiraktacandananirmitām |
kuṅkumāgurukarpūramṛganābhivibhūṣitām || 9 ||
... aus Koralle, Rubin und anderem oder rotem Sandelholz, geziert mit Safran, Agaru, Kampfer und Moschus.

I 5.10
akṣamālāṃ samāhṛtya tripurīkṛtavigrahaḥ |
lakṣamātraṃ japeddevi mahāpāpaiḥ pramucyate || 10 ||
Nachdem er die Gebetskette genommen und den Leib zu Tripuras Gestalt gemacht hat, rezitiere er hunderttausendmal; [so heißt es,] er wird von schweren Verfehlungen frei.

I 5.11
lakṣadvayena pāpāni saptajanmakṛtānyapi |
nāśayet tripurā devī sādhakasya na saṃśayaḥ || 11 ||
Durch zweihunderttausend [Wiederholungen] vernichtet die Göttin Tripura die Verfehlungen des Übenden, selbst die aus sieben Geburten; daran besteht kein Zweifel.

I 5.12
japtvā lakṣatrayaṃ mantrī prayato mantravigrahaḥ |
pātakaṃ nāśayedāśu saptajanmasahasrajam || 12 ||
Nach dreihunderttausend Wiederholungen vernichte der gesammelte Mantraübende, dessen Leib Mantra geworden ist, rasch die Verfehlung aus siebentausend Geburten.

I 5.13
japtvā vidyāṃ caturlakṣaṃ mahāvāgīśvaro bhavet |
pañcalakṣāccādaridraḥ sākṣādvaiśravaṇāyate || 13 ||
Nach vierhunderttausend Wiederholungen der Vidya werde er ein großer Herr der Sprache; nach fünfhunderttausend werde er frei von Armut, wie Vaishravana [Kubera] selbst.

I 5.14
japtvā ṣaḍlakṣametasyā mahāvidyādhareśvaraḥ |
japtvaiva sapta lakṣāṇi khecarīmelakaṃ vrajet || 14 ||
Nach sechshunderttausend Wiederholungen werde er ein großer Herr der Vidyadharas; nach siebenhunderttausend gelange er zur Begegnung mit den Khecharis.

I 5.15
aṣṭalakṣapramāṇaṃ tu japtvā vidyāṃ maheśvari |
aṇimādyaṣṭasiddhīśo jāyate devapūjitaḥ || 15 ||
Nach achthunderttausend Wiederholungen der Vidya werde er Herr der acht Vollkommenheiten wie Anima, von Göttern verehrt, große Herrin.

I 5.16
navalakṣapramāṇaṃ tu japtvā tripurasundarīm |
vidhivajjāyate mantrī rudramūrtirivāparaḥ || 16 ||
Nach neunhunderttausend vorschriftsgemäßen Wiederholungen [der Vidya] Tripurasundari werde der Mantraübende wie eine weitere Gestalt Rudras,

I 5.17
kartā hartā svayaṃ gauri loke'pratihataprabhaḥ |
nityapramudito vīraḥ svacchandagatirīśvaraḥ || 17 ||
... selbst Schöpfer und Vernichter, Gauri, in der Welt von ungehinderter Macht, ein stets hocherfreuter Held, ein Herr, der sich frei bewegt.

I 5.18
nigadena yadājaptaṃ lakṣaṃ copāṃśunā kṛtam |
mānasena maheśāni koṭijāpaphalaṃ labhet || 18 ||
Was hörbar rezitiert wird, [bringt die entsprechende Frucht]; leise vollzogen [bringt es die Frucht von] hunderttausend, geistig [vollzogen] die Frucht von zehn Millionen Wiederholungen, große Herrin. [Die Vergleichsmaßstäbe sind nach Jayarathas Erklärung ergänzt; der Grundtext formuliert verkürzt.]

Anmerkung: Die Steigerung der Japa-Frucht ist eine Aussage der historischen Quelle. Sie begründet kein empirisches Verhältnis zwischen lautem, leisem und geistigem Rezitieren.

I 5.19
yatra vā kutraciddeśe liṅgaṃ vai paścimāmukham |
svayaṃbhu vāṇaliṅgaṃ vā itaradvāpi suvrate || 19 ||
Wo immer sich ein nach Westen gerichtetes Linga befindet, ein selbstentstandenes, ein Bana-Linga oder ein anderes, du Gelübdetreue,

I 5.20
tatra sthitvā japellakṣaṃ tripurīkṛtavigrahaḥ |
tato bhavati deveśi tralokyakṣobhako naraḥ || 20 ||
... bleibe man dort und rezitiere hunderttausendmal, den Leib zu Tripuras Gestalt gemacht. Dadurch wird ein Mensch zum Erreger der drei Welten, Herrin der Götter.

I 5.21
evaṃ japaṃ yathāśakti kṛtvādau sādhakottamaḥ |
homaṃ kuryāddaśāṃśena - - - - - - - - - - - - - - - - - ||
- - - - - - - - - - - - - kusumairbrahmavṛkṣajaiḥ || 21 ||
Nachdem der vorzügliche Übende zunächst nach Kräften Japa vollzogen hat, führe er ein Feueropfer im Umfang eines Zehntels [der Wiederholungen] aus, mit Blüten des Brahma-Baumes,

I 5.22
kusumbhakusumairvāpi trimadhvaktairyathāvidhi |
tato bhavati vidyeyaṃ mahāvighnaughaghātakī || 22 ||
... oder mit Saflorblüten, vorschriftsgemäß mit den drei süßen [Stoffen] bestrichen. Dadurch wird diese Vidya zur Vernichterin der großen Hindernisschar,

I 5.23
sarvakāmapradā devi bhuktimuktiphalapradā |
yonikuṇḍe bhagāṅke vā vartule vārdhacandrake || 23 ||
... zur Gewährerin aller Wünsche und der Früchte Genuss und Befreiung, Göttin. [Das Opfer erfolge] in einer Yoni-Grube, einer mit dem Bhaga-Zeichen, einer runden oder halbmondförmigen,

I 5.24
navatrikoṇacakre vā caturaśre'ṣṭapatrake |
yonikuṇḍe bhavedvāgmī bhagāṅke kṛṣṭiruttamā || 24 ||
... in einer mit neun Dreiecken, einer Chakra-förmigen, einer viereckigen oder achtblättrigen. In der Yoni-Grube werde man beredt; in der mit dem Bhaga-Zeichen [ergebe sich] vorzügliche Heranziehung.

Anmerkung: „navatrikoṇacakre“ wird mit Jayaratha als Aufzählung zweier Grubenformen verstanden: Neun-Dreieck-Form und Chakra-Form. So ergeben sich zusammen mit 5.23 acht Formen; 5.27 erläutert das Chakra als achteckig.

I 5.25
vartule tu bhavellakṣmīrardhacandre trayaṃ labhet |
navatrikoṇakuṇḍe tu khecaratvaṃ prapadyate || 25 ||
In der runden [Grube entstehe] Wohlstand; in der halbmondförmigen erlange man alle drei [zuvor genannten Früchte]. In der Neun-Dreieck-Grube erlange man das Wandeln im Luftraum.

I 5.26
caturaśre bhavecchāntirlakṣmīḥ puṣṭirarogatā |
padmāṅke sarvasaṃpattiracirādeva jāyate || 26 ||
In der viereckigen [Grube entstehen] Frieden, Wohlstand, Gedeihen und Freiheit von Krankheit; in der lotusförmigen entsteht bald aller Erfolg.

I 5.27
cakre'ṣṭakoṇe subhage samīhitaphalaṃ labhet |
mallikāmālatījātīpuṣpairājyapariplutaiḥ || 27 ||
Im achteckigen Chakra erlange man die ersehnte Frucht, Glückliche. Durch mit geklärter Butter übergossene Mallika-, Malati- und Jati-Blüten,

I 5.28
hutairbhavati vāgīśo mūko'pi parameśvari |
karavīrajapāpuṣpāṇyājyayuktāni pārvati || 28 ||
... als Opfer dargebracht, wird selbst ein Stummer zum Herrn der Sprache, höchste Herrin. Karavira- und Hibiskusblüten mit geklärter Butter, Parvati,

I 5.29
hutvākarṣayate mantrī khabhūpātālayoṣitaḥ |
candrakastūrikāmiśraṃ kṛtvā kuṅkumamīśvari || 29 ||
... geopfert, [lassen] den Mantraübenden Frauen aus Himmel, Erde und Unterwelt heranziehen. Nachdem man Safran mit Kampfer und Moschus vermischt hat,

I 5.30
hutvā kandarpasaubhāgyātsa saubhāgyādhiko bhavet |
caṇpakaṃ pāṭalādīni hutvā vai śriyamāpnuyāt || 30 ||
... werde man durch dessen Opfer glücklicher als der Liebesgott in seinem Glück. Durch Opfer von Champaka, Patala und anderem erlange man Wohlstand.

I 5.31
śrīkhaṇḍamaguruṃ vāpi karpūraṃ purasaṃyutam |
hutvā purapurandhrīṇāṃ devi vikṣobhako bhavet || 31 ||
Durch Opfer von Sandelholz oder Agaru, Kampfer mit Pura [Harz], werde man, Göttin, zum Erreger der Frauen der Städte.

I 5.32
hutvā palaṃ trimadhvaktaṃ kṛtvā smṛtvā maheśvarīm |
khecaro jāyate devi gatvā naktaṃ catuṣpathe || 32 ||
Nachdem man nachts an eine Kreuzung gegangen ist, Fleisch mit den drei süßen [Stoffen] bestrichen und unter Erinnerung an die große Herrin geopfert hat, wird man zum Khechara, Göttin.

Anmerkung: Pala hat neben einer Maßbedeutung auch die lexikalisch belegte Bedeutung „Fleisch“ (Monier-Williams, Sanskrit-English Dictionary, S. 609). Diese ist hier im Opferkontext gewählt. Jayaratha erläutert die Satzreihenfolge, nennt aber keinen Zahlenwert und keine Umrechnung eines Gewichts; eine solche Mengenangabe wird daher nicht ergänzt.

I 5.33
tadā dadhimadhukṣīramiśrāṃllājānmaheśvari |
hutvā na vādhyate rogaiḥ kālamṛtyubhayādibhiḥ || 33 ||
Dann werde man durch Opfer von Puffreis, vermischt mit Dickmilch, Honig und Milch, nicht von Krankheiten, von Furcht vor Zeit und Tod und anderem bedrängt, große Herrin.

Kolophon des Kommentars
iti śrīrājānakaśrīmajjayarathaviracite śrīvāmakeśvarīmatavivaraṇe pañcamaḥ paṭalaḥ || 5 ||
Damit endet das 5. Kapitel in dem von Rajanaka Shri Jayaratha verfassten Kommentar zur Shri Vamakeshvarimata.

Teil II: Yogini Hridaya

Dieser zweite Teil erläutert die inneren Zusammenhänge von Chakra, Mantra und Verehrung. Er folgt der eigens benannten Sanskrit-Documents-Vorlage mit den ausgewiesenen Berichtigungen.

Titel
yoginīhṛdayam
Das Herz der Yogini.

Shiva und Shakti werden im Vamakeshvara Tantra in ihrem Zusammenhang betrachtet. Allgemeine Illustration.

Teil II, Kapitel 1

atha prathamaḥ paṭalaḥ
Nun das 1. Kapitel.

II 1.1
śrīdevyuvāca –
devadeva mahādeva paripūrṇaprathāmaya |
vāmakeśvaratantre'sminnajñātārthāstvanekaśaḥ || 1||
Die erhabene Göttin sprach: Gott der Götter, großer Gott, dessen Wesen vollkommenes Offenbarwerden ist! In diesem Vamakeshvara Tantra bleiben viele Bedeutungen unverstanden.

II 1.2
tāṃstānarthānaśeṣeṇa vaktumarhasi bhairava |
śrībhairava uvāca
śṛṇu devi mahāguhyaṃ yoginīhṛdayaṃ param || 2||
Du mögest all diese Bedeutungen ohne Rest erklären, Bhairava. Der erhabene Bhairava sprach: Höre, Göttin, das höchst geheime, höchste Herz der Yogini.

II 1.3
tvatprītyā kathayāmyadya gopanīyaṃ viśeṣataḥ |
karṇātkarṇopadeśena samprāptamavanītalam || 3||
Aus Liebe zu dir erkläre ich es heute; besonders sorgfältig soll es geheim gehalten werden. Durch Unterweisung von Ohr zu Ohr gelangte es auf die Erde.

II 1.4
na deyaṃ paraśiṣyebhyo nāstikebhyo na ceśvari |
na śuśrūṣālasānāñca naivānarthapradāyinām || 4||
Man soll es weder den Schülern anderer noch Gottesleugnern geben, Herrin, auch nicht denen, die zu träge zum Dienst [am Lehrer] sind, und keinesfalls solchen, die Unheil verursachen.

II 1.5
parīkṣitāya dātavyaṃ vatsarārdhoṣitāya ca |
etajjñātvā vararohe sadyaḥ khecaratāṃ vrajet || 5||
Man soll es einem Geprüften geben, der ein halbes Jahr [beim Lehrer] gelebt hat. Wer dies erkennt, Schöne, erlangt sogleich den Zustand des Khechara, [des im freien Bewusstseinsraum Wandelnden].

II 1.6
cakrasaṅketako mantrapūjāsaṅketakau tathā |
trividhastripurādevyāḥ saṅketaḥ parameśvari || 6||
Das verborgene Verständnis der Göttin Tripura ist dreifach, höchste Herrin: das des Chakra sowie das des Mantra und der Verehrung.

II 1.7
yāvadetanna jānāti saṅketatrayamuttamam |
na tāvattripurācakre paramājñādharo bhavet || 7||
Solange einer diese drei höchsten Schlüssel nicht kennt, kann er im Chakra der Tripura kein Träger der höchsten Weisung sein.

II 1.8
tacchaktipañcakaṃ sṛṣṭyā layenāgnicatuṣṭayam |
pañcaśakticaturvahnisaṃyogāccakrasambhavaḥ || 8||
Beim Hervorbringen [besteht das Chakra] aus fünf Shaktis, beim Auflösen aus vier Feuern. Aus der Vereinigung der fünf Shaktis und vier Feuer entsteht das Chakra.

II 1.9
etaccakrāvatārantu kathayāmi tavānaghe |
yadā sā paramā śaktiḥ svecchayā viśvarūpiṇī || 9||
Wie dieses Chakra in Erscheinung tritt, erkläre ich dir, Makellose. Wenn jene höchste Kraft aus eigenem Willen, als die Gestalt des Alls …

II 1.10
sphurattāmātmanaḥ paśyettadā cakrasya sambhavaḥ |
śūnyākārādvisargāntād bindoḥ praspandasaṃvidaḥ || 10||
… das Aufleuchten ihrer selbst schaut, dann entsteht das Chakra: aus dem Bindu, dessen Gestalt Leere ist, der bis zum Visarga reicht und dessen Wesen pulsierendes Bewusstsein ist …

II 1.11
prakāśaparamārthatvāt sphurattālaharīyutāt |
prasṛtaṃ viśvalaharīsthānaṃ mātṛtrayātmakam || 11||
… dessen eigentliche Wirklichkeit Licht ist und der mit Wellen des Aufleuchtens verbunden ist, geht [das Chakra] hervor, der Ort der Weltwellen, bestehend aus den drei Erkennenden.

II 1.12
baindavaṃ cakrametasya trirūpatvaṃ punarbhavet |
dharmādharmau tathātmāno mātṛmeyau tathā pramā || 12||
Dieses Bindu-Chakra wird wiederum dreifach. Dharma und Adharma sowie die Selbste; der Erkennende, das zu Erkennende und die Erkenntnis …

II 1.13
navayonyātmakaṃ cakraṃ cidānandaghanaṃ mahat |
cakraṃ navātmakamidaṃ navadhā bhinnamantrakam || 13||
… [bilden] das große Chakra aus neun Ursprüngen, verdichtetes Bewusstsein und Glückseligkeit. Dieses neunfache Chakra hat einen neunfach unterschiedenen Mantra.

II 1.14
baindavāsanasaṃrūḍhasaṃvartānalacitkalam |
ambikārūpamevedamaṣṭārasthaṃ svarāvṛtam || 14||
Die Bewusstseinskraft des Weltauflösungsfeuers ruht auf dem Sitz des Bindu. Dieses [Chakra] ist eben die Gestalt Ambikas, im Achteck befindlich und von Lauten umgeben.

II 1.15
navatrikoṇasphuritaprabhārūpadaśārakam |
śaktyādinavaparyantadaśārṇasphūrtikārakam || 15||
Das Zehneck ist die Gestalt des Lichtes, das aus den neun Dreiecken aufleuchtet; es lässt die zehn Laute von Shakti bis Nava hervortreten.

II 1.16
bhūtatanmātradaśakaprakāśālambanatvataḥ |
dvidaśārasphuradrūpaṃ krodhīśādidaśārakam || 16||
Da es sich auf die Offenbarung der zehn [Prinzipien], Elemente und feinstofflichen Sinnesgegenstände, stützt, leuchtet es als zweifaches Zehneck auf, als Zehnergruppe von Krodhisha an.

II 1.17
catuścakraprabhārūpasaṃyuktapariṇāmataḥ |
caturdaśārarūpeṇa saṃvittikaraṇātmanā || 17||
Durch die verbundene Entfaltung der Lichtgestalt der vier Chakras [erscheint es] in der Gestalt des Vierzehnecks, als Bewusstsein und Erkenntnisvermögen …

II 1.18
khecaryādijayāntārṇaparamārthaprathāmayam |
evaṃ śaktyanalākārasphuradraudrīprabhāmayam || 18||
… erfüllt vom Offenbarwerden der eigentlichen Bedeutung der Laute von Khechari bis Jaya. So besteht es aus dem leuchtenden Glanz Raudris, aufscheinend in den Gestalten von Shakti und Feuer.

II 1.19
jyeṣṭārūpacatuṣkoṇaṃ vāmārūpabhramitrayam |
cidaṃśāntastrikoṇaṃ ca śāntyatītāṣṭakoṇakam || 19||
Das Viereck hat die Gestalt Jyeshthas, die drei Umkreisungen die Gestalt Vamas; das innere Dreieck ist der Bewusstseinsanteil, und das Achteck [entspricht] Shantyatita, dem Bereich jenseits des Friedens.

II 1.20
śāntyaṃśadvidaśārañca tathaiva bhuvanārakam |
vidyākalāpramārūpadalāṣṭakasamāvṛtam || 20||
Die beiden Zehnecke und ebenso das [vierzehneckige] Bhuvana-Chakra gehören zum Anteil Shanti. [Das Ganze] ist vom achtblättrigen [Lotus] umgeben, der die Gestalt des Erkennens in der Vidya-Kala hat.

II 1.21
pratiṣṭāvapuṣā sṛṣṭasphuraddvyaṣṭadalāmbujam |
nivṛttyākāravilasaccatusṣkoṇavirājitam || 21||
[Es besitzt] den leuchtenden Lotus mit zweimal acht Blättern, hervorgebracht durch die Gestalt der Pratishtha, und erstrahlt im Viereck, das in der Gestalt der Nivritti aufleuchtet.

II 1.22
trailokyamohanādye tu navacakre sureśvari |
nādo binduḥ kalā jyeṣṭā raudrī vāmā tathā punaḥ || 22||
In den neun Chakras, beginnend mit dem »die drei Welten Verblendenden«, stehen, Herrin der Götter, Nada, Bindu, Kala, Jyeshtha, Raudri und Vama …

II 1.23
viṣaghnī dūtarī caiva sarvānandā kramāt sthitāḥ |
niraṃśau nādabindū ca kalā cecchāsvarūpakam || 23||
… ferner Vishaghni, Dutari und Sarvananda, in dieser Reihenfolge. Nada und Bindu sind ohne Teile; Kala ist das Wesen des Willens …

II 1.24
jyeṣṭā jñānaṃ kriyā śeṣamityevaṃ tritayātmakam |
cakraṃ kāmakalārūpaṃ prasāraparamārthataḥ || 24||
… Jyeshtha die Erkenntnis, das Übrige das Handeln. So ist das Chakra dreifach. Seiner wirklichen Entfaltung nach hat es die Gestalt der Kamakala, [der schöpferischen Kraft des Begehrens].

II 1.25
akule viṣusaṃjñe ca śakte vahnau tathā punaḥ |
nābhāvanāhate śuddhe lambikāgre bhruvo'ntare || 25||
In Akula, an der Vishu genannten [Stelle], in Shakta, im Feuer, im Nabel, im Anahata, im reinen [Zentrum], an der Spitze des Gaumenzäpfchens, zwischen den Brauen …

II 1.26
bindau tadardhe rodhinyāṃ nāde nādānta eva ca |
śaktau punarvyāpikāyāṃ samanonmani gocare || 26||
… im Bindu, in dessen Hälfte, in Rodhini, in Nada und Nadanta, ferner in Shakti, Vyapika, im Bereich von Samana und Unmani …

II 1.27
mahābindau punaścaiva tridhā cakraṃ tu bhāvayet |
ājñāntaṃ sakalaṃ proktaṃ tataḥ sakalaniṣkalam || 27||
… und wiederum im großen Bindu soll man das Chakra auf dreifache Weise vergegenwärtigen. Bis zum Ajna heißt es »mit Teilen«; danach [ist es] »mit und ohne Teile« …

II 1.28
unmanyantaṃ pare sthāne niṣkalañca tridhā sthitam |
dīpākāro'rdhamātraśca lalāṭe vṛtta iṣyate || 28||
… bis zu Unmani; an der höchsten Stätte ist es »ohne Teile«. So steht es dreifach. [Der Bindu] an der Stirn gilt als lampenförmig, rund und eine halbe Lautdauer messend.

II 1.29
ardhacandrastathākāraḥ pādamātrastadūrdhvake |
jyotsnākārā tadaṣṭāṃśā rodhinī tryasravigrahā || 29||
Der Halbmond darüber hat die entsprechende Gestalt und misst eine Viertel-Lautdauer. Rodhini ist wie Mondlicht, von dreieckiger Gestalt, und misst eine Achtel-Lautdauer. [Die Dīpikā erläutert tadaṣṭāṃśā als ein Achtel der ganzen Lautdauer, nicht ein Achtel des vorausgehenden Viertels; Druck S. 44.]

II 1.30
bindudvayāntare daṇḍaḥ śevarūpo maṇiprabhaḥ |
kalāṃśo dviguṇāṃśaśca nādānto vidyudujjvalaḥ || 30||
Zwischen zwei Punkten steht ein Stab, von der Gestalt einer Schädelnaht und wie ein Edelstein glänzend. [Nada misst] einen Kala-Anteil, Nadanta den nochmals halbierten Zeitanteil und strahlt wie ein Blitz. [Die Dīpikā erklärt śeva als Schädelnaht und die Zeiten als 1/16 beziehungsweise 1/32 einer Lautdauer; Druck S. 45–46.]

II 1.31
halākārastu savyasthabinduyukto virājate |
śaktirvāmasthabindudyatsthirākārā tathā punaḥ || 31||
[Der Nadanta] erstrahlt pflugförmig mit einem Punkt auf einer Seite. Shakti wiederum ist eine feste [gerade] Form mit einem links leuchtenden Punkt. [Die Dīpikā legt savya hier als rechte Seite aus; ihre Erläuterung zur geraden Gestalt Shaktis steht auf Druck S. 47.]

II 1.32
vyāpikā binduvilasattrikoṇākāratāṃ gatā |
bindudvayāntarālasthā ṛjurekhāmayī punaḥ || 32||
Vyapika nimmt die Gestalt eines Dreiecks an, in dem ein Punkt leuchtet. Zwischen zwei Punkten liegt wiederum eine gerade Linie …

II 1.33
samanā binduvilasadṛjurekhā tathonmanā |
śaktyādīnāṃ vapuḥ sphūrjaddvādaśādityasannibham || 33||
… [als] Samana; Unmana ist ebenfalls eine gerade Linie mit leuchtendem Punkt. Die Gestalt der mit Shakti beginnenden [Stufen] gleicht zwölf strahlenden Sonnen.

II 1.34
catuḥṣaṣṭistadūrdhvaṃ tu dviguṇaṃ dviguṇaṃ tataḥ |
śaktyādīnāṃ tu mātrāṃśo manonmanyāstathonmanī || 34||
[Der Zeitanteil beträgt] ein Vierundsechzigstel; darüber verdoppelt sich jeweils der Nenner. So [verhalten sich] die Lautzeit-Anteile von Shakti an bis zu Manonmani; sodann [folgt] Unmani. [Nach der Dīpikā: Shakti 1/64, Vyapika 1/128, Samana, hier Manonmani genannt, 1/256. Unmani liegt in dieser Auslegung jenseits bestimmter Lautdauer; Druck S. 50–51.]

II 1.35
daiśakālānavacchinnaṃ tadūrdhve paramaṃ mahat |
nisargasundaraṃ tattu parānandavighūrṇitam || 35||
Darüber liegt das höchste Große, von Ort und Zeit unbegrenzt, von Natur aus schön und in höchster Glückseligkeit kreisend.

II 1.36
ātmanah sphuraṇaṃ paśyedyadā sā paramā kalā |
ambikārūpamāpanna parā vāk sasudīritā || 36||
Wenn jene höchste Kala das Aufleuchten ihrer selbst schaut, nimmt sie die Gestalt Ambikas an und wird höchste Sprache, Para Vak, genannt.

II 1.37
bījabhāvasthitaṃ viśvaṃ sphuṭīkartuṃ yadonmukhī||
vāmā viśvasya vamanādaṅkuśākāratāṃ gatā || 37||
Wenn sie sich anschickt, das im Samen ruhende All offenbar zu machen, heißt sie Vama, weil sie das All aus sich hervorgehen lässt, und nimmt die Form eines Elefantenhakens an.

II 1.38
icchāśaktistadā seyaṃ paśyantī vapuṣā sthitā |
jñānaśaktistathā jyeṣṭā madhyamā vāgudīritā || 38||
Dann ist sie Willenskraft und steht in der Gestalt der schauenden Sprache, Pashyanti. Als Erkenntniskraft heißt sie Jyeshtha und wird mittlere Sprache, Madhyama Vak, genannt …

II 1.39
ṛjurekhāmayī viśvasthitau prathitavigrahā |
tatsaṃhṛtidaśāyāṃ tu baindavaṃ rūpamāsthitā || 39||
… aus einer geraden Linie bestehend, deren Gestalt beim Bestehen der Welt hervortritt. Im Zustand der Auflösung nimmt sie die Gestalt des Bindu an …

II 1.40
pratyāvṛttikrameṇaivaṃ śṛṅgaṭavapurujjvalā |
kriyāśaktistu raudrīyaṃ vaikharī viśvavigrahā || 40||
… und strahlt durch den Vorgang der Rückkehr in dreieckiger Gestalt. Diese Handlungskraft ist Raudri, die ausgesprochene Sprache, Vaikhari, deren Körper das All ist …

II 1.41
bhāsanādviśvarūpasya svarūpe bāhyato'pi ca |
etāścatastraḥ śaktyastu kā pū jā o iti kramāt || 41||
… weil sie die Weltgestalt sowohl in sich selbst als auch nach außen sichtbar macht. Diese vier Kräfte [heißen] der Reihe nach Ka, Pu, Ja und O.

II 1.42
pīṭhāḥ kande pade rūpe rūpātīte kramāt sthitāḥ |
caturastraṃ tatha binduṣaṭkayuktaṃ ca vṛttakam || 42||
Die [vier heiligen] Sitze befinden sich der Reihe nach in Kanda, Pada, Rupa und Rupatita. Ein Viereck, ein Kreis mit sechs Punkten …

II 1.43
ardhacandraṃ trikoṇaṃ ca rūpāṇyeṣāṃ krameṇa tu |
pīto dhūmrastathā śveto rakto rūpaṃ ca kīrtitam || 43||
… ein Halbmond und ein Dreieck sind ihre jeweiligen Formen. Als Farben werden Gelb, Rauchgrau, Weiß und Rot angegeben.

II 1.44
svayambhurbāṇaliṅgaṃ ca itaraṃ ca paraṃ punaḥ |
pīṭheṣvetāni liṅgāni saṃsthitāni varānane || 44||
Svayambhu, Bana-Linga, Itara und schließlich Para: Diese Lingas, [Zeichen des Göttlichen], befinden sich in den Sitzen, Schönangesichtige.

II 1.45
hemabandhūkakusumaśaraccandranibhāni tu |
svāvṛtaṃ trikūṭaṃ ca mahāliṅgaṃ svayambhuvam || 45||
Sie gleichen Gold, der Bandhuka-Blüte und dem Herbstmond. Das große, aus sich entstandene Linga ist von sich selbst umgeben und hat drei Spitzen. [Vier Lingas stehen hier nur drei Farbbildern gegenüber; die Zuordnung bleibt offen.]

II 1.46
kāditāntākṣaropetaṃ bāṇaliṅgaṃ trikoṇakam |
kadambagolakākāraṃ thādisāntākṣarāvṛtam || 46||
Das dreieckige Bana-Linga ist mit den Lauten von ka bis ta versehen; [das folgende Linga] gleicht einer runden Kadamba-Blüte und ist von den Lauten von tha bis sa umgeben.

II 1.47
sūkṣmarūpaṃ samastārṇavṛtaṃ paramaliṅgakam |
bindurūpaṃ parānandakandaṃ nityoditam || 47
Das höchste Linga ist fein, von allen Lauten umgeben, von der Gestalt des Bindu, die Wurzel höchster Glückseligkeit und ewig aufgegangen.

II 1.48
bījatrayayuktasya sakalasya manoḥ punaḥ |
etāni vācyarūpāṇi kulakaulamayāni tu || 48||
Dies sind die bezeichneten Gestalten des mit drei Keimsilben verbundenen vollständigen Mantra; sie bestehen aus Kula und Kaula. [Die beschädigte erste Zeile des E-Textes ist hier nach dem sichtgeprüften Druck, S. 63, wiedergegeben.]

Textgrundlage: Lesung nach dem sichtgeprüften Sanskritdruck, Dwivedi-Digitalisat, gedruckte S. 63; die Quellenabweichung bleibt im Archiv dokumentiert.

II 1.49
jāgratsvapnasuṣuptyākhyaturyarūpāṇyamūni tu |
atītaṃ tu paraṃ tejaḥ svasaṃvidudayātmakam || 49||
Sie sind die Gestalten von Wachen, Träumen, Tiefschlaf und dem »Vierten«, Turiya. Jenseits [davon] liegt das höchste Licht, das im Aufgehen des eigenen Bewusstseins besteht.

II 1.50
svecchāviśvamayollekhakhacitaṃ viśvarūpakam |
caitanyamātmano rūpaṃ nisargānandasundaram || 50||
Bewusstsein ist die Gestalt des Selbst, von natürlicher Glückseligkeit schön, von Weltgestalt und durch den aus eigenem Willen entstehenden Entwurf des Alls geprägt.

II 1.51
meyamātṛpramāmānaprasaraiḥ saṃkucatprabham |
śṛṅgāṭarūpamāpannamicchājñānakriyātmakam || 51||
Sein Glanz zieht sich durch die Entfaltungen von Gegenstand, Erkennendem, Erkenntnis und Erkenntnismittel zusammen. Es nimmt dreieckige Gestalt an und besteht aus Wille, Erkenntnis und Handeln.

II 1.52
viśvākāraprathādhāranijarūpaśivāśrayam |
kāmeśvarāṅkaparyaṅkaniviṣṭamatisundaram || 52||
[Dieses Licht] ruht auf Shiva, seiner eigenen Gestalt, dem Grund der Offenbarung des Alls; es ist überaus schön und auf dem Schoß Kameshvaras wie auf einem Ruhebett niedergelassen …

II 1.53
icchāśaktimayaṃ pāśamaṅkuśaṃ jñānarūpiṇam |
kriyāśaktimaye bāṇadhanuṣī dadhadujjvalam || 53||
… leuchtend, mit der Schlinge als Willenskraft, dem Elefantenhaken als Erkenntnis und mit Pfeilen und Bogen als Handlungskraft.

II 1.54
āśrayāśrayibhedena aṣṭadhā bhinnahetimat |
aṣṭāracakrasaṃrūḍhaṃ navacakrāsanasthitam || 54||
Durch die Unterscheidung von Träger und Getragenem hat es einen achtfach unterschiedenen Grund; es erhebt sich auf dem Achteck-Chakra und sitzt auf dem Sitz der neun Chakras.

II 1.55
evaṃrūpaṃ paraṃ tejaḥ śrīcakravapuṣā sthitam |
tadīyaśaktinikarasphuradūrmisamāvṛtam || 55||
So steht das höchste Licht in der Gestalt des Shri Chakra, umgeben von den aufleuchtenden Wellen der Schar seiner eigenen Kräfte.

II 1.56
cidātmabhittau viśvasya prakāśāmarśane yadā |
karoti svecchayā pūrṇavicikīrṣāsamanvitā || 56||
Wenn sie aus freiem Willen, von vollkommenem Schaffensdrang erfüllt, auf der Bewusstseinsfläche das All erhellt und seiner gewahr wird …

II 1.57
kriyāśaktistu viśvasya modanād drāvaṇāttathā |
mudrākhyā sā yadā saṃvidambikā trikalāmayī || 57||
… dann heißt die Handlungskraft Mudra, weil sie das All erfreut und zum Schmelzen bringt. Wenn dieses Bewusstsein als Ambika aus drei Kalas besteht …

II 1.58
trikhaṇḍārūpamāpannā sadā sannidhikāriṇī |
sarvasya cakrarājasya vyāpikā parikīrtita || 58||
… nimmt es die Gestalt der Trikhanda [»Dreiteiligen«] an, die stets Gegenwart bewirkt; sie wird als das gesamte königliche Chakra durchdringend beschrieben.

II 1.59
yoniprācuryataḥ saiṣā sarvasaṃkṣobhikā punaḥ |
vāmāśaktipradhāneyaṃ dvāracakre sthitā bhavet || 59||
Wegen des Vorherrschens der Yoni [des schöpferischen Ursprungs] ist sie wiederum die »alles Erschütternde«. In ihr überwiegt Vama-Shakti; sie steht im Chakra des Tores.

II 1.60
kṣubdhāviśvasthitikarī jyeṣṭāprācuryamāśritā |
sthūlanādakalārūpā sarvānugrahakāriṇī || 60||
Sie bewirkt das Bestehen der erschütterten Welt und nimmt das Übergewicht Jyeshthas an. Als grobe Nada-Kala gewährt sie allen Gnade.

II 1.61
sarvāśapūraṇākhye tu saiṣā sphuritavigrahā |
jyeṣṭāvāmāsamantvena sṛṣṭeḥ prādhānyamāśritā || 61||
Im Chakra namens »Erfüllung aller Hoffnungen« leuchtet ihre Gestalt. Durch das Gleichgewicht von Jyeshtha und Vama nimmt das Hervorbringen den Vorrang ein …

II 1.62
ākarṣiṇī tu mudreyaṃ sarvasaṃkṣobhiṇī smṛtā |
vyomadvayāntarālasthabindurūpā maheśvari || 62||
… und diese anziehende Mudra wird als »alles Erschütternde« bezeichnet. Höchste Herrin, sie hat die Gestalt eines Bindu zwischen zwei Räumen …

II 1.63
śivaśaktyātmasaṃśleṣāddivyāveśakarī smṛtā |
caturdaśāracakrasthā saṃvidānandavigrahā || 63||
… und heißt durch die Vereinigung von Shiva und Shakti »göttliches Ergriffensein bewirkend«. Im vierzehneckigen Chakra steht sie als Bewusstsein und Glückseligkeit. [Divyāveśakarī ist am Sanskritdruck S. 80 geprüft.]

Textgrundlage: Lesung nach dem sichtgeprüften Sanskritdruck, Dwivedi-Digitalisat, gedruckte S. 80; die Quellenabweichung bleibt im Archiv dokumentiert.

II 1.64
bindvantarālavilasatsūkṣma rekhāśikhāmayī |
jyeṣṭāśaktipradhānā tu sarvonmādanakāriṇī || 64||
Als Spitze einer feinen Linie, die zwischen den Punkten aufleuchtet, bewirkt sie das Verzücken aller; in ihr überwiegt Jyeshtha-Shakti …

II 1.65
daśāracakramāsthāya saṃsthitā vīravandite |
vāmāśaktipradhānā tu mahāṅkuśamayī punaḥ || 65||
… und sie hat ihren Ort im zehneckigen Chakra, von Helden Verehrte. Diejenige, in der Vama-Shakti überwiegt, besteht wiederum aus dem großen Elefantenhaken …

II 1.66
tadvadviśvaṃ vamantī sā dvitīye tu daśārake |
saṃsthitā modanaparā mudrārūpatvamāsthitā || 66||
… und bringt ebenso das All hervor. Im zweiten Zehneck steht sie, ganz auf Erfreuen gerichtet, in der Gestalt einer Mudra.

II 1.67
dharmādharmasya saṃghaṭṭādutthitā vittīrūpiṇī |
vikalpotthakriyāloparūpadoṣavidhātinī || 67||
Aus dem Zusammenstoß von Dharma und Adharma hervorgegangen, besteht sie aus Gewahrsein und beseitigt den Fehler, der im Ausfall des Handelns durch begriffliche Vorstellungen liegt.

II 1.68
vikalparūparogāṇāṃ hāriṇī khecarī parā |
sarvarogaharākhye tu cakre saṃvinmayī sthitā || 68||
Die höchste Khechari beseitigt die Krankheiten in Gestalt unterscheidender Vorstellungen. Als Bewusstsein steht sie im Chakra, das »alle Krankheiten Beseitigendes« heißt.

II 1.69
śivaśaktisamāśleṣasphuradvyomāntare punaḥ |
prakāśayati viśvaṃ sā sūkṣmarūpasthita sadā || 69||
In dem Raum, der aus der innigen Verbindung von Shiva und Shakti aufleuchtet, offenbart sie wiederum das All, stets in feiner Gestalt bestehend.

II 1.70
bījarūpā mahāmudrā sarvasiddhimaye sthitā |
sampūrṇasya prakāśasya lābhabhūmiriyaṃ punaḥ || 70||
Die große Mudra in Samenform steht im Chakra »aus allen Vollendungen bestehend«. Diese [folgende Stufe] ist die Stätte, an der das vollständige Licht erlangt wird …

II 1.71
yonimudrā kalārūpā sarvānandamaye sthitā |
kriyā caitanyarūpatvādevaṃ cakramayaṃ sthitam || 71||
… die Yoni-Mudra als Kala steht im »aus aller Glückseligkeit bestehenden« Chakra. Weil Handeln Bewusstsein ist, steht es so als Chakra da.

II 1.72
icchārūpaṃ paraṃ tejāḥ sarvadā bhāvayed budhaḥ |
tridhā ca navadhā caiva cakrasaṅketakaḥ punaḥ || 72||
Der Verständige soll stets das höchste Licht als Willen vergegenwärtigen. Das verborgene Verständnis des Chakra ist wiederum dreifach und neunfach.

II 1.73
vahninaikena śaktibhyāṃ dvābhyāṃ caiko'praḥ punaḥ |
taiśca vahnitrayeṇāpi śaktīnāṃ tritayena ca || 73||
Ein [Chakra] besteht aus einem Feuer und zwei Shaktis; ein weiteres wiederum aus diesen zusammen mit drei Feuern und drei Shaktis …

II 1.74
padmadvayena cānyaḥ syād bhūgṛhatritayena ca |
pañcaśakti caturvahnipadmadvayamahītrayam || 74||
… und ein anderes aus den beiden Lotussen und den drei Erdhäusern. Fünf Shaktis, vier Feuer, zwei Lotusse und drei Erdumfassungen …

II 1.75
paripūrṇaṃ mahacakraṃ tatprakāraḥ pradarśyate |
tatrādyaṃ navayoni syāt tena dvidaśāsaṃyutam || 75||
… bilden das vollständige große Chakra; seine Gliederung wird gezeigt. Das erste davon ist das aus neun Yonis bestehende; zusammen mit den beiden Zehnecken …

II 1.76
manuyoni paraṃ vidyāt tṛtīyaṃ tadanantaram |
aṣṭadvyaṣṭadalopetaṃ caturasratrayānvitam || 76||
… soll man das nächste als das [Chakra] mit vierzehn Yonis erkennen. Das dritte folgt darauf, versehen mit acht und zweimal acht Blättern sowie mit drei Vierecken.

II 1.77
cakrasya triprakāratvaṃ kathitaṃ parameśvari |
sṛṣṭiḥsyānnavayonyādipṛthvyantaṃ saṃhṛti punaḥ || 77||
Damit wurde die Dreiteilung des Chakra erklärt, höchste Herrin. Schöpfung verläuft von den neun Yonis bis zur Erde; Auflösung wiederum …

II 1.78
pṛthvyādinavayonyantamiti śāstrasya nirṇayaḥ |
etatsamaṣṭirūpaṃ tu tripurācakramucyate || 78||
… von der Erde bis zu den neun Yonis: So entscheidet die Lehrschrift. Diese Gesamtgestalt wird Chakra der Tripura genannt …

II 1.79
yasya vijñānamātreṇa tripurājñānavān bhavet |
cakrasya navadhātvaṃ ca kathayāmi tava priye || 79||
… durch dessen bloße Erkenntnis man Kenntnis der Tripura erlangt. Nun erkläre ich dir auch die Neunheit des Chakra, Geliebte.

II 1.80
ādimaṃ bhūtrayeṇa syād dvitīyaṃ ṣoḍaśārakam |
anyadaṣṭadalaṃ proktaṃ manukoṇamanantaram || 80||
Das erste besteht aus drei Erdlinien, das zweite hat sechzehn Speichen [Blätter]. Das nächste heißt achtblättrig; darauf folgt das vierzehneckige.

II 1.81
pañcamaṃ daśakoṇaṃ syāt ṣaṣṭhaṃ cāpi daśārakam |
saptamaṃ vasukoṇaṃ syānmadhyatryasramathāṣṭamam || 81||
Das fünfte ist zehneckig, das sechste ebenfalls zehneckig; das siebte hat acht Ecken, das achte ist das mittlere Dreieck.

II 1.82
navamaṃ tryasramadhyaṃ syāt teṣāṃ nāmānyataḥ śṛṇu |
trailokyamohanaṃ cakraṃ sarvāśāparipūrakam || 82||
Das neunte ist die Mitte des Dreiecks. Höre nun ihre Namen: das Chakra »Verblendung der drei Welten«, »Erfüllung aller Hoffnungen« …

II 1.83
sarvasaṃkṣobhaṇaṃ gauri sarvasaubhāgyadāyakam |
sarvārthasādhakaṃ cakraṃ sarvarakṣākaraṃ param || 83||
… »Erschütterung aller«, Gauri, »Gewährung allen Glücks«, das Chakra »Verwirklichung aller Ziele« und das höchste »Schutz aller« …

II 1.84
sarvarogaharaṃ devi sarvasiddhimayaṃ tathā |
sarvānandamayaṃ cāpi navamaṃ śṛṇu sundari || 84||
… »Beseitigung aller Krankheiten«, Göttin, und »aus allen Vollendungen bestehend«. Höre auch das neunte, Schöne: »aus aller Glückseligkeit bestehend«.

II 1.85
atra pūjyā mahādevī mahātripurasundarī |
paripūrṇaṃ mahācakramajarāmarakārakam || 85||
Darin wird die große Göttin Mahatripurasundari verehrt. Das vollständige große Chakra bewirkt [nach dem Anspruch des Textes] Freiheit von Alter und Tod.

II 1.86
etameva mahācakrasaṅketaḥ parameśvari |
kathitastripurādevyā jīvanmuktipravartakaḥ || 86||
Damit wurde der Schlüssel zu diesem großen Chakra der Göttin Tripura erklärt, höchste Herrin; er setzt die Befreiung zu Lebzeiten in Gang.

Kapitelkolophon
iti prathamaḥ paṭalaḥ samāptaḥ |
Damit ist das 1. Kapitel abgeschlossen.

Teil II, Kapitel 2

atha dvitīyaḥ paṭalaḥ
Nun das 2. Kapitel.

II 2.1
mantrasaṅketaṃ divyamadhunā kathyāmi te |
yadvettā tripurākāro vīracakreśvaro bhavet || 1||
Nun erkläre ich dir den göttlichen Schlüssel zum Mantra. Wer ihn kennt, erhält die Gestalt Tripuras und wird Herr des Kreises der Helden.

II 2.2
karaśuddhikaro tvādyā dvitīyā cātmarakṣikā |
ātmāsanagatā devī tṛtīyā tadanantaram || 2||
Die erste [Vidya] reinigt die Hände; die zweite schützt das Selbst. Die dritte Göttin befindet sich auf dem Sitz des Selbst; danach …

II 2.3
cakrāsanagatā paścāt sarvamantrāsanasthitā |
sādhyasiddhāsanā ṣaṣṭhā māyālakṣmīmayī parā || 3||
… [folgt die] auf dem Sitz des Chakra, anschließend die auf dem Sitz aller Mantras. Die sechste [hat] den Sitz von Sadhya und Siddha; die höchste besteht aus Maya und Lakshmi …

II 2.4
mūrtividyā ca sā devī saptamo parikīrtitā |
aṣṭamyāvāhinī vidyā navamā bhairavī parā || 4||
… und diese Göttin, die Murti-Vidya [der heiligen Gestalt], wird als siebte bezeichnet. Die achte Vidya ruft herbei; die neunte ist die höchste Bhairavi …

II 2.5
mūlavidyā tathā khyātā trailokyavaśakāriṇī |
evaṃ navaprakārāstu pūjākāle prayatnataḥ || 5||
… auch als Wurzel-Vidya bekannt, welche die drei Welten unter ihre Macht bringt. So [sind sie] neunfach; bei der Verehrung sind sie sorgfältig …

II 2.6
etāḥ krameṇa nyastavyāḥ sādhakena kuleśvari |
pādāgrajaṅghājānūrugudaliṅgāgrakeṣu ca || 6||
… in dieser Reihenfolge vom Übenden [auf den Körper] aufzulegen, Herrin des Kula: auf Zehenspitzen, Unterschenkel, Knie, Oberschenkel, After und Spitze des Geschlechtsorgans.

II 2.7
ādhare vinyasanmūrti tasyāmāvāhinīṃ nyaset |
mūlena vyāpakanyāsaḥ kartavyaḥ parameśvari || 7||
Auf der Grundlage bringe man die Gestalt an und lege darauf die herbeirufende [Vidya]. Mit dem Wurzelmantra ist das umfassende Auflegen auszuführen, höchste Herrin.

II 2.8
akulādiṣu pūrvoktasthāneṣu paricintayet |
cakreśvarisamāyuktaṃ navacakraṃ puroditam || 8||
An den zuvor genannten Orten von Akula an soll man die schon beschriebenen neun Chakras zusammen mit ihren jeweiligen Herrinnen vergegenwärtigen.

II 2.9
tāsāṃ nāmāni vakṣyāmi yathānukramayogataḥ |
tatrādyā tripurā devī dvitīyā tripureśvarī || 9||
Ich nenne dir deren Namen in ihrer Reihenfolge: Die erste ist die Göttin Tripura, die zweite Tripureshvari.

II 2.10
tṛtīyā ca tathā proktā devī tripurasundarī |
caturthī ca mahādevī devī tripuravāsinī || 10||
Als dritte wird die Göttin Tripurasundari bezeichnet, als vierte die große Göttin Tripuravasini.

II 2.11
pañcamī tripurā śrīḥ syāt ṣaṣṭhī tripuramālinī |
saptamī tripurā siddhiraṣṭamī tripurāmbikā || 11||
Die fünfte ist Tripura Shri, die sechste Tripuramalini; die siebte Tripura Siddhi, die achte Tripurambika.

II 2.12
navamī tu māhadevī mahātripurasundarī |
pūjayecca kramādetā navacakre purodite || 12||
Die neunte ist die große Göttin Mahatripurasundari. Man verehre sie nacheinander in den zuvor genannten neun Chakras.

II 2.13
evaṃ navaprakārādyā pūjākāle tu pārvati |
ekākārā hyādyaśaktirajarāmarakāriṇī || 13||
So ist die ursprüngliche [Kraft] bei der Verehrung neunfach, Parvati. Die ursprüngliche Shakti selbst hat eine einzige Gestalt und bewirkt [dem Text zufolge] Freiheit von Alter und Tod.

II 2.14
mantrasaṅketakastasyā nānākāro vyavasthitaḥ |
nānāmantrakrameṇaiva pāramparyeṇa labhyate || 14||
Der Schlüssel zu ihrem Mantra besteht in vielerlei Gestalten; durch die verschiedenen Mantra-Folgen wird er innerhalb der Überlieferung erlangt.

II 2.15
ṣaḍvidhastaṃ tu deveśi kathayāmi tavānaghe |
bhāvārthaḥ sampradāyārtho nigamārthaśca kaulikaḥ || 15||
Ich erkläre ihn dir sechsfach, Herrin der Götter, Makellose: als Bhavartha, Sampradayartha, Nigamartha und Kaulika …

II 2.16
tathā sarvarahasyārtho mahātattvārtha eva ca |
akṣarārtho hi bhāvārthaḥ kevalaḥ parameśvari || 16||
… ferner als Sarvarahasyartha und Mahatattvartha. Die bloße Bedeutung der Laute ist der Bhavartha, höchste Herrin.

II 2.17
yoginībhistathā vīrairvīrendraiḥ sarvadā priye |
śivaśaktisamāyogājjanito mantrarājakaḥ || 17||
Aus der Vereinigung von Shiva und Shakti entsteht der König der Mantras, Geliebte. Yoginis, Helden und Herren der Helden [verehren ihn] stets …

II 2.18
tanmayīṃ paramānandananditāṃ spandarūpiṇīm |
nisargasundarīṃ devīṃ jñātvā svairamupāsate || 18||
… indem sie die Göttin als aus ihm bestehend erkennen, von höchster Glückseligkeit erfreut, als Pulsieren und von Natur aus schön; so verehren sie frei.

II 2.19
śivaśaktyātmasaṃghaṭṭarūpe brahmāṇi śāśvate |
tatprathāprasarāśleṣabhuvi tvaindropalakṣite || 19||
Im ewigen Brahman, dessen Gestalt das Zusammentreffen von Shiva und Shakti ist, auf dem Boden des innigen Zusammenhangs und der Ausbreitung ihres Offenbarwerdens, gekennzeichnet durch Indra …

II 2.20
jñātṛjñānamayākāramananānmantrarūpiṇī |
teṣāṃ samaṣṭirūpeṇa parāśaktistu mātṛkā || 20||
… ist sie durch das Vergegenwärtigen der aus Erkennendem und Erkenntnis bestehenden Gestalt eine Mantra-Gestalt. Als deren Gesamtgestalt ist die höchste Shakti die Matrika, die Mutter der Laute. [Mananāt, »durch Vergegenwärtigen«, folgt dem gedruckten Haupttext S. 126.]

Textgrundlage: Lesung nach dem sichtgeprüften Sanskritdruck, Dwivedi-Digitalisat, gedruckte S. 126; die Quellenabweichung bleibt im Archiv dokumentiert.

II 2.21
madhyabinduvisargāntaḥ samāsthānamaye pare |
kuṭilārūpake tasyāḥ pratirūpe viyatkale || 21||
Im höchsten [Bereich], der zwischen mittlerem Bindu und Visarga seinen Ort hat, in ihrer gekrümmten Gestalt und deren Gegenbild, der Raum-Kala … [Die technischen Bezüge der folgenden Folge bis II 2.25 bleiben teilweise vorläufig; die Bild- und Lautnamen sind keine vollständig entschlüsselte Mantra-Folge.]

II 2.22
madhyaprāṇaprathārūpapaspandavyomni sthita punaḥ |
madhyame mantrapiṇḍe tu tṛtīye piṇḍake punaḥ || 22||
… steht sie wiederum im pulsierenden Raum, dessen Gestalt das Offenbarwerden des mittleren Lebenshauchs ist: im mittleren Mantra-Block; im dritten Block wiederum …

II 2.23
rāhukūṭādvayasphūrjaccalattāsaṃsthitasya tu |
dharmādharmasya vācyasya viṣāmṛtamayasya ca || 23||
… [steht sie als] das bezeichnete Dharma und Adharma, bestehend aus Gift und Unsterblichkeitsnektar, dessen Bewegtheit im Aufleuchten der beiden Rahu-Spitzen ruht …

II 2.24
vācakrākṣarasaṃyogāt kathitā viśvarūpiṇī |
teṣāṃ samaṣṭirūpeṇa parāśaktiṃ tu mātṛkām || 24||
… durch die Verbindung der bezeichnenden Laute wird sie als Weltgestalt beschrieben. Als deren Gesamtgestalt [betrachtet man] die höchste Shakti, die Matrika …

II 2.25
kūṭatrayātmikāṃ devīṃ samaṣṭivyaṣṭirūpiṇim |
ādyāṃ śaktiṃ bhāvayanto bhāvārthamiti manvate || 25||
… die Göttin der drei Mantra-Blöcke, Gesamtgestalt und Einzelgestalt zugleich. Indem man so die ursprüngliche Kraft vergegenwärtigt, versteht man den Bhavartha.

II 2.26
sampradāyo mahābodharūpo gurumukhe sthitaḥ |
viśvākāraprathāyāstu mahattvañca yadāśrayam || 26||
Die Überlieferung hat die Gestalt großen Erwachens und wohnt im Mund des Lehrers. Auf ihr beruht die Größe des Offenbarwerdens der Weltgestalt.

II 2.27
śivaśaktyādyayā mūlavidyayā parameśvari |
jagatkṛtsnaṃ tayā vyāptaṃ śṛṇuṣvāvahitā priye || 27||
Von der Wurzel-Vidya, deren Anfang Shiva und Shakti sind, höchste Herrin, wird das ganze All durchdrungen. Höre aufmerksam, Geliebte.

II 2.28
pañcabhūtamayaṃ viśvaṃ tanmayī sā sadānaghe |
tanmayī mūlavidyā ca tadadya kathayāmi te || 28||
Das All besteht aus den fünf Elementen; stets besteht sie aus ihnen, Makellose, und auch die Wurzel-Vidya besteht aus ihnen. Dies erkläre ich dir jetzt.

II 2.29
hakārād vyoma sambhūtaṃ kakārāttu prabhañjanaḥ |
rephādagniḥ sakārācca jalatattvasya sambhavaḥ || 29||
Aus dem Laut ha entstand der Raum, aus ka der Wind; aus r das Feuer und aus sa das Wasserprinzip.

II 2.30
lakārāt pṛthivī jātā tasmād viśvamayī ca sā |
guṇāḥpañcadaśa proktā bhūtānāṃ tanmayī śivā || 30||
Aus la entstand die Erde. Darum besteht sie aus dem All. Fünfzehn Eigenschaften der Elemente werden genannt; aus ihnen besteht Shiva [hier: die Göttin].

II 2.31
yasya yasya padārthasya sā yā śaktirudīritā |
sā sā sarveśvarī devī sa sa sarvo maheśvaraḥ || 31||
Welche Kraft auch immer einem Gegenstand zugesprochen wird: Jede solche Kraft ist die Göttin, die Herrin aller; jeder solche [Kraftträger] ist der große Herr.

II 2.32
vyāptā pañcadaśārṇaḥ sā vidyā bhūtaguṇātmikāḥ |
pañcabhiśca tathā ṣaḍ bhiścaturbhirapi cākṣaraḥ || 32||
Sie ist als fünfzehnlautige Vidya ausgebreitet und besteht aus den Eigenschaften der Elemente, [gegliedert] in fünf, sechs und vier Laute.

II 2.33
svaravyañjanabhedena saptatriṃśatprabhedinī |
saptatriṃśatprabhedena ṣaṭ triṃśatattvarūpiṇī || 33||
Durch die Unterscheidung von Vokalen und Konsonanten [ist sie] siebenunddreißigfach, siebenunddreißigfach unterschieden, [zugleich] Gestalt der sechsunddreißig Wirklichkeitsprinzipien. [Die Wiederholung steht so in der elektronischen Quelle.]

II 2.34
tattvātītasvabhāvā ca vidyaiṣaṃ bhāvyate sadā |
pṛthivyādiṣu bhūteṣu vyāpakaṃ cottarottaram || 34||
Diese Vidya, deren Wesen über den Wirklichkeitsprinzipien steht, ist stets zu vergegenwärtigen. Unter den Elementen, von Erde an, durchdringt das jeweils höhere …

II 2.35
bhūtaṃ tvadhastanaṃ vyāpyaṃ tad guṇā vyāpakāśrayāḥ |
vyāpyeṣvavasthitā devi sthūlasūkṣmavibhedataḥ || 35||
… das darunterstehende Element, welches das Durchdrungene ist. Dessen Eigenschaften beruhen auf dem Durchdringenden und befinden sich in den durchdrungenen [Elementen], Göttin, unterschieden nach grob und fein.

II 2.36
tasmādvyomaguṇaḥ śabdo vāyvādīn vyāpya saṃsthitaḥ |
vyomabījaistu vidyāsthairlakṣayecchabdapañcakam || 36||
Darum steht der Klang, die Eigenschaft des Raumes, so da, dass er Wind und die folgenden [Elemente] durchdringt. Mit den im Vidya-Mantra befindlichen Raum-Keimsilben soll man die fünf Arten des Klanges bezeichnen.

II 2.37
teṣāṃ kāraṇarūpeṇa sthita dhvanimayaṃ param |
bhaved guṇavatāṃ bījaṃ guṇānāmapi vācakam || 37||
Als deren Ursache steht das Höchste aus Klang bestehend da. Eine Keimsilbe, die den Träger der Eigenschaften bezeichnet, kann auch die Eigenschaften bezeichnen.

II 2.38
kāryakāraṇabhāvena tayoraikya vivakṣayā |
mahāmāyātrayeṇāpi kāraṇena ca bindunā || 38||
Weil Ursache und Wirkung eins genannt werden sollen, [vergegenwärtige man] durch die drei Mahamaya-[Silben] und den ursächlichen Bindu …

II 2.39
vāyvāgnijalabhūmīnāṃ sparśānāṃ ca catuṣṭayam |
utpannaṃ bhāvayed devi sthūlasūkṣmavibhedataḥ || 39||
… das Entstehen der vier Arten von Berührung in Wind, Feuer, Wasser und Erde, unterschieden nach grob und fein, Göttin.

II 2.40
rūpāṇāṃ tritayaṃ tadvat tribhī rephairvibhāvitam |
pradhānaṃ tejaso rūpaṃ tad bījena hi janyate || 40||
Ebenso werden die drei Arten sichtbarer Form durch drei r-Laute vergegenwärtigt. Die hauptsächliche [Eigenschaft] des Feuers ist die sichtbare Form; durch dessen Keimsilbe wird sie hervorgebracht.

II 2.41
vidyāsthaiścandrabījaistu sthūlasūkṣmo rasaḥ smṛtaḥ |
sambandho vidito loke rasasyāpyamṛtasya ca || 41||
Durch die Mond-Keimsilben im Vidya-Mantra wird Geschmack als grob und fein gedacht. Der Zusammenhang von Geschmack und Nektar ist in der Welt bekannt.

II 2.42
vasudhāyā guṇo gandhastallipirgandhavācikā |
bhuvanatrayasambandhāt tridhātvaṃ tu maheśvari || 42||
Die Eigenschaft der Erde ist Geruch; ihr Lautzeichen bezeichnet den Geruch. Durch den Bezug auf die drei Welten ist er dreifach, höchste Herrin.

II 2.43
aśuddhaśuddhamiśrāṇāṃ pramātṝṇāṃ paraṃ vapuḥ |
krodhīśatritaye nātha vidyāsthena prakāśyate || 43||
Die höchste Gestalt der unreinen, reinen und gemischten Erkennenden wird durch die drei Krodhisha-[Laute] im Vidya-Mantra offenbart, Herr.

II 2.44
śrīkaṇṭhadaśakaṃ tadvadavyaktasyāpi vācakaḥ |
prāṇarūpasthito devi tadvadekādaśaḥ paraḥ || 44||
Ebenso bezeichnet die Zehnergruppe des Shrikantha das Unentfaltete. Der höchste elfte steht entsprechend als Lebenshauch da, Göttin.

II 2.45
ekaḥ sanneva puruṣo bahudhā jāyate hi saḥ |
rudreśvarasadeśākhyā devatā mitavigrahāḥ || 45||
Obwohl der Purusha einer ist, entsteht er doch auf vielerlei Weise. Die Gottheiten namens Rudra, Ishvara und Sadesha, von begrenzter Gestalt … [Jāyate, »entsteht«, nach dem Sanskritdruck S. 167.]

Textgrundlage: Lesung nach dem sichtgeprüften Sanskritdruck, Dwivedi-Digitalisat, gedruckte S. 167; die Quellenabweichung bleibt im Archiv dokumentiert.

II 2.46
bindutrayeṇa kathitā amitāmitavigrahāḥ |
śāntiḥ śaktiśca śambhuśca nādatritayabodhanāḥ || 46||
… werden durch die drei Bindus bezeichnet, mit unbegrenzter und begrenzter Gestalt. Shanti, Shakti und Shambhu werden durch die drei Nadas kundgetan.

II 2.47
vāgurāmūlavalaye sūtrādyāḥ kavalīkṛtāḥ |
tathā mantrāḥ samastāśca vidyāyāmatra saṃsthitāḥ || 47||
Wie die Fäden und das Übrige im Grundring des Fangnetzes aufgenommen sind, so stehen auch sämtliche Mantras in dieser Vidya.

II 2.48
gurukrameṇa samprāptaḥ sampradāyārtha īritaḥ |
nigarbhārtho mahādevi śivagurvātmagocaraḥ || 48||
Der durch die Lehrerfolge empfangene [Sinn] heißt Sampradayartha, Überlieferungssinn. Der Nigarbha-Sinn, große Göttin, betrifft Shiva, Lehrer und Selbst …

II 2.49
tatprakāraṃ ca deveśi diṅmātreṇa vadāmi te |
śivagurvātmanāmaikyānusandhānāttadātmakam || 49||
Ihre Weise erkläre ich dir, Herrin der Götter, nur in den Grundzügen: Sie besteht in der Vergegenwärtigung der Einheit von Shiva, Lehrer und Selbst. [Der erste Halbvers wurde aus dem Sanskritdruck, S. 175, ergänzt; er fehlt in der elektronischen Vorlage.]

Textgrundlage: Lesung nach dem sichtgeprüften Sanskritdruck, Dwivedi-Digitalisat, gedruckte S. 175; die Quellenabweichung bleibt im Archiv dokumentiert. Der erste Halbvers fehlt im E-Text und wurde ausdrücklich aus diesem Druck ergänzt.

II 2.50
niṣkalatvaṃ śive budhvā tadrūpatvaṃ gurorapi |
tannirīkṣaṇasāmarthyādātmanaśca śivātmatām || 50||
Nachdem man Shivas Ungeteiltheit und ebenso die Gleichgestaltigkeit des Lehrers erkannt hat, soll man aus der Fähigkeit, ihn zu schauen, auch das eigene Selbst als Shiva …

II 2.51
bhāvayed bhaktinamraḥ san śaṅkonmeṣākalaṅkitaḥ |
kaulikaṃ kathayiṣyāmi cakradevatayorapi || 51||
… vergegenwärtigen, in Hingabe geneigt und unbefleckt vom Aufkommen des Zweifels. Ich erkläre nun den Kaulika-[Sinn]: die Einheit von Chakra und Gottheit … [Die erste Zeile folgt hier der abweichenden Lesung des Sanskritdrucks, S. 176–177; der E-Text bietet stattdessen einen Ausdruck mit saṅkoca, Zusammenziehen.]

Textgrundlage: Lesung nach dem sichtgeprüften Sanskritdruck, Dwivedi-Digitalisat, gedruckte S. 176–177; die Quellenabweichung bleibt im Archiv dokumentiert. Abweichende Lesung, nicht stillschweigende Umdeutung von abhakti oder saṅkoca.

II 2.52
vidyāgurvātmanāmaikyaṃ tatprakāraḥ pradarśyate |
lakāraiścaturasrāṇi vṛttatritayasaṃyutam || 52||
… sowie von Vidya, Lehrer und Selbst. Ihre Weise wird gezeigt: Aus den la-Lauten [entstehen] die Vierecke, verbunden mit den drei Kreisen …

II 2.53
saroruhadvayaṃ śaktairagnīṣomātmakaṃ priye |
hṛllekhātrayasaṃbhūtairakṣarairnavasaṅkhyakaiḥ || 53||
… aus den Shakti-[Lauten] das Lotuspaar, das aus Feuer und Mond besteht, Geliebte. Aus den neun Lauten, die aus den drei Hrillekhas hervorgehen …

II 2.54
bindutrayayutairjātaṃ navayonyātmakaṃ priye |
maṇḍalatrayayuktaṃ tu cakraṃ śaktyanalātmakam || 54||
… und mit den drei Bindus verbunden sind, entsteht das aus neun Yonis bestehende [Chakra]. Mit den drei Kreisen verbunden, besteht das Chakra aus Shakti und Feuer.

II 2.55
vyomabījatrayeṇaiva pramātṛtrityānvitam |
icchājñānakriyārūpamādanatrayasaṃyutam || 55||
Durch die drei Raum-Keimsilben ist es mit den drei Erkennenden verbunden; [es besitzt] die drei Madanas in der Gestalt von Wille, Erkenntnis und Handlung.

II 2.56
sadāśivāsanaṃ devi mahābindumayaṃ param |
itthaṃ mantrātmakaṃ cakraṃ devatāyāḥ paraṃ vapuḥ || 56||
Sein Sitz ist Sadashiva; es ist höchster großer Bindu, Göttin. So besteht das Chakra aus Mantra und ist der höchste Körper der Gottheit.

II 2.57
ekādaśādhikaśatadevatātmatayā punaḥ |
gaṇeśatvaṃ mahādevyāḥ sasomaravipāvakaiḥ || 57||
Weil die große Göttin das Wesen von einhundertelf Gottheiten hat, ist sie Ganesha; durch Mond, Sonne und Feuer …

II 2.58
icchājñānakriyābhiśca guṇatrayayutaih punaḥ |
graharūpā ca sā devī jñānakarmendriyairapi || 58||
… und durch Wille, Erkenntnis und Handlung, wiederum mit den drei Grundeigenschaften verbunden, hat sie die Gestalt der Planeten. Durch die Erkenntnis- und Handlungsorgane …

II 2.59
tadarthaireva deveśi karaṇairāntaraiḥ punaḥ |
prakṛtyā ca guṇenāpi puṃstvabandhena cātmanā || 59||
… durch deren Gegenstände, Herrin der Götter, ferner durch die inneren Organe, durch Prakriti, Eigenschaft, die Bindung an das Personsein und das Selbst …

II 2.60
nakṣatravigrahā jātā yoginītvamathocyate |
tvagādidhātunāthābhirḍākinyādibhirapyasau || 60||
… wird sie zur Gestalt der Mondhäuser. Nun wird ihr Yogini-Sein erklärt: mit den Herrinnen der Körperbestandteile von Haut an, Dakini und den folgenden …

II 2.61
vargāṣṭakaniviṣṭābhiryoginībhiśca saṃyutā |
yoginīrūpamāsthāya rājate viśvavigrahā || 61||
… und mit den Yoginis, die in den acht Lautgruppen wohnen, verbunden, nimmt sie die Yogini-Gestalt an und strahlt als Weltgestalt.

II 2.62
prāṇāpānau samānaścodānavyānau tathā punaḥ |
nāgaḥ kūrmo'tha kṛkaro devadatto dhanañjayaḥ || 62||
Prana, Apana, Samana, Udana und Vyana, ferner Naga, Kurma, Krikara, Devadatta und Dhananjaya …

II 2.63
jīvātmā paramātmā caityetai rāśisvarūpiṇī |
akathāditripaṅktyātmā tārtīyādikrameṇa sā || 63||
… sowie individuelles und höchstes Selbst: Durch diese hat sie die Gestalt der Tierkreiszeichen. Ihr Wesen sind die drei Reihen, die mit a, ka und tha beginnen; in der mit dem dritten [Block] beginnenden Reihenfolge …

II 2.64
gaṇeśo'bhūnmahāvidyā parāvāgādivāṅmayī |
bījabindudhvanīnāṃ ca trikūṭeṣu grahātmikā || 64||
… wird die große Vidya Ganesha, bestehend aus den Sprachstufen von Para Vak an. Durch Keimsilbe, Bindu und Klang in den drei Mantra-Blöcken besteht sie aus den Planeten.

II 2.65
hṛllekhātrayasaṃbhūtaistithisaṃkhyaistathākṣaraiḥ |
anyairdvādaśabhirvarṇaireṣā nakṣatrarūpiṇī || 65||
Durch die aus den drei Hrillekhas entstehenden Laute, deren Zahl den [fünfzehn] Mondtagen entspricht, und durch die zwölf übrigen Laute hat sie die Gestalt der [siebenundzwanzig] Mondhäuser.

II 2.66
vidyāntarbhūtatadādyaiḥ śāktaiḥ ṣaḍbhistathākṣaraiḥ |
yoginītvaṃ ca vidyāyā rāśitvaṃ cāntyavarjitaiḥ || 66||
Durch die sechs zur Shakti gehörenden Laute – die im Vidya-Mantra enthaltenen [Shakti-Laute] samt den ihnen vorangehenden – erhält die Vidya ihr Yogini-Sein; durch [die Laute] unter Auslassung der letzten [Mantrasilben] ihr Tierkreis-Sein. [Die Dīpikā erklärt auf S. 195–196 die Sechsergruppe als drei Hrillekhas, hrīṃ, und die drei jeweils davorstehenden la. Für die zwölf Tierkreiszeichen werden die drei hrīṃ aus den fünfzehn Mantrasilben ausgenommen. Dies ist die Zählweise des Kommentars; hrīṃ zählt hier jeweils als eine Mantrasilbe.]

Textgrundlage: Lesung nach dem sichtgeprüften Sanskritdruck, Dwivedi-Digitalisat, gedruckte S. 195–196. Dort ebenfalls 2.66. Die elektronische Wortfolge wurde ausdrücklich durch die Drucklesung ersetzt; keine eigene Mantra-Ergänzung.

II 2.67
evaṃ viśvaprakārā ca cakra rūpā maheśvarī |
devyā dehe yathā prokto gurudehe tathaiva hi || 67||
So hat die große Herrin die Gestalt der Welt und die Gestalt des Chakra. Wie es am Körper der Göttin erklärt wurde, so [gilt es] auch am Körper des Lehrers.

II 2.68
tatprasādācca śiṣyo'pi tadrūpaḥ samprajāyate |
ityevaṃ kaulikārthastu kathito vīravandite || 68||
Durch dessen Gnade nimmt auch der Schüler diese Gestalt an. Damit ist der Kaulika-Sinn erklärt, von Helden Verehrte.

II 2.69
tathā sarvarahsyārthaṃ kathayāmi tavānaghe |
mūlādhāre taḍidrūpe vāgbhavākāratāṃ gate || 69||
Nun erkläre ich dir den Sinn des gesamten Geheimnisses, Makellose. Im Muladhara, blitzförmig und in die Gestalt des Vagbhava [des ersten Mantra-Blocks] eingegangen …

II 2.70
aṣṭātriṃśatkalāyuktapañcāśadvarṇavigrahā |
vidyā kuṇḍalinīrūpā maṇḍalatrayabhedinī || 70||
… steht die Vidya in der Gestalt Kundalinis, mit achtunddreißig Kalas verbunden, ihr Körper aus fünfzig Lauten, die drei Kreise durchbrechend …

II 2.71
taḍitkoṭinibhaprakhyā bisatantunibhākṛtiḥ |
vyomendumaṇḍalāsaktā sudhāsrotaḥsvarūpiṇī || 71||
… leuchtend wie zehn Millionen Blitze, von Gestalt wie eine Lotusfaser, dem Mondkreis im Raum verbunden, als Strom des Unsterblichkeitsnektars …

II 2.72
sadā vyāptajagat kṛtsnā sadānandasvarūpiṇī |
eṣā svātmeti buddhistu rahasyārtho maheśvari || 72||
… stets das ganze All durchdringend, von der Gestalt ewiger Glückseligkeit. Die Einsicht »Diese ist mein eigenes Selbst« ist der geheime Sinn, höchste Herrin.

II 2.73
mahātattvārthaṃ iti yattaca devi vadāmi te |
niṣkale parame sūkṣme nirlakṣye bhāvavarjite || 73||
Was nun Mahatattvartha, Sinn der großen Wirklichkeit, heißt, erkläre ich dir, Göttin: im ungeteilten Höchsten, Feinen, ohne wahrnehmbares Kennzeichen und frei von bestimmtem Sein …

II 2.74
vyomātīte pare tattve prakāśānandavigrahe |
viśvottīrṇe viśvamaye tattve svātmaniyojanam || 74||
… im höchsten Wirklichen jenseits des Raumes, von der Gestalt des Lichtes und der Glückseligkeit, jenseits der Welt und zugleich weltumfassend: darin das eigene Selbst einzusetzen.

II 2.75
tadā prakāśamānatvaṃ tejasāṃ tamasāmapi |
avinābhāvarūpatvaṃ tasmādviśvasya sarvataḥ || 75||
Dann [erkennt man] das Erhelltsein sowohl des Lichtes als auch der Dunkelheit und darum auf jede Weise die untrennbare Verbundenheit des Alls [mit diesem Wirklichen].

II 2.76
prakāśate mahātattvaṃ divyakrīḍārasojjvale |
nirastasarvasaṃkalpavikalpasthitipūrvakaḥ || 76||
Die große Wirklichkeit leuchtet auf im Glanz des Geschmacks göttlichen Spiels. Voraus geht die Aufhebung aller Zustände von Vorsatz und unterscheidender Vorstellung.

II 2.77
rahasyārtho mayā guptaḥ sadyaḥ pratyayakārakaḥ |
mahājñānārṇave dṛṣṭaḥ śaṅkā tatra na pārvati || 77||
Der von mir verborgen gehaltene geheime Sinn bewirkt unmittelbare Gewissheit. Er wird im »Großen Meer der Erkenntnis« gesehen; daran besteht kein Zweifel, Parvati.

II 2.78
vidyāpīṭhanibaddheṣu saṃsthito divyasiddhidaḥ |
kaulācāraparairdevi pādukābhāvanāparaiḥ || 78||
Er ist in den an die Vidya-Sitze gebundenen [Überlieferungen] verankert und gewährt göttliche Vollendung. Von jenen, die der Kaula-Lebensweise und der Betrachtung der Sandalen [des Lehrers] hingegeben sind …

II 2.79
yoginīmelanodyuktaiḥ prāptavidyābhiṣecanaiḥ |
śaṅkākalaṅkavigataiḥ sadā muditamānasaiḥ || 79||
… die sich um die Begegnung mit Yoginis bemühen, die Weihe der Vidya empfangen haben, vom Makel des Zweifels frei sind und stets einen frohen Geist haben …

II 2.80
pāramparyeṇa vijñātarahasyārthaviśāradaiḥ |
labhyate nānyatha devi tvāṃ śapekulasundari || 80||
… und die durch Überlieferung den geheimen Sinn kundig erfasst haben, wird er erlangt, auf keine andere Weise, Göttin. Ich schwöre bei dir, Schönheit des Kula.

II 2.81
pāramparyavihīnā ye jñānamātreṇa garvitāḥ |
teṣāṃ samayalopena vikurvanti marīcayaḥ || 81||
Wer ohne Überlieferung ist und sich allein seiner Kenntnisse rühmt, den bringen die Strahlen [der göttlichen Kräfte] wegen der Verletzung der Verpflichtungen in Verwirrung.

II 2.82
yastu divyarasāsvādamodamānavimarśanaḥ |
devatātithinakṣatre vāre'pi ca vivasvataḥ || 82||
Wer aber im Verkosten des göttlichen Geschmacks ein freudiges Gewahrsein besitzt, an den Mondtagen und im Mondhaus der Gottheit und auch am Tag der Sonne … [Devatātithinakṣatre ist am Sanskritdruck S. 214 geprüft. Die Dīpikā erläutert dazu den achten und vierzehnten Mondtag sowie Pushya.]

Textgrundlage: Lesung nach dem sichtgeprüften Sanskritdruck, Dwivedi-Digitalisat, gedruckte S. 214; die Quellenabweichung bleibt im Archiv dokumentiert.

II 2.83
marīcīn prīṇayatyeva madirānandaghūrṇitaḥ |
sarvadā ca viśeṣaṇa labhate pūrṇabodhatām || 83||
… die Strahlen erfreut, von der Freude am berauschenden Getränk bewegt, der erlangt stets und in besonderem Maße vollständiges Erwachen.

II 2.84
evaṃbhāvastu deveśi deśikendraprasādataḥ |
mahājñānamayo devi sadyaḥ samprāpyate naraiḥ || 84||
Dieser Zustand, Herrin der Götter, ganz aus großer Erkenntnis bestehend, wird von Menschen durch die Gnade des höchsten Lehrers unmittelbar erreicht.

II 2.85
evametatpradaṃ jñānaṃ vidyārṇāgamagocaram |
devi guhyapriyeṇaiva vyākhyātaṃ durgi ṣaḍ vidham |
sadyo yasya prabodhena vīracakreśvaro bhavet || 85||
So wurde diese Erkenntnis, die dies gewährt und zum Bereich der Vidya-Laute und der Überlieferung gehört, Göttin, von dem Freund des Geheimen sechsfach erklärt, Durga. Durch ihr unmittelbares Erwachen wird man Herr des Kreises der Helden.

Kapitelkolophon
iti dvitīyaḥ paṭalaḥ samāptaḥ |
Damit ist das 2. Kapitel abgeschlossen.

Begleitvideo: 3-Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev

Allgemeine heutige Praxisergänzung; keine Rekonstruktion eines Rituals aus dem Vamakeshvara Tantra.

Teil II, Kapitel 3

atha tṛtīyaḥ paṭalaḥ
Nun das 3. Kapitel. [Die elektronische Überschrift tṛtāyaḥ wurde zu tṛtīyaḥ berichtigt.]

II 3.1
pūjāsaṅketamadhunā kathayāmi tavānaghe |
yasya prabodhamātreṇa jīvanmuktaḥ pramodate || 1||
Nun erkläre ich dir den Schlüssel zur Verehrung, Makellose. Durch sein bloßes Verstehen erfreut sich der zu Lebzeiten Befreite.

II 3.2
tava nityoditā pūjā tribhirbhedairvyavasthitā |
parā cāpyaparā gauri tṛtīyā ca parāparā || 2||
Deine stets aufgehende Verehrung besteht in drei Formen: der höchsten, der niederen, Gauri, und als dritter der zugleich höchsten und niederen.

II 3.3
prathamādvaitabhāvasthā sarvaprasaragocarā |
dvitīyā cakrapūjā ca sadā niṣpādyate mayā || 3||
Die erste steht im Zustand der Nichtzweiheit und umfasst alle Entfaltungen. Die zweite ist die Verehrung des Chakra; sie wird stets von mir vollzogen.

II 3.4
evaṃ jñānamaye devi tṛtīyā tu parāparā |
uttamā sā parā jñeyā vidhānaṃ śṛṇu sāmpratam || 4||
So, Göttin aus Erkenntnis, ist die dritte die zugleich höchste und niedere. Die höchste soll als die vorzüglichste erkannt werden. Höre nun das Verfahren.

II 3.5
mahāpadmavanāntasthe vāgbhave gurupādukām |
āpyāyitajagadrūpāṃ paramāmṛtavarṣiṇīm || 5||
Im Innern des großen Lotuswaldes, im Vagbhava, [betrachte man] die Sandalen des Lehrers, deren Gestalt das All erfrischt und die höchsten Unsterblichkeitsnektar regnen lassen.

II 3.6
sañcintya paramādvaitabhāvanāmṛtaghūrṇitaḥ |
daharāntarasaṃsarpannādālokanatatparaḥ || 6||
Nachdem er sie vergegenwärtigt hat, vom Nektar höchster nichtdualer Betrachtung bewegt, widme er sich ganz dem Wahrnehmen des Klanges, der im inneren kleinen [Herzensraum] sich bewegt …

II 3.7
vikalparūpasaṃjalpavimukho'ntarmukhaḥ sadā |
citkalollāsadalitasaṃkocastvatisundaraḥ |
indriyaprīṇanadravyairvihitasvātmapūjanaḥ || 7||
… stets nach innen gewandt, abgewandt vom begrifflichen Reden; seine Begrenzung ist vom Aufleuchten der Bewusstseinskraft aufgebrochen, überaus schön [ist er], und mit die Sinne erfreuenden Gaben verehrt er sein eigenes Selbst. [Die Schlusszeile wurde nach dem Sanskritdruck S. 229 berichtigt.]

Textgrundlage: Lesung nach dem sichtgeprüften Sanskritdruck, Dwivedi-Digitalisat, gedruckte S. 229; die Quellenabweichung bleibt im Archiv dokumentiert.

II 3.8
nyāsaṃ nirvartayedehe ṣoḍhānyāsapuraḥsaram |
gaṇeśaiḥ prathamo nyāso dvitīyastu grahairmataḥ || 8||
Er vollziehe das Auflegen [von Mantras] auf den Körper, beginnend mit dem sechsfachen Nyasa. Das erste Auflegen geschieht mit den Ganeshas, das zweite gilt den Planeten.

II 3.9
nakṣatraiśca tṛtīyaḥ syādyoginībhiścaturthakaḥ |
rāśibhiḥ pañcamo nyāsaḥ ṣaṣṭhaḥ pīṭhairnigadyate || 9||
Das dritte geschieht mit den Mondhäusern, das vierte mit den Yoginis; das fünfte Auflegen mit den Tierkreiszeichen, das sechste wird mit den heiligen Sitzen gelehrt.

II 3.10
ṣoḍhānyāsastvayaṃ proktaḥ sarvatraivāparājitaḥ |
evaṃ yo nyastagātrastu sa pūjyaḥ sarvayogibhiḥ || 10||
Dieses sechsfache Auflegen wird überall als unüberwindlich bezeichnet. Wer seine Glieder auf diese Weise mit ihm versehen hat, ist von allen Yogis zu verehren.

II 3.11
nāstyasya pūjyo lokeṣu pitṛmātṛmukho janaḥ |
sa eva pūjyaḥ sarveṣāṃ sa svayaṃ parameśvaraḥ || 11||
Für ihn gibt es in den Welten keinen Menschen, den er verehren müsste, angefangen mit Vater und Mutter. Er selbst ist von allen zu verehren; er selbst ist der höchste Herr.

II 3.12
ṣoḍhānyāsavihīnaṃ yaṃ praṇamedeṣa pārvati |
so'cirānmṛtyumāpnoti narakaṃ ca prapadyate || 12||
Wenn dieser sich vor jemandem verneigt, der des sechsfachen Auflegens entbehrt, Parvati, so trifft jenen bald der Tod, und er gelangt in die Hölle. [»Jenen« bezieht sich grammatisch am ehesten auf den Verehrten; dies ist eine historische Sanktionsdrohung.]

II 3.13
ṣoḍhānyāsaprakāraṃ ca kathayāmi tavānaghe |
vighneśo vighnarājaśca vināyakaśivottamau || 13||
Ich erkläre dir die Weise des sechsfachen Auflegens, Makellose: Vighnesha, Vighnaraja, Vinayaka und Shivottama …

II 3.14
vighnakṛdvighnahartā ca gaṇarāṭ gaṇanāyakaḥ |
ekadanto dvidantaśca gajavaktro nirañjanaḥ || 14||
… Vighnakrit, Vighnaharta, Ganarat, Gananayaka, Ekadanta, Dvidanta, Gajavaktra und Niranjana …

II 3.15
kapardavān dīrghamukhaḥ śaṅkukarṇo vṛṣadhvajaḥ |
gaṇanātho gajendraśca śūrpakarṇastrilocanaḥ || 15||
… Kapardavan, Dirghamukha, Shankukarna, Vrishadhvaja, Gananatha, Gajendra, Shurpakarna und Trilochana …

II 3.16
lambodaro mahānādaścaturmūrtiḥ sadāśivaḥ |
āmodo durmukhaścaiva sumukhaśca pramodakaḥ || 16||
… Lambodara, Mahanada, Chaturmurti, Sadashiva, Amoda, Durmukha, Sumukha und Pramodaka …

II 3.17
ekapādo dvijihvaśca śūro vīraśca ṣaṇmukhaḥ |
varado vāmadevaśca vakratuṇḍo dviraṇḍakaḥ || 17||
… Ekapada, Dvijihva, Shura, Vira, Shanmukha, Varada, Vamadeva, Vakratunda und Dvirandaka …

II 3.18
senānīrgrāmaṇīrmatto vimatto mattavāhanaḥ |
jaṭī muṇḍī tathā khaḍgī vareṇyo vṛṣaketanaḥ || 18||
… Senani, Gramani, Matta, Vimatta, Mattavahana, Jati, Mundi, Khadgi, Varenya und Vrishaketana …

II 3.19
bhakṣyapriyo gaṇeśaśca meghanādo gaṇeśvaraḥ |
taruṇāruṇasaṅkāśān gajavaktrān trilocanān || 19||
… Bhakshyapriya, Ganesha, Meghanada und Ganeshvara. [Man denke sie] von der Farbe der jungen Morgenröte, mit Elefantengesichtern und drei Augen …

II 3.20
pāśāṅkuśavarābhītihastān śaktisamanvitān |
etāṃstu vinyasedehe mātṛkānyāsavatpriye || 20||
… mit Schlinge, Elefantenhaken, Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste in den Händen, mit ihren Kräften verbunden. Diese lege man auf den Körper wie beim Auflegen der Matrika, Geliebte.

II 3.21
svaraistu sahitaṃ sūryaṃ hṛdayādhaḥ pravinyaset |
bindusthāne sudhāsūtiṃ yādivarṇacatuṣṭayaiḥ || 21||
Die Sonne, mit den Vokalen verbunden, lege man unterhalb des Herzens auf; den Mond, den Nektarerzeuger, an der Bindu-Stelle mit den vier Lauten von ya an.

II 3.22
bhūputraṃ locanadvandva kavargādhipatiṃ priye |
hṛdaye vinyasecchukraṃ cavargādhipatiṃ punaḥ || 22||
Den Sohn der Erde [Mars], Herrn der ka-Gruppe, [lege man] auf das Augenpaar, Geliebte; Shukra [Venus], Herrn der ca-Gruppe, wiederum auf das Herz.

II 3.23
hṛdayopari vinyaseṭṭavargādhipatiṃ budham |
bṛhaspatiṃ kaṇṭhadeśe tavargādhipatiṃ priye || 23||
Über dem Herzen lege man Budha [Merkur], Herrn der ṭa-Gruppe, auf; Brihaspati [Jupiter], Herrn der ta-Gruppe, in der Halsgegend, Geliebte.

II 3.24
nābhau śanaiścaraṃ devi pavargeśaṃ sureśvari |
vaktreśādicaturvarṇaiḥ sahitaṃ rāhumeva ca || 24||
Shanaishchara [Saturn], Herrn der pa-Gruppe, [lege man] auf den Nabel, Göttin, Herrin der Götter; Rahu, verbunden mit den vier Lauten von śa an, auf den Mund.

II 3.25
kṣakārasahitaṃ ketuṃ pāyau deveśi vinyaset |
[ raktaṃ śvetaṃ tathā raktaṃ śyāmaṃ pītaṃ ca pāṇḍuram |
kṛṣṇaṃ dhūmraṃ dhūmradhūmraṃ bhāvayedravipurvakān||
kāmarūpadharān devi divyāmbaravibhūṣaṇān |
vāmorunyastahastāṃśca dakṣahastavarapradān ||]
lalāṭe dakṣanetre ca vāme karṇadvaye punaḥ || 25||
Ketu, verbunden mit dem Laut kṣa, lege man auf den After, Herrin der Götter. [Zusatz der Quelle: Von der Sonne an vergegenwärtige man sie als rot, weiß, rot, dunkel, gelb, blass, schwarz, rauchfarben und tief rauchfarben; sie nehmen beliebige Gestalt an, Göttin, tragen göttliche Gewänder und Schmuck, halten die linke Hand auf dem linken Oberschenkel und gewähren mit der rechten Gaben.] Auf die Stirn, das rechte Auge, das linke und beide Ohren wiederum …

II 3.26
puṭayonirnāsikāyāśca kaṇṭhe skandhadvaye punaḥ |
paścātkūrparayugme ca maṇibandhadvaye punaḥ || 26||
… auf die beiden Nasenöffnungen, den Hals, die beiden Schultern, sodann die beiden Ellbogen und die beiden Handgelenke …

II 3.27
stanayornābhideśe ca kaṭibandhe tataḥ param |
ūruyugme tathā jānvorjaṅghayośca padadvaye || 27||
… auf die beiden Brüste, die Nabelgegend und danach die beiden Hüftseiten [nach der Kommentarauslegung], auf beide Oberschenkel, Knie, Unterschenkel und Füße [werden die Mondhäuser gelegt]. [Die Dīpikā, S. 237, versteht das grammatisch singularische kaṭibandha ausdrücklich als beide Hüftseiten. Zusammen mit den vorher genannten Orten ergeben sich so 27 Körperstellen.]

II 3.28
[ ādyayugmantathā caikaṃ tastrīṇi catuṣṭayam |
ekamekaṃ dvayañceti svarāḥ proktāścaturdaśa || 28||
[Die ersten zwei, dann einer, darauf drei, vier, einer, einer und zwei: So werden die vierzehn Vokale angegeben.] [Die ganze Passage ist bereits in der Quelle eingeklammert.]

II 3.29
vyañjaneṣvekamubhayaṃ dvayaṃ nyasyedataḥ param |
ekaṃ yugmaṃ dvayandvandvamekaṃ yugmaṃ dvayantataḥ || 29||
[Von den Konsonanten lege man anschließend einen, beide und zwei auf; einen, ein Paar, zwei, zwei, einen, ein Paar und danach zwei …]

II 3.30
ekaṃ trayaṃ tathā caikaṃ ekamekaṃ dvayantathā |
ekaṃ dvayaṃ trayaṃ paścāllakṣaṃ aṃ maścatuṣṭayam || 30||
[… einen, drei, ebenso einen, einen, einen und zwei, dann einen, zwei, drei, danach la, kṣa, aṃ und ma, eine Vierergruppe.] [Das Ende der Lautliste ist gestört; die Worttrennung ist vorläufig.]

II 3.31
aśvinyādeḥ puro bhage datvā cakramato nyaset ]
jvalatkālānalaprakhyā varadābhayapāṇayaḥ || 31||
[Nachdem man sie vor Ashvini und den folgenden angebracht hat, lege man nun den Kreis auf.] [Die Gottheiten] gleichen dem lodernden Feuer am Ende der Zeit; ihre Hände gewähren Gaben und Furchtlosigkeit …

II 3.32
natipāṇyo'śvinīpūrvāḥ sarvābharaṇabhūṣitāḥ |
etāstu vinyaseddevi sthāneṣveṣu surārcite || 32||
… oder sind zur Verehrung gefaltet; von Ashvini an sind sie mit allem Schmuck geschmückt. Diese lege man an diesen Stellen auf, Göttin, von Göttern Verehrte.

II 3.33
viśuddhau hṛdaye nābhau svādhiṣṭāne ca mūlake |
ājñāyāṃ dhātunāthāśca nyastavyā ḍādidevatāḥ || 33||
In Vishuddha, Herz, Nabel, Svadhishthana, Wurzelzentrum und Ajna sind die Herrinnen der Körperbestandteile, die Gottheiten von Dakini an, aufzulegen …

II 3.34
amṛtādiyutāḥ samyaṅnyastavyāśca sureśvari |
pāde liṅge ca kukṣau ca hṛdaye bāhumūlayoḥ || 34||
… jeweils zusammen mit Amrita und den folgenden, Herrin der Götter. Auf Fuß, Geschlechtsorgan, Bauch, Herz und Achseln …

II 3.35
dakṣiṇaṃ pādamārabhya vāmapādāvasānakam |
meṣādirāśayo varṇairnyastavyāḥ saha pārvati || 35||
… vom rechten Fuß beginnend und beim linken Fuß endend, sind die Tierkreiszeichen von Widder an zusammen mit den Lauten aufzulegen, Parvati.

II 3.36
[ catuṣkaṃ tritayaṃ trīṇi dvitayaṃ dvitayaṃ dvayam |
pañcakaṃ pañcakaṃ pañca pañcaktaṃ pañcakaṃ tataḥ||
catvāri merurmine syuḥ kanyāyāṃ pañca śādayaḥ | ]
pīṭhāni vinyaseddevi mātṛkāsthānake punaḥ |
teṣāṃ nāmāni vakṣyante śṛṇuṣvāvahitā priye || 36||
[Zusatz der Quelle: Vier, drei, drei, zwei, zwei, zwei, fünf, fünf, fünf, fünf, danach fünf; vier, Meru im Fisch; in der Jungfrau fünf von śa an. Die Lautfolge ist gestört; die genaue Verteilung bleibt offen.] Sodann lege man die heiligen Sitze an den Stellen der Matrika auf, Göttin. Ihre Namen werden genannt; höre aufmerksam, Geliebte.

II 3.37
kāmarūpaṃ vārāṇasī nepālaṃ pauṇḍravardhanam |
carasthiraṃ kānyakubjaṃ pūrṇaśailaṃ tathārbudam || 37||
Kamarupa, Varanasi, Nepala, Paundravardhana, Charasthira, Kanyakubja, Purnashaila und Arbuda …

II 3.38
āmrātakeśvaraikāmraṃ trisrotaḥ kāmakoṭakam |
kailāsaṃ bhṛgunagaraṃ kedārapūrṇacandrake || 38||
… Amratakeshvara, Ekamra, Trisrotas, Kamakotaka, Kailasa, Bhrigunagara, Kedara und Purnachandra …

II 3.39
śrīpīṭhamoṅkārapīṭhaṃ jālandharaṃ mālavotkale |
kulāntaṃ devikoṭaṃ ca gokarṇaṃ māruteśvaram || 39||
… Shripitha, Omkarapitha, Jalandhra, Malava und Utkala, Kulanta, Devikota, Gokarna und Maruteshvara …

II 3.40
aṭṭahāsaṃ ca virajaṃ rājagehaṃ mahāpatham |
kolāpura melāpuraṃ oṅkārantu jayantikā || 40||
… Attahasa, Viraja, Rajageha, Mahapatha, Kolapura, Melapura, Omkara und Jayantika …

II 3.41
ujjayinyāpi citrā ca kṣīrakaṃ hastināpuram |
oḍḍīśaṃ ca prayāgākhyaṃ ṣaṣṭhaṃ māyāpuraṃ tathā || 41||
… Ujjayini, Chitra, Kshiraka, Hastinapura, Oddisha, Prayaga, Shashtha und Mayapura …

II 3.42
jaleśaṃ malayaṃ śailaṃ meruṃ girivaraṃ tathā |
mahendraṃ vāmanaṃ caiva hiraṇyapurameva cā || 42||
… Jalesha, Malaya, Shaila, Meru, Girivara, Mahendra, Vamana und Hiranyapura …

II 3.43
mahālakṣmīpuroḍyāṇaṃ chāyāchatramataḥ param |
ete pīṭhāḥ samuddiṣṭā mātṛkārūpakāḥ sthitāḥ || 43||
… Mahalakshmipura, Udyana und danach Chayachatra. Diese Sitze werden genannt; sie bestehen in der Gestalt der Matrika.

II 3.44
evaṃ ṣoḍhā puraḥ kṛtvā śrīcakranyāsamācaret |
śrīmattripurasundaryāścakranyāsaṃ śṛṇu priye || 44||
Nachdem man so die sechs [Auflegungen] vorangestellt hat, vollziehe man das Auflegen des Shri Chakra. Höre, Geliebte, das Chakra-Auflegen der erhabenen Tripurasundari …

II 3.45
yanna kasyacidākhyātaṃ tanuśuddhikaraṃ param |
caturastrādyarekhāyai nama ityādito nyaset || 45||
… das niemandem erzählt wurde und den Körper in höchstem Maße reinigt. Beginnend mit »Verehrung der ersten Linie des Vierecks« lege man auf …

II 3.46
dakṣāṃsapṛṣṭhapāṇyagrasphikkapādāṅgulīṣvatha |
vāmāṅghryaṅguliṣusphikke pāṇyagre cāṃsapṛṣṭhake || 46||
… auf die Rückseite der rechten Schulter, die Fingerspitzen, das Gesäß und die Zehen; sodann auf die linken Zehen, das Gesäß, die Fingerspitzen und die Schulterrückseite …

II 3.47
sacūlīmūlapṛṣṭheṣu vyāpakatvena sundari |
atraiva sthānadaśake aṇimādyāstu vinyaset || 47||
… einschließlich Haarwurzel und Rücken, umfassend, Schöne. Auf eben diese zehn Stellen lege man Anima und die folgenden [Vollendungen]. [Einzelne Ortsbezüge der Liste bleiben unsicher.]

II 3.48
siddhistadantaśca tanuvyāpakatvena sundari |
[ caturasramadhyarekhāyai nama ityapi vallabhe. ]
tasyāḥ sthāneṣu vinyasya brahmāṇyādyāstadāṣṭasu || 48||
Die Vollendung [werde] in deren Innern als den Körper durchdringend [aufgelegt], Schöne. [»Verehrung der mittleren Linie des Vierecks«, Geliebte.] Nachdem man dies aufgelegt hat, [lege man] Brahmani und die folgenden auf deren acht Stellen …

II 3.49
pādāṅguṣṭhadvaye pārśve dakṣe mūrdhanyapārśvake |
vāmadakṣiṇajānvośca bahiraṃsadvaye tathā || 49||
… auf beide große Zehen, die rechte Seite, den Scheitel und die andere Seite sowie das linke und rechte Knie und beide äußeren Schulterbereiche.

II 3.50
nyastavyāścaturasrāntyarekhāyai nama ityapi |
vinyased vyāpakatvena pūrvoktāntaśca vigrahe || 50||
Auch »Verehrung der letzten Linie des Vierecks« ist aufzulegen. Man lege sie umfassend in den Körper, innerhalb der zuvor genannten [Linie].

II 3.51
tasyāḥ sthāneṣu daśasu mudrāṇāṃ daśakaṃ nyaset |
brahmāṇyādyaṣṭasthānāntastāsāmaṣṭau nyasettataḥ || 51||
Auf ihre zehn Stellen lege man die zehn Mudras. Acht von ihnen lege man sodann innerhalb der acht Stellen von Brahmani und den folgenden.

II 3.52
śiṣṭe dve dvādaśānte ca pādāṅguṣṭhe ca vinyaset |
tadāntaḥ ṣoḍaśadalapadmāya nama ityapi || 52||
Die übrigen zwei lege man am Zwölffinger-Endpunkt und an der großen Zehe auf. In deren Innern [spreche man] auch »Verehrung dem sechzehnblättrigen Lotus« …

II 3.53
vinyasya taddale kāmākarṣiṇyādyāśca vinyaset |
dalāni dakṣiṇaśrotrapṛṣṭhamaṃsaṃ ca kūrparam || 53||
… und lege auf dessen Blätter Kamakarshini und die folgenden. Die Blätter [liegen] an Rückseite des rechten Ohres, Schulter und Ellbogen …

II 3.54
karapṛṣṭhaṃ corujānugulphapādatalaṃ tathā |
vāmapādatalādyevametadevāṣṭakaṃ matam || 54||
… Handrücken, Oberschenkel, Knie, Knöchel und Fußsohle. Auf der linken Seite gilt dieselbe Achtergruppe, beginnend mit der Fußsohle.

II 3.55
tadantare cāṣṭadalapadmāya nama ityapi |
vinyasya taddaleṣveṣu dakṣaśaṅkhe ca jatruke || 55||
In dessen Innern lege man auch »Verehrung dem achtblättrigen Lotus« auf; auf dessen Blätter an rechter Schläfe und Schlüsselbein …

II 3.56
ūrvantargulphagulphorujatruśaṅkhe ca vamataḥ |
anaṅgakusumādyāśca śaktīraṣṭau ca vinyaset || 56
… an Innenseite des Oberschenkels und Knöchel, dann links an Knöchel, Oberschenkel, Schlüsselbein und Schläfe lege man die acht Kräfte von Anangakusuma an.

II 3.57
tadantaścaturdaśāracakrāya nama ityapi |
vinyasya tasya koṇeṣu nyasecchaktīścaturdaśa || 57||
In dessen Innern lege man auch »Verehrung dem vierzehneckigen Chakra« auf; auf dessen Ecken lege man die vierzehn Kräfte …

II 3.58
sarvasaṅkṣobhiṇyādyāstu tasya koṇāni vacmyaham |
lalāṭaṃ dakṣabhāgaṃ ca dakṣagaṇḍāṃsamadhyataḥ || 58||
… von Sarvasankshobhini an. Ich nenne seine Ecken: die rechte Stirnseite und [die Stellen an] rechter Wange und Schulter …

II 3.59
pārśvāntarūrujaṅghāntarvāmajaṅghādi pārvati |
vāmorvantaṃ vāmapārśvaṃ vāmāṃsaṃ vāmagaṇḍakam || 59||
… innere Seite, Oberschenkel und Unterschenkel; von dem linken Unterschenkel an, Parvati, die Innenseite des linken Oberschenkels, linke Seite, linke Schulter und linke Wange …

II 3.60
lalāṭavāmamadhye ca tathā vai pṛṣṭhamityapi |
tato daśāracakrāya nama ityapi pārvati || 60||
… linke und mittlere Stirn sowie den Rücken. Danach auch »Verehrung dem zehneckigen Chakra«, Parvati.

II 3.61
tasya koṇāni dakṣākṣināsāmūlāsyanetrake |
kukṣīśavāyukoṇeṣu jānudvayagudeṣu ca || 61||
Seine Ecken [liegen] an rechtem Auge, Nasenwurzel, Mund und [linkem] Auge, an der Nordost- und Nordwestecke des Bauches, an beiden Knien und am After …

II 3.62
kukṣinai ṝrtivahnyākhyakoṇeṣveṣu nyaset punaḥ |
sarvasiddhipradādīnāṃ śaktīnāṃ daśakaṃ tathā || 62||
… sowie an den Südwest- und Südostecken des Bauches; auf diese lege man wiederum die zehn Kräfte von Sarvasiddhiprada an. [Die als Ecken bezeichneten Körperstellen sind in der Vorlage zum Teil fehlerhaft geschrieben.]

II 3.63
tadantasca daśārādicakrāya nama ityapi |
vinyasya tasya koṇeṣu sarvajñādyāḥ pravinyaset || 63||
In dessen Innern lege man auch »Verehrung dem [inneren] zehneckigen Chakra« auf; auf seine Ecken lege man Sarvajna und die folgenden.

II 3.64
dakṣanāsā sṛkkiṇī cā stanaṃ vṛṣaṇameva ca |
sīvinī vāmamuṣkaṃ ca stanaṃ sṛkkiṇi nāsike || 64||
Rechte Nasenseite, Mundwinkel, Brust und Hoden, Dammnaht, linker Hoden, Brust, Mundwinkel und Nasenseite …

II 3.65
nāsāgraṃ caiva vijñeyaṃ koṇānāṃ daśakaṃ tathā |
tadantaraṣṭakoṇādicakrāya nama ityapi || 65||
… sowie die Nasenspitze sind als die zehn Ecken zu erkennen. In dessen Innern [lege man] auch »Verehrung dem achteckigen Chakra« …

II 3.66
vinyasya tasya koṇeṣu vaśinyādyaṣṭakaṃ nyaset |
cibukaṃ kaṇṭhahṛdayanābhīnāṃ caiva dakṣiṇam || 66||
… und auf seine Ecken die Achtergruppe von Vashini an. Als rechte [vier Ecken] sind die Seiten von Kinn, Hals, Herz und Nabel …

II 3.67
jñeyaṃ pārśvacatuṣkaṃ ca maṇipūrādi vāmakam |
catuṣṭayaṃ ca pārśvānāmetat koṇāṣṭakaṃ matam || 67||
… zu erkennen, als linke die Vierergruppe von Manipura an. Diese vier und vier Seiten gelten als die acht Ecken.

II 3.68
hṛdayasthatrikoṇasya caturdikṣu bahirnyaset |
śaracāpau pāśasṛṇī trikoṇāya namastathā || 68||
Außerhalb des im Herzen befindlichen Dreiecks lege man in den vier Richtungen Pfeile und Bogen, Schlinge und Elefantenhaken auf, ebenso »Verehrung dem Dreieck«.

II 3.69
vinyasya tasya koṇeṣu agradakṣottareṣu ca |
kāmeśvaryādidevīnāṃ madhye devīṃ ca vinyaset || 69||
Auf dessen vordere, rechte und nördliche Ecke lege man die Göttinnen von Kameshvari an, und in die Mitte die Göttin selbst.

II 3.70
evaṃ mayodito devi ! nyāso guhyatamakramaḥ |
etad guhyatamaṃ kāryaṃ tvayā vai vīravandite || 70||
So habe ich dir, Göttin, das Auflegen in seiner geheimsten Folge erklärt. Dieses soll von dir höchst geheim gehalten werden, von Helden Verehrte.

II 3.71
samayasthāya dātavyaṃ na'śiṣyāya kadācana |
guptād guptataraṃ caitattavā'dya prakaṭīkṛtam || 71||
Es ist einem zu geben, der die Verpflichtungen einhält, niemals einem Nichtschüler. Dieses Geheimere als das Geheime habe ich dir heute offenbart.

II 3.72
mūladevyādikaṃ nyāsamaṇimāntaṃ punarnyaset |
[ trikoṇasthe mahābindau mahātripurasundarīm ] |
śirastrikoṇapūrvādi kāmeśvaryādikaṃ nyaset || 72||
Erneut lege man das mit der Wurzelgöttin beginnende und mit Anima endende Nyasa auf. [Im großen Bindu innerhalb des Dreiecks Mahatripurasundari.] Auf das Dreieck am Kopf lege man, vorn beginnend, Kameshvari und die folgenden.

II 3.73
bāṇānnetre bhruvoścāpau karṇe pāśadvayaṃ nyaset |
sṛṇidvayaṃ ca nāsāgre dakṣiṇāgraṃ tu vinyaset || 73||
Die Pfeile lege man auf die Augen, die Bogen auf die Brauen, das Schlingenpaar auf die Ohren und die beiden Elefantenhaken auf die Nasenspitze, beginnend rechts.

II 3.74
muṇḍamūlakrameṇaiva nyasedvāgdevatāṣṭakam |
baindavādīni cakrāṇi nyastavyāni varānane || 74||
In der Reihenfolge von der Schädelwurzel an lege man die acht Sprachgottheiten auf. Die Chakras von dem des Bindu an sind aufzulegen, Schönangesichtige.

II 3.75
netramūle tvapāṅge ca karṇapūrvottare punaḥ |
cūḍādikaṇṭhanimne'rdhaṃ śeṣārdhaṃ karṇapṛṣṭake || 75||
An Augenwurzel und äußerem Augenwinkel, vor und hinter dem Ohr, sodann vom Scheitel bis zur Vertiefung des Halses die Hälfte, die übrige Hälfte hinter dem Ohr …

II 3.76
karṇe pūrve tvapāṅge ca tasya mūle ca vinyaset |
hṛdaye manukoṇastha śaktayo'pi ca pūrvavat || 76||
… vor dem Ohr, am äußeren Augenwinkel und an der Augenwurzel lege man [die betreffenden Kräfte] auf. Im Herzen [lege man] die Kräfte des vierzehneckigen Chakra ebenfalls wie zuvor auf.

II 3.77
sarvasiddhyādikaṃ kaṇṭhe prādakṣiṇyena vinyaset |
nābhāvaṣṭadalaṃ tattu vaṃśe vāme ca pārśvake || 77||
Sarvasiddhi und die folgenden lege man rechtsherum um den Hals. Den achtblättrigen Lotus lege man am Nabel auf: an der Wirbelsäule und an der linken Seite …

II 3.78
udare savyapārśve ca nyasedādicatuṣṭayam |
vaṃśavāmāntarālādi nyasedanya catuṣṭayam || 78||
… am Bauch und an der rechten Seite die erste Vierergruppe; die andere Vierergruppe beginnend im Zwischenraum zwischen Wirbelsäule und linker Seite.

II 3.79
svādhiṣṭhāne nyaset svasya pūrvāddakṣāvasānakam |
catasrastu catasrastu caturdikṣu kramānnyaset || 79||
Am eigenen Svadhishthana lege man von vorn bis rechts je vier und vier der Reihe nach in den vier Richtungen auf.

II 3.80
mūlādhāre nyasenmudrādaśakaṃ sādhakottamaḥ |
punarvaṃśe ca savye ca vāme caivāntarālake || 80||
Im Muladhara lege der vorzügliche Übende die zehn Mudras auf, wiederum an der Wirbelsäule, rechts, links und in den Zwischenräumen …

II 3.81
ūrdhvādho daśamudrāśca ūrdhvādhovarjitaṃ punaḥ |
brahmāṇyādyāṣṭakaṃ dakṣajaṅghāyāṃ tāstu pūrvavat || 81||
… oben und unten: so die zehn Mudras. Wiederum unter Auslassung von oben und unten [lege man] die acht von Brahmani an auf; am rechten Unterschenkel diese wie zuvor …

II 3.82
vāmajaṅghāṃ samārabhya vāmādikramato'pi ca |
siddhyaṣṭakaṃ nyasetteṣu dvayaṃ pādatale nyaset || 82||
… vom linken Unterschenkel an ebenfalls in der links beginnenden Reihenfolge. Auf diese [Stellen] lege man die acht Vollendungen; zwei lege man auf die Fußsohlen.

II 3.83
kāraṇātprasṛtaṃ nyāsaṃ dīpāddīpamivoditam |
evaṃ vinyasya deveśīṃ svābhedena vicintayet || 83||
Das Auflegen, das aus der Ursache hervortritt, erscheint wie eine Lampe aus einer anderen Lampe. Nachdem man so aufgelegt hat, betrachte man die Göttin als von sich selbst unverschieden.

II 3.84
tataśca karaśuddhyādinyāsaṃ kuryāt samāhitaḥ |
ahaṃ te kathayāmyadya vidyānyāsaṃ śṛnu priye || 84||
Danach vollziehe man gesammelt das mit der Handreinigung beginnende Auflegen. Nun erkläre ich dir das Vidya-Auflegen; höre, Geliebte.

II 3.85
mūrdhni guhye ca hṛdaye netreṣu tritayeṣu ca |
śrotrayoryugale caiva mukhe ca bhujayostathā || 85||
Auf Scheitel, Geschlechtsbereich und Herz, auf die drei Augen, auf das Ohrenpaar, den Mund und die Arme …

II 3.86
pṛṣṭhe jānvośca nābhau ca vidyānyāsaṃ vidhāya ca |
karaśuddhiṃ punaścaiva āsanādiṣaḍaṅgakam || 86||
… auf Rücken, Knie und Nabel vollziehe man das Vidya-Auflegen; dann erneut die Handreinigung und das mit dem Sitz beginnende sechsgliedrige [Auflegen].

II 3.87
śrīkaṇṭhādīni vāgdevīrādhāre hṛdaye punaḥ |
śikhāyāṃ baindavasthāne tvagnicakrādikā nyaset || 87||
Shrikantha und die folgenden, die Sprachgöttinnen und ferner die Feuer-Chakras [lege man] auf Grundlage, Herz, Scheitelhaar und Bindu-Stelle auf. [Die genaue Zuordnung der Gruppen ist aus diesem Vers allein nicht eindeutig.]

II 3.88
tattvatrayaṃ samastaṃ ca vidyābījatrayānvitam |
pādādinābhiparyantamāgalaṃ śirastathā || 88||
Die drei Wirklichkeitsprinzipien und ihre Gesamtheit, verbunden mit den drei Keimsilben der Vidya, [lege man] von den Füßen bis zum Nabel, bis zum Hals und bis zum Kopf …

II 3.89
vyāpakaṃ caiva vinyasya svātmīkṛtya paraṃ punaḥ |
santarpayet punardevīṃ saumyāgneyāmṛtadravaiḥ || 89||
… sowie umfassend auf. Nachdem man das Höchste zum eigenen Selbst gemacht hat, sättige man wiederum die Göttin mit mondhaften und feurigen Nektarflüssigkeiten.

II 3.90
evaṃ caturvidho nyāsaḥ kartavyo vīravandite |
ṣoḍhānyāso'ṇimādyaśca mūladevyādikaḥ priye || 90||
So ist das vierfache Auflegen auszuführen, von Helden Verehrte: das sechsfache Auflegen, das mit Anima beginnende und das mit der Wurzelgöttin beginnende, Geliebte …

II 3.91
karaśuddhyādikascaiva sādhakena susiddhaye |
prātaḥ kāle tathā pūjāsamaye homakarmaṇi || 91||
… und das mit der Handreinigung beginnende, durch den Übenden zur guten Vollendung. Am Morgen, zur Zeit der Verehrung, bei der Feueropferhandlung …

II 3.92
japakāle tathā teṣāṃ viniyogaḥ pṛthak pṛthak |
pūjākāle samastaṃ vā kṛtvā sādhakapuṅgavaḥ || 92||
… und beim Rezitieren geschieht ihre Anwendung je einzeln. Oder zur Verehrungszeit vollziehe der vorzügliche Übende sie alle …

II 3.93
ṣaṭtriṃśatattvaparyantamāsanaṃ parikalpya ca |
guptādiyoginīnāṃ ca mantreṇā'tha baliṃ dadet || 93||
… stelle sich einen Sitz bis zu den sechsunddreißig Wirklichkeitsprinzipien vor und gebe dann mit dem Mantra der Yoginis von Gupta an eine Opfergabe.

II 3.94
piṇḍarūpapadagranthibhedanād vighnabhedakam |
guhyahṛnmukhamūrdhasu vidyānyāsena sundari || 94||
[Das Auflegen] beseitigt Hindernisse durch das Durchbrechen der Knoten von Pinda, Rupa und Pada. Mit dem Vidya-Auflegen auf Geschlechtsbereich, Herz, Mund und Scheitel, Schöne …

II 3.95
yāgamandiragāṃścaiva vighnānutsārya mantravit |
[ apasarpantu te bhūtā ye bhūtā bhūmisaṃsthitāḥ||
ye bhūtā vighnakartāraste naśyantu śivājñayā ]
pārṣṇighātena bhaumāṃśca tālena ca nabhogatān || 95||
… vertreibe der Mantrakundige die im Opferhaus befindlichen Hindernisse. [»Weichen sollen jene Wesen, die auf der Erde stehen! Jene Wesen, die Hindernisse schaffen, sollen auf Shivas Befehl zugrunde gehen.«] Mit dem Aufstampfen der Ferse [vertreibe er] die irdischen und mit Händeklatschen die im Luftraum befindlichen [Hindernisse] …

II 3.96
astramantreṇa dṛṣṭyā ca divyān vighnānapohayet |
dikṣvadhordhvaṃ mahāvahniprākāraṃ paribhāvayet || 96||
… mit dem Waffenmantra und mit dem Blick beseitige er die himmlischen Hindernisse. In den Richtungen, unten und oben, vergegenwärtige er eine gewaltige Feuermauer.

Textgrundlage: Lesung nach dem sichtgeprüften Sanskritdruck, Dwivedi-Digitalisat, gedruckte S. 279. Dort Beginn von 3.93. Die elektronische Folge vidyāṃś ca dṛṣṭyā ist im Variantenapparat mit den Siglen क und ग belegt. Hier wird ausdrücklich der abweichende Haupttext gewählt; kein bloß behaupteter OCR-Fehler.

II 3.97
sāmānyārghyeṇa deveśi! mārtaṇḍaṃ paripūjayet |
prakāśaśaktisahitamaruṇākalpamujjvalam || 97||
Mit der allgemeinen Ehrengabe verehre er Martanda [die Sonne], Herrin der Götter, verbunden mit der Kraft des Lichtes, leuchtend und von rötlicher Gestalt …

II 3.98
grahādiparivārañca viśvatejo'vabhāsanam |
saumyāgneyayutairdevi rocanāgurukuṅkumaiḥ || 98||
… mit dem Gefolge der Planeten und der folgenden, das Licht des Alls erhellend. Mit mondhaft-feurigen [Stoffen], Rochana, Aguru und Kumkuma, Göttin …

II 3.99
mūlamuccārayan samyagbhāvayeccakrarājakam |
yoginī mūlamantreṇa kṣipet puṣpāñjaliṃ tataḥ || 99||
… vergegenwärtige er, das Wurzelmantra aussprechend, sorgfältig das königliche Chakra. Dann streue er mit dem Wurzelmantra der Yogini eine Handvoll Blumen aus.

II 3.100
maṇimuktāpravālairvā vilomaṃ mūlavidyayā |
aśūnyaṃ sarvadā kuryācchūnye vighnāstvanekaśaḥ || 100||
Mit Edelsteinen, Perlen oder Korallen und der rückwärts gesprochenen Wurzel-Vidya halte er es stets unleer; denn bei Leere entstehen viele Hindernisse.

II 3.101
śrīcakrasyātmanaścaiva madhye tvarghyaṃ pratikṣipet |
caturasrāntarālasthakoṇaṣaṭke sureśvari || 101||
Zwischen dem Shri Chakra und sich selbst stelle er die Ehrengabe hin. In den sechs Ecken innerhalb des Vierecks, Herrin der Götter …

II 3.102
ṣaḍāsanāni sampūjya trikoṇasyāntare punaḥ |
pīṭhāni caturo devi kāpūjā o iti kramāt || 102||
… verehre er die sechs Sitze; im Innern des Dreiecks wiederum die vier heiligen Sitze, Göttin, in der Reihenfolge Ka, Pu, Ja und O.

II 3.103
arcayitvā'rghyapāde tu vahnerdaśa kalā yajet |
arghyapātraṃ pratiṣṭhāpya tatra sūryakalā yajet || 103||
Nachdem er diese verehrt hat, verehre er am Fuß des Ehrengabengefäßes die zehn Feuer-Kalas. Er stelle das Gefäß auf und verehre darin die Sonnen-Kalas.

II 3.104
pātre sūryakalāścaiva kabhādidvādaśārcayet |
vidhṛte tu punardravye ṣoḍaśendukalā yajet || 104||
Im Gefäß verehre er die zwölf Sonnen-Kalas, mit ka und bha beginnend. In der eingefüllten Flüssigkeit wiederum verehre er die sechzehn Mond-Kalas.

II 3.105
amṛteśīṃ ca tanmadhye bhāvayecca navātmanā |
navātmanā tato devi tarpayeddhātudevatāḥ || 105||
In deren Mitte vergegenwärtige er Amriteshi mit dem neunteiligen [Mantra]. Mit diesem neunteiligen [Mantra] sättige er sodann die Gottheiten der Körperbestandteile, Göttin.

II 3.106
ānandabhairavaṃ vauṣaḍantenaiva ca tarpayet |
tadājñāpreritaṃ tacca gurupaṅktau nivedayet || 106||
Anandabhairava sättige er mit [dem Mantra], der auf vauṣaṭ endet. Die durch dessen Weisung angeregte [Gabe] bringe er der Lehrerreihe dar.

II 3.107
tathaivārghyaṃ viśeṣeṇa sādhayet sādhakottamaḥ |
gurupādālimāpūjya bhairavāya dadet punaḥ || 107||
So bereite der vorzügliche Übende insbesondere die Ehrengabe. Nachdem er die Reihe der Lehrerfüße verehrt hat, gebe er wiederum Bhairava [seinen Anteil].

II 3.108
tadīyaṃ śeṣamādāya kāmāgnau viśvatastviṣi |
pādukāṃ mūlavidyāṃ ca japan homaṃ samācaret || 108||
Er nehme dessen Rest und vollziehe im allseits leuchtenden Feuer des Begehrens das Opfer, während er das Paduka- und das Wurzel-Vidya-Mantra rezitiert. [Viśvatastviṣi folgt dem gedruckten Haupttext, S. 294, dort 3.105. Im Variantenapparat steht auch eine Form mit sthuṣi; die E-Text-Störung ist deshalb nicht einfach als OCR-Fehler der hier gewählten Drucklesung zu erklären.]

Textgrundlage: Lesung nach dem sichtgeprüften Sanskritdruck, Dwivedi-Digitalisat, gedruckte S. 294; die Quellenabweichung bleibt im Archiv dokumentiert. Dort Vers 3.105; abweichende Zählung.

II 3.109
mahāprakāśe viśvasya saṃhāravamanodyate |
marīcivṛttīrjuhuyānmanasā kuṇḍalīmukhe || 109||
In dem großen Licht, das sich anschickt, das All aufzulösen und hervorzubringen, opfere er im Geist die Bewegungen der Strahlen in den Mund der Kundalini.

II 3.110
ahantedantayoraikyamunmanyāṃ sruci kalpitam |
mathanodrekasambhūtaṃ vasturūpaṃ mahāhaviḥ || 110||
Die Einheit von Ichheit und Diesheit wird als die große Opfergabe gedacht, deren Wesen aus dem Aufwallen des Reibens entsteht; [dargebracht wird sie] im Opferlöffel Unmani.

II 3.111
hutvā hutvā svayaṃ caivaṃ mahajānandavigrahaḥ |
svapradhāprasarākāraṃ śrīcakraṃ pūjayet sudhīḥ || 111||
Indem er immer wieder so opfert und selbst die Gestalt großer Glückseligkeit annimmt, verehre der Einsichtige das Shri Chakra als Entfaltung seines eigenen Offenbarwerdens.

II 3.112
gaṇeśaṃ dūtarīṃ caiva kṣetreśaṃ dūtikāṃ tathā |
bāhyadvāre yajed devi devīśca svastikādikāḥ || 112||
Ganesha und Dutari, den Herrn des Feldes und Dutika, verehre er am äußeren Tor, Göttin, sowie die Göttinnen von Svastika an.

II 3.113
tatascāntastrikoṇa'pi gurupaṅktiṃ tridhā sthitām |
tadantaśca mahādevīṃ tāmāvāhya yajet punaḥ || 113||
Danach verehre er im inneren Dreieck die dreifach stehende Lehrerreihe; in deren Innern rufe er die große Göttin herbei und verehre sie wiederum.

II 3.114
mahāpadmavanāntasthāṃ kāraṇānandavigrahām |
madaṅkopāśritāṃ devīmicchākāmaphalapradām || 114||
[Er betrachte sie] im Innern des großen Lotuswaldes, als ursächliche Glückseligkeit, die Göttin auf meinem Schoß, welche die Frucht von Wunsch und Begehren gewährt.

II 3.115
bhavatīṃ tvanmayaireva naivedyādibhirarcayet |
trikoṇe tatsphurattāyāḥ pratibimbākṛtīḥ punaḥ || 115||
Dich verehre er mit Speisen und anderen Gaben, die aus dir bestehen. Im Dreieck [verehre er] wiederum die Spiegelgestalten deines Aufleuchtens …

II 3.116
tattattithimayīrnityāḥ kāmyakarmānusāriṇīḥ |
tatra prakaṭayoginyaścakre trailokyamohane || 116||
… die Nityas, welche die jeweiligen Mondtage verkörpern und sich nach den auf ein Ziel gerichteten Handlungen richten. Im Chakra »Verblendung der drei Welten« befinden sich die offenen Yoginis.

II 3.117
mātṛkāsthūlarūpatvāttvagādivyāpakatvataḥ |
yoginyaḥ prakaṭā jñeyāḥ sthūlaviśvapradhātmani || 117||
Weil sie die grobe Gestalt der Matrika haben und Haut und die folgenden [Körperbestandteile] durchdringen, sind die Yoginis als »offen« zu erkennen, im Offenbarwerden der groben Welt.

II 3.118
aṇimādyā mahādevi siddhayo'ṣṭau vyavasthitāḥ |
tāstu raktatarā varṇairvarābhayakarāstathā || 118||
Die acht Vollendungen von Anima an sind dort angeordnet, große Göttin. Ihre Farben sind sehr rot; ihre Hände zeigen Gaben- und Furchtlosigkeitsgesten … [Die zweite Zeile folgt dem Sanskritdruck S. 311, dort 3.115.]

Textgrundlage: Lesung nach dem sichtgeprüften Sanskritdruck, Dwivedi-Digitalisat, gedruckte S. 311; die Quellenabweichung bleibt im Archiv dokumentiert. Dort 3.115; abweichende Nummerierung.

II 3.119
dhṛtacintāmahāratnā manīṣitaphalapradāḥ |
brāhmyādyā api tatraiva yaṣṭavyāḥ kramataḥ priye || 119||
… halten den großen Wunschedelstein und verleihen die gewünschte Frucht. Auch Brahmi und die folgenden sind dort der Reihe nach zu verehren, Geliebte.

II 3.120
brahmāṇī pītavarṇā ca caturbhiḥ śobhitā mukhaiḥ |
varadā'bhayahastā ca kuṇḍikā kṣalasatkarā || 120||
Brahmani ist gelb, mit vier Gesichtern geschmückt. Ihre Hände gewähren Gaben und Furchtlosigkeit; in ihnen glänzen Wassergefäß und Gebetskette.

II 3.121
māheśvarī śvetavarṇā trinetrā śūladhāriṇī |
kapālameṇaṃ paraśuṃ dadhānā pāṇibhiḥ priye || 121||
Maheshvari ist weiß, dreiäugig und trägt den Dreizack. In ihren Händen hält sie Schädelschale, Gazelle und Beil, Geliebte.

II 3.122
[ aindrī tu śyāmavarṇā ca vajrotpalalasatkarā ]
kaumārī pītavarṇā ca śaktitomaradhāriṇī || 122||
[Aindri ist dunkel und ihre Hände glänzen mit Vajra und Lotus.] Kaumari ist gelb und trägt Speer und Wurfspeer.

II 3.123
varadābhayahastā ca dhyātavyā parameśvarī |
vaiṣṇavī śyāmavarṇā ca śaṅkhacakravarābhayān || 123||
Die höchste Herrin ist mit Gaben- und Furchtlosigkeitshand zu meditieren. Vaishnavi ist dunkel und hält Muschelhorn, Diskus, Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste …

II 3.124
hastapadmaistu vibhrāṇā bhūṣitā divyabhūṣaṇaiḥ |
vārāhī śyāmalacchāyā potri vaktrasamujjvalā || 124||
… in ihren Lotushänden, mit göttlichen Schmuckstücken geschmückt. Varahi hat dunklen Glanz und leuchtet mit einem Ebergesicht …

II 3.125
halaṃ ca musalaṃ khaḍgaṃ kheṭakaṃ dadhatī bhujaiḥ |
[ aindrī śyāmalavarṇā ca vajradvayalasatkarā ] || 125||
… und hält Pflug, Keule, Schwert und Schild in ihren Armen. [Aindri ist dunkel und ihre Hände glänzen mit zwei Vajras.] [Die zwei Beschreibungen Aindris stehen bereits in der Quelle in Klammern.]

II 3.126
cāmuṇḍā kṛṣṇavarṇā ca śūlaṃ ḍamarukaṃ tathā |
khaḍgaṃ vetālakaṃ caiva dadhānā dakṣiṇaiḥ karaiḥ || 126||
Chamunda ist schwarz. In ihren rechten Händen hält sie Dreizack, Sanduhrtrommel, Schwert und einen Vetala [ein gespenstisches Wesen] …

II 3.127
nāgakheṭakaghaṇṭā khyān dadhānānyaiḥ kapālakam |
mahālakṣmīstu pītābhā padmadarpaṇameva ca || 127||
… in den anderen Schlange, Schild, Glocke und Schädelschale. Mahalakshmi wiederum hat gelben Glanz und hält Lotus und Spiegel …

II 3.128
mātuluṅgaphalaṃ caiva dadhāna parameśvarī |
evaṃ dhyātvā yajedetāścakreśīṃ tripurāṃ tataḥ || 128||
… sowie eine Zitronatzitrone, die höchste Herrin. Nachdem man sie so meditiert hat, verehre man sie und dann die Chakra-Herrin Tripura.

II 3.129
karmendriyāṇāṃ vaimalyāt karaśuddhikarī smṛtā |
kāyaśuddhibhavā siddhiraṇimā cātra saṃsthitā || 129||
Durch die Reinheit der Handlungsorgane heißt sie »Reinigerin der Hände«. Hier steht auch die Vollendung Anima, die aus der Reinheit des Körpers entsteht.

II 3.130
ṣoḍaśaspandasandohe camatkṛtimayoḥ kalāḥ |
prāṇādiṣoḍaśānāṃ tu vayunā prāṇanātmikāḥ || 130||
Im Verband der sechzehn Pulsationen [stehen] die Kalas als staunendes Erleben; sie sind die Lebendigkeit der sechzehn Winde von Prana an.

II 3.131
bīja bhūtāḥ svarātmatvāt kalanād bījarūpakāḥ |
antaraṅgatayā guptā yoginyaḥ saṃvyavasthitāḥ || 131||
Weil sie Vokale sind, sind sie Samen; durch ihr Gestalten haben sie Samengestalt. Wegen ihrer Innerlichkeit sind sie als verborgene Yoginis angeordnet.

II 3.132
kāmākarṣaṇarūpādyāḥ sṛṣṭeḥ prādhānyataḥ priye |
sarvāśāpūraṇākhye tu cakre vāmena pūjayet || 132||
Die mit der Anziehung des Begehrens beginnenden [Kräfte] verehre man wegen des Vorrangs der Schöpfung im Chakra »Erfüllung aller Hoffnungen« linksherum, Geliebte.

II 3.133
pāśāṅkuśadharā hyetā raktā raktāmbarā vṛtāḥ |
prāṇaśuddhimayī siddhirlaghimā bhokturātmanaḥ || 133||
Sie tragen Schlinge und Elefantenhaken, sind rot und in rote Gewänder gehüllt. Laghima ist die Vollendung der Reinigung des Lebenshauchs des Selbst als Genießendem.

II 3.134
tripureśī ca cakreśī pūjyā sarvopacārakaiḥ |
[ kaulikānubhavāviṣṭabhogapuryaṣṭakāśritāḥ || 134||
Die Chakra-Herrin Tripureshi ist mit allen Verehrungsgaben zu verehren. [Die in Kaulika-Erfahrung eingegangenen [Yoginis] ruhen auf der achtfachen Stadt des Erlebens …]

II 3.135
vāgbhavāṣṭakasambandhasūkṣmā vargasvarūpataḥ |
tāstu guptatarāḥ sarvāḥ sarvasaṃkṣobhaṇātmake || 135||
[… sie sind fein durch den Zusammenhang mit den acht Vagbhavas und das Wesen der Lautgruppen. Sie alle sind »noch verborgener« im »alles Erschütternden« …]

II 3.136
anaṅgakusumādyāstu raktakañcukaśobhitāḥ ]
[ veṇīkṛta lasatkeśāścāpabāṇadharāḥ śubhāḥ ] || 136||
[… Anangakusuma und die folgenden, mit roten Obergewändern geschmückt.] [Ihre glänzenden Haare sind zu Zöpfen geflochten; die Glückverheißenden tragen Bogen und Pfeile.]

II 3.137
tattadākārabuddhyātmabhogyabhokturmahīśituḥ |
piṇḍādipadaviśrāntisaundaryaguṇasaṃyutā || 137||
[Die Göttin ist] mit der Schönheit des Ruhens in Pinda und den folgenden Stufen verbunden: [mit dem Ruhen] des Herrn, des Erlebenden jener Gegenstände, die aus dem jeweils ihre Gestalt annehmenden Intellekt bestehen. [Die erste Zeile folgt dem Druck S. 321, dort 3.133. Die Dīpikā, S. 322, erklärt mahīśitṛ als »Herr des Feldes«, den Erkennenden, und das Ruhen als Befreiung in Pinda, Pada, Rupa und Rupatita. Der lange Satz schließt in 3.138 an.]

Textgrundlage: Lesung nach dem sichtgeprüften Sanskritdruck, Dwivedi-Digitalisat, gedruckte S. 321–322; die Quellenabweichung bleibt im Archiv dokumentiert. Dort Beginn von 3.133; mahīśituḥ im Haupttext, maheśituḥ im Apparat. Keine eigene Konjektur.

II 3.138
cakreśvarī buddhiśuddhirūpā ca parameśvarī |
mahimāsiddhirūpā tu pūjyā sarvopacārakaiḥ || 138||
Die höchste Chakra-Herrin ist die Gestalt der Reinheit des Intellekts und die Vollendung Mahima; sie ist mit allen Verehrungsgaben zu verehren.

II 3.139
dvādaśagranthibhedena samullasitasaṃvidaḥ |
visargāntadaśaveśācchāktānubhavapūrvakam || 139||
Durch das Durchbrechen der zwölf Knoten leuchtet das Bewusstsein auf. Durch Eintritt in den Zustand am Ende des Visarga, dem die Erfahrung der Shakti vorausgeht … [Die technischen Lautzuordnungen bis II 3.145 sind hier textnah, jedoch nur vorläufig erschlossen; eine vollständige Lauttabelle ist damit nicht gewonnen.]

II 3.140
unmeṣaṣaktiprasaraīricchāśaktipradhānakaiḥ |
tadevā'kulasaṅghaṭṭarūpairvarṇacatuṣṭayaiḥ || 140||
… durch die Entfaltungen der sich öffnenden Kraft, in denen die Willenskraft vorherrscht, durch Vierergruppen von Lauten, die eben die Vereinigung mit Akula darstellen …

II 3.141
vedyoṣmarūpasāvarṇairmiśrecchābhāvitairapi |
kulaśaktisamāveśarūpavarṇadvayānvitaiḥ || 141||
… auch durch die entsprechenden Laute, deren erkennbarer Bereich die Zischlaute sind und die durch gemischten Willen vergegenwärtigt werden, verbunden mit zwei Lauten des Eingehens in die Kula-Shakti …

II 3.142
śakteḥ sāramayatvena prasṛtatvānmaheśvari |
sampradāyakramāyātāścakre saubhāgyadāyake || 142||
… [erscheinen die Yoginis], weil sie sich als das Wesentliche der Shakti ausbreiten, große Herrin, in der Folge der Überlieferung im Chakra, das Glück gewährt.

II 3.143
nirantaraprathārūpasaubhāgyabalayogataḥ |
anvarthasaṃjñake devi aṇimāsadṛśāḥ śubhāḥ || 143||
Durch die Verbindung mit der Kraft des Glücks, das in ununterbrochenem Offenbarwerden besteht, [weilen] in dem seinem Namen entsprechenden [Chakra], Göttin, die glückverheißenden, Anima ähnlichen [Göttinnen] … [Die Dīpikā, S. 331, versteht „ununterbrochenes Offenbarwerden“ als beständige Betrachtung der Nichtzweiheit mit Shiva. Dies ist die Erklärung des Kommentars.]

Textgrundlage: Lesung nach dem sichtgeprüften Sanskritdruck, Dwivedi-Digitalisat, gedruckte S. 331. Dort der Schluss von 3.139 und der Anfang von 3.140. Insbesondere bala, „Kraft“, steht im Haupttext anstelle der elektronischen Folge kalā. Die ursprüngliche elektronische Blockzählung bleibt bewahrt.

II 3.144
sarvasaṅkṣobhiṇīpūrvā dehākṣādiviśuddhidāḥ |
īśitvasiddhirapi ca proktarūpe puratraye || 144||
… Sarvasankshobhini und die folgenden, die Körper, Sinne und das Übrige reinigen. Auch die Vollendung Ishitva [gehört dazu]. In den drei bereits beschriebenen Städten …

Textgrundlage: Lesung nach dem sichtgeprüften Sanskritdruck, Dwivedi-Digitalisat, gedruckte S. 331. Dort Beginn von 3.141. Proktarūpe bedeutet „in der beschriebenen Gestalt“; die vorherige Wiedergabe als „ineinander verwoben“ folgt dieser Drucklesung nicht.

II 3.145
yogādikleśabhedena siddhā tripuravāsinī |
etāḥ sampūjayed devi sarvāḥ sarvopacārakaiḥ || 145||
… ist Tripuravasini durch das Durchbrechen der Leiden wie der Verknüpfung [yoga] vollendet. Man verehre alle diese mit sämtlichen Verehrungsgaben, Göttin. [Die Dīpikā, S. 332, erläutert yoga hier als Verknüpfung des Erkennenden, der Erkenntnismittel und der Gegenstände. Gemeint ist in dieser Auslegung die Bindung an getrennt erscheinende Erkenntnisglieder; der Vers bezeichnet nicht pauschal die heutige Yogapraxis als Leiden.]

II 3.146
sadātanānā nādānāṃ navarandhrasthitātmanām |
mahāsāmānyarūpeṇa vyāvṛttadhvanirūpiṇī || 146||
Die immerwährenden Klänge, deren Wesen in den neun Körperöffnungen steht, [erscheinen] als unterschiedene Töne durch die Gestalt des großen Gemeinsamen …

II 3.147
asthirasthiravedyānāṃ chāyārūpairdaśārṇakaiḥ |
kulakaulikayoginyaḥ sarvasiddhipradāyikāḥ || 147||
… mit zehn Lauten, die Schattenbilder der beweglichen und festen Erkenntnisgegenstände sind. Die Kula-Kaulika-Yoginis verleihen alle Vollendungen.

II 3.148
śvetāmbaradharāḥ śvetāḥ śvetābharaṇabhūṣitāḥ |
mantrāṇāṃ svapradhārūpayogādanvarthasaṃjñke || 148||
Sie sind weiß, tragen weiße Gewänder und weißen Schmuck. Durch die Verbindung der Mantras mit der Gestalt ihres eigenen Offenbarwerdens [stehen sie] in dem seinem Namen entsprechenden [Chakra] …

II 3.149
sarvasiddhipradādyāstu cakre sarvārthasādhake |
lokatrayasamṛddhīnāṃ hetutvāccakranāyikā || 149||
… Sarvasiddhiprada und die folgenden im Chakra »Verwirklichung aller Ziele«. Weil sie Ursache der Fülle der drei Welten ist, [heißt] die Herrin dieses Chakra …

II 3.150
tripurā śrīrmaheśāni mantraśuddhibhavā punaḥ |
vaśitvasiddhirākhyātā etāḥ sarvāḥ samarcayet || 150||
… Tripura Shri, große Herrin. Als aus der Reinigung der Mantras hervorgehende [Vollendung] wird Vashitva, Herrschaftskraft, bezeichnet. Man verehre alle diese.

II 3.151
ūrdhvādhomukhayā devi kuṇḍalinyā prakāśitāḥ |
kulecchayā bahirbhāvāt kādivarṇaprathāmayī || 151||
Von der nach oben und nach unten gerichteten Kundalini offenbart, Göttin, durch den Willen des Kula nach außen tretend, bestehen sie aus dem Erscheinen der Laute von ka an …

II 3.152
nigarbhayoginīvācyāḥ svarūpāveśarūpake |
sarvāveśakara cakre sarvarakṣākare parāḥ || 152||
… und werden Nigarbha-Yoginis genannt. Im Chakra »Schutz aller«, das jeden Eintritt bewirkt und das Eingehen in die eigene Gestalt ist, [stehen] die höchsten …

II 3.153
sarvajñādyāḥ sthitā etāḥ saha pustākṣamālikāḥ |
mātṛmānaprameyāṇāṃ purāṇāṃ paripoṣiṇī || 153||
… Sarvajna und die folgenden, mit Buch und Gebetskette. Die drei Städte von Erkennendem, Erkenntnismittel und Erkenntnisgegenstand nährt …

II 3.154
tripurāmālinī khyātā cakreśī tripuramohinī |
nirūddhavāyusaṅghaṭṭasphaṭitagranthimūlataḥ || 154||
… die als Tripuramalini bekannte Chakra-Herrin, die drei Welten bezaubernd. Aus der Wurzel der durch das Zusammenstoßen des angehaltenen Lebenshauchs aufgesprungenen Knoten …

II 3.155
hṛdayāntarasaṃvittiśūnyaparyaṣṭakātmanā |
bījarūpasvarakalāspṛṣṭavargānusārataḥ || 155||
… durch die im Herzen als Bewusstsein und Leere bestehende Achtergruppe, entsprechend den von den Vokal-Kalas in Samenform berührten Lautgruppen …

II 3.156
rahasyayoginīrdevīḥ saṃsāradalanojjvale |
sarvarogahare cakre saṃsthitā vīravandite || 156||
… [erscheinen] die geheimen Yogini-Göttinnen. Im Chakra »Beseitigung aller Krankheiten«, das im Zerschlagen des Weltkreislaufs leuchtet, stehen sie, von Helden Verehrte.

II 3.157
vaśinyādyā raktavarṇā varadābhayamudritāḥ |
pustakaṃ japamālāṃ ca dadhānāḥ siddhayoginīḥ || 157||
Vashini und die folgenden, die vollendeten Yoginis, sind rot, zeigen Gaben- und Furchtlosigkeitsgesten und halten Buch und Gebetskette.

II 3.158
śuddhividyāviśuddhiṃ ca bhuktisiddhiṃ maheśvari |
īśvarīṃ tripurāṃ siddhāṃ pūjayed bindutarpaṇaiḥ || 158||
Die Herrin Tripura Siddha, [als] Reinigung der reinen Erkenntnis und Vollendung des Genusses, verehre man durch Bindu-Spenden, große Herrin.

II 3.159
śaktitrayātmikā devi ciddhāmaprasarāḥ punaḥ |
saṃvartāgnikalārūpāḥ paramātirahasyakāḥ || 159||
Die aus drei Kräften bestehenden [Göttinnen], Göttin, sind wiederum Entfaltungen des Bewusstseinslichtes, in der Gestalt der Kraft des Weltauflösungsfeuers, die höchsten, überaus geheimen …

II 3.160
pūrṇāpurṇasvarūpāyāḥ siddherhetuḥ sureśvari |
sarvasiddhimayākhye tu cakre tvāyudhabhūṣitāḥ || 160||
… Ursache der Vollendung, deren Gestalt erfüllt und unerfüllt ist, Herrin der Götter. Im Chakra »aus allen Vollendungen bestehend« stehen sie, mit Waffen geschmückt …

II 3.161
sthitāḥ kāmeśvarīpūrvāścatastraḥ pīṭhadevatāḥ |
āyudhāstvatiraktābhāḥ svāyudhojjvalamastakāḥ || 161||
… Kameshvari und die folgenden, die vier Gottheiten der heiligen Sitze. Die Waffen [als Gottheiten] sind überaus rot; über ihren Häuptern glänzen die eigenen Waffen …

II 3.162
varadābhayahastāśca pūjyā vrataphalapradāḥ |
tvadīyāśca madīyāśca puṃstrīvaśyavidhāyinaḥ || 162||
… ihre Hände zeigen Gaben- und Furchtlosigkeitsgesten. Sie sind zu verehren und verleihen die Frucht der Gelübde; deine und meine [Waffen] bewirken die Beherrschung von Männern und Frauen.

II 3.163
tvagasṛṅmāṃsamedosthiśuklānāṃ ca maheśvari |
dvitīyasvarasaṃyuktā ete bāṇāstvadīyakāḥ || 163||
[Die Lautzeichen] von Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen und dem Weißen [śukla; als Körpersubstanz auch als Samen deutbar], verbunden mit dem zweiten Vokal, sind deine Pfeile, große Herrin. [Śuklānāṃ ist als abweichende Lesung im Druckapparat, S. 351, belegt; die frühere Einstufung als beschädigte Form ist zurückgenommen. Der abweichende Haupttext und die Dīpikā, S. 351–352, erschließen die fünf Pfeillaute yāṃ rāṃ lāṃ vāṃ sāṃ. Dabei erklärt der Kommentar ā als zweiten Vokal und fügt den Anusvara ausdrücklich aus dem Zusammenhang hinzu. Diese Erklärung einer abweichenden Textfassung ersetzt nicht die hier bewahrte elektronische Lesart.]

II 3.164
vāmādīnāṃ purāṇāṃ tu jananī tripurāmbikā |
parasvātantryarūpatvādicchāsiddhirmaheśvari || 164||
Die Mutter der Städte von Vama an ist Tripurambika; weil sie die Gestalt höchster Freiheit ist, [ist sie] die Vollendung des Willens, große Herrin.

II 3.165
etāḥ sarvopacāreṇa pūjayettu varānane |
sarvānandamaye devi parabrahmātmake pare || 165||
Alle diese verehre man mit sämtlichen Verehrungsgaben, Schönangesichtige. Im höchsten Chakra »aus aller Glückseligkeit bestehend«, dessen Wesen das höchste Brahman ist …

II 3.166
cakre saṃvittirūpā ca mahātripurasundarī |
svairācāreṇa sampūjyā tvahantedantayoḥ sama || 166||
… [steht] Mahatripurasundari als Bewusstsein. In freier Lebensweise ist sie zu verehren, gleich in Ichheit und Diesheit.

II 3.167
mahākāmakalārūpā pīṭhavidyādisiddhidā |
mahāmudrāmayī devi pūjyā pañcadaśātmikā || 167||
Als große Kamakala verleiht sie die Vollendungen der heiligen Sitze, der Vidya und des Übrigen. Göttin, sie besteht aus der großen Mudra und ist als Fünfzehnfache zu verehren …

II 3.168
tattattithimayī nityā navamī bhairavī parā |
praticakraṃ samudrāstu cakrasaṅketacoditāḥ || 168||
… als Nitya des jeweiligen Mondtages, als neunte, höchste Bhairavi. Bei jedem Chakra [sind die Gottheiten] mit den Mudras [zu verehren], wie im Chakra-Schlüssel angegeben.

II 3.169
nityaklinnādikāścaiva kāmyakarmānusārataḥ |
caturasrāntarāle vā trikoṇe vā yajet sudhīḥ || 169||
Nityaklinna und die folgenden verehre der Einsichtige gemäß den auf ein Ziel gerichteten Handlungen im Innern des Vierecks oder im Dreieck.

II 3.170
alinā piśitairgandhairdhūpairārādhya devatāḥ |
cakrapūjāṃ vidhāyetthaṃ kuladīpaṃ nivedayet || 170||
Nachdem man die Gottheiten mit berauschendem Getränk, Fleisch, Duftstoffen und Räucherwerk verehrt und so die Chakra-Verehrung vollzogen hat, bringe man die Kula-Lampe dar …

II 3.171
antarbahirbhāsamānaṃ svaprakāśojjvalaṃ priye |
puṣpāñjaliṃ tataḥ kṛtvā japaṃ kuryāt samāhitaḥ || 171||
… die innen und außen scheint und durch ihr eigenes Licht leuchtet, Geliebte. Danach bringe man eine Handvoll Blumen dar und rezitiere gesammelt.

II 3.172
kūṭatraye mahādevi kuṇḍalītritaye'pi ca |
cakrāṇāṃ pūrvapūrveṣāṃ nādarūpeṇa yojitām || 172||
In den drei Mantra-Blöcken, große Göttin, und auch in den drei Kundalinis [vergegenwärtige man die Vidya], jeweils mit den vorhergehenden Chakras als Nada verbunden.

II 3.173
teṣu prāṇāgnimāyārṇakalābindvardhacandrikāḥ |
rodhinīnādanādāntāḥ śaktivyāpikalānvitāḥ || 173||
Darin [sind] Lebenshauch, Feuer, Maya-Laut, Kala, Bindu und Halbmond, Rodhini, Nada und Nadanta, verbunden mit Shakti und Vyapika …

II 3.174
samanā conmanā ceti dvādaśante sthitāḥ priye |
mūlakuṇḍalinīrūpe madhyame ca tataḥ punaḥ || 174||
… und Samana und Unmana: [Sie stehen] am Zwölffinger-Endpunkt, Geliebte. In der Gestalt der Wurzel-Kundalini und dann wiederum in der mittleren …

II 3.175
sṛṣṭyunmukhe ca viśvasya sthitirūpe maheśvari |
kevalaṃ nādarūpeṇa uttarottarayojitam || 175||
… welche der Schöpfung zugewandt ist, und in der Gestalt des Bestehens des Alls, große Herrin, [ist dies] allein als Nada mit dem jeweils Höheren verbunden.

II 3.176
śabalākārake devi tṛtīye dvādaśī kalā |
śūnyaṣaṭkaṃ tathā devi hyavasthāpañcakaṃ punaḥ || 176||
In der gemischten dritten [Gestalt], Göttin, [steht] die zwölfte Kala. Ferner die sechs Leeren, Göttin, und die fünf Zustände … [Die Aufzählung von sechs Leeren, fünf Zuständen und sieben Vishuvas wird bewahrt. Die anschließenden Einzelzuordnungen sind aus dieser Vorlage nicht lückenlos zu einem Übungsschema rekonstruiert.]

II 3.177
viṣuvaṃ saptarūpaṃ ca bhāvayan manasā japet |
agnyādidvādaśānteṣu trīṃstrīn tyaktvā varānane || 177||
… sowie das siebenfache Vishuva [die Verbindung oder Gleichlage] vergegenwärtige man im Geist und rezitiere. Von Feuer bis zum Zwölffinger-Endpunkt jeweils drei überspringend, Schönangesichtige …

II 3.178
śūnyatrayaṃ vijānīyādekaikāntarataḥ priye |
[ śūnyatrayāt pare sthāne mahāśūnyaṃ vibhāvayet ]
prabodha karaṇasyā'tha jāgaratvena bhāvanam || 178||
… soll man in den einzelnen Zwischenräumen die drei Leeren erkennen, Geliebte. [Jenseits der drei Leeren vergegenwärtige man an der höchsten Stätte die große Leere.] Sodann [ist] die Vorstellung des Erwachens der Erkenntnisorgane als Wachsein [zu betrachten].

II 3.179
vahnau devi mahājāgradavasthā tvindriyadvayaiḥ |
āntaraiḥ karaṇaireva svapnamāyāvabodhakaḥ || 179||
Im Feuer, Göttin, ist der große Wachzustand mit den beiden Arten von Sinnesorganen; allein mit den inneren Organen [geschieht] das Erkennen der Traum-Maya.

II 3.180
galadeśe suṣuptistu līnapūrvasya vedanam |
antaḥkaraṇavṛottīnāṃ layato viṣayasya tu || 180||
In der Halsgegend [liegt] der Tiefschlaf, das Erkennen des zuvor Aufgelösten; durch das Auflösen der Tätigkeiten des inneren Organs und des Gegenstandes …

II 3.181
pūrvārṇānāṃ vilomena bhrūmadhye bindusaṃsthitā |
turyarūpaṃ tathā cātra vṛttārdhādestu saṅgrahaḥ || 181||
… in umgekehrter Folge der vorhergehenden Laute [steht sie] zwischen den Brauen im Bindu. Dort ist auch die Gestalt des Vierten, die Zusammenfassung von Halbkreis und den folgenden [Stufen].

II 3.182
caitanyavyaktihetostu nādarūpasya vedanam |
turyātītaṃ sukhasthānaṃ nādāntādisthitaṃ priye || 182||
Das Erkennen des Nada, Ursache des Offenbarwerdens von Bewusstsein, [ist] das Jenseits-des-Vierten, die Stätte des Glücks, in Nadanta und den folgenden [Stufen], Geliebte.

II 3.183
atraiva japakāle tu pañcāvasthāḥ smared budhaḥ |
yogaḥ prāṇātmamanasāṃ viṣuvaṃ prāṇasaṃjñitam || 183||
Gerade während des Rezitierens soll der Verständige die fünf Zustände erinnern. Die Verbindung von Lebenshauch, Selbst und Geist heißt Prana-Vishuva.

II 3.184
ādhāritthitanāde tu līnaṃ buddhyātmarūpakam |
saṃyogena viyogena mantrārṇānāṃ maheśvari || 184||
Im aus der Grundlage aufgestiegenen Nada [ist] das Wesen von Intellekt und Selbst aufgelöst; durch Verbindung und Trennung der Mantra-Laute, große Herrin …

II 3.185
anahatādyādhārāntaṃ nādātmatvavicintanam |
nādasaṃsparśanāttasya nāḍīviṣuvamucyate || 185||
… [geschieht] die Betrachtung als Nada von Anahata bis zur Grundlage. Durch seine Berührung mit Nada heißt es Nadi-Vishuva. [Die Richtungsfolge wird nach der elektronischen Vorlage wiedergegeben.]

II 3.186
dvādaśagranthibhedena varṇānāmantare priye |
nādayogaḥ praśāntaṃ tu praśāntendriyagocaram || 186||
Durch das Durchbrechen der zwölf Knoten [geschieht] zwischen den Lauten, Geliebte, die Verbindung mit Nada: das Befriedete, das in den Bereich befriedeter Sinne fällt.

II 3.187
vahniṃ māyāṃ kalāṃ caiva cetanāmardhacandrakam |
rodhinīnādanādāntān śaktau līnān vibhāvayet || 187||
Feuer, Maya, Kala, Bewusstheit und Halbmond, Rodhini, Nada und Nadanta vergegenwärtige man als in Shakti aufgelöst.

II 3.188
viṣuvaṃ śaktisaṃjñaṃ tu tadūrdhvaṃ nādacintanam |
tadūrdhvaṃ kālaviṣuvamunmanāntaṃ maheśvari || 188||
[Dies ist] das Shakti genannte Vishuva; darüber [geschieht] die Betrachtung des Nada. Darüber liegt Kala-Vishuva bis zum Ende von Unmana, große Herrin.

II 3.189
municandrā'ṣṭadaśabhistruṭibhirnādavedanam |
caitanyavyaktihetuśca viṣuvaṃ tattvasaṃjñitam || 189||
Das Erkennen des Nada in einer Dauer von muni–candra–aṣṭa–daśa Trutis ist Ursache des Offenbarwerdens von Bewusstsein und das Tattva genannte Vishuva. [Amritanandas Dīpikā erklärt die Zahl als 10817 Trutis: muni = 7, candra = 1, aṣṭa = 8, daśa = 10; rückläufige Anordnung der Zahlengruppen ergibt 10|8|1|7. Dies ist eine Kommentarentschlüsselung, keine ausgeschriebene Zahl des Grundtextes. Druck S. 373–374, dort 3.187.]

II 3.190
paraṃ sthānaṃ mahādevi nisargānandasundaram |
evaṃ cintayamānasya japakāleṣu pārvati || 190||
Die höchste Stätte, große Göttin, ist von natürlicher Glückseligkeit schön. Wer zur Zeit des Rezitierens so betrachtet, Parvati …

II 3.191
siddhayaḥ sakalāstūrṇaṃ siddhyanti tvatprasādataḥ |
evaṃ kṛtvā japaṃ devyā vāmahaste nivedayet || 191||
… dem gelingen durch deine Gnade rasch alle Vollendungen. Nachdem man so rezitiert hat, bringe man [die Rezitation] der linken Hand der Göttin dar.

II 3.192
anāmāṅguṣṭhayogena tarpayeccakradevatāḥ |
madyaṃ māṃsaṃ tathā matsyaṃ devyāstu vinivedayet || 192||
Durch die Verbindung von Ringfinger und Daumen sättige man die Chakra-Gottheiten; berauschendes Getränk, Fleisch und Fisch bringe man der Göttin dar.

II 3.193
kaulācārasamāyuktairvīraistu saha pūjayet |
puṣyabhena tu vāre ca saure ca parameśvari || 193||
Man verehre gemeinsam mit Helden, die mit der Kaula-Lebensweise verbunden sind, beim Mondhaus Pushya und am Tag der Sonne, höchste Herrin …

II 3.194
gurordine svanakṣatre caturdaśyaṣṭamīṣu ca |
cakrapūjāṃ viśeṣeṇa yoginīnāṃ samācaret || 194||
… am Tag des Lehrers, im eigenen Mondhaus und an den vierzehnten und achten Mondtagen vollziehe man besonders die Chakra-Verehrung der Yoginis.

II 3.195
catuḥṣaṣṭiyutāḥ koṭyo yoginīnāṃ mahaujasām |
cakrametat samāśritya saṃsthitā vīravandite || 195||
Vierundsechzig mal zehn Millionen Yoginis von großer Kraft haben in diesem Chakra ihren Sitz, von Helden Verehrte.

II 3.196
aṣṭāṣṭakaṃ tu kartavyaṃ vittaśāṭhyavivarjitam |
tvameva tāsāṃ rūpeṇa krīḍase viśvamohinī || 196||
Achtmal acht [Verehrungen oder Gruppen] sind ohne Hinterlist in Geldangelegenheiten auszuführen. Du selbst spielst in ihrer Gestalt, die Welt Bezaubernde.

II 3.197
ajñātvā tu kulācāramayaṣṭvā gurupādukām |
yo'smin śāstre pravarteta taṃ tvaṃ pīḍayasi dhruvam || 197||
Wer sich dieser Lehrschrift zuwendet, ohne die Kula-Lebensweise zu kennen und ohne die Sandalen des Lehrers verehrt zu haben, den bedrängst du gewiss.

II 3.198
evaṃ jñātvā varārohe kaulācāraparaḥ sadā |
āvayoḥ śabalākāraṃ madyaṃ tatra nivedya ca || 198||
Nachdem man dies so erkannt hat, Schöne, stets der Kaula-Lebensweise hingegeben, bringe man dort das berauschende Getränk als die gemischte Gestalt von uns beiden dar … [Die hier bewahrte elektronische Lesung lautet madyaṃ tatra, „dort das berauschende Getränk“. Der Dwivedi-Druck, S. 382, liest abweichend madyaṃ māṃsaṃ, „berauschendes Getränk und Fleisch“.]

II 3.199
tvatprathāprasarākārāstvāmeva paribhāvayet |
tvāmicchāvigrahāṃ devīṃ gururūpāṃ vibhāvayet || 199||
… und vergegenwärtige [die umgebenden Göttinnen], deren Gestalten aus der Ausbreitung deines Offenbarwerdens hervorgehen, als dich selbst. Dich, die Göttin, die nach ihrem Willen Gestalt annimmt, betrachte man in der Gestalt des Lehrers. [Die Dīpikā, S. 383–384, bezieht die erste Zeile auf die Gottheiten der Umkreise, die in der Hauptgöttin aufgehen. Die zweite erklärt sie durch die aus freiem Willen angenommene Erscheinung der Göttin zum Wohl der Welt.]

Textgrundlage: Lesung nach dem sichtgeprüften Sanskritdruck, Dwivedi-Digitalisat, gedruckte S. 382–384. Dort 3.197. Tvatprathā und tvām icchāvigrahām sind am Druck und an der Dīpikā geprüft. In der zweiten Zeile steht das Akkusativpronomen tvām, „dich“; keine Bezeichnung eines „Vama-Willens“.

II 3.200
tvanmayasya guroḥ śeṣaṃ nivedyātmani yojayet |
yoginīnāṃ mahādevi baṭukāyātmarūpiṇe || 200||
Nachdem man [die Gabe] dem aus dir bestehenden Lehrer dargebracht hat, nehme man den Rest in sich auf. Dem Batuka, der das Selbst der Yoginis ist, große Göttin, … [Die Auflösung der knappen ersten Zeile folgt der Dīpikā, S. 384: Sie erläutert die Darbringung an den Lehrer und das anschließende Aufnehmen des Restes. „Der Yoginis“ in der zweiten Zeile ist eine Genitivverbindung und bezeichnet hier keine gesonderte Gruppe von Empfängerinnen.]

II 3.201
kṣetrāṇāṃ pataye mahyaṃ baliṃ kurvīta hetunā |
nityaṃ piban vaman khādan svecchācāraparaḥ svayam || 201||
… dem Herrn der Felder, mir, bringe man mit [dem als] Hetu [bezeichneten berauschenden Getränk] eine Opfergabe dar. Stets trinkend, ausstoßend [auch: erbrechend] und essend, selbst ganz der freien Lebensweise hingegeben … [Die Dīpikā, S. 385, erklärt die „Felder“ als Körper und Hetu ausdrücklich als berauschendes Getränk. Die historische Ritualbeschreibung ist keine heutige Praxisempfehlung.]

Textgrundlage: Lesung nach dem sichtgeprüften Sanskritdruck, Dwivedi-Digitalisat, gedruckte S. 385. Dort Beginn von 3.199. Der Haupttext liest mahyaṃ, „mir“, anstelle von madyaṃ, „berauschendes Getränk“. Die Dīpikā bestätigt den Bezug auf das sprechende göttliche Ich und erklärt hetunā ausdrücklich durch madyena, „mit berauschendem Getränk“.

II 3.202
ahantedantayoraikyaṃ bhāvayan viharet sukham |
etatte kathitaṃ sarvaṃ saṅketatrayamuttamam || 202||
… soll man glücklich leben und die Einheit von Ichheit und Diesheit vergegenwärtigen. Damit wurde dir der ganze vorzügliche dreifache Schlüssel erklärt.

II 3.203
gopanīyaṃ prayatnena svaguhyamiva suvrate |
cumbake jñānalubdhe ca na prakāśyaṃ tvayānaghe || 203||
Man soll ihn mit Sorgfalt geheim halten wie das eigene Geschlechtsorgan, du treu Gelobende. Einem bloßen Ansauger [chumbaka, Bezeichnung eines ungeeigneten Empfängers] und einem nach Wissen Gierenden darfst du ihn nicht offenbaren, Makellose.

II 3.204
anyāyena na dātavyaṃ nāstikānāṃ maheśvari |
evaṃ tvayā'hamājñapto madicchārūpayā prabho || 204||
Nicht auf unrechte Weise ist er zu geben, auch nicht den Gottesleugnern, höchste Herrin. So wurde ich von dir angewiesen, die du meine Willensgestalt bist, Herr.

II 3.205
ajñānena tu yo dadyāt sa pareto bhaviṣyati |
saṅketaṃ yo vijānāti yoginīnāṃ bhavetpriyaḥ || 205||
Wer ihn aus Unwissenheit weitergäbe, der wird ein Verstorbener sein. Wer den Schlüssel versteht, wird den Yoginis lieb.

II 3.206
sarvepsitaphalāvāptiḥ sarvakāmaphalāśrayaḥ |
yato'pi dṛśyate devi kathaṃ vidvānna cintayet || 206||
Aus ihm wird das Erlangen aller ersehnten Früchte und die Grundlage aller begehrten Ergebnisse sichtbar, Göttin. Wie sollte ein Wissender ihn also nicht betrachten?

Kapitelkolophon
iti tṛtīyaḥ paṭalaḥ samāptaḥ |
Damit ist das 3. Kapitel abgeschlossen.

Schlussangabe der elektronischen Vorlage
|| iti yoginīhṛdayaṃ stotram ||
Damit [endet] der als „Hymne“ bezeichnete Text Yogini Hridaya. [Elektronische Schlussbezeichnung; kein Nachweis eines unabhängigen Gesamtkolophons aller acht Kapitel.]

Rahmensprüche Jayarathas: IAST und Übersetzung

Diese Eingangssprüche und Schlussbemerkungen gehören zum Kommentar, nicht zur Verszählung des Tantra. Im Original stehen die drei Eingangssprüche vor Grundtext 1.1, die Schlussstücke nach dem fünften Kommentarkolophon. Ihre gesonderte Anordnung hier ist redaktionell; der gesamte fortlaufende Kommentar wird nicht übersetzt.

Eingang des Kommentars 1
svasvāmibhāvaparijṛmbhaṇasāracakra-
cakreśvarīmayatayā navadhā svarūpam |
ābhāsayantyaghanude tripurāstu sarva-
sarvātmakatvakalanena nijākṣarāṇām || 1 ||
Tripura möge das Unheil vertreiben! Durch die Vergegenwärtigung, dass jeder ihrer eigenen Laute alles in sich umfasst, lässt sie ihre Gestalt neunfach als Chakras und deren Herrinnen erscheinen. Deren Wesen ist die Entfaltung des Verhältnisses von Eigenem und dessen Herrin. [Die genaue Beziehung der Glieder des ersten Kompositums bleibt auslegungsbedürftig. „aghanude“ wurde nach Druck S. 1 berichtigt; die Berichtigung steht nun übereinstimmend in IAST und Devanagari.]

Eingang des Kommentars 2
jayanti paramādvaitavijñānāmṛtanirbharāḥ |
pūrve śrīdīpikācāryapramukhā guravo mama || 2 ||
Es triumphieren meine früheren Lehrer, an ihrer Spitze der erhabene Dipikacharya, erfüllt vom Nektar der Erkenntnis höchster Nichtzweiheit.

Eingang des Kommentars 3
parakṛtakukalpanāmayatimirāndhyāpohanāya manāk |
śrīvāmakeśvarīmatamuddyotayituṃ mamodyamo'dyāyam || 3 ||
Mein heutiges Bemühen ist es, die Shri Vamakeshvarimata ein wenig zu erhellen und so die Blindheit zu beseitigen, deren Dunkel aus den verfehlten Deutungen anderer besteht.

Schluss des Kommentars 1
uccityoccitya niyataṃ kutaścana kutaścana |
yathāgurumukhaṃ kaiścidetadvyākṛtamalpakam || 1 ||
Immer wieder hier und dort zusammentragend, haben manche dies nach der mündlichen Lehre des Guru nur in geringem Umfang erklärt. [Druck S. 140 hat uccityoccitya, ohne den zusätzlichen Anusvara des E-Textes.]

Schluss des Kommentars 2
sarvataḥkaṣṭaduḥśliṣṭamliṣṭaśabdārthavartmanā |
kena tāvannimittena kairapyetadvivecitam || 2 ||
Von manchen wurde dies auf einem Weg schwieriger, schlecht verbundener Wörter und Bedeutungen erläutert – aus welchem Anlass eigentlich? [Der erste Halbvers enthält die auffällige Folge „duḥśliṣṭamliṣṭa“; seine genaue Lesung und Gliederung sind nicht gesichert. Diese Übertragung bleibt eine Annäherung, keine vollständige Klärung.]

Schluss des Kommentars 3
pitṛpitāmahakalpitakalpanā-
rasamahodadhimātrakadāśayā |
vivṛtamapyaparairna yathārthatāṃ
śrutabahiṣkṛtabuddhitayā gatam || 3 ||
Obwohl andere es erläutert haben, gelangte [ihre Erklärung] nicht zum wirklichen Sinn, weil ihr Denken die Überlieferung ausschließt. [Der vorangehende erste Halbvers bleibt syntaktisch ungeklärt. Sicher erkennbar sind pitṛpitāmaha, „Väter und Großväter“, kalpitakalpanā, „ersonnene Vorstellungen beziehungsweise Deutungen“, sowie rasamahodadhi, der Titel „Ozean des Geschmacks“, und mātra, „bloß, allein“. Der Zusammenhang mit kadāśayā ist nicht sicher herstellbar. Eine vollständige Satzübersetzung dieses Halbverses bleibt ausstehend.]

Übergang
ataḥ
Daher:

Schluss des Kommentars 4
śrīmadguruvarādevamavadhārya yathārthataḥ |
mayā jayarathenaivaṃ kiṃcidetatprapañcitam ||
tatkṣaṇasyāvaghātavyamatra sadbhiravajñayā |
avicāryaiva vaktavyo na doṣo na guṇaḥ punaḥ || 4 ||
Nachdem ich so vom erhabenen Lehrer den wirklichen Sinn vernommen habe, habe ich, Jayaratha, dies ein wenig entfaltet. […] Ohne Prüfung soll man weder einen Fehler noch einen Vorzug aussprechen. [Die dritte Zeile ist weiterhin nicht zuverlässig als ganzer Satz übersetzbar. Erkennbar sind atra, „hier“, sadbhiḥ, „von verständigen beziehungsweise rechtschaffenen Menschen“, und avajñayā, „mit Geringschätzung“. Ihr Verhältnis zum gestörten Anfang der Zeile ist offen; insbesondere wird keine fehlende Verneinung ergänzt. Die Nummer 4 umfasst in der Vorlage vier Zeilen. Ihr erster Halbvers wurde nach Druck S. 140 berichtigt.]

Gesamtkolophon des Kommentars
iti rājānakaśrīmajjayarathaviracitaṃ śrīvāmakeśvarīmatavivaraṇaṃ saṃpūrṇam ||
Vollständig ist der Kommentar zur Shri Vamakeshvarimata, verfasst von Rajanaka Shri Jayaratha. [Der Name wurde nach Druck S. 141 berichtigt; der E-Text hat „jagaratha“.]

Sanskrit in Devanagari

Teil I verwendet die beigefügte Devanagari-Transkription von Muktabodha. Teil II ist eine technische Rücktransliteration der bearbeiteten IAST-Fassung. Beide Schriftfassungen desselben E-Textes zählen jeweils nur als ein elektronischer Textzeuge.

Teil I: Vamakeshvarimata / Nitya Shodashikarnava in Devanagari

Titel der Vorlage
अथ
श्रीवामकेश्वरीमतम्
श्रीमद्राजानकजयरथविरचितविवरणोपेतम् |

Allgemeine Illustration des Universums. Die kosmische Sprache der Quelle ist religiöse Deutung.

Teil I, Devanagari Kapitel 1

प्रथमः पटलः |

I 1.1
गणेशग्रहनक्षत्रयोगिनीराशिरूपिणीम् |
देवीं मन्त्रमयीं नौमि मातृकां पीठरूपिणीम् || १ ||

I 1.2
प्रणमामि महादेवीं मातृकां परमेश्वरीम् |
कालहल्लोहलोल्लोलकलनाशमकारिणीम् || २ ||

I 1.3
यदक्षरैकमात्रेऽपि संसिद्धे स्पर्धते नरः |
रवितार्क्ष्येन्दुकन्दर्पशङ्करानलविष्णुभिः || ३ ||

I 1.4
यदक्षरशशिज्योत्स्नामण्डितं भुवनत्रयम् |
वन्दे सर्वेश्वरीं देवीं महाश्रीसिद्धमातृकाम् || ४ ||

I 1.5
यदक्षरमहासूत्रप्रोतमेतज्जगत्त्रयम् |
ब्रह्माण्डादिकटाहान्तं वन्दे तां सिद्धमातृकाम् || ५ ||

I 1.6
यदेकादशमाधारबीजकोणत्रयोद्भवम् |
ब्रह्माण्डादिकटाहान्तं जगदद्यापि दृश्यते || ६ ||

I 1.7
अकचादिटतोन्नद्धपयशाक्षरवर्गिणीम् |
ज्येष्ठाङ्गबाहुहृत्पृष्ठकटिपादनिवासिनीम् || ७ ||

I 1.8
तामिकाराक्षरोद्धारसाराधारां परापराम् |
प्रणमामि महादेवीं परमानन्दरूपिणीम् || ८ ||

I 1.9
अद्यापि यस्या जानन्ति न मनागपि देवताः |
केयं कस्मात् क्व केनेति स्वरूपारूपभावनाम् || ९ ||

I 1.10
वन्दे तामहमक्षय्यक्षकाराक्षररूपिणीम् |
देवीं कुलकलोल्लोलप्रोल्लसन्तीं परौलिजाम् || १० ||

I 1.11
वर्गानुक्रमयोगेन यस्या मात्रष्टकं स्थितम् |
वन्दे तामष्टवर्गोत्थमहासिद्ध्यष्टकेश्वरीम् || ११ ||

I 1.12
कामपूर्णजकाराख्यश्रीपीठान्तर्निवासिनीम् |
चतुराज्ञाकोशभूतां नौमि श्रीत्रिपुरामहम् || १२ ||

श्रीदेव्युवाच । [Sprecherangabe aus der Kommentar-Einleitung.]

I 1.13
भगवन्सर्वमन्त्राश्च भवता मे प्रकाशिताः |
चतुष्षष्टिस्तु तन्त्राणि मातृणामुत्तमानि तु || १३ ||

I 1.14
महामाया शम्बरं च योगिनी जालशम्बरम् |
तत्त्वशम्बरकं देवं भैरवाष्टकमेव च || १४ ||

I 1.15
बहुरूपाष्टकं ज्ञानं यामलाष्टकमेव च |
चन्द्रज्ञानं वासुकिं च महासंमोहनं तथा || १५ ||

I 1.16
महोच्छुष्मं महादेव वाथुलं च नयोत्तरम् |
हृद्भेदं मातृभेदं च गुह्यतन्त्रं च कामिकम् || १६ ||

I 1.17
कालपादं कालसारं तथान्यत् कुब्जिकामतम् |
नयोत्तरं च वीणाद्यं त्रोतुलं भ्रातुलोत्तरम् || १७ ||

I 1.18
पञ्चामृतं रूपभेदं भूतोड्डामरमेव च |
कुलसारं कुलोड्डीशं कुलचूडामणिं तथा || १८ ||

I 1.19
सर्वज्ञानोत्तरं देव महापिचुमतं तथा |
महालक्ष्मीमतं देव सिद्धयोगीश्वरीमतम् || १९ ||

I 1.20
कुरूपिकामतं देव रूपिकामतमेव च |
सर्ववीरमतं देव विमलामतमेव च || २० ||

I 1.21
अरुणेशं मोदनेशं विशुद्धेश्वरमेव च |
एवमेतानि शास्त्राणि तथान्यान्यपि कोटिशः || २१ ||

I 1.22
भवतोक्तानि मे देव सर्वज्ञानमयानि च |
विद्याः षोडश देवेश सूचिता न प्रकाशिताः || २२ ||

I 1.23
इदानीं श्रोतुमिच्छामि तासां नामानि शङ्कर |
एकैकचक्रपूजां च परिपूर्णां समन्ततः || २३ ||

I 1.24
अनेकदेवतानाममन्त्रमुद्रागणैः सह |
[श्रीभैरव उवाच – Sprecherangabe aus der Kommentar-Einleitung]
शृणु देवि महाज्ञानं विद्याषोडशकार्ण-वम् || २४ ||

I 1.25
न कस्यचिन्मयाख्यातं सर्वतन्त्रेषु गोपितम् |
तत्रादौ प्रथमा नित्या महात्रिपुरसुन्दरी || २५ ||

I 1.26
ततः कामेश्वरी नित्या नित्या च भगमालिनी |
नित्यक्लिन्नापि हि तथा भेरुण्डा वह्निवासिनी || २६ ||

I 1.27
महाविद्येश्वरी दूती त्वरिता कुलसुन्दरी |
नित्या नीलपताका च विजया सर्वमङ्गला || २७ ||

I 1.28
ज्वालामालिविचित्रा चेत्येवं नित्यास्तु षोडश |
शृणु देवि महानित्यामादौ त्रिपुरसुन्दरीम् || २८ ||

I 1.29
यया विज्ञातया देवि जगत्क्षोभः प्रजायते |
शक्त्या शक्तिं विनिर्भिद्य भूयो वह्निपुरेण तु || २९ ||

I 1.30
संपुटीकृत्य सर्वोर्ध्वशक्तिं विस्तारयेदधः |
तथैव वह्निचक्रेण तामेवोर्ध्वं विभेदयेत् || ३० ||

I 1.31
तत ऊर्ध्वस्थितां शक्तिमूर्ध्वं विस्तारयेत् क्रमात् |
पुनराद्यं वह्निचक्रमधो विस्तार्य सुन्दरि || ३१ ||

I 1.32
ग्रन्थिभेदक्रमेणैव शक्तिमाद्यां विभेदयेत् |
तथा सर्वोर्ध्ववह्न्यन्तशक्तिं विस्तारयेदधः || ३२ ||

I 1.33
तामादिचक्राधःशक्त्या वह्निनोर्ध्वं विभेदयेत् |
पुनः पूर्ववदेवाद्यां शक्तिं विस्तार्य भेदयेत् || ३३ ||

I 1.34
ऊर्ध्ववह्निम् - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - - - - अधोवह्निमध्ये वह्निविवर्जितम् |
विस्तार्य भेदयेच्छक्तिमधस्तादूर्ध्ववह्निना || ३४ ||

I 1.35
अतो मध्यादिशक्त्यूर्ध्वशक्तिं विस्तारयेदध. |
तथैव संपुटीकुर्यात् सर्वं चक्रं सुरेश्वरि || ३५ ||

I 1.36
तां च तेन महेशानि वह्निचक्रेण भेदयेत् |
ग्रन्थिभेदक्रमेणाधः सर्वोर्ध्वात्सर्वबाह्यतः || ३६ ||

I 1.37
मध्योर्ध्वशक्तिपर्यन्तम् - - - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - - - - - - - आदिशक्त्यवधिप्रिये |
ततो बाह्यस्थशक्त्यन्तःशक्तिमूर्ध्वं विकासयेत् || ३७ ||

I 1.38
सर्वोर्ध्ववह्न्यधोवह्निपर्यन्तं वीरवन्दिते |
तथा विस्तारयेच्छक्तिमाद्यामप्यूर्ध्वमीश्वरि || ३८ ||

I 1.39
तया विभेदयेद्वह्निचक्रं सर्वोर्ध्वसंस्थितम् |
सर्वोर्ध्ववह्न्यधोभागग्रन्थिपर्यन्ततः प्रिये || ३९ ||

I 1.40
विस्तार्य वाह्यशक्तिं तु सर्वाधस्ताद्विभेदयेत् | *
ततः सृष्ट्या महाचक्रं प्रथमं तु हुताशनम् || ४० ||

I 1.41
मध्ये तु द्वितयं स्थित्या संहारं पञ्चमं च यत् |
एवमेतन्महाचक्रं महाश्रीत्रिपुरामयम् || ४१ ||

I 1.42
क्लेदनं द्रावणं चैव क्षोभणं मोहनं तथा |
आकर्षणं महादेवि जम्भनं स्तम्भनं तथा || ४२ ||

I 1.43
व्याधिदारिद्र्यशमनं सर्वदुर्नीतिनाशनम् |
शान्तिपुष्टिधनारोग्यमन्त्रसिद्धिकरं परम् || ४३ ||

[Lesung nach dem gedruckten Haupttext berichtigt; Einzelheiten bei IAST 1.43.]

I 1.44
भोगदं मोक्षदं चैव खेचरत्वप्रवर्तकम् |
सर्वरक्षाकरं देवि सर्वानन्दकरं तथा || ४४ ||

I 1.45
सर्वकर्मकरं चापि सर्वकार्यार्थसाधकम् |
सर्वावेशकरं देवि सर्ववेधकरं पुनः || ४५ ||

I 1.46
सर्वतत्त्वकरं देवि सर्वाज्ञानिलयं तथा |
सर्वर्द्धिसंयुतं चैव सर्वश्रेयस्करं परम् || ४६ ||

I 1.47
सर्वमन्त्रमयं देवि सर्वतीर्थमयं पुनः |
सर्वव्रतमयं चैव सर्वामृतमयं तथा || ४७ ||

I 1.48
सर्वदुःखप्रशनं सर्वशोकनिवारणम् |
सर्वोन्मादकरं देवि सर्वयोगीश्वरीमयम् || ४८ ||

I 1.49
सर्वपीठमयं देवि सर्वज्ञानमयं प्रिये |
सर्वदेवमयं देवि सर्वाह्लादनकारकम् || ४९ ||

I 1.50
सर्वदौर्भाग्यशमनं सर्वविघ्ननिवारणम् |
सर्वसिद्धिकरं चक्रं सर्वाशापरिपूरकम् || ५० ||

I 1.51
रौद्राभिचारकोच्चण्डपरमन्त्रौघभक्षकम् |
परसिद्ध्याकर्षणं च पराज्ञाकर्षणं तथा || ५१ ||

I 1.52
परसैन्यस्तम्भकं च परविज्ञानमोहनम् |
परवक्त्रस्तम्भकं च शस्त्रस्तम्भनकं परम् || ५२ ||

I 1.53
महाचमत्कारकरं महाभुक्तिप्रवर्तकम् | *
महावश्यकरं देवि महासौभाग्यदायकम् || ५३ ||

I 1.54
महाज्वरहरं देवि महाविषहरं परम् |
महामृत्युप्रशमनं महाभयविनाशनम् || ५४ ||

I 1.55
महापुरक्षोभकरं महासुखशुभप्रदम् |
महालक्ष्मीमयं देवि महामङ्गल्यदायकम् || ५५ ||

I 1.56
महाप्रभावसंयुक्तं महापातकनाशनम् |
एवमेतस्य चक्रस्य प्रभावो वर्णितुं मया || ५६ ||

I 1.57
न शक्यते महादेवि कल्पकोटिशतैरपि |
एतद्वाह्यगतं पद्ममष्टपत्रं समालिखेत् || ५७ ||

I 1.58
तद्बाह्यतोऽपि देवेशि षोडशारं तथैवच |
परिवेशसमायुक्तं चतुर्द्वारोपशोभितम् || ५८ ||

I 1.59
संस्थिता तु महाचक्रे महात्रिपुरसुन्दरी |
शृणु देवि यथा सा तु पूज्यते साधकोत्तमैः || ५९ ||

I 1.60
वर्गानुक्रमयोगेन देवताष्टकसंयुता |
अवर्गः प्रथमो देवि वशिनी तत्र देवता || ६० ||

I 1.61
तत्परस्तु कवर्गो यस्तत्र कामेश्वरी स्थिता |
मोदिनी तु चवर्गस्था टवर्गे विमला तथा || ६१ ||

I 1.62
अरुणा तु तवर्गस्था पवर्गे जयिनी स्थिता |
सर्वेश्वरी यवर्गे तु शवर्गे कौलिनीति च || ६२ ||

I 1.63
एता वर्गाष्टके देवि अष्टावेवहि देवताः |
अर्चिताः पुरुषस्याशु प्रकुर्वन्ति वशं जगत् || ६३ ||

I 1.64
उद्धरेत्प्रथमं रेफं तदधः कुटिलान्तगम् |
तदप्यवनिबीजस्थं षष्ठस्वरसमन्वितम् || ६४ ||

I 1.65
ऊर्ध्वमर्धेन्दुबिन्द्वाढ्यं कारयेत्परमेश्वरि |
एतत्तद्वशिनीबीजं योगिनीनां मुखे स्थितम् || ६५ ||

I 1.66
द्वितीयवर्गात्प्रथममैन्द्रारूढं महेश्वरि |
अधस्तान्नाभसं बीजमाग्नेयस्थं समुद्धरेत् || ६६ ||

I 1.67
चतुर्थस्वरसंयुक्तं बिन्दुखण्डेन्द्वलङ्कृतम् |
एतत्कामेश्वरीबीजं त्रैलोक्यक्षोभकारकम् || ६७ ||

I 1.68
अरुणापञ्चमस्याधो वारुणं विनियोजयेत् |
तदधोऽपीन्द्रबीजं तु सर्वोर्ध्वभिपरं प्रिये || ६८ ||

I 1.69
एतत्तन्मोदिनीबीजं सर्वतत्त्ववशङ्करम् |
वायव्यमिन्द्रबीजस्थं षष्ठस्वरसमन्वितम् || ६९ ||

I 1.70
अर्धेन्दुमस्तकाक्रान्तं बिन्दुना परिभूषितम् |
एतत्ते कथितं देवि विमलाबीजमुत्तमम् || ७० ||

I 1.71
सर्वपापक्षयकरं सर्वोपद्रवनाशनम् |
जकारं कालमारूढं तदधो ज्वलनाक्षरम् || ७१ ||

I 1.72
चतुर्थस्वरसंभिन्नं बिन्दुनादसमन्वितम् |
एतत्तदरुणाबीजमरुणं सर्वमोहनम् || ७२ ||

I 1.73
शिवबीजं तदादिस्थमधस्तादैन्द्रवारुणौ |
वायव्यमुपरोद्भिन्नं संयोज्य परमेश्वरि || ७३ ||

I 1.74
जयिनीबीजमेवेदं नादबिन्दुविभूषितम् |
उद्धरेन्मोदिनीवर्गचतुर्थं परमेश्वरि || ७४ ||

I 1.75
अधः कालाग्निवायव्यान् क्रमेण विनियोजयेत् |
दीर्घायुर्बीजसंयुक्तान्यथानुक्रमयोगतः || ७५ ||

I 1.76
उपरीश्वरबिन्द्वन्तानेकत्र सुरसुन्दरि |
एतत्सर्वेश्वरीबीजं सर्वत्रैवापराजितम् || ७६ ||

I 1.77
कौलिनीपञ्चमं देवि कालबीजोपरिस्थितम् |
सर्वाधस्तादपि तथा वह्निबीजं नियोजयेत् || ७७ ||

I 1.78
चतुर्थस्वरसंयुक्तं बिन्द्विन्दुसमलङ्कृतम् |
एतद्बीजवरं भद्रे कौलिनीरूपमास्थितम् || ७८ ||

I 1.79
एवमेतानि बीजानि क्रमादष्टौ महेश्वरि |
कथितानि महादेवि - - - - - - - - - - - - - - - -
- - - - - - - - - - शृणु विद्याङ्गरूपिणीः || ७९ ||

I 1.80
करशुद्धिकरीं विद्यां तथाङ्गन्याससंस्थिताम् |
आत्मासनगतां चापि तथा चक्रासनस्थिताम् || ८० ||

I 1.81
सर्वमन्त्रासनगतां साध्यसिद्धासनस्थिताम् |
देव्यावाहनविद्यां च - - - - - - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - - - - - - - -मूलविद्यामपि प्रिये || ८१ ||

I 1.82
वाग्भवं प्रथमं देवि कामराजं द्वितीयकम् |
शान्तान्तं कादिसंयुक्तमैकारान्तान्तयोजितम् || ८२ ||

I 1.83
एषा विद्या महेशानि करशुद्धिकरी स्मृता |
ए-ओमध्यगतं बीजं वाग्विधानाय केवलम् || ८३ ||

I 1.84
रुद्रयामलतन्त्रे तु निर्दिष्टं परमाक्षरम् |
मादनं शक्रसंयुक्तं चतुर्थस्वरसंयुतम् || ८४ ||

I 1.85
ऊर्ध्वमर्धेन्दुबिन्द्वाढ्यम् - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - - - - - - - - - आद्यन्ते तत्परं पुनः |
शान्तान्तं कादिसंयुक्तमैकारान्तान्तयोजितम् || ८५ ||

I 1.86
एषा विद्या महाविद्या योगिनीनां महोदया |
कुलविद्या महेशानि सर्वकार्यार्थसाधकी || ८६ ||

I 1.87
अनया विद्यया गौरि रक्षामात्मनि कारयेत् |
एतस्या एव विद्यायाः शिवमायाग्निबिन्दुमत् || ८७ ||

I 1.88
बीजमादिपदे युक्त्वां कार्यात्मासनरूपिणी |
पुनर्विद्याद्यमस्योर्ध्वमन्तरन्तं शिवान्वितम् || ८८ ||

I 1.89
त्रैलोक्यमोहनीयं सा विद्या चक्रासनस्थिता |
पुनराद्यां महाविद्यां शिवचन्द्रसमन्विताम् || ८९ ||

I 1.90
कृत्वा कामप्रदा विद्या सर्वमन्त्रासनस्थिता |
देव्यात्मासनविद्यायाः पूर्वोक्ताया यथाक्रमम् || ९० ||

I 1.91
अन्तदेशे तोयबिन्दुशक्रशक्तीरनुक्रमात् |
संयोज्य परमेशानि साकमर्धेन्दुना ततः || ९१ ||

I 1.92
केवलाक्षरभेदेन विद्या साध्यासनस्थिता |
हंससोमसमारूढामाद्यामग्न्यासनस्थिताम् || ९२ ||

I 1.93
सर्वार्थसाधकी विद्या देव्यावाहनकर्मणि |
एवमेता महाविद्या देवि सर्वार्थसिद्धिदाः || ९३ ||

I 1.94
महात्रिपुरसुन्दर्यां मूलविद्यां शृणु प्रिये |
मादनं तदधः शक्तिस्तदधो बिन्दुमालिनी || ९४ ||

I 1.95
ऐन्द्रमाकाशबीजस्थमधस्ताज्ज्वलनाक्षरम् |
मायाबिन्द्वीश्वरयुता सर्वोपरि नियोजिता || ९५ ||

I 1.96
अयं स वाग्भवो देवि वागीशत्वप्रवर्तकः |
शिवबीजं त्रिधा युङ्क्त्वा सृष्टिस्थितिलयक्रमैः || ९६ ||

I 1.97
द्वयमाद्येन रहितमाद्याधो मदनाक्षरम् |
पुनः स्थितिशिवाधस्तादिन्द्रबीजं नियोजयेत् || ९७ ||

I 1.98
तथा लयशिवाधोऽपि ज्वलनं च महेश्वरि |
चतुर्थस्वरसंयुक्तं बिन्दुखण्डेन्द्वलङ्कृतम् || ९८ ||

I 1.99
एवमेतन्महाबीजं कामराजं महोदयम् |
मायाबीजं महेशानि मादनं शक्रसंयुतम् || ९९ ||

I 1.100
चन्द्रबीजं केवलं तु विनियोज्यं वरानने |
त्यक्त्वा सृष्टिक्रमं देवि प्रागुच्चारक्रमेण तु || १०० ||

I 1.101
संहारक्रमयोगेन शक्तिबीजं समुद्धरेत् |
एवमेषा महाविद्या महात्रिपुरसुन्दरी || १०१ ||

I 1.102
संस्मृतैव महादेवि त्रैलोक्यवशकारिणी |
एतयैतस्य चक्रस्य साधकोऽर्चनमारभेत् || १०२ ||

I 1.103
कुङ्कुमारुणदेहस्तु वस्त्रारुणविभूषितः |
ताम्बूलपूरितमुखो धूपामोदसुगन्धितः * || १०३ ||

I 1.104
कर्पूरक्षोददिग्धाङ्गो रक्ताभरणमण्डितः |
रक्तपुष्पावृतो मौनी रक्तगन्धानुलेपनः || १०४ ||

I 1.105
रक्तासनोपविष्टस्तु लाक्षारुणगृहस्थितिः |
सर्वशृङ्गारवेशाढ्यस्त्रिपुरीकृतविग्रहः || १०५ ||

I 1.106
मनःसंकल्परक्तो वा साधकः स्थिरमानसः |
भूप्रदेशे समे शुद्धे गोमयेनोपलेपिते || १०६ ||

I 1.107
पुष्पप्रकरसंकीर्णे धूपामोदसुगन्धिते |
सिन्दूररजसा देवि कुङ्कुमेनाथवा पुनः || १०७ ||

I 1.108
आलिखेत्प्रथमं चक्रं समरेखं मनोरमम् |
समत्रिकोणशक्त्यग्रं सश्रीकमतिसुन्दरम् || १०८ || *

I 1.109
ध्यात्वा पुरत्रयं देवि बीजत्रयसमन्वितम् |
सर्वाद्यविद्यया देवि करशुद्धिं तु कारयेत् || १०९ ||

I 1.110
तत आत्मासनं दद्याच्चक्रासनमथेश्वरि |
सर्वमन्त्रासनं देवि साध्यसिद्धासनं तथा || ११० ||

I 1.111
ततो रक्षां प्रकुर्वीत पूर्वोक्तकुलविद्यया |
षडङ्गन्यासयोगेन नमस्कारनियुक्तया || १११ ||

I 1.112
शिखाललाटभ्रूमध्यकण्ठहृन्नाभिगोचरे |
आधारेऽप्यूहकं यावन्न्यासमष्टभिराचरेत् || ११२ ||

I 1.113
ततः पद्मनिभां देवीं बालार्ककिरणारुणाम् |
जपाकुसुमसङ्काशां दाडिमीकुसुमोपमाम् || ११३ ||

I 1.114
पद्मरागप्रतीकाशां कुङ्कुमोदकसंनिभाम् |
स्फुरन्मुकुटमाणिक्यकिङ्किणीजालमण्डिताम् || ११४ ||

I 1.115
कालालिकुलसंकाशकुटिलालकपल्लवाम् |
प्रत्यग्रारुणसंकाशवदनाम्भोजमण्डलाम् || ११५ ||

I 1.116
किंचिदर्धेन्दुकुटिलललाटमृदुपट्टिकाम् |
पिनाकिधनुराकारसुभ्रुवं परमेश्वरीम् || ११६ ||

I 1.117
आनन्दमुदितोल्लोललीलान्दोलितलोचनाम् |
स्फुरन्मयूखसंघातविततस्वर्णकुण्डलाम् || ११७ ||

I 1.118
सुगण्डमण्डलाभोगजितेन्द्वमृतमण्डलाम् |
विश्वकर्मादिनिर्माणसूत्रसुस्पष्टनासिकाम् || ११८ ||

I 1.119
ताम्रविद्रुमबिम्बाभरक्तोष्ठीममृतोपमाम् |
स्मितमाधुर्यविजितमाधुर्यरसगोचराम् || ११९ ||

I 1.120
अनौपम्यगुणोपेतचिबुकोद्देशशोभिताम् |
कम्बुग्रीवां विशालाक्षीं मृणालललितैर्भुजैः || १२० ||

I 1.121
रक्तोत्पलसमाकारसुकुमारकराम्बुजाम् |
कराम्बुजनखद्योतवितानितनभस्तलाम् || १२१ ||

I 1.122
मुक्ताहारलतोपेतसमुन्नतपयोधराम् |
त्रिवलीबलनायुक्तमध्यदेशसुशोभिताम् || १२२ ||

I 1.123
लावण्यसरिदावताकारनाभिविभूषिताम् |
अनर्घरत्नघटितकाञ्चीयुक्तनितम्बिनीम् || १२३ ||

I 1.124
नितम्बबिम्बद्विरदरोमराज्यपराङ्कुशाम् |
कदलीललितस्तम्भसुकुमारोरुमीश्वरीम् || १२४ ||

I 1.125
लावण्यकदलीतुल्यजङ्घायुगलमण्डिताम् | *
नमद्ब्रह्मशिरोरत्ननिर्घृष्टचरणाम्बुजाम् || १२५ ||

I 1.126
शीतांशुशतसंकाशकान्तिसन्तानहासिनीम् |
लौहित्यजितसिन्दूरजपादाडिमरागिणीम् || १२६ ||

I 1.127
रक्तवस्त्रपरीधानां पाशाङ्कुशकरोद्यताम् |
रक्तपद्मनिविष्टां तु रक्ताभरणमण्डिताम् || १२७ ||

I 1.128
चतुर्भुजां त्रिनेत्रां तु पञ्चबाणधनुर्धराम् |
कर्पूरशकलोन्मिश्रताम्बूलापूरिताननाम् || १२८ || *

I 1.129
महामृगमदोद्दामकुङ्कुमारुणविग्रहाम् |
सर्वशृङ्गारवेशाढ्यां सर्वालङ्कारभूषिताम् || १२९ ||

I 1.130
जगदाह्लादजननीं जगद्रञ्जनकारिकाम् |
जगदाकर्षणकरीं जगत्कारणरूपिणीम् || १३० ||

I 1.131
सर्वमन्त्रमयीं देवीं सर्वसौभाग्यसुन्दरीम् |
सर्वलक्ष्मीमयीं नित्यां परमानन्दनन्दिताम् || १३१ ||

I 1.132
महात्रिपुरमुद्रां तु स्मृत्वावाहनरूपया |
विद्ययावाह्य सुभगे नमस्कारनियुक्तया || १३२ ||

I 1.133
पूर्वोक्तया साधकेन्द्रो महात्रिपुरसुन्दरीम् |
चक्रमध्ये तु संचिन्त्य - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - - - - - - - ततः पूजनमारभेत् || १३३ ||

I 1.134
शिवाग्निबिन्दवो देवि दिनकृद्वह्निबिन्दवः |
युगपत्क्रमरूपेण योजनीया महेश्वरि || १३४ ||

I 1.135
मायार्धेन्दुसमायुक्तं बीजयुग्मं यदुत्थितम् |
मायालक्ष्मीमयं तेन पूज्यास्तत्राष्ट मातरः || १३५ || *

I 1.136
ब्रह्मणी पश्चिमद्वारे माहेश्वर्यपि चोत्तरे |
पूर्वे चैव तथेन्द्राणी कौमारी दक्षिणे तथा || १३६ ||

I 1.137
वैष्णव्यपिच वायव्ये वाराहीमीशदिग्गताम् |
चामुण्डां देवि चाग्नेये महालक्ष्मीं तु नैर्-ऋते || १३७ ||

I 1.138
कामाकर्षणरूपा च बुद्ध्याकर्षस्वरूपिणी |
अहङ्काराकर्षिणी च शब्दाकर्षस्वरूपिणी || १३८ ||

I 1.139
स्पर्शाकर्षणरूपा च रूपाकर्षणकारिणी |
रसाकर्षकरी देवी गन्धाकर्षकरी तथा || १३९ ||

I 1.140
चित्ताकर्षणरूपा च धैर्याकर्षस्वरूपिणी |
स्मृत्याकर्षणरूपा च नामाकर्षणकारिणी || १४० ||

I 1.141
बीजाकर्षणरूपान्या आत्माकर्षस्वरूपिणी |
अमृतस्याकर्षणी च शरीराकर्षणी परा || १४१ ||

I 1.142
षोडशारे महादेवि वाममार्गेण पूजयेत् |
मायालक्ष्मीकलाभिस्तु कलाषोडशकं त्विदम् || १४२ ||

I 1.143
अनङ्गकुसुमां पूर्वे दक्षिणेऽनङ्गमङ्गलाम् |
पश्चिमेऽनङ्गमथनामुत्तरे मदनोत्तराम् || १४३ ||

I 1.144
अनङ्गलेखामाग्नेये नैर्-ऋतेऽनङ्गवासिनीम् |
अनङ्गाङ्कुशां वायव्य ईशानेऽनङ्गमालिनीम् || १४४ ||

I 1.145
सर्वसंक्षोभिणी शक्तिः सर्वविद्रावणी तथा |
सर्वाकर्षकरी चान्या सर्वाह्लादकरी तथा || १४५ ||

I 1.146
सर्वसंमोहनी शक्तिः सर्वस्तम्भनरूपिणी |
सर्वजम्भनरूपा तु सर्वतो वशकारिणी || १४६ ||

I 1.147
सर्वरञ्जनशक्तिश्च सर्वोन्मादस्वरूपिणी |
सर्वार्थसाधकी शक्तिः सर्वाशापरिपूरकी || १४७ ||

I 1.148
सर्वमन्त्रमयी देवी सर्वद्वन्द्वक्षयङ्करी |
वामावर्तक्रमेणैव पश्चिमादेव दक्षिणम् || १४८ ||

I 1.149
गृहीत्वा पूजयेदेता देवीस्त्रिभुवनेश्वरीः |
सर्वसिद्धिप्रदा शक्तिः सर्वसंपत्प्रदा तथा || १४९ ||

I 1.150
सर्वप्रियङ्करी चापि सर्वमङ्गलकारिणी |
सर्वकामप्रदा देवी सर्वदुःखविमोचिनी || १५० ||

I 1.151
सर्वमृत्युप्रशमनी सर्वविघ्नविनाशिनी |
सर्वाङ्गसुन्दरी देवी सर्वसौभाग्यकारिणी || १५१ ||

I 1.152
तथैव देवदेवेशि पुनरेवाद्यविद्यया |
द्वितीयावरणे देवि देवीदशकमर्चयेत् || १५२ ||

I 1.153
सर्वज्ञा सर्वशक्तिश्च सर्वैश्वर्यप्रदायिनी |
सर्वज्ञानमयी देवी सर्वव्याधिविनाशिनी || १५३ ||

I 1.154
सर्वाधारस्वरूपा तु सर्वपापहरी तथा |
सर्वानन्दमयी देवी सर्वरक्षास्वरूपिणी || १५४ ||

I 1.155
पुनरेव महेशानि सर्वेप्सितफलप्रदा |
दशमी देवता ख्याताः स्वनामसदृशोदयाः || १५५ ||

I 1.156
एवमेता महादेवीर्देवि सर्वार्थसिद्धिदाः |
पूर्वोक्तेन विधानेन तृतीयावरणेऽर्चयेत् || १५६ ||

I 1.157
आद्यचक्रे महेशानि शृणु पूजां यथाक्रमम् |
एकैकं देवतानाम पूर्वोक्तं बीजसंयुतम् || १५७ ||

I 1.158
अधस्ताद्देवदेवेशि वाममार्गेण पूजयेत् |
यावद्दक्षिणमार्गं तु रक्तपुष्पैर्महेश्वरि || १५८ ||

I 1.159
पश्चिमोत्तरपूर्वादिदक्षिणानुक्रमेण तु |
चक्रमध्ये चतुष्कं तु क्रमेण परिपूजयेत् || १५९ ||

I 1.160
कामबाणान्महेशानि धनुस्तत्पाशमेव च |
जम्भमोहवशस्तम्भपदैः सहितमङ्कुशम् || १६० ||

I 1.161
सर्वमध्यत्रिकोणेऽपि पूजयेन्मूलविद्यया |
केवलाक्षरभेदेन समस्तव्यस्तयेश्वरि || १६१ ||

I 1.162
कामेश्वरीमग्रकोणे वज्रेशीं दक्षिणे तथा |
वामेऽपि भगमालां तु मध्ये त्रिपुरसुन्दरीम् || १६२ ||

I 1.163
एवं पूजाविधानं तु कृत्वादौ साधकोत्तमः |
धूपगन्धादिनैवेद्यतर्पणानि निवेदयेत् || १६३ ||

I 1.164
संक्षोभद्रावणाकर्षावेशोन्मादमहाङ्कुशाः |
खेचरीबीजरूपादियोनिमुद्रास्त्वनुक्रमात् || १६४ ||

I 1.165
विरच्य साधकेन्द्रस्तु ध्यानं कुर्यात्समाहितः |
बिन्दुं संकल्प्य वक्त्रं तु तदधस्तात्कुचद्वयम् || १६५ ||

I 1.166
तदधः सपरार्द्धं च चिन्तयेत्तदधोमुखम् |
एवं कामकलारूपमक्षरं यत्समुत्थितम् || १६६ ||

I 1.167
कामादिविषमोक्षाणामालयं परमं ध्रुवम् |
तदेव तत्त्वप्रवरं निजदेहं विचिन्तयेत् || १६७ ||

I 1.168
ध्यात्वा चक्रेण सहितां ततस्त्रिपुरसुन्दरीम् |
स्वमुद्रया साधकेन्द्रः क्षमस्वेति विसर्जयेत् || १६८ ||

Kolophon des Kommentars
इति राजानकश्रीमज्जयरथविरचिते श्रीवामकेश्वरीमतविवरणे प्रथमः पटलः || १ ||

Teil I, Devanagari Kapitel 2

द्वितीयः पटलः |

I 2.1
यत्रानेन विधानेन साधकेन प्रपूज्यते |
देशे वा नगरे ग्रामे जगत्क्षोभः प्रजायते || १ ||

I 2.2
ज्वलत्कामाग्निसन्तापप्रतापोत्तप्तमानसाः |
पिपीलिकास्थिन्यायेन दूरादायान्ति योषितः || २ ||

I 2.3
मन्त्रसंमूढहृदयाः स्फुरज्जघनमण्डलाः |
तद्दर्शनान्महादेवि जायन्ते सर्वयोषितः || ३ ||

I 2.4
जप्ते लक्षैकमात्रे तु क्षुभ्यन्ते भूतलेऽङ्गनाः |
यदि न क्षुभ्यतीत्थं हि साधकस्य मनो मनाक् || ४ ||

I 2.5
संक्षुभ्यन्ति ततः सर्वाः पाताले नागकन्यकाः |
तासामपि यदा नासौ क्षोभं याति मनागपि || ५ ||

I 2.6
ततः स्वर्गनिवासिन्यो विद्रवन्ति सुराङ्गनाः |
एवं लक्षत्रयं जप्त्वा व्रतस्थः साधकोत्तमः || ६ ||

I 2.7
संक्षोभयति देवेशि त्रैलोक्यं सचराचरम् |
लिखित्वा विपुलं चक्रं तन्मध्ये प्रतिमां यदि || ७ ||

I 2.8
नाम्ना लिखति संयुक्तां ज्वलन्तीं चिन्तयेत्ततः |
शतयोजनमात्रस्था त्वदृष्टापि च या भवेत् || ८ ||

I 2.9
भयलज्जाविनिर्मुक्ता साप्यायाति विमोहिता |
तन्मध्यगोऽथवा भूत्वा मन्त्रं संचिन्तयेद्यदा || ९ ||

I 2.10
सर्वमात्मानमरुणं साध्यमप्यरुणीकृतम् |
ततः संजायते देवि सर्वसौभाग्यसुन्दरः || १० ||

I 2.11
वल्लभः सर्वलोकस्य साधकः परमेश्वरि |
सर्वरक्तोपचारैस्तु पूज्यते मुद्रया युतम् || ११ ||

I 2.12
यस्य नाम्नैव संयुक्तं स भवेद्दासवद्वशी |
अदृष्टायास्तु संयोज्यं नाम चक्रस्य मध्यगम् || १२ ||

I 2.13
विरच्य योनिमुद्रां तु तामाकर्षयति क्षणात् |
यक्षिणीं चाथ गन्धर्वीं किन्नरीं वासुरेश्वरीम् || १३ ||

I 2.14
सिद्धकन्यां नागकन्यां देवकन्यां च खेचरीम् |
विद्याधरीमप्सरसमृषिकन्यामथोर्वशीम् || १४ ||

I 2.15
मदनोद्भवविक्षोभझरज्जघनलम्बिकाम् |
महाकामकलाध्यानात्क्षोभयेत्सर्वयोषितः || १५ ||

[Lesung nach dem gedruckten Haupttext berichtigt; Einzelheiten bei IAST 2.15.]

I 2.16
रोचनाकुङ्कुमाभ्यां च समभागं च चन्दनम् |
अष्टोत्तरशतं जप्त्वा तिलकं कारयेद्बुधः || १६ ||

I 2.17
ततो यमीक्षते वक्ति संस्पृशेच्चिन्तयेच्च यम् |
अर्थेन च शरीरेण सोऽवश्यं याति दासताम् || १७ ||

I 2.18
तथा पुष्पं फलं गन्धं पानं वस्त्रं महेश्वरि |
शतमष्टोत्तरं जप्त्वा यस्याः संप्रेर्यते स्त्रियाः || १८ ||

I 2.19
सद्यः आकर्षयेत्साध्वीं विमूढहृदयां सतीम् |
हठाकृष्टिरियं भद्रे न क्वचित्प्रतिहन्यते || १९ ||

I 2.20
लिखेद्रोचनयैकान्ते प्रतिमामवनीतले |
सुरूपां चारुशृङ्गारवेशाभरणमण्डिताम् || २० ||

I 2.21
तद्भालतलहृनाभिजन्ममण्डलयोजिताम् |
जन्मनाममहाविद्यामङ्कुशेन विदर्भिताम् || २१ ||

I 2.22
सर्वाङ्गसन्धिसंलीनमालिख्य मदनाक्षरम् |
तदाशाभिमुखो भूत्वा त्रिपुरीकृतविग्रहः || २२ ||

I 2.23
बद्ध्वा तु क्षोभिणीं मुद्रां विद्यामष्टोत्तरं जपेत् |
नियोज्य दहनागारे चन्द्रसूर्यकलालये || २३ ||

I 2.24
ततो विह्वलितापाङ्गामनङ्गशरपीडिताम् |
प्रोच्छलन्मदकल्लोलप्रचलज्जघनस्थलाम् || २४ ||

I 2.25
शक्तिचक्रोच्छलच्छक्तिवलनाकवलीकृताम् |
दूरीकृतस्वचारित्रभयलज्जानयाङ्कुशाम् || २५ ||

I 2.26
आकृष्टहृदयां नष्टधैर्यामुत्तीर्णजीविताम् |
वप्रप्राकारनिविडनदीयन्त्रसुरक्षिताम् || २६ ||

I 2.27
नवानुरागसन्धानवेपमानहृदम्बुजाम् |
मनोधिकमहामन्त्रवेगेनापहृतांशुकाम् || २७ ||

I 2.28
विमूढामिव विक्षुब्धामिवाप्लुष्टामिव स्रुताम् |
लिखितामिव निःसंज्ञामिव प्रमथितामिव || २८ ||

I 2.29
दलितामिव संभ्रान्तामिवोत्त्रासमितामिव |
गलितामिव संभिन्नामिवाकुलितमानसाम् * || २९ ||

I 2.30
भ्रमन्मन्त्रानिलोद्भ्रान्तपत्राकारां नभस्तले |
भ्रमन्तीमानयेन्नारीं योजनानां शतादपि || ३० ||

I 2.31
अथवा मातृकां सर्वां लिखित्वा चक्रबाह्यतः |
धारयेद्बाहुमूले यस्त्वबध्यः सर्वजन्तुषु || ३१ ||

I 2.32
तथैव हि महेशानि स्वसंज्ञाक्रमयोगतः |
चन्दनागुरुकर्पूरैरजरामरतां लभेत् || ३२ ||

I 2.33
एतदेव विधानेन रोचनागुरुकुङ्कुमैः |
लिखितं चक्रयोगेन यस्मिंस्तस्मिन्नपि स्थितम् || ३३ ||

I 2.34
साध्यनाम स्वनाम्ना तु चक्रस्यान्तर्विदर्भितम् |
करोति सकलं लोकमचिरात्पादवर्तिनम् || ३४ ||

I 2.35
मध्यं गतेन बीजेन महाकामकलात्मना |
एकमेकमवष्टभ्य साध्यनामाक्षरं प्रिये || ३५ ||

I 2.36
बहिरप्यखिलैरेव वेष्टयेन्मातृकाक्षरैः |
हेममध्यगतां कृत्वा धारयेद्वामके भुजे || ३६ ||

I 2.37
शिखायामथवा वस्त्रे धारयेद्यत्र तत्र वा |
करोति दासभूतं हि त्रैलोक्यं सचराचरम् || ३७ ||

I 2.38
संमोहयति राजानं वाजिनं दुष्टकुञ्जरम् |
चौरं केसरिणं सर्पं परमन्त्रमहाग्रहम् || ३८ ||

[Lesung nach dem gedruckten Haupttext berichtigt; Einzelheiten bei IAST 2.38.]

I 2.39
शत्रुं वज्राशनिं शस्त्रं डाकिनीं शाकिनीं तथा |
भूतप्रेतपिशाचांश्च धारिता चक्ररूपिणी || ३९ ||

I 2.40
तेन चक्रेण सन्दर्भ्य पुराणां नाम सुन्दरि |
मध्ये चतुष्पथे वापि चतुर्दिक्षु निधापयेत् || ४० ||

I 2.41
महाहल्लोहेलो देवि ततो लोकस्य जायते |
योषितां च विशेषेण त्वदृष्टानामपीश्वरि || ४१ ||

I 2.42
एतन्मध्यगतां पृथ्वीं सशैलवनकाननाम् |
चतुःसमुद्रपर्यन्तां ज्वलन्तीं चापि चिन्तयेत् || ४२ ||

I 2.43
षण्मासध्यानयोगेन जायते मदनोपमः |
दृष्ट्यैवाकर्षयेल्लोकं दृष्ट्यैव कुरुते वशम् || ४३ ||

I 2.44
दृष्ट्या क्षोभयते नारीं दृष्ट्या संहरते विषम् * |
दृष्ट्या करोति चावेशं दृष्ट्या सर्वविमोहनम् || ४४ ||

I 2.45
दृष्ट्या चातुर्थिकादींश्च नाशयेदचिराज्ज्वरान् |
एतत्प्रपूजितं रात्रौ सिन्दूरेण विचित्रितम् || ४५ ||

I 2.46
करोति महदाकर्षं सुदूरादपि योषिताम् |
सर्वदिक्षु विदिक्ष्वेवं यथा देवी प्रपूज्यते || ४६ ||

I 2.47
दिगनुक्रमयोगेन तदा सर्वं जगद्वशे |
भूर्जपत्रे समालिख्य रोचनागुरुकुङ्कुमैः || ४७ ||

I 2.48
संदर्भयेत्तस्य मध्ये नगरं वाथवा परम् |
विपुलं देशमथवा विषयं मण्डलं च वा || ४८ ||

I 2.49
स्वनामदर्भितं कृत्वा - - - - - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - - - - - - - - - यदि भूमौ निधापयेत् |
धारयेदथवा हस्ते कण्ठे वा भुजमूलतः || ४९ ||

I 2.50
शिखायामथवा वस्त्रे यत्र तत्र स्थितं च वा |
चक्रमेतन्महाभागे पुरक्षोभणमुत्तममम् || ५० ||

I 2.51
अर्कक्षीरं कुङ्कुमं च धत्तूरकरसं तथा |
रोचनालक्तकं लाक्षारसं मृगमदोत्कटम् || ५१ ||

I 2.52
एकीकृत्य चक्रमेतल्लिख्यते यस्य संज्ञया |
तस्य चोरग्रहव्याधिरिपुसिंहाहिवाजिनाम् || ५२ ||

I 2.53
यक्षराक्षसभूतौघशाकिनीदुष्टचेतसाम् |
लूतादिगर्दभज्वाला तथा शीतलिकोद्भवम् || ५३ ||

I 2.54
भयं न विद्यते - - - - - - - - - - |
- - - - - - तस्य परमन्त्राभिचारकम् |
नित्यसंधारणाच्चापि कालमृत्युयमादयः || ५४ ||

I 2.55
न शक्ता हिंसितुं सम्यग्रोमैकमपि सर्वदा |
अथवा मध्यगां देवीं त्रिकोणोभयगां तथा || ५५ ||

I 2.56
अधस्तान्नामसंयुक्तां रोचनाकुङ्कुमाङ्किताम् |
कुर्याद्यस्तु च सप्ताहाद्दासवत्किङ्करो भवेत् || ५६ ||

I 2.57
पीतद्रव्येण वालिख्य धारयेदिन्द्रदिग्गताम् |
नाम्ना सर्वज्ञभूतोऽपि मूको भवति तत्क्षणाम् || ५७ ||

I 2.58
महानीलरसेनापि नाम संयोज्य पूर्ववत् |
दक्षिणाभिमुखो वह्नौ दग्ध्वा तं मारयेत्क्षणात् || ५८ ||

I 2.59
महिषाश्वपुरीषाभ्यां गोमूत्रेण समङ्कितम् |
क्षिप्त्वारनालमध्यस्थं विद्विष्टः सर्वजन्तुषु || ५९ ||

I 2.60
युक्त्वा रोचनया नाम काकपक्षस्य मध्यगम् |
लम्बमानं तदाकाशे उच्चाटनकरं परम् || ६० ||

I 2.61
दुग्धलाक्षारोचनादिमहानीलरसादिभिः |
लिखित्वा धारयेद्देवि चातुर्वर्ण्यं वशं नयेत् || ६१ ||

I 2.62
एतदेव विधानेन जलमध्ये यदा क्षिपेत् |
सौभाग्यमतुलं तस्य स्नानपानान्न संशयः || ६२ ||

I 2.63
एतन्मध्यगतां देवि नगरीं वा वराङ्गनाम् |
सप्ताहात्क्षोभयेत्सत्यं ज्वलमानां विचिन्त्य ताम् || ६३ ||

I 2.64
महापातकयुक्तात्मा यदि देवि प्रपूजयेत् |
शमीदूर्वाङ्कुराश्वत्थपल्लवैरथवार्कजैः || ६४ ||

I 2.65
मासेन हन्ति कलुषं सप्तजन्मकृतं नरः |
लिखित्वा पीतवर्णं तु चक्रमेतद्यदार्चयेत् || ६५ ||

I 2.66
पूर्वाशाभिमुखो भूत्वा स्तम्भयेत्सर्ववादिनः |
सिन्दूररेणुलिखितं पूजयेदुत्तरामुखः || ६६ ||

I 2.67
यदा तदास्य वशगो लोको भवति सर्वदा |
चक्रं गैरिकमालिख्य पूजयेत्पश्चिमामुखः || ६७ ||

I 2.68
स च सर्वाङ्गनाकर्षवश्यक्षोभकरो भवेत् |
दक्षिणाभिमुखो भूत्वा कृष्णवर्णं यदार्चयेत् || ६८ ||

I 2.69
यस्य नाम्ना तस्य नित्यं मन्त्रहानिस्तु जायते |
तद्वद्दिगन्तरालेषु पूजितं परमेश्वरि || ६९ ||

I 2.70
स्तम्भविद्वेषणव्याधिशत्रूच्चाटनकारकम् |
रोचनालिखितं देवि दुग्धमध्ये वशङ्करम् || ७० ||

I 2.71
क्षिप्तं गोमूत्रमध्ये वा शत्रूच्चाटनकारकम् |
तक्रमध्यगतं चक्रं विद्वेषणकरं परम् || ७१ ||

I 2.72
ज्वलज्ज्वलनमध्यस्थं सर्वशत्रुविनाशनम् |
अथवा देवदेवेशि यदेकान्ते चतुष्पथम् || ७२ ||

I 2.73
तत्समीपे लिखेच्चक्रं सिन्दूरेण महाप्रभम् |
सर्वबाह्यत आरभ्य यावन्मध्यं महेश्वरि || ७३ ||

I 2.74
अकारादिक्षकारान्तां मातृकां तत्र विन्यसेत् |
पूजयेद्रात्रिसमये कुलाचारक्रमेण यः || ७४ ||

I 2.75
तत्क्षणात् महेशानि साधकः खेचरो भवेत् |
पूजयित्वा महादेवि तद्वदेकतरो गिरौ || ७५ ||

I 2.76
अजरामरतां सम्यग्लभते नात्र संशयः |
महाभूतदिने वापि श्मशाने यदि पूजयेत् || ७६ ||

I 2.77
पूर्ववन्निशि देवेशि साधकः स्थिरमानसः |
पादुकाखड्गवेतालसिद्धक्रव्यमनःशिला || ७७ ||

I 2.78
अञ्जनं विवरं चैव चेटकं यक्षिणीं तथा |
यत्किंचित्सिद्धिनिचयं विद्यते भुवनत्रये || ७८ ||

Unnummerierter Schluss-Halbvers
तत्सर्वमेव सहसा साधयेत्साधकोत्तमः |

Kolophon des Kommentars
इति राजानकश्रीमज्जयरथविरचिते श्रीवामकेश्वरीमतविवरणे द्वितीयः पटलः || २ ||

Teil I, Devanagari Kapitel 3

तृतीयः पटलः

श्रीदेव्युवाच । [Sprecherangabe aus der Kommentar-Einleitung.]

I 3.1
भगवंस्त्रिपुरामुद्राः सूचिता न प्रकाशिताः |
कथं विरचनं तासां क्रियते वद शङ्करः || १ ||

श्रीभैरव उवाच । [Sprecherangabe aus der Kommentar-Einleitung.]

I 3.2
शृणु देवि प्रवक्ष्यामि मुद्राः सर्वार्थसिद्धिदाः |
याभिर्विरचिताभिस्तु संमुखा त्रिपुरा भवेत् || २ ||

I 3.3
परिवर्त्य करौ स्पष्टावङ्गुष्ठौ कारयेत्समौ |
अनामान्तर्गते कृत्वा तर्जन्यौ कुटिलाकृती || ३ ||

I 3.4
कनिष्ठिके नियुञ्जीत निजस्थाने महेश्वरि |
त्रिखण्डैषा महामुद्रा त्रिपुराह्वानकर्मणि || ४ ||

I 3.5
मध्यमामध्यगे कृत्वा कनिष्ठेऽङ्गुष्ठरोधिते |
तर्जन्यौ दण्डवत्कृत्वा मध्यमोपर्यनामिका || ५ ||

I 3.6
एषा तु प्रथमा मुद्रा सर्वसंक्षोभकारिणी |
एतस्या एव मुद्राया मध्यमे सरले यदा || ६ ||

I 3.7
क्रियेते परमेशानि सर्वविद्राविणी स्मृता |
मध्यमातर्जनीभ्यां तु कनिष्ठानामिके समे || ७ ||

I 3.8
अङ्कुशाकाररूपाभ्यां मध्यगे परमेश्वरि |
इयमाकर्षिणी मुद्रा त्रैलोक्याकर्षकारिणी || ८ ||

I 3.9
स्फुटाकारौ करौ कृत्वा तर्जन्यावङ्कुशाकृती |
परिवर्तक्रमेणैव मध्यगे तदधोगते || ९ ||

I 3.10
क्रमेण देवि तेनैव कनिष्ठानामिकादयः |
संयोज्य निविडाः सर्वा अङ्गुष्ठावग्रदेशतः || १० ||

I 3.11
मुद्रेयं परमेशानि सर्वावेशकरी स्मृता |
संमुखौ तु करौ कृत्वा मध्यमामध्यगेऽनुजे || ११ ||

I 3.12
अनामिके तु सरले तद्बहिस्तर्जनीद्वयम् |
दण्डाकारौ तत्राङ्गुष्ठौ मध्यमा नखदेशगा || १२ ||

I 3.13
मुद्रैषोन्मादिनी नाम्ना क्लेदिनी सर्वयोषिताम् |
अस्यास्त्वनामिकायुग्ममधः कृत्वाङ्कुशाकृति || १३ ||

I 3.14
तर्जन्यावपि तेनैव क्रमेण विनियोजयेत् |
इयं महाङ्कुशा विद्या सर्वकामार्थसाधकी || १४ ||

I 3.15
सव्यं दक्षिणदेशं तु दक्षिणं सव्यदेशतः |
बाहुं कृत्वा महादेवि हस्तौ संपरिवर्त्य च || १५ ||

I 3.16
कनिष्ठानामिके देवि युक्त्वा तेन क्रमेण तु |
तर्जनीभ्यां समाक्रान्ते सर्वोर्ध्वमपि मध्यमे || १६ ||

I 3.17
अङ्गुष्ठौ तु महेशानि कारयेत्सरलावपि |
इयं सा खेचरी नाम्ना मुद्रा सर्वोत्तमा प्रिये || १७ ||

I 3.18
रचितैव महादेवि सर्वतेजोपहारिणी |
बद्धयैवैतया देवि दृश्यते साधकोत्तमः || १८ ||

I 3.19
सर्वयोगिनिवृन्दैस्तु ज्वलत्पावकसन्निभः |
शाकिनीडाकिनीवृन्दै राकिणीलाकिनीगणैः || १९ ||

I 3.20
काकिनीहाकिनीभिस्तु ध्यातेयं परमेश्वरि |
एतया ज्ञातया देवि योगिनीनां भवेत्प्रियः || २० ||

I 3.21
अतः समयमुद्रेयं सर्वासां परिकीर्तिता |
प्रयतोऽप्रयतो वापि शुचौ देशेऽथवाशुचौ || २१ ||

I 3.22
उत्थितो वोपविष्टो वा चङ्क्रमन्निश्चलोऽथवा |
उच्छिष्टो वा शुचिर्भूत्वा भुञ्जानो मैथुने रतः || २२ ||

I 3.23
मुद्राया मध्यमाङ्गुल्यौ परिवर्त्य क्रमेण तु |
पार्थिवं स्थानकं युक्त्वा सद्यः खेचरतां व्रजेत् || २३ ||

I 3.24
परिवर्त्य करौ स्पष्टावर्धचन्द्राकृती प्रिये |
तर्जन्यङ्गुष्ठयुगलं युगपद्भावयेत्ततः || २४ ||

I 3.25
अधःकनिष्ठावष्टब्धे मध्यमे विनियोजयेत् |
तथैव कुटिले योज्य सर्वाधस्तादनामिके || २५ ||

I 3.26
बीजमुद्रेयमचिरात्सर्वसिद्धिप्रवर्तकी |
मध्यमे कुटिले कृत्वा तर्जन्युपरिसंस्थिते || २६ ||

I 3.27
अनामिकामध्यगते तथैवहि कनिष्ठिके |
सर्वा एकत्र संयोज्या अङ्गुष्ठपरिपीडिताः २७ ||

I 3.28
एषा तु प्रथमा मुद्रा योनिमुद्रेति संस्मृता |
एता मुद्रा महेशानि त्रिपुराया मयोदिताः || २८ ||

Unnummerierter Schluss-Halbvers
पूजाकाले प्रयोक्तव्या यथानुक्रमयोगतः |

Kolophon des Kommentars
इति श्रीमद्राजानकजयरथविरचिते श्रीवामकेश्वरीमतविवरणे तृतीयः पटलः || ३ ||

Eine räumliche Darstellung des Shri Yantra als allgemeine Illustration der Shri Vidya.

Begleitvideo: Chakra-Konzentration mit Pranayama am Ende

Allgemeine heutige Praxisergänzung; keine Rekonstruktion eines Rituals aus dem Vamakeshvara Tantra.

Teil I, Devanagari Kapitel 4

चतुर्थः पटलः |

श्रीदेव्युवाच । [Sprecherangabe aus der Kommentar-Einleitung.]

I 4.1
भगवन्सर्वमाख्यातं मुद्राणां ज्ञानमुत्तमम् |
वदेदानीं महादेव्या एकैकाक्षरसाधनम् || १ ||

I 4.2
महाज्ञानप्रभावं च व्याप्तिं स्थानोद्भवं लयम् |
स्थूलसूक्ष्मविभागेन शरीरे परमेश्वर || २ ||

श्रीभैरव उवाच । [Sprecherangabe aus der Kommentar-Einleitung.]

I 4.3
शृणु देवि महाज्ञानं सर्वज्ञानोत्तरं परम् |
येनानुष्ठितमात्रेण भवाब्धौ न निमज्जति || ३ ||

I 4.4
त्रिपुरा परमा शक्तिराद्या जातादितः प्रिये |
स्थूलसूक्ष्मविभागेन त्रैलोक्योत्पत्तिमातृका || ४ ||

I 4.5
कवलीकृतनिःशेषतत्त्वग्रामस्वरूपिणी |
तस्यां परिणतायां तु न कश्चित्पर इष्यते || ५ ||

I 4.6
परो हि शक्तिरहितः शक्तः कर्तुं न किंचन |
शक्तस्तु परमेशानि शक्त्या युक्तो यदा भवेत् || ६ ||

I 4.7
शक्त्या विना शिवे सूक्ष्मे नाम धाम न विद्यते |
ज्ञातेनापि महेशानि कर्म शर्म न किञ्चन || ७ ||

I 4.8
ध्यानावष्टम्भकाले तु न रतिर्न मतिः स्थितिः |
प्रविश्य परमार्गान्तः सूक्ष्माकारस्वरूपिणी || ८ ||

I 4.9
कवलीकृतनिःशेषबीजाद्याङ्कुरतां गता |
वामा शिखा ततो ज्येष्ठा शृङ्गाटाकारतां गता || ९ ||

I 4.10
रौद्री तु परमेशानि जगद्ग्रसनरूपिणी |
एवं सा परमा शक्तिरेकैव परमेश्वरी || १० ||

I 4.11
त्रिपुरा त्रिविधा देवी ब्रह्मविष्ण्वीशरूपिणी |
ज्ञानशक्तिः क्रियाशक्तिरिच्छाशक्त्यात्मिका प्रिये || ११ ||

I 4.12
त्रैलोक्यं संसृजति - - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - अस्मात् त्रिपुरा परिकीर्तिता |
यदोल्लसति शृङ्गाटपीठात्कुटिलरूपिणी || १२ ||

I 4.13
शिवार्कमण्डलं भित्त्वा द्रावयन्तीन्दुमण्डलम् |
तदुद्भवामृतस्यन्दमदिरानन्दनन्दिता || १३ ||

I 4.14
कुलयोषित्कुलं त्यक्त्वा परं पुरुषमेति सा |
निर्लक्षणं निर्गुणं च कुलरूपविवर्जितम् || १४ ||

I 4.15
ततः स्वच्छन्दरूपा तु परिभ्रम्य जगत्पुनः |
तेन चारेण संतुष्टा पुनरेकाकिनी सती || १५ ||

I 4.16
रमते - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - सेयमव्यक्ता त्रिपुरा व्यक्तिमागता |
तत्त्वत्रयविनिर्दिष्टा वर्णशक्तित्रयात्मिका || १६ ||

I 4.17
वागीश्वरी ज्ञानशक्तिर्वाग्भवा मोक्षरूपिणी |
कामराजा कामकला कामरूपा क्रियात्मिका || १७ ||

I 4.18
शक्तिबीजा परा शक्तिरिच्छैव विषरूपिणी |
एवं देवी त्र्यक्षरा तु महात्रिपुरसुन्दरी || १८ ||

I 4.19
पारम्पर्येण विज्ञाता भवबन्धविमोचिनी |
संस्मृता पापहरणी जप्ता मृत्युविनाशिनी || १९ ||

I 4.20
पूजिता दुःखदारिद्र्यव्याधिदौर्भाग्यघातकी |
हुता विघ्नौघशमनी ध्याता सर्वार्थसाधकी || २० ||

I 4.21
एतस्याः शृणु देवेशि बीजत्रितयसाधनम् |
धवलाम्बरसंवीतो धवलाम्बरमध्यगः || २१ ||

I 4.22
पूजयेद्धवलैः पुष्पैर्ब्रह्मचर्यरतो नरः |
धवलैरेव नैवेद्यैर्दधिक्षीरौदनादिभिः || २२ ||

I 4.23
संकल्पधवलैर्वापि - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - - - - - - - - - यथाकामं यथा लभेत् |
संपूज्य परमेशानि ध्यायेद्वागीश्वरीं पराम् || २३ ||

I 4.24
बीजरूपामुल्लसन्तीं चिदानन्दप्रबोधिनीम् |
ब्रह्मग्रन्थिं विनिर्भिद्य जिह्वाग्रे दीपरूपिणीम् || २४ ||

I 4.25
चिन्तयेन्नष्टहृदयो ग्राम्यो मूर्खोऽतिपातकी |
शठोऽपि यः पादमेकं सुस्पष्टं वक्तुमक्षमः || २५ ||

I 4.26
जडो मूकोऽपि दुर्मेधा गतप्रज्ञोऽपि नष्टधीः |
सोऽपि संजायते वाग्मी वाचस्पतिरिवापरः || २६ ||

I 4.27
सत्पण्डितघटाटोपजेताऽप्रतिहतप्रभः |
षट्तर्कपदवाक्यार्थशब्दालङ्कारसारवित् || २७ ||

I 4.28
वातोर्द्धूतसमुद्रोर्मिमालातुल्यैरुपन्यसेत् |
सुकुमारतरस्फाररीत्यलङ्कारपूर्वकैः || २८ ||

I 4.29
पदगुम्फैर्महाकाव्यकर्ता देवेशि जायते |
वेदवेदान्तसिद्धान्तवेदाङ्गज्ञानपारगः || २९ ||

I 4.30
ज्योतिःशास्त्रेतिहासादिमीमांसास्मृतिवाक्यवित् |
पुराणरसवादादिगारुडानेकमन्त्रवित् || ३० ||

I 4.31
पातालशास्त्रविज्ञानभूततन्त्रार्थतत्त्ववित् |
विचित्रचित्रकर्मादिशिल्पानेकविचक्षणः || ३१ ||

I 4.32
महाव्याकरणोदारशब्दसंस्कृतसर्वगीः |
सर्वभाषारुतज्ञानसमस्तलिपिकर्मवित् || ३२ ||

[Lesung nach dem gedruckten Haupttext berichtigt; Einzelheiten bei IAST 4.32.]

I 4.33
नानाशास्त्रार्थशिल्पादिवेदवेदाङ्गविश्रुतः |
सर्ववाङ्मयवेत्ता च सर्वज्ञो देवि जायते * || ३३ ||

[Lesung nach dem gedruckten Haupttext berichtigt; Einzelheiten bei IAST 4.33.]

I 4.34
यदा कामकलारूपा मदनाङ्कुरागोचरे |
तरुणारुणबिम्बार्ककिरणाभा महेश्वरि || ३४ ||

I 4.35
स्फुरद्दीपशिखाकारा बिन्दुधाराप्रवर्षिणी |
समस्तभुवनाभोगकवलीकृतजीविता || ३५ ||

I 4.36
महास्वमहिमाक्रान्तिध्वस्ताहङ्कृतिभूमिका |
क्रमेण च ततोऽनङ्गपर्यन्तात्प्रोल्लसन्त्यपि || ३६ ||

I 4.37
शरीरानङ्गपर्यन्तमेकैकमुभयात्मिका |
ततो भवति देवेशि सर्वशृङ्गारमानिनाम् || ३७ ||

I 4.38
रागिणां साधको देवि बाधको मदनाधिकः |
तद्दृष्टिपथगा नारी सुरी वा यदिवासुरी || ३८ ||

I 4.39
विद्याधरी किन्नरी वा यक्षनागाङ्गनाथवा |
प्रचण्डतरभूपालकन्यकाः सिद्धकन्यकाः || ३९ ||

I 4.40
ज्वलन्मण्डलदुष्प्रेक्ष्यमदनोत्तप्तमानसाः |
क्लिन्नाः प्रचलिताङ्ग्यस्तु विमूढा मदविह्वलाः || ४० ||

I 4.41
निवेदितात्मसर्वस्वा जायन्ते वशगाः प्रिये |
चलज्जलेन्दुसदृशी बालार्ककिरणारुणा || ४१ ||

I 4.42
चिन्तिता योषितां योनौ संक्षोभयति तत्क्षणात् |
सैव सिन्दूरवर्णाभा हृदये चिन्तिता सती || ४२ ||

I 4.43
संमोहोन्मादनावेशचित्ताकर्षकरी स्मृता |
नियोजिताथवा मूर्ध्नि वर्षन्ती रक्तबिन्दवः || ४३ ||

I 4.44
धारणासंप्रयोगेण करोति विवशं जगत् |
अथान्यं संप्रवक्ष्यामि प्रयोगं भुवि दुर्लभम् || ४४ ||

I 4.45
येन विज्ञातमात्रेण साधको मदनायते |
कामस्थं काममध्यस्थं कामोदरपुटीकृतम् || ४५ ||

I 4.46
कामेन साधयेत्कामं कामं कामेषु निक्षिपेत् |
कामेन कामितं कृत्वा कामस्थः क्षोभयेज्जगत् || ४६ ||

I 4.47
शक्तिबीजस्वरूपां तु सृष्ट्या संहृतिसीमया |
सृष्टिसंहारपर्यन्तं शरीरे परिचिन्तयेत् || ४७ ||

I 4.48
यतो भवति देवेशि वैनतेय इवापरः |
नागानां दर्शनादेव जडीकरणकारकः || ४८ ||

I 4.49
दाहिनाममृतासारधीरधाराधरोपमः |
स्थिरकृत्रिमशङ्काख्यविषोपविषनाशकः || ४९ ||

I 4.50
दुष्टव्याधिग्रहानेकडाकिनीरूपिकागणः |
भूतप्रेतपिशाचौघैस्त्रिनेत्र इव दृश्यते || ५० ||

I 4.51
अथवा येन विद्येयं परिपूर्णा विचिन्त्यते |
नाभिमण्डलहृत्पद्ममुखमण्डलमध्यगा || ५१ ||

I 4.52
केवलैव महेशानि पद्मरागसमप्रभा |
तस्याष्टगुणमैश्वर्यमचिरात्संप्रवर्तते || ५२ ||

I 4.53
मनसा संस्मरत्यस्या यदा नामापि साधकः |
तदैव मातृचक्रस्य विदितो भवति प्रिये || ५३ ||

I 4.54
यदैव जपते विद्यां महात्रिपुरसुन्दरीम् |
तदैव मातृचक्राज्ञा संक्रामत्यस्य विग्रहे || ५४ ||

I 4.55
सर्वासां सर्वसंस्थानां योगिनीनां भवेत्प्रियः |
पुत्रवत्परमेशानि ध्यानादेव हि साधकः || ५५ ||

I 4.56
यदा तु परमेशानि परिपूर्णां प्रपूजयेत् |
प्रयच्छन्ति तदैवास्य खेचर्यः सिद्धिमुत्तमाम् || ५६ ||

I 4.57
चतुष्षष्टिर्यतः कोट्यो योगिनीनां महौजसाम् |
चक्रमेतत्समाश्रित्य संस्थिता वीरवन्दिते || ५७ ||

I 4.58
आदेः संबन्धिनि पदे मध्ये बीजाष्टकं बहिः |
कला ध्यात्वाङ्गनानङ्गे जायतेऽनङ्गवत्प्रिये || ५८ ||

I 4.58 (zweites Vorkommen)
करशुद्ध्यादिविद्यानामेकैकं परमेश्वरि |
रुद्रयामलतन्त्रे तु कर्म प्रोक्तं मया पुरा || ५८ ||

I 4.59
मादनैर्मदनो भूत्वा पाशाङ्कुशधनुःशरैः |
क्षोभयेत्स्वर्गभूलोकपातालतलयोषितः || ५९ ||

I 4.60
तथैव शाक्तैर्देवेशि त्रिपुरीकृतविग्रहः |
साधयेद्देवगन्धर्वसिद्धविद्याधरानपि || ६० ||

I 4.61
तत्र शाक्ता महावज्रप्रस्तारजनिताः शराः |
मादनास्त्वादिपरतः सर्वाधःस्था नियोजिताः || ६१ ||

I 4.62
आद्यन्तगो महापाशः पौरुषेयः प्रकीर्तितः |
रुद्रशक्तिः कुण्डलाख्या माया स्त्रीपाश उच्यते || ६२ ||

I 4.63
तुरीयमरुणावर्गाद्द्वितीयमपि पार्वति |
स्त्रीपुंस्कोदण्डयुगलं कामाग्निव्यापकोऽङ्कुशः || ६३ ||

I 4.64
मुद्रा यास्त्रिपुरायास्तु देवि सिद्ध्यष्टकान्विताः |
ता एव सर्वचक्रेषु पूजाकाले प्रपूजयेत् || ६४ ||

I 4.65
अतः प्रधानविद्येयं त्रिपुरा परमेश्वरी |
नैतस्याः सदृशी काचिद्विद्या देवेशि विद्यते || ६५ ||

I 4.66
एतामेव पुराराध्य विद्यां त्रिपुरभैरवीम् |
त्रैलोक्यमोहनं रूपमकाषीद्भगवान्हरिः || ६६ ||

I 4.67
कामदेवोऽपि देवेशि महात्रिपुरसुन्दरीम् |
समाराध्याभवल्लोके सर्वसौभाग्यसुन्दरः || ६७ ||

I 4.68
मयापि यद्व्रतस्थेन क्रियतेऽद्यापि सुन्दरि |
जप्यं त्रिसन्ध्यमेतस्यास्तदेतत्पदसिद्धये || ६८ ||

I 4.69
मध्यप्रपूजनाद्देवि जायते वाक्पतिर्नरः |
तथैवापरकन्दर्पो वाह्यमध्यान्तरेऽर्चनात् || ६९ ||

I 4.70
सर्वेण सर्वदा सर्वदेवीयुक्तेन पार्वति |
साधयेत्खेचरीसिद्धिमणिमादिगुणान्विताम् || ७० ||

Kolophon des Kommentars
इति राजानकश्रीमञ्जयरथविरचिते श्रीवामकेश्वरीमतविवरणे चतुर्थः पटलः || ४ ||

Teil I, Devanagari Kapitel 5

पञ्चमः पटलः

श्रीदेव्युवाच । [Sprecherangabe aus der Kommentar-Einleitung.]

I 5.1
सर्वमेव त्वया प्रोक्तं त्रिपुराज्ञानमुत्तमम् |
कामतत्त्वं विषज्ञानं मोक्षतत्त्वं त्रयं तथा || १ ||

I 5.2
इदानीं जपहोमाभ्यां विधानं वद शङ्कर |
येनानुष्ठितमात्रेण मन्दभाग्योऽपि सिद्ध्यति || २ ||

श्रीभैरव उवाच । [Sprecherangabe aus der Kommentar-Einleitung.]

I 5.3
शृणु देवि प्रवक्ष्यामि त्रिपुरामन्त्रसाधनम् |
जपहोमविधानं तु समीहितफलप्रदम् || ३ ||

I 5.4
चक्रमभ्यर्च्य विधिवत्सकलं परमेश्वरि |
मध्यं वा केवलं देवि वाह्यमध्यगतं तु वा || ४ ||

I 5.5
तदग्रे संस्थितो मन्त्री सहस्रं यदि वा जपेत् |
व्रतस्थः परमेशानि ततोऽनन्तफलं लभेत् || ५ ||

I 5.6
ध्यात्वा वा हृद्गतं चक्रं तत्रस्थां परमेश्वरीम् |
पूर्वोक्तध्यानयोगेन संचिन्त्य जपमारभेत् || ६ ||

I 5.7
निगदेनोपांशुना वा मानसेनापि सुव्रते |
पूर्वोक्तन्याससंनद्धो मुद्रासंनद्धविग्रहः || ७ ||

I 5.8
मुक्ताहारमयीं स्फीतवैडूर्यमणिसंभवाम् |
पुत्रजीवकपद्माक्षरुद्राक्षस्फटिकोद्भवाम् || ८ ||

I 5.9
प्रबालपद्मरागादिरक्तचन्दननिर्मिताम् |
कुङ्कुमागुरुकर्पूरमृगनाभिविभूषिताम् || ९ ||

I 5.10
अक्षमालां समाहृत्य त्रिपुरीकृतविग्रहः |
लक्षमात्रं जपेद्देवि महापापैः प्रमुच्यते || १० ||

I 5.11
लक्षद्वयेन पापानि सप्तजन्मकृतान्यपि |
नाशयेत् त्रिपुरा देवी साधकस्य न संशयः || ११ ||

I 5.12
जप्त्वा लक्षत्रयं मन्त्री प्रयतो मन्त्रविग्रहः |
पातकं नाशयेदाशु सप्तजन्मसहस्रजम् || १२ ||

I 5.13
जप्त्वा विद्यां चतुर्लक्षं महावागीश्वरो भवेत् |
पञ्चलक्षाच्चादरिद्रः साक्षाद्वैश्रवणायते || १३ ||

I 5.14
जप्त्वा षड्लक्षमेतस्या महाविद्याधरेश्वरः |
जप्त्वैव सप्त लक्षाणि खेचरीमेलकं व्रजेत् || १४ ||

I 5.15
अष्टलक्षप्रमाणं तु जप्त्वा विद्यां महेश्वरि |
अणिमाद्यष्टसिद्धीशो जायते देवपूजितः || १५ ||

I 5.16
नवलक्षप्रमाणं तु जप्त्वा त्रिपुरसुन्दरीम् |
विधिवज्जायते मन्त्री रुद्रमूर्तिरिवापरः || १६ ||

I 5.17
कर्ता हर्ता स्वयं गौरि लोकेऽप्रतिहतप्रभः |
नित्यप्रमुदितो वीरः स्वच्छन्दगतिरीश्वरः || १७ ||

I 5.18
निगदेन यदाजप्तं लक्षं चोपांशुना कृतम् |
मानसेन महेशानि कोटिजापफलं लभेत् || १८ ||

I 5.19
यत्र वा कुत्रचिद्देशे लिङ्गं वै पश्चिमामुखम् |
स्वयंभु वाणलिङ्गं वा इतरद्वापि सुव्रते || १९ ||

I 5.20
तत्र स्थित्वा जपेल्लक्षं त्रिपुरीकृतविग्रहः |
ततो भवति देवेशि त्रलोक्यक्षोभको नरः || २० ||

I 5.21
एवं जपं यथाशक्ति कृत्वादौ साधकोत्तमः |
होमं कुर्याद्दशांशेन - - - - - - - - - - - - - - - - - ||
- - - - - - - - - - - - - कुसुमैर्ब्रह्मवृक्षजैः || २१ ||

I 5.22
कुसुम्भकुसुमैर्वापि त्रिमध्वक्तैर्यथाविधि |
ततो भवति विद्येयं महाविघ्नौघघातकी || २२ ||

I 5.23
सर्वकामप्रदा देवि भुक्तिमुक्तिफलप्रदा |
योनिकुण्डे भगाङ्के वा वर्तुले वार्धचन्द्रके || २३ ||

I 5.24
नवत्रिकोणचक्रे वा चतुरश्रेऽष्टपत्रके |
योनिकुण्डे भवेद्वाग्मी भगाङ्के कृष्टिरुत्तमा || २४ ||

I 5.25
वर्तुले तु भवेल्लक्ष्मीरर्धचन्द्रे त्रयं लभेत् |
नवत्रिकोणकुण्डे तु खेचरत्वं प्रपद्यते || २५ ||

I 5.26
चतुरश्रे भवेच्छान्तिर्लक्ष्मीः पुष्टिररोगता |
पद्माङ्के सर्वसंपत्तिरचिरादेव जायते || २६ ||

I 5.27
चक्रेऽष्टकोणे सुभगे समीहितफलं लभेत् |
मल्लिकामालतीजातीपुष्पैराज्यपरिप्लुतैः || २७ ||

I 5.28
हुतैर्भवति वागीशो मूकोऽपि परमेश्वरि |
करवीरजपापुष्पाण्याज्ययुक्तानि पार्वति || २८ ||

I 5.29
हुत्वाकर्षयते मन्त्री खभूपातालयोषितः |
चन्द्रकस्तूरिकामिश्रं कृत्वा कुङ्कुममीश्वरि || २९ ||

I 5.30
हुत्वा कन्दर्पसौभाग्यात्स सौभाग्याधिको भवेत् |
चण्पकं पाटलादीनि हुत्वा वै श्रियमाप्नुयात् || ३० ||

I 5.31
श्रीखण्डमगुरुं वापि कर्पूरं पुरसंयुतम् |
हुत्वा पुरपुरन्ध्रीणां देवि विक्षोभको भवेत् || ३१ ||

I 5.32
हुत्वा पलं त्रिमध्वक्तं कृत्वा स्मृत्वा महेश्वरीम् |
खेचरो जायते देवि गत्वा नक्तं चतुष्पथे || ३२ ||

I 5.33
तदा दधिमधुक्षीरमिश्रांल्लाजान्महेश्वरि |
हुत्वा न वाध्यते रोगैः कालमृत्युभयादिभिः || ३३ ||

Kolophon des Kommentars
इति श्रीराजानकश्रीमज्जयरथविरचिते श्रीवामकेश्वरीमतविवरणे पञ्चमः पटलः || ५ ||

Teil II: Yogini Hridaya in Devanagari

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योगिनीहृदयम्

Teil II, Devanagari Kapitel 1

अथ प्रथमः पटलः

II 1.1
श्रीदेव्युवाच –
देवदेव महादेव परिपूर्णप्रथामय ।
वामकेश्वरतन्त्रेऽस्मिन्नज्ञातार्थास्त्वनेकशः ॥ १॥

II 1.2
तांस्तानर्थानशेषेण वक्तुमर्हसि भैरव ।
श्रीभैरव उवाच
शृणु देवि महागुह्यं योगिनीहृदयं परम् ॥ २॥

II 1.3
त्वत्प्रीत्या कथयाम्यद्य गोपनीयं विशेषतः ।
कर्णात्कर्णोपदेशेन सम्प्राप्तमवनीतलम् ॥ ३॥

II 1.4
न देयं परशिष्येभ्यो नास्तिकेभ्यो न चेश्वरि ।
न शुश्रूषालसानाञ्च नैवानर्थप्रदायिनाम् ॥ ४॥

II 1.5
परीक्षिताय दातव्यं वत्सरार्धोषिताय च ।
एतज्ज्ञात्वा वररोहे सद्यः खेचरतां व्रजेत् ॥ ५॥

II 1.6
चक्रसङ्केतको मन्त्रपूजासङ्केतकौ तथा ।
त्रिविधस्त्रिपुरादेव्याः सङ्केतः परमेश्वरि ॥ ६॥

II 1.7
यावदेतन्न जानाति सङ्केतत्रयमुत्तमम् ।
न तावत्त्रिपुराचक्रे परमाज्ञाधरो भवेत् ॥ ७॥

II 1.8
तच्छक्तिपञ्चकं सृष्ट्या लयेनाग्निचतुष्टयम् ।
पञ्चशक्तिचतुर्वह्निसंयोगाच्चक्रसम्भवः ॥ ८॥

II 1.9
एतच्चक्रावतारन्तु कथयामि तवानघे ।
यदा सा परमा शक्तिः स्वेच्छया विश्वरूपिणी ॥ ९॥

II 1.10
स्फुरत्तामात्मनः पश्येत्तदा चक्रस्य सम्भवः ।
शून्याकाराद्विसर्गान्ताद् बिन्दोः प्रस्पन्दसंविदः ॥ १०॥

II 1.11
प्रकाशपरमार्थत्वात् स्फुरत्तालहरीयुतात् ।
प्रसृतं विश्वलहरीस्थानं मातृत्रयात्मकम् ॥ ११॥

II 1.12
बैन्दवं चक्रमेतस्य त्रिरूपत्वं पुनर्भवेत् ।
धर्माधर्मौ तथात्मानो मातृमेयौ तथा प्रमा ॥ १२॥

II 1.13
नवयोन्यात्मकं चक्रं चिदानन्दघनं महत् ।
चक्रं नवात्मकमिदं नवधा भिन्नमन्त्रकम् ॥ १३॥

II 1.14
बैन्दवासनसंरूढसंवर्तानलचित्कलम् ।
अम्बिकारूपमेवेदमष्टारस्थं स्वरावृतम् ॥ १४॥

II 1.15
नवत्रिकोणस्फुरितप्रभारूपदशारकम् ।
शक्त्यादिनवपर्यन्तदशार्णस्फूर्तिकारकम् ॥ १५॥

II 1.16
भूततन्मात्रदशकप्रकाशालम्बनत्वतः ।
द्विदशारस्फुरद्रूपं क्रोधीशादिदशारकम् ॥ १६॥

II 1.17
चतुश्चक्रप्रभारूपसंयुक्तपरिणामतः ।
चतुर्दशाररूपेण संवित्तिकरणात्मना ॥ १७॥

II 1.18
खेचर्यादिजयान्तार्णपरमार्थप्रथामयम् ।
एवं शक्त्यनलाकारस्फुरद्रौद्रीप्रभामयम् ॥ १८॥

II 1.19
ज्येष्टारूपचतुष्कोणं वामारूपभ्रमित्रयम् ।
चिदंशान्तस्त्रिकोणं च शान्त्यतीताष्टकोणकम् ॥ १९॥

II 1.20
शान्त्यंशद्विदशारञ्च तथैव भुवनारकम् ।
विद्याकलाप्रमारूपदलाष्टकसमावृतम् ॥ २०॥

II 1.21
प्रतिष्टावपुषा सृष्टस्फुरद्द्व्यष्टदलाम्बुजम् ।
निवृत्त्याकारविलसच्चतुस्ष्कोणविराजितम् ॥ २१॥

II 1.22
त्रैलोक्यमोहनाद्ये तु नवचक्रे सुरेश्वरि ।
नादो बिन्दुः कला ज्येष्टा रौद्री वामा तथा पुनः ॥ २२॥

II 1.23
विषघ्नी दूतरी चैव सर्वानन्दा क्रमात् स्थिताः ।
निरंशौ नादबिन्दू च कला चेच्छास्वरूपकम् ॥ २३॥

II 1.24
ज्येष्टा ज्ञानं क्रिया शेषमित्येवं त्रितयात्मकम् ।
चक्रं कामकलारूपं प्रसारपरमार्थतः ॥ २४॥

II 1.25
अकुले विषुसंज्ञे च शक्ते वह्नौ तथा पुनः ।
नाभावनाहते शुद्धे लम्बिकाग्रे भ्रुवोऽन्तरे ॥ २५॥

II 1.26
बिन्दौ तदर्धे रोधिन्यां नादे नादान्त एव च ।
शक्तौ पुनर्व्यापिकायां समनोन्मनि गोचरे ॥ २६॥

II 1.27
महाबिन्दौ पुनश्चैव त्रिधा चक्रं तु भावयेत् ।
आज्ञान्तं सकलं प्रोक्तं ततः सकलनिष्कलम् ॥ २७॥

II 1.28
उन्मन्यन्तं परे स्थाने निष्कलञ्च त्रिधा स्थितम् ।
दीपाकारोऽर्धमात्रश्च ललाटे वृत्त इष्यते ॥ २८॥

II 1.29
अर्धचन्द्रस्तथाकारः पादमात्रस्तदूर्ध्वके ।
ज्योत्स्नाकारा तदष्टांशा रोधिनी त्र्यस्रविग्रहा ॥ २९॥

II 1.30
बिन्दुद्वयान्तरे दण्डः शेवरूपो मणिप्रभः ।
कलांशो द्विगुणांशश्च नादान्तो विद्युदुज्ज्वलः ॥ ३०॥

II 1.31
हलाकारस्तु सव्यस्थबिन्दुयुक्तो विराजते ।
शक्तिर्वामस्थबिन्दुद्यत्स्थिराकारा तथा पुनः ॥ ३१॥

II 1.32
व्यापिका बिन्दुविलसत्त्रिकोणाकारतां गता ।
बिन्दुद्वयान्तरालस्था ऋजुरेखामयी पुनः ॥ ३२॥

II 1.33
समना बिन्दुविलसदृजुरेखा तथोन्मना ।
शक्त्यादीनां वपुः स्फूर्जद्द्वादशादित्यसन्निभम् ॥ ३३॥

II 1.34
चतुःषष्टिस्तदूर्ध्वं तु द्विगुणं द्विगुणं ततः ।
शक्त्यादीनां तु मात्रांशो मनोन्मन्यास्तथोन्मनी ॥ ३४॥

II 1.35
दैशकालानवच्छिन्नं तदूर्ध्वे परमं महत् ।
निसर्गसुन्दरं तत्तु परानन्दविघूर्णितम् ॥ ३५॥

II 1.36
आत्मनह् स्फुरणं पश्येद्यदा सा परमा कला ।
अम्बिकारूपमापन्न परा वाक् ससुदीरिता ॥ ३६॥

II 1.37
बीजभावस्थितं विश्वं स्फुटीकर्तुं यदोन्मुखी॥
वामा विश्वस्य वमनादङ्कुशाकारतां गता ॥ ३७॥

II 1.38
इच्छाशक्तिस्तदा सेयं पश्यन्ती वपुषा स्थिता ।
ज्ञानशक्तिस्तथा ज्येष्टा मध्यमा वागुदीरिता ॥ ३८॥

II 1.39
ऋजुरेखामयी विश्वस्थितौ प्रथितविग्रहा ।
तत्संहृतिदशायां तु बैन्दवं रूपमास्थिता ॥ ३९॥

II 1.40
प्रत्यावृत्तिक्रमेणैवं शृङ्गटवपुरुज्ज्वला ।
क्रियाशक्तिस्तु रौद्रीयं वैखरी विश्वविग्रहा ॥ ४०॥

II 1.41
भासनाद्विश्वरूपस्य स्वरूपे बाह्यतोऽपि च ।
एताश्चतस्त्रः शक्त्यस्तु का पू जा ओ इति क्रमात् ॥ ४१॥

II 1.42
पीठाः कन्दे पदे रूपे रूपातीते क्रमात् स्थिताः ।
चतुरस्त्रं तथ बिन्दुषट्कयुक्तं च वृत्तकम् ॥ ४२॥

II 1.43
अर्धचन्द्रं त्रिकोणं च रूपाण्येषां क्रमेण तु ।
पीतो धूम्रस्तथा श्वेतो रक्तो रूपं च कीर्तितम् ॥ ४३॥

II 1.44
स्वयम्भुर्बाणलिङ्गं च इतरं च परं पुनः ।
पीठेष्वेतानि लिङ्गानि संस्थितानि वरानने ॥ ४४॥

II 1.45
हेमबन्धूककुसुमशरच्चन्द्रनिभानि तु ।
स्वावृतं त्रिकूटं च महालिङ्गं स्वयम्भुवम् ॥ ४५॥

II 1.46
कादितान्ताक्षरोपेतं बाणलिङ्गं त्रिकोणकम् ।
कदम्बगोलकाकारं थादिसान्ताक्षरावृतम् ॥ ४६॥

II 1.47
सूक्ष्मरूपं समस्तार्णवृतं परमलिङ्गकम् ।
बिन्दुरूपं परानन्दकन्दं नित्योदितम् ॥ ४७

II 1.48
बीजत्रययुक्तस्य सकलस्य मनोः पुनः ।
एतानि वाच्यरूपाणि कुलकौलमयानि तु ॥ ४८॥

[Dieselben ausgewiesenen Berichtigungen wie bei IAST II 1.48.]

II 1.49
जाग्रत्स्वप्नसुषुप्त्याख्यतुर्यरूपाण्यमूनि तु ।
अतीतं तु परं तेजः स्वसंविदुदयात्मकम् ॥ ४९॥

II 1.50
स्वेच्छाविश्वमयोल्लेखखचितं विश्वरूपकम् ।
चैतन्यमात्मनो रूपं निसर्गानन्दसुन्दरम् ॥ ५०॥

II 1.51
मेयमातृप्रमामानप्रसरैः संकुचत्प्रभम् ।
शृङ्गाटरूपमापन्नमिच्छाज्ञानक्रियात्मकम् ॥ ५१॥

II 1.52
विश्वाकारप्रथाधारनिजरूपशिवाश्रयम् ।
कामेश्वराङ्कपर्यङ्कनिविष्टमतिसुन्दरम् ॥ ५२॥

II 1.53
इच्छाशक्तिमयं पाशमङ्कुशं ज्ञानरूपिणम् ।
क्रियाशक्तिमये बाणधनुषी दधदुज्ज्वलम् ॥ ५३॥

II 1.54
आश्रयाश्रयिभेदेन अष्टधा भिन्नहेतिमत् ।
अष्टारचक्रसंरूढं नवचक्रासनस्थितम् ॥ ५४॥

II 1.55
एवंरूपं परं तेजः श्रीचक्रवपुषा स्थितम् ।
तदीयशक्तिनिकरस्फुरदूर्मिसमावृतम् ॥ ५५॥

II 1.56
चिदात्मभित्तौ विश्वस्य प्रकाशामर्शने यदा ।
करोति स्वेच्छया पूर्णविचिकीर्षासमन्विता ॥ ५६॥

II 1.57
क्रियाशक्तिस्तु विश्वस्य मोदनाद् द्रावणात्तथा ।
मुद्राख्या सा यदा संविदम्बिका त्रिकलामयी ॥ ५७॥

II 1.58
त्रिखण्डारूपमापन्ना सदा सन्निधिकारिणी ।
सर्वस्य चक्रराजस्य व्यापिका परिकीर्तित ॥ ५८॥

II 1.59
योनिप्राचुर्यतः सैषा सर्वसंक्षोभिका पुनः ।
वामाशक्तिप्रधानेयं द्वारचक्रे स्थिता भवेत् ॥ ५९॥

II 1.60
क्षुब्धाविश्वस्थितिकरी ज्येष्टाप्राचुर्यमाश्रिता ।
स्थूलनादकलारूपा सर्वानुग्रहकारिणी ॥ ६०॥

II 1.61
सर्वाशपूरणाख्ये तु सैषा स्फुरितविग्रहा ।
ज्येष्टावामासमन्त्वेन सृष्टेः प्राधान्यमाश्रिता ॥ ६१॥

II 1.62
आकर्षिणी तु मुद्रेयं सर्वसंक्षोभिणी स्मृता ।
व्योमद्वयान्तरालस्थबिन्दुरूपा महेश्वरि ॥ ६२॥

II 1.63
शिवशक्त्यात्मसंश्लेषाद्दिव्यावेशकरी स्मृता ।
चतुर्दशारचक्रस्था संविदानन्दविग्रहा ॥ ६३॥

[Dieselben ausgewiesenen Berichtigungen wie bei IAST II 1.63.]

II 1.64
बिन्द्वन्तरालविलसत्सूक्ष्म रेखाशिखामयी ।
ज्येष्टाशक्तिप्रधाना तु सर्वोन्मादनकारिणी ॥ ६४॥

II 1.65
दशारचक्रमास्थाय संस्थिता वीरवन्दिते ।
वामाशक्तिप्रधाना तु महाङ्कुशमयी पुनः ॥ ६५॥

II 1.66
तद्वद्विश्वं वमन्ती सा द्वितीये तु दशारके ।
संस्थिता मोदनपरा मुद्रारूपत्वमास्थिता ॥ ६६॥

II 1.67
धर्माधर्मस्य संघट्टादुत्थिता वित्तीरूपिणी ।
विकल्पोत्थक्रियालोपरूपदोषविधातिनी ॥ ६७॥

II 1.68
विकल्परूपरोगाणां हारिणी खेचरी परा ।
सर्वरोगहराख्ये तु चक्रे संविन्मयी स्थिता ॥ ६८॥

II 1.69
शिवशक्तिसमाश्लेषस्फुरद्व्योमान्तरे पुनः ।
प्रकाशयति विश्वं सा सूक्ष्मरूपस्थित सदा ॥ ६९॥

II 1.70
बीजरूपा महामुद्रा सर्वसिद्धिमये स्थिता ।
सम्पूर्णस्य प्रकाशस्य लाभभूमिरियं पुनः ॥ ७०॥

II 1.71
योनिमुद्रा कलारूपा सर्वानन्दमये स्थिता ।
क्रिया चैतन्यरूपत्वादेवं चक्रमयं स्थितम् ॥ ७१॥

II 1.72
इच्छारूपं परं तेजाः सर्वदा भावयेद् बुधः ।
त्रिधा च नवधा चैव चक्रसङ्केतकः पुनः ॥ ७२॥

II 1.73
वह्निनैकेन शक्तिभ्यां द्वाभ्यां चैकोऽप्रः पुनः ।
तैश्च वह्नित्रयेणापि शक्तीनां त्रितयेन च ॥ ७३॥

II 1.74
पद्मद्वयेन चान्यः स्याद् भूगृहत्रितयेन च ।
पञ्चशक्ति चतुर्वह्निपद्मद्वयमहीत्रयम् ॥ ७४॥

II 1.75
परिपूर्णं महचक्रं तत्प्रकारः प्रदर्श्यते ।
तत्राद्यं नवयोनि स्यात् तेन द्विदशासंयुतम् ॥ ७५॥

II 1.76
मनुयोनि परं विद्यात् तृतीयं तदनन्तरम् ।
अष्टद्व्यष्टदलोपेतं चतुरस्रत्रयान्वितम् ॥ ७६॥

II 1.77
चक्रस्य त्रिप्रकारत्वं कथितं परमेश्वरि ।
सृष्टिःस्यान्नवयोन्यादिपृथ्व्यन्तं संहृति पुनः ॥ ७७॥

II 1.78
पृथ्व्यादिनवयोन्यन्तमिति शास्त्रस्य निर्णयः ।
एतत्समष्टिरूपं तु त्रिपुराचक्रमुच्यते ॥ ७८॥

II 1.79
यस्य विज्ञानमात्रेण त्रिपुराज्ञानवान् भवेत् ।
चक्रस्य नवधात्वं च कथयामि तव प्रिये ॥ ७९॥

II 1.80
आदिमं भूत्रयेण स्याद् द्वितीयं षोडशारकम् ।
अन्यदष्टदलं प्रोक्तं मनुकोणमनन्तरम् ॥ ८०॥

II 1.81
पञ्चमं दशकोणं स्यात् षष्ठं चापि दशारकम् ।
सप्तमं वसुकोणं स्यान्मध्यत्र्यस्रमथाष्टमम् ॥ ८१॥

II 1.82
नवमं त्र्यस्रमध्यं स्यात् तेषां नामान्यतः शृणु ।
त्रैलोक्यमोहनं चक्रं सर्वाशापरिपूरकम् ॥ ८२॥

II 1.83
सर्वसंक्षोभणं गौरि सर्वसौभाग्यदायकम् ।
सर्वार्थसाधकं चक्रं सर्वरक्षाकरं परम् ॥ ८३॥

II 1.84
सर्वरोगहरं देवि सर्वसिद्धिमयं तथा ।
सर्वानन्दमयं चापि नवमं शृणु सुन्दरि ॥ ८४॥

II 1.85
अत्र पूज्या महादेवी महात्रिपुरसुन्दरी ।
परिपूर्णं महाचक्रमजरामरकारकम् ॥ ८५॥

II 1.86
एतमेव महाचक्रसङ्केतः परमेश्वरि ।
कथितस्त्रिपुरादेव्या जीवन्मुक्तिप्रवर्तकः ॥ ८६॥

Kapitelkolophon
इति प्रथमः पटलः समाप्तः ।

Teil II, Devanagari Kapitel 2

अथ द्वितीयः पटलः

II 2.1
मन्त्रसङ्केतं दिव्यमधुना कथ्यामि ते ।
यद्वेत्ता त्रिपुराकारो वीरचक्रेश्वरो भवेत् ॥ १॥

II 2.2
करशुद्धिकरो त्वाद्या द्वितीया चात्मरक्षिका ।
आत्मासनगता देवी तृतीया तदनन्तरम् ॥ २॥

II 2.3
चक्रासनगता पश्चात् सर्वमन्त्रासनस्थिता ।
साध्यसिद्धासना षष्ठा मायालक्ष्मीमयी परा ॥ ३॥

II 2.4
मूर्तिविद्या च सा देवी सप्तमो परिकीर्तिता ।
अष्टम्यावाहिनी विद्या नवमा भैरवी परा ॥ ४॥

II 2.5
मूलविद्या तथा ख्याता त्रैलोक्यवशकारिणी ।
एवं नवप्रकारास्तु पूजाकाले प्रयत्नतः ॥ ५॥

II 2.6
एताः क्रमेण न्यस्तव्याः साधकेन कुलेश्वरि ।
पादाग्रजङ्घाजानूरुगुदलिङ्गाग्रकेषु च ॥ ६॥

II 2.7
आधरे विन्यसन्मूर्ति तस्यामावाहिनीं न्यसेत् ।
मूलेन व्यापकन्यासः कर्तव्यः परमेश्वरि ॥ ७॥

II 2.8
अकुलादिषु पूर्वोक्तस्थानेषु परिचिन्तयेत् ।
चक्रेश्वरिसमायुक्तं नवचक्रं पुरोदितम् ॥ ८॥

II 2.9
तासां नामानि वक्ष्यामि यथानुक्रमयोगतः ।
तत्राद्या त्रिपुरा देवी द्वितीया त्रिपुरेश्वरी ॥ ९॥

II 2.10
तृतीया च तथा प्रोक्ता देवी त्रिपुरसुन्दरी ।
चतुर्थी च महादेवी देवी त्रिपुरवासिनी ॥ १०॥

II 2.11
पञ्चमी त्रिपुरा श्रीः स्यात् षष्ठी त्रिपुरमालिनी ।
सप्तमी त्रिपुरा सिद्धिरष्टमी त्रिपुराम्बिका ॥ ११॥

II 2.12
नवमी तु माहदेवी महात्रिपुरसुन्दरी ।
पूजयेच्च क्रमादेता नवचक्रे पुरोदिते ॥ १२॥

II 2.13
एवं नवप्रकाराद्या पूजाकाले तु पार्वति ।
एकाकारा ह्याद्यशक्तिरजरामरकारिणी ॥ १३॥

II 2.14
मन्त्रसङ्केतकस्तस्या नानाकारो व्यवस्थितः ।
नानामन्त्रक्रमेणैव पारम्पर्येण लभ्यते ॥ १४॥

II 2.15
षड्विधस्तं तु देवेशि कथयामि तवानघे ।
भावार्थः सम्प्रदायार्थो निगमार्थश्च कौलिकः ॥ १५॥

II 2.16
तथा सर्वरहस्यार्थो महातत्त्वार्थ एव च ।
अक्षरार्थो हि भावार्थः केवलः परमेश्वरि ॥ १६॥

II 2.17
योगिनीभिस्तथा वीरैर्वीरेन्द्रैः सर्वदा प्रिये ।
शिवशक्तिसमायोगाज्जनितो मन्त्रराजकः ॥ १७॥

II 2.18
तन्मयीं परमानन्दनन्दितां स्पन्दरूपिणीम् ।
निसर्गसुन्दरीं देवीं ज्ञात्वा स्वैरमुपासते ॥ १८॥

II 2.19
शिवशक्त्यात्मसंघट्टरूपे ब्रह्माणि शाश्वते ।
तत्प्रथाप्रसराश्लेषभुवि त्वैन्द्रोपलक्षिते ॥ १९॥

II 2.20
ज्ञातृज्ञानमयाकारमननान्मन्त्ररूपिणी ।
तेषां समष्टिरूपेण पराशक्तिस्तु मातृका ॥ २०॥

[Dieselben ausgewiesenen Berichtigungen wie bei IAST II 2.20.]

II 2.21
मध्यबिन्दुविसर्गान्तः समास्थानमये परे ।
कुटिलारूपके तस्याः प्रतिरूपे वियत्कले ॥ २१॥

II 2.22
मध्यप्राणप्रथारूपपस्पन्दव्योम्नि स्थित पुनः ।
मध्यमे मन्त्रपिण्डे तु तृतीये पिण्डके पुनः ॥ २२॥

II 2.23
राहुकूटाद्वयस्फूर्जच्चलत्तासंस्थितस्य तु ।
धर्माधर्मस्य वाच्यस्य विषामृतमयस्य च ॥ २३॥

II 2.24
वाचक्राक्षरसंयोगात् कथिता विश्वरूपिणी ।
तेषां समष्टिरूपेण पराशक्तिं तु मातृकाम् ॥ २४॥

II 2.25
कूटत्रयात्मिकां देवीं समष्टिव्यष्टिरूपिणिम् ।
आद्यां शक्तिं भावयन्तो भावार्थमिति मन्वते ॥ २५॥

II 2.26
सम्प्रदायो महाबोधरूपो गुरुमुखे स्थितः ।
विश्वाकारप्रथायास्तु महत्त्वञ्च यदाश्रयम् ॥ २६॥

II 2.27
शिवशक्त्याद्यया मूलविद्यया परमेश्वरि ।
जगत्कृत्स्नं तया व्याप्तं शृणुष्वावहिता प्रिये ॥ २७॥

II 2.28
पञ्चभूतमयं विश्वं तन्मयी सा सदानघे ।
तन्मयी मूलविद्या च तदद्य कथयामि ते ॥ २८॥

II 2.29
हकाराद् व्योम सम्भूतं ककारात्तु प्रभञ्जनः ।
रेफादग्निः सकाराच्च जलतत्त्वस्य सम्भवः ॥ २९॥

II 2.30
लकारात् पृथिवी जाता तस्माद् विश्वमयी च सा ।
गुणाःपञ्चदश प्रोक्ता भूतानां तन्मयी शिवा ॥ ३०॥

II 2.31
यस्य यस्य पदार्थस्य सा या शक्तिरुदीरिता ।
सा सा सर्वेश्वरी देवी स स सर्वो महेश्वरः ॥ ३१॥

II 2.32
व्याप्ता पञ्चदशार्णः सा विद्या भूतगुणात्मिकाः ।
पञ्चभिश्च तथा षड् भिश्चतुर्भिरपि चाक्षरः ॥ ३२॥

II 2.33
स्वरव्यञ्जनभेदेन सप्तत्रिंशत्प्रभेदिनी ।
सप्तत्रिंशत्प्रभेदेन षट् त्रिंशतत्त्वरूपिणी ॥ ३३॥

II 2.34
तत्त्वातीतस्वभावा च विद्यैषं भाव्यते सदा ।
पृथिव्यादिषु भूतेषु व्यापकं चोत्तरोत्तरम् ॥ ३४॥

II 2.35
भूतं त्वधस्तनं व्याप्यं तद् गुणा व्यापकाश्रयाः ।
व्याप्येष्ववस्थिता देवि स्थूलसूक्ष्मविभेदतः ॥ ३५॥

II 2.36
तस्माद्व्योमगुणः शब्दो वाय्वादीन् व्याप्य संस्थितः ।
व्योमबीजैस्तु विद्यास्थैर्लक्षयेच्छब्दपञ्चकम् ॥ ३६॥

II 2.37
तेषां कारणरूपेण स्थित ध्वनिमयं परम् ।
भवेद् गुणवतां बीजं गुणानामपि वाचकम् ॥ ३७॥

II 2.38
कार्यकारणभावेन तयोरैक्य विवक्षया ।
महामायात्रयेणापि कारणेन च बिन्दुना ॥ ३८॥

II 2.39
वाय्वाग्निजलभूमीनां स्पर्शानां च चतुष्टयम् ।
उत्पन्नं भावयेद् देवि स्थूलसूक्ष्मविभेदतः ॥ ३९॥

II 2.40
रूपाणां त्रितयं तद्वत् त्रिभी रेफैर्विभावितम् ।
प्रधानं तेजसो रूपं तद् बीजेन हि जन्यते ॥ ४०॥

II 2.41
विद्यास्थैश्चन्द्रबीजैस्तु स्थूलसूक्ष्मो रसः स्मृतः ।
सम्बन्धो विदितो लोके रसस्याप्यमृतस्य च ॥ ४१॥

II 2.42
वसुधाया गुणो गन्धस्तल्लिपिर्गन्धवाचिका ।
भुवनत्रयसम्बन्धात् त्रिधात्वं तु महेश्वरि ॥ ४२॥

II 2.43
अशुद्धशुद्धमिश्राणां प्रमातॄणां परं वपुः ।
क्रोधीशत्रितये नाथ विद्यास्थेन प्रकाश्यते ॥ ४३॥

II 2.44
श्रीकण्ठदशकं तद्वदव्यक्तस्यापि वाचकः ।
प्राणरूपस्थितो देवि तद्वदेकादशः परः ॥ ४४॥

II 2.45
एकः सन्नेव पुरुषो बहुधा जायते हि सः ।
रुद्रेश्वरसदेशाख्या देवता मितविग्रहाः ॥ ४५॥

[Dieselben ausgewiesenen Berichtigungen wie bei IAST II 2.45.]

II 2.46
बिन्दुत्रयेण कथिता अमितामितविग्रहाः ।
शान्तिः शक्तिश्च शम्भुश्च नादत्रितयबोधनाः ॥ ४६॥

II 2.47
वागुरामूलवलये सूत्राद्याः कवलीकृताः ।
तथा मन्त्राः समस्ताश्च विद्यायामत्र संस्थिताः ॥ ४७॥

II 2.48
गुरुक्रमेण सम्प्राप्तः सम्प्रदायार्थ ईरितः ।
निगर्भार्थो महादेवि शिवगुर्वात्मगोचरः ॥ ४८॥

II 2.49
तत्प्रकारं च देवेशि दिङ्मात्रेण वदामि ते ।
शिवगुर्वात्मनामैक्यानुसन्धानात्तदात्मकम् ॥ ४९॥

[Dieselben ausgewiesenen Berichtigungen wie bei IAST II 2.49.]

II 2.50
निष्कलत्वं शिवे बुध्वा तद्रूपत्वं गुरोरपि ।
तन्निरीक्षणसामर्थ्यादात्मनश्च शिवात्मताम् ॥ ५०॥

II 2.51
भावयेद् भक्तिनम्रः सन् शङ्कोन्मेषाकलङ्कितः ।
कौलिकं कथयिष्यामि चक्रदेवतयोरपि ॥ ५१॥

[Dieselben ausgewiesenen Berichtigungen wie bei IAST II 2.51.]

II 2.52
विद्यागुर्वात्मनामैक्यं तत्प्रकारः प्रदर्श्यते ।
लकारैश्चतुरस्राणि वृत्तत्रितयसंयुतम् ॥ ५२॥

II 2.53
सरोरुहद्वयं शक्तैरग्नीषोमात्मकं प्रिये ।
हृल्लेखात्रयसंभूतैरक्षरैर्नवसङ्ख्यकैः ॥ ५३॥

II 2.54
बिन्दुत्रययुतैर्जातं नवयोन्यात्मकं प्रिये ।
मण्डलत्रययुक्तं तु चक्रं शक्त्यनलात्मकम् ॥ ५४॥

II 2.55
व्योमबीजत्रयेणैव प्रमातृत्रित्यान्वितम् ।
इच्छाज्ञानक्रियारूपमादनत्रयसंयुतम् ॥ ५५॥

II 2.56
सदाशिवासनं देवि महाबिन्दुमयं परम् ।
इत्थं मन्त्रात्मकं चक्रं देवतायाः परं वपुः ॥ ५६॥

II 2.57
एकादशाधिकशतदेवतात्मतया पुनः ।
गणेशत्वं महादेव्याः ससोमरविपावकैः ॥ ५७॥

II 2.58
इच्छाज्ञानक्रियाभिश्च गुणत्रययुतैह् पुनः ।
ग्रहरूपा च सा देवी ज्ञानकर्मेन्द्रियैरपि ॥ ५८॥

II 2.59
तदर्थैरेव देवेशि करणैरान्तरैः पुनः ।
प्रकृत्या च गुणेनापि पुंस्त्वबन्धेन चात्मना ॥ ५९॥

II 2.60
नक्षत्रविग्रहा जाता योगिनीत्वमथोच्यते ।
त्वगादिधातुनाथाभिर्डाकिन्यादिभिरप्यसौ ॥ ६०॥

II 2.61
वर्गाष्टकनिविष्टाभिर्योगिनीभिश्च संयुता ।
योगिनीरूपमास्थाय राजते विश्वविग्रहा ॥ ६१॥

II 2.62
प्राणापानौ समानश्चोदानव्यानौ तथा पुनः ।
नागः कूर्मोऽथ कृकरो देवदत्तो धनञ्जयः ॥ ६२॥

II 2.63
जीवात्मा परमात्मा चैत्येतै राशिस्वरूपिणी ।
अकथादित्रिपङ्क्त्यात्मा तार्तीयादिक्रमेण सा ॥ ६३॥

II 2.64
गणेशोऽभून्महाविद्या परावागादिवाङ्मयी ।
बीजबिन्दुध्वनीनां च त्रिकूटेषु ग्रहात्मिका ॥ ६४॥

II 2.65
हृल्लेखात्रयसंभूतैस्तिथिसंख्यैस्तथाक्षरैः ।
अन्यैर्द्वादशभिर्वर्णैरेषा नक्षत्ररूपिणी ॥ ६५॥

II 2.66
विद्यान्तर्भूततदाद्यैः शाक्तैः षड्भिस्तथाक्षरैः ।
योगिनीत्वं च विद्याया राशित्वं चान्त्यवर्जितैः ॥ ६६॥

[Dieselben ausgewiesenen Berichtigungen wie bei IAST II 2.66.]

II 2.67
एवं विश्वप्रकारा च चक्र रूपा महेश्वरी ।
देव्या देहे यथा प्रोक्तो गुरुदेहे तथैव हि ॥ ६७॥

II 2.68
तत्प्रसादाच्च शिष्योऽपि तद्रूपः सम्प्रजायते ।
इत्येवं कौलिकार्थस्तु कथितो वीरवन्दिते ॥ ६८॥

II 2.69
तथा सर्वरह्स्यार्थं कथयामि तवानघे ।
मूलाधारे तडिद्रूपे वाग्भवाकारतां गते ॥ ६९॥

II 2.70
अष्टात्रिंशत्कलायुक्तपञ्चाशद्वर्णविग्रहा ।
विद्या कुण्डलिनीरूपा मण्डलत्रयभेदिनी ॥ ७०॥

II 2.71
तडित्कोटिनिभप्रख्या बिसतन्तुनिभाकृतिः ।
व्योमेन्दुमण्डलासक्ता सुधास्रोतःस्वरूपिणी ॥ ७१॥

II 2.72
सदा व्याप्तजगत् कृत्स्ना सदानन्दस्वरूपिणी ।
एषा स्वात्मेति बुद्धिस्तु रहस्यार्थो महेश्वरि ॥ ७२॥

II 2.73
महातत्त्वार्थं इति यत्तच देवि वदामि ते ।
निष्कले परमे सूक्ष्मे निर्लक्ष्ये भाववर्जिते ॥ ७३॥

II 2.74
व्योमातीते परे तत्त्वे प्रकाशानन्दविग्रहे ।
विश्वोत्तीर्णे विश्वमये तत्त्वे स्वात्मनियोजनम् ॥ ७४॥

II 2.75
तदा प्रकाशमानत्वं तेजसां तमसामपि ।
अविनाभावरूपत्वं तस्माद्विश्वस्य सर्वतः ॥ ७५॥

II 2.76
प्रकाशते महातत्त्वं दिव्यक्रीडारसोज्ज्वले ।
निरस्तसर्वसंकल्पविकल्पस्थितिपूर्वकः ॥ ७६॥

II 2.77
रहस्यार्थो मया गुप्तः सद्यः प्रत्ययकारकः ।
महाज्ञानार्णवे दृष्टः शङ्का तत्र न पार्वति ॥ ७७॥

II 2.78
विद्यापीठनिबद्धेषु संस्थितो दिव्यसिद्धिदः ।
कौलाचारपरैर्देवि पादुकाभावनापरैः ॥ ७८॥

II 2.79
योगिनीमेलनोद्युक्तैः प्राप्तविद्याभिषेचनैः ।
शङ्काकलङ्कविगतैः सदा मुदितमानसैः ॥ ७९॥

II 2.80
पारम्पर्येण विज्ञातरहस्यार्थविशारदैः ।
लभ्यते नान्यथ देवि त्वां शपेकुलसुन्दरि ॥ ८०॥

II 2.81
पारम्पर्यविहीना ये ज्ञानमात्रेण गर्विताः ।
तेषां समयलोपेन विकुर्वन्ति मरीचयः ॥ ८१॥

II 2.82
यस्तु दिव्यरसास्वादमोदमानविमर्शनः ।
देवतातिथिनक्षत्रे वारेऽपि च विवस्वतः ॥ ८२॥

[Dieselben ausgewiesenen Berichtigungen wie bei IAST II 2.82.]

II 2.83
मरीचीन् प्रीणयत्येव मदिरानन्दघूर्णितः ।
सर्वदा च विशेषण लभते पूर्णबोधताम् ॥ ८३॥

II 2.84
एवंभावस्तु देवेशि देशिकेन्द्रप्रसादतः ।
महाज्ञानमयो देवि सद्यः सम्प्राप्यते नरैः ॥ ८४॥

II 2.85
एवमेतत्प्रदं ज्ञानं विद्यार्णागमगोचरम् ।
देवि गुह्यप्रियेणैव व्याख्यातं दुर्गि षड् विधम् ।
सद्यो यस्य प्रबोधेन वीरचक्रेश्वरो भवेत् ॥ ८५॥

Kapitelkolophon
इति द्वितीयः पटलः समाप्तः ।

Teil II, Devanagari Kapitel 3

अथ तृतीयः पटलः [Überschrift redaktionell berichtigt.]

II 3.1
पूजासङ्केतमधुना कथयामि तवानघे ।
यस्य प्रबोधमात्रेण जीवन्मुक्तः प्रमोदते ॥ १॥

II 3.2
तव नित्योदिता पूजा त्रिभिर्भेदैर्व्यवस्थिता ।
परा चाप्यपरा गौरि तृतीया च परापरा ॥ २॥

II 3.3
प्रथमाद्वैतभावस्था सर्वप्रसरगोचरा ।
द्वितीया चक्रपूजा च सदा निष्पाद्यते मया ॥ ३॥

II 3.4
एवं ज्ञानमये देवि तृतीया तु परापरा ।
उत्तमा सा परा ज्ञेया विधानं शृणु साम्प्रतम् ॥ ४॥

II 3.5
महापद्मवनान्तस्थे वाग्भवे गुरुपादुकाम् ।
आप्यायितजगद्रूपां परमामृतवर्षिणीम् ॥ ५॥

II 3.6
सञ्चिन्त्य परमाद्वैतभावनामृतघूर्णितः ।
दहरान्तरसंसर्पन्नादालोकनतत्परः ॥ ६॥

II 3.7
विकल्परूपसंजल्पविमुखोऽन्तर्मुखः सदा ।
चित्कलोल्लासदलितसंकोचस्त्वतिसुन्दरः ।
इन्द्रियप्रीणनद्रव्यैर्विहितस्वात्मपूजनः ॥ ७॥

[Dieselben ausgewiesenen Berichtigungen wie bei IAST II 3.7.]

II 3.8
न्यासं निर्वर्तयेदेहे षोढान्यासपुरःसरम् ।
गणेशैः प्रथमो न्यासो द्वितीयस्तु ग्रहैर्मतः ॥ ८॥

II 3.9
नक्षत्रैश्च तृतीयः स्याद्योगिनीभिश्चतुर्थकः ।
राशिभिः पञ्चमो न्यासः षष्ठः पीठैर्निगद्यते ॥ ९॥

II 3.10
षोढान्यासस्त्वयं प्रोक्तः सर्वत्रैवापराजितः ।
एवं यो न्यस्तगात्रस्तु स पूज्यः सर्वयोगिभिः ॥ १०॥

II 3.11
नास्त्यस्य पूज्यो लोकेषु पितृमातृमुखो जनः ।
स एव पूज्यः सर्वेषां स स्वयं परमेश्वरः ॥ ११॥

II 3.12
षोढान्यासविहीनं यं प्रणमेदेष पार्वति ।
सोऽचिरान्मृत्युमाप्नोति नरकं च प्रपद्यते ॥ १२॥

II 3.13
षोढान्यासप्रकारं च कथयामि तवानघे ।
विघ्नेशो विघ्नराजश्च विनायकशिवोत्तमौ ॥ १३॥

II 3.14
विघ्नकृद्विघ्नहर्ता च गणराट् गणनायकः ।
एकदन्तो द्विदन्तश्च गजवक्त्रो निरञ्जनः ॥ १४॥

II 3.15
कपर्दवान् दीर्घमुखः शङ्कुकर्णो वृषध्वजः ।
गणनाथो गजेन्द्रश्च शूर्पकर्णस्त्रिलोचनः ॥ १५॥

II 3.16
लम्बोदरो महानादश्चतुर्मूर्तिः सदाशिवः ।
आमोदो दुर्मुखश्चैव सुमुखश्च प्रमोदकः ॥ १६॥

II 3.17
एकपादो द्विजिह्वश्च शूरो वीरश्च षण्मुखः ।
वरदो वामदेवश्च वक्रतुण्डो द्विरण्डकः ॥ १७॥

II 3.18
सेनानीर्ग्रामणीर्मत्तो विमत्तो मत्तवाहनः ।
जटी मुण्डी तथा खड्गी वरेण्यो वृषकेतनः ॥ १८॥

II 3.19
भक्ष्यप्रियो गणेशश्च मेघनादो गणेश्वरः ।
तरुणारुणसङ्काशान् गजवक्त्रान् त्रिलोचनान् ॥ १९॥

II 3.20
पाशाङ्कुशवराभीतिहस्तान् शक्तिसमन्वितान् ।
एतांस्तु विन्यसेदेहे मातृकान्यासवत्प्रिये ॥ २०॥

II 3.21
स्वरैस्तु सहितं सूर्यं हृदयाधः प्रविन्यसेत् ।
बिन्दुस्थाने सुधासूतिं यादिवर्णचतुष्टयैः ॥ २१॥

II 3.22
भूपुत्रं लोचनद्वन्द्व कवर्गाधिपतिं प्रिये ।
हृदये विन्यसेच्छुक्रं चवर्गाधिपतिं पुनः ॥ २२॥

II 3.23
हृदयोपरि विन्यसेट्टवर्गाधिपतिं बुधम् ।
बृहस्पतिं कण्ठदेशे तवर्गाधिपतिं प्रिये ॥ २३॥

II 3.24
नाभौ शनैश्चरं देवि पवर्गेशं सुरेश्वरि ।
वक्त्रेशादिचतुर्वर्णैः सहितं राहुमेव च ॥ २४॥

II 3.25
क्षकारसहितं केतुं पायौ देवेशि विन्यसेत् ।
[ रक्तं श्वेतं तथा रक्तं श्यामं पीतं च पाण्डुरम् ।
कृष्णं धूम्रं धूम्रधूम्रं भावयेद्रविपुर्वकान्॥
कामरूपधरान् देवि दिव्याम्बरविभूषणान् ।
वामोरुन्यस्तहस्तांश्च दक्षहस्तवरप्रदान् ॥]
ललाटे दक्षनेत्रे च वामे कर्णद्वये पुनः ॥ २५॥

II 3.26
पुटयोनिर्नासिकायाश्च कण्ठे स्कन्धद्वये पुनः ।
पश्चात्कूर्परयुग्मे च मणिबन्धद्वये पुनः ॥ २६॥

II 3.27
स्तनयोर्नाभिदेशे च कटिबन्धे ततः परम् ।
ऊरुयुग्मे तथा जान्वोर्जङ्घयोश्च पदद्वये ॥ २७॥

II 3.28
[ आद्ययुग्मन्तथा चैकं तस्त्रीणि चतुष्टयम् ।
एकमेकं द्वयञ्चेति स्वराः प्रोक्ताश्चतुर्दश ॥ २८॥

II 3.29
व्यञ्जनेष्वेकमुभयं द्वयं न्यस्येदतः परम् ।
एकं युग्मं द्वयन्द्वन्द्वमेकं युग्मं द्वयन्ततः ॥ २९॥

II 3.30
एकं त्रयं तथा चैकं एकमेकं द्वयन्तथा ।
एकं द्वयं त्रयं पश्चाल्लक्षं अं मश्चतुष्टयम् ॥ ३०॥

II 3.31
अश्विन्यादेः पुरो भगे दत्वा चक्रमतो न्यसेत् ]
ज्वलत्कालानलप्रख्या वरदाभयपाणयः ॥ ३१॥

II 3.32
नतिपाण्योऽश्विनीपूर्वाः सर्वाभरणभूषिताः ।
एतास्तु विन्यसेद्देवि स्थानेष्वेषु सुरार्चिते ॥ ३२॥

II 3.33
विशुद्धौ हृदये नाभौ स्वाधिष्टाने च मूलके ।
आज्ञायां धातुनाथाश्च न्यस्तव्या डादिदेवताः ॥ ३३॥

II 3.34
अमृतादियुताः सम्यङ्न्यस्तव्याश्च सुरेश्वरि ।
पादे लिङ्गे च कुक्षौ च हृदये बाहुमूलयोः ॥ ३४॥

II 3.35
दक्षिणं पादमारभ्य वामपादावसानकम् ।
मेषादिराशयो वर्णैर्न्यस्तव्याः सह पार्वति ॥ ३५॥

II 3.36
[ चतुष्कं त्रितयं त्रीणि द्वितयं द्वितयं द्वयम् ।
पञ्चकं पञ्चकं पञ्च पञ्चक्तं पञ्चकं ततः॥
चत्वारि मेरुर्मिने स्युः कन्यायां पञ्च शादयः । ]
पीठानि विन्यसेद्देवि मातृकास्थानके पुनः ।
तेषां नामानि वक्ष्यन्ते शृणुष्वावहिता प्रिये ॥ ३६॥

II 3.37
कामरूपं वाराणसी नेपालं पौण्ड्रवर्धनम् ।
चरस्थिरं कान्यकुब्जं पूर्णशैलं तथार्बुदम् ॥ ३७॥

II 3.38
आम्रातकेश्वरैकाम्रं त्रिस्रोतः कामकोटकम् ।
कैलासं भृगुनगरं केदारपूर्णचन्द्रके ॥ ३८॥

II 3.39
श्रीपीठमोङ्कारपीठं जालन्धरं मालवोत्कले ।
कुलान्तं देविकोटं च गोकर्णं मारुतेश्वरम् ॥ ३९॥

II 3.40
अट्टहासं च विरजं राजगेहं महापथम् ।
कोलापुर मेलापुरं ओङ्कारन्तु जयन्तिका ॥ ४०॥

II 3.41
उज्जयिन्यापि चित्रा च क्षीरकं हस्तिनापुरम् ।
ओड्डीशं च प्रयागाख्यं षष्ठं मायापुरं तथा ॥ ४१॥

II 3.42
जलेशं मलयं शैलं मेरुं गिरिवरं तथा ।
महेन्द्रं वामनं चैव हिरण्यपुरमेव चा ॥ ४२॥

II 3.43
महालक्ष्मीपुरोड्याणं छायाछत्रमतः परम् ।
एते पीठाः समुद्दिष्टा मातृकारूपकाः स्थिताः ॥ ४३॥

II 3.44
एवं षोढा पुरः कृत्वा श्रीचक्रन्यासमाचरेत् ।
श्रीमत्त्रिपुरसुन्दर्याश्चक्रन्यासं शृणु प्रिये ॥ ४४॥

II 3.45
यन्न कस्यचिदाख्यातं तनुशुद्धिकरं परम् ।
चतुरस्त्राद्यरेखायै नम इत्यादितो न्यसेत् ॥ ४५॥

II 3.46
दक्षांसपृष्ठपाण्यग्रस्फिक्कपादाङ्गुलीष्वथ ।
वामाङ्घ्र्यङ्गुलिषुस्फिक्के पाण्यग्रे चांसपृष्ठके ॥ ४६॥

II 3.47
सचूलीमूलपृष्ठेषु व्यापकत्वेन सुन्दरि ।
अत्रैव स्थानदशके अणिमाद्यास्तु विन्यसेत् ॥ ४७॥

II 3.48
सिद्धिस्तदन्तश्च तनुव्यापकत्वेन सुन्दरि ।
[ चतुरस्रमध्यरेखायै नम इत्यपि वल्लभे. ]
तस्याः स्थानेषु विन्यस्य ब्रह्माण्याद्यास्तदाष्टसु ॥ ४८॥

II 3.49
पादाङ्गुष्ठद्वये पार्श्वे दक्षे मूर्धन्यपार्श्वके ।
वामदक्षिणजान्वोश्च बहिरंसद्वये तथा ॥ ४९॥

II 3.50
न्यस्तव्याश्चतुरस्रान्त्यरेखायै नम इत्यपि ।
विन्यसेद् व्यापकत्वेन पूर्वोक्तान्तश्च विग्रहे ॥ ५०॥

II 3.51
तस्याः स्थानेषु दशसु मुद्राणां दशकं न्यसेत् ।
ब्रह्माण्याद्यष्टस्थानान्तस्तासामष्टौ न्यसेत्ततः ॥ ५१॥

II 3.52
शिष्टे द्वे द्वादशान्ते च पादाङ्गुष्ठे च विन्यसेत् ।
तदान्तः षोडशदलपद्माय नम इत्यपि ॥ ५२॥

II 3.53
विन्यस्य तद्दले कामाकर्षिण्याद्याश्च विन्यसेत् ।
दलानि दक्षिणश्रोत्रपृष्ठमंसं च कूर्परम् ॥ ५३॥

II 3.54
करपृष्ठं चोरुजानुगुल्फपादतलं तथा ।
वामपादतलाद्येवमेतदेवाष्टकं मतम् ॥ ५४॥

II 3.55
तदन्तरे चाष्टदलपद्माय नम इत्यपि ।
विन्यस्य तद्दलेष्वेषु दक्षशङ्खे च जत्रुके ॥ ५५॥

II 3.56
ऊर्वन्तर्गुल्फगुल्फोरुजत्रुशङ्खे च वमतः ।
अनङ्गकुसुमाद्याश्च शक्तीरष्टौ च विन्यसेत् ॥ ५६

II 3.57
तदन्तश्चतुर्दशारचक्राय नम इत्यपि ।
विन्यस्य तस्य कोणेषु न्यसेच्छक्तीश्चतुर्दश ॥ ५७॥

II 3.58
सर्वसङ्क्षोभिण्याद्यास्तु तस्य कोणानि वच्म्यहम् ।
ललाटं दक्षभागं च दक्षगण्डांसमध्यतः ॥ ५८॥

II 3.59
पार्श्वान्तरूरुजङ्घान्तर्वामजङ्घादि पार्वति ।
वामोर्वन्तं वामपार्श्वं वामांसं वामगण्डकम् ॥ ५९॥

II 3.60
ललाटवाममध्ये च तथा वै पृष्ठमित्यपि ।
ततो दशारचक्राय नम इत्यपि पार्वति ॥ ६०॥

II 3.61
तस्य कोणानि दक्षाक्षिनासामूलाऽऽस्यनेत्रके ।
कुक्षीशवायुकोणेषु जानुद्वयगुदेषु च ॥ ६१॥

II 3.62
कुक्षिनै ॠर्तिवह्न्याख्यकोणेष्वेषु न्यसेत् पुनः ।
सर्वसिद्धिप्रदादीनां शक्तीनां दशकं तथा ॥ ६२॥

II 3.63
तदन्तस्च दशारादिचक्राय नम इत्यपि ।
विन्यस्य तस्य कोणेषु सर्वज्ञाद्याः प्रविन्यसेत् ॥ ६३॥

II 3.64
दक्षनासा सृक्किणी चा स्तनं वृषणमेव च ।
सीविनी वाममुष्कं च स्तनं सृक्किणि नासिके ॥ ६४॥

II 3.65
नासाग्रं चैव विज्ञेयं कोणानां दशकं तथा ।
तदन्तरष्टकोणादिचक्राय नम इत्यपि ॥ ६५॥

II 3.66
विन्यस्य तस्य कोणेषु वशिन्याद्यष्टकं न्यसेत् ।
चिबुकं कण्ठहृदयनाभीनां चैव दक्षिणम् ॥ ६६॥

II 3.67
ज्ञेयं पार्श्वचतुष्कं च मणिपूरादि वामकम् ।
चतुष्टयं च पार्श्वानामेतत् कोणाष्टकं मतम् ॥ ६७॥

II 3.68
हृदयस्थत्रिकोणस्य चतुर्दिक्षु बहिर्न्यसेत् ।
शरचापौ पाशसृणी त्रिकोणाय नमस्तथा ॥ ६८॥

II 3.69
विन्यस्य तस्य कोणेषु अग्रदक्षोत्तरेषु च ।
कामेश्वर्यादिदेवीनां मध्ये देवीं च विन्यसेत् ॥ ६९॥

II 3.70
एवं मयोदितो देवि ! न्यासो गुह्यतमक्रमः ।
एतद् गुह्यतमं कार्यं त्वया वै वीरवन्दिते ॥ ७०॥

II 3.71
समयस्थाय दातव्यं नऽशिष्याय कदाचन ।
गुप्ताद् गुप्ततरं चैतत्तवाऽद्य प्रकटीकृतम् ॥ ७१॥

II 3.72
मूलदेव्यादिकं न्यासमणिमान्तं पुनर्न्यसेत् ।
[ त्रिकोणस्थे महाबिन्दौ महात्रिपुरसुन्दरीम् ] ।
शिरस्त्रिकोणपूर्वादि कामेश्वर्यादिकं न्यसेत् ॥ ७२॥

II 3.73
बाणान्नेत्रे भ्रुवोश्चापौ कर्णे पाशद्वयं न्यसेत् ।
सृणिद्वयं च नासाग्रे दक्षिणाग्रं तु विन्यसेत् ॥ ७३॥

II 3.74
मुण्डमूलक्रमेणैव न्यसेद्वाग्देवताष्टकम् ।
बैन्दवादीनि चक्राणि न्यस्तव्यानि वरानने ॥ ७४॥

II 3.75
नेत्रमूले त्वपाङ्गे च कर्णपूर्वोत्तरे पुनः ।
चूडादिकण्ठनिम्नेऽर्धं शेषार्धं कर्णपृष्टके ॥ ७५॥

II 3.76
कर्णे पूर्वे त्वपाङ्गे च तस्य मूले च विन्यसेत् ।
हृदये मनुकोणस्थ शक्तयोऽपि च पूर्ववत् ॥ ७६॥

II 3.77
सर्वसिद्ध्यादिकं कण्ठे प्रादक्षिण्येन विन्यसेत् ।
नाभावष्टदलं तत्तु वंशे वामे च पार्श्वके ॥ ७७॥

II 3.78
उदरे सव्यपार्श्वे च न्यसेदादिचतुष्टयम् ।
वंशवामान्तरालादि न्यसेदन्य चतुष्टयम् ॥ ७८॥

II 3.79
स्वाधिष्ठाने न्यसेत् स्वस्य पूर्वाद्दक्षावसानकम् ।
चतस्रस्तु चतस्रस्तु चतुर्दिक्षु क्रमान्न्यसेत् ॥ ७९॥

II 3.80
मूलाधारे न्यसेन्मुद्रादशकं साधकोत्तमः ।
पुनर्वंशे च सव्ये च वामे चैवान्तरालके ॥ ८०॥

II 3.81
ऊर्ध्वाधो दशमुद्राश्च ऊर्ध्वाधोवर्जितं पुनः ।
ब्रह्माण्याद्याष्टकं दक्षजङ्घायां तास्तु पूर्ववत् ॥ ८१॥

II 3.82
वामजङ्घां समारभ्य वामादिक्रमतोऽपि च ।
सिद्ध्यष्टकं न्यसेत्तेषु द्वयं पादतले न्यसेत् ॥ ८२॥

II 3.83
कारणात्प्रसृतं न्यासं दीपाद्दीपमिवोदितम् ।
एवं विन्यस्य देवेशीं स्वाभेदेन विचिन्तयेत् ॥ ८३॥

II 3.84
ततश्च करशुद्ध्यादिन्यासं कुर्यात् समाहितः ।
अहं ते कथयाम्यद्य विद्यान्यासं शृनु प्रिये ॥ ८४॥

II 3.85
मूर्ध्नि गुह्ये च हृदये नेत्रेषु त्रितयेषु च ।
श्रोत्रयोर्युगले चैव मुखे च भुजयोस्तथा ॥ ८५॥

II 3.86
पृष्ठे जान्वोश्च नाभौ च विद्यान्यासं विधाय च ।
करशुद्धिं पुनश्चैव आसनादिषडङ्गकम् ॥ ८६॥

II 3.87
श्रीकण्ठादीनि वाग्देवीराधारे हृदये पुनः ।
शिखायां बैन्दवस्थाने त्वग्निचक्रादिका न्यसेत् ॥ ८७॥

II 3.88
तत्त्वत्रयं समस्तं च विद्याबीजत्रयान्वितम् ।
पादादिनाभिपर्यन्तमागलं शिरस्तथा ॥ ८८॥

II 3.89
व्यापकं चैव विन्यस्य स्वात्मीकृत्य परं पुनः ।
सन्तर्पयेत् पुनर्देवीं सौम्याग्नेयामृतद्रवैः ॥ ८९॥

II 3.90
एवं चतुर्विधो न्यासः कर्तव्यो वीरवन्दिते ।
षोढान्यासोऽणिमाद्यश्च मूलदेव्यादिकः प्रिये ॥ ९०॥

II 3.91
करशुद्ध्यादिकस्चैव साधकेन सुसिद्धये ।
प्रातः काले तथा पूजासमये होमकर्मणि ॥ ९१॥

II 3.92
जपकाले तथा तेषां विनियोगः पृथक् पृथक् ।
पूजाकाले समस्तं वा कृत्वा साधकपुङ्गवः ॥ ९२॥

II 3.93
षट्त्रिंशतत्त्वपर्यन्तमासनं परिकल्प्य च ।
गुप्तादियोगिनीनां च मन्त्रेणाऽथ बलिं ददेत् ॥ ९३॥

II 3.94
पिण्डरूपपदग्रन्थिभेदनाद् विघ्नभेदकम् ।
गुह्यहृन्मुखमूर्धसु विद्यान्यासेन सुन्दरि ॥ ९४॥

II 3.95
यागमन्दिरगांश्चैव विघ्नानुत्सार्य मन्त्रवित् ।
[ अपसर्पन्तु ते भूता ये भूता भूमिसंस्थिताः॥
ये भूता विघ्नकर्तारस्ते नश्यन्तु शिवाज्ञया ]
पार्ष्णिघातेन भौमांश्च तालेन च नभोगतान् ॥ ९५॥

II 3.96
अस्त्रमन्त्रेण दृष्ट्या च दिव्यान् विघ्नानपोहयेत् ।
दिक्ष्वधोर्ध्वं महावह्निप्राकारं परिभावयेत् ॥ ९६॥

[Dieselben ausgewiesenen Berichtigungen wie bei IAST II 3.96.]

II 3.97
सामान्यार्घ्येण देवेशि! मार्तण्डं परिपूजयेत् ।
प्रकाशशक्तिसहितमरुणाकल्पमुज्ज्वलम् ॥ ९७॥

II 3.98
ग्रहादिपरिवारञ्च विश्वतेजोऽवभासनम् ।
सौम्याग्नेययुतैर्देवि रोचनागुरुकुङ्कुमैः ॥ ९८॥

II 3.99
मूलमुच्चारयन् सम्यग्भावयेच्चक्रराजकम् ।
योगिनी मूलमन्त्रेण क्षिपेत् पुष्पाञ्जलिं ततः ॥ ९९॥

II 3.100
मणिमुक्ताप्रवालैर्वा विलोमं मूलविद्यया ।
अशून्यं सर्वदा कुर्याच्छून्ये विघ्नास्त्वनेकशः ॥ १००॥

II 3.101
श्रीचक्रस्यात्मनश्चैव मध्ये त्वर्घ्यं प्रतिक्षिपेत् ।
चतुरस्रान्तरालस्थकोणषट्के सुरेश्वरि ॥ १०१॥

II 3.102
षडासनानि सम्पूज्य त्रिकोणस्यान्तरे पुनः ।
पीठानि चतुरो देवि कापूजा ओ इति क्रमात् ॥ १०२॥

II 3.103
अर्चयित्वाऽर्घ्यपादे तु वह्नेर्दश कला यजेत् ।
अर्घ्यपात्रं प्रतिष्ठाप्य तत्र सूर्यकला यजेत् ॥ १०३॥

II 3.104
पात्रे सूर्यकलाश्चैव कभादिद्वादशार्चयेत् ।
विधृते तु पुनर्द्रव्ये षोडशेन्दुकला यजेत् ॥ १०४॥

II 3.105
अमृतेशीं च तन्मध्ये भावयेच्च नवात्मना ।
नवात्मना ततो देवि तर्पयेद्धातुदेवताः ॥ १०५॥

II 3.106
आनन्दभैरवं वौषडन्तेनैव च तर्पयेत् ।
तदाज्ञाप्रेरितं तच्च गुरुपङ्क्तौ निवेदयेत् ॥ १०६॥

II 3.107
तथैवार्घ्यं विशेषेण साधयेत् साधकोत्तमः ।
गुरुपादालिमापूज्य भैरवाय ददेत् पुनः ॥ १०७॥

II 3.108
तदीयं शेषमादाय कामाग्नौ विश्वतस्त्विषि ।
पादुकां मूलविद्यां च जपन् होमं समाचरेत् ॥ १०८॥

[Dieselben ausgewiesenen Berichtigungen wie bei IAST II 3.108.]

II 3.109
महाप्रकाशे विश्वस्य संहारवमनोद्यते ।
मरीचिवृत्तीर्जुहुयान्मनसा कुण्डलीमुखे ॥ १०९॥

II 3.110
अहन्तेदन्तयोरैक्यमुन्मन्यां स्रुचि कल्पितम् ।
मथनोद्रेकसम्भूतं वस्तुरूपं महाहविः ॥ ११०॥

II 3.111
हुत्वा हुत्वा स्वयं चैवं महजानन्दविग्रहः ।
स्वप्रधाप्रसराकारं श्रीचक्रं पूजयेत् सुधीः ॥ १११॥

II 3.112
गणेशं दूतरीं चैव क्षेत्रेशं दूतिकां तथा ।
बाह्यद्वारे यजेद् देवि देवीश्च स्वस्तिकादिकाः ॥ ११२॥

II 3.113
ततस्चान्तस्त्रिकोणऽपि गुरुपङ्क्तिं त्रिधा स्थिताम् ।
तदन्तश्च महादेवीं तामावाह्य यजेत् पुनः ॥ ११३॥

II 3.114
महापद्मवनान्तस्थां कारणानन्दविग्रहाम् ।
मदङ्कोपाश्रितां देवीमिच्छाकामफलप्रदाम् ॥ ११४॥

II 3.115
भवतीं त्वन्मयैरेव नैवेद्यादिभिरर्चयेत् ।
त्रिकोणे तत्स्फुरत्तायाः प्रतिबिम्बाकृतीः पुनः ॥ ११५॥

II 3.116
तत्तत्तिथिमयीर्नित्याः काम्यकर्मानुसारिणीः ।
तत्र प्रकटयोगिन्यश्चक्रे त्रैलोक्यमोहने ॥ ११६॥

II 3.117
मातृकास्थूलरूपत्वात्त्वगादिव्यापकत्वतः ।
योगिन्यः प्रकटा ज्ञेयाः स्थूलविश्वप्रधात्मनि ॥ ११७॥

II 3.118
अणिमाद्या महादेवि सिद्धयोऽष्टौ व्यवस्थिताः ।
तास्तु रक्ततरा वर्णैर्वराभयकरास्तथा ॥ ११८॥

[Dieselben ausgewiesenen Berichtigungen wie bei IAST II 3.118.]

II 3.119
धृतचिन्तामहारत्ना मनीषितफलप्रदाः ।
ब्राह्म्याद्या अपि तत्रैव यष्टव्याः क्रमतः प्रिये ॥ ११९॥

II 3.120
ब्रह्माणी पीतवर्णा च चतुर्भिः शोभिता मुखैः ।
वरदाऽभयहस्ता च कुण्डिका क्षलसत्करा ॥ १२०॥

II 3.121
माहेश्वरी श्वेतवर्णा त्रिनेत्रा शूलधारिणी ।
कपालमेणं परशुं दधाना पाणिभिः प्रिये ॥ १२१॥

II 3.122
[ ऐन्द्री तु श्यामवर्णा च वज्रोत्पललसत्करा ]
कौमारी पीतवर्णा च शक्तितोमरधारिणी ॥ १२२॥

II 3.123
वरदाभयहस्ता च ध्यातव्या परमेश्वरी ।
वैष्णवी श्यामवर्णा च शङ्खचक्रवराभयान् ॥ १२३॥

II 3.124
हस्तपद्मैस्तु विभ्राणा भूषिता दिव्यभूषणैः ।
वाराही श्यामलच्छाया पोत्रि वक्त्रसमुज्ज्वला ॥ १२४॥

II 3.125
हलं च मुसलं खड्गं खेटकं दधती भुजैः ।
[ ऐन्द्री श्यामलवर्णा च वज्रद्वयलसत्करा ] ॥ १२५॥

II 3.126
चामुण्डा कृष्णवर्णा च शूलं डमरुकं तथा ।
खड्गं वेतालकं चैव दधाना दक्षिणैः करैः ॥ १२६॥

II 3.127
नागखेटकघण्टा ख्यान् दधानान्यैः कपालकम् ।
महालक्ष्मीस्तु पीताभा पद्मदर्पणमेव च ॥ १२७॥

II 3.128
मातुलुङ्गफलं चैव दधान परमेश्वरी ।
एवं ध्यात्वा यजेदेताश्चक्रेशीं त्रिपुरां ततः ॥ १२८॥

II 3.129
कर्मेन्द्रियाणां वैमल्यात् करशुद्धिकरी स्मृता ।
कायशुद्धिभवा सिद्धिरणिमा चात्र संस्थिता ॥ १२९॥

II 3.130
षोडशस्पन्दसन्दोहे चमत्कृतिमयोः कलाः ।
प्राणादिषोडशानां तु वयुना प्राणनात्मिकाः ॥ १३०॥

II 3.131
बीज भूताः स्वरात्मत्वात् कलनाद् बीजरूपकाः ।
अन्तरङ्गतया गुप्ता योगिन्यः संव्यवस्थिताः ॥ १३१॥

II 3.132
कामाकर्षणरूपाद्याः सृष्टेः प्राधान्यतः प्रिये ।
सर्वाशापूरणाख्ये तु चक्रे वामेन पूजयेत् ॥ १३२॥

II 3.133
पाशाङ्कुशधरा ह्येता रक्ता रक्ताम्बरा वृताः ।
प्राणशुद्धिमयी सिद्धिर्लघिमा भोक्तुरात्मनः ॥ १३३॥

II 3.134
त्रिपुरेशी च चक्रेशी पूज्या सर्वोपचारकैः ।
[ कौलिकानुभवाविष्टभोगपुर्यष्टकाश्रिताः ॥ १३४॥

II 3.135
वाग्भवाष्टकसम्बन्धसूक्ष्मा वर्गस्वरूपतः ।
तास्तु गुप्ततराः सर्वाः सर्वसंक्षोभणात्मके ॥ १३५॥

II 3.136
अनङ्गकुसुमाद्यास्तु रक्तकञ्चुकशोभिताः ]
[ वेणीकृत लसत्केशाश्चापबाणधराः शुभाः ] ॥ १३६॥

II 3.137
तत्तदाकारबुद्ध्यात्मभोग्यभोक्तुर्महीशितुः ।
पिण्डादिपदविश्रान्तिसौन्दर्यगुणसंयुता ॥ १३७॥

[Dieselben ausgewiesenen Berichtigungen wie bei IAST II 3.137.]

II 3.138
चक्रेश्वरी बुद्धिशुद्धिरूपा च परमेश्वरी ।
महिमासिद्धिरूपा तु पूज्या सर्वोपचारकैः ॥ १३८॥

II 3.139
द्वादशग्रन्थिभेदेन समुल्लसितसंविदः ।
विसर्गान्तदशवेशाच्छाक्तानुभवपूर्वकम् ॥ १३९॥

II 3.140
उन्मेषषक्तिप्रसरईरिच्छाशक्तिप्रधानकैः ।
तदेवाऽकुलसङ्घट्टरूपैर्वर्णचतुष्टयैः ॥ १४०॥

II 3.141
वेद्योष्मरूपसावर्णैर्मिश्रेच्छाभावितैरपि ।
कुलशक्तिसमावेशरूपवर्णद्वयान्वितैः ॥ १४१॥

II 3.142
शक्तेः सारमयत्वेन प्रसृतत्वान्महेश्वरि ।
सम्प्रदायक्रमायाताश्चक्रे सौभाग्यदायके ॥ १४२॥

II 3.143
निरन्तरप्रथारूपसौभाग्यबलयोगतः ।
अन्वर्थसंज्ञके देवि अणिमासदृशाः शुभाः ॥ १४३॥

[Dieselben ausgewiesenen Berichtigungen wie bei IAST II 3.143.]

II 3.144
सर्वसङ्क्षोभिणीपूर्वा देहाक्षादिविशुद्धिदाः ।
ईशित्वसिद्धिरपि च प्रोक्तरूपे पुरत्रये ॥ १४४॥

[Dieselben ausgewiesenen Berichtigungen wie bei IAST II 3.144.]

II 3.145
योगादिक्लेशभेदेन सिद्धा त्रिपुरवासिनी ।
एताः सम्पूजयेद् देवि सर्वाः सर्वोपचारकैः ॥ १४५॥

II 3.146
सदातनाना नादानां नवरन्ध्रस्थितात्मनाम् ।
महासामान्यरूपेण व्यावृत्तध्वनिरूपिणी ॥ १४६॥

II 3.147
अस्थिरस्थिरवेद्यानां छायारूपैर्दशार्णकैः ।
कुलकौलिकयोगिन्यः सर्वसिद्धिप्रदायिकाः ॥ १४७॥

II 3.148
श्वेताम्बरधराः श्वेताः श्वेताभरणभूषिताः ।
मन्त्राणां स्वप्रधारूपयोगादन्वर्थसंज्ञ्के ॥ १४८॥

II 3.149
सर्वसिद्धिप्रदाद्यास्तु चक्रे सर्वार्थसाधके ।
लोकत्रयसमृद्धीनां हेतुत्वाच्चक्रनायिका ॥ १४९॥

II 3.150
त्रिपुरा श्रीर्महेशानि मन्त्रशुद्धिभवा पुनः ।
वशित्वसिद्धिराख्याता एताः सर्वाः समर्चयेत् ॥ १५०॥

II 3.151
ऊर्ध्वाधोमुखया देवि कुण्डलिन्या प्रकाशिताः ।
कुलेच्छया बहिर्भावात् कादिवर्णप्रथामयी ॥ १५१॥

II 3.152
निगर्भयोगिनीवाच्याः स्वरूपावेशरूपके ।
सर्वावेशकर चक्रे सर्वरक्षाकरे पराः ॥ १५२॥

II 3.153
सर्वज्ञाद्याः स्थिता एताः सह पुस्ताक्षमालिकाः ।
मातृमानप्रमेयाणां पुराणां परिपोषिणी ॥ १५३॥

II 3.154
त्रिपुरामालिनी ख्याता चक्रेशी त्रिपुरमोहिनी ।
निरूद्धवायुसङ्घट्टस्फटितग्रन्थिमूलतः ॥ १५४॥

II 3.155
हृदयान्तरसंवित्तिशून्यपर्यष्टकात्मना ।
बीजरूपस्वरकलास्पृष्टवर्गानुसारतः ॥ १५५॥

II 3.156
रहस्ययोगिनीर्देवीः संसारदलनोज्ज्वले ।
सर्वरोगहरे चक्रे संस्थिता वीरवन्दिते ॥ १५६॥

II 3.157
वशिन्याद्या रक्तवर्णा वरदाभयमुद्रिताः ।
पुस्तकं जपमालां च दधानाः सिद्धयोगिनीः ॥ १५७॥

II 3.158
शुद्धिविद्याविशुद्धिं च भुक्तिसिद्धिं महेश्वरि ।
ईश्वरीं त्रिपुरां सिद्धां पूजयेद् बिन्दुतर्पणैः ॥ १५८॥

II 3.159
शक्तित्रयात्मिका देवि चिद्धामप्रसराः पुनः ।
संवर्ताग्निकलारूपाः परमातिरहस्यकाः ॥ १५९॥

II 3.160
पूर्णापुर्णस्वरूपायाः सिद्धेर्हेतुः सुरेश्वरि ।
सर्वसिद्धिमयाख्ये तु चक्रे त्वायुधभूषिताः ॥ १६०॥

II 3.161
स्थिताः कामेश्वरीपूर्वाश्चतस्त्रः पीठदेवताः ।
आयुधास्त्वतिरक्ताभाः स्वायुधोज्ज्वलमस्तकाः ॥ १६१॥

II 3.162
वरदाभयहस्ताश्च पूज्या व्रतफलप्रदाः ।
त्वदीयाश्च मदीयाश्च पुंस्त्रीवश्यविधायिनः ॥ १६२॥

II 3.163
त्वगसृङ्मांसमेदोस्थिशुक्लानां च महेश्वरि ।
द्वितीयस्वरसंयुक्ता एते बाणास्त्वदीयकाः ॥ १६३॥

II 3.164
वामादीनां पुराणां तु जननी त्रिपुराम्बिका ।
परस्वातन्त्र्यरूपत्वादिच्छासिद्धिर्महेश्वरि ॥ १६४॥

II 3.165
एताः सर्वोपचारेण पूजयेत्तु वरानने ।
सर्वानन्दमये देवि परब्रह्मात्मके परे ॥ १६५॥

II 3.166
चक्रे संवित्तिरूपा च महात्रिपुरसुन्दरी ।
स्वैराचारेण सम्पूज्या त्वहन्तेदन्तयोः सम ॥ १६६॥

II 3.167
महाकामकलारूपा पीठविद्यादिसिद्धिदा ।
महामुद्रामयी देवि पूज्या पञ्चदशात्मिका ॥ १६७॥

II 3.168
तत्तत्तिथिमयी नित्या नवमी भैरवी परा ।
प्रतिचक्रं समुद्रास्तु चक्रसङ्केतचोदिताः ॥ १६८॥

II 3.169
नित्यक्लिन्नादिकाश्चैव काम्यकर्मानुसारतः ।
चतुरस्रान्तराले वा त्रिकोणे वा यजेत् सुधीः ॥ १६९॥

II 3.170
अलिना पिशितैर्गन्धैर्धूपैराराध्य देवताः ।
चक्रपूजां विधायेत्थं कुलदीपं निवेदयेत् ॥ १७०॥

II 3.171
अन्तर्बहिर्भासमानं स्वप्रकाशोज्ज्वलं प्रिये ।
पुष्पाञ्जलिं ततः कृत्वा जपं कुर्यात् समाहितः ॥ १७१॥

II 3.172
कूटत्रये महादेवि कुण्डलीत्रितयेऽपि च ।
चक्राणां पूर्वपूर्वेषां नादरूपेण योजिताम् ॥ १७२॥

II 3.173
तेषु प्राणाग्निमायार्णकलाबिन्द्वर्धचन्द्रिकाः ।
रोधिनीनादनादान्ताः शक्तिव्यापिकलान्विताः ॥ १७३॥

II 3.174
समना चोन्मना चेति द्वादशन्ते स्थिताः प्रिये ।
मूलकुण्डलिनीरूपे मध्यमे च ततः पुनः ॥ १७४॥

II 3.175
सृष्ट्युन्मुखे च विश्वस्य स्थितिरूपे महेश्वरि ।
केवलं नादरूपेण उत्तरोत्तरयोजितम् ॥ १७५॥

II 3.176
शबलाकारके देवि तृतीये द्वादशी कला ।
शून्यषट्कं तथा देवि ह्यवस्थापञ्चकं पुनः ॥ १७६॥

II 3.177
विषुवं सप्तरूपं च भावयन् मनसा जपेत् ।
अग्न्यादिद्वादशान्तेषु त्रींस्त्रीन् त्यक्त्वा वरानने ॥ १७७॥

II 3.178
शून्यत्रयं विजानीयादेकैकान्तरतः प्रिये ।
[ शून्यत्रयात् परे स्थाने महाशून्यं विभावयेत् ]
प्रबोध करणस्याऽथ जागरत्वेन भावनम् ॥ १७८॥

II 3.179
वह्नौ देवि महाजाग्रदवस्था त्विन्द्रियद्वयैः ।
आन्तरैः करणैरेव स्वप्नमायावबोधकः ॥ १७९॥

II 3.180
गलदेशे सुषुप्तिस्तु लीनपूर्वस्य वेदनम् ।
अन्तःकरणवृओत्तीनां लयतो विषयस्य तु ॥ १८०॥

II 3.181
पूर्वार्णानां विलोमेन भ्रूमध्ये बिन्दुसंस्थिता ।
तुर्यरूपं तथा चात्र वृत्तार्धादेस्तु सङ्ग्रहः ॥ १८१॥

II 3.182
चैतन्यव्यक्तिहेतोस्तु नादरूपस्य वेदनम् ।
तुर्यातीतं सुखस्थानं नादान्तादिस्थितं प्रिये ॥ १८२॥

II 3.183
अत्रैव जपकाले तु पञ्चावस्थाः स्मरेद् बुधः ।
योगः प्राणात्ममनसां विषुवं प्राणसंज्ञितम् ॥ १८३॥

II 3.184
आधारित्थितनादे तु लीनं बुद्ध्यात्मरूपकम् ।
संयोगेन वियोगेन मन्त्रार्णानां महेश्वरि ॥ १८४॥

II 3.185
अनहताद्याधारान्तं नादात्मत्वविचिन्तनम् ।
नादसंस्पर्शनात्तस्य नाडीविषुवमुच्यते ॥ १८५॥

II 3.186
द्वादशग्रन्थिभेदेन वर्णानामन्तरे प्रिये ।
नादयोगः प्रशान्तं तु प्रशान्तेन्द्रियगोचरम् ॥ १८६॥

II 3.187
वह्निं मायां कलां चैव चेतनामर्धचन्द्रकम् ।
रोधिनीनादनादान्तान् शक्तौ लीनान् विभावयेत् ॥ १८७॥

II 3.188
विषुवं शक्तिसंज्ञं तु तदूर्ध्वं नादचिन्तनम् ।
तदूर्ध्वं कालविषुवमुन्मनान्तं महेश्वरि ॥ १८८॥

II 3.189
मुनिचन्द्राऽष्टदशभिस्त्रुटिभिर्नादवेदनम् ।
चैतन्यव्यक्तिहेतुश्च विषुवं तत्त्वसंज्ञितम् ॥ १८९॥

II 3.190
परं स्थानं महादेवि निसर्गानन्दसुन्दरम् ।
एवं चिन्तयमानस्य जपकालेषु पार्वति ॥ १९०॥

II 3.191
सिद्धयः सकलास्तूर्णं सिद्ध्यन्ति त्वत्प्रसादतः ।
एवं कृत्वा जपं देव्या वामहस्ते निवेदयेत् ॥ १९१॥

II 3.192
अनामाङ्गुष्ठयोगेन तर्पयेच्चक्रदेवताः ।
मद्यं मांसं तथा मत्स्यं देव्यास्तु विनिवेदयेत् ॥ १९२॥

II 3.193
कौलाचारसमायुक्तैर्वीरैस्तु सह पूजयेत् ।
पुष्यभेन तु वारे च सौरे च परमेश्वरि ॥ १९३॥

II 3.194
गुरोर्दिने स्वनक्षत्रे चतुर्दश्यष्टमीषु च ।
चक्रपूजां विशेषेण योगिनीनां समाचरेत् ॥ १९४॥

II 3.195
चतुःषष्टियुताः कोट्यो योगिनीनां महौजसाम् ।
चक्रमेतत् समाश्रित्य संस्थिता वीरवन्दिते ॥ १९५॥

II 3.196
अष्टाष्टकं तु कर्तव्यं वित्तशाठ्यविवर्जितम् ।
त्वमेव तासां रूपेण क्रीडसे विश्वमोहिनी ॥ १९६॥

II 3.197
अज्ञात्वा तु कुलाचारमयष्ट्वा गुरुपादुकाम् ।
योऽस्मिन् शास्त्रे प्रवर्तेत तं त्वं पीडयसि ध्रुवम् ॥ १९७॥

II 3.198
एवं ज्ञात्वा वरारोहे कौलाचारपरः सदा ।
आवयोः शबलाकारं मद्यं तत्र निवेद्य च ॥ १९८॥

II 3.199
त्वत्प्रथाप्रसराकारास्त्वामेव परिभावयेत् ।
त्वामिच्छाविग्रहां देवीं गुरुरूपां विभावयेत् ॥ १९९॥

[Dieselben ausgewiesenen Berichtigungen wie bei IAST II 3.199.]

II 3.200
त्वन्मयस्य गुरोः शेषं निवेद्यात्मनि योजयेत् ।
योगिनीनां महादेवि बटुकायात्मरूपिणे ॥ २००॥

II 3.201
क्षेत्राणां पतये मह्यं बलिं कुर्वीत हेतुना ।
नित्यं पिबन् वमन् खादन् स्वेच्छाचारपरः स्वयम् ॥ २०१॥

[Dieselben ausgewiesenen Berichtigungen wie bei IAST II 3.201.]

II 3.202
अहन्तेदन्तयोरैक्यं भावयन् विहरेत् सुखम् ।
एतत्ते कथितं सर्वं सङ्केतत्रयमुत्तमम् ॥ २०२॥

II 3.203
गोपनीयं प्रयत्नेन स्वगुह्यमिव सुव्रते ।
चुम्बके ज्ञानलुब्धे च न प्रकाश्यं त्वयानघे ॥ २०३॥

II 3.204
अन्यायेन न दातव्यं नास्तिकानां महेश्वरि ।
एवं त्वयाऽहमाज्ञप्तो मदिच्छारूपया प्रभो ॥ २०४॥

II 3.205
अज्ञानेन तु यो दद्यात् स परेतो भविष्यति ।
सङ्केतं यो विजानाति योगिनीनां भवेत्प्रियः ॥ २०५॥

II 3.206
सर्वेप्सितफलावाप्तिः सर्वकामफलाश्रयः ।
यतोऽपि दृश्यते देवि कथं विद्वान्न चिन्तयेत् ॥ २०६॥

Kapitelkolophon
इति तृतीयः पटलः समाप्तः ।

Schlussangabe der elektronischen Vorlage
॥ इति योगिनीहृदयं स्तोत्रम् ॥

Rahmensprüche Jayarathas: Devanagari

Eingang des Kommentars 1
स्वस्वामिभावपरिजृम्भणसारचक्र-
चक्रेश्वरीमयतया नवधा स्वरूपम् |
आभासयन्त्यघनुदे त्रिपुरास्तु सर्व-
सर्वात्मकत्वकलनेन निजाक्षराणाम् || १ ||

Eingang des Kommentars 2
जयन्ति परमाद्वैतविज्ञानामृतनिर्भराः |
पूर्वे श्रीदीपिकाचार्यप्रमुखा गुरवो मम || २ ||

Eingang des Kommentars 3
परकृतकुकल्पनामयतिमिरान्ध्यापोहनाय मनाक् |
श्रीवामकेश्वरीमतमुद्द्योतयितुं ममोद्यमोऽद्यायम् || ३ ||

Schluss des Kommentars 1
उच्चित्योच्चित्य नियतं कुतश्चन कुतश्चन |
यथागुरुमुखं कैश्चिदेतद्व्याकृतमल्पकम् || १ ||

Schluss des Kommentars 2
सर्वतःकष्टदुःश्लिष्टम्लिष्टशब्दार्थवर्त्मना |
केन तावन्निमित्तेन कैरप्येतद्विवेचितम् || २ ||

Schluss des Kommentars 3
पितृपितामहकल्पितकल्पना-
रसमहोदधिमात्रकदाशया |
विवृतमप्यपरैर्न यथार्थतां
श्रुतबहिष्कृतबुद्धितया गतम् || ३ ||

Übergang
अतः

Schluss des Kommentars 4
श्रीमद्गुरुवरादेवमवधार्य यथार्थतः |
मया जयरथेनैवं किंचिदेतत्प्रपञ्चितम् ||
तत्क्षणस्यावघातव्यमत्र सद्भिरवज्ञया |
अविचार्यैव वक्तव्यो न दोषो न गुणः पुनः || ४ ||

Gesamtkolophon des Kommentars
इति राजानकश्रीमज्जयरथविरचितं श्रीवामकेश्वरीमतविवरणं संपूर्णम् ||

Bedeutung für Yoga-Aspiranten heute

Das Vamakeshvara Tantra verbindet eine genaue äußere Ritualordnung mit der Vorstellung, dass die verehrte Wirklichkeit auch im eigenen Bewusstsein gegenwärtig ist. Diese Verbindung verdient langsames Lesen. Wer nur die versprochenen Wirkungen zählt, kann die innere Frage übersehen: Wie verändert sich meine Aufmerksamkeit, wenn ich einen Laut, ein Bild oder meinen Körper mit Sammlung betrachte?

Shakti und lebendiges Bewusstsein

Die Aussage von I 4.6 ist knapp und deutlich: Ohne Shakti kann der Höchste nichts tun; mit Shakti ist er handlungsfähig. Jayaratha erläutert den Zusammenhang mit einer Bewusstseinslehre, in der Leuchten und Selbstgewahrsein zusammengehören. Das ist seine philosophische Auslegung des Grundtextes. Für das eigene Studium kann daraus die Frage entstehen, wie Bewusstsein, Wahrnehmung und Handeln miteinander verbunden sind. Diese Frage verlangt kein außergewöhnliches Erlebnis; sie lässt sich mitten im Alltag wachhalten.

In seinem Kommentar zu I 1.6 deutet Jayaratha die drei Ecken der Keimsilbe e als Kraft des Wollens, Kraft des Erkennens und Kraft des Handelns. Für heutige Yogaübende kann diese Auslegung eine einfache Frage eröffnen: Was will ich, was verstehe ich davon und wie handle ich tatsächlich? Diese Betrachtung verbindet Sammlung mit einem bewussten Alltag, ohne aus der alten Lautlehre ein modernes Erfolgsversprechen zu machen.

Der eigene Leib als Gegenstand der Betrachtung

Nach der Kamakala-Betrachtung weist I 1.167 den Übenden an, das höchste Prinzip als den eigenen Leib zu betrachten. Das bedeutet im Kontext eine bestimmte tantrische Vergegenwärtigung, keine empirische Aussage über Anatomie. Dennoch kann die Stelle helfen, den Körper nicht bloß als Werkzeug zu behandeln. Ein ruhiger, achtsamer Umgang mit ihm lässt sich mit Dankbarkeit und Selbsterforschung verbinden. Das ist eine heutige Anregung, keine zusätzliche Übersetzung des Verses.

Vom äußeren Chakra zur inneren Sammlung

In I 5.4–I 5.6 werden mehrere Zugänge genannt: die Verehrung des ganzen Chakra, seiner Mitte und die Betrachtung des Chakra im Herzen. Das Vamakeshvara Tantra kennt somit bereits innerhalb dieser Fassung eine Verbindung äußerer und innerer Praxis. Ähnlich lassen I 1.106 und I 4.23 Raum für vorgestellte statt tatsächlich vorhandene Farbe beziehungsweise Gaben. Die innere Beteiligung ist also keine erst nachträglich hinzugedachte moderne Spiritualisierung.

Mantra und bewusste Wiederholung

I 5.7 nennt hörbare, leise und geistige Wiederholung. Die stark gesteigerten Wirkungszahlen in I 5.18 gehören zur religiösen Wertung des Textes. Für heutige Japa-Praxis muss daraus kein Leistungsmaßstab entstehen. Du kannst die Stelle als Anlass nehmen, die Qualität deiner Aufmerksamkeit wahrzunehmen: Bin ich beim Klang gegenwärtig? Kehre ich freundlich zurück, wenn der Geist abschweift?

Die drei großen Kräfte des Erkennens, Handelns und Wollens in I 4.11 und I 4.17–I 4.18 lassen sich ebenfalls zum Nachdenken nutzen. Ihre technischen Zuordnungen sollten dabei erhalten bleiben. Ein moderner Satz über Mitgefühl oder Gleichmut ist nicht schon deshalb ein Zitat aus diesem Tantra, weil er gut in eine Yogastunde passt.

Meditation und innere Sammlung: ein heutiger Zugang zum Schriftenstudium.

Das Göttliche im eigenen Bewusstsein

Teil II des Vamakeshvara Tantra gibt der inneren Betrachtung viel Raum. II 1.50 beschreibt Bewusstsein als Gestalt des Selbst, II 2.72 verbindet die Betrachtung der Kundalini mit der Einsicht „Diese ist mein eigenes Selbst“. Dabei handelt es sich um Aussagen des Grundtextes. Für heutige Yogaübende kann daraus die Anregung entstehen, nach vertrautem Japa einige Atemzüge still zu werden und das eigene Erleben aufmerksam wahrzunehmen. Ein bestimmter Zustand muss dabei nicht erzwungen werden.

II 3.83 verwendet das Bild einer Lampe, an der eine weitere Lampe entzündet wird. Im Text erläutert es das Hervortreten des Nyasa aus seiner Ursache; anschließend soll der Übende die Göttin als von sich selbst unverschieden betrachten. Als heutiges Bild kann es daran erinnern, dass Lernen und eigene Erfahrung einander nähren. II 3.109–3.111 beschreiben zudem ein inneres Opfer: Die gewöhnliche Trennung zwischen dem Ich und dem erfahrenen Dies wird selbst zum Gegenstand der Meditation.

Auch II 3.12 und II 3.197 gehören zum vollständigen Bild: Sie formulieren scharfe Drohungen bei Missachtung ritueller Autorität. Die Übersetzung bewahrt sie; sie begründen keine heutige Aufforderung, anderen Angst zu machen. Ahimsa, Satya und ein respektvoller Umgang bleiben Maßstäbe einer heutigen yogischen Antwort, ohne deshalb als wörtliche Leitsätze dieser Verse ausgegeben zu werden.

Einfache Anregungen für das Schriftenstudium

Die folgenden Anregungen sind heutige, allgemeine Übungen. Sie vermitteln nicht die vollständige historische Ritualpraxis und ersetzen keine traditionsspezifische Diksha, Einweihung, oder persönliche Unterweisung.

  • Einen Vers nachklingen lassen: Lies I 4.6 langsam. Nimm dir anschließend einen stillen Augenblick für die Frage nach dem Verhältnis von Bewusstsein und Kraft. Du brauchst keine abschließende Antwort.
  • Ein vertrautes Mantra bewusst wiederholen: Rezitiere ein dir bereits vertrautes Mantra einige Minuten mit ruhiger Aufmerksamkeit. Lass anschließend den Klang in Stille ausklingen. Die Inspiration dazu ist I 5.7, nicht eine Übernahme seiner historischen Erfolgsversprechen.
  • Ein Yantra betrachten: Betrachte ein Shri Yantra ohne den Anspruch, schon alle Einzelheiten zu entschlüsseln. Nimm Mitte, Linien und umgebende Räume wahr. Unterscheide diese einfache Betrachtung von der geometrischen und rituellen Konstruktion in I 1.29–I 1.41.
  • Innere Gegenwart pflegen: Die Herzbetrachtung von I 5.6 kann dich daran erinnern, vor deiner gewohnten Meditation kurz innezuhalten. Erzwinge weder ein Bild noch ein besonderes Gefühl.
  • Die eigene Motivation prüfen: Gerade die Machtansprüche des zweiten Kapitels geben Anlass zu einer heutigen ethischen Frage: Will ich andere beherrschen oder ihnen mit Achtung begegnen? Ahimsa und Satya sind hierfür allgemeine yogische Maßstäbe; sie werden hier nicht fälschlich als ausdrückliche Leitsätze dieses Kapitels ausgegeben.

Das Vamakeshvara Tantra kann das Schriftenstudium vertiefen, wenn Hingabe und Unterscheidungsvermögen zusammenwirken. Du darfst dich von seinen Bildern berühren lassen und zugleich genau hinsehen, was ein Vers sagt, was sein Kommentar erklärt und was deine eigene heutige Antwort darauf ist.

Begleitvideo: Anahata-Chakra-Meditation mit Sukadev

Allgemeine heutige Praxisergänzung; keine Rekonstruktion eines Rituals aus dem Vamakeshvara Tantra.

Siehe auch

Literatur

  • Madhusudan Kaul Shastri (Hrsg.): The Vāmakeśvarīmatam with the Commentary of Rājānaka Jayaratha. Kashmir Series of Texts and Studies, Band 66. Research Department, Jammu and Kashmir State, Srinagar 1945. Digitalisat.
  • Vrajavallabha Dwivedi (Bearb.): Yoginīhṛdayam. Sanskrittext mit Amritanandas Kommentar Dīpikā und Hindi-Erläuterungen. Digitalisat.
  • André Padoux, mit Roger-Orphé Jeanty: The Heart of the Yogini: The Yoginihrdaya, a Sanskrit Tantric Treatise. Oxford University Press, 2013.
  • Michael Magee: Yoginīhṛdayam. Elektronische Sanskrittranskription, Sanskrit Documents. Online-Ausgabe.
  • Muktabodha Indological Research Institute: Vāmakeśvarīmata with the Commentary of Jayaratha. Elektronische Sanskritausgabe, M00097, Revision vom 16. Oktober 2007. Transkription unter Aufsicht von Mark S. G. Dyczkowski.
  1. 1,0 1,1 Madhusudan Kaul Shastri (Hrsg.): The Vāmakeśvarīmatam with the Commentary of Rājānaka Jayaratha. Kashmir Series of Texts and Studies 66. Research Department, Jammu and Kashmir State, Srinagar 1945; Druck: Mercantile Press, Srinagar. Digitalisat. Titelblatt, Vorwort und Einleitung wurden am Bild geprüft. Die Einleitung, PDF-S. 8–9, erläutert die Gesamtordnung von fünf und drei Abschnitten und zugleich das Fehlen der letzten drei in Jayarathas hier edierter Kommentierung.
  2. Cambridge University Library: MS Or.722.7 und MS Or.156.1, Katalogangaben zum Nityāṣoḍaśikārṇava. Alternativtitel anhand der indexierten Katalogangaben geprüft; kein eigener Handschriftenabgleich.
  3. Nitya Shodashikarnava, Revision 1318164, und Yogini Hridaya, Revision 1318163; am 10. September 2026 über die Wiki-Schnittstelle abgerufen. Die Seiten enthalten neun beziehungsweise dreißig ausgewählte Verse. Auch die tatsächlich bereitgestellten früheren Dateien wurden eingesehen. Unter Vamakeshvara Tantra und den geprüften nahen Varianten war bei der Titelprüfung noch kein Artikel vorhanden.
  4. 4,0 4,1 Yoginīhṛdayam, Sanskrit Documents, ITRANS-Datei und Devanagari-Darstellung. Transkription Michael Magee, Korrekturlesung Mike Magee; Aktualisierungsangabe 7. Oktober 2021. Abruf am 10. September 2026. Diese Quelle ist die unmittelbare Grundlage von Teil II; eine genaue zugrunde liegende Druckausgabe nennt ihr Kopf nicht. Die elektronischen Darstellungen sind keine unabhängigen Textzeugen.
  5. André Padoux, mit Roger-Orphé Jeanty: The Heart of the Yogini: The Yoginihrdaya, a Sanskrit Tantric Treatise. Oxford University Press 2013. Bibliografische Angaben und Verlagsbeschreibung. Nur zur Orientierung; die moderne Übersetzung wurde nicht als Grundlage der hier neu erstellten deutschen Übersetzung kopiert.
  6. Muktabodha Indological Research Institute: Vāmakeśvarīmata with the commentary of Jayaratha, M00097, Revision 0, 16. Oktober 2007. Vom Benutzer bereitgestellte IAST- und Devanagari-Dateien. Institut; E-Text-Lizenz CC BY-NC 4.0.
  7. Vrajavallabha Dwivedi: Yoginīhṛdayam, Sanskritgrundtext mit Amritanandas Dīpikā und Hindi-Bearbeitung. Digitalisat, 485 PDF-Seiten. Vorwort und ausgewählte Haupttext- und Kommentarstellen am Bild eingesehen. Die Ausgabe hat besonders in Kapitel 3 eine von der elektronischen Vorlage abweichende Versabgrenzung; entsprechende Nachweise nennen daher auch ihre eigene Nummer.

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