Tirukkalitruppadiyar
Tirukkalitruppadiyar (Tamil: திருக்களிற்றுப்படியார்; wissenschaftliche Umschrift: Tirukkaḷiṟṟuppaṭiyār) ist eine tamilische Lehrdichtung des Shaiva Siddhanta. Ihre hundert Verse sprechen von einer Freiheit, in der Erkenntnis und Liebe zusammenfinden: Das Herz wird still, der Anspruch des Ichs tritt zurück, und das Leben öffnet sich der Gnade Shivas. Das Werk lädt dazu ein, die göttliche Gegenwart im Guru, in der Meditation, im heiligen Wort und im aufrichtigen Dienst zu entdecken.

Die Überlieferung nennt Tirukkadavur Uyyavanta Deva Nayanar als Verfasser. Tirukkalitruppadiyar gehört zu den vierzehn tamilischen Lehrwerken, die als Meykanda Shastras zusammengefasst werden. Gemeinsam mit Tiruvundiyar, Sivajnana Bodham, Sivaprakasam, Tiruvarutpayan und Unmai Neri Vilakkam erschließt es die geistige Welt dieser Tradition. Dabei bewahrt es eine eigene Stimme: Es führt von der Frage nach der Wirklichkeit zur lebendigen Erfahrung von Hingabe und Gnade. Dabei wird die Unterweisung immer wieder selbst zum Gebet.[1]
Die folgenden Abschnitte enthalten den vollständigen Haupttext mit 100 Lehrversen und zusätzlich die beiden angehängten Schlussgedichte der verwendeten Ausgabe. Auf jeden tamilischen Vers folgen seine römische Transliteration, eine eigene deutsche Übersetzung in Fettdruck und eine kurze eigene Erläuterung in Kursivschrift.
Tirukkalitruppadiyar: Werk, Autor und Überlieferung
Name und Namensvarianten
Neben Tirukkalitruppadiyar begegnen die Schreibweisen Tirukkalirruppadiyar, Thirukkalitruppadiyar, Thirukalitruppadiyar und Tiruk Kalitruppadiyar. Die Umschrift Tirukkaḷiṟṟuppaṭiyār zeigt die tamilischen Laute genauer. Tiru ist ein ehrender Bestandteil; kaḷiṟu bezeichnet einen Elefantenbullen, paṭi unter anderem eine Stufe. Der Titel wird traditionell mit den Elefantenstufen im Heiligtum von Tillai, dem heutigen Chidambaram, verbunden.
Nach der überlieferten Legende wurde das Werk vor Nataraja niedergelegt. Ein steinerner Elefant an der Treppe soll lebendig geworden sein und die Schrift zu den Füßen des Herrn emporgehoben haben. Diese Heiligenlegende bringt die tiefe Verehrung der Schrift zum Ausdruck: Ihre Weisheit wird als eine Gabe verstanden, die Shiva selbst annimmt.[2]
Zwei Lehrer mit ähnlichem Namen
Der Verfasser des Tirukkalitruppadiyar ist nach der Tradition Uyyavanta Deva Nayanar aus Tirukkadavur. Von ihm zu unterscheiden ist der ältere Uyyavanta Deva Nayanar aus Tiruviyalur, dem das Tiruvundiyar zugeschrieben wird. Tirukkalitruppadiyar entfaltet dessen Unterweisungen in hundert vierzeiligen Veṇpā-Strophen. Die Ortsbezeichnungen helfen, die beiden Lehrer auseinanderzuhalten. Der Name Tiruvundiyar ist außerdem von Ramana Maharshis viel späterem Upadesa Undiyar zu unterscheiden.
Das Werk wird gewöhnlich dem 12. Jahrhundert zugeordnet; eine Darstellung der Tamil Virtual Academy nennt dessen zweite Hälfte. Eine andere Darstellung derselben Einrichtung setzt es früher an. Deshalb wird hier kein einzelnes Entstehungsjahr als gesicherte Tatsache angegeben.[1][2]
Eine Lehrdichtung im Strom der Shiva-Bhakti
Tirukkalitruppadiyar verbindet die Sprache der Agamas mit Yoga, philosophischer Unterscheidung und den Heiligenerzählungen der Nayanmar. Es greift Gedanken des Tirukkural auf und steht in lebendiger Beziehung zu Tevaram, Tiruvachakam und Tirumantiram. Wer diese Texte nebeneinander liest, begegnet verschiedenen Stimmen: ethischer Klarheit, glühender Bhakti, yogischer Sammlung und systematischer Lehre. Ihre Unterschiede machen die tamilische Überlieferung reich.[1]
Zur Textgrundlage und Übersetzung
Der tamilische Grundtext folgt dem ersten Teil von Project Madurai, E-Text Nr. 0120. Die dort angehängten Strophen 101 und 102 werden nach dem Haupttext ausdrücklich als Schlussgedichte wiedergegeben. Die Fassung bei Shaivam.org und die Ausgabe der Chennai Library wurden zum Vergleich herangezogen. Die römische Fassung bei GRETIL beruht ebenfalls auf Project Madurai und ist deshalb kein unabhängiger Textzeuge.[3][4]
Charakter der deutschen Fassung
Die Übersetzung ist eine eigene, unmittelbar am Tamilischen erarbeitete Arbeitsübersetzung. Sie ist keine Übernahme einer vorhandenen deutschen oder englischen Fassung. Wo der sehr knappe Satzbau Ergänzungen verlangt, wurden sie möglichst sparsam vorgenommen. Unklare Stellen werden in der jeweiligen Erläuterung benannt, besonders bei den Versen 7, 36, 41, 57, 62, 65 und 97. Eine abschließende philologische Klärung wird damit nicht behauptet. Tamilische Kommentare wurden punktuell zum Verständnis von Wortspielen und Erzählungsbezügen herangezogen.[5]
Die Transliteration gibt die Buchstaben des wiedergegebenen Tamiltextes wieder. Lange Vokale sind mit einem Strich markiert; ḷ, ḻ, ṟ, ṉ, ṇ und ṅ unterscheiden tamilische Laute. Die Umschrift ist eine Lesehilfe, keine vollständige Ausspracheanleitung. Sanskritische Namen erscheinen in der deutschen Übersetzung in gebräuchlichen Formen.
Die Heiligengeschichten der Verse 18–20 enthalten drastische Motive von Gewalt und Selbstverletzung. Sie werden als Bestandteile der historischen religiösen Dichtung vollständig wiedergegeben und in ihrem erzählerischen Zusammenhang erklärt. Daraus entstehen keine Handlungsanweisungen. Auch die Wunderberichte sind als Aussagen der Überlieferung zu lesen.
Tirukkalitruppadiyar: Tamil, Transliteration und deutsche Übersetzung
Direkt zu den Versgruppen
1–15: Guru und Gnade · 16–21: Hingabe · 22–43: Yoga und Erkenntnis · 44–57: Liebe und innere Verehrung · 58–69: Selbstloses Wirken · 70–82: Heilige, Shiva und Shakti · 83–95: Einheit und Unterschied · 96–100: Dankbarkeit · Schlussgedichte
Für eine erste Annäherung eignen sich besonders Vers 1 über Mutter und Vater, Vers 44 über die innere Verehrung, Vers 55 über die Liebe, Vers 90 mit dem Meerbild und Vers 98 über den bleibenden Dienst. Sie erschließen Grundmotive des Werkes; die vollständige Versfolge führt tiefer in ihren Zusammenhang.
Verse 1–15: Guru, Gnade und das Erkennen der Wirklichkeit
Vers 1
அம்மையப்ப ரேயுலகுக் கம்மையப்ப ரென்றறிக
அம்மையப்ப ரப்பரிசே வந்தளிப்ப -ரம்மையப்பர்
எல்லா வுலகுக்கு மப்புறத்தா ரிப்புறத்தும்
அல்லார்போ னிற்பா ரவர்.
ammaiyappa rēyulakuk kammaiyappa reṉṟaṟika
ammaiyappa rapparicē vantaḷippa -rammaiyappar
ellā vulakukku mappuṟattā rippuṟattum
allārpō ṉiṟpā ravar.
Erkenne: Der Herr, der Mutter und Vater ist, ist Mutter und Vater der Welt. Als Mutter und Vater kommt er und schenkt seine Gnade. Er steht jenseits aller Welten und ist doch auch hier – als wäre er nicht gegenwärtig.
Shiva und Shakti werden gemeinsam als Ursprung und bergende Gegenwart angerufen. Das Bild von Mutter und Vater verbindet Erhabenheit mit Nähe: Das Göttliche übersteigt die Welt und trägt sie zugleich.
Vers 2
தம்மிற் றலைப்பட்டார் பாலே தலைப்பட்டுத்
தம்மிற் றலைப்படுத றாமுணரின் - தம்மில்
நிலைப்படுவ ரோரிருவர் நீக்கிநிலை யாக்கித்
தலைப்படுவர் தாமத் தலை.
tammiṟ ṟalaippaṭṭār pālē talaippaṭṭut
tammiṟ ṟalaippaṭuta ṟāmuṇariṉ - tammil
nilaippaṭuva rōriruvar nīkkinilai yākkit
talaippaṭuvar tāmat talai.
Wer sich denen zuwendet, die in sich zur höchsten Erfüllung gelangt sind, und durch sie das Ankommen in sich selbst erkennt, wird darin fest. Solche seltenen Menschen lassen die Vorstellung von Eins und Zwei hinter sich und gelangen zum höchsten Ziel.
Das Wortspiel um „in sich“ und „Gelingen“ ist dicht. Die Übersetzung versteht den Vers als Hinweis auf verwirklichte Lehrer und eine Erkenntnis jenseits bloßer Zahlenbegriffe von Einheit und Zweiheit.
Vers 3
என்னறிவு சென்றளவில் யானின் றறிந்தபடி
என்னறிவி லாரறிக வென்றொருவன் - சொன்னபடி
சொல்லக்கே ளென்றொருவன் சொன்னா னெனக்கதனைச்
சொல்லக்கே ணானுனக்கச் சொல்.
eṉṉaṟivu ceṉṟaḷavil yāṉiṉ ṟaṟintapaṭi
eṉṉaṟivi lāraṟika veṉṟoruvaṉ - coṉṉapaṭi
collakkē ḷeṉṟoruvaṉ coṉṉā ṉeṉakkataṉaic
collakkē ṇāṉuṉakkac col.
„Soweit meine Erkenntnis reicht und ich selbst erfahren habe, mögen auch jene erkennen, denen diese Einsicht fehlt“ – so sprach einer. Ein anderer sagte zu mir: „Höre, was jener gelehrt hat.“ Was ich hörte, sage ich nun dir: Höre dieses Wort.
Der Sprecher stellt sich in eine lebendige Lehrerfolge. Er gibt empfangene Einsicht weiter. Demut und eigenes Verstehen gehören in dieser Überlieferung zusammen.
Vers 4
அகளமய மாய்நின்ற வம்பலத்தெங் கூத்தன்
சகளமயம் போலுலகிற் றங்கி - நிகளமாம்
ஆணவ மூல மலமகல வாண்டனன்காண்
மாணவக வென்னுடனாய் வந்து.
akaḷamaya māyniṉṟa vampalatteṅ kūttaṉ
cakaḷamayam pōlulakiṟ ṟaṅki - nikaḷamām
āṇava mūla malamakala vāṇṭaṉaṉkāṇ
māṇavaka veṉṉuṭaṉāy vantu.
Unser Tänzer in der heiligen Halle, der formlos besteht, verweilte in der Welt, als besäße er eine Gestalt. Er kam zu mir, wurde mir nahe und nahm mich an, damit die ursprüngliche Unreinheit Anava, die mich fesselte, schwände. Sieh, mein Schüler!
Nataraja erscheint als befreiender Guru. Anava bezeichnet hier die anfanglose Verdunkelung der Seele, nicht bloß alltägliche Selbstgefälligkeit. Gnade löst das verengte Selbstverständnis.
Vers 5
ஆகமங்க ளெங்கே யறுசமயந் தானெங்கே
யோகங்க ளெங்கே யுணர்வெங்கே - பாகத்
தருள்வடிவுந் தானுமா யாண்டிலனே லந்தப்
பெருவடிவை யாரறிவார் பேசு.
ākamaṅka ḷeṅkē yaṟucamayan tāṉeṅkē
yōkaṅka ḷeṅkē yuṇarveṅkē - pākat
taruḷvaṭivun tāṉumā yāṇṭilaṉē lantap
peruvaṭivai yāraṟivār pēcu.
Wo wären die Agamas, wo die sechs Religionen, wo die Yogawege und wo die Erkenntnis? Wenn er nicht zusammen mit der Gestalt der Gnade an seiner Seite uns angenommen hätte – wer könnte jene erhabene Wirklichkeit erkennen? Sage es!
Das Studium und die Übung werden auf ihre lebendige Quelle zurückgeführt: Gnade. Die „Gestalt der Gnade“ ist Shakti. Die sechs Religionen sind eine traditionelle Sammelbezeichnung; der Vers nennt ihre Namen nicht.
Vers 6
சாத்திரத்தை யோதினர்க்குச் சற்குருவின் றன்வசன
மாத்திரத்தே வாய்க்குநலம் வந்துறுமோ - யார்த்தகடல்
தண்ணீர் குடித்தவர்க்குத் தாகந் தணிந்திடுமோ
தெண்ணீர்மை யாயிதனைச் செப்பு.
cāttirattai yōtiṉarkkuc caṟkuruviṉ ṟaṉvacaṉa
māttirattē vāykkunalam vantuṟumō - yārttakaṭal
taṇṇīr kuṭittavarkkut tākan taṇintiṭumō
teṇṇīrmai yāyitaṉaic ceppu.
Wird allein durch das Lesen der Schriften jenes Heil zuteil, das aus einem einzigen Wort des wahren Gurus erwächst? Stillt jemand seinen Durst, indem er Wasser aus dem tosenden Meer trinkt? Sprich darüber mit klarer Einsicht.
Das Meerbild führt vor Augen, dass die Fülle gelesener Worte den inneren Durst noch nicht stillt. Svadhyaya wird fruchtbar, wenn das Gelesene durch Einsicht und gelebte Praxis zum inneren Leben findet.
Vers 7
இன்று பசுவின் மலமன்றே இவ்வுலகில்
நின்ற மலமனைத்து நீக்குவதிங் - கென்றால்
உருவுடையா னன்றே யுருவழியப் பாயும்
உருவருள வல்லா னுரை.
iṉṟu pacuviṉ malamaṉṟē ivvulakil
niṉṟa malamaṉaittu nīkkuvatiṅ - keṉṟāl
uruvuṭaiyā ṉaṉṟē yuruvaḻiyap pāyum
uruvaruḷa vallā ṉurai.
Ist es nicht der Unrat der Kuh, der hier in der Welt zur Beseitigung von Unreinheit dient? Wenn das so ist: Vermag nicht der, der eine Gestalt trägt, eine Gnadengestalt zu schenken, deren Wirken die begrenzte Gestalt auflöst? Sage es!
Der Vergleich spielt auf Kuhdung und die daraus gewonnene heilige Asche an. Seine zweite Hälfte ist sprachlich gedrängt; sie wird hier auf die befreiende Gestalt des Gurus bezogen. Die religiöse Bildsprache stellt äußere Unreinheit und geistige Reinigung überraschend nebeneinander.
Vers 8
கண்டத்தைக் கொண்டு கரும முடித்தவரே
யண்டத்தி னப்புறத்த தென்னாதே - யண்டத்தின்
அப்புறமு மிப்புறமு மாரறிவுஞ் சென்றறியும்
எப்புறமுங் கண்டவர்க ளின்று.
kaṇṭattaik koṇṭu karuma muṭittavarē
yaṇṭatti ṉappuṟatta teṉṉātē - yaṇṭattiṉ
appuṟamu mippuṟamu māraṟivuñ ceṉṟaṟiyum
eppuṟamuṅ kaṇṭavarka ḷiṉṟu.
Wer sich an die sichtbare Gestalt hielt und dadurch das Werk der Bindung beendete, sagt nicht: „Es liegt jenseits des Weltalls.“ Solche Menschen haben es jenseits und diesseits des Weltalls erkannt und überall, wohin Erkenntnis reichen kann.
Die „sichtbare Gestalt“ wird nach der tamilischen Erläuterung als Guru verstanden. Das Erkennen löst die Einengung des Göttlichen auf einen bestimmten Ort. Die Worttrennung am Versanfang ist auslegungsbedürftig.
Vers 9
அன்றுமுத லாரேனு மாளா யுடனாகிச்
சென்றவர்க்கு மின்னதெனச் சென்றதிலை - யின்றிதனை
எவ்வா றிருந்ததென் றெவ்வண்ணஞ் சொல்லுகேன்
அவ்வா றிருந்த தது.
aṉṟumuta lārēṉu māḷā yuṭaṉākic
ceṉṟavarkku miṉṉateṉac ceṉṟatilai - yiṉṟitaṉai
evvā ṟiruntateṉ ṟevvaṇṇañ collukēṉ
avvā ṟirunta tatu.
Von alters her konnte selbst denen, die als Dienende mit ihm gingen, nicht aufgehen: „Genau dies ist es.“ Wie sollte ich jetzt sagen, wie es gewesen ist? Es war eben, wie es war.
Die Erfahrung entzieht sich einer abschließenden Beschreibung. Das schlichte letzte Wort lädt zu innerer Stille ein, in der das Erfahrene nicht sogleich wieder begrifflich festgelegt wird.
Vers 10
ஒன்றுங் குறியே குறியாத லாலதனுக்
கொன்றுங் குறியொன் றிலாமையினா - லொன்றோ
டுவமிக்க லாவதுவுந் தானில்லை யொவ்வாத்
தவமிக்கா ரேயிதற்குச் சான்று.
oṉṟuṅ kuṟiyē kuṟiyāta lālataṉuk
koṉṟuṅ kuṟiyoṉ ṟilāmaiyiṉā - loṉṟō
ṭuvamikka lāvatuvun tāṉillai yovvāt
tavamikkā rēyitaṟkuc cāṉṟu.
Kein bestimmendes Zeichen bestimmt es; darum besitzt es kein Zeichen, das ihm gleichkäme. Auch gibt es nichts, womit es sich vergleichen ließe. Menschen von unvergleichlicher geistiger Reife sind die Zeugen dafür.
Bilder führen an die Wahrheit heran, können sie aber nicht erschöpfen. Tapas bezeichnet im Hintergrund eine gereifte geistige Lebensführung, die Erkenntnis glaubwürdig verkörpert.
Vers 11
ஆற்றா லலைகடற்கே பாய்ந்தநீ ரந்நீர்மை
மாற்றியவ் வாற்றான் மறித்தாற்போற் - றோற்றிப்
புலன்களெனப் போதம் புறம்பொழியி னந்தம்
மலங்களற மாற்றுவிக்கும் வந்து.
āṟṟā lalaikaṭaṟkē pāyntanī rannīrmai
māṟṟiyav vāṟṟāṉ maṟittāṟpōṟ - ṟōṟṟip
pulaṉkaḷeṉap pōtam puṟampoḻiyi ṉantam
malaṅkaḷaṟa māṟṟuvikkum vantu.
Wie Wasser, das durch einen Fluss ins wogende Meer strömt, auf demselben Weg zurückgewendet werden könnte, so wird das Bewusstsein, das durch die Sinne nach außen fließt, umgewendet. Dann kommt die Wandlung, welche die Unreinheiten auflöst.
Das Gleichnis beschreibt eine Umkehr der Aufmerksamkeit. Es lässt sich mit Pratyahara in Beziehung setzen. Die ungewöhnliche Umkehr des Flusses verleiht der inneren Wendung ein kraftvolles Bild.
Vers 12
பாலைநெய்தல் பாடியதும் பாம்பொழியப் பாடியதுங்
காலனையன் றேவிக் கராங்கொண்ட - பாலன்
மரணந் தவிர்த்ததுவு மற்றவர்க்கு நந்தங்
கரணம்போ லல்லாமை காண்.
pālaineytal pāṭiyatum pāmpoḻiyap pāṭiyatuṅ
kālaṉaiyaṉ ṟēvik karāṅkoṇṭa - pālaṉ
maraṇan tavirttatuvu maṟṟavarkku nantaṅ
karaṇampō lallāmai kāṇ.
Dass durch Gesang das Lied der trockenen Landschaft zum Lied der Küste wurde, dass durch Gesang das Schlangengift wich und der vom Krokodil ergriffene Knabe dem Tod entrissen wurde, als man den Todesgott anwies: Erkenne daran, dass ihre Werkzeuge nicht unseren gleichen.
Der Vers ruft Wundererzählungen der Nayanmar auf. Die „Werkzeuge“ sind die Wahrnehmungs- und Handlungskräfte der Heiligen, als von Shiva durchwirkt verstanden. Einzelne musikalische Anspielungen bleiben im knappen Wortlaut mehrdeutig.
Vers 13
தூங்கினரைத் தூய சயனத்தே விட்டதற்பின்
றாங்களே சட்டவுறங்குவர்க - ளாங்கதுபோல்
ஐய னருட்கடைக்க ணாண்ட தற்பி னப்பொருளாய்ப்
பைய விளையுமெனப் பார்.
tūṅkiṉarait tūya cayaṉattē viṭṭataṟpiṉ
ṟāṅkaḷē caṭṭavuṟaṅkuvarka - ḷāṅkatupōl
aiya ṉaruṭkaṭaikka ṇāṇṭa taṟpi ṉapporuḷāyp
paiya viḷaiyumeṉap pār.
Legt man einen Schläfrigen auf ein reines Lager, schläft er von selbst rasch ein. Ebenso reift nach dem Gnadenblick des Herrn, der einen angenommen hat, allmählich das Einswerden mit jener Wirklichkeit. Betrachte es so.
Gnade schafft einen Raum, in dem geistige Reifung geschehen kann. Das Lagerbild betont Vertrauen und Gelöstheit. Der verglichene Erkenntniszustand ist kein gewöhnlicher Schlaf.
Vers 14
உள்ள முதலனைத்து மொன்ற வொருவவரில்
உள்ள முருகவந் துன்னுடனாந் - தெள்ளி
உணருமவர் தாங்க ளுளராக வென்றும்
புணருமவ னில்லாப் பொருள்.
uḷḷa mutalaṉaittu moṉṟa voruvavaril
uḷḷa murukavan tuṉṉuṭaṉān - teḷḷi
uṇarumavar tāṅka ḷuḷarāka veṉṟum
puṇarumava ṉillāp poruḷ.
Wenn du alles loslässt, woran du dich klammerst, kommt er, lässt dein Herz schmelzen und ist mit dir. Er verbindet sich mit den klar Erkennenden, während sie bestehen bleiben: jene Wirklichkeit, die nicht als ein Ding vorhanden ist.
Das Loslassen öffnet für die Gemeinschaft mit Shiva. Dabei lässt der Vers das Fortbestehen der Seele anklingen: Innigste Vereinigung und bleibende Beziehung gehören im Shaiva Siddhanta zusammen.
Vers 15
நல்லசிவ தன்மத்தா னல்லசிவ யோகத்தால்
நல்லசிவ ஞானத்தா னானழியும் - வல்லதனால்
ஆரேனு மன்புசெயி னங்கே தலைப்படுங்காண்
ஆரெனுங் காணா வரன்.
nallaciva taṉmattā ṉallaciva yōkattāl
nallaciva ñāṉattā ṉāṉaḻiyum - vallataṉāl
ārēṉu maṉpuceyi ṉaṅkē talaippaṭuṅkāṇ
āreṉuṅ kāṇā varaṉ.
Durch guten Shiva-Dharma, durch guten Shiva-Yoga und durch gute Shiva-Erkenntnis schwindet das Ich. Wer immer mit solcher Kraft liebt: Dort offenbart sich Hara, den sonst niemand zu sehen vermag. Erkenne es!
Shiva Dharma, Yoga und Jnana münden in Liebe. Die Lehre gewinnt Wärme: Das Göttliche wird dem liebenden Herzen nahe, während das besitzergreifende Ich zurücktritt.
Verse 16–21: Dienst und außergewöhnliche Hingabe
Vers 16
மெல்வினையே யென்ன வியனுலகு ளோர்க்கரிய
வல்வினையே யென்ன வருமிரண்டுஞ் - சொல்லிற்
சிவதன்ம மாமவற்றிற் சென்றதிலே செல்வார்
பவகன்ம நீங்கும் படி.
melviṉaiyē yeṉṉa viyaṉulaku ḷōrkkariya
valviṉaiyē yeṉṉa varumiraṇṭuñ - colliṟ
civataṉma māmavaṟṟiṟ ceṉṟatilē celvār
pavakaṉma nīṅkum paṭi.
Was man „sanfte Tat“ nennt und was als „schwere Tat“ den Menschen dieser weiten Welt kaum möglich ist – beides gehört, recht gesagt, zum Shiva-Dharma. Wer den ihm eröffneten Weg darin geht, lässt die Taten hinter sich, die zur Wiedergeburt binden.
Die Begriffe melviṉai und valviṉai gliedern die folgenden Beispiele. „Schwer“ bedeutet hier außergewöhnlich und kaum vollziehbar. Die anschließenden Heiligengeschichten sind keine allgemein anwendbaren Handlungsregeln.
Vers 17
ஆதியை யர்ச்சித்தற் கங்கமு மங்கங்கே
தீதில் திறம்பலவுஞ் செய்வனவும் - வேதியனே
நல்வினையா மென்றே நமக்குமெளி தானவற்றை
மெல்வினையே யென்றதுநாம் வேறு.
ātiyai yarccittaṟ kaṅkamu maṅkaṅkē
tītil tiṟampalavuñ ceyvaṉavum - vētiyaṉē
nalviṉaiyā meṉṟē namakkumeḷi tāṉavaṟṟai
melviṉaiyē yeṉṟatunām vēṟu.
Die Mittel zur Verehrung des Uranfangs und die verschiedenen untadeligen Dienste an den jeweiligen Orten, die uns als gute und leicht mögliche Taten gelten – sie nennen wir, o Kenner der Veden, die sanften Taten.
Puja und hilfreicher Dienst eröffnen einen alltäglichen Weg der Bhakti. Die Würde einfacher, gewissenhafter Handlungen bildet den Ausgangspunkt dieses Abschnitts.
Vers 18
வரங்கடருஞ் செய்ய வயிரவர்க்குத் தங்கள்
கரங்களினா லன்றுகறி யாக்க - இரங்காதே
கொல்வினையே செய்யுங் கொடுவினையே யானவற்றை
வல்வினையே யென்றதுநா மற்று.
varaṅkaṭaruñ ceyya vayiravarkkut taṅkaḷ
karaṅkaḷiṉā laṉṟukaṟi yākka - iraṅkātē
kolviṉaiyē ceyyuṅ koṭuviṉaiyē yāṉavaṟṟai
valviṉaiyē yeṉṟatunā maṟṟu.
Was sie damals mit eigenen Händen taten, um dem roten Bhairava, dem Gnadenspender, Fleisch zu bereiten – ohne zurückzuweichen vor der grausamen Tat des Tötens –, dies nennen wir die schwere Tat.
Die Anspielung gilt Siruthondar und der hagiografischen Prüfung durch Bhairava. Das Gedicht setzt die Erzählung voraus. Deren extreme Handlung wird hier vollständig übersetzt, ohne sie als Vorbild für Gewalt zu empfehlen.
Vers 19
பாதக மென்றும் பழியென்றும் பாராதே
தாதையை வேதியனைத் தாளிரண்டுஞ் - சேதிப்பக்
கண்டீசர் தாமாம் பரிசளித்தார் கண்டாயே
தண்டீசர் தஞ்செயலாற் றான்.
pātaka meṉṟum paḻiyeṉṟum pārātē
tātaiyai vētiyaṉait tāḷiraṇṭuñ - cētippak
kaṇṭīcar tāmām paricaḷittār kaṇṭāyē
taṇṭīcar tañceyalāṟ ṟāṉ.
Als er seinem Vater, dem Brahmanen, beide Beine abtrennte, ohne auf „Sünde“ oder „Schande“ zu sehen, schaute der Herr auf Chandishas Tat und schenkte ihm den Rang der Gottesnähe. Sieh, was durch seine Tat geschah!
Der Vers erinnert an Chandesha, dessen Vater in der Legende seine Shiva-Verehrung störte. Die dichterische Würdigung gilt seiner ausschließlichen Bindung an Shiva. Sie rechtfertigt keine Gewalt gegen Angehörige.
Vers 20
செய்யி லுகுத்த திருப்படி மாற்றதனை
ஐய விதுவமுது செய்கென்று - பையவிருந்
தூட்டி யறுத்தவர்க்கே யூட்டியறுத்தவரை
நாட்டியுரை செய்வதென்னோ நாம்.
ceyyi lukutta tiruppaṭi māṟṟataṉai
aiya vituvamutu ceykeṉṟu - paiyavirun
tūṭṭi yaṟuttavarkkē yūṭṭiyaṟuttavarai
nāṭṭiyurai ceyvateṉṉō nām.
„Herr, nimm diese Opfergabe zu dir!“, sprach er über die im Feld verschüttete Tempelspeise. Er setzte sich langsam nieder und schnitt sich die Kehle; er ließ den Herrn essen und durchschnitt die Bindung. Wie könnten wir diesen Mann mit Worten angemessen preisen?
Gemeint ist Arivattaya Nayanar. Der Kommentar erschließt ein Wortspiel zwischen Kehle, Speisen und Durchschneiden; die Legende erzählt auch Shivas rettendes Eingreifen. Der Vers ist eine Heiligenerzählung, keine Aufforderung zur Selbstverletzung.
Vers 21
செய்யுஞ் செயலே செயலாகச் சென்றுதமைப்
பையக் கொடுத்தார் பரங்கெட்டா - ரையா
உழவுந் தனிசு மொருமுகமே யானால்
இழவுண்டோ சொல்லா யிது.
ceyyuñ ceyalē ceyalākac ceṉṟutamaip
paiyak koṭuttār paraṅkeṭṭā - raiyā
uḻavun taṉicu morumukamē yāṉāl
iḻavuṇṭō collā yitu.
Wer sein Handeln ganz zum Handeln des Herrn werden lässt und sich ihm allmählich übergibt, wird seine Last los. Mein Freund: Wenn Acker und Vorschuss aus einer Hand kommen, kann dann Verlust entstehen? Sage, wie es damit steht!
Das landwirtschaftliche Gleichnis wird nach der tamilischen Erläuterung auf die Übergabe des eigenen Handelns bezogen. Es handelt sich um ein Bild der Hingabe, nicht um eine wirtschaftliche Regel.
Verse 22–43: Yoga, Mantra und befreiende Erkenntnis
Vers 22
ஆதார யோகம் நிராதார யோகமென
மீதானத் தெய்தும் விதியிரண்டே - யாதாரத்
தாக்கும் பொருளாலே யாக்கும் பொருளாமொன்
றாக்காப் பொருளேயொன் றாம்.
ātāra yōkam nirātāra yōkameṉa
mītāṉat teytum vitiyiraṇṭē - yātārat
tākkum poruḷālē yākkum poruḷāmoṉ
ṟākkāp poruḷēyoṉ ṟām.
Zwei Wege führen zur höchsten Stätte: Yoga mit Stütze und Yoga ohne Stütze. Der eine arbeitet mit einem Gegenstand, der zur Stütze gestaltet wird; der andere gilt der Wirklichkeit, die nicht hervorgebracht wird.
Adhara bedeutet hier Stütze oder Grundlage. Die Unterscheidung betrifft den Weg der Meditation: von einer bestimmten Ausrichtung zum Verweilen in der nicht hergestellten Wirklichkeit.
Vers 23
ஆக்கி யொருபொருளை யாதாரத் தப்பொருளை
நோக்கி யணுவி லணுநெகிழப் - பார்க்கில்
இவனாகை தானொழிந்திட் டேகமா மேகத்
தவனாகை யாதார மாம்.
ākki yoruporuḷai yātārat tapporuḷai
nōkki yaṇuvi laṇunekiḻap - pārkkil
ivaṉākai tāṉoḻintiṭ ṭēkamā mēkat
tavaṉākai yātāra mām.
Man gestaltet einen Gegenstand zur Stütze und betrachtet ihn. Wird im Schauen selbst das Feinste im Feinen gelöst, vergeht das Für-sich-Sein dieses Einzelnen, und es wird eines. In diesem Einen bei ihm zu sein: Das ist Yoga mit Stütze.
Die meditative Sammlung verändert auch den Betrachtenden. Das „Eine“ bezeichnet die erfahrene Ungeteiltheit; der Vers ist im Zusammenhang der shaivischen Gnadenlehre zu lesen.
Vers 24
கொண்ட தொருபொருளைக் கோடிபடக் கூறுசெயிற்
கொண்டதுவு மப்பரிசே கூறுபடுங் - கொண்ட
இருபொருளு மின்றியெ யின்னதிது வென்னா
தொருபொருளே யாயிருக்கு முற்று.
koṇṭa toruporuḷaik kōṭipaṭak kūṟuceyiṟ
koṇṭatuvu mapparicē kūṟupaṭuṅ - koṇṭa
iruporuḷu miṉṟiye yiṉṉatitu veṉṉā
toruporuḷē yāyirukku muṟṟu.
Wird der ergriffene Gegenstand in Millionen Teile aufgelöst, löst sich auch das Ergreifende auf dieselbe Weise auf. Ohne die beiden ergriffenen Seiten bleibt zuletzt eine einzige Wirklichkeit, von der man nicht sagt: „Dieses ist das.“
Die Gegenüberstellung von Objekt und betrachtendem Geist verliert ihren bestimmenden Charakter. Eine in der Vorlage verzeichnete Lesart nennt ausdrücklich den Geist und stützt diese Wiedergabe.
Vers 25
ஆக்கப் படாத பொருளா யனைத்தினிலுந்
தாக்கித்தா னொன்றோடுந் தாக்காதே - நீக்கியுடன்
நிற்கும் பொருளுடனே நிற்கும் பொருளுடனாய்
நிற்கை நிராதார மாம்.
ākkap paṭāta poruḷā yaṉaittiṉilun
tākkittā ṉoṉṟōṭun tākkātē - nīkkiyuṭaṉ
niṟkum poruḷuṭaṉē niṟkum poruḷuṭaṉāy
niṟkai nirātāra mām.
Mit der ungeschaffenen Wirklichkeit zu stehen, die alles berührt und doch an nichts haftet, die unterschieden und zugleich gegenwärtig bleibt – mit ihr und in ihrer Gegenwart zu verweilen: Das ist Yoga ohne Stütze.
Niradhara meint eine Sammlung ohne hergestellten Gegenstand. Die Wendung „unterschieden und zugleich gegenwärtig“ bewahrt die Spannung von göttlicher Transzendenz und Nähe.
Vers 26
அஞ்செழுத்து மேயம்மை யப்பர்தமைக் காட்டுதலால்
அஞ்செழுத்தை யாறாகப் பெற்றறிந்தே - யஞ்செழுத்தை
யோதப்புக் குள்ள மதியுங் கெடிலுமைகோன்
கேதமற வந்தளிக்குங் கேள்.
añceḻuttu mēyammai yappartamaik kāṭṭutalāl
añceḻuttai yāṟākap peṟṟaṟintē - yañceḻuttai
yōtappuk kuḷḷa matiyuṅ keṭilumaikōṉ
kētamaṟa vantaḷikkuṅ kēḷ.
Die fünf Silben zeigen Mutter und Vater. Erkenne sie deshalb als deinen Weg und tritt in ihre Wiederholung ein. Wenn dabei auch das begrenzte Denken zur Ruhe kommt, erscheint der Gemahl Umas, beseitigt dein Leid und schenkt seine Gnade. Höre!
Gemeint ist das Panchakshara Mantra. Āṟu heißt hier „Weg“; der Vers nennt nicht sechs Silben. Die Mantrapraxis soll von äußerer Wiederholung zu einer immer innigeren Besinnung führen.
Vers 27
காண்கின்ற தோர்பொருளைக் காண்கின்ற யோகிகளே
காண்கின்றார் காட்சியறக் கண்ணுதலைக் - காண்கின்றார்
காண்பானுங் காணப் படும்பொருளும் இன்றியே
காண்கையினாற் கண்டனரே காண்.
kāṇkiṉṟa tōrporuḷaik kāṇkiṉṟa yōkikaḷē
kāṇkiṉṟār kāṭciyaṟak kaṇṇutalaik - kāṇkiṉṟār
kāṇpāṉuṅ kāṇap paṭumporuḷum iṉṟiyē
kāṇkaiyiṉāṟ kaṇṭaṉarē kāṇ.
Die Yogis, die zunächst einen Gegenstand schauen, schauen den Herrn mit dem Stirnauge, wenn dieses gegenständliche Schauen endet. Ohne einen gesonderten Schauenden und ein gesondertes Geschautes erkennen sie durch jenes Schauen. Sieh!
Das dritte Auge weist auf Shiva. Der Vers beschreibt eine veränderte Weise des Erkennens, in der die gewöhnliche Trennung von Subjekt und Objekt zurücktritt.
Vers 28
பேசாமை பெற்றதனிற் பேசாமை கண்டனரைப்
பேசாமை செய்யும் பெரும்பெருமான் - பேசாதே
எண்ணொன்றும் வண்ண மிருக்கின்ற யோகிகள்பா
லுண்ணின்றும் போகா னுளன்.
pēcāmai peṟṟataṉiṟ pēcāmai kaṇṭaṉaraip
pēcāmai ceyyum perumperumāṉ - pēcātē
eṇṇoṉṟum vaṇṇa mirukkiṉṟa yōkikaḷpā
luṇṇiṉṟum pōkā ṉuḷaṉ.
Der große Herr führt jene, die im Schweigen das wahre Schweigen gefunden haben, noch tiefer in die Stille. In den Yogis, die wortlos und mit gesammeltem Denken verweilen, bleibt er gegenwärtig und weicht nicht aus ihrem Inneren.
Mouna reicht über das Nichtsprechen hinaus. Es ist eine innere Sammlung, in der die göttliche Gegenwart nicht ständig von Gedanken überlagert wird.
Vers 29
ஓட்டற்று நின்ற வுணர்வு பதிமுட்டித்
தேட்டற்று நின்ற விடஞ்சிவமாம் - நாட்டற்று
நாடும் பொருளனைத்து நானா விதமாகத்
தேடுமிட மன்று சிவம்.
ōṭṭaṟṟu niṉṟa vuṇarvu patimuṭṭit
tēṭṭaṟṟu niṉṟa viṭañcivamām - nāṭṭaṟṟu
nāṭum poruḷaṉaittu nāṉā vitamākat
tēṭumiṭa maṉṟu civam.
Wo das Bewusstsein nicht mehr umherläuft, den Herrn berührt und ohne weiteres Suchen ruht, ist Shiva. Shiva ist nicht jener Ort, an dem man ohne innere Festigkeit auf vielerlei Weise allen möglichen Gegenständen nachjagt.
Die Unruhe des Suchens kann in wache Gegenwart münden. Das Ende des Jagens ist hier Erfüllung, keine geistige Mattigkeit.
Vers 30
பற்றினுட் பற்றைத் துடைப்பதொரு பற்றறிருந்து
பற்றைப் பரிந்திருந்து பார்க்கின்ற - பற்றதனைப்
பற்றுவிடி லந்நிலையே தானே பரமாகும்
அற்றமிது சொன்னே னறி.
paṟṟiṉuṭ paṟṟait tuṭaippatoru paṟṟaṟiruntu
paṟṟaip parintiruntu pārkkiṉṟa - paṟṟataṉaip
paṟṟuviṭi lannilaiyē tāṉē paramākum
aṟṟamitu coṉṉē ṉaṟi.
Erkenne unter den Bindungen jene Bindung, die die anderen Bindungen tilgt. Halte dich innig daran und betrachte sie. Lässt du schließlich auch das Festhalten an diesem Halt los, wird eben dieser Zustand zum Höchsten. Dieses Geheimnis habe ich dir gesagt: Erkenne es.
Die Bindung an das Befreiende löst andere Abhängigkeiten. Selbst das letzte Festhalten verwandelt sich in offene Hingabe. Das berührt eine auch im Tirukkural wichtige Unterscheidung.
Vers 31
உணராதே யாது முறங்காதே யுன்னிற்
புணராதே நீபொதுவே நிற்கி - லுணர்வரிய
காலங்கள் செல்லாத காத லுடனிருத்தி
காலங்கள் மூன்றினையுங் கண்டு.
uṇarātē yātu muṟaṅkātē yuṉṉiṟ
puṇarātē nīpotuvē niṟki - luṇarvariya
kālaṅkaḷ cellāta kāta luṭaṉirutti
kālaṅkaḷ mūṉṟiṉaiyuṅ kaṇṭu.
Wenn du nichts Gegenständliches erfasst, nicht schläfst und dich nicht in dich selbst verstrickst, sondern offen verweilst, bleibst du in einer Liebe, an die die Zeit nicht heranreicht, und überschaust die drei Zeiten.
Die Stille bleibt wach. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft werden nicht mehr zum einzigen Maß des Lebens. Der Vers unterscheidet die wache Sammlung ausdrücklich vom Schlaf.
Vers 32
அறிவறிவாய் நிற்கி லறிவுபல வாமென்
றறிவி னறிவவிழ்த்துக் கொண்ட - வறிவினராய்
வாழ்ந்திருப்பர் நீத்தோர்கள் மானுடரின் மாணவகா
தாழ்ந்தமணி நாவேபோற் றான்.
aṟivaṟivāy niṟki laṟivupala vāmeṉ
ṟaṟivi ṉaṟivaviḻttuk koṇṭa - vaṟiviṉarāy
vāḻntiruppar nīttōrkaḷ māṉuṭariṉ māṇavakā
tāḻntamaṇi nāvēpōṟ ṟāṉ.
„Würde das Erkennen sich immer wieder selbst erkennen wollen, würde es sich vervielfachen.“ Darum lassen die Entsagenden dieses Sich-selbst-Beobachten los und ruhen in jener Einsicht, mein Schüler, wie der unbewegte Klöppel einer Glocke.
Das Glockenbild deutet eine Bereitschaft ohne ständiges inneres Anschlagen an. Die fortwährende gedankliche Selbstprüfung weicht einer stillen, unangestrengten Wachheit.
Vers 33
ஓசையெலா மற்றா லொலிக்குந் திருச்சிலம்பின்
ஓசை வழியேசென் றொத்தொடுங்கி - லோசையினில்
அந்தத்தா னத்தா னரிவையுட னம்பலத்தே
வந்தொத்தா னத்தான் மகிழ்ந்து.
ōcaiyelā maṟṟā lolikkun tiruccilampiṉ
ōcai vaḻiyēceṉ ṟottoṭuṅki - lōcaiyiṉil
antattā ṉattā ṉarivaiyuṭa ṉampalattē
vantottā ṉattāṉ makiḻntu.
Wenn alle Geräusche verstummen, tönt das heilige Fußglöckchen. Folgst du seinem Klang und gehst darin gesammelt auf, begegnet dir freudig der Herr der höchsten Stätte, der mit der Göttin in der Halle gegenwärtig ist.
Die mystische Klangsprache verbindet Nada mit Nataraja und Shakti. Sie bezeichnet innere Verehrung und Erfahrung; ein bestimmtes hörbares Phänomen wird nicht als notwendiger Erfolgsnachweis verlangt.
Vers 34
சார்புணர்ந்து சார்பு கெடவொழுகி னென்றமையாற்
சார்புணர்த றானே தியானமுமாஞ் - சார்பு
கெடவொழுகி னல்ல சமாதியுமாங் கேதப்
படவருவ தில்லைவினைப் பற்று.
cārpuṇarntu cārpu keṭavoḻuki ṉeṉṟamaiyāṟ
cārpuṇarta ṟāṉē tiyāṉamumāñ - cārpu
keṭavoḻuki ṉalla camātiyumāṅ kētap
paṭavaruva tillaiviṉaip paṟṟu.
Weil gesagt wurde: „Erkenne den Halt und lebe so, dass die Bindung vergeht“, ist das Erkennen des Haltes selbst Meditation. So zu leben, dass die Bindung endet, ist guter Samadhi. Dann kommt die leidbringende Verstrickung in Taten nicht mehr heran.
Der Vers nimmt Tirukkural 359 auf und deutet ihn auf Dhyana und Samadhi. Einsicht und Lebensführung bilden einen zusammengehörigen Weg.
Vers 35
அன்றிவரு மைம்புலனு நீயு மசையாதே
நின்றபடி யேநிற்க முன்னிற்குஞ் - சென்று
கருதுவதன் முன்னங் கருத்தழியப் பாயும்
ஒருமகடன் கேள்வ னுனக்கு.
aṉṟivaru maimpulaṉu nīyu macaiyātē
niṉṟapaṭi yēniṟka muṉṉiṟkuñ - ceṉṟu
karutuvataṉ muṉṉaṅ karuttaḻiyap pāyum
orumakaṭaṉ kēḷva ṉuṉakku.
Wenn die fünf herandrängenden Sinne und du selbst unbewegt in dem verweilen, was ist, steht er vor dir. Noch bevor du dich gedanklich zu ihm hinbewegst, kommt der Gemahl der Einen und lässt dein begrenztes Denken vergehen.
Die göttliche Nähe wird als zuvorkommende Gnade erfahren. „Die Eine“ ist die Göttin. Der Vers lenkt von angestrengtem Ergreifen zu ruhiger Empfangsbereitschaft.
Vers 36
உண்டெனி லுண்டாகு மில்லாமை யில்லையெனில்
உண்டாகு மானமையி லோரிரண்டா - முண்டில்லை
என்னு மிவைதவிர்ந்த வின்பத்தை யெய்தும்வகை
உன்னிலவ னுன்னுடனே யாம்.
uṇṭeṉi luṇṭāku millāmai yillaiyeṉil
uṇṭāku māṉamaiyi lōriraṇṭā - muṇṭillai
eṉṉu mivaitavirnta viṉpattai yeytumvakai
uṉṉilava ṉuṉṉuṭaṉē yām.
Sagst du „Es ist“, erscheint es als seiend; sagst du „Es ist nicht“, erscheint Nichtsein. So entstehen die Bestimmungen von Eins und Zwei. Richte dich auf die Seligkeit, die „Es ist“ und „Es ist nicht“ hinter sich lässt: Dann ist er mit dir.
Die mittlere Satzfügung ist unsicher; die Übersetzung folgt dem Gegensatz von begrifflicher Bestimmung und unmittelbarer Erfahrung. Der Vers verneint nicht beliebig alle Wahrheit, sondern überschreitet ein rein begriffliches Festhalten.
Vers 37
தூல வுடம்பாய முப்பத்தோர் தத்துவமும்
மூல வுடம்பா முதனான்கு - மேலைச்
சிவமாம் பரிசினையுந் தேர்ந்துணர்ந்தார் சேர்ந்த
பவமாம் பரிசறுப்பார் பார்.
tūla vuṭampāya muppattōr tattuvamum
mūla vuṭampā mutaṉāṉku - mēlaic
civamām pariciṉaiyun tērntuṇarntār cērnta
pavamām paricaṟuppār pār.
Wer die einunddreißig Tattvas des groben Leibes, die vier ursprünglichen des ursächlichen Leibes und die Weise des darüberstehenden Shiva klar unterscheidet, durchschaut und durchtrennt die Verstrickung in das Werden. Sieh!
Die Zählung ergibt mit Shiva sechsunddreißig Tattvas. Die Zuordnung von 31 und 4 wird hier als Einteilung des Verses wiedergegeben; sie ist nicht mit den üblichen 24, 7 und 5 unbesehen gleichzusetzen.
Vers 38
எத்தனையோ தத்துவங்க ளெவ்வெவகோட் பாடுடைய
அத்தனையுஞ் சென்றங் களவாதே - சித்தமெனுந்
தூதனைப் போக்கிப்போய்த் தூக்கற்ற சோதிதனிற்
பாதிதனைக் கும்பிடலாம் பார்.
ettaṉaiyō tattuvaṅka ḷevvevakōṭ pāṭuṭaiya
attaṉaiyuñ ceṉṟaṅ kaḷavātē - cittameṉun
tūtaṉaip pōkkippōyt tūkkaṟṟa cōtitaṉiṟ
pātitaṉaik kumpiṭalām pār.
Wie viele Tattvas es auch gibt und wie verschieden ihre Auffassungen sind: Miss sie nicht alle einzeln aus. Sende den Boten namens Geist voraus, gehe zu dem unvergleichlichen Licht und verehre seine eine Hälfte. Sieh!
„Die eine Hälfte“ wird hier auf Shakti bezogen. Der Vers setzt dem bloßen Aufzählen eine innere Hinwendung entgegen. Die Stellung des „Boten“ wird in den überlieferten Lesarten unterschiedlich gefasst.
Vers 39
சாம்பொழுதி லேதுஞ் சலமில்லை செத்தாற்போல்
ஆம்பொழுதி லேயடைய வாசையறிற் - சோம்பிதற்குச்
சொல்லுந் துணையாகுஞ் சொல்லாத தூய்நெறிக்கட்
செல்லுந் துணையாகுஞ் சென்று.
cāmpoḻuti lētuñ calamillai cettāṟpōl
āmpoḻuti lēyaṭaiya vācaiyaṟiṟ - cōmpitaṟkuc
collun tuṇaiyākuñ collāta tūyneṟikkaṭ
cellun tuṇaiyākuñ ceṉṟu.
Im wirklichen Sterben liegt keine besondere Leistung. Wenn aber schon im Leben, gleich einem Gestorbenen, alles Begehren endet, wird das gesprochene Wort zur Hilfe für dieses Stillwerden und zum Weggefährten auf dem reinen, unaussprechlichen Pfad.
„Sterben“ wird auf das Ende selbstbezogenen Begehrens bezogen. Der Vers unterscheidet gerade den körperlichen Tod von einer Verwandlung mitten im Leben.
Vers 40
வேண்டுங்கால் வேண்டும் பிறவாமை யென்றமையால்
வேண்டினஃ தொன்றுமே வேண்டுவது - வேண்டினது
வேண்டாமை வேண்டவரு மென்றமையால் வேண்டிடுக
வேண்டாமை வேண்டுமவன் பால்.
vēṇṭuṅkāl vēṇṭum piṟavāmai yeṉṟamaiyāl
vēṇṭiṉaḵ toṉṟumē vēṇṭuvatu - vēṇṭiṉatu
vēṇṭāmai vēṇṭavaru meṉṟamaiyāl vēṇṭiṭuka
vēṇṭāmai vēṇṭumavaṉ pāl.
Weil es heißt: „Wenn du etwas begehrst, begehre Nichtwiedergeburt“, ist dies allein zu begehren. Und weil es heißt: „Das Gewünschte kommt durch das Wünschen der Wunschlosigkeit“, ersehne Wunschlosigkeit bei dem, den du ersehnst.
Der Vers entfaltet Tirukkural 362 als geistigen Weg. Die Sehnsucht richtet sich auf Freiheit vom Begehren und verwandelt sich in Bhakti.
Vers 41
அரண வுணர்வுதனி லவ்வுணர்வை மாற்றிற்
கரணமுங் காலுங்கை கூடும் - புரணமது
கூடாமை யுங்கூடும் கூடுதலுங் கூட்டினுக்கு
வாடாமை யுங்கூடும் வந்து.
araṇa vuṇarvutaṉi lavvuṇarvai māṟṟiṟ
karaṇamuṅ kāluṅkai kūṭum - puraṇamatu
kūṭāmai yuṅkūṭum kūṭutaluṅ kūṭṭiṉukku
vāṭāmai yuṅkūṭum vantu.
Wird das begrenzte Erkennen in die Erkenntnis des Herrn verwandelt, fügen sich die Erkenntniswerkzeuge und die Zeit. Es wird möglich, ohne Verbindung mit dem Körper zu sein und doch verbunden zu bleiben; auch das Nichtverwelken des verbundenen Leibes wird möglich.
Die zweite Hälfte ist stark verdichtet; ihre Übersetzung bleibt vorläufig. Araṇa-uṇarvu bezeichnet nach dem Tamil Lexicon Gotteserkenntnis. Der Vers verbindet geistige Freiheit mit Aussagen über den Leib; diese schwierige Passage lässt sich nicht sicher als Lehre körperlicher Unsterblichkeit bestimmen.
Vers 42
இன்றிங் கசேதனமா மிவ்வினைக ளோரிரண்டுஞ்
சென்று தொடருமவன் சென்றிடத்தே - என்றுந்தான்
தீதுறுவ னானாற் சிவபதிதான் கைவிடுமோ
மாதொருகூ றல்லனோ மற்று.
iṉṟiṅ kacētaṉamā mivviṉaika ḷōriraṇṭuñ
ceṉṟu toṭarumavaṉ ceṉṟiṭattē - eṉṟuntāṉ
tītuṟuva ṉāṉāṟ civapatitāṉ kaiviṭumō
mātorukū ṟallaṉō maṟṟu.
Diese beiden Arten von Taten sind unbewusst; sie folgen dem Menschen, wohin er geht. Sollte er deshalb immerfort Übel erleiden: Wird Shiva, sein Herr, ihn im Stich lassen? Ist er nicht der, dessen eine Hälfte die Göttin ist?
Karma wirkt nicht als selbstbewusste Gottheit. Der Vers setzt der Erfahrung von Bindung das Vertrauen in Shiva und seine untrennbare Shakti entgegen.
Vers 43
அநாதி சிவனுடமை யாலெவையு மாங்கே
அநாதியெனப் பெற்ற வணுவை - யநாதியே
ஆர்த்த துயரகல வம்பிகையோ டெவ்விடத்துங்
காத்த லவன்கடனே காண்.
anāti civaṉuṭamai yālevaiyu māṅkē
anātiyeṉap peṟṟa vaṇuvai - yanātiyē
ārtta tuyarakala vampikaiyō ṭevviṭattuṅ
kātta lavaṉkaṭaṉē kāṇ.
Alles gehört Shiva von Anfangslosigkeit her. Darum ist auch die einzelne Seele anfanglos. Dass ihr anfangloses Leid vergeht und sie überall zusammen mit Ambika behütet wird: Dies ist seine Aufgabe. Erkenne es!
Die Seele wird als anfanglos bezeichnet. Diese Eigenart des Shaiva Siddhanta bewahrt den Unterschied zwischen Seele, Bindung und Herr, auch wenn der Weg in innigste Gemeinschaft führt.
Verse 44–57: Innere Verehrung und die Kraft der Liebe
Vers 44
தம்மிற் சிவலிங்கங் கண்டதனைத் தாம்வணங்கித்
தம்மன்பால் மஞ்சனநீர் தாமாட்டித் - தம்மையொரு
பூவாக்கிப் பூவழியா மற்கொடுத்துப் பூசித்தால்
ஓவாமை யன்றை யுளன்.
tammiṟ civaliṅkaṅ kaṇṭataṉait tāmvaṇaṅkit
tammaṉpāl mañcaṉanīr tāmāṭṭit - tammaiyoru
pūvākkip pūvaḻiyā maṟkoṭuttup pūcittāl
ōvāmai yaṉṟai yuḷaṉ.
Wer in sich das Shiva-Linga schaut, es verehrt, es mit dem Wasser seiner Liebe badet, sich selbst zur Blume macht und diese Blume unversehrt darbringt: Bei diesem bleibt er ohne Unterbrechung gegenwärtig.
Eine vollständige innere Puja entsteht: Shiva Linga, Badewasser und Blume werden zu Bildern der liebenden Hingabe des ganzen Menschen.
Vers 45
தன்னைப் பெறுவதன்மேற் பேறில்லைத் தானென்றுந்
தன்னைத்தான் பெற்றவன்றா னாரென்னில் - தன்னாலே
எல்லாந்த னுட்கொண்டு கொண்டதனைக் கொள்ளாதே
எல்லாமாய் நிற்கு மிவன்.
taṉṉaip peṟuvataṉmēṟ pēṟillait tāṉeṉṟun
taṉṉaittāṉ peṟṟavaṉṟā ṉāreṉṉil - taṉṉālē
ellānta ṉuṭkoṇṭu koṇṭataṉaik koḷḷātē
ellāmāy niṟku mivaṉ.
Es gibt kein höheres Gut, als sich selbst zu finden. Doch wer hat sich selbst wahrhaft gefunden? Es ist der, der alles in sich aufnimmt, sich des Aufgenommenen nicht bemächtigt und als alles gegenwärtig bleibt.
Selbsterkenntnis verbindet sich hier mit einem Empfangen, das nicht besitzen will. Auf wen sich „selbst“ an den einzelnen Stellen bezieht, bleibt im tamilischen Wortspiel teilweise offen.
Vers 46
துன்பமா மெல்லாம் பரவசனாய்த் தான்றுவளில்
இன்பமாந் தன்வசன யேயிருக்கி - லென்பதனால்
நின்வசனா யேயிருக்கின் நின்னுடனாம் நேரிழையாள்
தன்வசனா யேயிருப்பன் றான்.
tuṉpamā mellām paravacaṉāyt tāṉṟuvaḷil
iṉpamān taṉvacaṉa yēyirukki - leṉpataṉāl
niṉvacaṉā yēyirukkiṉ niṉṉuṭaṉām nēriḻaiyāḷ
taṉvacaṉā yēyiruppaṉ ṟāṉ.
Wer fremder Macht ausgeliefert dahinsinkt, erfährt Leid; wer in sich ruht, erfährt Freude. Darum: Bleibst du gesammelt bei dir, ist er mit dir – er, der immer bei der anmutigen Göttin verweilt.
Innere Selbstständigkeit und göttliche Gemeinschaft werden zusammengedacht. Das Ruhen in sich selbst soll aus Zerstreuung lösen und für Gnade öffnen.
Vers 47
செத்தாரே கெட்டார் கரணங்கள் சேர்ந்ததனோ
டொத்தாரே யோகபர ரானவர்க - ளெத்தாலும்
ஆராத வக்கரணத் தார்ப்புண்டிங் கல்லாதார்
பேராமற் செல்வரதன் பின்.
cettārē keṭṭār karaṇaṅkaḷ cērntataṉō
ṭottārē yōkapara rāṉavarka - ḷettālum
ārāta vakkaraṇat tārppuṇṭiṅ kallātār
pērāmaṟ celvarataṉ piṉ.
Wirklich vergangen sind jene, deren altes Selbst gestorben ist. Die dem höchsten Yoga hingegeben sind, stimmen mit dem überein, dem ihre Erkenntniskräfte sich verbunden haben. Die anderen, an unersättliche Werkzeuge gefesselt, folgen ihnen unablässig nach.
Die Werkzeuge sind Sinne und innere Fähigkeiten. Die gedrängte Gegenüberstellung wird hier als Unterschied zwischen verwandeltem und getriebenem Erkennen verstanden; „gestorben“ ist geistige Bildsprache.
Vers 48
கண்ணுங் கருத்துங் கடந்ததொரு பேறேயுங்
கண்ணுங் கருத்துங் களிகூர - நண்ணி
வடமடக்கி நிற்கும் வடவித்தே போல
உடனடக்கி நிற்பார்கள்கா ணுற்று.
kaṇṇuṅ karuttuṅ kaṭantatoru pēṟēyuṅ
kaṇṇuṅ karuttuṅ kaḷikūra - naṇṇi
vaṭamaṭakki niṟkum vaṭavittē pōla
uṭaṉaṭakki niṟpārkaḷkā ṇuṟṟu.
Sie erlangen ein Gut jenseits von Auge und Gedanken, während doch Auge und Gedanken von Freude erfüllt werden. Wie der Same des Banyanbaums den ganzen Baum in sich birgt, halten sie alles gesammelt in sich. Sieh!
Die Erfahrung jenseits begrifflichen Denkens erfüllt auch die Sinne mit Freude. Das Samenbild spricht von einer stillen Fülle, in der das Viele unzerstreut gegenwärtig sein kann.
Vers 49
வானகமு மண்ணகமு மாய்நிறைந்த வான்பொருளை
ஊனகத்தே யுன்னுமதெ னென்றனையேல் - ஏனகத்து
வாதனையை மாற்றும் வகையதுவே மண்முதலாம்
ஆதனமே யன்றோ வதற்கு.
vāṉakamu maṇṇakamu māyniṟainta vāṉporuḷai
ūṉakattē yuṉṉumate ṉeṉṟaṉaiyēl - ēṉakattu
vātaṉaiyai māṟṟum vakaiyatuvē maṇmutalām
ātaṉamē yaṉṟō vataṟku.
Fragst du: „Warum soll man die hohe Wirklichkeit, die Himmel und Erde erfüllt, im fleischlichen Leib betrachten?“ – so höre: Eben dies ist der Weg, die eingeprägte Bindung zu wandeln. Sind Erde und die übrigen Grundlagen nicht auch ihre Stätte?
Der Körper wird zum Ort geistiger Arbeit. Vasana bezeichnet eingeprägte Neigungen. Der Vers begründet innere Meditation, ohne Shiva auf den Körper zu beschränken.
Vers 50
கல்லிற் கமரிற் கதிர்வாளிற் சாணையினில்
வல்லுப் பலகையினில் வாதனையைச் - சொல்லும்
அகமார்க்கத் தாலவர்கண் மாற்றினர்கா ணையா
சகமார்க்கத் தாலன்றே தான்.
kalliṟ kamariṟ katirvāḷiṟ cāṇaiyiṉil
vallup palakaiyiṉil vātaṉaiyaic - collum
akamārkkat tālavarkaṇ māṟṟiṉarkā ṇaiyā
cakamārkkat tālaṉṟē tāṉ.
Am Stein, am Erdspalt, an der glänzenden Klinge, am Schleifstein und am Spielbrett verwandelten sie die eingeprägten Neigungen durch den inneren Weg. Erkenne, mein Freund: Es geschah durch den inneren Weg, nicht durch den gewöhnlichen Weltweg.
Die Gegenstände rufen extreme Heiligengeschichten auf, unter anderem zu Tirukkurippu Thondar, Arivattaya Nayanar, Murthi Nayanar und Murkha Nayanar. Das Augenmerk liegt auf der inneren Hingabe; die angedeuteten gefährlichen Handlungen werden nicht zur Übung empfohlen.
Vers 51
உள்ளும் புறம்பும் நினைப்பொழியி லுன்னிடையே
வள்ள லெழுந்தருளு மாதினொடுந் - தெள்ளி
அறிந்தொழிவா யன்றியே யன்புடையை யாயிற்
செறிந்தொழிவா யேதேனுஞ் செய்.
uḷḷum puṟampum niṉaippoḻiyi luṉṉiṭaiyē
vaḷḷa leḻuntaruḷu mātiṉoṭun - teḷḷi
aṟintoḻivā yaṉṟiyē yaṉpuṭaiyai yāyiṟ
ceṟintoḻivā yētēṉuñ cey.
Wenn die Gedanken an Innen und Außen schweigen, erscheint der Freigebige in deiner Mitte, zusammen mit der Göttin. Erkenne klar und werde still; oder, wenn du voller Liebe bist, gehe innig in ihm auf. Wähle einen dieser Wege!
Jnana und Bhakti erscheinen als lebendige Zugänge zur gleichen göttlichen Nähe. Die Einladung ist unmittelbar: klare Erkenntnis und innige Liebe dürfen einander durchdringen.
Vers 52
கண்ணப்ப னொப்பதோ ரன்பின்மை யென்றமையாற்
கண்ணப்ப னொப்பதோ ரன்பதனைக் - கண்ணப்பர்
தாமறிதல் காளத்தி யாரறித லல்லதுமற்
றியாமறியு மன்பன் றது.
kaṇṇappa ṉoppatō raṉpiṉmai yeṉṟamaiyāṟ
kaṇṇappa ṉoppatō raṉpataṉaik - kaṇṇappar
tāmaṟital kāḷatti yāraṟita lallatumaṟ
ṟiyāmaṟiyu maṉpaṉ ṟatu.
Weil es heißt: „Mir fehlt eine Liebe wie die Kannappas“, erkenne: Eine Liebe wie die Kannappas kennen nur Kannappa selbst und der Herr von Kalahasti. Es ist keine Liebe, die wir von außen ermessen könnten.
Der Vers greift ein Wort aus dem Tiruvachakam auf. Die Hingabe Kannappas ist im Gedicht ein Geheimnis zwischen dem Liebenden und Shiva.
Vers 53
அவிழ்ந்த துணியி லவிழ்ந்த வவிழை
அவிழ்ந்த மனத்தா லவிழ்க்க - அவிழ்ந்தசடை
வேந்தனார்க் கின்னமுத மாயிற்றே மெய்யன்பிற்
சேந்தனார் செய்த செயல்.
aviḻnta tuṇiyi laviḻnta vaviḻai
aviḻnta maṉattā laviḻkka - aviḻntacaṭai
vēntaṉārk kiṉṉamuta māyiṟṟē meyyaṉpiṟ
cēntaṉār ceyta ceyal.
Als er das Tuch öffnete und mit einem gelösten Herzen die darin liegende Speise freigab, wurde sie dem König mit den offenen Haarflechten zu süßem Nektar: So war die Tat, die Senthanar in wahrer Liebe vollbrachte.
Eine schlichte Speise wird durch Bhakti zur kostbaren Gabe. Die Geschichte Senthanars veranschaulicht, dass der Wert einer Opfergabe im liebenden Herzen liegt.
Vers 54
சுரந்த திருமுலைக்கே துய்ய சிவ ஞானஞ்
சுரந்துண்டார் பிள்ளையெனச் சொல்லச் - சுரந்த
தனமுடையாள் தென்பாண்டி மாதேவி வாழ்ந்த
மனமுடையா ளன்பிருந்த வாறு.
curanta tirumulaikkē tuyya civa ñāṉañ
curantuṇṭār piḷḷaiyeṉac collac - curanta
taṉamuṭaiyāḷ teṉpāṇṭi mātēvi vāḻnta
maṉamuṭaiyā ḷaṉpirunta vāṟu.
„Er ist das Kind, das aus der strömenden heiligen Brust reine Shiva-Erkenntnis trank“, sagte man. So groß war die Liebe im Herzen der Königin des südlichen Pandya-Landes, dass auch ihre Brust zu strömen begann.
Der Vers verbindet Sambandars Empfang der göttlichen Milch mit der mütterlichen Hingabe Mangayarkkarasis. Die poetische Verdichtung wurde erzählerisch aufgelöst; gemeint ist die hagiografisch geschilderte Liebe der Königin.
Vers 55
அன்பேயென் னன்பேயென் றன்பா லழுதரற்றி
அன்பேயன் பாக வறிவழியும் - அன்பன்றித்
தீர்த்தந் தியானஞ் சிவார்ச்சனைகள் செய்யுமவை
சாற்றும் பழமன்றே தான்.
aṉpēyeṉ ṉaṉpēyeṉ ṟaṉpā laḻutaraṟṟi
aṉpēyaṉ pāka vaṟivaḻiyum - aṉpaṉṟit
tīrttan tiyāṉañ civārccaṉaikaḷ ceyyumavai
cāṟṟum paḻamaṉṟē tāṉ.
„Liebe! Meine Liebe!“ – weinend und rufend vor Liebe, bis Liebe selbst zur Liebe wird und begrenztes Erkennen vergeht: Ohne diese Liebe sind heilige Bäder, Meditation und Shiva-Verehrung nicht die Frucht, von der hier gesprochen wird.
Der Vers unterscheidet äußere Vollzüge von ihrem inneren Reifen. Tirtha, Dhyana und Puja finden ihre Erfüllung in einer Liebe, die den ganzen Menschen verwandelt.
Vers 56
எல்லா ரறிவுகளின் தாற்பரிய மென்னறிவு
செல்லு மிடத்தளவுஞ் சென்றறிந்தேன் - வல்லபடி
வாதனையை மாற்றும் வகையிதுவெ மற்றவற்றுள்
ஏதமறக் கண்ட திது.
ellā raṟivukaḷiṉ tāṟpariya meṉṉaṟivu
cellu miṭattaḷavuñ ceṉṟaṟintēṉ - vallapaṭi
vātaṉaiyai māṟṟum vakaiyituve maṟṟavaṟṟuḷ
ētamaṟak kaṇṭa titu.
Soweit meine Einsicht reichte, habe ich den tiefsten Sinn all ihrer Erkenntnisse erforscht. Dies ist der Weg, die eingeprägten Neigungen wirksam zu wandeln. Unter all den anderen Wegen habe ich diesen als frei von Mangel erkannt.
Der Sprecher bezeugt die in den vorausgehenden Versen entfaltete Verbindung von Einsicht und Liebe. Der Ton ist erfahrungsbezogen; die Aussage ist das Bekenntnis des Werkes zu seinem eigenen geistigen Weg.
Vers 57
வித்துமத னங்குரமும் போன்றிருக்கு மெய்ஞ்ஞானம்
வித்துமத னங்குரமு மெய்யுணரில் - வித்ததனிற்
காணாமை யாலதனைக் கைவிடுவர் கண்டவர்கள்
பேணாமை யாலற்றார் பேறு.
vittumata ṉaṅkuramum pōṉṟirukku meyññāṉam
vittumata ṉaṅkuramu meyyuṇaril - vittataṉiṟ
kāṇāmai yālataṉaik kaiviṭuvar kaṇṭavarkaḷ
pēṇāmai yālaṟṟār pēṟu.
Wahre Erkenntnis verhält sich wie Same und Keim. Werden Same und Keim wahrhaft erkannt, erscheint der Keim im Samen nicht als ein gesondertes Etwas. Die Erkennenden lassen darum das Festhalten am gesonderten Dasein los; darin finden sie Erfüllung.
Die Zuordnung der letzten Satzglieder bleibt unsicher. Die Deutung folgt dem bei den Quellen genannten tamilischen Kommentar: Wie der Keim im Samen nicht selbstständig hervortritt, tritt in der Gemeinschaft mit Shiva der Eigenanspruch der Seele zurück. Das Samenbild veranschaulicht so eine Verbundenheit, in der die Seele nichts mehr für sich allein beansprucht.
Verse 58–69: Selbstloses Wirken und göttliche Gegenwart
Vers 58
ஒன்றன் றிரண்டன் றுளதன் றிலதன்று
நன்றன்று தீதன்று நானென்று - நின்ற
நிலையன்று நீயன்று நின்னறிவு மன்று
தலையன் றடியன்று தான்.
oṉṟaṉ ṟiraṇṭaṉ ṟuḷataṉ ṟilataṉṟu
naṉṟaṉṟu tītaṉṟu nāṉeṉṟu - niṉṟa
nilaiyaṉṟu nīyaṉṟu niṉṉaṟivu maṉṟu
talaiyaṉ ṟaṭiyaṉṟu tāṉ.
Es ist nicht eins, nicht zwei; weder seiend noch nichtseiend; weder gut noch schlecht; kein Zustand, in dem ein „Ich“ sich behauptet. Es ist nicht du und nicht dein Wissen, weder Haupt noch Fuß.
Die Folge von Verneinungen löst begriffliche Festlegungen. Sie erinnert an Neti Neti, bewahrt hier aber den Zusammenhang der Shiva-Verehrung. Das Göttliche wird nicht zu einem erkennbaren Gegenstand unter anderen.
Vers 59
செய்யாச் செயலையவன் செய்யாமற் செய்ததனைச்
செய்யாச் செயலிற் செலுத்தினா - லெய்யாதே
மாணவக வப்பொழுதே வாஞ்சைக் கொடிவளர்க்கும்
ஆணவமு மற்ற தறி.
ceyyāc ceyalaiyavaṉ ceyyāmaṟ ceytataṉaic
ceyyāc ceyaliṟ celuttiṉā - leyyātē
māṇavaka vappoḻutē vāñcaik koṭivaḷarkkum
āṇavamu maṟṟa taṟi.
Wenn du das tatenlose Wirken, das er ohne eigenes Begehren vollbringt, in dein eigenes tatenloses Wirken eingehen lässt, dann ist, mein Schüler, im selben Augenblick auch Anava erloschen, das die Ranke des Verlangens wachsen lässt. Erkenne es!
Das „tatenlose Wirken“ bezeichnet ein Handeln ohne selbstbezogene Aneignung. Anava wird als Wurzel der Verengung gesehen; ihre Überwindung ist eine Wirkung der Gnade.
Vers 60
ஏதேனுங் காலமுமா மேதேனுந் தேசமுமாம்
ஏதேனுந் திக்கா சனமுமாம் - ஏதெனுஞ்
செய்தா லொருவலுமாஞ் செய்யாச் செயலதனைக்
செய்யாமற் செய்யும் பொழுது.
ētēṉuṅ kālamumā mētēṉun tēcamumām
ētēṉun tikkā caṉamumām - ēteṉuñ
ceytā loruvalumāñ ceyyāc ceyalataṉaik
ceyyāmaṟ ceyyum poḻutu.
Jede Zeit kann es sein, jedes Land, jede Richtung und jeder Sitz. Wer immer handelt, kann es verwirklichen, wenn er dieses tatenlose Wirken vollzieht, ohne sich selbst als Handelnden festzuhalten.
Der Vers weitet den Raum der Praxis. Die entscheidende Wandlung liegt in der inneren Haltung, nicht allein in äußeren Bedingungen wie Ort oder Sitzhaltung.
Vers 61
செய்தற் கரிய செயல்பலவுஞ் செய்துபலர்
எய்தற் கரியதனை யெய்தினார்கள் - ஐயோநாஞ்
செய்யாமை செய்து செயலறுக்க லாயிருக்கச்
செய்யாமை செய்யாத வாறு.
ceytaṟ kariya ceyalpalavuñ ceytupalar
eytaṟ kariyataṉai yeytiṉārkaḷ - aiyōnāñ
ceyyāmai ceytu ceyalaṟukka lāyirukkac
ceyyāmai ceyyāta vāṟu.
Viele vollbrachten schwer zu vollbringende Taten und erreichten das schwer Erreichbare. Ach, wir könnten durch das Vollziehen des Nichttuns die bindende Tat beenden – und vollziehen dieses Nichttun doch nicht!
Die Klage ist ein Weckruf. Gemeint ist nicht Trägheit, sondern das Nachlassen des Ich-Anspruchs mitten im Tun. Darin liegt eine Nähe zum Gedanken des Karma Yoga.
Vers 62
இப்பொருள்க ளியாதேனு மேதேனு மொன்றுசெய்த
லெப்பொருளுஞ் செய்யா தொழிந்திருத்தன் - மெய்ப்
பொருளைக் கண்டிருத்தல் செய்யாதே கண்ட மனிதரெலாம்
உண்டிருப்ப தென்னோ வுரை.
ipporuḷka ḷiyātēṉu mētēṉu moṉṟuceyta
lepporuḷuñ ceyyā toḻintiruttaṉ - meyp
poruḷaik kaṇṭiruttal ceyyātē kaṇṭa maṉitarelām
uṇṭiruppa teṉṉō vurai.
Irgendetwas tun, alles Tun lassen oder die wahre Wirklichkeit schauen und in ihr verweilen: Wenn Menschen sich weder auf diesen noch auf jenen Weg einlassen, wozu leben sie dann nur vom Essen? Sage es!
Die Satzverknüpfung ist auslegungsbedürftig. Der Vers drängt zu einer bewussten geistigen Ausrichtung des Lebens. Seine scharfe Frage soll aus Gleichgültigkeit aufrütteln.
Vers 63
வீட்டிலே சென்று வினையொழிந்து நின்றாலும்
நாட்டிலே நல்வினைகள் செய்தாலுங் - கூட்டில்வாள்
சாத்தியே நின்றிலையேற் றக்கனார் வேள்விசெய்த
மாத்திரமே யாங்கண்டாய் வந்து.
vīṭṭilē ceṉṟu viṉaiyoḻintu niṉṟālum
nāṭṭilē nalviṉaikaḷ ceytāluṅ - kūṭṭilvāḷ
cāttiyē niṉṟilaiyēṟ ṟakkaṉār vēḷviceyta
māttiramē yāṅkaṇṭāy vantu.
Mag einer ins Haus der Abgeschiedenheit gehen und alle Tätigkeit lassen oder mitten im Land gute Werke tun: Hält er das Schwert nicht in der Scheide, so gleicht alles nur dem Opfer, das Daksha vollzog. Erkenne es!
Das Schwert in der Scheide wird hier als Bild für das Zurücknehmen der Eigenmächtigkeit verstanden; die genaue Bildzuordnung bleibt auslegungsbedürftig. Dakshas Opfer steht für ein religiöses Handeln, dem die Anerkennung Shivas fehlt. Die äußere Form bedarf einer inneren Hinwendung zum Göttlichen.
Vers 64
சிவன்முதலே யன்றி முதலில்லை யென்றுஞ்
சிவனுடைய தென்னறிவ தென்றுஞ் - சிவனவன
தென்செயல தாகின்ற தென்று மிவையிற்றைத்
தன்செயலாக் கொள்ளாமை தான்.
civaṉmutalē yaṉṟi mutalillai yeṉṟuñ
civaṉuṭaiya teṉṉaṟiva teṉṟuñ - civaṉavaṉa
teṉceyala tākiṉṟa teṉṟu mivaiyiṟṟait
taṉceyalāk koḷḷāmai tāṉ.
„Es gibt keinen Ursprung außer Shiva; mein Erkennen gehört Shiva; mein Handeln wird zu seinem Handeln“ – diese Einsichten zu leben, ohne all dies als eigenes Werk zu beanspruchen: Darum geht es.
Der Vers formuliert geistige Hingabe in großer Klarheit. Erkenntnis und Handeln werden auf ihre göttliche Quelle bezogen, während der Anspruch des Ichs nachlässt.
Vers 65
இன்றிச் சமயத்தி னல்லதுமற் றேழையுடன்
ஒன்றுசொலி மன்றத்து நின்றவரார் -இன்றிங்கே
அங்க முயிர்பெறவே பாடு மடியவரார்
எங்குமிலை கண்டா யிது.
iṉṟic camayatti ṉallatumaṟ ṟēḻaiyuṭaṉ
oṉṟucoli maṉṟattu niṉṟavarār -iṉṟiṅkē
aṅka muyirpeṟavē pāṭu maṭiyavarār
eṅkumilai kaṇṭā yitu.
Wer ist außerhalb dieser Religion zusammen mit dem Armen vor die Versammlung getreten und hat für ihn gesprochen? Welche Dienenden singen so, dass Gebeine wieder Leben empfangen? Nirgends findest du ihresgleichen. Sieh dies!
Der Vers spricht mit dem ausschließlichen Anspruch der eigenen Tradition. Die erste Anspielung ist unsicher und wird hier auf göttliche Parteinahme für einen Bedrängten bezogen; die zweite erinnert an shaivische Auferweckungserzählungen. Der Anspruch wird als Stimme des Textes wiedergegeben.
Vers 66
விரிந்துங் குவிந்தும் விழுங்குவர்கள் மீண்டுந்
தெரிந்துந் தெரியாது நிற்பர் - தெரிந்துந்
தெரியாது நிற்கின்ற சேயிழைபா லென்றும்
பிரியாது நின்றவனைப் பெற்று.
virintuṅ kuvintum viḻuṅkuvarkaḷ mīṇṭun
terintun teriyātu niṟpar - terintun
teriyātu niṟkiṉṟa cēyiḻaipā leṉṟum
piriyātu niṉṟavaṉaip peṟṟu.
Sie weiten sich aus, sammeln sich und nehmen alles in sich auf; dann stehen sie erkennend und doch ohne gegenständliches Erkennen. Denn sie haben den erlangt, der niemals von der geschmückten Göttin getrennt ist, die erkannt und doch unerkannt bleibt.
Die wechselnden Bewegungen veranschaulichen ein Erkennen, das nicht an einer starren Form haftet. Shiva und Shakti bleiben in dieser Erfahrung untrennbar.
Vers 67
ஆதனமு மாதனியு மாய்நிறைந்து நின்றவனைச்
சேதனனைக் கொண்டே தெளிவுற்றுச் - சேதனனைச்
சேதனனி லேசெலுத்திச் சிற்பரத்த ராயிருப்பர்
ஏதமறக் கண்டவர்க ளின்று.
ātaṉamu mātaṉiyu māyniṟaintu niṉṟavaṉaic
cētaṉaṉaik koṇṭē teḷivuṟṟuc - cētaṉaṉaic
cētaṉaṉi lēceluttic ciṟparatta rāyiruppar
ētamaṟak kaṇṭavarka ḷiṉṟu.
Er erfüllt alles als Grundlage und als der auf ihr Gegenwärtige. Durch ihn, den Bewussten, werden sie klar; sie lassen das bewusste Selbst in das Bewusstsein eingehen und verweilen im höchsten Bewusstsein. So sind die, die ohne Verfehlung erkannt haben.
Die wiederholte Bezeichnung cētaṉaṉ ist je nach Bezug als bewusste Seele oder bewusster Herr zu verstehen. Die Übersetzung macht diese Unterscheidung sichtbar, ohne das geschilderte Einssein zu verflachen.
Vers 68
தாமடங்க விந்தத் தலமடங்குந் தாபதர்கள்
தாமுணரி லிந்தத் தலமுணருந் - தாமுனியிற்
பூமடந்தை தங்காள் புகழ்மடந்தை போயகலும்
நாமடந்தை நில்லாள் நயந்து.
tāmaṭaṅka vintat talamaṭaṅkun tāpatarkaḷ
tāmuṇari lintat talamuṇarun - tāmuṉiyiṟ
pūmaṭantai taṅkāḷ pukaḻmaṭantai pōyakalum
nāmaṭantai nillāḷ nayantu.
Wenn diese Asketen still werden, wird diese Welt still; wenn sie erwachen, erwacht diese Welt. Werden sie zornig, bleibt die Göttin der Erde nicht, die Göttin des Ruhmes geht fort, und die Göttin der Sprache verweilt nicht mehr gern.
Die Überlieferung schreibt verwirklichten Menschen eine weitreichende geistige Macht zu. Die Personifikationen von Erde, Ruhm und Sprache gehören zur poetischen Welt des Textes; daraus wird hier kein Anspruch auf persönliche Macht abgeleitet.
Vers 69
துரியங் கடந்தசுடர்த் தோகையுட னென்றும்
பிரியாதே நிற்கின்ற பெம்மான் - றுரியத்தைச்
சாக்கிரத்தே செய்தருளித் தான்செய்யுந் தன்மைகளும்
ஆக்குவிப்ப னன்பர்க் கவன்.
turiyaṅ kaṭantacuṭart tōkaiyuṭa ṉeṉṟum
piriyātē niṟkiṉṟa pemmāṉ - ṟuriyattaic
cākkirattē ceytaruḷit tāṉceyyun taṉmaikaḷum
ākkuvippa ṉaṉpark kavaṉ.
Der große Herr ist untrennbar mit der leuchtenden Göttin verbunden, die den vierten Zustand übersteigt. Seinen Liebenden schenkt er den vierten Zustand schon im Wachen und lässt sie an der Weise seines Wirkens teilhaben.
Turiya wird in Jagrat, dem Wachzustand, gegenwärtig. Der Vers weist auf eine Reifung, die auch das tätige Leben durchdringt. Die Deutung gehört zum shaivischen Erfahrungszusammenhang.
Verse 70–82: Die Heiligen und die Untrennbarkeit von Shiva und Shakti
Vers 70
ஓடஞ் சிவிகை யுலவாக் கிழியடைக்கப்
பாடல் பனைதாளம் பாலைநெய்தல் - ஏடெதிர்வெப்
பென்புக் குயிர்கொடுத்த லீங்கிவைதா மோங்குபுகழ்த்
தென்புகலி வேந்தன் செயல்.
ōṭañ civikai yulavāk kiḻiyaṭaikkap
pāṭal paṉaitāḷam pālaineytal - ēṭetirvep
peṉpuk kuyirkoṭutta līṅkivaitā mōṅkupukaḻt
teṉpukali vēntaṉ ceyal.
Das Boot, die Sänfte, der unerschöpfliche Geldbeutel, das Lied zum Schließen der Tür, die Palmyrapalme, die Zimbeln, die Melodien Palai und Neytal, das Blatt gegen den Strom, das besiegte Fieber und das Beleben der Gebeine: Dies sind die Taten des ruhmreichen Herrn von Pukali im Süden.
Die Reihe ruft die Wunder Sambandars auf. Die tamilischen Stichwörter wurden behutsam zu lesbaren Wendungen ergänzt. Beim Blatthinweis verzeichnet die Ausgabe auch eine Lesart mit Feuer; die Überlieferung kennt Prüfungen durch Wasser und Feuer.
Vers 71
கொல்கரியி னீற்றறையி னஞ்சிற் கொலை தவிர்த்தல்
கல்லே மிதப்பாக் கடனீந்தல் - நல்ல
மருவார் மறைக்காட்டின் வாசல்திரப் பித்தல்
திருவாமூ ராளி செயல்.
kolkariyi ṉīṟṟaṟaiyi ṉañciṟ kolai tavirttal
kallē mitappāk kaṭaṉīntal - nalla
maruvār maṟaikkāṭṭiṉ vācaltirap pittal
tiruvāmū rāḷi ceyal.
Dem Tod durch den tödlichen Elefanten, den Kalkofen und das Gift entgehen; mit einem Stein als Schwimmhilfe das Meer durchqueren; das Tor des heiligen Maraikkadu öffnen lassen: Dies sind die Taten des Herrn von Tiruvamur.
Gemeint ist Appar, auch Tirunavukkarasar genannt. Die Überlieferung deutet seine Rettung und sein Wirken als Frucht des Vertrauens in Shiva. Seine Heiligengeschichte verleiht dem Motiv unerschütterlicher Hingabe eine eindrückliche Gestalt.
Vers 72
மோக மறுத்திடின்நாம் முத்தி கொடுப்பதென
ஆகமங்கள் சொன்ன வவர்தம்மைத் - தோகையர்பால்
தூதாகப் போகவிடும் வன்றொண்டன் தொண்டுதனை
ஏதாகச் சொல்வே னியான்.
mōka maṟuttiṭiṉnām mutti koṭuppateṉa
ākamaṅkaḷ coṉṉa vavartammait - tōkaiyarpāl
tūtākap pōkaviṭum vaṉṟoṇṭaṉ toṇṭutaṉai
ētākac colvē ṉiyāṉ.
Die Agamas sagen von ihm: „Legt ihr die Verblendung ab, gewähren wir Befreiung.“ Und doch lässt der entschlossene Diener eben diesen Herrn als Boten zu den Frauen gehen! Wie könnte ich den Dienst dieses Dieners angemessen beschreiben?
Sundarars vertraute Beziehung zu Shiva sprengt die Erwartung rein asketischer Distanz. Das Gedicht staunt über eine Bhakti, in der der Herr selbst zum freundschaftlichen Helfer wird.
Vers 73
பாய்பரியோன் றந்த பரமானந் தப்பயனைத்
தூயதிரு வாய்மலராற் சொற்செய்து - மாயக்
கருவாதை யாமறியா வாறுசெய்தான் கண்டாய்
திருவாத வூராளுந் தேன்.
pāypariyōṉ ṟanta paramāṉan tappayaṉait
tūyatiru vāymalarāṟ coṟceytu - māyak
karuvātai yāmaṟiyā vāṟuceytāṉ kaṇṭāy
tiruvāta vūrāḷun tēṉ.
Der Honig aus Tiruvadavur fasste mit seinem reinen, blütengleichen Mund die Frucht höchster Seligkeit in Worte, die ihm der Herr auf dem springenden Pferd geschenkt hatte. So bewirkte er, dass wir die Qual täuschender Wiedergeburt nicht mehr erfahren müssten. Sieh!
„Der Honig aus Tiruvadavur“ ist Manikkavachakar. Das Pferdebild erinnert an die mit ihm verbundene Shiva-Legende. Seine Dichtung wird selbst zur Gabe, die anderen den Weg eröffnet.
Vers 74
அம்மையிலு மிம்மையிலு மச்சந் தவிர்த்தடியார்
எம்மையுமா யெங்கு மியங்குதலான் - மெய்ம்மைச்
சிவயோக மேயோக மல்லாத யோகம்
அவயோக மென்றே யறி.
ammaiyilu mimmaiyilu maccan tavirttaṭiyār
emmaiyumā yeṅku miyaṅkutalāṉ - meymmaic
civayōka mēyōka mallāta yōkam
avayōka meṉṟē yaṟi.
Weil die Dienenden in dieser und in der anderen Welt ihre Furcht ablegen und in allen Zuständen überall frei wirken, erkenne: Wahrer Shiva-Yoga allein ist Yoga; anderer Yoga ist verfehlter Yoga.
Der Vers behauptet den Vorrang des eigenen Weges. Diese konfessionelle Zuspitzung wird bewahrt. Für die Lektüre ist wesentlich, dass Freiheit von Angst und Gottesnähe als Kennzeichen des Shiva-Yoga gelten.
Vers 75
மன்னனரு ளெவ்வண்ண மானுடர்பான் மாணவக
அன்ன வகையே யரனருளு - மென்னில்
அடியவரே யெல்லாரு மாங்கவர்தா மொப்பில்
அடியவரே யெல்லா மறி.
maṉṉaṉaru ḷevvaṇṇa māṉuṭarpāṉ māṇavaka
aṉṉa vakaiyē yaraṉaruḷu - meṉṉil
aṭiyavarē yellāru māṅkavartā moppil
aṭiyavarē yellā maṟi.
Mein Schüler, wie die Gunst eines Königs den Menschen gilt, so gilt Haras Gnade. Alle sind seine Dienenden; auch wenn sie einander nicht gleichen, erkenne sie alle als seine Dienenden.
Die genaue Vergleichsführung ist knapp. Die Übersetzung betont die gemeinsame Zugehörigkeit trotz unterschiedlicher Reife. Respekt vor anderen Verehrenden kann daraus als praktische Haltung erwachsen.
Vers 76
உடம்புடைய யோகிகள்தா முற்றசிற் றின்பம்
அடங்கத்தம் பேரின்பத் தாக்கத் - தொடங்கி
முளைப்பதுமொன் றில்லை முடிவதுமொன் றில்லை
இளைப்பதுமொன் றில்லை யிவர்.
uṭampuṭaiya yōkikaḷtā muṟṟaciṟ ṟiṉpam
aṭaṅkattam pēriṉpat tākkat - toṭaṅki
muḷaippatumoṉ ṟillai muṭivatumoṉ ṟillai
iḷaippatumoṉ ṟillai yivar.
Wenn die verkörperten Yogis alle erfahrene kleine Freude in ihre große Seligkeit aufnehmen, beginnt für sie nichts Neues mehr aufzusprießen; nichts endet, und nichts ermattet sie.
Die kleine Freude wird von der umfassenderen Seligkeit durchdrungen. Die poetische Sprache beschreibt eine Erfüllung, die vom Wechsel einzelner angenehmer Erfahrungen nicht mehr abhängig ist.
Vers 77
பேரின்ப மான பிரமக் கிழத்தியுடன்
ஓரின்பத் துள்ளானை யுள்ளபடி - பேரின்பங்
கண்டவரே கண்டார் கடலுயிர்த்த வின்னமுதம்
உண்டவரே யுண்டார் சுவை.
pēriṉpa māṉa piramak kiḻattiyuṭaṉ
ōriṉpat tuḷḷāṉai yuḷḷapaṭi - pēriṉpaṅ
kaṇṭavarē kaṇṭār kaṭaluyirtta viṉṉamutam
uṇṭavarē yuṇṭār cuvai.
Den, der mit der Gefährtin des Höchsten, der großen Seligkeit selbst, in einer einzigen Freude ist, erkennen nur jene, die diese große Seligkeit wirklich geschaut haben. Nur wer den süßen Nektar getrunken hat, der aus dem Meer emporstieg, kennt seinen Geschmack.
Shakti ist hier die Gefährtin des Höchsten. Der Nektarvergleich unterscheidet Kenntnis vom Hörensagen und gelebte Erfahrung. Amrita steht als Bild für die Süße dieser unmittelbaren Teilhabe.
Vers 78
நங்கையினான் நாமனைத்துஞ் செய்தார்போல் நாடனைத்து
நங்கையினாற் செய்தளிக்கு நாயகனும் - நங்கையினும்
நம்பியாய்த் தானடுவே நாட்டப் பெறுமிதுகாண்
எம்பெருமா னார்த மியல்பு.
naṅkaiyiṉāṉ nāmaṉaittuñ ceytārpōl nāṭaṉaittu
naṅkaiyiṉāṟ ceytaḷikku nāyakaṉum - naṅkaiyiṉum
nampiyāyt tāṉaṭuvē nāṭṭap peṟumitukāṇ
emperumā ṉārta miyalpu.
Wie wir alles mit unserer Hand vollbringen, so gestaltet und erhält der Herr die ganze Welt durch die Göttin. Und doch steht er unerschütterlich inmitten ihres Wirkens. Sieh: So ist die Natur unseres Herrn.
Der Vers spielt mit naṅkai als „unsere Hand“ und „die Dame“. Die deutsche Fassung entfaltet dieses Wortspiel. Shiva wirkt durch Shakti, ohne durch das Wirken begrenzt zu werden.
Vers 79
பொன்னிறங் கட்டியினும் பூணினு நின்றார்போல்
அந்நிற மண்ணலு மம்பிகையுஞ் - செந்நிறத்தள்
எந்நிறத்த ளாயிருப்ப ளெங்கள் சிவபதியும்
அந்நிறத்தனா யிருப்ப னாங்கு.
poṉṉiṟaṅ kaṭṭiyiṉum pūṇiṉu niṉṟārpōl
anniṟa maṇṇalu mampikaiyuñ - cenniṟattaḷ
enniṟatta ḷāyiruppa ḷeṅkaḷ civapatiyum
anniṟattaṉā yiruppa ṉāṅku.
Wie die goldene Farbe im Barren und im Schmuck dieselbe bleibt, so sind der Herr und Ambika. Welche Gestalt und Farbe die rötlich Strahlende auch annimmt: In eben dieser Weise ist auch unser Herr Shiva gegenwärtig.
Gold und Schmuck dienen als Bild der Untrennbarkeit. Die Erscheinungsweisen Shaktis sind keine von Shiva abgetrennte Wirklichkeit.
Vers 80
தாரத்தோ டொன்றாவர் தாரத்தோர் கூறாவர்
தாரத்தோ டெங்குந் தலைநிற்பர் - தாரத்தின்
நாதாந்தத் தேயிருப்பர் நற்றானத் தேயிருப்பர்
வேதாந்தத் தேயிருப்பர் வேறு.
tārattō ṭoṉṟāvar tārattōr kūṟāvar
tārattō ṭeṅkun talainiṟpar - tārattiṉ
nātāntat tēyiruppar naṟṟāṉat tēyiruppar
vētāntat tēyiruppar vēṟu.
Er ist eins mit seiner Gefährtin; sie ist ein Teil seiner Gestalt. Mit ihr ist er überall gegenwärtig. Mit ihr verweilt er jenseits des Klanges, in der heiligen Stätte und in der letzten Wahrheit der Veden.
Die wiederholte Nennung der Gefährtin verbindet Verehrung und Erkenntnis. Nadanta meint das Ende beziehungsweise Jenseits des Klanges; Vedanta bezeichnet hier den letzten Sinn der Veden, nicht ohne Weiteres eine bestimmte spätere Schule.
Vers 81
ஒன்றுரைத்த தொன்றுரையாச் சாத்திரங்க ளொன்றாக
நின்றுரைத்து நிச்சயிக்க மாட்டாவால் - இன்றுரைக்க
என்னா லியன்றிடுமோ வென்போல்வா ரேதேனுஞ்
சொன்னால்தா னேறுமோ சொல்.
oṉṟuraitta toṉṟuraiyāc cāttiraṅka ḷoṉṟāka
niṉṟuraittu niccayikka māṭṭāvāl - iṉṟuraikka
eṉṉā liyaṉṟiṭumō veṉpōlvā rētēṉuñ
coṉṉāltā ṉēṟumō col.
Was die eine Schrift sagt, sagt eine andere nicht. Sie vermögen es nicht alle gemeinsam mit einer Stimme endgültig festzustellen. Wie sollte es mir heute gelingen? Wenn einer wie ich etwas sagt, wird es deshalb schon tragen? Sage es!
Der Dichter tritt hinter die Wahrheit zurück. Die Demut gegenüber der Reichweite von Worten schützt vor der Verwechslung einer Formulierung mit der Wirklichkeit selbst.
Vers 82
யாதேனுங் காரணத்தா லெவ்வுலகி லெத்திறமு
மாதேயும் பாக னிலச்சினையே - ஆதலினாற்
பேதமே செய்வா யபேதமே செய்திடுவாய்
பேதாபே தஞ்செய்வாய் பின்.
yātēṉuṅ kāraṇattā levvulaki lettiṟamu
mātēyum pāka ṉilacciṉaiyē - ātaliṉāṟ
pētamē ceyvā yapētamē ceytiṭuvāy
pētāpē tañceyvāy piṉ.
Aus welcher Ursache auch immer, in welcher Welt und in welcher Weise etwas besteht: Es trägt das Zeichen dessen, dessen eine Hälfte die Göttin ist. Darum magst du von Unterschied, von Nichtunterschied und schließlich von Unterschied und Nichtunterschied sprechen.
Bheda, Abheda und Bhedabheda werden als verschiedene Ausdrucksmöglichkeiten genannt. Der Text lädt ein, ihre Grenzen zu sehen, statt die göttliche Gegenwart in eine einzige Formel einzusperren.
Verse 83–95: Einheit, Unterschied und die Gestalt der Gnade
Vers 83
நின்றபடி நின்றவர்கட் கன்றி நிறந்தெரியா
மன்றினுணின் றாடன் மகிழ்ந்தானுஞ் - சென்றுடனே
எண்ணுறுமைம் பூதமுத லெட்டுருவாய் நின்றானும்
பெண்ணுறநின் றாடும் பிரான்.
niṉṟapaṭi niṉṟavarkaṭ kaṉṟi niṟanteriyā
maṉṟiṉuṇiṉ ṟāṭaṉ makiḻntāṉuñ - ceṉṟuṭaṉē
eṇṇuṟumaim pūtamuta leṭṭuruvāy niṉṟāṉum
peṇṇuṟaniṉ ṟāṭum pirāṉ.
Nur wer in jenem Zustand verweilt, erkennt seine Art: Er erfreut sich am Tanz in der Halle, steht zugleich in den acht Gestalten, beginnend mit den fünf Elementen, und tanzt vereint mit der Frau als unser Herr.
Die acht Gestalten Shivas verbinden kosmische Gegenwart und Tempelbild. Der Tanz wird mit Shakti vollzogen, nicht als einsame Handlung eines abgesonderten Gottes.
Vers 84
சிவமே சிவமாக யானினைந்தாற் போலச்
சிவமாகி யேயிருப்ப தன்றிச் - சிவமென்
றுணர்வாரு மங்கே யுணர்வழியச் சென்று
புணர்வாரு முண்டோ புவி.
civamē civamāka yāṉiṉaintāṟ pōlac
civamāki yēyiruppa taṉṟic - civameṉ
ṟuṇarvāru maṅkē yuṇarvaḻiyac ceṉṟu
puṇarvāru muṇṭō puvi.
Als Shiva wahrhaft Shiva zu sein und darin zu verweilen, wie ich es bedenke – gibt es auf Erden Menschen, die ihn als Shiva erkennen, deren gesondertes Erkennen dort vergeht und die sich mit ihm vereinen?
Die rhetorische Frage lenkt von der Vorstellung zur Verwirklichung. Der Anspruch, Erkenntnis als eigenen Besitz festzuhalten, weicht einer Vereinigung, die der Text als Geschenk der Gnade versteht.
Vers 85
அதுவிது வென்று மவனானே யென்றும்
அதுநீயே யாகின்றா யென்றும் - அதுவானேன்
என்றுந் தமையுணர்ந்தா ரெல்லா மிரண்டாக
ஒன்றாகச் சொல்வரோ வுற்று.
atuvitu veṉṟu mavaṉāṉē yeṉṟum
atunīyē yākiṉṟā yeṉṟum - atuvāṉēṉ
eṉṟun tamaiyuṇarntā rellā miraṇṭāka
oṉṟākac colvarō vuṟṟu.
„Jenes ist dieses“, „Er ist ich“, „Du bist jenes“ und „Ich bin jenes geworden“: Werden diejenigen, die sich selbst wahrhaft erkannt haben, nach ihrer Erfahrung noch in den Begriffen von Zwei oder Eins sprechen?
Die Formeln erinnern an Mahavakyas. Entscheidend ist hier die Erfahrung, die der Formulierung vorausliegt. Die Strophe sollte nicht zur pauschalen Gleichsetzung aller philosophischen Schulen verwendet werden.
Vers 86
ஈறாகி யங்கே முதலொன்றா யீங்கிரண்டாய்
மாறாத வெண்வகையாய் மற்றிவற்றின் - வேறாய்
உடனா யிருக்கு முருவுடைமை யென்றுங்
கடனா யிருக்கின்றான் காண்.
īṟāki yaṅkē mutaloṉṟā yīṅkiraṇṭāy
māṟāta veṇvakaiyāy maṟṟivaṟṟiṉ - vēṟāy
uṭaṉā yirukku muruvuṭaimai yeṉṟuṅ
kaṭaṉā yirukkiṉṟāṉ kāṇ.
Dort ist er das Ende und der eine Ursprung; hier erscheint er als zwei und als die unveränderlichen acht Gestalten. Er ist von ihnen verschieden und mit ihnen verbunden. Diese Weise seines Gegenwärtigseins bleibt ihm eigen. Sieh!
Die Vorlage verweist auf Sambandars Tevaram. Verschiedensein, Verbundensein und Erscheinung in der Welt werden zusammen ausgesprochen – ein wichtiger Schlüssel zur Lektüre des Werkes.
Vers 87
உன்னுதரத் தேகிடந்த கீட முறுவதெல்லாம்
உன்னுடைய தென்னாநீ யுற்றனையோ - மன்னுயிர்கள்
அவ்வகையே காணிங் கழிவதுவு மாவதுவுஞ்
செவ்வகையே நின்றசிவன் பால்.
uṉṉutarat tēkiṭanta kīṭa muṟuvatellām
uṉṉuṭaiya teṉṉānī yuṟṟaṉaiyō - maṉṉuyirkaḷ
avvakaiyē kāṇiṅ kaḻivatuvu māvatuvuñ
cevvakaiyē niṉṟacivaṉ pāl.
Was immer den kleinen Lebewesen in deinem Bauch widerfährt: Erlebst du es alles als dein Eigenes? Ebenso betrachte das Werden und Vergehen der beständigen Seelen im Verhältnis zu Shiva, der in seiner vollkommenen Weise besteht.
Das fremdartig wirkende Gleichnis unterscheidet göttliche Gegenwart von einem unmittelbaren Betroffensein durch jedes einzelne Schicksal. Es behauptet nicht, dass Shiva ohne Mitgefühl sei; die übrigen Verse sprechen gerade von seiner Gnade.
Vers 88
அவனே யவனி முதலாயி னானும்
அவனே யறிவாய்நின் றானும் - அவனேகாண்
ஆணாகிப் பெண்ணா யலிகாகி நின்றானுங்
காணாமை நின்றானுங் கண்டு.
avaṉē yavaṉi mutalāyi ṉāṉum
avaṉē yaṟivāyniṉ ṟāṉum - avaṉēkāṇ
āṇākip peṇṇā yalikāki niṉṟāṉuṅ
kāṇāmai niṉṟāṉuṅ kaṇṭu.
Er selbst wurde Erde und die übrigen Erscheinungen; er selbst steht als Bewusstsein. Er selbst ist als Mann, als Frau und als weder männlich noch weiblich gegenwärtig; er selbst bleibt unsichtbar. Erkenne es!
Das Göttliche umfasst die genannten Geschlechter und entzieht sich zugleich jeder sichtbaren Festlegung. Der tamilische Ausdruck ali wird hier durch „weder männlich noch weiblich“ wiedergegeben.
Vers 89
இன்றுதா னீயென்னைக் கண்டிருந்துங் கண்டாயோ
அன்றித்தா னானுன்னைக் கண்டேனோ - என்றால்
அருமாயை யீன்றவள் தன் பங்கனையார் காண்பார்
பெருமாயைச் சூழல் பிழைத்து.
iṉṟutā ṉīyeṉṉaik kaṇṭiruntuṅ kaṇṭāyō
aṉṟittā ṉāṉuṉṉaik kaṇṭēṉō - eṉṟāl
arumāyai yīṉṟavaḷ taṉ paṅkaṉaiyār kāṇpār
perumāyaic cūḻal piḻaittu.
Du hast mich heute gesehen – hast du mich darum wirklich erkannt? Und habe ich dich erkannt, nur weil ich dich sah? Wer könnte den Gefährten jener schauen, die die gewaltige Maya hervorbringt, ohne den Wirbeln dieser großen Maya zu entkommen?
Äußeres Sehen und wirkliches Erkennen sind verschieden. Maya bezeichnet im shaivischen Zusammenhang die Grundlage der begrenzten Erfahrungswelt und die mit ihr verbundene Verhüllung.
Vers 90
கடலலைத்தே யாடுதற்குக் கைவந்து நின்றுங்
கடலளக்க வாராதாற் போலப் - படியில்
அருத்திசெய்த வன்பரைவந் தாண்டதுவு மெல்லாங்
கருத்துக்குச் சேயனாய்க் காண்.
kaṭalalaittē yāṭutaṟkuk kaivantu niṉṟuṅ
kaṭalaḷakka vārātāṟ pōlap - paṭiyil
arutticeyta vaṉparaivan tāṇṭatuvu mellāṅ
karuttukkuc cēyaṉāyk kāṇ.
Man kann in den Wellen des Meeres baden und doch nicht das Meer ausmessen. Ebenso kommt er und nimmt die Liebenden an, die hier auf Erden nach ihm verlangen – und bleibt doch dem begrenzten Denken fern. Sieh!
Ein Mensch muss das Unendliche nicht ausmessen, um an seiner Gegenwart teilzuhaben. Dieses Meerbild verbindet Demut mit tiefem Vertrauen.
Vers 91
சிவனெனவே தேறினன்யா னென்றமையா லின்றுஞ்
சிவனவனி வந்தபடி செப்பில் - அவனிதனில்
உப்பெனவே கூர்மை யுருச்செய்யக் கண்டமையால்
அப்படியே கண்டா யவன்.
civaṉeṉavē tēṟiṉaṉyā ṉeṉṟamaiyā liṉṟuñ
civaṉavaṉi vantapaṭi ceppil - avaṉitaṉil
uppeṉavē kūrmai yurucceyyak kaṇṭamaiyāl
appaṭiyē kaṇṭā yavaṉ.
„Ich erkannte ihn gewiss als Shiva“, heißt es. Soll ich nun sagen, wie Shiva auf diese Erde kam? Wie Salz, das hier eine scharf umrissene Gestalt annimmt, wurde er sichtbar. So erkenne ihn!
Die Gnadengestalt wird mit kristallisierendem Salz verglichen. Das Bild erläutert, wie Unsichtbares sichtbar werden kann. Die Vorlage kennzeichnet den Anfang als Bezug auf den Tiruvachakam.
Vers 92
அவனிவனாய் நின்ற தவனருளா லல்ல
தெவனவனாய் நிற்கின்ற தேழாய் - அவனிதனில்
தோன்றுமரப் புல்லூரி தொல்லுலகி லம்மரமாய்
ஈன்றிடுமோ சொல்லா யிது.
avaṉivaṉāy niṉṟa tavaṉaruḷā lalla
tevaṉavaṉāy niṟkiṉṟa tēḻāy - avaṉitaṉil
tōṉṟumarap pullūri tollulaki lammaramāy
īṉṟiṭumō collā yitu.
Dass jener als dieser gegenwärtig wurde, geschah durch seine Gnade. Wie sonst könnte dieser als jener bestehen, du Unwissender? Wird ein auf einem Baum wachsendes Schmarotzergewächs in dieser alten Welt selbst zu dem Baum, der es trägt? Sage es!
Das Gleichnis setzt einer vorschnellen Identitätsbehauptung eine Grenze. Vereinigung verdankt sich Gnade; sie ist keine aus eigener Macht vollzogene Umwandlung der Seele in den Herrn.
Vers 93
முத்தி முதற்கொடிக்கே மோகக் கொடிபடர்ந்
தத்தி பழுத்த தருளென்னுங் - கத்தியினான்
மோகக் கொடியறுக்க முத்தி பழம்பழுக்கும்
ஏகக் கொடியெழுங்கா ணின்று.
mutti mutaṟkoṭikkē mōkak koṭipaṭarn
tatti paḻutta taruḷeṉṉuṅ - kattiyiṉāṉ
mōkak koṭiyaṟukka mutti paḻampaḻukkum
ēkak koṭiyeḻuṅkā ṇiṉṟu.
Um die ursprüngliche Ranke der Befreiung schlingt sich die Ranke der Verblendung, und ihre Feige reift. Schneidest du mit dem Messer namens Gnade die Ranke der Verblendung ab, reift die Frucht der Befreiung, und die eine Ranke wächst empor. Sieh!
Das Gewächs der Verblendung überlagert die Möglichkeit der Befreiung. Das Messer ist ausdrücklich Gnade. Das Wachsen und Reifen macht anschaulich, wie Befreiung das Leben von innen her verwandelt.
Vers 94
அகளத்தி லானந்தக் தானந்தி யாயே
சகளத்திற் றையலுடன் றோன்றி - நிகளத்தைப்
போக்குவதுஞ் செய்தான்றன் பொன்னடியென் புன்றலைமேல்
ஆக்குவதுஞ் செய்தா னவன்.
akaḷatti lāṉantak tāṉanti yāyē
cakaḷattiṟ ṟaiyaluṭaṉ ṟōṉṟi - nikaḷattaip
pōkkuvatuñ ceytāṉṟaṉ poṉṉaṭiyeṉ puṉṟalaimēl
ākkuvatuñ ceytā ṉavaṉ.
Im Formlosen ist er der Selige in der Seligkeit. In der Welt der Gestalten erschien er mit der Göttin, löste meine Fessel und setzte seine goldenen Füße auf mein geringes Haupt. Dies alles tat er.
Kosmische Lehre wird zu persönlichem Dank. Die Berührung des Hauptes durch die Füße des Herrn ist ein Bild der Annahme und der geistigen Einweihung.
Vers 95
குற்றமறுத் தென்னையாட் கொண்டருளித் தொண்டனேன்
உற்ற தியானத் துடனுறைவர் - முற்றவரின்
மாட்சியுமாய் நிற்பரியான் மற்றொன்றைக் கண்டிடினக்
காட்சியுமாய் நிற்பார் கலந்து.
kuṟṟamaṟut teṉṉaiyāṭ koṇṭaruḷit toṇṭaṉēṉ
uṟṟa tiyāṉat tuṭaṉuṟaivar - muṟṟavariṉ
māṭciyumāy niṟpariyāṉ maṟṟoṉṟaik kaṇṭiṭiṉak
kāṭciyumāy niṟpār kalantu.
Er tilgte meinen Makel, nahm mich gnädig an und verweilt in der Meditation, die mir, seinem Diener, zuteilgeworden ist. Er steht als die Größe der Vollendeten; und wenn ich etwas anderes sehe, ist er mit dieser Schau verbunden gegenwärtig.
Die Gottesnähe bleibt nicht auf besondere Augenblicke beschränkt. Meditation und Wahrnehmung können von derselben ehrfürchtigen Gegenwart durchdrungen werden.
Verse 96–100: Dankbarkeit, Befreiung und bleibender Dienst
Vers 96
ஆளுடையா னெந்தரமு மாளுடையா னேயறியுந்
தாளுடையான் றொண்டர் தலைக்காவல் - நாளுந்
திருவியலூ ராளுஞ் சிவயோகி யின்றென்
வருவிசையை மாற்றினான் வந்து.
āḷuṭaiyā ṉentaramu māḷuṭaiyā ṉēyaṟiyun
tāḷuṭaiyāṉ ṟoṇṭar talaikkāval - nāḷun
tiruviyalū rāḷuñ civayōki yiṉṟeṉ
varuvicaiyai māṟṟiṉāṉ vantu.
Der Herr, dem wir gehören, kennt selbst die Reife eines jeden. Seine Füße sind der Schutz auf dem Haupt der Dienenden. Der Shiva-Yogi von Tiruviyalur kam heute und verwandelte die Kraft dessen, was noch auf mich zukommen sollte.
Der Vers würdigt den Guru aus Tiruviyalur, den älteren Uyyavanta Deva Nayanar. Seine befreiende Wirkung wird hier auf noch bevorstehende karmische Verstrickung bezogen.
Vers 97
தூலத் தடுத்த பளிங்கின் துளக்கமெனத்
தூலத்தே நின்று துலங்காமற் - காலத்தால்
தாளைத்தந் தென்பிறவித் தாளை யறவிழித்தார்க்
காளன்றி யென்மா றதற்கு.
tūlat taṭutta paḷiṅkiṉ tuḷakkameṉat
tūlattē niṉṟu tulaṅkāmaṟ - kālattāl
tāḷaittan teṉpiṟavit tāḷai yaṟaviḻittārk
kāḷaṉṟi yeṉmā ṟataṟku.
Wie ein Kristall, dessen Leuchten durch Staub verhüllt ist, blieb ich im groben Leib, ohne klar zu strahlen. Zur rechten Zeit schenkte er mir seine Füße und öffnete mein Auge, sodass die Fessel meiner Geburt fiel. Welche Gegengabe gäbe es außer meinem Dienst?
Der Kristall ist ein Bild verhüllter Klarheit. Die erste Vergleichsfügung ist textlich schwierig; „Staub“ erläutert hier die Verhüllung. Dankbarkeit wird zur Bereitschaft, das empfangene Licht im Leben wirksam werden zu lassen.
Vers 98
இக்கணமே முத்தியினை யெய்திடினு மியானினைந்த
அக்கணமே யானந்தந் தந்திடினும் - நற்கணத்தார்
நாயகற்கும் நாயகிக்கும் நானடிமை யெப்பொழுது
மாயிருத்த லன்றியிலே னியான்.
ikkaṇamē muttiyiṉai yeytiṭiṉu miyāṉiṉainta
akkaṇamē yāṉantan tantiṭiṉum - naṟkaṇattār
nāyakaṟkum nāyakikkum nāṉaṭimai yeppoḻutu
māyirutta laṉṟiyilē ṉiyāṉ.
Selbst wenn ich in diesem Augenblick Befreiung erlangte, selbst wenn er mir im Augenblick meines Wünschens Seligkeit schenkte: Ich kenne nichts anderes, als dem Herrn der heiligen Scharen und seiner Herrin für immer zu dienen.
Moksha hebt die Bhakti nicht auf. Vollendete Freiheit bewahrt die freudige Zugehörigkeit zu Shiva und Shakti. So bleibt die Liebe zum Herrn auch im höchsten Ziel lebendig.
Vers 99
என்னை யுடையவன்வந் தென்னுடானா யென்னளவில்
என்னையுந்தன் னாளாகக் கொள்ளுதலால் - என்னை
அறியப்பெற் றேனறிந்த வன்பருக்கே யாளாய்ச்
செறியப்பெற் றேன்குழுவிற் சென்று.
eṉṉai yuṭaiyavaṉvan teṉṉuṭāṉā yeṉṉaḷavil
eṉṉaiyuntaṉ ṉāḷākak koḷḷutalāl - eṉṉai
aṟiyappeṟ ṟēṉaṟinta vaṉparukkē yāḷāyc
ceṟiyappeṟ ṟēṉkuḻuviṟ ceṉṟu.
Der Herr, dem ich gehöre, kam, wurde mir nahe und nahm auch mich, so wie ich bin, als seinen Diener an. So durfte ich mich selbst erkennen und mich als Diener der erkennenden Liebenden in ihre Gemeinschaft einfügen.
Die Frucht der Gnade umfasst Selbsterkenntnis und Satsang. Der Weg mündet in Verbundenheit mit anderen Verehrenden.
Vers 100
சிந்தையிலு மென்றன் சிரத்தினுலுஞ் சேரும்வகை
வந்தவனை மண்ணிடைநாம் வாராமல் - தந்தவனை
மாதினுட னெத்திறமும் வாழ்ந்திருக்க வென்பதலால்
ஏதுசொலி வாழ்த்துவே னின்று.
cintaiyilu meṉṟaṉ cirattiṉuluñ cērumvakai
vantavaṉai maṇṇiṭainām vārāmal - tantavaṉai
mātiṉuṭa ṉettiṟamum vāḻntirukka veṉpatalāl
ētucoli vāḻttuvē ṉiṉṟu.
Er kam, um in meinem Herzen und auf meinem Haupt gegenwärtig zu sein; er schenkte mir, nicht wieder auf diese Erde kommen zu müssen. Was könnte ich heute anderes zu seinem Lob sagen als: „Möge er mit der Göttin in jeder Weise herrlich gegenwärtig sein!“
Der Haupttext endet in einem Segensruf. Nachdem so viel über Erkenntnis gesagt wurde, bleibt das dankbare Herz: Shiva und Shakti werden gemeinsam gepriesen.
Zwei zusätzliche Schlussgedichte der Ausgabe
Schlussgedicht 1 (Nr. 101 der Vorlage)
ஆதார மாகி அருளோடு நிற்கின்ற
சூதான இன்பச் சுகவடிவை - ஓதாமல்
உள்ளவர்கள் கூடி யுணர்வொழிய நிற்பதலால்
தெள்ளவா ராதே சிவம்.
ātāra māki aruḷōṭu niṟkiṉṟa
cūtāṉa iṉpac cukavaṭivai - ōtāmal
uḷḷavarkaḷ kūṭi yuṇarvoḻiya niṟpatalāl
teḷḷavā rātē civam.
Die verborgene Gestalt wonnevoller Seligkeit steht als Grundlage mit der Gnade. Jene, die darin sind, sprechen nicht darüber; vereint verweilen sie, während gesondertes Erkennen schweigt. Darum lässt sich Shiva nicht klar vor Augen stellen.
Dieses zusätzliche Schlussgedicht der verwendeten Ausgabe fasst die Unsagbarkeit der Erfahrung zusammen. Es gehört nicht zur gewöhnlich genannten Zahl von hundert Lehrversen.
Schlussgedicht 2 (Nr. 102 der Vorlage)
பொருளு மனையு மறமறந்து போக மறந்து புலன்மறந்து
கருவி கரண மவைமறந்த கால மறந்து கலைமறந்து
தரும மறந்து தவமறந்து தம்மை மறந்து தற்பரத்தோ
டுருகி யுருகி ஒருநீர்மை யாயே விட்டார் உய்யவந்தார்.
poruḷu maṉaiyu maṟamaṟantu pōka maṟantu pulaṉmaṟantu
karuvi karaṇa mavaimaṟanta kāla maṟantu kalaimaṟantu
taruma maṟantu tavamaṟantu tammai maṟantu taṟparattō
ṭuruki yuruki orunīrmai yāyē viṭṭār uyyavantār.
Besitz und Haus, Pflicht, Genuss und Sinne vergessend; Werkzeuge und innere Fähigkeiten, Zeit und begrenzende Kräfte vergessend; Tugend und Askese, schließlich sich selbst vergessend – schmolz Uyyavantar immer tiefer mit dem höchsten Herrn zusammen und wurde von einer einzigen Wesensart mit ihm.
Das zweite zusätzliche Schlussgedicht würdigt Uyyavanta Deva Nayanar. Das „Vergessen“ ist ekstatische Bildsprache für das Ende des selbstbezogenen Festhaltens. Kalai wird hier als begrenzende Kraft wiedergegeben; das Wort kann je nach Kontext auch Wissen oder Künste bezeichnen.
Zentrale Lehren und spirituelle Bedeutung

Shiva und Shakti: Erhabenheit und Nähe
Schon der erste Vers nennt das Göttliche Mutter und Vater. Damit setzt Tirukkalitruppadiyar einen Ton, der das ganze Werk trägt: Die höchste Wirklichkeit übersteigt die Welt und ist ihr zugleich innig zugewandt. Shakti erscheint als Gnade, als schöpferisches Wirken und als untrennbare Gefährtin Shivas. Vers 78 veranschaulicht dieses Verhältnis durch die Hand, mit der ein Mensch handelt; Vers 79 durch Gold und seine verschiedenen Gestalten. Die Bilder wollen eine lebendige Zusammengehörigkeit erschließen.
Für die Lektüre ist deshalb beides wesentlich: ehrfürchtige Weite und persönliche Beziehung. Die Sprache vom Licht und von der unaussprechlichen Wirklichkeit verdrängt die Anrede an den Herrn nicht. Ebenso geht die Verehrung einer Gestalt nicht in der Vorstellung auf, das Göttliche lasse sich auf ein sichtbares Bild begrenzen.
Pati, Pashu und Pasha: Herr, Seele und Bindung
Zum Hintergrund des Shaiva Siddhanta gehört die Unterscheidung von Pati, dem Herrn, Pashu, der Seele, und Pasha, der Bindung. Die Seele ist von begrenzenden Bedingungen umgeben und vermag aus eigener Kraft ihre Unwissenheit nicht vollständig zu durchdringen. Anava, Karma und Maya werden in dieser Tradition als grundlegende Aspekte ihrer Gebundenheit unterschieden. Anava bezeichnet die ursprüngliche Verengung des Erkennens; Karma die Bindung durch Handlungen und ihre Folgen; Maya die Grundlage der gegenständlichen Erfahrungswelt.
Tirukkalitruppadiyar spricht zugleich kühn vom Einssein. Diese Aussagen verdienen eine sorgfältige Lektüre. Vers 43 nennt die Seele anfanglos; Vers 92 begrenzt eine eigenmächtige Gleichsetzung der Seele mit dem Herrn; Vers 98 bewahrt den freudigen Dienst auch angesichts der Befreiung. Innigste Gemeinschaft und bleibende Beziehung gehören hier zusammen. Die Dichtung lässt sich daher nicht vollständig in eine Formel des Advaita Vedanta übersetzen.
Gnade und Guru
Der formlose Herr wird im Guru erfahrbar. Die Unterweisung ist im Tirukkalitruppadiyar mehr als die Weitergabe von Informationen: Sie kann die Blickrichtung des ganzen Lebens verwandeln. Das eine wirksame Wort des Lehrers wird in Vers 6 dem bloßen Ansammeln von Schriftwissen gegenübergestellt. Vers 3 zeigt zugleich eine Überlieferungskette: Ein Mensch hört, versteht und gibt das Empfangene weiter.
Diese Sicht vertieft die Bedeutung von Svadhyaya. Ein Vers kann lange im Gedächtnis liegen, bis er durch Sammlung, Lebensreife und Gnade sein inneres Gewicht erhält. Das Studium wird so zu einer Begegnung, in der sich Wissen mit Erfahrung verbindet.
Meditation mit und ohne Stütze
Die Verse 22–25 behandeln Yoga mit einer Stütze und Yoga ohne hergestellte Stütze. Ein Bild, ein innerer Gegenstand oder eine klare Ausrichtung kann den Geist sammeln. Im weiteren Reifen löst sich das beharrliche Gegenüber von Betrachtendem und Betrachtetem. Das Gedicht spricht von einem Verweilen bei jener Wirklichkeit, die durch die Betrachtung nicht erst erzeugt wird.
Die fünf Silben des Panchakshara Mantra werden in Vers 26 ausdrücklich genannt. Gemeint ist die Shiva gewidmete fünfsilbige Mantraform, die im Umfeld von Namah Shivaya und Shivaya Namah erläutert wird. Der Vers legt das Gewicht auf die Hinwendung zu Mutter und Vater und das Stillwerden des begrenzten Denkens. Das verbreitete Om Namah Shivaya schließt mit Om eine zusätzliche Silbe ein; die Zahl fünf bezieht sich auf die eigentliche Panchakshara-Form.

Liebe als Vollendung der Übung
Zu den wärmsten Aussagen des Werkes gehört Vers 55: Bad, Meditation und Verehrung finden ihre Erfüllung in der Liebe. Vers 44 gestaltet daraus eine innere Puja: Das Herz schaut das Shiva Linga, Liebe wird zum Badewasser und der Mensch selbst zur dargebrachten Blume. Die äußere Verehrung erhält dadurch eine innere Entsprechung.
Diese Bildsprache kann auch heutige Leser zur Besinnung führen: Wie verändert sich eine Handlung, wenn sie aus Dankbarkeit geschieht? Was geschieht mit dem Herzen, wenn es sich im Geben weniger um sich selbst dreht? Solche Fragen sind eine heutige Annäherung an den Text, keine zusätzlich überlieferten Verse.
Handeln ohne Aneignung
Mehrfach spricht Tirukkalitruppadiyar vom „Nichttun“. Im Zusammenhang der Verse 59–64 meint dies eine Wandlung des Handelnden: Der Anspruch, unabhängiger Urheber und Eigentümer aller Kräfte zu sein, tritt zurück. Der Mensch kann weiter dienen und handeln, während er sein Erkennen und Wirken auf Shiva bezieht. Hier ist ein fruchtbarer Vergleich mit Karma Yoga möglich, ohne die besondere shaivische Gnadenlehre zu übergehen.
Vers 60 öffnet diese Möglichkeit über bestimmte Orte und Zeiten hinaus. Geistige Reifung kann den Alltag durchdringen. Der Weg gewinnt Gestalt in der Weise, wie ein Mensch zuhört, arbeitet, betet und anderen begegnet.
Die Heiligen als lebendige Beispiele
Appar, Sambandar, Sundarar, Manikkavachakar, Kannappa und andere Verehrende erscheinen als Zeugen einer verwandelnden Gottesbeziehung. Ihre Geschichten gehören zur religiösen Erinnerungswelt des Gedichts. Manche erzählen von einfachen Gaben, andere von Wundern oder äußersten Prüfungen. Für das Verständnis ist die Unterscheidung zwischen dem Wortlaut des Verses, der vorausgesetzten Legende und einer heutigen Anwendung wesentlich.
Das Werk spricht an einzelnen Stellen mit einem ausschließlichen Anspruch für den eigenen Weg, besonders in den Versen 65 und 74. Diese Aussagen gehören zur historischen Stimme des Werkes. Sie lassen sich aus seiner besonderen Gottesbeziehung verstehen, während heutige Leser anderen Überlieferungen mit Achtung begegnen.
Tirukkalitruppadiyar und verwandte Schriften
Tamilische Lehrdichtung und Bhakti
Die engste Verbindung besteht zu Tiruvundiyar, dessen Unterweisungen Tirukkalitruppadiyar weiter entfaltet. Sivajnana Bodham und Sivajnana Siddhiyar erschließen die systematische Lehre des Shaiva Siddhanta. Sivaprakasam, Tiruvarutpayan und Unmai Neri Vilakkam bieten weitere Zugänge zu Erkenntnis, Gnade und Befreiung. Gerade die gemeinsame Lektüre von Tirukkalitruppadiyar und Unmai Neri Vilakkam kann helfen, persönliche Erfahrungssprache und geordnete Lehrdarstellung miteinander ins Gespräch zu bringen.
Tirumantiram verbindet Shiva-Verehrung, Yoga und die Sprache der Agamas. Tevaram und Tiruvachakam eröffnen den devotionalen Raum, den zahlreiche Verse voraussetzen. Tirukkural steht mit seiner ethischen und kontemplativen Weisheit an mehreren Stellen ausdrücklich im Hintergrund. Agathiyar Jnanam, Avvai Kural und Vinayagar Agaval ermöglichen ergänzende Vergleiche innerhalb tamilischer spiritueller Literatur; damit ist keine direkte textliche Abhängigkeit behauptet.
Agamas und Tantra-Schriften
Die im Gedicht genannten Agamas bilden einen wichtigen religiösen Hintergrund. Zum weiterführenden Studium eignen sich die Artikel zu Kamika Agama und Ajita Agama, die in den shaivischen Agama-Zusammenhang gehören. Tirukkalitruppadiyar selbst ist eine tamilische Lehrdichtung und kein ausführliches Ritualhandbuch.
Vijnana Bhairava Tantra, Shiva Sutra und Spandakarika ermöglichen Vergleiche mit anderen shaivischen Wegen der Meditation und Erkenntnis. Diese Texte stehen jedoch in anderen Überlieferungszusammenhängen, insbesondere im Umfeld des Kashmir Shivaismus. Begriffe wie Bewusstsein, Einheit, Gnade oder Shakti sollten deshalb jeweils aus dem betreffenden Werk verstanden werden. Auch Kularnava Tantra und Netra Tantra eröffnen andere Perspektiven der tantrischen Literatur. Ein aufmerksamer Vergleich achtet sowohl auf Verwandtschaft als auch auf Unterschiede.
Videos zum Tirukkalitruppadiyar und zur Shiva-Verehrung
Tamilische Einführung in Tirukkalitruppadiyar
Vortrag von Mu. Gnanapoongothai, veröffentlicht bei Bakthi TV, Teil 1: „திருக்களிற்றுப்படியார் 01“. Das Video vermittelt einen tamilischsprachigen Zugang zur Lehrdichtung.
Tirukkalitruppadiyar 01 auf YouTube
Tamilische Erläuterung der Verse 41–46
Siva Deeban: Erläuterung eines Abschnitts über Erkenntnis, göttliche Zugehörigkeit und innere Verehrung. Das Video ist ein ergänzender Kommentar; seine Deutungen sind von der eigenen deutschen Übersetzung dieses Artikels zu unterscheiden.
Tirukkalitruppadiyar, Verse 41–46 auf YouTube
Om Namah Shivaya: Bedeutung und geistiger Hintergrund
Erläuterung von Sukadev zum Shiva-Mantra, wie sie auch im Yoga-Vidya-Wiki beim Mantra verlinkt ist. Sie bietet eine deutschsprachige Ergänzung zu Vers 26; sie ist kein Kommentar zum gesamten Tirukkalitruppadiyar.
Om Namah Shivaya – Erläuterung
Die Videotitel beziehungsweise Zuordnungen wurden anhand der veröffentlichten Metadaten und der Wiki-Verlinkung überprüft. Eine vollständige inhaltliche Prüfung aller Vorträge ist damit nicht verbunden.
Seminare bei Yoga Vidya
Wer die Beschäftigung mit Tirukkalitruppadiyar durch gemeinsames Studium und Praxis vertiefen möchte, findet bei Yoga Vidya Angebote zu indischen Schriften, Bhakti, Meditation und Yoga. Die folgenden Feeds enthalten wechselnde Angebote; sie bezeichnen keine eigens diesem Werk gewidmete Kursreihe.
Indische Schriften
- 26.12.2026 - 02.01.2027 Indische Rituale Ausbildung
Du interessierst dich für indische Rituale? Du hast die einzigartige Gelegenheit, in dieser Rituale Ausbildung bei Yoga Vidya die kleine Puja, große P…- Sukadev Bretz, Shankari Winkelbauer
- 01.01.2027 - 10.01.2027 Yogalehrer Weiterbildung Intensiv A1 - Jnana Yoga und Vedanta
Kompakte, vielseitige Weiterbildung für Yogalehrer rund um Jnana Yoga und Vedanta.
Tauche tief ein ins Jnana Yoga und Vedanta, studiere die indischen S…- Vedamurti Dr Olaf Schönert
Bhakti Yoga
- 27.10.2026 - 27.10.2026 Mantra-Konzert mit Shamana OM
Konzert mit Shamana OM- Shamana OM
- 31.10.2026 - 31.10.2026 Mantra-Konzert mit Gruppe Mudita
Konzert mit der Gruppe Mudita- Gruppe Mudita
Kundalini Yoga
- 30.10.2026 - 01.11.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe
Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…- Arjuna Wingen
- 06.11.2026 - 08.11.2026 Kundalini Yoga Einführung
Gründliche Einführung in die Theorie und Praxis des Kundalini Yoga, Yoga der Energie. Die praktischen Übungen des Kundalini Yoga umfassen Pranayama (…- Arjuna Wingen
Chakras
- 20.11.2026 - 22.11.2026 Heilreise durch die Chakren
Tauche ein in eine transformative Reise durch die sieben Hauptchakren und erfahre, wie du deine Energiezentren aktivieren, ausbalancieren und für dein …- Nese Niekrens, Gajendra Sebastian Niekrens
- 26.12.2026 - 01.01.2027 Kundalini Yoga Intensiv Praxis - Live Online
Intensives Praktizieren der im Mittelstufen-Seminar gelernten Übungen für noch tiefere Erfahrung und Erweiterung des Bewusstseins ohne viel Theorie. L…- Sukadev Bretz, Shaktipriya Vogt, Radharani Birkner
Energiearbeit
- 30.10.2026 - 01.11.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe
Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…- Arjuna Wingen
- 04.11.2026 - 04.11.2026 Einführung in die Chakratherapie - Online Workshop
Uhrzeit: 18 - 21 Uhr
Ein Chakra ist ein feinstoffliches Kraftzentrum des Körpers, welches wichtige Körperfunktionen steuert und bestimmten Organen zug…- Beate Menkarski
Weitere Einstiege: Yoga und Meditation bei Yoga Vidya.
Schlussgedanke: Das Herz wird zur Gabe
Tirukkalitruppadiyar führt durch schwierige Fragen und mündet in Dankbarkeit. Das Meer lässt sich nicht ausmessen, und doch darf ein Mensch in seinen Wellen baden. So muss das Herz das Unendliche nicht vollständig erklären, um sich seiner Gegenwart zu öffnen.
Die innere Verehrung beginnt dort, wo ein Mensch sein Leben zur Gabe werden lässt: Liebe wird zum Wasser der Puja, die eigene Hingabe zur Blume. Erkenntnis hilft, das Wesentliche zu sehen; Gnade lässt das Herz weich werden. Aus beidem kann ein Handeln erwachsen, das anderen mit Aufmerksamkeit, Geduld und Güte begegnet.
Am Ende steht im Tirukkalitruppadiyar die Freude, Shiva und Shakti verbunden zu bleiben. Ein Wort des Gebets, ein Augenblick wacher Stille, ein aufrichtiger Dienst können dieser Verbundenheit Ausdruck geben. So lädt die alte tamilische Schrift dazu ein, Weisheit im eigenen Leben erblühen zu lassen – still, liebevoll und voller Dankbarkeit.
Siehe auch
- Shaiva Siddhanta, Shivaismus, Shiva, Shakti, Nataraja, Chidambaram
- Tiruvundiyar, Sivajnana Bodham, Sivajnana Siddhiyar, Sivaprakasam, Tiruvarutpayan, Unmai Neri Vilakkam
- Tirumantiram, Tevaram, Tiruvachakam, Tirukkural, Agathiyar Jnanam, Avvai Kural, Vinayagar Agaval
- Uyyavanta Deva Nayanar aus Tirukkadavur, Uyyavanta Deva Nayanar aus Tiruviyalur, Tirumular, Manikkavachakar, Appar, Sambandar, Sundarar, Nayanmar
- Guru, Gnade, Bhakti, Jnana, Puja, Dhyana, Samadhi, Moksha, Panchakshara Mantra
- Agama, Tantra, Kamika Agama, Ajita Agama, Vijnana Bhairava Tantra, Shiva Sutra, Spandakarika, Netra Tantra, Kularnava Tantra
Quellen und Literatur
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Tamil Virtual Academy: Darstellung der Siddhanta-Lehrwerke, Abschnitt 3.1.1. Tamilische Einführung zu Autor, Umfang, Datierung und literarischen Bezügen.
- ↑ 2,0 2,1 Tamil Virtual Academy: Darstellung zu Tiruvundiyar und Tirukkalitruppadiyar. Überliefert die Titellegende und die Zuordnung der beiden gleichnamigen Autoren; die dortige Datierung weicht von der anderen Darstellung der Akademie ab.
- ↑ Project Madurai: Tirukkalitruppadiyar und Tiruvundiyar, E-Text 0120, erster Teil. Texteingabe: Vasan Pillai; HTML-Fassung: Kumar Mallikarjunan gemäß den Editionsangaben. Elektronische Erstfassung 2001, Unicode-Fassung 2002. Tamilischer Haupttext, Lesarten und zwei zusätzliche Schlussgedichte.
- ↑ Shaivam.org: Thirukkalitruppadiyar; Chennai Library: Thirukalitruppadiyar; GRETIL: römische Fassung auf Grundlage von Project Madurai.
- ↑ K. Vellaivaranar: Tiruvuntiyār – Tirukkaḷiṟṟuppaṭiyār, tamilische kommentierte Ausgabe, digitaler Scan bei Tamil Virtual Academy. Punktuell konsultierte Transkriptionen: Scan-Seite 29 zur sichtbaren Guru-Gestalt, Scan-Seite 51 zum Wortspiel in Vers 20 und Scan-Seite 52 zum landwirtschaftlichen Gleichnis in Vers 21. Wikisource-Transkriptionen können zusätzlich OCR-Fehler enthalten.
Redaktionelle Behandlung des tamilischen Textes
Die doppelte beziehungsweise verschobene Verszählung am Anfang der elektronischen Vorlage ist zu einer fortlaufenden Folge 1–100 berichtigt. Quellen- und Variantenzeichen innerhalb der Verse wurden entfernt. Einige offenkundig gestörte Schreibungen sind behutsam berichtigt: Vers 38 எத்தனனையோ zu எத்தனையோ, Vers 43 வம்பிகிகையோ zu வம்பிகையோ, Vers 68 தலைமுணருந் zu தலமுணருந், Vers 70 மோங்புகழ்த் zu மோங்குபுகழ்த், Vers 95 தென்னியாட் zu தென்னையாட் und Schlussgedicht 2 மறட்ந்து zu மறந்து. Die ersten beiden Korrekturen werden durch die getrennten Wortformen der Chennai Library gestützt; die übrigen sind redaktionelle Berichtigungen nach Wortform und Zusammenhang. Unterschiede in der Worttrennung bleiben ansonsten weitgehend erhalten. In der Chennai-Library-Fassung stehen die hier als 25 und 26 gezählten Verse in umgekehrter Reihenfolge.
Ergänzende Nachweise zu einzelnen Stellen
- K. Vellaivaranar: Panniru Tirumurai Varalaru, Abschnitt zu den Tirumurais 8–12, Scan-Seite 496, gedruckte Seite 480. Zur Guru-Gestalt und zur Deutung des Samenbildes in Vers 57: Der Keim ist im Samen noch nicht als eigenständige Erscheinung hervorgetreten. Der Kommentar bezieht dies auf das Zurücktreten des Eigenanspruchs in der Gemeinschaft mit Shiva.
- Tamil Lexicon, Universität Madras: Stichwort அரணவுணர்வு (araṇa-v-uṇarvu), digitale Wiedergabe des Wörterbucheintrags. Gotteserkenntnis beziehungsweise Pati-Jnana; Bezug zu Vers 41.
- Shaivam.org: Arivattaya Nayanar Puranam. Überlieferungshintergrund zu Vers 20, einschließlich Shivas rettendem Eingreifen.
Hinweise zu Text und Medien
Der alte tamilische Versbestand ist gemeinfrei. Die deutsche Übersetzung und die kursiv gesetzten Erläuterungen wurden für diese Darstellung neu formuliert. Die elektronischen Editionen bleiben als Textgrundlagen genannt. Diese Ausgabe bietet keine vollständige Kollation von Handschriften und keinen vollständigen Variantenapparat.
Die Abbildungen stammen aus dem Dateibestand des Yoga-Vidya-Wikis: Nataraja, Shiva, Parvati und Ganesha und Shiva in Meditation. Herkunft und Nutzungsbedingungen sind auf den jeweiligen Dateiseiten maßgeblich. Sie illustrieren die Themen des Werkes und zeigen keine Handschrift des Tirukkalitruppadiyar. Die Bilddateien und die XML-Seminarfeeds waren bei der Prüfung am 26. September 2026 erreichbar.