Sundarar

Aus Yogawiki

Sundarar (Tamil: சுந்தரர், Cuntarar; auch Sundaramurti oder Nambi Arurar) war ein tamilischer Heiliger und Dichter der Shiva-Bhakti im 8. Jahrhundert. Er gehört zu den 63 Nayanmars, den Heiligen des tamilischen Shivaismus, und ist neben Appar und Sambandar einer der drei großen Dichter des Tevaram. Seine Hymnen bilden das siebte Buch des Tirumurai. Die Tradition verehrt ihn als Tampiran Tozhan, den „Freund des Herrn“.

Nach der Überlieferung, die vor allem im Periya Puranam erzählt wird, erschien Shiva bei Sundarars Hochzeit als alter Brahmane, beanspruchte ihn mit einer alten Urkunde als seinen Diener und offenbarte sich schließlich im Heiligtum von Tiruvennainallur. Von da an lebte Sundarar in einer vertrauten, oft erstaunlich unmittelbaren Beziehung zu Shiva, in der er bitten, klagen und auch nach Fehltritten zurückkehren durfte. Legenden erzählen, wie er in Avinashi ein vom Krokodil verschlungenes Kind ins Leben zurücksang und wie er am Ende seines Lebens auf einem weißen Elefanten nach Kailash gerufen wurde, begleitet von seinem Freund Cheraman Perumal.

Sein Hymnus Tiruttondattokai, in dem er sich zum Diener der Diener Shivas erklärt und ihre Namen preist, wurde zur Grundlage der gesamten späteren Nayanmar-Überlieferung, die Sekkizhar im Periya Puranam ausführlich entfaltete. So zeigt Sundarars Leben eine Bhakti, die das ganze menschliche Leben annimmt: Freundschaft mit Gott, Mitgefühl für die Not anderer und die Gnade, die auch nach Irrwegen immer wieder zu sich führt.

Sundarar liebte Shiva mit der Nähe eines Freundes. In seinen Liedern darf er bitten, klagen und vertrauen; seine Heiligengeschichte zeigt einen Menschen mit Beziehungen, Bindungen und Schwächen, den der Herr immer wieder zu sich führt. Er wird auch Sundaramurti und Nambi Arurar genannt.

Seine Hymnen bilden das siebte Tirumurai und gehören zum Tevaram. Die Legenden erzählen von einem göttlichen Eingriff bei seiner Hochzeit, von der Rettung eines Kindes und von der letzten Reise auf einem weißen Elefanten. Durch alles hindurch leuchtet eine Freundschaft, die das menschliche Leben ganz annimmt.

Shiva: Gottesliebe verbindet das heilige Bild mit dem eigenen Leben.

Das Wichtigste auf einen Blick

Merkmal Einordnung
Name Sundarar
Tamil சுந்தரர்
Transliteration Cuntarar; Cuntaramūrtti
Lebenszeit 8. Jahrhundert
Tradition Nayanmar; tamilische Shiva-Bhakti

Geschichten über Sundarar

Sundarars Geschichten werden ausführlich im Periya Puranam erzählt. Seine eigenen Hymnen bilden dazu ein lebendiges Gegenüber: Sie bewahren die Stimme eines Verehrers, der seine Beziehung zu Shiva mit großer Offenheit lebt.

Der alte Mann bei der Hochzeit

Sundarar steht kurz vor seiner Hochzeit, als ein alter Brahmane erscheint und einen Anspruch erhebt: Der junge Mann sei durch eine alte Urkunde an seinen Dienst gebunden. Sundarar widerspricht heftig. Die Versammlung muss sich mit dem überraschenden Streit befassen.

Der Fremde führt die Beteiligten schließlich zum Heiligtum von Tiruvennainallur. Dort wird offenbar, wer er ist: Shiva selbst. Die Urkunde war Teil eines göttlichen Spiels, durch das er seinen Verehrer an die tiefere Bindung seines Lebens erinnert.

Sundarars Zorn verwandelt sich in Hingabe. Der Herr nimmt sogar die vertrauliche, zunächst empörte Anrede in den Gesang auf. Der Hymnus Pitta Pirai Sudi preist den „Verrückten“, der die Mondsichel trägt.

So beginnt eine Beziehung, in der Ehrfurcht und Nähe sich nicht ausschließen. Sundarar darf mit seiner ganzen Lebendigkeit vor dem Herrn stehen. Die Gnade findet ihn mitten in einem menschlichen Vorhaben und gibt seinem Leben eine neue Richtung.

Der Freund hört auch die alltäglichen Bitten

In Tiruvarur verbindet sich Sundarars Leben mit Paravai. Er singt, pilgert und bittet Shiva auch um die Mittel, die für den gemeinsamen Lebensunterhalt und den Dienst an anderen nötig sind. Seine Gebete sind oft erstaunlich unmittelbar.

Die Geschichten berichten von Reis und Gold, von Versorgung und göttlicher Hilfe. Sie zeigen eine Bhakti, die das alltägliche Leben nicht ausspart. Der Freund darf wissen, was seinen Verehrer bedrängt.

Zugleich wird Sundarars Weg nicht als Folge makelloser Entscheidungen erzählt. Seine spätere Beziehung zu Sangili, sein Versprechen und dessen Bruch führen zu Leid und zum Verlust seines Augenlichts. Er sucht die Heiligtümer auf und betet; schließlich wird ihm das Sehen wieder geschenkt.

Das Heiligenbild bewahrt damit Raum für Reue und Rückkehr. Ein Fehltritt muss die Beziehung zum Göttlichen nicht beenden. Der Mensch darf Verantwortung annehmen und sich erneut der Gnade zuwenden.

Zwei Häuser in Avinashi

Als Sundarar nach Avinashi kommt, hört er aus einem Haus Freude und aus einem anderen Trauer. Er erkundigt sich nach dem Grund. Zwei Knaben waren einst gemeinsam zum Wasser gegangen; einer war von einem Krokodil verschlungen worden, der andere war zurückgekehrt. Nun feiert die eine Familie einen wichtigen Lebensabschnitt ihres Kindes, während der Verlust die andere erneut schmerzt.

Sundarar lässt diese Trauer nicht unbeachtet. Er geht zum Wasser und singt zu Shiva. Sein Gebet bittet eindringlich um die Rückkehr des verlorenen Jungen.

Der Überlieferung zufolge gibt das Krokodil das Kind lebend zurück, herangewachsen wie sein einstiger Gefährte. Die getrennten Häuser werden in gemeinsamer Freude verbunden. Wo ein Fest den Schmerz noch verschärft hatte, schafft die Gnade Versöhnung und neues Leben.

Die Erzählung ehrt Sundarars Mitgefühl. Er hätte weitergehen können. Stattdessen hört er hin. Seine Freundschaft mit Shiva macht ihn aufmerksam für die Not der Menschen.

Die Liebe zum Freund Cheraman

Mit Cheraman Perumal verbindet Sundarar eine tiefe Freundschaft. Der königliche Verehrer empfängt den Sänger mit großer Freude. Ihr Zusammensein zeigt, wie die Liebe zu Shiva gesellschaftliche Rollen durchdringen kann: König und Dichter begegnen sich als Gottesfreunde.

Diese Beziehung erhält am Ende eine wunderbare Gestalt. Als Shiva Sundarar nach Kailash ruft, erscheint ein weißer Elefant. Sundarar steigt auf und tritt seine letzte Reise an. Cheraman folgt ihm in der Überlieferung auf seinem Pferd, getragen von der Kraft des göttlichen Namens.

Die Himmelreise vollendet das Bild einer Liebe, die nicht allein für sich selig sein möchte. Der Freund bleibt dem Freund verbunden. Der Weg zum Herrn erscheint als Heimkehr in eine größere Gemeinschaft.

Diener der Diener

Sundarars Tiruttondattokai preist die Verehrer Shivas. Der Dichter stellt sich in ihren Dienst und nennt ihre Namen. Dieser Gesang wird zu einer wichtigen Grundlage der späteren Nayanmar-Überlieferung.

So hält er die Erinnerung an andere wach. Seine persönliche Nähe zum Herrn wächst zur Ehrfurcht vor dessen Dienern. Das eigene Lied wird zu einer Girlande für die Gemeinschaft.

Nataraja: Shivas Tanz als Bild göttlicher Gegenwart und befreiender Gnade.

Freundschaft als Gestalt der Bhakti

Sundarar wird als Tampiran Tozhan, Freund des Herrn, verehrt. Seine dichterische Stimme zeigt, dass Liebe nicht immer feierlich und distanziert sprechen muss. Sie kann auch vertraulich, drängend und verletzlich werden.

Die Lebenslegenden bewahren die Spannung zwischen Hingabe und menschlicher Begrenztheit. Gerade darin liegt ihre tröstliche Kraft: Der Weg wird durch Rückkehr und erneutes Vertrauen weitergegangen.

Werke und weiterführende Texte

Sundarars erhaltene Hymnen bilden das siebte Tirumurai. Eine tamilische Ausgabe des ersten Teils bietet Project Madurai; weitere Teile erschließt dessen Werkverzeichnis.

Das Tiruttondattokai, die Verehrung der Gottesdiener, wurde durch Nambiyandar Nambi und später Sekkizhar weiter entfaltet. Sein Periya Puranam ist die wichtigste ausführliche Quelle zur Heiligengeschichte Sundarars.

Beziehungen zu anderen Persönlichkeiten

Appar und Sambandar sind die beiden anderen großen Tevaram-Dichter. Cheraman Perumal ist sein Freund in der Überlieferung. Sekkizhar macht Sundarars Lebensweg zum Rahmen der großen Heiligensammlung. Punturutti Nambi Kadanambi erinnert in einem Hymnus an seine Fahrt auf dem weißen Elefanten.

Anregungen für Yoga und Meditation

Vor einer Meditation darf ein ehrliches Gebet stehen. Sprich innerlich aus, was dich beschäftigt, und höre danach einige Augenblicke still zu.

Im Yoga kann Sundarars Beispiel dazu anregen, Spiritualität auch als Freundschaft zu leben: mit Gott, mit Weggefährten und mit Menschen, deren Schmerz Aufmerksamkeit braucht.

Symbolbild: Hingabe und innere Sammlung lassen das Herz weit werden.

Eine Freundschaft trägt durch das Leben

Sundarars Weg macht Mut, sich dem Göttlichen mit dem ganzen Herzen zuzuwenden. Freude und Reue, Bitte und Dank dürfen darin vorkommen. Aus solcher Nähe kann eine Liebe wachsen, die auch die Trauer des Nachbarn hört.

Videos zur Vertiefung

Diese Videos laden dazu ein, die angesprochenen Themen durch eigene Praxis zu vertiefen.

Satsang - Kirtan, Mantra, Arati mit Sukadev - Yoga Vidya Live, 15.09.2022, 20:00 Uhr

Anahata Chakra Pendel-Meditation für Liebe und Freude

Siehe auch

Quellen und Literatur

Seminare

Gemeinsames Üben, Singen und Studieren kann die Inspiration dieser Texte im Alltag lebendig werden lassen.

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