Senthanar
Senthanar (Tamil: சேந்தனார், Cēntaṉār; auch Sendanar) war ein mittelalterlicher tamilischer Heiliger und Dichter der Shiva-Bhakti, der meist ins 9. oder 10. Jahrhundert datiert wird. Er gehört zu den neun Dichtern des Tiruvisaippa im neunten Buch des Tirumurai, des heiligen Schriftenkanons des tamilischen Shivaismus, und ist der Verfasser des Tiruppallandu, das dieses Buch abschließt.
Nach der Überlieferung war Senthanar ein armer Holzsammler in Chidambaram, der jeden Tag einen Verehrer Shivas bewirtete. An einem Tag, als er nur einen schlichten Brei (Kali) aus Reismehl anbieten konnte, kam Shiva selbst als Gast zu ihm und aß davon; am nächsten Morgen fanden die Priester Reste des Breis im Heiligtum des Nataraja. Als beim anschließenden Tempelfest der Festwagen stecken blieb, forderte eine göttliche Stimme Senthanar auf zu singen. Er sang das Tiruppallandu, und der Wagen setzte sich wieder in Bewegung. Zur Erinnerung daran wird Nataraja bis heute beim Fest Arudra Darshanam Kali dargebracht.
Neben dem Tiruppallandu, einem Segensgesang aus dreizehn Strophen, sind von Senthanar drei Hymnen im Tiruvisaippa erhalten. Sein Tiruppallandu ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen, vishnuitischen Tiruppallandu von Periyalvar; beide Werke verbindet jedoch die Freude am Segnen des Göttlichen. In Senthanars Gestalt zeigt sich, dass nicht Reichtum, sondern die Aufrichtigkeit der Gabe Gott nahe bringt.
Senthanar wird als ein Verehrer erinnert, dessen einfache Mahlzeit Shiva kostbarer war als eine reiche Festgabe. Seine Geschichte führt vom Umgang mit fremdem Reichtum zu einem bescheidenen Leben des Dienens. Wer zu ihm kam, sollte die Wärme seiner Gottesliebe auch als Gastfreundschaft erfahren.
Sein Tiruppallandu preist den Herrn von Chidambaram mit einem Segensruf. Die Überlieferung erzählt, dass dieser Gesang einen stillstehenden Tempelwagen wieder in Bewegung brachte. So verbinden sich in Senthanars Leben Nahrung und Lied, tätige Hilfe und jubelnde Verehrung.

Das Wichtigste auf einen Blick
| Merkmal | Einordnung |
|---|---|
| Name | Senthanar |
| Tamil | சேந்தனார் |
| Transliteration | Cēntaṉār |
| Lebenszeit | Traditionell spätes 9. bis frühes 10. Jahrhundert; Einzelheiten unsicher |
| Tradition | Tamilische Shiva-Bhakti; neuntes Tirumurai |
Geschichten über Senthanar
Die traditionelle Lebensdarstellung verbindet Senthanar mit Pattinathar. In der Forschung und in älteren Darstellungen werden zugleich mehrere Träger des Namens unterschieden. Die folgenden Geschichten geben das in der Shiva-Verehrung lebendige Heiligenbild wieder.
Die geöffnete Schatzkammer
Senthanar dient in der Überlieferung als Verwalter des wohlhabenden Pattinathar. Als dessen Leben sich zur Entsagung wendet, öffnet Senthanar die Schatzkammer für die Menschen. Was zuvor angehäuft war, gelangt in viele Hände.
Die Angehörigen Pattinathars sind darüber aufgebracht und lassen Senthanar beim König anklagen. Er gerät in Gefangenschaft. Pattinathar betet für ihn, und durch die Gnade des Herrn wird er wieder frei.
Die Geschichte stellt ihn an eine schwierige Schwelle: Der äußere Reichtum, den er verwaltet hat, gibt ihm keine bleibende Sicherheit. Nach dieser Wendung beginnt ein einfacheres Leben, dessen Wert sich an einer anderen Art des Gebens zeigt.
Ein armer Haushalt hält die Tür offen
Senthanar zieht mit seiner Familie nach Chidambaram und verdient seinen Lebensunterhalt durch den Verkauf von Holz. Die Mittel sind bescheiden. Dennoch pflegt er die Gewohnheit, täglich einen Verehrer Shivas zu speisen.
Diese Treue macht sein Haus zu einem kleinen Ort der Zuflucht. Die Gabe braucht keinen großen Namen. Sie besteht aus dem, was vorhanden ist, und aus der Bereitschaft, es zu teilen.
Gerade hierin liegt eine leise Größe. Man kann das gute Handeln immer auf bessere Umstände verschieben. Senthanars Geschichte zeigt dagegen eine Liebe, die unter den gegebenen Bedingungen beginnt. Seine Armut nimmt ihm nicht die Möglichkeit zu schenken.
Der unbekannte Gast
Eines Tages kommt Shiva selbst in der Gestalt eines Verehrers zu ihm. Senthanar bietet eine einfache Speise aus gekochtem Getreide an, Kali genannt. Der Gast nimmt sie an und isst mit Freude.
Später zeigt der Herr Spuren dieser Mahlzeit an seiner heiligen Gestalt. So wird der Gemeinschaft offenbar, welche Gabe er angenommen hat. Das bescheidene Essen aus Senthanars Haus gehört nun zur Erinnerung des großen Tempels.
Die Wundererzählung kehrt die üblichen Maßstäbe um. Der Wert der Speise liegt in der Liebe, mit der sie geteilt wurde. Was Menschen als gering ansehen mögen, wird vom Herrn geehrt.
Man kann diese Szene auch ganz still betrachten: Eine Tür öffnet sich, ein hungriger Gast setzt sich, eine Mahlzeit wird gereicht. Die Heiligengeschichte macht sichtbar, wie nahe das Göttliche im alltäglichen Dienst sein kann.
Der Wagen wartet auf ein Lied
Beim Arudra-Fest in Tillai bleibt der Tempelwagen stehen. Die Menschen bemühen sich, ihn zu bewegen, doch ihre Kraft reicht nicht aus. Da singt Senthanar seinen Segenshymnus für den Herrn.
Der Überlieferung zufolge setzt sich der Wagen nun in Bewegung und erreicht seinen Platz. Der Sänger hat der Gemeinschaft eine Stimme gegeben. Die stockende Prozession findet ihren Rhythmus wieder.
Das Bild lässt sich lange im Herzen bewegen. Manches gemeinsame Vorhaben braucht mehr als Anstrengung. Es braucht eine neue Ausrichtung, eine Erinnerung an den Sinn, aus dem heraus die Menschen handeln. Senthanars Gesang bringt sie wieder vor den Herrn.
Der Dienst geht weiter
Die Lebensüberlieferung verbindet Senthanars spätere Jahre mit Tiruvidaikazhi und der Verehrung Murugans. Sein Name bleibt zugleich an Chidambaram und an den Segensruf gebunden, der bis heute zur Liturgie gehört.
So endet seine Geschichte nicht bei einem einzelnen Wunder. Sie wird zum Bild eines ganzen Lebens: immer wieder teilen, immer wieder singen, immer wieder die eigene Kraft dem Göttlichen darbringen.

Ein Segensruf in der Gemeinschaft
Senthanars Tiruppallandu umfasst dreizehn Verse. Es gehört zusammen mit dem Tiruvisaippa zum neunten Tirumurai und hat einen festen Platz in der traditionellen Auswahl der Pancha Puranam.
Der Text lädt zur Verehrung des tanzenden Shiva ein. Die Freude bleibt gemeinschaftlich: Andere sollen mitsingen, sich erinnern und den Segen mittragen. Die Heiligengeschichte der Mahlzeit und der liturgische Gesang zeigen so zwei Seiten derselben offenen Haltung.
Werke und weiterführende Texte
- Tiruppallandu auf Shiva: dreizehn Verse im neunten Tirumurai.
- Drei Hymnen des Tiruvisaippa auf Tiruvizhimizhalai, Tiruvavaduturai und Tiruvidaikazhi.
Die tamilische Gesamtausgabe des neunten Tirumurai macht diese Texte zugänglich. Das gleichnamige vishnuitische Tiruppallandu Periyalvars bleibt ein anderes Werk.
Beziehungen zu anderen Persönlichkeiten
Pattinathar ist der wichtigste Bezug der Lebenslegende. Periyalvar teilt mit Senthanar die dichterische Form des Segensrufes in einer anderen Tradition. Tirumaligai Tevar, Karuvur Tevar und Kandaradittar gehören mit ihm zur Dichtergemeinschaft des neunten Tirumurai. Ramalinga Swamigal führt Jahrhunderte später die Verbindung von Gottesliebe und Speisung auf eigene Weise weiter.
Anregungen für Yoga und Meditation
Verbinde die Meditation mit einer einfachen Gabe: einer Mahlzeit, Zeit für jemanden oder einer freundlichen Einladung. Lass das Geben von der Erinnerung an das Göttliche getragen sein.
Im Yoga kann Senthanars Haltung als Karma Yoga lebendig werden. Die Größe der Handlung ist weniger entscheidend als Aufmerksamkeit, Beständigkeit und Güte.

Der Herr sitzt mit am Tisch
Senthanars Geschichte macht das Heilige gastfreundlich. Sie lädt dazu ein, den Segen zu teilen, den wir selbst empfangen möchten. Ein offenes Herz, eine offene Tür und ein gemeinsames Lied können viel in Bewegung bringen.
Videos zur Vertiefung
Diese Videos laden dazu ein, die angesprochenen Themen durch eigene Praxis zu vertiefen.
Ankommenssatsang - Kirtan, Mantra und Arati mit Sukadev - Yoga Vidya Live, 15.07.2022, 20:00 Uhr
Anahata Chakra Herzens-Meditation für Freude und Liebe
Siehe auch
Quellen und Literatur
- Shaivam.org: Senthanar History, traditionelle Lebensdarstellung und Hinweise auf Namensunterscheidungen.
- Project Madurai: Neuntes Tirumurai, Primärtexte.
- Shaivam.org: The Treasure my zeal seek, Auslegung eines Verses des Tiruppallandu.
Seminare
Gemeinsames Üben, Singen und Studieren kann die Inspiration dieser Texte im Alltag lebendig werden lassen.
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