Läuterung

Aus Yogawiki

Läuterung‏‎ ist ein Substantiv zum Verb läutern und dies kommt wiederum vom Adjektiv lauter. Lauter heißt rein, ungetrübt und aufrichtig.

Läuterung‏‎ ist ein Substantiv im Kontext von Tugenden

Läuterung

Lauter kommt aus dem Althochdeutschen Lutar und bedeutet dort hell, rein, klar, unvermischt. So ist lauter etwas, was rein ist. Man kann lautere Absichten, also aufrichtige, reine Absichten haben. Läutern heißt, sich selbst zu reinigen, sich selbst zu reformieren, sich selbst von Fehlern zu befreien. Die Läuterung ist der Prozess, um systematisch seine Fehler und seine Blockaden zu überwinden.

Spirituelle Läuterung

Auf den spirituellen Wegen spielt die Läuterung eine besondere Rolle. In fast allen spirituellen Wegen wird gesagt, dass der Mensch von Natur aus göttlich ist. Im Christentum heißt es, dass der Mensch ein Abbild Gottes ist, dass Gott den Menschen zu seinem eigenen Abbild geschaffen hat. Im Yoga heißt es, dass der Mensch tief im inneren Atman ist, reines Selbst, eins mit Brahman, dass der Mensch im Inneren göttliche Funken hat. Wenn man seinen Geist und seine Emotionen gereinigt hat, dann nimmt man Gott wahr. In der Bergpredigt sagt Jesus: „Selig sind, die reinen Herzens sind. Sie werden Gott schauen.“

Wenn wir uns geläutert haben, dann können wir Gott wahrnehmen. Letztlich können wir Gott als unser inneres Selbst wahrnehmen. Wir müssen uns Gott nicht verdienen. Wir müssen uns die Selbstverwirklichung nicht verdienen. Sondern wir können uns läutern, sodass wir Gott in uns erfahren können. Eine Analogie ist auch eine Glasscheibe. Angenommen die Glasscheibe ist durch eine Schicht Dreck bedeckt, dann kann man nicht klar sehen. Wenn man jetzt durch die Glasscheibe den Himmel sehen will, dann muss man die Glasscheibe reinigen. Ist die Glasscheibe gereinigt, so sieht man den Himmel, die Wolken und die wunderschönen Bäume. Genauso auch, wer sich innerlich läutert, der kann Gott wahrnehmen.

Läuterung in der Psychologie

Läuterung ist also im spirituellen Bereich etwas Wichtiges. Als Läuterung gibt es auch einen Begriff in der Psychologie. Es gibt auch die Aussage, dass wenn man innere Konflikte und verdrängte Emotionen erfährt oder vielleicht auslebt, dass dies zu einer Läuterung dieser Konflikte und Gefühle führt. In diesem Kontext gibt es in der Psychologie und Kunstgeschichte den Ausdruck Katharsis. Katharsis ist z. B. in der antiken Dramen- und Tragödienlehre von Aristoteles das, was erfahren wird, wenn man intensive Emotionen in einer Tragödie auslebt. Es gibt auch in der Medizin die Läuterung und den Begriff Katharsis, d. h. dass man seinen Körper reinigt und wenn der Körper gereinigt ist, dann können anschließend die Körperfunktionen wiederhergestellt werden. Das Konzept der Reinheit und der Reinigung spielt im Yoga eine besondere Rolle.

Wenn du darüber mehr erfahren willst, dann schaue auf unserer Internetseite unter dem Begriff „shaucha“ nach. Es ist der Sanskrit-Begriff für Reinigung und Läuterung, der sowohl für die körperliche Gesundheit im Yoga als auch im Ayurveda eine große Rolle spielt. Aber eben auch in der Spiritualität, gerade auch im Raja-Yoga.

Videovortrag zu Läuterung‏‎

Hier findest du ein Vortragsvideo über Läuterung‏‎:

Läuterung‏‎ - was kann man darunter verstehen? Erfahre einiges zum Thema Läuterung‏‎ in diesem kurzen Vortrag. Sukadev, Leiter vom Yoga Vidya e.V. interpretiert hier das Wort bzw. den Ausdruck Läuterung‏‎ vom Standpunkt der Yoga Philosophie aus.

Läuterung‏‎ Audio Vortrag

Hier findest du die Tonspur des oberen Videos, also einen Audio Vortrag über Läuterung‏‎:

Läuterung

Kultiviere umfassendes Verlangen nach Freiheit

- Abschnitt aus dem Buch: Yoga der drei Energien von James Swartz -

Also bedeutet guṇa-Management die Eliminierung des Verlangens nach Objekten, durch Läuterung zu einem umfassenden Verlangen nach Freiheit. Das guṇa-Management erfordert einen erleuchteten, sattvigen Lebensstil. Ein erleuchteter Lebensstil ist ein von den Schriften empfohlener Lebensstil, bei dem alle Aktivitäten direkt oder indirekt mit dem Wunsch verbunden werden, vom Drängen und Zerren der Objekte frei zu sein. Freiheit ist nicht die Freiheit von Objekten, die erst erreicht wird, wenn man stirbt. Es ist die Freiheit von saṃsāra, dem Glauben, dass Objekte dich vollständiger und besser machen können. Karma-yoga und jnāna-yoga, vedantische Selbst-Erforschung, sind die beiden Säulen, auf denen ein erleuchtetes Leben ruht.

Nichtduale Offenbarungen, die durch starkes sattva hervorgerufen werden, werden sicherlich das nötige rajas hervorrufen, um den Geist für eine gewisse Zeitspanne auf das Selbst zu richten. Doch ohne ein geeignetes Mittel der Selbst-Erkenntnis werden diese Offenbarungen häufig zu einem Ziel auserkoren, dem man dann fortwährend hinterherjagt, obwohl sie im Grunde nichts anderes sind, als eine von vielen samsarischen Erfahrungen, auch wenn sie sich sehr erhaben anfühlen. Schmerz (rajas), der durch erfolgloses Streben nach Objekten, insbesondere nach Liebe, verursacht wird, kann auch den Geist fokussieren und den für die Erforschung notwendigen nachhaltigen Geisteszustand erzeugen. Das Scheitern in der Welt sollte als Segen, als ein Geschenk der Enttäuschung, und nicht als Beweis für einen niedrigen Selbstwert angesehen werden, denn weltlicher Erfolg geht einher mit den üblichen Schattenseiten.

Aber was ist mit einem Menschen, der ein angenehmes Leben hat und nicht mit einer nondualen Offenbarung oder mit den reinigenden Wirkungen des Scheiterns gesegnet oder, wenn man so will, verflucht wurde?

Läuterung des Denkens

Läuterung des Denkens aus Yoga Sicht

- Auszug aus dem Buch "Die ersten Stufen des Yoga" von Swami Sivananda -

1. Wenn du das Selbst verwirklichen willst, musst du reine Gedanken haben. Solange der Verstand nicht befreit ist und du nicht alle Begierden, Sehnsüchte, Sorgen, Irrtümer, Stolz, Lüsternheit, Bindungen, Neigungen und Abneigungen verworfen hast, kannst du nicht in das Reich höchsten Friedens und reinsten Glückes, in das Reich der Unsterblichkeit eingehen.
2. Der Verstand gleicht einem Garten. Wie man in einem Garten schöne Blumen und edle Früchte ziehen kann, wenn man das Land pflügt und düngt, das Unkraut und Dorngestrüpp beseitigt und Pflanzen wie Bäume tränkt, so kannst du auch die Blume der Frömmigkeit im Garten deines Verstandes ziehen, indem du die Unreinheiten des Denkens beseitigst wie Lüsternheit, Zorn, Habgier, Irrtümer, Stolz und so weiter und ihn mit göttlichen Gedanken bewässerst. Unkraut und Dornen wachsen in der Regenzeit, verschwinden jedoch im trockenen Sommer. Ihre Samen jedoch bleiben in der Erde. Sobald es wieder regnet, keimt und sprosst die Saat wieder. So treten auch die Impulse des Denkens (Vrittis) an die Oberfläche des bewussten Denkens, verschwinden und werden zur feinen Saat in Gestalt von Eindrücken (Samskaras), die entweder durch innere oder durch äußere Anregungen wieder zu Vrittis werden. Wenn der Garten sauber gejätet ist, wenn es kein Unkraut und Dornengestrüpp auf den Beeten mehr gibt, kann man gute Früchte ernten. So kannst du auch, wenn dein Denken rein ist, wenn deine Gedanken frei sind von Lüsternheit, Zorn und so weiter, die Frucht der erfolgreichen tiefen Meditation ernten. Reinige also zuerst deinen Verstand von allen seinen Unreinheiten. Dann wird dir der Meditationsstrom von selber fließen.
3. Wenn du deinen Garten immer sauber halten willst, musst du nicht nur Unkraut und Dornen und andere kleine Pflanzen beseitigen, sondern auch die Saat, die unter der Erde schlummert und immer wieder keimen wird, sobald es regnet. So musst du auch, wenn du in den überbewussten Zustand (Samadhi) eintreten und Befreiung oder vollkommene Freiheit erlangen willst, nicht nur die großen Wogen der Gedanken (Vrittis) beseitigen, sondern auch die Eindrücke (Samskaras), welche die Saat für neue Geburten und Tode sind, welche die Vrittis immer wieder zum Keimen bringen.
4. Wenn du grünes Holz anzünden willst, wird es nicht brennen, wenn du aber an ein Stück dürres Holz Feuer legst, wird es sofort auflodern und brennen. So sind auch alle, welche ihre Gedanken nicht zuvor gereinigt haben, nicht in der Lage, das Feuer der Meditation anzuzünden. Sie werden einschlafen oder träumen oder Luftschlösser bauen, wenn sie sich zum Meditieren hinsetzen. Wer jedoch die Unreinheiten seiner Gedanken durch Japa, Dienen, Wohltätigkeit, Atembeherrschung (Pranayama) und so weiter beseitigt hat, wird in tiefe Meditation eintreten, sobald er sich nur niedersetzt. Der reine, reife Verstand wird sofort vom Feuer der Meditation entzündet werden.
5. Wenn du eine Metallplatte nicht täglich reinigst, wird sie ihren Glanz verlieren. Mit dem Verstand (Denken) ist es ebenso. Das Denken wird unrein, wenn es nicht durch regelmäßige Meditationsübung rein gehalten wird. Meditation beseitigt in wirksamer Weise die Schlacken des Denkens. Übe deshalb regelmäßig am frühen Morgen Meditation.
6. Füge keinem lebenden Wesen aus Habgier, Selbstsucht, Reizbarkeit oder Ärger Schmerz oder Leid zu. Oberwinde Zorn oder bösen Willen. Gewöhne dir Streitlust und hitziges Debattieren ab. Disputiere nicht. Wenn du mit jemanden streitest oder leidenschaftlich diskutierst, kannst du drei bis vier Tage lang nicht meditieren. Dein inneres Gleichgewicht ist gestört. Viel zu viel Energie wird dadurch zwecklos vertan. Dein Blut wird erhitzt. Die Nerven werden zerrüttet. Du musst dein Möglichstes versuchen, um immer heiteren Gemütes zu bleiben. Ein heiteres Gemüt ist Voraussetzung für Meditation und ein großer geistiger Wert für dich.
7. Du musst dir eine zurückhaltende Sprache angewöhnen, wenn du schnelle Fortschritte im Meditieren wünschest. Gebrauche immer sanfte, liebenswürdige Ausdrücke und rede immer unter allen Umständen die Wahrheit. Du darfst kein barsches oder unschickliches Wort gebrauchen, das die Gefühle anderer verletzen könnte. Wäge deine Worte sorgfältig, ehe du sie aussprichst. Rede nur wenig. Das ist zurückhaltende Sprache, vollkommene Selbstentäußerung (Vak Tapas), die Kräfte spart und Frieden des Gemütes und innere Stärke schenkt.
8. Prüfe deinen Charakter. Stelle seine Mängel fest und erstrebe das Gegenteil davon. Wenn du etwa an Reizbarkeit leidest, ist das Gegenteil Geduld. Versuche diese Tugend zu entwickeln, indem du über die abstrakte Tugend der Geduld meditierst. Setze dich regelmäßig jeden Morgen um vier Uhr in Padmasana- oder Siddhasana-Stellung in einem leeren Raum eine halbe Stunde hin, denke über Geduld nach, über ihren Wert, wie man sie unter Herausforderungen bewahrt. Jeden Tag nimm einen anderen Gesichtspunkt vor und denke so stetig wie du nur kannst, darüber nach. Wenn deine Gedanken abschweifen wollen, rufe sie zurück. Denke dich selbst als vollkommen geduldig, als Vorbild der Geduld und beschließe die Sitzung mit dem Gelübde: diese Geduld, die mein wahres Selbst ist, will ich von heute an fühlen und beweisen.
9. In den ersten Tagen dieses Meditierens wirst du wahrscheinlich noch keine Änderung wahrnehmen. Du wirst immer noch reizbar sein und handeln. Setze trotzdem deine Übung jeden Morgen fort. Bald aber, wenn du etwas siehst, was dich reizt, wird dir der Gedanke durch den Kopf gehen: „Idi hätte geduldig sein müssen!" Übe immer weiter. Bald wird mit dem erregenden Reiz auch der Gedanke Geduld! in dir erwachen und deine Reizbarkeit wird sich nicht mehr äußern. Übe immer weiter. Der erregende Reiz wird immer schwächer und schwächer, bis du eines Tages feststellen kannst, dass deine Reizbarkeit verschwunden und die Geduld deine normale Haltung geworden ist, auch wenn du geärgert wirst. Auf diese Weise kannst du verschiedene Tugenden entwickeln, wie Mitgefühl, Selbstbeherrschung, Reinheit, Demut, Wohlwollen, Seelenadel, Großmut und so weiter.
10. Die Handlungen des Verstandes werden mit Recht Karmas genannt. Wahre Befreiung ist Befreiung aus den Fesseln des Denkens. Wer sich vom Fluktuieren seiner Gedanken befreit hat, erreicht höchste Meditation (Nishta). Sobald das Denken von allen seinen Unreinheiten geläutert ist, wird es sehr ruhig und alle Täuschungen (Samsara) und die damit verbundenen Geburten und Tode werden bald ausgeschaltet.
11. Konzentration des gereinigten Denkens auf Gott vermag dir wahres Glück und Erkenntnis zu verleihen. Nur zu diesem Zweck wirst du ja geboren. Die Anziehung der Dinge (Raga) und Verblendung (Moha) lenken dich auf äußere Gegenstände ab. Tauche in die Tiefe. Dort brennt das göttliche Feuer, das ewige Licht. Tauche tief und gehe in Ihm auf.

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Siehe auch

Weitere Begriffe im Kontext mit Läuterung‏‎

Einige Begriffe, die vielleicht nicht direkt zu tun haben mit Läuterung‏‎, aber vielleicht doch interessant sein können, sind z.B. Luderleben‏‎, Loslösung‏‎, Losgelöst‏‎, Mäßigkeit‏‎, Missachten‏‎, Misserfolg‏‎, Missachtet‏‎, Dhoti.

Literatur

Seminare und Ausbildungen

Hier Infos zu ein paar Seminaren und Ausbildungen, die zwar nicht direkt zu tun haben mit Läuterung‏‎, aber doch interessant sein können für Persönlichkeitsentwicklung, Gesundheit und Spiritualität:

Hier erscheint demnächst wieder eine Seminarempfehlung: url=interessengebiet/hormonyoga/?type=2365 max=3

Zusammenfassung

Läuterung‏‎ ist ein Wort beziehungsweise Ausdruck im Zusammenhang von Tugenden.