Gemeinschaftssinn

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Gemeinschaftssinn bedeutet die Fähigkeit, an die Gemeinschaft zu denken. Gemeinschaftssinn zeichnet den Menschen in besonderem Maße aus: Der Mensch ist ein Zoon Politikon, wie es schon Aristoteles ausdrückte, ein Gemeinschaftswesen. Der Mensch braucht die Geborgenheit in einer Gemeinschaft. Manche Menschen haben einen stärker entwickelten Gemeinschaftssinn und halten so die Gruppe besonders gut zusammen. Andere haben weniger Gemeinschaftssinn, dafür mehr Individualismus – auch das ist wichtig.

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Gemeinschaftssinn - eine Tugend. Was ist die Bedeutung des Begriffs Gemeinschaftssinn? Wie wird dieses Wort verwendet? Wozu ist Gemeinschaftssinn gut? Welche anderen Substantive, welche Adjektive und Verben stehen im Zusammenhang mit dem Wort Gemeinschaftssinn? Lass dich inspirieren, denke nach, überlege.

Gemeinschaftssinn als hilfreiche Tugend

Aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

Spirituelle Traditionen sind immer polar, das heißt, es gibt das eine zu beachten und das andere auch. Spirituelle Traditionen sind z.B. individualistischer oder auch gemeinschaftlicher. Man kann sogar unterscheiden, es gibt manche spirituelle Traditionen, die sind mehr aus auf Gemeinschaftssinn, Gemeinschaft, und solche, die sind mehr auf Individualität aus. Und eigentlich kann man sagen, in jedem größeren spirituellen System gibt es beides. Z.B. im Christentum gibt es zwei Arten von Mönche, es gibt die Einsiedler, die ganz allein für sich sind, also große Individualität, und es gibt die großen Klöster. Und in einem Kloster, dort herrscht ein großer Gemeinschaftssinn, dort geht es darum, dass man für andere da ist, mit anderen zusammen etwas macht.

Und in Klöstern gibt es das große Ideal, dass man sein persönliches Mögen und Nicht-Mögen und seine individuellen Bedürfnisse zurückstellt und man geht davon aus, indem man seine individuellen, letztlich aus dem Ego kommenden, Wünsche zurückstellt, dadurch kann man näher zu Gott kommen. Umgekehrt sagt natürlich jemand, der einen großen Individualitätssinn hat:

"Indem ich mich von allen gesellschaftlichen Zwängen löse und von allen Erwartungen löse, gehe ich ganz tief in mein Herz hinein und zum Schluss bleibt nur Gott übrig. Ich folge nichts, was von außen an mich rangetragen wird und wenn ich alles, was von außen kommt, nicht mehr berücksichtige, dann bleibt nur noch das tiefste Innere. Denn letztlich auch alle Gedanken und alle Emotionen, irgendwo kommen die auch wieder von außen. Wenn ich alle äußeren Ansprüche, sogar die Ansprüche der Evolution und der Evolutionsbiologie usw., weglasse, es bleibt nur Gott übrig."

Tatsächlich, also der individualistische Weg eines Einsiedlers kann zur vollständigen Erfahrung Gottes führen. Umgekehrt aber auch, die Erfahrung z.B. eines Mönches in einem Kloster, das sehr stark auf Gemeinschaftssinn beruht, kommt auch zu Gott, indem er eben allem individuellen Streben entsagt und sich ganz auf die Gemeinschaft ausrichtet.

Jetzt, die meisten Menschen werden eine Mischung haben zwischen Gemeinschaftssinn und Individualität, jetzt nicht nur spirituelle Menschen. Und das ist ja auch so etwas immer wieder in unserer Zeit, da gibt es Menschen, die zum einen sehr individualistisch sein wollen, aber manchmal unter Vereinsamung leiden. Wenn man alles tut, was einem irgendwie in den Sinn kommt und was man mag, ist man nachher sehr einsam. Wenn man jeder seiner Regungen einfach folgt und sowie man einen anderen nicht gut findet, ihm das gleich sagt oder beleidigt weggeht, nachher ist man allein und es fehlt einem etwas.

Umgekehrt, den meisten Menschen geht es so, wenn sie all ihre Bedürfnisse irgendwo ignorieren und nur das tun, was sie denken, was andere von ihnen wollen, irgendwann haben sie das Gefühl, sie haben sich selbst verloren und sie sind nicht in ihrer Kraft und irgendwo fragen sie: "Wo bin ich geblieben?" So muss man beides abwägen, Gemeinschaftssinn und Individualität.

Ich erlebe es z.B. gar nicht selten, dass Menschen, die zum Yoga kommen, erstmal individualistischer noch werden. Gar nicht selten sind es ja auch Menschen, die zum Yoga kommen, die schon ein gewisses Alter haben, zum Teil Frauen, deren Kinder inzwischen entweder in der Pubertät sind oder langsam aus dem Haus kommen und die bisher alles geopfert haben für Kinder und für Haushalt, Mann usw. und jetzt sagen sie: "Ja, jetzt bin ich mal dran."

Und dann üben sie Yoga und bekommen auch Kraft, bekommen Mut, bekommen das Prana und dann kommen auch Kreativität und Ideen und dann tun sie das, was sie merken, was in ihnen ist. Manchmal kommen dann andere in ihrer Umgebung und sagen: "Oh, sie ist irgendwo egoistischer geworden." Es muss nicht egoistischer sein, nur, sie entfalten andere Talente und Fähigkeiten. Wenn man aber zu weit dort geht, dann stößt man andere vor den Kopf und plötzlich ist man allein und dann leidet man wiederum.

Oder auch, Menschen kommen zu Yoga Vidya in die spirituelle Gemeinschaft und werden gefragt: "Warum willst du Mitglied der Gemeinschaft werden?" Da sagen sie: "Ich will endlich mal tun, was ich will und nicht mehr tun, was andere wollen." Manchmal in unseren Sevaka-Versammlungen, also Gemeinschaftsversammlungen, dort fangen alle an, zu lachen, denn in eine Gemeinschaft zu gehen, um einfach nur seinen individuellen Wünschen nachzugehen, das funktioniert nicht so ganz.

Aber natürlich, was sie dann meinen, ist: "Mein Interesse ist Spiritualität, ich will Yoga üben, meditieren, anderen helfen und dienen, das ist das, was ich will. Vorher habe ich vieles andere gemacht, was ich nicht wirklich wollte, aber für andere war es irgendwie wichtig. Was mein Vater, meine Mutter von mir wollten usw. Jetzt tue ich das, was in der Seele ist."

Und in diesem Sinne, wenn dein tiefer Wunsch es ist, anderen zu helfen und zu dienen, etwas Sinnvolles zu tun, dann ist das durchaus ein individueller Wunsch. Aber der individuelle Wunsch kann auch eben Gemeinschaft beinhalten und anderen helfen geht zum Teil besser in einer Gemeinschaft. So ist Gemeinschaftssinn und Individualität immer wieder abzuwägen.

Manchmal musst du auf deine individuellen Wünsche verzichten, um in der Gemeinschaft gut aufgehoben zu sein. Und manchmal musst du aber auch auf deine individuellen Bedürfnisse Rücksicht nehmen, um langfristig auch der Gemeinschaft dienen zu können, helfen zu können. Und so gilt, beides abzuwägen. Jetzt überlege selbst, hast du in deinem Leben dort ein gutes Gleichgewicht gefunden, dass du zum einen ausreichend Gemeinschaft hast, wie du es brauchst? Bist du öfters in der Lage, persönlichen Kränkungen und individuellen Wünschen zu entsagen, zum Wohl der Gemeinschaft? Und kennst du auch deine individuellen Bedürfnisse und kümmerst du dich ausreichend um dich selbst?

Gemeinschaftssinn Antonyme, Synonyme und andere Eigenschaften

In diesem Yoga Wiki werden über 1000 Tugenden und Persönlichkeitsmerkmale beschrieben. Hier einige Erläuterungen, wie man die Eigenschaft der Gemeinschaftssinn in Beziehung zu anderen Fähigkeiten und Verhaltensweisen sowie in Bezug auf Laster sehen kann:

Ähnliche Eigenschaften wie Gemeinschaftssinn - Synonyme

Ähnliche Eigenschaften wie Gemeinschaftssinn, also Synonyme zu Gemeinschaftssinn sind z.B. Gemeinsinn, Anpassungsvermögen, Gruppendenken, Solidarität.

Ausgleichende Eigenschaften

Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Gemeinschaftssinn übertrieben kann ausarten z.B. in Fremdbestimmung, Anpassungszwang. Daher braucht Gemeinschaftssinn als Gegenpol die Kultivierung von Eigensinn, Authentizität, Selbstvertrauen, Autarkie, Unabhängigkeit, Freigeist.

Gegenteil von Gemeinschaftssinn - Antonyme

Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Gemeinschaftssinn, Antonyme zu Gemeinschaftssinn :

Gemeinschaftssinn Antonyme auf einen Blick

Antonyme Gemeinschaftssinn sind z.B. Eigensinn, Authentizität, Selbstvertrauen, Autarkie, Unabhängigkeit, Freigeist, Egoismus, Ichbezogenheit, Vergnügungssucht, Selbstsucht, Eigennutz.

Gemeinschaftssinn in Bezug auf Tugendengruppen, Persönlichkeitsfaktoren und Temperamenten

Bewusste Stärkung der Fähigkeit Gemeinschaftssinn

Gemeinschaftssinn kann man sehen als Tugend, als eine positive Eigenschaft. Vielleicht willst du ja Gemeinschaftssinn in deinem Charakter, in deiner Persönlichkeit, stärker zum Vorschein zu bringen. Hierzu einige Tipps:

  • Nimm dir vor, eine Woche lang diese Eigenschaft der Gemeinschaftssinn zu kultivieren.
  • Fasse den Entschluss: "Während der nächsten Woche will ich die Eigenschaft, Gemeinschaftssinn wachsen lassen, stärker werden lassen. Ich freue mich darauf, in einer Woche ein gemeinschaftsorientierterer Mensch zu sein."
  • Nimm dir vor, jeden Tag mindestens etwas zu tun, was Gemeinschaftssinn ausdrückt. Lebe jeden Tag so, als ob du diese Eigenschaft besitzt - und handle entsprechend.
  • Wenn du morgens aufwachst, dann sage eine Affirmation, z.B.: "Ich entwickle Gemeinschaftssinn."
  • Am Tag wiederhole immer wieder eine Autosuggestion, Affirmation wie z.B.: Ich bin gemeinschaftsorientiert."

Affirmationen zum Thema Gemeinschaftssinn

Hier einige Affirmationen für mehr Gemeinschaftssinn. Unter dem Stichwort "Affirmation" und "Wunderaffirmationen" erfährst du mehr zu Funktion und Wirkungsweise von Affirmationen. Nicht alle unten aufgeführten Affirmationen passen - nutze diejenigen, die für dich stimmig erscheinen.

Klassische Autosuggestion für Gemeinschaftssinn Hier die klassische Autosuggestion:

  • Ich bin gemeinschaftsorientiert.

Im Yoga verbindet man das gerne mit einem Mantra. Denn ein Mantra lässt die Affirmation stärker werden:

  • Ich bin gemeinschaftsorientiert. Om Om Om.
  • Ich bin ein Gemeinschaftsorientierter, eine Gemeinschaftsorientierte OM.

Entwicklungsbezogene Affirmation für Gemeinschaftssinn Manche Menschen fühlen sich als Scheinheiliger oder als Heuchler, wenn sie sagen "Ich bin gemeinschaftsorientiert " - und sie sind es gar nicht. Dann hilft eine entwicklungsbezogene Affirmation:

  • Ich entwickle Gemeinschaftssinn.
  • Ich werde gemeinschaftsorientiert.
  • Jeden Tag werde ich gemeinschaftsorientierter.
  • Durch die Gnade Gottes entwickle ich jeden Tag mehr Gemeinschaftssinn.

Dankesaffirmation für Gemeinschaftssinn :

  • Ich danke dafür, dass ich jeden Tag gemeinschaftsorientierter werde.

Wunderaffirmationen Gemeinschaftssinn Du kannst es auch mit folgenden Affirmationen probieren:

  • Bis jetzt bin ich noch nicht sehr gemeinschaftsorientiert. Und das ist auch ganz verständlich, ich habe gute Gründe dafür. Aber schon bald werde ich Gemeinschaftssinn entwickeln. Jeden Tag wird diese Tugend in mir stärker werden.
  • Ich freue mich darauf, bald sehr gemeinschaftsorientiert zu sein.
  • Ich bin jemand, der gemeinschaftsorientiert ist.

Gebet für Gemeinschaftssinn

Auch ein Gebet ist ein machtvolles Mittel, um eine Tugend zu kultivieren. Hier ein paar Möglichkeiten für Gebete für mehr Gemeinschaftssinn:

  • Lieber Gott, bitte gib mir mehr Gemeinschaftssinn.
  • Oh Gott, ich verehre dich. Ich bitte dich darum, dass ich ein gemeinschaftsorientierter Mensch werde.
  • Liebe Göttliche Mutter, ich danke dir. Ich danke dir dafür, dass ich jeden Tag die Tugend Gemeinschaftssinn mehr und mehr zum Ausdruck bringe.

Frage dich: Was müsste ich tun, um Gemeinschaftssinn zu entwickeln?

Du kannst dich auch fragen:

  • Was müsste ich tun, um Gemeinschaftssinn zu entwickeln?
  • Wie könnte ich gemeinschaftsorientiert werden?
  • Lieber Gott, bitte zeige mir den Weg zu mehr Gemeinschaftssinn.
  • Angenommen, ich will gemeinschaftsorientiert sein, wie würde ich das tun?
  • Angenommen, ich wäre gemeinschaftsorientiert, wie würde sich das bemerkbar machen?
  • Angenommen, ein Wunder würde geschehen, und ich hätte morgen Gemeinschaftssinn kultiviert, was hätte sich geändert? Wie würde ich fühlen? Wie würde ich denken? Wie würde ich handeln? Als gemeinschaftsorientierter Mensch, wie würde ich reagieren, mit anderen kommunizieren?

Siehe auch

Eigenschaften im Alphabet vor Gemeinschaftssinn

Eigenschaften im Alphabet nach Gemeinschaftssinn

Literatur

Weblinks

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