Maitri

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Maitri (Sanskrit: मैत्री maitrī f.) Freundschaft, Güte, Wohlwollen, Freundlichkeit zu allen Wesen. Maitri bedeutet Freundschaft und Güte. Maitri Bhavana bedeutet die Kultivierung, die Entwicklung von Mitgefühl.

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Patanjali erwähnt Maitri an mehreren Stellen im Yoga Sutra. Durch eine Kultivierung von Maitri werden negative Emotionen transformiert, ein Gefühl der allgemeinen Verbundenheit und Einheit erzeugt. Erfahre in diesem Artikel, wie du Maitri entwickeln kannst, Liebe als Grundgefühl kultivieren kannst.

Sukadev über Maitri im Sanskrit-Wörterbuch

Maitri heißt Freundlichkeit, Maitri heißt Güte, Maitri heißt Liebe, Maitri heißt Mitgefühl. Maitri zu kultivieren, ist eine der wichtigen Aufgaben des Aspiranten. Tief im Inneren ist in jedem Maitri enthalten. Maitri, diese Freundlichkeit und Güte. Patanjali spricht immer wieder von Maitri Bhavana und auch Maitri Bhava. Maitri Bhava ist das Gefühl von Freundlichkeit. Maitri Bhavana ist die Entwicklung und die Kultivierung des Gefühls von Freundlichkeit.

Maitri ist, man kann sagen, positiv ausgedrückt für Ahimsa. Ahimsa heißt Nicht-Verletzen. Patanjali schreibt im zweiten Kapitel über die Yamas und dazu gehört Ahimsa als erstes. Und so heißt es auch, "Ahimsa Paramo Dharma". Aber Ahimsa ist ja "A" und "Himsa". Himsa heißt Verletzen, A heißt nicht, Ahimsa heißt Nicht-Verletzen. Maitri ist aber positiv ausgedrückt. Maitri heißt Wohlwollen, Maitri heißt Güte, Maitri heißt Mitgefühl, Freundlichkeit und Liebe. Das kommt auch von Mitra, Mitra heißt Freund. Und Maitri ist eben jemand, der voller Freundlichkeit ist, voller Güte, Liebe und Wohlwollen.

Aus Maitri kommt übrigens auch der Pali-Begriff Metta. Und im Buddhismus spielt z.B. Metta Bhavana eine wichtige Rolle als eine der Hauptmeditationstechniken. Und wenn du regelmäßig Gedanken von Mitgefühl ausdrückst und dir vornimmst, Maitri zu kultivieren, wirst du immer liebevoller und immer mitfühlender werden können. Tatsächlich ist Mitgefühl, Maitri, kultivierbar, entwickelbar. Du kannst dir vornehmen: "Ich will als Grundgefühl Maitri entwickeln, Freundlichkeit, Güte, Liebe." Wenn du diese Intention hast, diese Absicht hast, dann kannst du sie schrittweise umsetzen und du wirst immer mehr Liebe geben können, immer mehr Liebe spüren können und dein Leben wird schöner, erfüllter und freudevoller sein, und es wird leichter fallen, Gott zu erfahren, deine wahre Natur zu erfahren, denn tief im Inneren bist du Liebe, Freude und Güte.

Wenn du mehr wissen willst über Maitri und wie du Maitri kultivieren kannst und entwickeln kannst und wie du auch über Verletzungen und Kränkungen hinauswachsen kannst, dann gehe auf unsere Internetseiten, Yoga Vidya. Gib dort als Suchbegriff ein, "Maitri" oder auch "Maitri Bhavana" und dann findest du viele Informationen über Maitri, du findest auch die Maitri Bhavana Meditation, die Meditation der liebevollen Güte, angeleitet in verschiedenen Variationen und Formen, so dass du über Maitri Bhavana Meditation immer mehr Güte und Freundlichkeit entwickeln kannst. Deine Mitmenschen werden es dir danken und du selbst wirst dich freudevoller fühlen.

Sukadev über Maitri im Sanskrit-Lexikon

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Maitri

Maitri zu entwickeln, das ist eine der wichtigsten Aufgaben. Patanjali, der große Yogameister, erwähnt "Maitri Bhavana" an mehreren Stellen. "Bhavana" heißt hier "die Entwicklung von". Bhava heißt Gefühl, Bhavana heißt intensiver Gedanke, Bhavana heißt aber auch entwickeln.

Du kannst Liebe und Mitgefühl, Wohlwollen zu deiner Grundausstrahlung machen. Der Mensch hat verschiedene Filter eingebaut. Manche Menschen haben den Filter der Skepsis. Sowie irgendjemand etwas sagt, denken sie: "Das stimmt nicht, der lügt sicher." Manche Menschen haben den Filter der Melancholie: "Es geht schon alles schief." Wenn irgendwas schön ist: "Es geht schon irgendwie schief". Manche Menschen haben den Filter des Ärgers: "Was will er jetzt schon wieder von mir."

Man kann sagen, Grundstimmungen sind wie Filter, aus denen heraus du alles interpretierst. Du kannst Maitri zu deinem Grundfilter machen. Und eigentlich ist es kein Filter, sondern tief im Herzen ist jeder Mensch Maitri. Indem du zu Liebe und Mitgefühl kommst, fühlst du dich mehr bei dir. Kein Mensch wird sagen, "im tiefsten Inneren bin ich aber nur Groll und Ärger" und hat das Gefühl, "ich muss jetzt wirklich ich selbst werden und das mache ich jetzt, indem ich wirklich zornig werde."

Man sagt ja, man ist außer sich vor Zorn. Das heißt, man ist nicht in sich, man ist außer sich. Man sagt, dass die Melancholie einen lähmt oder irgendwo Traurigkeit lähmt. Das heißt nicht, man ist voll bei sich, man wird gelähmt. Aber Liebe und Mitgefühl, wenn du tief in deinem Herzen bist, dann bist du voller Liebe und Mitgefühl. Deshalb, wenn du tief in dein Herz gehst, kommst du zu Liebe und Mitgefühl. Umgekehrt, wenn du Liebe und Mitgefühl entwickelst und wirklich aktiv sagst: "Ich will Liebe, Mitgefühl, Verständnis haben, ich will Maitri entwickeln, ich will zum Maitreya, zur Maitreyi werden, diejenige, die voller Liebe und Mitgefühl ist", dann bist du bei dir selbst.

Bei anderen zu sein, heißt auch, bei dir selbst zu sein. Tief in dich zu kommen, heißt auch, zu anderen zu kommen. Entwickle Maitri, Liebe, Mitgefühl, Freundlichkeit, Wohlwollen.

Die Yoga Sutras von Patanjali

मैत्रीकरुणामुदितोपेक्षाणां सुखदुःखपुण्यापुण्यविषयाणां भावनातश्चित्तप्रसादनम् || 1.33 ||

maitrī-karuṇā-muditopekṣaṇāṃ sukha-duḥkha-puṇyāpuṇya-viṣayāṇāṃ bhāvanātaś citta-prasādanam || 1.33 ||

Die Verwirklichung von Liebe (Maitri), Mitleid (Karuna), Heiterkeit (Mudita) und Gleichmut (Upeksha) in bezug auf Freude (Sukha) und Leid (Duhkha), Gutes (Punya) und Böses (Apunya) (führt zu) Abgeklärtheit des Geistes (Chitta).

Ahimsa und Maitri im Yoga Sutra des Patanjali

Niederschrift eines Podcasts (2014) von Sukadev

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Der große Yoga Meister Swami Sivananda strahlte stets Güte und Wohlwollen aus.

Mitgefühl und Nicht-Verletzen. Im Yoga gilt das Yoga Sutra von Patanjali als besonders wichtiger Text und er ist auch ein besonderer Text auf dem Weg zur Gelassenheit. Patanjali definiert ja Yoga im zweiten Vers des Yoga Sutra "Yogas Chitti Vritti Nirodehah". Yoga ist das zur Ruhe bringen der Gedanken im Geist. "Tada Darashtu Swarupe Vasdanam." Dann ruht der Sehende in seiner wahren Natur. Er sagt also, im Yoga geht es darum seinen Geist zur Ruhe zu bringen, was auch beinhaltet, gelassener zu werden und dann kommst Du zur Selbsterkenntnis. Und die Selbsterkenntnis gibt Dir KaivalyaFreiheit.

Auf dem Weg zur Ruhe des Geistes schätzt Patanjali Maitri, Liebe sehr hoch. Das Yoga Sutra hat nur 195 Verse aber interessanterweise schreibt Patanjali an mehreren Stellen über Maitri und an mehreren Stellen über Ahimsa. Maitri kommt von Mitra- Freund. Maitri heißt, sich als Freund von allen zu fühlen. Ahimsa heißt Nicht-Verletzen und ist der andere Ausdruck von Maitri. Um Liebe zu anderen zu zeigen, gilt es natürlich auch, sie nicht zu verletzen.

Es gibt einige Verse die hier von Relevanz sind, die ich kurz erwähnen will. Im 1. Kapitel, 33. Vers heißt es, der Geist wird durch Kultivierung von Freundlichkeit klar. Also wenn Du einen klaren Geist haben willst, brauchst Du Maitri – Freundlichkeit oder Liebe. Emotionen sind also laut Patanjali nicht etwas, das der Klarheit des Geistes entgegensteht, man könnte sogar sagen, Gefühlskälte ist nicht der Klarheit des Geistes zuträglich. Klarheit des Geistes heißt auch, dass Du von Liebe und Freundlichkeit erfüllt bist. Und wenn Dein Geist sehr durcheinander ist, kann es helfen, Liebe und Freundlichkeit wieder herzustellen.

2. Kapitel 34. Vers: Negative Gedanken und Emotionen wie Gewalttätigkeit führen in endlosen Schmerz und Unwissenheit. Daher sollte man die entgegengesetzten Eigenschaften also Freundlichkeit und Liebe entwickeln. Also wenn Du dich negativ fühlst oder wenn Du dich voller Hass fühlst, ich hoffe das passiert bei Dir nicht, aber es gibt auch Gekränktheit usw dann kannst du dir bewusst sein, ja das führt zu endlosem Schmerz und es führt zu Unwissenheit. Du willst letztlich zu Glück kommen, Du willst zum Wissen kommen, zum höchsten Wissen, Wissen des Selbst. Um dorthin zu kommen, musst Du die entgegengesetzte Eigenschaft kultivieren, nämlich statt Gewalttätigkeit – Freundlichkeit, Liebe. Kultiviere Freundlichkeit und Liebe und dann verschwinden negative Gedanken und Emotionen.

35. Vers. Wenn Ahimsa fest begründet ist wird Feindschaft in der Gegenwart des Yogi aufgegeben oder anders ausgedrückt, trifft der Yogi auf keine Feindschaft. Darüber werde ich vielleicht später ein wenig mehr sprechen. 3. Kapitel, 34. Vers. Durch Samyama auf das Herz kommt Verstehen des Geistes. Also Samyama heißt liebevolle Achtsamkeit. Mit anderen Worten, wenn Du dich selbst verstehen willst und wenn Du andere verstehen willst, dann gilt es, dass Du das mit dem Herzen tust. Du kannst Menschen nicht rein intellektuell verstehen. Du kannst auch Dich selbst nicht rein intellektuell verstehen. Du kannst auch nicht wirklich dauerhaft eine herzlose Gelassenheit beibehalten. Gelassenheit heißt auch, liebevoll zu sein und Freundlichkeit ist eine heitere, liebevolle Gelassenheit. Wenn Du lernst, öfters Dein Herz zu spüren und Dich selbst mit Liebe und Freundlichkeit zu behandeln, kannst Du auch lernen, andere mit Liebe und Freundlichkeit zu behandeln. Und es ist wichtig, dass Du von Deinem Herzen aus die Herzen der anderen spürst. Aus dieser Herzensverbindung heraus kommt Verstehen des Geistes, daraus kommt Gelassenheit.

3. Kapitel, 23. Vers. Durch Entwicklung von Liebe und Freundlichkeit kommen alle Kräfte. Auch eine interessante Aussage. Er sagt, die Grundlage von allen geistigen Kräften ist Liebe und Freundlichkeit. Oder auch anders ausgedrückt. Wenn Du Liebe und Freundlichkeit nicht hast, dann kannst Du nicht wirklich dauerhaft die anderen Kräfte entwickeln. Patanjali macht aus Maitri die wichtigste aller Kräfte, aller geistigen Kräfte. Im Raja Yoga geht es ja auch darum geistige Kräfte zu entwickeln. Du verbesserst deine Konzentrationsfähigkeit, es geht auch darum, die Stärke Deines Geistes zu entwickeln. Er beschreibt verschiedene Siddhis, besondere geistige Fähigkeiten, aber er sagt, die Grundlage ist Maitri – Liebe und Mitgefühl.

Ein letzter Vers, 38. Vers des 3. Kapitels des Yoga Sutra von Patanjali: Ist die Ursache der Bindung gelockert und sind die Verbindungswege bekannt, dann kann man sich in einen anderen Menschen hineinversetzen. Hier beschreibt er den Weg, wie Du andere wirklich verstehen kannst. Zuerst gilt es, dass Du Deine eigenen Verwicklungen erkennst, die Ursachen der Bindungen lockerst. Also der inneren Verstrickungen. Und dann gilt es, Verbindungswege herzustellen, also Dich hineinzuversetzen. Und über die Fähigkeit, sich in den anderen Menschen hineinzuversetzen kommt die Fähigkeit, ihn vom Herzen her zu spüren. Über die Fähigkeit einen anderen Menschen mit dem Herzen zu spüren kommt Maitri, die tiefe Liebe und Freundlichkeit. Und aus Liebe und Freundlichkeit resultiert alles andere. Du kannst ja mal in der nächsten Woche darüber nachdenken und meditieren und Du kannst Dir bewusst machen, Liebe und ein konkreter Ausdruck von Liebe ist Freundlichkeit. Das ist ein Grundprinzip oder ist eigentlich die Grundlage für jede spirituelle und geistige Übung.

Wer fest verankert ist in Ahimsa – Nichtverletzen – trifft auf keine Feindschaft.

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Ich möchte heute sprechen über den 35. Vers des 2. Kapitels des Yoga Sutra von Patanjali. Dort sagt Patanjali, wer fest verankert ist in Ahimsa, trifft auf keine Feindschaft. Eine andere Übersetung, nämlich die von Swami Vishnu-devananda, sagt sogar, wenn Nicht-Verletzen fest begründet ist, wird Feindschaft in der Gegenwart des Yogis aufgegeben. Dieser Vers hat mehrere Ebenen der Bedeutung. Zum einen, wenn Menschen liebevoll und verständnisvoll mit anderen umgehen, verlieren die anderen Angst und werden selbst liebevoller und freundlicher. Wenn Du selbst in Dir Freundlichkeit und Verständnis entwickelst, wirst Du feststellen, Menschen werden auch liebevoller und freundlicher mit Dir umgehen.

2. Ebene. Wenn ein liebevoller, gütiger Mensch in einen Raum kommt, verschwinden häufig Streitigkeiten von selbst. Manche Menschen haben eine solche Ausstrahlung der Güte, dass sie in anderen die Eigenschaften der Güte hervortreten lassen.

3. hundertprozentig stimmt das natürlich auch nicht, dass, wenn Du nur gütig und freundlich bist, alle um Dich jederzeit freundlich sind. Siehe Jesus - er wurde ans Kreuz genagelt. Buddha gegenüber gab es mehrere Mordanschläge. Und auch ein Yoga Meister unserer Zeit, Swami Sivananda ist auf viele äußere Gegner gestoßen und es gab sogar einen Mordanschlag gegen ihn, den er überlebt hat. Aber es gilt, diese großen Menschheitslehrer und Liebenden haben nie das Verhalten anderer als Feindschaft interpretiert. Jesus sagte zwar, liebe Deine Feinde, aber er selbst hat in anderen keine Feinde gesehen. Sogar am Kreuz hat er gesagt, Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.

Swami Sivananda als Mensch unserer Zeit wurde irgendwann beinahe ermordet. Er saß in seiner Meditationshalle und dann kam jemand mit einer Axt und wollte ihn erschlagen. Sein Assistent, Swami Vishnu-devananda, merkte das, denn der andere schlug einmal zu, aber Swami Sivananda hatte ausnahmsweise einen Turban auf und so wurde Swami Sivananda von diesem ersten Schlag nicht zu sehr verletzt. Bevor der andere das zweite Mal zuschlagen konnte, sprang Swami Vishnu-devananda dem anderen in die Arme und rang ihn nieder. Swami Vishnu-devananda war ein Hatha Yogi, also einer, der den Yoga der Körperübungen praktiziert hat, auch über Schnelligkeit und Körperbeherrschung und Muskelkraft verfügte. Und so konnte er den anderen niederringen. Swami Sivanandas erste Worte waren, Vishnu Swami, mäßige Deinen Zorn. Die erste Sorge von Swami Sivananda war, dass der, der ihn beinahe umgebracht hatte, vielleicht zu hart angepackt würde und dass Swami Vishnu ihn vielleicht durch zu festes Anpacken blaue Flecken verpassen würde. Später, als die Polizei gerufen war und der andere ins Gefängnis kam, ging Swami Sivananda zu ihm und sagte: Du konntest Deinen Wunsch nicht erfüllen. Soll ich die Axt holen, damit Du Deinen Wunsch erfüllen kannst? Willst Du mich noch erschlagen? Und ich glaube, Swami Sivananda hätte sogar die Axt geholt. Der andere wurde durch die Einstellung von Swami Sivananda in den Grundfesten seiner Überzeugungen erschüttert. Er fing an zu zittern und zu weinen und den Meister um Vergebung zu bitten und wurde dann sein Schüler.

Solche Fälle gibt es in Hülle und Fülle. Wie große Menschen denjenigen gegenüber, die ihnen böse mitgespielt oder sie auch physisch verletzt haben, Liebe entwickelt haben. Mahatma Gandhi ist ein weiteres Beispiel. Martin Luther King ein weiteres, Nelson Mandela ein weiteres. Menschen, die große Liebe zu anderen haben, sehen schließlich keine Feinde mehr. Sie sehen nur noch liebenswerte Menschen. Zwar - und das zeigt auch wieder das Beispiel von Mahatma Gandhi, Martin Luther King und Nelson Mandela, setzen sie sich auch weiter ein für das Gute und sie kämpfen durchaus auch gegen das Unrecht. Wie Mahatma Gandhi gesagt hat: Hasse nicht die, die Unrecht tun, bemühe Dich das Unrecht abzustellen, aber liebe diejenigen, die dir Unrecht tun. Indem du Menschen liebst, die das Unrecht tun, dich aber gegen das wehrst, was Unrecht ist, dadurch kannst du die Gesellschaft verändern.

Keine Angst. Vermutlich wird von dir nicht verlangt, so heroisch zu sein wie ein Jesus oder ein Swami Sivananda oder ein Mahatma Gandhi, aber wenn du voller Mitgefühl und Verständnis bist, wirst du nie annehmen, dass jemand Dein Feind ist. Eventuell musst du ihn in die Schranken verweisen. Eventuell musst du dich durchsetzen, eventuell muss sogar ein Mensch ins Gefängnis, um andere vor ihm zu schützen. Aber er ist deshalb nicht ein Feind. Du kannst ihn voller Verständnis lieben. Und du kannst sogar, wenn du Chef bist, wenn du Vater oder Mutter bist, etwas tun aus Liebe, was dem anderen unangenehm ist. Wenn die Mutter dem Kind verbietet, ab einer gewissen Uhrzeit fernzusehen oder mehr als eine bestimmte Anzahl von Stunden im Internet zu sein, dann mag das das Kind nicht mögen, aber die Mutter tut es aus Liebe.

In diesem Sinne, tue das, was zu tun ist aus Liebe. Tu es mit Einfühlsamkeit. Tu es mit Freundlichkeit. Während der nächsten Tage überlege ganz besonders, wie kannst du das, was Du tust, mit mehr Mitgefühl und mehr Freundlichkeit tun? Und du kannst dir auch bewusst sein, Mitgefühl und Freundlichkeit kann auch heißen, dass du dich mal durchsetzt. Mitgefühl, Freundlichkeit und Liebe schließt nicht aus, dass du auch mal streng bist. Manchmal ist Strenge das größte Mitgefühl. In diesem Sinne überlege, was heißt das für dich selbst? Wenn du fest verankert bist in Ahimsa – Mitgefühl und Nicht-Verletzen, dann triffst du auf keine Feindschaft. Oder anders ausgedrückt, gehe um mit dem Geist der Liebe und verstehe andere und dann tue das was nötig ist mit Demut, Mitgefühl, manchmal aber auch mit Konsequenz.

Wie hängen nun Gelassenheit, Liebe und Mitgefühl zusammen?

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Patanjali sagte ja im Yoga Sutra, dass Liebe und Mitgefühl notwendig sind, um einen gelassenen Geist zu haben. Letzlich ist die Natur des Menschen Liebe und Mitgefühl. Ein kaltherziger Mensch ist nicht in seiner normalen Natur verankert, ist deshalb auch nicht wirklich von innen heraus gelassen. Wenn wir über Güte sprechen, dann gilt zwar Ahimsa Paramadharma – Nichtverletzen ist die höchste Pflicht. Es bezieht sich darauf, wenn man mehrere ethische Prinzipien im Kontrast hat, dann gilt Ahimsa als am wichtigsten.

Also angenommen, es kommt jemand an Dir vorbeigerannt und sagt, hinter mir, da ist jemand der will mich umbringen, bitte helft mir und dann sagt man, ja geh dort ins Haus hinein da sieht dich keiner und dann kommt danach jemand mit einem großem Schlachtermesser vorbei und sagt "wo ist dieser Typ?" Dann würde man sagen, satyamäßig, also nach dem Prinzip, immer die Wahrheit sagen, ja der ist dort hinten, dort erwischst Du ihn. Aber in dem Fall Ahimsa Paramadharma, wäre das Lügen angebrachter, also zu sagen, der ist dort hinten hingerannt und man zeigt in eine vollkommen falsche Richtung. Also Ahimsa Paramadharma ist dort das wichtige und wiederum gilt, um das Leben von vielen zu retten kann es sein, dass ein Polizist einen Geiselnehmer unschädlich machen muss und eventuell sogar den Geiselnehmer umbringen muss um das Leben von dutzenden oder gar hunderten von Geiseln zu retten. Also Ahimsa Paramadharma und ein größeres Ahimsa rechtfertigt auch mal ein kleineres Himsa, wobei es auch dafür Grenzen gibt.

Ahimsa heißt nicht, dass man immer nur nachgibt, immer nur freundlich ist. Man kann sagen, für ein langfristiges Ahimsa muss man auch mal kurzfristig Himsa üben. Zum Beispiel angenommen, eine Mutter will ihr Kind gesund ernähren und das Kind will ständig Eis und Schokolade haben. Das Kind wird schreien, das Kind fühlt sich verletzt und die Mutter muss aber für das Wohl des Kindes eben dem Kind auch sagen, nein, es gibt jetzt keine Schokolade und es gibt kein Eis. Oder das Kind will nur noch an dem Computer Computerspiele machen und die Mutter weiß aber, für das Fortkommen des Kindes ist es auch notwendig, die Hausaufgaben zu erledigen. Gut, dort wird die Mutter dem Kind sagen, erst die Hausaufgaben oder wie es in meiner Generation noch hieß: erst die Arbeit dann das Spiel. Wobei man natürlich auch geschickt vorgehen könnte indem man sagt, probier doch auch die Arbeit wie ein Spiel zu machen. Versuch das Lernen wie ein Spiel zu machen. Aber für Gelassenheit langfristig gesehen und auch um die Kinder zur Gelassenheit zu trainieren ist es eben auch wichtig, dass sie Frustrationstoleranz entwickeln. Diese Frustrationstoleranz kannst du für dich selbst entwickeln aber das heißt auch, dass du es auch aushältst, dass du manchmal einem Menschen kurzfristig wehtun musst, um ihm langfristig zu helfen.

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Das ist auch jemand, der sich z. B einsetzt für die Anti-Atomkraft-Bewegung. Das tut natürlich den Atomkraftbetreibern weh, wenn er sich abtransportieren lässt und gewaltlosen Widerstand macht oder die Tieraktivisten, die sich anketten lassen an Tiertransportern tun den Transporterfirmen weh, tun den LKW-Fahrern weh, usw. Aber zum Wohl der guten Sache, gilt es auch, sich mal einzusetzen. Also: nachgiebige Güte und konsequente Güte.

Noch ein paar Beispiele aus meiner eigenen Erfahrung. Ich hatte im Religionsunterricht die ersten Jahre einen ausgesprochen gütigen Pfarrer. Der war ein Pfarrer mit nachgiebiger Güte. Auf eine gewisse Weise ist er bis heute für mich ein Heiliger. Er war freundlich zu jedem, auch zu denjenigen die den Unterricht gestört hatten. Er hatte für jeden ein freundliches Ohr und alle in der Klasse haben auch nur Einsen und Zweien bekommen. Das war einfach so sein Prinzip. Auf eine gewisse Weise könnte man sagen, er ist dem Leistungsprinzip der Schule nicht gerecht geworden, aber man kann auch sagen, er war der einzige Lehrer, den ich in all den Jahren hatte, der das Prinzip der nachgiebigen Güte gelebt hat. In seiner Rolle als Religionslehrer konnte er das gut machen. Und ich glaube, er hat viele von uns im Herzen berührt. Mit ist bis heute noch sein liebevolles Lächeln im Kopf und wenn ich dran denke, dann kommt mir ein liebevolles Lächeln auf die Lippen.

Also, es gibt auch einen Ort und eine Zeit für nachgiebige Güte. Aber es gibt auch einen Platz für konsequente Güte. Ich nehme mal ein Beispiel von einer mir eher unangenehmen Erfahrung. Es ging um einen Gerichtsprozess, Zivildienstprozess, den ich bis zum Bundesverwaltungsgericht ausfechten musste. Und da gab es einen Beamten, der mir das Leben schwer gemacht hat, weil er eben immer in die nächste Instanz gegangen ist. Ich hab ihn nie gesehen, er ist auch auf keinem Prozess erschienen außer beim Bundesverwaltungsgerichtsprozess. Einige Jahre gab es in meinem Leben diese Unsicherheit, werde ich als Zivildienstleistender anerkannt oder nicht, wegen diesem einen Beamten. Als ich dann den Prozess gewonnen habe vor dem Bundesverwaltungsgericht, kam ein sehr freundlicher, sympatischer Mensch auf mich zu, er schüttelt mir die Hand und sagt, herzlichen Glückwunsch, dass Sie gewonnen haben. Ich bin der Herr sowieso und ich weiß, ich hab Ihnen das Leben schwer gemacht, aber ich musste es machen, denn ich brauchte ein höchstrichterliches Urteil in dieser Angelegenheit. Es tut mir sehr leid, dass es Sie getroffen hat, aber ich kann Sie nur um Verzeihung bitten und um Verständnis bitten. Das war nötig für die Aufgabe, die ich zu tun hatte. Hier war also jemand, der hatte eine bestimmte Aufgabe gesehen, er brauchte ein höchstrichterliches Urteil für eine bestimmte Sache. Er war selbst relativ idealistisch und war bemüht, das gute, das richtige zu tun und er wusste, um seine Aufgabe zu erfüllen, muss er diesen Prozess führen gegen jemanden, der ihm eigentlich in seiner Angelegenheit oder in seinem Anliegen sehr sympathisch war. Auch das ist eine Form von uneigennützigem Dienen, auch das ist eine Form von Maitri. Und er war darum auch zum Schluss sehr freundlich zu mir.

Manchmal bin ich selbst in dieser Situation, wo ich konsequent Güte zeigen muss, was von anderen nicht als Güte, sondern vielleicht als Konsequenz oder vielleicht sogar als Starrköpfigkeit ausgelegt wird. Ich gebe ein Beispiel. Es gab vor einigen Jahren mal jemanden, der hat bei uns die 4-wöchige Yogalehrer Intensiv Ausbildung mitgemacht. In dieser 4-wöchigen Yogalehrerausbildung herrscht Anwesenheitspflicht. Yoga Vidya hat ja verschiedene Formen der Ausbildung. Wenn jemand an der 2- oder 3-jährigen Ausbildung teilnimmt, dann kann er auch mal was versäumen und kann es nachholen. Bei der 4-wöchigen Ausbildung, dieser Kurzform der Ausbildung, gibt es diese Anwesenheitspflicht und wenn jemand dort fehlt, kann es sogar sein, dass er ausgeschlossen wird von der Ausbildung oder die entsprechende Ausbildungswoche nachholen muss. Gut und da gab's mal so eine Teilnehmerin die hat gesagt, sie mag jetzt die Morgenmeditation nicht so. Es ist morgens früh und sie ist in der Natur und normalerweise wäre sie in der Stadt. Jetzt ist sie extra die Wochen hier auf dem Land und morgens um sechs Uhr ist es so schön und sie spürt Gott, wenn sie dort durch den Wald spazieren geht und wenn sie dort einen Vogel sieht, dann würde sie sich auch gerne unterwegs eine halbe Stunde hinsetzen. Aber mit hundert Leuten in einem Raum zu meditieren und das zu der Zeit, wo es draußen so schön ist, das mag sie nicht.

Meditation hilft, Maitri zu entwickeln.

Ich war jetzt in einem Dilemma. Auf der einen Seite konnte ich sie sehr gut verstehen und auf der anderen Seite gilt Anwesenheitspflicht bei der Yogalehrerausbildung. Ich habe ihr also gesagt, ich kann gut verstehen, dass Du gerne draußen sein willst. Ich stehe auch manchmal morgens früh auf und gehe dann raus in die Natur. Aber es ist Anwesenheitspflicht während der Yogalehrerausbildung. Angenommen du willst jetzt draußen in der Natur sein, das kannst du ja machen. Dann buche halt um in die Yoga Ferienwoche. Da kannst du auch morgens in die Natur gehen und kannst Dich auf die Abendmeditation beschränken. Oder buche um in die 3-jährige Yogalehrerausbildung. Auch dort hast du mehr Möglichkeiten, die Ausbildung etwas individueller zu gestalten. Wenn du aber in der 4-Wochen-Ausbildung bleiben willst, dann musst du morgens in der Meditation sein, zusammen mit der Gruppe.

Ein ähnliches Phänomen haben wir immer wieder, wo wir auch konsequent sein müssen. Wir haben also diese Intensivausbildungen mit Anwesenheitspflicht und es gibt immer wieder Teilnehmer, die wollen einen Tag später anreisen oder einen Tag früher abreisen. Und wir haben es immer wieder, dass uns Menschen sogar mit einem Rechtsanwalt drohen, weil sie am Vorabend abgereist sind und sagen, sie hätten noch die Prüfung mitgemacht, sie hätten sie bestanden. Sie wollen jetzt das Zertifikat haben. Und wir sagen, wir bescheinigen eine bestimmte Anzahl von Stunden und es steht auch in der Broschüre drin, dass man nicht einen Tag vorher abreisen kann. Da steht ausdrücklich drin, es ist leider nicht möglich, etwas später anzureisen oder früher abzureisen. Immer wieder wollen Menschen das ausnutzen, dass wir ansonsten gutmütige Menschen sind bei Yoga Vidya. Ja, es gilt, dort konsequent zu sein. Letztlich ist das wichtig für die Qualität der Ausbildung, letztlich auch dafür, dass die Ausbildung etwas wert ist und wertgeschätzt wird und für das Wohl der Gruppe ist es wichtig, dort auch konsequent zu sein gegenüber dem Einzelnen. Man kann es probieren, liebevoll und gütig in der Sache zu bleiben. Man kann von innen heraus auch spüren, dass der andere durchaus recht hat mit seinem Punkt. Und man muss konsequent sein, so wie eine Mutter konsequent gegenüber ihren Kindern sein muss.

Man muss nicht immer konsequent sein. Manchmal kann man auch nachgeben. Wenn man aber zu häufig nachgibt, dann gibt es Dauerdiskussionen. Denn wie es so schön heißt, auf Englisch: gib jemanden eine Hand und dann nimmt er dir den ganzen Arm. In diesem Sinne, freundliches Mitgefühl hilft in vielerlei Hinsicht, schließt aber konsequent sein nicht aus.

Ich will jetzt aber noch zwei Beispiele geben von Menschen, deren Güte ich auch kennengelernt hatte. Das eine war jemand im Krankenhaus. Vor einigen Jahren musste ich ein paar Wochen im Krankenhaus verbringen. Die erste Woche war im Raum ein Mensch, der eine solche Güte und Fröhlichkeit ausgestrahlt hat und auch wir anderen, denen es gar nicht gut ging körperlich, waren durch diese Ausstrahlung, man kann fast sagen, gerne im Krankenhaus, denn er hat gute Laune ausgestrahlt. Die Krankenschwestern kamen häufig, sie haben Scherze gemacht, sie waren humorvoll, sie haben sich liebevoll um uns gekümmert und da das mein erster Krankenhausaufenthalt war seit meiner Kindheit, habe ich gedacht, oh die Krankenhäuser sind doch sehr viel besser, als ich gedacht hatte. Dann, nach einer Woche, ist dieser eine Mensch gegangen und dann kam ein anderer ins Zimmer. Das war ein richtiger Griesgram und er hat über alles Mögliche gemeckert. Und jedes Mal wenn die Schwester ins Zimmer reinkam, hat er über irgendwas geschimpft. Innerhalb von Stunden ist die ganze Atmosphäre gekippt. Die Schwestern sind kaum noch ins Zimmer gekommen. Wenn sie reinkamen, waren sie schon fast erstarrt, weil sie darauf warteten, dass sie gleich beschimpft werden würden. Sie versuchten, ihre Sachen schnell zu erledigen und plötzlich gab's keine so freundlichen Schwestern mehr. Und dann, als er nach einer Woche wieder rauskam, war's plötzlich wieder schöner dort.

So konnte ich sehen, ein einzelner Mensch kann sehr stark etwas beeinflussen. Jemand der tief verankert ist in Freundlichkeit und Mitgefühl, ruft die Freundlichkeit und das Mitgefühl der anderen hervor. Mir ging's damals recht schlecht. Ich konnte dort selbst nicht viel tun für Freundlichkeit und Mitgefühl, so habe ich mehr passiv das ganze beobachtet und konnte es genießen bzw. erleiden bzw. mit etwas innerem Abstand beobachten und betrachten.

Maitri - die Liebe zu allen Wesen

Ein zweiter Mensch, den ich hier erwähnen will: Das war damals auf dem Münchener Viktualienmarkt. Die Frau hatte einen kleinen Stand, nicht einen der großen, sondern das war vermutlich eine echte Bauersfrau und sie hatte selbstangebaute Salate und Gemüse verkauft, Gemüse und Salate von ihrem Hof. Die war immer sehr freundlich. Die war immer sehr liebevoll. Sie hat immer gelächelt. Ich war damals recht jung. 18 Jahre alt, allein in München, und war eher schüchtern und wollte auch nicht mit Menschen sprechen. Ich kann mich erinnern sie hat mich immer sehr glücklich angeschaut, immer gelächelt und mir zugenickt. Eines Tages ging es mir mal nicht so gut. Ich weiß gar nicht mehr warum. Ich bin wieder zu dieser Frau hingegangen, bei der ich gerne eingekauft habe. Ich hatte irgendwo gedacht, sie ist eine der Heiligen unserer Zeit. Und sie sah, dass es mir nicht so gut ging. Ich bestellte meinen Salat und bezahlte und als ich gehen wollte, winkte sie mir mit dem Finger, "komm doch mal her", sagte nichts und dann drückte sie mir einen kleinen Salatkopf, vielleicht so 10cm Durchmesser, in die Hand mit beiden Händen und dabei berührte sie auch meine Hände, lächelte mir zu, nickte und ich ging wieder. Aber kurz bevor ich ging, zeigte sie wieder mit dem Finger, komm nochmal her und ich kam nochmal und dann gab sie mir noch einen Salatkopf. Dieser war vielleicht nur 7cm im Durchmesser, also wirklich ziemlich klein. Sie gab mir diesen Salatkopf in beide Hände, lächelte wieder. Danach, als ich wieder gehen wollte, winkte sie mich mit dem Finger noch einmal zu sich, und zeigte einen ganz kleinen Minisalatkopf mit nur 5cm Durchmesser. Sie gab den in meine Hände, dann nahm sie mit beiden Händen meine Hände. In meinen Händen war jetzt der Salatkopf, ihre Hände waren um meine Hände gelegt und sie schüttelte sie kräftig und lächelte und nickte mir zu und dann ging ich weiter. Meine schlechte Laune war wie weggeblasen. Ich war plötzlich freudevoll, ich war plötzlich beschwingt und ich fühlte mich richtig gut. So konnte ich sehen, wie die Kraft von Liebe wirken kann. Das hat die Frau nur 3 Minuten gekostet und sie hatte jetzt einen Kunden, der noch treuer war als vorher. Aber sie hat das nicht gemacht, um mehr Geld zu verdienen, sondern sie hatte irgendwo gemerkt, dass dieser junge Mann, der so schüchtern ist und der dort regelmäßig kauft, dass es ihm nicht gut geht und hat irgendwo intuitiv gespürt, wie sie mich glücklich machen kann. Und daran denke ich immer wieder bis heute.

Letztes Beispiel für einen freudevollen, freundlichen Menschen, nicht nur freundlich, sondern einer, der sich auch immer wieder wie ein Freund verhalten hat: Swami Vimalananda, zum jetzigen Zeitpunkt der Leiter des Sivananda Ashrams Rishikesh, der Leiter der Divine Life Society. Der war viele Jahrzehnte der Assistent des großen Meisters Swami Chidananda gewesen. Er begleitete ihn auf Reisen, er organisierte die Reisen, kümmerte sich um alles praktische, gab auch den einen oder anderen Vortrag, sang ganz wunderbar, leitete Kirtans, also Mantrasingen an und ich kannte ihn von 1982, wo ich mein Wochenendseminar bei Swami Chidananda besucht hatte und danach auch etwas mit ihm gereist war in seinem Tross. Bei zwei anderen Seminaren war ich auch noch da und vier Jahre später kam Swami Vimalandana und natürlich Swami Chidananda zu Besuch in ein Yogazentrum, das ich geleitet hatte in Los Angeles. Davor hatte ich überlegt, was kann man denn mit dem heiligen Swami dort machen? Was kann man ihnen zeigen? Wie kann man sie gut bewirten? Und jemand sagte, es gibt zwei Möglichkeiten, was man in Los Angeles machen kann. Universal Studios oder Disneyland.

Ich fragte die beiden, was sie machen wollten und Swami Chiidananda sagte zu seinem Assistenten, weißt Du, ich will eigentlich nirgendwohin gehen, aber geh Du doch mal mit. Und Swami Vimalanda hatte so diese Einstellung, wenn sein Meister ihm etwas sagt, dann macht er es auch. Eigentlich hatte er nicht übermäßig Lust, irgendwas zu besichtigen, aber Swami Chidananda hatte gesagt, geh du doch mal. Gut, dann fragte ich Swami Vimalanda, wo willst Du denn hingehen und er sagte Disneyland. Von Disneyland hatte er schon gehört und so sind wir nach Disneyland gegangen. Wir mussten erst einmal eine Stunde hinfahren und dann sind wir dorthin gegangen. Wir sind zusammen Achterbahn gefahren, wir sind zusammen in irgendwelche Observatorien und alles mögliche und wir hatten unwahrscheinlich viel Spaß und ich fand das ganz toll. Auf dem Rückweg ist mir plötzlich bewusst geworden, was habe ich eigenlich gemacht? Da ist dieser große ehrwürdige Swami und ich bin so ein junger Leiter eines Yogazentrums und ich bin ja fast auf seinem Schoß gewesen. Ich bin jetzt eigentlich mehr mit einem Freund unterwegs gewesen, habe jetzt alle Regeln des Respekts versäumt und irgendwo ist das fast von selbst geschehen.

Und dann hab ich Swami Vimalanda so ein bisschen schüchtern gefragt, Swamiji, ich hab dich ja jetzt irgendwo behandelt wie einen Freund, war das denn ok? Eigentlich bist du ja ein ehrwürdiger Swami und ich wollte dir eigentlich sagen, dass ich großen Respekt vor dir habe. Dann sagte er nur: I'm just your friend. Ich bin einfach nur Dein Freund. Und dann hab ich nochmal schüchtern nachgehakt und hab gefragt, du hast mich so behandelt, als ob du mich schon lange kennst. Hast du dich erinnert, wie ich dich vor vier Jahren gesehen habe und dich ein paar Sachen gefragt habe? Dann lachte er und sagte, weißt du, ich treffe so viele Menschen, ich reise mit Swami Chidananda überall hin. Überall wo ich bin, gibt's dutzende und hunderte von Menschen. Dann schaute er mich an und sagte ganz sachlich: Ich hab's mir einfach angewöhnt, jeden Menschen, den ich treffe, als Freund anzusehen und wie einen Freund zu behandeln.

Das ist in mir drin geblieben, dass ein Mensch, ein altehrwürdiger Swami, gut so alt war er damals nicht, aber 20, 30 Jahre älter als ich, dass er einfach gesagt hat, für mich ist einfach zur Gewohnheit geworden, jeden Mensch als Freund anzusehen und als solchen zu behandeln.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Seminare

Meditation

30. Sep 2016 - 02. Okt 2016 - Jnana Yoga, Vedanta, Meditation und Schweigen
Lerne abstrakte Meditationstechniken aus dem Jnana Yoga über die höchste Weisheit des Vedanta. Intensivseminar mit täglich bis zu 6 Meditationssitzungen zu je 20-40 Minuten, 2 Yoga Stunden und M…
Adinath Zöller,
30. Sep 2016 - 02. Okt 2016 - Jnana Yoga, Vedanta, Meditation und Schweigen
Lerne abstrakte Meditationstechniken aus dem Jnana Yoga über die höchste Weisheit des Vedanta. Intensivseminar mit täglich bis zu 6 Meditationssitzungen zu je 20-40 Minuten, 2 Yoga Stunden und M…
Swami Divyananda,

Jnana Yoga, Philosophie Jnana Yoga, Philosophie

30. Sep 2016 - 02. Okt 2016 - Jnana Yoga, Vedanta, Meditation und Schweigen
Lerne abstrakte Meditationstechniken aus dem Jnana Yoga über die höchste Weisheit des Vedanta. Intensivseminar mit täglich bis zu 6 Meditationssitzungen zu je 20-40 Minuten, 2 Yoga Stunden und M…
Adinath Zöller,
30. Sep 2016 - 02. Okt 2016 - Jnana Yoga, Vedanta, Meditation und Schweigen
Lerne abstrakte Meditationstechniken aus dem Jnana Yoga über die höchste Weisheit des Vedanta. Intensivseminar mit täglich bis zu 6 Meditationssitzungen zu je 20-40 Minuten, 2 Yoga Stunden und M…
Swami Divyananda,