Vergängliche Liebe

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Vergängliche Liebe - davor haben viele Menschen Angst. Aus der allgemeinen Erkenntnis der Vergänglichkeit ziehen Menschen aber auch Trost. Vergängliche Liebe ist Liebe, die der Vergänglichkeit unterworfen ist. Alles im Universum ist vergänglich. Was einen Anfang hat, hat auch ein Ende.

William Adolphe Bouguereau: Amor und Psyche als Kinder (Beiname: Der erste Kuss), Öl auf Leinwand, 1890

Aber die Liebe? Ist Liebe nicht etwas Ewiges, etwas Unvergängliches? Gibt es so etwas wie ewige Liebe, unvergängliche Liebe? Oder gibt es nur vergängliche Liebe? Die Essenz dieses Artikels: Objekte der Liebe sind vergänglich. Die auf Objekte gerichtete Liebe ist vergängliche Liebe. Liebe an sich ist ewig. Daher kommt die Sehnsucht des Menschen nach ewiger Liebe - die aber oft genug frustriert wird. Dennoch ist das Streben nach ewiger Liebe etwas sehr tief im Menschen Verankertes - und etwas, das dem Menschen Halt gibt.

Was ist Liebe?

Liebe ist ein Gefühl der Zuneigung, das eine gewisse Tiefe und Dauer hat. Liebe kann gerichtet sein auf Menschen und auf Dinge. Im engeren Sinn spricht man von Liebe in der Paarbeziehung. Oft spricht man deshalb von vergänglicher Liebe, wenn die Liebe in einer Paarbeziehung nur kurz dauert. Liebe gibt es jedoch in jeder Beziehung eines Menschen zu einem anderen. Es gibt Elternliebe, Kindesliebe, Geschwisterliebe, freundschaftliche Liebe. Liebe kann auch auf andere Lebewesen als auf Menschen gerichtet sein: Es gibt Tierliebe, Naturliebe, Pferdeliebe, Katzenliebe, Hundeliebe. Liebe kann sogar auf ein Ding sowie eine Tätigkeit gerichtet sein. Man kann seinen Beruf lieben, sein Hobby lieben, Kunst lieben etc. Du findest einen umfangreichen Artikel hierzu unter dem Stichwort Liebe.

Beispiele vergänglicher Liebe in Bezug auf Dinge

Liebe, die gerichtet ist auf Dinge, ist oft vergänglich: Ein Kind liebt sein Spielzeug. Nach einer Weile verliert es das Interesse daran. Der Jugendliche liebt eine spezielle Art der Musik - das kann vergehen. Menschen lieben ihr Hobby - und nach einer Weile nicht mehr. Menschen lieben ihr Smartphone, ihre Kleidung etc. All das ist vergänglich. Dinge können die Sehnsucht nach Liebe nicht befriedigen. Auf Dinge gerichtete Liebe ist meistens vergängliche Liebe. Wenn die Liebe selbst nicht vergeht, dann sind die Dinge vergänglich. Eigentlich müsste man in Bezug auf Dinge nicht wirklich von Liebe sprechen. Die Sehnsucht des Menschen nach Liebe kann durch materielle Objekte keine Erfüllung finden.

Vergängliche Liebe und dauerhafte Liebe zu Menschen

Liebe zu Menschen kann dauerhafter oder vergänglicher sein. Beispiele vergänglicher Liebe in Bezug auf Menschen sind:

  • Freundschaften im Kindergarten, in der Grundschule dauern oft nicht so lange an - sie sind Beispiele vergänglicher Liebe
  • Manche Kinder himmeln ihre Lehrer an - das wächst sich aus
  • Viele Jugendliche entwickeln große Liebe zu Musikstars oder Fußballern - diese Liebe ist meist vergänglich

Beispiele von dauerhafter Liebe sind biologische familiäre Beziehungen:

  • Die Liebe der Eltern zu ihren Kindern ist dauerhaft und kann typischerweise durch nichts erschüttert werden
  • Auch die Liebe der Kinder zu ihren Eltern ist dauerhaft. Solange die Eltern ihren Kindern nichts wirklich Schlimmes antun, wird die Liebe der Kinder zu den Eltern nicht vergehen
  • Auch Geschwisterliebe ist meist keine vergängliche Liebe. Wer Geschwister hat, weiß dass die Geschwisterliebe etwas Dauerhaftes ist, auf das man bauen kann

Vergängliche Liebe und dauerhafte Liebe in der Zweierbeziehung

Heutzutage richtet sich die Sehnsucht der Menschen nach Liebe meist auf die Zweierbeziehung. Manche Menschen, ja die meisten Menschen, suchen hier die ewige Liebe. Es gibt aber auch Menschen, die eher die vergängliche Liebe suchen und mit abwechselnden vergänglichen Liebesbeziehungen zufrieden sind. Der kanadische Sozialpsychologe John Alan Lee hat hier vom Liebesstil Ludus gesprochen: Manche Menschen suchen eher spielerisches Vergnügen in der Liebesbeziehung, keine dauerhafte Liebe.

Gibt es dauerhafte Liebe in der Zweierbeziehung?

Die meisten Menschen sehnen sich nach der großen Liebe, nach der dauerhaften Liebe, nach der ewigen Liebe. Die wenigsten sind mit vergänglicher Liebe zufrieden. Aber gibt es die dauerhafte Liebe in der Zweierbeziehung überhaupt? Die Antwort hier ist klar: Ja, es gibt sie. Über die Hälfte der Ehen dauert, bis ein Partner stirbt. Anders als in den Medien suggeriert, wird also etwas über die Hälfte der Ehen nicht geschieden. Aber ist in diesen Ehen wirklich noch Liebe da? Die ganz große Mehrheit der verheirateten Menschen ist mit ihrer Partnerschaft zufrieden. Die Liebesbeziehung mag durch Höhen und Tiefen gehen - sie kann sich aber gerade dadurch vertiefen. So kann man vermutlich mutmaßen: Etwa ein Drittel der Menschen, welche heiraten, hat ihre dauerhafte Liebe gefunden, die bis zum Tod hält.

Bei Menschen, die nicht heiraten, also Lebensgemeinschaften ohne Trauschein, ist der Anteil erheblich geringer. Auch heute noch heiraten die meisten Menschen, die davon ausgehen, ihre ewige Liebe gefunden zu haben. So wird man umgekehrt schließen können, dass die meisten Liebesbeziehungen vergängliche Liebe sind.

Beispiele vergänglicher Liebesbeziehungen

Vergängliche Liebesbeziehungen können sein:

  • One-Night-Stands
  • Spielerisches Ausprobieren, ob man zueinander passt
  • Liebesbeziehungen, die nach etwas drei Jahren erkalten

Insbesondere der letztere Fall ist etwas Spezielles: Ein großer Teil der Liebesbeziehungen hält nur etwa drei Jahre. Dafür gibt es biologische Gründe. In den ersten Jahren einer Beziehung ist die sexuelle Liebe, die erotische Liebe besonders wichtig. Auch die romantische Liebe, die von intensivem Gefühl getragen ist, verringert sich. Nur wenn sich aus dieser erotischen Liebe eine tiefe Liebe entwickelt, kann die Partnerschaft in die nächste Stufe gehen. Es wird daher oft auch von serieller Monogamie als gerade in Städten häufig anzutreffendem Liebesstil gesprochen: Die Partner bleiben zusammen, solange die erotische Anziehung und das intensive Gefühl da ist. Wenn diese Anziehung weniger wird, trennen sich die Partner.

Wenn Menschen sich nicht nur sexuell und mit großem Gefühl lieben, sondern auch auf anderen Ebenen sich verbunden fühlen, dann kann die Liebe auch diese drei Jahre überstehen. Insbesondere wenn man das Gefühl hat, dass der Partner für einen da ist, einem hilft in der persönlichen und spirituellen Entwicklung, in seinem beruflichen oder sozialen Engagement, wenn man gemeinsame Interessen hat, sich gut miteinander unterhalten kann, dann kann aus vergänglicher erotischer Liebe eine tiefere und dauerhaftere Liebe werden. Und natürlich gilt umgekehrt: Wenn man selbst den anderen in seinem Sein tief respektiert und bewundert, wenn man bereit ist, für den anderen Opfer zu bringen, ihn in seinen Anliegen zu unterstützen und zwar so, wie der Partner das gerne mag, dann sind diese Hinweise für dauerhafte Liebe.

Von vergänglicher Liebe zu dauerhafter Liebe

Die meisten Menschen suchen die dauerhafte Liebe. Inmitten einer Welt in ständiger Veränderung sucht man ein zuhause, auf das man sich verlassen kann. Nicht umsonst spricht man vom "Hafen der Ehe", der Heimat sein soll inmitten der Fahrten in das Meer des Lebens. Um Liebe dauerhafter zu machen, sollte sie nicht auf das Vergängliche gerichtet sein. Liebe, die sich auf die Jugendlichkeit der Schönheit eines Körpers bezieht, ist vergänglich - denn der Mensch altert. Liebe, die sich auf die Komplimente des anderen bezieht, ist vergänglich - weil Menschen sich häufig am Anfang der Beziehung viele Komplimente machen. Liebe, die sich auf das intensive Gefühl der Verliebtheit bezieht, ist vergänglich - denn dieses Gefühl verringert sich im Lauf der Jahre. Liebe, deren Hauptgrundlage Sex ist, ist vergänglich - weil der Wunsch nach Sexualität sich wandelt. Was kann die Grundlage dauerhafter Liebe sein?

  • Die Tiefe der Seele des Partners ist zwar unergründlich - aber dauerhaft. Dadurch dass sie geheimnisvoll bleibt, ist immer etwas Neues zu entdecken
  • Der Wunsch, den Partner in der Tiefe zu verstehen, kann Grundlage dauerhafter Liebe sein - denn vollständiges Verstehen ist nicht möglich, der Wunsch danach aber faszinierend
  • Sich gegenseitig dauerhaft Stütze und Hilfe sein zu wollen, das kann dauerhaft sein - und Grundlage tiefer Liebe sein
  • Gemeinsame Anliegen zu haben, die dauerhaft sind, kann auch die Liebe dauerhaft machen. Beispiele sind:

Dauerhaftigkeit und Vergänglichkeit - Die sechs Liebesstile

Der amerikanische Sozialpsychologe hat das Modell der sechs Liebesstile entwickelt. Diese sechs kann man einteilen in vergänglichere und dauerhaftere Liebesstile:

Vergänglichere Liebesstile

Der vergänglichste Liebesstil ist Ludus, die spielerische Liebe, welche das unverbindliche Liebesspiel, Vergnügen, Sex, sucht und nicht auf Dauer ausgelegt ist. Der Ludus Liebesstil ist durch wechselnde und auch parallele Liebesbeziehungen gekennzeichnet. Auch Eros, die romantische Liebe, die erotische Liebe, ist vergänglich. Der Liebesstil Eros beruht auf starker Verliebtheit - und diese vergeht im Lauf der Jahre, meist innerhalb von 3 Jahren.

Beständigere Liebesstile

Ein beständigerer Liebesstil ist Agape, die aufopfernde Liebe: Das Dasein für den Partner wird als Lebenssinn, als Sinn des Lebens verstanden, mindestens als ein wichtiger Sinnkontext. Fehler des Partners werden verziehen. Das Dasein für den anderen ist sehr wichtig. Agape bleibt beständig auch in Krankheit, Lebenskrisen und Alter.

Auch Mania, die manische Liebe, die rasende Liebe, die eifersüchtige Liebe, ist meist sehr dauerhaft. Das kann auch zum Problem werden - wenn nämlich der andere die Liebe nicht erwidert oder sich trennen will oder getrennt hat.

Liebesstile, die vergänglich und beständig sein können

Zwei Liebesstile können mal vergänglich, mal dauerhafter sein.

  • Pragma, die pragmatische Liebe, kann dauerhaft sein, weil die beiden Partner für eine gemeinsame Sache sich einsetzen, sich gegenseitig unterstützen, oder den anderen brauchen für materielle oder gesellschaftliche Vorteile. Pragma hat jedoch wenig Emotionalität und Leidenschaft - und kann durch eine neue Verliebtheit gefährdet werden
  • Storge, die freundschaftliche Liebe, macht das Leben angenehm: Man versteht sich, hilft sich, ist gerne mit dem anderen zusammen. Auch hier ist die Emotionalität und Leidenschaft nicht sehr hoch - und kann durch aufkommende Verliebtheit eines Partners zu jemand anderem bedroht werden.

Was nun?

Die Liebe bleibt eine komplexe Angelegenheit...

Ewige Liebe und Vergängliche Liebe

Ewige Liebe ist Liebe an sich. Ewige Liebe ist gerichtet auf die Essenz des Seins. Yoga bzw. Vedanta sagt:

Auf die Liebe bezogen heißt das:

  • Gott ist die Liebe - diese ist ewig
  • Die Welt besteht aus ständig sich verändernden Aspekten des Göttlichen. Alles ist letztlich eine Manifestation von Liebe. Die Liebe selbst ist ewig - die Manifestationen der Liebe sind vergänglich
  • Der Mensch ist in seiner Essenz eins mit dem Göttlichen. Er ist in der Tiefe Liebe

Jede vergängliche Liebe ist Teil der Ewigen Liebe. Du kannst jede kleine Liebe als Teil der großen Liebe sehen. Die kleine Liebe, die vergängliche Liebe, leuchtet auf, ergreift dich sanfter oder heftiger - und vergeht wieder. Aber auch die kleine Liebe, die vergängliche Liebe, ist ein Aufleuchten ewiger Liebe.

Genieße daher jede kleine Liebe, jede vergängliche Liebe. Sieh in jeder Liebe das Aufleuchten des Göttlichen. Akzeptiere, dass die kleine Liebe der Wandlung unterworfen ist. Lass die Liebe zu den Menschen dauerhafter, ja sogar ewig werden, indem du sie mehr auf den göttlichen Kern des Menschen richtest. Aus dieser tiefen Liebe zur Essenz des Menschen kommen Vergebung, Verständnis, Freude, Einheit.

Theoretisch könntest du auch alle vergängliche Liebe vermeiden, um Verhaftung zu vermeiden. Bis zu einem gewissen Grad macht das der Mönch, die Nonne, der Swami, der Sadhu, der Sannyasi. Aber auch der Mönch, die Nonne, wird kleinere und größere Lieben und Vorlieben entwickeln, auch wenn es freundschaftliche Liebe, spirituelle Liebe ist.

Vertiefe deine Liebe. Lass sie wachsen. Lass sie sich richten auf Tieferes. Und löse dich von Enttäuschung und Misstrauen, welche aus oberflächlichere Liebe oder aus Liebe zu etwas Vergänglichem erwachsen ist.

Siehe auch

Literatur

  • Swami Sivananda, Bhakti und Sankirtan, Hrsg.: The Divine Life Society, 2007
  • Swami Sivananda, Inspirierende Geschichten (2005)
  • Swami Sivananda, Japa Yoga (2003)
  • Swami Sivananda, Göttliche Erkenntnis (2001)
  • Tarsicius J. van Bavel, Von Liebe und Freundschaft: Augustinus über das christliche Leben (2009)
  • Ayya Khema, Das Größte ist die Liebe: Die Bergpredigt und das Hohelied der Liebe aus buddhistischer Sicht (2009)
  • Franz-Josef Nocke, Liebe, Tod und Auferstehung: Die Mitte des christlichen Glaubens (2005)
  • John Ortberg u.a., Die Liebe, nach der du dich sehnst: Vom Kopf ins Herz - Gottes Liebe fühlen lernen (2001)

Weblinks

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