Narzisstische Liebe

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Narzisstische Liebe ist eine auf sich selbst bezogene Liebe, die übertrieben ist und Liebe zu anderen erschwert. Im Unterschied zur positiv zu bewertenden Selbstliebe, welche die Liebe zu anderen erleichtert, ist die narzisstische Liebe mit Egoismus, Arroganz, Selbstsüchtigkeit verbunden. Erfahre hier einiges darüber, woher der Begriff narzisstische Liebe kommt, was er in der Psychologie bedeutet, und wie du narzisstische Liebe transformieren kannst.

Narzisstische Liebe transformieren

Herkunft des Begriffs Narzisstische Liebe

William Adolphe Bouguereau: Amor und Psyche als Kinder (1890)

Griechische Mythologie: Die Narziss-Sage

Der Begriff Narzisstische Liebe kommt vom griechischen Jüngling Narkissos, auch Narziss genannt. Narziss, griechisch Νάρκισσος, lat. Narcissus, war in der griechischen Mythologie der Sohn des Flussgottes Kephissos und der Leiriope. Er verliebte sich in sein eigenes Spiegelbild, und das geschah wie folgt:

Der Flussgott Kephisos schwängerte in Liebe die Wassernymphe Leiriope, woraus Narkissos, also Narziss, geboren wurde. Der Seher Teiresias machte eine Prophezeiung: Narziss würde nur dann ein langes Leben haben, wenn er sich selbst nicht erkennen würde.

Narziss wurde ein sehr schöner Jüngling. Andere Jünglinge und Mädchen umwarben ihn. Narziss jedoch wies alle Verehrerinnen und Verehrer zurück. Narziss war in seiner Ablehnung oft sehr herzlos, und so erfuhren viele, die sich in Narziss verliebten, große Kränkung. Dazu gehörten auch die Bergnymphe Echo und der Ameinios. Ameinios war etwas zu aufdringlich - Narziss lehnte ihn ab und ließ ihm ein Schwert zukommen. Ameinios verübte Suizid, also Freitod/Selbstmord, rief vorher aber die Götter um Rache an. Die Göttin Nemesis hörte diesen Ruf und strafte Narziss mit unstillbarer Selbstliebe: Als Narziss sich in unberührter Natur bei einer Wasserquelle hinsetzte, verliebte er sich in sein eigenes Spiegelbild.

Wie es weitergeht, dazu gibt es verschiedene Versionen:

  1. Ovid erzählt, dass Narziss erkannte, dass seine Liebe zu sich selbst unerfüllbar war. So verschmachtete er vor seinem Ebenbild zu Tod - und wurde nach seinem Tod zur Narzisse. Hier kann man durchaus eine Grundlage für Anorexie sehen. Manche Formen der Anorexie, Magersucht, können auf narzisstischer Liebe beruhen - mangelnde echte Selbstliebe, aber narzisstische Liebe zur eigenen Vorstellung, die nicht liebbar ist
  2. Der Dichter Pausanias schreibt, dass Narziss in Liebe zu seinem Selbstbild entbrannte und deshalb immer wieder sein Spiegelbild in einem See anschaute. Eines Tages fiel ein Blatt ins Wasser, das Spiegelbild wurde durch die Wellen getrübt. Narziss dachte, er wäre hässlich geworden, und starb. Hier kann man auch wieder ein Krankheitsbild sehen: Narzisstische Liebe ist die Liebe zu einem perfekten Bild von sich selbst. Wenn das Selbstbild mit dem Ideal nicht übereinstimmt, kommt große Trauer - die zum inneren Tod, zur inneren Absterben führen kann.
  3. Eine dritte Version sagt, dass Narziss sich in sein im Wasser gespiegeltes Bild verliebt. Er will sich mit seinem Selbstbild im Wasser verschmelzen - und ertrinkt im Wasser

Von Narziss-Mythos zur narzisstischen Liebe

Im 19. Jahrhundert entstand das Wort Narzissmus als ein Form der sexuellen Störung, einer sexuellen Perversion. Daraus entwickelte Sigmund Freud das Konzept von Narzissmus als Libido, die auf sich selbst gerichtet ist anstatt auf ein Objekt bzw. eine andere Person. Daraus entsteht eine Charaktereigenschaft gekennzeichnet von geringem Selbstwertgefühl bei gleichzeitig übertriebener Einschätzung der eigenen Wichtigkeit. Dieses Spannungsverhältnis zwischen geringem Selbstwertgefühl bei überstiegener eigenen Wichtigkeit muss durch Bewunderung kompensiert werden - weshalb narzisstische Personen nach Bewunderung gieren.

Narzisstische Liebe und Selbstliebe

Manche Psychologen des 20. und 21. Jahrhunderts setzen narzisstische Liebe mit Selbstliebe gleich und sehen narzisstische Liebe grundsätzlich positiv. Meist wird jedoch die Selbstliebe als positiv eingeschätzt: Wer sich selbst liebt, kann auch andere besser lieben. Eine gesunde Selbstliebe ist verbunden mit einem hohen Selbstwertgefühl, welches wiederum die Grundlage für eine souveräne Persönlichkeit, für Gelassenheit ist. Eine Person, die gesunde Selbstliebe hat, braucht den anderen nicht, um etwas zu kompensieren, sondern kann de anderen lieben um seiner selbst willen. Mit Selbstliebe ist echte Nächstenliebe, tiefe Liebe, allumfassende Liebe, wie auch die dauerhafte Liebe zu einem Menschen möglich.

Die narzisstische Liebe ist dagegen verbunden mit geringem Selbstwertgefühl. Man ist verliebt in sich selbst, hält sich selbst für äußerst wichtig, hat aber eine geringe Meinung von sich. Oft ist narzisstische Liebe von hohem Anspruchsniveau verbunden. Narzisstische Liebe liebt den anderen in dem Maße, wie der andere einen liebt, bewundert, und einem hilft, großartig nach außen zu sein. Narzisstische Liebe liebt den anderen, um sich geliebt zu fühlen, und um dem Anspruch an die eigene Wichtigkeit gerecht zu werden.

Grade der Narzisstischen Liebe

Es gibt verschiedene Grade und Ausprägungen narzisstischer Liebe. Hier sei dem Modell von Millon gefolgt:

  • Ein gewisses Maß von narzisstischer Liebe ist nicht außergewöhnlich oder krankhaft. Ein normal narzisstischer Mensch erscheint kompetitiv, selbstsicher und erfolgreich.
  • Ein charakterloser Narzisst ist betrügerisch, ausnutzend, skrupellos, oft kriminell
  • Ein amouröser Narzisst braucht die sexuelle Bewunderung: Er ist gut im Verführen, kann den anderen nicht wirklich lieben, genießt es aber, geliebt zu werden - was den anderen aber irgendwann hohl erscheinen lässt. Gerade die narzisstische Liebe des amourösen Narzissten kann viele Menschen unglücklich machen: Wie in der Sage um Narziss zieht der amouröse Narzisst viele Menschen an - kann aber ihre Liebe nicht erwidern, weshalb die anderen sich irgendwann abgelehnt fühlen.
  • Ein kompensatorischer Narzisst tut so, als ob er sich für grandios hält, hat aber massive Minderwertigkeitsgefühle
  • Der elitäre Narzisst zeigt ein überhöhtes Selbstwertgefühl, ist dabei angeberisch und braucht noch mehr Bewunderung
  • Der fanatische Narzisst hat niedriges Selbstwertgefühl und leidet unter Bedeutungslosigkeit. Er leidet an Omnipotenzwahn, was paranoide und schizophrene Züge annehmen kann

Narzisstische Persönlichkeitsstörung und Narzisstische Liebe

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung ist ein eigenes Krankheitsbild, das über den umgangssprachlichen Narzissmus hinaus geht.

Die narzisstische Person in diesem Sinne ist gekennzeichnet durch Mangel an Einfühlungsvermögen in Verbindung mit Überempfindlichkeit gegenüber Kritik und großartigem äußeren Erscheinungsbild. Die narzisstische Liebe ist das Gegenteil von dem, was man von normaler Liebe erwarten würde: Normal wäre es, den anderen so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden will. Die narzisstische Person behandelt andere so, wie sie nicht behandelt werden will - und erwartet, dass andere sie mit ihrer Liebe und Bewunderung überhäufen.

Zur narzisstischen Persönlichkeit gehört auch Überschätzung der eigenen Fähigkeiten, krankhafter Zwang zum Lügen ohne Schuldgefühle und ohne Schamgefühle, die Notwendigkeit, seinen Willen durchzusetzen.

Manchmal kommen narzisstische Persönlichkeiten in Führungspositionen, weil sie sich durchzusetzen vermögen, und ein Trugbild von sich selbst aufbauen. Die abhängigen Personen leiden dann darunter.

Jemand mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung kann nicht wirklich lieben. Narzisstische Liebe hier ist höchstens die Liebe in die eigene Wichtigkeit.

Narzisstische Liebe in spirituellen Kreisen

Manchmal findet man narzisstische Liebe auch in spirituellen Kreisen:

  • Ein (Pseudo-) Guru verkündet seine persönliche Bedeutung, heischt nach Anerkennung. Seine narzisstische Liebe zu sich und seiner eigenen Bedeutung wird durch die Bewunderung der Schüler genährt - manchmal können solche narzisstischen Lehrer viele Schüler um sich scharen und sogar viel Gutes tun
  • Ein Yogalehrer unterrichtet mit viel Effekthascherei
  • Jemand geht den spirituellen Weg, weil er meint, so wichtiger sein zu können. Der Wunsch mehr zu meditieren als andere wird gespeist von der narzisstischen Liebe nach Anerkennung.

Der spirituelle Weg kann so zur Flucht, zur Weltflucht, zur Selbstflucht werden - und zur Verbrämung der psychischen Störung als Spiritualität. Jedoch ist normalerweise eine solch übersteigerte narzisstische Liebe nicht dauerhaft aufrecht zu erhalten - irgendwann kollabiert das narzisstische Kartenhaus, Heilung kann beginnen.

Um all diesen Fallstricken zu entgehen, empfehlen die großen Meister uneigennützigen Dienst, einfaches Leben, Karma Yoga, Demut, uneigennützige Liebe. Und sie empfehlen die Goldene Regel: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.

Die Narzissmus-Falle überwinden

Narzisstische Liebe ist wie eine Falle, in der man gefangen ist. Es ist nicht leicht, aus der Falle der narzisstischen Liebe heraus zu kommen.

Wie immer gilt: Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.

Wer erkannt hat, dass er selbst in narzisstische Liebe verstrickt ist, kann lernen, sich auf den anderen einzulassen, ihn um seiner selbst willen zu lieben, mehr über den anderen zu erfahren, ihm Gefallen zu tun.

Auf der anderen Seite kann er lernen, in sich selbst Ruhe zu finden, in der Tiefe seines Lebens Vertrauen und Freude zu spüren: Dann braucht er nicht mehr so die Liebe eines anderen.

Wer sich geborgen fühlt in der Gottesliebe, in der Verbundenheit zu anderen, kann jegliche narzisstische Liebe überwinden.

Man kann auch die narzisstische Liebe utilarisieren. Denn narzisstische Liebe hat auch ein paar Vorteile:

  • Narzisstische Liebe ist verbunden mit einem geringen Selbstwertgefühl. Das kann positiv gedeutet werden als Demut
  • Narzisstische Liebe ist verbunden mit einem hohen Anspruchsniveau, auch und gerade gegenüber sich selbst. Das kann positiv gesehen werden als Antrieb, an sich zu arbeiten
  • Narzisstische Liebe kann verbunden sein mit großer Bereitschaft etwas zu tun, oft auch mit hohem Energieniveau. Das kann genutzt werden, um Gutes zu bewirken
  • Narzisstische Liebe hat die Fähigkeit der Selbstdarstellung und die Fähigkeit, dass andere einen bewundern und lieben. Das kann dazu genutzt werden, um viele Menschen dazu zu inspirieren, Gutes zu tun

Wer dann seine narzisstische Liebe Gott darbringt, demütig bleibt, die Manifestationen der narzisstischen Liebe leicht amüsiert mit etwas Selbstironie und doch echter Selbstliebe zur Kenntnis nimmt, kann aufhören, in narzisstischer Liebe verstrickt und gefangen zu sein. Im Gegenteil kommt daraus eine Freiheit in Verbundenheit mit der Energie, an sich selbst zu arbeiten, sich mit Energie für eine gute Sache einzusetzen und andere dabei mit zu inspirieren.

So muss es gar nicht schlecht sein, dass manche spirituelle Menschen offensichtliche narzisstische Tendenzen haben. Es könnte sein, dass sie sich dessen bewusst sind, sich nicht damit identifizieren und alles Gott darbringen.

Siehe auch

Literatur

  • Anselm Grün, Das Hohelied der Liebe: Münsterschwarzacher Geschenkheft (2011)
  • Stephan Hachtmann, Berührt vom Klang der Liebe: Wege zum Herzensgebet (2012)
  • Thich Nhat Hanh, Jesus und Buddha - Ein Dialog der Liebe (2010)
  • Franz Jalics, Der kontemplative Weg (2010)
  • Johannes XXIII., Das Herz muss voll Liebe sein (2013)
  • Otto F. Kernberg (Hg.), Narzissmus. Grundlagen – Störungsbilder – Therapie (2005)
  • Ayya Khema, Das Größte ist die Liebe: Die Bergpredigt und das Hohelied der Liebe aus buddhistischer Sicht (2009)
  • Swami Sivananda, Die Kraft der Gedanken (2012)
  • Swami Sivananda, Inspirierende Geschichten (2005)
  • Swami Sivananda, Japa Yoga (2003)
  • Swami Sivananda, Göttliche Erkenntnis (2001)
  • Swami Sivananda, Gedanken zur Kontemplation (1996)
  • Swami Sivananda, Hatha-Yoga. Der sichere Weg zu guter Gesundheit, langem Leben und Erweckung der höheren Kräfte (1964)
  • Swami Sivananda, Sadhana – Ein Lehrbuch mit Techniken zur spirituellen Vollkommenheit

Weblinks

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