Faszien

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Faszien (abgeleitet vom Lat. fascia, "Bündel") damit bezeichnet man das helle Bindegewebe aus Kollagen- und Elastinfasern, das unsere Muskeln umhüllt und aus dem auch unsere Bänder und Sehnen bestehen. Die von Feuchtigkeit umgebenen Bindegewebsschichten sorgen nicht nur dafür, dass benachbarte Muskeln bei Bewegung aneinander entlanggleiten können, sie sorgen auch für die Stabilität des Körpers. Überdies ermöglichen sie Sprünge, die mit der Muskulatur allein nicht zu bewältigen wären, transportieren Abfallstoffe aus dem Körper und sind an der Immunabwehr beteiligt.

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Wegen der zahlreichen Rezeptoren und Nervenenden, mit denen sie ausgestattet sind, kann man Muskeln und Faszien auch zu den Sinnesorganen zählen. Noch bis vor wenigen Jahren konnte man Faszien nur manuell ertasten, da sie auf bildgebenden Verfahren nicht zu erkennen sind. Eine neue Methode ermöglicht nun jedoch die genaue Untersuchung des Bindegewebes mit Ultraschallgeräten.

Die noch relativ junge Faszienforschung hat festgestellt, dass Faszien auf Stress reagieren und sich unabhängig vom Muskel zusammenziehen können. Sie sind überdies mit zahlreichen Rezeptoren und Nervenenden ausgestattet, so dass Faszien eine Erklärung für chronische Rückenschmerzen sein könnten, deren Ursache bislang nicht aufgedeckt werden konnte. Insbesondere die großen Rückenfaszien zählen zu den Verdächtigen. Das schmerzempfindliche Bindegewebe kann sich auf Dauer verhärten, es kann verfilzen oder sich entzünden.

Forscher konnten nachweisen, dass bei Patienten mit chronischem Rückenschmerz die Faszien häufig verdickt sind und dass die verdickten Fasern Nervenenden einklemmen und so den Schmerz auslösen. Das verdickte Gewebe kann heute mittels Endoskop ausgemacht und operativ abgetragen werden. Derzeit wird von der Faszienforschung geprüft, wie man das Gewebe manuell oder durch andere Therapien auflockern und damit operative Eingriffe vermeiden könnte.

Zu den interessantesten und wissenschaftlich nachgewiesenen Methoden gehört sanfter Yoga mit vielen Dehnübungen, wie man sie beispielsweise im Yin Yoga, Faszienyoga und Räkelyoga findet. Weitere wissenschaftlich belegte Möglichkeiten sind Rolfing (nach Ida Rolf benannte Bindegewebsmassage), Osteopathie und Akupunktur.

Aufbau der Faszien

Rücken- und Oberarmmuskulatur: Faszien sorgen auch für das Zusammenspiel der Muskeln im ganzen Körper

Die wesentlichen Bestandteile von Faszien sind Proteine und Wasser. Dabei unterscheidet man die sogenannten Strukturproteine in Kollagene und Elastin. Die genaue Zusammensetzung der Faszien hängt von der Körperregion und der daraus resultierenden Funktion ab. Während sich Kollagen vor allem durch eine feste Struktur auszeichnet, handelt es sich bei Elastin um ein elastisches und dehnbares Strukturprotein.

Für die Produktion der Strukturproteine sind die sogenannten Fibroblasten zuständig.

Neben den Strukturproteinen und den Fibroblasten bilden außerdem Abwehrzellen, Nervenendigungen und die sogenannte Extrazellulare Matrix die Gesamtheit des Bindegewebes.

Dabei umgibt die Extrazellulare Matrix die einzelnen Komponenten der Faszien. Sie besteht zum Großteil aus Wasser und darin gelösten Zuckermolekülen. Über die Extrazellulare Matrix wird die Versorgung der einzelnen Körperregionen sichergestellt.

Funktionen der Faszien

Faszien dienen als elementares Bindeglied zur Ausführung verschiedener Körperfunktionen.

Das Zwerchfell eines Menschen von unten betrachtet; Quelle: Henry Gray (1918)

Faszien spielen eine wichtige Rolle in unserem Bewegungsapparat. Die Bindegewebsschichten sorgen dafür, dass benachbarte Muskeln bei Bewegung reibungslos aneinander entlanggleiten können. Für diese Funktion ist die sogenannte Hyalruonsäure zuständig. Sie wirkt wie eine Art Gleitmittel in unserem Körper.

In der menschlichen Bewegung wird den Faszien eine noch viel wichtigere Aufgabe zuteil. Für die Ausführung einer Bewegung wird Muskelkraft benötigt. Um diese Kraft übertragen zu können bedarf es eines durchgängigen Kraftschlusses zwischen Muskel und Knochen. Der Kraftschluss wird durch Faszien gewährleistet, die jede einzelne Muskelfaser, den Muskel als Ganzes und die Sehnen umfassen. Sehnen, als Teil des Bindegewebes, sorgen für die Verbindung zwischen Muskeln und Knochen.

Kommt es zu einer Muskelkontraktion, werden die Faszien gedehnt und unter Spannung gesetzt. Wird die Spannung gelöst, entwickelt sich kinetische Energie, die an die Knochen übertragen wird.

Durch diesen Vorgang wird beim menschlichen Gang nur ein Minimum an Muskelraft benötigt.

Neben der Funktion im Bewegungsapparat verleihen Faszien dem Menschen sein äußeres Erscheinungsbild, sorgen für die Stabilität des Körpers und werden daher auch als Organ der Form bezeichnet. Würde man aus einem menschlichen Körper alles entfernen und nur das Bindegewebe übrig lassen, dann wäre die komplette Anatomie des Menschen weiterhin sichtbar. Das Bindegewebe zieht sich wie ein Netz durch den ganzen Körper. Es sorgt dafür, dass insbesondere unsere Organe an ihrem Platz bleiben, gewährleistet im gleichen Zug aber auch deren Flexibilität.

Zahlreiche Nervenendigungen im Bindegewebe sorgen für ein körperübergreifendes Kommunikationsnetzwerk, das mit dem Nervensystem verbunden ist, äußere Reize wahrnimmt, die Selbstwahrnehmung bestimmt und gleichzeitig Schmerzempfinden weiterleitet. Forscher konnten nachweisen, dass bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen die Faszien häufig verdickt sind und dass die verdickten Fasern Nervenenden einklemmen und so den Schmerz auslösen.

Faszienbahnen & Spannungsketten im menschlichen Körper

Tensegrity aus 3 Druckstäben (hier äußere Bögen) und 12 Seilen (ein Oktaeder bildend)

Ida Rolf, Begründerin der Therapieform Rolfing war eine der Vordenkerin, wenn es um die Faszien im menschlichen Körper geht. Der Ansatz ihrer Behandlung basiert auf der Grundannahme, dass die Schwerkraft, als äußere Kraft, eine tragende Rolle auf die Spannung in unserem Körper spielt. Durch individuelle Faktoren entstehen bei jedem Menschen unterschiedliche Spannungsmuster.

Ziel des Rolfers ist es, die Spannung in verschiedenen Körperabschnitten zu analysieren und durch eine gezielte manuelle Behandlung dem Organismus zu einer besseren Aufrichtung zu verhelfen.

Auf Grundlage dieses Ansatzes entwickelte Thomas M. Myers, ebenfalls Rolfer, ein Modell der Muskel-Faszien-Ketten. Zur Veranschaulichung greift er auf ein Konstruktionsprinzip aus der Kunst und Architektur zurück.

Das Tensegrity Modell, der Begriff setzt sich aus den beiden Begriffen Tension (Spannung) und Integrity (Einheit) zusammen, beschreibt ein System, das aus voneinander unabhängigen Stäben besteht, die über Seile miteinander verbunden werden. Durch die Kombination aus festen und flexiblen Bestandteilen ergibt sich ein sich geschlossenes, stabiles System. Dieses Modell adaptiert er auf den menschlichen Körper. Während die festen Stäbe mit den menschlichen Knochen gleichzusetzen sind, handelt es sich bei den Seilen um myofasziale Ketten in unserem Körper.

Da Muskeln immer von Faszien umgegeben sind, hat sich in der Praxis der Begriff „Myofaszial“ durchgesetzt. Er beschreibt die Einheit aus Muskelgewebe, dem „Myo“ und dem umfassenden Bindegwebe (Faszie).

Bei dem Vergleich des menschlichen Körpers darf jedoch nicht vergessen werden, dass dieser entgegen dem Tensigrity Modell kein starres System darstellt, sondern zum Großteil aus Flüssigkeiten besteht und formbar ist.

Dennoch veranschaulicht das Modell, dass bei einer Bewegung bzw. einwirkenden Belastungen das gesamte Fasziennetzwerk in Bewegung gerät und Spannungen in andere Körperstelen überträgt.

In seinem Buch „Anatomy Trains: Myofasziale Leitbahnen“ beschreibt Myers die wichtigsten Faszienbahnen in unserem Körper:

  • Oberflächliche Rückenlinie
  • Oberflächliche Frontallinie
  • Laterallinie
  • Spirallinie
  • Armlinie
  • Tiefe Fronatlinie

Ursache Verklebter Faszien

Gesunde Faszien weissen häufig eine Scherengitter-artikge Anordnung der Fasern auf (linkes Bild). Zusätzlich zeigen die einzelnen Kollagenfasern eine starke Wellung (Crimp). Im Unterschied hierzu führt Bewegungsmangel zu einer mulitdirektionalen chaotischen Faseranordnung ('Verfilzung‘) sowie einem Verlust der Wellung, was zu einer Abnahme der Dehnbarkeit sowie elastischen Federungskapazität führt. Copyright

Nicht bewegte und nicht gedehnte Faszien neigen zu Verklebungen und zu Verdickungen. Leider kann es bei Verklebungen des Bindegewebes zu Beschwerden kommen. Schulter-Nacken- Probleme und diverse Schmerzen hängen oft damit zusammen. Wenn ein Muskel längere Zeit verspannt ist, fängt das Bindegewebe um den Muskel herum an, zu vertrocknen und starr zu werden – dadurch wird der Muskel im verspannten Modus festgehalten. Auch verlaufen durch das Bindegewebe verschiedene Nervenenden, die durch Verklebungen gereizt werden und somit Schmerz verursachen können.

Die noch relativ junge Faszienforschung hat festgestellt, dass Faszien auf Stress reagieren und sich unabhängig vom Muskel zusammenziehen können. Kommt es zu kontinuierlichem Stress, sendet der Körper Botenstoffe aus, die den Körper in erhöhte Leistungsbereitschaft versetzen. Eine erhöhte Spannung der Muskulatur und eine beschleunigte Atmung sind die Folge.

Der Humanbiologe und Diplompsychologe Dr. Robert Schleip und die Neurophysiologin Heike Jäger konnten nachweisen, dass sich Faszien unter Einfluss von Stressbotenstoffen unabhängig von den Muskeln zusammenziehen können.

Behandlungsformen der Faszien

Der Sonnengruß im Hatha Yoga wirkt Bewegungsmangel entgegen, dehnt, stärkt und erwärmt den Körper.

Bei Bewegungsmangel und Stress hilft Yoga. In beiden Fällen hilft Yoga. Zum einen kannst du durch Yoga Stress abbauen, zum anderen bekommt dein Körper die überaus wichtige Bewegung. So können auch Schlacken, die im Bindegewebe eingelagert sind, durch tiefe und bewusste Atmung, wie sie durch Yoga gefördert wird, abgebaut werden. So haben verschiedene Aspekte des Yoga einen positiven Einfluss auf das Bindegewebe. Darüber hinaus gibt es besondere Übungsstile und Arten, mit denen Faszien noch effektiver erreicht werden können [siehe: Yin Yoga].

Beispielsweise zeigt längeres Halten von Stellungen einen besonders guten Effekt, ebenso wie achtsame Bewegungen. Durch längeres Halten wird nicht nur der eigentliche Muskel gut gedehnt, sondern nach drei Minuten Halten wird auch das Bindegewebe, das um den Muskel herum ist, besonders gut erreicht – es wird sozusagen dazu "eingeladen", sich zu entspannen und wieder geschmeidig zu werden. Dieser Effekt gelingt aber hauptsächlich erst dann, wenn es dir möglich ist, mit einer entspannten Aufmerksamkeit bzw. in einem gesammelten Zustand innerlich in der Haltung zu bleiben, in die Haltung hinein zu spüren und den Prozess des Loslassens innerlich zu beobachten.

Ohne eine deutliche Bewusstheit ist dieses Training ansonsten für das Bindegewebe erheblich weniger effektiv. Das gleiche gilt für Bewegung. Das Bindegewebe liebt Bewegung, aber weniger die funktionale Bewegung, die wir aus dem Alltag oder vom Sport her kennen, sondern eher genussvolle Bewegungen. Entscheidend ist also auch die Art der Bewegung, bei der du von innen heraus wahrnimmst, spürst und innerlich mitverfolgst, wie jede Zelle mitgeht und Dehnung und Kontraktion im Rhythmus der Bewegung stattfinden. Dafür kann es besonders schön und wirksam sein, sich auf den Rücken zu legen und Bewegungen aus dem Körper kommen zu lassen – gänzlich frei und genussvoll; von innen heraus.

Durch Genuss wird das Bindegewebe also besonders gut erreicht. Wem das freie Bewegen etwas schwerer fällt, der kann auch gut den Sonnengruß üben. Probiere auch hierbei, in den Genuss bzw. Bewusstheit zu kommen und den Sonnengruß so zu üben, dass jede Bewegung gleich wichtig wird. Lass den Sonnengruß regelrechtfließen, so wie ein Bach im Tal fließt – stetig, ruhig und genüsslich. Damit erreichst du gute Effekte und hast wahrscheinlich die größte Freude am Faszientraining. Probiere es einfach aus und habe am besten auch Spaß dabei. Noch ein letzter Tipp: Bei einer für das Bindegewebe abgestimmten Yogapraxis empfiehlt es sich, nachher viel zu trinken. So kann zum einen der Wasserspeicher wieder aufgefüllt werden und zum anderen können befreite Giftstoffe leichter ausgeschwemmt werden

Generell kann man sagen das mittlerweile bewährte Trainingselemente sind:

  • Federn / Rebound Elasticity – der Katapult-Mechanismus
  • Dehnen / Fascial Stretch – das Dehnen langer Ketten
  • Beleben / Fascial Release – Eigenbehandlung mit der Faszienrolle
  • Spüren / die Körperwahrnehmung (= Propriozeption) verbessern.

Genussvoll üben bei klebenden Faszien

Artikel von Caroline de Jong, aus dem Yoga Vidya Journal Nr.32 - Frühjahr 2016

Gray´s Anatomie der Faszien 1858

Menschliche Bindegewebe und wie du Schmerzen verhindern kannst

Faszientraining ist auch bei Yoga Vidya immer gefragter. In diesem Artikel erfährst du mehr über die Menschliche Bindegewebe und wie du Schmerzen verhindern kannst. Faszien sind zurzeit in aller Munde – aber was sind Faszien überhaupt? Als Faszien wird das helle Bindegewebe bezeichnet, das aus Kollagen- und Elastin-Fasern besteht und das unsere Muskeln umhüllt – und aus dem auch unsere Bänder und Sehnen bestehen. Das Wort Faszien kommt aus dem Lateinischen und heißt soviel wie "Band" oder auch "Bündel" und beschreibt damit ganz gut eine der Funktionen der Faszien, nämlich das Bündeln bzw. Zusammenhalten der Einzelteile im Körper.

Faszien umschließen alle physischen Strukturen: Muskeln, Nervenstränge, Organe, Arterien und Knochen. Würde man aus einem menschlichen Körper alles entfernen und nur das Bindegewebe übrig lassen, dann wäre die komplette Anatomie des Menschen weiterhin sichtbar. Das Bindegewebe zieht sich wie ein Netz durch den ganzen Körper und sorgt dafür, dass alles, insbesondere die Organe, an ihrem Platz bleiben. Faszien sind ein Bindegewebsnetzwerk, das sich wie Glasfäden durch den Körper zieht und unterschiedliche Funktionen hat.

Wie bereits erwähnt übernehmen Faszien u.a. das Zusammenhalten, das kompakte Bündeln verschiedener Einzelteile des Körpers. Darüber hinaus erfüllen Faszien noch weitere Funktionen: zum Beispiel dient das helle Bindegewebe aufgrund seiner hohen Wasserbindefähigkeit auch als interner Wasserspeicher. Und es erfüllt eine Abwehrfunktion im Körper, denn im Gewebe gibt es sogenannte Fresszellen, die potenzielle Angreifer und Gewebe-Trümmer abwehren und auflösen können. Durch ihre Struktur stellen Faszien zusätzlich noch eine Barriere für alle potentiellen Angreifer dar und wirken somit wie eine Art Schutzmauer.

Verklebungen von Faszien und ihre Bedeutung bei Verspannungen

Nicht bewegte und nicht gedehnte Faszien neigen zu Verklebungen und zu Verdickungen. Leider kann es bei Verklebungen des Bindegewebes zu Beschwerden kommen. Schulter-Nacken- Probleme und diverse Schmerzen hängen oft damit zusammen. Wenn ein Muskel längere Zeit verspannt ist, fängt das Bindegewebe um den Muskel herum an, zu vertrocknen und starr zu werden – dadurch wird der Muskel im verspannten Modus festgehalten. Auch verlaufen durch das Bindegewebe verschiedene Nervenenden, die durch Verklebungen gereizt werden und somit Schmerz verursachen können.

Wie kann es zu Verklebungen kommen und was kann man dagegen tun?

Die Faszien der Hand

Faszien reagieren sowohl auf Stress als auch auf Bewegungsmangel sehr stark und fangen bei beidem an, sich zu verhärten und zu verkleben. In beiden Fällen hilft Yoga. Zum einen kannst du durch Yoga Stress abbauen, zum anderen bekommt dein Körper die überaus wichtige Bewegung. So können auch Schlacken, die im Bindegewebe eingelagert sind, durch tiefe und bewusste Atmung, wie sie durch Yoga gefördert wird, abgebaut werden. So haben verschiedene Aspekte des Yoga einen positiven Einfluss auf das Bindegewebe. Darüber hinaus gibt es besondere Übungsstile und Arten, mit denen Faszien noch effektiver erreicht werden können [siehe: Yin Yoga].

Beispielsweise zeigt längeres Halten von Stellungen einen besonders guten Effekt, ebenso wie achtsame Bewegungen. Durch längeres Halten wird nicht nur der eigentliche Muskel gut gedehnt, sondern nach drei Minuten Halten wird auch das Bindegewebe, das um den Muskel herum ist, besonders gut erreicht – es wird sozusagen dazu "eingeladen", sich zu entspannen und wieder geschmeidig zu werden. Dieser Effekt gelingt aber hauptsächlich erst dann, wenn es dir möglich ist, mit einer entspannten Aufmerksamkeit bzw. in einem gesammelten Zustand innerlich in der Haltung zu bleiben, in die Haltung hinein zu spüren und den Prozess des Loslassens innerlich zu beobachten.

Ohne eine deutliche Bewusstheit ist dieses Training ansonsten für das Bindegewebe erheblich weniger effektiv. Das gleiche gilt für Bewegung. Das Bindegewebe liebt Bewegung, aber weniger die funktionale Bewegung, die wir aus dem Alltag oder vom Sport her kennen, sondern eher genussvolle Bewegungen. Entscheidend ist also auch die Art der Bewegung, bei der du von innen heraus wahrnimmst, spürst und innerlich mitverfolgst, wie jede Zelle mitgeht und Dehnung und Kontraktion im Rhythmus der Bewegung stattfinden. Dafür kann es besonders schön und wirksam sein, sich auf den Rücken zu legen und Bewegungen aus dem Körper kommen zu lassen – gänzlich frei und genussvoll; von innen heraus.

Durch Genuss wird das Bindegewebe also besonders gut erreicht. Wem das freie Bewegen etwas schwerer fällt, der kann auch gut den Sonnengruß üben. Probiere auch hierbei, in den Genuss zu kommen und den Sonnengruß so zu üben, dass jede Bewegung gleich wichtig wird. Lass den Sonnengruß regelrechtfließen, so wie ein Bach im Tal fließt – stetig, ruhig und genüsslich. Damit erreichst du gute Effekte und hast wahrscheinlich die größte Freude am Faszientraining. Probiere es einfach aus und habe am besten auch Spaß dabei.

Noch ein letzter Tipp: Bei einer für das Bindegewebe abgestimmten Yogapraxis empfiehlt es sich, nachher viel zu trinken. So kann zum einen der Wasserspeicher wieder aufgefüllt werden und zum anderen können befreite Giftstoffe leichter ausgeschwemmt werden.

Videos über die Grundlagen für ein gezieltes Faszientraining von Dr. Robert Schleip

Teil 1
Teil 2
Teil 3

Weitere Videos zum Thema Faszien

Die sechs Fasziendistorsionen nach dem Fasziendistorsionsmodell (FDM)

Das Fasziendistorsionsmodell (FDM), von lat. Fascia „Bündel“ und Distorsio „Verdrehung/Verrenkung“, ist ein Konzept aus der Osteopathie. der US-amerikanischen Notfallmediziner und Osteopathen Stephen Typaldos hat dieses Modell im Jahr 1991 vorgestellt. Leider ist er schon 2006 verstorben. Ursprünglich nannte er seine Methode Orthopathie (als Brückenschlag zwischen Orthopädie und Osteopathie) – später entschied er sich für die Bezeichnung Fasziendistorsionsmodell. Wissenschaftliche Studien über das FDM sind auchnach diesem langen Zeitraum noch nicht vorhanden. Theorie und Wirksamkeit der Therapie sind umstritten. Allerdings gibt es viele Patienten welche nach Behandlung durch gute Osteopathen Erfolge Rehabilitation berichten können.

Hier nur ein kurzer Überblick des ausgearbeiteten Fasziendistorsionsmodells nach Typaldos:

  • Triggerband

Verdrehung, Aufspaltung oder Kalzifizierung der (bandartigen) Faszienschicht durch Fehlbelastung

  • Hernierter Triggerpunkt

Protrusion von Gewebe aus einer tieferen Gewebsschicht durch eine darüberliegende Faszienschicht

  • Kontinuumdistorsion

Verschiebung der Gewebe in der Übergangszone zwischen zwei unterschiedlichen Gewebearten wie bspw. Sehne/Knochen

  • Faltdistorsion

Verdrehung der Faltfaszien an Gelenken, intermuskulären Septen und interossären Membranen durch Zug- oder Kompressionskräfte in Verbindung mit einer Rotation. Je nach Hergang der Verdrehung wird hierbei in Ein- und Entfaltdistorsionen unterschieden.

  • Zylinderdistorsion

Überlappungen bzw. Verhakung der zylindrischen Windungen der oberflächlichen Faszie

  • Tektonische Fixation

Verlust der Gleitfähigkeit einer Faszienfläche, sowie Quantität und Qualität von Synovialflüssigkeit.

Siehe auch

Literatur

 

  • S. Typaldos: Orthopathische Medizin. Die Verbindung von Orthopädie und Osteopathie durch das Fasziendistorsionmodell (1997). Deutsche Auflage: European FDM Association 2006, ISBN 3-200-00745-1
  • S. Typaldos: Faszien Distorsions Modell, 4. Auflage 2002. Deutsche Auflage: Institut für fasziale Osteopathie, ISBN 978-0-615-53993-5
  • European Fascial Distortion Model Association (EFDMA): Das Fasziendistorsionsmodell nach Stephen Typaldos D.O. – Die Typaldos-Methode, 3. Auflage 2014. European Fascial Distortion Model Association (EFDMA), ISBN 978-3-9502774-8-7
  • F. Römer: "Praktisches Lehrbuch zum Fasziendistorsionmodell" (3. Auflage, 2015 in Deutsch, Englisch, Holländisch, Italienisch, Polnisch): Institut für fasziale Osteopathie

Weblinks

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